Sit. 290. mvRMmentS'Rtdlngttiu»: Ittonnementä■ Preis prSnumerand»: «iertelZahrl. 3,30 SRI, monafl. UO SRt, wöchcnMch 28 Pfg. frei inS HauS. Einzelne Nummer K Pfg. EonntagS. nummer mU illustrierter SoimtagS. Seilage.Die Reue Welt' lv Pfg. Post. «Sonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Poft-ZeilungS« Preisliste. Unter Kreuzband für Deulfchland und Oesterreich. Ungarn g Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. S1. Jahrg. vi« TnTertlonS'GebQftr Setrügt für die Icchsgefpallene Kolonel- zeiie oder deren Siaum 40 Pfg-, für politische und gcwerlschaflliche Vereins. und BersammIungS-Anzeigen 2S Pfg. „Ulelne Sn-«>g-n", das erste(sott. gedruilte) Wort t0 Pfg, jedes weitere Wort ü Pfg. Worte über 15 Vuchstabc» ztihlen für zwei«orte. Jnlcrate für die nächste Nummer uiüsfe» bi« 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Woche». tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. «»«Ist Ugll» iKOtr Olostig*. Vevlinev VolkSblstk. Lelegramm-Adreste: „5«3i»>iitmoillzt st««»»". �entralorgan äer so�ialäemokrati fcken Partei Veutfckianäs. l�eckakrion: Svll. 68» Lindenetraese 69. tSfruftirftlicr: Slmt IV, Rr. 1988. Gxpedition: SM. 68, Lindenatraooc 69. aeriiiiirrrtier: Amt IV, Nr. 1984. Lachen rechts. Die trostlos verfickernden ReichStags-Debatten über den Etat gewannen heute durch das Eingreifen der Sozialdemokratie frisches Leben. Allerdings wurde der Versuch, dem deutschen Parlamen- tarismuS geistige Bedeutung zu geben, alsbald wieder durch eine ausführliche Plauderei des Reichskanzlers abgewehrt, der die Ber- Handlungen alsbald auf den Stand einer Teeunterhaltung im Kreise allzu anspruchsloser besserer Leute zurück brachte. vor Eintritt in die Tagesordnung teilte der Reichskanzler dem Hause mit, was schon bekannt war, dast die Handelsverträge erst nach Weihnachten vorgelegt würden, da man inzwischen hoffe, auch mit Oestcrreich-Ungam handelseins zu werden. Die Etatsdebatte eröffnete heute der Reichs« Schatzsekretär Freiherr v. Stengel, um vor allem dem Gedanken entgegen- zutteten, die zerrütteten Reichsfinanzen durch Erhöhung der Mattiwlarbeiträge verbessern zu wollen. Herr v. Stengel wünscht also Steuern auf die Volksmassen. Der neue Reichs-Schatzsekretär ist ja auch dazu in sein Amt gesetzt worden, um als sorglicher Haus« vater für die Steuerinteressen der Einzelstaaten zu wirken und ihre wachsende Auflehnung gegen die Vergeudungswirtschaft des Reiches zu beschwichttgen. Herr v. Stengel ist der eigentliche Minister gegen Mattikularbeittäge, und man kann daher begreifen, bah er den Kampf gegen die Erhöhung der direkten Steuern in den Einzel« staaten sogar mit einer gewissen temperamentvollen Leidenschaft führt. Gras v. Stolberg-Wer nigerode, der konservative Redner, ergriff wohl nur das Wort, um die traditionelle Verbeugung vor den Rüsten zu machen. Erst Genosse v. Volkmar fand dann die Aufmerksamkeit des Hauses. Er hatte im wesentlichen auf die Bülowsche Rede zu ant- Worten und er war offenbar außerordentlich bemüht, durch die Kritik der kanzlerischen Nichtigkeiten den Verantwortlichen Minister des Deutschen Reiches zum mindesten für die Ansprüche eines zivilisierten Staatswesens ein wenig zu erziehen. Er faßte alle Aeilherungen der Parteien über die Finanzlage dahin zusammen, daß nun wiederum die ärmeren BolkSklassen durch neue Steuern getroffen werden würden. Nachdem Bollmar die volle Verantwortlichkeit des Zentrums für die Finanzmisere gekennzeichnet hatte, würdigte er die besonder? unzeitgemäße neue Militärvorlage durch den Hinweis, daß man heute, wo Rußland militärisch zusammengebrochen sei und wo in Frankreich, dank den Bemühungen unserer Parteigenossen, die chauvinistische Strömung machtvoll eingedämmt sei, mit der be- berühmten Zweifronten-Theorie, mit der alle Militärvorlagen bisher begründet wurden, nichts machen könne. Hierauf wendete sich die Rede dem Grafen Bülow zu. Unter Hinweis auf Aeußerungen englischer konservativer Organe führte vollmar dem Kauzler zu Gemüte, daß es in keinem konstitutionellen Staate der Welt möglich sein würde, daß ein verantwortlicher Minister der- artige Reden gegen die stärkste Partei des Parlaments hielte. Der Kanzler täusche sich aber über, die Wirkung feiner Worte auf die eigenen Freunde. Die wollten einen starken Mann ohne Hirn und mit Nerven, die wollten Taten und denen sei mit den schönen Worten gar nichts gedient. Graf Bülow möge, indem er die gewaltige Bewegung der Sozialdemokratie nur mit Späßen über Kleinlichkeiten und Leußerlichkeiten angreist, viel- leicht ein brauchbarer Diplomat sein, aber ein Staatsmann fei er nicht. Mit scharfen Angriffen ging unser Redner auf die Skussi- fizierungspolitik des heutigen Kurses ein, in der es gerade der Sozialdemokratie vorbehalten sei, die nattonale Würde zu wahren. Auch auf den Königsberger Prozeß kam Vollmar zurück. Starken Eindruck riefen feine Schluhwendungen hervor, in denen er mit messerscharfer Ironie den Depeschenwechsel zwischen dem Präsidenten von Amerika und dem deutschen Oberhaupt auf seine demokratisch- republikanischen Folgerungen untersuchte. Graf Bülolv hat offenbar den Auftrag, keine sozialdemokratische Rede unbeantwortet zu lassen, und so erhob er sich sofort zur Gegenwehr. Auf Argumente ließ er sich nicht ein. ES kam ihm nicht darauf an, irgend welche Widerlegung zu versuchen, sondern er ivünschte durch seine spaßhaften Manieren das Lachen des Haufe» zu erivecken. Dies ist ihm dann auch überraschend gut gelungen. Die Rechte des Hauses johlte stellenweise bei jedem Wort mit fast militärischer Mechanik. Graf Bülow hatte sich darauf eingerichtet, allen An- griffen unseres Redners durch Scherze über Revisionismus und Radikalismus zu begegnen. Seine Schmöcke hatten ihm so oft der- sichert, Genosse Vollmar sei der maßvolle und Genosse Bebel der rabiate Parteigenosse, daß er sicher war, mit der Konstatierung dieses Gegensatzes das Feld zu behaupten. Nun fügte es allerdings das Kanzlerpech, daß Genosse Vollmar entsprechend der früheren Rede BülowS gezwungen war, sachlich und formell die Schärfe unseres ersten Etatsredners zu steigern. Dem Grafen Bülow aber blieb nichts anderes übrig, al» nach dem präparierten Rezept zu arbeiten und erreichte so die zwar nicht durch soforttgeS Gelächter ausgelöste aber um so dauerhafter währende komische Wirkung, daß er unseren Redner, der seine staatsmännischen Talente erbarmungslos gehöhnt hatte, nun für einen vorzüglichen, gemäßigten, verhandlungSfähigcn Sozialdemokraten erklärte, der leider nur nicht genügend Einfluß habe, um sich von dem Joch der Radikalen zu befteien. Allerdings war es Bülow gnädig erspart, unseren Redner und bannt den unfreiwilligen Humor seiner eigenen Lage zu verstehen. Vollmar hatte sich nicht darüber wesentlich aufgehalten, daß der Reichskanzler unsere Partei grob angriffe, sondern er hatte vielmehr darüber gesprochen, daß es keinem Staatsmann der Welt erlaubt sei, außerhalb Deutschlands, eine weltgeschichtliche Bewegung, wie sie der Sozialismus darstellt, mit so flachen Witzlosigkeiten abzutun. Vollmar hatte lediglich der in der Sozialdemokratte allgemein verbreiteten Sehnsucht Ausdruck derliehen, mit einem wirklichen Gegner geistige Waffen zu kreuzen. Man sagt, daß die deutsche Sprache eine grobe Sprache sei. Neuerdings scheint sich dies geändert zu haben. Die so höfliche ftanzösische Sprache hat viel kräftigere Worte für das Wesen unserer heutigen verantwortlichen Politik, als die deutsche. Was man in der deutschen bürgerlichen Presse für.Geist" erklärt, was man als diplomatische Geschicklichkeit oder Schlagfertigkeit bewundert, das be zeichnet das bürgerliche Hauptorgan Belgiens, die.Jndspendance Belge", dieser Tage in der Weise, daß e§ in bezug auf die letzte Rede des Grafen Bülow meinte, der deutsche Reichskanzler verwerte gegen die Sozialdemokratie doch Argumente, die„assoz pueriles" seien. Ber deutschen läßt sich das nicht, ohne dem Reichskanzler wieder Anlaß zu geben über den rohen Ton der— Sozialdemokratie zu schelten. Man konnte aber heute in das tiefste Seelenleben unseres ver- antwortlichen Ministers blicken. Er hatte anfangs ungefähr folgende politische Vorstellungen, die ihm wohl von freisinnigen Offiziösen ein geblasen waren: Er hätte gar zu gern auch mit der Sozialdemokratie in Frieden gelebt, er hätte auch wohl mit den Führern beim Tee oder dem Glase Wein gemütlich geplaudert über so interessante Erscheinungen wie etwa Karl Marx, dessen geistige Bedeutung nicht zu verkennen sei, wenn auch seine Theorien ja bekanntlich in allen Punkten durch die historische Entwickelung über- überwunden seien. Dann hätte man sich wohl im Parlament ein wenig auseinandergesetzt, aber ohne ernstlichen Groll und ohne die schroffe Scheidung de« Kampfes. Der Mann hat wirklich geglaubt, daß eö in der Partei Leute gäbe, die sich Revisionisten nennen, die in vollem Ernst eine große weltgeschichiliche Bewegung zu einer anregenden Fünf-Uhr-DiSkussion machen wollten. Weil er in dieser sonderbaren Envartung sich aber nun getäuscht fühlt, darum ist er böse und will selbst von den„Revisionisten" nichts mehr wissen, die so schnöde seine Erwartungen getäuscht haben. Bülow Verla« heute ew Zitat aus einem Parteiblatt, das in etwa» übertriebener Weife starke Worte gehäuft hatte. Bei jedem Worte machte er eine Grimasse und das hohe Hau» schüttelte sich vor Lachen. Was hat das Zitat mit der Krittk seiner Polittl zu tun, wie sie Genosse Bollmar geübt hat! Ein zweite? Beispiel: Der„Vorwärts" hatte an ihn die Frage gerichtet, wie e§ init dem ge- Heimen Bertrage mit Rußland stehe. Er hatte sich auf den amerika- nifchcn Botschafter White berufen, durch einen Schreibfehler aber von einem englischen Botschafter gesprochen. Ueber diesen neben- sächlichen Irrtum hielt sich der Reichskanzler sehr bedeutsam auf, obwohl sicher in einigen Jahren kein Sozialdemokrat erröten wird, wenn er seine Unwissenheit bloßstellt, daß er etwa von einem russischen Minister Graf Bülow spricht. Immerhin dürste ein derartiger Fehler außerhalb des Maudariuentuins weniger wichtig genommen worden, als die Verwechselung des Peter von Amiens mit dem Peter von Arbuez oder die unglaubliche Behauptung des verantwortlichen Minister«, daß unser Genosse Kautöky sogar einmal das bloße Anzweifeln der sozialdemokratischen Dogmen verboten habe. Mit der Feststellung der Verwechselung eines englischen und amerikanischen Botschafters aber erledigte der Reichskanzler die ernste Frage nach dem geheimen Bertrag mit Rußland. Er „umschrieb" die Wahrheit: Ein„solcher" Vertrag existiere nicht. Aber er leugnete den Berttag selbst nicht, und es ist klar, daß man den Bertrag veröffentlichen würde, wenn er nicht da» Licht der Oeffent- lichkeit scheuen müßte. Hatte der Reichskanzler früher seine Sehnsucht nach einem deutschen Millerand bekundet, so wollte er jetzt durchaus einen deutschen JauröS haben. Ein ganz sonderbarer Wunschi Der deutsche Reichskanzler, der doch eine klerikale, militaristische, nationalistische und monarchistische Polittk äußerster Rcaktton vertritt, würde, nach franzöfischen Parteifärbungen, etiva ein Parteigenosse des Herrn Shveton sein. Es ist uns nicht bekannt, daß Herr Syveton ein Freund des heutigen französischen Ministeriums, geschweige des vaterlaudSlosen Genossen JauröS sei. Vielleicht versucht der Reichs- kanzler vor der Hand erst einmal selbst, ehe er unS zu ändern sucht, aufzuhören, ein Syveton zu sein, womit wir über die Be- deutung des jetzt verstorbenen Parlamentarier» kein allzu herbes Urteil fällen wollen. E» ist finnlos, die Sehnsucht nach einem Jaure» mit der erstaunlichen Russeuliebe zu verbinden, die so weit geht, daß der Kanzler selbst die Freiheit der Witzblätter einzu- schränken bemüht ist. So hatte die Antwort de» Grafen Bülow anscheinend weiter keinen Zweck, als der Rechten Gelegenheit zu einigen HeiterkeitSauSbrüchen zu geben. Lachen rechts— da» war der Er- folg des TageS. Gelächter der W e l t— das ist der Erfolg der Zeit l Herr Spahn vom Zenttum, der dem Reichskanzler folgte, verurteilte mit ungewöhnlicher Schärfe die sübweftafrikanische Denk- schriftspolittk. Er warf der Regierung unverblümt eine bewußte Jrreführimg des deutschen Volkes vor. Seine Rede klang in einem ebenso dringenden wie drollig argumentierenden— der arme Ge- noffe G ö h r e soll nicht in den Reichstag kommen können, weil man ihm die Diäten sperrt!— Verlangen nach Diäten au». Herr Stöcker kam über die GomttagSnachmittagS-Predigt nicht hinaus, die diesmal nicht einmal provokatorische Reize hatte. Herr v. G e r l a ch, das nationalsoziale Mitglied der Freisinnigen Vereinigung schloß den heutigen Tag mit einer kräftigeren Oppo- sitionSrede, in der insbesondere das Dessauer Bluturteil besprochen wurde. Am Sonnabend wird die Etatberatung zu Ende geführt werden. poHtilcKe GeberHcbt. Berlin, den 9. Dezember. Der Handelsvertrag zwischen Italien und der Schweiz. Die von der deutschen Regierung mit Rußland, Italien, der Schweiz, Belgien. Rumänien und Serbien abgeschlossenen neuen Tarifverträge werden» wie der Reichskanzler Graf Bülow heute im Reichstage vor Eintritt in die Tagesordnung ankündigte, erst nach Weihnachten dem Reichstage vorgelegt werden, da die Aussicht be- steht, bis dahin auch mit Oesterreich-Uiigarn zu einem Eiuverständnis zu gelangen. Diejenigen, die aus eine Beröfsentlichung der Verttäge in nächster Woche gerechnet haben, iverden also ihre Wißbegierde noch einige Wochen zügeln müssen. Einen gewissen Einblick gewährt jedoch der von Italien mit der schweizerischen Regierung abgeschlossene Verttag, der soeben von dieser veröffentlicht wird, denn in- folge der Meistbegünstigungs- Klausel erlangen die Zoll- ermäßigungen, die sich beide Länder in ihrem Verttag eingeräumt haben, auch für Deutschland Geltung. Der Vertrag zwischen beiden Staaten ist auf 12 Jahre ge- schloffen. Es ist deinnach mit Sicherheit anzunehmen, daß auch die von der deutschen Regierung vereinbarten Verträge auf die gleiche Zeitdauer lauten. Von den Ermäßigungen einzelner Zollsätze hat naturgemäß nur ein Teil Interesse für Deutschland, da im Außen- Handel Deutschlands mit der Schweiz und Italien andere Erzeugnisse die Hauptrolle spielen, als im Warenaustausche ber beiden Länder untereinander. Italien hat, ivie rniS dem Vertrage hervorgeht, tatsächlich aus jegliche Zollerhöhung verzichtet. Der Verttag ist vollständig aus Grund des alten Generaltarifs abgeschlossen. Er bringt durchgehend dieselben Ermäßigungen wie der alte Vertrag und geht in manchen Artikeln sogar noch unter die bisherigen VertragSsätze herunter. Italien bildet also hier eine Ausnahme unter den Staaten des europäischen Kontinents, die in Erhöhung der Zollmauern und Schaffung zollpolitischer„Rüstungen" sich nicht genug tun konnten. Die Ermäßigungen beziehen sich in der Haupt- fache auf Schokolade und Zuckerwaren, Anilinfarben. Garn und Ge« webe aus Baumwolle und Seide, Stickereien, Bänder, Maschinen, Bijouterien, Uhren, Vieh und Molkereiprodukte. Für Deutsch- land sind von besonderer Bedeutung folgende Positionen:(Zollsätze des neuen Vertrages in Lire für 100 Kilogramm): Nr. 78. Farven aus Steinkohlenteer ic. in trockenem Zustande (Pulver. Kristalle, Brocken),(alter Gcneraltarif und alter Vertrags- tarif frei) frei, in Teigform oder flüssig(a. G.-T. und a. V.-T. frei) frei. Nr. 105. Baumwollgarne, einfache, roh. das halbe Kilogramm über 20 000 bis 30 000 Meter messend(a. G.-T. 30 M., a. V.-T. 27 M.) 24 M. Nr. 106. Baumwollgarne einmal gezwirnt, das halbe Kilogramm messend: bis zu 30 000 Meter(a. G.-T. und a. V.-T.: Zoll der ein« fachen plus 17 M.) Zoll der einfachen plus 13 M., über 30000 Meter(a. G.-T. und a. B.-T.: Zoll der einfachen pluS 17 M.) Zoll der einfachen PluS 15 M. Nr. 115. Vnnmwollgewcbe, bedruckte, im Gewicht von 7 Kilo- gramm oder mehr, aber weniger als 13 Kilogramm per 100 Ouadrai- meter: Taschentücher. Foulards, Eachnez, Schals, glatte(leinwand- artig, geköpert und Krepp), in Kette und Schuß im Quadrat von 5 Millimeter Seitenlänge enthaltend; 27 Elementarfäden oder weniger(a. G.-T. 180,80 M.. a. V.-T. 146.90 M.) 90 M.. über 27 bis 88 Elementarfäden(a. G.-T. 200 M.. a. V.-T. 160.10 M.) 100 M. Nr. 157. Gewebe, gemischte, worin Seide oder Florettseide im Verhältnis von mindestens 12 Proz. und höchstens 50 Proz. ent- halten ist: schwarze: 1. glatt(a. G.-T. und a. B.-T. 4 M.) 4 M. 2. gemustert(a. G.-T. 7 M. und a. B.-T. 6.50 M.) 4 M.; farbige: 1. glatt(a. G.-T. und a. B.-T. 5 M.) 4 M. 2. gemustert(a. G- T. 8 M. und a. V.-T. 7.50 M.) 5 M. Nr. 240. Maschinen für Spinnerei(a. G.-T. 10 M.; a. V.-T. Karden ohne die Beschläge 10 M., andere 8 M.) 6 M. Maschinen für Weberei und Webstühleproz, Schuldverschreibungen und im Jahre 1901 6 000 000 M, bproz. Schuldverschreibungen begeben. Insgesamt sind also bei Berücksichtigung der früheren Kapitalzusammenlegung und der über 3 000 000 M. betragenden Zuzahlung aus der letzten über 40 000 000 Mark in die Helios-Gesellschaft hinein- gestekt worden, ungerechnet die Bankkredite, mit denen sie jetzt noch belastet ist. An Dividenden wurden nach Gleichstellung des Aktienkapitals gezahlt 12, 11, 11 und ftir das Geschäftsjahr 1899/1900 letztmalig 7 Proz. Das Jahr 1900/01 erbrachte dann plötzlich einen Fehlbetrag von 4 900 000 M,, der sich im folgenden Jahre noch steigerte und dann im Jahre 1902 zu der bekannten Zusammenlegung des Aktienkapitals im Verhältnis von 5: 1 führte. Aber auch diese Pferdekur hat nichts genützt. Jetzt ist schon wieder ein Defizit von 5,2 Millionen Mark, also mehr als die Hälfte des Aktienkapitals (8 395 000 Mark) vorhanden. Zur Lage des Arbe�tömarkteS. Steigender Zuzug vom platten Lande und eine starke Abnahme der Beschäftigungsgelegenheit, die in erster Linie durch den Rückgang der Bautätigkeit verursacht wird, bewirken im November regelmäßig ein Anschwellen des Andranges auf dem gewerblichen Arbeitsmarkt. Im November des laufende» Jahres kamen an den öffentlichen Arbeitsnachweisen auf je 100 offene Stellen 162.6 Arbeitsuchende gegen 124,6 im Oktober, Damit er- reichte der Andrang den höchsten Monatsstand in diesem Jahre, denn selbst im Januar kamen auf je 100 offene Stellen nur 159,1 Arbeit- suchende. Die Lage des Arbeitsmarltes war also noch in keinem Monat des laufenden Jahres so ungünstig wie im November, Gegen» über dem Vorjahre ergibt sich freilich noch eine minimale Besserung. Im November des Vorjahres kamen nämlich auf je 100 offene Stellen 168,3 Arbeitsuchende, d. h, 6,2 mehr als im laufenden Jahre. Faßt man den männlichen Arbeitsmarkt ausschließlich ins Auge, so ist der Grad der Besserung noch geringer. Auf 100 offene Stellen für männliche Arbeiter kamen im laufenden November 186,1 Arbeit- suchende gegen 138,5 im November vorigen Jahres. Vor allem ist es das Baugewerbe, das an einem Ueberangebot von Arbeitskräften leidet. Der Eintritt kälterer Witterung führte an vielen Orten zur gänzlichen Einstellung der Bauarbeit. In engem Zusammenhange damit ließ der Bedarf an Arbeitskräften auch in allen den Brauchen nach, deren Beschäftigungsgrad von der Bau- tätigkeit beeinflußt wird. Dahin gehören vor allem manche Zweige der Tischlerei, so z. B. die eigentliche Vautischlerei und die Parkett- fußbodcn-Fabrikation, Auch im Bekleidungsgewerbe erforderte der Geschäftsgang fast nirgends eine Vermehrung der Beschäftigten. Im Eisen- und Maschineugewerbe aber, wo eine leichte Besserung des Geschäftsganges festzustellen war, äußerte sich diese hauptsächlich darin, daß die schon beschäftigten Arbeiter etwas mehr zu tun bc- kamen. Durch Perbesserungcn der Produktionstcchnik sucht man hier so viel wie möglich an Arbeitskräften zu sparen. Ganz geringen Arbeiterbcdarf endlich zeigte der Kohlenbergbau, obwohl im Hinblick auf die Jahreszeit gerade hier eine Steigerung der Nachfrage zu erwarten gewesen wäre. Tatsächlich aber stellte sich im Ruhrkohlen- Bergbau ein merkliches Ueberangebot von Arbeitskräften heraus, ganz im Gegensatz zum Vorjahre, wo die Belegschastsziffern steigend waren. Eine günstige Bewegung der Nachfrage zeigte fast nur das Textilgewcrbc, das mit Ausnahme weniger Bezirke und Branchen recht flott beschäftigt war und steigenden Arbciterbedarf aufwies. Der Fall Kersin. Ueber das Verwaltungs-Streitverfahren unseres Genossen Kerfin gegen die hiesige Stadtverordneten- Versammlung, das am 29. November in erster Instanz mit einein vorläufigen Erfolg ge- endet hat, lohnen sich noch einige Mitteilungen. Die Kassierung der Wahl war am 29. Dezember vorigen Jahres bekanntlich erfolgt, nachdem mehrere von den freisinnigen Protest- erHebern benannte Zeugen bestätigt hatten: daß eine Anzahl von Wählern im Wahllokal Dresdenerstraße statt deS Namens Kerfin, Namen wie Karwin, Kressin, Kersin, Karsin, auch Persin und der- gleichen genannt hatten, und daß statt dieser„Namen" vom Wahl- Vorsteher, zum Teil nachdem er sich vorher von den Wählern auf die Frage„Sie meinen wohl Kerfin" dies hatte bestätigen lassen, zum Teil ohne eine solche Rückfrage der Name Kcrfin in die Abstimmungs- liste eingettagen worden war. Die Mehrheit erblickte in jener Rückfrage des— freisinnigen— Wahlvorstehers eine Beeinflussung der Wähler zu Gunsten KerfinS, Soweit keine Rückfrage erfolgt war, wurde auf zwei Entscheidungen des Ober-Verwaltungsgerichts verwiesen, nach denen keinerlei Interpretation der Stimmabgabe zulässig sei. Die Klage, die Genosse Dr. Karl Liebknecht für Kerfin erhob, machte folgendes geltend: Die Stimmabgabe ist eine Willenserklärung, Der Wahlvorsteher hat die Pflicht auf eine unzweideutige Erkläri�ig des Willens hinzu- wirken. Die Angabe irgend eines Familiennamens ist keine klare Willens« erklärung; dazu gehört der Regel nach— soweit nicht ein notorischer Kandidat in Frage kommt— Vorname, Beruf, Adresse. Der Vor- steher tat daher nur seine Pflicht, wenn er die Wähler durch Rück- frage zum klaren Ausdruck ihres Willens veranlaßte. Iii der Frage des freisinnigen Vorstehers eine zur Beugung des Willens des Wählers geeignete Maßnahme zu erblicken, geht über die Grenzen jeder verständigen, objektiven Auffassung. Soweit die Riickftage nicht erfolgt ist, bedart es der genauen Prüfung, welche Namensform in jedem einzelnen Fall gebraucht ist; bei geringen Abweichungen btm der Präzisen hochdeutschen Aussprache deS Wortes Kerfin. zum Beispiel bei den Formen Kerwin, Karfin, Karwin. sei der Wille an sich deutlich genug ausgesprochen- bei etwas abweichenderen Formen fragt eS sich, ob nicht durch andere Umstände, zum Beispiel daß die Wähler Kcrivin-Ttimmzettel in der Hand hielten und abzulesen suchten, jede Zweideutigkeit deS Willens und der Willenskundgebung ausgeschlossen wird, zumal eS undenkbar erscheint, dast irgend ein Wähler durch einfache Angabe irgend eines Familiennamens einen anderen als einen der notorischen Kandidaten zu bezeichnen suchen konnte,— Die Beweisaufnahme des Stadlverordneten-AnSschusseS war eine ganz unzureichende, Der Bezirksausschutz beschlotz in der Verhandlung vom 29, März d. Js. eine umfassende Beweisaufnahme und zwar auch über die auf das Wahllokal Prinzenstratze bezüglichen Protestpunkte, die be kanntlich von der Stadtverordnetenversammlung selbst und ihrem Ausschutz für unerheblich erachtet waren, aber vom Vertreter der Beklagten, Justizrat Cassel, vor dem Bezirksausschuh vorgetragen wurden. In der Prinzenstratze hatte der Vorsteher jede geringste Abweichung in der Aussprache des Namens Kcrfin sorgfälligst in neun Fällen aä notam genommen und gebucht; eS sollte dort aber von sozialdemokratischer Seite aus den Wählern vielfach laut zu gerufen worden sein: Kerfin". Die Beweisaufnahme war von grotzem Interesse. Die Aussagen der Mitglieder des WahlvorstandeS wurden von den am freisinnigen Parteitisch postiert gewesenen Protestzeugen kennzeichnenderweise allenthalben im Sinne des Protestes um das Doppelte übertrumpft. Darin stimmten aber fast alle Zeugen über ein: Datz in der grotzen Mehrzahl der Fälle der Vorsteher vor Eintragung des Namens Kerfin die oben geschilderte Rückfrage vor- genommen hatte, datz die Frage von den Wählern stets bejahend beantwortet wurde und datz erheblichere Abweichungen von dem Nanien Kerfin nur ganz vereinzelt vorgekomnlen sind. Die Wahlvorstandsmitglieder bezeugten, datz eine solche Rückfrage sogar regelmätzig erfolgt sei. höchstens bei ganz geringfügigen Abweichungen gelegentlich unterblieben sein könne, und datz überall dem Protokoll- führer bei der Eintragung der richtige Name laut genug zugerufen sei, um von den Wählern verstanden zu werden, ohne datz doch je ein Wähler Widerspruch gegen die Eintragung deS Namens„Kerfin" erhoben habe. Mehrere Zeugen versicherten: sie hätten„den Eindruck ge- habt, datz manche der Wähler aus Furcht vor dem sozialdemokratischen Parteitisch absichtlich dem Namen Kerfin ähnlich klingende Namen nannten." Auf die Frage des Genossen Liebknecht: wodurch sie diesen Emdruck gewonnen hätten, kain die stereotype Antwort:„weil ich mir nicht de tlken kann, datz sie den Rainen dessen, den sie wähle it wollten, nicht Mutzten I" Mit erfrischender Rücksichtslosigkeit zerriß eine? der Wahl- Vorstandsmitglieder diesen Nebel parteiischer Verworrenheiten und spitzfindiger Verschlungenheiten, indein er betonte: eS sei klar, datz sich die Wähler nur„v e r g u a t s ch t" hätten. In bezug auf die Prinzenstratze verlief die Beweisaufnahme wie das Hornberger Schießen, Ein paar Pröbchen von der Klarheit. die die Protestzeugen hier entwickelten l Emtr bekundete;„Ich habe in diesen Zurufen eine Beeinflussung der Wähler... gesehen... außerdem erhielt ich den Eindruck, datz die Zurufe auch in solchen Fällen geschahen, in denen der Wähler mit der Stimmabgabc zögerte." Ein anderer:„Ich habeden Eindruck gehabt, datz durch diese Zurufe eine Aufklärung und damit zu- gleich eine Beeinflussung erfolgen sollte." Jin Termin vom 21. Juni wurde die Erhebung deS vom Genossen Liebknecht angetretenen Gegenbeweises beschlossen, der die Vorgänge weiter zu Gunsten Kerfins klärte, U. a, ergab sich, datz der Wahlvorsteher in der Prinzenstratze einem Wähler, der den Namen Kerfin von eineni Zettel ablesen wollte, dies verbot und den Zettel wegnahm, Liebknecht überreichte dem Bezirksausschutz von der grotzen Mehrzahl der Wähler, die in der Dresdnerstratze nach der Abstimmungsliste„Kerfin" gewählt hatten, eidesstattliche Versicherungen dahin, daß sie Kerfin tatsächlich hätten wählen wollen und seinen Namen nach besten Kräften richtig auszusprechen oder ab- zulesen bemüht gewesen seien. Ebensolche eidesstattliche Versicherungen wurden von denjenigen Wählern vorgelegt, die nach der„korrekten" Abstimmungsliste in der Prinzenstratze die grotzeir Unbekannten Kressin, Kifrin, Kersin, Krefin uiw. gcivählt haben sollten. Am 29, November verwies Genosse Liebknecht noch auf die erst neulich ergangene Entscheidung des Bezirksausschusses, nach der nicht einmal Fretbier-Spenden und„amtliche" Belehrungen der Straßenbahn- Angestellten«ine erhebliche Wahlunregelmätzigkeit darstellen sollen. Mit Recht darf man gespannt sein, ob sich die Stadtverordneten- Versammlung nun einer umbefangeneren Auffassung der Sachlage zugänglich zeigen wird._ Die Vernichtung der Port Arthnr-Flotte. Tokio, 9. Dezember. Der Kommandeur der gelandete» Schiffs« geschützt berichlet vom 8. d. M. abend«: Die„Pallada" hat Feuer gcfaugen und sich nach Backbord übergelegt mit dem Heck unter Wasser. Die„Giliak" ist von 11 Schüssen getroffen; um Uhr vormittags habe die„Bajan" angefangen zu brennen und um 4>/« Uhr noch ge« brannt. Das Mincnschiff„Amur" ist»on 14 Schüsse» getroffen und mit dem Heck weggestmteu; viele Schüsse haben die Warenlager uud andere Gebäude in der Nähe von Paiyuschan und dem Arsenal ge« troffen, Fusan, 9. Dezember.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Aus dem Hauptquartier der dritten Armee vom 7. d. M. wird be- richtet, daß am Morgen des 2. d. M. die Russen den Japanern die Erlaubnis gegeben haben, ihre Toten und Verwundeten von der öst- ltchen Fortkette aus dem Gefecht vom 20. November fortzuschaffen: um dieselbe Erlaubnis kamen die Russen am 6. Dezember ein. sie wurde ihnen bewilligt und heute(am 7.) wieder zurückgenommen. Im Gefecht am 30. November ist der zweite Sohn des Generals Nogi beim 203 Meter- Hügel gefallen: sein älterer Sohn war bei Nanshan gefallen, so daß der General jetzt kinderlos ist. » London, 9. Dezember.(„Bureau Lassan.") Aus Shanghai wird dem„Standard" gemeldet: DaS ch i n e f i s ch e W a ch t s ch r f f. das den hierher geflüchteten russischen Kreuzer„Askold" bewacht, hat den Hafen verlassen, angeblich, um Reparaturen auszuführen. Es wird gemeldet, der„ASkold" ersetze Teile setner Maschinerie, die entfernt worden waren, nehme große Kohlenvorräte anBord undtreffeVorbereitungen. aus dem Hafen zu flüchten, um sich dem russischen Ostsee- geschwader anzuschließen. Die Behandlung der Verwundeten im russischen Heere. Das nachfolgende Zirkular wirst ein eigenartiges Schlag- licht auf das Los der„für Zaren und Vaterland" verwundeten russischen Krieger. Die Fürsorge für die Verwundeten liegt im Reiche Väterchens zwei Institutionen ob: der offiziellen militärischen Medizinalverwaltung und dem„Roten Kreuz", einer von der Regierung subventionierten und kontrollierten Privatgesellschaft. Zeigt' sich nun letztere nichts weniger als auf der Höhe ihrer Aufgabe, so spotten die Zustände im offiziellen"militärischen Heilwesen geradezu jeder Kritik. Was aber das schlimmste, beide Institutionen führen untereinander einen unaufhörlichen Kleinkrieg, dessen Kosten die hülflosen, zu Krüppeln geschossenen Soldaten zu tragen haben, die die Rivalitäten der oberen und niederen Behörden mit ihrer Ge- sundheit und ihrem Leben bezahlen müssen, Das interessante Schriftstück lalltet: Amurscher Militärbezirk. An die Militärbezirksverwaltung. Pharmaccutischc Slbtcilung. 5. Juni 1904. Nr. 4317. Zirkular 36. „Einige Spital-Oberärzte wendeten sich um Hülfe an da?„Note Kreuz", statt die ihnen fehlenden Gegenstände der medizinischen Versorgung rechtzeitig aus dem Drogenlager in ChabarowSk zu verlangen und gaben dadurch zu der Annahme Anlaß, als wäre die medizinische Militärvcrsorgung unzulänglich, obwohl dies in Wirklichkeit nicht der Fall ist, und alle vom„Roten Kreuz" durch diese Aerzte erhaltenen Gegenstände bei der militärische» Medizinal- Verwaltung im Ueberfluß aus Lager vorhanden sind. Uin derartiges in Zukunft zu vermeiden, cinpfehle ich. die- jenigen Gegenstände der medizinischen Versorgung, deren Lorrat zu Ende geht, rechtzeitig zu verlangen, und sich nur in außer- ordentlichen Fällen um Hülfe an das„Rote Kreuz" zu wenden, worüber dann jedesmal an die militärische Bezirks- Medizinal- Verwaltung Mitteilung gemacht werden mutz. In der Verwendung von Arzneien oiutz möglichst« Sparsamkeit beobachtet werden, indem man Arzneien bei Kranke» nur in Fälle» mirllichcc Not anwende» soll. Dabei bitte ich die älteren Mltitär- ärzte, ihre von der Reserve herangezogenen noch unerfahrenen Kollegen mit dem Charakter der iiiilitärffchcn Kranken vertraut zu machen, unter denen die Simulation eine gewöhnliche Erschein, ,ng darstellt." gez. Medizinalinspektor dcS Militärbezirks Geheimrat S ch e w e l e w. Stellvertretender Geschäftsführer: Phannaceut Wasiljew. Die Spitalärzte setzen sich also danach nur des Ver- gnügens wegen oder aus Eigeitsinn einem Rüffel durch die vorgesetzte Behörde aus, und die kranken Soldaten„simulieren" bloß Schießwunden, Knochenbrüche, Typhus und Dissenterie, uni möglichst viel Ricinusöl, Jodophorm, Karbolsäure und anderer Medikamente zu verbrauchen! Was aber der Sache besondere Pikanterie verleiht: Staatsdicbe, die notorisch von berufsmäßiger Verwechselung des Staatssäckels mit der eigenen unersättlichen Tasche leben, wollen nun auf einmal das StaatSinteresse tvahren und zwar auf Kosten der un- glücklichen Verwundeten— wahrhaftig der blödsinnige Zynismus der Zarcnschurken scheint keine Grenzen zu kennen!— Gerichts-Leitung. Ter große Platinadiebstahl bei der Firma Siemens u. Halöle, welcher seinerzeit großes Aufsehen erregte, gelangte gestern vor der vierten Straflammer des Landgerichts II unter dem Vorsitz des Landgerichtsdircktors Hoffheinz zur Verhandlung. In der Nacht zum 24. Juli d. I., einem Soiiiitage, wurden, wie noch erinnerlich sein dürfte, aus dem in Charlottenburg. Kaiserin Augusta-Allee 8, gelegenen Laboratorium der Firma Siemens u. Halste zwei Platina- schalen im Werte von 37 000 M. gestohlen. Durch eine fieberhafte Tätigkeit, welche durch die ausgesetzte Prämie von 3600 M. für Ermittelung der Täter noch mehr angespornt wurde, gelang eS der Charlottenburger Kriminalpolizei schon nach einigen Tagen, die Diebe mit ihren Hehlern zu ermitteln, tvelche nunmehr vor dem Strafrichter landen. In der Anklagebank mutzten Platz nehmen: 1. der Händler Hermmin Gratznick, 2. der 20jährige Arbeiter Paul Bietag, 3. der Zimmermann Alexius ObierSky, 4. der Eisenhobler Stanislaus Lbiersky. 5. der 19jährige Arbeiter Wilhelm Hartmann, 6. der �rühere Bäcker, jetzige Kellner Paul Sinkler und 7. der Handelsmann Gustav Enseleir. Als Verteidiger traten auf für Gratziiick Rechts- aiuvalt Dr. Schwindt und Meyerstein, letzterer auch noch für Enfcleit; Bietag wurde vom Rechtsanwalt Liebknecht, Hartmann vom Rechts« anwalt Heine verteidigt. Die Anklag« lautete gegen Hartmann und Bietag auf gemeinschaftlichen schweren Diebstahl, bei Bietag im Rück- falle, ferner auf Anstiftung, Beihülfe und Hehlerei.— Di« Angeklagten Bietag und Hartman» waren Schulfreunde. Hartmann war etwa drei Monate lang bei der Firma Siemens u. Halske in dem Laboratorium in der Kaiserin Augusta-Allee 8 als Diener angestellt gewesen. Nach seiner Entlassung traf er Anfang Juli mit Hartmmm zusammen, welcher mit den Angeklagten Gebrüder Obierslh schon längere Zeit verlehrte. In einem Lolal kam die Sprache auf das wertvolle Jnvenrar in dem Laboratorium, und Hartmann, der an- geblich ungerechtfertigt entlassen worden war, äutzerte, er bedauere es jetzt sehr, datz er stch nicht etwas von, den wertvollen Gegenständen mitgenommen habe. Dies« Aeutzerung wurde von Alexius ObierSky mffgenoinmen, der nunmehr auf Hartmann einredete, die wertvollen Platinaschüsseln zu stehlen, er selbst wolle den Absatz besorgen. Ohne viel zu zögern ging Hartmann darauf ein. Als Tag der Tat wurde der 9. Juli festgesetzt, jedoch wieder geändert, da emBruder des H. an jenem Tage Hochzeit feierte. Am Sonnabend, den 23. Juli d. I. trafen sich Hartmann, Bietag und ObierSky wie verabredet in dem Beckerschen Lokal in der Beufselstratze. Hier wurde beraten, datz der Diebstahl in derselben Nacht verübt werden sollte. Nachdem sich alle drei gehörig Mut getrunken hatten, gingen sie nach dem Grundstück von Siemens u. Halske. Da dieses von einem Wächter mit mehreren Hunden bewacht wurde, der sich gewöhnlich in der Nähe des Laboratoriums aufhielt, so mutzte so lange gewartet werden, bis der Wächter seinen Rundgang antrat. Gegen 12 Uhr überkletterte Hartmann mit Hülfe Bictags den Zaun, schlich sich auf Strümpfen bis an das Laboratoriumgebäude und schlug hier ein parterre gelegenes Fenster ein. Durch die Oestnung faßte er hindurch, riegelte das Fenster auf und stieg dann hindurch. Durch mehrere unverschlossene Türen ge- langte Hertmann in den eigentlichen Laboratoriumsraum. Hier wurden zu experimentellen Zwecken Schalen von Platina verwendet, welche bekanntlich jeder Säure und auch hohen Hitzegraden wider- stehen. Der Wert von den vorhandenen fünf Schalen beziffert stch auf etwa 75 000 M. Der Angeklagte wollte erst alle fünf mitnehmen, da jedoch die drei etwas kleineren beim Transport Geräusch machten, lietz er diese liegen und nahm nur die beiden größten Schalen im Werte von 37 000 M. mit. Als einige Tage später von einem Händler ein Stück Platina im Gelvicht von:twa 150 Gramm bei einem Alt- Händler verkauft werden sollte, wurde der Kriminalpolizei Mitteilung davon. Der Betreffende wurde verhaftet, bald stellte es sich heraus, daß er mit den eigentlichen Dieben und Hehlern nichts zu tun hatte. immerhin war die Spur gefunden, die schließlich zur Festnahme der jändler Graßnick, Enseleit, Sinkler und Koch führte. Letzterer hatte von Enseleit ein Stück Piatina für 200 M. gekauft. Im Gefühl seiner Schuld und aus Angst vor Bestrafung beging Koch im Unter- suchungSgefängnis durch Erhängen Selbstmord. Ein anderes Stück Platina wurde von Graßnick verkaust, der noch mehrere Pfund be- tragende Rest endlich von Stanislaus Obiersky in der Jungfernheide vergraben, wo eS später durch die Kriminalpolizei wieder ausgegraben werden konnte. Bis auf 2(4 Pfund Platina ist die Firma Siemens u. Halske wieder in den Besitz deS wertvollen Metalls gelangt.— Vor Gericht waren nur Hartmann und Bietag geständig, während die 'ehler und die wegen Begünstigung usw. angeklagten Gebrüder biersky jede strasbare Handlung entschieden in Abrede stellten. Es wurden verurteilt: Bietag zu 2(4 Jahren Zuchthaus, Alexius ObierSky zu 3 Jahren Zuchthaus, Stanislaus Obiersky zu 2 Jahren Zuchthaus, Hartmann zu 2 Jahren GcsängniS. Sinkler und Enseleit zu 8 resp. 5 Monaten Gefängnis und 2 Jahren Ehrverlust. Der An» geklagte Graßnick wurde mangels ausreichender Beweise frei- gesprochen. Ein Neine» LirbcSdrama beschäftigte gestern daS Schwurgericht am Landgericht I unter Vorsitz des LandgerichtSratS v. Poch- h a m e r. Die Anklage vertrat Staatsanwalt Böse, die Per» teidigung führte Rechtsanwalt H e n n i g s o n. Di« Angeklagte. Näherin Emma Bahr, ein SS Jahre altes, bisher unbestraftes Mädchen, hatte sich auf die schwere Anklage deS versuchten M o r d c S zu verantworten. Die Vorgeschichte deS Dramas geht aus mehrere Jahre zurück. Die Angeklagte wohnte bei ihrer Schwester, einer Frau Rohde. Im Alter von 15 Jahren lernte sie daselbst den ' Dekorateur Klose kennen, es entspann sich ein. Liebesverhältnis zwischen ihnen und er soll ihr schon damals die Ehe versprochen haben. Dies ging eine Reihe von Jahren in dieser Weise, manchmal kam es zwischen den jungen Leuten zu Zank und Streit und auch zu Tätlichkeiten, man schlug sich und vertrug sich, sie erklärte ihm wiederholt, daß aus ihnen beiden doch nichts werden könne, er konnte aber von ihr nicht lassen und es kam immer wieder zu einer Aus- söhnung. Da zog der Maler Puls als Aftermicter zu ihrer Schwester. Puls wußte, daß sie ein Liebesverhältnis mit Klose hatte, dies hinderte aber nicht, datz sich zwischen ihr und Puls auch ein zartes Verhältnis entwickelte. Es kam später bis zum Aufgebot mit Klose, daS aber rückgängig gemacht wurde. Bald war auch die Ge- schichte mit Puls zu Ende, da dieser sich verlobte. Am 8. Oktober schrieb sie trotzdem eine Karte an diesen und verabredete darin mit ihm ein Zusammentreffen bei Aschingcr am Alexanderplatz. Dort erklärte ihr Puls, datz ein weiterer Verkehr keinen Zweck mehr habe. Trotzdem erschien er am 11. Oktober abends wieder bei Aschinger auf eine briefliche Bitte der Angeklagten hin. Man unterhielt sich bei mehreren Gläsern Bier ganz friedlich und harmlos und es ist im Lokal zu keinerlei erregten Auseinandersetzungen zwischen den beiden gekommen. Von dort gingen sie Arm in Arm die Landsbergerstratze entlang nach der Lictzmannstratze, wo die Wohnung des Puls lag. Sie ginge» weiter, dem Büschingplatze zu, wo Puls in eine Retirade trat. Inzwischen hatte sie den Revolver, den sie immer bei sich trug, herausgeholt und hielt ihn in der Hand, die sie in dem Jackett ver- barg. Eine kleine«trecke ging sie noch neben Puls. Vor dem Hause LandSbergcrstr. 9 fielen plötzlich, rnittm im Gespräch, zwei Schüsse, von denen Puls getroffen wurde. Dieser war der irrtümlichen Meinung, daß die Scküsse von Klose abgegeben worden wären und rief deshalb dem sich ansammelnden Publikum zu:„Klose hat ge» schoffenl'— Tie Angeklagte behauptete, datz die Schüsse ohne ihr Wollen losgegangen seien. Als sie gesehen, datz Puls getroffen worden, habe sie vor Entsetzen einen Schutz auf sich selber abgegeben, der aber nicht getroffen habe. Die Anklage nimmt dagegen an, daß der erste Schuß vielleicht unabsichtlich losgegangen sein kann._ Bei der Zeugenvernehmung kam zur Sprache, datz gerade in den kritischen Tagen eine Anzeige bei der Polizei eingelaufen war, wonach die Bahr beschuldigt wurde, einen liederlichen Lebenswandel zu führen und nicht zu arbeiten. Wer diese Anzeige geschrieben, ist nicht festzustellen gewesen.— Der Zeuge Puls hatte einen Streifschuß an der Wade erhalten, autzerdcni ist ihm eine Kugel nicht tief in den Hals ge- gangen. Sie ist unschwer im Krankenhause entfernt worden; dauernde gesundheitliche Nachteile hat Puls nicht davongetragen. Er hat seinerzeit erklärt, daß er einen formellen Strafantrag nicht stellen wolle.— Staatsanwalt Böse pläidierte auf Bejahung der Frage betreffend den versuchten Totschlag bezw. der Körperverletzung. Tie Geschworenen verneinten sämtliche Schuldsragen. Der Gerichtshof crlannte demgemäß auf Freisprechung. Tie Engelmacherin in Hamburg beschäftigte gestern das Reichs- gericht. Vom Schwurgericht Hamburg ist am 10. Oktober die verehelichte Elisabeth Wiese geb. Berkefeld wegen Mordes in fünf Fällen zum Tode und wegen schwerer Kuppelei sowie Verleitung zum Meineide zu iechs Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Von der Anklage des Giftmordvers'.ichcs gegen ihren Ehemann ist sie frei- gesprochen worden. DaS Gericht hat auf Grund umfangreicher Indizienbeweise als erwiesen angesehen, datz die Angeklagte fünf Pflegekinder, darunter das neugeborene uneheliche Kind ihrer nn- ehelichen Tochter Paula Berkefeld, ermordet hat. Sie hat in jeder Hinsicht ihre Schuld bestritten, insbesondere hat sie behauptet, daS Kind Berta Frank fei von seinem Vater mit nach England genommen worden. Sie hatte Frank als Zeugen benannt, aber das Gericht hatte ihn nicht auffinden können. Der Untersuchungsrichter war dann nach England gereist und hatte mit Hülfe der englischen Be- Hörden nach jenem Frank geforscht, aber ohne Erfolg. Schlietzlich hat das Polizeiprändium Hamburg in 22 Zeitungen einen Aufruf erlassen und demjenigen 100 M. versorochen, der über Frank etwas mitteilen könne. Auch dieser Versuch blieb ohne Ergebnis. In ihrer Revision beschwerte sich nun die Angeklagte darüber, datz nicht die Verhandlung vertagt worden ist, bis der Zeuge Frank ermittelt fein imirdc. Sie rügte ferner, datz die Bildung der Geschworenen. dank zum Teil unter Ausschluß der Oeffentlichkeit erfolgt sei. Was diese letztere Rüge betrifft, so handelt es sich um die Einreihung eines ErgänzungSgeschworencn in die Geschworenenbank. Diese erfolgte bei Beginn eines neuen Verhandlungstages, nachdem tagszvvor die Oeffentlichkeit ausgeschlossen gclvesen und noch nicht wieder her- gestellt worden war.— Das Reichsgericht verwarf die Revision als unbegründet. Als«in Akt der Bildung der Geschivorenenbank könne die Hinzuziehung des Ersatzgcschtvorenen nicht angesehen werden, deshalb komme e» nicht darauf an. ob jener Akt unter Aus- schluß der Oeffentlichkeit erfolgt ist. Unbegründet sei auch die Be- sckwerde, datz zu unreibt angenommen worden sei, der Zeuge Frank sei nicht auffindbar. Selbstverständlich könne nicht ein« Verhandlung auf unbestimmt lange Zeit vertagt werden in der vagen Hoffnung. daß der Zeuge doch noch aufgesunden werde. Versammlungen. Prrqjitw. bebakt.: Paul Büttner, VeVliii. Jnjemte oeranlrp.(mit Ausnahme der.Neue WeII"-Veilaze):Tl). Glocke, BeUiu. Drucku.Periag-VorwSrtSBiichdr. Der„Berein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter BerliuS" hielt am Sonntag, den 4. Dezember, bei Pachura, Landsberger. stratze 39, seine dritte Mitgliederversammlung ab. Nutzer den 320 Mitgliedern hatten sich noch an 300 Gäste eingesunden, so datz der Saal wiederum überfüllt war. Die Bersammlung lettete ein vom Rechtsanwalt Dr. B r o h gehaltener interessanter Vortrag über „Der Krieg und der moderne Mensch" ein, der mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurde. Da man eine Diskussion darüber nicht be- liebte, wurde zum Punkt„Gründung einer Zeitung" übergegangen. Nach längerer reger Diskussion wurde einstimmig beschlossen, eine Zeitung, die unter dem Titel„Die arbeitende Jugend' vom 1. Januar 1905 ab erst monatlich, dann vierzehntägig erscheinen soll, zu gründen. Sie wird den Mitgliedern unentgeltlich zugestellt. Als Redakteur d«S Blattes wn'-de der Vereinsvorsitzende Hellmuth Lehmann einstimmig gewählt. Ter Expedient, sowie die fünf Mitglieder der Pretzkommission, die ebenfalls von der Versammlung gewählt wurden, sind sämtlich Lehrlinge resp. jugendliche Arbeiter. Um die Kosten, die durch das Erscheinen des Organs entstehen, zu decken, wurde der monatliche Beitrag für Lehrlinge und Mitglieder unter 18 Jahren auf 25 Pf. erhöht.— Zum Schlutz der Versammlung brachte u. a. einer der anwesenden Lehrlinge recht krasse Mitzstände, die in verschiedenen Betrieben vorhanden find, zur Kenntnis der Versammlung.— Einige Lehrlinge waren in Begleitung ihrer Eltern erschienen, die mit sichtlicher Befriedigung über daS selbstbewußte Austreten und die sachlichen Ausführungen ihrer Sprößlinge und lebhaftem Interesse den Verhandlungen folgten.— 150 Personen erklärten ihren Beitritt zu dem Verein, so datz er jetzt mehr als 450 Mitglieder zählt. Zu diesem überaus schnellen Wachstum des Vereins hat wohl die rührige Agitation der„Christlichen Jünglings- vereine", die in der schäbigsten Weise den LchrlingSverein be- lämpfen, ein gut Teil beigetragen. eingegangene Drucklcdriften. Sozialer Forltchrttt. Hijle und Flugschriften sür Volkswirtschaft und Sozialpolitik Heft 27 Dr Ludwig Sohn Unsere Blinden. Heft 28/29 Leopold Katscher Dte Gewtnnbeteüigung. Heft SO. Eise lißder» Arbeit« innen.Organisatton und Frauenbewegung. Einzel- best td Ps.. Doppelbeft 80 Ps.. Reihe von tO Helten 1,20 M. Verlag Felix Dietrich, Leipzig 1904„ � r Marx. Karl. Theorien über den Mehrwert. Band l. Herausgegeben von KartKauISly 430 Seiten. Broschiert 5, SO M., gebunden ö M. Stuttgart 1905 Verlag von I. H. W. Dietz Nachs. Letzte Nacbricbtcn und Dcpefcben. Schließung der Wiener Univerfität. Wien, 9. Dezember. sW T. B s Der Hochschulkorrespondenz zufolge hat der akademische Senat in seiner heutigen Sitzung die Schließung der Universität beschlossen. u.VerlagSanst. Paul Singers Co.. Berlin SV' Hierzu»Nettage». » 290 2L1.ÜW i Keilllge iles Joriuirto" Ktklim Völksdiatl. lv e t z vereinbarten Handels» Verträge nach dem Schluß der ersten Lesung des Etats vorzulegen. Die Handelsvertrags-Berhandlnugen niit Oesterreich- Ungarn waren aber, wie Sic wissen, ans einen toten Punkt gelangt und muhten wegen erheblicher Meinungsverschiedenheiten abge» Krochen werden. Infolge der uns jetzt von österreichisch-ungarljcher Seite gemachten Mitteilungen ist Aussicht vorhanden, auch mit Viesen unseren Nachbarn zu dem gewünschten Einverständnis zu kommen. Selbstverständlich halten wir daran fest, dah wir gemah den von mir in diesem hohen Hause seinerzeit abgegebeneu Er» Ilärungen nur einem solche» HandelSvertraae zustimmen und Ihre Genehniigung für einen solchen nochsuchen können, der uns au S» reichende Garantien bietet, dah der deutsche Bieh« bestand gegen ausländische Seuchen geschützt bleibt.(Bravo I rechts.) Auch haben wir hinsichtlich der Be» Handlung der deutschen AuSfuhrindustrie durch Ocsterreick-Uugarn gewisse Wünsche, die erfüllt sein müssen, wenn es zu einen, Handels- vertrage kommen soll. Da das Einbringen der sechs fertiggestellten Handelsverträge die Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn stören würde, während andererseits nach der Geschäftsloge des hohen Hauses nicht sicher zu erwarten ist, dah jetzt eine volle Durchberatung der Handels- vertrüge stattfinden kann, so haben die verbündeten Regierungen be- schlössen, Ihnen die neuen Handelsverträge alsbald nach den Weih- nachtsferien vorzulegen. Wir werden bestrebt sein, darauf hinzu- wirken, dah das Inkrafttreten der neuen Handelsverträge und des neuen Zolltarifs keine Verzögerungen erleidet. Unter diesen Um- ständen darf ich an das hohe Haus die Bitte richten, zurzeit nicht in eine Besprechung der handelspolitischeit Situation ciitzutreten. Hierauf tritt das HauS in die Tagesordnung ein. Reichsschatzsekretär Freiherr v. Stengel: Ich will auf einige Anregungen aus den Etatsdebatten mrückkommen. Den Wunsch des Abgeordneten Spahn, dem Etat ein alphabetisches Sachregister beizugeben, werden wir. wenn es möglich ist, gern erfüllen. Ucber die anlätzlich der Finanzreform vom Reichstag beschlossenen Resolutionen sind die Erhebungen noch nicht abgeschlossen. Herr Storz meinte vor- gestern, ich mihgönnte den Witwen und Walsen die Erträgnisse aus dem Zolltarif. Wenn er diese Meinung von mir hat. so muh ich mir das wohl oder übel gefallen lassen. Aber aus dem Wortlaute meiner Rede geht deutlich hervor, dah meine einzige Abficht war, dem Reichstage über die Finanzlage und auch über' die finanziellen Grundlagen der Witwen- und Waisenverficherung reinen Wein ein- zuschenken. Alle Vorschläge zur Sanierung der Reichsfinanzen iverden ernsthast geprüst werden. Aber darauf muh ich doch hm- weisen, dah die durch die Konjunktur bestimmten Einnahmen immer mir eine unsichere Schätzung zulassen werden. Das Reichs-Rcformgesetz vom 14. Mai d. I. verliert deshalb nichts an Wert' ich wünschte nur, wir hätten es schon vor M Jahren gehabt; dann hätten wir der Reichskasse 744 Millionen Mark erspart. und da frage ich den Abg. Müller-Sagan: Wäre eS denn wirklich -in so groheS Unglück, wenn lotr doch in absehbarer Zeit in die Lage kämen, wenigstens einen Teil unserer ReichSschulden zu tilgen, wenn wir schon in nächster Zeit in die Lage kamen, die fällig werdenden Schatzanweisungen anstatt mit neuen Schuldtiteln mit barem Gelde einzulösen?(Heiterkeit.) Und wäre eS wirklich so furchtbar, den Jnvalidenfonds, die Versorgung unserer Kriegs- invaliden, wenigstens zu einem kleinen Teil wieder aufzuschütten. Von mehreren Seiten ist angeregt worden, die 24 Millionen ungedeckter Matrikularbeiträge nach dem Vorbild Oesterreich-UngarnS auf die einzelnen Staaten nach der Steuerleistung statt nach der Kopfzahl zu verteilen. Ich weih nicht, ob das«etspiel Oesterreich- Ungarns für Deutschland mit seinen 25 selbständigen Staaten passend ist. Näher als ein Vergleich mit Oesterreich-Ungarn liegt ein solcher mit der Schweiz. Hier sind die Bundesbeittäae, die unseren Matrikular- beitrügen entsprechen, von den kleineren Kantonen einfach nicht zur Erhebung gekommen.— Von dem Momente an, wo Preuhen mehr leisten würde, als eS nach der Reichsverfassung verpflichtet ist, würde das Reich in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Preuhen treten; und die Erhöhung der Matrikularbeiträge würde sofort ein starke» An- ziehen der Stcuerschrmlbe in den entzelnen Staaten zur Folge haben. Dieselben Abgeordneten aber, die hier auf Erhöhung der Matrikular- beiträge dringen und ihre FraktionSgenossen, dürsten kaum ge- neigt sein, in den Einzellandtagen für eine Erhöhung der Steuern einzutreten. Die Erhöhung der Matrikularbeiträge würde zur Folge haben, dah die Einzelstaaten bei der Erfüllung ihrer Kulturaufgaben sparen müssen. Tausende von Arbeitern entbehren dadurch lohnender Be- schäftiguna, Taufende nngenügend besoldeter Landesbeamten harren Jahr für Jahr vergebens auf eine Verbesserung ihrer Lage. Da« sind die Schattenseiten der Ueberlastung der Einzelstaaten mit Matrikular- beitrügen. Darum sage ich: wer auf diesem Wege um die notwendige Bewilligung neuer Einnahmequellen für daS Reich zur Sanierung seiner Finanzen herumzukommen glaubt, der rede mir von allem in der Welt, nur von diesem nicht, der rede mir nicht von schonender Rücksicht auf die wirtschaftlich Schwachen.(Bravo I) Abg. Graf v. Stolbcrg-Wernigerode(k.): In der Etatsdebatte ist äs omnidu« rodus st quibuodam alils(über alle Dinge und noch einige mehr) geredet worden, und so auch über den Fall Mirbach. Nach meiner Ansicht ist dieS eine interne pmihifche Angelegenheit, da sie aber hier einmal zur Sprache gebracht worden ist, so möchte ich im Namen meiner Freunde erklären, dah wir mit den Worten übereinstimmen, die Herr Dr. Stockmann über diesen Gegenstand gesprochen hat. Die Militärvorlage hat hier im Hause im allgemeinen eine sehr günstige Aufnahme gefunden. CS liegt daS zum grohen Teil an der Offenheit, mit der der Kriegsminister ebenso wie auch der ReichS-Echatzsekretär vor dem Hause gesprochen haben. Herr Bebel hat allerding« auf den ostasiatischeu Krieg hingewiesen und gemeint. Ruhland sei durch ihn so gesltiädigt. dah Deutschland sich m Zukunft nicht mehr auf einen Krieg mit zwei Fronten einzurichten habe. Nun wäre e« ja allerdings eine grohe Torheit, wenn wir einen Krieg mit Ruhland predigen würden. Aber keineswegs ist Ruhland so ohnmächtig, dah es keinen Krieg führen könnte. Ruhland hat jetzt noch nicht den dritten Teil seiner Armee mobilisiert, und vor Port Arthur sieht man. was der russische Soldat leisten kann, wenn er gut geführt wird. Ruhland ist schon oft in mindestens ebenso schwieriger Lage gewesen und bat sich stets wieder emporgearbeitet. Wir dürfen unsere Sicherheit nicht auf die Speku« lation auf die Schwäche unserer Rachbarn gründen.— Auch die Kavallerie-Vermebrung ist zu verteidigen. Theo«- tisch kann man allerdings ia nachweisen, dah eine Kavallcrie-Attacke gegen die jetzigen Jnfanterie-Waffen unniöglich ist, aber trotzdem werden Kavallerie-Attacken in der PraxiS immer wieder vorkommen. Noch nach jeder Neubewaffnung hat-s sich herausgestellt, dah das theoretisch -ophezeite Ueberflüssigwerden der Kavallerie praktisch nicht eintrat. In betreff der Manöver nun hätte ich an den Kriegsminister eine Bitte zu richten! Unsere Ouartierlegung in den Manövern nämlich leidet an gar nicht zu unterscbäyeuden Mihständen. Die Beob- ochtungen nämlich, die ich in Ostprcuhcn zu machen Gelegenheit hatte, zeigten mir, dah unsere dortige tüchtige Landbevölkerung, die selbst zum gröhten Teil Soldat gewesen ist, sich zwar herzlich freut, wen» sie Einquartierung bekommt, dah aber die Belastung durch diese gewöhnlich eine so starke wird, dah die Freude daran den Leuten verloren gehen muh. Die Grldcntschädignng ist als viel zu gering, ist als gänzlich ungenügend anzusehen, lind nicht die leistungsfähigeren grohen Städte, sondern gerade die kleinen Städte und das platte Land werden davon betroffen.— Im nationalen Interesse ist zu wünschen, dah den Leuten die Freude an der Ein- quartierung erhalten und dieser Mihstand abgestellt wird. Abg. v. Bollmnr(Soz.j: Ich will mich heute auf wenige Punkte beschränken, die in der bisherigen Debatte von verschiedenen Rednern, insbesondere von Mitgliedern des Bundesrats besprochen, und zwar in einer Weise besprochen worden sind, dah sie eine sofortige Erwiderung not« wendig erscheinen lassen. Es hat mehrseitige Anerkennung gefunden, dah der Reichs- Schatzsekretär sich in seiner Schilderung der finanziellen Lage einer rückhaltlosen Offenheit befleihigt hat, und dah er die Dinge ehrlich und aufrichtig gezeichnet hat, wie sie sind. Man sollte nun allerdings meinen, daS fei eine selbstverständliche Pflicht jeder finanziellen Verwaltung. Allein, nachdem das jetzige Verfahren des Herrn Reichs-SchatzsekretärS gegenüber dem seiner Vorgänger wesentlich zu seinem Vorteil abstechend sich gezeigt hat, so hat auch der erste Redner unserer Fraktion ihm eine gewisse— selbstverständlich nur relative(Heiterkeit)— Anerkennung nicht entzogen. Freilich können wir Sozialdemokraten die Ueberraschung, die von verschiedenen Rednern gezeigt worden ist über den finanziellen Abgrund, in den wir geraten sind, nicht teilen. Die Herren halten uns Sozialdemo- traten für Träumer, weil wir die politischen Verhältnifse nicht bloh ans dem«naen Guckloch der Tagespolitik an- sehen und Sie halten sich selbst für grohartige Realpolitiker. Aber solche Illusionäre sind wir nicht, dah wir glauben, dah mit der zu- nehmenden Schärfe der Waffen die Kriege unblutiger werde», dah, wenn man auf eine Ware einen Ausschlag legt, sie nicht teurer, sondern billiger wird, und dah man aus der NeichStasse mit vollen Händen schöpfen kann, ohne jemals aus den Boden zn komme».(Heiterkeit. Sehr gut! bei den Sozialdemokraten.) Ich meine vielmehr, wer von uns allen sehen konnte, oder was mehr ist, wer sehen wollte, der konnte seit vielen Jahren genau aus dem Gange der EntWickelung unserer Finanzen sehen, wohin wir mit Notwendigkeit geraten würden. Wir haben seit Jahren unablässig darauf hingewiesen, dah es so kommen müsse, wie es gekommen ist. Ich behaupte, wer die letzte Rede des Herrn Reichs-SchatzsekretärS drangen im Lande etwas nnachtsain, ohne auf den Namen des Redners zu achten, liest, muh zu der Meinung kommen, die Rede stamme von einem Kritiker der äußersten Linken, aber nicht von einem RegicrungSvcrtreter. Wenn die Politik— manche behaupten sogar, sie sei eine Kunst—(Heiterkeit) Gefühlen Raum liehe und das private Mißgeschick des einzelnen dabei in Betracht käme, so könnte man wirklich ein groheS Bedauern mit der Stellung des Herrn ReichS-Schatzsekretärs haben. Er ist doch aus einem leidlich guten Hause hierher gekommen(Heiterkeit), in'dem man seit Jahrzehnten mit Ueberschüssen gearbeitet hat und die Ueberschüsie in den Stnmipf tat(Heiterkeit), um nachher als fegen- spendendes Wesen austreten und besonders eifrige Dränger sich ver- pflichten zu können. Derselbe ReichS-Schatzsekretär ist nun in ein derartiges Elend hineingeraten, in ein so wildes S ch u l d e n m a ch e n, dah man init den h a l S b r e ck) e r i s ch st e n Künsten der Welt nicht im- stände ist, die Einnahmen und Ausgaben auch nur buch- mäßig auszugleichen. Dabei hat man sich nicht einmal gescheut, besondere Stiftungen zu bestimmten Zwecken anzugreifen. Da muh man doch mit dem Dichter sagen: yuv ckiadls va-t-il faire, Dans cette galfere? Heiterkeit.) Die Regiermig und die Parteien versuchen jetzt, die Berant- Wartung von sich abzuwälzen. Aber die Regierung, die uns ihre entsprechenden Vorschläge gemacht hat und die Vertreter der Mehr- heitsparteien, die diese Vorschläge gebilligt haben, sind wohl dem deutschen Volke ganz verantwortlich und werden auch verantwortlich sein für die neuen Twnrrn, die die unvermeidliche Folge der bewilligten Ausgaben sein werden, ivenn man auch von keiner Seite dies heiße Eisen anfassen will. Von Sparen kann keine Rede sein; denn da, wo zu sparen wäre. wollen die Herren nicht sparen und auf der anderen Seite ist bereits angekündigt, dah eine grohe Menge gewaltiger neuer Ausgaben bevorsteht Man denkt sogar an das Zurückzahlen alter Anleihen zu gehen und den verpulverten ReichSinvalidensondS herzustellen. Meiner Meinung nach hat der Schatzsekretär vollkommen recht, wenn er über die Größe der Einnahmen au« dem neuen Zolltarif sich sehr skeptische Vor- stellungen macht. Es wird eben nichts anderes übrig bleiben, Sie mögen sich drehen und wenden, wie Sie wollen, als eine neue, tüchtige, derbe Steuerbelastung.— Nun hat der Staatssekretär allen Vorwürfen, die ihm deswegen gemacht iverden könnten, dadurch vor- gebeugt, dah er versichert hat, die wirtschaftlich Schwachen würden geschont iverden. Hente hat er schon einschränkend ge- sagt,.man werde erst sehen müssen, wie dieser Schutz stattfinden könne, ohne dah der Zweck neuer Geldmittelbeschaffung unmöglich gemacht wird." Ich will heut darauf nicht weiter eingehen, ich will Ihnen nur ein» sagen. Ich erkläre Ihnen ganz einfach und offen, dah nicht nur die Sozialdemokraten, nicht nur unsere Wähler, sondern zahlreiche weitere Kreise an die Einlösung diese» Wortes von der Schonung der schwachen Schultern nicht mehr glauben(Vielfache»„Sehr richtig" bei den Sozialdemokraten) jedenfalls solange nicht, als bis es erfüllt ist. Z»»st ist dieses Wort schon gebrochen worden. (Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Ich erinnere Sie nur an die Vorgänge de» Jahres 1887, wo Windthorst das gleiche Ver- sprechen bekam und als die letzte Flottenvorlage kam, da wurde in Hunderttausenden und Millionen von Flugblättern d a S« selbe Versprechen vom Zentrum wiederholt. DaS Ende war der Zolltarif. Ich beabsichtige durchaus nicht, auf seine Bestimmungen hier einzugehen. Ich erwähne ihn nur deshalb, weil die jetzige Finanzlage oem Kollegen Spahn endlich das Geständnis herauSgeriffen hat, da» alle JnterpretierungSkünste nicht beseitigen werden, dah der neue Zolltarif im Vergleich zu den Preisen de» Auslände» eine Verteuerung auf dem inländischen LedenSmittelmarkte bringen wird, d. h. zu deutsch, dah eine Verteuerung der Lebens« mittel in Deutschland Insolg» de» Zolltarifs eintreten wird. Wir werden Sie an diese« Wort erinnern, wenn erst das deutsche Volk die Folgen diese» famosen Zolltarif» bezw. der Handelsverträge am eigenen Leibe verspüren wird. Der Herr Dr. Spahn hat dem Herrn ReichS-Schatzsekretär, ak» dieser darauf hinwies, dah sogar jenes SchSnheitSPflästtrchen deS Zolltarifs (Heiterkeit), nämlich die Wittoen- und Waisenverpslegung, in Gefahr sei, erwidert, dieses Schönheitspflästerchen sei nicht nur nicht in Ge- fahr, sondern er hoffe sogar, dah auS den neuen Steuern noch weitere Geldmittel für diesen Zweck flüssig gemacht werden könnten. Nun, wir werden ja sehen. Ich möchte an da? Sprichwort erinnern: Der Weg zur Hölle ist mit guten Borlätzen gepflastert!(Heiterkeit links.) An den Sozialdemokraten soll eS ja nicht liegen, Ihr Gedächtnis zu stärken, wenn ei schwach werden sollte.(Heiterkeit bei den Sozial- demoiraten.) Aber keineswegs ist das warnende Wort deS Reichs- Schatzsekretärs so unbegründet. Ein bekannter Zentrums- gbgeprdneter hat dasselbe auhrrhalb des Hauses ausgesprochen. Auch ein anderes Schönheitspflästerchcnl des Zolltarifs ist ja schon auf dem guten Wege, abzubröckeln. Ich meine die Aufhebung des städtischen Oktroys. Viele Städte haben jetzt schon, lange bevor an das Zustandekommen dieser Aufhebung zu denken ist, eine Eingabe gemacht, diesen Plan fallen zu lassen. Das deutsche Volk wird also auch vor diesen städtischen Brotverteuerern auf seiner Hut sein müssen I(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Wenn die Herren sich dazu-ntschlieizen, endlich einmal unter dem Gesichtspunkte, dah die breiten Massen nicht weiter belastet werden dürfen, ernstlich an die Beratung der Steuerprojekte heranzutretei., so wird gar nichts anderes übrig bleiben, als die Einführung direkter Reichs- Einkommen-, Reichs- Vermögens, und R e i ch s. E r b s ch a f t s st c u e r n zu beantragen. Man sträubt sich dagegen ans föderalistischen Grün- den. Aber der Hauptgrund, warum diese direkten Reichssteuern nicht kommen, ist dock) der, dah die herrschenden Klassen zwar neue Aus- gaben bewilligen, die Ehre des Zahlens aber gerne den anderen überlassen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber wenn auch an der Einführung dieser Steuern noch lange nicht zu denken ist, so braucht man deshalb doch die Zuschuhanleihe noch lange nicht zu beivilligen. Vielmehr muh man dann den ve r f a s s u n g s m ä h i- gen Weg der Erhöhung der Matrikularbeiträge beschreiten. Sie ist zugleich das einzige Element, welches ge- eignet ist, die steuerkräftigen Schultern zu belasten. Auch ist eS zu- gleich der einzige Sporn, die Einzelstaaten als Mitglieder des Bundesrates zur Sparsamkeit zu bringen.(Sehr richtig! links.) Freilich ist der Sporn sehr stumpf, weil die Einzelstaaten schon wissen, dah man sie nicht zu scharf fassen wird.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Damit verlasse ich das Gebiet der Einnahmen oder vielmehr der Nichteinnahmen des Reiches(Heiterkeit tm ganzen Hause) und komme zu den Ausgaben, lieber die einzelneu Ausgaben wird' man besser bei den Einzelberatungcn sprechen. Das ganze Haus weih ja, wie entschieden die Sozialdemokraten die ganze Kolonial- Politik verurteile», so dah wir an den jetzigen Schwierig- leiten in Südwestafrika keine Verantwortung tragen. In bezug auf den Etat der Mlitärverwaltung ist eS ganz klar, dah noch keinem Kriegsminister die Begründung einer Ncufordcrung so schwer ge- worden ist als dem jetzigen. Von einem bevorstehenden europäischen Angriffskriege gegen uns darf man ja heute auch nicht einmal an- dcutungsweise zu sprechen wagen. Troß der Ausführungen deS Abg. Graf Stolberg iit Rnhland so geschwächt, dah es auf lange hinaus uns nicht angreifen kamt. Dadurch ist Europa geradezu von einem Alp entlastet, und Deutschland wird die günstige Situation hoffentlich nicht verpassen. Die Neberflüssigkeit neuer KrirgSrüsttingen Nun hat ja allerdings der Herr Reichskanzler gemeint, in Frank- reich seien noch immer Revanche-Jdeen vorhanden und hat hinzu- gefügt, wir wären wohl unterrichtet darüber, welche Mühe I a u r e S mit seinen Bestrebungen habe. Er hätte uns auch daraus hinweisen sollen, welche Erfolge Jaures und die sozialistische Partei in ihrer unermüdlichen Kampagne für den Frieden und im Entgegenkommen an Deutschland erzielt haben, und dah ganz vor kurzem JaureS bei der Beratung des englisch-sranzösischen Vertrages sich die Gelegen- heit nicht hat entgehen lassen, dafür zu sorgen, dah dieser Vertrag nicht einer Mihdeutung ausgesetzt werde. Freilich gibt e» in Frank- reich Narren und Elende, die deswegen JaureS und die Sozialdeino- krote» als VatcrlandSlose erklären, gerade f», wie es bei unS solche Elende gibt.(Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Wenn weiter der Herr Reichskanzler erklärt hat, dah die Regierung schon des- wegen an der Friedenspolitik festhalten werde, weil die Früchte eines europäischen Krieges der Sozialdemokratie zukommen würde», woraus die Herren ersehen können, welchen segensreichen Einfluß Sozialdemokratie aus die internationalen Beziehungen ausübt(Sehr gut! links und Heiterkeit), und da weiter die deutsche Reichs- rcgierung seinerzeit dem Haager Friebcnskongreh, der die Herab- setzung der übermähigcn Kriegslasten als Ziel der Bemühungen der Regierungen erklärte in einer Thronrede ihre freudige Zustimmung hat zuteil werden lassen, so glaube ich, dah nach derartigen Friedens- botschaften es jetzt wenigstens so weit gekommen sein sollte, dah von einer Weitervcrmehrung des Heeres für einen denkenden Menschen nicht mehr die Rede sein sollte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo« traten.) Dah von konservativer Seite die Forderung der Heeresverwaltung als Minimum dessen, was zu fordern ist, bezeichnet wurde, wundert uns nicht. Da» ist nur alte Gewohnheit. Im übrigen meine ich, dah die von vielen Rednern so sehr bewunderte Mähigung der Kriegsverwaltung nickt so hoch anzuschlagen ist, ein- mal, weil sie keine freiwillige und andererseits wohl nur eine äugen- blickliche ist. Das Weitere werden Sie erfahren, wenn die grohe Flottenvorlage kommt(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), deren Umrisse sich bereits längst zu zeigen beginnen und auf die der Flottenvcrein mit seiner bekannten Agitation auS Leibeskräften hinarbeitet. Indem ich alle die überaus wichtigen Fragen des inneren Be- triebeS der Heeresverwaltung, die Disziplin, die Dienstzeit die Ab. grenzung der Pflicht des Gehorsams, wobei namentlich oervioerwih, der in Dessau zu Tage getreten ist, zur Sprache zu bringen sein wird (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), später auf die zweite Lesung des Etat» verschiebe, wende ich mich nunmehr zum Herrn Reichskanzler. Der To» de? Reichskanzlers. Der Herr Reichskanzler hat sich wiederholt mit dem Tone unseres Fraktionsredners beschäftigt. DaS gibt mir Veranlassung, ehe ich aus daS Sachliche eingehe, auch über den s e i n i g e n mir eine Kundgebung zu erlauben. Der Herr Reichs- kanzler hat zu meinem persönliche» Erstaunen die Ausführungen unseres Redners wiederum, wie im vorigen Jahre, in einer so verärgerten— daS ist ja wohl parlamentarisch(Heiterkeit)—, persönlichen Art erwidert, die in halbwegS konstitutionelle» Ländern volllommcn unverständlich erschein« und die von der konservativen englischen Presse als mutwillige Herausforderung eines grohen und machtvollen Teiles der deutschen Nation bezeichnet worden ist. Es könnte gerade den Anschein erwecken, als ob der erste und allein verantwortliche— wenigstens formell— Beamte des Reiches nicht die Ausgabe fühlte, Rede und Antwort zu stehen und seine Politik, die seinen Namen trägt, zu verantworten, sondern als ob eS für ihn gar keine höhere Aufgabe gäbe, als die gröhte Partei im Deutschen Reiche nach Möglichleit zu brüskieren. Aber auch ganz abgesehen vom parlamentarischen Rechte möchte ich fragen: was soll eine derartige Art und Weise eigentlich für einen Zweck haben? Zweifellos gibt eS in diesem Hause und auhcrhalb Leute, die daran Gefallen finden, und der Herr Reichskanzler kann naturgemäß stets de» Beifalls einer grohen Anzahl von Kollegen sicher sein, aber ich meine doch, daß er sich in bezug auf die bleibende Wirkung täuschen wird. Ich rede natürlich nicht vom deutschen Volk, daS ja nicht augenblicklich, sondern erst später seine Antwort gebxn wird, aber die Scharfmacher, die Schürer von Ausnahme- gesetzen, die Staatsstreichmänner, denen ist doch nicht bloh mit Wort» gefechten gedient, sie wollen Taten sehen(Sehr gut! bei den Sozial» demoiraten), sie wollen, daß die Sozialdemokratie an der Gurgel gesoßt wird, wie die seine diplomatische Sprache der konservativen Redner lautet. Ich glaube, der Herr Reichskanzler weih zweifellos sehr genau, daß diese Art de» Vorgehens gegen die Sozialdemokratie ein sehr gefährliche» Mittel ist(Lachen rechts)— wir wollen es erst abwarten, meine Herren— und dah dieser Weg auf die Dauer auch außerordentlich wenig Erfolg verspricht. Und der Herr Reichskanzler wird weiter wissen, daß, wenn ein solcher Weg be- schritten würde, ihm die Zügel außemdentllch schnell entgleiten oder entrissen würden, denn ein solcher Weg braucht einen starken Mann mit wenig Hirn und mit Nerven(Lachen rechts)— Ihre eigenen Worte, meine Herren! mit Nerven bis zum «ustersten. Mir scheint, das ist der Herr Reichs- k a n z l e r nicht sHeitcrkeit)> Wenn der verantwortliche Leiter eines großen Reiches sich mit einer der stärksten Triebkräfte der Nation beschäftigt, so sollte er sich doch weniger an Zleußerlichkeiten und an Kleinlichkeiten halten, und sollte mehr in den Kern ein- dringen. Wie verschieden man auch im übrigen die Verhältnisse und die Parteien beurteilen mag, das wird man doch zugeben müssen: wer sich in der Zeit, wo tiefe Umgestaltungen im Innern des sozialen Körpers sich vollziehen, wo gewaltige Neuordnungen sich vorbereiten, nicht bemüht, dem Wesen des Sozialismus und der Sozialdemokratie gorecht zu werden, der mag ein pflichtgetreuer Beamter, mag ein formgewandter Diplomat sein, ein Staatsmann ist er keineswegs. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Deutsche Nussendicnste. Mit diesen wenigen Worten, die ich an den Reichskanzler per- sönlich richte, will ich mich begnügen; der größte Teil der sachlichen Ausführungen des Herrn Reichskanzlers hat die gegenwärtige innere und äußere Lage Rußlands beziehungsweise das V e r- hältnis der Sozialdemolratie zu ihnen betroffen. Ter Reichskanzler hat vor allem den einen Fehler gemacht, die Rolle der Regierung einerseits und der Parteien und der öffentlichen Meinung andererseits nicht genügend auseinander zu halten. Die Neutralität gegen einen fremden Staat liegt darin, daß die staat- liehen Hülfsmittel nicht zur Einmischung in die Verhältnisse des anderen Staates verwandt werden. Wir Sozialdemokraten haben gegenüber Nußland in diesem Punkte bis heute niemals etwas anderes verlangt,— und wenn der Herr Reichskanzler seine gegen- teiligcn Ausführungen nach dieser Hinsicht überlast, unter einem anderen Gesichtspunkt als dem, uns ins Unrecht und sich um jeden Preis ins Recht zu setzen, so wird er einsehen, daß sie haltlos sind, und daß die Räte, die sie ihm zur Verfügung gestellt haben, ihn nicht zum besten bedient haben. Es gibt keinen Sozialdemokraten, der irgendwo eine Sehnsucht nach der gepanzerten Faust geäußert hätte, keinen Sozialdemokraten, der gewünscht hätte, daß wir irgendwo möglichst rasch vom Leder ziehen, keinen Sozialdemokraten, der einen Krieg mit irgend jemand gewünscht hätte, am allerwenigsten aber einen, der wünschte, daß unser Vaterland in einem solchen Kriege den kürzeren ziehe und eine Niederlage erleide.(Lebhafte Zustim- mung bei den Sozialdemokraten.) Man kann ja möglicherweise— und ich sage ausdrücklich möglicherweise— der theoretische!? Meinung sein, daß die Früchte eines ausbrechenden euro- päischan Krieges der Sozialdemokratie zugute ko:nmen würden, und der Reichskanzler selbst hat sich ja für diese Annahme erklärt; aber Sie dürfen uns doch deshalb nicht mit jenen Leuten aus den herrschen- den Klassen und Parteien und Cliquen verwechseln, die in jedem Augenblick bereit sind, das Kriegsfeuer zu entfache», wenn sie nur ihre armseligen, dünnen Privat- und Parteisüpochen daran wärmen können(Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.), und nicht mit jenen, die auf eine gewaltsame, militärische Lösung der sozialen Frage im Innern ausgegangen sind und noch ausgehen, und deren Haß gegen die sozialen Bestrebungen so groß ist, daß man in einem Blatt den Gedanken hat lesen können: eine russische Invasion in Deutsch- lanid würde wenigstens den Borteil haben, Deutschland vor der Pest der Sozialdemokratie zu dewahren.(Vielfaches Hört! hörtf bei den Sozialdemokraten.) Wir Sozialdemokraten kennen kein größeres materielles und sozialdemokratisches Uebel und Unglück für die Menschheit als den Krieg und bekämpfen von jeher auf das ent- schiedenste alles, was uns dem Krieg näher bringen könnte. Wenn wir trotzdem eine Intervention zur Herbeiführung des Endes dieses Krieges nicht wünschen, so nicht deshalb, weil wir es nicht für wünschenswert hielten, sondern nur weil wir glauben, daß die gegenwärtige Situation dazu in keiner Weise geeignet ist, weil die Dinge auf dem Kriegsschauplatz wie auch im Innern Rußlands, wo sich bedeutende und vielversprechende Anzeichen geltend machen, er st eine Entscheidung verlangen, ehe eine Intervention Erfolg verspräche. Was wir heute ver-- langen, ist nur Neutralität, aber nicht jene formelle, sondern die tatsächliche, deren Schärfen nicht durch den Wunsch, sich dem nächsten Nachbar gefällig zu zeigen, nach allen Richtungen umgebogen sind. Unser Fraktionsredner Bebel hat eine Reihe von Anklagen nach dieser Richtung erhoben. Er hat darauf hingewiesen, daß in der weitesten Oeffentlichkeit behauptet ist, daß seitens unserer Regierung an Material- und Menschenlieferung gegenüber Ruhland alles mögliche geschehen sei. Mit großem Bedauern habe ich sehen müssen, daß der Reichskanzler gerade hierauf nicht geantwortet hat. Ich erkläre, daß meil?e Partei es von niemand sichWbdeiAssLchinrudt.hinatstg daß meine Partei es sich von niemand verwehren lasse?? wird, unser nationales Gefühl ganz nach eigenem Ermessen einzuschätzen und über die Würde Deutschlands nach unserem eigenen Urteil zu entscheiden und ein ehrlicher Gegner sollte froh sein, wenn er auch noch so erbittert ist, daß uns diese Dinge am Herzen liegen. (Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Deshalb werden wir auch nicht ruhen und jede mögliche Gelegenheit ergreifen, um diese Fragen hier vorzrcbringe??. Aber wir werden noch etwas cmdercs zu tun haben. Ein RussenYump in Sicht? Man spricht in der weitesten Oeffentlichkeit davon, daß die Emmission einer russischen Anleihe hauptsächlich in Deutschland er- folgen solle,?md daß Deutschland jedenfalls das Zugeständnis gemacht worden sei, daß es einen großen Teil der betreffende?? Summe für die Lieferung neuen KriegS?naterialö zurückerhalten werde. Ich kann nicht ermessen, lvas an diesen Gerüchten ist und bis zu welchem Grade sie richtig sind, aber darüber habe ich gar keinen Zweifel, daß es eigentlich ein Berbrechen wäre, den Deutschen zu rate», Rußland unter den gegenwärtigen Verhältnissen Geld zu leihen(lebhafte Zusti?n?nu??g links) und daß es praktisch eine Verletzung ursprüng- licher Neutralität wäre, we??n die Rcichsregierung zuließe, daß in Deutschland eine?ie?>e russische Flotte hergestellt würde, so lange noch der Krieg dauert I Die offizielle Stellung des Deutschen Reiches, die ich hier skizziert habe, hat durchaus nichts zu tun mit dem Gedanken der Sympathie und Antipathie einer Partei. Sie können doch unmöglich verlangen— und ich weiß nicht, wie der Reichskanzler es sich vor- stellt, einen freien Menschen dazu zu bringen—, daß, weil Rußland sich im Kriege befindet, sämtliche politischen Interessen der Deutschen an der politischen Grenze Deutschlands aufhören sollen, und daß der Deutsche alle seine Meinungen in bezug aus die allereinfachste?? Grundlagen des kultivierten Staates zurückhalten müßte. Ich hätte vollkommen begriffen, wenn der Reichskanzler sich darauf beschrä!?kl hätte, über die innerpolitischen Zustände Rußlands zu schweigen. Bülow als Berherrlicher des Knutcnregiments. Aber daß er den russischen Despotismus aus Freundschaft für Ruß- land zu verteidigen und die Bekä!npsung desselben durch Deutsche als Verbrechen und Gefährdung deutscher Interessen zu erklären unternahm, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Ich kann es mir nur erklären wus der traditionellen spezisisch-preußischen Vorliebe ?ind Dienstwilligkeit für den russischen Nachbar, a??s der Vorliebe und Dienstwilligkeit, die den deutschen Interessen schon so viel und so oft geschadet haben und in Rußland in wenig schmeichelhafter Weise empfunden werden. Man sieht dort Deutschland wie eine Satrapie an. die die Verpflichtung habe, von außen her über die Sicherheit des russischen Reiches zu wachen. Diese Auffassung hat ja auch Fürst Uchtomski in dem bekannten Satz ausgesprochen:„In politischem und wirtschaftlichem Interesse schwc?fwedelt man mit Rupland."(Lebhafte Zustinrmung bei den Soz?aldemokraten.) Das soll nichts weiter als eine Rückversicherung gegenüber der Sozialdemokratie sein. Das ist ja auch in dem bekannte?? Königsberger Prozeß ausgesprochen worden. Der damalige Staatsanwalt hat aus- drücklich erklärt, daß das Deutsche Reich an der Aufrechierhaltung des Bollwerks des Absolutismus ein Interesse habe. Im übrigen :neine ich, daß selbst diese Spekulation verkehrt ist; denn das Boll- wert kann nur Schutz bieten, wenn e s s e l b st f e st st e h t.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Der Reichskanzler hat gemeint, wir gingen darauf auZ, d?e begehende Ordnung in Rußland umzustürzen. Ja wohl, Herr Reichs- kanzler, wir musseii das(Sehr richtig! bei den Sozialdeinokraten.), und wir haben da das ganze gebildete Europa und das ganze ge- bildete Rußland hinter uns.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kralen.) Ganz selbstverständlich, weil heute in Rußland auch nicht die allereinfachsten Ansprüche erfüllt werden. Ter Reichskanzler hat uns aus unserer Behandlung des bekannten Königsbergcr Prozesses einen Vorwrirf gemacht, des Prozesses, in dem alle Kunst deS rufst- schen Despotismus vor ein deutsches Gericht gestellt waren, jenes Prozesses, dessen ganzer Ausgang die preußische Justiz in ihrem An- sehen so geschädigt hat, daß es nicht wieder gut zu machen ist. Er meinte, die Sch??ld der Angeklagten sei erwiesen, daran sei gar kein Zweifel gewesen,??ur an der j u r i st i s ch e n F o r m und den juristischen Meinungsverschiedenheiten sei die Verurteilung ge- scheitert. Es ist mir doch verwunderlich, von dem Reichskanzler, der doch mich ein Stück Jurist ist, eine solche Meinung zu hören.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Die Schuld ist doch nur das, >vas auf Grund des Gesetzes als Schuld bezeichnet wird.(Sehr richtig! bei den Soz?alde?n.) Die Aeußerungen des Reichskanzlers kömcren für mich sehr einladend sein, auf die Reichstagsverhandlungen im Jahre 1876 näher einzugehen. Ich will mich aber nur auf ein paar Ausführung�»? beschränke??, die ein paar Lieblinge des Reichs- tages damals gemacht haben, die bei??? Reichstage in hohem Ansehen standen und heute noch stehen. Der Abg. Reichens perger hat da?nals für die K a r l i st e n????d deren Anhänger in Deutschland Partei ergriffen, und er hat dann weiter— und das trifft genau auf die heutigen Verhältnisse zu— darauf hingewiesen, daß auch bei de??? Pole??aufstande die ganze öffentliche Meinung ebenso wie früher beim Aufstand der Griechen für diese, entschieden für die Polen Partei ge??ommen hätte. Genau so ist es heute Rußland gege??über.(Sehr richtig! bei den Sozialde?nokraten.) Der Abg. W i n d t h o r st hat unter Bezugnahme auf 1866 gemeint, ???an sollte doch mit der Anerkennung fre?nder Staaten tvarten, bis sie ein Staat sind.(Heiterkeit bei den Sozialdemokraten.) Dann hat er gesagt:„Wir sehen in diesen? Augenblick an der Donau ein ernstes Trauerspiel; da werden die Christen bedrückt von den Mohmnedanestn, und wenn deutsche Christen den Glaubensgenossen zu Hülfe ko?i????c?? in irgend welcher Art— durch literarische Propaganda natürlich, nicht???it dem Schwert(Heiterkeit bei de?? Sozial- de???okraten)—, dann sollen sie dafür bcstrast werden?"(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Die Russe?? selbst gehen nicht so weit in der Auslegung des § 162 des russischen Strafgesetzbuches wie die Behörden in Deutsch- land und auch der Reichskanzler. Ich habe hier die Aeutzerung eines russischen Rechtslehrers, T a g a n t z e f f, der in der Einleit?ing zum neuen russischen Strafrecht sich ge??au und eingehend befaßt mit diesen Bestim???unge??. Er sagt darin unter anderem:„Der Staat kann jede Mißachtung gegen seine Jnst?t?itio??en strafen, aber er kai??? die Bürger nie zwingen, sich zurzeit eines Krieges zwischen zwei Mächten beiden Mächten gegenüber gleich zu verhalten, er kann ihnen Kundgebungen für die eine oder andere Macht nicht verbieten, und zwar nicht nur die Kundgebung einer rein abstrakten Sympathie, sondern auch solche, die konkreten Charakter hat, das heißt, die bereits übergeht zi?m direkten geivaltsamcn Verfahren." Es stellte sich da??n heraus, daß diese ga??ze Bestimmung, die in Königsberg angezogen wurde, sich nicht gegen Hoch- und Landesverrat richtet, sondern gegen Wirren und Unruhen, die man unter Umständen, namentlich für einen derartigen gewaltsamen Eingriff in die Zustä??'de des Nachbarlandes, in Ruß- land mit zwei Wochen Festungshaft für gesühnt hält. Wir sollten doch in Deutschland nicht russischer sein wollen als die Russen selbst. (Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Im übrigen hat-der Reichskanzler ja erklärt, die preußische Regierung werde m? zuständiger Stelle sich über den Königsberger Prozeß äußer??. Unter zuständiger Stelle verstehen trnr den Reichstag(Lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokrate??>), und wir werden auch ent- sprechende Maßnahme?? treffe??, daß in voller Oeffent- l i ch k e i t auch der Prozeß hier??n Reichstage verharidelt wird. Es ist für mich gar kein Zweifel darüber, daß der größte Teil der Parteien, die feindselig unserer Parte? gegenüberstehen, dadurch sich nicht davon abhalten lassen kann, selbst zu sehen, welcher Fehler gerade mit diesem Prozeß damals gemacht worden ist. Im übrigen will ich auf die russischen Verhältnisse nicht weiter eingehen, ich be- gnüge mich für heute damit, mich dc?n voi? Bebel Gesagten a?? z u- schließen,??ame?rtlich auch in bezug auf das, was er gesagt hat über das Gefühl der brennenden Scham, die man als Deutscher über die russische?? Dienste fühlt.(Lebhafter Beifall bei den Sozial- dcmokraten.) Ueber unser Verhältnis zu England will ich nicht spreche??, schon um nicht Ocl ins Feuer zu gießen. Die Erörterung darüber, wer Schuld hat hüben und drüben, kann die Dinge nur verschärfen. Wir hatzen kein Interesse daran, den englischen Hetzern eüwn Vorwand zu bieten; wir wünschen mit E??gland, obwohl wir seine Konkurrenten sind, mit dem uns aber doch mächtige kulturelle Bande verbinden (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten), in Frenndschaft zu leben. Auch über unser Verhälwis zu Oesterreich-Ungarn will ich nichts sagen, schon deswegen nicht, weil diese Dinge besser bei den Handels- Verträgen zu besprechen sind. Nur ein paar Worte habe ich noch zu sagen über den Dcyeschenwechsel mit dem Präsidenten Roosevelt. (Vizepräsident Graf Stolberg greift zur Glocke.) Was zunächst die Form dieser Depesche betrifft, so können wir in Teutschland in der Vermeidung von Ncberschwenglichkeitcn nnd in kühler Reserve von Nordamerika etwas lernen.(Heiterkeit und Sehr gutl bei den Sozialdemokraten.) Auch was die„g r a n i t n e Grundlage" anlangt, so entspricht sie wohl mehr dem Wu??sche. als den Tatsachen. (Erneute Heiterkeit bc? den Sozialdemokraten.) Das Oberhaupr des Reiches hat sich in jener Depesche mit Recht nicht bloß darauf beschränkt, dem ersten Beamten des amerikanischen Volkes Liebens- Würdigkeiten zu sage??, er hat darin auch seiner ausrichtigen Be- wunderung für Amerika und seine Bürger A??sdruck gegeben. Wir Sozialdemokraten sehen nun in den amerikanischen Zustände?? durch- aus nichts Ideales, weil der republikanische Kapitalismus nm nichts besser ist, als der monarchische Kapitalismus.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Aber in anderer Richtung kann man von? ameri- konischen Volke lernen. Zum Wesen dieses bewunderten Landes und Volkes gehört es, daß es politische Freiheil und Selb st- b e st??n?n u n g besitzt, daß der Wille des Volkes ausschlaggebend ist, daß es keinen erblichen, angeblich vm? Gottes G??ade?? eingesetzten Regenren besitzt, sondern einen Präsidenten, den es selbst wählt und dessen Mandat es in, kurzer Zeit zurücknimmt.(Sehr grit! bei den Sozialdemokraten.) In Amerika bedarf es nicht einmal Gesetze, um eigenmächtige Eingriffe in die Volks-??nd Parla???entsrechte abzu- wehren(Sehr gut! bei den Sozialdemokraten), während wir mühselig ein Mini st erverantwortlichkeitsge setz zu erreichen suchen. Da es nun nicht verschiedene göttliche Gesetze geben kann, kann der loyalste Deutsche daraus lernen, daß die Ordrrnng der Staaten und Gesellschasten nichts Absolutes und Un- veränderliches ist. daß alles dem Gesetz der E??twickelung?interworfen ist.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.). Und der loyalste Deutsche wird einsehen, daß das deutsche Volk, das nicht weniger ge- bildet ist, als das amerikanische, das nicht weniger mündig ist, als das mnerikanische, daß das deutsche Volk von Amerika vieles lernen kann, vor allem aber das eine: Verglichen mit dem amerikanischen, ist das deutsche Volk geknechtet und unfrei; diese Verhältnisse aber brauchen nicht in Ewigkeit fortdauern, so??dern das deutsche Volk soll sich ermannen und freieren Verhältnissen entgegenarbeiten!(Leb- hafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Reichskanzler Gras Bülow: Ich möchte zuerst in aller Kürze eine Bemerkung des Abg. v. Voll?nar richtig stellen: Der Herr v. Wollmar sagte, ick, hätte am letzten Montag von der Sozialde?i?okratie in eine?n so erregten Tone gesprochen. Meine Herren, so leicht errege ich mich nicht. Ich denke?iach dieser Richtung wie der alte Feld???arschall Wrangcl. (Widerspruch bei den Sozialdc???okraten.) Als der alte Feld?narschall Wrangel dereinst von seinem Adjutanten gefragt wurde, ob er sich ??icht ärgere, daß eine Besichtigung so schlecht a??sgefallen sei, da er- widerte er:„Ich ärgere nicht mich,(Zuruf bei den Sozial-- demokraten: mir! mir! Große Heiterkeit.)„ich ärgere nicht mir, ich ärgere lieber a??dere".(Große Heiterkeit im ganzen Hause.) Weiter hat Herr v. Voll?nar ge???ei??t. ich hätte die Sozialdemokratie durch mei>?e Rede herausgefordert. Meine Herren, ich wundere mich, daß selbst ein so hervorragei?der Dialektiker wie der Abg. v. Wollmar es in Vergessenheit zu bringen suchte, daß doch immer die Sozialdemokratie der angreifende Teil ist. (Sehr richtig! rechts.) Die Sozialdemokratie richtet ihre Angriffe gegen die Regierung, gegen das Baterland, gegen die Krone, gegen den Ältar, gegen die heutige Gesellschaftsordnung, kurz gegen alles, was uns heilig ist.(Lebhafter Beifall rechts und im Zentrum.) Aber we???? wir nun auch ei??mal einen Angriff gegen sie richten, so wird sie empfindlich.(Ironischer Beifall bei den Sozialdeinokratei?.) Sie geben uns wirklich einen guten Vorgeschmack von der Mein????gsffeiheit innerhalb Ihrer Reihen!(Widerspruch bei den Sozialdeinokraten.) Vorläufig sind wir noch nicht der Sche???el, auf den? ma?? nach Belieben her?imtra???peln kann. (Beifall reckits.) Die Sozialdemokratie aber will das Pflänzchcn „Rührmichnichtan" sein, das man nicht verletzen darf.(Heiterkeit ????d iro??ischer Beifall bei den Sozialdeinokraten.) Wenn der Abg. v. Voll?i?ar mir über meine?? Ton Vorwürfe gemacht hat, so kann ich erividern, ich lese in der mir wohlgesinnten Presse fast täglich, ich sei zu human gegen die Sozialdemokratie, ich befleißige mich ihr gegenüber zu urbaner Formen(Sehr richtig! rechts), ich solle doch einmal grob werden, das gefalle dem deutschen Volke.(Heiterkeil im ganzen Hause.) Es entbehrt??icht einer gewissen Pikanteffe, daß gerade der sozialdemokratische Redner mir meine Tonart vorwirft, »vo ich in eine??? Blatte, welches den? Abg. v. Wollmar z?var nicht besonders nahesteht, aber doch iminerhin zu derselben Partei gehört, zu der sich auch der Abg. v. Boll?nar rechnet, wo ich in diesem Blatt lese... ich bitte um die Erlaubnis, den kurzen Artikel vorlesen zu dürfen:(Mit lauter Stimme): Die konservativen Wegelagerer(Heiter- keit rechts), die Zentrumsgauner(Heiterkeit im Zentru?n>, die nationalliberale?? Jesuiten(Heiterkeit i?n ganzen Hause), ui?d, als oberster der Philister, Eugen Richter(Große Heiterkeit)?— Meine Herren, über die hervorragenden Eigenschaften des äugen- blicklich leider schwer erkrankten Abg. Richter wurde hier i?n Hause nur mit großer Achtu??g gesprochen(Beifall) und zwar seitens des Abg. v. Kardorff—, fielen ivie eine Horde Krippenreiter (Große Heiterkeit), über die ahnungslose Minderheit her; der Haupt- ???ai?n der Bande(mit lauter Stimme): der parlamen- tarische Strolch von Kardorff(Heiterkeit), machte den Regisseur, der Reichsgerichtsrat Spahn illustrierte die deutsche Klasse??justiz in Permanenz durch(mit la?lter Stimme) einen nieder- trächtigen Staats st reich(Heiterkeit) und der(mit lauter Stimme) beschäftigu??gslose Advokat und Streber Basser- mann(Große Heiterkeit) gab zu?n erstenmal in seinem Lebe?? eii?en juristische?? Konu??ei?tar. Es ist heute überflüssig, an die (mit lauter Stim??ie> scha??? losen Bubenstücke(Heiterkeit) an die i n f a??? e A f f e n b o s h e i t(Große Heiterkeit), dieses parla- mentarischen Gesindels(Immer erneute Heiterkeit) zu eri?lnern, das damals(mit lauter Stimme:) wie eine Sauherde über Geschäftsordnung und Verfassung hi??einbrach und niedertrampelte, lvas ihr i?n Wege war."(Erst allmählich tritt wieder Ruhe im Hause ein.) Herren, die sich einer solchen Tonart befleißige??, tvollen mir Vorwürfe machen, ich griffe sie in? erregten Tone an.(Sehr richtig I rechts?l?ld im Zentrum.) Man hat mir vorgeworfe??, ich hätte kein Verständnis für die Sozial- demokratie. Ich habe im Gegenteil die Vorgänge in der sozial- demokratischen Partei und besonders die Haltung eines so hervor- ragenden Politikers?l?ld Parlamentariers, wie es der Herr Abg. v. Vollmar ist, mit besonderer Aufmerksalnkeit verfolgt. Vor zwei Jahren wurden ja in manchen Kreisen manche Erwartungen geknüpft an den Revisionismus. Wie der edle Posa in Schillers Don Carlos vor den bösen König Philipp(Heiterkeit), so trat da???als der Revisionismus vor den Führer der sozialdemokratischen Partei: S i r, geben SieGedankenfreiheit(Große Heiterkeit?:echts). Der sagte aber: Sonderbarer Schwärmer(Erneute Heiterkeit rechts)?lnd ließ d?lrch seülei? Freund Herrn Kautsky erklären, in der sozialdemokratischen Partei sei sogar das Anziveifel?? der gerade herrschenden Meinung gefährlich und nicht erlaubt(Abgeordneter Bebel: Wollen Sie das wörtlich zitieren!» Ich werde Ihnen den Artikel zusenden, ich habe ihn nicht wörtlich i??? Gedächtnis. Ein französisches sozialdemokratisches Blatt, die„H?llnailits", sprach damals von der Unduldsamkcir llnd dem Doglnatismus der deutschen Sozialdemokratie.(Hört! hört! rechts.) Da duckte sich der Revisionismus, da überließ er die Führ????g den utopistischen Politikern, da zog er sich zurück von denjenige??, die das mit selte??e?n Scharffi????, seltener Denkkraft, mit ungewöhnlichen Kenntnissen und mir noch ungewöhnlicherer Dialektik koi?struierte, aber d??rch die geschichtliche Entwickelung der Dinge in seinen' Fu??da?nenten erschütterte System von Marx für ein Dog?na halten, so stark l?nd so u??anfcchtbar wie i?ur je irgendein asiatisches Dogma. Als der Revisionismus sich damals so zurückzog und duckte, da schaltete er sich aus der Zahl der Realpolitik treibenden Faktoren aus. Die Behandlung, die ihm damals zu teil wurde, könnte u??ser Mitgefühl erregen, ivenn nicht, wie der Herr Abg. Vollmar treffe??d sagte, die Pol?tik bis zu einem gewiffcn Grade das Mitgefühl ausschlösse. aber auch die Art und Weise, wie damals der Revisionismus reagierte oder nicht reagierte. köm?te ein gewisses Mitgefühl hervorrufen. Deshalb hat es keine n praktischen Wert, we??n die Herren von jener Richt????g sich mit Mäßig????g.— ich brauche wieder einen Ausdruck Herrn v. Vollmars: mit relativer Mäßigmlg— ausspricht, so lange sie nicht imstande sind, sich zu emanzipieren von dem Herrn, den ich nicht bei Namen nennen will, den aber vor zwei Jahren Herr v. Wollmar mit feine?« Witz mit de»? Lord-Protcktor Cromivcll verglichen hat.(Heiterkeit rechts.) So lange Sie sich mit ihn? auf eine Stufe stelle??, so lange haben ihre relativ ge?näßigten Anschauungen auch ??ur einen akademischen Wert, und daß ii? der sozialdemokratischen Partei das Akadeinische nicht allzuhoch bewertet wird, das wissen wir seit dem Dresdener Parteitag.(Stürinische Heiterkeit.) Herr v. Voll?nar hat sich eingehend?nit unsere??? Verhältnis zu Rußland beschäftigt und gcineint, es sei ein Unterschied zwischen der Haltung einer Partei u??d den Ha??dll?i?gen ei??er Regierung. Das kai?n ich nicht zrigebei?. Die Ansicht, daß es gleichgültig sei, wie die Parteien, wie die Presse, wie das Parlament sich zu großen Fragen der auswärtigen Politik stelle??, trifft he??te nicht?nehr z??. Wir gewinnen nicht an Ansehen, welin wir schwierige Fragen der?i?ternationalcn Politik lediglich von de??? Parteistandpui?kt aus behandeln. Gerade so, tvie man während des s ii d a s r i k a n i s ch e n K r i e g e s aus falschem Wege lvar, als?nan sick? von Gefühlen leiten ließ, als man das vcr- meintliche moralische Recht oder Unrecht verwechselte mit dem nationalen Vorteil oder Nachteil, so ist man heute rnis einem Irrwege, we?in man sich in der auswärtigen Politik nur vom Gefühl oder gar von Fraktionsrücksichten leiten läßt. Darrim lviedcrhole ich, wir halten N?ißland gege>?über fest an dem- jenigen Maß?vohl?vollcndcr Nc?itralität, das unsere?« traditionellen Verhältnis zu R?ißland entspricht. Ich ka???? nur wünschen, daß alle Parteien, die öffentliche Meinung l???d die Presse dieselbe Linie ein- halten mögen. Wir Deutschen haben einen unglücklichen vang, in fremden Händeln für den einen oder anderen Partei zu nehmen, und??ns!nit unserem Urteil in fremde Streingkeiten einzumischen. Dabei ko??????t praktisch nicht viel heraus. Es ist ein Mangel an politischer Erziehung, wenn bei uns ivcite Kreise sich hi?r- einreden ui?d hineinfchreiben lasse?? in eine so heftige Partei>?ahme und dabei wo???ögl?ch noch denke??, es schadet nichts, wenn die Re- gier?l??g sich nur korrekt verhält. Die Abgeordneten wie die Presse tollten sich bewußt sein der Verantwortlichkeit, die auf ihnen ruht, das Schwierigkeiten, die aus der Erregung von Volksleidenschastcn für den Gang unserer a??Swärtigen J>?teresse?l erwachsen. Ich will gern ai?erlel?i?ei?, daß unsere ganze Tagrsprcsse von der„Kreuz- Zeitung" bis zur„Frankfurter Zcit?n?g" sich gegenüber dem oft- asiatischen Kriege einer a»erkcn?icnswcrtcn Ruhe und Besonnenheit befleißigt. Ich'kann aber zu meine??? Bedauern dasselbe nicht von der Witzpresse sagen. Gerade so wie sie bei de?n südafrikanischen Kriege in maßloser Heftigkeit, die b?» zu Schmähungen ausartete, gartet genommen Bat, 10 verfolgt sie auch zetzt den einen Gegner wegen seiner bisherigen Unfälle mit einem Hohn und Spott, der doppelt bedauerlich ist angesichts der von diesem Gegner bewiesenen Tapferkeit.(Bravo! rechts.) Die Freiheit, die ich der Witzpresse im übrigen gern gönne— über mich möge sie schreiben ivas sie will, da gebe ich ihr volle Maskenfreiheit(Heiterkeit)— diese Freiheit mich ihre Grenzen finden in einem gewissen Maß von poli- tischer Einsicht, das verhindert, bei dem Unglück eines Dritten schadenfroh zu sein. Solch bösartige Illustrationen liefern im Auslande nur Material zu Hetzereien gegen das deutsche Bolk,(Sehr wahr!) Solch rohe Witze und bösartige Jllustralionen können oft mehr Schaden an- richten, als ein leidenschaftlicher Leitartikel oder selbst als Reden, wie wir sie bisweilen von dieser Seite(zu den Sozialdemokraten) dieses hohen Hauses gehört haben.(Heiterkeit.) Ich vermag auch keinen mildernden Umstand darin zu erkennen, daß solche Witzblätter meist von blutigen NichtPolitikern entworfen oder inspiriert werden. Heute muß die Nation die Fenster setzen, die ihre Presse einschmeißt._ Dieses Gefühles der Verantwortlichkeit müssen wir uns mehr� bewußt werden.— Nun hat Herr Vollmar weiter gemeint. die Sozialdemokratie wolle keinen Krieg mit Ruß- l a n d. Ja, dann müßte Herr Vollmar damit anfangen, den Herrn Abg. Bebel zu verhindern, so zu sprechen, wie er es nun schon zu wiederholten Malen getan hat. Wie weit sein Einfluß in dieser Richtung reicht, weiß ich ja nicht.(Heiterkeit.) Eins ist sicher: je mehr Sie gegen Rußland ins Feld ziehen, um so mehr muß ich mich bemühen. die Beziehungen zu Rußland in friedlichen und freund- lichen Bahnen zu halten. Angriffe, Jnvektiven, aus denen keine kriegerischen Konsequenzen gezogen werden, sind immer von Uebel. Der andere wird immer gereizt, und man blamiert sich selbst, wenn man seinen Worten nicht die Tat folgen läßt.(Sehr richtig l rechts.) Herr v. Vollmar ist dann wieder auf den Königsbcrger Prozeß zurückgekonimen. Ich hatte bereits gesagt, daß ich über ihn nicht als Jurist, sondern als Politiker gesprochen haben, und kann nur wiederholen: alles, was Herr v. Vollmar gesagt hat, ändert nichts an der von mir konstatierten Tatsache, daß die Sozialdemokratie mit vollem Bewußtsein und mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften gegen die russische Regierung arbeitet. Dadurch aber schädigt sie das gute Verhältnis, in dem wir zu Rußland stehen müssen, das in friedlichen Bahnen zu halten die Aufgabe unserer Politik ist. Viel mehr bat es mich gefreut, daß Herr v. Vollmar die nationale Note betont, daß er für seine Partei Patriotismus reklamiert hat, ihr einen nasionalen Mantel unigehangen hat. Wenn Herr V. Vollmar mit Beharrlichkeit auf diesem Wege fortschreitet, kann er sich vielleicht noch zu einem deutschen I ä u r o s entwickeln. (Große Heiterkeit rechts.) Das möchte ich ihm aufrichtig wünschen. Herr V. Vollmar hat auch dunkele Andeutungen gemacht, als ob wir Rußland gegenüber irgendwie gebunden wären. Auch in dem offiziellen Parteiorgan der sozialdemokratischen Partei sind derartige Andeutungen enthalten gewesen. In einem angeblich auf Grund der Behauptungen eines englischen Botschafters Whitel in Berlin entstandenen Artikel des„Vorwärts" hieß es, daß Deutschland offenbar durch einen Vertrag mit Rußland sklavisch gebunden sei. Die bodenlose Willfährigkeit Rußland gegen- über sei nur daraus zu erklären, daß man sich vor unangenehmen Enthüllnnaen Rußlands fürchte. Rußland hätte in einem Geheim- vertrage Aue Waffe gegen Deutschland usw.— Ich bin wirklich kein unbescheidener Mensch; aber halten Siemich in der Tat für einen so kolossalen Ochsen?(Stürmische Heiterkeit.) Für die große Mehrheit dieses Hauses brauche ich wohl nicht zu sagen, daß ein solcher Vertrag nicht existiert. Herr v. Vollmar hat dann gesagt, die auswärtige Lage sei eine so friedliche, daß er nicht einsehe, weshalb wir unsere Wehrkraft ver- stärken müßten. Wir zweifeln gewiß nicht an der Anftichtigkeit der Fricdensversichenmgen der Regierungen und der Großmächte. Ich kann auch hinzufügen, daß die zwischen den Mächten bestehenden Allianzen sich mehr und mehr als Instrumente des Friedens bewährt haben. Aber ich darf doch dagegen nicht die Augen verschließen, daß es in Europa auch Unterströmungen gibt, die zu kriegerischen Verwickelungen drängen. Denken Sie nur an die Revanchegclüste in Frankreich. Eins ist sicher: daß, wenn Deutschland seit dreißig Jahren ein Hort des Friedens, der Mittelpunkt der internationalen Friedens- bcwegung ist, es das nur hat sein können, weil es stark war. (Sehr wahr! rechts.) Ein schwaches Deutschland würde sofort kriegerische Neigungen groß werden lassen, ein schwaches Deutschland, und damit will ich schließen, würde nicht nur für uns eine Gefahr fein, sondern auch für den Weltfrieden, den wir alle zu erhalten wünschen.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. Dr. Spahn(Z.) polemisiert zunächst gegen den Abg. v. Vollmar, bleibt aber im einzelnen völlig unverständlich. Er spricht zunächst von der Stellung der ftanzösijchen Sozialdemokraten zu den Heerforderungen und von dem Zitat des Abg. v. Vollmar, daß ein Abgeordneter gesagt habe, für seinen Wahlkreis habe der Zolltarif kein Interesse, weil da nur Kleinbauern wohnte». Es sei nicht schön, eine solche beiläufige Aeußerung. die im E i s e n b a h n c 0 u p s gefallen sei, hier nach Jahren öffentlich auszuschlachten. Der Königsberger Prozeß sei in der Tat kein Ruhmesblatt in der deutschen Geschichte, er werde bei anderer Gelegenheit noch mehr darüber sagen. Der Redner ver- wahrt sich dann gegen den Vorwurf des Abg. Bebel, als hätte er nichts Wichtigeres vorzubringen gewußt als den Wunsch nach Ein- schränkung der Beamten im Reichsgesundheitsamt usw. Bebel hätte von Singer erfahren können, daß die Absicht bestände, den ganze» Etat des Reichsamts des Innern im Plenum zu verhandeln: daher erkläre sich seine übrigens ganz beiläufige Bemerkung. Redner führt dann lauter sprechend fort: Besonders viel haben sich die beiden sozialdemokratischen Redner darauf zu gute getan, daß ich endlich zugegeben hätte, der Zolltarif verteuere dem Volke die Lebensmittel. Ich habe aber bereits bei der ersten Lesung de-Z Zolltarifs im Jahre 1901 genau dieselben Aus- führ» n gen gemacht. Ich habe immer zugegeben, daß die Gesamtbelastung der Lcbemnittcl des deutschen Volkes bedeutend höher ist, als die der Arbeiter des Auslandes. Das liegt schon vor, und es ist durchaus nicht notwendig, daß die Preise der Lebensmittel durch den neuen Zolltarif weiter steigen, wenn es auch andererseits möglich ist, daßdic Belastung bei den anderen Völkern noch geringer wird. (Hört! bört! links.) All das habe ich schon bei der ersten Lesung des Zolltarifs ausgeführt. Ich kann dem Abg. Bebel ferner nicht zugeben, daß er ein Recht hat, vom Bankrott unserer Steuerpolitik zu sprechen. Die seinerzeit von uns vorgeschlagenen Stenern liesern gute Erträge. Der Reichskanzler ist auch wieder auf die Vorgänge in Süd Westafrika zu sprechen gekommen; ich will die Denkschrift nicht weiter erörtern, aber ich muß doch mein großes Erstaunen darüber aussprechen, daß unter den uns vorgelegten Schriftstücken ei» wichtiger Brief Samuel MahereroS vom 12. März 1904 fehlt. (Hört I hört l links und in der Mitte.) Diese neue Denkschrift über den Hercro- Ausstand zeigt übrigens, w i e w e n i g gewissen- h a f.t d i e U c b e r s i ch t e n angefertigt werden, die uns alljährlich zugehen. Alle die Eingaben der Rheinischen Missions- gesellschaft, die den einzigen richtigen Vorschlag der Schaffung von Reservaten für die Eingeborenen machte, sind uns vorenthalten worden. Zum Schluß bin ich doch genötigt, noch einmal auf die D i ä t e n- frage einzugehen. Der! Reichskanzler vermißte neues Beweis- Material. hat aber die Diäteufordcrung doch schon auf Grund des alten Materials als berechtigt anerkannt. Dann aber tut er nicht recht daran, wenn er den Abgeordneten vorenthält, was ihnen zu- kommt.(Sehr gutl im Zentrum.) Nicht dem Abg. Bebel. sondern dem Reichskanzler haben die R e v i f i 0 n. st e» zugerufen: Sire. geben Sie Gedankenfreiheit! Denn die ist nur möglich, wenn das Reichstags- Mandat bezahlt wird. Dann könnte eS nicht wieder vorkommen, daß ein Abgeordneter, der sein Mandat niedergelegt hat, auf eine neue Kandidatur verzichten muß, weil der Parteivorstand erklärt, ihm keine Diäten zahlen zu wollen.(Sehr wahrl im Zentrum.) Dadurch, daß alle Stämme hier zusammen arbeiteten, ist der Reichstag Träger des Emhcitsgedankens geworden, nicht die d e u t s ck e n Fürsten.(Lebhafte Zustimmung im Zentrum und links.) Wir eilen in unseren Gedanken den einzelnen Volks- stämmen voraus, aber wenn wir uns auch bisweilen zurückhalten müssen, um uns nicht vom Volk zu trennen, so sind wir doch die Repräsentanten des Reiches und das sollte man uns nicht unmöglich machen.(Erneuter lebhafter Beifall im Zentrum und links.) Der Besuch des Reichstages ist nicht schlechter als früher geworden; nur dadurch, daß die Sozialdemo- kratie Parteidiäten hat, wird sie vom AbsentiSmus viel weniger be- troffen als die anderen Parleien, und darin liegt die Gefahr für die Rcichsverfassung. All das ist nur für den neu, der sich nicht die Mühe gibt, in ständiger Verbindung mit dem Reichstage zu bleiben. Aber wenn der Rcichskniizler sich diese Tatsachen vergegen- wärtigt hätte, so hätte er uns nicht eine ablehnende, sondern eine zustimmende Antwort gegeben.(Lebhafter, anhaltender Beifall im Zentrum und links.) Abg. Stöcker(kons.): Wir stehen jetzt 29 Jahre in der K 0 l 0 n i a l p 0 l i t i k. Ich würde es für keinen Ruhm des deutschen Charakters halten, wenn er etwas fortwerfen würde, was nicht gleich gelingt. Die große nützliche und heilsame Politik, die getrieben wird, macht auf die Partei, welche die Vertretung der Arbciterinteressen auf ihre Fahne geschrieben hat, gar keinen Eindruck. Herr v. Vollmar sagt: Wir stehen dieser Politik ablehnend gegenüber. Ja, was haben Sie (zu den Sozialdemokraten) nicht schon alles abgelehnt I Sie lehnen das ganze Reichsbudget ab, und da können Sie auch nicht verlangen, daß wir auf Ihre Ablehnungen auch nur einen Pfifferling geben. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Ebenso wenig geben wir etwas auf das hohle Pathos, mit dem Sic das Volk in Aufregung bringen, wenn wir daran denken, welche Stellung die äußerste Linke dem Vaterlande gegenüber einnimmt. Mit den Millionen, die uns die Kolonial- Politik kostet, könnten soziale Reformen vorgenommen werden, gewiß, aber sie i st notwendig. Den Kriegsminister bitte ich, darauf hinzuwirken, daß der Prunk bei den Offizieren nicht über- Hand nimmt. Wenn gesagt wird, daß die Kavallerie eine Lieblings- Waffe sei, so steht doch bei Freund und Feind fest, daß der günstige Maßstab, der an unsere Armee gelegt wird, beruht auf der günstigen Wirkung, die unsere Kavallerie in den Kriegen ausgeübt hat. In Afrika fängt jetzt die äthiopische Bewegung an, uns Sorge zu machen. Die Hereros sind bezwungen, aber wie soll man die einzelnen Haufen, die das Land durchstreifen, zwingen, die Waffen niederzulegen? Hätte man rechtzeitig Referrute angelegt, so wäre es vielleicht nicht zum Aufstand gekommen. I Ich komme zur inneren Politik. Awr Bebel hat uns Charakterschwäche, Heuchelei, Unterwürfigkeit vorgeworfen und hin- zugefügt: Man wagt nicht zu sagen, was man meint. Wie kann man seine Mitbürger so belcidigenl Freilich, Braun hat ja auch Mehring niederträchtige Perfidie vorgeworfen und Mehring hat er- widert, daß das, was ihm gegenüber an schmutziger Perfidie geleistet sei, nicht seinesgleichen habe. Wenn Sie(zu den Sozialdemokraten) sich solche Vorwürfe machen, so haben Sie doch kein Recht, so etwas dem deutschen Volk und dem Reichstag nachzusagen, wir verbitten uns das! Die Sozialdemokratie vergiftet selbst die Jugend bis ins innerste Herz; daß es die wichtigste Aufgabe der Regierung ist, sie zu bekämpfen, leidet keinen Zweifel, es handelt sich ja um Sein oder Nichtsein des deutschen Volkes. Herr v. Vollmar sagte, der Herr Reichskanzler sei nicht fähig, den Sozialismus zu verstehen. Ja, wenn Sie nichts weiter wären als Sozialisten, die für das Wohl der arbeitenden Klassen eintreten wollen, die die Arbeiterklasse auch geistig und sittlich heben wollen, dann wären Sie uns willkommen. lZlbg. Bebel: Ihnen wollen wir gar nicht willkommen scinl Heiterkeit.) Aber Sie(zu den Sozialdemokraten) sind verbunden mit dem Kampf gegen alles, was edel und groß ist.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Wie ist es zu erklären, daß in Essen die Sozialdemokratie plötzlich so kolossalen Ilufschwung genommen hat? Da hat allein das Zechenlegen schuld, sowie in Hessen-Nassan die Erhöhung der Kosten der Fleischbeschau. In solchen Dingen sollte die Regierung beizeiten eingreifen. Man sollte die christlich-sozialen Vereine weit mehr fördern. Herr Spahn forderte Gleichberechtigung. Diese ist gewiß erwünscht, aber sie ist nur möglich, wenn der Katholizismus den Protestantismus als eimu berechtigten Teil der Christenheit an- erkennt. Zum Schluß bitte ich die Regierung nochmals, die christlich- soziale Arbeiterbewegung zu fördern. Wenn wir hier wirkliche Arbeiter-Vertvetcr haben wollen, so gehören dazu auch Anwescnheits- gelber. Unter dem Gesichtspunkte des Kampfes gegen die Sozial- demokratie sind diese unerläßlich.(Bravo! rechts.) Abg. v. Gerlach(frs. Vg.): In der Erklärung des Herrn Staatssekretärs hat mich am an- genehmsten berührt, was in ihr nicht enthalten war, daß er nämlich die Behauptung der„Kölnischen V 0 l k s z e i t u n g", die Re-' gierung ginge ernsthaft mit dem Gedanken einer Reichs- Vermögenssteuer um, nicht dementiert hat. Wenn die Vorarbeiten, von denen der Herr Reichs-Schatzsekretär sprach, sich wirklich auf die Vermögenssteuer, beziehen sollten, würde er vielleicht in den Annale» der Geschichte als ReichS-Miquel fortleben. Ich könnte mir kein größeres Verdienst um die finanzielle Zukunft des Reiches denken, als die Einführung einer solchen Steuer, durch die alle Vermögen über 199 999 Mark progressiv steigend belastet würden. Selbstverständlich dürften die G r 0 ß- grundbe sitzer von dieser Steuer nicht ans- geschlossen sein, wie es die Sl g r a r i e r schon gefordert haben. Das würde einmal den Ertrag der Steuer mindern, und zweitens würde dadurch den zahllosen Liebesgaben für die Agrarier die allergehässigste hinzugefügt werden, für die wir ja allerdings ein trauriges Vorbild"in der sächsischen Steuer- gesetzgebung haben. Neben dieser Steuer käme dann noch eine Reichs-Erbschaftssteuer in Betracht. In England hat die Erbschaftssteuer bereits 359 Millionen gebracht, bei uns sind an Erbschaftssteuern der einzelnen Staaten nur 25 Millionen ein- gekommen. Meine Herren! Ich komme jetzt zu dem Dcssaner Kriegs- gerichts urteil! Eine tiefe Erregung durchzitterte das Volk, als es von diesem Urteil vernahm. Nicht nur die Sozialdemokraten! Ich war an demselben Abend in einer Versammlung und hörte da, wie Mitglieder von Kriegervereinen, die vorher den Kaiser mitempfangen hatten, sich eins waren in derVer- urteilung dieses Urteils. Eine Bagatelle war es, deren sich die Verurteilten schuldig gemacht hatten. Ein Unteroffizier, der so betrunken war, daß er zu seinem Seitengewehr im_Rmische noch ein zweites überznschnallen versuchte, rempelt einen Soldaten an, zieht darauf sein Seitengewehr und schlägt wie ein Rasender um sich. Die Soldaten schützten sich, indem sie dem Unteroffizier sein Seitengewehr entwanden. Das ist nun..Aufruhr", wegen dessen die beiden Genieinen 5 Jahre Zuchthaus erhielten, und der Urheber des Ganzen kommt mit 3 Monate» Gefängnis weg! Wenn man sich Z 197 des Militär-Slrafgeietzbuches ansieht, so sind 5 Jahre Zuchthaus allerdings die Mindeststrafe. Nun härte das Gericht ja nicht diesen Para- graphen anzuziehen brauchen: aber man muß damit rechnen, daß in der Militärjustiz nicht bloß Leuchten, sondern meist auch nur Durch- schnittsjuristen vertreten sind und ein solcher Paragraph mechanisch zur Wirkung kommen wird. Wir fordern die Herabsetzunb der M i n d e st st r a f c n. Und zwar durchgehends. Wir müssen sie fordern, meine politischen Freunde und ich. die wir die Erhaltung unseres Heerwesens in der jetzigen Form wünschen, weil solche Strafen der Sozialdemokratie das beste Propagandamittsl sind. Die D sziplin kann doch unmöglich gefördert werden durch solche schreienden Ungerechtigkeiten. Wir wollen in der Armee keinen Kadavergehorsam, aus Furcht vor barbarischen Straten, sondern Gc- horsam aus Urbcrzrugung!— Aber wenn die Dessaaer auch gewußt hätten, daß sie Zuchthans bekommen würden, so hätte das nichts daran geändert, daß sie nur taten, was sie m u ß t e n, was ihre Pflicht war!(Beifall links und im Zentrum.) Jawohl! iwie taten mr ihre Pflicht! Sollten sie diesen Wüterich weiter um sich schlagen lassen, nachdem er schon mehrere Passanten verwundet hatte? Unsere p 0 liti s ch e L a g e ist ja nicht so glänzend, daß man leichten Herzens darüber sprechen könnte. Ganz mit Recht hat der Reichskanzler betont, daß alle Völker stets ihre Friedensliebe beteuert, aber sich dadurch nicht haben hindern lassen, acht Tage später einen großen Krieg zu beginnen. Nun glaube ich gern, daß die deutsche Regierung und das deutsche Volk ernsthaft ihre friedlichen und freundschaftlichen Gefühle für alle anderen Nationen be- künden. Aber die freundschaftlichen Gefühle der anderen Völker sind nicht so stark. Sie stehen zu den unseren etwa in demselben Verhältnis, wie die Telegramme, die von uns ausgehen, zu denen, die wir bekommen.(Heiterkeit.) Darum sollte die Negierung nichts zulassen, was wie die Militär- jnstiz bis tief in die konservativen Schichten der Landbevölkerung hinein unsere Truppen mit dem Gefühl des Mißvergnügens oder gar der Empörung erfüllen könnte.— Mit Rußland wollen auch wir Neutralität halten, aber der Reichskanzler scheint das Wohlwollen bei der Neutralität stärker zu betonen, als die«iidcrcn Staaten. Der Reichskanzler soll ja seinem Interviewer Bashford zugegeben haben, daß auf russische Warnung hin die deutschen Hafcnbchördcii angewiesen worden sind, aufmerksam auf etwaige japanische Angriffe zu sei». Nun har er selbstverständlich recht, wenn er die lächerliche Behauptung, Deutschland hätte die russische Flotte veranlaßt, auf die englischen Fischerboot� zu schießen, als perfide Verleumdung zurückgewiesen hat. Aber ich kann nicht ver- stehen, daß Deutschland, falls Rußland überhaupt gewarnt hat, diese Warnungen ernsthaft genommci! hat. Es ist ja erklärlich, daß die Russen in einem Anfall von Verfolgungswahnsinu den flicgcnden Holländer und andere Gespenster sahen(Heiterkeit), aber wir brauchten England keinen Anlaß zu bieten, daß man uns vorwarf, die russischen Besorgnisse zu verstärken. Wir gehen Rußland gegenüber eben über das Notwendige hinaus. Es sind eine ganze Menge Dinge vorgekommen, die man als Liebes- dicustc gegen Rußland bezeichnen muß. Das ist nicht nur von der Sozialdemokratie geschehen, sondern auch in den bürgerlichen Schichte». Der Protest gegen den K ö n i g s b e r g e r Prozeß ist allgemein, mau wird es im Volke nicht billigen, wenn der Reichs- kanzler sagt, es wären da nur juristische Meinungsverschieden- heften vorhanden gewesen. Daß der Prozeß einen so elenden Ausgang gehabt hat, war nicht so sehr eine Schwach für die preußische Justiz, als vielmehr das Gefühl, daß er über- Haupt unternommen wurde.(Sehr richtig! links.) Auch über die AuSwandererpraxis wird noch manches ge- sagt werden in bezug auf das Entgegenkommen gegen Rußland. Die Dienste, die Rußland Deutschland erwiesen Hat, können sich auf- wiegen mit denen, die Deutschland Rußland im Kriege erwiesen hat. Es gibt wohl kaum ein Schlagwort, das inhaltsloser ist, wie das von der gelben Rasse- Aber freilich, die Politiker, welche in Europa immer die Rassenfrage berühren, werden auch alle außereuropäischen Fragen unter diesen Gesichtspunkt bringen. Der über- wältigeuden Masse des deutschen Volkes stehen die Japaner wegen ihrer Kulturhöhe viel näher als die Russen. Die legenden- artigen japanischen Offiziere, welche gesagt haben sollen, daß Japan Deiirschland bei erster Gelegenheit Kiautschou abnehmen werde, scheinen mir keine Beweisführung dafür zu sein, daß die gelbe Rasse die Parole ausgebe: Kein Verkehr mit der weißen Rasse! Das macht auf mich keinen Eindruck. Ich glaube, wir sollen nüchterne, realpol�tische Erwägungen in der Politik maßgebend sein lassen. Es liegt ganz gewiß nicht im Interesse unserer künftigen politischen Beziehungen, wenn wir Rußland Dienste leisten und die Japaner immer als gelbe Rasse bezeichnen. Es scheint mir auch nicht im politischen Interesse DeutichlandS zu liegen, wenn man allzu nernös i st gegen Preß- äußern» gen. WaS sollen unsere Witzblätter in Rußland schaden, wenn sie auch da unangenehm wirken. Sie kommen ja gar nicht in Rußland hinein. Die russischen Staatsmänner sind doch sehr leicht durch eine Erklärung des Reichskanzlers zu beruhigen. Man sollte sich auf den höheren Standpunkt stellen und sagen: Laßt die Witzblätter machen, was sie wollen. Mit solchen kleinen Dingen wird genau das Gegenteil von dem erreicht, was man erreichen will. Lassen wir uns durch das Schlagwort der gelben Gefahr nicht be« einflussen. Ich glaube, daß wir eine ganz andere Gefahr zu bekämpfen haben: die reaktionäre Gefahr.(Beifall links. Ruf rechts: Großartig I Heiterkeit.) Hierauf wird die Weiterberatung auf Sonnabend 1 Uhr vertagt. Schluß 5»/« Uhr._ Gememdewahltaktik und Gemeindepolitik. Obwohl die gestrigen Darlegungen des Genossen Ehrhart zum größeren Teile solche waren, die wir als erledigt betrachten konnten, haben wir ihnen doch Raum gewährt, weil loir glaubten, die An- gegriffenen nicht in der Verteidigung beschränken zu dürfen. Außpr- dem gibt uns Ehrharts Artikel dennoch Gelegenheit zu einigen all- gemeinen Bemerkungen. Zuvor ein paar Einzelheiten. Ob alle die Blätter von Ehrharts Artikel aus der„Kommunalen Praxis" Notiz genommen haben, die an der Taktik der pfälzischen Genossen Kritik geübt haben, können mir nicht mehr feststellen, wohl aber steht fest, daß sehr viele Partei- blätter den Artikel ganz abgedruckt haben, während wir den wcsent- lichsten Teil abdruckten. Gegenüber der Berufung Ehrharts auf die Beschlüsse des Pfälzischen Parteitages berufen wir uns auf das, was wir schon in einer früheren Nummer gesagt haben, daß nämlich diese Resolution durchaus nicht eine gemeinsame Kompromitzliste, sondern im Gegen- teil selbständiges Vorgehen der Partei empfiehlt. Deswegen ließ sich gege«i diese Resolution r.'.cht das einwenden, was jetzt gegen deren praktische Anwendung eingewandt wird. Sollten allerdings die pfälzischen Parteigenossen allgemein der Meinung sein, daß die Resolution ihres Gautnges so gemeint war, wie sie jetzt vor allein in Lndwigshafen angewandt worden ist, dann gilt die Kritik auch dieser Resolution..... Wenn Genosse Ehrhart sich darauf beruft, daß die für die Wahltaktik ausschlaggebenden gesetzlichen Vorbedingungen in der Pfalz anders sind wie in Frankfurt, Offenbach, Berlin, so trifft das für Offenbach keineswegs zu, denn auch dort ist der ganze Ort ein Bezirk, es-muß also eine ganze Liste aufgestellt werden und es gibt keine Stichwahl. Daß wir seinerzeit darauf verwiesen haben, daß Ludwigshafen einen besoldeten Vürgermeffter habe, geschah, weil Ehrhart den Umstand als erschwerend für das sclbständigs Vorgehen und die Aufstellung einer ganzen Liste hervorhob, daß i. r Bürgermeister- Posten in den pfälzischen Gemeinden meist ein unbesoldetes Ehren- amt sei. Wenn wir davon gesprochen haben, die Wahlen hätten be- iviesen, daß wir mindestens beinahe die Majorität der Abstimmen- den erreicht hätten, so haben wir das unter ausdrücklicher Berufung auf die Ansicht der„Pfälzischen Post" getan, mit der sich dann Ehrhart auseinandersetzen mutz, ivenn er diese Ansicht nicht teil!. Für die von uns geltend gemachte Ansicht, 1.» gemeinsam.; Liste berge die Gefahr, daß unsere Genossen in gewohnter Disziplin die Gegner wählen helfen, diese aber unsere Kandidaten streichen, können wir uns ans vielfache praktische Erfahrung:» berufen. In Sudwigsbafen sind ja nun freilich, darin hat Ehrhart recht, unsere Kandidaten trotzdem sämtlich gewählt worden, doch daß auch hier der Wurm drin sitzt, dafür können wir uns wiederum auf das Zeugnis der„Pfälzischen Post" berufen. Sie schreibt in einer Be-\ rrachtung über den Wablausfall: „Gestrichen wurde auf allen Seiten. Wir können bestimmt versichern, daß während der ersten Wahlstunden von unseren Ar- beitern, so schwer das ihnen auch fiel, fast ohne Ausnahme im- veränderte Zettel abgegeben worden sind. Als sie aber einsahen, daß keiner unserer Gegner am Wahllokal einen Zettel abnahm, um ihn strikt, und ohne Streichungen abzugeben, wurden sie mißtrauisch, als sie sahen, daß in den Quartieren der anderen Parteien redigiert wurde, erregte das in Verbindung mit verschiedenen andere» Mit- icifiingsn, die uns geworden, den Verdacht, daß die Sozialdemokraten öiisgeschmiert werden sollten. Unsere Parteileitung hat ehrlich und gewissenhaft ihren ganzen Einfluß aufgeboten, daß die Vereinbarung gehalten werde, was bei dem großen Teil auch befolgt wurde. Erst in den Abendstunden, als die Befürchtung zur Gewißheit wurde, haben auch die Arbeiter teilweise gestrichen." Auf das Gebiet allgemeiner Betrachtungen führt uns das Argument EhrhartS, daß die Genossen in Ludwigshafen unter den gegebenen Personalverhältnissen alle ihre besten Kräfte auf dem Stadthaufe festnageln und sie der sonstigen Partettätigteit entziehen würben, wenn sie den ganzen Gemeinderat besetzen wollten. Die Genossen, die jüngst in dem Falle Hug-Bant meinten, daß dieser sich durch Uebernahme des Bürgermcisterpostens der viel wichtigeren Agitattonsarbeir entziehe, ohne daß er als Bürgermeister einer Ge- meinde in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung etwas Wesent. liches zur Verwirklichung unserer Ideale leisten könne, werden diesem Argument EhrhartS nicht entgegentreten können. Indessen bei Ehrhart nimmt sich das Argument doch seltsam aus, Ivenn man berücksichtigt, was er in feinem gestrigen Artikel zuvor sagt. Nämlich, daß die pfälzischen Genossen den Wahlkampf nicht als alleinigen Zweck der Beteiligung an den Gemeindewahlen ansehen, sondern daß sie sich praktisch an den Gemeinde-Arbeiten beteiligen wollen, um unser Gemeindeprogramm zu verwirklichen. Wollen sie das, dann müssen sie auch mit der Notwendigkeit rechnen, ihre Kräfte der Gemeinde-Arbeit zu widmen, selbst auf die Gefahr hin. daß sie dadurch für die Partei-Arbeit lahmgelegt werden. Eines oder das andere! Sind ihre Kräfte so beschränkt, daß sie das eine nicht tun können, ohne das andere zu lassen, dann müssen sie wählen, ivaS sie für das wichtigere halten. Wir unterschätzen keineswegs die geistigen Wirkungen und sind uns nicht im Zweifel darüber, daß die Anwesenheit einiger Parteigenossen im Gemeinderat bis zu einem gewissen Grade vorwärtstreibend auf die bürgerliche Mehrheit wirken kann, wenn die Parteigenossen die Waffe der Kritik richtig anzuwenden verstehen. Aber eben nur bis zu einem gewissen Grade. Sobald die kapitalistischen oder auch nur die kleinbürgerlichen Interessen bedroht sind durch unsere Forderungen, dann versagen dies« geistigen Waffen. Dann spielt nur noch die Macht eine Rolle. Und so gewiß eS ist, daß auch der sozialdemokratischen Mehrheit eines Gemeinde- rates enge Grenzen gezogen sind durch die Gesetzgebung und die Aufsichtsbefugniffe der Behörden des Klassenstaates, so sicher kann doch eine Gemeinde auch innerhalb dieser Grenzen vieles im Interesse der Arbeiterklasse tun, was der besitzenden Klasse recht unbequem sein kann und wozu diese, solange sie die Verwaltung beherrscht, sich nie- mals drängen lassen wird. Das durchzuführen, für die Arbeiter- bedölkening der Gemeinde alles zu erreichen, wqz sich im Rahmen der kapitalistischen Gesellschaftsordnung und unter der Herrschast der Gesetze des Klassenstaates mit den Mitteln einer Gemeinde erreichen läßt, halten wir allerdings für das Ziel und den Zweck unserer Teil- nähme an den Gemeindewahlen, und unter diesem Gesichtspunkte schrecken wir nicht davor zurück, soviel Kräfte, wie notwendig sind, in den Dienst dieser Tätigkeit zu stellen. Es wächst der Mensch mit seinen höheren Zwecken. Wenn wir auch die Bedeutung der Einzel- persönlichkeit nicht unterschätzen, so haben wir doch die Erfahrung für uns, daß sich noch immer die rechten Männer gefunden haben, die der Augenblick erfordert. Es ist gar nicht sozialdemokratische Ge- wohnheit, vor einer Aufgabe zurückzuschrecken wegen Mangel an den gecigieeten Personen. Wir haben die augenblickliche Grenze unseres Könnens bisher immer nur gesucht an dem realen Widerständen der herrschenden Macht, und nur so können wir diese besiegen. Jede Position besetzen, die sich bietet, und von ihr aus weiter drängen und kämpfen, das ist das Geheimnis des Erfolges, und nach dieser Regel hat die Partei stets gearbeitet. Zur Taktik bei den Gemeindewahlen halten wir dafür, daß eS wohl Umstände geben kann, unter denen es gerechtfertigt ist, auch Parteigegner zu wählen. Wenn eS gilt, eine reaktionäre Mehrheit in einer Gemeindeverwaltung zu sprengen und sie durch weniger reaktionäre Leute zu ersetzen oder die MebrheitSverhältnisse so zu gestalten, daß wir selbst die Entscheidung zwischen den Fraktionen der bürgerlichen Parteien ,n der Hand haben, dann wird gegen daS Ein- treten für bürgerliche Kandidaten nichts einzuwenden sein, wenn im übrigen über diesen einzigen Zweck einer solchen Tattik kein Zweifel gelassen wird und sonst unsere grundsätzlichen Forderungen dabei propagiert werden. Damit sagen wir übrigens auch nichts Neues; das ist längst anerkannter Grundsatz der Partei. Dabei wird man in der Gemeinde noch mehr wie in Staat oder Reich mehr die Person wie die Partei ansehen, müssen. Das Eintreten für gegnerische Kandidaten darf aber nicht dazu führen, daß anch nur ein Titelchen unserer grundsätzlichen Forderungen in den Hintergrund gedrängt wird, und es darf nicht dazu führen, die Kritik an den Taten der Gegner abzuschwächen. Eines oder ein paar Mandate in der Gemeindevertretung für uns zu erlangen, rechtfertigt kein Eintreten für Gegner. In der Gemeinde macht es keinen großen Unterschied, ob wir unsere Kritik von der Tribüne deS Gemcinderates oder außerhalb derselben üben. Die Gemeinde ist ein eng begrenzter Raum; was wir da zu sagen haben, wird gehört, gleichgültig, wo wir es sagen, und wir dürfen im Gemeinderat nicht mehr sagen, wie außerhalb desselben. Daß wir in der Gemeinde des kapitalistischen Staates den Kapitalismus nicht beseitigen können, darüber besteht kein Streit, sobald wir uns darüber auseinanderzusetzen beginnen, in der Praxis aber entsteht manchmal der Eindruck, als ob es gelte, um jeden Preis etliche Mandate zu erlangen, obwohl un» mit diesen etlichen erst recht wenig gedient ist.„Prakttsch mitarbeiten", dieses häufig gebrauchte Wort, kann doch für uns nicht Selbstzweck sein; eS kann nur Mittel zum Zweck sein. Deshalb ist anch für unsere Gemeindewahltaktik daS wesentlichste Erfordernis, die Massen durch Aufklärung und grundsätzliche Agitation für den Sozialismus zu gewinnen. Erst ivenn wir die Massen des sozialistisch interessierten Prole- tariats hinter uns haben, haben wir auch in der Gemeinde die sichere Grundlage stür Durchführung unserer Forderungen,>oweit dies eben möglich ist. Und selbstverständlich dürfen wir auch über diese Mög- lickikeitcn kewe Illusionen aufkommen lassen, denen die Enttäuschung auf dem Fuße folgen mühte. Partei-I�ackridrten. Preußische Gemeindevertretcr. Die unterzeichnete Kommission hatte ursprünglich in Aussicht genommen, zu Weihnachten dieses, oder zu Ostern nächsten Jahres die preußische Gemeindevertreter-Konferenz em- zuberufen. Die Abhalttmg deS preußischen Parteitages macht aber eine weitere Hinausschiebung notwendig. Die Kommission hat deS- halb beschlossen, vorläusig von der Einberufung der Gemeinde- pcrtreter-Konferenz abzusehen. � Die Kommission für die Agitation zu den Gemelndewahlen I. A.: B.BrunS- Berlin. DaS Strafkonto der Arbeiterbewegung wurde im November b. I. mit drei Jahren, einem Monat, zwei Wochen und einem Tag FreiheuS» strafen und 2418 M. Geldstrafen belastet. In einer Wahlkreiskonferenz in Darmstadt wurde auch über die Gemeindewahlen geredet, oder eigentlich nicht sowohl über dieie, als über die Kritik der Partetpresse an den Darmstädter Borgängen. ES wurde zur Sache selbst auch nichts gesagt, wohl aber ein Protest gegen die Parteiblätter gerichtet, weil es sich um lokale Angelegenheiten handele, die nur die Genossen der einzelnen Orte zu entscheiden hätten. Wir sind mit der Gesamtpartei darüber einig, daß auch die Gemeindewahlen die ganze Partei etwas angehen und können deS- halb diesen Protest nicht als beachtlich ansehen. In der Versammlung kamen ferner dir Acußerungen Eramec» über die„Mainzer Volkszeitimg" und die Empfehlung deS büraer- lichen Blattes zur Sprache. Es wurde festgestellt, daß die Em- psehlimg des bürgerlichen Blatte« durch Cramcr nicht im Zusammen- hang stand mit seiner Kritik an der„Mainzer Vokszeitung". Er hat in emem ganz anderen Zusammenhange nur davon gesprochen, daß die dortige Verkehrszeitung, ein Wochenblatt, den Parteigenossen nicht feindselig gegenüberstehe, und daß sie neben der„Volkszeitung' immerhin zu empfehlen sei. Die Schulstage. Unter diesem Titel ist im Verlage der Buch« Handlung„Vorwärts" daS Referat der Genossin Zetkin auf der Fraiienkonferenz in Bremen in Broschürenform erschienen. Der Preis beträgt 15 Pfennig. poUzetUthes, vericbtliesie» uf». — Falsch unterrichtet. Der verantwortliche Redakteur der Magdeburgischen„Volksstiinme", Genosse Ritsch, hatte in seinem Blatte zwei Artikel aufgenommen, � in denen der Verdacht auS- gesprochen war, daß der Amtsoorsteher und der Amtssekretär in Dahlenwarsleben sowie ein Aufseher und ein Kutscher aus diesem Orte an dem Tode eines von einem Wilderer erschossenen Maurers nicht ganz unschuldig seien. Dieserhalb wegen Beleidigung vor Gericht gestellt, mußte er zugeben, daß er falsch unterrichtet worden sei. Er erbot sich, im Vergleichswege SM M. an die Armenkasse zu zahlen. Der Vergleichsvorschlag wurde abgelehnt und Ritsch zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Se�erkfckaftttekes. Der Z 153. Der Erpressung und der Verletzung des ß 153 der Gewerbe Ordnung soll sich der Bauarbeiter Düntzsch in Dresden schuldig gemacht haben, weil er als Baudelegierter einer Aw zahl von Unorganisierten gesagt hatte, daß die organi sierten Kollegen nicht mit ihnen zusammen a r b e i t'e n wollten. DaS Gericht sprach ihn von der Anklagender Erpressung frei, verurteilte ihn aber wegen Ver aehen gegen den 8 153 der Gewerbe-Ordnung zu einem Äkonat Gefängnis!— Wir verntögen in der Mitteilung an die Unorganisierten, daß ihre organisierten Kolleaen nicht mit ihnen zusammen- arbeiten wollen, weder eine Bedrohung noch eine Ehrverletzung zu erblicken, sind aber mit dem Gericht der Meinung, daß eine Arbeiterorganisation eine Vereinigung zlvecks Erringung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen ist. Dann ist aber die Konsequenz dieses Urteils, daß Staatsanwalt und Gerichte auch gegen diejenigen Arbeitgeber vorzugehen haben. welche ihre Arbeiter durch Bedrohung mit der Entlassung zum Austritt aus den Organisattonen zwingen. Das ge- schieht recht häufig. Es ist charakteristisch, welche Wertschätzung unsere Herren Scharfmacher der blinden Dame �ustitia entgegenbringen, indem sie solche Konsequenzen nicht furchten. Berlin un» Clmgegend. Ebbe im Gehirn. Die„ Staatsbürger-Zeitung" kann sich im Angesicht der Nachricht, daß die Berliner Arbeiter den Kindern ihrer streikenden und aus- gesperrten Kollegen ein Weihnachten bereiten wollen, zu nichts weiterem als folgendem auffchwingen: „Die Herren werden sparsam mit den Präsenten umgehen müssen, da es in der Kasse stark ebbt. Das Komitee wird manche harte Nuß zu knacken haben." Wir müssen dem Hämling, der daS geschrieben hat, die einzige Freude verderben, zu der er fähig ist— die Schadensteude. Die Geschenke werden überhaupt nicht aus.der Kasse"(gemeint ist die Streikkasse) bezahlt; sondern für die Kinder der Kämpfenden bringt die Berliner Arbeiterschaft ein Sonder-Opfer, sodaß die Streik- lasse dadurch in keiner Weise in Mitleidenschaft gezogen wird. Im Gegenteil dürste die Veranstaltung auch noch einen Ueberschuß für den Kampffonds der Berliner organisierten Arbeiter abwerfen. Der„Staatsbürger«Zeitungs"-Mann hat eine taube Nuß geknackt, als er sich stöhnend den Kopf zerbrach, wie er der Arbeiterschaft eins anhängen könnte._ Ter Klavierarbeiterstreik wird gemäß dem Beschluß der letzten Versammlung unverändert fortgeführt. Für die Unorganisierten, die noch am Streik beteiligt sind, ist die Unterstützung erhöht worden. Im übrigen sind seit der letzten Versammlung keine Aenderungen ein« getreten. Tie Streikenden halten die Lage nach wie vor für günstig. In den Betrieben, die bewilligt haben, waren vor dem Streik etwa 1800 Arbeiter beschäftigt. Jetzt arbeiten daselbst erheblich mehr, weil diese Betriebe infolge des Stilleliegens der anderen bedeutend mehr Aufwöge haben wie stüher. so daß sie eine größere Zahl an Arbeitern nötig haben. Achtung, Lagerhalter! Unter dieser Stichmarke gibt die OrtZ- Verwaltung des Verbandes der Lagerhalter Deutschlands in Nr. 280 des„Vorwärts" eine Erklärung ab, zu der wir folgendes bemerken: Die Spar« und Produktivgenosseiischast Berlin- Ripdorf in Liquidation hatte einem Lagerhalter gekündigt, weil die Verkaufs- stelle in den Besitz des Rabatt-Spar-VereinS„Südost" überging. Die übrigen Lagerhalter faßten dies als eine Maßregelung ihres Kollegen auf und kündigten bei der Spar- und Produklivgenossenschaft ebenfalls ihre Stellung. Die Liquidatoren machten dem Nabatt«S(iar-Verein „Südost" davon Mitteilung. Eine darauf abgehaltene Sitzung ver« lief ergebnislos, weil die Verwaltung des„Südost" den Lager« Haltern, welche im letzten Geschäftsjahr sehr hohe Mankos gehabt hatten, nur das laufende Geschäftsjahr zur eventuellen Verrechnung bewilligte, während die Lagerhalter wünschten, daß die Verrechnung so lange Jahre stattfinden solle, bis alles gedeckt ist. Auf dieses Ansinnen konnte die Verwaltung allerdings nicht eingehen, weil dies gewissermaßen eine Prämuengeivährung auf recht hohe« Manko ist; denn der Betreffende kann ja nie entlassen werden, so lange noch Manko zu decken ist. Rabatt-Sparverein„Südost", G. m. b. H. Veutkesieo Reich. Der Streit in der Wagqonfabrit zu Gotha dauert fort. Es war der Fabrikleitung gelungen, unter allerhand Vorspiegelungen 43„Arbeitswillige" nach Gotha zu locken. Der Transport derselben wurde teilweise von Schutzleuten begleitet. Noch im Eisenbahn- wagen ließ man die Leiite Zettel unterschreiben, worin sie sich ver- pflichteten, da« Fahrgeld bis Gotha zurückzuzahlen, wenn sie die Arbeit in der Waggonfabrik vor Ablauf eines JahreS aufgeben würden. Bon den 43 blieben jedoch nur 10 in Gotha; die übrigen erklärten sich nach erhaltener Aufklärung über den Sachverhalt mit den Streikenden solidarisch. Obgleich die Streikenden flch durch Fernhaltung dieses Zuzuges der Fabrikleitung gegenüber in eine recht günstige Lag« zu setzen vermochten, bekundeten sie dennoch ihre Friedensliebe dadurch, daß sie den Herrn Oberbürgermeister um seine Vermittelung zur Beilegung de« Konfliktes ersuchten. Charakteristisch gegenüber diesem Entgegen- kommen war das Verhalten des Herrn Direktor» K a n d t. Er erklärte sich bereit zur Vermittelung unter folgenden Bedingungen: l. sollen bei den weiteren Verhandlungen die Leiter der Gcwerk- schaften ausscheiden und nur die Streikenden selbst unterhandeln; 2. will Herr Kandt nicht mit jedem seiner friiherei, Arbeiter unterhandeln. sondern nur mit denen, die er sich aussucht.— Das Streik« komitee hat über dies« Bedingungen beraten und beschlossen, der ersteren beizustimmen, da es ziemlich gleichgültig ist. mir wem die Direktion verhandele. Die zweite jedoch sei eine Zum-.mg, die zurückgewiesen werden müsse. Die Streikenden hätten da- Aecht, sich diejenigen Kollegen auS ibrer Mitte herauszusuchen, die sie mit den Verhandlungen betrauen wollen.— Jnzivischcn haben die Verhand- lungen zwischen der Direklion und einer von den Streitenden ge- wählten Siebener-Kommisston begonnen. Soziaice. Die SonntagSarbcit im Schiiclderatelier eines Theaters. An einem Märzsonntag wurden von nachmittags 1 bis abenbS 0 Uhr im Schneideratelier beS Berliner Apollo-TheaterS Schneiderinnen mit der Anfertigung von Kostümen beschäftigt, welche erst zu einer 14 Tage später stattfindeiiden Vorstellung gebraucht wurden. Die Leiterin des Ateliers, Fräulein Hallmann, und Herr Direktor Schierk wurden wegen Uebertretung des Verbots der SoimtagSarbeit (§ 105 a Absatz I der Gewerbe- Ordimng) angeklagt und in zweiter Instanz auch vom Landgericht zu Geldstrafen ver« urteilt. Das Landgericht führte aus; Nach§ 105i der Gewerbe- Ordnung fänden allerdings die Z§ 105 a Absatz I und 105 b bis g keine Anwendung auf Schaustellungen, thealralische Vorstellnnge» und sonstige Lustbarleiten. Diese Bestimmung sei aber strikle dahin zu interpretieren, daß es sich um die Schaustellung, theatralische Vorstellung usw. selber handeln müsse. Danach stehe aber fest, daß die Anfertigung von Kostümen zu einer Thealer- Aufführung, die erst 14 Tage später stattfinde, nicht zu den Ausnahmen des§ 105 i gehöre. Die hiergegen eingelegte Revision der Angeklagten verwarf das Kammergcricht mit folgender Begründung: Es könne allerdings Fälle geben, wo bei der Anfertigung von Garderobe im Schneideratelier eines Theaters der Z 105 i der Gewei be- Ordnung anwendbar sei. Im vorliegenden Falle, wo die Vorstellung, für die die Kostüme gebraucht wurden, erst nach 14 Tagen stattfinden sollte, sei aber vom Landgericht mit Recht die Anwendbarkeit der Aus- nahmebestimmung des Z 105i verneint worden. Städtische ArbcitSvermitteluiiq i» Stockholm. Am Dienstag hat die Gemeindevertretung von Stockholm beschlossen, einen städtischen Arbeitsnachweis zu errichten, an dessen Leitung Vertreter der Arbeit- geber und der Arbeiter in gleicher Anzahl beteiligt sein sollen. Leider wird der Nachweis auch Streikbrecher vermitteln, da mit 50 gegen 28 Stimmen beschlossen wurde, daß die Arbeits- vermittelung unberührt von Arbeitseinstellungen vor sich gehen soll, und damit ein von arbeitfreundlicher Seite eingebrachter Antrag, Streiks und Aussperrungen im Warteraum des Nachweises durch An- schlag bekanntzugeben, abgelehnt wurde. war )Zus der frauenben>egung. Die Beteiligung der Frauen an den Gemeindewahlen in Kristiania diesmal stärker als je zuvor.„Im Zentrum und Westen Kristianias", schreibt„Aftenposten",„waren mindestens die Hälfte der Stimmenden Frauen, in den Vorstädten Uranienborg und Frogner nahm man an. daß die Frauen entschieden in der Mehrheit waren; in den Vorstädten Oslo und Vaaleregnen, daß ebenso viele Frauen wie Männer stimmten, und in den übrigen Kreisen wird die Zahl der Frauen auf wahrscheinlich 40 Prozent angegeben. Die ver« hältnismäßige Anzahl der weiblichen Abstimineiiden war bei dieser Wahl entschieden bedeutend größer als bei der vorigen, bei der man nirgends den Eindruck hatte, als wären die Frauen in der Mehrheit, und in den östlichen Wahlkreisen der Stadt nur auf ein Drittel Frauen rechnete.— Gewöhnlich gingen diesmal Mann und Frau gemeinsam nach den Wahllokalen, und in der Regel folgten sie einander sicherlich auch bei det Stimmabgabe."- Wie übrigens „Herrschaften" bestrebt sind, nicht nur ihr eigenes Wahlrecht für die Interessen ihrer Klaffe auszunutzen, erkennt man aus folgender B« merkung unseres BruderorganS„Social-Demokraten": „Ergötzlich war es anzusehen, daß mehrere„beste" Bürger mit ihren Dienstmädchen angefahren kamen, um anch sie zu veranlassen, ihre Stimmen abzugeben. ES kommt ja sonst nicht vor, daß daS „Mädchen" mit dem„Herrn" ausfahren darf. Aber wenn eS gilt den Geldsack zu beschützen, kann man sich wohl einmal zu derartigem „herablassen".—„Mehrere Arbeiterfrauen traten an die Urne mit ihrem Kind auf dem Arm. Das machte einen guten Eindruck. So soll eS sein."— Ein schlechtes Zeugnis stellt das konservative „Morgenbladet" den Wählerinnen seiner Partei aus. indem eS erzählt, die meisten der vielen Frauen hätten gefragt, wohin sie sich im Wahllokal wenden sollten, um für die Rechten zu stimmen, oder wo sie„Rechtenkuverte" erhalten könnten, um ihren Stimmzettel hineinzulegen. Die Zahl der sozialdemokratischen Stadtverordneten von Kristiania wird sich von 14 auf 23 erhöhen. Das Verhältnis der Parteien im Stadtparlament während der letzten beiden Wahlperioden zeigt folgende Liste an: 1808 Rechte..... 42 Linke...... 32 Sozialdemokraten.. 7 Abstinenzler-Partei 3 Demokraten..— „U o p o I i t i f ch e"..— Die Sozialdemokratie erhielt 1393 1103 Stimmen. 1901 4485 und 1904 9517 Stimmen. AdlcrShof. Verein für Frauen und Mädchen. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die fällige VercinSversammluiig diesen Monat der Feiertage wegen ausfällt. Veffentltche Bibliothek und Lesehalle zu nnentgeltlichcr Be> Nutzung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet werltäglich voit 61/,— 10 Uhr abend«, an Soim- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lelelälen liegen zur Zeit SIS Zeltungen und Zeisschristen jeder Art und Richtung au«. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 11. Dezember, vorm. 8'/. Uhr, im Lürgcrsaalt de» N-ithauseS, Eingang Königstr. IS— 18: Versammlung. .Freircltglöse Vorlesung". Ilm 10»/, Uhr vormittag« ebendaselbst: Vortrag de« Frl. Ida Altmann:.Worte und Taten", liiaslc. Damen und Herren, sehr willkommen.— Montag, den 12. d. Mi»., abends pünktlich 8'/, Uhr, im großen Saal« von B. Franke, Sebastiansir. 39: Beschließende Bersamm- lung. Wichtige Tagesordnung, Statutenänderung u. a. in. Weiße Quittung legitimiert. Allgemeine Kranken» und Sterbckaffe der Metallardeiter (Ck. ß, 29, ßamburg), FtlialeBerlinS Sonnabend, den 10. d. Mts., abend« 9 Uhr, bei Patt, Dragonersw. IS: Mitgliederversammlung. Die Blauen von Beelitz, d. h. die ehemaligen Pattenten des Sana- iorium«, treffen sich am Sonntag, den 11. d. Mts., vormittag« 10 Uhr, Im Restaurant Pselffer, Seydelstt. 9. Alle ehemaligen Blauen sind willkominen. 1901 43 16 14 2 2 2 1904 40 Mandate 11 23. _2„ 2' Markip reise von Berlin am 8. Dezember. Nach Ermittelungen de« kgl. Pollzei-PrSstdlums. Für 1 Doppel-Zentner: Welzen"), gute Sorte 17,70-17,09 mittel 17,68-17,67«., geringe 17,66-17,65 M. ....__. geringe Roggen"), gute Sorte 14.05—00,00 mittel 00,00—00,00 Vi., geringe 00,00-00,00 M. Fullergerste»), gute Sorte 13,70-14,70 M., mittel 14,60 bis 13,60 M., geringe 13,50-12,50 M. Hascr"). gute Sötte 16,50-15.60 M., mittel ld.SO— l4,00 M., geringe 14,50-13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40.00- 30,00 M. Speisebohncn. weiße 50,00-30,00 M. Linsen 60,00-30,00 M. Kartoffeln 9,00-7,00 M. Richtstroh 0,00-0,00 M, ßcu 0,00-0,00 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,20 W. Eier per Schock 4,50-3,20 M. «) Frei Wagen und ab Bah».") Ab Bahn. Ivltteru»g»«derstcht vom«. Dezember l»04, morgen»» Uhr. Stationen c S Ii ii »■= Awlneurdt 755 W Hamburg 1756 SW B.»!:i 1756 NRW Franst a M. 759 J München 1761' 3® Wie» 1 750 43 »um 2 hellet 2 heiler 2 heiler 2woltt° 5 halb bd. 4 halb bd. e»» ä � h H& 2 0 3 3 -1 o Stationen LS L Z h ö-Z Haparanda Vctersburg Cork Aberdee» Patt» 744 Still 751 NRW 753. WNW 7S0SSO Vetter bedeckt 1 wolkenl 2 halb bd. 3, bedeckt röek c* «I kl» -7 üKeiter.Proanoie für Sonnabend, den 10. Dezember 1S«4. Zunächst ziemlich heiter, aber käller. bei zunehmenden südlichen Winden spät« neue Erwärmung, Trübung und etwa« Regen. Berliner WeilerbureaM kerantw. Redakteur. Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: BmlvSrt» Buchdruckerei u. Verlagsanjtalt Paul Singer& Co., Bslio SW. Nr. 290. 21. 2. Mge des„llorinärts" jpttlratt lolblilntt.--»« Zur AeihnachtZbelcherung für die Kinder der ausgesperrten und streikenden Metallarbeiter. Holzarbeiter und der Kinder anderer ausgesperrter Arbeiter gingen bei der Berliner Gewerkschaftskommission folgende Beiträge ein: Prenzel, Barbier, Engel-Ufer 2,—. Rabitzspanner und Träger Bon Taubert, Boxhagen, Gabriel Maxstraße 5,—. Die Elenden aus der Neuen Königstraße 10,—. Tischlerei Schwarz, Urbanstr. 67 20,—. L. und H. B. 10,—. Erich Schmidt Holz 7476 13, S0. Gesellenfeier Schlakowsky, Schulz 5,60. Generalvers, des Arbeiter- Raucherbundes 26,30. Sr. Mr. Px. 16,—. Akzidenz- und Werk- abteilung der Buchdruckern Masse 48,—. Personal der Firma L. M. Barschall, Berlin 0. 9,80. Arbeiter und Arbeiterinnen der Buchdruckerei Vorwärts, Llbt. Buchbinderei 10,—. Billardspiel bei Matz, Bergmannstr. 97 3,70. Liste 202 Alwiir Kirmse 8,70. Restau- rateur Karl Saalmann. Gräfestr. 72 10,—. Zentralverband deutscher Brauereiarbeiter Sektion I Brauer 150.—. Dornbusch 5.—. Tischlerei Bröse u. Klingmüller, Greifswaldcrstraße 8,—. Dallesbrüder Schul- straße bei Freund 2,55. S. u. E. 5,—. Handle u. Co., Handtnch- Verleihanstalt 15.—. Buchbindereipersonal Klemm 21,—. Verband der Steinsetzer für nicht geholt. Vortr. E. Br. 3,—. Verband d. Lederarbeiter, Lohgerber und Lederzurichter 30,—. Verband der Zimmerer Berlins und Umgebung 500,—. Von den Arbeitern der Firma Hermann Hoffmann 35,55. Liste 341 gesammelt auf Schmidts Geburtstag 47,30. Verband der Maschinisten und Heizer 150,—. Schöneberger Gewerkschaftskartell. Ueberschuß von Listen für Krimmitschau 6,05. Verband der Bnchdruckerei-Hiilfsarbeiter Seftion I 30,—. Organisierte Hutmacher Berlins 200,—. Verband der Tabakarbeiter Berlin a Konto 50,—. Verband der Gastwirtsgehülfen 30,—, Liste 1266 Bull 7,30. Liste 200 Pasenau 14,85. Pfropfenverein Nordost 10,—. Von den Verbandsmitgliedern des„Vorwärts", Zeitungsabteilung 100,—. Eduard Möller 8,—. Zentralverband der Töpfer, Hauptkasse 200,—. Zusammen 1827,20 M. Weitere Beiträge werden entgegen genommen im Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission, Engel-Ufer 15, von 11—1 und 6-8 Uhr. Geldsendungen sind zu richten an Alwin Körsten. Engel-Ufer 15. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Kerlmer partei-)ZngeUgenkeiten. Achtung, 5. und 6. Wahlkreis! Am Sonntag, de» 11. Dezember, früh 8 Uhr, findet im 30. Kommunal-Wahlbezirk eine Flugblattverbreitung statt. Treffpunkt für den 5. Kreis bei Wirth, Anguftstr. 51. und W i t t ch o w, Elsasserstr. 63. Ecke Kl. Hamburgerstraße. Für den 6. Kreis bei Hoppe, Ackersw. 21.— Die Genossen werden dringend gebeten, pünktlich und zahlreich anzutreten. Jede Auskunft in bezug' aus diese Wahl wird am Sonn- abend a b e n d von 7— 10 Uhr, Sonntag vormittag von 8—11 Uhr sowie Montag und Dienstag abend von 7 bis 9 Uhr im Lokale von W i t t ch o w, Elsasserstr. 68, Ecke Kl. Hamburger- straße, erteilt. Der Wahlbezirk umfaßt die folgenden Teile: Der>. Teil umfaßt die Stadtbezirke: L10. Dircksenstr. 41—51, Gipsstr. 18, Hackescher Markt 1—5, Monbijou-Platz 12, Große Präsidentenstraße, Kleine Präsidenten- straße 1—5, Neue Promenade 1—3, Rosenthalerstr. 25—53, Neue Schönhauserstr. 2—20, Sophienstr. 11, Spandauerbrücke 4—9, Stadt- bahnbogen 132—147 und 149—154, Weinmeisterstr. 1 und 2a, Am Zwirngraben. 818. Auguststr. 28, 29 und 32a, Gipsstr. 1— 17a. 19— 23a und 27—32, Große Hamburgerstr. 1—11 und 34—41, Sophienstr. 1—10 und 12—35. 813. Ackerstr. 1 und 1a, Auguststr. 30—40 auSschl. 32a und 46—53, Kleine Auguststr. 8— 14a, Elsasserstr. 82—97, Gipsstr. 23b biS 26 und 33, Joachimstraße, Linienstr. 76—89 und 195—202. Der II. Teil umfaßt die Stadtbezirke: 811. Artilleriestr. 19—21, Gr. Hamburgerstr. 12—33, KrauSnick- straße, Monbijou-Platz 1—11, Oranienburgerstr. 1—33 und 70—92, Stadtbahnbogen Nr. 155—168, Uebersahrtsgasse, Ziegelstr. 14—23. 811. Ackerstr. 172-174, Auguststr. 26-27 und 54-64a. Kleine Auguststr. 1— 7a, Elsasserstr. 68—81, Kleine Hamburgerstraße, Koppen- Platz, Linienstr. 93—106 und 160—194. 81 S. Artilleriestr. 4—12 und 22—34, Auguststr. 3—25 und 65 bis 88, Oranienburgerstr. 34—39 und 64—69. Wahllokal: Turnhalle der Gemeindcschule, Auguststr.«7. Der III. Teil umfaßt die Stadtbezirke: 8SS. Ackerstr. 2-26 und 144—171, Elsasserstr. 11, Invaliden- straße 158.' 856. Bergstr. 1-27 und 66-81, Elsasserstr. 12-15. Wahllokal: Ackerstr. 144 bei Schuster. Die Wahl selbst findet am Mittwoch, den 14. Dezember, von 10 Uhr vormittags bis 8 Uhr abends statt. Wir ersuchen die Genossen, dafür zu agitieren, daß jeder Anhänger und Freund unserer Partei, der in die Wahlliste eingetragen ist, am 14. Dezember frühzeitig sein Stimmrecht ausübt. Die Vertrauensleute. 6. Wahlkreis(Schönhauser Vorstadt). Sonntag, abends 5 Uhr, findet im Jägerhaus, Schönhauser Allee 103, eine Volksversammlung statt. Tagesordnung: 1. Vortrag des Genosse Barge über„Bibel und Babel". 2. Diskussion. Nachdem gemütliches Beisammensein. Zu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertrauensmann. Lichtenberg. Montag, abends 7 Uhr, findet eine Flugblatt- Verbreitung statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahlreich daran zu beteiligen. Treffpunkt die Bezirkslokale. Dienötaa, den 13. d. M., findet bei Höflich. Frankst, rter Chaussee 120, eine öffent- liche Versammlung statt, tn der der Reichstagsabgeordnete Arthur Siadthagen einen Vortrag.Deutschland voran" halten wird. Ferner steht aus der Tagesordnung der Bericht der weib- lichen Vertrauensperson und Neuwahl derselben. lokales. Hm L-ngerhans und der Streikposten-Antrag. Das eigenartige Verfahren, das in der vorgestrigen Stadt- verordneten-Sitzung der Vorsteher Langerhans einschlagen wollte, um die Beratung des von der sozialdemokratischen Fraktion eingebrachten Streikposten-Antragcs zu verhindern, war a», Freitag morgen in der bürgerlichen Presse nirgends gebilligt worden. Am Frcilag abend aber hatte sich der Wind schon ein klein wenig gedreht. Dieselben Blätter, die am Morgen dem Vorsteher in schonender Form, ober doch deutlich zu verstehen gegeben hatten, daß er auf ein falsches Gleise geraten sei, richteten am Abend ihren Grimmgegen dt« sozialdemokratischen Anträgst» l l e r. oie den Konflikt heraufbeschworen hätten. Am nihigstcn bleibt»och die V o s i i s ch e Z e i t u n g". Den Streikposten-Antrag bezeichnet sie als verfehlt, aber sie erklärt die Behandlung, die Herr Langerhans ihm zu teil werden lassen wollte. für unzulässig Sie spricht den Wunsch aus, daß Herr Langerhan« «e ReinungSbisserenz. in die er zu der gesamten Versammlung gtMtr» ist,»'cht znm Anlaß einer Amtsniederlegung nehmen möge. Da sie wohl fürchtet, daß Langerhans au? Starrköpfigkeit seinen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung nicht werde zurück- nehmen'wollen, so rät sie: „Am zweckmäßigsten wäre es, wenn die Sozialdemokraten ihren Antrag auf unbestimmte Zeit zurückzögen, was sie könnten. ohne ihrem' grundsätzlichen Standpunkte etwas zu vergeben. Sie würden dadurch einem Manne, der jederzeit gezeigt hat, daß er ihnen nur gerecht und ohne Vorurteil begegnet, ihre Achtung be- weisen. Wenn das nicht geschieht, so kann die Versammlung den Beschluß fassen, die ganze Angelegenheit auf eine längere Frist, etwa auf sechs Monate, zu vertage». Eine solche Behandlung der Angelegenheit ist ungewöhnlich, aber sie widerspricht doch nicht den parlamentarischen Gebräuchen. Sie ist im englischen Parka- ment üblich: sie ist auch im deutschen Reichstage gelegentlich be- nutzt worden." Das„Berliner Tageblatt" gibt zu, daß das Vorgehen der Polizei gegen die Streikposten nicht zu billigen sei. Aber es warnt vor den, neuen Konflikt mit der Staats- r e g i e r u i, g, in den die Berliner Gemeindeverwaltung durch den Antrag der Sozialdemokraten hineingezerrt werde. Und dann rüpelt das Blatt die Antragsteller folgendermaßen an: „Aber die sozialdemokratischen Antragsteller haben ganz äugen- scheinlich die Absicht gehabt, unter der Form eines anscheinend harmlosen Antrages eine große Demonstration zun, höheren Ruhme ihrer Partei herbeizuführen. Diese sozialdemokratischen Stadt- verordneten lieben es, bei jeder Gelegenheit sich als die alleinigen Hüter sowohl des staatsbürgerlichen wie des stadtbürgerliche,, Rechtes anfzuspielen. Es gehört zu ihrem agitatorischen Handwerk, bei allen sich irgendwie darbietenden Gelegenheiten den Mund recht voll zu nchmen. Und so war es denn auch diesmal der Fall." Hinterher wird dem Stadtverordnetcn-Vorsteher bescheinigt, er habe„in weiser Voraussicht der Folgen, die sich möglicherweise an die Erörterung des sozialdemokratischen Antrages knüpfen könnte», die Zurückziehung des Antrages befürwortet"; gemeint ist wohl: die Annahme seines eigenen Antrages auf Uebergang zur Tages- ordmmg empfohlen. In der Morgen-AuSgabe des„B. T." war der Einsall des Herrn Langerhans noch nicht als„weise Voraus- ficht" gewertet worden. Sonderbar klingt eine Mitteilung, die der„L o k a l- A n z e i g e r" bringt. Langerhans habe einer ihm„nahestehenden Persönlichkeit" erflärt, er sei sich der Tragweite seines Vorgehens vollauf bewußt gewesen, und eventuell wäre er bereit gewesen, sich zu opfern. „Er wollte, daß wenigstens einmal die Versammlung sich nicht als Podium benutzen lasse, von dem a„S die Sozialdemokratie zum Fenster hinausspreche. Er erkenne durchaus das Segensreiche an, das diese Partei allein schon durch ihr Vorhandensein schaffe, indem sie eine beständige Mahnung bilde, der minder begüterten Klassen zu gedenken. Aber darum könnte doch die Vertretung der Berliner Bürgerschaft sich nicht immer wieder und wieder dazu benutzen lassen, für so aussichtslose Anträge den Schauplatz herzu- geben." Und noch durch einen zweiten Grund hat Herr Langerhans sich leiten lassen.„Er habe die starke Vermutung, daß der Ober- Präsident nur die Reden abwarten wollte, die bei dieser Gelegenheit im Rathanse geHallen werden würden. Dann hätten sich schon eüiige Stellen finden lassen, um. mit diesen ausgerüstet, vor das Ab- geordnetenhauS zu treten und eine Aendcrung der betreffenden Paragraphen der Städte-Ordnung herbeizuführen. Er werde in der nächsten Sitzung der Versammlung schon gerechtferttgt werden. Denn der von ihm bereits gestellte Antrag werde dann verwirklicht werden, indem man nach der Besprechung den Uebergang zur Tages- ordnung beschließen werde." Wir wollen abwarten, wie die Angelegenheit sich weiter ent- wickeln wird. Nach dem„Lokal- Anzeiger" meint Herr Langer- hanS, er„brauche nicht zurückzutreten" und er will das auch nichttun. Diesen einen Punkt hat er sich also schon überlegt: denn am Donnerstag hatte er in der Stadtverordneten- Sitzung sich in entgegengesetztem Sinne geäußert. Vielleicht über- legt er sich auch noch den anderen Punkt und zieht bis zum nächsten Donnerstag seinen Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung zurück. Mit dem OrtSstatut des KaufmannSgerichtS beschäftigte sich am Freitag erneuert der von der Stadtverordneten- Versammlung eingesetzte Ausschuß. Zu einer regen Debatte kam es beim§ 14, hier stellten unsere Genossen den Antrag, die Wahlen der Angestellten auf den Sonntag festzusetzen. Dieser Antrag wurde abgelehnt: dagegen wurde eine Resolution angenommen, nach welcher der Magistrat ersucht wird, die W a h l m ö g l i ch st am Sonntag stattfinden zu lassen. Nach der Vorlag« des Magistrats sollen 20 Wähler in der Lage sein, Vorschlagslisten für die Beisitzer einzureichen. Hierzu lagen die VerschlechtcrungSanträge vor, statt 20 Wähler zu setzen 50 respektive 85 Wähler. Trotz hefttger Bekämpfung seitens unserer Genossen gelangte der Antrag zur Annahme. Hoffentlich wird jedoch in zweiter Lesung die Magistratsvorlage wieder hergestellt. Zum§ 15 stellten unsere Genossen„achfolgenden Antrag, um auch den stellenlosen Angestellten ihr Wahlrecht zu sichern: „Wahlberechtigt sind'auch diejenigen HandlungSgehülfen, welche ausweislich eines Zeugnisses bis 6 Wochen vor der Wahl am Orte der Wahl beschäftigt waren." Obgleich darauf hingewiesen wurde, daß der HandelSminister auch im Musterstatute das Wahlrecht den vorübergehend stellenlosen Gehülfen gewahrt wissen will, und die Kommunen nicht„engherzig" sein sollten(es ist dieser Ausdruck vom Minister selbst gebraucht), wurde auch dieser Antrag abgelehnt. Dagegen sollen nach dem Be- schluß deS Ausschusses wahlberechtigt sein diejenigen GeHülsen, welche nicht länger als 4 Wochen stellenlos sind. Die Alters- und Jnva- lidenkarte als Legitimation gelten zu lassen, wurde selbstverständlich ebenfalls abgelehnt, trotzdem in einigen anderen Städten diese Be- stimmung aufgenommen ist: ein gleiches Schicksal erfuhr der Anftag unserer Genossen: die Anerkennung anderer Ausweise als der Be- scheinigung des Prinzipals oder der der Polizei dem Eharlotten- burger Statut entsprechend dem Ermessen des Wahlvorstandes zu überlasse,,. Zum§ 16 wurde von uns der Antrag gestellt: Wahl- knverts bei der Wahl zur Berwendung zu bringen, wie dies bei der Reichstagöwahl vom Reglement vorgeschrieben und in Nürnberg und München im Ortsstatut destimmt ist. Auch dieser Antrag wurde (mit 4 gegen 9 Stimmen) abgelehnt.— Ein Eventualantrag unserer Genossen z»§ 16:„Die Stimmzettel müssen von weißem Papier sein, eine vo», Magistrat zu bestimmende Größe haben und dürfen keinerlei äußere Kennzeichen trapen", wurde angenommen. Wenigstens ein Erfolg unserer Genossen. Hierauf vertagte sich nach über dreistündiger Verhandlung erneuert der Ausschuß. Billiger Sonntag im Zoo. Eine Leserin schreibt uns: Nur ein einziger Sonntag im Monat, und zwar der erste, ist im Zoologischen Garten als der billige angesetzt. Fünfundzwanzig Pfennig beträgt an diesem Tage das Eintrittsgeld. Die Arbeiter- bevölkcrung nimmt dann zur Sommerszeit von dieser Stätte der Belehrung und Unterhaltung Besitz und gibt ihr ein von dem der Wochentage grundverschiedenes Gepräge. Groß ist der Vorteil ja eigentlich nicht, den ein mit Kindern gesegneter Arbeiter genießt, wenn er den billigen Sonntag wahrnimmt, denn nur ihm und seiner Krau kommt die Preisermäßigung zu statten: die Kinder zahlen das für Erwachsen« übliche Eintrittsgeld, genießen also nicht wie an anderen Tagen eine Preisermäßigung. Rechnet man noch die zwanzig Pfennig Fahrgeld Hinz,,, die der in, Norden oder Osten Berlin« wohnende Sonntagsgast für sich und jeden seiner Angehörigen zu blechen hat, so kömmt auch ohne das übliche GlaS Bier für die Wahrnehmung des billigen Sonntags schon eine ganz hübsche Summe heraus. Auch wenn der Aufenthalt im Freien nicht mehr behaglich ist, zur Herbst- und Winterszeit, ist der Garten am billigen Sonntag wenigstens bei gutein Wetter immer noch leidlich besucht. Wenn es dunkel wird, so denkt die Arbeiter- familie, kann man immer noch das Konzert genießen... Aber hier trifft den Besucher eine arge Enttäuschung. Der Zutritt zum Konzertsaal ist versperrt: ein Plakat zeigt an, daß er nur gegen Nachzahlung von 25 Pf. gestattet ist. Mit dem billigen Sonntag ist's also diesmal nichts. Man hätte ebenso gut an jedem gewöhnlichen Sonntag hingehen können. Wer aber nun meint, durch die Nachzahlung— in, ganzen also das reguläre SonntagSentree von 50 Pf.— ein Recht erworben zu haben, den Rest des Abends bei Kaffee oder Bier im erwärmten Konzertsaal verbringen zu können, der irrt sich zuweilen. Hat er nach Schluß der Tierhäuser sich aus den, Gewirr der Wege glücklich zum RestaurationS- gebäude hindurchgefundcn, so droht vor dem Eingang ein zweites Plakat: Der Konzertsaal ist wegen Raummangels gesperrt. Irgend- welche Rückzahlung des Konzertzuschlages oder Eintrittsgeldes findet nickt statr. Ist das zu verantworten? Ich habe allerdings wiederholt beobachtet, daß der am Saal« eingang postierte Angestellte— während er feingelleidete Herren, die gegen die Saalsperre protestierten, ungehindert passieren ließ— Fannlien in einfachem Anzug um jeden Preis den Eintritt wehrte. „Geh'n Sie doch in die Steinhalle rüber", meinte der Menschen- freund zu ihnen. Diese Steinhalle aber muß man leimen, um die Zumutung zu würdigen, sich im Winter, womöglich mit Kindern, in ihrem eisigen Zuge niederzulassen. Zwei nackte, kahle Wände an den Schmalseiten, eine an der Längsseite mit ebensolchem Verdeck, während die vordere Breitseite völlig offen steht: dazu die not- dürfttgste Beleuchtung. Wem es trotzallcdem ausnahmsweise gelungen, den also ge« heiligten Konzertsaal zn betreten, der glaube aber ja nicht, über ixlle Aergernisse hinweg zu sein. Trotzdem an den meisten Tischen nur zwei bis drei Personen zu sehen sind, wird auf höfliche Anfrage durchgehends der mürrische Bescheid:„Alles besetzt". Gewisse Leute wollen unter sich bleiben So geschah'S jüngst drei älteren Damen meiner Bekanntschaft, di» sich an einen scheinbar leeren Tisch setzten, auf dem nur drei ge« leerte Bierseidel standen, daß nach fast einer halben Stunde dre» junge Herren erschienen und die Plätze für sich beanspruchten. Sie hätten»nr in der Konzertpause den Soal verlassen. Als die Damen sich Iveigerten aufzustehen, riefen die galanten Jünglinge den livrierten Aussichtsbeantten, der ihnen als Abonnenten zur Seite stand. Er kippte die Stühle der Damen einfach um und zwang diese so zum Ausstehen. Sind solche Zustände eines Instituts würdig, das wie kaum cw zweites seinem Wesen nach zur Volkstümlichkeit geschaffen scheint? Zur Gewerbesteuer veranlagt waren im Steuerjahre 1903 (1. April 1903 bis 31. März 1904) in Berlin im ganzen 72 372 Ge- werbetriebe(gegen 73319 im Vorjahre). Davon waren ein« gesckätzt in Klasse I 1788, Klasse II 2328. Klasse III 13 280 und Klasse IV 55 028 Betriebe. Die Steuer betrug in Klasse I 5 379 588.25 M., in Klasse II 1017 835.63 M.. in Klasse III 1 574 699,75 M.. in Klasse IV 1299 424,45 M.: im ganzen also 9 271 548,08 M. Hierzu noch für außerhalb veranlagte Betriebe 127 9�0,41 M. nebst 63 975,20 M. Kommunalzuschlag für diese Beftiebe. DaS ergibt eine Gesamt« summe von 9 463 473,69 M. Gewerbesteuer. Von dieser Summe kamen in Abzug bei den in Berlin veranlagten Betrieben 350 369,73 Mark, bei den außerhalb veranlagten Betrieben 4314,73 M.. ferner der durch die Warenhaussteuer gedeckte Ausfall der Gewerbesteuer der Klasse IV für das zweite und vierte Vierteljahr 602 082,44 M. und zwei Steuerposten von zusammen 7,50 M., insgesamt also 956 744,42 Mark. Das gesamte Steuersoll betrug mithin 3 506 699,27 M. Der Geflügel-Großhandel in den städtischen Zentralmarkthallen. Im Verwaltungsjahre 1903(1. April 1903 bis 31. März 1004) wurden bei den städtischen Verkaufsvermittlern 1010 572 Stück Ge- flügel umgesetzt(gegen 991 843 Stück im Borjahre). Das ergibt eine Steigerung des Geflügel- Großhandels um 18 729 Stück. Ge- schlachtete Gänse wurden im Berichtsjahre 258 136 Stück umgesetzt (gegen 246 212 im Vorjahre), geschlachtete Hühner 379 116(329 737), lebende Hühner 117 323<174 962). geschlachtete Enten 57 010(43 427), lebende Enten 16 934(34 675), Rebhühner 164 983(142 630), Fasanen 17 040(20 100). Die Zufuhr in geschlachtetem, zahmen Geflügel ist, wie in den Vorjahren, auch im Berichtsjahre weiter gestiegen. Es wurde darin durchweg schlanker Absatz erzielt. Lebendes Geflügel wurde weniger zugeführt, weil das Ausland, Rußland, Serbien, Ungarn und Italien selbst wenig hatte und bei den zurzeit herrschenden Einfuhrerschwernissen lieber geschlachtete Ware sendet. Wildgeflügel kann mit Ausnahme von Rebhühnern am Berliner Markte keine günstigen Resultate erzielen, weil, nach dem VerwaltungS« bericht des Magistrats, die Beschickung deS Marlies mit diesem Artikel seitens des Auslandes erst erfolgt, wenn London. Paris und Brüssel bereits satt sind. Dann aber ist auch hier die Zeit meist soweit vorgeschritten, daß unsere zahmen Geflügel dem ausländische» Wild- geflllgel eine starte Konkurrenz bereiten. Der Mordprozeß Theodor Berger, der am nächsten Montag beginnt, wird im großen Schwurgerichts- saale stattfinden und voraussichtlich die ganze Woche andauern. Die Vorgeschichte haben wir erst dieser Tage den Lesen, wieder in die Erinnerung gerufen. Die ermordete Lucie Berlin, ein hübsches munteres Kind, war die jüngste, im Jahre 1895 geborene Tochter des in der Ackerstraße 130 wohnenden Zigarrenmachcrs Berlin. Sie ist am 9. Juni mittags 1 Uhr zum letztenmal lebend gesehen worden. Am 11. Juni wurde der Rumpf ihres Leichnams an, ReichStagS-User im Wasser aufgefischt. Er zeigte erhebliche Wunden. Am 15. Juni gegen 3 Uhr nachmittags sahen drei Knaben im Charlottenburger BerbindungSkanal ein Paket schwimmen und als man dieses a»S Ufer holte, fand sich darin, in ZeitungS- und anderem Pastier verpackt und mit Bindfaden verschnürt, der Kopf und d,e beiden Arme deS verschwundenen Kindes vor. Am 17. Juni früh 6 Uhr wurde von einem Arbeiter in, Berlin-Svandauer Schiffahrtskanal, an der Ladestraße des Innen» bahnhofes, das rechte Bein und an demselben Tage wurde in der Spree vor dem Hause Schiffbauerdamm 26 das linke Bein auf- gefunden. Bon den Gerichtsärzten ist festgestellt, daß die kleine Lucie zunächst mißbraucht und alsdann getötet worden ist. Der Tod muß kurze Zeit nach der genossenen MittagSmahlzeit erfolgt sein. Am 11. Jum, als der Rumpf de« Kindes gefunden worden war, fand man oberhalb der Kronprinzen-Brücke einen Korb mit ae- össnetem Deckel in der Spree. Dieser wurde von dem Schifter Tornow nach Plauen mitgenommen. Es hat sich später ergeben, daß dieser Korb das Eigentum der in der Ackerstr. 130 wohnenden Prostituierte» Liebetruth war und sich in dem Korbe Spuren von Menschenblut und Wollhärchen vorfanden, die zu dem von dem Mädchen getragenen roten Unterrock durchaus stimmten. ES wird daher von der Anllagebehörde angenommen, daß in diesem der Liebetruth gehörigen Korbe die Leichenteile weggeschafft worden seien. Die Liebetruth selbst saß zur fraglichen Zeit im Gefängnis, sie kam also nicht tn Frage. Der Verdacht lenkte sich dagegen auf Berger, der während der Haft in der Liebetrnthschen Wohnung allein schaltete und waltete. Er hat sich schon in jungen Jahren dem sauberen Gewerbe der Beschützimg liederlicher Diiiie» zugewandt, eine Zeitlang in Breslau und Hannover als Zuhälter gehaust und 17 Jahre lang der Liebetruth Zuhälterdienste geleistet. Mehrere Hausbewohner haben am 9. Juni kurz„ach 1 Uhr aus der Liebetruthschen Mos ,. hnung Jammern und Hülferufe„ Den Kriminalbeamten ist es aufgefallen, daß trotz der Wesenheit der Liebetruth der Fußboden der Liebetruthschen Wohnung sauber aufgewaschen war. Als die LieLetruth aus der Haft zurückkehrte, hat sie sofort ihren Korb vermißt. Sie hat dem Berger Vorhaltungen darüber gemacht und dieser behauptete schließlich, daß er in der Zwischenzeit ein Mädchen mit in die Wohnung ge- nommen und diese wohl den Korb gestohlen habe. Als die Liebe- truth hierüber sehr erzürnt war, versprach er ihr die Ehe und suchte sie dadurch zu bestimmen, nichts von dem Verschwinden des Korbes zu sagen, da er sonst am Ende noch in den Verdacht komme, die Lucie Berlin ermordet zu haben.— Bei dem völligen Leugnen des Angeklagten werden etlva 100 Zeugen zu vernehmen sein; gestern sind noch in aller Eile 34 Zeugen geladen worden. Der Angeklagte, der bekanntlich erst dieser Tage wegen Kuppelei zu sechs Monaten verurteilt wurde, hat sich wegen Mordes und Sittlichkeitsverbrechens zu verantworten._ In dem Artikel über die Beerdigung unseres Parteigenossen Freudenberg erwähnten wir auch der behördlichen Vorstchts- maßnahmen, am offenen Grabe keinen Laien reden zu lassen. Wie uns authentisch mitgeteilt wird, ist aber in diesem Falle irgend einer Amtsperson insoweit kein Vorwurf zu machen, als keinerlei Gesuch in dieser Richtung bei der Behörde eingereicht wurde. Die Erlaubnis, am Grabe Lieder singen zu dürfen, hat der Amtsvorsteher von Friedrichsfelde bereitwilligst erteilt. Der Tunnelbau der Hochbahu— unter dem WarenhanS-Nenbau der Firma Wertheim am Leipziger Platze— ist gestern wieder in Angriff genommen worden, nachdem derselbe wegen Ausbaues der Fundamentpfeiler vor etwa Monatsfrist unterbrochen werden mußte. Wie früher schon angedeutet, muß die Unterpflasterbahn Potsdamer Platz-Spittelmarkt unter dem genannten Warcnhause— wegen dessen Pfeilerstellung— in zwei getrennten, eingleisigen Tunneln dergestalt hindurchgeführt werden, daß die beiden etwa Sö Meter langen Tunnel sich unter dem Bürgersteig der Voßstraße, nach welcher der Neubau durchgeht, wieder zu einem gemeinschaftlichen szweigleisigen) Bahn- bau vereinigen. Die beiden Einzeltunnel, welche je vier Meter Breite haben, während der normale zweigleisige Tunnel nur etwa ll1/« Meter mißt, konnten seinerzeit nur bis zur Hälfte fertiggestellt werden; der Weiterbau ist gestern in Angriff genommen worden. Innerhalb der mit der Fundierung des Warenhauses zugleich errichteten Tunnel- wände wird jetzt der Boden ausgehoben, um Ramn für die ein- zubringenden Betonschichten zu schaffen; alsdann werden die die Tunneldecke tragenden Säulen und Querträger montiert werden. Man hofft die intereffanten Arbeiten in längstens zwei Monaten be- endet zu haben. Wegen wiederholten Betruges und schwerer Urkundenfälschung wurden festgenommen die Handlungsgehülfen Karl Klewe, 26. Mai 1884 zu Bornecke geboren, Edgar Schmidt, 16. Zum 1383 zu Osterode in Ostpreußen geboren und Georg Zahn, 29. Juni 1883 zu Berlin ge- boren. Durch einen, in einem Warenhause gekauften Druckapparat mit Kautschuktypen stellten sie Firmenstempel her, mit welchen sie Jnsertionsaufträge für Annoncenexpeditionen bedruckten. Der Auf- trag wurde mit gefälschter Unterschrift versehen und das Inserat entweder handschnstlich oder einer Zeiwng entnommen ein- gereicht. Es wurden meistens Austräge bekannter, viel inserierender Firmen fingiert. Die Aufträge wurden bald von dem einen, bald von dem anderen der Schwindler den Annoncen- Expeditionen übergeben, wofür sich der Schwindler sofort die Pro- Vision auszahlen ließ. Die Schwindler nannten sich bei den Expedittonen Ernst Cott, Blücherplatz 6, auch Paul Korn, Bellealliance- Platz 3; vielleicht haben sie sich auch noch anderer falscher Namen bedient. Geschädigte, die Anzeige noch nicht erstattet haben, wollen dies schleunigst bei einem Polizei-Revier oder der Berliner Kriminal- Polizei unter Angabe der Tagebuch-Nummer 10 225 IV. 32. 04 nach- holen. Herr Dr. Paul Büttcher, der frühere Redakteur der„Staats- bürger-Zeitung" ist gestern nach einjähriger Haft aus Plötzensee entlassen worden. Er war im Ottober 1902 wegen verschiedener Artikel über die Konitzer Angelegenheit zu der erwähnten hohen Strafe verurteilt worden. Seine Parteigenossen holten ihn in großer Zahl aus dem Gefängnis ab. Polizei und Kommers. Die Pückler- Bereinigung hatte zu Donnerstagabend in den Germania-Sälen einen Kommers ver- anstaltet, der zur Ueberraschung der Teilnehmer von Polizeibeamten überwacht wurde. Dem Versammlungsleiter wurde bedeutet, daß der anwesende Graf Pückler unter keinen Umständen sprechen dürfe. Der Dreschgraf erhielt dann von den Anwesenden einen Lorbeer« kränz und die Versammlung nahm folgende Resolutton an: „500 in den Germania- Sälen versammelte Männer und Frauen protestteren energisch gegen die Verfügung des Polizei- Präsidenten von Berlin, nach welcher dem Grafen Pückler das Sprechen in einer öffentlichen Versammlung untersagt ist. Solange der Graf nicht entmündigt ist, hat niemand das Recht, ihm die öffentliche Rede und Agitation zu verbieten. Diese Ver- fügung ist ein schwerer Eingriff in das von der Verfassung verbriefte Versammlungsrecht. Wir lassen uns diese unwürdige.Behandlung nicht mehr gefallen und verlangen gleiches Recht für alle deutschen Männer". Wir sind ja auch nicht von dem Unfug erbaut, daß die Anti- semiten einen anscheinend geisteskranken Mann als Popanz benutzen. Aber das hindert uns nicht, hervorzuheben, daß die Polizei kein Recht hat, in der geschilderten Weise zu verfahren. Entweder soll Graf Pückler entmündigt werden oder sich vor Gericht verantworten, lvenn man einmal glaubt, seinen Narrheiten staatsgefährliche Be- deutung beilegen zu müssen. Der Japaner Herr Kisak Tamai, der Chefredakteur der Monats- schrift„Ostafien" ersucht uns um Aufnahme folgender Mitteilung: „Von Februar bis Oktober d. I. sind 860 Japaner, die in Sibirien ansässig gewesen und vollständig mittellos geworden sind, über Deutschland nach Japan zurückbefördert worden. Durch reichliche Spenden deutscher Wohltäter war es möglich, die Not der armen Japaner zu lindern. Mit Geld und Kleidungsstücken versehen, haben die Unglücklichen die Heimreise angetreten und werden ihren edlen Wohltätern, denen ich hiernnt nochmals recht herzlich danke, ein dankbares Herz bewahren. Demnächst werden wieder 26 Männer und 4 Frauen, im ganzen 30 Personen, aus Sibirien mittellos in Deutschland eintteffen. Auch diese Armen bedürfen dringend der Unterstützung. Strümpfe, Stiefel und Sommerhüte sind von den früheren Spenden»och in hinreichender Menge vorhanden, aber es fehlt an Geld, Kleidung. Wäsche, Winterhüten-c.. weshalb ich dringend um güttge Ueberweisung von Geschenken bitte." Bei den AuSschachtungsardciten für die Wasserleitung beim Bau der Irrenanstalt in Buch verunglückte gestern nachmittag 3'/� Uhr der 33 Jahre alte Arbeiter Brandowski. Durch ungenügende Absteifung des Ausschachtungsgrabens, welcher an dieser Stelle 5 Meter tief ist, brachen die Steifen und begruben den Arbeiter vollständig. Durch die herabstürzenden Erdmassen wurde ihm der Brustkasten eingedrückt; ein Spatenstiel soll dem Unglücklichen sogar in den Leib gedrungen sein. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich schwierig und nahmen mehrere Stunden in Anspruch. Einen empfindlichen Verlust hat ein Handlungsgehülfe dadurch erlitten, daß ihm eine rote Mappe mit Geschäftspapieren am Sonn- tag auf dem Wege vom Gendannenmarkt bis Jnvalidenstraße in einer Droschke verloren ging. Die Tasche und ihr Inhalt ist für den Finder wertlos. Es wird ersucht, den Fund in der Restauration von Schütz, Wallstraße 14. gegen Belohnung abzugeben. Wegen versuchten Mordes nimmt jetzt das Verfahren gegen den 40 Jahre alten Almosenempfänger Josef G r o c z e k aus der Krautstt. 38a seinen weiteren Fortgang. Groczek, ein früherer Be- reiter, der nach einem unglücklichen Sturz mit dem Pferde von Armenunterstützung und Bettelei lebte, schoß seiner Geliebten, der 25jährigen Arbeiterin Elisabeth Unger, vor vierzehn Tagen in der Trunkenheit eine Kugel in die Brust, weil sie nicht mit ihm aus- gehen wollte. Sich selbst verletzte er durch einen Streiffchuß am Daumen. Groczek ist jetzt wieder hergestellt und wurde von der* Charitö nach dem Untersuchungsgefängnis übergeführt. DaS ver- wundete Mädchen, das unterdessen Mutter geworden ist, geht im Krankenhause seiner Genesung entgegen. Richard Strauß kommt bei dem volkstümlichen Kunstabend am nächsten Sonntag in Charlottenburg nicht nur als Komponist von Liedern und Kammermusik, sondern auch mit Bruchstücken aus seinen Opern und als Dichter zu Worte. Es haben fich Frau Hof- Opernsängerin Marie Knüpfer-Egli, Eugen Brieger, Paul Lange sowie der kgl. Kammermusiker Adalbert Gülziw, Kapellmeister Fritz Otto und Dr. Gustav Manz der Volkskunst-Koinmission zur Ver- fügung gestellt. Den einleitenden Vortrag hält der Musikschriftsteller Rudolf M. Breithaupt über Richard Strauß als intimer Musiker. Karten a 0,50 bezw. 1,00 auf nuinmerierten Plätzen sind in allen Charlottenburger Buchhandlungen sowie im Dürerhause. Kronenstr. 13, Bloch, Brllderstr. 1, und im Verein zur Förderung der Kunst, Albrecht- straße 11. zu haben. Das Kasino-Theater erinnert an ein Stück Mt-Berlin. Was die EntWickelung zur Weltstadt anscheinend unmöglich gemacht hat, nämlich die' Intimität zwischen Publikum und Bühne, das lebt hier wieder auf. Es sind keine prätcnttösen Leute, die in der Lothringer- straße einen sorgenfreien Abend suchen; man unterscheidet hier nicht zwischen klassischen, modernen und niodernsten Dramen, sondern genießt. was die Tafel bietet. Voraussetzung ist dabei natürlich, daß die Direttion sich auf den Geschmack des Publikums einzurichten weiß; aber da diese gewiß nicht leichte Kunst anscheinend ohne Schwierigkeit geübt wird, so ergibt sich alles Gute von selbft. Es kommt dem vertraulichen Verhältnis zustatten, daß auch die Künstlerschaft auf das Haus eingerichtet ist; seit Jahren wohl hat sich kein wesentlicher Wechsel vollzogen. So lebt im Zuschauerraum ein Stück Gemütlichkeit auf. das zu beobachten nicht minder interessant ist wie die Vorgänge auf der Bühne. Als neueste Gabe bietet das Kasino-Theater einen Militärschwank, der „In Vertretung" benannt ist. Man braucht sich nichts Arges dabei zu denken; das Stück enthält weder Veilcbenfresserei noch Militär- verhimmelung. Der Kern des Scbwankes ist, daß der Bursche eines Leutnants von dessen künftigem Schwiegervater für den Leutnant selbst gehalten wird und als stellvertretender Schwiegersohn das Gerückt Lügen straft, daß der Offizier ein trockener Duckmäuser sei. Der alte Herr wurde von Herrn Karl Timm prächtig gespielt; der plattdeutsche Dialekt kam in anheiinelndster Breite heraus. Da auch fast alles klappte, so kam eine vortrefflich gelungene Vor- stellung zustande. In dem Spezialitätenteil, der dem Schwank voranging, wußte vor allem der Humorist Corradini das Publiluin für sich einzunehmen. Im Paffage-Thcater tritt zurzeit ein moderner Barde auf. Das Wort modern ist allerdings im eingeschränkten Sinne hinzunehmen. Denn Herr Ludolf W a l d m a n n, der seine eigenen Lieder singt und sich selbst am Flügel begleitet, ist kein junger Stünner mehr, der die Sangeskunst in neue Bahnen lenken möchte. Im Gegen- teil läßt sich sagen, daß die Blüte seiner Popularität geraume Zeit zurückliegt; von der Fischerin, der kleinen, die er sich 1886 aufs Ge- wissen geladen hat, wissen nur noch die Chronisten einiges zu ver- melden, und auch manches andere einst furchtbar beliebt gewesene Lied von ihm ist längst in alle Winde verflogen. Das„schöne Sorrent" allerdings bleibt in gefühlvollen Seelen noch lebendig, alldie- weil es kein eigentlicher Gassenhauer ist. Im Passage-Theater erntet der Sänger seiner Lieder auch seiner vollen schönen Stimme wegen wohlverdienten Beifall. Im übrigen wird das Programm in seiner Vielseitigkeit allen billigen Ansprüchen gerecht. Robert und Bertram sind ein paar lustige Soldaten und Herr Alois Pöschl weiß das Publikum durch seine Couplets zu nehmen. Als Kartenkünstler tut Herr Siems sein Bestes; schade nur, daß dieser junge Mann mit dem urdeutschcn Namen unsere Muttersprache noch nicht ordentlich sprechen kann. Wir nennen ferner aus dem Programm Klara Lingen in ihrer dramatischen Szene„Die Gefangene", die lebenden Bilder von Lossaine und die vortrefflichen Turner Roeder. Nicht zu ver- gessen das gutgeschulte Tänzerpaar Blanche und Davies. Die russischen Schauspieler im Gcwerkschaftshause. Heute Sonn- abend, abends 3 Uhr, findet im Gcwerkschaftshause. Engel- Ufer 15, ein WohlrättgkeitS-Abend, veranstaltet von den russischen Studierenden, statt. Zur Aufführung gelangt„Gespenster" von Ibsen, aufgeführt von der Petersburger Schauspielgcsellschaft. Direktion: P. N. Orleneff.— Einlaßkarten a 5, 3, 2 und 1 M. sind am Abend an der Kasse zu haben. Näheres im Programm. /Zus den Nachbarorten. Charlottenburg. Den Ankauf der Charlottenburger Wasserwerke haben die Stadtverordneten in geheimer Sitzung einstimmig beschlossen und zwar soll durch den Magistrat das der Stadt durch die Verträge vom 16. September und 25. Oktober 1884 eingeräumte Erwerbsrecht der ganzen Wasserwerksanlage nebst allen dazu gehörigen Grundstücken. Gebäuden, Maschinen, Utensilien, Vorräten, Rohrnetz bis zum 1. Oktober 1905 in vollem Umfange aus- geübt werden. Voraussichtlich wird dieser Beschluß einen Prozeß zur Folge haben. Während nämlich die Stadtvertretung auf dem Standpunkt steht, daß das ihr eingeräumte Kauftecht sich auf sämtliche Wasserwerke der Gelellschaft bezieht, steht die Verwaltung der Wasserwerke auf dem Standpunkt, daß die Stadt nur diejenigen Wasserwerke zu erwerben berechtigt ist, die den Stadtkreis Charlottenburg mit Wasser versorgen, also das Wasserwerk Teufelssee und das Wasserwerk Juugfernheide, daß dagegen die Wasserwerke, die über den Stadtkreis Charlottenburg hinausgehen und Schöneberg, Friedenau, Steglitz, Rixdorf, Teltow, Johannisthal und eine Reihe anderer Gemeinden versorgen, nicht unter den Vertrag fallen. Nach dem Vertrage muß die Stadt als Kaufpreis einen Preis zahlen, der durch den zwanzigfachen Betrag der fünfjährigen, vor Ablauf de? Erwerbsjahres erzielten Durchschnittsdividende gebildet wird. Vermutlich wird fich dieser Preis für das ganze Werk auf etwas über 31 Millionen Mark, für den speziell Charlottenburg ver- sorgenden Teil auf etwa die Hälfte stellen. Allerdings hat die Aktiengesellschaft alles getan, um den Preis künstlich in die Höhe zu schrauben. Es wurde nämlich im Jahre 1895 von der Aktiengesellschaft die Gesellschaft mit beschränkter Haftung „Charlottenburger Wasserwerke" abgezweigt, die die Masserliefcrung speziell für Charlottenburg übernahm. In der Ansicht, dag die Stadt nur auf den Ankauf der Charlottenburg mit Wasser versorgenden Werke reflektieren werde, hat man nun alles aufgeboten, um den Kaufpreis für diesen Teil des Unter- nehmens recht teuer zu gestalten. Es sind bei der Gesell- schaft in. b. H. Ueberschüsse erzielt worden, die einer sachlichen Kritik kaum Stand halten. Wenn man nach den von dieser Gesell- schaft erzielten Dividenden den Kaufpreis festgesetzt hätte, wäre die Summe viel jzu hoch bemessen. Der Magistrat sagt hierüber in der Begründung leiner Vorlage: „Berücksichtigt man, daß das Gesamtunternehmen, mit Ein- schluß der Charlottenburger Wasserwerke Gesellschaft mit be- schränkter Haftung, ein Gebiet mit einer Einwohnerzahl von 645 000 Einwohnem mit Wasser versorgt, so erscheint der Ueber- schuß der Aktiengesellschaft gegenüber dem der Gesellschaft mit be- schränkter Haftung(die Aktiengesellschaft erzielte z. B. 1902/03: 1 849 719,53 Mark, die Gesellschaft mit beschränkter Hastung 786 251.72 Mark Ueberschuß), die zurzeit nur ein Gebiet von 220 000 Einwohnern versorgt, relativ niedrig, trotzdem die Ent- wickelungsfähigkeit und der Vermögensstand der Akttengesellschaft günstige sind. Der Grund für diese Erscheinung liegt darin, daß die Gesellschaft mit beschränkter Haftung von allen Belastungen frei gehalten zu sein scheint, durch die die Ueberschutzziffer gemindert werden könnte, während bei der Aktiengesellschaft alle die Neu- einrichtungen zu Buche stehen, die für eine künftige EntWickelung des Gesamtunternehmens erforderlich sind, so z. B. auch die für die Erweiterung der Sternfelder Wassrrwerksanlage der Gesell- schaft mit beichräiikter Haftung allem verwendbaren Grundstücke. Der Sachwert der Wasserwerke deS Gesamtunternehmens fmit Einschluß der Werke der Gesellschaft mit beschräntter Haftimg) ist deshalb dem nach§ 19 des Vertrages zu zahlenden Erwerbspreis angemessener als der Sachwert der Werke der Gesellschaft mit beschränkter Haftung." Ob es zum Prozeß kommt und welchen Ausgang er nehmen wird, ist natürlich heute noch nicht abzusehen. Das eine aber steht fest, daß die Geschichte der Charlottenburger Wasserwerke deutlich die Richtigkeit der sozialdemokratischenForderung auf Uebernahme aller derartigen Institute in eigene Regie beweist. Nicht nur, daß die Stadt sich jahrzehntelang eine gute Einnahme- quelle hat entgehen lassen, sieht sie sich auch jetzt, wo sich ihre Ver- treter endlich zu dem sozialdemokrattschen Grundsatz durchgerungen haben, vor die Notwendigkeit gestellt, die Aktionäre durch hohe Summen abzufinden. Wäre die Stadtverwaltung im Jahre 1884 so einsichtig gewesen, wie sie heute ist, so hätte sie für den Stadt- säckel viele Millionen sparen können. Opfer einer Lysolvcrgiftung. Die 17jährige Frieda Drage, die, wie wir in der gestrigen Rummer meldeten,.bei einem Besuche in der Wilmersdorferstraße III sich mit ihrer Mutter mittels Lysol zu vergiften suchte, ist gestern an den Folgen des Trankes im Westender Krauken Hanse, wohin man sie geschafft hatte, gestorben. Den ärztlichen Bemühungen ist es aber gelungen, in dem Befinden der Mutter eine Besserung herbeizuführen, so daß diese mit dem Leben davonkommen dürste._ In Pankow sind viele unserer Leser dadurch, daß ein Privat- spediteur namens R u m m e r t den Vertrieb der Zeitungen Plötzlich eingestellt hat, in Verlegenheit gekommen. Wir bitten daher alle Abonnenten, die in den letzten Tagen unser Blatt nicht erhalten haben, sich an Georg F r e i w a l d t. Pankow, Florastr. 66, zu wenden. Von dieser Stelle aus werden die Beschwerden ihre Er- ledigung finden und der Betrieb in geregelte Bahnen gebracht werden. Vermischtes. Schiffbruch. Wie aus London� gemeldet wird, ist der Dampfer „Analia" von Hamburg nach Sunderland auf die Spital-Carr- Felsen aufgelaufen. Sieben Fischer sollen bei dem Versuch der Hülfe- leistung ertrunken sein, nach anderen Berichten sogar elf. Raubmord bei Schwiebus. Wie die„Frankfurter Oderzeitung" meldet, wurde Donnerstag abend gegen 10 Uhr auf der Abdeckerei bei Sckuviebus ein Raubmord verübt. Die Frau des Abdeckers Schutt und eine Magd wurden überfallen. Die letztere wurde ge- tötet und die Leiche in die Aschgrube geworfen. Die Frau wurde mit zertrümmertem Schädel aufgefunden. Geraubt sind 90 M. Orkan in Bosnien. Ganz Bosnien wurde gestern von heftigen Siroccostürmeu und Regengüssen heimgesucht. Am Nachmittage wurden auf offener Strecke bei Ostrozac die letzten drei Wagen des von Mostar kommenden Zuges vom Orkan aus den Schienen ge« hoben und ein Post- und ein Personenwagen umgestürzt, wobei ein Bremser getötet und ein Passagier verletzt wurde. Wafferftand am 8. Dezember. Elbe bei Aussig-st 0,11 Meter, bei Dresden— 1,14 Meter, bei Magdeburg-f 1,11 Meter.— U n st r u t bei Straugfurt+ 3,20 Meter.-G O d e r bei Ratibor-s- 1,72 Meter, bei Breslau Ober• Pegel+ 5,12 Meter, bei Breslau Unter- Pegel— 0,38 Meter, bei Franksurt+ 1,75 Meter.— Weichsel bei Brahcmiinde ff- 2,68 Meter.— Warthe bei Posen ff- 0,70 Meter.— N e tz e bei Usch ff- 1,00 Meter. LriefKarten der Redaktion. Sir bitten bei jcoer Ansrage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte tlbonnemcntSquiltung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beanl» wartet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. M. W. 100. An den Realschulen gibt eS Freistellen von der vierten Klaffe an, ebenso an den Realgymnasien und Gymnasien. Die älteren Anstalten haben auch kleine Stipcudicn für Schüler. Für Freistellen ist keine bestimmte Konscssion vorgeschrieben, sür Stipendien wird KoiisessionZ« losigkeit kaum eine Empschlung sein. Das Schulgeld der Realschulen be- trägt 80 M. Kosten der Lehrmittel sind hier recht erheblich. Kursus ist sechsjährig und kann mit dem 15. Lebensjahr absolviert sein.— H. Dh. Das ist leider so.— ip. Vt. 1. In seltenen Fällen. 2. Ja. 3. Nein.— Alter Abonnent, Koppenstraffe. Ausrage bei der Stistungs-Deputation, Poststt. 16, 9—3 Uhr.— A. B. 1. In Patts im Louvre. 2. Abendmahl in Mailand.— B. 4. Antwort siehe„Vorwärts", Nr. 289, lokaler Teil. — 455. Nein. Jurrktikcffer Ceti. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme deS Sonnabend» von?-/, bis Off, Uhr abends statt. Geöffnet: 7»Hr. A. U. 00. Ein eigenhändig ge- und unterschriebenes Testament ist gültig, ohne daß eS irgend welcher behördlichen Maßnahmen bedarf, wenn es unter Angabe des Ortes und des Tages eigenhändig ge- und unter- schtteben ist(Unter schrist ist ersorderlich. Neben schrisl genügt nicht). Für ein wechselseitiges Testament genügt der von der Ehefrau eigenhändig gemachte, datierte und unterschriebene Zusatz: Dies Testament soll auch alS mein Testament gelten. Beispiele für Testamente finden Sie S. 238, 239 des dem.Arbeiterrecht' beigefügten Führers durch das Bürgerliche Gesetz- buch. Das Buch liegt in den öffentlichen Lesehallen aus.— 148 K. E. Ohne Einsicht in das Urteil ist Ihre Frage nicht zu beantworten. Die juttstische Sprechstunde steht jedem Abonnenten offen.— Grünau 400. Ein Zurücknahme der erstatteten Strasanzeige wäre rechllich wirkungslos. Möglicherweise wird die Erhebung der Anklage abgelehnt.— P. K. Die Klage hätte keine Aussicht aus Erfolg.— P. H. M. 1. Da nichts ver- einbart ist, besteht halbjährliche Kündigungssrist zum Schluß des Pachtjahres. Ist nicht vereinbart, der Vertrag solle weiter lausen, so läuft er mit Schluß des ersten Jahres ab. 2. Eine Meile hat 7500 Meter. Es ist Ihnen in den öffentlichen Bibliotheken reichliche Gelegenheit gegeben, sich über die Maße und Gewichte eingehend zu insonniercn. — R. Z. 50. 1. Zu welchem Termin Ihre Frau kündigen kann, ist ohne Einsicht in den von ihr abgeschlossenen Mictsvertrag nicht zu beantworten. 2. Die Steuern werden in Ihrem Falle nicht nachgesordett. 3. Abzugs- artest kann verlangt werden.— H. E. 10. Die Rente ist vom Ablaus der 26. Woche zu zahlen.— Rechenkünstler. 1. Wir haben eS stets abgelehnt, Prozenttechnungen sür Ansragende auszuführen. In welcher Nummer soll das Gegenteil erfolgt und ein solches Resultat mitgeteilt sein? Es liegt wohl eine Verwechselung mit einer anderen Zeitung vor. 2. Nein. 3. Nein, aber sie kann aus Zahlung deS Unterhalts verklagt werden.— E. 0. 1. Wir können keinerlei Art Banken Ihnen empfehlen, die Geld borgen. 2. Ihr Schwiegervater kann bei seinen Lebzeiten über sein Eigcnwm so verfügen wie er will. In der Regel wird in einem Altjitzervertrag vereinbart, daß und wieviel der Käufer nach dem Tode des Altsitzers an die Erben zu zahlen hat.— W. Sch. 10. Ja: nach Abzug dervon derHerrfchast verwendetenKosten. — D. D. 0. Der uneheliche Sohn beerbt seine Mutter. Er hat Anspruch aus sein Pstichttcilsrecht, das wäre in Ihrem Falle die Hälste des Nach- lasses.— N. Z. 05. Formulare für den Austritt aus der Landeskirche erhalten Sie in der Hoffmannschen Buchhandlung. Blumenstr. 14.— Koch. I. Die dem unterliegenden Teil auferlegten Kosten hat dieser zu zahlen. Erfolgt Zahlung nicht, so erfolgt Psändung. Ob eine Wiederholung des srüheren Antrages Erfolg hat, erscheint, nachdem Abweisung erfolgt ist, zweifelhaft. 2. Etwa je 100 M. für jede Instanz an Anwalts, und Gerichts- kosten. 3. Ja. 4. Wir lehnen es grundsätzlich ab, bestimmte Anwälte zu empfehlen. Anwaltszwang besteht für das Obcr-Verwalwngsgettcht nicht. Es empfiehlt sich aber in so schwierigen Materien wie Ansiedelungs- angelegenhciten sich der Hülse eines'Anwalts zu bedienen. Ob eine Berufung Aussicht auf Erfolg hat, ist insbesondere ohne KcnnwiS der Akten nicht vorauszusagen.— D. M. 100. Oranienftraffe. Nein. I. G, 75. 1. UnS nicht bekannt. 2. Ausländer(Nicht-Deutfche) haben kein Recht auf Naturalisation. Diese hängt vom Ermessen der Behörde ab. Kostenpunkt: 50 Mark. Der Anttag kann zu polizeilichem Protokoll gestellt werden. Keineswegs erlischt durch Naturalisation die weitere Verfolgung wegen Vergehen, die im Auslande begangen sind. 3. Nein.— H. P. 3. 1. In 30 Jahren. 2. Soweit der Lohn 1500 M. jährlich nicht erreicht: nein. 3. Was nach Ermessen de? Gettchtsvollzichers(und aus Be» schwerde deS Gettchts) unentbehrlich ist, ist unpsändbar.— O. R- Nein. — Scheercr, Sie haben von Abiaus des Jahres ab, in dem Sic aus der Kirche ausgetreten sind, Kirchensteuern nicht mehr zu zahlen, in Ihrem Falle also seit zehn Jahren. Sind von Ihnen dennoch Steuern verlangt, so fordern Sie diese zurück. Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts liegt In dem Verlangen einer Zahlung für Arbeit, die der Arbeitgeber nicht annehmen will, das Erstreben eines rechtswidrigen VcrmögenSvorteils. Dies Streben wird zur Erpressung, wenn es durch eine Drohung verstärkt wird. Ob Handarbeit oder geistige Arbeit vorliegt, ist begrifflich gleich. güllig. Freilich kann aber die Sttajverlol-'ungSbehörde annehme«, wer im FwseitS Bescheid zu wissen glaubt, Hab« daS zu seiner Bestrasung ersorder« liche Bewußtsein von der Tragweite seiner Handlungen im Diesseits nicht und könne deshalb nicht bestraft werden.— Da weder ein Kuvert mit Lhrer Adresse noch Ihre Wohnungsangabe Ihrer Ansrqge beilag, kann Ihr Wunsch ans Rücksendung nicht ersüllt werden.— M. Z. ISO. Ja. — F. F. ä3Ä. Für Mietsverträge ist in erster Linie der Vertrag maß- gebend. Nur soweit der Vertrag keine Vorschriften enthält, tritt die gesetz- liche Vorschrift ein. Der Wirt hat in Ihrem Falle das Recht, aus Exmission zu klagen, Sie haben das Recht zu beantragen, daß Ihnen eine angemessene Räumungssrist gestattet wird. Ucbrigens enthält das Gesetz keineswegs die von Ihnen angesührte Vorschrift.— N. G. Wir lehnen es grundsätzlich ab, die Fragen, ob ein bestimmtes Papier sicher ist, ob es im Kurse steigen wird und dergleichen zu beantworten. Kein gewissenhafter Mensch kann Ihnen mit der Sicherheit, die Sie erwarten, solche Fragen beantworten. Wir können Sie nur aus die Regel verweisen, die ein sehr tüchtiger �Bankier mal ausgestellt haben soll: wollen Sie ruhig schlasen, so lausen Sie sich Staatspapiere, Reichsanleihen, Staatsanleihen, städtische Anleihen. Wollen Sie gut effen, so kaufen Sie sich Jndustricpapiere, Hypothckcnbankpapiere uno dergleichen. Ein Finanzrezept für guten Schlaf und gutes Essen giebt eS nicht.— M. M. 66. I. Ja. 2. Nein. — H. B 204. Ob eine gesundheitgefährdende Beschaffenheit der Woh« nung vorliegt und ob diese Beschaffenheit aus Schuld des Mieters zurückzu- führen ist, hat der Richter nach seinem Ermessen zu entscheiden. Dem sreien Ermessen werden in der Regel ärztliche und bausachverständige Gutachten zugrunde gelegt. Der Richter kann vom Gericht ein für allemal bestellte oder andere, von den Parteien vorgeschlagene Sachverständige hören. Kein Arzt ist verpflichtet, vor Abgabe seines Gutachtens sich an den gerichtlichen Sachverständigen zu wenden. DaS Gericht ist an die Ansicht der Gutachter, die lediglich als Gehilsen deS Richters gesetzlich in Betracht kommen, keines- wegs gebunden.— Katehütte. Liegt Verjährung wegen der Kosten vor, so können Sie aus Löschung klagen, sonst müssen Sic zahlen. Verjährung liegt vor, wenn die Gerichtskoflen innerhalb je vier Jahren weder ein- gefordert noch anerkannt sind.— O. R. 100. 1. Ja. 2. Nein. — Eichler. Ein Mietsvertrag endet mit Ablaus der Zeit, für die er ein- gegangen ist. Ihr Vertrag enthält wahrscheinlich darüber Bestimmungen, ob und aus wie lange der Vertrag sich nach dem ersten Jahre fortsetzt, wenn Kündigung nicht erfolgt. Es sind Fragen über Rechte und Pflichten aus einem Vertrage nutzlos, wenn der Vertrag nicht in Abschrist vorgelegt wird. — I. P. IS. Ein von einem Minderjährigen geschloffener Lethvertrag tR in der Regel nichtig, es sei denn, der volljährig Gewordene hat ihn w irgend einer Weise anerkannt.— I. G. Eine Wohnung, deren Benutzung mit erheblicher Gefährdung der Gesundheit verbunden ist, können Sie ohne Einhaltung einer Frist räumen und Schadenersatz begehren. Es empfiehlt sich, die GesundheitSgesährdung sich ärztlich bescheinigen zu lassen, das Attest mit der Klage zu überreichen und um möglichst nahen Termin zu ersuchen.— Wilhelmine M. Nein. — A. H. Wenn die Benutzung der Mietsräume mit einer erheblichen Ge- sährdung der Gesundheit verbunden ist, so kann der Mieter ohne Einhaltung einer Frist vom Vertrag abgehen und Schadenersatz verlangen. Ob eine solche Beschaffenheit der Räume vorliegt, ist im Prozeß nach fracm Ermessen des Richters zu entscheiden. Es hängt die Entscheidung von der Notwendig- keit der Vernehmung von Sachverständigen nicht ab. Die Vernehmung ist üblich. Es schreibt daS Gesetz nicht vor und kann nicht vorschreiben, daß mehrere Atteste erforderlich sind: eins kann genügen und zehn können un- erheblich sein. Liegt keine erhebliche Gefährdung der Gesundheit vor, so können Sie nur aus Abstellung des Mißstandes und aus Schadenersatz klagen. Dieser letztere Fall scheint in Ihrer Sache zuzutreffen. Nertimgmlg derdeuMkN Maler, Lackierer?c. Am Mttwoch, den 7. d. M., starb nach längeren Leiden unser tangjähriges Mitglied, der Lackierer Xdoli Kiepert. Ehre seinem Andenken l DieBeerdigung findet amSonn- tag. den 11. d. MtS., nachmittags 3 Uhr, von der Halle des Himmel- sahrts-Kirchhoses in Nieder-Schön- Hausen aus statt. 107/17 Um zahlreiche Betefligung der Kollegen ersucht Die TektionSleitung. Hierdurch zur Nachricht, daß mem lieber Mann und guter Vater Mit Januutseh am Montag tödlich verunglückt ist. vi« trauernden Hinterbliebenen. Beerdigung Sonntag 2'/, Uhr aus dem Emmaus-Kirchhos. Am Mittwoch früh entschlief nach kurzem Leiden unser Kollege. der Klempner S90b Gustav Dautz. Die Beerdigung findet Sonntag mittags 2'/, Uhr von der Leichen- Halle des neuen Jakobi-Kirchhoss, Hcrmannftraße, statt. Die Kollegen der Firma I'si'ck. TI>IvZein«nn. Verband d. Kürschner Berlins u. Bing. Todes-Anzelge. Am Mittwoch, den 7. Dezember, früh verschied nach eintägiger Krankheit unsere Kollegin Frau Anna Spiess geb. Sleincrt. Ehre ihrem Andenken k Die Beerdigung findet Sonntag, den 11. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Zions- KirchhoseS zu Nieder-Schönhausen aus statt. 13215 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Herzlichen Dank allen, die bei dem Tobe unseres S77b Liirl Freudenberg ihrer Teilnahme und ihrer Liebe für den Verstorbenen Ausdruck verliehen haben. Herzlichen Dank insbesondere den vielen, die ihm das letzte Geleit gaben und denen, die durch Wort und Gesang die Beisetzungsseier ver- schönten. Die Hinterbliebenen. Danksagung. Für die zahlreichen Beweise herz. licher Tellnahme beim Hinscheiden sowie für die herrlichen Kranzspenden und die zahlreiche, ehrende Begleitung zur letzten Ruhestätte meiner lieben grau, unserer guten Mutter iielene Hernpel, geb. Böttcher, sagen wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, den Mietern aus dem Hause, dem Rauchklub«Grüner Hain" sowie den Genossen vom Wahl- bezirk 190 e unseren ttesempsundeneu Dank. Paul Hempel nebst Kindern, Kochhannstr. 32. S82b Zlüte R. Vleidner, in allen Preislagen. 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Strahlenstärke 1„ 27, Französ. Wallnüsse.. 1, 33, Wurstwaron. Braunschw. Ceivelat. Cössliner Cervelat Rügener Salami.. Cössliner Salami.. Plcckwurst.... Pomm. Mettwurst.. 1 Pfd. 120 Pf. 1, 100. 1. 1S5. 1. 100. 1. HO. 1. 0,70, öonsorven. Schneide u. Brechbohnen V,= 2 Pfd.32Pf. Gemischt. Gemüse.. Vi 72, Grosse Wxin- and Likörlager der renommiertesten Stangenspargel I.. V, 160Pf. J. f. Erbsen.... V, 60, Fieischex.ract Vi 6.80, Vz 3.70, Vi 2.05, Va 1,05 M. Suppenwürze in Flaschen, Grösse No. 5 5,50, No. 4 3,00, No.3 1,70, No. 2 1 ,00, No. 1 0,60, No. 0 0,30 M. Verschiedene Tagesgerichte, la Qualitäten, Vi Büchsen, wie Gulyas, Erbsen mit Spitzbein etc. etc., ca. 1 Pfd. Inhalt, pro Dose 48 Pf. Alkoholfreie Getränke. Apfelblümchen incl. Glas Vi Flasche 32 Pf. Frutll...,, Vi, 28, Goldbrause..,»Vi, 20, Firmen in allen Preislagen vorhanden. tore verehr!. Kunden wollen an den Kassen unserer Läger die kostenlos erhältlichen Mitgliedskarten sich im eigensten Interesse unbedingt ausstellen lassen. Anssug aus den Bestinimungen. 8. Rabattweaen. Jeder Abnehmer hat bei«einem Einkauf In den Ligerii des\V. E. V. B. Aimpruch darauf(aovreit nicht etwa bentimmte Waren von dieser Vergünstig»»« ausceacbloasen werden müssen), dass ihm in Höhe«eines Linknufes, soweit der Betrag durch 25 teilbar ist, Rabattmarken ausgehändißt werden, welche er in Mitgliedskarten. die er an den Kassen unserer Lager kostenlos erhält, zu kleben hat. Jede solcher Gutschein- bezw. Mitgliedskarten, die ordauugsgemäsa mit 100 Rabattmarken des W.£. V. B. beklebt und ausgefüllt ist, wird rabalt fähig, d. h. dem Inhaber steht alsdann Jederzeit das Recht zu. diese innerhalb des Jahres in unseren Lagern bei seinen Einkäufen in Zahlung zu geben, während der Rabatt für die etwa nicht in Waren eingetauschten Karten alljährlich einmal und zwar in der Zeit vom 1. bis 15. Dezember j. Js. an verschiedenen durch den W. E. V. B. alsdann rechtzeitig bekannt zu gebenden Stellen in bar ausgezahlt wird. Der W. E. V. B. giebt auf solche zurückgegebenen Karten sowohl in Waren wie in bar einen Rabatt von 5 Prozent Von allen bar durch den W. E.V B. zur Ans- zablung gelangenden Rabattbeträgen werden 6 Prozent(d. b. pro 5 Mk. Rabatt= 25 Pfg.) fiir Verwaltungsspesen einhebalton. Die Gültigkeit der Mitglieds-Ontsebeinkarton verjährt niemals. 9. Dividendenbeteiligung der Käufer. Jeder Käufer ist ferner berechtigt, gelegentlich der Empfangnahme des Gegenwertes bezw. bei Zurückgabe seiner mit Rabattmarken vorsebriftsmäsaig beklebten Mitgliedskarten noch eine besondere Quittung über den durch die Karten erwiesenen Betrag seines Warenverbrauches verlangen zu können. Diese Quittungen müssen ebenfalls in der Zeit vom 1. bi« 15. Dez. j. J. an die cinz Inen Zentralstellen des W. E. V. B. ausgehändigt werden, wogegen alsdann Dividendenbüchor, am den Namen der Kunden lautend, in welche seine Waren-Verbranchssumme eingetragen wird, erteilt werden. Mit dieser Gesamt verbraucussnmme partizipiert jeder Käufer, der im Besitze eines Dividendenbuches ist, mindestens an 10 pCr. des Keinnetto- Ueberschusses, welchen der W. E. V. B. immer in d> rn verflossenen Gcschäftsiahre gehabt hat und welcher in allen Lägern des W. E. V. B. uach Festsetzung durch die Generalversammlung bekannt gegeben wird. Im zweiten Geschäftsjahr zählen für die Inhaber von Dividundenbüchem ihm Kaufbeträge beider Jahre usw.. sodass die alten Abnehmer bezw. Mitglieder sieh gegenüber den neuen bei allen Gewinn-Verteilungen im Vorteil befinden müssen. Diese Beträge werden stets Anfang des kommenden Jahres an die Käufer ausgezahlt und verjähren nicht, abgehobene Dividendenbeträge stets mit dem 1. 5. dos auf das verflossene Geschäftsjahr folgenden Jahres. 10. Wolter« Vergünstigungen durch Cutsohein-Mitglleds- karten. Durch Vorzeigung der vom W. E. V. B. unentgeltlich er- wordenen Mitgliedskarten nach Einkauf von Artikeln, welche der W. E. V. B. In seinen Lfgem nicht führt, erhalfen die Knoden bezw. Mitglieder des W. E. V. B. bei den nachstehend und in den Mitgliedskarten näher bezeichneten erstklassigen Handlungshätuern die neben Den betreff'-nden Firmen stehenden Rabattsätze gutgeschrieben. Diese gelangen durch den W. E. V. B.«benso, wie im Absatz 8 ansgeführt, Mitte Dezember j. J. zur Auszahlung.— Ebenso werden in den Mitgliedskarten diejenigen Vergünstigungen fortlaufend bekannt gegeben werden, welche den Vereinsmilgliedem gegen Vorzeigung der Karten von Theatern u. s. w. w'e öffentlichen Verkehrsanstalten etc. etc. eingeräumt werden. Die Mitglieder der Direktion und des Aufsichtsrstes vom W. E. V. B. werden fortlsufend angestrengt bemüht«ein. die allererdenklichsten Vorteile auch nach dieser Richtung hin fiir die Inhaber ihrer Gntschein-Mitgiiedskarten zu erwirken. Berlin, den 10. December 1904 Waren-Einkanfs-Vereln Berlin Oes. m. b. H. Der Aufsiohtsrat. gez. Dr. Remling, Rechtsanwalt, Vorsitzender. Eugen Maetheri Stellvertr. Vorsitzentier. H. Zimmermann, Schriftführer. C. Weichardt. H. Schmidt. Der Vorstand. gez. Otto Prof«. Direktor. Der Generalsekretär E. von Hartmann, Hauptmann a. D. Änszng ans dem Verzeichnis derjenigen Firmen etc. anderer Branchen, welche den Knuden des W. E. V. B. nach Vorzeigung Ihrer Mitgliedskarte vom W. E. V. B. besondere Vergünstigungen durch Babattgewährung n. s. w. bewilligen(s. obigen Abs. 10). (Die Herren Vertragslieferanten werden, soweit Ihrer w. Firma in diesem Inserat noch keiner Erwähnung getan werden konnte, höflichst nm Entschuldigung gebeten.) Gold-, Silber-, Älfenide-, Juwelen, ühren: H.Zimmermann, Oranienstr. 206(Alleinig. Lieferant) 5 Prozent. Leinen- und Weisswaren �r�ä�K 5 Prozent.— E, Voigt, Oranienstr. 169. 5 Prozent. S. Eisen* stfldt, Frankfurter Allee 166. 5 Prozent. Baumwollen- und Wollwaren: dcammB5r 5U Änr Posamentierwaren: �tfÄ prÄ4"2 None Damenmüntel: Kindergarderobe: A. Pletzker, Oranienstr. 60 und Tnrmstr. 30. 5 Prozent. A. Pietzker, Oranienstr. 60 und Tnrmstr. 30. 5 Prozent.— M. Riedel, Beuthstr. 7(am Spittelmarkt), 6 Prozent. S. Eisenetädt, Frankfurter Alice 165, 5 Prozent. fache, Bnckskins, Kammgarn-Stoffe Wä kleideru. Flanelle, Loden): Adolf Eckard t,Lindenstr.:A 6 Prozent. Fertige Herren- n. Knabenanzüge: und Tnrmstr. 80, 5 Prozent. Paul Bauohwitz, Langestr. 51. 5 Prozent. Herren-Schneider: rS-ÄVÄ"Ä"«&«" etöeeor, Boeckhstrasse 52. 5 Prozent, VtamanhiMa* Marie Marquardt, Linienstr. 40. U Prozent. UdUl vuUUiv• m. van Oelciern. Kommandantenstr. 26, 6 Prozent. Alma Schutze, Gr. Frankfurterstr. 53. A Prozent. Herrenbflte und Mttlzen: Maassenstr. 22. 5 Prozent. Carl Nuhn Nachfl., Belle-Alliance- platz 23. 8 Prozent. C. Köpke, Prinzenstr. 60. 5 Prozent. Albqrt Ring, Rosenthalerstr. 19. 5 Prozent. Josef Holnbetz, Dresdenci'str. 126, 5 Prozent. Sonnen- und Regenschirme: zont. E. Hegen flachfl., Markgrafcnstr, 66, auch auf Reparaturen 10 Prozent. Gustav Knaske, Andrea»str.26, 5 Prozent. Josef Holnbetz, Dresdenerstr. 126, 5 Prozent. Richard Metz, Köpe- nickerstr, IIB, 5 Prozent, Handschuhe u. Herrenartikel: sHt;Ä0»'ÄÄ; fEnwooff a» Sa»» Auerbach, Amlreasstr. 53(spez. Orthopädische fUJiOeUC- Korsettel 10 Prozent. Gnmms-Wäsche.Schuh�Regenröcke�Ä'�? Markt 3. 8 Prozent. Künstliche Blumen n. Federn: Ä WaeMÄ" maudaatenotraese 17, 10 Prexent. iriipenhnar(Pelzwarent; Carl Nuhn Naohfl., Bell6-Allianeepl.23, aUloDUUCI g Prozent. W. Landau, Bosentbalerstr. 66, Rbeioa- bergerstraase 29, 3 Prozent. Cpknhvrfiron» Otto Wacker, Zletbenstr. 27. A Prozent. Paul »l/UUUWul CU« Runge, Gr. Frank furter-tr. 94, 5 Prozent. H. Elsner, Grüner Weg 13 u 77. 5 Prozent. F. Danneberger Naohflg., B*lle-AIIianceplatz 6, 5 Prozent. E. Hampf, Reichen- bergerstr. 13, 5 Prozent. J. Machill, Brunnenstr. 15". 5 Prozent. Adolf Becker, Dragonerstr. 4. 6 Prozent. Haokenberg, Brunnenstr. H5. 5 Prozent. P. Scheinemann, Kottbuser- damm 14, 5 Prozent. H. Leiser Naohfl., Oranienstr. 34, 5 Prozent. Carl Held, Lützuwstr. 73. 3 Prozent. Emil Cohler, Liitzowstr. 16, 5 Prozent. Josef Stookmann, Lmdi-nstr. 66, 2 Prozent. Waschanstalten itir Hauswäsche:"50°«'' Oliuickerstr. 32, 5 Prozent. Wohnnngs-Einrichtungen: 5 Pr'ozt� Betten und Bettfedern:& Bör.'08aÄ»luAÄ Härtung, Hofl,, Dreadenerstr. 88 89. 5 Prozent. A. Schonert, Glmiltschair, 49 u. Oranienstr. 12. 6 Prozent. T nrnnan» Paul Sohenok, Beichenbergerstr. 30, 5 Prozent. UCtUipCll. vv. Jonas. Schönhauser- Allee 9/10 und Gr. Frank- furtorstrasse 122, 10 Prozent. Gaskocher, Bronze-n.Zinkgiisswaren: fchöK Allee 9/10 und Gr. Frankfurterstr. 122, 10 Prozent. Stahlwaren und Waffen:£Äklrpr%pieSrien Eiserne Bettstellen u. Matratzen: 8 Prozent. A. Schonert, Gledilschstr. 49 n, Oranienstr. 12, 6 Prozent. S. Kaliski, Invalidenstr. 160 u. Filialen. 5 Prozent. Korbwaren u. Kinderwagen: rtÄ�un'dÄ; 5 Prozent. S. Kaliski, Invalidenstr. 160 u. Filialen. 5 Prozent. Bürsten und Pinsel: SS£Tpr"wrioh' Linoleum, Tapeten nnd Wachstuche: L. G. Mertlne Naohf., Grüner Weg 103. 5 Prozent. Gravir- Anstalt: Rosenthaler8trasM Näh-, Wring- und Waschmaschinen:%,RnuJ; Kommandantenstr, 40, bei Zahlung de« ganzen Bat agu« S Prozent. Fahrräder 5 p1'!luf ��relurfv): 8. Crosse, Wieners tr. 9, PhntaOTanllPII' Jatirath A lohn, Inh. Emil Booker, Hof- 4 ajjllvll» photogiaeh, Beile- AI l>iu»«sstr, 14 114, 15° o. Otto WinSi SkaliUerstr. 54, 10 Prozent. 7chn3p>ytaa H. Thormeyer, Kleine Frankforferstrasse 12, uaullal Zlv. io Prozent. M. Kuwatsoh, Lelpzig-rstr. 40, 10 Prozent. Dr. Lind, Brückenstr. 6a. 10 Prozent. A.Wenzel. Knt'hiiserstr. 21. 10 Prozent. C. Biokcl, Brückenstr. 5b, 10 Prozent. H. Lovln, Rosenthalerstr. 14. oa. 10 Prozent. 7QhnlriinoHDr• c- Meybring, Andreas« tr. 33. IO Prozent. uaUlitiUUbllvl, Karl Böhm, Köpenickerstr. 137, 20 Prozent. Apotheken: foeP0raonz;nt.pothoka' � 8 Drogen, Farben, Apothekerwaren, Mineral- nraccop* Fritz Sprotte, Friedrichstr. 235. A Prozent. W aOOCl» Eugen Frlokel Naohf., Grüner Weg 125. 6 Prozent. Chirurgische Gegenstände(K£lÄ�n£rÄ 2 Prozent. MOIIer u. Co., Prinzenstr. 43. 10 Prozent. Optische Gegenstände:? Gr. Frankfurterstr. 29. 10 Prozent, Müller u. Co., Prinzen- Strasse 43, 10 Prozent. R. Piatzmann, Köpenickerstr. 76. 5 Prozent. Carl Ruhnke, Oranienstr. 47. 5 Prozent. A. LSokemBoker, Kommandantenstr. 82, 5 Prozent. naifo.AlKStaltPII* sämtliche nachstehende Bade* An* DttUt, ÖUölulICU. stalten gewähren den Mitglieder» gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte Eiuzeibäder zu Abonnementspreisen: Dr. 8. Muntere.Wasserheilanstalt Berlin", Schützen- Strasse 30. Verein der Wasserfreunde, Königgrätzerstr. 19. Reform-Bad, Wienerstr. 65. Moritz-Bad, Stalisehreiberstr. 58. Cöllnisches Bad, Seydelstr. 2. City-Bad, Dresdenerstr. 62/53. Arkona-Bad, Anklamerstr. 34. Bad Gesundbrunnen, Pankstrasse 39. Oranienbad, Oranienstr. 44 Berliner Natur-Heil- anstalt, Sehastiaustr. 21,28. Feine Lederwaren nnd Reise-Effekten: Hosenthalerstr. 66, 5 Prozent. Robert Pfeiffer, Fried rieh- Strasse 216. 5 Prozent. O. CrBtsch Naohf., Oranienstr. 47a, 5 Prozent. Jul. Riesa, Hoff., Mauerstrasse 88 und Konigin Augustaatr. 33. 5 Prozent._ Max Mösloh, früher Müller& Co.. Prinzen. Strasse 43, 10 Prozent- Albort Hölscher, Stralaneritrasse 31, 3 Prozent. Spielwaren: Gastwirts- Artikel: Flügel, Pianos, Harmoninms etc.: «irasse 135, per Kasse 15 Prozent. Theater, Konzerte und Sehenswürdigkeiten. Tholifl'Theater, Dresdenerstr. 72.73. Castans Panoptioum. Frledrlelistr, 105, Urania, Tanbenstr. 48 u. Invalidenstr, Treptow* Sternwarte. Kalserpanorame.(Die Art der VergünaU* gungen hierfür werden nebe» der Publikation der weiter, n Theatsr st«, mit uäshstem Inserat«rfolgen.) Waren-Einkaufs-Verein Berlin, Ges. m. b. H. Der Vorstand: Otto Prof«, Direktor. *) Waron-Offerten, Lieferanten-Gesuche su obigem AbsatzlOfHoflokalanaebota mit Zeichnung, Stellengesuch« allOPArt(mit sehpiftl. Uebenslauf u. Photographie), den W, E. V, B. botr., worden werktäglich(ausser Sonnabends) Vorm, v. 9-tl Uhr Im Olraktlonsbureau Kreusbergstr. 30 entgagongenomman. Zahlatunden v. Vorm. 10-12 Uhr. ' SSerrnittn. Redaktem" Pnnl Büttner, Berlin/ Für den Inseratenteil vermitw: Th. Oilsife, Berlin. Dnick n. Verlag: Vorwärts Bnchdrniferei n. VerlagSanstalt Pmil Singer& Co., Berlin SW. Nr. 290. 21. IahrgavA. 3. KnlM dks Jotmärts" Srrliüll AIKsdlÄ Souvabeud, 10. Dezember 1904. Udeater. Kleines Theater.„Die stillen Stuben." Schauspiel in drei Akten von Sven Lange.— Der dänische Dichter Sven Lange ist einem Teil der„Borwärts"»Leser aus der Ausführung des „Verbrecher" m der..Freien Volksbühne" bekannt. Mit wunderbar feinfühligem Sinn spürt er da dem Sviel der leisen Seclenregungcn nach, die, von der Leuchte des Vewusztjeins nur matt beschienen, rätselvoll das Hanoeln oft so ganz anders, als es im Bilde des „Charakters" vorgezeichnet erscheint, bestimmen. Eine Verkettung dunkler Eindrücke in einer unerwarteten Situation macht den armen, schwachen, gutartigen Menschen, der um Zahlungsaufschub bei dem Wucherer bitten will, zum Mörder; und traumhaft, absichrslos wie diese Tat ist auch sein weiteres Handeln, ter Besuch bei der Schwester und am Schluß dag offene Bekenntnis. Wie im Zwielicht spielt sich das alles ab und weckt ein beklemmend unheimliches Gefühl der Un- freiheit. Aber freilich, so originell die Auffassung, so viel verborgen Innerliches der Dialog aus den Tiefen heraufholt, die Ein- schmelzung in die dramatischen Formen ist nicht restlos, nicht ohne manche die Wirkung stark abschwächende Willkür gelungen.„Die stillen Stuben" tragen verwandtes Gepräge. Auch hier der fatalistisch gestimmte Grundton und das Streben, in das unendlich vielfarbige, widerspruchsvolle Gewirr der rasch vorüberhuschenden Empfindungen einzudringen,— Momente einer ganz erlesenen Scclenkunst, für die der Dichter aber im Theatcrrahmen keine adäquate Lösung gefunden. Auf den interessanten ersten, den vorzüglichen zweiten Akt folgt ein gequälter Schluß, dem man die Verlegenheit des Autors, an einem Tage den angesponnenen Konflikt zu Ende zu bringen, deutlich an- merkt. Geräuschlos, ebenmäßig fließt das Leben in den stillen Stuben des Theysenschcn Ehepaares dahin. Der blasse, von ewigem Kopf- schmerz geplagte Oberlehrer, eme ferne, vornehme, doch passive Natur, die sich eine eigene Philosophie des Gchenlassens zurechtgelegt, ist seiner jungen Frau von Herzen zugetan. Aber ein Auf- Hebens davon zu machen, das liegt ihm nicht. Seiner sensiblen, nach innen gekehrten Art widerstrebt alles laut Ostentative, widerstrebt eS auch, auf einen Menschen einzuwirken. Wie einer ist, so ist er. So sehr hat diese Ueberzeugung, keiner könne an dem anderen etwa? ändern, von ihn. Beschlag genommen, daß er. der Lehrer, sogar den Einfluß des Unterrichts und der Erziehung nicht gelten lassen möchte. Mit großer psychologischer Wahrheit entwickelt Lange, wie die Zurück- Haltung, die leidenichaftslose, gleichmütige Toleranz in der weichen, nach völliger Hingabe dürstenden Seele der Frau ein qualvolles, nervenzerrüttendes Gefühl der Einsamkeit erzeugt hat. Theysens in der Aeußerungsweise etwas pedantische Güte und Sanftmut, die Helga nur noch mehr den Abstand zwischen ihm und ihr empsinden lasten, erbittern sie; sie möckste ihn reizen, ihn einmal in Sorge und Angst hinein jagen, mir um die peinigende Uebcrlegenheit zu brechen, sich zu vergewissern, daß. loaS sie tut, nicht völlig wirkungslos an diesem selbstgenügsam ruhigen Temperamente abprallt. In dem Verhältnis zu dem jungen Manu, den ihr der Gatte ins Haus führt, schillert beides, die aufkeimende Liebe zu den. Fremden und die ge- Heime Werbung um ihres Mannes Liebe seltsam durcheinander. Vor allem aus dieser eigenartigen, erstaunlich kunstvoll nuancierten Ver- webung der Motive fließt der Reiz des Stückes. Das Unglück Carstens, seine Sentimentalität und romantisch« Sehnsucht nach einer mächtigen, das ganze Leben erfüllenden Leidenschaft ziehen sie als Wahlverwandtes zu ihm hin; sie spielt mit dem Gedanken, ihm zu folgen, und sie fürchtet sich davor. Eine vage Hoffnung steigt in ihr auf, daß, wenn sie in dieser HerzenSbedrängniS sich ihrem Manne offenbare, er aus seiner Starrheit erwachen, daß er mit allen Kräften um sie ringen werde, bis der gefährliche Zauber gebrochen. Schmerzlich erschüttert ihn dag trotzig herausgestoßene Geständnis, doch kein Wort der Leidenschaft kommt über seine Lippen. Er weigert sich, einzugreifen in ihr Schicksal. Sie sei frei, die Ehe binde in seinen Augen nicht. Nun aber müsse sie selbst wählen nach innerer unentrinnbarer Notwendigkeit. Als Carsten kommt, empfängt er ihn höflich und zieht sich, die Entscheidung zu erwarten, in sein Zimmer zurück. Die groß« Szene zwischen dem Liebhaber und Helga, die erst noch immer auf ein Zwischentteten ihres Mannes harrt, durchläuft die mannigfachsten Stadien des Empfindens; von kaltem Spott bis zu verzücktem Stamnieln. Als Helga Abschied nehmen will, ist Theysens Tür verschlossen; er leidet furchtbar. Der flüchtige Glücks- rausch, den sie fühlte, schwindet, und in namenloser Angst stürzt sie davon. Der letzte Akt in der Dachkammer von Helgas bankrottem, trunksüchtigem Bater, wir sagten es schon, enttäuscht. WaS der Alte von dem Schicksal der Mutter der Tochter erzählt, steht so wenig wie seine Unterhaltung mit der Prostttuicrten Josefa zu dem Konflikt in lebendiger Beziehung. Vor allem aber fehlt die innere zwingende EntWickelung, die es verständlich macht, daß Helga nun, als Theysen ihr nacheilt, plötzlich versöhnt und erlöst von jedem Zweifel in seine Arme fliegt. Hier fällt das Stück aus seiner Sphäre ins platt Theaterhafte. Großartig war wieder Gertrud Eysold� in der weiblichen Haupttolle. Das wechselvolle Hin und Her der Stimmungen brachte sie in Ton, Gebärden und Bewegung wahrhaft überraschend zum Ausdruck. Eine sehr kluge und diskrete Leistung bot W i n t e r st e i n als Oberlehrer. P a g a h setzte seine Kunst an den wunderlichen Alten. Der Beifall im Publikum ging über Mittelstärke, schien mir, kaum hinau».--->_ dt. Für den Juvale»er Jnierare übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keiuerlei Verantwortung. UKeater. Eonnabend, 10. Dezember. Ansang 7'/, Uhr: Opernhaus. Fra Dlavolo. Neues königl. Oper«> Theater. Das große Licht. Neues. Die Morgenröte. Deutsches. Maskerade. Verltner. Ein TeuscISkerl. Nachm. 3 Uhr: Die schöne Melusine. Lesftng. Johannes Herkncr. Westen. Don Cäsar. National. Fedoral Ansang 8 Uhr: Velle-Mllance. Harte u. Co. Nachm. 3'l, Uhr: grau Holle und Prinzeß Tausendschön. ClchiUcr O.(Wallner- Theater.) Heimg'sunden. Echtiler X.(Friedrich«ilhelm- städtisches Theater). DI« Tyrannei der Tränen. Kleines. Abschieds» Souper. Der grüne Kakadu. Zeutral. Die Pupp«. Nachm. 4 Uhr: Daum-llnchen. Residenz. HerkuleSpillcn. Carl Weist. Die Diamanten des Sultans. Nachm. 4 Uhr: Rotkäppchen. LuftsptelhauS. Der Familientag. Lulfen. Dt« Reise durch Berlin in 80 Stunden. Triano». Gaftons Frauen. Teutsch-NmrrikanischeS.New-Dork. Nietropol. Die Herren von Maxim. Kasino. In Vertretung. Apollo. Berliner Lust. Wunder sterile. Elektrische Ta! Palast. Spezialitäten. Herrnfeld-Theater. Prinz Levh in Ahlbeck. Passage. Theater. Die Kesangme. Spezialitäten. Ans. S Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. »teichshalle,,. Stettiner Sänger. »rania, Tanbeiistraste 4N/iO. Um 8 Uhr abendS: Frühlingstage an der Riviera. Im Hörsaal: Dr. B. Donath: gunkentelegraphie. gnvalidenstraste S7/8». Stern warie. Täglich geöfstie« von 7 bi« 11 Uhr. Im Hörsaal: Tierleben In der Wildnis. U]*«IIli219 Taubenetr. 48/49. Dm 8 Uhr im Theater: Frfiblingstage an der Riviera. Hörsaal: Dr. B. Donath: Funkentelegraphie. Sternwarte SIk; Hörsaal: Tierleben in der Wildnis. GÄSTANS ÄNOPTICÜM. Friedriehstr. 185. Achmet Effendi mit sein, sprechenden Puppen. Abdul Cli an, der geheimnisvolle Zauberer aus Baednd. Orlentalische Mirchenwelt. anzbllder. National-Theater Weinbergsweg 12a— 13b. Sonnabend, den 10. Dezember 1901: Gastspiel Franseschina PreTOstis Fedora. Sonntag nachm.: Der FrelsohDtr Abend«: Gastspiel Albertl: Dia Hugenotten Zentral-Theater Heute Sonnabend nachm. 1 Uhr: Kinder-Borßellung. Däumclinchen. Märchenspiel mit Gesang und Tanz w ö Bildern. Abends 7'/, Uhr: Die Puppe. Operette in 3 Akten v. Ed Audran. Luisen-Theater. t Abend» 8 Uhr. Die Reise durch BerliB in SOStuniieD. Sonntag nachm.: Julius Cäsar. Abend»: Die Reis« durch Berlin in Lv Stunden. Montag: Töchter d. Qrn ftabririu» TT HoMkr melier. Direktion; ilod Olli. Brumienstr. 18. Große Extta-Borstellung. Zum überhaupt erstenmal: Der Wilddieb. WeihnachtS-Rovilät v Fritz Brenner Ansang 8 Ps. Passage-Theater. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Ärtf. nachm. Wochent. 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Sudolf'Waldmann Berlins nopulftrster Lieder- Komponist. Carla Lingen in ihrer Szene „Die Gefangene". Ein Drama im Kerkerhof. 14 neue erstklassige Nummern. Hell 1 1 ier-Tli ea ter. Schiller-Theater Sl. (Frikdrich-WIllieluistädtischeS Tbeater). Sonnabend, abends 8 Uhr: IHe Tyrannei der TrUnen. Lustspiel in 4 Akten von C. Haddon- Chambers. Deutsch v. Berta Pogson. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Viutter Erde. Sonntag, abends 8 Uhr: •ioimnnisfeiter. Schiller-Theater O. tWallner-Tbeaicri. Sonnabend, abends 8 Uhr: Heimg'funden. WeihnachlSkomödie in 6 Bildern von Ludwig Anzengruber. Sonnlag, nachm. 3 Ubr: Ille Kreuzelschrether. Sonntag, abends 8 Uhr: Ririex im Frieden. Montag, abends 8 Uhr: �Vallenstelns Tod. Kleines Theater Apollo-Theater. TUglich t Die sensationellen amerikan. Rovitöten Montag, abends 8 Uhr: Die Hauhenlorchc. Neues Theater. Vereinigte Bühnen unter der Leitung von Zlax Anfang 8 Uhr. Der xrüne Kakadu. Vorher: Abschiedssouper. Sonntag nachmittag: Familienidyll. Liebesträume. Serenissimus. Abends; Die stillen Stuben. Zirhus Sehnmann. Heute M., uer neueste scnsanons- am Der Sprung i° Mond " mit dem Jioto-Cycl© Trianon-Theater. Heule und folgende Tage: Lastons Trauen. Anfang 8 Uhr. KSpeniekerst.67|68. Stat. Jannowltzbr. Heute u. jed. folgenden Abend 8 Uhr: Gaitinirl Adolf Plillinn—flfisi NEW-YORK 5 Bilder in. Ue�aug a. d. Nachtleb. einer Weltstadt, Text und Musik von ADOLF PHILIPP. Sonntag nachmittags 3 Uhr!! Stzfr HALBE PREISE-»« Ueber'n rwi"WA W" fi Bf großen A JTi B V Was der„VORWÄRTS" sagt: Stein grelles Protzenwm lenkt da» Auge von der Bühne ab, sondern langsam regt daS satt« Graugrün zum Bettachten an und verbreitet Behagen. Metropol-Theater | irr___________ Große Ausstattongsposse mit Gesang nad Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Henry Bender. Josef Gl Sonnabend, den 10. d. abends präz. T/, Uhr: IX. Grande Soiree High■ Life. Gala- Programm. U. a.: Der neueste Sensations- Akt in den Möfld «to-Cyclc «5= He. Helene MDoraSdMiÄÄw. a la jardinidre. "'"'S" Liliputaner. We Giira Herr Albert Carrä.— Mr. Joe Hodglnl Sisters Cottrell-Poweil.— Soeurs Minigglo.— Mlle. Priami.— Mens. Proserpi etc.— Dir. Alb. Schumanns neue und moderne Dressuren. Um S>/, Uhr: DerKurttrdeS Zaren. Sonntag 2 Borstellungen. Nachm. ein Kind frei. Fn beiden Vorstellungen Ter Sprung in den Mond. Münstedts Kolibris. Nachmittag» Marokko, Gr. Ausstattungspantom. Reinhardt, Ansang 8 Uhr. Die Morgenröte Die lustigen Weiber von Tonntag: Windsar. Montag: Die Morgenröte. Residenz-Theater. Dir.: Richard Alexander. Heute zum erstenmal: Herkiilespillen. Schwank in 3 Akten von Paul Bilhaud und M. Henncquin. Morgen u.solgende Tage: Herkules plllen. Sonntag nachm. 8 Uhr: Nora. Kasino aTheater Lothringerstraße 37(Rosenthaler Tor). Täglich 8 Uhr. Sonnt.?>/,— 8 Konzert. I» Ntttretung. Militarschwank in 3 Akten von Gordon. Somuag nachm. 4 Uhr(M. Preise): Wildes Slutt Gebrüder 5 Josef Josepbi. Anton Frid Fit Fritzi Massarj. Jas Fest des Liohts.(Baii«tt.l Rauchen gestattet. Auf Bernhard Rose-Tbeater Gesunddnmnen. Badftraße 58. Heute: tieschloaaen. Morgen Sonntag, den II. Dezember, nachmittags 3 Uhr: ZjtrFttmptttsltiitmlktv.vans Abend« 7 Uhr: Am Altar. ImW-TI». Tie stürmisch bejubelte Tituntions> Komödie: Schwank in drei Akten von Anton und Donat Hcrrnseld. Haupirollen: Magnus Prinz Lcvy: Donat Herrnkeld. Prahidal, dessen Rcisebegleiler: Anton Herrnfeld. Anfang 8 Uhr. Vorverkauj U— 2 Uhr. I�ustspletliAus griedrichstraße 23ö. Täglich abends« Uhr: Der Familientag. von Gustav Kadelburg. Zirkiis Busch. Nachmittags 4 Uhr: Große Gala- Sport- Vorstellung zum Besten des Berliner Kinderschutz-VercinS. Die Oriai»al04 wird kosten. lo» und portofrei zugesandt. Bei Bestellung von Hosen ist die vundweite und die Schrittlänge, bei Jackett« und Kitteln die Brustwrtte anzugeben. 4S7L' — Versand von 20 M. an ftanco.— ichest-Jackett 14,50 8,75 Friseur-Jackett» 3,60,« M. 76 Skala-Theater. Lintenstr. 13»(a. b. Friedrich str.) Sensationelles Programin! Moderne Banspekulanten. Posse mit Gesanq in einem Akt, SD ioternalionlpezialiläten. Ansang 7'/, Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Rn>-It»nl«st». Täglich von 12—4 Uhr: MMageHeoh. In den unteren Sälen jeden Abend< Uhr: Militär-Konzert. DienSing, Donnerstag. Sonnabend. Sonntag: Ritz Steidl-Sänger. Räch jeder Vorstellung im Kaiserlaal i MT Tan«."WM> und 1. Berliner Rennfahrern, 9. dem amerlkanfnchen Rennpferd„Dolly*', geritten vom Jockey Kreamer. Das Dezember-Programm enthllt 18 hervorragende Nummern. Sanssouci. Kotlbuier Tor— Stat. her Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: HotfinanDS Norddeutsche Sanger u. Tanzkrilnzchen. Zum Schluß: taiulwknnaims Weihnachten. IMi«, l'iil/.l ott■ lebendei Koiiositaten! ei;• i,• Wi cttivf l'i Ii' /v»u' �Sosef Tischer � ' � Kohlen-Grosthaudlung' � Berlin 0. 84, Brombergeret. 18120. Preise ab Platz: Senflenh. Halbstelne p.Ztt. nur 70 Pf. Senflenb. Salon-Brlk. 6 o. 7"l„,„,-mk Anna, Adler, Marie)nur75Pf. Senilen berger In Henokele Werk« 6 oh. 7 Zoll, nur 86 Ps. iiee, Salon-Brikett» billigst. Frei Keller pr. Ztt. 10 Ps. mehr. Bruch, Steinkehlen, Kokt, Holz zu billigsten Preis en. 465»» 80 Handwagen verleihe zu Kohlen. Musier'-Ilöcke elegant, von 1,50 an* Wollwaren and Wäsehe werden Jetat apottbllllg elnaeln zu Engroeprelten verkautf. Taschenlüeher gzi�% Gelegenheitskauf, Dutzend 98 Pf. Keaer Rarfet I— Ä, parterre. 1 für dicke HCS Portieren in allen gongb. Farben. i Breite 130 cm 160 cm Muster-Kollektion franko! EFeostsiS ÄnKHU« D�k- Teppich- Haus Btin Oranienstr. 118. rt ii. ¥1. Wahlkreis. 30. Kommunale Wahlbezirk. Montag, den 13. Dezember, abends 8� Uhr: ! Waklvi'-Vvnsanimlung im Rosenthaler Hof, Rosenthalerstt. 11�12. TageS'Ordnung: t. Neue Sünden des Freisinns im Noten Hause Referent: Stadtverordneter Genosse ZZr. �Veul. 2. Dislulsion. 3. Verschiedenes. Die Parteigenossen müssen siir zahlreichen Besuch der Versammlung agitieren. Verband der Mödeipotterer. montag, den IS. Dezember, abends S'/i Uhr, Hnssitcn-Strasse 40:_ Versammlung. TageZ- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelcgen- Helten. 159/10 Dienstag, den 27. d. M.(3. Weihnachtsfeiertag), nachmittags 4 Uhr: UraniasVorstellung („Im Bannkreis der Jungfrau"). Billetts sind w allen Zahlstellen sowie�bei den Vorstandsmitgliedern zu haben. Die Wrechnung hat spätestens Sonnabend, den 17. Dezember zu crsolgen.__ Der Vorstand. 217/14 Das Wahlkomitee. Filiale Berlin. WAI Vergolder. Montag, den 12. Dezember 1904, abends präzise 8 Uhr, in den„Armin-Hallen", Kommandantenstr. 20 sgrotzer Saal) Mitglieder- Versammlung. TageS» Ordnung: 1. Einführung der Krankenunterstützung in den Verband. Referent: Kollege Späthe. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 227/20 AGf In Anbetracht der hochwichtigen Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Mitgliedes in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand. Brauer. Sonntag, den II. Dezember er., nachm. 2 Uhr: Okftiltlilhk Nechmmlililg r II Benin n. Brauer int„dewerksctaaftshans", Engel-Ufer 15(großer Saal). TageS-Ordnuna: 1. Berichterstattung des Kuratoriums des Arbeitsnachweises des Vereins der Brauereien sür die verflossenen zwei Jahre. 2. Ausstellung von Kandi« baten zum Kuratorium des Arbeitsnachweises sür die im Januar 190» stattfindende Neuwahl deS Kuratoriums. 42/10 In Anbetracht dieser wichttgcn Tagesordnung ist eS Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der ülnbernfer. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. SUderr ahmenmaeher! den 11. Dezember, vormittags S'/z Uhr, bei Augustin, Lindenstrafte SS. 93/6 DAU" Der wichttgen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Kollegen dringend notwendig. Mit Grub Maier, Obmann, Witzmannstr. 11. Mtungi Iffourcr. MtuuBi Die am 8. Dezember tagende Mitgliederversammlung des Vereins zur Wahrung der Jnteresieu der Maurer Berlins und Umgegend hat beschlossen: Dah seitens der Organisation zur Unterstützung der Streikenden Sammellisten nicht herausgegeben werden. Alle notwendigen Unterstützungen werden dem VereinSsondS entnommen. Wenn aber Kollegen unserer Organisation doch aus Listen Gelder zur Unterstützung zeichnen wollen, soll dieses nur aus die vom Berliner GewerlschastS« tartell herausgegebenen geschehen. 130/8 Der Vorstand. I. A.: Neinrieh Metzke. Bureau: Hirtenstr. 20. Achtung! KißtM«lhtr! Achtung! Laut Beschluß der außerordentlichen Generalversammlung vom 6. d. Mts. haben alle Kollegen in der 48., 49., 50. und 61. Woche eine Extra-Marle von 59 Pf. zu kleben. Dieses Geld wird aus- schließlich den im Streik befindlichen Organisattonen Überwiesen. Wir ersuchen die Werkstatt-Vertrauensmänner, darauf zuZachten, daß die Bücher bis Schluß des Jahres in Ordnung sind. Der Vorstand. Stukkateure! W-rtst-tt- Besprechung 8TÄs1£nl''e• am Sonnabend, den 10. Dezember, nachmittags 4'/, Uhr, im Lokale deS Herrn K. Schneider, Kaiser-Allee 209, Eingang Nachodstraße. Das Erschewen sämtlicher dort beschäftigten Kollegen, besonders der Werlstattarbeiter, erwarten__ 175/13«_ Die Einberufer. Der onkiirs- fl usDerhau| des Warenlagers Landsbergerstp. 82, bestehend in Teppieben, Polieren, Gardinen, Stores, Tischdecken, Steppdecken, Chaiselongue- Decken, Läuferstoffen usw., bis auf weiteres täglich zu ausscrgewöhnlich billigen- Preisen statt. 14 IM« Hute J? Mützen Engros. Export. Einzelverkauf zu Fabrikpreisen. 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Antrag derKassenangestcllten wegen anderweiter Regelung der Gehälter. 4. Verschiedenes. Versammlung der Vertreter der Kassenmitglieder. Tages-Ordnung: Wahl von vier Vorstandsmitgliedern für die Zeit 1905/1905 an Stelle der ausscheidenden Herren Skerl, Raasch, Sauer und Kühn. Berlin, den 10. Dezember 1904. Der Vorstand. 273/5 Gustav Vioiler, Vorfitzender. Alle Welt •loht günstig einzukaufen und zu sparen. Buondera die Hausfras kauft gerne so ein, dass aloh für sie ela Uebersohnss In der Wirtsohaftskasse erglebt. So Ist der Einkauf von MÖHRA -Margarine als Ersatz lOr feinste Naturbotter unentbehrlich für Küehe u. Tafel. Grund:„gute Waara, ca. 400/o Ersparnis."— »Möhra» ist In aNen einschlügigen Gesehiften käuflich.---- Nur neueste Moden. M Dieser steife, schwarze moderne Form, t» Tan Zylinderhüte u. Chap. claques - hofut öl. Is90s in großer Auswahl. Spe�lnl-Hnt- Engros- L-ngor, nur neueste Moden. Abteilung für den l UUUlMlllI u üptZiiflrnUl haltbarste, billigste Herrenhut der Welt! 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Glocke, Berlin. Druck u.' Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSansialt Paul Singer Sc Co., Berlin SA'