Kr. 260, HbonncmenfS'BcdlngUftgen: IldonnementS- Preis pränumerando: Werteljährl. 3£0 Sftt., monatL 1,10 Ml. wöchentlich 28 Psg. frei ins Hau). einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nummer mit Uufiricrter Sonntags- Betlage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungan» L Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat. 21. Jahrg. Ole Tnfcrtions- Gebühr beträgt für die sechsgespallene Kolonel« geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammlungS-Anzeigen 25 Pfg. „Kleine Hnreigen", daS erste(fett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Jnicrate für die nächsle Nummer müssen biS 5 Uhr Nachmittag) in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Crfibelnt«glich außer lstontaa», Devlinev VolksblÄkk. relegramm- Adresse: ,.S«alaIileili»llni Berlin". Zentralorgan der fozialdemohrati fchen parte! Deutfchlands. Redaktion: SRI. 68, Lindcnstraaac 69. Kernfprechcr:?lmt IV. Rr. 1983. Freitag, den 4. November 1904. 6xpcdition: SM. 68, Lindenetrasac 69. Fernsprecher: Nmt IV. Nr. 1981. Der Wahlkampf in Italien. Rom, 31. Oktober. lEig. Ber.) Der Waylkampf ist in ganz Italien im vollsten Gange. Nicht mehr eine Woche trennt uns von den Haupttvahlen, und die Häupter der ver- schiedenen Fraktionen unterbreiten in großen Reden ihr Wahl- Programm den Wählern und dem Lande. Vorgestern hat S 0 n n i n 0, der L e a d e r der konservativen Opposition, gesprochen, eine nichtssagende Rede, in der sehr viel von Freiheit und Volksrechten vorkam. von der Not der Armen, der die Regierung steuern müsse und so weiter. Das einzig Deutliche war der Teil, wo sich Sonnino gegen die Organisationen der Arbeiter wendet, die er einen Staat im Staate nennt und für deren Wirksamkeit er besondere gesetzliche Regelung fordert. Alles in allem eine kümmerliche Rede, ebenso schtvach wie das Programm Giolittis, mit dem Unterschiede jedoch, daß eben kritifiercn leichter ist als besser machen und daß es darum dem von der Regierung ausgeschlossenen Politiker viel leichter gewesen wäre, ein innerlich logisches, durchdachtes und verlockendes Programm vor- zulegen als Giolitti, der als Chef des Kabinetts sich den Luxus rein dekorativer Reformpläne nicht mehr leisten kann. Gestern kam die Reihe an S a c ch i, den Führer der nach ihm benannten Fraktion der Radikalen. Von allen war wohl seine Rede die am meisten erwartete. Die Hauptbesorgnis des Abgeordneten von Cremona ist, zu beweisen, daß die Spaltung der äußersten Linken nicht von einer Gesimnmgsänderung der Radikalen, sondern von einem Abschwenken der Sozialisten ins revolutionäre Lager bestimmt wurde. Hier liegt der Fehler in der Stellung des Problems. In der Tat ist weder der eine noch der andere abgeschwenkt, sondern Sozialisten und Radikale trennten sich eben, weil jeder seinen eigenen Weg weiterging, wie ihn die Logik seiner theoretischen Voraus- setzungen und die geschichtliche Entwickelung vorschrieben. Beide Parteien waren wie zwei Menschen, die im Heranwachsen einander fremd werden, um so fremder, je mehr ein jeder seine eingeborene Eigenheit entfaltet. Da ist kein Grund zum Streit und zum Hader, nur ist eben die Stunde zum Abschiednehmen gekommen. Des weiteren sprach Sacchi von dem, nach seiner Anficht neuem sozialistischen Prinzip, nach dem der Streik ein wirksames Mittel der politischen Pression wäre. ES handelt sich hier wohl weniger um ein neues Prinzip als um die nachträglich gemachte Konstatierung einer Tatsache, denn der Streik hat sich selbst als polittsch wirksam dokumenttert. Auch hier sieht man also, daß eS eben die Tatsachen und ihre Logik sind, die beide Parteien trennen. Schließlich erklärte Sacchi, daß das Problem Italiens nicht ein Problem der Verteilung, sondern eins der Produktion sei. Es fehle dem Lande der Reichtum und man müsse erst für den Erttag sorgen. ehe man sich um dessen Verteilung kümmere. Für einen Führer der radikalen Partei zeigt Sacchi also eine recht vorweltliche Auf- fassung des Sozialismus. Auch Turati hat bereits vier Wahlprogrammreden gehalten, die von einer neuen Wandlung seines gelenkigen Geistes zeugen. Es ist nicht zwei Jahre her, seit Turatt den in öffentlichen Diensten be- schäftigten Arbeitern daS Streikrecht absprach. Jetzt legt er sich sehr scharf für dieses Recht ins Zeug. Bekanntlich war eS seit langem ein Hauptsatz Turatis, daß die Partei die Funktton der bürgerlichen Radikalen übernehmen müsse, da diese in Italien keine Lebens- und Kampftüchtigkeit zeigten. Heute erklärt nun Turati, die Partei könne nun und nimmer die Funktion der bürgerlichen Demokratie stell- verttetend ausfüllen. In einer seiner jüngsten Reden ging Turati so weit, zu be- dauern, daß die Radikalen ihm keinen Kandidaten entgegenstellen. während früher er und die Seinen eS vielfach bedauerten, wenn ein sozialistischer Kandidat gegen einen Radikalen auftrat. Als vor zwei Jahren in Cremona eine Ersatzwahl stattfand, weigerte der damals reformistische„Avanti* dem Parteikandidaten, Romeo Soldi die Wahlnnterstützung, weil ihm der radikale Leader Sacchi gegen- überstand. So ist in den mannigfaltigen Verschlingungen seiner Gödankenentwicklung Turati wieder einmal auf einem Punkte angelangt, wo er als fremd und nicht zu ihm ge- hörig das hinter sich läßt, was er vor kurzer Zeit mit großem Eifer verteidigte.— Von allen großen Städten steht Rom bis jetzt dem Wahlkampf am gleichgültigsten gegenüber. Gearbeitet wird schon, aber eigentlich nur in den WohlthätigkeitSinstitliten. die in diesen Tagen Zentrum der Wahlmache und Korruption sind. Von den fünf auf Rom fallenden Mandaten gehören bis jetzt drei Regierungskandidaten. zwei Radikalen. Es ist keine Aussicht, daß ein Sozialist durchkommt. deshalb hat der Kampf hier wenig Schärfe. Auch in Neapel, das. von zwölf Mandaten alle bis auf eins den konsiituttonellen' Parteien, das eine dem Genossen C i c c 0 t t i übertrug. ist Ivenig mehr als auf die Behauptung unseres kleinen Besitzstandes zu hoffen. Für Mailand sagten wir schon in früheren Berichten, daß Voraussagen schwer seien, doch wenig Gefahr für das Verlieren der sechs anttkonstiwtionellen Par- teien gehörenden Kreise an Regierungskandidaten bestehe. In Venedig(3 Kreise: 2 konservative und 1 radikaler) können wir hoffen, einen mattrosa Radikalen durch einen Parteigenossen ersetzt zu sehen. In G e n u a. das von zwei Konservativen und einen, Republikaner vertteten wurde, hofft man den Republikaner zu er- halten und den einen Wahlkreis der Partei zu gewinnen. In Turin(zwei Sozialisten, drei Konstttutionelle) hofft man einen Kreis zu erobern, ebenso in dem bis jetzt nur von den Konservativen behaupteten Bologna. In F l 0 r e n z sind Verschiebungen kaum zu crioarten: es dürste bei einem Sozialisten und drei Konservativen bleiben. Die wesentlichsten Fortschritte erhoffen wir in den kleinen Städten. Zur Erklärung der allgemeinen Lage und unserer Bezeichnung der Fraktionen wollen wir hinzufügen, daß zwar der reaktionäre Block, den man geplant hatte, nicht zustande kam, wohl aber eine Art reaktionärer Schutthaufen, in dem alle bisherigen Ordnungsparteien durcheinander liegen. Ein Block besteht nicht, denn es fehlt den„staatserhaltenden" Parteien Organisation und Disziplin, so daß der eine gegen den andern kandidiert, aber eine allgemeine Gleichfarbigkeit des reaktionären Programms ist erzielt worden. Deshalb unterscheiden wir in unseren Berichten Sozialisten, Republikaner und Radikale und stellen diesen die konservativen Kandidaten entgegen. Da klerikale Kandidaten mit Aussicht auf Erfolg nicht kandidieren �Klerikale sind überhaupt nur in Mailand und Neapel aufgestellt), so genügt das. In Konservative und Liberale zu scheiden, wäre unmöglich: fast überall laufen die Farben ineinander; Rechte, Zentrum und Linke sind längst mein- andergerührt und sind auch so ziemlich wesensgleich, wie der Umstand beweist, daß die vorige Kammer mit einer Ueberzahl rechtsstehender Abgeordneter begann und ohne Personalwechsel mit einer Mehrheit der Linken endete. Man könnte die Kandidaten der Ordnungsparteien in Ministerielle und Oppositionelle scheiden, nur weiß man das nie vorher, denn jetzt spielen sie alle die Ministeriellen. Bleibt nur die Unterscheidung zwischen von der Regierung unterstützten oder von dieser bekämpften Kandidaten. Hier ist die Unterscheidung klar und deullich— zur Schande: der Wahlgepflogenheiten GiolittiS sei es gesagt— auch sie hat aber keinerlei programmatischen Wert, sondern gibt höchstens einen Wertmesser des von dem Gegner zu besiegenden Widerstandes. Wir nennen also konservativ jene große graue, strukturlose Masse, die sich den organisierten Parteien der Sozialisten, Republikaner und Radikalen entgegenstellt. Wer von dieser Masse ministeriell, wer oppositionell ist, das muß die erste politische Abstinunung im neuen Parlament zeigen. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Mulden, 2. November.(Meldung der Russischen Telegraphen- Agentur.) Zwei Divisionen der vor Port Arthur stehenden japa- nischen Armee sind zur Verstärkung der Armee Oyamas abgegangen. Zwei neue Divisionen sind in Nagasaki eingeschifft worden, um nach Kwantung befördert zu werden. Das Eintreffen des Großfürsten Boris Wladimirowitsch wird in den nächsten Tagen hier erwartet. Petersburg, 3. November. Im Laufe des Monats wird Kuropatsin über folgende Truppen verfügen: 385 Bataillone Infanterie, 261 Schwadronen Kavallerie, 26 Regimenter Artillerie, öl Pionier- und Telegraphen-Kompagnien, hierzu kommen noch 1406 Geschütze. Im ganzen wird Kuropatkin über 536 AH) Mann verfügen.(??) Tokio, 3. November. Der allgemeine Angriff aus Port Arthur beginnt sehr wahrscheinlich heute, am Geburtstage des Mikados. Der als hervorragende Autorität im Belageruiuisivesen bekannte G e n e r a l l e u t n a u t S 0 m c j i m a ist ain 12. Ottober dorthin abgereist. Die offizielle Verlustliste in der Schlacht am Schaho spricht von 15 879 Manu. » London, 3. November. Die„Morning Po st" schreibt, es seien Maßnahmen getroffen worden, die Baltische Flotte während ihrer Fahrt nach dem fernen Osten zu überwachen. Dieses Wächteramt werde nacheinander durch die Kanalflotte, durch das Mittelmeer- und das Osttndische Geschwader ausgeübt werden. Wenn nötig, werde das Indische Geschwader zu diesem Zwecke Schiffe nach den westlich von seinen Stationen ge- legenen Punkten abgehen lassen, damit die Ucberwachung keine Unterbrechung erleide. Bei Erteilung der Jnstrultionen au die englische Flotte sei angenommen worden, daß die russischen Schiffe ihren Weg durch den Suez-Kanal nehmen werden. Aber selbst, wenn sie um daS Kap fahren sollten, werden sie umklammert werden. Petersburg, 3. November. Die„Birschewija Wjedomosti" sind ermächtigt mitzuteilen, das in der ausländischen Presse verbreitete Gerücht, Admiral R 0 s ch d j e st w e n s k v habe während des Vor- falles in der Nordsee auf eigene russische Torpedoboote gefeuert, welche angeblich hinter dem Geschwader zurückgeblieben seien und dasselbe zu erreichen suchten, sei die reinste Er- findung. Ebenso erfunden sei, daß dabei ein Torpedoboot in den Grund gebohrt und ein zweites beschädigt sei. potttilcke(leberfickt. Berlin, den 3. November. Preußisches Abgeordnetenhaus. Das Abgeordnetenhans hatte am Donnerstag eine um- fangreiche Tagesordnung zu erledigen. Zunächst überwies das Haus nach kurzer Debatte den bereits vom Herrenhause verabschiedeten Entwurf einer Wege-Ordnungfürdie Provinz We st Preußen an eine Kommission. Eine längere Erörterung knüpfte sich an den Antrag des Abg. F r i t s ch(natl.) und Genossen, der die Aufhebung der Acre st st rasen für Unterbeamte bezweckt. Im Reich, in Elsaß-Lothringen und selbst in Sachsen kennt man diese Strafe nicht, im' Militärstaat Preußen dagegen, wo das Be- amtenhcer militärisch organisiert sein soll, besteht dies eigen- arttge„Erziehungsmittel" noch, und wenn es nach dem Willen der Regierung geht, dann wird auch in Zukunft über Unterbeamte Arrest verhängt werden dürfen. Bedeutet doch, wie der Vertreter des Ministers Freiherrn v. Hammcrstein, Unterstaatssekretär Bischofshansell meinte, die Beibehaltung der Arreststrafe eine Wohltat für die Beamten, die durch eine Geldstrafe weit empfindlicher getroffen würden. Die demoralisierende Wirkung der Arreststrafe ist dem Regierungsvertreter offenbar gleichgültig. Das Haus nahm, abgesehen von dem konservativen Abg. S t r 0 s s e r und einigen wenigen seiner engeren Freunde, einen ver- nünftigeren Standpunkt ein als die Regierung und erteilte dem Antrage die Zustimmung. Eine im Sinne des Antrages gehaltene Petition, die über 11 000 Unterschriften von Beamten trägt, wurde der Regierung zur Berücksichtigung überwiesen. In früheren Jahren ging das Haus über ähnliche Petitionen regelmäßig zur Tagesordnung über. Der Antrag der Abgg. Ernst(fts. Bg.) und Genossen betreffend Förderung des hauswirtschaftlichen Unterrichts in den Mädchen-Volksschulen wurde nach kurzer Debatte» in der sich alle Redner sympathisch dazu äußerten, der Unterrichtskommission über- wiesen. Gleichfalls an eine Kommission ging der Antrag Schmedding(Z.) u. Gen., der die Regierung auffordert, schleunigst im gesetzlichen Wege die Fürsorge für die- jenigen mittellosen geisteskranken und schwach- sinnigen Personen zu regeln, welche nur behufs des Schutzes anderer Personen gegen ihre Ausschreitungen der Unterbringung in Anstalten bedürfen. Heute entstehen mangels gesetzlicher Bestimmungen gewöhnlich Differenzen wegen der Kostenfrage; es gibt sogar Gemeinden, die, weil sie über die Zahlung der Aufenthaltskosten keine Einigung mit den Pro- vinzial- oder staatlichen Behörden erzielen können, Geistes- kranke frei umherlaufen lassen. Die Kommission soll nicht nur die finanzielle Seite eines Gesetzes beraten, sondern auch auf eine Trennung Geisteskranker und irrer Verbrecher hinzuarbeiten suchen. Den Rest der Tagesordnung bildeten einige weitere belanglose Anträge und Petitionen ohne allgemeines Interesse. Am Freitag steht neben kleineren Vorlagen der freisinnige Antrag betreffend die Scherlsche Sparlotterie zur Debatte.— DaS sozialdemokratische Offizierkorps. Die deutsche Militärpreffe entrüstet sich eifervoll über die Bor« kommniffe im französischen Kriegsministerium, über geheime Brand- martting der klerikalen und monarchisttschen Offiziere und über ihre Zurücksetzung im Avancement. Die„Kreuz-Zeitung" beispielsweise läßt sich aus Paris eine Korrespondenz senden, in welcher JaurdS der Tartüfferie bezichtigt wird, weil er erklärt, daß es Pflicht eines republikanischen Ministers war, Mitteilungen entgegenzunehmen darüber, ob Offiziere gegen die Republik konspirieren. Der Korre« spondent fügt hinzu: „Das gibt in der Tat interessante Aufschlüsse über den Geist. der im Offizierkorps der sozialdemokratffchcu ZukunftSarmer herrschen wird." Wir haben keinen Anlaß, näher über die Vorgänge im fran- zösischen Kriegsministerium zu sprechen, nichts aber kann größere Heiterkeit erwecken als diese Entrüstung der deutschen Militärpresse und als der Versuch der„Kreuz-Zeitung", ein zukünfttges sozial- demokrattsches KriegSministerium bereits heute auf Verrat denunzieren zu wollen. Alles, was im französischen Kriegsministerium geschehen ist, mag auch Tadelnswertes geschehen sein, ist natürlich von lächer- sicher Geringfügigkeit gegenüber den dauernd mit äußerster Gewalt« samkeit durchgeführten Methoden der deutschen Militärbehörden. In Frankreich handelt es sich darum, die früher im Avancement rechts- widrig zurückgesetzten republikanischen Offiziere endlich einigermaßen in ihr Recht einzusetzen. In Deutschland aber gilt eS für selbstver- ständlich, daß die politrsche Gesinnung den Ausschlag dafür gibt, ob jemand in Offizierstellen einrücken darf. Die deutsche Militärpresse klagt, daß in Frankreich republikanische Offiziere bevorzugt werden, in Deutschland selbst aber werden s y st e m a t i sch nur Perionen, welche die den Herrschenden beliebende Gesinnung haben, in Offizierstellen zugelassen. Noch niemals ist gehört worden, daß ein Sozialdemokrat, und sei er der trefflichste Soldat, Offizier werden könnte. Nicht einmal zu den Iluteroffizierchargen wird bei uns jemand zugelassen, der sozialdemokratischer Gesinnung„verdächttg" ist. Mehr noch, man weiß, daß die Militärbehörde im Bunde mit den Polizeibehörden ständige Kontrolle über alle zum Mitttärdienst eingezogenen jungen Leute daraufhin führt, ob sie in ihrem Vorleben irgendwelche Beziehungen zur Sozialdemokratie oder auch nur zur gewerkschaftlichen Bewegung gehabt haben. Diese jungen Leute sind von vornherein in der mili- tärischen Stammrolle gekennzeichnet, unterliegen der sorgfälttasten Ansnahmebeobachtung und werden von dem Aufrücken in vorgesetzte Stellungen ausgeschlossen. Und nicht nur gegen Sozialdemokraten wird dieses Verfahren geübt, auch Liberale gelten im allgemeinen für ungeeignet, Offiziere zu werden. In rücksichtsloserer und gewalt- tätigerer Weise als in Deutschland kann die politische Gesinnungs- riccherei in der Armee nicht betrieben werden. Es ist erheiternd, daß die deutschen Militaristen, die diese Methoden betreiben, sich erregen, wenn in Frankreich im schlimmsten Falle zehnfach milderes geschehen ist. Wir können die„Kreuz-Zeitung" beruhigen über den Geist, welcher dereinst im Offizierkorps der sozialdemokratischen Zukunft«- armee herrschen wird. Soldaten, welche befähigt sind, werden in der sozialdemokratischen Milizarmee keineswegs darum Zurücksetzung erfahren, daß sie der geistigen Anormalität verfallen sind, Anhänger der„Kreuz-Zeitung" und ihrer monarchischen Gesmnungen zu sein.— Taktvolle Aufklärung. Die Debatte deS Abgeordnetenhauses über die saarabischen Wahlbeeinflussungen veranlaßt die„Deutsche Tageszeitung" zu einigen„grundsätzlichen Bemerkungen". Sie erklärt sich„gegen die Ausübung jeden Zwanges bei der Wahl", aber„in gewissem Sinne" müsse als die Pflicht des Arbeitgebers aufgefaßt werden, „taktvollc und unbefangene Aufklärung der Ar- beiter über die politischen Fragen und ihre eigenen wahren Interessen" zu üben. DaS solle ein Gegengewicht sein„gegen die sogenannte Aufklärungsarbeit, zu der sich heutzutage jeder her- gelaufene Bursche berufen glaube". Warum, fragt die„Deutsche Tageszeitung", sollte solche Arbeit nicht gerade von denen getan werden, die in besonderer Weise dazu berufen sind, von den deutschen Fürsten- und Literaten- Liberalismns zusammenstellt.| bringen, und es sei deshalb zu erwägen, ob nicht die Reichs- GesetzWertretern der Autorität?" Auch dem Arbeitgeber Gustav Freytag war der Lieblingsschriftsteller jener emporgekommenen gebung anzurufen sei, um eine Bekämpfung des Kontrattbruches eindürfte das allgemeine Staatsbürgerrecht der Aufklärung der Volks liberalen Bourgeoisie, die es zwar nicht politisch aber wirtschaftlich zu heitlich für alle Bundesstaaten und alle Rechtsverhältnisse aus deut genossen nicht verfümmert werden. Die Deutsche Tageszeitung" meint weiter, sie erwarte, durch diese offene Erklärung den Zorn der ſolider Macht gebracht hat, und der Schützenherzog Ernst, der Groß- Dienstvertrag herbeizuführen. meint weiter, fie erwarte, durch diese offene Erklärung den Zorn der fabrikant von Adel und Titeln- Freiherr v. Mirbach ist ein Stümper gegen die Bedenken gegen die Bestrafung von Arbeitgebern, die Seitens der Regierungsvertreter wurde der Vorschlag gemacht, Demokraten zu erregen. Keineswegs. Die Demokraten wünschen nur einen Gegenvor- ihn verkörpert jenen monarchischen Liberalismus, für den unsere vor vertragsbrüchige Arbeiter annehmen, dadurch zu beseitigen, daß eine schlag zu machen: Es werde eine gesetzliche Bestimmung geschaffen, Fürstenthrönchen stolze liberale Presse so schwärmerische Verehrung Vorprüfung der Sachlage durch die Polizeibehörde vorgeschrieben daß Arbeiter, welche bei der Aufklärungsarbeit der Autoritäten in hat. Es scheint, als ob unter den veröffentlichten Briefen, die werde. Dieser Vorschlag fand Widerspruch, weil hierdurch eine geeine politische Diskussion zu ihren Arbeitgebern treten und ihren übrigens so sorgsam gefeilt sind, daß man annehmen darf, sie seien nügende Rechtsgarantie nicht geschaffen werde. Zu einer Abstimmung äußern, bei Gefängnisstrafe nicht in der Arbeit beeinträchtigt und gewesen unter diesen Briefen scheinen gerade die interessantesten bertagt. entgegengesetzten politischen Standpunkt vor ihren Arbeitskollegen schon bei ihrer Abfassung für eine zukünftige Deffentlichkeit bestimmt fam es noch nicht. Die weitere Beratung wurde bis 7. November nicht aus der Arbeit entlassen werden dürfen. Natürlich würde auch Aus den Verhandlungen der Kommission geht hervor, wie wild diese Aufklärung der Arbeiter auf den junkerlichen Gütern eine zu fehlen. So ist das Schreiben Gustav Freytags verschwunden, in durchaus taktvolle sein. Wir erwarten, durch diesen Vorschlag nicht dem der einstige Freund des Kronprinzen Friedrich Wilhelm nach es im realtionären Herenfessel wieder brodelt. Festzuhalten ist, daß den Zorn der Deutschen Tageszeitung" zu erregen. Sie wird es dem Tode Friedrichs III. das Erscheinen seines Pamphlets über den das Zentrum wie schon früher zum Teil gleichfalls für das Ausfür recht und billig halten, daß nicht nur jeder hergelaufene konser- verstorbenen Freund dem Herzog Ernst angezeigt hat. nahmegesetz gegen die ohnehin rechtlosen Landarbeiter eintritt, und bative Gutsbesizer, sondern auch jeder Arbeiter das gleiche Recht daß die Nationalliberalen gar eine allgemeine Bestrafung des Kontraktder Aufklärung der Volksgenossen genießt. bruches durch das Reich anregten! " " Der Briefwechsel aus der Zeit des neuen Surses ist überhaupt Die Deutsche Tageszeitung" wendet sich noch in besonderem Thronliberalismus zu charakterisieren verlohnt vielleicht eine Wiederfast völlig inhaltlos. Um die geistige Höhe dieses Kleinstaatlichen gegen die Sozialdemokratie, die keinen Anlaß habe, über angeb= fichen Wahl zwang zu flagen, denn der Wahlawang, ben fie übt, ift gabe zweier Briefſtellen, in denen der Herzog und sein treudurchschnittlich weit stärker und weit unverfrorener als jede Wahl- gehorsamster Freytag ihre Sorgen über die Sozialdemokratie beeinflussung von anderer Seite". Wir bedauern, daß die Herren austauschen. Agrarier von der Deutschen Tageszeitung" bisher noch in keinem einzigen Falle die leichte Mühe aufgewendet haben, die Fälle der unberfrorenen sozialdemokratischen Wahlbeeinflussung festzustellen und die also ungesetzlich zustande gekommenen Reichstagswahlen durch die Wahlprüfungskommission als ungültig erklären zu lassen. Bisher haben sie es nur immer bewunderungswürdig geduldet, daß durch fozialdemokratische Proteste konservative Wahlen wegen brutaler Vergewaltigung der Wähler der Ungültigkeit überliefert worden sind! " Die kanadischen Parlamentswahlen. London, 1. November.( Eig. Ver.) Am 3. d. M. finden in Kanada die Parlamentswahlen statt. Wie in England besteht auch das Parlament Kanadas aus nur zwei Parteien: einer konservativen und einer liberalen, die sich durch ihre verschiedene Auffassung über die Grenzen der staatlichen Tätigkeit und über den Grad der Annäherung an das Mutterland unterscheiden. Die konservative Partei ist dem Gedanken der Verstaatlichung und dem einer britischen Reichsvereinigung geneigter, als die liberale Partei. Die Konservativen sind für Schutzzoll und für einen weitgehenden Vorzugstarif für britische Waren; die Liberalen sind im Prinzip Freihändler, in der Praxis für einen mäßigen Schutzzoll und für einen Vorzugstarif für britische Waren. Das tanadische Unterhaus in Ottawa besteht aus 214 Abgeordneten. Auf Grund der Wahlen vom Jahre 1900 erhielt die liberale Partei 134, die konservative Partei 80 Abgeordnete. Die Liberalen waren somit in der Mehrheit und übernahmen die Regierung, die sie auch in der Legislaturperiode 1897-1900 innehatten. Die Verteilung der Abgeordneten ist folgende: Provinz Manitoba Neubraunschweig Liberale Konservative 3 4 9 5 Neuschottland 15 5 Ontario 37 55 Quebec 58 7 Prinz Eduard- Inseln puit 3 2 Territorien 4 0 Yukon 0 Britisch- Columbia. 4 Gr 2 80 zufammen 134 Der Führer der liberalen Partei ist Sir Wilfrid Laurier, der zugleich als Premierminister an der Spitze der Regierung steht. Auf seine Anregung im Jubiläumsjahre 1897 wurden die britischen Handelsverträge mit Belgien und Deutschland gekündigt und dem Mutterlande ein Vorzugstarif gewährt. Aber er ist keineswegs Imperialist. Nach seiner Erklärung ist die Dominion of Kanada mur deshalb loyal, weil ihr das Mutterland die Freiheit gegeben hat. Er sagte ferner:" Wir gewähren England einen Vorzugstarif, weil wir auf den englischen Markt angewiesen find. Nach diesem Markt gehen unsere Produkte, denn nach fremden Ländern vertaufen wir höchstens fünf Prozent. nur Es ist deshalb unsere Pflicht, unseren Handel nach jener Richtung hin weiter zu entwickeln. Um niedrige Frachten für unsere Ausfuhr zu erhalten, ist es nötig, daß die Schiffe, die sie führen, Ladungen nach Kanada zurückbringen. Durch den Vorzugstarif an England haben wir die Mittel, die Schiffe mit Ladungen zu versorgen." Dies sei das Geheimnis des von der liberalen Regierung Kanadas an England gewährten Vorzugs. Das Argument ist rein utilitarisch und hat nichts mit dem imperialistischen Gefühl zu tun. Nach Laurier ist also das Einigungsband zwischen England und den Dominien die politische Gleichberechtigung und der gegenseitige materielle Nutzen. Es ist indes flar, daß das kanadische Volk nicht fo biel bon einem falten logischen Räsonnement bom imperialistischen Gefühl geleitet wird. wie Die Am 22. Januar 1890 schreibt Gustav Freytag an seinen lieben Herrn: AP Im sittlichen Dresden, allwo die Polizei die Photographien ber unfittlichen einstigen Kronprinzessin verbietet, wo die konservative Soffittlichkeit die Triumphe der Harmlosigkeit und Unschuld feiert, begibt sich der unglückselige Zwischenfall, daß wieder einmal in einer der allerfittlichsten und allerhöfifchesten Familien ein böser Sittlich feitsstandal ausbricht. Der früher als Rechtsanwalt tätige jezige ,, Seit 1848 hat es keine Zeit gegeben, wo der Friede der Standesbeamte Dr. jur. Ackermann ist nebst drei anderen Staaten so gesichert erschien und keine, wo die Umstarzideen im höchst ordnungsgemäßen Herrlein wegen Sittlichkeits- VerInnern der Staaten so planboll organisiert, die soziale Ordnung gegen§ 175 des Strafgesetzbuchs verstoßen haben. brechen verhaftet worden. Nur nebenbei soll er auch gegen§ 175 des Strafgesetzbuchs verstoßen haben. Die Vorder Staaten bedrohten. Die Bemühungen des Kanzlers, durch die kommnisse, wegen deren die Verhaftung erfolgte, haben sich in große Reformgefeßgebung die Interessen der Massen von den einem Berliner Hotel abgespielt. Ju Dresden war der Agitatoren ab- und dem Staat zuzuleiten, könnten in fünfzig, in Dr. jur. Ackermann eine„ Stüße der Gesellschaft" hundert Jahren vielleicht eine gute Wirkung ausüben, wenn und spielte eine hervorragende Rolle in tonservativen uns so lange gelänge, die organisierten Ausbrüche der Unzufrieden- reisen; ist er doch der Sohn des verstorbenen Reichstagsheit im Zaume zu halten. Aber dazu ist geringe Aussicht. Abgeordneten sächsischen Kammerpräsidenten Denn je größer die Bewilligungen, umso höher die Forderungen. Dem Arbeiter verkünden die wohltätigen" Gesetze nur: Die Reichen bewilligen, weil sie Furcht haben. Dank sind wir ihnen nicht schuldig, wohl aber unseren Anführern. Vivat Bebel! Der Umstand, daß das Kapital fortwährend teurer wird, dagegen die Arbeiterfaust wertvoller, ist ein Anzeichen, daß der Kampf zwischen beiden Gewalten zunächst mit dem Unterliegen des Kapitals ausgeglichen werden wird. Wir dürfen vertrauen, daß dieser Kampf, der in seiner Dauer jetzt unübersehbar ist, durch viele gute Friedensschlüsse und-Zeiten verhältnismäßiger Ruhe unter brochen wird. Aber er wird noch zu seltsamen Erscheinungen führen." Der liberalste aller Monarchen aber antwortet wie folgt: „ So urteilen wir beide auch gewiß gleich über die in Ihrem Brief hervorgehobene große Gefahr der Umsturzideen für die foziale Ordnung; aber ein Unterschied ist doch in unserer Auffaffung und Ihr Vergleich mit 1848 scheint mir nicht zuzutreffen. Ich meine, wir haben jetzt ein besseres Gewissen als die Machthaber von damals. Wenn heute der Staat und die Zivilisation bedroht wird, so ist es kein verrotteter Staat mehr und keine herzlose Zivilisation, sondern beide haben das Recht, sich zu wehren, und zum Glück auch die Macht dank dem festgegründeten Reich, das uns nun umschließt. Freilich, wenn es zu dieser harten Notwendigkeit fäme, würde manch wertvolles freiheitliches Besitztum vorübergehend wieder verloren gehen, aber durch kein doktrinäres Bedenken möchte ich mir das Recht verfümmern lassen, bei gutem Gewissen mich meiner Haut zu wehren. Die Hauptsache ist nur, den rechten Moment nicht zu verpassen, sondern entschlossen zu sagen: Bis hierher und nicht weiter." Der Freiherr von Stumm hätte nicht anders schreiben brauchen. Am 30. Juli 1890 schreibt der Herzog an Freytag über Kaiser Wilhelm II: ,, Unser junger gnädigster Herr sucht mehr oder weniger meine Fußtapfen auf, aus der Zeit, in der ich in seinem Alter war; er ist aber ein mächtiger Kaiser und ich bin damals mir ein vorwärtsstrebender Privatmann gewesen. Die Schwierigkeiten find wohl gleichbedeutend. Ich aber habe den Vorteil treu ergebener Freunde gehabt( unter denen Sie obenan stehen); der Kaiser hat keine, er hat auch nicht die Möglichkeit und besonders nicht die Zeit, intimen Umgang mit dritten Personen, seien es Fürstlichkeiten oder Laien, zu pflegen. Diesen Mangel fucht er mun durch Fleiß und Tatkraft zu ersetzen. Ich bezweifle aber, ob dies in allen Fällen ausreicht. Auch hierüber sind nur mündliche Konfidenzen möglich. Mir beiveist der Kaiser noch immer große Liebe und Vertrauen. Und dennoch fühle ich durch, daß er nicht von freien Stücken die Gelegenheit ergreift, eine ungeschminkte Kritik anzuhören. In der Bismard- Tragödie habe ich, ehe der Vorhang gefallen, noch eine gewisse Role gespielt." " und Ad er mann, des vielberüchtigten Reaktionärs in der vielberühmten weißen Weste". Und der Schwager des sächsischen Sittlichkeitshelden ist kein geringerer als Dr. Paul Mehnert, der jezige stammerpräsident, der eifrige Hofmann, der Vertreter der sächsischen Reaktion. Es ist Teufelswerk, daß auf solch gesundem Boden so wurmstichiges Gewächs wuchert. Studenten. Offene Worte über studentischen Lurus sprach bei dem Rektorats wechsel an der Leipziger Universität Professor Dr. Bücher: In den meisten Verbindungen könne faum noch ein Stiftungsfest gefeiert werden, das nicht mindestens drei Tage dauere; kostspielige Auffahrten wechselten mit Festen und Aufführungen, deren Vorbereitungen allein die Beteiligten viele Stunden und Tage dem Studium entzögen; es habe sich geradezu cin Koder des Lurus ausgebildet, der den studierenden jungen Mann einschätze nach dem, was er ausgebe; nachgerade müsse die Frage aufgeworfen werden, ob hier nicht ein Zurüd schneiden geiler Auswüchse, eit Zurüdfehren zur alten Einfachheit des deutschen Studententums dem Verbindungsleben selbst am meisten nügen werde. Die agrarische, Deutsche Tageszeitung", der jeder Lurus vers haßt ist, den nicht der Junker betreibt, bestätigt aus ihrer Erfahrung die Worte Professor Büchers und ergänzt sie nicht ohne Interesse: „ Nicht das ist der Hauptschaden, daß dreitägige Studenten feste gefeiert werden, sondern der wunde Punkt liegt darin, wie sie gefeiert werden. Man überbietet sich dabei in einem künstlich gemachten, finnlosen, mindestens gewaltig übertriebenen Lurus, der den Genuß nicht steigert, sondern beeinträchtigt, der lediglich bestimmt ist, nach außen hin zu wirken. Es ist eine Art des Affentums eingerissen, die früher gerade von den Studenten verhöhnt und verspöttelt wurde. Eine Korporation sucht die andere zn übertrumpfen. Früher legte man Wert darauf, möglichst flott, stramm, burschikos und waffentüchtig zu erscheinen, jetzt äfft man das blasierte, schlotternde, in sich zusammengefunkene Gigerltunt nach. Früher wollte der Student" forsch" sein, heute legt er Wert darauf, patent" zu erscheinen. Diese beiden Worte der Studentensprache bezeichnen am besten den Wechsel der Auffassungen. Es ist nun freilich eine alte Erfahrung, daß Kapuziners predigten besonders auf Studentenkreise nicht zu wirken pflegen. Was getan werden fann und muß, das sollte besonders von den sogenannten„ Alten Herren" geschehen. Das ist aber das Bedauerliche, daß diese A. H. in vielen Fällen den Hang zum Lurus bei den jungen Leuten nicht eindämmen, sondern durch Schenkungen usw. steigern. Die Angelegenheit ist nicht nur von Bedeutung für die Studentenschaft, sondern für die Gesamtheit. Die studentischen Sitten und Unfitten werden ins Leben mit hinaus genommen, und wenn man jetzt mit gutem Fuge darüber flagt, daß auch in gewisse Beamtenfreise der unnüze und prozige Lurus Eingang gefunden habe, so wird ein Grund dieser un erfreulichen Erscheinung mit in dem Lurus des Studententums zu suchen sein." t " Vernünftige Sitten und schlichtes Leben sind nur zu schaffen, wenn man, stait wider den Lurus zu kapuzinern, die kapitalistische Reichtumsansammlung und die feudale Junterherrschaft befehdet. Aus einer Klasse, die ohne Arbeit maßloße Privilegien genießt und ausbeuterisch Reichtum speichert, wird mit Notwendigkeit das„ Affenttum" gezüchtet. Die Zukunft der Besitzenden und Gebildeten" Die Verrufserklärung der Landarbeiter. liegt da. woher einst, nach Darwin, der Mensch ausgegangen. Logik allein wäre kaum imstande gewesen, die Kanadier während Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vordes Boerenkrieges zu veranlassen, ihre Söhne nach Südafrika zu bereitung des Gefeßentwurfes betreffend betreffend Erschtverung des In Schwerin- Wismar, wo Dr. Dröscher von der Kandidatur schicken. Die Haltung Kanadas spricht vielmehr dafür, daß Logik und Kontrakt bruches für ländliche Arbeiter trat Mitt zurückgetreten ist, haben jetzt die Konservativen den Generalsekretär Gefühl für ein engeres Zusammengehen mit dem Mutterland find. woch in die erste Beratung der Vorlage ein. Es wurde beschlossen, des deutschen Landwirtschaftsrats und Privatdozenten Dr. Dade Bei Laurier allerdings nur die Logit. Er ist französischer Abstammung zwei Lesungen vorzunehmen und zunächst im Anschluß an den für die Reichstagswahl aufgestellt. So wenig es dem Herrn Dade und ein prinzipieller Freihändler, und hat im Laufe des letzten$ 1 des Entwurfes, der die grundlegenden Bestimmungen enthält, an agrarischer Leistungsfähigkeit fehlt, so zweifelhaft ist es, ob die mecklenburger Bauern sich für den Berliner Gelehrten eifrig schlagen Jahres gezeigt, daß er nicht britisch, sondern rein kanadisch fühlt. in eine Generaldiskussion einzutreten. Im Laufe derselben wurde von der freisinnigen Partei werden. Der konservative Wahlmacher des dortigen Kreises hat Als die britisch- amerikanische Kommission, die zur Schlichtung der sowohl die rechtliche Zulässigkeit einer landesgefeglichen Regelung daher als besonderes Verdienst des Kandidaten der WählerversammGrenzstreitigkeiten in Alaska Alaska eingesetzt wurde, zugunsten als die Nüglichkeit und Durchführbarkeit einer solchen in Abrede lung eröffnet, daß er sogar im Lande des Ochsenkopfes gebürtig der Vereinigten Staaten entschied, stellte Laurier im Bar- gestellt. ſei. Iamente den Antrag, das Vertragsrecht dem Mutter- Die übrigen Kommissionsmitglieder sprachen sich für die ZuKatholisches Rechnen. lande zu entziehen. Dann ist noch der Fall mit Lord Dundonald ständigkeit der Landes Gesetzgebung aus, und zu erwähnen. Dieser ist einer der beliebtesten Generale der britischen größte Teil erkannte auch eine Notlage dahin an, daß Aus Dortmund wird uns geschrieben: In einer großen Vertragsbruch auf dem platten Lande einen Armee und wurde beim Abschluß des Boerenkrieges zum Kommander die Versammlung des katholischen Volksvereins in Dortmund hielt der dierenden der Miliz in Kanada ernannt. Bei Ernennung von Miliz- Landwirtschaft im allgemeinen schädigenden Umfang angenommen Bentrums- Abgeordnete Sittart einen politischen Vortrag, der als offizieren geriet er indes in einen Konflikt mit der Zivilregierung habe. Wenn der Entwurf auch nicht imſtande sei, die Leutenot der Klassischer Beleg dafür dienen kann, was die Zentrumstlerifalen dem Landwirtschaft als solche zu beseitigen oder zu mildern, weil er den Wolfe bieten dürfen. Die schwärzeste Reaktion und Rückständigkeit und mußte seinen Posten niederlegen, wobei ihn Laurier einen Abfluß der landwirtschaftlichen Arbeiter in die Industrie nicht zu auf dem Gebiete der Volksschule konnte der Redner den Zuhörern " Foreigner" nannte. Foreigner heißt Ausländer. Im Englischen hindern vermöge, so könne er doch dadurch segensreich wirken, daß als schönstes Zentrumsideal, als Zukunftshoffnungsanfer preisen hat das Wort aber einen schimpflichen Beigeschmack, wie bei den er die vorhandenen Arbeiter bei demjenigen festhalte, der sie mit und er fand jubelnden Beifall. Nach dem stenographischen Griechen" Barbar". Aus allen diesen Gründen hat Laurier seine im Mühe und Kosten angeworben habe, und das gewissenlose und un- Bericht der ultramontanen„ Tremonia" sagte der Zentrumsmann, der nebenbei Jahre 1897 in England gewonnene Popularität eingebüßt, und man reelle Ausmieten unterbinde. Volksbildner(!) ist, wörtlich: würde hier seine Niederlage mit Vergnügen begrüßen. Der Führer der konservativen Partei ist Mr. Borden, von dem man nur soviel weiß, daß er für Schutzzoll und für eine engere zollpolitische Annäherung an England eintritt. Neben der Zollpolitik und vielleicht noch mehr als diese ist der Bau der transkanadischen Eisenbahn zum Gegenstande der Wahlagitation geworden. Die Konservativen wollen, daß der Staat den Bau übernimmt, während Laurier Privatgesellschaften bevorzugt. Borden gab die Parole aus:„ Soll die Bahn den Staat, oder der Staat die Bahn beherrschen?" Deutfches Reich. 4 der weitaus Die tonservativen Vertreter hielten auch den Entwurf für eine brauchbare Grundlage eines in dieser Richtung wirkenden ja zum Teil für notwendig erachteten. Im gleichen Sinne sprach Gesetzes, obgleich auch sie verschiedene Abänderungen für zulässig, fich ein Teil der Zentrumsmitglieder aus, während die übrigen Vertreter dieser Partei befürchteten, daß der mittelbare Einfluß der Vorlage auf die Rechte der Arbeiter zu groß sei, um ohne Besorgnis hingenommen zu werden. Es ist falsch, daß immer und immer wieder die Schule fritisiert und bewertet wird nach den äußeren Kenntnissen. Nicht darin beruht der Wert der Schule, daß die Burschen, daß die Mädchen verstehen zu rechnen. Wir haben zu viel Menschen, die gut rechnen können.(!) Hier verzeichnet der Bericht: Sehr wahr und Bravo! Da fagt man mum, gibt es denn ein tonfessionelles Rechnen? Jawohl, es gibt ein christliches und ein unchristliches Rechnen Sehr richtig! und Beifall. Die nationalliberalen Mitglieder der Kommission er- Das christliche Rechnen ist wohl das der frommen Centrumseine Bestrafung der Arbeitgeber, die grafen in Schlesien, die bekanntlich die niedrigsten Löhne zahlen; flärten insbesondere eine Bestrafung vertragsbrüchige Arbeiter annehmen, für bedenklich, weil dadurch auch die Unmenge katholischer Zeitungsverleger, die als Tariffeinde auch nicht vertragsbrüchige Arbeiter, die vor Ablauf der Vertrags- ihre Arbeiterfreundlichkeit beweisen, fönnen gut katholisch rechnen, zeit, aber aus gesetzlichem Grunde den Dienst verließen, in Mit- die zünftlerischen Handwerksmeister sind ebenso treue Christen wie leidenschaft gezogen und für längere Zeit arbeitslos werden sie das Koalitionsrecht der Arbeiter hassen und hohe Löhne wie die fönnten. Sie wiesen ferner darauf hin, daß in der übrigen be- Hölle scheuen und schließlich, die katholische Kirche versteht das Der Schütenherzog und sein treugehorsamster" Diener. stehenden Gesetzgebung bereits so viel von dem, was der christliche Rechnen so gut, daß sie sich vorsichtig einen guten Magen In diesen Tagen ist ein dider Band von Briefen( Leipzig, Entwurf bezwecke, enthalten sei, daß die Notwendigkeit eines angeschafft hat, der alles veriragen fann. S. Hirzel) erschienen, die zwischen Herzog Ernst von Koburg und neuen Eingreifens der Gesetzgebung mindestens fraglich er- Herr Sittart der Voltsbildner hat recht: damit die Kirche und Gustav Freytag gewechselt worden sind. Es wird sich vielleicht Gelegenheit scheine. Bor allem aber würde ein Gesetz, das nicht die anderen Voltsplünderer das christliche Rechnen für eine gött bieten, auf die Publikation zurückzukommen, die zwar historisch keinen auch der Industrie die Annahme fontraftbrüchiger landwirt- liche Einrichtung ausgeben können, dürfen die Jungens und Wert hat, die aber doch ein psychologisches Kulturbildchen vom schaftlher Arbeiter verbiete, der Landwirtschaft sehr wenig Nuzzen Mädchen aus dem Volte nicht rechnen lernen. Kopfrechnen schwach" Berlin, 3. November. Major Lengerte meldet aus Warmbad über Kapstadt unterm 20. Oktober: Keetmanshoop mit 130 Mann und 2 Geschüßen, ausreichend verproviantiert, wird sich monatelang halten können, wenn auch Wegnahme der dort reichlich vorhandenen Tiere zu befürchten. Morenga befindet sich mit mehreren hundert gut bewaffneten und berittenen Hottentotten in und bei Karasberg. Verbindung mit Keetmanshoop dadurch unterbrochen." Religion gut, mit solchen Prädikaten hat man die Zentrumsideal- die assoziierten Anwälte der Herero 3." Herr, Hereros erlangen zu können. Sie sind also absolut außer stande arbeiter, die von Politik nichts verstehen, die die ganze Woche Schlettwein nimmt im großen und ganzen von dem, was er früher eine gemeinsame Waffenstreckung herbeizuführen oder gar alle arbeiten, am Sonntag Litaneien singen und die Kleider flicken. gefagt hat, nichts zurück. Er stellt sich wiederum auf den Standpunkt Schuldigen ausliefern zu können. Diese Tatsache liegt so sehr auf Ein Menschenmaterial, das solchen Ausführungen begeistert zu- des Herrenmenschentums. Er sagt, es sei ja eine schöne Sache, wenn der Hand, daß sie auch von den Scharfmachern der deutschen stimmt, sieht natürlich auch in der Schaukelpolitik des Zentrums der Mensch edel denke und edel handle, aber man dürfe nicht, wie Kolonialgesellschaft tapiert werden sollte. Gewährt man den zur himmlische Absicht, ebenso in der Brotverteuerungspolitik der dies bei dem deutschen Volke typisch zu sein scheine, so weit gehen, uebergabe geneigten Hererotrupps teinen Pardon, so bleibt nur das schwarzen Garde. daß man seine eigene Existenz untergrabe. Es sei durchaus teine Auf die Haltung des Zentrums gegenüber der neuen Militär- Herzensroheit, sondern nur gesunde Vernunft, wenn man sage, eine übrig, daß man, um die Worte des Reichsboten" zu ge vorlage bereitete Redner schon durch folgendes Präludium vor: deutscher Michel werde flug, selber essen macht fett". Alsdann brauchen, unsere braven Soldaten zu Menschenschlächtern degradiert, Deutschland ist groß, stark und reich geworden Krankenhäuser, vertritt Herr Schlettwein seine Ansicht, daß es notwendig sei, daß sie zwingt, auf Verzweifelnde Jagd zu machen". An einer solchen Armenhäuser und Gefängnisse und gestopft voll! Dadurch haben die Hereros nach ihrer Unterwerfung famt und sonders zu Sklaven Verwendung unserer deutschen Soldaten nimmt die deutsche Kolonialwir viele Neider, die sich an unserem Eigentum vergreifen wollen. der weißen Ansiedler gemacht würden. Die Hereros müßten den gesellschaft augenscheinlich nicht den geringsten Anstoß! Auch hier Durch startes Heer und starke Marine müssen wir dagegen ge- Farmern als Arbeiter zur Verfügung gestellt werden, und zwar wieder zeigt sich die demoralisierende Wirkung der Kolonialwappnet sein. Für die neue Verstärkung des Heeres um müßten sie zunächst ohne Lohn arbeiten, damit sie die Kriegskosten 20 000 Mann, die angeblich gefordert werden sollen, dürfte die auf diese Weise aufbrächten. Natürlich meine er dies nur so, daß politik! Regierung aber nicht viel Glück haben, es wird ihr nicht leicht die Farmer wohl eine Entschädigung für die Arbeit zu zahlen hätten, werden, das Kompenſationsobjekt des Zentrums ist wohl etwas aber diese Entschädigung nicht den Schwarzen selbst, sondern dem schwerwiegend? eine Mehrheit im Reichstage zu finden,-es sei leiche entrichteten. Komme das Reich später in die Lage, jährlich denn, daß fie ganz gewichtige Gründe für ihre Heeresforderung ins für die Hereros einige Millionen ohne Gegenleistung zu bewilligen, Feld führen kann". so sei dies ja umso besser, das Geld werde im Lande sehr schnell Das alte Gaufelspiel! Erst wird man in heiliger Entrüstung unter die Leute kommen. über die Zumutung, als stramme Wächter der Voltsinteressen, tüchtig Es erscheint uns noch sehr fraglich, ob die Farmer von dem Vorauf die neue Forderung loshacken. Die schwarzen Volkstribunen schlage des Herrn Schlettwein, an den Staat die Arbeitsentlöhnung donnern vernichtende Anklagen gegen die Regierung. Zweiter für die Schwarzen zu zahlen. besonders erbaut sein werden. Für sie Att! Die Regierung hat den Volksmannen vertraulich die gewichtigsten wäre die Versklavung der Hereros doch nur dann von besonderem Gründe mitgeteilt. Man hat erfahren, das Vaterland ist in schwere Interesse, wenn teine Arbeitslöhne bezahlt würden, sondern wenn Neue Verlustliste. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: An Gefahr und die edlen Mannen müssen sich fast Gewalt antun, um die Farmer als Gegenleistung lediglich für die nackte Lebensnotdurft in der Sorge um des Vaterlandes Wohl, in überquellendem ihrer Sklaven aufzukommen hätten. Oder aber: die Zahlungen Typhus gestorben: 1. Reiter Karl Wenzel, MaschinengewehrPatriotismus, der Regierung keine Vorwürfe zu machen, daß sie an das Reich müßten nur so winzige sein, daß auch nicht im ent- Abteilung I, geb. 10. Mai 1882, Lazarett Grootfontein. 2. Reiter nicht mehr Verstärkung und Schutz gefordert hat und daß sie so ferntesten daran zu denken wäre, daß durch diese Entschädigungen Arnold Lange, 6. Komp. Regt. 1, Lazarett Waterberg( Datum lange mit der notwendigen Forderung gezögert hat. auch nur ein winziger Bruchteil der Kriegskosten gedeckt werden fehlt). 3. Reiter Friedrich Winterstein, am 1. November Obwohl die Schäden des deutschen Zolltarifs beinahe mit den könne, die ja bereits in die hunderte von Millionen gehen. Durch 1904, Lazarett Okahandja. 4. Reiter Hermann Przybo Händen zu greifen sind, feierte Redner den Zolltarif als ein- diese Zahlung der Löhne an das Reich würde dann der Tatsache rowski, geb. 10. Ottober 1882, am 30. Oftober 1904, Krankendank Zentrums- Gnaden und Hülfe gewonnenes- Instrument, das der Versklavung der Gingeborenen nur ein fadenscheiniges Mäntelchen station Divinananana. Neiter l'adislaus Rivergall, Felddie Handelsverträge mit anderen Staaten zum Segen Deutschlands umgehängt werden. Natürlich könnte es den Farmern ausgezeichnet gestalten müßte. passen, wenn das Reich etliche Millionen aufwendete, um den Slaven telegraphen- Abteilung, am 31. Oftober 1904 im Lazarett Otjofondu Nach dieser Probe aufs Erempel darf man darauf gefaßt sein, auch eine Geldentschädigung zu zahlen. Bequemeres Ausbeutungs- an Darmzerreißung durch Hufschlag verstorben. daß das Zentrum in Zukunft ebensowenig wie bisher in seinem material könnte den Herren Farmern gar nicht beschert werden. politischen Leben, sich durch Rücksicht auf Voltsinteressen nicht be- Der Sak, dieses Geld werde ja im Lande sehr schnell unter die einflussen läßt. Leute kommen, bedeutet übrigens eine zhnische Offenherzigkeit, denn die Eingeborenen würden dieses Geldes natürlich nicht froh werden, da sie es schleunigst wieder verausgaben müßten, um gegen ungeheuere Summen die wertlosesten Gegenstände von den Farmern Dem Drängen der ungarischen Scharfmacher- Verbände nachoder Händlern einzuhandeln. Es bleibt also schon dabei, daß der gebend, haben der Minister Tisza und der Handelsminister Vorschlag des Herrn Schlettwein ganz undistutabel ist. Die Hironymi Verordnungen erlassen, die sich gegen die Streifenden Kolonialpolitik ist doch seinerzeit angeblich zu dem Zwecke inauguriert richten. Zwar will man dem Arbeiter das Mittel des Streits nicht worden, um die Sklaverei zu beseitigen. Können unsere Kolonisatoren wegnehmen; auf streikende gewerbliche Arbeiter kann, so heißt es nur mit Hülfe der Sklavenarbeit bestehen, so ist damit über die in der Verordnung, das Feldarbeitergesetz nicht angewendet werden. Kolonialpolitik von vornherein der Stab gebrochen! Bestraft sollen nur solche Taten der streikenden Arbeiter werden, Eine Entrüftungskanonade gegen den, Simplicissimu 3" Daß aber das von Herrn Schlettwein vorgeschlagene Arbeits- die gegen die persönliche und Vermögenssicherheit der Arbeitgeber leistet die„ Tägliche Rundschau". Der„ Simplicissimus" soll dies- verhältnis nichts anderes als nackte Sklaverei wäre, das betonte oder der arbeitswilligen Arbeiter gerichtet sind, oder diese in ihrer mal sich der Beleidigung der evangelischen Pfarrer und schrecklich auch in der 20. Jahresversammlung des Allgemeinen Evangelisch freien Entschließung zu behindern trachten". Solche Erscheinungen ist es zu sagen gar der evangelischen Pfarrfrauen schuldig der ehemalige Missionar Pfarrer Dr. Christlieb. In zur Anzeige bringen. Es wird dann dazu aufgefordert, daß die Protestantischen Missionsvereins in Mannheim in einem Vortrag sollen die Behörden und die interessierten gesellschaftlichen Kreise" gemacht haben. Der Angriff soll so ungeheuerlich sein, daß der diesem Vortrag erklärte Dr. Christlieb, daß es ganz unangängig Ortsbehörden mit den strengsten Mitteln vorgehen und die Elemente gewöhnlichste Anstand die Wiedergabe verbiete. Die„ Lägl. Rundschau" sei, daß, wie dies ja verlangt worden sei, die Eingeborenen einzeln entfernen, welche die Arbeiter zu solchen ungeschlichen Handlungen begrüßt es, daß Klage gegen den„ Simpliciffimus" wegen der bebegrüßt es, daß Klage gegen den„ Simplicissimus" wegen der be- oder familienweise den Ansiedlern zur Zwangsarbeit zugewiesen verleiten". Das letztere richtet sich gegen die Streifleiter. leidigten Pfarrermajestät erhoben wird. Verhängnisvoll freilich erinnert würden:„ Dies wäre nichts als Sklaverei, und Sklaven taugen Arbeitern sollen ihre Führer entrissen und ins Gefängnis geftect das Blatt daran, daß auch die Katholiken in München den ebenso wenig als Stlavenhalter." Dabei ging selbst der ehemalige oder per Schub fortgeschafft werden, damit sie führerlos sind und Simplicissimus" in Anklagezustand gesetzt hatten. Vielleicht werden Missionar so weit, eine Art allgemeiner Dienstpflicht für die jungen fich den Wünschen des Unternehmertums fügen. Die„ Volksstimme", die evangelischen Pfarrer denselben Ausgang ihrer Klage erleben, Männer der Eingeborenen für möglich zu erklären. Diese Dienst das Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Ungarns, kenn wie damals ihre intimen katholischen Gegner. Die„ Tägliche Rundschau" aber, welche besonders auf würdigen Ton in politischen Pflicht sollte dem Staate nicht mit der Waffe, sondern in der Form zeichnet die Verordnung wie folgt:" Was an Jesuitismus, an einer staatlichen Arbeitspflicht geleistet werden. Es ist selbst- spezifisch- ungarischem Liberalismus und an asiatischer gewalttätiger Dingen hält, dürfte sich überlegen, ob das von ihr begeistert begrüßte verständlich, daß wir uns auch mit dieser doch ungleich milderen Niedertracht in eine Verordnung hinein zu zwängen möglich war. Verfahren, gegen Satire und Wig den Strafrichter aufzurufen, als Form des Arbeitszwanges für die Eingeborenen nicht einverstanden das haben beide fertig gebracht." ein politisch würdiges gelten kann. erklären können, stehen wir doch nicht auf dem Standpunkt, daß die Kolonialpolitik von vornherein von dem nackten Egoismus ausgehen müsse, daß sie von vornherein die Ungleichheit der Menschenmassen und die Berechtigung der weißen Rasse zur Beherrschung der farbigen vorausjekt, ein Standpunkt, auf den sich selbst Dr. Christlieb stellte. Wir sind vielmehr der Ansicht, daß eine Kolonialpolitit, die nur durch Unterjochung und Ausbeutung der Eingeborenen möglich ist, von vornherein zu verwerfen sei, sintemal die ganze Kolonialpolitik ja niemals dem Volke, sondern nur einzelnen privilegierten Schichten des Volfes zugute fommt. Bei der deutschen Kolonialpolitik kann es sich obendrein nur um ein paar hundert, höchstens um ein paar tausend Privilegierter handeln, zu deren Gunsten hunderttausende von Eingeborenen ausgepowert werden. Weimar, 2. November. Der Bürgermeister von Dorffulza hatte seinen gesamten Gemeinderat unter Anklage stellen Lassen, da er sich schwer beleidigt und in der öffentlichen Achtung herabgewürdigt fühlte durch die ihm gemachten Vorwürfe, daß er sich umsittlich gegenüber Frauen benommen und Gemeindegelder unterschlagen habe. Wegen Erbringung des Wahrheitsbeweises und Wahrung berechtigter Interessen wurden jedoch sämtliche Angeklagten tostenlos freigesprochen. Ausbeutung der Weinbauern. Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Vor einigen Wochen, gerade zu Beginn der Weinlese, hatte ich geschäftlich zu tun am Mittelrhein. Mein Weg führte mich auch in das herrliche Mofeltal zwischen Koblenz und Trier. Die für jeden Weinort bestehende Weinbergkommission hatte tags vorher den Beginn der Lese angeordnet. Verführt von der farbenprächtigen Schilderung belletristischer Weinreisender, schaute ich nach dem frohen, überlustigen Treiben der Winzer und Winzerinnen, sah aber fast uur ernste, trübsinnige Mienen, Hartschaffende Männer und Frauen. Doch das Jahr ist gut", die Stöcke hingen prächtig voll und auch die Qualität ist über Mittelmaß. Warum also keine ausgelassene Fröh lichkeit, warum nicht singen und hüpfen? Ich begab mich in mehrere sog.„ Heckenwirtschaften", wo der Inhaber den Selbstgetelterten mit freundlichem Profit ein schäntt. Nach und nach kamen einige Kleinbauern hinzu, deren schwielige Fäuste und gebeugte Nüden von harter Arbeit zeugten, Männer mit gefurchten Antligen, wie sie Meunier meißelt. Das Gespräch tam bald in Fluß. Ueber die Art, wie auch in unseren Kolonien noch der Arbeitszwang gehandhabt wird, bringt ein Artikel„ Sklavenunwesen in Deutsch- Ostafrika", den ein gewisser Hans Grzymski verbreitet, Aufklärung. Dieser Artikel behauptet, daß selbst von weißen Sklavenbefibern bei ganz leichten Vergehen der Schwarzen die Prügelstrafe angewendet wird. Der Schwarze werde an den Händen und Füßen gebunden und erhalte dann bis zu 50 Hiebe aufgezählt, eine Prozedur, die den Unglücklichen so zu nichte mache", daß er vom Ja, Trauben gibt es reichlich und es gibt auch einen guten Blak getragen werden müsse. An den ungeheuren Qualen habe der Wein aber! Und nun schütteten die von Unkundigen( auch Gezüchtigte oft Wochen lang zu leiden hat. Ein anderes Strafsystem von dem Schreiber dieses) vorher oft beneideten Weinbauern ihr sei auch das, daß man die Sklaven aushungere and so lange fasten Herz aus. Die Lese hatte begonnen, oder sollte morgen, übermorgen lasse, bis sie zu Kreuze fröchen. Daß in dieser Form der Arbeitsin Angriff genommen werden. Die Weinbergbefizer wußten nur zwang crefutiert wird, dafür haben wir ja auch Beispiele in Fülle noch nicht, wohin mit dem reichen Segen! Nur ver- aus Deutsch- Südwestafrika. hältnismäßig wenige sind im Besitz eigener Keltereinrichtungen. Aus allen diesen Gründen müssen wir an unserer Auffassung Die Mehrzahl der Kleinbauern verkauft daher die Trauben an die festhalten, daß Herr Karl Schlettwein einen Standpunkt vertritt, großen Weinfirmen. Gewisse Firmenvertreter haben eine der sich mit der Auffassung eines Kulturmenschen unmöglich in raffinierte Methode ausgeflügelt, um die abhängigen Kleinbauern Einklang bringen läßt. Wir dagegen stehen auf dem Standpunkt, zu schröpfen. Statt den Ankauf der Trauben vor der daß die Eingeborenen das Recht haben, in der Weise ihre Eristenz Lese zu besorgen, kommen die Herren erst während der weiter zu fristen, wie sie dies vor dem Eindringen der weißen Lese, wo die Winzer nicht wissen, wohin sie die Ernte Kolonisatoren" getan haben. Wir müssen es als Gewaltaft der tun sollen. Die Leje muß aber beginnen zur angesetzten Zeit, schlimmsten Barbarei bezeichnen, daß man die Viehzüchter ihres sonst laufen die Trauben am Stock aus oder verfaulen im Regen. Eigentums beraubt, um sie dann zu versklaven. Man schwabe uns Die gepflückten Trauben verlangen gebieterisch nach Verwertung, da nicht von dem„ Kultursegen der Arbeit". Gerade Kolonialkenner sie sonst verderben. Um diese kritische Beit erscheint der haben ja nachgewiesen, daß auch ein Viehzüchter so viel Arbeit zu Traubenankäufer und stellt sein Angebot, dem der Winzer wohl oder berrichten habe, daß es die blödsinnigste Verleumdung ist, ihn einen übel folgen muß. Ist die Ernte reich, wie in diesem Jahre, dann Faulenzer zu schelten. Allerdings ist ein gewisser Arbeitszwang ein spekuliert der Aufkäufer auf die Zwangslage der Winzer, und sie Stulturfegen, aber dieser Arbeitszwang sollte erst einmal gegenüber selbst bieten sich immer billiger an. Das Ende vom Liede ist, unseren Kolonialabenteurern angewendet werden, die zum allerwie mir die Kleinbauern flagten, daß sie unter solchen Um- größten Teil in die Kolonien gehen, nicht etwa um zu arbeiten, ständen oft kaum die nadten Selbstkosten herausschlagen, sondern um durch die Ausbeutung der unglückseligen Eingeborenen ihre viele Arbeit fast umsonst dazu tun müssen. Manche rasch ein Vermögen zusammenzuraffen! Weinbauern sind dadurch in Schulden geraten, sie kommen wirtschaftlich nicht vorwärts. Ein Bauer meinte drastisch, es würde Bardon soll nicht gegeben werden! so viel von den„ Verwüstungen der Reblaus" geschrieben, zahlreichen Vor einigen Tagen machte der Reichsbote" den VorMofelbauern saugten aber ganz andere Rebläuse" am Marke. Die schlag, daß man den zerstreuten Hererobanden, die sich unseren Weinhändler werden schwerreich, der bäuerliche Winzer bleibt ein Truppen ergeben würden, Pardon gewähren solle. Es sei jezt der Zeitpunkt gekommen, wo man eine Politik der Gnade eintreten Der Wein selbst wird durch den billigen Traubeneinkauf durchaus nicht billiger auf den Markt gebracht. Den Ertrag lassen müsse. Die entmutigten Scharen der Hereros, deren Führer der Bauernbedrückung heimfen die betreffenden großen Weinhändler sich über die Grenze geflüchtet hätten, halte nur ein Gefühl ab, die ein. Nur wenige handeln nach dem Grundsatz: leben und leben Waffen zu strecken, die Furcht vor der Rache des Siegers. Es sei laffen auch gegenüber den hartarbeitenden Weinbauern. Man fann nicht nur ein Gebot der Humanität, mit den zur Erbeinahe als Regel aufstellen: Die reich ste Weinernte bringt der gebung geneigten Hereroscharen in Unterhandlungen zu treten, weinbauenden Bevölkerung den wenigsten Lohn. Die kapitalistische sondern auch ein Gebot der Vernunft, da man sonst die Ausbeutung der Weinbauern macht aus dem reichsten Erntesegen Hereros zur Verzweiflung treibe, sie zu heimatlosen Räubern, die eine Plage der fleinen Winzer. Ich sagte ihnen, sie sollten sich kolonie zur Wüste mache. Dieser Auffassung tritt das Organ der überall in Genossenschaften zuſammentun, die gemeinsame Keltereien einrichten und für gemeinsame Rechnung direkt an Kon- Deutschen Kolonialgesellschaft entgegen. Das Blatt erklärt, daß fumenten bezw. Konsum- Genossenschaften absetzen könnten. man unter feinen Umständen einzelnen Teilen der ermatteten Hereros Die Leute wollen sich das überlegen. Pardon gewähren dürfe. Nur eins könne und müsse das Ende sein: Wer das herrliche Moseltal mit seinem goldenen Traubensegen Gefangennahme oder Auslieferung aller Häuptlinge, Rädelsführer schaut, ahnt nicht, welche Sümmernis sich hier birgt. und Schuldigen und ihre harte Bestrafung. Sei das Biel vorläufig nicht zu erreichen, so müsse eben weiter gekämpft werden, bis die Für die Verftlabung der Hereros spricht sich in der„ Kolonialzeitschrift" der Farmer Karl Schlett. Hereros fich auf Gnade und Ungnade unterwerfen und alle Schuldigen ausliefern. wein aus. Schlettwein hat schon früher in der sozialdemokratischen Diese Auffassung übersicht unbegreiflicherweise vollständig, daß Presse lebhafte Angriffe wegen seiner folonialisatorischen Theorien erfahren. Sein jetziger Auffah ist eine Polemik gegen diese ihm die zerstreuten Hererobanden gar nicht in der Lage sind, die gegewordene Kritik. Dies drückt auch bereits der Titel des Artikels flüchteten Häuptlinge auszuliefern. Sie werden von Wasserstelle zu aus, der da heißt:„ Sozialdemokratie und Mission, Wasserstelle gehetzt, ohne eine Verbindung mit den übrigen Trupps der armer Schlucker. " Husland. Oesterreich- Ungarn. Ein Anti- Streifgeset. Bolitifieren verboten. Den Der Redakteur des Temesvarer" Volfswillen", Genosse Horazek, hatte sich dieser Tage wegen unbefugten Politisierens" in 39 Fällen zu verantworten. Als 40. Anklage fam noch die Beschuldigung hinzu, er habe die Zeitung früher mit der Post befördern lassen, als man das Pflichteremplar dem Staatsanwalt einhändigte. Der Gerichtshof ließ schließlich 30 Inkriminationen fallen und verurteilte den Angeklagten in 10 Fällen zu insgesamt 10 Tagen Arrest und 100 Kronen Geldstrafe.. Hoffentlich gelangt man auch in Deutschland noch dahin, dem gewöhnlichen Volk das überflüssige und aufregende" Politisieren" ganz zu verbieten. Niederlande. Die demoralisierende Wirkung der kapitalistischen Kolonialpolitik tritt gegenwärtig in Holland wieder in erschreckender Weise zutage. Die Liberalen, die„ Gottlosen", und die Anhänger des„ christlichen" Ministeriums Kuyper sind sich darin einig, daß die Niedermegelung der, nach offiziellen Angaben 2850( darunter 1007 Frauen und Kinder) Eingeborenen auf Sumatra eine rühmenswerte Tat und notwendig war. Der Leiter jener Expedition, der Oberst Van Daalen, ist durch königlichen Beschluß zum Kommandeur des„ Militärischen Willems. ordens" ernannt worden und das liberale Amsterdamsche Handelsblad" begrüßt diese Auszeichnung mit herzlicher Bus stimmung" und bemerkt unter anderm, daß der Oberst„ das größte Lob" verdiene, weil auf des Feindes Seite so viele, auf unserer Seite so wenige Opfer fielen".- Die Verteidigung der Greueltaten, die sowohl der Minister Kuyper als auch das„ Handelsblad" vorbringt, läuft darauf hinaus, daß die Expedition in die Gajoe- und Battak- Lande eine notwendige Folge des Atjehkrieges war, und daß, weil die Bevölkerung sich auf seiten des Feindes hielt, sie niedergemacht werden mußte. Mit Recht vergleicht Troelstra in" Het Volt" diese Verteidigung mit der eines Einbrechers, der mit seinem Raube durch die Schlafkammer mußte, dabei Mann, Frau und Kinder umbrachte und dann, vor Gericht gestellt, sagen würde: es täte ihm sehr leid, aber er hätte nicht anders können; sie hätten sich ihn entgegengestellt. " " Darauf", schreibt Troelstra, läuft die heidnische Begründung des" Handelsblad" und die christliche Kuypers in rührender UebereinStimmung hinaus, und alle Schlafmüßen in den Niederlanden nickers und sagen Amen dazu.- Aber wir tunn das nicht! Wir schreien vor Qual, vor grimmer Gewissensqual über solche utat, vollbracht lediglich aus Geldinteresse! Wir schleudernt unsere Entrüstung, die heilige Wut unserer beleidigten Menschlichkeit diesen„ Christen" entgegen, die unsere nationale Ehre befleckt haben durch die zynische Ehrenbezeigung an jenes Scheusal. das sich dort im Osten so tapfer für unsere Kapitalisten gewehrt hat. Wir fragen unser Wolf, ob das so sein muß, ob das nun die" sittliche Leitung" ist, die das„ christliche" Ministerium unserem Volt geben sollte; ob die offizielle Huldigung solcher Greueltaten die Antwort auf die innerhalb und außerhalb der Kammer dagegen erhobenen Proteste sein foll! Und wir fühlen tiefer als je die große jittliche Pflicht, die auf uns ruht, während diese Einbrechermoral als höchste Tugend gepriesen wird, das reine Gefühl des unverdorbenen Teils unseres Volfes wach zu halten, auf Leben und Tod den Kampf gegen den sittenverderbenden Kapitalismus zu führen." Frankreich. " Neuer Sturmlauf gegen André. Im Figaro" werden neue Dokumente veröffentlicht, die in der morgigen Kammerfißung gegen André und das Ministerium ausgeschlachtet werden dürften: Der" Figaro" veröffentlicht das Faksimile einer Liste der für die Ehrenlegion vorgeschlagenen Offiziere. Bei den Namen der des Meritalismus verdächtigen Offiziere heißt es: siehe Auskunftszettel". Das Schriftstück trägt als Unterschrift den Buchstaben. A., und der„ Figaro" behauptet, daß dies die Unterschrift Andrés sei. Ferner veröffentlich der Figaro" in Fatfimile zwei Tagebuchblätter Walded- Rousseaus vom 24. und 30. Dezember 1902, worin dieser erklärt, der Ordonnanz- Offizier Hauptmann Humbert und der Stabinettschef im Kriegsministerium General Percin hätten ihn besucht und sich über die im Striegsministerium stattfindenden Angebereien beschwert. General Percin habe insbesondere mitgeteilt, daß der Adjutant des Kriegsministers Hauptmann Mo?m von der Freimaurerloge Auskunft Wer die Offiziere erhalte, und habe die Absicht geäußert, seinen Abschied zu nehmen. Waldeck habe ihm davon entschieden abgeraten, ihm jedoch erklärt, er müsse sich ganz entschieden weigern, sich für diese tadclns- werfen und unzulässigen Machenschaften herzugeben. Er begreife ja, dag man bei wichtigen Beförderungen die Präfekten um Auskunft über die Offiziere ersuche, aber inan dürfe sich nicht an die erste beste Privatperson wenden; die Angebereien dürften nicht auf diese Weise unterstützt werden. Waldeck habe am 30. Dezember den Ministerpräsidenten besucht und ihm mitgeteilt, was er von beiden erfahren habe. Combcs habe erklärt, daß dies aufhören müsse. Der „Figaro" will aus allem schließen, daß Combes von allen diesen Treibereien gewußt habe und mithin für die Vorgänge im Kriegs- Ministerium mitverantwortlich sei.— Deputicrtcnkinnmer. Die Beratung der Interpellationen betreffend das fianzösisch-englische Abkommen'wird begonnen. D e l o n c l e (Republikaner) bedauert, daß Frankreich Aegypten preisgegeben habe; er sagt weiter. Frankreich hätte in Marokko völlig freie Hand haben müssen, und fragt, ob die Blättermcldimgen über das französisch- spanische Abkommen richtig seien. Er bemerkt aber schließlich, man solle das französisch-englische Abkomincn akzeptieren.— Archdeacon (nationalistischer Republikaner) kritisiert das Abkommen und sagt, eS schade den Interessen Frankreichs, besonders denen in Neufundland. In Marokko sei der Ausbruch eines heiligen Kriege? zu befiirchten. Redner fragt, welche Zugeständnisse Spanien gemacht worden seien.— DeSchangel spricht sich besonders gegen den Artikel des fran- zösisch-englischen Abkommens aus, der Neufundland betrifft; dieser Artikel bestätige tatsächlich die Privilegien und Monopole der französischen Fischer. Redner führt ferner aus, Frankreich erhalte durch das Abkommen nur illusorische Zugeständnisse in Westafrika und errichte selbst die englische Schutzherrschaft über Egypten. Frankreich hätte nicht auf sein Recht der Kontrolle der egyptischcn Finanzen verzichten sollen. Man habe alles der Idee einer Er» oberung Marokkos geopfert. Was in Marokko nötig sei, sei ein ein- heitliches Vorgehen, das ein friedliches Eindringen in Marokko gestatte. Deschangcl bemerkt schließlich, das Abkommen habe Frank- reich Gelegenheit gegeben, seine Verträglichkeit zu zeigen; man möge es deshalb billigen. Die Fortsetzung der Beratung wurde hierauf vertagt und die Sitzung geschlossen. England. Parlamentarische Ersatzwahl. London, 1. November. An Stelle des verstorbenen liberalen Abgeordneten Sir William Harcourt wird am 3. d. M. in West- Moumouthshire eine parlamentarische Ersatzwahl stattfinden. Für die Konservativen kandidiert Sir John C o ck b u r n, der politisch freisinnig, aber zollpolitisch sich vollständig mit Mr. Chamberlain identifiziert; für die Arbeiter und Liberalen kandidiert der Berg- arbeiterführer Richards. Bei den letzten Hauptwahlen erhielt Harcourt 6976 Stimmen gegen 2401 konservative Stimmen. Amerika. Zur Ncgerfragc hat Booker T. Washington wieder einen kleinen Beitrag geliefert in dem Jahresbericht des„TnSkcgee Normal and Jndustrial Institute". Er beantwortet die Negcrfrage mit der Forderung von Erziehung und Bildungsfreiheit für den Neger. Das ist zlvar einseitig ansgefaßt, aber es ist doch sehr wünschenswert, daß diese eine Seite so viel wie möglich zur Geltung kommt. B. T. Washington, der Neger- Millionär und Philantrop.D hat das Tuskegee Institut für seine Rasscgeuossen gegründet, um ihnen Gelegenheit zur Ausbildung zu geben, bannt sie als Arbeiter und Bürger nicht hinter den Weißen zurückstehen. Diese Anstalt im Staate Alabama ist aus kleinen An- säugen hervorgegangen; sie ist ins Riesengroße gewachsen und umfaßt jetzt 93 Gebäude. Im verflossenen Schuljahre war die Zahl der dort Sw- dierenden 1601, zur allgemeinen Ausbildung und zur Erwerbung von Kenntnissen in Landwirtschaft und Industrie. Außerdem erhielten 462 Farbige eine besondere Ausbildung in Spezialklassen. Es kamen nach diesem Institut Neger ans 36 Staaten der Union, ferner aus Afrika, von den Bahama-Jnseln, aus Kuba, Haiti, Portoriko, Trinidad, Jamaika und Barbados. Wie eS in dem Berichte heißt, werden die im Tuskegee-Jnstitut ausgebildeten Leute als Aroeiter gesucht und erhalten bessere Löhne als sonst dem farbigen Arbeiter bezahlt werden. 626 Leute, welche im letzten Jahre|&ie Anstalt verließen, bekamen sofort feste An- stelluiig. Als ein Zeugnis fiir den erzieherischen Einfluß des Instituts wird angefiihrt, daß in allen Gefängnissen des Staates Alabama nicht ein Neger zu finden sei, der das Tuskegee Institut mit Ehren verlassen habe. B. T. Washington ist derselbe, der in der Wahlagitation gegen Roosevelt so viel genannt wurde, weil er einmal im Weißen Hause ain Tisch des Präsidenten gespeist hat. Seine Bestrebungen mögen anerkennenswert sein, aber durch solche philantropische Einrichtungen zur Erweckung der Selbsthülse Ivird die Emanzipation des Negers niemals zu erreichen sein. Die Negerfrage wurzelt in politischen, sozialen und wirtschaftlichen Ursachen. Als Rassenfrage könnte dieselbe mir durch eine vollständige politische und gesellschaftliche Gleichberechtigung des Negers aus der Welt geschafft werden. Die Demokraten haben freilich eine schnelle Lösung der Frage, indem sie die Aufhebung des fünszehnten Amendements zur Verfassung verlangen, wodurch seinerzeit die Neger das Stimmrecht erhielten. Die Republikaner scheuen sich überhaupt. der Frage näher zu treten. Die wirklichen Mißstände zu heben und die Frage zu lösen, wird erst der Partei der Zukunft, der sozialistischen, gelingen. Australien. Watso» über das jetzige Ministerium. Der Ex-Premierminister und der Führer der Arbeiterpartei und der jetzigen"Opposition im Parlament, Watson, äußerte sich in einer Rede dahin, er glaube, daß das gegenwärtige Ministerium nicht lange am Ruder sein werde. In der Frage der obligatorischen Schiedsgerichte und in anderen wichtigen politischen Fragen habe die Rernraing das Land nicht hinter sich. Watson bedauerte, daß es nicht.zur Auflösung des Parlaments gekommen ist; bei einer Neu- wähl würde die Arbeiterpartei nach seiner Meinung gegen 10«itze gewonnen haben, sodaß er, Watson. Wer eine Mehrheit von 8 ver- fügt haben würde.—_ Versammlungen. Der Sozialdemokratische Wahlverein für den ersten Berliner Wahlkreis hielt am 1. November in den Jndustrie-Festfälen eine Generalversammlung ab. Nachdem die Anwesenden das Andenken der verstorbenen Mitglieder E. G ü n t e r(2. Vor- sitzender) und Langfeld sowie des unglücklichen Genossen Albert Schmidt in der üblichen Weise geehrt hatten, hielt Genosse Dr. Leo Arons einen Vortrag:„Zur Schulfrage". Er hatte nicht die Absicht, eine Schilderung unserer ganzen Schul- Verhältnisse zu gebe«, zumal das an die Mitglieder ausgegebene Parteitags-Protokoll auch den vorzüglichen Vortrag der Genossin Klara Zetkin, den sie auf der Frauenkonferenz hielt, ausführlich wiedergebe. Aus dem weiten und verzweigten Gebiete griff Redner, unter Vergleichung des sozialdemokratischen Schul- Programms mit liberalen Schulforderungen, besonders die jetzt nur noch von der Sozialdemokratie ernsthast verfochtene Forderung heraus, wonach der Religionsunterricht aus der Schule gänzlich entfernt werden soll. Diese für die ganze EntWickelung unseres Schulwesens hochbedeutsame Forderung sei auch von Liberalen früher vertreten worden. Ihre Bedeutung werde auch jetzt noch von Liberalen erkannt. So habe Stadtrat Weigert anerkannt, daß der große Fortschritt der französischen Volksschule wesentlich zurückzuführen sei auf die Trennung des Religionsunterrichtes von der schule. Und auch Naumann sei sich, wie sein Buch über den Streit von Schule und Kirche ergebe, völlig llar über ihre Bedeutung für die fortschrittliche EntWickelung unseres Schul- Wesens. Trotzdem sei in einer Konferenz liberaler Männer von der freisinnigen Vereinigung, woran auch Naumann hervorragend teil- nahm, und die ein Schulprogramm entwarf, jene Forderung nicht ausgestellt worden. Außer der Sozialdemokratie sei es vielleicht nur noch die süddeutsche Volkspartei, die die Forderung ausdrücklich aufstelle. Das von den Leuten der freisinnigen Vereinigung auf- gestellte neue Schulprogramni verlange allerdings, daß ein Zwang zur Teilnahme am Religionsunterricht nicht bestehen solle. Das wäre indessen nur ein kleiner Fortschritt. Abgesehen von einer Anzahl mutiger Eltern, die ihre Kinder dann nicht teilnehmen ließen am Religionsunterricht, würde die große indifferente Masse sich nicht darum kümmern, abgesehen von anderen Unzuträglichkeiten. Aber am schwersten wiege dann noch der Gewissenszwang, durch den viel« Lehrer belastet blieben. Heute schon halte er die besten Elemente vom Lehrerberuf fern. Er sei wohl, neben der schlechten Besoldung der Lehrer, die Hauptursache des Uinstandes, daß ewig Klage sei über den Mangel an Lehrkräften für die Volksschulen. Redner hält es für eine dringende Pflicht der Sozialdemokratie, daß sie Stellung nehme zu den neuen �-chulgesetzvorschlägen. Das werde ja Weihnachten auf dem preußischen Parteitage geschehen. Er meine, überall ins Land hinausgetragen werden müsse unseke Forderung: Hinaus mit der Religion aus der Volksschule 1 Selbst- verständlich würden wir auch die Forderung vertreten müssen, daß, solange der Religionsunterricht in der Schule verbleibe, ein Zwang zur Teilnahme nicht ausgeübt werden dürfe. Einige Erleichterung bedeute dies immer, und ferner könne diese Forderung auch im Reichstage vertreten werden, als Forderung, den Gewissenszwang betrefend. Redner kommt dann zu einer Frage, deren Erörterung im Kreise zielbewußter Sozialdemokraten, wie er hier versammelt sei, er für äußerst wichtig halte. Woraus beruhe die große Macht der Kirche, die es durchsetzen könne, daß der Religionsunterricht eine so hervorragende Rolle in der.Schule spiele? Bei Auswerfung dieser Frage müsse man sich sagen, daß die Kirche sich über ihr Wirken mit einem gewissen formellen Recht ans die stillschweigende Mitgliedschaft der großen Massen des Volkes berufen könne, das heißt, auch auf die übergroße Mehrzahl der drei Millionen sozial- demokratischer Wähler, die ihr angehöre. Er sei nun weit entfernt, den Austritt aus der Kirche zu empfehlen. Die Kirche könne sich aber auch noch darauf berufen� daß auf den Versammlungen der kirchlichen Organisation(Gemeindeversammlung, Synode, Pro vinzialsynode, Generalsynode) trotz des hier herrschenden über aus demokratischen Wahlrechts nie ein Protest erhoben sei gegen den heutigen Stand der Dinge.(Zu den Kirchenwahlen gelte das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht.) Anläßlich seines ersten Eintretens für die Landtagswahlen sei ihm wohl ge sagt worden:„Geh'n Se man ab, Sie kommen uns noch mit den Kirchenwahlen I" Nun, er werde nicht zur Beteiligung auf fordern. Indessen wolle er doch jeden einzelnen anregen, es sich doch einmal ernstlich zu überlegen, wie er als Sozialdemokrat es verantworten könne, daß der Kirche jene Berufung auf die großen Massen, auch der sozialdemokratischen Wähler usw., möglich sei. Er wolle jedem ans Herz legen, daß nichts damit getan sei, zu sagen: „Ich habe kein Interesse an der Kirche, ich trete aber auch nicht aus und kümmere mich auch nicht um kirchliche Dinge, es ist mir zu langweilig usw." Damit handle man gegen unser Partei Programm, in dem Sinne, daß man etwas geschehen lasse, wo nach unserem Programmpunkt, betreffend Schule und Religion, Ein spruch erhoben werden sollte. Die Sache liege seiner Meinung nach so, daß jemand, der der Kirche angehöre, sich sagen sollte: „Ist es nicht richtig, mich an den Kirchenwahlen zu beteiligen, um auszudrücken, was ich sonst in bezug auf die Schule und Religion und Kirche vertrete?" Wolle er dies aber nicht, weil es ihm zu klein lich sei, daran teilzunehmen, dann wäre es seine ernstliche Pflicht, sich zu überlegen, ob er nicht aus der Kirche austreten solle. Zum Schluß betonte Redner nochmal, daß er weder zur Teilnahme an den Kirchenwahlen noch zum Austritt aus der Kirche auffordern, sondern nur jeden einzelnen zum ernsthaften Nachdenken in der angegebenen Richtung anregen wolle. (Beifall.)— Eine Diskussion, erfolgte aus Mangel an Wort- Meldungen nicht. Der Vorsitzende Seiler gab dann den Geschäftsbericht des Vorstandes für das Halbjahr April— Oktober. Es wurden in der Zeit 51 neue Mitglieder aufgenommen. Die Zahlabende haben sich schon einigermaßen eingebürgert.— Nach dem Kassenbericht B i t t n e r s betrug der alte Bestand 344,39 M., die Halbjahres einnähme einschließlich dieses Bestandes 1219,24 M., die Gesamt ausgäbe 593,12 M, so daß am 1. Oktober ein Bestand von 626,12 M. verblieb.— Die Versammlung beschloß, 600 M. dem Vertrauens mann des Kreises zu überweisen.— Die Neuwahl des Vorstandes ergab folgende Zusammensetzung: Strehl, 1. Vorsitzender; Moses, 2. Vorsitzender; Bittner, 1. Kassierer; Linde, 2. Kassierer; Büick, 1. Schriftführer: Balzer, 2. Schriftführer; Trettin, Beisitzer; Hase und Hansen, Revisoren. Die Freireligiöse Gemeinde macht ihre Ankündigung wahr und veranstaltet eine Versammlung nach der anderen, um den vom Provinziell- Schulkollegium bezlv. vom Unterrichtsministerium gegen sie geführten Schlag agitatorisch zu ihren eigenen Gunsten aus- zunutzen. Sie sucht weitere Kreise der Bevölkerung darüber auf- zuklären, wie sehr, ihre Bestrebungen mit den eigentlichen Zielen einer Volksschule und dein richtig verstandenen Interesse eines Staates überein st imme». Am Mittwoch hatte in einer nach der»Berliner Ressource" einberufenen, gut besuchten öffentlichen Protest« Versammlung unsere Parteigenossin Fräulein Ida Altmann die Aufgabe übernommen, diesen Nachweis zu führen. Die Vortragende ging aus von dem Begriff der Sittlich- k e i t, die einen wesentlichen Bestandteil der Religion der Frei- religiösen ausmacht. Dieser Begriff hat im Laufe der Zeiten mannigfache Wandlungen erfahren, aber über das Wesen der wahre» Sittlichkeit kann man nicht streiten. Sie wird immer nur das Gesamtwohl an st reben. Andere Religionen suchen durch Lohnverheißung und Strafandrohung das Gute zu fördern. Eine freiere Anschauung und bessere Einsicht erblickt in gesunden materiellen Verhältnissen die Grundlage der Sittlichkeit. Wenn auf dieser Grundlage durch Erziehung, Bildung. Aufklärung eine ge- sunde, klare Erkenntnis entwickelt wird, so ivird jeder das Rechte tun. Eine solche Lehre kann nicht in Widerspruch stehen zu dein, wa§ die Schule anstreben und der Staat bieten sollte. Das„Gefährliche" der loahren Sittlichkeit liegt nur darin, daß sie nur erreicht werden kann, wenn alle Menschen teilhaben an den äußeren und inneren Gütern. Die Herbeiführung eines solchen Zustandes widerspricht allerdings doch dein„Staatsiirteresse", wie man es drüben auffaßt. Es ist unvereinbar mit dem Wesen des heutigen Staates, daß alle Glieder des Volkes in materieller, intellektueller und moralischer Hinsicht zu vollster Betätigung kommen. Der heufige Staat fördert nicht das Gesamtwohl im rechten Sinne des Wortes. Die mit großer Wärme vorgetragenen Ausführungen der Referentin fanden bei der Versammlung lebhaftesten Beifall. Nach einer kurzen Diskussion wurde eine Resolution angenommen, die gegen das Vorgehen der staatlichen Behörde Einspruch erhebt. Mit der Aussperrung der Tischler beschäftigte sich gestern abend eine Vertrauensmänner-Vcrsammlung der Hylzbildhauer. Es wurde festgestellt, daß mit den Tischlern zugleich 3 0 Bild- Hauer ausgesperrt sind und 16 streiten. Eine erheblich größere Zahl von Bildhauern sind zwar nicht direkt ausgesperrt, aber doch infolge der Aussperrung beziehungsweise der Arbeitsniedcr- legung der Tischler arbeitslos geworden. Die Versammlung war darin einig, daß die Bildhauer die Tischler in dem gegenwärtigen Kampf in jeder Hinsicht zu unterstützen haben und daß überall, wo die Tischler als Antwort auf die Aussperrung die Arbeit nieder- legen, sich auch die Bildhauer mit ihnen solidarisch erklären und die Arbeit niederlegen, wenn die Tischler es wünschen. Die endgültige Entscheidung über die Arbeitsniederlegung der Bildhauer trifft deren Kommission. Holzarbeiter-Berband. Die ordentliche Generalversammlung der Ortsverwaltung Berlin fand am Mittwoch unter ungewöhnlich starker Beteiligung in der Neuen Welt statt. Nach dem vorliegenden Kassen- bericht für daS III. Quartal hatte die Hauptkasse eine Einnahme von 79 093,98 M.. eine Ausgabe von 72 856,83 M. es bleibt ein Be- stand von 6 238,15 M. Die Lokalkasse verzeichnet eine Einnahme von 362 216,69 M. eine Ausgabe von 36 230,60 M.. einen Bestand von 326 985,19 M. und ein Guthaben bei der Hauptkasse von 6 239.16 M.— Der Kassierer Micke bezeichnete die Finanzverhält- nisse des abgelaufenen Quartals als recht bcftiedigend. Die Mit- gliedcrzahl ist von 16 293 auf 17 266 gestiegen. Infolge- dessen hat sich die Einnahme gegen das II. Quartal um 26 000 M. gesteigert. Das gegenwärtige Vierteljahr habe infolge der Aussperrung erhöhte Ausgaben gebracht. Bis jetzt seien für diesen Zweck mehr als 100 000 M. ausgegeben worden. Zweifellos würden aber die jetzigen Kämpfe eine weitere Steigerung der Mitgliederzahl bringen, so daß man am 1. Januar hoffentlich mit 20 000 Mitgliedern werde rechnen können.— Aus der Abrechnung vom 3. Quartal ist noch hervor- zuHeben, daß von der Haupt- und Lokalkasse zusammen folgende Unterstützungen gezahlt worden find: für Streiks 28 230,30 M.» für Gemaßregelte 1061,46 M., fiir Arbeitslose 17 014,12 M. Nach Erledigung des Kassenberichts erstattete G l o ck e den Be- richt des Vorstandes. Er ging insbesondere auf die Ursachen und den Verlauf der Aussperrung ein und führte unter anderem aus: Die Arbeitgeber hätten die Absiebt, durch den gegenwärtigen Kampf die Kasse des Verbandes zu erschöpfen. Ehe es dahin kommen könne. würden aber die Arbeitgeber erschöpft sein und deshalb den Kamps ausgeben müssen. An eine Erschöpfung der Kasse des Verbandes sei nicht zu denken.— Der Redner teilte mit, daß die Tischlermeister in Kassel darüber beraten haben, ob sie ihre Berliner Kollegen unter- stützen sollen. Die Unterstützung sei aber abgelehnt worden.— Mit der Aussperrung stehe es so günstig, daß die Kollegen der weiteren Entwickelung der Dinge ruhig entgegensehen können. Wenn es dem Verbände auch noch einige 100 000 M. kosten sollte, so würde niemand die Opfer scheuen, um den gegenwärtigen Kampf zum siegreichen Ende zu führen. lieber die Streiks und Lohnbewegungen im dritten Quartal berichtete Maß. In 177 Werkstellen fanden Streiks und Lohn- bewegungen statt, woran 3609 Kollegen beteiligt waren. Ohne Streik wurde ein voller Erfolg erreicht in 43 Wcrkstellen der Bau-, 39 Werkstellen der Möbel- und 17 Werkstellen anderer Branchen. Einen teilw eisen Erfolg ohne Streiks erreichten 4 Werk- stellen der Bau-, 11 Werkstelleu der Möbel- und 3 Werkstellen anderer Branchen. Durch Stteik wurde in 27 Werkstcllen ein voller, in 3 Werlstellen ein t e i l w e i s e r Erfolg erzielt. Den Bericht über die Arbeitsvermittelung erstattete K l i n a e r. Von 4516 gemeldeten Stellen wurden 2799 besetzt. Der Nachfrage stand ein Angebot von 4423 gegenüber. Am Schluß des Quartals waren 236 Arbeitslose vorhanden. Im III. Quartal des vorigen Jahres stand einer Nachftage von 2690 eiy Angebot von 3477 gegenüber.— Hierauf wurde der Bericht über die Be» Nutzung der Bibliothek und der über die Tätigkeit der Kontrollkommission gegeben. Letztere hat eine große Wirk- samkeit entfaltet. Sie hat im Laufe des Quartals 1160 Werlstellen zu Sitzungen eingeladen. 744 Werkstellen, in denen 12 896 Kollegen beschäftigt sind, erschienen zu den Sitzungen.— Zu einer Debatte gaben die Berichte keine Veranlassung. Längcrc Zeit nahm die Vornahme mehrere Wahlen in Anspruch. Gemäß einem früheren Beschlutz ist der Posten des zweiten Be- vollmächtigten ausgeschrieben worden. Bon den 13 Bewerbern, welche sich meldeten, stellte die Ortsverwaltung 5 zur Wahl, nämlich G ü t h. Karl K l i n g n e r, Rich. Leopold, Rennau und S i ck s e l d. Im ersten Wahlgange erhielt niemand die absolute Mehrheit. In die engere Wahl kamen Leopold und S i ck f e l d, von denen der erstere mit 1189 Stimmen gewählt wurde gegen 1179 Stimmen, die auf S i ck f e l d fielen.— Außerdem war noch ein zweiter Arbeits- Vermittler und ein Mitglied des Gauvorstandes zu wählen. DaS Resultat der Zettelwahl konnte in der Versammlung noch nicht fest- gestellt werden, da die Auszählung bei Schluß der Versammlung noch nicht beendet war. Die Nene Freie Volksbühne hielt ihre diesjährige General- Versammlung am 31. Oktober in den Jndustrie-Festsälen, Beuthstraße, ab. Nach einem sehr beifällig aufgenommenen Vortrag des Herrn Dr. Gustav M a n z über Leo Tolstojs Leben und Werke erstattete der Vorsitzende, Herr Dr. Brimo Wille, den Jahresbericht. auS dem zu ersehen ist, daß die Gesamtveranstaltungen 81 gegen 63 im Borjahre betrugen. Davon entfielen auf Vereinsvorsteuungen 44 gegen 24 i. V. Die Mitgliederzahl betrug Ende vorigen Vereins- jahreS 2600 und stieg seitdem auf 5700, so daß die neuerrichtete 7. Abteilung fast gefüllt ist. Durch bestehende Pachtverträge ist ein« weitere Ausdehnung des Vereins in diesem Spieljahr nicht mehr möglich. Der hierauf vom Kassierer, Herrn Nest, erstattete Kassenbericht wurde genehmigt und Herr Nest als Kassierer wieder- gewählt. Die Einnahmen betrugen 68 247,93 M. gegen 33 328,60 Mark, die Ausgaben 63 796,08 M. gegen 30 781,17 M. i. V. Es verbleibt somit ein Bestand von 4462,84 M. gegen 2342,33 M. i. V. Ferner wurden einige redaktionelle Aenderungen des Statuts vorgenommen. Die Zahl der Ordner wurde von 32 auf 42 erhöht. Zu VerwaltungSmitglwdern wurden die Herren Kaufhold. Becker. Fischer, Sokol und Kaehler ernannt. Ein Antrag Grubert, den Zahlstellen 2 Proz. Mankogelder zu bewilligen, wurde der Verwaltung überwiesen. Mit einem Hoch auf die Bolls- bühncnbcwegung schloß der Vorfitzende die Versammlung. Letzte ISfachncbtcn und Depefchcn« Rnssische Mobilmachungs-Metzeleien. Breslau, 3. November.(Privat-Telegramm des„Vorwärts'.) Wie aus Czenstochau gemeldet wird, kam eS gestern in Radomök zwischen Reservisten nnd russischen Soldaten zu Tätlichkeiten, wobei sechs Reservisten erschossen und gegen dreißig verwundet wurden. Die auf kurze Zeit vorläufig beurlaubten und nicht wieder pünktlich zurückgekehrten Reservisten werden nachts aus de» Betten von ihrer Behausung von Gendarmeriebeamten abgeholt und sofortnach Slierniewicr zur weitere» Abschiebung gebracht. Schiffsunfall auf de« Haff. Memel, 3. November. Wie das»Memeler Dampfdoot" meldet. find heute kurz nach Mittag bei heftigem Nordweststurm zwei mit Holz und Ziegeln beladene Kähne auf dem Haff bei Ridden unter- gegangen. Durch den Memeler Dampfer»Treue" wurden sieben Personen gerettet. Die Bemannung des einen Kahnes ist bis auf einen Matrosen, der sich in den Mastkorb geflüchtet hatte, ertrunken. Paris, 3. November.(W. T. B.) Die Deputierte«» k a m m e r beschloß, nachdem sie die Fortsetzung der Debatte über das französisch-englische Abkommen auf Montag vertagt hatte, mit 319 gegen 240 Stimmen, daß die gegen die Klerikalen und die Nationalisten gerichteten Interpellationen von Jaures und Bertaux über die Vorgänge im Kriegsministerium zusammen mit der neuen Interpellation Guhot de Villcneuve beraten werden sollen. Das baltische Geschwader. Tanger. 3. November.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".)� Die jetzt hier bereinigte baltische Flotte wird zwei oder drei Tage vor Tanger bleiben. Das englische Kreuzergeschwader geleitete die Flotte von Vigo hierher. Tanger, 3. November.(W. T. B.) DaS Linienschiff„Sfiffol Wcliki" mit einem Konteradmiral an Bord und drei russische Kreuzer verlassen heute Tanger nnd gehen wahrscheinlich nach Algier. Berantw. Redatt.: Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw.(mit Ausnahm» der.Reue Welt'-Beilage):TH. Glocke, Berlin. Druck u-Berlag: Vorwärts Bnchdr. u.Verlagsanst. Paul Singertllo., Berlin SV. Hierzu SBeilageu utttntrrhaltuugsbl. Br. 260. 21. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Abgeordnetenbaus. Freitag, 4. November 1904. tun. Sorgen wir lieber dafür, daß wir ein volles Haus haben, er geltend, daß eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten nicht wenn wir es später brauchen. bezweckt werde. Die Wirksamkeit hinsichtlich der Lohn- und ArbeitsVizepräsident Dr. Porsch bittet, jedenfalls noch Montag eine bedingungen werde nur für die Mitglieder erstrebt. Eine Verbesserung 96. Sizung vom Donnerstag, den 3. November 1904, Sigung abzuhalten und stellt im übrigen dem Haus die Beschluß- der Verhältnisse der Mitglieder des Verbandes in Neu- Ruppin sei keine bormittags 11 Uhr. fassung anheim. öffentliche Angelegenheit. Im übrigen treffe den angeklagten Schrift Abg. v. Zedlit( frt.) schließt sich dem Vorschlage des Abgeordneten führer kein Verschulden. Das Kammergericht wies die Revision mit folgender Begründung b. Heydebrand an, die Abgg. Dr. Friedberg( natl.) und v. Eynern( natl.) nur unter der Voraussetzung, daß die Kanalkommission die ihr zurück: Es sei allerdings denkbar, daß Bahlstellen als solche tein gegebene Zeit ausnüße und nicht nur so unregelmäßig wie bisher Vereinscharakter inne wohne. Die Zahlstelle aber, auf die es hier Sizungen ahhalte. antomme, sei ein Verein, denn sie habe ein selbständiges VereinsAm Ministertische: Kommisfare. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung einer Wegeordnung für die Provinz Westpreußen. werden. Die Vorlage geht an eine Kommission von 14 Mitgliedern. Es folgt die Beratung des Antrages Fritsch( natl.), die Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtage einen Gesezentwurf vorzulegen, durch welchen die Bestimmungen über die zulässigkeit von Arreststrafen gegen untere Beamte aufgehoben Abg. Kopsch( frs. Vp.): Nach den Erklärungen des Regierungsfommissars haben wir von der Regierung keine wohlwollende Behandlung der Angelegenheit zu erwarten. Ich hoffe, daß die Mehrheit von der Notwendigkeit der Aufhebung der Arreststrafe überzeugt ist. Der Antrag wird nach längerer Debatte einstimmig angenommen. Es folgt der Antrag des Abg. Ernft( frf. Vg.), unterzeichnet von Vertretern aller Parteien, die Staatsregierung zu ersuchen, in den nächstjährigen Etat eine Summe einzustellen zur Förderung des hauswirtschaftlichen Unterrichts in den Mädchen- Volksschulen der jenigen Orte, in welchem die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse dies besonders wünschenswert erscheinen lassen." Abg. Graf Limburg- Stirum( t.): Ich kann versichern, daß wir leben entfaltet: Sie habe alle 14 Tage Versammlungen abgehalten. gern nach den Intentionen des Abgeordneten b. Eynern täglich In solchen Versammlungen seien Beschlüsse gefaßt worden, wobei Sigungen der Kanalkommission abhalten werden. Wir alle wünschen, unerheblich sei, daß diese zum Teil der Bestätigung des Zentral 20 Proz. der Einkünfte verblieben der Zahle möglichst bald fertig zu werden. Denn wenn wir uns nach Weih- borstandes bedurften. nachten noch mit dem Kanal beschäftigen sollten, wüßte ich nicht, stelle für ihre eigenen Bedürfnisse. So zweifellos sie ein eigenes Vereinsleben führte, so zweifellos habe sie auch eine Einwirkung wie wir mit den Geschäften fertig werden sollten. Ein Beschluß wird nicht gefaßt; es bleibt bei der vom Präst- auf öffentliche Angelegenheiten bezweckt, indem sie Agitation zur denten vorgeschlagenen Tagesordnung. Erzielung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen bezweckte und indem auch auf Wahlen eingewirkt wurde. Mit Recht sei schließlich Schluß 4 Uhr. der Angeklagte für haftbar erklärt worden. Jedes Mitglied des Vorstandes sei verpflichtet, alles zu tun, was dem Vorstand obliege. Berlin una amgegend. Partei- Nachrichten. " Ein grauenhaftes Straffonto hat der Monat Ottober für die Die Aussperrung in der Gelbmetall- Industrie. im Klassenkampfe stehenden Arbeiter aufzuweisen. Das Gesamt- Wie in der gestrigen Streitversammlung mitgeteilt wurde, ift Strafregister verzeichnet ein Jahr drei Monate Buchthaus, 15 Jahre auch bis dato noch keine offizielle Alenderung der Situation ein und sechs Wochen Gefängnis und 745 W. Geldstrafen. Wie schon getreten. Dennoch kann als sicher angenommen werden, daß den Abg. Ernst( frf. Vg.) betont, daß der Hauswirtschaftliche Unter- seit längerer Beit, sind die Strafen am häufigsten und schärfsten, wo Fabrikanten recht arg das Feuer auf den Nägeln brennt. Bereits richt eine Festigung der Familienbande zur Folge haben werde. die Arbeiter im Lohukampfe mit der Auslegung oder Anwendung der 70 Pf. Stundenlohn bieten sie unbesehens unter schriftlicher Garantie Raftlos werde nach der Erringung des Glückes des Lebens gejagt, Strafgeseze in Konflikt gekommen sind. Dieselben Handlungen, die, wenn selbst solchen Arbeitswilligen, die ihnen gänzlich unbekannt sind und bielfach aber lönnte das Familienleben des Arbeiters behaglicher ste von Studenten begangen find, als Studentenult bezeichnet und deren Leistungsfähigkeit fie gar nicht beurteilen können. Den sein, wenn die Hausfrau beffer zu wirtschaften verstünde. Wir höchstens als grober Unfug bestraft werden, werden als Landfriedens- Streifenden aber wollen sie nicht einmal 50 Pf. bewilligen. Mehrere der haben üben 1 Million Mädchen und Frauen im Lande, welche in der bruch oder Aufruhr bezeichnet, wenn streifende oder ausgesperrte Streitenden haben sich den Scherz erlaubt, auf grund der Arbeitswilligen Fabrit beschäftigt find. Wo sollen diese die Hauswirtschaft erlernen, Arbeiter sie begehen. In Aschaffenburg, Güstrow und Geeftemünde gesuche in bürgerlichen Blättern bei den Fabrikanten Scheinofferten einwenn nicht ein entsprechender Unterricht in der Schule erteilt wird? wurden Streitende resp. Ausgesperrte zu einem Jahre drei Monaten zureichen, und da sind ihnen in liebenswürdigen Antwortschreiben Das Ziel, welches angestrebt werden muß, ist das, daß in jedem Buchthaus und dreizehn Jahren und zwei Monaten Gefängnis ver- die denkbar günstigsten Angebote gemacht worden, ein Zeichen dafür, Bekanntlich haben Haufe eine tüchtige Hausfrau waltet, welche nicht nur dem Manne urteilt. Speziell bei den Verurteilungen in Güstrow und Geeste- wie erheblich die Fabrikanten im Druck" find. das Effen tocht, sondern auch Herzensbildung hat. In England, münde waren Ausgesperrte betroffen. Die Unternehmer hatten durch die Kühnemänner zu Beginn der Aussperrung das Märchen ver Schweden und Norwegen hat man mit einem Hauswirtschaftlichen Aussperrungen den Streit begonnen. In dem Streit liegen dem breitet, die Arbeiter hätten aus Erbitterung über den Terrorismus Unterricht in der Boltsschule, wie wir ihn vorschlagen, gute Er- Hunger preisgegebene Arbeiter sich zu Handlungen hinreißen, die ihrer Streifheger" tränenden Auges die Betriebe verlassen. fahrungen gemacht.( Beifall.) nach der Auslegungspraxis unserer Gerichte als Aufruhr und Land- Jetzt aber scheinen schon einzelne Fabrikanten an„ tränenden Augen" Abg. Dr. Zwick( frs. Vp.): In Süddeutschland hat man mit der friedensbruch bezeichnet werden. So müssen denn 21 Arbeiter, deren zu leiden, wie folgender Vorfall beweist. Eine der großen Firmen Einführung des hauswirtschaftlichen Unterrichts in der Volksschule Streben darauf gerichtet war, für das Gemeinwohl zu wirken, hatte ebenfalls auf Stommando der Kühnemänner taltherzig den bor schon vor längerer Zeit Versuche gemacht, und man hat ihn zum schwere Strafen erdulden, weil sie in dem Kampfe nicht daran dachten, geschriebenen Prozentsatz der Arbeiter ausgesperrt, ohne daß bei Teil obligatorisch gemacht. Der Widerstand der Lehrer gegen einen welche Auslegung man den Strafgesetzen geben fann. Selbst zu der dieser Firma eine Forderung gestellt war. Damals hatten dem Infolchen Unterricht war in der ersten Beit groß, er ist aber jetzt nicht entehrenden Zuchthausstrafe wurde gegriffen. Die mildernden Um- haber die Augen nicht getränt. Später verließen dann die letzten mehr vorhanden. In Berlin hat sich der hauswirtschaftliche Unter- stände, bei deren Zubilligung auf Gefängnis hätte erkannt werden 30 Proz. der Arbeiter aus Solidarität mit ihren grundlos ausgesperrten richt seit 1893, wo wir ihn zum erstenmal eingerichtet haben, erfolg müssen, wurden von bürgerlichen Geschworenen dem angeklagten Kollegen ebenfalls den Betrieb. Als nun der Fabrikant wochenlang feine leere Bude betrachtete nur vier Streifbrecher waren drin reich weiter entwickelt. Wir haben jezt hier an 22 Gemeindeschulen Arbeiter versagt. diefen Unterricht, an welchem 500 bis 600 Mädchen im Alter von da Einen beachtenswerten Wahlfieg errangen, wie uns ein Privat- leid über die Familien, deren Ernährer er aufs Pflaster geworfen, begannen ihm glöglich die Augen zu tränen nicht aus Mit13 Jahren teilnehmen. Der Einfluß des Unterrichts auf die Schüle- telegramm meldet, unsere Parteigenossen in Kiel bei den Stadt- sondern aus Verdruß über seine Torheit, daß er sich als blind gerinnen ist ein sehr günstiger. Ich bitte Sie dringend, den Antrag verordnetenwahlen. Während sie im Vorjahre nur etwa 200 horchendes Werkzeug der Kühnemänner einen so enormen Schaden anzunehmen.( Beifall links.) Abg. v. Schenckendorff( natt.), Abg. Dittrich( 3.) und Stimmen erlangten, erhielten sie diesmal trotz des freisinnigen zugefügt hatte. Er ließ deshalb am Dienstag an seine sämtlichen Redakteur Adler Arbeiter das dringende Ersuchen richten, doch am Donnerstag die Abg. Dr. Arendt( fr.) befürworten als Mitantragsteller die Zwölfhundertmart- Senfus über 1800 Stimmen. Initiativvorlage, die auf Antrag der Abgg. Maltewis( f.) und zieht als erster Sozialdemokrat in diefes freisinnige Stadtparlament Arbeit wieder aufzunehmen. Am Mittwoch hatten die Arbeiter Zwid( frf. Bp.) ohne besondere Abstimmung der Unterrichtstommiffion ein. Die beiden anderen Kandidaten wurden nur mit 80 und 120 daraufhin eine Werkstattbesprechung, woselbst der Prokurist der Firma überwiesen wird. Stimmen Differenz von den Gegnern geschlagen. Freitag wird noch anwesend war. Dieser setzte den Arbeitern nun in einer mit mals um drei Mandate gekämpft. Sentimentalitäten gespickten Rede auseinander, wie seinem Chef das Herz blute", wie er tränenden Auges" im Betriebe umherDie Lokalfrage in Sachsen. Die durch den zähen Boykott der wandere. Er laffe die Arbeiter bitten, doch am Donnerstag wieder Die tönigl. Staatsregierung zu ersuchen, schleunigst im gesetzlichen Parteigenossen erzielte Aenderung in der Auffassung der Militär- an die Arbeit zu gehen, indem er das bindende Ver. Wege die Fürsorge für diejenigen mittellofen geiftestranken und behörde in Sachsen über den Nutzen des Militärboykotts hatte zu- fprechen abgebe, nie wieder eine Aussperrung Kühl fragten die Arbeiter, Warum fchwachsinnigen Personen, welche nur behufs des Schußes anderer nächst im Dresdener Bezirk die Folge, daß sich die Saalbefizer vorzunehmen. Personen gegen ihre Ausschreitungen der Unterbringung in Anstalten bereit erklärten, ihre Lokale allen politischen Parteien zu Ver- Chef denn nicht das Herz geblutet habe, als er erbarmungslos bedürfen, zu regeln." sammlungen zur Verfügung zu stellen. Die Parteigenossen Dresdens so und soviel teilweise in seinem eigenen Betriebe ergraute FamilienAbg. Schmedding( 3.): Als ich die Frage der Fürsorge für die haben denn auch bereits Versammlungen in Lotalen abgehalten, väter ohne jede Ursache aussperrte? Antwort: Der unselige Beschluß in dem Antrage bezeichneten Personen bei der vorjährigen Etats- um die zum Teil länger als ein Jahrzehnt hartnäckig gekämpft der Vertrauenstommiffion und die drohende Konventionalstrafe! Weiter fragten die Arbeiter, was denn aus jenen vier Streitbrechern beratung zur Sprache bringen wollte, war noch nicht einmal flar- worden ist. Jetzt haben auch die Saalbefizer im Bezirke der Amts- werden solle, die jetzt den Betrieb zieren, da doch kein anständiger gestellt, wer die Kosten für die notwendige Unterbringung dieser Personen zu tragen habe. Seitdem hat das Oberverwaltungsgericht Hauptmannschaft 3 widau zu der Frage Stellung genommen und Arbeiter mit jenen Elementen zusammenarbeiten werde. Bereits am 29. April d. 3. entschieden, daß fie als allgemeine Polizeitoften haben sich in einer Versammlung entschlossen, ihre Lokale allen willigst erklärte da der Prokurist, diese würde man bald Los sein; von der Gemeinde zu tragen feien. Aber damit ist die Fülle der politischen Parteien unter denselben Bedingungen zur Verfügung zu fie feien ja doch zufammen nicht soviel wert wie einer der alten Arbeiter. Nach dieser Aussprache gaben Schwierigkeiten dieser Frage noch nicht überwunden. Daß sie noch stellen, wie ihre Dresdener Kollegen. jetzt drängend ist, beweist der einstimmige Beschluß des westfälischen die Arbeiter dann ihre Antwort, indem sie mit allen gegen eine Provinzial- Landtages in dieser Richtung, beweisen die wiederholten Stimme das Anerbieten der Firma ablehnten mit der Konferenzen der Landesdirektoren, und vor allem die Erklärung des Begründung, der Chef möge entweder den Tarif unterschreiben oder Ministers, daß er fein neues Anstalts- Reglement genehmigen werde, mit den übrigen Fabrikanten in die Verhandlungsbedingungen willigen, die kürzlich von der Streifversammlung normiert bebor die Frage der Unterbringung dieser gemeingefährlichen Jrren worden sind. geregelt sei. Ein Einzelfall aus der Stadt Emmerich hat den Anstoß zu meinem Antrage gegeben. Ein dort ansässiger Jrrer wurde in die westfälische Landes- Frrenanstalt nicht aufgenommen, weil er in der In seinem Artifel 8um Generalstreit"( Sozialistische Rheinproving feinen Unterstüßungswohnsiz hätte. Dort lehnte der Monatshefte, November) läßt Genoffe Johann Leimpeters mich die Landesdirektor die Aufnahme ab, weil nicht der Jrre hülfsbedürftig Auffassung vertreten: Der Generalstreit ist das Präludium der sei, sondern die Allgemeinheit ihm gegenüber. In einem anderen Revolution". Falle fragte die Gemeinde beim Regierungspräsidenten an, was sie Seine Darstellung steht im vollsten Gegensas tun follte. Die Antwort, fie follte nach pflichtgemäßem Ermessen zu dem Sinn und dem Wortlaut meiner Aushandeln, legte sie dahin aus, daß fie den Kerl einfach laufen ließ. führungen in Bremen. Ich verweise dafür auf das Protokoll Die Schwierigkeit, die durch die Rechtsprechung des Bundes des Barteitages, Seite 196 und 197. amtes für Heimatswesen hier entstanden ist, läßt sich nicht Wilhelmshöhe, den 1. November 1904. durch Abwälzen der Lasten auf die Provinzen wie der Minister des Innern will, und auch von den Gemeinden wären nur die größten imstande, ausreichende Vorsorge zu treffen. Somit fann nur das Eingreifen des Staates die bei dem starken Nächster Punkt der Tagesordnung ist der Antrag SchmeddingMünster( 8.). Er lautet: " Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen: löjen, Dieser äußerlich zwar nicht erhebliche Erfolg unserer sächsischen Genossen darf immerhin als symptomatisch dafür gelten, daß zähe Ausdauer und geschickte Anwendung der aus den Umständen gegebenen Kampfmittel, berbunden mit solidarischem Zusammenstehen der Arbeiter am Ende doch zum Siege führt. " Richtigstellung. Klara Bettin. Gewerkschaftliches. dem Das Verhalten der Arbeiter dieser Firma fand den allgemeinen Beifall der Versammlung. Der Referent bemerkte, es wäre sehr wahrscheinlich, daß in nächster Zeit noch mehr Fabrikanten, um noch einen Teil der Weihnachtskonjunktur zu retten, mit ähnlichen Anerbietungen an die Arbeiter herantreten dürften; natürlich müſſe ihnen dieselbe Antwort werden, wie der vorhin erwähnten Firma. In der Diskussion erwähnte der anwesende Verbandsvertreter Hammerschmidt aus Braunschweig als ein Zeichen der den Berlinern bewiesenen Solidarität, daß die Arbeiter der Firma Heuser Braunschweig ebenfalls in den Streit getreten seien, weil der Inhaber sich geweigert hat, Berliner Streit. arbeit wieder zurückzuziehen.- Bekannt gegeben wurde sodann, daß der Gürtler Bernhard Hehnisch, der ein Bosamentiergeschäft Gräfestr. 74 betreibt, und der Badeanstaltsbefizer Richter Anwachsen der Zahl der Frren notwendige Hülfe bringen und ich 82 des Vereinsgesetzes und die Gewerkschafts- Zahlftelle. aus Stönigswusterhausen jetzt als Arbeitswillige tätig find. Als Kuriosum sei noch folgender Vorfall aus Ober- Schöneweide hoffe, daß mein Antrag zur baldigen gesetzlichen Regelung der ( Selbständiger Verein oder nicht? aftet ber erwähnt: Die Arbeitswilligen der dortigen Firma Frister u. Unterbringung irrer Verbrecher führen wird.( Beifall.) Abg. Windler( L.) beantragt die Verweisung des Antrages an Schriftführer für die Nichtanmeldung neuer Mit- Seegewald hatten bereits mehrfach Streitposten mißhandelt. glieder?) Einer der Streifenden ging nun nach dem Amtsbureau und wünschte bie um 7 Mitglieder verstärkte Gemeindekommission. Ich schließe d mich den Ausführungen des Borrebners vollständig an. Diese Der Vorstand der Bahlstelle Neu- Ruppin des Deutschen Metall- eine Erlaubnis zum Waffentragen, um sich wirksam gegen Ueberfälle Jrren, um die es sich hier handelt, gehören nicht in die Provinzial- arbeiter- Verbandes hatte Veränderungen im Mitgliederbestande der durch Streitbrecher schützen zu können. Ihm wurde zur Antwort: Frrenanstalten, sondern für deren Unterbringung hat der Staat Polizei nicht angezeigt. Der Schriftführer Johansen wurde Versteckte Waffen dürfe er allerdings nicht tragen, jedoch könne er au forgen. daraufhin angeklagt. Er sollte den§ 2 des preußischen Vereins- fich ja einen Säbel umschnallen! Abg. Caffel( frf. Bp.): Wir schließen uns dem Antrage des Vor- gefeges übertreten haben, wonach die Vorsteher von Vereinen, welche Der Streit in der Eisenmöbelfabrik von Weftphal und Reinhold rebners auf Kommiffionsberatung an. Eine gesonderte Unterbringung auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken bezweden, u. a. zur der geisteskranken Verbrecher liegt sowohl im Interesse der Kranken Einreichung eines Mitgliederverzeichnisses binnen drei Tagen nach dauert unverändert fort. Verhandlungen, die der Organisationsselbst als auch in ihrer Umgebung. Die Ausführungen des Vor- Stiftung des Vereins an die Ortspolizei sowie zur ständigen An- bertreter Wiesenthal mit der Firma anzufnüpfen suchte, führten redners waren durchaus dankenswert. zeige der Veränderungen im Mitgliederbestande verpflichtet find. tro längerer Aussprache zu feinem pofitiven Resultat. Die Firma auch fucht zwar den Anschein zu erwecken, als habe sie alle Arbeitspläge Landgericht als Berufungsinstanz verurteilte einer Geldstrafe. Den Einwand des mit Arbeitswilligen besetzt und müsse infolgedessen auf jede den Angeklagten zu Streifenden verzichten; in Wirklichkeit Angeklagten, daß die Zahlstelle tein felbständiger Verein fei, Wiedereinstellung der verwarf das Gericht. Ferner nahm es im Gegensatz zum An- ist jedoch nur etwa die Hälfte der früheren Arbeiterzahl im Betriebe geklagten an, daß eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten tätig trotz aller Anstrengungen der Firma, Arbeitswillige heranzu Bei den Verhandlungen äußerte sich Herr Reinhold Vizepräsident Dr. Borsch schlägt vor, die nächste Sigung Freitag als gwed des Vereins anzusehen sei, weil er eine Berbefferung der ziehen. 11 Uhr abzuhalten mit folgender Tagesordnung: Dritte Beratung Lage der Metallarbeiter erstrebe, wenn auch zunächst nur der Mit- in recht charakteristischer Weise über die Streifenden. Er meinte des Gesezentwurfs betreffend die leberwachung elektrischer An- glieder. Auch habe vor den Wahlen der Vorsitzende der Bahlstelle nämlich: Im Winter habe er einen großen Teil seiner Arbeiter lagen usw., Antrag Fischbeck( frf. Vp.) betreffend Veranstaltung von in einer Bereinsversammlung die Mitglieder aufgefordert, ihr lediglich aus gutem Herzen durchgefüttert", obwohl keine BeschäfPrämienverlosungen( Scherlsches Sparsystem), Petitionen. Wahlrecht auszuüben. Wenn er auch nicht gesagt habe, für wen fie tigung für fie da war. Auch Geschenke seien Arbeitern, die zehn Abg. Dr. v. Heydebrand( t.) fragt an, welche Dispositionen der Stimmen sollten, so sei doch klar, daß sie für eine politische Jahre bei der Firma tätig waren, gemacht worden. Und jezt Präfident für die nächste Woche getroffen habe. Es empfehle fich, Partei eintreten sollten. Der Angeklagte hafte auch als Schrift ftreiften diefe Leute! Das sei der Dank für seine Humanität. Daß Als Schriftführer Herr Reinhold die Arbeiter auch während der flauen Geschäftsder Kannallommission die Zeit bis zum 17. November zur Ber- führer mit für die unterlassene Anzeige. fügung zu halten und für diese Zeit keine Sigungen anzusetzen. der Bahlstelle fei er Mitglied ihres Vorstandes und somit periode nur in seinem eigensten Interesse weiter beschäftigte, um sich Bizepräsident Dr. Porsch betont, daß es wünschenswert sei, ein Vereins vorsteher im Sinne des Vereinsgefezes. Daß einen Stamm tüchtiger eingearbeiteter Leute zu sichern, hat er allerununterbrochen Sigungen abzuhalten, um das umfangreiche Material die Unterlassung ganz ohne sein Verschulden erfolgte, habe er nicht dings vergessen anzuführen; es mußte ihm dies erst von dem Die Streifenden aufzuarbeiten. Vielleicht könne die Einrichtung getroffen werden, daß nachweisen können. Es entschuldige ihn nicht, daß er als Schrift. Organisationsvertreter plausibel gemacht werden. bie Kommission vormittags tagt und das Haus nachmittags, oder führer nicht ohne weiteres von dem Eintritt neuer Mitglieder er- stehen jest nach bereits siebenwöchiger Dauer des Ausstandes noch das Haus zeitig anfängt und die Kommiffion nachmittags und abends fuhr, weil er nur das Protokoll in Versammlungen zu führen hatte. genau fo fest wie zu Anfang desselben und sind entschlossen, nur unter entsprechenden Zugeständnissen der Firma die Arbeit wieder berhandelt. Jedes Vorstandsmitglied müsse sich aber darum bekümmern. Abg. Dr. Bachem: Ich fürchte, daß die Geschäfte des Hauses Angeklagter legte Revision ein. Er wurde in der Verhandlung aufzunehmen. nicht gefördert werden, wenn wir ein paar Tage Plenar-, ein paar bor dem ersten Straffenat durch Rechtsanwalt Ruben vertreten. Lage Kommiffionsfizungen haben. Die Mitglieder müssen jezt Dieser betonte zunächst, daß die Zahlstelle nur eine Unterabteilung dauernd hier bleiben und haben an verschiedenen Tagen nichts zu des Verbandes und nicht ein selbständiger Verein sei. Dann machte Nach einem Schlußwort des Abg. Schmedding wird der An trag an die um sieben Mitglieder berstärkte Gemeinde tommission verwiesen. Es folgen Petitionen. Damit ist die Tagesordnung erledigt. Das Zum Müllkutscherstreit ist mitzuteilen, daß die Situation für die Streifenden und Ausgesperrten noch um nichts ungünstiger geworden ist wie zu Anfang der Bewegung. 8war geben sich die bürgerlichen Blätter alle Mühe, die Sache jetzt so darzustellen, als würden die nehmerdant gegen Arbeitswillige wirken aber immer recht aufklärend unter schlechten Wohnungsverhältnissen und unzureichender Ernährung Unternehmer wie auch die Wirtschaftsgenossenschaft die Müllabfuhr und sollten von der Arbeiterschaft nicht übersehen werden. schon in den nächsten Tagen voll bewältigen können, doch erweisen sie mit derartigen Nachrichten den Hausbesizern selbst nur einen " Husland. Fabriken die Einführung des Neunstundentages ablehnt, hat der Graveurverband den Generalstreit beschlossen. Die Graveure find fast vollzählig organisiert. 13.09 leiden, daß nach den unwiderleglichen Beweisen der Statistit" die Arbeiter vielfach um zehn oder mehr Jahre früher sterben als der Durchschnitt der gleichaltrigen Bevölkerung, daß ihre Nach sehr zweifelhaften Dienst. So heißt es beispielsweise in den bes Um den Neunstundentag kämpfen die Graveure und Guillocheure kommenschaft unter den Wirkungen der Berufsschädigungen der treffenden Notizen, es feien gestern bereits 68 Wagen der Wirtschafts- in der Schweiz, wobei es sich um 112 Betriebe und mehrere hundert Arbeiter degeneriert, daß die von den Arbeitern veranstalteten genossenschaft in Tätigkeit gewesen; in Wirklichkeit sind jedoch Arbeiter an verschiedenen Orten im Gebiete der Uhrenindustrie Untersuchungen über ihre Verhältnisse, wie beispielsweise die der in Berlin und Charlottenburg nur 25 Wagen vom Hofe ge-( Santone Bern, Solothurn, Neuenburg, Waadtland) handelt. In Bäcker und Schneider nüglich sind, daß die Arbeitgeber den Vorfahren. Auch wird die Nachricht verbreitet, daß von der Genossen- 50 Betrieben, die meistens in Chaux- de- Fonds sind, ist der geforderte stellungen der Arbeiter ein williges Ohr leihen müßten usw. schaft 100 Bolen zum Müllfahren angeworben feien, die gestern Neunstundentag schon bewilligt worden. Da aber die Mehrzahl der Wenn das der selige Stumm erlebt hätte! eintreffen sollten. Nun ist zwar von der Genossenschaft in der Christburgerstraße ein leerstehendes Kneiplokal gemietet und mit Gemeindebesitz in deutschen Städten. Stroh 2c. zum Biwafieren der erwarteten Arbeitswilligen einIn einem bei Friedrich Brandstetter in Leipzig erschienenen gerichtet" worden, doch bis jetzt sind die Polen noch nicht ein- Der Glasbläserstreit in Niederland dauert unverändert fort. Werke von Dr. R. Wuttke„ Die deutschen Städte, geschildert nach getroffen. Aber selbst wenn die bedauernswerten Leute kommen Der Direktor der großen Flaschenfabrik„ De Schie" in Schiedam hat den Ergebnissen der deutschen Städte- Ausstellung zu Dresden 1903" sollten, so wird es ihnen noch auf längere Zeit unmöglich sein, seit Beginn des Streits immer wieder versucht, Streifende zur finden sich zwei interessante Tafeln mit graphischen Darstellungen die erforderlichen Arbeiten mit der nötigen Routine auszuführen; Wiederaufnahme der Arbeit zu bewegen. Am Freitag war es ihm des Gemeindebesitzes von 55 deutschen Städten. fie werden höchstens eine Gefahr für den öffentlichen Verkehr. Nach denn auch bei 6 Mann gelungen. Er sah sich aber genötigt, diese Nach bestimmten Größenverhältnissen ist zunächst in Kreisform die der Bossischen Zeitung" find den Hausbefizern alle verfügbaren Kästen Leute am nächsten Tage wieder zu entlassen, jedenfalls weil es un gesamte Fläche des Stadtgebietes jeder dieser Städte veranschaulicht. und Bementtonnen überwiesen worden, um möglichst viel vorschrifts- möglich war, mit so wenigen Arbeitern den Betrieb wieder in Gang Ein kleiner Kreis innerhalb des großen stellt dann den eigenen mäßige Aufbewahrungsbehälter für das Müll zu haben. Auch zu setzen. Nun haben sowohl die christlichen Organisationen als Grundbesitz der Gemeinde innerhalb der Gemarkung dar und ein ist die Polizei äußerst nachsichtig gegen die Hausbesizer; sie ermahnt auch der niederländische Glasbläser- Berband eine von sämtlichen neben den großen gestellter Kreis stellt den in fremden Gemarkungen nur, für Abfuhr nach Kräften zu sorgen, aber Strafbefehle schickt sie Streifenden unterzeichnete Erklärung des Inhalts an die Unternehmer liegenden Grundbesitz dieser Gemeinden dar. Den faktisch größten nicht. Wo die vorhandenen Arbeitswilligen der Wirtschaftsgenossen- gesandt, daß nicht einer der Unterzeichneten unter irgend welchen eigenen Befiz hat danach unter diesen Städten Berlin, das in der schaft eigentlich schlafen, konnten die Streifposten bisher noch nicht Bedingungen wieder auf dem Fabrikcomptoir zur Verhandlung er- Größe des Stadtgebietes von mehreren Städten, so von Köln, ermitteln. Sie sehen die„ nüzlichen Elemente" des Abends wohl in scheinen werde, und daß, wenn die Unternehmer zu verhandeln Frankfurt a. M., München und Dresden übertroffen wird. Der das Depot hineinwandern, aber nicht wieder herauskommen, nehmen wünschten, sie sich lediglich an die Hauptvorstände der Organisationen Grundbesitz Berlins liegt allerdings zum größten Teil außerhalb also an, daß diese entgegen den polizeilichen Vorschriften in den wenden müßten. der Berliner Gemarkung. Auch dieser ausmärkische GemeindePferdeställen kampieren. Wie in der gestrigen Versammlung der Streifenden von der Streifleitung mitgeteilt wurde, hat sich das Zigarrenarbeiter- Aussperrung. London, 1. November. Seit grundbesitz ist bei Berlin am größten unter allen 55 Städten. Einigungsamt des Gewerbegerichts bereit erklärt, mehreren Wochen herrscht ein gewerblicher Konflikt in der Londoner In weitem Abstande folgen dann mit ungefähr gleich großem zwischen den Unternehmern und den Kutschern zu vermitteln. Die Fabrik des amerikanischen Tabaktruste s. Der Konflikt ausmärkischen Besitz Breslau, Guben und Bittau, sodann Stolp, Streifenden und ausgesperrten haben den Vermittelungsvorschlag begann mit der Arbeitsniederlegung einiger Bigarrenarbeiterinnen, Köln und München, abermals in weitem Abstande davon Hannover, des Einigungsamtes, den bisherigen Gepflogenheiten der Arbeiter die sich geweigert hatten, einige zurückgestellte Zigarren umzuarbeiten. Plauen i. V., Göttingen, Halle, Charlottenburg, Freiberg, Dresden, entsprechend, akzeptiert. Gleichzeitig wurde den männlichen Arbeitern verboten, jede gewerk- Stottbus. Dann wird dieser Gemeindebesitz immer fleiner; ganz Achtung, Tapezierer( Kleber)! Wegen Lohndifferenzen ist der Bauschaftliche Agitation in den Werkstätten zu entfalten, Gewerkschafts- fehlt er bei Duisburg, Neuß, Worms, Cannstatt und Forst i. 2. Bauzeitungen, Flugblätter 2c. mitzubringen und überhaupt für die Größer als die eigene Gemarkung ist der ausmärkische Gemeindes Schivelbeinerstr. 4/5, Bau Rabiß, Unternehmer Kaufmann, bis Interessen ihrer Gewerkschaft einzutreten. Da die Arbeiter darauf befiz in der Reihenfolge des größten Unterschiedes bei gittau, auf weiteres gesperrt. Die Verbandsleitung. nicht eingingen, wurden sie ausgesperrt. Die Zahl der Aus- Guben, Berlin und Breslau; bei Stolp ist er nicht wesentlich kleiner gesperrten beläuft sich auf etwa 700. Der Sekretär des Tabat- als die eigene Gemarkung, bei allen übrigen dagegen nur geringarbeiter- Verbandes, Ben Cooper, ist nach Amerika gefahren, um fügig im Vergleiche mit der eigenen Gemarkung. Geldmittel für die Ausgesperrten zu sammeln. Innerhalb der eigenen Gemarkung hat den absolut größten Grundbesitz die Gemeinde Frankfurt a. M., dann folgt in ziemlich weitem Abstande davon Mannheim, Darmstadt, Köln, Aachen, Hannover, Göttingen, Stuttgart, München, Berlin, Stolp, Breslau Chemnitz, Meiningen, Augsburg. Deutsches Reich. Der Dank an die Arbeitswilligen. Während der Crimmitschauer Aussperrung wurde von den Unternehmern besonders betont, daß man den„ Arbeitswilligen" ihre Dienste auch nach beendeter Aussperrung nicht vergessen und sie immerdar vor den Ausgesperrten bevorzugen werde. Das ist längst vergessen! Die Arbeitswilligen find den Fabrikanten wegen ihrer geringen Leistungsfähigkeit wie nach jedem Streik anderwärts unbequem geworden und man möchte sie, die man seinerzeit per Schnellzug zweiter Klasse holte, gern mit erster Klasse Blizzug loswerden, wenn nur irgend jemand die Kosten übernähme. Einstweilen hält man sich wenigstens wegen der Reisekosten n'a ch Crimmitschau an den Arbeitswilligen schadlos. Ein Verband der Gewerkschaftssekretäre ist jetzt in Neu- SüdWales gegründet worden; es traten demselben sofort 37 Gewerkschaftsbeamte bei. Als Zweck des Verbandes wird angegeben, eine verbände herbeizuführen, Meinungen und Erfahrungen auszubessere Verständigung zwischen den Sekretären der Gewerkschaftstauschen. Ferner ist die Errichtung einer Bibliothek ins Auge gefaßt, in der besonders die Werke über die Gewerkschafts- und Arbeiterbewegung, Politik, Volkswirtschaft usw. Berücksichtigung finden sollen; sodann die Unterstützung und Verbreitung der Arbeiterpresse. Soziales. Aus dem Leben des Proletariats. Gemeindebefizes zur Gesamtfläche des Stadtgebietes ist jedoch die Im Verhältnis des innerhalb der Gemarkung gelegenen Reihenfolge nach der geringsten Differenz wesentlich anders. Da steht an erster Stelle Gera, dessen eigener Besiz innerhalb der Stadtgrenzen mehr als die Hälfte des Stadtgebietes umfaßt. Sehr groß im Berhältnis zum Stadtgebiet ist auch noch der in der eigenen Gemartung gelegene Besitz der Gemeinden Meiningen, Göttingen, Augsburg und Frankfurt a. M. Erheblich erscheint er noch bei Kottbus, Pforzheim, Stuttgart, Hannover, Aachen, Offenbach a. M., Mannheim und Kiel. Die Darstellung unterscheidet den Gemeindebesitz auch nach der Benuzung in der Weise, daß der unmittelbar zu Zwecken der Ges meindeverwaltung verwendete eigene Besiz innerhalb jeder der beiden Arten des Gesamteigenbesizes zu ersehen ist. Die Arbeiterin Frau Baumann flagt, wie unser Zwidauer Parteiblatt berichtet, gegen die Firma Zeiner u. Schumann auf Zahlung von 72 M. Diese Summe war der Frau troß ihres Einspruches vom Lohne abgezogen worden. Die Firma hatte die Familie während des Ausstandes von München- Bernsdorf nach Crimmitschau Wegen fahrlässiger Körperverlegung mit nachfolgendem Tode, gelockt und einen Vorschuß von 202,60 W. gewährt. begangen an ihrem eigenen Kinde, wurde von der Straffammer in Laut Vertrag sollte dieser Betrag ratenweise vom Lohne abDa ergeben sich wieder die größten Abweichungen. So ist der gezogen werden. Als der Mann vor einiger Zeit verunglückte Breslau die Frau Klara Grosser, Ehefrau eines Invaliden, zu und die Firma den Betrag vom Verdienste der Frau und einem Tage Gefängnis verurteilt. Frau Grosser hatte nicht die große ausmärkische Besitz der Stadt Guben vollständig und der der deren Tochter in Abzug bringen wollte, weigerte sich diese Mittel aufbringen können, für ihren am 21. Mai geborenen Knaben Stadt Berlin bis auf einen geringen Rest zu Zwecken der Gemeindeund erklärte der Firma, daß fie damit nicht einverstanden sei. ein eigenes Bett zu beschaffen. Sie pflegte ihn nachts( in ein Sted- verwaltung verwendet. Auch von dem einmärkischen Besitztum Den Vertrag habe ihr Mann für seine Person unterschrieben, der tissen gebunden) neben sich im Bette liegen zu haben. Bei ihrem der Stadt Berlin ist nur noch ein kleiner Teil frei, der nicht den Zwecken der Gemeindeverwaltung dient. Dagegen haben Betrag tönne deshalb nur vom Lohne des Mannes, aber nicht von ersten Kinde hatte sie es ebenso gemacht und es war nichts andere Städte wieder sehr erhebliche Teile ihres Besizes frei. So ihrem und der Tochter Lohn in Abzug gebracht werden. Die Firma passiert. In der Nacht zum 8. August hatte sie den Knaben namentlich bezüglich des einmärkischen Besizes Frankfurt a. M., stützte sich auf den Vertrag und ließ sich durch Einwendungen der auch, und zwar nicht an der Wandseite, sondern Frau nicht von ihren Lohnkürzungen abhalten. Der Vertreter der freien Seite nach der Stube hin in ihr Bett neben sich gebettet. Darmstadt, Hannover, Stuttgart, Gera, Offenbach. Mit verhältnisan der Darmstadt, Göttingen, Mannheim, Meiningen, Augsburg, Aachen, Firma, welcher die Familie zurzeit beredet hatte, nach Crimmitschau zu kommen, erklärte, er habe den Vertrag dem Ehemann vorgelegt, Da fie tagsüber in einer Fabrit arbeitet, legte sie sich stets sehr er- mäßig viel freiem ausmärkischem Besitz sind in erster Reihe zu welcher ihn im Namen seiner Familie unterschrieb. Es müdet abends zu Bett und pflegte fest zu schlafen. So merkte sie nennen Zittau, Stolp, Breslau, Köln, Hannover, München, Charfeien ganz ungelernte Arbeiter gewesen. Troß nicht, daß das kleine Wesen in jener Nacht aus dem Bette heraus lottenburg, Gera, Koburg, Kiel und Halle. dem habe die Firma an die Leute höhere Löhne gezahlt, auf den Fußboden gefallen war. Da das Kind weder schrie, noch Verein der Buchdrucker und Schriftgieker für Rigdorf- Brih als sie bisher an geübte Arbeiter gezahlt habe. Der sonst sich nach dem Falle verändert zeigte, glaubte die Mutter, daß Sonntag, den 6. November, nachmittags 2 Uhr, in der Vereinsbrauerei: Mann, welcher als Färberei- Arbeiter beschäftigt wurde, erhielt ihm das Unglüd nichts geschadet habe. Als sich aber nach einigen General Bersammlung. pro Woche 15 Mart, die Frau und deren Tochter wurden in der Tagen eine Beule am Kopfe zeigte und die Stirn blau wurde, trug Spinnerei verwendet und erhielt die Frau 12,50 M., die Tochter Witterungsübersicht vom 3. November 1904, morgens 8 Uhr. 9 M. Der Sohn sollte 13 M. erhalten, sei aber nicht mitgekommen. fie es am 12. August ins Allerheiligen- Hospital. Dort starb das Die Frau erklärte, der Vormund habe den Sohn nicht nach sind am nächsten Tage. Als Todesursache wurde vom Arzte ein Crimmitschau gelassen. Heute würde sie selbst auf über den ganzen Kopf gehender Schädelbruch festgestellt, mit dem teinen Fall nach Crimmitschau gehen. Die Firma eine Gehirnerschütterung verbunden gelesen war, eine Folge des will nun durch Zeugen( Meister) nachweisen, daß die Frau sich mit Falles aus dem Bette. dem Lohnabzug einverstanden erklärt, da sie den Lohn in Empfang genommen habe. Die Verhandlung wird nun behufs Zeugenbernehmung vertagt. Jrrende Seelen. Stationen Barometer. stand mm Wind. richtung Windstärke Swinemde. 765 SW Berlin Gar wüst scheint es am Mittwoch in der Redaktion der" Post" Hamburg 766 S 769 S Wie auch diese Aussagen ausfallen mögen, unmöglich kann von zugegangen zu sein. An diesem Tage geriet in die Spalten dieses Frankf.a.M. 772 S den Leuten verlangt werden, daß sie die Gesamtsumme von 202,60 M. Blattes ein Artikel, der den besten Traditionen des Blattes zuwiderMünchen 772 NO bezahlen. Sie haben zweifellos lediglich auf Veranlassung läuft. Man muß es selbst lesen, um es zu glauben, daß die" Post" Wien des Fabrikanten Verbandes die teure zweite Klaffe eine zu lange Arbeitszeit der Arbeiter als unhygienisch bezeichnet, benutzt und hätten aus eigener Neigung sicher ein billigeres daß sie behauptet, die Arbeiter würden durch die einseitige KörperBeförderungsmittel vorgezogen. Solche Beispiele von Unterhaltung bei der Berufsarbeit nachweisbar geschädigt, daß die Arbeiter Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 4. November. Anfang 7 Uhr: Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Im Bannkreis der Jungfrau. Hörsaal 8 Uhr: Dr. y. Unruh: " Schwefel, Phosphor, Arsen". Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Um 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Opernhaus. Sinfoniekonsert ber National- Theater föniglichen Stapelle. Nenes königl. Opern Theater. Flachsmann als Erzieher. Deutsches. Dagland. Weinbergsweg 12a- 13b. Freitag, den 4. November 1904: 7. Freitag- Abonnement. Berliner. Ueber unsere Straft.(.) Figaros Hochzeit. Leffing. Traumulus. Westen. La Traviata. Thalia. Der Weiberkönig. Belle- Alliance. Wer?( Auf der Totenbant.) Hierauf: Die Tugendglode. National. Figaros Hochzeit. Metropol. Die Herren von Marim. Anfang 8 Uhr: Zentral. Der Generalfonful. Schiller 0.( Wallner Theater.) Die Tyrannei der Tränen. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Strieg im Frieden. Neues. Minna von Barnhelm. Carl Weiß. Senta Wolfsburg. Kleines. Des Pastors Rieke. Nefidenz, Eine Hochzeitsnacht. Luftspielhaus. Biederleute. Luizen. Don Carlos. Trianon. Gastons Frauen. Kajino. Wildes Blut. Deutsch- Amerikanisches. Ueber'n großen Teich. Anfang 7, Uhr. Sonnabend: 3. Gastspiel Dufe: Monna Vanna. Luisen- Theater. Zum erstenmal: Don Carlos. Sonnabend: Gastspiel des Theaters des Westens: Die Fledermaus. Sonntag nachm.: Don Carlos. Abends: Robert und Bertram. Montag: Mein Leopold. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Gastons Frauen. Anfang 8 Uhr. Sonntag, nachm.: Ihr zweiter Mann. Apollo. Berliner Luft. Spezialitäten. Volksgarten- Theater Palast. Im Zukunftsstaat. Spezialitäten. Herrnfeld Theater. Nur eine Nacht. Am andern Morgen. ( früher Weimann). Freitag, den 4. November: Paffage Theater. Hans Fredy. Keine Vorstellung. Dida. Spezialitäten. Anf. 5 Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Nächste Vorstellung: Sonntag, den 6. November: Ohne Geläut. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Tyrannei der Tränen. Lustspiel in 4 Atten von C. Haddon Chambers. Deutsch v. Berta Pogson. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Tyrannei der Tränen. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Die Kinder der Exzellenz. Sonntag, abends 8 Uhr: In Behandlung. Schiller- Theater N. ( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Luftspiel in 5 Atten von G. v. Mofer und F. v. Schönthan. Sonnabend, abends 8 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Sonntag, nach m. 3 Uhr: König Lear. Sonntag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Kleines Theater Neues Theater. | Vereinigte Bühnen unter der Leitung von Max Reinhardt. Anfang 8 Uhr. 8um 50. Male: Anfang 8 Uhr. Minna von Barnhelm. Des Pastors Rieke. Minna von Sonnabend: Nachtasyl. 3 Uhr: FamilienSonntag, nachm. idyll. Liebesträume. Serenissimus. Abends: Nachtasyl. Sonnabend: Die Kronprätendenten. ( 7 1hr.) Sonntag: Die lustigen Weiber von Windsor. Zentral- Theater Kasino- Theater Heute Anfang 8 Uhr. Der Generalfonful. Operette in 3 Atten v. H. Reinhardt. Morgen: Der Generalkonsul. Sonntag, nachm.: Comming, nagm: Der Bettelstudent. Abends: Der Mittwoch, den 9. November, nachmittags: Kindervorstellung: Däumelinchen. Deutsch- AmerikanischeS Theater. Köpenickerstr. 67. Zum 889. Lothringerstr.37. Anf. Wch.8, Sonnt.7% Wildes Blut. Gesangsposse in 3 Akten v. Mannstädt. Borher d. vollst. neue Novemberprogr. 1. a. ,, Die Original- Noranas." Gräbert. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Mutter Apollo- Theater. 8 Uhr: Debuts der neuen NovemberSpezialitäten. Hierauf: Wetter 5 bedeckt 5 bedeckt 3bedeckt 2 bedeckt Temp. n. T. 5°.= 4° R. Stationen Barometer. Wind richtung Windstärke Better 6 Haparanda 749 S 4Schnee 6 Petersburg 760 NN23 1wolfenl 4 Cort Temp. n. C. 10= 10 5 Aberdeen 761 282 2mollig 13 2 bededt 3 Paris 773D 2bedeat 6 762 N 1 bedeckt Wetter- Prognose für Freitag, den 4. November 1904. Zunächst wärmer, vorwiegend trübe mit Regenfällen und ziemlich starken westlichen Winden; später auftlarend, aber etwas fühler. Urania. Zirkus Busch. Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Im Bannkreis der Jungfrau. Hörsaal 8 Uhr: Dr. v. Unruh: Schwefel, Phosphor, Arsen. InvalidenSternwarte str. 57/62. Abends 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. gum biertenmal: Mit noch nie dagewesenem Erfolge: Katharina II. Coco der menschliche Wunderaffe. Norwegischer Rittmeister a. D. Herr Grimsgaard und die vorzüglichen Programmnummern. Residenz- Theater. Dir.: Richard Alexander. 8 Uhr: CASTAN'S Heute und folgende Tage ANOPTICUM. Cine Hochzeitsnacht. Friedrichstr. 165. Allerseelen melodramatische Illusion. Elite- Konzert einer rumänisch. Damen- Kapelle. Vormittags. Mittags. Nachmittags. Abends. Carl Weiß- Theater. Große Frankfurter Straße Nr. 132. Direktion: M. Ed. Fischer. Senta Wolfsburg. Schauspiel in 5 atten von C. Bendt. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Tage: Senta Wolfsburg. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: KinderBorstellung: Sneewittchen. Gastspiel Adolf Philipp. Berliner Luft. Lustspielhaus 33 Ueber'n grossen TEICH." Anfang 8 Uhr. MALE: Ende 10 Uhr 30 Min. Sonntag nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: " Ueber'n grossen Teich". Unter persönlicher Leitung des Komponisten Paul Lincke. Sonntag, den 6. November, nachmittags 3 Uhr, bei ermäßigten Preisen: Frühlingsluft und Spezialitäten. Friedrichstraße 236. Biederleute. Abends 8 Uhr. Morgen u. folgende Lage: Biederleute. Schwant in 3 Alten von H. Kéroul und A. Barre. Sonntag, nachm. 3 Uhr: 300 Tage. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Letzte Woche! Nur eine Nacht Am andern Morgen ( mit Anton und Donat Herrnfeld int den Hauptrollen). Sonnabend: Premiere Prinz Levy in Ahlbeek. Schwant in drei Akten von A. und D. Herrnfeld. Premierenbilletts schon heute an der Theaterkasse von 11-2 Uhr. Anfang( auch Sonntags) 8 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Die Else vom Erleuhof. Volksstüd in 5 Aften v. S. E. Staad. Anfang S Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend: Extra- Vorstellung: Goldlotte. Gr. Gesangsposse. Zirkus Schumann. Das neue Programm. U. a.: Noch nie dagewesen! Die größte Neuheit. Münsted's Charlottenburg. Sonntag, 6. November, nachmittags 4 Uhr, im ,, Volkshause" 3: Liliput- Zirkus- Stiftungsfeft des Wahlvereins. Vorstellung. Mons. Piccolomini Schulreiter. Mons. Nicolaus Mons. André Mlle. Isabella Mlle. Elise Mlle. Therese Mr. Food Mons. Henry Jockey. Jongleur. Schulreiterin. Dogcart- Aft. Freiheitspferde. Balanceur. Akrobat. Mons. Charles, Clown u. Parodist. Ferner Ameritas größter Künstler: Heu! Mr. Franco Piper, ein musikalisches Phänomen. Akrobaten. Neu! Marno- Truppe, fliegende Konsul II., Billy. Neu! Miss Louise. X Mr. Robert. Neu Alfredo& Alberto. Neu! Um 9, Uhr: Das große mim. Drama: Der Kurier des Zaren. Sonntag 2 Borst. In beiden Vorst.: Münsted's Liliput- Zirkus, Konsul II., Billy, Franco Piper etc. Nachmittags 1 Kind frei. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Die Gastspielvorstellungen finden in folgenden Etablissements statt: Bernh. Rose- Theater. Stadt- Theater Moabit. Etablissement Neue Welt. Fröbels Allerlei- Theater. he Im großen S Saale: Konzert u. Theater. Aufführungen v. Theaterverein ,, Barney". Im kleinen Saale: Tanz. Nach Konzert u. Theater- Aufführung, in beiden Sälen Tanz. Näheres im Programm. Billett 25 Pf. Programm gratis. Palast- Theater. Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Direktion: Rich. Winkler. Gr. internationale Ringkampf- Konkurrenz unter dem Protektorat des Herrn Professor Reinhold Begas. Heutige Ringtämpfe 1. Romanoff( Russe) gegen Haderecker( München). 2. Schumiakin( Bessarabien) gegen Rödel( Bayern). 3. Dickmann( Rheinländer) gegen Manzart( Belgien). 4. François de Ridder( Belgien) gegen Betroff( Bulgarien). 5. Paseon( Amerikaner) gegen Zurich( Russe). Borher: Spezialitäten. Im Zukunftsstaat". Burleske in 1 Aft Anfang 8 Uhr. Vorverkauf von 10-1 Uhr an der Kasse. Eröffnung 7 Uhr Deutsche Konzert- Hallen. An der Spandauer Brücke 3. Vollständig neu ausgestattet! Täglich: Gr. internat. Künstlerkonzerte. x Theater- Abteilung. Spezial- Ausschank der Berliner Bock- Brauerei. Entree 30 Bf., numer. Blak 50 Bfürs Volk das beste und so billig als möglich! Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Metropol- Theater Zum 7. Male: Die Herren von Maxim. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 6 Bildern mit freier Benutzung von C. Flèrs " Messalinette" von Julius Freund. 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Zentralverein für alle in der HutDie Erwiderung des Herrn Bernau, Schwedterstr. 23/24, in Nr. 258 branche beschäftigten Arbeiter des„ Borwärts" ift in allen Punkten nachweislich unwahr. Hoffentlich hält Herr Bernau Wort und veröffentlicht das gerichtliche Urteil wahr heitsgemäß. Zur Auskunft an Interessenten gern bereit, überläßt es der unterzeichnete Verein den Genossen, sich ein Urteil über die Angelegenheit zu bilden. 26995 Gesangverein Veritas“ rbeiter Sänger- Bundes) 19 J. A. Bernh. Stümpel, Immanuelkirchstr. 21. Leihhaus Berlin, uffomerftr. 2. Charlottenburg, Friedrich Karlvl. 12. Beleihung von Brillanten, Gold- und Silbersachen, ühren, Bücher, Wäsche, Kleidungsstücke 2c. Conne Hut- Zentrale Ecke 7112* Oranienstr. 2 anteuffelstr. Großes Spezialgeschäft für Filz- u. Seiden- Hüte. Streng reelle Bedienung. und Arbeiterinnen. ( Filiale Berlin.) Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Adolf Koschwitz ( Invalide) berstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des Nieder Schönhauser Kirchhofes, Buchholzerstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. ranz- u. Blumenbinderei bon H. Eckert, 98. Kottbuser Damm 98.* Großes Lager in Herren- Wäsche, Krawatten, Hand- Buchhandlung Vorwärts sehuhen, Trikotagen, Schirmen, Stöcken. Mützen. Prosit! Böhmisches Brauhaus, BERLIN Empfehlen unser helles u. dunkles Tafelbier: Gambrinusbräu( Münchener) Nepomukbräu( Pilsener) Böhmisches Brauhaus NO. Fass Abteilung: Landsberger Allee 11/13. T. VII. 5088. Frieden- Strasse 93. 99 T. VII. 1670. FlaschenUnsre Original- Abzug- Flaschenbiere in fast allen 622L* Kolonialwaren- Handlungen. 90, 110 Das 39 Neueste, Allerneueste ist 33 99 37 99 Hausmacher Leberwurst Westf. Landbratwurst Die 3 Sorten sind ganz vorzügl.schön gewürzt, wer einmal probiert, bleibt ewig Kunde. prima Holst. Schinkenw. 110 prima Holst. Cervelatw. 125 prima Holst. Salami 125 Feinste Meckl. 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Dasselbe, gut broschiert und bes schnitten 2 M. Viktoria. Sozialer Roman zwei Büchern. Bon Minna Kautsky. Statt 5 M. 2 M. Dasselbe, gut broschiert und be. schnitten 1 m. Roman in brei Büchern. Helene. Bon Minna Kautsky. Statt 5 M. 2 M. Dasselbe, gut broschiert und beschnitten 1 M. Kunde von Nirgendwo. Ein utopischer Roman bon William Morris. Herausgegeben von Wilhelm Liebknecht. Illustriert von H. G. Jentzsch. Statt 4 M. 2 M. Albert Dulks fämtliche Dramen. Alle drei Bände zu fammen statt 9 M. 3 M. Dasselbe, gut" broschiert und beschnitten 1,50 M. Rigdorf, Hermannstraße 46. Albert Dulk, Gedichte. Kuroki- Cikör follte in teinem Hanshalte fehlen. Joselli Cigaretten Götz Krafft Die Geschichte einer Jugend in vier Romanbänden von Edward Stilgebauer Band 1: Mit tausend Masten Preis pro Band Sehr apart geb. Auflage 40 Tausend 4 Mark 5 Mark Urteile über Band I Berliner Tageblatt, Berlin. Das alles ist plastisch greifbar, in guter deutscher Sprache erzählt und trefflich komponiert. Der Dichter, denn das ist der Schilderer, hat alles in Lokalfarbe getaucht. Er bildet lebenswahre Rundgestalten. Lange noch zittern die Lichtstrahlen nach, die ihre Erscheinung in unsere Seele geworfen. Vossische Zeitung, Berlin.... Völlig frei von Frivolität, würdig und eindrucksvoll sind die mächtigen Versuchungen geschildert, die dem jungen Manne nicht erspart bleiben; die Vorgänge, die ihn den schweren Sieg über sich selbst gewinnen lassen, sind mit so viel Meisterschaft kombiniert und erzählt, daß sie die Leser bis zur letzten Seite in Spannung halten. Berlin W.57 290 Neue Züricher Zeitung. Glänzend rethorisch ist Stilgebauers Stil, dessen Schwung mancher Szene mitreißenden Stimmungsglanz verleiht. Frstklassige deutsche Fabrikete Neue Freie Presse, Wien. Edward Stilgebauer ist kein bloßer Romanschreiber. Wer eine so berauschende Liebesszene, wie man sie im Kapitel 12 vor sich hat, darstellen kann, ist ein Dichter. HamburgerFremdenblatt. Ein hoher Zug von jugendlichem Idealismus durchweht das Buch, läßt uns die Gestalt des Götz Krafft liebgewinnen und mit lebhaftem Interesse den weiteren Lebensschicksalen dieses Vertreters unserer heutigen Jugend entgegensehen. Neues Münchener Tagblatt. In Wahrheit haben wir es in Götz Krafft mit einem Werke zu tun, das psychologisch gut durchgeführt ist und einen jung. Mann vorführt, der sich selbst überlassen im Kampf mit dem Leben, ringend um Erkenntnis, kämpfend um Tugend und Bewahrung sittlicher Reinheit. Hannoverscher Courier. So gewinnt das Buch die Bedeutung einer patriotischen Tat, indem es Protest erhebt gegen alles Unreine, Streberhafte, Egoistische, Engherzige, was d. Entwickelung unserer Jugend zum Edelmenschentum entgegenSoeben erschien der wirkt. zweite Band: Im Strom der Welt Auflage 30 Tausend In ähnlichem Sinne urteilen viele Hunderte von Zeitungen Verlag von RICH. BONG Statt 1,50 M. 1 M. Lichtstrahlen der Poesie. Gedicht Sammlung. Ausgewählt bon Max Kegel. 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Biele Anerkennungsschr. Deutscher Metallarbeiter- Verband.| Verwaltungsstelle Berlin: Engel- Ufer 15. Arbeitsnachweis: Bimmer 34. Amt 4, 3353. Hauptbureau: Zimmer 1-5. Amt 4, 9679. Einladung. G Am Freitag, den 11. November 1904, abends 8 Uhr, findet die Mitglieder Versammlung = der unterzeichneten Ortstrankentasse im Restaurant Hempel, Rofenthaler Sonntag, den 6. November, vormittags 10 Uhr, in der ,, Neuen Welt", Hafenheide 108-114: ftraße 11/12 ftatt. General- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. verwaltung und an die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zages Drdnung: Bluts U. Lebers Hente Freitag: Frische Wurst in bekannter tabel loser Qualität. Lindenstr. 69, Rich. Augustin, of parterre. Frühstücks- und Mittagstisch. Wahl von 168 Delegierten zur General- Gizungszimmer. Tel. Ami IV, 8927. Versammlung. A Quittungsbuch legitimiert. Herrenkragen, rein Lein. 4f. 2. Anträge der Orts- Versammlung der Arbeitgeber. M. 1,80 und 2,25. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die Bertrauensleute werden ersucht, den Mitgliedern die Bücher auszuhändigen. wegen aus. statt. 27005 An demselben Tage nachmittags befte Qualit., D. M. 3 u. 3,50. 4 Uhr findet im obigen Lokale Manschetten, prima, 4 fach Serviteurs, größte Auswahl Stück von 30 Pf. an. Krawatten, Handschuhe, Hosenträger, Taschentücher, Strümpfe ze. Detailverkauf zu Engros Preisen. Ernst Marcuse Zages Drdnung: 123/20 Wahl von 75 Vertretern zur GeneralAchtung, Bananschläger! Die für Sonntag, den 6. November fällige Versammlung fällt der Generalversammlung Achtung, Vertrauenslente in Moabit! Die Bertrauensmänner- Konferenz findet am Sonnabend, den „ Berliner Arbeiter12. November im bekannten Lokal statt. Die Ortsverwaltung. Radfahrer- Verein Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Mitglied des Bundes ,.Solidarität". Touren zum Sonntag, d. 6. Nov.: Früh 7 Uhr nach Luckenwalde. Start: Kreuzberg( Steuerhaus). Mittags 1, Uhr Streifzüge durch den Grunewald nach Groß- Lichter. felde, Chauffeeftr. 104. Start: Kaiser Wilhelm- Gedächtnis- Kirche. Gäste willkommen. 29/5 PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12 2-4. Zweigverein Berlin. Sektion Putzer. Sonntag, den 6. November 1904, vorm. 10% Uhr, in den Arminhallen", Kommandantenstraße Nr. 20: Mitglieder- Versammlung. Zagesordnung: 1. Abrechnung vom III. Quartal 1904. 2. Welche Rechtsgarantien haben unsere mit den Arbeitgebern abgeschlossenen Arbeitsverträge nach neuerem Urteil des Gewerbe- und Landgerichts? 3. Ber134/11 bands- Angelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen in dieser alle interessierenden Versammlung ersucht Die örtliche Verwaltung. J. A.: H. Neumann. Verein der Bauanschläger Berlins u. Umgegend Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sonntag, den 6. November, vormittags 10%, Uhr, bei Franke, Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe der Rabitzspanner. Sebastianstraße 39: Versammlung. 295/12 Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Mitglieder werden aufgenommen. Der Vorstand. NB. Der Arbeitsnachweis befindet sich bei August Schröder, Sebastiana ftraße 50. Arbeiter- Radfahrer- Verein Rixdorf". Sonntag, den 6. d. M., vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15 Versammlung.§ 49 des Statuts. Der Vorstand der Ortskrankenkasse der Zigarrenmacher, ZigarettenHülfsarbeiter Berlins. macher, Sortierer und deren gewerbJ. A.: J. Palis, Rendant. 23. Münzstrasse 23. welcher fich an Parteigenosse einem rentablen Se Tanzmeister Jürgens, Geschäft beteiligen will; erforderlich 4-5000 M. Off. 1. P. G. 1252 Partei- Wanzlidstr. 21, Sonnabends, Sonnspedition Nixdorf, Prinz Handjery- tags frei, übernimmt Zanzleitung 7022* für Vereine 2c. straße 7, Laden. lov Arnold Sprengel Herren Artikel Spezial- Geschäft Wienerstrasse 14b Krawatten Handschuhe Trikotagen Hüte Wäsche Schirme Reellste Waren zu soliden Preisen H. Preuss, Swinemünderstr. 66, 1. Etage, Cigarren und Tabak- Fabrik und Engros- Lager( Tel. III 6949) bekannte billigste Bezugsquelles. Händler, Neu- Etablierungen zc. Specialität: Pre- Ussina- Cigarren gefeßlich gesch. Specialmarken f. Kenner, in allen Preislagen überall läuft. Mitglieder- Versammlung. Feine Maẞichneiderei Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen G. Lint über: Die Bedeutung der Gewerk schafts- Organisation". 2. Diskussion. 3. Wahl des gesamten Gruppen153/18 borstandes. 4. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Mitglied des Arbeiter- Radfahrer- Bundes Solidarität". Sihung jeden Montag nach dem 1. und 15. im Monat in Thiels Feftsälen", Nixdorf, Bergstr. 151/152. 6. November:„ Neue Mühle". Abfahrt 10 Uhr vormittags, Restaurant Riedel. 13. November: Karolinenhof". Abfahrt 1%, Uhr nachm., Restaurant Mandts. 16. November: Bortrags, abend. Vortrag des Genoffen Wollheim über: Naturkenntnis und Weltfortschritt". Anfang 5 Uhr. 20. November: Waidmannsluft". Abfahrt 10 Uhr vorm., Restaurant Böhl, Waidmannstr. 1. 27. November: Bannsee. Heute Freitag, abends 81%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15 Abfahrt 1 Uhr mittags, Rest aurant Bayrischer Hof" äfte stets willkommen. Jedes Wort: " 5 Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Der Vorstand. Verkäufe. Fabritat. Marcus. 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Nr. 260. 21 Jahrgang. 2.{ifilnp des Jptroärts" Knlim WldsdlR Freitag, 4. November IM. kommunales. Stadtverordneten-Bersammlung. W.Sitzung vom Donnerstag, den 3. November 1904, nachmittags 6 Uhr. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung um Uhr. In den Ausschuß für die Beratung des neuen Ortsstatuts betr. die Sonntagsruhe im Hanoelsgewerbe sind u. a. gewählt die Stadtvv. B o r g m a n n. Hintze, Singer(Soz.); letzterer ist zugleich als Vorsitzender bestellt. Dem Ausschuß für die Vorlage betr. die Anstellung eines vierten besoldeten Vor- standsm itgliedeS der L a n d e S- V e r s i che r u n gs. anstalt Berlin gehören u. a. die Stadtvv. Stadthagen und Schneider(Soz.) an. Auf der Tagesordnung stehen zunächst die Anträge Antrick (Soz.), die in voriger Sitzung nicht mehr zur Beratung gelangen konnten. Von derselben Seite ist gestern der dringliche' Antrag eingebracht worden: den Magistrat zu ersuchen, die W a h l z e i t für die 3. Ab- teilung(bei den Ersatzwahlen am 23. November im 22. und 30. Wahlbezirk) wie bisher in den Stunden von 9 bis 8 Uhr festzusetzen. Der erste dieser Anträge Antrick geht dahin, den Magistrat zu ersi'chcn, das OrtS st a tu t für die Kaufmannsgerichte so zeitig fertig zu stellen, daß das Kaufmannsgericht für Berlin am 1. Januar 1905 in Wirksamkeit treten kann. Stadtv. Hintze(Soz.): Anfangs September sind die Aus- führungsbestimmungen der beteiligten Ressortminister zu dem endlich zustande gekommenen Gesetz betr. die Äaufmannsgerichte ergangen. In der Verfügung ist den Städten über 20 000 Einwohner nahe gelegt, die Vorberatungen so zu beschleunigen, daß die Gerichte am 1. Januar 1905 in Tätigkeit treten können. Während von zahlreichen anderen Städten die Statuten schon bekannt geworden sind, hörte man in dieser Frage bis zu unserem Antrage in Berlin eigentlich nichts und das Gesetz schreibt vor, daß der Wahltermin 6 Wochen vor der Wahl bekannt gemacht sein muß. Danach scheint es uns nicht mehr möglich, bei uns diese Gerichte noch zu Neujahr in Wirksamkeit treten zu lassen. Man hat nun geltend gemacht, es seien keine Räumlichkeiten für das neue Gericht vorhanden. Das ist an sich bedauerlich. Aber es ließe sich doch wohl in der ersten Etage des Gebäudes des Gcwerbegcrichts genügend Platz schaffen; wenn der Magistrat nicht weiß, wo er mit den Gegenständen des Märkischen Museums hin soll, steht ihm die benachbarte Markthalle in der Mauerstraße zur Verfügung, wo noch sehr viel Raum vorhanden ist. (Heiterkeit.) Wir bitten Sie, unseren Antrag dahin anzunehmen, daß die Errichtung mit größter Beschleunigung erfolgt. Die Wünsche der Angestellten gehen zunächst dahin, de» Wahltag auf einen Sonntag zu verlegen, wie sich dieser Tag auch als Wahltag für das Gewerbegericht bewährt hat. Auch Charlottenburg hat die Wahl auf Sonntag gelegt. Ferner sollte Berlin als ein Wahlbezirk mit ver- schiedcnen Abteilungen konstruiert werden. Von der Aufstellung von Wählerlisten wäre wie in München und Charlottenburg abzu- sehen; es sollte die Vorlegung eines Gewerbescheines bezw. eines Zeugnisses des Prinzipals als Legitimation genügen. Die Handels- angestellten haben den ferneren Wunsch, daß die Vorschlagsliste nur von 20 Wählern unterschrieben zu sein brauchte, um auch den kleinsten Gruppen eine Vertretung zu ermöglichen. Von einer Gebühren- erhebung bei den Gerichten sollte Abstand genommen werden, wie ,cs in Charlottenburg geschehen ist. Oberbürgermeister Kirfchner: Wenn der Vorredner meint, es sei nur seinen, Antrag zu verdanken, daß sich der Magistrat mit der Angelegenheit beschäftigt, so kann ich ihm diesen Ruhm nicht lassen. Der Antrag datiert vom 18. Oktober. Der Magistrat hat die erforderlichen Schritte sofort unternommen, nachdem die Aus- führungsbestimmungen publiziert waren, und schon lange vorher hat er sich damit beschäftigt. Die Lokalfrage ist bereits im August durch Beschluß erledigt worden für den Fall der Verbindung des Gerichts mit den Gewerbegerichten. Schon am 19. Oktober war der Entwurf eines Statuts fertig gestellt. Am 21. Oktober setzte der Magistrat eine Kommission zur Vorberatung desselben ein; diese Kommission hat schon 2 Sitzungen gehalten und Sachverständige ver- nommen, ist aber noch nicht fertig. Nächsten Montag wird sie eine neue Sitzung abhalten. Den von ihr formulierten Entwurf muß der Magistrat beraten und feststellen, dann kommt er an Sie, und schließlich hat der Oberpräsident die Genehmigung auszusprechen. Die Bekanntmachung muß 1% Monate vor den Wahlen erfolgen, die Anfechtungsftist beträgt 1 Monat. Es ist also ganz unmöglich. das Statut so zu verabschieden, daß es schon zu Neujahr in Kraft tritt. Auf die Einzelheiten heute schon einzugehen, habe ich danach keine Veranlassung; liegt Ihnen das Statut vor, so werden Sie sich damit ex prokesso beschäftigen. Auch bei aller Emsigkeit wird es nicht möglich sein, das Gericht schon am 1. Januar ins Leben treten zu lassen. Es liegt kein gesetzlicher Zwang, auch keine Rücksicht auf irgend ein vitales Jnteresie vor. Bis zum Inkrafttreten dieses Sondergerichts werden die einzelnen Streitsachen wie bisher durch die ordentlichen Gerichte zu entscheiden sein, gegen die Sie doch nichts wesentliches einzuwenden haben werden. Eine Veranlassung zu einer Hast, die nur der Sache schaden würde, kann ich nicht sehen. Lehnen Sie den Antrag ab, weil er überhaupt nicht zu erfüllen ist. Stadtv. Rosenow(N. L.): Herr Hintze hat ja schon selbst seinen Antrag preisgegeben. Die Rücksicht auf die einzuhaltenden Fristen macht dieselben eigentlich gegenstandslos. Ich bitte nur schon heute den Magistrat, die Wahlen auf einen Sonntag zu ver- legen und Verwahrung möchte ich einlegen gegen die Auffassung, daß die Kaufmannsgerichte nicht so dringend notwendig seien, weil die ordentlichen Gerichte die Streitigkeiten bisher sachgemäß ent- schieden haben. Der Reichstag hat eine andere Meinung zur Geltung gebracht._> Stadtv Singer(Soz.): Nach den Erklärungen des Ober- bürgermeisters hat der Magistrat in dieser Frage gewiß ckiligentmm vrästiert aber er ist bedauerlicherweise so schüchtern und bescheiden gewesen, daß eigentlich kein Mensch von diesem Fleiße etwas er- fahren hat. Der Magistrat weiß doch sonst an die Oeffentlichkeit zu treten, und mir will vorkommen, daß die offiziellen und privaten Berichterstatter des Magistrat? etwas mehr davon hätten erfahren können. Im übrigen kann ich die Unmöglichkeit der Einführung für den 1. Januar nicht eiiifehen. Da das Gesetz selbst den 1. Januar 1905 als Einführungstermin bestimmt, so hätte Berlin es eigentlich als nobkle olkicium für sich betrachten muffen, als erste Stadt auf dem Plane zu fein. Statt dessen sind andere Städte vorangegangen. Der Magistrat brauchte nicht auf die Aus- führungsbestimmungen und auf das Normalstatut zu warten; er hat in seinen Mitgliedern unbedingt die Fähigkeit, selbst em solches zu entwerfen. Die Berliner wissen aber jetzt wenigstens, daß das Kaufmannsgericht eingerichtet werden wird, und doch vielleicht fetzt etwas schneller, als es sonst der Fall gewesen wäre. Im Ein- Verständnis mit meinen Freunden ziehe ich nach den Erklärungen des Oberbürgermeisters den Antrag zurück. Von den Stadtvv. Antrick u. Gen. war weiter folgender Antrag eingebracht: Den Magistrat zu ersuchen, schleunigst geeignete Mahnahmen zu ergreifen, die gesundheitlichen Schädigungen der Berliner Bevölkerung zu verhindern, die durch die Ein- fuhr von Fleisch, da» nur außerhalb unter- sucht wurde, zu hefürchten sind. Es geht dazu der Antrag Cassel-Dinse-Mommsen ein, den Magistrat zu ersuchen, mit der Stadtverordnoten-Versammlung in gemischter Deputation über die Abwehrmaßregeln zu verhandeln. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Die Abänderung des Fleisch- beschaugesetzes, nach welcher das bereits auswärts untersuchte Fleisch bei der Einfuhr in Berlin nicht mehr untersucht werden darf, hebt die Möglichkeit auf, welche nach dem Gesetze von 1831 vorhanden war, das Fleisch, auch das von den Gastwirten ver- brauchte, vor der Verwendung nochmals zu untersuchen. Die Hoff- nung, daß dieses Gelegenheitsgesetz nicht publiziert werden würde, ist nicht in Erfüllung gegangen. In den Gemeinden mit Schlacht- hauszwang darf jetzt eine nochmalige Untersuchung nicht stattfinden, selbst wenn sie unentgeltlich ist. Die Novelle verdankt ihr Entstehen einem Antrag Arenberg— es scheint, daß dieser Name überall, wo er auftritt, dem deutschen Volke verhängnisvoll werden soll. Nur dem sachverständigen Seh- und Geruchssinn des Polizisten soll fortan die Entscheidung darüber überlassen werden, ob das Fleisch frisch ist oder nicht. Die Städte sind dank der Unersättlichkeit der Agrarier jetzt dem kranken Fleisch in einer bisher nicht für möglich gehaltenen Weise preisgegeben. Zu verwundern ist es ja nicht, daß die Agrarier solches durchgesetzt haben, i. i man die Haltung der bürgerlichen Parteien ansieht; diese bekommen jetzt etwas i'.t der Rute, die sie sich bei der letzen Landtagswahl selbst haben binden helfen. Aber wenn das Gesctzgebungsmonopol der Herren so gemiß- braucht wird, müssen wir Front machen auf alle Fälle, namentlich wenn es sich um direkte Gefahren für den Einwohner handelt. Die agrarische Presse leugnet diese Gefahr; es seien ja approbierte Tier- ärzte, welche das Fleisch auswärts untersuchen. Professor Epstein hat ausgesprochen in seiner„Dorf- und Stadthygiene", daß der Betrieb dieses Handwerks auf dem Dorf, wo er so gut wie un- kontrolliert vor sich geht, mit dem wohlgeordneten Betriebe in der Stadt es nicht aufnehmen kann, aber selbst in Städten ohne Schlacht- hauszwang dürste der Dorfschlächter hinter deni städtischen zurück- bleiben, was Sauberkeit des Betriebes betrifft. Das sagt ein Mann der Wissenschaft, dem sich der Obertierarzt Espenhösfer zugesellt, der in der Medizinischen Gesellschaft auf diese Gefahr ebenso deutlich hingewiesen hat. Auf dem Lande ist die Sucht, infektiöses Fleisch vor der Vernichtung zu retten und in den Handel zu hringen, sehr stark. Die Tierärzte auf dem Lande sind ungeheuer abhängig von den Agrariern selber; sie können nicht von der Untersuchung des Fleisches leben, sondern ihr Hauptberuf liegt auf einer ganz anderen Seite. Fasten sie ihr Amt streng auf und führen es radikal durch, so würden sie boykottiert und ruiniert w:rden. Es mangelt ihnen dann auch an Uebung. Bei den Hausschlachtungen versagen ja auch diese ungenügenden gesetzlichen Bestimmungen vollständig.— Nun wird uns wiederholt gesagt, das ausländische Fleisch sei für das deutsche Volk schädlich, so schädlich, daß nicht einnial die inländische Untersuchung genügt; aber das inländische Fleisch, das Fleisch unserer Agrarier, ist für das deutsche Volk gut genug;(Große Heiterkeit.)— das Flu,ch, ivelches unsere Agrarier von ihrem Schlachtvieh in die Städte liefern— ich glaubte, vor einer Versammlung zu sprechen, welche versteht, was ich meine; das Fleisch des vaterländischen Ochsen sollen die Städter essen, ohne dabei das Gesicht zu verziehen. Die Zuverlässigkeit der approbierten Tierärzte läßt sich durch zahl- lose Beispiele sehr eigentümlich illustrieren. In Vilbel bei Frankfurt wurde festgestellt, daß man dort hochgradig tuberkulöses Fleisch als gesund abgestempelt hatte. Ein Schlächtermeister in MlSberg bei Lüneburg ist zu 6, der Tierarzt dort zu 4 Monaten aus ähnlicher Veranlassung verurteilt worden. Weitere Fälle werden aus Stettin gemeldet. Dort war u. a. eine mit Milzbrand behaftete Kuh als gesund abgestempelt worden. In Düsseldorf(Unruhe)— ja, es ist doch bei der Haltung der agrarischen Presse notwendig, diese Fälle genau anzuführen, auf die Gefahr hin, daß Ihnen nachher beim Abendbrot etwas unheimlich wird(Heiterkeit)— in Düsseldorf wurde ebenfalls bei einer gesunden„nationalen" Kuh Milz- brand festgesellt. Es liegen ferner auch schon Fälle vor, welche nach dem 1. Oktober auftraten, nachdem also eine zweite Untersuchung nicht mehr möglich war. So aus Göttingen, wo Accisensteuer besteht. Da stellte sich eine angeblich gesunde Kuh als tuberkulös heraus; obwohl der Untersuchcr an der Lunge Eiterbläschen entdeckt hatte, hatte er das Fleisch für nicht gesundheitsschädlich erklärt.(Bc- wegung.) Im Jahre 1903 wurde auf dem städtischen Schlachthof in Berlin von auswärts untersuchtem Fleisch beanstandet: 235 Rinderviertel, 98 Kälber, 4 Schafe, 24 Schweine, meist tuberkulös; im ganzen gab es 411 Beanstandungen in einem einzigen Jahre! Wobei zu bedenken, daß in Berlin bis zum 1. Oktober eine ganz scharfe Untersuchung stattfand und man also nur das beste Fleisch hierher lieferte. Nach dem 1. Oktober sind in der Markthalle zwei tuberkulöse Rindcrviertel beschlagnahmt worden, die schon mit bloßem Auge als verdorben zu erkennen waren. Große Bruchteile, bis zu 40 Proz., von auswärts importierte? Fleisch haben sich als gesundheitsschädlich festgestellt ergeben; das war bei der Kontrolle, wie soll es nun nach dem Fortfall der Kontrolle werden? Die deutschen Städte haben Millionen aufgewendet zum Schutze der Ein- wohner durch Errichtung von Schlachthäusern, diese Millionen werden mit einem Federstrich vernichtet! Der Reinickendorfer Fall der Stcmpelfälschung ist von der agrarischen Presse weidlich her- genommen worden zur Beschönigung des lichtscheuen Treiben? der Agrarier. Es ist doch viel leichter, zu kontrollieren, ob Stempel der Stadt Berlin gefälscht werden, als zu beaufsichtigen, ob von den taufenden tierärztlicher Stempel auf dem von auswärts kom- wenden Fleisch einer gefälscht ist. Die Unterbringung von krankem und verdorbenem Fleisch wird am allerersten in großen Städten versucht werden, und Berlin ist dieser Gefahr bei seinem ungeheuren Umfange am meisten ausgesetzt. Eine Reihe von Städten hat schon Gegenmaßregeln getroffen. In Hannover hat Stadtdirektor Tramm auf die schweren Gefahren des Gesetzes hin- gewiesen; im Herrenhause diese Bedenken vorzutragen hatte er freilich keine Zeit gefunden! Er forderte das Publikum auf, nur bei Fleischern zu kaufen, welche alles Fleisch untersuchen lassen. Aehnlich ist man in Frankfurt vorgegangen; städtische Polizei- beamte sollen dort im Schlachthause einen Kursus durchmachen, um sich die erforderlichen Kenntnisse anzueignen. In Düsseldorf will man selbst vor einem Konflikt mit der durch und durch agrarischen Regierung nicht zurückschrecken. In Stettin soll das eingeführte Fleisch gesondert feilgeboten werden. Da sollte es denn auch für Berlin Zeit sein, etwas zu tun. Im August hatte ich im Schlachthof-Kuratorium vorgeschlagen, damit vorzugehen, von der Stadt aus den Fleischern Schilder zu liefern, die nur hier unter- suchtes Fleisch feilhalten. Ich kann mich nicht für die Plakate be- geistern, fanden bin für weithin leuchtende Schilder, meinetwegen aus Emaille, vielleicht nach dem Muster des Rolandbrunnens. Dort ist es ein Adler, der den Bären niederhält; hier möge es ein Bär sein, der den Agrarier niederhält.(Große Heiterkeit.) Die Berliner Fleischer würden gewiß fast ohne Ausnahme darauf ein- gehen, um ihren guten Ruf zu wahren. Die Markthallcn-Deputation hat ja jetzt beschlossen, auch die Aufhängung von Plakaten zu ge- statten. So etwas muß aber von Stadt wegen gemacht werden, so daß die Leute auch zu fassen sind und ihnen die Schilder ent- zogen werden können, wenn sie betrügerische Manipulationen machen. Auch die übergroße Zahl der Fleischerläden und Re- staurationen würde sich bereit finden, solche Plakate aufzuhängen. Die gesonderte Placierung in den Markthallen wäre freilich die Hauptsache. Dann müßte die Presse interessiert werden. Auch an die Aerzte müßte appelliert werden, wie schon in Königsberg ge- fchehen. Vielleicht lassen sich auch die Stempel anders und beut- licher formen. Es wäre vielleicht auch an der Zeit, einen neuen deutschen Städtebund nach Art der Hansa gegen das moderne agrarische Raubgesindel zu gründen.(Heiterkeit.) Dann ließe sich wenigstens eine brauchbare Statistik gewinnen. Vom 1. bis 29. Oktober 1903 wurde auf dem städtischen Schlachthofe unter- sucht von auswärts eingebrachtes Fleisch: 19 497 Rinder, 7553 Kälber, 2039 Schafe, 10 814 Schweine; in derselben Zeit 1904 n a ch dem Inkrafttreten des Gesetzes nur 2629 Rinder, 5259 Kälber, 373 Schafe, 3008 Schweine. Die Untersuchung hat abgenommen um 16 000 Rinder, 2000 Kälber, 1666 Schafe und 7600 Schweine. Es ist glso eine ungeheure Gefahr vorhanden. Ka dürfen wir uns nicht von Parteiunterschieden leiten lassen; nur die gemeinsame Pflicht, Leben und Gesundheit der Einwohner zu bewahren, muß uns bei unserem Vorgehen bestimmen. Ich freue mich, daß Kollege Rosenow gestern abend noch im letzten Augenblick eine Versammlung inszeniert hat, um der Sache Nachdruck zu geben. Dem gestellten Antrage auf Deputationsberatung können wir beistimmen. Gehen Sie nach dem Vorstoß in puncto Selbstverwaltung über zu einem Vorstoß der Selbsthülfe gegen die böswillige, schrankenlose agrarische Gesetzesausbcutung!(Lebhafter Beifall.) Stadtv. Dr. Nathan(soz.-fortschr.): Das Verderbliche der Ge- setzcsänderung ist heute und schon früher im Abgeordnetenhause und besonders durch die vorzügliche Rede des Oberbürgermeisters Kirschner im Herrenhause dargetan worden. Das Gesetz setzt geradezu eine Prämie auf die schlechte, auf die minderwertige Viehzucht. Wir haben einen Weg. uns gegen diese Nachteile zu wehren, indem wir in den Markthallen eine Unterscheidung zwischen dem hier und dem nur auswärts untersuchten Fleisch eintreten lassen. Was die Markthallen-Deputation gestern beschlossen hat, ist ungenügend. Es darf nicht„gestattet", sondern es muß an« geordnet werden, daß diese Sonderung eintritt und durch Plakate kenntlich gemacht wird. In die Markthallen darf nur nachunter- suchtes Fleisch eingelassen werden. Eine Verteuerung würde da- durch nicht eintreten können, für das als nachuntersucht verbürgte Fleisch würde aber ein guter Preis zu erzielen sein. Ebenso würde eine gewisse Sicherung durch Plakate der Fleischer und Restaurateure erreicht werden, wenn auch die Möglichkeit von Durchstechereien nicht ganz ausgeschlossen werden wird. Wenn die Deputation rasch arbeitet und auch die Bevölkerung namentlich von den Herren Ver- tretcrn der Sozialdemokratie aufgeklärt wird, kommen wir vielleicht zu einer wirksamen Abwehr dieses volksverderblichen Gesetzes. Stadtv. Cassel(A. L.): Irgend eine materielle Differenz über den Charakter dieses Gesetzes besteht nicht. Noch vor wenigen Jahren hätte man ein so volksfeindliches Gesetz in Preußen für unmöglich gehalten. Nach dem umfassenden Material des Kollegen Hoffmann ist weiteres Eingehen auf das Materielle nicht mehr nötig. Es wird in der gemischten Deputation u. a. auch überlegt werden müssen, wie weit wir die Bürgerschaft zur freiwilligen Einreihung in die Organisation der Abwehr bestimmen können. Auch selbst mit pekuniären Opfern müssen wir das Möglichste tun, um die drohenden Schädigungen zu verhindern. Es liegt hier eine Einstimmigkeit der Anschauung vor, wie sie erfreulicherweise schon neulich bei anderer Gelegenheit erzielt worden ist. Diese einmütige Abwehr der Feinde und Verkümmerer unserer städtischen Selbstverwaltung wird hoffentlich ihren Eindruck nicht verfehlen.(Beifall.) Oberbürgermeister Kirschnrr gibt eine Uebersicht über die recht- liche Lage der Angelegenheit und führt dann aus: Wir haben etwa 15 000 gewerbliche Stätten, wo Fleisch verwendet wird. Jetzt soll sich die allein noch in Betracht kommende polizeiliche Kontrolle auf alle diese 15 000 Stätten erstrecken! Das ist eine Unmöglichkeit. (Lebhafte Zustimmung.) Im Oktober er. sind nur etwa 25 Proz. Fleisch des Quantums vom vorigen Oktober untersucht worden, 75 Proz. sind ununtcrsucht hereingekommen. Dabei hat man nicht gehört, daß die Polizei nun besondere Kontrollmaßregeln eingeführt hat.(Hört! hört! und Bewegung.) Wir müssen daher sehen, wie wir uns selbst schützen. Für uns scheiden alle Maßnahmen aus, die andere Städte auf Grund ihrer Polizeigewalt treffen können, denn wir besitzen letztere nicht. Der Weg, den Herr Nathan angab, nur noch untersuchtes Fleisch in die Markthallen einzulassen, ist nicht gangbar; das Gesetz läßt das nicht zu. Wir werden ja alles ver- suchen, aber es wird unmöglich sein, damit die Schäden des Gesetzes zu beseitigen. Wir haben in den Markthallen nur 660 Kleinhändler; was bedeuten diese gegen 15 000? Wir dürfen die Bevölkerung nicht in falsche Sicherheit wiegen. Die Aerzte müssen ausklärend wirken, im übrigen aber muß die intelligentere Einwohnerschaft sich selbst zu schützen suchen. Stadtv. Goldschmidt(N. L.) protestiert gegen die agitatorische Art, wie der Begründer des Antrages die Sache parteipolitisch aus- zubeuten unternommen habe. Bei den letzten Wahlen habe gerade die Sozialdemokratie die Schuld getragen, wie Teltow-Beeskow und Breslau bewiesen. Stadtv. Rosenow geht näher auf die gestrige Protestversammlung in der Neuen Philharmonie ein, die sich einmütig ftir die Annahme des Antrages Antrick ausgesprochen habe, und weist die„Unter- stellung" Hoffmanns zurück, als habe man damit im letzten Augen- blicke der Verhandlung des Antrags ein wenig das Präveniere spielen wollen. Die Versammlung zeige, daß auch die Bürgerschaft nicht mehr gewillt sei, die Schläge von den Agrariern einfach hinzu- nehmen. Nach einer kurzen Bemerkung des Stadtv. Nathan auf die AuSftihrungen des Oberbürgermeisters bemerkt Stadtv. Hoffmann: Das Konzept meiner Rede lasse ich mir von Herrn Goldfchmidt nicht vorschrerben. Wenn er meinte, ich sollte die Logik bei meinen Genossen suchen, so werde ich das stets tun, denn bei ihm habe ich keine gefunden. Damit schließt die Beratung. In persönlicher Bemerkung will Stadtv. Goldschmidt sich mit dem Stadtv. Hoffmann auseinandersetzen, kommt aber dabei wiederholt mit dem Vorsteher in Konflitt und ruft mehrfach stürnnsche Heiterkeit hervor. Der Antrag Cassel wird einstimmig angenommen. Nunmehr greift der Vorsteher auf den oben angeftihrten Dringlich! eitsan trag zurück. Ein Einspruch gegen die Dringlichkeit wird nicht laut. Der Antrag kommt zur Verhandlung, nachdem vorher beschlossen ist, die Beratung des ferneren Antrags Antrick betreffend die polizeilichen Uebergriffe im städtischen Obdach von der heutigen Tagesordnung abzu- setzen. Stadtv. Borgman»(Soz.): Ich werde mich möglichst kurz fassen (Lebhafter Beifall). Der Magistrat hat ftir die dritte Ab- teilung diesmal eine kürzere Wahlzeit festgestellt; wir haben für diese Aenderung aus heiler Haut kein Verständnis. Die arbeitende Bevölkerung hat sehr oft, um ihr Wahlrecht auszuüben, ihre Arbeits- zeit vergeuden müssen, und dämm hat man sich zu dem Termin von 3 Uhr abends verstanden, und es spielt sich der Wahlatt nunmehr in aller Ruhe ab. Die Verkürzung auf 7 Uhr ivürde dagegen die stürmische Art des Wahlvollzuges, die wir glücklich für immer beseitigt glaubten, wieder aufleben lassen. Meinen die Wahl- Vorsteher wirklich, nicht die Wahlhandlung bis 8 Uhr leiten zu können. so kann ich genügend Ersatz stellen.(Heiterkeit und Unruh«.) Jeden- falls bitte ich, sie Zeit am Abend keiner Einschränkung zu unter- werfen. Stadtrat Böhm: Den Magisttat haben lediglich ZweckmäßigkeitS- gründe geleitet. Jedem Wahlberechtigten soll jede Erleichtemng der Ausübung der Wahl zuteil werden. Es ist keineswegs immer bis 8 Uhr gewählt worden, sondern erst sett Ende der Neunziger Jahre, wo wir gezwungen wurden, die Wahl in einem einzigen Lokale ftir jeden Bezirk vorzunehmen. Die wiederholten Klagen der Wahlvorstände, daß die Zeit von 9—8 Uhr zu lang ist, daß sie vormittags unbeschäftigt und mit der Feststellung des Resultates bis«es in die Nacht hinein befaßt seien, haben zu einer Umfrage geführt, auS der sich ergibt, daß die meisten Wahlvorsteher die Zeit bis 8 Uhr für zu lang erklärten. Der neue Vorschlag geschieht nur versuchsweise; ist die Versammlung anderer Meinung, so ivürde dem Rechnung zu ttagen sein. Stadtv. Borgmann: In der Zeit von 7—8 Uhr abends haben, wie feststeht, bis zu 20-25 Proz. der Wähler ihre Stimme ab- gegeben. Eine große Zahl Arbeiter kann nicht früher kommen, und es liegt gar keine vernünfttge Veranlassung vor. sie zu zwingen, eine Sttmde ihrer Arbeitszeit zu opfern, bloß au» Bequemlichkeit für die Herren Wahlvorsteher. Ich bitte Sie da- her nochmals, unsrcm Antrag ziizustinunen. Der frühere Zustand war so ungeheuerlich, daß man ihu nicht wieder heraufbeschwören wollen wird. Etadtv. Cassel; Wir haben gar leine Gelegenheit gehabt, den Antrag vorzuberaten, da er uns nicht mitgeteilt war. Ich verstehe allerdings auch nicht, weshalb der Magistrat von der Stunde um 8 Uhr abweichen will. Ich hoffe die Magistratsgründe noch heute zu hören.(Rufe: Ist ja geschehen I Heiterkeit.) Dann muß das sehr rasch gegangen sein; ich war nur wenige Minuten draußen. Im Interesse der Wahlfreiheit bin ich jedenfalls auch diesmal für 8 Uhr. (Beifall.) Stadtv. Marggraff(Soz.-Fortschr.) erklärt sich ebenfalls für das bisherige Verfahren. Stadtv. Borgmann: Wir konnten mit dem Antrage nicht früher kommen, da wir nicht früher von der Ausschreibung wußten. Stadtv. Dinse(N. L.) begreift auch nicht, wie der Magistrat zu dieser Verschlechterung kommt, tritt dem Antrage Borgmann bei und erweitert ihn dahin, auch die frühere Wahlzeit der I. Abteilnug aufrecht zu erhalten. Stadtv. Jacobi(A. L.) schließt sich dem Antrage Dinse an. (Beifall.) Stadtv. Cassel bleibt dabei, daß von diesem Antrage den Fraktionen vorher hätte Kenntnis gegeben werden müssen. Stadtv. Singer: Die Fraktion des Herrn Cassel behandelt uns auch ihrerseits nicht so freundlich, uns von ihren Anträgen Kenntnis zu geben. Stadtv. Cassel: Dieser Antrag stand nicht auf der Tages- Ordnung; wir wußten also gar nichts von ihm. Wenn sie uns nicht mitgeteilt werden, würde nichts übrig bleiben, als die Diskussion zu vertagen. Nachdem Stadtv. Borgmann im Schlußwort gegen diese Drohung protestiert und event. Vergeltung mit gleicher Münze in Aussicht gestellt hat, wird der Antrag mit großer Mehrheit an- genommen. Schluß Vzll Uhr._ Hub Industrie und Kandel. Der preußische Fiskus als Großaktionär und die Nnternchmerfchnierzen der Kohlenindustricllen. Vor einigen Tagen kündete die„Frankfurter Zeitung" an, daß das nationalliberale Juwel im Strahlenkranze des Ministeriums, Handelsminister Möller, auch nach dem Ausfall der letzten General- Versammlung der Hibernia noch fest entschlossen sei, der Dresdner Bank die von ihr aufgekauften Hibernia-Aitien abzunehmen, und deshalb die Negierung schon in allernächster Zeit an den preußischen Landtag eine entsprechende Geldforderung richten werde. Die Nach- richt ist von einigen Blättern bezweifelt worden, vielleicht weil ihnen die preußische Regierung in der Rolle des Groß- aktionärs einer Aktiengesellschaft doch allzu kurios vor- kam. Und tatsächlich ist eine Regierung, die sich von der Volks- Vertretung Gelder erbittet, um diese in Aktien einer privaten Gesell- schaft anzulegen, bisher in der Staatengeschichte ein höchst eigen- artiges Unikum. Dennoch behauptet die„Frankfurter Zeitung", es sei nicht daran zu zweifeln, daß die Regierung die Hibernia-Aktien der Dresdner Bank zu übernehmen gedenkt. Schon in kürzester Frist werde dem Landtage eine hierauf bezügliche Vorlage zugehen, und zwar wolle der Fiskus die Aktien zum Kurse von 240 Proz. mit 5 Proz. Kommissionsgebühr für die Dresdner Bank, also zum Satz von 245 Proz. übernehmen. Die Sitzung des preußischen Abgeordnetenhauses, in der diese Vorlage zur Beratung kommen wird, dürfte hochinteressant werden. Zwar ist bei der eigenartigen Zusammensetzung des preußischen Dreiklassenparlaments wohl kaum darauf zu rechnen, daß eine Ab- lehnung der Vorlage erfolgt; aber hoffentlich wird die Genialität der Exzellenz Möller in der Debatte richtig gewürdigt. Allerdings noch seltsamer als die Rolle der Regierung ist die, welche die rheinische Kohlen- und Hüttenindustrie in der Verstaat- lichungs-Komödie spielt. Die pathetischen Deklamationen, mit denen sie gegen die Verletzung der Grundlagen„unseres" auf„dem Prinzip . des anerkannten und geschützten Privateigentums und der Jndividual- Wirtschaft aufgebauten" Staatswesens zu Felde zieht, zwingen Wider Willen zum Lachen, zumal wenn man mit den Redensarten vom freien Walte» der Kräfte die Praktiken der großen Syndikate der Montanindustrie vergleicht. Die neueste Leistung auf diesem Gebiete der unfreiwilligen Komik ist folgende Petition, die von der Vereinigung der Handelskammern des niederrheinisch- westfälischen Jndustriebezirks, umfassend die Handelskammern zu Essen, Bochum, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf, Mülheim(Ruhr)- Oberhausen. Osnabrück und Ruhrort, unterm 1. d. M. an die beiden Häuser des preußischen Landtages gerichtet worden ist: „Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß der von der könig- lichen Staatsregierung geplante Ankauf der Bergwerks- Gesellschaft Hibernia die Verstaatlichung weiterer Kohlengruben, auch gegen den Willen der derzeitigen Regierung, zur Folge haben wird, und im Hinblick darauf, daß eine auch nur überwiegende Verstaatlichung des Bergbaues aus politischen, wirtschaftlichen und sozialen Gründen auf das nachdrücklichste bekämpft werden muß. richtet die Vereinigung von Handelskammern des niederrheinisch-westfälischen Jndustriebezirks an die beiden Häuser des preußischen Landtages die dringende Bitte. jedem auf einen Ankauf von Bergwerken des hiesigen Bezirks ge- richteten Vorgehen der Staatsregierung die Zustimmung zu ver- sagen." Zur Begründung dieser Petttion wird ausgeführt, daß durch die Verstaatlichung der Hibernia sich der Bergbau(soll heißen die Kohlenmagnaten und die mit ihnen koalierte Bankfinanz) sehr beunruhigt fühle, daß durch sie„die gedeihliche Weiterentwickelung der industriellen Tätigkeit auf dem Weltmarkt"(was dieser Ausdruck besagen soll, vermögen wir als gewöhnliche Sterbliche nicht zu ent- decken) in Frage gestellt würde, und daß nach der Verstaatlichung der Hibernia die Regierung leicht zu weiteren Verstaatlichungs- versuchen gedrängt werden könnte uslv. Auch die Besorgtheit um das Einkommen und die Unabhängigkeit der Arbeiter fehlen unter den„Gründen" nicht; so heißt es beispielsweise in dem Schriftstück: „Die Verstaatlichung des Bergbaues liegt auch nicht im Interesse der Arbeiter- und Beamtenschaft. Die Einkommensverhältnisse der Bergarbeiter im Rllhrkohlenrevier sind günstiger als in allen anderen Revieren. In der sozialen Fürsorge für die Arbeiter dürfen die Privatzechen angesichts ihrer Leistungen auf dem Gebiet des Wohnungswesens, der Unterstützungskassen u. a. m. den Vergleich mit staatlichen Betrieben ganz gewiß nicht scheuen. Wir bezweifeln auch, ob der einzelne Bergmann bei seinem stark entwickelten Un- abhängigkeitsgefühl den zentralisierten staatlichen Bergbau dem zersplitterten Privatbesitz vorziehen möchte." Neben diesen und einigen anderen gleichwertigen Gründen findet man in der Petition jedoch auch mehrere gegen den fiskalischen Bergwerksbetrieb gerichtete nette Bosheiten, so daß man, wenn nicht aus anderen Teilen des Schriftstücks eine so belustigende Unternehmer- Naivetät spräche, fast zu dem Schluß konnnen könnte, einer der Ver- fasser sei ein kleiner Schalk, der die Gelegenheit benutze, den Herren am Regierungstisch einige niedliche Sottisen zu sagen. Betreffs der offiziösen Behauptung, die Regierung suche einen Einfluß auf die Preisstellung im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier zu gewinnen, heißt es z. B.: „Auch jetzt noch wird diese beabsichtigte preisregulierende Tätigkeit' des Fiskus von feiten der Kohlenindustrie nicht im mindesten gefürchtet, da nicht zu erlvarten steht, daß die Ansprüche des Fiskus an' die Höhe des Ertrages seiner Zechen unter- halb derjenigen Grenze sich befinde» könnten, welche die maßvolle Preispolitik des Kohkensyndikats als den Marktverhältnifien und Selbstkosten entsprechend erachten würde. Der Eintritt des Fiskus in den hiesigen Bergbau wurde sogar willkommen geheißen, auch aus dem Grunde, weil man es für erwünscht hielt, daß der Staat an seinem eigenen Leibe erführe, wie seine Verfügungen in der Praxis wirkten. Man sagte sich, daß der Staat als Unternehmer unter Umständen einen wirksamen Schutz gegen den Staat als Berg- Polizei abgeben könnte." Berliner Maschiucnvau-Aktiengesellschaft vorm. L. Schwartzkopff. Obgleich der Umsatz im letzten Geschäftsjahr um ungefähr 1200 000 Mark hinter dem des voraufgegangenen Geschäftsjahres zurückgeblieben ist, stellt sich der Reingewinn ebenso hoch— 1 183 799 gegen 1187 044 Mark—, so daß wieder 10 Proz. Dividende zur Verteilung gelangen. Die Aussichten für das nächste Geschäftsjahr sind nach dem Bericht recht günstig.„Für unsere sämtlichen Abteilungen", heißt es darin,„liegen an Aufträgen, einschließlich der aus dem Vorjahre herübergenommenen unerledigten Bestellungen, gegenwärtig rund 8 250 000 Mark vor, so daß in Berücksichtigung der zu erwartenden laufenden Bestellungen und der bevorstehenden Lokomotivvergebung der preußischen Staatseisenbahnverwaltung wir auch für das gegen- wärtige Geschäftsjahr auf ein ähnliches befriedigendes Ergebnis hoffen." Kohlcnlagcr-Brände. Jin Ruhrorter Hafen brennen gegenwärtig, wie die„National-Zeitung" meldet, das Kohlenlager der Firma Niefeld mit einem Inhalt von ca. 50 000 Zentner, wovon 20 000 Zentner verloren sind, ferner der Zeche Rheinpreußen, wovon 10 000 Zentner verloren sind, außerdem das Lager der Firma Dick- mann u. Müller mit etwa 30 Doppelwagen Magerkohlen. Die Hambiirg-Amcrika-Linie dehnt ihre Flotte mächtig aus. Der Werft von Seebeck in Bremerhaven und den Howaldtwerken in 5liel ist je ein Dampfer in Auftrag gegeben. Hierzu kommen eine ganze Anzahl anderer Werften, wo ebenfalls für die Gesellschaft Dampfer erbaut werden, und zwar auf der Vulkan-Werft in Stettin und bei Harland u. Wolff in Belfast die beiden Riesendampfer„Kaiserin Auguste Viktoria" von etwa 25 000 Brutto- Registertons und „Amerika" von 22 500 Brutto-Registertons. Sie sollen nach Fertig- stellung in die New Aorker Linie eingestellt werden. Bei der Bremer Vulkan-Werft sind drei Dampfer in Austrag gegeben, welche die Namen„Rhenania",„Rhaetia" und„Rugia" erhalten werden. Es werden diese Schiffe von 5900 Brutto- Registertons in die Ostasiatische Fahrt eingestellt werden. Für den Truppentransport befindet sich auf der Germania-Werst in Kiel ein Dampfer im Bau, der den Namen„Borussia" erhalten soll. Ein Schiff von 7500 Tons. Die Wersten von Blohm u. Voß, die Reiherstieg-Scksiffswerft und Maschinenfabrik und die Werft der Flensburger Schiffbaugesellschaft haben je einen Dampfer im Bau und außerdem werden auf der Germania-Werst in Kiel und auf der Werst von Fairfield in Glasgow die Dampfer„Wittelsbach" und„Fürst Bismarck" von je 3800 Tons erbaut. Die Flotte der Hamburg-Amerika-Linie wird um flinfzehn Dampfer erhöht mit einer Gesamttonnage von 117 850 Brutto- Registertons. Die Gesellschaft wird mit den genannten Schiffen eine Zahl von 141 Seeschiffen besitzen mit insgesamt 711 856 Brutto- Registertons. Japanische Finanzen. Wie Rußland befindet sich auch Japan in einer Finanzklemme. In dem neuen Budget für 1905 werden die Kriegskosten auf 770 Millionen Den(1 Den— ca. 2 Mark) veranschlagt. Aufgebracht werden sollen davon 90 Millionen|)en durch Sleuererhöhungen und 70 Millionen Den durch Aufschub öffentlicher Arbeiten. Der Rest von 610 Millionen Den bleibt durch Anleihen aufzubringen, wovon man den größten Teil im Jnlande plazieren zu können hofft. Wie erinnerlich, ist Japan bereits im laufenden Jahre viermal an den Geldmarkt herangetreten, einmal durch die englisch-amerikanische Anleihe von 10 Millionen Pfund Sterling im Mai und dreinial durch innere Anleihen von 100, 100 und 80 Millionen Ven im Mai, Juni und September. Seine Staatsschuld, die am 31. März 1904 auf 564,92 Millionen Den sich belief, ist dadurch bereits auf 945 Millionen Den angewachsen. Sie würde sich durch die Ausfiihrung des neuen Kriegsbudgets auf 1555 Millionen Den erhöhen._ Berliner partei-Hngelegenbeiten. Achtung! Den Parteigenossen und Genossinnen zur Nachricht, daß am Dienstag, den 15. November, abends 8 Uhr, in atten Berliner Kreisen öffentliche Versamm- l u n g e n stattfinden. Tagesordnung: Bericht der Ver- trauenslcute und Ncutoahl derselben. Zu recht zahl- reichem Besuch laden ein Die Vertrauensleute Berlins. Genossinnen, Genossen! Am Dienstag, den 8. November, findet im Moabiter Gesellschaftshaus, Wiclefftrahe, eine Volksversammlung statt. Näheres durch spätere Annoncen. Die Verttauensperson. Charlottenburg. Am Montag, den_ 7. November, abends pünktlich 9 Uhr, beginnt Dr. Konrad Schmidt im Volks- Hause einen Zyklus von wissenschaftlichen Vorttägen mit an- schließender Diskussion, durch welche die Hörer in die Volkswirt- chaftlichen Anschauungen des Sozialismus eingeführt werden sollen. Der Besuch dieser Vorträge, die im November und Dezember an jedem Montag stattfinden werden, steht unentgeltlich jeder- mann, auch weiblichen Personen, frei. Spandau. Mit Rücksicht auf den Bußtag findet der Zahl- abend für alle Bezirke bereits am Mittwoch, den 9. November, Tegel. Montag abend 9 Uhr findet eine Volksversamm- l u n g in Trapps Festsälen statt, in welcher Genossin Baader über „Die Frau und die herrschende Klasse" spricht. Handzettelverteilung Sonntag früh. Borsigwalde. Sonntag nachmittag 4 Uhr findet im Lokal von Kube eine Volksversammlung statt, in welcher Genossin Ihrer- Pankow über„Die Frau und der Sozialismus" spricht. Handzettelverbreitung Sonnabend abend. Waidmannslust. Die Mitgliederversammlung dcS Wahlvereins !t am Sonnabend 9 Uhr im Forsthaus in Hermsdorf statt. Herr Mas pfuhl spricht über„Die Verrusserklärung der ländlichen Ar- beiter". Lokales. Ans der Stadtverordnetcn-Bersammlnng. Auf der Tagesordnung der gesttigen Sitzung der Stadtverordneten standen nicht weniger als vier Anträge, die von der sozial- demokratischen Fraktion eingebracht waren. Der vierte Antrag wurde als dringlich erst im letzten Augenblick eingefügt. Dafür wurde dann ein anderes wegen vorgerückter Zeit abgesetzt. Der Antrag, der vom Magisttat eine schnellere Fertigstellung des OrtSstatuts für das Kauf mannSgericht fordert, war schon vierzehn Tage alt, aber ein paarmal hatte man die Beratung vertagt. Gestern begründete unser Genosse H i n tz e den Wunsch nach größerer Eile mit dem Hinweis auf andere Städte, die mit ihrem Statut bereits fertig seien, und rügte die Lang- amkeit, mit der der Berliner Magistrat diese Sache betrieben habe. Im Anschluß daran ttug Hintze eine Reihe von Wünschen vor, die zum Ortsstatut aus Gehülfentteisen laut geworden sind: Verlegung der Wahl auf einen Sonntag, Ein- ührung der Gebührenfteiheit usw. Oberbürgermeister K i r s ch n e r erklärte, man arbeite am Statut, aber unmöglich sei es. so zeitig fertig zu werden, daß das KaufmannSgsricht nach dem Wunsche der Antragsteller am 1. Januar 1905 seine Tätigkeit beginnen könne. Der sozialdemokratische Redner hatte darauf hingewiesen, daß ja inzwischen einiges über die Arbeiten des Magisttats bekannt geworden sei. Herr Kirschner versicherte hierzu, der Magistrat sei nicht erst durch den Anttag zur Eile angetrieben worden. Für die Verspätung fand er kein Wort des Bedauerns. Seien die Handlungsgehülfen, sagte er, bisher mit der gewöhnlichen Recht- sprechung ausgekommen, so würden sie es wohl noch länger aus- halten. Herr Kirschner ist wohl kein Freund der Kaufmannsgerichte? Genosse Singer deutete die Worte des Oberbürgermeisters in diesem Sinne. Den heimlichen„Fleiß", mit dem der Magistrat am Statut gearbeitet haben soll, pries Singer. Herr Kirschner verstand, wie's gemeint war. Es blieb schließlich nur übrig, sich mit der oberbürgermeisterlichen Erklärung zu begnügen, daß an oin Ferttg- werden nicht zu denken ist, und den Antrag als erledigt zurückzu- ziehen. Auch der Anttag, der die Gefahren der Einfuhr des nur außerhalb untersuchten Fleisches betraf und Maß- nahmen hiergegen forderte, war schon vor vierzehn Tagen eingebracht worden. Genosse Hoffmann begründete ihn mit einem sehr um- fangreichen Material, das auf die U n z n v e r l ä s s i g k e i t aus- Wärtiger Untersuchungen ein recht bedenkliches Licht warf. Gegen das vom Ausland komniende Fleisch hat man, so ftihrte unser Redner aus, uns„geschützt", zur großen Befriedigung der Agrarier. Aber das Fleisch, das die Agrarier selöer liefern, soll die Bevölkerung essen, obwohl keine Sicherheit gegen Gesundheits» schädigung gegeben ist. Hoffmann empfahl Selb st hülfe. Das außerhalb untersuchte Fleisch müsse gesondert verkauft werden, und das Publikum möge es dann meiden. Seine Mabnung zur Einigkeit und zu- gemeinsamer Abwehr fand lebhaften Beifall fast bei allen Gruppen der Versammlung. Die Debatten, zunächst die Reden der Herren Nathan(Sov-F.)und Cassel(A. L.), ergaben volle Einmütigkeit. Oberbürgermeister K i r s ch n e r erklärte es für un- möglich, die durch die Bestimmungen des Fleischbeschaugesetzes ge- schaffenen Gefahren zu beseitigen. Die Bevölkerung müsse sich hier selber zu helfen suchen. Daß die Polizei besondere Maßregeln ergriffen habe, sei bisher nicht bekannt geworden. Die Rddner der„Neuen Linken" Goldschmidt und R o s e n o w fanden nur noch wenig Aufmerksamkeit. Goldschmidt wehrte sich heftig, aber erfolglos gegen Hoffmanns Bemerkung, daß die Freisinnigen nun von den Agrariern die Rute bekommen, die sie bei den Landtagswahlen haben binden helfen. Die Versamm» lung erklärte sich einstimmig ftir Einsetzung einer gemischten Deputation, die über Abwehrmaßrcgeln beraten soll. Der dringliche Antrag richtete sich gegen die vom Magistrat ver» fügte Beschränkung der Wahlzeit bei den Stadt» verordneten-Wahlen. Genosse Borgmann forderte Zurücknahme dieser Verfügung, die vielen Arbeitern die Beteiligung an der Wahl unmöglich macht. Stadtrat Böhm meinte, man müsse doch auch auf die Wahlvorstände Rücksicht nehmen, die sonst zu spät nach Hause kommen würden. Gegen diese klassische Begründung wandte sich Borgmann unter großer Unruhe der Versammlung. Nachher kam Herr Dinse(Neue Linke) auf die Idee, man solle die Beschränkung für die 3. Abteilung wieder aufheben, aber auch für die 1. Abteilung, die gleichfalls eine Ersatzwahl vorzunehmen hat. Das fand dann den Beifall selbst des Herrn I a k o b i, und man beschloß so. Der Magistrat wird sich hoffentlich nun auch nicht länger dagegen sperren. In geheimer Sitzung beschloß man Einsetzung einer gemischten Devutation. die dem Kronprinzen ein Hochzeits» g e s ch e n k aussuchen soll. Von unserem Genossen Singer wurde dagegen gesprochen, aber die freisinnige Mehrheit wollte sich in ihrem Schenkcifcr nicht stören lassen. Soll ja jetzt„Geld genug" im Stadtsäckel sein! Da darf man sich die Loyalität schon etwas kosten lassen._ HandliingSgehülfen dünken sich etwas Besseres zu sein als Arbeiter. Es beleidigt sie noch vielfach, wenn fie. die Angehörigen des Kaufinannsstandes, dem Proletariat zugerechnet werden. Und doch werden gerade die Angestellten der Kaufmannsgeschästc von ihren Prinzipalen zum Teil mit einer Nichtachtung behandelt, die ein Arbeiter sich nimmermehr gefallen läßt. Als Beispiel eines Hals- abschneider-Vertrags veröffentlicht das HandlungSgehlllfen- Blatt die Bedingungen, welche die Firma I. G. Simon in der Reinickendorfer- straße 8 für ihre Angestellten festsetzt: „Ich erkläre Ihnen hiermit ausdrücklich, daß ich für die Zeit. wo ich im Geschäft nicht tätig bin, sei es auch wegen Krankheit oder sonstigem unverschuldeten Unglück, auf Gehalt ver» z i ch t e.... Sollte ich länger als acht Tage krank sein, to gilt das Engagemeittsverhälttns(von meiner Seite) als aufgelöst, unter Verzichtleistung auf jede Entschädigung. Es steht Ihnen frei, mich in jedem Ihrer Geschäfts gleich wo zu beschäftigen und habe ich sofort ohne sonstige Ent- schädigung Ihrem Wunsche Folge zu leisten, andernfalls haben Sie das Recht, mich sofort zu entlassen und ich verzichte dann auf jeden Anspruch auf Gehalt usw. Mündliche Ver« einbarungen haben keine Gülttgkeit, sondern nur die schriftlich ver» einbarten Bedingungen. Die Geschäftszeit dauert, solange das Geschäft geöffnet sein darf. Beim Fehlen aus dem Geschäft verpflichte mich, innerhalb fünf Stunden ein ärztliches Attest einzusenden, andernfalls Sie berechttgt sein sollen, sofortige Entlassung, wenn nicht andere wichttge Gründe vorliegen, ohne weitere Ansprüche geltend machen zu können, stattfinden zu lassen. Komme ich im Monat mehr als viernral zu spät, so hat dies meine soforttge Entlassung wegen Ungehorsam, ohne irgend welche Ansprüche machen zu können, zur Folge. Verlassen des angewiesenen Lagers resp. Geschäftslokales ist ohne Erlaubnis verboten. Nichtbefolgung oder Nichtausführung eines vom Chef oder als dessen Vertreter vorgestellten Person gegebenen Befehles oder Auftrages hat meine soforttge Entlassung wegen Ungehorsam zur Folge, ohne sonst Anspruch irgend welcher Art zu haben. Bei soforttgcr Ent- l a s s u n g, ohne irgendwie weitere Ansprüche nehmen zu können. ist es mir strengstens verboten, mit der jeweiligen Kassiererin 'des Geschäfts in irgend welche Beziehungen zu treten, noch mit derselben auszugehen. Es wird hiermit ausdrücklich ver- einbart, falls ich oder Herr Simon mir die Stellung auf» gekündigt, es Herrn Simon überlassen bleibt, die Zeit zu b e st i in m e n, mich vorzustellen, und darf ich höchstens dreimal in der Woche zu diesem Zwecke jedesmal höchstens eine bis ändert- halb Stunden dem Geschäft fern bleiben, bei Zuwiderhandlung kann Herr Simon mich sofort entlassen, ohne daß ich An- spräche stellen kann. Herr Simon hat das Recht, mich sofort zu entlassen, wenn ich irgendwie mit entlassenem Personal des Geschäfts zusammenkomme oder verkehre, ohne daß ich sonst Gehaltsansprüche stellen darf. An sich ist dieser Halsabschneider-Verttag ja ungültig und wirkungslos, da er sich über die gesetzlichen Bestimmungen hinweg- setzt. Wenn die Angestellten des Herrn Simon sich an den Vertrag gebunden glauben, so ist daS ihre Schuld. Aber gerade wegen der dreisten Nichtachtung des Gesetzes sind die Praktiken des Herrn be- zeichnend für eine gewisse Unternehmersorte. Wüßten diese Prinzipals nicht, daß sie den Handlungsgehülfen alles Mögliche bieten, rhnen jegliche Erniedrigung zumuten können, so würden sie es nicht mit Kniffen wie den hier erwähnten versuchen. Erst wenn die Kaufmannsangestellten einsehen, daß sie nichts Besseres sind als A r b e i t e r und sich d e m e n t s p r e ch e ch e n d orgauisrere-r. wird das Unternehmertum im Verkehr mit ihnen allgemein zur Wahrung guter Sitte erzogen werden können. WaS gleicht wohl auf Erden dem Jägervergniigen? Ms Nach- feier zu den Denkmalsenthülluugen war Mittwoch abend im Opern- Hause NtreKtrs pare. Der„Freischütz" wurde gegeben. Die geladenen Gäste trugen, soweit sie dazu ein Recht hatten, Jagd- kleidung, der Kaiser erschien in der Uniform der Garde- schützen. Das Foyer war mit Tannen geschmückt; außerdem hatte die Firma Lohse das Theater mit Tannenduft parfümiert. „Vom„Tüeätrs pare", so schreibt die„Freis. Ztg.", wissen die meisten, wie es scheint, weiter nichts, als daß während und nach den Akten nicht geklatscht werden darf. Daß diese Galavorstellungen auch an die Garderobe der Besucher gewisse Anforderungen stellen, wollen einige selbst dann nicht glauben, wenn sie es gedruckt lesen. Bei dem letzten„TüeKtrs pare" am Mittwoch wurden die Vorschriften über die Toilette nun besonders streng gehandhabt, und dies war auch dem Publikum, abgesehen von den Bemerkungen auf den Anzeigen und den Anschlägen im Theater, in einem besonderen Vermerk auf den Billetts kundgegeben worden. Trotzdem gab es am Mittwoch eine ungemein große Zahl von Damen, die der Vorschrift zuwider im geschlossenen Kleide in das Parkett hineinzugehen versuchten und sehr erregt wurden, als die Theaterdiener ihnen den Weg ver- sperrten. Viele begaben sich e n t r ü st e t nach Hause, andere nahmen das Anerbieten der Verwaltung an und vertauschten ihre Parkettbillets mit denen der höheren Ränge, für die ein Toiletten- zwang nicht bestand. Noch andere verwandelten knrz entschlossen mit Hülfe der Garderobenfrauen, die sich auf diesen Fall schon mit Schere, Nadel und Faden eingerichtet hatten, ihre hochgeschlossenen Kleider dadurch in ausgeschnittene, daß sie den Kragen entfernten oder umklappten und in den Stoff der Taille einen kleinen Einschnitt machten. Schön sah das gewiß nicht aus; aber auch die, welche von vornherein ausgeschnitten erschienen waren, hatten durchaus nicht alle.courfähige" Gewänder an. Manche Damen hatten den Bestimmungen dadurch Genüge zu leisten geglaubt, daß sie ein Sommerfähnchen angelegt hatten, welches zufällig den Hals frei ließ." Auffällig war die Aufdringlichkeit, mit der die Gäste des Opern- Hauses das Kaiserpaar in den Pausen zwischen den Ver- Wandlungen unverwandt m u st e r t e n. Da der Monarch und seine Gemahlin in der großen Hofloge Platz genommen hatten, so fiel dieses Anstarren umsomehr auf, als nun fast das ganze Parkett das Gesicht fortwährend auf dem Rücken hatte und mit oder ohne Opernglas in die Loge hineinguckte. Selbst für solche, deren höchste Lebensaufgabe es ist, sich von der gewöhnlichen Menschheit ehrfurchtsvoll bewundern zu lassen. muß schließ- lich diese ungenierte Besichtigung peinlich werden, und daher kam es denn auch, daß in der Pause vor der Wolfsschlucht-Szene, nachdem der Kaiser einige Worte mit dem Generalintendanten ge- sprachen und dieser aus einen Augenblick aus der Loge heraus- gegangen war. sich das ganze Haus plötzlich in tiefes Dunkel hüllte. Geholfen hat das freilich auch nicht viel. Unsere Leser, von denen schwerlich einer dabei gewesen sein wird, haben gewiß auch an der B e s ch r e i b u n g der Galavorstellung ihre Freude. Ernst Brausewrtters Begräbnis. Das war im Sprühregen des Novembertages ein trostloses Leichenbegängnis. Einen Proletarier der Feder trug man zu Grabe. Vor dem Eingang zum Zwölf- Apostelkirchhos in Schöneberg hielten die drei vorschriftsmäßigen Leichenwagen des Vereins Presse, dem der Verstorbene an- gehört hatte. Ehre jeder nassen Stirn Hintern Pfluge, doch auch dessen, Der mit Schädel und mit Hirn Hungernd pflügt, sei nicht vergessen! Man schien Ernst Brausewetter aber doch vergeffen zu haben. Kaum ein Berufsgenosse folgte seinem Sarge, und zur Feier in der Leichenhalle hatten sich fast nur Frauen aus der Verwandtschast des Toten versammelt. Es war diesem Schriftsteller bei Lebzeiten wohl nicht eigen gewesen, sich mit seiner Person hervorzudrängen. Auch hatte ihn das Unglück. in der letzten Zeit seines Lebens so hart gepackt, daß ihm kaum Kraft blieb, sich mit der Welt zu befassen. Sein Weib ist seit ihrem ersten und einzigen Wochenbette leidend und kann fast keinen Schritt aus dem Hause wn. Aber eine Tochter blühte dem Ehepaar, ein bildhübsches Kind, die Freude und der Stolz des Vaters. Zu Beginn dieses Jahres brachte Erna eine Erkältung nach Hause; vierzehn Tage später lag das Mädchen auf dem Kirchhof. Seit dem Tode der Tochter waren auch die Tage des Vaters gezählt. Ein Gemütsleiden umdüsterte seine Seele und warf ihn nach zehn Monaten gräßlicher Oual ins Grab. Die Freunde von ehedem, die Genossen lustiger Tage mochten ihn und sein trauriges Heim mittlerweile vergessen haben; ein schlimmes, aber im Lauf der Welt begründetes Geschick. In der Leickienhalle spendete der Pastor seinen Trost und sangen einige Sänger ein kurzes Grabliev. ES fröstelte einem bei der Feier trotz der warmen Worte des Geistlichen. Aber doch war das Andenken des Toten auch außerhalb der Verwandtschaft lebendig. An der Tür der Halle stand ein schmächtiger Proletarierjunge und weinte bitterliche Tränen als der Pastor sprach. Auf dem Wege zum Grabe antwortete der Knabe schüchtern, daß er nicht zur Familie des Verstorbenen gehöre; er wäre der kleinen Erna nur ein Spielkamerad gewesen. Nun sei ihr Vater auch tot! In der gestrigen Sitzung der städtischen Markthallen-Dcputation unter dem Vorsitz des Stadttats Schäfer wurde angeregt, zu den Anträgen und Beschlüssen zum neuen Fleischbeschau-Gesetz Stellung !u nehmen. Es lvurde u. a. beschlossen, allen Schlächtern in den tädtischen Markthallen, die in dorttgen Ständen Fleisch feilbieten, das hier in Berlin von beamteten Tierärzten untersucht worden ist oder die städttsche Untersuchungsstatton passiert hat, zu gestatten, durch Anbringung von entsprechenden Plakaten das Publikum auf die hier erfolgte Untersuchung des Fleisches aufmerksam zu machen. Die Hausfrauen werden dadurch in die Lage versetzt, zwischen dem hier und außerhalb untersuchten Fleisch wählen zu können, so daß sie sich vor minderwertigem oder mangelhast untersuchtem Fleisch schützen können. Um die Gültigkeit einer Berliner Polizeiverordnnng wurde an- läßlich eines Strafverfahrens gegen den Stätteplatzpächter Crohn gestritten. Diese aus dem Jahre 1884 stammende Polizei- Verordnung bestimmt, daß auf Lagerplätzen eine feste Fahrbahn sein müsse, die von der Abfahrtstelle auf dem Stätteplatz bis zur Straße führe. Eine solche Fahrbahn befand sich nicht auf dem Lagerplatz, den Angeklagter an der Stralauer Allee gepachtet hat. Bon dem Platz wurden öfter Steine abgefahren, welche Schiffer dort landeten. Wegen Nichtanlegung einer festen Fahrbahn wurde C. in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Kammergericht verwarf seine Revision und erklärte im Gegensatz' zu seinen Darlegungen die Polizeiverordnung für gülttg. Begründend wurde ausgeführt: Den ersten Anlaß zur Ver- ordmmg möge ja der Tierschutz gegeben haben. Man habe sich darüber geärgert, daß die Tiere, die von den Lagerplätzen auf losem Untergrund schwere Wagen nach der Straße schleppten, sich so quälen mußten. Aver auch Gründe des öffentlichen Ver- kehr? lägen vor. und diese seien geeignet, die Verordnung zu stützen. Es sei bekannt, daß die von den Lagerplätzen kommenden Fuhrwerke, wenn sie nicht einen bequemen Zuweg zur Straße vor- fänden, als Verkehrshindernis wirtten. Somit sei die Gültigkeit der Verordnung herzuleiten aus dem PolizeiverwaltungS-Gesetz. wonach zm den Gegenständen von Polizeivorschriften auch die Ordnung. Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf öffentlichen Straßen gehöre. Ucficr 1800 Strafbescheide wegen nicht rechtzeitiger oder unter- bliebener Verwendung von Markenbeiträgen wurden seit Beginn dieses Jahres bis zum 1. Oktober 1904 gegen säumige Berliner Arbeitgeber erlassen— gegen 1728 im ganzen Vorjahre(1903). Es sei noch besonders darauf auftnerksam gemacht, daß das Unterlassen der Beibringung von Jnvaliditäts-Markenbeiträgen für unständige Arbeiter und Arbeiterinnen, wie Reinmachefrauen, Aufwärterinnen, Hausnäherinnen. Tagarbeiter u. dgl. ebenfalls st r a f b a r ist. Der Markenerlös der Landesversicherungs-Anstalt Berlin betrug in den ersten neun Monaten des vorigen Jahres 6 717S34 M. und in diesem Jahre schon 6 258 860 M. oder 541 276 M. mehr als im vorigen Jahre. Noch in keinem Jahre hat die Anstalt eine solche Einnahme gehabt. Die neu erhobenen Jnvalidcnrentcn-Anträge der Landes-Ver- sicherungsanstalt Berlin sind in den drei Vierteljahren von 1904 gegen die gleiche Zeit des Vorjahres von 4830 auf 4358 gestiegen, sie haben sich um 0,6 Proz. vermehrt. Die Zahl der Renteneingänge ist nur um 0,8 Proz. gewachsen. Der Bau der Unterpstnstcr- Bahnstrecke Knie— Wilhclmsplatz in Charlottenburg ist jetzt soweit vorbereitet, daß die Beton-Misch- Maschinen haben aufgestellt werden können, um das Fundamen- tieruugsmaterial, von dem täglich große Mengen gebraucht werden, zuzubereiten. Diese Mischmaschinen werden elektrisch bettieben, den Strom liefert das Kraftwerk der Hochbahn, an dessen Kabel die Aktten-Gesellschaft Siemens u. Halske die Zuleitungen der Maschinen hat anschließen lassen. Die jetzt in Angriff genommene Baugrube, deren Länge 430 Meter beträgt, wird in ihrer ganzen Ausdehnung mit einer 20 Zentimeter starken Betonschicht von 8>/z Meter Breite abgedeckt; es ist dies die sogenannte Dichtungsunterlage, welche das Grundwasser von der Sohle des Tunnels fernzuhalten bestimmt ist. Ans dieser Dichtungsschicht wird dann später der eigentliche Tunnel- körper fundiert. Für die Betonierung dieser Strecke, mit der gegen- wärtig begonnen wird, sind nicht weniger als neuntausend Kubikmeter Beton erforderlich, die Rammarbeiten sind inzwischen beendigt, nicht so die Ausichachtung, welche nur langsam vonstatten geht, da man es hier mit einem schweren und zähen Tonboden (Lette) zu tun hat. Auf der Baustelle sind mehrere hundert Arbeiter beschäftigt. Marmelade. Ans welchen Bestandteilen mitunter die Obstmarmeladen bestehen, lehrte eine Verhandlung, welche dieser Tage vor dem Charlottenburger Schöffengericht stattfand, vor dem sich der Kaufmann Emil Guttmann, Inhaber einer Marineladenfabrik in Werder a. H., wegen Nahrungsmittelverfälschung zu verantworten hatte. Mit ihm waren vier Charlottenburger Kaufleute, welche die Marmelade von ihm bezogen hatten, angeklagt. Es wurde fest- gestellt, daß die Guttmannsche Marmelade nur aus 25 Proz. Obstsorten bestand, während 75 Proz. Stärkesyrup darin enthalten war. Um diesem Mischmasch ein leidliches Ansehen zu geben, hatte es der Fabrikant mit Konditorrot gefärbt. Die vier Charlottenburger Kauf- leute, welche im Vertrauen auf die Reellität der Ware diese verkauft hatten, wurden freigesprochen, Guttmann aber zu 50 M. Geldstrafe, event. fünf Tagen Gefängnis verurteilt. Ein neuer Fall von Psckenverdacht beschäftigt die Sanitätspolizei. Ein russischer Kaufmann, der nach einem Nordseebad reisen wollte, erkrankte auf dem Bahnhof und suchte bei seiner Ankunft in Berlin einen Arzt auf. Dieser veranlaßt« ihn, sich wegen Pocken- verdachtes nach der Ouarantänebaracke der Charitä zu begeben. Hier ist die Untersuchung über die Art der Krankheit noch nicht ab- geschlossen, es scheint aber, daß es sich nur um Windpocken handelt. Die Sanitätskommission des Polizeipräsidiums, die von dem Ver- dacht in Kenntnis gesetzt wurde, ordnete ebenso wix das Krankenhaus alle erforderlichen Vorbeugungsmatzregeln an. Nachspiel zur Saudcn-Affäre. Das Reichsgericht hat in einem Prozesse gegen den früheren Bankdirektor Kommerzieurat Eduard Sauden jetzt das letzte Wort gesprochen. Die Aktiengesellschaft für „Grundbesitz und Hypothekenverkehr" in Berlin lag mit Kommerzien- rat Sanden, welcher bekanntlich zu sechs Jahren Gefängnis und 15 000 M. Geldstrafe verurteilt war, in Streit wegen eines Objetts in Höhe von 2 100 000 M. Sanden bestritt die Gültigkeit eines wegen dieses Objekts im August 1901 abgeschlossenen Vergleiches, indem er geltend machte, daß er zu dessen Abschluß unter den Voraussetzungen des§ 123 B.-G.-B.(arglistige Täuschung) bestimmt worden sei. Die Aktiengesellschaft erhob Klage, welche vom Land- gericht Berlin zugunsten der Klägerin entschieden wurde. Die von Sanden eingelegte Berufung hatte beim Kammergericht keinen Erfolg und der 7. Zivilsenat des Reichsgerichts hat die gegen das Benifungs- urteil eingelegte Revision auch zurückgewiesen. Das Urteil lautet also: daß der von Sanden mit der Klägerin im August 1901 ge- schlossene Vergleich rechtsbeständig ist, und insbesondere der An- fechtung ans Grund des§ 123 B.-G.-B nicht unterliegt. Wegen Raubes wurden die Arbeiter Wilhelm Kuczera und Johann Sarni festgenommen. Die beiden sahen in einer Schank- Wirtschaft in der Wollinerstraße, daß ein Fahrstuhlführer Suder aus Weißensee Geld und allerhand eingekaufte Sachen in einer Leder- tasche bei sich trug, und beschlossen, ihn zu berauben. Sie be- gleiteten den Ahnungslosen die Prenzlauer Allee hinunter nach seiner Heimat zu und als sie das unbebaute Gelände an der Prenzlauer Chaussee erreicht hatten, packte ihn einer an der Kehle, während ihn der andere durch einen Schlag auf den Kopf zu Boden streckte. Mit der Tasche, die u. a. 41 M. bares Geld enthielt, eilten die Räuber davon. Suder erholte sich bald wieder und rief um Hiilfe, bis die Polizei kam. Diese veranstaltete nun gleich eine Streife und fand zuerst Kuczera auf dem an Weißcnsee grenzenden Bahnhof an der Schönhauser Allee in einem leeren Güterwagen, der auf einem toten Geleise stand. Kuczera stellte sich als ob er schliefe und tat höchst erstaunt, als man ihn des Raubes beschuldigte. Als man aber die geraubte Tasche bei ihm im Wagen fand, half kein Ausreden mehr. Sarni, der nun ebenfalls gefunden und verhaftet wurde, gestand sofort. Einbrecher suchten gestern mittag den Arbeiter Anton Karzeck in der Goltzstraße 28 zu Schöneberg heim. Karzeck arbeitet auf einem Kohlenplatz in der Nähe seiner Wohnung. Als ihm seine Frau dorthin gesteni das Mittagessen gebracht hatte und nach Hause zurückkehrte, fand sie die Tür mit einem Dietrich geöffnet und die Behältnisse durchwühlt. Die Spitzbuben hatten eine goldene Uhr der Frau, den Trauring des Mannes, A. K. gezeichnet, seinen Militärpatz vom Bezirkskommando Schueidemühl, einen schwarzen Anzug und einen dunkelblauen Winterüberzieher von seinem Bruder, der bei ihm wohnt, sechs Bettbezüge mit dem Zeichen A. K. und ein Portemonnaie mit 2 M. 50 Pf. erbeutet. Sich und ihr Kind mit Leuchtgas zu vergiften versuchte gestern, Donnerstag, nachmittags, die 30 Jahre alte Frau des Polizeiwacht- Meisters Neugebauer aus der Admiralstt. 23. Frau Neugebauer kam vorgestern mit ihrem zwei Jahre alten Töchterchen nach der Jnselstt. 10 und mietete im vierten Stock eine Stube. Sie erzählte, daß sie sich von ihrem Manne gettennt habe, weil sie sich mit ihm nicht vertragen könne. Gestern nachmittag sah eine Frau aus dem Hause aus der Stube der Frau Neugebauer Gas ausftrömen. Der Hausverwalter öffnete mit einem Dietrich und fand die Frau in dem mit Gas dicht gefüllten Räume mit ihrem Kind in den Armen auf einem Feldstuhl liegen. Sie hatte den GaShahn geöffnet, Tür und Fenster verstopft und sich dann hingelegt, um den Tod zu erwarten. Mutter und Tochter hatten schon das Bewußtsein verloren. Die Revierpolizei ließ beide mit einer Droschke nach der Unfallstation in der Brüderstratze bringen, nachdem sie mit einem Sauerstoffapparat der Feuerwehr die erste Hilfe erhalten hatten. Von der Unfallstation wurden beide nach der Charitö gebracht. Zu der Angelegenheit in einer Charlottenburger Sporthalle, über die wir gestern berichteten, schreibt uns die Leitung dieses Instituts: Dem in dem Artikel erwähnten Gymnastiklehrer K. war die Sporthalle im vorigen Sonnner zur Verfügung gestellt worden. damit er dort die Turnjugend in den Sport der Nacktgymnastik unterrichte. Die Erlaubnis zur Benutzung der Halle wurde ihm von der Sporthallenverwaltung nach kurzer Zeit wieder entzogen, und erst später wurde der Verwaltung durch die Recherchen der Kriminal- Polizei Kenntnis gegeben von einer gegen K. gerichteten Anzeige. Diese war erfolgt auf bloße Vermutung eines unsittlichen Hinter- grundes. Ein besorgter Vater hegte diese Vermutung, dessen Sohn eine Aufforderung zur Teilnahme von K. erhalten hatte, aber nicht dagewesen ist. Von anderer Seite sind irgendivelche Verdächtigungen nie laut geworden. Fcuerbericht. Nur wenig Alarmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Donnerstag früh gegen 6 Uhr wurde sie nach der Wilhelmstr. 106 gerufen, weil dort in einem Keller Feuer ausgelommen war, das allerlei Gerümpel und Ver« Packungsmaterial ergriffen hatte. Die Gefahr konnte in kurzer Zeit beseitigt werden.— In der Kleinen Alexanderstr. 22 brannte eS abends im rechten Seitenflügel in einer Parterrewohnung. Bei Ankunft des ersten Löschzuges standen bereits Möbel, Kleidungsstücke, der Fußboden, die Balkenlage zc. in Flammen und hatte die Wehr über eine Stunde zu tun, um das Feuer vollständig zu löschen.— Einen Schornsteinbrand hatte zur selben Zeit der 19. Löschzug in der Kronenstr. 22 zu beobachten.— Außerdem wurde noch Donnerstag ein Sauerstoffapparat nach der Jnselstr. 10 verlangt, Ivo sich eine Frau Neugebauer mit ihrem dreijährigen Kinde durch Leuchtgas zu vergiften gesucht hatte. Der Apparat wurde mit Erfolg angewandt, denn es gelang, beide Personen ins Leben zurückzurufen, die dann schleunigst nach der Charite geschafft wurden. Zirkus Schumann hat sein Publikum mit einigen hübschen Novitäten überrascht. Ein Herr Franca Piper stellt sich als Banjo-Spieler vor. Der Amerikaner handhabt das Nigger-Jnstrument mit einziger Meisterschaft und entlockt ihm nicht allein auf normalem Wege, sondern auch in allen Jongleurkunststücken Melodien. Selten wird man einen Künstler treffen, der sich einer gleich sicheren Hand rühmen kann. Nicht minder verdienen die Leistungen der fliegenden Akrobaten„ M a r n o" Beachtung; diese Artisten werden die Sinne derer, die im Anblick von Waghalsigkeiten die reinste Freude empfinden, vollauf befriedigen. Die Hauptsache unter den Neuheiten ist aber jedenfalls der von der Munstedtschen Liliputaner- Gesellschaft dargestellte Miniatur- Zirkus. Die Truppe setzt sich aus fünf männlichen und drei weiblichen Zwergen zusammen. Es sind wohl nicht die schlechtesten Leute, die am Auf« treten von Abnormitäten keinen Gefallen finden. Die Anmut aber, mit der die kleinen Leute bei Schumann sich zeigen, läßt kein Miß- behagen aufkommen. Auf kleinen Pferden sowohl wie als Parterre- Akrobaten geben sich diese Zwerge als vortreffliche Arttsten; man glaubt Kinder, lebendige Puppen, vor sich zu haben, die ein er« götzliches Spiel aufführen. Alles in allem bietet Herr Schumann seinem Publikum in diesem Monat ein Programm, das den Freunden der Zirkuskünste aufs beste behagen wird. Im wiffenschaftlichcn Theater in der Taubenstraße wird der neue szenische und dekorativ ausgestattete Vortrag„Im Bannkreis der Jungfrau". Streifzüge durch die Berner Alpen, wegen baulicher Ver« änderungen auf der Bühne vorläufig nur noch Freitag, Sonnabend und Sonntag zur Darstellung gelangen. Die Vereinsvorstellungen an den Sonntagen werden davon nicht betroffen. Theater. Im Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater) wird heute Freitag abend das Lustspiel„Die Tyrannei der Tränen" von C. Haddon-Chambers zum erstenmal gegeben; morgen Sonnabend wird diese Vorstellung wiederholt. Im Schiller-Theater 17. (Friedrich Wilhelmstädtisches Theater) findet diesen Sonnabend eine Aufführung der Anzengruberschen Bauernkomödie„Die Kreuzel« schreiber" statt.— Im Thalia-Thearer muß der„Weiber» könig" am Totensonntag verstummen. Die Direktion hat für diesen Sonntag ein Gastspiel des Theaters desWcstens abgeschlossen. Zur Aufführung gelangt mit den beliebtesten Künstlern in den Haupt» rollen Verdis„Troubadour". Den Direktoren Kren und Schönfeld ist eS gelungen, das Opern-Ensemble des National« Theaters zu einem dreimaligen Gastspiel im Belle« Alliance-Theater zu gewinnen. Es werden zur Aufführung gelangen: Am 3. November„Der Wildschütz", am 10. November „Rigoletto" und am 12. November„Donna Juanita". Der Vor« verkauf für die drei Vorstellungen ist bereits eröffnet an der Theaterkasse sowohl wie an den bekannten Verkaufsstellen. Palast-Theater. Herr Professor Reinhold Begas, welcher das Protektorat über die internationalen Ringkämpfe auch in diesem Jahre übernommen hat. wohnte der gestrigen Vorstellung im Palast» Theater bei und folgte den ernsten Darbietungen der einzelnen Kämpfe mit größtem Interesse. Nach den, zwei Minuten dauernden Ringen zwischen Romanoff(Russe) und Gramer(Bayern) gelang es dem herkulischen Russen seinen Gegner auk den Boden zu drücken. Im zweiten Kampfe, welcher zehn Minuten währte, standen sich Spitzer(Köln) und Manzart(Belgien) gegenüber. Es war ein interessantes, mit Spannung versetztes Ringen und erntete der äußerst gewandte Spitzer durch seine geniale Ver- teidigung wiederholt den jubelnden Beifall des zahlreichen Publikums. Wenn er auch heut de», bedeutenderen Manzart den Sieg lassen muhte, so steht uns von Spitzer wohl noch manch schöner Kampf bevor. Als Dritte trafen sich Milchhaler(Nürnberg) und John Pohl-Abs II in einem 13 Minuten langen Kampf, der sich sür den Liebling des Publikums Pohl-Abs entschied. Es war ein ge« waltiges Ringen der beiden erstklassigen Känchen und der muskulöse Nürnberger wehrte sich mit großer Energie gegen die eisernen Um« armuugen seines Gegners, der ihn unter tosenden Jubel des Publikums in obiger Zeit auf den Teppich drückte. Als letztes Paar rangen Georg Lurich(Weltmeister) und Anton Ashner- München. Auch dieser Kampf bot Momente aufregender Art und ivar es eine Freude anzusehen, wie die beiden Ringer mit größter Anspannung aller Kräfte sich den Sieg streitig zu machen suchten, bis Georg Lurich seinen Gegner nach 3 Minuten harten Ringens mit großer Entschiedenheit niederdrückte. Eins ist sicher, wenn auch die Kämpse im Palast-Theater der theatralische» Posen und akrobatischen Piroetten entbehren, so haben sie im sportlichen Sinne ein um so höheres Interesse, denn man ringt ehrlich! Hue den Nachbarorten. Ein Bauunglück hat sich gestern nachmittag gegen 2 Uhr auf einem an, Hohenzollerndamm in Schmargendorf errichteten Neubau ereignet. Als auf der Rüstung der dritten Etage Steine ab« geladen wurden, stürzte sie plötzlich in sich zusammen und riß drei Leute vom Bau mit in die Tiefe. Der Maurer E. Diedrich konnte sich dadurch vor einer Verletzung schützen, daß er sich au einem Pfeiler anklammerte. Sein Bruder jedoch und der Steinttäger gl. Bitter aus Wilmersdorf erlitten lebensgefährliche Verletzungen. Besonders schlinim soll der Zustand des Maurers Diedrich sein, der erst eine Stunde nach dem Unfall im Krankenwagen ins Groß- Lichwrfelder KrciSkrankenhaus gebracht wurde. Der Steinttäger wurde nach seiner Wohnung gebracht. Ueber die Ursache deS Un- glücks steht noch nichts Näheres fest. Spandau. In der gemischten„Polizeikommission" der beiden städtischen Körperschaften wurde am Mittwoch durch den Oberbürgermeister über den Stand der Verstaatlichungsfrage Bericht erstattet. Danach hat dieses Projekt bei der Regierung noch keine greifbare Form angenommen, denn in den nächstjährigen preußischen Etat werden noch keine Mittel zur Uebernahme der hiesigen städtischen Polizei auf den Staat eingestellt werden. Eine längere Aussprache rief der Plan hervor, indessen vier Polizeiwachen an Stelle der jetzigen einzigen Wache ftir die Stadt zu errichten. Hierzu wäre nach einem Anschlage des Polizei» Inspektors die Neuanstellung von 36 Beamten und 1 Kommissar nötig, während der Oberbürgermeister bei knappster Besetzung der Wachen 1 Kommissar und 18 Beamte als neu anzustellen heraus- rechnet, wodurch sich die laufenden Ausgaben um 33 400 M. jährlich vermehren würden. Mit Rücksicht hierauf empfiehlt der Polizei« chef, die jetzigen Verhältnisse einstweilen unverändert zu lassen. Einzig der neue Stadtteil„Nonnendamm", welcher bis zum 1. April kommenden Jahres mit 200 Woh« nungen versehen sein wird, soll von diesem Zeitpunkt ab mit einer Wache versehen und deshalb drei Beamte n e u a n g e st e l l t werden. In der Diskussion wurde allgemein Klage über die schier unglaubliche Ueberbürdung der städtischen Polizei durch die Staatsbehörden, Berufsgenossenschaften w. erhoben; der Ober-Bürgermeister gebrauchte hierzu den sicherlich sehr zutreffenden Ausdruck, indem er die Polizei als„Mädchen für alles" hinstellte. Als Beispiele wurde auf die Unzahl oft niehr als unbedeutender Nachfragen seitens der Staatsanwalt- schaff, die bandwurmlangen und äußerst umfassenden Fragebogen " 1 Gerichts- Zeitung. Der Naturheilkundige Mistelsti. " " " Der der Berufsgenossenschaften, deren Beantwortung zuweilen übernatür- 1 Hygiene oder Profit" war der Titel eines Artifels, wegen dessen auf 4000 Stronen ermäßigt und der Rechtsanwalt der Frau v. Herbah liche Fähigkeiten voraussetze usw. usw. allseitig verwiesen. Sozial- Genoffe Baul Strunt als früherer Redakteur der Zeitung Die diese Summe hinterlegt hatte. demokratischerseits wurde auf die vollkommen überflüssige Ueber Sanitätswarte", Drgan des Zentralverbandes des Massages, Unschuldig verurteilt. Aus Treptow an der Rega wird bes wachung jeder auch der allerkleinsten Arbeiterversammlung verwiesen, Bade- und Krankenpflege- Bersonals Deutschlands, sich am 2. November richtet: Nach dreißig Jahren von der Anklage des Meineides freis und statt dessen die Verwendung der Beamten im Straßendienst ge- dieses Jahres vor der Abteilung 150 des Schöffengerichts zu ver- gesprochen wurde, nach der Stett. Abendp." der ehemalige Lehrer fordert. antworten hatte. Der Artikel, der in Nr. 4 der Zeitung vom Thormeyer von hier. Thormeher war vor länger als 30 Jahren Einen Hauptbeitrag für die Art, wie die Polizei hurrapatriotischen, 10. März d. J. erschienen war, legte dar, wie die Rücksicht auf den in dem benachbarten Dorfe Wustrow als Lehrer tätig. Er hatte ordnungsretterischen Bestrebungen gewohnheitsmäßig dienstbar ge- Profit des Privatunternehmers in Badeanstalten Zustände hervor- damals 15 M. an die Gerichtskasse zu zahlen und händigte einem macht werde, lieferte ein gut bürgerliches Kommissionsmitglied brächte, die beim Publikum die Neigung zum Baden beeinträchtigen Gerichtsboten den Betrag ein; dieser bestritt, die Summe empfangen durch folgende Darstellung: und die hygienischen Zwecke des Badens vereiteln müßten. Dies zu haben. In einem Prozesse, der infolgedessen entstand, beschwor Vor einigen Monaten sei er von einem Polizeibeamten besucht war durch einige Beispiele, unter anderem über den Betrieb Thormeher seine Angaben und der Staatsanwalt erhob nunmehr und danach gefragt worden, ob er und sein Bruder Soldat ge- in der Badeanstalt Chausseestr. 81, erläutert, weshalb deren Besizer Anklage und auf die Aussage des Gerichtsbeamten und eines anderen wesen seien und einem Militärverein angehören. Auf die Beuster Privatflage wegen Beleidigung erhob. Der Ausgang Beamten hin wurde Thormeyer wegen Meineides zu einer empfinderstaunte Gegenfrage, wer denn wohl ein Interesse an dieser Aus- wird ihm keine Freude gemacht haben. Auf Veranlassung des An- lichen Strafe berurteilt. Nachdem er diese verbüßt hatte, war er funft haben könne, habe er die Antwort erhalten, daß der Beamte geklagten wurden Zeugen geladen, die früher in der Anstalt ge- unablässig bemüht, Material zum Beweise seiner Unschuld herbeiden dienstlichen Auftrag zu dieser Recherche habe. arbeitet hatten, und diese bestätigten, daß mit Wissen des Besizers zuschaffen. Dies ist ihm nunmehr gelungen und im WiederaufNachdem er, Erzähler, die erste Frage bejaht, die zweite die zu Einpadungen verwendeten Laken, wenn sie nicht auffällig nahmeverfahren wurde er vom Landgericht Stargard freigesprochen. berneint habe, sei die Sache damit erledigt gewesen, bis ihm schmutzig gewesen wären, nur getrocknet, gerollt und dann zum Thormeyer hat nunmehr eine Entschädigungsforderung von 30 000 nun fürzlich wieder von einem Polizeibeamten zwei zweiten, wohl auch drittenmale gebraucht worden Mark gegen die Regierung geltend gemacht. Broschüren ins Haus gebracht wurden, welche die Notwendigkeit wären. Eine Zeugin, die als Wäscherin beim Kläger gearbeitet Von einer Granate zerrissen. Durch eine noch nicht krepierte behandeln, daß sich die gedienten Soldaten einem Militär- hatte, bekundete, daß sie allein die Wäsche täglich in der Zeit von Granate wurde in dem Jüterboger Vorort Damm der Arbeiter verein anschließen! Weiter wurde erwähnt, daß die Regierung die 8 Uhr bis Mittag hätte waschen müssen, und daß dies Neumann getötet. Er wohnte noch nicht lange im Orte und kannte Beaufsichtigung der Eisbahnen in einem der neugebildeten Eis- täglich einige Hundert Handtücher und etwa 20 Badelaken deshalb nicht die Gefährlichkeit der auf dem Jüterboger Artilleriebezirke einfach der städtischen Polizei Spandaus übertragen gewesen wären, an den Tagen nach besonderem Andrange noch mehr. schießplak öfter abirrenden Geschosse. Mit seiner Frau hatte er hätte, obwohl dieser Eisbezirk sich bis auf das Heiligenseer und Der Heizer hätte ihr gleich am ersten Tage gesagt, daß es unmöglich wäre, einen Spaziergang unternommen und dabei die Granate gefunden. Tegeler Gebiet erstrecke. Von einer Seite wurde dieses als eine diese ganze Wäsche zu kochen und zu waschen, deshalb würden die die er in dem Glauben, sie sei schon explodiert, in seine Wohnung Belastung der Städte zugunsten der ländlichen Kreise be- etwas saubereren Tücher nur falt gespült, getrocknet und gerollt. nahm. In der Küche hantierte er dann abends mit dem Geschoß. zeichnet. So wäre auch verfahren worden. Durch einen Zeugen Knoll wurde Plözlich erfolgte eine gewaltige Explosion, durch die ein wüstes Die Schulverhältnisse in Treptow sind, wie uns von dort be- erwiesen, daß noch im Februar 1904 im Lohtanninbad eine Abfluß- Chaos in der Küche angerichtet wurde. Als die Frau herbeieilte, richtet wird, nichts weniger wie schön. Trotzdem der Neubau der einrichtung bestand, bei der das gebrauchte Wasser anderen fand sie ihren Mann sterbend vor. Ein Granatsplitter hatte ihm Gemeindeschule in der Kiefholzstraße, der vor einigen Jahren Badegästen über die Füße laufen mußte. Der Privatkläger einen Arm abgerissen, ein anderer ein Bein schiver verlegt, ein vollendet wurde, genügend Räume enthält und die Gemeinde- gab zu, daß er bei lebernahme der Anstalt im März 1903 aller- britter aber war in den Unterleib gedrungen, so daß die Eingeweide vertretung auch Mittel für Lehrkräfte ausgeworfen hat, müssen die dings wenig erfreuliche Zustände vorgefunden hätte, doch hätte er des Aermiten hervortraten. Er starb in den Armen seiner Frau. Kinder, welche zu Michaeli eingeschult wurden, an drei Wochentagen die mehrmalige Benutzung der Zaten verboten und eine große Anzahl Von einem Walfisch gerammt und zum Sinken gebracht wurde mittags um 1 ühr zur Schule. Daß die Kleinen dem Unterricht am neue angeschafft, auch den Abfluß ändern lassen. Sein Vertreter, Rechts- im Nordatlandischen Ozean der dänische Schoner Anna", dessen mittags auf der Straße gespielt haben, ist flar. Daß die örtliche Schul- Rechtsanw. Heine wies darauf hin, daß die gerügte mehrfache Be- Besabung von dem englischen Dampfer" Quernmore" in Liverpool behörde hiergegen etwas unternimmt, ist nach ihrem bisherigen Verhalten nugung der Laken noch Monate nach der Uebernahme der Anstalt gelandet wurde. Die" Anna" fuhr von Jsland nach Neu- Braunleider nicht zu erwarten. Lehnte sie doch die Einrichtung einer durch Kläger nachgewiesen wäre, während man doch neue Lafen in schweig und war etwa 20 Tage unterwegs, als man am Nachmittag des 28. September auf hoher See einen Walfisch Wasserdampf in bes 28. September auf hoher See einen Walfisch Wasserdampf in fliegenden Klaffe in der Elsenstraße, welche bis zur Fertigstellung einem Tage beschaffen könnte. Auch die Ablaufeinrichtung im Loh- die Höhe spritzen sah. Bald darauf wurden, einige hundert Meter die Höhe ſprizen sah. Bald darauf wurden, einige hundert Meter des neuen Schulhauses in der Bouchéstraße durch den starken Zuzug bad hätte noch ein Jahr nach dem Befizantritt des Klägers be- vom Schiff entfernt, wieder Dampfstrahlen gesehen; der Walfisch nötig war, acht Wochen vor dem Zuzug ab, um vier Wochen später, standen. Uebrigens hätte Kläger die allerberechtigsten Interessen schien sich ärgerlich im Kreise zu drehen. Als die" Anna" langfant, durch die Verhältnisse gezwungen, von der Gemeindevertretung die vertreten und könnte deshalb nicht bestraft werden. Das Gericht nur mit einer Schnelligkeit von etiva 4½ Senoten vorüberfuhr, ers Mittel hierzu zu verlangen. Auch davon, daß sie auf die Anstellung hielt den Beweis der Wahrheit für die Zeit, die in Betracht käme, kannte die Mannschaft deutlich die Bewegungen des Ungetüms, das eines Schularztes drängt, welche bei der Etatsberatung vorgesehen erbracht. Für diese wäre nachgewiesen, daß es in der Badeanstalt mit seinem Schwanz wütend das Wasser peitschte. Plöblich stürzte wurde, hört man nichts. Jedenfalls hat aber die Schulaufsichts- des Klägers nicht zugegangen wäre, wie es müßte. Deshalb müßte es sich mit voller Wucht und ungeheurer Schnelligkeit auf das Schiff Behörde die Pflicht, sich die hiesigen Schulverhältnisse einmal genauer Angeflagter freigesprochen werden, wenn auch dem Kläger und traf es mit seinem Kopf in der Mitte. Es gab einen furchtbaren anzusehen. geglaubt werden könnte, daß er seitdem für Abhülfe gesorgt hätte. Krach, einige Seeleute wurden umgeworfen. Das Schiff hatte unter Eine interessante Freisprechung. Unter der Anklage der Ur- der Wasserlinie eine Oeffnung erhalten, und sein Vordersteven war fundenfälschung standen gestern die Ehefrau Haensgen und der zerbrochen. Aber auch der Walfisch war tödlich getroffen. Agent Dum te vor der Anklagebant des Landgerichts I. Dumte riesige Körper stieg langsam an die Oberfläche, am Kopf und an der hatte die Haensgen öfter in Prozessen vertreten. Am 1. Oktober Seite sah man zwei Klaffende Wunden, aus denen sich das Blut in Ein fleiner medizinischer Kongres trat gestern im fleinen 1902 mieteten beide, trotzdem sie nicht über Mittel verfügten, ein Strömen ergoß und das Wasser in weitem Umkreis rötlich färbte. Schivurgerichtssaal zusammen. Es handelte sich um eine gegen den Restaurationslokal in der Georgenkirchstraße, für das Frau Haens- Das Schiff war leck geworden, und die Mannschaft arbeitete fieberNaturheilkundigen Paul Mist e Isti gerichtete Anklage wegen fahr- gen die Konzession nachsuchte und auch erhielt. Um sich Geld zu haft an den Pumpen; aber als das Wetter schlechter wurde, begann Täffiger Körperverlegung und unlauteren Wettbewerbs. Den Borjik beschaffen, verfielen beide auf folgende fühne Idee: Sie erbaten von das Schiff zu sinken. Nach 39 Stunden angestrengtester Arbeit führte Landgerichtsdirektor Kanzow, die Anklage vertritt Assessor der Märkischen Kredit- und Gewerbebant in Berlin ein Beitritts- mußte man die Anna" aufgeben. Ein Rettungsboot wurde mit Gerade als es ins Wasser ges Dr. Eberlein, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. formular, das Frau Haensgen mit dem Namen ihres Ehemannes, Mundvorrat versehen und bemannt. Schöps. Der Angeklagte ist beschuldigt, durch eine Annonce in ohne daß dieser eine Ahnung davon hatte, unterzeichnete. Dann lassen werden sollte, bemerkte man den Dampfer Quernmore", dem der Berliner Morgenpost" den Anschein eines besonders günstigen schrieb Dumte einen Wechsel über einen größeren Betrag, aus, und es nach mehreren angestrengten Versuchen gelang, die Besatzung der Angebots gemacht und durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer Frau H. sette den Namen ihres Mannes und den Namen ihrer Anna" aufzunehmen. Witwe Schmidt und einer Schuhmannsfrau Gieste verursacht zu Tochter, einer Artistiu, unter das Atzept. Mit diesem Wechsel be= Der Prinzessin Luise von Koburg ist jetzt, wie aus Paris gehaben. Von der Anklagebehörde sind als Sachverständige geladen: waffnet, ging Dumke zur der Bank, die den Ehemann Haensgen schrieben wird, durch Vermittelung des französischen Ministeriums Medizinalrat Dr. Miftenzweig, Gerichtsarzt Dr. Störmer, inzwischen als Genossen akzeptiert hatte, und erhielt auf den Wechsel des Auswärtigen der am 21. Oftober gefaßte Beschluß des Wiener Dr. Lewinsohn, Dr. Alerander, Dr. Ahrend, Dr. die Valuta. Da er aber nun der Frau Haensgen nichts von dem Oberhofmarschallamtes bezüglich der von der Prinzessin geforderten Bastonier und Gerichtschemiter Dr. Judenad. Vom Ver- Gelde gab, gerieten beide in Streit. Eines Tages erschien Frau H. neuen ärztlichen Untersuchung ihres Geisteszustandes zugeteidiger ist noch eine große Reihe medizinischer Sachverständiger mit ihrer Tochter bei der Bank und erklärte unter Tränen und stellt worden. Es ist ein langes, juridisch verschnörkeltes Schriftals Gegen- Gutachter geladen, außerdem stellt Rechtsanwalt Dr. Schluchzen, daß sämtliche Unterschriften gefälscht seien. Die liebe- stück, aus dem sich folgender Kern herausschälen läßt: Rechtsanwalt Schöps den Belastungszeugen etwa 60 Zeugen und Zeuginnen volle Tochter fügte hinzu, es sei ihr ganz gleich, ob ihre Matter Dr. Bechrach erklärt, daß sein Klient( Prinz Philipp von Koburg) gegenüber, die behaupten, durch die Heilmethode des Angeklagten ins Zuchthaus fäme, sie zahle jedenfalls keinen Pfennig. Die sich der neuen Untersuchung des Geisteszustandes der Prinzessin bon ihrem Leiden befreit worden zu sein. Der Verteidiger beantragt gestrige Verhandlung vor dem Landgericht gestaltete sich zeitweise nicht widersetze, daß er die erste Untersuchung des Geisteszustandes ferner, die Sachverständigen Dr. Lewinsohn und Dr. dramatisch. Während die Angeklagte Haensgen behauptete, sie wäre der Brinzessin nicht beeinflußt habe und daß er, unter Wahrung Störmer als befangen abzulehnen letteren, weil er stell- halbblind und schwerhörig, Dumte hätte ihr die Feder geführt und feiner legitimen Pflichten und Rechte, auch bei der neuen Unterbertretendes Mitglied der Aerztekammer sei, ersteren, weil er die sie auch verleitet, den Namen ihrer Tochter mit umgekehrter Feder fuchung eine strikte Neutralität bewahren und weder auf den Ort Anzeige gegen den Angeklagten erstattet habe. Der Staatsanwalt zu schreiben, furz sie sei ein wehrloſes Opfer Dumkes gewesen, be- der Untersuchung noch auf die Wahl der Experten einen Einfluß aus beantragt dagegen, den von der Verteidigung vorgeladenen Sachver- hauptete dieser durch seinen Verteidiger, Rechtsanwalt Walter Bahn, üben werde. Ritter von Feistmantel, der Vormund und Pfleger der ständigen Dr. Wagen abzulehnen, weil dieser in dem Institut des daß die H. bei gewissen Auktionen zu den Scheinbietern gehöre. Prinzessin, erklärt, daß er den schon früher vorgebrachten, eine Angeklagten tätig sei. Der Gerichtshof lehnte die Ablehnungsanträge Sie habe zu Dumte mehr als freundschaftlich gestanden und sei ihm neue ärztliche Untersuchung betreffenden Wunsch seiner Klientin noch ab. Der Angeklagte ift viermal wegen Beilegung eines argtähnlichen nun aus Eifersucht feindlich gesonnen. Dieses bestritt die in höheren einmal vorbringe; bezüglich des Ortes der Untersuchung und der Titels und einmal wegen umlauteren Wettbewerbes vorbestraft. Da- Semestern stehende Angeklagte mit fittlicher Entrüftung. Die Be Person der Sachverständigen habe er feine besonderen Wünsche, da mals hatte er in marktschreierischen Annoncen allen trostlosen weisaufnahme bestätigte indes die Auffassung Dumtes, daß die er überzeugt sei, daß das Vormundschaftsgericht den gefeßmäßigen Kranken" sein neues rationelles Heilverfahren" angepriesen, und das ganze Geschäft aus Freundschaft für ihn inszeniert habe. Vollzug der Untersuchung sichern werde. Widersehen müsse er sich allen, die verzweifelt und verlassen dastehen, und denen Aerzte und Während der Staatsanwalt gegen die Haensgen sechs Wochen und dem Antrage, daß die Pflegschaft vor dem Vollzug der neuen UnterProfefforen feine Hülfe bringen fönnen", dringend angeraten, zu gegen Dumte sechs Monate Gefängnis beantragte, folgte das Gericht fuchung aufgehoben werde. Dr. Stimmer, der Vertrauensmann der ihm zu kommen, da er imftande sei, infolge seiner Erfindungen alle den Ausführungen des Verteidigers Walter Bahn, der bat, die rechts- Prinzessin, erklärt, daß seine klientin der Ansicht sei, daß die AufKrankheiten heilen zu können. Er betreibt die Heilkunde gewerbs. widrige Absicht der beiden Angeklagten zu verneinen. Er setzte sich hebung der Vormundschaft auch ohne eine neue ärztliche Untermäßig. Seine Vorbildung besteht darin, daß er vom 6. bis mit diesem Antrag in einen auffallenden Gegensatz zu dem Ber- suchung beschlossen werden könne; eine neue Untersuchung könne die 14. Lebensjahre eine Volksschule in Westpreußen besucht und dann teidiger der Frau H., der sich in seinem Plaidoyer den Prinzessin nur dann über sich ergehen lassen, wenn man ihr bei der noch auf einer Gewerbeschule sich weiter gebildet hat. Er behauptet, Ausführungen des Staatsanwalts anfchloß und Wahl der Erperten volle Freiheit lasse, und wenn die Einmischung daß er vor Jahren start an Rheumatismus gelitten und daß ein nur um eine gelindere Strafe bat. Zu seiner Ueberraschung sprach des Marschallamtes sich nur auf die Prüfung der Unparteilichteit Arzt ihm gesagt habe, ihm müssen die beiden Beine amputiert werden. das Gericht beide Angeklagte frei und legte die Prozeßkosten der ber Experten beschränke. Der Rechtsvertreter der Prinzessin schlägt Er habe sich dann an den Naturheilkundigen Kanız sen. gewendet Staatstaffe auf. dann vor, daß die eine Untersuchung, unter dem Schuße des Seineund dieser habe ihn durch homöopathische Behandlung, Bäder usw. Einer jener gemeingefährlichen Verbrecher, die sich in der Nähe Tribunals in Paris, von Dr. Valentin Magnan, Chefarzt und in 6 Wochen gesund gemacht. Nach seiner weiteren Behauptung ist öffentlicher Bedürfnisanstalten aufhalten und Erpressungsverfuche Leiter des Jrrenasyls von Sainte- Anne in Paris, und von Dr. Paul er dann zwei Jahre lang als Krantenwärter im Krantený use Thorn ausüben, indem sie diesen oder jenen Besucher der Anstalt schmußiger Garnier, Polizei- und Gerichtsarzt in Paris, vorgenommen werde. tätig gewesen und will dort narkotisiert" und auch, Leichen auseinander- Anerbietungen beschuldigen, stand gestern in der Person des Haus- Mit diesem Vorschlage erklärt sich das Marschallamt einverstanden, feziert haben. Darauf will er in der Charité auf der inneren und dieners Aug. Knaat vor der vierten Straffammer des Land- und das Seine- Tribunal wird ersucht, die beiden Experten zu bers äußeren Station, dann im pathologischen Institut, im Strankenhause gerichts L. Er behauptete, daß eines Tages zwei in der Anstalt am eidigen. Es soll festgestellt werden: 1. ob der Geisteszustand der Moabit, in der Jrrenanstalt Herzberge, bei Dr. Oliven in Bankow Balleschen Tor weilende alte Herren, darunter ein Reichstags- Prinzessin derart ist, daß die Prinzessin ihr Vermögen selbst ver und im Hedwigskrankenhauſe tätig gewesen sein und auch eine felb- abgeordneter( Bigarrenfabrikant Geyer), sich ihm in verdächtiger walten kann; 2. ob im negativen Falle die Internierung der ständige Tätigkeit entwickelt haben. Später, im Jahre 1895, ist er eise genähert hätten. Obgleich die beiden Herren sofort an Ort Prinzessin sich als dringende Notwendigkeit erweist. in die Berliner Naturheilanstalt eingetreten und dort zwei Jahre und Stelle diese Behauptung, deren Zweck und Ziel auf der Hand tätig geivesen. Dann will er dort einer Prüfung unterzogen worden lag, energisch zurücktwiesen, ließ sie der Angeklagte doch zur Polizei fein. Im Jahre 1897 ging er in die Badeheilanstalt von Münsel fistieren, um ihre Persönlichkeiten festzustellen. Die Folge war die ( Lohtanninbäder), nachher war er bei einem Naturheilkundigen be- Erhebung der Anklage gegen ihn wegen versuchter Erpressung. Das schäftigt, einige Wochen war er im jüdischen Krankenhause tätig, Ergebnis der unter Ausschluß der Deffentlichkeit geführten Verhand- waltung des Ihnen am nächsten gelegenen Theaters bezw. an den Direktor, dann nochmals im Hedwigs- Krankenhaus und behauptet, daß er dort lung war, daß der Angeklagte zwar nicht der versuchten Erpreffung, feinen Bertreter oder den Regiſſeur. felbständig narkotifiert" habe. Dann will er sich bei Roesener und aber der falschen Anschuldigung und Freiheitsberaubung schuldig 999. Eine Petersburger Nachricht. bei Radom im Rechnen, Schreiben und Deutsch vervollkommnet haben befunden und zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. und im Jahre 1897 machte er sich selbständig und übte in der Neuen Schönhauserstraße die Naturheilkunde aus. Die Fragen des Präsidenten, was er unter Physiologie, Anatomie und Pathologie versteht, kann der Angeklagte nur höchst unvollkommen beantworten. Sein Geschäft ist aus fleinen Anfängen start emporgewachsen. AnWohnung zu mehreren Tausend Mart Miete inne. Wie er selbst 2. Ein formeller Anspruch auf die Rente steht der Armendirektion zu. fagt, bezahlt er für seine Annoncen im„ Deutschen Blatt" im wurden überflutet. 23 Personen find umgekommen. Lotal- Anzeiger" und der Morgenpost" monatlich 2000 M. Nach Dynamitexplosion auf den Schienen. In Mount Vernon, un 3. Die Rückzahlung würde verlangt werden: eine Sicherstellung ist un. möglich. M. M. 2. Sie find Mitglied der Kaffe und können im Er der Behauptung der Anklage enthält eine dieser Annoncen eine Un- weit New Yort, explodierte Dynamit, das auf ein Bahngleise gelegt tranfungsfalle auf Zahlung usw. bei der Gewerbebeputation flagen, auch wahrheit. Die Zahl der von ihm geheilten Patienten hat er immer war. Im benachbarten Stadtteil wurden die Fenster zertrümmert; schon jetzt bei dem stafsenvorstande Erkundigung darüber einziehen, ob Ste in der Zat nicht als Mitglied verzeichnet werden. E. B. 1867. Nein. start steigend angegeben: von anfänglich 70 auf schließlich 489. mehrere Personen wurden getötet, 50 verlegt. In jener Annonce soll er eine Frau als bon chronischer Ischias Das Preisausschreiben des„ Deutschen Vereins abftinenter nach 30 Behandlungen geheilt" aufgeführt haben, während sie un- Lehrer" hat deutlich ergeben, wie schwer es ist, neue Lesestücke zu Marktpreise von Berlin am 2. November. Nach Ermittelungen des geheilt geblieben ist. Er furierte hauptsächlich mit einem elektrisch erhalten, die den gegenwärtig gestellten hohen Anforderungen ge- 17,65-17,53 m., mittel 17,51-17.49 M., Für 1 Doppel- Bentner: Weizen**), gute Sorte mittel 17,51-17,49 M., geringe 17,47-17,45 m. " Vermischtes. Briefkaften der Redaktion. 8. St. Brünn. K. Sch. 21. Benden Sie sich an die Ver H. 4. Ja. 13 3. Rein. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9½ 1hr abends ftatt. Geöffnet: 7 Uhr. J. 2. 144. Leider fehlt es an Pflegestätten für Unterbringung der Kinder: das ist in der Stadtverordneten- Bersammlung und von uns sehr häufig betont. Sch. 2. 1. Eine Frist giebt es dafür nicht. Sie Einsturz eines Wafferreservoirs. Das große Wafferreservoir tönnen nur flagen und dann pfänden lassen. 2. Steineswegs.- P. F. 68. fangs hatte er drei Zimmer inne, jest hat er eine sehr ausgedehnte bei Winston, Nord- Carolina, ist eingestürzt. Mehrere Meilen Landes 1. Es müssen innerhalb ann bjänden lassen. 2. Reineswegs.- P. F. 68. Igl. Polizei- Präsidiums. betriebenen Oscillations- Apparat" und mit homöopathischen Medis nügen. Der Verein hatte den verhältnismäßig sehr hohen 18 13.76-18.75 M. Futtergerfte), gute Sorte 15,70-14,50 9, mittel 14,40 tamenten. von 300 M. ausgefegt für ein in beliebiger Form den Alkoholismus 13,76-13,75. pfuscher", sich selbst nennt er als" Direktor" seines Instituts und bekämpfendes Lesestück, das zur Aufnahme in die Lesebücher geeignet bis 13,30 W., geringe 13,20-12,10 M. Hafer), gute Sorte 16,40-15,60., behauptet, daß er während seiner langjährigen Pragis viele sei. Fast alle Stände( Lehrer, Aerzte, Richter, Kaufleute, Hand- mittel 15,50-14,70., geringe 14,60-13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen Patienten geheilt und gesund geflickt habe, die von Aerzten ber- werker u. a.) beteiligten sich an der Preisbewerbung und 241 Ar- 40,00-30,00 M. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 m. Linjen 60,00-30,00. pfuscht" worden seien. In den beiden Fällen, die ihn als Körper- beiten wurden eingesandt. Das Preisgericht hat jedoch keine der Kartoffeln 9,00-7,00 92. Richtstroh 5,30-4,50 M. Heu 9,00-7,20 M. berlegung zur Last gelegt werden, soll er Kunstfehler begangen haben. Arbeiten für wirklich genügend erklären können. Für ein Milogramm Butter 2,80-2,00 M. Eier per Schod 4,50-3,00. *) Frei Bagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Den Zustand der einen Patientin soll er durch Behandlung mit einer Wegen Meineides und Sittlichkeitsverbrechens, begangen an Quedfilber- Salbe verschlimmert, die andere, inzwischen berstorbene Wasserstand am 2. November. Elbe bei Ausfig 1,17 Meter, bet Patientin foll er in unzulässiger Weise mit dem Oscillations feiner minderjährigen unehelichen Tochter, berurteilte das Schwur Dresden 1,53 Meter, bei Magdeburg+ 0,59 Meter. inftrut bet Er bestreitet entschieden jebe Schuld. gericht in Magdeburg den Gastwirt Stephan zu 5 Jahren Zucht- Straußfurt+0,75 Meter.- der bei Ratibor+ 5,50 Meter, bei Breslau Apparat behandelt haben. Die Verhandlung bietet dasselbe Bild wie alle Sturpfuscher- Prozesse. Haus und 10 Jahren Ehrverlust. Ober- Begel+5,02 Meter, bei Breslau Unter Begel+0,40 Meter, bet Bei der ausgedehnten Beweisaufnahme wird der Prozeß erst am Frau von Hervay wurde am Mittwoch in Leoben aus der Haft Frankfurt+0,92 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 2,68 Meter. Freitag zu Ende gehen. Wir werden das Ergebnis mitteilen. entlassen, nachdem die Berufungsinstanz die zu leistende Kaution art be bet Bojen+0,12 Meter. Nese bei Usch-- Meter. Verantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gloce, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. S