Nr. 266. Abonnements- Bedingungen: 0 Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. aido Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Ergebnis der zweiten Unfallstatistik für Land- und Forstwirtschaft. 0 I. Das Reichs Versicherungsamt hat zuerst im Jahre 1887 eine Unfallstatistik bearbeiten lassen, die sich auf die der gewerblichen Unfallversicherung unterstellten Personen bezog. Eine ähnliche Arbeit über die Unfälle in der Land- und Forstwirtschaft wurde im Jahre 1891 vorgenommen. Dann folgte die zweite Gewerbe- Unfallstatistik im Jahre 1897, also zehn Jahre nach der ersten, und ebenso ist auch die zweite Unfallstatistit für Land- und Forstwirtschaft zehn Jahre nach der ersten, im Jahre 1901, durchgeführt worden. Bon der Bearbeitung der letzten statistischen Erhebungen ist soeben der erste Teil erschienen. Die Aufklärung, welche durch die zweite Unfallstatistik für Landund Forstwirtschaft über die Unfallhäufigkeit nach Art, Hergang und Ursache der Unfälle geliefert wird, soll, wie das Reichs- Versicherungsamt verspricht, als Grundlage zur Beurteilung derjenigen Maßnahmen dienen, welche behufs einer wirksamen Unfallverhütung und einer ernsthaften Ueberwachung der Betriebe erforderlich sind. Unter Siesen Umständen muß mit ganz besonderem Nachdruck darauf hingewiesen werden, daß die bisher gemachte Beobachtung der starken Zunahme in der Zahl der Unfälle durch die Statistik vom Jahre 1901 bestätigt wird. Nach den Meldungen an die Unfallversicherung für Land- und Forstwirtschaft sind verunglückt: Im Jahre 1891.. 44 964 Personen, 1901. " 120 704 Die Zahl der verunglückten Personen hat sich demnach fast verdreifacht. Ebenso ist die Zahl derjenigen Personen, für welche zum erstenmale Unfallentschädigungen festgestellt wurden, fast um das Dreifache gestiegen, nämlich bon 19 918 im Jahre 1891 1901. auf 56.907 Und dies, trotzdem offenbar die Zahlen der versicherten Berfonen und der Betriebe, in welchen jene beschäftigt sind, sich während den Tezten 10 Jahren nur unwesentlich verändert haben. An der Hand der Berufs- und Gewerbezählungen find in der Land- und Forstwirt schaft ermittelt worden: Im Jahre 1891 Betriebe 4776 520 1901 4 707 998 mit versicherten Bersonen 12 508 001 11 426 140 Mithin tamen auf 1000 versicherte Personen Im Jahre Unfallanzeigen erstattet sind 1891 1901 Freitag, den 11. November 1904. bei den land- und jenen 16 land- und im Jahre forstwirtschaftlichen forstwirtschaftlichen Ausführungsbehörden der Gewerbe-, Bauund SeeUnfallversicherung Berufs genossenschaften insgesamt 1898 11,99 8,18 1899 12,74 13,03 8,47 1900 12,23 13,12 8,54 1901 12,18 14,41 9,16 1902 12,67 12,49 9,13 12,45 8,83 1899 bezi. 1898-1902 12,99 Es ergibt sich mithin, daß die Unfallhäufigkeit in der Landund Forstwirtschaft erheblich höher ist als in den anderen Gewerbsztreigen. Diese Tatsache muß eine Mahnung sein, mit allen Kräften darauf zu drängen, daß in der Land- und Forstwirtschaft endlich mit der Unfallverhütung Ernst gemacht wird. Wo hier der Hebel anzusehen ist, zeigt bereits ein Blick auf Alter und Geschlecht der verunglückten Personen. Wenn der Aufbau der Arbeiterbevölkerung, den die Berufszählung vom Jahre 1895 ergeben hat, übernommen wird, so entfallen auf 1000 Versicherte desselben Alters und Geschlechts Verletzte, für welche zum erstenmal Entschädigungen festgestellt sind in der Altersklaffe in der land- u. gewerbl.| land- u.| gewerbl.| land- u.| gewerbl forstw. usw. forstw. usw. forstw. usw. 233 Unfallversicherung Männer Frauen zusammen unter 16 Jahre 3,1 2,7 1,5 1,6 2,5 2,4 " 16- unter 18 Jh. 1820-> 302,8 3,6 1,5 1,6 2,2 3,2 20 2,6 " 4,8 1,5 1,3 2,1 3,6 30 3,0 6,2 2,1 1,6 2,6 5,4 40 " 4,4 " 10,1 4,9 1,9 4,5 9,2 4050 6,6 2 13,6 6,8 2,5 6,7 12,3 5060 8,1 " # 15,3 9,1 3,2 8,4 13,8 6070 " 10,4 16,0 9,9 10,3 2,6 10,3 14,2 8,4 1,1 8,7 8,5 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Ferusprecher: Amt IV. Nr. 1984. " Die Augehörigen jedes der beiden vertragschließenden Ge biete sollen unter Beobachtung der Landesgeseze freien Zutritt zu den Gerichten haben, um als Kläger oder Beklagter aufzutreten, und sollen in dieser Hinsicht alle Rechte und Befreiungen der Inländer genießen und wie diese befugt sein, sich in jeder Rechtssache der durch die Landesgefeße zugelassenen Anwälte, Sachwalter und Vertreter jeder Art zu bedienen." Würde das Fräulein, etwa durch eine vorherige Abschiebung an der Geltendmachung solcher Ansprüche verhindert, so würde das zum mindesten moralisch eine gewaltsame Rechtsverweigerung darstellen. Handelt der Chef der politischen Polizei übrigens nicht in einer Strafsache wider Bärson, so ist nach dem Gesetz über die Einrichtung der Berliner Polizei nicht er, sondern allein der Polizeipräsident persönlich( ohne Delegationsrecht) zu Verfügungen berechtigt. * Zur Russifizierung der deutschen Universitäten erhalten wir heute einen neuen Beitrag: Ein kaiserlich russischer Stabsarzt, Dr. med. und Hofrat, der zivecs weiterer wissenschaftlicher Studien auf allerhöchsten Befehl ins Ausland kommandiert, wollte vor kurzem als Zuhörer einige medizinische Kurse auf der hiesigen medizinischen Fakultät belegen. Es wurde ihm jedoch die Erlaubnis dazu feitens der Universitätsbehörde nicht erteilt mit dem Bemerken, er könnte nur als immatrifulierter Student Kurse belegen. Als der Stabsarzt mit noch einigen Landsleuten zur Immatrikulation erschien, wurde ihm sowie den anderen Herren mitgeteilt, daß die russischen Staatsangehörigen nur noch mit befonderer Auskunft über deren politische Zuverlässigkeit seitens der deutschen und russischen Polizei zur Immatrikulation zugelassen werden können. Der Stabsarzt hat dann seinen Baß aus dem russischen Auswärtigen Amte vorgelegt, aber erfolglos. Erst nachdem die polizeiliche Auskunft eingelaufen war, wurde dem Stabsarzt die Imatrikulation gewährt. Wie sich das Schicksal der anderen russischen Staatsangehörigen gestalten wird, bleibt vorläufig unbekannt. Die hier in einem Einzelfalle festgestellte Praris der Berliner Universität ist ja nichts Neues. Der Fortschritt besteht lediglich darin, daß man sich jezt offen dazu bekennt: Deutsche Universitäten machen das Recht der Zulaffung zur deutschen Wissenschaft abhängig von russischen Gendarmen, die ihrerseits von russischen Polizeispiteln ihre Informationen beziehen. 70 Jahr. u. darüb. 8,9 Am stärksten treten die Unterschiede zwischen der Unfallhäufigteit der Land- und Forstwirtschaft und der Unfallhäufigkeit der anderen Gewerbe bei den Frauen hervor. Hier ist die Unfallhäufigkeit der Land- und Forstwirtschaft nur für die zwei ersten Altersklassen etwas fleiner, in allen übrigen Altersklassen Hat denn kein einziger der Berliner Professoren das bagegen erheblich größer als die Unfallhäufigkeit der anderen bißchen Mut, um gegen diese Einmischung der russischen Polizei Gewerbe. Man wird nicht fehlgehen, bemerkt hierzu der Bearbeiter in die deutschen Universitäten zu protestieren? der Statistit, diese Erscheinung wesentlich mit auf die Unfälle in Verlegte, für welche der Hauswirtschaft zurückzuführen, die bei der Gewerbes, Bau- und See- Unfallversicherung, als mit dem Betriebe nicht zum erstenmal Entschädigungen festgestellt zusammenhängend, nicht versichert ist, während bei der Land- und find Forstwirtschaft die Trennung der Hauswirtschaftlichen und land- und forstwirtschaftlichen Verrichtungen oft große Schwierigkeiten macht. Eine Tatsache, fügen wir hinzu, die dafür spricht, daß sich die Gefeß gebung mehr als bisher mit den Schädigungen der Arbeiter infolge von Unfällen im Haushalte beschäftigen sollte. 3,59 10,56 1,59 4,98 Die Guildhall- Rede des Lord Lansdowne beschäftigte sich in der Hauptsache, wie zu erwarten war, mit dem russisch- englischen Konflikt. Lord Lansdowne, der Minister des Aeußeren, versuchte es, die Niederlage, die England in diesem Konflikt erfahren hat, durch allerhand Phrafen über die Friedensliebe Englands zu vertuschen. Er führte den Rückzug Bei den Männern dagegen ist die Unfallhäufigkeit der Land- lands zurück. England habe durch seine friedfertige Haltung Englands vor Rußland auf die übergroße Friedensliebe EngIn diesem Anwachsen der Zahlen der gemeldeten Unfälle tritt, und Forstwirtschaft nur in der ersten Altersklaffe größer, in so führt der Bearbeiter der Statistit im Reichs- Versicherungsamt aus allen übrigen Altersklaffen kleiner als die Unfallhäufigkeit der und durch Bewahrung einer strengen Neutralität sein mögbei weitem vorwiegend die vollständigere Meldung der Unfälle und anderen Gewerbe. Bezeichnend ist, daß unter den Verlegten in der lichstes dazu beigetragen, daß das Gebiet der Feindseligkeiten weniger die Zunahme diefer selbst zutage. Damit ist einzig und Landwirtschaft 108 Knaben und 35 Mädchen unter zehn Jahren und in Ostasien auf seinen ursprünglichen Herd beschränkt geblieben allein die außergewöhnliche Stärke der Steigerung der Unfallhäufig 146 Männer und 56 Frauen über 80 Jahren sich befinden. In der sei. Diese Friedensliebe habe die Handlungen der Regierung feit mehr oder weniger erklärlich gemacht, die großen Zahlen an sich Land- und Forstwirtschaft werden, so heißt es hierzu in den Er auch geleitet, als vor einigen Tagen durch den bekannten haben damit aber nichts an ihrer Bedeutung berloren. 120 704 läuterungen, biele jugendliche Arbeitskräfte verwendet, deren Zwischenfall England in eine Mitleidenschaft gezogen worden Personen sind in dem Jahre 1901 in der Land- und Forstwirtschaft Personen sind in dem Jahre 1901 in der Land- und Forstwirtschaft Sorglofigkeit und Unachtsamkeit häufig zu Unfällen führen. sei. Trotzdem es sich bei der Beschießung der Schifferflottille verunglückt! Wie dringend notwendig ist hier die obligatorische Ebenso ist hier die. Zahl der ganz alten Versicherten nicht nur um einen Angriff auf die Fischer, sondern auch um Krankenversicherung schon mit Rücksicht darauf, daß den vielen ver- nicht gering, bei denen die Kräfte, die Geschicklichkeit unglückten landwirtschaftlichen Arbeitern auch in den ersten und Behendigkeit naturgemäß 13 Wochen nach dem Unfall eine genügende Unterstützung und derart eine erhöhte Unfallgefährdung gegeben ist. gesichert wird. erheblich geschwunden sind, Politische Ueberlicht. einen Affront gegen die britische Flagge" Für die gehandelt habe, habe England doch seine Besonnenheit bewahrt. Der Friede habe aufrecht erhalten werden können, da sich herausgestellt habe, daß der russische Angriff ein über. ansehen müssen, so wäre die Folge einer solchen Verlegung Iegter gewesen sei. Hätte man ihn für einen überlegten Wirklichkeit habe es sich aber nur um einen Mißgriff Rußder britischen Flagge nicht auszudenken gewesen. In lands gehandelt, um einen schuldhaften" Weißgriff Auch das starke Anwachsen der Zahlen derjenigen Verletzten, für Kinder- und Greiſenarbeit tönnte nach Lage der Verhältnisse bei welche zum erstenmal Unfallentschädigungen festgestellt worden sind, den einzelnen Versicherungsträgern eine Beschränkung zum Zwede der Unfallverhütung in Betracht kommen." führt der Bearbeiter der Statistik in erster Linie darauf zurüd, daß angesichts der verunglückten Kinder unter 10 Jahren und der verWie vorsichtig selbst im wachsenden Maße die Kenntnis von der Unfallversicherung überhaupt zunimmt, und daher jest Unfallansprüche erschöpfender Versicherungsamt sich ausdrücken, um ja nicht in den agrarfreund unglückten Greise über 80 Jahren die Herren im Neichserhoben werden als früher. Dann heißt es aber weiter: Der Arbeitermangel, über der vielfach gelagt werde, erheische ein lichen Kreisen Anstoß zu erregen. Da ist es in der Tat begreiflich, schnelleres Arbeiten, bei dem Unfälle leichter eintreten, daß diese Leute mit den Vorarbeiten zu den nötigen Unfalls zwar, aber doch nur um einen solchen, der, wie England überDie jedenfalls stellenweise eingetretene vermehrte An- verhütungs- Maßnahmen niemals fertig werden. zeugt sei, von Rußland in gutem Glauben" begangen worden. wendung von Maschinen usw. werde hier, zum Teil sei. Jede der beiden Parteien sei gleichmäßig von der Gewenigstens, auch mitsprechen. Die in der Landwirtschaft namentlich rechtigkeit ihrer Sache überzeugt. Unter diesen Umständen zu gewissen Zeiten( Ernte, Bestellung) häufige Verwendung habe die britische Regierung den einzigen ihr offen stehenden nichtständiger Arbeitsträfte, die zum Teil aus abgelegenen Bezirken( auch aus dem Auslande) fommen, bedinge, abBerlin, den 10. November. Weg eingeschlagen und die Sache an ein unparteiisches intergesehen von den Unterschieden in der herkömmlichen Arbeitsführung nationales Tribunal überwiesen. Man habe sich darüber geDer Rechtsschutz der Fremden. und Lebenshaltung, ein notwendiges Sicheinarbeiten in ungewohnte wundert, daß in Vigo nur 4 russische Offiziere zurückgelassen Verhältnisse, was zweifellos zur Erhöhung der Unfallziffer beitrage. Noch immer wird Fräulein Bärson im Polizeigefängnis worden seien. Nun, die britische Regierung sei der Ansicht, Für einen Vergleich der Unfallhäufigkeit in der Land- und Forst- festgehalten. Die Polizei hat, wie schon mitgeteilt wurde, daß sie keine Verantwortung für die Auswahl der Offiziere wirtschaft mit der Unfallhäufigkeit in den Betrieben, welche der dem Fräulein ausreden wollen, einen Rechtsbeistand heran- trage, die russische Regierung trage diese Verantwortung Gewerbe Unfallversicherung unterstellt sind, ist es notwendig, auch zuziehen, weil sie ja gar feines Delifts verdächtig sei. Jener allein und es würde ein großer Fehler sein, sie von dieser Verdie Länge der Arbeitszeit der versicherten Personen zu berücksichtigen. Nat frönt das System unseres russischen Polizei- Absolutismus. antwortung zu befreien. Uebrigens habe man in den letten Dies geschieht in der Gewerbe Unfallstatistik in der Weise, daß die Die Polizei will mit dem Recht nichts zu tun haben, auch von allen Versicherten geleisteten Arbeitstage ermittelt werden und die auf diese Weise gefundene Summe von Arbeitstagen burch 300 nichts mit einem Rechtsanwalt. Es soll alles hübsch in der geteilt wird: damit ist in der Zahl der sogenannten Vollarbeiter Sphäre des administrativen Verfahrens bleiben. arbeiter M Tagen die Versicherung der russischen Regierung erhalten, daß diese 4 Offiziere tatsächlich für den Unfall verantwortlich seien und daß, wenn auch noch andere Verantwortliche in Frage ( gleich 300 Arbeitstage) ein einheitlicher Vergleichsmaßstab für die Jener Rat bedeutet aber geradezu eine indirekte Ver- fämen, diese ebenfalls angemessen bestraft werden würden. Unfallhäufigkeit gegeben. Bei der Unfallversicherung für Land- und hinderung eines auch dem Fremden gewährten Rechts. Diese Ausführungen tragen den ganz unverkennbaren Forstwirtschaft ist eine hinreichend genaue Ermittelung diefer Voll- Auch der Fremde kann jederzeit erzwingen, daß seine Sache Charakter von Verlegenheitsfloskeln. Ob die russische Nenur bei den land- und forstwirtschaftlichen Aus- aus dem Bereich der Polizeidiskretion in den immerhin mit gierung versichert, daß mur ein schuldhafter Mißgriff vorliege, führungsbehörden möglich gewesen. Ferner fann für einige mehr Sicherheiten geschützten Kreis der ordentlichen Justiz oder nicht, hätte der englischen Regierung angesichts der ( 16) land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaften, übergeht. Gerade Fräulein Bärson, der ja die Polizei selbst ganzen Situation vollständig gleichgültig sein nämlich für diejenigen, welche die Beiträge nach dem Arbeits- ihre Schuldlosigkeit im deutschen Sinne attestiert hat, hat ein müssen. Durch die Untersuchung soll doch gerade erſt feſtbedarf umlegen, unter Benutzung des von diesen Berufsgenossenschaften schätzungsweise genommenen Arbeitsbedarfs ein ähn- Recht, eine Schadensersatzklage gegen die Polizei anzuftrengen ge ftellt werden, welcher Art der Uebergriff war, ob es fich licher Vergleich gezogen werden. Demnach lommen auf 1000 Voll- und dann genießt sie alle Rechtsgarantien, die dem Inländer um ein zwar bedauerliches aber doch immerhin erklärliches arbeiter Berlegte, für welche im Laufe des Rechnungsjahres zu teil werden. Der letzte Absatz des deutsch- russischen Handels- Mißverständnis handelte, oder um einen tollhäuslerischen zum erstenmal Entschädigungen festgestellt worden sind: vertrages schreibt vor: Gewaltakt, für den es keine Entschuldigung gibt. So hatte Der Kampf um ein Rhein- Leine- Kanal. Namen? England anfangs auch das Vorkommnis aufgefaßt, sonst wäre| Beamte den Weisungen dieser Provisionsjäger bei ihrer 17. Oftober auf Reisen und rufe in Stadt und Land zum Kampf ja seine pomphafte Flottendemonstration und sein furchtbares Menschenfängerei Folge. gegen die umstürzlerische Wühlarbeit der Sozialdemokratie". Jede Säbelrasseln gar nicht begreiflich gewesen! Jeßt, nachdem Es ergibt sich aus den neueren Vorfällen, wie berechtigt Versammlung, die der sonst als Polentöter schon genannte Herr abman sich zu einer milderen Auffassung der Situation bequemt unser Mißtrauen war. Wir rieten damals den Russen und hält, wird ausführlich verzeichnet. Dank seiner Tätigkeit sollen sich hat, sucht man die Angelegenheit natürlich ganz anders darzu ihren Angehörigen im Ausland, den bereits organisierten haben. Aber noch größeres soll der Verband leisten. schon mehrere Vereine dem Reichsverband förperschaftlich angegliedert stellen. Für den objektiven Beobachter liegt es aber klar auf Boykott der deutschen Linien vorläufig aufrecht zu erhalten, foll in Berlin ein breiwöchentlicher Kursus zur Ausbildung der Hand, daß England einen unrühmlichen Rückzug an und wir wiederholen unsere dringende Mahnung, daß die von Rednern abgehalten werden. Drei bedeutende Männer der getreten hat. russischen Auswanderer so lange die deutschen Grenzen und die Staatserhaltung, der Reichstags- Abgeordnete Hagemann, der bes Geradezu köstlich sind auch die Wendungen Lord Lans- deutschen Schiffslinien meiden mögen, als die Vallin- Praris rühmte Vorkämpfer für Zuchthausvorlagen Prof. v. Wend stern downes über die lächerliche Zahl der in Vigo zurückgehaltenen nicht in jeder Hinsicht beseitigt und die preußische Polizei Defer- und Dr. Bovenschen sollen in der neuen Rednerschule Apostel des Offiziere. Daß nicht die britische Regierung die Verantwortung teure ausliefert oder, wie sie es nennt, an die Grenze ausweist! fapitalistischen Staates ausbilden. Auch Rechts- und Volksbureaus für die Auswahl der Offiziere trage, sondern die russische Re sollen als Gegengewicht gegen die sozialdemokratischen Arbeiter gierung, ist ein grandioser Einfall. Schwerlich wird ja auch ein sekretariate" eingerichtet werden. Mensch der englischen Regierung zugetraut haben, daß gerade sie die Bedingung gestellt habe, daß nur ganze vier Männlein zurückbehalten werden sollten. Selbstverständlich hat Rußland die Verantwortung dafür zu tragen. Aber selbst wenn das Schiedsgericht erklären wird, daß nicht die 4 Offiziere, sondern Admiral Rosch die stwensky selbst und das ganze Geschwader die Verantwortung für den Konflitt trage, so wird sich Rußland für seinen Fehlgriff bei der Auswahl der angeblich Schuldigen auch nicht ein graues Haar wachsen lassen! Der ganze Ausgang des Konfliktes, namentlich aber auch die Vergebung der Untersuchung an ein internationales Schiedsgericht, ist durchaus possenhaft. England hat, nachdem es zu Anfang so großspurig aufgetreten war, einen kläglichen Rückzug angetreten, und damit basta! Die englische liberale Presse erklärt sich natürlich wiederum mit den Ausführungen des Lords Lansdowne einverstanden. Die Morningpost" ist dagegen mit der Rede durchaus nicht zufrieden. Sie erklärten, daß die englische Regierung aber aua ohne eine internationale Kommission stark genug sein müsse, fich Genugtuung zu verschaffen. Lansdowne habe gerade so gesprochen, als habe er die russische Regierung zu verteidigen. Wenn er frage, ob es der Regierung möglich gewesen sei, mehr zu erreichen, so könne man antworten, daß die britische Nation die größte Flotte der Welt unterhält, um im Notfall die britische Flagge zu verteidigen. Die Regierung werde den Gebrauch von Feuerwaffen zur Erhaltung des Friedens mit Ehren noch zulernen haben! Am Schlusse seiner Rede erklärte Lansdowne noch mit, daß der amerikanische Botschafter ihn gebeten habe, einen Schiedsvertrag mit der Union zu unterzeichnen. Diese Mitteilung wird von einem Teil der Presse mit lebhafter Zustimmung auf genommen, trotzdem man erklärt, daß solche Maßregeln zwischen England und Amerika überflüssig seien, da ein Krieg zwischen diesen Staaten einfach undenkbar sei. Nun, es ist ja bekanntlich das Wesen solcher Schiedsgerichtsverträge überhaupt, daß sie zwischen solchen Staaten abgeschlossen und auf solche Fragen beschränkt werden, wegen deren ein Krieg auch ohne Friedensbertrag niemals ausbrechen würde. Große Erfolge der amerikanischen Genossen. Wie aus unserer gestrigen Privatdepesche aus New York zu ersehen, sind die großen Hoffnungen, welche auf die sozialistischen Erfolge bei den amerikanischen Wahlen gesetzt wurden, in Erfüllung gegangen. In mancher Beziehung sind die größten Erwartungen noch übertroffen worden. Man braucht nur die Stimmenzahlen vom Jahre 1900 mit den neugewonnenen zu pergleichen, um die erstaunlichen Fortschritte des Sozialismus in Amerika wahrzunehmen. Vergleichen wir die Resultate, soweit sie vorliegen, wobei zu berücksichtigen ist, daß die neuesten Zahlen sich nur auf Debs, den sozialdemokratischen Kandidaten, beziehen, da für den Kandidaten der Sozialistischen Arbeiterpartei keine Berichte borliegen. bis Zahl der zu wählenden Elektoren*) Staaten: Californien Illinois. Indiana Stimmen für Debs 1900 Stimmen Stimmen für Soz. für Arb.-P. 1900 Debs 1904 10 7572 27 9 687 1 373 15 2 374 Minnesota 11 3 065 New York.. 39 12 869 Bennsylvanien 34 4 831 Wisconsin.. 13 7 095 47 493 19 447 663 1329 12 622 2936 524 35 000 75.000 30 000 20 000 45 000 25.000 35 000 265 000 *) Die Zahl der Elektoren ist nur angegeben als Maßstab die Bevölkerung der einzelnen Staaten. für feiten unserer Zustände Einblick erhalten, alsbald bekehrt und un tauglich werden zum Kampfe gegen die umstürzlerische Wühlbarkeit der Sozialdemokratie". " Die Annahme des Antrages des Zentrums- Abgeordneten Am Wir fürchten, nicht die Freude zu erleben, daß unter der Leitung Behnhoff auf Verstaatlichung des Schleppbetriebes in der Kanal werden, mit denen öffentlich zu diskutieren für Sozialdemokraten der genannten Herren unter unseren Gegnern Kräfte ausgebildet fommission findet in der liberalen Presse höchst abfällige Beurteilung. wertvoll werden könnte. Wie ist es denn überhaupt mit der RedeDie liberalen Parteien," meint das„ Berliner Tageblatt",„ die in felbstlosester Weise die Kanalpläne unterſtügt hatten, fühlen sich freiheit in den Versammlungen des Verbandes mit dem stolzen ob es sich überhaupt noch lohnt, den Kanal unter dieser Bedingung wie die Arbeisersekretariate, heißen wir freudig willkommen. Das durch das Schleppmonopol vor den Kopf gestoßen und fragen sich, Rechtbureaus aber, wenn sie ebenso sachlich Rat erteilen wollen zu bauen." Nur die„ Magdeburger Beitung" mahnt, die Liberalen Bedürfnis nach solche Einrichtungen ist bei weitem nicht gedeckt. follten erwägen, ob es wohlgetan sei, den Kanalbau an der Allerdings werden die Rechtsbefehrenden, da sie in die Jämmerlich fouten nageur die Schleppmonopolfrage scheitern zu lassen. In der Kanalkommission wurde gestern über die Linienführung des Dortmund- Rhein- Kanais beraten. Für die Emschertal- Linie ist 1901 war; nur die Summe der Baukosten für diese Linie einschließberaten, die He in der Vorlage von sie im wesentlichen diefelbe geblieben, wie sie in lich des Lippe- Seitentanals ist auf 701, Millionen gestiegen. Um Blättern als Verfassungsforderung betont. Die Deutsche TagesDie Truppenvereidigung in Lippe wird nun auch von anderen mündung des Kanals in den Rhein drei Varianten vorgeschlagen; geklärt feien und der Vereidigung der Truppen auf den Grafdie Spekulation zu erschweren, hat die Regierung für die Ein- zeitung" spricht die Ansicht aus, daß die Verhältnisse jezt vollkommen zu diesen schlägt der Referent nun noch eine vierte Variante mit regenten Leopold absolut nichts mehr im Wege stehe. Die Freie der Mündung nördlich von Ruhrort vor. Von verschiedenen Seiten deutsche Presse" erklärt es für auffällig", daß mit Rüdsicht werben die Borteile des Zippekanals und der Emscher Zinie erörtert, auf sie bestehenden Wilitärtonventionen die Bereidigung ber Das Zentrum wünscht auch den Ausbau der Lippelinie, und zwar Truppen nicht wenigstens angeordnet worden ist, sofort nachdem die schon ein Jahr nach der Inbetriebsetzung der Emscher Linie. früheren Einsprüche gegen die Regentschaft des Grafregenten zurüc Der Finanzminister erklärt sich mit der vierten Einmündungsvariante gezogen worden sind. Dieser Vorgang ist aber ebenso sehr und der Ansicht, daß jetzt dazu noch keine Veranlassung sei, ba der Angelegenheit auffällig waren. einverstanden. In bezug auf den Bau der Lippe- Linie ist er dagegen ebenso wenig auffällig", wie die gesamten Vorgänge der LippeKohlenbergbau dort noch nicht in genügendem Maße entwickelt ſei, um für den nötigen Verkehr zu sorgen. Er ist daher gegen die Festlegung des Termins auf ein Jahr nach Inbetriebsetzung der anderen Linie. Er zieht vor, den Termin auf spätestens zehn Jahre" festzusetzen. Endlich ist er der Meinung, daß für den Bau der Teilstrecke Hamm- Lippstadt teine genügende Veranlassung vorliege, da dieses Stück nur provinzielles, aber fein allgemeines Interesse habe. Schließlich entwickelt sich noch eine Debatte darüber, ob die Abstimmung bis zur zweiten Lesung vertagt werden soll. Man einigt fich dahin, daß am Schluß der ersten Lesung der gesamten Kanalvorlage abgestimmt werden soll. Gebet und Politit. In liberalen Blättern wird von einem 3entrumspolitischen Gebetbuch berichtet: " " Viel besprochen wird im Großherzogtum Baden„ Das Gebet- und Belehrungsbuch für die katholische Männerwelt" von Dr. Anton Keller, Pfarrer in Gottenheim bei Freiburg. In dem Kapitel„ Wie wählst Du?" findet sich folgende bemerkenswerte Stelle: Sei es bei Gemeindeoder Staatswahlen, wähle nie und nimmer glaubenslose Männer! Wer feinen Glauben hat, wer Gott nicht fürchtet und seine strafende Hand, wer seine Sonntagspflicht nicht erfüllt, nur liberale Zeitungen liest und nur immer bei den Beamten " gut Kind" fein will, der hat keine wahre Liebe zu seinen fatholischen Mitbürgern und der wird am Wahltage ein Wackelmann und ein Verräter sein." glaubt. " Wann werden die neuen Handelsverträge in Kraft treten? Der " Frankfurter Zeitung" wird durch ihren Korrespondenten in Bern bestätigt, daß allerdings von der deutschen wie der schweizerischen Regierung beabsichtigt sei, den beiderseitigen Tarifvertrag am 1. Januar 1906 in Straft treten zu lassen, daß aber die deutsche Re- sie die echte Zentrumsauslegung leistet: das Buch sei nicht bloß ein Die Germania" vervollständigt den Religionsmißbrauch, indem gierung sich vorbehalten habe, wenn die Umstände dies geböten, mit Gebet, sondern auch ein Belehrungsbuch, warum solle da der Infraftsehung des Vertrages bis zum 1. Juli 1906 warten zu nicht auch auf die Pflichten eines katholischen Mannes bei den dürfen. Die Meldung erscheint als richtig. Wie wir schon vor einiger Wahlen hingewiesen werden"? Beten und richtiges" Wählen in Zeit darlegten, würde es zu sonderbarer Wirrung führen, wenn einander zu verschlingen das ist der Gott, an den das Zentrum für einen Teil der bisherigen Vertragsstaaten am 1. Janua 1906 aber die alten Verträge vorläufig noch in Kraft blieben. Würde die neuen Verträge Gültigkeit erlangten, für einen anderen Teil mit Desterreich- Ungarn aber zunächst noch das alte Verhältnis fort 3. B. der neue Vertrag mit Rußland in Kraft treten, für den Verkehr dauern, so würde russisches Brotgetreide in Deutschland 5 bezw. 5,50 M. pro Doppelzentner an Zoll zu zahlen haben, österreichisches dagegen nur 3,50 M. Und da Deutschland mit den Vereinigten Staaten von Amerika einen Meistbegünstigungsvertrag abgeschlossen hat, fönnte auch amerikanisches Getreide nur mit 3,50 2. verzollt deutsche Regierung die Bedingung gestellt haben, daß, wenn es nicht werden. Solchen Möglichkeiten zu entgehen, wird wahrscheinlich die gelingen sollte, auch mit den Vertragsstaaten, mit denen zurzeit noch Verhandlungen schweben, bald ins Reine zu fommen, sie die Berech tigung erhält, einfach den Beginn der Gültigkeit der neuen Tarifberträge um ein halbes Jahr hinauszuschieben. manu, des Sohnes des verstorbenen konservativen Reichstags§ 175. Ueber den Fall des Dresdener Ratsassessors Dr. Ackerverhafteten drei„ Berliner Herren" erfährt das„ B. T." jetzt Näheres. Abgeordneten und sächsischen Kammerpräsidenten, und der mit ihm Danach lernte Dr. jur. Aderman, Hauptmann z. D., während eines vorübergehenden Aufenthaltes in Berlin auf der Friedrich straße einen Burschen namens Dupke kennen, mit dem er sich in deffen Wohnung Linienftr. 150 begab. Hier wurden an Dr. Adermann nicht nur von Duple, sondern auch von zweien seiner Freunde, striminalpolizei bekannt ist, schwere Erpressungen verübt. Ackermanu von denen einer unter dem Namen der Leipziger Otto" der begab sich, in der Hoffnung der Gefahr entronnen zu fein, nach Dresden zurück, empfing aber hier nach einiger Zeit zu seiner großen Ueberraschung den Besuch der drei Berliner. Als es infolge dieses Besuches und der sich daran anschließenden neuen Erpressungsversuche zu sehr lebhaften Auseinandersetzungen tam, requirierte Ackermann, um sich des Besuches zu entledigen, die Hülfe der Kriminalpolizei, worauf die Verhaftung aller vier Personen er folgte. Dr. Ackermann, der den militärischen Rang eines Hauptmanns der Landwehr bekleidet, hat vom Untersuchungsgefängnis aus feine Entlassung aus dem Heere nachgesucht. Die Berurteilung des Majestätsbeleidigungs- Paragraphen. Es wird gemeldet, daß für die wegen Majestätsbeleidigung Verurteilten das Begnadigungsrecht seit einiger Zeit in umfassendster Weise ausgeübt werde. Dem Antrage auf Begnadigung werde vom Justizministerium so gut wie ausnahmslos Folge gegeben, wenn der Verurteilte Bevölkerungsschichten angehört, in denen Staatserhaltende Gesetzeswächter. Wegen Zweikampfes mit der geringere Bildungsgrad und Mangel der Erziehung ein rohes tödlichen Waffen wurden am Dienstag vom Kriegsgericht der Wort schnell sprechen lassen. Ebenso erfolgt die Begnadigung faft 19. Division in Hannover die Reserveoffiziere Dr. chem. Ebelingstets bei solchen Personen, von denen anzunehmen ist, daß sie sich Hannover und Referendar Schwenger- Celle zu Die Beranlassung zu der der Tragweite ihrer Aeußerungen nicht bewußt gewesen sind, oder Monaten Festungshaft verurteilt. Diese fieben Staaten geben eine kleine Probe von den daß fie fich in einem Zustande befunden haben, der wie bei der Forderung war ein Brief, in dem Schwenger den Dr. Ebeling aufforderte, fein Amt als Vorsitzender des Oberharger Stillubs nieder Fortschritten, auf welche die amerikanischen Genossen mit Trunkenheit die ruhige Ueberlegung ausschließt. zulegen, weil ihm Handlungen bekannt geworden seien, die mit der Recht stolz sein dürfen. Ueber eine halbe Million Stimmen Dieses Verfahren des Justizministeriums bedeutet die denkbar" Standesehre" nicht vereinbar schienen. Der von Dr. Ebeling werden für Eugen V. Debs und Ben Hanford erwartet; im schwerste Verurteilung des§ 95 des Strafgesetzbuches. Gewiß ist angerufene Ehrenrat" fand zu einem Einschreiten feine Ver Jahre 1900 wurden 98 424 Stimmen für Debs und Harriman seit langem in der Preise und in den Parlamenten geklagt und ge- anlassung und hielt die Beleidigung für so schwer, daß ein Ausgleich abgegeben und für die Sozialistische Arbeiterpartei 33 450. spottet worden, daß Trunkenbolde und Verwahrlofte geeignet sein nicht möglich war. Bei dem Duell wurden edlere Teile nicht Bei den Kongreßwahlen 1902 erhielten die Sozialdemokraten sollen, die auf den Höhen der Menschheit wandelnde Majestät be- verlegt. leidigen zu können. Tagtäglich werden durch die Bestimmungen des verurteilte zwei Kandidaten wegen Säbelduells, bei dem der eine Aus Greifswald wird gemeldet: Die Straffammer Wie mit elementarer Gewalt scheint sich die sozialistische Strafgesetzbuches die Staatsan salte genötigt, Prozesse gegen schwer verletzt wurde, zu drei Monaten Festungshaft. Die Jdee bei den amerikanischen Arbeitern durchzubrechen und die Menschen einzuleiten, welche Beleidigungen gegen Fürften etwa nur Angabe des Duellgrundes wurde verweigert. errungenen Erfolge werden zu neuen und größeren Siegen deshalb ausstoßen, um auf einige Zeit vor der Not der Freiheit" führen, denn gerade Amerika ist das Land, in welchem der im Gefängnis bewahrt zu sein. Nun endlich fühlt man auch im Saz seine größte Bedeutung hat:„ Nichts ist erfolgreicher als Justizministerium die Unwürdigkeit dieses Zustandes. Man will der Erfolg." Mit herzlicher Freude begrüßen die deutschen durch Begnadigung das beseitigen, was das Gesez sündigt. Genossen die gute Botschaft von jenseits des Ozeans; mit gespanntem Interesse verfolgen sie jeden weiteren Fortschritt; begierig erwarten fie neue und nähere Nachrichten über die errungenen Triumphe. 225 903 Stimmen. * Deutfches Reich. " Südwestafrika. Berlin, 10. November. Amtliche Meldung. Am Typhus find geftorben: Reiter Ludwig Winterle im Lazarett Olahandja 15. Dezember 1882, im Lazarett Epuliro( Datum noch nicht bekannt). ( Datum noch nicht bekannt) und Reiter Arno Weichelt, geb. Trompeter Unteroffizier August Neubert, geb. 4. Dezember 1875, am 6. November 1904 bei Ofamungongou durch einen Schuß in den Oberarm schwer verwundet worden. Reiter Arthur Christian, geb. 19. November 1881, feit dem 19. Oktober auf dem Wege. pukiro- Okahandja, wird vermißt. * Zu den Kosten des südwestafrikanischen Feldzuges erklärt die Tägl. Rundschau":" So viel freilich scheint jetzt schon sicher, daß fie nicht unter 200 Millionen betragen werden." Husland. Frankreich. Die Generalstabsfälscher freigesprochen! Die Folge dieser neuen Praxis des Justizministeriums wird sein, daß fürderhin nur diejenigen auf Grund des§ 95 dulden müssen, die aus ernsthaften Absichten in Konflikt mit der monarchischen Staatseinrichtung oder der Persönlichkeit des Monarchen geraten. Die Gnade der Majestät, welche nach den Begriffen derer, die das Gnadenrecht vertreten, denen erwiesen werden soll, die ihrer sich besonders würdig zeigen, wird den Verwahrlosten und Berkommenen Der Ruffenfang auf dem Berliner Lehrter Bahnhofe leuchten, während die anständigen Leute ihrer nicht würdig gelten. scheint noch imuner in vollster Blüte zu stehen. Am Mittwoch So wird das Gnadenrecht in das Gegenteil feines Sinnes gefehrt. um ein schlechtes Gesetz zu erhalten, setzt das Justizministerium abend spielte sich auf dem Bahnhofe wieder eine der bekannten ein Recht herab, das ihm zu heiliger Bewahrung anvertraut ist. Szenen ab. Eine Anzahl Reisende, die als der Auswanderung ein Recht herab, das ihm zu heiliger Bewahrung anvertraut ist. verdächtige Russen galten, wurden schon lange vor Abgang des Das Arbeitsmaterial des Reichstags, das er bei seinem WiederZuges unter Assistenz von Schiffahrtsagenten zu einem Trupp zusammentritt vorfindet, ist nicht gering. Die unerledigten zusammengetrieben. Als sie durch die Kontrolle wollten, Borlagen feßen sich zusammen aus einer Interpellation Auer wurden sie um ihre Schiffsfarten befragt. Zwei derselben, die betreffend die Außerbetriebseßung von Kohlengruben im Ruhrrevier, Paris, 8. November.( Eig. Ber.) Der Prozeß DauKajütenplätze gelöst hatten, durften unbeanstandet durch. Mit 13 Wahlprüfungsberichten, 17 Petitionsberichten, 27 Vorlagen zur triche und Konsorten hat geendet, wie er enden mußte- nach dem nächsten entstand ein lebhafter Streit. Er wurde schließlich Kenntnisnahme und gegen 70 Initiativanträgen aller Parteien. dem Wunsche seines Veranstalters, des Militärgouverneurs von vom Bahnhofsportier trop lebhaftesten Widerspruchs gepact Diese Sachen stehen zur Beratung im Plenum. In den Paris, General Dessirier. und auf den Bahnsteig geführt. Was weiter mit ihm geschehen Kommiffionen befinden sich fünf Borlagen: Gesetz wegen Aenderung Die militärgerichtliche Untersuchung hatte mit einer Einist, konnte nicht in Erfahrung gebracht werden. Die übrigen des Reichsstempel- Gesetzes, Gesetz betreffend Wetten bei öffentlich stellung des Verfahrens abgeschlossen. Nicht wegen Mangels durften dann, nachdem der Portier mit dem protestierenden haben des oſt- und südwestafrikanischen Schutzgebietes, Gefeße be- an Beweisen, sondern vielmehr deshalb, weil die den vier Reifenden abgegangen war, durch die Sperre, wurden aber treffend Aenderungen der Zivilprozeß- Ordnung und des Abschnittes IV Generalstabsoffizieren nachgewiefene Schuld durch die Amdann in Anwesenheit der Schiffsagenten sorgfältig in dem des Börsengesetzes. Als neue Vorlagen kommen dann, soweit ne stie gedeckt war, die sich auf alle mit der Dreyfus- Affäre Eisenbahnwagen placiert. Weiteres fonnten wir nicht in Er- bisher bekannt ist, hinzu: Etat, Handelsverträge, Heeresvorlage und in Verbindung stehenden Vergehen und Verbrechen erstreckt. fahrung bringen. die Geldforderungen für Südwestafrika. Dieses Ergebnis der Untersuchung paßte weder den vier OffiSo viel aber steht danach fest, daß das Beruhigungs- Bittere Sozialdemokratie! Reichsverband gegen die zieren, noch ihren nationalistischen Beschüßern. Da legte sich telegramm des Herrn Ballin entweder überhaupt nicht ernst Sozialdemokratie" rührt gewaltig die Reklametrommel. Er ver- nun General Defirier ins Mittel, dessen Ernennung zum gemeint war, oder daß seine Agenten ihrem Chef nicht parieren. öffentlicht in den Blättern eine Kundgebung, daß er nun auch durch Pariser Militärgouverneur durch den Kriegsminister André Noch immer maßen sich also Privatpersonen an, die Freizügig- Bersammlungen den Kampf gegen die Sozialdemokratie begonnen nicht umsonst von sozialistischer und linksradikaler Seite kritifeit von Reisenden aufzuheben, noch immer leisten preußische habe. Der Geschäftsführer Dr. Bovenschen sei bereits seit dem fiert worden war. Er verordnete die Verweisung der Offiziere veranstalteten Pferderennen, Uebersicht über Einnahmen und Auss vor das Militärgericht, trotz des„Noii°lieu" des Untersuchungsrichters. Die Rechnung war ebenso einfach wie sicher. Das Unter- suchungsmaterial schloß ja von vornherein die Möglichkeit aus, die Fälschung der Buchführung zwecks Verhüllung der geheim- nisvollen Ausgabe von 20 000 Frank als ein vulgäres Kriminalverbrechen nachzuweisen, d. i. als eine Gelderunterschlagung zum Privatgebrauch, die mit dem Dreyfus-Prozeß von 1899 und speziell mit der Bestechung des Zeugen Czernuski in keinerlei Beziehung stände. Damit war auch eine materielle Bestrafung der Generalstabsfälscher und Zeugenbestecher durch das Militärgericht auf jeden Fall ans- geschlossen. Die Amnestie sicherte davor die Angeklagten. Sie riskierten also vor einen: Militärgericht nichts. Dagegen hatten sie viel von ihm zu hoffen, sie und ihre politischen Hinter- männer. Der alte Geist der Militärjustiz, derselbe nach wie vor Dreyfus, versprach ihnen eine eklatante Genugtuung. Nun wohl, ihre Hoffnungen sind weit übertroffen worden. Kein simpler Freispruch, sondern eine Apotheose verfolgter Un- schuld, eine Verhimnrelung engelsreiner Märtyrer. Nicht die nationalistischen Verteidiger haben die Anklage zerschmettert, nicht die wohlwollenden Militärrichter haben ihre Kollegen freigesprochen,— der Vertreter der Anklage selbst, der Re- gierungskommissar, Oberstleutnant Rabier, ein Offizier von gutem republikanischem Rufe, hat im letzten Augenblick auf die Anklage verzichtet. Man begreift den Freudenjubel im nationalistischen und tnslinistischen Lager, einen Jubel, dessen Grundton natürlich rachedürstenie Hallali-Rufe wider den K r i e g s m i n i st e r A n d r 6 sind. Ein nationalistischer Abgeordneter hat, ohne eine Sekunde zu verlieren, eine Interpellation an den Kriegsminister eingebracht über die mehrmonatliche Unter- suchungshaft der vier ja unschuldigen Offiziere. Bei näherem Zusehen jedoch erweist sich die nagelneue reaktionäre Hätz namens der Unschuld und der Gerechtigkeit, wie stets, als ein grober Humbug. Warum wurde die Anklage zurückgezogen? Der Rcgierungskommissar motivierte das durch die„m e r k l i ch e A e n d e r u n g" der Zeugenaussagen der Generale L a c ro i x und D e l a n n e zugunsten der An- geklagten vor dem Kriegsgericht im Vergleich mit ihren Aus- sagen vor dem Untersuchungsrichter. Der Regierungs- kommissar hat sich da mit respektvoller Schonung der ehe- maligen Unterchefs des Generalstabes ausgedrückt. In Wirk- lichkeit besteht die„merkliche Aenderung" in einer totalen Zurücknahme ihrer schwer belastenden Zeugenaussagen in der Untersuchung durch die beiden Generale. Die Ver- Haftung des Oberstleutnant Rollin, sowie der Hauptleute Fran�ois und Marechal erfolgte aber gerade auf Grund der Generalsaussagen. Mit der Reinwaschung dieser drei Offiziere mußte denn auch der Archivarius, Buchhalter oder Kassierer Dautriche(dieser war in seinen verworrenen und verlegenen Aussagen selbst nicht imstande, seine eigentliche Funktion an- zugeben!), der zuerst verhaftet worden war, anklagefrei aus- gehen. Verübte er doch seine Auskratzungen und Fälschungen an den Kassenbüchern jedenfalls nur als Werkzeug jener drei Offiziere. Und woher der Frontwechsel der Generale Delanne und Lacroir? Es steht fest, daß sie unter dem Druck des Generals Galliffet. ihres ehemaligen Kriegsministers, vor dem Kriegsgericht ausgesagt haben. Derselbe Galliffet, in dessen Ministerzeit die Machenschaften der Dautriche und Konsorten fallen, hat überdies vor dem Kriegsgericht als Entlastungs- zeuge eine regelrechte Verteidigungsrede von sich gegeben. Er meinte unter anderem ganz einfach, daß die Offiziere des In- formationsbureaus in der Verwendung der Geheimfondsgelder lediglich vor ihrem Chef, dem Kriegsminister, verantwortlich' wären. Er aber als ihr damaliger Chef fand natürlich alles in Ordnung und konnte ihre vorzüglichen Eigenschaften nicht genug loben. Es ist also Galliffet, der in Verabredung mit den Generalen Delanne und Lacroix die Zurückziehung der Anklage ermöglicht hat. Wer aber sie„gestattet", wie der Regierungskommissar sich ausdrückte, will sagen: anbefohlen hat. das ist zur Stunde nicht mit Sicherheit festzustellen. Nach der„Humanits" soll der Regierungskommissar freiwillig das Gutachten des Generalkontrolleurs am Kriegsministerium, Crcktin, eingeholt haben, nachdem ihn der Frontwechsel der genannten Generale stutzig gemacht hätte. Die„Petite R6publique" behauptet hin- gegen ganz bestimmt, daß der Rcgierungskommissar bereits im Begrifs gewesen sei, seine Anklagerede zu halten, als er — um 25 Minuten nach 12 Uhr— durch einen Expreßboten des Militärgouverneurs den Befehl erhielt, die Anklage zurückzuziehen. Desgleichen spricht derChesredakteur des„Radical" von einem erteilten Befehl. Es sei noch verzeichnet, daß die„Humanits" den Front- Wechsel der Generale aus der letzten Hätz gegen den Kriegs- minister erklärt, dessen Stellung den ehrenwerten Zeugen so gefährdet erschienen wäre, um sie zu veranlassen, das ihrige zu feinem Strirze beizutragen. Sicher ist jedenfalls, daß es die schwankende Haltung des Generals Andr6 ist, die im letzten Grunde ihm sowohl die Leumundsnoten-Hatz wie die beginnende Dautriche-Hatz auf den Hals geschafft hat. Der Deputierte Syveton ist in dem Augenblick, als er sich zu dem Duell mit dem Rittmeister de Gail begeben wollte, bei Suresnes verhaftet worden.— Amerika. Marineriistungcn trotz der Friedensverträge! Washington, 10. November.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Die Marineverwaltuug wird vom nächsten Kongreß die Ermächtigung zum Bau von 3Schlachtschiffen/SKreuzern,KTorpedo- bootszerstörern, 6 Torpedobooten und 2 Kohlen- schiffen verlangen. Die Kosten sind aus 41 300 000 Dollar ver- anschlagt.»-__ kommunales. Stadtverordneten-Bersammlung. Ü4. S i tz u n g vom Donnerstag, den 10. November 1904, nachmittags 8 Uhr. Die Sitzung wird vom Vorsteher Dr. L a n g e r h an S gegen 5'/z Uhr eröffnet mit einem von der Versammlung stehend an- gehörten Nachruf auf den gestern bestatteten Ehrenbürger Berlins, den früheren Stadtschulrat Bertram. Der klassischeste Zeuge für die rastlose Tätigkeit des Dahingeschiedenen sei zweisellos die Stadt- verordneten-Versammlnng; sie sei es ihm schuldig, öffentlich vor der Stadt ihrem Dankgcfühl Ausdruck zu geben. Weiter hob der Vor- steher hervor, daß man in Berlin auch auf dem Gebiete der Volks- schule schon weiter fortgeschritten wäre, wenn Bertram nicht durch Regierungseinflüsse in seiner Tätigkeit einigermaßen eingeschränkt worden wäre. Stadtrat H a a ck hat aus Rücksicht auf seine Gesundheit sein Amt niedergelegt. In die gemischte Deputation für die Vorbereitung der Ver- « n st a l t u u g e n von Stadt wegen zur Vermählungsfeier des Kronprinzen sind unter anderem auch die Stadtverordneten Singer und B o r g m a n n(Soz.) gelvählt. Zunächst liegt vor ein Antrag Antrick, den Magistrat zu ersuchen, für das st ä d t i s ch e Obdach schleunigst Vorkehrungen zu treffen, um polizeiliche U e b e r g r i f f e wie z. B. das Ver- halten des Kriminalbeamten Kallmcyer für die Zukunft zu ver- hindern. Stadtv. Hoffmann(Soz.): Seitdem die Verwaltung um das städtische Obdach eine chinesische Mauer errichtet hat, müssen wir uns heule schon wieder einmal damit beschäftigen; die Mauer muß also nicht hoch genug sein, um nicht noch einen Durchschlupf zu bieten. Die Sache ist nicht mehr ganz neu; schon am 23. März konnte ich auf die Sache hindeutei:. Sie ist auch dem Kuratorium nicht unbekannt gewesen, denn schon 1901 konnte ich erwähnen, daß über den Geschlechtsverkehr von Angestellten und weib- lichcn Asylisten die sonderbarsten Gerüchte umgingen.(Zuruf: Gerüchte I) Bis vor ganz kurzem hat es sich bloß um Gerüchte ge- handelt; es hätte sich die Möglichkeit, die Leute auf frischer Tat zu ertappen, ergeben, wenn nicht die Revisionen so beschränkt worden wären; es ist sehr schwer, darüber einwandfreies Material zu erlangen. Wir haben wiederholt vergeblich versucht, diesen Gerüchten nachzugehen; erst am 13. September trat eine Frau auf, welche bereit war, auszusagen. Die Frau teilte Dinge mit, die ich für un- glaublich erklären mußte; die Frau aber sagte, ich würde alles be- stätigt finden, wenn ich hinauskäme; seit Wochen lvürden die Dinge gemeldet, namentlich diejenigen von dem Kriminalbeamten Kall- meyer, aber es sei nichts geschehen, es werde kein Wandel geschaffen, es habe keine Vernehmung stattgefunden. Wir gingen zu Herrn Stadtrat Fischbeck— wir müssen ja jetzt von ihm die Erlaubnis haben; es war ein reiner Zufall, daß wir ihn an diesem Tage trafen— und er hatte die Liebenswürdigkeit, uns diese Erlaubnis zu geben,(Tut uns leid I)— das glaube ich— und wir gingen an demselben Abend zu dem Obdach hinaus. Dort war es im Frauen- bad, wo ich persönlich an eine dort befindliche schwangere Frau, die beim Baden behülflich ist, die Frage stellte, ob es denn möglich ist, daß in diesem Frauenbad Ucberfälle und unsittliche Handlungen vor- känien. Es handelt sich um eine anständige Frau, die Frau eiues Berliner Arbeiters, die mit zwei Kindern obdachlos war und ihrer Niederkunft entgegen sah. Die Frau machte ihrem Herzen in einer sWcise Lust, daß es dem mitanwesenden Inspektor Ulrich und dem Hausvater Müller sehr unbequem war; der letztere fuhr die Frau so an, daß er von dem Stadtv. Augustin zurück- gewiesen werden mußte. Die Frau offenbarte uns Zustände, die ich selbst, der ich im Obdach an so inanches gewöhnt bin, für un- möglich gehalten hätte. Es sei, so sagte die Frau, ein öffentliches Geheimnis, was dort seit Jahren vorginge. Sie selbst sei im Bade- räum von Herrn Kallmeyer überrascht ivordeu, derselbe sei Ende August eines Tages hereingekommen— er ist, nebenbei gesagt, draußen, um die Obdachlosen zu verwarnen, zu sittlichem, ordentlichem Lebens ivandel zu ermahnen und anzuhalten(Heiterkeit); nebenbei titulierte er die obdachlosen Frauen kaum anders als„Saumenscher", „Dirnen" zc., weswegen schon früher im Kuratorium von Augustin der Antrag auf Ersetzung desselben durch einen anderen Beamten gestellt war. legte 25 Pfennig auf die Spiegetkousole und forderte die hochschwangere Frau aus, ihm in die Badezelle zu folgen und dort geschlechtiichen Verkehr zu dulden. Als sie dagegen Protest erhob, erklärte der Herr Beamte, sie solle sich doch nicht so haben, bei ihr wäre doch nichts mehr zu versauen, die anderen ließen das alles zu. Die Frau erklärte. sie sei keine Dirne, sondern eine anständige Frau, und als sie Skandal machte, da»ahm der Herr Kriminalbeamte schleunigst Reißaus und ließ die 25 Pf. liegen.(Unruhe.) Die Frau hatte diesen Fall gemeldet, außerdem eine Reihe anderer, wo 20 Pf. dafür hinterlegt waren und wo der Herr etwaige Bedenken beseitigte mit den Worten: Andere tun es für 10 Pf.!(Unruhe.) Ihnen liegt vor allem daran, die öffentliche Kennzeichnung solcher Dinge zu hintertreiben: ich weiß ja, es ist Ihnen angenehmer, wenn die Sachen im Verborgenen bleiben.(Nein I) Dann unter- brechen Sie doch nicht fortwährend. Die Frau teilte ferner mit, daß voriges Jahr ein obdachloses Mädchen zur Ver- Warnung diesem Beamten vorgeführt wurde; dabei schloß er die Bureautür zu und die Fensterläden und hat sie dann geschlechtlich gebraucht. Dieses Mädchen ist im Hochsommer wieder ins Obdach gekommen hochschwanger, und hat dort ganz allgemein erklärt, daß sie von dem Kullmeyer beschlväugert wäre. Davon erhielt nun dieser Kenntnis; er ließ das Mädchen ins Bureau rufen, schloß aberncals die Tür, und wie das Mädchen ihre Beschuldigung auch ihm gegenüber aufrecht erhielt, drohte er ihr, sie würde auf Jahre ins Zuchthaus kommen, ivenn sie aussagte, sie hätte Umgang mit ihm gehabt: im Protokoll, worin stand, daß sie nichts mit ihm zu tun gehabt hatte, unterschrieb sie in ihrer Angst, erklärte aber sofort, als sie wieder bei den Frauen ivar: Und er war es doch I Er hatte ihr noch gesagt, sie möchte sich doch den ersten besten von der Straße nehmen und ihn als Vater angeben. Für uns ist vor allen Dingen inter- essant, welche Stellung unsere städtischen Beamten zu der Sache ein- genommen haben. Der Inspektor und eine Wärterin haben um die Angelegenheit seit Ende August gewußt; es mußte sofort ein- geschritten werden, weil es sich uin Obdachlose handelt, die bald wieder vom Asyl fort in alle Welt verflogen sind und wo dann keine Beweise mehr beigebracht werden können. Der Inspektor er- klärte, er hätte nichts davon gewußt. aber derselbe Herr erklärte auch, daß er dem Herrn Kullmeyer die Vernehmung in eigener Sache ain anderen Tage untersagt habe(HörtI hört!) Auch die Wärteriu hat dij; Meldung nicht weiter gegeben, auch dem Stadtrat Fischbeck ist kerne offizielle Meldung gemacht worden: nur gesprächsweise will sich der Inspektor mit dem Stadtrat über die Sache unterhalten haben. Herr Kull- meyer drehte nun den Spieß um und zeigte die Frau wegen Be- leidiguug an. Jetzt fanden Vernehmungen der Frau durch Kriminal- beamte im Obdach statt; da erfuhr der Inspektor abermals von der Gegenwart von Kriminalbeamten, er hat auch die Frau selbst befragt: trotzdem erklärte er, er habe von der Sache nichts gewußt. Herr Ulrich verkriecht sich hinter die Wärterin, die nichts gemeldet hätte. Herr Kullmeyer hatte auch bis zum 13. September sein Be- tragen gegen die Frauen durchaus nicht geändert. Der 13. September war nun ein doppelt kritischer Tag. Die obdachlosen Frauen waren empört über das Verhalten der Verwaltung: diese Empörung bewirkte, daß eine der Frauen zu mir kam—„wieder zu Hoffmann! Einer unserer Kollegen hat neulich einem Beschwerdeftihrer gegenüber geäußert: Muß ihn der Teufel gerade zu Hoffmann führen I(Große Heiterkeit.)—- An demselben Tage ging die Hebamme deS Obdachs zu Herrn Fischbeck und teilte ihm die Ge- schichte mit, und so kam es denn, daß an demselben Tage Herr Fischbeck nach dem Polizeipräsidium zu Herrn Dieterici ging lStadtv. Cassel: Na also!) und dort die Entfernung des betreffenden Beaniten aus der Anstalt erreichte. An demselben Abend waren wir im Obdach und teilten am nächsten Morgen dem Kuratorium das Fest- gestellte mit. Am 14. September war dieser Bericht in Händen des Herrn Fischbcck; unser Antrag, ihn zu vervielfältigen und dem ge- samten Kuratorium zuzustellen, ist nicht erfüllt worden. Am 29. September wußte das Kuratorium noch nichts; trotzdem hieß es in der bekannten Zeitungsnotiz, dem Kuratorium sei alles schon be- kannt gewesen. Es kommt doch nicht darauf an, ob es eine ordent- liche Revision war; man kann uns hier auch nicht vor- werfen, wir seien an die Oeffentlichkeit gegangen. Wir sind ja ans Kuratorium gegangen und haben dort erst er- zwingen müssen, daß der Bericht verlesen wurde.(Wider- spruch.) Herr Witkowski, der Hauskurator, hat gegen die Verlesung protestiert. Zwei städtische Beamte haben ihre Pflicht in unge- hörigster Weise vernachlässigt; sie kannten die Tatsachen und sie haben sie nicht zur Kenntnis der Vorgesetzten gebracht. Da war es notwendig, das im Plenum zur Sprache zu bringen, nachdem auch das Kuratorium abgelehnt hat, eine Kommission einzusetzen. Es nmß etwas geschehen, um die Frauen und Töchter des Volkes zu schützen(Lärm und Lachen)— ja, Ihre Frauen und Töchter kommen ja nicht in die Gefahr, sonst würde Ihnen wohl das Lachen vergehen. Es sind Arbeiterfrauen. die Frauen der Aermsten, die der Gefahr ausgesetzt sind, in solch« empörenden Weise behandelt zu werden. Der Schutz der Aermsten der Armen wäre wohl die erste Aufgabe der Stadt, die Schwangeren darunter sind die Unglücklichsten der Unglücklichen. Es muß etwas geschehen.(Zuruf: Wird ja!) Ja wohl, immer dann, wenn es hier abgestritten ist; nachher geschieht's immer. In gleicher Weise haben Sie abgestritten und protestiert, als ich die Dmge aus der Geschlechtskrankenstation zur Sprache brachte; und wer hat Recht behalten?(Zurufe.) Warum ist der Professor Behrendt heute mcht mehr Anstaltsarzt? Ist es nicht auf einstimmigen Beschlutz des Kuratoriums dahin gekommen wegen jener. Dinge? Ihnen ist es bloß darum zu tun. nicht öffentlich zur Kenntnis kommen zu lassen. welche skandalösen Dinge da geschehen. Wenn diese Dinge dorkin hellem Lichte des Tages passieren können, wie ist das möglich? Weil die Beamten draußen wissen, daß sie vor Revisionen sicher sind; weil sie nicht überrascht werden können! Gerade die Anordnung des Stadtrats Fischbeck macht ihn zum Mitschuldigen air den Dingen, die da draußen geschehen sind.(Lebhafte Zustinunung und große Unruhe.) Wenn ein Beamter, der dort nach Ordnung sehen soll, solche Dinge wagen darf, und der Inspektor, der dicht dabei wohnt, nichts hört und nichts sieht, so niag er sonst ein sehr brauchbarer Beamter sein. aber ins Obdach gehört er nicht hin, da hat er seine Un- fähigkeit bewiesen! Hat der Kriminalbeamte da überhaupt die Freiheit, allein ins Frauenbad zu gehen? Mit der Unfähigkeit der Verwaltung geht die Ungeniertheit Hand in Hand. Was hat der Kriminalbeamte überhaupt in dieser städtischen Anstalt zu suchen? Wir können ihn entfernen, aber die Verwaltung duldet ihn. weil sie ihn benutzen will, um die Armen fortzuscheuchen, damit diese das Obdach nicht zu sehr belasten. Man bezieht sich auf Gesetze aus uralter Zeit, wonach der Beamte da sein muß; dann müßten aber wenigstens zwei städtische Beamte mit ihm in seinem Bureau zusammen arbeiten, dann würden solche Dinge nicht vorkommen. Aber das Kuratorium hat keine Kommission gewollt, man lehnte unseren Antrag ohne Debatte ab, da blieb uns nichts übrig, als ans Plenum zu gehen. Lehnen Sie ihn auch ab, dann wird es draußen nicht besser, sondern noch schlechter werden. Die jahrelangen Hauereien und Prügeleien da draußen sind gleichfalls Beweise für die Unfähigkeit der jetzigen Verwaltung. Prügelszenen sind noch im vorigen Dezember gewesen; der Kriminalbeamte soll sogar selbst geschlagen haben. Die Obdachlosen zum Zeugnis zu vermögen, ist sehr schwer, zumal die Ueberweisungen an die Landespolizeibehörde immer über ihnen hängt. Redner führt noch eine Reihe weiterer Beispiele an. Das Kalefaktorenwesen sollte abgeschafft werden, es steht aber immer noch in Blüte. Die Obdachlosen bekommen nicht die 200 Gramm Brot, die ihnen zustehen, die Stücke wiegen weniger; ein solches, welches ich abgewogen habe, wiegt 160 Gramm; ich lege es hier auf den Tisch des Hauses nieder. Nur an einem Abend soll das Stück größer gewesen sein, nämlich als Stadtrat Fischbeck da war.(Hört I hört! und fortdauernde Unruhe.) 40 Gramm weniger an einem Stück sind an einem Tage 320 Pfund Brot im ganzen weniger, als gegeben werden soll. Die plötzlichen Revisionen sind ja nicht mehr möglich; wir dürfen ja nicht hinein, wir können diese Dinge nicht feststellen. Wenn wir uns nur in der Gegend des Obdachs sehen lassen, so wird sofort signalisiert, dann heißt es: Augustin und Hoffmann sind da!(Heiterkeit.) Es wird n. a. auch geklagt über die schlechte Bezahlung und Behandlung der Hausdiener. Sorgen Sie vor allem dafür, Wandel zu schaffen in der Verivaltung, dann.werden solche abscheulichen Zustände nicht möglich sein!(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Stadtrat Fischbeck: Die Starionierung des Kriminalbeamten ist in der Geschäftsordnung für das Obdach ausdrücklich vorgeschrieben. Die polizeiliche Verwarnung ist Voraussetzung einer event. Be- strafung wegen Obdachlosigkeit. Am 10. September erzählte mir der Inspektor, daß Kriminalbeamte draußen gewesen seien in einer Untersuchung gegen einen Beamten. Am 13. berichtete mir nicht die Hebamme, sondern eine Pflegerin auch von der Sache, ich gewann den Eindruck, daß an derselben etwas sein könnte, und er- langte sofort vom Geh. Rat Dieterici im Polizeipräsidium die Ab- berufung des Kallmeyer. An: folgenden Tage erhielt ich von einer anderen Dame noch weitere Nachrichten, aus denen hervorzugehen schien, daß es vielleicht doch an nicht rechtzeitiger Meldung lag, wenn etwas Ungehöriges geschehen war. Der Inspektor wurde zum Bericht aufgefordert. Am Abend des 13., als Herr Hofftnamr draußen war, war die Sache ganz erledigt, Herr Hoffmann kann also kein Verdienst für sich hierbei in Anspruch nehmen. Seinen Bericht zu vervielfältigen, hatte ich keine Veranlassung; er hatte ja gar nichts zufällig entdeckt, sondern ist mit dem Vorsatz hingegangen, die rhm mitgeteilten Dinge„festzustellen". Das Interessante ist, daß Herr Hoffmann dieselbe Frau vernomnien hat, die vorher bei ihm gewesen war I Ein Kuratoriumsmitglied, das auf Ordnung hält, härte die Frau sofort zu mir schicken müssen. (Lebhafte Zustimmung.) Was von feiten der Verwaltung geschehen konnte, ist geschehen; was soll da noch ein Ausschuß? Auch gegen unsere Beamten ist die Untersuchung im Gange. Und hat der Herr Kallmeyer etwa mit seiner Handlung einen„polizeilichen Uebergriff" begangen? Davon kann doch gar keine Rede sein. Stadtv. Eckard(A. L.) tritt lebhaft für die Verwaltung und gegen den Antragsteller in die Schranken. Der Vorgänger Hoffmanns, Heimann, habe in seiner sachlichen Weise in dem Kuratorium viel mehr gewirkt, als der zu Uebertreibungen neigende Hoffmann. Der Inspektor Ulrich sei allerdings nicht ganz reinzuwaschen: er habe die Sache für Klatsch obdachloser Weiber gehalten. Auch der Fall Kullmaher sei gründlich besprochen worden. Falsch sei es allerdings, den Herren Augnitin und Hoffmann den Besuch des Obdachs zu untersagen; Herr Fischbeck aber habe trotzdem das volle Vertrauen des Kuratoriums und der Alten Linken; er beantrage einfache Tages» ordnung. Dieser Antrag wird vom Stadtv. Cassel bekämpft; Stadw. E ck a r d zieht ihn zurück. Stadtv. Zahnarzt Dr. Ritter(Fr. Fr.) hält däfür, daß Herr Hoff- mann auch diesen Vorfall nur agitatorisch aufbauschen und ausnutzen wolle, und freut sich sehr, daß der Stadtrat Fischbeck den Herren Hoffmann und Augustin die Revision des Obdachs untersagt habe. Stadtv. Hoffnian»: Auf Grund welchen Gesetzes wir den Kriminal- bcamten dulden müssen, hat Herr Fischbeck nicht nachgewiesen, auch nicht sich darüber geäußert, warum wir keine städtischen Beamten neben ihn setzen. Es war also keine Hebamme, sondern eine Pflegerin; nun, es ist doch schon ein nettes Zugeständnis. daß Herr Fischbeck nicht von dem Inspektor, sondern von anderer Seite unterrichtet wurde! Am 13. soll alles erledigt gewesen sein— ja wohl, auch die Vertuschung und die Verlotternng in unserer Verwaltung, wenn wir nicht dazwischen gekommen wären; und das ist es, was den Herren unangenehm ist. Herr Fischbeck meint, ich hätte vieles gemeldet, was nachher nicht als wahr sich erwiesen hat— einen Beweis dafür hat er nicht angetreten. Es handelt sich hier doch auch um Mißbrauch der Amtsgewalt, dagegen müssen Vorkehrungen getroffen werden. Herr Eckard singt ein Lob- lied auf Herrn Ulrich und vergißt ganz, daß der Etatsausschuß den Oberbürgermeister zur Entfernung dieses Beamten aufgefordert hat! Herr Eckard hat mir seinerzeit gesagt: Wir müssen gründlich aufrämnen im Obdach, Kollege Hoffmann I Und heute hat er nicht den Mut, dafür einzutreten. Auch Heimann ist im Kuratorium so rabiat gewesen, daß ein Vorsitzender deshalb sein Amt niederlegen wollte!(Hört! und Bewegung.) Herr Fischbeck will alles allein machen und die Kuratoriumsmitglieder nur alt Laufburschen benutzen.(Gelächter.) Die Brotverteilnng wird nich besser trotz aller Beschwerden— und soll ich an die Leiche im Bxel- wagen erinnern? Herr Ritter meint, es habe keine Notzucht, sontach, chronisches Einverständnis vorgelegen; na, Herr Ritter, den �ent- lassen Sie sich ziehen I(Stürmische Heiterkeit.) Es ist jcs entwunderbar, daß der Beamte ohne Begleitimg in den Baderazierten) Frauen hineingehen kann, wann es ihm paßt. Den Fall Ben Ver- habe ich angezogen auf einen abstreitenden Zuruf dee Draht- Eckard. Herr Behrendt fühlt sich gar nicht so nnschullqhmefähig seit zwei Sitzungen hier auf der Galerie, das schlechten, mußte, hat ihn hergetrieben!(Große Unruhe; der V o r st e h gx Errichtung Redner zur O r d n u n g.) Ich könnte ja die Dinge. p«, Thiel bortragen(Stufe: Steht, nein!), da hören Sie es ja: Stein, nein! Wir werden immer wieder mit diesen Dingen kommen, bis Abhülfe geschieht! Stadtv� Cassel(A. 8.): Niemand wird wünschen, daß der Schuldige, wenn eine Schuld festgestellt wird, der Bestrafung entgeht, aber die Sache ist ja in Untersuchung, und die Stadt kann nicht dafiir, wenn sich unter den Beamten einmal ein räudiges Schaf findet. Auch ist nichts vertuscht worden; der Magistrat hat seine volle Schuldigkeit getan. Der Redner nimmt dann unter scharfen Ausfällen auf Hoffmann die Person des Professors Behrendt nachdrücklich in Schutz, zieht außerdem zum Beweise dafür, wie bedenklich es sei, die Autorität der Beamten diesem schwer zu behandelnden Menschenmaterial gegen- über zu erschüttern, eine Zeitungsnotiz heran. wonach gestern im Obdach auf der Weiberstation wüste Szenen anläßlich einer Ge- burtstagsfeier stattgefunden hätten. Man solle nicht gegen die Per- waltung hetzen; eS müsse dann ja jede Disziplin verloren gehen. Redner bringt schließlich den von Buchow(Fr. Fr.), Rosenow(N. 8.) und Deutsch(soz.-fortschr.) unterstützten Antrag ein: In Erwägung, daß nach den von dem Kommissar des Ma- gistrats abgegebenen Erklärungen alles zur Aufrechterhaltung einer ordnungsmäßigen Verwaltung im Obdach Notwendige erfolgt ist. und im Vertrauen, daß dies auch in Zukunft geschehen wird, über den Antrag Antrick zur Tagesordnung überzugehen. ES fei für die Versammlung eine sittliche Notwendigkeit, damit die Hetzereien gegen die Verwaltung abzuschwächen. Stadtv. Rugilstm(Soz.): Wenn es Ihnen so ergangen wäre wie uns, so würden auch Sie in Ihrem Vertrauen zur Obdach- Verwaltung erschüttert worden sein. Die bürgerlichen Herren Kollegen weigern sich ja, uns am frühen Morgen, etwa um 6 Uhr, hinaus- zubegleiten, das sei ihre Schlafenszeit.(Heiterkeit.) Wir bringen ja nur den zehnten Teil dessen vor, was uns zugetragen wird, und auch erst, nachdem wir uns überzeugt haben, daß etwas Wahres daran ist. Herr Eckard entrüstet sich heute über die Heranziehung des Falles Behrendt; mir ist die Sache z» delikat, um die Worte hier zu wiederholen, die gerade Herr Eckard im Kuratorium zu diesem Falle geäußert hat. Und als es sich um ein Fürforgemädchen handelte, das 17 Monate geschlechtskrank war und nicht geheilt war, sagte Kollege Daber: So etwas kann auch nur bei Professor Behrendt vorkommen I(Hört! hört!) Stadtv. Stadthagen(Soz.): Wir beantragen kein Mißtrauens- Votum gegen den Magistrat, sondern wir bitten um Borkehrungen zur Verhinderung polizeilicher Uebergriffe für die Zukunft. Diese Angelegenheit ist jahrelang im 5luratorium Gegenstand der Verhandlung gewesen. Die Institution des Kriminalbeamten im städtischen Obdach muß beseitigt werden und es ist zu prüfen, ob nicht im Interesse sozialer Fürsorge der eminenten Hinderung, welche diese unglücklichen Elemente in ihrem ferneren Fortkommen durch die Polizei finden, ein Ende gemacht iverden muß. Das Reglement von 1832 mit Gesetzeskraft gibt keinem Unter- veamten die in Anspruch genommenen Rechte; die höhere Behörde, der Polizeipräsident, hat das persönlich vorzunehmen; Polizei- leuttiant und Wachmeister sind keine„Behörden". Wenn jener persönlich die Verwarnung vorzunehmen hätte, so würde sie anders ausfallen. Ist das kein Uebergriff. daß ein ganz untergeordnetes Polizeiorgan da hineingesetzt wird? Sehen Sie fich auf den» Alexanderplatz an, wie die Leute zu 20, 30 vorgeführt iverden und vom Einzelrichter abgeurteilt werden! Absolut Unschuldige sind da verwarnt worden, durchgereiste Handwerksburschen u. a. Da ist es unsere Pflicht, die Leute nicht noch tiefer ins Elend hineinzustoßen; und daß uns da die Polizei hindernd im Wege steht, hat das Kura- torium 1893 einstinimig anerkannt. Daß der Magistrat nichts tun könne, ist eine irrige Ansicht. Die Polizei hat abgelehnt, das Obdach auf Polizeikosten zu übernehmen. Wenn wir sehen, bis zu welchem Grade, bis zum Verdacht von Verbrechen solche Polizei- lichen Uebergriffe stattfinden, müssen wir nochmals die Gelegenheit ergreifen, auf Abhülfe hinzuarbeiten. Bezüglich der verheirateten Frauen haben wir, Kollege Heimann und ich, es im Kuratorium damals durchgesetzt, daß diese nicht mehr durch solche unter- geordneten Organe verwarnt wurden, und wir haben brillante Resultate damit erzielt. Die Rücksicht auf Ruhestörung kann auch die Anwesenheit der Polizei nicht niotivieren. Lehnen Sie daher den Anttag Caffel ab, dringen Sie mit uns auf erneute Prüfung der Sache! Scheint Ihnen die Sache juristisch zweifelhaft, so ist doch Ausschußberatung um so mehr angezeigt. Waren wir Herren im eigenen Hause, so hätte ein solcher empörender Fall sich nicht ereignen können; es liegt ein unglaublicher Uebergriff gegen die Selbstverwaltung in unserem eigenen städtischen Gebäude vor und den sollen wir'wehrlos hinnehmen? Darauf wird ein Schlußantrag angenommen. Persönlich bemerkt Stadtv. Hoffmann: Herr Cassel wirst mir bor, daß ich den Fall Behrendt zur Sprache gebracht habe. Ich habe nur darauf reagiert, als mir Herr Eckard zurief, ich hätte die Unwahrheit gesagt, als ich die GeschlechtSkranken-Station erwähnte. Das Kuratorium ist seinerzeit einstimmig meinem Bericht über Herrn Behrendt beigetreten. Dem Vorwurf der Hetzerei, den uns Herr Cassel macht, setze ich den Vorwurf der Vertuschungspraxis entgegen. Nach weiteren persönlichen Bemerkungen der Sladtvv. Cassel und Friedemann(soz.-fortschr.) wird der Antrag Cassel und Genossen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten a n- genommen. Die Bemühungen des Stadtv. Wallach, das Reglement für die städtische Fcucrsozietät von 1794 dahin zu ändern, daß bei Neubauten, die im Laufe des am I.Oktober beginnenden Geschäftsjahres der Sozietät aufgenommen werden, nicht der volle Jahresbeitrag, sondern der Beitrag nach Ouartalen zur Erhebung gelange, sind auch in Iviederholter Ausschußberatung nicht von Erfolg gekrönt worden. Es soll vielmehr, um den be- treffenden Besitzern entgegenzukommen, bei dem Magistratsantrage verbleiben, wonach diese Neubauten erst vom Beginn de» neuen Geschäftsjahres in die Sozietät aufgenommen werden und die vorher erfolgten Taxaufnahmen für das laufende Geschäftsjahr Rechte und Pflichten weder für den Eigentümer noch für die Sozietät begründen sollen. Die Versammlung tritt ohne Debatte den Ausschuß- Vorschlägen bei. Das Terrain zlvischen Prenzlauer Allee, W in s- und Greifswalderstraße gehört in weiter Ausdehnung denGilka- Bötzowschen Erben. Diese hatten einen Teil davon durch Anlegung zweier neuer Straßen 2ga und 29b aufschließen wollen und die bezüglichen Anträge bei der Stadt gestellt. Die Versammlung hatte aber geglaubt, bei dieser Gelegenheit auf die endliche Regulierung der Greifswalderstraße, an deren Ostseite ebenfalls das Gelände sich zum großen Teil in denselben Händen befindet, hin- wirken und auf die Besitzer einen gelinden Druck ausüben zu können, indem sie beschloß, ihre Zustimmung zur Borlage von der unent- geltlichen Abtretung des zur Regulierung erforderlichen Terrains abhängig zu niachen. Inzwischen hat sich � in aller Eile das Bild gänzlich verschoben: Die Gilka-Bötzowschen Erben haben das fragliche Terrain verkauft und jetzt steht den Gemeindebehörden plötzlich die Terrainaesellschaft Groß» Berlin(Gesellschaft mit beschränkter Haftung) gegenüber, welche selbstverständlich jene Bedingung nicht erfüllen kann! Im Ausschusse hat man nach erneuter Berattmg sich jetzt auf die ursprüngliche Magistratsvorlage zurückgezogen, sogar die Forderung eines Schul- grundstücks fallen lassen und sich darauf beschränkt, in einer R c- solution den Magisttat zu ersuchen, auf möglichst schleunige Freilegung und Regulierung der Greifswalderstraße Bedacht zu nehmen. Die Ausschußvorschläge gelangen ohne Debatte zur Annahme. Daß die ftüher von der Versammlung abgelehnte Titulatur „Magistratsbaurat" nun doch in die Erscheinung tteten soll. haben wir bereits mitgeteilt. Es sollen 20 Stadtbauinspettoren, vornehmlich solche, die bereits S Jahre im städtischen Dienst stehen, mit diesem Titel ausgestattet werden. Der Stadtv. Stapf(A. L.) hat mit Unterstützung der ge- samten Versammlung folgenden Antrag gestellt: Die Versammlung ersucht den Magistrat, zu Schillers hundertjährigem Todestage eine Feier vorzubereiten; sie sieht einer Borlage über die in Aussicht zu nehmenden Ver- anstaltungen sowie der Nachsnchung der erforderlichen Geldmittel entgegen. Stadtv. Stapf: Der von der ganzen Versammlung einmütig gestellte Antrag will, daß auch Berlin sich an einer würdigen Schiller-Feier am hundertjährigen Todestage beteilige, wie sie nicht bloß in Deutschland, sondern auch in Oesterreich und soweit die deutsche Zunge klingt, geplant wird. Wenn auch die Schillerbegeifterung nicht mehr so stark ist wie 1859, so ist doch neuerlich die Würdigung Schillers wieder im Steigen begriffen. Im Mai 1804 war Schiller in Berlin; daß Berlin keine Schillerstadt wurde, lag nur an seinem frühzeittgen Tode. Ohne weitere Debatte Ivird der Anttag angenommen. Schluß Ve9 Uhr. Gcwcrhrcbaftlicbcö. (Siehe auch 1. Beilage.) Die Aussperrung der Tischler. Die Vertrauensmänner des Holzarbeiter- Verbandes waren gestern abend in einer Anzahl von etwa 3000 im Saale der Brauerei Friedrichshain versammelt. Ueber die gegenwärtige Situation der Aussperrung machte der Referent©t tische unter anderem folgende Angaben: Seit der letzten, vor zwei Wochen abgehaltenen Verttauensmännerversamm- lung sind 296 Kollegen ausgesperrt worden. Die Gesamtzahl der Ausgesperrten ist damit— soweit es sich um Verbandsmitglieder handelt— auf 1057 gestiegen. Von den Ausgesperrten sind aber 139 wieder in Arbeit getteten(davon sind 37 selbständig geworden), so daß also zurzeit 868 cmsg.esperrte Verbandsinitglieder vorhanden sind. Streikende, die zur Abwehr der Aussperrung die Arbeit niederlegten, sind seit der vorigen Versammlung 113 hinzugekommen, 119 haben anderweitig Arbeit geftiuden, die gegenwärtige Gesamtzahl der Stteikenden beträgt 801. Ferner sind noch 233 Stteikende vorhanden, die schon vor der Aussperrung in den Ausstand traten. In Weißensee sind 55, in Rirdorf 21 ausgesperrt und im Sttcik. Außerdem sind durch die Aussperrung und den Stteik betroffen: 270 Polierer, 140 Maschinenarbeiter, 91 Mitglieder des Fachvereins, 60� vom Gewerkverein, 20 vom christlichen Verband. So ergibt sich also eine(Gesamtzahl von 2559 Ausgesperrten und Streikenden aller beteiligten Organisationen. Rechnet man hierzu noch die 485 arbeitslosen Mitglieder des Holz- arbeiter-Verbandes sowie 1052 streikende Klavierarbeiter(Holz- arbeiter-Verband, Fachverein und Gewerkvereins, so sind alles in allem 4596 Arbeiter der Holzindustrie durch Arbeitslosigkeit, Streik und Aussperrung ohne Beschäftigung.— Weiter führte der Redner aus, daß die Aussperrung zwar nicht den Ilmfang angenommen habe, den die Meister beabsichtigten, aber die Aussperrung nehme doch langsam zu, und es könne, wohl noch längere Zeit so weiter gehen. Die Meister äußerten in der„Fachzeitung", daß sie den Kampf bis in den Januar ausdehnen wollten. Die Konjunktur, die ja jetzt all- mählich abflaut, erleichtere ihnen in mancher Hinsicht diese Absicht. Mit Rücksicht darauf müsse auch der Verband seine Taktik bestimmen. Hierauf gab Glocke einen allgemeinen Ileberblick über den seitherigen Verlauf des Kampfes. Er zeigte, wie sich die Unter- nehmer fortgesetzt bemühen, unzutteffende Tarstellungen über die Ur- jachen der Aussperrung in die Oeffentlichkeit zu bringen, um Stimmung zu machen für ihr unbegründetes Vorgehen. Es müsse demgegenüber immer wieder betont werden, daß die Arbeiter nichts weiter fordern, als die Gewähr ihres bisherigen Verdienstes bei nicbt durch zwingende Ilmstände an Berlin gebunden sind.eniadgoiatg Akkordarbeiten. Da dieser Kampf noch längere Zeit dauern werde, so schlage die Ortsverwaltung vor, daß alle ledigen Kollegen, sotoeit sie nicht durch zwingende Umstände an Berlin gebunden sind, ab- reisen. Reisegeld würde ihnen gewährt, und der Verband werde auch Möglichkeit für Arbeitsvermittelung nach außerhalb Sorge tragen. Ferner empfiehlt die Ortsverivaltung, daß zur materiellen Unter- stützung des Kampfes der wöchentlich« Be i t r a g von 60 Pf. auf 1 M. erhöht werde.— Dieser Anttag fand lebhasten Beifall und wurde von verschiedenen Redner befürwortet. Mehrere erklärten sich sogar bereit, 1,50 M. zu zahlen, sie stellten einen Antrag in diesem Sinne, die Lrtsverwalhmg erklärte jedoch, daß ein Beitrag von 1 M. ausreichend sei.— Der Antrag der Ortsvewal- tung würge denn auch ein st immig angenommen. Weiter beschloß die Versammlung, daß die Arbeitslosen ihre Unter- stützung während der ganzen Dauer des Kampfes erhalten. Auch damit erklärte sich die Versammlung einverstanden, daß die Ledigen Berlin zu verlassen haben. Hierzu wurde noch be- schloffen, daß auch die in Arbeit stehenden Ledigen sowie die Kollegen, welche in diesem Jahre erst zugereist sind, ebenfalls zur Abreise be- wegt werden sollen. Alle Redner, die das Wort nahmen, bekundeten einmütig, daß den Kollegen kein Ovfer zu groß ist, um den gegen- wältigen Kampf zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Letzte Nachrichten und Depetchen. Offcnbach a. M.» 1(1. November.(Privatdepefche de» „Vorwärts".) Nach unerhörtem wocheulangcin Kampfe glänzender Sieg. Trcizehn Sozialdemokrate» wurden heute ins Stadtverordneten-Kollegium gewählt. Es war ein Klassen- kämpf in reinster Form; alle Parteien stimmten geschlossen gegen uns. Ta die Sozialdemokratie von den 39 Mandaten jetzt 25 besitzt, verfügt sie über die Mehrheit im Stadt- verordneten-Kollegium._ Der französisch- englische Vertrag n»d der Weltfrieden. Paris, 10. November.