»r.SS?. RbonnementS'Bedl ngungen: TOonnemenl«- Preis prSnmnerando WerteljShrl. 3.M Mk, Mona». I.IV m., lvöchenttlch 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Rümmer e Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags- «eilage.Die Reue Welt' 10 Pfg. Post. «bonnemenl: l,lll Mark pro Monap Singetragen in die Posl-ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband siir Deutschland und Oesterreich. Ungarn S Mark, stir da» übrige Aus Ion» ll Mark pro Monat. S1. Jahrg. CiWetm tigfht wBtr montaa». Vevlinev VolkSblslk. DU InUrtlonS'Gfbflbr betrügt für die sechsgefpaltene ttolonel- geile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerkschaftliche Vereins- und BersammIungS-Rnzeigen 76 Pfg. „Kleine Hnreigen", das erste ssett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jede« weitere Wort 5 Psg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müsse» bis B Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittag» geSjfnel, Xelegramm- Adresse: ..Ssglslstwsllksi lltk»»". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion t SM. 68, Lindcnetraaee 69. neriiftirfaicr: fliiif IV, Nr. IS8:{._ Expedition: SM. 68, Lindenstraeee 69. Kerusprecher: Amt IV. Nr. 1S84. ün Sie Sozialdemokratie in Preußen. Parteigenossen! Nach Beratung mit den Vertrauenspersonen in Berlin und Umgegend haben wir beschlossen, einen Parteitag der Sozialdemokratie in Preutzen auf Mittwoch, den 28. bis Freitag, den 3V. Dezember nach Berlin einzuberufen. Als vorläufige Tagesordnung für die Beratungen desselben wurde festgesetzt: 1. Der Wohnungsgesetzentwurf. Berichterstatter H. H e i m a n n. L. Der Gesetzentwurf betr. die Bestrafung wegen Annahme kontraktbrüchiger Arbeiter. Berichterstatter A. Stadt- Hägen. 8. Der Schulgesetzentwurf bezw. der Schulgesetzkompromiß der maßgebenden Parteien im Landtage. Berichterstatter Dr. L. A r 0 n s. 4. Das Landtagswahlrecht. Berichterstatter G. Ledebour. Parteigenossen! Wir fordern Euch hiermit auf, zu dem an- gegebenen Zeitpunkt Eure Vertreter, die in gleicher Weise zu wählen sind, wie dieses zu den deutschen Parteitagen geschieht, nach Berlin zu senden. Die Kosten der Vertretung haben die Kreise zu tragen. Von der erfolgten Wahl der Delegierten ersuchen wir, dem Partcibureau, Adresse: I. Auer, Berlin 8W. 47, Kreuzbergstr. 30 baldigst Anzeige zu erstatten. Die Adresse des L 0 k a l k 0 m i t e e S, das die Wünsche der Ver- treter in bezug auf Wohnung zu erfüllen bestrebt ist, lautet: Engen Ernst, Berlin 8W.«8, Bnchdrnckcrci Vorwärts, Lindenstr. 00. Der Parteitag wird Mittwoch, den 23. Dezember, vormittags .ö Uhr, im Saale des Gewerkschaftshauses, Engel-Ufer IS, eröffnet werden. Parteigenossen! Wir sind überzeugt, daß Ihr die Situation voll zU würdigen versteht und unserer Einladung durch die Wahl zahlreicher Vertreter entsprecht. Hoch die Sozialdemokratie! Berlin, den IS. November 1904. Der Parteivorstand. Sozialdemokratie und Volksschule. Die ZentrumSblätter schmieden still und unauffällig an dem Eisen weiter, mit dem der preußischen Volksschule dem- nächst einige ihrer bescheidenen Triebe abgeschlagen werden sollen. In der öffentlichen Diskussion über das Schul- tompromiß ist gegenwärtig eine Pause eingetreten. Die «Kölnische Volkszcitung" versucht deshalb während dieser Zeit von hinton herum und weniger auffällig dem sehnlichst '' mfi...........' erstrebten Ziele der völligen Klenkalisierung der Volksschule näher zu kommen. Sie geht dabei ganz zeitgemäß von den Hamburger Jugendschriften- Bestrebungen aus. Die„Hamburger Nach- richten" haben, entsprechend ihrer tiefschwarz-rcaktionären Tendenz, die Hamburger Lehrer angegriffen, weil diese die BundeSgenoffenschaft von Gewerkschaften und sozialdemo- kratischen Buchhandlungen in der Ausrottung der Schund- literatur und des Grossobuches mit Freuden akzepttert hatten. Beiläufig bemerkt, hat auch in anderen Städten die Lehrer- schaff mit der klassenbewußten Arbeiterschaft in dieser Frage um so lieber Hand in Hand gearbeitet, als sie dadurch am unmittelbarsten auf die eigentlichen Volksmassen wirkte. Außer- dem hat sich keine bürgerliche Korporatton der künstlerischen Bestrebungen der Hamburger und übrigen deutschen Lehrer in derartig liebevoller und tatkräftiger Weise angenommen als gerade die Arbeiterschaft und die als kulturfeindlich verlästerte Sozialdemokratte. Die„Kölnische Volkszcitung" ist natürlich nicht so dumm wie das Hamburger Blatt der ranzig gewordenen Bismarck- Tradition. Das ZentrumSblatt ist besser mit dem Einfluß der Masse verttaut und weiß deshalb, daß es ein ganz über- flüssiges und lächerliches Beginnen wäre, die Volksschule der sozialdemokrattschen Großstädte wider die Sozialdemokratie mobil machen zu wollen. In diesem Konflikt zwischen Haus und Schule würde am letzten Ende das Haus obsiegen. Das Kölner Zentrunisblatt hütet sich auch im weiteren vor der ge- schmacklosen Denunziation, die Hamburger Lehrer beförderten durch die Art ihres Unterrichts die Sozialdemokratie. Aber— und damit kommt der schlaue Jesuit zum Vorschein— das sei auch gar nicht nötig:„warum sollte er(der Lehrer) so plump vorgehen und sich Unannehmlichkeiten aussetzen, wenn er das- selbe Ziel auf Umwegen weit bequemer, sicherer und un- gefährlicher erreichen kann?" Und was sind das für Um- Wege? Im Sinne der Erziehung zur Sozialdemokratie wirkt nach der Meinung des Zentrumsblattes„vielfach unbewußt die ganze moderne Schule, auch dort, wo die Lehrer eifrige Widersacher der Sozialdemokratie sind. Ich spreche natürlich von der„modernen" Schule im Gegensatz' zur christlichen Schule. Statt des alten Ouadrivinms Religion, Lesen, Schreiben and Rechnen scheint heute das Ziel zu sein, daß die Kinder aus allen Töpfen nippen, von den Anfangsgründen jeder Wissenschaft ein klein wenig lernen und nichts ordent- lich." Die aus der Schule entlassenen Volksschüler seien in der Mehrzahl kaum imstande, einen halbwegs verständlichen und richtig geschriebenen Brief aufzusetzen. Statt dessen lernten sie mehrstimmigen Gesang, ein klein bißchen Anthropologie und Zoologie, ein wenig Botanik und Mineralogie, eine kleine Kostprobe Physik und Chemie, sodaß sie mit starkem Selbst- bewutztsein ins Leben hinausträten und— Sozialdemokraten würden. Nach dieser lustigen Beweisführung komntt dann der Fuchs vollends zum Loche heraus: „Die Sozialdcmokrcitie kann sich bei der preußischen Volks- schule, soweit sie im Gegensatz zum Christentum steht, nicht genug bedanken."Wenn die Sozialdemokratie bei nnS stärker ist, wenn die„Genossen" bei uns erfolgreicher zu kämpfen verstehen als in anderen Ländern, so verdankt sie das lvesentlich der Volksschule. Trotzdem ist für unsere nationalliberalen Scharfmacher die jedem kirchlichen Einfluß ent- zogene„moderne" Volksschule das Ideal. Sie lvollen die Quelle, aus der die Sozialdemokratie ihre Kraft schöpft, recht kräftig sprudeln machen, aber den gereisten, erwachsenen Sozialdemokraten mit Knütteln zu Leibe gehen. Das heißt das Pferd am Schwänze aufzäumen. Soweit, daß die Volksschule nationalliberale Kinder er- zieht, wird man es nun einmal doch nicht bringen! Wer die von der Kirche losgelöste„moderne" Schule will, arbeitet der Sozialdemokratie in die Hände, aber wenn man das Huhn seine Eier ausbrüten läßt, soll man sich auch über die vielen Küchlein nicht wundern. Ob die Scharfmacher und die Nationalliberalen das selber nicht einsehen? Sie sollten wenigstens nicht so dumm sein. Was sie immer in die Irre gehen läßt, ist der Umstand, daß sie gegen „ultramontane" und„orthodoxe" Jugenderziehung einen noch größeren Widerivillen haben, als gegen sozialdemokratische. Zuletzt ober werden sie doch in einen dieser beiden sauren Aepfel beißen müsse 11." Das Zentrum arbeitet nicht übel, uni die noch immer nicht bedingungslos an den Segen des Schulkompromisses glaubenden nationalliberalen Scharfmacher zu sich herüber- zuziehen. Es packt die Herren dort, wo sie am empfindlichsten sind, und es legt dadurch allerdings auch gleichzeitig den Kern des gegenwärtigen Schulkampses bloß. Entweder Religion oder Sozialdemokratie, so lautet die Formel. Nun war den nattonalliberalen Fabrikanten persönlich bisher herzlich wenig an der Religion gelegen, aber dem Volke wollen sie sie nach bewährter Theorie gern erhalten. Und wenn schon die Ber- kirchlichung der Volksschule das einzige Mittel ist, um ihre Sozialdemokratisiernng zu verhindern, so— in Gottes Namen — möge die Volksschule verpfafft werden! Was ist uns schließlich Hekuba l Das alte Quadrivi um Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen soll ja bleiben. Das genügt schließ- lich mit einigen Ergänzungen für unsere kapitalistischen Aus- beuterzwecke. Aber diese den Nattonalliberalen von ihren intimsten Feinden aufgemachte Rechnung ist doch ohne den Wirt ge- macht. Es ist eine ganz törichte Annahme, daß die heutige Volksschule durch sich selbst die Kinder für die Sozialdemo- kratie prädisponiert. Von 1834 bis 1872 haben die Schul- regulative in Preußen geherrscht, und ihre Wirkung war zweifcl- loS noch verheerender, als die des Schulkompromisses schlimmsten- falls werden kann. Haben die pädagogischen Wirkungen dieser reaktionären Schulepoche auf das preußische Volk die Ent- stehung und die gewaltige Ausbreitung der Sozialdemokratie verhindert? Die durch die Zeit der Schulrcgulattve gegangenen Männer haben das Hcldenzeitalter der deutschen Sozialdemo- kratie, die zwölffährige Schmach des Sozialistengesetzes, be- standen. Die Falkschen Allgemeinen Bestimmungen haben hernach ebensowenig wie die Raumcrschcn Regulative das Wachstum der Sozialdemokratie hindern können. Und den gleichen Erfolg werden die vereinten konservativen, frei- konservativen, nationalliberalen, liberalen und ultramontanen Schulverderber in einem Jahrzehnt und später hinsichtlich der Wirkung der jetzt beabsichtigten Schulverschlechterung kon- statieren können.' Das Wachstum der Sozialdemokratte hängt nicht von der kapitalistischen Volksschule ab. Bis zu einem gewissen Grade vielleicht. Je besser die Volksschulen, um so leichter wird daS Volk für die Wahrheiten des Sozialismus gewonnen werden können. Aber umgekehrt werden schlechte Volksschulen doch das Fortschreiten und den endlichen Sieg der Sozialdemokratte nicht verhindern. Wenn dem nicht so wäre, dann stände es gewiß viel schlechter um die deutsche Sozialdemokratie. Denn mit der heuttgen Volksschule ist fürwahr kein Staat zu machen. Die „Kölnische Volkszeitung" hat gar nicht so unrecht, wenn sie sich über die Ergebnisse des achtjährigen Schulbesuchs und über den eklektischen Charakter des heutigen Lehrstoffs in den Volksschulen lustig macht. Nur sind die Schlußfolgerungen des Zentrumsblaties durchaus falsch. Nicht rückwärts, rück- wärts, Don Rodrigol darf angesichts der Mangelhaftigkeit der heutigen Volksschule die Parole lauten. Sondern wir müssen die Volksschule innerlich und äußerlich zu heben und vorwärts zu drängen bemüht sein. Und darum als nächste diesbezügliche Aufgabe: Kampf den gescheitelten und den gc- schorenen Schulkompromißlern und ihren Helfershelfern! politiscke(lebersicbr. Berlin, den 17. Dezember. „G«manla"-Scheitkrhn»fen! Ob Exzellenz Studt die Bücher wohl gelesen hat? Mi dieser empörten Frage denunziert die.Germania" die bekannte Sammlung von Biographien, die unter dem Titel.Geisteshelden" erscheint, insbesondere die Biographien Schillers,: von Otto Harnack verfaßt, und Leffings, die Borinski herausgegeben hat. Diese Sammlung ist durch den Regierungspräsidenten den Landräten der Kreise ArhauS, Borken, Recklinghansen, Lüdinghausen, Beckum, Coesfeld. Burgstein- furt, Tecklenburg und dem Bürgermeister von Münster zur An- schaffnng für die größeren Volksbibliotheken empfohlen worden. In dem Gesuche der Verlagsbuchhandlimg an den Regierungspräsidenten wird darauf hingewiesen, daß der Kultusminister und das Provinzial- Schulkollegium zu Münster die Anschaffung befürwortet habe. Nun zitiert die„Germania" ans den beiden Biographien antikatholische Neußernngen. In dem„Machwerke" über Lessing heißt eS z. B. Seite 3: Die Mutier der Hierarchie im Abendlande, die römische Kirche, antwortete mit entschlossener Hinwendung zum selbstherr- lichen Aberglauben und Fratzenschrcck und einer den Geschmack wie die Verminst gleichermaßen geflissentlich herausfordernden Dogmatil. Seite 48: Kein Tenfel hat Platz in einer von Gott gegründeten Schöpfung.„Der heidnischen und altvettelischen Fabeln entschlafe Dich". In der heiligen Schrift nach ihrer prinzipiellen Lehre ist kein Grund für den Lüaenspuk des papistischen Heidentums und der in diesen Bann verstrickten, hierin nicht reformierten Eiferer für das Bibelwort. Die„Germania" findet, daß damit der katholischen Kirche, ja dem Christentum überhaupt die schmählichsten Beleidigungen ins Gesicht geschlendert werden, und sie ist der ganz bestimmten Meinung, als ob sie wirklich noch im Mittelalter lebe, daß in Volks- bibliotheken nur zenttumsreine Literatur aufgenommen werden dürfe. ES handelt sich wie gesagt nicht etwa um Schulbücher, sondern nur um Biographien deutscher Klassiker, die in Volks- bibliotheken aufgenommen werden sollen. Allerdings sind die heutigen Biographen eher frommer, als die Helden, die sie darstellen; denn sowohl Lessing und Schiller wie sämtliche andere Klassiker sind erbitterte und grundsätzliche Gegner des KlertkaliSmus. Also wird die„Germania" sich wohl dazu entschließen müssen, auch deren Schriften aus den Volksbibliotheken zu entfernen. Indessen ist die Unduldsamkeit der„Germania" noch aus einem sehr triftigen Grunde recht unvorsichtig. Wir haben wiederholt das Blatt darauf hingewiesen und eS hat unseres Wissen» bisher keine Antwort darauf gefunden, daß sogar in katholischen Lehrbüchern, die offiziell in preußischen Volksschulen eingeführt werden, der Protestantismus alS die Quelle aller Unfittlichkeit dargestellt wird. Muß die„Germania" gemäß ihrer Ueberzeugung nun nicht verlangen, daß in einem überwiegend protestantischen Lande solche schmählichen Beleidigungen des Protestantismus aus der Schule hinausgeworfen werden? Ob Exzellenz Studt diese katholischen VolkSschulbücher wohl gelesen hat?—_ Zwei Abgehalfterte. Ein ergötzlicher Streit wird gegenwärtig in den Spalten des „Berliner Tageblatt" ausgekämpft. Es handelt sich darum, wer als der eigentliche Besieger der Hottentotten im Jahre 1894 anzusprechen sei. Bisher wurde in den amtlichen Darstellungen dem Major L e u t w e i n dieses Verdienst zuerkannt. Sowohl in der amtlichen Denkschrift über das südwestafrikanische Schutzgebiet für das Jahr 1394/9», als auch in den Loebellschen Jahresberichten der militärischen Wissenschaften wird der Major Leutwein als der Sieger bezeichnet. Gegen diese Darstellung wendet fich nun ber ehemalige Land-Shauptmann von Deutsch« Südwestafrika, Major a. D. von FranqoiS. �Er behauptet, daß eigentlich ihm die Palme des Siegers zukäme und daß von einer Nieder- w e r f u n g der Hottentotten durch Leutwein absolut keine Rede sein könne. Im Februar 1894 seien nämlich die Hottentotten bereits so gut ivie niedergeworfen gewesen, sie seien auf nicht mehr als 190 Gewehre zusammengeschmolzen gewesen, während er, FranyoiS, ihnen gegenüber über 2S0 Reiter und 100 Bastard und- Hottentotten verfügt habe. Die vollständige Unter- werfung der WitboiS sei nunmehr leicht gewesen, da es ihnen auch vollständig an Vieh gemangelt hätte. Da aber habe man ihm daS Kommando und die Landeshauptmannschaft genommen und an seine Stelle Major Leutwein gesetzt, der mit Verstärkungen von 400 Mann die WitboiS zwar nicht niedergeworfen, sondern ste durch günstige Friedensbedingungen mit beruhigt habe, wodurch das Ansehen der deutschen Macht untergraben und der jetzige Witboi-Anfftand verschuldet worden sei. Allerdings habe der Telegraph in den Septembertagen 1894 die W i t b 0 l« Unterwerfung nach Berlin gekabelt, aber das sei eine vollständig falsche Darstellung der Tatsachen gewesen. In den gesamten amtlichen Darstellungen finden wir. wie gc- sagt, eine vollständig andere Darstellung. Nach ihnen hat Major Leutwein trotz seiner mehr als verdoppelten Truppenzahl noch schwere Kämpfe mit den WitboiS zu bestehen gehabt. Erst nach einer ganzen Reihe von Scharmützeln, bei denen die Schutztruppe 14 Tote und 25 Verwundete gehabt habe, sei Hendrik Witboi zu der Ueber- zeugung gebracht worden, daß fernerer Widerstand unmöglich sei, worauf er sich dann unterworfen habe. Der ganze Streit beweist, wie verschiedenartig von verschiedenen Leuten eine koloniale Kriegslage beurteilt zu werden vermag. Man wird also gut tun, alle Äeußernngen über die Lage des gegen- wärtigen Witboi-Aufstandcs und auch des HererokriegeS sehr skeptisch aufzunehmen. Wie es aber auch um die Richtigkeit oder Unrichtigkeit der Behauptungen deS Herrn v. FranooiS stehen mag. er wird es jedenfalls als eine gerechte Nemesis bettachten, daß nun auch den Major Leutwein. der ihn damals aus seiner Stellung verdrängte, dasselbe Schicksal erreicht hat, das ihn seinerzeit urplötzlich aus Südwcstafrika verschwinden ließ. Wie Major v. FraucoiS seiner Landeshauptmannschaft und seiner Kriegsführung beraubt wurde, so wurde auch eines schönes Tages dem Major Leutwein der Oberbefehl entzogen, der dann dem General Trotha übertragen wurde. Wenn Oberst Leutwein nach Deutschland zurück- gekehrt sein wird, können sich die beiden Abgehalfterten gegenseitig Kondolenzvisiten machen. Mit besonderem Verttauen in die Leitung unserer Kolonialpolitik vermögen allerdings solche Vorgänge nicht zu erfüllen. Erivähnt sei noch, daß Major v. Francois erklärt, daß der letzte Sieg bei Rietmond über die Witbois durchaus keine ent» scheidende Niederlage der Witbois bedeute. Seien ihnen auch ISMO Stück Vieh, meist Schafe und Ziegen, abgenommen worden, so hätten sie doch den wertvollsten Teil ihres Raubes hunderte von Pferden, den größten Teil der Rinder und reichliche M u n i t i o n s w a g c n in Sicherheit gebracht. Durch das Verdrängen der Witbois aus der Stellung bei Rietmont sei im Gegenteil den Deutschen die Hoffnung ae- nommen worden, den Witbois noch ernstlichen S ch a d e n z u z u f ii g e n. da bei der Verfolgung durch ungüichig« Wasser- und Geländeverhältnisse die größten Schwierigkeiten ent- ständen. *«« Deutfebes Reich. Der Block der Rechten. Einen wirklichen Liberalismus gibt es in Deutschland nicht. Das freisinnige Bürgertum ist eine Fabel, die vielleicht auch schon gestern nicht wahr war.' Aber es gibt eine liberale Presse, die kapitalkräftig ist, und deren regsame Ausführungen täuschen den Schein vor, als ob es eine liberale Partei gäbe. Allerdings beweist der Inhalt dieser Darlegung sofort wieder, daß dieser Liberalismus nur das Wort, nicht den Sinn des Begriffes besitzt. Die Freisinnigen haben vor ein paar Tagen in Berlin einen Stadtverordnetensitz in der dritten Klasse gegen die stark an- gewachsene Sozialdemokratie behauptet, weil ihnen die Antisemiten zu Hülfe kamen. Im dritten magdeburgischen Reichstags-Wahl- freiie ist der Freisinnige Merten durch den Zufall in die «tlchwahl mit der Sozialdemokratie geraten, weil die anderen bürgerlichen Parteien sich zersplitterten. Merten hat in der Stich- wähl, wie neuere Meldungen besagen, mit 1ö 224 Stimmen unseren Genossen Voigt, der 6769 Stimmen erhielt, geschlagen. Diesem großen Erfolg lvidmet die„Vossische Zeitung" einen Leitartikel, in dem sie den Gedanken eines„Blocks der Linken" be- kämpft. Die beiden Erfolge feien der Beweis für die Richtigkeit ihrer Taktik. Für Frankreich möge eine derartige Taktik wohl passen. Hier zu Lande aber heiße die Empfehlung des Blockes der Linken, der die Sozialdemokratie einschließt, nichts anderes als das Aufgehen der bürgerlichen Linken in die Sozialdemokratie. Und für diese nationalsoziale Politik sei einstweilen das freisinnige Bürgertum und, sohofftdie„Voss.Ztg.",auchdiefreisinnigeVereinigungmcht zuhaben, Iväre es doch für sie nichts anderes, als die Politik des Selbst- mordes. Zu einem Block der Linken gehört in erster Linie die Sozial- deinokratie, und die ist schwerlich geneigt, mit den Freisinnigen mehr als vorübergehend eine gemeinsame Aktion zu riskieren. Wenn aber die„Vossische Zeitung" meint, daß solch ein Znsammen- gehen das Aufgehen der Freisinnigen in die Sozialdemokratie bedeute, so beweist das nur, daß die Freisinnigen es vorziehen, in dem Block der Rechten aufzugehen. Tatsächlich ist die Behauptung zum mindesten Übertriebelt. Es wäre Ivohl möglich, die Reste der frei- sinn'gen Partei zu sammeln und durch einen Stichwahlpakt mit der Sozialdemokratte so zu stärken, daß es bei den Reichstags- Wahlen gelingen würde. eine nicht unerhebliche Schwächung der Parteien in der Rechten herbeizuftihren. Auch bei den preußischen Landtagswahlen ist dies möglich. Aber die„Vossische Zeitung" und die freisinnige Volkspartei wollen eben in erster Linie kein� Sozialdemokraten und darum führen sie jenen Kampf nach zwei Fronten, in dem sie selbst zerrieben werden und die äußerste Reaktion gewinnt. Bei den letzten Reichstagswahlen haben die Freisinnigen mehr als ein Viertelhundert Wahlkreise an die Reaktion ausgeliefert, und bei den preußischen Landtags- Wahlen haben sie verhindert, daß auch nur ein Sozialdemokrat in das preußische Abgeordnetenhaus einzog. Die Politik des Frei- sinns unter Eugen Richters Leitung ging seit jeher dahin und seine Epigonen setzen diese Politik in noch ungeschickterer Weife fort, zwar von den Sozialdemokraten jede Wahlhiilfe an- zunehmen und auf ihren Krücken ins Parlament zu ziehen, aber keinerlei Gegenleistung zu bieten. Das wäre ein Block der Linke», der nach dem Geschmack der„Vossischen Zeitung" sein würde. Weil aber die Sozialdemokratie nicht im niindesteii die Neigung hat, sich auf solche faulen Geschäfte einzulassen, darum stürzt sich jetzt der Freisinn mit Bewußtsein iit den Abgrund der Rechte n. Wenn der deutsche Liberalismus nun einmal zugrunde gehen ivill, so möchte er loenigstens die Genugtuung haben, auf einem vornchinen Kirchhof be- graben zu werden. Ein Block derLinkcn wäre freilich in den engeir Grenze» gelegentlicher Wahlhülfe und augenblicklicher gemeinsamer politischer Aktion denkbar, aber er ist tatsächlich unmöglich, weil der deutsche Liberalismus aus Furcht vor dem Proletariat sich längst dem Block der Rechten verschrieben hat. Der scheinbare Kampf de? Freisinns nach zwei Fronten ist in Wahrheit der betrügerische Vcr- such von links Wahlhiilfe zu erhalten und»ach rechts Wahl- hülfe zu gewähren.— Schöustedt-Wäsche! Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" bringt heute an der Spitze ihres Blattes die folgende lustige Be- schwichtigungsnotiz, die durchaus den Stil des Juftizininisters verrät: Herr Rechtsanwalt Dr. Liebknecht erhebt im„Vorwärts" die Beschwerde, daß Stellen aus seiner in der Volksversammlung vom 29. Juli dieses Jahres über den Königsberger Prozeß gehaltenen Rede in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 19. d. M. durch den Herrn Justizminister auf Grund eines ungenauen ZeitungS- berichtes und deshalb unrichtig mitgeteilt worden seien. In der Tat war das Zitat des Herrn JustizininisterS die wörtliche Wiedergabe aus einein dem„Berliner Tageblatt" über jene Versammlung erstatteten Bericht, in welchem der von Herrn Liebknecht angeblich vorgetragene Wortlaut eine.? von dem Ersten Staatsanwalt zu den Gerichtsakten gegebenen Ersuchungsschreibens. um das es sich handelt, in Anführungszeichen wiederholt ist. Dieser Bericht ist auch in andere Zeitungen übergegangen und nirgendwo, insbesondere auch nicht in den Organen des Herrn Liebknecht, beanstandet worden. Es sind daraus in der Presse die- selben Schlüsse gezogen worden, die der Herr Justizminister im Abgeordnetenhause zum Ausdrucke gebracht hat und die sich jedem Leser des Berichts von selbst aufdrängen mußten. Wenn diese dem Herrn Liebknecht nicht patzten, so hätte er wohlgetan, alsbald mit einer Berichtigung hervorzutreten. Mit seiner verspäteten Richtig- ftellung wird er wenig Erfolg haben. Herr Schönstedt hält es nicht für notwendig, den Vorwurf der Zitatenfälschung zu entkräften, er hat auch noch keines seiner Organe angewiesen, sich zu der Anklage zu äußern, daß im KönigSbcrgcr Prozeß die falsche» Paragraphen trotz Information über die richtigen angewandt worden sind. Aber die„Norddeutsche Zeitung" wird vorgefchickt, um die Gewissenhaftigkeit des Justizministers darin zu beschwören, daß er kurze Versamnilnngsreferate der Press« gleichwertig Stenogrammen in diplomatischer Treue erachte. Dem Genossen Liebknecht wird vorgeworfen, daß er gegen den ungenauen Wortlaut in der Tagespresse nicht protestiert habe. Er hatte dazu nicht im mindesten Anlaß, denn nur Herr Schönstedt hat im preußischen Abgeordnetenhaus den ungenauen Wortlaut für eine Fälschung erklärt, um daran den Versuch zu knüpfen, die daraus gezogene Folgerung zu verwirren. Wir haben im Gegenteil darauf hingewiesen, daß der Wortlaut jener Aeußerung ganz gleich- gültig war und daß die Folgerung, welche die Abhängigkeit des Königsberger Prozesses von dem justizministeriellen Einfluß doku- mentierte, so oder so gezogen werden mußte. Es hatte niemand, auch Genosse Liebknecht nicht, irgend einen Grund, gegen die Folgerungen aus jenem Bericht zu protestieren, da sie unabhängig waren von der Genauigkeit des Wortlautes des Be- richteS. Auf Herrn Schönstedt bleibt dagegen wiederum der Vorwurf sitzen, daß er kurze Zeitungsberichte über Versammlungen als authentische Informationsquelle, ohne daß er über die Art seiner Quelle Auskunft gegeben hätte, dem preußischen Abgeordnetenhause aufgetischt hat._ Tie Opfer des Pokerus. lieber den Strafvollzug gegen den „Resid«nzboten"-Redatteur Schweynert wird dem„Norddeutschen Volksblatt" aus Vechta mitgeteilt, daß Schweynert in der Vechtaer Strafanstalt noch immer weder Selbstbeköstigung noch Selbstbeschäftigung eingeräumt sei; aucki dürfe er keine Zeitung halten. Schweynert erhalte jetzt Krankenkost. lieber die Behandlung könne er zwar nicht klagen, wohl aber über die Beschäftigung. Augenblicklich befasse er sich mit der Herstellung von Schreibhefte», es sei ihm aber bereits angekündigt, daß er das Schneidern erlernen solle.— Ob das Schneidern eine„den Fähigkeiten und Verhältnissen" eines Redakteurs„angemessene" Be- schäftigmig ist, lvie der Gefangene sie nach Z 16 des Reichs-Straf- gesetzbuchcs verlangen kann, dürfte zweifelhaft sein.— Ein Bcrmuckcrungsprojckt. Eine theologische Schule mit ausgesprochen positiver Tendenz will Pastor v. B o d e l- schwingh in Verbindung mit seiner Anstalt in Bethel errichten. Sie soll zunächst für junge Theologen bestimmt sein, die soeben vom Gymnasium kommen und„sich im Worte der Wahrheit be- festigen möchten", wie Herr v. Bodelschwingh in einer diesbezüg- lichen Veröffentlichung sagt. Die vorgeschriebene akademische Studienzeit soll natürlich nicht abgekürzt werden. Die Schule soll außerdem aber auch solchen Studenten offen stehen,„welche während der Studienzeit oder am Schluß derselben in theologische Zweifel geraten und in i h r e in B e r u f unsicher g e- worden sind, um hier auf dem Boden praktischer christlicher Liebestätigkeit neuen Mut und neue Freudigkeit für ihren Berus zu tewinnen". Zwei„positiv" theologische Lehrer,„denen die Heilige -chrift göttliche Offenbarung ist", einer für das Alte und einer fiir das Neue Testament, sollen an die Schule berufen werden. Die entsprechenden Verhandlungen sind mit einigen Herren schon im Gange. LandfrirdenSbruch-Prozeß. Die„Norddeutsche Allgemeine Ztg." schreibt: Durch sozialdemokratische Blätter ist die Behauptung ver- breitet worden, der Justizminister habe eine generelle Anweisung gegeben, überall da, wo es irgend angängig sei, den Landfriedens- brnchS-Paragraphen zur Bekämpfung des Streikpostenstehens in An- Wendung zu bringen. Diese Behauptung entbehrt jeder tatsächlichen Unterlage. Das Dementi ist so abgefaßt, daß man nicht weiß, ob es sich auf irgend ein Wort bezieht, um über die Sache selbst zu täuschen. Wir fragen also: Gibt es irgend eine justizministerielle Kund- gebung. auf die die gegenwärtig sich ganz auffällig häufenden Landfriedensbruch-Prozessc zurückzuführen sind?— Bcrpreußung des Lottcriewcseus. Zurzeit schweben zwischen Preußen und den übrigen Bundesstaaten Verhandlungen über eine Verprentzung des Lotteriewesens. Preußen fühlt sich in seinen Ein- nahmen aus dem Lottericwesen beeinträchtigt durch die Konkurrenz der Lotterien der Einzelstaaten. Es hat es auch bereits fertig gebracht, mit Mecklenburg-Strelitz und Lübeck ein Uebercinkommen zu erzielen, wonach diese Staaten ihre Lotterien ein- gehen lassen und sich damit begnügen, die preußische Lotterie in ihren Gebieten zu vertteiben. Sie sollen dafür eine in Berück- sichtigmig ihrer bisherigen Lotterie-Einnahmen angemessene Jahres- r e n t e erhalten. Mit den übrigen Staaten schweben die Verhandlungen noch. Nach einer Mitteilung der„Hamburger Nachrichten" ist in- dessen Hamburg nicht gewillt, auf diese Verprentzung des Lotteriewesens einzugehen. Hamburg stellt aber gerade auf diesem Gebiet eine wesentliche Konkurrenz Preußens dar: während nämlich die Nettoeinnahmen der preußischen Lotterie 9 Millionen Mark betragen, erzielt Hamburg durch sein Lotteriewesen eine Reineinnahme von 2 399 999 M. Diese Verpreußung des LotteriewesenS erinnert an die Machinationen Preußens gegen die Eisenbahnen der Einzel- staaten. Wie man auf dem Gebiete deS Eisenbahnwesens die übrigen Einzelstaaten zur Kapitulation zu zwingen versuchte, so versucht man dies jetzt auf dem Gebiete des Lotteriewesens.— Bei der RrichStags-Ersavstichwahl in Jerichvw I und II sind nach der vorläufigen Zusammenstellung insgesamt abgegeben worden 23 692 gültige Stinimen. Hiervon entfielen aus Lehrer Merten- Berlin sfrs. Vp.) 16 S29, auf Stadtverordneten Voigt« Gommern(Soz.) 7973 Stimmen. Gewählt ist somit Merten (srs. Vp.). Die cntgültige amtliche Feststellung das WahlergebnisieS dürfte am Montag, den 19. Dezember, erfolgen. Bei der Hauptwahl im Jahre 1993 wurden abgegeben für den Kandidaten der Deutsch-konservativen Partei 19 429 Stimmen, für den Kandidaten der Freisinnigen Volkspartei 6489 und für denjenigen der Sozialdemokratie 8149 Stimmen. In der Stichwahl siegte der Konservative, Fürst Bismarck, mit 14 665 Stimmen, während der sozialdemokratische Gegner 9742 Stimmen erhielt. Bei der Hauptnachwahl am 6. Dezember 1994 erhielten v. Brauchitzsch st.) 6969, vom Rath snatl.) 3593. Merten sfrsi Vp.) 6376, lWohlfarth sAnt.) 2634, Voigt/z Morgen groß, für 60 000 Mark be- schloffen; es soll als künftiges elektrisches Depot Verwendung finden. Kommunale Notwehr. In Sachen des Aufsichtsrechtes über die Schul-Turnhallen haben jetzt auch die städtischen Behörden von Brandenburg a. H. einen bemerkenswerten Beschlutz gefaßt. Um jeden Zweifel darüber zu beheben, daß die Turnhallen, in dem die Schüler der städtischen Schulen ihren Unterricht erhalten, städtische und keine Schul-Turnhallen sind, wurde beschlossen, den Schul- rektoren die Aufsicht über die Turnhallen abzunehmen und sie einer Kommission mit einem Magistratsmitgliede als Vorsitzenden zu unterstellen. Die Stadtverordnetew-Versammlung wählte in diese Kommission zwei Mitglieder, darunter den Sozialdemokraten Buch- druckereibesitzer Sidow und ferner einen Turnlehrer. Gmedts-Teinmg. Tie Revision im Alexanderplatz-Prozeß. Das Reichsgericht hat, wie wir bereits mitteilten, der Revision stattgegeben, die vom Ver» leidiger der anläßlich des Exzesses auf dem Bahnhof Alexanderplatz verurteilten Gebrüder Winzler beantragt war. Die Revisionsschrist gründete sich in der Hauptsache darauf, daß der zum Prozeß zu- gezogene gerichtliche Sachverständige, Medizinalrat Dr. Leppmann, weder in der amtlichen Publikation des Justizministeriums noch in den Listen der hiesigen Gerichte als vereidigter Sachverständiger auf» geführt sei. Das Reichsgericht schloß sich dem Antrage der Staats- anwaltschaft an, der dahin ging, die Revision für begründet zu er- klären, weil die Frage der Vereidigung des Mcdizinalrats Dr. Leppmann nicht klargestellt sei. Da Dr. Leppmann seit Jahrzehnten in ungezählten Prozessen als gerichtlicher Sachverständiger fungiert hat und dabei sein Gutachten unter Berufung auf seinen einmal geleisteten Sachverständigeneid stets unbeanstandet abgeben konnte, so erscheint das jetzige Reichsgerichtsurteil auf den ersten Blick befremdend. Nach den uns von Dr. Leppmann gestern gegebenen Erklärungen verhält sich die Sache folgendermaßen: Anfangs der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts amtierte Dr. Leppmann in Breslau und wurde dort vom Landgericht generell als gerichtlicher Sachverständiger vereidigt, also für alle Gerichte in Preußen. Als er 1889 nach Berlin kam, um die Leitung der neubegründeten Be- obachtungsanstalt ftir geistig Kranke zu übernehmen, wurde er auch von den hiesigen Gerichten als Sachverständiger in Anspruch ge- nommen. Einige Zeit später erschien ein Erlaß des Justizministers, der besagte, daß Sachverständige nur für bestimmte Bezirke zu ver- eiden seien. Um nun nicht etwa in eine schiefe Stellung zu geraten, wandte sich Dr. Leppmann im Jahre 1892 mit einem Gesuche an den Präsidenten des Landgerichts I und bat um seine nachträgliche Ver- eidigung für den Bezirk Berlin. Dieses Gesuch wurde unter der Begründung abgewiesen, daß der einmal geleistete generelle Eid für alle preußischen Gerichte Geltung habe. Sollten— heißt es in dem Bescheide— Zweifel geltend gemacht werden, so ist darauf hinzu- weisen, daß das Reichsgericht in einem Erkenntnis vom 12. Februar 1892 die Ansicht vertreten hat, daß der an einem bestimmten Orte geleistete generelle Sachverständigeneid, sofern er nicht etwa eine Beschränkung auf die dortigen Behörden enthält, auch die an anderen Orten erstatteten Gutachten deckt.— Das jetzige Revisionsurteil steht somit in Widerspruch mit den Anschauungen, die das Reichs- gericht früher vertrat. Wenn außerdem das Reichsgericht Wert darauf legte, daß Dr. Leppmann in den Listen der Berliner Gerichte als Sachverständiger nicht aufgeführt sei, so ist dem entgegenzuhalten, daß das Landgericht I, um das es sich jn diesem Prozeß handelt, überhaupt keine Liste für medizinische Sachverständige führt. Einst- weilen läßt sich nun Medizinalrat Dr. Leppmann vor Abgabe seiner Gutachten stets besonders vereidigen. Bon den Gcsindesllaven. Die Verhältnisse der Dienstboten auf dem Lande bildeten die Grundlage zu einem bemerkenswerten Press. Prozeß, der die Brandenburger Strafkammer in einer Verhandlung gegen unseren Parteigenossen, Redakteur Meyer von der„Branden- burger Zeitung" beschäftigte, welcher sich wegen Beleidigung des Bauern Scnß in Wust zu verantworten hatte. Bei diesem hatte ein junges Mädchen gedient, das mehrmals außer der Zeit den Dienst verlassen hatte, deshalb polizeilich zurückgeführt wurde und außerdem Strafmandate erhielt, gegen welche gerichtlicher Einspruch erhoben wurde. Die Dienstmagd führte nämlich als Grund zu ihrem Plötz- lichen Abgang an, daß sie mit einer anderen neu zugezogenen Magd gemeinsam ein Bett benutzen mutzte und dadurch von dieser U n- g e z i e f e r bekommen habe. Das Schöffengericht hielt diesen Grund aber nicht ftir stichhaltig, da das Vorhandensein von Ungeziefer nach der Gesindeordnung nicht zum Verlassen des Dienstes berechtige. Die Magd wurde deshalb zu 18 M. Geldstrafe verurteilt, zumal auch der Bauer Senß erklärte, er habe derselben, als sie Klagen führte, ein zweites Bett zur Verfügung gestellt und die Kammer gründlich reinigen lassen. Die„Brandenburger Zeitung" machte nun dies Urteil zum Ausgang einer Polemik gegen die Gesindeordnung und griff dabei den Bauer Senß an, wodurch sich dieser beleidigt fühlte. Die Beweiserhebung ergab, daß Senß seine Maßnahmen zur Bc- seitigung des Ungeziefers nicht mit der gehörigen Energie durchgeführt hatte. Immerhin konnte cr sich aber durch einzelne Redewendungen des Artikels beleidigt fühlen, weshalb Meyer zu 60 M. Geldstrafe ev. 6 Tagen Gefängnis verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hatte 1 Monat Gefängnis beantragt. Im Wiederaufnahmeverfahren freigesprochen wurde der Häusler Walther aus Görden, Kreis Liebenwerda, der im November 1902 von der Strafkammer in Torgau wegen eines Sittlichkcitsverbrechens zu einem Jahre»nd drei Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Nachdem er diese Strafe voll verbüßt hatte, stellte er unter Beibringung tveiterer Beweismittel für seine Unschuld einen Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens, worauf schließlich die Er- Neuerung der Hauptverhandlung angeordnet wurde. In dem vor der Straftammer in Torgau abgehaltenen neuen Termine, zu dem 30 Zeugen geladen waren, erfolgte die kostenlose Freisprechung des Angeklagten. Dieser beabsichtigt, Entschädigungsansprüche wegen der unschuldig erlittenen Gefängnishaft bei der zuständigen Behörde zu stellen. Die Fleischstempelfälschungen, welche seinerzeit viel Aufsehen erregten, gelangten gestern vor der zehnten Strafkammer des Land- gerichts I zur Verhandlung. Wegen Fälschung einer öffentlichen Urkunde bezw. Gebrauchmachung von derselben und Vergehens gegen das Fleischbeschaugesetz, waren angeklagt: 1. der Fleischstempler Christoph Schallnat, 2. der Schlächtermeister Hermann Wiedecke aus Rixdorf, 3. der Schlächtermeister Paul Finke aus Weißensee, 4. der Schlächtermeister Otto Bchm, 5. der Schlächtermeister Juuus Pomplitz aus Reinickendorf, 6. der Schlächtermeister August Korb. AlsVerteidiger standen den Angeklagten die Rechtsanwälte Justiz- rat Pincus, Schmulewitz, Heine, Bieber, Bork und Justizrat Fränkel zur Seite, den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Hopke.— Seit längerer Zeit war es den Aufsichtsbehörden bekannt, daß häufig Fleisch konfisziert wurde, welches völlig verdorben war, trotzdem aber den ordnungsmäßigen Stempel trug. Insbesondere fiel dem Ober-Aufseher Höne in der Berliner Zentralmarkthalle der jetzige Angeklagte Pomplitz auf, bei welchem kurz vorher ein hochgradig tuberkulöses Rinderviertel, das den Fleischbeichaustempcl trug, be- schlagnahmt worden war. Ferner wurde beobachtet, daß zwischen Pomplitz, dem Angeklagten Korb und dem Fleischstempler Schallnat häufig Zusammenkünfte auf dem Schlachthose stattfanden, und zwar um eine Zeit, um welche Schallnat dort gar lffchts mehr zu tun hatte. Diese Beobachtungen teilte Höne der Kriminalpolizei mit und sprach gleichzeitig den Verdacht aus, daß die drei Personen und eine An- zahl anderer Schlächtermeister mit gefälschten Flcischstempeln ar- beiten müßten. Kriminalkommissar Braun ordnete eine um- fangreiche Razzia bei mehreren Schlächtermeistern in den Vororten Berlins an. Hier wurden bei verschiedenen die bedenklichsten Zu- stände aufgedeckt. Bei dem Angeklagten Korb wurden in einem ein- gemauerten Wurstkessel faule Fleischreste gefunden, welche von dicken worden waren. = Leffing Theater. Sonntag nachmittag 2% Uhr: Rosenmontag., die Kommission, die am 20. Dezember tagt, oder an Ihren Berufs Abends: Der Biberpelz. Montag: Florian Geyer. Dienstag: Traumulus. verband. Schütze( Froße a. Elbe). Im Berliner Adreßbuch nicht aufzufinden. 864. Der Bund hat in Weimar seinen Mittwoch: Die Frau vom Meere. Donnerstag: Der Biberpelz. Freitag: Traumulus. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag 22 Uhr: H. T. Die heilige Allianz. Rose Bernd. Abends: Traumulus. Montag nachmittag 3 Uhr: Die ver- Sib. M. H. 1-5. Sie erfahren die Einzelheiten im Bureau für Ausfunkene Glocke. Abends: Der Biberpelz. wanderer in der Invalidenstr. vis a vis dem Stettiner Bahnhof. Juriftifcher Teil. -Maden wimmelten. Auf dem Hofe wurde in Blechkästen total in Fäulnis übergegangenes Fleisch eines tuberkulösen Rindes gefunden, welches einen peftilenzialischen Geruch ausströmte. Der Angeklagte Korb entschuldigte diese unglaublichen Zustände damit, dak es ihm durch Anordnungen der Reinickendorfer Polizeibehörde nicht möglich gewesen sei, das Fleisch rechtzeitig der Abdeckerei zu überweisen. Der Theater des Westens. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Struwwelamtliche Fleischbeschauer von Reinickendorf, der Barbier Ernst Reh- peter. Abends: Wiener Blut. Montag: Wiener Blut. Dienstag: Der berg, welcher bei den Revisionen zugegen war, hatte ein derartig Maskenball. Mittwoch nachmittag 3 Uhr: Der Struwwelpeter. Abends: Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends schlechtes Gewissen, daß er plößlich eine Sublimatpastille verschluckte, Der Zigeunerbaron. Donnerstag nachmittag 3 Uhr: Die Anna Liese. um sich das Leben zu nehmen. Trodem man ihm sofort den Magen Abends: Don Cesar. Freitag: Der Freischüß. Sonnabend: Geschlossen. von 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. G. K. 7. Ja. gibends: Don Cesar. Montag Berg. Gladbach. Schlägt der Vater die Erbschaft Sonntag nachmittag 3 Uhr: Undine. auspumpte, verstarb Rehberg an den Folgen der Vergiftung. Bei nachmittag 3 Uhr: Die Hugenotten. Abends: Wiener Blut. innerhalb 6 Wochen aus, so hastet er für die von Ihnen erwähnten Schulden einigen der Angeklagten wurden falsche Fleiſchſtempel gefunden, dem National- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Waffenschmied. seines verstorbenen Sohnes nicht. Ist er Erbe geworden, ſo hastet er für Fleischstempler Schallnat wurde durch den Polizeiwachtmeister Abends: La Traviata. Montag: Der Toubadour. Dienstag: Die den Schaden, der aber keinesfalls auch mir annähernd so hoch sein kann, Klettte ebenfalls ein falscher Fleischstempel aus der Tasche geholt. Hugenotten. Mittwoch: Die Millionenbraut. Donnerstag: Figaros Hochzeit. als der biedere Meggermeister ausrechnet. K. 50. In Preußen: nein. Es gelang ferner, die Verfertiger der Stempel, den Graveur Dütt- Freitag: Dornröschen. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag A. L. Lohnarrest ist nur wegen Alimenten und Steuerforderungen Dragonerstraße. 1. Die Forderung auf Bezahlung nicht für berndt und einen 70jährigen Händler festzunehmen. Vor Ge- 3 Uhr: Bar und Zimmermann. Abends: Die Hugenotten. Montag nach zulässig. Uhr: Der Troubadour. Abends: Dornröschen. einen Gewerbebetrieb verkaufter Sachen verjährt in zwei Jahren nach Abmittag richt bestritten die Angeklagten, sich schuldig gemacht zu haben. Neues Theater. Sonntag: Die Morgenröte. Montag: Kabale und lauf des Jahres, in dem die Forderung entstanden oder anerkannt ist. Seitens der Verteidiger war ein umfangreicher Entlastungsbeweis Liebe. Dienstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mittwoch: Die. 2. Ja: 30 Jahre lang. 3. Falls es für unentbehrlich erachtet wirdt a fistus nach tatsächlicher und rechtlicher Beziehung angetreten worden. Morgenröte. Donnerstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Freitag: Der Triberg. Innerhalb eines Jahres ist Klage gegen den Militärfistus O. J. Der Staatsanwalt beantragte gegen Schallnat 9 Monate Gefängnis, Graf von Charolais. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Der Graf von beim ordentlichen Gericht zulässig, aber wenig aussichtsvoll. gegen die übrigen je 1 Monat Gefängnis, gegen Korb Freisprechung. Charolais. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Oppelnerstr. 1. Auch wenn Ihre Frau als Mädchen in Beelik war, hat Der Gerichtshof tam indessen aus rechtlichen Gründen zu einer Frei- Schiller- Theater O.( Wallner- Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: fie Anspruch auf Rückzahlung der Hälfte der für sie geklebten Marken innersprechung sämtlicher Angeklagten, da es nicht festgestellt werden Don Carlos. Abends: Die Haubenlerche. Montag: Das Heiratsnest. halb eines Jahres nach dem Eintritt in den Ehestand. Bielleicht ist es aber fonnte, daß in einem bestimmten und nachgewiesenen Falle jene Dienstag: Mutter Erde. Mittwoch: Mutter Erde. Donnerstag: In Be- geratener, in Erwartung, daß sie abermals dort Aufnahme findet, solchen handlung. Freitag: Medea. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag Antrag nicht zu stellen. 2. Ein Beispiel für solchen Antrag( einzureichen falschen Stempel von den Angeklagten in Anwendung gebracht 3 Uhr: Medea. Abends: Krieg im Frieden. Montag nachmittag 3 Uhr: oder protokollarisch anzubringen Breitestr. 24a) finden Sie im" Arbeiterrecht", Streit Göbenstr. 1. Nicht durch Gesek, Die Tyrannei der Tränen. Abends: Das Heiratsnest. bierte Auflage, S. 605 Nr. 95a. nachmittag 3 Uhr: Mutter Erde. Abends: Die Großstadtluft. Schiller- Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag aber durch Polizeiverordnung. 2. Zu Berlin. Montag: H. B. 52. Einer Beleidigungsflage muß, falls beide Parteien in der Die Haubenlerche. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Heimg' funden. ſelben Gemeinde wohnen, ein Sühnetermin beim Schiebsmann voraus Freitag: Mutter Erde. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag gehen. Welche Strafe in dem von Ihnen geschilderten Fall ausgesprochen J. S. 33. K. F. 22. Nein. 3 Uhr: Mutter Erde. Abends: Johannisfeuer. Montag nachmittag 3 Uhr: wird, läßt sich nicht voraussagen. G. S. 100. Uns nicht bekannt, wenden Sie sich direkt an das dortige Heimg'funden. Abends: Ein unbeschriebenes Blatt, 5. Sie teilen selbst mit, daß wir Ihnen seinerzeit von einer Residenz Theater. Bon Sonntag bis Freitag: Herkulespillen. Gericht. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag und Montag: Herkulespillen. Selage abgeraten haben. Sie haben dann auf Grund des Armenrechts Kleines. Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Familienidyll. geklagt und sind abgewiesen. Nun fragen Sie unter Beifügung des Urteils Liebesträume. Serenissimus- Zwischenspiele. Abends: Salome. Montag: an, ob Berufung Aussicht hätte. Berufung und Revision ist zulässig. Ueber Nachtasyl. Dienstag: Salome. Mittwoch: Abschieds- Souper. Der grüne die Aussicht derselben haben wir dieselbe Ansicht wie früher. Besser als wir Kakadu. Donnerstag: Salome. Freitag: Die stillen Stuben. Sonnabend: ist IhrAnwalt informiert, an den Sie sich wegen derEinzelfragen wenden wollen.Beschlossen. Abends: Sonntag nachmittag 3 Uhr: Des Pastors Rieke. A. 500. Unendlich häufig haben wir davor gewarnt, für FrauenDie stillen Stuben. Montag nachmittag 3 Uhr: Des Pastors Riefe. Abends: schuh", auf welchem Namen auch die Dinge verkauft werden, Geld weg zuwerfen und geraten, lieber an einen Arzt sich zu wenden. Versuchen Sie Salome. Trianon Theater. Sonntag, Montag und Dienstag: Gastons es in Ihrem Falle mit folgenden Einwänden: 1. Das angepriesene Mittel Frauen. Mittwoch: Geschlossen. Donnerstag und Freitag: On revient war böllig nuglos. Es liegt zum mindeſten zivilrechtlicher Betrug vor. toujours Sonnabend: Geschlossen. Sonntag und Montag: On 2. Der Bertrag stellt sich als Geheimmittelschwindel- Vertrag dar, dessen Ab revient toujours schluß unter Berücksichtigung der Unerfahrenheit der Ehefrau und des Belle- Alliance Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Minna von enormen Preises als Abschluß eines Vertrags wider die guten Sitten zu er Barnhelm. Abends: Die Tugendglode. Montag: Die Tugendglode. achten ist. Seßen Sie uns in Kenntnis, wenn Termin anberaumt ist. Dienstag bis Freitag: Ein Blißmädel. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag W. W. Ohne Kenntnis der Statuten ist es unmöglich, Ihre Frage es scheint die Schöneberger Staffe nachmittag 3 Uhr: Stabale und Liebe. Abends: Ein Blißmädel. Montag mit Sicherheit zu beantworten: der nachmittag 32 Uhr: Der Pfarrer von Kirchfeld. Abends: Ein Blißmädel. zahlungspflichtig Sie Bes zu sein. hätten nach Aufhören G. Nein. Luisen- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das Käthchen von Heil- fchäftigung als freiwilliges Mitglied weiter zahlen sollen. bronn. Abends: Doktor Fausts Hauskäppchen. Montag: Die Reise durch Lichtenberg. 1. Soweit ersichtlich, hat die Kasse die Beiträge zurüdBerlin in 80 Stunden. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Doktor zuzahlen; überdies haftet der Arbeitgeber. In Kassensachen empfiehlt es Fausts Hauskäppchen. Freitag: Die zärtlichen Verwandten. Sonnabend: fich, Fragen, für deren Beantwortung das Statut maßgebend sein würde, unter Beifügung des Statuts zu stellen. Die juristische Sprechstunde steht Geschlossen. Sonntag: Unbestimmt. Montag: Unbestimmt. Desterreicherin. Lustspielhaus. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Das böse Prinzeßchen. jedem Abonnenten offen. 2. Ueblich, nicht gesetzlich. abends: Der Familientag. Bon Montag bis Freitag: Der Familientag. Stuchen ist kein zolltechnischer Begriff. Er kann unter die Tarifstellen ge Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Familientag. wöhnliches Backwerk", anderes Backwerk"," Teigwaren"," Oblaten", 3uderAbends: Der Familientag. Montag nachmittag 3%, Uhr: Der Familientag. wert"," zubereitete, nicht besonders genannte Nahrungs- oder Genußmittel" fallen. Die Zollfäße für derartige aus Desterreich nach hier gesendete Dinge Abends: Der Familientag. 2. 2. Ja. schwanken zwischen 0,00 und 60 M. für einen Doppelzentner. Unter Berufung auf den§ 11 des Preßgesetzes verlangt Herr May Behm, Strausbergerstr. 36, nachstehende Berichtigung: In der 2. Beilage des„ Vorwärts" Nr. 294 vom 15. Dezember 1904 auf Seite 2, wiederholt Herr Karl Hezschold, Vorsitzender des Verbandes der Bäcker, die berichtigte Behauptung, ich hätte Herrn Bäckermeister Börner zur Stellung eines Strafantrages veranlaßt, indem er von mir schreibt: " Diese seine Mitteilungen hatten beiden Bäckermeistern die gleichbiel ob mittelbare oder unmittelbare Veranlassung gegeben, Strafantrag gegen mich zu stellen". Auch diese veränderte und erweiterte Behauptung ist tatsächlich unwahr. In beiden angeführten Fällen war die Einleitung des Strafverfahrens von den beiden beteiligten Herren Bäckermeistern nachweisbar bereits beschlossen resp. einleitende Schritte dazu bereits geschehen, bevor ich ihnen Mitteilungen gemacht hatte oder überhaupt machen konnte. OAN 08 Vermischtes.boM Ueber ein furchtbares Banunglück meldet man aus Bremer haben: Bei einem vierstöckigen Neubau ist Sonnabend nachmittag die ganze Vorderfront eingestürzt, wobei zwölf bis fünfzehn Bauhandwerker unter den Trümmern begraben wurden. Bisher( abends 6 Uhr) wurden zwei Tote und zwei Schwerverletzte geborgen; man befürchtet, daß die übrigen acht bis zwölf Personen tot sind. Die Feuerwehr und die Leher Matrosen- Artillerie- Abteilung sind mit den Aufräumungsarbeiten beschäftigt. Der Dampfer Glen- Island", von New York nach Newhaben bestimmt, geriet in der vergangenen Nacht in Brand und kam bei Captain- Jsland im Sund von Long- Jsland auf Grund; er berbrannte bis zur Wasserlinie. Neun Personen, darunter zwei Passagiere, tamen um. In Spremberg entstand gestern früh um 6 Uhr in der Tuch fabrit von H. J. Kossack in der Gartenstraße Feuer. An den offenen Gasöfen der Stremplerei hatte sich Staub entzündet, der brennbare Stoffe in Brand setzte, so daß alsbald der ganze Kremplereibetrieb in Flammen stand. Um 7 Uhr schien das Feuer erstickt zu sein, doch brach es gleich darauf mit verheerender Wucht von neuem aus und um 10 Uhr vormittags brannte die ganze Fabrik. Bei den Löschversuchen haben zwei Kremplerinnen Brandwunden erlitten. Die Fabrik ist verloren. Ungefähr hundert Arbeiter und Arbeiterinnen werden arbeitslos. Ein trauriges Weihnachten! vier An= 0 Thalia- Theater. Sonntag nachmittag 32 Uhr: Charleys Tante. Abends: Der Weibertönig. Montag: Der Weibertönig. Dienstag, Mittwoch und Sonnabend geschlossen. Mtttwoch nachmittag 4 Uhr: Mar und Morik. Donnerstag: Der Weiberkönig. Freitag: Der große Stern. Sonntag Das Zuchtpolizeigericht in Paris berurteilte als Schuldige an dem nachmittag 32 Uhr: Charleys Tante. Abends: Der große Stern. Montag nachmittag 32 Uhr: Charleys Tante. Abends: Der große Stern. Untergrundbahn- Unglück im August 1903 Kafino Theater. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Schwarzer Peter. gestellte der Bahn zu Strafen von 2000 Frank Geldstrafe bis zu Blumenstrauß. Allabendlich: In Bertretung. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Mutter Gräbert. Monntag nachmittag 4 Uhr: Wildes Blut. einer bedingten Freiheitsstrafe von einem Monat Gefängnis. Apollo Theater. Allabendlich: Berliner Luft. Wundersterne. In Mailand haben sieben Schüler des Kollegiums der Mariannen- Brüder schivere kompromittierende Aussagen gegen ihre Glekrische Tanzbilder. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Berliner Luft und Lehrer gemacht. Es handelt sich um ein Vergehen gegen die Sitt- understerne. Montag nachmittag 3 Uhr: Berliner Lust und Wunderlichkeit. Der Direktor und zwei andere Schulbrüder sind geflohen. Der Direktor under Wochen- Spielplan der Berliner Theater. Königliches Opernhaus. Sonntag: Der Roland von Berlin. Montag: Sinfonie- Konzert der Königl. Kapelle. Dienstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mittwoch: Der Roland von Berlin. Donnerstag: Die Entführung aus dem Serail. Freitag: Die Walküre.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Der Roland von Berlin. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonntag: Die Journalisten. Neues Königl. Opern- Theater. Montag: Doktor Klaus. Dienstag: Theodora. Mittwoch: Julius Casar. Donnerstag: Flachsmann als Erzieher. Freitag: Minna von Barnhelm. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag: Die Jungfrau von Orleans. Montag: Ein Sommernachtstraum. Deutsches Theater. Sonntag nachmittag 2, Uhr: Der Verschwender. Abends: Masterade. Montag: Maskerade. Dienstag: Helden. Mittwoch: Helden. Donnerstag: Maskerade. Freitag: Helden. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag 2%, ühr: Der Verschwender. Abends: Helden. Montag nachmittag 1%, Uhr: Don Carlos. Abends: Maskerade. Berliner Theater. Sonntag: Ein Teufelskerl. Montag: Zapfen streich. Dienstag: Ein Teufelskerl. Mittwoch nachmittag 3 Uhr: Die schöne Melusine. Abends: Jm bunten Rod. Donnerstag: Ein Teufelsferl. Freitag: so ich Dir. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag:. .ch Dir. Montag:. so ich Dir. " " " so sterne. • fannt. Carl Weiß- Theater. Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch: M. in W. 1. Nein. 2. Sie können auf Herausgabe flagen. 3. Nein, Aus der Märchenwelt. Donnerstag, Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Sonntag nachmittag 3, Uhr: Die Kette. Abends: Die Reise um die falls nicht Ihre Frau das Recht bei Gericht erwirkt, getrennt von Ihnen zu Erde in 80 Tagen. Montag nachmittag 3, Uhr: Die Kette. Abends: Die leben. 4. Die Rüdkehr Ihrer Frau können Sie nicht erzwingen, würden wohl auch mit einer Scheidungsklage nicht durchdringen. 5. Den Betrag Reise um die Erde in 80 Tagen. Zentral- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Abends:| fönnen Sie nicht fordern. 6. Eine Beleidigungsklage hat wenig Aussicht Die Fledermaus. Montag: Die Geisha. Dienstag: Der Zigeunerbaron. auf Erfolg, Sie wäre( ohne vorausgegangenes Sühneverfahren) in Berlin Mittwoch nachmittags 4 Uhr: Däumelinchen. Abends: Der Bettelstudent. anzustrengen. 7. Das Gericht würde nicht rechtsirrtümlich erkennen, wenn Donnerstag: Das jüße Mädel. Freitag: Der Generalkonsul. Sonnabend: es Ihrer Frau das Recht zuerkennt, mit Rücksicht darauf, daß Sie Ihre Geschlossen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Puppe. Abends: Die Negerlein. Frau geschlagen haben, und zwar, während Sie schweren Stunden entgegen Montag nachmittag 3 Uhr: Die Geisha. Abends: Die Negerlein. sah, getrennt von Ihnen zu leben. Sch. Sie müßten den Antrag auf Rückgabe bei dem Gericht stellen, das Sie freigesprochen hat. Im übrigen ist es unmöglich, Ihnen ohne Kenntnis des Urteils einen Rat zu geben. J. D. Nein. Abschrift des Urteils erhalten Sie auf Ihren Antrag. H. K., Nigdorf. Ohne Kenntnis des Lehrvertrages ist Ihre Frage 21. R. 100. 1. und 2. Ja, es kann aber Widernicht zu beantworten. spruch vom Mieter erhoben werden. 3. Das Unentbehrliche ist zu belassen; A. 33. Der was unentbehrlich ist, ist von Fall zu Fall zu entscheiden. R. P. 15. 1. Ja. 2. Uns nicht beBertrag ist auch jetzt noch gültig. H., Pücklerstr. Der Stempel ist für die Rechtsgültigkeit eines Bertrages völlig unerheblich. Sübner. Sie sind zur Zahlung berW. 2. 99. Das Recht auf Widerruf der Geschenke, die zwischen pflichtet. ehemals Verlobten gewechselt sind, erlischt mit Ablauf von zwet Sahlen nag Auflöſung des Verlöbniſſes.- H. G. 20. Ja. Irgend welche Legitimationspapiere sind zweckmäßig, aber nicht notwendig. Fl. Nein. J. R. 19. Die Klage wäre nicht völlig ohne Aussicht auf Erfolg, wenn ein polizeilicher Versuch, die Herrschaft zur Aufnahme der widerrechtlich Entlassenen zu veranlassen, erfolglos bleiben sollte. Der Klage muß solcher Versuch vorangehen. Minneapolis. 1. Nein, aber wenn dennoch, so geht es auch ohne diese Einwilligung. 2. Wahrscheinlich. 3. Erforderlich ist ein Paß nicht. 4. u. 5. Nein, falls nicht Entziehung von der Wehrpflicht vorliegt. 6. Ihr Kollege darf nicht angeben, daß er dort arbeiten will, sondern müßte darlegen, daß er den Bruder besuchen will. H. 2. Nein. Unterhaltsberechtigt ist nur, wer außer stande ist, sich selbst zu unterhalten. Kinder sind überdies ihren Eltern gegenüber rechtlich nur soweit unterhaltspflichtig, als dies ohne Gefährdung des standesmäßigen Unterhalts für sich und ihre Familie möglich ist. O. H., Charlottenburg. Ja, so lange das Vormundschaftsgericht den Vergleich nicht genehmigt hat. Th. F. Auch Ihr Mann haftet für die Kosten Ihrer Klage nicht. A. S. Ja. Hörmann. 1. Geschenke zurückzufordern sind Sie, abgesehen von Ausnahmefällen, die für Ihre Klage nicht zutreffen, nicht berechtigt. 2. Wenn fein Testament vorliegt, erbt der finderlose Witwer die Hälfte des Nachlasses und als Voraus die Hochzeitsgeschenke sowie die zum Haushalt gehörigen Sachen. Die danach übrigbleibende Hälfte erben die Eltern oder Geschwister der Verstorbenen. H. K. Köpenick. Wenn Sie weder ver urteilt sind, noch ein Anerkenntnis abgegeben haben, so find sie nicht alimentationsverpflichtet, falls Sie Ihre Eimrede beweisen können. 17. In Ihrem Falle liegt ein von der Berufsgenossenschaft zu entschädigender Unfall nicht vor, wohl aber hat der Fabritinhaber voll den Schaden zu er segen, falls die Explosion auf eine Fahrlässigkeit zurückzuführen ist.-F. K. 100. 1. Zeugen genügen. 2. Ja. 3. Das Strafrecht nicht. 4. Durch jede BuchSonntag nachmittag 3 Uhr: Deutsch Amerikanisches Theater. Ueber'n großen Teich. Allabendlich: New York. Sonntag und Montag nachmittag 3 Uhr: Ueber'n großen Teich. Gebrüder Herrnfeld Theater. Allabendlich: Prinz Levy in Ahlbeck. Metropol Theater. Allabendlich: Die Herren von Marim. Passage- Theater. Allabendlich: Die Gefangene. Wintergarten. Allabendlich: Spezialitäten. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Palast Theater. Eingeschneit. Spezialitäten. Urania- Theater. Taubenstraße 48/49. Täglich: Frühlingstage an Freitag und Sonnabend: Geschlossen. der Riviera. Anfang 8 Uhr. Invalidenstraße 57-62: Abends 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Freitag und Sonnabend: Geschlossen. Briefkasten der Redaktion. 2. R. 89. Meinen Sie mit dem„ Krach am Königstor" die GummiDie sog. Februarschlauch- Affäre? Diese war am 18. Januar 1894. M. W. 100. 1.- 4. trawalle" waren am 26. und 27. Februar 1892. 5. Um Techniter, Ingenieur, Schulist bereits beantwortet in Nr. 290. lehrer usw. zu werden, ist noch der Besuch eines Technikums, Bolytechnikums, Seminars usw. erforderlich. E. S. Der„ Erziehungsbeirat für schulentlassene Waisen" gibt Unterstüßungen. Bureau: Alte Jakobstr. 20/21. G. D. 37. Die Reichsschuld beträgt jetzt rund 3000 Millionen oder drei 1333. 1.- 2. Nein. 3. Ja. 4321. Braut Milliarden Mark. von Messina": Der goldene Reif erhebt den Edelstein. P. J. 25. Es tann nicht unsere Aufgabe sein, das zu entscheiden. Wenden Sie sich an handlung. Manufakturwaren- Sortiments- Geschäfte R.& S. Moses Rudolf Moses A26M pofon nente 0828eb as w Reinickendorfer Strasse 4 onukissed 198 Metzer Strasse 41 Ecke Dalldorfer Strasse, an der Markthalle Wedding HISM C Ecke Weissenburger Strasse, in der Nähe des Schönhauser Tors gehören zu den grössten und ältesten und ältesten Lieferanten des Rabatt- Sparvereins„ ,, Norden". DamenKonfektion! Blusen. Cachenez. Kostümröcke. Strümpfe. Unterröcke. Sweaters. Handschuhe. Trikotagen. Wollwesten. Schirme. KnabenKonfektion! 19 jeb Helana Der kluge Hans keit bieten die mit h Eine ganz besondere Sehenswürdigkeit bieten die mit herrlichen Weihnachtspräsenten gefüllten Schaufenster unseres Stammgeschäftes Metzerstr. 41 durch die einzig in ihrer Art und bisher unerreichten Gratis- Vorftellungen des klugen Hans! Kleiderstoffe. Damen- Wäsche. Gardinen. 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Ber.)" " Es ist wahr, Kammer Die angedeuteten inneren und äußeren Umstände haben nun schaftliche Garantie gegen die Arbeitslosigkeit geben und diese in den Jahren 1896 bis 1901 gleich 21,2 Proz., die der unehelichen Die Mitte zwischen vorbeugenden und nachträglichen Abhülfs- sehr groß; es starben zwischen 25 und 30 Proz. aller Kinder im ersten mitteln nimmt die Schaffung einer Arbeitslosentaffe ein. In Lebensjahre. In Leipzig war der Unterschied in den Jahren 1881 der Kammer sind bereits mehrere dahingehende Gesezentwürfe ein bis 1890 verhältnismäßig flein( 6 Pro3.), er ist aber nach den gebracht worden, über die ein Bericht von Millerand namens der beträchtlichen Eingemeindungen der Jahre 1889, 1890 und 1891 bis Baillants Interpellation über die Arbeitslosigkeit nicht, Versicherungskommission vorliegt. Der zu schaffenden Kasse liegt auf 18 Proz. gestiegen und auf dieser Höhe stehen geblieben. Die Beiträge des Staates und dann Sterblichkeit der ehelichen Kinder hat sich dort seit den 80er Jahren wie Wolffs Bureau leichtfertig depeschiert hat, über die Aus- das Genter System zugrunde stände wurde im Beginn dieser Legislatur eingebracht. Es verder Departements und der Gemeinden im Verhältnis zu den von gar nicht geändert, die Vermehrung des Unterschiedes rührt wesentlich gingen aber dritthalb Jahre, ehe sie zur Beratung fam, und auch den Arbeiterorganisationen geleisteten Beiträgen. Vaillant hält von der Zunahme der Sterblichkeit bei den unehelichen Kindern her; Sas, nachdem erst Vaillant, des vergeblichen Harrens müde, sich ent- dieses System für wenig wirksam: Es handelt sich ja dabei nur um dieselbe betrug von 1881 bis 1890 durchschnittlich 26,1 Proz., von fchloffen hatte, auf eine selbständige Debatte zu verzichten, um die eine Förderung der Bemühungen besser gestellter Arbeiter, die am 1891 bis 1901 dagegen 34,7 Proz. Besonders gering war die Interpellation der Beratung des Budgets des Handelsministeriums wenigsten unter der Arbeitslosigkeit leiden. Die große Mehrzahl der Sterblichkeit der ehelichen und unehelichen Kinder in den Jahren anzuschließen. Die Kammer findet stets Zeit für die rasche Er- Gewerkschaften aber ist nicht imstande, Arbeitslosenkassen zu schaffen, 1886 bis 1889, erstere 18,8 Proz., lettere 22,6 Proz. In Straß ledigung der fleinen und fleinsten tagespolitischen Frage, die in die sollen sie nicht anders ihre ganze Aktion aufgeben. Die Arbeits- burg i. Els. war der Unterschied im Durchschnitt der Jahre 1891 Parteitämpfe hineinspielt. Das tragische Problem der Arbeitslosenkasse könnte übrigens bessere Leistungen liefern, wenn sie nicht bloß bis 1901 ziemlich flein( 7,2 Proz.), und zwar war er in den Tosigkeit aber fann warten. Es ist ja nicht geeignet, eine Minister- auf kommunaler, sondern auf departementaler und nationaler Stufen- ersten fünf Jahren geringer als in den letzten sechs Jahren( 5,8 Proz. gegen 8,4 Proz.), weil die Sterblichkeit der ehelichen Kinder abtrife zu eröffnen oder dem Ministerium einen Sieg" zu ber- leiter organisiert wäre. wirksamer aber ist die Arbeitslosen genommen hat, die der unehelichen aber auf derselben Höhe ge schaffen. Ein dringendes Interesse an ihm haben ja nur hundert- Versicherung, eine Frage, die Baillant schon mehrfach in der blieben ist. In alle a. S. betrug der Unterschied im Durchschnitt tausende hungernder Proletarier und Regierung müssen sich mehr oder minder flar bewußt Stammer eingehend behandelt hat. Die Arbeitslosigkeit, so führte er 11,4 Pro3., es hat aber dort sowohl die Sterblichkeit der ehelichen als die sein, daß dieses Problem ihr Können und auch ihren guten Willen jest kurz aus, ist für den Arbeiter ein gesellschaftliches Risiko, ebenso der unehelichen Kinder sowie auch der Unterschied beider im Laufe der übersteigt. unvermeidlich wie Krankheit und Unfälle. Es muß also eine gesell- Jahre zugenommen. Die Sterblichkeit der ehelichen Kinder war im aus dem Jahrfünft 1891 bis 1895 durchschnittlich gleich 19,3 Broz. und bewirkt, daß die Debatte übers Knie gebrochen wurde. Bon gleichen Grund wie gegen Krankheit und Unfälle. bleibendem Wert und von allgemeinem Interesse ist nur die Rede Garantie ist nur auf dem Wege der Versicherung möglich, einer Kinder in der ersten Periode gleich 27,9, in der zweiten gleich Vaillants. Versicherung, die vom Staat zu bestreiten ist ohne Beiträge 34,8 Proz. In Berlin waren die Verhältnisse ähnliche wie Ein Vergleich zwischen der Zahl der in Charlottenburg. Hier ist von 1891 bis 1901 die Unser Parteigenoffe, der 1900 schon über denselben Gegenstand seitens der Arbeiter. interpellierte, hat von neuem ein reiches Material verarbeitet. Die Arbeitslosen und der Zahl der organisierten Arbeiter in jedem Sterblichkeit im ersten Lebensjahre von 24,86 auf 22,45 Proz. geziffernmäßige Feststellung des Umfangs der Arbeitslosigkeit, die Dar- Lande zeigt, daß die Arbeiterklasse selbst mit der Beitragshülfe des sunken, die Sterblichkeit der ehelichen Kinder sank von 22,3 auf 19,9 Proz., die der unehelichen von 42,4 auf 36,9 Proz. legung ihrer tiefen, im Wesen der kapitalistischen Produktionsweise Unternehmertums die Versicherungslast nicht zu tragen bermag. Zum Schluß zeichnete Baillant mit fräftigen Strichen die Was die Sterblichkeit der Halte und Pflegewurzelnden Ursachen in Zusammenhang mit dem zahlenmäßigen Nachweis des auch in Frankreich fortschreitenden tapitalistischen hervorragende Bedeutung der Arbeitslosigkeit in allen französischen tinder Charlottenburgs betrifft, so starben im Jahre 1903 Konzentrationsprozesses, ferner die in der bestehenden Gesellschaft Revolutionen von 1789 bis zur Kommune von 1871 und ihre das von 100 im ersten Lebensmonat stehenden Pflegekindern 41,9, und möglichen Abhülfsmittel zur Linderung der Arbeitslosigkeit, die bis- Arbeiterbewußtsein revolutionierende Rolle in der Gegenwart, gleich von 100 Haltekindern 24,6 vor Beendigung des ersten Lebensjahres. herige nachlässige Mißachtung dieses Massenübels und schließlich die viel ob das kapitalistische Land eine Demokratie ist oder nicht: In Pflege- und Haltekinder zusammen wiesen eine Sterblichkeit von Begründung des Antrags auf Einsetzung einer ständigen Unter dem Maße, wie das: politische Bewußtsein wächst, wie es im Lichte 31,8 Proz. auf. In Berlin war die Sterblichkeit der in Soft eine sehr große; fuchungstommiffion in Sachen der Arbeitslosigkeit das sind die des Sozialismus zur Klarheit kommt, sieht der intelligente Teil der gegebenen Kinder bis zum Jahre 1901 Arbeiterklasse ein, daß die Fortdauer und das fortwährende Wachsen erst nach Einrichtung eines Kinder Asyls aus den reichen Hauptpunkte der Vaillantschen Rede. der Schmidt Gallisch- Stiftung, in das alle Säug Gallisch- Stiftung, Zunächst der Umfang der Arbeitslosigkeit. 1896 betrug sie nach der Arbeitslosigkeit und des Arbeiterelends die Folge der kapitalistischen Mitteln den Ergebnissen der Berufszählung 4,6 Proz., d. h. rund 400 000 Ar- Produktionsweise sind. Und am Tage, wo der Arbeiter merken wird, linge, bevor sie in Kostpflege kommen, aufgenommen werden, beitslose bei einer Lohnarbeitenden Bevölkerung von 91 Millionen daß die Vernichtung des kapitalistischen Regimes, dessen Umgestaltung ist die Sterblichkeit der Pflegefinder Berlins bedeutend vers Personen. Der Bericht der Höheren Arbeitskommission über die in ein Regime gesellschaftlicher Produktion genügen würde, um die ringert worden. Im ersten Jahre nach Einrichtung des Asyls betrug Arbeitslosigkeits- Stassen von 1903 gibt hingegen für das gleiche auf ihm so schwer lastenden Uebel der Arbeitslosigkeit und die Sterblichkeit der Säuglinge 59,7 Proz., das heißt es starben von Jahr 1896 einen Prozentsatz der Arbeitslosen von 7 Prozent an. des Elends zu beseitigen, dann wird, Ihr könnt dessen sicher sein, eine 100 Kindern im ersten Lebensjahr durchschnittlich 59,7. Diese Zahl Und das wohlgemerkt in einem Jahre industrieller Prosperität. entscheidende Revolution ausbrechen, eine Revolution, im Vergleich ist gegen die früheren Berliner gering, aber doch noch bedeutend 1897 weist ebenfalls 7 Prozent Arbeitslose auf, 1898: 7,25, 1899: mit welcher alle Revolutionen der Vergangenheit zusammen höher als die für Charlottenburg geltende. Auch im zweiten Jahre 612, 1900: 7, 1901: 734, 1902: 9 Prozent. Zieht man den Durch genommen ein Kinderspiel sein werden. Es wird feine äußerliche des Bestehens des Asyls war die Sterblichkeit noch recht hoch( 45,42 schnitt dieser Jahre hochgehender und niedergehender Konjunktur, Henderung mehr fein, es wird sein die soziale Revolution des be- Prozent). Indem ich es fage, Interessant ist ein Vergleich der Kindersterblichkeit im so ergibt sich ein Saß von 714 Prozent, der vom Bericht freiten Proletariats. Das ist unvermeidlich der Arbeitskommission in Betracht gezogenen Gesamtzahl von 5 600 000 will ich einfach zeigen, daß Ihr ebenso wie wir daran intereffiert Jahre 1901 in verschiedenen deutschen und außerdeutschen GroßProletariern, d. h. 406 000 Arbeitslose. Andererseits kombiniert seid, die größtmögliche Klarheit zu schaffen, damit wir alle Fehl- städten: der Bericht die Ergebnisse der Berufszählungen von 1896 und 1901, tritte vermeiden können, alles, was eine Reihe Katastrophen erzeugen Auf 100 lebend geborene Kinder tamen im das ist eines Prosperitäts- und eines Niedergangsjahres, und kommt tönnte, die zwar keineswegs das Eintreten der proletarischen Be- Jahre 1901 Sterbefälle innerhalb des ersten so zu einer durchschnittlichen Zahl von 5,6 Prozent, macht 313 600 freiung aufhalten, sie aber gefahrvoll für sie selbst und für ihre Lebensjahres Wir sind alle daran interessiert, jede Arbeitslose. Sämtliche angeführte Zahlen sind nach Vaillant, Gegner gestalten würden. a) in 35 außerdeutschen Städten: trotz ihrer erschreckenden Größe, noch immer schönfärberisch. Das Dunkelheit zu vermeiden; wir müssen alle unsicheren und ausweghängt einerseits daran, daß sie auf den Aussagen der organisierten losen Aftionen vermeiden, alle Katastrophen, die nicht die von uns Arbeiter beruhen, die ja relativ am wenigsten unter der Arbeits- gewollte Befreiungsbewegung sind." lofigkeit leiden, und andererseits an den mangelhaften statistischen Enquete über die Arbeitslosigkeit notwendig. An der Enquete Um aber die nötige Klarheit zu schaffen, ist eine ständige Methoden und der Unvollständigkeit der amtlichen Angaben. hätten die technischen Regierungsorgane mit dem Parlament und den Arbeiterorganisationen zusammenzuwirken. 1896 Baillants Interpellation wurde beantwortet vom Handelsminister Trouillot und vom ehemaligen Handelsminister Millerand. Beide ſtellten sich auf den Boden der kleinen Palliativmittel und empfahlen insbesondere die Subvention der gewerkschaftlichen Arbeitslosentassen nach dem Genter System. Ein erster Schritt in dieser Richtung ist der im Budget von 1905 eingeschriebene Kredit von 100 000 Fr. zwecks Förderung jener Arbeitslosentassen. Millerand sieht außerdem bor Subventionen seitens der Gemeinde und des Departements. Die sozialistischen Gemeinderäte von Dijon, Limoges und Lyon haben bereits den Anfang gemacht. Paris wird dem Beispiel bald folgen. 019 Manchester in St. Petersburg 35,0 in Madrid 17,7 Moskau. 39,3 Rom. " 11,5 " " Ddessa. 23,7 Neapel 16,6 " 1 " Stockholm 14,7 Mailand 17,7 " " Kristiania 12,4 Turin 15,3 " " Kopenhagen 19,5 Wien 17,4 " London. 15,0 " . " Budapest 14,2 " Liverpool 18,1 " Prag 18,4 17,8 Lemberg 31,7 Dublin 16,7 " Zürich 12,3 Amsterdam. 14,1 Basel 13,5 " Leiden 13,4 Bern. " 12,1 " " Haarlem 11,1 " New York 19,0 " Brüssel 15,4 " 1 Chicago 17,1 " Antwerpen. 16,6 " Washington 27,8 " 1 Baris 10,5 " Buenos Ayres 10,2 " Lyon. 13,8 " Rio de Janeiro 19,1 " Bordeaux 35,0 " in Berlin München Leipzig Breslau Dresden 123 11,5 b) in 24 deutschen Städten: in Chemnitz Königsb. i. Pr. 25,6 " Charlottenburg 18,2 9 20,4 18,3 23,6 17,1 22,2 22,5 24,7 " 23,6 27,8 " Stuttgart " 19,0 Bremen. " Köln. 25,5 Altona " " " 1 Frankfurt a. M. 15,8 Nürnberg " Elberfeld 23,4 . " Halle a. S. " Hannover 19,7 " " 1 Magdeburg Düsseldorf Stettin. 23,6 Dortmund. 19,0 " " . 21,0 33,5 Barmen 14,8 " • " Straßburg i. E. 20,2 Die Alters und Geschlechtszusammensetzung der Arbeitslosen wird in der Berufszählung von 1896 angegeben. Die Mehrzahl der arbeitslosen Männer steht im Alter von 25 bis 34 Jahren, die Mehrzahl der arbeitslosen Frauen im Alter von 18 bis 24 Jahren in Landwirtschaft und Industrie, im Alter von 25 bis 34 Jahren im Handel. Dem Geschlecht nach waren zwei Drittel Männer und ein Drittel Frauen. Es zeigt sich also, daß der Kapitalismus selbst in Prosperitätszeiten die teuerste Arbeitskraft des erwachsenen Mannes im relativ größten Umfange zur Arbeitslosigkeit verurteilt. In Zusammenhang damit legte Vaillant dar die Marrsche Krisen lehre und die Unentbehrlichkeit der industriellen Reserve- Armee für bie kapitalistische Produktionsweise sowie den Konzentrationsprozeß der Industrie, der stets eine relative( im Vergleich mit dem Wachs Ueber den derzeitigen Stand der gewerkschaftlichen Arbeitslosentum der Produktion) Verminderung der lebendigen Arbeitskraft bewirkt und so unvermeidlich die Zahl der Arbeitslosen immer mehr vergrößert. fassen machte Millerand folgende Angaben. Nur etwa 30 000 ArDen Konzentrationsprozeß in Frankreich zeigte Redner an der Hand beiter find Mitglieder von Arbeitslosentassen. Es gibt im ganzen eines ausführlichen Vergleiches( für die wichtigeren Industriezweige) 312 Kaffen, darunter 307 gewerkschaftliche und mir zwei unterder Ergebnisse der Berufszählungen von 1866 und 1896. Hier seien nehmerliche. Davon sind 148 Kaffen von einander isoliert und 162 nur die Totalzahlen angeführt. In der Industrie: 1866 in einem Gewerkschaftsverband vereinigt, im starken Buchdruckerverband, der mehr als 10 000 Mitglieder zählt. Millerand tritt 4715 805 beschäftigte Personen in 1 450 223 Betrieben; 1896 6 373 239 beschäftigte Personen in bloß 734 240 Betrieben. Im dafür ein, daß den föderativen Kassen eine proportional höhere Sub572 816 Personen in 392 191 Betrieben; bention zu gewähren ist als den isolierten, um so jenen leistungsfähigeren Handel: 1866 Kaffentypus zu fördern. 916 532 Personen in bloß 161 905 Betrieben. Ferner betonte Millerand die Notwendigkeit, auch die UnterZu den Abhülfsmitteln gegen die Arbeitslosigkeit übergehend bemerkte Vaillant zunächst, daß diese Geißel der Arbeiterklasse aufnehmer zur Unterstützung der Arbeitslosentassen heranzuziehen. Er dem Boden der tapitalistischen Gesellschaft unmöglich beseitigt werden berwies auf die auch in Frankreich immer mehr einsehende GeMannheim 27,2 könne, da sie vielmehr eine wesentliche und notwendige Bedingung famtorganisation der großen Industrien. kongreß von Baumwollindustriellen beschlossen, vorkommenden Aus dieser Uebersicht geht hervor, daß die Kindersterb der bestehenden Produktionsweise bilde: Die Arbeitslosigkeit, die in Falles in allen Betrieben die Arbeit einzustellen, um die Ueber- lichkeit in den deutschen Städten verhältnis. atuten Strifenzeiten, so im Februar 1902, auf 15 Prozent an- produktion zu vermeiden. Da müßten die Unternehmer allerdings mäßig recht hoch ist und nur in den Städten Rußlands und schwillt, bildet in sogenannten Profperitätszeiten noch immer für ihr arbeitslos gewordenes Personal so oder anders Sorge treffen. Galiziens noch übertroffen wird. Allerdings muß hier berücksichtigt 7, 8, 9 und 10 Prozent. Am Staat und an der Gesellschaft was den Vaillantschen Vorschlag auf Schaffung einer nationalen werden, daß in Holland, Belgien und Frankreich der Begriff der liege es aber, die immanenten Hungerfolgen des Kapitalismus für Versicherungskasse betrifft, so könne man daran vorläufig nicht denken. Totgeburt ein anderer ist als in Deutschland. In den genannten die Arbeiterklasse zu lindern. Das wäre ein soziales Interesse, das Den Staat allein würde eine solche Staffe 18 Millionen Frant fosten. Ländern muß das Kind noch leben, wenn die Anzeige dem Standesdie Sozialisten wie die Antisozialisten in gleicher Weise anerkennen Budem gelte es zurzeit, erst die nationale Versicherungskasse für beamten gemacht wird, um als Lebendgeboren zu gelten, und da müssen. Alle sind daran interessiert, in vollem Lichte zu handeln, Alters- und Invalidenversorgung in die Wege zu leiten. für die Anzeige eine Frist von drei Tagen gewährt wird, so wird zu wissen, wohin die Reise geht. Der Vormarsch zum Fortschritt, Ueber den Umfang der Arbeitslosigkeit machte der Handels- ein Teil derjenigen Kinder, die innerhalb der ersten drei Tage zur sozialen Umgestaltung wird dadurch nicht verlangsamt werden; minister diese Angaben. In den ersten neun Monaten 1902 gab es ihres Lebens sterben, zu den totgeborenen gerechnet. In er wird vielmehr sicherer werden und das Minimum von Unannehm 111 Proz. Arbeitslose, in der gleichen Periode des Jahres 1903 Kristiania und in den spanischen Städten muß lichkeiten für alle bringen".) 91/2 Broz. und des Jahres 1904 10,8 Proz. Das nannte der Kind 24 Stunden gelebt haben, um zu den Lebendgeborenen gezählt Minister eine„ durchschnittliche Situation", die keine außerordentlichen zu werden, während in Deutschland jedes Kind, das Lebenszeichen Unterstüßungskredite verlange! von sich gegeben hat, zu den Lebendgeborenen gerechnet wird. Naturgemäß verringert sich in allen Ländern, in denen ein ein- oder mehrtägiges Leben vorausgesetzt wird, der Prozentsatz der im ersten Lebensjahre gestorbenen lebendgeborenen Kinder. Aber trotz dieser andersartigen Berechnung bleibt doch die Tatsache bestehen, daß die Kindersterblichkeit in deutschen Großstädten er schreckend hoch ist. Kommunalverwaltungen, die sich ihrer Aufgabe bewußt sind, dürfen an dieser Erscheinung nicht achtlos vorüber gehen. Die Abhülfsmittel gegen die Arbeitslosigkeit teilt Vaillant in organische oder vorbeugende und nachträgliche, heilende. Zu den ersteren rechnet er vor allem die Arbeiterschut Gefeßgebung: Achtstundentag, gefeßliches Lohnminimum, Verbot der Ueberstundenarbeit, ebenso wie die Arbeiterorganisation, die gewerkschaftliche und genossenschaftliche nebst der gewerkschaft lichen Organisation des Arbeitsnachweises unter der Mitwirkung des Staates. Kürzlich hat ein Die Debatte schloß mit dem einstimmigen Votum der Resolution Vaillants, welche die Arbeitskommission der Kammer beauftragt, eine ständige Enquete zu organisieren über die industrielle und landwirtschaftliche Arbeitslosigkeit und die Mittel, ihr vorzubeugen und sie zu mildern. Kindersterblichkeit in Großstädten. Verfammlungen. ° ein Ferner könnte der Staat vorbeugend eingreifen durch eine planmäßige Regelung der öffentlichen Arbeiten entsprechend dem allgemeiner Stand des Arbeitsmarktes, so daß jene-Arbeiten Dem Statistischen Amt der Stadt Charlottenburg verdanken wir vorzugsweise in Krisenzeiten fallen sollten. Dasselbe gilt von den eine wertvolle Uebersicht über die Sterblichkeit der ehelichen und öffentlichen Arbeiten des Departements und der Gemeinde. In der unehelichen Kinder im ersten Lebensjahre in den Städten Charlottengleichen Richtung fönnte der Staat wirken auf die von ihm mehr burg, Berlin, Leipzig, Halle a. S., Dresden, Straßburg i. E. und oder minder direkt abhängenden Eisenbahnen und die Bergwerts München. Hiernach ist in Charlottenburg die Kindersterblich In der letzten Versammlung des Verbandes der Kupferschmiede industrie. Bisher aber handelten die verschiedenen Regierungen aufs teit von 1876 bis 1903 von 35,33 auf 18,13 Proz. gesunken, sie ist wurde der Filialvorstand neu gewählt. Erster Vorsitzender wurde Geratewohl. Die öffentlichen Arbeiten wurden zeitlich und örtlich also, ebenso wie die gesamte Sterblichkeit auf etwa die Hälfte. Korbowicz, zweiter E. Paes, erster Kassierer M. Hecht, angehäuft ohne jede Rücksicht auf die allgemeine Lage des Arbeits- reduziert. Dagegen besteht nach wie vor ein großer Unterschied zweiter P. Gerwig, erster Schriftführer R. Heise, zweiter marties, wodurch die Arbeitslosigkeit vielfach verschärft wurde. Alles zwischen der Sterblichkeit ehelicher und unehelicher Kinder; noch. Frib, Revisoren C. Ladner, R. Paeßler, P. Selge. was bisher insbesondere auf das Drängen Vaillants hin- für die jetzt sterben während des ersten Lebensjahres von 100 unehelichen zur Weihnachtsbescherung der Kinder der zurzeit in Berlin streifenplanmäßige Regelung getan wurde, besteht in wirkungslosen ministeriellen Kindern etwa zwanzig mehr als von der gleichen Zahl ehelicher den und ausgesperrten Arbeiter bewilligte die Versammlung 100 M. Rundschreiben. und beschloß, die Listen der Gewerkschaftskommission unter den Kinder. Ein Vergleich mit Berlin, München, Leipzig, Dresden, Halle Was die nachträglichen, heilenden Abhülfsmittel betrifft, so be- und Straßburg ergibt, daß in Charlottenburg zwar die Sterblich- Migliedern in Umlauf zu setzen. trachtet Vaillant die in der französischen Kammer mehrfach bean- feit der ehelichen Kinder im Durchschnitt der Jahre 1891 bis 1901 Eine öffentliche Brauerversammlung tagte am 11. Dezember tragten Geld- und Arbeitsunterstützungen für die Arbeitslosen am niedrigsten, die der unehelichen aber am höchsten war. Den im Gewerkschaftshause mit der Tagesordnung: Berichterstattung des als unwirksam und teils zweckwidrig. Die Arbeitsunterstügung hat fleinsten Unterschied in der Sterblichkeit der legitimen und der Kuratoriums des Arbeitsnachweises des Vereins der Brauereien in Frankreich beinahe immer Fiasko gemacht. Sie kann nüglich sein illegitimen Kinder weist Dresden auf, wo überhaupt die Sterblichkeits- Berlins und Umgegend, für die verflossenen zwei Jahre. Tröger nur dann, wenn die Arbeitslosen unter normalen Bedingungen in verhältnisse im ersten Lebensjahr als günstige zu bezeichnen sind, gedachte eingangs seines Berichtes des verstorbenen Mitgliedes des bezug auf unabhängigkeit, Arbeitsdauer und Lohn beschäftigt werden folange zum Vergleich nur andere deutsche Großstädte herangezogen Kuratoriums, Röside. Im Jahre 1903 fanden drei Sibungen und so den anderen Arbeitern keine Konkurrenz machen. Sie darf werden und von den besseren Verhältnissen in einigen außerdeutschen des Kuratoriums statt, die letzte am 8. Juli 1903; 1904 fanden fein Almosen sein und muß in nüßlichen Arbeiten bestehen. Doch Ländern abgesehen wird. 2 Sibungen statt, die erste am 8. Juli 1904, sodaß also ein volles find die genannten Palliative natürlich so lange unentbehrlich als Jahr feine Sibung stattfand. In der Berichtsperiode gingen 2 Anden Arbeitslosen nichts besseres geboten wird. träge auf Einberufung eines Schiedsgerichts(§ 6 des ArbeitsnachIn München ist der Unterschied auch sehr gering, doch ist hier die Sterblichkeit sowohl der ehelichen, als der unehelichen Kinder weis- Statuts) ein. In beiden Fällen handelte es sich um Nicht- 1 mehren. Beides ist nur durch eine starke Organisation möglich.| Geisen- Kersting in bezug auf den Vorortsteil des„ Bortvärts". Es annahme der betreffenden, bom Arbeitsnachweis vermittelten Brauer Folgende Resolution fand einstimmige Annahme: In Erwägung liege eben in der Natur der Dinge, daß die Wünsche der Vororte, durch den Betriebsleiter. Die Zurüdgewiesenen sahen den Grund daß das Prozentsagwefen eines paritätischen Arbeitsnachweises un- die an sich sehr berechtigt seien, nicht in bollem Maße berücksichtigt der Zurückweisung in der Zugehörigkeit zur Organisation und riefen toürdig ist, und die Verlängerung der Wartezeit der im Arbeits- werden konnten. Was nun die angebliche Unterbilang von Charlotten darum das Schiedsgericht an. Nur ein Fall tam zur Verhandlung; nachweis eingetragenen zur Folge hat, in fernerer Erwägung, daß burg anlange, so stimmten diese Angaben nicht. Das Defizit fei der andere Fall wurde vom Antragsteller zurüdgezogen. In jenem der Prozentsab von einzelnen Brauereien in geradezu verwerflicher nicht so hoch und stamme von den Stadtverordneten- und LandFalle hat das Kuratorium die Beschwerde einstimmig zurückgewiesen, Weise zum Schaden der im Arbeitsnachweis eingetragenen ausge- tagswahlen. Da auf der Generalversammlung erst nach Schluß der weil feine einzige Tatsache erwiesen ist, wonach der Beschwerde nutzt wurde, befchließt die am 11. Dezember 1904 tagende öffentliche Diskussion diese Angelegenheit von dem Revisor erwähnt worden führer auf Grund seiner Zugehörigkeit zu einer politischen oder Brauerversammlung, nicht eher zu ruhen, bis daß das Prozentjak- war, sei eine Richtigstellung nicht mehr möglich gewesen. Eine gewerkschaftlichen Bereinigung von der Arbeit zurückgewiesen worden wesen aus dem Arbeitsnachweis gänzlich beseitigt ist. Als Kandidaten weitere Diskussion wurde nicht beliebt. Hierauf hielt Dr. sei. An der Hand des Berichtes des Kuratoriums und sonstigen für die im Januar 1905 stattfindende Kuratoriumswahl wurden Borchardt in flaren trefflichen Ausführungen einen Vortrag über Bahlenmaterials beleuchtete Rebner die Verhältnisse des Arbeits- aufgestellt: röger und Heyder als Mitglieder, Cordts, das fozialdemokratische Parteiprogramm, der in den kommenden Ber nachweises, welche sich in den beiden Berichtsjahren etwas günstiger Gigler, Blohmann und ebeleisen als Ersatzmänner. sammlungen fortgesetzt werden soll. Eine Anzahl Parteigenoffen für die Arbeitsuchenden gestalteten. Die Wartezeit auf dem Arbeitsnachweis ging von 221 Tagen im Jahre 1901, 300 Tagen im Tekte Mitgliederversammlung in den Boruffiasälen" ab. Frib Der Verein zur Wahrung der Intereffen der Maurer hielt seine meldeten fich zur Aufnahme in den Wahlverein. Jahre 1902 auf 198 Tage im Jahre 1903 zurüd und dürfte 1904 ater hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag vereins fand die erste Vorlesung aus Kautskys Erläuterungen zum Friedenau. In der letzten Mitgliederversammlung des Wahlnoch weiter sinken. Als weiteres Zeichen für eine Besserung der Ber- über: Der Achtstunden- Arbeitstag und welche Bedeutung hat der Erfurter Partei- Programm statt. Nach einem Bericht über die hältnisse dürften noch die aus dem Unterstübungsfonds des Ar- felbe für das arbeitende Proletariat?" Der 4. Punkt der Tages Randagitation, welche ohne nennenswerte Störungen vor sich gebeitsnachweises gezahlten Unterstübungen gelten. Die Bahl der selbe für das arbeitende Proletariat?" unterstützten Brauer ging von 234 im Jahre 1901 und 212 im Jahre ordnung:„ Soll in diesem Jahre noch in den Zahlstellen weiter gangen ist, teilte hielicke der Versammlung einiges aus einer 1902 auf 83 im Jahre 1903 zurück. Die Zahl derselben im Jahre 1904 folgender Grundsätze erledigt: 1. Der Endtermin der Beitrags- noffen besucht worden war. Er führte ungefähr folgendes aus: faſſiert werden? Wenn ja, bis wann?" wurde durch Annahme öffentlichen Gemeindevertreterfibung mit, welche jüngst von 4 Gebleibt sicher hinter der von 1903 zurück. Diese Besserung der Verhältniffe hat aber auch anderweitig ihre Wirkung getan. Während 1903 der Bahlung in den Bahlstellen wird für dieses Jahr auf Sonnabend, Nach langen und breiten Lobreden über das Friedenauer Ortshöchste Bestand an eingetragenen Brauern im August 177 und der ben 17. Dezember festgesetzt; spätere Zahlungen können nur im feft, welches auf Gemeindekosten gefeiert, und für welches 1500 m. niedrigste im Ottober 89 betrug, bezifferte sich der Höchstbestand 1904 Bureau, Sirtenstraße 20, erfolgen. 2. Die Hülfstaffierer werden im Voranschlag ausgesetzt waren, fam man u. a. zur Beratung im August auf 209 und der niedrigste Bestand an eingetragenen berpflichtet, Montag, den 19. Dezember, Gelder und Vereinsmaterial eines Statuts für die Armenverwaltung. In dem Gefühl des Brauern im Oktober auf 110. Als größter Krebsschaden des Arim Bureau abzuliefern. 8. Um jedes Mitgliedsbuch mit genauer Unterfichfeins, welches durch die Art der Zusammensetzung unseres beitsnachweises ist das Prozentsazwesen anzusehen. Neben 132 Gin- Adresse und Telephonnummer des verlegten Bureaus zu versehen, Ortsparlaments bedingt ist, leisteten sich nun die Herren Gemeindestellungen durch den Arbeitsnachweis in 1901 waren 93 Prozentjaß- Sem Bureau zu bringen. Dieselben werden dort sofort mit Bureau Schöffe seine Verwunderung darüber aus, daß es immer noch Hauswerden die Baudeputierten verpflichtet, bautenweise die Bücher nach räte Blüten edelster Gesinnung. So drückte beispielsweise ein Einstellungen zu verzeichnen; 1902 bei 125 Arbeitsnachweis- Ginstellungen, 65 auf Prozentjak; 1903 bei 188 burch den Arbeits- und Schlußstempel versehen. Das Mitglied Karl Bogen wird auf wirte gebe, die Mieter in ihre Häuser aufnehmen, welche gar nichts nachweis 73 auf Prozentsatz und bis 30. September 1904 wurden Antrag des Ausschusses wegen Attordarbeit aus dem Verein aus- besigen. Eine hiesige Krankenschwester, deren Kenntnisse in der neben 129 durch den Nachweis 46 Brauer auf Prozentfab, d. b geschlossen. Das Verhalten des Mitgliedes Karl Bittner gegen Armenpflege von allen anerkannt wurden, könne man zwar als Beohne Benutzung des Nachweises, eingestellt. Der Prozentjab wird über den Stollegen Gustav Grunske, Starl Behrend, Herm. Bräßnid, raterin sehr gut gebrauchen, aber Stimmrecht dürfe man ihr nicht bon einzelnen Betrieben in empörender Weise ausgenugt zu dem Franz Kleiber wird für eines organisierten Kollegen unwürdig er geben. Gewiß sehr fortschrittlich. Welchen Wert unsere StraßenZwecke, die organisierten Brauer aus den Betrieben fernzuhalten. werden 3500 M. zur Unterstüßung der streifenden Holz- und Mufit- Worten aus:„ Die Bäume haben uns schon manchen schönen Mieter klärt und demselben eine Rüge erteilt. Dem Gewerkschaftstartell bäume für unsere Gemeindevertreter haben, drückte einer mit den Es ist darum Aufgabe der in Berlin und Umgegend beschäftigten instrumentenarbeiter überwiesen. Anschließend hieran wird der nach Friedenau gebracht." Man müffe, meinte ein anderer, die Brauer, dafür Sorge zu tragen, daß das Prozentsazwesen so bald wie möglich aus dem Statut des Arbeitsnachweises verschwindet. Vorstand beauftragt, dem„ Vorwärts" eine Annonce aufzugeben, Bäume mehr vor Beschädigungen schützen, indem man jedem StraßenUm dies zu erreichen, ist es notwendig, daß sia sämtliche Kollegen wonach zur Unterstüßung der Streifenden von der Organisation teine arbeiter Polizeifunttion gebe, fodaß er berechtigt, ja fogar verpflichtet der Organisation anschließen. In der darauffolgenden Diskussionstübungen werden dem Vereinsfonds entnommen. Wenn aber An- Genoffen, bei der Beratung der Kostenfrage für das oben erwähnte Sammellisten herausgegeben werden. Alle notwendigen Unter- sei, jeden Baumfrebler" sofort festzunehmen. Der Wunsch unserer ergänzte das Kuratoriumsmitglied Heyder den Bericht Trögers. gehörige der Organisation doch auf Listen Gelder zur Unterstützung Ortsfest zugegen zu sein, blieb unerfüllt, da dieser Bunft unter Seit dem Einzug des Arbeitsnachweises in das neue Haus, hat der Warum scheute Obmann des Nachweises, Herr Dr. Freund, die Hausordnung zeichnen wollen, soll dieses nur auf die vom Berliner Gewerkschafts- Ausschluß der Deffentlichkeit verhandelt wurde. auch auf die Kantine ausgedehnt. Es ist jetzt dafür Sorge getragen, fartell herausgegebenen geschehen. man da die Oeffentlichkeit? Saben die 1500 m. vielleicht daß, bevor Streichungen aus diesem Grunde vorgenommen werden, nicht gereicht? Die Der sozialdemokratische Wahlverein Groß- Lichterfelde hielt am mit dem Gefühl, es müsse in dieser gemütlichen Tafelrunde, in Genossen berließen die Sigung ein Arbeitnehmermitglied des Kuratoriums gehört werden muß. Mittwoch seine ordentliche Mitglieder- Versammlung ab. Zum Be- welcher der Begriff Opposition unbekannt ist, endlich einmal ein Noroschat und Wiehle brachten noch einige Fälle zur Sprache, richt der Delegierten über die Kreis- Generalversammlung nahm zu- anderes Lied angestimmt werden. Pflicht jedes Genoffen ist es, felbst wobei sie ohne ersichtlichen Grund von den Betriebsleitern einiger nächst Geisen- Kersting das Wort, der in seiner Bericht- hin und wieder einmal eine Gemeinderatssitzung zu besuchen, und Brauereien abgelehnt wurden. Richter ist mit der Tätigkeit der erstattung hauptsächlich auf die Misere bezüglich der Berücksichtigung dadurch den Herren Gemeindevertretern zu zeigen, daß noch andere Kuratoriumsmitglieder einverstanden. Die vorgebrachten Klagen der Vororte im Vorwärts" zu sprechen fam. Schönwetter achen meist auf eine Aenderung der Sabungen hinaus. Unser Be- ergänzte den Bericht in einigen Buntten und nahm Bezug auf Sie Friedenauer" existieren, die, wenn auch nicht im Gemeinderat verstreben müsse dahin gehen, bei einer etwaigen Aenderung der Mitteilung der Kreis- Personen, wonach Charlottenburg bei den treten, doch ein lebhaftes Interesse an der Entwickelung unseres Statuten als bollgültiger Kontrahent auftreten zu können. Auch Landtagswahlen ein Defizit von 2000 m. zu bezeichnen habe. der beste Arbeitsnachweis fönne die Arbeitsgelegenheit nicht ver- Dr. Borchardt, als Referent anwesend, erwiderte zunächst ORIGINAL SINGER NAHMASCHIN ST. LOUIS 1904: 7 Grand Prix 7 Goldene Medaillen. 1 Die Ortes haben. Mützlichsten Weihnachtsgeschenke Sensationelle Partie! u nome find 14062* Singer Nähmaschinen nur zu kaufen in den Geschäftsstellen der Sonnabend und Sonntag den 17., 18. kommt sie sic ein grosser Posten echter Singer Co. Mähmaschinen Act. Ges. 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Der Angeklagte erklärt: Die Vorladung sei schon am Sonnabend abend bei seiner Schwester ab- gegeben worden und er sowie Sander hätten davon schon Sonnabend abend gehört. Morgens fünf Uhr habe die Liebetruth die Vor- ladung von seiner Schwester abgeholt, und da Sander neugierig war, um was es sich handelte, habe er sich am Montag früh gegen 9 Uhr mit ihm getroffen und ihn nach dem Polizeipräsidium be- gleitet. Verteidiger Rechtsanwalt Bahn: Es könnte in Frage kommen, in welchem Hause die Tat verübt worden ist. Die Polizei hatte erst zwei Täter angenommen und als Tatort die Hussitenstraße in Betracht gezogen. Jetzt nimmt die Polizei das Haus Ackerstr. 139 als Tatort an. Es erscheint unwahrscheinlich, daß in einem so reich bevölkerten Hause ein Mann unbeobachtet einen Korb mit einer Leiche hinaustragen kann. In der Voruntersuchung hat nun eine in der Ackerstr. 158 wohnende Frau bekundet, daß sie einen Mann mit weißem Strohhut gesehen habe, der einen Korb trug. Diese Be- kundung hat sich nicht ausrecht erhalten laßen. Diese Frau wird bekunden, daß in dem Hause Ackerstr. 130 die ganze Nacht Pärchen ein- und ausgehen. Wenn das wahr ist, ist kaum anzunehmen, daß bei einem so lebhaften Verkehr ein Mann ungestört einen Leichnam au« dem Hause schaffen kann. Ich beantrage daher, diese Frau als Zeugin zu laden, auch aus dem Grunde, um zu zeigen, wie in solcher Sache Aussagen gemacht werden und wie nmnche Leute in einem gewissen„... 0. Taumel alles«ögUche aussagen. — Die Zeugin soll geladen werden. Ts sollen dann einige über en vernommen werden, die Vorgänge unmittelbar vor der Tat Aussagen machen sollen. Frau G o t t s ch a l k wohnt im Hause Ackerstraße 130 im Seiten- flügel im Keller. Am 9. Juni, dem Tage des Mordes, hat sie, wie sie aussagt. Berger vormittags gegen 11 nach Hause kommen sehen. Sie hat am Fenster gesessen und Berger hat sie gegrüßt Berger ging in die Liebetruthsche Wohnung. Etwa 20 Mmuten spater ist die Schwester des Angeklagten. Frau Walter, gekommen. Zu dieser hat sie gesagt, daß oer Bruder oben sei und wahrscheinlich sich schlafen gelegt habe. �.-,.. � Rechtsanwalt Bahn: Diese Zeugm hat semerzett bei der Polizei eine ganz phantastische Anzeige gemacht, wonach sie den Lenz für den Mörder erklärte und ausstihrlich mitteilte, daß Lenz bei der Frau Feige wohne, diese dem Lenz behülflich gewesen sei. daß Frau Feige eine Tante habe, die ein 13iähriges Mädchen habe, durch dieses doch den sei die Lucie dem Lenz zugeführt worden jc. jc. Das sind Phantasien gewesen.-- Zeugin: Ich habe nur meine Wer- mutunaen mitgeteilt.— Bert.: Sie beschuldigen doch aber den Len* durch diese Mitteilungen des Mordes. Das ist doch sehr leicht- fertig 1— Präs.: Nun, wenn in einem Hause ein Mord passiert. liegt es nicht sehr fern, daß die Leute auch ihre Vermutungen der Polizei mitteilen. Der Verteidiger glaubt, daß diese Zeugenaussage doch beweise, daß in dieser Sache unendlich viel geredet worden sei, so daß die Zeugen gar nicht mehr wissen, was sie gehört oder selbst erlebt haben. Die nächste Zeugin ist Frau Walter, die Schwester des An- g«Nagten. Sie behauptet, daß cS zwischen Vz12 und 12 Uhr gewesen sei, als sie am 9. Juni ihren Bruder besuchte und vorher bei Frau Gottschall vorsprach. Als sie die Tür der Liebetruthsche» Wohnung aufmachen wollte, sei ihr schon der Hund entgegenaesprungen. Ihr Bruder habe sie gebeten, ihm doch Kartoffeln und Hering zu besorgen. Sie habe denn auch das Haus wieder verlassen, um Hering zu kaufen. Als sie auf die Straße kam sei es 12 Uhr gewesen, denn die Arbeiter der Fabrik von Kehling u. Thomas hatten gerade Mittagspause. Sie will dann etwa eine Stunde in der Liebe- truthschen Wohnung gewesen sein. Kartoffeln gekocht und dann etwa u in 1'/. Uhr ihren Bruder verlassen haben. Trotz der Vorhaltung, tiß sie sich in der Zeit doch wohl irre, bleibt sie bei ihrer Zettangabe. ie behauptet, daß ihr Bruder ganz vernünftig gesprochen habe, meint aber, daß er doch angettunken gewesen sei, denn er hatte ihr erzahlt, daß er die Nacht durchgegangen sei.— Der Verteidiger lägt sich von der Zeugin bestätigen, daß man eS ihrem Bruder gar nicht ansehen konnte, wenn er angetrunken gewesen; im Gegenteils sei er dann immer ganz gerade gegangen, so daß man in solchem Fall zu sagen pflegte:.Berger geht heute wieder gerade."— Die Zeugm bekundet iveiter, daß ihr Bruder damals einen schwarzen FilZhut und einen noch ziemlich neuen Jackettanzug trug. ,, t Rechtsanw. Bahn: Ist der Zeugin bekannt, daß ihr Bruder schon im März die Absicht der Heirat gehabt und sich damals schon seinen Taufschein besorgt hat? Er tonnte aber die Liebetruth damals nicht heiraten, da er damals gesucht wurde und sich nicht selbst angeben konnte.--- Zeugin: Jawohl. Mein Bruder hat schon im März gesagt:.Ich heirate jetzt mein Hannchen I" Sehr ausführlich wird alsdann Frau Berlin, die Mutter der Ermordeten, vernommen, nachdem der Vorsitzende ihr nahe gelegt, daß sie trotz ihres begreiflichen großen Schmerzes nichts als die Wahrheit sagen möge. Frau Berlin bekundet: Meine Luci« war ein liebes, süßes Kind, welches sehr gefällig ivar, aber mrt ftemden Leuten nicht mitging. Noch etwa acht Tage vor dem Morde, zu der Zeit, als an den Säulen bekannt gemacht war, daß ein zerstückelter Frauenleichnam im Wasser gefunden war, hatte ich zu dem Kinde gesagt: Lucie, gehe niemals mit einem fremden Manne mit. Da hat das Kind, welches von jener Mordtat hatte sprechen hören, geantwortet:„Muttt, so dumni bin ich nicht, denn da schneiden sie mir den Kopf ab und werfen mich ms Wasser 1* Ich hatte ihr dann auch auf die Seele gebunden, daß, wenn ihr derartige« passieren sollte, daß ein Mann sich ihr verdächtig nähere, sie laut um Hülfe schreien sollte. Schon im Winter, als sie ausgeschickt worden war, um Petroleum zu holen, ist sie ängstlich zurückgekommen und hat.Muttt I' laut geschrien, iveil sie Angst vor einem Manne hatte. Sie ging nur mit jemand niit, den sie kannte. Die Lucie war ein frisches Kind, mit roten Backen, blauen Augen und hellem Haar und körperlich gut entwickelt. Am v. Juni war ich vormittags zu einer Frau Köhler gegangen, um ihr zu helfen. Zigarrenwickel zu machen. Borher hatte ich meiner Lucie gesagt, daß sie nachmittags etwa um 3 Uhr mit mir nach der Leipzigersttaße gehen solle. Als ich Frau Köhler verließ, bat diese, daß dre Lucie ihr doch etwas Karbonade einholen möchte, und ich sagte ihr dies zu. WS ich gegen 11 Uhr auf den Hof Acker- "0 kam. spielte die Lucie«it dem Himde. Ich sagte ihr: Lucie. Du sollst etwas einholen, worauf sie sagte: Mutti, ich koinme gleich I Ich ging dann hinaus zu meiner Wohnung und das Mädchen kam nach. Als ich die Treppe hinaus» kam. sah ich Berger auf dem Flur stehen. Er stand da ohne Jackett. im weißen Hemd, ohne Hut. Wie ich mich dann noch einmal um» drehte, stand Berger mit einer Frau sFrau Walter), beide sahen durch da« Flurfenster nach dem Hofe und sprachen und lachten. Dann kam Lucie oben, holte sich eine Tasche und ging aus, um für mich Eier und geriebene Semmel zu holen. Das Kind kam bald straße 180 ein wieder und ich.�schickte sie dann zu Frau Köhler, um für diese die Karbonade einzuholen. Sie mußte bis über den Garten- platz fort gehen.\ Um 12 Uhr kam sie wieder und sagte fteudestrahlend:„Mutti, Frau Köhler hat mir 20 Pfennig geschenkt i kann ich mir dafür Bonbons kaufen?" Ich gestattete es, sie kaufte sich Bonbons und kam bald wieder. Ich sagte ihr dann, sie sollte Vater, der von der Arbeit kommen mußte, entgegengehen, da kam aber der Vater auch schon herein. Er war etwas übellaunig, weil er bei der Arbeit Verdruß gehabt hatte. Wir haben dann gegessen, Lucie hat Karbonade und Kartoffeln gegessen, aber nicht Gurkensalat. Um 3/4l Uhr ging der Vater, der in der Gerichtstraße arbeitet, wieder weg, und mit Rücksicht auf die Mißstimmung des Vaters beauftragte ich die Lucie, doch nachzusehen, Ivo der Vater lang gehe. Sie kam bald wieder und sagte, daß der Vater nach der Gerichtstraße gegangen sei. Kurz nach 1 Uhr holte sich Lucie den Klosett- schlüssel. Da sie an den Riegel nicht heranreichte, mußte sie etwas hoch- springen, sie hopste zweimal hoch und nahm, wie ich später sah, auch den Korridorschlüssel mit. Das Klosett liegt eine halbe Treppe höher; als meine Tochter dorthin ging, war eS etiva zehn Minuten nach 1 Uhr, meine Lucie sah ich dann nicht mehr lebend wieder. Um Uhr kam mein Sohn Bruno von der Arbeit nach Hause, er kam fast immer pünttlich um diese Zeit. Wir aßen nun zusammen Karbonade und Kartoffeln. Als mich mein Sohn ftagte:„Wo ist denn Lucie?" sagte ich ihm. sie wäre nach dem Klosett ge- gangen. Da sie schon viel zu lange fort war, wollte ich sie holen. Auf der Treppe sah ich jedoch, daß kein Schlüssel in der Klosetttür steckte: ich ging wieder in meine Wohnung. Plötzlich sagte mein Sohn zu mir:„Sieh mal, Mutter, Lucio spielt ja dort auf dem Hofe." Ich ging mit Bruno die Treppe hinunter, wo ich mit der Seiler zusammentraf. Ich rief nach dem Hofe hinein: „Lucie, weshalb kommst Du denn nicht oben?", Jetzt erst bemerkte ich, daß das Kind gar nicht meine Lucie war, sondern die in demselben Hause wohnende Grete Schreiber. Ich fragte das Kind, ob es nicht Lucie gesehen habe. Es antwortete, Lucie fei mit zwei Kindern vom Hof gegangen. Ich konnte dies nicht glauben, da Lucie dies nie getan hatte und höchstens nur auf dem Hofe Ball spielte, wenn ich ihr nicht besonders erlaubt hatte, fortzugehen. Ich ging dann wieder hinauf, es wurde mir mit einem Male so furchtbar Angst, ich hatte so ein eigentümliches Gefühl, zumal mir eine andere Frau, welche kurz vorher die Ackerstraße entlang gegangen war, sagte, sie habe die Lucio auch nicht gesehen. Gegen 2 Uhr kam ein Leiermann — ob dies der Zeuge Schöneberg ist, kann Zeugin nach Gegenüber- stellung nicht sagen— bei welchem die Kinder wie immer tanzten, meine Lucie war ii.cht dabei. Ich stellte mich an das Flur fenster und wartete; ich weiß nicht, wie es kam, ich fing an weinen, meine Angst wurde immer größer, dabei hatte ich so eigentümliches Gefühl.— Vorsitzender: Welchen Weg hat denn Ihr Sohn?— Zeugin: Der kam auch vom Gartenplatz wie die andere Frau. Mein Sohn hat aber meine Lucie auch nicht gesehen. Gegen 4 Uhr ging ich zu einer in demselben Hause ivohnhaften Frau Prötzel und erzählte ihr. daß ich mich so sehr ängsttge, Lucie sei nach dem Klosett gegangen und nun schon seit drei Stunden vor» schwunde». Bei Frau Prützel blieb ich bis nach 6 Uhr.— Vorsitzender: Wie war denn die kleine Lucie gewöhnlich bekleidet, insbesondere am Tage ihres Verschwindens?— Zeugin: Sie trug rotbraune Knöpfstiefel, wollene Strümpfe, rotseidene Strumpf- bandet und auch am Tage ihres Verschwindens ein goldenes Medaillon um den Hals. Außerdem trug sie einen rötlichen, ge» strickten wollenen Unterrock, den sie fast immer an hatte; ferner ein Weißes Leibchen und Leinenhemd und Beinkleid.— Auf weiteren Vorhalt des Präsidenten erklärt die Zeugin weiter: Sie selbst habe die Liebetruth nur vom Sehen gekannt, die Lucie kannte diese besser. da sie öfter für sie einholte. Lucie hat auch öfter mit dem Hund gespielt und kannte den Berger. Sie sagte manchmal: Der Onkel ist sehr gut! Ob Berger je allein mit der Lucie zusammen war, weiß sie nicht.— Der Verteidiger laßt sich genau be schreiben, wo der Unterrock, das Kleid und die Stiefel der Lucie gekauft waren. Ferner stellt der Verteidiger fest, daß ein Mädchen. Grete Schreiber, der Frau Berlin am Abend des Mordtages er- zählt hatte, die Lucie sei gar nicht aufs Klosett gegangen, sondern sich hinter einen Pfeiler gestellt habe und sei dann herunter gerannt. wobei sie die kleine Schreiber beiseite gestoßen habe.— Ferner gibt die Zeugin auf Borhalt des Verteidigers zu, daß auch sie seiner- zeit Verdacht aus Lenz gehabt habe, weil man ja allgemein immer wieder sagte: Lenz sei der Täter. Berger habe gesagt, er werde den Lenz suchen und Berger habe dann auch immer mehr den Verdacht geschürt. Die Zeugin erzählt dann einen Vorfall, wo bei einer gemeinsamen Unterredung über den Mord Berger ganz bestimmt behauptet haben soll: Lenz habe das Kind nach dem Tunnel unter der Stettiner Bahn gebracht und dort an eine Frau Feige aus- geliefert, wo ein Mann Kufahl wohnte und wo das Kind ermordet worden sei. Diese Behauptung bringt Berger in die höchste Erregung, er erhebt sich plötzlich und schreit die Frau an, indem er mit dem Finger droht:„Frau! Sehen Sie mich doch mal an I So was behaupten Sie hier? Gehen Sie nicht zu weit! Bergessen Sie sich nicht! Wie können Sie so was sagen?"— Der Vorsitzende muß ihn wiederholt nachdrücklichst zur Ruhe verweisen.— Frau Berlin bleibt trotz aller Vorhalttmgen bei ihrer Behaup Zeugin Liebetruth erklärt, daß sie eine derarttge besttmmte Bemerkung von Berger bei jenem Gespräch nicht gehört habe. Man habe sich nur allgemein über verschiedene Möglichkeiten unterhalten. Es entsteht eine längere Auseinandersetzung zwischen dem Ver- leidiger und den Zeugen, wer zuerst den Verdacht auf Lenz gelenkt habe/ Kriminalkommissarius Wannowsky bekundet, daß zwei Sittenbeamte, welche bei der Liebettuth gewesen sind, ihm mitgeteilt hätten, daß diese gesagt hätte. die ganze Be- schreibuna passe doch auf Lenz. Berger selbst sprach sich bei seinen Vernehmungen so belastend gegen Lenz aus. daß ihm dies auffiel, da sonst in derartigen Kreisen die Betreffenden fest zu einander halten. Gerade diese auffallend schwere Belastung des Lenz durch Berger habe ihn schließlich stutzig gemacht und ihm den Berger verdächtig erscheinen lasten.— Dem widerspricht der Ber- leidiger und sucht durch viele Fragen nachzuweisen, daß der Verdacht gegen Lenz zuerst durch die Kriminalbeamten bei der Frau Berlin angeregt sei. Frau Berlin bleibt dabei, daß dies zuerst von der Liebetruth bezw. dem Berger geschehen sei. Mittagspause. Zeuge Zigarrenmacher Friedrich Berlin bestätigt im allgemeinen die Aussage seiner Ehefrau. Als er von der Arbeit zurückkehrte und von dem Verschwinden deS Mädchens hörte, ist er zu allen möglichen Verwandten und Bekannten gelaufen, um zu sehen, ob die Lucie etwa dort sei. Aber eS war vergeblich. — Vors.: Pflegte Ihre Tochter Sie nicht davon in Kenntnis zu setzen, wo sie hinging?— Zeuge: Das tat sie immer, dazu war sie viel zu gut erzogen. Auch wäre sie nie mit einem fremden Manne mitgegangen, ich habe ihr dies ganz besonders eingeschärft. Ich glaube auch nicht, daß sie mi, einem fremden Manne mit- gegangen wäre, der ihr dann Bonbons oder Obst getauft hat.— Vors.: War Ihre Tochter für ihr Alter besonders stark entwickelt? — Zeuge: Jawohl, sie machte den Eindruck einer Njährigen und war auch für ihr Alter schon ziemlich groß, sie ging mir gerade bis an das Kinn.— Auf Vorhalt des Vorsitzenden erklärt Zeuge, daß ihm bekannt war, daß Lucie B. öfter für die Liebetruth und für die Seiler Besorgungen gemacht habe. Das Kind habe ihm auch öfter erzählt, daß sie für„Onkel" etwas einzuholen habe. Die Kleidung der Lucie schildert Zeuge genau wie seine Ehefrau.— Vors.: Nachdem Ihre Nachforschungen nach Ihrer Tochter ver- geblich gewesen waren, was machten Sie dann?— Zeuge: Ich ging zur Polizei und meldete das Verschwinden meiner Tochter. Am Freitag mußte ich wieder zur Polizei kommen, erst am Sonn- abend teilte man mir mit, daß in der Spree ein Rumpf gefunden worden sei.— Zeuge schildert nun, wie er von Kriminalbeamten nach dem Fundort geführt wurde und den Rumpf in einem Kahn liegend fand. Er hat sofort an dem roten Unterrock und einem schwarzen Achselstück gesehen, daß es der Rumpf seiner Tochter war. Auch an den Kleiderresten, die an den aufgefundenen Armen vor- Händen waren, hat er die Identität seines Kindes festgestellt. Bruno Berlin, der Ibjährige Bruder der Lucio, erklärt, daß er in der Neuen Hochstraße bei einem Kaufmann arbeitete und am 9. Juni etwa um 1i4 Uhr zu Hause angekcnnmcn sei. Als er wieder zur Arbeit gehen wollte, habe die Mutter ihm gesagt, er solle die Lucie holen, sie sei aber auch gleich nachgegangen. Unten habe er Grete Schreiber stehen sehen und diese zuerst für feine Schwester gehalten, weil sie ähnliche Kleider trug. Abends habe er dann gehört, daß Lucie verschwunden sei. Alles Suchen nach ihr war vergeblich. Er habe sich auch dabei beteiligt. Als er wieder auf der Rückkehr war, will er gesehen haben, daß ein fein gekleideter Mann mit einem Strohhut, mit einem ihm bekannten Hunde in das HauS Ackeritraße 130 g,ng. Frau N ö l t e wohnt unter der Liebetruthschen Wohnung. Ihre Küche liegt genau unter der Liebetruthschen. Außer ihrem Mann war auch noch eine Frau Thamm am 9. Juni gegen mittag bei ihr in der Küche. Sie hatte sich mit ihrem Manne, der als Schneidermeister am nächsten Tage Sachen abliefern sollte, gezankt und sich aus kleiner Chikane etwas aufs Bett in der Wohnstube gelegt. Als Frau Thamm gekommen und nach ihr gefragt habe, habe ihr Mann scherzend gesagt:„Meine Frau schläft, aber sie wird bald'rausfallenl" Als sie dann wieder aufgestanden und in die Küche gegangen war— es war etwa 1% Uhr—, habe man ein Gepolter und einen Fall in der Liebetruthschen Wohnung gehört. Sie hat darauf den Scherz ihres Mannes aufgenommen und gesagt: „Nun fällt wohl Hannchen aus dem Bett!" Der Fall war nicht besonders kräftig, dann hörte man noch zwei kleinere Polier- geräusche. Der Verteidiger, der schon der vorigen Zeugin manche Momente vorgehalten hatte, die deren Wahrnehmung als unwahr- scheinlich und ganz unsicher hinstellen sollten, sucht auch der Frau Nölte gegenüber auszuführen, daß auch diese Bekundung einen besonderen Wert unmöglich haben könne. Frau Thamm bestätigt die Aussage der Frau Nölte. Der Fall, der aus der Liebetruthschen Küche kam, sei holperig, stolperig gewesen, als wenn jemand über die Schwelle gestolpert und hingefallen wäre. Sic könne nur sagen, daß es ein Fall gewesen, der nicht mit einem Male zu Ende war. ES war so, alS ob noch Arme nachklappten.— Der Verteidiger weist auch hier darauf hin, daß nach seiner Ansicht die heutige Aussage der Zeugin mit der Aussage vor dem Untersuchungsrichter nicht überein- stimme. Er hebt außerdem hervor, daß es in einem so bevölkerten Hause doch schwerlich so ganz still sei, daß der Zeugin ein solches Fallgeräusch aufgefallen sein könne. Das Geräusch habe doch auch von balgenden Kindern herrühren können. Die Zeugin bleibt aber mit Bestimmtheit bei ihrer Aussage.— Rechtsanwalt Bahn behält sich vor, einen Sachverständigen zu laden, daß es unmöglich ist, mit solcher Bestimmtheit zu sagen, aus welchem Räume ein der- artiges Geräusch kommt. Das Geräusch mußte doch den Zeugen zunächst auch höchst gleichgültig gewesen sein. Schneidermeister Nölte bezeichnet den Fall, den er gleich- fall» in der Liebetruthschen Kiiche gehört, als einen dumpfen; eS fei so gewesen, als wenn jemand stolperte und hinfiel. Als nach einer Zeitungsnachricht Berger verhaftet wurde, hat sich der Zeuge diese» Falles erinnert und zusainmen mit seiner Frau und der Frau Thamm festgestellt, daß sie ihre Wahrnehmungen am 9. Juni gemacht hatten. Als er am nächsben Tage um 3 Uhr morgens auf- stand, weil er Arbeit abliefern mußte, sei er auf das Klosett gegangen und habe von dort gehont, daß jemand vom Parterre zum oberen Stockwerk hinaufging. Es sei ihm dann auch so gewesen, als ob jemand mit einem Schlüssel an ein Schlüsselloch stieß. Er hat dann, als er in seine Wohnmng zurückkehrte, Schritte in der Liebetruthschen Wohnung gehört umd seine Frau hat zu ihm gesagt: die da oben scheinen jetzt nach Hause zu kommen. Präsident: Wir haben heute eine Reihe von Zeugen gehört, die nach Ansicht der Anklase von besonderer Bedeutung sind. Ich möchte den Herrn Uwtersuchungsrichtcr fragen, wie er zu diesen Zeugenaussagen steht?— Rechtsanwalt Bahn: Das wäre nach meiner Ansicht ein Giutachten über einen allgemeinen Eindruck, den die Zeugen gemacht haben, aber keine Bekundung über positive Tatsachen.— Untersuchungsrichter M a ß m a n n erklärt auf Beftagen deS Präsidenten, daß die heute vernommenen Zeugen im Gegensatz zu den Kindern und einzelnen anderen Zeugen den Ein- druck machten, daß sie nur sagten, was sie wahrgenommen hatten und nicht phantastischen Vorstellungen nachjagten. Da der Angeklagte erklärt, daß er nicht mehr verhandlungSsähig ist, wird die Sitzung auf Rontag 9Vi Uhr vertagt. Roggen»"), gut« Sorte 14,00—00,00 M., mittel 00,00—00,00 M., geringe 00,00—00,00 M. Futtergerfte»), gute Sorte 16,90—14,80 M., mittel 14,70 bis 13,60 M.. geringe 13,60-12,60 M. Hascr»), gute Sorte 16,60-16,60 M.. mittel 16,50-14,60 M.. geringe 14,60-13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00—30,00 M. Speisebohnen, weiße 60,00—30,00 M. Linsen 60,00—30,00 M. Kartolleln 9,00-7,00 M. Richisiroh 4,66-4,32 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80—2,20 M. Eier per ») Frei Wagen und ab Bahn.'») Ad Bahn. eu 8,90-7,40 M. ock 4,80-3,20 M. Wasserstand am 16. Dezember. Elbe bei Aussig+ 0,60 Meter, bei Dresden— 0,86 Meter, bei Magdeburg+ 1,78 Meter.— U n st r u t bei Straußlurt-s- 1,40 Meter.— Oder bei Ratibor+ 2,42 Meter, bei Breslau Ober- Pegel-s- 6,12 Meter, bei Breslau Unter- Pegel 4- 0,60 Meter, bei Frantsiirt+ 2,03 Meter.— Weichsel bei Brahemünde— Meter.— Warthe bei Posen+ 0,78 Meter.— N e tz e bei Usch— Meter. WttternngSüberftcht vom>7. Dezember lSV4. morgen«» Uhr. Stattonen Swinemde tamburg eriin ranks.a.M. Ä Ii 8« ünchen Wien 766 SW 767 WSW 769 SW 773 SW |774i>eO 1 775 1 Still Setln 3bedeckt 4'bcdcckt 2 bedeckt 2Rcgen 2wollig Oroallenl w« c t- #11 8* wa 7 9 6 8 2 1 Stationen aranda 7481® etersburg 762 SW S 3 "-c etat) Aberdeen Paris 763 S�vW 753© 772:@®8 Setter 4 Schnee 1 bedeck« SwoMg 3ved«cki 2 bedeckt iöck n w & -3 1 11 11 10 Wetter-Prognose für Sonntag, den 18. Dezember Ivo«. mlilb warm, teilweise heit mäßigen südwesllichett Winden. Ziemlich warm, teilweise heiter, aber veränderlich mit etwas Regen und aßigen sü-------- Berliner Wetterbilrenu. Warenhaus M. Löwinsohn Nachf. S. Müller Andreasstrasse 28. Am Andreasplatz. BERLIN 0. Am Andreasplatz. Grüner Weg 32-33. Sonntag, Montag: Umsonst 1 Tasse Mousis- Bouillon mit Salzstange. IF Sonntag bleibt mein Geschäft bis abends 8 Uhr geöffnet. Doppelte Marken! . • von von an von Erst prüfen, bevor Sie kaufen! Extra herabgesetzte Preise! an an • 5.75 Sammete, kariert und gestreift... 95 Pf. 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Bei der Kaufmannswahl in Leipzig wurden 3406 gültige Gehülfenstimmen abgegeben; davon erhielt die Liste der BuchhändlerOrganisation sowie der Deutschnationalen 2065 gleich 18 Beisitzern, die Liste von 9 Vereinen und allen Verbänden 948 gleich 8 Beifibern und die Liste des Zentralverbandes und der Lagerhalter 393 gleich 4 Beisitzern. Wahlberechtigt waren 4017 Gehülfen. Wann ist der verdiente Lohn zu fordern? Am 12. d. M. Klagte vor der 1. Kammer des Berliner Gewerbegerichts ein Kutscher gegen die Inhaberin einer Wäscheanstalt 19 M. Restlohn ein. Dem stand eine Gegenklage der Firma wegen eines abhanden gekommenen Korbes mit Wäsche gegenüber. Der Kutscher wurde mit seiner Klage abgewiesen, weil wegen nicht rechtzeitig gefordertem Lohn Aufrechnung des Schadens gegen den Restlohn für zulässig angenommen wurde. Es wurde folgendes festgestellt: Der Kutscher war an einem Mittwoch früh plöblich entlassen worden. Er erhielt seine Papiere, forderte aber nicht sofort den rückständigen Lohn, sondern wartete damit bis zum Sonnabend, da dieser Tag als Lohnzahltag zwischen den Parteien vereinbart war. Der Vorsitzende Dr. Leo führte begründend aus: Es sei gleichgültig, ob der Kläger entlassen oder selbst gegangen sei, immer sei der Lohn sofort nach Lösung des Vertrages fällig. Der vereinbarte Zahltag komme deshalb nicht in Betrag, weil mit der Lösung des Arbeitsvertrages auch alle darin enthaltenen Bestimmungen nicht mehr als bestehend erachtet werden können. Da nun nach dem Gesetz der Lohn nach der Arbeitsleistung fällig werde, so sei derselbe auch sofort zu fordern; da der Kläger dies verabsäumt habe, sei Aufrechnung zulässig. Eingegangene Druckfchriften. Das„ Arbeiterrecht" von Artur Stadthagen. Komplett in 28 Liefe rungen a 32 Seiten. Preis pro Lieferung 20 Pf. Alle Woche erscheint ein Heft. Heft 10, 11, 12, 13 find foeben erschienen. Die Rechtsverhältnisse zwischen Arbeitgeber und Arbeiter erfahren durch systematische Darstellung der gültigen Rechtsregeln ist daher dringend erdie Gesetzgebung fortwährend eine erhebliche Umgestaltung. Eine forderlich, da selbst der Jurist bei der Fülle des neuen Rechtsstoffes faum weiß, was rechtens ift. Das Arbeiterrecht" von Artur Stadthagen bietet eine solche, von allen Fachleuten anerkannte, überaus flare, für jedermann verständliche Darstellung und bildet somit einen unentbehrlichen Führer durch alle Gebiete des Arbeiterrechts. Drei vollständig vergriffene Auflagen des jetzt in vierter Auflage vorliegenden Arbeiterrechts" zeugen von der Notwendigkeit dieses Buches für die erwerbstätige Bevölkerung. anwalt im Hause. Stadthagens Arbeiterrecht" ist ein billiger und zuverlässiger Arbeiter und originell ist. Die Karten und Kärtchen find von großer Sauberkeit und Klarheit. 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Diese Rede liegt nun drudDer Redner hat sich über die Trennung der Schule von der Kirche ausgesprochen, eine Frage, die schon an sich, aber insbesondere auch im Hinblick auf den sogenannten französischen Kulturkampf" zu den wichtigsten und interessantesten gehört. Theodor Fontane: Briefe an seine Familie. 2 Bände mit 2 Bildern und dem Facsimile eines Briefes. Preis 10 M. Berlag von Fontane u. Co., Berlin. M. Wartburger: Martin Luther, Lebensgeschichte des Reformators. mit 24 Bildern der Luther- Galerie. 79 Seiten. Geschenk- Einband 10 M. Historischer Verlag Baumgärtel, Berlin W. 30, Ballasstr. 9. Muser, Oskar: Der Stampf um die Schule.( Flugschriften der deutschen Volkspartei, Heft 7.) 8° 3 Bogen. Preis 60 Pf. Frankfurt a. M. J. D. Sauerländers Berlag. Feuerbach, Ludwig: Das Wesen des Christentums. Leipzig. Freytags Welt- Atlas. Ein geographisches Taschenbuch für jedermann. Verlag G. Freytag u. Berndt. Wien und Leipzig. Der Welt- Atlas enthält 55 Haupt- und 32 Nebenkarten. 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