Nr. 299, Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljahrt. 3,30 Mr., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Postelbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Solonel geile oder deren Raum 40 ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die moderne Sklaverei Mittwoch, den 21. Dezember 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. 14tägige Löhnung haben, sowie Vorarbeiter 2c. Weiter wird ein Jahrespensum von 310 Tagen, also 3100 Arbeitsstunden das Lohnbild start beeinträchtigt durch die Verschiedenheit der in Ansak gebracht. Dadurch ist das Verhältnis zwischen unter dem rheinisch- westfälischen Fabrik- Löhne. In der Großindustrie ist das Kolonnen- oder Männer- normaler Arbeitszeit und den effektiv geleisteten Arbeitssystem sehr stark verbreitet, z. B. in Konstruktionswerkstätten, stunden sehr beeinflußt, die Spannung erscheint geringer als Fendalismus. Schlossereien und durchweg in den Feuerbetrieben. Im all- fie in Wirklichkeit ist. Und wie ist das Resultat? Die industriellen Verbände haben auch in diesem Sommer gemeinen finden wir bei diesen Systemen folgende Lohn- Nach dem Rechnungsmodus der Berufsgenossenschaften würden Die industriellen Verbände haben auch in diesem Sommer verhältnisse: der erste Mann bezieht 7 M., der zweite Mann wir annähernd an die von dieser ermittelten Jahreslohnwieder gegen jede Beschränkung in der Plünderung der Arbeits- 5 m., der dritte und vierte Mann, die in der Hauptsache die summe herankommen trok Ausschaltung der Beamten. kraft dukendfach resolviert. Ihr Hauptargument ist die angeblich gefährdete Stonkurrenzfähigkeit der Industrie. Das schwere Arbeit vor dem Feuer zu verrichten haben, werden auch noch ein Beweis dafür, daß wir eher zu günstig als zu mit drei Mark abgespeist! Wie stellt sich nun die Rechnung? ungünstig hier die Plünderer zeichneten. Trotz all der Zentrum hat mittlerweile seine platonische Liebe für Arbeiter- Die vier Personen erzielen zusammen pro Tag 18,00 m. oder mildernden Umstände entfällt auf den Kopf der Arbeiter für schutz wieder durch eine Interpellation über den Zehnstundentag im Durchschnitt pro Stopf 4,50 M. Die Hälfte der in die Be- die Dauer der Jahre eine tägliche Arbeitszeit von bekundet. Diese" Volkspartei" betätigt ihr ſozialpolitisches Gewissen zunächst im- Warten. Läßt sich eine sozialpolitische rechnung eingeschlossenen Personen müssen sich aber mit% 11,35 Stunden bei 310 Arbeitstagen im Jahre oder eine Forderung gar nicht mehr umgehen, dann springt das Zentrum der angegebenen Durchschnittslöhne begnügen. Mit dem Hin- Jahresleistung von 3520 Stunden und ein Stundenlohn von plötzlich vor und nimmt den Arbeiterschutz in Erbpacht. Dieses weis auf Durchschnittslöhne kann man diese Leute aber nicht 35% Pf.! fatt machen. Schaukelspiel der schwarzen Volksmannen hemmt die Fort- Das zweite, ja das Hauptmoment, welches bei Angabe führung der Sozialpolitit oft mehr, als das durch scharf der Jahreslöhne verheimlicht wird, sind die Arbeitszeiten, macherisches Geschrei geschehen kann. Wie haltlos die Salbadereien über bedrohte Stonkurrenz fähigkeit speziell für die rheinisch- westfälische Eisen Großindustrie sind, beweisen die finanziellen Ergebnisse der großen gemischten Werke. Sieben, die per Juli das Geschäftsjahr schließen, haben nach einer Aufmachung in der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" folgende Ergebnisse zu ver" 1 zeichnen: Gesellschaft Attienkapital Rohgewinn p. 100 M. Anlage pro 1903/4 Sind das nicht glänzende Arbeitsverhältnisse"? Dabei haben wir noch viel zu rosig gemalt! Nur in wenigen Fällen tonnten wir Lohnnachweisungen von Personen mit großer die Ueberschichten, mit deren Hülfe die Durchschnitts- Schichtenleistung erlangen. Das erklärt sich schon aus dem einkommen erzielt werden müssen. Eine Betrachtung über Umstande, daß organisierte Arbeiter- nur an solche konnten die Arbeitszeiten korrigiert das Lohnbild und legt Zustände wir uns wenden bekanntlich im allgemeinen nur gezwungen offen, die Leo Tolstoj für Rußland als moderne Sklaverei be- Ueberschichten machen. Sodann sind dies auch in der Regel die zeichnet. Aber wir leben ja im Staate der besten Sozial- intelligentesten und geschicktesten Arbeiter, die gewöhnlich die politik und da gehört das zügellose Ueberzeitarbeiten zu den besseren Löhne erzielen. Läßt man die relativ besonders Wohlfahrtseinrichtungen. Die Ermittelung der tatsächlichen günstigen Ergebnisse von Strupp außer Berechnung, dann erVerhältnisse ist außerordentlich schwierig weil die Unter- geben sich nehmer alle Angaben darüber streng geheim halten. Das einwandfreieste Material bilden die Lohntüten, aber diese sind Dividenden nicht leicht zu erlangen. Gewöhnlich werden die Tüten vernichtet; wo das nicht geschieht, scheuen sich die Arbeiter, aus mancherlei Gründen, die Belege aus der Hand zu geben. 1902/3 1908/4 W. Mr. Bochumer Verein 25 200 000 25,33 7 Gutehoffnungshütte 19 500 000 18,26 20 Hörder Verein 27 028 000 15,49 4 Hoesch 15 000 000 22,12 8 35 000 000 19,33 8 28 000 000 12,52 8 9 11 500 000 80 30 Phönig. Rheinische Stahlwerke Aachener Hütten- Att.- W. 28,44 1882840 Die 7 Gesellschaften mit einem Kapital bon 161228000 m. ezielten in den letzten zwei Jahren einen Bruttogewinn von über 73% Millionen Mark, das sind 45 Proz. des Aktientapitals. Trotz der enormen Abschreibungen von 32753 347 M., gleich 20 Proz. vom Aktienkapital, konnten noch die angeführten bescheidenen Gewinne" in Gestalt von Dividenden aus geschüttet werden. Daß das Mätzchen von der bedrohten Konkurrenzfähigkeit bald durch ein anderes durchschlagendes" Argument ersetzt werden muß, scheint auch der bekannte Herr Bergrat Bernhardi, Generaldirektor der Bergwerksgesellschaft Georg v. Giesesche Erben- Breslau, herausgebracht zu haben. In einer Festschrift, zum 200jährigen Bestehen des Unternehmens herausgegeben, argumentiert der genannte Herr gegen weitere Beschränkung in der Ausbeutung der weiblichen Arbeitskraft in der Hüttenindustrie also: Eine eifrige Sammlung von Lohntüten ermöglichte schließ lich aber doch, ein typisches Bild von den Verhältnissen zu entwerfen. Die Ermittelungen erstrecken sich für die Großindustrie auf 36 Personen mit einer Gesamtarbeitszeit von über zehn Jahren. Von einzelnen Leuten liegen Lohnnachweise für längere Zeit bis für zwei Jahre vor, dann wieder sind für eine Lohnperiode eine größere Anzahl von Nachweisen vorhanden. Man kann daher mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß die Ergebnisse ein typisches Bild geben. In der nachstehenden Tabelle sind die jedesmal für einen Arbeiter nach den vorliegenden Nachweisungen in Betracht kommenden regulären Arbeitsstunden, die wirklich geleisteten Arbeitsstunden, die Lohnfumme und die sich ergebenden Stundenlöhne zusammengestellt. Firma Henschel u. Sohn, Henrichshütte, frih. Union- Dortmund " " Die allerdings häufig mit etwas Anstrengung verbundene törperliche Arbeit ist eben für die Entwickelung auch des weiblichen Körpers dienlicher als eine mehr sigende Lebensweise, und wenn Hoesch Dortmund eine falsch verstandene Arbeiterfreundlichkeit erst dahin gekommen sein wird, alle Arbeiten, die Straftanstrengung verlangen, für das weibliche Geschlecht zu verbieten, dann wird das kommende Geschlecht unter dieser Anordnung zu leiden haben, und die natürliche Zunahme der Bevölkerung wird aufhören." Das nur zur Illustration, um zu zeigen, wie man der Logik und aller Erfahrung Gewalt antun muß, um aus Gründen des Allgemeininteresses verbesserten Arbeiterschutz bekämpfen zu können. T Reguläre Arbeits Stunden Wirklich geleistete Arbeitsstund. 2643 Lohnfumme Mt. Stun den lohn f. Beruf des Arbeiters Zagesarbeitszeiten von 12,4 Stunden Jahresleistungen 3844 31,8 f. Stundenlöhne " und " Es würden noch viel standalösere Zustände sich ergeben, stellte man die Ergebnisse einzelner Betriebe zusammen. Es wurden von einzelnen Leuten geleistet 292, 301, 302, 327, 840, 342 288, 298, 303, 316 Januar Februar März 290, 291, 306, 316, 324 April 295, 299 285, 291 Juni 290, 290, 297, 299, 305 Mai Juli 290, 297, 298, 300, 306, 324, 407 Auguft 306, 316, 318, 332, 372, 393 September 281, 284, 288, 322, 335, 376 Ottober 289, 306, 817, 327, 365, 390 November 305, 311, 320 Stunden. " " " " Das sind durchaus keine Ausnahmen! Auf dem Hörder Verein, bei Hoesch, auf der Union, auf dem Bochumer Verein usw. werden vielfach noch 36 Stunden hintereinander gearbeitet; von morgens 6 Uhr bis zum andern Abend 6 Uhr in einer Tour durch. Ja, in einzelnen Fällen sind noch längere, ununterbrochene Arbeitszeiten fonstatiert. In der Steinfabrik auf dem Hörder Verein z. B. sind auch 40 Schichten im Monat geleistet. Bei 25 Arbeitstagen 15 Ueberschichten! Werden solche barbarische, die antike Sklaverei hinter sich Lassende Zustände endlich zu einem ernsthaften und energischen Vorgehen gegen die skrupellose Ausbeutung der Arbeitskraft führen? Der erschreckende Raubbau an der Arbeitskraft ist es, der die unheimlich hohe Unfall- und Krankenziffer in Dreher der Eisen- Großindustrie verschuldet. Die Eisen- Großindustrie Schloffer steht mit den Unfallziffern um zirka 80 Proz. über der Unfall? quote in dem gefährlichen Bergbau und die Krankenziffern Schloffer erheben sich um zirka 35 Proz. über den Reichsdurchschnitt! Maschinist Dabei ist der Zuftrom junger Leute und die Abwanderung Hochofenarb. älterer Leute sehr starf, was eine Verminderung der Krankenziffer zur Folge hat. Die beiden Zahlstellen des Metallarbeiterverbandes in Dortmund und Essen zählten bei einem Mitgliederstande von zirka 3000 in einem Jahre 1365 Bugereifte und 1904 Abgereiste. Leute über 40 Jahre alt werden auf den großen Werken nur in Ausnahmefällen eingestellt. Man will immer frisches Blut haben; trotzdem die enormen Krankenziffern! Schloffer Dreher Schlosser 340 780 484 898 169,35 35 1.820 2290 287,86 32 730,07 27 2 695 " " 470 499 " " 500 556 " 17 500 643 " 260 281 " 1 107,98 41 157,19 32 204,90 87 225,05 35 78,68 32 " 260 306 118,22 37 ? ? " Union 1 690 1984 637,88 33 " 260 362 140,86 39 " " " 500 547 206,17 88 " " 540 624 212,46 34 " " 270 290 " 98,65 31 " " 260 256 78,80 30 17 " Zuschläger 250 240 " " 74,12 31 250 239 " 71,66 30 " " 250 258 69,40 23 " " 260 255 " 780 966 " 79,47 33 270,48 28 2810 3 486 " 2530 2788 " 6.200 6 738 2 506,26 34 " 360 375 600 603 " " 267,78 442 120 123 45,51 37 " " 120 132 57,69 455 " " 120 122 54,90 45 " " 120 116 39,44 35 " " 1 300 " " 276 117,84 422 240 " " 256 95,39 3725 240 " 240 104,77 4828 240 254 " 115,46 451 " 600 629 " " 273,43 4312 3 650 " 17 1560 " Viel gefährlicher für soziale Bestrebungen als solche Stilübungen sind die schwindelhaften und irreführen. den Lohnangaben. Das gilt besonders für die Arbeiter in der Eisen- Großindustrie. Außer den Angaben der Berufsgenossenschaften gibt es für die Eiſenindustrie statistische Angaben über Lohn- und Arbeitsverhältnisse nicht. Eine Aufflärung über diese Verhältnisse wird mit Absicht verhindert. Nicht einmal die Handelskammern im rheinisch- westfälischen Hoesch Industriegebiet, die doch sonst alles wissen und die auch fleißig gegen Beschränkungen der Arbeitszeiten resolvierten und argumentierten, fönnen, nach ihrer eigenen Angabe, über die Krupp- Essen regelmäßige und die Ueberzeitarbeit auf den großindustriellen Werken Mitteilung machen. Die Essener Handelskammer fann aber ganz eingehende Angaben über die Lebensmittelpreise im Kruppschen Konsum veröffentlichen. Warum weiß man nichts über Arbeitszeiten? Weil man alle Veranlassung hat, diese Verhältnisse geheim zu halten! " 1 147,72 33 890,36 32 162,75 43/2 3 744 1517,07 40% 1590 479,45 30/6 Summa 32 340 36 688 12 889,52 Plazarbeiter Hochofenarb. " P Schloffer oder Dreher Es gibt kaum noch andere amtliche Statistiten, die mehr irreführend und falsch sind, als die berufsgenossenschaftlichen Lohnangaben. Durch die Angaben wird einem überwiegenden Teile der Arbeiter in der Großindustrie etwas in die Tasche gelogen. Auf die irreführenden Folgen der berufsgenossenschaftlichen Berechnungstechnik bei anrechnungsfähigen Löhnen und Vollarbeitern soll hier nicht eingegangen werden, es mag nur kurz auf zwei Momente, die das Lohnbild start beeinflussen, Ehe wir die Angaben weiter würdigen, seien noch einige Hinweisung erfolgen, zunächst die Einstellung der Beamten- Bemerkungen voraufgeschickt. Wie die Tabelle ausweist, haben gehälter und die Verschiedenheit der Arbeiterlöhne. wir Struppsche Glanzlöhne" in erheblichem Umfange in die In der Eisen- Großindustrie entfallen von der Gesamt- Tabelle eingestellt, sodann handelt es sich hier um Betriebe, belegschaft fast 10 Proz. auf die Beamtenschaft. Strupp hatte in denen wegen der Doppelschicht Ueberstunden nur in be3. B. nach einer Zählung vom 1. April 1904 bei insgesamt grenztem Umfange gemacht werden können. Weiter sind viele 45 289 Beschäftigten einen Beamtenstab von 4190 Personen. Fehlschichten bei der Feststellung der regulären Arbeitszeit Nicht eingerechnet sind dabei diejenigen Meister, welche nicht in Abzug gebracht. Endlich ist als reguläre Arbeitszeit " Die Zustände, die sich in der Eisen- Großindustrie ausgewachsen haben, sind unhaltbar, sie bedeuten eine allgemeine soziale Gefahr. Polizeibestialitäten in Petersburg. Dem„ Berliner Tageblatt" wird von Waldemar b. Beren= stamm, einem angesehenen Rechtsanwalt und Publizisten, geschrieben: Als ich am Dienstag früh in Berlin eintraf und die Zeitungen las, fand ich in allen Berichte über die am 11. Dezember in Petersburg am Newsti- Prospett borgekomme= nen Unruhen. Ich, der ich diesen furchtbaren Szenen beis gewohnt habe, war in nicht geringem Maße erstaunt, wie wenig man hier in Deutschland über die Sache erfahren hatte, und wie völlig unzulänglich und entstellt der durch die deutschen Zeitungen wiedergegebene amtliche Bericht der russischen Behörden war. Deshalb will ich versuchen, ganz objektiv und wahrheits. getreu das, was ich an Ort und Stelle selbst gesehen und gehört, darzustellen. Schon Mitte der Woche ging das Gerücht durch die Stadt, daß am Sonntag eine Rundgebung stattfinden solle. Es ließ sich aber zur Zeit mit Sicherheit nicht feststellen, ob die Demonstration etwa einen Brotest gegen den unpopulären Krieg oder vielleicht die Fordes rung einer Verfassung zum Gegenstande hatte, oder endlich ob sie die Verweisung des Plehwe- Mörders Sozonow vor das Geschworenen gericht bewirken sollte. Am Sonnabend wurde viel davon gesprochen, daß die Demonstranten ihre Absicht aufgegeben hätten. Zugleich aber wurde in den Zeitungen eine Bekanntmachung des Stadthauptmanns in Form eines Inserats veröffentlicht: die Fußgänger dürften nicht auf den Straßen beim Beginn von Unruhen stehenbleiben. Diese unbestimmte, nichtssagende Warnung habe ich 號 Keine Verfassung! erst später, am nächsten Abend gelesen.... Nun wollte ich meinem; Kampf mit der Polizei, bei dem mehrere Revolverschüsse auf diese p Sohne ein Buch kaufen und ging in die Stadt, wobei ich auch neu- abgegeben wurden. Die Polizei zerstreute jedoch mit blanker Waffe gierig war, zu sehen, was vorginge. Ich bestieg eine Droschke die Menge und nahm die Fahnen fort. Auch die in anderen Stadtund fuhr den Newski- Prospekt entlang. Als ich die Wolffsche Buch- teilen veranstalteten Kundgebungen wurden unterdrückt. Ernste Verhandlung erreicht hatte, fiel mir eine gewisse Erregung unter dem wundungen sind nicht vorgekommen, dagegen sind bei den DemonPublikum auf. Die meisten Fußgänger blieben auf dem Bürger- ftranten neun leichte Fälle von Verlegungen und bei den Polizisten steige stehen. Die Straßenbahnwagen waren vom Publikum über- zwölf Fälle festgestellt worden. Zwei der letzteren haben Schußfüllt. Sämtliche Augen waren nach der Richtung des Rathauses wunden erhalten. 43 Personen wurden als Hauptschuldige fest= gewendet. Im Nu übersah ich alles! Eine aufgeregte Menschen- genommen und werden wegen Verstoßes gegen die Verordnung über Die sonst menge, vom Rathause her eilend, drängte die Fußgänger vom Rat- Straßenaufläufe zur Verantwortung gezogen werden. Hause: berittene Gendarmen folgten ihr auf den Fersen und hieben noch verhafteten Personen wurden nach Unterdrückung der Unruhen mit blanker Waffe auf sie ein.... Der amtliche Bericht spricht nur wieder freigelassen. Gestern wurden die Versuche zu Unruhen er von Hieben mit der flachen Klinge. Eins fiel mir in dem Berichte neuert, jedoch von der Polizei verhindert, wobei 22 Personen in Haft besonders auf, es sind die Worte:" Die Polizei war ge= genommen wurden. zwungen, blank zu ziehen." Der Sinn dieser Worte ist mir wie auch jedem gebildeten Manne ein ganz bestimmter: Die Polizei ist nur etwa im Falle der Notwehr oder einer Verhaftung zur Waffe zu greifen berechtigt: der Säbel soll nie an Stelle der Nagajta"( Knute) gebraucht werden. Doch war dies hier der Fall. Es kann also von Notwehr der Gendarmen, die sie zum Waffengebrauch gezwungen hätte, in einem Falle wie diesem keine Rede fein, wo eine Abteilung berittener Gendarmen eine unbewaffnete Menschenmenge vor sich her trieb. Und in der Tat, wem lann von Fliehenden Gefahr drohen? Die Gendarmen ritten vorbei. Bald darauf sah ich einen jungen Stundenten, der von Polizisten geschleppt wurde. Ihm war ein Auge ausgestochen. Nie werde ich diese schaudererregende, blutende Wunde vergessen. Es zeigten sich, von Polizisten ge= führt, immer neue Gestalten, mit bleichen, blutbefleckten Gesichtern. Von diesem Anblick tief erregt, stieg ich aus der ist Droschke und näherte mich einem Bekannten, den ich auf der anderen Seite der Straße gehen sah. Höchst erregt von dem, was er gesehen und gehört, schilderte er mir die Vorkommnisse wie folgt: Als ich am Rathause vorüberging, hörte ich einen Gesang erschallen; von Neugier getrieben blieb ich stehen und erblickte am Bürgersteige neben der Katharinenkirche eine Menschenmenge, von der der Gesang ausging. Die Leute hielten eine rote Fahne hoch, ähnlich denen, die an den Straßenbahnwagen als Zeichen, daß alle Bläge befeht seien, ausgehängt werden. Die Fahne trug keine Inschrift. Während die Leute ganz ruhig weiter sangen, fam plötzlich im Galopp eine Gendarmerieabteilung geritten, die blant zog und auf das Publikum losstürzte. Wild unter den Säbelhieben aufschreiend, stob die Menge auseinander. Ich habe es mit eigenen Augen gesehen! Die Ruhe war in furzem wiederhergestellt," lautet der amtliche Bericht. Jawohl, die Ruhe! Abteilungen berittener Polizisten paradierten siegesbewußt dem Newski- Prospekt entlang. Vor der Rajankirche hielt die Polizei die Straße dicht befeht und ließ feine schlecht gekleideten Studenten und Studentinnen durch. " Als ich in die Michailowstajastraße gelangte, ertönte wieder ein Gesang. Ehe ich Zeit hatte, mich umzusehen, erblickte ich von neuem eine Abteilung berittener Polizisten, die sich auf den Bürgersteig stürzten und blindlings die Singenden und die ruhig einhergehenden Spaziergänger mit der Waffe bearbeiteten. Ich schmiegte mich an die Wand und blieb von den Reitern unberührt. Sie jagten vorbei, die Fußgänger zu Boden werfend. Es war eine schamlose Niedertracht, ein unerhörtes Verbrechen. " 1 War es wirklich, wie ein Berliner Lokalblatt es genannt hat, eine Jagd"? Entschieden nicht. Ein jeder Jäger verfolgt den Swed, das Wild zu erbeuten. Hier hatten die Jäger nur eines im Auge: ihre Beute möglichst zu mißhandeln. Run gingen wir in die Michailowskajastraße und wurden dort Beugen einer schauderhaften Szene. Die Schußleute griffen solche Studenten und Studentinnen aus der Menge heraus, die ärmliche Kleidung trugen, und sie fielen über sie her, indem sie die jungen Leute heftig ins Gesicht, auf den Kopf, den Hals und den Rücken schlugen. Mehrfach wurde eine Person von mehreren Schuhleuten geprügelt. Auch Geheimpolizisten mischten sich mit ihren Stöcken ins Handgemenge. Lautes Stöhnen und Geschrei wurde hörbar. Neben mir wurde ein junges Mädchen mißhandelt. Ich wandte mich an einen Polizeileutnant, der ruhig dabei stand, mit den Worten:„ Sehen Sie denn nicht, was Ihre Leute da treiben? Ma chen Sie doch ein Ende!" Obgleich das Gesagte alles war, was ich verschuldet, rief der Leutnant seinen Leuten zu: Backt ihn und gebt ihm eins auf den H.....!" Schlechterdings war ich außerstandte, Widerstand zu leisten. Die Schußleute ließen das Mädchen liegen und bemächtigten sich meiner. Ich wurde mit Schlägen überschüttet und suchte nur meinen Kopf zu schüßen, indem ich ihn mit beiden Händen bedeckte. Do ch einer der Polizisten wiederholte immer den Versuch, mir von unten mit der Faust das Gesicht zu verlezen. Ich riß meine Belzmüße ab und bedeckte damit das Gesicht. Nun schleppten sie mich in den Torweg des nächsten Hauses und setzten ihre infame Gewalttat fort. Zuletzt war ich vollständig mit Blut bedeckt: Blut strömte aus der Nase, die obere Lippe war von innen zerquetscht, ich hustete Blut. Auf meiner Müße sind noch jetzt Blutspuren sichtbar. In solchem Zustande wurde ich aufs Straßenpflaster ge worfen, die Schuhleute ließen mich liegen und überfielen einen anderen. Ich aber dachte nur daran, mich zu retten: diese Bestien wären fähig gewesen, mich ums Leben zu bringen. Also stand ich auf und versuchte, die Hintertreppe des Hauses zu erreichen. Ich blieb unbemerkt und Klingelte an der ersten Tür. Da mir aber niemand öffnete, stieg ich eine Treppe höher und ging in die offenstehende Tür hinein, die zu einer herrschaftlichen Küche führte. Als die zahlreichen Dienstboten, die sich da befanden, mich erblickten, schrien fie vor Entfehen auf und halfen mir das Blut vom Gesicht abwaschen. Sie erzählten, daß sie von oben die Untaten der Polizei gesehen hätten und waren aufs höchste darüber entrüstet. Nun kam auch die Frau des Hauses herein und bot mir etwas Wein an. Inzwischen trat noch einer der Verprügelten herein, um Hülfe zu erbitten.„ Die Glenden, die haben ja einen getötet!" rief ein Dienstmädchen. Ich blickte hinab und sah einen Mann, der regungslos lag; noch mehrere Blutende schleppten sich durch den Hof hin und her. Jetzt waren keine Schuhleute zu sehen.. " Aus Petersburg wird dem" Standard" gemeldet: Anstatt des erwarteten kaiserlichen Manifestes wurde am gestrigen Montag, dem Namenstage des Zaren, ein Rundschreiben an die Provinzialgouver= neure erlassen, worin ihnen befohlen wird, zu verhindern, daß die Semstwos die Frage der Einführung einer Verfassung für Rußland erörtern. Während der bevorstehenden Sizungen der Semstwos werden deren Präsidenten persönlich für die Befolgung dieses Befehls verantwortlich gemacht werden. Politische Uebersicht. Berlin, den 20. Dezember. Deutsch- russischer Ultramontanismus. Der antinationale Charakter des Zentrums war der Schlachtruf Die Katholiken gehorchten dem Oberen der Kulturkampfzeit. ienseits der Berge, so wurde die Ausnahmegesetz- Politik gegen die Klerikalen begründet, von diesem Vorwurf erhielten sie ihren Spitznamen: Ultramontan. rats auszufüllen. Nun ist zwar bekannt, daß Kronprinz Wilhelm nach Erledigung seiner vorbereitenden Studien in Plön sich in Bonn bei der juristischen Fakultät hat einschreiben lassen, und daß er sich dort vier Semester studienhalber aufgehalten hat, bekannt ist aber auch, daß er während dieser Zeit viel durch Besuch von Jagden, Rennplägen, Tennisplätzen und Ausflügen von seinem Studium abgezogen wurde. Das wäre nicht weiter schlimm, denn tausend andere junge Leute machen es nicht anders, sie betreiben semesterlang das, was man bei ihnen„ Bummelei" nennt, aber diese Studenten schwenken früher oder später entweder um der Examina willen zum ernsten Studium ein, oder sie machen überhaupt keine Examina, weil sie es nicht nötig haben und ihre Studien beals angenehmen Zeitvertreib trachten. Auch der Kronprinz Wilhelm braucht keine Eramina abzulegen, aber er muß doch später einmal die höchste Würde im Reich und Staat übernehmen, und um deswillen wäre es manchem überzeugten Monarchisten wohl lieber gewesen, wenn er auf seine Studien noch Zeit hätte verwenden fönnen. Wie steht es aber mit der ferneren Ausbildung des Kronprinzen? Wir haben nichts davon gehört, daß er, wie sein Vater es einstmals getan hat, bei einem Oberpräsidenten sich über den allgemeinen Gang der Zivilverwaltung unterrichtet, oder daß er auf anderem Wege versucht hätte, sich nur Sabat einen tieferen Einblick in das Staatsleben zu verschaffen. Wohl ist bekannt, daß Kronprinz Wilhelm ein kühner Reiter, ein leidenschaftlicher Jäger, ein tüchtiger gewandter Eisläufer, Schwimmer und Tennisspieler ist, lauter Fertigkeiten, die einem Königssohn wohl anstehen und die niemand gern bei einem frischen jungen Mann missen möchte; vor allem weiß man auch mit Genugtuung, daß der Kronprinz nach Hohenzollernart mit Leib und Seele Soldat ist, aber niemand weiß, nach welcher Methode oder auf welchem Wege der Thronfolger in die doch wahrhaftig nicht einfache Zivilverwaltung des Staates und Reiches eingeführt wurde oder eingeführt werden soll, woher er volkswirtschaftliche Kenntnisse bezieht, um nicht dermaleinst in Konflikte zu kommen, die die allersubtilsten authentischen Interpretationen" der allein verantwortlichen Minister erforderlich machen, und die zu jenen alle wahren Freunde der Monarchie tief verlegenden sozialistischen Reden führen können, woran der Reichstag nur zu oft Ohrenzeuge sein mußte. Kronprinz Wilhelm steht jetzt vor seiner Verheiratung. Für gewöhnliche Staatsbürger bedeutet dieser wichtige Schritt den endgültigen Abschluß der Lehr- und Wanderjahre. Bei einem föniglichen Prinzen sollte es nicht anders sein, denn der neue selbständige Haushalt bringt neue Pflichten, und deren Erfüllung läßt faum Zeit übrig zur nachträglichen Erwerbung von Kennt niffen und Erfahrungen, zu denen nun einmal der Grund in der Jugend gelegt werden muß. Mit aufrichtiger Sorge fragen fich die echten Freunde des monarchischen Gedankens, ob in dieser Hinsicht nicht bereits etwas versäunit worden ist". In den Oppositionszeiten des Zentrums hüteten sich die Windthorst und Reichensperger wohl, den Gedanken bestimmter, internationaler Interessengemeinschaften als antinational, umstürzlerisch zu denunzieren. Es ist erst fürzlich darauf hingewiesen worden, in wie weitgehender Weise Windthorst selbst ein ideelles Komplottrecht augunsten gewisser Bestrebungen in anderen Ländern anerkannte. Heute ist der demokratische und oppositionelle Hauch des Zentrums längst verflogen. Der deutsche Klerikalismus ist wie überall in der Welt die Partei der äußersten Reaktion; unsere heutigen Zentrümler, namentlich die von der„ Germania"-Richtung, find nichts weiter wie Konservative katholischer Konfession. So begreift es sich denn auch, Der Monarchismus, wie ihn die„ Rhein- Westfäl. 8tg." meint, daß das Zentralorgan des Zentrums, die„ Germania", der deutschen ist allzu anspruchsvoll. Wäre das Blatt folgerichtig, so müßte Sozialdemokratie ihre Sympathien für die russische Revolutions- es fordern, daß ein Prinz, der an die erste und verantwortungsbewegung vorwirft. Ganz wie irgend ein Kreisblättchen aus Ost- vollste Stelle im Staate treten soll, nicht nur die bescheidenen Kenntnisse eines Bürgermeisters oder Landrats, sondern das geelbien nennt die„ Germania" die„ russisch- revolutionäre“ Bewegung waltige Maß von Kenntnissen erwerben muß, das einer so beherreine Gefahr auch für Deutschland, die abzuwenden die verantwort- fchenden Stellung entsprechen würde. Dies wagt aber auch die Wenn jedoch liche Regierung Deutschlands die driftgende Pflicht hat". Wenn die Rheinisch Westfälische Zeitung" nicht zu fordern. Regierung in Rußland freilich eine Konstitution gewähre, so Amt und Leistung nicht übereinstimmten müssen, warum dann in Beziehung werde das jeder Deutsche freudig unterstützen. Aber die„ anarchistisch überhaupt beides miteinander revolutionäre" Bewegung in Rußland müsse energisch zurückgewiesen feten? Dann bleibe man flüger bei der- Gnade Gottes, die werden. Und indem das brave Blatt zu Herrn v. Hanımerstein bei Fürsten das ersetzt, was natürliche Fähigkeit und Erziehung nicht ins Bett steigt, malt es mit blühender Colbus- Phantasie das folgende Gemälde: So gibt es zweierlei Arten von Russen: diejenigen, welche unserer Sympathie und eventuellen Hülfe in unserem eigensten Interesse bedürfen, und diejenigen, welche sich von der deutschen Sozialdemokratie haben ins Schlepptau nehmen lassen für die gewaltsam herbeizuführende Anarchie. Wer sich in Genf, Zürich und Bern, sowie in Paris, London und selbst in Wien die unreifen und phantastischen Kreise der russischen Studentenschaft beiderlei Geschlechts angesehen hat, ihr wüstes Leben, ihren Mangel an Moralität nach jeder Richtung, wie er sich namentlich ausdrückt im zügellosen Geschlechtsleben, nach den anarchistischen Begriffen der freien Liebe", zu beobachten in der Lage war, der wird ohne weiteres zugeben müssen, daß diese Elemente überall der öffentlichen Ordnung und Moral gefährlich sind, und der wird auch manches verstehen in der Behandlung dieser russischen „ Studentenschaft", wie fie in Preußen von Staatswegen öfters geübt wird und wie sie von der sozialdemokratischen und der ihr moralisch und politisch nahestehenden Presse als unerhört grausam und barbarisch verschrien wird." leiſtent. = Der Monarchismus der„ Rheinisch- Westfälischen Zeitung" wird dem Gros der Monarchisten wenig behagen. Die Monarchie fordert ihrem Prinzip nach Bewunderung und Gehorsam. Wer aber an ihr kritisiert und nörgelt, hat ihr erhabenes Wesen nicht erkannt und zählt nicht im Kreise der wahrhaft Königstreuen. Steine in den Weg. Die Konservative Korrespondenz" beschäftigt sich jetzt auch mit der Rede des Grafen Posadowsky über die Mittelstandsfrage und die Kapitalassoziation und nemnt Posadowskys Auftreten, außer ordentlich bedauerlich": " Lange Zeit wird vergehen, ehe es den Vertretern der offiziellen Wirtschaftspolitik gelingen wird, diese Steine von ihrem Wege fortzuschaffen. Solche Episoden sind leider nur zu sehr geeignet, denjenigen Bestrebungen den Boden zu bereiten, die Darauf ausgehen, ein schier unausrottbares Mißtrauen gegen die Regierung und tiefgreifende Unzufriedenheit zu verbreiten." Wir werden allerdings nicht unterlassen, bei jeder Gelegen heit auertiam zu machen auf den klaffenden Widerspruch in den verhältnismäßig vernünftigen Ansichten des Stellvertreters des Die„ Germania" spricht hier als Organ des Pobedonoszewo, Reichskanzlers und der offiziellen Wirtschaftspolitik des Reiches. dem jeder westeuropäische Gedanke„ Anarchie" ist. Das unsaubere Wenn das für die wirtschaftlichen Reaktionäre Steine im Wege bePfaffengehirn, deffen Vorstellungen immer um das Geschlechtsleben deutet, so wird es uns sehr freuen. Dabei geben wir uns durchaus freisen, schildert diese idealistisch begeisterte, opfernde, arbeitende, nicht der Illusion hin, daß Posadowskys Ansichten auf die Politik leidende russische Jugend als eine Rotte von geilen Mönchen und des Reiches irgend welchen Einfluß ausüben fönnten. Abgesehen Pfarrersköchinnen, wie der Klerikalismus ja die Bewegung des davon, daß diese Ansichten sich auf die Industrie beschränkten und der Herr Graf nur für das Industrie kapital eintrat, siehe das Zitat in der gestrigen Nummer Protestantismus einfach daraus ableitet, daß Luther sich das Recht der Ausschweifung an der agrarischen Ausbeutung des Volkes aber scheu vorüberging, ist ja doch auch Graf Posadowsky nur eine sehr vorübergehende sichern wollte. Erscheinung im Streite der Kräfte innerhalb unseres öffentlichen Lebens. Um die Wirtschafts- und die Sozialpolitik des Reiches in vernünftige Bahnen zu lenken und den Agrariern und Reaktionären nicht bloß Steine in den Weg zu rollen, sondern unübersteigliche Mauern entgegenzustellen, verlassen wir uns nicht auf die Neden des Grafen Pojadowsky, sondern ganz auf unsere eigene Straft. Ganz besonders find die Zunftmeister über Posadowsky erbost, weil er in seiner Rede auch einmal die Kassengeheimnisse der armen notleidenden Zünftler enthüllt hat. Er hat eine sorgfältige Abrechnung eines großen Berliner Tischlermeisters mitgeteilt, aus der hervorgeht, daß der notleidende Meister, der mit 18 Gesellen und zwei Lehrlingen arbeitet, an jedem Arbeiter fast 800 M. im Jahre verdient. Der Obermeister der Berliner Tischlerinnung, der die Absicht hat, den Reichstag zu zieren, erklärt diesen seinen Kollegen für verrückt und fordert ihn auf, sich zu nennen, damit man ihn gehörig verputzen könne. Die Germania" schließt ihre für das heutige Zentrum so charakteristischen Betrachtungen:„ Deutschlands Interesse bleibt also, Hilfe zu leisten der russischen Regierung auf dem Wege zur verfassungsmäßigen Staatsorganisation und der Niederhaltung der russischen Revolutionspropaganda in Deutschland." das ist löblich Mit anderen Worten: Deutschland foll mit den Wahl und Pobedonoszew in heiliger Allianz sich gegen den Umsturz sichern. Mit der russischen Regierung und den osaken zu gehen ist für jeden Deutschen höchst ehrenwert, mit dem russischen Volk dagegen zu sympathisieren ist Umsturz, Verbrechen, Anarchie. " 11 Wir möchten der also international regierungstreuen So weit der Bericht des Augenzeugen, von dem man wirklich Germania" zunächst einmal raten, ihren eigenen Parteigenossen zu diesmal sagen darf, daß er eines Kommentars nicht bedarf. empfehlen, die französische Regierung im friedlichen Das in dem Bericht erwähnte Berliner Lokalblatt, das diese Kampfe gegen den klerikalen Umsturz zu unterstützen, und nicht die Die wiedergegründete ,, National- Zeitung" hat sich nunmehr auch Polizeibestialitäten eine" Jagd" genannt hatte, ist das berüchtigte Sache des internationalen Staatsstreichs mit den franzöfifchen eine„ Richtung" zugelegt. Sie hat den Ehrgeiz, ein Organ des Bülow- und russenoffiziöse Scherlblatt, der„ otal- Anzeiger". Zu den Berichten über die Zusammenstöße hatte das Blatt bemerkt:" Anarchisten" der Sybeton- Sittlichkeit zu fördern. Wenn es schon internationalen Polizei- Anarchismus zu werden. Sie bringt eine „ Es war eine regelrechte Menschenjagd, wobei nur erlaubt sein soll, gemeinschaftlich mit den Regierungen Notiz über ein starkes Hervortreiben der anarchistischen Bewegung jedoch die Polizei kein Vorwurf trifft. Wollte man die Demon- anderer Länder Reformbestrebungen zu unterstützen, so wende die in Rußland" und anderen Ländern. Ueberall würden Blätter gegründet, die Anarchisten schwämmen im Golde: Germania" diesen Grundsaz zunächst selber an! stranten gewähren lassen, käme es wohl zu anarchi= schen Zuständen. Charakteristisch ist die Tatsache, daß sich unter den Demonstranten fast nur arme Studenten befinden, die Söhne wohlfituierter Eltern hielten sich strikte fern." Ueber Prinzenerziehung ergeht sich die Rheinisch- Westfälische Wir haben diesen Erguß jämmerlichster Lakaienpolitik vor einigen Tagen bereits gebührend gekennzeichnet. Wahrscheinlich hat Beitung" in Betrachtungen, welche nicht geringe Keßereien wider das dynastische Gottesgnadentum befunden. Das äußerst staatsdas Scherlblatt seine Kenntnisse über die Vorgänge und den erhaltende" Blatt erklärt es für höchst bedenklich, daß ein junger Charakter der Demonstranten direkt von einem russischen Achtgroschenjungen bezogen. Daß es jetzt die Darstellung Mann, wenn er königlicher Prinz ist, schon mit 18 Jahren mündig eines anständigen Menschen bringen wird, darf man wohl nicht er- gilt und geistig plöglich so erleuchtet" sein soll, um das schwerste Amt im ganzen Staate zu übernehmen." Dann flagt die„ RheinischWestfälische Zeitung" wie folgt und es ist nötig, von diesen monarchistischen Besorgnissen, die hier ausnahmsweise einmal offen ausgesprochen werden, Kenntnis zu nehmen: warten. * * Mostau, 20. Dezember. Ueber die legten Straßenunruhen in Moskau wird amtlich mitgeteilt: Nach den Straßenunruhen in Petersburg am 11. d. M. begann eine Agitation unter der Moskauer Studentenschaft. Das Moskauer sozialistisch- revolutionäre Komitee verbreitete Proflamationen, in denen zu politischen Kundgebungen am 18. und 19. Dezember aufgefordert wurde. Am 18. um 12 Ühr mittags machte sich eine lebhafte Bewegung, namentlich unter den Studenten und Studentinnen, in den Hauptstraßen bemerkbar, und um 2 Uhr sammelte sich auf der Twerschen Stroße eine große Volksmenge an, die revolutionäre Lieder fang und rote Fahnen mit regierungsfeindlichen Inschriften entfaltete. Es entspann sich ein h Monarchistische Besorgnisse. Das bereits mitgeteilte Oberverwaltungsgerichtsurteil, welches das Verbot einer anarchistischen Versammlung, in der für den Generalstreit Propaganda gemacht werden sollte, für ungerechtfertigt erklärt, wird in allen anarchistischen Zirkeln lebhaft erörtert; in anarchistischen Versammlungen, die wir ja jezt genügend haben, wird unausgesetzt betont, daß die Generalstreif- Agitation sich nun mit Macht entfalten müsse. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der Anarchismus mächtig seine Schwingen regt. Videant conculcs. P " Eine echte, rechte Polizeinotiz! Wofür sollen nun die Konsuln National- Zeitung". Sorge tragen nach der Meinung der National Zeitung". Wir wüßten eine Beschäftigung für die müssigen Polizei- Anarchisten: Eine Definition des Anarchismus auszuarbeiten, dann haben sie zu tun. Die Anarchisten Forschungen der National- Zeitung" erinnern Inzwischen ist aber die Frage der frühzeitigen Mündigkeit föniglicher Prinzen nicht besonders brennend, sie ist es nur in an jenen prächtigen Gendarm, der im Königsberger Prozeß Er direkt insofern, als sie als der greifbarste Ausdruck eines Gedankens mittelungen darstellte. Der Mann hatte den Auftrag, nach aufsich darstellt, der gleichfalls ein leberbleibsel aus der Zeit des rührerischen, anarchistischen Schriften zu fahnden. Er kommt hinzu, Absolutismus ist, des Gedankens nämlich, daß fönigliche Prinzen wie eine Stifte mit russischen und lettischen Schriften geöffnet wird. eine Art höherer Wejen sind, die es nicht nötig Ein Blick genügt und der Gendarm rapportiert: Ich habe auf haben, in angestrengter, ernster, ausdauernder Arbeit sich die rührerische. anarchistische Schriften gefunden. Bald darauf gestand er Kenntnisse und Fähigkeiten zu erwerben, die der Sohn minder vor Gericht, daß er kein Wort russisch und lettisch verstünde. vornehmer Abkunft sich eriverben muß, um später auch nur In Rußland wie überall gibt es feine anarchistische Bewegungden bescheidenen Posten eines Bürgermeisters oder Land- außerhalb der Polizei- geschweige, daß sie mächtig die Schwingen " Ein neues Ansiedelungsgesetz für Ostpreußen und Hinterpommern soll schon in dieser Landtagssession eingebracht werden. Ein neuer Korruptionsfonds also, ein weiterer Einbruch ins Reichsrecht und eine verstärkte Förderung der Kapitalsinteressen deutscher Land" rährt. Die paar Phantasten, die sich hier und da Anarchisten nennen, Dornhecke drin mit feine Tierfelle die wir den Feinden geklaut haben| heit komme, werde er lieber gehen, wurde von dieser mit eisigem find harmlose Leute, viel harmloser als die Sozialdemokratie, austapeziert. Du möchtest das ansehen, doller wie in einer feinen Schweigen entgegengenommen. Die Reaktion, verstärkt seit den letzten der es zu verdanken ist, daß es eine wirkliche anarchistische Bewegung Räuberhöhle und wir sind die Raubritter) da sah ich schwarze in einem Wahlen durch den Klerikalismus, akzeptierte vorte ig Giolitti, bis nicht gibt! Busche, der Posten schlief, ich schlich mich heran, klaute die sie ihre Kräfte gestählt haben wird und einen Mann braucht, der und schoß alle 4 tot beinah wars mir am Kanthaken gegangen. den Augen der Rechten tut. Von den Sozialisten sprach Biſſolati Gewehre weg, stellte mich hinter einen Baum( wie ein Tiger) offener und rücksichtsloser der Reaktion huldigt, als es Giolitti in Aber....... hat Schwein, denn an demselben Tage gegen das Gesetz. Wenn die Politik der Regierung uns in die wurde ich zum Gefreiten befördert und bin bei meinem Vergangenheit zurückführt, so wird die sozialistische Partei nicht Abteilungsführer gut angesehen der auch ein Ostpreuße ist." wieder, wie sie es nach 1898 getan hat, in dem parlamentarischen Wenn man diese Briefe mit den Briefen schreibkundiger Mechanismus ihre Verteidigung suchen, sondern sie wird sich auf die Hereros und Hottentotten vergleicht, wird man kaum finden, Kräfte des Landes außerhalb des Parlaments stüßen." Das Gesch daß solche„ Kulturträger" den schwarzen Bestien" irgendwie über- wurde schließlich in geheimer Abstimmung mit 243 gegen 37 Stimmen legen sind, sei es nun an Intelligenz, sei es an sittlichen Eigen- angenommen. schaften! Nichtsdestoweniger werden die Schwarzen ihres Landes beraubt und aufgerieben im Namen der„ höheren Kultur"! banken! Ergebnisse der preußischen Einkommensteuer- Veranlagung für das Jahr 1904 werden in der amtlichen„ Statistischen Korrespondenz" mitgeteilt. Danach ist die Gesamtzahl der Zensiten von 3 897 782 im Jahre 1903 auf 4 133 539, d. h. um 6 Prozent gestiegen, das Steuerpflichtige Reineinkommen von 9 091 538 136 M. auf 9 470 698 573 Mart, d. h. um 4,2 Prozent, die Einkommensteuer von 186 358 311 Mark auf 191 230 947 Mart, d. h. um 2,6 Prozent. Die amtliche Statistische Korrespondenz" zieht aus diesen Ziffern den Schluß, daß die wirtschaftliche Depression, die in den Ziffern von 1902 und 1903 zum Ausdruck fam, nun wieder einer aufsteigenden Bewegung Blah mache. Daraus, daß die Zahl der Zensiten stärker gestiegen ist als der Steuerbetrag, wird gefolgert, daß gerade die kleineren Einkommen sich vermehrt haben. Eine gründlichere Beurteilung der Zahlen der neuen Einkommensteuer- Statiſtik ist jedoch auf Grund des in der„ Statistischen Korrespondenz" gegebenen Zahlenmaterials nicht möglich, dazu müssen die ausführlicheren Mitteilungen abgewartet werden, die dem Abgeordnetenhause zugehen.-Zur Ersakwahl in Hof wird uns geschrieben: Die VertrauensLeute der vereinigten liberalen Parteien im Wahlkreise Hof hatten fich am Sonntag versammelt, um hinter verschlossenen Türen ihren Kandidaten für die bevorstehende Erfazwahl aufzustellen. Als Kandidat wurde der Steinbruchbesizer Dr. Erwin Goller von Münchberg nominiert. Die Vertreter der ländlichen Bezirke enthielten sich der Abstimmung. Goller gehört zur freisinnigen Partei und tvar bereits bei der letzten Hauptwahl als Kandidat dieser Partei aufgestellt. Er brachte es auf 4162 Stimmen. In der Stichwahl trat er mit seinem Anhang für den nationalliberalen Münch- Ferber ein. Die nationalliberale Partei hat somit diesmal verzichtet, den Mischmaschkandidaten zu stellen, was ihr allerdings sehr schwer geworden sein mag. Unsere Partei hat durch diese Kandidatur bedeutend an Aussicht gewonnen, schon im ersten Wahlgang den Sieg davonzutragen. Die Möglichkeit einer Stichwahl ist dadurch wahrscheinlich überhaupt ausgeschaltet, denn die übrigen Parteien kommen in dem Wahlkreise kaum in Betracht. Südwestafrikanische Kriegsnachrichten. England. Die englischen Gewerkschaften im Jahre 1903. Die„ Labour Gazetta" veröffentlicht socben cine Uebersicht über die englischen Trades- Unions im Jahre 1903. Danach bestanden in diesem Jahre 1166 Gewerkvereine mit 1902 000 Mitgliedern; die Zahl der letzteren Berlin, 20. Dezember. General v. Trotha meldet aus Windhuk war gegenüber dem Vorjahre um 23 000 gefunten. Die Zahl der unter dem 20. Dezember: Die Maschinengewehr- Sektion Wossidlo in den Gewerkschaften organisierten Frauen und Mädchen sank im überfiel auf dem Marsch von Grootfontein nach Namutoni Berichtsjahre von 122 210 auf 119 416. Die Fonds der hundert bei Hoais am 24. November eine Hererowerft. Elf Hereros wichtigsten Gewerkschaften waren aber trotzdem gestiegen; jie waren gefallen, darunter Kambazembis Bruder Kamarinebo und dessen auf 91 Millionen Mark oder 80 M. pro Kopf der Mitgliedschaft anSohn. Am 29. November wurde Namutoni besetzt, die Station ist gewachsen. Die Erklärung für diese Steigerung ist der Umstand, völlig zerstört. Am 30. November wurden bei Choachas westlich daß im Jahre 1903 nur wenig Streits zu verzeichnen waren; für Namutoni, am 2. Dezember bei Onandowa nördlich Namutoni Streitunterstüßung wurden nur 3440 000 m. ausgegeben, dagegen Hererowerften überfallen; dabei 58 Stück Vieh, 7 Gewehre und über 10 000 000 M. an Arbeitslosenunterstügung. Munition erbeutet, mehrere Hereros gefallen. Unsererseits keine Verluste. Von den Dwambos droht augenblicklich keine Gefahr, ihre Toten liegen vom letzten Gefecht her noch unbeereigt in Mengen um Namutoni. Berlin, 20. Dezember. Amtliche Meldung. Nach einem Telegramm aus Windhuk ist an Typhus gestorben: Reiter Friedrich Friedmann, geboren 16. September 1882 zu Brackenheim, am 14. Dezember im Lazarett Otjimbinde. Berlin, 20. Dezember.( Amtliche Meldung.) Ein Telegramm aus Windhuk meldet: An Typhus gestorben: Leutnant Werner Schenk Freiherr von Stauffenberg, geboren 17. Februar 1878 zu München, am 18. Dezember im Lazarett Dwinau- Naua; Reiter Otto Schumann, geboren 20. Juli 1882 zu Trakehnen, am 18. Dezember im Lazarett Otjimbinde. Köln, 20. Dezember. Die Kölnische Zeitung" meldet aus Berlin: Aus dem Süden des Schutzgebietes erhalten wir über Keetmannshoop die erfreuliche Nachricht, daß der Ort Warmbad durch die dort vorhandenen Streitkräfte und Vorräte auf längere Beit in der Lage ist, jedem Angriff der Eurenga- Banden erfolgreich Widerstand zu leisten. Husland. Poker kein Hazardspiel! Amerika. Schnaps und Tabak sind die Haupteinnahmequellen der Steuergelder, welche Onkel Sam innerhalb seiner Staaten erhebt, als internal revenue". Neun Zehntel der Einnahmen werden aus Schnaps und Tabak gedeckt. Nach dem neuesten Finanzbericht wurden im letzten Fiskaljahre 177 772 324 Dollar aus der Schnapsbrennerei und 44 655 808 Dollar aus der Tabakfabrikation gewonnen. Die Einnahmen aus Bigarren und Zigaretten verminderten sich etwas. Der Partei der Prohibitionisten sind diese Zahlen noch viel zu klein, sie verlangt, daß alle Ausgaben aus der Besteuerung der Laster der Nation gedeckt werden sollen. Besonders dem Schnapsteufel wollen fie durch Steuern und Verbote zu Leibe gehen; trotzdem ist in Gegenden, wo die Prohibitionisten das Szepter führen, der Schnapsfonsum nicht geringer als anderswo. Der Handel mit Megifo wächst bedeutend in den Vereinigten Staaten. Amerikanisches Kapital wird in großem Maßstabe in merito angelegt: amerikanischer Unternehmungsgeist macht sich die Neichtümer des Landes zumute. Die Ausfuhr nach Merito betrug im Jahre 1894 die Summe von 13 285 287 Dollar, die im Jahre 1904 auf 45 900 748 Dollar stieg. Gegner der Expansionspolitik denisweisen auf die Tatsache hin, daß der Handel mit den Philippinen und mit Hawaii und mit Kuba sich nur sehr schwach hebe im Vergleich mit der unabhängigen Republik Merito; sie erklären die Theorie als falsch und gefährlich, daß es für den Handel eines Landes notwendig sei, ferne Länder zu annektieren und fremde Völker zu unterjochen. Ein Prügelpädagoge hatte sich in der Person des Schulverwesers Carl Wolfrum von Mechlenreuth vor der Straffammer in Hof i. zu verantworten. Durch die Zeugenaussagen wurden 17 zum Teil sehr erhebliche Ueberschreitungen des Züchtigungsrechtes festgestellt. 23olfrum bearbeitete die ihm zum Unterricht überwiesenen Schulkinder bei jeder Gelegenheit mit einem 30 bis 40 Zentimeter Tangen, zirka einen Zentimeter dicken viereckigen Holzstab durch Aus Wien wird uns vom 18. Dezember geschrieben: An Schläge auf das Gefäß, in die Kniekehlen usw., ferner gesichts der Erklärung des oldenburgischen mehr Jeu- als Justizregnete es Ohrfeigen, Büffe, die Schüler wurden an den ministers, das von Amerika gekommene Poterspiel wäre kein Haaren gezerrt usw. Einer von den Jungen, der Vichhändlerssohn Hazardspiel, und seine Zeugenaussage, er habe nicht Hazard gespielt, Böhra, erhielt einmal 69 Schläge mit dem bewußten Stabe; nach sei wahr gewesen, obwohl er Poker gespielt hat, wird es vielleicht dem dies geschehen war, fiel der Lehrer mit den Worten:„ Strüppel, interessant sein, eine Entscheidung zu vernehmen, welche der ich mach dich falt!" nochmals über ihn her, warf ihn zu Boden, ohrfeigte ihn unmenschlich, stieß ihn heftig in den Rücken und auf oberste Gerichtshof in Desterreich über das juſtizdie Brust und warf ihn gegen die Bantede, die Schultafel und den minifterliche Spiel gefällt hat. Nach österreichischem Recht ist das eisernen Ofen. Dieser Anabe starb einige Zeit darauf, und sein Tod Spiel aller Hazard- oder reinen Glüdsspiele" verboten; wurde mit den erlittenen Mißhandlungen in Zusammenhang gebracht. das Delikt ist eine der Uebertretungen gegen die öffentliche Sittlich Leider wurde nicht sofort eine Untersuchung eingeleitet, erst feit. Ueber das Pokerspiel hat sich nun diese höchste Gerichtsstelle nach vier Monaten wurde die Leiche ausgegraben und untersucht, folgendermaßen geäußert: toobei sich Blutfleckenkrankheit als Todesursache ergeben haben soll. Erwiesen wurde ferner, daß der Angeklagte Schulmädchen an den Haaren durch das Zimmer gezerrt und ihnen vier bis fünf Ohrfeigen nach einander gegeben hat. Das Gericht hielt ihn in 17 Fällen für überführt und verurteilte ihn zu 200 M. Geldstrafe. Eine Schiedsgerichts- Offerte. Die Kölnische Zeitung" berichtet aus New York von heute: Aus Guayaquil wird gemeldet: Der frühere Präsident der Republik Ecuador Flores wurde zum Gesandten in Berlin ernannt mit der besonderen Aufgabe, den deutschen Kaiser zu bewegen, das Schiedsrichteramt in dem Grenzstreite zwischen Ecuador und Columbien anzunehmen. Deutschland wird auf das ehrenvolle Schiedsrichteramt verzichten müssen, da die Vereinigten Staaten Einmischungen in amerikanische Verhältnisse bekanntlich nicht dulden. " Zur Verfassungsreform in Württemberg wird uns aus Stutt= gart vom 20. Dezember gemeldet: Die vom Schwäbischen Merkur" veröffentlichten Mitteilungen über die angebliche Grundlage der Verfassungsreform find offenbar nur ein Versuchsballon, der ungefähr die Richtung der nationalliberalen Wünsche kennzeichnet. Bezeichnend für die Aussichten der Verfassungsreform ist, daß das hiesige konservative Organ durchblicken läßt, die Mitteilung des " Merkur" sei schon deshalb falsch, weil sie den Ersaß der zu be= seitigenden 23 Privilegierten in der zweiten Kammer durch Abgeordnete des allgemeinen Wahlrechts behauptet. Die ritterschaftlichen Abgeordneten der Zweiten Kammer würden aber einer Reform nur zustimmen, wenn an ihre Stelle behufsstädtische Vertreter tommen, wie dies Freiherr v. Wöllrath schon im Jahre 1901 erflärt hat. Auch das Zentrumsblatt äußert sich skeptisch und beruft sich auf die Erklärung Gröbers, der das Scheitern jeder Verfassungsreform an der Forderung des Budgetrechts für die reformierte Erste Kammer voraussagte. Das Zentrum habe keinerlei Interesse an der Verfassungsreform, die doch nur möglich werden solle, um dem Lande die liberalen Schulgeseße aufzuzwingen. Soldatenbriefe aus Südwestafrita. In zwei von dem, Zabrzer Anzeiger" veröffentlichten Soldatenbriefen vom Hererokrieg heißt es: " Wenn Du in der Zeitung etwas von der Nordabteilung liest, so gebe genau acht. Ich bin auch bei der Nordabteilung. Wir stehen 26 Kilometer vom Feinde entfernt und haben den Waterberg von allen Seiten umzingelt. Die Südabteilung macht den Angriff und geht vor. Irgend auf einer Stelle müssen die Hereros durch. Aber wehe den armen Truppen, wo die Bestien durchbrechen, da bleibt kein Stein übrig. Die ganze Weide für die Pferde brennen uns die Bestien vor der Nase ab. Mit solchen elenden Leuten muß der Deutsche sich quälen und noch sein Leben einbüßen." Es entspricht dem Geiste des Gesetzes, als Glücksspiele alle jene Spiele zu bezeichnen, deren Ergebnis, wenn auch nicht ausschließlich, so doch vorzugsweise vom Zufall abhängt. Es können auch bei Glücksspielen Kombinationen, Geschicklichkeit und Ueber legung des Spielers die Gewinnchancen fördern, ohne hierdurch dem Spiel einen anderen Charakter als jenen des Hazardspiels aufzuprägen, bei welchem sich die Spielenden Bedingungen unterwerfen, deren Eintritt oder Nichteintritt wesentlich vom Bufall abhängt. Dies ist beim Pokerspiel zweifellos der Fall, da bei diesem Spiel das Entscheidende ist, welche Zusammenstellung der Figuren, der Farben und Verbindungen in den zuerst ausgegebenen fünf Karten sich vorfindet und welche Aenderung hieran durch die nachgekauften Blätter bewirkt wird wonach sich auch die Säße der Mitspielenden richten, während dann ein eigentliches Spielen mit den ausgeteilten Karten gar nicht mehr, sondern ein bloßes Auflegen oder Wegwerfen der Karten stattfindet. Der Krieg in Ostasien. Die Torpedo- Angriffe auf die„ ,, Sewastopol". Zofio, 19. Dezember.( Amtliche Mitteilung. Admiral Togo berichtet, daß bei dem Angriff auf die russischen Schiffe auf der äußeren Reede von Port Arthur in der Nacht vom 14. Dezember außer dem japanischen Torpedoboot, das kampfunfähig zurückgelassen wurde, ein zweites Torpedoboot zeittreife außer Aftion gesetzt, aber Die Ueberlebenden von ersterent in Sicherheit gebracht wurde. Torpedoboot wurden gerettet. Der Rest der Schiffe erlitt feinen ernstlichen Schaden. Im ganzen wurden bei dem Angriff 10 Mann getötet und 14 verwundet. Da der Ankerplaz der„ Sewastopol" dicht am Strande ist, hält es schwer, sich über die Beschädigungen zu vergewissern. Es wurde aber genau beobachtet, daß mehrere Torpedos sie trafen und explodierten. In der Nacht vom 15. Dezember erneute die Torpedo boots- Flottille ihre Angriffe auf die„ Sewastopol"," Dtwaschny" und einige Torpedobootszerstörer. Es gelang ihr, dicht an die feindlichen Schiffe heranzukommen und nacheinander mehrere Torpedos abzuschießen. Mehrere von diesen trafen, wie man bemerkte, und explodierten. Troz des heftigen Feuers des Feindes kehrten alle japanischen Fahrzeuge wohlbehalten zurück; fie hatten zusammen drei Tote und drei Verwundete. Die japanische Beobachtungsstation berichtet, daß ein russischer Torpedobootszerstörer mit gebrochenen Masten auf Grund geraten sei. Auf Grund der Beschreibung des Ganges des Spieles und der Beschreibung des Experten muß man zu der Anschauung ge Tokio, 19. Dezember.( Meldung des Reuterschen Bureaus".). langen, daß es in erster Linie der Zufall ist, von dem der Erfolg Das Verhalten des Kommandanten Vezo und des Leutnants Nagades Spieles abhängt, nämlich die durch Melirieren der Karten fara bei dem Angriff auf die„ Sewastopol" ruft besondere Beherbeigeführte ganz zufällige Reihenfolge der einzelnen ursprünglich wunderung hervor. Die Flottille des Kommandanten Jezo war mit verteilten oder nachgekauften Blätter, auf welche Reihenfolge die Reparaturen beschäftigt, als der Angriff beschlossen wurde. Es gelang Geschicklichkeit des Spielers keinerlei Einfluß zu üben ver- ihm, eines seiner Boote herauszubringen. Er erreichte aber die Flottenmag. Am allerwenigsten kann das beim Pokerspiel übliche„ Bluffen" basis erst in dem Augenblick, als die Flottille bereits abgefahren in Betracht kommen, welches, geradezu auf Täuschung der war. Er erhielt die Erlaubnis, sich den Schiffen anzuschließen, und Mitspielenden über die Güte und Qualität der Karten fand trotz des blendenden Schneesturms die„ Sewastopol". Er kam eines der Spieler( des Bluffenden) berechnet, dem Wagen auch so nahe heran, daß er die Nussen sprechen hörte, und des einen und der Verblüffung des anderen einen Erfolg ge- feuerte einen Torpedo ab. Sich noch weiter nähernd, ließ er einen zweiten Torpedo ab. Nun traf ihn eine feindliche Granate und zerriß ihn. Leutnant Nagafara brachte trotz des furchtbaren Feuers einem anderen Boote Hülfe. Sein Fahrzeug wurde mehrfach getroffen, aber er vermochte doch die meisten Leute des in Not befind lichen Bootes zu retten. Zu dem Angriff meldeten sich übrigens mehr Freiwillige als verwendet werden konnten. währt. Admiral Togo wird wahrscheinlich einem jüngeren Admiral die Blokade überlassen und nach Tokio zurückkehren, wo der Kaiser ihm einen glänzenden öffentlichen Empfang bereiten wird. Am Schaho. Insofern die das Wesen der Bestimmungen über die öffentliche Unsittlichkeit bildenden Momente in Betracht kommen,*) ist nicht zu verkennen, daß sie auch beim Boker" zutreffen. Sobald dasfelbe um einen Geldeinsaz gespielt wird, tritt für den Spieler die Gewinnsthoffnung ein, welche, obwohl sie doch zunächst sich wieder nur durch Zufall bestimmt, die Spielleidenschaft steigert und zum Wagen hoher Einfäße hinreißt. Hierin liegt aber auch der auf Gewinnsucht beruhende, sittlich verderbliche Charakter des Spieles und dessen unheilvoller Einfluß auf die Erregung von Leidenschaften beim Spieler. Wenn es diesfalls noch eines speziellen Beweises Mukden, 19. Dezember.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) bedürfte, so möge auf die Anzeige, welche Anlaß zu dem behörd- Die Erdhöhlen der Russen in der Mandschurei dehnen sich auf etwa lichen Einschreiten gab, hingewiesen sein, aus welcher ein schlagendes 160 Kilometer aus vom Hunho zu den Bergen, die den Fluß von Argument dafür, wie beim„ Pokerspiel" Leidenschaft und Spielwut den Quellen des Schaho trennen. Im Zentrum findet fast umumterangefacht werden, welche unheilvollen Wirkungen es brochen Artilleriekampf statt. Die Gegner sind sich dort so nahe, sohin auf das Familienleben und das wirt daß das Eintreffen von Korpskommandanten erkannt wird, was schaftliche Gleichgewicht im Haushalte sowohl als sofort zu einer Kanonade Veranlassung gibt. An den äußersten im Geschäftsleben zu äußern geeignet ist, sich ergibt. Flügeln stehen die Gegner 8 bis 12 Kilometer von einander entfernt. Die Entscheidung stammt aus dem Jahre 1898; seither gilt Das dazwischen liegende Gelände wird gelegentlich zu Gefechten " Jezt sind wir wieder auf dem Rückmarsch, da der Feind nach Pokerſpiel in Desterreich als verbotenes Spiel. Also in Desterreich benutzt. Auf jeder Seite kommt es darauf an, den Gegner zu hindem Dwambo- Lande verschwunden ist. Das Dwambo Land ist dürfte Herr Ruhstrat nicht- Justizminister werden und auch nicht dern, daß er die Truppen in den Winterquartieren belästigt. Die Stellung ist ungefähr dieselbe wie bei Lianjang. General Rennenan der englischen Grenze, da dürfen wir nicht weiter, so oldenburgisch schwören! fampf hat eine unzugängliche Stellung in Distrikt jenseits des sonst friegen wir mit England Krieg(!). Aber nächstes Italien. Talienpasses inne; dennoch kam es dort fünftägigen Gefechten. Jahr geht es mit den Owambos los. Jegt müssen wir vorläufig zurück, weil die Regenzeit ankommt. Der Krieg mit den Hereros ist Auf dem Wege zur Reaktion. Die italienische Kammer hat sich Die russischen Truppen sind in vorzüglicher Stimmung. vorläufig klar. Wir haben nichts mehr zu befürchten... bis zum 24. Januar vertagt. Ehe sie in die Weihnachtsferien ging. Das Hauptquartier der japanischen Mandschurei- Armee meldet unter Tofio, 19. Dezember.( Telegramm des„ Reuterschen Bureaus".) Beim letzten Gefecht vertrieben wir die Bande ritten ihuen 80 Stilo- hat die reaktionäre Majorität denn über eine solche verfügt jett meter nach, aber vergebens, da sie bessere Pferde haben, als wir. Giolitti- noch schnell ein verdienstvolles christliches Werk getan. dem 19. d. M.: Die japanischen Borposten wurden in der Nacht zum Aber es war gut, daß Se. Egzellenz Generalleutnant Die armen, durch Hunger zur Verzweiflung getriebenen Landarbeiter 17. dreimal angegriffen. Der Feind wurde überall zurückgeschlagen. v. Trotha bei uns war. Der Mann hat an uns Krieger sehr sollen in Zukunft noch mehr wie bisher in strenger Ordnung ge- Am 18. gaben die schweren Geschüße des Feindes 80 Schüsse auf die ergreifende Reden gehalten. Er hat 5000 M. Prämie aus halten werden. Und so bewilligte man der Regierung 9 Millionen Japaner in der Nähe der Eisenbahnbrücke über den Schaho ab, ohne gesetzt, wer den Oberkapitän Samuel Maherero ergreift. Für jeden Lire zur Vermehrung der Gendarmerie. Giolitti geberdete sich jedoch Schaden anzurichten. Interfapitän find 1000 M. ausgesetzt. Jeder Kaffer, der getroffen äußerst liberal; das Gesez sei kein politisches, aber die vorhandenen Neue Fortschritte der Japaner. wird, soll erschossen und jede Frau und jedes Kind vertrieben werden. Sicherheitsorgane seien nicht genügend, um das Eigentum der Bürger London, 20. Dezember. Der Korrespondent des„ Reuterschen Da fannst Du Dir denken, wie man aufpaẞt." zu schützen. Die Erklärung Giolittis, er habe von seiner politischen Bureaus" vor Port Arthur meldet vom 19. d. M.: Das NordEin von der Schlesw.- Holst. Boltsztg." veröffent- Ueberzeugung nichts geändert und wenn er in Kontrast mit der Mehr- Forts bon Tungtitwanshan wurde gestern um Mitternacht lichter Soldatenbrief enthält folgende Stelle: nach einem der erbittersten Kämpfe der ganzen ,, Mein teurer Freund! *)( Die Sorgfalt der Gesetzgebung schränkt nach ihrer Absicht Belagerungszeit genommen. Die Japaner hatten seit Habe noch nicht eine Karte oder Brief erhalten, aber doch werde den Begriff einer Verlegung der öffentlichen Sittlichkeit nicht bloß Wochen zwei 40 Fuß lange Tunnelschächte mit vier Seitenarmen geich bald was erhalten. Ich bin noch immer gesund und vergnügt, auf diejenigen Handlungen ein, welche an sich Abscheu und öffent- graben, in welchen sieben Minen gelegt waren. Der eigentliche trotzdem ich schon manchen Sturm erlebt habe und Kohldampf liches ergernis zu erregen fähig sind; sie zieht darunter auch Angriff geschah durch zwei Abteilungen Freiwilliger, die in den schieben bis blizt aber das schadet nichts den 27. Oftbr. habe ich Handlungen, die nach ihrer Eigenschaft zur Verbreitung des Sitten Wallgräben verblieben bis die Minen explodiert waren; 4 Hereros erschossen und entwaffnet, ich ging mit meinem Rehbock verderbnisses beitragen, wie auch solche, womit Unordnungen und dann ging die erste erste Abteilung zu früh zum Angriff vergnügt auf der Schulter nach Hause( denn wir haben nur ein Ausschweifungen als gewöhnliche Folgen verbunden sind:$ 500 bor und viele wurden durch Trümmer von den Wällen an der Haus von Baumstämmen gebaut ringsum ein Schügengraben und Strafgesetzbuch.) Nordfront und der Ostfront, die die Explosion wegriß, getötet. Die " zweit« Abteilung drang sodann durch zwei ungeheure Breschen, welche die Explosion in die Mauer gerissen hatte, ein. Die Feinde, welche die Gräben vor der Mauer besetzt hielten, wurden getötet. Die übrige Besatzung befand sich im rückwärtigen Teil des Forts hinter Sandsäcken-Verschlägen, hatte auch Geschütze und leistete hartnäckigen Widerstand. Nach zehnstündigem Kampfe ivurde das Fort genommen und die Besatzung nahezu ausgerottet. Hub Induftrie und Handel Die diesjährige Getreide-Ernte. Nachdem bereits vor einigen Tagen die„StatistischeKorrespondenz" eine Zusammenstellung der letzten Ernte- Erträge in Preußen ver- ösfentlicht hat, bringt nun der„Reichs° Anzeiger" auch die Zahlen für das ganze Reichsgebiet. Eine wesentliche Veränderung erfährt dadurch das statistische Bild nicht. Dieselben Verbältnisse, welche die preußische Statistik zeigt, haben auch in den anderen Reichsteilen das Ernte-Ergebnis beeinflußt, so daß, wenn man die Ernteresultate Preußens entsprechend der ausgedehnteren Anbaufläche des Reichs- gebietes vergrößert, man ziemlich genau die Erträge' der deutschen Gesamternte erhält. Geerntet wurden in Deutschland: Weizen. Roggen. Gerste.. Hafer.. ferner an: Kartoffeln. 36 287192 1904 3 894 828 Tonnen 19 969 762 2 948 184 6 936 993. 1993 8 565 964 Tonnen 9 994 493 3 323 689 7 873 358„ 42 991 530„ DaS Brotgetreide, Weizen und Roggen, hat also einen größeren Ertrag als im vorigen Jahr geliefert, Hafer lind Gerste dagegen sind um 1,3 Millionen Tonnen gegen das vorige Erutejahr zurück- geblieben. Wie in Deutschland ist auch in den meisten anderen europäischen Ländern der diesjährige Ertrag niedriger als im vorigen Jahr. In der jüngst vom ungarischen Ackerbauministerium veröffentlichten Einschätzung wird die Welt-Getreideemte folgendermaßen veran- schlagt: Weizen Roggen Gerste Hafer Mais Millionen Doppelzentner I. Ernte in Europa(einschließlich der asiatischen Teile Ruß- lands und der Türkei): 1994», 463, Zg 376, 199, zz 819,5g 1908.. 529, M 418iC6 211, 49 356, M II. Ernte in außereuropäischen Ländern: 83.« 164, zz 1904 1903 377, 354, .43 16.84 3h. 100,8, 99., H. 168,85 157,50 728,35 687,S5 Z u s a m in e n: 1994.. 844,iz 393,55 291., 5 488,« 806,55 1993., 883,55 435,35 310,g| 513,g5 827,, 5 Das Gesamtergebnis dieser Schätzungen berechnet sich für das Jahr 1994 auf 2824 Millionen Doppelzentner gegen 2979,58 Millionen Doppelzentner im Jahre 1993; es ergibt sich somit für 1994 ein Minderertrag von 146,58 Millionen Doppelzentner, loobei einen, Minderertrag von 237, z, Millionen Doppelzentner in Europa ein Mehrertrag von 99, M Millionen Doppelzentner in den überseeischen Länden, gegenübersteht. Bei allen Getreideartcn ist die Ernte des Jahres 1994 geringer ausgefallen als 1993, und zwar beim Weizen um 39,«, beim Roggen um 41.7g, bei der Gerste um 19, zz, beim oppel Hafer um 24,5z und beim Mais um 20,« Millionen zentner. Etwas kleiner, als er hier erscheint, wird sich der Minderertrag voraussichtlich später noch stellen. Das ungarische Ackerbau- Ministerium schätzt in seinen Berichten über die Welt-Getreide-Ernte diese fast regelmäßig zu niedrig ein; und diesmal scheint es die Ernte-Erträge einzelner Staaten ganz besonders gering veranschlagt zu haben. So schätzt es zum Beispiel den Weizenertrag Deutsch- landS nur mit 35 statt mit 38. den Rogaenertrag mit 88 statt mit 199, den Haferertrag mit 65 statt mit 69 Millionen Doppel- zentner ein. Hafertransporte nach Sitdwestafrika. Ein für die kaufmännischen Fähigketten unserer heutigen Regierung außerordentlich charakteristt- sches Verfahren weiß das„Berliner Tageblatt" zu berichten. Der in Südwestafrika für die Pferde der deutsche» Truppen gebrauchte Hafer wird nämlich vom Proviantamt in Berlin zunächst mit der Bahn nach Hamburg gesandt, dann dort auf Wörmannsche Dampfer verladen und nach Südwestafrika befördert. Mit Recht bemertt dazu ironisch das betteffende Blatt:„Die Reichsregierung nimmt viel- leicht an, durch den Ankauf beim Proviantamt in Berlin der deutschen Landwirtschaft einen Dienst zu erweisen. Das wäre von feiten der Re- gierung ein Fehlschluß, denn in diesem Jahre herrscht in Deutschland ein Mangel an einheimischem Hafer, wie überhaupt an Futtermitteln. ... Aber davon abgesehen müssen doch die unnötigen Kosten, die daS Verfahren der Reichsregierung verursacht, Bedenken hervor- rufen. Das Naheliegendste wäre doch, unverzollte russische Ware zu erwerben. Es würde de», Kolonialamt dadurch eine Ersparnis von mindestens 28 M. pro Tonne erwachsen. Russischer Hafer könnte eventuell von der ReichSrcgierung direkt in den russischen Häfen und zwar in ganzen Dampferladm,gen er- worben werden. Aber wenn die Behörden es für ihrer unwürdig halten, sich kaufmännisch zu betätigen, so sollten sie wenigstens etwas praktischer vorgehen und den Hafereinkauf in den Seestädten Danzig Stettin, Hamburg und Bremen vornehmen lassen. Der Bezug durch das Berliner Proviantamt bedingt eine ganze Reihe von unnötigen Kosten: das Einladen in die Waggons, die Bahnfracht nach Hamburg, das Ausladen aus den Waggons in Hanrburg, das Ucberladen in die Schuten auf der Elbe und schließlich die Ueberführung auf die Dampfer. Die auf diese Weise ent- stehenden nnnöttgen Kosten dürsten mit etwa 29 M. per Tonne in Rechnung zu stellen sein. Nimmt man hierzu den Ueberpreis zwischen einheimischem Hafer und Transitware, der mindestens 28 M. beträgt, so stellt sich heraus, daß die Regierung für den fiir Südwestafrika erforderlichen Hafer unnötigerweise etwa 48 Mark pro Tonne zu viel bezahlt. ES wird geschätzt, daß bisher für den Herero- feldzug mehr als 19 900 Tonnen Hafer von Deutschland nach Süd- weftafrika verschifft worden sind. Danach wären vom Fiskus zirka 480000 Mark unnötig verausgabt worden." Die Hibernia-Gesellschaft. Wie im vorigen Jahre zahlt die Hibernia auf ihr älteres Aktienkapital von 41 Millionen Mark, wie in der gestrigen AuffichtSratssitzung angekündigt wurde, wieder 11 Proz. Dividende, auf die zum Erwerb der Kuxen von der Zeche „General Blumenthal" und der Zeche„Alstaden" ausgegebenen 11 Millionen Mark Aktien 4 Proz. Dividende. Siemens u. Halske. In der heute abgehaltenen General- Versammlung wurde der Jahresabschluß für 1993/04 einstimmig genehmigt und die Dividende auf 7 Proz. festgesetzt. In den Aufsichtsrat wurden die turnusmäßig ausscheidenden Mitglieder wiedergewählt. An Stelle des bisherigen AuffichtSratSvorsitzenden Carl v. Siemens, der sein Mandat niederlegte, wurde dessen Neffe Carl Friedrich v. Siemens(Direktor der Siemens Brothers Limited in London) gewählt. Deutsche Roheisenproduktion. Nach den Ermittelungen des Vereins Deutscher Eisen- und Stahlindustrieller sind im November 1994 in Deutschland und Luxelnburg 833 255 Tonnen Roheisen erzeugt worden. Die Zunahme der Roheisen-Erzeugung, die sich im Monat Oktober zeigte, hat also nicht angehalten; die Abnahme gegen den Vormonat beträgt 35 268 Tonnen. Die Verminderung bettifft Gießerei-, Besse», er- und Thomas-Roheiscn, während die Erzeugung von Stahl- und Spiegeleisen sowie von Puddel-Roheisen gegen den Vormonat zugenommen hat. GewerKfcKaMicKes. In der eigenen Schlinge. Die Schweinigelet in Köln, die wir jüngst schilderten, suchen die christlichen Wahrheitsfreunde durch christliche Bcmäntelungsversuche nicht aus der Welt zu schaffen— das läßt sich mit dieser schmutzigen Affäre nicht machen—, wohl aber etwas weniger blamabel für sich zu gestalten. Vom „Zentralverband für das graphische Gelverbe" ist dem„Lokal- Anzeiger" in Köln eine Darstellung zugegangen, in der es heißt: „Der Lehrling wurde von einem unorganisierten Kollegen verleitet, dem jüngeren Kollegen ein mit Kot gefülltes Paket in die Tasche zu stecken. Der bisher unserem Verbände an- gehörende ältere Kollege hat also nicht direkt daran teilgenommen, aber doch um den Streich gewußt und nichts getan, denselben zu verhindern." Diese Darstellung der Sachlage hat den einen kleinen Mangel, daß sie nicht ganz den Tatsachen entspricht. Der „ältere Kollege" war zurzeit des Vorfalles der Ver- trauensmann der christlichen Gewerkschaft. Er s e l b st, nicht ein anderer Unorganisierter, war der Ansüfter des Streichs.-- Uebrigens wäre das gleichgültig.— Die Schmutzgeschichte hat gewiß mit den Tendenzen der christlichen Gewerk- schasten nichts zu tun und könnte von diesen und ihren Preß- Vertretern mit kühler Gelassenheit als die Verfehlung eines einzelnen rohen Subjektes abgefertigt werden, wie man solche leider in allen Schichten trifft. Wenn die Zentrumspresse diese Haltung der Sache gegenüber nicht mit Recht einnehmen kann, so straft sich hier an ihr selbst die eigene Verfehlung, daß sie den freien Gewerkschaften— statt den Kampf gegen dieselben von prinzipiellen Gesichtspunkten aus zu führen— bei allen paffenden und unpassenden Gelegenheiten wirkliche und vermeintliche Verfehlungen einzelner ihrer Angehörigen vorwarf. Dabei nahm man es nicht einmal immer mit der Wahrheit genau und schmückte die Einzelvorkommnisse phan- tasttsch aus oder sog solche gar aus den Fingern. Unter all' dem aber, was die Zentrumspresse von Verfehlungen frei- organisierter Arbeiter zu berichten unternahm, ist nicht ein Fall, der so schmutzig und scheußlich ist, wie der Vorfall in Köln. Was wir an den christlichen Gewerkschaften beklagen, ist nicht die religiöse Ueberzeugung ihrer Mitglieder, ist nicht die einen beträchtlichen Teil derselben beherrschende Roheit und Unwissenheit, die ja nur ein Ausdruck der Tatsache ist, daß gerade diese Gewerkschaftsform in wirtschaftlich rückständigen Gegenden vorherrschend ist, sondern der Umstand, daß das Hineintragen des Kirchenregiments in die Arbeiterbewegung zur Zersplitterung der Arbeiterschaft beiträgt, sie davon abhält, auf wirtschaftlichem Gebiet geschlossen vorzugehen und sie abhängig machen kann von Interessen, die völlig außer halb der eigentlichen Arbeiterintcressen liegen. Es mag den erren vom Zentrum angenehm oder unangenehm sein: «Ifen können den Arbeitern nur Gewerkschaften, die ohne esinnen und ohne Rückhalt das Klasseninteresse der Arbeiter schast als ausschlaggebend fiir ihre Taktik anerkennen. Berlin und tlmgegend. Der Kampf in der Holzindustrie. Gestern vormittag fand in der Brauerei Friedrichshain eine Versammlung statt, an der die stteikenden Klavierarbeiter gemeinsam mit den ausgesperrten und streikenden Tischlern aus Berlin und den Vororten teilnahmen. Die am Kampf beteiligten Arbeiter der ge- nannten Berufe hatten sich, wie immer, zahlreich eingefunden. S t u s ch e, der über die Situation bei den Tischlern berichtete, machte unter anderem Mitteilung davon, daß am Montag eine Aus- spräche zwischen Verttetern der beiden Parteien auf dem Gewerbe- gericht stattfand, die von unbeteiligter Seite veranlaßt worden ist. Ueber den Inhalt der Verhandlungen konnte der Redner nichts mitteilen, weil dieselben noch nicht abgeschlossen find. Er bemerkte jedoch, daß eine etwaige Einigung nur auf der Grundlage der von den Vertrauensmännern gefaßten Beschlüsse zustande kommen könne. Die Versamnilung nahm diese Mitteilungen mit vollkommenem Gleichmut entgegen Der beste Beweis dafür, daß in den Reihen der Arbeiter keine Spur von Kampfesmüdigkeit vorhanden ist und daß sie der weiteren Ent- wickelung der Dinge mit gelassener Ruhe entgegensehen können. Wäre es so, wie die„Fachzeittmg" schon seit Wochen behauptet, daß nämlich die Ausgesperrten bei den Meistern um Wiedereinstellung bitten und mit wahrer Sehnsucht das Ende des Kampfes erwarten, dann hätte doch wenigstens ein Teil der Bersanimelten seiner Freude darüber Ausdruck gegeben, daß durch die Einleitung von Verhandlungen der Friede in Aussicht gestellt ist. Man hätte, wenn es so wäre, wie die„Fachzeitung" behauptete, den Verbandsvertretern jedenfalls ans Herz gelegt, daß sie unter allen Umständen auf den Abschluß des Kampfes hin- wirken müßten. Aber nichts von alledem geschah. Ruhig nahm die Versammlung, wie gesagt, die Mitteilungen auf, in dem Gefühl: Kommt ein annehmbarer Friede zustande, so ist es gut. Wenn nicht, dann halten wir eben noch länger in: Kampse aus. Ueber die Situation selbst war nichts Neues mitzuteilen. Auch Sickfeld, der über die Lage des Klavierarbeiterstreiks sprach, hatte keine Aenderungen zu berichten.— Dem Entschluß, den Kampf nicht eher abzubrechen, als bis ein annehmbarer Erfolg erreicht ist, gab die Versamnilung einmütig Ausdruck in einem begeisternden Hoch auf die Bewegung._ GewrrkschaftS-Kartell für Berlin und Umgegend. Bureau: Dragonerstraße 15. Telephon: Amt III 5028. Den Borständen und Interessenten zur Kenntnis, daß infolge der Feiertage unser Bureau am Sonnabend, den 24. cr., geschlossen bleibt. Gleichzeitig richten wir das Ersuchen an alle diejenigen, die im Besitz von Sammellisten sind, dieselben fleißig zirkulieren zu lassen. Die Veröffentlichung der bereits abgelieferten Listen erfolgt in der Nummer 52 der„Einigkeit". Der Ausschuß. I. A.: Jonny Hinrichsen. Oeutkehes Reich. Metallardeiter-Gaukonferenz. Eine aus 61 Orten von 69 Delegierten beschickte Gaukonferenz des Metallarbeiter-Verbandes— Gau Rheinand-Westfalen— fand am Sonntag in Essen statt. Der Verbandsvorsitzende Schlicke begründete die Vorlage des Vorstandes betreffend Erweiterung des Unterstützungswesens. Es ist vorgeschlagen, die Reisegeld- und Orts- Unterstützung zu einer Erwerbslosenunterstützung zu kombinieren. In der Diskussion sprachen sich die meisten Redner für die Vorlage aus. Bemängelt wurde, daß der Verband auf sozialpolitischem Gebiete nicht mehr geleistet habe; notwendig sei eine energische Agitattou für gesetzliche Einführung des Zehnstundentages. Besonders in der Groß- mdusttie stehe das Ueberstundenwesen in höchster Blüte. Von einzelnen Leuten, und zwar durchaus nicht in Ausnahmefällen, würden im Monat 35—40 Schichten gemacht. Unhaltbar seien die Arbeitsverhältnisse in den Feuerbetrieben; die Leute seien meist nur Arbeitstiere.— Weiter wurde in der Diskussion das Verhältnis zu den aus- ländischen Organisattonen besprochen und gefordert, dahin zu wirken, daß die dem Uebertritt in ausländische Organisationen entgegen- stehenden Schwierigkeiten hinweggeräumt werden. Im Prinzip m> klärte sich die Konferenz mit Einführung der Erwerbslosenunterstütznng einverstanden. Angenommen wurde sodann folgender Anttag: „Den Vorstand zu beauftragen, an die Gesetzgebung die Forderung zu stellen, für die Metallindustrie den zehnstündigen Normalarbeitstag gesetzlich vorzuschreiben. Die Forderung ist durch eingehendes Material über Arbeitszeit, Löhne, Erkrankungsgefahr er. zu begründen." Zum Punkt Gelverkschaftskongreß referierte Spiegel- Düffel- darf: Gefordert werden müßte die Einführung von Arbeiterkammern, ferner müßte der Gewerkschaftskongreß eine Richtlinie bezüglich der Maifeier, ebenso bezüglich der Beiträge zu den Gewerkschastskartellen schaffen. Vielfach würde zum Beispiel von den Borgarbeitern nur die Hälfte der sonst üblichen Beiträge gezahlt. In der Diskussion wurde von mehreren Rednern die Notiz im Metallarbeiter-Kalender bezüglich der Maifeier gerügt. Auch der Vorsitzende Schlicke hielt die Form nicht für ganz einwandsftei. Spiegel meinte, einen Demonstrationscharaktcr habe die Maifeier nicht mehr. Der von Wallbrecht- Düsseldorf erstattete Bericht über die Entwickelung der Organifatton in Rheinland-Westfalen konstatiert eine erhebliche Aufwärtsbeweguna: die Organisation zählte Mitglieder im 7. Bezirk. 1895: 1875, 1896: 3992, 1897: 4154, 1893: 4749, 1899: 4749, 1999: 7254, 1991: 9949, 1992: 13 209, 1993: 21939 und 1994: 23 070.— Gefordert und vom Vorstande zugesagt wurde die Anstellung von Geschäftsführern in Duisburg und Boöbum-Gelsenkirchen; die bezüglichen Anträge wurden der Gauleitung zur Berücksichtigung überwiesen. Sodann gelangte noch ein Antrag zur Annahme, welcher verlangt, daß im Verbandsorgan Geschäftsinserate nicht mehr aufgenommen werden. Damit waren die Verhandlungen beendet._ Eine Niederlage der KönigSberger Polizei. Die Strafkammer in Königsberg verhandelte gestern, wie uns durch Privattelegramm von dort mitgeteilt wird, gegen die Leiter der dortigen Maurerbewegung, die Genossen G e r l a ch und Schwarz. Dieselben sollten die Königsberger Polizei be- leidigt haben durch die Behauptung, daß dieselbe durch ihr Verhalten das Unternehmertum begünstige. Der Staatsanwalt beantragte gegen jeden der Angeklagten eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten. Der Verteidiger der Angeklagten. Rechtsauwalt H a a s e, führte jedoch einen umfangreichen Wahrheitsbeweis und das Gericht sprach beide Angeklagte frei! Einen uniformierten Strcitbrecher-Agentcn leistet sich nach der „Sächsischen Arbeiterzeitung" Großröhrsdorf in Sachsen. Dort streiken in der Tischfabrik von Menzel die Holzarbeiter, weil die Arbeitsbedingungen verschlechtert wurden. Der Gendarm sucht nun hin und wieder die Herberge zur Heimat auf, um die Gäste der- selben zu Streikbrecherdiensten zu animieren. Man kann sich denken, in welchen Konflikt da manch' armer Teufel kommen mag, der nicht zum Verräter an seinen Arbeitsgenossen werden will, im Falle einer Verweigerung der Arbeit aber eventuell polizeiliche Maßnahmen zu fürchten hat, weil er das Unglück hat, länger arbeitslos zu fein, als die Behörden dies gern sehen. Die Bereinigung der Blattgold-Fabrikanten von Nürnberg, Fürth und Schwabach hat nach der bürgerlichen Presse beschlossen, den mit dem Deutschen Metallarbeiter-Verbande abgeschlossenen Tarifverttag zu kündigen. Wen» kein neuer Verttag zustande komnien sollte, läuft derselbe am 1. März nächsten Jahres ab. Ruslnnd. Aussperrung in der norwegischen Holzindustrie. Die Arbeiter von„Snaröens Hobelei" in der Nähe Kristianias befinden sich seit einiger Zeit im Streik und ivollen die Arbeit nicht wieder aufnehmen, wenn nicht sämrliche Stteikenden wieder eingestellt werden. Nun hat die Norwegische Arbeitgeber-Vereinigung beschlossen, wenn diese Forderung nicht aufgegeben wird, alle Arbeiter, die die Streikenden unter st ützen, auszusperren. Dieser Be- schluß wurde am Sonnabend der Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften übermittelt. Letzte Nachrichten und Depefchen. Paris, 20. Dezember.(W. T. B.) Der Senat nahm heute einen Gesetzentwurf an, nach lvelchem, wenn der erste Weihnachts- Feiertag und der Neujahrstag auf einen Sonntag fallen, der darauf- folgende Montag ein gesetzlicher Feiertag sein soll. Paris, 29. Dezember.(W. T. B.) In der Kammer brachte heute der Finanzminister Nouvier eine Borlage betreffend die Be- willigung eines vorläufigen Ersatzzwölftels ein. Danach setzte das Haus die Beratung der Einkommensteuer-Borlage fort. Brüssel, 29. Dezember.(W. T. B.) Abgeordneten- haus. Bertrand(Sozialist) wünscht die Regierung über die Verantwortlichkeiten zu interpellieren, welche Belgien infolge der beunruhigenden Finanzlage im Kongostaate möglicherweise werde übernehmen müssen. Ministerpräsident de Smet de Naeyer erwidert, eine solche Möglichkeit bestehe nicht, er lehne daher die Be- antwortung der Interpellation ab. Der Kammerpräsident erklärt hierauf, die Interpellation werde in der ihr zukommenden Reihen- folge auf die Tagesordnung gesetzt werden. Die Regierung werde sich bis dahin darüber entscheiden können, ob sie Veranlaffung dazu habe, dieselbe zu beantworten. Auf eine Interpellation bezüglich der Kongobahn erklärt der Ministerpräsident, er habe an den Tarifver- Handlungen weder als Delegierter des Königs, noch als Finanz- minister teilgenommen. Weiter habe er auf die Anfrage nichts zu antworten. Damit ist der Zwischenfall geschlossen. Verhafteter Deftaudant. Görlitz, 29. Dezember.(W. T. T.) Der„Niederschlefischen Zeitung" zufolge wurde gestern der kaufmännische Direktor des Berg- Werkes Glückauf in Lichtenau bei Lauban, Fügener, verhastet und in das Görlitzer Gefängnis übergeführt; er soll im Verdachte stehen, mittest Nachschlüssels den Geldschrank des Bergwerkkontors erbrochen zu haben.__ Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Tokio, 29. Dezember.(Meldung des Rcuterschen Bureaus.) Das Hauptquartier veröffentlicht eine Liste von 26 in letzter Zeit gefallenen sowie 44 verwundeten Offizieren; man nimmt an, daß es sich um Verluste bei den jüngsten Angriffen auf Port Arthur handelt.— Der Kreuzer„Tsuschima" beschlagnahmte gestern bei Ulsan(Korea) den auf der Fahrt nach Wlädiwostock befindlichen Dampfer„Negretia". Bei Untersuchung der Ladung wurde eine große Menge Konterbande gefunden. Der Dampfer wurde nach Saseho gesandt, wo das Prisengericht über die Beschlagnahme ent.« scheiden wird. Die Nationalität des Dampfers, auch die genaue Schreibung seines Namens, stehen nicht fest. Tokio, 29. Dezember.(Meldung des„Reuterschen Bureau»".) Das Wachtschiff„Asagiri" hat gestern den englischen Dampfer„King Arthur" bei dem Versuche Port Arthur zu verlaffen weggenommen. Es verkantet, der Dampfer habe Vorräte nach Port Arthur gebracht gehabt. Er hatte russische Marineoffiziere an Bord, welche zu der baltischen Flotte zu gelangen suchten. Das Schiff wird zur Ab- urteilung durch das Prisengericht nach Saseho gebracht. MinneapoliS, 29 Dezember.(W. T. B.) Bei dem heutigen Hotelbrandc kamen neun Personen, die in dem Hotel Wohnung ge» nommen hatten, ums Leben. Durch den Einsturz des Nachbarhauses wurde daS Innere des Hotels durch große Mengen Mauerwerkes ver» schüttet. Berantw. Redatt.- Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw.(mitAusnahme der.Neue«eIt"-Beilage):Th.Glocke, Berlin. Druck U.Verlag: Vorwärts Buchdr. u.BerlagSanst. Paul Singer& Co., Berlin 8 W. Hierzu 2 Beilage»».UnterhaltemOsVl. ik-W. A. IchMg. 1. DtÜllKt Partei- I�ackrickten. ParteigenSssischeS Verfahre». Die Parteiblätter in Harburq, Kiel und Dortmund nehmen jetzt Notiz von unserer Richtigstellung hinsichtlich der Delmenhorster Resolution. Das geschieht aber keineswegs in der Weise, daß sie anerkennen, uns leichtfertig ehrenrührige Aorwürfe gemacht zu haben. Vielmehr haben danach diese Redaktionen gar keine Schuld, sondern die ganze Schuld hat der„Vorwärts". Für Harburg besteht unsere Schuld darin, daß wir die Resolution in einer Sonntag- Nummer veröffeutlichten, die der Redakteur in Harburg am Montag nicht lesen kann. weil er keine Zeit dazu hat und für Kiel besteht sie ebenfalls darin, dag der„Vorwärts" die Mitteilung nicht in den Nummern brachte, � die der Redakteur gelesen hat, soiidern in einer, die er nicht gelesen hat. Beide Blätter halten den Vorwurf der Unanständigkeit gegen uns aufrecht. Wir ersehen daraus mit Be- dauern, daß wir uns getäuscht habe», als wir der Hoffnung AuS- druck gaben, der Vorfall werde zur Förderung der Selbstbesinnung beitragen. Das Harburger Blatt bedauert dann, daß es seine kostbare Zeit darauf verwenden mußte, nach der Notiz im„Vorwärts" zu suchen und daß eS der„äußerst geringfügigen Angelegenheit" eine solche Wichtigkeit beizumessen durch uns gezwungen sei. Beide Blätter ergehen sich dann noch in einer Reihe von ungehörigen Ausfällen gegen den„Vorwärts", auf die wir so wenig eingehen werden, wie auf alle bisherigen derartigen Angriffe gegen uns. Wir halten nach wie vor daran fest, nur zu' sachlichen Streitfragen sachlich Stellung zu nehmen, wann und wie es uns das Parteiinteresse ge- bietet. Am allerwenigsten werden wir uns darin beirren lassen durch Anzapfungen der Art, wie sie von einzelnen Parteiblättern seit einiger Zeit beliebt werden. In dem vorliegenden Einzelfalle mußten wir nnS gegen den Vorwurf der absichtlichen Unterdrückung der Wahrheit, das heißt der Fälschung, verwahren und das hat allerdings für uns eine recht erhebliche Wichtigkeit. Mag sein, daß das für die Harburger Redaktion äußerst geringfügig ist; das beweist, daß unsere An- schauungen in diesem Punkte sehr weit auseinandergehen. Für den Verlust an kostbarer Zeit um dieser Sache willen sind wir nicht im- antwortlich. Haben wir doch nicht den geringsten Anlaß zu dem Angriffe auf uns gegeben. W Die„Dortmunder Arbeiterzeitung" schiebt mit Bedauem die ganze Schuld auf Harburg._ Neter eine Partriversammlung in Königsberg, die zum Zwecke der Besprechung über den preußischen Parteitag imd zur Wahl von Delegierten einberufen war, wird uns von zuständiger Seite geschrieben: In der Diskussion kam es zu sehr scharfen AuSeinandersctzungeir zwischen den Genossen Haasc, Erdnu-na, Braun u. a. und dem Redakteur Genossen Borchardt über d. altung und den Ton der „Königsberger VolkSzeituna". In einen. Artikel der„Königsberg« Volkszeitung" vom 16. d. M. war in der schärfsten Weise gegen die Erklärung der Fraktion und das Verhalten des Genossen Bebel im Reichstage in Sachen des bekannten Schimpfartikels der„LeipzigerVolks- zeitung„ protestiert worden und dabei vorausgesetzt, daß wohl sicherlich die Mehrzahl, wenn nicht alle Parteigenossen mit dem Artikelschreiber einer Meinung sein würden. Hiergegen wandten sich die vorhin genannten Genossen mit großer Entschiedenheit. Dabei kam denn auch die ganze Haltung und der Ton der„Königsberger Volksztg." zur Sprache. Es wurde der Redaktion vorgeworfen, daß sie den tiiapp bemessenen Raum der Zeitung mißbrauche, spaltenlange Erklärungen und Polemiken zwischen der„Leipziger Volkszeitung" und anderen Parteiblättern und Genosse» abdrucke und sich über- Haupt viel zu viel mit der„Leipziger Volkszeitung" beschästige. In seiner Erwiderung hierauf bezeichnete Genosse Borchardt die „Leipz. Volkzeitung" als da« best redegierte Parteiblatt und warf den, „Vorwärts" vor, er befolge dieTaktik derLeisetreterei, er versumpfe das Parteileben und belüge seine Leser. Später milderte er denn diese letztere Aeußerung indem er meinte. der„Vorwärts" belüge seine Leser allerdings nicht absichtlich. Ueber eine Resolution, in der die Versammlung erklärte, daß fie in einem besonderen Konflikt der Königsberger Genossen mit den dortigen Liberalen die Haltung der„Volkszeitung" gutheiße, wurde nach längerer Debatte zur Tagesordnung übergegangen. Dagegen wurde eine andere Resolution mit großer Mehrheit angenommen. die das volksfeindliche Verhalten und heuchlerische Wesen der Königs- berger Liberalen, besonders derjenigen im Stadtparlament, in der schärfsten Weise brandmarkte. Die Versamniluna dauerte bis nachts 1 Uhr. *» � Die„Königsberger Volkzeitnng", deren Redakteur uns in öffent- licher Versammlung der Versumpsting und der Lüge beschuldigt— eine unabsichtliche Lüge gibt eS nicht— bringt in ihrem Bericht über diese Versammlung kein Wort von diesen Vorwürfen gegen nnS und auch nicht die geringste Andeutung darüber, daß in der Versammlung an ihrer Haltung Kritik geübt worden ist. Unterdrückt sie das absichtlich oder unabsichtlich? Die Vorwürfe Borchardt« gegen uns sind von derselben Qualität wie die in der vorhergehenden Notiz gekennzeichneten. Wir haben deshalb nicht nötig, auf sie besonders zu antworten. Auf die Erklärimg Bebels in unserer SonntagSnummer ant- wartet nun Franz Mehring in der„Leipziger Volkszeitung" per- sönlich. Unter Berufung darauf, daß Bebel von den„Menschlich- keiten' spricht, denen der strittige Artikel der„Leipziger Volks- zeitung" seinen Ursprung verdankt, teilt Mehring mit, Bebel habe am S. Dezeniber an ihn geschrieben, daß er den Artikel der„Leipziger BolkSzeiwng" im Reichstage verleugnen werde und daß eS ihm scheine, Jaeckh, der Verfasser des Artikels, bedürfe eines längeren Urlaubs, um ihn vor dem Schicksal SchoenlankS zu bewahren. Im übrigen würden Mehring, Jaeckh und Vertreter des Leipziger Parteigeschäfts zu einer Konferenz vor dem Parteivorstande ein- geladen werden. Die Konferenz habe dann stattgefunden und Mehring habe zugegeben, daß Jaeckh eine? längeren Erholungs- Urlaubs bedürfe. Den Abwehrartikel gegen Bebels Erklärung habe Mehring verfaßt wegen der Form der Erklärung, die nach den ersten Berichten den Inhalt des ersten Artikels in jeder Richtung preisgab. Wenn Bebel nur einzelne Ausdrücke des Artikels mißbilligt, dann hätte Mehring eS nicht für nötig gehalten, zu antworten. Die Leipziger Genoflen hätten sich von vornherein bereit erNärt. den Artikel vom 2. Dezeniber zu decken, und der Abwehrartikel:„Ein Erfolg des Brotwuchers" sei von maßgebende» Leipziger Parteigenossen schon im Entwurf und auch„von mehr als einem" Fraktionsmitgliede gebilligt worden. In der Konferenz mit dem Parteivorstande hätten sich die Leistungen der„Leipziger VolkSzeitmig" einer Anerkennung erfreut, die die Redaktion nur beschämen müßte; insbesondere habe Bebel die Stärke seines Tadels damit begründet, daß die„Leipziger Volks» zeitung" das Blatt sei, das die Interessen und Prinzipien der Partei am wirksamsten vertrere,- sie sei ihm das liebste Parteiblatt, aber gerade deswegen müsse er e« um so unnachsichtlicher krittfieren. Diesen Grundsatz bezeichnet Mehring für die Politik als fragwürdiger. wie für die Pädagogik. Zum Schluß sagt Mehring. Bebel habe ihn durch die Erklärung im Reichstage in einen Konflikt gebracht zwischen der Pflicht der Dankbarkeit gegen Bebel und der Pflicht gegen die Leipziger Genossen. Dieser Konflikt sei ihm da« peinlichste und unerträglichste gewesen, was ihm in seiner Parteitättgkett zugestoßen, aber er mußte sich in des Jomittf diesem Gewissenskonflikt so entscheiden, wie er glaubt, daß auch Bebel sich in gleicher Lage entschieden hätte. Zum preußischen Parteitage beschloß der sozialdemokratische Volksverein in Solingen bezüglich der Landtagswahlen dieselbe Resolutton, wie der Kreis Potsdam-Spandau. Warnung. Die„Fränkische Tagespost" warnt bor einem ge- wissen Neuner, der als Pinselmacher Mtglied deS Holzarbeiter- Vereins ist. Der Nürnberger Arbeiter-Bildungsverein hat üble Er- fahrungen gemacht. Nenner ist ein junger Mann und macht sich gern in Versammlungen bemerkbar. Huö der Frauenbewegung. Die Arbeiterinnen der Amsterdamer Diamantindustrie haben sich während der letzten vier Jahre musterhaft organisiert. Im Jahre 1900 waren von den ungefähr 600 Arbeiterinnen kaum 100 in dem damaligen Rosettenschneiderinnen-Verein organisiert und sie hatten oftmals Spott von der Masse der Unorganisierten zu ertragen. Aber in demselben Jahre wurde bereits ein Tarifvertrag ab- geschloffen, der zwar nur geringe Verbesserungen, aber doch wenigstens Ordnung in die ganz ungeregelten elenden Lohn, und Arbeitsverhältnisse brachte. Seitdem ist eifrig für die Organisierung dieser Arbeiterinnen gewirkt worden und zwar so, daß jetzt alle Rosettenschnciderinnen mit einer einzigen Ausnahme dem Diamant- arbeiter-Verbande angehören. Ein solches Maß von Vollkommen- heit der Arbeiterinnen-Organisation steht wahrscheinlich einzig da in der internationalen Gewerkschaftsbewegung. Ihre vorzügliche Organisation macht es den Arbeiterinnen möglich, verhältnismäßig hohe Forderungen an die Unternehmer zu stellen. Sie haben, nach- dem die große Diamantarbeiter-Aussperrung in diesem Frühjahr glücklich überstanden war, den Arbeitgebern einen neuen Tarif vor- geschlagen, der nicht weniger als 40 Prozent Erhöhung der bisherigen Akkordpreise enthielt. Die Juweliere handelten etwas ab und man gab sich dann vorläufig mit LS Prozent und Aufhebung einiger Sondertarise, was für viele Arbeiterinnen eine weitere Er- höhung von 15 Prozent bedeutete, zufrieden; jedoch mit dem Vor- behalt, daß der geforderte Tarif in vollem Umfange am 1. Februar 1905 durchgeführt werden soll.— Uebrigens beteiligen sich die Arbeiterinnen auch sehr lebhast am Verbandsleben und zahlen gern die ziemlich hohen Wochenbeiträge von mindestens 40 Cent(63 Pf.). 8o2iales. Eintragung in das Bereinsregister. Der Feuerbestattungsverein in Köln hatte gemäß den Be- sttmmungen deS Bürgerlichen Gesetzbuchs seine Aufnahme in daS Vereinsregister beantragt. Der Polizeipräsident erhob dagegen Ein- fpruch, indem er sich auf§ 61 deS Bürgerlichen Gesetzbuchs berief, wonach der Einspruch gegeben ist, wenn es sich um Vereine handelt, welche religiöse, politische oder sozialpolitische Zwecke verfolgen.- Der Vereinsvorstand klagte gegen den Polizetpräsidenten und machte geltend, daS jene Boraussetzungen deS Einspruchs gegen die Ein- tragung nicht vorlägen. Der Verein fei nach dem Statut nur ein Sammelpunkt für die Freunde der Feuerbestattung und wolle ferner nur den Hinterbliebenen, die eine Feuerbestattung vornehmen wollten, mit Rat und Tat zur Seite stehen. Hierauf erwiderte der Polizeipräsident, der Vereii, verfolge religiöse Zwecke, weil er für die Feuerbestattung eintrete. Die Totenbestattung falle in daS religiöse Gebiet und alle das System der Bestattung berührenden Angelegenheiten seien Angelegenheiten religiösen Inhalts.— Der Bezirksansschuß veranstaltete eine Beweiserhebung und setzte dann den Einspruch des Polizeipräsidenten a u ß e r K r a f t. Es sei zu verneinen, daß die Feuerbestattung eine religiöse Handlung sei. Die Art der Bestattung sei kein Gegenstand der Kirchenlehre und werde eS auch nicht dadurch, daß die Kirche sich gegen die Feuerbestattung erkläre. Der Polizeipräsident legte Berufung ein und erhob nunmehr auch den Einwand, daß der Verein politische Zwecke verfolge, weil er indirett die Gesetzgebung und die öffentliche Meinung zugunsten der Leichenverbrennung beeinflusse.— Demgegenüber betonte der Kläger, daß der Berein gar nicht eine Aenderung der Gesetz- gebung erstreb«. Ausgeheilt davon, daß bei den preußischen Ver- Hältnissen aus lange Zeit in Preußen an die Einführung der Leichen- Verbrennung nicht zu denken sei, enthalte sich der Verein jeder agitatorischen Tätigkeit. Das Ober-BerwaltungSgericht bestättgte die Vorentscheidung lind setzte somit endgültig den Einspruch des Polizeipräsidenten außer Kraft. DaS Ober- VerwaltungSgericht hat damit nicht ausgesprochen, daß alle Feuerbestattungs- Vereine keine polittschen Vereine seien. Denn es hat seinerzeit den Berliner FenerbestattungS- Verein für einen polittschen im Sinn« deS 8 61 des Bürgerlichen Gesetzbuches erklärt, weil er die Zulassung der fakultativen Feuerbestattung er- strebe und somit sein Zweck auf eine Beeinflussung der Gesetzgebung oder der Verwaltung gerichtet gewesen sei.— Entscheidend sind also die Feststellungen jedes besonderen Falles. Ein LandeS-Arbeitersekretariat für Mecklenburg wird auf Beschluß der mecklenburgischen Gewerkschaften in Rostock errichtet werden. Die Lageristin. Von Herrn Krause, dem Inhaber einer Par- fümerie, verlangte die„Lageristin" St. durch Klage beim Gewerbe- gericht für die Woche vom Montag, den 7., bi» Sonnabend, den 12. November, ihren Wochen lohn von 8,2b M., wovon VersicherungS- beitrüge und der Betrag für zwei Flaschen Haarwasser abgingen, so daß ihre Forderung noch 6,70 M. ausmachte. Der Beklagte wandte zunächst Unzuständigkeit des Gewerbegerichts ein, weil die Klägerin als Lajjeristin eine kaufmännische Angestellte gewesen sei. Ueber ihre Tätigkeit wurde festgestellt: Klägerin schrieb Rechnungen aus und nahm in Abwesenheit des Chefs„Orders entgegen". Sie spülte Parfüm, und Bahrum-Flaschen, füllte sie und stöpselte sie, mit einem Wort: sie machte sie fertig zur Expedition an die Kunden, welche von Jungen besorgt wurde. Ihnen übergab sie die Flaschen mit einem sogenannten Lieferzettel. Die zurückgebrachte» Zettel mit dem Gclde legte sie in die Kasse. Eine eigentliche Buchführung lag der Klägerin nicht ob. Dagegen mußte sie im Geschäft für Reinlich- keit sorgen, unter anderem auch den Fußboden scheuern. Das Gewcrbegericht erklärte sich für zuständig und ging dann materiell auf die Sache ein. Der Beklagte bestritt, zur Zahlung des Lohne« für die ganze fragliche Woche verpflichtet zu fein. Er habe Dienstag mittag dem Mädchen erklärt, daß sie vom Mittag ab keinen Lob» mehr bekomme, sie könne aber die Woche noch bei ihm bleiben. Bcichäftigt werde sie nicht mehr.— Die Klägerin behauptete dem gegenüber, sie sei doch noch beschäftigt worden und habe sich nützlich zu machen gesucht.— Der Beklagte:„Sie ist nicht mehr beschäftigt worden; ich ließ sie aber im Geschäft daS war anständig von mir." — Vorsitzender Magistratsrat Dr. Meyer:„Ich meine, anständig wäre es gewesen, wenn Sie ihr die Zeit wo sie noch da war bezahlt hätten."— Beklagter:„Das ist Anschauungssache."— Auf diese charakteristische Aeußerung der Anschauung des Beklagten unterließ der Vorsitzende mit Recht eine weitere Belehrung des Herrn Krause. Die Kammer 8 verurteilte den Beklagten zur Zahlung der be- anspruchten 6,70 Mark mit folgender Begründung: In der Tat sei öfter die Frage zu prüfen, ob eine Lageristin eine kaufmännische oder gewerbliche Angestellte sei. Sie sei nach den verschiedenen Gesichts- punkten der konkreten Fälle verschieden zu entscheiden. Einmal sei eine Laaeristin eine Handlungsgehülfin, ein andermal nicht. Auf die Art der Beschäftigung komme eS an. Der Begriff sei sehr flüssig. Aber im borliegenden Falle sei zweifellos da» Arbeitsverhältnis ein Mitttvoch, 2t. Dezember IM. gewerbliches gewesen und nicht ein kaufmännisches. Nicht nur aus dem niederen Lohn, sondern aus allen obwaltenden Umständen ersehe man, daß eine rein mechanische gewerbliche Tätigkeit vorgelegen habe. Das Gewerbcgericht sei also zuständig gewesen. Und die Ver- urteilung müsse erfolgen, weil niemand zugemutet werden könne, unentgeltlich bei einem anderen in Beschäftigung zu sein. Da Klägerin die Woche hindurch im Geschäfte blieb, so müsse Beklagter ihr auch den Lohn zahlen. Dir Kaufmannswahlen in Mülhausen i. Elf. gingen unter sehr schwacher Beteiligung vor fich. Es lag nur eine Liste der Gehülfen vor. die mit 242 Stimmen gewählt wurde. Anzte und OrtSkasse in Leipzig. Die ärztlichen Bezirksvereine in Leipzig verlangen die Aufhebung der ärztlichen Beratmigsanstalten der Ortskasse. Sie haben bei der Kreishauptnraiinschaft ohne Angabe von Gründen darum angetragen. Die Kasse hat es abgelehnt darauf einzugehen, und eS wird nun ein Schiedsgericht darüber entscheiden, das au« vier Vertretern des Kasienvorstandes, vier Vertretern der ärztlichen Bezirksvereine und drei Vertretern der Kreishauptmannschaft besteht. Die DistriktSärzte waren seinerzeit von den ärztlichen Bezirks- vereinen teils zu 600 M.. teils zu 1500 M. Geldstrafe und mehrjährigem Verlust des Wahlrechts verurteilt worden. Auf ihre Be- rnfung crkaiinte jetzt der Ehrengerichtshof auf 600 M. Geldstrafe für den Vorsitzenden des Vereins der DistriktSärzte und je 300 M. für die übrigen Angeklagten sowie zweijährigen Verlust deS Wahl- rechtes.______ Vermischtes. lieber eine neue Braudkatastrophe inMinneapoliS wird bon dort folgendes berichtet: Heute stürzte eine Mauer eines der am 15. d. M. abgebrannten Häuser ein und setzte ein auS Holz erbautes Hotel in Brand. Drei Leichen sind bereits geborgen; mehrere Personen werden vermißt. Katholische Zenkur, Index,„Germania" und Druckfehlerteufel. Der„Germania" gefällt e§ nicht, daß wir dem der Sozialdemokratte verleumderischerweise nachgesagten Terrorismus den handgreiflichen Terrorismus der katholischen Kirche kürzlich gegenüber gestellt haben. Sie entschuldigt die Gewaltsamkeiten auf dem päpstlichen Thron, wovon wir in Nr. 294 nach Rosenows Geschichtswerk„Wider die Pfaffenherrschaft" berichteten, mit dem„wilden Zeitalter", wo mäßige italienische Adelsparteien um den päpstlichen Thron sich stritten. Wir begnügen unß mit dieser Anerkennung der Roheit jener Zeit, da die Kirche am mächtigsten war. Dann frägt die„Germania", Ivo denn die Kirche das Lesen altkatholischer Schriften verboten habe und wo die mit der Purgierung der Klassiker beauftragte Kommission fitze. Hier müssen wir nun bekennen, daß wir zwei höchst unzuverlässigen Gegnern zum Opfer gefallen sind, nämlich der„Germania" und dem Druckfehlerteufel. Wir hatten geschrieben akatholischer Schriften; gesetzt worden ist fälsch- licherweise altkatholischer. Allerdings rangieren diese jawohl auch unter den akatholischen und daher ist das Versehe» in sein« Bedeutung nicht allzu schlimm. Nun zu der trüben Quelle, aus der wir unsere Weisheit schöpften. Diese Quelle ist die— „Germania". In einem Artikel„Kirchliches Bücherverbot, Zensur, Index" heißt es in Nr. 38 der Wissenschaftlichen Beilage zum Jahr- gang 1897:„Verboten sind auch alle Schriften von Äkatholiken, welche wesentlich religiösen od« theologischen Inhalts sind, außer es stände fest, daß sie nichts gegen den katholi- schen Glauben enthalten." Und weit«:„Die älteren und neueren Klassiker, welche obszöne Stellen enthalten, sollen purgiert, und nur diese Ausgaben dürfen im Unterricht benutzt werden." Ueber die Strafen, die auf das Lesen gefährlicher Bücher gesetzt sind, und von denen die„Germania" von 1904 nichts weiß, heißt eS in der„Äernrania" von 1897:„Im Fall das Werk von einem abgefallenen ungläubigen Katholiken oder von einem Äkatholiken herrührt, religiöse Irrtümer enthält und verteidigt, ist aufdessen Lektüre sogar die von selbst eintretende Strafe der Exkommunikation festgesetzt." Gibt es wirklich einen ungereinigten Klassiker, auf den nicht wenigstens eine der zur Exkommmttkatton reif machenden Voraussetzungen zutrifft? Immer nach der„Germania" von 1897 selbstverständlich. Sollte sie in ihrer wissenschaftlichen Arbeit gelogen haben, dann bekennen wir uns gar deS Hereinfalls schuldig. Bei dieser Gelegenheit sei übrigens von einer neuen Heim- tücke des Druckfehlerteufels berichtet. Wir hatten gestern geschrieben, daß die polizeiwidrig dumme Lektüre der„Germania" selbst glanbens- starke Katholiken als Kastei un g erscheine. Der Druckfehlerteufel hat Kastrierung daraus gemacht. Dampferkatastrophe. Unter ähnlichen Umständen, die im Juni den Brand des Dampfers„General Slocum" so furchtbar ge- stalteten, ist am letzten Sonnabend morgen der Dampfer„Glen Island" bei Long Island gegenüber der Stelle, wo die„Slocum" verbrannte, vollständig durch Feuer zerstört worden. Dabei ver« brannten, wie wir schon kurz meldeten, sieben Mann der Mann- schast und zwei Fahrgäste. Man glaubt, daß eine schadhafte elektrische Leitung den Brand verursacht hat. Räch Ansicht des„Daily Chronicle" dürste kaum jemand zu tadeln sein, da die Mannschaft mit dem größten Heldenmut bemüht war, die Fahr- gaste zu retten. Die Mannschaft bestand aus zwanzig Köpfen, und das Schiff hatte zun. Glück nur zehn Fahrgaste an Bord. Fünf Meilen von Sands Point entfernt wurde Feuer im Schiff gemeldet. Es stellte sich sofort heraus, daß eine Rettung des Schiffes un« möglich war. Die Fahrgäste wurden auf Deck geholt und daS Niederlassen der Rettungsboote befohlen. Diese Arbeit der- zögerte sich unglücklicherweise, da die Seile gefroren waren. Gerade als das erste Boot herabgelassen wurde, stürzte eine Frau mit dem Rufe, sie habe ihr Geld vergessen, wieder in das brennende Innere des Schiffes zurück. Ein Matrose eilte ihr nach, beide verbrannten. Ein Fahrgast erschien erst auf Deck, nachdem die Boote zu Wasser gelassen worden waren. Er sprang mit brennenden Kleidern üb« Bord und wurde aufgefischt. Dem zweiten Maschinisten gelang es, mit mehreren seiner Leute den Dampfer auf den Strand zu setzen, aber sie vennochten das Schiff nicht zu retten, sondern verbrannten alle. DaS Feuer verbreitete sich angeblich so schnell in, Schiffe, daß keine Zeit Übrig blieb, um die Löschgeräte in Tätigkeit zu setzen.— Ob üoerhmlpt welche vorhanden waren?_ ßriefhaften der Redaktion. Jurdtikcher Cell. Die juristisch« eprechft»»d- findet tiiglich mit Ausnahme d«< SoimodendS den?>/, bis»>/, Uhr abend» statt. Geiistnet-? Uhr. Dachdecker Alt-Glienickr. Nachdem verhandelt war, konnte dt« Klage nur mit Ihrer Zustimmung zurückgenommen werden. Sie können Ver- urteilung de« Klägers in die Kosten verlangen und dann Ihre Kosten liquidieren. Erkundigen Sie sich schriftlich(oder mündlich auf der Gerichts- Ichreiberei) über den AuSsall de« Termins vom 12. ES wäre nicht ausgeschlossen, das) Kläger dolose Ihr Feiubleibe» erwirkt und dann Ver- säuinniSurtcii gegen Sie hat ergehen lassen. Gültige Zurücknahme einer Klage ersolgt durch Zustellung. Auf Antrag erhalten sie vom Gericht Ali- Ichrist des Protokolls.— B e h r e n d. die vor Wochen so viel Staub aufwirbelte, ist es rasch wieder still geworden. Im November muhte in der Stadtverordneten- Versammlung, wie unsere Leser sich erinnern werden, von sozialdemokratischer Seite wieder einmal an den im städtischen Obdach herrschenden Zuständen Kritik geübt werden. Den Anlaß dazu bot die Erörterung gewisser Verfehlungen, die einem im Obdach stationiert gewesenen Kriminal- Polizisten nachgesagt wurden. Genosse Adolf Hoffmann, der über die Angelegenheit berichtete, wies darauf hin, wie man in der'Obdachsverwaltung bemüht gewesen ist, möglichst nichts in die Oeffentlichkeit dringen zu lassen. Da aber in jener Sitzung der Stadtverordneten auf freisinniger Seite neue Vertuschungsversuche gemacht wurden, so wollte Hoffmann einmal an einem besonders lehrreichen Beispiel zeigen, wie nützlich es ist, daß Sozialdemokraten in die dunklen Winkel des Obdachs hineinleuchten. Er spielte darauf an, daß hinter der plötzlichen Pensionierung des Professors Behrend, früheren Leiters der Geschlechtskrankenstation im Obdach, noch anderes steckt als bloße Gesundheitsrücksichten, daß Behrend vielmehr das Opfer einer jener Hoffmannschen Revisionen geworden ist. Wir kommen auf diese Affäre heute noch einmal zurück, weil sie unter der Behandlung, die eine gewisse Presse ihr hat zuteil werden lassen, sich schließlich zu einem förmlichen Schtilbeispiel des freisinnigen Vertuschungs- s y st e m s entwickelt hat. Am Tage nach jener Sitzung stand in freisinnigen und zum Teil auch in parteilos sich nennenden Blättern manch' tadelndes Wort über die im Rathause ge- triebene Heimlichtuerei. Aber der Wind schlug bald um. Als Professor Behrend zur Abwehr eine Antwort verbreitete, die nur eine Fortsetzung der von seinen Gönnern geübten Be< mäntelungen und Vertuschungen war, gaben die meisten jener Blätter sich dazu her, ihm behülflich zusein. Mehr oderwenigervoll- ständig druckten sie die Ausführungen ab, in denen er die Umstände seines Dienstaustrittes als für ihn überaus rühmlich darstellt und es„eine ganz besondere Böswilligkeit" nennt, daß Hoffmann ihn mit der Sache deS Obdachpolizisten in Verbindung ge- bracht habe. Natürlich war es Hoffmann nicht eingefallen, B. mit jener Polizei-Affäre„in Verbindung zu bringen". Der„Vorwärts" stellte das fest, aber die bürgerliche Presse schwieg dazu. Sie schwieg auch, als wir eine Zuschrift Hoffmanns veröffentlichten, die sich deutlicher darüber ausließ, unter welchen Umständen der Herr Professor aus dem Dienst der Stadt geschieden ist. Man war jetzt offenbar selber von dem„VertuschungSficber" ergriffen worden, über das man anfangs so brav gescholten hatte. Dem ärzt- lichen Fachblatt, daS B.'S Rechtfertigung zuerst veröffentlicht hatte, glaubte Genosse H. eine Richtigstellung senden zu sollen, damit sein Schweigen nicht als Eingeständnis erscheine. Sie ist inzwischen von dem Blatt gebracht worden, aber mit einem Zusatz, in dem Herr V. bestreitet, was H. sagt, und austecht hält, was er selber behauptet hat. Wir hatten nun gemeint, die bürgerliche Presse werde sich auf diesen B.'schen Zusatz stürzen, aber merkwürdigerweise hat sie bisher weiter ge- schwiegen. Sie weiß offenbar genau Bescheid und will die Diskusston lieber nicht wieder eröffnen. Es bleibt also beim Vertuschen. Eine sehr eigentümliche Rolle hat in dieser Vertuschungs- epidemie auch der M a g i st r a t gespielt. Herr Behrend hat in seiner Rechtfertigung den Wortlaut der geheimen Vorlage angeführt, durch die der Magistrat die Pensionierung beantragte. Darin werden allerdings nur die Verdienste deS Herrn Professors gerühmt, aber mit keinem Wort wird davon gesprochen, daß noch andere Umstände als die Rücksicht auf seine Gesund- heit die Pensionierung empfehlenswert machen. Man kann es Herrn B. am Ende nicht verdenken, daß er nun diese Vorlage. die ganz in das freisinnige Vertuschungssystem hineinpaßt, triumphierend zu seinen Gunsten verwertet. Aber hoffentlich wird künftig bei ähnlich unvollständigen Begründungen der Magistrat durch die. die den Sachverhalt kennen, zu einer Ver- vollständigung gezwungen werden, damit festgelegt wird, warum ein Beamter pensioniert worden ist. D«» Berliner Gewerbegericht hat im Jahre 1903/04 wieder eine Zunahme der Prozesse gehabt, die noch zu erklären sein dürfte aus der am 1. Januar 1902 in Kraft getretenen Novelle zum Gewerbegerichts-Gesetz, durch die eine Ausdehnung der Zuständigkeit des Getverbegerichts in sachlicher wie in örtlicher Äinsicht herbeigeführt wurde. DieSmal gingen 12 533 Klagen ein. Nachdem 631 noch vor Abhaltung eines ersten Termins erledigt ivorden waren, verblieben für die Rechtsprechung 11922 Klagen. Von diesen wurden erledigt: 6127 durch Vergleich. 25 durch Verzicht, 2180 durch Klageriickuahme oder Ruhenlassen. 535 durch Abgabe an das JnnungSschiedSgericht, 34 durch Anerkennungsurteil, 1615 dürch Bersäuninisurterl, 1013 durch kontradiktorisches Urteil. Die übrigen 393 Klagen wurden in das Jahr 1904/05 mit hinübergenommen. Die einzelnen Kammern waren an den Klagen wie folgt beteiligt: Schneiderei und Näherei 2921, Textil-, Leder-, Putzindustrie 809, Baugewerbe 1364, Holz- und Schnitzstoffe 707. Metalle 1285, Nahrung, Beherbergung, Erquickung 2504, Handel und Verkehr 1394, Allgemein 933. An der erwähnten Zunahme der Klagen sind alle Kammern beteiligt, am stärksten Schneiderei und Näherei. Soweit in den Prozessen Geldansprüche in Frage kamen, blieben diese bei 48 Proz. der Prozesse unter 20 M. Ueber 100 M.(Berufungsarenze) gingen sie nur bei 6 Proz. hinaus. Die höchste Klagesimtme war diesmal 4275 M.. die niedrigste— 8 Pfennige. Der Streitgegenstand war 7484 mal rückständiger Lohn, 46<9 mal Ansprüche aus vorzeiftger Eni- laffung,'808 mal Herausgabe von Papieren, Handwerks- zeug usw., 736 mal Schadenersatz, 387 mal Ausstellung eines ArbeitszeugniffeS, 62 mal Wiederaufnahme der Arbeit, 58 mal Auflösung des Lehrverhältnisses usw. usw. Von Arbeit- gebern wurden nur 676 Klagen angestrengt, dagegen 11877 von Arbeitnehmern, darunter 3110 von Frauen und Mädchen, 113 von Heimarbeitern, 147 von Lehrlingen. 189 von Lauf- und Arbeitsburschen. AuS den Erfahrungen deS Berliner GcwrrdegerichtS pflegen die Berichte, die über die Tätigkeit deS Gerichte» alljährlich erstattet werden, manchen beherzigenswerten Hinweis zu bringen. Der neueste Bericht, das Jahr 1gl>3/0� behandelnd, richtet wiederholt an die Arbeitgeber die Mahnung, mehr als bisher dafür zu sorgen, daß du, Arbeitern de» Beendigung des Arbeitsverhältnisses ihre Arbeitspapiere stets ohne Verzug ausgehändigt werden. Ver» spätete Aushändigung der Jnvalidenkarte, des KrankenkassenbncheS. des Zeugnisses usw. führe»och allzuoft vor dem Gewerbegericht zu Prozessen, bei denen Schadenersatz verlangt wird, weil der Arbeiter ohne Papiere selten andere Arbeit findet. Gelingt der Nachweis des Schaden? und eines Verschuldens des Arbeitgebers oder seines be- rnienen Vertreters, und ist es auch nur ein' fahr- lässiges Verschulden,.so ist nach hiesiger Praxis der An- sprach begründet. Aber auch den Arbeitern, so fährt der Bericht fort, könne zur Vermeidung unnötiger Prozesse nicht dringend genug angeraten werden. beim Austritt aus einer Arbeitsstelle immer loaleich ihre Papiere z>i erbitten oder eventuell ihre genaue Adresse anzugeben, damit sie schnellstens zugeschickt werden können. Unter Umständen kann das Gericht auch ein eigenes Verschulden des Arbeiters annehmen und dann seinen Anspruch abweisen.— Diese Mahnung sollte auf beiden Seiten beherzigt werden. Wir vermuten aber, daß sie auf manchen der Arbeitgeber keinen sehr starken Eindaick machen wird. Für das Vergnügen, einen Arbeiter durch Einbehaltung seiner Papiere zu schädigen oder doch mindestens zu chikanieren, riskiert ein zahlnngs- fähiger Protz schon mal eine Verurteilung zu Schadenersatz. Den Nachlveis, Schaden erlitten zu haben, kann ja der Arbeiter nickt immer so leicht führen. Der Arbeitgeber, der einen Arbeiter auS Chikane die Papiere einbehält, darf in neun von zehn Fällen darauf rechnen, daß ihm nichts geschieht. DaS Projekt der Nntertuiinclimg der„Linden" zwischen Opern- platz und Kastanienwäldchen unterlag, wie verlautet, der Prüfimg der Aufsichtsbehörden in einer Konferenz, welche am Dienstag unter dem Vorsitz des Polizeipräsidenten Dr. V. B o r r i e s im SihungS- saale de? PrästdialgebäudeS am Alexanderplotz stattfand. An der- selben»ahmen u. a. Ober-Regierungsrat Dnmrath, Geh. Baurat. Bork, Baurat G r e v e und RegierungSrat Dr, H a s e l a u teil, j Von den vier vorliegenden Projekten kam nur das städtische in' Betracht. Danach wird die Einführung der Straßenbahngleise von der Markgrafen- und Behrenstraße.her geplant; sie sollen dann in einer Kurve bis zur Mittelaxe des Platzes und hier, gegenüber der Dresdener Bank in die Rampe eingeführt werden. Die letztere würde sich dann etwa bis zum Denkmal der Kaiserin A u g u st a hinziehen und hier in den Tunnel einmünden, der sich hakcnsörmig unterhalb der„Linden" nach dem Kastanienwäldchen erstrecken würde. Diese Lösung hielt in an für die verhältnismäßig beste und dürfte dieselbe dem Vernehmen nach auch dem Minister der öffentlichen Arbeiten, Herrn v. B u d d e, empfohlen werden, der, falls sie seine Zustimmung findet, die Genehmigung des Kaiser? ein« holen würde. Einige technische Bedenken /Steilheit der Rampe, Tut- gleisungSgefahr in der Kurve zc.) lassen sich leicht beseitigen. Eine Winter-ErholnugSstätte für mäunliche Kranke eröffnet am 5. Januar nächsten Jahres, mittags 12 Uhr, der Volksheilstätten-Verein vom Roten Kreuz in der Nähe der Vorortbahnstation Eichkamp im Grunewald. Es ist dies die erste, auch im Winter geöffnete Anstalt dieser Art: wir wollen hoffen, daß der beachtenswerte Versuch guten Erfolg hat. In dem neuerrichteten Bauwerk können einstweilen nur 60— 75 männliche Patienten Unterkunft finden. Bei der Be- liebtheit der Erholungsstätten darf wohl vorausgesetzt werden, daß die neue Einrichtung schon am ersten Tage voll belegt ist. Die Zentralkommission der Krankenkassen gibt bekannt, daß Vorniöldungen für die Winter> Erholungsstätte an das Bureau der Erholungsstätten, Friedrichstr. 207, Hof rechts, 2 Treppen, zu richten sind. Das„Frankeschc Waiscn�aus für Revierarme" befindet sich seit Jahren in der für Berliner Verhältnisse ungewöhnlichen Lage, die ihm zur Verfügung stehenden Stellen für Wnisenkinder größtenteils unbesetzt lassen zu müssen, weil eS an Kindern fehlt, die die ge- forderten Bedingungen erfüllen. Diese Stiftung ist hervorgegangen aus einem der S'adtgenieinde überwiesenen Vermächtnis des im Jahre l87l verstorbenen Kaufmanns A. F. Franke, aber ihre Für- sorge sollte nach den letztwilligen Bestimmungen des Stifters nicht hinausreichen über daS 28. Polizeirevier, das nur einen kleinen Teil der inneren Luisenstadt umfaßt, Strecken der Alten Jakobstraße, Konimandantenstxaße, Oranienstraße, Alexandrinen- straße usw. Aus diesem Revier sollte die Stiftung mindestens zwölf Kinder in Erziehung und Pflege nehmen. Die Kinder sind unterzubringen in dem städtischen„Waisenhaus Berlin", dessen Grundstück rn der Alten Jakobstraße gleichfalls aus dem Vermächtnis Frankes herrührt. Im Laufe der Jahre hat aber die Bestimmung, daß„mindestens" zwölf Kinder des 23. Reviers aus den Mitteln der Frankeschen Stiftung verpflegt werden sollen, sich immer wesiiger erfüllen lassen, weil es immer schwerer geworden ist, au» diesem kleinen Bezirk eine hinreichende Zahl entsprechender Kinder zu finden. Das Verwaltungsjahr 1901/02 begann mit nur noch vier Frankeschen Waisenkindern. 1902/03 mit nur noch zwei, und in 1908/04 war keine einzige der vorhandenen zwölf Stellen besetzt. 14 627 Vkark 73 Pf. sind bis jetzt ftir die W e i h n a ch t S- befcherung der Kinder unserer Ansgesperrten ein- gegangen. Das ist eine ganz beträchtliche Summe, aber sie genügt noch lange nicht, um den Kindern ein Freudenfest in dem Sinne zu bereiten, wie es vom Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommiffion ins Auge gefaßt worden ist. Wir erwarten daher von der Arbeiterschaft Berlin? und der Bor- orte, daß sie in dieser WeihnachtSwoche, wo auch im b"- scheidenen Proletarierheim der Tannenbaum hergerichtet wird. ganz besonders der Kinder derer gedenkt, die im harten Kampf mit dem Kapital monatelang selbstlos ausgeharrt und zum Besten der Gesamtheit Opfer von hoher Bedeutung gebracht haben. Jeder Arbeiter, jede Arbeiterin möge ihr Scherflcin beisteuern zu dem schönen Werk, das in diesen Tagen den Kindern der Ausgesperrten bereitet wird. Beiträge werden von 11 biS 1 Uhr und von 6 bis 8 Uhr vom Ausschuß im GewerkschaftShause, Engelufer 15, entgegen genommen; Geld- sendungen wolle man an den Reichstagsabg. Albin Körsten, Engeluser 15, richten. Ein tragisches Liebesdrama, dessen Hauptheld ein junger Mann aus den adligen Kreisen Berlin» war, hat jetzt seinen gerichtlichen Abschluß gefunden. Der 23jShrIge Student der Rechte Freiherr v. Watter au» Berlin lernte in München eine Kellnerin, nach dem Zeugni« aller Leute, die sie kannten, ein höchst ehrbare» Mädchen, kennen und knüpfte mit ihr ein Liebesverhältnis an, dem ein Kind entsprang. Der junge Freiherr, der eine sehr ideal angelegte Natur sein soll, machte e» nicht, wie eS sonst in seinen Kreisen allgemein„Sitte" ist, daß man die Betrogene mit einem Brocken schnöden Mammon» abspeist und sie dann ihrem Schicksal überläßt, sondern er war von dem ernsten Willen beseelt, die Mutter seine» Kinde« auch zu ehelichen. Mit diesem Vorhaben stieß er aber bei seinen aristokratischen Eltern auf heftinen Widerstand. Als Maitresie wollten sie ihrem Sohne das Mädchen gönnen, aber als Gattin niemal», da» wäre nicht „standesgemäß" gewesen. Der junge Mann besaß nicht den Mut und die Kraft, dem elterlichen Willen zu trotzen. sondern gab sich der Verzweiflung hin und überredete das Mädchen, mit ihm zu sterben. Sie reisten beide mit dem einige Monate alten Kinde nach Nürnberg und logierten sich al» Ehepaar in einem der ersten Hotels«in. Hier wollten sie ihr Vorhaben zur Ausführung bringen. Am St. März früh 4 Uhr erdrosselte v. Watter das Kind mit einem Strick und tötete seine Geliebte durch einen Revolverschuß. Mit einem zweiten Schutz wollte er sich selbst au» der Welt schaffen, aber er traf schlecht und verwundete sich nur schwer am Kopfe. Im Nürnberger Krankenhause wurde er wieder hergestellt, aber sein Augen- licht ist für immer dahin. Nach seiner Genesung wurde er in Untersuchungshaft verbracht und e» sollte ihm der Prozeß wegen Doppelmordes gemacht werden. Nunmehr ist jedoch die Klage gegen ihn niedergeschlagen worden, weil er im Momente der unseligen Tat nicht zurechnungsfähig gewesen sei. Er wurde auS der Haft entlasten und ist bereit», an Geist und Körper eine klägliche Ruine, zu seinen Eltern nach Berlin zurückgekehrt. Der junge Mann ist nun für sein ganze» Leben ein Krüppel, aber die„StandeSwürde" ist glücklich gewahrt geblieben. die adlige Familie ist nicht durch eine„Mesalliance" geschändet. Und da» ist schon auch was wert. Wie man auf anderer Leute Kosten lebt. Einen„Schutz vor gewerbsmäßigen Zechprellern" wollen die Gastwirte der westlichen Vororte durch eine schwarze Liste fanler Kunden schaffen. ES handelt sich nickt um die armen Teufel von Zechprellern, welche sich einmal, ohne Pfennig in der Tasche, ordentlich sattesten wolle», sondern um gelvohiiheitSinäßige Betrüger, welche namentlich die Inhaber besserer Restaurants hineinlegen, indem sie durch ihr vertrauenertveckendes sichere? Auftreten ganze Diners für Gesellschaften und Vereine heraus- zulocken wissen, oder auch nach einigen beglichenen Bestellungen, den Restanrateuren größere Darlehen ünter allerhand Vorspiegelungen abschwindeln. Es ist notorisch, daß es eine ganze Anzahl heruntergekommener Leute aus gebildeten Kreisen gibt, welche ans Grund ihrer früheren Bekaniuschaft die Vertrauensseligkeit von Gastwirten in ungeniertester Weise ausnützen und auf deren Kosten ein leichtes Leben führen. Diesen Gesellen soll durch gemeinsames Vorgehen das Handwerk gelegt werden._ Gefahrvu lle Heimarbeit. Wegen der Feuergefährlichkeit des Z e l l u l o i d ist vor kurzem eine Eingabe an das Polizeipräsidium gerichtet worden. Gewiß sind umfassende Maßnahmen für Zelluloidfabriken notwendig; aber nicht minder ist eine scharfe Kontrolle der Heimarbeit angebracht. Hier werden Zelluloidwaren verschiedener Art mit einer Leicht- fertigkeit hergestellt, die nicht allein für die mit der Arbeit be- schäftigte Familie, sondern für die ganze Hansbewohnerschaft schwere Gefahren in sich birgt. ES wird da geschnitzt, geinalt, gelötet und aufgesetzt unter den ungünstigen BetriebSverhältnissen, die eben die Heimarbeit charakterisieren. Besteht die Wohnung, was ja durchaus nicht immer der Fall ist, au? mehreren Zimmern, so wird das kleinste zum Arbeiren benutzt. Kaum daß es dem Arbeiter möglich ist, in diesem Raum sich ohne Gefahr umzudrehen. Gar oft wird auch die Küche als Arbeitsraum hergerichtet; man arbeitet dann in der Nabe der Kochmaschine, beim Scheine einer auf dem Tische stehenden Petroleumlampe. Wo eine Drehbank gebraucht wird, wie beim Aufsetzen von Zelluloidgriffen auf Schirmstöcke, da hängt die Lampe an einem auf der Drehbank stehenden Leuchterstock; alle Schwankungen und anderen Bewegungen der Drehbank mutz die Lampe mitmachen. Es ist ein Wunder, daß eS unter solchen Arbeits- Verhältnissen noch nicht zu einem größeren Unglück gekommen ist; bricht aber einmal m einer derartigen Werkstatt Feuer auS, dann wird es keinem möglich sein, sich zu retten. Es ist bekannt, mit welcher Gewalt sich bei brennendem Zelluloid Rauch und Gase ent- wickeln; wer wirklich von den rasend schnell um sich greifenden Flammen verschont bleiben sollte, der wird von den Gasen in wenig Augenblicken betäubt sein. In den gelluloidfabriken kontrolliert die Polizei ständig und sorgt zumeist dafür, daß Notausgänge hergerichtet und Löschvorrichtungen bereit gehalten werden. Ebenso werden über die Beleuchtung und den Umgang mit Feuer und Licht strenge Vorschriften erlassen; selbstverständlich ist auch daS Rauchen in derartigen Arbeitsstätten verboten. Alle diese Schutzmaßregeln fehlen in der Häuslichkeit der Heimarbeiter und können dort auch aar nicht eingeführt werden. Bis jetzt waren die von der orgnni- sicrten Arbeiterschaft unternommenen Bemühungen, die Polizei für die geschilderten Gefahren zu interessieren, ohne Erfolg. Und doch muß im Interesse der öffentlichen Sicherheit etwas gescheben. Die einzige Maßnahme von wirklichem Nutzen bleibt allerdings das generelle Verbot, Zelluloidwaren in der Heimarbeit herstellen zu lassen. Ein solches Verbot ist auch volkswirtschaftlich von Segen, da die Unternehmer, die unter den geschilderten Umständen gemein- gefährlicher Rawr fabrizieren, als schlimme PreiSdrllcker den Ar- bcitern bei der Erringnng menschenwürdiger Lohn- und Arbeits- bedingungen am meisten im Wege sind. Wer allerding« das Walten der Polizei bei Lohnkämpfen beobachtet, mag auf den Gedanken kommen, daß der eben angeführte Grund die Behörde von einem energischen Vorgehen abhält._ Vom Drrschgrafcn. Mit Verhaftung bedroht wurde Graf Pückler von der Polizeivcrwaltung in Oranienburg für den Fall, daß er dort sprechen würde. Nachdem der Graf vergeblich in Friedrichsfelde, Wilmersdorf und anderen Bororten Versucht hatte, eine Rede zu halten, wandte er sich nach Oranienburg. Hier kam jedoch auf die VersammInngSanmeldnng folgender Bescheid der dorttgen Polizeiverwaltung:„Nach amtlicher Auskunft soll Graf Pückler-Klein-Tschirne geistig nicht normal sein und kann daher sein Austreten in der fraglichen Versammlung nicht gestattet werden, da bei diesem seinem Zustande eine öffentliche Anreizung verschiedener Klassen der Bevölkerung zu Gewaltthätigkeiten gegen einander zu befürchten ist. Sollte Graf Pückler dennoch als Redner auftreten, so würde seine Sistierung behufs Feststellmig der Personalien erfolgen müssen".— Ein Vorspiel zum Piickler-Prozeß, der im Jamiar nächsten Jahres vor dem Land- gericht I seinen Anfang nehmen wird, gab es vor dein Schöffen- gericht in Moabit. Ein Verteiler von Pncklcr-Rcden hatte gegen ein polizeiliches Strafmandat gerichtliche Entscheidung beantragt. Er hatte eine Polizeistrafe von vier Mark erhalten, weil er die konfiszierte Pückler-Rede„Der Ruin des Handwerks", auf der Straße verteilt haben sollte. Der Zcttelvcrteilcr behauptete, er habe die Reden nur in Geschäften verteilt. Vor Gericht wurde die beschlag- »ahmte Rede vcrleien und vom Richter festgestellt, daß ihr Inhalt nicht zu beanstanden sei. Da außerdem nicht festgestellt werden konnte, ob die Reben auf den Straßen verteilt wurden, erfolgte Freisprechung deS Zettelvcrtcilers. Der Wiener Victoria-Prozeß. Aus Wien wird berichtet: Die in dem Ehrenbeleidigungs- Prozeß der Berliner Vcrsichcrmigs« gesellschaft Victoria gegen ihren gewesenen Generalagenten Aga! von letzterem erhobene NichttgkeitSbeschwerde ist vom Kassationshofe zurückgewiesen worden. Besuch in der Rotunde. Einen seltsamen und etwaS ungestümen Besuch erhielt gestern morgen um 7 Uhr die Rotunde, die an der Einmündung der Straße am Friedrichshain in die Friedcnstraße steht. Ein Kutscher von Buggenhagen in der Kövenickerslraße Nr. 8 fuhr mit einem leeren Mörtelwagen die Friedcnstraße entlang. Auf der abschüssigen Strecke von der Weinstraße nach dem Königstor ging das Hemmzeug entzwei und nun konnten die Pferde aus dem Trab nicht mehr angehalten werden. Immer schneller liefen sie die Bahn hinunter, bis die Rotunde ihnen Halt gebot. Das rechte Pferd rannte mit dem Kopfe gegen die eiserne Wand. zerschmetterte sich den Schädel und fiel in die Anstalt hinein. weil in demselben Augenblick die Deichsel die Wand zertrümmerte. Da? linke Pferd kam neben der Anstalt zu Falle. Arbeiter einer Roßschlächterei auS der Greifswalderstraße befreiten die Tiere mit Winden und Stricken. Da» eine war unversehrt geblieben, daS verletzte dagegen verendete bereits beim Aufwinden auf den Wagen. Die Anstalt, in der sich während des Unfalls zum Glück niemand befand, mußte zur Nnsbesscrung geschlossen werden. Aus der UittersnchnngShast„getzfiffen" hat die 23jährige uu» verehelichte Taffert und so der Polizei die Ämittsluug einer toeifc- Fichen Diebesbande ermöglicht, die schon seit langer Zeit getverbs Die Schiller Theater Attiengesellschaft beruft ihre diesjährige| System sicher sei. Am Donnerstag fand nun im hiesigen Gemeinde mäßig Raubzüge in hiesigen Warenhäusern ausführte. Es handelt Generalversammlung auf Donnerstag, den 29. Dezember. Unter hause eine Sigung der Ministerial- Kommission zur Beratung der sich um sechs Mädchen, im Alter von 20 bis 28 Jahren, die teilweise auderm enthält die Tagesordnung einen Antrag auf Erhöhung des vorliegenden Entwässerungsentwürfe statt. " Erschienen waren zu Der schon Borstrafen erlitten, Gefängnis bis zu neun Monaten verbüßt Kapitals durch Ausgabe von Vorzugsaktien bis zum Höchstbetrage dieser Sigung einige Geheimräte aus dem Ministerium, der Landrat haben. Die Schlottenfäller", wie diese Kategorie von Verbrechern von 60 000 M. und dementsprechend eine Statutenänderung, die auf des Kreises, der Kreisarzt, der Baurat Leithold, die Amts, genannt wird, arbeiteten gewöhnlich in Gruppen von zwei oder drei eine Erhöhung der Zahl der Aufsichtsratsmitglieder hinausläuft. vorsteher von Lichtenberg und Rummelsburg, sowie der hiesige Bersonen. Während eine stahl, wurde sie durch ihre Gehülfinnen Dieser Antrag auf Erhöhung hat seinen Grund darin, daß die Amis- und Gemeindevorsteher Löchert nebst einigen Schöffen. gedeckt, die sofort die geraubten Sachen an sich nahmen und in Zeichnungen der neuen Vorzugsaktien, die die Schiller- Theater- die Leitung führende Geheimrat stellte folgende Beratungsordnung ihrer Kleidung verbargen. Wurde die Diebin einmal gefaßt, so Gesellschaft für das Charlottenburger Schiller- Theater ausgiebt, so auf: 1. Die Anlage von Rieselfeldern. 2. Die Anwurde bei ihr gar nichts oder eine Kleinigkeit gefunden; die Firma zahlreich eingehen, daß die ursprünglich in Aussicht genommene lage einer Klärstation. 3. Die Notwendigkeit der ließ die Person laufen, weil es sich dem Anschein nach um feine Summe von 110 000 m. überschritten werden wird. gewerbsmäßige Diebin handelte. So fonnte die" Chawrusse" monatelang ungestört arbeiten und machte reiche Beute. Die gestohlenen Sachen wurden zum Teil verschärft, teilweise von den Diebinnen selbst verwendet. Die Untersuchung hat so reichliches Material gegen erhoben werden konnte. die sechs Angeschuldigten ergeben, daß die Anklage gegen sie bereits Zu dem Leichenfund am Görlitzer Ufer, der zur Verhaftung des Handelsmannes Blumberg aus Rigdorf wegen Mordes an dem Dienstmädchen Schalicke führte, haben sich nun auch noch der Mann und die Frau gemeldet, die von der Kriminalpolizei als Zeugen gesucht wurden. Das Ehepaar hatte mit einer Bekannten eine Schankwirtschaft besucht und war dort in Streit geraten. Aergerlich war die Frau weggelaufen und hatte gedroht, daß sie ins Wasser gehen werde. Der Mann ging nun mit der Bekannten nach dem Maybach- Ufer nach und kam gerade dazu, als aus dem Kanal um Hülfe gerufen wurde. Der Mann glaubte nun, daß seine Frau im Wasser liege und wollte versuchen, sie zu retten, erhielt aber von einem Schiffer, den er weckte, kein Boot. Unter Grobheiten und Drohungen abgewiesen, eilte er nach Hause, fand aber dort seine Frau wieder. Wie die Schalice ins Wasser geraten ist, insbesondere, ob Blumberg sie hineingestoßen hat, darüber können auch dieser Mann und seine Begleiterin nichts mitteilen. jedoch analisation in Friedrichsfelbeotwendigkeit der allen Zeichnern den Erwerb einer Attie zu sichern, soll gleich von Zum ersten Punkt führte der Geheimrat aus, daß es zu empfehlen vornherein die Erhöhung festgesetzt werden. sei, die Gemeinde Friedrichsfelde mit den Gemeinden Die Teilnahme an den studentischen Unterrichtskursen für Arbeiter Rummelsburg und Lichtenberg zu einem 3 wedverband für die Erwerbung von Rieselländereien zu vereinigen. Sturfe genötigt fah, nach größeren Räumlichkeiten Umschau zu halten. fich dagegen, da die Belastung der Gemeinden bei der zurzeit ist eine derartig rege, daß sich die Kommission schon zu Beginn der Der Kreis- Landrat sowie der hiesige Gemeindevorsteher wandten Dioch das Entgegenkommen des Herrn Dr. Freund ist es möglich geworden, im Hause des paritätischen Arbeitsnachweises in der Gor- bestehenden finanziellen Lage, eine zu große sei. Demgegenüber mannstraße geeignete Räume zu erhalten. Die Teilnehmerzahl ist hoben die Vertreter der Aufsichtsbehörde hervor, daß billige Rieselfelder, welche gemeinsam betrieben werden, die Finanzen bessern mittlerweile auf 570 gestiegen. würden gegenüber anderen Klärverfahren. Beim zweiten Punkt erklärten die Regierungsvertreter, daß ein einwandfreies praktisches Klärverfahren( künstliche Klärung) noch nicht erprobt sei. Auch das von der Gemeinde Friedrichsfelde beabsichtigte biologische System sei nicht zu empfehlen, da abschließende günstige Urteile noch nicht vorliegen. Hierbei kam auch gleich ein Protest der Gemeinde Rummelsburg zur Sprache, welcher dahin geht, der Gemeinde Friedrichsfelde die Anlage einer Klärstation an der Rummelsburger Grenze aus ästhetischen Gründen nicht zu gestatten. Der Protest wurde zurückgewiesen. Es werden in den Weihnachtsferien noch folgende Vortragsabende veranstaltet: Mittwoch, 21. Dez.: stud. phil. Pohl über „ Drahtlose Telegraphie" mit Experimentei. Mittwoch, 28. Dez: Dr. Croner:" Geschichte der Che". Freitag, 30. Dez. cand. phil. Gg. Engelbert Graf:" Japanische Kultur". Die Vorträge finden statt im Arbeitsnachweise, Gormannstraße 13 I. Eintritt für Hörer bei Vorzeigung der Teilnehmerkarte frei, sonst 10 Pf. a Person. Nixdorf. " 1 " Reinickendorf.disp Es sollen zunächst Bu Aus den Nachbarorten. Die Diskussion über den legten Punkt, die Notwendig. feit der Kanalisation in Friedrichsfelde" brachte Bankow- Niederschönhausen. Den Parteigenossen und Abonnenten verschiedene bedeutsame Momente zutage. Gemeindevorsteher des" Vorwärts" zur Kenntnis, daß die Parteispedition für 2öchert berichtete, daß die Bevölkerungszunahme im alten Ortsteil Es ist seit Jahren gleich Null sei, da nicht gebaut wird. Alles wartet auf Wie vorsichtig Photographen sein müssen, wenn sie die Vorteile Bankow- Niederschönhausen am 1. Januar eröffnet wird. des Urheberschutzes für sich geltend machen wollen, zeigt eine An- Pflicht jedes Parteigenossen, soweit er den Vorwärts" noch von die Kanalisation. Der Kreisarzt machte auf die beachtenswerte Zahr gelegenheit, die sich kürzlich zwischen einem hiesigen Photographen Privatspediteuren bezieht, sofort bei der Parteispedition der Typhusfälle aufmerksam. Hier sei obligatorischer Anschluß und einer großen photographischen Aktiengesellschaft in einem süd- stellen. Wir hoffen, daß die Genossen, deren Wunsch auf Errichtung sind von uns wiederholt an dieser Stelle besprochen worden. Pankow, Flora str. 66, bei Genossen Freiwaldt zu be- an die Wasserleitung erforderlich.( Die beiden letzten Erscheinungen westlichen Vorort abgespielt hat. Der Photograph betreibt als einer Parteispedition am Orte nunmehr erfüllt ist, eifrig für die 28ürden die Vorschriften über Abstand zwischen Brunnen Spezialität die Anfertigung stereoskopischer Genrebilder. Er mietet Parteispedition agitieren. Der Vorstand. und Dunggrube genau beachtet werden, dann müßte man sich Modelle, stellt Staffagen usw. und vertreibt die angefertigten Brunnen die Mehrzahl der als gesundheitswidrig schließen. Bilder auf seine Rechnung. Eines Tages bemerkte er, daß hunderte dieser Bilder von der photographischen Alliengesellschaft nachgeahmt Der Regierungsvertreter will die geplante Anlage in Friedrich 8Bei den Stadtverordnetenwahlen, die gestern in Rirdorf felde bei seiner Behörde zur Genehmigung befürworten, find; es stellte sich heraus, daß diese Gesellschaft die Bilder für in Verhandlungen große Geschäfte zu Reklamezwecken angefertigt und selbstverständlich stattgefunden haben, sind unsere Parteigenossen Keil und den rät aber den drei Gemeinden, nochmals einen tüchtigen Gewinn dabei eingeheimst hatte. Natürlich meldete glatt gewählt worden, ohne daß die Gegner Kandidaten auf zur Bildung eines Zweckverbandes betreffs Erwerbung gemein Der Erfolg dieser Beder Photograph sich bei der Gesellschaft, doch diese bedeutete ihm, gestellt hatten. Keil im 6. Bezirk erhielt 200, Jden im famer Rieselländereien zu treten. daß er Ansprüche nicht geltend machen könne, da die Photographien 13. Bezirt 284 Stimmen. ratung wird sein, daß die Einführung der Kanalisation von den feinen Firmenstempel trügen. Das traf nun zwar zu, aber der PhotoGegnern dieses Projektes nunmehr noch länger versleppt Eine Attentäterin im Gerichtssaal. Ein aufregender Vorgang werden wird. graph erbot sich, durch Vorlegung der Platten den Beweis zu liefern, daß spielte sich gestern mittag in einer Verhandlung ab, die vor dem fein Eigentum benutzt worden ist. Die Aktiengesellschaft verstand sich Amtsgericht in Rirdorf stattfand. Die unter fittenpolizeilicher Aufschließlich dazu, eine fleine Summe, die dem Wert der von ihr be ficht stehende Anna Rosenberg hatte sich wegen Beleidigung und nuzten fremden Driginale nicht entfernt versprach, als Ent Körperverlegung des Gastwirts Zimmermann zu verantworten. Nach Die Gemeindevertretung beschloß in ihrer letzten Sigung die schädigung zu geben, doch zog sie auch dies Gebot zurück, als sie dem Antrage des Amtsanwalts Koparski wurde die Angeklagte Anstellung eines wissenschaftlichen Lehrers für das an erfuhr, daß der Photograph das Verbrechen begangen hatte, feine Ansprüche in die Hand eines Rechtsanwalts zu legen. Ob ein nach furzer Beratung zu einem Monat Gefängnis verurteilt. 1. April 1905 zu eröffnende Real- Gymnasium. Prozeß Erfolg haben wird, erscheint unter den erwähnten Umständen Ungeduldig wartend hatte die Rosenberg, die bereits wegen drei Vorschulflaffen und eine Sertaflasse eingerichtet werden. fehr zweifelhaft und ist, wenigstens vom Standpunkt der Geschäfts- gleicher Delikte mehrfach vorbestraft ist, der Urteilsverkündung den Vorschulklassen sind bis jetzt 30 Schüler, zu der Sertallasse des Verhandlungsführers zugehört. Plötzlich stürzte fie mit 36 Schüler angemeldet worden. Mit der Straßenbeleuchtung moral betrachtet, ja auch nicht von großem Belang, Von diesem Standpunkt aus ist es aber charakteriſtiſch, daß eine Gesellschaft, die dem Tische des Verteidigers stehende Tintenfaß und schleuderte dürfte der gute Mond aus dem Brennkalender gestrichen werden. Standpunkt aus ist es aber charakteristisch, daß eine Gesellschaft, die drohender Geberde aus dem Anflageraum heraus, ergriff das auf foll es bis zur nächsten Etatsberatung beim alten bleiben, dann ihren Aktionären jährlich zehn Prozent Dividende zahlt, sich das des ersten Erholungsheims der geistige Eigentum eines kleinen Mannes ohne Federlesen aneignet es mit aller, Kraft nach dem Kopf des Amtsanwalts Roparsti. Das Für die Ausstattung des Das und diesem Mann entrüftet kommt, wenn er seine im Schweiße des Geschoß" verfehlte aber sein Ziel und flog in weitem Bogen gegen Gemeindebeamten wurden 100 Mart bewilligt. den Tisch, an dem das Richterkollegium faß. Von den Richtern öffentliche Anschlagwefen soll vom 1. Januar 1905 Angesichts verrichtete Arbeit bezahlt haben möchte. wurde niemand beschädigt, dagegen wurden die auf dem Tische ab eine Regelung erhalten. Der Buchdruckereibefizer und GemeindeDer noble Fuhrherr. Festgenommen wurde der angebliche liegenden Akten 2c. stark mit Tinte besprigt. Die Richter waren von schöffe Schemmel hat die 18 Transformatorensäulen der Allgemt. " Fuhrherr", der jüngst, wie von uns gemeldet wurde, auf eine ab- ihren Pläßen aufgesprungen; im gleichen Augenblicke eilten Gerichts- Elektrizitätsgesellschaft, die als Anschlagsäulen benutzt werden sollen, gefeimte Art einem Geschäftsmann 40 M. abgeschwindelt. Es ist diener herbei und ergriffen die sich wie rasend geberdende An- gepachtet. Der Gemeindevorstand ersucht nun die Vertretung um der frühere Schlächter Hermann Bromby, ein Betrüger im großen, geflagte, die, grobe Schimpfworte ausstoßend, auf das Richterpodium die Genehmigung eines Vertrages mit Herrn Schemmel, wonach der viele Geschäftsleute geprellt hat. Die Kriminalpolizei erhielt hinaufgeflettert war. Es gelang schließlich den Beamten, die Sinne diesem das öffentliche Anschlagwefen auf zehn Jahre unentgelt. viele anzeigen von Geschädigten, die durch Gefälligkeiten um lose zu bändigen und in die Belle abzuführen. Nachdem sie sich dort lich übertragen wird. Herr Schemmel hat dafür die amtlichen Herr Schemmel hat bafür die amtlichen ihr Geld gekommen waren. Ein Mann, der einen vertrauen beruhigt hatte, wurde sie wieder unter Bewachung von drei Gerichts- Bekanntmachungen unentgeltlich ankleben und drei neue Säulen auf erweckenden Eindruck machte und bald als wohlhabender dienern dem Gerichtshof vorgeführt, der sie zu einer sofort zu voll- feine Kosten aufstellen zu lassen. Unsere Genossen erklärten durch Schlächtermeister, bald als Fuhrherr auftrat, faufte aller- streckenden Haftstrafe von drei Tagen wegen Ungebühr vor Gericht den Genossen Ohl, daß sie entschieden Verträge mit Gemeindehand Sachen feinem zu „ Jubiläum" bertretern ablehnen, welche dem Ansehen und der Unparteilichkeit oder als„ Ge- berurteilte. der schent für seine Frau und gab den Auftrag, sie ihm mit Gesamtverwaltung schweren Schaden zufügen müssen. quittierter Rechnung nach seiner Wohnung zu schicken, da er das Ferner wandte sich Dhl dagegen, daß die Zensur über den Inhalt der Geld, das er bei sich habe, zu anderen Einkäufen noch brauche. Bald Plakate dem Unternehmer Schemmel übertragen werde. Aber das darauf kam er dann mit einigen Paketchen wieder, so daß es aussah, Hauptprinzip der bürgerlichen Vertreter, Geld zu machen, siegte auch als ob er wirklich allerhand zusammengekauft habe, und bat dann hier. Der Vertrag wurde nur gegen die Stimmen unserer Parteiun ein Darlehn, da seine Barschaft noch nicht ausgereicht habe, um genossen genehmigt. Die hierzu nötige Polizeiverordnung wurde alles zu erledigen. In einem Falle erhielt er auf diese Weise ebenfalls genehmigt. Hiernach wird derjenige, der unbefugt öffentlich 200 M.; das Geld follte mit auf die Rechnung gesezt und gleich Plakate anheftet oder entfernt, mit Geldstrafe bis zu 9 M. bestraft. zurüdgegeben werden; wenn aber die Geschäftsdiener mit der Ware Bum Schluß fand eine geheime Sigung statt. nach dem bezeichneten Hause famen, so war der Schlächtermeister oder Fuhrherr nie zu finden. Gestern erwischte ihn eine Kriminalpatrouille, als er gerade wieder einen Geschäftsmann hineinlegen wollte. In der Stadtverordneten- Versammlung am Montag erfolgte zunächst die Einführung des Stadtverordneten Valentin Fröhlich, der den 8. Bezirk der 2. Abteilung vertritt. Wilmersdorf. Sodann konzentrierte sich das Interesse der Versammlung auf die Besprechung des Bezirksausschußurteils, das unserem Klageantrag gemäß das Mandat unseres Genossen Wollermann für gültig erklärt hatte. Wie bereits mitgeteilt wurde, lehnte die Versammlung mit großer Mehrheit ab, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Somit wird der sechste Sozialdemokrat in unser Stadt. parlament einziehen. Auf die vor nunmehr 3½ Monaten von uns gestellte Anfrage über die Ursachen der weiteren Hinausschiebung Die Gemeindevertretung hat am Montag die Errichtung einer der Fertigstellung des Krankenhauses erfolgte jetzt endlich die Ant- nichtgewerbsmäßigen Rechtsaustunftsstelle am Orte, wie Schweres Baunnglück. Auf dem Neubau, der von der Allgemeinen flären, daß die vorliegende Beantwortung schon in der Sitzung vom gelehnt, da kein Bedürfnis hierfür vorhanden fei. wort des Magistrats. Genosse Bäumler fonnte mit Recht er- fie vom Minister des Junern angeregt worden ist, einstimmig abUnserer Elektrizitäts- Gesellschaft auf dem Grundstück Ackerstr. 73a errichtet wird, 5. September hätte erfolgen tönnen. Als die Kündigung des Ver- Meinung nach ist es die selbstverständliche Pflicht einer Gemeinde, hat sich Dienstag vormittag 8%, Uhr ein Unfall ereignet, bei dem zwei trages, mit dem Kreiskrankenhaus Lichterfelde, nachdem für Schöne- ihren Witgliedern Gelegenheit zu solcher Auskunft zu geben, und Arbeiter zu Schaden gekommen sind. Auf einem Fahrbock sollten berg eine bestimmte Anzahl von Betten reservieit werden mußten, gerade die Berliner Vororte bedürfen der angeregten Einrichtung für die Eisenstücke zur Dachkonstruktion in die Höhe gewunden werden. geschah, hatte man nicht mitgeteilt, daß unser Krantenhaus am ben minder bemittelten Teil der Bevölkerung. Hier können bie Plöglich brach der zu schwer belastete Bock zusammen, und die 1. April 1906 fertiggestellt werden sollte. Da nun der Vertrag mit Arbeitnehmer- Beisiger des Gewerbegerichts zumeist nur in gewerb schwere Last fiel nach unten. Zwei Arbeiter wurden schwer verletzt dem Lichterfelder Kreiskrankenhaus am 1. April 1905 abläuft, und lichen Angelegenheiten Rat geben, und eine Fahrt nach Berlin, um und mußten nach einem Krankenhause gebracht werden. die Berliner Anstalten Kranten aus anderen arten die Aufnahme fich dort in der juristischen Sprechstunde der Zeitung Rat zu holen, berweigern, so erwächst unserem Orte ein bedrohlicher Zustand. ist in den meisten Fällen zu umständlich. beschäftigte. Aufführung nicht einschlage, es nicht geboten sei, den Konkurs anmit behalten. Oberbürgermeister Wilde beschränkte sich nur auf furze Andeutungen, wonach erneute Verhandlungen mit dem Kreise schweben. Nachdem Stadtrat Egeling furz erwähnte, daß sämtliche Pavillons im Rohbau fertiggestellt sind und am 1. April mit dem Verwaltungsgebäude begonnen wird, wurde durch einen Schlußantrag die weitere Besprechung berhindert. Marienfelde. Sodann beschloß Die Eristenz des Neuen Theaters in Berlin tam in Frage Durch die Differenzen im vergangenen Sommer, die bei einigem für unbebaute Grundstücke wurde von 1 auf 1½ Broz. crhöht, bei bei einem Brozek, welcher den ersten Zivilsenat des Reichsgerichts Entgegenkommen zu beseitigen gewesen wären, ist ein gutes Viertel- Tauschverträgen sind beide Objekte zu besteuern, während früher nur Als Anfang des Jahres 1903 die finanziellen Berhält jahr für die Bauausführung verloren gegangen. Die Kommune, das am höchsten bewertete der Steuer unterlag. niffe des Neuen Theaters in eine schiefe Lage gerieten und die führte der Redner aus, sei berpflichtet, beizeiten geeignete Bor- die Gemeindevertretung mit allen gegen fünf Stimmen, dem neuen damaligen Befiger Direktor Martin und Bü½ schon in Er- fchrungen zu treffen, um einer Strankenhauskalamität zu entgehen. Abkommen mit der Straßenbahn- Gcfcllfaft ihre Zuwägung gezogen hatten, ob, wenn eine bevorstehende Premieren Weitere Anträge müsse die sozialdemokratische Fraktion sich vor- ftimmung au geben. Danach sollen die in Wilmersdorf cinmündenden Linien ausgebaut werden; die Linic 52( Nollendorfplatzzusagen, hat Direktor Martin sofort nach dem Mißerfolg jener Stadtv. Kuzniki, dem früher das Bautempo viel zu lang- Danzigerstraße) wird durch die Golz- und Grunewaldstraße versusPremiere mit Herrn Reinhardt einen Vertrag abgeschlossen, worin sam war, nahm jetzt das Hochbauamt in Schuh. Nach seiner Meinung weise auf ein Jahr nach Wilmersdorf bis zur Wilhelmsaue geführt; er an Reinhardt alle die ihm zustehenden Rechte bezüglich des werden die Arbeiten sogar zu schnell gefördert. Eine Krankenhaus. die Linie C( Potsdamer Platz- Wilhelmsaue) geht ein. Theaters abtrat. Am nächsten Morgen teilte Martin seinem not ſei nicht zu befürchten, da man Krante für Geld überall aufGeschäftsbeteiligten Püz durch ein Schreiben dieses Abkommen nehmen werde. und erklärte die Aufhebung der bisherigen Gesellschaft, In der letzten Gemeindevertreter- Sigung wurde beschlossen, einen wozu er durch die verzweifelte Lage des Theaters gezwungen Alsdann gewesen sei, um einen Zusammenbruch zu verhindern. Reinhardt allgemeinen Bebauungsplan anfertigen zu lassen. hatte sich bereit erklärt, die von Büz geleistete Einlage durch Wechsel wurde der Beschluß gefaßt, vom 1. April 1906 die Grundwert. zu decken. Büz hatte nun gegen Martin und Reinhardt Klage er ft euer einzuführen. Genoffe Greulich hatte schon mehrmals die Einführung dieser Steuer beantragt, aber bei den Dorfgrößen dafür hoben auf ungültigkeitserklärung des zwischen Reinhardt und Martin geschlossenen Bertrages. Das Landgericht Berlin hatte dem Klage- Recht interessant versprach sich die Verhandlung über die für fein Verständnis gefunden. Erst in lezter Zeit, nachdem die Gemeinde antrag gemäß erkannt, indem angenommen ist, daß die Uebertragung die Kommune überaus wichtige Angelegenheit betreffs Heranziehung in dem Pflasterkostenprozeß gegen die Kolonie unterlegen ist, fah der Nathanael Kirchengemeinde zu den An- man sich genötigt, die Steuer zu erheben, aber und so wurde der Antrag, an Reinhardt unwirksam sei. Die von den Beklagten gegen dieses Urteil eingelegte Berufung beim Kammergericht hatte feinen Erfolg. iegerbeiträgen zu gestalten. Als der Referent des Aus- der diesmal vom Grundbefizerverein gestellt war, einstimmig anDie Alterszulage der Lehrer wurde von Nunmehr ergriffen die Beklagten das Rechtsmittel der Revision schusses, Justizrat Reinbacher, näher auf die Rechtslage der genommen. beim Reichsgericht, welche sich, wie in der Berufungsinstanz Frage einging, wurde er plöblich vom Vorsteher unterbrochen, der 180 M. auf 225 und die Mietsentschädigung von 300 auf Sarauf stüßte, daß der Beklagte Martin im Martin im öffentlichen eine nichtöffentliche Verhandlung beantragte. Der Aus- 400 M. erhöht. Der Gemeindevorsteher verlas ein Schreiben des Intereffe gehandelt habe und den§ 679 des Bürgerlichen Gesetz- schuß selbst hatte sich im Prinzip dafür ausgesprochen, daß von Kreisblattverlegers, worin diefer die Vorzüge des„ Teltower Kreistalender" preist und um Ankauf eines größeren Bostens ersuchte. buches für sich geltend mache. Es habe sich um die Existenz der Kirchengemeinde Anliegerbeiträge erhoben werden sollen. einer großen Anzahl von Personen gehandelt. Das Unternehmen Vier Nach bewilligungen, davon drei allein zum Schul- Greulich trat dem energisch entgegen mit der Begründung, daß stand vor dem Konturs; anstatt, wie erforderlich war, täglich 1400 m. Etat, fanden debattelose Erledigung; sodann wurden noch einige die Gemeindevertretung doch wohl andere Aufgaben habe, als die, eingingen, find nur zirka 200 m. täglich eingenommen. Der Kläger Wahlen in verschiedene Deputationen vorgenommen. In die für einen Kalendermacher Geschäfte zu vermitteln. Der Inhalt des hat auch einige Tage vorher zu dem Beklagten Martin gesagt:" Ich Strantenhausverwaltung, die aus 5 Stadtverordneten und zwei Kalenders ist übrigens nichts weiter als eine Sammlung patriotischer fann nicht mehr, ich habe genug getan, tun Sie, was Sie wollen". Bürgerdeputierten besteht, wurde unter anderem Genosse Obst, und Geschichten, die in ihrer Unwahrhaftigkeit besonders wenig geeignet Es war teine Gage und feine Miete vorhanden, und Reinhardt wollte zu stellvertretenden Vorsitzenden für das Kaufmannsgericht die Herren feien, Kindern, die man damit beschenken will, als Literatur zu Es wurde dennoch gegen zwei Stimmen beschlossen, das Geschäft sofort machen, ehe noch die in Aussicht stehenden Justizrat Reinbacher und Rechtsanwalt Dr. Marwi dienen. gewählt. schlechten Kritiken der Premiere erschienen waren. 25 Kalender zu faufen und die fleißigsten Schüler damit zu be glüden. Die Klagestellung als Feststellungsflage wurde auch bemängelt, vielleicht hätte Schadenersah geltend gemacht werden könnten? Das Reichsgericht hat die Revision für begründet angesehen, das Urteil des Kammergerichts wurde aufgehoben und unter Aufhebung des Urteils des Landgerichts die Klage abgewiesen. Friedrichsfelde. Die so notwendige Kanalisation unseres Ortes ist wieder in Eine neue Fabrit wird in Marienfelde demnächst errichtet er unabsehbare Ferne gerüdt. In der Sigung vom 25. November gab werden. Von Gebr. Caspary, Berlin, Lessingstr. 57, ist hier ein der Gemeindevorsteher bekannt, daß er der Zustimmung der Regies etwa 25 Morgen großes Terrain zum Bauplatz hierzu angekauft rung zu dem beschlossenen Kanalisationsprojekt nach biologischem worden. Mit der Pflasterung der Straßen ist schon begonnen. Lichcherg. . C'tHHä'tätettcrl der hteinbe Lichtenberg hat numnehr mit der Stromlieferung begann. Damit ist ein Werk in den Dienst der Gememde gestellt, daohne die zähe Ausdauer unserer Parteigenossen«n Rathause sicher, der Pribatspekulation als fetter Bisten anheim gefallen wäre, je zahlreichen Meldungen von Werla u emen 9 auf bie Prosperität des me �ei�a" Gemeindeschule in der Pfarrjtraße, mrt Bade-Elnnchtung id Turnhalle, geht gleich dem F eu er w eh r d ep o t m der Rathsstratze seiner Vollendung ent- gegen. Auf der Feldmark links v der Frankfurter Chaussee er- � Nachbarschaft drWahrzeichen unserer heutigeii Geiellichastsordnung. die Glauben»che. ünsterlich vollendet, das Gefängnis, fertig zum Beziehen" u das Amtsgericht, im Rohbau hergestellt Ein Zufall mag es j,. daß der Blick von diesen drei Jnstituten auf das neuerbaute stäube des Kirchhofsinspektors am Friedhof fallt. MordprozetzVerger. Achter Ta Nach Eröffnung der Sitzung dm Landgerichtsrat v. Poch- k>amm er weist Rechtsanwalt B a h nine gestern abeird durch ein Extrablatt verbreitete Nachricht, daß Bier einen Selbstmordversuch gemacht habe, als völlig aus der Luft gnffen zurück. Hierauf beginnt die Vernehmung der Sachvtändigen. Obermeister S ch e f f e r gibt sein ltachten dahi.i ab. daß ein schon etwas abgebrauchter Korb durch lärres Liegen nn Wasser ein festeres Gefug« erhält, freilich werde> eingebogener Deckel des Korbes durch das Liegen im Wasser nichvieder gerade. Aus alter Erfahrung nnpe er, daß so ein Korb bei r geringsten Veränderung von dem Besitzer, der ihn zur Reparatuzcbracht. oft nicht wieder- erkannt wird. Was den hier in Frage:henden Korb betrifft, so handele es sich um einen sogenannten uppen-Reisekorb wie sie massenhaft angefertigt werden. Auf Beigen des Präsidenten be- stätigt er, daß auf dem Deckel des Korbesoch noch eine kleine Ein- senkung bemerkbar ist.— Rechtsanwalt Lh n legt einen ganz ähn- lichen Korb vor, den er aus einem hiesigerLarenxause bezogen habe. Nach seinen Erkundigungen würden in Fürnberg i. M. jährlich viele Tausende solcher Körbe angefertigt und-S Warenhaus verkaufe allein 4000 Körbe dieser Art.— Obeuister S ch e f f e r: In Fürstenbcrg gibt es 200 Korbmacher, d aber nicht nur solche Körbe, sondern zumeist große Reisekörbe ve-rtigen.— Rechtsanwalt Bahn: Ist es möglich, daß eine Pcrsonoie es die Zeugin Fuhr- mann getan hat, den Korb nach einein ichtigen Blicke an dein „feinen Geflecht" wieder erkennt?— Sacker st ändiger: Wenn wan kein sonstiges Merkmal hat, würde dicwohl kaum möglich sein. — Prä f.: Wenn nun aber die etwas tcklige Schlaufe noch ein Merkmal bildet?— Rechtsanwalt Bahn psentiert noch einen ganz neuen Korb, an welchem, obgleich er no nicht gebraucht worden, die Schlaufe schon ebenso wackelig ist.— Her die Frag« der I d e n- tität des Korbes entspinnt sich n, ein längerer Disput zwischen dem Verteidiger und dem Krimirkommissar Wehn, der sich darum dreht, aus welchem Grunde letzter die Behauptung auf- gestellt hatte, daß solche Körbe nnt gleicheinem Geflecht bei den Korbmachern nicht gerade häufig zu find seien. Außerdem be- mangelt der Verteidiger, daß die Licbetruth.he sie den Korb gesehen, die Höhe desselben falsch angegeben habe undiese falsche Angabe auch in die erste polizeiliche Bekanntnurchung wergegmigen sei. Der Berteidiger meint, dies zeige, wie geijrlich es sei, wenn Laien Gutachten abgeben. Kriminalkommissar Ahn hebt in seinen Er- widerungen u. a. hervor, daß schon vorhe! noch ehe der Korb gefunden worden, betont worden pa. daß er ein besonders femes Geflecht habe.— Angckl. B e rg e behauptet auf Grund eigener Versuch«, daß so ein Geflecht, das m?asser gelegen und seine Form dadurch verändert habe, seine urspriiiliwe Form wieder annehme, wenn es eine Zeitlang wieder aus de Wasser war. Die beiden neuerdings zur Frage der Blutuntersrung geladenen Sachverständigen Professor Wass:mann und Dr. med. Engel sind zur Stelle. In einem längeren Vortrage erläuterter, med. Schulz die Art seiner Untersuchung des Korbes und diMethode, nach welcher er den> an der einen Schmalseite des Korb gefundenen Blutfleck untersucht hat. An einer Reihe von Tenirstrations-Mikroflopen weist der Sachverständige den Geschworenen> 60 bis L0facher Ver- größerung die Fasern vor, die er. an demUutfleck klebend, vor- gefunden hat. Es waren Wollfasern, die in lollart und Farbe mit dem roten Unterröckchen übereinstimmten, m dem der Rumpf des ermordeten Mädchens bekleidet war.— Der nt e r r o ck wird dem Angeklagten vorgezeigt, der ihn kopffchütteln und fragend ansieht und erklärt, daß ihm der Unterrock natürlich änzlich unbekannt sei. — Zur besseren Beleuchtung der Mikroskopcwird ein Fenster des Saales geöffnet und die Geschworenen, die Riter, der Statsanwalt, der Verteidiger, die Sachverständigen und am der Angeklagte treten an das Fenster und überzeugen sich von der>eschaffenheit der ein- gespannten Wollfaserchen. Von diesen sind zti gänzlich ohne Blut. mehrere wenig und andere dick mit Blut gellt.— Staatsanwalt Lindow: Kann der Herr Sachverständige rt Bestimmtheit sagen, daß die von ihm dargestellten Fasern aus bei Unterrock herrühren? Der Ursprung der Faser, Sachverständiger Dr. Schulz: Ich kan nur sagen: es spricht nichts gegen die Annahme, daß die Fasern, ie am Korb gefunden worden, aus dem Unterrock herrühren. Sachverständiger Dr. Samuel Engel Leiter eines privaten bakteriologisch-mikroskopischen Laboratoriums Er habe die Fäden gesehen und müsse sagen, daß ihm doch ein Benken komme, ob mm, mit Sicherheit annehmen darf, daß die Fäden, ns dem Korb und die Fäden des Unterrocks identisch sind. Dr. Scfiiz habe behauptet, daß es Wollfäden seien, aber die Schuppen, die fi Wolle charakteristisch sind, seien nicht zu erkennen. Wolle ohne Lhuppcn lasse sich nur sehr schwer nachweisen, man lege immer den auptwert darauf, daß auch Schuppen vorhanden sind. Daher werd hier die positive Be- hauptung. daß es sich um Wolle handele, etas abgeschwächt. Er vermute allerdings auch, daß es Wolle se die W a h r s ch e i n- l i chk e i t spreche zu 00 Proz. dafür, daß es lollc ist. Er Hab« viel gefunden, was dafür und nur wenig, was dwgen spricht. WaS die Färbung der Fasern betreffe, so könne er«enso nicht mit posi- tiver Sicherheit sagen, daß die Färbung der sasern des Korbes mit den Fasern des Unterrocks identisch sei. JwGegenteil: es sprechen viele Momente dagegen. Die Farbe der Fäden des Unterrocks zeigen eine andere Nuance des Not, als die Kcbfasern, die mehr eine Orangefarbe zeigen. Letztere Nuance sei eii diesen Fasern eigener Farbenton, das Blut könne diese Nuance nie hervorgerufen haben, denn der Korb habe im Wasier gelegen und ds Blut sei durchwästerr worden. Er scheue sich, zu behaupten, daß d Fäden mit Sicherheil identisch seien, er habe vielmehr große Beenken dagegen. Nach seiner Ueberzeugung liege zu 60 Proz. dieWahrscheinfichkeit vor. daß sie nicht identisch sind. Er neige dalr entschieden nach der Seite hin, daß die Fäden nicht denselben bsprung haben. Es knüpfen sich hieran längere wissenhaftliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden Sachverständige, von denen jeder seine Ueberzeugung an der Hand der Ergebnie der mikroskopischen Beobachtung verteidigt.— Auch ein Gesch>orener beteiligt sich durch eine sachverständige Frage an dieser Lörterung.— Auf eine Frage des Verteidigers erklärt Sachveständiger Dr. S chu l z. daß die Fasern zu einer Zeit an den Korb.-elangt sein müssen, wo das Blut noch flüssig war.— Rechtsanwot Bahn weist auf die Möglichkeit hin, daß, da der Korb von eine der Zeuginnen längere Zeit benutzt worden ist, Wvllfasern und Blu bei emer ganz anderen Gelegenheit an den Korb gelangt sein könner. Gerichtschemiker Dr. I e s e r i ch begriidet in längerer wissen- schaftlicher Darlegung seine Ansicht, die in allgemeinen mit der- zenigen des Dr. Schulz übereinftimiist..Persönlich bemerkt er, daß er seit 27 Jahren Gerichischemiker und in dieser langen Zeit bis zmn heutigen Tage wöchentlich sechs bis acht forensische Blutunter- suchungen anzustellen Gelegenheit gehabt habe. Daß es sich bei den Fasern des Korbes um W o l l f a s c r n handelt, sei für ihn gar nicht zweifelhaft. Was die Nuance der, Färbung betrifft, so könne die etwa vorhandene Veränderung derselben auf verschiedene Ein- Wirkungen zurückgeführt werden: auf die Gerbsäure des Weiden- geflechts, auf die Gase und Substanzen, die von den Leichenteilen ausgehen, ans die Lösungen des durch das Wasser aufgelösten Hämoglobin.— Auch zwischen diesem Sachverständigen und dem Dr. Engel kommt eS zu Nnssenschaftlichen Auseinandersetzungen. Letzterer erwähnt, daß er sich zwar noch nicht 27 Jahre, aber doch schon seit 18 Jahre», jahrein jahraus mit Mikroskopie und Blut- Untersuchungen beschäftigt habe, als Untcrsucher, als Vortragender, als Dozent. Für ihn sei es ganz ausgeschlossen, daß die Gelbfärbung des Fadens durch Blutfarbstoff hervorgerufen sein könne. Sachverständiger Professor Dr. S t r a ß m a n n: Es seien er- hebliche Mengen von Blutschollen noch überall vorhanden Für ihn erscheine es nicht zweifelhaft, daß die Veränderung der Färbungs- nuance durch den ausgelaufenen Blutfarbstoff eingetreten sei. Die Fasern müssen mit dem Blut dorthin gekommen sein.. Dr. Engel habe die Möglichkeit bejaht, daß die Fasern vorher schon am Korbe gesessen haben können. Mit absoluter Sicherheit lasse sich dies nicht sagen, aber die Wahrscheinlichkeit spreche nicht dafür. Universitätsprofessor Dr. Wassermann, Abteilungsleiter im früher Kochschen Institut für Infektionskrankheiten, gibt dem Dr. Engel zu, daß Vlutfarbstofs ein recht unechter Farbstoff ist, der sich sehr leicht auslaugt, weiß aber auch, daß immer ein Rest übrig bleibt, der sich schwer auslaugt. In Uebereinstimmm«, mit Dr. Schulz, Professor Dr. Straßmann und Dr. Jeserich bejaht er die Frage, daß eine derartig wässerige Lösung von Hämoglobin imstande ist, eine andere Farbennuance hervorzubringen. Dr. Engel habe das Vorhandensein von Blutsarbstoff vermißt, er habe aber hier sogar in der Svfachen, für Blutuntersuchungen also sehr geringen Ver- größerung, eine Menge Blutkörperchen bemerkt, so daß demnach die Ausspülung durch das Wasser keine so sehr große gewesen sein dürfte. Nach der Mittagspause wird Gerichtschemiker Dr. Jeserich weiter vernoinmcn über die Blntuntcrsuchungen, die er nach der Wassermannschen Methode in der Liebetrnthschen Wohnung angestellt hat.' Die Blutflecke, die er dort an der Wand gefunden, rührten offenbar von Wanzenblut her. Auf den Dielen, am Bett, an der Wasserleitung, an dem Kleiderriegel, an der Wanddekoration, an dem abgekratzten Finger- schmutz des Berger usw. ist Blut nicht vorgefunden worden. Den Korb habe er auch noch einmal auf Blut untersucht, da die Blutprobe aber zu der vorhergegangenen Untersuchung schon verbraucht war, habe er Blut nicht mehr vorgefundeil. Dagegen fand er, fest in dem Gewebe des Korbes haftend, dmlkle Gewebsfascrn vor, und zwar dunkelblaue Fasern. Diese habe er sehr genau untersucht. Es seien zweifellos und unanfechtbar Wollfaser n gewesen. Er habe sich darauf die Kleidimgsstücke der Lucie Berlin> kommen lassen und festgestellt. daß diese Fasern dem Gewebe der Achselbändcr des roten Unterrocks der Lucie Berlin entsprachen, sowohl in Schuß und in Kette, als auch m den Farbenelementen. Äußerde hat er am inneren Deckel des KorbeS einige kleine Partikelchen gefunden, die sich als Papier- faserchen erwiesen, teils von dickem Packpapier, teils von Zeitungs- papier. Er hatte vorher die Reste des Papiers, die an den Leichen- teilen vorgefunden waren, untersucht und festgestellt, daß diese Par- tikelchen dieselben Eigenschaften hatten, wie das Aeitungspapier, welches bei den Leichenteilen gefunden worden ist. Gleiche Eigen- schaften hat aber das Papier vieler Zeiningm und nicht nur das einer bestimmten Zeitung. An einer Stelle des der Liebetruth ge- hörigen großen Korbes hat Dr. Jeserich einen von Kaisertinte her- rührenden Tintenfleck festgestellt, der offenbar von außen auf den großen Korb gekommen ist. Einen Fleck, der von einer Tinte der ganz gleichen Beschaffenheit herrühren muß, hat Dr. Jeserich auch auf dem kleinen, aus dem Wasser aufgefiscbten ominösen Korb vorgefunden. Er hält es für möglich, daß durch Durchsickern durch den kleinen Korb auf dem großen Korb der Fleck entstanden ist.— Der Angekl. Berger muh aus dem Anllageranm heraustreten und sieht sich die Körbe und die Stellen an, wo die Tintenflecke sitzen. Er erklärt nochünals, daß er von Anfang an gesagt habe, daß, wenn der fragliche Korb der Liebetruthsche Korb sein soll, er stets in dem großen Korb gestanden Hab«. Der den Geschworenen sofort vorgemachte Versuch ergiebt, daß der umstrittene kleine Korb genau in den Ouerraum des großen Korbes hineinpaßt.— Rechtsanwalt Bahn betont, daß nach der Beweisaufnahme der kleine Korb doch i n dem großen Korbe gestandein haben soll, die Entstehung des Fleckes also nicht so sein kann, wie es Dr. Jeserich vermutet.— Der Angeklagte gibt eine lange Schilderung von einem Vorgange, bei dem der Tintenfleck auf den großen Korb gekommen sein soll. Er will eines TageS defekte Stiefel der Liebe- rruth nnt Tinte geschwärzt haben und dabei soll der Tintenfleck auf jenem großen Korb entstanden sein. Es sei ganz ausgeschlossen, daß der Fleck durch den kleinen Korb auf den großen gekommen sein kann. — Die Zeugin Liebetruth gibt die Tatsache, daß Berger ihre Stiefel mit Tinte geschwärzt habe, zu. Andererseits gibt sie aber auch zu, daß sie manchmal eine Tintenflasche in dm kleinen Korb gestellt habe. Alsdann bemerkt sie: Je mehr ich mir den kleinen Korb an- sehe, um so mehr komme ich zu der Ueberzeugung, daß es mein Korb ist; ich erkenne ihn ganz bestimmt als meinen Korb wieder. Der Angeklagte tritt den Angaben der Liebetruth in einigen Punkten entgegen.— Rechtsanwalt Bahn beantragt eine Beweisaufnahme darüber, daß Körbe gleicher Art zu vielen Tausenden Jahr für Jahr gefertigt werden.— Ties wird als wahr unterstellt. Dr. Jeserich bemerkt ferner: er habe auch an dem Fußboden der Liebetrnthschen Wohnung keine Blutspuren gefunden. Er fand u. a. ein kleines Partikelchen ausgebrochener Substanz, bestehend aus Fleisch und Vegetabilien mit einigen Haaren, die zweifellos von der Liebetruth herrührten. Es waren hellblond angeätzte Haare, und die Liebetruth trug damals solche künstlich hell- blond gemachten Haare. Der in der polizeilich angemeldeten Wohnung des Berger in der Bergstraße 26 vorgefundene Bindfaden war nach Dr. Jeserich von derselben Sorte, wie derjenige, mit dem die Leichmteile zusammengebunden waren. Auch ein größeres Messer, welche? von den Medizinern schon auf Blut imtersucht war, hat der Sachverständige untersucht. Es kam darauf an, ob beim Lostrennen der Leichenteile sich charakteristische Ausschnitte an der Messerklinge gebildet hätten, die mit den Ausschachtungen an dm Leichenteilen übereinstimmten. Solche charakteristischen Merkmale haben sich in diesem Falle nicht ergeben. Das Heft an dem Messer war gelockert und zwischen dem Griff und dem Messer selbst ein- geklemmt fand sich eine rote und eine blaue Wollfaser, auf die er aber keinen Wert legen konnte, da sich herausstellte, daß das Wasser in demselben Paket ihm zugeschickt war, in welchem sich die Kleider der Lucie Berlin befanden.— Sachverständiger Dr. Schulz be- stätigt. daß die Kriminalpolizei das Messer mit den Kleidungsstücken zusammengepackt habe. An dem Messer habe er keinerlei Blutspuren vorgefunden. Sachverständiger Dr. Schulz läßt sich alsdann darüber aus, wie festgestellt worden ist, daß das an dem Korbe vorgefundene Blut Menschenblut sei. Er erörtert das in Anwendung gebrachte Wassermann-Schützesche biologische Eiweis-Differenzierungsverfahren und konimt zu dem Schluß, daß nach dm Ergebnissen dieser Methode unter Anwendung aller nur denkbaren Kautelen behauptet werden muß. daß Menschenblut in Frage stehe. Rechtsanwalt Bahn wendet ein, daß nach mehreren in der „Medizinischen Wochmschrift" erschienenm Artikel manche Gelehrte doch nickst der Meinung seien, daß die angewandte Methode bei An» Wendung aller Kautelen als durchaus sicher gelten könne. Das Gutachten des Sachverständigen Dr. Schulz gibt dem Gachverständigm Dr. Engel Anlaß zu ausführlichen Wissenschaft- lichen Erörterungen, die darauf hinauslaufen, daß, Ivenn auch die Wassermannsche Methode sich schon in Tausenden von Fällen als absolirt sicher bewährt hat, hier bei der von Dr. Schulz angestellten Untersuchung die angelvandleu. Kautelen doch nicht so exakt gewesen seien, daß man mit Bestimmtheit auf Menschenblut schließen kann. Sachverständiger Professor Wassermann legt Wesen und Bedeutung seiner Methode dar und kommt zu dem Schluß, daß die Methode nach seinen Vorschriften genügend ausgeführt worden ist und nichts vorliegt, was zeigt, daß es an der nötigen Kontrolle ge- fehlt hätte. Es sei nachgewiesen, daß das Serum nicht die allgemeine Säugetierreaktion, sondern eine spezifische Reaktion war, und er stehe nicht an, zu erklären, daß das Material, welches zur Reaktion benutzt worden ist, von Mcnschenblut herrührt. Der Einwand des Sachverständigen Dr. E n g e l, ob das vor- gefundene Blut nicht Menstruationsblut. sein kann, wird vom Dr. Schulz als nickt zutreffend bekämpft. Hieraus erklärt Rechtsantvalt Bahn, daß der Angeklagte nicht mehr fähig sei, der Verhandlung zu folgen. Die Sitzung wird infolgedessen geschlossen und auf Mittwoch 9% Uhr vertagt.-_ 6cncbt9-Zeitung. Grobe Fahrlässigkeit eines Arztes. Vom Landgerichte Bremen ist am 3. Mai der Arzt Dr. med. Paul Kaphengst wegen fohrlässiger Körperverletzung zu einer längeren Gefängnis- strafe verurteilt worden. Ein Arbeiter R., der an emem Knieleiden litt, wurde an den Angeklagten als dm zu- ständigen Kassenarzt verwiesen. Entgegen dem Wunsche des R.. im Krankenhause operiert zu werden, bestimmte Dr. K.. daß er in seinem Sprechzimmer operiert iverden solle. Dies geschah, und Dr. K. ließ den Patienten allein die Treppe hinunter und zur Straßenbahn gehen. Der Aufforderung, den Patienten zu besuchen, leistete Dr.. K. längere Zeit hindurch keine Folge. Als er endlich in Begleitung des Dr. H. kam, zeigte eS sich, daß eine Eiterung denkbar schlinunster Art entstanden war, die sich bis in den Oberschenkel hinaufzog. Es wnrde ein komplizierter Eingriff nötig und der Patient, der sich der neuen Operation im Krankenhause unterzog, schlvebte sechs Wochen in Lebensgefahr. Das Knie ist steif geblieben und R., der nur mit einem Stock gehen kann, hat noch immer Schmerzen im Knie. Das Gericht hat die Fahrlässigkeit des Angeklagten darin erblickt, daß er die Operation in seinem Sprechzimmer ohne genügende Vorbereitung und DeSinfeltion der Instrumente und Verbandsstoffe vorgenommen hat.— Die Revision des Angeklagten wnrde am Montag vom Reichsgerichte verworfen._ Versammlungen. Städtische Arbeiter. Die erste Generalversammlung der Sektion V sStraßenreiniger) fand dieser Tage bei Mcrkowski, Andreasstr. 26, statt. Dem gegebenen Aorstandsbericht zufolge wurde die Sektion im Februar dieses Jahres von sieben Mitgliedern gegründet. Im Laufe des Jahres fanden zwei öffentliche und fünf Mitglieder- Versammlungen statt. Durch eine rege betriebene Agitation stieg die Mitgliederzahl in dreiviertel Jahren bis auf über dreihundert. In den Vorstand für 1906 wurden gewählt: Schulz als erster, Müller als' zweiter Vorsitzender; T h e i n h a r d t als Kassierer und M e i l und Z e r n i ck e zunr ersten und zlveiten Schriftführer. Hierauf hielt der Verbanbssekretär D i t t m e r einen beifällig auf- genommenen Vortrag über„Die Endziele der Arbeiterbewegung". Unter Verbandsangelegenheiten kam neben internen Sachen auch der zwischen Schubert und demL.Vors. desOrtsvereins Klug e geschlossene Vergleich zur Verlesung. Danach erklärte Verbandssekretär Schubert, durch Verhandlungen mit Kluge die Ueberzeugung gewonnen zu haben, daß letzterer nicht die Absicht gehabt, einen Tagelohn von 3.60 bezw. 3,76 Mark als reichlich für einen Straßen- reiniger zu bezeichnen. In Sachen Wcrthei« erhalten wir abermals folgende Zu- schristen: Ohne auf die sonstigen— wiederum unrichtigen— Ans- führungen des Herrn Werner im„Vorwärts" einzugehen, fügen wir unserer letzten'Berichtigung nur hinzu, daß der Diener Peters nicht, weil er Koimnissionsnntglied war, sondern wegen der Verbreitung einer Unwahrheit entlassen worden ist. Wir haben ihm aber bei der Entlassung sein volles Gehalt(136 Mark pro Monat) bis zmn 1. Februar ausgezahlt. Hochachtungsvoll A. W e r t h e i m. Die uns von dem ehemaligen Diener der Firma A. Wertheim, Peters, in den Mund gelegten Aenßerungen erklären wir für absolut unwahr. � Hertz er. K o s s a ck. Wir halten die Erklärung der Firma W c r t h e i m für sehr überflüssig, weil in der Zuschrift des Verbandes nicht behauptet wurde, daß PeterS gemaßregelt worden ist, weil er K o m« m i s s i o n S m i t g l i e d war. Zur Gehaltszahlung während der Kündigungsfrist war die Firma verpflichtet.— WaS die in Frage kommenden Aenßerungen anbelangt, so steht hier Behauptung gegen Behauptung. Landsmannschaft der SchleSwig-Halsteiner zu Berlin. Mittwoch. den 21. Dezember, abend» 8'/, Udr, in Feuerstein» Festfälen, Alte Jakobstr. 76: Versammlung. Sonntag, den 25. Dezember, abend» 6 Uhr, ebendaselbst!„ WeihnachtSseier. LandSIcute al» Gäste willkommen. Der Unterstnt,»»gsverein der Bierabzicher Berlins und Um- gegend tagt jeden Mittwoch nach dem 16. abends S Uhr, im Lokale de» Herrn Ladewig, Alte Jakobstratze 83. Eingegangene Druchrcbnften. ff. v. Winterfcld: Geschichte der drei glorreichen Kriege. 3. Auflage 1,56 M. Berlin 1S65. Richard Schröder» Verlagsbuchhandlung. Katscher, Leopold: Bertha von Suttner, die Schwännerin für Güte. Piersons Verlag. Preis 66 Ps. Marktpreise von Berlin am 19. Dezember. Nach Ermittelungen des tgl. Polizei-PräsidiumS. Für 1 Doppel-Zcntner: Weizen--), gute Sorte 17,70—17,68 M.. Nüttel 17,66-17,64 M.. geringe 1 7.62- t 7,66 R. Roggen--), gute Sorte 13,95—66,66 M.. mittel 06,66—66,66 M., geringe 66,66-66,66 M. Futtergerste-), gute Sorte 15,90-14.80 M.. mittel 14,76 bis 13.66 M.. geringe 13,56-12,46 M. Haser-), gute Sorte 16.56-15.66 M., mittel 15,56—14,66 M., geringe 14,56—13,66 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 46,66-36,66 M. Speisebohnen, weihe 56.66-36,60 M. Linsen 66.66-36,66 M. Kartoffeln 9.66-7,66 M. Richtstroh 6,66-6.66 M. Heu 6,66-6,66 M. Für ein Kilogramm Butter 2,86—2,26 M. Eier per Schock 4,86—3,26 M. ») Frei Wagen und ab Bahn.--) Ab Bahn. Wafferstand am 19. Dezember. Elbe bei Aussig+ 0,37 Meter, bei Dresden— 1,66 Meter, bei Magdeburg-s- 1,51 Meter.— U n st r u t bei Strauhsurt-f 1,35 Meter.— O d e r bei Ratibor+ 2,07 Meter, bei Breslau Ober- Pegel-f 5,08 Meter, bei Breslau Unter> Pegel— Meter, bei granffurt 2,07 Meter.— Weichsel bei Brahemünde 4- 3,14 Meter.— W a'r t h e bei Posen-st 0,86 Meter.— N e tz e bei Usch— Meter. sAitterungSiiderftcht vom 30. Dezember 1904, morgen» v Uhr. «Setter-Prognose für Mittwoch, den Kl. Dezember lv«4. Vielsach heiter bei mäßigen nordöstlichen Winden, kälterer Nacht und langsam steigender Temperatur: keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wette rbure«». Einem Arenber Er kennt ihn nicht Eine Markerige Herren- Moden wöchentliche Teilzahlung liefere Bestellungen n. Maß, tabell. Ausj. in eigener Werkstatt. Spezialgeschäft für Herren Bekleidung. 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