Ihr. 343. nbonnementS'Bedlngunaen-. Abonnements- Preis priiinnnerando! Vierteljährb Z.3V Mb. monatl. I.l0 Mb.. wöchentlich 28 Pfg. frei ins HanS. Einzelne Nummer 6 Pfg. Sonntags- Hümmer nnt illustrierter Sonntags- B-Uage.Die Neue Weh- 10 Pfg. Post. Abonnement: l,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da» übrige ilusland 3 Marl pro Monat. S1. Jahrg. Die Tnlertlons-Gtbülir Betrügt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Rauni 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche BerrinS- und VersammInngS-Anzeigen 25 Pfg. „lUein« Anreisen", das erste fsett- gedruckte) Wort lo Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über lk Buchstaben zühlen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr boriuiltags geöffnet. Crichtlst tigiich außer Dlontagi. Derlinev Dulteltlaff. Delegramm- Adresse: „Ssiialdemskrat Berlin". Zentralorgati der rozialdemokratifchen Partei Deutfchlanda. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 6g. Fernsprecher: Slmt IV. Nr. I9H3. Freitag, den 14. Oktober 1904. Expedition: 801. 68, Lindenstrassc 69. Fser» spreche»: Amt IV. Nr. 1S84. Die Kämpfe in Ostasien. Nach den neuesten Meldungen, die diesmal, sowohl von offizieller russischer, wie auch offizieller japani- scher Seite vorliegen, scheint der so pomphast angekündigte Lffensiv-Vorstob der Russen im vollen Umfange gescheitert zu sein. Die angeblichen Erfolge der Russen bestanden während der ersten Tage des Kampfes nur darin, daß kleinere vorgeschobene Abteilungen der Japaner zurückgedrängt wurden. Bevor die Russen einen nennenswerten Erfolg aufwiesen, begannen die Japaner schon zum Gegenvor stoß auszuholen. Sie rückten aus der ganzen Linie vor. warfen ihrerseits die Russen aus einer Reihe von Stellungen heraus und befinden sich nunmehr ans breiter Front in einem heftigen Kampfe mit den Russen. Der linke japanische Flügel und das Zentrum, das nördlich der Kohlengruben von Jentai steht, scheinen den Russen gegenüber offenbar im Vorteil zu sein, während der rechte Flügel, der unter dem Befehl Kur o kis steht, offenbar den Kan:pf mit einer b e- sonders starken russischen Macht zu führen hat. Allein auch dieser rechte japanische Flügel ist noch keineswegs in eine bedrängte Lage geraten. Wahrscheinlich wird auch er, wem: Ver- stärkungen eingetroffen sind, energisch zurOffensive über- gehen können. Der am weitesten vorgeschobene russische Flügel soll sogar in großer Gefahr schweben, von denJapanern abgeschnitten und aufgerieben zu werden. Er soll bereits acht Geschütze verloren haben, doch ist diese Nachricht einst- weilen offiziell nicht bestätigt, dagegen meldet Oyama selbst, daß dem russischen Zentrum zwei Geschütze und mehrere Mnnitions- wagen abgenommen worden sind. Nach einer späteren Reuter- Meldung aus Tokio soll General Oku sogar noch 25 weitere Geschütze erbeutet haben. Angesichts dieser Gestaltung der Dinge ist denn auch die anfangs so optimistische Stimmung in Petersburg jählings umgeschlagen. An die Stelle der Sieges- Zuversicht ist eine ziemlich lebhafte Beunruhigung getreten. Als ungünstiges Symptom für die Beurteilung der Lage auch in Regierungskreisen wird es angesehen, daß diese Kreise betonen, Kuropatkins gegenwärtige Aktion sei nicht durch Peters- burger Depeschen angeordnet, sondern durch Radzivils Nach- richten über die gefährliche Situation von Port Arthur veranlaßt worden. Port Arthur schwer bedroht? Die Lage in Port Arthur soll sich sehr zu Ungunsten der Rüsten zugespitzt haben. Als Beweis für die trostlose Lage wird an- gesehen, daß am 1. Oktober die russische Flotte einen neuen Ausfallsversuch gemacht habe, der jedoch durch das Feuer der den östlichen Hafen beherrschenden japanischen Batterien vereitelt worden sei. Das Linienschiff„Retwisan* sei bei diesem mißglückten AuSfallSversuch schwer be- schädigt worden. Dem.Tag" ist sogar aus Tokio folgendes Telegranim zugegangen: Tokio, 13. Oktober. Nach einem drei Tage laug unaufhörlich andauennden Bombardement von der Landfeite steht jetzt der größere Teil von Port Arthur in Flammen. Zahlreiche Russe» zeigten bereits die weiße Flagge und ergaben sich. Die Japaner sollen zwei«eitere BrrteibignngSwcrkc erobert haben. Tokio, 12. Oktober, abends. Die vom Schauplatze des gegen- wärtigen KanipfeS hier eingegangenen Berichte reichen bis Dienstag- abend. Nach denselben wütete die Schlacht auf einer ausgedehnten Front, die von einer mittleren Stellung im Norden von Jentai sich westwärts über die Eisenbahn und südlich bis Pcnsihu hinzieht. Während des ganzen Dienstag ging die Schlacht, ohne daß eine Partei einen Erfolg erzielte, weiter. Die japanischen Befehlshaber äußerten die Absicht, den Angriff die Nacht hindurch und am folgenden Tag weiterzuführen. Ein Bericht von dem rechten japanischen Flügel vom Dienstag abend besagt: Die russische Artillerie eröffnete am Dienstag früh um 10 Uhr ein heftiges Feuer gegen unsere bei Pensihu stehenden Truppen. Der Feind ging dann mit einen: Re- giment von seinem rechten Flügel und fünf Bataillonen von seiner Mittelstellung zum Angriff über; der Kamps ist im Gange. Die feindliche Armee setzt zwischen Taling und Pcnsihu die Beschießung unserer Stellungen fort. Ein anderer Kampf zwischen der beiderseitigen Artillerie ist in der Gegend von Tumentsuling im Gange. Unsere nach dem linken Ufer des Taitseflusses entsandte Abteilung ist, nachdem sie den Feind zurückgetrieben hat, nach dem ... unserer im Laufe des heutigen Tages in ihren vordersten Stellungen. Nur auf einigen Punkten mußten die Truppen aufdie Haupt st ellungen zurückgezogen werden. Tokio, 13. Oktober.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) In einem Bericht von gestern nachnüttag spricht Marschall Oyama seine Befriedigung mit dem Verlauf der Operationen aus. Im Kampfe zwischen dem Taitse- und dem Hunfluß gewannen das Zentrun: und die rechte japanische Armee wesentliche Vorteile, während die linke Armee noch ver- zweifelt fämpst, um den rechten Flügel der Russen zu umzingeln. Eine weitere Depesche des Marschalls Oyama meldet: Unsere mittlere Armee erbeutete im Gefecht um Mitternacht des 11. Oktober zwei Feldgeschütze und acht Munitions- wagen. Generalnrajor Murui ist verwundet, ein Ober st getötet. London, 13. Oktober. Der Korrespondent des„Reuterschen Bureaus" bei der Armee des Generals Oku meldet ohne Datum über Fusan, den 11. d. Mls.: Während der Nacht nahmen die Japaner einen von den Russen besetzten Hügel. Auf der rechten Flanke und im Zentrum wichen die Russen 3 Meilen zurück, die japanische Infanterie rückte mittags bis 1300 Dards gegen die russische Linie vor und schlug einen heftigen Gegen- angriff ab, wobei sie die Angreifer, welche sich dreimal gegen sie warfen, fast vernichteten. Die russische A:tillerie konnte trotz heftiger Beschießung während des ganzen Tages nicht zum Schweigen gebracht werden. Tokio, 13. Oktober, 1 Uhr nachmittags. Nichtamtliche und bisher unbestätigte Berichte geben an, die Russen seien längs der ganzen Front auf dem Rückzug begriffen; ferner sei die russische Abteilung, die mit dem japanischen rechten Flügel bei Pensihu iäinpfte, allein Anschein nach eingeschlossen worden und habe acht Geschütze verloren. Tokio, 13. Oktober.(Meldung des„Reuterschen BurcauS"/ General Oku erbeutete noch fünfundzwanzig Geschütze. Die letzten Gerüchte melden fortgesetzt japanische Erfolge. rechten Ufer zurückgekehrt. abteilung. sammenwirkt, Sonnenuntergang nicht gelungen. Gleichwohl mittleren und der linken Der" linke Flügel' unserer linken Heeres u- is g ist die Ausführung orejer Absicht jedoch ist der Fortschritt an der Front in der Stellung sehr beftiedigend. Von der mittleren Armee ist ein Bericht eingegangen, nach welchem ihr rechter Flügel iir gemeinschaftlichem Vorgehen mit dem linken Flügel der rechten Heeresabteilung Outschiatsu angriff, während ihr linker Flügel einen Angriff auf Wahoniutum und Samkwaischichan unter- nahm; der Erfolg sei noch nicht gemeldet. Von der linken japanischen Armee wird gemeldet, der Fortschritt der Operationen sei Verhältnis- mäßig günstig. m Petersburg, 13. Oktober. Ein Telegramm General Sacharows meldet unter dem 11. Oktober: Berichten von gestern und vorgestern zufolge befestigten am 10. Oktober� die Truppen der Mandschurei- Armee ihre Stellungen, die sie am Tage vorher 8 Werst südlich vom Schoheflusse eingenommen hatten. Gestern gegen 3 Uhr mittags bemerkten wir einen Vormarsch des Gegners zwischen der Mandarinen- straße und dem Dorfe Tumyntsi in der Stärke von ungefähr einer Jnfanterie-Division und einigen Batterien. Das Feuer unserer Vorhut hielt den Vormarsch des Feindes auf, der bis zum Abend ein heftiges Artilleriefeuer unterhielt. Heute begannen die Japaner den Angriff auf beiden Seiten der Eisenbahn und im Norden der Kohlengruben von Jentai. Den ganzen Tag wurde heftig gekän:pft. Die im Osten von den Kohlengruben auf dem Hualinpasse vom Gegner besetzte Stellung fiel zum größten Teil in unsere Hände. Nur der h ö ch st e Punkt der Stellung, ein bewaldeter Bergkegel, war bis 5 Uhr abends noch nicht genommen. Auf der ganzen Front des feindlichen Vormarsches behaupteten sich unsere Truppen poUttfeKe(lebersickt. Berlin, den 13. Oktober. Neue bedeutende Truppennachschübe nach Südwcstafrika stehen nach einer Meldung der„Hamburger Nachrichten" aus Berlin in Aussicht. Wie das Hamburger Blatt mitteilt, hat am Mittwoch unter dem Vorsitz des Kolonial-Direktors Dr. Stübel eine Konferenz stattgefunden, die sich mit den Ereignissen im Süden des südwestafrikanischen Schutzgebietes beschäftigt hat. Ueber die Beschlüsse der Konferenz werde noch nichts mitgeteilt, doch müsse man mit der Möglichkeit rechnen, daß starke Truppennachschübe für Slldwestafrika notwendig s e i c>: I Diese Nachricht des Hamburger Blattes findet eine B e- stätigung in einer Ben:erkung der offiziösen„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung", in der davor g e- warnt wird, die Gefahren der gegenwärttgen Lage im Nama- lande zu nnterschätzenl Ferner ist an den Anschlag- säulen Berlins eiu Auftuf der vier Berliner Bezirkskommandos veröffentlicht worden, der folgenden Wortlaut hat: Mannschaften des Beurlaubten st andes aller Waffen, besonders aber Artilleristen, Mannschaften des Trains und Handwerker, welche bereit sind, zur Schutz- truppe in Südwestafrika überznrreten, werden hierdurch aufgefordert, sich an den Wochentagen zwischen 11 und 1 Uhr bei ihrem Bezirksfeldwebel zu melden. Kosten dürfen hierdurch nicht entstehen. Möglichst zahlreiche Meldungen werden erwünscht. Königl. Bezirlskommandos L II. III. IV. Berlin. Danach unterliegt es schon gar keinem Zweifel mehr, daß aber- «alS etliche tausend Manu nach Südwestafrika geschickt werden sollen. Bekanntlich bettägt die Zahl der dorthin entsendeten Truppen bereits 10000, während ferner schon angekündigt wurde, daß weitere 5— 600 Mann im Laufe des Monats abgehen würden. Zu diesen Sendungen kommen dann noch die weiteren Auf- geböte, die durch die„Hamburger Nachrichten" angekündigt worden sind. DaS südwestafrikanische Abenteuer wird also hinter dem«stasiatischen, sowohl was die Dauer, als was die Z a h l der entsendeten Truppen anlangt, kaum irgendwie zurückstehen. Die Kosten werden dementsprechende sein. Veranschlagte man vor einigen Monaten die Kosten des Krieges auf 00 Millionen, so wird man jetzt damit rechnen müssen, daß diese Summe bei weitem überschritte» wird. Und diese ungeheuren Summen werden zum Fenster hinausgeworfen für eine wertlose Sandwüste I » Ueber die WitboiS, die von Hendrick Witboi zur Unterstützung unserer Truppen gegen die Hereros entsendet worden sind, äußert sich in einem Kriegsbriefe auS Südwestafrika der Leutnant Erich v. Salzmann nicht gerade besonders günstig. Die Witbois feien zwar ganz ausgezeichnete Fährtenleser und geradezu unentbehrlich beim Spurenauffinden und Verfolgen, allein fürs Gefecht kämen sie wenig in Frag«. Sie zeigten nicht die gering st«Lust, sich am Kampfe zu beteiligen, sondern kniffen aus, sobald auch nur ein Schuß falle. Von ihrer vielgerühmten Tapferkeit habe er bisher noch keinerlei Proben gesehen I Dagegen könne er konstatieren, daß sie ausgezeichnete Schützen seien. Wenn diese Nachrichten nicht übertrieben sind, so scheinen sie darauf hinzudeuten, daß die WitboiS mit sehr wenig Lust und Liebe den Feldzug gegen die Hereros mit« gemacht haben, trotzdem die Hereros als ihre verhaßtesten Feinde gelten. Auch scheint es danach fast, daß, wie ein Blatt ver- mutet, die WitboiS nicht spontan in den Ausstand eingetreten sind, sondern ihn von langer Hand vorbereitet haben. Sollte das der Fall sein, so hätten wir allerdings mit einem sehr langwierigen und schwierige» Feldzug gegen die WitboiS zu rechnen l Auch unter den Bondelzwarts soll große Gärung herrschen und die Lage sehr bedenklich ge« worden sein. Ueber die Personalien des Führers der dorttgen Aufstandsbewegung teilt die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" daS Folgende mit: „Das Gebiet, in dem Morenga, ein Herero-Bastard, der als Unterkapitän der Bondelzwart-Hottentotten be- zeichnet wird, sein Unwesen treibt, liegt in dem südlichen Teil des Schutzgebietes zwischen den Großen Karasbergen und der Grenze gegen Britisch-Betschuanaland. Morenga, der schon am Bondelzwart-Aufstand beteiligt war, ist nach dem Aufstand als Mörder erklärt und geächtet worden, weil er einen Waffen- losen, verwundeten WUboi-Mann, einen Neffen des Kapitäns, erschossen hatte. Im Juli durchzog er an der Spitze einer Bande von Räubern und Viehdiebe:: das Land. Am 13. August plünderte Morenga die Boeren auf W i t p a n aus und am 26. August die Farmer Müller v. Berneck auf Gründorn und H a n n e m a n n auf Skrapklipp. Auch ein Farmer Ulrich soll geplündert worden sein. Dasselbe Schicksal traf am 28. August den Farmer S e r g y p e z y k(?) auf Nobisrivier. Inzwischen, vor Eintreffen der Expedition des Majors v. Lengerke, war schon Leutnant Frhr. v. S t e m p e l mit 34 Mann von Klippdamm nach Kouchanas abgerückt, um eine durch Morenga abgeschnittene Patrouille zu befreien. Am 3V. August stieß er auf dem Wege Kouas-Langhas auf Morenga, der etwa 70 bis 100 Gewehre bei sich hatte. Bei dem Ansturm fielen Leutnant v. Stempel und der Sergeant Stolle. Die Abteilung verschanzte sich unter dem Unteroffizier Ebernickel auf Platbeen und wurde am 4. September von Morenga an« gegriffen, jedoch ohne Erfolg. Inzwischen hatte Hauptmann v. K 0 p p y, der sich damals in Hasuur befand, einen Zug unter Leutnant Schmid am 1. September zur Unterstützung ausgesandt, welchem der E n t s a tz der auf Platbeen befindlichen Abteilung gelungen ist.—__ Lippe. Das Telegramm des Sraf-Regentr«. Es war die Meinung aufgekommen, eS werde sich die schroffe Bündigkeit des Kaiser-TelegrammS an den Graf-Regenten von Lippe sicherlich aus dem Telegramm erklären, daS zuvor vom Graf-Regenten ausgegangen war. Die Regierung von Lippe hat jetzt dieses Tele» grannn im Wortlaut bekannt gegeben. Es lautet: „Seiner Majestät Kaiser und König, Berlin. Ew. Majestät wollen meine ehrfurchtsvollste Anzeige von dem soeben erfolgten Ableben meines Vaters, des Graf-Regenten Emst, allergnädigst entgegennehmen. Gleichzeitig erlaube ich mir in tieffter Ehrerbietung mitteilen zu dürfen, daß ich die Regentschaft übernommen habe. Leopold. Graf zur Lippe." Nichts in diesem Telegramm erklärt die Antwort des Kaisers. Es müssen also andere Beweggründe vorgelegm haben. » Sitzung des Landtages. Treu und Glauben im Fürstenhaus. Der lippesche Landtag trat am Donnerstagvormittag wieder zusammen, um die Regierungsvorlage zu erledigen, deren Beratung und Beschlußfassung in der Montagssitzung vertagt worden war. Es handelt sich darii: nur noch um die Frage, ob im Falle des Ab- lebens des geisteskranken Fürsten Mexander vor endgültiger Regelung der Thronfolge die Regentschaft bis zu dieser Regelung fortdauern solle. Gegenüber dieser Forderung der Regierung trat im Landtag die Ansicht auf, es solle, sofem nicht nach Ablauf eine» Jahres vom Tode des Fürsten Alexander die Frage endgülttg ge« regelt ist. die Emennung des Nachfolgers in der Regentschast durch den Landtag aus der Zahl der volljährigen SukzessionS- berechttgten erfolgen. Ueber den Verlauf der Sitzung wird aus Detmold tele- graphisch berichtet: Der lippesche Landtag trat heute vormittag 10 Uhr zusammen. Der Verlauf der Sitzung war hochdramatisch. Als Referent der Kommission teilte Abg. Schemmel (konservattv und persönlicher Gegner der Biefterselder Linie) mit, daß die Konnnisiion noch eine»Kompromißant rag stelle, in dem sie folgende Fassung des betreffen:. 1: Absatzes des Regentschaftsgesetzes vorschlage:„Erfolgt der Tod des Fürsten Alexander innerhalb zweier Jahre(bisher hieß es ein Jahr) nach Erlaß dieses Gesetzes und ist bis nach Ablauf dieser Jahre ein Gericht nicht gesichert, so hört die Regentschast auf und es ttitt das im Z 3 des Regentschaftsgesetzes vom.24. April 18V3 vorgesehene Verfahren eiu." Der Staatsminister G e v e k 0 gab eine Erklärung ab. daß er unverbrüchlich an der Regierungsvorlage festhalte. Er verlas zur Kenntnisnahme über die Schnumburg-Lippeschc Kampfesweise und zur Erklärung dafür, daß die StaatSregierung gezwungen fei, auf einen klaren, jede Mißdeutung ausschließenden Wortlaut der Vor« läge zu bestehen, eine geheime Abmachung deS Fürsten Woldcmar zur Lippe mit dem Fürsten Georg Adolf zu Schaumburg-Lippe, die großen, sensationellen Eindruck machte. Es handelt sich um einen Geheimverttag zwischen dem Fürsten Waldemar von Lippe- Detmold und dem Fürsten Georg von Schaunchnrg-Lippe. Diesem Geheimvertrag sind sämtliche Agnaten der Linie Schaumburg-Lippe bei« />i»fvnfc*rt /-v 5s am»>.»0 Regentschaft in Detmold übernehmen solle und daß die Angehörigen der Linien Biesterfeld und Weißenfeld von dem Ver« trag ausgeschlossen bleiben sollen. Der Minister erklärte dazu, die Regierung habe sich lange geftagt, ob sie diesen Geheimverttag veröffentlichen solle, weil er geeignet sei, daS Ansehen der Monarchie zu erschüttern, aber sie befinde sich in einer Notlage und müsse sich in dem ihr auf- gedrungenen Kampfe wehren. Der Geheimverttag beweise, wie zielbewußt und skrupellos das Haus Schaumburg nach der Thron- folge strebe. " Der Abg. Schemme I ciffärte darauf, er kenne diesen werden. Die allzu einseitige Vertretung der Arbeiterinteressen| und war eine derartige, daß der Verletzte sich noch jetzt in ärztlicher Geheimvertrag. Er habe selbst einer Kommission angehört, die durch die Genannten hat der Stadtverordneten- Versammlung viel Behandlung befindet und arbeitsunfähig ist. Auf die erfolgte An Fürst Woldemar aufgefordert habe, ihr Gutachten zu diesem Ge- Zeit gekostet." zeige bei der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf wurde ihm der Heimbertrag abzugeben. Diese Kommission habe sich damals dahin Das ist der ganze Freifinn, wie er sich unter Richters glorreicher Bescheid, daß kein öffentliches Intereffe vorliege und er ausgesprochen, daß die Thronfolgefrage in Detmold nicht durch Führung entwickelt hat! auf den Weg der Privatklage verwiesen werden müsse. Sobald die Landesgesetzgebung, sondern durch ein richterliches Urteil geregelt Die Breslauer Arbeiter werden bei den Stadtverordnetenwahlen Streitbrecherehre" repariert werden muß, pflegt ein öffent werden müsse. Auf diesem Standpunkt stehe er noch heute. Die rechte Antwort erteilen. liches Interesse vorzuliegen, ist aber ein organisierter Arbeiter halb Fürst Woldemar habe in gutem Glauben gehandelt, er war nicht parteiisch. Die heutige lippesche Staatsregierung ist dieses Jahres abgelaufene Quinquennat in der vorigen ReichstagsDie Heeresvorlage. Wie bekannt, ist das schon am 1. April tot geprügelt worden, wird er auf den Weg der Privatllage verwiesen. parteiisch und infolge dessen kann man es dem Hause nicht Session nicht durch ein neues ersetzt, sondern um ein Jahr ver- Das sächsische Ordnungs- Kartell wird bei den nächstjährigen übel nehmen, wenn es gegen die jetzigen Schritte der Regierung längert worden. Eine der ersten Aufgaben des neuen Reichstages Landtagswahlen nicht wieder zustande kommen. Zwar werden protestiert. Von den übrigen Rednern sprachen besonders wird also die Festsetzung der Heeresstärke auf weitere fünf Jahre Konservative, Bund der Landwirte und die antisemitischen Reformer Prof. Dr. Weerthund und Abgeordneter Zeiß über die Regierungs- fein. Nach einer Mitteilung der Deutschen Tageszeitung" foll die miteinander gehen, aber die Nationalliberalen, die schon bei der vors borlage. Die Sozialdemokraten erklärten, daß gerade Vorlage zugleich mit dem Etat dem Reichstage unterbreitet werden, jährigen Landtagswahl in verschiedenen Wahlkreisen und nicht ohne diese Veröffentlichung des Geheimvertrages es rechtfertige, wenn was schon deswegen nötig ist, weil der neue Etat auf der Grund- Erfolg eigene Kandidaten gegen die Konservativen aufgestellt hatten, sie sich der Abstimmung enthielten. Der Landtag lage dieser Vorlage aufgebaut wird. Die Entscheidung über die dürften im nächsten Jahre in noch zahlreicheren Kreisen selbständig erflärte jedoch, eine Stimmenthaltung nach der Gesetzesordnung Vorlage muß also auch bereits vor der zweiten Etatsberatung er vorgehen. Eine derartige Absicht haben jetzt beispielsweise die nicht gestatten zu dürfen. Daraufhin verließen die folgen. Weiter erklärt die Deutsche Tageszeitung", daß der Nationalliberalen der Stadt Riesa bekundet. Die Nationalliberalen Sozialdemokraten den Saal. Man schritt nunmehr Entwurf des preußischen Kriegsministeriums nur sehr mäßige hoffen, bei den nächsten Wahlen den Konservativen eine Anzahl zur Abstimmung. Es erklärten sich 10 Abgeordnete für und 7 Abgeordnete gegen die Regierungsvorlage, darunter auch der Forderungen" stelle und einen Sonflittsstoff nicht in sich Mandate abzunehmen, um sodann die Frage der fächsischen Wahl= freifinnige Reichstags- Abgeordnete Meier- Jobst. Damit war die trage. Warten wir ab! Vorlage gescheitert, denn zu einer Annahme wäre Zweidrittelmehrheit erforderlich gewesen. Deutfches Reich. Freisinns Schande. = Aus Königsberg wird uns berichtet: " in Zentrums " rechtsreform in einem ihnen günstigeren Sinne beeinflussen zu können. Jedenfalls wird es dahin kommen, daß die Sozialdemokratie in verschiedenen Kreisen die Entscheidung zwischen Nationalliberalen und Konservativen geben kann. Husland. Der„ radikale" Bole. Ein Zentrumsblatt in Gleiwit( Oberschl.), die Oberschlesische ), die„ Oberschlesisch Nun verlas der Staatsminister eine Botschaft des Graf Voltsstimme", hatte nach der Beanstandung der Wahl des radikalRegenten, durch welche der Landtag vertagt wird. Die Botschaft polnischen Reichstags- Abgeordneten Storfanty behauptet, Korfanth Der Gesundheitszustand des Königs Georg von Sachsen bedauert, daß der Landtag nicht eingeht auf die Absichten der Re- laufe jetzt in Kattowiz immer mit einem fuallroten Schlips hat sich, wie aus Dresden gemeldet wird, wiederum sehr vergierung; aber da der Graf- Regent von seinem Rechte unerschütterlich herm, um fich damit die erloschene Liebe der Sozi- schlimmert. Man hegt Besorgnis um das Leben des Königs. überzeugt ist und dem Schuße des Deutschen Reiches vertraue, so brüder aufs neue zu ertverben, was aber dem ehehoffe er, daß noch vor Ableben des Fürsten Alexander alles geregelt maligen Mitarbeiter sozialdemokratischer Zeitungen schwer fallen Die Situation in Südwestafrika. Berlin, 13. Oftober. Oberst werde. Anderenfalls werde er dann so handeln, wie er es für sein werde, da er von den Sozialdemokraten des Wortbruchs beschuldigt Leutwein meldet: Am 8. Oktober in Hoachanas alles ruhig. Keine Necht und seine Pflicht halte. Can werde. Wegen dieses Artikels erhob Abg. Korfanty die Privat- itbois dort gesehen. Gerüchtweise sollen Hottentotten von Gochas Es ist zweifelhaft, ob der Landtag in seiner jetzigen Zusammen- beleidigungsflage gegen den Verantwortlichen des Zentrumsblättchens. aufständig sein. Gefreiter Willers, geboren 5. September 1877 in fegung uoch einmal berufen werden wird. Im November finden Es käme ihn, wie er erklärte, nicht darauf an, wegen der formalen Parchim, früher Pionier Bataillon 9, auf Patrouille durch Schuß ins die ordnungsmäßigen Neuwahlen statt, die voraussichtlich, tros des Beleidigungen in dem Artikel eine Bestrafung des Redakteurs zu erlangen, Bein verwundet, ebenso ein Farmer Friccius bei Station Schlip. Dreitlassenwahl- Systems dem Landtag ein ganz anderes, der Re- als vielmehr nur darauf, vor Gericht den Nachweis zu erbringen, daß seine Berlin, 13. Oftober. Amtliche Meldung. Die telegraphische aierung günstiges Gepräge geben werden. Gegner unwahrerweise behaupteten, er sei jemals Mitarbeiter sozial- Verbindung mit Swakopmund ist wiederhergestellt. demokratischer Blätter oder auch nur Anhänger der sozialdemofratischen Partei gewesen. In der dieser Tage vor dem SchöffenChronik der Majestätsbeleidigungen. Die Straffammer in gericht in Gleiwit stattgehabten Verhandlung der Privatflage fagte Düsseldorf verurteilte einen Maurer Hebig aus Erkrath, Landder als Zeuge bernommene Parteigenosse Franz Morawski, der zur freis Düsseldorf, wegen Majestätsbeleidigung und Bedrohung zu zeit in Beuthen eine zirka dreijährige Gefängnisstrafe wegen politischer neun Monaten Gefängnis. Der Verurteilte war schon zweimal Vergehen verbüßt, im Jahre 1896 habe er in Berlin, wo damals In Königsberg hatte der angeblich liberale Magistrat bes die Gazeta Nobotnicza", das polnisch- sozialdemokratische Partei- wegen Majestätsbeleidigung vorbestraft. schloffen, alle diejenigen nicht mehr in die Gemeinde- Wählerlisten sprechenden Studenten gesucht und auch gefunden. Als er dieien Drgan, erschien. zum Korrigieren der Artikel Artikel einen polnisch aufzunehmen, die zwar ein Einkommen von 660-900 Mart haben, eines Tages wieder eine Arbeit zum Korrigieren in die Wohaber infolge zu großer Kinderzahl oder aus anderen Gründen von nung brachte, fand er einen anderen Studenten, den jezigen der Steuer befreit sind. Es handelt sich, wie jest festgestellt ist, Reichstags- Abgeordneten Korfanty bei dem Parteigenossen. Korfanty Madrid gemeldet: Klerikale Leichenschändung. Dem„ Berliner Tageblatt" wird aus um nicht weniger als 2200 Personen, denen das Wahlrecht durch beteiligte sich an der Korrekturarbeit es handelte sich um den In ganz Spanien herrscht höchste Entrüstung über Vorgänge in einen Federstrich genommen ist. Natürlich ist dadurch die Arbeiter- Maifeier- Artikel und als er fertig war, tam er mit Morawski Sevilla, wo ein Kirchhofstaplan, von den klerikalen schaft noch rechtloser gemacht wie bisher. Auch die Stadtverordneten in ein Gespräch, deſſen Inhalt diesen in der Ueberzeugung befestigte, Bibilbehörden unterstüßt, nachts in das Familienschlossen sich der Auffassung des Magistrates an und bestätigten die es mit einem Gesinnungsgenossen zu tun zu haben. Der Privat pantheon eindrang und die Leiche des Marquis Wahlrechtsverschlechterung. Selbst die Waldeckianer waren für läger Korfanty gab zu, im Jahre 1896 einmal mit Morawski Bickman nach dem Dissidenten- Kirchhof schaffte. zusammengetroffen zu sein, als ein Studiengenosse einen Artikel der Im Kongreß stellten die Vertreter Sevillas und die liberalen Führer die Wahlrechtsverschlechterung und zwar aus prinzipiellen sozialistischen„ Gazeta Robotnicza" forrigierte, doch bestreitet er, diese standalöse Profanation an den Pranger. Die gesamte Bresse Gründen. Sie brachten das allbekannte und wohlfeile Mäßchen sich an der Arbeit beteiligt zu haben und will auch nicht im fozia spricht ihren Etel über die klerikale Unduldsamkeit aus, die sich selbst vor: im Grunde ihres Herzens wären sie ja gegen die Wahlrechts- listischen, sondern im gegnerischen Sinne mit Morawsti sich unterhalten an Leichen vergreife, was sogar bei Wilden nicht einmal vorfäme. verschlechterung, aber das Gesetz, das böse Gesetz sei doch nun ein- haben. Morawski bleibt jedoch entschieden bei seiner eidlich bekräftigten Niederlande. mal da und deshalb müsse der Freifinn in den sauren Apfel beißen Aussage, worauf das Gericht den Beweis für die behauptete Mitund den ärmeren Bürgern das Wahlrecht nehmen. Dabei war von arbeiterschaft.s an einem sozialistischen Blatte, wenn auch nicht Eine Ergänzungswahl zur zweiten Rammer fand am Dienstag „ gesetzlichen“ Bestimmungen gar nicht die Rede. Der Magistrat voll und ganz, so doch als zu einem Teile geglückt erachtet und im Wahlkreise Assen statt. Gewählt wurde der freisinnig hatte sich bei seinem Vorgehen nur auf zwei Entscheidungen Korfantys Beleidigungstlage kostenpflichtig abwies. demokratische Professor Treub mit 2520 gegen 1801 Herr Korfanth wird also für sein ferneres Leben mit der ent- Stimmen des liberalen Gegenkandidaten Pierson, der von den des Ober- Verwaltungsgerichtes gestüßt. Früher setzlichen Tatsache belastet unhergehen müssen, einmal einen sozial- Kleritalen unterstützt wurde. Es handelte sich um eine Stichwahl; hat er die gegenteilige Meinung eingenommen. Die sozialdemokratischen Maifeier- Artikel forrigiert, also an einem sozial- bei der ersten Wahl, die am 2. Oktober stattfand, erhielt Treub 1654, demokratischen Stadtverordneten hatten aber in demokratischen Blatte mitgearbeitet zu haben. Wird er unter dieser Pierson 906, der antilrevolutionäre Kandidat 670 und der derselben Sizung einen Antrag bei der Hand, mittels dem Last nicht erliegen? Sozialdemokrat A. van der Heide 297 Stimmen. -Spanien. den 2200 Bürgern das Wahlrecht wieder gegeben werden konnte, Der Militärroman. Die Verhandlung gegen Leutnant Hem- Bei der Stichwahl unterſtügten unsere Parteigenossen Professor Am Dienstag wurde über diesen Antrag verhandelt. Hier konnten die Liberalen eine gute Tat ausführen, hier war den Waldeckianern Gelegenheit geboten, ihr demokratisches Gewissen zu reinigen. Sie konnten 2200 Bürgern das Wahlrecht verschaffen und weiteren tausenden armen, gedrückten Leuten die Steuern erlassen. Aber sie taten es nicht, trotz aller Sympathien, die sie für den Antrag angeblich hatten. Der Steuerausfall würde bei An nahme des Antrages ungefähr 45 000 m. betragen haben. Der Zuschlag zur Einkommensteuer der übrigen Steuerpflichtigen, der zur Deckung des Ausfalles nötig gewesen wäre, würde etwa 3 Prozent betragen haben, ein Zuschlag, ben die stärkeren Schultern wohl zur Entlastung der ärmeren Bebölferung es handelt sich um 11 149 Steuerpflichtige-hätten tragen können. Treub.Dänemark. denn das Ober- Verwaltungsgericht hatte entschieden: mann vor dem Ober- Kriegsgericht in Kassel fand am Mittwoch, Wenn die ganze Einkommentlasse von 660 bis wie bereits gemeldet, von Anfang bis zu Ende unter strengstem Aus900 Mart steuerfrei bleibt, dann hat sie das Wahlrecht; schluß von Bublifum und Presse statt; nur einige Offiziersdamen, Die Beratung des Budgetvorschlags wenn sie aber im allgemeinen zahlt, so haben diejenigen, die Offiziere und Kriegsgerichtsräte durften der Verhandlung beiwohnen. für das bevorstehende Finanzjahr 1905-1906 hat am Dienstag im aus irgend welchen, tvenn auch gesetzlichen Schon vor Verkündigung des Anklagebeschlusses wurde die Deffent- Folterhing begonnen. In dem Augenblick, als der Präsident Trier Gründen, nicht zahlen, kein Wahlrecht. Demzufolge be- lichfeit auf Antrag des Anklagevertreters mit der Begründung die Situ.:g eröffnen wollte, ericholl von der Zuhörertribüne der antragten unsere Parteigenossen, die ganze Klasse steuer- ausgeschlossen, daß die Verhandlung sich mit Dingen zu beschäf- laute Ruf:„ Nieder midie Sigung eröffnet hatte, den Prügelgefeß!" Der Prä frei zu lassen. tigen habe, die ihres teilweise beleidigenden Charakters wegen sident drohte, nachdem er er sich nicht ruhig vernicht für die Deffentlichkeit bestimmt seien". Ein einziger Zeuge war Zwischenrufer hinauszuweisen, falls zu dem Termin nur geladen und erschienen: der Kommandeur des halte. Als im Verlauf der Verhandlungen der Worts 2. Thüringischen Infanterie- Regiments Nr. 32, Oberst v. Seydlitz- führer der Linkenpartei Anders Nielsen erklärte, feine Kurzbach. Der Angeklagte wurde ohne Degen aus dem Unter- Partei werde die Regierung bei Durchführung freisinniger suchungsgefängnis vorgeführt. Die Beratung des Gerichtshofes und humaner Gesezentwürfe unterstützen, erschallte wieder dauerte volle fünfviertel Stunden. Das Urteil der ersten Instanz, der Ruf" Prügelgeset"; diesmal aber von zwei sozialdemo das auf 6 Monate Gefängnis lautete, wurde bestätigt. Die noch fratischen Abgeordneten, und Trier fühlte sich nicht veranlaßt einzuzu verbüßende Gefängnisstrafe beträgt unter Anrechnung der Unterschreiten. Wie bereits auf Grund einer telegraphischen Meldung berichtet uchungshaft fünf Monate. Die Ehrenstrafe bleibt in dem Umfange des Erkenntnisses des Divisionsfriegsgerichts in Kraft und wurde, hat der Justizminister Alberti einen Gesetzentwurf zur lautet auf Dienstentlassung ohne Anspruch auf Pension. Die Bekämpfung der Tuberkulose eingebracht. Die erste An11rteils begründung erfolgte ebenfalls in nichtöffentlicher regung dazu ist von den Sozialdemokraten ausgegangen, Sigung. die im Jahre 1900 einen Gesekentwurf zur Errichtung von Staats Bei der luftdichten Abschließung des Militärgerichts ist natürlich fanatorien einreichten, der zwar nicht angenommen wurde, aber die feinerlei Meinung der Deffentlichkeit über die Gerechtigkeit des Einsetzung einer Kommiffion zur Beratung der Angelegenheit zur Urteils möglich. In keinem Falle wird das Vertrauen in die Folge hatte. Der zweite Gefeßentwurf, den der Justizminister vorDer Magistrat stand auf dem reaktionären Standpunkt, daß der- militärische Rechtsprechung durch das geheime Verfahren gefördert, legte, über die Behandlung verbrecherischer und verwahrloster Kinder, steht in gewisser Beziehung zu jenige, der mitraten wolle, auch mittaten solle. Es müsse daran 3weifel und Mißtrauen feßen sich feft.dem Prügelgesetz". Städtische Selbsthülfe. Auch in Düsseldorf wurde, wie uns Titel" Vorschlag über Reformen in der Strafrechtspflege" führt, Dieser Gesetzentwurf, der eigentlich den festgehalten werden, daß die Wähler dieser Steuerstufe auch zu den Lasten des Gemeindewesens das ihrige beizutragen haben. Es von dort geschrieben wird, in der letzten Stadtverordnetenjigung an enthält nämlich auch die Bestimmung, daß das kriminelle Straf wurde ferner in Erwägung gezogen, daß zur Einkommensklasse dem aus dem agrarischen Stegreif erlassenen preußischen Fleisch- rechts- Alter der Kinder von 10 auf 15 Jahre von 900 M. auch juristische Bersonen gehören, desgleichen Forensen, Lande tierärztlich untersuchtes Fleisch bis zur Einführung in die vorigen Seffion nicht durchgeführten Entwurf zur Gerichts. beſchau- Gesez scharfe Kritik geübt. Dieses Gefeß, das auf dem erhöht wird. Der Justizminister hat außerdem den in der also Auswärtige, die aus Königsberger Liegenschaften mitunter ein Stadt und weiter bis zum Verbrauch der sanitären Stontrolle reform sowie den Vorschlag zur Wahl einer Stommiffion zur großes Einkommen ziehen, ebenso Beamte bis 1800 M. Einkommen, entzieht, ist bekanntlich gegen den verspäteten Widerspruch der Beratung über die Dienstboten Gesezgebung eingebracht. wovon nur die Hälfte steuerpflichtig ist. Alle diese wollte man nicht Städte und des Deutschen Vereins für Gesundheitspflege zustande Auch der Minister des Innern Sörensen hat einen wichtigen freilassen. Dagegen waren in der Abteilung Stimmen vorhanden, gekommen. Wie in anderen Städten, wird man sich nun sozialen Gesezentwurf eingebracht, der die Ausdehnung der Unfallbaz der Zwed des Antrages ein erstrebenswertes auch in Düsseldorf durch verschärfte Handhabung des Nahrungs- versicherung auf die Seeleute betrifft. Der Wortführer der Biel fei, man fönne ihn nur nicht wegen der schlechten Finanz- mittel- Gesezes und durch Polizeibestimmungen gegen das franke Sozialdemokratie A. W. Iaufen sprach seine Anerkennung über nationale Bieh schüßen, ein Ausweg, der sogar die Stadtverwaltung den Fortschritt aus, der in der Vorlegung der Entwürfe zum lage der Stadt befürworten. Die Behandlung des Antrages in der Stadtverordneten- Konflikte mit der unerbittlich agrarischen Regierung voraussehen Kinder-, zum Tuberkulosengesetz und zur Unfallversicherung zum Versammlung war eine standalöfe. Unser Genosse aase at. Beigeordneter Ottermann, der über diesen Gegenstand be- Ausdruck kommt, erinnerte aber daran, daß die ganze Land. richtete, charakterisierte den durch die neueste legislative Untat der arbeiter Bevölkerung noch hielt eine glänzende stündige Rede, in der er die Ansichten des Agrarier für die Gemeinden geschaffenen Zustand mit einem Vor- versicherung ausgeschlossen ist, und fragte ferner, bon der Unfall. Magistrats und der Abteilung vollständig zerzauste und für den An- kommnis aus letzter Zeit. Kürzlich wurde in Düsseldorf eine ivo denn das Gesetz über die Wahlfreis- Einteilung trag in überzeugenden Darlegungen eintrat. Und als er unter dem nationale Kuh eingeführt, die mit einem Unschädlichkeitsstempel ver- bleibe. Klausen ist Vertreter des größten Folte. Beifall seiner Fraktionsgenossen geendet hatte, waren die Vertreter sehen war. Im Düsseldorfer Schlachthof zeigte es sich, daß sie Wilz- things- Wahlkreises, mit 60 000 bis 70000 in. des Magistrats und die Herren Liberalen und Waldeckianer an feige, brand hatte, eine der schwierigsten und gefahrvollsten Krankheiten. wohnern, der Kreis, ben der Landwirtschaftsminister ihren Standpunkt öffentlich zu vertreten, sie schwiegen." Es müßte ein neues Gesetz kommen," meinte der städtische Dezernent. im Foltething vertritt, hat dagegen nur 11700 GinSelbst der sonst so gesprächige Mund des Oberbürgermeisters blieb Borher müßte dann aber ein neues preußisches Wahlrecht kommen, wohner. Kopenhagen mit Frederiksborg, sollten nach der Verstumm. Nach Schluß der Debatte machte er nur eine persönliche wovon aber die heldenhaften Bürger nichts hören wollen. fassung doppelt so viel Abgeordnete wie jest haben. Außerdem schilderte unser Parteigenosse den Sturm der Entrüftung, den die Bemerkung. Der Antrag wurde abgelehnt. Für ihn stimmten Zum Schuß gegen das agrarische Fleischbeschau- Gesez geht auch neuen Steuergesetze hervorgerufen haben, erwähnte dann unter außer unseren Stadtverordneten nur noch drei bürgerliche. Der in Stettin der Magistrat vor. Er macht den Stadtverordneten anderm die ungerechte Verteilung der Gratifikationen aus ganze Walded stimmte fast geschloffen gegen den Antrag. Durch die eine Vorlage, wonach auf den Märkten und in den Fleischerläden den Staatsbay- Ueberschüssen und tritifierte die Taten des Tat hat sich der Liberalismus ein neues Denkmal der Schande in das von auswärts eingeführte frische Fleisch von dem im städtischen Kriegsministers Madson, ber, wie vor einigen Monaten Albertis Königsberg aufgestellt. Schlachthofe ausgeschlachteten Fleisch gesondert feilgeboten werden Zeitung„ Dannebrog" mitteilte, den maßgebenden Personen schon muß. Das nicht im städtischen Schlachthofe ausgeschlachtete frische vor seiner Aufnahme in das intenministerium Für Arbeiterinteressen keine Zeit! Das ist nur allzuoft Fleisch ist durch eine an der Verkaufsstätte anzubringende Tafel mit als ausgesprochener Anhänger der von der Linkenfreifinnige Losung. Nur fagt man's nicht offen. Aber man deutlicher, nicht verwischbarer Schrift durch die Worte„ Auswärts partei befämpften Befestigunng Kopenhagens be berplaudert sich einmal, wie es foeben in Breslau dem frei- geschlachtet" zu bezeichnen. tannt tvar. Klausens Ausführungen waren in sehr ruhigem finnigen Stadtverordneten Schlesinger geschah, der in einer Zu- Deffentliches Interesse". Zum persönlichen Schutz darf jeder und fachlichem Tone gehalten, aber um so wirkungsvoller in der fammenkunft seiner Parteigenoffen zweds Stellungnahme zu den Bürger das Gericht und die Staatsanwaltschaft in Anspruch nehmen. Gründlichkeit der Kritik. Stadtverordnetenwahlen sich das hübsche Geständnis entschlüpfen Von diesem Necht machen hin und wieder organisierte Arbeiter auch ließ: Gebrauch, doch haben sie insofern stets Unglück, daß sie auf den Der 22. Wahlbezirk( dritte Abteilung) war bisher durch Weg der Privatflage, ein fostspieliges Vergnügen", verwiesen werden, bie" Sozialdemokraten Bruhns und Schüß ver- da ein öffentliches Interesse" nicht vorliege. Diese Erfahrung machte Die„ Russische Telegraphenagentur" suchte dieser Tage in einer treten. Durch den Wegzug des Herrn Bruhns von Breslau ist jüngst wieder ein Arbeiter, der von einem Handwerksmeister schwer offfziösen Erklärung die Schuld an den jüngsten Grzessen in Süddeffen Mandat frei geworden. Dieser Bezirk soll zurückerobert mißhandelt worden war. Die Mißhandlung geschah im Juni d. J. rußland nach erprobter Methode auf die Betroffenen felbst abe Rußland. Ausschreitungen gegen Juden. zuwälzen. ES fehlte nur noch die Behauptung, die Juden hatten fich eigentlich selbst zum eigenen Vergnügen mißhandelt und aus- geplündert. Die Schilderung der Vorgänge im S m i a l a im Gouvernement Kijew, die wir erhalten, kommt daher zur rechten Zeit, um die russische Dementierungskunst ins wahre Licht zu rücken. Die unmittelbare Ursache der Ausschreitungen in Smiala war, daß ein Jude einer Bäuerin, die ihm etwas stehlen wollte, einen Schaag versetzt hatte. Sie kehrte bald mit zirka 30 Burschen zurück und es begann die Verwüstung jüdischer Läden. Der Haufen operierte unter Anführung von drei Personen aus der örtlichen„Intelligenz": einem Landmesser und zwei Studenten. Die Polizei rührte, wie es zu erwarten war, keinen Finger, um den Exzessen Einhalt zu tun. Der Polizei- kommissar und dessen Gehülfe waren nicht aufzufinden, und die niederen Beamten wollten nicht ohne Befehl der Vorgesetzten ein- schreiten. Während der entstandenen Panik fuhr zufällig durch die Ort- schaft der Bischof von Kijew. Die Inden umzingelten seineu Wagen und flehten ihn um Hülfe an. Der Seelsorger hatte aber für sie zur Antwort bloß das lakonische:„Betet zu Gott" und fuhr ruhig davon unter der Bedeckung eines großen Aufgebotes von Polizisten. Der hiesige Großgrundbesitzer Graf B o b r i n s k i tele- graphierte zweimal an die Behörden in T s ch e r k a s s y um Hilfe, aber trotz der geringen Entfernung von 45 Werst ist das Militär erst am anderen Tage_ angekommen, wo bereits 185 jüdische Läden und 85 Häuser vom wütenden Pöbel demoliert und verwüstet worden waren. Todesfälle sind nicht zu verzeichnen, aber sehr viele Juden sind schwer verwandet und zu Krüppeln genracht worden. Erst nachdem die Ausschreitung aufhörte, erschien die Obrigkeit auf dem Platz: der Gencralgonverneur, der Gouvcnreur, der Staatsanwalt sind von Kijew herübergekommen und schreiben nun alle Schuld den Juden selbst zu. In E l i s a w e t g r a d hat jüngst, wie uns derselbe Korrespon- dent meldet, ein Haufen Christen eine jüdische BcgräbniSprozcssion überfallen. Die Leidtragenden wurden von den Angreifern mit Steinen und Stöcken bearbeitet, und auch der Tote wurde nicht der- schont. Man hieb auf den Sarg mit Stöcken ein und warf ihn vom Wagen auf den Erdboden. Die Polizei sah alledem ruhig zu. So viel hat es auf sich mit der vollen Gewissensfreiheit, die Väterchen in seinem Manifest von 1903 allen seinen Unterthanen versprach.--_ Kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. 30. Sitzung vom Donnerstag, den 13. Oktober 1994. nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Tr. Langcrhans eröffnet die Sitzung gegen SM Uhr. Auf seinen Vorschlag wird beschlossen, die Reden des Stadt- verordneten Cassel und des Oberbürgermeisters K i r s ch n e r aus der vorigen Sitzung in mehreren Tausend Abdrücken dem „Gemeindeblatt" beizulegen bezw. anderweit zur Verteilung zu bringen. Die Vorlage betr. die Regelung der ferneren Verwaltung und baulichen Unterhaltung der L e h r e r w o h n u n g e n, der Direktor- Wohnung und der Räume der Strcitschen Kommunität im G y m- nasium zum Grauen Klo st er wird auf Antrag des Stadtv. S o n n e n s e l d(A. L.) einem Ausschutz von 15 Mitgliedern über- wiesen. Der Abschluß des Vertrages mit der Gemeinde Tegel wegen Verlegung von Gasröhren, Kabeln usw. durch die Straßen dcS Gemeindcbezirks Tegel zur Verbindung des neuen Gaswerks mit dem Versorgungsgebiete der Stadt Berlin ist erst jetzt nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten und unter nicht besonders günstigen Bedingungen, zustande gekommen. Der bezügliche Entwurf liegt der Versammlung vor. Stadw. Buchow(Fr. Fr.): Die Vorlage bedarf des Ausschuß- beratung, weil die entstandenen Schwierigkeiten, die den Abschluß des Vertrages verzögert haben, nach der Begründung erst unter dem neuen Aiytsvorsteher von Tegel aufgetreten sind. Die städtische Verwaltung könnte daher vielleicht der Vorwurf treffen, daß sie nicht geschickt genug operiert habe. Stadtrat Namslau weist die letztere Annahme zurück. Nicht bloß der Amtsvorstcher habe gewechselt; es sei auch sonst eine Reihe von Veränderungen persönlicher und sachlicher Natur zuungunsten Berlins eingetreten. Stadtv. Galland(A. L.) tritt dem Antrage Buchow bei. Der vorliegende Vertrags-Entwurf präsentiere sich derartig, daß der „berüchtigte" Berliner Mictskontrakt dagegen der Berliner Waisen- knabe fei. Man habe durchaus den Eindruck, als ob diese überaus drückenden Bedingungen nicht dem Kopfe der Tegeler Gemeinde- Vertretung, sondern dem Gehirn anderer Scharfmacher entsprungen seien. Stadtv. Rosenow(N. L.) äußert sich in demselben Sinne und bezeichnet direkt die Regierungsbehörden als diejenigen, deren der Stadt mißgünstigem Einfluß dies« Fassung zu verdanken sei. Die Vorlage geht darauf an einen Ausschuß, der vom Vorstande sofort ernannt wird. Mit der Uebernahme des Roon-Denkmals in städtische Verwaltung erklärt sich die Versammlung einverstanden. Zur Freilegung der Unionstratze und des Union- Platzes in Moabit zwischen der Bremer-, Oldenburger-, Birken- und Siemensstraße wollen die Besitzer der in Betracht kommenden drei Grundstücke, Honig, Esch und die städtische Müllcr-Stiftung, das erforderliche Straßen- und Platzgelände ohne Barentschädigung Pfand-, lasten- und kostenfrei auflassen, wenn die verbleibenden Restgrundstücke von der Verpflichtung zur Zahlung ortsstatutarischer Anliegerbeiträge freigestellt werden. Es handelt sich um 2911 Quadratmeter abzutretendes Gelände. Die Versammlung erteilt dazu ihre Genehmigung. Nachdem am 18. Dezember 1992 die Versammlung mit 84 gegen 30 Stimmen erklärt hatte, ein Bedürfnis für die Polizei. liche Beschränkung des StraßenhandelS nach Maßgab« des ihr damals vom Magistrat zur Aeußerung vor- gelegten Entwurfs einer Polizei-Verordnung nichtanerkennen zu können, ist dem Magistrat im Frühjahr 1994 seitens des Polizei- Präsidenten ein„revidierter" Entwurf zugegangen, den der Magistrat mit dem Bemerken,„daß er im wesentlichen den früheren Bedenken entgegenkomme", wiederum der Versammlung zur gut- achtlichen Aeußerung vorgelegt hat. In der Ausschuhbcratung ist dieser Entwurf unter den Auspizien des Stadtv. Wallach durch- beraten und mit einigen Modifikationen schließlich von einer Mehr- heit von 8 gegen 4 Stimmen zur Genehmigung enipfohlen worden. Ein Antrag, den Magistrat zu ersuchen, zunächst Material darüber zu beschassen, in welchem Umfange und Betrage Waren aus dem Engros-Handel an den Straßenhandel übergehen, war mit gleicher Mehrheit abgelehnt worden. 8 1 des Entwurfs lautet: Auf öffentlicher Straße unterliegt die Ausübung des Straßen- Handels, sowie das Berteilen von Reklamezetteln, Geschäfts- empfehlungen, Bekanntmachungen, Ausrufen, Drucksachen und Photographien im Interesse der Ordnung, Sicherheit und Leichtig- Kit des öffentlichen Verkehrs den nachfolgenden Beschränkungen: Unbeschadet der vorgesehenen Ausnahmen ist 1. auf den in den Anlagen A und B näher bezeichneten öffentlichen Srratzenzügen und Plätzen die Benutzung von Fuhr- werk(einschließl. Hundewagen, Handwagen, Karren, Schub- karren usw.), sowie solcher Behältnisse(Gestelle, Körbe, Kasten usw.), die die betreffende Person nicht allein bequem handhaben kann, untersagt; 2. auf den Straßen und Plätzen der Anlage A außerdem nur gestattet der Straßenhandel mit natürlichen Blumen(außer Topfpflanzen)' und das Feilbieten, Verlaufen oder Verteilen von Zeitungen, periodischen Druckschriften und Extrablättern. Der Ausschuß will von dem event. Verbot des Verteilens von Reklamezetteln nichts zu wissen und empfiehlt, die fettgedruckten Worte in der Einleitung zu streichen, außerdem in Nr. 2 am Schlüsse statt„Verteilen von... Extrablättern" zu setzen„Verteilen von Drucksachen". Die Beschränkungen für das Verzeichnis A sollen nach§ 2 auch für einmündende oder kreuzende Straßen bis zu 39 Meter Ent- fernung gelten; der Ausschuß hat mit 6 gegen 4 Stimmen 15 Meter für genügend erachtet. Nach§ 3 sollte unter anderem der Straßenhandel mit M i l ch von Bcschräickungen befreit bleiben; mit 8 gegen 2 Stimmen empfiehlt der Ausschuß die Streichung dieser Ausnahme. Zu 8 4, Strafandrohung bis zu 69 M. event. 14 Tage Haft, wird mit 8 gegen 3 Stimmen Herabsetzung der Maxima auf 39 M. event. 8 Tage Haft zu befürworten empfohlen. Nach§ 5 können die Beschränkungen 3 Wochen vor Weih- nachten außer Kraft gesetzt werden. Der Ausschuh will die Auf- Hebung für diese Zeit obligatorisch machen. Die Anlage A zählt 54 Straßen und Plätze(hauptsächlich im Zentrum, Westen und Süden) auf, wo Straßenhandel und Zettel- verteilen im allgemeinen überhaupt nicht statthast sein soll; im Ver- zeichnis B sind 182 weitere Straßen und Plätze aufgeführt, wo der Betrieb mit Fuhrlvcrk und großen Behältnissen untersagt werden soll. In B will der Ausschuß Teile der Behren- und Winterfeldtstraße ausgenommen wissen, sonst hat er auch diesen Verzeichnissen sein Plazet gegeben. Vom Stadw. Singer(Soz.) wird namentliche Abstimmung über den Entwurf beantragt. Stadtv. Ullstein(soz.-fortschr.) stellt unter Wiederholung der Begründung des Beschlusses vom 18. Dezember 1992 wiederum den Antrag, den Magistrat zu er- suchen, dem vorgelegten Entwurf die Zustimmung z u versagen. Ausschußreferent ist Stadtv. Wallach(A. L.). Stadtv. Singer(Soz.): Wir beantragen unter Ablehnung des Ausschußanirages den Magistrat zu ersuchen, dem Entwurf die Zustimmung zu versagen. Tie Ausschußmehrheit und der Referent führen die Rücksicht auf den Verkehr ins Feld; w i r sind der Mei- nung, daß dazu diese Verordnung nicht nötig ist, daß die Polizei vielmehr jetzt schon in der Lage ist, Verkehrshindernisse, die der Straßenhandel verursacht, zu beseitigen. Die weitergehenden Bc- schränkungen, die man jetzt beabsichtigt, finden ihre zureichende Be- gründung nur in den Interessen der Laden- und Kellerbcsitzer. Es darf auch in keiner Phase dieser Verhandlungen unerwähnt bleiben, daß diese Polizeiverordnung eine Quelle lvirtschaftlicher Verschlechte- ruug vieler Taufende unserer ärmeren Mitbürger sein wird. Wenn mau einwirft, daß die meisten Straßen ja doch freigegeben bleiben, so betone ich demgegenüber, daß diese Polizeiverordnung erst der Anfang auf dem neuen Wege der Beschränkungen sein wird. Diese anscheinend so unscheinbare Angelegenheit übt zudem auf die Er- nährung der städtischen Bevölkerung einen ganz erheblichen Einfluß aus. Vergegenwärtigen wir uns doch, um welche Summen es sich dabei handelt— ich bcdaure sehr, daß der Magistrat den An- regungen auf statistische Erhebungen in dieser Richtung keine Folge- gegeben hat. Nicht bloß die Händler, sondern auch die 5läufer dieser Waren von der Straße werden schwer geschädigt. Der eben er- wähnten Anregung hätte nachgegeben werden können, indem man bei den Markthallen, bei den Aeltesten der Kaufmannschaft usw. über den Umfang des Uebergangs von Waren aus dem Großhandel in den Straßenhandel anfragte; es kommen da eine ganze Reihe von Ge- bieten des Straßenhandels in Frage. Andererseits darf auch der soziale Gesichtspunkt nicht unbeachtet bleiben. Wer hätte es nicht mit großer Freude begrüßt, daß der Straßenhandel, zumal der Obst- und Gemüsehandel dem ärmeren Teil der Bevölkerung eine Gelegen- heit zum Erwerb und den Konsumenten Gelegenheit, frische Ware zu billigem Preise zu kaufen, gab! Auf der anderen Seite bleibt nur das Interesse derer, die von der Vermietung von Läden und Kellern einen Nutzen haben. Höher als das Interesse dieser steht aber das Interesse der Gesamtheit, steht das Interesse der Menge. Diese Gründe bestimmen uns, gegen die Polizeiverordnung zu stimmen. Es bleibt nur noch übrig, darauf hinzuweisen, daß in den Straßen, in welchen der Straßenhandel nach wie vor erlaubt bleiben soll, für den seßhaften Handel eine umso schärfere Konkurrenz eintreten wird (Zustimmung bei den Sozialdemokraten darum wundere ich mich sehr über die Unterstützung, welche die Hausbesitzer allgemein dieser Verordnung angedeihen lassen. Schließlich kann ich nur davor warnen, mit den kleinen Abänderungen, welche der Ausschuß empfiehlt, sich auf den abschüssigen Weg der Verordnung zu begeben. Ce n'cst que le Premier pas qui coute(Wer A gesagt hat, wird bald das ganze Alphabcr heruntersagen); und in einer Stadt wie Berlin, wo der Verkehr so stark flutet, sollte man mit solchen Klein- lichkeiten nicht kommen. In anderen Großstädten, wie London, floriert der Straßenhandel ganz anders als hier; dort breiten die Händler nicht bloß auf der Straße, sondern auch auf dem Trottoir ihre Waren aus. Ich hoffe, daß der Magistrat, getreu der Stellung. die er bisher eingenommen hat, auch dieser Verordnung seine Zu- stimmung versagen wird. Wenn ich auch sehr wohl weiß, daß die Zustimmung des Magistrats ergänzt werden kann, so wollen wir uns doch davor bewahren, die Hand dazu geboten zu haben, die Er- nährung der Masse der Bevölkerung zu erschweren.(Beifall.) Stadtv. Galland(A. L.): Die Mehrheit meiner Freunde steht auf dem Boden des Ausschutzantrages. Wir erkennen die Bedeutung des StraßenhandelS voll an und wollen auch nichts tun, um ihn einzuschränken.(Ironischer Beifall bei den Sozialdemokraten.) Aber die für ihn gegebenen ordnungspolizeilichen Bestimmungen datieren von 1867 und reichen heute nicht niehr aus. Die Polizei- Organe und die Stratzenhändlcr sind mit diesen Vorschriften gleich unzufrieden, weil die Bestimmungen zu allgemein und zu dehnbar sind. Diesem Zustand mutz ein Ende gemacht werden im Interesse der Ordnung: und von diesem Gesichtspunkte sind die neuen Vor- schlüge durchaus zweckmäßig.(Beifall und Widerspruch.) Stadtv. Sonnenfeld(A. L.): Die Minderheit unserer Fraktion ist anderer Meinung. Es möchte doch zu untersuchen sein, ob die hervorgetretenen Mißstände nicht an den Personen liegen, die die bestehenden Vorschriften auszuführen oder zu handhaben haben. Unzweifelhaft hat die Polizei ihre Befugnis, die Genehmigung zur Errichtung öffentlicher Handelsstellen auf der Straße im Verkehrs- interesse zu versagen, nicht in dem vollen möglichen Umfange aus- geübt. Redner sucht dann im einzelnen nachzuweisen, daß die geltende Verkehrspolizci-Ordnung vollkommen ausreicht, also eine Erweiterung der polizeilichen Befugniffe nicht erforderlich, anderer- seits aber auch bedenklich sei wegen der ungünstigen wirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Rückwirkungen. Allein im Obsthandel be- trage der jährliche Umsatz auf der Straße 7 bis 19 Millionen; es grenze an Leichtfertigkeit, einen solchen Handel mit einem Federstrich zu vernichten. Die Detaillisten und Hausbesitzer in den bevorzugten Straßen allein kämen in Betracht, nicht die Gesamtheit derselben; es würde also auch bloß einer kleinen Minderheit eine ganz un- berechtigte Bevorzugung zuteil werden. Nach der amtlichen Statistik wird der Straßenhandel zu 95 Proz. von kleinen persönlichen Exi- stenzen betrieben; dieses Verhältnis trifft auch für Berlin zu. Was soll denn aus diesen Existenzen nach erlassenem Verbot werden? Freilich hat der Magistrat früher selbst dem Polizeipräsidium durch seine Haltung zu diesen neuen Anforderungen Mut gemacht. Möge zunächst einmal die Polizei die heutigen gesetzlichen Bestimmungen energisch durchführen. Wir hoffen auch, daß der Magistrat sich nicht dazu herbeilassen wird, der Polizei immer neue Vollmachten zu geben. Die uns zugegangenen Petitionen wird man lediglich als aus krassem Konkurrenzneid entsprungen betrachten. Stadtv. Fühndrich(A. L.) führt mit großem Stimmmittel- aufwand und von wiederholten Bei- und Mißfallsrufen unterbrochen aus, daß es nicht gelte, den Straßenhandel zu erdrosseln, sondern nur seine Auswüchse zu beseitigen, besonders da, wo er ein Verkehrs- Hindernis geworden fei. Große Heiterkeit entfesselt er minder Er- klärung, daß er, wenn er Polizeipräsident von Berlin wäre, eine Verordnung vorfchlagen würde, den Straßenhandel in allen Straßen mit Straßenbahn zu verbieten. Ferner behauptet er, daß selbst Ge- sinnungsgenossen von Singer in der Straßenreinigungs-Deputation sich im Sinne der Verordnung geäußert hätten.(Widerspruch.)� Berlin müsse eine saubere Stadt bleiben. Stadtv. Ullstein: Aus allen Reden der Freunde der Verordnung tönt es heraus, daß der Verkehr diese Verordnung verlangt. Der Verkehr allein kann aber hier nicht das ausschlaggebende Moment sein; es kommen ebenso maßgebend die wirtschaftlichen Interessen in Betracht. Ganze Industrien werden erheblich benachteiligt werden, ohne daß doch die bisher im Straßenhandel umgesetzten Millionen etwa in die Markthallen oder in die Läden fließen. Es ist das Interesse der Ladeninhaber, welches hier ebenso wie bei dem Kampf gegen die Warenhäuser die Polizei zu Vorspanndienstcn zu benutzen versucht. Wir hoffen, daß die Mehrheit auf dem Standpunkt von 1992 stehen bleibt. Stadtv. Haberland(A. L.): Ich gehöre zu denjenigen, die die Verordnung im Verlchrsintercsse für notwendig halten. Nicht heute erst würde die Versammlung A fagcn, wenn sie zustimmt. A hat sie schon 1999 gesagt, als sie das Einschreiten gegen den Straßen- Handel in der Rosentaler Straße verlangte. Nach der Meinung des Polizeipräsidiums reichen die bestehenden Vorschriften nicht aus, und da sollten doch die Gemeindebehörden ihre Zustimmung nicht ver- sagen. Dem Zustande, daß jetzt alles in die Hände des letzten Schutz- manns gelegt ist, muß ein Ende gemacht werden. Stadtv. Rosenow(N. L.): Wir werden einstimmig den Ma- gistrat ersuchen, der Verordnung die Zustimmung zu versagen. Auf den Beschlutz von 1999 sich zu berufen, hat niemand nach der in- zwischen veränderten Stellung der erdrückenden Mehrheit der Ver- sammlung das Recht. Nicht das Verkchrsinteresse, sondern der nackte Konkurrenzneid ist die Triebfeder der Bestrebungen, die aus dem Gewcrbcstande heraus im Sine der neuen Verordnung wirken. In einer Zeit, wo man schließlich auch die Gewerbcfrciheit für bedroht halten mutz, sollten wir auch nicht den leisesten Anschein aufkommen lassen, als ob wir zu reaktionären Maßnahmen die Hand reichen würden. Sehr charakteristisch ist an dem Polizei-Entwurf, daß er speziell der Bolleschen Milch ein Privileg gewähren will. Stadtv. Mommsen(Fr. Fr.): Meine Freunde sind, und zwar lediglich aus verkchrstechnischen Rücksichten, für die Vorschläge des Ausschusses. ES ist doch unverkennbar, daß der zweite Entwurf des Polizeipräsidiums wesentliche Vcrbcsscrun.gen aufweist(Wider- sprnch); unsere Verhandlungen haben also sehr nützlich gewirkt und man soll doch nicht so leichthin sich darauf zurückziehen, daß der Polizeibehörde die Verantwortung für den Erlaß allein zu über- lassen sei. Noch hat doch die Stadt die Polizei nicht in Händen, und auch in den fortgeschrittensten Staatswesen unterwirft man Polizei. Verordnungen nicht einer Volksabstimmung. Wir wünschen nur, daß das vom Ausschuß gegen den Unternehmer Bolle vorgeschlagene Ausnahmegesetz Ihre Zustimmung nicht findet und beantragen eine entsprechende Aendcrung. Mk Stadtv. Cassel(A. L.) wird für seine Person gegen diiMzcr- ordnung stimmen. Sehr erfreulich sei die Wahrnehmung, daß die Freunde der Verordnung die Vorhaltung, daß ihr Verhalten von Konkurrenz-Jnteressen diktiert sei, mit solcher Emphase abgewiesen hätten. Auch der Redner hält eine Berufung auf den Beschlutz von 1999 heute nicht mehr für zulässig. In der Roscnthalerstraße seien die Mißstände durch die Polizei auf Grund der bestehenden Vorschriften beseitigt worden. Von Wohlwollen für die Straßcnhändler könne doch wahrlich nicht die Rede sein, wenn man so gleichmütig den Straßenhandel aus Hunderten von Straßen ver- bannen wolle. Wohin man auf dem Wege der Verordnung gerate, das zeige genugsam der unverständliche Beschluß des Ausschuffes, den Straßenhandel mit Milch zu verbieten. Stadtv. Zubril(Soz.): Man hat heute nicht mehr wie vor zwei Jahren den Straßenhandel damit bekämpft, daß seine Ware minderwertig ist. Das ist ein erfreulicher Fortschritt. Ferner hat man heute auch nicht mehr in Abrede gestellt, daß hier das Interesse eines ganz kleinen Teiles der Bc- völkerung, der Hausbesitzer und Ladeninhaber, entscheidend mitspricht. Immer mehr Parterrewohnungen werden in Läden verwandelt und dann geht man gegen die Konkurrenz von der Straße mit solchen Mitteln wie dieser Verordnung vor! Den Kampf gegen die Warenhäuser hat man aufgeben müssen; mit den armen Hausierer glaubt man leichtes Spiel zu haben. Will man denn nicht an diejenigen Elemente denken, Krüppel und In- valide, die gar keine andere Existcnzmöglichkeit mehr haben als den Straßenhandel? Herr Galland will angeblich durchaus nichts gegen den Straßenhandel unternehmen, und gleichzeitig macht er mit der Erdrosselung den Anfang, indem er ihn ans 236 Straßen ganz oder fast ganz ausweist I In den Händlerversammlungen sind geradezu haarsträubende Angaben über polizeiliche Geld- und Haftstrafen gegen die Händler gemacht worden und die Erwähnung des Invaliden, der fchiließlich vorzog, ins Wasser zu gehen, hat ihre Wirkung nicht ver- fehlt. Wenn Herr Mommsen mit seiner Deduktion recht hätte, so mühten wir doch jetzt die Verordnung erst recht ablehnen, um eine noch mildere Fassung oder das Fallenlassen der ganzen Verordnung zu erreichen. Geben Sie der Polizei hier de» kleinen Finger, so wird sie bald den ganzen Menschen an sich gerissen haben.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtv. Rosenow polemisiert in ziemlicher Erregung gegen einige Ausführungen des Stadtv. Mommsen. Damit schließt die Debatte. Stadtv. Pfannkiich(Soz.) bemerkt persönlich, daß die Anspielung des Stadtv. Fähndrich auf ihn und seine angebliche Anerkennung der Notwendigkeit der Beschränkung des Straßenhandels nach jeder Richtung unzutreffend sei. Er habe in der Sitzung der Straßen- reiniguugSdcputation, wo der Entwurf zur Begutachtung stand, vorab erklärt, daß er gegen jede Einschränkung des StraßenhandelS sei und sich an der weiteren Begutachtung nicht beteiligen werde. In der Abstimmung wird nach Zurückziehung des Antrages Ullstein zunächst über den Unterantrag Mommsen abgestimmt. Die Abstimmung geht unter großer Unruhe vor sich. Nach zweimaliger Abstimmung proklamiert der Vorsteher, daß der Ausschußantrag auf- recht erhalten geblieben ist. Darauf erfolgt die namentliche Abstimmung über die A u s- schuß antrage als Ganzes. Mit 69 gegen 50 Stimmen werden dieselben abgelehnt. Bevor dies Restiltat verkündet wird, weist Stadtv. Mommsen zur Geschäftsordnung darauf hin, daß die Abstimmung über seinen Antrag nicht richtig vor sich gegangen ist. Nach der Verkündigung des Resultats protestiert Stadtv. Singer energisch gegen diese Ungehvrigkeit, mitten in der Abstimmung vor Berkündung des Ergebnisses eine solche Debatte an« zufangeu. Es entspinnt sich im Anschluß hieran eine ausgedehnte Geschästsordnungs-Debatte. an welcher sich Stadtv. Cassel, der Vorsteher, Dove, Dinse, Mommsen und Stadthagen beteiligen und in welcher der letztere durch seine Ausführung, daß der einzelne Stadtv. Mommsen nichts festzustellen habe, sondern nur die Berfaminlung, diese aber so aufgeregt sei, daß sie überhaupt nichts feststellen könne, stürmische Heiterkeit hervorruft. Uebcr den Antrag SEngcr, den Magistrat zu ersuchen, dem vorgelegten Entwurf die Zustimmung zu versagen, wird ebenfalls namentlich abgestimmt, nachdem der Stadtverordnete Haberland den von Stadtv. Singer zurückgezogenen Antrag auf namentliche Abstimmung wieder aufgenommen hat. Das Resultat ist die Annahme mit 61 gegen 47 Stimmen. Nachdem noch die Borlage betr. die Ueberlassiiiig des BiirgersaaleS des Rathauses an die Freireligiöse Gemeinde an den Sonn- und christlichen Feiertagen ohne Diskussion an« genommen worden, wird die öffentliche Sitzung nach 9 Uhr geschlossen.__ GewcrhrcbaftUcbcs. (Siehe auch 1. Beilage.) Palmeuaricitcr und-Arbeiterinnen. Die Arbeiter der Firma I. Mecklenburg, Kaiserstratze 6/7, Fabrik Georgcukirchstratze 64, hatten sich an Herrn Mecklenburg ge- wandt mit der Bitte, die bis jetzt bestehenden Akkordpreise schnftlich Bte 1. Oktober 1905 festzulegen, die Arbeitszeit von 10 Stunden auf 9 Stunden zu verkürzen und den Stundenlohn von 30 und 35 Pst auf 50 Pst zu erhöhen. Herr Mecklenburg lehnte es nach längerer Verhandlung ab, mit der gewählten Kommission weiter zu ver- handeln. Nachdem noch ein Kollege entlassen worden ist, haben die Arbeiter die Arbeit einmütig niedergelegt und ist der Betrieb für aufgeklärte Arbeiter gesperrt. Zeutralverband aller in der Blumen-, Blätter-, Palmen- und Putz- sederfabrikation beschäftigten Arbeiter und ArbeUcrimien Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin, Versammlungen. Zum Gewaltstreich des Provinzial- Schnlkollcginms ein Geniestreich der Berliner Polizei. Der vom Provinzial- Schulkollegium gemaßregelte Turn- verein„Fichte" beabsichtigte, gestern abend im„Luisen- städtischen Konzerthaus" in einer außerordentlichen Mit- glieder-Versammlung den bekannten�Gewaltstreich des Pro- vinzial- Schulkollegiums zu besprechen. Doch: der Mensch denkt, und— die Polizei lenkt. Kaum hatten sich die ersten Ver- sammlungsbesucher eingefunden, da teilte ihnen der Wirt bedauernd mit, daß die Polizei die Abhaltung der Versammlung in seinen Räumen inhibiert habe. Als darauf der Vorsitzende des Vereins nach dem Polizeibureau ging, um sich persönlich nach dem Grunde dieser unverständlichen Maßregel zu erkundigen, erhielt er den bündigen Bescheid: Es sei Befehl gekommen, die Abhaltung der Versammlung nicht zu dulden, weil angenommen werde, daß in derselben öffentliche Angelegenheiten erörtert würden, wozu es einer besonderen polizeilichen Anmeldung bedurft hätte, die aber nicht erfolgt sei. Falls dennoch die Versammlung eröffnet werde, so könne sich der Verein auf die eventuell gewaltsameRäumung des Saales gefaßt machen.— Ursprünglich war sogar die Absperrung des Lokals durch einen Kordon von Schutzleuten geplant gewesen, um überhaupt niemand in den Saal hineinzulassen; erst auf dringende Vorstellungen des Wirtes ist hiervon Abstand genommen worden. In gelassener Ruhe machte der Vorsitzende Richter der Ver- sammlung Mitteilung von dem Polizei-„Befehl" und fügte launig hinzu, der Verein sei zwar wohl oder übel genötigt, die beabsichtigte Tagesordnung in einer demnächst abzuhaltenden Versammlung zu erledigen, doch da der gesellige Aufenthalt in dem Räume nicht polizeilich verboten sei, so könne man sich anstatt des ernsten Abends ja einen g e in ii t l i ch e n Abend machen. Und so geschah es nach guter Turner Art. Nun konnte die Polizei beruhigt sein in dem erhebenden Be- wußtsein, daß sie einen ähnlichen Ruhm geenitet hat wie das Provinzial-Schulkollegium. Der Staat war wieder einmal gerettet vor den gefährlichen Turnfreunden. Die Aussperrung in der Möbelindustrie. Zur Besprechung der Aussperrung hatten sich die L e r- traue nsmänner des Holzarbeiter- Verbandes am Donnerstagabend ungewöhnlich zahlreich eingefunden. Glocke beleuchtete zunächst die Ursachen der Aussperrung und führte dann aus, daß die Ortsverwaltung gemeinsam mit dem Verbandsvorsitzenden Kloß eine Borbesprechung mit dem Obermeister Rahardt hatte, aber zu einer Verhandlung zwischen den Vertretern der beiderseitigen Organisattonen ist es nicht gekommen. Um zu zeigen, daß die gegenwärttge Aussperrung selbst von Führern der Meister nicht immer gebilligt werde, führte der Redner eine Aeußerung des Tischler- meisters Kümmel an, de? zweiten Vorsitzenden der Freien Vereinigung der Holzindustriellen. Herr Kümmel erschien in einer Sitzung der Ortsverwaltung des Holzarbeiter-BerbandeS und sagte, er halte die Aussperrung nicht für gerechtfertigt, denn es liege kern Grund für dieselbe vor. Der Redner betonte, er würde von dieser verttaulichen Aeußerung keinen Gebrauch gemacht haben. Irenn man auf feiten der Meister nicht mit Indiskretionen vorangegangen wäre. Ueber die vertrauliche Unterredung mit Herrn Rahardt sei schon am nächsten Tage ein jedenfalls auf Informationen des Herrn Rahardt zurückzuführender Bericht in der„VoUs-Zeitung" erschienen.— Zur Aussperrung selbst sagte Glocke, wenn die Zahl der Ausgesperrten augenblicklich auch noch gering sei. so sehe man doch, daß sie langsam weiter gehe, und die Takttk der Unternehmer dahin gehe. die Kassen des Holzarbeiter-Verbandes zu schwächen. Es handle sich jetzt darum, welche Gegenmaßnahmen gegen das Vorgehen der Unternehmer zu treffen wären. Die Ortsverwaltuna ersuche um Vollnracht dahingehend, daß sie als Antwort auf die Aus- sperrung in bestimmten Betrieben eine Arbeits- niederlegung veranlasse, und zwar in solcher Art und solchem Umfange, wie es nach Lage der Sache zweckmäßig erscheint. Nötigenfalls wolle die Ortsverwaltung auch in bestinimten Werl- stellen die allgemeine Arbeitsniederlegung veranlassen. Wie Stusche ausführte, hat Herr Kümmel in der Sitzung der Ortsverwaltung, wo er als Privatmann zugegen war, unter anderem gesagt, so wie er, dächten auch verschiedene Meister über die Aus- sperrung, er halte eine Vereinbarung auf folgender Grundlage für toünschenswert: Der Preis für neue Akkordarbeiten muß dem bis- herigen Durschnittsverdienst der betreffenden Arbeiter entsprechen. Wv eine Verständigung über den Akkordpreis nicht erzielt wird, bleibt es den einzelnen Betrieben überlassen, mit ihren Arbeitern die Höhe der Lohnsicherung zu vereinbaren. Weiter wurde in der Diskussion ausgeführt, daß in dem Betriebe des Herrn Plathen, des ersten Vorsitzenden der Freien Vereinigung der Holzindustriellcn, der Aussperrungsbeschluß dadurch umgangen worden sei. daß noch am Sonnabend vor dem Beginn der Aus- sperrung neue Arbeiten auch an solche Arbeiter ausgegeben worden feien, die noch nicht mit den alten Arbeiten fertig waren.„Schneiden Sie nur ab. mn Montag dürfen Sie es nicht mehr," sei den Arbeitern gesagt Ivorden. Ein Arbeiter, der sonst immer in Lohn arbeitete, mußte 60 Nachtspinden auf einmal zuschneiden. Manche Arbeiter hätten 2— 3 Akkorde gleichzeitig bekommen. Man habe ihnen gesagt, bei einer etwaigen Nachfrage sollten sie sagen, das sei wegen des Streiks der Polierer notwendig geworden. Schließlich müffe wohl die Kontrolle der Meister doch hinter diese Machenschaften gekommen sein, denn von den vielen vorgegebenen Arbeiten sei über Nacht ein Teil von den Plätzen der Arbeiter verschwunden und anderwärts untergebracht werden. Unter den zahlreichen Diskussionsrednern war keiner, der nicht mit den Vorschlägen der Ortsverwaltung einverstanden war, teil- weise wurde sogar eine schärfere Takttk befürwortet. an seinem Schlußwort teilte Glocke mit, daß ein Telegramm tuttgart eingetroffen ist, worin der Hauptvorstand die Unter- stützung der Bewegung zusagt. Weiter bemerkte der Redner, daß die Ortsverwaltung alle jüngeren Kollegen, die ausgesperrt werden, zur Abreise nach auswärts veranlaff«. Die Versammlung endete mit der einstimmigen Annahme der folgenden Resolution: „Die Vertrauensmänner-Versammlung beauftragt die Berwal- tung, nach wie vor an dem Prinzip festzuhalten, Vereinbarungen mit den Mcisterorganisationen dahingehend zu treffen, daß bei neuen Arbeiten ein Lohnsicherung festgelegt wird. In Erwägung, daß uns die Unternehmer die Aussperrung in frivoler Weise aufgedrängt haben, erteilt die Versammlung der Verwaltung die Vollmacht, in allen den Betrieben, wo Kollegen ausgesperrt sind und von denen sie glaubt, datz die Arbeitseinstellung der gesamten Kollegen zweckmäßig ist. diese Arbeitseinstellung gut zu heißen." Die öffentliche Versammlung der Bauanschläger Berlins und Um- gegrnd, einberufen von der Ortsverwalttmg des Bauarbeiter- Ver- bände», welche am gestrigen Abend in den.Arminhallen" tagte, war außerordentlich stark besucht. Der Kommission zur Beratung des Lohn- tarifs ist es bisher nicht gelungen, greifbare Resultate vorzuweisen, da die Unternehmer es anscheinend auf eine Verschleppung abgesehen haben, um die Konjunktur erst vorübergehen zu lassen. Nach eingehender Diskussion, an der sich auch Cohen namens der Ortsverwalttmg wiederholt beteiligte, wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung beschließt den Tarif am Freitag fnih allen Unternehmern zur Einsicht vorzulegen. Am Mittwoch, 19. Oktober, abends findet dann eine weitere Versammlung statt, die den Bericht der Kommission über die Verhandlungen mit den Arbeitgebern ent- gegenuehmen soll, und falls diese Verhandlungen kein befriedigendes Resultat ergeben haben, wird diese Versammlung endgültig ent- scheiden, wann die Arbeit niedergelegt werden soll. Der Vorsitzende teilt noch mit, daß für diese Versammlung ein größerer Saal gemietet wird, und daß durch Inserat im„Vorwärts" und Säulenanschläge noch besonders dazu eingeladen werden soll. Eine öffentliche Tabakarbeiter- und Arbcitettnnen-Versammlung fand am Dienstag in Lehdeckers Festsälen in der Sophienstraße statt. Sie befaßte sich zunächst mit dem zugunsten der Arbeiterinnen b e- cndetem Streik in der Dresdener Filiale der Berliner Zigare ttenfabrik von Josetti, über desicn Ursachen und Verlauf Kulicke aus Dresden berichtete. Wie der Redner hervorhob, haben die 254 Arbeiterinnen, die am Streik bc- teiligt waren, den guten Erfolg des Kampfes ihrer starken Organi- sation und musterhaften Haltung zu danken. Nur dadurch konnten sie sich auch der 75 Strcikbrcchcrinnen entledigen, die ihres schmählichen Betragens wegen schließlich die Fabrik verlassen mußten. Im all- gemeinen bemerkte der Redner, daß es mit der Organisation der Zigarettenarbeiterinnen in Dresden weit besser bestellt ist als in Berlin; dort gehören ungefähr 1800 Arbeiterinnen der Branche dem Verband an. Und wenn das auch im Vergleich zur Gesamtzahl der BcrufSangehörigen, die zu einem großen Teil als Heimarbeiter tätig sind, noch nicht als befriedigend angesehen werden kann, so übt doch die Organisation gerade in den bedeutendsten Fabriken einen maß- gebenden Einfluß auf die Lohn- rmd Arbeitsverhältnisse anS. Diese verhältnismäßig hohe EntWickelung in einer an und für sich schwer zu organisierenden Branche ist, so bemerkte der Redner weiter, hauptsächlich der Agitation durch Fabrikbesprechungcn zu danken. Zum Schluß forderte der Redner die Anwesenden auf, auch hier in Berlin mit ganzer Kraft für die Organisation, namentlich auch für die der Zigarettenarbetter und-Arbeiterinnen tätig zu sein.— Dem Vortrag, der lebhaften Beifall fand, folgte eine rege Diskussion. Unter anderem wies K i e s e l auf die elenden Verhältnisse hin, unter denen hier in Berlin Zigarettenarbciter und-Arbeiterinnen leben, auf die erbärmlichen Wohnungen, wie man sie namentlich in der Mulackstraße, der Tragonerstraßc und ähnlichen Straßen findet, die den Leuten nicht allein zum Wohnen, semdern auch noch zuni Arbeiten dienen müssen, aber im Interesse der Bolksgesundhcit lvedec zu dem einen noch zu dem anderen verwandt werden sollten. Der ziocite Punkt der Tagesordnung war der Bericht vom Internationalen Tabakarbeiter- Kongreß in Amsterdam(über den auch der„Vorwärts" seinerzeit in Nr. 202 und 203 berichtete). Börner schilderte den Verlauf der Ver- Handlungen und die gefaßten Beschlüsse und bemerkte zum Schluß, daß man mit den Ergebnissen des Kongresses vollauf zufrieden sein könne. Es sei vieles verbessert worden und man sei einen guten Schritt weiter gekommen in der internattonalen Organisation des Berufs. Der Redner erklärte es für wünschenswert, daß auch die deutschen Zigarrensortierer, die bekanntlich einer besonderen Organi- sation angehören, zum Internationalen Verband Stellung nehmen möchten, da gerade mit Rücksicht auf ihre Organisation die deutschen Delegierten gegen einen Antrag Hollands, daß von jedem Land nur eine Organisation Aufnahme finden sollte, gestimmt hätten. Zum Schluß wurde noch auf den Riesenkampf der Tabakarbeiter in England aufmerksam gemacht und zur Iki V/cstützung aufgefordert. Ferner wurde erwähnt, daß die Zigarettenfirma„Lübecka" in Lübeck hier aus Berlin Arbeitskräfte heranzuholen sucht, ihnen aber dann den versprochenen Lohn nicht zahlt. Zentralverbnnd»er Handlungsgehiilfen und Gehülfinnen Deutsch- lands(Bezirk Berli n). In der außerordentlichen Mitglieder- Versammlung am 3. Oktober, welche in den„Arminhallen" tagte, gab Urban oen Kassenbericht für das dritte Quartal. Vereinnahmt wurden 2062.45 M., verausgabt 1040.25 M., einschließlich 60 Proz. an die Hanptkasse. Der Mitgliederbestand besteht aus 564 männlichen und 141 weiblichen Personen. Es fand eine sehr lebhaste Debatte über die Taktik iubezug auf die Agitation statt, die bis kurz vor 2 Uhr währte. Zu diesem Punkte lagen verschiedene Resoluttonen vor, von denen schließlich die von Umrath einstimmig angenommen wurde. Diese besagt, daß eine intensive Agitation unter scharfer Betonung des Klassenkampfes einzusetzen hat. Die übrigen Punkte, darunter Wahl des zweiten Bevollniächttgten, wurden bis zur Sitzung am 13. Oktober vertagt. Ter Mühlenarbeiter- Verband(Zahlstelle Berlin) hielt am 9. d. M. im Gciverkschaftshaus eine gutbcsuchte Mitgliederversamm- lung ab. Der Vorsitzende machte zunächst auf die am 16. d. M. stattfindenden Gewerbcgerichtstvahlen aufmerksam und forderte zu fleißigen Agitation aus. Zum 2. Vorsitzenden lvurde Johann sen und zum 1. Schriftführer O st w a I d gewählt. Darauf hielt die Genossin Frau Lily Braun einen äußerst interessanten und mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Das Recht, das mit uns geboren ist." Unter Verschiedenem wünscht Drüfer die Unterstützung der agitatorisch tätigen Kollegen dergestalt, daß nament- lich den in die Provinz importierten Pionieren der ctlvaige Verdienst- ausfall aus der Verbandskasse ersetzt werde. Ein Beschluß wurde bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. Sauer gibt dann noch einen Ueberblick über die derzeitige Lage in der Mühlenindustrie. Durch die große Zahl der mit bisher einer Ausnahme zugunsten der beteiligten Arbeiter durchgefochtenen Lohnbewegungen seien die Kräfte des Verbandes über Gebühr in Anspruch genommen und müsse von jedem Mitgliede verlangt werden, daß die ausgeschriebenen Streik- marken gelöst werden. Die Lohnbewegung für Berlin ist beendet, nachdem die beteiligten Firmen erhebliche Aufbesserungen und einen auf 2 Jahre festgesetzten Tarif unterzeichnet haben. Letzte JVaebnehten und vepescben. Jntrigurn an deutschen Fürstcnhöfen. Detmold, 13. Oktober.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der lippesche Thronstreit ist in ein neues Aufsehen erregendes Stadium getreten. Der Staatsmiuister G e v e k o t erklärte dem die bücke- burgischen Interessen besonders energisch vertretenden Abg. Schemmel gegenüber, daß die schaumburg-lippesche StaatSregierung bczw. der (>of durch ihre Proteste den Rechtsboden verlassen hätten. Das krupellose Vorgehen rufe höchste Empörung hervor. 1898 unh jetzt protestieren sie nicht nur gegen die landesgesetzliche Regelung der Thronfolge, sondern auch die der Regentschaft. Wo es gelte, sich einen Vorteil zu verschaffen, akzeptiere die schanmburgische Regierung die Landesgesetzgebung. Wo sie aber Schaden fürchte, perhorresziere sie sie. Zum Beweise dafür verlas er einen sensationellen Geheimvertrag aus dem Jahre 1836. der gegen Recht und Gesetz die Biesterfelder und Wcißenfelder Linie von der Regentschaft ausschließen wollte. Dieser Vertrag hat folgenden Wortlaut: Seine hochfürstliche Durchlaucht, der regierende Fürst Günter Friedrich Waldemar zur Lippe, von dem Wunsche beseelt, die Thron- folge-Angclegenheit im Fürstentum Lippe in einer die Interessen des fürstlichen Hauses wie das Wohl des Landes gleichmäßig wahrenden Weise noch bei höchstthren Lebzeiten geordnet zu sehen, und seine hochfürstliche Durchlaucht, der regierende Fürst Adolf Georg zu Schaumburg-Lippe von diesen Absichten unterrichtet, dieselben billigend und von dem Bestreben geleitet, deren AuSführnng durch verwandtschaftliche» Entgegenkomme» tunlichst zu fördern, haben auf Grund vorgängigcr Verständigung über die Grnndziige eincS bezüglichen UebereinkommenS nachstehende Vereinbarung getroffen. Artikel 1. Sc. hochfürstliche Durchlaucht der Fürst zur Lippe werden ein Thronfvlge-Gesctz erlasse», in welchem für den Fall des Erlöschens des regierenden fürstlich Lippeschen Hauses im Mannes- stamm das ausschließliche Sukzessionsrecht des fürstlichen Hauses Schaumburg-Lippe anerkannt wird. Artikel 2. Da Se. hochfürstliche Durchlaucht der Fürst zur Lippe mit Rücksicht auf die bestehende Reichsvcrfassung da? Fürstentum Lippe als souveränen Bundesstaat erhalten zu sehen wünschen, so wird in diesem Thronfolgegesetz bestimmt werden, daß für den Fall des AuSsterbens der regierenden Linie des fürstlich Lippeschen HauseS die Sukzession im Fürstentum Lippe auf einen nachgeborenen Prinzen des fürstlich Schaumburg-Lippeschen Hauses und zwar auf Seine Durchlaucht den Prinzen Adolf zu Schaumburg-Lippe übergehen soll. Artikel 3. Selbstverständlich sollen der künslig im Fürsten- tum Lippe regierenden Linie ans dem Schaumburg-Lippeschen Hause ihr eventuelles Snkzessionsrecht im Fürstentum Schaum- burg-LiPpe unverändert erhalten bleiben; dasselbe gilt be« züglich der eventuellen Sukzessionsrechte im Fürstentum Lippe für die Nachkommen der älteren Brüder Sr. Durchlaucht des Prinzen Adolf zu Schauniburg-Lippe im Falle de» Aussterben» der durch den letzteren begründeten fürstlich Lippeschen Linie. Artikel 4. Mit dem Aussterben der jetzt regierenden Linie des ftirstlichen Hauses zur Lippe soll die Eigenschaft als Chef des fürstlich Lippeschcn Gesamthauscs, welche bisher dem regierenden Fürsten zur Lippe zukam, auf den regierenden Fürsten zu Schaumburg-Lippe übergehen. Artikel 5. Die Bestimmungen dieses Vertrage» sollen den Inhalt eines besonderen, von Sr. hochfürstlichen Durchlaucht den Fürsten zur Lippe der Landesvertretung im Fürstentum Lippe zur Beratung und Entschließung vorzulegenden Thronfolge« Gesetzes bilden. Artikel 6. Seine hochfürstliche Durchlaucht der Fürst zu Schaum- burg-Lippe erklären höchstihre Bereittvilligkeit, das in Artikel 5 er« wähnte, auf Grundlage und nach Inhalt diefes Vertrages zu erlassende Thronfolge-Gesetz im Fürstentum Lippe nach dessen Zustandekommen anzuerkennen. Arttkel 7. Dieser Vertrag wird mit beiderseittger Ueberein- stimmung bis zur Vollziehung des für das Fürstentum Lippe zu erlassenden Thronfolge-Gesetzes im Geheim gehalten. Detmold, 27. Januar 1886. Waldemar, Fürst zur Lippe(Siegel). Freiherr v. NichtHofen, fürstl. Kabinetts-Minister. Bückeburg, 27. Februar 1886. Adolf Georg. Fürst zu Schaumburg-Lippe(Siegel). Spring, Präsident der fürstl. Landesregierung. Die unterzeichneten Agnaten des hochfürstlichen Schaumburg- Lippeschen Hauses bekennen durch Vollziehung höchstihrer eigenhändigen Namensunterschrift herunter, daß sie von den vorstehenden, zwischen ihren hochsürftlichen Durchlauchten dem regierenden Fürsten Günter Friedrich Woldemar zur Lippe und dem regierenden Fürsten Adolf Georg zu Schaumburg-Lippe abgeschlossenen Sukzessionsvertrage ck. ck. Detmold, 27. Januar 1886, und Bückeburg, 29. Jaimar 1886, Kenntnis genommen und dem Inhalte in allen Teilen höchstihre Zustimmung erteilen, auch das auf Grundlage und nach Inhalt dieses Vertrages demnächst beim Landtage des Fürstentums Lippe zur Vorlage gelangenden Thronsolge-GesetzeS nach dessen Zustande- kommen anerkennen wollen. Bückeburg. 28. März 1336. Georg, Erbprinz zu Schaumburg-Lippe. Hermann, Prinz zu Schaumburg- Lippe. Otto, Prinz zu Schaumburg-Lippe. Das Urteil in Kischinew. Kischinew, 13. Ottober.(W. T. B.) In dem Prozeß wegen den antisemitischen Ausschreitungen vom Jahre 1903 und der Er- mordung von 4 Juden wurden heute die wegen Mordes Angeklagten freigesprochen und einer der Angeklagten wegen der Ausschreitungen zu 8 Monaten, die anderen zu 8 bis 16 Monaten Gefängnis ver- urteilt. Vom ostassatischen Kriegsschauplätze. Petersburg, 13. Oktober.(W. T. B.) Die„Birfchewija Wjedoniosti" meldet aus Mulden von gestern abend 5 Uhr, daß den ganzen Tag über der Kampf fortgedauert habe und die beiden Armeen, namentlich auf der Ostfront, sich mit großer Erbitterung schlagen. Die mandschurische Bevölkerung und die hohen chinesischen Beamten legten mehr als bisher eine den Russen freundliche Hol- tung(?) an den Tag, da sie nach ihrer Kenntnis der Borgänge auf dem Schauplatz der Kämpfe baldige Erfolge der Russen voraus- sähen. Petersburg, 18. Oktober.(W. T. B.) Ein Telegramm des Generaladjutanten Stössel vom 5. d. M. an den Kaiser meldet: Am 1. Oktober begänne» die Japaner, nachdem sie die Zahl der Geschütze gegen die Nordfront vermehrt und das Feuer in dieser Richtung verstärkt hatten, nachts sich dex Nordoststont der Festung zu nähern. Sie wurden aber durch Salven der Abteilung des Oberstleutnants Gandurin aufgehalten. Auf dem äußersten rechten Flügel machten die Japaner einen Angriff vom Siaguschanberge auf den Signalbcrg, der hart am Meere liegt, und besetzten ihn, nachdem sie die Freiwilligen zurückgedrängt hatten. Den folgenden Morgen aber beschoß die Festungsartillene diesen Berg, und drei Kompagnien, die hieraus zum Angriff vorgeschoben wurden, ver- trieben die Japaner und besetzten den Signalberg.— Die Japaner machen ausgedehnten Gebrauch von Explosivstoffen, und zwar benutzen sie diese sowohl in Säcken als Kisten, die mit Bickfordscher Zündschnur verschen sind, welche sie anzünden, und dann werfen sie diese Gegenstände wie Handgranaten. Unsere Garnison nimmt ebenfalls zu derarttgen Mitteln ihre Zuflucht und mit Erfolg. Der unermüdliche General Kondratenko erfindet immer neue Mittel zur Vernichtung des Feindes. Die Truppen fahren fort, sich heldenmütig zu verhalten; die Verwundeten drängen danach. wieder in die Front zurückzukehren.(?) Die Führung der Truppen ist heldenhaft. Petersburg, 13. Ottober.(W. T. B.) Wie Generaladjutant Stössel dem Kaiser unterm 7. Oktober Wetter meldet, haben die Japaner, um die innere Festung zu beschießen, neue Batterien errichtet, darunter eine mit elfzölligen Mörsern. Die Beschießung wird täglich heftiger. Am 7. Oktober erhielt der Feind Verstärkungen von mehreren Bataillonen. DaS Wetter ist kalt geworden. Die Stimmung der Truppen ist aus- gezeichnet. Alle, vom Befehlshaber bis zum letzten Gemeinen, drangen sich zum Kampfe. Tokio, 13. Oktober.(Meldung des„Reuterschen BureanS".) Vorläufige Berichte deuten an. daß der größte Teil der Ladung des beschlagnahmten Dampfers„Fuping" aus Munition besteht. Der Dampfer„Fuping" lief aus Taku nach einem unbekannten Bestimmungsort ans, wo er feine Konterbande verschiffte. Der Dampfer trug die deutsche Flagge.__ Btralltw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u.Verlag: Vorwärts Buchdr.u. Verlagsanstalt Paul Singer L:Co.. Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u. UnterhaltungSblatt Nr. 242. 21. Juhrgang. erbilitedalsva 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Partei- Nachrichten. dm Freitag, 14. Oktober 1904. der Hoffnung getragen haben, daß der Registerrichter in Herne die Interessenten verspricht, es läßt aber auch das der Verhältniswahl Eintragung der von der letzten Hibernia"-Generalversammlung be- zugrunde liegende Prinzip, den Gruppen der Beteiligten im WahlDas Bremer Parteitags- Protokoll ist soeben von unserem Bartei- schlossenen Kapitalserhöhung um 6 Millionen Mark ablehnen ergebnis nach dem Verhältnis ihrer Stärke Berücksichtigung zu ververlage, Buchhandlung Vorwärts, Berlin, herausgegeben. Die Ver- werde, so hat sie fich gründlich getäuscht. Wie gemeldet wird, ist beim schaffen, am reinften und folgerichtigsten zur Geltung gelangen. handlungen des diesjährigen Parteitages haben bei den Partei- Herner Amtsgericht vorgestern die Eintragung der Kapitalserhöhung Dabei schien es erforderlich, damit nicht zu zahlreiche Vorschlagslisten, genossen das lebhafteste Interesse erweckt. Die Frage der Gestaltung der Hibernia ohne jeglichen Einwand erfolgt. Das ist für die zum Teil ohne jede Aussicht auf Erfolg, eingereicht werden, die der Maifeier, die Verhandlungen über die Beschlüsse des Amster- Dresdner Bank und die Regierung ein böser Sieb; denn nun können Gültigkeit einer Borschlagsliste an die Unterschrift von fünfzig wahldamer Kongresses, die Organisationsfrage und endlich der Fall die neuen 62 Millionen Mark Aktien noch vor der am 22. b. M. berechtigten Personen zu knüpfen. Schippel haben die allgemeine Aufmerksamkeit erregt. Das Protokoll stattfindenden Generalversammlung der Hibernia begeben werden Bei Bemessung der Beisiberzahl ist man bestrebt gewesen, jeden gibt die Debatten in ausführlicher Weise wieder. Es enthält ferner und also dort auf seiten der Hibernia- Verwaltung mitstimmen. Die Beifiber so oft wie beim Gewerbegericht in Tätigkeit treten zu lassen. den Bericht des Parteivorstandes und der Reichstags- Fraftion. Ein Dresdner Bank hat aber dann nicht mehr die Hälfte der Attien. Da bei der letzten Berufszählung 15 000 faufmännische Angestellte, Sprechregister sowie das ausführliche Sachregister erleichtern das Herrn Möller dürfte es in seinem neuen Palais bei diesen Aussichten 23 000 gewerbliche Arbeiter in Kleinbetrieben, 73 000 gewerbliche Nachschlagen. Als Anhang ist dem Protokoll beigefügt eine aus vielleicht doch manchmal etwas warm werden. Arbeiter in Großbetrieben ermittelt sind, die Arbeiter der Großführliche Wiedergabe der Verhandlungen der dritten Frauenkonferenz, Regreßklage gegen die ehemaligen Aufsichtsratsmitglieder der Wirksamkeit des Gewerbegerichts im Jahre 1903 beteiligt waren, betriebe aber nur zu etwa 10 Proz. der Gesamtprozeßzahl an der die gleichfalls in Bremen stattgefunden hat und von denen wir die Leipziger Bank. Noch immer zieht das Fallissement der Leipziger rechnet der Magistrat beim Kaufmannsgericht auf einen GeschäftsReferate übe: die Schulfrage und das Kinderschutzgesetz hervorheben. Bank seine Kreise. Das Protokoll kostet broschiert 70 Pf., in Pappband gebunden 1 M., hatten sich bekanntlich wiederholt Gruppen von Aktionären der gemäß wird die Zahl von 50 Beifibern die etwa viermalige HeranUnter der Führung Leipziger Rechtsanwälte gang, der etwa halb so groß ist, als der beim Gewerbegericht. Demund ist in allen Parteibuchhandlungen vorrätig. Leipziger Bank zusammengefunden, um im Wege des Regreß- ziehung jedes Beisigers im Jahr zur Folge haben. Die Wahlperiode anspruchs eine Aktion gegen die Mitglieder des ehes ist auf 3 Jahre festgesetzt. maligen Aufsichtsrats zu unternehmen. Der Erfolg fiel inDer Arbeiter- Notiz- Kalender 1905 ist soeben im Verlag der Buchhandlung Vorwärts erschienen. Der Inhalt auch des diesjährigen Kalenders ist überaus reichhaltig und zweckentsprechend zu sofern nicht ungünstig für die beteiligten Aktionäre aus, als Die unsoziale Sozialpolitik des freisinnigen Stadtmagistrats fammengestellt. Wie alljährlich, so enthält auch dieser Kalender die ihnen je nach dem Erwerbsjahre ihres Aktienbefizes ein gewisser Nürnberg äußert sich auch in der Durchführung der neuen Arbeiter" Ergebnisse der Reichstagswahlen 1903 mit sämtlichen bis zum Prozentsatz des Wertes des lepteren im Vergleichswege zugesprochen schutzbestimmungen für die Konfektionsindustrie. Der Magistrat läßt September d. J. stattgehabten Nachwahlen." Diese Nachweise find wurde. Jetzt hat sich nun, wie die„ Leipz. N. Nachr." schreiben, ruhig zu, daß entgegen dem flaren Wortlaut der Vorschriften für die Parteigenossen von besonderem Wert, kommen doch die in erneut eine ziemlich große Zahl von bisher noch leer ausgegangenen Arbeiterinnen der Konfektionsindustrie und der Modewaren- Geschäfte der Agitation stehenden Genossen sehr oft in die Lage, sich schnell Aktionären vereinigt und den Rechtsanwalt Burdas I in Leipzig an Sonnabenden und Vorabenden von Feiertagen länger als zehn und sicher über Stimmenverhältnisse dieses oder jenes Wahlkreises hier mit der Vertretung ihrer Negreßansprüche betraut. Die An Stunden beschäftigt werden, und die Unternehmer, die sich sträuben, orientieren zu müssen. Für diesen Zweck wertvoll sind auch die gelegenheit wird in den allernächsten Tagen gerichtlich anhängig den Vorschriften Genüge zu leisten, werden in ihrem Eigensinn noch furzen biographischen Notizen unserer Reichstagsmitglieder. Ein gemacht werden, nachdem der Nominalwert der unter dieser neuen ermutigt. So erhielt ein Großlonfektionär, der sich beharrlich besonders für die jüngeren Parteigenossen wichtiges Kapitel ist Aktion vereinigten Attien der Leipziger Bant 1%, bis 2 Millionen weigert, für seine Heimarbeiter die vorgeschriebenen Lohnbücher zu Unfere toten Abgeordneten", in dem kurze, mit Porträts geschmüdte erreicht hat. führen, auf dem Rathause den Rat, er solle das mit den Büchern geordneten gegeben werden. Einen guten Erfolg wünschen wir Deutschland immer mehr in Fluß. Jm Monat August wurden Bundesrat bergeffen habe, für derartige Verfehlungen Straf Das Die landwirtschaftliche Genossenschaftsbewegung kommt auch in Wie man ein guter Redner wird". Als eine Neuerung, die wir wieder 68 Genossenschaften neu errichtet und nur 12 aufgelöst, so lebhaft begrüßen, finden wir im Kalender das Adressenverzeichnis daß eine Zunahme um 56 Genossenschaften verbleibt. Nach den Als Gegner der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe haben sich die unserer gesamten politischen und gewerkschaftlichen Bresse", und im Aufzeichnungen des Reichsverbandes der deutschen landwirtschaftlichen demokratischen Stadtväter von Fürth i. B. entpuppt. Auf eine EinAnschluß daran eine kurze Belehrung Für alle, die an Rebattionen Genossenschaften bestehen hiernach im Deutschen Reiche bei einer gabe des Zentralverbandes der deutschen Handlungsgehilfen hatte schreiben", die beherzigt werden sollte. Das Alkoholmerkblatt" Vermehrung von 56 landwirtschaftlichen Genossenschaften im Monat der Magistrat beschlossen, zunächst in den reinen Warengeschäften die ( mit Illustrationen) wird unsere Alkoholgegner erfreuen. Es folgt Auguft am 1. September 1904: 12 549 Spar- und Darlehnskassen, fonntägliche Verkaufszeit auf die Stunden von 11 bis 2 Uhr mittags dann das notwendige und reichhaltige Adressenmaterial: Gewerbe- 1767 Bezugs- und Abfaz, 2531 Molkerei-, 199 Milchverwertungs- zu beschränken, wogegen sich bei den Geschäftsleuten ein Sturm des Inspektoren, Parteivorstand, gewerkschaftliche Zentralvereine, und 1380 sonstige Genossenschaften, zusammen 18 426 landwirtschafts Widerspruchs erhob. Sie glaubten zu Grunde zu gehen, obwohl in Generalfommission, Landeszentralen, Internationale Sekretariate liche dem Genossenschaftsgesetz unterstellte Genossenschaften. dem benachbarten Nürnberg die Läden ohne Schaden für die und Arbeitersekretariate. Erwähnen wollen wir noch das überaus Der Saar- Bismard. Der durch den St. Johanner Prozeß gegen Gemeindekollegium lehnte nun die Einschränkung der Verkaufszeit Geschäftsleute an Sonntagen überhaupt geschlossen sind. wichtige Agitationsmaterial, das der Kalender den gewerkschaftlich den Bergmann Krämer bekannt gewordene Geheimrat bilger gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und eines Liberalen ab. tätigen Genossen bietet, von dem wir nur erwähnen: Die Mitglieder findet nicht nur bei der Verwaltung der Laurahütte, die ihn fürzlich Die demokratischen Mitglieder, die den Ausschlag gaben, stimmten zahlen der deutschen freien Gewerkschaften; die weiblichen Mit zum Generaldirektor erivählte, für seine Verdienste verständnisvolle geschlossen gegen den Magistratsbeschluß. glieder in den freien Gewerkschaften; die finanziellen Leistungen der Anerkennung, sondern auch bei den Bismarck- Verehrern. Der am deutschen Gewerkschaften; deutsche Streitftatistit 1890-1903. Sonntag in Braunschweig abgehaltene dritte Bundestag der deutschen Münztabelle, Portotare, Einnahme- und Ausgabetabellen bilden den Bismard- Vereine fandte an Herrn Hilger folgendes BegrüßungsSchluß des empfehlenswerten Nachschlagebuches, das allen, in Partei telegramm:" Dem treuesten Borfämpfer für des Vaterlandes Wohl, und Gewerkschaft tätigen Genossen ein nüßlicher und unentbehrlicher dem Saar.Bismard senden trendeutschen Gruß. Dr. Jahn, Ratgeber sein wird. Der Preis ist wie bisher 60 Pf. b. Bismarck, Prof. Dr. Horft- Kohl, Heine. Auf diesen Ehrentitel für ihren Führer waren selbst unsere Rationalen", seine Getreuen an der Saar, bis jetzt nicht verfallen. In der Erringung von Bersammlungslokalen machen die Genossen bon Dresden und Umgegend jetzt erfreuliche Fortschritte. Der ernste Boykottkampf, den die sächsischen Genoffen seit Jahren führten, hat die Saalinhaber fo fühlbar getroffen, daß sie sich auch gerührt und, wie schon früher berichtet, eine Beschränkung des Militärberbots erlangt haben. Das hat nun namentlich in Dresden und Umgegend die erfreuliche Folge gehabt, daß den Parteigenoffen jezt viele Säle zu Versammlungen geöffnet worden sind, die ihnen seit vielen Jahren verschlossen waren, und die Lifte der Saalinhaber, die nunmehr ihre Säle allen Parteien öffnen. wächst noch immer. Auch das der bekannten Petroleumfirma Ewerth gehörige Ballhaus in Dresden- Neustadt, aus dem die Parteigenossen vor einigen Monaten so schnöde ausgewiesen wurden, ist ihnen nun geöffnet worden. Soziales. Ein freifinniger Magistrat als Hausbefizer, die In Breslau waren vor ein paar Jahren die Wohnungsverhältnisse der minderbemittelten Bevölkerungsklassen durch eine Ministerialfommission einer Prüfung unterzogen worden, welche eine Reihe schwerer Mißstände ergab. Weitere Erhebungen, die der Minister der öffentlichen Arbeiten angeordnet hatte, führten zur zwangsweisen Räumung einer ganzen Anzahl Wohnungen. Auch die Stadtgemeinde Breslau als Eigentümerin eines Grundstücs in der Heiligengeiststraße. 6 wurde von den behördlichen Eingriffen be= Aus Induftrie und Handel. troffen. Sie hatte das Grundstück mit einigen anderen, die daneben Tiegen, feinerzeit zweds Errichtung einer Markthalle erworben. Da Neue Bechenanlagen. Obgleich die Leistungsfähigkeit der Kohlen- das Haus Nr. 6 zu Wohnzwecken. Es ist ein altes Gebäude, war hierzu noch keine Mittel bewilligt waren, vermietete der Magistrat gruben den Bedarf an stohlen bei weitem übersteigt und die sogen. einst ein Kloster, wurde dann Lagerhaus und schließlich Wohnhaus. reinen" Bechen, d. h. jene, die nicht mit Hüttenzechen verbunden Es besteht aus einem Vordergebäude und einem mehrstödigen find, sich fortgesetzt zu beträchtlichen Produktionseinschränkungen ge- intergebäude. Dieses war bei der Besichtigung von 24 Parteien zwungen sehen, tauchen immer wieder von neuem Meldungen über bewohnt. Die städtische Baupolizei- Verwaltung erließ nun an geplante neue Bechenanlagen auf. Nicht nur die großen Bechen- den im Erdgeschoß des Hinterhauses wohnenden Bigarrenmacher bereinigungen sind unausgesetzt bemüht, die Bahl ihrer Schacht- Schubert eine Verfügung, worin ihm aufgegeben wurde, die anlagen zu vermehren, auch die kleineren Unternehmungen gehen. Wohnung zu räumen, weil sie zu Wohnzweden nicht geeignet wenn möglich, daran, dem Beispiel der großen zu folgen. So wird und die Höhe entspreche nicht ben polizeilichen Anforderungen. Gine fei. Sie sei nicht unterkellert, Fußboden und Wände seien feucht der Köln. Volksztg." von der Gewerkschaft Pörtingssiepen in im dritten Stock wohnende Witwe erhielt ebenfalls eine polizeiliche Kupferdreh gemeldet, dieselbe beabsichtige in der Nähe von Steele Säumungs- Verfügung. Ihre Wohnung sei zu schlecht belichtet, bei der sogenannten schwarzen Lene in der Gemeinde Relling- nicht ventilierbar und zu Wohnzwecken nicht geeignet. Eine Abhausen, eine neue Schachtanlage zu errichten, um die dort reichlich schrift der Verfügungen wurde dem Magistrat als dem Besizer der vorhandenen Kohlenlager auszubeuten. Dabei fann es lediglich Wohnungen zugestellt und ihm zugleich aufgegeben, die Wohnungen um die Gewinnung von Magerkohlen sich handeln. Ueber nicht mehr vermieten und nicht mehr zum dauernden Aufenthalt von haupt scheint man den Abbau dieser Kohlen im Ruhrtal jetzt wieder energisch ins Auge gefaßt zu haben; soll doch unter der Flagge von Stinnes die Erwerbung zahlreicher Kohlenfelder vor fich gegangen sein, welche alle der Magerkohlen- Gruppe an der Ruhr angehören. Eine neue Bechenanlage soll auch, wie berlautet, die Gewerkschaft Herkules in Essen planen. Dieselbe hat erst vor wenigen Monaten ein 25 Morgen großes Grundstüd für 175 000 M. erworben und neuerdings von demselben Befizer weitere 40 Morgen für 220 000 m. dazugekauft, um, wie verlautet, eine neue Schacht anlage niederzubringen. Rheinische Gewerbegerichts- Konferenz. Eine Zusammenkunft rheinischer Gewerbegerichts- Borsigender fand dieser Tage in Düsseldorf statt. U. a. waren die Städte Düsseldorf, Duisburg, Elberfeld, Remscheid, Solingen, Köln, Mülheim a. Mh., M.- Gladbach und Krefeld vertreten. Einstimmig wurde für die an Eisenbahnunternehmungen, in Reparaturverkstätten sowie mit dem Eisenbahnbau beschäftigten Arbeiter die Zuständigkeit der Gewerbegerichte festgestellt. Ueber die Frage, ob der§ 123a der Gewerbe- Ordnung die, Arbeitgeber" berechtigt, solche Arbeiter, die während der Arbeit für die Stärkung ihrer Organisation thätig sind, fofort zu ent laffen, wurde eine Einigung nicht erzielt. Dem Terrorismus der Unternehmer, die die Agitation für die Ausübung eines durch Reichs geseg berbürgten Rechtes mit Büchtigung des Magens bestrafen, wird es also auch fünftig an der Sanktionierung durch rheinische Ge werbegerichte nicht fehlen. Allgemein wurde die Ansicht ausge sprochen, daß Arbeiter, denen beim Austritt aus dem Arbeitsverhältnis die Invalidenkarte verweigert wird, verlangen können, für die zu deren Erlangung versäumte Zeit entschädigt zu werden. 9 Stubenvermieterin und Krankenkasse. Wegen Nichtanmeldung ihres Dienstmädchens bei der DrtsKrankenkasse der Gastwirte und verwandten Gewerbszweige war die in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die 2itwe A. zu Berlin, die seit acht Jahren zwei Zimmer vermietet hat, beiden Zimmer ihrer fünf Räume umfassenden Wohnung haben zwei Herren inne, wovon jeder 80 m. an Miete und für den Morgenfaffee monatlich zahlt. Auf Grund dieses Tatbestandes wurde Frau A. als Gewerbetreibende( Pensionsinhaberin) angesehen, die ihr Dienst mädchen bei der Drts- Krankenkasse der Gastwirte und verwandten Gewerbe anmelden müsse, weil das Mädchen in jenem Gewerbe befchäftigt werde. Gewerbebetriebe tönne nicht die Rede sein. Es fehle die Absicht Die Angeklagte legte Revision ein und machte geltend, bon einem einer dauernden Gewinnerzielung. Angeklagte halte sich nur die große Wohnung, weil sie ihre Möbel nicht verkaufen wolle. Der Straffenat des Kammergerichts hob die Vorentscheidung auf und verwies die Sache zu nochmaliger Verhandlung und Entscheidung an das Landgericht zurück: Zwar habe auch der Senat angenommen, daß Frau A. durch das Vermieten zweier Zimmer ein Menschen benutzen zu lassen. Ferner verlangte die städtische Bau- der Gastwirtschaft verwandtes Gewerbe ausgeübt habe. Es sei polizei- Verwaltung noch vom Magistrat, daß er nach dem Erlöschen aber noch nicht genügend festgestellt, in welchem Umfange mieten laffè, da Borderhaus und Mittelbau nicht den Anforderungen davon sei ihre Versicherungspflicht mit abhängig, weil ihre ver Verträge auch sämtliche andere Wohnungen nicht mehr ber- das Dienstmädchen in dem Gewerbebetriebe beschäftigt worden sei; entsprächen, die in sanitäts- und feuerpolizeilicher Beziehung an nur gelegentliche Beschäftigung im Gewerbe der Dienstherrin das Wohnhäuser gestellt werden müßten. Dienstmädchen noch nicht zu einer gewerblichen Arbeiterin mache. Dieselbe hat erst vor Der Magistrat flagte nunmehr gegen die städtische Baupolizei- Das Landgericht müsse hierüber noch nähere Feststellungen treffen Berwaltung im Verwaltungsstreitverfahren auf Aufhebung der Ber- und demgemäß entscheiden. fügung, weil die städtische Baupolizei Verwaltung nicht Baupolizei- Berwaltung zuständig sei zum Erlaß von Verfügungen, die sich auf fanitätsund feuerpolizeiliche Gründe ftüßten. Das sei Sache der SicherSollten diese Unternehmungen", bemerkt dazu die„ Kölnische beitspolizei, also der königlichen Polizei- Berwaltung in Breslau. Boltszeitung", ins Werk gesezt werden, um die Kohlenerzeugung gründung ab: Die Polizei könne einschreiten, wenn es der bauliche Der Bezirksausschuß wies jedoch die Klage mit folgender Benoch weiter zu steigern, so wäre das vom volkswirtschaftlichen Bustand der Häuser erfordere. Der Magistrat bemängele auch nicht Standpuntt aus nicht gutzuheißen; uns will jedoch scheinen, als ob die Verfügung in materieller Beziehung, sondern nur die Zuständigbei all diesen Neuanlagen der Gedanke mitspricht: Wir kommen doch feit der Baupolizei. Indessen bedürfe es teiner Erörterung, daß zu über kurz oder lang unter den Hammer und da werden unsere Aus- den baupolizeilichen Befugnissen auch die Sorge für Leben und Gelagen schon gut fich bezahlt machen." sundheit gehöre, nämlich stets dann, wenn die zu bekämpfenden GeWir können gerade vom volkswirtschaftlichen Standpunkt aus in fahren aus dem Zustande der Gebäude erwachsen, wie das hier der dieser Anlegung neuer Schächte unter den nun einmal vor- Fall sei. Also sei die städtische Baupolizei- Verwaltung zum Erlaß handenen heutigen Verhältnissen nichts Bebauerns- der Verfügung befugt gewesen. Die Verfügung berliere auch nicht wertes finden. Zweifellos wird durch die Betriebsvermehrungen das baburch die Eigenschaft einer baupolizeilichen Verfügung, daß sie bauliche Maßnahmen nicht direkt angeordnet habe. Mißverhältnis der Produktivkraft zum Bedarf noch gesteigert und Das Ober- Berwaltungsgericht als Berufungs- Instanz bestätigte dadurch in der Kohlenindustrie die Unsicherheit und die Neigung zu dieses Urteil als zutreffend und wies die Klage des Magistrats endzeitweiliger leberproduktion verstärkt. Aber andererseits ist diese gültig ab. Vermehrung der Zechenanlagen und damit der Konkurrenzmöglichkeit unter den bestehenden Umständen fast das einzige Mittel, bie Das Statut für das Kaufmannsgericht in Breslau ist den Preispolitik des Kohlensyndikats in Schranken zu halten und Stadtverordneten zur Beschlußfassung zugegangen. Ueber die zu berhindern, daß nach Ablauf feiner Geltungsdauer Regelung des Wahlverfahrens durch das Statut wird in der Bedie hervortretenden Trustbestrebungen zu einer völligen Mono- gründung gesagt: polisierung des rheinisch westfälischen Stohlenmarktes führen. Beifikerwahl zu beobachtende Verfahren zu regeln, weil§ 12 des Anders als im Gewerbegerichts- Statut war auch das bei der Die Frage ist einfach: Ist es besser, daß der Kohlenindustrie ihre Gesetzes die Wahl nach den Grundsäßen der Verhältniswahl vorheutige Stabilität und Rentabilität gewahrt bleibt, oder daß infolge schreibt. Von der hierbei im Gesez zugelassenen Beschränkung der einer verstärkten zukünftigen Konkurrenz eine noch weitere Ver- Stimmabgabe auf Vorschlagslisten ist Gebrauch gemacht, da unter schärfung der Monopolstellung des Syndikats verhindert und die den mannigfachen, in der einschlägigen Literatur behandelten und in Stohlenpreise zugunsten anderer Industrien von ihrer jetzigen Höhe der Praxis der Gewerbegerichte bereits eingeführten Systemen der wieder herabgedrückt werden? Die Antwort kann unseres Erachtens Verhältniswahl das der" gebundenen Listen" entschieden den Vorzug kaum zweifelhaft sein. zu verdienen scheint. Dieses Systemt läßt, wie die Begründung sagt, eine einfache, leicht verständliche Regelung des Wahlverfahrens zu, bie eine prattische, ungestörte Handhabung seitens der die Wahl leitenden Beamten, besonders aber der die Wahl vorbereitenden Eine neue Niederlage der Dresdener Bank. Sollte die Dresdener Bank sich nach der Entscheidung des Bochumer Landgerichts noch mit Eine Zuständigkeitsfrage. Der Hausdiener T. war von dem Konfitürenhändler Mannaberg als Arbeitsbursche, wie sich M. ausdrückt, beschäftigt worden. Unter anderem hatte T. die Räumlich triebe. Eines Sonntags ging T. auch den Maurern beim Bau der teiten reine gemacht und Sand gefahren, sowie Steine besorgt und abgetragen zum Zwecke des Aufbaues einer Kochmaschine im BeMaschine zur Hand. Besonders wegen der Entlohnung der MaurerHülfsarbeit tam es zu Differenzen zwischen T. und M., welche auf Veran lassung T.'s beide auf das Gewerbegericht führte. T. wollte gewiffermaßen für jene besondere Arbeit einen Lohn haben, der ungefähr wenigstens mit dem üblichen Lohn der Bauhilfsarbeiter in Einklang stehe. Dagegen hatte der Beklagte ihn mit geringerem Lohn abgefunden. Ein vom Gerichtshofe angeregter Bergleich schien anfänglich nicht zustande zu kommen. Der Kläger blieb dabei, daß er mehr haben müſſe, zumal die Arbeit des Steinetragens schwer gewesen sei. Der Borbie Maurerarbeit am fraglichen Tage überhaupt nicht zu den Arbeiten fizzende Dr. Neumann machte den Kläger darauf aufmerksam, daß im Gewerbebetriebe des Beklagten gehöre, somit also Maurerarbeit für einen Privaten sei. Demzufolge habe, soweit diese Arbeit in bem Beklagten vorgelegen, so daß über Ansprüche aus dieser TätigFrage komme, fein gewerbliches Arbeitsverhältnis zwischen ihm und feit das Gewerbegericht nicht entscheiben könnte. Für fie fei das ordentliche Gericht zuständig. Die Barteien verglichen fich schließlich auf Nachzahlung von 2,50 M. an den Kläger. Aus der Frauenbewegung. Weibliche Studenten in Niederland. Von den 908 eine geschriebenen Studenten der Universität zu Amsterdam find 103 weibliche; 10 studieren Rechtswissenschaft, 17 Philologie, 87 Medizin, 39 Mathematik und Naturwissenschaften. Die Zahl der weiblichen Studenten ist in den lezten 10 Jahren von 2,3 Proz. auf 11,3 Prog. gestiegen. An der Universität& eiden war die Zahl der weiblichen Studenten im verflossenen Jahre 74, im vorher gehenden 72; in Utrecht im verflossenen Jahre 38. Gewerkschaftliches. 1001 Neue Schadensersatzklage gegen die Kühnemänner. die jest gänzlich ohne Arbeiter dasteht, ihren Vertretet in eine Werf| hauptsächlich mit den Zuständen in der Brotfabrik der Firma Scher ftatfversammlung der Arbeiter entsandt, um wenigstens einen Teil hag befaßte. Genosse Sast nig, als Verleger des Flugblattes, her herausgezogenen Leute zur Wiederaufnahme der Arbeit zu ver- wurde von den Girmeninhabeti egen Beleidigues Allgemeines berechtigtes Aufsehen erregte vor einiger Zeit ein Urteil der Reichsgerichts vom 17. März d. J., durch welches die Firma Keyling u. Thomas grundsätzlich zur Zahlung einer Entschädigungssumme an einen Metallarbeiter verurteilt wurde, zu bekommen der auf Betreiben der Firma von dem Arbeitsnachweis des Metall- iänner gu bheben Befchluß der Kühne. nahm er für fich den Schuß des§ 193 bes Strafgejekbuds in Anbelam er nicht. " Was soll der ganze Unsinn!" Prompt wurde ihm da erwidert, er habe als Fabrikant ja den„ Unfinn" mit eingerührt, jekt fönne er ihn auch mit auslöffeln. Arbeiter ihr Glück schriftlich, um die Arbeiter zum Wiedereintritt in die BeAndere Fabrikanten, die ebenso in der Klemme sitzen, versuchen trieb zu bewegen. Cohen legte einen ganzen Stoß Postkarten vor, die ihm von Arbeitern übergeben waren, an die sich die Fabrikanten gewandt hatten. Auf einer Anzahl dieser Postkarten hieß es in ganz ungewohnter, liebenswürdigster Höflichkeit: " anlassen. Den betreffenden Arbeitern wurden förmlich goldene Berge stand dieser Tage vor der Düsseldorfer Straffammer. Scherhag versprochen, ja sogar einen Teil der Aussperrungsunterstüßung wollte erklärte, daß er durch das Flugblatt schiver geschädigt worden sei. der Unternehmer für die von ihm Ausgesperrten bezahlen. Dies An- Der Angeklagte machte geltend, daß die Mißstände, wie sie in dem erbieten motivierte er damit, daß er dann die erforderlichen Leute Flugblatte dargelegt, wirklich in dem Betriebe vorhanden seien, auch Er versuchte alle Künste der Ueber- spruch, weil er Gauleiter des Bäckerverbandes sei, die Interessen der industriellen- Verbandes gesperrt" worden war. Wie erinnerlich redung anzuwenden, um die Arbeiter zu erweichen"; ja er meinte Streifenden also habe wahrnehmen müssen. In Anbetracht der sein dürfte, hatte die Vertrauenskommission der Kühnemänner jenen in bezug auf die Aussperrung: „ Schtvere" der Beleidigung beantragte der Staatsantvalt eine GeArbeiter gleich unzähligen anderen auf die schwarze Liste" fängnisstrafe von 1 Monat. Das Urteil lautete auf 10 Tage Gegesetzt und ihn durch die„ Sperre" auf dem Arbeitsnachweis in der fängnis. Genosse kast nig wird nun gegen den Redakteur der Gartenstraße von jeder weiteren Beschäftigung in den VerbandsWestdeutschen Gewerbezeitung", ein Unternehmerorgan, in welchem er in der schofelsten Weise wegen des Flugblattes angegriffen wurde, firmen ausgeschlossen, und das lediglich deshalb, weil er sich durch Agitation für seine Gewerkschaft bei seinem Arbeitgeber um auch hier ein öffentliches Interesse für vorliegend erachten wird. Strafantrag stellen. Man kann gespannt sein, ob der Staatsanwalt beliebt gemacht hatte. Das Urteil des Reichsgerichts, das diese Praktiken der Kühnemänner mit denkbarster denkbarster Schärfe als eine durch und durch verwerfliche Handlungsweise brandmarkte, wurde damals von der Arbeitgeberpresse eifrig kommentiert, und es stand zu erwarten, daß der MetallindustriellenVerband eine heilsame Lehre daraus ziehen und sein rigoroses Vorgehen gegen" unliebfame" Arbeiter mäßigen würde. Doch diese Hoffnung war trügerisch. Vielmehr gefallen sich die Kühnemänner nach wie vor darin, ehrliche Arbeiter, die ihre und ihrer Klassengenossen Interessen in durchaus zulässiger Weise den Unternehmern gegenüber wahrnehmen, weiter auf dem Arbeitsnachweis zu sperren und dieselben taltblütig monatelanger Arbeitslosigkeit und damit dem unausbleiblichen Elend preiszugeben. So zum Beispiel sind auf Veranlassung der Firma Mehlich in der Sophienstraße, bei der im Vorjahre jener durch seine vielen Streitpostenprozesse in ganz Deutschland bekannt gewordene Metallarbeiter Streit ausbrach, eine Anzahl der damals ausständigen Arbeiter auf dem Arbeitsnachweis der Metallindustriellen gesperrt worden. Die Firma ist nämlich Mitglied des KühnemännerVerbandes. So oft die gesperrten Arbeiter auch um Arbeit anfragen mochten stets wurde ihnen auf dem Nachweis der Handschein verweigert unter Hinweis auf ihre Beteiligung an dem Mehlichschen Streik. Um der kleinlichen Rache der Kühnemänner willen mußten fie also viele Wochen der Arbeitslosigkeit, der Not und des Elends über sich ergehen lassen, obwohl sie sich redlich um Arbeit bemüht hatten. Wir bitten für morgen um Ihren Besuch. Unter allgemeiner Heiterkeit der Anwesenden wurde festgestellt, daß bisher noch keiner dieser Arbeiter von seinem Fabrikanten zum Besuch" gebeten worden ist. " Besuch" gebeten worden ist. Auch der Herr Generalsekretär Nasse versendet eifrigst Postkarten, um Arbeiter zu angeln. Die meisten Karten werden jedoch von den Umworbenen der Streikleitung ausgehändigt, um sie zu dem llebrigen" zu legen. an ihre Arbeiter richten, sondern in ohnmächtigem Grimme über die Es gibt aber auch Unternehmer, die weniger höfliche Schreiben trostlose Dede ihr Betriebe den Arbeitern eine Art Fegefeuer androhen. So heißt es in einem solchen Briefe: n Da Sie heute nicht zur Arbeit gekommen sind, so müssen wir annehmen, daß, obwohl Sie uns jagten, nicht organisiert zu sein, Sie doch dem Metallarbeiter- Verband an= gehören. Wir werden daher in Zukunft wissen, wie wir uns Ihnen gegenüber zu verhalten haben. nachweis der Kühnemänner gesperrt" werden, wie schon so mancher Wahrscheinlich soll der so bedachte Arbeiter auf dem Arbeitsseiner Kollegen. Den Arbeitern ist aber nur zu raten, nicht ähnliche Briefe an die Unternehmer zu richten, weil sie sonst mit ziemlicher Sicherheit auf ein bescheidenes Pläßchen im Gefängnis rechnen fönnten wegen Androhung eines 11ebels. In der„ Dessauer Waggonfabrik" befinden sich sämtliche 57 Tischler und Stedmacher und von den 12 Maschinenarbeitern 9 im Ausstand. Der Grund dazu liegt in dem Verhalten des Herrn Direktors und Majors a. D. Bäumler, der seit dem 24. März, ivann die Vertragsbedingungen zwischen ihm und den Holzarbeitern hat, diesen Vertrag zu durchbrechen und die Arbeiter auf ihre ervor dem Gewerbegericht festgelegt worden sind, alles daran gesett hobenen Vorstellungen und Beschwerden zu brüstieren. Am Mittwoch mittag gab er durch Anschlag bekannt, daß sämtliche 100 Metallarbeiter und 50 Hilfsarbeiter wegen des Ausstandes der Holzarbeiter ausgesperrt seien. Alle Holz- und Metallarbeiter seien deswegen dringend vor Zuzug nach Dessau gewarnt. Maschinenbauer. München, 13. Oktober. Die Arbeiter des Tender- und Rahmenbaues sowie die Winkelschmiede der J. A. Maffeischen Lokomotivfabrik haben der Fabrikleitung den Ents wurf eines Arbeitsvertrages vorgelegt. Gefordert wird 10 Proz. Lohnerhöhung, 20prozentige Lohnerhöhung bei Affordarbeit uſw.; nachdem diese Forderungen abgelehnt wurden, haben die Arbeiter der betreffenden Werkstätten, zirka 200, die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fernzuhalten. Husland. Erfolgen geendet. Die Arbeitszeit wurde bedeutend verkürzt und Die Lohnbewegung der dänischen Apothekergehülfen hat mit guten soll nach dem neuen Uebereinkommen je nach der Größe der apotheken und der Zahl der Gehülfen höchstens 62, 58, 56 oder 52 Stunden wöchentlich betragen. Die Apothekenbesizer hatten bei Einen ziemlich blöden Trid den Verhandlungen zuerst eine 72 stündige Marimalarbeitswoche verfudy: man jetzt auf dem Arbeitsnachweis in det Dresdenerstraße verlangt. Die Minimalgehälter wurden je nach der Größe der Als dieser Zustand aber ein unerträglicher wurde, da beriefen auch gegen solche Arbeiter anzuwenden, die mit dem Streit absolut Apotheken und des Umfazes auf 1600 bis 1950 Kronen festgesetzt. sich acht von den Arbeitern auf das angeführte Urteil des Reichs- nichts zu tun haben. Den Arbeitsuchenden selbst für gänzlich außer Die Apothekenbefizer wollten zuerst nur bis zu 1720 Stronen hinaufgerichts und strengten durch den Rechtsanwalt Roth die Schadens- halb der Gelbmetallindustrie stehender Betriebe wird der übliche gehen. Jedem Gehilfen müssen 14 Tage Ferien ohne Lohnabzug erfagflage gegen die Firma Mehlich an. Vor einigen Tagen fand erklärt haben, daß sie keiner Organisation angehören doch sollen nach Verlauf von fünf Jahren die Bestimmungen über " Handschein" nicht mehr abgestempelt, als bis sie unterschriftlich gewährt werden. Das neue Uebereinkommen gilt auf zehn Jahre, mun in dieser Sache Termin vor der 27. Zivilkammer des Land- oder, sobald dies doch der Fall, aus derselben austreten wollen. die Arbeitszeit revidiert werden. gerichts I statt. Mit dieser Maßregel soll offenbar erreicht werden, daß die auf In dem Sigungssaale hatte sich eine unerwartet große Storona solche Art„ an ehrlicher Arbeit verhinderten" Metallarbeiter auf ihre von Anwalten zusammen gefunden, die mit sichtlichem Interesse den streifenden Kollegen einwirken, den Ausstand zu beenden. NatürVerhandlungen folgten und damit bewiesen, daß dieser Prozeß das lich ist eine derartige Hoffnung der Kühnemänner durchaus eitel. allgemeine Interesse wachgerufen hat. Die Verhandlungen selbst wie Cohen und auch Wiesenthal dazu bemerkten, wird die Verbandsleitung schleunigst zu entsprechenden Gegenmaßregeln wurden sehr eingehend geführt. Rechtsanwalt Roth hob hervor, Stellung nehmen. Man möge dann aber nicht die Arbeiter dafür es sei zwar eine bekannte Erscheinung, daß die wirtschaftlichen verantwortlich machen, wenn auch noch Kämpfe zwischen Arbeitern und Unternehmern beiderseits mit einer die übrige Industrie beunruhigt und durch das rigorose Vorgehen der Kühnemänner in ArbeitsniederKampf zu einem legungen verwvidelt werde. Es scheine, als solle sich der gegenwärtige Gerichts- Zeitung. Brozek Walewski und Genossen. Dann Der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Rösler, eröffnet die Sigung um 92 Uhr. Die Beweis aufnahme beginnt mit der Grörterung einiger Betrugsfälle, an denen die Angeklagte Margarete Walewski und ihre Mutter beteiligt sind. Es handelt sich zumeist um ältere, gewissen unentbehrlichen Schärfe geführt würden, doch bediene man alleinstehende Damen, welche, durch die gewinnversprechenden gerade die Arbeiterorganisationen Wert darauf, nach erfolgreich befich in diesen Kämpfen meistenteils loyaler Mittel. Vor allem legten Annoncen verleitet, den Angeklagten größere Darlehne verabfolgten. Als Sicherheit wurde ihnen das elegante Mobiliar verschrieben, endetem Lohntampfe den unterlegenen Gegner nicht unnötigerweise welches nach den Versicherungen der Angeklagten ihr unantastbares Kampf um die Organisation zu demütigen und zu kränken, weil sie die Lohnkämpfe eben als eine auswachsen. Da könne sich das Gefechtsfeld allerdings leicht recht zahlung entromunen oder längst anderweitig verpfändet waren. Eigentum sei. Später stellte sich heraus, daß die Möbel auf AbFolgeerscheinung der kapitalistischen Wirtschaftsweise und nicht als bedeutend ausdehnen. ein Produkt persönlichen Uebelwollens gegen die Unternehmer be- mögen, um ihre Position günstiger zu gestalten, soviel stehe fest: wendet Was die Unternehmer aber auch aushecken Einige der Zeuginnen sind teilweise befriedigt worden. fich die Verhandlung denjenigen Betrugsfällen gu, trachten. Der Metallindustriellen- Verband führe die wirtschaft- Dieser Kampf werde geführt zum Biegen oder Brechen. welche von dem Angeklagten Huber allein oder in Gemeinschaft lichen Kämpfe gegen die Arbeiter aber mit unglaublicher Schärfe Ueber die Behandlung der Streikposten durch die mit der Angeklagten Margarete Walewski begangen sein sollen. Auch und daraus resultiere auch das verwerfliche Sperrsystem, wie es Polizei wurden auch diesmal wieder eine Reihe charakteristischer in diesen Fällen legt die lettere ein offenes Geständnis ab, unloyaler und härter bei keiner anderen Arbeitgebergruppe aus- Einzelheiten vorgebracht. Kommt es doch vor, daß ruhig daher während Huber seine Schuld bestreitet. Einer der Geschädigten ist geprägt sei. schreitende Streifposten sistiert werden, wenn ein Unternehmer sich der pensionierte Lehrer N. aus Hermsdorf. Auch er hatte sich auf Diese Maßregel habe zur Wirkung, daß dem mittels der nur durch deren Anblick von weitem belästigt" fühlt. eine von der Walewski veröffentlichte Annonce gemeldet, wonach schwarzen Liste" gekennzeichneten Arbeiter, dessen Einstellung von Winfe der Unternehmer als alte Liebe" zwischen der Polizei und sucht wurde. Margarete Walewski bezeichnete ihren Bräutigam Wiesenthal suchte diese Aufmerksamkeit der Schußleute gegen die gegen großen Nugen ein Darlehen für ein sicheres Unternehmen geder Boligeie der Erteilung eines Handscheines durch den Arbeitsnachweisbeamten den Kühnemännern hinzustellen, noch von der Zeit datierend, als der Huber als den Darlehnssucher und schilderte dessen Verhältnisse abhängig sei, die Möglichkeit, in Berlin und Umgegend wieder Polizei von den Metallindustriellen die 3000 Mart- Spende und Aussichten in den glänzendsten Farben. So borbereitet trat der Arbeit zu finden, nahezu völlig ausgeschlossen ist, weil die Verbands- für treu geleistete Maifeierdienste überwiesen wurde. Lehrer N. mit Huber in Verbindung. Dieser erklärte, daß firmen sich durch hohe Konventional- und Ordnungsstrafen zu strifter er beauftragt sei, zwei wichtige Patente zu verkaufen, und dadurch Innehaltung der statutarischen Bestimmungen des Nachiveisreglements Die Aussperrung der Möbeltischler. Ein Teil der Betriebe, die enormen Gewinn erzielen würde. Die eine Erfindung sei das verpflichtet haben. Erwäge man dazu, daß den betroffenen Arbeitern schon bisher an der Aussperrung beteiligt waren, haben aufs neue Westrumit", eine Flüssigkeit, mit der die Chausseen besprengt über die Art und Weise, wie die über sie verhängte Sperre zustande einzelne Arbeiter ausgesperrt. Im Laufe des gestrigen Tages würden, um sie staubfrei zu machen und die auch beim Gordonmeldeten sich beim Holzarbeiter- Verband 41 Mitglieder als aus Bennet Rennen Anwendung gefunden. Die zweite sei ein komme, feinerlei Kontrolle zustehe, daß sie über die inneren Vor- gesperrt, so daß die Gesamtzahl der Ausgesperrten nunmehr 446 be- Depeschenboot, welches in Amerika liege und für die Res gänge hierbei nichts erfahren und niemals die Möglichkeit hätten, trägt. Neue Betriebe, das heißt solche, die bisher noch nicht ausgierungen von größtem Juteresse sei. Er stehe bereits wegen des sich etwa vor einem unparteiischen Schiedsgericht wegen der gegen gesperrt hatten, find nicht hinzugekommen, auch find in keinem Be- Ankaufs mit dem Deutschen Reichsamt in Unterhandlungen, die so sie ergangenen Maßregel Einspruch zu erheben, so ergebe sich triebe größere Aussperrungen vorgekommen. gut wie zum Abschluß gelangt seien, es erübrige nur noch, daß er das Bild einer Institution, die man nicht mit Unrecht mit nach New York reise, um das Boot zu holen. Der Lehrer ließ sich der mittelalterlichen Feme vergleichen könne. Nur Der Streit der Luguspapier- Arbeiterinnen und Arbeiter dauert überreden, dem Angeklagten gegen Wechsel über 1000 W. zu mit dem Unterschiede, daß diese Institution noch erheblich unverändert fort. Die Fabrikantenvereinigung lehnt alle Verhand- geben. Die angeblichen Patentverkäufe spielten auch bei anderen ungerechter und grausamer gegen den von ihr Betroffenen lungen ab. Die Streifenden halten einmütig im Stampfe aus. Betrugsfällen eine bedeutende Rolle, der Angeklagte verstand es, sei, da sie dem in Frage kommenden Arbeitgeber nicht wegen Streifpostenstehens oder sogenannter Berkehrshindernisse" mehrere Perfonen dafür zu erwärmen und ihnen Geld abzuloden. einmal die Verpflichtung auferlege, die von ihm herbeigeführte find bis jest 15 Strafmandate eingelaufen, die fast alle auf 30 M. Sperre fachlich zu begründen. Es genüge vielmehr die einfache Mit- oder drei Tage haft lauten. Der Streit der Klavierarbeiter ist unverändert. teilung jedes Mitgliedes an den Verbandsvorstand, um die Sperre Weißensee. Die Arbeitnehmer- Delegiertenwahlen zur hiesigen mit all ihren furchtbaren Folgen für den Betreffenden herbeizuführen. Drts- Strantentaffe finden heute, Freitag, den 14. Oktober, abends Aus all diesen Gründen sei der Klage- Anspruch der Kläger durchaus 6-8 Uhr in Prälaten", Lehderstr. 122, statt. begründet und es könne daher keinem Zweifel unterliegen, daß die Die Kaffenmitglieder werden ersucht, sich die Mitgliedsbücher beklagte Firma für den durch die Sperre verursachten Lohnausfall von ihrem Arbeitgeber aushändigen zu lassen, bollzählig zur beklagte Firma für den durch die Sperre verursachten Lohnausfall Wahl zu erscheinen und die Liste des Gewerkschaftsder Arbeiter haftbar zu machen sei. Der Anwalt der Firma tartells ohne Streichung zu wählen. Mehlich, Justizrat Dr. Friedmann, bestritt natürlich die Entschädigungspflicht der Beklagten. Das Gericht beschloß die Aften des vom Reichsgericht behandelten Prozesses gegen die Firma Keyling u. Thomas einzufordern und sich daraus über die Handhabung der Sperrmaßregeln auf dem Arbeitsnachweise der Metallindustriellen näher zu informieren. Bis dahin wurde die Entscheidung vertagt. Berlin una amgegend. Das Gewerkschaftstarte II. Deutfches Reich. Terror in Breslau. ittee Der Angeklagte ist auch im Dezember 1902 nach New York gereist, aber unverrichteter Sache wieder zurückgekehrt. Die Anklagebehörde nimmt an, daß die ganze Geschichte von den Erfindungen eine Er findung von dem Angeklagten ist. Dieser bestritt das entschieden und berief sich auf seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Caro, welcher Depeschen und Schriftstücke in Händen habe, aus denen hervorgehe, daß er tatsächlich mit dem Reichsamt unterhandelt habe und dem Abschluß nahe gewesen sei. Der Verteidiger legte diese Schriftstüde vor und beantragte, zwei von dem Angeklagten namhaft gemachte höhere Beamte aus dem Reichs- Marineamt zu laden. Der Gerichtshof beschloß die Ladung dieser beiden Zeugen zum Sonnabend. Längere Zeit nimmt die Erörterung der Straftaten in Anspruch, welche dem Angeklagten 2 illh Walewski zur Last gelegt werden. Er räumt ein, während seiner Dienstzeit in Kiel von seiner Schwester Eines der vielen unverständlichen Urteile, die Breslauer Richter gegen 2000 m. erhalten zu haben. Schließlich habe er doch Schulden fchon gegen streikende Arbeiter und Streitführer gefällt haben, ist halber abgehen müssen. Seine Betrügereien in Berlin bewegen fich bekanntlich vom Reichsgericht aufgehoben worden und kam des- auf demselben Gebiete wie diejenigen seiner Schwester. Er trat halb am Mittwoch erneut zur Verhandlung. Der Beamte des großspurig auf, fuchte und fand Darlehnsgeber und lebte von diesen Zimmererverbandes, Genosse Schmidt, traf auf der Straße einen Erträgnissen als ein reicher Mann. Auch er wollte eine Arbeitswilligen und fragte diesen:„ Arbeitest Du auch auf dem Kühnelschen Epoche machende Erfindung verwerten, bald wieder erzählte Die Aussperrung in der Gelbmetallindustrie. Bau?" Auf die Gegenfrage:„ Warum?" hat Schmidt geantwortet:" Wir er, daß er im Begriffe stehe, eine schwer reiche Dame zu heiraten. Wie in der gestrigen Streifversammlung mitgeteilt wurde, hat werden uns morgen in der Versammlung mit Dir und die Darlehnsgeber witterten reiche Beute und brachten sich an dem Stand der Bewegung im wesentlichen nichts geändert. beschäftigen." Das ist, wie das Gericht in der neuen Ver- Opfer. Der Angeflagte hatte ein Liebesverhältnis mit einer jungen Das langfame Abbröckeln der Untenehmer vom Kühnemänner- Ver- handlung entschieden hat, zwar keine Verrufserklärung, aber die Verkäuferin. Als diese sich von ihm trennen wollte, drohte der Anband dauert fort. Im Laufe der letzten Tage haben wieder eine Bedrohung mit einer Berrufserklärung, die nach dem Antrage des geklagte, daß er sie niederschießen würde, wenn er sie mit Anzahl Fabrikanten den Tarif unterschriftlich anerkannt. Es sind Staatsanwalts vom Gericht mit der höchsten zulässigen Strafe von einem andern treffen sollte.- In einem andern Falle, der ihnen daraufhin wieder Arbeitskräfte zur Verfügung gestellt worden. drei Monate Gefängnis belegt wurde. In dem Anhalten und Auf- morgen erörtert werden soll, trat der Angeklagte auch als Käufer Die Zahl der Streifenden und Ausgesperrten hat sich deswegen aber suchen der Streifbrecher hat nach Ansichts des Gerichts eines Hauses auf. Es kam auch zum Abschluß eines Vertrages, nicht vermindert, denn die Streifleitung verfolgt die Taktif, genau eine planmäßige Auflehnung gegen die bestehende Rechtsordnung ge- aber weiter nicht. Die Verteidiger Dr. Schwindt und Arndt stellten so viel Arbeiter, wie in die bewilligten Betriebe hineingehen, aus legen, die mit der schärften Strafe belegt werden müßte. noch einige Beweisanträge, denen stattgegeben wurde. den nichtbewilligten Betrieben herauszuziehen. Dadurch wird den Einem anderen Zimmerer namens Hönsch wurde zur Laft gelegt. Gegen 3 1hr vertagte der Präsident die Verhandlung auf Freiitarrlöpfigen Fabrikanten, die mit den nichtausgesperrten Leuten ebenfalls einen Streitbrecher mit Redensarten bedroht zu haben, tag vormittag 91 Uhr. intmer noch einen Teil ihres Betriebes aufrechterhalten konnten, die außerdem mit einem Stein nach dem Buchhalter des gesperrten Produktionstätigkeit alsdann unmöglich gemacht. Cohen berichtete, Baues geworfen zu haben. Der Stein hatte den Betreffenden nur Im Falschmünzer- Prozeß ereignete fich gestern eine Episode merkes sei interessant mit anzusehen, wie erstaunt die Unternehmer feien, am Bein gestreift, feinerlei Verlegungen angerichtet; trozdem wurde würdiger Art. Es handelte sich um die Vernehmung des Buchdruckerei wenn ihnen plößlich die nichtausgesperrten Arbeiter davongingen. Hönsch, der übrigens den Wurf bestreitet, mit 9 Monaten Gefängnis befigers Wilhelm Banede. Die Herren haben in der Meinung gelebt, es müsse dem Metall- bedacht. Sechs andere Bimmerleute sind an dem betreffenden Tage Der Angeklagte Lache hält diesen für den Urheber seines Unarbeiter- Verband wer weiß welchen Schaden zufügen, wenn sie einen dabei gewesen, feiner hat von dem Wurf des Hönsch etwas gesehen; glüds, weil er feinerzeit eine anonyme Denunziation gegen Lache Teil ihrer Arbeiter aussperren. Nun sie aber sehen, daß ihnen je diese Zeugen wurden nicht vereidigt. Nächste Woche stehen wieder erstattet hatte, die zu beffen Verurteilung zu vier Jahren Zuchthaus nach Bedarf auch noch die letzten Arbeiter aus der Werkstatt gezogen ungelernte Bauarbeiter wegen Streifvergehen vor Gericht. in Breslau geführt hat. Er ist seinerzeit auch in dem Strafverfahren werden, da stehen sie als 8euge vernommen, aber nicht bereidet worden, da ihn wie die betrübten Lohgerber Der Düsseldorfer Brotboykott vor der dortigen Straf- adje beschuldigte, daß er der Einbrecher sei. Lache hatte seinerzeit und sinnen vergeblich darauf, wie sie das letzte bißchen Betriebs- fammer. Während des Bäderstreits in Düsseldorf war von den auch einen Lehrbrief ausgestellt, wonach er in seiner Buchtätigkeit wieder entfachen sollen. So hatte eine der reichsten Firmen, streitenden Bäckern ein Flugblatt herausgegen worden, das sich druderei gelernt habe. Der Zenge behauptete mit aller BeD M stimmtheit, daß er diesen Lehrbrief nicht unterschrieben| Lembke zu erwartei sei als die höchste Geldstrafe bezw. sechs Wochen unglückte Arbeiter sich zu verhalten haben, um in den Besitz der habe, da seine Handschrift eine ganz andere sei. Er be- Haft. Nun stellte der Verteidiger den Antrag, das Verfahren gegen Unfallrente zu kommen. Die Aussprache über den Vorftag war fundete, daß er dem Lache allerdings einmal einen Lehrbrief den Schriftsteller Lembke von der Sache abzutrennen und nur gegen eine rege. Besonders wurde hervorgehoben, daß die Arbeiter die ausgestellt habe, obgleich Lache bei ihm nur vorübergehend die drei Angeklagten Dr. Sandow, Dr. Roosen und Redakteur Cleemann besten Schüber ihrer Gesundheit selbst sein müßten, indem sie die Reisender gewesen. Dies sei aber ein anderer Lehrbrief ge- zu verhandeln. Nachdem das Gericht einen dahingehenden Beschluß Verwendung von schlechten Materialien bei Rüstungen usw. verwesen und er habe ihn nur ausgestellt, weil Lache seinerzeit auf gefaßt hatte, erklärte Dr. Roosen- München, daß er den vorsitzenden weigerten. Aber auch die unverantwortliche Arbeitsmethode, wie sie seiner Lehrstelle nicht ausgelernt hatte. Er habe schließlich den Lache Richter Dr. v. Bergen sowie die beisigenden Richter Dr. Frommheim heute vielfach zu beobachten sei, durch welche Leben und Gesundheit Sierauf sprach hinausgeworfen, weil er dahinter kam, daß dieser nächtlicher Weile und Dr. Hasstedt wegen Besorgnis der Befangenheit ab- vieler gefährdet werde, müsse bekämpft werden. in feiner Druckerei eingebrochen sei und dort für sich gedruckt lehnen müsse. In längerer Rede begründete Dr. Roosen feinen An- up penlag über die bevorstehenden Gewerbegerichtswahlen. Er habe. Von irgend einer Geiste skrankheit des Lache habe er trag und legte ein hierauf bezügliches umfangreiches Material vor. forderte die Anwesenden auf, keine Arbeit, keine Mühe zu scheuen, nichts bemerkt, dieser sei vielmehr sehr gescheit gewesen. Er Nach fünfstündiger Beratung verkündete das Gericht, daß es für die um der Sache der Gewerkschaftskartelle zum Siege zu verhelfen. Die habe ihm einmal gesagt, daß er mit Goldsachen ankommen werde Prüfung des von den Angeklagten ihren Anträgen beigegebenen hierauf verlesene und einstimmig angenommene Resolution hat folgenund dies damit begründet, daß Anarchistent lub ici, i per Bertrauensmann in einem Materials zwei Tage nötig habe und daher die Verhandlung bis den Wortlaut:„ Die heutige außerordentliche Bersammlung des Baronen verfehre Sonnabend früh ausseße. Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend nimmt Kenntnis von und allerlei Dinge an die französische Grenze bringen Die wegen fünffachen Mordes zum Tode verurteilte Frau Wiese den skandalösen Vorgängen zwischen Geiverkschaftskommission und müsse. Der Angeklagte öffnet alle Schleusen seiner trausen in Hamburg hat gegen dies Urteil, wie uns eine Privatdepesche Gewerkschaftskartell anläßlich der bevorstehenden Gewerbegerichts. Beredsamkeit, um gegen diesen Beugen die fchwersten meldet, Revision eingelegt. wahlen. Die Versammelten erheben gegen den egoistischen Stand Beschuldigungen vorzubringen. Er war in vollster punkt des Ausschusses der Gewerkschaftskommission, wonach den Aufregung und bat, diesem Zeugen nichts zu glauben, fartellierten Gewerkschaften das Recht abgesprochen wird, für ihre wobei er behauptete, daß dieser schon borbestraft sei. Zeuge ausscheidenden Beisitzer ebensoviel Kandidaten neu zu nominieren, Panecke aus Breslau bestritt zunächst, vorbestraft zu sein, als Verfammlungen. Mit der Lohnbewegung der Schlächter befaßte sich am Mittwoch den schärfsten Protest. Die Versammelten verlangen, daß das Ges aber der Angeklagte Lache in voller Erregung dabei verblieb und eine Generalversammlung des Zentralverbandes. Die Versammlung wertschaftskartell an den Gewerbegerichtswahlen mit Kandidaten der Borsigende auf die Folgen des Meineides hinwies, gab wurde durch einen Vortrag des Bäckers Schneider eingeleitet, teilzunehmen hat. Da die Gewerkschaftskommission es abgelehnt hat, der Zeuge langsam und zögernd drei kleinere Vorstrafen der die Erfahrungen, welche seine Gewerkschaft mit ihrem Streit ge- die ihr angebotene Verständigung in Form eines Regulativs den zu. Auf Antrag des Rechtsanwalts 3 aute sollen die Strafakten macht hat, besprach, und sie den Schlächtern, bei denen ja die Ver- Streitfall zu beseitigen, anzunehmen, erklären sich die Protestieren des Zeugen eingefordert werden. Auf die Frage eines Sach- hältnisse fast die gleichen sind wie bei den Bäckern, zur Beachtung den mit dem Beschluß des Gewerkschaftskartells, selbständig mit verständigen an Lache, warum er sich denn als Anarchist be- empfahl. Hierauf berichtete der Verbandsvorsitzende Hensel über eigenen Kandidaten in die Wahl einzutreten, einmütig einverstanden. zeichnet und ob er denn A archist sei, antwortet dieser:" Seine die Lohnbewegung der Schlächter in Hamburg. Er konnte mitteilen, Die Versammlung verurteilt mit lebhafter Entrüstung die bes Privatangelegenheiten gehörten nicht hierher!" Mit daß seine Hamburger Kollegen, von denen etwa die Hälfte orga- schämende, elende Kampfesweise der Gewerkschaftskommission, die sich Siegesbewußtsein hörte er dann das vorläufige Gutachten des Schreib- nisiert find, in den nächsten Tagen in den Streift treten werden, nicht entblödet hat, bei der„ Vorwärts"-Redaktion zu beantragen: fachverständigen Dr. Georg Meyer mit an, das dahin ging: Die falls nicht noch bis dahin eine Verständigung mit den Meistern erUnterschrift unter dem Lehrbrief scheine von der Hand des zielt werden sollte. Zeugen Panede herzurühren. Dieser bestritt zunächst immer wieder, auf ernsten Vorhalt des Präsidenten gab er jedoch nach und nach die Möglichkeit der Unterschrift zu. Die an wesenden medizinischen Sachverständigen hielten diesen Zwischenfall zur Beurteilung des Geistes zustandes des Lache für so wichtig, daß morgen in Anwesenheit aller Sachverständigen noch weiter darüber verhandelt werden soll. Dem Gewerkschaftskartell feien die Spalten des„ Vorwärt" 3u sperren". Die Versammelten ver Kampfesweise am Wahltage die gebührende Antwort nicht schuldig zu pflichten sich hiermit, alles aufzubieten, was in ihren Kräften steht, unt dadurch der Gewerkschaftskommission für ihre entehrende Wahltage bleiben." " berichtete se linte, daß von 1500 Meistern, denen die Forde leber den gegenwärtigen Stand der Lohnbewegung in Berlin willigt haben. Wie bei den Bäckern, so sollen auch die Schlächterrungen zur Anerkennung vorgelegt worden sind, eine Anzahl bemeister, welche die Forderungen bewilligt haben, Blafate erhalten, durch die das faufende Publifum von der Bewilligung in Kenntnis am Sonntag eine Mitgliederversammlung im Englischen Garten ab. Die deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft, Bahlstelle Berlin, hielt gesetzt wird. Um die Innehaltung der anerkannten Forderungen zu Feine Familien. In der Region der oberen Behntausend" fontrollieren, follen Versammlungen der Gesellen, welche bei den Bebler berichtete über die neuesten Aussperrungen in der Metallspielten sich die Vorgänge ab, die einer gestern vor dem Schöffen- bewilligt habenden Meistern arbeiten, und auch Versammlungen dieser industrie und teilte mit, daß die Metallwaren- Fabrikanten, soweit Ferner sollen sie der Vereinigung der Abteilung II angehören, als Antwort auf die gericht des Amtsgerichts II verhandelten Privatklage zu Grunde Meister mitsamt den Gesellen veranstaltet werden. lagen. Privatklägerin war die Schriftstellerin Annemarie Witte, bezirksweise in den verschiedenen Stadtgegenden Flugblätter verbreitet Lohnforderungen der Gürtler und Drücker wiederum eine Ausvertreten durch Justizrat Friedländer, Angeklagte die Frau werden, durch die das Publikum aufgefordert wird, nur bei den Sperrung vorgenommen hätten, die jedoch nicht in allen beteiligten Marie v. Pannewitz geb. Mitscherlich zu Charlottenburg, ver- Schlächtermeistern zu kaufen, welche die Forderungen der Gesellen Betrieben vollauf zur Durchführung gebracht worden sei. Einige treten durch Rechtsanwalt Hugo Caro. Als Zeugen waren zur erfüllen. Von einer derartigen Mitwirkung des Publikums wird der Firmen hätten sogar den Arbeitern wissen lassen, daß sie nicht mit Stelle Frau Erzellenz v. Schmeling, Frau v. We als chewski, Erfolg erwartet, daß die Schlächtermeister, welche ihre Kundschaft dem Vorgehen der Herren Heegewald, Nasse usw. einverFrl. b. Döring, General Frhr. v. Dindlage Campe, schwinden sehen, ebenfalls die Forderungen der Gesellen bewilligen standen seien und recht bald eine Verständigung herbeisehnten. Auch Fräulein v. Dindlage- Gampe, Oberleutnant a. D. Adalbert werden, so daß möglichenfalls ohne Streit eine Verbesserung der hätten mehrere Fabrikanten den Austritt aus der Vereinigung erb. Arnim, Frau v. Jasmund, Erzellenz Freiherr v. Gramm, elendensohn- und Arbeitsverhältnisse der Schlächtergesellen eríangt werden flärt. Von mehreren Firmen sei der Tarif unterschriftlich anerkannt Fräulein v. Düring, Fräulein b. Ravenstein, Gräfin kann. Die Versammlung erklärte sich mit dieser Taktik einverstanden worden. Für uns wird es nun darauf ankommen, daß die Betriebe, Melitta v. Dönhoff und andere. Frau v. Roon hatte sich In die Gauleitung wurden Scheumann, weiß und Battner die an der Aussperrung beteiligt sind, nun auch lahmgelegt werden, ganz kurz vor dem Termin entschuldigt. Da höchst anstößige gewählt. Schließlich beschäftigte sich die Versammlung noch mit den um so einen Drud auf die Aussperrer" auszuüben. Zum Schluß Dinge zur Sprache gebracht werden mußten, wurde für die erste Hälfte Verhältnissen im Konsumverein Südost. Nach längerer Debatte, in bittet Redner um moralische Unterstüßung der streikenden und ausder Verhandlung die Deffentlichkeit ausgeschlossen. Gräfin der auch die dort beschäftigten Gesellen an ihre Pflicht dem Unter- gesperrten Kollegen. Nach reger Diskussion, in welcher auch die Dönhoff hatte seinerzeit die jetzige Angeklagte vor den Schieds- nehmen gegenüber erinnert wurden, nahm die Versammlung folgende Tariffrage und das Unterstüßungswesen der Verbände erörtert richter gefordert, weil sie über den Charakter und das Leben der Refolution an: Die heutige Generalversammlung spricht sich dahin wurde, fand folgender Antrag einstimmige Annahme: Gräfin gelegentlich höchst haarsträubende Bemerkungen gemacht und aus, daß die Schlächtereien des Rabatt- Sparvereins Südost undiese durch pikante Geschichten illustriert haben sollte. Bei der Ver- bedingt boykottiert werden müssen, wenn daselbst die festgelegte Die Beschäftigung von Handlung der daraus entstandenen Privatklage war es zu einem Arbeitsordnung nicht inne gehalten wird. Bergleiche gelommen, in welchem Frau v. Pannewitz der Gräfin Hausdienern zu gewerblichen Arbeiten in unserem Berufe daselbst volle Genugtuung gab. Frau v. P. hatte nun aber die Schrift verurteilt die Versammlung auf das schärffte. stellerin Witte als die Quelle ihrer Mitteilungen angegeben, und auf Grund dieser Angabe hatte hierauf Frau Witte die Privatklage angestrengt. Sie behauptete nachdrücklichst, daß es ihr gar nicht eingefallen fei, der Angeklagten derartiges mitzuteilen, gab aber zu, einmal in Gesellschaft eine abfällige Bemerkung über eine andere, bereits verstorbene Gräfin Dönhoff gemacht zu haben. Die Zeugin Frl. v. Düring behauptete dagegen, daß die Bemerkungen der Privatklägerin nur so hätten aufgefaßt werden können, daß fie auf Gräfin Melitta Dönhoff gemünzt seien. Der größte Teil der Zeugen war zu der Frage geladen, ob Frl. v. D. ernst zu nehmen sei oder ob sie sich die seltsamsten Dinge einreden läßt, wie von flägerischer Seite behauptet wurde. Der Gerichtshof nahm auf Grund der Beweisaufnahme an, daß Fr. Witte vor einigen Jahren in einer Gesellschaft über eine Gräfin Dönhoff in einer Weise gesprochen, daß man annehmen konnte, es beziehe sich auf die Gräfin Melitta. Da sie somit Schuld an der Verwechselung trage, erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung der Aus geklagten und legte der Privatklägerin die Kosten auf. Die heutige Mitgliederversammlung beschließt, den Kampf gegen die Kühnemänner aus Anlaß des jetzigen Kampfes der Gelbmetall- Branche mit aller Macht aufzunehmen; sie erwartet, daß jede Arbeit aus den Firmen, in welchen Differenzen vorliegen, als Streifarbeit betrachtet und verweigert wird und alsdann auch die in Betracht kommenden Kollegen aus diesen Betrieben herausgeholt werden. = Die Schloffer hielten am Montag in Buggenhagens Saal eine ungewöhnlich stark besuchte Versammlung ab. Nachdem Eduard Bum zweiten Punkt der Tagesordnung berichtet Wiesner. Bernstein unter großem Beifall der Anwesenden über Frei Mebner bespricht das Verhalten der Gewerkschaftskommission und handel und Arbeitsmarkt" gesprochen hatte, berichtete Lubatsch fordert die Annahme nachfolgender Protest- Resolution: Die heutige eingehend über eine Anzahl Differenzen in einer Reihe von Versammlung der deutschen Metallarbeiter Gewerkschaft, VerSchlossereibetrieben. So wird trog der tariflich festgelegten neun- waltungsstelle Berlin, nimmt Kenntnis von den skandalösen Vorstündigen Arbeitszeit noch mehrfach zehn Stunden gearbeitet, auch gängen zwischen Gewerkschaftsfommission und Gewerkschaftskartell versuchen einzelne Meister noch immer den Lohn zu drücken. Wieder- anläßlich der bevorstehenden Gewerbegerichts- Wahlen. Die Berholt kam es zu Differenzen bezw. Werkstattstreits wegen der Atford- sammelten erheben gegen den egoistischen Standpunkt des Ausschusses überschüsse. Viele Kolonnenführer können sich nämlich nicht daran der Gewerkschaftsfommission wonach den kartellierten Gewerkgewöhnen, die Affordüberschüsse mit ihren Helfern zu gleichen Teilen zu schaften das Recht abgesprochen wird, für ihre ausscheidenden Beifißer teilen, wie solches die Tarifvereinbarung vorschreibt. Sie handeln vielmehr ebensoviel Kandidaten zu nominierenden schärfsten Protest. Die noch nach dem früheren System, wo sie es als ihr Privilegium be- heute Versammelten verlangen, daß das Gewerkschaftskartell an den trachteten, den Löwenanteil der Ueberschüsse in die eigene Tasche zu Gewerbegerichtswahlen mit Kandidaten teilzunehmen hat. Da die steden und die Helfer mit einigen Gefälligkeitsgroschen abzuspeisen. Gewerkschaftskommission es abgelehnt hat, durch die ihr angebotene Den Kolonnenführern wurde nach ausgiebigster Diskussion der Rat Verständigung in Form eines Regulativs den Streitfall zu beseitigen, erteilt, sich in Zukunft besser an die betreffenden Tarifbestimmungen erklären sich die Protestierenden mit dem Beschluß des Gewerkschaftszu halten und, falls sie dabei zu wenig verdienen, mit eiaenen fartells selbständig mit eigenen Kandidaten in die Wahl einzuForderungen an die Arbeitgeber heranzugehen. Zum Schluß wies treten- einmütig einverstanden. Die Versammlung verurteilt mit Lubatsch auf die bevorstehende Lohnbewegung der Bauanschläger hin lebhafter Entrüstung die beschämende elende Kampfesweise der Geund ermahnte die Schlosser dringend, im Fall es in jener Branche werkschaftskommission, die sich nicht entblödet hat, bei der„ Vorzum Streit kommen sollte, unter keinen Umständen Streitarbeit an- wärts"-Redaktion zu beantragen:„ dem Gewerkschaftskartell" seien die Spalten des„ Borwärts" zu sperren." Die Versammelten verDer Verein der Zimmerer hielt am Mittwoch, den 5. Oktober, pflichten sich hiermit, alles aufzubieten, was in ihren Kräften steht, eine außerordentliche Versammlung in den Industriesälen ab. um dadurch der Gewerkschaftskommission für ihre entehrende Theodor Fischer hielt einen Vortrag über:" Die wichtigsten Be- Kampfesweise am Wahltage die gebührende Antwort nicht schuldig ſtimmungen des Unfallversicherungsgesetzes". Der Referent be- zu bleiben. Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Als leuchtete die einschlägigen Paragraphen des besonders für die Bau- Kandidat wurde, Erh. Schlenker aufgestellt. Alsdann wurde noch arbeiter wichtigen Gesetzes und legte klar, wie im Betriebe ver- Pietonta an Stelle des bisherigen Revisors Eul gewählt. Bom Hamburger Krankenhaus- Prozeß. Zu der gestrigen Verhandlung vor dem Landgericht in Hamburg war der Hauptangeklagte Dr. Sandow aus Italien erschienen. Dagegen fehlte noch immer der Schriftsteller Bemb fe aus Berlin, gegen den ein Haftbefehl erlassen worden war. Auf Grund eines ärztlichen aufertigen. Attestes beantragte sein Verteidiger Dr. Goldfeld, den Angeklagten, der nach dem ärztlichen Gutachten nicht verhandlungsfähig sei, vom Erscheinen zu entbinden und den gegen ihn erlassenen Haftbefehl aufzuheben. Das Gericht stimmte dem letzteren Antrage zu, verwarf jedoch den Antrag auf Entbindung des Angeklagten vom Erscheinen, da in dem Verfahren offenbar eine höhere Strafe für Passage- Theater. Dida. Spezialis Für den Inhalt der Jujerate täten. Anfang 5 Uhr. übernimmt die Redaktion dem Wintergarten. Spezialitäten. Luisen- Theater. Apollo- Theater. Trianon- Theater. Publikum gegenüber keinerlei Reichshallen. Stettiner Sänger. Der Registrator auf Reisen. Verantwortung. Theater. Freitag, den 14. Oktober. Anjang 7, Uhr: Opernhaus. Lucia von Lammermoor. Neues fönigl. Opern Theater. Torquato Tasso. Deutsches. Maria Friedhammer. Berliner. Im bunten Rod. Lessing. Traumulus. Weften. Undine. Thalia. Der Weiberkönig. Zentral. Die schöne Helena. Belle Alliance. Wegen Vorbereitung geschlossen. Neues. Die Kronprätendenten.( Anfang 7 Uhr.) Anfang 8 Uhr: National. Figaros Hochzeit. Schiller 0.( Wauner Theater.) Die Kreuzelschreiber. Schiller N. ( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). handlung. Kleines. Nachtasyl. In Be Residenz. Eine Hochzeitsnacht. Lustspielhaus. Biederleute. Trianon. Gastons Frauen. Luisen. Der Registrator auf Reisen. Deutsche Volksbühne. Maria Stuart. Kafino. Mutter Gräbert. Metropol. Ein tolles Jahr. Irania. Taubenstraße 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Im Bannkreis der Jungfrau. Im Hörsaal: Um 8 Uhr: Bortrag des Herrn Dr. v. Unruh:" Die Elemente des 162. Stom Invalidenstraje warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Sonnabend: Der Registrator auf Reisen. Sonntag, nachm.: Hamlet. Abends: Der Registrator auf Reisen. Montag: Der Registrator auf Reisen. Deutsche Volksbühne. 19 Heute und folgende Tage: Die neuen Otober- Spezialitäten. Gastons Frauen. Hierauf: Berliner Luft. Ausstattungs- Burleske von Benno Jacobson. Musik von Paul Lincke. Sonntag, den 16. Oktober, nachAnfang 8 Uhr. Sonntag, nachmittags: Madame X. Residenz- Theater. mittags 3 Uhr, bei ermäßigten Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage Carl Weiß- Theat., Gr. Franff. Str. 132. Preisen: Frühlingsluft. Operette von Josef Strauß. Vorher: 8 Uhr: Spezialitäten. Urania. Maria Stuart. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Im Bannkreis der Jungfrau. Hörsaal 8 Uhr: Dr. v. 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Kleines Theater Neues Theater. Bereinigte Bühnen unter der Leitung von Max Reinhardt. Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Sonnabend: Des Pastors Rieke. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Fräulein Julie. Thalia- Theater. Anfang 7 Uhr: Die Kronprätendenten. Sonnabend: Erdgeist. Sonntag: Die Kronprätendenten. Montag: Die Kronprätendenten. Belle- Alliance- Theater. Dresdenerstr. 72/73 Direktion: Kren& Schönfeld. Belle- Allianceftr. 7/8. Täglich abends 72 Uhr: Durchschlagender Lacherfolg! Heute wegen Vorbereitung geschlossen. Sonnabend: Zum erstenmal: Novität. Der Weiberkönig. Die Tugendglocke. ( Guido Thielscher, Lina Abarbanell, Fritz Helmerding Josephine Dora.) Sonntag, nachm. 3, Uhr bei halben Preisen: Charleys Tante. Baudevilleposse von Ferrier, bearbeitet von J. Kren und Alfr. Schönfeld. Sonntag, nachmittags 3 Uhr, bei fleinen Breisen: Der Goldbauer. Deutsche Konzert- Hallen. An der Spandauer Brücke 3. Vollständig neu ausgestattet! Täglich: Gr. internat. Künstlerkonzerte. x Theater- Abteilung. 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Quartettsängern Herren: Max Horst, Karl Nebe, Paul Wegener, Hermann Krause, Richard Gersdorf, Kurt Donath, Arthur Lewrig und Eugen Andree. Der Ueberschuß wird zur Unterstützung hülssbedürftiger Kollegen verwandt. Billetts a 30 Pfennige find in den Zahlstellen und bei den Vorstandsmitgliedern, sowie Werkstatt- Vertrauensleuten zu haben. Anfang präzise 12 Uhr. Um rege Beteiligung ersucht 227/11 Der Vorstand der Filiale Berlin. Verband der Capezierer. ( Filiale Berlin.) Sonnabend, den 15. Oktober 1904 in den Festsälen des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15 8. Stiftungs- Fest. Grosses Konzert unter Mitwirkung des Quartett- Vereins von 18974 sowie des Humoristen Herrn Karl Schmelzer. Anfang präzise 9 Uhr. Entree inkl. Tanz 50 Pf. Sonnabendabend bleiben das Bureau und die Zahlstellen geschlossen. 178/2 Das Komitee. Gesellschaft Volkshaus Hagen i. W. sucht einen Kastellan mit einem Gehalt von 2000 Mart pro Jahr. 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Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Robert Tieg am 7. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 122/15 Die Ortsverwaltung. Den Kollegen hiermit die fraurige Nachricht, daß unser Mit arbeiter, der Korrektor Eduard Glass am Mittwoch, den 12. Oftober, von seinem langjährigen Leiden durch den Tod erlöst wurde. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Frei tag, den 14. Oftober, mittags Punkt 12 Uhr, auf dem jüdischen Stirchhof in Weißensee statf. 21126 Das Personal der Buchdruckerei H. S. Hermann. Am Mittwoch, den 12. Oktober, früh 6 Uhr, entschlief nach kurzem, schwerem Reiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Bruder, Schwager und Dnkel Hermann Lehmann im 46. Lebensjahre. 7032 Dies zeigen im tiefsten Schmerze, um stilles Beileid bittend, an Anna Lehmann geb. Sommerfeldt nebst Töchtern. Berlin, Badstr. 20. Die Beerdigung findet Sonne abend, den 15. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Halle des neuen St. Pauls- Kirchhofes, Plötzensee, aus statt. Nachruf. Am Mittwoch, den 12. Oftohe, früh 6 Uhr, verschied na turzem, schwerem Leiden der Geschäftsführer des Weimannschen Boltsgartens, Herr Hermann Lehmann im 46. Lebensjahre. 7042 Seine Pflichttreue und der unermüdliche Fleiß bewahren dem Entschlafenen ein dauerndes, ehrendes Andenken. Die Direktion des Weimannschen Volksgartens. Badstr. 56. Kranken- Unterstützungs- und Begräbnis- Verein der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend. Sonntag, den 16. Oktober. bormittags 10 Uhr, Langeftr. 65: General- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal 1904. 2. Bereinsangelegenheiten und Vers schiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Mite Arbeiter jeden Berufes vom 16. bis 45. Jahre, welche Mitglieder des Vereins werden wollen, werden in der Versammlung aufgenommen. der wird gemántőt 37/7 Der Vorstand. Berliner ArbeiterRadfahrer- Verein". Mitglied des Bundes ,.Solidarität". Touren zum Sonntag, d. 16. Oktober: 1. und 2. Abt. mittags 1%, Uhr nach Hirschgarten( Radischat). Familien tour. Start: Blücherplay. 3. Abt. mittags 1 Uhr nach Wann fee( Bayrischer Hof). Start: Mariannen Staunend billig und empfehlenswert General- Versammlung plat, de Waldemarit, afgr der Delegierten. Tages- Ordnung: 4. Abt. mittags 12 Uhr nach Saat Start: winkel( Jägerhäuschen). Andreasplak. 5. Abt. früh 8 Uhr Streifzüge nach dem Norden. Mittags 2 Uhr nach Beide Start: Spandau( Kumfe). find die kurze Zeit verliehen gewefenen Möbel, zumal diefelben wie neu find, um damit zu räumen. Kleiderspind 24, Kommode 18, Sofa mit Auszug 30, Bettstelle mit Matrage 20, Muschelspinde, Bertitos 36, Salongarnitur, Plüschgarnituren 105, Muschelbettstellen mit Matraken 40, geschnitte hierzu höflichst eingeladen und ist es Büffette, Bücherspinde, Baneelfofas mit Pflicht eines jeden, pünktlich zu erfeld. Start: Brunnens u. Bernauer1. Statuten- enderung. 2. Verschiedenes. Die Herren Delegierten werden Landsbergerplak. 485 Satteltaschen 85, Schreibtisch 40, scheinen. 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Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Auslassungen stellt, die durch die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" Freitag, 14. Oktober 1904. Berliner Partei- Angelegenheiten. veröffentlicht und von uns in unserer Mittwochnummer besprochen macht Stadtverordneter Dr. Hugo Preuß in Sachen des SchulDas Herbstfest des Wahlvereins. Nicht am Sonntag, wie irrtümlich gemeldet, sondern Sonnabend abend 81/2 Uhr wird das Herbstfest des Wahlvereins für den ersten Wahlkreis in den Armin= hallen abgehalten. Blankenfelde. Wahlverein, Bezirk Pankow. Die Mitglieder- Ver fammlung wird auf Sonntag, den 23. d. M. verlegt. Lichtenberg. Sonnabend veranstaltet der Wahlverein ein Künstler Konzert mit darauffolgendem Tanz. Mitwirkende find das Berliner Sinfonie- Orchester, Dirigent M. Fischer, der Geigenvirtuose Herr Alfred Wittenberg und der Rezitator Herr C. Albert Stripp. Anfang des Konzerts 8 Uhr. Billetts sind in den Bahlstellen und bei den Bezirksführern zu haben. Rixdorf. Den Parteigenossen wird die Bibliothek des Wahlvereins in Erinnerung gebracht, die in der letzten Zeit bedeutend erweitert wurde, so daß ihre Benutzung aufs beste empfohlen werden kann. Die Ausgabe der Bücher geschieht unentgeltlich wochentags von 4-8 Uhr nachmittags in der Parteispedition, Bring Handjerystr. 7, im Laden. Stralau. Der Wahlverein hält Sonntag, nachmittags 2 Uhr, feine Generalversammlung bei E. Gursch, Alt- Stralau 5, ab. Genosse Sonnenburg gibt den Bericht vom Bremer Parteitag. 4 Der Wahlverein von Zernsdorf und Umgegend hält am Sonntag, den 16. d. M., nachmittags 3 Uhr, seine Generalversammlung bei Schulz ab. " Lokales. Die Stadtverordneten über den Straßenhandel. worden sind. Herr Kirschner sagt: Einen Vorschlag, der unseres Erachtens seine Bedenken hat, konflikts. Er schreibt am Schluß eines in der Berliner Zeitung" veröffentlichten Artikels: Der Kernpunkt der Frage wird in jenen Ausführungen nicht Schon der Minister Mühler hat in einer Verfügung von 1864 getroffen. Wenn darin unter anderem gesagt ist, es sei durchaus die Eventualität besorgt ins Auge gefaßt, daß die städtischen Schulnicht geltendes Recht in Preußen, daß die öffentlichen Volksschulen, deputationen sich auf das Gebiet einfacher Verwaltungsdeputationen insoweit sie von politischen Gemeinden unterhalten werden, zurückziehen und so eine Lücke in die Schulorganisation reißen als Gemeinde- Anstalten lediglich der Kommunalaufsicht unterfönnten. Hier liegt in der Tat das letzte Mittel der Abwehr: ſtehen so ist das ja niemals bestritten worden. Im Gegenteil Verzicht der Städte auf jede Mitwirkung ihrer Organe bei haben wir das Aufsichtsrecht des Staates selbstverständlich stets den Funktionen, die der Staat mit Unrecht als sein Monopol anerkannt. Aber der jetzt schwebende Konflikt kommt gar nicht ufurpiert; reinliche Scheidung von staatlich und städtisch auf das Aufsichts-, sondern auf das Verwaltungsrecht hinaus. Daß der Staat nur das Aufsichtsrecht besitzt, geht doch schon aus in der Schulorganisation! Der preußische Staat faun ja viel; er der Bestimmung hervor, daß die Genehmigung des Provinzialversuche einmal, das Berliner Schulwesen ohne jede Hilfe der städtischen Schuldeputation und der städtischen Schul- Kom Schulkollegiums„ vorher" eingeholt werden muß. Die Regierung missionen zu verwalten. Wenn er es ebenso gut fann wie die beruft sich ferner auf den§ 18 der als gesetzliche Norm Selbstverwaltung, dann ist deren Ueberflüssigkeit bewiesen; wenn geltenden Regierungsinstruktion vom Jahre 1817. Der Paragraph nicht, wird er lernen, das Recht der Selbstverwaltung zu achten. besagt allerdings, daß die Direktion und Aufsicht über alle Nach unserer Meinung wäre durch den Streit der etwa 3000 öffentlichen und Privatschulen und die Verwaltung fämtlicher in Betracht kommenden Berliner Bürger für die Sache der Stadt äußeren Schulangelegenheiten der staatlichen Aufsicht untersteht. nicht s gewonnen. Die Regierung würde im gedachten Aber die gestrigen Ausführungen verschweigen, daß nach jener alle feineswegs die Einrichtung aufheben, die auch von Herrn Instruktion diese Bestimmung nur borbehaltlich der Vermögens Preuß den Tatsachen zum Troß noch Selbstverwaltung genannt rechte der Gemeinde Geltung haben soll. Wenn endlich von mehr wird. Sie würde nichts tun und auch weiter nichts zu tun brauchen, jährigen Versuchen gesprochen wird, auf dem Wege vertraulicher, als etwa die Lakaien, Hoflieferanten 2c., die heute die kleine, aber persönlicher Verständigung eine Beseitigung jener Mißstände zu allen Schandtaten bereite Antisemitengarde bilden, an herbeizuführen", so ist das insofern richtig, als der Herr Kultus bie Stelle der Streifenden zu setzen. Die Antisemiten warten ja minister, wenn wir uns auf Festen, bei Diners oder sonst förmlich darauf, auf solche umlautere Manier sich wieder wichtig begegneten, das Gespräch auf diese Sache brachte nnd mich machen zu können. ersuchte, den nunmehr gemaßregelten Vereinen Keine Arbeiter- Wochenkarten vorrätig. Ein Leser schreibt uns: doch die Schullofale zu sperren. Ich betrachtete as am Montag voriger Woche die im Vorort Spindlersfelde dies als einen persönlichen Wunsch, der nur mir persönlich vorgetragen wurde. Ich nahm daher wohnenden Arbeiter sich ihre Wochenkarte auf dem dortigen Bahnamtlich von derartigen Aussprachen ebensowenig Kenntnis wie hofe lösen wollten, erhielten sie am Schalter die Antwort, daß keine von den Briefen, die der Herr Kultusminister an mich mit dem solche Karten vorrätig seien. Die Fahrgäste waren gezwungen, sich gleichen Ersuchen richtete. Weder von diesen mündlichen noch von für 20 Bf. eine Karte nach Berlin zu kaufen und ebenso eine für den schriftlichen Auseinandersetzungen des Herrn Ministers habe die Rüdfahrt. Man follte denken, daß auch auf einer Vorortstation ich dem Magistrat Kenntnis gegeben, da ich sie, wie bemerkt, für fich derartige Versehen vermeiden lassen. Wünsche rein privaten Charakters betrachtete." Diese schaften des Trains und Handwerker, welche bereit sind, zur Schutztruppe in Südwestafrita überzutreten, werden hierdurch aufgefordert, sich an den Wochentagen zwischen 11 und 1 Uhr bei ihrem Bezirkslichst zahlreiche Meldungen find erwünscht." feldwebel zu melden. Kosten dürfen hierdurch nicht entstehen. MögDie Feinde der Straßenhändler haben Anlaß, in Sack und Asche zu trauern. Sie haben in der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten eine böse Niederlage erlitten. Es ist ihnen nicht gelungen durchzusezen, daß in der Stadtverordneten Versammlung sich eine Mehrheit bereit finden ließ, der berüchtigten Polizeiverordnung zur Südafrika steht schlecht im Kurs. Von neuem erlassen die BeDie juristischen Darlegungen des Oberbürgermeisters entsprechen zirkskommandos folgenden Säulenanschlag: Mannschaften des BeRegelung des Straßenhandels beizustimmen. Die dem Standpunkte, den der Magistrat in seinem mit dent Provinzial- urlaubtenstandes aller Waffen, besonders aber Artilleristen, MannStadtverordneten- Bersammlung hat zwar nach Ansicht des Polizei Schulkollegium geführten Briefwechsel eingenommen hat. Neu ist präsidiums in dieser Sache überhaupt nicht mitzusprechen. Sie ist aber, was er über die vom Stultusminister unternommenen Versuche trotzdem damit bemüht worden; aber sie hat dem Polizeipräsidenten einer„ vertraulichen, persönlichen Verständigung" erzählt. nicht den Gefallen getan, ihm einen Teil der Verantwortung für das Mitteilungen lassen darauf schließen, daß die Regierung selber Zustandekommen dieser sogenannten„ Regelung" des Straßenhandels ihre Position feineswegs für unangreifbar hält. Sie abzunehmen. hat die Vorsicht gebraucht, es zunächst einmal mit vertraulichen Schon vor zwei Jahren war das Polizeipräsidium abgefallen. Winten zu versuchen. Man hätte nicht zu dieser Hintertreppen- Taftit Es kam dann ein neuer Entwurf der geplanten Verordnung, gegriffen, wenn man nicht von früher gewußt hätte, wie rasch die dem man ein paar Abschwächungen eingefügt hatte, um ihn schmac- Insaffen des Berliner Rathauses bereit sind, auf solche Winke einzuhafter zu machen. Der Stadtverordneten- Ausschuß, dem dieser neue gehen. Diesmal ist der Plan allerdings mißglückt. Herr Kirschner Entwurf zu erneuter Prüfung überwiesen worden war, hat auch wollte nicht fapieren und nahm„ amtlich keine Kenntnis" von den feierseits noch einige Milderungen vorgeschlagen, in der Hauptfache ihm applizierten freundschaftlichen Rippenstößen. Da mußte denn aber hat er sich einverstanden erklärt mit dem, was das Polizeipräsidium wünscht. zur offenen Gewalt geschritten werden. Der Ausschuß berichtete gestern an das Plenum, und zwar durch den Mund des Hausagrarierführers anderes mit wünschenswerter Deutlichkeit erkennen. Der Vorstoß der Die von Herrn Kirschner gegebene Darstellung läßt noch ein Wallach, der im Auftrage der Ausschuß Mehrheit die 3uRegierung gilt diesmal nicht so sehr den Stadtgemeinden und ihrer stimmung zu der Verordnung mit den erwähnten Aenderungen Selbstverwaltung, als jenen Vereinigungen, deren politische bezw. empfahl. dem allgemeinen staatlichen Interesse widerstreiten". religiöse Haltung, wie das Provinzial- Schulfollegium so, schön sagt, 9 Eine Wendung im Schulfonflikt? Die wiederholte Aufforderung zeigt, daß in der von der deutschen Kolonialpolitik ja nie besonders erbaut gewesenen Arbeiterschaft auch jetzt feine große Luft herrscht, über Land und Meer ins heiße Afrika zu ziehen. Aber es gibt unter den sich gebildet nennenden Allbeutschen, unter den an Zahl gar nicht geringen Mitgliedern wollen diese Herrschaften hier, wo Not am Mann ist, denn nicht des Flottenvereins doch Kolonialschwärmer die schwere Menge. sollen diese Herrschaften hier, wo Not am Mann ist, denn nicht die von ihnen gepriesene Sache eintreten? einmal Courage an den Tag legen und mit dem Leben für Eine beherzigenswerte Warnung veröffentlicht das PolizeiVerlegungen von Personen sind in der lezten Zeit durch das Erpräsidium in folgender Bekanntmachung: Bahlreiche Brände sowie plodieren von Apparaten verschiedener Art( Lampen, Kochmaschinen, Plätteisen), welche mit leicht entzündlichen Brennstoffen, wie Benzin, Es Dieser Vorschlag wurde von der sozialdemokratischen Fraktion Petroleum, Spiritus gespeist werden, hervorgerufen worden. steht fest, daß in den weitaus meisten Fällen die Ursache der Ey und auch von einem Teil der Freifinnigen mit derselben Energie, plosion nicht in der mangelhaften Bauart oder in dem unzuverwie vor zwei Jahren, bekämpft und es gelang, ihn dem Beschluß lässigen Funktionieren der Apparate zu suchen war, sondern in der des Ausschusses zum Trotz zu Fall zu bringen. Die Debatte erGenoſſe jene Brennstoffe benutzt werden. Die Tatsache iſt zwar allgemein be öffnete unser Genosse Singer, der die vom Ausschuß- Bericht Artikel, in dem sie die schlechte Sache der Regierung zu verteidigen fannt, daß das Nachfüllen von Benzin, Petroleum, Spiritus in offene Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt abermals einen großen Sorglosigkeit und Leichtfertigkeit, mit der in vielen Haushalten erstatter Wallach vorgetragenen Scheingründe in ihrer ganzen Halt fucht. Zum Teil geschieht dies mit Geschick, insoweit wenigstens, als Flammen, sowie das Umfüllen aus einem Gefäß in ein anderes in der Tofigkeit aufdeďte. Dem beliebten Argument, daß die Rücksicht auf sie auszugsweise die am 3. Januar 1889 vom Stadtschulrat Nähe einer offenen Flamme fehr häufig zu Explosionen führt, doch den Verkehr die„ Regelung" des Straßenhandels erfordere, fetzte Dr. Bertram gehaltene Rede abdruckt, worin die damalige Maß scheint der Unfug unausrottbar zu sein. Es ist notwendig, daß die Singer den Nachweis entgegen, daß es die 2 adeninhaber und regelung der Freireligiösen Gemeinde mit den heute von der Re- Haushaltungsvorstände ihre Familienangehörigen und ihr Dienstdie Hausbesizer gewesen sind, die zuerst und am lautesten um gierung beliebten Phrasen in der Stadtverordneten- Bersammlung personal von Zeit zu Zeit immer wieder auf die großen Gefahren ihrer Interessen willen gegen den Straßenhandel schrieen. Diesen verteidigt wird. Im übrigen geht ein wunderliches Winden und hinweisen, in die durch fahrlässiges Umgehen mit den erwähnten Interessenten wolle man Tausende von kleinen Leuten opfern, die Drehen durch den Tert. So heißt es an einer Stelle: Brennstoffen Leib und Gut aller Hausbewohner gebracht werden sich im Straßenhandel mühsam ihr Brot verdienen. fann. Ein Mittel, den Gefahren vorzubeugen, liegt in der Bes Das Provinzial- Schulkollegium in Berlin hat seiner Genußung von Gefäßen aus verzinntem oder verzinktem Blech mit nehmigung nur solche Fälle vorbehalten, in welchen es sich um doppelt gefalzten Nähten, die durch eine Verschraubung mit Sicher die Ueberlassung von Schulräumen an politische Vereine oder heitsventil oder Schmelzpfropfen luftdicht geschlossen sind. Die Ans an folche Religionsgesellschaften handelt, denen nicht die Rechtsschaffung dieser Gefäße, welche von mehreren Firmen in den Handel fähigkeit verliehen ist. Für alle übrigen Fälle hat fie der gebracht worden sind, wird dringend empfohlen. Natürlich darf auch Stadtschuldeputation die selbständige Entscheidung überlassen. bei Benutzung solcher Gefäße Vorsicht nicht außer acht gelassen Hierin ist eine unzulässige Beschränkung der Bewegungsfreiheit der werden. Berliner städtischen Verwaltung nicht zu erblicken. Im Gegen" " Für die Polizeiverordnung sprach im Auftrage des größeren Teiles der Alten Linken" Herr Galland, der dabei im ernſteſten Ton unter dem schallenden Gelächter der Sozialdemokraten die Ertlärung abgab, seine Freunde seien weit entfernt, dem Straßenhandel Schwierigkeiten bereiten zu wollen. Den Standpunft einer Minderheit der Alten Linken" vertrat Herr Sonnenfeld. Er bertvarf die Polizeiverordnung, aber sofort erhob sich aus den Reihen der Mehrheit dieser Fraktion ein neuer Kämpe, Herr Fähndrich. Dieser Herr hielt unter unaufhörlichen Heiterkeitsausbrüchen seiner Zuhörer eine wahre Kapuzinade gegen den Straßenhandel.„ Wenn ich Polizeipräsident von Berlin wäre", rief er aus- aber eine Lachsalve verschlang den Nachsatz. Wir regen uns um diese Frage auf", schalt er zum Schluß- und wieder versant der Nachsatz in einem homerischen Gelächter. 18 Zu den Gegnern der Polizeiverordnung gehört die„ SozialFortschrittliche Gruppe", deren Redner Herr Ilstein den ab= lehnenden Standpunkt einnahm, für den sich die Versammlung im teil ist es richtiger, daß gerade in den angeführten Fällen, wo der Abonnements- Verteuerung ein Herz und eine Seele. Minister Regierung und Straßenbahn sind, wie immer, so auch in Sachen leicht 8 weifel hervortreten können, die Aufsichtsbehörde vor der Genehmigungserteilung angerufen wird. Ein nachträg- b. Budde hat an den Vorstand des Berliner Verkehrs. liches Einschreiten fäme in solchen Fällen meist zu spät. bereins folgendes Schreiben gelangen lassen:" Nachdem ich auf Auch verursacht die nachträgliche Aufhebung einer einmal erteilten Grund der mir gefeßlich zustehenden Befugnisse den Inhalt der BeGenehmigung stets Weigerungen und Verstimmungen. schwerden vom 28. und 29. vorigen Monats über die Erhöhung der Gerade bei dem jetzt in Berlin schwebenden Streite zeigt es sich Abonnementspreise der Großen Berliner Straßenbahn, der Berlindeutlich, wie viel größere Schwierigkeiten ein nachträgliches Ein- Charlottenburger Straßenbahn, der Westlichen Berliner Straßenschreiten der Schul- Aufsichtsbehörde bereitet. Auch bezüglich dieses bahn in tatsächlicher und rechtlicher Beziehung geprüft habe, habe Punktes stellt sich hiernach das Verfahren der staatlichen Unter- ich te i nen Anlaß gefunden, den Bescheid des Herrn Polizei. richts- Verwaltung als durchaus fachlich und zweckmäßig dar. präsidenten hierselbst vom 28. b. M. aufzuheben oder zu ändern. Man kann nichts anderes annehmen, als daß diese gewundene v. Budde." Der Borstand beabsichtigt, wie verlautet, gestützt auf Jahre 1902 erklärt hat. Nach ihm schickte die„ Alte Linke" wieder Verteidigung auf eine Verlegenheit der Regierung hindeutet, die neu bekannt gewordene Tatsachen, eine weitere Eingabe an den einen Freund der Verordnung ins Treffen, Herrn Haberland. aus einer schlechten, nicht mit Vernunftgründen, sondern nur mit Minister zu richten. Was sollte er Neues vorbringen? Die Sache sei ja gar nicht so brutaler Gewalt zu behauptenden Position gern wieder heraus liner Straßenbahngesellschaft, die in erster Instanz zugunsten der In der Feststellungsklage des Magistrats gegen die Große Berschlimm, tröstete er; die Polizei wolle sich durch die Verordnung nur möchte. Vor allen Dingen, was soll der Satz bedeuten, daß Stadt Berlin entschieden ist, hatte die Gesellschaft Berufung einihre Arbeit erleichtern. Für die„ Neue Linke" erklärte fich Herr städtische Schulräume ohne Genehmigung des Provinzial- Schul- gelegt und war vom Stammergericht neuer Termin auf den Rosenow gegen die Verordnung; Herr Mommsen empfahl sie follegiums nicht an Religionsgesellschaften, denen die 10. Dezember d. J. anberaumt worden. Dieser Termin ist aufnamens seiner Freunde dem Wohlwollen der Versammlung. Nachdem techtsfähigkeit fehlt, abgelassen werden sollen? Die gehoben worden. Der vierte Zivilsenat, dem nun die Sache überdann Herr Cassel noch einmal den Standpunkt der Minderheit Rechtsfähigkeit fehlt doch der Freireligiösen Gemeinde nicht! wiesen worden ist, hat den nächsten Termin auf den 5. Januar 1905 der Alten Linken" dargelegt hatte, hielt unser Genosse Zubeil Noch seltsamer ist der folgende Satz: eine fleine Nachlese und zeigte, welche bernichtenden Wirkungen die von der Polizei geplante„ Regelung" auf den Straßenhandel ausüben müsse. " anberaumt. Das Provinzial Schulfollegium hat die Bereitstellung von Ein weißer Rabe unter den Freifinnigen. Ueber:" Die heutige Gemeindeschulräumen nicht für Erwachsene, sondern nur zum Gesellschaftsordnung und der Liberalismus" sprach gestern RechtsZwede der für Jugendliche bestimmten Vorträge untersagt. anwalt Gottschalt im Fortschrittlichen Verein der Potsdamer Dem Antrag des Ausschusses stand gegenüber ein Antrag Lediglich die Verwirrung, welche durch die Verbreitung der Vorstadt. Ein Hauptfehler des Freisinns von heute sei die ZweiSinger, unter Ablehnung des Ausschußantrages den Magistrat Lehren der Freireligiösen Gemeinde in Köpfen und Herzen fronten- Theorie: Sie habe Verwirrung in den Reihen der Wähler um Versagung seiner Zustimmung zu ersuchen. Die Sozial- Fortjugendlicher Personen hervorgerufen wird, ist für das Vor- angerichtet und dazu geführt, daß bei Stichwahlen zwischen Sozialgehen der Unterrichtsverwaltung bestimmend gewesen. schrittler" hatten einen Antrag Ulstein, sich erneut für den vor zwei demokraten und Antisemiten keine Wahlparole ausgegeben und Wir wissen nicht, ob die Freireligiöse Gemeinde es auf den infolgedessen der Antisemit gewählt wurde.( Buruf:" Furchtbar Jahren eingenommenen Standpunkt zu erklären, zurückgezogen und Versuch ankommen lassen wird, zum nächsten Sonntag ohne traurig!") Es gebe für den Freifinn nichts Widersinnigeres, als stimmten dann mit den Sozialdemokraten. Der Ausschußantrag Kinder wieder in die Gemeindeschule einzuziehen, aber es lohnte fich den Kampf für die bestehende Gesellschaftsordnung als seine Hauptwurde abgelehnt, der Antrag Singer wurde angenommen. Herr Mommsen, den dieser Ausgang wurmte, entfesselte noch eine am Ende. Wir haben uns den„ sachlichen, aber entschiedenen Widerstand aufgabe zu betrachten. Das möge man den Konservativen überlaffen. Die Rechtsungleichheit, die Behandlung der Arbeiter, der lange Geschäftsordnungs- Debatte und erntete einen Heiterfeitserfolg. der Regierung", den die„ Norddeutsche Allgemeine" vor zwei Tagen an jüdischen Mitbürger usw., die polizeiliche Bevormundung, die VorAuf der Tribüne wurde der Gang der Verhandlung mit fündigte, denn doch etwas anderes ausgemalt, als er nach den hier herrschaft des Juntertums und des Klerikalismus trügen wahrlich Spannung verfolgt und die Verkündigung des Abstimmungs- Ergeb- abgedruckten Stellen des krausen Artikels aussehen soll. Wenn nicht nicht dazu bei, die bestehende Gesellschaftsordnung wirklich liberalen nisses mit einem Aufatmen der Erleichterung begleitet. Wird aber zu erwarten wäre, daß man morgen wieder aus einem anderen Loch Männern lieb und verteidigenswert zu machen. Selbst das gewissen der Magistrat sich den Stadtverordneten anschließen? Und wird Pfiffe, dann möchten wir bei der Regierung voraussetzen, daß sie jest Liberalen so heilige Privateigentum, das Erbrecht und die Familie das Polizeipräsidium sich nach den Wünschen der städtischen Behörden zu der Ansicht gekommen ist, sich in der Stärke ihres Gegners ge- feien nicht unantastbar. Die Gewalt und Wucht der deutschen Arrichter? irrt zu haben. Preußisch deutsche Staatsmarime ist es ja, mit beiterbewegung werde in liberalen Streisen noch vielfach sehr berben Schwachen in aller Forsche, mit den Starten oder für fannt, als ein Wert weniger Seber angesehen. Hätte der start gehaltenen hingegen fanftmütig und von Herzen demütig Liberalismus seinerzeit die Arbeiterinteressen genügend wahrUeber den Schulkonflitt, der durch das Vorgehen des föniglichen umzugehen. Gäbe die Regierung zu, die Reichshauptstadt für stärker genommen, er wäre nicht heute so sehr an die Wand gedrückt. Er Provinzial- Schulfollegiums gegen den Berliner Magistrat herauf zu halten als bisher, dann würden ihr, sobald sich die Heiterkeit ob und mit der Sozialdemokratie gegen die Realtion kämpfen. Der müsse sich die törichte Furcht vor dem roten Gespenst abgewöhnen beschworen worden ist, hat Oberbürgermeister Kirschner sich von dem folcher schmeichelhaften Erkenntnis gelegt hätte, in den Reihen der Liberalismus müsse sozial sein oder er habe seine Rolle ausgespielt. Lokal- Anzeiger" ausfragen laffen. Herr Kirschner hat in seiner jest obstinaten Bürgerschaft vielleicht zahlreiche neue Freunde Der Berichterstatter, der diese Vereinsnachricht bringt, berAntwort dargelegt, wie der Magistrat sich zu den regierungsoffiziösen| erstehen' zeichnet am Schluß dieser Rede lebhaften Beifall. Troßdem ist Freundschaftliche Rippenstöße. -3 " vorauszusagen, daß Herr Gottschalt im freisinnigen Bürgertum Theater. Im National Theater geht Freitag Figaros beleidigte Fähnrich wegen der Schimpfworte hätte von der Waffe tauben Ohren predigt. Wer kann sich einen Eugen Richter vor- Hochzeit" zum erstenmal in Szene, nachdem die Schwierigkeiten, Gebrauch machen können. Will ein solcher Mann die Schimpfworte stellen, nicht von dem Gedanken beseelt, daß der Schutz der heutigen die fich der bekanntlich als Eröffnungsvorstellung geplanten Auf- nicht einfach ignorieren, was wenigstens gebildeten Leuten das Ges Gesellschaftsordnung, also der Kampf gegen die Sozialdemokratie, führung seinerzeit entgegenstellten, nunmehr beseitigt sind. Als scheiteste dünft, so hätte er dasselbe tun sollen, was Zivilisten in die heiligste Aufgabe des Freisinns sei, und wer ein freifinniges Gräfin debütiert Frl. Astrid ons vom National- Theater in folchem Fall tun müssen, nämlich durch eine Privatbeleidi Bürgertum, das nicht wie ein wütender Stier dieser Parole- ins Christiania, den Grafen singt der in Berlin bestbekannte Bariton gungsklage sich sein Recht holen. Es geht übrigens auch aus Verderben folgte! Herr Gustav Waschow als Gast. Die übrigen Hauptrollen sind der hier wiedergegebenen Mitteilung gar nicht hervor, ob der mit den Damen Alten, Saccur und Sondermann und den Herren Fähnrich den Kutscher gebührend um Entschuldigung gebeten Unter dem Titel„ Schuß dem Norden" wird in den nördlichen Mandler, Nohn und Birrenkoven besetzt. Oberregisseur Tetzlaff hat, nachdem er seinen Irrtum gewahr geworden war. Es ist ja Vororten in Massen ein Flugblatt verbreitet, das in einer Protests hat die Oper in Szene gesezt, Kapellmeister Sänger dirigiert. ein Glück, daß Brüsewißereien sich immerhin nur vereinzelt ereignet erklärung gegen die Errichtung einer städtischen Fleischvernichtungs: Im Pa last- Theater geht am Freitag das bekannte Schauspiel haben, anderenfalls hätten wenigstens Arbeiter aus solchen Voranstalt( Abdeckerei) in Blankenfelde gipfelt. In dem Flugblatt heißt Marianne" oder„ Ein Weib aus dem Wolfe" mit Frl. Hanfi fällen die Lehre gezogen, daß nur durch Anwendung rücksichtslosester es:„ Wie die Bevölkerung Berlins gegen den Fiskus kämpft, um den Riouché in der Titelrolle in Szene. Am Sonnabend, den 15. d. M., Notwehr Lebensgefahr zu beseitigen sei. Grunewald und den Botanischen Garten zu erhalten, kämpfen auch die Bewohner der nördlichen Vororte um nichts als Licht und Luft gelangt zum erstenmale die Ausstattungs- Burleste„ Jm Zukunfts- Von der Cholera. Amtlich wird gemeldet: Jm Transkaspigebiet staat" zur Aufführung.. und vereinigen sich aus hygienischen und ästhetischen Gründen zu Deutsche Voltsbühne. In dem sind vom 4. bis 10. Oktober feine Cholera- Erkrankungen vorgekommen. dem Birch- Pfeifferschen Schauspiel Die Waise aus Lowood", In Baku ist die Seuche schwächer, vom 4. bis 11. erkrankten 80 und Rufe:„ Hinaus mit der Abdeckerei aus dem Gebiete der Berliner Vororte!" Der Plan der Errichtung einer Abdeckerei, den der welches am Sonntag neu einstudiert in Szene geht, liegen storben 53 Personen. Von Jellissawetpol werden am 5. Oktober Stadtverordnetenausschuß mit großer Mehrheit genehmigt hat, wird die Hauptrollen in den Händen der Damen Frau Walter- zwei Cholerafälle gemeldet. Die Erkrankten waren mit der Bahn anscheinend auf große Schwierigkeiten stoßen. Die Gemeinde Hänel, Frl. Pollack, Frl. Frei, Frl. Walter, Frl. Heuser, aus Batu gekommen. In Saratom erkrankten vom 4. bis 7. Oktober Frau Schäfer Kruse, sowie behörden von 15 umliegenden Ortschaften sind sich heute bereits einig, Arnim, Reinhardt, Taube, Kühne und Flatau. der Herren Collot, Frant, fünf und starben vier. Weitere Erkrankungen sind nicht festgestellt sobald die Pläne für die Abdeckerei ausliegen, auf Grund des§ 16 Walden ist bei der Direktion des Deutschen Theaters um Gouvernement Astrachan, beobachtet worden. In der Stadt Samara Herr Harry worden. Choleraverdächtige Fälle sind in Rachinka, Kreis Barew, der Reichsgewerbeordnung gegen den Bau Einspruch zu erheben. die Lösung resp. Suspendierung seines Vertrages eingekommen, um sind zwei tödlich verlaufene Cholerafälle ermittelt worden. Gewerbegerichts- Wahlen. Wir werden um Veröffentlichung die Folgen eines Kontraktbruches von sich abzuwenden und vorläufig folgender Zuſchrift gebeten: Unter einem Flugblatt der freisinnigen im Auslande auftreten zu dürfen. Die Verhandlungen find zurzeit Arbeitgeber findet sich mein Name verzeichnet. Ich habe hierzu zu noch nicht abgeschlossen. Das Belle Alliance Theater erklären, daß ich weder meinen Namen unter ein solches Flugblatt bleibt heute( Freitag) wegen der Vorbereitungen zu der Novität gesetzt, noch jemand den Auftrag gegeben habe, meinen Namen im„ Die Tugendglocke" geschlossen. Morgen( Sonnabend) geht erwähnten Sinne zu verwerten. August Feind, Gastwirt, Wein- diese Vaudeville- Bosse zum erstenmal in Szene. Im Luisen straße 11. Theater ist gestern der Registrator auf Reisen" auf geführt worden. Die rührige Direktion hat sich mit der Aufführung Hüner in der Rolle des Cäsar Wichtig auch nicht an Thomas und dieses lustigen Stückes viele Freunde erworben. Reicht Herr Albert Helmerding heran, so lebte die alte Zeit des Wallner- Theaters doch wieder auf. Ein etwas flotteres Spiel des erwähnten Darstellers, das allerdings auch manchem anderen Mitwirkenden zu wünschen wäre, gäbe der Poſſe den gebührenden Schwung. Wir nehmen nicht an, daß das Luisen- Theater schon so in Hamlet und in anderen Klassischen Dramen weg ist, daß er ein derbes Stück nicht mehr derbe spielen mag, und hoffen vom guten Willen der tüchtigen KünstlerSchaft dieser Bühne, daß es sich klassisch und unklassisch bestens beum an den Proben zur Neuaufführung seines Florian Geyer" Gerhart Hauptmann ist in Berlin angekommen; im Leifing- Theater teilzunehmen. Die erste Vorstellung findet am Sonnabend, den 22. d. M., statt. Selbstmord einer Betrogenen. In einem Seebade an der Nordsee hatte, wie berichtet wird, das 22jährige Fräulein S., die älteste Tochter eines Rittergutsbesikers aus Kiel, im verflossenen Sommer einen Herrn E. kennen gelernt, der sich ihr als Privatier aus Hamburg ausgab. Es dauerte nicht lange, da warb E. um die Hand der Dame, erklärte aber gleichzeitig, daß er wegen einer zu erwartenden Grbschaft vor der Hand noch nicht als Bräutigam in der Oeffentlich keit auftreten dürfe; sobald die bestehenden Schwierigkeiten beseitigt seien, könne die Verlobung stattfinden. Fräulein S. schenkte seinen Worten Glauben und machte auch ihren Eltern Mitteilung. Da E. es vermied, sich persönlich im Hause der Eltern der Dame vorzustellen, so wurden nähere Erkundigungen über die persönlichen Verhältnisse des E. nicht eingezogen. Schließlich glaubten die An gehörigen der Dame aber, aus der Verlobung und späteren Heirat würde nichts werden, weil E. nichts mehr von sich hören ließ. In aller Heimlichkeit aber hatte E. seine Beziehungen nicht nur fortgesetzt, sondern mit der Geliebten auch Zusammenkünfte gehabt. Er hatte stets einen Grund, um sich nicht in den Kreis ihrer Familie ziehen zu lassen. Im blinden Vertrauen auf die Worte des Geliebten nahm sie auch sein Angebot, mit ihm gemeinsam einen Ausflug" nach Berlin zu machen, in dem Augenblick an, als sie fich von ihren Eltern die Erlaubnis erwirkte, eine verwandte, im Vorort Steglik wohnende Familie zu besuchen. Der Zufall wollte es nun, daß Fräulein S. schon am Tage der Ankunft in Berlin, bevor sie noch nach Steglik fuhr, Kenntnis erhielt, daß ihr„ Bräutigam" verheiratet und Familienvater sei. Ein ihr in die Hände gefallener Brief an E. gab ihr völligen Aufschluß. regten Aussprache, in deren Verlauf die Betrogene sich von E. los fagte und am selben Abend nach dem Grunewald hinausfuhr, um fich das Leben zu nehmen. Sie schrieb von dort noch einen Brief an E., dem sie die Schuld an ihrem Ende vorhielt, und sprang fast ganz entkleidet in den Hundekehlen- See. Am nächsten Morgen entdeckte man zunächst die Kleider und fand dann auch die Leiche der Unglücklichen. G. hatte gleich nach Empfang ihres Briefes an ihre Eltern telegraphiert. Als diese in Berlin antamen, fanden sie ihre Tochter nur noch als Leiche. Die Beiseßung wird in Steglitz auf dem dortigen Gemeindekirchhof stattfinden. Es tam zu einer erAlt und arbeitslos. Festgestellt ist die Persönlichkeit des Greises, der sich gestern morgen auf einer Bank im Humboldthain erschoß. Es handelt sich um den 60 Jahre alten Arbeiter Friedrich Bohne aus der Usedomstraße 13a. Bohne stand bei Rössemann u. Kühne mann in Reinickendorf 18 Jahre lang an der Bohrmaschine und verdiente 21-23 M. in der Woche. In den letzten Jahren nahr sein Verdienst ab, und sank die Akkordarbeit auf 12-16 M. Weil ihm das zu gering war, legte er vor 9 Wochen die Arbeit nieder. Obwohl er sich nun jeden Tag nach Arbeit umsah, wollte es ihm in seinen Jahren nicht gelingen, neue Beschäftigung zu finden. Da ein Sohn ihn unterstützte, so litt er feine Not, aber er bildete sich ein, verhungern zu müssen. Als gestern morgen seine Frau auf dem Hofe zu tun hatte, verließ er heimlich seine Wohnung, ging nach dem Humboldthain und machte seinen Sorgen durch einen Revolverschuß ein Ende. Großfeuer wurde am Donnerstag abend um 5½ Uhr der Feuerwehr gemeldet. Es brannte der„ Auerhof" in der Alten Jakobstraße 139/142, Ede der Hollmannstraße. Dort war der Brand aus noch nicht ermittelter Ursache im dritten Stock des Quergebäudes ausgebrochen und hatte unter den vielen Arbeiterinnen große Beunruhigung hervorgerufen. Von dem Personal der AuerGesellschaft wurden sofort mehrere Schlauchleitungen vorgenommen. Die Feuerwehr war ebenfalls mit zehn Löschzügen zur Stelle und nahm gleich drei Schlauchleitungen vor. Da die Decken und Fußböden vollständig massiv sind, konnten die Flammen auf den dritten Stock beschränkt werden. Verbrannt sind in der Hauptsache Schränke und Baumwolle zur Fabrikation der Glühstrümpfe. Einige Maschinen sollen beschädigt sein, doch ist der Betrieb der Gesellschaft nur in fleinem Umfange gestört. Was den Brand gefährlich erscheinen ließ, waren die von den Säuren und der Baumwolle genährten Flammen. Die Feuerlösch- Einrichtung des Auerhofes und seine sichere Bauart hat sich bei dieser Gelegenheit ausgezeichnet bewährt. Die Arbeiterinnen konnten den großen Arbeitssaal ohne Gefährdung verlassen, obgleich die Säuren in der Nähe der Tür in Ballons aufbewahrt wurden. Die Auer- Gesellschaft teilt uns über den Brand folgendes mit: Heute nachmittag, furz vor Schluß der Arbeit, geriet in einem Betriebsraum der Fabrit der Auer- Gesellschaft, Alte Jakobstraße 139, ein Trockenschrank in Brand. Das Feuer beschränkte sich auf diesen Trockenschrank und war furze Zeit nach Ankunft der Feuerwehr gelöscht. Irgend eine Betriebsunterbrechung findet nicht statt. Die Flensburgerstraße von der Lessingstraße bis zum Schleswiger Ufer und dieses von der Altonaerstraße bis zum Hause Nummer 5, wird behufs Erbauung einer Fußgängerbrüde im Zuge der Flensburgerstraße bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Berloren gegangen ist einem organisierten Schneider am vergangenen Sonnabend auf der Straßenbahn, Linie 53 oder 55, bis nach der Fransecky-, Ecke Weißenburgerstraße, ein Batet, enthaltend je 110 Beitragsmarken a 25 und 5 Pf. und 3 Mitgliedsbücher, lautend auf die Namen Freiheit, Großer und Unger. Der ehrliche Finder wird gebeten, den Fund im Verbandsburau der Schneider, Engel- Ufer 15 I, 3immer 7, abzugeben. " Nibelungen- Abend. Der zweite Boltskunstabend der Stadt Charlottenburg, unter künstlerischer Leitung des Vereins zur Förderung der Kunst findet am Sonntag, den 16. Oktober in der Kaiser Friedrich- Schule am Savignyplay statt. Der erste Teil des Programms ist der historischen Voltsdichtung Die Nibelungen" gewidmet, der zweite Teil Richard Wagners Ring des Nibelungen". Bruchstücke aus" Rheingold"," Walküre"," Siegfried" und" Götter dämmerung" werden den Hörern nähergebracht werden. Es haben fich der Volkskunstkommission erste fünstlerische Kräfte zur Verfügung gestellt. Karten a 50 Pf., fowie einige reservierte Reihen find in allen Charlottenburger Buchhandlungen, sowie im Verein zur Förderung der Kunst, Albrechtstr. 11, Dürerhaus, Kronenstraße 18, Bloch, Brüderstr. 1 2c. zu haben. währen werde. 17 Aus den Nachbarorten. W Der geheimnisvolle Mord in Wien. Einem Telegramm aus Wien zufolge bestätigt es sich, daß das Mörderpaar Klein an vorigen Donnerstag mit der Westbahn Wien verließ, aber die Annahme, daß es mit dem Pariser Schnellzug nach Montreur gereift wäre, erwies fich als irrig, sodaß jede Spur der Flüchtigen fehlt. Es stellt sich heraus, daß Klein am Abende des Mordes nicht zu Hause, sondern bis spät nachts im Gasthause war. Man nimmt daher an, daß Franziska Klein allein den alten Sitora zuerst betäubte und erSikora vorfand und von seiner Frau zum Stillschweigen und zur drosselte, und daß der Gatte bei der Rückkehr nachts den ermordeten Flucht bewogen wurde. Denn Johann Klein war selbst stark verschuldet und hatte Wechsel zu zahlen. Er glaubte bis dahin an eine angebliche Erbschaft seiner Frau, die in Budapest zu beheben wäre. Er dürfte auch dann in die Beraubung der Kasse Sitoras eingewilligt haben, wo die Frau etwa 20 000 kronen geraubt haben kann. Andere meinen, Franziska Klein habe den Mord nicht beabsichtigt, sondern Sifora nur gewürgt, weil er verweigerte, Geld zu geben, wobei der alte Mann dann vom Schlage gerührt wurde. Aus Breslau wird gemeldet: Wegen des am 13. Januar 1902 im hiesigen Der Direktor der Breslauer Theater unter Auflage. Stadt- Theater vorgekommenen Brandunglüds, bei welchem die Balletttänzerin Hübner ihr Leben einbüßte und drei andere Tän zerinnen schwere Brandwunden erlitten, ist nunmehr gegen den Direktor der vereinigten hiesigen Theater, Dr. Löwe, und den Be= leuchtungsinspektor Munder die Anklage wegen fahrlässiger Tötung Der Jubiläumsbrunnen. Anno 1905 wird Charlottenburg das erhoben worden. Die Straffammer hatte die Gröffnung des HauptFest feines 200jährigen Bestehens feiern. Patriotische Charlotten verfahrens abgelehnt, das Oberlandesgericht sie aber angeordnet. und um ihre Freude an dem Gedeihen der Staadt kund zu tun, dem in Petersburg wurde in einem Damenabteil erster Klasse des Petersburger haben sich zusammengetan, um zur Verherrlichung des Festes Der Säugling im Damenabteil. Auf dem Baltischen Bahnhofe Akademischen Hochschule zu stiften. Kostenpunkt 150 000 M. Die aufgefunden, der fürsorglich in Spizen und Deden auf dem Size Gemeinwesen einen Brunnen auf dem Platz vor dem Gebäude der burg- Moskauer Personenzuges ein etwa sechs Tage alter Säugling Mitbürger sollen, wie ein Aufruf besagt, freundlichst beisteuern, dafür gebettet war. Der Schaffner gab an, daß in diesem Abteil zwei vormit dem Modell am Jubeltage dargelegt werden. Die Ausführung Allem Anscheine nach dürften es Mutter und Tochter gewesen sein. soll die Stiftungsurkunde auch die Namen aller Geber enthalten und nehme Damen reisten, die den Zug in Moskau bestiegen hatten. soll später erfolgen. Zur Herstellung von Entwürfen sind die Bild- Nach der feinen Wäsche, die der Säugling trug, dürfte das Kind von hauer Gaul, Heinemann und Tuaillon aufgefordert worden. Brunnens, der allerdings nicht der Stadt zugeeignet wurde, vor liche Mutter" den Finder bittet, das Kind anzunehmen und auf den In Berlin hat die Bürgerschaft mit der Schenkung eines vornehmer Geburt sein. Neben dem Kinde fand man in einem Briefumschlag 30 000 Rubel und ein Schreiben, worin die unglückJahren keine guten Erfahrungen gemacht. Namen Sergius taufen zu wollen. Aus Schöneberg schreibt man uns: Zu einer wahren Spielerei scheint die am Dienstag stattgefundene Nachwahl eines Stadtverordneten im 9. Bezirk der zweiten Abteilung herabgefunken zu sein. Um noch kaum ein halbes Jahr Auserwählter eines anderen Bezirks zu sein, kandidierte der Hausbesizer und Brunnenbaumeister Herr Treugebrodt neben seinem Mitbewerber Herrn Dr. Samter in dem obengenannten Bezirk und wurde mit 68 gegen 66 Stimmen gewählt. Sein altes Mandat im 8. Bezirk, ebenfalls der zweiten Abteilung läuft am 31. Dezember 1905 ab, sein neues erreicht mit dem gleichen Termin sein Ende. Es scheint ein eigentümliches Verhältnis zu sein, das Herrn Treugebrodt belvog, furz vor Schluß" seinen Wählern im 8. Bezirk das ihm seinerzeit gewiß entgegengebrachte„ Vertrauen" eventuell vor die Füße zu legen und sie in die Lage zu versehen, wegen der paar Monate nochmals an die Wahlurne zu treten, und einem anderen, gewiß ebenfalls Würdigen, auf die paar Monate" das schwere Amt anzutragen. Vielleicht hat es auch nur den Zweck, einem bekannten früheren Stadtverordneten der Inselvorstadt den Weg zu ebenen, jedenfalls aber zeigt der ganze Vorgang, wie solch ernste Sache in bürgerlichen Kreisen bewertet wird. Vermischtes. Grubenunfall. Dortmund. Auf der Zeche„ Courl" ers eigneten sich mehrere Unfälle. Der Bergmann Safolowski geriet unter Gesteinsmassen und erlitt derartig schwere Verletzungen, daß er kurz darauf starb. Abends kam der Bergmann Hanke der elek trischen Leitung zu nahe und wurde sofort getötet. Ajaccio. Der vermißte Passagierdampfer Djurdja" ist mit ge brochener Maschine hier eingetroffen. Die Passagiere werden auf einem anderen Dampfer nach Tunis befördert. In Cork( Irland) kam es gestern infolge einer gerichtlichen Pfändung zu Zusammenstößen zwischen der Bevölkerung und der Polizei, lettere machte von ihren Schußwaffen Gebrauch und verletzte mehrere der Demonstranten schwer. Marktpreise von Berlin am 12. Oftober. Nach Ermittelungen des tgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Bentner: Weizen**), gute Sorte 17,60-17,58 M., mittel 17,56-17,54., geringe 17,52-17,50 2. Roggen), gute Sorte 13,95-13,94 m., mittel 13,93-13,92 M., geringe 13,91-13,90 M. Futtergerste*), gute Sorte 15,50-14,40 m., mittel 14,30 bis 13,30 m, geringe 13,20-12,20 M. Hafer*), gute Sorte 16,40-15,50 m., mittel 15,40-14,60 m., geringe 14,50-13,70 9. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-30,00 2. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linsen 60,00-30,00 2. Kartoffeln 9,00-7,00 2. Richtstroh 4,66-4,32 m. Heu 9,50-7,20 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,00 M. Gier per Schod 4,50-3,20 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Wafferftand am 12. Oktober. Elbe bei Ausfig 0,27 Meter, bei Unstrut bei Dresden-1,79 Meter, bei Magdeburg+0,30 Meter. Straußfurt+ 0,80 Meter.- Dder bei Ratibor+1,36 Meter, bei Breslau 1,19 Meter, bei Frankfurt Ober- Begel+4,94 Meter, bei Breslau Unter Begel Weichsel bei Brahemünde+2,14 Meter. Bar the bet Bosen-0,14 Meter. Ne ze bei Usch 0,46 Meter. 0,43 Meter. Joseph Scheu. Wie bereits gemeldet, starb gestern in Wien nach furzer Krankheit der in den österreichischen Parteikreisen allgemein verehrte Genoffe Joseph Scheu. Musiker von Beruf, hat er dem Proletariat eine Reihe prächtiger Kampflieder geschenkt, darunter das berühmte„ Lied der Arbeit", welches das Wiegenlied der österreichischen Arbeiterbewegung war und ihre Hymne geblieben Er war der Organisator der Musiker und der musikalische iſt. Führer der Wiener Arbeiterschaft. Seit Bestehen der ArbeiterBeitung" war er auch ihr angesehener Mufiffritifer, und über alles war er stets ein treuer Sozialdemokrat, so daß sein jähes hinscheiden schwachen nordöstlichen Binden. überall schmerzlichste Trauer erwedt. Unterschlagung in Königsberg. Wie die königliche Eisenbahndirektion der Königsberger Allgemeinen Zeitung" mitteilt, ist der Hülfsbote bei der Hauptkasse Franz Bernhard Kowalsti, gebürtig zu Nitschiwiena, Kreis Straßburg in Westpreußen, heute vormittag unter Mitnahme von 42 000 M. Kaſſengeldern verschwunden. Auf seine Ergreifung ist eine Belohnung von 300 M. ausgesezt. Bon hoher See. Aus Hamburg wird gemeldet: Von den seit den letzten schweren Stürmen vermißten Finkenwärder Fischerfuttern ist ein weiterer in Hamburg angekommen. Von den nunmehr noch fehlenden drei Kuttern ist einer in der Elbmündung getentert. Der Curhavener Staatsdampfer Neuwerk" fand gestern seine beiden Masten und Segel. Er hat dieselben nach CurDer in der letzten Nacht im hiesigen Hafen einhaben gebracht. getroffene Kohlendampfer Prinz Wilhelm" brachte die aus 14 Mann bestehende Besaßung des Embener Heringsloggers Sirius" mit. Prinz Wilhelm" hatte den„ Sirius" in der Nordsee überrannt. Der Heringslogger sant so schnell, daß es nur gelang, die Mannschaft zu retten. " Wetter- Prognose für Freitag, den 14. Oktober 1904. Trocken und vorwiegend heiter, nachts sehr fühl, um Mittag mild bei Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. R. R. 114. 3ft Ihre Frau minderjährig, so ist sie an den Kauf des Buches auf Abzahlung nicht gebunden. Jit fie volljährig, so ist der Kauf vertrag gültig und sie zur Erfüllung( Bahlung) verpflichtet. Es iſt ein, allerdings weit verbreiteter Irrtum, man könne innerhalb 24 Stunden von einem Vertrage einseitig zurüdfreten. Von einem rechtsgültigen Ver trage fann man nur mit Zustimmung des anderen Teils zurüdtreten. Michel 6. Waren Sie infolge Ihrer Beschäftigung Kassenmitglied, so Fönnen Sie durch Weiterzahlung freiwilliges Mitglied werden. Zunächst müßten Sie also Zwangsmitglied ſein. Otto B. Mutter und Sohn find Erben. C. D. Es müßte unter Glaubhaftmachung ihrer Ansprüche 11. 108. Sie Shre Frau die Gerichtstasse zur Freigabe auffordern. haben sechs Wochen lang für die Kosten zu haften. Ist das Mädchen auch für das Geschäft tätig, fo ist es frankenversicherungspflichtig. M. D. 308, Alter Abonnent in Salensee. Nein. E. 6. 43. 1. Wenn der Mann die Aufnahme verweigert, ja, sonst nur, wenn der Frau durch Gerichtsbeschluß gestattet ist, der Chewohnung fern zu bleiben. 2. Nein. m. S. 22. Da nur ein mündlicher Lehrvertrag vorliegt, kann das Mädchen, ohne Nachteile befürchten zu müssen, sofort ohne Kündigungsfrist Wolf 100. Sind Sie versehentlich Kein Seitengewehr in den Bauch. Zu dem Aufsehen erregenden die Ausbeutungsstelle verlassen. Rencontre zwischen einem Fähnrich und einem Herrschaftstutscher Mitglied der Kaffe geworden, so find Sie als Mitglied zu streichen und find in Straßburg i. E., über das wir unlängst berichteten, hat sich nun- Ihnen die Beiträge zurückzuerstatten. Ein Versehen würde vorliegen, wenn mehr das Generalfommando des 14. Armeekorps amtlich geäußert. Sie nach dem uns nicht mitgeteilten Statut nicht Mitglied werden konnten. Waren Sie aber zu Recht Zwangs Mitglied, so fönnen Sie diese Hiernach hätte der betreffende Fähnrich, sobald er seinen Irrtum Mitgliedschaft durch freiwillige Beiträge aufrechterhalten, solange in der Person des Kutschers eingesehen hatte, diesen nicht weiter be- Sie nicht zu anderen Zwangskaffe gehören. G. Nein. helligt, wenn er von ihm nicht mit Schimpfworten überhäuft A. M. Steht nicht der Inhalt des uns nicht mitgeteilten Miets. worden wäre. Da der Kutscher auf erfolgte Aufforderung auch vertrages entgegen, fo fordern Sie den Wirt auf, den Fehler innerhalb seinen Namen nicht nannte, ließ ihn der Fähnrich zur Feststellung einer von Ihnen zu sehenden Frist zu beseitigen, drohen ihm, daß Sie nach der Persönlichkeit nach der Wache bringen. Das Generalfommando fruchtlosem Ablauf der Frist auf seine Kosten den Fehler reparieren lassen S. 99. Es fann auf Grund des hat ferner festgestellt, daß der Oberstleutnant des Fuß- Ar- werden, und führen die Drohung aus. Nixdorf E. L. und tillerieregiments Nr. 14 die ihm zugeschriebene Aeußerung, der in England ergangenen Urteils hier auf zwangsvollstreďung geklagt # 3,50 M. Die Fragen der Polizei wo Sie arbeiten und dergleichen, Fähnrich habe das Recht gehabt, dem Kutscher das Seiten werden. Das nimmt aber Zeit in Anspruch. Werden Sie auf das Präsidium gewehr durch den Bauch zu rennen usw., nicht gebraucht hat; brauchen Sie nicht zu beantworten. 1000. Nein. er hat dem Kutscher nur auseinandergesetzt, daß auf die Schimpf geladen, so teilen Sie mit, daß Sie die Aussage ablehnen. 11. 2. Sch. Ein Antrag auf Bestrafung wegen Körperverlegung ist worte hin manch anderer sich vielleicht hätte hinreißen lassen, Wie noch er innerhalb drei Monaten, eine Civilflage auf Schadensersaz innerhalb drei bon ber Waffe Gebrauch zu machen. innerlich sein dürfte, war der Vorfall dadurch entstanden, daß der Jahren einzureichen. Erwirken Sie für die Civilklage das Armenrecht, Fähnrich den Herrschaftskutscher, der eine der Militäruniform sehr flagen Sie dann Ihren Schaden ein und unterlassen Sie den Strafantrag, wenn nicht besondere Gründe für Stellung eines solchen sprechen. Wird ähnliche Livree trug, irrtümlicherweise für einen Soldaten ansah, Strafanklage erhoben, so fönnen Sie dem Verfahren als Nebenfläger bei treten und Buße statt Schadensersatz verlangen. E. D. 11. Sie können weshalb er ihn wegen Nichtgrüßens zur Rede gestellt hatte. auf Ehescheidung flagen und Alimente für sich und das Kind begehren. Ers wirken sie das Armenrecht, wenn der Sühneversuch fruchtlos ausfällt.- 2. In. Uns will scheinen, daß es auch in dieser Einschränkung noch bedenklich war, die Möglichkeit an die Wand zu malen, daß der einer Achtung! Cewerbegerichts- Wahl 01 and gatune Mam Sonntag, den 16. Oktober, von 12 hr mittags bis 5 Uhr nachmittags.V Arbeiter, Parteigenoffen! nl dan palio nul nu nilimi) Vergeßt nicht Euch Wahllegitimationen zu beschaffen. Dieselben sind in allen Verbandsbureaus und im Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission, Engel- Ufer 15, zu haben. Arbeitende lassen sich dieselben vom Prinzipal oder Meister unterschreiben oder stempeln. Arbeitslose in Berlin Wohnende lassen sich ihre Wohnung in ihrem Polizeirevier beglaubigen. Ohne Wahllegitimation keine Wahl. Zur Teilnahme an der Wahl ist berechtigt, wer das 25. Lebensjahr vollendet und in Berlin Wohnung oder Beschäftigung hat. Untenstehende sind die Kandidaten der Berliner Gewerkschaftskommission. 3. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 27./44. Gemeinde. schule, Wilhelmstr. 117. Bu wählen sind 4 Beisitzer. Kandidaten: Wahllokal: Turnhalle der 145./151. Gemeinde: schule, Reichenbergerstr. 131./132. okal: 15. Wahlbezirk. blizu wählen sind 5 Beifizer. 1. Franz Thurow, Graveur, Rigdorf, Weserstr. 11.. 2. Wilhelm John, Buchdruckerei- Hilfsarbeiter, Rigdorf, Erfftr. 20. 3. Ernst Winkel, Schneider, Greifswalderstr. 218. 4. Nepomuk Zaleysti, Mechaniker, Luckauerstr. 16. 6. Wahlbezirk. Zu Kandidaten: Su 1. Wilhelm Geiling, Klavierarbeiter, Naunhnstr. 71. 2. Karl Irrgang, Former, Kottbuserdamm 72. 3. Karl Schulze, Buchbinder, Naunynſtr. 66. 4. Paul Reimann, Zimmerer, Wrangelstr. 81. 5. Oskar Langnitschke, Sattler, Forsterstr. 38. 18. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 99. Gemeindeschule, Wahllokal: Turnhalle der 47. Gemeindeschule, Steinmetzstr. 79. Zu wählen sind 4 Beifizer. Kandidaten: 1. Florian Tröger, Brauer, Steinmetstr. 41. 2. Hermann Schleffler, Buchdrucer, Grimmstr. 6. 3. August Schmidt, Hafenarbeiter, Schönleinstr. 11. 4. Hermann Hopp, Hausdiener, Plan- Ufer 39. 9. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 133./149. Gemeinde: schule, Bergmannstr. 28/29. Zu wählen find 4 Beisitzer. Kandidaten: 1. Albert Massini, Buchdrucker, Mariendorferstr. 3. 2. Franz Roth, Gürtler, Tempelherrenstr. 10. 3. Georg Braun, Kellner, Urbanstr. 25. 4. Albert Bergmann, Buchbinder, Sorauerstr. 14. 12. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 50./68. Gemeinde: schule, Reichenbergerstr. 44/45. Bu wählen sind 5 Beisitzer. Kandidaten: 1. Baul Hoffmann, Maurer, Oppelnerstr. 22. 2. Alwin Störsten, Former, Stalizerstr. 63/64. 3. Friz Mucha, Zimmerer, Sorauerstr. 11. 4. Johannes Hennig, Portefeuiller, Görligerstr. 73. 5. Ernst Welt, Droschkentutscher, Pofenerstr. 2. 296/ 1* Stallschreiberstr. 54. Zu wählen sind 4 Beisizer. Kandidaten: 1. Martin Heimfahrt, Schneider, Reichenbergerstr. 145. 2. Otto Schulz, Vergolder, Rixdorf, Steinmetstr. 4. 3. Julius Kollmann, Kellner, Dresdenerstr. 25. 4. Hermann Müller, Nadler, Wienerstr. 38. 21. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 18./125. Gemeindeschule, Koppenstr. 84. zu wählen find 5 Beifizer. Kandidaten: 1. Heinrich Neuhaus, Birker, Friedenstr. 51. Day 2. Karl Kranz, Droschkenkutscher, Posenerstr. 1. 3. Adolf Ritter, Schneider, Melchiorstr. 12. 4. Louis Hauchwiz, Bildhauer, Große Frankfurterstr. 30. 5. Eduard Jablonski, Kellner, Markusstr. 9. 24. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 87.198. Gemeindeschule, Memelerstr. 24/25. Zu wählen sind 4 Beisizer. Kandidaten: 1. May Massufhe, Stider, Ebelingstr. 11. 2. Paul Irrgang, Blumenarbeiter, Cotheniusstr. 9. 3. Franz Stusche, Tischler, Weißbachstr. 1. 4. Eugen Brückner, Buchbinder, Nüdersdorferstr. 65. 27. Wahlbezirk. 39. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 139./161. Gemeinde Wahllokal: Turnhalle der 14. Gemeindeschule, schule, Georgenkirchstr. 2. Zu wählen find 4 Beifizer. Kandidaten: fandi 1. August Tieke, Schuhmacher, Krautstr. 33. 2. Wilhelm Hentschel, Schmied, Schliemannstr. 3. 3. Karl Schwedler, Korbmacher, Raumerstr. 16. 4. Mar Stanowski, Zuschneider, Höchste str. 48. 30. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 8./63. Gemeinde: schule, Gipsstr. 23 a. 38u wählen sind 5 Beisitzer. Kandidaten: 1. Richard Brechling, Arbeiter, Anklamerstr. 19. 2. Emil Walle, Kürschner, Rummelsburg, Hauptstr. 4. 3. Albin Schuster, Weber, Straßmannstr. 2. 4. Julius Schramm, Hausdiener, Dunderstr. 21. 5. Dstar Donath, Schlosser, Höchstestr. 18. 33. Wahlbezirk. Wahllokal: Zu Keſſelſtr. 3/4. Bu wählen find 4 Beifizer. tiating Kandidaten: 190 1. Hermann Körber, Buzer, Müllerstr. 156. 2. Baul Koblenzer, Tischler, Lorkingstr. 24. 3. Robert Sterntopf, Handschuhmacher, Hussitenstr. 10. 4. August Wobser, Bauarbeiter, Hochmeisterstr. 22. ads 42. Wahlbezirk. samtid Wahllokal: Turnhalle der 113.128. Gemeinde. schule, Turmstr. 86. Zu wählen sind 4 Beisiger. Kandidaten: Tesadn .hildsor 1. Otto Müde, Bauarbeiter, Rostockerftr. 50. sid 2. Start Joseph, Schlosser, Gozkowskyftr. 1. Holdeng 3. Paul Wolfram, Dreher, Richthofenstr. 11. sic 4. Gustap Gassen, Schlosser, Emdenerstr. 17. 45. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 110./174. Gemeinde: Wahllokal: Turnhalle der 160./188. Gemeindeschule, Schönhauser Allee 166 a. 8u wählen sind 4 Beifiker. Kandidaten: 1. Waldemar Schewe, Steindruder, Schönhauser Allee 70e. 2. Artur Dtte, Schleifer, Swinemünderstr. 3. 3. Richard Wiedemann, Stellerarbeiter, Marienburgerstr. 18. 4. Gustav Thunack, Gärtner, Schwedterstr. 50. 36. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 190./198. Gemeinde: schule, Graunftr. 11. Bu wählen find 5 Beisizer. Kandidaten: 1. Baul Ratajszat, Zigarrenmacher, Pappel- Allee 7. 2. Konstantin Jahn, Glaser, Nieder- Schönhausen, Störnerstraße 47 3. Baul Hildebrand, Schuhmacher, Christburgerstr. 30. 4. Johannes Nowad, Schlächter, Liebigstr. 8. 5. Karl Weigel, Klempner, Carmen Sylvastr. 3. tr. 3. schule, Stephanstr. 3. Zu wählen sind 4 Beisiger. 90611219 Kandidaten: We fo 1. Ernst Trippel, Schneider, Lüneburgerstr. 22. 2. August Geue, Steinarbeiter, Waldenserstr. 41. 3. Hermann Höppner, Dachdecker, Wilhelmshavenerstr. 57. 4. Gustav Wolf, Elektromonteur, Schwedterstr. 236. 48. Wahlbezirk. Wahllokal: Turnhalle der 140./194. Gemeinde. schule, Prinzen- Allee 8. Zu wählen sind 5 Beisizer. Kandidaten: 1. Franz Duade, Rabizspanner, Pappel- Allee 133. 2. Karl Schneider, Weißgerber, Stoloniestr. 139. 3. Mar Bernhard, Arbeiter, Schüßenstr. 59. 4. Robert Berger, Maschinist, Fruchtstr. 69. 5. August Kowalszük, Hausdiener, Swinemünderstr. 82. Der Ausschuß der Berliner C verkschaftskommission. Konfektionsarbeiter u.-Arbeiterinnen aller Branchen! Gewerkschafts- Kartell Montag, den 17. Oftober 1904, abends 81, Uhr: Oeffentl. Protestversammlungen. 1. Für den Norden: ,, Swinemünder Gesellschaftshaus", Swinemünderstr. 42. 2. Für den D sten: ,, Andreas- Festsäle"( Jnh. Kussin), Andreasstr. 21. Für die Kostümschneider und-Schneiderinnen Mittwoch, den 19. Oktober 1904, abends 8 Uhr, in den ,, Arminhallen", Kommandantenstr. 20. Für die Konfektionsarbeiter und-Arbeiterinnen des Wedding Montag, den 24. Oftober 1904, abends 8%, Uhr, im ,, Colberger Salon", Colbergerstraße 23. Tages- Drdnung in allen Versammlungen: für Berlin und Umgegend. illus Bureau: C. 54, Dragonerstraße 15. Telephon: Amt III 5028. Achtung, Gewerkschaften! Heute Freitag, den 14. Oktober, abends 8 Uhr, findet für die Wahlbezirke Flugblatt- Verbreitung statt. Die Ausgabe der Flugblätter erfolgt in den Verkehrslokalen. 293/17 Für den 21. Wahlbezirk befindet sich das Verkehrslokal: Koppenstraße 10 bei Wilh. Arndt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Ausschuss. Die Verkümmerung des Arbeiterinnenschutzes in der Konfektion Dr. Simmel, Prinzendurch den preussischen Handelsminister. Referenten: Stühmer, Käming n Ritter. Specialarzt für[ 35/ 13* Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12 2-4. Kollegen und Kolleginnen! Agitiert allerorts für einen guten Besuch und erscheint in Massen E. Möbis, Uhren, Koppenstr. 82.* zu diesen Versammlungen. [ 163/12] Verband der Sattler. Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Branchen- Versammlungen am Sonnabend, den 15., Montag, den 17., Dienstag, den 18., finden. Mittwoch, den 19. und Donnerstag, den 20. Oktober 1904 statt Es ist Pflicht der Mitglieder, diese Versammlungen zu besuchen. Anmeldungen zu den Hochschulfursen werden noch bis SonnAchtung! bem, ben 15. Oftober, in Bureau, Gewerkschaftshaus, Engel157/13 Ufer 15, Zimmer 22, entgegengenommen. Die Ortsverwaltung. Sonnabend, den 22. Oktober 1904: 16. STIFTUNGS- FEST im Gewerkschaftshause, Engel- lljer 15. Konzert. Festrede des Reichstags- Abg. Eduard Bernstein. Humoristische Vorträge. Reigenfahren von Mitgliedern des Berliner Arbeiter- Radfahrervereins. Großer Ball. Anfang 8%, Uhr. Entree 30 Pf. Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Billetts sind im Bureau sowie bei den bekannten Kollegen zu haben. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Einberufer. Orts- Krankenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin. Nach§§ 44 und 45 des Kassenstatuts besteht die Generalversammlung aus Vertretern der Kaffenmitglieder und der Arbeitgeber. Wahlgange zu wählen, während die zu Beiträgen verpflichteten Arbeitgeber Die Kaffenmitglieder haben die Vertreter aus ihrer Mitte in einem auch Geschäftsführer oder Betriebsbeamte zu Bertretern wählen und in der Wahlversammlung sich durch solche vertreten laffen können. Für 1901/1905 find zu wählen: von den Kaffenmitgliedern 458 Bertreter, von den Arbeitgebern 225 Die Wahl der Vertreter der Kassenmitglieder findet am Sonntag, den 30. Oktober cr., vormittags präzife 10-11 Uhr, im großen Saal des Gewerkschaftsbaufes, Engel- Ufer 15 ftatt.( Um 11 Uhr wird der Wahlakt geschlossen.) Der Borstand ladet zu zahlreicher Beteiligung hierdurch ergebenst ein. Wahlberechtigt und wählbar sind nur diejenigen Kaffenmitglieder, welche großjährig und im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte find. Bur Legitimation dient das Quittungsbuch, und werden die Herren gliedern behufs Teilnahme an der Wahl auszuhändigen. Ohne Quittungsbuch ist die Teilnahme an der Wahl ansgeschlossen. Das Bergnügungskomitee. J. 2.: W. Tuschke, Rigdorf, Reuterstr. 26, III. Drudereitassierer gebeten, dasselbe quittiert den oben aufgeführten Mit Arbeiter- Bildungsschule Berlin Sonntag, den 16. Oktober, abends 7, Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstrasse No. 20: Vortrag des Genossen Dr. M. Maurenbrecher über: ,, Weltanschauungskämpfe des Proletariats." Nachdem gemütliches Beisammensein und Tanz. Eintritt 20 Pfg. 5/ 5* Garderobe frei. Die Arbeitgeber wählen ebenfalls in ungeteilter Wahl- Versammlung am Mittwoch, den 26. Oktober cr., abends 8% Uhr, im Buchgewerbe- Saal, friedrich- Str. 231, und ladet der unterzeichnete Vorstand ebenfalls zu zahlreicher Beteiligung ein. Berlin, den 10. Oftober 1904. Der Vorstand 275/ 12* der Oris Krankenkasse für das Buchdruckgewerbe zu Berlin. Johannes Blenz, Borsigender. Otto Wonitzki, Schriftführer. d Deutscher Holzarbeiter- Verband. Heute Freitag, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Bezirksversammlung für Moabit am Sonntag, den 16. d. M., vormittags 10 Uhr, in der Brauerei Turmstrasse 25-26. Schule im Dienste gegen die Freiheit". 2. Diskussion. 3. Verbands Zages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Schubert über: Die 90/ 11* angelegenheiten und Verschiedenes. Achtung! Treppengeländer- Branche. Adtung! Sonntag, den 16. Oktober cr., vormittags 912 Uhr, im Königstadt- Kasino, Holzmarktstr. 72: Versammlung aller in Treppengeländer- Fabriken beschäftigten Arbeiter, als: Tischler, Stellmacher, Drechsler, Bildhauer, Maschinenarbeiter usw. Zages Ordnung: 1. Die verflossene Saison in unserer Branche und welche Lehren ziehen wir daraus? 2. Diskussion. 8. Verbands- und Branchenangelegenheiten. Es ist Pflicht jedes Kollegen in dieser Versammlung zu erscheinen. Ganz besonders eingeladen sind die Verbandsmitglieder Peter Becker, in Arbeit bei der Firma Drechsler, Gubenerstraße und Karl Braun, in Arbeit bei der Firma Finkendei, Gr. Lichterfelde. Wir ersuchen alle arbeitslosen, streifenden und ausgesperrten Kollegen, fich am Sonnabend vormittag 9 1hr an der Flugblattverbreitung für die Gewerbegerichtswahl zu beteiligen. Alle die Kollegen, welche sich schon meldeten, werden gebeten, am das Material in Empfang zu nehmen. Neumeldungen erbitten wir uns im Verbandsburean. Die Ortsverwaltung. Sonnabend vormittag 9 1hr im Saal I des Gewerkschaftshauses Uhren, Grammophone, Goldwaren fowie sämtliche Zubehörteile; Reparaturen, Platten billigst. Tel. Amt III. 5008. Franz Henschke, N., Swinemünderftr. 39. 2542 Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Sonntag, den 16. Oktober, vormittags 10 Uhr: Versammlung fämtlicher Klempner, Schloffer, Rohrleger und Helfer, welche in den Zwangsinnungs- Betrieben beschäftigt find im Volkshause, Rosinen str. 3. Tages- Ordnung: 1. Die bevorstehende Wahl des Innungs- Ausschuffes. 2. Diskussion. Berschiedenes. 122/16 Stollegen! Es muß jedem seine Aufgabe sein, wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung in dieser Versammlung zu erscheinen. Niemand versäume daher die Gelegenheit, um sich aussprechen zu können. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Sonntag, den 10. Oktober, vormittags 10 Uhr, im Lokale von K. Kube, Ernst- und Schubertstraßen- Ecke: Morgensprache der Mitglieder des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes von Dalldorf und Borsigwalde. Zur besonderen Beachtung! Alle Vertrauensleute, Zahlstellen Inhaber und Mitglieder bitten wir, strengstens darauf zu achten, daß bei der Bezahlung der 40. Beitragswoche für jedes Mitglied eine Zählkarte aus: geschrieben wird. Die gewiffenhafte Ausfertigung dieser Karte ist zu der am Jahresschluß aufzunehmenden Mitgliederstatistik unbedingt er. forderlich. Alle arbeitslosen, streikenden und ausgesperrten Kollegen werden dringend ersucht, sich am Sonnabendvormittag 9 Uhr an der Flugblattverteilung für die Gewerbegerichtswahl zu beteiligen. Die Kollegen, welche sich schon gemeldet haben, gehen in ihre Wahlkontroll- Lokale. Alle anderen melden sich im Verbands: Bureau oder im Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission. Die Ortsverwaltung. Hermann Stillschweig jr. Berlin Sw. 6 Blücherstraße 6 nahe Hallesches Tor. 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