Nr. 289. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelnie Nummer 5 Pfg. Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Belt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband ffir Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. gefin Tod old oliousdog stanaitulodgy distorts solo ima siósölusid 12 fonata si 21. Jahrg. sinsoplodoam C. es moins sid C i inzione sil Tojsi sdusplat si Die Infertions- Gebühr Vorwärts Berliner Volksblaff. beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", bas erste( fett19 gedruckte) Bort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für bte nächste Summer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Zelegramm- Adresse: bildagna? plz Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Enthüllte Klaffenherrschaft. Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: Freitag, den 9. Dezember 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. feinerlei den der Gewerkschaftsmitglieder! Bei der enthüllten intimen Verbindung sein werde. Die russische Flotte dürfte also bei ihrer zwischen Polizeiverwaltung und Werksbefizer erscheinen solche Mit- Ankunft Möglichkeit finden, sich von teilungen durchaus nicht unglaublich. Man kann sich auch Strapazen der Reise zu erholen und die nötigen Vorleicht vorstellen, daß ein Polizeibeamter sich bemühen kann, durch bereitungen für eine Seeschlacht zu treffen, überhaupt irgendDem letzten in Eichlinghofen tagenden Parteitag der besonders schneidiges" Auftreten das Wohlwollen der kapitalistischen welche Stükpunkte zu finden, wohingegen die japanischen Sozialdemokratie im westlichen Westfalen legte der Landesvertrauens- Gemeindebeherrscher zu erwerben. Bei diesen professionellen Scharf Schiffe in den Docks auf den Empfang der Russen hinlänglich mann das Ergebnis einer Umfrage über die Gemeinde- machern und Voltsrechtsbekämpfern muß gerade ein solcher Erekutiv- vorbereitet worden sind. Selbst in russischen Marinevertretungen im rheinisch- westfälischen Kohlen- beamter lieb Kind sein. freisen ist man schon der Ansicht, daß der Schlachtwert der gebiet vor. Aus 86 Orten waren brauchbar ausgefüllte Frage- Aber noch eine und gewiß nicht unwichtige Tatsache hat die Um- japanischen Flotte dem der russischen weitaus überlegen sein bogen zurückgekommen, aus denen Namen, Berufs- und Partei- frage ans Licht gezogen: Die Zentrumspartei ist häufig im Bunde dürfte. Zähle auch die russische Flotte, einige Panzerschiffe stellung der Gemeindeväter ersichtlich. In 29 Gemeindevertretungen mit diesen liberalen" Terroristen! Das Zentrum stellt meistens mehr als die japanische, so hätten die Japaner doch zehn fizzen auch Sozialdemokraten. feine Arbeiter auf, sondern verbindet sich häufig mit dem russischen Kreuzern 20 japanische Kreuzer und eine Unzahl " " = Es lohnt sich, das Ergebnis dieser gemeindepolitischen Umfrage Unternehmertum zur Terrorisierung der dritten Wählerklasse! von Torpedobooten entgegenzusehen. Man erwartet also hier etwas zu betrachten, da sie das bedeutendste deutsche Industrie- Ja, das„ volksfreundliche" Zentrum verhilft sogar be- durchaus keine Wendung zum besseren von der Ankunft der gebiet betrifft mit einer fast beispiellosen Volksvermehrung und kannten Scharfmachern und Gewerkschaftsfeinden baltischen Flotte. weil insbesondere Zustände enthüllt sind, die in denkbar traffester zur Macht in den Gemeinden! So wählt das Zentrum unter Aber auch über den Landkrieg urteilt man in RußWeise den Großkapitalisten auch als Unterjocher der Gemeinden anderen folgende Großindustrielle und Gewerkschaftsfeinde mit in die I and recht skeptisch. In einer Reihe von Auffäßen, die in zeigen. Gemeindeverwaltungen: Generaldirektor Effert Königsborn, der„ Nowoje Wremia" erschienen sind, wird darauf In der Mehrzahl der Gemeindevertretungen schivingen die Grubendirektor Driesen- Recklinghausen, Direktor Randebrat, hingewiesen, daß es unmöglich fei, die russische Armee auf Zechenbarone und Fabrikpaschas fast unbeschränkt das Zepter. Zu Fabrikbefizer Schmitz- Hörde, Fabrikbefizer Duesberg Stert mehr als 400 000 Mann in der Mandschurei zu bringen, da einer Zeit, wo so viel über sozialdemokratischen Terrorismus" ge- rade. In zahlreichen Gemeinden präsentiert auch das Zentrum den über diese Zahl hinaus die Verpflegung unmöglich sei. Japan fabelt wird, ist es notwendig zu konstatieren, daß bei den Kommunal- Wählern dritter Klasse als„ Vertreter" Zechendirektoren, Gruben- feinerseits könne aber ebenso gut 400 000 Mann aufstellen, wahlen im Ruhrgebiet die Unternehmer ein wahres Schreckens verwalter, Hüttenbefizer, Hüttenbeamte, Obersteiger, Steiger- so daß die Lage auf dem Mandschurischen Kriegsschauplake regiment führen. Die fragliche Enquete ergänzend teilten Delegierte aber keine Arbeiter! Es gibt hier Gemeinden, wo das Zentrum die dieselbe bleiben werde wie bisher. In einem der Artikel heißt auf unserem westfälischen Parteitage mit, daß bei den Gemeinde- Majorität in der Vertretung besigt, aber keinen einzigen Arbeiter aufstellt! es, daß es schließlich unmöglich sein werde, den Krieg wahlen die Vertreter der Zechen und Fabriken ein förm- Wohl aber bekaunte Wortführer der Industriellen! Wo das Zentrum mit bis in die Unendlichkeit auszudehnen, ohne liches leberwachungssystem einrichten, Beamte, obgleich nationalliberalen„ Kulturkämpfern" und Unternehmern eine ge- sich von der Stelle zu rühren. So werde er denn damit nicht zur dritten Klaffe gehörig, gegen die gesetzlichen Anordnungen meinsame Liste aufstellt was jetzt immer häufiger enden, daß Rußland genötigt werde, den Japanern die Halbsich dicht an den Wahltisch postieren, um die Abstimmenden zu geschieht! da präsentiert die Volkspartei" Zentrum beileibe keinen insel Stwantung mit Port Arthur und Dalny zu überlassen notieren. Die Wahlleiter, unter dem Einfluß der Unternehmer Arbeiter, sondern nur„ bessere Statholiten". So in Hamm, Redling- sowie völliges Eigentumsrecht in Korea. Wahrscheinlich würden stehend, zum Teil selbst Unternehmer, dulden diese gesetzlose Wirt- hausen, Eving, Lünen, Bochum, Essen( Altstadt), Herne, Duisburg, auch noch Sachalin, Kamtschatka und die Kommandeurinseln schaft nicht nur, sondern es find Fälle verzeichnet, wo die berechtigten Sterkrade, Bruch bei Recklinghausen, Soest. In Steele befindet sich schließlich in die Hände der Japaner fallen. Wähler dritter Klasse aus dem Lokal gewiesen sind, wenn sie gegen unter 18 Sentrumsleuten im Stadtverordnetenkollegium nur ein Angesichts dieser traurigen Aussichten trägt man sich in Ungefeßlichkeiten protestierten. Ein anderes beliebtes Mittel ist, die Arbeiter. russischen Streisen anscheinend ernstlich mit der Absicht, auch Wahlzeit so beginnen und schon beenden zu lassen, daß es den Ar- Drastischer fann die Verachtung der Arbeiterwähler auch durch die Schwarze Meerflotte nach Dstasien zu beitern wenn überhaupt, dann nur mit Lohnverlust möglich ist, ihr die Volkspartei" Zentrum nicht zum Ausdruck kommen. Lieber ich i den. Bekanntlich aber darf nach dem Pariser Vertrag Wahlrecht auszuüben. Damit nicht genug. Wo die Terros geben die ultramontanen Macher einem großindustriellen Scharf- vom Jahre 1856 die Schwarze Meerflotte die Straße von risten fürchten, bon, der fozialdemokratischen oder auch macher ein Mandat, statt einen Arbeiter damit zu betrauen; lieber Konstantinopel nicht passieren. Man ist jedoch in russischen nur von einer fortschrittlichen Bürger Partei überstimmt schließen die Zentrumsführer ein Kompromiß ab mit kultur- Militärkreisen der Auffassung, daß England schwerlich mit zu werden, da hält man die Arbeiter fest auf Grube und Hütte, gibt tämpferischen" Nationalliberalen, das die Arbeiterkandidaturen aus- Waffengewalt die Durchfahrt der russischen Flotte verhindern feinen Urlaub und droht mit Strafe! Zieht man das öffentliche schließt. Auf diese Weise wirkt das Zentrum als tatkräftige Förderin werde. England hat über diesen Fall noch keine offizielle Wahlverfahren dazu in Betracht, dann braucht man sich über die der rücksichtslosen Klassenherrschaft, es unterstützt und profitiert von Erklärung abgegeben. Dagegen follen Deutschland und " Siege" der nationalliberalen Bechen- und Hüttenparteiler bei den der jaarabischen Terrorisierung der Arbeiter, es verhindert die An- Frankreich bereits Rußland zu verstehen gegeben haben, daß Kommunalwahlen nicht zu wundern, es verdient vielmehr Be- bahnung einer auf die Bedürfnisse der Arbeiter, der„ Kleinen Leute" fie ihrerseits gegen die Durchfahrt der Schwarzen Meerflotte wunderung die Tatsache, daß die sozialdemokratischen Berg- und berechneten kommunalen Sozialpolitik. nichts einzuwenden hätten. Es wäre also gar nicht unmöglich, Fabrikarbeiter trotz des fürchterlichen Druckes schon in 29 Gemeinden In den katholischen Arbeitervereinen, in den christlichen Gewerk- daß eines schönen Tages Rußland den Pariser Vertrag einBertreter durchbrachten. vereinen deklamieren die Zentrumsführer gegen das liberale gott- fach bräche. Fraglich ist es nur, ob die Schwarze Meerflotte Die Gruben- und Hüttenherren gehen mit einer unverschämten lose Kapital", gegen den„ kirchenfeindlichen Liberalismus", gegen sich tatsächlich in einem derartigen Zustande befindet, daß sie Rüdsichtslosigkeit vor, die ihresgleichen sucht. In vielen die„ profitsüchtigen Ausbeuter der Arbeit", und versetzen die gut mit Erfolg in Ostasien eingreifen könnte. Gemeinden befinden sich in der ersten Klasse nur die Ver- gläubigen Arbeiter in religiöse Begeisterung zum Kampf gegen treter eines Werkes; manchmal find es auch zwei, Liberalismus und Kapitalismus". Im zweiten Aft sitzen die Ueber die Beschießung der Port Arthur- Flotte drei Zechen oder Hütten, die allein erstklaffig auftreten. besseren Statholiten" techtelmechtelnd hinter den Kulissen mit dem gibt das kaiserliche Hauptquartier vom 8. Dezember beE3 wird da irgend ein höherer Betriebsbeamter zum eben noch grundschlecht gemachten„ Liberalismus" und fuhhandeln kannt: Das Ergebnis der gestrigen Beschießung mit den großGemeindebater ernannt. Auch in der zweiten Klasse liegen die um die Mandate in der Gemeindevertretung, wobei als von vorn- talibrigen Geschügen war ausgezeichnet. Es wurde beobachtet, daß Verhältnisse vielfach ähnlich. 3. B. in Röhlinghausen bei herein feststehend gilt, daß der eingeseifte Tölpel Arbeiter nur viele Schüffe auf den Schiffen, Bereswjet"," Pobjeda“ und„ Ballada" einschlugen., Bereswjet", geriet um 34 Uhr in Braud, Wanne wählt" Zeche Königsgrube" allein in der ersten Klasse, als Stimmbieh seine Pflicht" zu tun hat. " Pobjeda" legte sich nach Steuerbord. Tokio, 8. Dezember. Amtliche Mitteilung. Der Kommandant ihre Angestellten. Was geschieht nun in der dritten Abteilung? Da ihr Einzug ernstlich befürchtet wird, bequemen sich nationalliberale des Schiffsartillerie Korps berichtet, daß eine Beobachtung vom zwingen die Unternehmer ihre Arbeiter, den ersten Zechendirektor zu Werksvertreter und Zentrumsführer zur Anerkennung einer 203- Meterhügel am Nachmittag des gestrigen Tages dargetan hat, wählen! Effekt: Der Gemeinderat ist nur eine Filiale der Werts: Arbeiterkandidatur", berechnet als Locmittel, schweren Herzens daß die" Retwisan" augenscheinlich soweit ge. verwaltung. Oder nehmen wir die Gemeinde Ost- herbede bei ausgeworfen, um dem„ Unsturz" den Wind aus den Segeln zu fuuten ist, daß sie auf dem Grund steht. Die Pobjeda" Hattingen. In der ersten Klasse figt als einziger ein großer nehmen. Da werden dann Renommierarbeiter aufgestellt, meistens hat sich beträchtlich nach Backbord übergelegt, der Schiffsrumpf Brauereibefizer, er ernennt zwei seiner Untergebenen. Leute, die zu einfältig sind, um dem nationalliberal- zentrümlichen unterhalb der Wasserlinie ist nach Westen hin Die zweite Klaffe besetzen zwei Unternehmer und in der Klüngel in die Karten zu schauen. Also auch auf dem Gebiete der sichtbar. dritten Klasse läßt sich der einzige erstklassige Wähler", Gemeindepolitik sehen wir die Sozialdemokratie am Werke, eben der Brauherr, als Gemeindevater von seinen Untertanen direkt oder indirekt als sozialpolitische Antreiber. Wo erklären! Aehnlich solche rücksichtslose Ausnutzung der wirtschaft- unsere Partei noch nicht gefürchtet wird, ist unter dem Segen des lichen Macht vraktiziert man in Unna, Kamen, Redlinghausen, frommen Zentrums eine arbeiterverachtende klassen Gelsenkirchen, Dortmund, Marten, Aplerbeck, Hörde, Sälde, Eving, herrschaft ohne Feigenblatt eine Geißel für die unDorstfeld, Lütgendortmund, Langendreer, Witten, Kettwig, Duisburg, besitzenden Gemeinde- Eingesessenen. Sterkrade, Ruhrort, Bochum, Essen usw. Ueberall begnügen fich die Die Umfrage unseres Landes- Vertrauensmannes hat erstaunlich Der Petersburger Standard"- Korre internehmer nicht mit der ersten oder auch mit der zweiten Klasse, die Klaffenherrschaft auch in den sonst wenig beachteten Gemeinde- spondent ist in der Lage, mit teilen, daß bei Beginn sondern sie wenden alle Mittel der Köderung, Einschüchterung stuben enthüllt. Das Ergebnis war selbst für Genossen verblüffend, des ostasiatischen Krieges England sowohl durch direkte und Vergewaltigung an, um auch die dritte Klaffe die sich mit Recht einer guten Kenntnis der hiesigen Verhältnisse mitteilung sowie indirekt durch französische mit Werksinteressenten zu besetzen. Aus einigen Orten werden rühmen können. Es sind uns Fingerzeige gegeben, allgemein poli- Vermittelung Rußland wissen ließ, England habe die Absicht, so schamlose Wahlpraktiken der sich„ liberal" oder national- tische Ausblicke ermöglicht worden, die nicht ohne wesentlichen Ein- die Verträge aufrecht zu erhalten, welche die Durchfahrt des liberal" nennenden Unternehmerpartei berichtet, daß man sich fragt, fluß auf unsere Operationen bleiben können. Unser Parteitag hat russischen Schwarzmeer- Geschwaders durch die Dardanellen ob denn die sonst so„ gesellschaftlich korrekt" auftretenden Kommerzien beschlossen, den umfassenden Ansturm auf die blau- schwarzen Gemeinde- verhindern. Der Korrespondent hört, daß diese Erklärung räte, Direktoren und ihr gebildeter" Anhang kein Gefühl mehr für Autofraten zu organisieren. durch eine bindende Klausel des englisch- japanischen Vertrages einigen Anstand befizen! Sie etablieren in den Gemeinde nötig wurde. bertretungen eine feigenblattlose Klassenherrschaft, oft nicht einmal ein Dutzend erstklassiger" Wähler haben sich fraft ihrer ökonomischen Macht die ganze Gemeindeverwaltung unterjocht. Zeche„ Pluto" allein in der zweiten Klasse; natürlich ernennen sie Nur wenn schon Sozialdemokraten im Gemeinderat sitzen oder Der Krieg in Ostasien. 11 U Kiel, 8. Dezember. Der russische Eisbrecher„ Jermad" hat heute nach fünfwöchigem Aufenthalt Kiel verlassen und ist angeblich nach Libau in See gegangen. Das Fahrzeug hat im hiesigen Dock Reparaturen vorgenommen und im Hafen Kohlen und Proviant an Bord genommen. 17 Politische Uebersicht. Berlin, den 8. Dezember. Die gegenwärtige politische Lage Rußlands und die revolutionären Parteien. Die russischen Schiffe nähern sich allmählich den indischen Da ist nur folgerichtig, daß im Ruhrgebiet eine Bolizei- Gewässern. Der Zeitpunkt ihres Eintreffens in Ostasien ist willtür gegen alles, was gegen die bestehende Klassenherrschaft nicht mehr allzu fern. Gleichwohl haben die Japaner keine opponiert, herrscht, die das hat die Diskussion in Eichling- allzu große Ursache, sich vor der baltischen Flotte zu fürchten, hofen bewiesen- in nichts hinter der saarabischen Pragis denn das Einlaufen in den Hafen von Wladivostok wird des Es wird bekannt gegeben, daß in einer Stadt Westeuropas aus Vorsicht wird sie nicht genannt vor einigen Wochen zurüdbleibt. Versammlungsverbote, Versammlungsauflösungen, halb unmöglich sein, weil der Hafen vereist sein wird. Auch Schantsperren, Einschüchterungen der Saalbefizer, Herabsetzung der ist nach dem Fortschritt der Belagerungsarmee von Bort eine Konferenz aus Vertretern der revolutionären und OppoSie war auf Polizeistunden in Arbeiterlokalen, Drangsalierung der arbeiter- Arthur anzunehmen, daß vor der Ankunft der baltischen fitionsparteien Rußlands abgehalten wurde. freundlichen Lokalbefizer durch fleinlichste Strafmandate, unerhörte Flotte Port Arthur sich in den Händen der Japaner be- Initiative der finnländischen Partei des aktiven Widerstandes Die in den Hafen liegenden Kriegsschiffe einberufen worden. Zur Teilnahme waren eingeladen 18 Verfahren zweds Entziehung beziehungsweise Einschränkung der finden wird. Schanktonzession wissen unsere Parteigenossen zu berichten. Be- fcheinen schon jetzt durch das Bombardement der Japaner russische Parteirichtungen; acht davon waren der Einladung schwerden haben oft nur schneidigeres" Auftreten zur Folge. Es vollständig aktionsunfähig gemacht worden zu sein, auch wird gefolgt, und zwar die Partei der russischen Sozialisten- Nevoist auch schon häufig Arbeitern auf den Werken bedeutet worden, aus Tokio gemeldet, daß man in unterrichteten Streisen der lutionäre, die polnische Sozialistenpartei, die sozialdemokratische auf dem Werksbunde kenne man ganz genau die Zahl und Namen Meinung sei, daß bis zum 20. d. M. Port Arthur gefallen Partei Litauens, die sozialistisch- revolutionäre Föderation Georgiens, die armenische revolutionäre Föderation, die pol- 1Juristen in einer sehr respektablen Gesellschaft unangefochten den nische nationale Liga, die finnländische Partei des aktiven Grundsatz aussprechen, daß ein Staatsanwalt aus Rücksicht auf die Widerstandes und die Union des Osswoboschdenje( russische fonstitutionelle Demokraten). Von der Konferenz ist die folgende Resolution angenommen worden. In Erwägung, 1. daß der Absolutismus sich als ein verhängnisvolles Hindernis darstellt für den Fortschritt und den Wohlstand des russischen Volkes und aller anderen Nationalitäten, die von der Regierung des Zaren bedrückt werden; daß er unter dem gegenwärtigen Zustand der Zivilisation ein absurder und unheilvoller Anachronismus ist, 2. daß der Kampf gegen dieses System mit mehr Kraft und Erfolg geführt würde, wenn eine lebereinstimmung erzielt worden wäre über die Aktion der verschiedenen russischen und nicht russischen Oppositions- und revolutionären Parteien, 3. daß der gegenwärtige Augenblick besonders günstig ist für eine Verständigung über die Aktion aller dieser Parteien gegen den Absolutismus, der diskreditiert und erschöpft ist durch die schrecklichen Folgen des Krieges, der durch seine abenteuerliche Politik heraufbeschworen worden ist, haben die Vertreter der Parteien( es folgt die Aufzählung der oben aufgezählten Parteien), die zu einer Konferenz zusammengetreten sind, einstimmig die folgende Resolution angenommen: Ohne ihre Sonderprogramme und ihre taktischen Methoden aufzugeben, erklären alle diese Parteien für die folgenden Prinzipien und Forderungen einzutreten: Gesellschaft wohl tue, die Spur eines Verbrechens in höheren Gesellschaftskreisen nur dann zu verfolgen, wenn er wegen zu großer Einrichtung der Staatsanwaltschaft, daß der öffentliche Ankläger auch Publizität nicht mehr anders könne. Das sei gerade der Vorzug der ein Verbrechen ignorieren fönne, wenn ihm dies zur Vermeidung von Aufregung nüßlich schiene. Es sei wichtiger, die Autorität von Beamten und Notablen ungeschwächt zu erhalten, als eine Tat ans Licht zu bringen, über die vielleicht schon Gras gewachsen sei. Später habe ich, da mir mein wechselvolles Leben manchen Blick in die Ver= hältnisse der Gesellschaft gestattete, den nicht jeder tun kann, eine ganze Reihe von Fällen erlebt, in welchen Verbrecher, die, wenn sie arm und ohne Einfluß und Verbindungen wären, im Zuchthause säßen, unangefochten in der Gesellschaft verkehrten, in Ehrenämter gewählt wurden und eine glänzende Rolle spielten. Ich habe in folchen Fällen immer gefunden, daß auch diejenigen, welche ganz genau um die Sache wußten, sich dem Eindruck der äußeren Respektabilität solcher Personen nicht entziehen konnten. Der konservative Teil der Gesellschaft aber( und die meisten sogenannten Liberalen gehören mit dazu) verhält sich nicht nur tatsächlich so, sondern grund äglich, wenn man auch diese Grundsätze nicht immer offen ausspricht. Denjenigen Privatmann, der es wagen wollte, einen solchen angesehenen Verbrecher zu entlarven, würden die meisten mit wahrer Gehässigkeit anfeinden. In einer Verleumdungsklage würde der Entlarvungsversuch unter zehn Fällen gewiß neunmal mit der Verurteilung des Verleumders" enden, wenn derselbe auch nichts als die reine Wahrheit behauptet hat." " berichten. Die Briefe sind in großer Eile und zum Teil auch in Aufregung und daher undeutlich geschrieben. Offenbar ist Ihr Herr Bruder ein Opfer seiner Pflichttreue und seiner Bestrebungen für die Eingeborenen geworden. Er vertraute der Friedensliebe des Hendrik Witboi und hatte meines Wissens schon einmal vor kurzem diesen vor einem unbesonnenen und vers hängnisvollen Schritte zurückgehalten, als die ersten bestimmten Gerüchte von der geplanten Entwaffnung der Witbois zu Hendrik gelangten. Damals hat ihm wohl Ihr Herr Bruder versichert, daß ein solcher Plan nicht bestehe. Nun tamen 18 Witbois aus dem Hererolande nach Kalkfontein, die dem Hendrik berichteten, man habe ihnen gesagt: Erst die Herero, dann kommt Ihr an die Reihe! Daraufhin hat offenbar Hendrik den Krieg erklärt. Ihr Herr Bruder eilte wieder unbewaffnet zu ihm in der Hoffnung, ihn umſtimmen zu können; das hat ihm das Leben gekostet. Er wurde ermordet, ohne daß er Hendrik oder daß Hendrik ihn gesehen hat. Offenbar nahm Hendrit an, daß Ihr Herr Bruder von dem Plan der Entwaffnung gewußt habe, und glaubte sich von ihm hintergangen. So kam es zu der schändlichen Ermordung des Mannes, der offenbar mehr als die meisten anderen das Wohl der Witbois auf dem Herzen trug. Es ist ebenso schändlich wie tragisch, daß mit dieser Ermordung der Aufstand der Witbois begann. Die Witbois haben Ihrem Bruder und unserem Techniker Holzapfel ein Be= gräbnis zu teil werden lassen; sie müssen in etwas doch ein Bewußtsein gehabt haben, daß sie durch ihre Ermordung zwei treue Freunde ihres Volkes verloren haben." Aus diesem Brief geht hervor, daß von einer Anzettelung des Herero- Aufstandes durch Hendrik Witboi gar keine Rede sein Im Wahlkreise Jerichow ist die Stiwahl zwischen dem Frei- kann, ja daß eine Verbindung zwischen den Hereros und Witbois sinnigen Mertens und dem Sozialdemokraten Voigt auf Freitag, den bis unmittelbar vor der Erhebung der Witbois schwerlich bestanden 16. Dezember anberaumt. hat. Als wirkliche Ursache des Witboi- Aufstandes wird hier der Uebrigens haben die gestern vom Wolffschen Bureau übermittelten Umstand bezeichnet, den auch wir sofort als den mutmaßlichen Grund 1. Beseitigung des Absolutismus, Zurücknahme aller Maß- Ziffern nicht, wie angegeben wurde, das amtlich festgestellte Resultat der Erhebung bezeichnet hatten, nämlich die Furcht Hendrit Witbois, nahmen, welche gegen die Verfassung Finnlands gerichtet waren. enthalten. Dieses lautet vielmehr: Es find insgesamt abgegeben daß auch die Hottentottenstämme nach der Niederwerfung des Herero2. Ersetzung des Absolutismus durch ein demokratisches, worden 25 311 gültige Stimmen; davon haben erhalten: Stadt- Aufstandes entwaffnet werden sollten. Daß mit dieser Ents auf das allgemeine Wahlrecht gegründetes System. verordneter Voigt( Soz.) 6802, Lehrer Mertens( frf. Vp.) 6382, waffnung eine vollständige Unterdrückung der gegenwärtigen 3. Das Recht der verschiedenen Nationalitäten auf freie Rittergutsbesitzer v. Brauchitsch( k.) 6076, Legationsrat vom Nath Unabhängigkeit der Hottentottenstämme, wahrscheinlich fogar Entwickelung und Sicherung dieser Freiheit durch die Gesetze.( natt.) 3400, Rechtsanwalt Dr. Wohlfahrt( Antis.) 2655 Stimmen. die Versklavung derselben verbunden sein würde, konnte für Aufhebung der Unterdrückungsmaßregeln der Regierung, die Die Stichwahlen in Breslau für das Stadtverordneten- Kollegium Hendrik Witboi feinem Zweifel unterliegen, da, wie wir bereits schon gegen verschiedene Nationalitäten gerichtet waren. haben einen neuen Erfolg freisinniger Selbstmordpolitik gezeitigt. einmal betont haben, die Farmer in Südwestafrika sowohl in der Im Namen dieser Prinzipien und dieser Grund- Die Freisinnigen haben entgegen der Parole ihres Wahlkomitees für Presse als in ihren Gesprächen gar keine Unklarheit darüber gelassen forderungen erklären die auf der Konferenz vertretenen die klerikal- antisemitische Reaktion gegen die Sozialdemokratie ge- haben, daß die Eingeborenen nach Beendigung des Krieges zu Parteien, daß sie ihre Bestrebungen mit einander in Einklang stimmt und damit drei Mandate der Reaktion ausgeliefert; die Hörigen der Ansiedler gemacht werden sollten. Unter solchen Umbringen werden, um den unvermeidlichen Sturz des Absolu- Sozialdemokraten haben gegen den freifinnigen Kandidaten gewählt. ständen blieb Hendrik Witboi gar nichts anderes übrig als die Erhebung. tismus zu beschleunigen, der für alle diese Parteien ein wurden demnach drei offene Reaktionäre und ein Freifinniger gewählt. Die Breslauer Parteigenossen werden sich bei einer nächsten Hindernis bildet für die spätere Verwirklichung ihrer ver- Wahl wohl überlegen, ob es sich noch lohnt, für freifinnige Stan- so ist es doch ganz unangebracht, sich über die Grausamkeit schiedenen Ziele." didaten in der Stichwahl einzutreten oder ob es nicht viel einfacher derselben sittlich zu entrüsten. Die Hottentotten sahen sich eben ge= ist, die Freifinnigen" ihrem Schicksal zu überlassen. Es erscheint zwungen, den Vernichtungskrieg gegen ihre weißen Feinde zu beinahe als eine Grausamfeit, diesen freisinnigen Parteileichnam führen. Daraus erklärte sich, daß sie alle männlichen Weißen, die durch immer wiederholte Galvanisierungsversuche am friedlichen ihnen in die Hände fielen, ermordeten. Auch mehrere Frauen Tode zu verhindern. Man lasse ihn sterben und in Frieden ruhen. -,, Beförderung von Auswanderern." Vom Reichsgericht wird uns geschrieben: So bedauernswert auch die Opfer des Witboi- Aufstandes find, Unter den Parteien, welche der Konferenz nicht beigewohnt haben, befinden sich die Sozialdemokratische Arbeiter partei Rußlands", der Jüdische Arbeiterbund" und die ihnen zum Opfer gefallen sein, jedoch bedürfen ,, Sozialdemokratische Partei Polens und Litauens". Wir sind die Gerüchte darüber erst der Bestätigung. Man er= nicht unterrichtet über die Gründe, aus welchen sich diese innnert fich ja, wie biel auch über die Ermordung Parteien der Konferenz ferngehalten haben, sind aber der von Frauen durch die Hereros zusammengeschwindelt worden Meinung, daß unter den gegenwärtigen Verhältnissen der Zuist, während es sich später herausstellte, daß nur zwei oder sammenschluß aller auf dem ganzen Gebiete Rußlands gegen Die Arbeiter Gustav kummetat in Penlinken und Adolf drei Frauen überhaupt getötet worden waren. Daß die Witbois den Absolutismus gerichteten Kräfte dringend geboten ist. Wir und Rudolf Schulz in Sydtkuhnen sind am 20. August von der auch die Engländer und Boeren ermordeten, erklärt sich daraus, daß nehmen an, daß unsere Bruderparteien von der Besorgnis ge- Straffammer in Stallupönen von der Anklage des Vergehens fie inzwischen eingesehen hatten, daß die Boeren und Engländer in leitet waren, eine Verständigung mit bürgerlichen radikalen gegen das Gesez vom 9. Juni 1897 über das Auswanderungswesen der Kolonie mit den Deutschen gemeinsame Sache freigesprochen worden. Sie sind russischen Rückwanderern, die aus gegen die Eingeborenen machten. So scheußlich diese Mordtaten an Kreisen müßte durch Konzessionen an ihre Halbheit und Bag: Amerifa zurückkehrten, behülflich gewesen( durch Bestechung russischer und für sich auch find, so muß man sich doch daran erinnern, daß haftigkeit erkauft werden. Jedoch der gegenwärtige Moment Grenzsoldaten usw.) wieder über die Grenze nach Rußland zu auch von den alten Deutschen der Krieg gegen die Römer in Rußland scheint uns gerade am geeignetsten dazu, daß die kommen. Die gewerbsmäßige Beförderung von Auswanderern ist durchaus nicht in humaner Form geführt worden ist. Ja, russische Sozialdemokratie im Verkehr mit allen revolutionären ohne Konzession verboten. Das Gericht hat die Angeklagten aber wenn man daran denkt, welche unsäglichen Bestialitäten noch vor und oppositionellen Elementen als die vorwärts- freigesprochen, weil es angenommen hat, daß es sich hier nicht um 250 Jahren im 30 jährigen Kriege sowohl von protestantischen treibende kraft auftreten tönnte. Daß die bürgerliche Auswanderer gehandelt habe, d. h. um Leute, die ihren bisherigen als auch tatholischen Parteien begangen worden sind, und Opposition sich ihrer Abhängigkeit von den sozialistischen heimatlichen Wohnsiz verlassen. Auf die Revision des Staats- bas nach einer mindestens 800jährigen Kultur, so sollte man mit Parteien bewußt ist, geht schon daraus hervor, daß ihre Haupt- analts hob heute das Reichsgericht die erwähnten freisprechenden den Beschimpfungen der Eingeborenen in Südwestafrika etwas sparUrteile auf und wies die Sache an die Strafkammer zurüd. Zur famer sein. forderungen politische Gleichberechtigung aller Bürger, freies Begründung wurde ausgeführt: Die Annahme, daß die fraglichen Vereins- und Koalitionsrecht usw. aus den sozialistischen Partei- Personen nicht Auswanderer, sondern Rückwanderer nach Rußland programmen übernommen sind. Durch energisches Vorgehen gewesen seien, enthält eine zu enge Auffassung des Begriffes Ausder sozialistischen Jugend und des Proletariats müssen die wanderung. Das Gesetz schützt den Auswanderer als solchen, nach ob er Deutscher ist oder nicht. Auf eine russischen bürgerlichen Demokraten immer mehr nach links ge- gleichviel, drängt werden, da ihnen sonst die Gefahr droht, zwischen der erschöpfende Definition des Begriffes Auswanderer hat Reaktion und den radikalen Strömungen aufgerieben und in Senat verzichtet. Der Regel nach gehört dazu das Verlassen des ihre bisherige völlige politische Bedeutungslosigkeit zurüd letzten Wohnsizes und des Landes, in dem fich der Wohnsiz befindet. Zum vorübergehenden Zwede ins Ausland zu reisen, genügt nicht; geschleudert zu werden. solche Reisenden sind nicht Auswanderer. Jm vorliegenden Falle ist es nicht ausgeschlossen, daß die Nussen die amerikanische Staatsangehörigkeit schon erlangt hatten oder in Amerika ſich längere Zeit aufgehälten haben. Dann wären sie amerikanische Auswanderer durch Deutschland nach Rußland. Sind sie aber an der amerikanischen Stüfte zurückgewiesen worden, so sind sie russische Auswanderer. Ohne Kenntnis des genauen Wortlauts der ReichsgerichtsEntscheidung ist ihre rechtliche Würdigung unmöglich. Uns will aber scheinen, daß es in erster Linie sich nicht um den Begriff„ Auswanderer" handelt, sondern um das Wesen gewerbsmäßiger" Beförderung der Auswanderung. Leute, welche russischen Flüchtlingen und Rückwanderern gelegentlich bei der Grenzüberschreitung behilflich sind, können nicht als gewerbsmäßige" Agenten bezeichnet werden, die konzessionspflichtig wären. Um aber in der nächsten Zeit auf dem politischen Kampfplatz eine ausschlaggebende Rolle zu spielen, müssen unsere Bruderparteien zunächst völlig einig untereinander sein. Es entzieht sich unserer Kenntnis, ob es bereits zu einem formellen Zusammenschluß der sozialdemokratischen Parteien mit ein ander angesichts der ernsthaften gemeinsamen Aufgaben gekommen ist daß dieser Wunsch in den Reihen dieser Parteien besteht und gehegt wurde, ist uns dagegen bekannt. Hoffen wir, daß die Nachricht von einer formellen Vereinbarung, von einem Bloc der sozialdemokratischen Parteirichtungen auch nicht lange auf sich warten lassen wird. Die beiden Blocs. der sozialdemokratische, auf dessen baldige Bekanntmachung wir hoffen, und der bereits bekannt gegebene sozialistisch- demokratischnationalistische werden zusammen eine Macht darstellen, die bei tatträſtiger und geſchidter Ausnußung der außerordentlich günstigen Situation den Sieg der russischen Freiheit herbeiführen muß. Deutsches Reich. Aus einem Briefe Friedrich Albert Langes. hat der Wichtig aber ist, daß das Reichsgericht ausdrücklich feststellt, daß auch die fremdländischen Auswanderer durch das Reichsgesetz über das Auswanderungswesen getroffen sind. Damit ist zugegeben, russischen Auswanderer erschöpfend geregelt ist und folglich der daß die Materie durch Reichsgesetz auch inbezug auf die preußischen Polizeiwillkür entzogen ist. Daraus folgt aber auch, daß jene Ministerial- und Polizeiverordnungen, auf die sich die Ballinwirtschaft beruft, ungesetzlich sind. Der Ruhstrat- Prozeß in Oldenburg erregt die Erinnerung sich das Gemeindekollegium in Fürth am Dienstag abend zum an einen Brief F. A. Langes vom 15. November 1867. an Kambli gerichtete Brief ist in der trefflichen Biographie Langes abgedruckt, die Ellissen verfaßt hat. Wir haben bei der Gelegenheit diese Biographie wieder durchgeblättert; sie enthält in den abgedruckten Briefen Langes einen Teil des Besten, das überhaupt aus Langes Feder hervorgegangen ist. Es ist sehr wünschens wert, daß unsere Arbeiterbibliotheken die 1891 erschienene Lebensbeschreibung beachten und anschaffen. Der Brief Langes enthält diese Ausführung: Mit dem Zusammenschluß der Städte Nürnberg und Fürth hatte Der zweitenmal zu befassen, nachdem der Magistrat es um nochder Wortführer der 28 Mitglieder, die den Antrag, mit Nürnmalige Stellungnahme erfucht hatte. Der liberale Dr. Maher, berg Unterhandlungen anzuknüpfen, unterschrieben hatten, flärte, die Antragsteller hätten nicht geglaubt, daß sich in Fürth die Stimmen gegen die Einverleibung so auswachse, wie es tatsächlich geschehen ist. Da diese Gegenströmung von Fürth aus auch nach Nürnberg hinübergetragen worden sei, werde der Antrag zurückgezogen. Das Kollegium erklärte sich einstimmig damit ein verschwunden. Immer human! In der Reichstagssigung am Dienstag erklärte Graf Bülow dem Stenogramm: ,, Eins aber möchte ich ausdrücklich sagen, wir sind weder so grausam, noch sind wir so töricht, die einzige Möglichkeit für die Wiederherstellung geordneter Zustände darin zu erblicken, daß die jetzt aus den Wüsteneien des Sandfeldes hervorströmenden, halbverhungerten und verdursteten Hererobanden erbarmungslos niedergeknallt werden." wir Also sprach der Reichskanzler am Dienstag. Heute nun lesen im Bülow- offiziösen Scherlblatt: Einen Beitrag zur Beurteilung der Frage, wie im übrigen mit gefangenen Eingeborenen in Südwestafrika verfahren wird, enthält die heute hier eingetroffene Nummer der„ Deutsch- Südwestafrikanischen Zeitung". Danach wurden zwei Ende Sep= tember mit Waffen gefangene Herero friegsrechtlich abgeurteilt und gehängt. Die unbewaffnet eingebrachten wurden wieder weggeschickt, um zu ihren Leuten zurückzukehren. An ver schiedenen Wasserstellen famen Hereros, Männer, Frauen und Kinder und versuchten, im deutschen Lager zu bleiben, in der Hoffnung, hier Kost zu erhalten. Sie wurden aber sofort wieder weggewiesen, um die Einschleppung von Krankheiten zu vermeiden. Man ließ den Eingeborenen also die Alternative, sich entweder hängen zu laffen oder zu verhungern! Das Pulver spart mau freilich nach Möglichkeit, darin hat Graf Bülow recht! Zentrums- Köder. Wie aus Südwestafrika berichtet ist, hat General v. Trotha gegenüber den tatholischen Missionaren besondere Liebenswürdigkeit an den Tag gelegt. So hat er sich in photographieren lassen. Nun ist General v. Trotha selbst katholisch, Windhuk auf der Straße mit dem katholischen Missionsvorsteher immerhin mag in dem Verhalten Trothas als auch in dem Entsenden dieses katholischen Generals eine bestimmte politische freundlicher für die afrikanische Kolonialpolitik Absicht gelegen haben, nämlich Die, das Bentin er zu stimmen. Wie die Deutsche Kolonial- Zeitung" berichtet, ist auch bereits in Treis a. d. Mosel eine eigene Anstalt zur Ausbildung fatholischer Missionare für DeutschSüdwest afrika in Aussicht genommen worden. Wie man sich erinnert, haben die katholischen Missionare in Südwestafrika es verstanden, sich mit den Kolonisten auf besserem Fuß Kolonialsystem trefflich angepaßt. Darüber, daß sie Vorstellungen gegen die Brutalitäten und Räubereien der Kolonisten bei der Regierung erhoben hätten, ist jedenfalls nichts bekannt Ebensowenig It sich die Stimme irgend eines geworden. Miffionars beim Beginn des Krieges gegen die Ausschreitungen der Kolonisten erhoben, wohl aber haben mehrere Missionare sofort die Flinten ergriffen, um gemeinsam mit den Mannschaften der Schutztruppe und dem aufgebotenen Landsturm gegen die Hereros ins Feld zu rücken. Dies Verhalten der katholischen Missionare soll also be lohnt werden. Genug der Heuchelei. " Die alte, mit Ausnahme von England in ganz Europa zurzeit verstanden. Damit ist diese Frage vorläufig von der Tagesordnung zu stellen als die protestantischen Missionare, fie haben sich dem München, 8. Dezember.( Telegramm.) Eine Schu männerVersammlung, die gestern abend die Gründung einer Unterstügungskaffe vornehmen wollte, wurde wiederum noch vor der Eröffnung durch einen Oberwachtmeister für aufgelöst erklärt. Der Einberufer wendet sich beschwerdeführend an das Ministerium. Südwestafrika. noch herrschende Schule setzt die Würde und Autorität der Behörden und der Besitzenden und Angesehenen aus Rücksicht auf den Bestand der Gesellschaft so hoch, daß der Versuch, ein in solchen Stellungen befindliches Individuum anzutasten, als das schlimmste Vergehen angesehen wird. Ich habe sehr häufig erlebt in früheren Jahren mit moralischem Entfeßen, später ohne solches-, daß man ein von solchen Personen erwiesenermaßen begangenes Verbrechen mit ruhigem Achselzucken verurteilt, während man den nicht erwiesenen Voriv urf eines Verbrechens mit gärender Galle und kochendem Blut Ueber die Ursache des Witboi- Aufstandes als ein scheußliches Attentat verurteilt, selbst dann, wenn die Verdachtgründe nicht unerheblich sind. Einzelne Erlebnisse dieser Art verbreitete bekanntlich der Kriegsberichterstatter der haben in mir einen unauslöschlichen Eindruck hinterlassen. Als ich Scherlpresse das Märchen, daß der Herero- Aufstand Das Berliner Tageblatt" behauptet heute, der„ Vorwärts" noch in Bonn Privatdozent war, wurde gegen einen, seitdem ver- von Hendrik witboi angezettelt worden sei. Inzwischen storbenen, Profeffor der Verdacht eines schieren und gemeinen Ver- find mehrere andere Briefe in der Preſſe veröffentlicht worden, sei durch seine Feststellungen im Schettlerprozeß" so schwer brechens ruchbar. Zufällige Verbindung mit einem Zeugen, mit wonach umgekehrt Samuel Maharero versucht habe, die witbois getroffen daß er die Angelegenheit auf welchem ich intim war, brachte in mir einen solchen Grad von für den Aufstand zu gewinnen. Ob dieſe Briefe echt sind, ist aller- Moral des Handelsteiles des„ Berliner Tageblattes" verschoben Ueberzeugung von der Begründung der Anschuldigung hervor, wie dings noch die Frage; von amtlicher Stelle sind sie nicht veröffenthabe. Das ist wieder eine und zwar eine bewußte unwahrheit. Nun aber bringt der Hamburger Korrespondent" ich ihn später als Geschworener nie wieder gehabt habe, wo arme licht worden. Teufel munter ins Zuchthaus geschickt wurden. Der Staatsanwalt einen Brief, den der Barmer Missionsinspektor an den Das„ Tageblatt" weiß sehr wohl, daß nicht wir, sondern es selbst cut en jedoch fand die Zeugenaussagen nicht bestimmt genug und weigerte Bruder des von den Witbois ermordeten Bezirksamtmannes die von uns erwähnten umlauteren Manöver seiner Inseratenpraris durch Verschiebung auf die Schlettler- Affäre zu r:: wirren bemüht sich, Klage zu erheben, was er um so leichter durchsetzen konnte, da von Burgsdorff gerichtet hat. In dem Briefe heißt es: Anliegend sende ich Ihnen Auszüge aus den Briefen unserer war. Das„ Berliner Tageblatt" veröffentlicht die folgende Erklärung niemand ein besonderes Interesse bei der Entdeckung des Verbrechens hatte. Um diese Zeit hörte ich von einem angesehenen rheinischen Missionare, soweit dieselben über den Tod Ihres Herrn Bruders des Redakteurs des Handelsteils: " worden, die erledigt sein. " Morgen sollte der Prozeß vor dem Schwurgericht wegen des befannten Angriffes auf den Kriegsminister André in der Deputiertenfammer stattfinden. Italien. Ueber die Finanzlage い Frankreich, Deutschland und der Schiveiz einen Staatenverein der an Die Versammlung hört die Ansprache stehend an. Eine Reihe fleinerer Vorlagen ohne erhebliches Interesse wird ohne Diskussion erledigt. Der Vorwärts" stellt wiederholt die Behauptung auf, daß die Redaktion der Handelszeitung des Berliner Tageblatts" sich in ihrer Haltung durch Rücksichten auf den Inseratenteil des „ Berl. Tageblatts" habe bestimmen lassen. Obwohl ich erst fürzlich Um 6 Uhr findet eine gemeinschaftliche Sibung des ohne jede Einschränkung dieser Behauptung entgegengetreten Magistrats und der Stadtverordneten- Versammlung statt behufs der bin( Nr. 603 des„ Berliner Tageblatts"), hält der VorVornahme der Wahl von acht Mitgliedern und acht Stellvertretern wärts" an seiner Auffassung feft. Er spricht von festgestellten verbreitete sich in der heutigen Sibung der Deputierten des Steuerausschusses der Gewerbesteuer- Klasse I für den Ver Tatsachen, obwohl er weiß, daß seine Behauptungen sich lediglich kammer der Schazminister Luzzatti. Niemals habe ein Parla- anlagungsbezirk Berlin und eines weiteren Mitgliedes und Stellauf die Auslassungen eines kleinen konservativen Finanzorgans ment so ernste Finanz- und Wirtschaftsfragen in kurzer Frist zu vertreters zum Zweck der Veranlagung der Warenhaussteuer für die stützen. Ich erkläre nunmehr nochmals ausdrücklich, daß der Verlag erledigen gehabt: Neuordnung des Eisenbahnwesen, Steuerjahre 1905-1907. des„ Berliner Tageblatts" niemals versucht hat, mich zu einer Ver- Handelsverträge, Ottroireform. Das Rechnungsjahr Die Vorschläge der gemischten Deputation für diese Wahl werden quickung meiner redaktionellen Tätigkeit mit dem Inseratenwesen 1903/04 habe einen Einnahme überschuß von 58½ Mill. durch Buruf akzeptiert. zu bestimmen. Da der„ Vorwärts" an seine in beleidigendster Lire und nach Abzug von mehr als 12 Millionen für Bahnbauten Von den Stadtvv. Antrick und Genossen( Soz.) ist am Form gehaltenen Behauptungen meine Ehre aufs schwerste ver- und nahezu 13 Millionen für Schuldentilgung einen Ueberschuß 17. November folgender Antrag eingebracht worden: legende Schlußfolgerungen knüpft, so sehe ich mich als leitender bon fast 34 Millionen ergeben. Trotzdem die moderne Den Magistrat zu ersuchen, Schritte zu ergreifen, um die und verantwortlicher Redakteur der Handelszeitung des„ Berliner Finanzpolitik an dem Zuge kranke, daß zu Mindereinnahmen führende Beschränkung des gefezlich gewährleisteten Tageblatts" veranlaßt, gegen den verantwortlichen Redakteur des Steuerreformen gleichzeitig mit Mehrausgaben für die Bedürftigen Rechts der Einwohner auf Benußung der „ Vorwärts" dieserhalb Strafantrag zu stellen. Arthur Norden." auf Kosten der Steuerzahler durchgeführt würden, sei doch für das Straßen und Pläge durch Polizeiorgane für die Außerdem erwähnt das„ Berliner Tageblatt", daß auch Herr gegenwärtige und nächstfolgende Rechnungsjahr ein Aktiv über= Zukunft zu hindern, insbesondere der Wiederholung unRudolf Mosse selbstverständlich" die Beleidigungsklage gegen uns chuß von mehr als 10 Millionen Lire, ohne Anberechtigter Verhaftungen vorzubeugen, wie solche wiederholt leihe aufnahme, zu erwarten. Durch die A us= einleiten werde. Wir finden diese Absicht ausgezeichnet Arbeitern und Arbeiterinnen gegenüber, deren völlige Schuldeinandersehung mit den Bahngesellschaften erund mit Vergnügen losigkeit selbst vom Gericht anerkannt ist, lediglich wegent sehen der Aufklärung der Inseraten wachse dem Staat eine Zahlungspflicht von fast einer halben Milliarde, praktiken des„ Berliner Tageblattes" entgegen, die ja auch in der und eine ebenso hohe auf zehn Jahre verteilte Ausgabe werde für Benutzung der Straßen und Plätze vorgekommen sind, und die Uebernahme der Sicherheitspolizei durch die vorstehenden Erklärung gar nicht geleugnet werden; vielmehr be- Verbesserungen des Bahnförpers und des Materials erforderlich sein. Stadt in die Wege zu leiten. hauptet nur Herr Norden, er sei nicht schuld an diesen Dingen. Die erstere Zahlung könne ohne Anleiheaufnahme aus eigenen Mitteln Vorsteher Dr. Langerhans: Ich stelle den Antrag auf Im übrigen sind wir es nun satt, dem„ Berliner Tageblatt" und des Staates geleistet werden. Was die Handelsverträge Uebergang zur Tagesordnung und möchte ihn sogleich der gesinnungsverwandten Presse ihre Orgien der Heuchelei weiter zu betreffe, ſo ſei es Italien trotz der größten Schwierigkeiten gelungen, begründen. Wir wissen, daß viele Jahre in der Stadtverordnetengestatten. Genosse Singer hat es bisher aus begreiflichen Gründen nicht mit allen Nationen wirtschaftlichen Frieden zu versammlung immer ein Streit war gegen die Regierung, daß wir für notwendig gehalten, auf die plumpen und verlogenen Andeutungen Rußland zu vollenden. Für die große Rententonversion was wir für richtig und notwendig hielten. Die Regierung hielt schließen; man hoffe, dies Werk durch einen neuen Vertrag mit glaubten berechtigt zu sein, in unserer Versammlung zu besprechen, der bürgerlichen Presse zu antworten. Nachdem nun aber einmal folle die Zeit nach Beendigung des Krieges in Ost= das„ Berliner Tageblatt" die Sache in der von ihm beliebten Weise asien abgewartet werden, inzwischen sollten aber weitere uns dann immer den§ 35 der Städteordnung vor:" Die Versammaufgerührt hat, wollen wir nun das Folgende feststellen, um allen innere Anleihen zur Konversion gelangen. Der Minister erörterte ung hat über alle Gemeindeangelegenheiten zu beschließen, soweit unsinnigen Gerüchten entgegenzutreten: sodann die Frage der Erleichterung des Hypothekar- dieselben nicht ausschließlich dem Magistrat überwiesen sind. Es ist in der Gerichtsverhandlung gegen Frau Schettler aus- kredits, zu deren Durchführung ein neues Institut geplant ſei, verordneten nur dann beraten, wenn solche durch besondere Gesetze leber andere als Gemeindeangelegenheiten dürfen die Stadtund warnte davor, allzu fühne Finanzreformen drücklich feſtgeſtellt worden, daß Singer weder zu Drgien noch zuvor Durchführung der Eisenbahn- Reorganija: oder in einzelnen Fällen durch Aufträge der Aufsichtsbehörden spiritistischen" oder derlei Ausschweifungen irgend welche Be- tion, die nur allmählich erfolgen fönne, zu unternehmen. punkt nicht verlassen, ihnen überwiesen werden." Wir haben aber unseren Standziehungen gehabt hat. Es ist auch in der Hauptverhand- Immer aber müsse als Ideal die Herabseßung der Verpunkt nicht verlassen, haben in Anträgen und Petitionen lung auf die Zeugenschaft Singers ausdrücklich verzichtet worden. brauchssteuer im Auge behalten werden, und es versucht, unsere Wünsche und Ansichten auszudrücken und Es ist gerichtlich festgestellt worden, daß Genosse Singer vor werde deshalb eine auf 5 Jahre verteilte Verminde Das erstemal, wie dagegen remonstriert wurde, schickte der Oberhaben den Parlamenten unsere Petitionen zugeschickt. mehreren Jahren einmal zu dem Mädchen in Beziehungen getreten rung der gemeindlichen Oftroiabgabem bor= ist. Das ist alles und es bedarf keiner weiteren Auseinandersetzung, gesch I agen. Wenn Italien so auf dem Wege durchführbarer präsident dem damaligen Vorsigenden Straßmann den Befehl, die geschlagen. daß er damit nichts getan hat, was ihn als unverheirateten Mann Finanzreformen ohne Aufnahme neuer Anleihen fortschreite, werde Petition nicht auf die Tagesordnung zu setzen und drohte zugleich mit 300 M. Strafe. Das wurde bekannt und die Versammlung in der Achtung herabzusehen geeignet sein könnte. Für jeden ehr- es, wie früher ſeine politiſche, ſo jetzt seine finanzielle Wiedergeburt beschloß, diese Petition abzuseßen. Später fam eine Gelegenheit lichen Gegner müßte damit, wie wir meinen, diese Angelegenheit erreichen. Luzzatti teilte noch mit, daß Italien sich bemühe, mit bei den Getreidezöllen. Da sahen wir auch ein, daß die gauze Beder Seidenweberei interessierten Staaten zu bilden. Diese sollten bölferung leiden würde nur zum Vorteil einzelner Klaffen des Volkes; gleich hohe Zölle erheben und versuchen, von den anderen Ländern wir wollten dagegen vorstellig werden, die Petition wurde die Festsetzung geringerer Zölle zu erlangen. Dieser Plan habe die von mir ziemlich schnell expediert, so daß der Befehl, die Sache nicht Bustimmung der Handelsvertragsunterhändler der Schweiz erhalten zu verhandeln, zu spät kam. Aber es hat doch die Art unserer und werde in wohlwollender Weise von Deutschland und Frankreich Wahrung des Petitionsrechts einen gewissen Eindruck gemacht. Die Stettiner Stadtverordneten- Versammlung war gegen die Regierung geprüft. beim Ober- Verwaltungsgericht klagbar geworden, daß ihr verboten war, gegen die Getreidezölle zu petitionien, fie hatte Recht bekommen. Wir bekamen nun den Ueber Bülows Etatsrede bringen die ,, Times" einen Leit- scheid, daß die Sache wohl eine vitale Angelegenartikel. Sie erklären, Bebels Auffassung, daß die Reden heit von höchster Wichtigkeit für Stettin sei, wo ein großer Getreidedeutscher Staatsmänner und die Begründungen Fall sei. Diese Auffassung beruhte zwar auf Unkenntnis, aber es markt dauernd stattfinde, aber nicht für Berlin, wo das nicht der des Marine Etats schuld trügen an dem Mißtrauen war doch immer ein Bescheid. Sie sehen, wo vitale Interessen in Englands, sei unbestreitbar und vollkommen wahr. Erfreulich Frage kommen, fönnen wir beraten. Natürlich können dabei auch sei es, daß Bülow jetzt eine andere Haltung einnehme. Aber politische Argumente zum Vorschein kommen. Wir hielten es also für seine Honigworte an Interviewer und den Reichstag ge- falsch, daß der Oberpräsident so in unsere Gerechtsame eingriff. nügten nicht, um die Eindrücke abzuschwächen, Jeßt aber fommt dieser Antrag. Der ist nach meiner Ansicht ein die durch jahrelange deutsche Taten und Worte politischer, und wenn er hier zur Verhandlung kommt, wird auch hervorgerufen feien. Antimacchiavellistische Phrasen seien be- die Debatte eine politische. Der Antragsteller kann sich aus dem kanntlich ein Teil der macchiavellistischen Realpolitik Preußen- Antrag etwas heraussuchen und erklären, das ist nicht politisch, das Aber wenn der betrifft gerade das Gemeindeleben ganz besonders. Zürich, 7. Dezember.( Eig. Ber.) Der Kanton Zürich hat vor Deutschlands. Antrag einmal hier zur Beratung kommt, dann ist es ganz gleich. acht Jahren in der Person eines Dr. Nappold einen Polizeihauptmann erhalten, der die bedenklichsten Eigenschaften in sich vereinigt. was die Antragsteller sagen. Ein Antrag mit dem Thema„ Streifund London, 4. Dezember. Bereits im Herbst waren sich die lokalen brecher polizeiliche Vor einiger Zeit wurden aus den Kreisen der ihm unterstellten Polizisten fann Einwirkung" auch dahin heraus die schlimmsten Enthüllingen über einen von ihm Behörden Englands darüber klar, daß wir einem schweren Winter führen, daß gesagt wird, die Gesetze sind schlecht, die Vollstreckungsmit der Mannschaft schwunghaft betriebenen Wäschehandel gemacht; entgegengehen. Seitdem hat die Arbeitslosigkeit an Umfang be- gefeße sind nicht genügend usw., und endlich müssen Sie gedann folgten die Enthüllungen über die Umtriebe und Praktiken der deutend zugenommen und kann trotz aller Hülfsversuche nicht ein- wärtig sein, daß aufmerksam gemacht wird darauf, daß der politischen Polizei", die ihre unverschämten Schnüffeleien über alle gedämmt werden. Die Sozialisten und die Gewerkschaften ver- Raiser die Straßen bei vielen Gelegenheiten sperren läßt. Sturz, bekannten Sozialdemokraten erstreckte; weiter stellte es sich heraus, langten die Einberufung des Parlaments zu einer außerordentlichen Sie sehen, wir würden in eine politische Verhandlung hineinkommen. daß der Doktortitel des Herrn Polizeihauptmanns eine fritische Seffion, aber die Regierung, ebenso wie die liberale Opposition er- Wenn wir den stolzen Gedanken gehabt haben: wir werden allein Prüfung nicht aushält, worauf er darauf verzichtete. In der jüngsten flärten außerstande zu sein, diesem Verlangen nachzukommen und so flug sein, daß wir unseren Eid auf die Städte Ordnung halten Beit gab es noch eine standalöse Gerichtsverhandlung. Auf Ver- verwiesen sie auf die lokalen Behörden. Diese haben zwar in London dann können wir dem§ 35 zufolge diese Angelegenheit hier nicht anlassung Rappolds hatte der Polizeikorporal Schneebeli einen um eine Organisation geschaffen, die die Aufgabe haben soll, Mittel und Wege besprechen. Ich bin der festen Meinung, daß es nicht anders abfangreichen Bericht über die angeblich sehr schlechte Vergangenheit zu finden, den Arbeitslofen beizustehen, allein bis jetzt fonnte sie nichts gehen wird, als wie ich es angedeutet habe. Ich bin nicht imstande, des Polizeiwachtmeisters Treichler, mit dem der Polizeihauptmann tun, da sie den Grundfaz der kollektiven Verantwortlichkeit ablehnt. wenn einer der Redner etwas sagt, was dem Antragsteller unbequemt und zu rektifizieren auf verfeindet war, geschrieben; der Bericht enthielt die ungeheuer Ein Amerikaner, Mr. Fels, stellte der Lokalregierung eine Farm von ist, die Tagesordnung zu Darum glaube ich, wir tun nicht gut daran, lichsten Behauptungen und Beschuldigungen und ihn lieferte 1000 Acres zur Verfügung, um eine Ackerbaukolonic für Arbeitslose verweisen. meinen Antrag zu verwerfen. Es muß uns doch ein stolzes Gefühl Rappold an die Justiz- und Polizeidirektion aus, um sie zum zu gründen. Vorgehen gegen den ihm verhaßten Wie schwer die lokalen Armenunterstützungen auf den einzelnen sein, uns sagen zu können, wir können die Ordnung unter uns allein verhaßten Treichler zu ber= anlassen. Treichler flagte aber und Schneebeli wurde Gemeinden lasten, zeigte der Arbeiterabgeordnete Mr. Crooks, in aufrecht erhalten. Wir können wohl sagen, daß in wenigen Parlavom Gericht wegen Verleumdung verurteilt; der moralisch Mit- dessen Gemeinde Poplar( Ost- London) wöchentlich 690 Pfd. Sterling menten jo ordentlich verhandelt wird wie hier. Wollen wir das nun berurteilte war Rappold. Darauf wurde Schneebeli aus dem auf Unterstüßung arbeitsloser Bürger verausgabt werden. Diese stören dadurch, daß wir zugeben müssen, wir können nicht dafür Bolizeidienst entlassen, Rappold und Treichler dagegen vom Dienste Summe ist für die sogenannte outdoor relief: für die außerhalb der forgen, daß die Städte- Ordnung so gehandhabt wird, wie es gesuspendiert. Ferner hat die Justizdirektion die seinerzeit wegen Armenanstalten sich befindenden Armen. Die Gemeindesteuern be- meint ist? Das ist nicht eine Selbsterhöhung, sondern das Gegenanderer Geschichten veranlaße Untersuchung gegen Rappold dem laufen sich dort auf 50 Proz. des Reinertrages der Hausmiete. teil. Darum bitte ich Sie, so über diese unangenehmen Dinge hinStaatsanwalt Merkli, der offenbar nichts finden konnte, abgenommen Sir H. Campbell- Bannerman, der Führer der liberalen Partei, vegzukommen. Sie wissen, daß wir gern mit Ihnen( zu den Soz.) und dem Untersuchungsrichter Dr. Goldschmidt übertragen. empfing diese Woche eife Deputation von Arbeitslosen in Manchester, beraten über alle unsere städtischen Einrichtungen und wie Sie doch Die Untersuchung gegen Rappold erstreckt sich u. a. auf Anstiftung die ihn ersuchten, für die Einberufung des Parlaments zu wirken, recht große Vorteile in der Höherstellung der ärmeren Bewohner zu falschem Zeugnis( Meineid) und Fälschung eines amtlichen dann für die Erhaltung der Bürgerrechte der während der Arbeits- gegen früher erreicht haben. Das werden wir weiter erreichen und Berichtes. Der entlassene Schneebeli hat sich infolge seiner Ent- losigkeit aus öffentlichen Mitteln unterstüßten Armen, schließlich für es ist ja vielleicht ganz zweckmäßig, daß Sie unter uns find.( UnLaffung das Leben genommen, welcher traurige Vorfall das größte eine staatliche Hilfsaktion. Der liberale Führer zeigte nur ein ruhe und Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Aber wenn Sie teilweises Entgegenkommen. uns so stören in unseren Verhandlungen und wir in unserer Versammlung nicht mehr die Achtung der Welt genießen, dann tut Sie großes Unrecht.( Große Unruhe bei den Sozialdemokraten; vereinzelter Beifall.) Dagegen kann allerdings das„ Berliner Tageblatt" seine moralische Entrüftung auch weiter der Angelegenheit widmen. Jenes Mädchen ist in der Tat das Opfer einer Korruption geworden. Es war ein verheirateter rheinischer Großindustrieller von einem bekannten, Namen, der das Mädchen jener Laufbahn zugeführt hat, die es zu einem Ausbeutungsobjekt für Frau Schettler gemacht hat. Es ist ein Großindustrieller, der in verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu einer sehr bekannten Persönlichkeit steht, die der Reichstag auch schon als Kommissar des Bundesrates zu begrüßen die Ehre gehabt hat, einem hohen Beamten, der aus diesem Grunde auch als Zeuge im Schettler- Prozeß geladen war. Auf der Zeugenliste standen im übrigen auch ein Architekt, ein Redakteur, ein Oberst a. D. von einem gerade heute sehr beliebten Adelsnamen usw. usw. Aufsehen erregte. Husland. Schweiz. Polizeikorruption. # England. Arbeitslosigkeit. Norwegen. und Be= Stadtv. Stadthagen( Soz.): Der sehr verehrte Herr Vorsteher Unser Züricher Partei- Drgan, das„ Volfsrecht", übte die verdiente scharfe Kritik an allen diesen Vorgängen und unsere Fraktion im Kantonsrate wollte die Regierung darüber interpellieren. Als Kommunalwahl- Erfolge der Sozialdemokratie. In Kristiania aber die Entlassung und Suspendierungen erfolgten, verzichtete sie auf haben am Montag die Kommunalwahlen stattgefunden. Die Bedie beabsichtigte Interpellation. Das war ein taktischer Fehler, denn nun teiligung war stärker als je zuvor; von 64 028 Wahlberechtigten würde zu seiner Meinung nicht gekommen sein, wenn er sich interpellierte der Demokrat Dr. Wettstein im Kantonsrat und übte er gaben 35 147 ihre Stimmen ab, darunter 15 000 Frauen. Wie die gegenwärtig gehalten hätte, daß die sämtlichen Kollegen hier rückhaltlose Kritik an den korrupten Zuständen in der Kantonspolizei, am nächsten Tage vorgenommene Auszählung ergab, haben die sich an ihren Eid gebunden halten und nichts tun werden, die der intriguante und skruppellose Polizeihauptmann geschaffen hat. Konservativen 18943 Stimmen erhalten, die Sozialdemo- was dem Eid widerstreitet. Ich bin von dem Antrage ganz überJustizdirektor Dr. Stössel gab die erwähnten Tatsachen und demokraten 9517, die Liberalen 4476, die Totalisten( Abstinenzler) rascht. Ich stimme mit dem Vorredner durchaus darin überein, daß noch andere Mißstände zu, so die Unterlassung der Protokollierung der 1060 und eine" unpolitische" Liſte 724. Bei der Kommunalwahl von der§ 35 für uns maßgebend ist. Der Vorsteher meint, unser Anden Inhaftierten abgenommenen Gegenstände, Unregelmäßigkeiten in der 1901 erhielten die Konservativen 15 000 und die Sozialdemokraten trag berühre keine Gemeinde- Angelegenheit.§ 4 der Städteordnung Führung der sogenannten fleinen Staffe zugunsten der Polizeioffiziere. 4500 Stimmen( 14 Stadtverordnete). Die Stimmenzahl unserer sagt: Alle Einwohner des Stadtbezirks sind zur Mitbenugung aller Unser Genosse Seidel konstatierte, daß das bestehende Polizei- Parteigenossen hat sich also seitdem reichlich verdoppelt und, da das öffentlichen Gemeinde- Anstalten der Stadt berechtigt." Dazu ge system, welches dem Hauptmann eine viel zu große Machtfülle ge- wird auch ihre Vertretung im Stadtparlament erheblich verstärkt werden. Spezialansicht; das ist rechtens auch nach Entscheidung des Obersystem, welches dem Hauptmann eine viel zu große Machtfülle ge- Proportionalsystem für die Vertretung der Mandate maßgebend ist, so hören auch die Straßen und Plätze, und nicht bloß nach meiner währt, an der herrschenden Korruption schuld sei und daher hier der Hebel zur Besserung angesetzt werden müsse. Mehrere liberale In den beiden anderen größten Städten Norwegens wurde ebenfalls tribunals.( Redner verliest den betreffenden Wortlaut, der von den Redner machten dem Justizdirektor unverantwortliche Läffigkeit am Montag gewählt. In Bergen erhielten die Konservativen und Soziald. mit lebhaftem Hört! hört! aufgenommen wird.) Es kann nicht Roppold gegenüber zum Vorwurf, denn schon längst hätte Roppold Liberalen 4891 Stimmen, die Linken 3067, die Sozialdemolarer ausgesprochen werden als hier, daß es eine flagrante Be Roppold gegenüber zum Vorwurf, denn schon längst hätte Roppold traten 2734, die Totalisten 2082; in Trondhjem die Konservativen schränkung der Selbstverwaltung wäre, wenn die Aufsichtsbehörden vom Dienste suspendiert werden sollen. Eine Spezialität Rappolds, an die auch noch Dr. Wettstein Totalisten 685 und die Liberalen 376 Stimmen. 2543, die Sozialdemokraten 2008, die Linfen 712, die erinnerte, ist eine Prozeßsucht, der verschiedene Journalisten zum Opfer fielen. Der Mann wollte durch Einschüchterung die Kritik an Auch diese Zahlen weisen einen starken Fortschritt der sozialfeinem Treiben verhindern, und er fand auch gefällige Richter für demokratischen Stimmen auf. seine Zwecke. Nun hat ihn das verdiente Schicksal doch erreicht. Es bleibt mun abzuwarten, ob man das so arg kompromittierte Polizeisystem ändern wird. Frankreich. Syveton an Gasvergiftung gestorben. Kommunales. Stadtverordneten- Bersammlung. 38. Sigung vom Donnerstag, den 8. Dezember 1904, nachmittags 5 Uhr. dazu kommen sollten, zu verhindern, das Recht und die Pflicht der Gemeindebehörden in dieser Beziehung wahrzunehmen. Darüber hat nie ein Zweifel bestanden, daß Straßen und Pläge Gemeindeanstalten sind. Durch Gesetz vom 3. März 1882 ist ferner an Berlin gezahlt worden für die Uebernahme der Berliner Straßen und Plätze, loweit sie fiskalisch waren, zur Ablösung der bis dahin ihr zugeflossenen Rente ein Kapital von 11 126 000 Mart, und dafür haben wir die Verpflichtung übernommen, auch diese Straßen in unsere Verwaltung zu übernehmen. Wir würden also den Vertrag nicht erfüllen, wenn wir nicht dafür sorgen, flagrante Verlegungen des Rechtes der Einzelnen auf Benutzung der Straßen zu Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sigung gegen verhindern. Der Vorsteher wies darauf hin, daß wir die Achtung 5 Uhr mit einem Nachruf für den verstorbenen früheren Kollegen der Welt genießen sollen; wir genießen sie nicht mehr in dem Der Deputierte Sybeton ist an den Folgen der Gasausströmung Dr. Freudenberg. Alle würden sich dieses lebhaften jungen Augenblid, wo wir mit verschiedenem Maße zu messen versuchen, heute nachmittag gestorben. Arztes erinnern, dessen eifrige Beteiligung an den Arbeiten alle wo wir es verschieden ansehen, wenn es sich nur um Arbeiter achten mußten, wenn sie auch oft nicht seiner Ansicht sein konnten. handelt, nachdem die Gerichte erklärt haben, daß die Hinderung In frühen Jahren sei er von einer Stehlkopf- und Lungenkrankheit der rechtmäßigen Benutzung der Straßen eine Rechtswidrig dahin gerafft worden, gegen die er vergebens angekämpft und ver- feit ist. Niemals hat die Aufsichtsbehörde gewagt, gegen gebens in Kairo Heilung gesucht habe. dieses Klagerecht der Stadt einzuschreiten. Ich verweise auf einen Aus Paris meldet heute der Telegraph: Der Deputierte Sybeton ist in seiner Wohnung infolge Aus strömens bon Gas fast erstidt. Syveton, der wegen seines Ohrfeigen- Attentates auf André für 30 Sigungen von der Teilnahme am Parlament ausgeschlossen war, hätte heute zum erstenmal wieder an der Tagung teilnehmen dürfen. lund ähnlichen Fall aus dem Jahre 1890. In Dugenden, ja in Hunderten Stadtv. Ulstein: Wir haben nichts dagegen, obwohl die An- Untersuchung der Angelegenheit des Tabaltrusts angeordnet, der aus bon Fällen steht es fest, daß Arbeiter rechtswidrig gehindert worden nahme unseres Antrages den Ausschuß überflüssig machen würde. Wir amerikanischen und kontinentalen Gesellschaften in den Vereinigten find, Straßen und Plätze zu benutzen.( Zwischenrufe.) Das hat beanstanden ebenso wie der Vorredner namentlich den ersten Satz; Staaten und der British Imperial Company in England besteht. das Gericht in 50, in 100 Fällen in höchster Instanz festgestellt, der Vorschlag macht den Eindruck, als ob die Sozialpolitik des Sollten sich, so heißt es in der Meldung, die Anschuldigungen gegen auch daß die Arbeiter ihres Rechts des Streitpostenstehens beraubt Magistrats nach dem Prinzip der Echternacher Springprozession den Trust bestätigen, würde dieser in Anklagezustand versetzt werden. worden sind. Und da soll die Achtung Berlins nicht in Frage arbeitete: drei Schritte vorwärts, zwei zurück!( Ruf bei den Sozial- Die Pflanzer beklagen sich, daß das Verfahren des Trusts die Konkommen? Und wie steht es damit, damit, daß mit solchem demokraten: Fünf zurück!) kurrenz beim Einkauf unterdrücke. Vorgehen die Voraussetzungen zu einem Aufruhr eventuell Nachdem Stadtrat Namslau dem Antrag Ullstein widergeschaffen werden, tvo dann nachher die Stadt für den sprochen, wird Ausschußberatung, für die sich auch Stadtv. Dinse Sachschaden haften muß? Also steht doch eine Gemeinde- erklärt, beschlossen. Angelegenheit ersten Ranges in Frage; das ergibt§ 4 der Städte- Ordnung in Verbindung mit dem Gesez von 1882, und mit dem Aufruhrgesetz zweifelhaft. Halten wir unseren Eid hoch, lehnen wir gerade aus diesem Grunde den Antrag des Vorstehers ab, wenn er es nicht mit Rücksicht auf seinen Eid vorzieht, seinen Antrag zurückzuziehen!( Beifall bei den Sozialdemokraten.) Nach der Geschäftsordnung müßte jetzt die Abstimmung über den Antrag Langerhans erfolgen. Stadtv. Singer( Soz.) zur Geschäftsordnung: Ich wollte mir nur erlauben festzustellen, daß, nachdem der Vorsteher diesen Antrag auf die Tagesordnung gesezt hat, er sich nach meiner Meinung des Rechtes begeben hat, jezt seinen Antrag zu stellen; feine tonstitutionellen Bedenken find gegenwärtig nicht mehr angängig. Außerdem muß ich mein lebhaftes Bedauern darüber aussprechen, daß der Vorsteher jetzt dazu kommt, oberpräsidieller zu sein als der Oberpräsident. Der Antrag ist wochenlang bekannt; der Oberpräsident hätte das Recht gehabt, die Verhandlung zu verhindern. Das ist nicht geschehen. Ich kann nur mein tiefes Bedauern aussprechen, daß gerade jezt unser verehrter Vorsteher dazu kommt, daß die Reaktion sagen kann: Jezt hat auch der alte Langerhans für uns gesprochen. ( Bewegung.) Nachdem ihm nachgewiesen ist, wie er sachlich im Unrecht ist, wird er hoffentlich seine Hand dazu nicht mehr bieten, und ich hoffe, daß er seinen Antrag zurüdzieht. Die Vorlage betr. die Verkleinerung des Plates K, Abt. XIV, zwischen Revaler- und Kopernikusstraße an der Grenze von Borhagen- Rummelsburg beantragt Stadtv. Haberland einem Ausschuß zu überweisen. Stadtb. Hinge( Soz.): Der Plak soll um mehr als die Hälfte verkleinert werden. Der Hinweis, daß inzwischen andere Bläge angelegt sind, nimmt auf den Rudolfplatz Bezug; dieser liegt aber jenseits der Bahn. Weshalb den Anliegern ein so beträchtliches Geschenk in den Schoß geworfen werden soll, ist nicht ersichtlich. Die Vorlage geht an einen Ausschuß. Auf den Vorschlag des Stadtverordneten Mommsen, dem sich Rosenow anschließt, sezt die Versammlung, da die Abhaltung des Städtetages die meisten Fraktionen verhindert hat, am Dienstag ihre üblichen Beratungen abzuhalten, die übrigen wichtigeren Gegen stände, u. a. die neueren Akten zum Schulkonflikt und das neue Steuerbukett, von der Tagesordnung ab. Schluß nach 1/8 Uhr. Aus Induftrie und Handel. Verfammlungen. Vierter Wahlkreis( Ost). Am Dienstag veranstaltete der Wahlverein eine Versammlung im Elysium in der Landsberger Allee. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Genossen Molten buhr über das Thema: Die Totengräber der kapitalistischen Gesellschaft. Die ebenso interessanten wie lehrreichen Ausführungen des Vortragenden wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. es folgte eine kurze Diskussion, an der sich mehrere Parteigenoffen beteiligten, die im allgemeinen mit dem Referenten übereinstimmten. Einer der Redner meinte jedoch, das heutige Proletariat werde wohl noch nicht imstande sein, die Leitung der Produktion zu übernehmen, es bedürfe noch der Vorbildung zu diesem Zweck. Genosse Molkenbuhr antwortete darauf, es sei selbstverständlich, daß wir für die Weiterbildung der Arbeiter sorgen, aber er glaube nicht, daß zur Leitung der sozialistischen Produktion eine neue, eigens zu diesem 3wed herangebildete Generation nötig sei. Mit den bereits vorhandenen Mitteln und Kräften werde sich die Umivandlung der kapitalistischen in die sozialistische Gesellschaft vollziehen. Wir brauchen deshalb nicht zu warten, bis erst eine neue Generation herangebildet ist. General von Trotha " 1 München, 8. Dezember.( W. T. B.) Wie die Münchener Neuesten Nachrichten aus Ay bei Neu- Ulm melden, brach vorgestern in einem Magazin, in dem Benzin und Sprengmaterialien zur Verwendung bei einem Kanalbau aufbewahrt werden, Feuer aus. Das Magazin wurde durch die Explosion der Sprengstoffe in die Luft gesprengt, wobei 15 Arbeiter, davon 6 schwer, verlegt wurden. einen solchen Aufschwung genommen, daß sie bereits einen sehr beDie rheinische Braunkohlen- Juduſtrie hat in den letzten Jahren Letzte Nachrichten und Depefchen. Berlin, 8 Dezember.( W. T. B.) deutenden Teil der deutschen Gesamtförderung liefert. Nach dem Stadtv. Preuß( Soz. Fortschr.): Obwohl von der Inopportunität Bericht des„ Vereins für die Interessen der rheinischen Braunkohlen- meldet aus Windhut: Die 4. Erfaßtompagnie ist am 2. Dezember des Antrages Antrick durchdrungen, müßte ich doch jetzt gegen Industrie" betrug die Braunkohlenförderung im Oberbergamtsbezirt in Lüderizbucht angekommen und sollte bis zum 8. Dezember in drei den Antrag auf Tagesordnung stimmen. Wenn es des Vorstehers Bonn( einschließlich der fleinen Betriebe im Westerwald) 1903 Staffeln nach dem Innern abrücken. Meinung war, daß wir den Antrag nicht verhandeln dürfen, fo 6080 000 Tonnen( im Vorjahre 5 455 000 Tonnen). Der amtlich erkonnte er die Verhandlung verhindern. Aber jetzt halte ich das für mittelte Wert der Förderung betrug 13 136 000 W.( im vergangenen geschäftsordnungsmäßig durchaus unzulässig und deshalb können auch die Gegner nicht für Uebergang zur Tagesordnung stimmen; Jahre 11 425 000 M.). Der Einheitspreis zeigt eine Heine Steigefie müssen die Debatte wünschen, um die Inopportunitat des An- rung von 2,09 M. für die Tonne im Vorjahre auf 2,17 M. im Berichtsjahr, wohl in Uebereinstimmung mit dem etwas besseren trages Antric nachzuweisen. Durchschnittspreis für Briketts. Die Förderung im ersten Halbjahr 1904 beträgt 3 216 000 Tonnen oder 445 000 Tonnen mehr als gleichzeitig im Vorjahr; die steigende Der Eisenbahnunfall auf der Strecke Hoyerswerda- Kohlfurt. Bewegung hält also an. Die Arbeiterzahl war Hoyerswerda, 8. Dezember.( Amtliche Meldung.) Am tro der höheren im Vorjahre; sie betrug 1908 im Durchschnitt 5315 Mann. Streuzungsstation Baerhaus der Linie Kohlfurt- Falkenberg nach Förderung geringer als 6. Dezember nachmittags 8, fuhr eine leere Lokomotive von der Im ersten Quartal 1904 stellte sie sich durchschnittlich auf 5655( im Ruhland ab. Etwa zu derselben Zeit fuhr der Güterzug 8558, anBorjahr 5870) und im zweiten Quartal auf 5210( im Vorjahr 4915) geblich ohne Auftrag des Stationsbeamten, von Ruhland nach Baerhaus zu ab. Beide stießen im Kilometer 99,9 zusammen. Zivei Lokomotivbeamte sind getötet, die anderen beiden schiver verwundet. Zwei Zugbeamte sind leichter verletzt. Das Hauptgleis war bis 7 Uhr morgens unfahrbar. Der Personenverkehr wurde durch Umsteigen an der Unfallstelle aufrecht erhalten. Die Lokomotiven sind stark beschädigt, drei Wagen zertrümmert und vier Wagen teils beschädigt, teils entgleist. Mann. Stadtv. Mommsen( Fr. Fr.): Ich möchte mich diesem Antrag anschließen.( Beifall.) Auch ich bin ein entschiedener Gegner des Antrages Antrick, meine aber, daß es nach der Motivierung des Antrages Langerhans unmöglich ist, für die Tagesordnung zu stimmen.( Bravo!) Die Begründung des Antrages auf Tages ordnung ist in fich selbst widerspruchsvoll gewesen. Vorsteher Dr. Langerhans: Es ist eigentümlich, daß Herr Singer es unternimmt, mir derartige Vorwürfe zu machen. Ich habe es für falsch gehalten, den Antrag nicht zu verhandeln, als er eingebracht war; ich werde mich doch sehr in acht nehmen, über einen Stahlwerke und Halbzeugverbraucher. Wie die„ Kölnische 3tg." Antrag Tagesordnung zu beantragen, der Ihnen nicht schon lange meldet, waren gestern in Köln Vertreter einer Reihe von Vereinen bekannt ist. Aber vielleicht habe ich mich überlebt und werde danach der weiterverarbeitenden Industrien zu einer Vorbesprechung verhandeln. sammelt. In derselben wurde folgender Beschluß gefaßt: Die VerStadtv. Caffel( A. L.): Namens meiner Freunde kann auch ich fammlung bringt einstimmig zum Ausdruck, daß die Verhältnisse cine Erklärung nicht abgeben, sondern nur persönlich. Der Vorsteher in der Eisen- und Stahlindustrie sich zugunsten der Erzeuger der hätte ja doch aus eigener Entschließung den Antrag nicht auf die Rohstoffe und der Halberzeugnisse und zum Nachteil der weiter Tagesordnung zu setzen brauchen. Er hat jezt aber ausgeführt, daß verarbeitenden Industrien entwickelt haben. Es soll ein Ausschuß wir nicht berechtigt seien, über den Gegenstand zu verhandeln, der verschiedenen Gruppen der weiterverarbeitenden Industrien zu und er scheint nicht gewillt zu sein, der Bitte Mommfens nachzufammentreten, der die Ursachen dieser Entwickelung feststellen und geben. Wir haben alle den tiefsten Nespekt vor der Tätigkeit unseres einer später einzuberufenden Versammlung Vorschläge machen soll, Vorstehers im Dienste der Stadt und der allgemeinen Interessen. wie weiterer Schädigung der weiterverarbeitenden Industrien in Ich möchte nicht, daß hier durch unsere Beschlüsse plöglich eine engerem Zusammenschluß vorzubeugen ist. Situation entsteht, die wir gern bermeiden möchten, und bitte Sie daher, diese ganze Angelegenheit auf acht Tage zu vertagen. Stadtv. Dinse( N..): Wir sind auch nicht in der Lage, dem überraschenden Antrag des Vorstehers Folge zu leisten und ich schließe mich dem Antrag Cassel an. Stadtv. Singer: Die Antragsteller schließen sich dem Antrage auf Bertagung an.( Beifall.) Stadtv. Mommsen erklärt das gleiche. Syvetons Tod. Paris, 8. Dezember.( W. T. B.) Ueber den Tod Syvetons wird gemeldet: Syveton hatte sich nach dem Essen in sein Arbeitsimmer zurückgezogen, das durch einen Gasofen geheizt wird. Dort wird gemeldet: Syveton hatte sich nach dem Essen in sein Arbeitsimmer zurückgezogen, das durch einen Gasofen geheizt wird. Dort fand ihn um drei Uhr seine Frau bewußtlos am Boden liegen. Ein fand ihn um drei Uhr seine Frau bewußtlos am Boden liegen. Ein fofort herbeigerufener Arzt stellte vergeblich Wiederbelebungsversuche all. Dem Gerücht von einem Selbstmord Syvetons wird von seinen Terlinden- Konkurs. Der Fall der Leipziger Bank ist fast ver- Freunden aufs entschiedenste widersprochen. Syveton hätte heute, gessen, aber noch immer schwebte bisher über die Unternehmungen da die Frist seiner Ausschließung abgelaufen war, wieder in der Gerhard Terlindens, des Urhebers des Zuſammenbruchs, das Kon- Kammer erscheinen sollen; sein Ausbleiben hatte daher schon während kursverfahren. Jetzt soll, wie die" Rheinisch- Westfälische Zeitung" der Sizung seine Parteigenossen beunruhigt. Die Nachricht, daß er berichtet, endlich der Konkurs durch einen Zwangsvergleich beendet bewußtlos aufgefunden sei, wurde von dem Ministerpräsidenten, der werden. Den rund 13 000 000 Mart Konkursforderungen stehen sie vom Polizeipräfetten telephonisch erhielt, mehreren Deputierten 487 000 Mark Aktiven gegenüber. Bevorrechtigte und hypothefarisch mitgeteilt.( Siehe auch unter Ausland.), gedeckte Forderungen sind 1922 000 M., so daß für die nicht bevorrechtigten Konkursgläubiger 556 135 M gleich 4,3 Proz. verbleiben. des Werkes vermieden und die damit verknüpften Kosten erspart, auch der Betrieb nicht unterbrochen wird. 2 Die große Mehrheit nimmt darauf den Bertagungsantrag Diese Dividende ist nur erzielbar, wenn die Zwangsversteigerung Bei der Beratung des Justisbudgets fritifiert Grosjean Caffel an. Die Ansarbeitung des Entwurfs für den Ausbau des Kaiser und Kaiferin Friedrich- Kinderkrankenhauses foll den Architekten Schmieden und Böthke, Nachfolgern der Firma Gropius u. Schmieden, der Erbauerin des Krankenhauses, übertragen werden; die Beschlußfassung über die Ausführung wird bis zur Genehmigung des speziellen Entwurfs vorbehalten. Paris, 8. Dezember.( W, T. B.) Deputiertentammer. ( Nationalist) die Haltung geivisser Gerichtsbeamten und greift das Rundschreiben des Ministerpräsidenten an die Präfekten bezüglich der Nach den Enthüllungen, welche die gerichtlichen Verhandlungen republikanischen Vertrauensmänner an. Ministerpräsident Combes gegen den mit Zuchthaus bestraften Terlinden ergeben haben, ist erividert, die Regierung diene gegenwärtig als Zielscheibe für verdas Resultat für keinen der Beteiligten eine Ueberraschung, ebenso einigte Angriffe der Opposition, der Augenblick zu antworten sei aber geben diese Verhandlungen den Schlüssel für die außerordentlich noch nicht gekommen. Justizminister Vallé gibt eine ähnliche Er( Lebhafter Widerspruch rechts.) Hierauf werden Stadtv. Dr. Weyl( Soz.) ist mit der Vorlage insoweit nicht ein- lange Dauer des Konkurses. Der Zwangsvergleich geht dahin, daß flärung ab. fich die Gläubiger mit dem oben genannten Prozentfab ihrer mehrere Artikel des Budgets angenommen. Colin( radikal) berverstanden, als die Forderung des seinerzeit gefaßten Bersammlungs- Kontursforderung an der zur Fortführung der Betriebe verbleibenden langt, daß die Beamten, welche Angeberdienste geleistet hätten, zur beschluffes, schon im Baujahre 1904 eine Baurate flüssig Aftiengesellschaft und der neuen zur Verwertung der für den Be- Rechenschaft gezogen werden sollten. Der Justizminister Vallé zu machen, nicht erfüllt ist. Ferner fragt Redner, wie trieb nicht erforderlichen Ländereien zu gründenden Grundstücks- antwortet, daß er bereits Maßnahmen getroffen und daß er bezüglich jedes besonderen Falles die Gerichtspräsidenten befragt habe. Dieheben können. felben hätten geraten, jene Beamten nicht zur Rechenschaft zu ziehen Internationaler Schienen- und Trägerverband. Zwischen den und sie auch nicht abzusehen. Der Minister beschuldigt die Opposition, deutschen, englischen, französischen und belgischen Schienenverbänden daß fie beabsichtige, das bestehende Mißbehagen zu einem dauernden ist, wie aus London gemeldet wird, eine Verständigung erzielt worden. zu machen.( Beifall links, Lärm rechts.) Leygues sagt, man Nach der Londoner Fron and Coal Trades Review" ist gestern in müsse mit den Angebereier ein Ende machen. London die Unterzeichnung des Abkommens erfolgt. Ueber die mit den Amerikanern geführten Verhandlungen wird mitgeteilt, daß sie zwar fortgeschriften feien, doch habe hinsichtlich der Bedingungen eine Verständigung noch nicht erreicht werden können. es mit der Beseitigung des Notstandes in Beziehung eine gesellschaft m. b. H. beteiligen oder die genannte Summe in bar erauf Stinderkrankenbetten stehe, beziehungsweise ob bald Vorlage betreffend den Bau eines Kinder Krankenhauses gemacht werden wird. Stadtrat Straßmann: Für den Bau eines Krankenhauses für Säuglinge und nicht infektiöse Kinder sind in der Anleihe 1 600 000 Mark ausgeworfen. Das Bauprogramm wird ausgearbeitet. Der Magistratsantrag gelangt darauf zur Annahme. Mit der Erhöhung der von den Gemeinden Lichtenberg, Borhagen Rummelsburg und Stralau für den Anschluß an die Berliner Kanalisation vertraglich zu leiftenden Beiträge für jedes Meter der angeschlossenen Grundstücksfront, und zwar des einmaligen Beitrags von 50 auf 70 M. und des laufenden jährlichen Beitrags von 6 auf 8 M. hat sich der niedergesetzte Ausschuß einverstanden erklärt. Die Versammlung stimmt ohne Debatte ebenfalls zu. = Der Ministerpräsident Combes erklärt, die Angebereien seien tadelnsivert, aber man dürfe sie nicht mit den Auskünften verwechseln, die in gutem Glauben gegeben seien. Sein Rundschreiben bestätige nur das, was unter dem Ministerium Ribot geschehen sei. Er werde dafür Beweise bringen.( Beifall links.) Stibot verDas russische Branntweinmonopol. Wenn auch manche andere langt, daß diese Beweise noch heute abend beigebracht werden. Ginnahmequellen des heiligen russischen Reiches in den letzten Jahren Combe& antwortet bejahend und schließt, indem er sein volltrotz allen Hochdruckes nicht reichlicher fließen wollten, ein Trost ist ständiges Einvernehmen mit den Ausführungen des Justizministers dem russischen Finanzministerium in seiner schwierigen Lage ge- Vallé ausdrüdt. Hierauf wird der Antrag Collin mit 276 gegen blieben: der Branntweinverbrauch steigt noch immer und mit ihm 274 Stimmen verworfen. Es wird sodann sofortige Besprechung des Für das laufende Rechnungsjahr werden noch 100 000 M. aus die Einnahme aus dem Branntiveinmonopol. In den 63 Gou- Rundschreibens des Ministerpräsidenten beantragt. Combes er der Anleihe zum Neubau der Grünstraßen Brücke zur Verfügung gestellt, da deren Bau schneller als erwartet wurde, von vernements und 8 Gebieten mit einer Bevölkerung von 125 Millionen flärt sich damit einverstanden. Ribot und Leygues beantragen, Menschen, in denen das Monopol besteht, hat im letzten Jahre nach die Besprechung auf morgen zu vertagen. Dieser Antrag wird mit statten gegangen ist. Die Kostenanschläge für mehrere Ausführungen beim Neubau dem fürzlich erschienenen Ausweis der Gesamtkonsum wiederum 295 gegen 268 Stimmen angenommen und die Sizung hierauf geum 6 796 573 Wedro( 1 Bedro 12,3 Liter) zugenommen. schlossen. der III. Frrenanstalt in Buch werden auf Antrag a ber- Die Gesamteinnahme für das Jahr 1903 stelle sich nämlich auf Iand einem Ausschuß überwiesen. Japans Antwort auf die Einladung zur Friedenskonferenz. Im Anschluß alt eine Revisionsentscheidung des Reichs- 540 978 265,46 Rubel. Nach Abzug der Ausgaben ergeben sich als Reingewinn der Krone aus der Branntweinregie 388 319 247,65 tubet, Washington, 8. Dezember.( Meldung des Neuterschen Bur.") Versicherungsamtes beabsichtigt der Magistrat den§ 9 des Gemeindes 41 433 214,66 Rubel mehr als im Vorjahre. Bei Vergleich der Ein Japan hat die Einladung der Regierung der Vereinigten Staaten beschlusses von 1901 betreffend die Gewährung von Ruhegeld nahmen mit den Ausgaben ergibt sich, daß die Brutto- Einnahme zur Teilnahme an einer zweiten Friedenskonferenz im Haag und Hinterbliebenen- Versorgung an die städtischen Arbeiter der Krone fich pro Wedro auf 7,75 Rubel stellte, wovon nach Abzug unter der Bedingung angenommen, daß die Verhandlungen der wie folgt abzuändern: Steht einem Ruhegeld- Empfänger auf Grund des Invaliden- der Brutto- Ausgaben im Betrage von 2,20 Rubel der Strone von Konferenz den gegenwärtigen Konflikt nicht berühren. Diese Mitjedem verkauften Wedro ein Reingewinn von 5,55 Rubel teilung wurde dem Staatssekretär Hay heute vom japanischen Versicherungs- Gefeges Invaliden- oder Invaliden- oder Altersrente verbleibt. Während der Periode 1897 bis 1902 ist der Gewinn pro Geschäftsträger Hioki überreicht. wird das Ruhegeld um den halben Betrag der Rente gekürzt. Beim Zusammentreffen des Ruhegeldes mit sonstigen Bezügen aus Wedro verkauften Brantwveins ständig gewachsen und stieg von 4,90 Rubel im Jahre 1897 auf 5,49 Rubel im Jahre 1902. Der größte BranntMitteln des Reiches, eines Bundesstaates oder anderer öffentlicher weinkonsum entfällt auf die Gouvernements Mostau, Petersburg, Verbände oder mit Bezügen auf Grund der Unfallversicherung Kiew und Cherfion, während der geringste Konsum in Olonez, Geseze tritt eine Kürzung des Nuhegeldes ein, wenn und soweit Esthland, Archangelst und Kurland erfolgt. diefe Bezüge zusammen mit dem Ruhegelde den DurchschnittsArbeitsverdienst übersteigen. Eine vor dem Eintritt in den städtischen Dienst erworbene Unfaйrente bleibt hierbei außer Betracht. Treffen Witwen- oder Waisengelder mit einem der vorstehend angegebenen anderweiten Bezüge zusammen, so werden sie um den Betrag der letteren gekürzt. zu, ſo Hinzu hat Stadtv. U list ein( foz.- fortschr.) beantragt: 1. den ersten Sag und das Wort sonstigen" zu streichen; 2. hinter Unfallversicherungs- Gefeße" einzuschalten oder des Jnvalidenversicherungs- Gesetzes." So erweist fich der Branntweinsfuff als nützliche Einnahmequelle für die Finanzen, troßdem läßt sich in ihrer edlen Besorgtheit um das Volkswohl die russische Regierung mit größter Energie angelegen sein, das Volt zur Mägigfeit zu erziehen. Von der BruttoEinnahme von 541 Millionen Rubel hat sie nämlich nicht weniger als vier ganze Millionen den Mäßigkeits- Kuratorien überwiesen. Vom oftasiatischen Kriegsschauplate. Tokio, 8. Dezember.( W. T. B.) Eine Meldung des Komnian dierenden der gelandeten Schiffsgeschüße von heute nachmittag 21 Uhr befagt: Heute um 12 Uhr wurde es gewiß, daß die Peresivjet" gesunken ist; sie befindet sich in der gleichen Lage wie die" Boltawa". Die Ballaba" beginnt sich nach Backbord zu neigen; wir richten ein heftiges Feuer auf sie. London, 8. Dezember. Dem„ Reuterschen Bureau" ist folgende Depesche feines Korrespondenten bei der japanischen Armee vor Bort Arthur zugegangen: Jch besuchte den 203 Meterhügel, der Anblick des Kampfschauplages ist fürchterlich. Die Japaner haben die borgeschobenen Werte nach sechstägigem Kampfe genommen; der Kamm des hügels ist durch die Befchießung weggeriffen. Die Abhänge find mit Trümmern bedeckt, die Gräben eingeworfen und mit Erde zugefüllt. Roosevelt und die Trufts. Herr Roosevelt hat in seinen Botschaften mehrfach ein Einschreiten der Regierung gegen die sogenannten Auswüchse der Trusts angekündigt. Irgend etwas Greifbares ist Stadtv. Schubert( Soz.): Wenn der Revisionsbescheid angenehm aber bisher nicht dabei herausgekommen, und das ist begreiflich, berühren mußte, so enthält andererseits der neue§ 9 eine absolut denn seine Partei kann die Gelder der großen Trusts bei ihren In einem einzigen 100 Schritt langen Stück Graben wurden 200 tote nicht billigenswerte Verschlechterung des bisherigen Zustandes. In der Wahlkämpfen nicht entbehren. Hin und wieder tat allerdings, um und verwundete Russen gefunden. Die Leichen waren durch das in mit dem Kleinhandel und der Kleinindustrie nicht Handgranaten geschleuderte Dynamit entseglich verstümmelt. Mehrzahl der Fälle wird der Ruhegeldempfänger um ettva 100 9. ge- es Herr Roosevelt fo. als solle etwas gegen Petersburg, 8. Dezember.( W. T. B.) Wie verlautet, ist gestern schädigt werden, was doch wohl selbst nicht in der Absicht des Magistrats zu verderben, Jetzt foll, wie telegraphisch aus die Absendung eines dritten Geschwaders befchloffen worden, welches gelegen haben dürfte, sondern vielleicht bloß ein„ falscher Zungen- die Trusts geschehen. Die Weiterfahrt des zweiten fchlag" ift. Deshalb und zur völligen Klarstellung dieser sehr ver- Washington gemeldet wird, wieder mal fo getan werden, am 8. ober 9. Januar abgehen foll. widelten Materie beantragen wir leberweisung an einen Ausschuß. als sei die Regierung zum Handeln entschlossen. Sie hat eine Geschwaders wird dadurch nicht aufgehalten. Berantwo. Redalt.: Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw.( mit Ausnahme der Neue Welt"-Beilage): Th.Glocke, Berlin. Drud u.Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsbl. 29 |b.m 21. 1. Kcilligt drs Jurmürts" Iniinn KliisM Frettag, 9. Dezember 1904. Zu den Gemeindewahlen in der Pfalz. Genosse Ehrhart ersucht uns um Aufnahme des nach- stehenden Artikels, auf den wir aus Rücksicht auf den Raum erst morgen antworten werden: 5�'„Vorwärts" und mit ihm der größere Teil unserer Partei- presie hoben das Vorgehen der Pfälzer Genossen bei ihren Gemeinderatswahlen wiederholt bekrittelt. Ich habe, um Irrtümern vorzubeugen, in der„Koniinunalen Praxis" einen über unsere Ver- hälMisse mformierenden Artikel veröffentlicht, der indes nur eine recht beschränkte Würdigung fand. Das billigste. was die Genossen eines Ortes, wenn man deren Tätigkeit einer Kritik unterzieht, erwarten können, ist doch, daß man deren Wahlbewegung verfolgt und sich über die Verhältnisse zu orientieren sucht; leider scheint das aber nur wenig geschehen zu sein. Es mag mir deshalb jetzt, nachdem unsere Wahlen so ziemlich beendet, ge- stattet sein, auf die gegen uns gemachten Einwürfe zurückzukommen. Ich halte mich dazu verpflichtet, da es mir nicht gleichgültig ist, in welchen Ruf wir Pfälzer bei den übrigen Genossen gelangen. Man hat uns mit anderen Genossen unbesehen in den Millerandistensack gestopft, hat uns ob der Vielseitigkeit unserer Kmnpromisse verhöhnt und geglaubt, uns das Klassenbewußtsein schärfen zu müssen. Aber mit Ausnahme unseres Hallenser Organs, das uns die Nicht- linie dahin angibt, daß.wenn uns die Gegner schon 1l Mandate gutwillig einräumen, unsere Partei stark genug sei. ganz selbständig vorzugehen, und daß wir so viele Mandate zu erobern suchen müssen. als wir erlangen können", hat uns keines unter Berücksichtigung unserer Verhältnisse gesagt, was wir tun müssen. Mit allgemeinen Redensarten kann uns nicht gedient sein. Die Pfälzer Genossen haben in ihrem letzten Gemeindewahlkampfe nach ihrer alten Taktik, die sich schon seii 15 Jahren be- währt, die schon ebenso lange auf unseren pfälzischen Gau tagen in Resolutionen fest- gelegt und veröffentlicht wurde, die seither von keinem unserer Organe auch nur mit einem Worte moniert wurde, gehandelt. Hat man unS früher keine Beachtung geschenkt, so sind wir daran unschuldig, jedenfalls konnten wir aber nach dem Schweigen unserer Prinzipienwächter annehmen, daß wir keinen Verrat an unseren Prinzipien oder unserer Taktik begehe». Mindestens können wir darob auf mildernde Umstände für uns plädieren. Was zunächst die Mannigfaltigkeit der Kompromisse anlangt, so sind wir, gewiß nicht zu unserem Vergnügen, auf solche immer noch angewiesen. Es ist schon oft genug von uns als Binsenwahrheit ausgesprochen worden, daß unsere Gegner ohne Ausnahme brutal in der Besetzung der städtischen Verwaltung verfahren. Bei uns scheidet sich diese Besetzung in dem größeren Teile der Gemeinden je nach der Religion. Wir haben Gemeinden, wie beispielsweise Dürkheim, das seit Menschengedenk grundsätzlich keinen Katholiken wählt, in anderen wiederum ist es umgekehrt; daß man in solchen Gemeinden eine besondere Vorliebe für die scheuen Augen der Sozial- demokraien hätte, haben wir bis jetzt noch nicht wahrgenommen, es war deshalb ganz selbstverständlich, daß wir uns, die wir in der Regel mit unserer Stimmenzahl in der erdrückenden Minderheit waren, mit der Partei verbinden mußten, die gleich uns uMerdrückt war. Daraus erklärt sich, daß wir das Rezept, das uns von einem unserer Organe gegeben wurde,.wir hätten wenigstens nur mit einer Partei kompromisseln sollen", mcht anwenden konnten. In ihrem Haß gegen die Sozialdemokratte macht die bürgerliche Gesell- schaft keinen Unterschied, das lesen wir täglich in unserer Presse und ich stimme dem zu. Wenn dem so ist, dann wäre es doch sonderbar, wemi wir uns, um etwas zu erreichen, auf eine bestinimte gegnerische Partei beschränken sollten. Gerade in Rücksicht darauf haben wir in der Pfalz von jeher die Ueberzeugung propagiert, daß unsere Gegner unS alle gleich sind. Man hat uns auf das klassenbewußte Vorgehen der Genossen von Frankfurt. Offenbach-c.(man könnte auch Berlin hinzufügen) ver- wiesen. Auch wir freuen uns über deren Erfolge von ganzem Herzen und treten ihnen gewiß nicht zu nahe, wenn wir in aller Bescheidenheit darauf verweisen, daß eben unsere gesetzlichen Vor- bedingungen zur Wahlbeteiligung ganz andere sind und deshalb auch eine andere Taklik bedingen. Wäre es so leicht, hierin zu gene- ralisieren, so hätte sicherlich schon längst einer unserer Parteitage dahin resolviert, da solches aber noch nicht geschah, so be- finden wir uns in der gewiß nicht angenehmen Lage, uns selbst nach bestem Wissen und Parteigewissen zu helfen. Mögen die Genossen allerwärts unsere Tätigkeit verfolgen, so werden sie die Ueberzeugung gewinnen, daß das Gros der Pfälzer Genossen an UeberzeugungStreue hinter anderen Genossen nicht zurücksteht. Aller- dingS das eine muß ich gestehen, im großen ganzen hat man bei unS die Ueberzeugung, daß der Wahltampf mcht alleiniger Zweck unserer Beteiligung an den Gemeindcwahlen ist, sondern daß man sich in der Gemeinde in unserem und damit dem Interesse der Arbeiterschaft prakttsch an der Gemeindeverwaltung beteiligen will, zu was würde man sich sonst schon seit vielen Jahren m unseren Reihen die Köpfe über ein unseren Grundsätzen entsprechendes Gemeindeprogramm zerbrechen? Dasselbe zu ver- wirklichen muß unsere Ausgabe sein, da kann es sich nicht darum handeln zu warten bis wir durch eigene Kraft in eine Körperschaft gelangen, denn in diesem Falle würden unsere Gegner unS schon einen schweren Riegel vorschieben. Aber selbst wenn wir uns so lange gedulden und schließlich die ganze Vertretung besetzen, so Wären uns immer noch in unserem Vorgehen einige Grenzen ge- zogen, denn noch hat die herrschende Klasse das Heft in Händen, mit dem Kopf durch die Wand kann nran auch in der Pfalz nicht. Gewiß gab eS in unserem Wahlkampfe Gemeinden in der Pfalz, in denen das Borgehen unserer Genossen kein einwandfreies war, aber ich kann konstatieren, daß dabei kein Material gegen den Revisionismus oder Millerandismus herauszufischen ist. Nun zu den Verhältnissen in Ludwigshafen, die ja meist an» gezogen wurden. Man macht uns zum Vorwurf, daß wir unS mit 11 Kandidaten begnügten und prophezeite, daß diese von den Gegnern nicht gewählt werden würden. Zum Glück für unS traf nun letzteres nicht zu. Auch ist nicht richtig, daß das Kompromiß eine geringe Wahloeteiligung zur Folge habe. 80 Prozent haben gewählt, das ist sicher kein schlechtes Resultat. Nun die Wahl vollzogen wird be- hauptet, das sei der Beweis, daß wir die Majorität hatten und unsere Taktik hätten daraus zuschneiden müssen. Nach den Wahlen wissen wir iinmer mehr als vorher, aber die Möglichkeit habe auch ich st, meinem Artikel in der„Kommunalen Praxis" im voraus zugegeben. Trotzdem ich Anspruch darauf mache, die Verhältnisse zu kennen, kann ich die optimistische Ansicht von unserer so sicheren Majorität nicht teilen. Es ist doch ein gewaltiger Unterschied zwischen der Beteiligung an einer Reichs- oder Landtagswahl, in der nur ein Kandidat gewählt wird, oder einer Gemeindewahl, in der 36 Name» aufzustellen sind. Der sicherste Gradmesser ftir die Stärke unserer sicheren Stimmen, d. h. solcher, die mit uns durch dick und dünn gehen, sind jedenfalls unsere politisch organisierten Genossen. Von den etwa MOO Mitgliedern dürsten aber kaum 600 das Wahlrecht besitzen. Das ist doch mir ein geringer Teil von den 5000 Wahlberechtigten. Wenn auch ein großer Terl der übrigen Wähler für uns stimmen mag, so sind diese nicht unter allen Umständen zuverlässig. Es ist aber auch unrichtig anzunehmen, daß die auf unsere niederst bestimmten Kandidaten gefallenen Stimmen unsere Stärke darstellen, denn auch ein Teil der Gegner hat sie gewählt, wie wir die ihren gewählt haben. Sicher ist dagegen, daß, wenn wir uns in der seitherigen Weise weiter entwickeln, wir i« der nächsten Periode die Majorttät l-sitzen werden. Ob wir dann eine reine ganze Kandidatenliste auf- —eu werden, ist heute zu besprechen eine müßige Frage. Daß es leichter ist,' eine Situation zu erobern, als sie dauernd zu erhalten, hat uns gerade unsere letzte Gemeindewahl gezeigt. Neben dem taktischen Standpunkt kommt aber auch noch in Betracht, ob wir über die nötigen geeigneten Kräfte zur ganzen Besetzung der Liste verfügen. Meine in der„Kommunalen Praxis" dies- bezüglich gemachten Aeußerungen wurden vom„Vorwärts" als über« trieben und als ängstliche Unterschätzung bezeichnet. Jedenfalls haben wir Genossen genug, die die nötige Intelligenz besitzen, aber nicht genug solcher, die solch' große Opfer bringen können, wöchentlich tagelang sich ohne. Entschädigung der Stadthaustätigkeit widmen zu können. Würden wir den ganzen Stadtrat übernehmen, so müßten wir sämtliche mehr als ein Dutzend Kommissionen besetzen und die ganze Arbeit allein leisten, denn mit dem Beschließen im Plenum allein wäre es in diesem Falle nicht abgetan, da nach der Gemeinde-Ordnung alle Gegenstände erst in einer Kommission vor- beraten werden müssen. Solcher Kommissioussitzungen haben im letzten Jahre nahezu 400 stattgefunden. Es kommt auch in Betracht, daß Ludwigshasen eine Fabrikstadt ist mit einer stark fluktuierenden Bevölkerung. Daß wir einen besoldeten Bürgermeister haben, ändert an der Sache nichts zu unseren Gunsten. Es kommt aber noch ein wesentlicher Faktor in Betracht. Wie in allen Städten, so ist eS auch in Ludwigshafen und der Pfalz, daß die ganze Arbeitslast stets einer bestimmten kleinen Anzahl Genossen aufgebürdet wird. Um die ganze Verwaltung zu übernehmen, müßten wir— iinmer vorausgesetzt, daß auch die Wähler damit einverstanden wären— unsere gesamten besten Kräfte auf dem Stadthaus feswageln, wir würden damit unsere sonstige Agitation aber auch lahmlegen. Es ist nicht jede Stadt in der glücklichen Lage, über so viele unabhängige opferbereite Genossen verfügen zu können, wie Berlin, Leipzig oder Dortnmnd. Wir werden uns des- halb auch nach dieser Richtung vorläufig noch nach unserer Decke strecken müssen. Wir haben vor fünf Jahren unter Mithülfe des Kleinbürgerwms das erbeingesessene großkapitalistische Regiment der Anilinfabrik und Pfalzbahn gestürzt, der darauf gewählte Stadttat stand unter sozia- listischer Führung; man war im allgemeinen, unsere Genoffen in- begriffen, mit dessen Tätigkeit einverstanden, deshalb wurde der größere Teil auch von unseren Genossen wiedergewählt. Wir sind nun als stärkste Fraktton an die erste Stelle gerückt und beanspruchen damit einen der beiden Adjunkten. Damit wird die Regierung, da ihr das Bestätigungsrecht zusteht, auf eine ganz interessante Probe gestellt. Auch diese Frage haben die Genossen eingehend beraten und fast einstimmig beschlossen, von ihrem Recht Gebrauch zu machen. parlamentanlckes. Die Petitionstommission des Reichstages beschloß in ihrer am Mittwoch abgehaltenen Sitzung, eine Petition betreffend Einführung der zloölfftündigen Arbeitszeit für alle im Gastwirtsgewerbe An- gestellten dem Reichskanzler als Material zn überweisen. Derselbe Beschluß wurde gefaßt bezüglich einer Petition betreffend Unter- stellung des in Handelsgärtnereien beschäftigten Personals unter die Gewerbe-Ordnung. Ferner beschloß die Kommission, den Reichs- kanzler zu ersuchen, gesetzliche Bestimmungen zn tteffen bettcffend Abgrenzung der Handelsgärtnereien von den landwirtschaftlichen Gärtnereibetrieben. Aus kaufmännischen Kreisen wird petitioniert, daß in allen kauf- männischen Bettieben, die nicht zum Kleinhandel gehören, die voll- ständige Sonntagsruhe gesetzlich eingeftihrt und bis zur Erreichung dieses Zieles der Ladenschluß an Sonntagen spätestens um 12 Uhr mittags zu erfolgen habe; daß ferner die Sonntage vor Weihnachten, an denen die Läden länger als fünf Stunden geöffnet sein dürfen, möglichst eingeschränkt und vor den anderen hohen Fest- tagen die Ausnahmebestimmungen ftir die Zulassung längerer Sonntagsarbeit nicht mehr zur Anwendung kommen dürfen. Weiter wird gewünscht, daß die Höchstarbeitszeit in Kontoren auf neun Stunden bei zweistündiger Mittagspause festgesetzt werde. Diese Pettttonen beschloß die Kommission dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. Weiter wird petitioniert um Einführung von Inspektionen für das Handelsgewerbe in derselben Weise, wie solche für die Fabriken bestehen. Diese Forderung soll dsm Reichskanzler zur Berücksichtt- gung überwiesen werden. Ueber eine weittre Forderung: einen Sommerurlaub von mindestens 14 Tagen den Handels- angestellten gesetzlich zu sichern, wurde Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Eine Petition betteffend Einführung des obligatorischen Fortbildungsschulunterrichts für alle unter 18 Jahre alten Handelsangestellten beschloß die Kommission, dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Tin Friseur petitioniert um völlige Schließung der Friseur- laden an Sonntagen. Zigarrenhändler bitten um gesetzliche Fest- legung der AuSnahmetage, an denen Ladengeschäfte länger geöffnet sein dürfen, sowie um das Verbot des SchaustellenS und Verkaufs von Zigarren in Schankgeschäften, Barbierläden zc. während der Stunden. an denen die Zigarrengeschäfte geschloffen sein müssen. Bäcker- meister endlich wünschen, daß ihnen gestattet werde, mit dem Ver- kauf von Backwaren schon vor 5 Uhr morgens zu beginnen. Alle diese Wünsche sollen dem Reichskanzler als Material überwiesen werden._ Partei- ISacbncbten, Byzantinische Geschmacklosigkeit. Die sächsischen Behörden hatten eine Anzahl Arbeiter auf Staats kosten unter Führung des Regierungsrats Kunze aus Ehemnitz nach Charlottenburg in die Ausstellung ftir Arbeiterwohlfahrt geschickt. Diese Arbeiter, KS an der Zahl, wurden vom sächsischen Bundesrats- bevollmächtigten, Geheimrat Fischer, in seine Wohnung zum Essen geladen und dort wurden sie zu einem Ergebenheitstelegramm an den sächsischen König mißbraucht. Die Angelegenheit, an sich ziemlich gleichgültig, obwohl sie von der bürgerlichen Presse als äußerst wichttg behandelt wird, verdient deshalb Erwähnung, Iveil sich unter diesen Arbeitern auch einige Parteigenossen befanden. Die„Sächsische Arbeiterzeitung" erhält über den Vorgang von einem Teilnehmer folgende Mitteilung: „Ueber das Zustandekommen dieser Ergebenheitsadreffe wird uns mitgeteilt: Die Arbeiter wurden lediglich in höflicher Weise zu einem Essen eingeladen und unsere Genossen fühlten sich ver- pflichtet, diese Höflichkeit durch höfliche Annahme zu erwidern, da sie als selbstverständlich ansahen, da es sich um eme ganz neutrale Veranstaltung handeln werde, und daß die Rücksicht auf die Gäste — es war j a den Herren Regierungsvertretern bekannt, daß sich unter den Teilnehmern eine ganze Anzahl Sozialdemokraten befand— die Wahrung dieser Neuttafttät zur AnstandSpflicht machen werde. Daß Herr Fischer in einer Ansprache den verstorbenen und den jetzigen König feierte und unsere Genoffen genötigt waren, sich beim obligaten Hoch zu erheben, mag noch eben hingehen, zumal die Genossen dergleichen bei der offiziellen Veranstaltung schon über sich hatten ergehen lassen müssen. Plötzlich aber erhob sich der Regierungsrat Kunze, der der Gesellschaft als Führer beigegeben war, und teilte mit, daß was vorher am Biertische unter einigen Teilnehmern angeregt worden sei, ein Danktelegramm an den König zu senden. Er habe also eins aufgesetzt, das er verlesen werde. Und nach der Verlesung sagte der Herr sodann:„Wer damit nicht einverstanden ist. der möge sich erheben". Unsere Genossen sahen sich nun in eine sehr peinlich« Situation versetzt. Sie waren empört über diesen Mißbrauch der Zusammenkunft, über diese einer Ueber- rumpelung wie ein Ei dem anderen gleichende Art und Weise des Borgehens, über die grobe Tattlosigkeit. einen erheblichen Teil der geladenen Gäste vor die Alternative zu stellen, entweder ihre Namen mißbrauchen zu lassen, oder einen Mann, der sie höflich eingeladen hatte, zu verletzen und eine peinliche Szene zu veranlassen. Eine schnelle Verständigung war nicht möglich, da die Sozial- demottaten nicht zusammensaßen, sondern unter der ganzen Ge- sellschaft verteilt wa>en und zudem das Essen in zwei Zimmern stattfand. In dem peinlichen Konflikt der Pflichten zwischen politischer Ueberzeugung und der Rücksicht auf den Gastgeber, in den sie ganz unerwartet versetzt worden, haben sich die Genossen passiv verhalten und so konnte Herr Kunze das Telegramm im Namen der 58 Arbeiter absenden. Daß er nicht 69 schreiben durfte, ist einem Genossen zu danken, der sich in semer Nähe befand und der sicb unter ausdrücklichem Protest erhob, zum großen Entsetzen der Herren Fischer und Kunze sowie des Grafen Hohenthal. Die Genossen, die das nickit über sich gebracht haben, denken natürlich nicht daran, ihre politische Ueberzeugung zu ändern und werden aus dem ärgerlichen Vorkommnis die Lehre ziehen, ähnlichen Einladungen künftig nicht mehr zu folgen." Diese Lehre mag jeder Parteigenoffe beherzigen. Gewünscht hätten wir allerdings, daß die Parteigenossen die Pflicht der Höf- lichkeit nicht über die Ueberzeugung gestellt hätten; das konnten sie »m so eher, als ja der Urheber des Zwischenfalles selbst nur Gast war. Hatte er aber diese Geschmacklosigkeit mit Wissen des Gast- gebers begangen, dann waren die sozialdemokrattschen Gäste auch gedeckt. Die UnHöflichkeit fiel ganz auf den Gastgeber zurück. Im übrigen ist es ja nicht neu. daß gewisse Leute keinen Schnaufer mehr tun können, ohne den Monarchen ihrer Ergebenheit zu versichern. Wenn sie es unter sich tun und glauben, daß das zur Stärkung ihres monarchischen Bewußtseins notwendig ist. so kann man über sie und ihr armes stärkungsbedürftiges monarchisches Bewußtsein lächeln; versuchen sie es, andere Leute unter der Spekulation auf deren Höflichkeit mit vor ihren monarchischen Wagen zu spannen, so müssen sie sich gefallen lassen, daß man ihnen auf die Hühneraugen tritt. Wobei man auch dafür noch ein Lächeln übrig haben kann, daß die Leute auf eine so zustande gekommene Ergebenheitserklärung irgend welchen Wert legen. Der schlesische Provinzial-Parteltag, der am Sonntag in Liegnitz tagte, nahm eine» Antrag aus Aenderung der Provinzialorganisatton an. Danach wird Schlesien in die vier Agitationsbezirke Breslau, Langenbielau, Görlitz und Kattowitz eingeteilt. Die Angelegenheiten der Provinz werden durch eine Provinzialkommission erledigt, die sich aus Vertretern der Bezirkskommissionen zusammensetzt. Es wurde weiter beschlossen, den Parteivorstand um An- stellung von zwei Parteisekretären für Schlesien zu ersuchen, einen für Niederschlesien und einen für Mittelschlesien. Sollte nur einer bewilligt werden, dann soll Niederschlesien bevorzugt werden. Genosse Molkenbuhr hatte als Vertreter des Parteivorstandes vorher ausgeführt, daß an den Vor- stand jetzt sehr viel Gesuche um Anstellung von Parteisekretären kämen. Der Parteivorstand müsse jedoch sehr vorsichtig vorgehen, da nicht immer so gute Abschlüsse zu erwarten seien wie der letzte war. Er werde daher für Schlesien wohl nur einen Sekretär bewilligen können. ES wurde noch mitgeteilt, daß die„BreSlauer VolkSwacht" jetzt 13300 Abonnenten habe.________ 6ewerkrchaftUcbC9. Scharfmacher und Tarifverträge. Gegen die„Arbeitgeber- Zeitung", die behauptet. Tarif- Verträge feien für die Unternehmer schädlich und für die Gelb- metall-Jndustrie vollends unmöglich, polemisiert gegenwärtig ein U n t e r n e h m e r- O r g a n. das„Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe". Dieses Organ kritisiert in seiner Nummer vom 7. Dezember den Standpunkt der„Arbeitgeber- Zeitung", die in einem Artikel behauptete, daß Tarifverträge. wie sie von den stteikenden Gürtlern und Drückern ge- fordert werden,„ohne jedweden dauernden Vorteil" eine große Menge nachteiliger Wirkungen zeittgen. An der Hand eines reichen Materials weist das„Zenttalblatt" die völlige Unrichtigkeit der Behauptungen der„Arbeitgeber-Ztg." nach und zittert eine Reihe Arbeitgeber- Verbände, die sich über den Wert von Tarifverträge tt durchaus günstig äußern, so aus Berlin, Breslau, Kassel, Köln, Kottbus, Hannover. Königsberg. Landsberg a. W., Leipzig, Lissa, Magdeburg, Posen, Regensburg, Stade, Stettin, Baden- Baden, Darmstadt, Altenburg, Greiz, Mainz usw. Wörtlich heißt es dann weiter: „Damit ist eigentlich der Artikel der„Arbeitgeber-Zeitung" schon genügend abgetan; wir wollen aber noch einige der schreiendsten Behauptungen durch Hinweise aus die Praxis kurz widerlegen. An einer Stelle wird sehr schön eingewandt, daß den Kollckttvverträgen das„Stigma der Gleichmacherei" anhastet. Wo ist dieses Brandmal in unserer modernen Arbeiterbewegung und den damit in Verbindung stehenden Verhältnissen aber nicht zu finden? Haftet eS etwa den Genera lauSsperrungen, die oft den Tarifgemeinschaften als besseres Streikabwehrmittel an die Seite gestellt sind, nicht ebenso an? Wenn ja, soll dann etwa ein vorurteilsfreier Arbeitgeber nicht den Friedensschluß der Unterdrückung unter Um- ständen vorziehen? Diese Umstände brauchen keineswegs in schwerer Rot zu bestehen, wie die„Arbeitgeber-Zeitung" meint. Gerade die Tatsache, daß die früher von schweren gewerb- lichen Kämpfen mit ain meisten heimgesuchten Buchdrucker- und Baugewerbe die in Höchster N o t abgeschlossenen Tarifverträge später freiwillig und wiederholt ohne vorausgegangenen Streik erneuert und verlängert haben. beweisen das Gegenteil. Gäbe eS daher auch ein anderes Mittel, die Streiks zu bekäinpfeil, so tviirde damit noch lange nicht den Tarifgemeinschaften daö Lebenslicht ans- geblasen sein, da die meisten Verttäge keineswegs gezwungen abgeschlossen werden, sondern in der wohlverstandenen Erkenntnis ihres nicht nur volkswirtschaftlichen, sondern auch sozialpolitischen Nutzens für die manchmal wirtschaftlich wirklich schwächeren Arbeitgeber. Der vorbildliche, nattonale Buchdruckertarif mit seinen 8264 Akkordsätzen(? Red. d.„B."), den verschiedenen Zuschlägen»sw. beweist ferner, daß trotz aller Verschiedenheit der Produktionsverhältnisse, die im Buchdruckergewerbe reichlich, so wie z. B. in der Gelbmetall-Jiidustrie, vorhanden find. bei einigermaßen gutem Willen sich einheitliche Grund- lagen für eine Tarifgemeinschaft finden lassen." Jetzt hören eS die Scharfmacher in der Berliner Gelb- metall-Jndustrie sogar aus dem Munde ihrer eigenen Unter- nehmerfreunde mit ungeschminkter Deutlichkeit, daß ihr Wider- stand gegen den von den Streikenden geforderten Tarifverttag einem ebenso unklugen wie veralteten Herrenstandpunkt ent- springt. Bei nur„einigermaßen gutem Willen" der Unternehmer läßt sich mit Leichttgkeit ein Tarifvertrag schaffen. Die von den Scharfmachern jetzt so empfohlene und mehrfach zur Durchführung ebrachte Aussperrungstaktik mit all ihren chweren Nachteilen für die Industrie wäre überflüssig, wenn sie in der Tat nur der Abneigung gegen die geforderten Tarifverträge entspringen sollte. Wir sind aber der Ueberzeugung, daß die Furcht der„Arbeitgeber- Zeitung" und ihrer Hintermänner vor den Tarifverträgen nicht größer ist. als die des„Zentralblattes für das Bau- gewerbe": man heuchelt eine Abneigung gegen die Tarifverträge, um eine Parole im Kampf gegen die sie fordernden Gewerkschaften zu haben!_ Berlin und Qmgegend. Die Aussperrung in der Gelbmetall-Jndnstrie. Schon vor Wochen erklärten die Fabrikanten, es sei ihnen an der Beendigung des Streiks nichts mehr gelegen, dq ihnen durch das hartnäckige Weiterstreiken der Arbeiter die Weihnachtskonjunktur nun doch einmal verdorben sei. Wie wenig Wert derartigen Er- klärungen beizumessen ist, beweist am besten die Tatsache, daß sich die Fabrikanten unter Aufwendung enormer Geldkosten unausgesetzt nach Arbeitswilligen bemühen und nach wie vor versuchen, Streik- arbeit in anderen Orten anfertigen zu lassen. So sind der Streik- lcitung erst wieder in den letzten Tagen Nachrichten aus Magdeburg, Halle, Braunschweig usw. zugegangen, wonach den dortigen Arbeitern Berliner Streikarbett angeboten wurde, deren Anfertigung sie indessen abgelehnt haben. Einige_ Firmen, unter anderm die Firma Grimm in der Ritterstraße, haben ihre Fabrikräume zu regelrechten Streikbrecherherbergen umgewandelt, ob mit oder ohne Konzession, konnte natürlich nicht festgestellt werden. Unter solchen Umständen werden die Annoncen, wonach Arbeitswillige zu Wochenlöhnen von 40 Mark und darüber bei un- entgeltlicher Schlafgelegenheit gesucht werden, immer verständlicher. Sie zeigen aber auch die ganze Verlegenheit der Arbeitgeber. Wie in der gestrigen Streikversammlung konstatiert wurde, ge- lingt es den Streikposten in den weitaus meisten Fällen, die her« gelotsten Arbeitswilligen, selbst wenn sie schon tage- und wochenlang in irgend einem bestreikten Betriebe gearbeitet haben, zun: Verlassen der Arbeit zu überreden. So vollzieht sich denn ein ständiger Wechsel der paar Arbeitswilligen, wodurch die schon an sich auf das bescheidenste Maß reduzierte Produktionstätigkeit in den einzelnen Fabriken gewiß nicht erhöht wird. In Anbetracht dessen, daß jüngst in der General- Versammlung die Verdoppelung der Beiträge beschlossen wurde, sieht sich die Streikleitung nunmehr in der Lage, nicht itur den unorganisierten Ausgesperrten, sondern auch den aus den Betrieben herausgeholten Ar- beitSwilligen eine größere materielle Unter- stützung wie bisher zukommen zu lassen, was jeden- falls in noch erhöhtem Maße dazu beitragen dürfte, die Arbeit- suchenden von der Verrichtung von Arbeitswilligendiensten ab- zuhalten. In der Versammlung wurde auch wieder ein origineller Vorfall erwähnt, der ein recht bezeichnendes Schlaglicht auf unsere Polizei- z u st ä n d e wirft. Am 6. Dezember lieferte die Firma T r o m p a in der Feilnerstraße Streikarbeit für die Firma Schäffer u. H a u s ch n e r in der Friedrichstraße. Zwei Wagen waren voll- gepackt, ein vierrädriger und ein zweirädriger. Diese Wagen wurden nun von vier Schutzleuten eskortiert, weil Herr Trompa bei der Polizei um„Schutz" ersucht hatte unter dem Hinweise. daß die Streikenden ihm die abzu- liefernde Arbeit möglicherweise gewaltsam vernichten könnten.v i s s e n s ch a f t l i ch e n Vereinigung an der Berliner Universttät, der Freudenberg angehört hatte, senkte sich über den Sarg und die drei Studierenden, die als Abgeordnete' erschienen waren, gaben in ihrem Schmuck der Feier ein Bild, wie Arbeiter es bei solchen Gelegenheiten wohl selten sehen. Nachdem das von einem Arbeiter- Gesangverein gesungene Lied„Ein Sohn des Volkes" verklungen war, hielt Herr Dr. Adler als alter Herr der Freien wissenschaftlichen Vereinigung und als einer der nächsten Freunde des Ver- storbcnen eine ergreifende Grabrede. Er pries ihn mit Recht als den Mann, an dem sich die Forderung Virchows, daß der Arzt der Anivalt der Armen sein solle, erfüllt habe; auch auf ihn passe das stolze Wort:„Patriae inserviendo consurnor", Im Dienste der Gesanitheit habe ich mich aufgezehrt. Dann widmete Herr Dr. Munter im Namen des Vereins der freigewählten Kassenärzte dem Toten einen von Herzen kommenden Nachruf, woraus Stadt- verordneter Borgmann im Namen der Partei im all- gemeinen und dersozinldemokratischen Stadtverordneten- Fraktion im besonderen der Selbstlosigkeit und Opfer- ivilligkeit gedachte, mit der Freudenberg fiir das Proletariat, für die Verwirklichung seiner politischen Ideale eingetreten ist. Zum Schluß stattete Kassenrendant Albert Cohn namens der Z e n t r a l k o m m i s s i o n der Krankeukassen dem Toten den schuldigen Dank ab, daß er ganz besonders dieser Organisation der Helfer war, der die Pflichterfüllung für die Gesamtheit höher stellte als die Rücksicht auf sich selbst, auf seine durch Ueberarbeitung schwer bedrängte Gesundheit. Abennals ertönte ein Lied, worauf der Trauer- zug dem Grabe zuschritt. Hier wurden die Leidtragenden daran erinnert, daß noch viel zu tun bleibt, um Preußen im bescheidensten Sinne zmn Kulwrstaat zu machen. Während in der Friedhofshalle der Berliner Magisttat das Hausrecht ausübt, hat am offenen Grabe ein Amtsvorsteher und ein Landrat darüber zu bestimmen, ob einem Toten eine Grab- rede gewidmet werden darf. Es beliebte den erwähnten Herren nicht, solches zu gestatten, und so wurden denn an der Gruft, während ein Trauergesang erklang, nur die zahlreichen Kranz- spenden niedergelegt, welche die Arbeiterschaft Berlins einem Manne gewidmet hatte, der sein Leben für nichts achtete, wo es galt, dem imterdrückten Teil des Volkes den Weg zur Frei- heit zu bahnen._ Die Bäcker-Innungen Germania und Concordia ersuchen uns um Veröffentlichung des Nachstehenden: Auf ministerielle Anordnung haben die Polizeibehörden Berlins und der Vororte unter dem 12. November bestimmt, daß vom 1. Feiertag früh 9l/3 Uhr bis 2. Feiertag abends fff/a Uhr Arbeiter in der Bäckwei nicht be- schäftigt werden dürfen. Frische, knusperige Knüppel. Hörnchen, Milchbrote zc. müssen nun die Berliner am zweiten Feiertage ent- behren. Dieses Gebäck, das in fast allen Bäckereien jzu jeder Tageszeit frisch zu haben ist und sich großer Beliebtheit erfreut, wird ain 2. Feiertag schmerzlich vermißt werden, insbesondere in besseren Restaurants. Da alte Brötchen zähe und schmackloS find, so werden die Gastwirte fiir entsprechendes Quantum Roggen- brot sorgen müssen, ivelches sich einige Tage schmackhaft hält und von den Berliner Bäckereien in vorzüglicher Güte geliefert wird. und zwar bestelle man nur Brote a 50 Pf., da kleineres schnell trocknet und schmacklos wird. Es empfiehlt sich, daß das Publikum seinen Bedarf für die beiden Feiertage recht zeitig bestellt und am ersten Festtage abnimmt. Voraussichtlich werden die Bäckermeister am zweiten Festtage die Geschästslokale nur kurze Zeit oder gar nicht öffnen, weil frische Ware nicht gebacken und daher nicht zn verkaufen ist. Den Bäckermeistern, die immer bestrebt find, ihre Kundschaft zu befriedigen, wolle man diese kleine Störung nicht zur Last legen. Bei den Lohnbewegungen 1900 und 1904 war eine Freinacht an den drei Haupt- festen eine derjenigen Gesellenforderungen, deren Bercchttgung von der Meisterschaft nicht in Abrede gestellt werden konnte. Im Wege der freien Vereinbarung dies auszuführen, war unmöglich. Nun hat die Behörde dies angeordnet und Publikum und Bäcker- meffter müssen sich fügen. Der Mahnruf der Bäckermeister erinnert uns an ein Weh- geschrei, das die„Vossische Zeitung" erhob, als vor drei Jahren der Neunuhr-Ladenschluß eingeführt wurde. Damals malte das Leib- blatt des Berliner Philistertums eine infolge der erwähnten Maß- nähme verhungernde Bürgerfamilie an die Wand. Wie dies Opfer des Neunuhr-Schlusses zum Bedauern aller auf Unglücksfälle wartenden Reporter nicht in die Erscheinung gerieten ist. so ivird auch die anscheinend herbeigesehnte Brötchen-Entrüstung auf sich warten lassen. Die Beiträge zu den Kosten fiir die Handwerkerkammer zu Berlin, welche von der Stadtgemeinde für das Etatsjahr 1904 geleistet wurden, sollen nebst den aus den Vorjahren übernommenen Aus- fallen durch Umlage auf die hiesigen Handwerksbetriebe zur Wieder- einziehung gelangen. Jeder Betriebsinhaber hat für das Jahr 1904 einen eüunaligen Beitrag zu zahlen und zwar für sich selbst 45 Pf., für jeden Gesellen 23 Pf. und für jeden Lehrling 11 Pf. Als Gesellen gelten auch Werkführer, Gehülfen. Gehülfinnen, Zuschneider, Zuschneiderinnen. Heimarbeiter und sonstige erwachsene technische Hülfspersonen beiderlei Geschlechts. Unter der Bezeichnung Lehrlinge sind auch Lehrmädchen und Arbeitsburschen zu verstehen. Familien- angehörigc gelten ebenfalls als Gesellen oder Lehrlinge, wenn sie an Stelle solcher beschäftigt iverden. Umlagepflichtig ist jeder Inhaber eines hiesigen Handwerks- betriebes ohne Rücksicht auf den Umfang des letzteren, darunter auch Hausgewerbetreibende, sowie solche Personen, die neben einem kauf- männischen Betrieb noch einen handwerksmäßigen unterhalten, auch wenn nur eine Reparaturwerkstatt mit dem kaufmännischen Betrieb verbunden ist. Die Kataster, auS denen die umlagepflichtigen BctriebSinhaber und die von ihnen zu entrichtenden Beiträge zu ersehen sind, liegen in der Zeit bis 19. Dezember d. I. während der Dienststunden von vormittags 9 bis nachmittags 1 Uhr(mit Ausnahme der Sonntage) im Bureau der Gcwerbedeputation des Magistrats, Stralauerstr. 3/6. Hof links 1 Treppe, Zimmer 17. offen aus. Einsprüche gegen die Richtigkeit der Kataster sind daselbst schriftlich anzubringen. Die Einziehung der Beiträge erfolgt durch die städtischen Steuererheber im Vierteljahr Januar— März 1905. Gesuche um Stundung sind nur an die Steuer-Deputatton des Magistrats, Abt. III, zu richten. Im Arbeitshause zu RummelSburg und seiner Filiale in Reinicken- darf wurden im letzten Verwaltungsjahre(1. April 1903 bis 81. März 1904) nach dem Verwaltungsbericht de» Magistrats 2036 männliche und 160 weibliche Korrigenden neu aufgenommen. Am 1. April 1908 hatte die Anstalt einen Bestand von 1479 männ- lichen und 117 weiblichen Korrigenden. Mithin betrug die Gesamt- zahl der im Berichtsjahre in der Anstalt verpflegten Korrigenden 3792(8515 männliche, 277 weibliche). Entlassen wurden 1778 Männer und 138 Weiber, gestorben sind 16 Männer und 2 Weiber. Es verblieb sonach am 31. März 1904 in der Anstalt ein Bestand von 1721 männlichen und 137 weiblichen Korrigenden, das sind 242 Männer und 20 Weiber mehr als am gleichen Tage de« Bor- jahres. Das Hospital deS Arbeitshauses hatte am 31. März dieses Jahres einen Bestand von 663 Hospitalittn, 537 männliche und 126 weib- liche lgegen 453 männliche und 125 weibliche im Vorjahre). Weit über die Hälfte der männlichen arbeitsfähigen Korriaenden wurde mit Feldarbetten auf den städtischen Rieselfeldern beschäfttgt. Die Deputation für die Rieselfelder zahlt an Arbeitslöhnen und Nebenkosten für die mit landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigten Häuslings in den sieben Monaten April bis Oktober pro Tag 40 Pf. Arbeitslohn und 10 Pf. den Häuslingen gutzuschreibenden Ueber- verdienst; für die in den für die Häuslinge errichteten Baracken be- schästigten Köche und Arbeiter aber keinen Arbeitslohn, sondern nur 10 Pf. Ueberverdienst pro Tag während des ganzen Jahres. In den fünf Monaten November bis März wird auch den niit lcmd- wirtschaftlichen Arbeiten beschäftigten Häuslingen der Ueberverdienst von 10 Pf. gutgeschrieben, während die 40 Pf. Arbeitslohn fortfallen. Die auf den Rieselfeldern geleistete Häuslingsarbeit bezifferte sich während der sieben Monate April bis Oktober auf 181 323, während der fünf Wintermonate auf 137 630 Arbeitstage. Mit landwirtschaftlichen Arbeiten auf den Rieselfeldern werden ms- gesamt 1046 Häuslinge beschäftigt. Für die eigene Land- Wirtschaft der Anstalt werden fünf Männer beschäfttgt; ftir die eigene Hauswirffchaft 271 Mäimer 94 Weiber, und zwar 113 Handwerker, 4 Gärtner, 42 Arbeiter in den Küchen. 112 für häusliche Zwecke. 61 Näherinnen und Flickerinnen. IS Wäscherinnen und 14 Arbeiterinnen zu häuslichen Zwecken; in 6 Barackenkücheu auf den Rieselfeldern 51 Männer. Zu Arbeiten für andere städttsche Verwaltungen wurden 142 männliche und 7 weibliche Korrigenden verwandt. 1 Korrigendin wurde mit dem Reinigen der Wäsche fiir das Polizeigefängnis, 21 Männer mit Arbeiten für Anstaltsbeamte, 43 mit Federreißen und Tauzupfen für Fremde und einer mit UmzugS- arbeiten fiir Fremde beschäfttgt. Insgesamt wurden 1580 männliche und 102 weibliche Korrigenden zu Arbeiten verwendet. Fürsorge- Erziehung. Zwei Erscheinungen wiederholen sich mit erschreckender Regelmäßigkeit im lokalen Leben der Reichshauptstadt: Im Reiche deS Herrn Budde die Tötungen von Eisenbahn-Arbeitern. auf dem Gebiete der Fürsorge-Erziehung die Entweichungeu aus den Erziehungsanstalten. Gestern mittag sind abermals aus der Anstalt Bethabara in Weißensee zwei Mädchen entsprungen, die seit kurzem dort interniert waren. Soweit bisher fest- gestellt werden konnte, sind die beiden Flüchtigen in der Anstaltskleidung über die Gärten an der Alberttnenftraße gestiegen, wobei sie von einem jungen Manne unterstützt worden sind. Die drei Personen bestiegen dann den Transportwagen einer Holzbearbeitungsfabrik, dessen Kutscher sie durch Drohungen zwangen, sie nach Berlin mitzunehmen. Als der Kutscher auf der Sttaße einen Gendarm bemertte, nahm er dessen Hülfe in Anspruch. Die Flüchtlinge sprangen vom Wagen ab, liefen quer überS Feld nach der Laubenkolonie, Ivoselbst es ihnen gelang, zu enttommen. In Zehlendorf ist ein Beispiel gegeben, wie man verwahrloste junge Menschen erziehen kann, ohne daß sie ständig daran denken, sick, aus der Gewalt ihrer Erzieher um jeden Preis zu erlösen. Ist es so schwer, daß ein gutes Beispiel auch anderSwo Nachahmung findet? Die armen Reichen. Das höibste Bennögen in Berlin betrug nach der Einschätzung zur Ergänzungösteuer von 1902 etwa 35 Millionen. Es gibt aber auch eine ganze Anzahl von Leuten, die Wohl ein großes Vermögen, aber, wenigstens ihrer Angabe nach, nur wenig Einkommen haben. Acht Personen beziehen sogar bei einem Vermögen von mehr als einer halben Million nocb mcht einmal 3000 M. Einkommen. Der reichste„Arme" unter ihnen hat ein Vermögen von mehr als 1 700 000 M. und ist mit 894,20 M. zur Ergänzungssteuer herangezogen, während seine Einkommensteuer noch nicht 60 M. bettägt. Der arme Reiche sollte eigentlich wegen schlechten Wirtschafte»» unter Kuratel gestellt werden. Die Obduttion der Frauenlciche, die am Görlitzer Ufer aus dein Landwehrkanal gelandet wurde, hat die Gewißheit gebracht, daß an der Frau kein Mord verübt worden ist. Prof. Dr. Straßmann und Gerichtsarzt Dr. Stürmer führten sie gestern nachmittag von 2 bis 5 Uhr mts. Ihr Ergebnis bestätigt durchaus da» auf Grund der ärztlichen Besichttgtmgen der Leiche abgegebene Gutachten. Die Frau ist ertrunken. Alle Verletzungen sind erst nach ihrem Tode entstanden. Die Wunden sind sämtlich rauhrandig. rühren nicht von scharfen Instrumenten her. Auch die kleinen Verletzungen am Kopse find rauh. Das Genick ist gebrochen. Die Leiche ist wahrscheinlich mit dem Kopf zwischen Schraube und Schraubenkasten eines Dampfers ein- gequetscht gewesen. Die Person der Toten ist noch immer unbekarntt. Es wurde ermittelt, daß am 7. August und am 3. September in jener Gegend Frauen in den Kanal gesprungen sind. Diese kontmeu aber nicht in Betracht. Die Leiche ist photographiert worden. Das Bild wird im Polizeipräsidium unter den Bildern der Vermißten und Unbekannten anSgehäugt werden. Ei« Halsabschneider ist hier festgenommen worden. Es handelt sich um den aus Ungarn stammenden 24jährigen Isidor PerlS, der angeblich einen Juwelenhandel betrieb, nebenbei aber Geld- geschäfte machte und zwar in einer Weise, durch welche die Geld- nehmer in hohem Maße bewuchert wurden. Perls war bereits einmal verhastet worden, mußte aber wieder sreiflclassen werden. Den Anstoß zu der neuerlichen Verhaftung gab irneder eine böse Wucheraffäre, in die der Sohn des Geheimrats Ende verwickelt ist. Das ist indessen nicht der einzige Fall, mit dem das Konto deS„stets hülfSbereiten Geldagenten" belastet ist. Er soll auch eine Reihe in- zwischen verabschiedeter Offiziere auf dem Gewissen haben. Das Verfahren bei den„Geschäften" war das übliche. Die Geldbedürftigen mußten Wechsel unterschreiben, bekamen dann nach längerer Zeit entweder gar nichts oder mir einen geringen Teil des akzeptierten Betrages, oder sie erhielten Juivelen, die dann versetzt wurden. Perls operierte auch in einem Fall mit einem Automobil, das zum Zwecke der Geldbeschaffung verpfändet wurde. Mit PerlS sind auch noch einige andere Halsabschneider verhaftet worden. Bermißt wird seit Ende vorigen Monats der 25 Jahre alte Architeft Hans Fenz aus der Lindenstr. 5. der erst vor acht Wochen nach Berlin kam, um hier eine Stellung zu suchen. Fenz kam seit dem 29. v. M. nicht mehr nach Hause und ließ auch in Wien, wo seine Frau mit einem kleinen Kinde noch weilt, nichts mehr von sich hören. Seine Frau sandte erst gestern eine Karte hierher, um flch nach seinem Befinden zu erkundigen und anzufragen, weshalb er gar nicht schreibe. Es wird befürchtet, daß sich der Verschwundene, oer oft sehr verstimmt war, ein Leid angetan habe. In Prenzlau vermißt man, wie hierher mitgeteilt wird, seit dem 3. v. M. einen 32 J«hre alten Handelsmann August Beese,- einen geisteskranken Mann, der 700 M. von Haufe mitgenommen hat. Bon einer Lokomotive erfaßt und schwer verletzt wurde in der vorletzten Nacht der 44 Jahre alte Arbeiter Schäfer aus Köpenick. welcher auf dem Schlesischen Bahnhof beschäftigt war. Sch., welcher neben dem Schienenstrang stand, bemerkte nickt daS Herannahen einer rangierenoen Lokomotive, wurde von dieser erfaßt und zu Boden geworfen. Der Verunglückte erlitt hierbei schwere Ouctschungen am Oberkörper und an den Beinen, so daß er nach einem Kranken- hause geschafft werden muhte. Der„Untergang" des Rabatt- Sparverein«„Südost" wird in einigen Blättern als„sicher bevor st ehend" angekündigt. In- folge der Verluste, die der Verein durch die von ihm eingerichteten eigene» Geschäfte erlitten habe, müsse man jetzt den Sparern von ihrem Guthaben 40 Proz. abziehen, und das ver- anlasse viele Mitglieder zum Austritt. Die Mitteilung, daß 40 Proz. abgezogen werden müssen, trifft leider zu. Im Hinblick auf die zahlreichen kleinen Leute, dir gerade jetzt vor Weihnachten auf die paar Spargroschen gerechnet hatten. wird jedennann da» aufs lebhafteste bedauern. Ob aber nun gleich ein„MassenauStritt" von Mtgliedent erfolgt ist und der„Unter- gang" des Verein« zu erwarten ist, das entzieht sich unserer Keuntnis. Die Gewerbetreibenden des Südostens sähen es allerdings sehr gern, wenn jetzt ihr eigener Sparverein, der sich»Hand in Hand" nennt, von dem Mißgeschick deS Rabatt-Sparvereins„Südost" profitieren und recht viele seiner Mitglieder für sich einfangen könnte. Unsere Leser wissen, wie wir über das Rabatt-Sparwesen denken. Wir halten alle diese Sparvereine für überflüssig— gleichgültig, ob sie von den Handel- und Gewerbetreibenden oder von den Konsilmenten gegründet sind und geleitet werden. Im eigentlichen Sinne„gespart" wird dabei nichts. Die Geschäfts- inhaber werden den sogenannten Rabatt, den sie gewähren müssen, in der Regel durch höhere Preisberechnung oder minder reichliches Gewicht wieder herauszuschlagen suchen. Der Verein„Südost" hatte im Interesse der Konsumenten den Versuch gemacht, durch Einrichtung eigener Geschäfte die Kon- sumenten davor zu bewahren, daß ihnen der Rabatt durch die Geschäftsleute hinten herum wieder abgeknappst wird. Der Versuch ist bei den Schlächtereien mißglückt; sie haben sich nicht rentiert, und der Verlust mutz nun statutengemäß aus dem Guthaben der Sparer gedeckt werden. Das Endziel war, den Sparvereiii einmal in einen Konsum- v e r e i n umzuwandeln, um die Gewinne den Konsumenten direkt zuführen zu können. Geldschrank-Einbrechcr statteten in der vergangenen Nacht einer Goldwarenfabrik im Südosten der Stadt einen erfolglosen Besuch ab. Das Gold und Silber, das zu Fassungen von Edelsteinen usw. nicht verarbeitet ist, wird abends im Kontor in feuersichere Schränke gelegt. Drei Einbrecher versuchten mit allen möglichen Werkzeugen, zu diesen Schätzen zu gelangen. Schwierigkeiten machten ihnen die eisenbeschlagenen Türen zur Fabrik und zum Kontor. Mit Feilen und Sägen gelangten sie aber durch. Im Kontor rückten sie die Geldschränke von der Wand, um sie von der Rückseite anzugreifen. Es gelang ihnen auch, die äußere Schutzwand zu durch- brechen. Die inneren Stahleinlagen aber leisteten allen ihren Werk- zeugen Widerstand. Als sie die Nutzlosigkeit ihrer Bemühungen ein- sahen, zertrümmerten sie alles, was sie an zerbrechlichen Sachen fanden, und verließen dann wieder die Räume und das Grundstück. Einen Bohrer und Papier, in das in Eisenhandlungen solche Waren eingewickelt zu werden pflegen, bergaßen sie mitzunehmen. Ccntral-Theater.„D ä u m e l i n ch e n"(Märchenspiel von Konstan-tin Pohl) hieß die Kindervorstellung am Mittivoch nach- mittag. Das kleine Volk konnte den Beginn des Weihnachtsstückcs gar nicht abwarten. Unruhig rückte und rutschte es auf seinen Plätzen hin und her, bis das Glockenzeichen ertönte und sich der Vorhang hob. Dann lautlose Stille. Das bunte Leben da oben auf der Buhne war auch zu interessant. Es brachte die Geschichte zur Darstellung, wie Däumelinchcn mit noch sieben anderen kleinen Kindern in das Haus des Waldhüters gebracht wurde— und zwar vom Klapperstorch selbst. Die gute Blumensee und die böse Eis- Prinzessin haben nun beide ein Auge auf Däumelinchen geworfen. Jede möchte das gute Kind an sich fesseln. Ten Sieg aber trägt— wie dies ja in Märchen immer so sein mutz— schließlich die Blumenfee davon, die dem Kinde Glück und Segen für sein ganzes Leben schenkt. Mit gespanntester Aufmerksamkeit lauschten die kleinen Zu- schauer dem Gang des Spieles. Ihren besonderen Beifall fanden die mitwirkenden Tiere: der„junge Ochse", der Storch, die Maikäfer. die Frösche und schließlich auch noch her tanzende Schneemann. Die einschmeichelnde Musik des Kapellmeisters Arthur Peisker, sowie die prächtige, nicht überladene, dafür aber dem Verständnis der Kinder vorzüglich angepaßte Ausstattung des Ganzen, halfen dem hübschen Märchenspiel zu dem vollen, wohlverdienten Erfolg. Ruq den Nachbarorten. Teltow-Kanal und Grnndwertstener. Der Landrat des Kreises Teltow, v. Stubenranch, hat in einer der letzten Sitzungen des Kreistages die überraschende Mitteilung gemacht, daß dem Abgeordnetenhause eine Vorlage über Einführung der Grundwertsteuer zugchen werde. Darauf werde es möglich sein, den Grundbesitz, der durch den Teltow- Kanal eine erhebliche Wertsteigerung erfahren hat, zu den Kosten des Teltow-Kanals heranzuziehen. In der Tat ist durch diese kulturelle Veranstaltung eine bedeutende Erhöhung der Bodenpreise im Kanalgebiete eingetreten. Dies gilt ins- besondere auch für die Kreisstadt Teltow und deren Um- gebung. Das kleine Städtchen, das bisher sich einer idyllischen Ruhe erfreute und nur durch seine landwirtschaftlichen Produkte speziell seine„Rübchen" über einige Postzonen hinaus einen gewissen Ruf besaß, wird aller Wahrscheinlichkeit nach innerhalb weniger Jahre zu einem bemerkenswerten Jndustrieorte werden. Heute bereits sind zwei große industrielle Etablissements, die voraussichtlich tausende von Arbeitern beschäftigen werden, dort entstanden: die große Elberfelder Papierfabrik und die„Berliner Porzellan-Manufaktur". Der Bau einer Maschinenfabrik und Eisengießerei wird in Kürze folgen. Es braucht wohl nicht weiter betont zu werden, daß die Terraingcscllschaften, die juristischen Organi- sationen des Grundstückswuchers, sich in den Besitz des größten Teiles des Kanalgeländcs gesetzt haben und ungeheure Profite einheimsen werden. Da ist zunächst die Zehlendorf— Klein-Machnower Gesellschaft, die zwischen Zchlendorf und Klein-Machnow sich häuslich niedergelassen hat. Mit zahllosen Prospekten überschwemmt sie gegenwärtig das Berliner und das Vorort- Publikum und empfiehlt Villen-Terräin„schon zum Preise von 100 M. an pro Quadratrute". Immerhin ein respektabler Preis für ein Terrain, auf dem nur landhausmäßige Bebauung gestattet ist. Das Gebiet zwischen Stahnsdorf— Teltow hat eine Gesellschaft gleichen Namens mit Beschlag belegt, während jenes zwischen Teltow und Ruhlsdorf von der„Vorort- Terrain-Gesellschast" beherrscht wird. Die letztere wird aller Voraussicht nach den Löwenanteil an der Beute erhalten. Das Dreieck Teltow— Ruhlsdorf— Stahnsdorf wird seiner ganzen Lage nach das eigentliche Industriegebiet werden und die ermög- lichte Ausnutzung des Grund und Bodens durch die Errichtung von Mietskasernen wird die Profit-Rate der Gesellschaften um ein Erkleckliches erhöhen. Heute schon kostet der Morgen Land am Ruhlsdorfer Platz in Teltow und an der Stahnsdorfer Chaussee 10 000 M.. an der südlichen Teltower. Gemeinde- grenze, unmittelbar an der Gemeinde Ruhlsdorf 4000 M. Die Jndustrieproletarier, die in den kommenden Jahren sich in dieser Gegend niederlassen, werden aufs neue den Segen des Privateigentums am Grund und Boden in Form hoher Mietspreise und schlechter Behausung empfinden, indessen die bereicherten Bodenspekulanten den Schauplatz ihrer bisherigen ethisch-sozialen Tätigkeit verlassen und ausziehen zu weiteren ergiebigen Beutezügen._ Schöneberg. Eine Stadtverordnete»- Ersatzwahl hat gestern in Schöneberg stattgefunden. In der II. Abteilung deS 8. Bezirks hatte der bis- herige Vertreter, Stadtv. Ernst Treugebrodt sein Mandat, welches nur bis Ende kommenden Jahres lief, niedergelegt und dafür eine Neuwahl im 2. Bezirk(Friedenauer Ortsteil) angenommen. Es mußte daher für das sreigewordene Mandat im 8. Bezirk eine Neu- besetzung erfolgen. In der gestrigen Ersatzwahl standen sich Zimmer- meister Fröhlich(Hausbesitzer) und Kaufmann Buchholz(Mietcrpartei) gegenüber. Gewählt wurde Fröhlich mit 145 Stimmen. Auf den Gegenkandidaten entfielen 84 Stimmen. Die Einwohnerzahl unseres Ortes betrug am 1. Oktober 126 526 Personen, ist mithin gegen den Vormonat um 860 gestiegen, neben der Zunahme im April die höchste dieses Jahres. Der Ge- burtsüberschuß stellte sich auf 138 Personen(263 bezw. 125). 4174 Fortzügen standen 4736 Zuzüge gegenüber. Auf dem städtischen Arbeitsnachweis war im September die Zahl der eingeschriebenen Gesuche etwas größer als im Vormonat; sie betrug 1411(647 männliche, 764 weibliche); davon wurden erledigt durch Einstellung resp. Streichung 940(403 männliche, 532 weibliche). Arbeitsangebote waren gemeldet 1903(471 männliche, 1432 Weib- liche). Dem Gewerbegericht lagen im September 59 Streitsachen vor, von denen erledigt wurden durch Zurücknahme 2, Vergleich 14. rechtskräftiges Vertäumnisurteil 6, anderes Endresultat 16 und auf andere Weise 2; unerledigt blieben 17 Sachen. Der Armenpflege unterlagen im September 935 Personen(276 männliche, 659 weibliche). An Unterstützungen wurden gezahlt 13 127 M., 1000 M. weniger als im vorhergehenden Monat. Die Bautätigkeit war im Berichtsmonat eine regere als im August. 17 Bauerlaubnissen stehen 21 fertig gestellte Neubauten gegenüber mit 420 Wohnungen bezw. 1258 Zimmern(im Vormonat 171 resp. 651). Der Gruudbesitzwechsel erstreckt sich ans 13 bebaute und 8 unbebaute Grundstücke mit einem Gesamtumsatz von 3 462 500 bezw. 886 274 M. Die städtische Sparkasse verfügte im September bei 38 000 aus- gegebenen Büchern über einen Bestand von 21 373 364 M. Adlershof. Die Konsumgenossenschaft von Adlershof und Umgegend hat auch in ihrem vierten Geschäftsjahr einen bedeutenden Aufschwung ge- nommen. Sie war in dem verflossenen Jahre in der Lage, ihre dritte Verkaufsstelle in Grünau zu eröffnen und es hob' sich der Umsatz von 124 773 M. im letzten Fahre auf 133 810 M. in diesem Jahre. An diesem Umsatz waren beteiligt: Adlershof mit 75 958 M., Alt-Glienicke mit 44 429 M. und Grünau in 3>/„ Monaten mit 13 422 M. Der Durchschnittsumsatz des einzelnen Mitgliedes betrug 233 M. Rege Unterstützung fand auch die„Großeinkaufs-Gesellschast Hamburg", indem von ihr für 35 100 M. Ware bezogen wurde. 6228 M. sind dem Privatkapital als Gewinn entzogen worden, wo- von 5910 M. den Mitgliedern rückvergütet und 317 M. dem Reserve- fonds zugeschrieben wurden. Die Mitgliederzahl stieg trotz der großen Fluktuation der Bevölkerung von 492 auf 569. Der Geschäftsbericht läßt erkennen, daß die Verwaltung eifrigst be- müht ist, den Genossenschaftsgedanken in immer weitere Kreise zu tragen. Charlottenbnrg. Die Lysolvergiftungen häufen sich in letzter Zeit in unheimlicher Weise. So suchte sich am Mittwoch nachmittag hier in der Wilmers- dorfersrraße III eine Frau mit ihren zwei Kindern mit dieser Flüssigkeit zu vergiften. Ueber den aufregenden Vorfall er- fahren wir folgende Einzelheiten: Die in der Potsdamerstraße zu Berlin wohnende Restaurateursfrau Franziska D. war Mitt- woch vormittag hier in der Wilmersdorferstraße III mit ihrem 13jährigen Sohn und ihrer 17jährigen Tochter zu ihren Verwandten, der Schuhmachermeisterfamilie Sch., auf Besuch gekommen. Frau D. war sehr erregt und erzählte, daß ihr Mann sie fortgesetzt mißhandele. Höre dies nicht auf, so werde sie sich mit ihren Kindern das Leben nehmen. Die Familie Sch. glaubte dieser Drohung selbstverständlich nicht, sollte jedoch bald eines besseren belehrt werden. Als Frau D. mit ihren beiden Kindern in einem Zimmer allem Ivar, machte sie den Vorschlag, gemeinsam zu sterben und hielt den Kindern einen Becher mit Lysol hin. Der Knabe weigerte sich jedoch, das dar- gebotene Gift zu nehmen und lief weg. Dagegen trank die Tochter Frieda das Gift zur Hälfte aus, während die Mutter den Rest nahm. Beide wurden bewußtlos sofort nach einer Unfallstation ge- bracht, wo die Aerzte Gegenmittel anwandten und den Vergifteten den Magen auspumpten. Da ihr Zustand aber äußerst bedenklich war, so schaffte man beide nach dem Westender Krankenhaus, wo in ihrem Befinden jetzt bereits eine kleine Besserung eingetreten ist, so daß die Aerzte sie am Leben zu erhalten hoffen. Spandau. Durch den Einsturz eines Erdschachtcs bei Kanalisationsarbeiten in Spandau sind drei Arbeiter verschüttet worden: ein Mann kam mit leichten Verletzungen davon, der ziveite ist schwer verletzt, und der dritte, der 54jährige verheiratete August P a u st i a n. wurde als Leiche unter den Erdmassen hervorgezogen. Sein Tod war infolge Genickbruchs eingetreten. Mangelhaste Absteifung der Erdgrube wird als Ursache des Unfalls angesehen. Die Staats- anwaltschaft hat die Untersuchung angeordnet. Gerickts-Deining. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit verhandelte uie 7. Strafkammer gestern gegen den Privatdozenten, Professor an der hiesigen Universität Dr. Martin Mendelsohn, die unverehelichte Anna I a r o t k e und die unverehelichte Marie Hahn wegen Anstiftung zur Kuppelei. Der Angeklagte Professor M. ist schon seit einiger Zeit mit Rücksicht auf diesen Prozeß von seiner Lehr- tätigkeit suspendiert. Der gestrigen Verhandlung wohnte der Universitätsrichter Geheimer Regierungsrat D a u d e bei.— Der Staatsanwalt beantragte gegen Professor Dr. Mendelsohn 6 Wochen, gegen die beiden Mitangeklagten je eine Woche Ge- fängnis. Die Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Rosen stock, Leonh. Fr'iedmann, Dr. Löwenstein und Leop. Meyer II be- antragten die Freisprechung. Wie der Vorsitzende Landgerichts- dircktor K a n z o w bei der Verkündung des Urteils mitteilte, ist Professor Dr. M. auf die Anschuldigung des Verbrechens gegen die Sittlichkeit außer Verfolgung gesetzt worden, weil angenommen wurde, daß er vielleicht doch nicht gewußt habe, daß die beiden Mädchen, zu denen ihm die beiden Mitangeklagten den Verkehr vermittelt hatten, noch unter 14 Jahre alt waren. Der Gerichtshof hielt durch die Beweis- aufnähme für festgestellt, daß Professor Dr. M., obwohl verheiratet und Vater eines achtjährigen Kindes, ein Mann ist, der vielfach Ver- kehr mit 14— 16jährigen Mädchen suchte. Vom moralischen Stand- punkt aus könne dieses Verhalten eines Ehemannes, Vaters, Privat- docenten und Titularprofessors natürlich nicht gebilligt werden. Der Gerichtshof habe aber nur über die zur Anklage stehenden zwei Fälle zu befinden und da sei er nach langer Beratung wesentlich aus juristischen Gründen zur Freisprechung der Angeklagten gekommen. Demgemäß erkannte der Gerichtshof und beschloß gleich- zeitig, auf Grund des§ 56 die noch jugendliche Angeklagte Hahn ihrer Familie zu überweisen. Die„öffentliche Versammlung" im Restaurationsgarten. In Anger münde war es im Sommer dieses Jahres beim Stein- setzermeister Bürger zu gewerkschaftlichen Differenzen gekommen, weil der Arbeitgeber zwei Steinsetzer nach Meinung der Kollegen zu Unrecht entlassen hatte. Im Austrage der übrigen Arbeiter der Firma hatte der dortige Filialleiter des Steinsetzer-Verbandes, Balow, den Verbandsvorsitzenden Knoll aus Berlin nach Angermünde kommen lassen, um, wenn möglich, die Differenz durch Rücksprache mit dem Meister auf gütlichem Wege zu erledigen. Um nun ihren Verbandsvorsitzenden über die Ursachen der Differenz zu informieren, setzten sich die Arbeiter mit diesem, nichts Böses ahnend, alles in allem etwa 10 Mann hoch, in den schattigen Garten des Restaurants„Stadtpark" und erzählten den Hergang der Dinge. Nach einiger Zeit erhielten aber Knoll sowohl wie Balow Plötzlich einen gerichtlichen Strasbefehl über je 20 M. wegen AbhaltenS einer nicht angemeldeten öffentlichen Versamm- l u n g, die Balow geleitet haben und in der Knoll als Referent auf- getreten fein sollte. Auf eingelegte Berufung hin hatte sich kürzlich das Schöffengericht zu Angermünde mit der Sache zu befassen. Tie Beweisaufnahme ergab den Tatbestand so wie er hier geschildert ist. Ja, die als Belastungszeugen geladenen Polizeibeamten bekundeten, daß sie von der ganßen Geschichte überhaupt nichts wüßten. Unter diesen Umständen erkannte das Gericht auf Antrag des Verteidigers Dr. Heine mann- Berlin auf Freisprechung, weil es sich hier um eine einfache Werkstattbcsprechung gehandelt habe und nicht um eine Versammlung, in der irgendwie öffentliche Angelegen- heiten erörtert worden seien. Sowohl die Kosten des Verfahrens wie auch die den Angeklagten erwachsenen baren Auslagen wurden der Staatskasse auferlegt.— Auf wessen Veranlassung der sonderbare Strafbefehl erlassen war, blieb leider unaufgeklärt. Chronik der Streikpostcnprozesse. Vor einigen Tagen wurden von Berliner resp. Charlottenburger Gerichten wieder eine Anzahl Arbeiter wegen angeblicher Stieikvergehen freigesprochen und zwar der Glasschleifer Sch., der Glaspolierer P., der Gürtler I., der Dreher G. und die Arbeiterin Z. Die Sachen spielen sich mit längst gewohnter Regelmäßigkeit stets nach ein und derselben Schablone ab. In Ausübung ihres gesetzlich gewährleisteten Rechtes stehen die Leute Streikposten. Da kommen die Polizeibeamten und verbieten das Streikpostenstehen unter irgend einem Vorwande. der ihnen von ihren Vorgesetzten eimnstruiert worden ist. Natürlich weigern sich die Streikposten, der unberechtigten Aufforderung der Beamten, fortzugehen oder sich„w e g z u s ch e r e n", wie der Polizei- technische Ausdruck häufig lautet, Folge zu leisten. Es erfolgt die Sistierung mit all ihren ebenfalls polizeitechnischen„Annehmlich- leiten" und schließlich die Zustellung des Strafmandats. Auch in obigen Fällen mußten die als Belastungszeugen geladenen Schutzleute einfach zugeben, daß sich die angeklagten Streik- Posten keinerlei Gesetzwidrigkeiten hatten zu- schulden kommen lassen und auch keine Besorgnis irgendwelcher Ausschreitungen vorlag. Infolge- dessen nahmen die Gerichte wiederum an, daß die Angeklagten lediglich deshalb fortgewiesen waren, weil sie Streikposten gestanden hatten. eine Tätigkeit, die als Ausfluß des Koalitwnsrechtes anzusehen sei und deshalb nicht verboten werden könne. Wie oft werden die Gerichte noch ähnliche Entscheidungen fällen müssen, bis die Polizei von ihren gesetzwidrigen Schikanierungen der Streikposten endlich Abstand nimmt! Künstlcrpseudonym und unbefugte Namensänderung. Der Ballett« meister Jungschat vom Stadttheater in Bonn hat sich vor vielen Jahren den Namen Tomasini beigelegt und führte ihn seitdem un- behindert, nicht nur als Ballettmeister, sondern auch als Inhaber eines Tanzlehrinstituts, welches er nebenbei unterhielt. Er nannte sich Tomasini in Inseraten, worin er sich als Tanzlehrer empfahl, und auf Empfehlungskarten. Als er sich in einem Schriftstück, das an die Polizei« behörde gerichtet war. Jungschat-Tomafini nannte, wurde er wegen Bei- legung eines ihm nicht zukommenden Namens angeklagt. Er machte dagegen geltend, er sei als Bühnenkünstler zur Führung eines Pseudonyms berechtigt. Das Landgericht als Berufungsgericht sprach den Angeklagten skbon deshalb frei, weil er infolge der viel- jährigen nicht behinderten Führung des Pseudonyms habe glauben können, die Führung des Namens sei unbeschränkt gestattet. — Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein. Das Kannner- gericht verwarf indessen das Rechtsmittel mit folgender Be- gründung: Das Recht des Pseudonyms sei in verschiedenen neueren Gesetzen anerkannt worden, zum Beispiel im Gesetz über den unlauteren Wettbewerb und im Urheberrecht. Künstler pflegten sich gewohnheitsmäßig ein Pseudonym beizulegen. Soweit sich Au- geklagter als ausübender Künstler Tomasini nannte, sei nichts dagegen einzuwenden. Er sei aber auch berechtigt gewesen, sich in Geschäften, die zu seinem Äünstlerberuf in Beziehung stehen, das Pseudonym zu gebrauchen, also in seinem Falle auch bei den Geschäften, betreffend die Erteilung des Tanzunterrichts. Schauspieler, Ballettkünftler, Schrift« stcller ec. seien jedoch verpflichtet, Behörden gegenüber nur ihren wirklichen Namen zu gebrauchen. Angeklagter würde sicher zu bestrafen sein, wenn er sich in Zukunft einer Behörde gegenüber wieder Jnngschat-To masini nennen sollte. Im vorliegenden Falle sei er aber auch in dieser Beziehung mit Recht fteigesprochen ivorden, weil ohne Rechtsirrtum der Mangel eines subjektiven Verschuldens festgestellt sei. Wegen Sittlichkcitsverürechen, begangen an einer im Gefängnis fitzenden Kindcsmörderin, hatte sich am Mittwoch vor der Potsdamer Strafkammer der Hülfsgefangenen-Auffeher und Schuhmachenneister August Mangelsdorf aus Jüterbog zu verantworten. Der Angeklagte ist 64 Jahre alt und betritt mit den Kriegsdenkinllnzen angetan die Anklagebank. Er hat bisher ein vorwurfsfreies Leben geführt und wurde in Jüterbog öfter aushülfsweise als Gefangenen-Aufseher benutzt, auch als solcher vereidigt, so daß er dann die Beamtenqualifikation hatte. In der Zeit vom 7. Mai bis 28. Juni d. I. hat sich M. wiederholt an weiblichen Gefangenen vergangen. Es saß damals im Jüterboger Gefängnis die 21jährige Dienstmagd Minna Wache wegen Kindesmordes, begangen am 1. April er. im Pfarrhause zu Meins- dorf, in Untersuchungshaft. Mit dieser machte sich nun der An- geklagte in unsittlicher Weise unter Einsetzung seiner Autorität als Gefangenenaufseher zu schaffen und näherte sich auch anderen weib- lichen Gefangenen in unlauterer Wesie. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Der Staatsauwalt be- antragte gegen MangelSdorf zwei Jahre Gefängnis. Der Gerichts- Hof nahm drei Fälle von Sittlichkeitsverbrechen und einen Fall tätlicher Beleidigung als erwiesen an und erkannte auf ein Jahr vier Monate Gefängnis. Eue der frauenben>egung. Die Einführung des kommunalen Franeuwahlrcchts forderte die sozialdemokratische Fraktton des württcmbergischen Landtags in einem Antrag zu dem Entwurf einer Gemcinde-Ordnungsreform. Das Bürgerrecht in der Gemeinde und damit das R-cht, in die Kommunal« Vertretung zu wählen und in sie gewählt zu werden, wie die Be- fähigung zur Uebernahme unbesoldeter Aemter in der Kommunal« verwalttmg sollte danach auch jeder ledigen und verwitweten Ein« wohnerin zustehen, vorausgesetzt, daß sie deutsche Reichsangehörige sei, das 25. Lebensjahr zurückgelegt habe und seit einem Jahre in der Gemeinde wohne. Daran übt die„Gleichheit" berechtigte Kritik, indem sie söhrctzbt: „Es springt in die Augen, daß der Antrag sich einer Halbheft und schweren Inkonsequenz schuldig machte. Er unterließ es, da? volle Bürgerrecht in der Gemeinde auch ftir die verheiratete Frau zu heischen. Und dies angesichts der Tatsache, daß eine große und stetig steigendeZahl von verheirateten Frauen auf Grund ihrer Erwerbsarbeit wirtschaftlich unabhängig vom Manne, von der Familie ist und daher genau wie er wirtschaftlich zum Gedeihen und zu den Ein« künften der Kommune beiträgt. Davon zu schweigen, daß das Wirken der Frau als Hausmutter, als Pflegerin und Erzieherin der Kinder an sozialem Werte auch für die Gemeinde sicher nicht unter der Tätigkeit etwa eines fürstlichen Kammerdieners steht oder eines Polizeiers, der durch die Entdeckung der Verkehrsgefährlichkeit eines Streikpostens die„öffentliche Ordnung" rettet. Indem unsere Genossen im wllrttembergi scheu Landtage ein beschränktes Frauen« Wahlrecht forderten, stellten sie sich in Gegensatz nicht bloß zu unserer grundsätzlichen Forderimg vollen öffentlichen Rechtes für alle Gesellschaftsmitglieder und zu den Beschlüssen deutscher Parteilage wie internationaler Kongresse, sondern auch zu der mustergültigen Aktion der Sozialdemokratie gelegentlich der Beratung des bürger« lichen Gesetzbuches im deutschen Reichstage. Diese Aktion bezweckte in richtiger Würdigung deS vollzogenen Umschwunges in der Wirtschaft» lichen Stellung der Frau, das Mundium. die Vormundschaft des Ehe- manneS über die Ehefrau aus dem Familicnrecht, dem bürgerlichen Recht zu beseitigen. Aber was die Sozialdemokratie ihrem Wesen und ihrer geschichtlichen Auffassung nach auf privattechtlichem Ge« biet bekämpft, daS kann sie nun und nimmer auf öffentlichrechtlichem Gebiet festlegen wollen. Bei einem Vorstoß zugimsten dc§ Frauen« Wahlrechtes hätte die grundsätzliche Auffassung und Forderung der Sozialdemolratie maßgebend sein müssen und nicht der beschränkte Ansatz zur Gleichberechtigung der Geschlechter, den beschränkte kon- servative und liberale Bourgeoispolittker in England und englisch»« Koloniallandern geschaffen haben. Die Preisgabe der grundsätzlichen Stellung der Sozialdemokratie in der Frage des Frauenwahlrechtes kann sich nicht einmal auf einen kurzlebigen Schein„politischer Klug« heit" berufen, die durch„weise Mäßigung"„positive Erfolge" er- ringen wollte. Die weitaus meisten bürgerlichen Gesetzgeber im württembergischen Landtag wie in allen deutschen Parlamenten stehen dem Frauenwahlrecht grundsätzlich ablehnend gegenüber. Bürgerliche Politiker erklären vor allem ein Wahlrecht„diskutabel", das nach dem Geldbeutel, dem Besitz der Frauen beschränkt ist und nicht nach ihrem Zivilstand. Nur eine„weise Mäßigung" würden sie zu schätzen wissen, welche mit einem Zensuswahlrecht der Frauen paktierte. Es kann aber nie die Aufgabe der Sozialdemokratie sein, den Reaktionären irgend einer Couleur mit der Forderung eines irgendwie be- schränkten Wahlrechts voranzugehen. Sie ist die Vorkampferin für volle Demokratie." Zum Schluß hebt die„Gleichheit" jedoch hervor, daß die sozial- demokratischen Redner im Landtage, die Genossen T a u s ch e r und Hildenbrand, den Fehler zugegeben und gut zu»lachen ver- sucht haben, indem sie das Wahlrecht für alle Frauen forderten. Versammlungen. Das Warenhaus Wertheim als Arbeitgeber. Eine stark besuchte öffentliche Versammlung der bei der Firma A. Wertheim beschäftigten Hausdiener, Packer, Maler, Metall- und Holzarbeiter befaßte sich am Mittwoch in Buggenhagens Lokal sehr eingehend mir einer Reihe von Mißständen, unter denen diese Arbeiter in dem Welthause zu leiden haben. Der Bevollmächtigte Werner vom Handels- Hülfsarbeitcr-Verbande sah sich auf Grund zahlreicher an ihn er- gangener Beschwerden genötigt, eine scharfe Kritik an dem Verhalten der Wertheirnschen Geschäftsleitung den Arbeitern gegenüber zu üben. Besonders seien die Schaffner mit Arbeit überlastet, so daß sie häufig kaum Zeit haben, ihr Essen zu sich zu nehmen. Die Arbeitszeit werde fast ständig überschritten und nur in wenigen Ausnahmefällen erfolge eine Bezahlung der Ueborstun- den. Vor allem habe aber die schlechte Behandlung den Unwillen der Arbeiter hervorgerufen. Die Firma habe nämlich zu Haus- resp. Hofinspektoren und Kontrolleuren entlassene Gendarmen, Schutzleute, ja sogar einen früheren Unteroffizier der südwestafri- kanischen Schutztruppe eingestellt, und diese Herrschaften verkehrten nur mit den Arbeitern in einem Tone, als wenn sie es auf dem Kasernenhofe mit Rekruten resp. mit Hereros oder Hottentotten zu tun hätten. Kurz, es handle sich um eine Fülle von Mißständen, die ihre Ursachen zumeist in dem bei der Firma eingebürgerten, zur höch- sten EntWickelung gelangten Antreiber- und Aufpasser- sy st e m sowie einer geradezu virtuos ausgeprägten Gün stlings- Wirtschaft hätten, unter der fast gleichmäßig alle Arbeiter zu leiden haben. Dies wurde nicht nur von dem Vertreter des Trans- portarbeiter-Verbandes, sondern auch von den Funktionären des Metall- und Holzarbeiter-Verbandes bestätigt. Bereits vor 14 Tagen habe sich nun eine Hausdiener-Versammlnng mit diesen Zuständen befaßt und eine Kommission von 8 Mann aus allen Filialen und Berufsgruppen gewählt, mit dem Auftrage, bei der Gefchäftsleitung um Abstellung der Mißstände vorstellig zu werden. Die Ge- schäftsleitung hätte aber den Empfang der ge- samten Kommission verwei'gert. Nur zwei Mann habe sie gütigst anhören wollen, worauf die Gewählten aber nicht eingehen konnten. Die Erfahrung hätte ihnen gelehrt, daß ein oder zwei Beschwerdeführer noch regelmäßig nach einiger Zeit entlassen worden seien und dann könnten zwei Mann auch unmöglich die Wünsche und Beschwerden aller in den verschiedenen Ressorts imd Filialen beschäftigten Arbeiter in allen Einzelheiten genügend klar- legen und vertreten. Auf eine Anfrage der Verbandsleitung, ob die Geschäftsführer endgültig bei ihrer ablehnenden Haltung der Kom- Mission gegenüber verharren wollten, hätten jene 3 Tage Bedenkzeit efordert. Nach Ablauf derselben erklärten sie schriftlich, e s b l e i b e e i d e r A b l e h n u n g. Bei der vorhergegangener» Aussprache mit der Kommission soll nun ein Mitglied der Geschäftsleitung, wie in der Versammlung mehrfach ausdrücklich betont wurde, erklärt haben: Die Arbeiter glaubten wohl, es sei jetzt noch so wie vor zehn Jahren, wo das Warenhaus vorwiegend auf Arbeiterkundschaft an- gewiesen war. Die Sachlage habe sich völlig verändert, denn jetzt hätten nicht nur die bürgerlichen Kreise ihre Vorurteile gegen das Warenhaus abgelegt, sondern es kauften daselbst schon hohe und höchste Herrschaften in großer Zahl. Wenn also die Arbeiterschaft zum Boykott schreiten wolle, so würde die Firma sich daraus absolut nichts machen. Die Versammlung nahm nach lebhafter Diskussion einstimmig folgende Resolution an: „Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Refe- reuten einverstanden und spricht ihre tiefste Entrüstung darüber aus, daß die Geschäftsleitung einer Firma, die ihren Wohlstand und ihre Größe in erster Linie der Berliner Arbeiterschaft zu verdanken hat, eine Kommission ihrer angestellten Arbeiter, die zwecks Abstellung zahlreich vorhandener Mißstände in ihrem Arbeitsverhältnis vor- stellig werden wollte, nicht gehört hat. Die Versammelten ersehen in diesem Verhalten der Geschäftsleitung und in dem Hinweis darauf, daß heute hervorragend„hohe und höchste" Herrschaften bei Wert- heim kaufen, eine offene Herausforderung der gesamten Arbeiterschaft. Die Anwesenden beauftragen deshalb das Bureau der Ver- sammlung, dafür zu sorgen, daß, falls die Kommission bei noch- maliger Anmeldung nicht gehört werden sollte, gegenüber der Firma Wertheim seitens der organisierten Arbeiterschaft diejenigen Maß- nahmen getroffen lverden, die geeignet sind, den hier in> Frage kommenden Arbeitern in Zukunft ihre Rechte zu wahren." I» der bumanijtischeu Gemeinde, Niederwallstr. 12, in der Aula der Friedrichwcrdcrschen Oberrcalschule, hält am Sonntag vormittag 10'/. Uhr Herr Dr. Rudolf Pcnzig einen Vortrag über:„Das Selbst als Erloser: VII. Das Selbst als Richrer". Damen und Herren haben freien Zutritt. Berein ehemaliger Gütergoher zur Bekämpfung der Tuber- kulose. Sonnabend, den 10. Dezember, abends 9 Uhr, im Musikerhause, Kaiser-Wilhelmstraße 18 M: Sitzung. Gäste willkommen. Oeffentliche Bersammlung. Heute Freitag, abends 8 Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandantenstr. 72: Vortrag von Frl. Adele Schreiber: „Wie sind unsere Mädchen und Frauen vor der Prostitution zu bewahren?" Diskussion. Eintritt frei für Männer und Frauen. Die Einberuserin. Vermiscbtes. Allerhand Eisenbahnunfälle. Ein großes Eisenbahnunglück er- eignete sich Dienstag abend zwischen 3 und 9 Uhr auf der Strecke Falkenberg— K ohlfurt westlich von Ruhland. Der gegen 3 Uhr von Ruhland abgehende Güterzug stieß auf offener Strecke mit einer von Falkenberg kommenden Maschine in voller Fahrt zusammen. Beide Maschinen wurden zertrümmert und ein großer Teil der Güter- zugwagen stark beschädigt. Leider sind auch Menschcnverluste zu beklagen. Dem Führer der leerfahrenden Maschine Heizer Härtel wurde der Brustkorb eingedrückt; sein Zustand ist hoffnungslos. Sein Mitfahrer Hilfsheizer Kluge wurde sofort getötet. Der Lokomotiv- sichrer des Güterzuges, Rosenbaum, erlitt schwere Kopfverletzungen und einen Arnibruch und liegt besinnungslos danieder. Sein Heizer Richter, der zwar ohne äußere Verletzungen davongekommen ist, hat eine schwere Nervenerschütterung davongetragen. Alle Genannten sind Familienväter in Hoyerswerda. Das übrige Zugpersonal ist teils mit leichteren Verletzungen, teils mit dem bloßen Schrecken davongekommen. Wen die Schuld an diesem bedauernswerten Unglück trifft, hat sich bisher noch nicht ermitteln lassen. Wie aus Bamberg gemeldet wird, stürzte gestern abend in der Nähe des Bahnhofes Breitengüßbach ein eiserner Bahnübergang ein, wodurch der Verkehr auf beiden Gleisen die ganze Nacht hin- durch gestört war. Die Störung wurde nach amtlicher Meldung dadurch veranlaßt, daß ein am Schluß eines Ferngüterznges laufende« Kranenwagen die Wegunterführung derartig verschob, daß beide Gleise gesperrt wurden. Ein eingleisiger Verkehr wird durch Um- leitung auf der Ortsbahnstrecke Breitengüßbach— Naroldsweisach er- möglicht, der sonstige Verkehr wird tunlichst durch Umparkieren auf- rechterhalten. Um einen Eisenbahnzug zur Entgleisung zu bringen, legten jüngst einige Schulkinder aus N e u d a m m unweit der Stadt elf große Schienennägcl, die bei Streckenarbeiten verwendet werden sollten, auf das Gleis. Als nun bald darauf ein Sonderzug von Küstrin sich näherte, bemerkte der RegierungSrat Schlonski, der sich auf dem Revisionswagen befand und die Strecke beobachtete, daß ein Gegenstand auf den Schienen lag. Nachdem der Zug zum Stehen ge- bracht war, ergriffen die auf den' Erfolg ihrer Tat noch wartenden Jungen- das Hasenpanier. Sie wurden aber eingeholt und ihre Namen festgestellt. Mädchcnranb bei hellem Tage. Am Sonntag wurde in dem Londoner Vororte Hackney ein 13jähriges Mädchen, das für ihr Alter sehr entwickelt war, aus den: zweigliedrigen Zuge der Schule? rinnen der„König Eduards-Schule für Mädchen" auf dem Kirch- gange durch zwei Männer herausgerissen und in einen Wagen ge- hoben, der sich mit den Räubern und ihrer Beute in schnellstem Laufe entfernte. Die Lehrerinnen hatten keine Zeit, einzuschreiten, und die aufgenommene Verfolgung blieb ergebnislos. Die Hmne-Office hat nunmehr genaueste Untersuchung eingeleitet. Mau erfährt nach- träglich aus den Erzählungen der Mitschülerinnen, daß die Geraubte sich ihnen, aber nicht den Lehrerinnen gegenüber verwundert darüber geäußert hatte, daß sie von Männern immer an derselben Straßen- ecke auf dem Wege zur Kirche durch Winke belästigt werde. Um eine Gelderpresiung kann es sich in diesem Falle nicht handeln, da die Mädchen der genannten Schule nicht aus bemittelten Familien stammen. Nach Ansicht der„Daily News" haben die Eltern des ge- raubten Mädchens ihre Hand mit im Spiele. Die genannte Schule nimmt nämlich nur Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren auf, die sich auf der Straße umhertreiben. Die Polizei fragt angeblich die Eltern nicht um Erlaubnis, wenn sie die Mädchen dieser Schule zuführt. Die Schule verweigert jede Aeußerung über die Beweg- gründe, die zu dem Raube geführt haben könnten, und auch die Polizei verhält sich schweigend. Infolge gestrigen Sturmes, der besonders heftig im westlichen Europa auftrat, sind in Charleroi vier im Bau begriffene Gebäude eingestürzt. In Jumet stürzte ein Neubau von 60 Meter Länge und 12 Meter Breite ein. Selbstmord eines Postens am Pulverschuppen. Der am Pulver- schuppen in Flehe bei Düsseldorf als Wachtposten aufgestellte Füsilier Jerschke vom Füsilierregiment Nr. 39 wurde am Vormittage er- schössen aufgefunden. Wie die Untersuchung ergab, hat der Unglück- liche, der noch kurze Zeit, bevor er die Tat ausgeführt hatte, revidiert worden war, den Schuß aus seinein Dienstgewehr auf sich abgefeuert. Das Motiv ist unbekannt. Postraub. Wie- aus Sundsvall in Schweden berichtet wird, sind auf der Fahrpoststrecke Langsele— Ramsele gestern 19 000 Kronen in barem Gelde und Wertsachen gestohlen worden. Eine Kiste mit 20 000 Kronen entging der Aufmerksamkeit der Diebe, von denen man bisher keine Spur hat. Wafferstand am 7. Dezember. Elbe bei Aussig-j- 0,08 Meter, bei Dresden— 1,17 Meter, bei Magdeburg-j- 1,13 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt— Meter.— Oder bei Rattbor+ 1,25 Meter, bei Breslau Ober- Pegel+ 5,10 Meter, bei Breslau Unter> Pegel— 0,44 Meter, bei Frankfurt-s- 1,78 Meter.— Weichsel bei Brahemunde+ 2,68 Meter.— W a r t h e bei Posen+ 0,62 Meter.- N e tz e bei Usch Meter. «Setter-Prognose für Freitag, den S. Dezember 4LV4. Etwas kälter, zeitweise heiter, vielfach nebelig mit geringen Nieder« schlügen und mäßigen westlichen Winden. Berliner W etterbureau. Man beachte das gestrige und morgige Seiten-Inserat In dieser Zeitung, betreffend „Bekanntmacliung des Wareu-Emkaufs-Vereins Berlin, Ges. m. b. B." der nachstehenden ersten 5 Hof-Verkaufsläger: Lan der st'a"?n,ro,!t-dwpoh Transparente kenntlich gemacht) SröfCitung' i. Leipziger Strasse 73-74, am Spittelmarkt, Hof 2. Chaussee-Strasse la, am Oranienburger Tor, Hof 3. Brunnen-Strasse 144, Hof 4. Gr. Frankfurter Strasse 94, an der Markusstrasse. Hof _ 5. Oranien-Strasse 60, am Moritzplatz, Hof am Sonnabend, den 10. Dezember 1904, Nachm. 4 übr Verkauf aller Lebensmittel etc. 4- nur tadellose Qualitäten* zu denkbar niedrigsten preisen. Z. Bspl. S'le Pfd. Brot 0.50, Mzuoker Pfd. 0.20, gebr. Auslese Kaffee 0.60, Oeutsehes Bücbsenfleisch Pfd. 0.85, ff. Weizenmehl 2 Pfd. 0.25. efe. 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