Ur. S68. Hbonnemcnts-Bf dingungen; TOäonnemcntS- Preis pränumerando i Viertel! ährl. 3#) Ml, monatl. 1,10 Ml, loöchelltSch 28 Psg, frei ins HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- nummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Neue Welt» 10 Pfg. Post- «donncment: 1,10 Marl pro Monat. «wgekagea in die Post-Zeitungs« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 8 Marl, für das übrige Ausland 8 Marl pro Monat, S1. Jahrg. ©Mulnt kgli» auiXr ll!»i>Ii>g». Derlinev VolklSbleekk. Tentralorgan Äer fosialctemokratifcken Partei veutfcklanäs. vi« inleftlong-Seböhf beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- geile oder deren Rauin 40 Pfg., für politische und gewerlschaftstche Vereins. und Bcrsamnilungs-Anzcigcn 25 Pfg „kleine Anreizen", das erste ssett gedruckte) Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer niiisscn bis 5 Uhr nachmittaa? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. lagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: „S«zlalil(iMKrat Btrlln". Rcdahtions 8M. 68, Lindcnstraesc 69. Kerufprecher: Amt IV. Nr. l»«». Sonntag, den 13. November 1904. Expedition: 8Al. 68, �.lndenstrasse 69. Fernsprecher! Amt IV. Nr. tS8I. Teffendorffs Ersatzmann. (ZehnJahrepreuhischerJilstizminister' Herrlichkeit.) Heute, am 13. November ISv-t, sind es genau zehn Fahre, dasz Herr Dr. Schönstedt als Minister an der Spitze der preußischen Justizverwaltung steht. Seine Freunde lverdcn den Tag festlich be- gehen. Aber auch wir Sozialdemokraten haben keinen Grund, die Erinnerung an die Zeit zu scheuen, da er ward. Die Sozialdemo- kratie kann heute auf zehn Jahre preußischer Rechtsprechung zurück- blicken, wie sie zuvor nie schlimmer erlebt worden sind— aber diese zehn Jahre sind für sie auch Jahre steigender Erfolge und erhöhter Genugwung geworden, während es für Herrn Schönstedt erst vor kurzem schien, als ob er nach den Tagen von Königsberg unter der Heiterkeit Europas vom politischen Schauplatze abziehen sollte. Jetzt haben freilich jene zynischen Kenner der preußischen Zustände recht behalten, die schon damals sagten, daß ein preußischer Minister an so etwas nicht stirbt. Herr Schönstedt hätte schon vier Wochen nach seinem Amtsantritt ein toter Mann sein müssen, wenn es für einen preußischen Minister Niederlagen gäbe, die tödlich sind. Herrn Schönstedts Mnistcrschaft'ist das kleinste Kind einer großen Zeit. Damals, im Herbst 1894, als an CapriviS Stelle Hohenlohe, an die Stelle Eulenburgs Herr v. Koeller seligen Angedenkens traten und die Wetter der Umsturzvorlage drohend heraufzogen, sah sich der herrschende Kurs auch nach einem neuen Handlanger der Justiz um, von dem eine straffe Handhabung der geplanten Gesetze zu erwarten wäre. Herr v. Sch ellin g, der Sohn, berühmter als Ankläger Ferdinand LassalleS denn als Justizminister, war bedenklich alt geworden. Der Kaiser, so wußte damals wenigstens das.Deutsche Wochenblatt" zu erzählen, hatte wiederholt veranlasiung genommen, seinem Befremden über die wenig st raffe und schneidige Rechtsprechung, besonders in politischen Prozessen, Ausdruck zu geben. Er glaubte dies auf einen Mangel an Energie in der obersten Justizverwaltung zurückführen zu müssen und wurde von Herrn v�» Koeller in dieser Meinung bestärkt. Es war kein anderer als der große Staatsanwalt des Sozialistengesetzes, der von Bis- marck als stets zuverlässig bezeichnete Herr v. Tefsendorff, der zum Nachfolger v. Schöllings auSersehen war. Tefsendorff aber, dem seine zahllosen Verdienste um die preußische Staatsrettung schon zur Würde eines Ober-Reichsanwalts verholfen hatten, lehnte ab Und so verfiel man auf den recht unbekannten, mehr durch Treue und Gehorsam als durch übermäßige GeistcSgabcn ausgezeichneten Oberlandesgerichts-Präsidenten von Celle, Dr. Schönstedt. Der mischeinbare Herr Dr. Schönstedt, der dazu ausersehen war, unter einem neuen Sozialistengesetze die preußische Justiz zu regieren, wuchs zusehends mit seinen höheren Zwecken. Die neue Aera kündigte sich sofort damit an, daß die schwebenden Strafverfahren gegen die Genossen Reichstags- Abgeordneten Schippe! und Stadthagen fieberhaft beschleunigt und damit der gute Zweck erreicht wurde, die rote Fraktion während der Beratung der Umsturz- Vorlage um zwei Mann zu schwächen. Dies war der erste Streich, aber schon der zweite gelang vorbei. Am 6. Dezember 1894 wurde der Reichstag wieder eröffnet und zog in den neuen Bau vor dem Brandenburger Tor ein. Der vorläufige Präsident v. L e v e tz 0 w hielt bei dieser Gelegenheit eine Rede, die mit einem Kaiserhoch schloß. Alle Mitglieder erhoben sich und stimmten� ein, nur die anwesenden sozialdemokratischen Ab- geordneten blieben stumm sitzen. Für die Rechte war das ein Anlaß, ihrer patriotischen Lungenübung sofort ein tosendes Geheul folgen zu lasten, und Herr v. Levetzow erklärte, er könne nur be- dauern, daß er lein Mittel habe, ein derartiges Verfahren zu rügen. Damit meinte er aber nicht die von der Rechten aufgeführte Nacht- cafö-Szene, sondern das ruhige Verhalten der sozialdemokratischen Fraktion. Dieses zu motivieren, fühlte sich nun Genosse Singer veranlaßt und es entwickelte sich dieses Zwiegespräch, das wir nach dem stenographischen Protokoll des Reichstags wiedergeben. Abgeordneter Singer: Herr Präsident, ich bitte um die Erlaubnis, gegenüber den soeben gehörten Bemerkungen ebenfalls eine Bemerkung machen zu dürfen inid dem Hause zu erklären— und zwar kann ich das namens meiner Fraktion—, daß wir uns nun und nimmer dazu verstehen und zivingen lasten werden, ein Hoch auszubringen auf jemand, der gesagt hat-- sLebhafte Unruhe. Glocke des Präsidenten.) Präsident: Herr Abgeordneter, ich kann nicht zulassen, daß Sie die Person Seiner Majestät des Kaisers in die Debatte ziehen. Abgeordneter Singer: Ich muß mich dem Gebot des Herrn Präsidenten fügen, erkläre aber, daß gegenüber Umständen, wonach in Aussicht gestellt ist. szu befehlen, daß die Soldaten. die Söhne des Volkes in Uniform (Ohol rechts.) ?uf ihre Brüder. Väter und Mütter schießen müssen, und gegen- über der Thatsache. daß wir im Reichstage mit einer Umsturz- Vorlage zu rechnen haben, die sich gegen uns richtet, wir eS mit unserer Ehre und Würde nicht vereinbar erachten, uns an solchen Hochs zu beteiligen. «Bravo! bei den Sozialdemokraten.— Oho! Pfui!) Das war am 6. Dezember. Nach vier aufgeregt geschäftigen Arbeitstagen de» Justizministeriums aber, am lg. Dezember 1894. konnte Wolffö telegraphisches Bureau bereits verkünden: Berlin, 10. Dezember. Der Reichskanzler hat dem Präsidenten des Reichstages einen Antrag des Ersten Staatsanwalts beim Landgericht Berlin I. übermittelt, in welchem die Herbeiführung der Genehmigung des Reichstages zur strafrcchtlicheii Berfolgung dcrjmigea sozialdemokratischen Reichstags-Abgeordneten nachgesucht wird, die in der Sitzung vom 6. d. M. bei dem Hoch auf Seine Majestät den Kaiser sich nicht von ihren Plätzen erhoben haben. Die Anklage wird auf Majcstätöbeleidigung lauten. Es war zunächst Genosse Liebknecht, der zum Opfer für Herrn Schönstedts Eifer erkoren wurde. Von dem Antrag, der seine Auslieferung forderte, mußte sogar die.Kölnische Zeitung" sagen, die juristische Konsttuktion, die zu dem Antrage geführt habe, sei eine Glanzleistung juristischer Findigkeit im Auslegen von Ver- fassungsbestimmungen. Sie halte sich an den Buchstaben, um den Geist zu töten. Man operierte nämlich mit dem köstlichen Einfall, daß Sitzenbleiben keine„in Ausübung des Berufes getane Aenßernng", wie sie der Artikel 3g der Verfassung' vor strafrechtlichen Ver- folgungen sicherstelle.- Die Mehrheit des Reichstags konnte auf diese Zumutung, ihre Immunität preiszugeben, unmöglich eingehen. Ain 16. Dezember ttrat denn der Reichstag auch in die Beratung einer KommissionS- Vorlage ein, die die Ablehnung des Strafantrags beantragte. Das gab dem neuen Herrn der preußischen Justizverwaltung Anlaß, seine' ersten parlamentarischen Triumphe zu feiern. Nachdem er— ganz ä la Königsberg— erklärt hatte, er wolle sich jeder Beeinflussung der Richter ent- halten, schleppte er— wieder ganz ä la Königsberg— Belastungsmaterial gegen die Angeklagten und reichsgerichtliche Ent- scheidungen herbei, um dem Reichstag seine Forderung schmackhaft zu machen. Dabei verstteg er sich zu der juristisch wirklich unglaub- lichen Behauptung, die Auslegung des Artikels 8g der Reichs- Verfassung könne für die Entschließung und Abstimmung des Reichs- tages nicht maßgebend sein, denn„die maßgebende endgültige Ans- legung dieses Paragraphen" sei„lediglich Sache der Ge- r i ch t e I" Herr Schönstedt schloß: ... Die Reichsverwalwng, die dazu berufen ist, die Würde und Achtung vor Seiner Majestät zu schützen, mußte sich die Frage vorlegen, meine Herren, ob der Versuch mit Aussicht auf Erfolg gemacht werden könne, beim Reichstag die Genehmigung zur Straf- Verfolgung zu beantragen. Den Versuch haben w i r gemacht; wie der Erfolg sein wird, steht dahin. Die Verantwortung für den Antrag, wie er von uns gestellt worden ist, werden wir tragen. Aber daß ein Eingriff in die Jnimnnität der Abgeordneten de« Reichstages in Frage komme, glaube ich mit voller Bestimmtheit verneinen zu müssen? es kann nicht davon die Rede sein, solange es sich bloß darum handelt, ob die beantragte Verfolgung statt- finden kann, ob sie stattfinden soll, ob sie sofort stattfinden soll. Der freisinnige Abgeordnete Rickert zeichnete mit glücklicher Hand das Bild des neuen JnstizministerS, indem er ihm wie folgt erwiderte: Meine Herren, der Herr Justizminister hat uns erklärt, er sei nicht in der Lage, in eine derartige Frage als Vertreter der Re- gierung sich zu mischen; als Chef der preußischen Justiz sei es ausgeschlossen, daß er sachlich hier zu der Frage selbst Stellung nehme. Gleichwohl, meine Herren, war es nicht ausgeschlossen, daß der Herr Justizminister ein Erkenntnis des Reichsgerichts hier zitiert hat, welches sachlich Stellung nimmt... Nun, meine Herren, hier handelt eS sich doch um einen politischen Akt der preußischenStaatSregierung ... Und da macht es sich in der Tat eigentümlich, wenn der Herr Justizminister jetzt so tut. als ob er ganz neutral in der Sache sein kann, als ob er weiter nichts ist, als der gehorsame Diener des Staatsanwalts, den er selbst doch wohl hat anweisen müssen. Darauf antwortete der neue Mann sehr erregt, die Rolle, die er bei der Sache spiele, sei eine Angelegenheit der internen Ver walwng. und verkroch sich vor der Frage, ob der Staatsanwalt auf seinen Antrieb vorgegangen sei— natürlich unter lebhasten Bravo- rufen der Rechten— hinter sein Amtsgeheimnis. Das gab dem Genossen Bebel Veranlassung, den einfachen Sachverhalt nochmals festzustellen: Die preußische Regierung einschließlich de? Herrn Justiz- Ministers hat zunächst über die Erhebung der Anklage beraten, und sie ist schlüssig geworden, sie zu erheben, nachdem der Herr Justiz- minister als Sachverständiger sein Placet dazu gegeben hat. Der Herr Justizminister widersprach nicht mehr. Nach Bebels Rede wurde der Kommissionsanttag, die Verfolgung Liebknechts abzulehnen mit 168 gegen 68 Stimmen angenommen. Nur die Mirbach. Manteuffel, Gamp. Stumm und Genossen leisteten der Regierung Heerfolge. Herr Dr. Schönstedt hatte seine erste Ministerblamagc erlebt l Bald darauf fiel auch das Schmach- gcsetz. zu dessen Vollstreckung der neue Justizminister berufen war. »* Dem zufälligerweise stehengebliebenen Justizminister der um- gestürzten Umsturzvorlage ist das Schicksal, das ihn bei seinem ersten Austreten begleitete, allezeit treu geblieben bis Königsberg und bis zum„mindergeglückten" Knebelgesctz wider die ländlichen Arbeiter. Herr Dr. Schönstedt ist der Ministor. der in zehn Jahren seiner Amts- tätigkeit keine Gesetzesvorlage durchgebracht hat und dessen große Aktionen immer schmählich mißglückt sind. Desto eifriger hat er's im kleinen getrieben, die Jahrhunderte von Freiheitsstrafen, die unter seiner Regierung über Sozial- demokraten verhängt worden sind, zeigen in der Tat, was Energie an der obersten Justtzstelle für»ine straffe und schneidige Recht- sprechung besonders in politischen Prozessen zu leisten vermag. Den ungeheuren Aufschwung der Sozialdemokratte hat freilich auch Teffendorffs Ersatzmann nickt zu verhindern vermocht. Aber wenn das Rechtsempfinden des deutschen Volkes heute bis zur Schmerz- haftigkcit gesteigert ist. wenn sich die Meinungen über das Ansehen, das die preußische Justiz verdient, in den weitesten Kreisen geändert haben, und weim im VollSbewußtsein, das freilich nach wenig Aus- ficht hat, in Reichstags-Beschlllssen in Erscheinung zu treten, die Notwendigkeit einer tiefgreifenden Reinigung der Rechtspflege dring- lich geworden ist, so ist das zum guten Teil sein Verdienst. Und so ist schließlich doch dafür gesorgt, daß die zehn Jahre semer Ministertätigkeit in der Geschichte ihre Stätte finden werden. Das Ergebnis der zweiten Unfallstatistik fnr Land- und Forstwirtschaft. 11. Bei jeder amtlichen Bearbeitung der Unfallstatistik wird auS- drücklich darauf hingewiesen, daß ver Anteil der tödlichen Ver« letzungen an der Summe aller Verletzungen zurückgegangen sei. Diese EntWickelung wird auch durch die vorliegende Statistik be- stätiat. Die Zahl der tödlichen Verletzungen in der Land- und Forst- lvirtschast, für welche zum erstenmal Entschädigungen bewilligt wurden, stellte sich im Jahre 1391 auf 11,23 Proz. aller Verletzungen „» 1901„ 4,95*# ff mithin scheinbar eine sehr günstige EntWickelung. Aber doch auch nur scheinbar. Sobald man die absoluten Zahlen betrachtet, stellt sich das Bild ganz anders. Nach den„Ueberstchten", welche da? Reichs- Ver- sicherimgsamt jedes Jahr veröffentlicht, wurden von den land- wirtschaftlichen Berufsgenossenschaften Entschädigungen ausgezahlt: im Jahre 1891 für 2153 Todesfälle . 1901„ 2751» Die Zahl der Todesfälle ist daher größer geworden, während in derselben Zeit die Zahl der Versicherten, wie wir bereits in unserem ersten Artikel nachgewiesen haben, unverändert geblieben oder, genauer, etwas zurückgegangen ist. Auf 1000 versicherte Personen entfielen denn auch im Jahre 1891... 0,18 Todesfäll« .„ 1901... 0.24„ Das Verhältnis hat sich also erheblich verschlechtert. Be- dauerlich ist cs daher, daß der Bearbeiter der Statistik die Todes- fälle nur in Beziehung auf die Gesamtzahl der Unfälle gekrackt hat. weil durch diese Berechnung jener güiyttge Schein hervorgerufen ist, der zu ganz falschen Schlüffen führen kann, Ein derartiges Miß- Verständnis ist um so leichter möglich, da sowohl in den Tabellen als auch in den„Erläuterungen die Zahl der Todesfälle im Jahre 1391 nicht angegeben, infolgedessen ein Vergleich dieser Zahl mit der Zahl der Todesfälle im Jahre 1901 ohne Zuhilfenahme anderer Publikationen nicht möglich ist. Die Zahl der nicht tödlichen Verletzungen, für welche zum erstenmal Entschädigungen bewilligt wurden, ist noch viel stärker als die der tödlichen gestiegen. Sie stellte sich nach jenen»Ueber- sichten" im Jahre 1891 auf 17 206--- 1,40 pro 1000 Versicherte .. 1901. 53232-- 4.76„. Von denjenigen nichttödlichen Verletzungen in der Land« und Forstivirtschast, für welche im Jahre 1901 zum erstenmal Entschädi- gniigen festgesetzt wurden, hatten zur Folge: eine Erwerbs u n fähigkeit von weniger als 25 Proz.... 22 631 Verletzungen „ 25 bis unter 50„... 18 620„ „ 50.. 75.... 8020 . 75 ,.. 100„ 2 226. . 100 Proz........ 2 689 Die Verletzungen, welche nur eine geringe Verminderung der Erwerbsfähigleit bewirkt haben, sind bei weitem am stärksten ver» treten............ Die Art der Verletzungen war Die Hauptmasse der Verletzungen bilden die Wunden, Quetschungen, Knochenbrüche usw.. von denen die Arme am meisten betroffen worden sind«in 18 957 Fällen), dann die Beine«in 16 806 Fällen), dann der Rumpf«in 10 461 Fällen); in viel geringerem Maße die anderen Körperteile: Kopf und Hal» in 4788 Fällen, mehrere Körper- teile zugleich in 5023 Fällen, der ganze Körper in 251 Fällen. In den anderen Gewerben sind die Wunden, Quetschungen, Knochen- bräche usw. auch sehr häufig, wenn auch nicht ganz so häufig wie in der Land- und Forstwirtschaft. Hervorzuheben ist noch daß die Zahl der versicherungspflichtigen Leistenbrüche von 1891 bis 1901 erheblich zurückgegangen ist. Dieser Rückgang, der auch bei der Gewerbe-Unfallversichernng zu beobachten war. ist im wesentlichen darauf zurückzuführen, daß die Rechtsprechung die meisten Leistenbrüche rncht mehr als Betriebsunfälle anerkennt. -®'e Vertcilung der Unfälle auf die einzelnen Monate wird selbstverständlich in erster Linie bestimmt durch die Gestaltung der Arbeit da rn der Land- und Forstwirtschaft zu gewissen Zeiten eine sehr starke Anspannung der Arbeitskraft stattfindet. ES ist daher begreiflich, daß sich im Jahre 1901 als Monat mit der höchsten Durchschmtts-Tagesunfallzlffer der August, die Zeit der Ernte, ergab. Dann folgt der Juli. September. Januar. Juni. Ottover. Februar, Dezember und November. Mai. März und endlich der April mit der kleinsten Unfallziffer. �- Die Unfallziffer für die einzelnen Tage der Woche stellt sich bei der Annahme, daß auf einen Tag im Durchschnitt deS ganzen wahres ein Unfall kommt, ivie folgt: Die g e r i ii g st e Unfallziffer lveist durchweg der Sonntag auf. Das ist erklärlich, da an diesem Tage die Arbeit eingeschränkt ist. Ja, es ist auffallend, daß trotzdem noch so viele Unfälle, wie sich aus den betreffenden Zahlen in der vorstehenden Tabelle ergibt, an den Sonntagen vorkommen. Mit der h ö ch st e n Unfallziffer steht der Montag da.„Die erhöhte Unfallziffer des Montags", heißt es hierzu in den„Er- läuterungen",„dürfte... auf die Nachwirkungen der sonntäglichen Vergnügungen zurückzuführen sein, insbesondere auch auf die Nach- Wirkung des bei dieser Gelegenheit in weiten Schichten des Ver- sichertcubestandes genossenen Alkohols." Um so notwendiger ist es, daß anch die Arbeiter in der Land- und Forstwirtschaft auf eine immer höhere wirtschaftliche und sittliche Stufe gelangen. Eine höhere Uufallzfffcr haben die letzten Tage der Woche, Donnerstag, Freitag und Sonnabend als der Mittwoch, im Jahre 1901 auch als der Dienstag. Hier macht sich offenbar die über- mäßige Anspannung der Arbeitskraft benierkbar. Diese tritt uns auch entgegen, wenn wir die Angaben über die Unfallhäufigkeit nach den Tagesstunden näher beträchten. Bei der Annahme, daß auf drei Stunden im Durchschnitt des ganzen Jahres ein Unfall entfällt, stellt sich die Unfallziffer für die nachstehenden dreistündigen Zeiträume wie folgt: Es ist bedauerlich, daß das, Reichs-Versicherimgsamt die Einteilung des Tages in Abschnitte von je 3 Stunden beibehalten hat. Dadurch kann ein klares Bild der hier in Betracht kommenden Mo- mente nicht erzielt werden, da die Zahl der während den einzelnen Zeitabschnitten beschäftigten Arbeiter ganz verschieden ist. Wenn wir z. B. die Unfallhäufigkeit der Vormittagsstunden von 6—9 mit der Unfallhäufigkeit der Vormittagsstunden von 9—12 Uhr ver- gleichen, dann wissen, wir nicht, welcher Teil der erhöhten. Unfall- Häufigkeit in den 3 letzten Stunden auf die größere Zahl der beschäftigten Arbeiter und welcher Teil auf die übermäßige An- spannung der Arbeitskraft zurückzuführen ist. Richtiger� wäre es, wenn die Unfallhäufigkeit für Zeitabschnitte von 1 bis höchstens 2 Stunden festgestellt und als Ausgangspunkt der Beginn des Arbeitstages des verunglückten Arbeiters unter Scheidung der Tag- und Nachtarbeit, der Vor- und Nnchmittagsarbeit angenommen werden würde. Dann hätten wir z. V. die Ünfallhäufigkeft für die 2., 3. oder 4. Arbeitsstunde ani Tage vormittags und könnten diese mit einander vergleichen.— Aber auch aus den vorliegenden Zahlen, namentlich aus der starken Unfallhäufigkeit der Vormittagssttindcn von 9—12 Uhr im Vergleich mit der Unfallhäufigkeit der unmittelbar vorhergehenden Stunden von 6—9 Uhr und aus der starken Unfall- Häufigkeit Sonnabend nachmittags im Vergleich mit der Unfall- Häufigkeit der Nachmittage. der anderen Tage: aus diesen Zahlen scheint doch hervorzugehen, daß ein guter Teil der Unfälle durch die unmäßige Ausbeutung der Arbeiter verschuldet Iviro. Schließlich ist die Uufallhäufigkeit nach der Art der Boden- bewirtschaftung ermittelt worden. Von den Verletzten, für welche im Jahre 1901 zum erstenmale Entschädigungen festgestellt sind, ent- fallen auf die Bewirtschaftung der Felder............. 19 361 „ Forsten............ 5 718 „ Wiesen und Weiden........ 4 803 „ Gärten............. 2 638 des Reblandes............ 403 auf die Hauswirtschaft......... 3 058 „ Hoch- und Tiefbauten........ 1 727 „ mitversicherte Nebenbetriebe...... 1 133 „ andere landwirtschaftliche Tätigkeiten.. 18 066 Auffallend ist namentlich die große Zahl der Unfälle bei der Bewirtschaftung der Felder und Forsten. Durch Tiere wurden 13 930 jener Unfälle herbeigeführt, und zwar u. a. 7842 durch Pferde, 5959 durch Rindvieh, 260 durch Schweine. Beini Umgang mit Tieren, insbesondere mit Pferden, bemerkt hierzu der Bearbeiter der Statistik, wird oft jede Vorsicht außer acht gelassen. Auf die Heranbildung sorgsamer Pferde- und Viehpsleger kann durch Unfallverhiitungs- Vorschriften hingewirkt werden. Gerügt werden muß, daß der Versuch der e r st e n Unfallstatistik für Land- und Forstwirtschaft, die Unfallgefährlichkeit der Groß-, Mittel- und Kleinbetriebe zu ermitteln,„bei dem zweifelhaften Ergebnis der damaligen Umfrage nach den GrößenUassen der ver- sicherten Betriebe" nicht wiederholt worden ist. Das Reichs- Ver- sicherungsanit hätte die nötigen Vorkehrungen treffen müssen, um eine genaue Ermittelung der hier in Betracht kommenden Momente zu sichern. Nach dem ersten Ermittelungsversuch erschienen die Großbetriebe Unfall g e f ä h r l i ch e r als die Mittelbetriebe, und diese gefährlicher als die 5Uembetriebe. Daß hierüber endlich Klar- heit geschaffen wird, ist im Interesse einer wirksamen Unfallverhütung dringend zu fordern. �... Im ganzen bestätigen die bis jetzt vorliegenden Ergebnisse der letzten Unfallstatistik die früher bereits gemachten Erfahrungen, daß ein wirksamer Schutz der land- und forstwirtschaftlichen Arbeiter gegen Betriebsunfälle' unerläßlich ist. Bei dem nötigen guten Willen der herrschenden Klasse hätten die erforderlichen Schutzmaßnahmen schon längst durchgeführt werden können. Daher fürchten wir, daß auch die jetzt wiederholte Mahnung bei unseren Agrariern wenig Beachtung finden wird, so lange die Herreu nicht durch die beteiligten Arbeiter zu einem anderen Verhalten, gezwungen werden. Aus diesem Grunde muß es unsere Aufgabe sein, die land- und forst- wirtschaftlichen Arbeiter mit den Ergebnissen der Unfallstatistik bekannt zu machen und sie zuni tatkräftigen Protest gegen die jetzige Ge- fährdung ihres Lebens zu veranlassen. politifebe(leberlukt. Berlin, den 12. November. Die erste sozialdemokratische Stadtvertvaltung in Deutschland. Aus O f f e n b a ch a. M. wird uns geschrieben: Die Leser des„Vorwärts" sind von dem glänzenden Wahlsieg, der von der sozialdemokratischen Partei in Offenbach ge- legentlich der Stadtverordnctenwahlen am Donnerstag er- känipft worden ist. bereits unterrichtet worden. Einige nähere Angaben über die Bedeutung dieser Wahl dürften den „Vorwärts"-Lesern erwünscht sein. Jetzt vor neun Jahren wurde zum erstenmal ein Sozial demokrat in das Offenbacher Stadtparlamcnt gewählt: Genosse Ulrich. Bis dahin hatten die„Bürger" unbestritten auf dem Rathause schlecht und recht gewurstelt, in keiner Weise an gekränkelt von irgend welchen Gedanken, die mit moderner Sozialpolitik auch nur in Zusammenhang gebracht werden könnten. Ulrich benahm sich wirklich als„Hecht im Karpfen- teiche". Er brachte Leben in die muffige Bude. Die Ein- wohner fingen an, den Vorgängen auf dem Rat hause Interesse abzugewinnen. Nach drei Jahren— im Jahre 1898— wurde zur größten Ueber raschung unserer eigenen Genossen die ganze sozialdemokratische Liste gewählt! Mit einem Schlage erhielt Ulrich 16 Mann zur Seite. Die Gegner waren entsetzt. Zwei der bürgerlichen Stadträte legten sofort ihre Mandate nieder; sie wollten nicht mit„Kohlenschippern" und Taglöhnern gemeinsam über das Wohl und Wehe der lieben Vaterstadt beraten. Durch diesen Exodus erhielten unsere Genossen die Mehrheit in der 36 Mann starken Vertretung. Sie nutzten die Mehrheit gut aus. Die Stadt Offenbach gedieh Prächtig unter dem sozialdemokratischen Regiment. E steht kein öffentliches Gebäude, keine große kommunale Anlage aus neuerer Zeit in Offcnbach, die die Sozialdemokraten nicht mit geschaffen haben. Was für das Gedeihen der Stadt getan werden konnte, das wurde getan. Unsere Genossen wirkten„kulturverwüstend", indem sie mitwirkten an der Errichtung eines modern ausgerüsteten Hafens; sie halfen ein mit allem Raffinement moderner Tech nik ausgerüstetes Schlachthaus bauen; sie halfen ein neues Gas- und Elektrizitätswerk errichten; sie zeigten ihre ganze „Bildungsfeindlichkeit", indeni sie das Schulwesen verbesserten und neue Schulhäuser bauten. Auf dem Gebiete dessen, was man gewöhnlich zuerst im Auge hat, wenn man von kommunaler Sozialpolitik spricht, wirkten sie geradezu vorbildlich. Sie sorgten, soweit das die gesetzlichen und finanziellen Grenzen zuließen, für die Arbeits losen und Erwerbsbeschränkten: also auch weniger leistungs fähige Arbeiter, die keine Beschäftigung finden konnten, nahm die Stadt in Dienst, auch im Sommer. So lange es irgend anging, sollte in Offenbach jeder Arbeiter vor der Not- wendigkeit der Armenpflege bewahrt bleiben, keiner so leicht seine politischen Rechte verlieren. Es wurde die unentgeltliche Hcbammenhülfe eingeführt; wer diese Hülfe gebrauchte, konnte sie in Anspruch nehmen, ohne Bedürftigkeit nach- zuweisen. Ebenso wurde die unentgeltliche Totenbcstattung eingeführt. Man konnte also unter sozialdemokratischem Regime„umsonst" auf die Welt kommen und sich auch um- sonst begraben oder verbrennen lassen. Weiter schafften unsere Genossen das Oktroi auf Mehl und Backwaren ab. Natürlich„rasten" die Bourgeois. Konflikte, die unsere Fraktion mit dem Oberbürgermeister auszufechten hatte, wurden unglaublich aufgeputscht. Die Summen, die für die Arbeitslosen, für die Hebammen usw.. ausgegeben wurden, sind Tag fiir Tag den guten Spießbürgern vor Augen geführt worden. Dabei sei bemerkt, daß die finanzielle Gestaltung der Dinge eine durchaus gesunde war, alle gegenteiligen Behauptungen sind Tendenzlügen, erfunden, um unsere Partei zu diskreditieren. Immerhin: wir hatten den großen Sieg errungen anno 1898, ohne daß wir eigentlich sagen konnten, bereits die Mehr- heit der wahlberechtigten Einwohner hinter uns zu haben. Die fortgesetzte, namentlich in kleinerem Kreise betriebene, von einflußreichster Seite gestützte Agitation der Bourgeoisie hatte 1901 eine bisher noch nicht dagewesene Wahlbeteiligung zur Folge. Wir erzielten 2631—2711, die Gegner indessen 3631 bis 3639 Stimmen! Sie hatten den letzten Kleinbürger und Krämer auf die Beine gebracht. Unsere Mehrheit schrumpfte zusammen auf 13 Genossen gegen 23 bürgerliche Stadtväter. Was die Sozialdemokraten aufgebaut hatten, rissen die Bürgerlichen zum guten Teil wieder zusammen. Aber das Gewissen schlug ihnen doch; die Angst schweißte sie immer enger zusammen, die Freimaurer nationalliberalcr, die Frei- Händler wadelstrümpflicher Observanz, die Antisemiten und die Ultramontanen. Die Folge war der„Wahlsieg" bei der Reichstagswahl, Ulrich unterlag der koalierten Acaktion. Und— nehme mir's keiner übel—, so schmerzlich es uns alle berühren mußte, daß Ulrich das Mandat verlor, die Lehre war für Offenbach geradezu eine Notwendigkeit. Man hatte sich in der Proletarierstadt am Main zu sehr an glatte Siege gewöhnt. Das jetzige Wahlresultat ist den Herrschaften auf dem Stadthause dermaßen in die Glieder gefahren, daß sie bis zur Sttmde, wo ich diese Zeilen niederschreibe— Freitag nachmittag— noch nicht imstande sind,„annähernd richtige Angaben" machen zu können. Nach unserer privaten Feststellung wurden für die sozialdemokratischen Kandidaten 3992 ungesttichene Zettel ab- gegeben, für die ultramontan-liberalen 3366. Auf den ge- strichenen bürgerlichen Zetteln befinden sich vielfach noch Namen unserer Kandidaten. Unsere Sttmmen sind um zirka 50 Prozent gestiegen, die Gegner stehen auf dem alten Fleck. (Siehe weiter oben das Resultat von 1901.) Herrlich ist der Sieg, den die Offenbacher Genossen er- kämpft haben, schwer ist indessen die Verantwortung, die sie übernommen haben. Die jetzt 23 Mann starke Fraktion wird zunächst wieder aufbauen müssen, was der bürgerliche Un- verstand eingerissen hat und dann sind wir wieder„Kultur- vernichter". wie von 1898 bis 1901. Die Offenbacher Parteigenossen haben am Wahlabend ihr Wort verpfändet: Keine Ruhe, bis auch das Reichstags-Mandat wieder unser ist. Ter Rücktritt Lentweins. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meldet heute offiziell, daß dem Gouverneur Leutwein der schon vor längerer Zeit von ihm nachgesuchte Urlaub bewilligt worden sei. Leutwein werde in Uebereinstimmung mit seinen eigenen Wünschen nicht mehr als Gouverneur in das Schutzgebiet zurückkehren, feine Stelle werde vielmehr später der Generalkonsul in Kapstadt v. L i n d e q u i st einnehmen. Mit Rücksicht aus die im Schutzgebiet zurzeit noch vorliegenden Interessen werde G e n e r a l v. T r o t h a bis auf weiteres bis oberste Leitung der Gouvernementögcschäfte über- nehmen. Diese Meldung bestätigt die von uns und einigen Blattern ausgesprochene Vermutung, daß von Leutwein nahestehender Srite seinerzeit jenes Telegramm in den„Lokal-Anzeiger" lauziert wurde, das den Aufstand der Hottentottenstämme für den Augenblick ankündigte, wo Oberst Leutwein seinen Abschied als Gouverneur zu nehmen gezwungen werde. Damals freilich erklärte die offiziöse Presse mit der ihr eigenen Unverfrorenheit, daß diese Vermutung vollständig unzutreffend sei. Major Leutwein denke nicht an den Rücktritt, er habe trotz des Ober- besehls des Generals v. Trotha erklärt, daß er angesichts der kritischen Zustände in Südwestafrika den Gouvernementsposten beibehalten werde. Die„Zukunft" behauptete damals, daß das Telegramm des„Lokal-Anzeigers" unter Billigung des �Reichskanzlers erschienen sei, zum mindesten sei das Telegramm mit der Bemerkung versehen worden, daß es zunächst dem Grafen Bülow vorzulegen sei. Auch ohne in die Hintertreppenpolitik der Regierung eingeweiht zu sein, konnte sich damals jeder vernünftige Mensch sagen, daß der regierungs- offiziöse„Lokal-Anzeiger" niemals ein derartiges, die Politik des Kaisers frondierendes Telegramm gebracht haben würde, wenn er sich dazu nicht des Einverständnisses der verantwort- lichen Regierungsstellen versichert hätte. Nichtsdestoweniger erfolgte das Dementi der„Norddeutschen Allgemeinen Zei- tung", demgegenüber freilich die„Zukunft" ihre Behauptung aufrecht erhielt. Die jetzt erfolgte Amtsenthebung des Gou- verneurs Leutwein— denn das Urlaubsgesuch des bisherigen Gouverneurs ist selbstverständlich nur ein erzwungenes— beweist, daß damals in der Tat politische Jntrigucn im Werke waren. Wäre dies nicht der Fall, so wäre es ganz unbe- greiflich, wie gerade jetzt, in einer Situation, wo der Rat deS kriegserfahrenen und landeskundigen Oberst Leutwein am allcrdriugcndstcn am Platze ist, dessen Beurlaubung erfolgen konnte! Ter ganze Vorgang beweist nur wieder einmal, mit welcher Unverfrorenheit amtliche Dementis in die Welt gesetzt werden. Tie Amtsenthebung Leutweins wird höchstwahrscheinlich für den Krieg gegen die Hottentotten nicht ohne erheblichen Einfluß sein. Höchstwahrscheinlich werden auch jetzt die Stämme, die sich bisher dem Aufstand fernhielten, zu den Waffen greifen, und der Kampf gegen die Aufständischen wird mangels eines besonnenen landeskundigen und kriegserfahrenen Leiters höchstwahrscheinlich ebenso unangenehme Ueber- raschungen zeitigen, wie der Krieg gegen die Hereros unter der Führung des berüchtigten Majors Glasenapp. Tie deutschen Steuerzahler werden die Kosten für die klägliche Jntriguen» Politik in Südwestafrika aufzubringen haben!— Russische Kronzcngcu. Wie aus Bremen gemeldet wird, hat das dortige russische Konsulat die Bekanntmachung erlassen, daß die russische Regierung alle diejenigen reichlich belohnen werde, die eine genaue Auskunft über die Anwesenheit von verdächtigen Schiffen in der Nordsee geben resp. zur Aufklärung des Zwischenfalles bei der Doggerbank beitragen könnten. Die russische Regierung scheint demnach doch beträchtlichen Zweifel zu haben, ob es ihr gelingen wird, das internationale Schiedsgericht davon zu überzeugen, daß die Anwesenheit von japanischen Schiffen in der Nordsee nicht lediglich auf alkoho- lischen Halluzinationen beruht. In Frankreich haben sich ja bereits einige Käuze gefunden, die verdächtige Schiffe in der Nordsee beobachtet haben wollen. Nunmehr will man auch in Deutschland nicht mit dem rollenden Rubel sparen, um für die russische Gespensterscherei Zeugen aufzutreiben. Ob der russische Rubel auch bei uns die erhofften Wunder wirken wird? Einen Kronzeugen besonderer Art hat die russische Re- gierung übrigens bei uns schon gefunden. Am Mittwoch hielt nämlich in einer Versammlung in Lübeck der Vize- A d m i r a l a. D. K ü h n e eine Rede über den Zwischenfall in der Nordsee. Er nahm in seiner Rede Partei für die Russen. Er führte u. a. aus, daß es absolut feststehe, daß dem russischen Admiral von verschiedenen Seiten Warnungen vor einem Angriff der Japaner noch in europäischen Gewässern zugegangen seien. Fest stehe ferner, daß ihm die Regierung hierfür noch besondere Instruktionen gegeben habe. Ein solcher Angriff habe auch durchaus in dem Bereich der Möglichkeit ge- legen. Es sei falsch, wenn man ohne weiteres das Auftreten von japanischen Torpedobooten in der Nordsee in das Reich der Fabel verweisen wolle. Solche Torpedoboote könnten sehr leicht ganz überraschend in diesen Gewässern erscheinen, aber es brauche ja nicht einmal ein reguläres Torpedoboot gewesen zu sein, das einen feindlichen Akt hätte in Szene setzen können. Jedes x-beliebige Fahrzeug könne ein Torpedolanzierrohr an Bord nehmen und so zu einem gefährlichen Feinde werden. Jedes Fahrzeug könne auch dem Geschwader Minen in den Weg streuen. Wie man sieht, nimmt der Herr Sachverständige auf die verschiedensten Möglichkeiten Rücksicht. Einmal hält er es für durchaus möglich, daß japanische Torpedoboote bis zur Nordsee vorgedrungen sein könnten, anderseits aber auch genügt ihm die Möglichkeit, daß beliebige Fischerboote mit Torpedo- lanzierrohren von der japanischen Regierung ausgestattet sein könnten. Eine dieser Möglichkeiten ist freilich so unmöglich wie die andere. Daß japanische Torpedoboote, ohne Kohlen einzunehmen, von Japan bis zur Nordsee gekommen sein sollten, vermag wohl nur der marinisttsche Verstand des Herrn Vize- Admirals a. D. zu begreifen. Oder sollte der Herr vielleicht annehmen, daß diese Boote eine falsche Flagge geführt haben sollten? Ebenso unglaublich ist es, daß englische oder sonstige Schiffe sich dazu bereit erklärt haben könnten, Torpedolanzier- röhre zum Zwecke eines Angriffes auf die russische Flotte an Bord zu nehmen. Derartige Möglichkeiten existieren nur im Reiche der Phantasie oder des Alkoholismus für Leute vom Schlage des Herrn Admirals Roschdjestwensky. Es bedeutet gerade keinen Ruhm für die deutsche Marine, daß ein ehe- maliger Vize-Admiral diese verrückten Hypothesen aufstellt! Interessant wäre es auch festzustellen, woher denn dem Herrn Vize-Admiral Kunde geworden ist, daß dem russischen Admiral entsprechende Warnungen zugegangen sind und daß die russische Regierung besondere Instruktionen gegeben hat. Der Herr scheint sehr intime Beziehungen zu Rußland zu unterhalten! Interessant sind auch noch andere Bemerkungen, die der Vize-Admiral a. D. in seinem Vortrage gemacht hat. Er sagte nämlich, daß Deutschland der französischen Diplomatie, der es gelungen sei, das Schlimmste zu verhüten, ebenfalls zu Dank verpflichtet sei, denn Deutschland hätte sich keineswegs ganz den Folgen eines Kon- fliktes zwischen Rußland und England ent- ziehen können. Aus dem Bericht über die Rede ist leider nicht zu entnehmen, was der Herr Vize-Admiral denn eigentlich mit seinen dunklen Anspielungen ganeint hat. Ob er sich etwa einbildete, daß Deutschland verpflichtet gewesen wäre, zugunsten Rußlands Partei zu er» greifen? Fast könnte man dies annehmen, denn der Herr Vize-Admiral fügte hinzu: „Wir müssen die Fahrt ebenfalls mit besonderer Spannung verfolgen, denn dieser �ricg entscheidet auch über die Zukunft Tslngtnus als deutsche Kolonie. Tos sollten wir nie vergessen." Das soll wohl heißen, daß Teutschland Ursache habe, eine Niederlage der Japaner zu wünschen resp. herbeiführen zu helfen, damit Deutschlands Ostasienpolitik die gewünschte Ent- Wickelung nehmen könne?! Ter gesprächige Herr Vize-Admiral hat in seinem Vortrage jedenfalls mancherlei aus der Schule geplaudert, was er klüger verschwiegen hätte. Wir können uns freilich nur über seine Offenherzigkeit freuen, hat er doch der- raten, was einflußreiche Kreise bei uns in Deutschland denken. * w veutfcbes Rdeb. Konservativer Ticfsinn. Ueber„d i e Gl ei ch h e it im S ta at e und in der Na tu r" tvird im„Kreuz-Zeiwngs"-Leitartikel so wunderlich philosofaselt, daß es schwer ist fcstznstellen, ob der Wert der Darlegung mehr in der Offenbarung der reaktionären Ansichten besteht oder der totalen Verblödung des konservativen Hirns. Der ergötzliche Artikel ist unterzeichnet O. z. Dhn. ES ist ein Verlust für die Oeffentlichkeit, dem Geistesheldcn, der hinter der Chiffre steckt, nicht voll ins Antlitz schauen zu dürfen. Er stellt ein Ivahrhaftes Wundercxcmplar konser- vativer Geistesfiille dar. Diese Philosophie hebt seltsamerweise mit einer nicht ganz un- logischen Ausführung an: „Wie haben wir es doch so herrlich weit gebracht im modernen Staat— juristische Gleichheit vor dem Gesetz, politische Gleichheit an der Wahlurne und dazu noch Verheißung ökonomischer Gleich- heit im Znkunftsstaat. Es bildet letztere nur den folgerichtigen Abschluß der vorher- gehenden Nivellierungsmittel und ist, wenn man die crsteren beiden gutgeheißen, theoretisch gar nicht zu verwerfen. Stellt man die Menschen dermaßen geistig gleich, wie es durch Gesetz und Wahlgesetz geschieht, so ist es geradezu widersinnig, materiell solche Unterschiede fortbestehen zu lasse», wie sie Ver- mögen und Lebenshaltung im heutigen Staate a u f Iv e i s e n. Die Sozialdemokratie ist demgemäß nicht nur logisch, wenn sie jetzt Giiterglcichheit verlangt, sondern hat dazu sogar eine gewissermaßen gesetzliche Basis, welche es ihr erleichtert, das von Staat und Gesellschaft nur zu zwei Drittel fertig- gestellte Werk zu vollenden. Aus diesem Vordersatz entwickelt der konservative Denker die köstlichsten Folgerungen. Da die ökonomische Gleichheit unmöglich ist. so müsse auch die volilische beseitigt werden. Zunächst gilt es also, zu beweisen, daß die ökonomische Gleichheit unmöglich ist. Er tue gut, so wird der Leser aufgefordert, feine Blicke der Natur zuzu- wenden,„welche in letzter Instanz immer die Lehrnieisterin bleibt, von der man m allen Verhältnissen lernen kann". Wie steht es also mit der so vielgepriesenen Freiheit und Gleichheit in der Natur? Hören wir: Die Freiheit führe zur Ungleichheit. Wer aber die Gleichheit wolle, würdige das Meiffchengeschlecht zur Herde herab. Dies Streben sei aber wiederum aussichtslos, denn die Verschiedenheit im Bereiche der menschlichen Natur sei„noch unendlich viel größer als bei allen aitderen Gattungsarten". Wir erfahren, daß„ztvischen einem aus der niedrigsten Stufe stehenden Kretin und Goethe" keine Gleichheit herrscht, also ist die Idee der ökonomischen Gleichheit ein Unsinn. Und nun geht es in abstrusem Durcheinander weiter: Die im Leben Bessergestellten sollen bei gleichen Vergchuiigcn un- gleich schiverere Strafen auf sich nehmen als die Unbemittelten. moralisch und ökonomisch auf niederer Stufe Stehenden. Das heißt: die Bessergestellten sollen tvegen Verachen, die zu begehen sie keinen Anlaß und keine Möglichkeit haben, strenger bestraft werden als die- jenigen, die durch die sozialen Verhältnisse zu solchen Bergehungen getrieben werden! Diese nie in Wirklichkeit tretende Ungleichheit zu- Ungunsten der Bessergestellten, durch welche der Konservative seinen Gerechtigkeitssinn beweist, führt ihn sogleich zu der Folgerung, daß auch eine ungleiche Strafweise eingeführt werden müsse fürsdiejcnigen, welche durch die heutige Gleichheit der Strafen nicht zur Genüge für rohe Taten betroffen werden. Sie sollten mit körperlicher Züchtigung bedacht werden. Und ebenso wie in dieser Richtung Gleichheit unberechtigt ist, so ist diese unberechtigt auch ans dem Gebiete des Staatsrechts, in das sich der konservative Philosoph in kühnem Geistcssprung begibt. Hier erklärt er kühn die Gleichheit des Wahlrechts für eine l ä n g st überholte Sache. Diese Ausführungen haben ihr Interesse dadurch, daß sie zeigen, wie selbstverständlich man bereits in konservativen Kreisen die Beseitigung des gleichen Wahlrechts er- achtet und wie zuversichtlich man darüber denkt, daß die weitesten Kreise für die Reaktion zu haben sein werden. Der Edle erklärt: „Die Bcrurtcilmig des gleichen, allgemeine» politischen Wahl- rechts hat bereits solche Dimensionen angenommen und ist bereits so oft und überzeugend motiviert worden, daß eS nicht mehr notwendig erscheint, viel Worte darüber zu verlieren. Theoretisch wird durch dasselbe d e r U n b i l d u n g und d e in U n v e r st a n d e, welche numerisch das Ucbergewicht haben und immer haben werden, die Hauptentscheidung in den vitalen Angelcgcn- heiten des Staates übertragen, und wenn es auch praktisch vielleicht nicht zum äußersten kommen wird, so muß eine solche unnatürliche und dadurch unsinnige Machtverteilnng und Verheißung für Staat und Gesellschaft doch die schivcrftcn Schädigungen herbeiführen. Die Bedenken, welche sich gegen eine Beseitigung oder Ein- schränkung dieses Wahlrechtes, welche heute auch aus liberaler Seite für notwendig erkannt worden ist, geltend machen, sind nun eingestandenermaßen hauptsächlich der Furcht zuzuschreiben. Man fürchtet sich vor den Ausschreitungen, welche die Masse begehen könnte, wenn ihr Wichtigkeitsgefühl und Machtbcwußtsein, die in der unnatürlichsten Weise heraufgeschraubt sind, in die richtigen Schranken gewiesen werden. Wer aber eine Sache uirterläßt, deren Aus- fuhrung er als recht und notwendig erkannt hat und deren Un- Möglichkeit nicht nachgciviesen, nur aus Furcht vor den möglichen Folgen, der streckt die Waffen, und zwar hier die VerteidigungS- Waffen, noch che er sie erprobt. Obgleich nun Gesellschaft und Staat diesen Standpunkt äugen- blicklich einzunehmen scheinen, Muffen wir an der Hoffnung festhalten, daß das Mahnwort eines unserer größten deutschen Denker: „Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen", auch in unserem politischen Leben wieder zur Geltung, komnie und dieses dadurch in vernünftige, natürliche Bahnen geleitet werde. Es folgen naiv-wüste Betrachtungen über da? trostlose Einerlei der großen Städte,„welche das Mehl des großen GleichheitsbreicS malen", über die verschwindenden Volkstrachten, über die entsetzlichen Aussichten kosmopolitischer Gleichheit, deren Schrecken sich zeigt, indem Asiaten und Afrikaner in europäischer Modetracht ausstaffiert einhcrgehen! Aber noch gibt es Hülfe gegen diese verruchten Zu- stände. Die Kunst und Nietzsche sind die Hoffnung des konservativen Denkers und der demütig konservative Christ beruft sich auf den Philosophen des Uebermenschen: „Die Möglichkeit der Erscheinung eine-s Nitzsche und der große Einfluß, Ivelchen er auf unsere Zeit gewinnen konnte, ist ein Be- weis, daß in weiten Schichten die menschliche Natur anfängt, sich zu empören gegen die Gewalt, welche ihr durch das moderne GleichheitSiyitem angetan wird. Wir sehen auch, daß Kunst nnd Wissenschaft ihre Avantgarde gegen das Heer der Gleichheitsapostel mobil macht und können uns der Zuversicht hingeben, daß dieser geistigen Führerschaft allmählich ein immer größeres Gefolge heran- wachsen werde." Dies tolle Zeug muß allerdings dazu verleiten, die Gleichheit des politischen Wahlrechtes als unberechtigt zu erkennen. Der kon- fcrvative Sozialphilosoph hat unübertrefflich erwiesen, daß es in unseren Landen Menschen gibt von einer geistigen Verfassung, ver- inöge deren sie keinen Anspruch haben aus den gleichen Einfluß in der Regelung der öffentlichen Angelegenheiten wie andere vernünftige Durchschnittsmenschen. Wenn das Wahlrecht nach dem Maß der Bildung eingeteilt wird, so werden die konservativen„Gebildeten" gänzlich leer ausgehen müssen,—_ Eine Rekrntcnrcde Wilhelms II. Eine Korrespondenz berichtet: Gelegentlich der Vereidigung der Rekruten der Potsdamer.Garnison wies, wie nachträglich bekannt wird, der Kaiser in seiner Ansprache n. a. darauf hin, daß des deutschen Soldaten höchste Pflicht sei, in Fällen der Not und Gefahr freudig das Leben für den Landesherr» zu lassen nnd für die Interessen des Vaterlandes in die Schanze zu schlagen. Die jungen Soldaten sollten sich an ihren Brüdern auf blutiger Walstatt in Südwestafrika ein Beispiel nehmen, welche, obwohl schon längst nicht mehr aktiv unter der Fahne dienend, sich freiwillig zu der Expedition gemeldet hätten, um dem Könige und dem Vaterlande erneut treu zu diene». Weiter legte der Kaiser den Rekruten klar, welche hohe Ehre eS sei, der Garde in Potsdam anzugehören, die ihren Dienst nnuiittclbar »ntcr seinen, deS Kaisers, Augcu vollzöge. Es sei dies wohl der Wunsch vieler, aber nur einem beschränkten Teil könne diese Aus- Zeichnung geboten werden. Daneben ermahnte der Kaiser die Rekruten zur Gottesfurcht, denn nur im Besitze dieser Eigenschaft könne der Soldat seinem schweren, aber doch so schönen Berufe gerecht werden. Ohne Gott sei kein Segen deutbar. Wer Gott im Herze» trage, werde die Mühen und Austrcuguugc», die der Beruf eines Soldaten und vor allein eines Rekruten mit sich bringe, leichter bewältigen als derjenige, der von Gott nichts wisse« wolle. Man solle sich freudig zu seinem Gott bekennen und nicht erst in Stunden der höchsten Not zum Allmächtigen rufen. Zum Schluß der An- spräche erläuterte der Monarch den Rekruten, daß die Vorgesetzten an seiner Stelle stehen und befehlen nnd daß, wie im Eide gelobt, jeder seine Pflicht an seiner Stelle tun solle, dann würde ihnen der Dienst leicht werden und der Dank ihres Kaisers nicht ausbleiben. Die Rekruten sollten auf ihren Nock stolz sein nnd ihn nicht bc- schimpfen lassen, denn es sei der Nock des Königs und der dürfe nicht angetastet werden. In den Zeiten, da die religiös gleichgültigen, jedenfalls nicht christlichen Japaner über die äußerst frommen Russen siegen, dürfte der Hinweis des Kaisers ans die Notwendigkeit der Religion für den Soldaten kaum andere Betrachtungen erregen als die, ob ein wirklich gläubiger Christ, also ein Anhänger friedfertiger uni- versaler Nächstenliebe, nicht vielmehr in einen Gewissenskonflikt mit dem Soldatenhandwerk geraten müßte. Der Hinweis auf die besondere Ehre der Garde wiederholt frühere Ausführungen Wilhelms II.— Die Tätigkeit des Bundesrats. Offiziös wird orakelt:„Die Arbeiten des Bundesrats, namentlich in den Zlusschüsjen, beziehen sich gegenwärtig und in der nächsten Zukunft hauptsächlich aus den Reichshau-Zhaltsetat für 1905. Man wird als sicher annehmen dürfen, daß in allen Instanzen und schließlich auch im Bundesrate bei den Etatsarbeiten der Grundsatz der Sparsamkeit im Vorder- gnmde gestanden hat, steht und stehen wird. Allerdings die durch- aus notwendigen Ausgaben werden trotzdem gefördert werden müssen. In dieser Beziehung dürften uamcntlich die koloniale» Etats sowie der Hecrcsetat in Betracht kommen. Eine weitere Aufgabe des Bundesrats für die nächste Zeit werden die mit dem Etat für 1905 im Znsammenbange stehenden Vorlagen, namentlich also der Entwurf über die FnedenSpräsenzstärke sein. Man wird wohl in der Annahme nicht fehlgehen, daß diese Vorlagen dem Reichstage mög- lichst gleichzeitig mit dem Etat unterbreitet werden dürften. Die neuen Handelsverträge dürften im Bundesrate selbst längere Beratungen nicht mehr nötig machen. ES darf ja nun wohl als wahrscheinlich angesehen werden, daß diese Verträge dem Reichstage schon bald zugehen werden. Viel umfangreicher gestalten sich, auch für die nächste Zeit, die Arbeiten des Bundesrates an den AuSführungsanwcisuugeu zum neuen deutschen autonomen Zolltarif, dem amtlichen und dem statistischen Warenverzeichnis. Damit die Geschäftswelt sowohl wie die Zoll- bcamten sich in diese Anweisungen beizeiten einleben können, wird darauf gesehen werden, daß beide Verzeichnisse eine geraume Zeit vor Inkraftsetzung des neuen Zolltarifs, also nach allem, waS man hört, vor dem 1. Januar 1906, bekannt gegeben werden können.— Auf der Tagesordnung der ersten ReichStagSsitzung nach der Ver- tagung, am 29. November, stehen„Petitionen". Beginn der Sitzung 2 Uhr. Bei der Festsetzung der Tagesordnung für die nächsten Sitzungen wird man sich Wohl zunächst schlüssig machen müssen, wann die zum gegenwärtigen Etat gestellten, noch nicht erledigten Resolutionen beraten werden.— Das preußische Herrenhaus meldet sich zum Wort. ES will auch diesmal vor der üblichen Zeit seine Beratungen beginnen. Es wird am 30. November die ihm zugegangenen K i r ch e n st e n e r- Gesetze für die evangelische und katholische Kirche verhandeln.— Lebt Ihre Schwiegermutter immer noch? Man schreibt uns: Am Freitag verstarb an den Folgen einer Banchfellentzündnng der hiesige Landgerichtsrat Dr. Bär. Seine Beerdigung erfolgt heute sSonntag). Dr. Bär ivar in Zivilsachen ein Richter von hesondcrs hervorragender richterlicher Tüchtigkeit. Daß er auch in Strafsachen, in denen er ausnahmsweise mitsaß, gerecht zn sein suchte, geben auch die Angeklagten gern zu, die er. wie den Schreiber dieses, verurteilte, weil in ihn: bei dem Kampf zwischen Bnreankratie und reiner Gerechtigkeit erstere den Sieg davon trug. In dem etwa konservativen oder gemäßigt liberalen verstorbenen Richter ehrten und würdigten seinen politischen Gegner, ivelche die vom Staats- anwalt auSleitete Justiz auf die Anklagebank führte, das Streben gerecht zu sein, den Charakter. Bär fiel durch seine Charakter- testigkeit unter den modernen Richtern umso», ehr auf, je häufiger bei einem seiner Kollegen streberhafte Tüchtigkeit den Mangel an Kenntnissen, Tüchtigkeit und Gerechtigkeitsliebe zu verdecken schien. Die Charakterfestigkeit bewahrte Bär auch nach oben. Er war vor mehreren Jahren als Hülfsrichter an das Kammcrgcricht be- rufen. Damals war Präsident des Kammergerichts v. Drenckmann, ein Nrrcaktionär vom Scheitel bis zur Sohle, aber ein Richter, der auch vordem als Vorsitzender des zlveiten Strafsenats des Reichs- gerichts nnd der vereinigten Strafsenate des Reichsgerichts eine außerordentlich hohe juristische' Befähigung dokumentierte, die mit der starken Eigenliebe und Biegsamkeit seiner Nachfolger und so niancher seiner Kollegen bei>n Reichsgericht in wohlgefälligem Gegensatz stand, v. Drenckmann stand im Rufe, stark antisemitlsche Neigungen zu hegen. Trotzdem empfahl er in außer- ordentlich warmer Weise den Verstorbenen, der Jude war, zur Ernennung zum KammergerichtSrat. Bär wurde darauf in das Justizministerium gebeten. Dort wurde ihm dringend nahe gelegt, seine jüdische Religion in eine christliche um- zuWechseln. Bei dieser Unterhaltung äußerte Bär, daß er seine Be- förderung nicht einem Gesinnungstvechsel verdanken wollte. Als ihm eindringlich nahe gelegt tvurde, daß der Konfessionswechsel doch nur ettvas äußerliches sei, lehnte er die eindringlichen Mahnungen für eine Wandelung zum Christentum auch mit dem Hinweis darauf ab, daß so lauge seine Schwiegermutter lebe, an eine Taufe nicht zu denke» sei. Bär wurde nicht befördert. v. Drenckmann gab nochmals unter abermaliger Hervorhebung, wie dringend not unseren Gerichten tüchtige Juristen.tun und unter Schilderung der glänzenden Begabung und der hervor- ragenden Gewissenhaftigkeit Bars eine Eingabe um Ernennung BärS zum KammergerichtSrat ein. Diese Eingabe wurde— nicht im Kaiinnergericht— mit der Raudnote:„Was werden unsere Anti- semiten dazu sagen?" versehen. Abermals wurde Bär in das justiz- ministerielle Taufzimmer gebeten. Die Begrüßung durch den Persona lienrat erfolgte mit der tranliche» Frage:„Lebt Ihre S ch w i e g e r m ll t t e r immer noch?" Bär bejahte die ver» trauliche Nachfrage und kommentierte seine Ansicht über diese Art der Vorprüfung' über die Bedingungen eines tüchtigen höheren Nichters in einer Weise, die an das kernige Deutsch mancher alt- deutscher Rechtssprüche erinnert. Er blieb Jude und— wurde nicht befördert. Sein Heimgang veranlaßte uns, diesen Beitrag zum Märchen von der Unabhängigkeit prenßisch-dentscher Richter zu veröffentlichen. Unter den höheren Richtern gibt es manch einen, der unmittelbar vor seiner Beförderung sich taufen ließ und seitdem als festeste Stütze der„christlichen" Justiz und Gesellschaftsordnung sich selber preist. Es geht eben nichts über die wahre Frömmigkeit, die der Heuchelei verdammt ähnlich sieht. Respekt vor der Polizei! Aus Halle berichtet man uns unterm 12. November: Eine sensationelle Affäre enttvickelte sich heute auf dem Schöffengericht in der Privatklagcsache des Polizeikommissars Alfred K r i e be l, Leutnant der Reserve, gegen seinen Vorgesetzten, den Ober-Polizciinspektor, Amtsanwalt und Hauptmann der Land- wehr Ernst Wey bemann, wegen Beleidigung. Da des Privat- klägers persönliches Erscheinen angeordnet, Herr Weydemann aber der Verhandlung ferngeblieben ivar, beantragte des Polizei- kommissars Rechtsbeistand den Ober-Polizeii»spektor vorführen zu lassen. Das Gericht lehnte diesen Antrag ab und Wehdemauns Rechtsbeistand beantragte die Vertagung der Verhandlung. Als aber das Gericht beschloß, heute zu verhandeln, da beantragte des Oberinspektors Rechtsbeistand.wcgcn Gefährdung der öffcutl ichcn Ordnung und der Staats- sicherhcit die Ocffcutlichkcit auszuschließen. Der Herr Ober-Polizei- inspektor sei, so meinte sein Verteidiger, eine Respektsperson und den Respekt der Polizei dürfe man doch nicht gefährden. DaS Gericht beschloß aber, öffentlich zu verhandeln und ließ den Anklage- beschluß verlesen, nach dem Wehdemann am 2li. Juni den Kommisjar dadurch beleidigt hat, daß er in seinem Bureau mit den Worten: „Pfui Teufel, so eine Anzeige erstatten Sic!" vor ihm aus- spie, dann den Kommissar, als er etwas sagen wollte, mit den Worten anbrüllte:„Seien Sie nicht so frech und halten S i e den Mund: Raus! ranSI" und schließlich den im Bureau anwesenden Wachtmeister aufforderte, den Polizei- kommisjar und Leutnant der Reserve hinauszuschmeißen. Den Inhalt der Anzeige, die nicht den Beifall deS Ober- Polizei- Inspektors gesunden hat, konnte man nicht er- fahren; denn als Wehdemanns Verteidiger aufgefordert wurde, sich nunmehr über die Sache zu äußern, da erklärte er, Herr Weydemann dürfe jetzt über die Angelegenheit nicht reden, da er leicht in Gefahr geraten könnte, seine Dienst- und Amts- gchciinnissc zn verletzen. Um nun Herrn Weydemann zum Sieden zu bringen, soll die vorgesetzte Behörde, Oberbürgermeister und Re- gierungspräsident, ersucht werden, Weydemann von dem„Amts- geheimniS" zu entbinden, weshalb die Sache, die interessante Folgen haben kann, vorläufig vertagt werden mußte,— Soldatcuinißhandlmigen. Das Koblenzer Obcrkriegsgcricht erkannte gegen zwei Soldatenschinder schlimmster Art, Sergeant und Unteroffizier vom Jnfanteric-Regiment Nr. 29 in Trier, auf erhebliche Strafen. Ersterer wurde zu einem Jahr sowie Degradation, der Unteroffizier zn 4'f.2 Monaten Gefängnis verurteilt. Beiden Ivurde Mißhandlung Untergebener in mehreren hundert Fälle», teilweise unter Mißbrauch der Waffen sowie Bedrohung»nt Begehung eines Verbrechens zur Last gelegt. In einzelnen Fällen hatte der Sergeant Mannschaften derart mißhandelt, daß sie in Stlimpfsimi verfielen. In einem Falle wollte er einen Musketier mit dem blanken Säbel totstechen.—'_ Aus dem Württeinbergischcu Landtag. Stuttgart, 12. Nov.(Privattelcgramm.) Der Landtag setzte heute die Beratung der Gemeinde- Ordnung fort. Es handelte sich heute um den Teil, der die Bürgervcrtrctung auf den Rathäusern vcgclt. Bis zum Jahre 1853 waren die Gemeinderäte für Lebenszeit gewählt worden, was den Wählern unmöglich machte, auf die Tätigkeit der einmal Gewählten späterhin Einfluß auszuüben. Aus diesem Grunde wurde der Bürgcrausschuß geschaffen, um durch ihn aus den Gemeinderat im Sinne der Wählerschaft einzuwirken. Als aber später die Lebens- länglichkeit der Gemcinderäte abgeschafft wurde, ließ man den Bürgerausschuß weiter bestehen und schränkte nur seine Befugnisse ein, indem man ihm z. B. das Recht nahm, Jnitiativ-Anträge zu stellen. Damit hatte der Bürgerausschuß an Bedeutung viel ver» lorcn und da alle zwei Jahre ein Drittel des Gemeinderates neu zu wählen ist, erschien diese fernere Beibehaltung, wenn man einmal dabei war, die Gemeindeverwaltung neu zu regeln, überflüssig. Der Regicrungs- Entwurf beseitigte ihn daher auch für alle kleinen und mittleren Gemeinden, und das sind alle in Württemberg, dessen Verwaltung besonders geregelt werden soll. In der Koni- missionSberatung war aber der Bürgcrausschuß wieder hergestellt worden, da, wie der Abgeordnete Conrad Haußmann heute gemeint. ein den Bürgern einmal gegebenes Recht ihnen nicht genommen werden sollte. Das Unrichtige dieser Argumentation wurde sowohl vom Minister von Pischek wie vom Genossen Keil, dem Vertreter unserer Partei, welche die Beseitigung des Bürgerausschusscs bc- antragt hatte, treffend dargelegt. Beide traten im Gegensatz zu allen bürgerlichen Parteien für das konstitutionell und vcrwaltnngS- technisch viel klarere Einkammersystem ein. Unser Vertreter be- zeichnete es mit Recht als ein Unding, daß von ein und derselben Wählerschaft und nach dem gleichen Wahlrecht konkurrierende Körper- schaftcn, die beide dieselben Angelegenheiten zu erledigen hätten, ge- schaffen würden. Dies muß unbedingt zu Reibungen und Ver» schleppungcn führen. Tie Debatte zeigte, daß die bürgerlichen Parteien nichts weiter verteidigten, als einen Zopf; den aber ver- tcidigten sie zähe und gründlich, den» sie lehnten unseren Antrag auf Wiederherstellung der Regierungsvorlage mit allen gegen unsere Stimmen ab. Gegen Ende der Sitzung kam es noch zu einem heftigen Zu'- sammcnstoß zwischen unserem Genossen Keil und dem Abgeordneten Haußmann, zu dem unser Vertreter den Anlaß nicht gegeben hatte, und bei dem Haußmann kcineslvcgs glänzend abschnitt. Bcrrohung der Jugend. Unsere Konservattven, die immer so viel über die Verrohung der Jugend zu klagen haben, möchten wir auf ein Buch aufmerksam machen, das ein gewisser Jean Giimpell über die Erlebnisse eines jungen Deutschen im Hercrolande geschrieben und in einem Berliner Verlage für die„reifere Jugend" herausgegeben hat. In diesem Buche, aus dessen Inhalt wir vielleicht gelegentlich näher eingehen werden, befinden sich auch mehrere jener berüchtigten Hänge- Bilder, wie sie seinerzeit der Afrikareisende Ba'umann für Deutsch-Ostafrika geschildert hat. Die betreffenden Abbildungen stellen die Hinrichtungen eines Mörders und mehrerer Spione dar. Wir sehen ans dem Bilde, wie zwei Delinquenten an dem abgebrochenen Ast des Baumes aufgeknüpft worden sind, auf einem der beiden Bilder liegen bereits zwei Opfer auf der Erde. Die Zuschauer resp. ausübenden Organe- bei der Hinrichtung nehmen die bekännte nachlässig-malerische Stellung ein, zu denen man sich bei photographischen Aufnahmen in Positur zu setzen pflegt. Es ist jedenfalls ein Zeichen des verrohenden Geistes unserer Kolonialpolitik, daß man in einem für die Jugend bc- stimmten Werke ohne die geringsten Skrupel derartige photographische Aufnahmen veröffentlicht, Aufnahmen, die schon an sich das vernichtendste Zeugnis für die Verrohimg der Kolonialpolitik ablegen. Bei uns in Deutschland ist man giücklich so weit gekommen, bei Hinrichtungen Karten nur in be- schränkter Zahl an Zuschauer abzugeben, jedenfalls in der richtigen Erkenntnis, daß solche Epckntionen zur Gemütsveredelung des Zu- schauers nicht beizutragen vermögen. Bei unseren Exekutionen in unseren Kolonien dagegen wird eifrig daftir Sprge getragen, daß der scheußliche Akt ans die photographische Platte gebannt und un- znhligcn Unbeteiligten durch Reproduktionen zugänglich gemacht wird! Und nun sogar der reiferen Jugend zur Ewpauknng deS obligaten Kolomalenthnsiasnms I— Zum Witboi- Aufstand. - Die„National-Zeitung" gibt der Meldung des Gouverneurs Lcutwein, daß Hendrik Witboi offenbar aus religiösem Wahnsinn in den Aufstand eingetreten sei, eine eigenartige Deutung. Sie erklärt, daß die Bewegung der äthiopischen Kirche in Afrika durchaus keine einseitige religiöse Tendenz habe, vielmehr eine politische Tendenz. Der Aethiopismus sei eine politische Doktrin in religiöser Ver- brämung, die dem Bekenntnis der einzelnen Stämme angemessen, bald christlich, bald heidnisch sei. Diese Bewegung fordere Afrika für die Afrikaner, d. h. für die farbigen Ureinwohner des Kontinents, sie reize diese zum Kampf für ihre angestammten Rechte gegen die weißen Eindringlinge auf, sie habe eine sehr weit verzweigte Organi- sation in Südafrika geschaffen. Die Agenten für diese Bewegung seien amerikanische Neger, auch die Fonds für die Agitation unter den Afrikanern flössen aus Mitteln, die in Amerika aufgebracht. worden seien. Wir fänden es zwar sehr begreiflich, wenn sich eine derartige Bewegung der Afrikaner gegen die weißen Eindringlinge in Aftika geltend machen würde, aber wir vermuten denn doch, daß eine der- artige panafrikanische Bewegung nur in der Phantasie gewiffer „Sachverständiger" existiert. Die amerikanischen Neger leiden so sehr unter der Unterdrückung ihrer weißen Mitbürger, sie stehen zum größten Teil auch auf einer derartig tiefen Kulturstufe, daß sie sich schwerlich für einen Befreiungskampf des schwarzen Kontinents gegen die weißen Eindringlinge zu begeistern vermögen. Es erscheint uns ausgeschlossen, daß die amerikanischen Neger Rasscgcfühl genug be- sitzen, um sich mit ihren Rassebrüdcrn in Südafrika in Verbindung zu setzen und eine groß angelegte Agitation unter denselben zu be- treiben. Die angebliche äthiopische Agitation ist Wohl nur ein Märchen, zu dem Zwecke erfunden, um die U n t e r d r ü ck u n g d e r Eingeborenen in den Kolonien rücksichtsloser Hand- haben zu können. * Berlin. 12. November. An Ttiphus sind gestorben: Gefreiter Karl Schulz, geboren 4. 11. 1879, auf Transport Otjosondu- Okahandja; Reiter FriedrichBusemann, geboren S. 3. 1881, am 6. 11. 1904 in Otjimbinde. Am 6. November im Gefecht be» Hoakhanas leicht verwundet: Reiter Otto B a e r, geboren 7. 12. 1882. Kriegsschauplatze nach der Heimat zurückgeschickt werden. Viele von ihnen haben weder Rock noch Stiefel an, manche tragen nichts weiter auf ihrem Leibe als dünne Unterwäsche, die so zerfetzt ist, daß man den nackten Körper sieht. Ein Soldat, der bloß ein dünnes Hemd anhatte. mußte in dieser„Kleidung" den langen Weg von Jrkutsk bis Tscheljabinsk— 4286 Werst— zurücklegen. Nicht besser ist es mit der Nahrung dieser Be- klagenswerten bestellt; trockenes Brot und kaltes Wasser ist alles, was sie erreichen können und auch das nur in un- genügender Menge. Jeder Soldat bekommt nämlich von der fiirsorgenden Behörde täglich 16 bis 21 Kopeken(33 bis 43 Pfennige) zur Befriedigung aller Pfund Brot kostet aber jetzt auf den Sibiriens 15 bis 26 Pfennige. Und nicht Lage, Brot zu sich zu nehmen, denn es schwerkranke Menschen. Leute mit schweren Kinnladen- Ver letzungen können sich nur durch Flüssigkeiten ernähren, ein Glas Milch kostet aber 12 Kopeken. So kommen diese un- glücklichen Männer, die für ihren Kaiser gekämpft haben— viele von ihnen tragen die Tapferkeitsmedaillen— schrecklich abgezehrt in Rußland an und müssen gänzlich zu Grunde gehen, wenn die private Wohlthätigkeit sich ihrer nicht an- nimmt; die Behörden haben kein Interesse mehr für sie; sie haben ihre Schuldigkeit getan nnd können jetzt unter- gehen...._____ partei-)Machncbtcii. Bedürfnisse; das Eisenbahnstationen alle sind in der sind doch zumeist In HueUnA England. Parlamentarische Ersahwahl. London, 10. November.(Eig. Ber.) Für den' verstorbenen konservativen Abgeordneten I. H. Johnstons findet am 11. d. Mts eine Ersatzwahl in Horsham(Susiex) statt. Bei den letzten Haupt wählen hatte Johnstone keinen Gegenkandidaten. Jetzt kandidiert für die Konservativen Lord Turnour. für die Liberalen Mr. Erskine. Der konservative Kandidat, der für Schutzzoll eintritt, ist nur LI Jahre alt.— Rußland. Attentat ans einen Polizei-Obersten. Petrikau, 12. November.(Meldung der russischen Telegraphen� Agentur.) Polizei-Oberst von N ehrlich wurde auf den» Bahnhof von Tschenstochow durch eine u n b e k a n n t e P e r s o n schwer verletzt.— Amerika. Nach der Wahlschlacht. Die Republikaner sind trunken von Glückseligkeit; einen so großen Sieg hatten sie nicht erwartet.„Lrvsoxing tbs Country" („Das ganze Land haben wir ausgefegt"), die Philippinen- und Panamapolitik ist gebilligt, so frohlocken sie. Roosevelt hat über 10009 Glückwimschtelegramme aus aller Herren Länder erhalten, auch der Papst sandte eine Gratulation. Graf Cassini, der russische Gesandte, sprach im Weißen Hanse vor»md gratulierte, was als sehr ungewöhnlich bezeichnet wird. Durch die Wahlwetten haben viele Millionen von Dollars ihre Besitzer gewechselt. Auf den Staat New Dork wurde schwer zugunsten der Demokraten gewettet, aber der republikanische Kandidat wurde als Gouverneur gewählt. Man baute auf die Macht von Tammanh Hall in Groß-Newyork, aber Tammanh gewann die Stadt mit nur 44 000 Majorität, und außerhalb Newyons kam Roosevelt mit einem Plus von 240000 Stimmen, er zog den republikanischen Gouverneur mit sich und weggefegt war Tammanys kleine Majorität. Die Wahlschlacht hat im ganzen Lande 12 Tote und viele Ver- wundete(bei Priigeleien) gekostet, aber man bezeichnet dies als im allgemeinen ruhig und würdig verlaufen". In Kolorado, wo es zu blutigen Auftritten kam, ist der den Arbeitern verhaßte Gouverneur Peabody dem demokratischen Kandidaten unterlegen. In Miffouri ist der ehemalige Staatsanwalt Falk, der in St. LoniS eine kolossale Korruption unter den Politikern aufdeckte und die Schuldigen vor Gericht brachte, als Staatsgouverneur gewählt ivorden. Die Demokraten sind ergrimmt über ihre große Nieder- läge. Parker bekommt Eselsfußtritte, auch ohne ein toter Löwe zu sein. Der Millionär und Besitzer von sieben großen demokratischen Zeitungen, William Randolph Hearst, lägt in seiner Presse verkünden,' daß Parker verlor, weil die echten Demokraten des Landes sich weigerten, ihn als Deinokraten anzuerkennen. Hearst meint, ebenso gut hätte I. P. Morgan, der große Trustgründer, Wahlreden für die Demokratie halte» können wie der verhaßte Grover Cleveland. Hearst ist ein schlauer Fuchs; er strebt danach, den ersten Platz in der demokrattschen Partei ein- zunehmen»md hält es mit der radikalen Seite; in seinen Zeitungen buhlt er um die Gunst der organisierten Arbeiter und reckmet auf ihre Mithülfe, um Präsident zu werden. Ueber Parkers Reinfall lacht er sich ins Fäustchen, denn erstens wäre es ihm nicht besser ergangen, und zweitens kann er jetzt seine Notlvendigkeit für die Parte» beweisen.— Die Demokraten wolle» eS wieder mit einer „Reorganisatton" versuchen, wobei die Ansichten von Hearst und Bryan maßgebend sein werden.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. London, 12. November. DaS„Rentersche Bureau" meldet vom 10. d. aus Mulden: Die Russen beschossen in der Nacht vom 9. d. das japanische Lager gegenüber dem Mamalonhügel mit Melinitgranaten; dieS war die dritte Nachtbeschießung im Laufe einer Woche. Die Japaner erwiderten das Feuer nicht. Es findet fast jede Nacht ein Austausch von Artilleriefeuer statt, wobei die Geschütze mehrfach die Stellungen wechseln. Die Japaner werden immer sparsamer mit ihrer Munition, als wenn sie eine große Schlacht erwarten; sie brachten schwere Geschütze bei der Station Schahopu in Stellung ,md haben auch die Station Schiatun, die nächste nördliche, in ihren Geschützbereich gebracht. Es wird gemeldet, daß die Russen den Wasserturm der Station Schahopu, der den Japanern als Beobachtungs- türm diente, durch ihr Feuer zerstört hätten. Die Berteilung von Lebensmitteln und Kleidungsstücken, die ein Geschenk der Kaiserin sind, wurde von der russischen Armee festlich begangen. Die Armee ist überhaupt in besserer Stimmung»md macht eine» guten einheitlichen Eindruck. Die Truppen speichern die von den Chinesen im Stich gelassene Ernte auf. Nur in der vordersten Feuerlinie werden aus strategischen Gründen Häuser zerstört. Das Wetter ist »nilde. Aus Tschifu erfuhr»nan von der Lage Port Arthur» und ist ans die Kapitulation der Festung vorbereitet.— Die Japaner find im Osten offenbar nicht über die Stellung nördlich Saimatsi vorgegangen; sie konzentrieren sich im Zentrum. Man hält die japanischen Verstärkungen für beträchtlich und erwartet einen japanischen Angriff. Die mssische Armee hat drei Rote Kreuz-Züge zur Verfügung. • Die russischen Kriegsinvalden. Die Moskauer Zeitung„Rufs. Wjed." bringt eine er- greifende Schilderung der traurige» Lage, in der sich die russischen Soldaten befinden, die als hülflose Krüppel vom Des gute» Bürgers Jammer. m�. der Magdeburger Stadtverordnetcu-Versainmluug gab es am Donnerstag eine Sozialistendebatte, deren Anlaß ebenso kennzeichnend ist wie der Knalleffekt komisch, in dem sie schließlich endete. Im März d. I. hatten unsere Parteigenossen im Kollegium darüber Beschwerde geführt, daß die amtlichen Bekanntmachungen des Magistrats, die, wie beispielsweise Einladungen zu Wahlen, für die Arbeiter sehr wichtig sind, nur in bürgerlichen Blättern und nicht auch in der von Zehn- taufenden Arbeitern gelesenen„Volksstimme" veröffentlicht würden. Das führte schließlich zur Annahme eines Antrages unserer Genossen durch das Kollegium, solche Bekannt- machungen auch in der„Volksstimme" zu veröffentlichen, die sie kostenlos ausnehmen wollte. Der Magistrat hat diesen Be- schluß nicht ausgeführt. Er ist rechtlich dazu nicht gezwungen, er kann ihn ablehnen, aber seltsam ist das Verhalten des Ma- gistrats immerhin, da sein Vertreter damals selber darauf ver- wiesen hatte, daß ja das Kollegium einen entsprechenden Be- schluß fassen könne, der Magistrat werde das dann erwägen. In der letzten Sitzung fragten nun unsere Genossen an, wie sich denn der Magistrat zu diesem Beschlüsse stelle, und da erklärte der Magistratsvertreter, daß sich diese Behörde mit dem Beschlüsse vom 3. März überhaupt noch nicht beschäftigt habe! Und darüber kam es nun zu der Sozialistendebatte. Einer der bürgerlichen Stadtverordneten begann mit dem roten Lappen zu fuchteln; die feindselige Haltung der Sozialdemo- kratie gegen das Reich und die Monarchie verbiete es, die amt lichen Bekanntmachungen in sozialdemokratischen Blättern zu veröffentlichen. Der Oberbürgermeister schlug in dieselbe Kerbe, berief sich in volle» Brusttönen auf den Eid der Treue. den ein Beamter seinem König geleistet und dergleichen inter essante Reden mehr, die zu der Sache paßten wie die Faust aufs Auge. Unsere Genossen blieben die Antwort nicht schuldig. Sie erinnerten an die politische Vergangenheit des Bürgertums, erinnerten an das Sozialistengesetz usw., benutzten überhaupt die gebotene Gelegenheit, den Herren gründlich die Wahrheit zu sagen. Die waren starr über das, was sie zu hören bekamen und was sie doch nicht hindern konnten, da sie es selbst pro voziert hatten. Das machte sich schließlich bei einem der Herren, dem Sanitätsrat Fischer, in dem tragikomischen Ver- zweiflungsrufe gegen einen unserer Genossen Luft: „Es ist ein Skandal, das» man nicht die Macht hat, den an die Luft zu setzen!" Der gute Sanitätsrat hat mit diesem Worte nicht nur seinem innersten Herzensempsindcn Luft gemacht, er hat allen guten Spießbürgern aus der Seele gesprochen. Ja, es ist ein Skandal und ein Jammer, daß man sich die Sozialdemokraten gefallen lassen muß, die roh die heiligsten Geheimnisse bürgerlicher Cliquenwirtschaft ans Licht ziehen und vor dem längsten und dicksten Zopfe keinen Respekt haben, sich überall einnisten, wo das kleinste Rechtchen wahrzunehmen möglich ist, und dann einen frisch-fröhlichen Kampf beginnen gegen alles, was der brave Bürgersmann als sein angestammtes Privilegium be- trachtet. Wie gern würde man diese Kerle nicht bloß an die Luft setzen, sondern lieber gleich in die Luft sprengen. Weun's nur so leicht ginge! Die Sitzung endete schließlich in Tumult. Der Vorsteher mußte anstandshalber den Herrn Sanitätsrat zur Ordnung rufen, aber ein anderer erklärte unter allgemeiner Zustimmung, daß sie alle dieser Meimuig seien. Der Vorsteher mußte die Sitzung unter allgemeinem Tumult einstweilen schließen. Kompromiß oder selbständiges Vorgehe»? Ueber den Beschluß der Stuttgarter Parteigenossen, diesmal bei ber Bürgerausschutzwahl selbständig vorzugehen, erhält die„Leipziger Polkszeitung" eine Zuschrift ans Stuttgart, die am Schlüsse die Folgen der Kompromißtaktik und den Wert des selbständigen Vor- gehens recht treffend kennzeichnet. Es heißt da: „Der nächste Erfolg des gestrigen Beschlusses wird sein, daß die Volkspartei versuchen wird, mit den Nationalliberalen, Konservativen und Ulttamontanen, die im vorigen Jahre zusammengingen, anzu- bändeln, und baß es dann zu einem Kartell sämtlicher bürger- lichen Parteien gegen die Sozialdemokratie kommen wird, dem wir voraussichtlich nicht gewachsen sind, so daß der eine Sozial- demokrat, der sich jetzt zur Wahl stellen»miß, sein Mandat verlieren dürfte. Diesem Verlust steht aber ein nicht zu unterschätzender Gewinn gegenüber. Unsere Gcmeindevertreter haben sich teilweise bisher durch den Umstand, daß sie durch einen Kompromiß mit der Volks- Partei gewählt waren, in ihrem Verhalten gegenüber dem Ver- bündeten von der Wahl beeinflussen lassen. Man vermied es mit- unter, mit der Schärfe, welche der Sache angemessen gewesen wäre, gegen gewisse Praktiken der volksparteilichcn Gemeinderäte vor- jugehen. Nunmehr fallen diese Rücksichten fort. Unsere Genossen ind in der Lage, sowohl auf dem Rathaus als auch besonder« in »er Wahlagitatton rücksichtslos das Sündenregister der Gemeinde« Vertreter aller bürgerlichen Parteien aufzudecken. Und diese Be- Wegungsfreiheit bei der Agitation wird uns so reichlich Früchte tragen, daß wir in absehbarer Zeit damit rechnen können, auch bei der Kommnnalwahl dem gemeinsamen Ansturm aller bürgerlichen Parteien gewachsen zu sein." DaS sollten auch die Mainzer Genossen recht sehr beherzigen. Gcmeindewahlen. Bei der Stadtverordnetenwahl in dem kürzlich nach K o t t b n s eingemeindeten Arbeiterdorfe S a n d o w kam es zur Stichwahl zwischen unserem Genossen Milk»md einem Mischmasch-Kandidaten. Milk hat 132, der Gegner hat 128 Stimmen, vier Sttmmen zer- splitterten. Eine Stimme mehr hätte unserem Genossen sofort den Sieg gebracht, der umsomehr zu wünschen wäre, weil dannt der erste Sozialdemokrat in das Kottbuser Rathaus käme, wo der vom Wohnungskongreß in Franksiirt a. M. bekannte, die„Massen- Herrschast" verabscheuende Oberbürgermeister Werner residiert. Hoffent- lich treten die Arbeiter bei der Stichwahl besser an. Aus der Pfalz liegen folgende Wahlnachrichten vor: In R e i n g e n h e i n» wurden bei der Gemeinderatswahl fünf Sozialdemokraten gewählt; bisher gehörten nur zwei Genossen dem Gemeinderat an.— In Eisenberg, wo bisher die alt- eingesessenen Bürger dominierten, haben' die Arbeiter glänzend ge- siegt und fünf Genossen zu Gemeindcräten gewählt.— In I g e l- heim wurden zwei Genossen gewählt. Bisher war unsere Partei im Gemeinderat nnvertreten.— In Frankenthal wurden drei Genossen gewählt.— In Kaiserslautern verloren unsere Genossen durch das Zusammengehen der Gegner ihre vier Mandate. Der Königsberger Hochverratsprozcß beginnt soeben im Verlage der Buchhandlung Vorwärts zu erscheinen. Das erste Heft dieses auf 11 Lieferungen a 20 Pf. berechneten Werkes liegt bereits vor. Der Prozeß ist mit Einleitung und Erläntcrimgen von Kurt Eisner herausgegeben. Der Herausgeber hat sich nicht beschränkt auf die Wiedergabe der bekannten Gerichtsverhandlung, sondern er schilder in historischer Folge die ganze EntWickelung, die diese neue Epoche des Russenkurses genommen hat. Das Studium der Akten hat reiches Material zutage gefördert, das die amtlichen Jnszenierungs- künste in einem neuen Licht erscheinen läßt und zeigt, welche Zu« stände der Rechtsunsicherheit sich Hilter dem Deckmantel eines ge» Heimen Vorverfahrens entwickeln dürfen. Der Bericht selbst gibt die Verhandlungen des Prozesses in seinem vollen Ilmfange authentisch wieder; auch ist das gesamte im Prozeß vorgebrachte Material an russischen revolutionären Flugschriften abgedruckt. Das Buch enthält außerdem eine größere Anzahl Illustrationen: russische Kriegs- und Siegcsbilder, an Ort und Stelle aufgenommene Photographien vom Schauplatz des Schristenschmuggels. Auch der Kronzeuge des Pro- zesscs, der russische Lockspitzel Karol Schlipp ernick, erscheint inmitten seiner heimatlichen Umgebung. Bestellungen nimmt jede Parteibuchhandlung und jeder Kolporteur entgegen. Illustrierte Prospekte mit Bestellliste liefert der Verlag gratis. polfceitiekes. Gerichtliches uCw. — Zweimal dreihundert Mark Geldstrafe wurden in den letzten Tagen über Parteiredakteure verhängt. Genosse E r d m a n n von der„Rheinischen Zeitung" in Köln lvnrde zu 300 M. verurteilt. weil er die Verhaftung eines Streikpostens rechtswidrig genannt hatte und Genosse T h i e n st von der„Volksstimme" in Bremer- Häven erhielt dieselbe Strafe, weil er die Züchtigung eines Knaben durch einen Lehrer und das Nichteinschreiten eines Schutzmannes egen Unternehmer gerügt hatte, die Arbeitswellige an der Abreise indem wollten._ Hus Induftrie und Handel» Zum Schiffahrtskampf. Anscheinend wird zwischen den am Ratenkamps beteiligten Linien ein letzter Versuch zur Beilegung der Streitigkeiten unternommen. Tatsächlich hat ztvar, wie wir schon vor einigen Tagen ansführten, die Cunard-Linie über die Hamburg- Amerika-Linie gesiegt; aber auch ihr muß daran liegen, daß der riebe hergestellt wird. Die Unterhandlungen finden in den nächsten agen hier in Berlin statt. Eingetroffen dazu sind: Generaldirektor Ballin von der Hamburg-Amerika-Linie, Generaldirektor Dr. Wiegand, Direktor v. Helmholt, soivie Herr Geo Plate van» Norddeutschen Lloyd und zwei Herren von der Holland-Amerika-Linie und von der Red-Star-Linie. Zu ihnen gesellten sich aus dem gegnerischen Lager Generaldirektor Kuranda nnd Direktor Fraiiffurtcr von der ungarischen Adria und last not Isast Lord Jnverciyde und Direktor Morehouse von der Cunard-Linie. Die rumänisch! Pctroleumindustrie gewinnt stetig an Bedeutung. Wie dem„Börsen-Courier" ans Bukarest gemeldet wird, herrscht zurzeit eine starke Nachfrage nach Petrolcumterrains. Deutsche. französische und englische Ingenieure durchstreifen die Distrikte Prahova, Buzen, Dainbovitza um Bacau. Die Terroinprcise gehen beträchtlich in die Höhe. Die Bohrtätigkcit ist bei allen Gesellschaften eine äußerst rege, und die Vergrößerung der bereits bestehenden Raffinerien sowie die Anlage neuer Fabriken hält mit der zu erwartenden großen Steigerung der Rohölprodicktion gleichen Schritt. Einer vom Minendienste des Domänenministeriums ausgearbeiteten Stattstik zi» Tage, hat sich die Pctroleumproduktton Rumäniens im Jahre 1002/03 auf 332 342 514 Kilogramm und im Fahre 1903104 auf 409 801 014 Kilogramm belaufen. Die Produktion des laufenden Jahres wird jedoch zweifelsohne um ein sehr Bedeutendes höher ausfallen. Alis die Distrikte, in denen Petroleum gewonnen wird. verteilte sich die Produktion wie folgt: 1902/03 Kilogramm Prahova... 287 917 590 Dainbovitza.. 23 411213 Buzeu.... 3 849 170 Bacau.... 6 164 539 1903/04 Kilogramm 370 198 187 27 714 200 5 028 773 0200 240 Letzte Nachrichten und Depefchen. Wiesbaden. 12. November.(W. T. B.) Die heute vormittag stattgehabte Landtags- Ersatzwahl hatte folgendes Resultat: Kommerzicnrat Bartling(natl.) erhielt 250 Stimmen, Dr. Müller- Sagan(frs. Vp.) 123 Stimmen. Ersterer ist somit gewählt. FranzSsische Deputiertcnkammer. Paris, 12. November.(80. T. 93.) Die Beratung des englisch- französischen Uebereinkommens wird wieder aufgenommen. S a r c o uf und Riotteau(beides Republikaner) besprechen das Akikommen mit Neuftmdland, welches den Fischfang Frankreichs auf Neu- fundland zugrunde richte. D e s ch a n e l(Republikaner) spricht seine Freude aus über das Abkommen mit England, welches durch die Lage in Europa notwendig geworden sei. Eine Tagesordnung Archedeacon, welche vorschlägt, das Uebereinkommen zw v e r- tagen, wird von Delcasso abgelehnt und darauf mit 435 gegen 60 Sttmmen verworfen. Eine Tagesordnung Hubert, welche die Erklärungen Delcass« über das englisch-ftanzösische Abkommen billigt, wird sodann mit 430 gegen 94 Sttmmen gebilligt. Das Haus geht sodann über zur Besprechung des Abkon«nenS betreffend Neufundland. Riotteau befürwortet einen Antrag. wonach das ftanzöfifch- englische Abkommen prinzipiell gebilligt und die Regierung ersucht wirb, die Verhandlungen betr. Neufundland fortzusetzen. Delcassö verwirst diesen Antrag, der, wie er sagt, mit einer Ablehnung des Abkommens gleichbedeutend sein würde. Der Antrag wird hierauf mit 38S gegen 174 Stimmen abgelehnt. Zu einem Antrag Cochin-Etienne-Deschanel. worin es heißt, die Kammer ver- lasse sich darauf, daß der Minister des Auswärttgen Ergänzungg- Verhandlungen eröffnen werde, bemerkt Minister Delcasss, die Kammer möge bedenken, daß daS Abkommen etwas in sich Abgeschlossenes ist, was ja die Möglichkeit nicht ausschließe, es zu verbessern. JauröS bittet die Kummer, diesem Antrage nicht zuzu- stimmen, da er die Tragweite des Abkommens abschwächen würde. Das Haus spricht sich zunächst mit 200 gegen 251 Sttmmen gegen die Priorität des Antrags Cochin aus, kommt dann aber auf denselben zurück, da Delcassö sich mit demselben einverstanden erklärt, weil die Annahme des Uebereinkommens nicht die Möglichkeit neuer Ab- machungen ausschließe. Die Kammer nimmt darauf den Antrag mit 457 gegen 5 Sttmmen an; der einzige Artikel des Ueber- cinkommens betreffend Neufundland und West- und Mittelafrna wird mit 443 gegen 105 Stimmen angenommen. Die Borlage. wonach das Uebereinkommen mit Siam gebilligt wird, wird debatte- loS genehmigt und die Sitzung darauf geschloffen._ Berantnx Redakt.-Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw,(mit Ausnahme der„Neue Welt"-Beilage):Th.Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Bnchdr.u.Verlagsanst. Paul Singer siCo.,BcliinLVV. Hierzu 5 Bejlagenin-Unterhaltnngsbl. 21. z-w«, j Keilllge des„Krivlirts" Kerlilltl Wlksbllltt. � Militarismus und Demokratie. Auf uiisere Ausführungen in Nr. 265 des«Vorwärts" erwidert Genosse Kautskh wre folgt: Demokratie und Spitzelei. Wenn ich zu diesem Thema nochmals das Wort ergreife, geschieht eS nicht, um den Versuch zu machen mich mit der Nedakrion des «Vorwärts" zu verständigen. Unsere Standpunkte gegenüber den französischen Dingen sind leider zu sehr geschieden, als daß ein solcher Versuch aussichtsvoll wäre. Ich erwidere auch nicht, um den Eindruck des letzten Artikels des„Vorwärts" zu verwischen; die Redaktion wird immer das letzte Wort behalten, ich darf aber so viel Selbst» ständigkeit bei den Genossen voraussetzen, daß sie unbefangen die Gründe beider Seiten prüfen und nicht durch diejenigen Argumente sich bestimmen lassen, die sie zuletzt gehört. Aber ich möchte einige Punkte klarstellen, die der Mehrzahl der deutschen Genossen vielleicht nicht genauer bekannt sind. . Der„Vorwärts" wirft mir ein, ich hätte ihn, wie Jaurss in gleicher Weise Unrecht getan. Beide hätten die Spitzelet abgelehnt: „Jaurss hat die Prakttken des Hauptmanns Mcllin gemisibilligt". Das ist richtig und auch nicht richtig, wie maus nimmt. Er hat sie mißbilligt, aber auch gerechtfertigt. Im Anfang der Affäre, als der Kriegsminister Andrs erklärte, er habe nichts von den Spitzeleien gewußt, als die Aussicht bestand, durch die Opferung Mollins das Ministerium zu retten, da„miß- brlligte Jaurss die Praktiken" des Hauptmanns. AIS sich aber herausstellte, daß Andro gelogen, daß er diese Praktiken gekannt und an ihnen Teil genommen, da entdeckte plötzlich Jaurös, sie seien durchaus nicht unanständig. In der„Huma- nitö' vom 1. November führte er aus, Mollin habe allerdings dadurch gefehlt, daß er die Wichtigkeit seiner Rolle übertrieb, aber, fuhr er fort:„Mollin seines Offiziersgrades zu entkleiden, wäre eine bedauerliche und unkluge Konzcssion an die Panik, an den Schwindel, der einen Augenblick lang die Kamnier zu verwirren schien. Denn er hatte nichts Unehrenhaftes begangen, er hatte im Gegenteil seine Pflicht erfüllt, indem er dem Kriegsminister half, Erkundigungen einzuziehen und so mit größerer Sicherheit in dem notwendigen Werl der republikanischen Wiederherstellung und Befestigung fortzufahren." Eine sonderbare Art.„die Pralttkeit des Hauptmairns Mollin zu mißbilligen". Man sieht, der„Vorwärts" hat alle Ursache, meiner Darstellung vorzuwerfen, daß sie.daö Verständnis der französischen Zustände unendlich erschwere". Den Widerspruch, in dein JaurvS sich bewegt, macht der „Vorwärts" getreulich nach. Aber wenn>ener emige Tage Zeit brauchte, um von der Mißbilligung zur Rechtfertigung zu kommen, so macht das der.Vorwärts" viel kürzer ab. In demselben Artikel entrüstet er sich in der ersten Spalte über mich, weil ich ihn» Recht- fertigung der politischen Spitzelet vorwarf, um in der zweiten Spalte dieselbe Spitzelei mit einem Hinweis auf die französischen Verhältnisse zu rechtferttgen. Zuerst die Negation der Spitzelei, dann die Negation der Negation. Auch eine Dialektik, aber keine marxistische. Damit bin ich natürlich glänzend geschlagen. Nur ein Trost bleibt nur in der Niederlage. Der„Vorwärts" hatte erklärt, a n sich seien„FührungSzcttel, in denen Bemerkungen über die politische Zuverlässigkeit der Offiziere niedergelegt seten, berechtigt." Ich hatte dem gegenüber die Erwartung ausgesprochen, daß auch nicht e i n Parteigenosse diesen Satz unterschreiben werde, und das wird mir früher, als ich erwartet, vom„Vorwärts" selbst be- stättgt, da auch er s e l b st diesen Satz nun nicht mehr unterschreibt. In seiner Erwiderung erklärt er fteilich, er halte seinen Satz über die Führungszettel aufrecht, aber dieser Satz hat plötzlich eine ganz andere Fassung erhalten. ES werden die Führungszcttcl nicht mehr an sich, sondern nur noch„unter Umständen, wie sie in Frankreich bestehen", als berechtigt hingestellt. Das ist aber etwas ganz anderes. Ich hätte nie die Kühnheit gehabt, zu er- warten, kem einziger Parteigenosse werde die Fllhrungözettel unter den besonderen Zuständen Frankreichs für berechligt halten, denn ich weiß leider nur zu gut. daß es eine ganze Reihe von Parteigenossen gibt, die Frankreich für ein Land halten, in de», alle Dinge so sehr auf den Kopf stehen, daß auch der Sozialismus sich dort nur dann behaupten könne, wenn er seine eigenen Grundsätze ebenfalls auf den Kopf stelle. Welches sind aber diese„besonderen Umstände", die in Frank- reich die politische Spionage zu einer sozialistischen RegierungS- cinrichtung machen sollen? Sie sollen in der„Hinterlist" der dortigen „Feinde des Volkes" bestehen, denen gegenüber meine„ethischen An- Wandlungen" ein„politisches Verbrechen" seien. In der Tat, hätte ich nur„ethische Anwandlungen" vorgebracht, so besäße unser sonst so ethischer„Vorivärts" ein Recht, zu erklären, daß damtt nichts bewiesen sei. Aber ich hatte die politische Spionage verurteilt mit dem Hinweis darauf, daß sie unnütz, ja schädlich sei. Ich hatte gezeigt, daß sie nicht imstande sei, den Charakter des Offizier- korps zu ändern, und seine Gefährlichkeit für die Republik zu be- scitigen, so lange seine Privilegien bestehen bleiben, daß nur das M i l i z s y st c m Helsen kann. Ist die Gesinnungsriecherei also unnütz, so wird ihre Anerkennung aber direkt gefährlich für uns, da sie sich schließlich immer wieder gegen uns richten wird, als der Klasse, welche jede Klassenherrschaft bedroht. Wir schmieden damit Waffen, die, mögen sie augenblicklich angewendet werden, wie sie wollen, schließlich sicher gegen uns gerichtet werden. Eine weitersehende Politik, die nicht von der Hand in den Mund lebt, darf auch unter den„besonderen Umständen Frankreichs" nicht die politische Spitzelei als legitime Waffe anerkennen. Ueber alles das schweigt der„Vorwärts". Aber hat nicht Jaurss und nrit ihm der„Vorwärts" anerkannt, daß die Armee nicht so bleiben darf, wie sie ist; rühmen uns nicht beide das große Kulturwerl der„Demokratisierung der Armee", das Andro begonnen? „Kautskh Übersicht", entgegnete der«Vorwärts",„daß die französische Heeresreform, so unzureichend sie für die Sozialdemo- kratie zunächst ist, den Anfang bedeutet einer Aufhebung des Klassen- charakters des Offizierkorps und des Gegensatzes zwischen Armee und Volk. Bisher ist die Armee eine Macht gegen die bürgerliche Ge- Walt und gegen das Volk, aber die geplanten Reformen be- deuten den erste» Schritt— nicht mehr, aber auch nicht weniger—, die Armee unter die Zivilgewalt zu beugen. Bisher bildete der Gcneralstab eine Neben- und Ueberregierung, bereit zu Staatsstreich und chauvinistischen Abenteuern, jetzt soll er der Re- gierung untergeordnet werden. Diese doch nicht zu unterschätzende Frage steht in Frankreich zur Entscheidung." In der Tat ein gewaltiges Werk. Wäre es nicht ein politisches Verbreche», es durch„ethische Anlvandlungen" zu hindern? Sicher, wenn es wirklich in Frage stände. Aber leider handelt es sich um alle diese schönen Dinge bloß in der üppigen Phantasie unserer Genossen vom„Vorwärts". Man sehe sich seinen Artikel nur an; mühsam sucht er alle die geplanten und auch nicht geplanten„Heeresreformen" zusammen, und Ivas hat er uns zu zeigen? Jaurss' Borschlag— nicht Forderung oder Regierungsplan— die Gewährung von Freistellen in der M i l i t ä r s ch u l e zu St. Ehr besser zu regeln und„die Einpferchung der Offiziere an den Offizierstafeln" aufzuheben. Dann noch die Vereinigung der Militärschulen mit den Universitäten, von der er selbst sagt, daß die„republikanische Majorität" sie ablehnt. Das ist alles. Die Beseitigung der Kriegsgerichte erscheint ihm selbst hoffnungslos I Und das nennt unser Zentralorgan die ersten Schritte, die Armee unter die Zivilgewalt zu beugen, den Gencralstab zu unter- werfen, wo doch an dem Wesen und der Macht des Offizierskorps nichts geändert wird. Aber ist da nicht noch eine gewaltige Heeresreform zu nennen, die dem„Vorwärts" besonders imponiert? In der Tat: Die Er- gänzung eines Teiles der Offiziere aus den Unteroffizieren. Schon sieht der„Vorivärts"„eine große Anzahl der Vorgesetzten" aus den«unteren Volksklassen stammen", ein Hinderdnis, die Armee gegen„Väter und Mütter" zu kommandieren. Das Aufsteigen von Unteroffizieren in die Offiziersklasse ist in- des keine Neuerung in der französischen Armee, sie besteht seit der französischen Revolution, es handelt sich hier also um kein neues Prinzip, sondern nur darum, ein paar Unteroffiziere mehr als bisher zu Offizieren zu machen. Das ist alles. Und da- durch soll die Armee demokratisiert werden? Durch den bloßen Wechsel von ein paar Personen soll der Geist der Institution in sein Gegenteil verkehrt werden? Aber der Proletarier, der Offizier wird, hört auf, Proletarier zu sein und unterscheidet sich von seinen Kollegen oft nur noch dadurch, daß er Parvenü ist, alle ihre Eigenheiten nachäfft und besonders hervorzukehren sucht. Schulze-Delitzsch träumte ja auch von einer Sozialisierung des Kapitalismus durch Aufnahme einiger Proletarier in die Kapitalisten- klaffe. Diese Utopie wurde von der Sozialdemokratie mit Hohnlachen aufgenommen. Nun aber will unser Zentralorgan die Armee demo- krattsieren durch Aufnahme einiger Unteroffiziere ins Offizierskorps. Das soll der erste Schritt sein, den Generalstab unter die Zivil- oewalt zu beugen, Staatsstreiche unmöglich zu machen! In Wirklichkeit zählte keine Armee mehr gewesene Proletarier im Offiziers- korps, als die Napoleons I., wo sie bis zur Marschallswürde auf- stiegen, während der Offizier gewordene Troupier heute meist als Leutnant den Rest seiner Tage beschließt: aber keine Armee hat leichter Staatsstreiche gemacht und mehr die Zivilgewalt unter sich gebeugt, als die des ersten Napoleon. Die I n st i t u t i o n e n muß man ändern, will man den MilitarisnmS beugen, nicht einzelne Personen wechseln. Aber Vom Knlturwert der deutschen Schule. Die Stimmen gegen die heutige Staatsschule mehren sich auch im bürgerlichen Lager. Wir haben kürzlich die Schulbroschüre des Jenenser Professors Rein einer Kritik unterzogen; heute möchten wir auf eine andere Broschüre über„den Kulturwert der deutschen Schule" aufmerksam niachen, die kürzlich bei E. Diederichs in Leipzig herauskam. Sie fcheint uns in gleicher Weise beachtenswert. Auch ihr Verfasser ist ein evangelischer Theologe, der bisherige Pfarrer und Ortsschulinspektor Bonus in Großmuckrow. Wir haben uns schon vor Jahren einmal mit ihm beschäftigt, als er als einer der ersten unter den Theologen, allerdings im Interesse der Religion, deren Beseitigung aus der Schule verlangte. Heute gehen seine Forderungen gegen und seine Kritiken an der Schule ganz erheblich weiter. Ja seine vorliegende Broschüre wirkt als eine sehr wuchtige und umfassende, wenn auch etwas schwerfällige und geschraubte Anklage gegen das heutige Schulsystem. Er läßt eigentlich nichts Gutes an ihm und spricht ihm jedenfalls allen Kulturwert ab. Der Mann geht dabei von einem bisher sehr wenig beachteten Punkte aus. Er ist, was einem Theologen allerdings sehr nahe liegt, ein rabiater Verteidiger dessen, was man die Phantasie im Menschen nennt. Er hält sie nicht nur für den wertvollsten Teil im Menschen, sondern auch für dessen alles entscheidenden. Was in ihr Tätigkeitsgebiet fällt, also Religion. Kunst, literar-ästhetisches Schaffen und Nachschaffen, ist schlechterdings Hauptsache, alles andere, auch das Verstandesmäßige und vor allem das Technische, mehr oder weniger Nebensache. Aber dieser durchaus einseitige und deshalb fehlerhafte Standpunkt war in diesem Falle von Vorteil. Er schärfte dam Manne das Auge, um das heutige Schulsystem einer sehr selbständigen Betrachtung zu unterziehen. Dabei greift er vor allem das klassische Prinzip unserer höheren Schulen, die herrschende Unterrichts- Methode in den unteren Schulen sowie den Mißbrauch der Schule durch den Staat zum Zweck der Züchtung„gutgesinnter" Bürger aufs schärfste an und glaubt, indem er die Wirkung dieser drei Faktoren aufzeigt, den Niedergang unseres deutschen Schulwesens erklärt zu haben. Uns will scheinen, daß es noch sehr viel andere Gründe dafür in Betracht zu ziehen gibt, vor allem diejenigen, die in unserer gesamten privatkapitalistisch bestimmten Gesellschafts. ordnung liegen. Doch kommt es weniger auf die erschöpfende Dar- legung aller dieser Gründe, als auf die Tatsache an, daß hier ein Wissender jenen Niedergang überhaupt und rückhaltlos konstatieren muß, mit einem Beweismatcrial, das so auch in unserer Presse bisher noch nicht vorgelegt worden ist. Man Isöre folgende Absätze S- B. über die heutige Unterrichtsmethode:' „Nachdem der Lehrer sich mit den einzelnen... Kindern vertraut gemacht, stellt er nun auf sokratische Methode einmal fest, was an Erfahrungen in der Richtung auf die Geschichte oder das Lied, das behandelt werden soll, das Kind bereits hat. Von da aus geht es vorbereitend auf die innere und äußere Situation des Lehrstückes hin; möglichst alles in Frage und Antwort, damit in jedem Augenblick der Lehrer Herr aller Gc- danken bleibt und alle Gedanken, die schweifen wollen, immer wieder abfangen und zurücklciten kann. Die so vorbereitete Stimmung soll nun nach der Meinung der Pädagogen die interessierteste Erwartung sein, geradezu eine Art Hunger und«Verzweiflung der Unwissenheit", und wir zweifeln nicht, daß es, wenn auch nicht Schüler, so doch Lehrer gibt, welche ehrlich glauben, daß sie mit dieser Methode dem Schüler nichts aufgezpungen, sondern seinen„Hunger" geweckt haben. Nun folgt das Gedicht und dann die eigentliche Arbeit. Wieder muß nun der Schüler ganz von selbst und ohne jeden Wang in Selbsttätigkeit alles das„herausfinden", was der ehrer an guten Lehren allerlei Art in dem Gedichte gefunden hat,„und wenn wir zu einem Resultat gelangt sind, dann faßt einer von den besseren Schülern das Ganze zusammen, und nun wird es in dieser Form eingeprägt". Zuguterletzt kommt dann noch eine Zusamenstellung und Verknüpfung der auf diese Weise aus den einzelnen Lehrstoffen frei gefundenen und dann ein- geprägten Resultate zu einem zusammenfassenden„System". Wer nun, da immerfort betont wird, daß alles frei ge- fundcn und ohne jeden Zwang in Selbtätigteit erarbeitet ist, doch noch Zwang sieht, dem ist eben nicht zu helfen..Das ist viel- mehr gerade das Große an dieser modernen Pädagogik, daß eS hier mit freiem Finden doch schließlich zu festen Resultaten und gar zu ganzen Systemen kommt!" Oder eine andere Charakteristik dieser Pädagogik: «Die Peitsch- und Zuckerbrotmethode des körperlichen und geistigen Knuffens von hinten und der Berechtigungen von vorne,— dieser Schrauben- und Zangengcist, der darein seinen Stolz setzt, Dinge aus den Schülern hcrauszufragen, die nie in ihnen waren, und sich deshalb genötigt sieht, die Antworten in die Fragen zu verstecken und sich und anderen etwas vor- zumachen,— dieser„Anschauungsunterricht", der alle An- schauung durch Begriffe ersetzt und unter Begriffen erstickt diese Religionsstunden, in deren chemisch„sokratischcr" Luft kein Geheimnis mehr atmen kann, in denen alles Höchfie und Tiefste platt gefragt und nichts mehr auf Hoffnung gesät wird: denn es muß alles„verstanden" sein, und das von zwölfjährigen Kindern!— dieser Naturwissenschaftsunterricht, in dem die Kinder gewaltsam von der Natur entfernt werden,— diese altklassische Lektüre, in der die Klassiker als Bcispiclsammlungen zur Grammatik verständlich werden.— dieses„Deutsch", in dem an die Institutionen wagt das heutige Regime in Frankreich nicht zu rühren, es wagt nicht, dem Militarismus zu Leibe zu gehen, und weil es eine durchgreifende Reform weder will noch mag, den be- stehenden Zustand aber unerträglich findet, müht sich mit elendem Flickwerk ab, das es durch den hochtrabenden Namen„Demokratisierung der Armee" aufzuputzen sucht. Aber nicht einmal in der Erneuerung des Personals wagt man dort einzugreifen, wo sie einigermaßen Erfolg verspräche und als „erster Schritt" zur Unterwerfung der Armee und ihres General- stabs unter die Zivilgewalt betrachtet werden könnte: im General st ab selbst. Das beweist erst jetzt wieder der Prozeß Dauttiche, der einen neuen Sieg des Generalstabs darstellt. Freilich, dessen Ueberlegenheit über die Zivilgewalt war schon damals entschieden, als diese am Ende der Dreysiisaffäre vor ihm zusammenknickte und ihm für seine Verbrechen Straflosigkeit zu- sicherte. Sie hat gerade Kurage genug, klerikale Leutnants geheim bespitzeln zu lassen und ihnen die Beförderung zu versagen, wenn sie Betschwestern geheiratet haben; aber sie wagt nicht, offen die überwiesenen Verbrecher deS Generalstabes zur Verantwortung zu ziehen, sondern übergibt ibnen noch die höchsten Kommandostellen. Alles das übersieht unser Zentralorgan, es sieht nur die ge- planten winzigen Reförmchen, übertteibt ihre Bedeutung und kommt so dazu, uns die beginnende Demokrattsierung der Armee an- zuprcisen, wo tatsächlich die Kapitulation der Zivil-gewalt— den ministeriellen Sozialismus inbegriffen— vor dem Militarismus vorliegt. Die Spitzelei ist nur ein Produkt der Schwäche, die dem Gegner hinterrücks einige Nadelstiche zu versetzen sucht, dem sie von vom nicht entgegenzutteten wagt. Wenn ich von der Reforintätigkeit des Kabinetts CombeS sprach, habe ich auch ganz andere Reformen im Auge gehabt, als seine .Armeereformen". Der„Vorwärts" wird wieder meinen, diese Kritik sei„un- gerecht und erbittert", sie erschwere durch„maßlose Bezichtigungen" das Verständnis der französischen Zustände.„Auch die französischen Sozialdemokraten, und zwar nicht nur die ministeriellen, haben diese Vorgänge anders cnipfunden, als Kautsky." Eben erst erscheint die erste Nummer von„La Vie Socialiste", herausgegeben von Mitgliedern des Larti Socialiste Franyais ssogenannte Jaurösisten), aber zum Teil nicht auf das Ministerium Combes eingcschworen. Da finden wir auch einen Artikel von Emil Burs über die parlamentarische Situation. Er lohnte ganz die Wiedergabe, ich muß wegen Raummangel darauf verzichten, wie auf vieles andere, was noch zu sagen wäre, aber einige Zitate daraus werden zeigen, wie französische Sozialisten, die Jaurös nicht feindselig gegenüberstehen,„diese Vorgänge empfunden haben". Es heißt da: „Wir anderen Sozialisten müssen gegen das Regime der ge- Heimen Führungslisten suotss) protestieren, möge es in der Armee, in der Universität, oder der ganzen Verwaltung sein Unwesen treiben. Ehemals, unter dem„Großen Ministerium" Gambetta, hatte Waldeck-Rousseau den Präfetten den Auftrag ge- geben, die Freunde der Regierung zu begünstigen. Die radikale Presse hatte eine heftige Polemik dagegen geführt. Man muß aber zugeben, daß heute die Dinge viel schlimmer liegen. „Wenn man sie entschuldigen will mit dem Recht der Wiedervergeltung, den alten Praktiken des Generalstabs, so mag das Hingehen; sie p r e i s e n, verrät eine bedenkliche zäsaristische Gesinnung. Uebrigens, werden die Offiziere. deren klerikale Gesinnung nian jetzt unterstrichen hat, nicht eines Tages um so rascher avancieren? Welch beunruhigende Unsicherheit herrscht nicht heute im Kriegsministerium, wo man einen Kameraden verdächtigt, weil seine Frau zur Messe geht, und ein hohes Kommando Herrn Geslin de Bourgogne gibt, der den Landesverrat der Emigranten pries I Man wirke rasch dahin, daß niemand Offizier werden kann. der nicht Soldat gewesen, und die Junker werden schon etwas weniger zahlreich in der Armee werden. Man entwickelt nicht den demokratischen Geist, wenn man die nationalistischen Methoden eines entwürdigenden SpitzeltumS anwendet, durch die nur Intriganten begünstigt und alle edlen Naturen abgestoßen werden; man muß die Institutionen anpacken, will man wirklich nützlich wirken." Man sieht, mein«politisches Verbrechen"„ethischer Anlvand- lungen" wird auch unter den„Umständen, wie sie in Frankreich be- stehen", von dortigen Sozialisten begangen— wenn sie nicht vom Ministerialismus hypnotisiert sind. Auch der„Vorwärts" würde anders empfinden und urteilen, wäre er nicht für die„besonderen Umstände Frankreichs" gar zu ministerialistisch. Das Ministerium Combes war in Gefahr, das erklärt seine wie Jaurös Haltung; es war gefährdet nicht durch die Spitzeleien seiner Gegner, sondern durch die eigenen Spitzeleien, durch die Verachtung, die alle anständigen Menschen gegen die politische Spionage empfinden, eine Verachttmg, welche die Masse der Regrerungsanhänger selbst teilten. Das Ministerium war verloren, wenn sich nicht ein ein armes Gedicht solange erklärt wird, bis poetische Anschauung und künstlerische Empfindung zum Teufel sino, und die öde, graue Schulqual aus ihm herausgrinst wie auS allem, was die Schule bisher angefaßt hat; dieser umgekehrte König Midas, unter dessen Fingern alles Gold zu Staub wird." Eine Schilderung vom Gymnasium: „Diese Zeit, in der Menschen, die aus eigenem Antriebe nie im Leben zwei Seiten Isias lesen würden, zwei Jahre lang Isias stümpern, weil-- ja weil sie das Recht ersitzen müssen, auf irgend eine Weise, die mit der Isias nichts zu tun hat, ihr Brot zu verdienen!— diese Zeit, in der das Lügen gelernt und täglich und reichlich geübt wird vom Ultimus bis zum Primus! diese Zeit, in der unter dem Tische der fingerfertige Betrug herumkriecht, während über den Tisch hin die gewichtigen Worte schreiten: Ocki profarnim vulgus et arceo: ich hasse das gemeine Volk und halte es mir vom Leibe— jenes Volk nämlich, das nur aus Not betrügt, statt aus praktischem Idealismus! Li iractue illabatur ordis, impa- vickum ferient ruinae: wenn der Erdkreis schwankt und zerbricht, so werden die Trümmer einen Unerschrockenen-- Herrje, da hätte der Lehrer ihn beinah ertappt!— Integer vitae scelerisque purus: wohl dem, der frei von Schuld und Fehle— diese Zeit, in der achtzehn- bis zwanzigjährige Männer dumme Jungen heißen und sind und für ehrlos und rechtlos gelten und mit aufeinandergebissenen Zähnen alles über sich ergehen lassen: nur noch ein bißchen Geduld, nur noch ein bißchen weiter heucheln! bald wird kommen der Tag und die Freiheit!— diese Zeit, aus deren Folter und Qual und sittlicher und seelischer Not der, welcher sie erlebt hat, seine nächtlichen Angst- träume nährt!— Ja, wir sind ein geduldiges Volk. Wir sind das Volk des praktischen Idealismus." Der Staat aber fördert diese ganze Methode, für die er durch seine Fuktionäre den Lehrstoff passend verschneidet: „Die neue Pädagogik läßt kein Plätzchen, kein Häkchen für eigene Gedanken und Gefühle frei. Ihr ganzer Unterricht ver» läuft gerade in einem fortwährenden Zurückholen und Ein- stampfen der freien Gedanken und Gefühle. Und dazu kommt nun, daß der Staat all diesem methodischen Zwang mit der roheren Gewalt der Gesetze erst die Möglichkeit gibt, sich auszuwirken... Und so konimen denn Krcisschulinspektorcn und Schulrat in regelmäßigen Absätzen, um das Wachsen der guten Gesinnung abzuhören, und von Rechts wegen soll der OrtSschulinspeltor diese große Revisionstätigkeit ins Wöchent» liche und Tägliche hineinvertiefen. Wenn dieses System sich programmäßig auswirken könnte, so müßte ein halbes Jahrhundert später das Volk wie eine einzige Armee von„Gutgesinnten" dastehen, von Urwählern, die zur W.ghl marschierten im.Gardeschritt, um den Mgnn ihrer Parlamentarier fand, der die Kühnheit hatte, mit aller Leidenschaft. die einer großen Sache würdig ist. die unreinlichen Praktiken in ihr Gegenteil umzureden. Das hat Jaurös geleistet. Er hat dadurch das Kabinett Combes gerettet, aber den Sozialismus kompromittiert. Und das ist es, was ich ihm und dem«Vorwärts", der seine Argu- inentatioii annahm, verwerfe. Nicht seine Abstimmung— auch die revolutionären Sozialisten stimmten für das Ministerium und ich hätte es auch getan— sondern die Begründung seiner Ab- stimmung. Möglich, daß das Ministerium nur durch diese Begründung zu retten war. Dann aber wäre sein Fall das kleinere Nebel für uns gewesen. Denn die Werbekraft des Sozialismus und seine Reinheit, das heißt unsere eigene Kraft, steht uns höher, als die Existenz eines Ministeriums, das doch nur eine bürgerliche Kraft darstellt. � � K. Kautsky. Genosse Kautsky erklärt den Versuch, sich mit uns zu ver- ständigen, für aussichtslos. Das liegt aber nicht an uns. Uns war Kautsky so oft Lehrer, daß wir ohne Ucberwindung anerkennen würden, wenn er uns eines Irrtums überführt. Aber— das ist das Bedauerliche— in dieser französischen Aiigelegenheit hat sich Kautsky die Schenklappe so breit und so hoch vor die Augen gesetzt, daß er die Tatsachen nicht richtig zu erkennen vermag. Kautsky appelliert an die Genossen, daß sie sich durch die zuletzt gehörten Worte nicht bestimmen lassen. Dieser Appell an das Selbst- verständliche zeigt nur da-Z sehr berechtigte Mißtrauen, das diesmal KautSky selbst in die Wirkung seiner Darlegungen setzt. Wir könnten auf die nochinalige Replik vollständig verzichten, da unsere Auffassung in nicht? widerlegt ist. wenn nicht Kautsky einige neue, den klaren Tatbestand verwirrende Irrtümer hinzugefügt hätte. Wir wollen so bündig als möglich diese Irrtümer feststellen. 1. In blindem Eifer scheut sich Kautsky nicht, seinem Partei- genossen Jauros die niedrigste Charakterlosigkeit zu unterstellen, ohne die geringste Berechtigung. Er behauptet, der KriegSmünster Andre habe gelogen und Jaurös habe, als die Lüge aufgedeckt war, plötzlich die Haltung gewechselt und die zuvor mißbilligten un- anständigen Praktiken der Spitzelei nunmehr verherrlicht. Diese durchaus den Nationalisten nachgcfprochenen Behauptungen sind ganz- lich unrichtig. Der Pariser Korrespondent des„Vorwärts", der auch für KautSky nicht im Verdacht ministerialistischer Neigungen oder der Beschönigung von Jaurssschen Charakterlosigkeiten steht, hat nichts dergleichen berichtet, sondern das, was Kcmtsky den Wechsel in der Haltung Jaures nennt, lediglich als die l.von Jaurss angeregte Taktik der Gegenoffensive, die vom ministeriellen Lager befolgt wurde", bezeichnet.(Siehe„Vorwärts" Nr. 263.) In der Sitzung vom 28. Oktober wurde bekannt, daß der Hauptmann Mollin sich fortdauernd an die Freimaurerloge gewandt hatte, um dort Auskünfte über Offiziere, ihre Gesinnungen und ihr privates Leben einzuholen. Diese verwerfliche Methode der Einholung solcher Mitteilungen kannte der Krieasminister nicht. Er mißbilligte sie, Jaurss nnhbilligte sie und die Regierung nahm eine Tagesordnung an, durch welche sie gcmißbilligt wurde; Mollin lvnrde seines Postens im Ministerium entkleidet und zur Armee zurückgeschickt. Aber die Nationalisten und ihre Verbündeten wollten die berechtigte Empörung über die von Mollin betriebene Methode weiter ausnutzen, um die Regierung zu stürzen. Sie haben dabei auch in der Presse die Behauptung aufgestellt, der Kriegsminister habe die Unwahrheit gesagt, er habe den verwerflichen Verkehr mit der Loge veranlaßt oder gekannt. Hierfür ist jedoch von den Vertretern der Reaktion in der Deputicrtenkammer nicht der geringste Beweis geführt worden. Von einen» Wechsel der Haltung Jaurss infolge der Auf- deckung einer Lüge des Kriegsministers kann daher in keiner Weise geredcr werden. Gegenüber dem siegesgewiffcn Ansturm der Reaktion forderte Jaurös die Unterscheidung zwischen den gcnrißbilligten Handlungen jenes Hauptmanns und den be- rechtigten Mitteln der Kontrolle. Auf Grund dieser Unterscheidung ergriff er die Offensive, ohne welche auch die Reformen, welche selbst Kautsky dem jetzigen Ministerium nicht aberkennt, verloren gewesen wären. 2. Unsere Aeußcrungen zur Spitzelei verwirrt Kautsky also: Erst hätten wir die Spitzelet gemißbilligt, um sie dann sogleich zu rechtfertigen; aber während wir das Verwerfliche früher„an sich" gerechtfertigt hätten, Wollken wir nun selbst diesen Satz nicht mehr unterschreiben und die Spitzelet nur noch„unter Umständen, wie sie in Frankreich bestehen", gelten lassen. Es ist keine geringe Hexerei, die Kautsky hier vollbringt. Will denn Kautsky durchaus nicht verstehen. was gesagt ist? Es fiel uns natürlich niemals ein, die Spitzelei, die wir getadelt, dann mit den be- sonderen französischen Umständen zu entschuldigen. Spitzelei bedeutet alle Machenschaften der Aushorchuug und Gesinnungs- riecherei durch geheime Angeber. Dies Verfahren haben wir ver- urteilt, und zwar für jeden Fall. Was wir billigten, ist ein Verfahren, das mit Spitzelei nichts gemein hat, nämlich die Annahme von Mitteilungen seitens der Präfekten und privater Personen über unberechtigte Zurücksetzungen von republikanisch gesinnten Offizieren durch die der Republik feindlichen Vorgesetzten. Solche Miiteiluiigen aufzunehmen, zu prüfen und, wenn Unrecht Schulgcsinnung zu wählen und sich nach der Wahl vor Freude und Harmonie in den Armen zu liegen. Und es wäre dann auf dem Wege der völligen Freiheit erreicht, was man früher mit dem bösen Zwang der Inquisition und des Scheiterhaufens nicht zu erreichen vermochte, die absolut einheitliche und gute Ge- sinnung. Man brennt dann nicht mehr das Unpassende aus, sondern man knetet sich das„Volk" von vornherein in die ge- lvünschte Form...." Endlich noch ein abschließendes und zusammenfassendes Urteil über diese Pädagogik: „Wenn so erst die gesamte Mechanik des Willens- und sonstigen Geisteslebens bloßgelegt ist, so wird man damit an die Hebel alles menschlichen Geschehens gekommen sein. Wenn cs in früheren Zeiten vom Genius hieß, er habe auf der Seele feines Volkes gespielt wie auf einer Harfe, so wird man aus die zweischneidige und unberechenbare Kraft des Genius dann nicht mehr zu warten brauchen, sondern die Seele des Volkes liegt da wie das Griff- und Pfiffwcrk der Lokomotive, und sobald Königliches Ministerium Reskript erläßt, so werden die bestimmten Schrauben angezogen oder gelöst, und wir fahren mit Wiffenschaft und Dampf unter Ausschaltung aller dumpfen Instinkte und unberechenbaren Veranlagungen in die sonncnerhcllte Zukunft, in den Himmel auf Erden." Und damit genug der Zitckte. Mögen Fachleute ihren Inhalt auf Richtigkeit im einzelnen nachprüfen. Mögen sie dabei immerhin Ucbertreibungen aufdecken. Das steht jedenfalls fest: hat der Mann mit den Angriffen und Anklagen in seiner Broschüre auch nur zur Hälfte recht, so bedeutet auch das schon den Bankrott des gesamten heutigen Schulwesens in bezug auf kulturelle Lei st un gen. Auch die deutsche Schule ist mit hineingezogen in die Dekadence, die unsere bürgerliche Ge- sellschaft charakterisiert. Denn sie schafft das Gegenteil dessen, was sie schaffen soll: nicht Individualitäten, sondern Uniformitäten, nicht Persönlichkeiten, sondern Schabloncnmcnschen. An den Schluß seiner Broschüre fetzt der Pfarrer auch ein Kapitel: Von der Rettung. Man könnte nach seinen voran- gegangenen kräftigen und tapferen Ausführungen erwarten, daß er in diesem Schlutzkapitel eine Art Schulprogramm entwickeln würde. Seine ganze Kritik drängt darauf hin. Aber hier versagt auch er. Nur vier einzelne, allerdings wieder sehr eigenartige Vorschläge macht er. Sie lauten: 1. Die Einsicht in das Wesen der herrschenden Pädagogik und in unseren rohen Kulturzustand verbreiten. 2. Mit den, wie wir glauben, vielen und jedenfalls tüchtigsten Lehrern zusammengehen, die unter dem jetzigen System des geistigen Drills leiden. 3. In unseren Kindern die Energie der Notwehr stärken, selbst wenn man sie Faulheit nennen sollte. 4.„Die Schule als Massenunterrichtsanstalt unter Staats- zwang mit uniformen Lehrplimcn, deren Inhalt also von In» geschah, Abhilfe zu treffen,—dies haben wir, so wenig wir es prinzipiell und für einen sozialdemokratischen Zustand der Dinge ver- treten, als erlaubt und bei den Frankreich erfüllenden Kämpfen um die Armee als notwendig bezeichnet. Dieselbe Ansicht ist von JaursS vertreten worden. Es ist wahrlich ein tolles Stück, daß Kautsky gleichwohl noch immer davon reden kann, wir wollten„die politische Spionage zur sozialistischen RegierungS- einrichtung" machen, Jaurös habe„die unreinlichen Praktiken in ihr Gegenteil" umgeredet und„den Sozialismus kompromittiert". Kautsky� erhebt hier ähnlich unberechtigte Anklagen, die unsere schlimmsten Gegner gegen die Gewerkschaften erheben, die man des Terrorismus beschuldigt, weil die organisierten Arbeiter nach Möglichkeit darauf dringen, daß ihre Arbeitskollegen der Organisation beitreten. 3. Zu der Frage der Sl r m e e r e f o r in bringt Kautky kein neues Moment. Er wiederholt nur in allerlei Wendungen, wir hätten diese Reformen übermäßig gepriesen, wir liehen ihnen hoch- tönende Namen usf. Man mag meinen, wir hätten in unserem ersten Artikel, der unter dem frischen Eindruck der überaus erregten Parlamentsdebatte und im Vergleich zu den Rückständigkeiten der deutschen Hecreszustände geschrieben wurde, einen Ton zu hoch ge- griffen,— wir sind nicht die Rechthaber, uns um Formalien zu streiten. Aber in der Sache haben wir ausdrücklich erklärt, daß vom Standpunkt der Sozialdemokratie diese Reformen durchaus un- zureichend seien. Der Unterschied zwischen unserer Auffassung und der Kautskys beruht nur darauf, daß er überhaupt keine klare Ein- schätzung derselben zu stände bringt. Wir erkennen in diesen Reformen, so gering sie sein mögen, die Möglich- keit zur inneren Umgestaltung der Armee aus einer volksfeindlichen und staatsstreichgeneigten Sondermacht in ein Instrument der Zivilgewalt, deren Zusammen- setzung in Frankreich lediglich vom Volkswillen ab- hängt. Kautsky aber redet bald von winzigen Rcförmchen, bald verschwindet auch das winzige und das Verhalten der bürgerlichen Linken bedeutet ihm schließlich die Unterwerfung der Zivilgewalt unter den Militarismus. Dies sind Ucbertreibungen und Widersprüche, die sich selbst richten. Wer sich Kautsky anvertraut, bleibt über die französischen Vorgänge völlig im Dunkeln. Nach ihn» handelt es fich nur darum, daß einige Offiziere aus den Industrie- und Handelskreisen, obschon diese Kreise keine militärischen Neigungen haben sollen, in die Armee Zutritt begehren, daß einige Unteroffiziere aus dem Volke Offiziere werden dürfen, die dann als ParvcnuS erst recht militaristisch sein werden. Wenn eS so läge, so würden die bis zum körperlichen Angriff auf den Minister ge- steigerten Wutanfälle der Reaktionspartcien vollständig un- begreiflich erscheinen. Nach Kautsky finden erregte Kämpfe statt, ohne daß überhaupt ein Kampfobjekt vorhanden wäre. In Kautskys Darlegungen kapituliert der gesunde Verstand vor der Beftirchtung, es könnte durch nachdrückliches Eintreten auch fürReformen minderen Grades die sozialistische Idee geschmälert werden. Wir aber haben stärkeres Vertrauen in die sozialistische Idee und glauben allerdings, die französtscheArbeiterklasse vermag, wenn die ersten Schritte getan sind, zu weiteren Schritten zu treiben' So sehr wir entfernt sind, die Armee-Reform in Frankreich zu überschätzen, so sehr müssen wir die Beurteilung Kautskys darüber zurückweisen. Die Forderung der Beseitigung der Kriegsgerichte zunächst ist von den eigentlichen Regierungsparteien, den Radikalen, auf ihrem letzten Kongreß in Toulouse erhoben worden, ein Verhalten, von dem bei uns die Freisinnige Volkspartei weit entfernt ist. Kautsky spricht von der„Aufnahme einiger Unteroffiziere in das Offizierkorps", und er sagt, das sei auch bisher schon geschehen. Wie steht es damit in Wahrheit? Bisher kannte die französische Armee zwei Arten Offiziere: die aus der Schule von St. Cyr(zu vergleichen den deutschen Kadettenanstalten) und der Polytechnischen Schule hervorgehenden, die als Leutnants in die Armee erntreten und bisher den Charakter der Armee als Hort der nationalistisch- klerikalen Reaktion bestiimnten. Die zweite Klasse umfaßt diejenigen, lvelche als gewöhnliche Soldaten eintreten und nach Ableistung ihrer Dienstzeit und Ernennung zum Unteroffizier auf besondere Ausbildungsschulen gehen, von wo aus sie als Offiziere ein- gereiht werden. Jetzt sind nach dem dem Senat vor- liegenden Wehrgesetz zwei Neuerungen beabsichtigt: Einmal sollen die Adjutants(Feldwebel), die im ganzen zehn Jahre vor- wurssfrei gedient haben, ohne weiteren Schulbesuch zu Offizieren befördert werden, und zwar soll jährlich ein Zehntel aller zn Be- fördernden anS dieser Kategorie hervorgehen; auch soll die Klasse der Adjutanten die zu Befördernden selbst bezeichnen. Sodann ist die Bestimmung, deren endgültige Annahme allerdings noch Zweifel- hast ist, vorgesehen, daß auch alle diejenigen, welche die Schule von St. Cyr oder die polytechnischen Schulen besuchen wollen, um Offizier zu werden, zuvor die allgemeine Dienstzeit von zwei Jahren in der Armee ableisten sollen. Völlig übergeht Kautsky die Abschaffung desEinjährig- Freiwilligen-PrivilegS. Es ist zweifellos, daß viele Mißstände im Heer sich vermindern müssen, wenn auch die Söhne der besitzenden Klasse der völlig gleichen Behandlung unterliegen wie dividualität, Begabung, Gesinnung des Lehrers und erst recht des Schülers losgelöst ist, kann diesem ihrem Wesen nach lediglich technisches Können überliefern. Sie soll sich damit be- g n ü g e n. In erster Linie also— und das könnte für die Volksschule überhaupt genügen(II)— Rechnen, Lesen, Schreiben, dazu Turnen und Hand- fcrtigkcitsuntcrricht, und wenn cs durchaus sein muß, Begriffs- bildung, d. h. logisch deutliches Sprechen. Auf den höheren Schulen fremde Sprachen... Sollen od-r müssen aber Stoffe der Vaterlandskunde, Religion, Kunst geboten werden, so f'1 jeder Ge- sinnungsuntcrricht dabei vermieden und im höchsten Falle ein freier Vortrag zugelassen werden. Wird er nicht verstanden, um so besser! Bleibt einzelnes, das die Phantasie beschäftigt, gut! Wer aber das GesinnungSbilden und Seele- riechen nicht lassen kann, der sei verflucht." Von diesen Vorschlägen können die ersten zwei passieren; sie sind selbstverständlich. Dagegen fordert der vierte schärfsten Protest heraus. Denn er läuft tatsächlich auf eine Einschränkung des Schulunterrichts, freilich nicht bloß der Volks-, sondern aller Schulen hinaus, und kommt damit den Wünschen unserer ärgsten Volksfeinde, der Agrarier, weit entgegen, denen die dümmsten Arbeiter bekanntlich die liebsten sind. Dennoch muß man sich hüten, diesen Pfarrer hier mit jenen Agrariern zu identifizieren. Seine Motive sind deutlich ganz andere als die jener. Während diese die Volksmassen möglichst zu lebendigen Maschinen entleeren wollen, will er gerade diesen Entlcerungs- und Schablonisierungsprozctz, den er sich in unserem heutigen Schulbetrieb an unseren Kindern vollziehen sieht, verhindern. Daß aber der Mann dafür kein anderes Mittel als die Zurückschraubung des Schulunterrichts auf ein sehr früheres Stadium sieht, das ist das Charakteristische, das allgemeinere Bedeutung als Symptom hat. Es i st der Bankrott, das Eingeständnis der Unfähigkeit, die Schule aus den heutigen verfahrenen Zu- ständen endgültig und vollständig zu befreien. Es ist nur eine neue Form der Stellung, die viele der bürgerlichen Gesellschaft dem bestehenden Schulproblcm gegenüber einnehmen. Entweder nach konservativ-nationalliberal-ultramontanem Rezept: Rücklieferung der Schule an ihre Stiefmutter, die Kirche! Oder nach nationalsozial-freisinnigen Vorschlägen: Versimultanierung der Schule und damit Auslieferung derselben an ihren Stiefvater, den Klaffen- staat! Oder endlich die Pferdekur dieses Pastors und seiner Ge- sinnungsfreundc: Amputation der Schule an Haupt und Gliedern! Für uns Sozialdemokraten aber ist diese Broschüre nur ein neuer Beweis für unsere Pflicht, ein Schulprogramm zu schaffen, das Hörner und Zähne hat, das ein leuchtender Richtpunkt wird, aus den allein die Schule der Gegenwart sich hin entwickeln muß, wenn sie nicht noch weiter von dem bißchen Kulturwert einbüßen will, über das sie noch verfügt. alle anderen. Welch eine Entrüstung würde die deutsche Bourgeoisie mitsamt ihrer„äußersten Linken" ergreifen, wenn bei uns dieselbe Forderung durchgesetzt werden sollte! Im„Tag" würdigte vor kurzem Generalmajor Keim diese Maßnahme wie folgt: „... Andererseits bedeutet die zweijährige Dienstzeit in Frankreich die denkbar schärfste, rücksichtsloseste Durchführung des Grundsatzes der allgemeinen Wehrpflicht, wie sie kein anderes Land kennt. Jeder Franzose mutz zukünftig gleichzeitig zwei Jahre unter den Fahnen stehen.... Man sieht, daß das� neue französische Wehrgesctz nicht nur theoretisch, sondern auch tatsächlich den Grundsatz gleicher persönlicher Waffenpflicht ohne jede Einschränkung zur Geltung bringt. Daß damit auch eine bemerkenswerte soziale Gleichstellung herbeigeführt wird, was den Waffendienst angeht, liegt auf der Hand. In Zu« kunft ist wirklich jeder Franzose auch in dieser Beziehung gleich vor dem Gesetze,.,. Der Widerstand gegen die zweijährige Dienstzeit ging deshalb auch zum größten Teil von den privi- legierten Klaffen einschließlich der Klerikalen aus." Wenn alle jungen Leute zwei Jahre dienen müssen, so dürste allerdings die Bewegung für die weitere allgemeine Ver- k ü r z u n g der Dienstzeit, nach Friedrich Engels dem eigentlichen Weg zur sozialistischen A b r ü st u n g, auch aus den Kreisen Unter- stützung finden, die bisher die längste Dienstzeit als gut genug für das gewöhnliche Volk ansahen. Schließlich ist noch zu erwähnen, daß in Frankreich auch für die Kavallerie der zweijährige Dienst zur Einführung gelangt. Man mag solche Maßnahmen sehr gering einschätzen, und sie bedeuten, wie sich versteht, auch entfernt nicht die von uns an- gestrebte Aufhebung der stehenden Heere, aber sie dürfen sich doch neben manchen Forderungen sehen lassen, die wir deutsche Sozial- dcmokraten im Reichstage zum HcercSetat in zunächst aussichtslosen Resolutionen erheben! Das Beispiel deS eingestellten Prozesses gegen die fälschenden Offiziere des Generalstabes, das KautSky anführt, zeigt im be» sonderen die Verfehltheit seines Urteils. Kautsky erhebt den Vor- wurf, daß die Zivilgewalt nicht einmal wage, gegen die Generäle vorzugehen,— derselbe Kautsky. welcher der Zivilgewalt die elementaren Mittel des Vorgehens vorenthält! Woher die Ein- stellung des Prozesses: dieselben Generäle, die vor wenigen Monaten die Angeschuldigten schwer belasteten, haben gerade in dem Augen- blick, da der Kriegsminister zu stürzen schien, umgeschwenlt und günstiges Zeugnis abgelegt, auf Grund besten die Einstellung der Anklagen nicht zu vermeiden war, Sie fürchteten die Rache einer neuen Regierung. Das sind abscheuliche Zustände in einer Armee. aber es sind die Zustände des kritischen Ueberganges. Sie zeigen, daß ein wirklicher Kampf um die Armee geführt wird, und welche Schwierigkeiten der bürgerlichen Gewalt ini Wege stehen, ihn zu führen. Aber Kautsky sieht in diesem Kampfe nichts als ein ivenig Konkurrenzstreit zwischen Personen, an dem das Proletariat kein Interesse habe. S. KautSky erklärt, er habe, als er von den Refornien, die die Regierung wolle, sprach, nicht an die Armeercformen gedacht, sondern an andere Reformen. ES ist interessant zu erfahren, daß Genosse Kautsky jetzt andere Reformen der bürgerlichen Regierung erheblich würdigt. Die revolutionären Sozialdemokraten, die jetzt für das Ministerium und den Kriegsmiilister stimmten, haben oft gegen dasselbe gestimmt, weil jene anderen Reformen, beispiels- weise die sozialpolitischen, ihnen ungenügend und verfehlt er- schienen. 6. Schließlich bcharrt Kautsky bei dem Ratschlage, daß für eine bürgerliche Regierung gestimmt loerden solle, die soeben als eine Regierung der größten Schuftigkeiten entlarvt sei. Kautsky versetze sich in die parlamentarische Wirklichkeit, um die Unmöglichkeit dieses Ver- fahrens zu erkennen. Der sozialdemokratische Redner erklärt: Ihr seid der Korruption sondergleichen überführt, Ihr seid Lügner, aber— wir stimmen für Euch. Einer solchen Regierung gegenüber, wie sie Kautsky kennzeichnet, könnte die Frage deS kleineren Nebels überhaupt nicht in betracht kommen. Gerade da Kautsky die Haltung der bürgerlichen Radikalen gegenüber der Spitzelei für vor- trefflich hält, so hätte er diese Regierung zu Fall bringen müssen, um aus denselben Parteien eine Regierung von reinen Persönlichkeiten zustande zu bringen. Tatsächlich aber haben die sranzösischcn Sozialdemokraten, und zwar die antiministenellen, nicht das Unmögliche vollbracht, was Kautsky ihnen zumutet. Sie haben für die Regierung nicht um der „anderen Reformen" willen gestimmt, sondern sie haben sich auSdrück- lich für die„Mittel der regelmäßige ii Kontrolle" zum Schutze der Republikaner in der Armee erklärt. Diese entscheidende Tatsache mich allerdings Kautsky beharrlich übersehen, wenn er nicht de» Irrtum seiner ganzen Stell lliignahnle in dieser Frage zu- gestehen will!_ GcwcrhfcbaftUchea» Ter Schriftführer. Wir haben setzt die Zeit der Generalversamnilnilgen, in denen die Gewerkschaften resp. die Einzelzahlstellen die Wahl ihrer Vorstände vornehmen. In die Personenfragen bei diesen hat sich natürlich eine Tageszeitung noch weniger einzumischen als dies etwa ein Fachorgan tun dürfte, und doch stehen die Redaktionen beider Vlätterarten init einem der Vorstands- Mitglieder, mit dem Schriftführer, in andauerndem Konnex. So mancher, der unter dem Beifall seiner Berufsqenossen schon berechtigte oder nicht berechtigte Beschwerden über die Redaktionsführung seines Partei- oder Gewerkschaftsorgans vortrug, hat in dem Augenblick wohl nicht überlegt, ob nicht violleicht auch der Nedaktcur mindestens ebenso berech- t i g t e n Anlaß zur Klage hat. Da wird geklagt über Streichungen. Vielfach handelt es sich ja dabei nur um eine MeinungSdifscrenz über die Notwendigkeit und den Wert dieser oder jener Mitteilung; darin kann auch der Redakteur irren. Es kommt aber vor, daß derselbe ganze Sätze wegen der U n s ä b i g k e i t der Schriftführer streichen muß. der sich so unklar ausdrückte, daß der Unsinn � und sei daS dahinter Verborgene noch so wichtig— unmöglich ins Blatt gelangen durfte. Geht auf diese Weise etwas verloren, dann trifft die Schuld den Schriftführer oder richtiger die Mitglieder der Organisation, welche einen Unfäbigen auf diesen Posten stellten. Nicht anders sieht es vielfach bei Klagen darüber, daß der Bericht verspätet Aufnahme fand und ihm erst nachher eingelaufene vorgezogen wurden. Ter überlastete Re- dakteur spediert natürlich als Futter für die Druckerei zu- nächst die druckreifen Berichte nach dem Setzersaal. Erst in einer stillen Stunde nimmt er sich die vor, die ihm wegen Stil und Orthographie einer besonderen Durcharbeituna be- dürftig erscheinen. Hinterher klagt womöglich der Schrift- führer, der sein Amt wegen mangelnder Fähigkeit lieber einem anderen überlassen sollte, über die durch ihn selbst verursachte späte Ausnahme. Der„Korrespondent für Deutschlands Buchdrucker", der uns zu diesem Thema angeregt hat, schreibt über die Frage: „Schon bei der Wahl wird wenig Rücksicht auf diesen Posten genommen. Der Mann braucht ja bloß niederzuschreiben, was in der Versammlung vorgekommen und das ist doch keine Kunst! Da die Mitglieder von der Arbeit eines Schriftführers eine rein mechanische Vorstcllungsweisc haben, ist es ganz nebensächlich, wer mit diesem Amte betraut wird. Auf diese Weise werden Kollegen zu Schriftführern gewählt, denen jede Vorbildung dafür mangelt. Sie haben kein Augenmaß für das Wichtige und Unrichtige in ihren Berichten, ganz abgesehen davon, daß sie ihrer Aufgabe als Interpreten de» geistigen Lebens eines Ortsvereins in keinem Falle gerecht werden. Fast allen Berichten merkt man an, daß sie in der Eile ge- schrieben sind, und daß der Verfasser bei ihrer Fertigstellung kaum einiges Interesse an den Tag gelegt haben kann. Oft mag man sich auch zu Hause mit den Streichungen der Redaktion hinausreden, selb st dann, wenn solche gar nicht vorgenommen worden sind. Und immer und immer wieder stößt man auf die Tatsache, daß der Bericht für den betreffenden Ort und diejenigen Mitglieder ge- schrieben ist, die zu faul sind, eine Versammlung zu besuchen. Dazu braucht man keine Berichterstattung." Wir schließen uns dem völlig an. Der Bericht soll dazu dienen, den fernstehenden Lesern oder den Berufsange- hörigen anderer Orte ein großzügiges Bild der Bewegung zu geben und eine geistige Verbindung der Einzelvereine herzu- stellen, nicht aber das Protokoll zu ersetzen. Deswegen gehört zu einem guten Schriftführer auch, daß er nicht nur technisch seiner Aufgabe gewachsen ist, sondern auch den weiten Blick besitzt, der ihn befähigt, Wesentliches und Unwesentliches von einander zu scheiden._ Berlin und dingegend. Die Aussperrung der Tischler. Es ist Ivohl noch nie wegen so geringfügiger Forderungen ein langwieriger Kampf heraufbeschworen worden, wie gegenwärtig in der Berliner Holzindustrie. Die Unternehmer haben diesen Kampf vom Zaune gebrochen. Daß sie es sind, die den Krieg begonnen haben, das gibt die„Fachzeitung" ohne Umschweife. zu. Die Unternehmer, welche die Führung des Kampfes unternmnmen haben, suchen auch jetzt noch, wie sie es von Anfang an taten, ihre Gefolgschaft glauben zu machen, daß es sich um Sein oder Nichtsein der gesamten Berliner Möbelindustrie handle. Um dem von den Unternehmern angefangenen Kampfe einen Schein von Berechtigung zu geben, behauptet die „Fachzcitung", die Arbeitgeber hätten den Kampf beginnen müssen, weil von den Arbeitern/ Forderungen erhoben und aufrecht erhalten wurden, deren Er- füllung notwendigerweise zum Niedergang und zum Ruin des ganzen Gewerbes führen mutzten. Diese unwahre Behauptung kehrt in jeder Nummer der„Fach- zeitung" und in jeder Versammlung der Unternehmer irneder, und deshalb sind wir gezwungen, immer von neuem wieder darauf hin- zuweisen, datz diese Behauptung, mit der die führenden Unternehmer für ihre Pläne Stimmung machen wollen, in schreiendem Widerspruch mit der Wahrheit steht. Wir wiederholen also,!vas wir schon so oft sagten: DieArbeiterfordertennichtsanderesals die Sicherung ihres- Durchschnittslohnes bei neuen Arbeiten, die in Akkord angefertigt werden. Andere Forderungen sind nicht er- hoben worden. Und diese einzige, gewiß berechtigte Forderung ist auch nur für einen Teil der Möbelwerk st ätten erhoben worden, nämlich für die Betriebe, welche in kurzen Zwischen- räumen neue Muster anfertigen lassen, deren AkkordpreiS nicht von vornherein festgesetzt werden kann. Ist das nun eine Forderung, deren Erfüllung— wie die ..Fachzeitung" schreibt—„notwendig zum Niedergang und zum Ruin des ganzen Gewerbes führen mutz"? Die Antwort auf diese Frage gibt uns die„Fachzeitung" selbst. Wenige Zeilen nach der gekennzeichneten Behauptung vom Ruin des Gewerbes schreibt die„Fachzeitnng",„d atz s i ch h i n t c r dem harmlosen Aiishüngeschild der'Forderung auf Lohn- sichcrung bei neuen Mustern weit mehr ver- birg t". Die„Fachzeitung" gibt also zu, datz die Forderung auf Lohn- sicherung bei neuen Mustern harmlos ist. Sie nennt diese Harm- lose Forderung aber ein Aushängeschild, hinter dem sich in Wirklich- kcit weit mehr verbirgt. Was für fürchterliche Dinge sich eigentlich hinter dem„harmlosen Aushängeschild" verbergen, danach sucht man vergebens in der„Fachzeitung". Ebensowenig führt das Blatt den Nachweis, daß die Arbeiter ihre Forderung nur als Aushängeschild für andere Zwecke benutzen. Das Blatt kann natürlich einen solchen Nachweis nicht führen, weil es sich auf Seite der Arbeiter um nichts anderes handelt und nie um etwas anderes gehandelt hat, als datz sie ihren Lohn auch dann erhalten, ivenn der Akkordpreis eines neuen Musters so niedrig angesetzt war, datz ein fleißiger Arbeiter seinen Lohn nicht dabei verdienen konnte. An dieser Tatsache können alle Vcrdunkelungsvcrsuche der führenden Arbeitgeber und ihrer Organe nichts ändern. Im Zusmnmenhang mit diesen Darlegungen verdient eine Aus- führung hervorgehoben zu werden, die Glocke als Bevollmächtigter des Holzarbeitcrverbandes am Donnerstag in der Vertrauens- Männerversammlung machte. Die Tischlermeister in Görlitz haben nämlich, wie die„Fachzeitung" mitteilt, einen Vertrag mit den Arbeitern'ge- schlössen, der folgenden Passus enthält: „Neue Arbeiten werden im Verhältnis der bereits bestehenden Akkorde festgesetzt. Arbeiten, welche mit vorhandenen, bereits ver- akkordierten Sachen nicht zu pergleichen sind, werden auf Lohn gemacht, sofern eine Verständigung über den Akkordpreis nicht erzielt werden kann." Die„Fachzeitung" bemerkt hierzu:„Dieser Passus, derselbe der in dem Betriebe des Herrn Kümmel in Berlin auf Grund einer Vereinbarung seit etwa einem Jahre besteht, sei von den Berliner Tischlergesellen abgelehnt worden und das sei der Grund der Aussperrung. Glocke bezeichnete diese Behauptung als unrichtig. Er sagte, die Kümmelsche Vereinbarung sei gar nicht Gegenstand der Verhandlungen, welche vor der Aussperrung mit den Ver- tretcrn der Arbeitgeber stattfanden, gewesen. Es könne also gar keine Rede davon sein, datz die Arbeiter diesen Passus abgelehnt hätten. Er, Glocke, habe sogar im Laufe der Verhandlungen bemerkt, dafi eine Verständigung nuf Grund der Kiimmelschen Vereinbarung möglich sei, vorausgesetzt, datz diese Vereinbarung von den Arbeit- gebern ohne Winkelzüge angewandt werde, ivas im Kümmelschen Betriebe leider nicht der Fall sei.— Als dann, nachdem die Aussperrung bereits begonnen hatte, eine Unter- redung stattfand zwischen dem Obermeister Nahard und dem Vcrbandsvorsitzenden Klotz- Stuttgart, Glocke und anderen Verbandsvcrtretern, da habe Herr Nahard gesagt: Jetzt könne nicht mehr aus Grund der Forderung einer Lohngarankie von 90 Proz.(dem derzeitigen Angebot der Unternchnrcr). sondern nur auf der Grundlage der Kümmelschen Vereinbarung verhandelt werden. Wieder habe sich Glocke unter der obigen Voraussetzung damit einverstanden erklärt. Herr Rahard habe am zweiten Tage nach dieser Unterredung Herrn Viaatz wegen weiterer Verhandlungen an Herrn Plothen gewiesen, dieser habe aber Herrn Maatz auf tclephonische Anfrage geaniwortet: Wenn die Berliner Verwaltung nicht die Ermächtigung der Ver- trauenSmännerversammlnua habe, endgültig Vereinbarungen mit ihnen treffen zu können, wäre alles Verhandeln zwecklos. Die Verhandlungen find also durch den Vertreter der Arbeitgeber abgebrochen worden, und dev breits begonnene Kampf nahm seinen Fortgang. Man sieht hieraus, mit welchen Mitteln die„Fachzeitung" operiert, um bei ihren Lesern Stimmung zu machen für den von den Führern der Unternehmer vom Zaune gebrochenen Kampf. Man sieht aber auch, datz die Vertreter der Arbeiter, so lange die Ver- Handlungen schwebten, jederzeit zu einer billigen Verständigung mit den Arbeitgebern bereit waren. Obgleich der jetzige Kampf den Arbeitern noch keinen Schaden zugefügt hat, glauben wir doch an- nehmen zu können, datz sie auch jetzt noch bereit sind, sich auf einer an- nehmbaren Grundlage mit den Unternehmern zu verständigen. Wenn aber die Führer der Unternehmer, wie es den Anschein hat. die un- bedeutende und selbstverständliche Forderung nur a l s A u s h ä n g e- s ch i l d für den Vernichtungskampf gegen den Holzarbcitcr-Ver- band benutzen wollen, dann freilich gibt es keinen Frieden, ehe dieser Kampf nicht zugunsten der einen oder anderen Seite, eatschiedeu ist.. Ueber Forderungen, welche die Löhn- und Arbeitsbedingungen be- treffen, lassen die Arbeiter jederzeit mit sich reden. Dagegen weichen sie keinen Schritt zurück, wenn der Gegner die Organisation der Arbeiter zur Einflutzlosigkeit und Bedeutungslosigkeit hcrabdrücken will. Wenn dies das Ziel deS Kampfes der Unternehmer ist, dann setzen die Arbeiter alles daran, um den Gegner abzuwehren. Wenn es die Erhaltung der Organisation, die Abwehr von Angrifsen auf die Gewerkschaft gilt, dann handelt es sich für die Arbeiter um eine Lebensfrage, und in solchem Falle ist ihnen kein Opfer zu schwer, um den Kampf unter Anspannung aller Kräfte bis zum siegreichen Ende zu führen. Daß der Holzarbeiter-Verband bereit ist, den Kampf, wenn es sein mutz, in dieser Weise zu führen, das haben die einmütig und mit Begeisterung gefaßten Beschlüsse der letzten Vertrauensmännerversammlung bemiesen. Wenn, die Führer der Holzindustriellen es denn wirklich bis zum äußersten treiben wollen, dann haben sie niclit nur mit dem Holzarbeiter- Verband, sondern mit der gesamten Arbeiterschaft zu rechnen, und diese hält den Kampf doch länger aus als die Holzindustriellen. Die Tischlermeister aber, von denen ein großer Teil doch auch nur Wirt- schaftlich schwach ist, können sich dann bei ihren Führern bedanken, wenn ihre Existenz durch die Hartnäckigkeit dieser Führer vernichtet, und das eingetreten ist, was angeblich durch die Forderungen der Arbeiter herbeigeführt werden soll: der Ruin der Berliner Möbel- industrie. Die vom Holzarbeiter-Verband völlig lahmgelegten„Aus- sperrer" finden die Totalsperre, die ihnen doch nach der Scharf- machertheorie gerade angenehm fein sollte, recht unbequem und ver- suchen, auswärts Streikarbeit anfertigen zu lassen. So hat die Firma P f a f f gehobeltes und geschnittenes Holz nach Magdeburg verladen lassen. In Betracht kommen in Magdeburg besonders die Firmen Fr. Wolfs, W. Dittmar, G a n z l i n und B e r g e r. Die Magdeburger Tischler sind jedoch nickst geneigt, ihren aufs Pflaster geworfenen Berliner Kollegen durch Streikarbeit in den Rücken zu fallen. * Die Zahl der ausgesperrten Tischler hat sich gestern um 31 per- mehrt, 7 neue Betriebe haben sich mit einigen Arbeitern zum ersten- mal an der Aussperrung beteiligt. Auf der anderen Seite setzt der Holzarbeiter-Verband seine bisherige Taktik fort, und beantwortet die Aussperrungen mit neuen Arbeitsniederlegungen, die sich jetzt hauptsächlich auf die Bautsschlereicn erstrecken. Gestern abend haben in dein Betriebe von Einmeluth, wo die Lohnarbeiter schon vor einigen Tagen in den Streik eintraten, auch die Akkordarbeit« die Arbeit niedergelegt. Ferner erfolgte gestern in den Bauwerkstellen von Hermann, Traxel, Pevesin und Hegelmann die einmütige Arbeitsniederlegung. Bautischlermeistcr Lütke, der seinerzeit gegen den Beschluß seiner Organisation verstieß, indem er streikende Arbeiter aus Bremen einstellte, hatte jetzt als einer der ersten seiner Branche an der Aussperrung teilgenommen. Nachdem darauf auch die nicht ausgesperrten Tischler seines Betriebes die Arbeit niedergelegt haben, sind ihnen gestern auch die Einsetzer gefolgt.— In der Möbeltischlerei von Blankenburg u. Schnabel bestand schon bor der Aus- sperrung die Lohngarantie bei neuen Arbeiten. Jetzt sollten sich die Arbeiter durch Unterschrift mit der Aufhebung der Lohngarantie einverstanden erklären. Das thaten sie aber nicht, sie legten viel- mehr die Arbeit nieder. Schließlich sei noch mitgeteilt, datz es die Fräserei von Ebisch übernommen hat, mit ihrem Fuhrwerk Streikarbeit der Tischlerei von Jarotzki zu arbeitswilligen Klcinmeistcrn zu befördern. Streikbrecher gesucht. Durch Inserate in hiesigen Zeitungen wurden Tischler gesucht, die sich Köpnickerstr. 36 melden sollten. Ein Arbeitsuchender, der sich dahin wandte, erhielt die Adresse einer Koffersabrik in der Admiralstratzc. Der Geschäftsinhaber teilte dem Arbeitsuchenden mit, datz er als Klaviatur arbeiter an- gelernt werden könne, das heißt also, der Arbeiter sollte als Streik- brecher eingestellt werden. Natürlich verzichtete er auf solche Be- schästigung. Reflektanten ans Zeitungsinscrate mögen also bei ihren Bewerbungen vorsichtig sein. Gegen den neue» Tarif der Vauaiischlüger, der kürzlich zwischen den Arbeitgebern und der Bauanschläger-Seltion des Metallarbeiter- Verbandes abgeschlossen worden ist, protestierte der Verein der Bau- anschläger in seiner Versammlung am Freitag. Bemängelt wurde die Winzigkeit der Zugeständnisse seitens der Meister und die Ignorierung des Vereins durch den Metallarbeitcr-Verband. Die Redner betonten: Wenn die Vereinler auch nur eine kleine Gruppe der Bauanschläger seien(etwa 199 gegen 799 dem Verbände an- gehörige), so hätten sie doch keine Ursache, hinter dem Metallarbeiter- Verbände herzulaufen; wohl aber wäre es Pflicht des Verbandes gewesen, mit dem.Verein Hand in Hand zu gehen; dann wäre der Tarif auch besser geworden. Jetzt will der Vorstand des Vereins ver- suchen, in der gemeinschaftlichen Sitzung mit der Mcisterkommission am nächsten Mittwoch den Tarif umzustoßen, obwohl wenig Aussicht dazu vorhanden sei.— Bemerkt sei, datz diese Gruppe es seinerzeit abgelehnt hatte, mit dem Gros der Bauanschläger in den Metall- arbeiter-Vcrband überzutreten, vielmehr als Sondcrorganisation bestehen blieb. In den Versammlungen der Verbands-Sektion wurde vielfach Klage darüber geführt, datz sich die Arbeitgeber bei den Tarifvcrhandlungen immer aus diesen kleinen Verein beriefen, dessen Mitglieder in ihren Forderungen„viel mätziger" seien als die Mit- glicdcr der VcrbandS-Scktion, die stets„bis in die Puppen hinein" gefordert hätten. Die Scktionsleitung sprach es denn auch wieder- holt aus, das Gros der Bauauschlägcr müsse sich schon wohl oder übel mit den an sich nu'' wenig befriedigenden Bestimmungen des neuen Tarifs begnügen, weil man nicht sicher sei, ob die Vcrcinlcr im Falle eines Streiks nicht etwa Arbcitswilligendicnstc verrichten würden. Der Miillkntscher-Streit ist teilweise beendet, und zwar mit einem schönen Erfolge für die Streikenden. Wie wir bereits gestern berichteten, hatte sich die Wirtschafts-Ge nassen- s ch a f t als Hauptunternehmen in der Müllabfuhr zu erneuten Ver- Handlungen mit ihren Ausständigen bereit gefunden, jedoch war es wegen des Lohnsatzes, der das neue Abfuhrstzstcm betras, zu einer definitiven Einigung noch nicht gekommen. Nachdem die Streikenden ihre bezügliche Forderung alsdann noch etwas reduziert hatten. gleichzeitig aber auch betonten, datz ihrerseits damit die äußerste Grenze des Entgegenkommcus gegeben sei, hat die Wirtschafts- Genossenschaft die Forderungen nunmehr anerkannt. Während der Lohn vor dem Streik für Kutscher 39 M. und für Schaffner 27 M. pro Woche betrug, erhalten sie von jetzt ab bei dem alten Wechselkasten-System 33 rcsp. 39 M., und bei dem neuen Staubschutz-.S ystem 37,59 rcsp. 34,59 M. Alle übrigen Forderungen betreffend den Anfang der Arbeitszeit, Regelung der Kastenzahl und Anerkennung einer Beschwerde- kommission sind ebcnsalls bewilligt. Außerdem soll die Wieder- einstellung der entlassenen Vahnarheiter erfolgen und für diese Kategorie der Wochenlohn von 29 resp. 27 M. gezahlt werden. Die zweijährige Vcrtragsdauer ist im beiderseitigen Eiiivcrstündnis nicht festgelegt, doch hat sich die Direktion ehren wörtlich zur June- Haltung der neneii Bedingungen verpflichtet. Sämtliche Streikenden iv erden wieder eingestellt; M a tz- r e g e l u n g e n dürfen nicht erfolgen. Ans Grund dieser Abmachnngen wird d i e A r b e i t a m M o n t a g i n V o l l e m Umfange>o i e�d e r a ü f g e n o m m e n. WaS mm die Aussperrung bei den Firmen C. n»d H. Schüller und der Berlin« Abfichrgesellschaft, sowie den Streik bei der Char- lottenbnrger Abfnhrgescllschaft anbetrifft,' so ist dort bislang noch keine Einigung erfolgt. In der gestrigen Streikberfammlung wurde aber ausdrücklich betont, datz wenn diew Firmen jetzt nicht auch eine Verständigung herbeiführen, dann die Arbeiter der Wirt- schastöge nossen schaftauch die ihnen übertragene Abfuhr des Mülls bei den Kunden jener Firmen m i t b c s o r g e n sollen. Wenn dadurch der Wirtschaftsgenossen» schaft die Kmiden der Herren Aussperrer zugeführt und letztere infolgedessen ririniert werden, so haben sie sich dieses Schicksal eben selbst zuzuschreiben.— Der Müllkutscheritreik bei der Wirtschaftsgenossenschaft war einer der bestorganisiertcn Streiks der letzten Zeit. Einmütig wurd- die Arbeit niedergelegt; nicht ein Mann wurde abtrünnig. So sehr sich die Genosseuschast auch Mühe gab und so enorme Kosten sie auch aufwandte, ihren Betrieb mit Hilfe von ansässigen und importierten Arbeitswilligen unter denkbar größtem polizeilichen Schutz aufrechtzuerhalten— es gelang ihr nicht. Der größte Teck der Arbeitswilligen wurde von der Organisation aufgefangen und nach der Heimat zurückspediert, der andere Teil aber vermochte die Arbeit nicht entfernt zu bewältigen. Berlin war zusehends„ver- müllt"; die Streikenden werden daher jetzt auch genug zu tun haben die„Miillnot" wieder zu beseitigen. Die Führung des„Müllkrieges' war ein Meisterstück des Transportarbciter-Verbandes. Der paritätische Arbeitsnachweis der Glaser wird nun von fast allen Firmen anerkannt. Nur einzelne kleinere bedeutungslose Firmen haben bisher die Unterschrift nicht geleistet. Auch die Firma Schulze u. Jost, Lindenstr. 191/192, deren Inhaber Herr C. Jost, bei Obermeister der Berliner Glaser-Jnnung ist, hat unterzeichnet. veutlcbes Reith. Tarifabschlüsse für Notendruck«. Die Notendruck« der Firma Röder in Leipzig kündigten wegen fortgesetzter Preisdifferenzen in der Akkordarbeit. Es kam zu einem Vergleich dahin, daß bei Akkord- arbeit ein Mindestverdienst von 22 M. per Woche garantiert wurde. welcher bei weniger Verdienst als Mindestsatz zu zahlen ist. Im An- schlug an diese Regelung fand am 1. November im Buchgewerbe- hause zu Leipzig eine Tarifvcrhandlung statt, an welcher je dre- Vertreter der Arbeitgeber und Arbeitnehmer im Beisein des Ver- bandsvorsitzenden Sillier- Berlin teilnahmen. Tariflich festgelegt wurde: Die tägliche Arbeitszeit beträgt 9 Stunden. Ueberstundc!- werden mit 25 Prozent Zuschlag gezahlt und bei Stückarbeit per Stunde 15 Pf. extra. Sonntagsarbcit darf nicht stattfinden Mindestlohn im ersten Jahre nach der Lehrzeit 29 M., im zweiten 21 M. und im dritten Jahre 24 M. per Woche; später nach Leistung mehr. Alle gesetzlichen, ungesetzlichen und vom Geschäft angeordneten Feiertage sind zu bezahlen. Als Lchrlingsziffcr wurde festgelegt: bei 1— 4 Gchülfen 1 Lehrling, bei 5— 8 Geh. 2 Lehrl., bei 9—12 Geh. 3 Lehrl., bei 13— 16 Geh. 4 Lehrl. Bei größeren Firmen soll auf je 6 Gehülfen 1 Lehrling entfallen. Lehrzeit 4 Jahrg. Die vorhandene Akkordarbeit soll später geregelt oder eventuell ganz abgeschafft werden. Zur Durchführung und Bewachung dieses Tarifcs wurde eine Tarifkommission von je drei Arbeitgebern und Arbeitnehmern eingesetzt. Der Tarif selbst tritt am 15. November 1994 in Kraft und hat Gültigkeit bis 31. Dezember 1996. Derselbe soll jedoch so lange weiter Kraft gewinnen, als nicht inzwischen ein allgemeiner Tarif für das ganze Lithographie- und Stcindruckgewerbe abgeschlossen wird. Fluelanct. Der Streik der niederländischen Glasbläser. Die Bcrhand- lungcn, die am Donnerstag mit den Unternehmern gepflogen wurden, sind ergebnislos verlaufen. Auf die erste Forderung der Streikenden, Anerkennung ihrer Organisation, erklärten die Unter- nehmcr, erst dann antworten zu können, wenn ihnen vorher eine schriftliche Aufklärung über die eigentliche Bedeutung dieser For- oerung zugestellt werde. Die zweite Forderung, Beibehaltung der alten Akkordlöhne, lehnten sie rundweg ab, wollten auch den Ver- trctern der Arbeiter keine Einsicht in ihre Bücher gestatten, weil das in Delft schon erlaubt worden sei. Nur das Zugeständnis Ivollten sie machen, daß die für Gewährung von Prämien festgesetzte Zahl bei runden Flaschen um 59 vermindert wird, doch wollten sie auch diös Zugeständnis zurückziehen, falls die Arbeit bis Dienstag nicht wieder aufgenommen wird. Wie aus Schiedam gemeldet wird, haben die Streikenden dort dies Angebot bereits abgelehnt und zwar, ohne daß sie es für nötig erachteten, darüber abzustimmen. Daß auch von den anderen Streikorten dies Angebot der Unternehmer ebenfalls für unannehmbar erklärt wird, ist bei der entschiedenen Haltung, die die Streikenden bisher bewiesen haben, vorauszusehen. Daß sie trotz der religiösen Gegensätze in ihren Organisationen so fest zusammen- halten, ist ein Zeichen dafür, wie ernst es ihnen mit ihrem Kampfe gegen die Lohnherabsctzungen ist. Welche Macht diese Gegensätze noch haben, beweist der Umstand, daß man sich nicht damit begnügt, eine neutrale, eine cglvinistischc und eine katholische Organisation zu haben, sondern nun auch noch eine zwinglianisch reformierte Organi- sation gegründet hat.„Het Poll" sieht es sogar als„sicher" an, datz nächstens auch die lutherischen Glasbläser sich auf ihren allein- seligmacheirden Glauben besinnen und sich eine dementsprechende Organisation schaffen werden.— Es wird noch gemeldet, daß nun drei Arbeitskammcrn in Dortrecht, Delft uud Schiedam gemeinsam ihre Bermittelung der Unternchmer-Organisation uud dcni Glas- bläser-Verband angeboten haben._ Gerichts-Zeitung. Generalstreik und Bersammlungsverbot. Bekanntlich sucht man in unserem Vaterlande allenthalben mit Hülfe der allgemeinen polizeilichen Befugnisse(Schutz des Publikums usw.) die An» a r ch i st e u- V e r s a m m l u n g e n zu verhindern, indem man sie „vorbeugend" verbietet. Nun hat ab« im März dieses Jahres das Ober-Verivaltungsgericht in Berlin ein solches Verbot aufgehoben und erklärt, auch auf Anarchisten-Vcrsammlungen finde sein Grundsatz Anwendung, wonach das preußische Vereins- gesetz der Polizcillauscl des 8 19 II. 17 Allgemeinen Landrcchts vor» gehe und wonach dasselbe Gesetz mangels einer entsprechenden Be- stimmung nicht zulasse, Versammlungen in geschlossenen Räumen deshalb zu verbieten, weil die Polizei Ausschreitungen der zur Ver- sammlung Zusammentretenden befürchte. Andererseits sprach aber damals dasselbe höchste Gericht in der Begründung aus, datz aller- ding» nur.Versammlungen„ohne strafgesetzwidrigen Zweck" ge- stattet seien. Diese Nebenbcmerkuug machte sich nunmehr die Polizei an ver- schiedencn Orten(Magdeburg, Berlin usw.) zunutze. In Berlin wurde die von den Anarchisten zum 1. Mai einberufene Versamm- lung mit der Tagesordnung:„Die Bedeutung des 1. Mai" verboten, weil sie st rafgesctz widrigen Zwecken habe dienen sollen, indem sie faktisch bestimmt gewesen sei, die Frage des General- st r e i k s vom anarchistischen Standpunkt aus zu erörtern und zu verbreiten. Nach vergeblicher Beschtverde des EinberuferS Misch klagte dieser gegen den Oberpräsidentcn. Dieser nahm in seiner Klagebeant- Wartung zunächst bczng auf die rote Mainmnm« des anarchistischen „Freien Arbeiter". Darin wird die Maifeier ein„Fest des General- strciks" genanitt. Dann habe der für die verbotene Versammlung als Referent vorgesehene Schriftsteller Mühsam in einer GeWerk- schaftsvcrsammlung(Kaufleute) als Diskussionsredner den 1. Mai nach Angriffen auf die Sozialdemokratie eine Vorübung des General- strciks genannt. TaS beweise, datz in Wirklichkeit der Generalstreik im anarchistischen Sinne in der verbotenen Versammlung habe er- örtcrt und empfohlen werden sollen, Rechtsanwalt Viktor F r ä n k l vertrat den Kläger in der Verhandlung vom 11. November. Er legte dar, datz jeder Nachweis dafür fehle, datz der Generalstreik habe empfohlen werden sollen. Vermutungen könnten doch nicht matzgehend sein. Dann suchte er aber auch nachzuweisen, datz die Erörterung und Empfehlung des Generalstreiks nichts Gesetzwidriges sei. Ein Generalstreit sei doch nur die Summierung vieler Strciks, die an sich gesetzlich ge- stattet seien. Das Ober-Verwaltungsgnicht gab denn auch dem Antrage des Anwalts statt, und erklärte das Verbot für unberechtigt: Es sei nicht feststellbar gewesen, daß man mit der Einberufmig der Versammlung einen strafgesetzwidrigen Zweck verfolgte. Es wäre ein solcher Zweck auch dann nicht anzunehmen, wenn bezweckt worden wäre, in der Versammlung den Generalstreik zu empfehlen JANDORF&C* cPITTELMARKT 16/1? BELLE ALLIANCE-STR. 1/2 GROSSE FRANKFURTER STR. 113 Ecke Leipziger Strasse Ecke Andreas-Strasse Unsere BRUNNEN-STR. ,9/21 Ecke Veteranen Strasse foppen- unS Spidvaren-�nssldlnng ist eröffnet 20, 28, 40 pl 48, 65, 7 5 pl 48, 65, 7 5 pf 48, 65, 70pl 20, 25, SOpl 25, 48, 95pl Puppenwagen qn mit Puppe i/Opt Leiterwagen mit pter«» Von Montag 14. November bis Sonnabend 19. Puppen-Köpfe sisquit Puppen- Köpfe siech Puppen- Köpfe ceiMoid Puppen-Bälge Lederbezug Puppen- Bälge stotfbezug Gekleidete Puppen Ungekleidete Puppen ca. 46ctmiang 95pf. Ungekleidete Puppen ca. soctmiang 2.75m. Werf-Puppen mit Celluloid- oder Blechkopf 85pf. Gummipuppen 43, 95pt Postwagen mit Pferd 85?/. Kaffee-Service �trae8r;n 40pt Kaffee-Service mit4Än und 85 pf Eisenbahn 2.85, 3.85m. Hochbahn 2.85 m. PL November soweit der Vorrat reicht. 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Zweiter Wahlkreis: Bockbrauerei, Tempelhofer Berg(Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Rich. Fischer über:„Neue Parteitaktik"). Dritter Wahlkreis: Vogts Ritter-Säle. Ritter- stratze 75. Vierter Wahlkreis: Gewerkschastshaus, Engel- Ufer l5(Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Paul Singer über:„Die kommende Reichstagsscssion"). Fünfter Wahlkreis: Altes Schützenhaus, Linien- straße 5(Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen Rob. Schmidt über:„Volksschule und Volksbildung"). Sechster Wahlkreis: Eiskeller, Chausseestr. 88 (Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Genossen H. Molkenbuhr über:„Die Totengräber der kapitalisttschen Produktion"). � Parteigenossen, besucht zahlreich diese überaus wichtigen Versammlungen!_ Die Vertrauensleute. Zur Lokal- Liste. Friedenau. Der Gesangverein„Konkordia" hält am Totensonntag, 20. November, im Lokal„Kaiser Wilhelms- Garten" einen Theaterabend ab. Da nun genanntes Lokal gesperrt ist, so find die etwa in Arbeiterkreisen angebotenen Billetts zuriick- zuweisen: das Vergnügen ist streng zu meiden.— Ncu-Zittaii Das Lokal„Deutsches Haus" lJnh. Karl Kurzhals), Gosener Chaussee, steht nunmehr der Arbeiterschaft zu allen Versammlungen 2c: zur Verfügung. Die Lokalkommission. Dritter Wahlkreis. Mttwoch(Bußtag) Herrenpartie nach Grünau, Müggelberge, Müggelsee, Rahnsdorfermühle, Friedrichs- Hagen. Abfahrt 7 Uhr 40 Min. vom Görlitzer Bahnhof. Treffpunkt: Wendenschloß, Grünau. Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Der Vorstand. Achtung, V. und VI. Wahlkreis. Morgen Montag abend 9 Uhr spricht Genosse Paul Singer im 30. Kommuualwahlbrzirk bei Lrydrckcr, Sophieustraße 34. Zahlreichen Besuch erwarten Die Vertrauensleute. Sechster Wahlkreis. Sonntag, abends 6 Uhr. findet im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23, eine Volks-Berfammlung statt, in welcher Stadwerordneter Genosse R. A u g u st i n referiert. Um zahl- reichen Besuch bittet Der Vertrauensmann. Zeutral-Wahlverein für Teltow-BceSkow-Storkow-Charlottenburg. Heute, Sonntag, den 13. November, findet im Lokal Tempelhofer Tivoli in Tempelhof, Berlinerstt. 50, mittags 12 Uhr, die KreiS- versammlung und nachmittags 2 Uhr die General- Versammlung deS Kreises statt. Die Tagesordnungen sind: Für die K r e i s v e r s a ni m l u n g: 1. Bericht und Neuwahl der Vertraue», spersonen. 2. Diskussion! 3. Verschiedenes.— Für die Generalversammlung: 1. Bericht des Vorstandes, des Kassierers, der Revisoren. 2. Bericht der Mitglieder der Agitations-, Preß- und Lokalkommission. 3. Antrag des Vorstandes betreffend Anstellung eines Sekretärs. Anträge betreffend Aenderung in der Beschickung der Generalversammlungen des Kreises, Antrag Königs- Wusterhausen auf Aenderung des§(J des Statuts. 4. Die Preußen- Konferenz. 5. Neuwahlen aller Funktionäre. 6. Verschiedenes. Nach §11 des Statuts kann zur Generalversammlung jeder örtliche Wahlverein bis zu drei Delegierten entsenden. Die Delegierten müssen mit Mandaten verschen sein. Die Versammlungen werden pünkt- lich eröffnet. Gäste haben Zutritt. Der Zentralvorstand. Die Parteigenossen von Tempclhof machen darauf aufmerksam, daß nach Schluß der Generalversammlung deS Kreises im Tivoli ein gemütliches Beisammensein mit Tanz stattfindet. Rizdorf. Dienstag findet bei Eisermann, Hermannstr. 49, die Mitgliederversammlung des Wahlvereins statt, in welcher die Aufstellung des Kandidaten zur Stadtverordnetenwahl erfolgen wird. Das Referat hat Genosse Pfannkuch übernommen. Adlershof. Heute Sonntag, nachmittags 3 Uhr, findet bei Lau, Bismarckstt. 10,.eine VolkS-Versammlung statt. Reichstags- Abgeordneter Adolf Hoffmann spricht über:„Die Volksschule als Treibhaus des Aberglaubens". Die Geistlichen und Schullehrer sind hierzu eingeladen.— Von 7 Uhr abends an findet im selbigen Lokal das Herb st fest des Wahlvereins statt unter Mitwirkung des Gesangvereins„Frohsinn". Einttittskarten a 10 Pf. sind nur bei den Vorstandsmitgliedern und Bezirksführern zu haben. Tanz, für Herren 30 Pf. extra. Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. Tegel. Dienstag abend S'/z Uhr findet im Lokale von Robert Schmidt, Schlieperstr. 64. eine Generalversammlung des Wahl- Vereins mit folgender Tagesordnung statt: 1. Vorttag des Genossen Rodeike über Gemeinde-Ängelegenheiten. 2. Bericht des Kassierers. 3. Bericht der Delegierten von der Kreiskonferenz. 4. Wahl des örtlichen Vertrauensmannes. Partie Ecke. Grünau. Der Wahlverein veranstaltet am Bußtag eine Herren- is nach Friedrichshagen— Schöneiche. Treffpunkt 7Vz Uhr Grüne Tnnpelhof. Dienstag abend 8-/« Uhr findet eine Versammlung des W a h l v e r e i n s für Tempelhof mit medizinischem Vortrag bei M. Müller. Berlinerstr. 41/42. statt. Gäste, auch Frauen, haben Zutritt. Der Vorstand. Potsdam. Volksversammlung für Männer und Frauen am heutigen Sonntag nachmittags 4 Uhr im Viktoriagarten, Alte Luisen- straße 32. Referent Arbeitersekretar G. Link-Berlin. lokales. Wie der Boykott wirkt. Die Lokalkommission hat sich vor kurzem in die un- angenehme Notwendigkeit versetzt gesehen, über den Gastwirt Max Mendt. Am Königsgraben 14, die Sperre zu ver- hängen. Der Herr hat auch in Eichwalde ein Vergnügunaslokal. das er neuerdings der Arbeiterschaft nicht mehr zur Verfügung stellte. Da war es selbstverständlich. diesem Gastwirt in jeder Hinsicht zwischen Kriegervereinen und Arbeitervereinen die Wahl zu lassen und dafür zu sorgen, daß er auch in seinem Berliner Lokal nicht weiter von Sozial- demokraten behelligt wird. der sch aorralen oeyeuigi wird. Herr Max Mendt versendet jetzt ein„An die Gegner ! sozialdemokratischen Partei" betiteltes Rund- reiben, worin er zunächst die Bekanntmachung der Lokalkommission abdruckt und dann einen in der„Gastwirts- Zeitung" gebrachten Artikel wiedergibt: Unser Jnnuugsinitglied Max Mendt gibt hierzu die Er- klärung, daß er in Eichwalde seit drei Jahren und in Berlin seit sechs Jahren auch Sozialdemokraten seine Räume zur Verfügung gestellt hat. Er hatte auch nicht beabsichtigt, bezüglich seines Berliner Lokals in dieser Hinsicht künftig anders zu handeln: nnr in Eichwalde sah er sich aus Gründen, die er der Lokalkommission auch persönlich in ihrer Sitzung geschildert hat, veranlaßt, eine Aenderung eintreten zu lassen. Trotzdem er also sein Berliner Lokal nach wie vor den Sozialdemokraten zur Verfügung stellte, ist auch dieses, wie obige Notiz besagt, gesperrt worden. Kommentar überflüssig. Der Geschädigte ist eben wieder der Gastwirt, der hierdurch ein Opfer des ParteikampfeS wird. Dieser Notiz der„Gastwirts-Zeitung" fiigt Herr Mendt dann aus eigenem folgende Mitteilung hinzu: Es scheint bald so, als wenn die„Gastwirts-Zeitung" mit der letzten Bemerkung recht haben soll, denn die Hälfte »reiner Vereine haben mein Lokal verlassen, sämtliche Versammlungen sind abbestellt; auch die Festlich- leiten sürd bis jetzt a l l e s e h r schlecht ausgefallen, da die Beteiligung infolge der Notiz sehr gering war. Ich richte hierinit an die Gegner der sozialdemokrattschen Partei die herzliche Bitte,»rich durch Abhaltung von Sitzungen, Ber- sammlungen sowie Festlichkeiten zu unterstützen. Daß Herr Mendt mit seiner„herzlichen Bitte" großen Erfolg haben wird, glaubt er wohl selber kaum. Es liegt ja aber an ihm, seinen Fehler wieder gut zu machen, indem er in Eichwalde sein Lokal der Arbeiterschaft wieder zur Verfügung stellt. Er kann dies um so eher, als er dort unter den sonst üblichen Polizei-Drangsalierungen gar nicht einmal zu leiden hatte. Der Arbeiterschaft macht es wahrhafttg keine Freude. einem Gastwirt geschäftlichen Schaden zuzufügen. Aber so lange die Militärverwaltung mit bösem Beispiel vorangeht, so lange andere behördliche Einflüsse im Schwange sind, so lange Konscrvattve und Kriegervcreine, ja selbst bürgerliche Gesangvereine unpolittscher Natur im dummen Dünkel glauben, einen Gastwirt deshalb boykottieren zu müssen, weil er nicht allein ihnen, sondern auch sozialdemo- krattschen Arbeitern sein Lokal zur Verfügung stellt, so lange bleibt auch der Sozialdemokratte nichts übrig, als nach der Parole„Wurst wider Wurst" zu handeln. Und daß die Sozialdemokratte in diesem unangenehmen, aber nun ein- mal notwendigen Kampfe der S t ä r k e r e ist, das lehrt von neuem der Fall Wandt, der anderen Gastwirten hoffentlich zur Warnung dienen witf»_ OrtSstatut für die KaufmannSgcrichte. Der Magistrat hat den Entwurf für das Ortsstatut des KaufmannsgerichtS der Stadt Berlin angenommen und wird ihn sofort der Stadtverordneten-Versammlung zur Zustimmung unterbreiten. Das Ortsstatut umfaßt 6 Abschnitte mtt 59 Paragraphen und gilt nur für den Gemeindcbezirk Berlin. Bezüglich der W ä h l e r l i st e n und Wahllegitimation besagt der Z 13 des Ortsstatuts: Für die Wahlen der K a u f l e u t e sind vom Magistrat Wählerlisten aufzustellen. Die Wähler- listen sind spätestens vier Wochen vor der Wahl in einem oder mehreren zur öffentlichen Kenntnis gebrachten Lokalen während der Dauer einer Woche offen zu legen. Einsprüche gegen die Rich- tigkeit der Wählerlisten, insbesondere wegen nicht erfolgter Ein- tragung, sind wahrend der Dauer ber Auslegung bei dem Magistrat zu erheben, der darüber innerhalb zweier Wochen nach Ablauf der Einspruchsfrist endgülttge Entscheidung trifft. Für die Wahlen der Handlungsgehülfen Iverden Wählerlisten nicht aufgestellt. Die Handlungsgehülfen haben ihre Wahlberechtigung am Tage der Wahl dem Wahlvorstande nachzuweisen.§ 14. Ort und ?eit der Wahlen werden von dem Magistrat bestimmt und mindestens echs Wochen vor der Wahl in den zu amtlichen Anzeigen der Gemeindebehörden bestimmten Blättern und durch Anschlag zweimal be- kannt gemacht. In dieser Bekanntmachung sind zugleich unter An- gäbe der Annahmestelle die Wahlberechtigten zur Ein- reichung von Wahlvorschlagslisten mit dem Hinweise aufzufordern, daß die Stimmabgabe bei den Wahlen ans die in diesen Listen vorgeschlagenen wählbaren Personen beschränkt ist. Die Vorschlagslisten, die für Kaufleute und Handlungsgehülfen ge- sondert aufzustellen sind und höchstens soviel Namen enthalten dürfen, als Beisitzer von jedem der beiden Wahlkörper zu wählen sind, müssen unter Benennung eines für weitere Verhandlungen bevollmächttgten Vertreters von mindestens 21 Wählern des betreffenden WahlkörperS unterzeichnet und spätestens drei Wochen vor der Wahl eingereicht sein. Werden zwei oder mehr Wahlvorschläge gleichzeitig eingereicht und von den Unterzeichneten übereinstimmend als zusammengehörig be- zeichnet, derart, daß die Listen den Wahlvorschlägen anderer Wähler- Vereinigungen gegenüber als ein Wahlvorschlag angeschen werden sollen, so gelten diese Listen als verbundene Listen. Beider Bekanntgabe der Listen ist auf diese Zusammengehörigkeit auf- merksam zu machen. Auch ist die Zusammengehörigkeit der verbundenen Listen durch die OrönungSnummern zum Ausdruck zu bringen.§ 16. Die Wahlhandlung ist öffentlich. Die Handlungsgehülfen haben ihre Wahlberechti- g u n g durch ein Zeugnis ihres Prinzipals nachzuweisen, in dem letzterer bestätigt, daß der Betreffende als Handlungsgehnlfe bei ihm zurzeit beschäftigt ist. Dieser Nachweis kann auch durch eine ent- sprechende Bescheinigung der Polizeibehörde geführt werden. Formulare zu diesen Zeugnissen und Bescheinigungen wcrden.vom Magistrat verabfolgt. Ein Struerbukett. Der Magistrat hat am Sonnabend in außer- ordentlicher Sitzung zu den Beschlüssen der gemischten Deputation zur Auffindung neuer Steuern vom 16. Oktober er. Stellung ge- nommen. Das Ergebnis der gepflogenen Verhandlungen war folgendes: Die Beschlüsse der Deputation bezüglich der Verdoppelung der Umsatzsteuer und der Normierung der Abschreibungsraten bei der Gasverwaltuna sind inzwischen ausgeführt. Abgelehnt wurden die Anträge auf Wiedererhebung der Einkommensteuerstufe von 4 Mark und auf Verbot des Auswärtswohnens der Beamten und Lehrer. Beschlossen wurde, zur Beseitigung hervorgettetener Mängel im Wege der Gesetzgebung, wo eS möglich ist, unter Bereitstellung von Material ic. hinzuwirken auf tue Aufhebung des Privilegiums der Beamten und Lehrer, sowie auf die Beseittgung der Kontingentterung bei der Verteilung des Steuerbedarfs auf die Steuerarten(Ein- kommen-, Gewerbesteuer usw.) und die Erweiterung des Kreises der gemeindesteuerpflichtige» Personen durch Ausdehnung der§§ 83, 35 Kommunalabgaben-GeietzeS. Ferner wurde beschlossen,� die Einführung deS Deklarationszwanges(Selbsteinschätzung) bei Zenstten mit einem Einkoinmen von 1600— 3000 M. unter vor- läufigem Angehen der staatlichen Veranlagungskommission, bei diesen Zensiten schon jetzt von der Befugnis, die Selbstangabe zu fordern, Gebrauch zu machen; sowie hinzuwirken auf die Beseitigung der Be- schränkung. wonach die Bauplatzsteuer nur auf Grundstücken zu erheben ist, die Fluchtlinien seit 1876 haben. Diesen Beschlüssen hat der Magistrat grundsätzlich zugestimmt. Ab- gelehnt hat der Magistrat die Erhöhung der Hundesteuer von 20 auf 40 an., dagegen angenommen die Einführung einer Lust- barkeitSsteuer, im engeren Sinne Billettsteuer, unter Heran« der teueren Plätze in Theatern, im ZirkuS usw., aber unter chonung der kulturellen Interessen; außerdem hat der Magistrat den weiteren Ausbau einer besonderen Betriebssteuer beschlossen, da- gegen die Form einer Licenzsteuer dahin, daß dem Steuertarif eine Kombination von Quantität und Qualität des Umsatzes(Weine. auswärtige und hiesige Viere, Branntwein) sowie des Mietswertes der Ausschanklokale und dergleichen zu Grunde zu legen sei, ab- gelehnt. Angenommen wurde der Antrag auf gleichmäßige Besteuerung der bebauten und unbebauten Grund- stücke nach dem Maßstab des gemeinen Wertes. In der letzten Sitzung des Gesamworstandes deS Zentralvereins für Arbeitsnachweis erstattete der Vorsitzende Dr. Freund den Bericht über das verflossene Geschäftsjahr. Hiernach hat die Zahl der Arbeitsgesuche betragen: 74 600(Zunahme gegen das Vor- jabr: 26 000). Die Zahl der vermittelten Stellen: 46 600(Zu- »ahme: 16 000). Die Zahl der gemeldeten Arbeitsstellen: 60 000 (Zunahme gegen das Vorjahr: 22 700). In den ersten drei Viertel- jähren des laufenden Jahres hat eine weitere Steigerung um 1860 bei den Arbeitsuchenden, um 23000 bei den gemeldeten Arbeitsstellen und um 14400 bei den vermittelten Stellen statt- gefunden. In Rummelsdorf und Reinickendorf sind Zweigstellen eingerichtet worden, die den gehegten Erwartungen ent- sprachen. Befindet sich somit der Zentral-Arbeitsnachweis in einer fehr erfteulichen Entwickelung, so sind die finanziellen Verhältnisse des Vereins weniger günstig. Der Vorsitzende konnte jedoch mit- teilen, daß der Handels in ini st er Möller dem Verein eine Beihilfe von 5000 M. bewilligt hat und daß die Bewilligung einer weiteren Beihilfe von 10 000 M. auS einer hiesigen großen Stiftung in Aussicht stehe, so daß der Fehlbetrag für das Jahr 1904 gedeckt sei. Um aber die Fortentwickelung des Vereins und die weitere Ausbildung des Zentral-ArbeitSnachweises zu sichern, beschloß der GesamtvorstaNd, unverzüglich an die städtischen Behörden mit den erforderlichen Anträgen heranzutreten. Der Redner in der Pückler-Bersammlnng am Freitag, Arbeiter Weißenborn, ist von der Rednertribüne weg verhaftet worden. Graf Pückler war. entgegen den Ankündigungen in den Einladungen, nicht zu der Versammlung erschienen. Als ver Referent Weißenborn das polizeiliche Verbot der Pückler-Reden scharf kritisierte, wurde die Versammlung von dem überwachenden Polizeileutnant aufgelöst. Weißenborn sprach ruhig weiter und schwieg erst, als er von einem Polizisten zur Polizeiwache gestchrt wurde. Hier behielt man ihn eine halbe Stunde, um ihn nach genügender Legitimation wieder ftei zu lassen. Weißenborn ist in der Zeit des Wahlkampfes dadurch bekannt geworden, daß er in sozialdemokratischen Versammlungen als„deutsch-nationaler Arbeiter" auftrat. Auch verkaufte er selbst- gedichtete„Pückler-Hymnen". Wegen der demnächst erfolgenden GerichtsSilderung für Berlin läßt jetzt das königliche Amtsgericht I hier allen eingetragenen Vereinen Berlins folgende, vom Amtsgerichtsrat Koch unterzeichnete Verfügung zugehen:„Nach§ 36 des Bürgerlichen Gesetzbuchs find Vereine, deren Zweck nicht auf einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gerichtet ist, bei dem Amtsgerichte in oaS Vereinsregister ein- zuttagen, in dessen Bezirke der Verein seinen Sitz hat. Es müffen deshalb diejenigen cingettagenen Vereine, deren Sitz nach der demnächst zur Ausführung gelangenden Gerichts- änderung(Berlin-Mitte, Berlin-Tempelhof, Berlin- Schöneberg, Berlin-Wedding usw.) zum Bezirk eines anderen Amtsgerichts als bisher gehört, in das Vereinsregister des neu zuständigen Gerichts überttageu werden. Bei den Ortschaften, die wie Berlin denmächst in mehrere Gerichtsbezirke zerfallen, ist als das zuständige Amtsgericht dasjenige anzusehen, in dessen Bezirk die Verwaltung des Vereins(Vercinsleitung, Geschäftsstelle) geführt wird; denn dessen Bezirk ist als der Sitz im Sinne des§ 24 des Bürgerlichen Gesetzbuches anzusehen. Sie wollen daher schleunigst zum Vereinsregister anzeigen, ob die Verwaltung des Vereins noch an derselben Stelle wie bisher geführt wird und vorläufig auch geführt werden soll." Das Komitee zur Gründung eines alkoholfreien Restaurants schreibt uns: Im Kampfe gegen den immer mehr um sich greifenden Alloholmißbrauch hat sich keine Maßnahme so segensreich erwiesen, wie die Gründung alkoholfreier Restaurants. Ihr Hauptzweck ist die Ausschließung alkoholartiger Getränke und ihr Ersatz durch ausgezeichnete, möglichst billige Speisen. Wird dadurch auch selbstverständlich keine allgemeine Enthaltsamkeit von alkohol- haltigen Getränken erzielt, so wird doch bewirft, daß der Alkohol- genutz während der Arbeitszeit wegfällt. Die hohe soziale Be- deutung dieser alkoholfreien Restaurants wurde in Basel und in Zürich vom Staate sofort richtig erkannt und gewürdigt. Durch Steuerbefreiung, Ueberlassung von Lokalitäten und Grundstücken bezeugten die Behörden dieser Städte ihre große Sympathie und das Vertrauen, das sie den Gründungen entgegenbrachten. Das über- raschend schnelle Emporblühen dieser Restaurants beweist, wie groß das Bedürfnis für derartige Einrichtungen ist. Es zeigt aber auch wie gern dem Alkohol entsagt wird, wenn nur ein richtiger Ersatz geboten wird. Namentlich die Studenten wissen die vorzüglichen billigen Gasthäuser wohl zu schätzen. In rascher Reihenfolge ent- standen in Zürich in fünf Jahren neun und in Basel fünf solcher Restaurants. Alle sind stets überfüllt und alle haben sich in ganz kurzer Zeit vorzüglich rentiert und so viel abgeworfen, daß immer neue und stets größere Lokale zum Teil mit Lesesälen usw. eröffnet werden konnten. Berlin, die Millionenstadt, besitzt noch kein einziges derartiges Lokal. Es ist zu hoffen, daß die weitesten Kreise, alle Bcvölkerungsschichten ohne Ausnahme, dem Aufruf zur Gründung eines alkoholfreien Restaurants Folge leisten werden, der jüngst durch alle Zeitungen ging, damit das erste Lokal, dem hoffentlich bald andere folgen werden, recht bald eröffnet werden kann. Die Sammlung hat bis jetzt schon 25 000 Mark er» geben. Weitere Gaben, sowie Antcilscheinzeichnungen(maximal zu 4 Proz. verzinslich) nimmt die Deutsche Bank, Depositen- lasse A, Berlin W., Mauerstr. 29/30, entgegen. Ucber die Einwirkungen des Alkohols ans den Geisteszustand der Kinder sprach Frau Dr. med. Wegscheider-Zicgler im Verein für Kinder- Psychologie. Die Rednerin wies zunächst nach, wie furchtbar der Einfluß der Trunksucht der Eltern bei den Kindern sich geltend macht. Der Arzt deS Kinderhospitals in Bern. Jemme, hat mit zehn trunk- süchtigen und zehn mäßigen Familien Untersuchungen angestellt und gefunden, daß von den 57 Kindern der trunksüchtigen Eltern 26 schnell, zuineist an Krämpfen starben, 22 nicht normal und nur 10 gesund waren. Weiter schilderte die Rednerin nach den Darstellungen Londoner Aerzte die auf den Alkohol zurückzuführenden Todesfälle im Säuolingsalter. desgleichen die Wirkungen, die bei Kindern der direkte Genutz von Alkohol hervorruft. Krankheiten des Magens. der Leber, und besonders Nervenentzündungen sind die Folgen für den Körper. Kunde in Wien hat Experi- mente an Kindern vorgenommen. Er teilte 26 Kinder dem Alter nach in fünf Gruppen ein. und gab ihnen guten Wein zu trinken. Nach dessen Genuß lasen die Kinder schneller, doch wurde ihnen die Wiedergabe des Inhalts schwer, ebenso wurden nicht ganz einfache Rechenaufgaben von ihnen zwar schnell, aber falsch ausgerechnet. Beim Turnen wurden sie waghalsig, bis sich schließlich Gereiztheit und Schläftigkeit einstellte. Diese Resultate lassen sich allerdings auch ohne wissenschaftliche Beobachtung feststellen; sind sie doch jedem bekannt, der Kinder geistige Getränke hat trinken lassen. Aber dennoch ist eS ein Verdienst, die Einwirkung deS Alkohols auf die Jugend wissenschaftlich festzustellen. Wie immer man sich als Erwach;ener geistigen Getränken gegenüber ver- halten mag, für Eltern, denen es ernst ist mit der Erziehung ihrer Kinder, sollte es nnr einen Grundsatz geben, nämlich den, geistig« Getränke auf jeden Fall von ihnen fernzuhalten. Das Charlottenburger Schiller-Theater. Der Architekt des zu- künftigen Charlottenburger Schiller-TheaterS, Herr Professor Litt- mann in München, hat im Anschluß an seine Verhandlungen mit den Vertretern der Stadt Charlottenbirrg und der Schiller-Theater- Aktiengesellschaft eine gemischte Kommission zur Besichtigung des ton ihn, erbauten Prinz Rcgenicn-Theaters in München cin-zeladen, wesentlich auch zur Ldsung bestimmter Fragen der Akustik Die Konnnission besteht aus sechs Vertretern der Stadt Charlvttcnburg— Herrn Oberbürgermeister Schustehrus, Herrn Baurnt Bratring, den Architekten Herren Lingner und Schliemaun. Herrn Stadl- berorducten-Vorstcher Kanfinaun, Herrn Stadttierordncten Prohe— imb vier Vertretern der Schiller-Thcatcr-Gescllschast— Herrn Äcchtsautvalt Dr. Bieber, Herrn Stadtverordneten Hugo Heimann, Herrn Dr. Löwenfeld und Herrn Schimmelpfcug, den, stellvertretenden Vorsitzenden der Gesellschaft. Herr Intendant v. Possart hat in liebenswürdigster Weise die Führung in dein unter seiner Leitung stehenden Hanse übernommen. Die Herren werden zunächst der Vorstellung des.Kaufniann von Venedig" am Sonntag- nachmittag beiwohnen, dann wird Herr Intendant v. Possart, in Gemeinschaft mit dem Milglicde dcS Münchcncr Hostheaters Herrn Lützenkirchen, eine intiinere Szene aus dem„Clavigo" vortragen. Auf Einladung des Münchener Bürgermeisters Herrn v. Borscht werden die Herren auch inehrere städtische Institute besuchen. Zu erschieße» versuchte sich Freitag nachmittag der 34 Jahre alte Postsckretär Otto Dicgener aus der Belforterstraste 29. Diegcner stammt aus dem Schwarzivald. Seine Eltern sind tot. Seit sechs Jahren war er beim Hofpostamt in der Spandauerstraste beschäftigt, früher als Oberpostassistent und nach glänzend be- standcner Prüfung seit Ostern dieses Jahres als Sekretär. Die letzten drei Wochen zeigte Dicgener ein nervös aufgeregtes Wesen. Fragte man ihn nach der Ursache, so gab er keine Antwort. Auf dem Amte weist auch nie», and, was ihm fehlt, zumal da er feine Amts- geschäfte sorgfältig erledigte. Nachdem er Freitag nachmittags um 2 Uhr wieder sehr aufgeregt nach Hause gekommen ivar, schost er sich um 4 Uhr in seinen, Zimmer eine Nevolvcrkugel in die rechte Schläfe.. Ein Arzt, den ein in demselben Hause wohnender Amtsgenosse von der Unfallstation in der Schönhauser Allee holte, liest ihn mit einem Lückschcn Rettungswagen in ein Kraukenhaus bringen.'Sein einziger Wunsch, den er bei vollem Bewußtsein äußerte, war, zu sterben. Die Anweisung betreffend das Verfahre» bei Ansstelluiig er. von QuittungSkarten der Jnvaliditäts- zc. Versicherungsanstalten, welche, wie gemeldet, durch Ministcrialerlast vom 22. V. M. ergänzt worden ist, erhält, wie jetzt amtlich bekannt gegeben lvird, die nachstehenden Zusätze: Sind in einer Onittnngskarte Marken einer zu niedrigen Lohnklasse eingeklebt, so ist die untere Ver- waltungsbehörde tVorsitzender der Rcutcnstelles befugt, abweichend von der Ziffer XX von dein verpflichteten Arbeitgeber nur den Unterschied zwischen den zu niedrigen Marken und den richtigen Marken einzuziehen und gegen Einsendung des eingezogenen Geld- bewags von der Versicherungsanstalt die richtigen Marken ein- znfordcrn. Diese find in die Onittungskarten einzukleben und die zu niedrigen Marken zu vernichten.— Die untere Verwaltungsbehörde ist befugt, auch ohne Zuziehung der Arbeitgeber die Be- richtignng der Karten in der Weise vorzunehmen, daß sie den Wert der zu vernichtenden Marken bei der unrichtigen Ver- s i ch e r u n g s a n st a l t liquidiert und von der richtigen Ver- sicherungsanstalt die erforderliche Zahl von Beitragsmarken ein- fordert� Der Bierfahrcr vor Gericht. Gestern fand vor der zehnten Strafkammer des Landgerichts I die Verhandlung gegen den Bier- fahrer R. statt, der wegen fahrlässiger Gefährdung eines Eisenbahn- transports angeklagt war. Nachdem der StaatSanlvalt sechs Wochen beantragt hatte, plädierte der Verteidiger für mildernde Umstände, und verlas dabei unseren Artikel:„Alkohol und Bier- fahrer", der bekanntlich das viele Trinken der Bierfahrer im Interesse ihrer Brauereien schildert. Die Richter waren ob des Ge- horten erstaunt und der Gerichtshof erkannte mit Bedauern auf 50 Mark Geldstrafe sowie Auferlegung der Kosten. Von der Straßenbahn angefahren und verletzt wurden vorgestern abend zwei Personen gelegentlich eines militärischen Transportes. Eine Abteilung für Südlvestafrika bestimmter Freiwilliger hatte sich vorgestern abend in der zehnten Stunde am Bezirkskommando ver- sammelt und marschierte nach dem Ordonnanzhauso ab, wo die Ein- kleidung gestern stattfinden sollte. Die Soldaten marschierten in der General Papestraste mit den sie begleitenden Verwandten auf dem Bahnkörper der Strastenbahn, als ein Wagen der Linie 41 heran- nahte. Bei der in dem Strastenzug herrschenden Finsternis bemerkte der Fahrer die vor ihn, marschierende Abteilung nicht eher, als bis er sich auf zirka zwei Meter genähert hatte. Er bremste um, sofort energisch und es gelang ihm auch, den Wagen auf kurze Distanz zun, Stehen zu bringen. Zwei Personen wurden sedoch nieder- gestoßen und zwar der Kürschncrmcister Ferkau, Linienstraste 1 wohn- Haft, der seinen Neffen begleitete, und der Gefreite der Reserve Eugen Mathiak. Fcrkan erlitt einen Schädelbruch und wurde nach seiner Wohnung ubergeführt. Mathiak trug eine Fleischwnnde über de», Auge und Hautabschürfungen davon: er fand Unterkunft im Garnisonlazarctr in Tempelhof. Lebensgefahr soll bei beiden Ver- letzten nicht vorhanden sein. Zeugen gesucht. In der Nacht vom 3. zun, 4. August fand Ecke Mexandrinen- und Rittersiraste zwischen 12 und 1 Uhr ein kleines Rencontre statt. Personen, welche den Vorfall bemerkten, werden gebeten, ihre Adresse an Otto Math es, Bärlvaldstr.ls. Wird später nachgeholt. Ii, der Marienkirche werden Montag abends 7>/j Uhr Musik- direktor Otto Dienel, die Gesangschule von Frau Marie Kornatis (Frl. Henning. Frl. Oelschlaeger, Frl. Büttner, Frl. Mcyner, Frl. Klauer. Frl. Groß, Frau Wcstlau, Herr Lestner u. a.), die Violinistin Frl. Wallq Paasch und Herr Robert Schwiestelmanu auf den Bußtag bezügliche Chöre, Terzette, Duette, Arien, Lieder, Violin- und Orgel- kon, Positionen von Bach, Martini, Beethoven, Schubert, Mendels- söhn, BrahmS, Klughardt, Dienel n. a. bei freien, Eintritt aufführen. Die Ringkäuipfc im Palast-Theater füllen allabendlich die Riesen- räume des seltsam konstruierten Saales. Während der vorhergehenden Spezialitätenvorstellung weifen Parkett und Ränge noch zahlreiche Lücken auf, trotzdem auch hier sehr hübsche Leistungen geboten werde». Sobald aber der Vorhang nach der zweiten Pause aufgeht und die BieepS-Jnternationale sich in so viel stattlichen Vertretern den, an- dächtig staunciideu Publikum vorstellt, sind alle Plätze gefüllt. Physische Kraft und Gewandtheit finden noch immer mehr Bewunderer als geistige Kapazität. Nachdem der Mauaacr oder sein Stellvertreter dann ersucht, sich in, Jutcrcsse des reellen Wettbewerbes der Muskeln jeder Dcniousiratiou enthalten zu wollen, beginnt der Äanchf. Am Freitag abend gestalteten sich die sechs Gäu�ze wieder recht interessant, während der Weltmeister Lurich diesmal nicht beteiligt war, sondern vorher durch Kraftproduktionen mit zentnerschlveren Hanteln heimlichen Neid des nicht ganz so starken Geschlechts im Publikum hervorgerufen hatte. Der Schlvede K r o o k warf den Tahomeh- Neger D e c c o, der Belgier Fran cois de Nidder legte nut überlegener Ruhe den Münchener Rödel auf die Schulter, ebenso der Armenier Schuiniakin den robusteren Amerikaner Paxon. Desgleichen blieben der Bulgare P e t r o w gegen Heiderecker und der Russe N o in a n o f f gegenüber dem Belgier M o n � a r t Sieger. Monzart, ein kleiner geschmeidiger Herr, leistete dem Hünen- haften Russen 3 Minuten lang respektablen Widerstand. Im Hand- umdrehen wurde dann der getvaltige Franzose Beaucairois von dem ebenso stämmigen Hitzker geworfen. Beaucairois stürzte sich allzu heftig auf den gewandten Gegner, so daß er von diesem init Blitzesschnelle mit Schulterschwuug geworfen wurde. In einer Minute war zur allgemeinen Verblüffung dieser Gang beendet. Freunde des Athlctiksports kommen in, Palast-Theater voll auf ihre Rechnung._ Huq den Nachbarorten. Das KaufmannSgcricht der Stadt Rixdorf bezw. der Erlast eines Ortsstatuts war neben einigen kleineren Vorlagen der Haupt- verhaudlungsgegcnstand der Rixdorfcr Stadtverordneten-Versammlung am Donnerstagabend. Der von, Magistrat vorgelegte Entwurf entspricht in den meisten Punkte» den gesetzlichen Bestimmungen, mit Ausnahme einiger der Festsetzung durch die Gemeindebehörden vorbehaltencn Einzelheiten. Zusammengesetzt wird das KaufmannSgcricht aus einem Vorsitzenden, zwei Stellvertreter» und 24 Beisitzern, also je 12 Kaufleuten und 12 Handlungsgehülfen. Die Wahlperiode derBeisitzer währt3Jahre. Der gesamte Gerichtsbezirk bildet einenWahlbezirk, nur wllcn zurErleichterung der Ausübung der Wahl nach Bedürfnis Wahlstellei, eingerichtet werden. Ort und Zeit der Wahlen werden von den, Magistrat vier Wochen vorher bekannt gegeben. Für die Leitung der Wahl und zur Ermittelung des Wahlergebnisses wird ein Wahlausschuß gebildet, der aus dem Vorsitzenden des Kaufmannsgerichts und der sechs in den Ausschuß für Gutachten und Anträge gewählten Beisitzer bestehr. Für die Wahlstcllen wird ein Wahlvorstand eingesetzt, aus einem un- parteiischen Vorsitzenden und je zwei Beisitzern der Kaufleute und Handlungsgehülfen. Die Wahl erfolgt auf Grund von durch den Magistrat aufgeslellten und vorher zur Einsicht ausgelegten Wähler- listen. Zugelassen werden nur gebundene Vorschlagslisten, die bei der Einreichung von mindestens fünf Wählern unterzeichnet sein müssen. Auch das Verbinden zweier Vorschlags- listen ist gestattet. Die Stimmenabgabe kann nur durch u n v e r- änderte Vorschlagslisten erfolgen, abgeänderte sind ungültig.— Für jede Spruchsitzung sind vier Beisitzer, zwei Kauflente und zwei Handlungsgehülfen, vorgesehen. Zur Beschlustfassung genügt jedoch neben dem Vorsitzenden die Anwesenheit je eines Beisitzers aus jeder Gruppe. Als Entschädigung für Zeitversäumnis setzt der Entwurf für eine Sitzung bis zu 4 Stunden 4 M., wenn diese länger als 4 Stunden angedauert hat, 6 M. fest. Als Gebühren sollen bei einem Gegenstände im Werte bis 20 M. einschließlich 50 Pf., von 20 bis 50 M. 1 R.. von 50 bis 100 M. 2 M. erhoben werden. Die ferneren_ Wertklassen und Gebühren steigen um je 100 M. bezw. 2 M. Höchstgebühr sind 30 M. Der Abschnitt über die Tätigkeit des Kaufmannsgerichts als Einigungsamt entspricht fast ausschließlich den Bestimmungen des GewerbegerichtS-Gesetzes.— Der Ausschuß für Gutachten und Au- träge besteht, wie schon eingangs erwähnt, aus drei Kaufleuten und drei Handlungsgehülfen, die von den beiden Beisitzergruppen aus deren Mitte gewählt werden. Diese Wahl erfolgt durch Zuruf, so- fem Widerspruch erfolgt, jedoch nach den Grundsätzen der Verhältnis- wähl. Der Ausschuß muß u. a. berufen werden, wenn mindestens vier Beisitzer dies verlangen. Mit Rücksicht auf die bereits stattgehabte Vorberatung der Vorlage in der Gewerbedeputation sah die Versammlung von einer Ver- Weisung an einen Ausschuß ab und trat sofort in die Diskussion ein. Stadtv. Abraham führte u. a. aus, daß er mit Rücksicht darauf, daß der Handluugsgehülfe, sofern er als Beisitzer zu einer Sitzung berufen werde, keinen Ausfall von Gehalt habe, es nicht verstehen könne, wenn der vorliegende Entwurf in der Entschädigung für Zeitversäumnis über die Festsetzung für die Gewerbegerichts- Beisitzer hinausgehe. Er beantrage daher, die Steigerung für die länger als vier Stunden währende Sitzung von sechs Mark zu streichen, und schlage vor— obwohl seine Freunde nach den Be- schlüssen ihrer Vorbesprechung eigentlich nichts, jedenfalls aber nur einen ivesentlich geringeren Satz bewilligen wollten— es bei vier Mark bewenden zu lassen. Den Stadtvv. Koye und Schmidt ge- nügte aber diese Herabsetzung der Entschädigung bei weitem nicht. Sie führten aus, daß ebenso wie die Geschworenen- und Schöffenämter — für welche so gut wie nichts entschädigt werde— die Beisitzerstellen an den Kanfinannsaerichtcn Ehrenämter seien. Deshalb sei eine so hohe(? I) Entschädigung nicht am Platze. Sie beantragten daher, eine Entschädigung von 2 M. festzusetzen.— Stadtv. W u tz k y (Soz.) bekämpfte beide Abänderungsanträgc. Ganz abgesehen davon, daß der Entwurf die Entschädigung durchaus nicht hoch bemesse und daß andere Städte(Schöneberg 3 M.) noch höhere Sätze zahlten, so könnten beispielsweise auch Reisende als Beisitzer fungieren. Diese würden aber häufig durch ihre Einberufung zu Sitzungen mit recht hohen Verlusten an Verdienst zu rechnen haben. Der vom Stadtv. Abraham gezogene Vergleich mit den Entschädigungssätzen des Ge- Werbegerichts spreche nicht für seinen Abänderungsantrag, sondern dagegen; denn die Sätze des Gewerbegerichts feien viel zu niedrige, Auch die von den anderen Herren gezogene Parallele mit den Ge- schworenen und Schöffen sei hinfällig, und zwar deswegen, weil es unbillig vom Staat sei, diese oft recht schwierigen Ehrenämter ohne Entschädigung ausüben zu lassen. Im übrigen stehe ja fest, daß unter den für diese Aemtcr Berufenen starke Unzufriedenheit herrsche wegen dieses Zustandes. Und diesen unhaltbaren Zustand wolle man nun hier einführen. Den K 34, soweit er Gebühren festsetzt, beantrage er zu streichen. Die Ein- nahmen daraus würden so geringfügige sein, daß sich ihre Erhebung nicht lohne. Auch müsse das Anstrengen einer Klage so leicht wie möglich gemacht werden.— Stadtrat H o f f m a n n und Stadtv. Abraham bekämpften den letzteren Antrag mit dem von ihnen selbst als fadenscheinig charakterisierten Argument, indem sie ausführten. daß zwar auch jetzt schon beim Gewerbegericht— wo Gebühren bestehen— leichtfertigerweise Prozesse angestrengt würden, daß man aber beim Kaufmannsgericht doch die Gebühren erheben wolle, um— nun. um leichtfertiges Anstrengen von Prozessen zu verhüten.— Diese„Logik" zog dann Stadw. Wutzky(Soz.) heran, um die UnHaltbarkeit der Gründe der Gegner seines Antrages zu erweisen. Doch vermochte er dadurch au den bei der Mehrheit bereits bestehenden Entschlüssen nichts mehr zu ändern. Die Abstimmung ergab die Annahme der Gebührenordnung, wie sie im Entwurf vorgesehen, und die Herabsetzung der Eut- schädigung für die Beisitzer auf 2 M. Alle übrigen auf der Tagesordnung befindlichen Vorlagen wurden fast debattelos erledigt. So wurden in die' gemischte Deputation zur Beratung über den Allsbau des mittleren und höheren S ch u l>v e s e n s die Genossen Stadtverordneten Dr. Silberstein und Wutzky gewählt. Die umfangreiche Ergänzung der F e u e r l ö s ch g e r ä t e, u.a. durch eine GaSspritze, wurde genehmigt: ebenso die Herstellung gärtnerischer Aulagen aus dem Hcrrfurthplatze mit einem Kosten- aufwände von 11000 Mark. Die Beschaffung von MietSrärmien für die städtische Verwaltung wurde dem WohnungSausschuß überwiesen. Aus Steglitz wird uns gemeldet: Der von unserem ehemaligen Vertreter, Genossen Rapp, im Jahre 1901 gestellte Antrag aui Er- bauung einer B a d e- A n st a I t ist nunmehr seiner Ausführung wieder einen Schritt näher gerückt. Die seinerzeit eingesetzte Kom- Mission erstattete in der Gemeinderatssitzung am Freitag Bericht und beantragte, 1300 Mark zu bewilligen zur Ausführung der Vor- arbeiten. Die Versammlung gab ihre Zustimmung.— Der Bau einer elektrischen Bahn vom Bahnhos Steglitz über Dahlem nach dem Grunewald seitens d e r G e m e i n d e ist nunmehr gesichert. Nach einem mit der Aufteilungskommission der Domäne Dahlem abzuschließenden Vertrage, den die Versammlung genehmigte, leistet erstere einen einmaligen Zuschuß von 90000 M., wogegen sich die Gemeinde verpflichtet, bis zun: 1. November 1903 den Betrieb bis zunr Botanischen Garten zu eröffnen und zum 1. Mai 1906 die gesamte Strecke in Betrieb zu nehmen.— Das Statut des zu errichtenden Kaufmannsgerichts wurde in erster und zweiter Lesung angenommen.— Zur besseren Erledigung der Gemeindegeschäfte wurde die Bildung eines 5rollegialischen Gemein bevor st an des beschlossen und ein diesbezügliches Ortsstatut angenommen. Ferner gibt die Ver- sammlung ihre Zustimmung zu dem Antrage, am 1. April 1906 einen besoldetenSchöffcn anzustellen. Auch die Neuanstellung eines Zeichenlehrers an der Oberrealschule und zweier Exekutiv- beamten wird beivilligt. Zu Punkt 12 der Tagesordnung:„Beschlußfassung über eine Anregung der Aufsichtsbehörden zur Errichtung einer nicht- gewerbsmäßigen Rechtsauskunftsstelle" empfahl Herr Bürgermeister Buhrow, dieser Anregung nicht zu entsprechen, weil kein Bedürfnis für eine solche Einrichtung vorhanden sei. Schon jetzt sei es jeder- mann möglich, jede gewünschte Auskunft zu erhalten, da sämtliche Geineindebcamten zur Auskunftcrteilung verpflichtet seien. Die Debatte ergab, daß auch hier Theorie und Praxis zwei verschiedene Dinge sind. Die Beschlußfassung über diesen Punkt wurde schließlich vertagt. Nieder-Schönhausen. Die dritte Kommunalwähler- Abteilung unseres Ortes hat das Vergnügen, am Donnerstag, den 17. d. M., zum vierten Male in diesem Jahre zur Wahl eines Gemeinde- Vertreters zu schreiten. Die betreffende Neuwahl hätte bereits vor Monaten vorgenommen werden können, denn so lange blieb das frei- gewordene Mandat unbesetzt. Allein man hat die Wahl bis jetzt hinausgeschoben und in die Bußtagswoche den Wahltag gelegt. Viel- leicht erhofft man davon etwas Gutes und ist der trostreichen Ansicht, die Arbeiter, reuig und zerknirscht unter dem unmittelbaren Ein» druck des Bußtages, Wörden jetzt der bösen Sozialdemokratie end» gültig abgeschworen haben. Den Arbeiterti freilich, die ja meistens nicht am Orte beschäftigt sind, entgeht, wollen sie ihrer Wahlpflicht genügen, neben dem Lohn des gesetzmäßigen Feiertages(Bußtag) nun auch der Lohn eines zweiten halben Tages. Die Wahlzeit, die auf die Nachmittagsstunden von 12 bis 5 Uhr angesetzt ist, macht fast durchgängig jegliche Nachmittagstätigkcit der auswärts Arbeitenden an diesem Tage illusorisch. Aber trotzdem sollen uns die Gegner bereit finden. Wir haben schon schwerere Hindernisse genommen! Pflicht der wahlberechtigten Arbeiter unseres Ortes wird es sein, Mann für Mann am Donnerstag ihr Wahlrecht auszuüben. Nur s 0 können wir einen Erfolg erringen.— Am Dienstag, abends zs9 Uhr, findet in W e n z e l s„L i n d e n g a r t e n", Lindenstr. 43. eine vom sozialdemokratischen Wahlverein einberufene Volks» Versammlung statt. Das Vortragsthcma des Abends lautet: „Die kommunalen Forderungen der Sozial» d e m 0 k r a t i e". Der Referent wird in der Versammlung bekannt gegeben werden. ES ist die Schuldigkeit aller Parteigenossen am Orte, geschloffen zu erscheinen, unter ihren Freunden und Bekannten für einen regen Besuch zu agitieren und so die Versammlung zu einer imposanten Kundgebung zu gestalten. Ripdorf. Am heutigen Sonntag findet in der Anla des Real- ahmnasiums in der Kaiser Friedrichstraße der zweite Kunstabend statt. Es werden Wartbnrg-Dichtnngen nnd Kompositionen von Rich. Wagner zum Vortrag gebracht. Einlaßkarten a 40 Pf. sind bei Hoppe, Bertnicrstr. 14, erhältlich. Der Bau einer Wasscrlcitnng beschäftigte die lchte Sitzung der Stadtverordnetcn-Vcrsaminlung in Werder a.H. Für den Wcrderschcn Obstbau ist schon lange eine solche dringend erforderlich, da fast in jedem Jahre durch die in den sandigen Obstbergen eintretende Dürre teilweise Mißernten veranlaßt werden. Einzelne Obstzüchter haben deshalb auf ihren Grundstücken schon Pumpenwerke eingerichtet, um wenigstens clwas die Anlagen bewässern zu können. Die Deutschen Wasserwerke in Berlin haben sich nun zum Bau eines Wasserwerkes erboten und wollen das Kubikmeter Wasser für 30 Pf. abgeben, zu Feuerlöschzwccken aber umsonst. Bürgermeister Dümichen vertrat den Standpunkt, daß ein derartiges Unternehmen von der Stadt besser selbst eingerichtet würde. Die Stadtverordneten-ZZersanimlung überwies die Sache einer Kommission zur Vorberatung. Versammlungen. Britz. In der am Dienstag, den 8. November, abcuds 8'/, Uhr, stattgefundcnen Mitgliederversammlung des Wahlvcreins hielt Genosse Stempel einen Vortrag über„Die Arbeiter-Bangenossenschaft und der wirtschaftliche Kämpf des Proletariats." Der Vorwag Ivnrde mit regem Beifall aufgenommen. Hierauf erfolgte die Wahl der Delegierten zur Kreis-Generalverfammlung. Gewählt wurden V o i g t, Dufte nnd Drewicke. Folgender Antrag der Versammlung wurde angenommen: Die zu besetzende Stelle eines Sekretärs des Zentral- Vereins Teltow-Bceskow-Storkoiv-Charlottenburg ist durch öffentliche Ausschreibung vorzunehmen. Betreffs des Antrages Wusterhausen wurde den Delegierten keine bestimmte Direktive gegeben. Ein Antrag des Genossen Helling, vom 1. Januar ab die Zahlaöende am Dienstag nach dem 1ö. jeden Monats stattfinden zu lassen, ivnrde einstimmig angenommen. S o l d n e r beanwagt, einen Bibliothekar anzustellen und diesen Antrag auf die Tagesordnung der nächsten Versammlung zu setzen. Dies wurde angenommen. Wilmersdorf. Am Mittwoch tagte in Salomons Volksgarten eine gutbeiuchte Generalversammlung des Sozialdemokratischen Wahl- Vereins. Bor EinWitt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende dem verstorbenen Reichstagsabgeordneten Albert Schmidt einen warmen Nachruf; die Versammlung ehrte das Andenken desselben in üblicher Weise. Aus dem Jahresbericht des Vorstandes ist hervor- zuheben: Es haben stattgefunden zwei Generalversammlungen, zwei außerordentliche Generalversammlungen und fünf Bercinsvcrsamm- lungen. Ferner wurden sechs Volksversammlungen abgehalten, sechs Flugblatt- sowie zwc' Handzcttelverbrcitnngen fanden statt. Eine Ägitationstour wurde unternommen. Die Zahl der Atitglieder ist von 266 auf 361 gestiegen nnd setzt sich aus folgenden Berufen zu- sammen: Maurer 61, Arbeiter 60, Zimmerer 29. �Gastwirte 22, Stukkateure, Tischler je 16, Maler 11, Töpfer 16, Schuhmacher 9, Steinmetzen 7, Bildhauer, Schlosser je ö, Schriftsetzer 4, Bullsbinder, Klempner, Schneider, Droschkenkutscher je 3, Apotheker, Schriftsteller, Kaufleutc, Handlungsgehülfen, Uhrmacher, Drechsler, Hutmacher, Glaser, Gärtner, Barbiere, Hausdiener je 2, je ein Redakteur, Zahn- rünstlcr, Lichtdrucker, Zigarrenfabrikant, Mechaniker, Buchhändler, Jnswumenteumacher, Schriftgießer, Tapezierer, Zigarrenmacher, Steinsetzer, Rohrleger, Dachdecker, Heizer, Schlächter, Stellmacher, Schirmmacher. Ter Vorsitzende ermahnte, im neuen Geschäftsjahr rege Agitation zu entfalten, da der Prozentsatz der Gewerkschaften am Ort viel zu wünschen übrig ließe.' Die Abcmncntenzahl des „Vorwärts" ist von 530 auf 590 gestiegen. Der Kassenbericht vom 4. Quartal ergab eine Einnahme von 293,40 M., bei einer Ausgabe von 256,71 M. Davon gingen an die Zentrale 193,93 M., Bestand am Ort 41 M. Die Bibliothek enthält 129 Bände und 116 Broschüren. Hierauf folgte die Wahl des Vorstandes mit folgendem Riffultat: Gieblcr i. Vorsitzender, H eu k e l 2. Vorsitzender, K ö p p i n g Kassierer, P r e u ß Schriftführer, Pieper Beisitzer, Revisoren G r e h s, H. Behrendt, L e m a i t r e, Bibliothekare Schnell, Waschuletvsky, Lokalkommission I a k o b s e n, Feese, A. Schulz. Als BczirkSführcr wurden bestätigt: M u r r e r(1. Bez.), Goddäus(2. Bez.), G. Schulz l3. Bez.), Sens(4. Bez.), C. Bethke(5. Bez.), Kiefer(6. Bez.) und Meuser(7. Bez.). Auf die Generalversmmnlung des Kreises Ivurden Giebler, Köpping und G l a d i a a V delegiert. Hierauf nahm die Versammlung den Bericht der Gelverbegerichts- beisitzer entgegen. In der Zeit vom 1. April 1903 bis 1. November 1904 fanden 32 Sitzungen mit Beisitzern statt. Von den Sitzungen waren 25 mit vier, 6 Sitzungen mit zwei Beisitzern besetzt. Erne Sitzung konnte nicht stattfinden, da Arbeitgeber unentschuldigt fehlten. Zur Verhandlung standen 206 Klagen; es ist dies das Doppelte der im Vorjahre anhängig gemachten Klagen. Das höchste Klageobjekt betrug 218,15 M., das niedrigste 0,70 M. Oesfentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- nutoing für jedermann, SW., Alexandrinenslr. 26. Geöffnet werktäglich von 5'/.— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zur Zeit 515 Zeitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Allgemeine Familien-Stcrbekassc. Heute Zahltag: Ackerftraße 123 Sei Dicke von 3— ü Uhr. Arbcitcr-Tamariterkolonnc. Die nächste UcbungSstunde in der Filiale Brunnenftr. 154 findet nicht Montag fondern Menslag abend 9 Uhr statt. Vorwag der prattifchen Acrztin Frl. Dr. WigodezinStv über Vor- lchungcn, Wundbehandlung und Blutstillung. Nachher praktifchc Hebungen. Gäste willkommen. Nene Teilnehmer können noch eintreten. Einschreibe- gcld sowie Monatsbciwag 25 Pf. Bibliothek steht unentgeltlich zur Ver- fügung. Sozialdemokratischer Agitations- Bercin für den Reichstags- Wahlkreis Züllielia»- Schwicbus- Krossen- Sommerfeld. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß die Versammlung am Dienstag, den 15. November, ausfällt und dafür am Donnerstag abend, den 17. November, im GcwerkschaflShaufc(Saal VII) ftattjwdct, in der Gonosse Waldeck Manassc über„Die politifchc Lage" sprechen wird. I» Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Genossen aus dem Kresse, Haupt- sächlich der Bmlhandwerker und der hier anwesenden Schisser in dieser Ver- sammlung zu erscheinen. Humanistische Gemeinde. Am Montag abend 8 Uhr findet in der Oraniensw. 69, im Restaurant zu den vier Generationen(großer Saal) ein gefelliger Abend statt. Tagesordnung: Vortrag des Herrn B. Amper über feine Reise durch Italien und zu dem internationalen Freidenkerkongreß in Rom. Berein der Lehrlinge»nd jugendliche» Arbeiter Berlins. Ocffcntlichc Versammlung des Vereins am Sonntag? den 29. November, nachmittags 4 Uhr in Pachuras Klubhaus, Landsberge? str. 39(großer Saal). Tagesordnung: 1. Vorwag des Kollegen Lehmann über:„Was will der „Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins". 2. Freie Dis- kussion.— Alle Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen werden zu dieser Versammlung hierdurch eingeladen. Eintritt frei. Kein Trink- zwang... Berliner Bcrei» für Schulgeuindheitspflege. ArbcitSsibung am Dienstag. 15. November, abends 8 Uhr im Saal 109 des Rathauses(Ein- gang Jüdenstraßc). Tagesordnung: Herr Schumacher, städt. Lehrer:„Die pathologsschcn Erscheinungen im Seelenleben des Kindes und die Ausgabe der Schule in Beziehung auf dieselben.- Gäste willkommen.— Die nächste Sitzung(össcntlicher Vorwagsabend) findet am Dienstag, den 6. Dezember, im Bürgersaal statt. Moedeu- Spielplan der Berliner Cheater. Königliches Operuhans. Sonntag: Lohcngrin.(Anfang 7 Uhr.) Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Bajazzi. Coppclia. Mittwoch: Mittags ig vhe: Oesscntliche Hauptprobe des Opeimchors. Abends 7 Uhr: Konzert des Opcrnchors. Donnerstag: Rienzi.(Ansang 7 Uhr.) Freitag: Die lnitigen Weiber von Windsor. Sonnabend: DaS Rheingold. Sonntag: Die Hugenoiteii. Maniag: Die Walküre.(Ansang 7 Uhr,) Neues Königl.� Oper,,, Theater. Sonnlag: Theodora. Montag: Ein kritischer Tag. Dienstag: Flachsmann als Erzieher. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Theodora. Freilag: Ein Wintcrmärchen. Sonn- abend: Flachsmann als Erzieher. Sonntag: Julins Ccsar. Montag: Der Kompagnon. Deutsches Theater. Sonntag, nachmittags 2>/, Uhr: Kettenglieder. Abends: Don Carlos.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Dagland. Dienstag: Don Carlos.(Ansang 7 Uhr.) Mittwoch: Gcschlossew Donnerstag: Don Carlos.(Anfangs? Uhr.) Freitag: Kettenglieder. Sonnabend, Sonntag und Montag: Maskerade. Berliner Theater. Sonntag: Soldaten. Montag: Zapfenstreich. Dienstag: Soldaten. Mittwoch: Geschlossen Donnerstag: Soldaten. Freitag: Zapfenstreich. Sonnabend und Sonntag: Soldaten. Montag: Zapsenstreich. Lessing-Theater. Sonntag, nachmittags 2'/, Uhr: Rose Bernd. Sonntag abends: Traumulus. Montag: Traumulus. Dienstag: Die Frau vom Meere. Mittwoch: Konzert. Donnerstag: Florian Geher. Freitag: Tramnulus. Sonnabend: Die Siebzehnjährige. Sonntag: TraumuluS. Montag: Unbestimmt. Theater d?S Wcsteus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Der Postillon von Lonjumeau. Sonntag abends: Kleine Lämmer, tt'disboiro ckuu niorrot. Montag: Ballett- Divertissement. Kleine Lämmer. Dienstag: Don Juan. Mittwoch: Messias. Donnerstag: Der Zigcuncrbaron. Frei- tag: Die Hugenotten. Sonnabend, nachmittags 3 Uhr: Iphigenie auf Tauris. Sonnabend abends: Der Maskenball. Sonntag: Don Juan. Montag: Rigoletto. National- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Rigoletto. Sonn- tag abends: Donna Juanita. Montag: Die Favoritin. Dienstag: Rigoletto. Mittwoch: Die Schöpfung. Donnerstag: Die Favoritin. Freitag: La Traviala. Sonnabend: Der Freischütz. Sonntag: La Traviata. Montag; Der Bqrbicr von Sevilla. Neues Theater. Sonntag: Die Llronprätendenten.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Die Morgenröte. Mittwoch: Geschlrssen. Donnerstag, Freitag und Soiinabend: Die Morgen- röte. Sonntag: Die Kronprätendenten.(Ansang 7 Uhr.) Montag: Die Morgenröte. Schillcr-Theater V.(Walliicr-Thcatcr.) Sonntag, nachmittags 3 Uhr: König Lear. Sonntag abends: Die Großstadtlust. Montag: Krieg im Frieden. Dienstag: Wallensteins.Lager. Die Piccolomini. Mittwoch: Die Schöpfung. Donnerstag: Die Großstadtlnst. Freitag: Wallensteins Lager. Die Piccolomini Sonnabend: Krieg im Frieden. Sonntag: Mcdea. Montag: Lirieg im Frieden. Schiller-Theater V.(Fricdrich-WilhclmstädttschcS Theater.) Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Sonntag abends: Johannis- seuer. Montag und Dienstag: Die Jüdin von Toledo. Mittwoch: Geist- liches Konzerl. Donnerstag: In Bchandlimg. Freitag: Die Jüdin von Toledo. Sonnabend: Die Tyrannei der Tränen. Sonntag: Die Jüdin von Toledo. Montag: Die Tyrannei der Tränen. Refidenz-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Die 300 Tage. Von Sonntag abend bis Dienstag: Eine Hochzeitsnacht. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag bis Sonnabend: Eine Hochzeitsnacht. Sonntag: Nora. Montag: Eine Hochzcitsnachi. Kleines Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Familienidyll. Liebes, träume. Serenissimus-Zwüchenspicle. Sonntag abends: Elekwa. Montag: Nachtasyl. Dienstag: Elekwa. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Nachtasyl. Freitag nnd Sonnabend: Der grüne Kakadu. Tapfere Kassian. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Der grüne Kakadu. Tapfere Kassian. Trinno»- Theater. Tonntag, nachmittags 3 Uhr: Ihr zweiter Mann. Von Sonntag abend bis Dienstag: Gastons Frauen. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag bis Sonnabend: Gastons Frauen. Sonntag: Das eiste Gebot. Montag: Gastons Frauen. Belle- Alliance- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Hamlet. Sonntag abends, Montag, Dienstag: Die Tugendgiockc. Vorher: Wer? Mittwoch: Konzert.(Zlnjang 8 Uhr.) Donnerstag bis Sonnabend: Die Tugendglocke. Vorher: Wer? Sonntag und Montag: Der Millionen- baucr. Luisen- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Robert und Berwam. Sonntag abends: Die Tochter des Herrn Fabricius. Montag: Hasemanns Töchter. Dienstag: Don Carlos." Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag: Die Räuber. Freitag: Der Rcgistrator aus Reisen. Sonnabend: Robert und Bertram Sonntag: Die Räuber. Montag: Mein Leopold. Lustspielhaus. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: In Behandlung. Sonntag abends bis Dienstag: Biederleute. Mittlvoch: Konzert. Donnerstag, Freitag und Sonnabend abend: Biederleute. Sonnabend nach- mittags 3ssz Uhr: Marincmütter. Sonntag abends: Drei. Abschied vom Ziegiment. Montag: Uubcstimint. Carl Weiss- Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Von-Sonntag abends vis Dienstag�: Senta Wolssburg. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag und Freitag: senta Wolssburg. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Schneewittchen. Sonnabend abends und Sonntag: Sttita Wolssburg. Zentral• Theater. Sonntag, nachmittags 3'/, Uhr: Der Bcttclstudcnt. Von Sonntag abend bis Dienstag: Der Generalkonsul. Mittwoch: Konzert. Donnerstag: Der Gencralkonsul. Freitag: Orpheus in der Unterwelt. Sonnabend liachnüttags 4 Uhr: Daumelmchen. Sonnabend abend: Der Generalkonsul. Sonntag: Die Glocken von Cornville. Montag: Der Gencralkonsul.' Thalia-Theater. Sonntag, nachmittags 3'tt Uhr: Eharleys Tante. Sonntag abends bis Dienstag: Der Wcibcrkönig. Mittwoch: Konzert. Donnerstag bis Sonnabend: Der Weibcrkönig. Sonntag: Der Troubadour. Montag: Unbestimmt. Kafiiio-Thcater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Mutter Gräbert. Von Sonntag abend bis Dienstag: Wildes Blut. Von Donnerstag bis Montag: Wildes Blut. Avollo-Theater. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Frühlingsürst und Spezialitäten. Allabendlich: Berliner Lust. Spezialitäten. Dcntsch-Amerikanischcö Theater. Allabendlich und diesen und nächsten Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Uebcr'n großen Teich. Gebrüder Hcrrnseld-Thrater. Allabendlich: Prinz Lcvh in Ahlbeck. Metropol- Theater. Allabendlich: Die Herren von Maxim. Passagc-Thcatcr. Allabendlich: Dida. Wintergarten. Allabendlich: Anne Dancrcy. Spezialitäten. Neichshallcn-Theater. Allabendlich: Stcttiner Sänger. Nraiiin-Thcatcr. Taubenftraßc 48/19. Sonntag bis Mittwoch: Frühlingstage an der Riviera. Donnerstag bis Sonnabend: Von der Zug- spitze bis zum Watzmann. Ansang 8 Uhr.— Jnvalidcnstraßc 57—62: Sonntag, Montag, Mittwoch. Donnerstgg, Freitag und Sonnabend, abends 8 Uhr: Ticrlcbcn in der Wildnis. Vermischtes. In Augsburg ist am 11. November der Advokat Justizrat Dr. Herzfelder, bekannt als lyrischer Dichter und Goethe- forscher, gestorben. Die Eiitdcckuiig einer Mordtat. Das 21 Jahre alte Dienst- mädchen Michalina Urbanik, das beim Distriktskommissar in Kreuz bei Schneidemühl in Stellung war, hat dieser Tage in Gemeinschaft mit ihrem Bräutigam, Namens AndreschewSki, die Tochter ihres Dienstherrn erschlagen und den Dicnsthcrrn bestohlcn. Das Paar ergriff darauf die Flucht. Es hatte die Absicht, nach Amerika zu cnt- fliehen. Die Urbanik wurde gestern abend bei ihrem Eintreffen in Hamburg erkannt und festgenommen. Sie bestritt anfangs alle Schuld, gab aber schließlich zu, das Kind ihres Herrn in Gemein- schaft mit Andreschcwski mittels eines Fleischklopfers erschlagen, die Leiche in einen Sack gesteckt und in einen Fluß geworfen zu haben. Ihr Bräutigam sei auf der Flucht eine Strecke mit ihr gefahren, habe sie dann aber verlassen, um auf einem anderen Wege nach Bremen zu seinem Bruder zu fahren. Hochwasser in Schlesien. In den letzten Tagen herrschte, wie aus Schlesien geschrieben wird, an vielen Orten ein orkanartiger Sturm mit starken Regengüssen. Die Flüsse in der Grafschaft Glatz sind alle aus ihren Ufern getreten und haben weite Flüchen über- flutet. Durch das Hochwasser des Äressenbaches, das an Höhe und Gewalt das Juli-Hochwasser von 1903 bedeutend übertraf, hatten die Ortschaften Alt- und Ncuwcistritz und Spätenwalde besonders zu leiden. Viele Häuser standen über einen halben Meter tief unter Wasser. Die Wege in Spätenwalde sind total zerrissen und viele Brücken zerstört.— Auch der Wasserstand des Rheins ist um 73 Zentimeter gestiegen; er betrug gestern 1,53 Meter. Wegen Sittlichkcitsvergehens wurde, wie aus Eichstätt gemeldet wird, auf Anordnung des Amtsgerichts Bclingrics von der Staats- anwaltschaft gegen den protestantischen Pfarrvikar Josef Herlert ein Haftbefehl erlassen. Eine verhängnisvolle Brandkatastrophe ereignete sich, wie wir bereits gemeldet, in dem PariserVororteJssy-les-Moulineaux Freitag nachmittag gegen 5 Uhr in einer Fabrik für chemische Produkte und Emaillefarben. Das Feuer griff mit großer Heftigkeit um sich. Ein Arbeiter ist in den Flammen umgekommen. Ferner werden mehrere Arbeiterinnen vermißt, und man fürchtet, daß sie ebenfalls uinge- kommen sind. Zwei Arbeiterinnen sind im Krankcnhause gestorben, wo noch weitere 18 Arbeiter und Arbeiterinnen sich befinden, die meist erhebliche Verletzuno-n davongetragen haben. Ter Brand cnt-. stand durch die Explosion eines Kessels, in dem Harze und Petroleu« erhitzt wurden. Russisches Landleben. Wie aus K o w n o in Russisch-Polcn bc- richtet wird, ist bei Rossienh der Gutsbesitzer v. d. Recke von seinen Arbeitern erschlagen worden, weil er ein ohne seine Erlaubnis ver- anstaltetes Trinkgelage auflösen ließ. Em Univcrfalmittel gegen die Unzufriedenheit. Unter dieser Ucherschnft hatten wir in unserer Nummer vom 22. Oktober einer Rede des früheren Eisenbahnpräsidenten K r a n o l d Erwähnung getan, in der er bei seinem Scheiden aus dem Amte seine„Unter- gebenen", die B a h n h o f s w i r t e, darauf hinweist, daß sie be- rufen seien, durch ihre Tätigkeit als Bahnhosswirte die Zufriedenheit der Reisenden mit ihrer Beförderung auf der Bahn zu schaffen. In der Nummer 45 der„Bahnhofswirtschaft" druckt nun ihr Rcdak- teur, ein Herr Robert Pacprer, unsere Ausführungen ab und hängt aus eigenem folgenden„Eselsschwanz" an: „Der„Vorwärts" mußte Gift auch aus diesem Anlaß saugen, weil es für ihn natürlich kein schrecklicheres Bild geben kann, als wenn Eintracht zwischen Untergebenen und Vorgesetzten, zwischen Staatsverwaltung und deren Pächtern herrscht. Seine Schreiber werden ja dafür bezahlt, daß sie mit allen Mitteln, die nicht gar zu direkt vor den Strafrichtcr führen, die Unzufriedenheit bei allen Ständen im ganzen Volke schüren. Darum ist es für die Mitglieder unseres Verbandes eine hohe Ehre, in solcher Weise ihr Verhalten beim Scheiden des Präsidenten Kranold durch den „Vorwärts" kritisiert zu sehen. Sic hätten Ursache sich zu schämen, wenn ihnen von der Seite etwa ein Lob erteilt wäre. Herr Präsident Kranold wird für seine Person sicher der gleichen Ansicht sein." Es ist ein Glück, daß das Deutsche Reich wenigstens in Herrn Paeprer noch einen Mann besitzt, der in unserer Zeit elender Sold- schreiberei noch den Gralsschatz des Idealismus zu hüten versteht. Dieser Herr ist Verbandsschriftsührer der Bahnhosswirte, ohne unseres Wissens diesem Berufe jemals angehört zu haben. Der Wahnsinnige ans dem Kirchhofe. In den letzten Wochen erregte ein Mann in Cincinnati(Ohio) dadurch eine gewaltige Auf- regung, daß er Mädchen ermordete und verstümmelte. Trotzdem diese Angriffe sich sechs Wochen hindurch fortsetzten und trotzdem ihnen drei Mädchen zum Opfer fielen, während zehn schwer ver- wundet wurden, war es nicht möglich, des Unmenschen habhaft zu werden. Nach den Verstümmelungen zu schließen, hatte man es offenbar mit einem Wahnsinnigen zu tun. Der Angreifer schlug seinen Opfern, nachdem er sie durch Zuhalten des Halses betäubt hatte, den Schädel ein und riß ihnen dann die Vorderzähne aus. Alle diese Angriffe erfolgten in der Nähe eines Kirchhofes, auf dem sich der Wahnsinnige versteckt hielt. Dem Bruder des letzten Opfers gelang es, den Verbrecher abzufassen. Er schlug dem Wahnsinnigen den Schädel ein. Der Mann liegt jetzt im Hospital in Cincinnati, und die ganze Stadt atmet erleichtert auf. Das Kennzeichen. Aus Hamburg wird berichtet: Im Deutschen Schauspielhaus brach bei der ersten Aufführung des„Traumulus" von Holz und Jerschke im vierten Akt bei offener Szene stürmischer Beifall aus, als die Schauspielerin Lydia dem Polizei-Jnspektor auf seine Zurechtweisung:„Sie befinden sich hier auf einem königlichen Polizeibureaul" die Antwort gab:„Das merk' ich an Ihrer Grobheit I" Blutvergiftung durch Abziehbilder. Kinder kaufen sich vielfach sogenannte Abziehbilder oder erhalten solche geschenkt. Die Spielerei mit diesen Bildern ist jedoch nicht immer ungefährlich, wie ein Vor- fall in Eidelstedt im Holstcinschcn beweist. Dort hatte ein zehn- jähriger Knabe ein solches Bild auf eine Stelle am Arm kopiert, an der sich wahrscheinlich eine kleine Hautvcrletzung befunden haben muß. Die Farbstoffe des Bildes veranlaßten eine Entzündung, die anfangs gering, sich aber nach und nach steigerte. Der hinzngerufcne Arzt konstatierte eine Blutvergiftung und veranlatzte die Ueber- führung des Kindes nach dem Kinderhospital in Hamburg. Dort liegt es schwerkrank darnieder. Briefkasten der Redaktion. Funftikeker Ceti. Tic juristische Tprechstmidc findet täglich mit ZlnSnahmc de? SonuadendZ von 7'/- b!S»>/, Uhr abends statt. Gcössiiet: 7»Hr. — Bieucuhorst. Beantragen Sie mündliche Verhandlung: wegen mangeln« den Bedürfnisses kann aber auch dann Ihr Antrag abgelehnt werden.— Streitfrage 13. Sic können Ihre Spiele regeln wie Sie Lust haben: wir lehnen es grundsätzlich ab, die.» unmögliche Ausgabe zu lösen: welche Regeln„eigentlich" für bestimmte�Spiele gelten.— K. M» Schulzen- dorfcriteasse 34. Das Militär- Strafgesetzbuch können Sie in jeder össent- lichen Lesehalle einschcii.— Nrb.-Radfahrer 7. 1. Ja. 2. Ja, innerhalb zwei Jahren muß aber die Karte mit mindestens 40 Marken beklebt und um- getauscht sein.— A. K. 1. Nein. 2. In fünf Jahren.— K. r. 1. Nein. 2. Gegen rechtskräftige Verurteilung gibt es kein Mittel mehr. — F. G. 1. Das ist uerschieden. 2. Stabtisch.— I. K. Zwecks Er» Wirkung des Armenrechis lassen Sie sich zunächst durch den Magisttat (Anttag beim Armcnvorstcher zu stellen) bescheinigen, daß Sic nicht imstande sind, die für den Prozeß erforderlichen Mittel zu zahlen. Wenn Sie das lllttcst(nach etwa zwei bis vier Wochen) erhalten haben, legen Sie zu Protokoll des Gcrichtsschreibcrs oder schriftlich Ihren Klageanspruch dar, führen die Beweismittel auf, legen das Attest bei und beanttagcn Bewilligung des Annenrechts. Dies Gesuch ist an das Prozcßgericht zu richten.— C. P. 70. Durch das AnerkemitniS ist die Rechtslage zu Ihren Ungunsten verschoben: Sie müssen zahlen.— Schöneberg K. 3. 1. Ja. 2. und 3. Ihre Frau könnte mit Erfolg intervenieren. Ihr liegt aber die Beweislast ob. — I. N. 43. Die Voraussetzungen für den Hebammenberus sind häufig, zuletzt in Nr. 259 ausführlich dargelegt, sie können die Nummer in der Expedition einsehen.— 4353. 1. Ja. 2, Wen» kein Enterbungsgrund vorliegt: nein. 3. Ja. 4. Obcrpostdirektion Berlin. 5. Demnächst.— Orthodox 16. Mit einigen Worten das durchschnittliche Arbeitseinkommen und die prozentuale Steigerung oder Minderung desselben im Brief- kästen an der Hand der UnsalloersicherungSberechnungen auszustellen, geht nicht an. Die Berichte der Unsallberussgcnossenschasten aus sechs �Jahren unisasscn etwa 2000 Seiten. Um sich ein Urteil zu bilden, müssen Sie diese schon selbst durchrechnen und prüfen. Wenn die Berichte in der dortigen Bibliothek nicht zu haben sind, so genügen eventuell Ihrem Zweck die jähr» lichen von« Reichs-VersicherungSamt gemachten Uebcrsichtcn. Diese sind in den-„Amtlichen Nachrichten" dieser Behörde und in den Druckfachen des Reichstags enthalten.— M. O. 31., D. F. 1000: Ja.— 8. 8. Stein. — H. I. 13. Haben Sic sich durch Rederei der Kolporteurin beschwatzen lassen, den Bestellzettel auf das wertlose„christliche" oder„heilige" Buch zu unterschreiben, so sind Sic leider an den Vertrag gebunden. Nur in zwei Fällen steht es anders. Sie sind an den Vettrag nicht gebunden, wenn sie bei der Unterschrift minderjährig(noch nicht 21 Jahre) waren. Sie sind seiner von dem Vcrttagc zu lösen, wenn sie nachweisen, daß Ihre Un- crsahrcnheit in wucherischer Weise mißbraucht ist. Dieser Einwand wird leider selten vom Gericht als durchgreifend erachtet. Unter allen Umständen teilen Sie uns Titel und Preis des Ihnen ausgeschwatzten Buches mit, damit wir in der Lage sind, wenigstens andere Dienstmädchen vor ähnlichen Hintertreppcngaunereicn zu warne».— C. M. Ja.— O. P. 18. Nein. Wasserstand am 11. November. Elbe bc! Aussig— 0,35 Meter, bei Dresden— 1,56 Meter, bei Magdeburg+ 0,62 Meter.— U n st r u t Bei Straußsurt+ 3,00 Meter.— Oder bei Ratibor-st 3,10 Meter, bei Breslau Ober-Pcgcl+ 4,98 Meter, bei Breslau Unter> Pegel— 0,54 Meter, bei Frankfurt+ 1,41 Meter.— Weichsel bei Brahemünde-- Meter.— Warthe bei Posen+ 0,18 Meter. Netze bei Usch— Meter. Wttterungsiiberftcht vom 13. November 1004, morgens« Uhr. Wettcr-Prognosc für Sonntag, den 13. November 1004. Milde und zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Regensällen und ziemlich lebhasten westliche» Winden. Berliner Wetterbureau. WümAi 1D) Dieista soweit der Vorrat reicht: Kleiderstoffe Halbtuche 60 u. 75 pf. Melierte Stoffe Mtr. 65, 85, 95 pr. Phantasiestoffe"ftfoe Mtr.1.55 EleganteNoppenstoffe Mtr. 1.75, 1.95 Elegante Phantasiestoffe neue Muster Mtr. 2. 1 0, 2.75 Reinw. Cheviot u.Krepp Mtr. 1.15, 1.35 Reinwoll. einfarb. Satin Mtr. 1.45, 1.85 Schwere Kostümstoffe mit angewebtem Futter,-re o 1 c o nr\ ca. 1.30 Mtr. breit Mtr. 1./ 0, 2. 1 5, 3.20 Reinwollene Damentuche Farben16 Mtr. 1.60, 2. 1 0, 2.85 Blau/grün karierte Blusenstoffe mit Mohair-Effekten Mtr. 1.35 Blau/grün karierte Kreppstoffe 1.65 Blau/grün karierte Zibeline Mtr. 95 pf. Reinseid, einfarbig, f äffet Mtr. 1.35 Reinseid. einfarb. Louisine 1.30, 1.95 reinseid., elegante Kleiderseide* or- r\egenZc in changacnt-Farben Mtr. 1.OO SeidenstofFeAuha0,s�{ion8rUn,m'bMir;2.75 Halbseid. Futterstoffe eM�: 95 pn, 1.50 Reinseid.Taffet gestreift Mtr. 1.45, 1.95 Kariert u. gemust. Sammet Mtr. 1.60 Kariert Seidensammet blau/gMt" 1.95 Abgepasste Roben Halbwoll. gemust. Stoffe S�Mtr. 3.50,4.25, 5.50, 6.25 Reinwoll. gemusterte Stoffe 4.50, 6.25, 8»i, 1 0.50 6 Mtr. Kleiderstoff im Karton mit Modebild (für ein Kleid ausreichend) Eiufarb. reinwoll. Stoffe Färb! Mtr. 4.75, 5.75, 7.50, 9.75 Gestreift u. kariert Gingham 2.75, 3.20, 4 Mk. Französ. 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Verlagsanstalt Paul Singer Lc Co., Berlin S1V. ir. 268. 21. ZchMS. 8. Ktilllgt des„Mmilltg" Wlksbllltt. Z-Ww. 13.»-.«k. 1904. An die Frauen des Proletariats! Die politische und gewerkschaftliche Bewegung der Arbeiterschaft aller Länder hat sich seit Jahrzehnten mehr und mehr zu einer mächtigen Waffe für den endlichen Befreiungstamps des Proletariats entwickelt, und auf die Sammlung all ihrer Kräfte bedacht, weist sie von Zeit zu Zeit auf den Gebrauch einer dritten Waffe in diesem Kampfe hin, das ist die Organisation der Genossenschaft im all- gemeinen und die der Konsumgenossenschaft im besonderen. In Deutschland und Oesterreich hat sich die Konsumbcwegung trotz mancherlei Schwierigkeiten und„buddistischer" Vorschriften in den letzten Jahren stark entwickelt, und die Abstufungen in den Fort- schritten der einzelnen Länder, die immer neue Ausblicke zeigen von dem, was erreicht werden kann, lassen das agitatorische Mahnwort der Kraft des Zusammenschlusses nicht verstummen, sondern beweisen immer aufs neue die Notwendigkeit und den Er- folg des Zusammenschlusses der Arbeiterschaft auch als Kon- sumcnten. Ganz besonders richtet sich dieser Hinweis und dieses Mahnwort an die Frauen des Proletariats, die, mit oder ohne industriellen Nebenberuf noch immer die Lasten der hauswirtschaftlichen Tätigkeit zu tragen haben, und die darum als Verbrauchsorganisa- t o r i n n e n der häuslichen Einkünfte die berufenen Trägerinnen der Konsumgenossenschaft sein mühten. Sie, deren Kräfte im ge- werkschaftlichen und politischen Leben vielfach noch durch Recht- losigkeit unterbunden und latent erhalten werden, können in der Konsumgenossenschaft diese Kräfte nutzbar machen, indem sie an der Verwaltung derselben und ihren Funktionen, unter rechtlich gleichen Bedingungen mit dem Manne teilnehmen und wirken. Und den Gründen, die den Arbeiterinnen die Wahrhaftigkeit der Genossenschaft für ihren Kampf beweisen sollen, stehen zunächst die Hinweise auf die rein wirtschaftlichen Vorteile, die der genossen- schaftliche Betrieb des Warenhandels bietet: aber die Ursache dieser wirtschaftlichen Vorteile, die zugleich als Prinzip Kerngedanke der demokratischen Genossenschaftsbewcguna ist, nämlich die Aus- schaltung des privaten Profites, des Gewinnes amPreiseunddieNutzbarmachungderDividende, die im Verhältnis zum Einkauf erzielt wird— für d i e Gesamtheit— sie birgt zugleich einen ideellen und sittlichen Kern, einen Faktor, der das Verständnis für das Wirt- schaftliche Ideal einer neuen Menschengemeinschaft im Gegensatz zur kapitalistischen Produktions- und Handelspolitik vorbereiten hilft. Im Gegensatz zu den aus diesem Grunde sich ergebenden Vor- teilen der Konsumgenossenschaft sehen wir, wie die herrschende Tendenz des privaten Profits zu einer immer größeren Konkurrenz unter den Kleinhändlern führt. Diese Konkurrenz erfordert von dem einzelnen Händler einen ständig wechselnden Auswand von Geschäftsunkosten, Reklame, Betriebsverbesserungcn und dergleichen mehr. Sollen aber diese Unkosten von den kleinen Händlern aus- gehalten werden, so kann dies nur auf Kosten des kaufenden Publi- kums, auf Kosten der Arbeiterschaft geschehen. In schlechter, teurer Ware, minderem Gewicht, Inanspruchnahme von Heimarbcits- Produkten und in der elenden Entlohnung und übermähigen Arbeits- zeit der Angestellten werden diese Mehrkosten des Profitsystems wieder eingeholt. Und es liegt auf der Hand, daß die Nachteile dieses Shstems niemanden empfindlicher treffen können, als die proletarischen Frauen, denen in Zeiten der Teuerung und Arbeits- losigkeit die schwierigsten ökonomischen Ausgaben zufallen. Die planmäßigste. und erfolgreichste Revolte der modernen und auf-. geklärten Proletarierin wird daher in der bewußten Jnanspruch- nähme der Genossenschaft bestehen. Mit diesem Entschluß der pro- letarischen Frau wächst ihre Macht als Konsumentin gegenüber den Vertretern des Profitsystems, wächst die Macht der Genossenschaft; denn mit dem Wachstum der selbsteinkaufendcn Konsumgenossenschaft steigt der Umsatz des Konsumvereins. Jedes neue Mitglied erhöht, indem es den Absatz des Vereins vermehrt, den Prozentsatz des Ge- Winnes, der am Gesamtumsatz gemacht wird. Dieser Gewinnanteil, der keinem Einzigen zugute kommt, sondern zu Eigentum und Nutzen der Genossenschaftsmitglieder verbleibt, kann entweder in Form einer jährlichen Dividende an die Mitglieder zurückgezahlt werden oder verbleibt zu einem Teil der genossenschaftlichen Weiterförderung, indem es die Kapitalkräfte stärkt und schließlich wie Englands Eni- Wickelung zeigt, zur großartigen Eigenproduktion führt. Die Konsumgenossenschaft stellt sich somit dar als eine stetig wachsende Körperschaft von Wählern, als eine allen offene Demo- kratie, welche ihre Vertreter wählt zur Verwaltung einer Abteilung genossenschaftlichen Lebens— nämlich der Herstellung und Ver- teilung von Waren für den Einzclverbrauch.— Diese Wählerschaft und dieses Wahlrecht, um das die Frau in Gemeinde und Staat noch auf unabsehbare Zeit zu kämpfen haben wird, es wird ihr in der genossenschaftlichen Organisation gewährleistet. In der Konsum- gcnoffenschaft hat auch die Frau Wahlrecht und Stimme, bestimmt und beaufsichtigt auch sie den Verwaltungskörper, kontrolliert die Güte der Waren, genießt den Gewinn des gemeinschaftlichen Ein- kaufs oder bestimmt über seine Verwendung, hat kurzum jene Rechte zu wahren, die ihr auf fast allen übrigen Gebieten des Lebens vor- enthalten werden. Wenn der Profit am Preise als das mächtige Gift betrachtet werden mutz, welches den wirtschaftenden Menschen zu betrügerischen Kunstgriffen und selbstsüchtigen Monopolen treibt und als der Ur- sprung des wirtschaftlichen Krieges anzusehen ist, so ist auf der an- deren Seite innerhalb der demokratischen Genossenschaftsbewegung die Ausschaltung des Profits am Preise erfolgreich gewesen. Indem der Gewinn, der durch den zweckentsprechend organi- sierten Einkauf und sonstige Vorteile der Genossenschaft erzielt wird, durch die Gesamtheit der Genossenschafter aufgesaugt wird, werden mancherlei Wirkungen erzielt. Einmal hat der angestellte Verkäufer einer Ware innerhalb einer Genossenschaft kein persön- liches Interesse daran, einen Kunden zu betrügen. Alle Ränke und Kunstgriffe des Kredit- und Rabattsystems, der Warenfälschung, überhaupt alle Arten der wirtschaftlichen Tyrannei, mögen sie durch kleinhändlerische Interessen hervorgerufen werden oder im Verein mit der modernen und staatsmännischen Politik der großen Trusts und Kapitalistenvereinigungen, welche durch ihr Monopolrecht frech die Preise diktieren, entstehen, sie können von der demokratischen Genossenschaftsform innerhalb der Sphäre ihres Einflusses un- schädlich gemacht werden. Eine starke Konsumcntenorganisation führt, wie die Geschichte der englischen Genossenschaftsbcwegung lehrt, zur Eigenproduktion, zu mannigfachen genossenschaftlichen Wirtschafts- gcbilden, die den kapitalistischen zugunsten der Arbeiterschaft ent- gegenzutreten vermögen. So zerstört die demokratische Genossen- schaftsform in jedwedem Zweig des Wirtschaftslebens durch die Be- seitigung des Profitmachers die Gelegenheit zu jener Kunst, Reichtum zu erwerben ohne entsprechende Gegendienste der Gesamtheit zu leisten, und sie zeigt zugleich, wie die ihr innewohnende Kraft, in- dem sie die Zweige des Wirtschaftslebens ihrer demokratischen Grund- tendenz entsprechend ordnen und verwalten ließe, schließlich jener unsittlichen Kunst ein Ende bereiten könnte. Was innerhalb der Konsumgenossenschaftsbewcgung zu diesem Ziel getan werden kann, zum Nutzen der Proletarierin und ihrer Familie im weitesten und edelsten Sinne, das kann hauptsächlich durch die proletarischen Frauen selbst, durch die Macht ihres genossenschaftlichen Entschlusses geschehen,| ""L001"!"'st zu hoffen, daß das agitatorische Mahnwort der nächsten Tage nicht unwirksam und ohne den Entschluß der prole* tarischcn Frauen zu beeinflussen, verklingen wird. L. M. Versammlungen. Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrs- arbciter. Die Ortsverwaltung Berlin l hielt am 1». November m den Arminhallen ihre Generalversammlung ab. Zunächst ehrte die Versammlung das Andenken der im verflossenen Ouartal ver- storbenen 24 Mitglieder. Dann machte der Bevollmächtige Werner verschiedene Mitteilungen. Unter anderem bemerkte er, daz der Müllkutscherstreik noch nicht beendet ist, obwohl am selben Tage wieder verhandelt wurde, daß außerdem eine Anzahl Kollegen durch den Streik und die Aussperrung der Metallarbeiter und der Tischler in Mitleidenschaft gezogen sind und daß die Bezirks- fuhrer und Betriebsvertrauenslcute deswegen beschlossen haben, um die Kasse nicht unnötig stark in Anspruch nehmen zu lassen, Sammel- listen herauszugeben. Die Listen sind von der Gewerffchafts- kommission gestempelt. Der Redner teilte ferner mit. daß das An- wachsen der Organisation die Anstellung von noch 2 Beamten not- ivendig gemacht habe. Eine Anstellung sei bereits vollzogen, doch sei es leider nicht möglich gewesen, aus den Kreisen der Kollegen eine geeignete Person zu gewinnen.— Der Redner wies außerdem auf die verschiedenen in den nächsten Tagen stattfindenden Bersarmn- lungen hin, unter anderem auf die zu Dienstag abend vom Verein Berliner Hausdiener einberufene, wo die Vertreter dieses Vereins die Gründe darlegen wollen, warum sich der Verein nicht dem Zentral- verband anschließen will.— Der Kassenbericht vom dritten Ouartal lag den Mitgliedern vervielfältigt vor. Die Einnahmen betrugen 36 ggö,S2 M.. die Ausgaben 32 018.50 M. Zu dem Ueberschuß von 4378,42 M kommt ein alter Bestand von 14 607,22 Mark, so daß am Quartalsschluß 18 980,64 M. Kassenbestand er- reicht wurde. Unter den Ausgaben sind 17 757,70 M. als an die Hauptkasse abgeliefert verrechnet; ferner 3697,85 M. Kranken- beihülfe und 1064,90 M Beerdigungsbeihülfe. Die Mitglicderzahl ist im Laufe des Quartals von 9492 auf 11 011 gestiegen; darunter sind 325 weibliche Mitglieder.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer S t e i n i ck c einstimmig Decharge.— Dann gab H e r l i n g den Arbeitsnachweisbericht. Arbeitslos meldeten sich im 3. Quartal 752 Kollegen, wozu 52 vom vorigen Quartal übernommene Arbeitslose kommen, also eine Gesamtzahl von 804. Stellen wurden 1481 gemeldet, davon 312 zur Aushülfe. Besetzt wurden 730 Stellen, darunter 243 Aushülfsstcllen. Am Schluß des Quartals blieben noch 71 Kollegen arbeitslos.— Im Anschluß an den Bericht wurden verschiedene Anträge gestellt, den noch nicht länger als 6 oder 10 Wochen organisierten Arbeitslosen den längeren Aufenthalt in den Arbeitsnachweisräumen zu unter- sagen, besonders mit Rücksicht auf Raummangel und auf den Um- stand, daß viele sich nur in den Verband aufnehmen lassen, um eine gute Stellung zu erhalten, und sich dann wieder streichen lassen. Die Anträge wurden jedoch nach längerer Diskussion abgelehnt.— Bei dem Punkt„Geschäftliches" entspann sich eine längere und leb- hafte Debatte über die Anstellung des nicht aus Verbandskreisen stammenden Beamten. Sie endete damit, daß die erweiterte Orts- Verwaltung Auftrag erhielt, die eingegangenen Bewerbungsschreiben nochmals zu prüfen, um festzustellen, ob der provisorisch Angestellte Beamte tatsächlich der vor allen befähigte unter den Bewerbern ist. i- Dinier' Palelols für Herren. Unübertroffen reichhaltige Auswahl In sehr siele» Tausenden Exemplaren, Neueste Moden in Stoffen, Fassons und Abfütterungen. 65.- 60.- 55.- 50.- 45.- 40.- 36.- 33.- 30.- 27.- 24.- 21.- 18.- 15.- 12.- M- 8 50 Imitat. Feiner Eskimo, mit Ast rach.-Breit schwänz- C fl QU M. Geh-Pelz Futter u, echtem Sealbisam-Kragen für Herren. Vielseitigste Auswahl für Alltag, Beruf und Festlichkeit Neueste Geschmacksrichtungen. 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Abteilung: im Neuen Theater: Einen Jux will er sich machen. 7. Abteilung: imSchiller-TheaterO.: König Lear. Ansang VI, Uhr. Opernhans. Lohengrin. Anfang 7 Uhr. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Neues königl. Opern- Theater. Theodora. Montag: Ein kritischer Tag. Deutsches. Don Carlos. Nachmittags 2'l, Uhr: Kettenglieder. Montag: Dagtand. Berliner. Soldaten. Montag: Zapfenstreich. Lcssing. Traumulus. Nachmittags 2il, Uhr: Rose Bernd. Montag: Traumulus. Westen. L'histoire d'im pierrot. Die kleinen Lämmer. Nachm. 3 Uhr: Der Postillon von Lonjumcau. Montag: Ballettdivertisscment. Die kleinen Lämmer. Thalia. Der Weibcrkönig. Nachmittags 3'!, Uhr: Charlehs Tante. Montag: Der Wciberkönig. Belle-Zllliauee. Wer? Hierauf: Die Tugendglocke. Nachmittags 3 Uhr: Hamlet. Montag: Die Tugendglocke. Wer? National. Donna Iuanita. Nachmittags 3 Uhr: Rigoletto. Montag: Die Favoritin. Zentral. Der Generalkonsul. Nachmittags 3 Uhr: Der Bettel- student. Montag: Der Generalkonsul. Metropol. Die Herren von Maxim. Montag: Dieselbe Borstellung. Kasino. WildeS Blut. Nachm. 4 Uhr: Mutter Gräbert. Montag: Wildes Blut. Anfang 8 Uhr: Schiller O. iWallner- Theater.) Die Grohstadtlust. Nachmittags 3 Uhr: König Lear. Montag: Krieg im Frieden. Schiller lV.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Johannis- seucr. Nachmittags 3 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Montag: Die Jüdin von Toledo. NeneS. Die Kronprätendenten. 7 U. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Kleines. Elektro. Nachmittags 3 Uhr: Familienidyll. LiebeSträume. Serenissimus- Zwischenspiele. Montag: Nachtasyl. Carl Weih. Scnta Wolssburg. Nachmittags 3 Uhr: Kabale und Liebe. Montag: Senta Wolssburg. Residenz. Eine Hochzcitsnacht. Rachmittags 3 Uhr: Die 300 Tage. Montag: Eine Hochzeitsnacht. Lnstspielhaus. Bicdcrleute. Nachmittags 3 Uhr: In Behandlung. Montag: Bicderleute. Luisen. Die Tochter des Herrn FabriciuS. Nachm. 3 Uhr: Robert u. Bertram. Montag: Sascmanns Töchter. Trianon. Gastons Frauen. Nachmittags 3 Uhr: Ihr zweiter Mann. Montag: GastonS Frauen. Deiitsch-AnierikaiiischeS. Ueber'n großen Teich. Nachmittags 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Montag: Dieselbe Vorstellung. Slpollo. Berliner Lust. Spezialitäten. Rachmittags 3 Uhr: Frühlingslust. Spezialitäten. Montag: Berliner Lust. Spezialität. Herrnfelb-THeater. Prinz Lcvy in Ahlbcck. Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage- Theater. Dida Spezia- litäten. Ans. 3 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Spezialitäten. Neichshallen. StcUiner Sänger. Palast. Ringlämpse. Spezialitäten. Nachmittags 3 Uhr: Die�Gpille._ Montag: Ringkämpfe. Spezialität. Urania. Taubeiiftraste 4l4/4S. Um 8 Uhr im Theater: Frühlings- tage an der Riviera. Montag: Dieselbe Vorstellung. Jimalideitstraste S7/VÄ. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Im Hörsaal: Tiere in der Wildnis. Taubenstr. 48/49. üm 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. Montag: Dieselbe Vorstellung. Sternwarte Hörsaal: Tiere in der Wildnis. Friedrichstr. 165. „Es war einmal Großer Orient. Märohenzyklus in lebensgroßen plastischen Fiogiren mit verbindendem Text und Musikbegleitung. Zentral-Theater Nachmittags 3 Uhr, halbe Preise, in erster Besetzung: Der Bettelstttdent. Abends VI, Uhr: Der Generalkonsul. Operette in 3 Akten v. H. Reinhardt. Montag: Oer Generalkonsul. Luisen-Theater. Nachmittags: Robert und Bertram. Abends: Die Tocliter des Herrn Faliriciiis. Montag: Hasemanns Töchter. Dienstag: Don Carlos. MZek-AmLnkiMfeelieZ Theater. Köpenickerstr. 67." MDRRFM Heute nachm. 3 Uhr: munoen— Halbe Preise.= „Ueber'n grossen TE I€ H." Heute abend 8 Uhr; „Ueber'n grossen MALE: TEICH". mr VOKAXZEIOE.-»ß Dienstag, 22. Nov.. abds. VsSUhr! Gastspiel Adolf Philipp/ msr* Premiere 5 Bilder ra. Gesang a. d. Nachtleb. einer Weltstadt v, ADOLF PHILIPP. DerVorverk. beg. Montag. 14. Nov. Residanz-Tlieater. Dir.: Itichard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Eine Dochzeitsnacht. Schwank in 3 Alten von H. Köroul und A. Barre. Anatol Durosel: Richard Alexander. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Die 380 Tage, Kasino� Theater Lothringcrstr.37.Ans.Wch.8.«onnt.7'/z. Wildes Blut. Gcsangspossc in 3 Akten v. Mannftädt. Vorher d. vollst, neue Novemberprogr. U. a.:„Die Original-Noranas." Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Mutter Gräbert. Apollo-Theater. Nachmittag 3 Uhr: Spezialitäten und" Frniiiingsliift. Operotto von Josef Strauß. In erster Besetzung! Abends 8 Uhr: Spezialitäten. Hierauf: SSeHiner Luft. Unter persönlicher Leitung des Komponisten Panl Einehe. Metropol-Thealer 5um IT Zum 16. Male: Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern mit freier Benutzung von C. F 1 e r s „Messalinette" von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. In Szene gesetzt vom Direktor Eichard Schultz. Hauptrollen: Henry Bender. Jose! Ciarapietro. Josel Joseph!. Änton Griinleld. Frid Frid. Fritz! Massary a. D. Mary Behrens. Joh. Junker-Schatz. Im 5. Bild: Das Fest des Lichts. (Ballett.) Rauchen überall gestattet. Anfang V28 Uhr. 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NV Ball.-Tm Montag: Dieselbe Vorstellung. Passage-Theater. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Anf. nachm. Wochent. 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Der Orig.- Prod. mM ltel.dThfS"' d. erstklassige Mädel. |i Einfachu.schlicht Dida 14 die Erschaffung eines Weibes aus dem Nichts. nene glänzende Kammern. Stadt-Theater Moabit. Alt-Moabit 47/49. Gastspiel des Bernh. Rose-Theaters. Die Ehre der Kerliiitrin. Vollssiück mit Gesang und Tanz in 3 Akten v. H. Döblin. Musik v. Wicher. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Ans. 6 Uhr. Entrce 50, Parkett und Ballon t Mark. Dienstag: Die Lhre der Berlinerin. Volksgarten- Theater (früher Weimann). Sonntag, den 13. November er., nachmittags 3 Uhr: Tili Enlenftpiegei. Enlree 10 Pf. AbendS 7 Uhr: Ohne Gelttat. Enlrce 30 Pf. Nach der Vorstellung: Gr. Bali. Montag 8 Uhr: Ohne Geläut. Anne Dancrey, die graziöse Pariser Sängerin und Tänzerin. Everhart der Eoifenkönig. Patty-Frank-Tnippe Meisterschaftsturner. 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Als»ach der Absetzung Karl X. von Frankreich Louis Philipp Egalitb, der Erkorene der Pariser Finanz- und Handelsbourgeoisie, die Regentschaft als Generalleutnant des Reichs übernahm, charakle- risierte der Bankier Lafitte, der finanzielle Ratgeber des geschäfts- sinnigen Herzogs, die Situation treffend mit den Worten:„Von nun an werden die Bankiers herrschen I" Mit demselben Recht kann man nach Mr. Theodor Roosevelps Wahlsieg sagen:„Jetzt werden in der Union die Trusts herrschen I" Die Trusts und die imperia- listische Expansionspolitik: sie haben eigentlich gesiegt; der Name „Roosevelt" war nur das Stichwort, unter dem die Trust- und Expansions- Politiker die Massen zur Wahlurne führten. In der Presse wird zwar Mr. Roosevelts enorme Popularität als Ucr Hauptfaktor seines Sieges genannt; aber was ist diese Popularität anders als die Mache der großen amerikanischen Geschäftspresse, die drüben noch einen weit größeren Einfluß auf die sogenannte Volks- stimmung befitzt als in irgend einem anderen Lande der Welt— Old England nicht ausgenommen. Mochte, solange Mark Hanna noch als herrschcrgewaltiger Wahlmanager regierte, in den großen amerikanischeu Trustblättern hin und wieder eme gcwiffe Animosität gegen Roosevelt hervortreten; seit Mark Hanna das Zeitliche ge- segnet hat und an seine Stelle, von Roosevelt' selbst ernannt, der Handelsminister Cortelyou getreten ist, haben alle solche Quertreibereien in der republikanischen Presse aufgehört. Roosevelt, so verkündete sie täglich während deS LLahl- kampses, sei der echte Typus des Amerikanismus: die Vereinigung jener amerikanischen Abenteurerlust, die einst im stetigen Vordringen in die Urwälder deS Westens dem jetzigen Geschlecht einen Kontinent erobert habe, mit amerikanischer Geschäftsklugheit, Hunior, .Humanität und jenem ritterlichen Geiste, welche nach amerikanischer Tradition die„Alten' im Freiheitskampf unter Washington bewiesen Huben sollen. Tagtäglich wurde so der große„Teddy" als Ver- körperung der amerikanischen„Smartncß", der Ueberlegenheit des „Amerikanismus" über die Kraftlosigkeit des„EuropäiLmus" gepriesen und immer wieder neue kleine humoristische Vorfälle auS seinem Familien- und Jugendleben erfunden, bis der für solche Anekdoten sehr empfängliche Nachkomme der„Squatter" die ihm verkündete Mär glaubte. Wenn heute Roosevelt in den Bereinigten Staaten tatsächlich sich einer Popularität erfteut, wie sie vor ihm vielleicht kein Präsident besessen hat, so deshalb, weil für keinen in den Zeitungen, Revuen, Witzblättern, illustrierten Journalen, Theatern usw. eine solche Reklame getrieben worden, wie für den guten„Teddy". Ueberdics hat wohl nie die republikanische Partei einen so geschäftsklugcn polittschen Faiseur auf dem Präfidentenstuhl gehabt als den ehemaligen„Rauhreiter". Mit anerkennenswcrtenr Geschick, das vielleicht ein Erbteil seiner Väter, der alten Rosenfelds ist, wußte er den gradsinnigcu Vollsmann zu spielen und sich nach allen Seiten hin verbindlich zu zeigen, ohne irgend welche Verpflichttmgen zu übernehmen. Er eiferte gegen die Auswüchse und Uebcrkapitalisierung der Trusts, ohne doch gegen sie das geringste zu unternehmen— das sicherte ihm die Synipathie der kleinenl trustgegnerischen Geschäftskreise und schadete doch den Trusts selbst nicht im geringsten. Dann wieder speiste er zur Freude der Neger und Mulatten mit Bookers-Washington, und veranlaßte vor zwei Jahren, als durch den Kohlenarbeiterausstand die ameri- kmnsche Großindustrie in harte Bedrängnis geriet, die Einsetzung eines Schiedsgerichts, das, nachdem die Arbeit wieder aufgenommen worden war, zuungunsten der Grubenarbeiter entschied. Auch gegen die Judenverfolgungen in Rumänien und Rußland pro- testierte er, um die eingewanderten Juden günstig für seine Kandidatur einzufangen, ohne jedoch etwas anderes zu unternehmen, als durch Dir. Hay ein paar nichtssagende diplomatische Noten versenden zu lassen. Zuerst erschien der Mann einenr Teil der im Dienste der Trusts öffentliche Meinung machenden republikanischen Presse als nicht ganz sicher. Sie� kannten Teddys Talent für die polittsche Komödie noch nicht, und fürchteten, als er, durch Mc Kinleys Ermordung zum Prä- sidenten aufgerückt, seine erste Botschaft mit den bekannten De- klamationen gegen die Trusts erließ, er könnte sich einfallen lasten, gegen sie irgend etwas Ernsthaftes unternehmen zu wollen. Aber die republikanischen Macher haben bald entdeckt, daß ihr Teddy nur„so tut"; und Teddy andererseits wieder entdeckte, wenn er es vorher nicht schon wußte, daß er der Unterstützung der Trusts bedarf— und so ist denn nicht nur Wallstteet, sondern fast die ganze groß- kapitalisttsche Preste mit ivahrer Begeisterung in den Wahlkainpf ge- zogen. Mr. B. Parker(nebenbei auch ein recht„smarter" Ge- schäftspolittker). der Kandidat der Demokraten, hatte ierneswegs so ganz unrecht, als er vor der Wahl erklärte, der Wahlfonds Roosevelts stamme aus den Mitteln der Trusts. Und wer noch daran zweifelte, dem zeigte es die Wut, mit der die Finanz- und Börsenpresse aller Gattungen, darunter auch die züchttge deutsche „New D orker Handelszeitung", über diese„perfide" Aeußerung Parkers herfiel. Der Sieg Roosevelts bedeutet demnach zugleich einen Sieg der großen Trusts und der von ihnen betriebenen Hochschutzzöllpolitik sowie des Jmpenaltsmus. Auch ein Sieg Parkcrs würde der amerikanischen Politik keine anderen wirtschaftSpolitijchen Bahnen eröffnet haben, denn je mehr mit der kapitalistischen Entlvickelung in der demokratischen Parte: das Pflanzer- und Fanner-Elcmcnt durch das Advokatentum. die Finanz, und Jndustriebourgeoisie zurück- gedrängt worden ist, desto mehr sind m der demokratischen Partei auch die Sympathien für Schutzzoll und imperialistische Weltpolitik gestiegen: eine Tatsache, die sich schon in der Ersetzung' Bryans durch Parker dokumentiert; aber langsamer würde sich unter Parkers Regime, da es auf die Feindschaft der agrarischen und kleinbürgerlichen Bestandteile seiner Partei gegen die Trust- und Eroberungspolitik hätte Rücksicht nehmen müssen, die Fahrt ins imperialistische Gebiet immerhin vollzogen haben. Jetzt wird eS bald heißen:„Mit Volldampf voraus I" Die Erfolge der Polittk. die den Vereinigten Staaten die Herrschast über die Haivaii-Jnseln. Philippinen, Kuba. Portoriko und neuerdings auch über Panama eintrugen. haben Uncle Sams Appetit gereizt; er verlangt nach weiteren Bisten. Vornehmlich wird zweifellos die ostastatische Politik der Union einen agressiveren Charakter annehmen. Seit langem geht die Sehnsucht der amerikanischen Expanfionspolitiker dahin, sich die Suprematie auf dem Stillen Ozean, dem.Mittelmeer der Zukunft", zu sichern, um bei der Aufteilung Chinas mcht leer auszugehen. Schon ftühzeitig erkannte der Geschäftssinn der Dankees, welche Bedeutung Ostasten als Wirtschaftsgebiet noch zu sptelen berufen ist. Kaum hatte der junge Freistaat den Zugang zur Pacistlküste erlangt, als er auch schon sich anschickte, seinem Handel in China Eingang zu bahnen und 1844 mit dem Reich der Mite emen Vertrag abschloß, der ihm wichtige Rechte einräumte. Dann folgte der Protest gegen die Besitzergreifung Greytowns durch England und die Verhinderung des Baues eines englisch-ainerikanischen Kanals zur Verbindung des Atlantischen mit dem Stillen Ozean. die Expedttton des Commadore Pcrry nach Japan, die Besitz- ergreifung der Sandwich-Jnseln sowie der Philippinen und neuerdings der Bau des Panamakanals. Alles Etappen zur Begründung der amerikanischen Vorherrschaft im Stillen Ozean. Auf die Fortführung dieser Politik in schnellerem Tempo ist mit Sicherheit zu rechnen. Von der russischen 500 Millionen Rubel- Anleihe, die vor zwei Wochen fast gleichzeitig von Mehreren Pariser Blättern, der„Frank- furter Zeitung" und dem Londoner„Standard" angekündigt wurde. ist es schnell wieder still geworden. Die russische Regierung hat die Meldung dementieren lassen— und die öffentliche Meinung beruhigt sich, wenn sie auch ebensowenig glaubt, daß die Herren Mendelssohn und Fischl nur nach der Newa-Mettopole gereist seien, um mit dem russischen Finanzmeister sich zu unterhalten und sich dem Zar vorstellen zu lassen, wie daß gleichzeitig Herr Rothstein von der Petersburger Internationalen Handelsbank lediglich deshalb nach Berlin ge- kommen sei, um in der Friedrichstraße Studien des Berliner Nacht- lebens zu machen. In Wirklichkeit sind natürlich alle dortigen Ableugnungcu total wertlos. Vielleicht stimint nur die angegebene Summe von 500 Millionen Rubel oder 54 Millionen Pfd. Stcrl. nicht, möglicher- weise ist sie etwas höher oder niedriger oder auch sie ist vor- läufig nur erst ungefähr normiert und ihre endgültige Fest- setzung bleibt noch späterer Vereinbarung vorbehalten. Vielleicht auch trifft die Meldmig nicht völlig zu. daß die ganze Anleihe wieder, wie bei der letzten Pariser 800 Millionen Franks-Emission in der Form einer Ausgabe 5 prozentiger Schatzbons erfolgen soll. Solche Abweichungen sind zwar Nebensachen; aber der russischen Regierung wie den beteiligten Bankhäusern bieten sie den Ausweg, hinterher, wenn doch die Auftiahme der abgeleugneten Anleihe er- folgt, verschmitzt zu erklären:„Wir haben ja gar nicht bestritten, daß eine Anleihe geplant sei, sondern nur, daß die Zeitungsmeldungen richtig seien, und darin hatten wir recht, denn weder die Suinme, noch der AnleihcmoduS stimmt genau." Trotz aller Dementis ist sicher, daß der deutsche wie der ftanzösische Markt bald mit einer russischen Anleihe beglückt werden wird und zwar mit einer recht ansehnlichen, daran ist nicht zu zweifeln, denn Rußland braucht notwendig Geld, � um den Kampf in der Mandschurei aus breiterer Grundlage fortführen zu können. Die offiziellen Angaben des russischen Finanzministeriums über Rußlands Finanzlage können, wie Jssaieff, Butmi, Rohrbach, Wittschewsky usw. zur Genüge nachgeiviesen haben, auf Wert keinen Anspruch machen. Und selbst, wenn Rußland noch derartige Reservemittel hätte, wie sie in den offiziellen Finanzberichten aufgezählt ivorden, sind diese Mittel nicht für Kriegszwecke verfügbar, sondern müssen in Anbetracht der ungeheuren Verpflichtungen, die Rußland nach allen Seiten hin übernommen hat, als Not und Abivehrfonds erhalten bleiben, soll nicht beim ersten größeren Ansturm auf die russischen Werte die Herrlichkeit des russischen Finanzsystems jämmerlich zusammenklappen. Die Frage ist deshalb auch nicht, ob Rußland eine neue Anleihe aufnehmen wird, sondern nur, wie lange es sich noch durch erneute Ausgaben von Kreditbilletten bis zur Aufnahme einer großen neuen Anleihe hinzuschleppen vermag. Sicherlich hätte Rußland schon längst gerne neue Schatzbons ans den internationalen Geldmarkt geworfen; aber die Finanziers sträuben sich ganz naturgemäß, die neuen Schatz- scheine jetzt, wo jeden Tag der Fall Port Arthurs gemeldet werden kann und sich Kuropatkins Heeresmacht siegreich immer weiter rück- wärts konzentriert, zur Emission zu bringen, denn sie wollen doch die Bons nickst in ihren eigenen Tressors aufspeichern und das große kapitalistische Publikum ist trotz der letzten„wissenschaftlichen" Publikationen über Rußlands natürliche Reichtümer kopfscheu gcivordcn. Ließe sich mit einein großen russischen Sieg aufwarten, so wäre die Emission wesentlich erleichtert. Das weiß man auch in Petersburg, und deshalb erscheint es als keineswegs ausgeschlossen, daß die Direktive, die von Petersburg aus an Kuropattin ergangen ist und ihn zu seiiiem Vorstoß am Schaho veranlaßte, auf die Geld- nöte im Finanzmiiüsterium zurückzuführen ist. Schließlich wird jedoch die russische Regierung, mag sich der Kampf in Ostasien für sie auch in den nächsten Wochen noch un- günstiger gestalten, zur Auftiahme der geplanten Anleihe schreiten müssen; wenn es nicht anders geht, denn unter dem Einissionskurs von 95 Proz, Und trotz aller Bedenken werden sich doch die Käufer finden, denn eine jährliche Verzinsung von über sechs Proz. lockt. Einige Monate kann Ruhland kaum mehr warten. Vielleicht werden gleich im netten Jahre die Börsenblätter verkünden, Rußland hätte sich nun trotz scuier reichlichen Reserven doch aus Gründen weiser Fürsorge zur Auftiahme einer kleinen Anleihe von 500 oder 000 Millionen Rubel entschlossen. Dat. Soziales. Den 8 iftbd der Gcwerbe-Ordnung und die Verordnung vom Jahre 1892 über den Sonntagsschllifi der Geschäfte sollte der Schlächternieister Lehmann in Charlottenburg dadurch übertreten haben, daß er am Charfreitag drei Gesellen noch nach 10 Uhr vor- mittags beschäftigte. Lehmann wandte ein, daß es nur Auf- räumungSarbeiten gewesen seien und daß solche auch nach 10 Uhr an Sonn- und Feiertagen zulässig sein müßten. Er wurde jedoch in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe von 20 M. ver- urteilt. Das Laudgcricht meinte, mit dein Augenblick, wo der Laden geschlossen werde, müsse auch die Tätigkeit der Gesellen aufhören. Auf die Revision des Angeklagten hob das Kammergericht die Vorentscheidung ans und verwies die Sache zu nochmaliger Ver- Handlung und Enffchcidung au das Landgericht zurück. Es handele sich um einen Handelsschlächter, der eine offene Verkaufsstelle(Laden) habe. An sich fände also Z 105d Absatz n der Gewerbeordnung und die angezogene Polizeiverordnnng vom Jahre 1892 Anwendung. Das Landgericht hade aber gefehlt, indem es sage, daß alle weiteren Arbeitern aufzuhören hätten, sowie die gesetzlich zulässige Zeit ihr Ende erreiche. Es übersehe, daß Z 105o Nummer 4 ausdrücklich sage, daß die Vestinimungen des 8 105b nicht Anwendung fänden auf Arbeiten zur Verhütung des Verderbens von Rohstoffen oder des Mißlingens von Arbeitsprodukten. Wenn nun ein Handels- schlächter Sonntags seine Waren in» Ladeil zum Verkauf auslegen und dies bis zum Beginn der Kirchzeit fortsetzen dürfe, so könne man nicht verlangen, daß nachher alles im Laden bleiben müsse. Der Einwand sei berechtigt, daß hier nach 10 Uhr noch Aufräumungsarbeiten vorgenomn,en werdeil dürften. Vor Ladenschluß gehe das nicht gut, denn eS könnte doch jemand noch kurz vorher eine Hammelkeule haben wollen. und die müßte dann erst wieder aus dem Kühlrauni geholt werden. — Sofern nun§ 105 o Nr. 1 bis 5 gewisse Notarbeiten außerhalb des Bereichs des Z 105 d gestatte, seien die Gewerbetreibenden nach § 105 o Absatz II verpflichtet, ein Verzeichnis anzulegen, in welches für jeden einzelnen Sonn- und Festtag die Zahl der beschäftigten Arbeiter, die Dauer ihrer Beschäftigung sowie die Art der vor- genommenen Arbeiten einzutragen sind. Bei der neuen Verhandlung müsse das Landgericht berücksichtigen, ob auch diese Voraussetzungen erfüllt seien. Bereinigung landwirtschaftlicher Genossenschaften. Durch den kürzlich erfolgten Einigungsbeschlnh des Geucralvcrbandcs ländlicher Genossenschaften für Deutschland in Neuwied und des Reichs- Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Geiiosscuschaften mit dem Sitze in Darmstadt werden 40 genossenschaftliche Landes- und Provinzialverbände mit im ganzen 16 000 Geuostenschaften, welche zusammen etwa 1200 000 Mitglieder umfassen, im Rahmen des Reichsverbandes zu einem einheulichen großen genosseiischastlichen Gemeinwesen zusammengeschlossen. Der Verband niederländischer Lehrer hat am 7. November dieses Jahres sein dreißigstes Lebensjahr erreicht. Als er im Jahre 1874 gegründet wurde, zählte er in vier Abteilungen 247 Mitglieder. Jetzt beträgt die Zahl der Abteilungen 198, die der Mitglieder über 7000. Das Verbandsorgan„De Bode" erscheint wöchentlich ist 8800 Exemplaren. Außerdem erscheinen an acht Orten noch be- sondere Abteilungsorgane. Auch die Sozialdemokratische Lehrer- Vereinigung hat bekanntlich ihr eigenes Organ. DaS Organ de» Abteilung Amsterdam des Verbandes„De Volksschool" ist auS Aw laß des 30jährigen Bestehens der Organisation als Festnummer mit einem von Hahn gezeichneten symbolischen Titelbild erschienen, das die Unterschrist trägt:„Lasset die Kindlein zu inir komnien!" Einer der Artikel des Blattes beginnt mit folgenden Worten, die für den fortschrittlichen Geist, der in der Organisatton herrscht, bezeichnend sind: „Ein 30jähriger Krieg ist mit gewalttättgen Mitteln geführt worden, cm Meer von Jammer über halb Europa bringend. Wir haben jetzt eines anderen zu gedenken, der gekämpft worvcn ist mit den Waffen der Belehrung und Ueberzeugung, der Propaganda und Agitatton. Ein 30 jähriger Kampf gegen Finsternis und für Auf- klärung; gegen Ausbeutung von Kindern und siir allseitige Eni- Wickelung; gegen Standeseinteilung und für Gleichberechttgung; gegen demoralisierende Rangsysteme und für die erhebende Einheit der Jnteresten; gegen deprimierende Rektorenwillkür und für.. förderndes Zusammenwirken aller Unterrichtskräfte; gegen Dcsposis- mus und Anarchie für gesunde Demokratie.— Und wird nun der Friede geschlossen werden können? Durchaus nicht; das tausend- jährige Reich ist noch fern. So lange das Gros der Kinder, zum Teil infolge der traurigen sozialen Verhältnisse, mit sehr un- zureichenden Kenntnissen ins Leben hiiiausgeschickt wird; so lange die wirklichen Lehrer der Kinder gesetzlich unmündig erklärt werden; so lange die Schule und der Unterricht noch so lvemg im Volksleben selbst wurzeln, so lange möge kein Friede sein, sondern Kanipf, ununterbrochener Kampf gegen die feindlichen Mächte und schädlichen Einflüsse. Für die Fachvercinigung gilt vor allem das Wort: Kanrpf ist Leben, und Ruhe ist der Tod. Nur im Zeichen des Kampfes werden wir siegen."— Der Artikel schließt mit den Worten:„Die Befreiung des Unterrichts und der Lehrer muß das Werk der Lehrer selbst sein." Ucbngens zeigt eine Aufstellung in„De Bode" über die Fort- schritte des Schulwesens seit 1874, daß der Kampf bisher keines- wegs vergeblich war. So ist z. B. hie Zahl der niederen Schulen von 3734 auf 4723 angewachsen; die der darin unterrichteten Kinder von 462 343 auf 819 823. Noch bedeutender ist die Zahl der Lehr- kräfte gestiegen, nämlich von 9282 auf 22 175. Auch die Gehälter der Lehrer sind, hauptsächlich infolge des Einflusses ihrer Organisation- wesentlich verbessert worden. Eus der Frauenbewegung. Die Bischöfe gegen christliche Arbeiterilmen-Bereine. Ein katholischer Frauenbund tagte jüngst in Frankfurt a. M. Bei der Statutcnberatung beantragte ein Domvikar Dahm aus Trier einen Zusatz, wonach die vom Bunde zu gründenden Fachverbände die katholische Grundlage statutarisch festlegen sollten. Als dieser Antrag bekämpft wurde, gab ein Dr. Höhler im Namen des Bischofs von Limburg folgende Erklärung ab: „Der Hochwürdigste Herr Bischof begrüßt die Bestrebungen des Katholischen Frauenbundes und ist bereit, dieselben in seinem Bistum nach Kräften zu unterstützen. Er knüpft jedoch diese seine Unter- stützung an folgende Bedingungen, als oouäitro ours qua uon (unabänderliche): i. Der Katholische Frauenbund darf nur Katholikinnen als Mit- glieder aufnehnien.— 2. Der Katholische Frauenbund muß sich jeg- sicher direkten oder indirekten Beförderung der Bildung von geWerk- schastlichen Vereinigungen unter den Arbeiterinnen nach Art der christ« lichen Gewerkschaften enthalten..— Der Hochwürdigste Herr Bischof ivird die Bildung von Arbeiterinneiivercinigungen nach Art der christ« lichen Gelverkschaften, soviel an ihm liegt, in seinem Bis- tum nicht dulden und ihre Bildung mit Aufbietung seiner ganzen Autorität zu verhindern suchen.— 4. Dagegen wird der Hochwürdigste Herr die Bildung von katholischen Fachabteilungen in den katholischeii Arbciterinnenvereinen nach Kräften befördern.— 5. Ebenso wird er es mit Freuden begrüßen, wenn diese katholischen Fachabteilungen als geschloffene katholische Verbände zusammen mit Fachverbändcn anderer Art die Besserung der wirtschaftliche» Lage der Arbeiterinnen mit allen erlaubten Mitteln erstreben." Darauf erklärte der Vorstand des Bundes, der„Katholische Frauenbund" werde sich der Gewerkschaftsbewegung gegenüber neutral verhalten. Der von Trier gestellte Anttag wurde zwar ab- gelehnt, statt dessen aber ein entsprechender Zusatz in§ 13 eingefügt. der dann folgende Fassung erhielt:„Der Bund stellt sich zur Auf- gäbe, die in Deutschland auf dem gleichen Gebiete tätigen katho- tischen(das Wort„katholisch" ist eingefügt) Bereinigungen zu Fach- verbänden zusammenzuschließen." Der„Frauenbund" ist eine politische Kleinkinderbewahranstalt, gegründet und geleitet von katholischen Pfaffen. Treptow-Bliumschnlenweg. Eine am 7. November in Ackermanns Fcstsälen abgehaltene öffentliche Versammlung behandelte im crstev Punkte der Tagesordnung die Kulturaufgaben, welche in der Gemeinde zu lösen sind. DaS Referat hatte Genosse Waldeck Manasse übernommen, der für seine trefflichen Ausführungen reichen Beifall erntete. Da in dieser Versammlung die Schulfrage und ins- besondere die Schulverhälwisse an unserem Orte beleuchtet werden. sollten, waren die Herren Gemeindeverordneten und Lehre» ganz besonders um ihr Erscheinen gebeten worden; diese hatten es jedoch vorgezogen, der Versammlung fern zu bleiben Die auf das Referat folgende Diskussion bestätigte, daß die Echulverhältuisse in Treptow-Baumschulenweg durchaus nicht so sind, wie sie verlangt werden können. Eine Wen- dung zum Besseren ist aber bei der jetzigen Zusammensetzung der Gcmeindcvertrettmg nicht zu erwarten, und daher haben wir alle Ursache, alles daran zu setzen, daß bei kommenden Wahlen möglichst viel Vertreter der Arbeiterklasse in die Gcmeindevertrettuig hineinkommen. Jetzt haben wir, und dies trifft besonders aus Treptow zu. ungenügende Lehrräume und Lehrkräfte. Einen Antrag betreffend Anstellung eines Schillarztes scheint man einfach beiseite gelegt zu haben, denn eS ist gar nichts mehr davon zu hören. Inzwischen wird aber sehr über die ungünstigen Gesundheitsverhält- insse der Kinder geklagt. Wegen Mangel an Lehrkräften hat man sich in Baumschulenwcg auch genötigt gesehen, den Unterricht von sechsjährigen Kindern an mehreren Tagen der Woche in die Zeit von 1—4 Uhr zu verlegen.— Nach einem Schlußwort des Genossen Manasse erfolgte nach Punkt 3 der Tagesordnung Bericht und Neuwahl der weiblichen Vertrauensperson. Die Genossin Frau M e w e S wurde einstimmig wiedergewählt. Zum Schluß wies Genosse König nochmals auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Gen,eindevertreter-Wahl hin und forderte zn reger Beteiligung an derselben auf. Friedenau. Der BilduiigSverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hielt am 8. Nov. bei Grube, Kaiscr-Allee, seine Gcncralversammluiig ab. Die Vorsitzende gab einen kurzen lieber» blick über die stattgefundencn Vorträge. Hierauf erstattete die Kassiererin Bericht. Da dieselbe ihr Amt niederlegte, wurde zur ersten Kassiererin Frau Zander und znr zweiten Frau Schmidt gewählt.— Die nächste Vereinsversammlung findet Donnerstag, den 17. November, bei Wahrendorf. Schloßstr. 117 statt. Der gewerkschaftliche Fraucnvcrein hält heute in der Schützenstraße 18/19(Bureau und Arbeitsnachweis ebendaselbst) eine Verems- Versammlung ab. in welcher Genosse I. Gehl über das Thema: „Der Kampf ums Dasein" sprechen wird. Waschftaucn, Reinmachc- srauen, Zeitungsttägerinnen. Kochfrancn, Aufwärtcrinncn sind hierzu freuudlichst eingeladen. Anfang 5 Uhr. Der Vorstand. I.A.: Frau E. Müller, Oranscnstr. 18ö. Partei-Versammlungen Dienstag, den 15. November, abends 8 Uhr: I» Wahlkreis! Arminhalle», KomnmndantenstQ 20 Tages-Ordnung: Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute, der Preß-, Lokal- und Agitationskommission. II» RfclllllCI�CSis S Bockbranerei, Tempelhofer Berg. Tages-Ordnung: l. Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute. 2. Vortrag des Neichstags-Wgeordneten Genossen Niel». I'Isellvi? über:„Neue Partei-Taktik". 3. Diskussion. III. WsKIKr'SZSS Vogts Ritter-Säle, Ritterstr. 75. TageS-Ordnung: Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute, der Pretz-, Lokal- und Agitationskommission. IV» WsIZIlCi�QiSS Gewerkschaftshans, Engel-Ufer 15. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute und Revisoren. 2. Vortrag des Reichstags Abgeordneten Genossen Paul Singer über:„Die kommende Reichstagssession". 3. Diskussion. V» WfcBllIlCI�GlsS Altes Schntzenhaus, Linienstr. 5. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute. 2. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen XI«1». Schmidt über:»Volksschule und Volksbildung". 3. Diskussion. 4. Partei-Angelegenheiten. ö. Verschiedenes. Vi. Wahlkreis! Eiskeller, CHaussecstr. 88. Tages-Ordnung: 1. Bericht und Neuwahl der Vertrauensleute. 2. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Genossen H. Molkenbnhr über:„Die Totengräber der kapitalistischen Produktion". 3. Diskussion. 2017* Die Vertrauensleute. 5. und 6. Wahlkreis. 30. KiMiilial-WahIImirl!. Montag, den 14. November, abends 9 Uhr, bei Seydeeker, Sophienstraße 84: m- Versammlung."NU Tagesordnung: 1 Paul Singer: Tagesordnung: 1. Bortrag des Reichstags-Abgeordneten „Warum muh auch der 30. Bezirk einen Sozialdemokraten wählen?" _ 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 252/3* Zahlreichen Besuch erwartet_ Das müh 6. Wahlkreis! mm Schönhauser Vorstadt. Tonntag, de» 13. Nov., abends S Uhr, in den„Berolina-Tälen", Schönhauser Allee 28: Volks-Vemniung für Männer und Frauen. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Hans Weber über: „Etwas von der preußischen Versassung". 2. Diskussion. K Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein. hlreichem Besuch ladet ein_ Der Bertraucnsmannn. MWWWW Bürsten- und finseltnacher usw. ' Sonntag, den 13. November, nachmittags 6 Uhr, bei Pfeifer, Roseathalerstr. 57, Hof pari.: Versammlung."WR Tages-Ordnung: Vortrag der Genossin Id« Altmaim über: Die Träume und ihre Rolle im Leben. 31/17 ____ Nachdem: Geselliges Beisammensein und Tanz.—— Zur Deckung der Unkosten wird ein Entrce von 10 Ps. erhoben und ladet alle Kollegen mit Frauen hierzu ein vis Branchenkommission. Achtung! Treppengeländer-Branck Montag, den 14. November 1004, abends SV. Uhr, findet im Kbnlgstadt-Kasino, Holzmarktstr. 70, eine Vertrauensmänner-Versammlung der Tischler, Stellmacher, Drechsler, Bildhauer usw. statt. Jede Werkstatt muh Delegierte entsenden. Die Aussteller der Firma Schmidt u. Co., Schönhauser Allee 107a, sind hierdurch alle eingeladen._ Die Koniinissio». t Montag, 14. November, abends 8'/» llhr, in den Residenz-Sälen, Landsbergerstraße 3t: Sratiehen- Versammlung der in der mechanischen Filz- und Ballschnh-Indnstrie beschilftigten Personen. Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zu den am Li. November stattsindenden Wahlen der Bertreter und Vorstandsmitglieder der LrtS-Kranken- lasse und Aufstellung der Kandidaten. 2. Verschiedenes. 170/20_ Die Ortsverwaltung. Filiale Berlin. Des Busitages wegen findet unsere Versammlung erst am Mittwoch, de» 23. d. M., abends 8 Uhr, bei Feind, Weinstr. u. statt. 50/7 Ter Vorstand. Orts- Krankenkasse dn Meker und verwandten Gewerbe. Die Herren Delegierten, Arbeitgeber und Mitglieder werden hierdurch zu einer ordentllcbcn General-Versammlung am Sonntag, den 20. November er., vormittags 10 Uhr, in Reehs Lokal, Fruchtstr. 36 a, eingeladen. Tages-Ordnung: a) In getrennter Versammlung: Ergänzungswahl deS Vorstandes von den Arbeitgebern nach Ks 37 und 38 des Statuts sür 1905 und 1906. d) In getrennter Versammlung: 1. Ergänzungswahl des Vorstandes von den Mitgliedern nach ßK 37 und 38 des Statuts sür t905 und 1900. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes von den Mitgliedern nach§ 39 des Statuts für 1905. In gemeinschaftlicher Versammlung: 1. Wahl von drei Revisoren zur Prüfung der Jahresrechnung pro 1904. 2. Verschiedenes. Delegiertenkarte legitimiert.— Berlin, den 13. November 1904. Der Vorstand. E. Last, Vors. G. Berndt, Schrists Sonntag, den 4. Dezbr., vormittags 11 Uhr, in demselben Lokal, gr. Saal: Ausstellung von 1K1 Kandidaten der Mitglieder zur Delegierten- wähl für das Jahr 1903. Nur Mitglieder über 21 Jahre sind eingeladen. Das Mitgliedsbuch legitimiert. 2892b Oer Vorstand. Orts- Krankenkasse sür das Barbiergewerbe zu Berlin. Dienstag, de» 22. November d. I., abends O'/a Uhr, im Restaurant Pfesfer, Rosenthaler- straße 57: 1. Wahlversammlung der Arbeitgeber zur Wahl von 19 Delegierten zu den Generalversammlungen pro 1905/0. Um lO'/a Uhr ebendort: 2. Wahlversammlung der llassen- mitglieder zur Wahl von 41 Dele- gierten zu den Generalversammlungen pro 1905/0. Nach z 35 deS Statuts ist die Wahl geheim und durch Stimmzettel vor- zunehmen. Das Mitgliedsbuch ist bei der Wahl als Legitimation vorzulegen. Die Herren Arbeitgeber werden er- sucht, den Kassenmilgliedern die Ouittungsbücher zur Wahlhandlung zu verabfolgen. 270/20 Der Vorstand? I. A.: t. Rias, 1 Vorsitzender. Sngliseh. Unterricht (Konversatio» u. Ausangs-Uuter- richt» erteilt und Uebersellungen übernimmt[55102* Gertrud Swienty, SchOnebcrg, Sedanstrahe57, in J. Baer iSk War.fbn.'/'i« Herren- und Knaben- Berufskleidung, 1 Elegante Paletots UI rilfflnl Ul"1 8aveloeks.• KC�J&lIFGroBBS Lager in- und ausländischer Stoffe zur Anfertigung nach Mai). Allerbilligste, streng feste Preise. Hchtung! Hchtimg! Montag, den 14. November, abends 8 Uhr: Komtnunabahler-Veriammkng in Haberechts Festsälen, Gr. Frankfurterstr. 30. Tages-Ordnung: Die bevorstehende Stadtverordnetenmahl. Referent: Reichstags- Abgeordneter FrU? Eubeil. 2. Diskussion. 214/9 Das Komitee. ¥1. Wahlkreis. Sonntag, den 13. November, abends 6 Kljr, im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 33: Volks- V er Sammlung. Tages-Ordnung: 220/3« 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Zieksrä Augustiu über: Kommunalpciitische SlreifUchter. 2. Diskussion. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der'Vertrauensmann. JVach der Versammlung: Oemutlicbes Leilammenkein mit Canz.————. Achtung/! Achtung/! Montag, den 14. November, abends SVg Uhr: Volks-Versammlung im Berliner Prater, Kastanien-Allee 6/7. Nie Dckntnnp kr stönfninpoMaftkii für die Arbeiter. Referent: Reichstags-Abgeordneter Eduard Bernstein. Zum zahlreichen Besuch ladet ein Der JElnbernfer. Neber dasselbe Thema sprechen am 17. November; Heinrich StUhmer in Neu-Weistensee; sräulcin Ida Aitmann im»Elysium" und Frau Dr, David im„Hofjäger"; am 18. November: srau Dr. Harle Hoffmann in„Schmidts Gesellschaftshaus", G arten str. 0; am 21, November; Frau Dr. David in„Schneiders Salon", Bclsorterstr. 15; am 23. November: Fräulein Eise I.iidcrs im Swinemünder Gesellschaftshaus" und Simon Kat-enstein im„Weddinghaus", Müllerstr. 7; am 38. November: Frau Dr. David in„Habels Brauerei" und Simon Katzienstein im„Marien- bad", Badstr. 35/30._ 127/16 Sozialdemokratischer Wahloereitt RIXDORF. Dienstag, den 15. November 1904, abends 8V, Uhr, im Lokale des Herrn Eis ermann, Hermannstr. 49, Viktoria-Säle: tHitKlieUer-VersÄMmInnK. W Tages-Ordnung: i. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Vorttaa deS Reichstags-Abgeordneten Genossen Wilb. Pfannkach. 3. Ausstellung des Kandidaten zur StadtveroronelenwahL 4. Bericht von der Kreis- Generalversammlung. 5. Vereinsangelegcnheiten und Verschiedenes. 249/15 Um recht zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. = bilistc haben Zntrltt.— Deutscher Holzarbeiter-Verbanii. Donnerstag, den 17. November, abends 8'/- Uhr: ¥ier �Wß außerordentl. MKglieder-Yersammlungen in folgenden Lokalen: Keller, Koppenstrafte. Lipps, Bauerei Friedrichshain. Kliems Festsäle, Hasenhaide. Eiskeller, Chaufscestraste. Tages-Ordnung: Die gegenwärtige Anssperrnng in der Holz-Jndnftrie. Referenten: Exncr, Glocke» Leopold, Stusche. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder aller Branchen dringend notwendig. 91/ig MnstkinstrnmenteN'Arbeiter. Donnerstag, den 17. November, abends L'/s Uhr, in den Andreas- Festsälen. Andreasstr. 21: Bnsnchcn-Vsnssmminnii. Tages-Ordnung: 1. Der Klnvierarbeiterstreik und die Aussperrung der Tischler. 2. Die am 10. November beschlossene Beitragserhöhung. 3. Branchenangelegenheiten und Verschiedenes. Pflicht eines jeden im Holzarbeiter-Verbande organisierten Musisinsttumenten-ArbeiterS ist eS, in dieser Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch oder Streikkarte legitimiert."MC _ Die Branchen-Kommission. Orts-Krankeakasse Weissensee. Generalversammlung der Vertreter am Mittwoch, den 23. Nov. 1004, abends 8 Uhr. im Restaurant„Prälaten", Lehderstrasie 122 zu Neu-Weihensee. Tagesordnung: 1. Wahl der Rechniings-Prüfungs- Kommission(2 Arbeiinchmcr, 1 Arbeit- gebcr). 2. Ergänznngswahl des Vorstandes s3 Arbeitnehmer, 2 Arbeitgeber). 3. Bcschlujzsassung über eingegangene Anträge aus Abänderung der 31, 43, 49 und 50 der Kassensatzungen. 4, Verschiedenes. 276/7» Nen-Beisjensce, den 31. Oktober 1904. Der Borstand. I. A.: liiittllcr, Borsitzender. Arheiter! Montag, den 14. November, abcndö 8l/2 Uhr im Gewcrkschaftöhause, Engel-User 15(groher Saal): MitgUeder-Urrsammtung. Tage s�O r d n u n g: l. Vortrag des Schriftstellers Genossen 31. H. Barge über: Bibel und Babel. 2. Diskussion. 3. Bericht über den Stand der AuS- sperrung. PüitttlichcS Erscheinen aller Kollegen erwartet 70/14 De-» Vorstand. Verein für fr&mn n. Rädchen der Hrbeiterklasse. Montag, 14.?kov., ai. SV» Uhr, in d. Ariilinhallcn, Kommandantenstr.Ll). Vortrag des Herrn Tr. Hermann Wehl über: 56/8 „Säuglingsschntz und städtische Verwaltung". Gäste willkommeir Ver Ardeiter-3VWg88ekllle 3erlin Lonntag, den 13. November, abends 1*/% Uhr, in den Ritter-Sälen, Ritterstr. 75: Vortrag des Reiciist.-Äbgeordn, Dr. E. David-Mainz(Iber; Die GenosseiisiM als Hebel zur Befreiung der Arbeiterklasse. Eintritt 20 Pf. Garderobe frei. 5/10 JSachdctn gcmütlkbes Beisammensein u. Canz. Verwaltungsstelle Berlin. Hanpt-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 3670. SlrbcitsnachwciS Zimmer 34. Llmt IV, 3353. Dienstag, den 15. November, abends S1/« Uhr: Bezirks-VersasuBnlung für Steglitz und Lichierfelde im Lokale von Reißen, Lichterfclde, Chaussccstr. 104. TageS-Ordnung: 1. Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 8. Verbandsangelcgenheiten und Verschiedenes. Wir ersuchen die Kollegen um ein pünktliches und zahlreiches Erscheinen. Zlchtung! Achtung! Die am 1. November stattgehabten Mitgliederversammlungen beschlossen, den zur Zeit im Ausstand befindliche» Kollegen zum Wcihnachtsfest durch eine ELtra-Unterstützung zu Hülfe zu kommen. Um dies zu ermöglichen, soll jeder vom Ausstand nicht Betroffene für die Dauer von fünf Wochen, vom 5. November ab, je nach seinem Verdienste pro Woche 50 Pf., 1 resp. 2 Vi. zahlen. Diese Gelder werden von den Vertrauensleuten in den Betrieben kassiert und haben dieselben dafür in den Zahlstellen oder bei den zu- ständigen Bezirkskassierern die entsprechenden Wertmarken zu ent- nehmen. Wir ersuchen alle unsere Mitglieder obigen Beschlüssen nach besten Kräften nachzukommen. Schraubendreher! Kollegen und Kolleginnen k lffittwocli, den 16. Vovenibcr (Basstag): Partie nach Rüdcrödorfer Kalkberge. Treffpunkt such 8 Uhr bei Schröder, Wrangclstr. 136. Abfahrt vom Schlesischen Bahnhos. 131/3___ Die Ortsvcrwaltung. Achtung! Achtung! Zentral-Kranken- sind Sterbekasse der Tischler - und anderer gewerblicher Arbeiter.--— Eingeschriebene HilfSkassc Nr. 3(Hamburg). Verwaltung Berlin Cr. Montag» den 14. November, abends 8 Uhr: Mitglieder-Nersammlnug in FlcchS Festsälen, Fruchtstr. 36a. Tages-Ordnung: 184/15« 1. Kassenbericht vom 3. Quartal 1301. 2. Bericht der Delegierten von der Gcneralvcrsannnlung in Leipzig. 3. Wahl eines Beitragssammlers. 4. Verschiedene Kassenangclegcnhcitcn. Die Sprechstunden des Bevollmächtigten und Kassierers fallen an diesem Abend aus. Beiträge werden in der Versammlung vom Kassierer entgegen- genommen. Mitgliedsbuch legitiiniert. Ilm recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder und deren Frauen ersucht_ Die Ortsverwaltnng. Alhtiiliz! Putzer» Achtung! JWf Die in diesem Monat fälligen BezirkS-Versammlungen finden ohne Ausnahme am Mittwoch(Busjtag), den IL. November, vormittags iL llhr in den bestimmten Lokalen statt. 134/13 Vollzähliges und pünktliches Erscheinen der Mitglieder erwarten Die Dblente. I. A.: H. Neumann. Gesangverdn„Kordwacht" Mitgl. d. A.-J.-B.— Dirigent: R. Blobel. Mittwoch, den 16. November(Busstag), in den Germania- Prachtsfilcn(weisser Saal), Cbausscestr. 103: Grosses Künstler- Konzert unter Mitwirkung von Solisten des Neuen Tonkünstler-Orchesters(Direktion: Musikdirektor Franz Hollfeldor). Ansang'/.6 Uhr.__ 65/19 jlehtung! Köpenick Eadfahrer IL, UmgCg. Dienstag, den 13. November liH)4, abends 8 Uhr, in Seidels Gesellschaftshaus, Grunauer-Straste 31: Oefkentliche Versammlung» ,Zum Sportstiaus'. Ziegenhals bei Zeuthen. Vorortstation der Stadt- und Görkiffer Bahn. Am Bußtag: PF Schlachte Fest."HW Grostes Wellfleisch- u. Kesselwurst-Effen. ~i ,®cn geehrten Vereinen u. Gesellschaften halte mein geräumiges Lokal als Station oder Ziel sür fochpariien bestens cmpsohlcn. M. Mörschel. ygien.Bedarfsartik. Illustr. Preisl. frei Gustav Engel, Berlin 172, Potsdamers traCe 131. ZaMii.""Sj"'' Olp Jacobson, iS,']",,. 29 Gardinenhaus Bernhard Schwach Wallstr. 23 Flur-Eing. � isygiöniscste — Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m.Emvs. viel. Nerzte u.Pros. grat. u. fr. 15. L'nger, Guinmiwarcnsabrik, » Berlin N., Friedrichstr. 131o. Früher ups. BFauerei Friedrielishain»Ä«. Sonntag, den 20. JSovember(Coun-Sonntag): WoMtätigkelts- Matinee „Allegro", Dirigent Edmund Doohow, und dos i Ä.-S.-B), Dirigent Emil Thilo. unter gütiger Mitwirkung des Orchester- Vereins Gesangvereins„Liedesfreiheit 1"(M. Der Reinertrag ist für einen aus dem Gefängnis entlassenen Genossen bestimmt. Entree 35 Ff., an der Kasse 30 Pf. Anfang pünktlich 12 Uhr. . 6 �Das Komitee. Orts- Krankenkasse des Maurergewerbes. Tienstag, den 22. d. Mts., abends 8 Uhr, findet Engel-User 15, Saal VII, die statnlarisch ordnungs- mäßige. 2861b KenerAl-VerLSmmIuug der Vertreter der. Kassenmitglicder und der Arbeitgeber statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Tätigkeit des Vorstandes. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes sür die Jahre 1305 und 1306 sür die ausscheidenden Vorstandsmitglieder: a> Aus der Gruppe der Arbeitgeber: die Herren Schmidt und Gcwisi. t>) Aus der Gruppe der Kasscnmit- glicder: die Herren Daehne, Trill, Paul, Lehmpsuhl. c) Sin Stelle des wegen Krankheit ausscheidenden Herrn Buchholz sür dessen Amtsdauer pro 1305. 3. Wahl des Rechnungsprüsiings- ZluSschusses. 4. Verschiedene Mitteilungen. Berlin, 8. November 1304. Der Vorstantl. A. Daehne, A. Kelvin, Borsitzender. Schriftführer. Orts- Krattkenkasse der Uhrmacher (Kerlin). Donnerstag, bei» 24. November, abends 9 Uhr. bei SchultheiB, Neue Jakobstr. 24; Ordettci. General-Versammlung Tages-Ordnung: 1. Wahl von 30 Vertretern(Slrbcit- wehmer) und 15 Vertretern(Arbeit- stebcr). 2. Wahl des Vorstandes (6 Arbeitnehmer und 3 Arbeitgeber). 3. Streichung des§ 20 und 35 des Statuts. 4. Beschlugsaffung über Gewährung von Mittagessen und Fahr- gcld sür in Erholungsstätten weilende Mitglieder. 5. Beschlußfassung über Entschädigung sür den Vorsitzenden und Schristsührer. 0. Beschlusstassimg über die vom Ncndantcn zu stellende Kaution. 7. Bcschlußsassung über die Höhe der Beiträge. 8. Besprechung der Acrztesrage. 9. Verschiedenes. 277/ t D«r Vorstand. G. LälscH. Borsitzender. Enorm billig 1 gelangen zum Verkauf die I unübertroffen an Eleganz, j tadellos an Sitz, in gediegener| Maßschneiderarbeit aus feinsten Maßsioffen gefertigten vornehmen Anzüge Paletots Herren, jeden Standes zu empfehlen: Zurück- 1 geblieben, zurückgesetzt sind:| | Herrenanzüge, Maßsc. Maßpreis bis 70 M,, jetzt 18 bis 40 M. Winterpaletots, sonst. Maßpr. bis 70 M.. jetzt 18—40 M. Beinkleider jetzt 7—12 M. | Verkauf täglich, auch Sonntag. � Deutsches Versandhaus Jägerstr. 63, 1 Treppe. 1 Auf Hausnummer achten! VerhzM» Pachter, Soeben erschien: 3tes tausend Die Harnleiden Ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper. 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Emma Hübner, Karl- straffe 22. R. Fürst, Wcstcndapoth., Kursürslenstr. 80. Frau E. Minas, Ehausseeslr. 9. I. Fabian-Noihmann, Lützowstr. 97. F. Kreuchen, Flottwell- straffe 7. Frl. Aug. Kunz, Teltowcr- straffe 56. H. Dreske, Blüchcrstr. 14. Clara Wcgner, Königgrätzcrstt. 32. Frau H. Seiffe, Kalckreuthstr. 5. O. seelisch, Petersburgcrstr. 6t. O. Thiede, Richthosenstt. 26. Fr. Riecke, Goltzstr. 47. M. Frost, Rathenowerstr. 6. R. Worm, Jonasstr. 6. Anna Liebich, Bremer- straffe 74. Frau A. Balze, Passauer- straffe IIa. Frau A. Frenk, Göben- straffe 27. M. Thürling, Frankfurter Allee 124. A. Troppens, Rigaerstr. 125. H. Lange, Karlstr. 40. G. Engel, Pots- damerstr. 131. Weber& Heynacher, Gr. Frankfurterstr. 36. Frau R. Nach- mann, Gleditschstr. 24. H. Nötzold, Uhlandstr. 48. A. Kraus, Cuxhavener- straffe 15. Fr. Hartmann, tzlltonaer- straffe 5. E. Köster, Kirchslr. 9. W. Kahlcrt, Wichelmstr. 22a. E. Heyne, Marianncnpl. 3. Elis. Obst, Dresdener- straffe 112. P. Sicbcnlist, Oranien- straffe 19. Hedwig Binder, Greifs- ivaiderstr. 22. In Charlottenburg: H. Munter, Drog., Dankclmannstt. 2. Geschw. Leiser, Wilmersdorserstr. 40. Anna Berger, Kantstt. 142. I. Reschke, Berlinerstr. 137. Friedenau: Ö. Wolfsohn, Rheinstr. 12-13. Lichtenberg- FricdrichSbcrg: Fr. Fischer, Drog., Chausseesir. 106. Rixdorf: Louis Heimann, Kottbuser Damm 78a. L. Rittlcwski, Berlinerstr. 49-50. H. Bernhard, Hermannpl. 3. Rummels- bürg: R. Urban, Kantstraffe 7. Schöneberg: Frau I. Wollstein, Hanptsir. 124. Frau H. Breyer, Max- straffe 8. Kcnlcveit& Spanuth, Eisen ach erstr. 49. Frl. G. Richter, Martin Luthcrstr. 84. Steglib: A. Schwarz. Drog., Düppelstr. 33. O. Lange, Schützcnstr. 41. A. Wiesinger, Schloffstr. 24. Weistrnscc: P. Hen- nickc, Drog., König-Ehaussee 24a-33. Wilmersdorf: Frau I. Hasch, Pa- riserstr. 7. Zehlcndorf: Frau Th. 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Für die Vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Sohnes, Schwiegersohnes, Bruders, Schwagers und Onkels, des Gürtlers 29206 Wilhelm Sohiimvülder sagen wir hiermit allen Verwandten, Bekannten und Kollegen des Ent- schlafenen unseren tiesgcsühltcn Dank, Oie trauernden Hinterbliebenen. Dauksaguttg. Allen Verwandten und Bekannten sowie dem gesamten Personal der Firma Biedermann u. Ezarnskow, auch dem Deutschen Metallarbeiter- Verband, sage ich sür die rege Bekciligung bei der Beerdigung meines lieben Sohnes meinen innigsten Dank. 2938b Witwe Marie Wünsch. Für die uns anläfflich des Ab- lebens unseres lieben Gatten, Vaters und Bruders, des Haiidlungsgchülsen Max Pole bewiesene Teilnahme, sowie sür die schönen Kranzspenden sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, insbesondere seinen Kollegen von der„Prudentia", den Angestellten der Papier-Abteilung des Hauses Tietz, sowie den Mitgliedern des Zentralverbands der Handlungs- gehüisen und des dritten Berliner Wahlvereins unseren herzlichsten Dank, 2899b Die Hinterbliebenen. Julllliigs- Krankenkasse der Tislljler-Innnng. Montag, 21, Novbr,, abends 71/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engcl-Usertö: General-Versammlung der Bertreter der Kassenmitglieder und der Jniiuiigsmitglieder. Tages-Ordnung: 1. Vorslandsbericht. 276/16 2, Ergänzungswahl zum Vorstände. In getrennter Wahl sind zu wählen: t Jnnungsmitglied und 2 Kassenmit- glicder aus die Dauer von 3 Jahren. 3. Wahl von 3 Revisoren zur Prü- sung der Jahresrechnung pro 1904. 4. Wahl von 2 Bureauarbeitern. 5. Abänderung der Höhe des Straf- inaffes gemäß des Gesetzes vom 25. Mai 1903 und des Nachtrages zu § 28 des Statuts. 6. Verschiedenes. Der Vorstand. Meine Leib binden und Bruchbänder mit pa. Federn sind biebest- sitzenden u. verursachen keinerlei Beschwerden. Auhcrdem cm- psehle mein Lager v. Gummistrümpscn, Wtckelbinden aller Art sür Krampf- ädern, sowie Suspcnsors, hygienische Gummiartikcl zc.(Frauciibcdicnung.) A. Reiche. Bandagist, Lieferant sämtlicher Kranlenkassen Berlin 0., 15. Seideistr. 15. EeisekSrbe, Lehnstöhlo, Babybetten, kaufe stets direkt nach Fabrikkatar logseite 30/31 von i. Tretbar, Grimma 134 Deutscher Metallarbeiter-Verbaiidl Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daff s unser Mitglied, der Mechaniker Vilhelm Lauterwald am 10. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken l Die Beerdigung findet am! Sonntag, den 13. November,> nachmittags 41/4 Uhr, von der| Leichenhalle des Lichtcnberger s Kirchhofes, Krugstege, aus statt. Rege Betelligung wird erlvartet.! Den Kollegen zur Nachricht, daff| unser Mitglied, der Schlosser kiehard Braun am 9. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. November, nach mittags 4 Uhr, von der Leichen- Halle der Charite aus nach dem Charitö- Kirchhos in der See- straffe statt. Rege Beteiligung wird erlvartet. Kar! Den Kollegen zur Nachricht, daff unser Mitglied, der Schlosser Grlinherg am 8. d. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet am Sonntag, den 13. November, nach- mittags 2 Uhr, vom Leichenschau- Hause Hannovcrschesttaße aus nach dem Reinickcndorser Kirchhos statt. Rege Beteiligung wird erwartet. 191/8 vie Grisverwaltung. Todes• Anzeige. Die Beerdigung meiner Frau Albertine Hayka den 14., nachm. der Leichenhalle des Städttschcn BcgräbniSptatzes findet Montag, 2l/a JJHr, von (Friedrichsjeldc) aus statt. 29t3b Otto Hayka. Kränze Inr das Molesl liesern billig und schön llle streikenden Blumenarbeiter der Firma Mecklenburg, Verkauf Schönhauser Allee 78 u. 135 Allen Kollegen, Freunden und Genossen die tiestraurige Mit- teilung, daff mein lieber Mann, der Kellner Miuand Wegener nach zweijährigem Krankenlager am 11. November 6'/, Uhr abends verstorben ist. 2315b Um stille Teilnahme bittet Die Kauernde Witwe AnnaWegcner geb. Heffmer. Die Beerdigung findet Dienstag, den 15. November, nachmittags 3 Uhr, vom Philippus-Apostel- Kirchhof, Müllcrftr. 44/45, aus statt. Dr. Simmel, SÄ Spczialarzt sür• Haut- nnd Harnleiden. 10—2,5—7. Sonntags 10—12 2—4. � A.B. Koch, � Berlin 0., Brombergerstr. 15/16, Kohleugrofihandlung. Preise für erstklassige Marken ab Platz: Senftcnberg: Salon-Briquetts. Ctr. 76 Ps. ls Marienglück T(110-120 Stck.) 80 Ps. la Diamant 7• 85 Pf. gcs. gesch. Qualität unübertroffen. la Ilse 7" von 10 Ctr. an 96 Ps. Ilse-«. Diamant-Halbfteine sowie Wurs........ 76 Ps. 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Nachdruck ve. boten. 224 519 789 932 1017 400 10[5001 12 39 572 687 893 2223 624 40 11000] 3025 58 59 247 52 331 533 6,0 4188 249 513 35 834 75 966 72 5050 229 66 950 67 6279 343 639 76 77 931 49 7212 317 484 631 62 784 800 955[500) 8079 213 25 38 91 0146 272 309»9 428 801 130001 10033 35 120 215[10001 28 330 539 48 004 23 741 969 91 11056 83 189 215 97 419 697 821 940 125sd 629 941 96 13026 1 1Ü00J 47 150 215 87 433 570 853 948 63 92 1 4244 311 54 436 723 1 5013 32 83 89 [1000 1 219 434 63 85 13000) 995 lOuOÜ 248 348 410 641[500 J 664 81 732 42 878 1 7065 483[10001 754 839 981 18009 39 190 207 69 357 448 86 539 612 99 706 [500] 24 93 19091[10001 262[19601 609 21 47 90 708 84 933 46[500) 20335 590 798 837 902 21197 245 749 892 2 2020 37 69 193[10001 445 46 692 710 40[6001 831 917 2310Ü 322 773 1500) 859 914 24167 324 25 47 78[30001 404 76 664 89 908 34 75 2 5026 258 67 86 413 39 55 588 5061 660 729 867 74 912 1500] 78 26116 205 625 789 162 947[lOOOJ 56 75 27105 69 350 419 506 798 2 8050 163 603 81 709 30 78 96 HüüO) 856 29005 39 432 45 [3000) 521 86 727 86 813 61 69 88 ' 30698 275 1500] 92 305[30001 537 673 740 41 863 [30001 a» 901 76 3 1381 407 40 682 740 64 835 63.918 74 82417 40 528[5001 49 59 689 803 933 71 33277 88 393 439 584 681 787 804 130001 23 45 97 938 34136 83 247 79 394 110001 457 630 718 998 35150 237 52 586 9« 913 36140 200 60 376 82 559 99 633 15001 90 98 713 98 923 31 82 37149 75 97 202 349 418 15001 65 673 740 80« 77 79 3 8007 186 371 413 35 63 1 3000] 536 690 743 838 921 39014[500] 35 262 315 15001 35 61 491 535 J 10001 686 874 40049 169 348 509 629 782 959 41227 669[5001 76 738 877 80 1500 1 96 933 77 4 2215 81 317 21 87 85 923 f 10001 771 91 865 928 43012 34 127 366 67 411 582 836 717 832 937 65 44U74 318 29 35 405 [3000] 10[10001 67 659 13000] 739 806 923 45199 217 643 54 58 810 60 15001 974[500 46001 68 291 548 5001 041 719 873 908 500] 922 4 9437 39 64 58 810 60[5001 974[500 695 812 57 15001969 47317 61 48110 67 213 1500] 619 763 86 621[6001 78 726 815 89 _ 50041 43 64 288 432 63 758 71 872 961[10001 51036 203 78 329 32 99 610 32 53 712[30001 55 58 837 942 47 95 6 2054 100 38 396 400 25 526 53 655 59 87 93 945 63074[5001 206 94 445 514 996 54056 124 463 654 747 869 6 5024 365 443 590 94 632 728 847 944 56090 641«72 767 862 88 57208 416 532 651 948 1500! 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Aedakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil veranfw.: TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: VorwSrtS�Äuchdruckerei u. verkagSanstalt Paul Twger& Co.. Berlin SW. [10001 668 93 729 88 314[10001 61 80 489 00 i5001 233[3000] 64 335 78[1000] 879[10001 97 931 6 118044 73 175 78 224 77 89[30001 301 476 568 723 809 65 916 18 72 87 119005 329 451 533 34[500] 58 13000 1 6°! 120006" 375 601(5001 43 85 700 1 21132 305 447 636 933 1 22218 42 90 342 80[5001 542 885�917 123181 213 61 307 88 462 523-——-— 870 979 124008 18 23 88 227.■■ 517 37 714 15[10001 125001 52 63 396 833 126003 61 186 306 11 3« 423 51 96 594[ö»01 620 822 25 941 47 127009 265 474 590 128224 378 94 476 744 824 976 1 29018 73 150 267 300[1000] 36 41 517 664 86 97 735|5üO| 77 824 98 139085 328 432 568 605 90 718[10001 93 131157 [500] 84 392 635 72 773 916 132085 112[5001 313 556 646 133035 91 215 348 401 86 612 743 972 134046 135 380 455 547«27 713 869 918 1 35226 375 420 93 11000] 606 768 817 48 1 36012 75 204 71 303 604 711[500] 32 867 1 37128 42 251 397 875[500] 88 (30001«94[10001 13 8008 28 67 106 54 58 438 810 ilDOOl 42«18 139344 80[50001 90 504 31 56[ 30001 «8 680 714 818 907 44 .140172 263 672 686 997 141086 159 314 23[5001 569 87 90 608 745 890 951 83 1 42)19[500! 20 88 1500] 209 522 58 60 764 822 43 904 10 15[30PO1 25 [590 1 143021 199 217 439 594 631 96 707 857(10001 61 955 144/02 13 143 398 I 500J 645 826 34 63 145012 31 52 345 453 77 560 87 928 40 83 1 46055 121 60 98 245 74 97 391 498 503 33 913[500] 147018 87[500] 396 473[30001 599 049( 3000] 762 902 148202 38 421 81 665 774 835 66 98 942 1 49916 118 220 55 579 656 63 96 796 949 15O099[5001 380 617 24 705 11 945 1 5 1034 239 388 434 635 62« 716 40 1 52052 78 141 87 99 521 632 35 1532 15 38(IVOS] 76 348 421 514 99 853 942 154456 602 90 971 130001 155028 172 220 40 , 90 322 39 501 618[1000( 706[5001 28 810 911 500] 29 1 56039 191 254 56 97 457[5001 836 94 932 10001 47 1 57037 118 33( 50Ö1 231 80 320 530 67 85 32 62 158022 50 77 233 15001 304 19 56 445 523 600 98 807 65 925 159084 203 92 403 38 4072 561[3000] 864 98S 160061 173 209 415[5001 28 502 39 695[30001 709 17[3-1001 31 97 817 58 85 1 6 1003 51 128 376 416 ÖBS 770[5001 79 861 162059 84 167 219 572 643 163051 170 81 414 42 712 934 53 1 64169 97 287 110001 534 [10001 81 629 758 63 850 15001 165220 40 50 560 166016[600] 50 14« 66 340 340 474 76 79 818 72 942 [5001 80 1 67030 217 302 89 130001 415 43 1500] 76 870 982 168051 112[500] 25 76 224 486 768 94 804 38 169149 543[5001 67 92 600 76 170280 616[ 500] 25 871 171141 222 88 352 91 477[500] 685 643 57 95 1 72272 402 569 76 94 704 57 987[5001 173001 133 65 224 623 I36001 962 174090 113 292 358 95 13000) 470 687 97 783 905 1 75463 67 539 629 39 727 1 76079 13000] 241 878 999[5001 177053 150001 343 905 29 178229 490 95 517 729 35 61 810 178006 30 115 373[500] 492 536 606 23 901 16 45 63 180041 231 330 401 38 712 818 68 slS 000] 181430 51 69 72 61« 58 88 733 984 130001 182024 30 61[30001 101 78 487 629 885 97 1 83188 359 03 680 [5001 721 50 75 836 924 1 84164 85 211 461 97 539 652 .56 811 77 927 48 72 185196[6001 288 95 457 pO[5001 534 689 701 830 71[500] 186001[1000] 24 176 283 421 524 634 98 835 990 1 87076 156 337 408 14 79 638[30001 42 711 21 30 888 1 88045[5001 84 115 81 307 40 82 492 567 603 744 48 61 866 1 89100 55 615 49 689 96 917 86 190215 576 761 820 37 80[1000] 938 1 9 1011 35 103 16 555 806 192023 322 30 520 3! 600 812 193280 405 7 91 536[30001 767 967 76 194155 392 622 59 807 13 31 61 971 195637 795 907 51 196195 211 25 27 338 437 577 630 755[5001 820 935 197192 233 355 73 87[500] 573 656 65 718 [5001 807[5001 47 198031 128 32 97 304 428 560 [5001 717[10001 73 199001 23 44 HO 23 88 369«08 [5001 34 763 200055 132 282 360 502 651 784 807 201018 71 327 45 408 44 97 534 682 94 202113[5001 204 50 457 581[10001 83 89 605[5001 42 84 722 53[5001 SO 805(5001 203118 44 223[5001 S4 332 645 56 618 67 965 204182 270 311[10001 691 803 84 928 57 205051 115 281 307 12 683[»»Ol 740 841 46[500 1 206032 83[5001 254 93 329 86 451 957 75 207025 200 359 442[10001 57[5001 692 768»19 208327 45 419 59 86 801[5001 039 51 209046 174[aOO] 341 449 130001 580 81 717 35 890[15 OOOl S 10002 86 266 329(5001 65.W[5001 611 20 [30001 32 91 834 211004 93 HO 55 268 801 18 449 69 626 32 61[10001 604 25 704� 212030 40 373 93 [5001 468 88 95 L«! 620 51 2 1 3060 126( 5001 40 61 233 SO 391 609[10001 12[5001 34[5001 663 214015 181 110001 211 34 38 1�]'9 348 430 15001 635 71 88 702 22 038 77 21503a 124 214 54 306 TIC $2 49 522 87 838[1000] 944 216007 142 283 75 436 97 534 75[5001 742[1000( 816 17 217081 486 664[30001 88 779 218078 216 381 411 730 riOOOl 018 219080 118 75 250 66 394 452«41 99 072 220050(30001 85 67 510 61 668[500] 87 734[500] 65 823 940 2 2 1073 172 225 66 97 307 15001 404 38 516 676[30001 701 840[6001 92 222061 84 112 77 39S 130001 453 64 HOOGl 686 720 61 854 957 223069 141 232 335 66 482 800 50 60 981 4m igtu/Uutate wrtlieben: 1 Prämie j» 300000 SSL 1 Qticuis zu sooooo ML> zu 200000 ML> zu«L I zu IOC 000 ML,-................ ml., 1 zu 3000« tuuuoo ML , 1142 It. 268. 21. 5. KkilM Ks Jjtwrts" Stdintt MM SoMag, 13. Noventber 1904. Die Wundertäterin. Die Tapeziererfrau Friederike B u tz k e geb. Haß aus der Pritz- Kalkerstraße stand gestern vor der 2. Strafkammer des Landgerichts I unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hahn, um sich ivcgen fahrlässiger Tötung zu verantworten. Die schon bejahrte Angeklagte ist in zweiter Ehe mit dem Tapezierer Butzke verheiratet. Sie ist die Tochter eines Maurers, hat seinerzeit die Dorfschule besucht und weiter keine Bildung genossen, war einige Zeit in Stettin im Eesindedienst und ist dann nach Berlin übergesiedelt. Vor etwa 11 Jahren hat sie damit begonnen, kranke Personen zu besprechen und Kranke zu heilen. Hurch ihr Verfahren soll die Arbeiterfrau Amalie T ab b e r t zu Tode gekommen sei.— Die Anklage bertrat Assessor Schmittendorf. die Verteidigung führte Rechts- anwalt Ulrich. Als Sachverständige waren Gerichtsarzt Doktor Stürmer und der praktische Arzt Dr. Möller geladen. Auf die Frage des Präsidenten gab die Angeklagte folgende Auskunft: Ihr wohne eine besondere Heilkraft inne, weil sie einen starken Glauben besitze. Bei ihrem eigenen Schwiegersohn sei das erste große Wunder geschehen. Dieser habe an einer Kopfrose gelitten und auf Wunsch ihres Mannes, der ihren starken Glauben kenne, habe sie • die Rose bepustet und dabei ein christliches Gebot gesprochen:„Es ist der Herr und Heiland, der heilt, und ich bin das Werkzeug!" Der Schmerz habe sofort stillgestanden und nach zwei Stunden sei alles verschwunden gewesen. Ein heute als Zeuge vorgeladener Schneider, der an Bluwergiftung litt und dem der Arm abgenommen werden sollte, werde bekunden, daß der Schmerz sofort verschwunden war, als sie ihn berührte, und daß nur sie mit Gottes Hülfe ihn gerettet habe.— Die Kunde von der angeblichen Wunder- und Heilkraft der Angeklagten verbreitete sich unter den Leuten und der Zulauf von Patienten zu der Angeklagten wurde groß und immer größer. Die Angeklagte behauptet« allen Vorhaltungen des Vor- sitzenden gegenüber, daß sie alle Krankheiten, auch Schwindsucht, Krebs, Wassersucht und dergleichen heilen könne, die Grundbedingung sei nur, daß bei den Kranken der richtige Glaube vorhanden sein müsse.— Der Vorsitzende hielt ihr vor, daß sie den Kranken immer Heilung b e st i m m t versprochen oder doch in sichere Aussicht ge- stellt habe, und daß sie außerdem in den weitaus meisten Fällen den Kranken sogar verboten habe, zum Arzt zu gehen. Die Angeklagte gab dies zu und behauptete, daß, wenn die Kranken während ihrer Behandlung zum Arzt gegangen wären, ihre Heilkraft durchkreuzt worden wäre, denn beides verwage sich nicht zusammen.— Der Vorsitzende stellte weiterhin fest, daß die Airgeklagte Geld niemals verlangt hat, daß ihr aber vielfach freiwillige Gaben zugeflossen sind, daß sie in einzelnen Fällen die angebotenen freiwilligen Gaben zurückgewiesen und in anderen aus eigenen Mitteln Geld zur Pflege der Kranken gespendet hat. Die Angeklagte hat früher angegeben, daß ihr aus den freiwilligen Gaben jährlich etwa 1000 M. zugeflossen sind. Ihr 67 Jahre alter Ehemann schätzte diese Einnahmen auf etwa das Dreifache. Er hat mit Rücksicht auf letztere sein Tapezierergeweiche aufgegeben und verrichtet nur noch Gelegenheitsarbeiten. Auf seine Initiative allein schiebt die Angeklagte das, was etwa als Reklame aufgefaßt werden kann. Bei der Haussuchung sind sämlich gedruckte Zettel gesunden, die die Ueberschrist tragen:„Was ist des Menschen Kunst und Wissenschaft gegen die Allmacht Gottes?" Im weiteren wird darin mitgeteilt, daß Frau Butzke alle nur denkbaren Krank- heiten heilen könne und zur Bestätigung'werden die Zeugnisse einer langen Reihe von Kranken abgedruckt, die durch sie geheilt sein wollen. Die Angeklagte behauptet, daß sie mit diesen'gedruckten Zetteln gar nichts zu Am und deren Verbreitung schließlich ihrem Ehemanne verboten habe. Der allein zur Anklage stechende Fall betrifft die Arbeiterfrau Tabbert aus Neu-Zittau bei Erkner. Sie litt im Jichre 1902 an Gebärmutterkrebs. Der sie behandelnde Arzt Dr. Möller hielt eine Operation für unumgänglich notwendig und sie reiste denn auch eines Tages nach Berlin in die Universitäts-Poliklinik. Sie hat sich von dort aber noch an demselben Tage wieder entfernt, denn sie hatte von einigen Frauen gehört, daß Frau Butzke eine wundertätige Kraft besitze und nun wurde diese von der Kranken aufgesucht. Frau Butzke versprach ihr Heilung, die aber längere Zeit in Anspruch nehmen würde. Die Kranke mußte sich entkleiden und Frau B. be'- pustete den ganzen Körper, wobei sie ihre Gebetsformel sprach. Nachdem dies einige Wochen so gegangen war, blieb die Kranke eine Zeitlang fort, ihr Zustand wurde schlimmer und schlimmer und als sie dann wieder den Arzt aufsuchte, sah dieser, daß es zu spät war. Sie hatte aber bis zum letzten Atemzuge festen Glauben an die Heilkraft der Angeklagten und hat diese noch einmal aufgesucht, als sie schon so schwach war, daß sie in den Eisenbahn- wagen getragen werden mußte. Nun erklärte die Angeklagte, daß auch sie nicht mehr helfen könne, denn der Körper sei schon zu sehr vergiftet. So war es auch: Frau Tabbert. die ihrem Manne zehn Kinder geboren hat, von denen 5 noch leben, wurde durch den Tod von ihrem Leiden erlöst. Der Angeklagten wird Nieser Tod zur Last gelegt, weil die Kranke durch ein« Operation noch hätte gerettet«erden können und nur durch die Angeklagte von der Operation abgehalten worden sei. Frau Butzke bestreitet, daß sie der Kranken abgeredet habe, sich der Operation zu unterwerfen. Frau Tabbert würde auch durch sie wohl gesund geworden sein, wenn sie nicht lange weggeblieben wäre. Durch die vernommenen Zeugen konnte nicht erwiesen werden, daß die Angeklagte die Kranke von der Vornahme einer Operation abgehalten habe. Auf die Heilkraft der Angeklagten schwört der als Zeuge ver- nommene Steinsctzmeister B ö h m. ein kräftig aussehender Mann im besten Mannesalter. Nach seiner Versicherung ist er 1� Jahr krank gewesen, er habe ein schlimmes Asthmaleiden und unglaubliche Berdauungsbeschwerden gehabt und sei völlig hingesiecht. In seiner Verzweiflung ist er zu Frau Butzke gegangen, nach dreimaliger Be- pustung durch diese habe sich, wie der Zeuge versichert, regulärer Stuhlgang wieder eingestellt, er habe körperlich wieder zugenommen und sei so gesund geworden, daß er seinem Geschäft, in welchem er viele Leute beschäftigte, wieder voll nachgehen kann. Dies sei um so wunderbarer, als er vorher 12— 14 Aerzte, darunter verschiedene Professoren, vergeblich konsultiert habe. Auch seine Frau, die vier Jahre unterleibsleidcnd und von einem Spezialisten behandelt worden war. sei durch Frau Butzke so gesund gemacht worden, daß sie ihn noch mit einem gesunden Kinde beschenkt habe. Auch seine Kinder, die an Scharlach und Diphtherie litten, seien durch die Hülfe der Frau B. erstaunlich schnell gesund geworden. Medikamente seien nicht an- gewendet worden, sie habe kein Honorar gefordert und sei sicherlich keine Schwindlerin, sondern eine ftomme, ehrliche Frau. Sie habe ihm allerdings gesagt, daß er einen Arzt nicht hinzuziehen dürfe, daß er volles Vertrauen zu ihr haben müsse und er mit Gottes Hülfe geheilt werden könne. Eine Schutzmannsfrau M e l ch e r t. deren Mann an Lungen- schwindsucht gestorben ist, behauptete, daß die Angeklagte, die ihr Mann ausgesucht hatte, diesem absolut nicht geholfen habe. Zeuge Kawingk hat seiner sehr schwer nervenkranken Frau, die absolut nicht mehr gehen konnte, und auch Nahrung nicht mehr bei sich behielt, an ihrem Geburtstage auf ihr wiederholtes Bitten den Gefallen getan, Frau Butzke kommen zu lassen. Diese habe längere Zeit beruhigend auf die Frau eingesprochen, immer wieder auf Gottes Allmacht und seine Hülfe hingewiesen, und die Prozedur des Pustens und Auflegens der Hand vorgenommen. Er selbst sei sehr fleptisch gegenüber dieser Prozedur gewesen und habe es um so mehr als ein Wunder betrachtet, als einige Stunden nach dem Besuche der Frav B. seine bis dahin an der Bewegungsfreiheit völlig behinderte Frau plötzlich aufstand, in das Besuchszimmer kam und etwas genoß, was sie bei sich behielt. Innerhalb 14 Tagen sei sie völlig gesund gewesen, allerdings sei ihr Zustand nervös geblieben. Der Zeuge ist überzeugt, daß durch den suggestiven Einfluß der Frau B. eine wesentliche Besserung bei seiner Frau hervorgerufen worden sei. Es trat dann noch eine ganze Reihe von Zeugen und Zeuginnen auf, von denen viele mit aller Bestimmtheit und offensichtlichem Dankgefühl gegen die Angeklagte behaupteten, daß sie nur durch die Hülfe der letzteren von schweren Krankheiten befreit worden seien. nachdem ärztliche Kunst erfolglos gewesen sei. In einem dieser Fälle wurde von einem Zeugen behauptet, daß sein Sohn, der an Knochenfraß im Fuße gelitten, ins Kranken» haus gebracht werden mußte und dort mehrmals mit dem Messer geschnitten worden sei, aber ohne Erfolg. Die Aerzte hätten dann gesagt, daß dem Jungen der Fuß amputiert werden müsse, dies habe er aber nicht zugegeben, sondern sich an die Angeklagte gewandt) Nachdem diese den Jungen bepustct und besprochen, sei letzterer auf- fallend schnell gesund gewesen und auch völlig gesund geblieben.— Ein anderer Zeuge bekundete, daß ein Kind, welches von Diphtherie befallen wurde, trotz sofort herbeigeholter ärztlicher Hülfe nach dem Kirchhofe habe hinaustragen lassen müssen. Ms dann auch sein zweites Kind diphtheritiskrank wurde, habe er in seiner Angst zu Frau Butzke geschickt, diese habe den Knaben bepustet und dabei gebetet und schon am nächsten Tage sei das Kind gesund und kreuz- fidel gewesen.— Der Droschkenkutscher Bruno Heller sang gleichfalls das Lob der Frau Butzke. Er habe einen schweren Herz- klappenfehler gehabt und an Wassersucht gelitten und sei von mehreren Aerzten vergeblich behandelt worden. Nachdem er mehrere Wochen im St. Hedwigs-Krankenhause zugebracht, habe er Frau Butzke kommen lassen, diese habe gepustet, gestrichen und dabei gebetet und schon nach etwa 3 Wochen sei er gesund gewesen. — Der frühere Schutzmann, jetzige Beamte im Reichsmarineamt Ernst Pfahl bekundete eine erstaunliche Heilung, die Frau Butzke an seinem an Krämpfen leidenden Kinde vorgenommen habe. Sie habe dabei gesagt:„Gott heilt die Krankheit und ich vermittele nur die Heilung."— Der Schneider Schinkel versicherte, daß er an einer schweren Bluwergiftung gelitten und daß ihm der Arzt gesagt habe, ihm müsse der Arm abgenommen werden. Frau Butzkes Hülfe habe ihn vollständig geheilt und zivar nur durch Beden und Bepusten. — Aehnlich äußerten sich noch andere Zeugen, und nur zwei be- kündeten, daß die Angeklagte ihnen nicht geholfen habe. Der praktische Arzt Dr. med. Möller aus Erkner bekundete, daß der Krebsfall, den er bei der Frau Tabbert konstatierte, die denkbar günsttgsten Chancen bot und bei rechtzeitiger Operation sicher geheilt worden wäre. Der böse Ausgang ist nur dadurch herbei- geführt worden, daß die Operation verschleppt wurde. Der Gerichtsarzt Dr. Stürmer führte in einem längeren Gut- achten aus, daß die Frau Tabbert durch rechtzeitig ausgeführte radikale Operation von dem Leiden hätte gänzlich geheilt oder mindestens ihren Angehörigen noch für viele Jahre erhalten werden können. Die Behandlung durch die Angeklagte hat aber die Patientin davon abgehalten, sich rechtzeit einer sachgemäßen ärztlichen BeHand- lung zu unterziehen. Insofern hat Frau Butzke den Tod der Frau T. verschuldet und auch verursacht, daß dieselbe monatelang die Wahn- sinnigsten Schmerzen hat erleiden müssen.— Die von der Ange- klagten vorgeführten Paradefälle von Heilungen, welche an das Wunderbare zu grenzen scheinen, lassen sich wissenschaftlich durchaus erklären, da in vielen Fällen der Krankheitspro�eß einen natürlichen zeitlich begrenzten Verlauf nimmt und die Heilung dann, wenn die Krankheit sich sowieso ihrem natürlichen Ende nähert, mit Unrecht auf das Konto des Sympathieheilers gesetzt wird. Außerdem ist bekannt, daß speziell bei Nervenkranken die Wirkung von Affekten und namcnrlich der Erwartungsaffekt eine große Rolle spielt; aber auch der Affekt der Furcht und die Ablenkung der Aufmerksamkeit und die Suggestion. Man versteht hierunter die Erzeugung eines gewünschten ZustandeS dadurch, daß man in dem Kranken felsenfest die Ueberzeugung von dem sicheren Eintritt eben dieses Zustandes erweckt. Staatsanwalt Schmittendorf erkannte an, baß die An- geflagte zweifellos nicht eine Frau sei, die auf Betrug ausgehe, sondern die ein großes Gottvertrauen und eine bestimmte religiöse Ueberzeugung besitze, nach der ihr eine gewisse Heilkraft innewohne und sie sich als ein Werkzeug Gottes betrachte. Nach den eidlichen Bekundungen der Zeugen müsse man sagen: es handle sich um Heilerfolge, die ans Wunderbare grenzen. Es könne dahin gestellt bleiben, worauf diese zurückzuführen seien, dazu würde ein genaues Nachforschen nach dem Krankheitsbilde des einzelnen und der EntWickelung der Krankhett notwendig sein. Jedenfalls konnte die Angeklagte bei den vielen großen Heilerfolgen, die sie erzielt hatte, subjektiv der Ueberzeugung sein, daß sie auch die Krankheit der Frau Tabbert heilen könne. Daraus ergebe sich die Notwendigkeit ihrer Freisprechung. Rechtsanwalt Ulrich schloß sich den Ausführungen des Staats- anwalts durchaus an, ging aber noch weiter und bestritt, daß auch nur objektiv der Tod der Frau auf die Tätigkeit der Angeklagten zurückzuführen sei. Dem Dr. Stürmer möchte er mit Hamlet zu- rufen:„Es gibt mehr Dinge zwischen Himmel und Erde, Horatio, als Ihr in Eurer Schulweisheit Euch träumen laßt!" Auch die im Neuen Testament bezeugten Wundertatsachen seien doch mit den medizinischen Ansichten des Dr. Störmer nicht in Einklang zu bringen und es sei nicht einzusehen, warum nicht auch in unserer Zeit noch solche Kräfte vorhanden sein sollten, die vollständig aus- zunutzen vielleicht späteren Zeiten vorbehalten bleibt, die sich aber auch jetzt schon in einzelnen Personen wirksam erweisen. Er ersuche aus objekiven und subjektiven Gründen um die Freisprechung der Angeklagten. Der Gerichtshof erkannte auf Freisprechung. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß die Angeklagte wohl die Verpflichtung gehabt hätte, zu bedenken, daß bei ihrer Tätigkeit, bei der sie die Patienten von einer rationellen ärztlichen Behandlung abhielt, leicht böse Folgen eintreten konnten. Subjektiv habe sie also fahrlässig gehandelt. In objektiver Beziehung sei aber nicht fest- gestellt, ob die Frau Tabbert wirklich den ernsten Willen gehabt habe, sich der Operation zu unterziehen und es bleibt auch noch der Zweifel offen, ob die Operation sie wirklich am Leben erhalten hätte. Es fehlt also an dem Kausalzusammenhang zwischen der Tätigkeit der Angeklagten und dem eingetretenen Tode. KrlefkaCten der Redaktion. F« D. 89/90. Alle Einzelheiten erfahren Sie bei der Direktion oder im Auskunftsbureau des Stettiner Bahnhofe«.— E. L. Wenden Sie sich schriftlich an Herrrn W. Fttedländer hier, Elsasserstr. 25. II.— A. B.»S. Ist vollkommen korrekt.— Gaulois. 1—6. Benutzen Sie zur Zufrieden- stcllung Ihrer Wißbegier nachstehende Adresse: Joses Babion, Paris, Rue Lamark 87, Sozialdemokratischer deutscher Leseklub. 7. Soweit ö s s e n t l i ch e Schulen in Bettacht kommen: jal soweit private gcmewt sind: nein! Prinz Albrecht. Bitte, Quittung. Dem Besuche steht nichts entgegen. —„Dalles". Gemeindcschullehrcr: bis zum 4. 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W...... g. Ist ganz zwecklos. Belehren Sie sich lieber systematisch. Zunächst schlagen Sie emmal in einem Lexikon nach s Million, Billion, Trillion, sowie die dort angegebenen Hinweise. Für un» taugliche Versuche hat der Briefkasten keinen Platz.— Kater. 1. Ja. 2. Nein.— WolfSschlucht. Weber,„Freischütz".— 987. Moskau. — M. Luther. Der angeblich große Reformator war 1525«in Todfeind der gerechten Sache der Bauern.— Niemals. Nein. Marktpreise von Berlin am 1l. November. Nach Ermittelungen des kgl. Poltzei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Zcnwer: Weizen"), gute Sorte 17,50—17,48 M., mittel 17,46—17,44 M., geringe 17,42—17,40 M. Roggen"), gute Sorte 13,85—13.84 M.. mittel 13,83—13,82 M., geringe 13,81-13.80 M. Futtergerste'), gute Sorte 15,70-14.50 M., mittel 14,40 bis 13,30 M,, geringe 13,20— 12,10 M. Hafer»), gute Sorte 16,40-15,60 M„ mittel 15,50—14,70 Di., geringe 14,60—13,90 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—30,00 M, Speisebohncn. weiße 50,00—30,00 M. Linsen 60,00—30,00 M. 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Südwesten: H. Werner, Mittenwalderstr. 30. H. Schröder, Krcuzbergstr. 15. Süden: St. Friü, Prinzenstt. 31. F. Gntschinidt, Kottbuser Damm S Südosten: Paul Böhm. Lausitzcr Platz 14/15. P. Harsch, Engel-User 15. Chartottcnbnrg: Scharnberg, Sesenheimerstr. t. Steglitz: H. Bernsee, Schloffstt. 115. Friedrichsberg: O. Seite!, Kronprinzenstt. 50. Pankow; Kümmert, Florastt. 48. Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerhsir. 7. Conrad, Hcrmannstt. 50. Schttneberg: Wilh.Bäumler,MartinLutherstr.A Welseensee: W. Rcske. Sedanstr. 53. Jnl. Schillert, König-Chaussee 39a. Der Gesamt- Zluflage unserer heutigen Nummer liegt ein Pro« spekt betr. Fruchtsäfte der Firma Hermann Meyer A Co., Berlin X., Wattstr. 11/12, bei. Bermitw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,