Nr. 265. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Boft, Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preislifte. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene stolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 25 Bfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Roosevelt der Sieger. 2 Donnerstag, den 10. November 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die demokratische Partei ist die ältere. Sie war die mächtige Groß ist auch der Fortschritt in Wisconsin; von MilVertreterin der Sklavenhalter, die Partei der Südstaaten.[ wantee allein werden 17 000 Stimmen gemeldet und vor vier Diese ersten Meldungen lassen auf weitere große Erfolge in anderen Staaten schließen. * Demokratischer Katzenjammer. New York, 8. November. Roosevelt ist und bekämpfte die Sklaveret. Im Jahre 1854 wurde die die Sozialistische Arbeiterpartei 524 Stimmen abgegeben, zuNew York, 8. November. Roosevelt ist Die republikanische Partei hatte den industriellen Norden für sich Jahren wurden im Staate Wisconsin für Debs 7095 und für mit großer Mehrheit zum Präsidenten ge- Partei gegründet aus den Whigs, den Freibodenmännern, und sammen 7619. Within ist in Milwaukee allein die Stimmenwählt. Parker telegraphierte um 8, Uhr aus Demokraten im Norden, deren wirtschaftliche Interessen zahl mehr als verdoppelt worden, die damals im ganzen abends an Roosevelt:" Das Volk hat durch sich gegen den Süden richteten. Für die junge, sich stark ent Staate erzielt wurde. feine Abstimmung Ihre Verwaltung nach- wickelnde drücklich gebilligt. Ich beglückwünsche Sie." wickelnde Industrie im Norden glaubte man den Schutzoll dringend Roosevelt sandte darauf an Parker ein Dank- nötig zu haben; somit wurden die Republikaner Schußzöllner. den Dieselbe Industrie brauchte den freien" Lohnarbeiter und telegramm. eine industrielle Reservearmee, der Sklave wäre lästig geUeber den Ausfall der amerikanischen Wahlen wird ge- wesen, und der ganze Norden nahm sich der Bewegung für meldet: New York, 9. November.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus".) die Sklavenbefreiung an. Für Zollzwecke und für die ruhige Dem Vernehmen nach wird Bryan bald mit Watson, dem Kan New York, 9. November. Die kühnsten Hoffnungen der Entwickelung war die Einheitlichkeit der Union geboten und didaten der Voltspartei fonferieren, um eine Reorganisation der Republikaner sind übertroffen. Wenn Maryland, wie es den daher traten die Republikaner stets für die Bundes- demokratischen Partei auf eine truftfeindliche Nichtschnur zu planen. Anschein hat, republikanisch gewählt hat, entfallen auf Roose- gewalt gegenüber den Einzelstaaten ein. In allen belt 325 Wahlmännerstimmen gegen 151 für Parfer; letterer Biesen Dingen hatten sie die Demokraten zu Diese Depesche zeigt, daß der radikale Flügel der demoerhielt 4 Wahlmännerstimmen weniger als seinerzit auf Bryan bitterten Gegnern. Im Süden lagen die Dinge anders. daß er dem konservativen Flügel, der so jämmerlich Fiasko er fratischen Partei bereits in hellen Zorn geraten ist darüber, entfielen; außerhalb des Südens, der geschlossen für Parker Dort gab es feine nennenswerte Entwickelung einer Industrie. gemacht hat, sich unterordnete. Bryans Aussichten als erste stimmte, hat Parker feine Wahlmännerſtimmen erhalten. Die Pflanzer mit ihren großen Anlagen für Baumwolle und Leuchte der Partei bessern sich wieder. Roosevelts Urwahlmehrheit beträgt etwa 1 Million Stimmen, andere Produkte brauchten die Neger als Sklaven für die Beund die Mehrheit der Republikaner im Repräsentantenhause arbeitung ihrer Felder; sie sahen die Sklaverei als nützlich steigt von 30 auf mindestens 50 Stimmen. Roosevelt empfing die Wahlberichte im Familien- und Freundeskreise in GeLassenheit. Politifche Ueberficht. Berlin, den 9. November. Dittatur der Fremdenpolizei. und notwendig an und betrachteten die Einsprache der Nordstaaten als unerhörten Angriff auf ihre heiligsten Rechte. So sehr London, 9. November. Das Reutersche Bureau meldet Süden daran; im Gegenteil verlangten die Demokraten den der Norden einen Schutzzoll brauchte, so wenig lag dem aus New Yort von 12%, Uhr nachts: Präsident Roosevelt Freihandel als notwendig für den Absatz ihrer Produkte. Bis zur Stunde ist die russische Studentin, Fräulein Berson, erließ eine Bekanntmachung, in der er sagt, daß er die ihm Ebenso trat der Süden dafür ein, die Rechte der Einzel- nicht freigelassen worden. Eine aus Polizeiquellen gespeiste Kor vom amerikanischen Volke erwiesene Ehre tief empfinde, die staaten gegen den Bund zu verteidigen. Die Demokraten respondenz erzählt, es handle sich selbstverständlich nicht um Liebe in der Art und Weise enthalten sei, in der das Volk sein Verfahen, wie die wirtschaftliche Entwickelung des Nordens, bienerei gegen Rußland, sondern um Anarchistenschutz. Die Fefttrauen zu dem, was er getan oder zu tun versuchte, zum Ausmächtig emporblühte, demselben das Uebernahme sei erfolgt, druck brachte. Roosevelt fügt hinzu, daß er, trotzdem seine gewicht in der Bundesgewalt sicherte; sie fühlten sich erste Amtszeit keine volle gewesen sei, unter feinen Umständen bedroht und machten Opposition. Es gab immerwährende noch einmal als Kandidat für die Präsidentschaft auftreten Reibungen, bis ein gewaltiger Kampf entbrannte, der 500 000 oder noch einmal die Berufung zur Präsidentschaft annehmen Menschenleben und drei Milliarden Dollar toftete. Das war würde. Daily Mail" meldet vom 8. November aus New York, die diesmalige Wahlbeteiligung sei die größte in der ganzen Geschichte der Vereinigten Staaten gewesen. Die Zahl der Wähler habe 14 Millionen überſtiegen. Roosevelts Majorität betrug im Staate New York 200 000, in Chicago 50 000 Stimmen. Sozialistische Stimmen. Als ein sehr günstiges Zeichen ist es zu deuten, daß unter Sen Kabelnachrichten, die den Sieg der republikanischen Partei melden, zugleich große sozialistische Stimmenzahlen angeführt werden. So wird gemeldet: New York, 9. November. Die meisten Deutsch- Amerikaner haben für Roosevelt gestimmt. Die republikanische Mehrheit im Repräsentantenhause berechnet man auf 75 Stimmen. Die Sozialdemokraten erhielten in der Stadt New York 25 000, im Staate New York 50 000, in Chicago 40 000 und in Milwaukee 17 000 Stimmen. Unruhen in Kolorado. heute ,, weil die betreffende Person, zusammen mit einem gleichfalls nicht gemeldeten russischen Studenten, unangemeldet in der Wohnung eines notorischen Anarchisten, eines gewissen Karfunkelstein, Aufent halt genommen hat. Seit dem Eintreffen der Verhafteten in Berlin sind Wochen vergangen, ohne daß sie es für angezeigt fand, sich bei dem zuständigen Revier vorzustellen. Angesichts dieser Sachlage war die Festnahme der Verdächtigen von Gesichtspunkten des Anarchistenschutzes nicht zu umgehen. Auch die eventuelle Abschiebung der angeblichen Studentin würde auf Grundsätze, die für die Behandlung fremder Anarchisten in Kraft stehen, zurüd zuführen sein." " der Union und die Ueberlegenheit des Nordens. Die Republi der Bürgerkrieg bon 1861-1864; er zeigte die Riesenkraft faner waren die Sieger und sind die starke Partei, auf welche sich die Stapitalisten am liebsten stützen, noch. Die gesamte Entwickelung der Vereinigten Staaten machte die ehemaligen großen Unterschiede zwischen Republikanern und Demokraten zu einem bloßen Schatten, der von einem schwachen Restchen Wirklichkeit Danach scheinen im Berliner Polizeipräsidium die strategischen ausgeht. Die Demokraten flicken sich davon ein Mäntelchen Grundsätze des Admirals Roschdiestwensty zu herrschen. Boote, die sich zusammen, womit sie paradieren gehen und sie tragen es je nicht dem zuständigen Revier vorstellen, werden angeschossen. Was nach dem Winde. Ihr größter Kummer ist, daß sie selten an sich nicht legitimiert, gilt für den Admiral als Japaner. Herr die große Futterkrippe gelangen, und sie blicken deshalb mit Dr. v. Henninger ist ein politischer Roschdjestwensky. Russen, die sich stiller Verehrung auf ihren Grover Cleveland, der von 1885 nicht anmelden, gelten als Anarchisten und sind unschädlich zu bis 1889 und von 1893-1897 Präsident war. machen; dieser Roschdjestwensky sieht überall Anarchisten, wie jener Man kann Republikaner und Demokraten in irgend einer Japaner. bestimmten Frage nicht mehr streng auseinanderhalten; überall Daß eine Russin unangemeldet Fräulein Berson war mur sind die Grenzen verwischt. Die demokratische Partei ist in auf der Durchreise sich bei einem deutschen Anarchisten", der Zersetzung begriffen; teine Frage von Bedeutung wird mit dem sie seit langer Zeit befreundet ist, aufhält, genügt, sie fest einheitlich behandelt. In der Zollpolitik gehen viele Demo- zunehmen. Die Ausländer find danach tatsächlich in Deutschland fraten mit den Republikanern, die stramm zum Schutzzoll so lange vogelfrei, so lange sie nicht so gescheit sind, ein halten. In allen Fragen der inneren und äußeren Politit be- fleines Verbrechen zu begehen. Die Polizei wacht eifersüchtig gegnet die Haltung des einen Teils der demokratischen Partei darüber, daß auch diese Ruffin ihr erhalten bleibt und dem Widerspruch des anderen Teils. Es besteht ein radikaler nicht in die Machtsphäre der öffentlichen Justiz gerät. Die Flügel unter Bryan und Hearst, und nur widerwillig ordnete sich Bolizei hat dem Fräulein Berson ausdrücklich erklärt, sie bedürfe dieser dem konservativen Flügel unter Cleveland und Parker feines Rechtsanwalts, weil sie feiner Straftat verdächtig sei. Steiner unter. Die Entwickelung des Kapitalismus verschmilzt die Straftat verdächtig zu sein, das bedeutet, der Polizei einen unbeiden Parteien wieder in eine gemeinsame Partei, die nichts begrenzten Anspruch auf ihr Eingreifen zu geben. Wäre die Dame weiter fennt als die Interessen der Kapitalisten des Landes einer Straftat verdächtig, so täme ihre Sache in die Sphäre der Die Republikaner haben einen großen Sieg errungen und zu vertreten. Die Opposition im Lager der Demokraten Just i z. Weil sie aber das Unglück hat, nichts Strafbares be die Demokraten sind aufs Haupt geschlagen worden. Die wird langsam abgestoßen und mag eine eigene Partei gangen zu haben, darum darf die Polizei fie in die eigene liebeFrage, welcher Partei die Führung der politischen Geschäfte mit neuen Grundsäßen bilden, wenn sie sich fräftig volle Behandlung nehmen, die durch keinerlei Rechtsgarantien bedes Landes übertragen werden sollte, ist entschieden. War die genug fühlt. Es ist heute schon ohne eine wirkliche schwert ist. Entscheidung der Frage wichtig? Hat damit ein Brinzip über das Bedeutung für die Entwicklung im Junern wie Bu solchem Wahnsinn hat sich das deutsche Fremdenrecht" ent andere den Sieg davongetragen? Sind bestimmte große Forde nach außen, ob Roosevelt oder Parker gewählt würde. Der wickelt. Die Schuldlosigkeit eines Fremden ist ein schlimmeres Ver rungen im Stampfe mit einer widerstrebenden Macht unter- Wahlkampf, den beide führten, war eine Komödie, die brechen als selbst der Mord. Die Garantien, die dem Mörder zuLegen? Ist ein Kampf zwischen feindlichen Klassen im Staate dem Volfe vorgespielt wurde und in welcher das gestanden werden müssen, werden dem keines Delifts verdächtigen oder zwischen prinzipiell getrennten Interessengruppen einer Volt unbewußt den größten Narren machen mußte, Fremden entzogen: Hier wird die Polizei zur allmächtigen Herrin, Klasse oder zwischen scharfen politischen Gegensäten für die soweit es nicht das Spiel durchschaute und für das administrative Verfahren entblößt seine Allgewalt. Das Schreckensnächsten vier Jahre zum Austrag gebracht worden? eine Oppositionspartei gegen den alten Humbug ein- wort Anarchismus" genügt, um der Polizei einen Freibrief New York, 8. November. In Cripplecreek( Kolorado) verlief die heutige Wahl sehr unruhig. In Goldfields wurden zwei demokratische Wahlobmänner von einem republikanischen Silfs- Sheriff, den sie aus dem Wahlhause wiesen, erschossen. In Midway( Kolorado) wurde ein demokratischer von einem republikanischen Hilfs- Sheriff tödlich verwundet. * % Die feindlichen Brüder. Nichts von alledem! Die Fragen müssen verneint werden. trat, die der Sozialismus ins Feld stellte. In auszustellen für jede Maßregel, die ihr beliebt. Und alles dies geFreilich, der Deutsche glaubt, es müsse sich dabei was denken der modernen Arbeiterbewegung liegt die Hoffnung dieser schieht im Unterschied von der Justiz im geheimen Verfahren. lassen", wenn er die Worte„ Republikaner" und" Demokraten" Partei. Ein gewaltiger Kampf, wie ihn das Neue immer mit Das ist die Ruffifizierung des deutschen Rechtsstaates! Der Russe hört; er sucht, er fordert prinzipielle Gegensäge zwischen sich dem Alten führen muß, wird entbrennen, aus dem die Partei ist verurteilt, sein russisches Elend nach Deutschland mitzuschleppen bekämpfenden Parteien und er gewinnt mur langsam das feine des Sozialismus als Sieger hervorgehen wird; ihre Straft und in der preußischen Bolizei die Rechtsinstitutionen seiner Heimat Verständnis" für amerikanische Politik. wird stetig wachsen, denn sie zieht diese Kraft aus dem Boden wiederzufinden. Der Polizei- Absolutismus ist das deutsche FremdenDie beiden alten Parteien kämpfen um die Macht im der Verhältnisse, die den Untergang ihrer Gegner herbeiführen recht. Wehe der Nation, die solche Zustände duldet! Der militärische Staate zur Befriedigung des Ehrgeizes ihrer Führer, zur müssen. Zusammenbruch Rußlands ist in erster Linie verschuldet durch den Erlangung von Aemtern und Vorteilen, zur Bereicherung von Die ersten Meldungen über die sozialistischen Stimmen polizeistaatlichen Batriarchalismus. Man trifft auch die deutsche Personen, zur Unterdrückung der Arbeitermassen, daß sie sich bei den Wahlen lassen erkennen, daß höchst erfreuliche Fort- Wehrkraft in ihrer Wurzel, wenn statt der Entwicklung zum freien ungestört ausbeuten lassen, zum Schutze des Kapitalismus, schritte erzielt worden sind. demokratischen Rechtsstaat unser Vaterland immer mehr in die Willtür des feudalen Polizeiregiments hineingepreßt wird. daß er sich ungehindert entwickeln und ausbreiten kann. 40 000 Stimmen in Chicago! Beide Parteien stehen im Dienste der Kapitalisten, deren Bei den Wahlen im Jahre 1900 wurden im ganzen Gebote sie erfüllen. Die Republikaner halten sich dabei nur Staate Illinois für den sozialdemokratischen Kandidaten Debs Es gehört zum Bilde des Wiedererwachens der Ruffendienste, an die Großen; die Demokraten liebäugeln mit den Kleinen. 9687 Stimmen abgegeben und für den Kandidaten der daß auch die Spigelei wieder stärker sich hervorivagt. Selbst die Der Kampf um Prinzipien ist ein Scheingefecht. Es sind Sozialistischen Arbeiterpartei 1373; das ergibt zusammen Universitäten, diese Gelehrtenrepubliken", die so stola sind auf ihre die traditionellen Unterschiede, die dem Stampfe 11 060 Stimmen. Autonomie, werden ganz schamlos von Polizeiagenten überwacht. eine Unterlage, einen malerischen Hintergrund geben, um Von New York ist man leicht geneigt, mehr zu erwarten, Von der Berliner Universität wird uns mitgeteilt: Ein eigennicht die nackte Wirklichkeit, den wütenden Kampf um eine aber 50 000 Stimmen für Debs bedeuten eine Vervierfachung artiger Anblick bot sich am Dienstag im Atrium des Universi toloffale Beute zu deutlich erscheinen zu lassen. Das Volt seines Votums vom Jahre 1900, welches 12 869 Stimmen täts- Hauptgebäudes dar. An einer Säule dieses altberühmten urteilt noch nach den alten Formen, die ihren Inhalt längst betrug; auf die Sozialistische Arbeiterpartei fielen damals noch Versammlungsplatzes und Aufenthaltsortes während der Stundenverloren haben. Es ist lange her, als von großen prinzipiellen 12 622 Stimmen; bleibt abzuwarten, wie sich diesmal das paufen lehnte ein... Herr, der als-- Kriminalbeamter Unterschieden mit Recht die Rede war. Verhältnis stellt. erkannt wurde und zu dem sich in den Nachmittagsstunden ein " „ Geste". " * " Deutfches Reich. = zweiter gefelte! Was diese Gestalten im Hause der freien, begann, bekamen die Nationalisten von neuem den Mut ihrer des sogenannten„ Kleinen Mannes" in den Vordergrund zu schieben voraussetzungslosen Wissenschaften wollen, wird man leicht be- beliebten Kampfmethoden. und als dessen Sachwalterin aufzutreten. antworten können, wenn man an die Enthüllungen denkt, Indes auch die Bestialität hat ihre Schattierungen. Sie ist Wie kaum gesagt zu werden braucht, enthält die Begründung, die uns die Aufklärungen über die Ueberwachung und heimtückischeste saugrob in Drumonts Libre Parole" und im Rochefortschen die der Abgeordnete Am Zehnhoff und die ihm assistierenden Blätter Bespigelung der ausländischen und insbesondere der russischen Kom Jutranjegeant", welch letzterer über den Fall Syveton unter zur Verstaatlichung des Schleppbetriebes beibringen, nicht ihre Hauptmilitonen gegeben haben, und wenn man im speziellen daran denkt, der Spizmarke berichtet:" Der nationale Säufer geohrfeigt". motive. Es wäre zu viel behauptet, wollte man die ganze Bedaß eben jetzt wieder ein Opfer preußisch- deutschen Zarendienstes im Sie ist kichernd- ironisch in der Presse", die meint, es handle gründung als Spiegelfechterei bezeichnen; sicherlich ist z. B. der Grund, Polizeigefängnis schmachtet. sich ja nur um einen ganz winzigen Zwischenfall, um eine für die voraussichtliche Mindereinnahme der Bahnen in den KanalWeiß die Universitätsbehörde um die Antvesenheit jener Spitzel, ungeduldige Geste, die jedermann einmal machen könne. Sie distrikten müsse ein Einnahme- Ersatz geschaffen werden, ernst gemeint. die doch gar nicht berechtigt sind, die Universität zu besuchen, und ist heuchlerisch- lehrhaft in der„ Liberté": Für dieses Blatt Aber dieses Motiv kommt erst in zweiter, dritter Reihe. Der duldet sie diese neueste Erscheinung der akademischen Freiheit? Oder war Syvetons Bubenstreich eine unvermeidliche Folge dieses Hauptgrund ist das Zentrum und die Konservativen, hat man sie vielleicht gar, der Sicherheit wegen, um sie zum Aufent- abstoßenden und unheilvollen Wirrwarrs". Sie ist endlich daß die Regierung die Macht erhält, für die bon balt in der Universität zu berechtigen, honoris causa immatrikuliert? pathetisch und racheschnaubend im orléanistischen Soleil" auswärts importierten landwirtschaftlichen Produkte die Kanal,, Recht viele honnete Lente, recht viele gute Franzosen, und Schleppgebühren eventuell so hoch zu schrauben, daß Eine Friedensintervention des deutschen Kaisers? geborene Feinde von Gewalttätigkeiten, werden endlich frei die Transportkosten auf dem Kanal fich nicht viel niedriger Das„ Berliner Tageblatt" erhält aus Petersburg ein aufatmen, wenn sie erfahren, daß der Desorganisator der stellen als die Eisenbahn- Frachtkosten. Bekanntlich werden Telegramm, wonach demnächst eine Zusammenkunft zwischen nationalen Verteidigung, das feige Werkzeug geheimer in der Kanalvorlage der Regierung drei verschiedene Ge dem Zaren und dem Kaiser Wilhelm stattfinden wird. Dieser Tyrannie, durch die Hand eines braven Mannes die bührenklassen für die Benutzung des Kanals vorgeschlagen. Auf Zusammenkunft werde eine große politische Bedeutung bei- verdiente Züchtigung und Beleidigung bekommen hat." Aehn- dem Rhein- Dortmund- Kanal sollen pro Tonnenkilometer in der ersten zumessen sein. Das Telegramm lautet: lich spricht sich aus die fromme katholische und monarchistische Güterklasse 2, in der zweiten 1, in der britten 1 Pfennig erhoben Ich erfahre aus absolut zuverlässiger Quelle, daß in den„ Gazette de France". Der„ Figaro" hat seinerseits dem Syveton werden, auf der Strecke Bevergern- Hannover 1, 3/4 und 12 Pfennig. nächsten Tagen eine Zusammenkunft zwischen dem Zaren und ein nachsichtiges Urteil des Landes" versprochen. Schon diese Verschiedenheit erlaubt der Regierung, einen gewissen Kaiser Wilhelm in Sfernetvice stattfindet, der man hier in Regierungsfreisen große politische Bedeutung beimißt. Der Schließlich sei erwähnt, daß auch Déroulède, der im Einfluß auf den Transport auszuüben. Zweifellos wird sie, wenn Har hat vor seiner Abreise dem Hofminister Baron Fredericks und dem Geruche der„ Ritterlichkeit" steht, sich den unbedingten Be- der Kanal gebaut wird, die landwirtschaftlichen Produkte in die Durueren bes Direktor der Kanzlei des Hofministeriums General Mossolow ge- wunderern des nationalistischen Rauhbeins angeschlossen hat. höchste, Kohlen und Eisen in die niedrigste Güterklasse einreihen. sagt:" Ich wünsche, daß der Empfang Seiner Majestät Kaiser In einer Begrüßungsdepesche bezeugt er dem Syveton, daß Aber dieser Einfluß genügt den Konservativen und dem Zentrum Wilhelms einen außerordentlichen und allerherz- dieser sich um die Armee und das Vaterland verdient gemacht nicht, die Regierung soll auch durch eine verschiedene Abstufung der lichsten Charakter trägt, und in dieser Richtung außer habe:" Ich freue mich mit allen guten Franzosen, daß Sie Schlepppreise die Transportkosten erhöhen oder erniedrigen können. gewöhnliche Vorbereitungen getroffen werden." Wie ich ferner auf dem gemeinen Gesicht des Organisators unserer militärischen Offen gab das der Abg. Am Zehnhoff am Dienstag in der höre, sind außer einer Truppenschau und Jagd keinerlei außer- Herabwürdigung ein ganzes Régime und ein ganzes System Kanalkommission selbst zu, indem er meinte, dem Auslande gewöhnliche Festlichkeiten geplant, wohl aber spricht man von geohrfeigt haben. Was diejenigen betrifft, die Ihnen sagen gegenüber könnten die Tarife wie ein Schutzzoll wirken. mancherlei politischen Kombinationen, deren Richtigkeit schwer zu werden, daß Ihre Gewalttätigkeit das Kabinett gerettet hat, Es ließe sich allerdings auch mit den Kanalabgaben viel prüfen ist. " machen; aber bei diesen ließen sich keine Nuancierungen vornehmen, Das Berliner Tageblatt" kommentiert das Telegramm so antworten Sie ihnen getrost, daß sie im Irrtum sind. Dieses lettere Urteil von Déroulède ist nur im buch- da man nur drei Klassen habe. Biel wirksamer sei die feines Berichterstatters selbst dahin, daß die Vermutung nahe- stäblichen Sinne richtig, indem das Kabinett bereits ohne Tarifgestaltung, wenn die Schlepp gebühren hinzuliege, daß bei den Verhandlungen zwischen den beiden geliege, daß bei den Verhandlungen zwischen den beiden ge- Syveton in der ersten Abstimmung mit zwei Stimmen Mehr- tämen. frönten Häuptern der Krieg zwischen Rußland und Und von der preußischen Regierung ist sicherlich kaum zu ers Japan in erster Linie den Gegenstand der heit gerettet wurde. Aber nur Syveton hat die Stellung des Unterhaltung bilden werde. Kaiser Nikolaus fei Ministeriums befestigt und die parlamentarische Lage wenigstens hoffen, daß sie die Wünsche der Agrarier nicht möglichst zu erfüllen wohl nur von der russischen Striegspartei zum Striege gedrängt fürs erste zugunsten des Blocs umgestaltet. Die Melinisten trachten wird. Und ferner wird sie sich sicher bemühen, aus dem wohl nur von der russischen Kriegspartei zum Kriege gedrängt und die einsichtigeren Klerifalen lejen denn auch Syveton Schleppbetrieb reiche Ueberschüsse für den Fiskus herauszuwirtſchaften. worden, er werde deshalb wahrscheinlich gern den Vorschlag einer friedlichen Schlichtung des so verhängnisvollen Krieges gehörig den Tert wegen der Zweck widrigkeit seiner Aber trok dieser Bedenken halten wir es für verkehrt, wenn einige Parteiblätter geneigt zu sein scheinen, für den privaten gegen anzunehmen geneigt sein. Eine deutsche Friedensvermittelung werde für Rußland umsoweniger Verlegendes haben, als ja Ein Anzeichen der geänderten Lage sind namentlich die den staatlichen Schleppbetrieb einzutreten. Was würde die Folge das Deutsche Reich bisher die Neutralität in striktester Weise Besuche ehemaliger Mitglieder des Kabinetts Waldeck- Rousseau sein, wenn der Schleppbetrieb dem Belieben privater Geschäftskreise das Deutsche Reich bisher die Neutralität in strittester Weise beim General André, derselben Politiker, die im Vordertreffen überlassen bleibt? Dann würden die großen Zechen und Hüttenbeobachtet und genügende Beweise dafür gegeben habe, daß werke teils selbst schleppen, teils mit Schleppgesellschaften günstige es in keiner Weise die Verlegenheit Rußlands zu eigennützigen des antiministeriellen Ansturmes standen. Zwecken ausbeuten wolle. Von den unzähligen Sympathie- Sundgebungen, die dem Verträge abschließen; die Kostenersparnis bei dem Transport würde Es bleibt abzuwarten, ob die Nachricht des Berliner Striegsminister zuteil werden, sei mitgeteilt die Adresse des aber nicht den Konsumenten zufallen, sondern den großen fartellierten Tageblatts" und die Interpretation, die das Blatt dieser Föderalkomitees des proletarischen Zivilpersonals der Ver- Werken, für deren Produkte die Syndikate die Preiſe festsetzen. Der vom Staat erbaute Kanal würde lediglich den Profit Nachricht gibt, Bestätigung finden wird. An sich wäre es waltungsmagazine des Kriegsministeriums: feineswegs ausgeschlossen, daß sich Rußland nach einer General André, der republikanische Striegsminister, wurde, das westfälischen Kohlen- und Eiſenindustrie steigern. Der Vorgang, In Erwägung, daß die feige Handlung, deren Opfer der heute schon beträchtliche Ueberschüsse erzielenden rheinischFriedensvermittelung sehnte. Man braucht dabei keineswegs so naiv zu sein wie das„ Berliner Tageblatt", das sich den Werk der klerikalen Sekte ist, die allein eines solchen Ver- der jüngst in der Offenbacher Handelskammer zur Sprache kam, Anschein gibt, als ob es von der Friedensliebe des Zaren fahrens fähig ist, brandmarken die zivilen Arbeiter und würde sich auf dem Rhein- Zeine- Kanal wiederholen. Das KohlenAnschein gibt, als ob es von der Friedensliebe des Zaren Arbeiterinnen der Verwaltungsmagazine das Individuum, das syndikat bezw. das Kohlenkontor würden die Kohlenpreise in den überzeugt sei. Der Krieg in Ostasien hat einen derartigen Verlauf genommen, daß die Sache Rußlands außerordentlich schlecht sie verübt hat, entbieten sie dem General André ihre volle verschiedenen Lagerplägen am Kanal keineswegs ermäßigen und die steht und eine schließliche Niederlage Rußlands wahrscheinlicher Sympathie und laden ihn ein, die Säuberung der Republik Frachtersparnis als Ertra- Kartellgewinn einstecken. Außerdem verist, als ein russischer Erfolg. Trotz der renommistischen Er- von ihren Feinden ohne Schwanken fortzusehen, denn das mag aber der private Schleppbetrieb unter den Verhältnissen, mit denen zu rechnen ist, nicht jene gleichmäßige Beförderung zu leisten, wie der flärungen der ruffischen Politiker dürfte man auch in Rußland Proletariat ist mit ihm für die soziale Republik." Staatsbetrieb. Wie schon gesagt wurde, würden die grBergwerksselbst zu dieser Ueberzeugung gelangt sein. Wenn sich daher und Hüttengesellschaften teils sich selber Schlepper anschaffen, teils für Rußland die Möglichkeit böte, durch eine neutrale und bemit den Schleppgesellschaften Vorzugsverträge abschließen. Die Folge freundete Macht Friedensverhandlungen angebahnt zu sehen, so " Das Schleppbetriebs- Monopol auf dem Rhein- Leine- Kanal". wäre, daß in Zeiten starken Güterandranges die anderen Waren dürfte Rußland nur zu gern auf eine derartige Beilegung des Krieges zurückstehen müßten. Zudem ist mit ziemlicher Sicherheti Sarauf zu einzugehen bereit sein. Daß andererseits Wilhelm II. die größter Der Antrag auf Verstaatlichung des mechanischen Schleppbetriebes rechnen, daß die Einnahmen der Eisenbahnen in den Kanalgebieten Sympathien für das zarische Rußland hegt und die russischen auf dem Rhein- Leine- Kanal, den das Zentrumsmitglied des preußischen wenigstens zunächst abnehmen werden, und dieser Ausfall muß Niederlagen von Herzen bedauert, haben ja seine verschiedenen Abgeordnetenhauses Dr. Am Zehnhoff in der Kanalkommission ge- wieder eingebracht werden, wenn nicht durch die Einnahmen aus Kundgebungen bewiesen. An seiner Bereitwilligkeit, Rußland stellt hat, erweckt in der bürgerlichen Presse heftige Fehde. Das ist dem Schleppbetrieb, dann durch Steuererhöhungen. aus seiner üblen Lage zu befreien und einen Friedensschluß durchaus begreiflich, handelt es sich doch im Grunde genommen zustande zu bringen, bei dem Rußland noch mit einem blauen bei dieser Frage um einen Profitstreit zwischen den nach Auge davon kommt, kann also nicht gezweifelt werden. Besitz und Einkommen maßgebenden Schichten des preußischen So sehr nun auch das sozialistische Proletariat den Krieg Ostens und Westens. Nach hergebrachter Schablone sprechen zwar prinzipiell verwirft, und so inniges Mitleid es mit den Opfern des die um den Kanalbau streitenden Parteien von wirtschaftlichen Barismus empfindet, die gegenwärtig auf den mandschurischen Boltsinteressen; aber jede versteht darunter lediglich die speziellen Schlachtfeldern verbluten, so wenig wird es sich für eine Erwerbsinteressen ihrer Klientelschaft. Das Projekt des MittellandFriedensvermittelung begeistern können, die die zehnmal ver- kanals ist von Jahr zu Jahr in steigendem Maße, je mehr an ihm Beratung stand die Frage der Abgabenerhebung auf den regudienten schlimmen Folgen dieses frivol heraufbeschworenen herumturiert worden ist, zu einem reinen Handelsobjekt geworden, Krieges von dem Zarismus abwenden würden. Für eine um das zwischen den verschiedenen Wirtschaftsgruppen nach allen lierten Strömen in Verbindung mit der Resolution Am Zehnhoff: Friedensvermittelung würde sich das Proletariat nur dann Kunstregeln der politischen Schachermachei gefeilscht wird unter" Die Einführung von Gebühren zum Ausgleich für die Kosten der erwärmen fönnen, wenn Rußlands ostasiatischer Beutepolitik Mitbeteiligung der Regierung, die, was sie auf geradem Wege nicht Verbesserung und Unterhaltung der natürlichen Binnenschiffahrtsdabei die verdiente Niederlage bereitet würde. Sollte da- zu erreichen vermag, durch allerlei Stonzessionen an das ostelbische Straßen in die Wege zu leiten." gegen die Friedensintervention Wilhelm II. auch nur im Junkertum zu erlangen sucht. Aus dem Württembergischen Landtag. entferntesten darauf hinauslaufen, Japan abermals um Obgleich in diesem Streite die rheinisch- westfälische GroßStuttgart, 9. Nov.( Privattelegramm.) die Erfolge seines opferreichen und ruhmvollen Krieges zu industrie nicht minder einseitige Profitinteressen vertritt, als Seit Sonnabend ist der Landtag wieder tätig. Bei der Konbringen, wie es seinerzeit durch das russisch- französisch- deutsche der östliche Großgrundbesitz und die schlesische Kohlen- und stituierung des Preßkomitees und der Kommissionen gelang es Eingreifen in den chinesisch- japanischen Strieg um seine kriege- Hüttenindustrie, spielte erstere bisher doch die Rolle als Vertreterin unserer Fraktion, noch in einer weiteren Koission Vertretung zu rischen Erfolge gebracht wurde, so wäre ein derartiges Ein- einer wirklich nationalen Wirtschaftspolitik, da die liberale Presie mit erlangen. Unsere sämtlichen Abgeordneten h jetzt Kommissionsgreifen einer neutralen Macht vom Proletariate entschieden zu Geschick die egoistischen Motive der rheinisch- westfälischen Industriellen size inne, einige Site sogar in den näheren commissionen. verwerfen. Eine solche Friedensvermittelung würde nur als ideologisch zu verbrämen wußte. Diesen Glorienschein, in welchem Am Montag trat der Landtag in die Beratung der neuen Geneuer Liebesdienst nicht gegen das russische Volk, sondern die Herren Großzindustriellen nach außen erstrahlten, hat der Antrag meinde- Ordnung ein. Im Abschnitt 1 des Entwurfes wird die pergegen den wackelnden Zarismus empfunden werden. Dem des Abgeordneten Am Zehnhoff jämmerlich vernichtet. Es war ein sönliche Grundlage der Gemeinde behandelt. Hier beantragten unsere Parteigenossen, die vom Entwurf vorgesehene BürgerBarismus fallen alljährlich im eigenen Lande so viele Opfer, meisterhafter Schachzug, als er gleich nach dem Wiederzusammen- gemeinde, welche den Grad der Gemeindewähler sel: beschränkt und daß selbst die gewaltigsten Blutopfer im ostasiatischen Kriege treten der Kanalfommission die Forderung stellte, der Staat solle zwecks dadurch insbesondere die Arbeiter vom Wahlrecht fernhält, durch nicht zu groß sein würden, wenn sie dazu beitrügen, den Herstellung eines einheitlich geregelten„ eisenbahnmäßig eingerichteten" die Einwohnergemeinde zu ersehen. Nach ihrem Antrage soll das Barismus in Rußland zu stürzen und dem russischen Volke Betriebes und zur Deckung eines Teils des durch die Frachtenentziehung der Bürgerrecht ohne weiteres jedem männlichen Einwohner zufallen, die Befreiung von der zarischen Knute zu bringen! Staatseisenbahn erwachsenden Einnahme- Ausfalls den mechanischen welcher Angehöriger des Deutschen Reiches ist, das 25. Lebensjahr Schleppbetrieb auf dem Rhein- Leine- Kanal in eigene Regie nehmen. zurückgelegt hat, seit einem Jahre im Gemeindebezirk seinen Wohnsitz Er bot dadurch der klerikalen und konservativen Landtagsfraktion hat. Ferner jedem ledigen oder verwitweten weiblichen Einwohner, auf welchen diese Voraussetzungen zutreffen. Mit diesem BürgerParis, 7. November.( Eig. Ber.) Syveton steht nicht Gelegenheit, sich als Verfechterin des Allgemeinintereſſes gegenüber recht soll dann ohne weiteres das altive und passive Wahlrecht ver allein. Sein tückischer und kühl berechneter Ueberfall auf den den Sonderinteressen der rheinisch- westfälischen Großindustrie aufzu- fnüpft sein. Diese Anträge tamen in der Dienstags- Sizung zur Kriegsminister findet die ausdrückliche, teils enthusiastische spielen, und zweitens zwang er lettere, entweder auf einen Teil des Verhandlung und wurden vom Genossen Tauscher begründet, der Billigung der Nationalisten, dieser Partei der„ honetten vom Kanalbau erhofften Ertragewinnes zu verzichten oder sich, in- besonders den Grundfab betonte, daß gleiche Pflichten und gleiche Leute", der aristokratischen und aristokrägelnden Welt, der dem sie sich gegen den staatlichen Schleppbetrieb erklärte, zu demasfieren Rechte gegenüberstehen müssen. Man nimmt jedem in einer Ge Hüter der echt französischen" ritterlichen Ueberlieferungen. und einzugestehen, daß es ihr weniger auf das Kulturwerk des Kanal- meinde zuziehenden Mann sofort Steuern ab, folglich müsse man ihm Jede Klasse hat die Helden, die sie verdient. Die politisch baues", auf die Verkehrserleichterung zum Nutzen der deutschen auch das Recht der Mitbestimmung in Gemeindeangelegenheiten und moralisch auf den Hund gekommene Reaktion bespiegelt Volkswirtschaft" usw., als auf die ungehinderte, möglichst tostenlose geben. Heute habe aber speziell unter der arbeitenden Bevölkerung eine solche Fluftuation plaggegriffen, daß die dreijährige Karenzsich mit kannibalischem Behagen im Bubenstreich des Syveton. Ausnutzung des Kanals in ihrem priwatwirtschaftlichen Interesse an zeit, nach der das Bürgerrecht erst gegen hohe Gebühr erworben Durch die Nationalität zur Bestialität." Dieses Wort komme. Und diese Absicht ist dem Abgeordneten Am Zehnhoff denn werden könnte, viel zu hoch sei. fitzt auch dem französischen Nationalismus von jeher wie an- auch prächtig gelungen. Mehrfach haben in den letzten Tagen libegegossen. Aber seit längerer Zeit hat er seine schöne Seele rale Blätter erklärt, daß Industrie und Handel kein eigentliches nicht so unanständig entblößt wie im Falle Syveton. Die Interesse am Kanalbau mehr hätten, wenn auf ihm das staatliche bisherige vollständige Aussichtslosigkeit der reaktionären Oppo- Schleppmonopol durchgeführt würde. Dabei gefällt es einem Teil als den Anschein zu erwecken, sition hat die brutale Draufgängerei ihrer nationalistischen dieser Blätter, Vorhut gedämpft. Vergebens stöhnte Drumont( der Führer Antrag nicht nur die staatliche Monopolisterung des gesamten der Antisemiten) über die Entmannung der nationalistischen Schleppbetriebes, sondern als bedeute er in Wirklichkeit die VerstaatDeputierten. Das durchbohrende Gefühl der Hoffnungs- lichung der ganzen Kanalschiffahrt. Tatsächlich hat der Abgeordnete Es war unserem Genossen Hildenbrand eine Kleinigkeit, losigkeit lähmte den männlichen" Schwung der Demagogen. Am Behnhoff nur beantragt, daß der mechanische Betrieb", d. h. solche und ähnliche untergeordnete Argumente zu bekämpfen. Be Dazu kam die Rücksicht auf die soliden, ehrpusseligen Bundes- der mit Dampfkraft oder Elektrizität arbeitende Schleppbetrieb( ge- züglich des Frauenwahlrechts sollte unser Antrag den bürgerlichen genossen aus dem melinistischen Lager, die aus gutem Grunde plant ist der elektrische Betrieb wie im Teltow- Kanal) dem Staat Parteien nur den ersten Schritt erleichtern, indem er das Wahlrecht die nationalistische Radaumacherei als eine Störung ihrer vorbehalten sein soll. Der mit Menschen- oder Tierkraft arbeitende zukommen läßt, wie es die bürgerlichen Parteien schon bei den zuerst den wirtschaftlich selbständigen und steuerzahlenden Frauen eigenen stillen Minierarbeit einzudämmen fuchten. Jezt aber Schleppbetrieb, d. H. der Kleinbetrieb soll nicht vom Staate mono- Wahlen zu den Handelskammern gegeben haben. Wenn sie dem - und das ist der symptomatische Wert des Falles Syveton-, polisiert werden. Dadurch ist der Großindustrie von vornherein Antrage dennoch nicht zustimmten, so ist ein Vorwurf nicht gegen da der Reaktion wieder ein Strahl der Hoffnung zu leuchten die Anwendung des beliebten Tricks entzogen worden, das Interesse unsere Infonsequenz zu erheben, sondern gegen die Gegner, welche -" 1 Nationalistische Bestialität. fordere der * Dem Bericht über die Dienstagssigung der Kanalfommission in gestriger Nummer ist noch nachzutragen, daß schließlich nach langer Debatte der Antrag des Abg. Am Zehnhoff betreffend die Einführung des staatlichen Schleppmonopols mit 17 Stimmen an genommen wurde. Gestern tagte die Kanalfommission in geheimer Sigung. Zur Die gegnerischen Parteien machten sich die Entgegnung auf unsere Anträge ungeheuer leicht. Sie führten aus: Wer ein Interesse an der Gemeinde habe, dürfe die Gebühr für die Erwerbung des Bürgerrechts nicht scheuen. Wenn der Arbeiter an die Organisationen Beiträge zahle, so könne er auch für das Gemeindewahlrecht etwas zahlen. Außerdem wurden dann billige Wize darüber gemacht, daß unser Antrag nur den ledigen und verwitweten Frauen das Wahlrecht geben solle. dem Frauenwahlrecht platonische Liebeserklärungen machen, ohne ehrlich an seine Verwirklichung heranzutreten. Hatte doch der konservative Kraut gejagt: Das Frauenwahlrecht werde ja be- stimmt einmal kommen, das glaube auch er, aber man solle der Sozialdemokratie bei Errichtung des Zukunftsstaates auch noch etwas zu tun übrig lassen. Dies sollte vermutlich ein Witz sein, ist aber nur die Maske einer politischen Unehrlichkeit. Wenn des weiteren die Volkspartei bereit war, die Bürgerrechtsgebühr von 5 auf 2 Mark herabzusetzen, so hätte sie es ebensogut auch völlig aufheben können. Wenn dies schließlich nicht geschah und unsere Anträge mit allen gegen unsere Stimmen und die eines Demokraten abgelehnt wurden, so beweist dies, daß man den wachsenden Einfluß der Ar- beiterschaft auf die Gemeindeverwaltungen fürchtet und daß alle politischen Grundsätze der bürgerlichen Parteien über das gleiche Recht aller Staatsbürger an dem Punkt in die Brüche gehen, wo ihr Klasseninteresse gefährdet erscheint. Das Reichsgericht über„Doppel"-Wahlcn. Der Maurer Leonhardt war vom Landgericht in Leipzig zu drei Tagen Gefängnis verurteilt worden, weil er bei den letzten Reichstagswahlen— er war an zwei Orten, in Reudnitz und Dahlen, rechtmäßig in die Wählerliste eingetragen worden— in der Hauptwahl in Reudnitz(Leipzig-Land), in der Stichwahl in Dahlen ge- wählt hatte. Uebcr seine Revision entschied am Dienstag der vierte Strafsenat des Reichsgerichts. Sein Verteidiger, der Reichstags-Abgeordnete Dr. Herzfeld aus Berlin, der selbst wegen eines gleichen Falles ver- urteilt worden ist(über seine eigene Revision hat das Reichsgericht noch nicht entschieden), führte folgendes aus: Es fragt sich, ob die Stichwahl selbständiger Rechtsakt ist oder nur die Fortsetzung der Hauptwahl. Der§ 7 mit§ 6 zusammen ergibt das erstere.§ 6 bestimmt nur die örtliche Zuständigkeit der Wahlbezirke, aber nicht, daß jeder Wähler nur einen Mann wählen dürfe. Z 7 spricht nur davon, daß innerhalb eines Wahlkreises nur ein Ort zuständig ist. Bei einer Wahl ist es natürlich auch nicht zulässig, daß in Leipzig und in Dahlen zugleich gewählt wird. Z 8 gibt die Lösung. Die Regierung hatte permanente Wahllisten vorgeschlagen, es ist dafür aber nicht permanente gesetzt worden. Auf Veranlassung des Ab- geordneten Bähr ist bestimmt worden, daß bei Stichwahlen neue Listen aufgestellt werden. Daraus folgt, daß die Stichwahl eine selbständige Handlung ist. Z 29 des Wahlreglements bekräftigt dies.» Die Hauptwahl ordnet der Kaiser an, die Stichwahl der Wahl- Vorsteher. Die Hauptwahl schließt mit dem Wahltage ab.§ 34 des Wahlreglements hat noch deutlichere Bestimmungen getroffen. Er stellt die allgemeine Wahl als einen besonderen Rechtsakt hin, von dem aus die einjährige Frist berechnet wird, nach welcher eventuell neue Listen aufgestellt werden müssen. Die Frage ist sehr verwickelt, deren Lösung durchaus nicht auf der Hand liegt und über die der Reichstag noch keine Entscheidung getroffen hat. Die Unter- stellung, daß der Angeklagte gewußt habe, er dürfe bei der Stichwahl in Dahlen nicht wählen, ist doch nicht durchschlagend. Das Urteil des dritten Strafsenats vom 11. Juli gegen Eberhardt in Erfurt ist ganz irrig und widerspricht einer früheren Entscheidung. Die Ent- fcheidungen treffen nur Fälle, die sich auf die äußere Wahl Hand- l u n g, aber nicht auf das materielle Wahl recht beziehen. Auch der Z 108 des Gesetzes will nur die äußere Wahl Handlung schützen, nicht das materielle Wahl recht. Die Ausübung des Wahlrechts ist nicht möglich ohne die Hülfe des Wahlvorstehers, der den Zettel einlegt. Daher ist der Wahlvorsteher Mittäter oder Gehülfe. Das wäre die Konsequenz. Ueber die Wahlberechtigung hat nur der Reichstag zu entscheiden. Der Reichsanwalt führte dagegen folgendes aus: Dieser Fall liegt völlig gleich dem, der am 11. Juli den dritten Strafsenat beschäftigte. Nur hatte der damalige Angeklagte an demselben Tage in zwei Wahlkreisen gewählt. Die Stichwahl entbehrt jedes selbständigen Charakters und ist nur eine Fortsetzung der Hauptwahl. Die Stichwahl ist nur die Beendigung der Hauptwahl, welche vor- läufig ohne Ergebnis war. Es gehört aber zum Wesen der Wahl, daß jemand gewählt wird. Z 108 will auch eine materiell unrichtige Herbeiführung eines Wahlergebnisses bestrafen. Es ist nicht ein- zusehen, weshalb der Gesetzgeber die materielle Wahl nicht schützen wollte, wenn er die äußere schützte. Durch den Artikel von Drenk- mann aus dem Jahre 1809, der eine bezügliche Schwäche des prcu- ßischen Gesetzes ausdeckte, war der Gesetzgeber darauf hingewiesen, diesen Fehler nicht aufzunehmen. Der Wahlvorsteher kann sich nicht strasbar machen, wenn er dem Gesetze gehorcht und den Zettel un- crösfnet annimmt. Ebensowenig wird ein Richter, der einen Meineid abnimmt, Gchülfe bei Begehung des Meineides. Daß das Gesetz nicht die Wahl an zwei Orten verbiete, wie der Verteidiger behauptet, bedarf wohl keiner Widerlegung. Das Gesetz verbietet direkt eine Wahl an zwei Orten. Das Reichsgericht schloß sich im wesentlichen den Ausführungen des Reichsanwalts an und erkannte auf Verwerfung der Rc- Vision._ Staatsgefährliche Schutzmänner! Aus München wird uns in Ergänzung des gestrigen Telegramms gcschrieden: Unter der hiesigen Schutzmannschaft herrscht schon seit einigen Jahren inbezug auf die Behandlung durch die Vor- gesetzten, ungerechte Dienstcinteilung und sonsttge krasse Miß- stände starke Erbitterung. Es wurden schon verschiedene Petitionen an den Landtag gebracht, die darin niedergelegten Wünsche und Beschtverdeu u. a. von unseren Genossen ver- treten, der Minister v. Feilitzsch versicherte den Schutzleuten sein„Wohlwollen", versprach die Mißstände, soweit möglich, zu beseitigen und den Dienst möglichst zu erleichtern — aber geschehen ist bisher nichts. Der Herr Polizeiminister trägt sein schon sprichwörtlich gewordenes berühmtes„Wohlwollen" wohlverwahrt unter dem Brustlatz. Neuerdings wurde angeordnet, daß die verheirateten Schutzleute, die abends von 7—10 und 10—1 Uhr Patrouille zu machen haben, nicht mehr zu Hause, sondern auf der Station schlafen müssen. Das schlug dem Faß den Boden aus, weshalb sie für gestern nachmittag nach der Thomasbranerei eine Versammlung einberiefen, um sich wie die Postbediensteten, Eisenbahner usw. -u organisieren. Der Polizeimajor S c u f f e r- Held hatte den Schutzleuten jedoch„nahegelegt", der Versammlung fernzubleiben und alle, die auch nur im ent- ferntesten„unruhig" waren, erhielten für gestern nachmittag D i e n st. Aber dennoch war die Versammlung von etwa 60 S ch u tz l e u t e n besucht. Als man sich anschickte, die Mißstände zu besprechen und Mittel und Wege vorschlagen wollte, wie diese am besten beseitigt werden könnten, erschien ein Wachtmeister, der den Schutzmännern plausibel machen»vollte. daß es sich hier um eine nicht angemeldete Versammlung handele. Und bevor die Schutzleute auch nur eine Antwort geben konnten, erschien auch schon ein Polizeikommissar und erklärte die Versammlung im Namen des Gesetzes für aufgelöst, der Ausgang wurde versperrt und samt- liche Teilnehnier wurden notiert! Mit dieser Aktion hat sich die Polizeidirektion wieder einmal unsterblich blamiert, denn erstens handelte es sich nicht um eine..Versamnilung". in der öffentliche Angelegenheiten erörtert wurden, sondern um eine Vorbesprechung zur Gründung einer wirtschaftlichen Vereinigung zwecks Wahrung von Verufsinteressen. und zlveitens ist das Institut der Münchener Schutzmannschaft, ivenn auch militärisch organisiert, ein Zivil-Jnstitut und können zweifellos auch die Schutzleute wie die Post- und Eisenbahnbedicnsteten von dem gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrecht Gebrauch machen. Ans alle Fälle ist der Zuzug von Schutzleuten nach München fernzuhalten. Arbeiterfreundliche— Pardon schutzmann- frcundliche Blätter werden um Nachdruck gebeten!— Tie Abberufung Oberst Lcutweins wird nach einer Meldung des„Tag" in Berliner Kolonialkreisen als nahe bevorstehend bezeichnet. Vor kurzem wurde bekanntlich diese schon mehrfach aufgetauchte Nachricht noch energisch dementiert. Vor einiger Zeit kündigte der südwestafrikanischc Berichterstatter des„Lokal-Anzeiger" an, daß eine Abberufung des Oberst Leutwein eine Erhebung der sämtlichen Hottentottenstämme zur Folge haben werde. Nun ist diese Erhebung bereits eingetreten, ehe Oberst Leutwein abberufen worden ist. Es wäre aber trotzdem keineswegs ausgeschlossen, daß auch diejenigen Stämme, welche sich bisher dem Aufstand der Witbois nicht angeschlossen haben, ebenfalls rebellieren würden, wenn Oberst Leutwein abberufen wird.— Nach einer Meldung der„Deutsch-Südwestafrikanischen Zeitung" hat sich ein H e r e r o t r u p p bereits ergeben. Salatiel, ein Sohn des Kapitäns Kampazembi, hat mit 60 Mann die Waffen ge- streckt. Hoffentlich gewährt man diesen Hereros Pardon, nament- lich da Salahel sich nur gezwungen dem Aufstande angeschlossen haben soll. Von der Behandlung dieses Trupps und derjenigen Ab- teilungen, die sich in der nächsten Zeit ergeben werden, wird es ja abhängen, ob die Hcreros in ihrer Mehrheit die Waffen strecken oder den Kampf in verzweifeltem Widerstand bis zu ihrer Aufreibung fortsetzen werden. Nichtig wäre es allerdings, endlich mit den Hereros in Verhandlungen einzutreten und ihnen gegen Aus- lieferunz der Waffen Generalpardon zuzusichern. Die„Kölnische Zeitung" läßt sich aus Verlin vom 9. November melden: Aus zeitlichen Gründen wird eine e i n h e i t- liche Verrechnung der Kosten für die Niederwerfung der auf- rührerischen Bewegung in Deutsch-Südwcstafrika nicht erfolgen können. Sie würde auch nicht den Grundsätzen unserer finanziellen Verwaltung entsprechen. Die Kosten werden zum Teil in Nachtrags- Etats, zumTeilimordentlichenEtat für 1905 erscheinen. In den bisherigen, bereits genehmigten Nachtrags-Etats von 1903 und 1904 sind die Kosten des Krieges gegen die Bondelzwarts, die der ersten Monate des Kampfes gegen die Hereros, sowie die Entschädigung von zwei Millionen Mark für die Ansiedler enthalten. Für die seitdem fortlaufend im Etatsjahr 1904 entstehenden Kosten wird zunächst ein weiterer noch zu genehmigender Nachtrags- Etat für 1904 in Höhe von rund 80 Millionen vorgelegt werden. Alsdann werden in den ordentlichen Etat für 1905 die vorauSzu- sehenden Kosten für größere Unternehmungen und Truppenmengen unter der Rubrik einmalige Ausgaben gestellt werden. Diese Mitteilungen der„Köln. Zeitung" bestätigen nur die Aus- führungen des„Hannov. Kuriers". Um die Riesenausgabcn für den Herero-Feldzug nach Möglichkeit zu verschleiern, soll der größte Teil der Ausgaben im ordentlichen Etat für 1905 gebucht werden. Trotzdem wird em außerordentlicher Nachtrags-Etat in der Höhe von ca. 80 Millionen nötig fem, um den Betrag für die Aus- gaben des Jahres 1904 zu decken I Das ganze Abenteuer wird mit 2— 300 Millionen nicht zu hoch veranschlagt sein! Berlin, 9. November. An Typhus gestorben: Reiter August Wotzlawek, geboren 1. 8. 80, am 4. 11. 04 in Otjosondu; See- soldat Ulrich, geboren 5. 11. 83, am 6. 11. 04 in Okahandja; Reiter Heinrich Jordans, geboren 5. 8. 83, am 6. 11. 04 in Okahandja an Blutvergiftung gestorben? Kriegsfreiwilliger Borr Niklas S w a r t, am 31. 10. 04 bei Sechikamelbaum gefallen. Unruhen in Kamerun. Eine amtliche Meldung lautet: Berlin. 9. November. Die infolge der Zeitungsnachrichten über Unruhen im Gebiet der Station Bamenda beim Gouverne- ment in Kamerun eingezogenen telegraphischen Erkundigungen haben ergeben, daß die Bafut ruhig sind, dagegen in der Nähe von Babadju lokale Unruhen aus Anlaß des unter Leutnant von Puttlitz stattfindenden Wegebaues entstanden waren. Bei einem am 13. September stattgehabten Gefecht verlor der Gegner seinen Häuptling und 30 Tote, wäh- rend auf unserer Seite keine Verluste zu ver- zeichnen waren. Der neue Häuptling hat auf der Station Bamenda seine Unterwerfung angeboten. Nach übereinstimmen- der Ansicht des stellvertretenden Gouverneurs und des Truppen- kornmandeurs bietet die Lage keinen Anlaß zur Beun- r u h i g u n g. Nahe bei Babadju sind genügende Streitkräfte vorhanden, um die den Aufständischen auferlegten Strafbedingungen durchzuführen. Hoffentlich findet die Auffassung des Gouverneurs und des Truppenkommandeurs über die Lage ihre Bestätigung. Um aber späteren Unruhen vorzubeugen, wäre es dringend nötig, eingehende Untersuchungen über die Ursachen der Erhebung anzustellen. Da- durch, daß man einen Aufstand blutig niederwirft, hat man die Gefahr späterer Aufstände noch keineswegs beseitigt. Gerade der Hcrero- und Hottentottenaufstand sollten die Regierung veranlassen, von dem bisherigen System der terroristischen Niederwerfung ab- zugehen und lieber Einrichtungen zu treffen, durch die die berechtigte Unzufriedenheit der Eingeborenen beseitigt wird. Läßt die deutsche Regierung es in unseren Kolonien in dem bisherigen Schlendrian wefter gehen, so wäre es durchaus nicht ausgeschlossen, daß der südwestafrikcmische Aufstand auch in unseren anderen Kolonien eine Wiederholung finden könnte.— Husland. Znm russisch-englische» Konflikt. London, 7. November. Mittwoch ist Lord Mayors Day: der Tag der Einführung des neuen Cith-Obcrbürgermcisters in sein Amt. Abends findet, wie gewöhnlich, ein Bankett in der Guildhall statt. Der Hauptredner des Abends ist ge- wöhnlich der jeweilige Premierminister und seine Rede gilt der äußeren Politik. Da Mr. Balfour infolge der Aufregung über den rrffsisch-englischen Nordsee-Konflikt an Wadcnkrampf erkrankt ist, wird diesmal Lord L a n s d o>v n c. der Staats- sekretär des Aeußcrn, die Bankett-Rede halten. Irgend welche wichtige Erklärungen dürften von ihm kaum zu erwarten sein. Der russisch-englische Konflikt ist bereits sud suciics, und über Prozesse, die in richter- lichen Händen sind, werden in England keine polemischen Ansichten geäußert. Zudem ist sich fast jeder denkende Eng- länder darüber klar, daß seine Diplomaten entweder düpiert worden sind oder untapfer gehandelt haben. Die heute ver- öffentlichten sechs Punkte des russisch-englischen Abkommens hätten ohne alle Aufregung und ohne jede Entfaltung der britischen Seemacht zustande kommen können. Die Haltung der englischen Regierung ist rätselhast und kann nur folgende Erklärung haben': entweder hat sie das Selbstvertrauen in die Kraft der'Nation verloren, oder s i e spart dieEnergien der Nation für den Kampf gegen das maritim rüstende Deutschland. Wie an dieser Stelle des öfteren ausgeführt wurde, ist die Ansicht, daß Deutschland der wirkliche Feind Englands sei, fast zum Axiom der öffentlichen Meinung Englands geworden. Aber diese Ansicht ist unvollständig. Deutschland könnte vielleicht den Briten gefährlich werden, wenn ihnen gleichzeitig ein starkes Rußland gegenüberstände. Die deutsche Flotte vereinigt mit der russischen, wie letztere vor dem ostasiatschen Kriege aus- sah und wie sie noch durch die Flotte des Schwarzen Meeres hätte verstärkt werden können, wären imstande, die britische Flotte in Schach zu halten, während russisch-deutsche Regimenter mit der transkaspischen Eisenbahn gegen Indien geworfen werden. Also: Deutschland könnte den Briten nur dann ge- fährlich werden, wenn mit einem starken Rußland vereinigt. Die deutsche Gefahr könnte England deshalb am besten bannen durch eine Niederhaltung Rußlands. Denn der Dreibund kommt bei weltpolitischen Fragen gar nicht in Betracht. Der Dreibund sollte nur für Deutschlands kontinentaler Sicherheit dienen. Für Deutschland in der Weltpolitik kommt entweder Rußland oder England als Bundesgenosse in Betracht. Diese Er- wägung ist selbstredend den britischen Politikern wohl bekannt, und nicht minder der französischen Diplomatie, die deshalb sehr geschickt arbeitet, indem sie sich die Allianz Rußlands und die Freundschaft Englands erhalten will. Und tatsächlich hat der russisch-englische Nordsee-Konflikt nirgends ein so proniptes und tiefes Verständnis gefunden wie bei den Franzosen. Aber vom rein englischen Standpunkt betrachtet, scheint mir die deutsche Gefahr in England ungebührlich ausgebeutet zu werden. Und es ist zweifelhaft, ob die brittsche Diplomatie »virklich in dem Maße an diese Gefahr glaubt, wie sie an die Wand gemalt wird. Beim Ausbruch des russisch-englischen Nordsee-Konflikts ist in England von der deutschen Gefahr gar keine Rede ge- Wesen. Die Nation war fast einstimmig bereit, ihren maritimen Traditionen gemäß zu handeln und das Verbrechen der russischen Flotte blutig zu ahnden. Allein die Regierung zauderte und die Russen nutzten dieses Zaudern aus, indem sie die deutsche Gefahr heraufbeschworen. Die untapfere altung der englischen Regierung hatte einen ganz anderen rund. Ich bin überzeugt, daß der Grund dieses Zauderns nicht in diplomatischen Erwägungen zu suchen ist, sondern in dem n: angelnden Selb st vertrauen in die nationale Energie. Die Konservativen sind klug genug, diesen Punkt nicht zu berühren. Die Liberalen verdecken diese Schwäche durch ihre Haager Konferenzen und ihre Friedens- Hymnen; dennoch konnte eines ihrer besten und maßgebendsten Organe im Schrecken des Konflikts sich nicht enthalten, das Geheimnis auszuplaudern. Ich meine die„ W e st m i n st e r- Gazette", die das beste Abendblatt der englischen Mittel- klassen ist. Am 25. November schrieb sie in ihrem Leitartikel: „Kein Engländer ist imstande, leichten Herzens an einen Krieg mit Rußland zu denken. Wir würden den größten Irrtum begehen, wollten wir aus den Vorgängen in der Mandschurei den Schluß ziehen, daß ein Krieg mit Rußland kein formidables Unternehmen wäre.... Wiederholt haben uns die Kriegs- korrespondenten belehrt, die russische Armee ist trotz aller Niederlagen eine tapfere und formidable Armee, die sich mit jeder europäischen messen könnte.... Gedenken wir, daß diese Armee noch nicht ihre Reserven aus Europa und Mittel- asien herangezogen hat---- Wenn wir das Publikum auffordern, dies in Erwägung zu ziehen, so geben wir ihm keineswegs den Rat der Feigheit; es ist einfach der Rat des gesunden Menschenverstandes." Ohne Zweifel. Auch Falstaff hatte eine ganze Menge gesunden Menschenverstandes, indem er seinen unsterblichen Ausspruch that:„Zurückhaltung ist der bessere Teil der Tapfer- keit". Falstaffs Ausspruch ist die Grabschrift des absterbenden Rittertums. Etwas Aehnliches geht mit dem britischen Bürger- tum vor. Und nicht nur mit dem britischen. Die Furcht der herrschenden Klassen Europas vor Kriegen und Klassen- kämpfen ist ein untrügliches Symptom ihres Niederganges. Die Haager Konferenz ist das erste öffentliche Ein- geständnis der Herrschenden, daß sie den Kampf gegen gleich starke Staaten und Reiche fürchten, und sich nur noch gegen schlecht bewaffnete aftikanische und asiattsche Rassen behaupten können. Aehnlich>vie die„Westminster Gazette" schrieb in den „Times" der Parlaments-Abgeordnete Alex. O. Murray, der den Gladstoneschcn Wahlkreis Mid Lothian vertritt. Er schrieb' „mit Zittern". England sollte sich doch nicht in einen Krieg.' mit Rußland einlassen, da das indische Reich unsicher sei;' Rußland würde mit Japan Frieden schließen, um sich gegen Indien zu werfen. Baron Suyematsu, der Schwiegersohn des'� Marquis Jto, antwortete sehr würdevoll, wie man denn in England e.n Bündnis verstehe, in dem ein Bundesgenosse dem anderenim Stiche lassen könnte; Murrays Briefstn eine Beleidigung Japans. Aber der Engländer konnte gar nicht begreisen, womit er denn Japan beleidigt haben sollte, wenn er chmi zumutete, aus der Verlegenhett eines Bundesgenossen ehr gutes Geschäft zu machen. Man denke nicht. Murray sei der' erste beste Engländer; er gehört vielmehr zu den angesehensten Familien und führt den Tilcl„Honourable und Herr von Eli- bank. Ucbrigens hat ja Bismarck nicht anders gehandelt, als er trotz der Allianz mit Oesterreich den Rückversicherungsvcrttag mit Rußland abschloß. Murray hat eben europäische und christliche Moral, Suyematsu dagegen asiattsche und heidnische. Wird Lord Lansdowne in seiner Bankctttede weise Zurück- chalttmg in bczug auf Rußland üben, so wird er um so mehr die britischen Waffentaten gegen die Lederkanonen Tibets preisen und die Friedensliebe und die Humanität der zivilisierten Welt verherrlichen, wie sie in den verschiedenen internattonalen Schiedsverttägen, die in den letzten Monaten abgeschlossen wurden, zum Ausdruck gekommen sind. * Paris, 9. November.(Meldung der„Agence HavaS":) Die Schwierigkeiten, welche zwischen der russischen und der englischen Regierung bezüglich der Untersuchungs- und Schiedsgettchts-Kom- Mission entstanden waren, sind, ohne sehr ernster Natur zu sein, doch nicht unerheblich gewesen und haben zu lebhaften Besprechungen� Anlaß gegeben. Es handelte sich namentlich um die Frage, ob die in Vigo ausgeschifften russischen Offiziere von der Kommission als' Zeugen oder als Verantwortliche anzusehen seien. Die russische Re- gierung ist der Ansicht, daß diese Offiziere je nach der Entwickelimg der Untersuchung sowohl als Zeugen, ivie als Verantwortliche gelten und daß außerdem noch andere Verantwortlichkeiten in Frage kommen könnten. Man nimmt an, daß diese Kommission in etwa 14 Tagen in Paris, und zwar wahrscheinlich in demselben Saale des Ministeriums des Aeußern zusammentreten wird, in dem die Friedenskonferenz nach dem spanisch-amerikanischen Kriege tagte. Oesterreich-Ungarn. Die Vorgünge in Innsbruck haben dem Nationalitätenhadcr in den österreichischen Ländern neue Nahrung gegeben. In Innsbruck selbst ist die Erregung noch so groß, daß viele italienische Arbeiter von dort abgereist sind? sie inußten unter Polizeischutz nach dem Bahnhof gebracht werden. Die All- deutschen nützen die Aufregung zu ihren chauvinistischen Zwecken aus? es wird kategorisch die Entfernung der italienischen Fakultät und die Abberufung des Statthalters gefordert, worauf aber die Regierung nicht eingehen will.— In zahlreichen deutschen Städten, wie in Linz, Graz, Lroben usw., haben tumultuarische Kund- gedungen gegen Tschechen und Italiener stattgefunden. In Graz demolierten mehrere Hundert Studenten die Fenster- und Spiegel- scheiden eines italienischen Restaurants. Auf der anderen. Seite wird in den italienischen Gebieten Oesterreichs und in Italien selbst durch die Jnnsbrucker Vorgänge die irridentistische Bewegung wieder höhere Wogen schlagen. So werden aus Trient, Trieft und anderen Städten Jftriens bereits solche Kundgebungen gegen die Deutschen gemeldet.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. baben, daß fie Streitarbeit berrichten fortten, Die Sache dürfte der Genossenschaft recht teuer werden. Budapest, 9. November. Abgeordnetenhaus. Jm Berlaufe der Erörterung über die Revision der Hausordnung erklärte Apponyi, er würde die Revision nur als Bestandteil einer allge= meinen Barlamentsreform billigen können. Denn unter der Herr Die russische Armee soll bedeutende Verstärkungen erhalten gesprochen, indem sie rund heraus erklärte, sie wisse jest weder aus Die Lage bei Mukden ist noch immer unverändert. Firma H. Scheller von einer Einigung mit ihren alten Leuten Was nun die Verhandlungen anbelangt, so hatte zuerst die schaft des gegenwärtig geltenden Wahlrechts übe die Regierung einen übergroßen Einfluß auf die Bildung des Parlaments und errege haben und nach einer Meldung der" Morning- Post" nunmehr noch ein, die Geschichte könne unter keinen Umständen so weiter gehen. dadurch die Leidenschaft der Minderheit, die sich dann in Aus- 300 000 Mann mit 1200 Geschützen betragen. schreitungen und Obstruktion äußere; die Obstruktion wiederum Die Kutscher erwiderten, sie seien natürlich stets zur Verständigung Weitere Verstärkungen sollen sobald als möglich nach bereit, doch könne dieselbe nur erfolgen, wenn es auch bei der Wirtrufe in der Regierung das Bestreben hervor, möglichst starte Re- Ostasien abgehen. Der Bar besichtigt demnächst in Suwalki schaftsgenossenschaft zu einer Einigung komme. Dieselbe sei bisher pressionsmittel anzuwenden, und so bewege sich das Abgeordneten- die 5. Schützenbrigade, die sofort nach der 4., die von Odessa lediglich daran gescheitert, weil es die Wirtschaftsgenossenschaft harthaus in einem circulus vitiosus. Er könne daher nicht glauben, daß aus abfährt, bereits in den nächsten Tagen nach dem Kriegs- nädig abgelehnt habe, mit den anderen Unternehmern zusammen vor die Aeußerung des Ministerpräsidenten, man müsse stärkere Mittel schauplatz transportiert werden soll. Beide Brigaden haben dem Ginigungsamte zu erscheinen. anwenden, um den Willen der Mehrheit zur Geltung zu bringen, bedeuten solle, daß er die Revision durch einen Gewaltaft durchſehen also unter ihren Reservisten fast nur kriegsgeübte, mit den Ver- auch der Herr Inspektor der Wirtschaftsgenossenschaft zu Berhand bedeuten solle, daß er die Revision durch einen Gewaltatt durchsetzen seinerzeit an der China- Erpedition teilgenommen, jie haben lange denn diese Streiferei noch dauern solle, erklärte sich gestern Auf eine Anregung des Fuhrherrn Fride, der da meinte, wie wolle.( Stürmischer Beifall auf den Bänken der Opposition.) Ministerpräsident Graf Tisza erklärte, die formelle Verhältnissen in Ostasien wohlvertraute Mannschaften. Beide lungen mit den Streifenden bereit. Als diese dazu aber ihren bindung zwischen der Reform der Hausordnung und der Reform des Brigaden zählen zu den besten Elitetruppen der russischen Organisationsvertreter Werner vom Transportarbeiter- Verband Wahlrechts, wie sie Apponyi vorschlage, mache die Reform der Haus- Armee. ordnung unmöglich. Man könne die Rechtmäßigkeit der Majorität nicht beanstanden, weil sie auf Grund des Zensuswahlrechts und nicht auf Grund des allgemeinen Stimmrechts zustande gekommen sei. Graf Tisza erklärte ferner, die Wahl reform Durchführen zu wollen, die jedenfalls eine beträchtliche Vermehrung der Wähler ergeben werde; doch wie man überall bezüglich einer Wahlreform behutsam vorgehen müsse, so sei Vorsicht in Ungarn doppelt angebracht, da nicht alle führenden Elemente der Nationalitäten von gleicher Anhänglichkeit für den Staat beseelt seien. Der Ministerpräsident erklärte auch, daß die definitive Hausordnung jedenfalls auf Grund des Entwurfes eines Ausschusses in Kraft treten werde; in diesem Ausschusse sei auch die Mitwirkung der Opposition wünschenswert.( Beifall rechts.), Frankreich. Augagneur gewählt. Paris, 7. November.( Eig. Ber.) In Lyon wurde in einer Nachwahl Profeffor Augagneur, Maire der Stadt, zum Deputierten gewählt, und zwar mit 4237 von 4668 abgegebenen Stimmen. Das heißt, der beliebte sozialistische Maire hatte so gut wie keine Gegenkandidaten. Der Wahlkreis war früher vom unlängst verstorbenen Jaurèfiften Strauß vertreten, der in den allgemeinen Wahlen 1902 mit 3790 Stimmen wiedergewählt wurde. In der Person Augagneurs gewinnt die ministeriell- sozialistische Rammerfraktion eine hervorragende Kraft. Ein tüchtiger Gelehrter, Profeffor an der medizinischen Fakultät von Lyon, hat er sich im Bürgermeisteramt als ein vorzügliches Verwaltungstalent bewährt. Er hat mit Erfolg wichtige kommunale Reformen durchgeführt, so namentlich die Abschaffung des Oktroi. Daher die glänzende Wiederwahl seiner Lifte in den Gemeindewahlen von 1904 und seine konfurrentenlose Wahl in die Kammer.und 6 verwundet. Die Lage Port Arthurs mitbrachten, da weigerte sich die Direktion, denselben anzuerkennen. Revolten der Reservisten. Wie solche Verhandlungen ohne Organisationsvertreter geführt Petersburg, 9. November.( W. T. B.) Wie aus Moskau fleinen Vorgeschmack. Als sie nämlich die Tür zum„ Allerheiligsten" werden dürften, davon bekam die Kommission gestern bereits einen gemeldet wird, wurden bei Ausschreitungen, die dort aus dem der Direktion öffnete, tönte ihr von einer Bärenstimme" da drinnen Gouvernement Wologda eingetroffene 1000 Mann Reservisten plöglich ein donnerndes Rrrraus, erst anmelden!" entbegingen, gegen das zur Wiederherstellung der Ordnung gegen. Hernach wurden die Herren allerdings etwas gemütlicher; herbeigerufene Militär von den Reservisten Steine und Holz- aber da fie mit dem Organisationsvertreter nichts zu tun haben stücke geschleudert, wobei 4 Offiziere und 9 Sol- wollten, so ging auch die ganze Kommission wieder hinaus, um erst Daten verletzt wurden. Das Militär gab zunächst die Streifversammlung zu befragen, ob diese auf ihren Vertreter einige blinde Schüsse ab, die erfolglos blieben, und feuerte bei den Verhandlungen verzichten wolle oder nicht. dann scharf; 2 Reservisten wurden getötet polizeipräsidium die Streit- Deputation zu sich gebeten, Mittlerweile hatte auch Herr Geheimrat Brauer vom indem er sich telephonisch an den Transportarbeiter- Verband wandte. Als die Deputation sich darauf gestern nachmittag nach dem Bolizei wird auch in einem Telegramm des B. T." aus Peters präsidium begab, bot Herr Geheimrat Brauer seine burg als sehr ernst bezeichnet, trotzdem noch kein einziges der Streits an. Allerdings empfahl Herr Brauer auch die Auspersönliche Vermittelung zur Beilegung des 26 detachierten Forts von Port Arthur gefallen sei. Ein schaltung des Organisationsvertreters bei den Verhandlungen, da Sturm auf die Werke der Nordfront sei nur eine Frage der man es einer so großen Gesellschaft wie der Wirtschaftsgenossenschaft Beit. Doch hoffe man, daß der verzweifelte Kampfesmut doch nicht gut zumuten tönne, den Transportarbeiter- Verband an Stössels und der Besagung durch die Abreise des baltischen zuerkennen( 1). Die Deputation erklärte sich auch hier zu BerGeschwaders von neuem gestählt werde. In amtlichen Peters- handlungen bereit, bezweifelte aber start, daß die übrigen burger Streisen sei man der festen Ueberzeugung, daß die Streikenden und Ausgesperrten ohne ihren Verbandsvertreter verFestung sich bis Ende des Jahres werde halten können. handeln würden, weil nicht einzusehen sei, daß die Arbeiter die Unternehmerorganisation anerkennen sollten, während die Herren Unternehmer die Anerkennung der Arbeiterorganisation verweigern. bersuch bei der Genossenschaft machen zu wollen. Herr Brauer erklärte darauf, immerhin einen VermittelungsLondon, 9. November.„ Daily Mail" erfährt aus dem Hauptquartier des General Nogi vom 8., daß der russische Kreuzer Bajan" auf 8000 Meter von fünf Haubigengranaten getroffen und ernstlich beschädigt sei. vom 8. November gemeldet: Der russische Konsul in Tschifu laufte London, 9. November. Der Morning Post" wird aus Shanghai eine große Zahl Dichunten an, von denen 20 nach Port Arthur geschickt worden sind. Da diese Dichunken keine Ladung an Bord hatten, glaubt man, daß sie dazu bestimmt seien, den Offizieren der Garnison als Fluchtmittel zu dienen. vom 6. November gemeldet: Täglich werden Verstärkungen für die London, 9. November. Dem„ Daily Expreß" wird aus Nagasaki mandschurische Armee und die Belagerungsarmee vor Port Arthur abgeschickt. Von Hierofchima, Shimonoseti und Moji gingen am 5. November zwei Divisionen mit aufollen die Verluste der Belagerungsarmee bei den legten Sturmammen 40000 Mann nach Dalny ab. Diese Divisionen In der gestrigen start besuchten Streitversammlung im„ Engdie Einigungsbestrebungen entgegen. Sämtliche Redner erklärten Situationsbericht sowie die Berichte der Kommissionsmitglieder über lischen Garten" nahmen die Streifenden und Ausgesperrten den fich auf Grund früherer Erfahrungen mit aller Entschiedenheit gegen eine Ausschaltung des Organisationsvertreters bei den Verhandlungen, worauf die Versammlung einstimmig folgenden Beschluß faßte: " Der Direktion der Wirtschaftsgenossenschaft ist die Mitteilung, zu machen, daß die Ausständigen jederzeit zu Verhandlungen bereit find, aber nur unter hinzuziehung eines Vers bandsvertreters." Der Ohrfeigenheld Syveton hat unmittelbar nach der Aufhebung feiner Abgeordneten- Immunität durch die Kammer vorsichtig die Flucht ergriffen. Die Polizei beeilte fich, sein Wohnhaus streng zu überwachen, als er ausgerüdt war. Mit dem Kürassiermajor Legail, den er wegen eines empörten Briefes herausgefordert hatte, erklärte er gestern durch seine Zeugen, sich nicht schlagen zu wollen, weil es nicht angängig sei, daß Major Legail den Platz Andrés, feines Sohnes oder feiner nächsten Verwandten, einnehme. Der Fall wird einem Schiedsrichter unterbreitet, doch haben die der Reihe nach ans versuchen ersetzen. Diese Berluste werden auf 20 000 Mann ge- ftraße 30, Bau Schievelbeinerstraße 4/5, ist gesperrt. gerufenen Schiedsrichter Ferhdesclandes, Ranc und Clemenceau sich geweigert, das Amt zu übernehmen.Belgien. Zwei Kundgebungen schäßt. Gewerkschaftliches. Der Arbeiter im Dienst". Bräffet, 7. November.( Eig. Ber.) Am legten Sonntag hat die kleritate Regierung einen bösen Tag erlebt. Zwei Kundgebungen danken befreunden, daß der Arbeiter ein ihnen gleichberechtigter Viele Unternehmer fönnen sich immer noch nicht mit dem Gefind veranstaltet worden, die den Oppositionsparteien Gelegenheit gaben, großen Eindruck auf die öffentliche Meinung zu machen und Kontrahent des Arbeitsvertrages ist, und daß der Arbeiter als Mensch die bedeutende Zahl ihrer Anhänger zu zeigen. genau so bewertet werden muß wie die Unternehmer. Die AufIn Brüssel hatten die Liberalen beschlossen, ihren Testen fassung, daß der Arbeiter ein Untergebener des Unternehmers fei, Wahlfieg, in dem fie 9 Size gewonnen haben, durch einen politischen daß er in einem Dienstverhältnis zum Arbeitgeber stehe, kommt nicht Umzug zu feiern. Sie haben nicht mit Absicht den Tag kurz vor der nur zum Ausdruck in den Handlungen der ausgesprochenen Arbeiter Eröffnung der Stammer zur Manifestation ausgewählt, vielmehr war feinde, sondern fie tritt oft ungewollt und umbeabsichtigt hervor, und der zurzeit beabsichtigte Umzug vor drei Monaten verboten worden und zwar durch den liberalen Bürgermeister von Brüssel. Dieses gerade bei solchen Gelegenheiten zeigt es sich, wie tief der Herrenliberale Verbot hat die Veranstalter des Festes nicht gehindert, den dünkel manchem Unternehmer im Blute steckt. So erklärt es sich eigenartigen Liberalen zu ihrer Feier einzuladen, und er thronte denn auch, daß die von den Unternehmern erlassenen Fabrikbei der Festtafel auf dem Ehrenfis und hatte die Unverschämtheit, ordnungen mitunter mehr dem Geiste eines Gesinde verhältnisses eine Rede zu halten. Solche Dinge sind wohl nur in Belgien als dem Sinn eines Arbeitsverhältnisses entsprechen. möglich. Bor uns liegt die Fabrikordnung der Dampf- Schneidemühle und Der liberale Umzug war sehr stattlich. Er durchlief den vor- Fournier- Messerei von A. J. Lühr u. Wiese Nachf., Berlin O. Der gezeichneten Weg fast 2 Stunden lang, man kann die Zahl der Teilnehmer auf ungefähr 20 000 schäben, aber man darf nicht ver§ 4 dieser Fabrikordnung lautet:" Sämtliche Arbeiter der Fabrik geffen, daß viele Industrielle der liberalen Partei ihre Arbeiter ein- find dem betreffenden Werkführer( Meister, Vorarbeiter) un geladen" hatten, nach Brüssel zu kommen und daß der Deputierte mittelbar untergeordnet und haben den Anordnungen Warocque, ein Nabob, sich öffentlich gerühmt hat, die Herbeischaffung derselben im Dienst unbedingt Folge zu leisten." von 7000 Perfonen aus seiner Gegend bezahlt zu haben. Am Der Geist, welcher diefen Paragraphen durchweht, tritt uns fast Abend sah man eine große Anzahl dieser Arbeiter, die das blaue Band in jeder einzelnen Bestimmung der Fabrikordnung entgegen. UnVorstehender Beschluß wurde der Direktion sogleich übermittelt Tapezierer, Kleber! Der Tapezierermeister Gebice, Eberswalder Die Ortsverwaltung. Rusland. Der Streit der niederländischen Glasbläser. Die Organisationen der Glasarbeiter fandten am 1. November der Fabrikantenorgani sation ein Schreiben, worin sie den Vorschlag machten, die Fabrifanten sollten die alten Lohnfäße wieder einführen, oder durch Vorden Beweis erbringen, daß die Herabsetzung der Löhne durch die legung ihrer Berechnungen den Arbeitern und deren Sachverständigen mißlichen Verhältnisse in der Industrie notvendig geworden sind. Außerdem wurde in dem Schreiben Anerkennung der Drganisation Sonferenz abhielten, haben beschlossen, die Hauptborstände der drei verlangt. Die Fabrikanten, die am Montag in Rotterdam eine Glasarbeiter- Organisationen auf Donnerstag zu einer Verhandlung einzuladen, an der je zwei Bertreter der Vorstände, doch nur solche, die unmittelbar vor dem Streit noch im Beruf tätig waren, teil nehmen sollen. Wie weiter mitgeteilt wird, haben die Fabrikanten beschlossen, daß wesentliche Aenderungen der von ihnen aufgestellten neuen 2ohnsäße nicht zugestanden werden sollen; doch könnte vielleicht die gegen seitige Aussprache ergeben, daß einzelne unbedeutende Punkte geändert würden. Eingegangene Druckfchriften. Hans Torbel. Paa almenmenneskelig Grund. 145 Seiten. Forlagt af J. C. F. Schous Boghandel. Torvegade 7, Kobenhavn O. Skoletrykkeriet. 1904. Hefte zum chriftlichen Orient, Nr. 7. Russische Klostergefängnisse. Von Christophilos. Preis 20 Pfennig. Verlag: Deutsche Orient Mission, Berlin W. 10, Lützow- Ufer 5. im Knopfloch trugen, an den Tischen in unserem Volts- zähligemal ist von den„ Vorgesezten" der Arbeiter die Rede, und Letzte Nachrichten und Depeschen. " Legislatoren und einen Senator. eine halbe Million Stimmen. wärts".) Bei der heutigen Stadtverodnetenwahl wurden Genosse Frankfurt a. M., 9. November.( Privatdepesche des„ VorZinlowsti und drei Bürgerliche gewählt. Außerdem sind wir an 12 Stichwahlen beteiligt. Unsere Stimmenzahl stieg von 2400 auf 4300, Eisenbahn- Unfall. haus. Auf diese Weise zusammengebracht vermochte dieser liberale bei allem, was der Arbeiter zu tun beabsichtigt, hat er erst die ErUmzug feine große politische Bedeutung zu gewinnen. Die Manifestanten laubnis des„ Vorgesetzten" einzuholen. Wenn er glaubt, daß Zu den amerikanischen Wahlen. begnügten sich, antiflerikale Rufe auszustoßen, während die Forderung New York, 9. November.( Privatdepesche des Borwärts".) des allgemeinen Stimmrechts recht wenig erhoben wurde. Auf dem ihm sein Vorgesetzter" unrecht tut, dann darf er das wird ihm das wird ihm Bankett, welches dem Umzug folgte, haben die radikalen Abge- durch die Fabrifordmung gütigst gestattet- dem Fabritbefizer eine Großer Fortschritt. Debs erhielt in den Staaten Minesota 20 000, ordneten Janson und Feron ebenso wie der Senator Lambiotte durch Tatsachen begründete Beschwerde vortragen, und und der Kalifornien 35 000, Illinois 75 000, Pennsylvanien 25000, Indiana das Einvernehmen der Liberalen und der Sozialisten verkündet zum Fabrikbefizer entscheidet über die Beschwerde. So haben wir also ein 30 000, Wisconsin 35 000, New York 45 000 Stimmen. In EinzelZwecke der Eroberung des allgemeinen Stimmrechts und zur Nieder- ausgebildetes System, welches den Arbeiter im Dienst" den„ Vor- städten New York 25 000, Chicago 45 000, Milwaukee 20 000, Clevewerfung des klerikalen Regiments, aber die anderen Redner haben gesezten" unterordnet, und über dem Ganzen waltet als umumLand 7000, Cincinnati 8000 Stimmen. Milwaukee erwählt vier sich begnügt, sich allein an die Liberalen zu wenden, obschon es sich schränkter Herr der Fabrikbefizer. Im ganzen erhielt Debs über mathematisch berechnen läßt, daß die liberale Partei für sich allein Fabrikordnung geht, dann fann der Arbeiter nicht einmal bei unvormathematisch berechnen läßt, daß die liberale Partei für sich allein schränkter Herr der Fabrikbefizer. Wenn es streng nach dieser die katholisch- konservative Macht nicht niederzuwerfen vermag. Zur gleichen Zeit hat die sozialistische Partei in hergesehenen Ereignissen wie plötzlichen Krankheits- oder Todes- Präsident Roosevelt erhielt aus Anlaß seiner Wiederwahl von dem Washington, 9. November. Meldung des Reuterschen Bureaus. Louvain( Löwen), eine halbe Stunde von Brüssel, eine mächtige fällen in der Familie von der Arbeit beurlaubt werden, denn die deutschen Kaiser folgendes Telegramm: Meine aufrichtigsten Glüd. Kundgebung zugunsten des allgemeinen Stimmrechts veranstaltet. Fabrikordnung verlangt, daß Urlaub nur persönlich und stets wünsche! Möge der Himmel Ihnen Segen verleihen. Quod bonum Man erinnert sich, daß in dieser Stadt, zurzeit der furchtbaren Er- zwei Tage vorher von dem„ Vorgesetzten" Vorgesetzten" einzuholen felix faustumque sit populo americano! eignisse im April 1902, 6 Arbeiter durch die Bürgergarde erschossen ist. worden sind. Um ihr Gedächtnis zu feiern, hat die Arbeiterpartei bringenden Fällen eigenmächtig Urlaub - Sollte sich ein Arbeiter einfallen lassen, in solchen Washington, 9. November.( W. T. B.) Man nimmt jetzt an, zu nehmen, dann daß die zukünftige Majorität der Republikaner im Repräsentanten. auf dem Kirchhof ein herrliches Grabdenkmal errichtet, das Werk des fann der§ 12 der Fabrikordnung gegen ihn angewandt hause genau hundert Stimmen betragen wird. Bildhauers Herbays, ausgeführt durch den Abgeordneten Hubin und gehauen in blauem Granit, stellt eine gewaltige Frauengestalt dar, werden, welcher bestimmt:„ Wer vor Bollendung eines Affordes die einen zum Tode verwundeten Arbeiter aufrichtet. Die Behörden ohne Erlaubnis freiwillig oder unfreiwillig die Fabrik verläßt, verHatten verboten, die Frauengestalt mit der Phrygischen Müße zu verliert jedes Anrecht auf den Ueberverdienst des Akkordes. sehen, aber der Künstler hat die Schwierigkeit überwunden, indem er Man sieht: die Bestimmungen, welche in der Fabrik von Lühr die Haartracht der Gestalt in die Form der republikanischen Müze u. Wiese Nachf. Zucht und Ordnung aufrecht erhalten sollen, passen brachte. In Voraussicht dieser Kundgebung hatte die höhere Be- besser in eine Gesindeordnung als in eine Fabrikordnung. hörde drakonische Maßregeln treffen und einen wahrhaften BeMünchen, 9. November.( W. T. B.) Der heute abend um Tagerungszustand anordnen wollen. Aber der liberale Bürgermeister 7 Uhr von hier abgegangene Gilzug München Simbach stieß bei blieb fest und die Kundgebung verlief ohne jeden Zwischenfall unter der Station Riem auf den letzten Teil eines dort stehenden der größten und sympathischen Aufmerksamkeit der ganzen Bevölke Der Müllkutscherstreit ist nunmehr in das Stadium der Güterzuges, wodurch zwei Wagen zertrümmert und eine Maschine rung. 37 Sonderzüge hatten in die kleine Stadt mehr als 20 000 Verhandlungen eingerückt. Sowohl die an der Aussperrung stark beschädigt wurden. Der Bremser des Güterzuges wurde schwer Manifestanten gebracht, die aus allen Gebieten des Landes zu- beteiligten Unternehmer wie auch die Wirtschaftsgenossenschaft verlegt, Passagiere sind nicht verunglückt. Die Züge werden umsammenströmten. Die gesamte parlamentarische Frattion unserer scheinen endlich einzusehen, daß sie mit ihren Arbeitswilligen eher parkiert. Partei marschierte an der Spike des Zuges, gefolgt von einem tiefer in den Müll hineingeraten als herauskommen. Uebrigens Wien, 9. November.( Von einem besonderen Korrespondetnen.) Sundert junger Mädchen in Trauerkleidung. Es war ein unbe- haben auch die Arbeitswilligen des letzten Transports der Wirt- Wie die Neue Freie Presse" meldet, find die Konferenzen des schreiblicher Zug, der sich mehr als drei Stunden lang durch eine schaftsgenossenschaft bei dem gegenwärtigen schlechten Wetter samt Ministerpräsidenten Dr. b. Koerber mit den Führern der Tschechen dreifache Reihe von Zuschauern bewegte. Die Zuschauer waren viel- und sonders den Schnupfen" bekommen. Auch sie hielten die Arbeit vorläufig beendet. Der Jungtschechenklub wird die Obstruktion einfach zu Tränen gerührt. 600 rote Banner in Trauerflor gehüllt nur einen Tag aus, dann verließen sie das gaftliche Streit stellen mit der Erklärung, taß er bis auf weiteres die Politik der und 25 Musikchöre führten den Zug. Auf dem Friedhof haben die brecher- Asyl in der Alexanderstraße, trop aller Bitten ihrer Arbeit freien Hand befolgen wolle. Wie dasselbe Blatt aus Innsbruck Abgeordneten Anseele, Vandervelde und der Abgeordnete von Louvain geber, und gingen nach dem Gewerkschaftshause, woselbst sie noch meldet, hat der Dekan der italienischen Fakultät bereits am Sonnerschütternde Reden gehalten, indem sie der Opfer gedachten, die dem auf ihre Papiere warten, die ihnen die Wirtschaftsgenossenschaft abend beim Statthalter die Einstellung der Vorträge der italienischen allgemeinen Stimmrecht gebracht wurden. Dann zogen die Mani- widerrechtlich vorenthält. Selbstverständlich haben die Leute jest Fatultät nachgesucht. Der Statthalter erklärte, die Einstellung ergebe festanten vor dem Denkmal vorüber, welches nach 2 Stunden unter den Klageveg beschritten, wegen der Schädigung, die aus der Vor- fich aus den Umständen von selbst. der Fülle der Kränze verschwand. enthaltung ihrer Papiere erwächst, wie auch wegen Zahlung des Paris, 9. November.( W. T. B.) Mehreren Blättern zufolge Reisegeldes zu ihrer Heimfahrt, weil ihnen die Agenten ist in dem Befinden des Kriegsministers André eine Verschlimmerung der Genossenschaft geflissentlich verschwiegen eingetreten. " Berlin und amgegend. う Verantw. Redakt.: Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw.( mit Ausnahme der„ Neue Welt"-Beilage): Tb.Glocke, Berlin. Drucku.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsbl. Ii. 265. A.IchrMg. t Aciltzt des.Amiick" Knlim Wldsblstt. DomlerstG, 16. November 1964. Militarismus und Demokratie. Der ungerechten und erbitterten Polemik Kautskys«vollen wir nicht in der Schärfe erwidern, zu der sie herausfordert, sondern in aller Sachlichkeit. Kautsky protesttert gegen unseren Artikel, weil die Gegner ihn für sich ausnützen könnten. Wir glauben, daß die französische Reaktionspresse eher Kautsky Ausführungen in ihrem Interesse mifc- brauchen kann, als daß die deutsche Reaktion aus unseren Aus- führungen Förderung erhält. Tatsächlich ist in der deutschen bürger- lichen Presse der Versuch, die von uns in der jetzt vorliegenden Frage gebilligte Politik der französischen Sozialdemokraten auszunutzen, bereits reichlich unternommen worden und er ist längst czescheitert, da Kautskys Fürsorge erwacht. Die bürgerliche Presse zammerte über den Schutz der Angeberei durch die Sozialdemokratie und die„Kreuz- Zeitung" beispielsweise stellte bewegt die Frage. welcher Geist dereinst im Offizierkorps der sozialdemokratischen Zukunftsarmee herrschen werde. Wir wiesen diese Ausnutzungs- versuche mit Leichtigkeit durch den Hinweis auf das System der Gesinnungsvergewaltigung im deutschen Heere ab und wir erwiderten dem konservativen Miliiärblatt, daß in der sozialdemokratischen Miliz allerdings Monarchisten, wenn es dann dergleichen anormale 5köpse noch geben sollte, ihren Platz haben können. Damit hatten wir zugleich dasselbe Prinzip vertreten, dessen mangelnde Vertretung Kautsky jetzt rügt. Ueber das Prinzip ist natürlich kein Zweifel und wir verwahren uns gegen die Annahme, als hätten wir uns einer Begünstigung des Spiönenunwesens, einer „Demokratisierung der Spitzelei" schuldig gemacht. Die Frage, die in Frankreich gestellt war, ist eine völlig andere, wie die, welche Kautsky als den»Kern der Sache" ansieht. * Kautsky will nicht gegen Jaurss polemisieren. Er tut es aber gleichwohl und seine Angriffe gegen uns beruhen auf der Kritik der Haltung Jaures'. Darum müssen auch wir von der Haltung Jaurss' in diesem Kampfe ausgehen. Kautsky legt dar, was vom sozialistischen Standpunkt in der französischen Kammer hätte gesagt werden müssen. Wir sind der Ansicht, daß die französischen Sozialiften, gerade weil sie in die Lage gelangt sind, häufig mit bürgerlichen Parteien gegen eine reaktionäre Opposition zu kämpfen, umsomehr verpflichtet sind, die sozialistischen Gedanken zu akzenwieren, damit nicht die Grenzlinien des kapitalistischen und des sozialistischen Lagers ver- löscht werden. Gerade aber hinsichtlich der Armeedebatten der letzten Wochen ist unseres Erachtens der Vorwurf, als sei von den Sozialisten in der französischen Kammer etwas Wesentliches verabsäumt worden, gänzlich hinfällig. Es ist selbstverständlich, daß bei derartigen parlamentarischen Reden diese oder jene Ausführung etwas anders oder besser gestaltet sein kann, aber im wesentlichen hat Jaurös daS gesagt, was die Grundsätze der Partei und was die Situation, in der er sich befand. erforderten. Jaurss hat die Praktiken des Hauptmann Mollin gemiß- billigt und er hat die Demokratisierung der Armee gefordert. Wir werden später im anderen Zusammenhang den Teil der JauröSschen Ausführung, der die Arineereform betrifft, wörtlich zitieren. Die Vorwürfe Kautskys, als wäre Jaurss nur in ganz kleinlicher Weise für die sozialdemokratischen Forderungen ein- getreten, was äußerst lebhaft gegen die Wucht, die JaursS fiir die Äufrechterhalwng der jetzigen Regierung aufwandte, kontrastiert wird, werden sich als nicht berechtigt zeigen. Auch konnte Jaurss, lvie Genosse KautSky fordert, nicht wohl erklären, daß nur die Sozialisten das Recht hätten, dieses Denunziantenrum zu verurteilen, da mir sie allein den Militarismus prinzipiell bekämpfen. Denn gerade d i e Reg ierungsradikalen legten allen Ton auf diese von Kautsky geforderte Verurteilung des Denunziantenwesens. Sarrien, der Führer der Radikalen, hatte vor der Freitagssitzung anstatt einer Vertrauensresolution für die Rc- gierung lediglich die Verurteilung der unstatthaften Vorgänge im Kriegsmimsterium beantragt. Er und andere Führer der Regicrungs- Parteien lehnten es ab, die Resolusion Jaurss' zu unterschreiben. Die Regierungsradikalen hatten im Unwillen über die Vorkommnisse im Kriegsministerium den klaren Blick über die Situation verloren. Ihre politische Schwäche führte die Reaktion dem Siege nahe. Jcmrös unterschied sich von ihnen, indem er neben der Bc- tonung der zu mißbilligenden Vorkommnisse zur Besinnung auf das Entscheide n d e riet, auf das gute Recht der republikanischen Regierung, die republikanischen Offiziere vor den Umtrieben der Monarchisten und Nationalisten zu schützen. Ueberhaupt läßt sich ein Vorgehen der französischen Sozial- demokraten, wie Kautsky es rät, nur schwer vorstellen. Man kann eine Regierung nicht schwerer treffen, als Kautsky es tut, indem er davon spricht, daß„die Regierung unter der Verachtung zusammen- zubrechen drohte, die man gegen jede Spitzelei empfindet". Gleich- wohl billigt auch KautSky, daß die Sozialdemokrasie für diese unter der allgemeinen Verachtung zusammenbrechende Regierung gestimmt hat, weil sie„immerhin einige Reformen anstrebt". Um einiger Reformen willen. die nach Kautskys Darstellung winzig bis zur Gleichgültigkeit erscheinen, sollte man dann iiberhaupt nicht fiir eine Regierung stimmen, die nioralisch derartig gebrandmarkt ist, wie es wiederum Kautsky auffaßt. Da hätte man folgerichtig gegen eine so korrumpierte Regierung stimme» sollen oder mindestens sich der Abstimmung enthalten muffen. Nach Kautskys Auffassung könnte es kaum von Bedeutung für die französische Arbeiterklasse sein, ob die jetzige Regierung stürzt und nne Regierung der reaktionären Opposition an ihre Stelle tritt. Wenn aber Kautsky die Erhaltung der jetzigen Regierung fiir nötig hält, so sollte er sich nicht verhehle«, daß bei der Haltung, die er der französischen Sozial- demokratie empfiehlt, diese Regierung keinenfalls zuhalten gewesen wäre. Die bürgerlichen Regierungsparteien waren so wenig der Lage gewachsen, daß der reaktionäre Sieg sicher war ohne ein entschlosienes, klärendes Eingreisen. Eines kann man, wie die französischen Dinge liegen, nur wollen: entweder ist eS gleichgültig, welche bürgerliche Gruppe die Regierung hat. dann kann man sich beschränken auf scharfe Betonung der sozialistischen Prinzipien; entschließt man sich aber, die eine Gruppe vorzuziehen als ÜeinereS llebel, dann kann man nicht in kritischer Situation die Abstimmung für die Regierung dadurch einleiten. daß man sie nach allen Kräften vor der Oeffentlichkeit verächtlich macht. Solche Situattonen sind sicherlich für die Sozial- demokratie schwierig, aber Kautsky überwindet nicht die Schwierig- keit, sondern kritisiert mit heißenr Eifer diejenigen, welche sie zu überwinden suche». llebrigens, wenn JaurdS so grundfalsch operierte, wemr er «nsere Grundsätze verleugnete, wäre dann nicht sicherlich ein anderer Sozialdemokrat der französischen Kammer aufgetreten. um die Prinzipien der Parte, zu verkünden? Wäre es bei KautSky» Ansicht nicht schwere llnterlassuugssüude aller anderen Sozialdemokraten der ftanzösischen Kammer, diese vortrefflichste Ge- leaenheit mcht zu erfassen? Wir aber glauben, daß eine Unter- lassungsiunde mcht vorliegt. Auch die französischen Sozialdemokraten. und zwar mcht nur die ministeriellen, haben diese Vorgänge anders empfunden alö Kautsky. Run zur S p i tz e l e i und GestnmmgSriecherei. Nach Kautskys Heftigkeiten hasten wir die scheußlichst»» Charakterlosigkeiten gedeckt und das reine Schild der Partei besudelt. In Wahrheit haben wir die Spitzelet und Gesinnungsriccherei verurteilt, aber die Notwehr gegen Spitzele« und Gefinnungsriechorci gebilligt. Wir sagten schon, daß über da« Prinzip kein Zweifel be- steht. Nach' gialdemokratischer«.rffassimg sollen Beamte und Ossi- ziere die volle Freiheit der politischen Meinung und ihrer Betätigung haben. In einem Volksheere der Sozialdemokratie, in dem Soldat und Bürger nicht ein Gegensatz, sondern eine Einheit ist, können Personen mit liberalen, klerikalen, anarchistischen, monarchistischen Gesinnungen in jede Stellung je nach Fähigkeit und Verdienst auf- rücken. Jede besondere Kontrolle wäre schon deshalb unnötig, abgesehen von ihrer Verwerflichkeit, weil eben jeder Offizier das Recht hat, öffentlich seine Anschauungen zu vertreten. Kann man aber diesen Grundsatz in der jetzigen Sit na- t i o n Frankreichs verwirklichen? Es wäre eine durchaus unsozialistische Ueberschätzung der Bourgeoisrepublik, wenn man ihr die Möglichkeit zumuten wollte, sie solle die Reinheit der Zustände durchführen, die erst die Sozialdemokratie erreichen kann, indem sie den Gegensatz zwischen Armee und Volk völlig aufhebt. In Frankreich kann es sich zunächst nicht um die Durchführung des sozialdeinckratischen Prinzips handeln, das zu jeder Zeit zu betonen unsere Pflicht und Ehre, sondern lediglich um die Erfüllung der ersten Vorbedingung für dieses Prinzip, um die Abivehr der brutal st en Vergewaltigung, die in der französischen Armee wie in bei« anderen Armeen des Klassenstaates gegen das Prinzip der Gesinnuugsfteiheit verübt wird. Wie die Sozialdemokratie, um die Aushebung der Klassen zu erreichen, zunächst den schärfsten Klassen- kämpf führt, so muß sie auch die Waffe führen, um die Unter- grabung der Gesinnungsfreiheit in der Armee zu bekämpfen. In Frankreich ist seit Jahrzehnten das Offizierkorps nationa- listisch, klerikal und monarchistisch gezüchtet worden. Wer nicht die bürgerliche Regierung verlacht, wer nicht den Gegensatz zum Volke in Wort und Haltung bekundet, wer nicht staatsstreichgelüstig ist, der galt nicht für voll und wurde von den Vorgesetzten im Avancement gebindert. Die Absonderung des Offizierkorps vom Vollsganzen, von allen Volksbestrebungen war fast so weit gediehen, wie— in Deutsch- land. Man scheute nicht vor dem frevelhaftesten Justizmord zurück, um Juden als Landesverräter und unfähig siir Osfizierstellen aus- zugeben. Es kostete schwere, jahrelange Kämpfe gegen einen Generalstab der Fälschungen, um einen Unschuldigen zu befteien. Selbst der abtrünnige Millerand— der, natürlich aus völlig anderen Motiven, in seiner letzten Kritik der jetzigen Regierung wunderbar übereinstimmt mit Kautskys Urteil über dle Spitzelei I— hat erklärt, daß die Offiziere, lvenn sie befördert werden wollten, eifrig in die Messe gehen müßten. Gegenüber dieser systematischen Abschließung der Armee und der geheimen Staatsstreichskouspiration der hohen Generale ist es das gute Recht der republikanischen Regierung, Abwehrmatzregeln zu treffen. Die Verurteilung der Gesinnungskontrolle hat unter den heutigen Verhältnissen da ein Ende, wo die Feinde des Volkes nicht nur diese Kontrolle, sondern alle Hinterlist üben, um diejenigen, die nicht ihre Gesinnungen teilen, ungerecht zurückzusetzen. Da wäre es ein politisches Verbrechen, sich„ethischen" Anlvandlungen zu über lassen, wie sie jetzt seltsamerweise gerade Kautsky erfassen. Wir halten daher vollkommen aufrecht, daß unter Um- ständen, wie sie in Frankreich bestehen, Führungslisten über die Offiziere berechtigt und notwendig sind, auf Grund deren das bisher an den Mäimern von republikanischer Gesinnung verübte Unrecht gemildert und aufgehoben werden kam«. Nachdem Kautsky das Wort unseres Artikels von den„an sich berechtigien Führungslisten" zitiert hat. erwartet er,„daß es nicht einen Parteigenosse Ii gibt, der diesen Satz unseres Zentralorgans unterschreibt". Kautsky mag überzeugt sein, daß alle Parteigenossen bereit sind, Maßnahmen zu treffen. durch welche jahrzehntelange Zurücksetzungen im reaktionären Interesse endlich beseitigt werden können. Selbst weitgehende Reformen in den Einrichtungen deS Heerwesens würden auf lange Zeit ihres Wertes beraubt bleiben, wenn dem Offizierkorps fortdauernd über- lassen würde, die Nicht-„ Gutgesinnten", die Republikaner zurückzu- setzen und auszuschließen. Jene Erwartung Kautskys ist um so aussichtsloser, da der von ihm getadelte Satz des„Vorwärts" nichts anderes enthält als die Wiederholung dessen, was sämtliche sozialdemokratische Abgeordnete der Deputiertenkammer beschlossen haben. Es erscheint nötig, den Wortlaut der von Jaurss eingebrachten, von Mitgliedern der radikalen Partei unterstiitzten und den Sieg der Regierung be- kräftigenden Resolution zu geben: »Die Kammer in der Ileberzengung, daß es die Pflicht deS republikanischen Staates ist, gegen die Einflüsse des Kastengeistes und der Reaktion und durch die Mittel regelmäßiger Kontrolle, über welche er verfiigt, die treuen und tapferen Anhänger der Republik und der Nation zu schützen, rechnet auf die Regierung, daß sie bei der Einstellung und dem Avancement der Offiziere, unter Anerkennung der Rechte, der Ver- dienste und der Leistungen eines jeden, die notwendige Ergebenheit in alle republikanischen Einrichtungen sichert." Die Schlutzabssimmung am vorigen Freitag bedeutet also keines Wegs allein den Willen, die gegenwärtige Regierung aufrecht zu er- halten, sondern billigt unzweideutig die Kontrolle über das Offizier- korps wie auch wir sie als berechtigt erklärt haben. Die doch auch für Kautsky gänzlich unverdächtigen antimini st erteile n Partei- genossen haben die Regierung zur Ausübung dieser Kontrolle aufgefordert. Sie haben sich, nach Kautsky, der„Demokratisierung der Spitzele," schuldig gemacht! Sie haben, nach Kautsky, bewirkt, daß der Sozialismus den, Militarismus untertvorfen wird. Sie haben, nach Kautsky. die Niederträchtigkeit zum demokratischen Kultur faktor erhoben I In der angegebenen Zweckbestimmung solcher Führungslisten ist zugleich die Grenze bezeichnet, jenseits deren das beginnt, was wir in unserem Artikel als unstatthaft verurteilten. Unstatthaft sind die Methoden des Hauptmanns Mollin, der in der Freimaurer- löge ein Bureau der Auskunftserteiluna über Offiziere etablierte. Es ist aber den Angreifem des französischen Kriegsministers, soweit wir aus den Berichten entnehmen können, in keinem Falle gelungen, den Nachweis zu erbringen, daß, wie Kautsky zu vermuten scheint, vermöge jener Listen Offiziere zurückgesetzt worden sind, weil sie nicht ein republikanisches Leumundszeugnis aufweisen konnten. Auch Kautsky erwähnt solche Fälle nicht. Wenn KautSky darauf verweist, daß die jetzige Regierung auch Sozialisten in der Armee und als Lehrer verfemt, so begeht die Regierung fteilich dasselbe Unrecht, daS sie gegenüber der Reaktion abwehrt, und sie ist darob aufs allerschärsste anzugreifen. Kautsky hat jedoch unrecht, wenn er das Verfahren gegenüber dm Offizieren der Reaktion und den Sozialisten als gleichbedeutend erachtet._ Der Unterschied liegt auf der Hand. Während die republikanische Regierung gegenüber der Reaktion sich lediglich in der Abwehr befindet, übt sie gegenüber Sozialisten nicht irgendwelche Abwehr, sondem dieselbe Vergewaltigung, deren sie mit Recht die Reaktion beschuldigt. Immerhin ist zur Feststellung der Tatsachen und zur Erkenntnis der französischen Ver- in Deutschland verstehen würde, der Offiziersuniform entkleidet wurden. Wenn wir nicht irren, ist beispielsweise der auch in Deutsch- land bekannt gewordene Hauptmamt der Artillerie, Gaston M o ch, der Verfasser des Buches:„Die Demokratie in der Armee", noch heute berechtigt, lvenn er auch nicht mehr im aktiven Dienste ist, die OfsizierSuniform zu tragen. � Genosse KautSkh erblickt, wie schon gestreift wurde, in der Fraae der Spitzelei den„Kern der Sache", während er unsere Au�- führungen über die werdende Demokratisiemng der Armee bespöttelt. Er erhebt den Vorwurf, wir seien dem Fehler verfallen,„jede Er- bärmlichkeft des bürgerlichm RepublikaniSmus in eine demokratz'he Großtat umiudentm md dadurch alle klar. ErkemttniS der'gerlichen Welt zu verschleiem". In Wahrheit ist Genosse Kautsky den geschickten Manövern der reaktionären Oppositton zum Opfer geworden, welche allerdings die Vorkommnisse im Kriegsministerium zu einer Hauptaktton machte, um die mißliebige linksrepublikanische Regierung endlich zu stürzen. Die Führungs- listen sollten der Reaktion zum Anlaß dienen, die Regierung an sich zu reißen und die klerikal-militariftische Herrschaft wieder zu er- richten. Die Frage der Führungslisten kann nur derjenige über- schätzen, der d i e wirklichen Probleme, um die in Frank- reich gekämpft wird, verkennt. Auch nur infolge der Verkennung der französischen Kämpfe ist es möglich, daß Kautsky aus unserem Artikel wenige Bemerkungen fischt, um über sie herzustürzen, ohne die gesamte Darstellung zu berücksichtigen. Kautsky spricht von den Erbärmlichkeiten des bürgerlichen Republikanismus. Auch wir sind stets der Ansicht gewesen, daß alles, was die französische Regierung getan hat und was sie noch in Aussicht stellt, wenig ist, wenn es gemessen wird an der Unerträglich« keit der heutigen Zustände für die Arbeiterklasse und an den Zielen der Sozialdemokratte. Gleichwohl haben gerade wir deutsche Sozialdemokraten, die wir bei unseren andersgearteten Zuständen auf dem Gebiete der Armeereform zunächst überhaupt nichts erreichen konnten, keinen vernünftigen Grund, die Entwicklung, die sich in Frankreich vollzieht, mit Verächtlichkeit abzutun, wie es durch Kautsky geschieht. Kautsky widerspricht sich selbst und widerlegt sich selbst, wenn er auf der einen Seite von den„Erbärmlichkeiten des bürgerlichen Republikanismus" spricht, auf der anderen Seite aber ausführt, daß die jetzige Regierung einige Reformen wolle und daß die Sozialdemokratte für diese Regierung stimmen müsse, damit sie diese Reformen durchführen könne. Nachdem Kautsky von diesen Reformen wenigstens Erwäh« nung getan, hat er sie aber alsbald schon wieder ganz aus dem Auge verloren und erklärt, es handele sich lediglich darum, industrielle und kommerzielle Bourgeois an Stelle der agrarischen in daS Offizier« korps zu bringen. Die Reform verschwindet vollends. Es wird inrmer mehr unbegreiflich, warum diese Regierung nur ein„kleinere? Uebel" ist. Wir haben aber bereits in unserem Artikel verschiedene Hinweise auf die geplante Heeresreform gegeben. Wir verwiesen auf die Auf« Hebung des Einjährig-Freiwilligen-Privilegs, eines Privilegs, das bei uns gerade durch die industtiellen und kommerziellen Kreise gehalten wird; ferner aus die Ergänzung eines Teiles der Offiziere aus den Ri annschaften, deren Stellung man im deutschen Heere als „Gemeine" kennzeichnet. Wenn diese Reformen durchgeführt werden. so liegt dies auch im Interesse der Arbeiterklasse, denn der Gegensatz zwischen Heer und Boll wird zweifellos dadurch abgeschwächt und weitergehende Reformen werden ermöglicht. Eine Armee, in der eine große Anzahl der Vorgesetzten aus den unteren Volksklaffen stammen, dürste niAt leicht gegen Väter und Mütter kom« mandiert werden können. Kautsky übersieht, daß allerdings die französische Heeresreform, so unzureichend sie für die Sozialdemokratie zunächst ist, den Anfang bedeutet einer Aufhebung des Kastencharakters des Offizierkorps und des Gegensatzes zwischen Armee und Volk. Bisher ist die Armee eine Macht gegen die bürgerliche Gewalt und gegen das Volk, aber die geplanten Reformen bedeuten den er st en Schritt— nicht mehr, aber auch nicht weniger—, die Armee unter die Zivilgewalt zu beugen. Bisher bildete der Generalstab eine Neben- und Ueberregierung, bereit zu Staatsstreich und chauvinistischen Abenteuern, jetzt soll er der Regierung untergeordnet werden, die unmittelbar aus dem allgemeinen Wahlrecht hervor« gegangen ist. Diese doch nicht zu unterschätzende Frage steht in Frankreich zur Entscheidung. Weil diese Aussichten eröffnet sind. weil die Reaktion diese Zukunft sieht, daher die schäumende Wut gegen die Regierung, die sich unter die Fühnmg der Sozialdemokratie gestellt habe. Aus dieser Situation erklären sich ftir jeden ruhig Urteilenden die Forderungen, die Jaurss in seiner Rede erhoben hat. Gegen« über Kautskys Herabsetzungen- dieser Forderungen ist es nötig, auch hier mehr Klarheit über die Thatsachen zu schaffen. Diejenige For« derung, die Jaurss als die weitestgehende anführt, verschwindet bei Kautsky vollständig, nämlich die völlige Aufhebung be« sonderer Militärschulen. Jaurss führte aus: „Es gibt zwei Arten Maßnahmen, die ich in einige Worte zusammenfasse, die sich heute der repudlikanischro Partei auf« drängen, gründliche organische Reformmaßnahmen. Meine Herren I Ich will keineswegs der republikanischen Majorität einen Gedanken in Vorschlag bringen, der bisher nur von meinen Freunden der äußersten sozialistischen Linken ein« genommen worden ist, der aber, wie ich hoffe, hier eine stets wachsende Zahl von Anhängern finden wird, in dem Maße, als die Erfahrung den Gedanken unterstützen wird. Dieser Gedanke geht dahin, daß es eins der nöttgsten Mittel ist, um die Armee an die Nation anzuschließen, um die Armee in der Demokratie aufgehen zu lassen... Graf de Lanjuinais: Das heißt, sie zu unterdrücke«.' Jaurss(fortfahrend): Ich meine, diese Absonderung, diese Abschließung der Militärschulen muß beseitigt werden. Der Militär« Unterricht soll eine besondere Abteilung der großen ftanzösischen Universitäten werden, Ivo alle lebendigen Kräfte der Wissen« schaft und der Arbeit zusammentreffen.(Beifall auf der äußersten Linken.) Meine Herren! Wenn diese Auffassung bisher nur diejenige einer Minderheit ist, so scheint es mir doch, daß wir alle wenigstens dariiber einig sein müßten, die Unentgektlichkeit für eine große Anzahl Schüler der Schule zu Saiut-Cyr zu einem Recht zu gestalten. ES genügt nicht, daß diese Unentgeltlichkeit in dem Augenblick, wo der Schüler in Saint-Chr eintritt, beginnt, eS ist nötig, daß arme Familien, die Familien der Plebejer, von vornherein die Gewißheit vollständiger Unentgeltlichkeit an dieser Schule haben. (Beifall auf der äußersten Linken.) Ferner ist es nötig, in den Gymnasien besondere Freistellen zur Vorbereitung für Saint-Cyr einzurichten, es ist nöttg, daß alle jungen Leute, welche sich der militärischen Lausbahn widmen wollen, sobald sie ihre ordentlichen Studien vollendet haben und die Spezialstudien beginnen sollen, die Gewißheit befitzen, daß sie durch das Recht auf unentgeltlichen Besuch die Militärschule durchmachen können, ohne ihren armen Familien ein allzu schweres Opfer auf- zuerlegen. Es ist nöttg, alle Schlag bäume zu be« seitigen. welche das Leben der Offiziere vom Leben der Natton trennen. Es mutz aufhören die Einpferchung der Offiziere an den Offizierstafeln, zu deren Teilnahme sie jetzt verpflichtet sind, es muß ihnen gestattet werden, sich nach Belieben in das soziale und nationale Leben zu mischen; das heißt endlich eine Reform durchsetzen, die wie ein Zeichen, wie ein Symptom gelten wird. Ja, meine Herren I Wir sind alle schuldig, die Regierung und die Majorität— und ich nehme meinen Anteil an dieser Schuld auf mich—. bisher nicht die notwendige Beseitigung der Kriegsgerichte erreicht zu haben(Beffall auf der äußersten Linken). welche das Kastcnregiment kennzeichnen und verlängern.(Beifall auf oer äußersten Linken). Alle diese notwendigen Reformen, welche die Armee und die Nation, die Offiziere uno die Demokratie mehr und mehr einander nähern sollen, sie machen jedoch die Maßnahmen der unmittelbaren Kontrolle über das bürgerliche Verhalten der Offiziere, besonders über die bürgerliche Haltung der hohen Chefs nicht überflüssig. (Rufe auf der Rechten.) Jaurss stellt also diese Forderungen, um den Radikalen daS- jenige vor Augen zu halten, was sie als Bürgerliche tun können und zu tun haben, und zu dem Zweck, die Radikalen für die Re« gkrung, die solche Maßnahmen durchführen kann, und gegen die Parteien zu festigen, die solche Reformen fürchten und bekämpfen. Kautsky aber berücksichtigt in keiner Weise diese Situation. Die bürgerliche Linke war zerrüttet und die Sozialdemokratie mustte, wie so oft die deutsche Sozialdemokratie, bürgerliche Arbeit besorgen. Sie stellte sich an die Spitze der Kammerlinken, um sie zur Aufrechterhaltung einer Regierung zu treiben, unter der immerhin die Möglichkeit des bürgerlichen und demokratischen Fort- schritts gegeben erscheint. Gegen diese Methode des Kampfes gegen den Militarismus ist unter solchen Umständen unseres Erachtens nicht das mindeste einzuwenden. Nach alleden, vermögen wir KautskhS Kritik nicht als berechtigt anzuerkennen. Wir sind überzeugt, in unserer Darstellung die jüngsten französischen Vorgänge richtig beurteilt und für die Partei Nützliches gesagt zu haben. Es ist tief bedauerlich, daß Genosse Kautsky durch mastlose Bezichtigungen das Verständnis der französischen Zustände den Sozialisten der anderen Länder unendlich erschwert. Wollte er hier die Voreingenommenheit beseitigen, so würde er seine Kraft für dir Stärkung der französischen Demokratie einsetzen, deren Schicksal zu- gleich von grösttem Eiuflust auf das Schicksal der internationalen und besonders der deutschen Sozialdemokratie ist. Partei-l�admcbten. Ein Parteitag im Saarrevier. Die Genossen des Saarreviers traten am Sonntag in öffentlicher Konferenz zusammen, um über Mittel und Wege zu beraten zur Einführung der sozialisti- schen Ideen in die ungeheuren Jndustriearbeitermassen des Reviers. Schon an dem Besuch der Konferenz aus den einzelnen Orten, ab- gesehen von dcnr Geist, der dieselben beherrschte, war der Fortschritt der Partei in Saarabien zu erkennen: waren doch aus den vier zum Saarrevier gehörigen Kreisen 44 Orte mit 61 Delegierten ver- treten. Die Konferenz beschäftigte sich mit der Schaffung einer einheitlichen Organisation für das ganze Saarrevier und diskutierte ausgiebig über die zu betreibende Agitation. Die in zwei saarabi- scheu Kreisen(Ottweiler-St. Wendel und Saarbrücken) ziemlich sicher bevorstehenden Nachwahlen zunr Reichstage und die auf- zustellenden Kandidaturen, des weiteren die innere Ausgestaltung und Verbreitung des vom 1. Januar kommenden Jahres im Saar- revier erscheinenden Partciblattes bildeten zwei äußerst wichtige Tagesordnungspunkte. Ein den eigentümlichen Verhältnissen des Saarreviers an- gepatztes Organisationsstatut wurde geschaffen, welches die Wahl- kreise Saarbrücken, Ottweiler, Saarlouis und Saargemünd-Forbach in einen Agitationsbezirk vereinigt, dem ein fünfgliedriges Agitations- komitee vorsteht. Das Statut regelt weiter die Organisationsfrage in ziemlich detailierter Weise. Als Bezirksvertrauensmann wird Genosse Osterroth gewählt, den die Konferenz in einer Resolution als Parteisekretär für das Saarrevier in Vorschlag bringt. Die Frage der Kandidaturen lvurde zur Vorberatung dein Agitationskomitee überwiesen, das zu gegebener Zeit den einzelnen Wahlkreiskonferenzen Vorschläge unterbreiten soll. Auf Wunsch der als Gäste anwesenden Obersteiner Genossen sollen Verhandlungen angebahnt werden, um das neue Parteiblatt auch im Fürstentum Birkenfeld einzuführen. Die sehr anregend verlaufenen Verhandlungen, in denen aus dem Munde mmicher ländlicher Delegierten nicht gerade anmutige Stimmungsbilder entworfen wurden, wurden nach sechsstündiger Dauer geschloffen. Ohne Zweifel wird die Konferenz dazu beitragen. den Sozialismus in Saarabien ein gutes Stück vorwärts zu bringen. Die Agrarfrage im Programm der schweizerischen Sozialdemokratie. Der demnächst stattfindende Parteitag der schweizerischen Sozial- demokrasie wird sich mit der Revision des Parteiprogramms zu be- fchäftigen haben. Dieser Tage hat sich der Parteivorstand mit dem von der Prograncmkommissiou ausgearbeiteten Entwurf beschäftigt. Dabei entspann sich eine lebhafte Diskussion besonders über den die Agrarfrage betreffenden Teil des Entwurfs. Das Ergebnis dieser Diskussion war die einstimmige Annahme in folgender Fassung: „In der schweizerischen Landwirtschaft herrscht fast durchgängig der Kleinbetrieb, wobei das Grundeigentum individuelles Arbeits- mittel ist und nicht zur Aneignung fremder Arbeit dient. Der Klein- bauer gehört wie der Arbeiter zu den ausgebeuteten Volksklassen. Im Gegensatz zu Verkehr und Industrie besteht heute für das klein- bäuerliche Grundeigentum— mit Ausnahme der Waldungen— weder die Notwendigkeit der Vergesellschaftung, noch die Wirtschaft- liche und technische Vorbedingung dazu. Verfolgt die sozialdemokratische Partei keine Agrarpolitik, welche die Kleinbauern zu Gegnern hat, so widersetzt sie sich dagegen jeder großbäuerlichen Politik, die sich in Gegensatz zum Interesse der Gesamtheit setzt durch künstliche Steigerung der Lebensmittelpreise. Sie unterstützt aber alle Mittel, die einerseits die Ergiebigkeit des Landwirtschaftsbetriebes steigern und andererseits dem Bauer den Ertrag seiner Arbeit sichern, indem sie verhindern, das; die Betriebs- fortschritte zu größerer Verschuldung und höherem Zinstribut an däs Kapital führen. Die sozialdemokrasische Partei verlangt deshalb staatliche Förde- rung aller Mittel, die den kleinbäuerlichen Betrieben die Vorteile des genossenschaftlichen Großbetriebes sichern sGüterzusammen- lcgung und verbesserte Flureinteilung, genoffenschaftliche Viehhaltung, Verwendung von Kraft- und Arbeitsmaschinen, Versicherungswesen ae.); ferner die Verstaatlichung der Hypotheken und deren planmäßige Tilgung, so daß das Gemeinwesen an die Stelle der privaten Hypothekengläubiger tritt. Der Zins wird durch allmählich abnehmende Annuitäten ersetzt, die endlich in eine mästige Abgabe an Staat und Gemeinde übergehen. Die EntWickelung wird aisdanu die Bauern- same von selbst zu rationellen Betriebsgenossenschaften und endlich zur gesellschaftliche!; Produktion und zum gesellschaftlichen Eigentun; führen. Vauernstelleir, die zur Zwangsverwertung komnren, sind von den Gemeinden anzukaufen und zu verpachten." Ein Parteitag der tschechischen Sozialdemrönitie in fand vor kurzem in Plößnitz statt. Das Hai/üergebnis der Verhandlungen irwr die einstimmige Annahme der folgenden Resolution: Mit Rücksicht auf das beschämende, di» Vernunft, das Recht, die Ehre und das Gefühl beleidigende Vorgehen verschiedener patrio- tischer und nationaler Parteien und Kote/on, die die geltenden un- gerechten Wahlordnungen mit der Behm/ptung, daß sie die staatlichen und nationalen Interessen schützen, vereidigen und dabei ihren aller- dings armen und arbeitenden Stammcsgenossen das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht und eine entsprechende Vertretung in den gesetzgebenden und autonomen Körperschaften verweigern; mit Rücksicht daraus, daß auch die sogenannten demokratischen und freisinnigen Parteien ohne jede Scham das unsinnige, reaktionäre Werk des vom Ministerstuhl mit Schmach und Schande davongejagten Grafen Badeni nachahmen; mit Rücksicht auch auf die traurige Tatsache, daß diese privile- gierten Klassen durch ihr Verhalten in den gesetzgebenden und auto- nomen Körperschaften die Rechte und Interessen des Volkes aller Nationen schädigen: fordert der Kongreß die ganze tschechische Arbeiterschaft auf, daß fte ihren bisherigen Kampf ftir das allgemeine, gleiche, geheime Wahlrecht mit Proportionalvertretung stärke und schärfe und zwar 1. durch geeignete und energische Kundgebungen bei allen Ver- sammlungen von Arbeiterparteien sowie anderer Parteien, wohin die Arbeiterschaft sich Zutritt verschaffen kmui; 3. durch gelegentliche Demonstrationen bei Wahlen in die ge- setzgebendeu und autonomen Körperschaften sowie in alle Jnstitu- tionen, die ihre Angelegenheiten öffentlich verwalten; 3. durch einen dauernden Boykott der Presse jener politischen Parteien und Unternehmungen, die sich offen oder indirekt gegen die Demokratisierung der politischen Rechte stellen; 4. durch die Erweckung des Interesses und der Solidarität für den politischen Maffenstreik einzelner Industrie-, Verkehrs- oder landwirtschaftlicher Branchen und für den großen politischen Streik der gesamten Arbeiterschaft; 5. durch Abführung freiwilliger Gaben und Beitrage, mit denen die Propaganda gestärkt, Rechtsschutz und Unterstützung den Opfern des Kampfes für die Ausbreitung des Wahlrechts gewährt werden; 6. durch unerschrockenes öffentliches und privates Auftreten gegen alle Kandidaten, Würdenträger und Abgeordneten, die sich gegen die Einführung des Wahlrechts erklären. Dem Exekutivkomitee der tschechischen! Sozialdemokratie wird aufgetragen: 1. In der Sitzung der Gesamtparteivertretung die Frage der Organisierung einer großen gemeinsamen Aktion aller demokratisihen Elemente Oesterreichs für die Erreichung des gleichen, geheimen Wahlrechts und der Proportionalvertretung zum Reichsrat und für die Aufhebung jener Privilegien, auf denen das Herrenhaus beruht, zur Sprache zu bringen; 2. in der Presse und auf dem Gesamtparteitag die Diskussion über die Vorbereitung und Organisierung eines geeigneten zeit- gemäßen politischen Massenstreiks einzelner Berufe und Branchen des allgemeinen Massenstreiks anzuregen; 3. in Erwägung zu ziehen, ob es sich nicht empfehlen würde, .g die Arbeiterschaft auf die üblichen Polizei- und Militärmassakers gegenüber der für die gleichen bürgerlichen Rechte demonstrierenden Arbeiteffchast sowie auf die Verkündigung von Ausnahmszustand und Standrccht mit Massenstreiks antworte; 4. die Parteiorganisationen von den Ergebnissen der gemein- samen Beratung auf geeignete Weise zu verständigen. Ueber die Presse referierte Tusar-Brünn. Er führte aus, daß die 42 politischen und Fachblätter insgesamt 12 Millionen, Exemplare verkauft haben. Das„Pravo Lidu" sei auf eine Reihe von Jahren gesichert; das zweite Tagblatt,„Delnicke List", habe die ärgste Zeit überstanden, dank der eigenen Kraft der Wiener Genossen. Das dritte Tagblatt dürfte recht bald in Brünn erscheinen. Den Bericht der„Pretzgenossenschaft" erstattete Sveceny-Prag. Diese Pretzgenossenschaft wurde vor 16 Jahren gegründet und hat jetzt einen großen Aufschtvung genommen. Der Umsatz der letzten zwei Jahre betrug 266 666 Kronen. Seit dem letzten Kongreß wurden von ihr 32 Schriften in einer Auflage von 362 766 Exemplaren herausgegeben. Das von der Genossenschaft herausgegebene Kreuzer- blatt„Zar"(„Morgenröte") hat eine Auflage von 3S 666 Exemplaren. In der darauf folgenden Debatte wurde hauptsächlich über das wissenschaftliche Organ„Akademie" gesprochen, das, wie sein Redak- tcur Modracek erklärte, gemäß den Parteitagsbeschlüssen ein Organ der freien Diskussion sei. dem aber von vielen Seiten vorgeworfen wurde, daß es ganz revisionistisch geleitet sei, zum Beispiel die beut- schen Reichstagswahlen nur durch einen ganz kurzen Artikel abgetan, dagegen einzelne Reden von Jaures ausführlich gebracht habe. Bei der Abstimmung wurde zunächst beschlossen, die Preß- genossenschaft sowie die Herausgcbcrschaft des„Pravo Lidu" aufzu- lösen. An deren Stelle wurde eit; achtgliedriger Preßausschuß errichtet, dem die Aufgaben der beiden aufgelösten Körperschaften über- tragen wurden. Die redaktionelle Kontrolle des„Pravo Lidu" wird jedoch der Parteiexekutive übertragen. Der Herausgeber und der Chefredakteur des"„Pravo Lidu" hat im Preßausschutz Sitz und Stimme. Von den zahlreichen angenommenen Anträgen sei erwähnt, daß ein neues Prehregulativ beschlossen wurde. Dem Preßausschuß wurde ein Antrag Brodecky auf Herausgabe e«cr Geschichte der tschechischen Sozialdemokratie zugewiesen. Beim Punkt„Eventuelles" wurde beschlossen, daß alle Streitig- leiten zwischen Parteigenossen durch ein Schiedsgericht erledigt Iverden, das aus sechs von den Streitteilen gewählten Mitgliedern und einem von diesem gewählten Mtglied der Bczirksexekutive, das zugleich der Obmann des Schiedsgerichts ist, besteht. In die Parteiexekutive wurden gewählt: Leopold Brodil, Heinrich Hornof, Dr. Wenzel Houser, Franz Rautenkranz, Dr. Franz Soukup, Josef Teska und Karl Korinek-Wien; in die Kvntrolle Jaroslaw Kratky. Wenzel Krina, Adalbert Zavadil, Wladimir Halik, Rudolf Merta und Josef Steiner. Berliner partei-Hngelegenbeiten. Zentral-Wahlvcrein für Teltow-Bccskow-Storkow-Charlottendnrg. Am Sonntag, den 13. November, findet im Lokal Tempelhofer Tivoli in Tempelhof, Berlinerftr. 56, mittags 12 Uhr die Kreis- Versammlung und nachmittags 2 Uhr die General- Versammlung des Kreises statt. Die Tagesordnungen sind: Für die Kr ei s v er s amm l un g: 1. Bericht und Neuwahl der Vertrauenspersonen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Für die Generalversammlung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers, der Revisoren. 2. Bericht der Mitglieder der Agitations-, Preß- und Lokalkommission. 3. Antrag des Vorstandes betreffend Anstellung eines Sekretärs. Anträge betreffend Aenderung in der Beschickung der Generalversammlungen des Kreises, Antrag Königs- Wusterhausen auf Aenderung des Z 6 des Statuts. 4. Die Preußen- Konferenz. 5. Neuwahlen aller Funktionäre. 6. Verschiedenes. Nach § 11 des Statuts kann zur Generalversammlung jeder örtliche Wahl- verein bis zu drei Delegierten entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandaten versehen sein.— Die Versammlungen werden püntt- lich eröffnet. Gäste haben Zutritt. Der Zentralvorstand. Die Parteigenossen von Tempelhof machen darauf aufmerksam, daß nach Schluß der Generalversammlung des Kreises im Tivoli ein gemütliches Beisammensein mit Tanz stattfindet. Zur Lokalliste. JnReinickendorf-Ost steht das Restaurant „Zur Eisenbahn", Inhaber Fritz S e n s, der Arbeiterschaft zu Versammlungen zur Verfügung.— Der Gesangverein„Namenlos" veranstaltet in Herlingers Wirtshaus, Chausseestraße 116, Berlin, an; Sonnabend ein Vergnügen. Besonders in den Fabrikräumen der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesellschaft versucht man Billetts zu diesem Vergnügen abzusetzen. Das Lokal steht der Arbeiterschaft nicht zur Versügung. Die Lokalkommission. Spandau. Die Mitglieder des Sozialdemokratischen Arbeiter- Vereins werden ersucht, rückständige Beiträge spätestens bis 31. De- zember zu berichtigen, da an diesen; Tage die Umwandlung in den Kreis-Wahlverein vollzogen sein muß. lokales. Zur Stadtverordneten-Ersatzwahl im 30. Bezirk dritter Abteilung. Als der Magistrat in der vorigen Woche endlich den Termin für die im 22. und im 36. Bezirk dritter Abteilung vorzunehmenden Stadtverordneten-Ersatzwahlen veröffentlichte,_ ersah man aus seiner Bekanntmachung im„Gemeindcblatt", daß in beiden Bezirken ein Hausbesitzer gewählt werden muß. Die B ü r g e r p a r t e i, die im 36. Bezirk noch einmal mittun will, ist durch diese Wendung in Verlegenheit gebracht worden. Sie hatte als Kandidaten den antisemitischen Rechtsanwalt Ulrich aus- ersehen und ihn auch schon in einer Wählerversainmlung proklamiert. Erst nachher kam dann die Bekanntmachung des Magistrats heraus. Herr Ulrich ist nun aber kein Hausbesitzer und mag es um des 36. Bezirks willen auch nicht werden. Er weiß, daß da für die Bürgerpartei nicht mehr viel zu holen ist. Am Dienstag hat er in einer Wählerversammlung, die von 25 Personen besucht war, seine Kandidatur niedergelegt und sie dein früheren Stadtverordneten Prötzel überlassen. Herr Ulrich wird vielleicht im stillen das Hausbesitzerprivileg preisen, das ihn von einer Kandidatur befreit hat, an die er in Anbetracht ihrer geringen Aussichten von vorn- herein nicht recht herangewollt hatte. Auch Herr Prötzel, der vor Ulrich abgelehnt hatte, fiihlt sich nicht sehr beglückt. Aber da hilft nun nichts mehr; denn e r ist Hausbesitzer. Am Dienstag versicherte er den; Häuflein seiner Freunde, die Bürgerpartei hoffe wenigstens zur Stichwahl zu kommen. Dam; aber habe sie Aussicht, den Bezirk zu gewinnen; denn dann werde man mit den Säumigen „ein so ernstes Wort rede,;", daß sie am Stichwahltage gewiß ihre Pflicht tun. Man weiß von ftüheren Wahlen her, wie das gemeint ist. Gnade dem kleinen Beamten, der dann nicht kommt I Ueber das, was Herr Prötzel früher in der Stadtverordneten-Versammlung gewesen ist und künftig wieder sein werde, bramarbasierten er und seine Freunde in einer grotesk- komischen Weise. Prötzel versprach, er wolle dort„ein helles Licht leuchten lassen", Rechtsanwalt Simons bezeichnete ihn als den„Hecht in; Karpfenteich, der Leben und Bewegung hineinbringen wird". Und der bekannte Schneider- meister Donner donnerte, man„zittere im roten Hause vor Prötzel". Ach,_ du armes Pretzelchen, wie still warst Du doch, als Du im Roten Hanse saßest, und wie herzlich haben sie dort über Dich gelacht, wenn Du wirklich einmal lospoltertest l Die Sozialdemokratie hat die Schwierigkeit zu über- winden gewußt, die ihr aus dem Privileg der Hausbesitzer erwachsen ist. Der von ihr aufgestellte Kandidat Genosse Sassenbach wird in der Lage sein, die geforderte Bedingung zu erfüllen. Ein Haus- agrarier wird er selbstverständlich deshalb nicht sein; er denft im Gegenteil den freisinnigen Hausagrarieri;, die in der Stadtverordneten- Versammlung sich breit machen, kräftig zu Leibe zu gehen. Dem Wahltag sehen wir frohen Mutes entgegen. Wenn am 23. November alle unsere Freunde und Genossen im 36. Bezirk ihre Pflicht tun, dann mutz es uns gelingen, den Freisinn samt der Bürgerpartei zu schlagen. Die Hoffnungen, die Herr Prötzel auf die Stichwahl setzt, sollten für alle unsere Wähler ein Ansporn sein, schon im ersten Wahl gang Mann �für Mann anzutreten und unserm Genossen Johannes wassenbach ihre Stimme zu geben. Sie wollen nichts lernen. Daß der mittelalterliche Zopf unseren Freisinnsherren im Rat- hause bis an die Waden herabhängt, beweist, wie uns geschrieben wird, eine Diskussion, die in der letzten Sitzung der Waisen- deputation gepflogen wurde, eine Diskussion, an der Herr Oertcl, der Oberste der teutonischen Prügelenthusiasten, seine helle Freude gehabt haben würde. Wie wir unseren Lesern vor kurzem mitgeteilt haben, hatten sich in der Fürsorge-Erziehungsanstalt zu Lichtenberg einige junge Burschen gegen den Aufseher empört. Es war zu einer Meuterei im wahren Sinne des Wortes gekommen; die Taugenichtse gingen mit abgebrochenen Stuhlbeinen auf den Beamten los, dieser, im Zustande der Notwehr,„zog blank", es setzte hüben und drüben arge Verwundungen, einer der Angreifer liegt noch heute an den Folgen der nicht unbedeutenden Verletzung da- nieder. Gewiß ein außerordentlicher beklagenswerter Zufall. Der pflichtgetreue Beamte in Ausübung seines schweren Berufes verletzt, die Burschen selbst durch Säbelhiebe kampfunfähig gemacht! Jeder anständige Mensch, gleichviel, welchen politischen Grundsätzen er huldigt, muß in den Zustand moralischer Erregung kommen an- gesichts solcher Ausbrüche jugendlicher Verwilderung. Jugend- licher Verwilderung, enormer Verwahrlosung! sagen wir. Und somit wären wir zum springenden Punkte der ganzen Affäre gekommen. Welcher klaffende Gegensatz zwischen bürgerlicher und sozialdemokratischer An- schauung, wenn es sich um die Verhütung von Roheitsatten handelt! Unsere Vertreter in der Deputation wiesen nach, daß im Geiste der menschlichen Fürsorge für die Auswürflinge der jetzigen Gesellschaft das oberste Erziehungspriuzip die Milde sein müsse. Unsere Ge» nossen aus der Deputation apostrophierten die Herren in folgender Weise:„Wollt Ihr das Eis brechen, welches das jugendliche Gemüt umgibt, dann müßt Ihr das Evangelium des Sozialismus in Euch aufnehmen! Fort mit allen rigorosen Strafbestimmungen l Lernt es verstehen, daß diese unglücklichen jugendlichen Verwahrlosten in ihrer ganzen schrecklichen Eigenart das Produkt einer mangelhaften Erziehung und furchtbarer gesellschaftlicher Mißstände sind! Hat einem einzigen dieser Enterbten vielleicht jemals das liebevolle Auge der Mutter entgegengeleuchtct, sind diese Elenden in ihrer frühesten Jugend von sorgsamen Eltern gesättigt worden, waren Wohnungs- und Lebensverhältnisse so eingerichtet, daß den primitivjten For- derungen der Sittlichkeit Rechnung getragen werden konnte? Wenn Ihr wahrhafte Fürsorger sein wollt, dann arbeitet mit an der sozialen Wiedergeburt der Menschheit, bekämpft in diesem besonderen Falle die krankhafte Anlage Eurer Klienten dadurch, daß Ihr streng individualisiert sie einer irrenärztlichen Ueberwachung unterstellt!" Ein winziger Teil der Deputationsmitglieder zollte unseren Genossen eine gewisse überlegene Aufmerksamkeit, die übrigen gaben durch Unruhe zu erkennen, daß man sich durch Anregungen soziali- stischer Herkunft in dem Alltagsgange gut bürgerlicher Vorstellungen nicht gern stören lasse. Eins der Magiftratsmitglieder wurde von den; Vorsitzenden um ein motiviertes Gutachten ersucht.„Jede schlechte Tat verlangt eine angemessene Strafe", das war die päda- gogische Weisheit, in der„das Gutachten" des Herrn ausklang. Daß man auch im Rathause der Freisinnshelden in der landesüblichen Frömmigkeit macht, bewies eine gelegentliche Bemerkung eines Magistratsherrn.„Entziehung der Weihnachts-'Ge- schenke" wurde verlangt. Wohlgemerkt: Auch den am Exzeß Unbeteiligten sollen die Wcihnachts-Geschenke vorenthalten werden! Beschlossen wurde endlich: Sperrung der Besuche auf die Zeit von ungefähr sechs Wochen. Es soll der Aufhetzung durch die Ver- wandten ein Riegel vorgeschoben werden.„Die Unschuldigen müssen mit den Schuldigen leiden." Daß ein gutgemeinter, aus der Situation heraus geborener Vermittelungsvorschlag unserer Parteigenossen, es bei einer Art bedingter Verurteilung, einer Art Strafandrohung zu belassen, mit mitleidigem Achselzucken aufgenommen wurde, versteht sich am Rande.„Eine derartige Methode ist durch und durch unpädagogisch, sie widerspricht jeder erziehlichen Erfahrung," lautete es zurück.— An ihren Früchten sollt Ihr sie erkennen! Die Wahrheit dieses Bibelworts wird auch an der Berliner Kommunalpädagogik zutage treten!_ Wenn Lehrer nervös sind, sollten sie Urlaub zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit nehme» oder sich beizeiten pensionieren lassen. Wollen sie das nicht um ihrer selbst willen tun, so muß es im Interesse der Schule gefordert werden. Leider wird diese notwendige und selbstverständliche Forderung noch zu oft außer acht gelassen. Trotz Nervosität wird weiter unter- richtet, entweder weil der kranke Lehrer sich über seinen Zustand nicht klar ist, oder weil er dem Schicksal einer ftühen Pensionierung ent- gehen will. Die Folgen fallen dann auf die Schule. Uns sind über die Zustände, die in den Klassen nervöser Lehrer herrschen, mitunter recht sonderbare Mitteilungen gemacht worden. Die eiirem solchen Lehrer anvertrauten Kinder befinden sich in einer nicht beneidenswerten Lage, und manches von ihnen kommt in Gefahr, für immer verpfuscht zu werden. Wir denken hier natürlich an Lehrkräfte beiderlei Geschlechts. an die Lehrerinnen sogar noch mehr als cn; die Lehrer. Die Zahl der Nervösen ist unter dem Lehrpersonal erschreckend groß, am größten unter den Lehrerinnen. Wenn die Damen in ein gewisses Alter kommen, dann beginnen manchmal böse Tage nicht nur für sie, sondern auch für ihre Schulkinder. Ter Lehrberuf ist eben doch an- strengender, als mancher Vater und manche Mutter glauben will. In den Berliner Gcmeindeschulen z. B. müssen alljährlich zahlreiche Lehrer und Lehrerinnen beurlaubt werden, und unter dm Urlaubs- anlässen stehen die Nervenkrankheiten mit obenan. Für die Pensio- nierungen gilt dasselbe, und Eingeweihte wissen, daß schon für manchen Lehrer und manche Lehrerin der Weg aus der Schulstube dirett in die„Heilanstalt" geführt hat, aus der es keine Rückkehr mehr gab. Ein nervöser Lehrer, eine nervöse Lehrerin ist gewiß zu be- dauern. Aber nickst weniger bedauern wir jeden, der mit einer nervösen Person, die in solchem Amt steht, zu tun bekommt. Die Nervosität des Lehrenden ist ein Unglück für die Kinder, eine Plage für die Eltern, eine Last für den Rettor. Da folgt eine Beschwerde auf die andere, und das Verhältnis zwischen Schule und Haus wird immer unfreundlicher. Wir mischen uns nicht gern in solche Streitigkeiten— und wenn Eltern uns darum bitten, so tun wir es am liebsten nicht durch Veröffentlichung der Sache, sondern durch mündliche Mahnung, die Beziehungen zur Schule im Interesse des Kindes doch möglichst wieder freundlicher z» Kestalten. Es gibt aber Fälle, bei denen eine öffentliche Besprechung geradezu geboten ist, weil durch sie die höheren Instanzen erfahrung- gemäß zu einer umfassenderen Untersuchung veranlaßt werden als durch Beschwerden einzelner Personen. Ein solcher Fall scheint uns derjenige zu sein, der uns aus einer Gemeinde schule im Süden Berlins bekannt ge- worden ist. Es handelt sich um die Lehrerin Frl. W., die im Unterricht, anscheinend infolge starker Nervosität, Wer geringe Ver- sehen leicht in Erregung gerät und dann die Kinder mit Schelten und Prügeln reichlich und nachdrücklich bestraft. Die Dame ist längst keine Anfängerin mehr, die erst lernen soll, wie man unter- richtet. Sie dürfte ungefähr ein Vierteljahrhundert Unterrichts- tätigkeit auf dem Rücken haben. Dabei ist sie ziemlich viel umher- gekommen und hat in den lebten 20 Jahren an 6 verschiedenen Anstalten unterrichtet. Aus Anlaß einer Prügelausteilung, deren Folgen durch ärztliches Attest festgestellt worden sind, hat man uns gebeten, diesen Zuständen unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir haben eine Anzahl der in Betracht kommenden Familien aufgesucht, um die Eltern— und, wo es nötig schien, auch die Kinder— zu befragen. In den ersten acht Fällen trafen wir überall auf Eltern, !die sich bereits bei Frl. W. oder beim Rektor Schl. beschwert hatten. (Uebrigens scheint auch Rektor Schl. von Vn SS. sehen Prügeleien keineswegs erbaut zu sein, doch er ist wohl machtlos gegenüber der Nervosität dieser Dame.) Um auch die andere Seite zu hören, baten wir um Adressen solcher Eltern, die mit Frl. W. zufrieden sind. Man hat uns einstiveilen nur zwei Familien genannt, die dann von uns aufgesucht wurden und uns erklärten, daß sie bisher keinen Anlaß zu Klagen gehabt haben. Die Einzelheiten, die die anderen acht Familien mitteilten, sind von der Art, daß wir die höheren Instanzen dringend bitten müssen, sich die Sache einmal etwas genauer cm- zusehen. Die Erziehungsmethode des Frl. W. erscheint uns höchst bedenklich und geradezu geeignet, manchen Kindern das bißchen Lust zur Schule, das sie etwa noch haben, vollends auszutreiben. Für die Untersuchung möchten wir einen Weg borschlagen, der von dem sonst Wlichen abweicht. Es genügt hier nicht, daß der Rektor bezw. Schulinspektor die Lehrerin verhört, sie im Unterricht beobachtet und die Kinder befragt. Wir empfehlen den Vorgesetzten. sich in die Wohnungen der Eltern zu bemühen und diese zu fragen, was die Kinder zu Hause mitgeteilt haben, was sie selber an den Kindern beobachtet haben und wie es ihnen in Unterredungen mit Frl. W. ergangen ist. Diese Untersuchungsmethode ist sehr viel umständlicher, zeitraubender und mühseliger als die sonst Wliche, aber nur so kann man die volle Wahrheit ermitteln. Wir müssen stets so verfahren, wenn Beschwerden über die Schule an uns ge- langen. Es dürfte den Organen der Schulbehörde ganz dienlich sein, wenn sie's einmal ebenso machen. Sie können manches dabei lernen. Stadtschulrat Bcrtrams Bestattung. Im Rathause, auf dessen Turin die Fahne halbmast gehißt war. wurde am Mittwoch um 12 Uhr mittags dem verstorbenen StadtsÄulrat a. D. Bertram, dem langjährigen Leiter des Berliner Volksschulwesens, die Totenfeier abgehalten. In dem ernst geschmückten Festsaal war der mit prächtigen Kranzspenden bedeckte Sarg aufgebahrt vor einer zahl- reichen Trauerversammlung von Magistratsmitgliedern und Stadt- verordneten, von Abordnungen städtischer Verwnltungszweige, vieler Schulen, Erziehungsanstalten, Lehrervereine usw. Unter den Leid- tragenden saßen m der ersten Reihe die nächsten Angehörigen, die SLitwe, die Kinder imb Enkel. Neben dem Sarg war Bertrams Marinorbüste aufgestellt. Drei Redner versuchten, das Lebenswerk Stadtschulrat Bertrams zu schildern: der Prediger Cirms von der Neuen Kirche, dann der zetzige Stadtschulrat Gerstenberg, der Bertrams Nachfolger im Amt wurde, und zuletzt der Stadtverordnete Cassel, der Führer derjenigen Gruppe der Stadtverordneten-Vcrsamnilung, der der nun Verstorbene oft genug seine, pädagogische Ueberzeugung hat zum Opfer bringen müssen, weil kleinlicher Krämergeist es so wollte. Wer erst aus diesen Lobreden sich ein Bild von dem Wollen, dem Können und dem Voll- bringen oder Nichtvollbringen des Stadtschulrats Bertram machen wollte, der dürste ans all' dem tönenden Schwulst schwerlich heraus- gefühlt haben, daß Bertrani— so weit er auch hinter dem Ziele zurück- geblieben sein mag, das im Beginn seiner Laufbahn ihm vorgeschwebt hatte— eben doch kein gewöhnlicher Mensch gewesen ist. Die Feier wurde verschönt durch Gesänge, die vom Berliner Lehrer-Gesangverein und von einem Chor von Zöglingen der Blinden- anstatt vorgetragen wurden. Tas war eine sinnige Ehrung des Toten. Nach Beendigung der Feier wurde der Sarg die Freitreppe hinabgetragen und vor dem Hauptportal in der Königstraße auf den Leichenwagen gestellt. Im strömenden Regen setzte sich der Zug in Bewegung nach dem Friedhofe der Apostel-Geincinde an der Kolonnen- straße, wo nach kurzer Ansprache und üblichem Gebet die Leiche be- stattet wurde. Der Kindersegen verteilt sich in Berlin auf die einzelnen Stadt- gegenden sehr ungleich. Von den 49 549 Berliner Geburten(einschl. Totgeburten), die das Jahr 1993 brachte, kamen z. B. auf den Stadtteil Wcdding-Gesundbrunnen 5939, auf den nördlichen Teil der Rosenthaler Borstadt 5993, aus das Königsviertel 4989, auf den öst- lichen Teil des Stralauer Viertels 4829. Hiernach war im vorigen Jahre der Streifen äußerer Stadtteile, der sich vom Norden über den Nordosten bis zum Osten herumzieht, allein mit 19 999 Geburten beteiligt, d. h. mit reichlich 38 Proz. aller Geburten. Desto ärmer an Geburten waren dafür die inneren Stadtteile, beispielsweise wurden aus der ganzen Friedrichstadt nur 672 Geburten gemeldet. Aller- dings ist auch die Bevölkerung im Innern der Stadt viel weniger zahlreich als in jenen Außenbezirken, aber selbst die Vergleichung der Geburtenzahl mit der Bevölkerungszahl ergibt für die einzelnen Stadtteile immer noch sehr beträchtliche Unterschiede. In 1993 kamen auf je 1999 Personen der Stadtteilsbevölkerung in der nörd- lichen Rosenthaler Vorstadt 36 Geburten, im Stadtreil Wedding-Ge- sundbrunnen 32, im östlichen Stralauer Viertel 31, im Königsviertel 29. Auch im äußeren Teil Moabits war die Geburtenziffer reichlich 29, der äußere Teil der Luisenstadt hatte 28, die Oranienburger Vorstadt 27 usw. Dagegen war die Geburtenziffer in der Friedrich- stadt knapp 13, in der Altstadt wenig über 13, in der Schöneberger Vorstadt 15 usw. Sin heftiger Sturm fegt seit zwei Tagen durch die Straßen Berlins«nd verursachte mannigfachen Schaden. Vielfach wurden von den Dächern Ziegelsteine und Schieferplattcn herabgerissen: Transparent-Laternen wurden zertrümmert und zahlreiche Fenster- scheiben eingedrückt. Von den Anschlagsäulen riß der Wind das Plakatpapier herunter, so daß an den Säulen die rohen Eisenplatten sichtbar wurden. Einen Unfall verursachte der Wind gestern in der Juvalidenstraße ain Huinboldthafcn. Als der Kaufmann B. den Fahrdamm überschritt, ritz ihm ein Windstoß den Zylinderhut vom Kopfe und trieb ihn dem Hafen zu. B. ließ seinen Regenschirm fallen und lief dem Hute nach, rannte blindlings gegen einen GeschäftSwagen und wurde niedergettfien. Glücklicherweise fiel der Kaufmann so, daß er von den Rädern nur gestreift wurde. Der Schirm geriet unter einen Postwagen und der Cylinder wurde in das Wasser hineingetrieben. Sluch in den Vororten hat der Sturm viel Unheil angerichtet und ganz besonders hat er in den Wäldern an der Nordbahn und Stettinerbahn gehaust und dort zahlreichen Windbruch herbeigeführt. In Lichtenberg wurde durch einen Wirbelsturm vor einem Neubau im neuen Ortsteil das Gerüst niedergelegt. Die von Carolv am Morgen hier eingetrofienen Milchwagen hatten dadurch eine be- deutende Verspätung erlitten, daß ein entwurzelter Baum sich quer über die Chaussee gelegt hatte und den Fahrweg versperrte. Die Schiffer auf der Spree und den anderen Wasserläufen in und um Berlin waren unablässig bemüht, ihre Fahrzeuge vor dem Fott- treiben zu bewahren. An der Einfahrt zum Müggelsee bei Friedrichs- Hägen kenterte ein Segelboot. Von den beiden Insassen, zwei Männern, die sich leichtsinnigerweise trotz des hohen Wellenganges auf den See hinauswagen wollten, schwamm der eine ans Land, während der andere von Schiffern gerettet wurde. Ein rätselhafter Diebstahl im Westen der Stadt beschäfttgt die Kriminalpolizei. In her Neuen Winterfeldtstraße bewohnte die Witwe eines Kaufmanns mit ihrem Dienstmädchen den ersten Stock eines Hauses. In der vergangenen Woche erhielt die Frau von einem Sohne, der ihr außerhalb Berlins ein Haus verwaltet, sieben Einhundertmarkscheine zugesandt. Diese Sendung, von der außer ihr niemand etwas wußte, legte sie zu einer goldenen Herrenuhr mit Kette und einein goldenen Kreuz in eine Arnheim-Kassette, die sie in ihrem Schreibtisch aufbewahrte. Am Sonntagnachmittag gingen die Frau und das Dienstmädchen aus. Die Hausfrau kehrte abends um 9 Uhr zuerst zurück. Es fiel ihr auf, daß ihr Schlüssel nicht so gut schloß wie sonst, da aber im übrigen in der Wohnung nichts Verdächtiges zu sehen war, so machte sie sich weiter keine Gedanken darüber. Erst am Dienstag morgen, als sie Geld aus der Kassette nehmen wollte, entdeckte sie, daß diese mit dem ganzen Inhalt gestohlen war. Von dem Täter fehlt jede Spur. Reiche Beute machten gestern abend im Zentrum der Stadt Diebe auf offener Straße. Vor dem Hause Neue Friedrichstr. 36 trafen sie einen zlvcispännigen Kastenwagen des Fuhrherrn Jaekel aus der Scharnhorststr. 7a, den dieser einer Tuchhaudlung gestellt hatte, ohne Aufsicht, weil der Kutscher einen Augenblick weggegangen war, um eine Bestellung auszurichten. In dem verschlossenen Kasten lagen fiir 6999 M. Kleiderstoffe. Die Spitzbuben schwangen sich auf den Bock und fuhren ungehindert davon. Spät abends wurden Wagen und Pferde in Neu-Weißensee herrenlos aufgefunden und ihrem Eigentümer wieder zugestellt. Die Diebe hatten den Kasten erbrochen und einen Teil des Inhalts mitgenommen. Der Unglückliche, der aus der Hochbahn totgefahren wurde, war der 43 Jahre alte Maschinenbauer Hermann SUibe, Brandenburg- straße 8. Er litt seit dem vergangenen Frühjahr an Rheumatismus und war arbeitsunfähig. Die Krankheit und seine Lage hatten ihn so nervös gemacht, daß er oft nicht wußte, was er tat. Ilm Montag ging er um 4 Uhr zum Barbier im Nebenhause, kehrte aber nicht in seine Wohnung zurück. Wahrscheinlich irrte er planlos umher, bis er mit Absicht oder in der Verwirrung des Geistes auf die Hochbahn und unter die Räder eines Zuges geriet. Der„Herr Reffe". Der Bankbuchhalter H. in der Elsasser- straße feiette vor kurzem seine silberne Hochzeit. Zu dieser Feier war auch sein achtzehnjähriger Neffe, ein Apothekerlchrling G. aus Magdeburg eingetroffen und logierte im Hause seines Onkels. Im Trubel des Familienfestes konnte man dem jungen Gaste nur wenig Aufmerksamkeit widmen. Der kleine Magdeburger verstand es, sich des Nachts heimlich aus dem Hause zu schleichen, um das Berliner Leben kennen zu lernen. Das Berliner Pflaster erwies sich aber bald als für seine Kasse zu teuer. Er kehrte, noch ehe seine Ab- Wesenheit bemerkt wurde, heim und beschloß sich mit Geld zu versehen. Es gelang ihm auch, aus einem Sekretär, in dem man versehentlich den Schlüssel hatte stecken lassen, drei Hundertmarkscheine zu ent- wenden und mit seiner Beute zu verschwinden. Der Diebstahl wurde bald bemerkt; da G. sich nicht blicken ließ und schon manch bösen Streich auf deni Gewissen hatte, zweifelte man nicht daran, daß er der Täter sei. Um einen Skandal zu vermeiden, wurde keine Straf- anzeige erstattet, sondern ein Privatdetektiv mit der Ermittelung des Durchbrenners betraut und dessen Vater telegraphisch herberufen. Erst nach dreitägigem Suchen gelang es, dem Ausreißer auf die Spur zu kommen. Als er in Begleitung eines Mädchens ein be- kanntes Vororts-Tanzlokal verließ, sah er sich plötzlich seinem Vater und seinem Onkel gegenüber, deren Begrüßung ihm Wohl recht lange in Erinnerung bleiben dürfte. Von dem gestohlenen Gelde hatte der Bengel bereits mehr als die Hälfte verbraucht. Bei einem Einbruch im Scidenwarengeschäst von Luhmann in der Blumenstr. 7 ist in der Nacht zu gestern ein Dieb abgefaßt worden.— Der Cafetier Schildt im selben Hanse vernahm ein ver« dächtiges Geräusch und fand, als er dem Lärm nachging, in der ersten Etage die Tür zum Seidcngeschäft geöffnet. Zufällig gelang es, einen Schutzmann zu finden, und mit dessen Hülfe gelang es, einen der beiden bei der Arbeit überraschten Diebe festzunehmen, während der andere entkam. Die Persönlichkeit des Einbrechers konnte noch nicht festgestellt werden. Bon einem treulosen Wohnungsgenossen um seine ganzen Er- sparnisse bestohlen wurde ein Tischlergeselle aus der Nannynstrahe. Der fleißige Mann hatte nach und nach 429 M. zurückgelegt, die er in zwei Einhundertmarkscheinen und Gold in seinem Koffer in der Schlafstelle aufbewahrte. Vor einigen Tagen zog mm ein zweiter Schlafbursche zu, der ein sehr treuherziges Wesen zur Schau trug. Eines Morgens, während der Tischler glaubte, daß er noch schliefe, nahm er wahr, daß dieser sich mit seinem Schatz im Koffer be- schästigte. Die nächste Gelegenheit benutzte er, um ihn zu bestehlen. Während die Wirtsleute einer Beerdigung beiwohnten und der Tischler auf seiner Arbeitsstelle war, lief er nach Hause, erbrach den Koffer, verschwand mit der Beute und seinen Sachen und ließ sich nicht wieder sehen. Hoffentlich gelingt es der Kriminalpolizei bald, den Dieb zu fassen und dem armen Tischler die Frucht seiner Arbeit und Sparsamkeit wieder zu verschaffen. Der Spitzbube ist ein Bursche von etwa 29 Jahren, mittelgroß und von mädchenhaftem Aussehen. Er hat dunkelblondes Haar, ein bartloses blasses Gesicht, einen breiten Mund und kleine dunkle Augen, und trägt einen dunklen Jackettanzug und einen schwarzen Filzhut. Einen Finger der linken Hand trug er wegen einer Verletzung in einem Verbände. Bei der Arbeit schwer verunglückt ist gestern nachmittag der Maurer Meiners, Kulmstr. 28 wohnhaft. M., welcher bei einem Umbau an der Ecke der Straße Unter den Linden und der Charlotten- straße tätig war, war gestern damit beschäftigt, mehrere Eisenttäger die Treppe hinaufzutragen. Er verlor plötzlich das Gleichgewicht und stürzte in die Tiefe. Der Bedauernswerte erlitt bei den: Unfall Rippenbrüche und mutzte mittels Droschke nach einem Krankenhause gebracht werden. Die beste der Welten. Sehnsucht nach dem Gefängnis veranlaßte gestern den 29 jährigen Arbeiter Merten, einen Diebstahl zu begehen. Als er gegen 3 Uhr nachmittags die Neue Schönhauserstraße passierte, eignete sich M. aus einem an der Eingangstür eines Milchladens vor dem Hause Nr. 2 stehenden Korbe ein halbes Dutzend Eier an und ergriff dann scheinbar die Flucht. Er lief jedoch nur bis zur Ecke der Münzstraße und stellte sich dort einem Schutzmann. M. wurde, da er obdachlos ist und der Bestohlene Strafantrag stellte, in Polizeigewahrsam genommen. Der Arbeiter gab an, daß er bereits im Gefängnis gewesen sei und den Diebstahl nur verübt habe, um wieder dort hin zu kommen. Brauchbare Wagenknppelungen? Vom Eisenbahnerverband aus wird uns geschrieben: Endlich scheint eine Erfindung gemacht zu sein, die die Opfer auf dem Schlachtfelde der Arbeit erheblich vermindern kann. Vor einigen Wochen veröffentlichte der„Weckruf der Eisen- bahner" eine grausige Statistik über die in den ersten acht Monaten dieses Jahres erfolgten Betriebsunfälle auf den Bahnhöfen in und um Berlin. Von 33 zum Teil tödlich Verunglückten gehörten 25 dem Rangicrerberufe an, ein Beweis, wie lebensgefährlich gerade der Rangicrbetrieb ist. In den letzten Monaten sind wiederum eine Anzahl Unglücksfälle tödlich verlaufen, so daß selbst dem Minister und seinen Geheimräten Angst wird und er nun nach der Ursache der Massentötungen zu forschen beginnt. Aehnlich wie in Berlin liegen die Verhältnisse aber auch auf den übrigen größeren deutschen Bahnhöfen; hat doch der Minister v. Budde selbst einige davon mit Menschenfallen verglichen. Die vielen Menschenopfer gerade im Rangierbetrieb beweisen denn auch, daß der Minister nicht so Unrecht hat. WaS gedenken die Leiter der deutschen Eisenbahn- Verwaltungen aber zu tun, um die Tätigkeit der Arbeiter im Rangier- betriebe weniger lebensgefährlich zu gestalten? Sollten die ministeriellen' Geheimräte noch nichts über die Versuche mit einer automatischen Wagenkuppclung in Frankreich vernommen haben? Es gewinnt beinahe den Anschein, daß die Herren nur darauf sinnen, wie die Geschwindigkeit der Züge noch mehr erhöht werden kann. Es lverden Schnellbahnversuche mit und ohne Elek- trizität unternonimen, man hat aber kaum gehört, daß ernstliche Versuche unternommen worden wären, durch eine automatische Wagenkuppelung den primitiven Bremsknüppel zum Loshängen der Wagen oder gar das gefährliche Dazwischenspringen überflüssig zu machen. Der Ingenieur Boirault der französischen Staatsbahn hat einen automatischen Kuppclapparat erfunden, der seit 18 Monaten an den 29 Tonncnwagen zum Transport von Kohlen vom Hafen La Pallice nach verschiedenen Depots in Anwendung gekommen ist. Während dieser Zeit hat die Kuppelung tadellos funktioniert und keine Reparatur, auch keine Kosten für Instandhaltung verursacht. Die Vorzüge des Apparates sind: Verhinderung von Unglücksfällen, größere Schnelligkeit in der Handhabung und Verminderung der Be- Schädigungen an Material und Waren durch die Abschwächung der Stöße. Der Kuppclapparat Boirault löst in günstiger und voll- ständiger Weise das Problem der automatischen Kuppelung der Waggons, eine Aufgabe, mit welcher sich die Eisenbahntechnik jicc ganzen Welt schon so lange beschäftigt. Dieses System hängt die Wagen automatisch ohne Stoß aneinander, es patzt für alle Wagen, ohne daß sie irgendwie abgeändert zu werden brauchen, es schaltet nach Belieben die Automatizität aus und stellt sie wieder her, es er- laubt die Kuppelung mittelst des alten gegenwärtigen Systems, es verbindet und löst die Luftbrcmsröhren und verrichtet alle nicht automatischen Operationen außerhalb der Puffer, sowohl rechts wie links vom Wagen. Eine Prüfung des Apparates durch den Minister der öffentlichen Arbeiten und der Spitzen der Eisenbahngesellschaften am 12. Oktober im Bahnhof von Niort ergab die unbestreitbaren Vorzüge des Apparates. Nun wäre zu wünschen, daß sich die Leiter der deutschen Eisenbahnverwaltungcn auch einmal eingehend mit dieser Erfindung beschäftigten; besonders sei der preußische Minister v. Budde hierauf aufmerksam gemacht, da er ja Erhebungen über die vielen Unglücksfälle vornehmen läßt. Mit Einführung eines brauch- baren Kuppelapparatcs würde er sich ein größeres Verdienst erwerben als mit seiner nutzlosen Bekämpfung des Verbandes der Eisenbahner Deutschlands, der Konsumvereine und seiner rosa angehauchten Kollegen._ Im Palast-Theater werden die R i n g k ä m p f e fortgesetzt. Das Publikum ist durch alte und neue Mogeleien mit der Zeit mißtrauisch geworden und hat namentlich erstklassigen starken Männern gegen- über ja auch berechtigte Gründe zur Vorsicht. Immerhin ist das Interesse für derartige Kraftübungen stark genug, um allabendlich zahlreiche Leute nach der Burgstraße zu locken, welche die Versiche- rungen, daß in diesem Fall Ehrlichkeit Trumpf sei, mit Respekt entgegennehmen. Wie Kenner versichern, soll denn auch kein Grund zu Zweifeln vorliegen. Gestern rangen als erste Axel Kook, Schwede, gegen den Italiener Giovanini. Der Italiener, den»vir sonst nur als gewandten Verteidiger kannten, ging schnell zum Angriff über, mußte jedoch dem hühnenhaften Schweden schließlich weichen und ihm nach sechs Minuten den Sieg lassen. Franyois de Nidder, Belgier, konnte seinen Gegner, den Deutschen Kramer, schon nach vier Minuten spannenden Kampfes auf die Schulter drücken. Lurich und der Bayer Rödel waren auch in vier Minuten miteinander fertig und der Bayer erwehrte sich mit vielem Geschick der kunstvollen Angriffe Lnrichs. Voller Interesse war der Kampf von Petroff gegen den Neger Decco. Der gewandte Afttkaner, der auch über beachtenswerte Kräfte verfiigt, machte Pettoff tüchtig zu schaffen, bis er der eisernen Faust und überlegenen Ruhe Petroffs in zehn Minuten unterliegen mußte. Der Revanchekampf John Pohl Abs II gegen Schumiakin bildete den Schluß. Ein spannender Kampf, der von feiten des hoffnungsvollen Schumiakin mit großer Energie ge- führt wurde, da sich dieser nicht auf die Verteidigung beschränkte, sondern den gewaltigen Gegner oft mit vielem Geschick angnff, bis er nach 18 Minuten eine ehrenhafte Niederlage erlitt. Im Arbeiterinnenheim I, Brückenstr. 8, findet am Sonntag, den 13. d. M., ein musikalischer Abend statt, der von Fräulein Emilie v. Crainer und ihren Gesangsschülerinnen ver» anstaltet wird. Anfang 7 Uhr. Der Eintritt ist frei, Mädchen und Fragen sind willkommen. Im Apollo-Thcater ist die Ausstattungsoperette„Berliner Luft" daran, in das Stadium der Popularität zu rücken. Die Melodien lverden mundgerecht und fangen an, sich von der Bühne aus nach Schramm und anderen Pflegestätten der Tanzkunst zu verpflanzen. — Der Operette voran geht ein Spezialitätenteih. der diesmal nicht als Anhängsel im Programm steht, sondern einen sehr in Betracht kommenden Bestandteil des Abends bildet. Vor allem ragt hier eine Schlangcndame hervor, Miß Alathea. Kontorsionistin nennt sich die Künstlerin mit dem klassischen Namen selbst; wir dürfen wohl annehmen, lveil das gebildeter klingt. Aber ebenso unverständlich wie diese verdrehte Bezeichnung ihres Berufs sind ihre Leistungen. Die verdreht den Körper, daß man in Zweifel kommt, ob sie noch Knochen im Leibe hat; und wie elegant immer ihre Ver- renkungcn bleiben, so wünscht man der Künstlerin doch zum Schluß Glück dazu, daß eS ihr gelungen ist, sich wieder in normale Verfassung zu bringen. Hübsche Dressur- künste führt Kitty Fraucy vor, die im blun, engeschmückten Dogcart auf die Bühne gefahren kommt und dort ihre Hunde allerliebste Spiele acifführcn läßt. Die Herren Picardh und William sind vor- treffliche Gymnastiker und wissen in der MaSke von Max und Moritz ihren schlvierigen Leistungen den vergnügtesten Ausdruck zu geben. Eine anmutige Tänzerin und Sängerin tritt in Lisi Tiso auf.- Besonders ist es der Schuhtanz der' Amerikanerin, der im Apollo- Theater Anklang findet. MeßterS Biophon, eine Verbindung von Grammophon und Kosmograph bringt neue, hübsche Bilder. Theater. Lnisen-Theater.„Die Tochter des Herrn Fabricius", Schauspiel von Wilbrandt, welches morgen Donners- tag zum erstenmal in Szene geht, ist in den Hauptrollen mit den Damen Beukendorff, Natroivstä, Schulz und den Herren Majewski, Böhm, Ruff besetzt.— Die Direktion des Herrnfeld-Theaters teilt uns mit, daß„Prinz Lcvy in Ahlbeck" jetzt einen ttlstigen Schluß bekommen hat.— Im Belle- Alliance-Theater geht heute Donnerstag als zweite Gastvorstellung des Nattonal-Thcaters die dramatische Oper„Rigoletto" in erster Besetzung in Szene; Freitag wird wieder die„Tngendglocke" gegeben.—„Neiv Dork", fünf Bilder mit Gesang aus dem Nachtleben einer Weltstadt, Text und Musik von Adolf Philipp, ist der Titel der nächsten Novität des Deutsch- Amerikanischen Theaters, welche demnächst zur Auf- führung gelangt. In dieser Novität tritt wiederum Adolf Philipp als Gast in der Haupttolle auf. Rixdorf. Ein Wartburg- Abend wird am Sonntag im Real- ghmnasilim veranstaltet. Eintrittskarten zum Preise von 2,59 M. (1. Platz) und 1,75 M.(2. Platz) sind nur noch bis zum nächsten Sonntag in den bekannten Verkaufsstellen(Bickhardt, Bergstt. 13, Gastwirt Hoppe, Berlinerstt. 14) zu haben. Ebendaselbst Isind Ein- trittSkarten zum Preise von 40 Pf. erhältlich. Klus den Nachbarorten. Die Charlottenburger Stadtvcrordnetcn-Bersammlung beschäftigte sich am Mittwoch zunächst mit der Frage der Einrichtung eines Säuglings- und Wöchnerinncnheims. Anlaß dazu bot ein Antrag des Stadtv. Dr. Spiegel(lib.), ob der Magistrat gewillt ist, die Einrichtung eines Säuglingsheims in Verbindung mit einem Wöchnerinnenheim, das auch Wöchnerinnen vor der Entbindung aufnimmt, näher zu treten. Namens des Magistrats teilte Stadtrat Boll mit, daß in der Entbindungsstation des alten Krankenhauses Schwangere wochenlang vor der Entbindung auf- genommen werden und wochenlang nach der Entbindung darin bleiben können. Die Zahl der Plätze werde von 89 auf 125 er- höht werden. Auch seitens der Armenverwaltung könnten schwache Säuglinge auf die Statten geschickt werden. Bis jetzt seien seit dem 1. Juli 179 Patientinnen in der Anstalt gewesen, äugen- blicklich befänden sich darin 9 Wöchnerinnen und 5 Schwangere. Der Magistrat bittet, zunächst die weitere EntWickelung abzuwarten. In dem gleichen Sinne äußerten sich Stadtrat S a m t e r, Ober- bürgermeister SchustehruS und Stadtv. Schmidt(freie Vg.), während die Stadtvv. Spiegel(lib.), Vogel(Soz.) und M o m m s e n Bedenken gegen diese Einrichtungen äußerten. In der Debatte betonte der Oberbürgermeister unter andern, daß der Plan, einen Teil des alten Krankenhauses zu einem Waisenhause umzugestalten, aufgegeben werden mußte, daß der Magistrat aber " 5 lung wurden gewählt: 1. Vorsitzender Werner, 2. Vors. Schneider. 1. Raffierer Schmidt, 2. Kassierer Lohse. 1. Schriftführer Rautmann. 2. Schriftführer Gutschmidt. Beifizer Donath. Revisoren: Hinz, Hennig, 8wanzig. Preßkommission: Meier und Königs. Agitationsfommission: 3 inte. ben Gedanken des Baues eines Waisenhauses keineswegs aufgegeben| Die Arbeiten des Vorstandes seien in dieser Zeit weniger als soll deshalb eine lebhafte Agitation für die Parteipreffe im Streife habe. Dr. Bepler( Soz.) wies auf die Notwendigkeit der Schaffung in dem vergangenen Halbjahr nach außen hin bemerkbar, betrieben werden. Leber den Kreis Bauch- Belzig- Luckenwalde fei eines Wöchnerinnenheims hin, der viel notwendiger fei als ein aber deswegen nicht minder erfolgreich gewesen. Es wurden nicht viel zu sagen, der Kreis stehe gut da und liefere Geld an die Säulingsheim. Ueberhaupt seien in medizinischen Kreisen die An- fünf Versammlungen, davon drei Generalversammlungen, Partei ab. fichten über Säuglingsheime sehr geteilt, die Sache sei noch nicht außerdem Er habe 10 000 Kalender verbreitet, die Fackel" werde eine Anzahl von Abteilungsversammlungen und in 68 Orten verbreitet. spruchreif. Vorläufig möge man für gute Milch und gute Pflege- Bezirksführer- Sigungen abgehalten. In 12 Borstandssitzungen war stellen für Säuglinge forgen. Grempe, der als einziger Diskussionsredner zum Bericht das jedesmal ein reichhaltiges Maß von Arbeiten zu erledigen. Unter- Wort nahm, sagte unter anderem: In der Provinz werde darüber Eine weitere Anfrage des Stadtv. Braune( lib.) betreffend die ftützungsgesuche von Mitgliedern, welche beim Vorstand eingingen, geflagt, daß wir uns ebenso wie andere Parteien nur vor den Errichtung einer städtischen Markthalle beantwortete der Magistrat wurden grundsätzlich abgelehnt, da der Verein feine Unterstügungs- Wahlen um die Wähler in der Provinz kümmern. Es müsse auch dahin, daß, sobald die noch bestehenden Schwierigkeiten, namentlich organisation ist. Dem Vorstand gingen mehrere Anträge auf zu anderen Zeiten agitiert werden. Die Annahme, daß die Sommerdie über den Anschluß der Bahngleise überwunden sind, mit dem Bau schiedsgerichtliche Entscheidungen zu, die jedoch nur persönliche An- monate sich nicht zur Agitation in der Provinz eignen, treffe nicht der Markthalle begonnen werden soll. Nach Entgegennahme verschiedener gelegenheiten betrafen. Sie wurden dadurch erledigt, daß man den allgemein zu. In manchen Orten werde die Agitation auch im Berichte, u. a. des Berichts vom ersten allgemeinen Wohnungsfongreß, den Beteiligten den Nat gab, die Streitigkeiten untereinander zu be- Sommer Erfolg haben. Das richte sich ganz nach den Verhältnissen Stadtv. Kauffmann erstattete, und nach Erledigung einiger gleichen. Das Flugblatt zugunsten des Vorwärts" wurde in in den betreffenden Orten. Um diese fennen zu lernen, sei die Auffleiner Vorlagen überwies die Versammlung die Vorlage betreffend einer Anzahl von 90 000 verbreitet. Aenderung der Bestimmungen für die Anstellung städtischer denn es sind nur etwa hundert neue Abonnenten im Kreise ge- Beeskow veranstaltet und das Ergebnis derselben in einer Broschüre Der Erfolg war nur gering, nahme einer Statistit zu empfehlen, wie sie der Wahlkreis TeltowSchwestern einem Ausschuß und nahm die Vorlage betreffend wonnen.- In der Berichtszeit sind 534 neue Mitglieder auf- niedergelegt hat. Erweiterung des städtischen Elektrizitätswerts unver- genommen. Gegenwärtig hat der Verein 3217 zahlende Mitändert an. 8inte bemerkte dazu, die Statistit von Teltow Beeskow ſei glieder. Die Beiträge gehen jetzt pünktlicher und regelmäßiger zweifellos eine anerkennenswerte Arbeit, aber leider ständen nicht Eine gelungene Neberraschung ist den Stadtvätern Spandaus ein wie früher. Das ist eine Folge der Neuorganisation, die über jedem Kreise die Kräfte zur Durchführung eines solchen Werkes zur durch den Eisenbahnfiskus zuteil geworden. Man erinnert sich, daß haupt das Vereins- und Parteileben reger und erfolgreicher gestaltet Verfügung. die städtischen Körperschaften nach einem leidenschaftlich geführten hat. Mit dem, was seit der Neuorganisation und durch dieselbe Den Bericht der Lokalkommission erstattete Schröder: Kampfe und gegen den heftigsten Widerstand der Sozialdemokraten während der neun Monate ihres Bestehens geleistet wurde, tann Differenzen mit Gastwirten des Kreises hätten nicht vorgelegen. Die vor Jahresfrist beschlossen haben, der Eisenbahnverwaltung als man durchaus zufrieden sein. Kommission erledigte ihre Arbeiten in vier Sizungen( während der Kostenbeitrag für den Umbau der vorsintflutlichen Bahnanlagen, Den Kassenbericht erstattete der erste Kassierer Schmidt. legten neun Monate), dreimal wurde eine Lokalliste herausgegeben, Hochlegung der Gleise, Anlegung eines zweiten Bahnhofs usw. das Gingenommen wurden 13 703,71 M., ausgegeben 18 477,06 M., der Obmann erteilte in 59 Fällen persönliche Auskunft. Die Sümmchen von 700 000 m. zu zahlen. Damals hieß es, daß der darunter 10 400 M. an die Parteikasse, 819,20 m. für Agitation im Kommission hat 209,49 M. eingenommen, 62,05 M. ausgegeben, so zweite Bahnhof unter feinen Umständen, so wie es städtischerseits Kreise Frankfurt- Lebus, 354 M. für den Kreis Kalau- Luckau. daß ein Kaffenbestand von 147,44 m. verbleibt. Der Redner ergefordert wurde, dicht an die Klosterstraße, sondern 400 Meter weiter, Der Ueberschuß beträgt 226,65 M. Die 3217 Mitglieder ver- suchte die Genossen, welche Vereinspartien für den kommenden neben die Staatenerstraße zu liegen kommen sollte. Die bewilligungs- teilen fich in folgendem Verhältnis auf 166 verschiedene Berufe: Sommer mit der Dampferfirma Tismer vereinbaren wollen, dies eifrige Mehrheit der Stadtverordneten schluckte aber auch diesen 500 Tischler, 314 Maurer, 277 Arbeiter, 175 Gastwirte, 168 Schneider, dem Obmann der Lokalkommission mitzuteilen, weil mit Bezug Wermutstropfen hinunter und schlug alle Vernunftgründe der 125 Schloffer, 89 Bimmerer, 79 Schriftfeper, 75 Schuhmacher, darauf eine Angelegenheit zu regeln sei. Opposition zu Boden, sie bewilligte eben. Nun plöblich, nach 75 Maler, 69 Klempner, 60 Buchbinder, 58 Buchdrucker, 56 Gürtler, Hiermit waren die Berichte erledigt, die Versammlung nahm einer„ Konferenz" von Regierungsvertretern mit Vertretern des 48 Hausdiener, 40 Sattler, 39 Kaufleute, je 38 Metallarbeiter, darauf die Neuwahl des Vorstandes und der Funktionäre des Magistrats unter Zurücksetzung der bestehenden Spezialkom- Tapezierer und Töpfer, je 31 Dreher und Schleifer, 29 Rohrleger, Streises vor. Gemäß den Vorschlägen der Bezirksführer- Versammmission heißt es, die anfänglich vorgeschützen Schwierigkeiten für je 28 Schmiede und Händler, je 25 Bildhauer, Stuffateure und die Anlegung des neuen Bahnhofs direkt an der Kloster- Schriftgießer, 24 Drechsler, 23 Mechaniter, 21 Steinmeßen, je straße bestünden nicht mehr, und die Eisenbahnbehörde jei jezt 20 Kutscher und Bäcker, 18 Barbiere, 15 Drücker, 19 Former, bereit, diesen Bahnhof den Wünschen der Stadt entsprechend zu 16 Bigarrenhändler, 15 Lederarbeiter, 13 Vergolder, 15 Möbelbauen, aber Michel halt' den Atem an die Stadt solle noch polierer, 13 Steindrucker, 12 Brauer, 11 Stellmacher, 10 Dachdecker, tiefer in den Säckel greifen und 200 000 W. mehr berappen. Natür- 11 Glaser, 10 Monteure, 10 Graveure, 10 Borzellanmaler, lich schreien jetzt alle Philister über solche Strupellosigkeit", aber 9 Maschinenarbeiter, 9 Brauereiarbeiter, 9 Schuhmachermeister, ganz zu Unrecht: die Regierung schäßt unsere ehrbaren Philister 8 Gerüstbauer, 8 Krankenkassen- Angestellte, 7 Klavierarbeiter, Lotalfommission: Schröder und Eisenhauer. vollkommen richtig ein, wenn sie glaubt, daß sie ihnen alles, aber auch 7 Kellner, 7 Lackierer, je 6 Schriftsteller, Biseleure, Litho- Zeitungskommission: Michelsen, Schäfer, Küter. alles bieten darf. graphen, Gewerkschaftsbeamte, Stereotypeure, Böttcher, Fräser, Schließlich nahm die Versammlung folgende Anträge an: Das Lichtenberg. Die Kommission zur Prüfung des Ortsstatuts für je Schneidermeister, Marmorarbeiter, Bigarrenmacher, Eintrittsgeld wird von 20 Pf. auf 10 Pf. herabgesezt.- Dem ersten das am 1. Januar ins Leben tretende Kaufmannsgericht Milchhändler, Schraubendreher, Buchhalter, je 4 Portiers, Kassierer ist ein Mankogeld von 30 M., dem zweiten Kassierer ein hat ihre Arbeiten beendet. Charakteristisch ist, daß auch die Wünsche Packer, Pußer, Lagerhalter, Uhrmacher, Tischlermeister, Zuschneider, folches von 20 M. vierteljährlich zu gewähren. Ein Antrag, auch der nationalen und freisinnigen Handlungsgehülfen auf Ver- Stupferschmiede, Bürstenmacher, Kaassierer, je 3 Konditoren, Maschinen- den Abteilungs- Rassierern 5 M. Mantogeld zu gewähren, wurde nach befferung des Entwurfs keine Gnade gefunden haben. So ist der führer, Bureaugehülfen, Instrumentenmacher, Kürschner, Wasch- kurzer Debatte abgelehnt. Wunsch, die Wahlen am Sonntag stattfinden zu lassen, abgelehnt Maschinenbauer, Fliesenleger, Zeichner, Bierfahrer, Silberpolierer, in den Arminhallen eine Mitgliederversammlung des Verbandes der anstalts- Befizer, Korrektoren, Sekretäre, Kernmacher, Heizer, Agenten, Verband der Sattler. Am Mittwoch, den 2. November, tagte worden. Das Verlangen, auf Grund amtlicher Listen wie zur Reichstagswahl oder ganz ohne Listen zu wählen, wurde ebenfalls Heilgehülfen; je 2 Bureauvorsteher, Malermeister, Weber, Xylo- Sattler, in welcher vom Kassierer Weh her die Abrechnung gegeben verworfen. Es sollen nur die Wähler zugelassen werden, die nach graphen, Elektrotechniker, Schlächtermeister, Stepper, Bauarbeiter, wurde. Nach derselben betrug die Einnahme und Ausgabe 7315,15 erfolgter Aufforderung in der Ortszeitung sich zur Eintragung in Diener, Fensterpuzer, Musiker, Reisende, Kontordiener, Bigarren Mart. Die Lotalfaffe hatte eine Einnahme inklusive des Kassendie Wählerliste gemeldet haben. Die Zahl der Beisitzer wurde von fabriken, Retoucheure, Rohrer, Optifer, Schlächter, Presser, Kisten- bestandes vom vorigen Quartal von 7448,95 M., ihr gegenüber steht zeichner einer Borschlagslifte von 10 auf 5 herabzujeßen, glatt ab- Storbmacher, Glasarbeiter, Gärtner, Installateure; je 1 Bandagiſt, verbleibt. Die örtliche Verwaltung erforderte 1212,71 M. von den gelehnt wurde. Dasselbe Schicksal erlitt das Verlangen nach ge- Apotheker a. D., Handschuhmacher, Steinsetzer, Droschkentutscher, ihr zustehenden 1753,24 M. und schließt mit einem Kaffenbestand bundenen Listen. Beliebt wurde das System der freien und ver- Stürzer, Stodarbeiter, Schmelzer, Beleuchter, Zuleger, Rentier, bon 540,53 W. ab. Die Zahlstelle hatte am Schluß des Quartals bundenen Listen, angeblich um die Freiheit der Selbstbestimmung Schreiber, Kellermeister, Burrichter, Albumarbeiter, Redakteur, 1536 Mitglieder. Von Weyher wurde angeregt, für die Ausder Wähler zu sichern. Im Gegensatz zu dem örtlichen Gewerbe- Lehrer, Staker, Bote, Dr. phil.,. Dr. Chem., Dr. med., Keſſelſchmied, gestaltung der Bibliothek eine größere Summe auszuwerfen; gericht, bei dem Gebührenfreiheit besteht, wurde beschlossen, Gebühren Ingenieur, Buchdruckereibejizer, Verwalter, Sticker, Hülfsarbeiter, namentlich sollten die alten Lokaltassen der Branchen etwas geben, zu erheben, die sich etwa in der Mitte zwischen dem zulässigen Bretterträger, Kartonarbeiter, Gummiarbeiter, Braumeister, Zeitungshöchsten und niedrigsten Saße bewegen. Die Begründung der Ge- spediteur, Geschäftsleiter, Architekt, Bierverleger, Rammer, Badebührenerhebung gipfelte in der Behauptung, daß bei Gebührenfreiheit meister, Tanzlehrer, Goldschnittarbeiter. auch das Lichtenberger Kaufmannsgericht gleich dem Gewerbegericht Der zweite Staffierer Lohse berichtete über den Ertrag aus von denen, die die Wahl zwischen mehreren Gerichten haben, mit dem Vertrieb von Bons und anderen außerordentlichen Einnahmen. Vorliebe aufgesucht würde, und daß weiter die Erfahrung gelehrt Die Gesamt- Einnahme betrug 4521,30 M., die Ausgaben hatten die habe, daß Gebührenfreiheit das ungerechtfertigte Prozessieren selbe Höhe. fördere. Die Einrichtung eines Ausschusses für Anträge statu- In der Diskussion über den Vorstandsbericht bemerkte Grempe: tarisch festzulegen, wurde abgelehnt; es soll das Gesamtgericht be- Er erkenne die Tätigkeit des Vorstandes an, wolle aber einige Anraten und entscheiden. Die Zahl von sechs Beisitzern, auf deren regungen geben. Er bedaure, und mit ihm andere Parteigenoffen, Antrag das Kaufmannsgericht bezw. ein Ausschuß zur Gesamtsikung daß der Königsberger Prozeß nicht mehr, als es geschehen, agi berufen werden soll, wurde auf vier herabgesezt. Die Verhand- tatorisch ausgenugt worden sei. Es hätte nach dem Prozeß nicht lungen ergaben von neuem den Beweis, daß auf eine freiwillige nur eine Versammlung für ganz Berlin, sondern für jeden Kreis Konzession an den Fortschritt bei unseren„ Bürgerlichen“ nicht zu Straßenbahn- Abonnements hätte zum Gegenstand einer Proteſteine abgehalten werden müssen. Auch die Verteuerung des rechnen ist! Johannisthal. Am Sonnabend, den 5. November, hielt der Aus Lichtenberg. Die Gemeindevertretung wird am Donnerstag belegung gemacht werden müssen. Das wäre eine Gelegenheit ge- hiesige Wahlberein seine regelmäßige Monatsversammlung ab. Nach in öffentlicher Sizung über das bescheidene Verlangen der Haus- fehrsmittel geltend zu machen Ferner hätte der Redner gewünscht, muth über" Die französische Revolution" wurde die Aufstellung wesen, unseren prinzipiellen Standpunkt zum Regiebetrieb der Ver- einem mit Beifall aufgenommenen Vortrag des Genossen Werbefizer an der Frankfurter Chaussee verhandeln. Nicht weniger als daß die auf der Provinzialfonferenz erwähnte Ausbeutung eines Kandidaten zur Gemeindevertretung an Stelle des von hier 50 000 m. flastertoften, die die Gemeinde verauslagt hat, sollen nach Wunsch der Herren nicht erhoben werden. Vielleicht wird von Berliner Waisenkindern auf dem Lande in Versammlungen be- berzogenen Genossen Mertins vorgenommen und fiel die Wahl auf sich das eine oder andere Mitglied der Gemeinde auf eine Stunde prochen worden wäre, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf Miß- Hedderoth. Zu der am 13. d. M. in Tempelhof stattfindenden frei machen, um das Gebaren der Privilegierten" aus eigener merkte darauf: Die Anregung hinsichtlich der beiden leztgenannten Bein belegiert. Sierauf erfolgte die Bekanntgabe der Statistik stände in der Berliner Waisenpflege zu lenken. Werner be- Kreis- Generalversammlung wurden Dühring, Paschte und Anschauung kennen zu lernen. Die Sigung beginnt um 5 Uhr nach- Punkte werde der Vorstand als einen Fingerzeig für seine fünftige über die Berufstätigkeit der einzelnen Mitglieder. Danach verteilen mittags. Vier Fuhren Reihensteine im Werte von etwa 200 m. find dem Steinsetzmeister Dellos von der Pflasterstelle im Bürger- Tätigkeit betrachten. Was die agitatorische Verwertung des Königs- sich dieselben auf folgende Berufe: 35 Arbeiter, 8 Tischler, 5 Metallheim gestohlen worden. Von den Tätern fehlt noch jede Spur. berger Prozesses betreffe, so seien die Vertrauensleute nach reiflicher arbeiter, 2 Former, 2 Gastwirte; mit je einem Mitgliede sind folgende Mit den 10 000 m., die an die Gemeindekasse als Beihülfe zur Erwägung aller Umstände zu der Ansicht gekommen, daß zur frag- Berufe vertreten: Brauer, Böttcher, Büfettier, Dachdecker, Drechsler, Verbreiterung der Bahnüberführung in der Gürtelstraße von diesem Anlaß nicht abgehalten werden lichen Beit eine größere Bahl lichen Zeit eine von Versammlungen aus Kohlenhändler, Lagerhalter, Lederarbeiter, Maurer, Schachtmeister, fonnten. Diese Schlächtermeister, Schmied, Schneider, Schriftseger, Schuhmacher dem Vertreter der Köhnschen Konkursmasse für den Pflastertonsens zu einer auf dem Terrain der Masse neuanzulegenden Straße bezahlt Ansicht begründete auch Richard Fischer, indem er die Gründe, meister, Steinmetz, Bergolder. Der Verein zählt somit 69 Mitworden sind, hat die Konkursmasse nicht weniger als 500 000 m. welche seinerzeit für eine gewisse Zurückhaltung in der agitatorischen glieder, von denen 43 gewerkschaftlich organisiert sind. Verwertung des Königsberger Prozesses sprachen, eingehend darlegte. Das Terrain ist mit 1 Millionen in den Besitz eines Nach Schluß der Diskussion wurden die Raffierer auf Antrag der Deutschlands( Bezirk Berlin). Hente, Donnerstag, den 10. November cr.. Banktonsortiums übergegangen. Heißt ein Geschäft- Auch im Neuen Klubhaus, Kommandantenstraße 72: Bersammlung. Es spricht das Terrain zwischen Ostbahn und Friedrichsfelde, links von der Revisoren entlastet. Frankfurter Chaussee, ebenso das zwischen der Eldenaer und der Den Bericht der Preßkommission erstattete Meier. Sollege Julius se a listi über: Die Fortbildungsschulen einst und fett". Die Ortsverwaltung. Nöderstraße östlich der Ringbahn wird jezt, nachdem auch hier Er verwies darauf, daß die Genossen durch die Besprechungen in den Bahlreicher Besuch wird erwartet Verband deutscher Barbier, Friseur und Perückenmacher Banken sich engagiert haben, der Bebauung erschlossen. In Lichten- Bahlabenden auf dem Laufenden erhalten würden und er sich des- Gehülfen. Zweigverein Berlin. Sigung Donnerstag, den 10. b. M., berg giebt es kaum noch einen Fußbreit Boden, den nicht Terrain- halb auf die Erörterung der letzten Vorgänge beschränken werde. abends 10 Uhr, Holzmarfifir. 11. gesellschaften ausschlachten. Die Orts Krantentasse wird Die meisten Beschwerden, welche an die Stommiffion gelangten, beam 15. November ihre neuen Bureauräume in der Frankfurter träfen Stürzungen oder zeitweise Burückstellung von VersammlungsChauffee 115( das erste Haus an der Ringbahnstation Frankfurter berichten aus Gewerkschaften sowie aus den Vororten. Allee) eröffnen. Die Geschäftszeit für den öffentlichen Verkehr ist artige Beschwerden seien meist zur Zufriedenheit der Bebon 8-1 Uhr angesetzt. teiligten erledigt worden. von russischen Genossen ge Sacrow bei Potsdam. Durch den Wafferbau Inspektor war schen Genossen im Vorwärts" stelltes Verlangen, die verschiedenen Richtungen der ruffiihre Ansichten vertreten feinerzeit die Einstellung des Nachtbetriebes der Sacrower Fähre lassen, hielt die Preßkommission nicht für angebracht. verfügt worden. Nach einer vergeblichen Beschwerde bei der Ne- Abonnentenstand des" Vorwärts" betrage jest 87 000. gierung hatten sich eine Anzahl Bewohner der Havelhalbinsel im Wahlkreise werden 5053 Eremplare durch die Parteispedition verSchulhaus versammelt, um zu beraten, welcher Rechtsweg weiter zu breitet. Während das vorige Ditartal einen Ueberschuß von 26 000 m. beschreiten sei. Die Veranstalter, Holzendorf und Genossen, wurden brachte, hat das legte Quartal nur 9000 M. Ueberschuß gebracht. wegen Uebertretung des Vereinsgefeges angeklagt, weil sie Das liege teils daran, daß die Juferateneinnahme im Sommer die Zusammenkunft nicht der Polizei gemeldet hätten. wurden auch vom Landgericht Potsdam als der Berufungsinstanz den Barteitag und den Königsberger Prozeß erhöhte Ausgaben Sie geringer zu ſein pflege, andernteils habe die Berichterstattung über zu Geldstrafen verurteilt. Das Landgericht erachtete die Bufammen verursacht. Wafferstand am 8. November. Elbe bei Aussig Die Klagen der Genoffen aus den Vororten über zu Dresden funft für eine Versammlung, die zur Erörterung öffentlicher An- geringe Berücksichtigung ihrer örtlichen Angelegenheiten feien Straußfurt+0,75 Meter.- D der bei Ratibor+ 1,78 Meter, bei Breslau - 1,81 Meter, bei Magdeburg+0,60 Meter. Unstrut bei gelegenheiten bestimmt gewesen sei. Der Straffenat des Stammer- berechtigt, es müßten Mittel und Wege gefunden werden, um die Ober- Begel+5,12 Meter, bei Breslau Unter Begel+0,44 Meter, bei gerichts verwarf die Revision der Angeklagten mit folgender Be- Wünsche der Vororte zu befriedigen. An eine Verbilligung des Frankfurt+1,61 Meter. Weichsel bei Brahemünde+3,20 Meter. in Aussicht gestellt habe, sei vorläufig nicht zu denken. Ein Antrag Vorwärts", wie sie Genosse Fischer in einer schwachen Stunde Barthe bei Bosen+ 0,18 Meter. Ne te bei Usch-- Meter. der Korrektoren auf Gehaltserhöhung sei abgelehnt worden. Es sei dringend zu wünschen, daß eine Gehaltsstala für die Angestellten in Barteigeschäften geschaffen und dadurch die Gehaltsfrage ein für allemal geregelt werde. berdient. " gründung: Es möge ja stimmen, daß die Veranstalter und die Erschienenen vor allem beraten wollten, wie sie selber nach Einstellung des Tagesbetriebes der Fähre über das Wasser kämen. Aber zugleich hätten doch die Erörterungen das Interesse sämtlicher Bewohner Sacrows, also öffentliche Intereffen, betroffen. Verfammlungen. Zweiter Wahlkreis. Auf der Tagesordnung der General versammlung des Wahlvereins, die am Dienstag im Hofjäger- Palast in der Hafenheide tagte, stand außer dem Geschäftsbericht des Vor standes die Berichterstattung der Vertreter des Streifes in der Preß-, der Agitations- und der Lokalkommission. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte man das Andenken von drei verstorbenen Mitgliedern in der üblichen Weise. Ein Ders sowie der Zentralvorstand. Der Vortrag der Genossin Lily Braun über„ Wohnungsnot und Wohnungsreform" wurde von der gut besuchten Versammlung beifällig aufgenommen. An der Diskussion beteiligten sich Channowsky, Marschlefsky, Müntner, Pasche, Schmidt und heise. Danach erfolgte die Diskussion über den Bericht. Während Weyher den guten Fortschritt der Ortsverwaltung hervorhob, tadelte er das Verhalten der Kollegen untereinander. Mit den persönlichen Streitig feiten müsse es endlich aufhören; die Agitationskommissionen und die Ortsverwaltung haben ernstere Missionen zu erfüllen, als solche Streitigkeiten zu schlichten. Nach kurzer Diskussion erfolgte auf Antrag des Revisoren Buten schön die Decharge- Erteilung des Kassierers. Zentralverband der Handlungsgehülfen und-Gehälfinnen Briefkaften der Redaktion. Juristischer Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends zu bon 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Der O. B. 1. Soweit Ihre Schilderung ersehen läßt, find die Forderungen Im zweiten auf beiden Seiten verjährt. B. B. 37. Ein Schuldschein ist ein Beweis mittel für die Schuld, aber keine Sicherung der Forderung. Sie können lagen und eventuell pfänden lassen. Ihre Frage, ob Ihnen Ihr Geld verSit die grau nie Mitglied der Kaffe geworden, hat sie nie ein Aufnahmegejuch Loren gehen wird, ist unmöglich zu beantworten. Richter Confluentes. Sit die grau nie Mitglied der Kaffe geworden, hat fie nie ein Aufnahmegejuch unterzeichnet oder dergleichen, so kann sie der Klage mit Ruhe entgegensehen. 0,39 Meter, bei Witterungsübersicht vom 9. November 1904, morgens 8 thr. Stationen Barometer stand mm Wind Bunstp Windstarte Better Swinemde. 743 223 5bedeckt 6 Regen 747 SW 761 23 Temp. n. C. 5°.= 4° R. Stationen Barometer. stand mm Wind6 Haparanda 747 ND richtung Bindstärke Better Temp. n. 6. oo 2wolfen!-15 8 Petersburg 744 DGD 3bedect 6 Cort 3 Regen 6 bedeckt 9 Aberdeen 739 WSB 4 bedeďt 7 bedeckt 6 Paris. 762 2323 5 bedeckt Den Bericht der Agitationstommission erstattete 8inte. Er beschränkte fich auf eine furze Besprechung der Verhältnisse in den dem zweiten Wahlfrcise zugewiesenen Streisen der Provinz. Im Kreise Kalau- Lucau lägen die Verhältnisse recht ungünstig, es sei jedoch zu hoffen, daß die Neuorganisation des Kreises eine Besserung Hamburg 742 SW Berlin bringen werde. Der Mangel an Sälen erschwere die Agitation durch Frankf.a.M. 756 S Bersammlungen. Nur in einzelnen Orten ständen uns Säle zur München Verfügung. Der Kreis habe jest neun örtliche Partei- Organisationen Bien 758 WNW 6 wollig 8 mit 427 Mitgliedern. 27 000 Stalender und 5400 Exemplare der Wetter- Prognose für Donnerstag, den 10. November 1904. " Fackel" feien im Streise verbreitet worden. Die Parteizeitung Zunächst etwas wärmer, vorwiegend trübe mit Regenfällen und sehr Der Vorsitzende Werner erstattete den Bericht über die Märkische Voltsstimme" sei im Kreise noch wenig verbreitet, auf 18 lebhaften westlichen Winden; später zeitweise aufklarend. Tätigkeit des Vorstandes in den legten vier Monaten. Ifozialdemokratische Wähler komme erst ein Exemplar der Zeitung, es Berliner Betterbureau. Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. ZG. 21. Jahrgang. 2. Itilnje Ks Jotraiittü" öttlintt JpIWlntt. DoMkstag, 10. November 1904. Soziales. Grober Unfug mit dem Koalitionsrecht. Ms im Frühjahr in Königsberg i. Pr. die Maurer streikten, wurden dort mehrfach arbeitswillige Italiener be fchäftigt. Der Maurer Busch versuchte nun die bei einem Neubau tätigen Italiener gemäß§ 152 der Gewerbe-Ordnung durch friedliche Ueberredung zu veranlassen, sich den Streikenden anzuschließen. Die Verhandlung erfolgte teils auf der Straße, teils auf dem Baugrundstück. Es war um die Mittagszeit. Auf der Straße sammelte sich das Publikum an. Ein Schutzmann sisncrte Busch. Als er ihn nach der Polizei� wache abführte, fingen die Zuschauer an zu johlen. Busch wurde wegen groben Unfugs und wegen Uebertretung der Straßenpolizeiverordnung angeklagt. Das Schöffengericht sprach ihn zwar frei, das Landgericht als Berufungsinstanz hob indessen das Urteil auf und verurteilte ihn zu acht Tagen Haft. Es wandte sowohl die Bestimmung des§ 360 Nr. 11 des Strafgesetzbuchs über den groben Unfug als auch die Straßenpolizeiverordnung(Verkehrs- behinderung) an. Angeklagter legte Revision ein. Sein Vertreter betonte vor dem Kammergericht, daß nichts weiter festgestellt sei, als daß B. friedlich mit den Italienern wegen Niederlegung der Arbeit verhandelt habe. Der Schutzmann habe ihn von dem Bau gewiesen. Nach einiger Zeit sei B. auch vom Grundstück herunter- gegangen. Von grobem Unfug könne gar nicht die Rede sein. � 360 Nr. 11 des Strafgesetzbuches sei durch das Urteil des Landgerichts verletzt. Die Menschenmenge habe sich nicht an- gesammelt, weil B. dazu einen besonderen Anlaß gegeben hätte, sondern wohl hauptsächlich, weil der Schutzmann ein- griff und es Ausländer waren, die dort arbeiteten. Auch den § 152 der Gewerbe-Ordnung und das darin gewährleistete Koalitionsrecht verletze die Vorentscheidung. Das Reichsgericht habe ausdrücklich das Streikpostenstehen und eine entsprechende friedliche Einwirkung auf Arbeitswillige durch Streikposten fiir erlaubt erklärt. Der Oberstaatsanwalt verlangte Zurückweisung der Revision. B. hätte durch sein Verhalten die Passage der- hindert. Grober Unfitg sei mit Recht angenommen worden. Sein Auftreten habe den äußeren Bestand der öffentlichen Ordnung gefährdet. Es sei so aufgefallen, daß sich die Menschenmasse ansammelte und johlte, als er vom Schutzmann abgeführt wurde. Der Strafsenat des Kammergcrichts unter dem Vorsitz des Präsidenten Lindenberg verwarf nach langer Beratung die Revision des Angeklagten. Grober Unfug liege vor. In Betracht zu ziehen seien Zeit und Ort, und die Erregung der Bevölkerung infolge des Streiks sei auch zu berücksichtigen. Als B. mit den Italienern verhandelte, indem er sie gruppen- weise vornahm, sei es ihm nicht„unbewußt" gewesen, welche Wirkung dies an jener Stelle und zurzeit auf das Publikum ausüben würde. Er sei sich bewußt gewesen, daß es unter den obwaltenden Umständen zu einem Auflauf führen mußte. Er hätte ja mit Arbeitswilligen sprechen dürfen, aber nicht so, daß er sie sich gruppenweise vornahm. Er hätte sich so benehmen müssen, daß die Geister nicht auf- einander platzten. Auch die Straßenpolizeiverordnung sei mit Recht angewendet. Das wäre denn grober Unfug, verübt mit dem Koalitionsrechte und dem dolus eventualis, denn das Sprechen mit den Arbeitswilligen, auch wenn es mit einer Gruppe dieser geschah, stellt ja nicht die Belästigung des Publikums dar, diese kann allerhöchstcns gefunden werden in der An- sammlung von Publikum, das nicht sich selbst belästigt gefühlt hat, sondern das durch seine Ansammlung und durch das Gejohle„belästigt" und„den äußeren Bestand der öffent- lichen Ordnung gefährdet" hat. Das Gericht kann also unmöglich sagen, daß B. Handlungen begangen hat, in denen eine„Belästtgung des Publikums" und eine„Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung" gefunden werden kann, es kann allerhöchstcns schließen, daß B.„hätte annehmen müssen", durch sein Verhalten könne eine Belästigung des Publikums und eine Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung herbeigeführt werden. Wir hätten unsere Meinung über das Urteil gern mit weniger Worten deutlicher gesagt. Aber das ist der Fluch der Presse: Auch wir werden durch die Behandlung, die solche Vorgänge bei uns erfahren, gezwungen, über eine sehr einfache Sache, die wir mit einem Worte kennzeichnen möchten, lange Ausführungen zu machen. Mit würdigem Ernste wird ein großer Gerichtsapparat in Bewegung gesetzt und tiefsinnige juristische Mysterien Iverden dem Publikum serviert um die einfache Sache, daß die Unternehmer Schutz für ihren Profit brauchen, und daß sie noch immer stark genug sind, ihn zu erlangen. Und das nötigt auch uns, diese Mysterien der Juristerei mit würdigem Ernste zu untersuchen, obwohl wir auch ohne Untersuchung ganz genau wissen, was dahinter steckt. Die amerikanische Offenheit in dem Kampfe zwischen Kapital und Arbeit ist zwar manchmal etwas brutal, aber diese Brutalität ist ordentlich erfrischend gegenüber dem bei uns üblichen Versahren. Wir würden sie vorziehen. Knappsch«stskassen. Durch die Novelle zum KrankeuverficherungS- Gesetz Vom 25. Mai 1903 sind eine Anzahl der Vorschriften des Gesetzes auch auf die KnappschaftSkassen ausgedehnt tvorden, deren Inkraftsetzung jedoch kaiserlicher Verordnung überlassen wurde. Diese Verordnung wird jetzt im.Reichs-Anzeiger" unter dem Datum des 7. November veröffentlicht. Danach treten die auf die Knappschaftskassen bezüg- lichen Bestimmungen deS KrankenversicherungS-Gesetzes. die sich auf die Mindestleistungen der Kassen beziehen, am 1. Januar 1S0ö in Kraft._ Jahreskonferenz der Fabriken- und Gcwcrbe-Jnspektoren. Unter dem Vorsitze des Staatsministers des Innern v. Feilitzsch fand die Jahreskonferenz der bayerischen Fabriken- und Gewerbe- Inspektoren statt. Zur Tagesordnung standen: Besprechung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Industrie und der Arbciterbevölkerung, Beziehungen der Gewerbe- Aufsichtsbeamten zu Arbeitgebern und Arbeitern, Be- ratung über die im Jahre 1905 zu pflegenden Speziakerhebungen, Bericht über bisher gesammelte Erfahrungen über den Vollzug der Bekanntmachung. Arbeitszeit in Getreidemühlen, des Kinderschutz- Gesetzes und der Bundesratsvorschristcn über die Beschäftigung von Gchiilfen und Lehrlingen insGast- und Schankwirtschafteu. Beratung über Sicherheitsvorschriften für Aufzüge und die Anlage von Saug- gas-Motoren, Einrichtmig von Anlagen zur Herstellung von Weißphosphor-Ziindhölzern unter Zugrundelegung des voin Reich erworbenen Verfahrens. und bekomme ein Geistes, der Bildner die Maßgebenden eine In überaus frommen Nebstdem wurde die Besprechung auf sonstige wichtige Gegen- stände erstreckt, die während des Jahres die besondere Aufmerksamkeit der Gewerbe-Auffichtsbeamten wachgerufen hatten. Nach Erledigung der Tagesordnung traten die Gewerbe- Aufsichtsbeamten zu einem Austausch ihrer gegenseitigen Erfahrungen zusammen, um eine tunlichste Uebereinstinimung in der Revisioiis- täügkeit zu erzielen._ Hud der frauenbewegung. Die sozialdemokratischen Frauen hatten zum 8. November eine Volksversammlung nach dem Moabiter Gesellschaftshause, Wiclefstr. 24, einberufen, lieber„Die Volksschule, wie sie ist und lote sein soll", referierte Genossin Dr. H o f f ni a n n. Sie kennzeichnete zunächst den überwuchernden, schädlichen Einfluß der mit dem Staat verbundenen Kirche auf unser Volksschulwesen. Dabei betonte sie auch den charakteristischen Gegensatz zwischen Vor- bildung und Besoldung der Pfarrer und Lehrer. Der Hüter des Glaubens sei Akademiker gutes Gehalt, während der Hüter des der Volksschüler ärmlich gestellt werde, und geringere Vorbildung von ihm verlangten. Seminaren werde dieser erzogen. Wenn wir doch so manche gute Lehrkraft unter den Volksschullehrern hätten, so liege das an der unverlviistlichen Volkskraft mit ihrem doch überall durchbrechenden Idealismus. Dann schilderte Rednerin unter Verwendung von Zahlen und unbestreitbaren Tatsachen die schweren Mißstände auf dem Gebiete unseres Volksschulwesens, namentlich auf dem Lande, aber auch in den Städten. In den Städten, in den großen Jndustrie-Orten sei es ja etwas besser, denn der Fabrikant brauche vorgebildete Arbeiter, während den Agrariern besonders Ostelbiens, nach bekannten Aussprüchen die Kinder der unbemittelten Gesellschafts- schichten nicht wenig genug lernen konnten. Die Sozialdemokratie sei aber der Anschanung, daß weder Arbeitsvieh für das flache Land, noch lebende Maschinen für den Fabrikanten erzogen werden sollten. Wir verlangten vielmehr die Herausbildung eines jeden zu einem Vollmenschen. Die hieraus sich ergebenden bekannten sozialdemokratischen Forderungen entwickelte darauf Genossin Dr. Hofsinann im einzelnen an der Hand des sozialdemokratischen Schulprogramms. Bei dem Punkte „Obligatorische Fortbildungsschulen", kam sie auf die beabsichtigte obligatorische Einführung des Fortbildungsunterrichts für die mann- liche Jugend Berlins zu sprechen und kritisierte in ironisch gewürzten Ausführungen den Ausschluß derer, die so unvorsichtig waren, als Mädchen auf die Welt zu kommen. Hier hob sie deir Standpunkt der Sozialdemokratie hervor, wonach das weibliche Geschlecht den- selben Anspruch ans Weiterbildung habe, wie der schulentwachsene Knabe. Ausführlicher ging Rednerin auf die Gründe zu dem Verlangen nach Beseitigung des Religionsunterrichts aus der Schule ein. Schule und Kirche gehörten nicht zu- fammen, da die Schule für das Leben, die Kirche für den Himmel vorbereiten wolle. Hinzukomme, daß es nicht bloß mit dein Religionsunterricht in der Schule getan sei. Nein, die Kirche wolle gleichsam von oben herab über die Schule herrschen, weil ihr darmn zu tun sei, nicht den Kindern zu dienen, sondern daß die Kinder ihr dienten. Unter anderm erscheine eS als äußerst bedenklich, daß denkende Kinder der vielen Bäter und Mütter, die nicht Gläubige feien, in innere Konflikte hineingetrieben würden. Der Vater sei für das Kind eine Respektsperson, der Lehrer auch; das Ende sei: das Kind werde wahrscheinlich gegen- über einem von beiden heucheln, da es nicht wisse, wo es hinaus solle. Wir, die Ivir die Entfernung des ReligionS- Unterrichts aus der Schule verlaugten, seien die Hüter von Familie und Sittlichkeit. Auch auf diesem Gebiete zeige es sich, wo denn die Zerstörer eines harmonischen Familienlebens eigentlich steckten. Schließlich ging Rednerin auf den neuen Schnlgesetz-Entwnrf ein. Die gesetzliche Festlegung der konfessionellen Schule bekämpfe sie als eine Verböserung der schon bösen Verhältnisse, gegen die protestiert werden müsse. Mit einer Erläuterung des sozialdemokratischen Ver- langens einer einheitlichen Volksschule und mit begeisternden Hinweisen auf die heranwachsende Jugend: als unserer Hoff- nung, schloß der Vortrag unter lebhaftem Beifall der Versammelten. Zur Diskussion nahm Genossin Ottilie Baader das Wort. Sie forderte von Kommune und Staat, daß sie pflichtgemäß auch eine weitgehende leibliche Fürsorge den armen Volksschulkindern angedeihen ließen. Ihre Verpflichtung wäre selbst mit einem warmen Frühstück noch lange nicht erfüllt. Ein Arzt habe festgestellt, daß je nach der Güte der Ernährung Kinder schlechter oder besser lernten. Dann zeigte Rednerin an der in Schlesien bestehenden, vom Staat subventionierten Stickschule, wie heute selbst an sich gute Institutionen dem Profit der Unternehmer dienstbar gemacht würden. Bekannte Firmen Berlins ließen Wäsche-AuSstattungen, die der Staat frei befördere, dorthin zum Sticken der Monogramme gehen. Da fie äußerst ivcnig dafür zahlten, so könnten die Berliner Stickerinnen unmöglich damit konkurrieren. Nachdem noch Genosse Bossak für Schaffung kommunaler Unterkunfts- stellen für Kinder solcher Eltern, die tagsüber beschäftigt sind, ein- getreten war, wobei er auf englische Beispiele verwies, trennte man sich mit einem dreimaligen Hoch auf die Sozialdemokratie. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 14. November, abends bffz Uhr, in den Arminhallen, Koni- mandantenstr. 20: Vortrag des Herrn Dr. Hermann Wehl über: „Säuglingsschutz und städtische Verwaltung." Gäste willkommen. Der Vorstand. Der Verein für Frauen und Mädchen SchimebergS und Umgegend hielt am 7. November seine regelmäßige Vereinsversammlung im Klubhause ab. Herr Dr. Bernstein hielt einen Vortrag über das Thema:„Was soll die Kommune auf dem Gebiete der Gesundheits- pflege leisten?" Der Vortrag erntete reichen Beifall. Es entspann sich nach den Ausführungen des Redners eine außerordentlich lebhafte Diskussion. In Vereinsangelegenheiten wurde nochmals bekannt gegeben, daß am 12. November im Lokal des Herrn Weimann, Hauptstr. v/6, ein Kränzchen stattfindet, welches auf allgemeinen Wunsch der Mitglieder arrangiert worden ist. Da das Vergnügen ein sehr billiges, der Eintritt inklusive Tanz nur 10 Pf. kostet, so bittet der Vorstaud um recht rege Beteiligung an demselben. Anfang des Vergnügens 9 Uhr.__ Gerichts-Zeitung. In Polizcigcwalt. Wie man zu einer Anklage wegen Widerstandes kommen kann, lehrte eine Verhandlung, die gestern das Schöffengericht längere Zeit beschäftigte. Der Feldmesser Willi A. und der Schankwirt Simon M. standen unter der Anklage des Widerstandes bezw. des Versuchs, es unternommen zu haben, durch Gewalt und Drohung den Schutz- mann Kuhn zur Unterlassung einer Amtshandlung zu nötigen. Der Feldmesser befand sich am 31. Juli in dem Schanklokal von M., in welchem sich auch der Vermittler Matheke, der Stellen für Schlächter vermittelt, befand. Er hatte keine Ahnung von dem geistigen Zu- stände des Matheke, dieser ist aber inzwischen in eine Irrenanstalt übergeführt worden. Mit diesem Matheke kam A. ins Gespräch, tippte ihn dabei gegen die Brust und hielt ihm scherzweise vor, daß er viel zu viel Vermittlergebühren erhebe. Matheke stürzte darauf auf die Straße und verlangte von dem Schutzmann Kuhn, daß er die Persönlichkeit des A. feststelle, der ihn beleidigt und mißhandelt habe. Der Schutzmann Kuhn kam dieser Aufforderung nach, er be- trat das Lokal und ging sofort auf den Feldmesser zu, dem er die Anweisung gab, ihm zur Wache zu folgen. A. war darob nicht nur erstaunt, sondern entrüstet und weigerte sich begreiflicherweise, ohne weiteres den Gang nach der Polizeiwache mitzumachen, indem er seinen Namen nannte und zu seiner Legitimation seinen Militärpaß herbeischaffen ließ. Auch der Wirt trat dazwischen und erklärte dem Schutzmann, daß er in seinem Lokal selbst Polizei sei und„für den Mann gut stehe, da er ihn kenne, auch seine Wohnung angeben könne." Der Wirt soll auch dem Schutzmann weiter hindernd in den Weg getreten sein. Dieser bestand darauf, daß A. ihm zur Wache zu folgen habe, obgleich auch noch ein im Lokale anwesender Zeuge Urban gleichfalls erklärte, daß er den A. kenne. Dem Schutzmann Kuhn kam dann der Schutzmann Milde zu Hülfe, und nun wurde die Situation für A. kritisch, denn die Schutzleute gingen dazu über, ihn gewaltsam aus dem Lokal zu bringen. Er stemmte sich gegen seine Abführung, wurde aber doch zur Tür geschleift und auf die Straße hinaus befördert. Die Schutzleute hielten eS auch für geboten, ihm eine Kette um das Handgelenk zu legen, und nachdem noch ein dritter Schutzmann hinzugekommen war, wurde A. zur Polizeiwache gebracht. Dort ist er nach Feststellung seiner Personalien entlassen tvorden. Daß man nicht glimpflich mit ihm umgegangen war, suchte er durch ein ärztliches Attest zu beweisen, das er sich hatte ausstellen lasten. Dieses verzeichnete eine geschwollene Nase und geschwollene Wangen und Lippen, auch waren Blutflecke in der Kleidung vorhanden. A. hat den Vermittler Matheke aus Grund dieses Vorfalls wegen Freiheitsberaubung angezeigt, ist aber vom Staatsanwalt dahin beschieden worden, daß der Anzeige nicht Folge gegeben werden könne, da Matheke sich jetzt im Jrrenhause befinde.— Im gestrigen Termin bestritten beide Angeklagte, sich im Sinne der An- klage schuldig gemacht zu haben. Der Zeuge Schutzmann Kuhn be- kündete aber, daß A. um sich geschlagen habe und er mit seinem Kollegen genötigt gewesen sei, den A. unter Anwendung von Gewalt zur Tür zu schieben; dort habe er sich am Türpfosten festgehalten. Aehnlich sagten die Schutzleute Milde und Weiß aus. Daß A. von den Schutzleuten geschlagen worden sei, konnte von keinem der Zeugen bekundet werden.— Der Staatsanwalt hielt auf Grund der Beweis- aufnähme beide Angeklagte für schuldig und beantragte, indem er ihnen die Erregung zugute hielt, gegen den Feldmesser A. 40 M., gegen den Schankwirt M. 7b M. Geldstrafe.— Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t beantragte dagegen die Freisprechung und führte aus, daß die Schutzleute sich nicht in der rechtmäßigen Ausübung ihres Amtes befunden haben. Der Schutzmann Kuhn habe i n- struktionswidrig und widerrechtlich gehandelt, denn es habe doch gar kein Grund vorgelegen, einen anständigen, beamteten Mann, der sich durch seinen Militärpaß legitimieren konnte und durch zwei andere Personen legitimiert wurde, zum Gange nach der Polizei- wache zu zwingen. Dagegen würde sich Wohl jeder anständige Mensch aufbäumen, und wenn der Angeklagte A. wirklich sich gegen den Fußboden gestemmt haben sollte, so wäre ihm dies eventuell nicht zu schwer zur Last zu legen.— Der Gerichtshof war der Ansicht, daß das Verlangen des Schutzmanns Kuhn, ihm zur Wache zu folgen. ein berechtigtes wäre und das Verhalten der beiden Angeklagten dem Schutzmann gegenüber strafbar sei. Er verurteilte A. zu 10 M., M. zu 30 M. Geldstrafe.— Gegen das Urteil wurde sofort Berufung angemeldet._ Aus Essen schreibt man uns: Der große Wasserwerksprozeß ist auf eine Woche vertagt worden. Neue Ergebnisse sind tatsächlich bisher nicht ermittelt. Man rechnet in jurisüschen Kreisen mit Frei- sprechung der Angeklagten, da einmal nicht zweifelsfrei festzustellen sei, daß das Ausdehnungsgebiet der großen Typhusepidemie im Jahre 1901 sich mit dem Versorgungsgebiet des Wasserwerkes resp. mit dem Gebiete des von diesem gelieferten unfiltrierten Wassers deckt, dann aber auch, weil den Angeklagten das Bewußtsein einer Nahrungsmittelverfälschung, weim eine solche überhaupt konstruiert werden könne, nicht nachzuweisen sei. £[us Industrie und Handel. Die Getreidcprcise o« den deutschen Fruchtmärkten haben wäh- rend des Monats Oktober im Vergleich zum vorhergegangenen Monat mit Ausnahme von Gerste eine Ennäßigmig erfahren. Ine Vergleich zum Vorjahr ist die Spannung freilich fast gleich stark Ivie ini September. Fiir die Monate Juli bis Oktober ergibt sich im Durchschnitt sämtlicher Fruchtmärkte folgende Preisbewegung. Es notierten 1 Doppelzentner in Mark Juli August September Ottober Weizen<63 Marttorte) 1903 16,80 16.00 15,84 16.71 1904 17,20 17,51 17.36 17, M Roggen<75 Marttorte) 1903 13,22 12,79 12,87 12,8« 1904 13,40 13,52 13,43 13,38 Gerste<56 Marktorte) 1903 12,53 12,75 13,02 13.36 1904 13,07 13,95 14.95 15.39 Hafer<84 Marttorte) 1903 13,73 13,09 12,62 12,51 1904 13,51 13,77 13.73 13.75 Am höchsten Ivar der Weizenpreis im Ottober wieder auf den bayerischen Märkten, wo er in seinem Maximum bis auf 22,40 M. stieg, am niedrigsten in Ostpreußen mit 15,40 M. im Durchschnitt und 13,70 M. im Minimum. Den höchsten Durchschnittspreis für Roggen hatten die badischen Märkte mit 15,11, den niedrigsten die ostpreußischen mit 12,65 M. Gerste notierte am höchste» in Württemberg, am niedrigsten in Schleswig-Holstem. Der höchste Preis fiir Hafer wurde in der Provinz Brandenburg, der niedrigste in Ostpreußen gezahlt. Für sämtliche vier Geweede-Arten fand sich also im Oktober der niedrigste Durchschnittspreis in Ostpreußen. Die Umsätze an sämtlichen Fruchtmärkten waren in Weizen größer, da- gegen in Roggen, Gerste und Hafer kleiner als im Parallelmonat des Vorjahres. Die Rltswanderung über Hamburg betrug im Monat Ottober 1904 zusammen 10 310 Personen, davon Deutsche 1886 Personell, 1903 10 650 Personen, davon Deutsche 2176 Personen. Gegenüber dem Monat September ist wieder eine unerhebliche Steigerung der Auswanderung zu verzeichnen, denn damals betrug sie nur 8357 Personen. Die Auswanderung in den abgelaufenen zehn Monaten betrug: 1904 106 703 Personen