Nr. 296. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. 2] Anna Bod Haj nad Hedelm n Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrs. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelgeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 fg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Zelegramum- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Militärpapismus. Sonnabend, den 17. Dezember 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Politische Uebersicht. Berlin, den 16. Dezember. Der preußische Kriegsminister hat mit diesen Ausführungenj Welchen Sinn hat es da noch, irgend welche Summen eine Anschauung zum Prinzip erhoben, die man wirklich für für Verbesserungen der Waffen, für Vermehrung der Armee, ein Phantasiegemälde halten sollte, für eine zwar nicht rühr für neue Panzerschiffe usw. auszugeben, wenn uns Herr von same aber aufreizend abenteuerliche Geschichte. Auf die Kritik Einem versichert, daß über das Wesen dieser Macht nicht die Seitdem Graf Bülow im Reichskanzleramt sitt, hat die unmotivierter Offizierspensionierungen antwortet der Kriegs- Weisheit des ganzen Volfes, nicht die Ansicht der parlamenStrategie des ministeriellen Ableugnens ganz besondere, aber minister mit der Verkündung des neuen Dogma von tarischen Vertretung, nicht einmal die Offiziere in Heer und nicht eben angenehme Formen gewonnen. Wird irgend eine der Unfehlbarkeit des obersten Kriegsherrn. Flotte entscheiden, sondern nur ein einziger Mann, dessen peinliche Tatsache wider den Willen der Herrschenden bekannt. Er bekennt sich zu einem Militärpapismus, der insofern viel Fähigkeiten und Befugnisse durch den Zufall seiner Geburt so versucht man es zunächst, die Wahrheit durch Spott aus gefährlicher und unerhörter ist, als die Unfehlbarkeit des bestimmt sind. dem Wege zu räumen. Man stellt sich etwa hin und erklärt heiligen Vaters in Rom, als dieser wenigstens in irdischen feierlich, ob man dem Reichskanzler zutraue, daß er ein fo Dingen teine Exekutivgewalt hat. Herr v. Einem erklärt es toloffaler Dchse fei, um derartige Dinge zu tun. Da nun für unzulässig, daß ein General gegen Neuerungen oder gegen niemand sich dem Verdacht ausgesetzt sehen will, daß er Bestimmungen des allerhöchsten Kriegsherrn vorgehe, sie sogar dümmer sei als ein Staatsmann von heute, so ver- tadele und laut kritisiere. Der Wille des obersten Kriegsherrn Und wiederum: die Zitate des Justizministers! fehlen solche Mittel, selbst in ziemlich urteilsfähigen Streifen, soll auch in militärischen Dingen das höchste Gesetz sein und Herr Schönstedt hat den echt preußisch justizmisteriellen Einfall nicht völlig ihre Wirkung. Diese offiziöse und ministerielle Tattit entspringt auch Chefs fügt, hat in der Armee nichts zu suchen. ein General, der sich nicht den Anschauungen des höchsten gehabt, vor der Reichsgerichts- Entscheidung über die Rechtsfrage der Gegenseitigkeit mit Rußland im Königsberger Prozeß einer richtigen psychologischen Einsicht. So ziemlich alles, was heute im Deutschen Reich geschieht, ist tatsächlich von einer sondern es ist das klerikale Brinzip zur äußersten Konsequenz dem Urteil der Königsberger Straffammer die Gegenseitigkeit mit Das ist schon nicht mehr die Verkündung des Absolutismus, wiederholt es als unsere" Meinung auszusprechen, daß entgegen absurden Phantastit. Das meiste ist, wenn man den Maßstab gebracht. Der König von Gottes Gnaden ist auch ein Kriegs- Rußland verbürgt sei. Er berief sich für seine Anschauung auf der Vernunft anlegt, vollkommen unglaubwürdig, und deshalb herr von Gottes Gnaden, dessen Ansicht entscheidend für das eine„ wissenschaftliche Autorität“,„ eine der ersten Autoritäten auf ist es nicht ganz ungescheit, daß wirklich Geschehene, das un- gesamte Heerwesen ist. Seine Generäle dürfen nicht ihre dem Gebiete des Strafrechtes", dem Wiener Professor 2 ammasch, vernünftig ist, durch den Appell an die gesunde Vernunft für eigene Auffassung vertreten, sondern sie haben sich dem Nat- der im Jahre 1883 einen Artikel über diese Frage veröffentunglaublich zu erklären. Freilich, wer heute von den politischen schluß ihres höchsten Kriegsherrn zu fügen! Dingen etwas versteht, wird als Maßstab der Kritik für die Die Folgerungen, die aus diesen Aeußerungen des Kriegsglauben! kritisiert hatte. licht hat. In der„ Vossischen Zeitung" werden auch diese Zitate des JustizGlaubwürdigkeit niemals die Vernünftigkeit anlegen, sondern ministers, die ja wohl in ihrer Offenherzigkeit nicht beabsichtigt ministers einer Nachprüfung unterworfen, und es wird nachgewiesen, nach dem klerikalen Grundsatz in dieser Hinsicht ver- waren, nichtsdestoweniger aber in dantenswerter Weise die daß fie, abgesehen von den bereits gewohnheitsmäßigen een fahren: zu glauben, weil es absurd ist, und nur dann es zu tatsächliche Anschauung unserer Militärverwaltung ent- Schönheitsfehlern, in preußischen Miniſterzitaten auch in der Tendenz hüllen, sind vernichtend für unser ganzes Heerwesen. Kein wahrheitswidrig angewendet worden find. Die ganze Argumentation Nun begibt es sich, daß diejenigen, welche irgend einen Forbach, keine militärischen Anklageromane sind entfernt so des Justizministers stügte sich darauf, daß Professor Lammasch in unglaublichen Fall an die Deffentlichkeit bringen, in der Lage kompromittierend für unsere Armeezustände wie diese Auf- ienem Aufsatz die Meinung ausgesprochen hat, daß im Gegensatz sind, den zwingenden Nachweis für die Richtigkeit zu fassung des preußischen Striegsministers. Ein einziger aum österreichischen Recht in Rußland die Vereinbarung der verführen. Dann erlebt man sofort das folgende Schauspiel: We ann soll das Maß seines Wissens und seiner Einsicht zum bürgten Gegenseitigkeit durch ruſſiſches Gesetz nicht notwendig sei. Dieſelben Leute, die eben noch mit gespielter Weisheit über höchsten Gesetz über eine Armee von Hunderttausenden defre- Wir halten dies für einen Irrtum. Es war nicht notwendig, in die Urteilslosigkeit und Leichtgläubigkeit derer lachten, die tieren können. Nicht nur, daß sein Befehl zu befolgen ist, auch dem russischen§ 260 am Schlusse hinzuzufügen, daß die Vereinbarung folche Märchen glauben, erklären nach dem geführten Beweis nicht einmal eine Stritit ist zulässig. Damit ist gefagt, daß die Be- in Rußland gesetzlich und gemacht werden müßte, weil dies schon die Sache für ganz selbstverständlich und harmlos, und sie deutung der deutschen Armee genau so groß ist, wie das militärische in der Eingangsklausel des§ 260, wie aus den Kommentaren haben nicht übel Luſt, dann umgekehrt die Personen für Genie des jeweiligen deutschen Staisers. Aber selbst wenn deutlich hervorgeht, klar gesagt worden ist. Es ist ja auch ganz folossale Ochsen zu erklären, die in so selbstverständlichen man dieses Genie sehr hoch bemißt, Vorgängen etwas Anstößiges finden. dieses Genie sehr hoch bemißt, so entschädigt felbstverständlich, daß nur diejenigen Gesetze wirksam sein tönnen, Einen klassischen Fall solcher Taktik bieten die letzten baß nach der Anschauung des preußischen Striegsministers auch find. felbst die Begabung eines Einzelnen in feiner Weise dafür, die in dem Lande, wo sie in Straft gesetzt werden sollen, publiziert Reben des preußischen Striegsministers von Einem. Unser die höchsten Offiziere nur willenlose Kreaturen in der Hand Mit Recht stellt sich die Vossische Zeitung" auf den Standpunkt, Genosse Gradnauer hatte sich gelegentlich der Beratung über des höchsten Striegsherrn sein sollen. Es ist nicht zu glauben, daß die Gegenseitigkeitsbestimmung des russischen§ 260 ein leeres die Militärpensionen auch über die vollständig unmotivierte daß etwa der gegenwärtige Staiser selbst derartige Anschauungen Formular ist, das erst durch besondere Vereinbarung ausgefüllt Pensionierung von Offizieren geäußert. Er erinnerte an die haben könnte, sondern wir haben vielmehr hier ein krasses werden muß. Es sei übrigens darauf hingewiefen, daß, abgesehen nunmehr attenkundige Angelegenheit des Generals v. Kretschman, Beispiel jenes gemeingefährlichen Byzantinismus, den die dem von den fünffachen und sechsfachen Gründen, durch die bewiesen ist, dessen jähe Verabschiedung in noch arbeitsrüftigem Alter Reichstag verantwortlichen Beamten jetzt kultivieren. Nach daß die Gegenseitigkeit mit Rußland nicht verbirgt ist, es noch daraus abgeleitet werde, daß er einmal den Kronprinz Herrn von Einem erschüttert es das gegenseitige Vertrauen, ein weiteres durchschlagendes Argument gibt. So schlecht nämlich der Wilhelm im Manöver bestegt habe, während die Entwenn ein General Maßnahmen seines obersten Striegsherrn deutsche Gegenseitigkeitsparagraph ist, er ist in seiner definitiven scheidung für seine Verabschiedung deshalb erfolgte, weil laut und öffentlich kritisiert. Nach dem gewöhnlichen Menschen- Fassung das Werk einer parlamentarischen Ueberrumpelung und Uner die Stavallerietaktik des allerhöchsten Striegsherrn offen verstand ist die laute und öffentliche Kritik, die selbständige überlegtheit- so verlangt doch auch der deutsche Paragraph immerhin wenigstens das eine, daß die Gegenseitigkeit dem Deutschen Meinung, vielmehr die Grundlage allen Vertrauens. Der preußische Kriegsminister v. Einem sprach zweimal Die Konsequenzen aber dieser kriegsministeriellen Auf- ei che verbürgt sein müsse. Nun wurde aber in den Verhandüber diesen Fall. In der Reichstagssigung vom 14. Dezember faffung sind kaum auszudenken! Man weiß, daß der gegen- lungen des Jahres 1876, als der Paragraph geschaffen wurde, ein ging er nur auf die erste Behauptung ein, erwähnte da ein wärtige Kaiser auf den verschiedensten Gebieten sein Interesse fonservativer Antrag, die Bedingung der Gegenseitigkeit und bes paar ganz nebensächliche, in der ersten Auflage der Stretschman- betätigt. Er beschäftigt sich mit technischen Dingen, er entwirft Strafantrages überhaupt zu streichen und den Hochverrat und die Briefe enthaltene ungenauigkeiten und erklärte, den Grafen Modelle zu Schiffen usw. usw. Sind auch alle diese kaiser- Majestätsbeleidigung gegen einen fremden Staat zu einem Offizial. Bülow kopierend, diese ganze rührsame hübsche Geschichte" für ein lichen Anregungen maßgebend für die Neuerungen der delift zu machen, damit begründet, daß sonst die§§ 102 und 103 " Phantasiegemälde". In der folgenden Reichstagssigung ging Armee? Wird alles, was der Kaiser auf strategischem Gebiet des deutschen Strafgesetzbuches völlig gegenstandslos fein der Abgeordnete Genosse Süderum noch einmal auf den Fall in Heer und Marine für gut befindet, ohne weiteres eingeführt? würden. Es wurde nämlich darauf hingewiesen, daß nach diesen des Herrn von Kretschman ein und stellte die Tatsachen so Wenn dem so ist, dann sollten selbst die bürgerlichen Parteien Paragraphen die Gegenseitigkeit dem Deutschen Reiche verunwiderleglich fest, daß Herr von Einem sich weder auf Um- des Reichstages aufhören, solch einem System auch nur einen bürgt sei, während in keinem einzigen Falle bisher dent gehungsversuche, noch auf Spöttereien über Phantasiegemälde Mann und einen Groschen zu bewilligen, denn dieses System Deutschen Reiche von irgend einem Staate die Gegenseitigkeit mehr einlassen konnte. Und jezt war plöglich die ganze rühr der militärischen Unfehlbarkeit und der universalen Erefutive gewährleistet sei, vielmehr nur höchstens von deutschen Einzelſame hübsche Geschichte aus einem Phantasiegemälde, das eines einzigen Menschen muß nach Jena führen, auch wenn der staaten wie Preußen, Bayern usw. Der Abgeordnete Thilo, auf fein verständiger Mensch glaubt, nicht nur zu einer Zat- Monarch in Wahrheit ein Genius von Gottes Gnaden ist. Der dessen Ausführungen sich die Revisionsschrift der Staatsanwaltschaft ſa che, sondern zu einem Grundsak der Militär- Raiser hat wohl das Recht, bei Bildhauern und Komponisten zu Unrecht beruft, hat damals ganz klar zur Begründung seines raison geworden! Was gestern mit eitel Spott zu begraben seines Geschmacs Marmorstatuen und Opern für seine Privat- Antrages, die Gegenseitigkeitsbedingung überhaupt zu beseitigen und versucht wurde, wurde heute, nachdem die Wahrheit nicht mehr institute und sein Privatvergnügen zu bestellen, die Armee ist Hochverrat gegen fremde Staaten ohne weiteres zu verfolgen, aus dem Wege zu räumen war, zu einer Selbstverständlichkeit aber kein Instrument einer Person, sie ist die Waffe des ganzen über überhaupt nicht gäbe. Dieser Rechtszustand ist auch geblieben. dargelegt, daß eine Verbürgung dem Deutschen Reiche gegenund Notwendigkeit, an der zu rütteln nur einem Umstürzler Volkes. einfallen könnte. In diesem ministeriellen Taftifwechsel innerDie Aeußerungen des Herrn von Einem in ihrer grotesken Bisher hat noch kein Staat dem Deutschen Reiche die Gegenseitigkeit halb 24 Stunden spiegelt sich unsere Gesamtpolitik von heute. Suspigung entblößen aber nur den tiefen unüberbrüdbaren verbürgt, auch der russische§ 260 stammt aus der Zeit vor der So ist es nämlich immer. Es ist in der Tat alles Phantasie- inneren Widerspruch, der in unserem ganzen Militarismus Begründung des Deutschen Reiches und ist schon aus diesem Grunde gemälde, aber es entspringt nicht der Phantasie der steckt. Unser Heer beruht auf der allgemeinen Wehrpflicht und ohne Einfluß auf das deutsche Recht. Sozialdemokratie, sondern der Phantasie derer, die ist insofern die letzte Konsequenz der demokratischen Welt- In der„ Voffischen Zeitung" wird darauf hingewiesen, daß Herr berantwortlich für solche Vorgänge sind. anschauung. Aber in seiner heutigen Organisation ist die Schönstedt die Tendenz seiner juristischen Autorität gründlich verWie wurde das Phantasiegemälde vom Mittwoch am preußische Armee steden geblieben in der Idee des Söldnerkannt habe. Wie man dem russischen Generalkonsul nur so lange Donnerstag zum feierlichen Prinzip? Herr v. Einem sagte heeres, das beherrscht wird von einer privilegierten Klasse und vertraute, als er fälschte und seine Mitteilungen unterdrückte, sobald wörtlich nach dem amtlichen Stenogramm: ein willenloses Werkzeug in der Hand eines absoluten Herrschers er sie wahrheitsgemäß erstattete, so hat auch der Justizminister den „ Nun wundert sich aber der Herr Abg. Südekum darüber, daß sein soll. Die nationale Wehrhaftigkeit, die der allgemeinen Brofessor Lammasch nur in einem nebenfächlichen Irrtum als Autorität er den Abschied bekommen hätte nach dem Manöver; und das Dienstpflicht zugrunde liegt, wird verkrüppelt durch den fremd. vorgeschoben, dagegen seine sehr bemerkenswerten Ausführungen führt er barauf zurüd, daß der General Kretschman sich sehr herrlichen Zwed des Heeres, dem Feudalismus zu dienen und gegen das Gegenseitigkeitsrecht gefliffentlich verschwiegen, sofern ernstlich, laut und selbstbewußt über allerlei Neuerungen ge- dynastische Interessen zu pflegen. Das Wort vom inneren ihm nicht etwa wieder ein reisefertiger Referent das eine Zitat äußert hätte und über die Verwendung der Kavallerie. Ja, Feind, das so oft von den Staatserhaltenden gesprochen unterbreitet hat, anstatt sich die Zeit zu nehmen, den ganzen Auffat meine Herren, da frage ich Sie wirklich: wenn ein hoher General worden ist, findet in den Aeußerungen des Kriegsministers von des Profeffors Lammasch zu lesen. Lammasch sagt nämlich: in dieser Weise gegen Neuerungen oder gegen Bestimmungen Einem seine erschreckende Erläuterung. Der alte Kriegsherr des allerhöchsten Kriegsherrn vorgeht, sie tadelt und laut fritifiert, eines Söldnerheeres mochte allerdings mit den sich ihm dartann er sich da wundern, wenn der allerhöchste Kriegsherr sagt: bietenden oder von ihm gepreßten Soldaten schalten und walten Wenn der Mann mit mir nicht einverstanden ist, dann kann ich ihn wie er wollte, fie zu Zweden mißbrauchen, die feinen Internicht brauchen?( Sehr richtig! rechts. Burufe von den Sozial- essen dienten. Ein aus der allgemeinen Wehrpflicht sich demokraten.)- Ja, meine Herren, ob das so gewesen ist, wie refrutierendes Heer aber läßt sich auf die Dauer nicht vereinen es im Buche steht, weiß ich absolut nicht. Das Verhältnis eines tommandierenden Generals zum allerhöchsten Kriegsherrn beruht in erster Linie auf gegenseitigem Vertrauen und auf einer un bedingten Hingabe des kommandierenden Generals zu seinem allerhöchsten Kriegsherrn." Wir mit Anschauungen, wie sie Herr von Einem aus der Zeit Friedrich Wilhelms I. herübergenommen haben mag. haben es heute nicht mehr mit langen Kerlen zu tun, die zu parieren haben, sondern es handelt sich um das Volk selbst, das in der Armee nationale Wehrhaftigkeit erstrebt. „ Das Erfordernis, daß diese Reciprozität, sofern sie Bedingung für die Möglichkeit einer Verfolgung und Bestrafung im Inland ist, öffentlich fund gemacht sei, entspricht dem Fundamentalsatz allen Strafrechtes, daß die Strafe dem Verbrecher nicht aus einem Hinterhalt her zugefügt, sondern vorher offen angekündigt sein müsse. Die Aenderung der deutschen StrafgesetzNovelle von 1876 ist daher in dieser Beziehung ein beklagenswerter Fehler. Selbstverständlich sollte es auch sein, daß weder die Gewährung noch die Verkündigung der Reziprozität rückwirkende Kraft in diesem Sinne haben können, daß jemand wegen einer Tat verfolgt werden könnte, die er zu einer Zeit verübte, in der diese Bedingungen Daß für den kriminellen Charakter derfelben noch nicht erfüllt waren, Die Vorträge wurden wiederholt von stürmischem Beifall des Publikums| Drill sei absolut notwendig, den militärischen Geist im Heere aufwie dies hinsichtlich der ersteren Bedingung nach deutschem Recht und begeisterten Rufen:„ Nieder mit der Alleinherrschaft, hoch die recht zu erhalten, sei doch der Drill das einzige Mittel, den Rekruten gleichwohl möglich scheint!" Sozialdemokratie!" unterbrochen. Als die von den Referenten auf- innerlich zum Soldaten zu erziehen", ihm den Sinn für„ gleichsam Wie gesagt ist die Annahme des Professors Lammasch, daß auch gestellten Thesen zur Verlesung gelangten, erreichte die Aufregung Truppe zu kriegerischen Großtaten befähige, was ja die Japaner hypnotisierte Unterordnung einzuimpfen", die ganz allein" eine der russische§ 260 den Fehler der Nichtveröffentlichung hat, nicht der Versammlung ihren Höhepunkt. Das Geländer, das die Gäste bewiesen hätten. berechtigt, wie aus dem Ursprung und den Kommentaren des russischen von den Vereinsmitgliedern trennte, wurde im Nu durchbrochen und Auch hier begegnen wir also wieder der uralten GamaschenGesetzes hervorgeht. Professor Lammasch wendet sich dann aber auch die Menschenmasse füllte den ganzen weiten Raum. Es folgten knopfauffassung, daß nur der Drill einen Soldaten erziehe. sachlich gegen den Gegenseitigkeitsparagraphen überhaupt und be- nun einige Ansprachen politischen Inhalts von Rednern aus dem dies nicht der Fall ist, haben ja unzählige Kriege bewiesen, die schämt dadurch den freisinnigen Antrag, der, wie die Bossische Publikum, worauf sich die Menge unter dem Gesang der Marseillaise französischen und amerikanischen Revolutionskriege, die deutschen Zeitung" gestern ausführte, nur deshalb so bescheidene Forderungen auf die Straße ergoß. Obwohl hier schon Militär und ein großes Freiheitskriege, der Boerenkrieg und endlich auch der japanische Krieg. cnthalte, weil man das„ Erreichbare" erstreben wolle. Lammasch führt Polizeiaufgebot in Bereitschaft standen, lief jedoch diesmal die Sache Der weitere Verlauf dieses Krieges wird es erst recht beweisen, wenn aus, daß die meisten der geltenden Strafgeseze Bestimmungen, wie verhältnismäßig ohne Ruhestörung seitens der Ordnungsstüßen ab. Die erst an Stelle der gedrillten Mannschaften die nur kurze Zeit ausden deutschen§ 102, nicht enthalten, und er fügt hinzu: gebildeten Ersaßmannschaften in höherem Maße vertreten sein Schutzleute hatten offenbar entsprechende Weisungen, und sorgten dafür, werden. Schon jetzt unterliegt es feinem Zweifel, daß diese jungen, Mehr als auf irgend einem anderen Gebiete muß hier vor daß das Publikum ohne Mißhandlung, auf" gütliche" Weise aus- des Drills ermangelnden Mannschaften sich mindestens ebensogut furzsichtiger Politik gewarnt werden. Erhaltung des bestehenden einandergestoßen und auseinandergetrieben wurde. schlagen werden, wie die mehrere Jahre ausgebildeten Soldaten, Zustandes ist nicht unter allen Umständen zu wünschen. Revolution Die vom Verein beschlossene Resolution verlangt Schaffung zumal ja die Kampfweise des modernen Krieges bon moralischen und Reaktion gehören beide unter Umständen zu jenen eines gefeßgebenden Körpers auf der Grundlage des allgemeinen, und intellektuellen Eigenschaften der Mannschaften abEreignissen, welche der der vorurteilsfreie Beobachter zu den gleichen, direkten Wahlrechts, lokale Selbstverwaltung mit dem hängt und nicht vom Kadavergehorsam. Die" hypnotisierte Untergrößten Wohltaten für die Entwickelung eines Volkes rechnet. nämlichen Wahlmodus, Unverleglichkeit der Person, Gewissens-, ordrung", von der der Herr Major a. D. spricht, wird ja auch nur deshalb für notwendig gehalten, weil es eventuell einmal gegen Man versuche es nur einmal, aus der Geschichte irgend eines Rede-, Preß, Versammlungs-, Streif und Koalitions den inneren Feind zu kämpfen gelte! Volkes alle gelungenen und mißlungenen politischen Delikte, mögen freiheit, gleiche Rechte für alle Bürger ohne Unterschied Immerhin erklärt v. Bruchhausen, daß die Frage des Stech fie von der Regierung selbst oder von einer Opposition gegen diese des Geschlechts, der Religion und der Nationalität, gerichtliche schrittes nicht auf die lange Bant geschoben werden ausgegangen fein, hinweg zu denken, und man wird sofort inne Verantwortlichkeit der Beamten, unentgeltliche und obligatorische dürfe. Wir werden abwarten, ob die Frage des Stechschrittes auch Schulbildung in der Muttersprache der Kinder, Beſeitigung aller nur zu ernsthafter v. indirekten Steuern und ihre Ersetzung durch eine progressive flärungen, die heute der Kriegsminister v. Einem über die Einkommen- und Erbschaftssteuer, und Durchführung einer Reihe absolute Unterordnung der Offiziere unter die allerhöchsten Kriegsherrn Auffassungen des von Arbeiterschutz- Forderungen, darunter des Achtstundentages. gemacht hat, dürften sich schwerlich höhere Offiziere finden, die auch dann etwas gegen den Stechschritt sagen würden, wenn zufälligerweise die allerhöchste" Auffassung sich mit der ihrigen nicht deckte. werden, daß man damit unzählige utfächliche Faktoren derjenigen Zustände hinweggedacht hatte, welche bei den heutigen Verhältnissen des betreffenden Staates als die wichtigsten und vielleicht wertvollsten erscheinen." Um Syvetons Selbstmord. e * # Deutsches Reich. id Desterreich- Ungarn. So Lammasch. Alle juristischen Schriftsteller werden fünftig, um nicht vom preußischen Justizminister als Kronzeugen für kulturfeindliche Rechtswidrigkeiten verwandt zu werden, ihren Abhandlungen den Vermerk vorsetzen müssen:„ Nachdruck, auch auszugsHerr Dertel als Marrist. Der Bund der Landwirte muß weises Zitieren durch den preußischen Justiz- seinem sonst so geliebten zolltaris- Grafen Bosadowsth hinsichtlich led as Husland. minister streng berboten." der Handelsverträge mißtrauen; denn die„ Deutsche Tageszeitung" Beiläufig treffen die Ausführungen des Professors Lammasch, der eröffnet eine heftige Kampagne gegen ihn und schleudert ihm die so unzweideutig das Recht auf Nevolution anerkennt und den Rechts- nach ihrer Ansicht tödlichste Denunziation ins Gesicht: Die SozialDie Revolution der Kavaliere und Patrioten ist, so höhnt das fchutz der niedrigeren Kultur, der in dem deutschen Gegenseitigkeits- demokratie betrachte den Grafen Posadowsky schon halb und halb Zentralorgan der ungarischen Sozialdemokratie, ausgebrochen und sei genau in der Weise verlaufen, wie Kavaliere und Patrioten Reparagraphen liegt, verwirft, auch den gestrigen Abendblatt- Artikel der als einen der Ihrigen. " Boſſiſchen Zeitung", die unsere Auffaſſungen, die sich mit denen des und unsere gestrigen Betrachtungen über„ Dämmerungen" angeführt. dem der Gegner recht ferne ist, habe man ein hölliſches Geſchrei erhoben Als Beweis wird ein Artikel der„ Magdeburger Volksstimme" volution machen. Sorgfältig, wie man den Augenblick erspäht, in Professors Lammasch dem Sinne nach deckten und die Konsequenzen uns scheint, als ob diese Darlegungen nur das eine beweisen, und seinen Heldenmut an hölzernen Einrichtungsgegenständen und daraus zogen, als unfruchtbaren Radikalismus verwarf und ver- daß es nämlich eine Lüge unserer Gegner ist, wenn sie an einzelnen erschrockenen und unbeteiligten Jammergestalten erspottete. Im nächsten Morgenblatt zollt sie bereits dem revo- behaupten, die Sozialdemokratie beschimpfe und verleumde alles, wiesen. Tische und Stühle und die Präsidentenestrade habe man zerlutionären Gedanken des Professors Lammasch Beifall. Es ist er- was nicht zu ihr gehört. Im Gegenteil, die Sozialdemokratie ist trümmert und immer zehn bis zwölf Mann seien über je einen der freulich, daß ein Professor bei der„ Vossischen Zeitung" so viel fogar äußerst anspruchslos gegenüber ihren Gegnern und verhält neu angestellten Trabanten Tiszas hergefallen. Unser Bruderorgan die Aenderung des ganzen Autorität hat, daß er ihr durch die Sozialistenfurcht immer trost- sich bereits anerkennend, wenn sie nur irgendwo eine Spur führt dann weiter aus, daß nur loser werdendes Philistertum wenigstens für die Frist einer Morgen- bon ernster Einsicht bemerkt. Wir wüßten nicht, warum wir dent Systems, die Demokratisierung der Boltsvertretung auf Grundlage des nummer beseitigt. Verantwortlichen der Zuchthausvorlage und des 38olltarifs ein be- allgemeinen gleichen Wahlrechts mit geheimer Abstimmung geordnete Busonderes Wohlwollen widmen sollten. Da aber Graf Posadowsky, stände bringen könne. Dazu sei aber die bürgerliche Opposition allerdings im Gegensatz zu dem findischen Geschwätz der anderen, feineswegs bereit. Das haben die Vorgänge in einer Versammlung sich bemüht, Probleme zu erkennen und ernsthaft zu erörtern, fo in Preßburg bewiesen. Preßburg ist die Hochburg des ungarischen widmen wir ihm das Maß von Achtung, das jeder um geistige Sozialismus und hier arrangierten die Anhänger von Franz Kossuth Waffen sich mühende Gegner verdient. Wenn diese Anerkennung und Graf Apponyi eine Volksversammlung. Hierzu brauchten ſie des Grafen Pojadowsky, den wir nach wie vor für einen Todfeind natürlich auch Volk und wandten sich an die Vertreter der Sozialder proletarischen Bewegung halten, in Kreisen demokratie. Diese sagte ihre Mitwirkung zu und entsandte von der kompromittierend wird, umso schlimmer für diese Sippe. Parteileitung den Genossen May Großmann. Dieser nagelte die Indessen, Herr Dertel selbst kompromittiert sich in der„ Deutschen Herren von der Opposition, bezüglich ihrer Stellungnahme zum Tageszeitung" viel, viel schlimmer mit dem Maryismus, als allgemeinen Wahlrecht, fest. Man wollte in der anzunehmenden man vom Grafen Posadowsky fälschlich behauptet. Der Mann Resolution die Forderung auf Einführung des allgemeinen gleichen schreibt nämlich: Wahlrechts, entgegen den vorherigen Vereinbarungen, gar nicht zum Ausdruck bringen. Das war geplanter politischer Be frug, das war wieder ein Versuch, die Volksmassen als Staffage zu benügen, ohne sich zu etwas zu verpflichten. Es kam zu Lärmszenen, die Herren Kossuth und Apponyi und die übrigen Patrioten wollten schließlich eine Resolution überhaupt nicht anDas ist das nackte Bekenntnis zum Marrismus. Die Kon- nehmen und so wurde ihr frebles Spiel mit den Volksmassen entzentration des Kapitals führt notwendig zum Sozialismus- be- larbt. Das ungarische Proletariat, das jetzt von der Mitwirkung kennt der Dertel. Nur meint er, bündlerischer Agrarierwit könnte an der Gesetzgebung ausgeschlossen ist, hat nun aufs neue den Be= weis, daß die jetzige Opposition dem Volfe seine Rechte ebenfalls diese Entwickelung aufhalten. Dertel spottet, wo die Tatsachen stärker sind als der stärkste Da nun aber die zwingende Entwickelung auch des Herrn verweigern würde, wenn sie ans Ruder fäme. Mann der Junker, so dürfen wir auf die zweifelhafte Ehre rechnen, daß sich der Hauptliterat der Agrarier noch zum Marrismus betehren wird. Paris, 15. Dezember.( Eig. Ber.) Das unsagbar häßliche Familiendrama, das Syveton zum Selbstmord getrieben hat, ift nach zwei Richtungen hin von öffentlichem Interesse. " " Wer in der Assoziation des Kapitals die treibende Ursache des Kulturfortschrittes sieht, der muß diese Assoziation fördern; und daß schließlich die uneingeschränkte Assoziation zum Sozialis mus führen muß, das ist der Sozialdemokratie unbedingt zuzugeben." Eine mastierte Maulforb- Verordnung. Man schreibt uns: % Den neuesten Nachrichten aus Budapest zufolge herrscht im Abgeordnetenhause jezt vollkommene Ruhe. Der verhaßte Präsident Berczel hat sich frant gemeldet und die Leibgarde Tiszas ist entlassen worden. Schweiz. Betriebsgeheimnisse der politischen Polizei. Bei dieser Gelegenheit haben die Nationalisten den Rekord ihrer eigenen, wie bis dahin schien, nicht mehr zu überbietenden Gewissenlosigkeit geschlagen. Gleich bei der ersten Todesnachricht gaben die berufensten nationalistischen Führer das Losungswort aus:" Freimaurerisches Verbrechen!" Syveton sollte von den Freimaurern ermordet worden sein, um so dessen triumphierende Freisprechung zu verhindern. Und die schoflen Demagogen wußten, daß sie ihren blöden Anhängern auch diese blödsinnige Mordfabel mit Erfolg, mit parteipolitischem Erfolg aufbinden können. Im Anschluß an Syvetons Bestattungsfeier fand denn auch eine Straßenfundgebung statt gegen die freimaurerischen Mörder"! In der Provinz wurden ministerielle Deputierte mit den Rufen:" Mörder!" empfangen. Jetzt, nachdem das Geheimnis so weit gelüftet ist, um die Tatsache des Selbstmordes und dessen unsaubere Ursachen unbestreitbar erkennen zu lassen, verzichten die Nationalisten nur auf die Mord fabel. Sie schieben aber den Selbstmord Sybetons nach wie vor ihren politischen Gegnern in die Schuhe: Der engelsreine Held soll eben von den Freimaurern" zum Selbstmord getrieben worden sein! Drumont, um nur diesen zu nennen, sucht sein Publikum von vornherein gegen die kommenden gerichtlichen Enthüllungen immun zu machen, in- Gesezes bot, dürfte noch in feinem Parlament dagewesen sein. Ein solches Bild, wie es die erste Lesung des MilitärpensionsZürich, 15. Dezember.( Eig. Ber.), dem er die Richter für Freimaurer erklärt, d. h. für Anhänger ier war im Reichstage ein Minister zu be= Die vom Züricher Kantonsrat auf Antrag der sozialdemokratischen einer Organisation, die als eine Mördersekte wundern, der sich mit Händen und Füßen gegen Fraktion seinerzeit bestellte Kommission zur Untersuchung der Umgilt"!.. Die Drumont und Rochefort, die unsterblichen" eine Besserstellung eines Teiles seiner eigenen triebe der politischen Polizei, unter deren acht Mitgliedern zwei Akademiker, Jules Lemaître und François Coppée sind unter Reffortangehörigen sträubte!! Herr v. Einem focht mit allen Sozialdemokraten, die Genossen Greulich und Lang find, hat jezt das Niveau des Grafen Pückler gesunken. Dabei sind sie Sträften, damit das Gesez ja teine rückwirkende Kraft erhalte. ihren Bericht veröffentlicht, der manche interessante Mitteilung aus geistig unzweifelhaft zurechnungsfähig. Er verschmähte es nicht, sogar den um den Steuerzahler besorgten den Betriebsgeheimnissen der politischen Polizei enthält. Man erfährt aus dem Berichte zunächst, daß die zürcherische Anderseits beansprucht der Fall ein öffentliches Interesse, Mann zu mimen, eine Rolle, die einem preußischen Kriegsminister weil Syveton zu den ersten Führern der Partei der besonders gut ansteht. Die jetzt schon pensionierten Offiziere, Unter- Stantonspolizei in weitgehendem Maße von der Bundesanwaltschaft offiziere und Mannschaften fönnen daraus die Fürsorge eines hohen in Bern in Anspruch genommen wird und zwar für die Ueberhonetten Leute" zählte. Seine Gewalttat gegen den Ministeriums ersehen. Herr v. Einem ließ übrigens die Katze derart wachung von Anarchisten, über die von Bern aus lange Listen an General André hat ja Syveton begangen als„ Ehrenmann" aus dem Sack, daß man die Beweggründe seiner Haltung leicht er- die kantonale Polizei versandt werden. Die Kantonspolizei hat feſtund im Namen der Offiziers- und jeder anderen Ehre". Noch fannte. Er meinte, es feien auch pensionierte Offiziere verhanden, zustellen, was die in ihrem Kanton weilenden Anarchisten, die aber steht man am Anfang der scheußlichen Enthüllungen. die den Zusammenhang mit der Armee verloren meistens Italiener sind, treiben, welchen Verkehr sie pflegen; sobald Die gerichtliche Untersuchung wird hoffentlich ganze hätten. Man gönnt also den Nörglern nichts. Somit sie den Kanton verlassen, ist darüber nach Bern zu rapportieren. Arbeit tun. Die ministerielle Presse dringt darauf, weil es handelt es sich um eine ganz gewöhnliche Maulforb- Ver- Deffentliche und geschlossene Versammlungen, ja notwendig ist, die mörderische Verleumdungskampagne der ordnung. Der bekannte Erlaß, der sogar pensionierten welche von Anarchisten besucht werden, sind der Offizieren die Kritik an der Armee verbietet, soll auch noch mit der polizeilichen Kontrolle unterstellt, also auch Nationalisten lahmzulegen. Arbeitslosen= und Streit Hungerpeitsche unterstützt werden. Pensionszulagen Gewerkschafts-, aus Billigkeitsgründen" ist Herr v. Einem allerdings günstiger ge- bersammlungen, die Maifeier der organisierten stimmt, denn hier entscheidet die hohe Obrigkeit. Arbeiterschaft und dergleichen, d. h. die ganze ArbeiterWer nicht gefimmungstüchtig ist und Kavallerieattacken, Soldaten bewegung sieht sich nach diesen Enthüllungen frecher polizeilicher Schindereien usw. kritisiert, kriegt dabei nichts. Hoffentlich wird der Willfür ausgesetzt, weil unter den Teilnehmern einige Anarchisten Dabei besteht aber nirgends ein Ausnahmegesetz Reichstag durch diese Rechnung im Interesse der Armee sein könnten. einen Strich machen. Die Armee hat pensionierte Offiziere, die gegen sie, in keiner Verfassung werden die Anarchisten minderen nicht Hurra schreien, bitternot, soll sie nicht nach Jena Rechtes als andere Bürger erklärt. marschieren. " Stechschritt und Gamaschendrill. Der Kampf um die Verfassung in Rußland. Aus Rußland wird uns geschrieben: Die Verfassungsbewegung scheint bereits in mächtigem Strom die gebildeten Kreise, wie auch die politisch aufgeklärten Schichten des russischen Voltes erfaßt zu haben. Vereine, die ihrer Bestimmung nach mit der Politik nichts zu tun haben, beeilen sich, die Interessanterweise hat nur der Polizeihauptmann Rappold, der Erörterung ihrer speziellen Aufgaben als Anlaß zur Aufstellung von inzwischen seine Demission gegeben hat, um nicht gegangen zu werden, politischen Forderungen allgemeiner Natur zu benutzen, die auf die diefe empörende Ueberwachung der gesamten Arbeiterbewegung Reformierung des verwesenden und verlotterten Zarenregimes an Seinerzeit hat auf der Breslauer Naturforscher- Ver- eingeführt. Sein Vorgesezter, der Justiz- und Polizeidirektor Kopf und Gliedern hinauslaufen. Es wird geradezu nach einem fammlung in der Abteilung für Militärsanitätswesen der Oberarzt Regierungsrat Dr. Stöffel, wurde darum nicht gefragt, Vorwand zu politischen Kundgebungen gesucht, und zwar in Kreisen Dr. Thalwißer die Ansicht vertreten, daß der Stechschritt, der also von seinem Untergebenen als fünftes Rad am sogar, die sonst den besseren Teil der Tapferkeit über die namentlich bei dem Parademarsch zur Exekution gelangt, Wagen behandelt. Tapferkeit selbst stets zu stellen pflegten. Weiter verbreitet der Kommissionsbericht helles Licht über die Der enge innere hygienisch ungemein schädlich sei, da die Gehwerkzeuge überanstrengt würden, wodurch sehr heftige Erkrankungen, wie Ver- neuere infame Ausweisungspraris, nach der der Aus Zusammenhang aller Zweige des gesellschaftlichen Lebens stauchungen des Fußgelenkes, Sehnenentzündung am Schienbein so- gewiefene an die Grenze feines Heimatlandes gebracht und dort mit den politischen Zuständen des Landes, der sich unter wie Entzündungen am Kniegelenk und überdies auch bei vielen von der vorher schon verständigten Polizei in Empfang genommen, der bleiernen Decke des Absolutismus gar nicht oder höchstens Soldaten, denen diese unnatürliche Art des Gehens besonders viel also tatsächlich ausgeliefert wird. Die Bundesanwaltschaft, nur in alleruntertänigsten, jedes politischen Charakters baren, Bitt- Schwierigkeiten bereitet, psychische Drepressionen hervorgerufen dieser Schandfleck der demokratischen Republit, fordert von der schriften fundgeben durfte, bricht sich jetzt frei und siegreich Bahn werden. Die Abschaffung des Parademarsches sei des- Kantonspolizei die genaue Angabe über den Zeitpunkt des Transin die Deffentlichkeit. halb vom militärärztlichen Standpunkt aus entschieden zu ports des Ausgewiesenen und auf der schweizerischen Grenzstation schon sind dann ausländische Polizisten man wird dabei an die Wir sind in der Lage, eine neue bedeutende Kundgebung dieser befürworten. Auch ein Artikel des Militär- Wochenblatte 3" stellt Bustände an der preußisch- russischen Grenze erinnert Art aus Odessa zu melden. Am 1. Dezember sollte in den Sälen des Stadtrats eine Sigung des Vereins für Schuß des Volkswohls" fich durchaus auf den Standpunkt des Dr. Thalwiser. Es wurde in Grenzüberschreitung des Ausgewiesenen überwachen. Nun verlangen, des Stadtrats eine Sitzung des Vereins für Schutz des Volkswohls" ihn erklärt, daß der Stechschritt den doch im Ererzierreglement aus- wie es schon 1899 vorgekommen, ausländische Grenz stattfinden, in der zwei Aerzte Vorträge über Sozialhygiene zu gesprochenen Zwed, unter Schonung der Kräfte vorwärts zubehörden dirette Anzeige von bevorstehenden halten hatten. Unerwartet für die Beteiligten war der Andrang kommen, feineswegs erfüllt, zudem fei der Stechschritt zum Anarchisten- Ausweisungen bezw. Auslieferungen des Publikums zu der Versammlung ein ungewöhnlich großer, Parademarsch keineswegs notwendig. Nun erklärt auch der Major und die Polizeidirektion des Kantons Zürich hat das unerhörte Verüber 2000 Personen, darunter einige hunderte Arbeiter, er- a. D. v. Bruchhausen im Tag", daß, wenn diese Behauptungen langen erfüllt. So erniedrigen fich republikanische Regierungen schienen als Zuhörer, und die Vereinssigung verwandelte sich des Dr. Thalwizer und seine Angaben, daß im Jahre 1900/01 nicht zu Schergen monarchischer Verfolgungssucht. Jm Oftober 1901 machte der Rappold die Bekanntschaft des bald in ein Volksmeeting. Statt sich auf Fachfragen zu be- weniger als 14 086 Fälle von Fußgeschwulst von Mannschaften militärisch behandelt worden seien, zutreffend wären und eine wegen Betrunkenheit verhafteten Polizeifpitels Megger, schränken, griffen beide Redner auf das politische Gebiet hinüber Biberlegung sei gegenwärtig mangels statistischen Materials von der bei sich Schriftstücke hatte, welche den Verdacht erweckten, daß er und stellten als Bedingung für die Gesundung des Boltes Sanitätsoffizieren nicht möglich, in der Tafer Stechfchritt be in fremdem Polizeidienste steht. Nun nahm ihn der Nappold in eine Reihe von Forderungen auf, die alle, dem Minimal feitigt werden müßte. Gleichzeitig ist er aber der Ansicht, feinen Dienst, ließ sich von ihm schriftlich und mündlich berichten programm der russischen Sozialdemokratie entnommen, in dem Bostulat daß dann an die Stelle des Stechschrittes eine andere Form anarchistische Schriften liefern und gab ihm für diese schuftiger der Einberufung einer tonstituierenden Nationalversammlung gipfelten, militärischen Drills eingeführt werden müsse, denn dieser Dienstleistungen insgesamt ca. 400 Frant. Der Rappold gab zu " die die außer dem Metzger noch vier weitere Spitzel in seinem Dienste gehabt zuhaben, wovon einer IVO bis ISO Frank pro Monat „verdient" haben soll und wobei 80 Franl fester Monatsgehalt waren. Die vorliegenden schriftlichen Berichte dieser Herren, welche meistens italienische Anarchisten betreffen, seien ohne Belang. An die Kosten der Umtriebe der politischen Polizei des Kantons Zürich leiste das Polizeidcpartcment einen regelmäßigen Jahres- beitrag von 1000 Frank, ferner ersetzt es die gehabte» Bar- auslagen, die im Jahre 18S8 220,80 Frank, 1899 150,50 Frank. 1900 008 Frank. 1901 809,05 Frank. 1902 745,80 Frank und 1903 543,25 Frank betrugen. In diesen Beträgen sind die Spitzelausgaben Rappolds einbegriffen. Die Kommission beanstandete den direkten Verkehr des Polizei- kommandos. d. h. des Polizeihanptnmnns mit dem italienischen Generalkonsulat in Zürich, das sich wiederholt an diese Stelle um Auskünfte über einzelne Personen lvandte und die sie auch erhielt. Das italienische Generalkonsulat trat neuerdings auch ,nit der Justiz- und Polizeidirektion in Verbindung. Das eid- genössische Justiz- und Polizeideparteinent in Bern erklärt anch diesen Verkehr für unzulässig und verlangt, daß Mitteilungen und Anfragen von Konsulaten an die kantonalen Behörden der Bimdesanwaltschaft in Bern zur Erledigung übermittelt werden.— Italien. Bcttolos Schadcucrsakfordcrung. Ronl 16. Dezember.(Privattelegramm des„Vorwärts".) Heute übersandten die Vertreter des Admirals B e t t o l o an F e r r i und S a l u st r i, die in dem bekannten Vcrleumdungs- Prozeß zu Schadenersatz verurteilt wurden, eine Schadenersatz- forderung in Höhe von 295 066 Lire? Sollte die Forderung vom Zivilgericht sanktioniert werden, so würden die ver- urteilten Genossen mit ihrem Privatvermögen für die For- derung haften! Bettolo ist so generös, die geforderte Summe für Wohltätigkeitszwecke zu bestimmen, ein Akt der Wohl- tätigkeit, der ihm keinen Pfennig kosten würde!— Amerika. I» Kauada hat seit den letzten Jahren der Gedanke der lieber- nähme von großen Privatbetrieben durch den Staat oder die Ge- meinde in weiten Kreisen Eingang gefunden...public Ownership" fOeffentliches Eigentumsrecht) als Stichwort gewinnt in den Wahl- kämpfen eine immer wachsende Bedeutung. I» drei Städten, in Zoranto, in Ottawa und in Hamilton, ist gegenwärtig dieser Ge- danke die leitende Wahlparole; es handelt sich um die Uebernahnie der Straßenbahnen durch die Gemeinden. In Toronto treten die beiden leitenden Zeitungen und der Bürgermeister selbst mit großem Eifer dafür ein. Die„Toronto Sun" schreibt:„Seit den letzten Jahren hat keine andere große Idee die öffentliche Meinung so schnell gewonnen als die der Verstaatlichung und der Munizipalisierung öffentlicher Betriebe und Einrichtungen." Wo m den Gemeinden die Forderung erhoben wird, ist von prinzipieller Opposition wenig zu spüren, es sind meist Nebenfragcn, die zu lebhasten Erörterungen führen. In der Provinz Ontario hat die Provinzialregiernng eine wichtige Dampfbahn gebaut; daß jetzt die Bahn auch öffentlicher Betrieb wird und nicht einer Privat- gesellschaft überlassen bleibt, ist die Sorge einer starken Partei. Auch im Telephonwesen sind Fortschritte in' der Richtung des Gemein- bctriebes gemacht worden.— Der SchicdsgerichtSvcrtrag zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten ist auf eine unerwartete Schwierigkeit gestoßen. Die in Amerika zahlreichen und einflußreichen Jrländer haben den Senat bestürmt, die Ratifikation des Vertrages zu verweigern. Die Senatoren sind in Verlegenheit, denn jeder Politiker hütet sich, es mit den Jrländern zu verderben; die Regierung hofft aber, die not- wendige Majorität im Senat zu erhalten.— Partei- JS1 aebnebten. Eine Partciversinnmlmig i» Mainz beschäftigte sich mit den Stadlverordnetenwahlcn. Die Diskussion drehte sich jedoch nur um die Berechtigung oder Nichtberechtigung der Kritik, die in der Partei- presse an der Taktik der Mainzer Genossen geübt worden ist. Alle Redner waren darin einig, daß die Kritik unberechtigt gewesen sei. sie unterließen es jedoch, die Richtigkeit ihrer Taktik zu begründen. Es wurde einstimmig eine Resolution angenommen, in der aus- gesprochen wird, daß nicht während des Wahlkampfes Kritik geübt werden dürfe. Die Resolution wendet sich ferner scharf gegen die besondere Art der Kritik, die von der „Leipziger Volkszeitung" geübt wurde, und gegen einen ungenannten Mainzer Parteigenossen, der in der„Leipziger Volkszeitung" gegen die Mainzer Taktik polemisiert hatte. Da in der Versammlung nur mit Behauptungen operiert wurde. so erübrigt sich ein nochmaliges Eingehen darauf. Bezüglich des Zeitpunktes der Kritik haben wir unsere Meinung schon jüngst dahin ausgesprochen, daß die Polemik nur einsetzen kann, wenn die der Kritik bedürftigen Tatsachen bekannt werden. Und wenn nicht bis zur nächsten Wahl die Mainzer Genossen zu einer Taktik gelangen. die die Zustimmung der Partei finden kann, dann werden sie auch dann wieder die Polemik während des Wahlkampfes haben. Gewerksckaftlickes. Aufgedrungener„Schutz". Bei jedem Streik ziehen Polizisten und Gendarmen auf Posten, um die„Arbeitswilligen" zit schützen. Sie fassen ihre Aufgabe gclvöhnlich so auf, daß sie jeden Verkehr zwischen den Streikenden und fremden Arbeitern zu verhindern haben, ohne daß sie abwarten, ob dieser Verkehr in eine Belästigung ausarten wird, oder sich auch nur zu informieren, ob der „Geschützte" tatsächlich in ihrem Sinne ein„Arbeitswilliger" ist. Dieser behördliche Unfug kann sogar zur Folge haben, daß ein organisierter Arbeiter, der längere Zeit auf der Reise und infolgedessen von den Vorkommnissen in seinem Gewerbe nicht ausreichend unterrichtet ist, irgendwo Strcikarbcit an- tritt und erst im Angesichte der leeren Werkstätte Verdacht über die Ivahre Sachlage schöpft. Der angebliche Schutz der „Arbeitswilligen" ist nichts weiter als eine Stellungnahme für das Unternehmertum. In Stettin, beim Streik in der Stocwerschcn Fabrik, haben es aber die Polizei-Organe sogar fertig gebracht, ihren Schutz einem„Arbeitswilligen" in� einer Form aufzudrängen, die dem Streikposten vielleicht ein Strafmandat loegcn Vergehens gegen den Z 153 der Gewerbe-Ordnung eingebracht hätte. Einem zuwandernden Dreher, der ausdrücklich erklärte, er wolle nicht arbeiten wo gestreikt werde, verlangte ein Beamter die Papiere ab und forderte ihn auf, mit in die Fabrik hinein zu kommen. Da der Nicht arbeitswillige wieder in den Besitz seiner Papiere gelangen wollte, mußte er notgedrungen dem Gendarm in die Fabrik folgen! Dieselben Gendarmen aber notierten ein paar Streik- Posten, die den von ihnen„Beschimpften" über die Situation aufgeklärt hatten, wegen„Belästigung", obgleich der Mann erklärte, er sei überhaupt nicht belästigt worden I— Bei solchem Unternehmerschutz schreien die Scharfmacher noch nach einem Zuchthausgesetz.<Äe wissen nicht, daß das deutsche Poll ihnen solche Gesetze zerrissen vor die Füße werfen würde und daß nur darum wohlmeinende Freunde sie vor gesetzlicher Festlegung der Polizeiwillkür bewahren. ßei-Un und Qmgegend. Die Aussperrung der Tischler. Am Donnerstag fand im großen Saal von Lipps, Am Friedrichs- Hain, eine Vertrauens männer-Versammlung sämt- licher Bezirke und Branchen des Holzarbeiter-VerbandeS statt, die sehr stark besucht war. S tusche berichtete über den Stand der Aussperrung. Es hatte am selben Tage wieder eine Kontrolle über die Streikenden und Ausgesperrten stattgefunden. Danach beträgt die Zahl der ausgesperrten und streikenden Tischler in Berlin 1800, in den Vororten 138; dazu kommen 457 Klavier- arbeitcr, 183 Holzbearbeitungsmaschinen-Arbeiter, 452 Möbelpolicrer' 194 Bildhauer und 532 arbeitslose Verbandsmitglieder, also zu- sammen 3310. Der Redner gab dann eine allgemeine lieber- ficht über die gegenwärtige Lage und widerlegte ver- schiedene falsche Angaben der„Fachzeitung". Er teilte auch verschiedene interessante Einzelheiten mit, z. B., daß die bekannte Firma B e n d i x, die hier in Berlin ausgesperrt hat, in ihren großen Fabriken in Landsberg und Posen iin in er in ehr Arbeitskräfte einstellt. Eigentümlich ist es auch, daß eine Anzahl Firmen, die sich angeblich an der Aussperrung be- teiligt haben, Arbeitskräfte vom Nachweis des Holzarbeiter» Verbandes beziehen. Zu den Firmen, die die Ausgesperrten wieder eingestellt haben, ist am Donnerstag eine große Baufirma hinzu- gekommen. Die Wiedereinstcllung kann hier freilich nicht mit einem Male erfolgen, doch verpflichtete sich die Firma, die zuerst Ans- gesperrten anch zuerst wieder einzustellen. Am selben Tage wurde, wie der„Vorwärts" bereits mitgeteilt hat, die Arbeit bei Otto Schmidt und bei K ä m l i n g niedergelegt. Die eine Firma wollte Streikarbeit für Pf äff, die andere für Lndtke machen lassen. Die„Holzarbeiter-Zeitung" führt in ihrer neuesten Nummer zwei Listen von Firmen an, die eine 59, die andere 88 Firmen umfassend, durch die nachgewiesen wird, wie die Angaben der„Fachzeitung" über die Aussperrung bei einer großen Anzahl Firmen teils übertrieben, teils durchaus unzutreffend sind. Uebrigens haben die Arbeitgeber der Holzindustrie am Dienstag in einer Ver- sammlung, zu der nur Anssperrungsfirmen zugelassen wurden, be- schlössen, von jetzt ab auch alle die Meister, die bis zu drei Gesellen haben, zur Aussperrung zu ver- anlassen und zwar noch vor Weihnachten. Um diesen Beschluß durchzuführen, soll in kleinen. 10 Meister umfassenden Bezirken dafür agitiert werden. Ferner wurde der folgende Beschluß gefaßt: „Die Delegierten-Vcrsammlung der Berliner Tischlermeister beschließt: In Anbetracht dessen, daß eine nochmalige Revision der Werkstätten zum Zweck der Agitation für die Aussperrung von vorteilhafter Wirkung sein muß, ist im Laufe dieser Woche diese Revision in allen Betrieben der Bezirke vorzunehmen, und es sind alle säumigen Meister zur sofortigen Aussperrung zu ver- anlassen." Wie schon in der letzten Versammlung der Ausgesperrten und Streikenden bemerkt wurde, ist der Verband darauf vorbereitet, daß bei dem regelmäßig zwischen Weihnachten und Neujahr eintretenden Arbeitsmangel die Zahl der sogenannten Ausgesperrten steigt. Auch die Vertrauensmänner-Bersammlung der Holzarbeiter bewies, daß die nun von den Meistern beschlossene Erweiterung der Aussperrung keinerlei Einfluß auf die Haltung des Verbandes auszuüben vermag. Bei entsprechendem Entgegenkommen der Meister ist der Verband wie bisher jederzeit bereit zu verhandeln. Der Bevollmächtigte Glocke erklärte, daß für die Verwaltung keine Ver- anlassung vorliege, irgend eine andere Taktik vorzuschlagen, zumal da die ausgesperrten und streikenden Kollegen eine über Erwarten vorzügliche Haltung bewiesen und ebenso im allgemeinen die Kollegen große Opferwilligkcit zeigten. Aus Antrag der Ortsverwaltung wurde sodann beschlossen, den- jenigen Kollegen, die zehn Wochen und länger streiken odei aus- gesperrt sind, soweit sie verheiratet sind, zu Weihnachten eine Extra- Unterstützung von 15 M. aus der Lokalkafse zu gewähren, soweit sie ledig sind und aus triftigen Gründen nicht abreisen konnten, von 8 M. Diese einmalige Extra-Unterstützung soll auch noch nach Weihnachten an die Kollegen ausgezahlt werden, die dann erst die zehnte Woche der Aussperrung oder de§ Streiks vollenden. Ein Antrag, die Extra- Unterstützung anch auf die ebenso lange Arbeitslosen auszudehnen, wurde der Ortsverwaltung zur Berücksichtigung überwiesen, Mit dem Streik der Klaviernrbciter beschäftigte sich am Donners- tag eine Mitgliederversammlung der dem Holzarbeiter-Vcrbande an- gehörenden Musikinstrnmenten-Arbciter. Der Referent S i ck f e l d gab zunächst einen Ueberblick über die Lage des Streiks. Der Holz- arbeiter-Verband ist noch mit 279 Mitgliedern am Streik beteiligt. Die Gesamtzahl der Streikenden beträgt etwa 457. Im weiteren besprach der Redner einige Angelegenheiten, welche auf die Gegen- sätze zwischen den am Streik beteiligten Organisationen znrückzu- führen find. Bei der Besprechung von Einzelheiten des Streiks selbst wurde ein Fall erwähnt, der einer gewissen Komik nicht entbehrt. Unter den Streikenden des Fabrikanten Nöske befindet sich dessen eigener Sohn. Der Fabrikant, der anfangs den Streikenden gegenüber versichert hatte, daß er keine Streikbrecher einstellen werde, suchte in letzter Zeit doch Arbeits- willige durch Zeitungsinseratc. Die Streikposten taten natürlich ihre Pflicht und der Fabrikant Nöske drohte ihnen mit der Polizei. Da nun aber Nöske-Sohn als unorganisierter streikender Klavierarbeitcr Streikunterstützung erhielt, so ist er auch verpflichtet, vor der Fabrik seines Vaters Streikposten zu stehen, und Röske-Vater könnte also in die Lage kommen, die Polizei gegen seinen eigenen Sohn in Aktion zu setzen. Näher liegt aber wohl die Annahme, daß die Familienbeziehungen der beiden Personen mit ihrem Berufs- bezw. Arbeitsverhältnis nicht in Konflikt kommen werden. ES ist nichts in der Welt z» dumm, es findet doch sein Publikum. Die„Staatsbürger-Zeitung" erzählte ihren Lesern, bei der Beerdigung des verstorbenen Tischlermeisters B e r n d t hätten„Streikposten" aufgepaßt, daß sich keiner der ausgesperrten Tischler des Bcrndtfchen Betriebes oder sonst ein Arbeiter an der Leichenfeier beteilige, d i e Streik unter st ützung sei den betreffenden so lange vorenthalte ir worden, bis ihre Nichtbeteiliguiig an der Beerdigung durch die Aufpasser festgestellt worden sei. Die Geschichte ist zu dumm, als daß sie ein auch nur halbwegs vernünftiger Mensch glauben könnte. Zu diesen kann man die Leute von der„Staatsbürger- Zeitung" natürlich nicht rechnen. Deshalb stellen wir ihnen. damit sie ihre Phantasicgebilde noch weiter an?- spinnen können, folgendes Material zur Verfügung: Trotz strengster Kontrolle der Aufpasser hatten es sich zwei wohlgesinnte Ausgesperrte nicht nehmen lassen, der Bcerdignng ihres Meisters beizuwohnen. Die beiden erhielten nicht nur keine Streikunterstützung, sondern man sperrte sie, um ihnen die loyale Gesinnung auszutreiben, in ein finsteres Kellerloch im GewerkschastsHause. wo schon mancher Arbeiter, der gegen die Anordnungen der Führer zu mucksen wagte, schmachten mußte. Die gute Gesinnung der treuen Arbeiter war aber so fest, daß sie durch bloße Einsperrung bei Wasser und Brot nicht ausgetrieben werden konnte. Da kam ein besonders gransamer Führer aus den Gedanken, die Qual der Aermsteu dadurch zu verschärfen, daß er sie zwang, die„Staatsbürger- Zeitung" zu lesen. Dieser fürchterlichen Tortur konnten die Ge- quälten nicht stand halten. Sie leisteten einen feierlichen Eid aus Strang und Dolch, daß sie nie mehr der Beerdigung eines Arbeit- gebers beiwohnen werden. Darauf erhielten die armen Opfer eines fürchterlichen Terrorismus ihre Freiheit und die fällige Streik- Unterstützung. Oeutkcbce Reich. Der Ausstand in der Gothaer Wagzonsabrik ist beendet. Die Fabrikleitung hat sich bereit erklärt, alle Ausständige», mit Ans- nähme von KchS Mann, unter den alten Bedingungen lvicder ein- zustellen; sie will in Zukunft den Organisationen nichts in den Weg legen und hat eine Fabrikordnung eingeführt, nach welcher bei ordimngsmäßiger Arbeit der Lohn bei Akkorden garantiert wird. 8o2iales. Als Direktor der arbcitsstatistischen Abteilung im kaiserlichen Stasistischen Amte soll, wie die„Sozialpolitische Rundschau" erfahren haben will, Dr. Zacher, Senatspräsident im ReichS-VersicherungS- ainte, in Aussicht genommen sein. Die Verteuerung der Levensnüttel seit 1900. Die„Arbeitsmarkt-Korrespondenz" hat unter Zugrundelegung der niedrigsten Markthallenpreise mit einem durch die statistische Er- fahrung als notwendig erwiesenen Aufschlage festgestellt, daß nach dem Durchschnitt dieser Preise für die Städte Berlin, Chemnitz, Danzig, Dresden, Leipzig, München und Stuttgart die HaushaltungS- kosten für eine vielköpfige Arbeiterfamilie von 1900 zu 1904 um 44,10 M. gestiegen sind. Zwei Kinder sind dabei gleich einem Erwachsenen gerechnet. Dabei ist die Verpflegungsration eines deutschen Marinesoldaten als Maßstab genommen worden. Nach diesem Maßstab ergibt sich aber, daß die Ernährungskosten einer vierköpfigen Arbeiterfamile— drei Erwachsenen betrugen: 1900 1901 1902 1903 1904 pro Woche 20.44 20,50 20,72 21,15 21,29 pro Jahr 1002,33 1009,12 1077,44 1099,30 1100,98 Die meisten Arbeiter werden ans dieser Aufstellung ersehen, daß sie viel schlechter leben müssen als dis deutschen Marinesoldatcn. Landarbeitcrlcben im Osten. In der„Preußifch-Litauischen Zeitung" finden wir folgenden Bericht über eine Verhandlung vor der Strafkammer in Jnsterburg: Gegen das freisprechende Urteil des Schöffengerichts zu Pill- kallen, das sich gegen Gemeindevorsteher und Besitzer Johann Weß- kallnieS aus Mejchkallen wegen fahrlässiger Körperverletzung richtete, hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Die Beweis- aufnähme ergab folgenden Sachverhalt': Bei dem Angeklagten, der eine Besitzung von 275 Morgen besitzt, war ein russischer Arbeiter Knieriem in Arbeit gewesen, der am rechten Bein erkrankte. Er konsultierte den Arzt in Pillkallen. Das erste Mal konnte er ohne Hülfe in den Wagen steigen, beim zweitenmal mußte er schon hincingehobcn werden. ÄlS Schlafstätte war ihn, der Pferdestall an- gewiesen worden, den er mit anderen Knechten noch teilen mußte. Infolge Beschwerden der letzteren wurde Knieriem in einem Verschlage untergebracht, da die Knechte mit dem Menschen wegen de? stinkenden Geruchs nicht zusammen schlafen konnten. Durch Vermittclung von Verwandten dc-s Knieriem fuhr die Gemeindeschwester Emma Elfrict zu diesem hinaus. Sie fand den Menschen in einem erbarmungS- würdigen Zustand. Der Raum, in dem der Kranke lag, stank furchtbar. Die Hände und die Unterarme waren mit Kor besudelt. Der Unterkörper starrte von Schmutz und ließ die Wunde nicht erkennen. Erst nachdem der Körper gereinigt war, wurde am Knie eine Wunde sichtbar. Der Patient wurde dann dem Kreiskrankenhause in Pillkallen zugeführt, woselbst eine Amputation des rechten Beines stattfand. Am 13. Januar dieses Jahres wurde er nach Königsberg gebracht und 3. Februar diese? Jahres ist Knieriem seinen Leiden erlegen. Die Staatsanwaltschaft führte aus, daß der Augeklagte mit geringen Mitteln dem Vor- storbencn ein menschenwürdiges Dasein bereiten konnte, und wenn er das nicht tat, so sei er zu bestrafen. Der Herr StaatSanlvalt be- antragte drei Monate Gefängnis, Wegen mangelnden StrafantrageS mußte jedoch auf Einstellung des Verfahrens erkannt werden. Der Ausgang des Prozesses ist»ach dem Bericht etwas dunkel. ES geht ans dem Bericht nicht hervor, ob der Mangel des Strafantrages schon erst von der Straskamnier erkannt worden ist odco ob der Staatsanwalt auf ein Delikt geklagt hat, das keinen Straf- antrag erfordert, das Gericht aber das Erfordernis des Straf- antrages als vorliegend erachtet hat. Der Strafantrag ist bekannt- lich für fahrlässige Körperverletzungen dann nicht erforderlich, wenn die Körperverletzung mit Außerachtlassung einer Amtspflicht begangen worden ist. Da es sich nun um ein GefindeverHältniS handelt und der Dienstgeber außerdem Gemeindevorsteher ist, so scheint uns, daß ii, der Tat der Fall der Außerachtlassung einer Amtspflicht vorliegt, so daß die Bestrafung auch ohne Strafantrag möglich lvar. Aber von der Rechtslage abgesehen, hat sich der wohlhabende Besitzer mindestens der schweren Verletzung einer Menschenpflicht schuldig gemacht. Die fast täglich bekannt werdenden Fälle menschenunwürdiger Behandlung ländlicher Arbeiter bieten Bilder so erschreckender Roheit, daß dagegen alle sogenannten RoheitS- vergehen der Krimiualstatiftik verblassen. Die Presse der Agrarier liebt es, sich über Roheitsvergchen zu entrüsten mit mehr oder minder deutlich ausgesprochenem Hinweise auf die Sozialdemolratie. Wenn ihr der Kampf gegen die Roheit ernst wäre, dann hätte sie ein reiches Arbeitsfeld bei ihren Freunden im Osten. Ein Stück sozialen Elends entrollte sich am 13. d. Mts. vor der Strafkammer zu Königsberg. Ein Scharwerker, der auf dem Lande bei dem Jnstmann eines Gutsbesitzers im Kreise Fischhausen im Dienst stand, war angeklagt wegen Diebstahls im wiederholten Rückfalle. Er sollte ein Paar alte Hosen, eine Axt und zwei Paar alte Stiefel gestohlen haben. Der etwa 30 Jahre alte, etwas blöde aussehende Angeklagte, dessen Körper durch schwere Arbeit ruiniert ist, gab ohne weiteres zu, sich die Sachen angeeignet zu haben. Seine Hosen und Sttefel waren zerrissen, und da er sich keine neuen kaufen konnte, zog er eines Tages die des Jnstmannes, bei dem er als Scharwerker wohnte, an. Ein anderes Paar alte dem Besitzer gehörende Stiefel eignete er sich an, weil er glaubte, dieser würde sie nicht mehr brauchen. Wo die Axt geblieben sei, wisse er nicht. Dieses offenen Geständnisses wegen verurteilte das Gericht de» Angeklagten unter Zubilligung mildernder Umstände zu vier Monaten Gefängnis. Bei der Verkündung des Urteils vermahnte der Vorsitzende, Herr Landgerich ts'direktor Schubert. den Angeklagten in dieser Weise:„Jetzt hören Sie aber auf mit der S t e h l e r e i, das nächste Mal gibt es Zuchthaus. Sie hatten Ihren guten Verdienst und Arbeit, und da be stahlen Sie Ihren Dienst- Herrn?" Draußen auf dem Korridor des GerichtZgebändeZ empfing die alte Mutter des Verurteilten ihren Sohn und forschte nach dem Urteil.„Vier Monate Gefängnis!" rief sie aus,„mein Gott! mein Gott! Und er konnte sich wirklich keine Kleider kaufen, denn er er- hielt neben schlechtem Essen monatlich nur 4 Mark jvier Mark) Lohn"; also kaum 13 Pfennige pro Tag. Die entwendeten Sachen hatte der Scharwerker wieder zurückgegeben. Ob er nach Vcrbüßung seiner Strafe die Mahnung des Vorsitzenden beherzigen und des „guten Verdien st eS" wegen mm nicht mehr stehlen wird? DaS KaufmannSgericht in Köln wird ohne Wahlhandlung besetzt werden. DaS OrtSstatut bestimmt, daß, wenn von den Arbeitgebern oder den Gehülfen nur eine einzige Vorschlagslifte eingereicht wird, die Vorgeschlagenen ohne weiteres als gewählt gelten, ohne daß eine Abstimmung erfolgt. Sowohl die Vereinigungen der Arbeitgeber als auch die der Gehülfen haben untereinander Vereinbarungen getroffen, wonach die Sitze unter den verschiedeneu Vereinen verteilt wurden. Die in Köln bestehenden zwölf Gehülfcnvereinigungen haben aus- gemacht, daß auf jeden Verein zwei Beisitzerstellen kommen; nur der Deutsch-nationale Gehülfenverband erhält einen dritten Sitz, weil er an Mitgliedern der stärkste ist, und der letzte der 20 Sitze fiel durch Los dem Bankbeamtenverein zu. Der Zentralverband der Hand- lungSgehülfen verzichtete deshalb auf eine» stisch-fröhlichen Wahl- kämpf, um daS vor einigen Monaten zwischen sämtlichen Kölner Gchülfenverbänden mit vieler Mühe zustande gebrachte Bündnis zur Erringung des Achtuhr-LadenschluffeS und des Schlusses der Kontore an den Sonntagen nicht zu gefährden. Anch eine Wahl. Bei der Wahl der Unternehmer-Beisitzer zum Kaufmannsgericht in Bayreuth ging es außerordentlich„lebhaft" her. Von den zu wählenden 12 Beisitzern erschienen ganze fünf Mann an der Wahlurne; mit Mühe und Not gelang es noch drei andere Wähler herbeizuschleppen, so daß also die 12 Beisitzer mit acht Stimmen gewählt wurden. Lei den Wahlen zum Kaufmannsgericht in Straßöurg i. E. trug der Zentralverband der Handlungsgehülfen einen schönen Erfolg davon. Bei der Wahl der Gehiilfenbeisttzer am Sonntag, den 11. Dezember, wurden insgesamt 3164 Stinimzettel abgegeben. die sich auf 11 Listen verteilten, welche von 7 Gruppen aufgestellt waren, darunter 3 Gruppen unorganisierter Gehülfen. Die alten Verbände hatten gemeinsam 4 verbundene Listen aufgestellt, die zu- sammen 909 Stinimen erhielten, 777 Stimmen erhielt die Liste des Zentralvcrbandes, dessen 7 Kandidaten damit gewählt sind. Ferner entfielen auf zwei verbundene Listen einer Gruppe Unorganisierter 738 Stimmen, auf die deutschnationale Liste 476, auf die zweite Liste von Unorganisierten 136 Stimmen und 88 Stimmen auf die beiden weiteren Gruppen Unorganisierter. Hus Induftm und ftandel. r Kommerz- und Diskonto-Bank— Berliner Bank. Zwischen beiden Instituten ist vorgestern, wie sie in einem Communique anzeigen, unter Zustimmung der beiderseitigen Ver- waltungen und unter Vorbehalt der Genehmigung der sofort ein- zuberufenden Generalversammlungen folgende Vereinbarung ge- troffen worden: Die Kommerz- und Diskonto-Bank wird die Berliner Bank im Wege der Fusion unter Ausschluß der Liquidation dergestalt in sich aufnehmen, daß den Aktionären der Berliner Bank für je 3000 M. Nennwert ihrer Aktien mit Dividendcnschein für 1904 und folgenden je 4000 M. Nennwert Aktien der Kommerz- und Diskonto- Bank mit Dividendenschein für 1903 und folgenden gewährt werden. Die Kommerz- und Diskonto-Bank wird zur Durchführung dieser Transaktion ihr Kapital von 30 Millionen Mark auf 33 Millionen Mark erhöhen. Die Vorbesprechungen der beteiligten Faktoren über diesen Be- schluß haben, wie es in der Mitteilung heißt, verhältnismäßig kurze Zeit in Anspruch genommen, da sie sich an die Verhandlungen zwischen beiden Banken vom Frühjahr 1904 anschließen konnten. Inzwischen haben die inneren Verhältnisse der Berliner Bank sich soweit geebnet und gestärkt, daß die Kommerz- und Diskonto-Bank für die Verschmelzung das vorliegende Gebot machen konnte. Zu der Wiederaufnahme der Fusionsverhandlungen wurde die Kommerz- und Diskonto-Bank namentlich von der Erwägung veranlaßt, daß die von ihr in Berlin mit gutem Erfolge aufgenommene Pflege des Konto-Korrent-Verkehrs mit dem Kaufmannsstande durch die An- gliedcrung der Berliner Bank eine erhebliche Stärkung erfahren wird. Angesichts dessen erachtet die Verwaltung der Berliner Bank die neue Wendung auch für ihre Kundschaft für vorteilhaft. Das gesamte Personal der Berliner Bank wird von der Kommerz- und Diskonto-Bank übernommen werden. Den Aktionären der Kommerz- und Diskonto-Bank wird, damit die Jnteressenkreise der Berliner Bank im neuen Betriebe angemessen vertreten sein werden, die Zu- wähl von Mitgliedern des Aufsichtsrats der Berliner Bank in den Aufsichtsrat der Kommerz- und Diskonto-Bank in Vorschlag gebracht werden. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Berliner Bank, Herr Kommcrzienrat Lucas, hat von vorne herein den Wunsch aus- gesprochen, hierbei von seiner Person Abstand zu nehmen. Herr Direktor Ernst Simon von der Berliner Bank tritt in den Vorstand der Kommerz- und Diskonto-Bank ein. Bekanntlich haben schon im Frühjahr dieses Jahres zwischen beiden Banken Äereinigungsverhandlungcn stattgefunden, die aber an den Forderungen der Berliner Bank scheiterten, dann trat die Deutsche Bank als Reflektantin der Berliner Bank auf, aber auch diese Verhandlungen zerschlugen sich; jetzt sind die Kommerz- wie die Berliner Bank zu ihrem ersten Fusionsprojckt zurückgekehrt. Was die Kommerz- und Diskontobant zu der Aufnahme der Bertiner Bank veranlaßt, ist jedenfalls das Bestreben, ihr Geschäfts- gebiet auszudehnen und vornehmlich den Konto-Korrent-Verkehr mit der Kaufmannschaft zu Pflegen, während die Leiter der Berliner Bank sich gesagt haben werden, daß es ihrem Institut unmöglich sein werde, seine Stellung inmitten der es umgebenden großen Konkurrenten zu erhöhen oder auch nur zu behaupten Allerdings erscheint fraglich, ob die Kommerz- und Diskontobank für das ver- größerte Aktienkapital von 83 Millionen Mark innerhalb der Ge- schäftsgrenzen, die sie sich nach ihrer offiziellen Mitteilung gesteckt hat. die nötige nutzbringende Verwendung finden wird, ob es ihr möglich sein wird, auch ferner die 6 Proz. Dividende heraus- zuwirtschaften, die sie in den letzten Jahren verteilt hat. Wahr- scheinlich ist, daß sie schließlich in dasselbe Fahrwasser hinaussteuern wird, in tvel ehern heute die Bank für Handel und Industrie, die Handelsgesellschaft usw. segeln. Recht lehrreich ist in dieser Beziehuirg die bekannte Angliedernng des Frankfurter Bankhauses Dreyfus u. Co. an die Kommerz- und Diskontobank im Jahre 1897. Sie wußte damals mit dein zu- geströmten Kapital nicht viel anzufangen und mutzte sie im nächsten Jahre mit ihrer Dividende auf 3 Proz. heruntergehen, irnchdem sie einen enormen Verlust an einem Znckergeschäft in Aussig erlitten hatte. Die im Jahre 1897 in Frankfurt a. M. errichtete Nieder- lasfung Ivurde dann 1903 wieder aufgelöst und das Geschäft an die Firma Dreyfus u. Co. übertragen, an der sich die Bank mit einer Komnianditeinlage von 3 Millionen Mark beteiligte. Die Fusion bedeutet einen bedeutenden Fortschritt des Konzentrations-Prozesses. Nach der Größe ihres Aktienkapitals folgen die Berliner Großbanken nun folgendermaßen auseinander: Dresdner Bank 160»„Z Millionen Mark Schaaffhausenscher Bankverein 123/ � Millionen Mari Deutsche Bank 180„„ Diskontogesellschaft 170„„ Darmstädter Bank 134„„ Berliner Handelsgesellschaft 100 ,,„ Kommerz- und Diskontobank 83 ,,„ Nationalbank für Deutschland 60„ Norddeutscher Lloyd. Die Aktionäre des Norddeutschen Lloyd dürften in ihrer Mehrzahl gestern eine schmerzliche Enttäuschung erlebt haben. Noch vor einigen Monaten wurde fast allgemein in ihren Kreisen auf eine sichere Dividende von 3— 6 Proz. gerechnet. Dann ermäßigte sich, als es hieß, der ostasiatische Postdampfer- dienst hätte schwer unter den russisch-japanischen Kriegswirren zu leiden, die Schätzung auf 4 Proz., und in letzter Zeit wurde bei Verkäufen der Dividcndenscheine der Lloydaktien vielfach gar nur eine Dividende von 3�: und 3 Proz. veranschlagt. Aber selbst dieser Satz ist noch zu hoch gewesen, denn in der gestrigen Sitzung des Aufsichtsrates des Norddeutschen Lloyd berichtete der Vorstand, daß die ersten zehn Monate des laufenden Jahres im wesentlichen in- folge des bekannten Ratenkampfes einen erheblichen Ausfall im Erträgnis gegenüber der gleichen Periode des Jahres 1903 erbracht haben. Tie Dividende wird deshalb nur aus 2 bis 3 Proz. geschätzt. Zurückzuführen ist das geringe Ergebnis vornehmlich auf den Schiffahrtskrieg mit der Cunard-Linie und die geringen Erträge des Reichs-Postdampferdienstes nach Ostasien, den früher der Lloyd mit der Hamburg-Amerika-Linie gemeinsam betrieb, seit einem Jahr aber allein übernommen hat. Zum Teil treffen diese Umstände auch die Hamburg-Amerika-Linie. aber sie hat für ihr überflüssiges Schiffs- Material Verwendung zu finden gewußt. Mehrere Schiffe hat sie an Rußland verkausl; eine Anzahl andere als Kohlenschiffe ver- chartert und außerdem ihre Vergnügungsfahrten weiter aus- gedehnt, so daß sie wahrscheinlich 8 Proz. Dividende verteilen wird. Ueberhaupt hat sie vom geschäftlichen Standpunkt aus in den letzten fünf Jahren besser operiert, als der Norddeutsche Lloyd. Sie ver- teilte 8. 10. 6, 4V4 und 6 Proz. Dividende, der Lloyd IVi, Ss-i, 6, 0 und 6 Proz. Helios. Die beabsichtigte Stillegung der Ehrenfelder elektrischen Werke des Helios stößt in den Kreisen der Kölner Großindustriellen auf Widerstand, Sie wollen versuchen, das erforderliche Kapital zusammenzubringen, um das Unternehmen unter anderer Leitung fortführen zu können. Die„Köln. Ztg." nimmt sich dieser Be- strebungen warm an.„Wenn die Allgemeine Elektrizilätsgesellschaft und die Siemens-Schuckert-Werke," schreibt sie.„bei ihrem Angebot Berantw, Redakt,: Paul Büttner, Berlin, Inserate verantw,(mitAuZna wirklich dett Zweck verfolgen, die Fabrik des Helios nur zurfi Zweck der Stillegung zu erwerben, so sollte alles aufgeboten werden, um das zu verhindern. Das erfordert auch das Interesse der Stadt Köln, der es nicht gleichgültig sein kann, wenn ein Fabrikbetrieb, der etwa 900 bis 1000 Arbeiter und Beamte beschäftigt, mit einem Male stillgelegt wird. Dazu kommt noch, daß die Fabrik des Helios nach dem Urteil von Fachleuten aus den Kreisen seiner Wettbewerber tatsächlich gut eingerichtet und technisch auf der Höhe ist. Bietet sich also gelegentlich der Durchführmig der Liquidation die Möglichkeit, die Fabrik unter Herabsetzung ihres bisherigen Buchwertes und ohne die Schuldenlast, von der sie bisher sozusagen erdrückt wurde, zu übernehmen, so sind alle Voraussetzungen für ein künftiges gewinn- bringendes Arbeiten gegeben. Unter diesen Umständen sollte man doch annehmen, daß sich in Rheinland und Westfalen Kapitalisten finden müßten, die sich an einem Vorgehen nach dieser Richtung hin tatkräftig beteiligen." Gerichts-Leitung. Das leidige Ziichtigungsrccht der Schule hat wieder einmal eineii Lehrer auf die Anklagebank gebracht. Der Ber- liner Gemeindeschullehrer Otto H i l d e b r a n d t, der an der 96, G e- meindeschule in der Schwedter st ratze beschäftigt ist, hatte am 23. Juni dieses Jahres den zu Ostern in die achte Klasse eingetretenen sechsjährigen Schüler Willi Wolfs mit dem Stock geschlagen, weil er ihm bei einer Lese-Uebung zu leise und zu undeutlich sprach. Als Folgen dieser Prügel stellte ein Arzt fest: auf dem Kopf eine bläuliche, etwa bohnengroße Anschwellung nebst zwei roten, etwa 4 Zentimeter langen, parallel verlaufenden, roten Schrammen, außerdem eine ebensolche, etwa 3 Zentimeter lange Schramme: am Kopf hinter dem Ohr eine bläulich-rote An- schwellung mit einem rötlichen, 4 Zentimeter langen Striemen; auf dem Rücken linier dem Schulterblatt einen etwa 8 Zentimeter langen, rötlich- braunen Striemen: auf dem geschwollenen Gesäß etwa 13— 18 rote und blaue, kreuz und quer verlaufende Striemen von etwa vier bis sechs Zentimeter Länge. Im„Vorwärts" ist am 26. Juni über die Prügelei berichtet und der volle Wortlaut des Attestes mitgeteilt worden. Der Vater Ivandte sich mit einer Beschwerde an den Rektor und reichte eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft ein. Die Schillbehörde ver- hängte über den Lehrer eine Disziplinar st rase von 12 Mark und drohte ihm für den Wiederholungsfall strengere Maßregeln an. Bon der Staatsanwaltschaft wurde gegen ihn Anklage erhoben wegen vorsätzlicher körperlicher Mißhandlung, begangen in Ausübung des Amtes. Die Verhandlung fand am Donnerstag vor der vierten Straf- kammer des Landgerichts I statt, Sie brachte keine völlige Aus- klärung über die Vorgänge, die sich am 23. Juni abgespielt' hatten. Der Angeklagte gab zu, geschlagen zu haben, und sogar derb. Aber die Beschuldigung, daß er a»ch auf und an den Kopf geschlagen habe, wurde von ihm zurückgewiesen; er habe„nur getippt". Gegen ihn sprach jedoch das ärztliche Attest, daß die„Anwendung einer gewissen Vehemenz" als wahrscheinlich bezeichnete, sowie die mündliche Aussage des betreffenden Arztes, der als Gutachter ge- laden war. Die Beschuldigung, daß die Schläge nach dem Kopfe ügar mit dem langen hölzernen Zeigestock geführt worden seien, wurde von dem sechsjährigen Willi Wolfs vor Gericht wiederholt und von einem siebenjährigen Mitschüler bekräftigt. Dem gegenüber versicherte der Angeklagte, er habe überhaupt nur mit dem kurzen Rohrstock geschlagen. Interessant war die Vernehmung des Rettors Koch von der 96. Schule, dem der Vater de« geprügelten Jungen vorgeführt hatte. Herr Koch hatte zunächst geineint, die Striemen ans' dem Kopfe seien„rote Tinte", aber ein von ihm vorgenommener Abwaschversuch ergab ihre Echtheit. Die Frage eines Beisitzers, ob über Hildebrandt noch andere Beschwerden Ivegen„Mißhandlung" eingelaufen seien, konnte von dem Rektor nicht präzise beantwortet werden. O ja, es komme bei jedem Lehrer mal vor, daß eine Mutter sich beschwere, oft schon dann, wenn ein Kind nur schief angesehen werde. Ob aber über Hildebrandt wegen �Miß- Handlung" geklagt worden sei, könne er nicht bestimmt sagen. Schul- inspektor v. Gizycki erklärte, Willi Wolff sei sehr schwach beanlagt, sei auch körperlich sehr schivächltch und hätte überhaupt noch nicht eingeschult werden dürfen. Wir ivollen hier ergänzend einschalten, daß das Kind nach der Prügelei tatsächlich noch vom Schularzt dispensiert worden ist und bis O st e r n n ä ch st e n Jahres die Schule nicht besuchen wird. Die Schwäch- lichkeit des Jungen würde übrigens vom Angeklagten nicht als ein erschwerender, sondern als ein mildernder Ilmstaud betrachtet. Von jenem als Gutachter geladenen Arzt, der vor sechs Monaten das Attest über die Folgen der Prügelei ausgestellt hatte, ließ er sich jetzt bestättgen, daß bei schwacher Konstitutton die Haut besonders zart und empfindlich ist. Daher die Beulen und Striemen l Der Staatsanwalt sah als erwiesen an, daß die Züchtigung über das Maß hinausgegangen sei, das dem Vergehen des Kindes und seiner körperlichen Entwickelung entsprechend gewesen wäre. Für die Schläge nach dem Kopf nahm er Absichtlichkeil an. es liege also Mißhandlung vor. Trotzdem beantragte er nur fünfzehn Mark Geldstrafe. Der Verteidiger bestritt die Absichtlichkeit, es könne sich nur um Fahrlässigkeit handeln. Der Folgen seines Tuns sei der Angeklagte in seiner Erregung sich nicht bewußt gewesen, und er habe nicht ivisjen können, daß der Junge so schwächlich ist. Der Angeklagte bat, einem geplagten Lehrer zugute zu halten, daß er sich vergessen habe. Das Gericht trat der Ansicht des Staatsanwalts bei, sah aber die Erregung als mildernden Umstand an. Das Urteil lautete auf fünfzig Vi a r k Geldstrafe. Wir werden auf diese Gerichtsverhandlung, in der auch jene Veröffentlichung des.Vorwärts" zur Sprache gebracht wurde, noch zurückkommen. Bor dem Schöffengericht hatte sich gester» der im Prozeß Berger so viel genannte Agent Lenz auf die Anklage der Beleidigung und Bedrohung zu verantworten. Lenz war insbesondere aus die AuS- sage eines Zigarrenarbeiters JeczkowSky hin verhaftet worden. Dieser hatte bekundet, daß er den L. beobachtet habe, wie dieser mit zwei Kindern an der Hond spazieren gegangen sei. Diese Aussage stellte sich bald als unrichtig heraus. Nach der Entlassung des Lenz traf dieser am 3. Juli mit JeczkowSky zusammen und schleuderte ihm Bemerkungen entgegen, in welchen eine Beleidung und Be- drohung gefunden wurde. Der Angeklagte gab zu, daß ihm in seiner begreiflichen ungeheuren Aufregung jene Aeußeruug entfahren sei. Im Ernst habe er gar nicht an eine Bedrohung gedacht.— Das Urteil lautete unter Zubilligung mildernder Umstände auf 13 Mark Geld st rase. Versammlungen. Die Mißstände im Warenhaus Wertheim beschäftigten am Donnerstag abermals eine Versammlung der bei der Firma be- schästigten Hausdiener, Packer, Fahrstuhlführer und Handwerker. Wie vom Referenten Werner mitgeteilt wurde, hatte die Ge- schästsleitunjj die Packer an diesem Abend bis 11 Uhr ar- b e i t e n lassen, wahrscheinlich in der Absicht, sie dadurch vom Ver- sammlungsbesuch fernzuhalten. Diese Auffassung sei um so be- gründeter, als die Firma gleichzeitig in ihren Filialen Plakate hat anbringen lassen, auf denen sie„ihre" Arbeitet: vor den Einwirkungen des Handelshülfsarbeiter-Verbandes beziv dessen Ver- tretern warnt. Trotzdem war die Versammlung nach und nach gut besucht. Werner wandte sich nun im einzelnen zu der unrichtigen Berichtigung der Firma im„Vorwärts" und führte dann auS, daß sich der Verband fttzt an den Ausschuß der Berliner Ge- w e r k s ch a f t s k o m m i s s i o n gewandt habe, um bei der vor- liegenden Differenz mit dem Warenhaus Wertheim entsprechend ein- zugreifen. Der Ausschuß habe anfänglich ermahnt, wenn irgend med««Reue Wcll'-BkiI«ge):TH, Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr möglich, die Angelegenheit friedlich zu erledigen. Zwei Ab«. fchußmitglieder sind auch bei der Firma vorstellig geworden,«n durch sachliche Aussprache den Empfang der bewußten Beschwerde- kommission zu bewirken. Dieses Ersuchen ist von der Firma jedoch laut schriftlichem Bescheid abgelehnt worden. Am Dienstag aber hat die Geschäftsleitung die Kommissionsmitglieder dennoch zu sich beschieden, jedoch nicht, um mit ihnen über die vorhandenen Mißstände zu sprechen, sondern um ihnen Vorwürfe darüber zu machen, daß sie den Ausführungen Werners in den vorigen Ver, sammlungen nicht entgegengetreten seien und die Firma in Schutz nahmen. Man hat ihnen gesagt, sie sollten sich ob ihres Verhaltens schämen, doch wolle man ihnen diesmal verzeihen, weil sie die Tragweite ihrer Handlungen wohl nicht zu übersehen vermocht bätten. Kurz, die Kommissions, Mitglieder seien wie Schulbuben abgekanzelt worden. Das st ä r k st c Stück aber sei, daß die Firma den Sprecher der Kommission, den Vertrauensmann Peters, am Donnerstag einfach entlassen habe. Es sei also ein Mann gemaßregelt worden, der weiter nichts getan habe, als die Interessen seiner Kollegen auftragsgemäß zu vertreten. Was diese Maßrege- lung noch in einem ganz besonderen Lichte er- scheinen läßt, sei dieZu mutung gewesen, Peters solle ein au die drei in Betracht kommenden Ge- werkschafts-Organisationen zu richtendes Schrift st ück unterzeichnen, worin er bescheinigt, daß die Behauptung, die Firma weigere sich, die Kommission anzuhören, unwahr sei. Wie Peters hernach selbst bestätigte, hat man ihm, als er diese empörende Zu- mutung zurückwies, klipp und klar gesagt: Wer nicht mit uns ist, ist gegen uns. Falls er nicht unterschreibe, werde man Beschluß darüber fassen müssen, ob ein Verbleiben im Hause unter diesen Umständen noch länger möglich sei. Kurz daraus ist seine Entlassung denn auch verfügt worden. Als nun der Gematzregelte unter Be- rusung aus die angeblichen„humanen Grundsätze" der Firma, keinen Arbeiter ohne instanzenmäßige Prüfung zu entlassen, bei den Firmenchefs persönlich vorstellig werden wollte, wurde er zwar angemeldet, jedoch kurzerhand abge- wiesen mit dem Bemerken, der Chef sei in dieser Angelegenheit für ihn nicht zu sprechen. Damit, so wurde hernach mehrfach angeführt, falle jetzt auch die Annahme, als seien die Chefs von den Vorgängen der letzten Zeit durch die Geschäftsführer nicht genügend informiert. Hier zeige es sich zur Evidenz, d a ß s i ch d i e F i r m a gegenwärtig noch selbstherrlicher benehme wie die Kühnemänner. In der Diskussion sprach u. a. auch ein Herr Arndt von der Firma Wertheim, der sich besonders darüber beschwerte, daß in der Versammlung zwar von Mißständen, aber nicht von den guten Löhnen und den Wohltaten des Hauses den Arbeitern gegenüber gesprochen werde. Ihm wurde zur Antwort: Wenn auch die Löhne leidlich gut seien, so müßten die Arbeiter sie unter größt- möglichster Ausnutzung ihrer Arbeitskraft auch sauer genug ver- dienen; verschenken tue die Firma in dieser Hinsicht ebensowenig etwas wie andere Arbeitgeber. Was aber die„Wohltaten" anbelange, so läge deren Einführung vornehmlichimureigenstcnJntereffederFirma selbst und dienten ihr noch obendrein als Reklameschild. Ucbrigens sei die Erlangung der„Wohltaten" meistens von der ein- fettigen Gunst der Borgesetzten abhängig. In der Antreiber- und Günstlingswirtschaft liege eben ein wohlbercchnetes System zur denkbar größten Ausnutzung und Willsährigmachuug der Arbeiter. Das Wort nahm sodann W i c s e n t h a l als Vertreter des Ausschusses der Berliner Gewerkschaftskommission und erklärte in seiner mit großem Beifall aufgcnomlnencn Rede: Obwohl der Aus- schütz der Ansicht gewesen sei, daß sich die Wertheimsche Differenz auf friedlichem Wege werde erledigen lassen, so habe sich mit der gänzlich unberechtigten Entlassung des Vertrauensmannes Peters die Situation jetzt wesentlich verändert; sie sei ungleich ernster gc- worden. Noch einmal werde jetzt der Ausschuß der Gewerkschafts- kommission an die Firma herantreten— und zwar offiziell. Beharre die Firma auch dann noch auf ihrem einseitigen Herren- Standpunkt, so werde sie sich auch ganz allein die cv. Folgen zu- zuschreiben haben. Reichstags-Ztichwahl im Mahlkreise Jrnchom I uud H. Burg. 16. Dezember. 10 Uhr 15 Minuten.(Telegramm des „Berliner Korrespondenzbureaus".) Bei der gestern im Wahlkreise I e r i ch o w I und II(Magdeburg III) stattgehabten Stichwahl wurden bisher gezählt für den Kandidaten der Freisinnigen BolkS- partei Lehrer Mertens- Berlin 13 327, für den sozialdemokratischen Kandidaten Stadtverordurten Voigt- Gommern 5998 Stimmen. Die Wahl Niertens-Berliu(srs. Bp.) ist gesichert. Bei der Hauptwahl am 6. Dezember wurden abgegeben 24831 Stimmen. Davon entfielen auf Lehrer Mertens(srs. Vp.> 6251, aus Stadtverordneten Boigt(Soz.) 6703, Rittergutsbesitzer v. Brauchitzsch(f.) 5940 und Rechtsanwalt Wohlfahrt(Antis.) 2575 Stimmen, Legations- rat vom Rath(natl.) 3362 Stimmen. Letzte JVacbncbten und Depefcbea ReichStagS-Ersatzwahl im Wahlkreise Posen V(Krösen). Rawitsch, 16. Dezember.(W. T. B.j Bei der heutigen Reichs- tags-Ersatzwahl im Wahlkreise Posen V wurden bis 11 Uhr abends gezählt für Wagner(Reichspartei) 3643, für Stychel(Pole) 8923 Stimmen. Das Ergebnis aus 12 Ortschaften fehlt noch. Die Wahl Stychels erscheint gesichert._ Die Beisetzung Krögers. Pretoria, 16. Dezember.(W. T. B.) Die Leiche des früheren Präsidenten Krüger wurde heute hier feierlich beigesetzt. An der Feier nahmen gegen 2000 Burghers teil. Drei holländische Geist- liche hielten Gedächtnisreden, in der sie die Vaterlandsliebe und das musterhafte religiöse Leben des Dahingeschiedenen feierten. Der Hauptredner. Pastor Bosmann, führte dabei aus. daß die Boeren der neuen Flagge, dem Symbol der Gleichheit und Freiheit, treu ergeben seien. Sie dürften aber niemals Krügers Grundsätze ver- gessen. Ihr Volk müsse den von Krüger vorgezeichnetcn Linien der Entwickelung folgen. Paris, 16. Dezember.(W. T. B.) Deputierten- kammer. Bevor die Beratung über den Ausstand in Marseille ausgenommen wird, wirst Binder(kons.) dem Marineministcr Pclletan vor, daß er schuld an dem Verlust des Transportschiffes „Vienne" habe, da er es trotz seines schlechten Zustandes. der ihm bekannt gewesen sei, habe abfahren lassen. P e l l e t a n weist leb- hast die gehässigen Anschuldigungen zurück, die er infolge dieses Er- eigmsses über sich habe ergehen lassen müssen. Der Schiffbruch sei einzig dem Swrme zuzuschreiben.(Beifall auf der Linken.) Binder verlangt darauf die einfache Tagesordnung, welche mit 333 gegen 181 Srimmen abgelehnt wird. Es wird sodann eine Tagesordnung angenommen, und zwar mit 342 gegen 43 Stimmen. in welcher die Erklärungen des Ministers Pelletmi gebilligt werden und die Sitzung hieraus geschlossen. Rom. 16. Dezember.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer nahm in geheimer Abstimmung mit 204 gegen 30 Stimmen den ttalienisch-schweizerischen Handelsvertrag an. Tokio, 16. Dezember.