Mr. 281. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Areuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pig. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 30. November 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Dienstes. Wenn die größere Zahl der Friedenspräsenz nötig ist, die ganze Frische geraubt hat, und der Abg. Wallau, der seinem Die Armee und die besitzenden Klassen. so lasse man sie zwei Jahre dienen wie alle anderen! So Merger über das Buch des Dr. Katz, eines bürgerlichen SozialSoweit bisher die Presse der Parteien sich über die neue erhält man sofort die Erhöhung der Friedenspräsenz, die man ver- politikers, über die oberhessische Landwirtschaft Ausdruck gab. Heeresvorlage ausspricht, darf der Kriegsminister fich bollangt, und man hat zugleich den Gewinn, ein hassenswertes Unrecht zu beseitigen. Genugtuung sagen, daß seine Vorlage im ganzen Umfange oder in ihren wesentlichen Teilen gesichert ist. Der Reichstag wird mit Hurra die Forderungen des Militarismus, die Soldaten vermehrung sowie die gewaltigen Summen bewilligen, die verlangt werden trotz der verzweifelten Lage der Reichsfinanzen. In den Zeitungen der ausschlaggebenden 8entrumspartei allerdings ist bisher ein Urteil über die neuen Forderungen nicht fertig geworden. Die bescheidene Zurückhaltung läßt aber höchstens ahnen, daß das Zentrum nach sattsam bekannter Weise zunächst sich ein wenig zieren, einige Einwendungen machen wird, um schließlich auch diese Vorlage zur Annahme zu führen. " Hauptredner der Rechten war der Antisemit Graf Reventlow; ihm fiel nichts Besseres ein, als von oben herab unseren Redner als Wollen die bürgerlichen Parteien nicht durch die Beseitigung unwissenden Zeitungsschreiber zu behandeln und durch allerhand dieses Unrechts die für notwendig erklärte Erhöhung der Armee- Mätzchen, die er zum großen Teil schon in der vorigen Session stärke erreichen, so ergibt der unausweisliche Schluß, daß die mit der ganzen Anmut befizenden Klassen nur dann das„ Notwendige" bewilligen, wenn sie wörtlich ebenso vorgetragen seiner forpsstudentischen Manieren hatte, seine Standeskollegen anderen die Laft aufladen. Sollen sie aber selbst Last tragen, so zu amüsieren. lassen sie das Vaterland verräterisch im Stich! Ein schönes Beispiel für die Unwissenheit im Reichstage lieferte sofort nach seiner Rede sein agrarischer Ge Die Forderung der Beseitigung der Privilegien in der Armee ist sinnungsgenosse Abg. Herold vom Zentrum. Er behauptete frisch aber auch, gerade nach den Anschauungen der Regierung und ihrer und frei, noch kein Mensch außer dem Abg. Scheidemann habe die Militärgetreueu, eine militärische Notwendigkeit. Man erklärt Rechtsungültigkeit des preußischen Ausführungsgesetzes zum Fleischden zweijährigen Dienst als das Mindest maß der zur friegs- beschaugefetz behauptet. Jeder Vorwärts"-Leser wäre im stande, mäßigen Ausbildung der Soldaten erforderlichen Zeit. Man fordert den Herrn Abgeordneten über das Falsche seiner Behauptung erhebliche Summen, ohne welche bei zweijähriger Dienstzeit die Aus- zu belehren. Genosse Scheidemann fertigte seine agra bildung fünftig nicht genügend betrieben werden könne. Daraus er- rischen Widersacher in überlegener Weise ab und der Abgeordnete gibt sich für die Vertreter der zweijährigen Dienstzeit der umum Gothein von der Freisimmigen Vereinigung zog geschickt eine feiergängliche Schluß, daß auch den Söhnen der besitzenden Klassen die liche Erklärung des Konservativen Grafen Schwerin- Löwit Möglichkeit gegeben werden muß, tüchtige Soldaten zu werden. Es ins Lächerliche. Das hinderte die Mehrheit natürlich nicht, über alle gibt nur zweierlei: Entweder ist die zweijährige Dienst- diese Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. zeit eine militärische Notwendigkeit, dann sollen alle Danach beantragte der Abg. Dr. Müller- Sagan von der Dienstzeit ist, entgegen den jungen Leute zwei Jahre dienen. Dder die zweijährige Freifinnigen Volkspartei, die folgenden Petitionen auf Einführung nicht nötig- dann erhebt sich die große fulturelle schlechter Literatur- und Kunsterzeugnisse und auf Abänderung des der Militaristen, des Befähigungsnachweises für das Handwerk, auf Unterdrückung orderung der Verkürzung der Dienstzeit. § 175 des Strafgesetzbuches von der Tagesordnung abzusetzen. Er In der Begründung der Heeresvorlage findet sich diese inter- fand mit dieser Anregung nirgends Zustimmung und mit Recht hielt essante Ausführung: ihm Genosse Singer entgegen, daß eine solche Unluft in der ersten Bei dem stetigen Anwachsen seiner Bevölkerung fann Sigung höchst fonderbar sei. Die von dem freifinnigen Redner ges Deutschland in Rücksicht auf die Finanzkraft des Landes den forderte Auszählung ergab, daß ein Abgeordneter mehr im Hause Grundsatz der allgemeinen Wehrpflicht in voller Reinheit niemals war, als zur Beschlußfähigkeit notwendig ist. In ihrer komischen durchführen, sondern muß sich eine durch die Verhältnisse gegebene Ungeschicklichkeit hatten die Freifinnigen, von denen zwei Mitglieder Beschränkung auferlegen, die seine Wehrkraft nachteilig beeinflußt." im Saale blieben, dies Ergebnis selbst herbeigeführt. Vorurteilen Eine gegen die Vorlage gerichtete Meinungsäußerung findet sich bisher nur im Organ der freisinnigen Volkspartei, in welchem erklärt wird, daß zu einer Heeresverstärkung gegenwärtig nicht der mindeste Anlaß vorliegt". Die freifinnige Vereinigung dagegen, die Nationalliberalen und die Konservativen zeigen sich in ihrer Presse bereits völlig einig in der Anerkennung, daß die Forderungen des Striegsministers nur bescheidene und daß ihre Bewilligung selbstverständlich sei. Die ,, Vossische Zeitung" findet noch kein Wort zu den neuen Forderungen und begnügt sich mit der triumphierenden Feststellung, daß mm doch die alte liberale Forderung der zweijährigen Dienstzeit erreicht fei! Das Berliner Tageblatt" beugt sich willig vor der Erklärung der Regierung, daß sie die zweijährige Dienstzeit nicht durchführen könne ohne die Erhöhung der Friedenspräsenz und die Neuaufwendungen für Ausbildungswesen 2c. Die National- Zeitung" gar leistet das, wie sie sagt,„ tezerische Betenntnis", sie halte es durchaus nicht als Unglüd unserer Nation, ,, wenn wir wieder ein Prozent der Bevölkerung unter den Waffen halten würden". Dem nationalliberalen Blatte ist die Vorlage der Regierung noch nicht weitgehend genug! Die„ Berliner Neuesten Nachrichten" erklären gegenüber der troftlosen Lage der Finanzen, es des deutschen Heeres, die allgemeine Wehrpflicht, nicht durchzuführen Befähigungsnach weifes für das Handwert im Die Regierungsvorlage flagt, daß der höchste Grundsay So kam man noch zu den Petitionen auf Einführung des sei ja seit dem Jahre 1887 teine erhebliche, die Waffen belastende sei und daß er eine Beschränkung erfahren müsse, welche die deutsche allgemeinen und für das Baugewerbe im besonderen. Wenn Steuervermehrung eingetreten", es müffe, wohl oder übel bem- Wehrkraft herabsetzt. wir, die Feinde des heutigen Militär- die Debatte nur die Reden des Zentrums- Abgeordneten Erz nächst ernstlich die Steuerschraube angezogen systems, wollen die Not der Regierung heilen, wir wollen berger und des Antisemiten ta a b gebracht hätte, dann wäre ihr werden". Die Kreuz- Zeitung" aber sagt: Die Militärvorlage hält sich mit ihren Mehrforderungen an die der Wehrpflicht nachteiligen Einflüsse beseitigen: In der Verdie parlamentarische Geschichte der Anträge auf Einführung die allgemeine Wehrkraft zur vollen Wahrheit machen, wir wollen Erträgnis sehr gering gewesen. Denn Herr Erzberger spann nur Mannschaften und Geldmitteln in den bescheidensten Grenzen. Daß fürzung der aktiven Dienstzeit ist das Mittel gegeben, des Befähigungsnachweises breit aus und vertraute im übrigen ganz die zweijährige Dienstzeit bedeutende Mehraufwendungen nötig macht, war den Freunden wie den Gegnern dieser einschneidenden die allgemeine Wehrpflicht durchzuführen und das ganze Bolt auf die Beweiskraft seiner Privatstatistik über die Bauunfälle Aenderung genau genug bekannt, und bei der nun beantragten waffentüchtig zu machen! Abgesehen von zahlreichen bei nicht geprüften Baumeistern im Weltbezirk Reut gefeßlichen Festlegung der zweijährigen Dienstzeit wird man auch anderen Beweisen wiederum das Institut der Einjährig Frei- lingen. Und Herr Herr Saab beschränkte sich darauf, den die Kosten nicht scheuen dürfen. willigen und das schnelle Aufrücken dieser jungen Leute in Unter Befähigungsnachweis für Maschinisten besonders zu empfehlen. Was tritt in diesen Aeußerungen der bürgerlichen Preffe herbor? offigiers- und Offiziersstellen beweisen die Möglichkeit der Verkürzung Dann aber fand Genosse Bömelburg Gelegenheit, in Welche wunderbare Bereitwilligkeit, die hohen der Dienstzeit. Für eine Wehrpflichtreform dieser Art sprechen einer tüchtigen Rede die Sozialpfuscherei der Schwärmer für die Summen, die gefordert werden, zu bewilligen! Die neue Militär- alle militärischen und echt vaterländischen Gründe. Wenn Meisterprüfung im Baugewerbe aufzudecken. Er erinnerte an vorlage erfordert 74 Millionen, wozu die noch nicht in der Gesamt sich der heutige Militarismus dieser Aufgabe widersetzt, so beweist Desterreich, das den Befähigungsnachweis feit elf Jahren hat und summe zu übersehenden Erhöhungen in den fortdauernden Ausgaben er nur die Klassenpolitik, der er als Werkzeug dient. eine noch viel ungünstigere Unfallziffer für das Baugewerbe zur Deckung der sogenannten Ausgleichsmaßnahmen( Ausbildungs- Die Regierung fordert: 10 300 Soldaten, 74 Millionen für als Deutschland aufweist. Der Baumeister ist im Zeichen der wesen usw.) fommen. Die Reichsschulden steigen in die die Heeresvorlage, viele Millionen für weitere Neuerungen im Heere. tapitalistischen Entwickelung in der Hauptsache zum Kaufmann ge= vierte Milliarde hinein, die Verzinsung der Reichsschulden Die bürgerlichen Parteien jubeln in Bewilligungsluft und gehen auf worden, dessen Meisterzertifikat bedeutungslos bleibt und bleiben erfordert das Vierfache, was sie bei Beginn der Regierung des in patriotischer Wette die Dienstlast wie die Zahlungslaft auf die würde, da der Polier auf dem Bau alles macht. Gegen gewissengegenwärtigen Raisers erfordert hat. Die National Beitung" Massen des Boltes zu werfen. lose Bauansführungen kann nur ein allgemeines Baugesetz spricht daher bon der Notwendigkeit einer großzügigen Die Sozialdemokratie aber fordert: Reichssteuern auf und die strenge Durchführung und Ueberwachung der Baus Finanzreform"; die„ Neuesten Nachrichten" erklären tollkühn, die großen Einkommen, Erbschaften und Vermögen! Beseitigung der arbeiter- Schutzbestimmungen nügen. Aber gerade davon wollen daß seit langem„ keine erhebliche, die Massen belastende ungerechten Privilegien aus dem Heeresdienst! Kurze und gleiche die Innungsmeister am wenigsten etwas wissen. So steckt hinter Steuervermehrung eingetreten sei", indem fie die un Dienstzeit für alle Staatsbürger! " geheure Vermehrung der Reichseinnahmen vergessen, die im Laufe der Jahre aus Zöllen und Verbrauchssteuern auf Boltskosten geflossen ist, indem sie aber auch andererseits dankenswert darauf Hinweisen, daß die Kosten auch für die neuen Forderungen des Militarismus durch eine die Massen belastende Steuervermehrung aufgebracht werden sollen. den Politifche Ueberficht. Berlin, den 29. November. Der Reichstag ihrem Geschrei nach Einführung des Befähigungsnachweises für das Baugewerbe nichts als die Sehnsucht nach einem Erwerbsprivilegium. Nach dieser Nede vertagte sich das Haus. Morgen soll damit begonnen werden, die zahllosen Etatsresolutionen des vorigen Sigungsabschnitts aufzuarbeiten. Der Festsetzung der Tagesordnung ging der Austausch einiger Liebenswürdigkeiten zwischen Herrn Naab und Herrn Dr. Müller- Sagan voran. Preußisches Abgeordnetenhaus. Beratung der Vorlage betr. die Beteiligung des Staates an Das Abgeordnetenhaus begann am Dienstag die erste der Bergwerksgesellschaft Hibernia zu Herne. Bekanntlich handelt es sich darum, daß die Regierung die Ermächtigung nachsucht, von der Dresdner Bank Aftien der Bergwerksgesell schaft Hibernia im Nominalbetrage von 27% Millionen Mark zu erwerben und zu diesem Zweck einen Betrag bis zu 69% Millionen zu berausgaben. Es ist ein freveles Spiel, das die besitzende Klasse mit Gut trat heute zu feiner 101. Sigung nach fünfmonatlicher Pause wieder und Blut des deutschen Volkes von neuem zu treiben gefonnen ist. zusammen. Der Reichstags- Präsident Graf Ballestrem, der die Er" Wir scheuen die Kosten nicht" erklärt das Blatt der Konser- schienenen mit den üblichen Begrüßungsworten empfing, fügte die vativen. Nun wohl, dann müssen diejenigen zahlen, welche so ungewöhnliche Ermahnung hinzu, daß die Mitglieder sich eifriger frei von Steuerscheu find. Diese Gegner der Steuerscheu als bisher an den Sigungen beteiligten sollten, um das große Wert das sind aber in erster Reihe die Junker und Großgrundbefizer, der Bollsausbeutung durch Militärforderungen und zollwucherische die sich soeben Hunderte von Millionen aus dem Brot und Handelsverträge ungestört vom Gespenst der Beschlußunfähigkeit Fleischwucher zueignen und die sich brutal weigern, brutal weigern, zu durchführen zu können. neuen Kosten aus ihren Taschen gehörig beizutragen. Auf der Tagesordnung der Sigung standen nur Petitionen. Die Es erscheint von neuem der ungeheuerliche politische Standal, erste Gruppe der Petitionen, die nach verschiedenen Richtungen hin daß die besitzenden Klaffen dem Militarismus Riefenfummen eine Wenderung des Fleischbeschaugefezes anregte, rief eine Debatte bewilligen, welche nicht sie selbst, sondern welche das Volk zahlen hervor, die allein mehrere Stunden ausfüllte. Bekanntlich sind diese Die zahlreichen Tribünenbesucher, die sich in Erwartung foll. Gegenüber diesem Eifer, Steuern durch andere zahlen zu laffen, Betitionen schon vor dieser Vertagung im Reichstage einmal zur eines großen Tages" eingefunden hatten, wurden arg enterhebt die deutsche Arbeiterttasse laut bie Forderung: Verhandlung gekommen. Damals hatte der nationalliberale Abg. täuscht. Die Debatte sette mit einer nichts weniger als interWenn die besitzende Klasse die neue Militärvorlage für nötig hält, Selb eine überaus sonderbare Rede zur Verteidigung des Fleisch effanten Rede des Handelsministers Möller ein, der unter wenn sie ohne eine solche Vorlage die Armee geschwächt und das beschaugesetzes gehalten, in der er den ganzen Zolltarif als voll- Bolemik gegen die der geplanten Aftion feindlich gegenüberBaterland gefährdet sieht, dann soll sie endlich ihren tommen wertlos für die Masse der Landwirte bezeichnete und mit stehenden Presse das beabsichtigte Geschäft als ein höchst vorteilPatriotismus beweisen, indem sie selbst zahlt, was sie diesem Argumente die Notwendigkeit eines starken Schutzes der deut- haftes anpries. Herr Möller zeigte sich wieder mal als Mann bewilligt. schen Viehzucht begründete. der halben Maßnahmen. Er vermag nicht zu bestreiten, daß Die besitzenden Klassen müssen umsomehr endlich einen ge- Die heutige Wiederaufnahme der Sizungen benutzte Genoffe hohe Kohlenpreise die Bevölkerung schwer schädigen, aber er bührenden Teil der finanziellen Heereslast übernehmen, da sie die Scheidemann dazu, in feiner frischen und lebhaften Weise mit will trotzdem dem Staat seinen bestimmenden Einfluß auf die Privilegierten des Militarismus sind, da sie persönlich im Heere diefem sonderbaren Agrarier Abrechnung zu halten und zugleich eine Höhe der Kohlenpreise fichern. Das wäre seiner Meinung nach Vorteile genießen vor dem übrigen Volle, da in den Offiziersstellen gründliche Kritik des neuen preußischen Ausführungsgesetzes über ein Danaergeschenk. An eine Verstaatlichung des gesamten der Armee ihre Söhne versorgt werden, während das arbeitende diesen Gegenstand, das im Sommer noch kurz vor Landtagsschluß Kohlenbergbaues denkt die Regierung nicht, wie der Minister Bolt neben der Gutssteuer auch die Opfer mehrjähriger Dienstzeit, durchgepeitscht wurde, zu liefern. As Genosse Scheidemann zum ausdrücklich betonte, aber über die Gründe, die das Staatsmehrjährigen Verlustes der bürgerlichen Arbeit tragen. Schluß seiner Nede die Hoffnung aussprach, daß die Sozial- ministerium zu einem solchen Beschluß bestimmt haben, wurde Die Vorlage fordert 10 300 Mann. Ohne ihre Bewilligung foll demokratie endlich doch mit der Junterfippe fertig werden das Haus im unflaren gelaffen. Ebensowenig fand das hohe es unmöglich sein, die Armee kriegstüchtig zu halten. Wohlan! Es würde, heulte die Rechte bor Wut, und cine ganze Angebot an die Aktionäre und die ganz ungewöhnlich hohe gibt ein Mittel, die Vermehrung der Friedenspräsenzstärke zu er- Schar von agrarischen Wortführern aus allen Parteien er- Provision an die Dresdner Bank eine genügende Erklärung zielen, ohne von neuem die unbemi Sten Klassen in Anspruch zu hoben sich, um unserem Redner zu antworten; von den Auch darüber, weshalb die Regierung nicht so vorgeht, wie nehmen. Die Befizenden haben das Vorrecht des einjährigen Nationalliberalen der Aba. Held, dem seine frühere Entgleisung seinerzeit bei der Verstaatlichung der Eisenbahnen, erfolgte feine Auskunft. Vielleicht wird das in der Kommission nach, gutem Fuße zu stehen, haben wir unlängst zahlenmäßig nach, wendungen Abgaben erhoben werden dürfen, nicht dem einzelnen geholt, der die Vorlage zweifellos überwiesen werden wird. gewiesen; dasselbe gilt von den anderen Nationen. Es ließe sich Bundesstaat, sondern ausschließlich dem Reich zu. Und daß zum deshalb viel wirksamer ein freundschaftliches Verhältnis gegenüber Beispiel die am Rhein gelegenen Staaten, wie Baden und Hessen, England anbahnen, wenn Deutschland aufhören würde, mit willig die Auslegung der preußischen Regierung anerkennen werden, seinen fieberhaften Marinerüstungen fortzufahren, ist nach ihrer früheren Stellungnahme zu dieser Materie höchst unund es aufgeben würde, eine Weltpolitik zu betreiben, die nicht nur wahrscheinlich. Deutschland Unsummen fostet, ohne das geringste einzubringen, sondern auch fremde Kolonialmächte mit Besorgnissen erfüllen muß. Im allgemeinen zustimmend äußerten sich zu der Vorlage die Redner der konservativen Parteien, die Abgg. v. Kessel ( kons.) und v. Woyna( ft.). Letzterer ist nicht nur aus sachlichen, sondern auch aus„ nationalen Gründen" ein Freund der Vorlage; er hofft, daß der Staat, wenn er erst im Besitz von Kohlenfeldern in Westfalen ist, gegen die Bergarbeiter borgehen kann. Vorläufig nur gegen die armen Polen; die Sozialdemokraten sollen natürlich auch an die Reihe kommen. Daß Herr v. Woyna weiter der Ansicht Ausdruck gab, die Regierung könne in den Gruben hygienisch mustergültige Einrichtungen schaffen, zeigt, wie wenig er im praktischen Leben Bescheid weiß. Wo ist bisher die preußische Regierung in bezug auf Arbeiterfürsorge mit gutem Beispiel vorangegangen? Das Gegenteil ist der Fall. Von den Rednern der übrigen Fraktionen brachte der glücklich dem Hause wiedergegebene Abg. Spahn( 3tr.) einige budgetrechtliche Bedenken vor, Abg. Schiffer( natl.) hielt eine echte„ Einerseits- Andererseits- Rede", Herr Cassel Bugeständnissen an die österreichisch- ungarischen Forderungen ( fr. Vpt.) sprach sich scharf gegen die Vorlage sowie die Verstaatlichungsidee überhaupt aus, wobei er es nicht unterließ, sich als Bundesgenosse im Kampfe gegen die Sozialdemokratie in empfehlende Erinnerung zu bringen. Die freisinnige Vereinigung ist sich, wie aus den Ausführungen ihres Redners, des Abg. Min sterberg hervorging, über ihre Stellung noch nicht im klaren. = Deutfches Reich. Der Seniorenkonvent des Reichstages Der Seniorenkonvent stimmte dem Vorschlage des Präsidenten zu, wonach die erste Lesung des Etats mit der ersten Beratung des Gesetzes über die Vermehrung des Heeres und des Gesetzes über die der von sozialdemokratischer und freisinniger Seite gegen die VerFestlegung der zweijährigen Dienstzeit verbunden werden soll. Trotz Ansicht des Präsidenten bei, der eine Abkürzung der Verhandlungen bindung der Beratung erhobenen Bedenken trat die Mehrheit der von seinem Vorschlage erhofft. Die Handelsvertrags- Verhandlungen mit Desterreich- Ungarn gescheitert. hat am Dienstag mittag unter Vorsiz des Präsidenten darüber Nach den von Wien einlaufenden telegraphischen Nachrichten beraten, welche Vorlagen bis zur Weihnachtspause erledigt werden scheinen dort die Handelsvertrags- Verhandlungen abgebrochen worden sollen. zu sein. Graf Posadowsky hat nach wochenlangen Verhandlungen Es sind die durch die„ Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bereits gestern morgen Wien verlassen, und gestern abend sind auch die mitgeteilten Vorlagen beim Reichstag eingegangen. deutschen Referenten abgereist. Ob damit die Verhandlungen In nächster Zeit werden die Handelsverträge dem Reichsals völlig gescheitert zu betrachten sind, oder ob Graf Posadowsky tag vorgelegt werden. Der Reichskanzler ist entschlossen, die Handelsmit den Unterhändlern nach Berlin gereist ist, um mit dem verträge dem Reichstage in der ersten Hälfte des Dezember vorReichskanzler zu fonferieren und die Einwilligung zu weiteren Desterreich darunter befindet. D6 mit Defterreich überzulegen, gleichgültig, ob sich der Vertrag mit haupt jetzt ein Handelsvertrag zu stande kommt, wird, wie der einzuholen, bleibt borläufig noch fraglich. Da aber Reichskanzler mitgeteilt hat, innerhalb drei Tagen entschieden der deutschen Regierung zweifellos sehr viel daran gelegen werden. ist, den Tarifvertrag mit Desterreich- Ungarn zusammen mit den anderen bisher von ihr abgeschlossenen Handelsverträgen dem Reichstage vorzulegen, so deutet der Abbruch der Wiener Verhandlungen darauf hin, daß nach ihrer Meinung vorläufig eine Verständigung über die beiderseitigen Wünsche und Forderungen aussichtslos iſt. Als Graf Posadowsky nach Wien ging, stand es bereits um die Verhandlungen sehr schief, jie besserten sich dann aber nach den Graf Bülow über die englisch- deutschen Beziehungen. Nineteenth Century" veröffentlicht ein Interview eines Mit- schien, Mitteilungen der Wiener Presse etwas, so daß es zeitweilig Die erste Lesung des Etats und der Anträge soll am als werde der Vertrag doch früh genug zu 3. Dezember beginnen und wird durch eine sehr lange arbeiters mit dem deutschen Reichskanzler über die deutsch- englischen stande kommen, um im Dezember dem deutschen Reichstage vor- Erörterung des Schazsekretärs eingeleitet werden. Nach Er Beziehungen. Der Kanzler bedauerte, daß ein Teil der englischen gelegt werden zu können. Journalisten deutschfeindlich gesinnt sei. Den beiderseitigen Inter- herausgestellt hat, wurde diese Besserung der Aussichten" nur das wird die für den Reichstag bis Weihnachten verfügbare Zeit ab Wie sich jedoch in den letzten Tagen ledigung der ersten Lesung des Etats ist die erste Beratung der Handelsverträge in Aussicht genommen. Mit diesen Beratungen effen werde besser gedient, wenn man diese Feindseligkeit aufgeben durch erzielt, daß man erst die relativ leichteren Fragen vornahm forbiert werden, da spätestens am 17. Dezember die Weihnachtswerde. Eine Wendung zum Besseren scheine ja bereits eingetreten und die Verhandlung über diejenigen Vertragspofitionen, über welche ferien beginnen werden. zu sein. Es sei unwahr, daß Deutschland versucht habe, Sas die Forderungen am weitesten auseinander gingen, zurückstellte. Tibetabkommen zu verhindern. Er ermächtigte Herrn Als man dann an diese herankam, stellten sich erst die eigentlichen ratung eines Teiles der Als Arbeitsstoff für den Rest dieser Woche ist die Bes Bashford, offiziell festzustellen, daß Baron v. Mumm sich nicht Schwierigkeiten ein. Schon am Sonnabend nachmittag hatten die Resolutionen vorgesehen. im Frühjahr zurückgestellten EtatsKommen die Handelsverträge nicht so in diese Frage eingemischt habe. Unrichtig sei es auch, daß die Gegensäße in der Konferenz sich derartig zugespißt, daß ein vorzeitig an den Reichstag, daß die erste Lesung nach der Weihnachtsbaltische Flotte durch deutsche Warnungen nervös geläufiger Abbruch der Unterhandlungen in ziemlich sicherer Aussicht pause vorgenommen werden kann, so wird an deren Stelle die macht worden sei. Die Befürchtungen wegen eines japanischen stand; dennoch wurden sie am Montag erneut aufgenommen, aber erste Beratung der Militärpensions- Gesetze vorgenommen werden. Am Mittwoch wird die Beratung fortgesetzt. gänzlich erfolglos. " Zur Beratung des Etats in den Fraktionen wird der Donners tag dieser Woche sizungsfrei bleiben. Das verbrecherische Lächeln. Angriffes habe man in offiziellen russischen Kreisen bereits vor Abfahrt der Flotte gehabt. Schon im Auguft habe die russische ReDie beiden Streitpunkte, um die es sich handelt, find der Gerstengierung die Aufmerksamkeit Deutschlands auf die Möglichkeit eines zoll und vor allem der von Desterreich- Ungarn verlangte Abschluß Angriffes von deutschem Boden aus gelenkt. Deutschland habe dann einer neuen Veterinärkonvention, die diese Länder davor sichert, daß auch die erforderlichen Schuhmaßnahmen getroffen, die von deutscher Seite zugestandenen Viehzollermäßigungen später Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: dasselbe habe Dänemark getan. Es liege Deutschland vollständig durch irgend welche auf Grund des Seuchengesetzes von der deutschen 6000 Einwohner zählenden Stadt Marggrabowa wurden gleich In der nicht weit von der russischen Grenze entfernten, zirka fern, Unfrieden zwischen England und Rußland zu stiften. Deutsch- Regierung verfügten Grenzsperrmaßnahmen und Einfuhr hemmungen nach der letzten Reichstagswahl eine Anzahl Mitglieder aus dem land wünsche keinen Zusammenstoß beider Mächte, da ein der wertlos gemacht werden. Die von der deutschen Regierung befolgte dortigen Kriegerverein ausgeschlossen, weil die in dieser Stadt maß artiger Krieg um sich greifen könne. Mit einer solchen Brandfadel Absperrungspolitik gegen die fremde Vieheinfuhr hat den öster- gebenden Personen merkwürdigerweise, troß der geheimen Wahl dürfe Deutschland mit Rücksicht auf die eigene Ruhe nicht spielen, reichischen Interessenten gezeigt, daß die Verhinderung des Vieh- wissen wollten, daß fie sozialdemokratisch gewählt hatten.- Es deshalb habe Deutschland auch auf die Begrenzung des augenblick- imports in das deutsche Zollgebiet sich durch diese Politit noch weit waren übrigens in dieser Stadt gegen 300 Stimmen für unseren lichen Krieges hingearbeitet und die Neutralität China 3 gründlicher bewirken läßt, als durch hohe Zölle. Andererseits aber Kandidaten abgegeben worden. sei Deutschland in erster Linie zu danken.(?) will aus Rüdsicht auf ihre lieben Agrarier die deutsche Regierung Kriegervereinsmitglieder, Handwerker und sonstige Gewerbetreibende Ein Teil dieser ausgeschlossenen Gegen ein gutes Einvernehmen zwischen Rußland und England sich zur Uebernahme der verlangten Verpflichtungen nicht verstehen, traten nun zusammen, um einen Verein mit der Tendenz der gegen habe Deutschland nicht das geringste einzuwenden. Deutschland sondern sich die Möglichkeit offen halten, nachträglich zugunsten der feitigen Unterstützung, bei Ausschluß der Politik zu gründen. In einer habe kein spezielles Abkommen mit Rußland, es wünsche nur mit seinem östlichen Nachbarn in Frieden zu leben. inländischen Viehzüchter„ Korrekturen" vorzunehmen. Zusammenkunft, zu der diejenigen Bürger der Stadt persönlich ein Ebensowenig denke Deutschland daran, Zwietracht zwischen Frankgeladen waren, die die Absicht geäußert hatten, dem neuen Verein Die agrarische Belastung der Kanalvorlage. reich und England zu säen; derartige Intrigen würden ja auch beizutreten, wurden die Statuten beraten. Am Tage darauf erschien Die konservativen und flerifalen Agrarier verstehen es mit bei dem provisorischen Leiter dieses neu zu gründenden Vereins, ganz vergebens sein. In Aegypten habe Deutschland seine forrefte meisterhaftem Geschick, die Kanalvorlage derartig mit agrarischen einem Schuhmachermeister, die Polizei in dessen Wohnung, hielt Gesinnung gegenüber der britischen Regierung bewiesen, indem es wünschen zu bepacken, daß sie für die Verkehrsentwicklung jede Be- Haussuchung und beschlagnahmte das geschriebene Manuskript der dem Uebereinkommen mit Frankreich kein Hindernis in den Weg deutung verliert. Bereits vor einer Woche verlautete, daß die Kanal- Statuten und das Protokoll der Sigung. Dann erhielten der Schuhgelegt habe. Ein Krieg zwischen England und Deutschland würde tommission des Abgeordnetenhauses in einer hinter verschlossenen machermeister und der Inhaber der Wohnung, in der die Besprechung ein Glüdsfall für alle Rivalen beider Mächte sein. Türen abgehaltenen geheimen Sitzung einem Zentrumsantrag stattgefunden hatte, jeder ein polizeiliches Strafmandat über 15 Mark Ein solcher Krieg würde den deutschen Handel zerstören und den zugestimmt zugestimmt habe, der die Forderung stellt, daß 3u wegen Abhaltung einer nicht angemeldeten öffentlichen Versammlung. englischen ernstlich gefährden. Andere Staaten würden die gleich mit der Eröffnung des zu des Verkehrs auf dem RheinGelegenheit benutzen, sich die Märkte der Welt zu sichern, ohne einen Leine- Kanal Schiffahrtsabgaben Der Schuhmachermeister erhob gegen den Strafbefehl WiderSchiffahrtsabgaben auf den deutschen Strömen spruch und wurde vom Schöffengericht zu Marggrabowa frei. Schuß abzufeuern. Die deutsche Flotte sei nur für Ver- zur Deckung der vom Staat zur Verbesserung und Vertiefung aufteidigungszwede bestimmt. gesprochen. Sie solle nur die deutschen gewandten Geldmittel eingeführt werden. Diese Mitteilung bestätigt Gewässer sichern und notwendigen Schutz für die deutschen Inter- fich. Die„ Post" veröffentlicht die in der Kanaltommission neu- und erzielte damit bei der Straffammer zu Lyd wieder eine Ver Darauf legte der Amtsanwalt gegen das Urteil Berufung ein effen im Auslande leisten. Natürlich sorge die deutsche Regierung gestalteten wichtigeren Bestimmungen der Kanalvorlage, und nach urteilung in Höhe der Polizeistrafe. Gegen dieses Urteil legte nun für die Schlagfertigkeit der deutschen Flotte. Der deutsche Kauf dieser Veröffentlichung hat der in jener geheimen Sigung ein- der Verurteilte Revision bei dem sammergericht ein. Dieses mann jenseits der Meere sei kein armseliges Geschöpf geschobene§ 9i folgenden Wortlaut: mehr, das sich begnügen müsse, vom Tisch gefallene geschobene§ 9i folgenden Wortlaut: hob die Entscheidung auf und verwies die Sache zur nochmaligen Brosamen aufzulesen. Der Reichskanzler betonte dann auf eine spezielle Frage des Interviewers nochmals, daß DeutschBerhandlung an die Straftammer zu Lyd. land nichts ferner liege, als irgend ein Vorgehen gegen England. Er persönlich empfinde nicht die geringste Abneigung gegen England. Er bewundere im Gegenteil das Land und das Volk und seine Literatur. § 9i. . „ Mit Inbetriebſegung des Kanals vom Rhein nach Hannover sollen Gebühren zum Ausgleich für die Kosten der Verbesserung und Unterhaltung der natürlichen Binnenschiffahrtstraßen, soweit diese durch staatliche Aufwendungen eine über das natürliche Maß hinausgehende Verbesserung oder Vertiefung erfahren haben, erhoben werden." man Es handelte sich hauptsächlich um die Feststellung, ob außer der Am 18. d. M. fand daselbst der Termin in dieser Sache statt. Gründung des Vereins auch noch politische, insbesondere sozialdemokratische Angelegenheiten in der inkriminierten Zusammens funft erörtert worden sind. Dem Angeklagten wurden vom Vorsitzenden und vom Staatsanwalt eine Anzahl Kreuz- und QuerOb diese Aeußerungen die englischen Befürchtungen zerstreuen Der Paragraph hat wie das Schleppmonopol den Zweck, den werden, ist sehr fraglich. Diplomatische Erklärungen und Herzens- Transport von ausländischen landwirtschaftlichen Produkten auf den fragen vorgelegt. Als dann der Staatsanwalt sein Plaidoyer hielt, ergüsse machen in der Politik keinen Eindruck, sofern die politischen großen Strömen, vornehmlich der Rheinstraße, zu erschweren und zu gebrauchte er, den Angeklagten von oben bis unten musternd, dem Zaten des betreffenden Staatsmannes diesen Erklärungen zu verteuern. Er soll, um einen Ausdruck des Abgeordneten Am Behn- Sinne nach etwa folgende Aeußerung:" Daß der nicht die Wahrheit " Bei widersprechen scheinen. Graf Bülow hat erklärt, daß die deutsche hoff zu gebrauchen, gewissermaßen die Agrarzölle ergänzen. Während fagt, ist klar, das sieht man ihm an." Bei dieser Aeußerung wollte Flotte nur der Verteidigung der deutschen Küsten und des deutschen aber das Staatsmonopol des elektrischen Schleppbetriebes manche nun der Staatsanwalt bemerkt haben, daß der Angeklagte ihn Handels im Auslande dienen solle. Demgegenüber sind von technischen und wirtschaftlichen Vorteile vor dem privaten Schlepp- höhnisch angelächelt habe. Er wandte sich zu den Richtern und be anderer unverantwortlicher, aber um so einflußbetrieb hat, so daß man sich trotz der von den Agrariern antragte dafür die Bestrafung des Angeklagten wegen Ungebühr mit reicherer Stelle vielfach Erklärungen abgegeben worden, die ein mit ihrer Forderung verbundenen Absichten für den staatlichen 24 Stunden Haft. weltpolitisches Programm darstellten, das unend- Schleppbetrieb erklären kann, gibt es keinerlei stichhaltige Gründe Der Vorsitzende sowie die übrigen Richter erklärten, von lich viel weiter ging. Beispielsweise steht der Ausspruch, für die Erhebung von Schiffahrtsabgaben auf natürlichen einem Lächeln des Angeklagten nichts bemerkt zu haben und der daß Deutschlands Zukunft auf dem Wasser liege, Wasserstraßen, müßte denn das Interesse der Groß- Vorfißende meinte, es müsse dann der Staatsanwalt als Zeuge in recht erheblichem Gegensatz zu den bescheidenen Wünschen des agrarier, den deutschen Inlandsmarkt gegen die Einfuhr fremder dieserhalb. auftreten. Darauf stand dieser erregt auf und verpfändete Grafen Bülow. Wenn es Graf Bülow so darstellte, als habe der Agrarprodukte abzusperren, als zureichenden Grund gelten lassen. sein Ehrenwort dafür, daß der Angeklagte wirklich gelächelt habe. deutsche Kaufmann es erst unserer Marine zu danken, daß er Zudem steht aber der Beschluß der Kommission direkt dem Nun zog sich das Gericht zurück und fällte dann nach ganz kurzer „ kein armseliges Geschöpf" mehr sei, das von den„ vom Tische ge- Artikel 54 der Reichsverfassung entgegen, in dem es heißt:" Auf allen Beratung das Urteil dahin, daß die Verhandlung zum Zwede fallenen Brosamen" leben müsse, so steht auch diese Behauptung in natürlichen Wasserstraßen dürfen Abgaben nur für die Benutzung weiterer Beweisaufnahme vertagt sei, der Angeklagte aber wegen fchroffem Gegensatz zu den wirklichen Tatsachen. Der besonderer Anstalten, die zur Erleichterung des Verkehrs bestimmt Ungebühr vor Gericht mit sofort zu vollstreckender 24stündiger Haft deutsche Welthandel hat sich gewaltig entwidelt ohne die Flotte. find, erhoben werden. Diese Abgaben sowie die Abgaben für bestraft worden sei. Durch unsere Flotte ist ihm auch nicht der geringste Markt erobert die Befahrung fünstlicher Wasserstraßen, welche Staatseigentum sind, Der Termin hatte um 9 Uhr begonnen. Als dieses Urteil geworden, denn die Ausfuhr nach unseren Kolonien ist eine geradezu dürfen die zur Unterhaltung und gewöhnlichen Herstellung der An- fällt wurde, war es 10 Uhr. Der Angeklagte, ein angesehener lächerliche und geringfügige. Auch scheint Graf Bülow noch eine stalten und Anlagen erforderlichen Kosten nicht übersteigen." Aller- Bürger der Stadt, nun bont der Anklagebant fort einer Einzelzelle bis im 1 Uhr mittags Gerichts wunderlich veraltete Auffassung von dem gegen dings hat der Reichskanzler versucht, in der Reichstagssigung in eingesperrt. Dann wurde er bon einem Aufwärtigen Ringen um die Eroberung von Absatzgebieten zu haben. vom 10. Dezember 1903 diesem Artikel die furiofe Inter- gebäude nur das Recht der Einzelstaaten scher durch die Stadt wie ein Verbrecher nach dem Es wäre in der Tat sehr schlecht mit Deutschland bestellt, wenn pretation zu geben, daß er auf den deutschen Strömen lediglich für Gefängnis geführt. nur die deutsche Flotte verhindern könnte, daß von den kon beseitigen wolle, und erheben, der Minister furrierenden Nationen der deutsche Welthandel zerstört würde. Die ihre Befahrung" Abgaben zu Der Schuhmachermeister verlangte dort, vor den aufsichtAngriffe konkurrierender Nationen auf den Welthandel einer b. Budde hat im Februar ds. J3. diese Auslegung in der Budget- führenden Richter geführt zu werden, um Beschwerde zu führen. anderen großen Nation vermittelst einer Kriegsflotte gehören längst fommission dahin ergänzt, daß durchaus kein Hindernis bestehe, auf Auch verlangte er, daß man ihm wenigstens auf seine Kosten etwas berschwundenen Jahrhunderten a n. Allerdings den natürlichen Wasserstraßen für die Benutzung von erst künstlich zu essen gebe. Es wurde ihm gesagt, daß er beschwerdeführend vernichtete die holländische Flotte seinerzeit die portugiesische und geschaffenen Fahrrinnen und deren Erhaltung Gebühren zur Deckung vernommen werden könne. Wegen der Betöftigung müsse erst Er spanische Flotte, allerdings löfte durch friegerische Machtmittel später der Kosten einzuführen; aber so schön diese beiden Inter- laubnis eingeholt werden. England Holland in seiner Weltmachtsstellung ab. Aber seitdeni pretationsleistungen Erst abends gegen 6 Uhr erhielt der Eingesperrte, der früh ist der friedliche Wettbewerb der Nationen auf handels. maßgebend. Zur Auslegung des betreffenden Artikels der Reichs morgens von Hause fortgegangen war und dessen Familie gar nicht politischem Gebiete an die Stelle des friegerischer verfassung ist zweifellos nicht ein einzelner Bundesstaat auch wußte, wo er geblieben war, für sein Geld Effen. Dann sagte man Wettbewerbes getreten. Die Ursache dieses Wandels liegt allerdings Preußen nicht zuständig, sondern nur das Reich selbst. Außerdem ihm, daß er am andern Morgen 8 Uhr beschwerdeführend vernommen nicht in der Humanisierung der Nationen, sondern einfach darin, aber geht aus den weiteren Bestimmungen des Artikels 54 deutlich werden könne. daß die großen Industrienationen schon deshalb auf die kon hervor, daß zum Beispiel das Reich durchaus berechtigt ist, Der auf diese Art eines angeblichen Lächelns wegen so plöglich furrierenden Nationen Rücksicht zu nehmen gezwungen find, weil die preußische Regierung zur Instandhaltung ihrer Ströme anzu- feiner Freiheit Beraubte verzichtete darauf, weil er ja um 10 Uhr ein großer Teil ihres Exportes nach den Inlandsmärkten der halten und die Abgabenfrage selbständig durch ein Reichsgesetz zu des anderen Tages seine verbüßt hatte. Er ließ sich Papier fonkurrierenden Nationen ausgeführt wird. Welches regeln, folglich steht auch die Entscheidung darüber, ob ein Fluß eine und Feder in die Belle bien und schrieb eine Beschwerde über Interesse beispielsweise England hat, auch mit Deutschland auf künstliche Wasserstraße" getvorden ist und für die gemachten Auf- das soeben Erlebte. auch sein mögen, find sie doch doch nicht wurde Neue Verluste in Südwestafrika. von der Grenze und ermächtigte ihn eventuell, jeder Grenzberlegung durch die Russen Einhalt zu tun. Der Kommandant von Saisabad erhielt Befehl, die Stadt durch Festungsgräben und vier neue Türme in Verteidigungszustand zu sehen. Der gleiche Befehl erging an den Gouverneur von Maimna. Zwei Brüder des Emirs werden Afghanistan bereisen. Bu bemerken ist noch, daß auch weder der Verteidiger des An-| ist, fann weiter mitgeteilt werden, daß am Sonnabend auch dessen genannte Gouverneur verlangte 20000 Mann geklagten, noch jemand aus dem Zuschauerrauni bemerkt hat, daß Schwager Th. in Frankenhausen verhaftet wurde. Th. soll der Verstärkungen, die ihm vom Emir bewilligt der Angeklagte den Staatsanwalt angelächelt hat. Er selbst bestreitet mitt äterschaft verdächtig sein. Nachdem man denselben hier wurden. Der Emir sandte dem Gouverneur von Saifabad Karten das mit Entschiedenheit. Die Aeußerung des Staatsanwalts, in der seinem Schwager gegenübergestellt hatte, wurden am Montag beide er den Angeklagten als Lügner bezeichnete, war auch durchaus nach dem Landgerichtsgefängnis Weimar übergeführt. nicht dazu angetan, bei diesem ein Lächeln hervorzurufen. Aber das angebotene Ehrenwort des Staatsanwalts war dem Gericht Beweis genug, einen unbescholtenen Bürger sofort von der Gerichtsstelle in das Gefängnis zu sperren. Jeder Stromer oder Verbrecher erhält im Gefängnis seine Mahlzeiten, aber der des Lächelns vor Gericht verdächtigte und wegen angeblicher Uebertretung einer Polizeivorschrift angeschuldigte Bürger mußte tagsüber hungern und erhält erst auf mehrmaliges Verlangen gegen Abend für sein Geld Beköstigung. Welcher Unterschied ist da noch zwischen deutscher und russischer Justiz? V Die Ballinsche Wirtschaft Vom ostasiatischen Kriegsschauplage. Kämpfe bei Mukden. London, 29. November. Am Typhus find gestorben Reiter Emil Büttner, geboren 28. Februar 1880 zu Hopfgarten, am 25. November im Lazarett Okahandja; Gefreiter Gottlieb Kalweit, geboren 25. März 1881 zu Augstupönen, am 25. November m Lazarett Epukiro; Gefreiter alter Nensel, geboren 30. Mai 1881 zu Elberfeld, am 25. November im Lazarett Dijosondu. Gefallen am 22. November 1904 im Gefecht: Eisenach; Reiter Schenking von gestern gemeldet: Von der russischen Ostarmee ist Dem„ Reuterschen Bureau" wird aus Alfred Müller, geb. 27. August 1884 zu Rottbus, Brustschuß; die Nachricht eingegangen, daß General Rennent in der Nähe von Reiter Paul Wittig, geb. 11. September 1882 zu Dresden, Brustund Unterleibsschuß; Reiter Paul Sauer, geb. 23. Februar 1881 Dalin angegriffen worden ist. Die Japaner wurden nach zu Braschen, Brustschuß; Reiter Mar Seli, geb. 18. Januar 1888 breitägigem Stampfe zurückgeschlagen, der Kampf dauert aber zu Wyschin, Brustschußz. noch fort. Die Japaner haben Belagerungsgeschütze in ihre Stellung Am Typhus gestorben: Reiter Hugo Weschte, geboren gebracht. 7. Dezember 1880 zu Heldrungen, am 11. November im Lazarett Kaiser unter dem 27. November: Heute eingelaufenen Nachrichten Petersburg, 29. November. General Kuropatkin meldet dem Epukiro. Brudmann hat sich wieder eingefunden. Der unterm 18. November vermißt gemeldete Reiter Bruno zufolge ist die Nacht bei der Abteilung bei Tsinghetschen ruhig verlaufen. Gegen 7 Uhr morgens begann der Angriff auch gegen den Berlin, 29. November. An Typhus gestorben: Reiter Franz linken Flügel. Am 25. und 26. November verlor die Abteilung Mayer, geb. 1. 6. 81 zu Otterbach. früher im Feld- Artillerie- 11 Tote und 62 Verwundete. Viele Verwundete wünschten in der Regiment Nr. 30, am 27. Sovember im Lazarett Otjimbinde, Reiter Front zu verbleiben. Der Führer der Abteilung meint, daß die Conrad Broßmer, geb. 3. 7. 81 zu Konstanz, früher im Berluste der Japaner bedeutend seien. Dragoner- Regiment Nr. 22, am 13. November im Lazarett Epukiro. Verunglückt: Reiter Heinrich 3ickfeld, geb. 28. 9. 78 zu Zeven, früher im Feld- Artillerie- Regiment Nr. 9, am 27. Nobember in Swakopmund an einer herbeigeführten Verwundung ( Schuß durch Hals), durch Fahrlässigkeit eines Zivilisten gestorben. Husland. 100 Gewehre. Wir erbeuteten über Heute wird ein schwaches Artilleriefeuer gegen die Schanzarbeiten der Japaner unterhalten. Generalstab unter dem gestrigen Datum: Der japanische Angriff am Petersburg, 29. November. General Ssacharow meldet dem Generalstab unter dem gestrigen Datum: Der japanische Angriff am 27. November gegen die Abteilung bei Tsinghetschen wurde durch unser Artillerie- und Gewehrfeuer gegen 6 Uhr abends zum Stehen gebracht. Der Feind konnte nirgends näher als auf 600 Schritt Herankommen. Ein heftiger Schneesturm unterbrach den Kampf. Als gegen 3 Uhr nachmittags das Wetter sich aufgeklärt hatte, stellte es sich heraus, daß unser rechter Flügel umgangen war, doch zwang das erfolgreiche Feuer unserer vier Geschüße den Feind zum Rückzuge. Unsere Verluste am gestrigen Tage sind unbedeutend. Die gefangenen Japaner trugen Unterjacken unter der Uniform und Mäntel aus Kamelbaarstoff mit Belztragen. Am 27. November besetzten Freiwilligen- Abteilungen das Dorf im Widerspruch zu den von der Puesse gebrachten beruhigenden Mitteilungen in einem nodj kräftigeren Aufblühen begriffen als je zuvor. Dieser Tage brachte die„ Neue politische Korrespondenz" eine Mitteilung, die Minister des Innern und für Handel und Gewerbe hätten eine neue Verordnung zur Regelung des Verkehrs außerdeutscher Auswanderer durch Preußen erlassen allerdings soll die neue Verordnung sich nur auf Auswanderer beziehen, die nicht aus Rußland kommen; hinsichtlich der Auswanderer, welche die russisch preußische Grenze passieren, soll es lediglich bei den bisherigen Vorschriften verbleiben. Ob die Neuregelung des Verkehrs der nichtrussischen AusOb die Neuregelung des Verkehrs der nichtrussischen Aus wanderer diesen eine Erleichterung bringt, wird noch des näheren nachzuprüfen sein; was uns bis je zt darüber bekannt geworden ist, läßt uns vermuten, daß auch hier alles ungefähr beim alten bleibt. Was aber die Behandlung der aus Rußland kommenden Reisenden anlangt, die im Verdacht stehen, Friedensdemonstrationen und Friedens gefährdung. Auswanderer zu sein, so scheint in der Tat von oben ein Zu Ehren einer Anzahl skandinavischer Parlamentarier Wink gegeben zu sein, man solle ja nicht daran denken, sich veranstaltete am Montag abend die französische Parlamentsangesichts der Entrüstung, die die bisherig; e Wirtschaft in der gruppe für Schiedsgerichte ein großes Bankett, an dem mehrere Deffentlichkeit hervorgerufen hat, etwa vorri Gefühle der Scham Minister, darunter auch der Ministerpräsident Combes, die leiten zu lassen, im Gegenteil, man solle in der bisherigen Präsidenten des Senats, der Deputiertenfammer usw. teilWeise nur lustig darauf los wirtschaften. Die Ballintreiber haben nahmen. Senator Berthelot führte in einer Rede aus, Namgantsi, das vor dem Putilowberge liegt, und behaupteten sich sich das sicher nicht zweimal sagen lassen und nun häufen sich daß der Zweck der internationalen parlamentarischen Zu- in ihm 20 Minuten lang, trotz heftigsten Gewehrfeuers des Gegners, in der legten Zeit die Beschwerden, die an uns gelangen, in fammenkünfte derjenige sei, eine„ heilige Alliance" der Völker bis es ihnen gelungen war, ein festes Gebäude zu unterminieren, einer selbst bisher nicht dagewesenen Weise. In den letzten Tagen herbeizuführen. Ein anderer Festredner wies auf den Empfang das die Japaner oft dazu benutzt hatten, unsere Stellungen zu be sind uns nacheinander drei Fälle gemeldet, in denen politische hin, den im Jahre zuvor die englischen Parlamentarier schießen. Nachdem sich unsere Abteilung zurückgezogen hatte, wurde Flüchtlinge in die Krallen der Ballinbanditen gelangt waren, in Frankreich gefunden hätten. Destournelle de der Tempel in die Luft gesprengt. Das Dorf und eine nahegelegene denen zu entgehen, ihnen nur mit der größten Mühe gelungen Constant, der Präsident der Parlamentsgruppe für Schlucht, die sofort bedeutende Streitkräfte der Japaner besetzten, war. Toll geht es auch auf dem Lehrter Bahnhof zu. Jeden Schiedsgerichte, führte aus, der Gedanke der Schiedsgerichte wurde sodann von uns beschossen. Auf unserer Seite ist ein Mann Tag wird dort Menschenfang engros betrieben. Ein Tischler sei etwas durchaus Reelles, Schiedsgerichte seien nicht nur vom berwundet. Stoldt aus Charlottenburg begleitete Einde voriger Woche internationalen Standpunkte, sondern auch vom nationalen Nene japanische Erfolge bei Port Arthur. einen russischen Zahntechniker Sl., welcher bei ihm logiert aus wertvoll, der Schiedsgerichtsgedanke habe, wie die zahlTokio, 29. November.( Meldung des Reuterschen hatte und nunmehr nach Hamburg reisen wollte, nach dem Lehrter reichen bereits abgeschlossenen Verträge bewiesen, bereits große Bureaus.) Es wird gemeldet, daß ein nächtlicher Angriff der Bahnhof. Fortschritte gemacht. Der dänische Abgeordnete Hoordam Japaner auf den 203 Meter- Hügel von Erfolg gewesen sei. Bei Betreten des Bahnhofs wurden Herrn Sl. vom sagte, daß ebenso, wie die 3 skandinavischen Reiche, die sich Man nimmt an, daß damit 90 Proz. der Arbeit zur völligen Bahnhofsportier( 1) der Paß und sogar ein Abzugs- früher untereinander bekriegt hatten, jezt Brüder geworden Besetzung von Port Arthur geleistet seien. Wenn die Japaner attest abverlangt, ohne Vorzeigung dieses letzteren würde feien, auch die übrigen Völker sich verbrüdern könnten. Ein im Besize jenes Hügels sind, so überblicken sie den Hafen ihm nicht geglaubt werden, daß ei: sich hier nicht schwedischer Senator gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß vollständig. Lediglich auf der Durchreise nach Amerika befinde. dank dem englisch- französischen Einvernehmen der Huller Das Zeugnis des Tischlers St., daß der Wann tatsächlich bei Zwischenfall friedlich erledigt werde. Er hoffe, daß der Ge- in Gebrauch genommen, welche ihm gestatten, die Front von Tschifu, 29. November. Kuropatkin hat 20 Automobile ihm längere Zeit logiert habe, half zuriächst nichts. Der danke des Präsidenten Roosevelt, eine zweite Haager Friedens 25 Meilen in furzer Zeit zu mustern. Ein berühmter Automobil Portier sagte ihm vielmehr: Sie haben wohl im fonferenz einzuberufen, Erfolg haben werde. Der Präsident fahrer Novoired ist Der Präsident fahrer Rovoired ist aus Mukden zurückgekehrt, wo er drei ,, Vorwärts" über die Vorgänge auf dem Lehrter Bahn- des norwegischen Odelsthings Prebensten verherrlichte Frank- Wochen bei Kuropatkin war. Er erklärte, der Generalissimus hof gelesen? Sie sehen aber, daß das alles gar nichts reich, das bei den Bestrebungen, Zwistigkeiten unter den habe den den Wunsch ausgedrückt, 20 weitere Automobile зи geholfen hat, im Gegenteil ist jetzt die Kontrolle noch Völkern auf friedlichem Wege zu schlichten, an der Spize stehe. besitzen, welche bestimmt seien, im Notfalle die Munition schärfer als früher." Erst nach längerem Parlamentieren Weiter Wie man sieht, gibt man sich unter den bürgerlichen zur Front zu bringen. teilte er mit, die beiden gelang es dem Herrn St., ungeschoren nach Hamburg abzu- Politikern vielfach übertriebenen Illusionen über die Wirk- über; auf beiden Seiten verbringen die Soldaten den größten Teil Armeen ständen sich sich in dreifach verschanzten Linien gegen fahren. Unser Gewährsmann war aber noch Zeuge, wie drei famkeit der Friedenspropaganda hin. Es ist allerdings richtig, der Zeit Tag und Nacht in den unterirdischen Schutzhöhlen. andere junge Russen nicht zur Abfahrt zugelassen wurden. daß zwischen den verschiedenen Staaten in der letzten Zeit eine Russen verfügten augenblicklich in der Mandschurei über 300 000 Den Leuten wurde gesagt, sie könnten die Nacht in der Stadt Reihe von Schiedsgerichtsverträgen abgeschlossen worden sind. Mann. In Mulden liegen nur wenige Verwundete, in Charbin da zubringen, am anderen Morgen früh sollten sie wieder Nicht minder Tatsache ist es aber, daß auch ohne diese Schieds- gegen 30 000. Er ist der Ansicht, daß Kuropattin niemals Mulden tommen, um zunächst die Fahrt nach der Kontrollstation an- gerichte kleinere Konflikte zwischen diesen Staaten schwerlich räumen werde, falls er nicht durch eine verlorene Entscheidungszutreten. Man sieht hieraus, was für ein Humbug mit dem zum Kriege geführt haben resp. führen würden, sondern auch schlacht hierzu gezwungen würde, er glaubt aber, daß die Russen in angeblichen Schutz Deutschlands vor einer Seuchengefahr, dem ohne die Schiedsgerichte friedlich geregelt worden wären. Auch der nächsten Schlacht siegreich sein würden. die Kontrollstationen dienen sollen, getrieben wird. Wären aus der Tatsache, daß während mehrerer Jahrzehnte zwischen solche Auswanderer in der Tat seuchenverdächtig, so wäre den großen europäischen Nationen ein Strieg nicht stattgefunden ja die auf dem Lehrter Bahnhof unseren Informationen nach hat, darf nicht gefolgert werden, daß der Gedanke des Kulturftets geübte Praris- die wirklichen oder angeblichen Aus- fortschritts und der Völkerverbrüderung diesen Erfolg erzielt Die Hibernia- Affäre treibt immer niedlichere Blüten. Wie die wanderer vor Ueberweisung an die Kontrollstation in Berlin habe. Die Nationen Europas stehen eben in so furchtbarer Dresdner Bank durch eine an mehrere hiesige Handelsblätter gerichtete nächtigen zu lassen- eine ungeheuere Frivolität. Berlin hätte ja Waffenrüstung, daß ein Krieg für beide friegführende Teile Mitteilung anzeigt, will sie den Herausgeber der Deutschen Agrarschon tausende von Malen in der Gefahr gestanden, von diesen ein furchtbares Unglückt sein würde und zu großen nationalen zeitung", Herrn Edmund Klapper, verklagen. In Nr. 48 dieser Leuten durchfeucht zu werden. Aber zum Glück steht die Sache Katastrophen führen könnte. Lediglich dieser Umstand sowie Beitung ist nämlich ein Artikel veröffentlicht, in dem an Hand der nicht so schlimm, die Leute werden vom Lehrter Bahnhof das Fehlen eines unüberbrüdbaren natio- von der Dresdner Bank der Seehandlung über den Ankauf der bis zum nächsten Morgen entlassen, weil die Bahnbeamten na len Gegensates haben die gegenwärtige Friedens- Sibernia- Attien gelegten Rechnung ausgeführt ist, man müsse bezüglich und die immer noch dort ihr Unwesen treibenden Ballin- periode verursacht. Diese Friedensperiode wird auch in der der Dresdner Bank vermuten, agenten selbst fest davon überzeugt sind, daß kein Grund für Zukunft durch kriegerische Ereignisse solange nicht unterbrochen und" intimen Freunde nunmehr zu den jetzt geltenden Hochkursen „ daß der vorher billig erworbene Privatbesitz" ihrer Direktoren die Besorgnis einer Seuchengefahr vorliegt. Womit ist es werden, als nicht infolge der Weltpolitik die Interessen von 270 und 280 Proz. in den Bankbesig" hineingenommen werden aber in diesem Falle zu rechtfertigen, daß die Leute in Ruh- der verschiedenen Staaten gewaltsam aufeinanderprallen. Erst dü e, und daß der Staat diese Art von„ Einstandskursen" zu beleben unter dem Vorwande des Seuchenverdachtes der Freiheit ein Vordringen Rußlands gegen Indien würde trotz der fran- zahlen habe." entzogen werden? zösisch- englischen Entente zu einem Kriege zwischen Europa und Durch diese Aeußerung fühlte sich die Dresdner Bank oder Wie wir erfahren haben, sind übrigeris die drei oben er- Rußland führen müssen. Auch infolge des Wettbewerbes der richtiger ihre Direktoren beleidigt und haben, wie sie schreiben, wähnten jungen Russen am nächsten Morgen richtig in der Staaten in Ostasien könnte es zu einem Kriege zwischen flärung des Sachverhaltes die Strafverfolgung des Herrn Edmund Anlaß genommen, wegen des öffentlichen Interesses an der AufBallinfalle aufgefangen worden. den europäischen Nationen kommen. Solange aber diese klapper zn beantragen, damit an der Hand der Bücher der Dresdner Fragen der Vorherrschaft über Süd- und Ostasien nicht auf- Bant erwiesen wird, daß während des ganzen Verlaufes der Hibernia Raiserjagd an der russischen Grenze. Während man in den gerollt werden, liegt auch keine Ursache zu einem Kriege Angelegenheit keiner der Direktoren oder ihrer Freunde auch nur eine Tetzten Zeiten von der preußisch- russischen Grenze in trostlosem zwischen europäischen Nationen vor. Die parlamentarischen Hibernia- Attie gekauft hat". Einerlei nur Nachrichten von mißhandelten oder erschossenen Deser- Friedensaktionen und die Schiedsgerichtsverträge sind eben teuren, von der Menschenfängerei der deutschen Reedereien, von dem nur der Ausdruck und das Produkt dieser voli- Fachzeitung Iron Age" erkennen ließen, sich in den beiden leyten Der amerikanische Roheisenmarkt hat, wie schon die Berichte der Elend der Mobilmachung hört, fommt neuerdings ein Telegrammtischen Verhältnisse, und nicht umgekehrt.| Manaten beträchtlich günstiger gestaltet woraus allerdings noch aus Kattowitz, das zeigt, wie die Berlin- Potsdamer Hofluft selbst an Es heißt aber sehr kurzsichtig sein, zu verkennen, welche un- immer nicht gefolgert werden darf, daß die Krise überstanden ist. der russischen Grenze zu wehen vermag. Der deutsche Kaiser jagt zurzeit in Merideck an der russischen geheure Gefahr für den Völkerfrieden in der Weltpolitik der Die letzte Monatsstatistik zeigt, daß der Konsum im Oktober Grenze. Sein Gastgeber wollte ihm eine besondere Aufmerksamkeit Mächte liegt. Wer die Weltpolitik fördert, bereitet die Mög- genügte, nicht nur die gegen den Vormonat vermehrte Proerweisen und geleitete ihn an die nahe russisch: Grenze. Dort fand lichkeit fünftiger Weltkriege vor, mag er sonst noch so viel buttion gänzlich zu absorbieren, sondern auch die unverkauften fich alsbald der Kapitän v. Rehbinder aus Wymyslow mit 18 be- Friedenskongresse einberufen und Friedensdemonstrationen Staaten ist im Oftober bon 1 352 677 Brutto- Tonnen im September Bestände zu reduzieren. Denn die Roheisenausbeute der Vereinigten rittenen Grenzsoldaten ein, die in ein dreimaliges Hurra einstimmten. veranstalten! Der Kaiser war so erfreut über diesen Grenzzwischenfall, daß er auf 1448 973 im Oktober gestiegen, während andererseits sich am jedem Grenzsoldaten ein neues filbernes 8meimarkstück überreichen 1. November an den Hochöfen nur Vorräte von 529 033 Tonnen ließ. Kapitän Rehbinder dankte dem Kaiser für diese Gnade. G2 Deputiertenkammer. Das Haus nimmt die Beratung über die befanden, gegen 555 447 am 1. Oktober. wird dann noch berichtet, daß sich Wilhelm II. mit dem Kapitän leb- Ginkommensteuer wieder auf. Brun( radikalsozial) kritisiert das Eine bemerkenswerte Wirkung der gesteigerten Roheisenhaft unterhalten habe. Projekt, indem er sagt, daß der Finanzminister Rouvier kein An- produktion ist, daß auch der Versand von Lake Superior- Eisenerz Schon vor ein paar Jahren ritt Wilhelm II. über die russische hänger davon sei. Rouvier erwidert, wenn die Kammer das beträchtlich zugenommen hat. Nach der„ New Yorker Handelszeitung Grenze, um einem abgebrannten Dorfe eine Unterſtüßungssumme zu Projekt für nicht genügend erachtet, könne fie es fagen und sind im Oktober über 4000 000 Tonnen Eisenerz aus dem Lake überbringen. Auch diesmal hat er die Gelegenheit nicht vorüber- fährt fort:" Ich bin nicht derjenige, den man Superior- Distrikt in den unteren Seehäfen eingetroffen, was den gehen lassen, eine Stundgebung der unvergänglichen deutsch- russischen zwingen würde, ein Amt zu behalten, das schon Versand im Oktober letzten Jahres um 1 000 000 Tonnen übertrifft. Intimität zu veranstalten. Natürlich war das Buſammentreffen tein zu fchwer für meine Schultern ist."( Bewegung.) Auch in der ersten Novemberwoche waren die Verschiffungen sehr Zufall, sondern die 18 Grenzsoldaten und der Kapitän mußten vor- Brun fährt darauf in seiner Rede fort. her benachrichtigt sein. Frankreich. Asien. Bedrohung Afghanistans? Hus Induftrie und Handel. " Die " umfangreich, und da die Erzpreise um 30-50 Cts. pro Tonne ge stiegen sind, wird es gewiß nicht an Bemühungen fehlen, in dem Rest der Saison den Ausfall in dem früheren Erzbersand möglichst auszugleichen. Da etwa zwei Tonnen Eisenerz für eine Tonne RohEin außerordentlicher Landtag ist in Dresden durch eine Thronrede am Dienstag eröffnet worden. Die Thronrede beklagt ausführlich den Verlust des verstorbenen Königs. Sie erklärt, der London, 29. November. Das Reutersche Bureau" erhielt eisen erforderlich sind und der Preis von Koks um volle 50 Cts. pro jezige König wolle die Regierung im Sinne und Geiſte des Ver- Nachrichten aus Kabul vom 23. Oktober, die am 6. November von Tonne gestiegen ist, so hat sich die Produzierung von Roheisen seit ewigten( Dreiklaffenwahl- linrecht) fortführen". Sie bezeichnet als Beschawar weiter gegeben wurden. Nach diesen Nachrichten meldet Beginn der starten Kaufbewegung um 1,50 Doll. pro Tonne verZweck des außerordentlichen Landtages die neue Feststellung der der Gouverneur von Bolak dem Emir, daß eine neue russische teuert. Man veranschlagt, daß feit Mitte September Kontrakte für Zivilliste.Armee bei Hissartwangar eingetroffen ist. Der Lieferung von mindestens einer Million Tonnen Noheisen abgeschlossen Gouverneur von Saifabad meldet ebenfalls, daß der russische worden sind. Poften auf der anderen Seite des Fluffes Stotfcha auf 4000 Mann verstärkt wurde. Der Gouverneur von Herat berichtet über eine ungewöhnliche militärische Tätigkeit der Russen. Der letzt Berrat militärischer Geheimnisse. Zu der Affäre des Mechanikers Meibuhr in Jena, der am 15. November unter dem Verdacht des Verrats militärischer Geheimnisse verhaftet und seitdem eingesperrt amerikanischen Handels- und Arbeitsministerium sind fürzlich verDie Entwickelung des auswärtigen Handels Japans. Bom schiedene Uebersichten über die Entwickelung des japanischen Handels 1893 1903 280 man ein beröffentlicht, worden, die deutlich erkennen lassen, daß der Handel haben gestern früh 74 Kollegen als Antwort auf die Aussperrung die sie augenblicklich mit uns übereinstimmen. der nordamerikanischen Union mit Japan den Handel Englands mit Arbeit niedergelegt. Bis jetzt haben 220 Firmen ausgesperrt, bei geschlossenes Vorgehen der Freisinnigen erivarten sollte, Japan im letzten Jahrzent völlig überflügelt hat und heute an erster 59 Firmen ist die Arbeit zugunsten der Ausgesperrten niedergelegt da sieht man oft, daß sie sich wie der Märchenbrunnen in einzelne Stelle steht. Dann folgt der Handelsverkehr Japans mit China und worden und bei 8 Firmen wird schon seit vor der Aussperrung ge- Gruppen auflösen. Es kann deshalb bei wichtigen Entscheidungen erst an dritter Stelle tommt Großbritannien, das einst fast allein streift. Ausgesperrt sind gegenwärtig 894 Arbeiter, im Streit zu- der Fall eintreten, daß es auf eine einzelne Stimme ankommt, und den japanischen Markt beherrschte. Für die wichtigeren in Betracht gunsten der Aussperrung befinden sich 908 und im Streit aus anderen schon deshalb müßen wir dahin wirken, daß die Zahl unserer Ver tommenden Staaten ergibt sich folgender Handelsverkehr: Ursachen( vor der Aussperrung) 216. Dazu kommen noch aus Rig- treter durch die Wahl des Genossen Sassenbach um einen vermehrt dorf 99, aus Weißensee 42 Streikende und Ausgesperrte, so daß im wird. Wir dürfen nicht damit rechnen, daß die Antisemiten, ihrer ganzen 2152 Verbandsmitglieder im Kampfe stehen, außer den Angabe gemäß, sich der Stimme enthalten werden. Wenn auch der streifenden Klavierarbeitern. Die Absicht der Unternehmer, die freifinnige Kandidat in einem Flugblatt vor der Hauptwahl gegen Organisation der Arbeiter lahm zu legen, wird nicht erfüllt werden. Die wüste antisennitische Agitation auftrat, 10 so wird man Die Arbeiter haben keine Ursache, an einem günstigen Ausgange des von jener Seite bald andere, den antisemitischen Gegnern Stampfes zu zweifeln, es denkt auch niemand daran, sich den Unter- schmeichelnde Töne vernehmen, denn die Stichwahlhülfe der Antinehmern auf Gnade und Ungnade zu ergeben. Die Situation ist femiten würden die Freisinnigen gern annehmen. An uns ist es, lebgünstig und die Arbeiter find fest entschlossen, auszuhalten, bis die haft zu agitieren für die Wahl unseres Kandidaten, welche sicher ist, Internehmer willens sind, Frieden zu schließen. Die Ausführungen wenn jeder Genosse seine Pflicht tut. des Referenten fanden lebhaften Beifall und allseitige Zustimmung. Länder Großbritannien Ver. Staaten Deutschland. China Indien Hongkong. Einfuhr 18 336 972 Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Werte in Dollar 3 114 560 24 211 860 8 209 187 17 295 541 22 987 331 41 096 264 4808 102 13 897 475 2 576 170 856 504 22 583 037 32 288 361 1 587 814 34 722 478 4 017 428 864 271 14 755 559 3 995 397 4 803 235 · 10 657 635 • 5 411 548 5 153 624 9 781 665 . Gewerkschaftliches. Rudolf Mosse! Die Firma Rudolf Mosse gibt täglich eine Anzahl von Inferaten- Sammlungen mit einleitendem Tert heraus. Der Tert ist bei diesen jedoch nicht die Hauptsache, sondern nur Mittel zum Zweck. Wenn Rudolf Mosse beispielsweise die Redakteure eines feiner Blätter anweist, Börse und Handel ihre Aufmerksamkeit zu widmen, die Interessen derselben wahrzunehmen, so geschieht dies nicht aus Liebe zu diesen Institutionen, sondern weil nur auf diesem Wege die so einträglichen Inserate der Großbanken und Großindustriellen bis herab zum Stellengesuch des jungen Mannes" für die Firma Mosse gesichert werden kann. Wie Herr Mosse die Börsenkapitalisten, Industriellen und Handelstreibenden bis herab zum jüngsten Kommis als Abonnenten und Feferenten gebrauchen kann, so sind ihm auch die Arbeiter als solche willkommen, und deswegen hat er wieder eine Anzahl Redakteure, die unter Innehaltung eines bei den Arbeitern beliebten, mehr linksstehenden politischen Standpunktes eine fich für die Arbeiterbewegung interessiert gebende Einleitung für den Arbeitsmarkt" des Herrn Mosse anfertigen müssen. Die Sammlung der Börsen- Inserate nennt Herr Mosse Berliner Tageblatt", die der Arbeitsmarkt- Inserate„ Berliner Volkszeitung"; für die, welche nicht alle werden, gibt er außerdem unter dem Titel„ Berliner Morgenzeitung" eine Sammlung von Annoncen heraus, in welcher 1000 Gegenstände für 3 M. empfohlen werden. Uns interessiert am meisten sein Adoptivkind, die„ Berliner Volkszeitung". Dieses Blatt hat in seinem tertlichen Teile eine Abteilung, in welcher die Arbeiterbewegung eingehend verfolgt und in einer Weise dargestellt wird, die bei den Arbeitern den Anschein von Sympathie für ihre Interessen erwecken muß. Herr Herr Mosse schlägt dabei zwei Fliegen mit einer Klappe: er gewinnt Arbeiter- Abonnenten, die Arbeitsmarkt- und andere Inserate bei ihm lohnend erscheinen lassen, und führt zu gleicher Zeit feine Abonnenten im politischen Teile sanft von der modernen Arbeiterbewegung hinweg. Darum verscherzt ihm auch der scheinbare Radikalismus der Volkszeitung" nicht die Sympathie der Kapitalistenklasse. Man unterstüßt Herrn Mosse nach wie vor ruhig mit Inseraten und er erweist sich den Unternehmern nüglich, indem er seine Firma bei Lohntämpfen als Hauptagentur für die Werbung von Streitbrechern installiert. Herr Mosse schätzt seine Leser aus Arbeitertreisen selbst so niedrig ein, daß er glaubt, ihnen ohne Gefahr für die Existenz seiner Volkszeitung" täglich Dugende von Streifbrecher- Inseraten borsezen zu fönnen! Noch nie ist dies so klar hervorgetreten, wie bei dem jezigen Kampf der Gürtler und Drücker gegen einen der schlimmsten Arbeiterfeinde, gegen den Kühnemänner- Verband! Schleifer, un organisiert", heißt es da, und: 1 Schleifer und 1 Drücker, unorganisiert", Jüngerer intelligenter Kronen- Gürtler, un organisiert"," Tüchtige Dreher, un organisiert". Das sind nicht etwa mühsam aus vielen Nummern zusammengesuchte Beispiele, sondern diese Inserate finden sich in großer Schrift hinter einander an der Spize einer Inseratenseite, in der dann noch viele andere Gesuche nach unorganisierten" Metallarbeitern enthalten sind. Dieselbe Firma sucht noch in zahllosen Provinzblättern ,, unorganisierte" Gürtler und Drücker, die ihren Berliner Kollegen in den Rücken fallen sollen. Die Mehrzahl der Streifbrecher- Gesuche in der Provinzpresse fordert auf, Offerten an die Firma Rudolf Mosse einzusenden. " Zum Streit der Klavierarbeiter. Nachdem ein Diskussionsredner einiges zur Kennzeichnung der Freisinnigen beigetragen hatte, nahm unser Kandidat Sassenbach das Wort. Er verwies darauf, daß die meisten Wähler des Bezirks in der In der gestrigen stark besuchten Versammlung der streikenden hier in Frage kommenden 3. Abteilung Arbeiter sind, von denen jedoch Klavierarbeiter bezeichnete Sick feld den Stand des Streits als viele bei der Hauptmahl keinen Gebrauch von ihrem Stimmrecht gemacht nicht ungünstiger wie feit Wochen. Zwar würden von Unternehmer- haben. Diese Säumigen müssen herangezogen werden, um in der Stichseite ständig Notizen in die Presse lanziert, wonach von einem wahl ihre Stimme für uns abzugeben. Die Wahl zwischen einem resultatlosen Verlauf des Streits gefafelt wird. Den Wert der Sozialdemokraten und dem Vertreter des Freisinns kann für einen artiger Notizen ersehe man aber am besten aus der Tatsache, daß Arbeiter nicht zweifelhaft sein. Wenn Herr Rettig sich auch freisinnig die Unternehmer sich in der Berechnung der gezahlten Streitunter- nennt, so steht er doch auf dem Standpunkt der Innung. Dadurch stügung für die sechste Streifwoche um nicht weniger wie 167 000 m. muß es jedem Arbeiter, der seine Interessen versteht, klar sein, daß geirrt" hätten. Sie flunkern ihren Mitgliedern das törichteste Zeug er einem solchen Manne seine Stimme nicht geben kann. Auch die über die baldige Ebbe in der Streikkasse vor, nur um fie unter den Wählern zahlreich vertretenen jungen Kaufleute guten Mutes zu erhalten und vor der Bewilligung zu be- und kleinen Gewerbetreibenden haben in den Sozialdemo wahren. Trotzdem haben erst in den letzten Tagen wieder zwei fraten beffere Vertreter ihrer Interessen wie in den FreiFirmen die Forderungen der Arbeiter betvilligt. Eine weitere sinnigen. verlasse sich nicht auf die Stimmenthaltung Anzahl Firmen haben sich bereit erklärt, sofort zu bewilligen, falls die der Antisemiten. Wenn wir, der eigenen Straft vertrauend, die Zeit Streikenden die Arbeit wieder aufnehmen, jedoch sträuben sie sich im zu lebhafter Agitation ausnußen, dann ist die Stichwahl für uns Hinblick auf die leitenden Personen der Arbeitgeber- Vereinigung, der nicht aussichtslos. Auch der Vorsitzende Bittorf forderte Bewilligung einen offiziellen Charakter zu geben. Bei der Firma die Genossen zur regen Wahlarbeit auf. Schließlich führte Quandt ist auf Grund einer ehrenwörtlichen Bewilligung die Hoffmann noch zur Kennzeichnung unseres Stichwahlgegners Arbeit aufgenommen worden. Dagegen haben die Streikenden Nettig an, daß dieser kurz vor der Hauptwahl auf eine der Firma Rösener am Montag samt und sonders ihr Werkzeug Anfrage, wie er sich zur Bewilligung eines Hochzeitsgeschenks aus der Fabrik geholt. Schon wähnten die Meister der Firma, die für den Kronprinzen ſtellte, geantwortet habe: Wenn er in Arbeiter fämen, um bedingungslos die Arbeit wieder aufzunehmen; die Stadtverordneten- Versammlung fame, dann wäre ja die Sache um so länger wurden ihre Gesichter, als die Streifenden ihr Werk- schon vorbei; in einem monarchischen Staate sei es eine Anstandszeug einpackten und wieder gingen. Selbst auf die Arbeitswilligen pflicht, daß die Stadt Berlin dem Kronprinzen ein Hochzeitsgeschenk dieser Fabrik blieb der Vorgang nicht ohne Eindruck; beschämt darbringe. Mit solchen Anschauungen würde Herr Rettig in standen sie abseits und schlugen die Augen nieder. Mecklenburg, wo es eine Prinzessinnensteuer gibt, sehr gut am Als besonders charakteristisch für unsere Zustände erwähnte der Plage fein. Referent die gegenwärtig sehr verschärften Polizeimaßnahmen gegen Die Ausführungen aller Redner wurden von der Versammlung Streifposten. Ist es doch auch hier vorgekommen, daß Polizei- mit lebhafter Zustimmung und allseitigem Beifall aufgenommen. beamte bei Arbeitgebern vorsprachen, um ihnen einen erhöhten Schutz geradezu aufzudrängen. In der Dieffenbachstraße und am Görliger Üfer verbietet die Polizei das Streitpostenſtehen denn auch schlechtweg. Letzte Nachrichten und Depeschen. Kollegen mantelmätig gezeigt hätten, doch kein Anlaß zu einem etwaigen Abbrechen des Streits vorliege. Da die Unternehmer Stadtverordneten- Stichwahl in Frankfurt a. M. den Streit nun einmal zu einer Machtprobe gestempelt hätten, fo Frankfurt a. M., 29. November.( Privatdepesche des müßten sich die Arbeiter eben in Ausdauer üben. Es liege in der müßten sich die Arbeiter eben in Ausdauer üben. Es liege in der Vorwärts".) Bei der heutigen Stichwahl wurden gewählt: Natur der Sache, daß solche Stämpfe eben ausgekämpft werden müßten ein Sozialdemokrat, ein Antisemit, ein Zentrumsmitglied, fünf bis zum Entweder oder. Kleinlein als Vertreter des Fachbereins pflichtete im großen Mittelstandsleute, zwei Nationalliberale, der Rest Freisinns. und ganzen den Ausführungen Sidfelds bei. Auch er sieht die demokraten. Dich unsere Hülfe wurden zwei Scharfmacher Situation nicht ungünstiger an, als wie fie anfangs lag, und empfahl( darunter ein freifinndemokratischer Führer) herausgeworfen. ebenfalls ein einmütiges Ausharren im Kampfe. Unsere Vertretung ist nunmehr drei Mann stark und besteht aus den Genossen Dr. Duard, Zielowski und Hüttmann. Deutsch- serbischer Handelsvertrag. Redner kam zu dem Schluß, daß wenn sich auch eine Anzahl " durch zum Ausdruck, daß folgende Refolution mit allen gegen Die Stimmung der Versammlung tam denn auch am besten da9 Stimmen angenommen wurde: Die versammelten streifenden Musikinstrumenten- Arbeiter nehmen Kenntnis von dem Beschluß der Berlin, 29. November.( W. T. B.) Der neue deutsch- serbische Fabrikanten- Vereinigung, wonach sie nur dann Arbeiter einstellen Handelsvertrag ist heute hier durch den Staatssekretär des Auswollen, wenn dieselben die Arbeit bedingungslos wieder aufnehmen. wärtigen Amts, Freiherrn von Richthofen, und den hiesigen Sie bebauern auf das tiefste das Verhalten derjenigen Kollegen, ferbischen Gesandten, Herrn Militschewitsch, unterzeichnet worden. die diesem Beschluß der Arbeitgeber in fleinlichem Wankelmut bereits Rechnung getragen haben und hierdurch den Streifenden ihren Kampf erschweren. Die Versammelten erklären, troßdem einig zusammenzuhalten und den Kampf solange fortführen zu wollen, bis von der Paris, 29. November.( W. T. B.) Jaurès spricht sich für vereinigten Kommission etwas anderes empfohlen werden kann. eine progressive Einkommensteuer aus, schließt sich aber dem EntEin Antrag, die nicht bewilligten Firmen zu veröffent- wurfe der Kommission an, da dieser den Anfang zu einer Reform lichen, wurde der Kommission überwiesen. * Französische Deputiertenkammer. bilde. Der Entwurf enthalte zwar einige Fehler, aber es würde leicht sein, diesem abzuhelfen. Die Fortsetzung der Beratung wurde auf Montag bertagt. Gestern abend befaßte sich ebenfalls eine Vertrauens männer-Sizung der im Holzarbeiter- Verbande organisierten teilte daselbst mit, daß zwar in einigen Klavierfabriken die Arbeiter Musikinstrumentenarbeiter mit dem Stand des Streits. eopold Bom oftafiatischen Kriegsschauplah. bedingungslos die Arbeit wieder aufgenommen haben, doch übe dieser quartier veröffentlicht folgende zusammenfassende Mitteilung über Tokio, 29. November.( W. T. B.) Das taiserliche HauptTreubruch keinen wesentlichen Einfluß auf die Gesamtlage des die letzten Vorgänge in der Mandschurei. Am Abend des 27. NoStreits aus. Zu den neuen Bedingungen arbeiten gegenwärtig bember unternahm der Feind eine schwache Beschießung von über 900 Arbeiter, während sich noch zirka 1000 Arbeiter bei eta Santaofuntfu, und von 6% Uhr an versuchte der Feind einen Nacht50 Firmen im Streit befinden. Daß die Verhältnisse für die Fabrikanten keineswegs rofig liegen, beweise u. a. auch der Umstand, angriff, welcher um 8% Uhr zurückgeschlagen wurde. Während dieses a. auch der Umstand, Angriffs beschoffen die bei Weichialoutsu stehenden feindlichen daß der von der" Freien Vereinigung" vor vier Wochen gefaßte Mörser Santaoluntfu und Kanchiawotsu und die Umgebung dieser Beschluß, bei weiter andauerndem Ausstande auch in den nicht lähe; doch wurde kein Schaden angerichtet. Von Sonnenunter bestreitten Fabriken 25 Proz. der Arbeiter auszusperren, bis jetzt Man sollte meinen, jeder anständige Mensch würde sich nicht ausgeführt worden sei. Wahrscheinlich läge es im direktesten gang am 27. November an beschossen die feindlichen Mörser und mit Efel von einer Zeitung abwenden, die im Inseratenteil Interesse der maßgebenden Firmen, deren Inhaber ja im Vorstande Feldgeschütze, die westlich von der Bahnlinie aufgestellt waren, un so den Grundsätzen Hohn spricht, die sie im redaktionellen Teil fäßen, die Ausführung jenes Beschlusses hintanzuhalten. Die all- aufhörlich die Umgebung von Kuchiatsu; gleichzeitig besetzte die predigt. Das scheint nicht der Fall zu sein oder die Zahl der gemeine Stimmung der Vertrauensmänner ging ebenfalls dahin, feuerte in der Richtung auf das nördlich von Kuchiatsu gelegene Dorf all- feindliche Infanterie ein Dorf im Nordwesten von Nontuantfu und anständigen Menschen ist ungleich niedriger, als selbst wir den Streit weiterzuführen, weil ihn die Fabrikanten Siaochiufu; das Fener hörte um 8½ Uhr abends nach und nach auf. Bessimisten zu hoffen wagen. Sonst tönnte sich nicht eine so unter dem Einfluß des bekannten Scharfmachers Nasse zu einer Siaochiufu; das Fener hörte um 8½ Uhr abends nach und nach auf. Am gleichen Abend um 10% Uhr eröffnete die feindliche Infanterie, große Anzahl bürgerlicher Leser finden, um ein derartiges Machtfrage gestaltet haben. die westlich der Eisenbahn am rechten Ufer des Schaho stand, ein Blatt eristenzfähig zu machen, und sonst könnte nicht ein unregelmäßiges Feuer, das um 11½ Uhr nachließ. Es haben Redaktionsstab zusammenkommen, stark genug zu seiner Herdie Lage unverändert. mehrere Scharmüßel zwischen Patrouillen stattgefunden. Sonst ist stellung! Arbeiter aber sollte ihr Klasseninteresse von solchen Preß erzeugnissen fernhalten! Berlin und amgegend. Deutfches Reich. dauert fort. Die Arbeiter, die sich durch Revers verpflichten sollen, Metallarbeiter. Der Streit in Artern bei Sangerhausen diefen Gefallen nicht tun. Sie rechnen vielmehr auf einen vollen aus ihrer Organisation auszutreten, werden den Herren Aktionären Sieg, wenn der Zuzug nach der Kyffhäuserhütte in Artern ferngehalten wird. Ein neuer Sieg des Bergarbeiter- Verbandes. Im Bergrebier des Neuroder Kreises( Reg.- Bez. Breslau) fanden am 27. November die Knappschafts- Beltestenwahlen statt und wurden in allen Sprengeln die Verbändler es sind sieben gewählt. Husland. feindlichen Forts Sungschuschan und oftwärts davon betrifft, so Die Lage vor Bort Arthur stellt sich wie folgt dar: Was die haben wir auf den Kontre- Eskarpen und in deren Nähe die Kämme und Glacis stark befestigt, doch ist die Zeit zu einem Angriff der Lage noch nicht gekommen. Wir zerstören jetzt die Grabenkästen. Auf dem 203 Meter- Hügel gelang es uns, durch mehrere Angriffe teilung hält jetzt diese Stellung besetzt und ist bemüht, das ganze die feindlichen Schuhgräben beim Gipfel zu erobern. Unsere AbFort zu nehmen. Der verhaftete Most wieder freigelassen. Saint Louis, 29. November.( W. T. B.) Johann most ist auf das Versprechen, die Stadt zu verlassen, wieder freigelassen worden. Die Aussperrung der Tischler. Am Dienstag vormittag fand wieder eine Versammlung der streikenden und ausgesperrten Tischler in der Brauerei Friedrichshain statt. Die am Kampf beteiligten Arbeiter waren vollzählig er schienen. Von Stampfesmüdigkeit, gedrückter Stimmung und der gleichen, wie es die Meister in ihrer Fachzeitung" über eine frühere Petersburg, 29. November. Die Russische TelegraphenBersammlung dargestellt haben, war auch nicht das geringste zu Seit einiger Zeit macht sich bereits ein großer Mangel an Flaschen griffen gestern bei Tagesanbruch die Abteilung des Generals Der niederländische Glasbläser- Streit dauert unverändert fort. Agentur" meldet ans Quanshan vom heutigen Tage: Die Japaner merten. Im Gegenteil, die Stimmung der Versammlung war durchaus zuversichtlich und kampffreudig. Stusche, der den Situations bemerkbar, worunter besonders das Destillateurgewerbe leidet. Die Rennenkampf an, vurden aber unter großen Berlusten zurückbericht erstattete, schilderte die Lage als nach wie vor günstig. Die Flaschenfabrikanten haben den Destillateuren per Zirkular befannt geschlagen. Die Umgebung der rechten Flanke der Russen durch die Ausgesperrten und die Verbandsleitung rechnen damit, daß der gegeben, daß die Preise der Flaschen vom 1. Januar ab erhöht Kompagnien der Japaner wurde von einer russischen Batterie Kampf bis Ende Januar, vielleicht auch bis Mitte Februar dauern werden. Danach scheint es, daß die Klage der Fabrikanten über die vereitelt. Die Rusen sammelten und beerdigten dreihundert ge= wird, und der Verband hat seine Maßnahmen danach getroffen. Der ausländische Konkurrenz wohl nicht ganz berechtigt ist, sonst müßte fallene Japaner und erbeuteten viele Waffen. Hauptvorstand hat allen Zahlstellen des Verbandes einen von ihm am doch eine Preiserhöhung unmöglich sein. Der Hauptvorstand des 23. November gefaßten Beschluß übermittelt, wonach jedes Mitglied Niederländischen Glasbläser- Verbandes hat zwei Personen: den bom 1. Januar ab für ein Vierteljahr einen wöchentlichen Ertra- Staffierer C. E. Schildt des Unterstügungskomitees und den Vorbeitrag von 10 Pf. zu zahlen hat. Hierdurch hat die Verbandskaffe fizenden Kruijt vom Patrimonium", auf die Reise geschickt, um eine Ertraeinnahme von wenigstens 100 000 m. Der Hauptvorstand weitere Unterstüßungsmittel herbeizuschaffen. hat diese Vorsorge getroffen, obgleich die Gelder der Hauptkasse für die Berliner Aussperrung noch nicht in Anspruch genommen worden Budapest, 29. November.( W. T. B.) Die Studenten sämtlicher find. An der Geldfrage könne also der Kampf nicht scheitern, aber Hochschulen beschlossen in einer heute Abend abgehaltenen Verauch in jeder anderen Hinsicht steht die Situation so günstig, daß die sammlung, dem Rektor der Universität morgen eine Eingabe zu Stollegen getrost in die Zukunft blicken können. Anders sieht es Die Stichwahl im 30. Kommunal- Wahlbezirk. überreichen, in der sie verschiedene Forderungen aufstellen. Unter dagegen in den Reihen der Meister aus. Verschiedene derselben zeigen Am Montag hatten unsere Parteigenossen eine Wähler anderen wird die Bestrafung der Polizeiorgane verlangt, welche in sich bereit, die Ausgesperrten wieder einzustellen. Das kann jedoch versammlung nach dem Borussia- Saal in der Ackerstraße ein- die Universität eind rangen. Die Studenten drohen, wenn ihre Fornur dann geschehen, wenn der Arbeitgeber erklärt, daß er sich an der berufen. Es galt, mit der Agitation für die Stichwahl einzusehen. derungen nicht erfüllt werden, allgemein den Besuch der Vorlesungen Aussperrung nicht mehr beteiligt und fämtliche Ausgesperrten wieder Der Referent Adolf Hoffmann jezte die Gründe auseinander, einzustellen. einstellt. Ohne die Erfüllung dieser Bedingung gibt es teine die uns bewegen müffen, mit voller Kraft für den Sieg unseres Kapstadt, 29. November.( W. T. B.) Der Dampfer, Batavier" Wiederaufnahme der Arbeit. Auf Seite der Arbeiter wird der Kandidaten ชน wirken. Nachdem er die reaktionären mit der Leiche des früheren Präsidenten Krüger ist heute hier einKampf in der bisherigen Weise weitergeführt, und die Aussperrung Neigungen im allgemeinen gekennzeichnet hatte, zeigte er, getroffen. Die Leiche wird hier feierlich aufgebahrt; am 7. Dezember mit Arbeitsniederlegung beantwortet. In den Werkstellen von daß die Freisimmigen auch fein Vertrauen berdienten hin- wird sie in einem Sonderzug, der an den meisten größeren Orten Prächtel, der am Sonnabend die ersten Aussperrungen vornahm, fichtlich ihrer Stellung zu solchen kommunalen Fragen, wo hält, nach Bretoria gebracht werden. " Verfammlungen. Berantw. Redakt.: Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw.( mit Ausnahme der„ Neue Welt"-Beilage): Th.Glode, Berlin. Drudu. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen- u.Unterhaltungs Nr. 281. 21 Jahrgang. 1. KilU des Jmsärtü" Kerlim MMstl Mitwoch, 3V. November 190�. Keickstag. »01. Sitzung. Dienstag, den 2S. November 1gV4. mittags 2 Uhr. Graf v. Ballestrem: Ich eröffne die 101. Sitzung des Reichstags und begrüße nach der längeren Geschäftspause die Herren Kollegen auf herzlichste. «.eine Herren! In dem Sitzungsabschnitt, der uns jetzt bevor» steht, wird der Reichstag über große und wichtige Gesetze zu entscheiden haben, welche das Wohl des deutschen Volles auf das ernsteste berühren. Ich mache neben dem Etat aufnrerksam auf die Militärgesetze, die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit, die Feststellung der Friedens- präsenzstärle für die nächsten fünf Jahre, die Pensionsgesetze für die Ofstziere und Versorgungsgesetze für Mannschaften und zuletzt, aber nur zuletzt da Reihe nach, nicht der Bedeutung nach, die Handels- Verträge mit den betreffenden Staaten, die das materielle Wohl der Einwohner des Reiches für die nächsten zehn Jahre auf das kräftigste beeinflussen sollen.(Sehr richtig I) Um diese großen und wichtigen Gesetze durchzuführen, nmß ich die Bitte an die Herren richten, daß sie eifriger wie in der letzten Zeit sich an den Sitzungen des Reichstages beteiligen(Bravo!), daß der schreckliche Absentismus, der unS in den letzten Jahren immer verfolgt hat. aufhören möge.(Sehr richtig!) Möge jeder sich bewußt sein, daß. wenn er ein' Mandat zum Reichstag übernimmt, er auch die Verpflichtung hat, hier zu erscheinen und hier mitzuwirken.(Lebhafte Zustimmung. Rufe: Diäten!) Nicht nur für die Abstimmungen kommt das in Betracht, auch für die Redner ist es ganz etwas anderes, wenn sie ihre Aus- sührungen vor vollem Haufe, als vor leeren Bänken vorbringen. Ich bitte Sie also— ich fühle mich dazu als Ihr Präsident ver- pflichtet, daß Sie in diesem Sessionsabschnitt eiftiger als bisher an den Sitzungen teilnehmen.(Lebhaftes Bravo!) Der Präsident teilt hierauf mit, daß er beim Tode des Königs Georg von Sachsen ein Beileidstelegramm im Namen des Reichstages an König August gerichtet habe. Das Hau? ehrt das Andenken deS Königs Georg sowie des Graftegenten des Fürsten- tum? Lippe und der verstorbenen Reichstags- Mtglieder D eppe (natl.). Herbert Fürst v. Bismarck und Schmidt- Magdeburg (Soz.) durch Erheben von den Sitzen. Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Erster Gegenstand der Tagesordnung find drei Petittonen auf Aenderung des Gesetzes über die Schlachtvieh- und Fleischbeschau. Die Petitionskommission hat einige Punfte aus diesen Petittonen für beachtenswert gehalten und beantragt die lieber- Weisung dieser Einzelheiten an den Reichskanzler als Material; im übrigen verlangt sie Uebergang zur Tagesordnung. Es handelt sich in erster Linie um den Wunsch der Darm» Händler und Darmimporteure, daß Därme von der Fleischbeschau befreit werden sollen, da sie nicht zum Genüsse für Menschen bestimmt seien, und weil sie, ehe sie ihrer Bestimmung der Wurst als Umhüllung zu dienen, zugeführt ivürden, eine ganze —--- rd Rauchprozeffen durchmachen müßten, die Reihe von Salz-, Koch- un jede Spur von etwa vorhandenen'Jnfeftionskeimen vernichteten. Denselben Antrag stellen auch die detitschen Wurstsabrikanten. Die Kommission empfiehlt Ucberweisung als Material. Gleichfalls lfeberweisung als Material beantragt sie für den Wunsch von Bürgermeistern des bayerischen Amtsbezirks Riedenburg auf Aenderung der Gebühren� und Prüfungsverordnung für die Fleischbeschauer, da den Ge- metnden durch die Kosten der Ausbildung und Besoldung der Fleisch- beschauer große Lasten erwüchsen. Uebergang zur Tagesordnung beantragt die Kommission für die Wünsche der Darmhändler und Wurstfabrikanten auf Beseitigung des Verbots der Einfuhr von Pökelfleisch im Gewichte von weniger als t Kilogramm, besonders gepökelter Schweinslebern und Zungen. Abg. Scheidemann(Soz.): Der Punkt der Tagesordnung, der uns heute beschäftigt, ist ein alter Bekannter und hat bereits lviederholt zu außerordentlich leb- haften Auseinandersetzungen geführt. Ich halte es für meine Pflicht, auf diese äußerst wichtige Materie näher einzugehen. Als zuletzt im Juni diese Petittonen verhandelt wurden, verlangte Herr v. Staudy, unterstützt von einem Mitgliede des gentrums, daß entgegen dem Beschlüsse der Konimission über alle drei Puitkt« zur Tages- ordnung übergegangen werden solle. Herr Müller- Sagau be- antragte daraufhin bei der schlechten Besetzung des HauseS die Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung, und so kommen wir dazu, heute die Debatte fortzusetzen. Die lebhaften Debatten, die jedesmal, ivenn es sich um das Fleischbeschau-Gesetz handelt, eintreten, beweisen, daß es sich hier um außerordentlich wichtige Dinge dreht. Darüber sind wir uns auch alle einig, die Uneinigkeit besteht nur darüber, welche Aufgaben dies Gesetz erfüllen soll. Die Parteien der Linken sind überzeugt, daß das Gesetz lediglich als sanitäres gehandhabt werden darf, während man auf agrarischer Seite das Besetz benutzen will zur Fernhaltung der ausländischen Konkurrenz auf den Biehmärkten.(Sehr richtig I) Nach der Meinung der Agrarier, die im Frühjahr Herr Held vertrat, ist unser nationales Vieh gesund, die deutsche Landwirtschaft kann den deutschen Bedarf decken. Die deutschen Bauern schlachten kein schlechtes Vieh und die besten Fleischbeschauer sind nach ihm die Dienstboten. Für Herrn Held steht es fest, das bei uns da» Vieh gesund ist. Er meinte, es sei statistisch erwiesen, daß unter SO 000 Schweinen nur eins mit Trichinen behaftet sei. Das beweise, daß es vor allem auf eine richttge Handhabung der Grenzsperre ankomme. Das fremde Vieh bringt ganz allein Bazillen unS und Finnen. Der deutsche Dchs, das deutsche Schwein— Hat solch' Getier nicht drinnen.(Heiterkeit.) Herr Held meinte weiter, ich hätte mich als gänzlich unorientiert über die Verhältnisse erwiesen, wenn ich behauptete, die Dienst- boten auf dem Lande bekämen schlechtes Fleisch. Die Dienstboten- not sei so groß, daß der Bauer alle Veranlassung habe, seine Dienst- boten gut zu behandeln, gut zu bezahlen und ihnen gutes Esien zu geben. Ich gebe gewiß zu, daß es eine Anzahl Gutsbesitzer gibt, die ihre Dienstboten gut behandeln und bezahlen, aber die Regel ist das nicht.(Widerspruch rechts.) Glauben Sie(nach rechts) denn, daß die Leute vom Lande weglaufen, weil es ihnen zu gut geht? Ach nein I Auch die Zunahme der sozialdemokratischen Stimmen ans dem Lande spricht nicht gerade dafür, daß sich die Leute zu wohl fühlen. Herr Held hat uns damals alles vorgetragen, was auch im ABC-Buch des Bundes der Landwirte steht. Danach geht «S den ländlichen Arbeiter» so gut. daß sie Ersparnisse machen müssen;«m merkwürdigen Gegensatz dazu wird dann aller- dinqS zu», Schluß ein Gesetz gegen den Kontraktbruch ländlicher Arbeiter gefordert. Wenn man in den agrarischen Flugblättern liest, wie behaglich die ländlichen Arbeiter wohnen, wie reichlich sie sich nähren und wie gute Luft sie haben, dann kann man sich gar nicht vorstellen, wie diese Arbeiter dazu kommen sollten, kontraktbrüchig zu werden.(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Herr Held selbst hat sich damals als ganz unorientiert erwiesen. Er sprach von der großen Verseuchung des Viehes in Schlesien infolge der laxen Handhabung der Grenzsperre und behauptete, daß im Gegensatz dazu in Bayern überhaupt keine Seuche existtere. Ein Parteigenosse von mir hat ihm damals bereits nachgewiesen, daß da» nicht stimm t. Um so informierter zeigte sich Herr Held natürlich über Amerika. Es wäre endlich einntal an der Zeit, daß die Herren offen herausreden und uns deutlich sage», wer in Amerika die von ihnen stets behauptete» Manipulationen betreibt, wer in Amerika uns der- artige Schweinereien als gesundes Fleisch herüberschickt. Wer in Zu- kunft noch ernst genommen werden will, muß der Wahrheit die Ehre gehen, wenn er sich nicht dem Vorwurf aussetzen will, daß er sich entweder zum Mitschuldigen dieser Leute oder zum Märchen- erzähler macht. Herr Held hat sich dann besonders als Freund der kleinen Landwirte bezeichnet, er behauptete, alle kleinen Landwirte, die unter zwei Hektar besäßen, müßten geschützt werden, es wäre ausgeschlossen, daß sie von dem Zolltarif Nutzen hätten, sie müßten für ihre Viehhaltung noch erhebliche Quantitäten Getreide einkaufen. Wenn Herr Held die kleinen Bauern schützen will, dann hätte er besser getan, bei der Beratung des Zolltarifs seine Freunde, die Nationalliberalen, scharf zu machen.(Sehr gut! bei den Sozial- demokraten.) Gras Oriola versuchte damals Herrn Held herauszu- beißen, indem er behauptete, man hätte seinen Parteigenossen miß- verstanden. Davon ist keine Rede. In der Tat war iener Satz der einzig klare und unzweideutige in den Ausführungen des Herrn Held, als er zugestand, daß 58 Proz. der Landwirte keinen Vorteil von Getreide- zöllen hätten. Graf Oriola führte damals aus, die eine Forderung nach Einführung des Pökelfleisches bewiese, wo die Freunde und die Gegner der Konsumenten zu suchen seien.(Abg. Graf Oriola: Sehr richtig!) Ich werde Ihnen gleich zeigen, wer recht hat. Graf Oriola meinte, diejenigen die Pökelfleisch zweifelhafter Qualität in großen Massen ins Land bringen wollten, seien weniger gute Freunde der Arbeiter. Die Naiionalliberalen, die Brot- und Fleischzölle gut geheißen haben, sollten sich wirklich nicht Arbeiterfreunde nennen, und wer sagt Ihnen denn, Graf Oriola, daß wir schlechtes Fleisch ins Land hinein haben wollen? Die Sozialdemokratie gewiß nicht!(Zurufe bei den Nationalliberalen: Wir auch nicht!) Sie aber sind der Meinung, daß man den Arbeitern nicht gutes und billiges Fleisch beschaffen solle, sondern deutsches Fleisch!(Heiterkeit und Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich halte mich auch für einen guten Deutschen, aber mit Bezug auf das Fleisch ist es mir ganz egal, ob es deutsches oder amerikanisches ist, wenn es nur gut ist und möglichst wenig kostet.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ich will Ihnen in wenigen Ziffern zeigen, in welchem Grade jetzt das Einfuhrverbot von Pökelfleisch die deutsche Arbeiterschaft ge- schädigt hat. In den Jahren von 1895 bis 1903 ist die Einfuhr an zubereitetem Fleisch und Speck zurückgegangen um 411 S64 Doppelzentner. Glauben Sie, daß das nicht einen großen Einfluß auf den Arbeiterhaushalt ausmacht? Wir zahlen jetzt in Offenbach 85 Pf. für das Pfund Schweinefleisch und für das billigste 80 Pf. Graf Posadowsky hat es seinerzeit unumwunden ausgesprochen, daß das Hausschlachten viel gefährlicher sei als alle amerikanische Pökel- wäre. Tatsächlich sind ja auch kleine Erleichterungen in der Praxis der Zolluntersuchung eingetreten. Es ist der reine Hohn, daß im preußischen Adgeorduetenhanse jetzt die Agrarier für die Frei- z ü g i g k e i t eintreten, allerdings nicht für die der Menschen, sondern für die der Trichinen.(Sehr gut I und große Heiterkeit links.) Das ist das Tollste an Skrupellosigleit, was sich die Agrarier je geleistet haben.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Es steht fest, daß sich ein großer Teil deS vom Lande in die Stadt als gesund gelieferten Fleisches bei der zweiten städtischen Unter suchung als verseucht zweite Untersuchung demokraten.) Reichsgesetzlich preußischen Landtages, der diese zweite Untersuchung abschafft,' direkt ungesetzlich.(Lebhafte Zustimmung links.) Eine politische Freibank, in der nichtladenreine, volksschädliche Gesetze gemacht werden, das ist das preußische Abgeordnetenhaus I(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Großer Lärm rechts. Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Der Abgeordnete Scheidentann hat hier vom preußischen Abgeordnctenhause in der unerhörtesten Weise gesprochen. Ich ruf« ihn deshalb zur Ordnung.(Beifall rechts.) Abg. Schcibemimn(fortfahrend): Das Fleischbeschau-Gesetz besitzt einige Mängel von so merk- würdiger Natur, daß es sich überhaupt gar nicht durchführen läßt. Tatsächlich wird weder im Hamburger und Bremer Freihafengebiet, noch, wie ich glaube, in Helgoland der 8 25 deS Gesetzes zur An- Wendung gebracht. Man hat ferner beobachtet, daß vielfach das Salz im Pökelfleisch alle Stempel weggefressen hat. Der ß 10 der Ausführungsbestimmungen ist rundweg erlassen worden. Mitsolchenund ähnlichen Zugeständnissen hat man zugegeben, wie schwerwiegende Mängel das Gesetz besitzt. Man sollte daraus den Schluß ziehen, daß man über diese Petitionen, welche das Gesetz verbessern wollen, nicht ein- fach zur Tagesordnung übergehen kann. Meine Ausführungen haben gezeigt, um wie wichtige Dinge es sich handelt. Was die Agrarier in« dem Gesetz wollten, ist nichts anderes, als alle auswärttge Kon kurrenz einfach zu beseitigen, um dann beliebig die Preise zu be stimmen.(Sehr richtig l links.) Das wundert mich auch weiter nicht von den Agrariern, aber was mich wundert, ist die unbegrenzte Langmut des deutschen Volkes gegenüber den agrarischen Unver- schämtheiten.(Großer Lärm rechts.) Aber die Sozialdemokratie wird endlich mit dieser Junkersippe fertig werden.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Lachen rechts.) Graf Revcntl-w(Ant.): Das Gesetz mag emige formale Mängel haben, aber die Be- sprechung dieser Petitionen bietet nicht die richttge Gelegenheit, um sie zu beseitigen. Ich verzichte selbstverständlich darauf, dem Abg. Scheide- mann und denen, die ihm nahe stehen, klar zu machen, was das Gesetz bedeutet. Es hat nämlich einen doppelten Sinn. Es will sowohl den sanitären Schutz des deutschen Konsumenten gegen Seuchen, als auch de» Schutz des deutschen Produzenten gegen die auswärtige Konkurrenz. Die Sache ist sehr einfach. Deshalb iverden Sie(gegen die Linke gewandt) es auch nicht begreifen.(Gelächter.) Nun ging der Abg. Scheidemann neben vielem anderen, was nicht zur Sache gehört, auch ganz allgemein auf die Lage der Landarbeiter ein. Seine Klagen über deren Lebenshaltung werden bei uns erhöhte Berücksichtignng finden, wenn die Beschwerden über Löhne und Arbeitszeit der Angestellten in sozialdemokratischen Konsumvereinen endlich verstummen werden.(Lachen bei den Sozial, demokraten.) Der Abg. Scheidemann führt uns den Landwirtschafts« minister als Autorität vor. Da ist er regierungSfrommer als wir. (Heiterkeit rechts.) Wenn er daS Fleisch auch ohne Untersuchung esien will, so wird er zugeben, daß die dritte Untersuchung lediglich fiskalischen Zwecken dient, den Stadtsäckel auf Kosten der Konsu- menten und Produzenten füllen soll.(Beifall rechts; Wider- spruch links.) Für eine Ueberwachung der Haus» schlachtungen fehlt eS heute an genügendem Personal. Der Abg. Scheidemann müßte nämlich wissen, daß die meisten Schweiiieschlachtungen im Winter vora«nommen werden, sich auf zwei, drei Tage zusammendrängen.(Zurus des Abg. Scheidemann.) So, Sie wissen das schon, das wuiioert mich sehr. (Heiterkeit rechts.) Wenn wir dafür genügendes Personal hätten. wenn die Parität des inländischen und ausländischen Fleisches ge- sichert ist, und wenn schließlich die Kosten auf die Allgemeinheit übernommen werden, so könnten wir auch für die Beschau der Haus- schlachtungen stimmen.(Lebhafter Beifalls rechts.) Abg. Wallau(natl.) polemisiert gegen die vom Abg. Scheidemann zitierte Schrift bei Dr. Kay über die hessische Landwirtschaft. Er bezeichnet alle Angaben dieser Broschüre über daS Elend der landwirtschaftlichen Arbeiter als vollkommen unwahr. Abg. Herold(Z.): Neues hat auch der Abg. Scheidemann nicht vorbringen können; ich wiederhole ihm gegenüber ganz einfach, daß das Fleischbeschmtgesetz eine rem sanitäre Maßregel ist.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wir halten es und das preußische AuS- durchaus richtig. »gehender Kenntnis icht aus Grund deS ABC des Bundes der Landwirte. DaS kenne ich nicht, wohl aber kennt es Herr Scheidemann, der daraus wohl sein Wissen schöpft. (Enteutes Lachen links.) Abg. Graf Schwerin-Löwitz(k.): Nichts hat die Berechttgung deS Antrages unseres Frakttonsgenossen v. Staudy so eindringlich dar- gelegt, als die Rede des Abg. Scheidemann. Abg. Scheidemann(Soz.): Es sind hier so viel Unnchtigketten gesagt worden, daß ich sie nicht alle widerlegen kann, aus dem einfachen Grunde, weil sich dann Dinge, die heute schon fünfmal oder sechsmal gesagt sind, znm siebentenmale widerlegen müßte. Der Abg. Graf Rebentlow hat es sogar ernst genommen, als ich ihm bei seiner Erwähnung der ausländischen Fleischbeschau ironisch einwarf:„DaS ist mir ganz neu". Ich muß sagen, wenn das Fleisch so gut wäre, wie die Selbst- einschätzung des Abg. Reventlow, dann braucbten wir überhaupt keine Fleischbeschau.(Heiterkeit.) Es ist unrichtig, wenn behauptet wurde, daß die deutsche Landwirtschaft den gesamten Fleischbedarf des deutschen Volkes decken könnte. Höchstens mag es wohl möglich sein für das Schweinefleisch. Aber es scheint mir, daß die deutsche Landwirtschast jedesmal, wenn sie so weit ist, daß an- nähernd genug Schweine produziert werden, absichtlich die Produktion zurückhält, damit nur die Preise nicht sinken.(Lärm rechts.) Der Entrüstungssturm über das Buch von Katz in Oberhessen dürste auf den einfachen Umstand zurückgehen, daß man immer entrüstet ist. wenn unangenehme Dinge aufgedeckt werden. In Hessen besteht das Sprichwort:„Große Schüsseln, aber nichts zu essen". Das ist nicht ganz richttg, aber doch so ziemlich.— Der Abg. Herold hat sich widersprochen. Einmal sagte er, er sei für das Gesetz lediglich aus sanitären Gründen eingetreten, dann aber hat er wieder bei anderen Gelegenheiten behauptet, er wolle überhaupt von der ganzen Fleischuntersuchung nicht viel wissen. Der Abg. Held beschwerte sich darüber, ich hätte ihn einen Agrarier genannt. Ich weiß sehr wohl, daß niemand ein Agrarier ist, der mir zwei Hektar Land besitzt. Ich wundere mich nur, daß man das bei den Verhandlungen über den neuen Zolltarif nicht auch betont hat. Aber damals hat man ge- sagt, die g a n z e Landwirtschaft gehöre zusammen. Herr Held wendet em, er sei damals noch nicht im Reichstage gewesen. Ich weiß das sehr wohl, ich bedauere sogar, daß er jetzt hier ist.(Heiterkeit.) Wenn schließlich der Abg. Graf Schwerin gemeint hat, gerade meine Rede hätte ihn davon überzeugt, daß man über die Petitionen zur Tagesordnung übergehen solle, so ist das eine so alte Redewendung, daß Sie sich nicht dadurch beeinflussen lassen sollten. Ich bitte Sie, wenigstens nicht die Kommission zu desavouieren und die Petitionen der Regierung als Material zu überweisen.(Bravo l bei den Sozial- demokraten.) Abg. Graf Reventlow(Antis.) erwidert, baß gegenwärtig geradezu eine Ueberproduktion auf dem Gebiete der Schweinezucht herrsche. Er habe den Eindruck, daß er sich dem Abg. Scheidemann gegenüber durchaus richtig selbst eingeschätzt habe.(Heiterkeit rechts.» Damit schließt die Diskusston. In der Abstimmung wird der Anttag Staudy auf Uebergang zur Tagesordnung über alle drei Petitionen mit den Stimmen der Rechten, des Zentrums und der Hälfte der Nationalliberalen angenommen. Bevor zur nächsten Petitton geschritten wird, beanttagt Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Bp.) zur Geschäftsordnung, die Petitionen wegen des Befähigungsnachweises für das Handwerk, wegen Unterdrückung schlechter Literatur- und Knnsterzeugnisse und wegen Aenderung des§ 175 deS Strafgesetzbuches von der heuttgen Tagesordnung abzusetzen. Abg. Erzberger(Z.) widerspricht diesem Antrage und macht darauf aufmerlsam. day für die Ablveisung eines solchen Antrages der Widerspruch von 30 Mitgliedern genüge. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) erklärt, die Beschlußfähigkeit des Hauses zu bezweifeln. Abg. Singer(Soc.): Ich bitte den Antrag auf Absetzung dieser Gegenstände von der Tagesordnung abzulehnen und zwar ans folgenden Gründen: Wir sind mit unserer Zeit bis Weihnachten so beschränkt, daß uns für eine Reihe der aus dem Hause gekommenen Initiativanträge und Resolutionen nur noch die Tage dieser Woche zur Verfügung stehen. Wenn wir heute die Materie des Befähigungsnachweises für das Handwerk absetzen. würde der dieselbe Frage behandelnde Initiativantrag ja wahr- scheinlich morgen jjur Beratung kommen und so müßten andere Initiativanträge zurückgestellt werden, die herankommen könnten, wenn wir diese Materie heute m Angriff nehmen würden. Ich halte es nicht für richtig, daß der Retchstag sofort. nachdem er nach so langer Pause wieder zusammengetreten ist, die Inangriffnahme einer Materie ablehnt.(Sehr rtchtigl bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.); Wenn Herr Singer meint, daß morgen der betreffende Initiativantrag auf die Tagesordnung gesetzt wird, so kann ja diese Petition mitberaten werden. Ich meine aber, es empfiehlt sich gerade deshalb nicht, heute eine Dis- kussion in Angriff zu nehmen, die wir doch nicht beenden könnten. Ich halte meinen Zweifel an der Beschlußfähigkeit des Hauses aufrecht. Der vom Präsidenten angeordnete Namensaufruf ergibt die Anwesenheit von 200 Abgeordneten, das Haus ist somit o e s ch l u ß- fähig.(Große Heiterkeit rechts.) Dte Beratung geht weiter bei den Petitionen betr. den Be- sähigungsnachlveis für das Handwerk. Die Kommission beantragt die Anträge um Einführung des allgemcinenBesähigungsnachweisesbei dem Handwerk resp. die Einführung des Befahigungsnachlveises für die Maschinisten und Heizer durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen. die Petitionen auf Einführung des BefahigungsnachwctseS für die Bauhandwerker dein Reichskanzler zur Erwägung zu über- weisen. Die Abgg. Auer und Genossen(Soz.) beantragen Uebergang zur Tagesordnung über alle diese Petittonen. Die Abgg. Erzberger(Z.) und Genossen beantragen, die Petition tun Einführung eines allgemeinen Befähiguii�.nachweises dem Reichs- kanzler nach der Richtung zur Berückstchtigung zu überweisen, daß nur denjenigen die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen zusteht, welche den Meistertitel führen und 2. die Petition auf Einführung des Befähigungsnachweises für die B a u h a n d w e r k e r dem Reichskanzler zur Berück- s i ch t i g u n g zu überweisen. Der Abg. Raab(Antis.) beantragt, die Petitionen auf all- gemeinen Befühigungsnachlveis bei dem Handwerk dein Reichskanzler zur Erwägung, die übrigen Petitionen zur Berücksichtigung zu überweiicn. Abg. Erzberger