Nr. 293. Abonnements- Bedingungen: $ Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Post- BeitungsPreisliste. Unter freuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat Erkbeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fett, gedruckte) Bort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das neue Militärpensions- Gesetz. Es wird uns geschrieben: Mittwoch, den 14. Dezember 1904. Jährliche Pension. Die allgemeinen Prinzipien der neuen MilitärpensionsGefeße sind früher mitgeteilt worden. Da die Beratung der Gesetze jetzt im Reichstag bevorsteht, sind einige kritische eines vor dem 1. April eines gemäß der letzten BenBemerkungen dazu erforderlich. = 1897 verabschiedeten Leutnants 487 M. fionsregelung verabschiedeten Leutnants 488 M. eines vor dem 1. April eines gemäß der letzten Ben1897 verabschiedeten tonsregelung verabschiede Oberleutnants mit 14 Dienstjahren 674 M. ten Oberleutnants mit 14 Dienstjahren 808 M. Geplante Penfion 756. 1146 0. eines vor dem 1. April eines gemäß der letzten Ben 1897 verabschiedeten fionsregelung verabschiedeHauptmanns I. Selaffe ten Hauptmanns I. Stlasse 3276 m. mit 25 Dienstfahren mit 25 Dienstjahren 2682 M. 2515 M. eines vor dem 1. April eines gemäß der letzten Ben1897 verabschiedeten fionsregelung verabschiede Majors mit 30 Dienst- ten Majors mit 30 Dienſt 5043 M. jahren 4091 M. Somit fünftig mehr gegen Längsspalte 1 269 M. 472 m. 761. 1233 M. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Die Erhöhung der Pensionen sind also nicht unwesentlich. Aber da das Gesetz teine rückwirkende Kraft hat, so bleiben auch hier alle bisherigen Invaliden ausgeschlossen, obwohl sie, wie die erste Längsspalte lehrt, eine Aufbesserung sehr benötigten. Diese Summen erinnern nicht daran, daß wir in der Zeit des sozialen Königtums leben. Uebrigens sollte man den Paragraphen, die vom Zivil- Versorgungsschein handeln, eine Bestimmung zu sehen, die lauten müßte: ,, Kapitulanten, die wegen Soldatenmishandlung(§ 122 und 123 des MilitärStrafgesetes) bestraft sind, erhalten keinen Zivil- Versorgungsschein bezw. keine Entschädigung für die Unfähigkeit zum Zivildienst." Ein solcher Paragraph wäre sehr zu empfehlen und wenn es der Militärverwaltung ernst ist mit der Ausrottung der Soldatenschindereien, wird sie sich nicht sträuben. Politische Uebersicht. Berlin, den 18. Dezember. Mittelstandsrettung und Handwerkerschutz. Bisher betrug bei den Offizieren die nach zehn Dienstjahren gewährte Anfangspension 10 des pensionsfähigen Diensteinkommens, fünftig soll sie eo, also 12 mehr betragen. Mit jedem weiteren Dienstjahr kommt wie bisher ein weiteres 1/60 hinzu. Mehr als 50 des pensionsfähigen Diensteinkommens wird nicht bezahlt. Dieser Höchstbetrag der Pension soll also fünftig von den Offizieren mit 35 Dienstjahren erreicht werden ( 10 Dienstjahre 2000 und 25 Dienstfahre, im ganzen also 35 Dienstjahre= 45( 60). Bisher wurde der Höchstbetrag der Pension erst mit 40 Dienstjahren fällig. Bei den Leutnants, Oberleutnants und Hauptleuten wird außerdem das pensionsfähige Diensteinkommen um rund 300 M., bei den BataillonsKommandeuren um 533 M. erhöht, bei den Obersten steigt es nur um 68 M., bei den Generalen gar nicht. Dafür wendet das Gesetz den Obersten und Generalen seine Liebe auf andere Der Reichstag füllte die ganze Dienstagssigung mit der fahren 3810 M.*) Weise zu, denn ihnen bringt die Bestimmung, daß die HöchstBeratung einer von den Nationalliberalen beantragten Refolution pension mit 35 Dienstjahren erreicht wird, einen großen Busammenstellung der Militärpensions- Gefeße", herausgegeben vom Alters- und Invalidenversicherung für die selbständigen Handwerker *) Die Zahlen der Längsspalte 1 find der Anlage 18a der aus, welche die Reichsregierung zu Erhebungen über die obligatorische Profit. Fast jeder Oberst und jeder Generalmajor sowie preußischen Kriegsministerium( Berlin, Mittler u. Sohn, 1898), die auffordert. Alle bürgerlichen Parteien, auch die freisinnigen, verGeneralleutnant hat 35 Dienstjahre absolviert, das heißt, das übrigen dem amtlichen Entwurf des neuen Gesetzes entnommen. Gesetz will fast jedem Oberst, jedem Generalmajor und jedem sicherten, daß die einzige Partei, welche ihrer ganzen prinzipiellen Generalleutnant die Höchstpension zuschanzen. Mit rührender Betrachtet man die Längsspalte 1, so wird man zugeben, Stellung nach für das damit verfolgte Ziel der Erhaltung des MittelOffenheit gibt die Begründung zu, daß das neue Pensions- daß hier eine Aufbesserung viel nötiger wäre als bei den standes nicht in Betracht komme, die Sozialdemokratie sei. Und doch gesetz eigentlich überhaupt nur zu diesem Zweck gemacht wurde. spalte 2 sind sehr mäßig. Die Leutnants- und Oberleutnants. Gruppe der Antisemiten abfieht, der einzige Redner aus dem Hause, Obersten und Generalen. Auch die Pensionen der Längs- war Genosse Stadthagen, wenn man von der unbeachtlichen Sie schreibt: Nach den bisherigen Festsetzungen über die Pensions- pensionen der ersten Spalten sind direkt skandalös. Aber das der entschieder für den von den Antragstellern selbst preisgegebenen GeBemessung gelangten zur Hochst pension, außer den sämt- macht der hohen Obrigkeit keine Sorgen. Obwohl der ge- danken der Resolution eintrat. Die Feststellung dieser einfachen Tatlichen Generalen und Divisionstommandeuren, 59 Broz. der famte Reichstag inklusive Sozialdemokratie eine beffere Ver- fache genügt, um die heuchlerischen Phrafen der bürgerlichen Parteien Brigadekommandeure und 18 Proz. der Regimentskommandeure... forgung der Militärinvaliden gefordert hat, läßt sie bei in ihrer gangen Sinnlosigkeit nachzuweisen. Wenn es zwar eine nicht zu vermeidende() uner- den schon verabschiedeten Invaliden, gleich ob Offizier, Unter- Die unklare und in sich widerspruchsvolle Stellung der bürgerwünschte Folge der bei den Offizieren be- offizier oder Soldat, alles beim alten. Die vor 1897 lichen Parteien zur Handwerkerfrage fand ihren schärfsten Ausdruck stehenden besonderen Verhältnisse( damit find pensionierten Oberleutnants und Leutnants sollen nur hübsch in der Rede, in der Graf Posadowsky die Stellung der Neoffenbar die fortwährenden Abfägereien gemeint. weiter hungern, die Hauptsache ist, daß die pensionierten gierung zu der gegebenen Anregung darlegte. Graf Posadowsky Der Verf.) ist, daß nur ein geringer Teil der ausscheidenden bersten und Generale am Ersten jeden Monats hat einiges Verständnis für die moderne Entwickelung des WirtOffiziere die Höchstpension erhalten kann, so muß doch angestrebt werden, daß wenigstens die sämtlichen goldgefüllte Börsen Heimtragen. Ein vor dem 1. April 1897 fchaftslebens, er weiß, daß die ganze gegenwärtige GesellschaftsGenerale und der größte Teil der Regimentskommandeure verabschiedeter Leutnant oder Oberleutnant erhält, wie unsere ordnung auf der Konzentration des Sapitals beruht, er erkennt die diefe Penfion erreichen. Der Entwurf schlägt deshalb beiden Tabellen, nebeneinander gehalten, beweisen, als Pension machtvollsten Gebilde der Kapitalstonzentration, die Trusts und bor, die Höchstpension schon nach Ablauf von 35 statt bisher tatsächlich nicht einmal die Summe, um welche die Obersten Syndikate in der Industrie und die Warenhäuser im Handel als 40 Dienstjahren zu gewähren und setzt als Anfangspension 20/60 fünftig aufgebessert werden sollen. statt bisher 150 des Diensteinkommens feft. Diese aus milinotwendige, natürliche Erscheinungen des Wirtschaftslebens an, die Barum bekommen die jetzt schon pensionierten Offiziere, unmöglich zu machen kein Staat- fein tapitalistischer wenigstens tärischen Gründen notwendige Abweichung vom Unteroffiziere und Mannschaften feine Aufbesserung? Die die Straft hat. Er sieht im Schuß des Arbeiters gegen die überBeamtenrechte bringt zugleich den Vorteil mit sich, daß sie zu Ausrede, die die Regierung hier gebraucht, ist berrlich geist- mächtige Ausbeutungsgewalt des Kapitals die vornehmste Aufgabe einer Pensionsaufbesserung der unteren Dienstgrade führt". Also die Hauptsache ist, daß die Obersten und reich. Bis jetzt, fagen die Weisen am Staatsruder, hat noch des Staates. Er verschließt sich nicht der Erkenntnis, daß der selbstGenerale etwas bekommen. Daß nebenbei auch für die kein Pensionsgesetz rückwirkende Straft gehabt, also tann dem ständige Kleinhandwerker schwere Not Teidet unter der Konkurrenz unteren Chargen etwas herausspringt, wird als ganz nett neuen Militärpensions- Gesetz auch teine solche gewährt werden. des wirtschaftlichen Großbetriebes. Hier aber hört die Konsequenz hingenommen. Und mun betrachte man einmal die schreckliche Das ist nur eine Variante des bekannten Bauerngrundsages: seiner Gedanken auf, und die andere Seele in seiner Brust läßt ihn Not der pensionierten Obersten und Generale und sehe zu Früher war es auch nicht anders. Wie stimmt denn dieses die Erhaltung des Mittelstandes wünschen und den selbständigen gleich, wie die Obrigkeit diefen Hungernden helfen will: Brinzip" zum fozialen Königtum?" Es ist ja der Tod jeden Fort- Handwerkern jeden Schutz versagen. Scherze von Bülowscher schritts, jeder Reform. Ein neites Pensionsgesetz, das teine rück- Geistestiefe über die elf französischen Revolutionen und die sozialistiwirkende Straft hat, ist eine Vernunftwidrigkeit, denn die Pensionen schen Voltstribunen müssen die auseinanderstrebenden Gedankenverden nur deswegen ab und zu erhöht, weil die feit ihrer reihen zusammenleimen. legten Regelung eingetretene Steigerung der Lebensmittel- und Auf diesem Wege des Widerspruches folgen all die Parteien Wohnungspreise eine Aufbesserung erfordern. Die Preissteigerung von der Freisinnigen Volkspartei bis zu den Konservativen dem trifft aber nicht nur die erst zu Pensionierenden, sondern auch Regierungsvertreter. Wie im großen, so widersprechen sich ihre die schon Verabschiedeten. Und darum ist die Ausschließung Gedanken und Worte im einzelnen. Herr Erzberger vom der letteren von der Pensionserhöhung direkt bernunftwidrig. Bentrum will die Handwerkskammern, die das Zentrum selbst mit Nun zu dem für die Unteroffiziere und Mann- in erster Linie geschaffen hat, mit den geforderten Erhebungen nicht schaften projektierten Gesetz. Nach der Anlage 3 zu betrauen, weil er nicht glaubt, daß fie der Aufgabe genügen fönnen. schließen, wird auch fünftig die bisherige Unterscheibung der So helfen bie Rettungsmittel des Zentrums dem selbständigen Invaliden aufrecht erhalten werden, nämlich in 1. gänzlich Handwerkerstande: sie versagen nicht erst bei der Hülfeleistung, Man sieht, wie Offizieren, die jetzt schon hohe Pensionen erwerbsunfähige und fremder Wartung und Pflege bedürftige, fondern schon bei ben ersten vorbereitenden Schritten. Der freis haben, von neuem Hunderte in die Taschen gesteckt werden 2. gänzlich erwerbsunfähige, 3. größtenteils erwerbsunfähige, finnige Abg. Dr. Mug dan von der Volkspartei, als Vorstandsfollen. So wird mit den Steuergroschen des Volkes in Zeiten 4. teilweise erwerbsunfähige Invalide, 5. Halbinvalide( zu mitglied der Gesellschaft für soziale Reform ein reiner Manchestergewirtschaftet, in denen man ihm neue Steuern, neue jedem Feld- und Seedienst Untaugliche). Während aber bisher mann, jammert, daß die armen Handwerker die VersicherungsSchulden und Brot sowie Fleischwucher aufbürden will. für jede dieser fünf Klassen nur eine Pension, die natürlich beiträge nicht leisten könnten. Und sein weiblicher Parteigenosse Doch mit der unnötigen Erhöhung dieser Pensionen ist die nach Chargen wechselte, festgefeßt war, find fünftig innerhalb Dr. Pa chnike jubelt, daß die Handwerker denn doch an eine zu Bescherung noch nicht fertig. Wird der Entwurf Geset, so jeder Klasse verschiedene Renten bestimmt. Bis jett fann hohe Lebenshaltung gewöhnt seien, als daß ihnen die Bettelrenten, wird man im Kriegsministerium sagen: Nun können 8. B. ein größtenteils erwerbsunfähiger Gemeiner nur wie sie den Arbeitern heutzutage gezahlt werden, genügen könnten. wir das Offizierstorps tüchtig verjüngen, denn jegt haben 180 mM. Pension jährlich erhalten. Stünftig soll ein solcher Die Nationalliberalen zogen sich denn auch vor der Beweiskraft die obersten Chargen hohe Pensionen." Und gar mancher Invalide, je nach dem Grade seiner Erwerbs dieser Argumente tapfer zurück und wollten gar nichts gesagt haben, Dberst und mancher General, der weiß, daß er auf tein beschränttheit 162, 216, 270, 324, 378 oder 432 M. be- fie wollten nur rein theoretisch einmal Erhebungen über die HandAvancement mehr hoffen kann, wird nach dem 35. Dienstjahre ziehen können. Die Einteilung der Klassen ist freilich nicht immer werkerversicherung veranstaltet wissen. Für unfreiwilligen Humor den Abschied nehmen, weil er sich doch keine höhere genial, aber wir wollen uns darüber nicht weiter aufhalten. sorgte die Rechte. Der konservative Abgeordnete Tobias Nizler Pension mehr erringen tann. Bisher aber hat breitete sich weiter darauf aus, daß die Regierung angejpornt die Hoffnung, vielleicht doch das 40. Dienstjahr und damit werden müßte, still zu stehen in der Sozialpolitit", und dent die Höchstpension erreichen zu können, nicht wenige Oberste Antisemiten Frölich wurde schlimm, als er das Wort Intelligens" und Generale veranlaßt, so lange als möglich, d. h. bis sie hörte. ben blauen Brief bekamen, auszuhalten. Bisherige Benfion eines Oberst mit 35 Dienst jahren 6236 Mark Generalmajors mit 35 Dienstjahren 8006 M Generalleutnants mit 35 Dienstjahren 10 304 Mart Projettierte Penfion eines Oberst mit 35 Dienstjahren 7068 Mart Generalmajors mit 35 Dienstjahren 9006 M. Generalleutnants mit 35 Dienstjahren 11 592 Mart " Somit fünftig Mehreinnahme 832 Mart 1000 Mart 1288 Mart " 1 Nachdem wir gesehen haben, wie die Obrigkeit der barbenden Obersten und Generale sich annimmt, wollen wir ihr fürsorgendes Herz auch darauf untersuchen, wie es für die Offiziere vom Major abwärts schlägt. Wir müssen hier zunächst etwas Seltsames berichten. In der Anlage 3 der Begründung will die Militärverwaltung eine Uebersicht über die Offizierspensionen nach den bisherigen Gefeßen" und nach dem Entwurf geben. Merkwürdigerweise fehlen hier aber die Pensionen, die den vor dem 1. April 1897 verabschiedeten Offizieren bezahlt werden. Diese Pensionen sind sind die niedrigsten und wären daher für die Abgeordneten besonders interessant, denn sie würden zeigen, wie be deutend die geplante Aufbesserung ist. Wir geben einige Beispiele hierfür: " Nachstehende Tabelle wird einen kleinen Einblick in die projektierten Neuerungen geben. Bisherige Pension in flusive Entschädigung für Richtbenutzung des Bivil Versorgungsscheins. Gänzlich erwerbsunfähiger Feldwebel 540 M. Gänzlich ertverbsunfähiger Sergeant 468 M. Geplante Rente infl. Entschädigung für Nichtbenuzung des Zivil- Verforgungsscheins. 1044 M. Somit nach neuem Gesetz+ 504 M. 396” All diesem Gedankenwirrwarr gegenüber vertrat Genosse Stadthagen in zwei eindringenden Reben den klaren Standpunkt unserer Partei. Lehnt sie auch ab, durch allerhand untaugliche Mittel, wie Befähigungsnachweis und Innungswesen, das Handwerk erhalten zu wollen in Wahrheit wird durch dergleichen der Handwerferftand nur noch stärker belastet und konkurrenzunfähiger gemacht, so billigt sie gleichwohl jedes Mittel, das geeignet ist, die Lebensstellung der Kleinhandwerker zu erhöhen. Denn schon längst sind diese, mögen sie auch der Form nach noch unabhängig sein, Sflaben des Großfapitals getvorben und werden von ihm genau so bedrückt und ausgebeutet, wie die Arbeiter. Darum ging unserem Rebner der nationalliberale Antrag noch lange nicht weit genug. *) Entschädigung für die Nichtbemuzung des Zivil- Versorgungs- Wir müssen die Einbeziehung aller diefer Handwerker in die ganze scheins fällt hier meg, ba fünftig nur Kapitulanten eine solche Versicherungsgesetzgebung gegen Unfall, Krankheit und Invalidität zugestanden wird. Gänzlich erwerbsunfähiger Unteroffizier 432 M. Gänzlich ertverbsunfähiger Gemeiner 896 M. 864 744( Rapitulant). " 540*) 312 144, ' fordern. Wie hohes Interesse unsere Partei für diesen wahrhaften- Hand- Werkerschutz hat, bewies ihre starke Vertretung im Hause. Mit den Nationalliberalen und Antisemiten zusammen hatte sie die Mehrheit und verhalf der Resolution zur Annahme. Mittwoch steht die erste Lesmig des Mil i t ä r Pen s i o n s- Gesetzes auf der Tagesordnung.— Opfer des Klassenkampfes. 63 Monate Gefängnis hat die Strafkammer in Geestemünde gegen zwölf Arbeiter ausgesprochen, die bei der Wahrnehmung des ihnen gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrechtes nicht geschickt genug waren, dem Landftiedensbruch-Paragraphen aus dem Wege zu gehen, dessen Benutzung den Gerichten eine von Unternehmern und Be- Hörden gemeinsam geschaffene Situation ermöglichte. Man hatte ihnen das Jnverbindungtreten mit Arbeitswilligen, das ihr gutes Recht war, künstlich unmöglich gemacht, und indem sie sich in Er- regung und Ingrimm dazu hinreißen ließen, einen Durchbruchs- versuch durch die zwischen ihnen und den Arbeitswilligen aufgetürmten Hindernisse zu machen, fingen sie sich im Stacheldrahtzaun der Paragraphen. Der Prozeß war eine Folge der vom Unternehmertum der Unterweser inszenierten gewaltigen Aussperrung. Zwar, das Gericht wollte davon bei der Beweisausnahme nichts wissen, und der Vorsitzende erklärte, daß dies für die Beurteilung der Angelegenheit nicht in Betracht komme(!); für den Menschen, nicht für den Juristen, ist dies aber mit einer der wichtigsten Momente bei der Beurteilung der Vorgänge. Die Leute waren ausgesperrt und zwar ausgesperrt deswegen, weil sie ein von den Unternehmern errichtetes Maßregelungs-Bureau nach dem Muster des Kühnemänner-Verbandes nicht anerkennen wollten. Mit ihrer Bitte an die Behörden, einen paritätischen Arbeits- Nachweis einzuführen, waren sie abgewiesen, und in dem Kampfe. der sich nun nach Vollzug der Aussperrung entspann, stellten sich abermals alle Behörden auf die Seite des aussperrenden Unter- nehmertums. An den« Tage, an dem sich die der Verurteilung zu Grunde liegenden Vorgänge abspielten, kehrten eine Anzahl Arbeitswilliger nach Geestemünde zurück, die schon einmal Unter st ützung von den Organisationen der Angeklagten erhalten und mit dieser in der Tasche unter dem Ver- sprechen der Solidarität Geestemünde verlassen hatten! Nun arbeiteten wieder die Behörden. Die Polizei sperrte den Bahnhof ab und die Bahnbehörde ließ die Streikbrecher durch einen sonst nicht benutzten Ausgang in das vom Zollgitter umgrenzte Gebiet, wo sie einen Kremser besteigen konnten.— Das war die Situation, aus der heraus sich unmittelbar die Szene ent- wickelte, die jetzt durch die Verurteilung als Landfriedens- bruch gekennzeichnet worden ist. Der Wagen passierte das Tor des Zollgitters, an dem sich eine Menge Ausgesperrter und Neugieriger gesammelt hatten. Diesen Augenblick benutzten zwei der Angeklagten, das Pferd einen Augen- blick anzuhalten und ein dritter rief den Streikbrechern zu: „Kollegen, wollt Ihr denn Sweikbrecher machen?"— Da zogen die Schutzleute blank, trieben die Menge auseinander und nun raste der Wagen im schnellsten Trabe die Bahnhofstraße entlang. Ohnmächtig wütende Rufe und einige Steinwürfe folgten ihm. An demselben Abend wurden in der Bahnhofstraße noch einmal Steine auf einen Wagen mit Arbeitswilligen geworfen, ohne daß jemand verletzt wurde. Der Bauunternehmer Heinrich Hermann antwortete auf diese Stcinwürfe auf Veranlassung eiiies Schutzmannes mit zwei Schüssen aus dem Revolver! Das war der„Landfriedensbruch" in Geestemünde!— Hart war das Urteil, das die Aermsten traf! Die beiden, welche dem Pferde in die Zügel fielen, wurden zu acht und sieben Monaten Gefängnis verurteilt; der von ihnen. welcher Soli- darität von den Arbeitswilligen heischte, zu sechs Monaten; 6 Monate erhielten mit ihm drei andere der Betroffenen, zwei 5 Monate, vier 3 Monate 2 Wochen; nur drei wurden freigesprochen. Im ganzen verhängte das Gericht 63 Monate Gefängnis! Selbst die Richter konnten sich dein sympathischen Eindruck nicht entziehen, welchen die Angeklagten auf sie machten. In dem Urteil heißt es:„Strafmildernd kommt für alle Angeklagten in Be- tracht, daß sie ältere, unbescholtene Männer sind, die durch lange Arbeitslosigkeit erbittert waren. Straf- erschwerend kommt in Betracht, daß sie mit Gewalt mit den Arbeitswilligen in Verbindung treten wollten."— Diese Straf- erschwerung will uns allerdings nicht recht einleuchten, iviit den Arbeitswilligen in Verbindung zu treten, war das gute Recht der Angeklagten! Daß man sie behördlicherweise ge- waltsam daran verhinderte, hat sie in Wirklichkeit erst zu den Verbrechern gemacht, die sie in den Augen der Justiz sind. Sticht strafverschärfend, sondern strafmildernd sollte ihnen angerechnet werden, daß sie sich den Arbeits- willigen nähern wollten! Aber das ist eben die verschiedene Älassenauffassung, in der wir mit bürgerlichen �Richtern nie einig werden können! Was uns als ein selbstverständliches Recht der Arbeiterschaft, ja als eine Pflicht derselben erscheint, ist in den Augen der Juristen, wenn es kein paragraphisch festgelegtes Ver- brechen ist, mindestens ein„strafverschärfendes Moment". 63 Monate Gefängnis! 20 Monate Gefängnis hat dieser Klassen- kämpf an der Unterweser an größeren Strafen schon bisher gekostet. Dazu die unzähligen kleineren Geld- und Gefängnisstrafen.— Mit beinahe zehn Jahren Gefängnis dürfte die Brutalität des Unternehmer- tnms der Unterweser an den— Arbeitern gestraft werden!— Deutfches Reich. Liberales Durcheinander! Seitdem die Nationalsozialen die Vereinigung mit dem weiblichen Freisinn vollzogen haben, kommt es in den Reihen dieser Partei- gruppe nicht zur Ruhe. Als die Vorbereitung zur Vereinigung ge- troffen wurde, lebte der sozialpolitisch eifrige Rösicke noch und er war einer der eifrigsten Befürworter des neuen Bundes. Gerade sein Tod nahm ein Element hinweg, das geeignet gewesen wäre, die bald ausbrechenden Zwistigkeiten zu mildern. Wir dürfen sagen, daß uns von Anfang an dieser Bund Zweifel erregte. Die Haltung der Nattonalsozialen in Arbeiter- fragen und in den Fragen der Parteitattik, insbesondere auch des Verhältnisses zur Sozialdemokratie, mußten mir Not- lvendigkeit zu Schwierigkeiten führen in einer Partei, die lvie die Freisinnige Vereinigung in starkem Maße eine Partei der Groß- sinanz und des Großkapitals ist. Dr. Barth ist es dann gewesen. der eindringlich eine Linksschwenkung des nationalsozial aufgefrischten Liberalismus befürwortete. Jedoch die wirtschaftliche Grundlage der Freisinnigen Vereinigung widersprach diesem Versuch und die Mehr- heit der kleinen Partei rebellierte gegen die Ratschläge des Herrn Dr. Barth und des Herrn Naumann. Dieser Streit hat in den freisinnigen Gruppen seit Jahresfrist Mißbehagen und Verwirrung gestiftet und noch ist er nicht zu Ende. Eine neue Episode des Streites trägt sich soeben zn, indem nun auch das„Berliner Tageblatt" sich gegen die taktischen Forderungen wendet, welche die nationalsozialen„Freunde" der Freisinnigen Ver- einigung zumuten. DaS„B. T." ist, abgesehen von mancherlei� Schwankungen, im allgemeinen den Anschauungen des Herrn Dr. Barth nicht abgeneigt gewesen. Es hat vielfach, im Gegensatz zu anderen Organen der Freisinnigen Vereinigung, sich gegen die brutale Politik gelvendet, die von der Freisinnigen Volkspartei gegen die Sozial- demokratie geübt wurde. ES ist nun ergötzlich, daß diese Polifiker vom Freisinn, die im„B. T." hausen, seitdem sie jüngst in eine Fehde mit dein„Vorwärts" verwickelt wurden, sich plötzlich zu einer Revision ihrer politischen Grundanschauungen bekehren. Es ist das nicht weniger ergötzlich, als die Ansichten, die das„B. T." nach dem jetzigen Bekenntnis noch bis vor kurzem über die Sozialdemokratie gehabt haben will. Das„B. T." trat am Montag mit einem demonstrativen Artikel über„liberale Irrungen und Wirrungen" auf den Plan. Darin wurde von den Gegenströmungen innerhalb der Freisinnigen Ver- einigung erzählt, von den Gegensätzen, die im Laufe der Zeit eher zn als abgenommen haben. Es wird den nationalsozialen„Partei- genossen" liebenswürdig erklärt, sie hätten die alten Eierschalen noch nicht abzustreifen vermocht, sie hätten sich zn dem Verzicht auf den früheren Charakter alsKlassenpartei nicht rückhaltlos verstehen können, sie hätten noch„rudimentäre Denküberbleibsel aus dem selbständigen Parteidasein beibehalten". Nachdem also den Nattonalsozialen zu Geinttte geführt worden ist, daß ihr Aufgehen in die Freisinnige Vereinigung ein Anfgeben ihrer früherer Anschauungen hätte be- deuten müssen, wendet sich dann das„Berliner Tageblatt" gegen die Ratschläge eines Bündnisses oder Anschlusses an die Sozial- demokralie. Nun erzählt es, welche Hoffnungen es einst auch auf die Sozialdemokratie gesetzt habe. Diese hervorragenden Politiker gestehen, daß ihre früheren Versuche einer etwas loyaleren Politik gegenüber der Sozialdemokratie darin ihre Ursache gehabt haben, daß sie gehofft hatten, der„sozialdemokratische Revisionismus werde in absehbarer Zeit die Sozialdemokratie in eine radikal-liberale Partei umwandeln". Diese Hoffnungen, so heißt es dann, haben sich nicht erfüllt. Der Revisionismus habe sich kläglich unterworfen und habe vor der Hand keine Aussicht, die Parteiziigel zu ergreifen. Weiter aber wird behauptet, an ein Wahlbündnis mit der Sozialdemokratte, an das man habe ftüher denken können, sei nun nicht mehr zu denken, angesichts„der runden und netten Tatsache, daß die Sozialdemokratie das ihr angetragene Wahlbündnis höhnisch und mit demütigenden, um nicht zu sagen verächtlichen Jnvektiven gegen die Bereinigung von vornherein abgewiesen hat". Eine Partei. die auf ihre Würde hält, könne„nach solchen Fußtritten" im Ernst nicht mehr an ein Wahlbündnis denken. Das„Berliner Tageblatt" wünscht daher jetzt lieber den Gedanken der Annäherung unter den liberalen Parteien gepflegt zu sehen, welcher Wunsch mindestens leichter erfüllt werden mag, als die grandiose Lächerlichkeit der Um- Wandlung der Sozialdemokratie in eine radikal-liberale Partei. Friedrich Naumann hat nun in einer Zuschrift an das „Berliner Tageblatt" seine Anschauung zu diesen Fragen zum Aus- druck gebracht. Die Antwort zeigt nur zu deutlich, in welche pein- liche Lage sich die nationalsozialen Leute gebracht haben, indem sie das Bündnis mit einem Liberalismus eingingen, für den eine prinzipielle und mannhafte Politik längst unmöglich geworden ist. Es erfüllt fast mit Bedanern, wenn ein Mann wie Naumann sagen muß, er und seine Freunde möchten nun wenigstens erwarten, daß man sie„nicht als Eindring- linge" betrachte, sondern als Zugehörige der Partei. Naumann betont dann seinen Slandpunkt zur Arbeilerfrage und die Notwendig- keit für jeden Liberalismus, der eine Zukunft haben wolle, sich auf die Arbeiter zu stützen. Er sieht, sagre er, keiiien anderen Weg für den Liberalismus, wieder zu Ansehen und Macht zu gelangen, wenn er nicht mit der Sozialdemokratie Fühlung erhalte. Das„Berliner Tageblatt" wiederum entgegnet mit den altbeliebten Tieffinnigkeitcn, daß der Liberalismus sich nicht nur auf die Arbeiter stützen dürfe, daß er auch die Bedürfnisse der anderen Stände, daß er das gesamte Volk vertreten müsse. Es ist fast unbegreiflich, von welcher Verwirrung die Köpfe dieser Liberalen besessen sind. Und sie können sich wahrlich nicht beklagen, daß die Sozialdemokratie zu irgendeiner Zeit irgendetwas getan hätte, um diese Verwirrung herbeizuführen. Vielmehr hat unsere Partei sowohl früher als später unseren Gegnern volle Klarheit gegeben. Das„Verl. Tagebl. redet von einem dauernden Wahlbündnis mit der Sozialdemokratie, das früher in Frage ge- kommen sei, jetzt aber sich unmöglich erweise. In Wahrheit ist da- von niemals die Rede gewesen, wohl aber war die Rede in zahl- reichen Fällen von einer gegenscittgen Unterstützung der beiden Parteien gegenüber der Reaktion, so bei Stichwahlen zum Reichstag, so bei Stadtverordnetenwahlen, so bei den preußischen Landtags- Wahlen. In allen diesen Fällen hat die Sozialdemokratte stets den Freisinn herausgehauen, umgekehrl aber hat der Freisinn, der männliche wie auch der weibliche, die Sozialdemokratie schmählich im Stich gelassen. Bei den ReichStagsivahlen wie bei den Landtags- wählen hat der Freisinn Dutzende von Mandaten der Reaktion über- antwortet; erst vor wenigeii Tagen erlebte man in Breslau, daß, uachdepi eine Vereinbarung getroffen war, die sozialdemokratischen Wähler die fteisinnigen Mandate zum Stadtverordneten-Kollegium retteten, iväh- rend die Fahnenflucht der freisinnigen Wähler die Mandate aus de» Händen der Sozialdemokratie in die Hände der Konservativen spielte. Das sind die einfachen Tntsachen, vor ihnen versagt das törichte Geschwätz vom Revisionismus, der einst Hoffnungen erwecken konnte, von dem späteren Unterliegen des Revisionismus, von den höhnischen und demütigenden Jnvektiven, welche die Sozialdemokratie gegen die „Vereinigung" gerichtet haben soll. Nach unserer Auffassung ist es nur ein Zeichen mehr der liberalen Schwäche, wenn die Liberalen nicht zu Ende kommen können mit vielfach unklarem Gerede über ihre Stellung zur Sozialdemokratte. Gäbe es in Deutschland einen stärkeren Liberalismus, so würde diese Stellung weit leichter gegeben sein. Aber ein hülflos schwankender, vor jeder ernsten Situation er- schreckender Liberalismus vermag nach keiner Seite hin befriedigende Verhältnisse zu schaffen. Die persönlich tüchtigen Männer, die in diesen Liberalismus geraten, laufen Gefahr, sich in aussichtslosen Bemühungen zu zerreiben und bedauerlich zu Grunde zu gehen.— Das Recht auf Bülow. Beim Schluß der Etatsdebatte hatte sich der Abg. Paaschs bitterlich darüber beschwert,„daß schließlich die ganze Rederei zum wesentlichen Teil mit dazu beitragen muß, die Sozialdemokratie zu verherrlichen": „Wer gestern z. B. unter den zahlreichen Besuchern der Tribüne gesessen hat, könnte leicht den Eindruck gewonnen haben, daß eigentlich das ganze öffentliche Leben sich heute um diejenige Partei dreht, die die längsten Reden gehalten hat, um die Herren Sozialdemokraten.(Sehr richtig I bei den Nationallib. und rechts.) Meine Herren, lesen Sie auch die Parlamentsberichte der Zeitungen von gestern! Der Herr Reichs-Schatzsekretär hat eine sehr ein- gehende inhaltreiche Rede gehalten. Die Parlamcntsbcrichte der meisten Blätter berichten:„unter der großen Unruhe des Hauses war leider der Herr Staatssekretär nur teilweise zu verstehen." Deni Herrn Abg. Dr. Spahn ging es ebenso. Als aber Herr v. Wollmar austrat— die Herren, die gestern anwesend waren, werden sich des Bildes erinnern—, da waren nicht nur die Bänke im Hause dicht besetzt, sondern da drängte alles, was großer und kleiner Bundesrat heißt(Heiterkeit), an seine Sitzplätze. Ich habe beobachtet, wie die Herren die Hände an dir Ohren legten, um um Gottes ivillcn kein Wort von dem zu versäumen, ivas— er hat sich selbst einmal so genannt— der sozialdemokratische„Reiterfähnrich" hier vorgetragen hat.(Heiter- keit.) Auf der Tribüne, selbst in der Diplomatenloge dieselbe gespannte Aufmerksamkeit! Als ob das Evangelium vom Himmel gepredigt wurde, so saßen sie alle da, und sie gaben der Sozialdemokratie dadurch einen Nimbus, den sie... durch den Inhalt ihrer Reden am allerwenigsten verdient. Das wurde wesentlich verstärkt dadurch, daß, sobald vor einigen Tagen Herr Bebel und gestern Herr v. Vollinar gesprochen hatten, sich der Herr Reichskanzler erhob und eine Rede hielt, die nach Form und Inhalt, um nach großem Muster zu sprechen, das Prädikat la. verdient.(Heiterkeit.) Aber die Tatsache, daß aus so Viele inhaltteiche Anregungen, die seitens anderer Redner hier im Hause gegeben worden sind, auf so mancherlei Anftagen, die von Rednern anderer Parteien gestellt wurden, nicht eine einzige Antwort in der langen Debatte erfolgte... usw." In der Presse wird diese Klage des heiligen Paasche weiter gesponnen. Die bürgerlichen Parteien gönnen uns ihrem Bülow nicht, dessen rednerische Erfolge über die Sozialdemokratte so stark sind, daß seine besorgten Freunde ihm raten, er möchte uns doch lieber durch Schweigen totschlagen. Im übrigen schenken wir den spaßhaften Grafen unseren Feinden, wir legen gar keinen Wert darauf, uns mit ihm zu„messen". Mag er seine Talente ruhig den Paasche, Sattler und Liebermann zu- wenden.— Die Erziehung durch das allgemeine Wahlrecht. In der Reichstags- Sitzung vom letzten Sonnabend hatte Bebel über die Zeugenaussage des Frhr. v. Mirbach gesagt:„Wenn jeder andere es gewagt hätte, so etwas zu sagen, so hätte es geheißen: das ist offenbarer Meineid, das ist wider besseres Wissen gesagt; Sie müssen wissen, wo die 350 000 M. geblieben sind—, das habe ich getadelt,- das habe ich-" Darauf erhob sich Graf Ballestrem und bemerkte, nach der Fassung des amtlichen Stenogranims: „Herr Abgeordneter, Sie dürfen einem hochgestellten Manne, und auch wenn er nicht hochgestellt ist, auch einem niedriggestellten Manne in der Welt, wenn er von einem Gerichtshofe als glaub- würdig erachtet worden ist, nicht den Vorwurf des Meineides machen. (Sehr richtig! rechts.) Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung!" (Bravo! rechts.) Der Präsident sprach zunächst seine inneren Gefühle ans; er empfand es als unerlaubt, einem„hochgestellten Manne" einen Meineid vorzuwerfen. Darauf stockte er, besann sich, daß er dem Reichstag des allgemeinen Wahlrechts präsidiere, und fügte die Schutzbemerkung auch für den„niedriggestellten" Mann hinzu, so daß der ganze Ordnungsruf in einer unfreiwillig komischen Sttlifierung herauskam. Der Anfang des Satzes war Instinkt, der Schluß Taktik. Wenn im Hcrrenhause jemand einem Sozialdemokraten Meineid vorwerfen würde— und die ganze Partei ist schon des prinzipiellen Meineids beschuldigt worden— der Herrenhäusler Graf Ballestrem würde sicher nicht protestieren. Aber das Reichstagswahlrecht erzieht eben selbst schlesische Magnaten zur Anerkennung der Menschen« gleichhcit!— Der russische„Lokal-Anzciger". Scherls Regierungsinseratenblatt schildert die furchtbaren Studentenmetzeleien in Petersburg. Das Blatt berichtet selbst, daß die Studenten nur friedlich demonstriert haben und deshalb mit Säbeln blutig geschlagen wurden. Dann bemerkt dies würdige Organ: „Es war eine regelrechte Menschenjagd, wobei jedoch die Polizei kein Vorwurf trifft. Wollte man die Demonstranten ge- währen lassen, käme es wohl zu anarchischen Zuständen. Charak- teristisch ist die Tatsache, daß sich unter den Demonstranten fast nur arme Studenten befinden, denen es am Nötigsten mangelt. Söhne wohlsiwierter Eltern halten sich strikt fern." Der„Berliner Lokal-Anzeiger" hält also„regelrechte Menschen« jagden"— wenigstens auf Söhne nicht wohlsituierter Eltern— für berechtigt, ja notwendig! Menschenjagden sind ihm ein Mittel gegen die„anarchischen Zustände", die aus friedlichen Demonstrationen folgen. Das Universal-Genie des Herrn Scherl scheint sich jetzt selbst ein paar Kosaken für sein Etablissement gemietet zu haben, uin allen Bedürfnissen Rechnung zu tragen: Vom Proletarier bis zum Minister und zum russischen Gendarmen soll alles seine Rech« nung bei Scherl finden!—_ Kasernen-Lust. Im Herbst 1903 kam der Sohn des Schneidermeisters Meisinger in Mümling-Grumbach nach Verbüßung seiner zweijährigen Militärdienstzcit krank ins Elternhaus zurück. Der Vater erhob nun einen Jnvaliditätsanspruch für seinen Sohn unter der Behauptung, dieser sei infolge der Mißhandlungen, die er im Winter 190l/02 als Rekrut der 4. Kompagnie des 115. Regiments in Darmstadt erlitten habe, siech geworden. Es sei hier eingeschaltet, daß der krank Zurückgekehrte im Juli d. I. au der Lungenschwindsucht gestorben ist. Die Behauptung des Vaters veranlaßte eine Untersuchung und diese ergab, daß der Rekrut Meisingcr in der Tat von seinem Drill- meister, dem Unteroffizier Wilhelm Schmidt von Niedcrwöllstedt bei Friedberg in Hessen in der erbarmungslosesten Weise malträtiert worden ist. M. lvar von schwächlicher Konstitution und hatte schon deshalb an und für sich unter der Schwere des Dienstes zu leiden. Dazu kam, daß sich der blutjunge Unteroffizier, der damals seine ersten Rekruten ausbildete, seiner besonders„liebevoll" annahm. Wo Meisinger dem Korporälchen in die Quere kam, setzte es Püffe, Schläge und Tritte. In der Instruktion trat Schmidt den M. reget« mäßig und fortgesetzt auf die Fußspitzen und gegen die Knie, zog ihn au den Ohren, schlug ihn auf den Mund usw., sodaß der arme Rekrut oftmals in Tränen ausbrach. Beim Antreten zum Dienst unter dem Torbogen wurde M. stets mittels Fußtritten korrigiert. Beim Turnen mußte der engbrüstige Mensch über seine Kräfte Klimmzüge machen. Versagten seine Kräfte, dann half der Unter- offizier durch Petzen hinten nach. Wurde exerziert, dann hatte M. das Vergnügen, wie ein Schäferhund um die Hammelherbe um die Abteilung herumzujagc», bis ihm die Luft ausging. Stöße mit dem Gewehrkolben waren nichts Seltenes. Einmal erhielt das Opferlamm einen Schlag auf den Mund, daß das Blut aus Mund und Nase floß. Eines Tages warf Schmidt den M. ohne allen Grund mit der größten Heftigkeit gegen den Ofen. Als die Quälereien zu toll wurden, schrieb M. einmal seinen Eltern einen Brief, in dem er seine Leiden klagte und erklärte, wenn sie nicht Abhülfe schafften, dann müßte er sich einen Strick kaufen. Darauf eilte der Vater nach Darmstadt, unterrichtete den Kompagniefeldwebel Nickel von den Vorkammnissen und übergab ihm den Brief seines Sohnes. Seit dieser Zeit ist der Brief merkwürdigerweise ver- schwunden. Auch unter Eid vermag N. nicht anzugeben, wo er hin- gekommen ist. Der Feldwebel nahm sich nun den Rekruten Meisinger vor, und dieser— wußte nichts von den Mißhandlungen. Ergo war er überhaupt nicht mißhandelt worden und der Feldwebel unterließ deshalb auch jede Anzeige. Erst durch die Geltendmachung der Ansprüche des Vaters kam die ganze Schweinerei ans Tageslicht. Der Soldatcnschinder Schmidt, der jetzt schutzmänniglicher Gesetzeshüter ist, erhielt von: Frankfurter Kriegsgericht für seine Quälereien 6 Monate Gefängnis; außerdem wurden ihm die Tressen abgeschnitten. Obwohl diese Strafe für die etwa 500 Einzelfälle von Quälereien sehr milde war, dünkte sie doch dem ehemaligen„Stellvertreter Gottes auf Erden" zu hoch und er appel- lierte ans Oberkriegsgericht, mit dem Erfolg, daß seine Berufung verworfen wurde. Ob er nach Verbüßung der Strafe wohl wieder in den Polizeidienst zurückkehren darf? Stuttgart, 13. Dezember.(Privattelegramm.) Die neue Ge« meindeordnung sollte nach dem Wunsche der ritterschaftlichen Ab« geordneten der Zweiten Kammer eine Verschärfung erfahren durch die Wiederholung eines von der Kommission gesttichenen Artikels, der in vielen Gemeinden den mit wenigstens einem Viertel der Ge« samtnmlage belasteten Höchststeiierpflichtigen Sitz und Sttmme im Gcmeinderate einräumt. Da sämtliche bürgerlichen Parteien ein« schließlich der Volkspartei wenige Tage vorher dem Artikel 129 zu- gestimmt haben, der ein ähnliches Besitzvorrecht enthält, glaubte der Vertreter des ritterschaftlichen Antrages auch diesmal seiner Sache sicher zu sein. Doch ttaten ihn» die Genossen Kloß und Hilden- b r a n d derart entschieden und nachdrücklich entgegen, daß unter dein Eindruck dieser Reden auch die Volkspartei nicht anders konnte, als ebenfalls gegen das Besitzvorrecht aufzutreten. Die künstliche Erregtheit, mit der ihr Redner der Abgeordnete Hau?« nimm sich gab, war darauf berechnet, den üblen Eindruck zu ver» wischen, den die Verleugnung der Grundsätze der Demokratte bei der Abstimmung über den Artikel 120 gemacht hat. Dem Eingreifen der Sozialdemokratie ist es zu danken, daß schließlich keiner der ge- wählten Abgeordneten Lust hatte, sich durch Zustimmung zu dem Paragraphen zu kompromittieren, und daß der Paragraph trotz eifriger Mrsprache des Ministers v. Pischek mit allen Stimmen gegen die Nitterbank abgelehnt wurde. Zu einer lebhaften Debatte führte heute die Beratung der Be- stimmnngen über die Ortspolizei. Auch hier bedeutet die Regiernngs- Vorlage eine Reform nach rückwärts. Was bisher nur auf dem Wege einer künstlichen Auslegung des Gesetzes durchgeführt ist": Eiit- rechtung der Gemeindeverwaltung zu Gunsten des Staates auf dem Gebiete des Polizeiwesens, das soll nun klar und deutlich ins Gesetz. Die Regierungsvorlage will die Polizei-Organe dem OrtSvorfteher unterstellen, der in allen Polizeiangelegenheiten ausschließlich der staatlichen Behörde verantwortlich sein soll. Mit großem Nachdruck vertrat Genosse Kloß in der Debatte die Rechte der Gemeinden und befürwortete den Antrag der Fraktion, wonach die Ortspolizei den Gemeindekollegien unterstellt wird, die die polizeilichen Funktionen durch Gemeindebeamte ausüben soll. Man könne der Gemeinde nicht zumuten, die Kosten des Polizeiwesens zu tragen und sich aller Rechte auf Kontrolle und Direktive zu begeben. Daß die Redner der deutschen Partei und des Zentrums sich ohne weiteres bereit fanden, ein so fundamentales Recht der Selbstverwaltung preis zu geben, kani nicht weiter überraschend. Aber auch die Volksparteien vermochten nicht, sich zu einem rückhaltlosen Eintreten für die Rechte der Gemeinden aufzuwerfen. Ihre Redner, die Abgeordneten Haußmann nnd Blisching, stimmten zwar den Aus- führungen unseres Genossen Kloß zu. mäkelten aber an dem sozial- demokratischen Antrag und versuchten durch Kompromißanträge, die im wesentlichen auf eine Art Anhörungsrecht der Gemeindekollegien hinausliefen, der prinzipiellen Entscheidung aus dem Wege zu gehen. THifslanci. Oesterreich-Ungarn. Prügelszene» im ungarischen Abgeordnetenhaus. Eine Viertelstunde vor Beginn der Sitzung des Abgeordneten- Hauses waren die Mitglieder der Opposition fast vollzählig erschienen. Von der Regierungspartei war niemand im Saale. Die Zugänge zu der Präsidentenestrade waren von der Parlamentswache besetzt. Die oppositionellen Abgeordneten riefen diesen zu: Schämt Ihr Euch als Ungarn nicht, diesen Dienst zu versehen? Der Schriftführer Viktor Rakosi will dann zur Estrade hinaufgehen; die Parlaments- wache hindert ihn jedoch daran. Mehrere oppositionelle Abgeordnete eilen ihm zu Hülfe. Die Präsidentenestrade wird vollständig zertrümmert und auf die Bänke der Abgeordneten geworfen. Der Tisch des Hauses wird umgestürzt, die Gesetzbücher, welche darauf liegen, werden in Stücke gerissen. Die Wache wird aus dem Saale getrieben; die Geländer der Estrade werden niedergerissen, auch die Ministerbänke und die Fautcuils zertrümmert und die Pulte abgerissen. Das Haus bietet ein Bild vandal.i scher Zerstörung.' Die Oppositionellen besetzen die Präsidcnten-Estrade. Kein Abgeordneter der liberalen Partei ist im Saale zu erblicken. Natürlich wurde die Sitzung des Abgeordnetenhauses nicht eröffnet.— Die liberale Partei hielt mittags eine Konferenz ab, um über das weitere Vor- gehen zu beschließen.> In einer Konferenz der liberalen Partei erklärte Minister- Präsident Graf T i s z a, er sei überrascht gewesen, daß das Ab- geordnetenhaus zum Schauplatz strafbarer Handlungen geworden sei, mit denen sich die Gerichte zu befassen haben würden. Die Regierung werde sich durch solche Ausschreitungen nicht beirren lassen. Sollte der Fall eintreten, daß es unmöglich sei, Sitzungen abzuhalten, so werde sofort ein Appell an die Nation erfolgen. Doch sei nicht anzunehmen, daß man fortgesetzt durch Kriminalakte die Tätigkeit des Parlaments vereiteln werde. In diesem Falle würden stärkere Mittel zur Anwendung gebracht werden müssen und er hoffe, daß sich niemand ' in der Partei finden werde, der sich dieser traurigen Notwendigkeit, falls sie eintreten sollte, verschließen werde.(Stürmischer Beifall.) Frankreich. Syvetons Selbstmord. Paris, 13. Dezember. In den Wandelgängen der Kamnier wurde gestern über den Tod Syvetons folgendes mitgeteilt: Syveton ist aus ganz anderen als aus politischen Gründen in den Tod gegangen; er befürchtete nämlich die E n t- h ü l l u n g e n g e w i s f e r intimer Leidenschaften vor dem Schwurgericht, was er verhüten wollte. Der„Matin" bestätigt diese Folgerung und fügt hinzu, daß der Selbstmord den Abschluß einer Familientragödie bildet.„Petit Republigne" sagt. infolge des plötzlichen Ablebens Syvetons habe der Unter- suchungsrichter die notwendigen Erhebungen gemacht; unter anderen wurde auch der Schwiegersohn Syvetons, Potel, vernommen, welcher dem Untersuchungsrichter erklärt haben soll, es sei unnütz, über die Ursachen des Unfalles nachzuforschen, es handele sich um einen Selbstmord und er wisse, aus welchen Gründen dieser be- gangen worden sei. Aber es handele sich um ein Geheimnis, und er komie deshalb nichts weiter mitteilen. Jedenfalls sei es für Syveton das einzige Mittel gewesen, um aus der mißlichen Lage herauszukommen. Der Untersuchungsrichter verhörte auch den anderen Schwiegersohn Syvetons, Menard, welcher die Aussagen Potels bestätigte. Es handelt sich bei der Affäre um Beziehungen Syvetons zur Tochter seiner ersten Frau. Auf dieselben wollte der Generalprokurator bei dem Prozeß eingehen, um den moralischen Wert Syvetons zu beleuchten.— Syveton soll sich an seiner Stieftochter vergangen und um die Folge zu verdecken, ein ziveitcs Verbrechen verübt haben, durch welches das Leben des jungen Mädchens in schwere Gefahr geraten sei. Nicht lange darauf habe sich das Mädchen mit dem Anwalt Menard verheiratet, und dieser habe die Untat entdeckt. Syveton habe nun befürchtet, daß in der Schwurgerichtsverhandlung, die wegen seines Angrisses auf Andrö stattfinden sollte, feine sittlichen Verfehlungen öffentlich enthüllt würden, und daher habe er einen Tag vor der Verhandlung seinem Leben ein Ende gemacht.— Paris, 13. Dezember. Der Senat nahm einen Gesetzentlvurf an. wonach der Arlikel des Code civil abgeschafft wird, der dem wegen Ehebruchs Geschiedeneu verbietet, seinen Mitschuldigen zu heiraten.— Italien. Ein Interview mit einem Führer der Eisenbahner. Rom, den 8. Dezember.(Eig. Ber.) � Das„Giornale d' I t a l i a" veröffentlicht ein Interview eines seiner Redakteure mit dem Eisenbahner Maschinenführer Rossetti, einem Mit- gliede der unlängst von Giolitti empfangenen Kommission der organisierten Eisenbahner. Uebcr die Höhe der von den Eisenbahnern geforderten Gehalts- Verbesserung befragt, sagte Rossetti. daß cS durchaus phantastisch wäre, von 30 Millionen jährlich zu sprechen. Die drei größten Bahnaesellschaften zahlen alle� zusammen jährlich ungefähr 40 Millionen Gehalt an ihr Personal und würden nach den neuen Forderungen etwa 6 Millionen Lire mehr zu zahlen haben. Rück- läufige Wirksamkeit beanspruchten die Eisenbahner für die neue Gehaltsforderung nicht, obwohl ihnen der Wortlaut des Gesetzes dazu das ReckN gäbe. lieber die Möglichkeit der Anrufung eines S ch i e d S- g e r i ch t e s äußerte der Maschinist, daß die Eisenbahner keinenfalls ein Schiedsgericht anerkennen könnten. Auf einen abschlägigen Be- scheid der Regierung würden sie mit einem allgemeinen Streik des Personals antworten. Für diesen sei alles bis ins Kleinste vorbereitet. Wenn die Regierung die noch reservedienstpflichtigen Eisenbahner unter die Waffen riefe, so würden diese den Dienst nicht verweigern, ivohl aber sei die Zahl der Dienstpflichtigen sehr gering und die Betriebsordnung gäbe diesen tausend Mittel an die Hand, vor lauter Gewissenhaftigkeil und Vor- ficht die Züge in schneckenhastem Tenipo vorwärts zu bewegen. Die Eisenbahnerbrigade sei keine Gefahr für das Personal, da ihr jede Vertrautheit mit dem praktischen Dienst abgeht. Vci 60 bis 70 000 Organisierten, die im Monatsgehalte stehen und bei den Kaufleuten Kredit haben, sei es möglich, einen seiner Ausdehnung»ach gewaltigen Streik mehrere Tage durchzuführen. Die bloße Einreichung eines Gesetzes, das die Streik- freiheit beschränkt, werde die sofortige Arbeitseinstellung von feiten aller organisierten Eisenbahner zur Folge haben. Die Regierung solle bedenken, daß die Eisenbahner sich jetzt lange genug geduldet hätten. Um die unermeßlich ernsten Folgen eines Generalstreiks der Eisenbahner zu verhüten, bliebe der Re- gierung nur der Weg, die Verbesserungen zu gewähren und von der Beschränkung des Streikrechts abzusehen.— Ob es vorsichtig nnd klug war, sog. neue Aufschlüsse über die Pläne der Organisation zu geben, lassen wir dahingestellt. Wir halten es für ausgeschlossen, daß Rossetti aus eigene Hand, ohne vorherige Rücksprache mit seinen Gefährten, einem bürgerlichen Blatt derartige Mitteilungen gemacht hat.— England. Englische Rüstungen. „Daily Chronic! e" berichtet, dem Parlament werde im Laufe der Tagung eine Vorlage zum Bau eines neuen Docks in H a r w i ch zugehen. Die Anlage soll 100 Morgen groß, das Dock 800 Fuß lang, 30 bis 35 Fuß tief und inistande sein, die größten Schiffe aufzunehmen. Die Kosten des Baus werden auf zwei Millionen Pfund Sterling geschätzt. London, 13. Dezember. Der„Standard" berichtet, General Kitchener sei gegenwärtig mit der Frage beschäftigt, wie stark die indische Armee gegenüber einen: zu er- wartenden Angriffe sein müsse, wenn der Feind auf etwa 500 000 Mann geschätzt werde. Indien könnte 160 000 Mann mit 350 Geschützen an die Grenze werfen und 136 000 Mann Re- serve aufstellen. Die Armee in Indien, die in erster Linie ins Feld zu stellen sei, müsse daher beträchtlich verstärkt werden. Es sei geplant, Freiwillige als Besatzung zu verwenden und Kontin- gente aus Kauada, Afrika und Australien heranzuziehen. London, 13. Dezember. Kriegsmini st er Arnold- Forst er teilte gestern in einer Rede in Newcastle eine Stelle aus einem Schreiben des Generals Sir Jan Hamilton mit, welcher der japanischen Armee beigegeben ist. Der General sagt u. a.: Dieser Krieg hat mir brennend zum Bewußtsein gebracht, daß der Zustand unserer Armee eine furchtbare Gefahr für die Existenz unseres Landes ist. Ich habe bemerkt, daß mir das Allerbeste genügt, wir haben aber das Allerfchlechteste.— Rußland. Der Prozeß gegen die Attentäter Plehwes hat Anfang dieser Woche in Petersburg begonnen; selbstverständlich wird unter Ausschluß der Ocffentlichkcit verhandelt werden. Peter Struve wird in der nächsten Nummer seiner„Osvoboidenje" die Anklageschrist veröffentlichen; einen Auszug hiervon hat er der „Humanite" zur Verfügung gestellt, die ihn in ihrer letzten Nummer veröffentlicht. Danach wird Sazonow beschuldigt, am 15.(28.) Juli 1904 den Minister Plehwe durch Werfen einer Bombe getötet zu haben; Sikorski ist der Beihülfe hierzu beschuldigt. Beide seien Mit- glieder der„Kampforganisation" der sozialistisch-revolutionären Partei. Petersburg, 13. Dezember, nachmittags. Bei dem Justiz- gebäude, in dem heute der Prozeß gegen die Mörder des Ministers von Plehwe stattfindet, wuchs der Verkehr seit mittag in ungewöhnlichem Matze. Das Publikum nahm zu- sehends zu, doch beugte die in bedeutender Zahl aufgebotene Polizei jeder Stockung des Verkehrs vor. Es sind Vorsichtsmaß- regeln in umfassender Weise getroffen; auch ein Teil der Garnison wird in den Kasernen bereitgehalten. Die Stimmung des Publikums, unter dem sich auch Studenten befinden, ist s i ch t l i ch erregt. Amerika. In Colorado droht offener Bürgerkrieg. Der Gou- verneur Peabody hat erklärt, daß er seinem Gegner, den vom Volke am 8. November gewählten Gouverneur Adams, den Platz nicht frei- willig räumen werde, denn diese Wahl sei nur durch Betrug zustande getonimen, und die Gerichte müßten darüber entscheiden, wer der Gewählte sei. In Denver ist die Erregung außerordentlich groß, und die Demokraten sind entschlossen, an die Arbeiter zu appellieren und mit den Waffen in der Hand ihren Erwählten zum Gouverneur zu mack>en. Die offizielle Zählung hat ergeben, daß Adams eine Ma- jorität von 10 106 Stimmen über Peabody erzielt hat. Wie verhaßt Peabody ist, zeigte sich auch darin, daß er auf der republikanischen Wahlliste 40 000 Stimmen weniger erhielt als Roosevelt, der den Staat gewann. Zum sozialistischen Wahlresnltat sind als neue Zahlen bekannt geworden, daß auf Debs im Staate Florida 2337 Stimmen gefallen sind; ferner sind auf den sozialistischen Gouverneurskandidaten im Staate Nebraska 5007 Stinnnen gefallen. Im Jahre 1900 ex- hielten die Sozialdemokraten im Staate Florida nur 603 und in Nebraska nur 823 Stimmen. In Missouri erzielte der sozialistische Kandidat für das Gouvernemcntsamt 11 031 Stimmen gegen 5577 für dasselbe Amt im Jahre 1900. Für den Kandidaten der Sozialistischen Arbeiterpartei(De Leon-Richtung) fielen noch 1442 Stimmen und etwa ebensoviel vor vier Jahren. Die Sozialistische Arbeiterpartei hat sich nirgends in nennenswerter Weise entwickelt, ist da- gegen häufig in den Stimmenzahlen zurückgegangen. Der oft ge- äußerte Wunsch, daß beide Richtungen sich vereinigen, geht hoffentlich bald in Erfüllung.— DebS über den Ausgang der Wahl. Eugen Debs schreibt in einem Artikel, der durch die amerikanische Arbeiterpresse läuft, über das Resultat der Wahlen unter anderem folgendes:„Die letzte Wahl zeigt zwei streng gesonderte und sich zuwiderlaufende Ten- denzen; einerseits den überwältigenden Sieg, den die Geldinteressen davongetragen, andererseits das Auftreten der Arbeiterklasse in der internationalen Politik, wie das die enorme Zunahme an sozialistischen Stimmen beweist. Die demokratische Partei ist als Vertreterin des Mittelstandes aus immer dahin. Wie sehr mau sie auch durch Reorganisation wieder aufzuhelfen versuchen mag. es wird nicht gelingen, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil ihrer Hauptstütze— dem Mittelstand— selbst die Vernichtung droht." Die Trusts, so heißt es dann weiter, würden immer mehr um sich greifen nnd für eine Mittelstands- oder Reform-Partei werde kein Raum mehr fein. Es gäbe nur einen Kampf zwischen Kapital und Arbeit, den die Politiker bisher vor dem Volk verdecken konnten. Der nächste große politische Kampf in den Vereinigten Staaten werde zwischen den Republikanern und den Sozialisten ausgefochten werden. Die verflossene Wahl sei der Anfang vom Ende gewesen, von nun an werde der Vormarsch der Sozialdemokratie ein rapider sein.—________ parlamentarifcbeö. Die Budgetkommission dcS Reichstages setzte am Dienstag die Generaldiskuffion über den Entwurf eines Gesetzes betreffend Aende- rung des Reichs-Stempelgesetzes fort. Die Einzelberatung wurde auf die Zeit nach Weihnachten vertagt. Nächste Sitzung am 12. Januar mit der Tagesordnung: Nachtragsetat. Beleidigung baute er auf einen nicht ganz genauen VersammlungS« bericht des„Vorwärts" auf, in dem ein paar Worte anders lauteten, wie sie Genosse Liebknecht Ivörtlich gesprochen bat. Das nannte der Herr Justizminister eine grobe Fälschung der Wahrheit, obwohl es für die behauptete Beeinflussung des Königsberger Prozesses durch den Justizminister ganz gleichgültig war, in welcher Weise und aus welchem Anlaß der Aktenvermerk über das„hohe Interesse", welches der Justizminister nehme, eingetragen worden ist. Der Justizminisier jedoch benutzte die Gelegenheit, gegen unseren Genossen Karl Liebknecht den grundlosen Vorwurf zu erheben, um die Ausmerk- samkeit von der gegen ihn selbst erhobenen und bewiesenen Anklage abzulenken, daß er Anfang dieses Jahres seinen parla- mentarischeu„Erfosg" in den Rnssendebatten mittels gefälschter Zitate erzielt habe. Schönstedt bemerkte am letzten Sonnabend, daß der ihm„in bezng auf die Zitate, die ich am 22. Februar Ihnen vorgelesen habe, gemachte Vorwurf der Fälschung selbstverständlich jeder Berechtigung entbehrt. Die sozialdemokratische Partei hausiert immer noch mit diesem Vorwurf in ihrer Presse und ihren Schriften, daß ich mich hier der Fälschung schuldig gemacht habe". Schönstedt berief sich dann auf Aeußerungen des Dr. R o st im Prozeß, der vor Gericht erklärt habe, daß der Vorwurf der Fälschung seine Spitze zurück- werfe gegen die Angreifer. Herr Dr. Rost hat allerdings mn dem Vorwurf, daß der Justizminister im Februar mit gefälschten Zitaten gearbeitet habe, eine gegen sich selbst gerichtete Beschuldigung er- blickt und er hat darauf hingewiesen, daß der Justizminister seine Aktenauszüge zugrunde gelegt habe. Aber Herr Rost hat zugleich,� und das bat am letzten Sonnabend Schönstedt dem Abgcordneteiihimsc wieder verschwiegen, in allerdings sehr vorsichtiger Weise hinzugefugt, daß der Jttstizminister bei einem Zitat nicht ganz vollständig seine lieber- setzung wiedergegeben habe. Dieses Ziiat— es sind die Ausführungen von Nadeschdin über eine angebliche Aeußerung von Plechanow— hat nämlich Schönstedt am 22. Februar zwar nach der Uebersetzung des Dr. Rost tvieder- gegeben, aber er hat die entscheidende Stelle ausgelassen. Dieses Zitat war es aber gerade, das bereits der Generalkonsul in so grotesker Form in sein Gegenteil gefälscht hatte, daß es den eigent- lichen Anlaß zur Einleitung des Verfahrens und zur Begründung der Verhaftung gebildet hatte. Auf dieses gesälschtc Zitat hat sich immer wieder die Staatsanwaltschaft als ausschlaggebend berufen und es ist einfach nicht wahr, was Schönstedt am Sonnabend sagte, daß die Ueberietzungen des Generalkonsuls„zwar formell bei der ersten Einleitung des Verfahrens eine Rolle gespielt haben, materiell aber für den Verlans der Sache von keiner Bedeutung gewesen sind, und daß die Polizeibehörde und die Staatsanwaltschaft, wenn ihnen die richtige Ueber- setzung von vornherein vorgelegen hätte, noch weniger gezögert haben würde», die von ihnen ergriffenen Maßregeln zu treffen, und daß sie auch insbesondere zu dem Haftbeschluß gekommen wären, den sie zunächst auf, wie sich später herausgestellt hat, unzulässiger Grund- läge angeordnet haben." Eine zuverlässige Uebersetzung aus Nadeschdin hätte über- Haupt zu einem Verfahren keinen Anlaß aeben können. Jenes Zitat insbesondere, das als Beweis einer Aufforderung zur Ermordung des gegenwärtigen Zaren aufgefaßt wurde, in Wirklichkeit sich aber gegen die Spielerei nüt dem Zarenmord wandte, dieses Zitat spielt in allen entscheidenden Begründungen der Staatsanwaltschaft die ausschlaggebende Rolle. Freilich hat Herr Dr. Rost dieses Zitat dann korrekt übersetzt, aber Herr Schönstedt hat es dennoch verstanden, auch mit der Rostschen Uebersetzung dieses Zitats den.durchschlagenden" parlamentarischen Erfolg am 22. Fe- bruar zu erringen, indem er durch Auslassung der ihm vorliegenden richtigen Uebersetzung des Dr. Rost das Zitat wieder dem Sinne nach in die Fälschung des russischen Generalkonsuls zurückverwandelte. Man hat bisher annehmen können, daß vielleicht Herr Schönstedt wieder durch einen reise- fertigen Referenten zu dieser Benutzung einer Fälschung veranlaßt worden ist. Da er aber auch am Sonnabend im preußischen Abgeordnelenhause nur allgemein die ihm vorgeworfene Benutzung von Fälschungen abgeleugnet hat, mit keiner Silbe aber auf den Inhalt des Vorwurfes eingegangen und ihn zu widerlegen ver- sucht hat, so ist daraus zu schließe», daß diesmal der Herr Justiz« minister für das Manöver keinen reisefertigen Referenten vorschieben konnte und daß er vielmehr aus eigener Genialität jene unvoll- ständige und dadurch das Gegenteil des tatsächlichen Sinns besagende Uebersetzung des Dr. Rost vorgetragen hat. In der Buchausgabe des Königsberger Prozesses im zlveiten Heft ist auf Seite 64 der wirkliche Sachverhalt dargestellt, die Fälschungen sind dort unwider- leglich nachgewiesen und es wäre eben nur noch die besondere persönliche Beteiligung des Jnstiziiimisters an dieser Astion festzu- stellen. Wir lassen zur öffentlichen Kennzeichnung des Verhaltens eines preußischen Justizministers die Ausführungen der erwähnten Schrift folgen. Aus den von Dr. Rost zu den Akten gelieferten Auszügen aus Nadeschdin geht zwar nicht hervor, daß der Verfasser m der zweiten(beschlagnahmten) Auflage seiner Schrift die Mißverständnisse beseitigt, die seinen Ausführungen über den Terror zuteil geworden seien, aber das Referat gibt doch darüber Klarheit, daß NadeschdinS terroristische Taten nur als Notivehrakte gegen die rohen und frechen Gewaltakte von Leuten wie Wahl und Bogdanowitz verteidigt. Herr Schönstedt hat diese ihm unpassend erschienene Tendenz zur Erhöhung seines Erfolges aus den Rostschen Zitaten— g c- strich enl An zwei Zitaten wird diese Methode sichtbar werden: Justizminister Schönstedt am 23. Februar 1904: Wer fälscht? Im preußischen Abgeordnetenhaus hat am Sonnabend Herr Schönstedt, der preußische Justizminister, sich erlaubt, unserem Genossen Liebknecht eine„grobe Fälschung der Wahrheit" vorzu- werfen. Sem Beweismaterial für diese schwere und unbegründete Dr. Rost (zu den Akten am 31. Nov. 1903): Der Thron des Selbstherrschers aller Reußen wird bei starker Gärung unter den Massen vor dem revolutionären Rußland in seinem ganzen unbeschützten Zu- stand dastehen. Daö ist kein Granit, der mit vergoldetem Zierat versehen ist, sonder» lediglich ein vergoldeter hölzerner Block, der durch und durch von Termite» zer- fressen ist. ES bedarf keiner gigau- tischen Anstrengung, um ihn von seinem Platz zu rücken, er wird in Trümmer zerfallen bei dem ersten Anprall der Massen. Weder ein Weder ein Zaun von Bajonetten, Zaun usw.(wie bei Schönstedt). heißt es an einer spätere» Stelle— weder die Spürhunde Gendarmen, weder die Beutel großer Kapita- listen, weder das Geheul der ge- treuen adligen Untertanen, noch die Autorität des„Zaren-Väter- chens" in den Augen der dunklen Massen— nichts wird den Thron desSelbstherrschers erretten können, ebenso wie nichts Alexander ll. vor der blutigen Vergeltung der Terroristenkänipfcr für die Volks- freiheit bewahrt hat. „Heißt es an einer späteren Stelle"— nnt dieser Wendung überspringt Herr Schönstedt die dem Zitat vorhergehenden Sätze, die sich unmittelbar anschließen an einen vorher von dem Justizminister verlesenen Passus. D ie Lücke wurde also künstlich ge« schaffen, und in ihr versinkt der Sinn der Stelle, die nicht von Zarenmord allgemein, noch gar von der Ermordung Nikolaus II. spricht, sondern von dem Zerfall des Zarismus, der beim erste« Anprall zusammenstürzen werde. Noch schlimmer ist ein zweites Kunststück des Herrn SchönHM-: Minister Schönstedt: Plechanow sagt:„In jedem von uns Sozialdemokraten fitzt und muß auch ein Stück Terrorist wie Robespierre sitzen. Ich bin selbst Terrorist in meinem Innern, aber ich ziehe es vor. daß Nikolaus II. nicht durch die Kugel stirbt, sondern auf dem Schafott, auf dem Kasarr fchen Platze.(Bewegung.) Dr. Rost: Kasanschen Platze; (bei der Besprechung dieser Ansicht heißt es S. 101): Um die Wahr- heit z» sagen, denken wir nicht nur nicht an irgend welches„Bor- ziehen", sondeni überhaupt nicht an den Tod Nikolaus II. Im Jahre 1848 gelang es Ludwig Philipp, als das Proletariat die Oberhand gewann, aus Paris zu entfliehen per Wagen, und zwar von demselben Markte aus, auf welchem sein Bater hingerichtet wurde, und aus der siegreichen Boltsmeuge wurde kein einziger Stein nach ihm geschleudert, das Volk war so hochherzig, daß eine Prinzessin daS Geschehene sogar ür eine höchst erbauliche Ab- «.... wechsrlung im Hoflebcn hielt. Ob Nikolons II. rm Wagen von Ob Nikolaus II. im Wagen von dem dem Kanfanfchen Markte oder Kansanfchen Markte oder Semje- Semjenowschen Platze fortgefahren nowschen Platze abfahren wird, wird, ob man ihn auf dem Last« ob man ihn auf dem Lastwagen wagen mit schmutziger Wäsche expe-(folgt wie bei Schönstedt). dieren wird, wie man einst einen Führer der Reaktion zurzeit der Revolution fortbrachte, oder ob er im Frauenkleide entfliehen wird, wie es ein anderer Magister der finsteren Macht getan hat, daS interessiert uns sehr wenig. Die Geschichte selbst wird für den Zaren das Schafott Ludwigs XVI. oder den Unterrock GuizotS be- stimmen, das ist Sache der Zu- kunft.*) #) Es folgt im Original der Satz:„Und nicht wir haben mit operettenblutigen Strömen herumzuspritzen". Diese AuSlafinng trifft ober nicht den Minister, da sie sich auch bei Rost nicht findet.— Die„Leipziger Volkszeitung' hat in der Nummer vom 2ö. August 1904 die Fälschungen festgestellt; sie konnte mangels ihrer Aktenkenntnis noch nicht die Schuldfrage lösen. Aus dem Obigen geht hervor, dah der Justiznnnister die korrekten ihm verliegenden AuSzüge.verstümmelt hat. Hier hat Herr Schönstedt nicht einmal durch«in„heißt es an einer späteren Stelle' die Lücke angedeutet. Ssackmcl)ten. Die Erklärung Bebels, die dieser namens der sozialdemo- kratischen Reichstagsfraktion am Sonnabend im Reichstage gegen die „Leipziger Volkszeitung" abgegeben hat, wird in der Parteipresse erörtert. Selbstverständlich nimmt die„Leipziger Volks- zeitung" dazu Stellung. Sie tut das in einem Leitarttkel, worin sie ihren Arttkel in jeder Beziehung aufrecht erhält. Sie erklärt dabei, daß sie kein großes Unglück darin sehe,„einmal einer kleinen Minderheit von 78 Genossen zu mißfallen". Da in der sozialdemokratischen Partei der parlamentarische Kretinis- mus keine Stätte habe, so habe die Fraktionserklärung keine andere Bedeutung, als eben die einer kleinen Minderheit von 78 Genossen. Die Erklärung werde deshalb ohne jeden Einfluß auf die polittsche Haltung der„Leipziger Volkszeitung" bleiben. Außer der so dringenden Feststellung, daß der parlamentarische Kretinismus in der sozialdemokratischen Partei keine Stätte habe, macht die„Leipziger Volkszeitung" noch die ebenso dringende, daß der Kampf gegen den Brotwucher in der Partei hoffentlich noch nirgends als prinzipwidrig gelte. Wozu zweierlei bemerkt sein mag. Erstens, daß natürlich die Fraktion mit ihrer Erklärung keine Aufsichtsbefugnisse über die Parteipresse in Anspruch nehmen wollte? wohl aber darf sie als ein Organ der Partei, das mit der politischen Verttetung der Partei im Parlament, beauftragt ist, für sich dasselbe Recht auf Beachtung beanspruchen, das die Parteipresse für sich in Anspruch nimmt, wenn sie an den Handlungen der Parteigenossen Kritik übt. Zweitens, daß nicht der geringste Grund zu der Andeutung vor- liegt, als könnte die sachliche Stellung der Partei zum Brotwucher von der Fraktionserklärung irgendwie in Frage gestellt werden. Wenn freilich die„Leipziger Volkszeitung" in ihrem Arttkel weiter den Erfolg der Partei bei den letzten Reichstagswahlen darauf zurückführt, daß die Agitation in ihrem Sttle geführt worden sei, so macht sie damit den Parteigenossen ein Kompliment, das die meisten wohl ablehnen werden, und das sie am Ende gegen einen Teil der Genossen gar nicht einmal beabsichtigt hat. Wenigstens würde sie sich dann recht sehr in Widerspruch mit ihrer sonst be- liebten Polemik gegen die„Leisetreter" setzen. Und wir speziell ver- zichten ausdrücklich auf die Anerkennung, im Stile der„Leipziger Bolkszeitung" gearbeitet zu haben. Soweit die übrige Parteipresse von der Angelegenheit Notiz nimmt, tut sie es meist in der Weise, daß sie„den Stil" der„Leip- ziger Volkszeitung" mißbilligt, aber hervorhebt, daß die„Leipziger Volkszeitung" natürlich sachlich, das heißt in der Bekämpfung des Brotwuchers, nur den Standpunkt der Partei verttitt. Dies stand auch, wie gesagt, gar nicht in Frage. Nur das„Bochumer Volks- blatt" bezeichnet die Fraktionserklärung als vollständig überflüssig und ungehörig. »« » Die„Leipziger Volkszeitung" behauptet in ihrem Artikel auch, aus den Reihen unserer Fraktion wären im Reichstage beim Kampfe um den Zolltarif die Ausdrücke„Lude" und„Zuhälter" ge- fallen. Unter Berufung auf diese Behauptung der„Leipziger Volks- zeitung" schreibt die„Deutsche Tageszeitung": „Interessant ist das Zugeständnis im letzten Satze. Bisher hatte die sozialdemokratische Presse immer bestritten, daß diese Aus- drücke im Reichstage gefallen seien, jetzt wird es von einer Seite bestätigt, die jedenfalls sehr gut unterrichtet ist. Auf die im Reichstag sitzende„Elite der Partei der Bildung" wirft diese Fest- stellung eines Kundigen ein sehr bezeichnendes Licht." Es ist uns nicht bekannt, daß die„Leipziger Volkszeitung" gerade in diesem Falle zu den„Kundigen" gerechnet werden könnte; keiner ihrer Redakteure hat unseres Wissens der betteffenden Reichstagssitzung beigewohnt. Sie kann ihr„Wissen" daher auch nur aus Quellen geschöpft haben, aus denen bisher diese Be- hauphmgen stammten. Ueier die BürgerauSschußwahlen in Stuttgart tragen wir nach der„Schäbischen Tagwacht" noch einige Zahlenangaben nach. Be- sonders die folgende Tabelle, die den Prozentsatz der Wahlbeteiligung und den Anteil der Sozialdemokratte an der Zahl der abgegebenen Stimmen veranschaulicht, ist instrukttv: Wahl- Abgegebene Sozialdemokratische berechtigte Sttmmen Sttmmen 1896 11 820 6 321-- S2.5 Proz. 1432= 22,6 Proz. 1897 12 199 9 191= 75,3„ 1810= 20,0„ 1898 12 785 7 314= 57,2„ 2262= 30,0„ 1899 14 555 9 813= 67,4„ 2797= 28,5„ 1900 14 932 8 245= 55,2„ 2604= 31,5„ 1901 16 258 11 054= 65,6„ 3376= 30,6„ 1902 16 895 10 757= 63,6„ 3628= 33,7„ 1903 17 715 13 315= 75,2„ 4363= 32,7„ 1904 18 874 13 402= 71,0„ 5031= 37,5„ Die Zahlen für die Sozialdemokratte bedeuten die Anzahl der unabgeänoerten Stimmzettel. Die für die Gegner abgegebenen un- abgeänderten Sttmmzettel vermehrten sich gegen 1903 um genau 200. Die höchste für einen Sozialdemokraten abgegebene Stimmen« zahl beträgt 5718, die niedrigste 5147. Diese Zahlen ergeben sich auS den abgeänderten Zetteln und einem„unparteiischen" Schiebungs« zettel, der auch fünf Sozialdemokraten enthielt. Die Zahlen der Tabelle beziehen sich das eine Jahr auf die Bürgerausschußwahl und das andere Jahr auf die Gemeinderatswahl. Der Bürger- ausschuß ist eine weitere Körperschaft, die mehr Ueberwachnngs- befugnisse gegenüber dem Gemeinderat hat. Das Wahlrecht zu beiden Körperschaften ist gleich. Einige Jahre fleißiger Agitation und grundsätzlicher Oppositionspolitik werden den Stuttgarter Genossen reiche Früchte tragen. Ueber mangelhafte sozialistische Betätigung in den Gemeinde- Verwaltungen, auch dort, wo Arbeitervertreter gewählt sind, wurde in einer Konserenz des ersten nassauischen Wahlkreises geklagt. Um dem abzuhelfen, sollen durch die Kreisorganisation die sozialdemo- kratischen Gcmein?»cvertreter zu regelmäßigen Konferenzen zu- sammenberufen und überdies ein Leitfaden für die ländliche Kom- munalpolitik herausgegeben werden. Ter sozialdemokratische Wahlverein in Bant beschloß ein- stimmig folgende Resolution: „Der Wahlverein billigt es, daß Genosse Hug bereit gewesen ist, im Interesse der Arbeiterklasse das Amt eines Gemeindevor- stehers von Bant zu übernehmen. Die Versammelten protestieren aber dagegen, daß das Ministerium die Selbstverwaltung mit Füßen getreten und durch Verweigerung der Bestätigung die Ge- meinde Bant schwer geschädigt hat. Dieser bureaukratische Absolu- tismus gibt aufs neue Anlaß, alle gesetzlichen Mittel anzuwenden, um die polttische Macht für das Proletariat in Reich, Staat und Gemeinde zu erkämpfen._ Niederbaherische Parteikonferenz. Daß es voran geht mit unserer Bewegung auch im dunkelsten Niederbayern, das wurde bewiesen durch die Konferenz, die am 8. Dezember in P l a t t l i n g stattfand. Zum ersten Male hatten sich in diesem Teile Bayerns Vertreter unserer Partei aus einzelnen niederbayerischew Orten zusammengefunden, um über zwei wichtige Fragen: Die Beteiligung an der bevor st ehenden Landtagswahl und den Ausbau der Organi- s a t i o n zu beraten. Vertreten waren die Orte: Landshut, Landau a. I.. Plattling, Straubing, Wallersdorf und Passau mit insgesamt 89' Delegierten. Zum Punkte Landtagswahlen gab Holl. Passau, ein instruktives Referat. Er faßte sich dahin zusammen, daß gerade bei diesen Wahlen unter allen Umständen nicht nur kräftig agftiert, sondern mit der Aufstellung eigener Wahl- männer, wo immer es nur möglich sei, vorgegangen werden müsse. Bei früheren Wahlen habe sich, was zugestanden werden müsse, eine gewisse Sympathie für die Bauernbundsbewegung gezeigt. Die Tätigkeit der Bündler im Landtage aber habe bewiesen, daß diese die reaktionärste und arbeiterfeindlichste Gruppe in der Abgeordneten- kammer gewesen seien; ihr heimtückisches Verhalten beim Wahlgesetz aber habe dem Fasse völlig den Boden ausgestoßen. Deshalb sei vor allem das Augenmerk auf die rücksichtsloseste Bekämpfung der verbohrten Reaktionäre zu richten. In der lebhaften Debatte, die sich hieran knüpfte, zeigte sich ein- mutige Zustimmung zu dem Referate. Ein einstimmig gefaßter Be- schluß, gemäß der Augsburger Resolution für die Wahlreform und rücksichtslos gegen die Vereitler des Wahlgesetzes zu arbeiten, gab dieser Einmütigkeit praktischen Ausdruck. Ueber den Ausbau der Organisation referierte K u b i t s ch e ck, der eine Reihe von Anregungen machte über praktische Agitation, über die Verbreitung von schriftlichem Agi- tationsmaterial, über die Betätigung der Parteigenossen in gemeind- lichen und örtlichen Angelegenheiten, über die Ausbreitung unserer Presse usw._ Die Gemeindcwahl-Erfolge der norwegischen Sozialdemokratie. Nicht nur in Kristiania, sondern auch in vielen anderen Ge- meinden, wo dieser Tage gewählt wurde, haben unsere Partei- genossen große Erfolge erzielt. Im Gemeinderat von Trondhjem ist die Arbeiterpartei mit 22 Mandaten die zweit« stärkste Partei geworden, die Rechte erhielt 28, die Linke 7, die Abstinenzler ebenfalls 7 und die Liberalen 4 Mandate. In Bergen werden die Sozialdemokraten 17 Vertreter haben, die Konservativen und Liberalen 29, die Linken 19 und die Abstinenzler 12; im Gemeinderat von Drammen ist die Zahl der Sozialdemokraten von 6 aus 13 erhöht worden, in Stavanger von 12 auf 14 oder 15; in Aalesund wurden 6 Sozialdemokraten gewählt, in Kristianssand 7, und in Sargsborg bilden die Sozialdemokraten mit 11 Vertretern die stärkste Partei, ihnen stehen 10 Vertreter der Sammlungspartei, 10 der Linken und 5 der Rechten gegenüber. Die Veränderung der Parteiverhältnisse, die durch die großen Fortschritte der Sozialdemokratie hervorgerufen wurde, wird, wenn auch nicht erklärt, so doch zutteffend von„Verdens Gang" geschildert. Das früher liberale, jetzt der Sammelpolitik ergebene Blatt schreibt: „Das Ergebnis der Kommunalwahl in den Städten scheint das zu sein, daß nun der Kampf, sowohl politisch wie kommunal, zivischeu Sammlungspartei und S o- zialisten geführt werden w i r d, sowohl in den größeren Städten wie zum Teil auch in den kleineren. Die„Linke" ist vor- läufig genötigt, die Rolle einer kleinen Mittelpartei zu spielen, die je nach den Umständen die eine oder andere der großen Parteien verstärken kann. Das ist ein plötzlicher und für viele überraschender Uebergang von einer Zeit, die nur wenige Jahre hinter uns liegt, als die Linke die unvergleichbar mächtigste aller norwegischen Parteien auch in den Gemeinden war, während der Sozialismus sein Dasein nur erst mit ein paar unbedeutenden Zahlen bemerkbar gemacht hatte." (Zew'erkfckaftUckes. Berlin und Omgegend. Die Aussperrung der Tischler. Die Ausgesperrten und Streikenden hatten sich gestern vormittag wieder sehr zahlreich in dem großen Saal der Brauerei Friedrichs- Hain versammelt. Sowohl der Besuch wie der Verlaus der Ver« sammlung bewiesen, daß von einem Abbröckeln auf feiten der Arbeiter, wie es die„Fachzeitung" wieder einmal wahrgenommen haben will, nichts zu merken ist. Das Referat hielt S t u s ch e. Die Zahlen der Aus- gesperrten und Stteikenden haben sich seit Sonnabend nicht wesentlich verändert; an einem Tage sind zwei Ausgesperrte und zwei Streikende, am folgenden Tage wiederum zwei Ausgesperrte, aber 19 Streikende hinzugekommen. Daß die Zahl derer, die die Arbeit zur Abwehr der Aussperrung niederlegen, so groß ist, kann wohl auch als Beweis dafür gelten, daß die Arbeiter keineswegs mutlos find. Zu den Firmen, die ihre Ausgesperrten wieder eingestellt haben, ist Riedel in der Eisenbahnstraße hinzugekommen.� Der Redner gab auch die Zahlen der Ausgesperrten und Stteikenden au, die sich an den einzelnen Tagen seit dem 29. November gemeldet haben und bemerkte, daß ein allmähliches Abflauen der Aussperrung wahrzunehmen sei. Voraussichtlich werde aber wohl zwischen Weihnachten und Neujahr wieder eine Zunahme eintreten und zwar lediglich, weil um diese Zeit in der Regel sehr wenig Arbeit vorhanden sei. Dann werde die„Fachzeitting" vielleicht mit einem „Iawinenartigen"Anwachsen der Aussperrung groß tun. Der Holzarbeiter- Verband sei aber auch darauf vorbereitet, so daß es keinesfalls an Unterstützung fehlen werde. Der Redner befaßte sich ferner mit den letzten Auslassungen der„Fachzeitung" und schloß sich im allgemeinen der im gesttigen„Vorwärts" gegebenen Erwiderung an. Die Be- hauptung des Unternehmerblattes, daß die Streikunterstützung un- regelmäßig gezahlt werde, rief große Heiterkeit in der Vcr« sammlung hervor-; ebenso die Behauptung, daß deswegen zweimal in der Woche Unterstützung ausgezahlt werde, weil nicht mit einem Male so viel Geld zu beschaffen möglich wäre. Selbstverständlich ist die Auszahlung allein deshalb auf zwei Tage verteilt, weil bei der großen Zahl der Empfänger die Arbeit an einem Tage schwer zu bewältigen wäre. Allerdings prahlen die Arbeiter nicht wie der poetische Tischlermeister Sebastian, der den Aussperrungsmeistern in Berlin verspricht, ihnen„Schiffsladungsweise Munition vo» Steglitz" zu schicken; aber die Berliner Meister werden wohl auf das Steglitzer MunitionS- schiff warten müssen, bis die Junker die Kanalvorlage be- willigt haben.— Verschiedene Meister sollen geäußert haben, wenn die Gesellen kommen würden, wollten sie ver- handeln. Demgegenüber bemerkt der Redner, daß die Meister seinerzeit die Verhandlungen abgebrochen hätten; wenn sie zu verhandeln wünschten, wäre es nun ihre Sache, die Verhandlungen anzuknüpfen. Er machte die Versammelten daraus aufmerksam, daß der Kampf noch im Januar und Februar fort- dauern könnte; es zeigte sich jedoch nicht die geringste Mißstimmung darüber. Im weiteren Verlaus der Versammlung erwähnte M a a ß. daß die Leitung sich große Mühe gegeben habe, diejenigen Kollegen ausfindig zu machen, die sich nach Aussage der Unternehmer an- gebettelt haben sollen, um wieder Arbeit zu erhalten. Es sei jedoch alles vergeblich gewesen. Auch aus der Versammlung konnte keiner über derarttge Fälle Auskunst geben. Der Streik der Klavierarbeiter hat in der letzttn Woche eine. erhebliche Aenderung nicht erfahren. Wie in der am Dienstag ab- gehaltenen Versammlung der Streikenden mitgeteilt wurde, haben sich wieder zwei Fabrakanten mit den Arbeitern geeinigt. Die Zahl der Streikenden scheint etwas geringer geworden zu sein. Das wird dadurch erklärt, daß viele derselben bei den Fabrikanten, die bewilligt haben, in Arbeit getreten sind. Einem von leiten der Fabrikanten verbreitettn Gerücht wurde lebhaft widersprochen. Es handelt sich um die Behauptung, daß Arbeiter in solchen Fabriken, die von der Streikleitung als bewilligt bekannt gegeben sind, ein Schriftstück unterzeichnet haben sollen des Inhalts, daß die be- treffenden Fabrikanten nicht bewilligt haben. Aus diesem Grunde, so behauptet das Gerücht, habe die Streikleitung die weitere Bekannt- gäbe der Firmen unterlaßen. Diese Annahme ist vollkommen un- zutreffend. Was die Streikleitung veröffentlicht hat, ist durchaus richtig, was schon daraus hervorgeht, daß keiner der betreffenden Fabrikanten die Veröffentlichungen berichtigt hat.— Ueber■ die Situation des Streiks wurde mitgeteilt, daß die Fabrikanttn nach der vorigen Versammlung der Streikenden bestimmt darauf ge» rechnet hatten, daß der Streik ein Ende nehmen und die Streikenden in hellen Haufen bedingungslos in die Fabriken laufen würden. In dieser Erwartung sahen sich die Fabrikanten aber arg getäu,cht. Wie es der Beschluß der vorigen Versammlung erfordert, haben alle Streikenden den Kampf ohne Wanken weitergeführt. Der Streik wird mit alter Einmütigkeit fortgesetzt, und in der letzte« Berfammlung der Fabrikanten soll es deshalb zu lebhaften Aus- Das ging bis in den Februar dieses Jahres. Bei einer da vor- deutschen Plätzen nicht von großer Bedeutung waren, die sämtlichen einandersetzungen gekommen sein, weil die Wendung, auf die ihre genommenen genaueren Revision der Klebekarten ergaben sich ver- Bertretungen der Hamburg- Amerika- Linie an etwa 20 größeren Führer sie vertröstet hatten, nicht eingetreten ist. Wie fast immer, schiedene Unregelmäßigkeiten. deutschen und österreichischen Plägen angegliedert werden, während so wurde auch in dieser Versammlung über die Beeinträchtigung Da der Bürgermeister von Wald aber abwesend war, so nahm der andererseits die Hamburg- Amerika- Linie in die engen Beziehungen des Rechts der Streifposten durch Polizeibeamte lebhaft Klage ge- Düsseldorfer Beamte die Monitas mit nach Hause und schickte die eintritt, die das Stangensche Bureau mit fast sämtlichen Eisenbahnführt. Auch zwei Söhne eines Fabrikanten fühlten sich zu Taten gefundenen und zu Papier gebrachten Mängel in der Kassen- verivaltungen des In- und Auslandes unterhält. In Zukunft wird gegen Streifposten angeregt. Sie überfielen einen solchen in der verwaltung des Vogt an das Bürgermeisteramt zu Wald, damit es also auch an allen größeren Plägen des Inlandes dem Publikum Dunkelheit und vergriffen sich tätlich an ihm. Gegen die beiden dieses dem V. etwas besser auf die Finger sehe. Diesen Brief fing möglich sein, direkte Fahrkarten nach annähernd sämtlichen übergewalttätigen jungen Leute ist Strafantrag gestellt. Alle Redner, Vogt ab und beantwortete ihn in höchsteigener Person dahin, daß die seeischen Plätzen in nah und fern zu erhalten. die in der Versammlung sprachen, traten einmütig dafür ein, daß Kaffen des pp. Vogt in völliger Ordnung und die vorgefundenen der Beschluß der vorigen Versammlung hochgehalten werde. Die Mängel abgestellt seien. Dieses von Vogt angefertigte Schriftstück Eisen- und Stahlproduktion der Welt im Jahre 1903. Die Kommission konnte mitteilen, daß die Streifenden zu Weihnachten ließ dieser von einem Beigeordneten und dem Vorsitzenden der Orts- Gisenindustrie hat in den großen Industriestaaten längst den einst cine Getraunterstützung erhalten, so daß sie für die Feiertags- frankenkasse unterschreiben, was die guten Leute und schlechten übermächtigen King Cotton" entthront und seine Stellung einwoche mehr haben, als wenn sie noch vor Weihnachten in Arbeit Musikanten in dem Glauben taten, es handle sich um das Revisions- genommen. Mag auch noch immer die Baumwollindustrie eine treten würden. Unter keinen Umständen können die Fabrikanten protokoll. Dann wurde der so schön gelungene Brief an die Ver- enorme Bedeutung im modernen Wirtschaftsgetriebe behaupten, darauf rechnen, daß die Streifenden noch vor Weihnachten an sicherungsanstalt zu Düsseldorf abgeschickt. gegen die Gisenindustrie kommt sie nicht auf, und doch scheint es, Wiederaufnahme der Arbeit denken. Wenn erst Weihnachten und Im April verkündete der Bürgermeister dem Herrn Sekretär, als stände diese erst im Anfang der Entwickelung. Jedes Jahr zeigt Neujahr vorüber ist, dann gestaltet sich die Situation für die Ar- daß innerhalb dreier Tage wieder ein Revisor aus Düsseldorf käme; die Statistik eine weitere beträchtliche Zunahme der Eisen- und beiter günstiger als sie jetzt ist. Die Versammlung beschloß, daß er möge seine Sachen in Ordnung halten. Und nun war das Faß Stahlproduktion. Auch im letzten Jahre hat nach einer Zusammendie Firmen, bei denen gestreift wird, jede Woche zweimal ver- voll; der Herr Stadtsekretär verschwand und die Revision stellte fest, stellung des Engineering and Mining Journal" die Produktionsöffentlicht werden. daß er der Verſicherungsanstalt 350 vision te fel menge fich wieder bedeutend vermehrt froß der Eiſentriſe in den 31 000 M. unterschlagen hatte. Dabei wird angenommen, daß damit Vereinigten Staaten von Amerika und in Rußland. noch nicht die Gesamtsumme der Unterschlagungen festgestellt ist. 46 733 000 Tonnen berechnet; sie weist somit gegen das Vorjahr. Die Roheisenproduktion der Welt im Jahre 1903 wird auf Vogt sigt bereits in Untersuchungshaft. Wie er die Unterschlagungen in dem sie sich auf 44 310 738 Tonnen bezifferte, eine Zunahme von möglich gemacht hat, ist noch nicht bekannt. Deutsches Reich. Amerika 1902 1903 Menge in Tonnen Gegen 1902 + mehr - weniger 18 003 448 18 297 400 +293 952 8 402 660 10 085 634 1 682 974 8 653 976 8 952 183 298 207 1 335 000 1 355 000 1 102 910 1 216 500 113 590 324 670 265 418 2 427 427 24 500 2 566 000 2 210 000 330 747 380 284 524 400 615 000 2 827 668 28 250 20 000 59 225 400 241 3 500 356 000 49 537 34 700 625 000 + 10 000 489 700 44 810 738 46 733 037 +2 422 299 Die Fortschritte des Metallarbeiter- Verbandes in der Provinz Brandenburg gehen recht deutlich aus dem Bericht hervor, der am Sonntag auf einer im Berliner Gewerkschaftshause abgehaltenen Bezirkskonferenz für den 3. Verbandsbezirk gegeben wurde. Jetzt wird nun die Ortskasse auch noch haftbar gemacht für 5,5 Proz. auf. Beteiligt an dieser Erzeugung waren: Nach Mitteilungen des bisherigen Bezirksleiters Cohen hatte die den der Versicherungsanstalt entstandenen Schaden, obwohl es gar Drganisation im Juli vorigen Jahres in den Ortschaften der Provinz nicht ihr eigener Beamter war, der die Veruntreuungen begangen hat. Brandenburg( außer Berlin) etwa 3300 Mitglieder, deren Zahl bis Die Stadt übernimmt nur die Garantie für die Einhaltung der jest auf zirka 5000 gestiegen ist. Die Agitation konnte mit Rückzahlungen. Das schönste aber kommt noch. Vom 1. Januar Hilfe der in Berlin vorhandenen agitatorischen Kräfte so nachhaltig an errichtet die Versicherungsanstalt in Wald eine eigene Hebestelle Vereinigte Staaten von betrieben werden, daß die Vermehrung der Mitgliederzahl im dritten und dieser wird auch die Verwaltung der Ortskasse angegliedert, so Bezirk die Durchschnittszunahme des Gesamtverbandes bedeutend daß hier in einem Falle praktisch erreicht ist, was die Revisoren der Deutschland übertraf. Gegenwärtig umfaßt der Bezirk 30 Verwaltungsstellen, Versicherungsgesetzgebung nach Freundschem Muster überhaupt an- Großbritannien darunter acht neugegründete, die auf der Konferenz durch 33 Delegierte streben: die Angliederung der Krankenkassen an Desterreich- Uugarn bertreten waren. Den Verhandlungen wohnten außerdem noch der die Versicherungsanstalten. Das Drtsstatut ist von Belgien Verbandsvorsitzende Schlicke und der Hauptkaffierer Werner aus der Stadtverordneten- Versammlung unter Zustimmung der Kanada Stuttgart bei. Während der Berichtszeit ist die Organisation sechs sozialdemokratischen Stadtverordneten bereits in diesem Sinne Frankreich auch in den Provinzorten in eine Anzahl Lohndifferenzen verwickelt geändert worden. Die Generalversammlung der Ortskaffe, die am Stalien worden, die sich in ihrer großen Mehrzahl jedoch auf die Abwehr Sonntag stattfand, sträubte sich anfangs gegen die Neuorganisation Rußland von Lohnreduzierungen 2c. beschränkten und größenteils erfolgreich und ebenso gegen die Uebernahme des Schadenersatzes für die Spanien. endeten. Beteiligt waren hieran in erster Linie die Städte Branden- Versicherungsanstalt. Der Bürgermeister als Vorsitzender dieser Schweden burg, Rathenow, Neuruppin, Kottbus und einige andere. Da die Versammlung drohte mit Zwangsetatisierung, und schließlich stimmte Andere Länder Bezirksleitung bisher in den Händen des Berliner Bevollmächtigten die Generalversammlung gegen eine erhebliche Minderheit der Auf- Insgesamt Cohen gelegen hat, dieser jedoch mit der Erledigung der Berliner hebung ihrer Selbständigkeit zu. Gegen die Haftbarmachung für Die Zunahme der Weltproduktion im letzten Jahre ist also Verbandsgeschäfte vollauf in Anspruch genommen ist, so wird dem- den Schaden der Versicherungsanstalt will sie jedoch klagen. hauptsächlich der gesteigerten Produktion in Deutschland, die gegen nächst ein neuer Bezirksleiter eingesetzt werden. Die hierzu nötige Prüfungskommission wurde auf der Konferenz gewählt. Einer allerdings auch Frankreich, Großbritannien und Belgien ihre Er das Vorjahr um 20 Proz. größer war, zuzuschreiben. Daneben haben scharfen Kritit wurde sodann der„ unlautere Wettbewerb" einiger zeugung vergrößert, wenn auch in weit geringerem Maße. Zugleich anderer Gewerkschaften unterzogen, die bemüht sind, ihren Mitglieder zeigen die obigen Ziffern, daß von dem gesamten Roheisenertrag bestand in den Betrieben der Metallindustrie zu vergrößern und im Jahre 1903 37 335 247 Tonnen, d. h. ungefähr 80 Broz., allein unter Hinweis auf die bei ihnen niedriger bemessenen Beiin der nordamerikanischen Union, Großbritannien und Deutschland träge in wenig ansprechender Weise dort zu ernten suchen, wo der Metallarbeiter- Verband gefät hat. Diesem Uebelstande, produziert worden sind. sowie auch den häufigen Befugnisüberschreitungen der örtlichen Die Stahlproduktion der Welt im Jahre 1903 betrug: Gewerkschaftskartelle, bei denen u. a. eine förmliche Gründungsmanie von Arbeiterfekretariaten eingerissen sei, soll durch eine gründDie Berliner Börse stand am gestrigen Tage unter einem ziemliche Aussprache auf dem kommenden Gewerkschaftäkongreß nach lich ausgedehnten Drud, der, wenn er auch nicht gerade heftig war, Möglichkeit gesteuert werden. Schließlich nahm die Konferenz nach doch zu nicht unbeträchtlichen Kursrückgängen führte, besonders auf Vereinigte Staaten von Amerika 15 186 406 14 768 593 einem Referat Schlices eine Resolution an, in der sie sich im dem Markt für amerikanische Bahnenwerte und deutsche Industrie- Deutschland Prinzip mit den Vorschlägen des Hauptvorstandes einverstanden papiere. Von den deutschen Hüttenaktien wurden z. B. Bochumer Großbritannien. erklärt, wonach der kommende Verbandstag eine Erhöhung der um etwa 4 Proz., Rheinische Stahl um 2½½ Proz. und die Attien Desterreich- Ungarn Beiträge um 10 Pf. zum weiteren Ausbau der der Laurahütte um 2 Proz. niedriger, und von Kohlenwerten er- Belgien Unterstüßungseinrichtungen beschließen möge. Ferner fuhren Konsolidation eine Abschwächung von 3 Proz., Harpener von Kanada wurde beschlossen, beim Verbandstage zu beantragen, die Arbeits- 2 Broz. und Gelsenkirchener von 2½ Proz. Als widerstandsfähiger er- Frankreich Losen- Unterſtügung bezw. die einzuführende Erwerbslösen- Unterstüßung wiesen sich Bankattien, wenngleich auch die Aktien der Deutschen Bant, Italien zukünftig nicht erst vom achten, sondern schon vom vierten Tage an der Dresdner Bank und des Schaaffhausenschen Bankvereins um zirka Rußland zu zahlen. 1 Proz. einbüßten. Auch der Kassamarkt für Industriepapiere verkehrte Spanien im allgemeinen in matter Haltung und verzeichnet eine ganze Anzahl Schweden Kursermäßigungen. Das Stadtverordneten- Kollegium in Wurzen beschloß die Errichtung eines Gewerbe- Schiedsgerichts. Den Anstoß dazu gab eine Petition mit über 1100 Unterschriften, die in diesem Jahre in einer von den vereinigten Gewerkschaften einberufenen Versammlung beschlossen wurde. Aus Induftrie und Handel. b A Andere Länder Insgesamt 1902 1903 Gegen 1902 + mehr Menge in Tonnen 7 780 682 8 801 515 weniger 417 818 +1020833 5 102 420 1 143 900 5 114 647 776 875 184 950 1 146 000 981 740 12 227 2 100 1 635 300 119 500 1730 250 132 500 1854 620 116 000 204 865 52 450 219 320 1 525 000 205 250 163 564 199 642 36 078 283 500 310 000 26 500 412 000 418 000 6.000 3 500 34 519 347 35 368 257+848 910 nur um 2,5 Proz. gestiegen, während die Roheisengewinnung sich Die Stahlerzeugung der Welt ist hiernach gegen das Vorjahr um 5,5 Broz. gehoben hat. Es hängt dies mit der geringeren amerikanischen Stahlproduktion und der größeren Erzeugung von Gußeisen in Deutschland und Großbritannien zusammen. do on Verfammlungen. Will das Grubenkapital einen Streit provozieren? Massenhaft häufen sich die slagen der Ruhrbergleute über Chikanierungen, die tatsächlich oft so sehr jeder Logit entbehren, daß man sich des Ein- Als Ursache werden die Kursstürze vom amerikanischen Kupfertrucks, das Grubentapital wolle mit Gewalt die Leute in einen markt genannt, und vielleicht mögen die Vorgänge, die sich in den Streit hineinbezen, nicht erwehren kann. Die in Unna wohnenden letzten Tagen an der New Yorker Börse abspielten, tatsächlich einen Belegschaftsmitglieder der Zeche„ Königsborn" nahmen in zwei Ver- gewissen Anstoß geliefert haben. Die eigentliche Ursache ist jedoch sammlungen Stellung zu einer plötzlich vorgenommenen Betriebs- in der Ueberspekulation zu suchen, die seit geraumer Zeit die Berliner änderung, durch die es den Leuten unmöglich gemacht wird, zur Börse beherrscht. Dafür spricht schon die Tatsache, daß die Angebote Heimkehr abends den letzten Zug zu benußen, so daß sie infolgedessen von Bergiverkspapieren nicht vom Privatpublikum ausgingen, sondern teilweise zwei Stunden zu Fuß gehen müssen. Das Ansuchen, die Verkaufsaufträge sich auf die berufsmäßige Spekulation bediese Anordnung zurückzunehmen, hat die Verwaltung mit dem schränkten. Hinweis aufspätere Fahrplanänderung abgewiesen! Begreiflicher weise herrschte in den Versammlungen große Aufregung, nur mit respondenz" veröffentlicht eine Uebersicht über die dem Königlichen Preußens Ernte im Jahre 1904. Die Statistische Korgrößter Mühe gelang es den Organisationsleitern, die Leute zu Statistischen Bureau von den landwirtschaftlichen Vertrauensmännern einer vorläufig noch abwartenden Haltung zu bewegen. Die Ver- eingelieferten Ernteschäzungen. Danach hat die legtjährige Winterwaltung soll nun aufgefordert werden, wenigstens so lange, bis die faat nicht viel durch Auswinterung gelitten. in Aussicht gestellte Fahrplanänderung in Kraft tritt, die alte Betriebs- gepflügt werden 0,93 Proz. Winterweizen( gegen 20,79, 0,27, 46,90 Es mußten nur um ordnung beizubehalten. Die Belegschaften der Zeche Bruchstraße" und 4,32 in den Vorjahren), 0,46 Winterroggen( gegen 2,87, 0,17, fühlten sich veranlaßt, am Donnerstag in zwei Versammlungen 11,30 und 3,19 desgl.), 2,44 lee( gegen 1,39, 1,05, 13,20 und 5,72), erneut gegen die Verwaltung Stellung zu nehmen; die fürzlich an- 0,85 Luzerne( gegen 2,07, 0,73. 6,40 und 1,99). Auch sonst ist nichts geordnete Arbeitszeitverlängerung gilt durchaus noch nicht als ver- zu erwähnen, was den Anbau beeinflußt hätte, wie zum Beispiel im hindert. Ein Streit könnte den Kohlenkönigen jetzt allerdings Vorjahre die großen Ueberschwemmungen. Die Ernteflächen betrugen Versammlung der, paffen, das gäbe ein feines Weihnachtsgeschenk für sie, die Kohlen- im Heftar preise würden kräftig anziehen. für 1900 1134846 76939 1901 110P 1902 660099 1036935 206705 1903 84819 172225 60878 103303 69148 886741 1050988 873875 75581 917104 1904 95556 60606 870062 1175486 1125107 1228947 1204402 1298224 87938 85710 87772 86325 Die Stichwahl im 30. Kommunalbezirk. Am Montag tagte im„ Rosenthaler Hof" wieder eine vom 3 handelte sich, wie der Referent Dr. Wehl in der Einleitung sozialdemokratischen Wahlkomitee einberufene Wählerversammlung. feines Vortrags sagte, nicht darum, Wähler, die entschlossen sind, dem liberalen Kandidaten ihre Stimme zu geben, für den sozialbemokratischen Kandidaten zu gewinnen, denn ein solches Vorhaben fei, so wie so aussichtslos. Vielmehr sei der Zweck der sei, so wie so aussichtslos, die Anwesenden aufzufordern, daß sie die kurze Zeit vor der Wahl ausnutzen, um in den Kreisen Streit und Aussperrung. In Anrath bei Krefeld streiten in Winterteizen. ihrer Bekannten lebhaft zu agitieren. 870317 1040140 Unsere Aufgabe sei, der Seidenweberei von C. Lange sämtliche Weber, die Firma hat Sommerweizen von den 3800 Wählern, die bei der Hauptwahl ihr Stimmrecht nicht daraufhin alle Hülfsarbeiterinnen und Arbeiter ausgesperrt, so daß Winterroggen 4514572 4277205 4628701 4501837 4590174 ausgeübt haben, so viele als irgend möglich an den Wahltisch zu der große Betrieb vollständig ruht. Die Weber, mit einer fleinen Sommerroggen bringen und sie zur Wahl unseres Kandidaten zu veranlassen. In Ausnahme im christlichen Verbande organisiert, hatten eine Lohn- Sommergerste. diesem Sinne müsse jeder sozialdemokratische Wähler die Frist, die erhöhung gefordert, welche Forderung von der Firma abgelehnt Safer 2697573 2945440 2722777 2815851 2734420 uns noch zur Agitation bleibt, ausnuten. Daß der Freifinn nicht wurde. Zatsache ist, daß bei der betreffenden Firma die Kartoffeln 2231818 2292367 2223669 2209870 2255205 die geeignete Vertretung für die Interessen der Arbeiter und kleinen schlechtesten Löhne im ganzen Bezirk gezahlt Leute sei, das zeigte der Nedner, indem er eine Reihe kommunaler werden, Klee trotzdem nahm sich der Fabrikantenverband seines bedrängten Luzerne 85714 Vorgänge aus der lezten Zeit besprach. Zum Schluß gab der RefeMitgliedes an. Während die Vertreter des Unternehmerverbandes Wiesen 3273378 3267354 3269421 3241093 3267908 nicht besorgt sein brauchen, wenn unsere Parteigenossen die fäumigen rent der Erwartung Ausdruck, daß wir um den Erfolg der Wahl bei den Verhandlungen, die die Firma Lange mit ihren Arbeitern Der Ertrag war für die Winterung, hauptsächlich Roggen, sehr wähler aufcütteln und sie an ihre Pflicht erinnern. Hierauf nahm hatte, zugezogen wurden, wurde der Antrag der Arbeiter, auch einen reichlich, für die Sommerung weniger, aber immer noch besser als unser Kandidat Sassenbach das Wort. Vertreter ihrer Organisation hinzuzuziehen, stritte abgelehnt. Es soll im Durchschnitte ſeit 1893, dem ersten Jahre der Ernteschäzung durch von den Freisinnigen am Sonntag verbreitetes Flugblatt. Dasselbe Er bezog sich auf ein sich um einen Beschluß des Tertilindustriellen- Verbandes handeln, die landwirtschaftlichen Vertrauensmänner. Eine Vergleichung der ist unterzeichnet von Innungsmeistern, Kaufleuten, Fabrikanten, mit Vertretern der Arbeiterorganisationen nicht zu beraten. Der in den letzten fünf Jahren geernteten Mengen ergibt, daß nächst Juristen und Rentiers. Also der beste Beweis, daß der freisinnige Fabrikantenverband hat schon, um die Streikenden mürbe zu machen, 1903 mit 16 466 Tausend Tonnen 1904 mit 16 194 bie günstigste Kandidat gar kein Vertreter der Arbeiter sein will, denn sonst eine schwarze Liste, die sämtliche Namen der Streifenden und Aus- Getreide- Ernte hatte. 1902 16 095, gesperrten enthält, an feine Mitglieder gesandt, damit erstere nicht 1900 15 043 und für 1901 13913 Tausend Zonnen heraus. Jätte er gewiß auch Arbeiter gefunden, die das Flugblatt mit unterschrieben hätten. eingestellt werden. Wenn aber in dieser Hinsicht die Kartoffeln waren dagegen 1904 mit 24 655 Tausend Tonnen Freifinnigen die Wahrheit bekunden, daß sie keine Vertreter In der Zigarettenfabrik Rennion zu Dresden, Inhaber am schlechtesten geraten, ebenso die Heu- Ernte mit der Arbeiter sind, so seien sie in anderer Hinsicht weniger wahrheitsBrüssig u. Wollmann, herrschen eine Reihe standalöser Mißstände. deren 14179 gegen 19 924 im Vorjahre, 19 130 im Jahre 1902, liebend. In dem Flugblatt werde der Anschein zu erwecken gesucht, Als die Vertreter des Tabakarbeiter- Verbandes deswegen bei der 14998 im Jahre 1900 und 14372 im Jahre 1901. Es wurden ge- als könne die sozialdemokratische Minderheit in der StadtverordnetenFirma vorstellig werden wollten, wurden sie abgewiesen; zugleich Bersammlung gar nichts ausrichten und daß es deshalb doch auch hat die Firma sämtliche Verbandsmitglieder ent 1904 bei sozialen Reformen auf die Freisinnigen ankomme. Nun sei es Tassen. Zuzug ist fernzuhalten. 2245515 1025916 2260335 1759952 2258016 aber eine selbst vom Stadtverordneten Vorsteher in der letzten 145063 395504 164241 396751 188448 Gigung anerkannte Tatsache, daß die Anwesenheit bon im Rathause Sozialdemokraten erheblicher Bedeutung 59031 für 1649982 1931981 1664496 1823557 1641835 arbeitenden die Ergreifung Maßnahmen zum Wohle der Bevölkerung ift. Im Hinblick auf diese 4631648 4746536 4902672 5172140 4518371 Tatsache, so schloß der Redner, habe die Stadtverordnetenwahl eine 27564406 33997923 29652288 28763738 24655447 große Bedeutung, und feinem Arbeiter fönne es gleichgültig fein, ob 3595428 3533388 5935406 6292779 4417309 der Freifinn oder die Sozialdemokratie in der Wahl siege. Auch 462923 407676 498312 483905 10934739 10430493 12696695 13147139 9374696 biele Arbeiter. Diese bei der Stichwahl für uns zu gewinnen, sei unter den Wählern, die sich an der Hauptwahl nicht beteiligten, seient Soziales. erntet Tonnen Winterweizen Sommerweizen Winterroggen . Sommerroggen Sommergerste. Hafer. Kartoffeln Kleeheu Luzerneheu. Wiesenheu 1900 1901 1902 1903 6313121 5719324 7035035 7236328 7528411 57868 93874 68406. 77337 387447 bon bon Der Stadtfekretär in der Ortskaffen- Berwaltung. Die Orts- Krankenkasse in Wald bei Solingen wird seit zehn Jahren von dem Stadtsekretär Vogt verwaltet. Er ist von der Stadt angestellt, bearbeitet im Hauptamte Steuersachen und hatte im Nebenamte die Ortskasse zu verwalten und für die Kasse die Baumwolle. Die Preise der Rohbaumwolle zeigen die Neigung die Aufgabe unserer Parteigenossen. Nicht auf die in Aussicht geGeschäfte der Versicherungsanstalt Rheinprovinz zu führen. Dafür noch weiter herabzusinken. Sie stellen sich für Dezemberlieferung stellte Stimmenthaltung der Antisemiten dürften wir rechnen. Der zahlte die Ortstaffen und die Versicherungsanstalt der Stadt Beiträge jetzt in Bremen und Hamburg auf ca. 40 Pf. pro Pfund, gegen eigenen Kraft vertrauend und unter Heranziehung der Reserven bis zum Gehalt dieses Beamten. zum letzten Mann würden wir den Sieg erringen. Nachdem noch Bogt hatte sich unbegrenztes Vertrauen erworben und konnte Genosse Gutmann gesprochen hatte, schloß der Vorsitzende Liep schalten und walten wie er wollte. Niemals dachte jemand an eine Die Hamburg- Amerika- Linie übernimmt das Reisebureau von mann die Versammlung mit einigen Mitteilungen über die zu gründliche Revision. Die mitverantwortlichen Vorstandsmitglieder Carl Stangen. Die Hauptbedeutung der Eingliederung besteht nach leistende Wahlarbeit und der Aufforderung, daß jeder Parteigenoffe gaben unbesehen ihre Unterschrift zu allem, was Vogt ihnen vor dem Hamburgischen Correspondenten" darin, daß einerseits dem mit aller Kraft für die Wahl unseres Kandidaten Sassenbach wirken legte. Auch keine Aufsichtsbehörde hat jemals eine gründliche Revision Stangenschen Bureau, das bisher in der Hauptsache nur in Berlin möge. borgenommen. seinen Wirkungsfreis hatte, während seine Filialen an anderen 85 Pf. zu Anfang Februar, als Sully obenauf war. " H. Esders& Dyckhoff am Leipzigerstraße 50, Ecke Jerusalemerstraße Dönhoffplatz. Oranienstraße 48, Ecke Luckauerstraße Größtes Spezial- Haus für Herren- und Knaben- Garderoben fertig und nach Mass. Winter- Paletots, 1 und 2 reihig in marengo Cheviot und Eskimo, besonders elegant und preiswert Winter- Paletots, I reihig in ersten Neuheiten, kariert und gestreift Cheviot, schick gearbeitet, Glockenform Winter- Paletots, 1 und 2 reihig • Mk. 12.50 Mk. 16.- 21.-, 27.Mk. 16.Mk, 21.-, 27.-, 33.-, 39.auf Seide u. Ia rein woll. Plaidfutter in den vornehmsten Eskimo- u. Fantasie- Stoffen, Maßarbeit ersetzend, Mk. 27.Mk. 33,-, 39.-, 45.-, 52.-, 65.am Moritzplatz. 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Sie mäkeln, tadeln, raisonnieren, bitten, versuchen alles Mögliche, um den Preis zu drücken; an diese Herren und Damen richte ich die Bitte; draußen zu bleiben, nicht zu mir zu kommen, ich verzichte auf deren Kundschaft. Es steht groß und und mächtig draußen dran: Feste Preise! Kein Vorschlagen! Kein Nachlassen! Wer trotzdem handelt, setzt also voraus, daß obige Angaben unwahr sind. Und diese Voraussetzung ist beleidigend. Ich schlage nichts vor, ich lasse nichts ab. Man möge also den Versuch unterlassen, daran zu rütteln. Natürlich ist niemand gezwungen, zu kaufen. Wem ein Stück zu teuer ist, der kaufe es nicht; er soll nicht genötigt, noch überredet werden. Er lasse sich billigere Sachen zeigen. Ich habe ja solch' große Auswahl, es sind auch oft einzelne oder zurückgesetzte Sachen da, es kann jedem Geschmack, jeder Preislage entsprochen werden. Ueber alles läßt sich reden, nur nicht über den Preis. Der Preis bleibt unbedingt fest. Wer trotzdem nichts findet, nun, der geht wieder, deshalb bleiben wir Freunde. Aeltere und einzelne Stücke werden event. billiger angeboten. Jeder findet dafür sorge ich, was er brauchen kann. Die Jahre haben es bewiesen: Man kauft Herren- und Knaben Garderoben nirgends besser als bei mir! Herrmann Schlesinger, Turmstrasse 85. SchlafRöcke, sehr geeignet als Weihnachts- Geschenk für Herren, von prachtvoller Qualität u. eleganter Ausstattung in großer Auswahl: 10,50, 13,50, 15, 17,50, 20, 22,50, 25, 39, 35, 40 u.65 9, Morgen1364L Mk. Joppen grau, mode, bräunlich oder olive, mit Tuch, Sammet, Plüsch- oder Schnurbesatz: 9, 10,50, 13,50, k. 8, 15, 16,50 u. 20 Große Weiten für extra starke Herren stets vorrätig. Carl Stier Fabrik für Herren- u. KnabenGarderobe. SO., Borlin Oranienstr. 166. Berlin Potsdamerstr. 113a. W., Potsdam, Nauenerstr. 23. Verlangen Sie gefl. die illustr. Preisliste, welche gratis und franko versandt wird. Nach außerhalb sende Muster und Maßanleitung. 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Altes Gold und Silber, Uhren nehme in Zahlung, Neuanfertigung. Reparaturen in eigener Werkstatt. Ich habe zwei eigene Geschäfte in der Schweiz. Friedrich Sedlatzek, Berlin W. 5, Friedrichstr. 196, zwischen Leipziger und Krausen- Strasse. Berantiv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantwo.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Bortvärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. na»! zmw 2. Keilllge des Lmiirts" Kttlim Mlkslillltt. Mmch.>1 S.M«-901 Auf zur Stichwahl im 3V. Kommunal-Wahlbezirk! Am heutigen Mittwoch findet im 30. Bezirk die Stichwahl statt. Bei der Hauptwahl hatte keine der drei um den Bezirk kämpfenden Parteien die Mehrheit der ab- gegebenen Stimmen zu erringen vermocht. Die Bürgerpartei geriet mit 436 Stimmen für Herrn Pretzel in die dritte Stelle, dem Freisinn mit 653 Stimmen für Herrn Rettig mutzte die zweite Stelle genügen, die Sozialdemokratie aber mit 769 Stimmen für unseren Genossen Sassenbach rückte in die erste Stelle auf. Zur Stichwahl stehen nun Freisinn und Sozialdemokratie— Rettig und Sassenbach. Herr R e t t i g ist ein waschechter Kommunalfreisinniger. Kein vernünftig und gerecht denkender Mann wird hier in § weifel darüber sein, datz er Rettig nicht wählen kann. einer, der das Treiben des Kommunalfreisinns in der Berliner Gemeindeverwaltung kennt, wird dazu beitragen wollen, datz die Zahl seiner Vertreter noch um einen vermehrt wird. Was die„Männer der praktischen Arbeit", die von dieser Seite den Wählern als Kandidaten präsentiert zu werden pflegen, im Stadtparlament wollen, das weitz nur der Eingeweihte. Den Wählern sagen sie selber es nicht. Sie erzählen ihnen lediglich, was sie nicht wollen, und auch Herr Rettig und seine Agitatoren haben wieder diese Agitations- Methode befolgt. Sie wollen das nicht, was die Sozial- demokratie will: sie wollen nicht den sozialen Fortschritt in der Kommune. Man wirft der Sozialdemokratie gern und oft vor, fie könne nur verneinen. Ach. wie froh wären die Cassel und Konsorten, wenn die Sozialdemokraten in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung sich wirklich nur auf das Tadeln beschränkten und niemals zeigten, wie das Schlechte gebessert werden kannl Die Freisinnigen scheuen die Mit- arbeit unserer Genoffen, sie fürchten jede Anregung, weil sie wissen, daß selbst im Lager des Freisinns jeder Verständige und Ehrliche uns recht geben mutz. Und sie wehren sich gegen alle Verbefferungsvorschläge, so lange es irgend geht. In der Wahlagitation aber sind es dann die Frei- sinnigen, die sich auf bloßes Verneinen legen. Alles erklären sie für überflüssig. für undurch- sührbar, für unmöglich— oder wenn sie die Notwendigkeit und Durchführbarkeit nicht abstreiten können, so verwerfen sie «S wegen der Kosten und machen graulig mit dem Hinweis auf Ueberschreitung der Einkommensteuer von 100 Prozent. Das ist ihr ganzes kommnnalpolitisches Programm— weiter langt's bei ihnen nicht. Ein Mann, der mit solchem Programm für sich agitieren läßt und nach solchen Grundsätzen im Stadtparlament„arbeiten" will, darf nicht Vertreter de? 36. Bezirks werde«. Die Haupt- Wahl hat uns ein so günstiges Ergebnis gebracht, datz eS als ein aussichtsvolles Beginnen gelten darf, dem Freisinn in der Stichwahl den Bezirk streitig zu machen. Das Stimmen- Verhältnis ist aber nicht s o günstig, datz wir uns den Luxus leisten könnten, den Kampf lau und lässig zu führen. Niemand darf meinen, datz der einzelne Wähler der Wahl fern bleiben könne, niemand sich bei dem Gedanken beruhigen, datz es auf die einzelne Stimme nicht ankomme. Bei dieser Stichwahl kann eine einzige Stimme de« Ausschlag gebe«. Wir dürfen hoffen, den Bezirk zu erobern— aber nur dann, wenn jeder«nserer Genoffen seine Pflicht tut, Denn es ist nicht allein der Freisinn, der bei der Stich- wähl uns gegenüber stehen wird. Ein paar Führer der Bürgerpartei haben nach der Hauptwahl mündlich erklärt, daß in der Stichwahl ihre Anhänger zwar nicht für Sassen- bach stimmen könnten, aber auch nicht für Rettig stimmen würden. Unsere Genossen werden gut daran tun, sich nicht darauf zu verlassen, daß man uns unseren Kampf mit deni Freisinn allein ausfechten lassen werde. Keines der der Bürger- Partei nahestehenden Blätter hat jene Erklärung wiedergegeben. Drei Wochen hindurch haben sie darüber geschwiegen; erst am Dienstag äußerte sich hierzu die„Staatsbürger-Zeitung". Und was las man? Eine Aufforderung, gegen den Sozial- demokraten zu stimmen. Der Freisinn wird es dem Magistrat danken, datz er die Ssichwahl so spät angesetzt hat. Da haben wenigstens die Freunde des Herrn Pretzel Zeit gehabt, die Ohrfeigen zu der- schmerzen, die vor der Hauptwahl Herr Cassel, der Haupt- agitator für Herrn Rettig, ihnen appliziert hatte. Unsere reunde und Genossen mögen sich auf einen harten a m p f gefaßt machen. Darum wird jeder von uns seine Schuldigkeit tun, jeder zeitig zur Wahl kommen und beizeiten auch darum sich flimmern, ob seine Nachbarn, seine Arbeits- kollegen usw. gleichfalls ihrer Wahlpflicht genügt haben. Es mutz alle Kraft daran gesetzt werden, daß die Sozialdemokratie siegt und Genosse S a s sen b a ch gewählt wird. KerUner partei-)Znge1egenbeiten. Parteigenossen Spandaus! Die heute Mttwoch in der Zeit von 10 bis 1 Uhr und 5 bis 7 Uhr stattfindende Ersatzwahl eines Stadtverordneten der dritten Abteilung erfordert es. datz kein wähl- berechtigter Parteigenosse der Wahlurne fernbleibt. Jeder, der mit unseren Ideen auch nur sympathisiert und der nicht zugeben will, datz die Zahl der bürgerlichen Geldsackpolitiker, der kommunalen Reaktionä-re, vermehrt werde, mutz heute ernsthaft dafür Sorge tragen, datz der Kandidat der Sozialdemokratie, Restaurateur Emil Köpnick, glänzend gewählt wird! Die Wahl findet in folgenden Lokalen statt: Buchstaben A— H im Lokal von Z ö m i s ch. Fischerstr. ß. . I— R>n der.Palme". Ritterstr 12. . S— Z im Ulrich schen Saale, Havelstr. 20. *#* Das Wahlresultat wird nach Beendigung der Wahl im Lokal von R u p p r e ch t. B i S m a r ck st r. 6, verkündet. Reinickendorf. Am Mttwoch findet in sämtlichen Bezirken der Zahlabend statt. Die MonaiSvcrsammlung und DiSkulierabende im Dezember fallen aus. Obrr-SchSnewride. Heute Mttwoch. abends 8�/2 Uhr. findet die Mtgliederversammlung des WahlvcreinS bei/»Uhr: Ordentliche Versammlung bei Weihnacht, Grünstr. 21. Vortrag des Genossen Karl Hoffmann über:.Wir am Ausbau!" lokales. Wir warten auf Antwort! Am 1. Dezember sahen wir uns genötigt, uns noch ein- mal gegen den schon früher von uns gegeißelten s k a n- dalösen Unfug zu wenden, datz amtliche Schrift- stücke älteren Datums als Einwickelpapier benutzt werden. Wir teilten mit, daß jener Schlächter- meister in Berlin-Nord, aus dessen Einwickelpapier wir vor einigen Monaten eine sehr böse Probe, ein von der Sitten- Polizei ausgefertigtes Schriftstück, veröffentlicht hatten, neuer- dings seine Fleischwaren in Akten des Wahlbureaus unseres Magistrats eingewickelt habe. Es handelt sich um Zuschriften der Staatsanwaltschaft des Landgerichts I, durch die dem Wahlbureau zum Zweck der Berichtigung der Urlisten davon Kenntnis gegeben wurde, datz die und die Personen b e st r a f t worden seien. Name, Beruf, Wohnung, Geburtsort, Geburtsdatum, Straf- tat, Strafe sind darin genau angegeben. Die Zuschriften waren, wie der aufgedrückte Eingangsstempel des städtischen Zentralbureaus beweist, tatsächlich ins Rathaus gelangt. In unserer Veröffentlichung vom 1. Dezember warfen wir die Frage auf, wie sie vom Rathaus aus ihren Weg in den Schlächterladen gefunden haben können, im besonderen: ob sie etwa von Amtswegen trotz Kenntnis ihres Inhalts als Makulatur verkauft worden seien. Und wir bezeichneten es als wünschenswert, daß der Magistrat sich schleunigst hierüber äußere, damit nicht der Verdacht ent- stehe, datz die Berliner Gemeindeverwaltung die ihr anver- trauten Geheimnisse aus den Personalien von Berliner Bürgern um Pfenniggewinnes willen gewissenlos preisgibt. So viel wir wissen, wird der„Vorwärts" im Rathaus sehr genau gelesen. Umsomehr überrascht es uns, datz auf unsere öffentliche Anfrage bisher noch keinerlei Rück- äutzerung erfolgt ist. Keine Zuschrift aus dem Wahl- bureau des Magistrats oder von irgend einer anderen amt- lichen Stelle unserer Gemeindeverwaltung ist an uns gelangt. Kein Magistratsberichterstatter ist in Bewegung gesetzt worden, um der Presse mitzuteilen, daß die Sache vom„Vorwärts" „aufgebauscht",„falsch dargestellt" oder„völlig erfunden" worden sei. Zwei Wochen sind seit unserer Veröffentlichung ver- gangen, aber wir warten noch immer auf Ant- wort. Anscheinend hat auch keine der freiwillig Magistrats- offiziösen Zeitungen ihren Spezialberichterstatter nach dem Rathause geschickt, um sich dort Aufklärung zu holen. Denn wir haben bisher in keinem Blatte irgend eine Mitteilung über diesen Skandal gefunden. Die freisinnige Presse Berlins, und auch die sich„unparteiisch" nennende, ist doch sonst nicht faul. wenn es gilt, dem Magistrat beizuspringen. Aber diesmal bleibt alles still und stumm. Wir wollen uns noch ein Weilchen gedulden und noch länger auf Antwort warten. Oder will man uns die Ant- wort überhaupt schuldig bleiben? Die Stadtverordneten- Versammlung hat sich in ihrer Sitzung am Donnerstag u. a. mit folgenden Gegenständen der Tages- ordnung zu befassen: Antrag von Mitgliedern der Versammlung betr. die Einleitung von Schritten, um die Beschränkung des gesetzlich gewährleisteten Rechts der Einwohner auf Benutzung der Stratzen und Plätze durch P o l i z e i o r g a n e für die Zulunst zu hindern und unberechtigten Verhaftungen vorzubeugen, sowie Uebernahme der Sicherheitspolizei durch die Stadt.— Vorlagen betreffend: die Gewährung von Schulräumen zu anderen als Schulzwecken; — die Frage, in welcher Weise die drohenden Ausfälle im Stadt- haushalts-Etat gedeckt werden können,— Matznahmen zur Bekäinpfung der S ä u g l i n g s st e r b l i ch k e i t,— die Organi- sation in oer Verwaltung des städtischen Rudolf Virchow-Kranken- hauseS,— den Ankauf einiger Grundstücke im Scheunen- viertel,— die Vorentwurfe zum Neubau je einer Gemeinde« Doppelschule in der Scherenbergstratze, in der Senefelderstratze. in der Lithauerstratze und in der Frankfurter Allee 140,— den Vor- entwurf für die Neubauten des Friedrich- Werderschen Gymnasiums und einer Gemeinde-Doppelschule in der Bochnmerstratze,— den Vorentwurf und die speziellen Entwürfe zum Neubau der Anstalt für Hospitaliten in Buch,— den Vorentwurs zum Neubau einer Gemeinde-Doppelschule in der Eckertstratze. Zum Bau der Untergrundbahn Potsdamerplatz— Spittelmarfl w. schreibt der Magistratsberichterstatter: Der Bau der Untergrundbahn Potsdamerplatz— Mohrenftratze— Hausvoigteiplatz— Spittelmarfl, gegen den die Grotze Berliner Sttahenbahn-Gesellschast mit einer Fcststellungsklage ankämpft, bietet nur zwischen HauSvoigteiplatz und Spittelmarfl einige Schwierigkeiten, weil dort eine Reihe von Grund- stücken unterfahren werden müssen. Durch den Erwerb dieser Grund- stücke und die eventuelle Anlage einer neuen Strotze zur direkten Verbindung des Spittelmarktes und Hausvoigteiplatzes erhöhen sich die Baukosten dieser kurzen Bahn ganz bedeutend. Die Schwierigkeiten find also mehr finanzielle als technische, während mit dem Weiterbau vom Spittelmarfl nach dem Alexanderplatz die Schwierigkeiten auch in technischer Beziehung wegen der Unterbohrung und Untertunnelung der Spree bczw. Ueberbrückung der Wasserläufe wachsen. Aus diesen Gründen hat man augenblicklich nur den Ausbau der kurzen Strecke Potsdamerplay— Spittelmarfl ins Auge gefatzt und doch wird diese Strecke erst voll zur Entlastung des Verkehrs am Spittelmarfl und in der Leipzigerstrahe beitragen, wenn die ganze Linie bis zum Alexanderplatz gebaut ist. Die Grotze Berliner Stratzenbahn- Gesellschaft wird mit ihrer Feststellungsklage, die in erster Instanz zugunsten des Magistrats ausgefallen ist, nichts erreichen. Die Verhandlungen und eventuell der Bau der Untergrundbahn wird durch den Prozeh und die Einsprüche der„Grotzen" nicht aufgehalten werden. Vielleicht können aber die Dividenden der Gesellschaft eine Schmälerung und der Kurs der Aktien eine Herabsetzung ersahren. Die Weihnachtsbeschernng für die Kinder der Ausgesperrte» wird gegenwärflg durch den Ausschutz der Gewerkschaften in allen Einzelheiten vorbereitet, so datz die Feier selbst den ge- planten Verlauf nehmen kann. Es sind bereits umfangreiche Einkäufe an Wäsche, Bekleidungsgegenständen, Juaendschriften, Spielwaren und anderen schönen und nützlichen Gegenständen gemacht, die den Weihnachtstisch füllen werden, den die Berliner Arbeiter den Kindern ihren im Kampfe gegen das Unter- nehmertum stehenden Klassengenossen aufbauen. Mit dem seitherigen Ertrag der zu diesem Zweck veranstalteten Samm- lungen sind die Leiter der Veranstaltung recht zufrieden. Ein schönes Beispiel der Opferwilligkeit lieferte der Zentralverband der Töpfer, der 5000 M. für die Weihnachtsbescherung bei- steuerte. Wenn auch die Geldsammlungen für diesen schönen Zweck in befriedigender Weise fließen, so braucht sich deshalb niemand abhalten lassen, um seinerseits mit der Beisteuer zu zögern. Je reichlicher die Sammlungen ausfallen, desto reichlicher werden auch die Kinder der Ausgesperrten und Streikenden bedacht werden können. Kein Arbeiter wird sich deshalb be- sinnen, sein Scherflein beizutragen, wenn ihm eine Sammel- liste vorgelegt wird. Das Bewußtsein, denen eine Weihnachts- freude zu bereiten, deren Eltern diesmal nicht dazu in der Lage sind, wird ihn reichlich lohnen. Wer nicht Gelegenheit hat, auf eine Liste zu zeichnen, der kann seinen Betrag an das Bureau der Berliner Gewerkschaftskommission, Engel- Ufer 15. senden. Solche„Herrschaften"! Ueber zwei„merkwürdige Erlebnisse" schreibt der„Kreuz-Ztg." eine Freundin dieses Blattes:„Als mein Hausmädchen sich verheiraten wollte, suchte ich eine Gefindever- Mieterin auf, um mir Ersatz zu verschaffen, und begann mein An- liegen:„Können Sie mir vielleicht ein gutes Hausmädchen empfehlen? Meine, die ich 14 Jahre hatte, verheiratet sich." Darauf bekam ich die Antwort:„Ach nein, für solche Herrschaften haben wir keine Mädchen." Auf mein Zureden, datz sich das Mädchen so gut mit meiner Köchin, vertragen hätte, die auch schon länger als 14 Jahre bei mir wäre, bekam ich die abweisende Antwort:„Für solche Herr- schaften haben wir keine Mädchen; die neue soll sich dann wohl von der alten Köchin kommandreren lassen." In stillen Gedanken trat ich meinen Heimweg an und ließ mir ein Mädchen vom Lande kommen.— Dann war meine Schneiderin erkrankt, die mehr als 40 Jahre für mich arbeitet, und ich frage mein Mädchen:„Kannst Du mir vielleicht die Adresse Deiner Schnei- derin sagen? Du hast mir neulich in Deiner Freude Dein neues Kleid gezeigt, das war so sauber und nett gemacht, ich habe einiges auszubessern." Darauf bekomme ich die in ganz bescheidenem Ton gehaltene Antwort:„Ach nein, die ist für Exzellenz viel zu teuer." Wieder in stillem Sinnen suchte ich mein Wohnzimmer auf." Die Vermieterin, die in solchen Dingen sich einigen Scharfblick angeeignet haben wird, mag bald herausgefunden fytben, warum die„Exzellenz" nicht gut einem Dienstmädchen empfohlen werden kann. Denn wer will es einem etwas auf sich haltenden Mädchen verargen, wenn es einer Madame auS dem Wege geht, die so wenig Anstandsgefühl hat, datz sie die in ihrem Hausstande be- schäftigten Leute duzt, ohne diesen Leuten ihr gegenüber das gleiche Recht einzuräumen? Kommt dann noch, wie anscheinend im Falle der„Exzellenz" der Geiz hinzu, der etner Schneiderin nicht einmal den von einem einfachen Dienstmädchen gezahlten Lohn gönnt, dann ist es begreiflich, datz das Madchen durch Empfehlung einer derartigen Madame sich nicht blamieren möchte. Die Exzellenz hätte ihre Schönheitsfehler lieber nicht der Oeffentlichkeit preisgeben sollen. 0 Die Wahlen zum Direktorium der akademischen Lesehalle sind gestern abend nach viertägiger Dauer geschloffen worden. ES sind abgegeben worden 1461 Stimmen, davon haben erhalten die „nationale" Partei 837, die katholischen Korporationen 212, die freie wissenschaftliche Vereinigung 207, der Verein jüdischer Studenten 205 Stimmen. Es sind mithin gewählt 8 Vertreter ver nationalen Partei, 2 der katholischen Korporationen, 2 der freien Wissenschaft- lichen Vereinigung und 2 des Vereins jüdischer Studenten. Die nationale Partei und die Katholiken werden im Präsidium 10 Mit- glieder stark sein gegen 4 Mitglieder der beiden linksstehenden Parteien.— Im Anschluß an die Wahlen ist der Rechenschaftsbericht der Lesehalle während des letzten Jahres ausgegeben worden. Die Einnahmen betrugen 16 643, die Ausgaben 16 144 M. Bon Einbrechern heimgesucht wurde in der Nacht zum Dienstag das Uhr- und Goldwarengeschäft von Hermann HaSler in der Landwehrstratze 1, Ecke der Gollnowstratze. Die Diebe hatten sich durch einen nach der Gollnowstratze hin belegenen Hausflur Eingang in daS Haus verschafft und waren jedenfalls eingeschlossen worden. Durch eine Hintertür suchten sie dann in daS Geschäft einzudringen. Da es ihnen aber nicht gelang, die eisernen Füllungen der Tür zu durchschneiden, so nahmen sie mit Schrauben versehene Brechwcrk- zeuge und erzwangen sich auf diese Weise den Zugang. Sie räumten ein Schaufenster vollständig aus und erbeuteten Uhren, Ringe und Schmucksachen im Werte von etwa 1 0 0 0 0 M. Der Diebstahl mutz erst in den ersten Morgenstunden verübt worden sein, wenigstens wird von dem Revierwächter behauptet, datz er gegen fünf Uhr rüh aus dem fraglichen Hause einige junge Leute habe herausgehen ehen. Er sei der Ansicht gewesen, datz diese Personen hier wohnten und habe daher dem Zusammentreffen keinerlei Bedeutung beigelegt. Von den Einbrechern fehlt bis jetzt jede Spur. Verteuerung der Beuzindroschlrn. Neue Benzinmotordroschken sollen in Berlin nicht mehr konzessioniert werden. Die vor einiger Zeit vom Berliner Polizeipräsidium erlassene Verfügung, wonach der Antrieb der Automobildroschlen durch Benzin in Berlin auf- hören und durch elektrischen oder SpirituLbetrieb ersetzt werden soll, wird jetzt strenger wie bisher durchgeführt. Keine Automobil- droschke wird mehr von der Polizei konzessiomert, die durch Benzin getrieben wird. Der Antrieb erfolgt jetzt durch SpiriwS mit Benzol- Zusatz. Diese neue Betriebsart ist aber dreimal so teuer als der Benzinbetrieb und die Automobildroschken-Unternehmer bemühen sich deshalb bei der Polizei, eine Erhöhung der Fahrtaxe für Automobil- droschken zu erreichen; vielleicht in der Weise, datz für diese Fahr- zeuge die Taxe 1 der Droschken in Wegfall kommt. An die Ein» sührung elektrischer Autodroschken in Berlin in gröherem Umfange ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. Aus Herrn Buddes Reich. Der bejahrte Arbeiter Friedrich Birkholz aus Herzfelde war in Nieder-Lehme bei KönigS-Wuster» Hausen- gewesen und wollte mit dem Zuge 5 Uhr 40 Min. nachmittags von dort nach Hause fahren. Er hatte sich jedoch verspätet, und um noch rechtzeitig auf den Bahnhof zu gelangen, lief er zwischen den Bahngleiscn entlang, ohne zu beachten, datz ein Personenzug heran» gebraust kam. Der Lokomotivführer merkte zwar den auf den Gleisen lausenden Mann und gab sofort Gegendampf, konnte jedoch das Un. glück nicht mehr verhindern. Birkholz geriet unter die Räder der Lolomotive und wurde sofort getötet. Ein ähnlicher Unglücksfall wird aus Brandenburg a. H. gemeldet. Tort wurde ein unbekannter Mann von einem Personen» zuge der Brandenburgischen Städtebahn überfahren. Dem Un- glücklichen wurden der Kopf und die Arme buchstäblich vom Körper abgeschnitten. Nach Papieren, die bei dem Toten aufgefunden wurden, scheint der Verunglückte der Restaurateur Ernst Thomas aus Mülhausen i. Th. zu sein. Ein dritter entsetzlicher Unglücksfall ereignete sich der„Verl. Ztg." zufolge abends bei dem Teltow-Kanalbau in Tempelhof. Do� wollte der 26 Jahre alte Arbeiter Kolnecki sich nach einer Baubude begebcu und mußte dabei die Gleise der zum Fortschaffen der Erdmassen dienenden Feldbahn überschreiten. Es kam gerade ein Arbeitszug herangesaust, und K., der dicht an der Weiche die Feldlokomotive vor sich sah, sprang schnell nach dem Nebengleis hinüber. Der Zug fuhr aber von der Weiche aus auf das Neben- gleis und der Arbeiter geriet unter die Räder der Maschine. Dem Unglücklichen wurden beide Beine abgefahren, außerdem erlitt er eine starke Brustquetschüng und Schädelverletzung. K. wurde noch lebend nach dem Kreis-Krankenhause in Groß-Lichterfelde gebracht, doch gilt sein Zustand für hoffnungslos. Unter der Maske eines Charit6-Arztes hat hier ein angeblicher Student der Medizin, der 29 Jahre alte Bernardo Asienjo ans Süd- amerika, viele Schwindeleien verübt. Der junge Mann bewohnte eine Zeitlang ein möbliertes Zimmer in der Steglitzerstraße und ließ sich dorthin eine Menge Sachen schicken, die er unter der Vor- spiegelung, Arzt an der königlichen Charito zu sein, auf Kredit gekauft hatte. Alles, was die vertrauensseligen Geschäftsleute, be- sonders Schuhmacher und Schneider, ihm brachten, wußte er unver- züglich zu seinem Vorteil wieder in Geld umzusetzen. Später erschien er in anderen Geschäften mit seiner angeblichen Frau und beanspruchte auch für diese umfangreichen Kredit. Als die Geschäfts- leute nach und nach mit der Rechnung kamen, war der„Herr Doktor" aus � seinem Quartier spurlos verschwunden. Nachdem sie in der Charitö erfahren hatten, daß es dort einen Arzt Bernardo Asienjo nicht gibt, gingen sie zur Kriminalpolizei. Während diese nach dem Schwindler forschte, begegnete ihni gestern einer der Ge- prellten auf der Straße und ließ ihn festnehmen. Der„Herr Doktor" gab ohne weiteres zu, daß er noch bei einer ganzen Reibe von Geschäftsleuten, die noch keine Anzeige gemacht haben, ebenfalls „auf Kredit gekauft" habe. Er will„selbstverstnirdlich" auch alle Rechnungen begleichen, nur fehlt es ihm einstweilen noch an dem nötigen Gelde. Daher wurde er vorläufig auch in UntersuchungS« Haft genommen. Der Schwindler wohnte zuletzt bald hier, bald da bei Frauenziinmern. Weitere Mitteilungen über sein Treiben nimmt die Kriminalpolizei des 4. Bezirks im Zimmer Nr. 326 des Polizeipräsidiums entgegen. Fall eines Meteors. Von dem Berliner Schriftsteller Max Kretzer, einem Augenzeugen des nachstehend geschilderten Natur- schauspieles. erhält das„B. T." folgende Zuschrift: Gestern abend ungefähr 7 Minuten vor Vrf Uhr ging ein herrliches Meteor zur Erde nieder, wie man es sich schöner nicht vorstellen kann. Ich stand gerade am Fenster meiner Wohnung in der Kantstraße, als die himmlische Erscheinung im Zuge von Osten nach Westen hinter den Dächern der südlichen Häuserreihe verschwand, und zwar der Augenrichtung nach links von der noch nicht sehr hoch stehenden Sichel des Mondes. Das Meteor machte den Eindruck einer riesigen blau leuchtenden Sternschnuppe mit einem großen, Halbbogen- förmigen, nach hinten spitz auslaufenden Schweif, der nach der Augenmessung etwa 20 bis 30 Meter betragen konnte. Der Schweif zog majestätisch mit, hatte fast die Leuchtkraft des Mondes und schien erst hinter den Dächern zu verpuffen. Die ganze Erscheinung dauerte für mein Auge ungefähr vier bis fünf Sekunden. Ein großer Dachstuhlbrand kam gestern(Dienstag) gegen Abend auf bisher nicht ermittelte Weise in der F r i e d e b e r g e r st r. S zum Ausbruch und beschäftigte die erste Kompagnie der Feuerwehr fast zwei Stunden. Das Feuer entstand auf dem Boden des Seitenflügels und wurde erst bemerkt, als helle Flammen durch das Dach schlugen. Mit unheimlicher Schnelligkeit griffen diese nun um sich, so daß bei Ankunft des ersten Löschzuges nicht nur der Dachstuhl des Seitenflügels brannte, sondern auch schon der Dachstuhl des Ouergebäudes von der von Feuer ergriffen war. Mit mehreren Schlauchleitungen wurde daher von verschiedenen Seiten aus vor- gegangen. In erster Linie galt es, den Flammen den Weg nach dem Ouergebäude abzuschneiden. Nach cinstündigem Wassergeben gelang es, das Feuer zu unterdrücken, doch zogen sich die Auf- räumungsarbeiten noch lange Zeit hin. Der Dachstuhl des Seiten- flügels mit seinen Bodenkammern ist total zerstört, doch ist vom Dachstuhl des Ouergebäudes nur ein kleiner Teil vernichtet. Die Berliner„Kaffeemühle" in Feuersgrfahr. Ein größerer Brand kam in der Nacht zum Dienstag in der Schönhauser Allee 100 in dem in weiten Berliner Kreisen bekannten Sommer- restaurant„Berliner Kaffeemühle" zum Ausbruch und wurde erst bemerkt, als bald nach 11 Uhr eine heftige Explosion er- folgte. Erschreckt stürzten mehrere Gäste aus dem im Nebenhause helegenen Restaurant„Schönhauser Volksgarten" und sahen daß meterlang: Flammen aus dem Keller der„Kaffeemühle" schlugen. Sie alarmierten schleunigst die Feuerwehr und drangen gleichzeitig in das brennende Haus ein, um etwa gefährdete Personen zu retten. Ter Inhaber Johannes Weißenborn war aber mit seiner Familie nicht anwesend. Als die Feuerwehr eintraf, brannte auch bereits eine an das Haus angebaute Veranda lichterloh. Trodem nun so- fort tüchtig Wasser gegeben wurde, dauerte es doch fast eine Stunde, bevor die Gefahr beseitigt war. Der Keller, in dem die Wohnung der Familie W. liegt, ist total ausgebrannt: auch die große Veranda ist zerstört. Wie das Feuer entstanden ist, steht nicht fest. Feueralarm vam Abgeordnetcnhause aus erging gestern(Diens- tag) mittag an die Feuerwehr. Da von öffentlichen und staatlichen Gehäuden jede Meldung sofort als„Mittelfcuer" angesehen wird, so rückten unverzüglich mehrere Löschzüge nach der Prinz Albrecht- straße aus. Sie konnten indes gleich wieder Kehrt machen und in ihre Depots zurückkehren, da keinerlei Feuersgefahr vorlag. Der Hausmelder des Abgeordnetenhauses war lediglich durch irgend eine Unvorsichtigkeit in Tätigkeit getreten. Unter dem Verdacht des Mordes an der Martha S ch ä l i ck e ist der verheiratete Tischler Georg Blumberg aus der Schinkestr. 2 gestern mittag verhaftet worden. Am Mittwoch voriger Woche wurde, wie wir ausführlich berichtet haben, im Landwehrkanal am Görlitzer Ufer eine weibliche Leiche mit zerschmettertem Schädel und zahlreichen Verletzungen auf- gefunden, die, nachdem sie erst falsch rekognosziert worden war, als die der Näherin Martha Schälicke. die am 17. Juni 1880 in Bern- stadt geboren war, festgestellt wurde. Bei den weiteren Unter- suchungen fand nun die Kriminalpolizei in ihrer Wohnung einen von dem Mädchen noch nicht abgeschickten Brief an ihre Eltern, worin sie ihnen gesteht, daß sie ein Verhältnis mit dem Tischler Blumberg habe, der sie schlecht behandle und prügle, so daß sie fürchte, er werde ihr noch das Leben nehmen. Blumberg wurde nun ermittelt. Es ist ein häufig vorbestrafter Mensch, der auch zurzeft noch infolge gerichtlichen Urteils unter Polizeiaufsicht steht. Da seine Frau die Beziehungen zur Schälicke kannte, so gab eS oft heftige Anstritte. So auch am 7. November wieder. Am Abend dieses Tages besuchte Blnmberg mit seiner Geliebten und deren Wirtin die Gastwirtschaft von Heinrich in der Pücklerstraße. Hier kam es zu einer Eifersuchtsszene. Blumberg war ohnebin eifersüchtig auf den Fabrikantensohn, der Martha Schälicke anshielt. Als diese nun beim Durchblättern einer illustrierten Zeitung ihm mit dem Be- gleiter ihrer Wirtin allzu schön zu hm schien, schlug er sie mit dem Billardstab ins Genick. Da sie ihm keinen Widerstand leistete, so war hiermit die Sache einstweilen erledigt. Von Heinrich ging Blumberg, der in der Schinkestraße 2 zu Rixdorf wohnt, mit seiner Geliebten nach dem Mnybnch-Ufer. Der Privatwächter eines Lager- Platzes am Kottbuser Ufer sah. wie beide von der Straße nach der Böschung bis hart an den Rand kamen. Beide sprachen lebhaft und Blumberg machte heftige Handbewegungen. Zuletzt ging Martha Schälicke etwa 1ö Schritte nach der Brücke zu. Blnmberg rief sie zurück und ging ihr halbwegs entgegen. Nun standen sie wieder bei einander. Der Wächter beobachtete sie nun nicht weiter. Bald darauf aber hörte er etwas ins Wasser fallen und jemand um Hülfe rufen. Das Mädchen lag im Kanal. Der Wächter vernahm, wie Blumberg der Ertrinkenden vom Ufer herunter sagte:„Ich kann Dir auch nicht helfen." Er rief ihm zu, er solle doch den Versuch machen, sie herauszuholen, aber Blnmberg erwiderte:„Sie sind doch näher am Rettungskahn, retten Sie sich doch 1" Nun rief er auch um Hülfe und nach einein Schutzmann, aber nicht so laut, daß man es weit hätte hören können. Bald ging er still von der Böschung nach der Straße zurück und in der Richtung nach der Revierwache zu davon. Auf der Wache selbst aber erschien er, wie wir schon mitteilten, nicht, sondern ging ruhig nach Hause. Hier näherte er sich am folgenden Morgen seiner Frau wieder und er- zählte ihr mit Rücksicht auf den Auftritt vom letzten Tage, er habe sich mit der Schälicke ausgesprochen und wolle nun nichts mehr von ihr wissen. Von dem Vorfall am Kanal sagte er nichts. Blumberg bestreitet, daß er das Mädchen ins Wasser gestoßen habe. Dafür habe sich auch noch kein Zeuge gefunden. Gefaßte Diebe. Gestern früh bemühten si-�.drei Männer in der Nostizstraße, einen recht schweren Sack fortzuschaffen und legten dabei eine große Aufregung an den Tag. Ein zufällig die Straße passierender Kriminalschutzmann beobachtete kurze Zeit ihr ver- dächtiges Treiben und als er sah, daß sie sich immerfort scheu um- sahen, ging er auf sie zu. Sofort warfen jene den Sack von den Schultern und suchten zu entfliehen. Der Kriminalbeamte verfolgte sie aber und es gelang ihm, zwei derselben zu fassen, während der dritte entkam. Auf dem Polizeirevier entpuppten sich die beiden Diebe als bereits vorbestrafte Personen namens Feuer und B i l d t. Sie gaben zu, den Sack von einem Wagen am Anhalter Güterbahnhof in einem unbeobachteten Augenblick gestohlen zu haben. Der Sack war ebenfalls auf die Revierwache geschafft worden und wurde dort geöffnet. Er enthielt Kakao und Schokolade und wurde seinem Besitzer wieder zugestellt. Ihren dritten Komplizen wollten die beiden Verhafteten nicht kennen. Fra« Elise Schreiber, Koppenstr. 36, teilt uns zu einer bor einigen Tagen gebrachten Reportermeldimg. wonach ihr geisteskranker Mann wahrscheinlich von Dieben 700 Mark und Teile eines Sckimuckes in Aufbewahrung genommen habe, berichtigend mit, daß die 700 M. die Ersparnisse des Geisteskranken waren, die er stets bei sich ge- tragen hat. Von dem Funde von Schmucksachen sei keine Rede: Schreiber hatte bei seiner Einlieferung in Herzberge außer dem Gelde nur den Trauring und seine Taschenuhr bei sich. Die Polizei hatte keine Ursache, eine Haussuchung abzuhalten. Unter diesen Um- ständen tut es uns natürlich leid, daß iu der Reportermeldung ein ehrenhafter Mann verdächtigt worden ist. Märchcnabend für Kinder. Am Sonntag, den 13. Dezember, trägt der Dichter Hanns Heinz Evers im großen Saale des GcwcrtschaftshauscS aus seinen Märchenbüchern„Die verkaufte Groß- mutier",„Singwald" und„Ginsterhexe" vor. Der Eintritt ist für Kinder und Erwachsene frei, doch wird gebeten, Kinder unter sechs Jahren nicht mitznhringen. Bierausschank findet nicht statt. Der Saal wird um 4'/? Uhr geöffnet, der Vortrag beginnt Punkt 5 Uhr. Der Berliner Zoologische Garten hat kürzlich ein junges Burchells-Zebra erivorben, eine Art, die ursprünglich im Gebiete des Vaal-Flusses heiniisch war. dann aber das Los vieler südafrikanischer Tierarten geteilt hat und in der Freiheit ausgestorben ist. Nur einige wenige Stücke befinden sich noch in einigen euro- päischen Gehegen und werden daselbst gezüchtet. Dieie schöne Zebraform ist durch breite, hellbraune Zwischenstreifen und fast ein- farbige Beine ausgezeichnet. Zirkus Schumann. Neben Herrn Direktor Albert Schumann wirkt als Dresseur großen Stils mit besonderem Erfolge Herr Albert Carre, der Sohn des königl. Niederländischen Zirkusdirektors gleichen Namens. Er legt das Hauptgewicht auf eine in vornehmem Rahmen gehaltene, geschmackvoll arrangierte und mit Präzision ausgeführte Vorführung. Er vereinigt große Freiheitsdressuren mit kleineren Nummern von oft sehr komischen Wirkungen, kurz, er weiß jedem aus dem Publikum etwas zu bringen. Auch exekutiert er stets ein abwechselungsreiches Programm, wenngleich einige Produktionen sich bei dem Publikum ganz besonderer Beliebtheit erfreuen und deshalb immer wieder gezeigt werden müssen. Auch als schneidiger Reiter erweist sich Herr Carre, indem er einige ganz ausgezeichnete Tricks mit verblüffender Sicherheit und Verve ausführt.— Auf dem Gebiete der rein zirzensischen Künste betätigen sich noch außer- ordentlich die Powell Cottrells mit ihren hervorragenden Leistungen auf ungesatteltem Pferd. Ihre Vorführungen zeichnen sich ebenfalls durch vollendete Ausführung, Eleganz, bewundernswürdige Aus- gestaltung aus und sind in jeder Beziehung künstlerisch wirksam.— Flott und graziös sind die Geschwister Miniggio, die sich ebenfalls als ausgezeichnete Reitkünstlcrinnen erweisen.— Von den übrigen Spezialitäten seien der tollkühne„Sprung in den Mond auf dem Motocycle", ausgeführt von Mlle. Helene und Münstedts reizende Liliputaner mit ihrem Miniaturzirkus besonders erwähnt. Von besonderem Interesse ist noch das Auftreten des Osetiner Dschigitt- reiters Agube Gudkow, das stets lebhaften Beifall entfesselt. Der Berein Mütter- und Kinderheime veranstaltet am 14. De- zember im Jndustriegcbäude, Beulhstraßc 20, abends 8 Uhr, eine große öffentliche Versamnilung, um das Publikum mit den Zielen des Vereins bekannt zu machen. Referentin ist Adele Schreiber, die bekannte Verfechterin der Rechte der arbeitenden Frau und des außerehelichen Kindes. Thema:„Wie schützen wir das un- eheliche Kind vor dem frühen Tod oder dem moralischen Untergang?" Das erste Heim eröffnet der Verein am 1. Januar 1005 Uhlandstraße 40/41 in Wilmersdorf. Jede Auskunft wird daselbst von Frau A. Westphal erteilt. — Eine Weihnachtsfeier mit einem sehr gewählten und reich- haltigen Programm veranstalten unsere Gcnosfen am ersten Weih- nachtsfciertag im Kumkeschen Saale, Schönwalderstraßc 80. Theater. Im Luisen- Theater wird„Doktor Fausts Haus- käppchen" Freitag zuerst aufgeführt.— Im Schiller-Theater O. (Wallnertheater) wird Mittwoch abend„Wallensteins Lager" und„Die Piccolomini". Donnerstag„Wallensteins Tod" gegeben. Im Schiller-Theater N.(Friedrich Wilhelmstädtisches Theater) geht Mittwoch abend„Mutter Erde", Donnerstag abend„Die Hanbenlerche" in Szene. Mittwoch nachmittags 3 Uhr findet die zweite Volksschüler-VorsteNung für die Berliner Gcmeindeschnler statt.— Sonnabend nachmittag wird im L u st s p i e l h a u s Gabriele Reuters Märchen„Das böse Prinzeßchen" gegeben.„Die Meyerlein" heißt die Operetten-Stovität, die am Zentral-Thearer in nächster Zeit zur Aufftihrung gelangt.— Im Carl Weiß- Theater geht am Sonnabend das Weihnachtsmärchen„Aus der Märchenwelt"(Rotkäppchen) zum erstenmal in großer Ausstattung in Szene.— Sonnabend nachmittag gelangt„Aschenbrödel" zur Auf- führung._ Hue den Nachbarorten. NowaweS. Donnerstag abends'/-O Uhr findet in GodglückS Volksgarten, Priesterstraße, eine Volksversammlung statt, in der Reichstags-Abgeordnetcr Ledebour über„Die politische Lage in Deutschland" spricht.— Des fernere» den Genossen zur Kenntnis, daß sich der Restaurateur Schmidt, WilHelinstraße, verpflichtet hat. sein Lokal„Kaisersaal" der Arbeiterschaft zu allen Ver- anstaltmigen zur Verfügung zu stellen, und ist dieses Lokal jetzt für den Arbelterverkehr freigegeben. Pankow. Aus Anlaß eines Streiks bei der Firma Mägdefrau in Pankow versuchte der Amtsvorsteher vor 0 Monaten eine Ortspolizeivcrord- nung von der Gemeindevertretung zu erwirken, durch welche das Streikpostenstehen unmöglich gemacht werden sollte. Die Gemeinde- Vertretung lehnte ihre Zustimmung dazu ab; Prof. Dr. Mendel führte seinerzeit aus, daß man der Polizei nicht zu viel Machtmittel zur Verfügung stellen sollte. Neuerdings nun ist ein Streik bei der Firma H i r s ch m a n n in Pankow ausgebrochen, und die Ge- mcindevertrctung wurde als Amtsausschuß für den Amtsbezirk Pankow einberufen, um Stellung zu folgender Polizeiverordnung zu nehmen: „Den zur Erhaltung der Sicherheit, Bequemlichkeit, Ruhe und Ordnung auf den öffentlichen Plätzen hiesigen Ortes er- gangenen Aufforderungen der Aufsichtsbeamten ist unbedingt Folge zu leisten." In den schwärzesten Farben schilderte der Amtsvorsteher die Zustände, welche in Pankow seit dem Streik bei Hirschmann an« geblich herrschen. Kein Mensch könnte mehr die Straße passieren, ohne durch die Streikposten belästigt zu werden. Die ganze Korona der bürgerlichen Vertreter tutete in dasselbe Horn. Pros. Mendel steht nunmehr auf dem Standpunkt, daß die Polizei zu wenig — Machtmittel habe: man müsse ihr diese Machtmittel zugestehen. Prof. V o ß gebrauchte unter der Heiterkeit unserer Genossen folgende Redeblüte:„Mit schwerer Gefängnisstrafe mutz derjenige bestrast werden, welcher andere an freiwilliger Arbeit hindert." Unsere Genossen taten ihr Möglichstes, um die Verordnung abzu- wenden. Gegen ihre Stimmen wurde die Vorlage aber angenommen. Die Fabrik der Gebr. Hirschmann liegt an der Nordbahn-Haltestelle Pankow; in einem Umkreise von einigen tausend Metern ist jetzt buchstäblich der Belagerungszustand proklamiert. Acht Gendarmen, vier Polizeidicner und zwei Kriminalbeamte sorgen für„Ruhe und Ordnung"; Arbeiter werden sistiert und trotz Legitimation halbe Tage auf der Polizeiwache behalten. Jndeffen halten Rowdies und balbwüchsige Burschen wahre Orgien in den übrigen Teilen von Pankow. Steglitz. Eine Ausstellung von Jugcildschriften, Bilderbüchern und �tünst- lerischcm, preiswertem Wandschmuck findet in Steglitz im Bürger- garten, schloßstr. 01, am Donnerstag, den 15. Dezember, von nach- mittags 3 Uhr ab statt. Um l/2 0 Uhr wird Herr Lehrer Hoch einen belehrenden Vortrag über die Ausstellung halten. Eintritt für jeder- mann frei; Kinder nur in Begleitung Erwachsener! Es werden nur vom Prüfungsausschuß der Lehrerschaft empfohlene Bücher ausgestellt. Schmargendorf. Waffcrjule und Amtsvorstlmd. Einen andauernden Kampf haben die Schmargendorfer Parteigenossen um ihre beiden Versammlungs- lokale„Wirtshaus Schmargendorf" und„Sanssouci" zu führen, und zwar nicht gegen die in Betracht kommenden Wirte, sondern gegen die Amtsverwaltung. Wechselt der Besitzer oder Pächter, so ent- spinnt sich jedesmal ein Konzessionskrieg. Als einmal in beliebter Weise die Bedürfnissrage für das Restaurant„Sanssouci" verneint wurde, mußte zu gleicher Zeit im Ralhause großer Durst vorhanden sein, denn der in unmittelbarer Nähe von„Sanssouci" liegende Ratskeller wurde konzessioniert. Letzthin handelte es sich wiederum um das Lokal„Sanssouci". Die Konzession sollte vom Wirt aus den unter dem Beinamen„Wasserjule" in weitestenKreisen bekannten Pächter Rogatt übertragen werden. Der Amtsvorsteher verweigerte dies, weil die nahe der Prnchtstraße Hohenzollerndamm gelegene Arbeiter- kneipe nicht dem Charakter der Gegend entipräche l Die vor dem Kreis-Ausschuß angestrengte Klage RogattS gegen den Amtsvorstand ist jetzt zu Gunsten des Klägers entschieden worden. Der Amts- Vorsteher hat sich damit eine wohlverdiente Niederlage geholt. Die Schmargendorfer Arbeiter aber haben erreicht, daß ihnen ihr größtes Versammlungslokal am Ort erhalten bleibt. Aus dem Kreis-Krankeuhause eutlaffen worden ist der beim Zu- sammenbruch der Junenrüstung am 3. November in Schmargendorf verunglückte Maurer Otto Dietrich. Der gefährliche Shirz aus der dritten Etage in die Kellerräume scheint demnach für D., der Mitglied des Wahlvereins ist. glimpflich abgelaufen zu sein. Genckts-Deining. Zu dem Gerichtsbericht über die Geheimnisse der Börner s ch e n Backstube schreibt uns Herr Behm, Strausbergerstr. 36: Die M dem Gerichtsbericht enthaltene Behauptung, ich hätte Herrn Bäcker- meister Börner zur Stellung eines Sttafantrages veranlaßt, ist tat- sächlich unwahr._ Vermilcktes. Als Urheber des siebenfachen Mordes in Niedersteina(Sachsen) muß nach den Erhebungen doch der alte Freudenberg selber gelten; die Beschuldigungen gegen seinen Schwiegersohn Damsihko sind nach der Lage, w,e die Leichen gefunden wurden, nicht gerechtfertigt. Die Leiche des alten Freuder.iberg hatte einen Strick um den Hals und lag mit dem Gesicht nach dem Erdboden zu. Die noch nicht ganz verkohlte Leiche der Frau Freudenberg lag in einer Blutlache. Daraus wird geschlossen, daß Fleudenberg selbst sein Anwesen in Brand gesteckt hat und seine Angehörigen, wahrscheinlich im Wahn- sinn, erschlug. Freudenberg soll eine größere Bürgschaft für seinen Schwiegersohn übernommen gehabt haben, dessen Steinbruch Ver- luste gebracht hatte. Auch die verkohlten Leichen weiterer drei Personen wurden mit zertrümmerten Schädeln aufgefunden. Ueber einen Schifsszusammenstoß auf der Seine wird aus Paris berichtet: In der Nähe der Notre Dame-Brücke sind Mon- tag abend zwei dichtbesetzte Scine-Tampfer zusammengestoßen, die den Verkehr zwischen der Vorstadt Auteuil und der inner» Stadt vermitteln. Es entstand eine furchtbare Panik unter den Reisenden, doch konnten alle gerettet werden. Sieben Personen haben Ver- letzungen erlitten. Beide Dampfer sind gesunken. Ein seltsames Unglück hat sich nach der„Danz. Ztg/' Montag abend am Weichselufer bei Schellmühl ereignet. Dort stürzte beim Heben von Lasten für die nordischen Stahlwerke ein Dampfschiffs- kran um. Er fiel auf einen danebenliegendcn, mit Eisen beladenen Oderkahn, der durchschlagen wurde und sofort sank. Nur drei Kinder des Schiffers konnten gerettet werden, während der Schifer und sein viertes Kind ertranken._ Marktpreise von Berlin am 12. Dezember. Nach Ermittelungen beS kgl. Polizei-PräsidiumS. Für l Doppel-Zcntner: Weizen»"), gute Sorte 17,75—17,73 M.. mittel 17,71-17,69 M.. geringe 17,67-17,65 M. Roggen""), gute Sorte 14,05—14,04 M., mittel 14,03—14,02 M., geringe 14,01—14,00 M. Futtcrgerste"), gute Sorte 15,70—14,70 M., mittel 14,60 bis 13.60 M., geringe 13.50— 12,50«». Saser"), gute Sorte 16,50— 15,60 M., niillel 15,50—14,60 M., geringe 14,50—13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00— 30,00 M. Speisebohnen. weiße 50,00—30,00 M. Linsen 60.00— 30,00 M. Kartosseln 9,00-7,00 M. Richlstroh 0,00-0,00 M. Heu 0,00-0,00 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80—2,20 M. Eier per Schock 4,80—3,20 M. ") Frei Wagen und ab Bahn."") Ab Bahn. Wafferstaud am 12. Dezember. Elbe bei Aussig ff- 1,10 Meter, bei Dresden— 0,40 Meter, bei Magdeburg-{- 1,67 Meter.— U n st r u t bei Straujzfurt+ 1,60 Meter.— O d e r bei Ratibor+ 3,12 Meter, bei Breslau Ober. Pegel 4- 5,26 Meter, bei Breslau Unter- Pegel+ 0,62 Meter, bei Frankfurt 4- 1.97 Meter.- Weichsel bei Brahemünde 4- 2,84 Meter.— W a r t h e bei Posen 4- 0,74 Meter.— N e tz e bei Usch 4- 0,91 Meter. Lrlefkasten der Redaktion. Icker Ceil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit'Ausnahme des Sonnabends von?>/, bis!»>/, Uhr abeud» statt. Geöffnet:? Uhr. A. K. 100. Nein.—(8. D. Der Finderlohn beträgt für gefundene Sachen bis zum Wert von 300 M. 5 vom Hundert, vom Mehrwert eins vom H lindert, bei Tieren überhaupt nur eins vom Hundert. Streitig, aber zu bejahen ist die in Ihrem Falle entscheidende Frage, ob eine gestohlene und vom Dieb weggeworfene Sache als gefunden geilen lann. Ersatz sür Ihre polizeilichen Veniehmungen können Sie nicht verlangen. Der Finder- lohn kann eingeklagt werden.— St. W. II. Vor Privatgesellschaften jeder Art. welche sür irgendwo in der Welt günstige Kölonisatioiisgclegenheit anpreisen, ist lediglich zu warnen. Wollen Sie über dje Möglichkeit einer Kolonisierung über die Aussichten sür Ansiedler usw., Auskunft haben, so wenden Sie sich am besten an das Auswärtige 'Amt oder an die amtliche Auskunstsstelle Schillingstratze 4. R. Teuscher. Ein Anspruch aus Ausnahme in eine Heilanstalt steht Ihnen leider nicht zu. Ein dahin gerichteter sozialdemotratischer Antrag wurde von der Reichstagsmehrheit abgelehnt.— A. Z. 10. Ja: sofern sich die Geschenke noch in dem Besitz der ehemals Verlobten zur Zeit der Aufforderung befinden und nicht etwa intimste Annäherung staltgesunden hatte.— 000. Besagt Ihr Vertrag nicht das Gegenteil, so haben Sie daS Pachtland am 31. Dezember 1904 zu räumen.— I W. 0876. Rem. — Zehnjähriger Abonnent. Nein.— I.£0. 1. Das ist mogtich. 2. In Witterungsübersicht vom 13. Dezember 1904, morgens 8 Uhr. erfter Reihe erben die Abkömmlinge( Kinder, Entel usw.) Diese( in Ge R. G. 4b. Da Sie bereits seit Ottober 1903 die Wohnung innehaben, Bahlung flagen, sofern nicht Ihr Statut einen bequemeren Beg offen läßt. meinschaft mit dem verwitweten Gatten) schließen alle anderen Erben aus. So bleibt Ihnen nur übrig, auf Beseitigung des Mangels zu flagen, oder Moabit A. M. Eine Klage wäre aussichtslos. m. m. 100. Nein. Ein uneheliches Kind hat dasselbe Erbrecht seiner Mutter gegenüber wie ein den Wirt unter Fristsetzung nochmals zur Beseitigung des Mangels E. B., Wilmersdorf. Den Antrag auf Aufnahme in den preußischen in ehelicher Zeit geborenes, es hat aber kein Erbrecht gegenüber seinem aufzufordern, ihm anzudrohen, daß Sie nach Ablauf der Frist auf seine Staatsverband haben Sie an den Regierungspräsidenten zu richten. Es Erzeuger. 3. Die Eltern. Mar Fischer. Am Ersten ist zu räumen. Soften den Mangel beseitigen lassen würden, die Drohung anszuführen und genügt: Ich bin sächsischer Staatsbürger, habe mich ausweislich anliegender Danach muß also innerhalb der Verkehrszeit, spätestens demnach dann die Kosten einzuflagen. 5. G. 100. Es fann ausnahmsweise polizeilichen Anmeldung in W. niedergelassen. Ich beantrage Aufnahme in etwa um 2 Uhr geräumt sein. B. K., Oranienstraße. 1. Nein. 2. Ja. Aufnahme stattfinden. O. N. 7. Sie müssen beim Amtsgericht dars ben preußischen Staatsverband." Es kann Beifügung des sächsischen Staats 2. K. 1. Ein Ersatz für die versäumte Zeit steht dem schuldlos An- legen, daß das Interesse der Kinder eine Vormundschaft( eventuell durch angehörigkeitsausweises begehrt werden. Den Ausiveis erhalten Sie durch geklagten leider nicht zu. 2. Das ist doch nur menschlich. Entbindungs- Sie, nicht aber durch die erste Frau) erfordert und auch im Interesse der die Kreishauptmannschaft. Die Aufnahme ist kostenlos. Zoffen. Die anstalten( mit Angabe, ob unentgeltlich und wie hoch eventuell der Entgelt) Nachlaßregulierung und auf Bestellung eines Vormundes und Regelung höfliche Anrede eines Lehrers als„ Herr Schulmeister" ist keine Beleidigung. finden Sie unter Nr. 524, 528, 530, 555 bis 560 des Buches der Erziehung( eventuell auch des Nachlasses) antragen. A. A. Ja. Aber es gibt nichts, was unter feinen Umständen von deutschen Gerichten " Die Wohlfahrtseinrichtungen Berlins", dritte Auflage, angeführt. M. 100. 1-5. Beim Offenbauungseid haben Sie zu beschwören, daß als Beleidigung erachtet werden kann. Die Findigkeit von Gerichten offenDas Buch tönnen Sie in den öffentlichen Bibliotheken einsehen. Sie nach bestem Wissen Ihr Vermögen so vollständig angegeben haben, als bart sich oft in dem Finden von dem, was nicht ist. 2. M. Nein. B. 26. Stirbt Ihr Bater ohne Hinterlassung eines Testaments, so Sie dazu imstande sind. Selbstverständlich gehören zu Ihrem Vermögen erben Ihre Mutter und die 6 Kinder nach märkischem Recht, falls nicht die Ihre Ersparnisse, Ihre Forderungen( z. B. aus der Lebensversicherung) und Erklärung abgegeben wird, daß sie nach dem Recht des bürgerlichen Gefeß- das, was Sie etwa nur zum Schein auf Ihre Kinder geschrieben haben. buches erben wollen. Zur Vermeidung von Streitigkeiten empfiehlt es sich, Geburtstags-, Weihnachts-, Batengeschenke der Kinder find deren Eigentum. daß Ihre Eltern ein wechselseitiges Testament machen, in dem sie die Erb- Sie können Kleinigkeiten im Ramsch angeben, aber nicht verschweigen, wenn portionen der einzelnen Kinder festseßen. Eine Borschrift festzulegen, nach Sie sich nicht der Gefahr der Anflage wegen Meineids aussehen wollen. der das Haus unter allen Umständen nach dem Tode verkauft werden muß, Erscheinen Sie im Termin nicht, ohne seitens des Gerichts für hinreichend empfiehlt sich keineswegs, da durch solche Vorschrift der Wert des Nach entschuldigt erachtet zu sein, so tann Haftbefehl gegen Sie erlassen werden. laffes gemindert wird. S. W. 11. 1. Nein. 2. Sie können ja flagen. Sind Sie frant, so fönnen Sie unter Beifügung des ärztlichen Attestes vor Büchervertrieb. 1. und 2. Der Bescheid der Oberpoſtdirektion ent- dem Termin Verlegung des Termins beantragen. 6. Nach 30 Jahren. spricht durchaus den zur Verhütung von Schwindeleien gegebenen Vor- G. B. 10. Sie fönnen beim Gewerbegericht auf Herausgabe und Swinemde. 749 SD schriften der Postordnung. 3. Zur Eintragung ins Handelsregister wäre Zahlung flagen. F. D. 1000. Bitte zu wiederholen. Kl. Nein. Hamburg erforderlich, daß Sie Kaufmann sind. Die von Ihnen der Post überreichte M. N. Strenburg. 1. Es ist feiner der von Ihnen erwähnten Schritte Bescheinigung hält die Post mit Recht zurück, weil aus ihr allein eine Be- erforderlich. 2. Ob eine Firma oder eine Person mit dem von Ihnen Frantj.a. M. 747 SD rechtigung zu dem Ihnen bewiesenen Entgegenkommen abgeleitet werden angegebenen Namen in Berlin epiftiert oder eristiert hat, erfahren Sie durch München 750 tann. Wien R. E. 31. Da Sie volljährig sind, sind Sie an die Erfüllung Anfrage bei dem Polizeipräsidium oder durch Nachschlagen in den verIhres Kaufvertrages gebunden, es sei denn, Sie können Betrug schiedenen Jahrgängen des Abrejkalenders. Suffitenstr. 1. bis 3: So oder dergl. nachweisen. Die von Ihnen angeführten Gegenstände weit ersichtlich liegt eine strafbare Handlung nicht vor. 2. Wollen Ste als werden wohl mit Ausnahme vielleicht eines Spindes und des Vereinsmitglieder das Geld von dem ehemaligen Kassierer Ihres Vereins Regulators als unpfändbar erachtet werden. x. 9. 3. Nein. zurückerstattet haben, so müssen die Vereinsmitglieder beim Amtsgericht auf Urania, Taubenstr. 48/49. Für den Inhalt der Inserate Um 8 Uhr im Theater: übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 14. Dezember. Anfang 7%, Uhr: Opernhaus. Samson und Dalila. Neues königl. Opern Theater. König Lear. Deutsches. Maskerade. Neues. Die Morgenröte. Berliner. Zapfenstreich. Nachmittags 3 Uhr: Die schöne Melufine. Leffing. Traumulus. Weften. Wiener Blut. Nachmittags 3 Uhr: Der Struwwelpeter. Thalia. Der Weiberkönig. Nachmittags 4 Uhr: Mag und Morig. National. Der Troubadour. Zentral. Das süße Mädel. Nachmittag 4 Uhr: Däumelinchen. Anfang 8 Uhr: Belle Alliance. Die Tugendglode. Nachmittags 3, Uhr: Frau Holle und Prinzeß Tausendschön. Schiller 0.( Wallner Theater.) Ballensteins Lager. Hierauf: Die Piccolomini. • Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Mutter Erde. Kleines. Abschiedssouper. Der grüne Kakadu. Residenz. Herkulespillen. Carl Weiß. Senta Wolfsburg. Nachmittags 3, Uhr: Die Starts: schüler. Luftspielhaus. Der Familientag. Lutjen. Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Trianon. Gastons Frauen. Deutsch- Amerikanisches.New- Yort. Metropol. Die Herren von Marim. Kasino. In Vertretung. Apollo. Berliner Luft. Amerikanische Sensations- Novitäten. Palast. Spezialitäten. Herrnfeld Theater. Prinz Lebh in Ahlbed. Passage Theater. Die Gefangene. Spezialitäten. Anf. 5 Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Frühlingstage an der Riviera. Hörsaal 6 Uhr: Dr. B. Donath: , Drahtlose Telephonie." Sternwarte Hörsaal: Invalidenstr. 57/62. Tierleben in der Wildnis. CASTAN'S ANOPTICUM. PA Friedrichstr. 165. Achmet Effendi mit sein. sprechenden Puppen. Abdul Chan, der geheimnisvolle Zauberer aus Bagdad. Orientalische Märchenwelt. Passage- Panoptikum. Der Riese Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr:, Wallensteins Lager. In 1 Alt von Friedrich Schiller. Die Piccolomini. In 5 Aften von Friedrich Schiller. Donnerstag, abends 8 Uhr: Wallensteins Tod. Freitag, abends 8 Ubr: Heimg'funden. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtliches Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Mutter Erde. Drama in 4 Aufzügen von May Halbe. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Freitag, abends 8 Uhr: Mutter Erde.. Stationen Berlin Barometer. stand mm Wind Sunpa Bindstärke Better Temp. n. 6. 5° E.= 4° R. Stationen Barometer fland mm Wind Bunitpla 2 Haparanda 750 S 1 Betersburg 755 SSD 2 Scilly Windstärke Better 2bedeďt 748 DSD 749 50 2 bedeckt 2 bedeďt 1Schnee 1 bedeckt 1 bedeckt 4 bedeckt 4 Aberdeen 2 Baris 1 758 NN 748 N 4 bebedt 2 bedeckt Temp. n. C. 45 751 Still- bedeckt Wetter- Prognose für Mittwoch, den 14. Dezember 1904. Etwas fälter, zeitweise nebelig, fonst ziemlich heiter, bei schwachen südlichen Winden; feine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau Gebrüder Sozialdemokrat. Wahlverein f.d.4. Herrnield- Theater Ber. Reichstagswahlkreis. Die stürmisch bejubelte Situations Komödie: Prinz Levy in Ahlbeck Kleines Theater Neues Theater. Swank in drei Aften von Anton Vereinigte Bühnen unter der Leitung von Max Reinhardt. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. und Donat Herrnfeld. Hauptrollen: Magnus Prinz Levy: Donat Herrnfeld. Der grüne Kakadu. Die Morgenröte Brahidal, deffen Reisebegleiter= Die Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Borher: Abschiedssouper. Donnerstag und Freitag: stillen Stuben. Sonnabend und Sonntag: Salome. I Morgenröte. Freitag: Die Kronprätendenten. Sonnabend und Sonntag: Die Zirkus Schumann. Zirkus Busch. Heute, Mittwoch, den 14. d. Mts., abends präz. 72 Uhr: Zum 1. Male! Neu! Gala- Abend. Katharina II. Die Original- Japaner. Doppel- Konkurrenz- Vorstellung. Die dress. Affen des Clowns Armando. Sämtliche Nummern werden doppelt ausgeführt. Ferner: Der neueste Sensations- Akt Bum erstenmal: ,, Gentleman". ,, Chips", engl. Vollblut, und die vorügl. Programmnummern. Machnow Der Sprung in den Mond Lustspielhaus ist wieder da! Der größte Mensch, der je gelebt hat! Ohne Extra- Entree! Passage- Theater. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Anf. nachm. Wochent. 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Ludolf Waldmann Berlins populärster Lieder- Komponist. Carla Lingen in ihrer Szene „ Die Gefangene". Um 8 Uhr abends: Frühlingstage Die Gefangene". an der Riviera. Hörsaal: 6 Uhr: Dr. B. Donath: „ Drahtlose Telephonie". Juvalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Im Hörsaal: Zierleben in der Bildnis. Ein Drama im Kerkerhof. 14 neue erstklassige Nummern. Apollo- Theater. Abends 8 Uhr: National- Theater Berliner Luft. Beinbergsweg 12a- 13b. Mittwoch, den 14. Dezember 1904: 13. Mittwochs- Abonnement. Gastspiel Werner Alberti. Der Troubadour. Anfang 72 Uhr. Musik von Paul Lincke. 9 Uhr: Die amerikanischen Sensations- Novitäten! Wundersterne, elektrische Tanzbilder. The Holloways, Akrobaten auf dem Drahtseil. Donnerstag: Gastspiel Werner: Kasseneröffn. 7 Uhr. Auf. 8 Uhr. Die Millionenbraut. mit dem Moto- Cycle, ausgeführt von der tollfühnen Französin 236. Täglich abends 8 Uhr: Mlle. Hélene. Der Familientag. Münstedts Liliputaner. reizende Um 9 Uhr: Der Kurier des Zaren. Freitag, den 16. d. Mts., präz. 8 11hr: Große Wohltätigkeits- Vorstellung zum Besten des Vereins für Kaffeestuben u. Erfrischungstarren zu Berlin. Der Vorstand. Frau Gräfin Bofadowsky. Frau Kommerz.- Rat Lucas. Frau Komm.- Rat Heyl Frau Berb. Ministerial- Direktor Hermes. Arthur Schmidt. Albrecht Guttmann. K. Beerwald. Dr. Deutsch- Amerikanisches Theater. Köpenickerstr. 67. Gastspiel Adolf Philipp. Anf. 8 Uhr. NEW- YORK Sonntag nachm. 3 Uhr! Halbe Pr. Ueber'n grossen Teich. Kasino- Theater Lothringerstraße 37( Rosenthaler Tor). Täglich 8 Uhr, Sonnt. 7-8 Konzert. In Vertretung. Militärschwank in 8 Aften von Gordon. Sonntag nachm. 4 Uhr( fl. Breise): Wildes Blut. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Zentral- Theater Metropol- Theater Gastons Frauen. Nachmittags 4 Uhr: Kindervorstellung. Däumelinchen. Märchenspiel mit Gesang und Tanz in 6 Bildern. Anfang 8 Uhr. Die Herren von Maxim. W. Noacks Theater. Sonnabend nachmittag, 17. Dezember, zum erstenmal: Das böse Prinzeßchen. Residenz- Theater. Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Herkulespillen. Schwank in 3 Aften von Baul Bilhaud und M. Hennequin. Deutsch von M. Schönau. Carl Weiß- Theater. Anton Herrufeld. Anfang 8 Uhr. Borverkauf 11-2 Uhr. Sanssouci. Kottbuser Tor- Stat. der Hochbahn. Heute Mittwoch: Weihnachtsbilder. Bilder aus der Weihnachtszeit in 3 Abteilungen. Sonntag, Montag, atue Donnerstag: Hoffmanns ( Osten.) Todes Anzeige. Am Montag, den 12. d. M., starb nach furzen schweren Leiden unser altes Mitglied, der Schankwirt Albert Böhl im Alter von 58 Jahren. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags 231, Uhr, von der Leichenhalle des ZentralFriedhofs, Friedrichsfelde, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 267/2 Der Vorstand. Am 10. Dezember früh entriß uns plößlich der Tod unseren inniggeliebten Sohn und Bruder Otto Vogel im 24. Lebensjahre. Dies zeigen fiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 15. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichenam Norddeutsche Sänger balle des St. Andreas- Stirchhofes, u. Tanzkränzchen. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Neu! Der Bassistenkampf in Perleberg. Bum Schluß: Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Exzellenz kommt Montag, 26. Dezbr.( 2. Feiertag), mittags 12 Uhr: Große Frankfurter Straße Str. 132. Gr. Weihnachts- Benefiz- Matinee. Direktion M. Ed. Fischer. Nachm. 32 Uhr: Schülervorstellung bei kleinen Preisen: Die Karlsschüler. Schauspiel in 5 Aften von H. Laube. Abends 8 Uhr: Senta Wolfsburg. Skala- Theater. Linienstr. 132( a. d. Friedrichstr.) Sensationelles Programm! Moderne Bauspekulanten. Bosse mit Gesang in einem Aft/ sowie 30 internation. Spezialitäten. Anfang 7%, Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Germania- Prachtsäle Chausseestr. 103. Arnold Scholz. Jeden Mittwoch: B Hamburger Sänger ( Steidl, Wolff) Neu! Neu! Etablissement Buggenhagen Weihnachten in der Kantine. Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. In den unteren Sälen jeden Abend 8 Uhr: Direktion: Rob. DiH. Brunnenstr. 16. Militär- Konzert. Halbe Preise, zwei Kinder ein Billett. Große Ausstattungspesse mit Ge- Der Leiermann und sein Pflegekind. Abends 72 Uhr: Das süße Mädel. Operette in 3 Aften von H. Reinhard. Donnerstag: Der Generalkonsul. Lrisen- Theater. Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Donnerstag: Hamlet. Freitag zum erstenmal: Dr. Faufts Hausläppchen. Sonnabend: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Sonntag, nachmittags: Das Käthchen von Heilbronn. Abends: Dr. Fausts Hausfäppchen. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Am Altar. sang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Henry Bender. Josef Giampietro. Josef Josephi. Anton Grünfeld. Frid Frid. Fritzi Massary. Das Fest des Lichts.( Ballett.) Rauchen gestattet. Driginal Bolfsstüd von Charlotte Birch- Pfeiffer. Anfang 8 Uhr. Entree 30 B1. Donnerstag: Der Wilddieb. Beihnachts- Novität von Fritz Brenner. Palast- Theater Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Das hervorrag. Dezember- Programm. 9 9 Anf. 8 Uhr. uhr: Eingeschneit. u Uhr. Otto Pritzkows Abnormitäten- Ausstellung angur 16 Tigten Verhellung Schauspiel in 4 Atten v. B. Blumenreich. lebender Kuriositäten! Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bj. Weihne in 1 Vorher Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Fritz Steidl- Sänger. Nach jeder Vorstellung im Kaiserfaal Tanz. WING BARTEN Täglich terace Spezialitaten L. Ranges Wettrennen . nachher: 0. C. Shields, Komit- Juggler. Mary Ellys, Erzentrit- Soubrette. John Bartl, Manipulator und Magter. Fatma, indische Zauberin. Rosa Bonnet, Melange- Att. Ludwig Grammer, der bayrische Herkules, zahlt 1000 M. zwischen dem Lebensbild von Froelich. Mufik von Wilhelm Wolff. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Borzugskarten haben Gültigkeit. Gustay Behrens Wilhelmsberg, aus statt. 7095 Am 10. Dezember früh 5 Uhr starb plötzlich unser braver Stollege, der Schloffer Otto Vogel. Wir werden ihm stets ein ehren des Andenken bewahren. am Die Stollegen der Schlosserei Henze& Flügel, Boppstr. 4. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 15. Dezember, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des St. Andreas- Kirchhofes, Wilhelmsberg, aus statt. 7106 Am Montag, den 12. d. Mts., starb nach furzen, schweren Leiden mein lieber Mann, unser guter Bater, Groß- und Schwiegervater, der Restaurateur Albert Böhl im Alter von 58 Jahren. Die Beerdigung findet Freitag nachmittags 24 Uhr von der Leichenhalle des Zentralfriedhofes, Friedrichsfelde, aus statt. Die trauernden Hinterbliebenen. 7126 Bekannten und Freunden die traurige Nachricht, daß mein innigftgeliebter Mann und treuforgender Bater, der Restaurateur Hermann Kreisel am 11. Dezember im Alter von 45 Jahren nach kurzem, fchwerem Leiden sanft entschlafen ist. Um stille Teilnahme bittet Die trauernde Witwe nebst Kindern. Die Beisetzung findet Mittwoch, den 14. d. M., nachmittags 1 Uhr, vom Trauerhause Gr. Frankfurter ftraße 146 aus nach dem ZentralFriedhof, Friedrichsfelde, statt. Danksagung. 695B Für die zahlreichen Beweise herzlicher Teilnahme und schönen Kranz Spenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters ich Spezialitäten- fage tallen Verwandten und Be Theater, Frankfurter Allee 85. tannten, dem Zentralverband der Glasarbeiter und Arbeiterinnen, dem 6. Berliner Wahlkreis( 541. Bezirk), dem Verband der Glasarbeiter Ber lins, insbesondere Herrn Girbig für die schöne Rede am Grabe sowie den Das neue Dezember- Programm. Stralauer Stollegen für den Gesang mit Neu! Madame Pompadour ihren Kaben. Nen! Der Reformdichter. Neu! Geschw. Norsah, Gefangs buettiften. Neu! Mr. Gibson, Neger- Clown, sowie die übrigen Spezialitäten. Achtung, Heftaurateure! meinen herzlichsten Dant. Die trauernde Witme Auguste Loesch und Kinder. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Strang amerikanischen RadfahrerWalthourie erstatt für Bierdruck. spenden bei dem Begräbnisse meines und Apparate u. amtliche Prüfungen leben Mannes Don L. Paling, Berlin N. 39, Fenn Rudolf Janutsch straße 55, Hof, habe übernommen. Blat 50 Bj. Medizinische Rätsel, bemjenigen, der in eitungen nach 1. Berliner Rennfahrern, werde bestrebt ſein, meine sage ich allen Berwandten und BeNach der Vorstellung: Gr. Ball. Boranzeige! Montag, 19. De anatomische Wunder. Riesen! Zwerge! zember, nachmittags 3 Uhr: Große Schülervorstellung. Zur Aufführung gelangt: Wilhelm Zell. macht. Freitag: Aschenbrödel. Märchen piel in 6 Bildern. Kleine Preise! Anfang 8 Uhr. Raffenöffnung 7 Uhr. 2 Stinder einen Blaz. Entree 50 Pf. 2. amerikanischen Rennpferd ,, Dolly", geritten vom Jockey Kreamer. Das Dezember- Programm enthält 15 hervorragende Nummern. 14672 Ich werten Stunden prompt und reell zu tannten herzlichsten Dant. bedienen. Bitte die werte Kundschaft, mich mit etwaigen Bestellungen zu Witwe Janutseh. beehren. 6965 Hochachtungsvoll: Henze. Deutscher Holzarbeiter- Verband. A. JANDORF& Co Morgen Donnerstag, 15. Dezember, abends 8%, Uhr, bei Lipps, Am Friedrichshain 22/29: Vertrauensmänner- Verfammlung fämtlicher Bezirke und Branchen. Tagesordnung: Bericht über den Stand des Streiks. Anträge der Drtsverwaltung. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Mitgliedsbuch nebst Starte legitimiert. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, gimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Heute, Mittwoch, 14. Dezember, ab. 8 Uhr, bei Schellhafe, Steglik, Ahornstr. 15a: Bezirks- Versammlung für Steglitz und Umgegend. Tagesordnung: 1. Referat. Referent und Thema wird in der Berfammlung bekannt gegeben. 2. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. Es ist Pflicht jedes Kollegen, pünktlich in der Versammlung zu er scheinen. Die Ortsverwaltung. Verband der freien Gast- und Schankwirte Deutschlands.( Ortsverwaltung Berlin.) Freitag, 16. Dezember, nachm. 51%, Uhr, beim Kollegen Robert Boigt, Ritterstraße 71-75: Versammlung. Zages Drdnung: 70/1 1. Bortrag. 2. Distusfion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. VerBand sangelegenheiten. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. 3. M.: Ernst Obst. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 15. b. M., abends 8, hr: Mitglieder- Versammlung im Lokale des Herrn Thiel, Bergstraße Nr. 151/152. Zages Drdnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 93/9 Die Ortsverwaltung. Die Ortsverwaltung. Auflösung der 93/10 Taschen- Uhren engros- Firma Max Seck bach Ritterstraße 87 parterre. Mit Genehmigung des vom Königlichen Amtsgericht I ernannten Nachlaßpflegers wird das große Lager goldener u. silberner Herren- und DamenUhren alle erstklassige Fabrikate, freihändig zu jedem annehmbaren Preise verkauft. Der Verkauf findet täglich von 10-7 Uhr statt. Die schönsten WeihnachtsGeschenke in teppdecken tauft man am pretswertesten nur dirett In der Fabrit, 72 Wall ftraße 72, wo auch alte Steppdecken aufgearbeitet werden. 8. Strohmandel, Berlin 14 Juustrierter Breistatalog gratis. Zwischen Roß u. Infelstraße. Sonntage vor Weihnachten geöftnet. Zentral- Verein der Bildhauer Deutschlands. Automobilführer. Verwaltungsstelle Berlin. Donnerstag, den 15. Dezember, abends 81% Uhr, im Gewerkschaftshause, Saal 1, Engel. Ufer Mr. 15: Abendkursus für Chauffeure. Theoretische und praktische Ausbildung. Beginn 1. Januar. Prospekt fret. Technikum Elektra, NeanderStraße 4. 102/ 9* Vereins- Versammlung. Blank's Tages Ordnung: 30/18 1. Geschäftliches. 2. Vortrag und Rezitation über Adalbert b. Chamisso von Herrn A. Stripp. 3. Berschiedenes. Gäste willkommen. Der Vorstand. Achtung! Lederarbeiter. Achtung! Donnerstag, 15. Desember, abends 8 Uhr, im Marienbad", Badstraße 55/56: 165/1 Oeffentl. Versammlung aller in der Lederfabrikation beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Referat des Reichstags- Abg. Genossen Peus über: Schnitt muster einzig und allein zuverlässig, machen Selbstanfertigung aller Kleider spielend leicht. Tausende Frauen toben sie? Viele 100 neue Modelle zeigt Blank's Modenalbum, fir M. 1,20( Briefmarken) Franko- Zusendung durch R. BLANK, Abth. 2, Berlin SW., Sommandantenstr. 84.m Kinderwagen neu! hochelegant! unverwüstlich und beispiellos billig, weil direkt v. der ältesten, größten sächsischen Kinderwagenfabrik J. Tretbar, Grimma 184 Mein Katalog Dein Rat geber. Sage beim Ka talogverlangen, ob gegen Bar mit 10% Rabatt, od. bequeme Teilzahl. gewünscht Musik- Instrumente. Die Bedeutung der Käuferorganisation für die Arbeiterklaffe Geigen, Cellos, Bäffe, Zithern, ManUm zahlreiches Erscheinen bittet Der Einbernfer. Achtung! Fliesenleger. Achtung Donnerstag, den 15. b. M., abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal V): Mitglieder- Versammlung der Sektion der Fliesenleger des ZentralVerbandes der Maurer. Zages Drdnung: 1. Bericht von der am 12. be. Wets. stattgefundenen Sthung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern der Fliesenlegerbranche. 2. Diskussion. 8. Verschiedenes. Pflicht eines jeden im Fliesenlegerberuf beschäftigten Stollegen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. 154/ 14* Der Sektionsvorstand. 3. A.: Fritz Rabe. Vorzugspreise für Gardinen und Stores dolinen, Klarinetten, Flöten, Bogen, alle Blech Instrumente billigst. Großer Poften Zieh- und Mundharmonikas sehr billig. Rothgiesser, Stalizerstr. 24 a. SPITTELMARKT 16/17 BELLE ALLIANCE STR.12 Ecke Leipziger Strasse 5 Mark 14 Dutzend Prinzess 10 Mark " Dutzend Prinzess Kaufe bei Jandorf Am ONcherplate , Ecke Andress- Strass STR. 113 Wir verabfolgen heute Mittwoch den 14. bis Sonnabend den 17. 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Prachikatalog gratis u. franke It Baul Singer&., Lin SW Ar. 293. 21. Jahrgang. z. KtilGt Ks Amiills" Kttlmr NslksdM Mordprozetz Berger. Zweiter Tg- Borsitzender Landgerichtsrat v. Sochhammer eröffnet die Sitzung um S'/s Uhr. Auf seinen Vorhalt gibt der Angeklagte B e r g e r zu, daß er im Jahre 1836 in Altona unter dem falschen Namen Hagedorn wegen Widerstands zu einem Jahre Gefängnis verurteilt wordenlfft. Auch eine dann vordem Schöffengericht in Hamburg ihm auferlegte kleinere Strafe wegen gaben Unfugs gibt er zu. Erist, wie er weiter bestätigt, seinerzeit ausgebochen und hat dabei einen Fall getan.— Der Vorsitzende kommt noch einmal auf das Mädchen zurück, dem der Angeklagte den omnösen Korb geschenkt haben will. Er hält dem Angeklagten vor, ob e denn dem Mädchen gesagt habe, daß er berechtigt sei, den Korb zu lerschenken. Der Angeklagte be- hauptet, daß er dem Mädchen gesa-t habe, er sei verheiratet.— Auf die Frage eines Geschworenen, we denn das Mädchen nächtlicher» weile aus dem Hause gekommn, antwortet Berger, daß die Haustür des Nachts zumeist offer sei.— Nechtsanw. Bahn: In dem Hause wohnen viele Ptostitiierte und es findet auch des Nachts ein reger Verkehr statt.— Der Ingeklagte erklärt, daß er nicht im» stände sei, bei jedem Punkt zisammenhängend alles zu erzählen. Wenn er etwas nicht berühren ollte, was er in der Boruntersuchung angegeben, so bitte er, dies niyt als belastendes Moment gegen ihn zu verwerten.— Rechtsanw. Sahn: In den Zeitungen ist zu lesen, daß der anfänglich stark bebstete Agent Lenz als Zeuge geladen, aber nicht erschienen sei, weil nan seiner nicht habhaft werden konnte. Nach meiner Kenntnis ist Lenz tüchtig geworden, nachdem er einen heftigen Austritt mit der Zeugin Seiler gehabt hat.— Vors.: Der Zeugeist nicht aufzufinden.— Staatsanwalt Lindow: Der Agent Leiz wurde ursprünglich wegen Verdachts der Täterschaft in Haft genonmen, Ende Juni wurde er aber wieder entlassen, da sich herausstelle, daß er mit der Tat in keiner Ver- binduug stehe. Er ist auß« Verfolgung gesetzt worden, der Beschluß konnte ihm aber nicht zugestellt werden, da er nicht auffindbar ist. Er hatte mit der Seilereinen heftigen Auftritt, und da diese ihn daraufhin denunzierte, ist er verschwunden. Der Zeuge Schneiier Gustav Rose bekundet einen Vorgang, aus dem die Berteidiguig folgern will, daß das Verbrechen an der kleinen Lucie außerhalb des Hauses in der Ackerstraße begangen fein kann und Lenz dabei loch in Frage komme. Der Zeuge bekundet: „Am S. Juni beobachtet ich, aus dem Grundstück Ackerstr. 130 heraus- kommend, einen etwa vierzigjährigen Mann, in deffen Begleitung sich ein etwa zehnjähiges Mädchen befand. Der Mann trug ein schwarzes Sackjacket. vielleicht auch schwarze Hose sowie weißen Strohhut. Das Kind war mit einer schwarzen Schürze, wenn fh nicht irre kleidet und hatte � dunkelblondes gleiche Paar verdächtig vorkam,___ gingen die Ackersroße entlang, das Kind trottete anscheinend etwas ängstlich nebenher An dem Hochplatz, an der Ecke der Gericht- und Hochstraße, kaust- der Mann Bonbons oder Obst und reichte dem Kinde die Tüte stn. Beide gingen dann nach dem Humboldthain, dort kehrten sie um und gingen zurück in der Richtung der Gericht- straße bis zur lckerstraße. Auf dem Wege dorthin verlor ich sie aus ven Augen.- Bors.: Können Sie sagen, wer das Kind war, und ob es di, Lucie Berlin war?— Zeuge: Die Lucie Berlw kenne ich nich. Tischlerxeselle Karl Berlin, der Bruder der ermordeten Lucie, erklÄ auf Bestagen die von der Zeugin Wels gegebene Personalbesäreibung des Lenz Inicht für zutreffend, da dieser keinen dmllen, sondern«inen hellen Schnurrbart habe. Der Zeuge erklärt, daß seine Schwester sowohl für die Seiler, als auch für di Liebetruth kleine Besorgungen gemacht habe und daher sowohl mt Lenz als auch mit Berger bekannt gewesen sei.— RechtSanvolt Bahn: Hat denn niemand in Ihrer Familie Anstoß daran geiommen, daß da» kleine Mädchen in so nahe Berührung mit Prosttuierten kam?— Zeuge: Ich habe den Eltern öfter gesagt, se sollen das Mädel doch nicht zu solchen Leuten schicken, denn bot lerne sie nichts Gutes.— Verteidiger: Wissen Sie nichts davon, daß, als an dem Geburtstage einer Prostituierten in dem Seilerschen Keller eine Festlichkeit stattfand, die Lucie mit Lenz nach de» Klängen einer Drehorgel getanzt hat und zwar inmitten der Prfftituierten?— Zeuge: Rem, das ist mir nicht bekannt. Ich w:iß nur, daß, als wir an jenem Tage die Klange einer Drehoigel hörten, wir das Kind mit einer kleineren Geld- münze für den Leiermann hinuntergeschickt haben. Der Zeuge erklärt ferner, daß die Lucie, wenn sie von Lenz sprach, diesen imme,„Herr Lenz" nannte, während sie, wenn sie von Berger sprach diesen immer „Der Onkel" namre.— Staatsanwalt Lindow: Dies widerspricht doch der Behauptung des Angeklagten, daß er das Kind nur einmal kennen gelernt habe.— Rechtsanwalt Bahn: Keineswegs. Die Liebetruth hatt, den, Kinde gegenüber stets gesagt, daß Berger ihr Onkel sei und daher ist das Kind zu dieser Bezeichnung gekommen.— Weiiere Fragen des Verteidiger» beziehen sich auf die Personal- beslhreibung, die der Zeuge früher von Lenz gegeben hat und auf die perversen Neigungen, denen Lenz nach einer früheren Bekundung des Zeugen huldigen soll. Der Zeuge hatte davon gesprochen, daß der Lenz ständiger Gast in einem anstößigen Lokal sei, das er den .Nuttenkeller" genannt hatte. mit Haar. gmg rotbraunem Kleid be» Da mir das un- ich hinterher. Beide Als Zeugin wird sodann Fräulein Emma Seiler aufgerufen, die mit Lenz in einem Zuhälterverhältnis gestanden hat. Lenz habe zuletzt bei ihr gewohnt und sich von ihr ernähren lassen. Er war stark, breitschulterig, trug einen vollen schwarzen Schnurrbart, im Winter einen Spitzbart, und hatte eine gesunde braune Gesichts- färbe. Er war gefallen und krank und hatte einen etwas schleppenden Gang.(Letztere Eigenschaft war von einigen Zeugen auch von einem verdächtigen Man» bekundet worden.) Da die Zeugin alsdann über die perversen Neigungen des Lenz Aussage machen soll, wird auf Antrag des Staatsanwalts die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Der Inhalt dieser nicht unwichtigen Aussage geht daher verloren. Auf eine Eingabe der Vertreter der Presse genehmigt der Ge- richtshof, daß diese auch während des vorübergehenden Ausschlusses der Oeffentlichkeit im Saale verbleiben dürfen. Ein Geschworener fragt angesichts der Widersprüche, die in der Personalbeschreibung des Lenz zutage getreten, ob denn die Zeugin Seiler nicht eine Photographie des Lenz besitze. Die Zcugm ver- neint dies. Der Vorsitzende stellt durch Befragen der Zeugin fest, daß eine Verwechselung des Lenz mit Berger unmöglich ist. Der nächste Zeuge Tischler GryezykowSky teilt eine» Vorfall mit, den er am 9. Juni mittags zwischen 1 und Uhr beobachtet habe. Um diese Zeit standen in dem Torweg des HauseS zwei Männer und sahen auf den Hof, wo ein alter Leierkastenmann spielte; der eine Mann sprach mit zwei Kindern, ob die Lucie Berlin dabei war, weiß ich nicht, da ich diese nicht kannte. Ich wohnte seinerzeit in dem Hause Ackerstr 130 parterre.— Vors.: Wie kommt es denn, daß Sie sich diesen sonst ganz nebensächlichen Vorfall merkten?— Zeuge: Mir fiel es deswegen auf, da mir die beiden Männer als nicht im Hause wohnend bekannt Ivaren.— Rechtsanw. Bahn: Herr Zeuge, dem widerspricht aber Ihre vier Tage später vor dem Kriminalkommissar Wannowski abgegebene Aussage. Damals wurde Ihnen Lenz vorgeführt und Sie bezeichneten ihn als einen der Männer, welche im Torweg gestanden hatten. Sie erwähnten unter anderem auch, daß Lenz einen weißen Strohhut mit zwei Löchern an den Seiten aufhatte. Es wird mir schließlich doch nichts übrig bleiben, als den Lenz laden zu lassen, um ihn auch den verschiedenen anderen Zeugen vorzustellen. Die Schülerin Martha Nehrkorn bekundet einen Vorfall vom 9. Juni nachmittags nach 1 Uhr. Da habe sie mit ihrer Mutter ihrem Vater nach dem Gesundbrunnen Mittagessen gebracht und als sie durch den Humboldhain kamen, sind ihnen zwei Männer auf- gefallen, bei denen ein kleines Mädchen stand. Der eine Mann habe auf das kleine Mädchen, welches eine Düte in der Hand hatte, ein- gesprochen und bei der Hand genommen. Das Mädchen wollte nach der Hochstraße, der Mann nach dem Gesundbrunnen zu und er zog das Mädchen bei kleine Zeugin kannte weder den Angekl. Lenz. Der Berteidiger stellt fest. als ihr auf der Polizei eine vorgestellt wurde, sie den L e n der Hand.— Die B erg er. noch den daß die Zeugin, Reihe von Männern als den einen der beiden Männer bezeichnet habe, der das kleine Mädchen bei der Hand gehabt. Die kleine Zeugin erklärt jetzt aber auf Borhalt des Präsidenten, daß sie nur eure Achnlichkeit herauserkannt habe, aber nicht sagen könne, daß Lenz wirklich derselbe Mann war. Sie weiß auch nicht, ob Lucie Berlm das kleine Mädchen war. Hierauf wird Kriminalkommissarms Wannowski ver- nommen. Zeuge Wannowski: Er habe sehr viele Kinder in dieser Sache vernommen und den Eindruck gewonnen, daß fast alle diese Aussagen mit sehr großer Vorsicht aufzunehmen waren, da die Kinder nicht auseinander halten konnten, was sie selbst gesehen und gehört und was sie von anderen Leuten gehört hatten. Hieraus tritt eine Mittagspause ein. Nach Wiederaufnahme der Sitzung stellt Rechtsanwalt Bahn den Antrag auf Vorladung noch einer ganzen Reihe von Zeugen. Die meisten derselben sollen Borgänge bekunden, durch die Lenz verdächtigt werden würde. Zeuge Versicherungsinspektor Brandengeier ist aus schästlicher Veranlassung am 9. Juni mit Lenz z' und beweist dessen Alibi an der Hand zahlreicher blieben ge- esen Daten, die zusammen gewe auz bestimmter nd. Er erklärt ihm genau in der Erinnerung geblieben mit Bestimmtheit, daß er mit Lenz an jenem Tage mindestens bis \lL Uhr mittags zusammen war.— Rechtsanwalt Bahn sucht auf Grund der eigenen Aussagen des Lenz nachzuweisen, daß sich der Zeuge doch bezüglich der Einzelheiten seines Zusammenseins mit Lenz täuschen könnte. Der Zeuge bleibt aber bei seiner Aus- sage und bemerkt nach weiteren Fragen deS Verteidigers:„Herr Rechtsanwalt, es nützt nichts, eS ist so, wie ich sage!" Er wiederholt nochmals, daß Lenz ihm Freitag mit kindlicher Freude mitgeteilt hatte, daß er noch am Donnerstag, 9. Juni, einige kleine GeschäftSabschlüffe gemacht habe. Die Abschlüsse seien nachgeprüft worden, und eS haben sich seines Wissens keine Beanstandungen ergeben. Der Zeuge, der den Lenz nur in einem Lokal kennen gelernt und ihn für«tuen anständigen Menschen gehalten hat, hält eS für aus eschloffen, daß Geschäftsabschlüsse nur fingiert habe, um mm» h einen Alibibeweis zu verschaffen. Der Vorsitzende kommt nunmehr zu dem objektiven Be- fund. Als erster Zeuge wird hierüber der Abfischer Teske ver- nommen, welcher bekundet:„Mein Amt beginnt morgens um 6 Uhr und zwar habe ich das Revier von der Alsenbrücke bis zum Bahnhof Friedrichstraße abzufischen. Als ich am 11. Juni morgens gegen 8 Uhr am Reichstags-Ufer anlangte, bemerkte ich an, Steuer eines dort ankernden Kahnes einen Haufen Unrat. Bei näherem Zusehen bemerke ich inmitten desselben einen Bogen blutiges Packpapier ausgebreitet auf der Wasserfläche schwimmen. Als ich diesen in meinen Kahn warf, dachte ich noch dabei:„Na, hier hat auch wohl wieder jemand etwas hmeingeworfen, was er von der Welt haben wollte." Mit diesem Gedanken machte ich mich an eine nähere Unter- suchung. Nunmehr erst bemerkte ich einen halbnackten Körper eines Kindes im Wasser schwimmend. Beide Arme und Beine fehlten, der Oberkörper war teilweise entblößt, der Unterkörper mit einem Hemd un, wickelt, über welches ein Leibchen und ein rötlicher wollener Unterrock gezogen war. Alles wurde mit einem schwarzen Band zusammengehalten. Der Körper schwamm mit der Brustseite nach oben, woraus ich schloß, daß eS sich um eine weibliche Leiche handelte, dem, männliche Leichen schwimmen gewöhnlich mit der Brust nach unten. Ich kann nach meiner Erfahrung auch nur sagen. daß die Leiche dicht in der Nähe der Fundstelle ins Wasser geworfen sein mußte, denn sonst wäre sie von der Strömung fortgetrieben. Ich benachrichtigte dann einen Schutzmann, der das weitere ver- anlatzte. Schutzmann P ü s ch e I hat den Rumpf nach seiner Auffindung abgeholt und ins SchauhauS gebracht. Fräulein Röber hat am frühen Morgen des 11. Juni, von den Zelten kommend, nach dem Lehrter Bahnhof sich begeben und dort zunächst eine Tasse Kaffee getrunken. Auf dem Wege nach ihrer Arbeitsstätte ist sie einem Manne begegnet, der am Reichstagsufer an der Wasserseite entlang ging und ein viereckiges Paket in dunkel- braunem Papier trug. Es sah etwa so aus. als ob eine Steppdecke darin eingeschnürt war. Der Mann, bei dem sie vorbeiging, fiel ihr so auf, daß sie dachte: ob er vielleicht ins Wasser springen wolle. Als sie sich dann umgesehen, hat sie bei dem Manne einen schwarzen Hund gesehen, den sie damals für einen Pudel gehalten. Der Hund hatte aufgeschrien und der Mann lief dem Hunde auf die andere Seite der Straße nach. Es schien ihr so, als hätte der Mann dem Hunde einen Fußtritt gegeben. Als sie auf dem Schlütersteg war, hat sie sich noch einmal umgesehen und den Mann noch stehen sehen. Der Mann hatte einen Strohhut auf. Die Möglichkett, daß der Angeklagte jener Mann gewesen, gibt die Zeugin zu, kann dies aber keineswegs mit Bestimmtheit jagen. Zeugin Liebetruth muß ihren bezw. Bergcrs Hund in den Saal bringen. Frl. Röber erklärt, daß dieser ebenfalls schwarze Hund, der allerdings kein Pudel, sondern ein langhaariger Spitz ist, eben solche weiße Brust hat, wie der Hund, den sie an jenem Morgen gesehen. Die Zeugin bekundet ferner noch, daß als sie an jenem Tage kurze Zeit später wieder an die bewußte Stelle kam, sie auf dort stehende Meiischen getroffen sei, die darüber sprachen, daß ein Paket aus dem Wasser herausgefischt worden sei. Der Verteidiger sucht die Glaubwürdigkeit dieser Zeugin, die eine ganze Reihe von Vorstrafen und sittenpolizeilichen Strafen zu- geben muß, durch mehrere Zwischenftagen zu erschüttern und die Möglichkeit nahe zu legen, daß dre ganze angebliche Begegnung mit dem Mann und dem Hunde vielleicht nur in ihrer Phantasie entstanden sei. Die Zeugin bestreitet dieS und verneint auf wieder« holten Vorhalt des Vorsitzenden, daß sie etwas anderes hier bekundet, als sie gesehen habe. Auf wertere Fragen erklärt Zeugin Röber, daß der Angeklagte eine gewisse Aehnlichkeit mit dem von ihr gesehenen Manne habe. Sie habe dies auch schon seinerzeit auf der Polizei gesagt. Ganz enau habe sie dem Manne nicht mS Gesicht sehen können, denn eS �ei noch etwas zu schummerig gewesen.— Rechtsanw. Bahn: Am 11. Juni um 5l/g Uhr morgens ist es doch schon ganz hell. ES ist doch auch auffällig, daß die Zeugin an der weißen Brust deS Hundes mehr Interesse gehabt hat, als an dem Gesicht des Mannes. Ich halte das alles für Phantasie.— Zeugin: Nein.— Der Ver- teidiger stellt Anträge auf Vorladung mehrerer Personen, die diese Zeugin als unwahrhaftig hinstellen lollen. Zeuge Schiffer Tornow aus Plaue hat am 11. Juni morgens nach 4 Uhr oberhalb der Kronprinzenbrücke den ominofen Korb, der mit aufgemachtem Deckel auf dem Wasser schwamm, aufgefischt und mit sich nach Plaue genommen. Er hatte keine Ahnung von der Bedeutung des Korbes für diese Strafsache. Im Korbe befand sich nur eine Haarnadel. In Plaue stellte ihn Herr Tornow unter eine Treppe und sandte ihn erst nach Berlin zur Kriminalpolizei, als ihm sein Bootsmann Klunter, der einen Besuch in Berlin gemacht, erzählt hatte, daß die Polizei nach einem Korbe suche, in welchem eine KindeSleiche gelegen haben solle. Dem Zeugen sind Blutflecke oder ein Tintenfleck an dem Korbe nicht aufgefallen. Rechtsanwalt Bahn macht darauf aufmerksam, daß in Plaue doch gewiß andere Leute, Kinder u. dergl., auch noch an den Korb hätten kommen können. Straßenreiniger Schmidt hat gegen 3 Uhr in der Nacht zum 11. Juni gleichfalls den Korb schwimmen sehen und versucht, ihn herauszufischen, was ihm aber nicht gelungen sei. Die Beweisaufnahme wird hierauf abgebrochen und wird Mitt- woch ö'/a Uhr fortgesetzt werden. "V,'. iyv. t SMA Ircrde"5'1 Kraft-RothweiB .für Blutarme u. Kranke, ärztlich empföhlet W nnnM). 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Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.