Nr. 300.nued to dish diviso Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pranumerando: Bierteljährl. 8,30 t., monatl. 1,10 wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Belt" 10 Bfg. Boſt. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erichelat täglich außer Mostage. 102 als moral 21. Jahrg. Vorwärts Berliner Volksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel zeile oder deren Raun 40$ ẞfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für ble nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und and Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1983. Die Entwickelung der deutschen Großstädte. Donnerstag, den 22. Dezember 1904. suchungen der Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. 103 DY 1895 81 1896 105 " " 1897 108 " " 1898 107 " " 1899 84 " 1900 " 77 Städtestatistiker zugrunde zugrunde gelegt. Da Es wäre aber falsch, wollte man die Zunahme der Großbei ergab sich die merkwürdige Erscheinung, daß die beiden städte nur auf die Wanderungsbewegung zurückführen, auch Großstädte, die vornehmlich vom Kriege leben, Effen und die natürliche Volksvermehrung hat hieran ihren Anteil. Es Wenn dieser Artikel in die Hände unserer Leser gelangt, Vermehrung aufweisen. Kiel hat seine Bevölkerung in jener storbenen auf je 10 000 Einwohner: Kiel, seit Gründung des Deutschen Reiches die relativ stärkste betrug in Berlin der Ueberschuß der Geborenen über die Gezählt Berlin wohl schon 2000 000 Einwohner. Wohl hat sich Periode um 3,035, Essen um 3,425 mal vermehrt, dann folgt damit sein Nang in der Reihe der Riesenstädte nicht geändert, Dortmund mit nicht vollständiger Verdreifachung der Beim Jahre 1894 aber die Tatsache, daß eine deutsche Stadt mehr als zwei völkerung feit 1871( 2,913), hierauf kommt Berlin, das mit Millionen Einwohner zählt, erscheint wohl ein berechtigter feiner Umgebung 2,858 mal so start bevölkert ist wie im Anlaß, die Entwickelung der Großstädte, eine der am meisten Jahre 1871, alle anderen deutschen Großstädte zeigen charakteristischen und augenfälligen Erscheinungen der wirt- schwächere Bevölkerungszunahmen. schaftlichen Entwickelung der Gegenwart, einer Betrachtung zu Boltszahl von 1871 zählte man außer in Berlin und in Doch ist die Bevölkerungszunahme auf dem Lande stärker, Das 2-3fache der Dortmund im Jahre 1900 in Mannheim( 2,854), Leipzig Eigentlich haben die Berliner Anlaß zur Verwunderung,( 2,889), Düsseldorf( 2,776), München( 2,726), Hannover was freilich durch die Abwanderung oft vollkommen, oft daß ihre Stadt zur Zweimillionen Metropole geworden, denn( 2,602), Dresden 2,514) und Nürnberg( 2,505). Um das mehr als ausgeglichen wird. Der mittelalterliche Rechtssak eine der Hauptursachen für die Vermehrung der städtischen 2-2 fache stieg in diesem Zeitabschnitt die Bevölkerung von Stadtluft macht frei" wirkt heute sozial start auf die ländBevölkerungen, der Gewinn durch Eingemeindungen, ist Berlin Frankfurt a. M., Köln, Hamburg, Stettin, Chemnik, Braun- liche Bevölkerung, die mannigfach durch die Großstädte weit weniger zugute gekommen wie den meisten anderen weit weniger zugute gekommen wie den meisten anderen schweig und Elberfeld. Um 1½- 2mal wuchs die Voltszahl nach- beeinflußt wird. deutschen Großstädten. Bon 1871 bis 1900 gewannen durch stehender Großstädte: Breslau, Magdeburg, Bremen, Stuttgart, Wachstum der Großstädte viele Uebel nachfagen, man wird Sollen wir diese Entwickelung begrüßen? Man mag dem Eingemeindungen: Danzig, Posen, Königsberg i. Pr., Straßburg i. E. und Aachen. Leipzig Der Bevölkerungszuwachs der Umgebung ist fast am stärksten für die Reichshauptstadt festzustellen, wie die nach stehende fleine Tabelle für die wichtigsten zum Vergleiche heranzuziehenden deutschen Großstädte beweist: unterziehen. Köln a. Rh. München Frankfurt a. M. 264 292 Einwohner . 129 672 . " 103 935 " 76 635 78 361 •• " 67 269 " ( 151 775 bis 1./I. 1908) 61 146 " Nürnberg . 49 804 " Bosen 42 597 36 259 Magdeburg Dresden Chemnitz Bremen. Berlin aber bloß 28 227 Zunahme in Prozenten bon 1871 von 1880 bon 1890 bis 1880 bis 1890 bis 1900 bis 1880 bis 1890 bis 1900 48,3 aber zugestehen müssen, daß fie eine gewichtige Funktion in dem großen Prozeß der Umgestaltung unserer wirtschaftlichen und sozialen Zustände erfüllen, daß sie wie all die gewaltigen kollektiven Erscheinungen der Gegenwart oft wider den Willen ihrer Träger mitwirken an dem Ausleben der heutigen politischen und sozialen Ordnung und damit zum debel werden für die Umgestaltung unserer Gesellschaftsordnung in eine sozialistische. media in ( 53 888 bis 1./I. 1903) Berlin Breslau. München 86,7 41,1 . 21,14 24,5 30,1 35,0 41,3 42,9 he Leipzig. 34,8 48,7 46,6 Hamburg Dresden 22,8 33,8 87,8 • 29,1 35,2 44,0 do sido Mannheim. 33,2 42,6 50,2 • Essen 43,9 . 44,9 64,3 Düsseldorf. 31,2 43,8 47,1 Dortmund. 34,4 37,6 57,5 Hannover 33,1 37,7 42,6 Magdeburg 14,5 Stettin Kiel 19,6 40,6 • 22,4 27,3 39,7 40,2 46,7 47,6 Der Bevölkerungsgewinn Berlins ist somit bloß der natürlichen Bevölkerungsbewegung, dem Ueberschuß der Geburten über die Todesfälle und dem sozialen Wanderungsgeminne, dem Ueberragen der Zuwanderung über die Abwanderung, zuzuschreiben. Dabei ist zu bemerken, daß die gewaltige Anziehung, die Berlin als politischer, industrieller, fommerzieller, auch als fünstlerischer, wissenschaftlicher, litera rischer Mittelpunkt ausübt, dem Stranze von Groß- und Mittelstädten zugute kommt, der sich ben eng Leib geschnürten der Reichshauptstadt gelegt hat, um fie einengt und ihre Ausdehnung verhindert. Die Die weiteren Zahlen finden sich bei Schott, doch auch die eigentliche Wirkung des Wachstums unserer Städte können vorstehenden zeigen die progressive Steigerung der Boltszahl wir erst erkennen, wenn wir unsre Betrachtung nicht be- in der Umgegend der Städte, sie war am stärksten im legten schränken auf die Bevölkerung in den oft willkürlich fest- Jahrzehnt, am schwächsten in der ersten, übrigens nicht 10-, gehaltenen Ortsgrenzen sondern, wenn wir auch die so fondern bloß 9jährigen Periode. Berlins Umgebung ber genannte Agglomeration, die Bevölkerung im Umkreise von mehrte sich in der ersten Periode so stark, daß nur die Um10 Stilometern vom Mittelpunkte der einzelnen Großstädte gebungen von Essen und Stiel höhere Prozentzahlen aufzumit in den Streis unsrer Betrachtungen ziehen, wie es die weisen vermögen, in dem mittlerent Zeitabschnitte wird sie Städtestatistiker Neefe, Hasse und zulegt Schott in seinem trefflichen von mehreren Städten aber nicht erheblich überragt, in der Auffage Das Wachstum der deutschen Großstädte feit 1871" legten Periode zeigen die Umgebung von Essen, Dortmund im statistischen Jahrbuche der deutschen Städte getan haben. und Mannheim stärkere Zuwachsprozente. Die nicht- berlinische Die Anziehungskraft der großstädtischen Zentren ist oft auf Bevölkerung in dem Umkreise von 10 Kilometer vom Mittelmehr als 10 Kilometer, so sicherlich für Berlin punkte des Wasserkopfes" hat sich seit 1871 mehr als ver festzustellen, sie ist nach verschiedenen Richtungen nicht zehnfacht. gleichartig. Doch der Gleichartigkeit wegen hat man diese Die Zahlen für die Entwickelung Berlins zeigt nach Entfernungen vom städtischen Mittelpunkte den Unter- stehende kleine Tabelle recht deutlich: Bählungsjahr 1871. 1880. 1890 1900 " Gemarkungsfläche vom 1.12. 1880 826 987 100 Gemarkungsfläche in Settaren In nachstehenden Jahren gezählte Einwohnerzahl auf der 5 928 100 6 061 102.3 1.12. 1871 4825 937 100 1119 860 135,5 1. 12. 1890 827 087 100 1 122 498 135,7 6 388 1 570 471 1 578 556 1 578 794 107,0 190,2 190,9 191,0 1.12. 1900 827 087 100 1250 615 141,1 1854 494 209,2 6 888 1069 1 865 121 226,0 1 888 673 228,4 1 888 848 228,4 1 888 848 285,8 Der prozentuale Zuwachs betrug: 1871-1880 1880-1890 1890-1900 für Berlin für die Umgebung bon 1871 mit Berlin 85,5 9 40,3 18,8 41,1 48,8 36,7 Der Anteil der Berliner Bevölkerung von der Gesamt Bevölkerung der Reichshauptstadt mit seiner Umgebung wird berechnet: für den 1. Dezember 1871 auf 93,2 Proz., 1. 1880 " " " " 89,7 " 1. 1890 " " " 1. 85,1 1900 74,5 " " " " " " Hier ist deutlich der steigende Gewinn der Umgebung von Berlins Größe zu erkennen. Wie ungünstig die starke Bevölkerungszunahme auf die Dichtigkeit der Wohnbevölkerung wirkte, zeigen nachstehende Angaben. Die Bevölkerungsdichtigkeit betrug in der Stadt Berlin nach ihrem Umfange von 1871 auf den Hektar: 1900: 57,9, 10 Kilometern 1900: 25,7, 1871: 189,5, 1880: 189,0, 1890: 265,1, 1900: 314,9, in den 1871-1900 einberleißten Teilen 1871: 2,81, 1880: 7,65, 1890: 20,8, in der übrigen Umgebung im Umkreise von 1871: 2,87, 1880: 5,11, 1890: 11,0, in Berlin mit Einschluß dieser Umgebung 1871: 28,2, 1880: 39,8, 1890: 50,0, 1900: 80,7. Die Bedeutung dieser Zahlen für die Wohnungszustände zubeleuchten, überstiege den Rahmen dieses Artikels, doch 1 122 880 135,7 Einwohnerzahl der ganz. Agglomeration im Umkreise von 10 Kilometern 886 574 100 1250 615 141,1 1 854 494 209,2 2 534 021 285,8 ist die Lehre dieser Zahlen auch in dieser Hinsicht deutlich genug. Die großstädtische Entwickelung hat die ganze deutsche Bevölkerung mobilisiert, in gewisser Hinsicht revolutioniert. Denken und Lebensgewohnheit der Bevölkerung eines Landes muß von Grund aus umgestaltet werden, wenn, wie im Gebiete des gegenwärtigen Deutschen Reiches im Jahre 1850 unter 38 Einwohnern einer ein Großstädter war, dagegen 1870 unter 20, 1880 unter 13, 1890 aber schon jeder achte, und 1900 jeder fechste Einwohner ein Großstädter ist, wie Bücher berechnet hat. Diese Umgestaltung der Bevölkerungsverteilung ist vor allem auf die örtliche Verschiebung, Hand in Hand mit den sozialen Wanderungen geht eine völlige auf sogenannte soziale Wanderungen zurückzuführen. Verschiebung der nationalen Arbeitsteilung, der Uebergang Bon welch' ungeheuerer Bedeutung der Zuzug für die GroßDeutschlands aus einem Agrar- zu einem Industriestaate. stadt ist, zeigt eine Feststellung des Statistischen Jahrbuches" der Stadt Berlin auf Grund der Volkszählung vom Jahre 1900. Es waren zugezogen: in ben legten 5 Jahren bor 6-10 Jahren. " 11-15 " 16-20 # unbekannt wann Männliche 211 556 75 948 78 892 164 863 8 209 584 468 Weibliche 190 716 88 466 88 324 210 770 3 320 581 596 im ganzen. Im ganzen 402 272 164 414 167 216 375 638 6529 1116 064 Politifche Ueberficht. is aim to Berlin, den 21. Dezember. Der gute Zou. " Die Freie Deutsche Presse" bringt unter der Ueberschrift, " Sozialdemokratischer Besthauch" einen Artikel aus der Weltpolitit" des Genossen Parvus, der in der Leipziger Boltszeitung" wiedergegeben ist. Die Freie Deutsche Presse" der Herren Eugen Richter und Müller- Sagan führt diesen Artikel an, um zu zeigen, obwohl es teine angenehme Aufgabe sei, wie die Sozialdemokraten Kübel bon Unrat übereinander auslehren. Das Zitat über den Sozialdemokratischen Beſthauch" ist natürlich für den fünftigen Sozialistenspiegel ausgesucht und deshalb, da diese Sammlung von Zeitungsausschnitten grundsäglich nur Fälschungen bringt, eine ganz niedrige Ton in der Partei gemacht, aus denen die„ Freie Deutsche Presse" Entstellung. Genosse Barvus hat Ausführungen über den guten die folgenden Säße als die wichtigsten zitiert hat: Wir können es nicht, selbst wenn wir es wollten. Wir sind anders ganz anders. Unser Ton ist anders. Unsere Sprache ist anders, Abgründe sind zwischen uns und ihnen. Eine Hölle tut sich auf zwischen uns und ihnen. Gin rauher Wind zieht durch unsere Sprache. Wie ein Besthauch weht es von unseren Artikeln und Reden. Unsere Sprache hat einen schlechten Odem fie bringt Krankheits- und Bersehungsstoffe zutage." Die Worte: wie ein Besthauch weht es von unseren Artikeln und Reden" find fett gedruckt und es soll damit natürlich gesagt werden, daß die Sozialdemokratie selbst eingestehe, daß sie Besthauch verbreitet. Wie immer in sozialdemokratischen Blättern Mißgriffe im Ausdrud vorkommen mögen, auch das ärgste Schimpftvort reicht nicht heran an die hochanständige Tat der Freien Deutschen Breffe". Dort mag es sich allenfalls um Geschmadlosigkeiten in Worten handeln, hier aber wird die Tat der Fälschung begangen. Ohne ein Schimpfwort wird hier der gute Ton der Fälschung zum Der Fälscher der Freien Deutschen freisinnigen Prinzip erhoben. Breffe" schneidet nämlich das Zitat gerade an der Stelle ab, wo die Erläuterung der Säße beginnt. Barbus fährt unmittelbar barauf fort: Denn, wo unsere Gedanken weilen, ba ift Blut, Schmutz, Stechtum, Tränen! Blut und Schweiß, die Ihr aus dem Ausgebeuteten aus gedrückt habt Ihr mit Eurer Eigentumsordnung und Eurem Staat, an deffen Spize der edle Graf Bernhard von Bülow dem Volte gute Manieren beibringen will und nennt das Sozialpolitif. Schmutz und Kot, in denen die Arbeitermassen wohnen, weil Ihr ihnen Luft und Licht entzieht, ihre Kinder hinfiechen laßt, um die Hausrente wachsen zu lassen. Es ist der Pesthauch Euerer Miffetaten, die Euch unsere Sprache entgegenbringt, es ist Guere soziale Schuld, die mit heiserer Stimme flagt, Euch schimpfend und mit häßlich verzerrtem Geficht antlagt Euch an der Spige des Staates, die ihr vor dem Elend und vor der Not des Wolfes die Augen schließt und Euch mit dem parfümierten Taschentüchlein Kühlung zuweht, um den heißen, stinkenden Atem der Elenben, des berlumpten Böbels nicht zu spüren." Genoffe Barous führt in biefen Sägen einen durchaus zu treffenden Gedanken aus, einen Gedanken, wie ihn Shakespeare im Hamlet" oder mit den folgenden Worten in Julius Cäsar" ausspricht: Weil Ihr wißt, Ihr könnt Euch selbst so gut Nicht sehen, als durch den Widerschein, so will Jch, Euer Spiegel, Euch bescheidentlich # Bon Euch entdecken, was Ihr noch nicht wißt. fcheidenden Stelle abbricht, sucht sie den Gedanken, daß die Sozial Indem die Freie Deutsche Breffe" aber das gitat an der ent bemokratie als Spiegel der herrschenden Klassen kein ideales Bild, feine süßen Jbyllen hervorrufen kann, in den Unsinn zu verkehren, daß die Sozialdemokratie nicht die Verderbnis der herrschenden Selaffen fpiegelt, sondern erzeugt. So dumm ist auch die " Freie Deutsche Preffe" nicht, daß sie den Gedanken, den Parvus ausgesprochen hat, nicht verstehen fann. Sie fälscht eben, um zu beweifen, wie man mit dem besten Ton die gemeinsten Handlungen begehen kann. Aber gerade diese Säße des Genossen Barbus zeigen, daß es durchaus zu billigen ist, wenn die Sozialdemokratie in starker Art das ausspricht, was ist. Niemand in der Sozialdemokratie wird diese Sätze vom Pesthavch anfechten, denn sie formulieren eine Wahrheit in eigenartiger Kraft. Sind wir so durchaus der Meinung, dad die von der„Freien Deutschen Presse" hervorgehobenen und gefälschten Sätze des Genossen Parvus einwandfrei und zutreffend sind, so ist allerdings der übrige Inhalt des Artikels des Genossen Parvus, der ihn seltsamerweise an die bürgerliche Presse verschickt hat, durchaus verfehlt, denn er geht an dem Kern der Frage vorbei. Abgesehen von den unleidlichen und geschmacklosen Ausfällen gegen einzelne Parteigenossen, die der Artikel enthält, spielt er die ganze Frage deZ Streites zwischen der parlainentarischen Fraktion und der „Leipziger Volkszeitung" auf die beliebten Verlegenheitsphrasen vom guten Ton hinaus. Genosse Parvus ist der Meinung, die Fraktion mißbillige deswegen solche Artikel, wie sie ein sauch nach dem Zugeständnis Mehrings) krankhaft überreizter Genosse in der �„Leipziger Volkszeitung" schrieb, weil sie den guten Ton verletzen, und Genosse Parvus glaubt Entrüstung der bürgerlichen Kreise über diese Verletzung des guten Tons in der Partei konstatieren zu können. Er leitet diese Entrüstung daraus ab, daß solche Artikel, wie sie die Fraktion mißbilligt hat, die Wahrheit verkünden und deshalb der bürgerlichen öffentlichen Meinung verhaßt sind. Genosse Parvus wird wohl der einzige Beobachter in der Partei bleiben, der entdeckt hat, daß sich die bürgerliche Welt, oder der Reichskanzler, oder der Reichstag über jenen viel berufenen Artikel der„Leipziger Volkszeitung" erregt oder geärgert hat. Erregung und Aerger hat er vielmehr nur in der Partei hervorgerufen und zwar mit Recht, denn nicht die Verletzung des guten Tones und die allzu harte Aussprache der Wahrheit steht in Frage, sondern um- gekehrt unsere Mißbilligung geht gerade aus der Einsicht hervor, daß derartige kalten und trivialen Schimpfereien nicht geeignet sind, die Wahrheit ans Licht zu stellen, sondern die Wahrheit lächerlich zu machen. In der Tat hat auch der Artikel keinen unserer Gegner verletzt, sondern er hat ihren ganz berechtigten Spott hervorgerufen. Man höre also doch endlich ans, uns aus Parteikreisen zu belehren, daß die Sozialdemokratie keine Partei des„guten Tones" sei und sein wolle, das ist selbstverständlich. Sozialdemokraten sind keine Hosineister, und gerade der Fall Hammerstein beweist ja. welche unsägliche Roheit sich mit einer gewählten Sprache ver- binden kann., Wogegen wir uns wenden ist vielmehr einzig und allein jenes Kraftmeiertum, jenes Athletentum mit Worten, das nicht gefährlich ist, weil es mit starken Ausdrücken kämpft, sondern deshalb, weil es durch inhaltslose Phrasenhaftigkeit den sozialistischen Kampf ab- schwächt I Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist immer nur noch ein Sprung I—_ Im Lande der Prinzessinnensteucr. Die glückliche Bevölkerung von Mecklenburg hat zu ihren anderen Auflagen eine Mitgift zu zahlen für die Prinzessin, welche demnächst nach Berlin reisen und den deutschen Kronprinzen heiraten tvird. Auch war die Regierung dieses mecklenburgischen Landes jüngst äußerst bemüht, neue Einkünfte für die großherzogliche Rentnerei vom Landtage bewilligen zu lassen. In diesem selben Lande aber herrschen nicht nur in den Volksschulen geradezu unHeim- liche Zustände, sondern selbst in den sogenannten höheren Schulen. Das Land der Prinzessinnensteuer ist zugleich der- jenige Staat in Deutschland, der selbst für die Schulen der wohl- habenden Kreise so wenig übrig hat, daß ein früherer Lehrer Dr. Heinrich Schröder ein Schriftchen zu veröffentlichen sich ge- nötigt sieht über„Mecklenburgische„höhere" Schulen — ein Unkulturbild aus dem dunkelsten Deutschland". In dieser Schrift wird gezeigt, wie seit 11 Jahren die Lehrer der Gymnasien und Realschulen von Mecklenburg von Jahr zu Jahr erfolglos sich bemühen, bei der Regierung die Abstellung der aller- schlimmsten Notstände im höheren Schulwesen, insbesondere auch der unglaublich schäbigen Bezahlung der Lehrkräfte, zu erreichen. Welche Zustände an den mecklenburgischen Schulen herrschen, sei auf Grund der Schröderschen Schrift an einigen Beispielen gezeigt. Am Gi>m- nasium zu Waren wurde bis vor kurzem der neusprachliche Unter- richt in der Prima von einem Lehrer gegeben, der eine Lehr- berechtignng dazu überhaupt nicht besitzt, von einem Lehrer, der vor zwanzig Jahren einmal die Absicht gehabt hatte, Oberlehrer zu werden, dann aber bis zu seiner Berufung an das Gymnasium in Waren— 18 Jahre lang Landwirt gewesen war. Die Stadt Waren hatte ferner den mathematischen Unterricht in den oberen Klassen des Gymnasiums einem Studenten übertragen. Das Lehrer- kollegium des Realgymnasiums in Bötzow zählt ganze vier für höhere Schulen geprüfte Lehrer, zugleich aber unter- richten dort vier Herren, die keinerlei Schulamtsprüfung irgend welcher Art abgelegt haben; und so geht eS fort durch die ganzen höheren Lehranstalten des Landes. Mit Ballin unterwegs. Erfahrungen eines russischen Auswanderers. HI. In der Koutrollstation. Nun war ich in Ballins Gewahrsam. Die Empfangshalle der Baracke war unser Schlafraum. Ein Haufen Strohsäcke, deren Ur- sprungöfarbe in einer schwarzgrauen Tünchung sich schwer erkennen ließ, erlveckte selbst bei meinen sauberkeitsentwöhuten Gefährten einen wenig einladenden Eindruck. Decken waren auch für Geld und gute Worte nicht zu erlangen, und so diente ein gutes Gewissen als Kopf- lager, der ausreichend lauge Mantel als Bettdecke. Wir waren unserer fünf, während in einem Nebenraum einige Frauen, Mädchen und Kinder ihr Nachtlager aufgeschlagen hatten. Eine elektrische Lampe, die die ganze Nacht hindurch brannte, warf, wie ich mich auch krümmte und wandte, beharrlich ihre Strahlen in meine Augen. Dann intonierten zwei Russen ein an- dauerndes, stärker und stärker anschwellendes Schnarchduett— der Schlaf wich von mir. Ein russischer Jude hatte mich zwar auf- gefordert, mit ihin in die von den» Schutzkomitee für jüdische Ans- ivanderer errichtete Herberge zu kommen, in der man für loenige Pfennige ein gutes Bett finden soll, doch hatte ich die verständliche Neigung, Gast Ballins zu bleiben. Schließlich war ich doch fiir meine Schlaflosigkeit reichlich entschädigt. Jetzt hatte ich Zeit und Gelegenheit, mich eindringlich in die Frage zu vertiefen, welche Mißhelligkeiten im AuSwanderungswesen verschwunden sind, welche Aenderungen das gebrandmarkte Er- pressungsverfahren in den Kontrollstationen erfahren hat? Es war früher festgestellt worden, daß man russischen Auswanderern Schiffs- karten nach Amerika aufzwang, gleichviel welches Land sie auf- suchen wollten, wenn sie paßlos waren und Bedenken haften, in Väterchens Arme zurückzukehren. Mir aber hatte man nur im selben Verfahren eine Schiffskarte nach London aufgenötigt! Was war geschehen? Bald war ich in das Dunkel dieser Wandlung eingedrungen. Vor kurzem ist der Frieden der deutschen SchiffahrtS-Gesellschaften mit der englischen Cunard-Linie geschlossen worden. Man ist sich einig geworden, das profitable Zwischendecks- futter, das die russischen Auswanderer liefern, friedlich und schiedlich zu teilen. Der neue Geschästsvertrag läßt den Ballin- Leuten nur noch die Möglichkeit, ihren Zwangspassagieren auf alle Fälle den Betrag für die Fahrt nach London abzunehmen. DaS war der Gnadenerlaß des Herrn Ballin, der Geschäftsnotwendigkeit ent- sprungen, der dem deutscheu Volke aber zur absichtlichen Irreführung feierlich als Beseitigung der aufgedeckten Mißstände im Aus- wanderervertchr verkündet wurde. Man hatte die Oeffentlichkeit betrogen, um sie zu beruhigen. Die Bezahlung der Lehrer ist aber geradezu jaminerlich. Am Gymnasium zu Waren bezog ein Oberlehrer, der sich um die Volkskunde des Landes die größten Verdienste erworben hat, nur tausend Mark Gehalt, wenn man Wohnungsgeldznschutz 2C. abzieht, d. h. weniger als ein preußischer Volksschullehrcr. Der Direktor des Gymnasiums zu Malchin, der nahezu sieben Jahre diese Voll- anstatt leitet, bezieht 1700—1800 M. Gehalt weniger als ein gleich- altriger preußischer Oberlehrer. Dr. Schröder erklärt daher, daß diese Schulen derartig weit heruntergekommen sind, daß der Reichskanzler die Pflicht habe, einzugreifen, weil auf diesen Schulen die Bedingungen zur Einjährig- Frei- willigen-Berechtigung, wie sie die Wehrordnung vorschreibt, über- Haupt nicht erfüllt werden können. Man hat auch bereits früher an den Reichskanzler und die Reichs-Schulkommission Eingaben gemacht, in denen die Verrottnng der mecklenburgischen Schulzustäude dargestellt wurde, jedoch hat der Reichskanzler für Weltpolitik sich um derartige Kulturfragen in keiner Weise Sorge gemacht. Wie weit muß denn, ftagt Dr. Schröder, eine Schule erst hcruntergckommcn sein, um dem Reichskanzler die Pflicht aufzuerlegeu. sich solche Nichtachtung der vertragsmäßig übernommenes Pflichten zu verbitten? Wie muß eS in Mecklenburg mit der Volksschule aus- sehen, wenn das höhere Schulwesen so daniederliegt? Unseres Er- achtens sind die lesenswerten Enthüllungen des Dr. Heinrich Schröder im höchsten Maße geeignet, der Forderung Nachdruck zu verleihen, daß die Regelung des Schulwesens nicht wie bisher den Einzelstaaten überlassen werden darf, sondern daß das Reich und damit der Reichstag die Pflicht hat, auf diesem Gebiete die Forde- rungen der Kultur durchzuführen.— Zentrums-Weihnacht.„Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen I"— Zur Illustration dieses Wortes erhalten wir aus dem Rheinland folgende Zuschrift: Ein verheirateter Buchdrucker- gehülfe, der schoir seit einigen Wochen krank ist und dessen Frau binnen kurzem mit einem zweiten Kinde niederkommt, erhielt dieser Tage von dem Verleger der„Ahrweiler Zeitung", des amtlichen Kreisblattes, folgendes Schreiben:„Von amtlicher Seite ging mir gestern die Mitteilung zu, daß Sie hier am Platze die Ver- teilung sozialdemokratischer Schriften vorgenommen haben. So leid es mir in Anbetracht ihrer augenblicklichen Lage tut, bin ich durch diese Tatsache rni-Z persönlichen und geschäftlichen Rücksichten gezwungen, Ihre Stellung in meiner Buch- druckerei durch gegenwärtiges Schreiben zu kündigen. Emil Plachner." Der Verleger ist ein steinreicher Zentrumsmann. Beides hindert ihn nicht, gerade vor dem„Fest der Liebe" den armen Gehülfen mitten im Winter und mitten in schlimmster familiärer Bedrängnis brotlos zu machen und auf die Straße zu setzen. Friede auf Erden... Die Urheber dieses Streiches sollen auf„amtlicher Seite" sitzen. Die amtlichen Stellen, die hier in Betracht kommen können, werden sich beeilen müssen, die schwere Beschuldigung von sich abzuweisen, daß sie Mittäter an dieser im höchsten Maße un- christlichen Tat seien.— Ruhstrat-Prozcß. Der Redakteur S ch iv e y n e r t hat gegen den Poker-Minister Ruhstrat eine Beleidigungsklage angestrengt, weil er von ihm„vierundzwanzigjähriger Bengel" genannt worden ist. Konimt die Sache vor ein Oldenburger Gericht, so werden die Richter den Minister natürlich freisprechen, weil sie den Beweis der Wahrheit für geführt erachten werden, sintemalen Schweynert tat- sächlich 24 Jahre alt und so bengelhaft sei, daß er sogar Pokern fiir ein Glücksspiel halte.— Altcnburg, 20. Dezember. Der Landtag des Herzogtums hat gegen eine Sftmme einen Antrag angeiwmmen, der eine Abänderung des bestehenden Wahlgesetzes in der Richtung erstrebt, daß d i e Städte des Herzogwnrs eine stärkere Vertretung im Landtage erhalten.— Für die nächsten bayrischen Landtagswahlcn wird ein allgemeiner bürgerlicher Mischmasch, mit Ausschluß des Zentrums, angerührt. Wie der„Fränkische Kurier" mitteilt, waren am Sonntag die frei- sinnigen, nationalliberalen, demokratischen und nationalsozialen Oberköche in Nürnberg zu einer Beratung versammelt, um über ein gemeinsames Vorgehen„gegen Zentrum, und Sozialdemokratie" zu beschließen. Die Beschlüsse werden geheim gehalten, doch scheint die Einigung zustande gekommen zu sein, denn aus Würzburg koinmt bereits die Meldung, daß der Demokrat Köhl als Mischmaschkandidat aufgestellt ist.— Zur Naturgeschichte der Majestötsbeleidigungsprozesse. In K ö l n hatte ein Schlosser einen Droschkenbesitzer wegen SchankvergehenS zur Anzeige gebracht. Am Dienstag hatte sich nun der Schlosser vor der Kölner Strafkammer wegen Majestätsbeleidigung zu ver- Aus harter, kalter Schlafstatt begann ich auch zu grübeln, welche sanitären Maßregeln die preußische Regierung wohl durchzuführen beabsichtige, wenn sie zum Schutz vor Seuchengefahr nur die paß- losen Auswanderer Herrn Ballin zur administrativen Verschickung übergebe, aber den mit dem Gouverneurpaß Versehenen Reiseziel und Fahrt durch Preußen freistelle? Sollte dein russischen Gouverneurpaß, der nur nach Erlegung von 23 Rubeln und unter unzähligen Chikanen an poliftsch völlig einwandfreie und nicht militärpflichtige Personen ausgegeben wird, die sonderbare Fähigkeit innewohnen, seinen Besitzer vor Cholera, Granulöse und anderen ansteckenden Krankheiten zu bewahren? Die angeblichen sanitären Maßnahmen gegenüber den paßlosen Auswanderern erlvirken nur ihre vollzählige Auslieferung in die Hände Ballins. Sie sind nur ein Vorwand, um einmal die von Preußen beliebten Russendienste wirkungsvoll zu drapieren, dann aber auch, um diese Dienstbarkeit mit den Dividendenintercssen Ballins in Einklang zu bringen. Die gewonnene Klarheit beruhigte mich— schon senkte sich der Schlaf auf meine Lider, als im Ncbenraum die erwachten Frauen im raschen Gegengespräch sich zu unterhalten begannen. Mein Nachbar reckt sich, stöhnt und erzählt mir, daß er lebhaften Hunger, aber weder Geld noch Brot habe. Nur die wohlabgezählte Summe von 30 Rubeln für seine Reffe nach London trug er in einem Beutel an seinem Herzen. Es war einer der vielen Gäste, die ich im Laufe des Tages heimlich, um nicht durch meinen Reichtum aufzufallen, durch Geld unterstützte, damit sie ihren Hunger stillen konnten. Um 0 Uhr erschien ein Aufseher und gebot Beendigung der zweifelhaften Nachtruhe. Bald füllten sich die Hallen mit Scharen Neuankommender, die mit den Nacht- und Morgenzügen in Tilsit eingettoffen oder die Nacht in der Stadt verbracht hatten. Der Transport vollzieht sich in den späten Nachmittagsstunden, und nur die bis S Uhr vormittags einfteffenden Auswanderer werden an demselben Tage befördert. Es bemächttgte sich der Maffe, die ihre Anweisung von dem Personal in nichts weniger als angenehmem Ton und liebenswürdiger Form erhielt, eine gewisse Aufregung. Der Arzt ist erschienen. „Her mit der Peckasch zur Ausräucherung!" erschallt der Ruf eines Aufsehers, und ich begreife, daß die Bagage vor der Desinfektion einer Besichtigung unterzogen werden soll. Koffer, Kisten, Bündel wandern in den Desinfektionsraum und werden von ihren Besitzern geöffnet. Mein Koffer enthält die übliche Ausstattung eines russischen Auswanderers: ein Kissen, einen Tee- kessel, einen Becher und etwas Wäsche. „Wo habt Ihr Eure Tefillin?" sGebetriemen, die von streng- gläubigen Juden beim Morgengebet angelegt werden), fragte der Aufseher. „Jche Hab keine." „Ihr seid ein scheener Jüd!" bemerkte er— wahrscheinlich evangelischer Christ— meine religiöse Pflichtvergesscnheit ironisch monierend. antworten, und zwar infolge der Denunziafton deS Droschkenbesitzer». der sich offenbar für die gegen ihn gemachte Anzeige a n d e m Schlosser rächen wollte. Die Anklage lautete auf Be- leidigung des deutschen Kaisers, der Kaiserin, des Königs von Sachsen und von Mitgliedern des landesherrlichen Hauses. Der An- geklagte erklärte, er sei vollständig betrunken gewesen, und wenn er die ihm zur Last gelegten Aeußerungcn getan haben sollte, so wisse er nichts mehr davon. Das Gericht ver- urteilte ihn zu drei Monaten Gefängnis. Aus München wird berichtet: Der Maurer Sebastian S ch u h- naqel schimpfte am 15. Juni in betrunkenem Zustande im Gast- Hause„Zur Post" in Seeshaupt über Bismarck und den Prinz- regenten und meinte, wenn sich niemand getraue, den Kaiser zu er- schießen oder zu erstechen, so tue er es. Wegen Regentenbeleidigung und Körperverletzung unlängst vom Landgericht München II zu acht Monaten Gefängnis verurteilt, stand Schuhnagel gestern wegen Be- leidigrmg des deutschen Kaisers vor Gericht. Er stellte die Drohung in Abrede und als sie von einem Zeugen bestätigt wurde, meinte er: Dös is do großartig, heutzutag schwör'n die Leut' um 1 Mark den Teufel auS der Hölle I Schuhnagel wurde zur Gesamtstrafe von neun Monaten Gefängnis verurteitt.— Südwestafvika. Berlin, 21. Dezember. Amtliche Meldung. General Trotha meldet aus W i n d h u k unterm 20. Dezember: Lengerke brach am 12. Dezember mit der 8. Kompagnie und 8. Batterie von Keetmanns- hoop nach Koes auf. Die 3. Ersatzkompagnie und ein Zug GebirgS- batterie sind zur Sicherung von Keett uiuSboop und Bersaba zurück- gelassen. Am 15. schlug Lengerke Veldschoendrager bei Koes, die nach allen Richtungen entflohen. Vom Feinde 22 Tote gefunden. 300 Stück Großvieh und einsprechende Anzahl Kleinvieh erbeutet. Berlin, 21. Dezember. sAmtliche Meldung.) Ein Telegramm aus Windhuk meldet: An Typhus gestorben: Unteroffizier A n g U st Hinz, geboren 7. 10. 80 zu Reinwasser, am 9. Dezember im Lazarett Epukiro.— Verunglückt: Reiter A u g u st Heinrich, ge- boren 8. 3. 32 zu Grebnick, am 29. Oktober durch Ueberfahren von einem Wagen bei Sandhub verstorben.— Vermißt: Reiter Willy Geyer, geboren 8. 5. 79 zu Westercelle; seit dem 7. Dezember bei Owikokorero. Die Opfer des Typhus. Nach einer auf Anfrage des Oberkommandos der Schutztruppe eingegangenen telegraphischen Meldung sind, wie offiziös ge- meldet ivird, seit Beginn des Krieges bis Ende November von der Schutzrruppe an Typhus ertrankt......... 974 Mann, davon sind gestorben.......... 184„ in die Heimat gesandt......... 67„ noch in Behandlung........ 441„ dienstfähig zur Truppe entlassen 282 Da auch in diesem Monat fortgesetzt neue Meldungen über Todesfälle an Typhus eingelaufen sind, so darf man, bemerkt die „V. Z.", als sicher annehmen, daß die Erkrankungen an Typhus bisher bereits die Zahl 1000 und die Todesfälle an dieser Verderb- lichen Seuche die Zahl 200 bedeutend überschritten haben iverden. Bisher ist noch nichts über ein Nachlassen des Typhus in Südafrika gemeldet worden.— Hueland. Ein dänischer NentralitätSbrnch zugiinsten Rußlands. Nach Mitteilungen unseres Kopenhagener BruderorganS „Sozialdemokraten" werden in der königlich d ä u i s ch e n G e lv e h r f a b r i k auf Amager bei Kopenhagen für die russische Regierung sogenannte„Rekylriffel" hergestellt, eine Art von Kngelspritze, die der dänische Kriegsrninistcr und ehemalige Agent Krupps: M a d s e n, erfunden hat und die, vor kurzem noch verbessert durch den dänischen� Premierleutnant Schouboe, als eine der ivirksamsten Schußwaffen angeschen wird. Vor den alten Mitrailleusen zeichnet sich die neue Mordwaffe unter anderm dadurch aus, daß sie automattsch geladen wird und daß ein Mann sie bedienen und mehrere hundert Schüsse in einer Minute damit abgeben kann. Auch von der Reiterei kann sie, ans dem Sattel befestigt, gebraucht werden. Zur Ausnutzung der Erfindung ist das„Dansk Rckylriffel-Syndikat" mit einem Aktienkapital von 500(XX) Kronen gegründet worden. Das Syndikat hat im Freihafengebiet Kopenhagens eine kleine Fabrik, wo gegen- wärttg ca. 25 Arbeiter tätig sind. Sic können nur einen geringen Teil der bestellten Rekylgewehre anfertigen; den größten Teil läßt das Syndikat in den Staats- Gcwehrfabriken«nf Amager herstellen. Zur Kenntnis dieser Tatsache ist„Sozialdemokraten" durch den ehemaligen türkischen Generalkonsul in Rotterdam, Ali „Jche Hab aber einen Zidder"(Gebetbuch).„Was tu ich mit'u Zidder." antwortete er mtt schallhafter Aufgebrachtheit,„der wird nicht ausgeräuchert." Alles drängt in einen anderen Raum und stellt sich in Reih und Glied auf.— Die Untersuchung beginnt. Bei Ausnif seines Namens tritt mau vor, der Arzt untersucht die Augen und mau geht in den Vorraum eine» Brausebades. Mit Schnelligkeit, die wohl nur auf die starke Hebung und Gewandtheit des Arztes zurückzuführen ist. vollzieht sich diese Prozedur. Bald zählte ich in den, kleinen Raum, der fünf Schritte in der Breite und zehn Schritte in der Länge mißt, ettva 50 Personen. Unter Schieben und Stoßen beginnt ein gcgenseittgcs Befragen in den verschiedensten Sprachen über das Resultat der Untersuchung, von dem natürlich niemand unterrichtet ist. Vermutungen über den weiteren Verlauf werden augestellt, bis ein erregter Aufseher unter Anwendung nicht schmeichelhafter Adjektiven uns auffordert, die Röcke zur Desinfektion hinaus- zugeben. Dann werden Bügel gereicht, auf die nun die übrigen Kleider gehängt iverden. Nur unter mühseligen Bewegungen, die jedem Schlangenmenschen zur Ehre gereichen würden, vermag man sich seiner Kleider zu entledigen. Kragen, Schlipse, Hosenträger Iverden in einen gemeinsamen Korb geworfen, der Geldbeutel, Papiere, die man vor den Einwirlmigeu der Desinfektion schützen will, und etwaige Kostbarkeiten werden im Schimpftuch eingebunden von den Delinquenten in der Hand gehalten. Eine nicht geringe Zeit standen wir nackend, unsere Habe in der einen Hand, Leib an Leib gepreßt, in drangvoll fürchterlicher Enge bei einander. Hier ist der geeignetste Ort, ansteckende Krankheiten zu erwerben und weiter zu verbreiten. Nun wurden wir unter die 10 Brausen getrieben, um uns dann in einem Ltamne, der dem eben geschilderten entspricht, abzutrocknen und auf das weitere zu warten. Jetzt erschienen wir tu Nacktheit vor dem Arzte, der wieder die Augen und den Kopf am Nacken, wohl auf Weichselzopf, untersuchte. Laullose Stille herrschte, und mit einer Spannung, die den Atem an- halten ließ, wurde das Votum des Arztes erwartet. Mir selbst, der ich von der Gefahr einer Zurückweisung nichts_ju fürchten hatte, pochte daS Herz, als sähe ich einer Entscheidung über Tod und Leben entgegen. Leuchtenden Auges kehrten die vom Arzt anstandslos Entlassenen zurück. Dennoch hielt die Teilnahme mit den übrigen ziemlichstes Schweigen wach. Plötzlich hören wir einen Aufschrei, wie ihn Schreck und Entsetzen eingibt. ES ist ein junger Mann von einigen 20 Jahren, der erbleichend vom Arzte vernimmt, daß er wegen Augenentziindung zurückbleiben müsse. Er streckt die Hände und fleht im Jargon, ihn nickt zurückzustoßen. Vergebens. Er lehrt zu uns zurück und unter Tränen erzählt er, daß er zwei Jahre Soldat gewesen und von der Truppe desertiert sei. Sein Bruder hatte ihm von New Jork eine Schiffskarte einer holländischen Gesellschaft von Rotterdam nach Amerika über» s a n d t. Die selbst so Rat- und Hülflosen vergaßen ihr eigenes Elend in dem ohnmächtigen Verlangen, dem Armen zu helfen.»Er ist ein Nouri. gelangt. Dieser Mann, der Schwede von Geburt und dessen eigentlicher Name Albert Nording ist, hält sich zur Zeit m Kopenhagen auf. Er ließ einen Mitarbeiter unseres Bruderorgans nach seinem Hotel komnien und erklärte, er wünsche in einer Reihe von Artikeln die russen- freundliche, neutralitätsverletzende Stellung aufzudecken, die die Gewehrfabrik im ostasia- tischen Kriege einnimmt.(Ali Nouri ist, nachdem er wegen Teilnahme an der jungtürkischen Bewegung beim Sultan in Ungnade fiel, Journalist, Schriftsteller und Agent geworden.) Er legte dann dem Mitarbeiter die Photo- graphischen Kopien von zwei Briefen vor, die als Beweise für jene Behauptung gelten können. Der eine Brief ist aus Kopenhagen am 10. November d. I. von dem Vor- sitzenden des D a ns k R e k y kr i f f e l- S Y n d i k a ts, Großhändler Sören Jensen, an einen russischen Agenten in Dresden, Hesse mit Namen, gerichtet und besagt, daß dem Agenten für Dänemark, Ali Nouri, 2 Proz. Provision auf die bestellten Gewehre zugebilligt werden sollen. Der zweite Brief ist ebenfalls an Hesse in Dresden gerichtet und datiert vom 4. Dezember d. I. Der Absender ist Graf F a l e t a n g in St. Petersburg, ein, nach Ali Nouris Aussage, in russischen Regierungskreisen sehr einflußreicher Mann. Der Graf spricht in diesem Brief in unzweideutigen Worten davon, daß die Dänische Rekylrisfel-Gesellschaft Bestellung auf eine Anzahl Rekylriffel erhalten hat, die„zur Zeit iu der königlich' dänischen Gewehrfabrik in Arbeit sind".— Nachdem Ali Nouri den Mitarbeiter über die ganze Sachlage aufgeklärt hatte, bat er ihn, dafür zu sorgen, daß ihm für einige Artikel Raum in„Sozial- demokraten" gewährt werde. Der Mitarbeiter verlangte jedoch zunächst die Originale der photographischcn Kopien zu sehen, und wurde dann ersucht, am Abend lvieder zu konimen. Als er aber abends seinen zweiten Besuch niachte, war Ali Nouri ganz anderen Sinnes und bat ihn, von den Mitteilungen keinen Gebrauch zu machen. Der Mitarbeiter gab ihm jedoch dies Versprechen nicht.„Sozialdemokraten" hat dann selbst Untersuchungen über die Angelegenheit vornehmen lassen und sie haben die Angaben Ali Nouris durchaus bestätigt. Selbst- verständlich fühlte sich die Redaktion nun im allgemeinen Interesse verpflichtet, die Tatsachen zu veröffentlichen. Die Staats-Gewehrfabrik auf Amager ist zurzeit in voller Tätigkeit mit der Anfertigung von Rekylgewehren nach Madsens Modell. Vorläufig sind 2000 Stück und eine große Anzahl von Magazinen dazu bestellt. Die erste Lieferung soll in diesem Monat erfolgen, die nächste im I a n u a r. Es sind gegenwärtig zirka 100 Arbeiter mehr als ge- w ö h n l i ch in der Fabrik tätig und die Arbeitszeit, die sonst von 6 bis 3 Uhr dauert, wird bis K Uhr, ja Sonnabends sogar bis 12 Uhr nachts ausgedehnt. In der Fabrik wird behauptet, die Rckylgewehre seien für Portugal bestimmt. Daß dieser armselige Kleinstaat derartige Bestellungen gemacht hat, ist selbstverständlich unglaubhaft.— Niederlande. Rufsendienste der Niederlande. Haag, 20. Dezember.(W. T. B.) Zweite Kammer. Der Sozialist Troelstra interpellierte die Regierung über die Spionage gegen die russischen Delegierten des Internationalen Soziali st en- Kongresses. Der Justizminister antwortete, daß es der Polizeikoinmissar im Interesse der öffentlichen Ordnung, also nicht aus persönlichen Absichten, für nötig befunden habe. Photographien aufzunehmen; angesichts der Gegenwart von russische» Sozialisten und Anarchisten habe die russische Regierung um Ucbcrwachung ge- beten, und es hätten Berhaudlmigen mit der russischen Regierung stattgefunden über eine polizeiliche Ueberwachung, indessen nur über n i ch t p o l i t i s ch e II m t r i e b e(?!). Der Minister lobte das Ver- halten der Polizei während des Kongresses; jetzt sei es nicht nötig, besondere Maßnahmen zu treffen. Der niederländische Justizminffter scheint sich unsere Schönstedt und Bülow zum Muster genommen zu haben. Ein eigen- artiger Geschmack!— Italien. Papst und König. Die„Civita Cattolica", zurzeit das bevorzugte Organ des Vatikans, wird demnächst einen Artikel veröffentlichen:„Das Ausgespuckter"— so nennt man im Jargon Deserteure—, rief ein russischer Jude,„er darf nicht zurück an die Gränz, das ist sein Tod I" Es sprach sich herum, daß der Zurückgewiesene eine h o l l ä n- d i s ch e Schiffskarte besaß und schnell wurde das Urteil laut, daß man ihn doch hinüberlassen würde, wenn er eine Karte„unserer" Gesellschaft nehmen könnte.„Was sollen wir tun. sie haben die Macht I" rief einer und vielstimmig wird mit dem aufrichtigen Wunsch geantwortet:„Sie soll ihnen bald vergehen."(Die Macht nämlich.) Welches Schicksal dieser Mann mit der Augenentzündung und— holländischen Karte erlitten, ist mir unbekannt. Die desinfizierten Kleidungsstücke, mit Ausnahme der Röcke und Stiefel, kommen, und mit Aufinerksamkeit versucht jeder seine Sachen zu erspähen. Denn wahllos, unnumeriert, wird ein Bügel nach dem anderen durch die Tür gesteckt. Nur ein Recken der Hälse ist wahrnehmbar: keiner drängt, denn alle wissen, daß die geringste unruhige Belvegnng die Situation nur verschlimmern kann. Hier und da fällt ein Stück auf den schmutzigen Boden, gefällig wird es aufgehoben. Wieder bedarf es anstrengender Kunstfertigkeit, um in die feuchtwarmen Kleider zu schlüpfen. In Schweiß gebadet stürzen wir in ein nebenliegendes Gelaß, in dem der Arzt seinen Tisch aufgeschlagen hat. Koffer, Körbe mit ihrem„ausgeräucherten" Inhalt stehen herum, unzählige Jacken hängen an den Wänden und eine Pyramide von Stiefeln erhebt sich in einer Ecke. Glücklich der Mann, der seinen Rock wieder hat, nun gilt's, die Stiefel zu finden. Nach allen Richtungen sind sie zerstreut, und man muß auf den Knien umherkriechen, um sie aufzulesen. Der eine hat zwei linke Stiefel, der andere zwei rechte, mancher Pechvogel findet überhaupt keinen. Aus allen Bieren geht die Jagd zwischen Kisten und Körben nach dem Schuhzeug. Damit war selbst den geduldigsten aller Menschen— russischen Auswanderern— zu viel geboten. Zahllose Verwünschungen in treffender Fassung wurden gegen die Gesellschaft laut, uno auch die hieran gewiß unschuldigen Unterbeamten werden nicht vergessen, So oft ich an diese Vorgänge denke, erfaßt mich Zorn übet diese niederträchtige Behandlung von Menschen, erwachsenen Männern! Das waren nicht Bettler, sondern Passagiere einer deutschen, stolzen Schiffahrtsgesellschaft, die sich ihre Billetts mit teurem Gelde. das von ganzen Familien erarbeitet und erdarbt war, bezahlen ließ! Wieder ruft man uns einzeln auf, wir treten nochmals vor den Arzt und empfangen unsere Desinfektionsmarken, die zum Signieren des Gepäcks bestimmt sind. Beim Aufruf meines Namens muß ich melden, daß ich meinen Koffer, der unter einen. Stoß von Kleidern versteckt lag, nicht zu finden vermag, und muß dafür mit anderen Genossen im Unglück bis zum Schluß zurückbleiben.„Nun her mit den Schafsköpfen!" ruft der loyale Arzt im Befehlston. Das waren Ivir. Es fiel mir schwer, nicht anS der Rolle zu fallen und dem Herrn nicht auf gut deutsche Art meine Meinung zu sagen; das habe ich mir für später vorbehalten. Wir wurden abgefertigt— es war mittags 1 Uhr— und polittsche Testament Windthorsts". Dieser Artikel wird sich mit dem Programm des deutschen Zentrums befassen und den Standpunkt vertreten, daß die zukünftige katholische Partei Italiens so ziemlich das gleiche Programm sich zu eigen machen müsse. Nach dem „Giornale d'Jtalia" soll der Papst einem hohen geistlichen Würden- träger sich dahin geäußert haben, daß die Zeit einer vollständigen Verständigung zwischen Ouirinal und Vatikan noch nicht gekommen sei, daß er es nicht ungern sehe, wenn die Führer der katholischen Partei ihre Willfährigkeit und Nachgiebigkeit gegenüber dem Könige, für den er(der Papst) große Synipalhien hege, öffenrlich zum Ausdruck brächten.— Es kann dahingestellt bleiben, ob diese Nachrichten vollständig der Wahrheit entsprechen, jedenfalls aber hat man es hier mit Symptomen zu tun, die auf einen vollständigen Umschwung der Auffassungen in der Umgebung des Papstes schließen lassen. Man wird sich im Vatikan mehr und mehr mit dem Gedanken verttaut machen, daß auf eine Wiederherstellung des Kirchenstaates endgültig verzichtet werden muß; dafür wird sich auch in Italien die geistliche mit der weltlichen Macht verbinden, um die Herrschaft über die Geister desto sicherer und fester zu gestalten. Auch in Italien wird sich das Bürgertum in die Arme des Klerikalismus werfen— aus Furcht vor dem Sozialismus; auch hier wird der letzte Kampf der zwischen diesen beiden diametral gegenüber stehenden Welt- anschauungen sein.—_ Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Den Russen entgegen? London, 21. Dezember.„Daily Mail" meldet aus Shanghai vom 20. d. Mts. aus zuverlässiger Quelle, daß ein mächtiges japanisches Geschwader aus Linienschiffen und Panzerkrenzern in Begleitung von 15 Kohlenschiffen und Torpedobooten auf dem Wege nach Süden begriffen sei, um die baltische Flotte anzugreifen. Port Arthur. Tokio, 21. Dezember.(Amtliche Meldung.) Wie die Armee vor Port Arthur berichtet, besteht die Beute der Japaner, welche sie bei dem Nordfort von Tunkinkwanschan gemacht haben, in vier Schnellfeuerkanonen, von denen zwei noch brauchbar sind, ferner in vier brauch- baren Maschinengeschützen und fünf Feld- geschützen, die noch einer Untersuchung unterzogen werden. Außerdem wurden Bewehre, Bomben, Munition. Handgranaten und anderes erbeutet. London, 21. Dezember. Die„Morning Post" berichtet aus Tschifu: Ein russischer Offizier, welcher aus Port Arthur an- gekommen ist, teilt mit, daß die Garnison von Port Arthur noch 16 000 Mann umfasse. 8000 Mann liegen in den Spitälern, viele Kämpfer seien verwundet. Der Kanipf um den 203 Meter- Hügel dauerte 14 Tage, die Russen verloren 2500 Mann. Der Offizier bestätigt, daß alle Kriegsschiffe, mit Ausnahme des„Sewastopol". desarmiert seien, die Geschütze seien zu Landbatterien formiert worden. London, 21. Dezember. Das„Reutersche Bureau" meldet aus Shanghai vom 20. d. Mts., es werde nicht daran gezweifelt, daß der Kapitän des russischen Torpedoboots- Zerstörers„G r o s s o d o i" sich auf dem von den Japanern be- schlagnahmten Dampfer„Nigricia" befunden habe. Der Kapitän habe wertvolle Karten und Dokumente bei sich. £[iis Induftrie und Handel. Der KonzentrationSprozeß im Bankgewerve. Fast keine Woche vergeht, in der nicht der Telegraph eine neue Bankenvereinigung oder die Uebernahme eines kleineren Bankinstituts durch ein größeres berichtet. Kürzlich erst wurde der Uebergang der Oberrheinischen Bank in Mannheim mit einem Aktienkapital von 17,25 Millionen Mark an die dortige, mit der Deutschen Bank liierte Rheinische Kreditbank gemeldet, dann folgte die offizielle Ankündigung, daß die Berliner Bank n»it einem Kapital von 42 Millionen Mark in die Kommerz- und Diskontobank aufgeht, und nun meldet das Wölfische Bureau aus Leipzig, daß die Leipziger All- gemeine deutsche Kreditanstalt, die erst dieser Tage mit der Oberlausitzer Bank zu Zittau eine sogenannte Interessengemeinschaft abgeschlossen hat, auch der VereinSbank in Zwickau den Abschluß eines ähnlichen Geschäftsverhältnisses vorschlägt. Sie bietet der VereinSbank an, deren Aktien gegen ihre eigenen, pari gegen pari, einzutauschen und erklärt sich bereit, unter diesen Umständen der Vereinsbank ihre Rechte aus ihrem Vertrag mit der Zwickauer Bank- firma Hentschel u. Schulz zu übertragen, zu welchem Zweck die Vereinsbank ihr Aktienkapital um 500 000 M. erhöhen soll. Gegenüber den obengenannten Vereinigungen ist dieser neueste Konzenttattonsvorgang von geringer Bedeutung, denn die Vereins- wiederum erhielten wir die gütige Erlaubnis, in den Straßen Tilsits bis 3 Uhr zu lustwandeln. Kurz darauf lvaren wir alle wieder versammelt, und sahen, trotz de§ jedenfalls erfrischenden Spazierganges, infolge der ganzen, un« sanften Behandlung, schon recht mitgenommen aus. Die Ausgabe der Karten erfolgte. Außer dem Fahrpreise nach London, werden 15 M. Depotgeld zurückbehalten, mit dem etwaige besondere Un- kosten für die Auswanderer bestritten werden, und das in London verrechnet wird. Für das leib- und herzerfrischende Desinfizieren werden zwei Mark bezahlt! Man ersieht, daß Desinfizieren, trotz der ungemein primitiven AuSftihrung, es» nicht gerade billiges Ver- gnügen ist— aber gewiß ein einträgliches Geschäft. Die allgemeine Stimmung ist gedrückt. Plötzlich ertönen die schwermütigen, wilden Klänge eines Cosaks, die ein Russe seinem mitgebrachten Leierkasten entlockt. Zwei bärtige Russen stellen sich zunt Tanz und beginnen rythmisch stampfend und springend den Cosai, Interessiert aber schweigend blickt die ganze Gruppe den Tanzenden zu, ohne daß die ernste Sttlle unterbrochen wird. Nun gehen zwei Russen umher und sammelte» Geld, kaum ohne eine Fehlbitte zu tun. Die Sammlung war für einige unter uns bestimmt, die das nötige Lösegeld noch nicht ganz beisammen hatten. Dennoch bleiben zwei Männer zurück, denen noch gar zu viel fehlte. Rasch vollzog sich im Kontor die Aushändigung der Karten und Scheine, doch noch eine peinliche Szene spielte sich ab. Mein Schlafgcnosie in der Statton, ein junger Schneider namens Simon Galt aus Walkoniir kam in höchster Aufregung aus dem Kontor heraus und erzählte fast weinend, daß man ihm eine Fahr- karte nach London verweigere und ihn zwingen wollte, nach Amerika zu fahren. Sollte das ein Rückfall in die früher geübte Praktik sein? Das erschien mir unmöglich. Ich ging mit dem Schneider ins Kontor zurück, in dem Herr Saßnick und Herr Klein saßen und rief, mich des Hilflosen annehmend: „Warum wollen Sie ihm nischt geben eine Kart nach London, warum soll er gehn nach Amerike?" «Was geht denn Sie das an?" fuhr Herr Klein mich an. „Was es mich angeht?" erwiderte ich.„Ich Hab mit ihm ge- legen die ganze Nacht in der Stanze(Station), er hat mir gesagt, daß er will nach London, und daß er nischt hat eine Kopeke mehr, wie 30 Rubel. Auch ein Schwesterkind hat er bei sich von 16 Jahr." „Dann kann er morgen fahren!" fiel mir Herr KleinindieRede., „Lassen Sie ihn doch heute fahren, warum soll er hier bleiben, es ist doch für sein schweres Geld und nicht umsonst." .Unerhört!" vernahm ich beim Verlassen des Bureaus aus- rufen. Nicht lauge darauf wurde Simon Gall aus Walkomir ins Konkor zurückgerufen, er erhielt seine Karte und wurde nüt uns, von einem Aufseher geleitet, in den Auswandererzug gebracht. bank in Zwickau ist, wenn auch ein gut rentierendes, so doch ein in seinem Geschäftskreis engbegrenztes, kleines Institut, das nur mit einem Aktienkapital von 3 Millionen Mark arbeitet, eine größere Wichtigkeit erlangt aber der Vorschlag der Allgemeinen deutschen Kreditanstalt dadurch, daß dieses Institut, das gegenwärtig ein Aktienkapital von 75 Millionen Mark besitzt, außerdem noch in enger Verbindung mit der Vogtländischen Bank in Plauen und der Kommunalbank des Königreichs Sachsen steht und zu dem Concern der Diskontogesellschaft in Berlin gehört, so daß die Bildung dieser neuesten Interessengemeinschaft in letzter Instanz eine Ausdehnung des Geschäftskreises der Diskontogesellschaft bedeutet. Auch im Norden scheint es der Diskontogesellschaft gelungen zu sein, ihr Terrain auszudehnen. Wie aus Hamburg gemeldet wird, übernimmt nämlich die Norddeutsche Bank, deren ganzes Aktienkapital sich be- kanntlich im Besitz der Diskontogesellschaft befindet, das alte Altonaer Bankhaus W. S. Warburg. Das Brauereigewerbe im Jahre 1904. Zu Anfang des Jahres wies der Bierkonsum eine Besserung gegenüber dem Vorjahre auf, ließ aber dann Monate hindurch zu wünschen übrig, bis infolge der langanhaltcnden heißen und trockenen Jahreszeit im Juli und August eine jähe Steigerung des Verbrauchs einsetzte, die in nachhaltigster Weise den Geschäftsgang in allen Brauereibetrieben günstig beein- flußte. Territorial betrachtet war der Absatz in Norddeutschland verhältnismäßig besser als in Süddeutschland, was wohl darauf zurückzuführen ist, daß die Baukonjunktur im Süden ein etwas mattes Gepräge aufwies. Speziell die Münchener Brauereien führen den unbefriedigenden lokalen Absatz auf die Einwirkung der matten Bautätigkeit und deren Einfluß auf eine große Anzahl Gewerbe zurück. Nicht nur dort, wo der Absatz zu wünschen übrig ließ, sondern fast allgemein nahm aber der Konkurrenz- kämpf in den verschiedenen Absatzgebieten wieder schärfere Formen an. Um sich die ihi tidschaft der Wirte zu erhalten und sie auszudehnen, müssen Mittel aufgewendet werden, die sehr häufig im Mißverhältnis zu der finanziellen Leistungsfähigkeit der Brauerei- betriebe stehen. Der Verkauf von Bier ist nur unter Gewährung von Darlehen möglich.# Bei einer Reihe von Gesellschaften nahm die Belastung an Bierhypotheken zu, während der Absatz gleichzeitig zurückging oder sich kaum steigerte. Um diesem Uebel zu steuern, machen sich zwar Bestrebungen geltend, die auf eine gemeinsame Einschränkung der übertriebenen Hypotheken und Darlehns- gewährung hinauslaufen, die aber bis jetzt nur in seltenen Fällen Erfolge aufweisen können. Zwischen den Nürnberger Brauereien ist im laufenden Jahre eine Verständigung über diese Frage herbei- geführt worden; in Rheinland-Westfalen hofft man in absehbarer Zeit gleichfalls eine gemeinsame Abstellung des Uebelstandes herbei- zuführen, und in Berlin wird Propaganda dafür gemacht, daß der Verein der Brauereien Berlins und der Umgegend die Herbeiführung einer solchen Vereinbarung in die Hand nehmen möge. Die Rentabilität, soweit sie in der Höhe der an die Aktionäre gezahlten Dividendensumme zum Ausdruck gelangt, ist gegenüber dem Vorjahre durchschnittlich kaum gestiegen. Von 151 Betrieben mit einem Aktienkapital von 160,94 Millionen Mark,, die ihren Ge- schäftsabschlutz für das Jahr 1903/04 im„Reichsanzeiger" schon veröffentlicht haben, verzeichnen 142 einen Gewinn, der auf 26,6 Millionen Mark angegeben wird; 5 Betriebe gaben weder einen Verlust noch einen Gewinn an; 4 Betriebe endlich arbeiteten mit einem Verlust von 171 804 M. Da sich nicht aus allen Bilanzen die Höhe der Dividende ersehen läßt, so gruppieren wir 116 Gesell- schaften, die mindestens ein Prozent Dividende verteilen, nach deren Höhe. Ueber 10 Proz. verteilen von diesen 18 Gesellschaften, und zwar II— 15 Proz. 12, 16— 20 Proz. 3, 21 und mehr wieder 3, 6— 10 Proz. verteilen 60, 1— 5 Proz. 38 Gesellschaften,. Im ganzen haben diese 116 Gesellschaften 9,64 Millionen Mark als Dividende verteilt; immerhin auf das gesamte Aktienkapital dieser 116 Gesell- schaften eine durchschnittliche Verzinsung von 7,53 Proz. Die Röhllschen Konkurse. In dem Konkursverfahren über das Verniögeu der Handelsgesellschaften C. H. Röhlls Fabrik und C. H. Röhll Hierselbst fand gestern beim Amtsgericht eine Gläubiger« Versammlung zur Verhandlung über den Abschluß eines Zwangs- Vergleichs statt. Ueber C. H. Röhlls Fabrik berichtete der Verwalter Böhme, daß den anerkannten vorrechtlosen Forderungen von 592 490 M. nur eine Dividende von 9 Proz. in Aussicht steht. Da« gegen offerierte die Schuldnerin, ihren Gläubigern 10 Proz. ihres Guthabens unter Bürgschaft zu zahlen. Betreffs der Firma C. H. Röhll schätzte der Verwalter Brinckmeyer die festgestellten Forderungen ohne Vorrecht auf 882 011 M. und stellte eine Dividende von 13'/, Proz. bei Durchführung des Verfahrens in Aussicht. Diese firma bot ihren Gläubigern 25 Proz. ihres Guthabens an. Die ge- ellten Vergleichsanträge wurden von den Gläubigern mit großer Majorität angenommen. Die Zentrale fiir SpirituS-Verwertting hat nach ihrem soeben ausgegebenen Verwaltungsbericht im Geschäftsjahr 1903/04 an in- ländischem Branntwein 306 Millionen Liter empfangen und 306'/, Millionen Liter abgesetzt. Der durchschnittliche Erlös für die Brenner berechnet sich auf 46,5425 M. pro Hektoliter reinen Alkohols, die Sprit- fabriken erhalten eine Prämie von 4,68 M. pro Hektoliter reinen Alkohols. Der gesamte deutsche Absatz berechnet sich auf 382,5 Millionen Liter, hierin liegt eine Steigerung des gewerblichen Ver- brauches um 11 Millionen Liter, während die Ausfuhr sich auf 7,5 Millionen Liter gegen etwa 37,5 Millionen Liter beschränkte. Die übersteigenden Exportanfttäge wurden durch ausländische Ware gedeckt. Die Verwendung von Spiritus zu technischen Zwecken hat sich nach dem Verwaltungsbericht im Geschäftsjahre 1903/04 gmtsttg entwickelt. Der Gesamtabsatz an denaturiertem Branntwein bemißt sich auf rund 100 Millionen Liter, das ist 11 Millionen Liter mehr als im Vorjahre. Diese Steigerung ist hauptsächlich den bedeutenden Fortschritten in der Spiritusbeleuchtung zu verdanken. Auch die Bertvendung von Spiritusmotoren hat sich im Berichtsjahre aus- gedehnt; zurzeit sind 2000 Spiritus« Kraftmaschinen in Benutzung, die im vergangenen Jahre 3,6 Millionen Liter Spiritus gegen 2,4 bezw. 1,3 Millionen Liter in den beiden Vorjahren verbrauchten. SewerKIcbaftlicKes. Her Eure Batzen! Wir zeigten jüngst an dem Beispiel der„Berliner Volks- zeitung", auf welche Weise kapitalistische Unternehmer die im redaktionellen Teil ihrer Blätter zur Schau getragene Arbeiter- freundlichkeit lukrativ zu verwerten trachten: Sie ködern dadurch ein Arbeiter- Lesepublikum, das ihnen einen ein- träglichen„Arbeitsmarkt" im Inseratenteil ermöglicht und quittieren den Arbeitern ihre Dummheit durch Ver- öffentlichung großer Streikbrecher-Gesuche. Und ein Geschüft bringt das andere: Der kapitalistische Zeituugsverleger, der den Arbeitern in ihrem Kampfe mit Streikbrecher-Annoncen in den Rücken fällt, heimst gleichzeitig auch das Geld für deren Sperr-Annoncen ein, indem er ihnen Warnungsnotizen im redaktionellen Teile unmöglich macht. Was damals fiir die„Volks-Zeitung" geschrieben war, trifft in demselben Maße zu für ein anderes Berliner Preß- unternehmen, die„Morgenpost". Sofort nachdem wir das Verfahren der-„Volks-Zeituttg" angenagelt hatten, gingen uns eine Reihe von Zuschriften und Ausschnitten aus der„Morgen- post" zu. aus denen ersichtlich war, daß dieses Blatt genau dieselben Streikbrecher-Gesuche enthielt, wie die„Volks- Zeitung". Die„Morgenpost" betreibt das Geschäft womöglich noch schamloser. Vor uns liegt eine Zuschrift dieses Blattes an eine Krankenkasse, auf deren Leitung Arbeiter mit Hülfe ihrer Organisation einen wesentlichen Einfluß gewonnen haben. Den Arbeitern, denen dieses edle Organ durch Streikbrechev Annoncen in den Stücken fällt, mutete es noch zu, es als Publikationsorgan für ihre Kreise— und zwar an er st er Stelle— zu verwenden. Die Berechtigung zu einer solchen Forderung leitet der Verlag daher, daß das Blatt angeblich unter den Mitgliedern dieser Kasse am meisten gelesen »verde.— Ob dies in der betreffenden Branche wirklich der Fall ist, entzieht sich unserer Kenntnis, ist aber mindestens ziveifelhaft. Die„Morgenpost" wurde seinerzeit als Konkurrenz unternehmen gegen den Scherlschen„Lokal-Anzeiger" gegründet und ihr Verleger begegnete etivaigen Z>vcifeln an der Rentabilität des llnternehmens in seinem Herzen mit dem bekannten Wort:„Die Dummen werden nicht alle I"— Er hat Recht behalten und kann als neuen Beweis für die Richtigkeit dieses Erfahrungssatzes an alle Mauern anschlagen: „Die„Berliner Morgenpost" hat die größte Auflage aller deutschen Zeitungen!" Bei den organisierten Arbeitern aber sollte die„Morgen� Post" nicht die Dummen suchen, die ein Organ für Streik brecher-Gesuche noch mit ihrein schweren Gelde durch Inserate unterstützen!_ Berlin una Umgegend. Die Einigungsverhandlungen der Tischler nahmen gestern ihren Fortgang, sie sind jedoch noch nicht zum W schloß gekommen. Die gestrigen Beratungen, welche die Herren GewerbegerichtS-Direktor v. Schulz und Gewerbegerichts-Beisitzer Bernhard als Unparteiische leiteten, drehten sich hauptsächlich um den Punkt, der die Beranlassung zur Aussperrung gegeben hat: die Forderung der Lohnsicherung. Etwa acht Stunden verhandelten die Vertreter der Parteien über diese Angelegenheit. Schließlich machten die Unparteiischen einen Vorschlag, der zwar nicht in der Form, wohl aber in der Sache im wesent- lichen das zugesteht, was die Arbeiter vor der AuS- sperrung forderten. Selbstredend bleiben alle Vorschläge, die in dieser Hinsicht gemacht worden sind, sowie die. welche noch in den folgenden Sitzungen gemacht werden, der endgiilttgen Genehmigung der Arbeiter überlassen. Ehe die kompetenten Versammlungen den Einigungsbedingungen nicht zugestimmt haben, kann von einem Friedensschluß keine Rede sein. Nach dem bisherigen Gang der Verhandlungen sowie nach dem Inhalt der bis jetzt' festgesetzten Einigungsbedingungen kann man annehmen, daß die Ver- Handlungen zu einem dauernden, für die Arbeiter annehm» baren Frieden führen werden, lieber die grundlegende Frage der Lohnsicherung haben sich die Vertreter der Parteien also— vor- behaltlich der Genehmigung ihrer Mandatgeber natürlich— ver- ständigt.. In den folgenden Sitzungen sollen noch verschiedene Einzelheiten beraten werden, wie Einsetzung und Geschäftsordnung einer Schlichtungskommission. Beratung des Tarifs der Bautischler, Regelung der Frage des Arbeitsnachweises.— Die Verhandlungen lassen erkennen, daß man auf beiden Seiten ernstlich bemüht ist. einen annehmbaren Frieden zustande zu bringen, der vielleicht noch vor Ablauf dieses Jahres geschlossen werden dürste. oentfcbea Reith. Die„Notwehr" der Unternehmer. Vor kurzem ging die Nachricht durch die Presse, daß der Erste Staatsanwalt in Bremen es abgelehnt hatte, gegen die Aus- sperrung eines Arbeiters einzuschreiten, mit der Begründung, die Behörde könne doch den Unternehmern nicht im Lohnkampfe gegen die Arbeiter die Hände binden. Daß der hier ausgesprochene Grund- satz auch von anderen Behörden und vermutlich überall befolgt wird, zeigt ein Streikprozeß, der am Dienstag, wie schon telegraphisch mit- geteilt, in Königsberg i. Pr. verhandelt wurde. In dieser Stadt, die sich im letzten Jahre schier zum klassischen Boden der Arbeiterverfolgungen ausgebildet hat, tobte bekanntlich den ganzen Sommer über ein schwerer Lohnkampf im Baugewerbe. Und nachdem endlich Frieden geschlossen, hat man wrz vor dem Fest der Liebe die Arbeiter wieder ausgesperrt, um sie zum Eintritt in einen von den Unternehmern gegründeten„christlichen" Ortsverband zu zwingen. Während des Streiks nun hat sich die Königsberger Polizei außer- ordentlich feinfühlig erwiesen, indem sie verschiedentliche Straf- antrüge gegen streikende Arbeiter oder deren Vertreter wegen angeblicher Beleidigung stellte. Die angeblichen Beleidigungen waren aber alle daraus entstanden, daß die Polizei in einer Weise in den Streik eingriff, die von den Arbeitern als Parteinahme zugunsten der Unternehmer empfunden wurde. So fand auch am 10. Mai eine Versammlung der Streikenden statt, in der über mancherlei Handlungen der Schutzleute lebhaft Klage ge- führt wurde. Diese Klagen faßte Genosse Schwarz, der Gau- leiter de? Zentralverbandes der Maurer, in einem etwa dreiviertel- stündigen Referat zusammen und dabei soll er die Worte gebraucht haben:„In Königsberg gehe Gewalt vor Recht." Zun, Schluß ver- faßte Schwarz dann noch eine Resolution, die unter anderen, den Satz enthält: „Di. Versammlung erblickt in den Maßnahmen der Polizei- behörde eine Parteinahme zugunsten der Unternehmer in diesem den Arbeitern aufgezwungenen Kampfe." Darob zwiefaches Sich-beleidigt-fühlen der Königsberger Polizei und Strafantrag gegen Schwarz wegen zweier Beleidigungen. An der letzten Schandtat soll aber auch Genosse G e r l a ch. der Vor- sitzende des LokalvereinS der Maurer, beteiligt gewesen sein. Denn er hat die Versammlung geleitet und die Resolution vorgelesen und zur Abstimmung gebracht. Woraus sich mit Naturnotwendigkeit ein Strafantrag auch gegen ihn ergab. So saßen denn die beiden Sünder am Dienstag auf der Anklagebank. Hatte nun aber die Polizei gar keinen Anlaß zu solcher Kritik gegeben? Die Verteidigung, die Genosse H a a s e führte, hatte es sich angelegen setn lassen, recht nachdrücklich dem Gericht vor Augen zu führen, wie die Polizei sich verhalten hatte. Da mußten zunächst zwei Richter, welche in einer Reihe von Prozessen gegen Streikende den Vorsitz geführt hatten, als Zeugen aussagen, daß eine ganze Anzahl Schutzleute die Streikposten von der Straße weggewiesen hotten, nur weil es Streikposten waren. Die Beamten waren eben der Meinung. Streikpostenstehen sei nicht gestattet. Wie sie zu dieser Meinung kamen, das klärte der aus dem Hochverratsprozeß bekannte Kriminalkommissar Wohlfromm auf. Er gab bekannt, daß am LS. April vom Polizeipräsidenten eine allgemeine Verfügung erlaffen worden ist des Inhalts Die Arbeitswilligen sollten vor Belästigungen geschützt werden durch Ueberwachung der Arbeitsstellen, durch tunlichfte Ber- Hinderung des Streikpostenftehens und durch Meldung aller straf- baren Handlungen. Dieser Erlaß ist den Schutzleuten von den Reviervorständen mündlich mitgeteilt worden(und sie haben ihn so gut ausgeführt, daß wiederholt Streikende sogar v e r h a s t e t wurden, nur weil sie sich aus der Straße sehen ließen!).— Wie die Ueberwachung der Arbeitswilligen geschah, bekundete ein Maurer. Bor den Häusern, in denen sie untergebracht waren, standen beiTagundbeiNacht Schutzmannsposten, die auch außerhalb der Arbeitszeit niemanden zu ihnen ließen. Zwei Bauunternehmer beschworen, daß sie die ausdrückliche polizeiliche Erlaubnis erhalten hätten, italienische Arbeitswillige in noch nicht abgenommenen, unfertigen Rohbauten einzuquartieren, während sonst die Königsberger Polizei äußerst streng darauf sieht, daß kein Bau auch nur einen Tag vor der vor- geschriebenen Zeit bezogen wird. Dies das Ergebnis der Beweisaufnahme. Man sieht, wie viel Grund die Polizei hatte, sich beleidigt zu fühlen. Und der Staats- anwalt Herr Drygalski sein Bruder des berühmten Südpol- fahrers) fühlte mit ihr. Er beantragte daher gegen jeden der An- geklagten(von denen Schwarz noch ganz unbestraft, Gerlach vor 20 Jahren als Handwerksbursche wegen Bettelns, und später mit 15 M. wegen Uebertrewng des Vereinsgesetzes vorbestraft ist, weil er als Maurer— an einem Tanzvergnügen der Zimmerer teil- genommen) 6 Moutate Gefängnis!!! Der Verteidiger Rechtsanwalt H a a s e wies den Herrn Staatsanwalt darauf hin, daß wir nicht mehr in einem Polizeistaat leben. Ueber der Polizei stehe das Gesetz, und wenn die Polizei das Gesetz verletzt, so habe jeder Bürger nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht, das nicht ruhig einzustecken. Die Verfügung des Polizeipräsidenten vom 28. April widerspreche dem Gesetz. Sie enthalte dasselbe, fast mit denselben Worten, wie der bekannte Streikerlaß des Herrn v. Puttkamer, über besten Un- gefetzlichkeit kein Zweifel bestehe. Sie wolle das, was der Reichstag in der Zuchthausvorlage abgelehnt hat, ohne und wider das Gesetz durchsetzen. Wer das Streikpostenstehen ver- hindert, nimmt objektiv Partei gegen die Arbeiter. Durch die Erlaubnis, die Arbeitswilligen auf unferttgen Bauten unterzubringen, habe die Polizei sogar gegen das Straf- gesetz verstoßen. Endlich wies der Verteidiger darauf hin, daß in einem Falle die Polizei einem Restanrateur die Polizeistunde von 11 auf v Uhr herabgesetzt hat, nur weil die Streikenden bei ihm Zusammenkünste abhielten und nur für die Dauer de« Streiks, ein Verfahren, das als ungesetzlich vom Reichsgericht, Kammergericht und Ober-VerwaltungSgericht in wiederholten Entscheidungen be- zeichuet worden ist. Unzweifelhaft hätten die Angeklagten auch in Wahrnehmung berechtigter Interessen gehandelt, denn dabei komnie eS auf den Ort gar nicht an. Aus all diesen Gründen müsse Frei- sprechung erfolgen. Der Staatsanwalt nahm noch einmal das Wort, um unter anderem zu sagen: „Die Angreifer in diesem Lohnkampf find nach meiner Ansicht die Arbeiter gewesen. Die Unternehmer befanden sich gewissermaßen in Notwehr.'Die Polizei war also ver- pflichtet, den zu Unrecht Angegriffenen Hülfe zu leisten. Dahin gehörte auch die Erlaubnis, Arbeitswillige ans unfertigen Bauten schlafen zu lassen. Bei solchem Notstand darf diePolizei von ihren eigenen Anordnungen abgehen." Diese Worte verdienen sorgsame Beachtung, wie auch die weitere Meinung des Staatsanwalts, Schlvarz müsse besonders schwer bestraft werden, weil er die Resolution in sehr vorsichtigen(1) Ausdrücken abgefaßt habe! Denn damit habe er beiviesen, daß er schwere sachliche Vorwürfe kaltblütig in eine Form zu kleiden ver- stehe, die seine Person sichere. Das Gericht trat in eine Prüfung, ob das Ver- halten der Polizei gesetzlich oder ungesetzlich sei, nicht ein. Es kam zur Freisprechung, weil die Möglichkeit nicht auSgeschlosien sei. daß der Satz:„in Königsberg gehe Gewalt vor Recht" in dem Zusammenhang, in dem er gebraucht wurde, sich nur auf einzelne tatsächliche Uebergriffe von Schutzleuten beziehe; die Resolution aber enthalte keine Beleidigung, sie bringe nur die Meinung der Versammelten zum Ausdruck und überschreite nicht den Rahmen berechtigter Kritik. In der Weberei von Winkler u. Co. zu Kassel, die ihren Betrieb erst vor vier Wochen eröffnet hat, sind Lohndifferenzen aus« gebrochen. Eine Einigung schien bis zum Sonnabend noch möglich, nachdem aber die Firma in den Tageszeitungen durch die Annoncen- Expeditton von Haasenstein u. Vogler Arbeitskräfte sucht, welche die jetzigen ersetzen sollen, müssen die Beteiligten annehmen, daß sie hintergangen werden sollen und haben daher die Kündigung ein- gereicht. Zuzug ist dringend fernzuhalten. Die Bergardeiter werden weiter aufgereizt. Auf Zeche„Alstod-n" bei Oberhausen wurde durch Anschlag für 1. Januar eine Schicht- Verlängerung von einer halben Stunde angekündigt. Am Sonntag findet Belegschastsversainmlnng statt zlveckS Stellungnahme. Bei solchem Vorgehen würde es ein Wunder fein, wenn schließlich der angehäufte Zündstoff nicht explodierte. Mehrere Versaminlungen im Essener Revier beschlosten, den Verbandsvorstand aufzufordern, die Forderungen betr. Achtstundenschicht, Minimallohn:c. sämtlichen Grubenvecwaltunge.r zu unterbreiten. HtiaUnd. Lohnbewegung und Organisation der holländischen Seefischer. An mehreren Orten der holländischen Nordseeküste ist dieser Tage eine Organisation der Fischer gegründet»vorden, die mit Ernst eine Verbesserung der elenden Lage dieser unter vielen Gefahren und für ungew Jen Lohn, der sich nach den jeweiligen Engrospreisen der Fische richtet, arbeitenden Proletarier erstrebt. Wie„Het Volk" aus Vlaar« dingen mitgeteilt wird, wollen die Unternehmer nun den Fischern von ihrem Lohn noch die Ausgaben für den Köder, womit die Schellfische gefangen toerden, und für das Eis zum Kühlhalten der Fische abziehen. Das hat große Aufregung hervorgerufen und dient selbstverständlich zur Förderung des Organisationsgedankens. Eine Rottcrdamcr bürgerliche Zeitung meldet, daß am Donnerstag mittag in Vlaardingen eine Art Demonstration von Fischern veranstaltet worden ist. Ein Unternehmer hatte sich aus Middelharnis Leute kommen lasten, die lediglich für einen Prozentsatz des Ertrages arbeiten wollen, ohne neben Prozenten einen bestimmten Lohnsatz zu verlangen. Die mehr als 200 Demonstranten sollen eine drohende Haltung gegen die Leute angenommen haben. Der Polizeikommissar gab dem Schiffer den Rat, seine Tätigkeit bis zum Abend einzu- stellen; bis dahin sollten die nötigen Polizeimaßnahmen getroffen werden. Der Schiffer und seine Mannschaft zogen eS jedoch bor, nach ihrem Wohnort zurückzukehren. Die Charlottenburger Ztadtverordueten- Versammlung erklärte in ihrer Sitzung am Mittwoch zunächst, daß ein vom Vor- steher in der letzten geheimen Sitzung dem Genosten Vaake er- teilter Ordnungsruf, gegen den dieser Einspruch erhoben hatte, ge- rechtfertigt sei. Hierauf nahm die Versammlung den Bericht de? Ausschusses über die Anträge der Stadtv. Stein u. Gen. und Hirsch u. Gen. betr. Bereitstellung von Mitteln für Rechts- beratungsstellen entgegen. Durch den Antrag Stein wurde der Magistrat ersucht, in gemischter Deputation zu beraten, ob eZ sich empfiehlt, eine Stelle einzurichten zur Erteilung mündlicher AuS- kauft in öffentlich-rechtlichen Angelegenheiten für die unbemittelten Klassen. Ter sozialdemokratische Gegenantrag forderte den Mo- gistrat auf, in den nächsten Etat eine Summe von 30 0(X> M. zur Unterstützung der von der Gewerkschaftskommission errichteten Auskunftsstelle für Arbeiter und Arbeiterinnen einzustellen. Der Ausschuß hat nun beide Anträge abgelehnt und statt dessen an den Magistrat die Aufforderung gerichtet, durch eine geeignete Organi- sation dem Publikum die Auffindung der zur Beratung im Einzelsall berufenen städtischen und staatlichen Dienststellen so zu erleichtern, daß von der Befugnis, dortselbst Auskunft einzuholen, mit Leichtig- keit ein ausgiebiger Gebrauch gemacht werden kann. Gegen diesen Antrag wandte sich Stadtv. Hirsch, der namens der Sozialdemo- kraten den Magistrat um Einbringung einer Vorlage betr. Unter- stützung gemeinnütziger Rechtsberatungs- und Auslunftsstellen er» suchte, Nach kurzer Debatte lehnte die Versammlung den sozialdemo» kratischen Antrag ab und nahm den des Ausschusses an. Den nächsten Punkt der Tagesordnung bildete der Bericht deS Ausschusses zur Vorbcratung der Anträge 5/irsch u. Gen. betr. die Einsetzung von Arbeiteransschüssen, Herabsetzung der Arbeits- zeit und Entschädigung für Ueberstunden für städtische Ar» beiter. Wie bereits mitgeteilt, hatte der Ausschuß sich für die Herabsetzung der Arbeitszeit aus neun Stunden und für die Beseitigung bezw. höhere Entlohnung der Ueberstunden», Sonn- und Feiertagsarbeit ausgesprochen. Wer jedoch glaubte, daß das Plenum sich diesen Anträgen anschließen»vürde, der sollte eines besseren belehrt werden. Die Liberalen zogen es wieder einmal vor, ihre Ausschußvertreter vor den Kopf zu stoßen; sie stimmten, obwohl sie mit den Soziaidemolraten zusammen die Mehrheit bildeten und obwohl ihre Vertreter im Ausschuß mit den Sozialdemolratcn zu- sammengegangen waren, den Antragen doch nicht zu. sondern be- leiteten ihnen ein Begräbnis erster Klasse, indem sie sie an den AuS- schuß zurückverwiesen. Es zeigt sich immer mehr, daß die liberale Fraktion im Charlottciitmrger Stadtparlament auf deni-'lben ar- beiterfeindlichen, sozialpolitisch rückständigen Standpunkt sinkt wie ihre Berliner Brüder. Die Debatte, an der sich insbesondere die Stadtvv. Vaake, Hirsch und Bürgermeister Matt in g be- teiligten, war überaus lebhaft, zumal da von unserer Seite auch ver- schiedene Beschwerden städtischer Arbeiter zur Sprache gebracht tvurden— allerdings ohne den gewünschten Erfolg. Das neue Re- sultat hat die Debatte jedoch gezeitigt, daß sie die Feigheit und Jämmerlichkeit der Liberalen aller Welt offenbarte. Eine längere Debatte entspann sich über die Magistratsvorlage betr. Erlaß eines Ortsstatuts über die Regelung der Sonn- tagsruheimHandelsgewerbe. Entgegen dem Magistrats- anrrage, der sich, ebenso wie die Stadt Berlin mit einer Ein>chrän- kung der Sonn- und FeiertagSarbeit auf die Stunden von 8— 10 Uhr vormittags, und zwar nur für Fabrik-,� Engros-, Bank-, Versichc- rungs-, Agentur- und Spedttionsgeschäfte begnügt, forderten die Sozialdemokraten, daß der Magistrat von der Befugnis des§ 105 d der Gewerbc-Ordnung in vollem Umfange Gebrauch inachen und dementsprechend die Beschäftigung für alle Zweige des Handels- gcwcrbes an Sonn- und Feiertagen durch Ortsstatut untersagen soll. Die Beschlußfassung wurde bis nach Neujahr vertagt. Eine weitere Vorlage betraf die Vermietung des RatS- k e l l e r s. Genosse Vaake erhob gegen den mit den Restaurateurcu Karl und Otto Heyne, die zurzeit in der Hasenheide 40/44 ein Ge- fchäst betreiben, abgeschlossenen Vertrag Widerspruch, da die Stadt dadurch benachteiligt wird und regte unter anderem auch den Regie- betrieb an. Sein Antrag auk AuSschußberatung wurde abgelehnt und der Vertrag gegen die Stimmen der Sozialdemokraten an- genommen. Gleichfalls angenommen wurde ein Antrag Protze u. Gen., der sich auf die Anlegung eines kommunalen Friedhofes bezieht. Nach der Erflärnng des Bürgermeisters M a t t i n g scheint Aus- ficht vorhanden zu sein, daß der Oberpräsident die Anlegung des Friedbofes genehmigen wird. Namens der sozialdemokratischen Fraktion sprach sich Genosse B o r ch a r d t unter Betonung unseres prinzipiellen Standpunktes für den Antrag aus. Ueber den weiteren Verlauf der Versammlung, die sich tcn* gewöhnlich lange hinzog, werden wir morgen berichten. Versammlungen. Zentral- Fesisäler. Thema: die Aus Ja der regelmäßigen Mitgliederversammlung des Verbandes der Stukkateure, die mit Frauen in Frankes stattfand, referierte Waldeck Monas se über das „Freie Weihnachten". Alsdann nahm die Versammlung nähme von fünf Kollegen vor. DeS weiteren wurde ein Anschreibe. l der Gewerkschastskominission zwecks Unterstützung zur WeihnachtS- bescherung der Kinder der streikenden Holz-, Metall- und Klavier- arbeiter durch Annahme folgender Resolution zur Erledigimg gebracht: Die heurige Mitgliederversammlung der Filiale Berlin deS Zentralverbandes der Stukkateure Deutschlands kainr sich mit dem Unternehmen des Ausschusses der Berliner GewerkschaftSkonunission lWeihnachtSfeier verbunden mit Bescherung für die Kinder der Ausgesperrten und Streikenden) nicht einverstanden erklären. Sie hält e'ö für Sache der Eltern und Erzieher, ihren Kindern eine ihnen zweckmäßig erscheinende Weihnachtsfreude zu bereiten. Nur den Eltern durch Darbietung eines erhöhten Streikgeldes diese Mög- lichkeit zu gelvähren, das kann im Rahmen der Tätigkeit der Geioerk- schaftSkommission liegen— nicht das lieben von Wohltätigkeit mit Hülfe einer öffenrlichen Kollekte. Darum lehnen»vir einen Geld- beitrag zur Bescherung ab und überweisen der GewerkschastS- koiwnission zur U n t e r st ü tz u n g der Streikenden 300 M.-- Zum Arbeilnehmerbeisitzer im Schiedsgericht wurde Otto Hoff- m a n n gewählt, desgleichen lvurden Eckard. Krebs und R a d t k e als Kandidaten�für die Generalkommission aufgestellt.- Eine bei der Firma Karl Schulze abgehaltene Werkstattbesprechung sollte dazu dienen, die Mißstände in der Wasierftage zu regeln und geordnete Verhältnisse darin einzuführen. Nach langem hin und hm gelang es, den Geschäftsführer benannter Firma zu einem entgegen- kommenden Bescheide zu veranlassen. Die Sckttonsleiwng der Lackierer ersucht uns in bezug auf einen Bericht in Nr. 23S des„VortvSrts" richtig zu stellen, daß eS sich bei dem dort erwähnten Bestätigungsrecht des Vorstandes nicht um ein solches bezüglich der Delegierten zur Generalversammlung, sondern daS der Borstandsmitglieder handle. Die Sektion II des Hafenarbeiter-BerdandeS bewilligte in ihrer letzten Sitzung für die Kinder der streikenden Tischler 50 Mark. Zum zweiten Schriftführer wurde Otto Biebe gewählt. Die Frage der Lohntarifregelung konnte, da die Ansichten der Mitglieder zu weit auseinandergingen, nicht erledigt werden. ES wurde des- halb ein Antrag E a r n a l angenommen, die nächste Mitglieder- Versammlung als Generalversammlung einzühemfen und den Lohn- taris auf die Tagesordnung zu setzen. Dem Gesuch eines Kollegen um Erlaß der Beiträge während einer UebungSzeit konnte mcht stattgegeben werden, da die Stowten nichts hierüber besagen. Teltow. Einen neuen Erfolg in der Lokalftage haben die hiesigen Parteigenossen zu verzeichnen. Bisher war� nur das ziemlich entfernt gelegene Sommerlokal„Schweizerhäuschen" auf dem Seehof für die Arbeiterschaft frei. Durch eine streng geführte Sperre haben wir nun das mitten in der Altstadt gelegene Lolal„Deutsches Wirtshaus" von E. Piekenhagen zu politischen sowie gewerkschaftlichen Versammlungen ftei bekommen. Mit dem Emporblühen des Ortes durch den Teliow-Kanal sehen die Saalinhaber immer mehr ein, daß sie auf die Dauer den Besuch der Arbeiter, welche infolge deS ErstehenS von industriellen Etablissements zu Hunderten hereinströmen, nicht entbehren können. Am Sonntag fand nun eine Volksversammlung in dem neu eroberten Lokale statt, welche von zirka 250 Personen, darunter auch viele Frauen, besucht war. Genosse Gerhard Hildebrond aus Zehlcndorf sprach in zirka l'/o* tündiger Rede über:„Unsere politische Lage". Der Referent ver- tand eS. durch seine klaren Ausführungen die Zuhörer zu fesseln, o daß ihm am Schluß reicher Beifall zu teil wurde. In der Dis- kufsion erörterten die Genossen Krüger und Franke den Druck. welcher von spießbürgerlicher Seite auf die Saalinhaber ausgeübt wurde, um das Lokal den Arbeitern nicht zur Verfügung zu stellen. Der Erfolg der Verfaininlung war, daß acht Abonnenten auf den „Vorwärts", drei auf die„Brandenburger Zeitung", sowie 20 Mit- glieder für den Verein gewonnen wurden._ Berantw RedaN.-Paul Büttner. Berlin. Inserat« verantw.(mit Ausnahme der.Neue»eIt".Beilasr-TH. Glocke, Berlin. Druck u. B-rlag- Vorwärts Buchdr,«, P-rladgSanst.PauI Singer»To., verlin S V. Hierzu 3 Betlage»«.«»terhaltnngSbl. jr. 300. 21. ZchWz. 1,|rj|(l§r Zu Temmlers Gedächtnis. Der erste Hundertjährige in der Sozialdemokratie! Einer unserer Borkämpfer aus der ersten Stnrmzeit, Vaumeiste? Georg Adolf D e m m l e r, ist heute vor hundert Jahren, am 22. Dezember 1804, zu Güstrow in Mecklenburg geboren worden. Offen gestanden, gedenken wir dieses Ereignisses mit gemischten Ge- fühlen. Die Partei, die das Erbe der bürgerlichen Welt anzutreten berufen ist, die Partei der Zukunft, hat bereits eine Geschichte hinter sich, in der ein Hundertjähriger handelnd auftreten konnte, ein Mann, dessen Geburtstag in eine Zeit fällt, die wenigstens für das ostelbische Deutschland noch als Mittelalter gelten muß. In eine Zeit der Zünfte und Torsperren, des Zopfes und der Leibeigenschaft, in das Jahr, wo im Westen erst die Blitze jenes Gewitters zudteir, das zerstörend und reinigend über die moderige Leichenherrlichkeit des heiligen römischen Reiches deutscher Nation hinwegfegen sollte, — in dies Jahr fällt der Geburtstag eines sozialdemo- kr a t i s ch e n Reichstags-Abgeordneten. Aber nein! Wir brauchen darob nicht den Kopf hängenzulassen. Wir leben und käinpfen in der Gegenwart, das scharfe Auge einer Zukunft zugewandt, die der satten bürgerlichen Realpolitik mit Nebel- schleiern verhüllt ist, und wir wissen die Klinge zu führen wie vor zwanzig, vor drcihig. vor vierzig Jahren. Unser Eifer im Streit, ja auch unsere Fehler und vor allem der fanatische Hast, mit den, die Vertreter der alten, absterbenden Weltordnung uns begeifern, sind ein lebendiges Zeugnis für unsere Kraft und unsere Jugend. Und wenn wir heute eines Hundertjährigen zu gedenken haben, so dürfen wir sicher sein, dast es ein a u st e r g e w o h n l i ch e r Mann war, und dast die Weltanschauung, der er sich, aller bürgerlichen Ehrpusseligkeit zum Trotz, noch als Greis zuwandte, wie heute, so auch schon damals die Tüchtigsten mit sich reihen mustte. Werfen wir aber einen Blick auf DemmlerS Lebensgang, so wird die Frage, wie ein Mann wie er sich im späten Mter der Sozialdemokratie zuwenden konnte, auf die ein- fachste Art von der Welt gelöst. Sein Anschlust an unsere Partei erscheint dann als der Abschlust einer Entwickelung. die wie ein Buch offen und lückenlos vor uns liegt. Demmlers Jugend fällt mit der Werdezeit des deutschen Liberalismus zusammen. Als Student schlieht er sich in Rostock der .Achtzehnten Oktoberschar" an, die von einem Hauptmann v. Restorff gegründet, tapfer turnt und Freiheitslieder singt, ein Beginnen, von besten Gefährlichkeit DemnuerS Landsmann Fritz Reuter in der „Feftungstied" mit erschütterndem Zorn zu berichten weist. Dann geht Denrmler im Jahre 1820 nach Berlin, um sich auf der Bau- und Kunstakadeniie auszubilden. Dort wird er Mitglied der Burschenschast, ein auch äußerlich gar nicht so einfaches Vorhaben. Demi er mustte sich zu diesem Zweck auf der Univerfität imma- trikulieren lassen, wobei nicht bekannt werden durfte, dast er bereits einer anderen BildungSanstalt angehört hatte. da solches damals nach dem Univcrsttütsstatut nicht zulässig war. „Dast ich," so erzählte er später auf dem Wartburgfest der deutschen Burschenschaften am 18. Oktober 1867,„beharrlich alle Hindernisse überwunden habe, gereicht mir noch heute zur großen inneren Be- friedigung; denn die Grundsätze, welche ich in der damaligen burschcnschaftlichen Verbrüderung kennen lernte, und die ich tief in mein Herz einprägte, die idealen Ziele, denen wir nachstrebten, haben mich durch mein ganzes Leben begleitet und haben mir stets einen sicheren Halt gewährt." Nach Beendigung seiner Studien trat Temmler in den mecklen- burgischen Staatsdienst und wurde 1837 zum Hofbaumeister und 1841 zum Hofbaurat ernannt. In diese Zeit fällt seine Betätigung als hervorragender Künstler und Baumeister. Er er- richtete auf einer Insel des großen Schweriner Sees das herrliche Residenzschlost der mecklenburgischen Grostherzöge, das 1857 nach zwölfjähriger Bautätigkeit vollendet wurde. Ferner erbaut« er das Hoftheater, das 1882 den Flammen zum Raube fiel, den Marstall, sowie das Zeughaus in Schwerin, lauter Prachtbauten, die seinen Ruhm der Welt verkündeten. Auch später noch pflegte er seine Kunst mit dem stolzen Bewußtsein, daß er auf ihrem Gebiete der ersten einer war. Unter anderem beteiligte er sich 1864 an den Entwürfen zum Bau eines Rathauses in Hamburg; und 1872 kam bei der Konkurrenz zu einem deutschen Reichstags- Gebäude DemmlerS Entwurf in die engere Wahl. Auf einen Ruhm aber, der ihn mcht minder auszeichnete als seine künstlerische Genialität, macht unser Parteigenosse Auer in dem Nekrolog zu Demmlers Tode 1886 aufniertsain:„Um den auf seinen Bauten beschäftigten Arbeitern einen möglichst hohen Lohn zu verschaffen, vergab er die Arbeiten direkt an sie, wodurch er sich fteilich die Todfeindschaft aller zünftigen Maurer- und Zimmer- ineister zuzog, für die bei der Demnrlerschcn Praxis der Geselle aufhörte, ein AuSbentungSobjelt zu sein. Demmler war auch ein grundsätzlicher Gegner der Akkordarbeit, von der er behauptete, sie führe zur Pfuscherei. Alle die Herr- lichen, von Demmler entworfeilen und ausgeführten Bauten, auf die Schwerin und Mecklenburg mit Recht stolz sind, sie sind im Tagelohn ausgeführt. Dafür sind diefe Mauern aber auch geeignet, der Eioigkeit zu trotzen, und als das grostherzoglich« Theater 1882 ein Raub, der Flammen wurde, da legten die trotz der entstandenen furchtbaren Risse stolz zum Himmel ragenden türm- hohen Mauern lautes Zeugnis ab für die Trefflichkeit und Solidität der Demmlerschen Bau- und Arbeitsmethode." Als bei dem Brande jemand die Befürchtung äußerte, daß die Mauern fallen würden, ant- ivortete Demmler mit überlegenem Lächeln:.Solche Mauern stürzen nicht ein!" Die Herrlichkeit als Hofbaurat nahm ew jäheS Ende. Die Stadt Schwerin wählte Demmler 1846 in den Bürgerausschuß, wo er eine reiche Tätigkeit entfaltete, und in den mutvollen Kämpfen um Einführung einer Verfassung der Führer war. Als er nun gar zur- zeit der Konterrevolution als Repräsentant der Schweriner Bürger- schaff für das bedrohte StaatSgrundgesetz vom 10. Oktober 1840 eintrat, folgte die Strafe auf dem Fuste. Im Juni 1861 wurde Demmler ohne Pension für inimer aus dem Staatsdienst entlassen. Nun. begann für den Gemäß- regelte» eine Zeit der Wanderungen. Er bereiste Frankreich, England. Italien und die Schweiz und knüpfte, wo er konnte, mit den zahlreichen Emigranten der Revolution Verbindungen an. In: Jahre 1867 kehrt« Denrmler nach seiner Heimat zurück; die Bürgerschaft von Schwerin wählte ihn sofort wieder in den Bürger- ausfthust. Hier wurde an ihm und seinen Kollegen eine Mastregel erprobt, die bekanntlich auch bei der preußischen RegierungSreaktton zur Waffenrüstung gehört. Als er im Jahre 1360 einen auf die Verfassungsfrage bezüglichen Antrag einbrachte, gebot das Ministerium dem Bürgerausschuß bei einer Strafe von 100 Thaler für den Vorsitzenden und den Antragsteller und 10—26 Thaler für jedes Lusschußmilglied. jede nicht vom Magistrat veranlastte Ber- Handlung allgemeiner politischer und Landesverfaffungs-Ängelegen- heilen zu unterlassen. Der Fortschritt gegen damals ist unverkcnn- bar; heule darf wenigstens in Preußen auch ein Magistrat keine politischen Gegenstände der Stadtverordneten-Versammlung zur Ver- Handlung darbieten. Denunler wandte sich weiter der Politik zu. Im Jahre 1869 wurde er einer der Mitbegründer des Nationalvereins, deffen Hohlheit er allerdings bald erkannte; 1868 fchlost er sich in Stuttgart der Deutschen V o l k» p a r t e i an, die damals mit den Befttebungen der Arbeiterschaft in engster Fühlung stand. Der nach dem Kriege von 1870 mächtig aufstrebenden Arbeiter- bewegung, so schreibt Auer, dessen Bericht wir auch im übrigen folgen, schloß Demmler sich mit vollem Herzen an, mid bei den Reich Stagswahlen 1874 bewarb er sich bereits in Altenburg und Ehlingen als Kandidat d-r sozialdemokratischen Partei um ein Mandat. In Schwerin selbst trat er in Wort und Schrift für dm des JnroWs" Arbeiterkandidaten Finn in die Schranken. Dast ihm dies mannhafte Eintreten für die Arbeitersache die bittere Feindschaft seiner bisherigen liberalen Freunde eintrug, ist selbstverständlich. Aus jener Zeit stammt auch das Märchen, dast Demmler seine sozialdemokratischen.Phantastereien" in den Turmknops deS Schweriner Schlosses hineingeschmuggelt haben sollte, welche später aber wieder herausgenommen seien. Wahr ist an dieser Mär nur, dast auf das Drängen übereifriger Hofschranzen hin. welche glaubten, Demmler einen Strick drehen zil können, ein kostspieliges Gerüst um den Turm gelegt und der Knopf wirklich geöffnet wurde. Er ent- hielt nichts Hochverräterisches und das Geld für den Gerüstbau war zum Fenster hinausgeworfen. Bei den Wahlen im Januar 1877 wählte der 13. sächsische Wahlkreis, der heute durch Geyer vertreten ist. Demmler in den Reichstag. Er gehörte nur anderthalb Jahre dem Parlament an; zu de» Attentalswahlen im Juli 1378 lehnte der 74jährige Greis eine Wiederaufstellung ab. In jener Zeit war eS, als patriotische Buben dadurch gegen Demmler demonstrierten, daß sie ihm die großen Fensterscheiben seines Wohnhauses einwarfen. Diese namenlose Roheit, ausgeübt gegen einen Mann, der sich um die Landeshauptstadt und um das mecklenburgische Gemeinwesen hochverdient gemacht hatte, liest zum wesentlichen in Demmler den Entschlust reifen, sich vom politischen Leben zurückzuziehen. Es kam hinzu, dast die bürgerlichen Behörden sich in jener Zeit maßloser Verfolgungen weigerten, dem tüchtigsten der Staatsbürger den verlangten Schutz zu gewähren, und Arbeiter lvaren es. die schließlich den Roheiten dadurch ein Ende machten, daß sie des Nachts freiwillig DemmlerS Haus bewachten. Mit dem Rücktritt vom öffent» lichen Leben war sein Interesse für das politische Leben keineswegs erloschen, und als das Soziali st engefetz mit unerhörten Drangsalierungen einsetzte, da brachte er große materielle Opfer zur Unterstützung derer, die unter dem infamen Gesetz ver- folgt und finanziell ruiniert wurden. Ende 1835 stellten sich bei dein 81 jährigen Manne, der ein Hüne von Gestalt war, Atem- beschwcrden ein; doch nahm er an allen öffentlichen Angelegenheiten noch das regste Interesse und seine Parteifreunde befürchteten nichts Schlimmes. Am Abend des 2. Januar traf sie unerwartet die Nach- richt von Demmlers Hinscheiden. Seine Lebensgefährtin, mit der er in kinderloser Ehe lebte, war ihm schon vor Jahren in den Tod vorangegangen. Die Arbeiterschaft bereitete ihrem Veteran am 6. Januar 1836 ein Leichenbegängnis, wie Schwerin es bis dahin noch nicht gesehen hatte. Fast die ganze Stadt nahm Anteil an der Beisetzung ihres würdigsten Bürgers und aus vielen mecklenburgischen Ortschaften und besonders aus Hamburg waren zahlreiche Arbeiterdeputationen eingetroffen. So haben wir in Demmler einen Mann und Kämpfer vor uns. der im Gegensatz zu den nieisten anderen Liberalen auch im Alter konsequent auf dem Wege weiter schritt, den er in den Jugendtagen als den rechten erkannt hatte. Von Demmler, dem Baumeister. erzählt die Kunstgeschichte auf ihren Ruhmesblättern, Demmler, den Politiker wird das arbeitende Volk für alle Zeiten in Ehren halten. Partei- I�admcKten. Parteipreffe. Am 1. Januar 1905 wird der Zeitschriftenverlag und die Buchdruckerei von I. H. W. Dietz Aachs, in Stuttgart in den Besitz des Genoffen Paul Singer übergehen, der unter der Firma Paul Singer, Verlagsanstalt und Buchdruckerei das Geschäft weiter beweiben wird. Der Antrag auf Uebernahme des Geschäfts ist von den bisherigen Inhabern der alten Firma Bebel und Dietz ausgegangen und vom Partei- vorstand akzeptiert worden. Als Prokuristen wurden bestimmt: die Genossen I. Belli und A. Kirchhoff. Die Anstellung eine? besoldete» Parteisekretärs wurde in einer außerordentlichen Generalversammlung des sozialdemokratischen Vereins München mit 182 gegen 180 Stimmen abgelehnt. Ein„Offener Brief" eines sozialdemokratischen Priesters. In den Zielen und Mitteln der Sozialdemokratie ist nichts, was mit den Lehren des Christentums im Widerspruch steht. Im Gegen- teil, wer als chriftgläubiger Mensch sich aufrichtig bemüht, in Taten und Worten die christliche Lehre zu befolgen, wird viel eher der Sozialdemokratie zugeführt, als von ihr abgelenkt werden. Die Kirchen fteilich sind Institutionen der herrschenden Klaffen. Die Ver- künder ihrer Lehren betrachten eS meist als ihre Aufgabe, die be- stehende Staats- und Gesellschaftsordnung— die dem unbefangenen Christen vielleicht als Teufelswerk erscheinen kömue— als die von Gott gewollte unabänderliche Weltordnuna zu bezeichnen und zu schützen. Wer aus ihren Kreisen dagegen austritt, wer sich gegen die Reichen, von denen die Kirche unter den gegenwärtigen Ver- Hältnissen abhängig ist, wer sich gegen das System des Kapitalismus wendet und sich vielleicht gar der Sozialdemolratie in ihrem Kampfe gegen die himmelschreiende Ungerechtigkeit dieses Systems anschließt, der hat Hohn und Verfolgung zu erwarten, den sticht man innerhalb der Kirche und wenn'S geht, auch außerhalb un- möglich zu machen. Das mußte auch der holländische katholifche Priester I. van den Brink erfahren und zwar von dem Augenblick an. als er in den Verdacht fozialistischer Gesiniiuug geraten war, was bereits Anfang der neunziger Jahre der Fall war. Er wurde von einer Parochie zur anderen versetzt, vom Lesen der Messe suspendiert und sein vorgesetzter Bischof liest sogar 14 Kinder. die Van den Brink getauft hatte, von neuem taufen, um ihn in den Augen deS Volkes gleichsam als einen unzurechnungsfähigen Menschen hinzustellen, dessen priesterliche Handlungen keinerlei Wert haben.— Wiedertäuferei ist übrigens nach kirchlichem Recht eine strafwürdige Handlung.— Vom Messelesen wurde Van den Brink iin September dieses Jahre? von neuem suspendiert. Ex hat dagegen sofort beim Papst protesttert, wartet aber noch immer auf die päpstliche Ent- scheidung. Nachdem er im Oktober dieses Jahres seine Agitations- broschüre„De groote Vraag" herausgab(in deutscher Ueber- setzung erscheint„Die große Frage" Anfang Januar in der Buchhandlung Vorwärts), haben ihn verschiedene katholische Blätter in Holland in schändlichster Weise verleumdet und beschimpft. Das veranlastte ihn. Ende vorigen Monats einen„Offenen Brief an die Zeitungs- redaktionen, die mich in der vorigen Woche wegen der Herausgabe meiner Broschüre„Die große Frage' angriffen", zu veröffentlichen.(Dies Schriftstück wird der deutscken Uebersetzung der Broschüre angefügt werden.) Er schildert darin, wie er auf Grund seiner christlichen Ueber- zengung und durch das Studiuni der sozialen Frage zum Sozialismus gekommen ist. schildert auch seine bisherige Laufbahn als Priester samt den bereits angedeuteten Verfolgungen. erwähnt auch die Auszeichnungen, die ihm von Leo XIII. zu teil geworden sind, und verteidigt sich gegen die Verlästerungen der katholischen Preffe. Er schließt mit folgenden Worten: „Ich werde nicht zaudern zu tun, was ich flir nötig erachte, was meine christliche Auffassung von mir verlangt. Nicht Ihnen, Zeitungsredakteure, die Sie des Brotes wegen zuweilen Artikel schreiben müssen, die Ihrer eigenen Ueberzeugung widersprechen— nicht Ihnen und nicht meinen Gegnern, sondern Gott allein bin ich Verantwortung schuldig für meine Taten, und diese Verantwortung fürchte ich nicht. Gebe Gott, dast meine Gegner mir dies mit der Hand auf dem Herzen nachspreche., können."— In dem„Offenen Brief' wird auch erwähnt, daß die Encyflika „Horum uovA-um" von Leo XIII. nach Meinmlg des Verfassers wohl den Anarchismus und Konimuiiismus verurteilt, keineswegs aber den sozialdemokratischen Gedanken und das sozialdemokratische � Donnerstag, 22. Dezember 1904. System. Eine ausführlichere Erörterung dieser Frage bietet eine dieser Tage erschienene neue Broschüre Van den Brinks mit dem Titel „Kann oder muß ein Katholik Sozialist sein?" Die sozialdemokratischen Stimmen in Amerika. Aus 23 von den 46 Staaten der amerikanischen Union gibt die Leitung der sozialdemokratischen Partei nachstehende offizielle Ueber- treiben einige hiesige Blätter mit Behauptungen über die Münchener Orts-Krankenkasse. Sie berichten, daß von der Generalversammlung dieser Kasse folgende Ltesolutton beschlossen worden sei: «Die Versammlung verurteilt entschieden die offenkundige Be- vorzugung sozialdemokrattscher Agitatoren bei Anstellung der Beamten und die damit verbundene Zurücksetzung von alten er- probten Verwaltungsbeamten. Sie protestiert nachdrücklich gegen den vollständigen Ausschluß nichtsozialdemokratischer Arbeiter von der GeneralversammlungS-Bertrrtung und der Vorstandschast und hält die gesetzliche Festlegung deS Proporzes bei den Krankenkassen für eine unabweisbare Pflicht der Gesetzgebung." Die Blätter, die ans diesen Schwindel hineingefallen sind, hätten doch mit etwas mehr Verstand sofort merken können, was mit der Resolutton loS ist. Die Generalversammlung kommt durch statutarisch und gesetzmästig geordnete Wahlen zustande. Wenn die Wahlen so ausgefallen sind, dast der Generalversammlung kein einziger Nicht- Sozialdemokrat angehört, dann gehört sehr viel Naivetät dazu, zu glauben, daß diese aus lauter Sozialdemokraten bestehende General- Versammlung gegen den Ausschluß ihrer Gegner nachdrücklich protestieren werde. Die Sozialdemokraten haben doch nicht den geringsten Anlast, dagegen zu protestieren, dast ihre sozialdemokratischen Wahler sie und nicht ihre Gegner gewählt haben. Es ist denn auch in Wahrheit weder diese noch eine irgendwie ähnliche Resolution weder beschlossen noch auch nur beantragt worden. Die Gencralversammlung ist vielmehr äußerst ruhig verlaufen, die Geschäftsführung der Kasse wurde gebilligl und die Vorschläge deS Vorstandes zur Sameruitg der Kasse sämtlich angenommen, und zwar, nach Erledigung der Generaldebatte, fast alle debattelos und ein Teil einstimmig. In der„Täglichen Rundschau" ivird die Mitteilung über diesen nur im Kopfe eines Zeilenschinders entstandenen Beschlust verbunden mit einem Artikel, der in beweglichen Tönen darüber klagt, dast am 1. Januar in Berlin bei einer großen Anzahl Kassen die freie Arztwahl aufhört. Das wird auf Rechnung der Sozialdemokratie gesetzt, dann aber der Hoffnung Ausdruck gegeben, dast sich„auch für die Sozialdemokraten die Erde drehe", denn— in der Münchener Ortskasse haben die Genoffen binnen Jahresfrist ein Defizit von 800 000 M. gemacht I Der harmlose Dr. Marttn Ebeling, der sich als Verfasser dieses Artikels bekennt, dürste etwas in Erstaunen geraten, wenn wir ihm verraten, dast diese Genossen in Müncheil, die das gewaltige Defizit haben, seit Jahresfrist eben— die vo» ihm so verherrlichte freie Arztwahl eingeführt haben. Wir wollen allerdings nicht verschweigen, dast auch noch andere Ursachen zu dem Defizit beigetragen haben. Erstens beträgt es nicht 800000, sondern 700000 M., dann ist eS nicht binnen Jahres- srist entstanden, sondern die zehn OrtSkassen, die jetzt seit JahreS- ftist zu einer vereinigt sind, hatten schon vor der Vereinigung 300 000 M. Unterbilanz. Deshalb haben die Macher des Statuts der vereinigten Kaste— das ist nicht die jetzige Verwaltung— einen sehr wenig schlauen Streich mit der Festsetzung der Beiträge begangen. Sie haben nämlich die Beiträge so festgesetzt, dast die Einnahmen hinter den Ausgaben allein für Unterstützungen Ulli 237 000 M. zurückgeblieben sind. Dann hat die Zentralisation und in der Folge notivendig gewordene Neubauten und Mobiliar-An- schaffungen 236000 M. Kosten verursacht. Dazu dann die fteie Arztwahl. Wenn sich die Vertreter der fteien Arztwahl iveiter so blantteren wollen wie durch die Verteidigung im„Reichsboten", so kann uns daS schon recht sein._ Zu den AuSführungSbestiiiimungen des'KinderschutzgesetzeS hat der Ausschuß des Berliner Gewerbegerichts dem Reichskanzler bezw. dein Minister des Innern den Antrag zur Berllckstchttgung unter- breitet, daß einige von ihm beschlossene Bestimmungen noch Auf- nähme finden möchten, so die Vorschrift: Kinder, welche den Eltern:c. für Dritte regelmäßig helfen beim Austragen von Zeitungen, Milch und Back wäre ii, sind als fremde Kinder zu bc- handeln; für sie müssen daher Arbeitskarte und Anzeige- Pflicht eingeführt werden. Ferner die landeSrechlichen Beschränkungen: Für die Beschäftigung von Kindern, welche in der Wohnung oder Werkstätte von Personen, zu denen sie in einem der im z 3 Absatz 1 des Gesetzes bezeichneten Verhältniffe stehen und zu deren Hausstande sie gehören, für Dritte beschäftigt werden, gelten die Vorschriften über die Beschäftigung eigener Kinder nur dann, wenn die Kinder unter ständiger Auf- ficht dieser Personen(Eltern usw.) sich befinden. Die Beschäftigung solcher Kinder über zehn Jahre ist nur gestattet, sobald die Eltern usw. dieselben nicht bloß beausstchttgen, sondern auch ständig mitarbeiten. Die Eltern usw. sind verpflichtet, obrigkeitliche Be- scheinigungen deS Alters der Kinder in der Behausung für die Kontrollbeamten zur sofortigen Einsicht bereit zu halten. Zur AuS- fühning de« Kinderschutz-GesetzeS sind für den Gewerbe-Suf- s i ch t S d i e n st von den Landesregierungen Arbeiter und Arbeiterinnen als Sufsichtsbeamte auszubilden. Dir KaufmannSwahlen für die Beisitzer auS dein Stande der HandlungSgehülfen fanden am Montag in Nürnberg nachdem System des Proporttonalverfahrens mit verbundenen Listen statt. Mit Ausnahme des deutflbnationalen HandlungSgehülfen-Verbaiides hatten sich sämtliche kaufmännischen Vereine, darunter auch die Mitgliedschaft deS Zentralverbandes deutscher HandlungSgehülfen und die christlichen kanfmälmischen Vereine, auf eine gemeiusmiie Liste geeinigt, während jene eine eigene Liste aufgestellt hatten. Es wurden 1266 Stimmen abgegeben, wovon 962 auf die Liste der vereinigten Kaufleute und 289 auf die Liste der Deutschnationaleu fielen, so dast jene% diese'/« der Beisitzer stellen. Für den Inhalt der Inferate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag; 22. Dezember. Anfang 7%, Uhr: Opernhaus. Die Entführung aus dem Serail. Neues fönigl. Opern Theater. Flachsmann als Erzieher. Deutsches. Maskerade. Neues. Die lustigen Weiber von Windsor. Berliner. Ein Teufelskerl. Leffing. Der Biberpelz. Westen. Don Cesar. Nachmittags 3 Uhr: Die Anna- Life. Thalia. Geschlossen. National. Figaros Hochzeit. Zentral. Das süße Mädel. Anfang 8 Uhr: Belle Alliance. Ein Blizmädel. Schiller 0.( Wallner Theater.) In Behandlung. • Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Heimg'funden. Kleines. Salome. Residenz. Herkulespillen. Carl Weiß. Geschlossen. Lustspielhaus. Der Familientag. Trianon. Die glückliche Gilberte. ( Heureuse.) Deutsch- Amerikanisches.New- York. Metropol. Die Herren von Magim. Kasino. In Bertretung. Quijen. Doktor Fausts täppchen. BauberNachm. 3 Uhr: Rotkäppchen. Apollo. Berliner Luft. Wundersterne. Elektrische Tanzbilder. Valaft. Spezialitäten. Herrufeld Theater. Prinz Lebh in Ahlbeck. Paffage Theater. Ludolf Waldmann. Klara Lingen. Anf. 5 Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Urania. Taubenstraße 48/49. Um 8 Uhr abends: Frühlingstage an der Riviera. Juvalidenstraße 57/62. Stern. warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Im Hörsaal: Tierleben in der Wildnis. National- Theater Beinbergsweg 12a- 13b. Donnerstag, den 22. Dezember 1904: Geschlossen wegen Borbereitung zu der morgen stattfindenden Erst Aufführung von Dornröschen. Märchen Dper in 4 Aufzügen von August Weweler. Urania, Taubenstr. 48/49. Um 8 Uhr im Theater: Frühlingstage an der Riviera. InvalidenSternwarte str. 57/62. Hörsaal: Tierleben in der Wildnis. CASTAN'S PACAS Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Donnerstag, abends8Uhr: In Behandlung. Komödie in 3 Aufzügen von Mar Dreher. Freitag, abends 8 Uhr: Medea. Sonnabend: Geschlossen. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Heimg'funden. Weihnachtskomödie in 6 Bildern von Ludwig Anzengruber. Freitag, abends 8 Uhr: Mutter Erde. Sonnabend: Geschlossen. ANOPTICUM. Kleines Theater Neues Theater. Friedrichstr. 165. Achmet Effendi mit sein. sprechenden Puppen. Abdul Chan, der geheimnisvolle Zauberer aus Bagdad. Orientalische Märchenwelt. Passage- Panoptikum. Der Riese Machnow. Der größte Mensch, der je gelebt hat! Ohne Extra- Entree! Passage- Theater. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Anf. nachm. Wochent. 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Ludolf Waldmann Carla Lingen 14 neue erstklassige Nummern. Deutsch- Amerikanisches Theater. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Adolf Philipp NEW YORK 5 Bild. mit Ges. aus dem Nachtleben einer Wellstadi. Text uMusik vAd. Philipp. An allen 3 Feiertagen Nachm.3Uhr Halbe Preise Uber grossen Teich Metropol- Theater Die Herren von Maxim. Zentral- Theater Große Ausstattungsposse mit GeAbends 7, Uhr: Das füße Mädel. Operette in 3 Atten von Reinhardt. Freitag: Der Generalkonsul. sang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Sonntag nachmittag 3 Uhr, hate Preise. In erster Beſegung: Die Josef Josephi. Puppe. Abends: Die Negerlein. Montag nachm. 3 Uhr, in erster Belegung: Die Geisha. Abends: Die Negerlein. Laisen- Theater. Nachmittags 3 Uhr: Rotkäppchen. Abends: Doktor Faust's Zauberkäppchen. Freitag: Zum erstenmal: Die zärtlichen Verwandten. Sonnabend: Geschlossen. Henry Bender. Josef Giampietro. Anton Grünfeld. Frid Frid. Fritzi Massary. Das Fest des Lichts.( Ballett.) Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Lustspielhaus Friedrichstraße 236. Täglich abends 8 Uhr: Der Familientag. Sonnabend 22 Uhr: Das böse Prinzeßchen. Trianon- Theater. Residenz- Theater. Zum erstenmal: Die glückliche Gilberte ( Heureuse). Luftspiel in 3 Atten von Maurice Hennequin und Paul Bilhaud. Anfang 8 Uhr. Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Herkulespillen. Bilhaud | Bereinigte Bühnen unter der Leitung von Max Reinhardt. Anfang 8 Uhr. Anfang 8 Uhr. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Die stürmisch bejubelte Situations Komödie: 3 Prinz Levy in Ahlbeck Schwank in drei Aften von Anton sound Donat Herrnfeld. Hauptrollen: Salome. Die lustigen Weiber von Windsor. guns Prinz Levy: Freitag: Die stillen Stuben. An beiden Weihnachtstagen nach mittags: Des Pastors Rieke. Sonntag: Die stillen Stuben. Montag: Salome. Freitag zum erstenmal: Der Graf von Charolais. Sonntag: Der Graf von Charolais. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Zirkus Schumann. Donat Herrnfeld. Prahidal, dessen Reisebegleiter: Anton Herrufeld. Anfang 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Montag, den 26. Dezember( zweiter Weihnachts- Feiertag): Nachmittags: Vorstellung. Anfang 3 Uhr bei halben Breisen: Nur eine Nacht. Zwei Afte aus einer Ehe mit Anton Heute Donnerstag, den 22. d. M., abends präz. 7%, Uhr: und Donat Herrnfeld. Erft- Aufführung der großen Schumannschen Ausstattungs- Pantomime Eine Nordlandreífe Palast- Theater Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Wegen Vorbereitung für das Festprogramm bleibt das Theater bis Sonnabend, den 24. d.: Geschlossen. des neuen Spezialitäten- Propramms. im Strabl der Mitternachtsfonne. Sonntag( 1. Reiertag): Die Attraktionen 9 Uhr: Eingeschneit. uhr. Weihnachtsbild in 1 Aft. Komisch phantastische Pantomime in 7 Bildern. Bearbeitet und einstudiert von dem tgl. Ballettmeister Giovanni Pratesé. Entworfen und auf das glänzendste in Szene gefegt vom Direktor Albert Schumann. Mufit tomponiert vom Kapellmeister Dominik Ertl. Die Nachm. 3 Uhr, fleine Preise: Der Gesamtausstattung der Kostüme, Dekorationen, Requisiten zc. ist von der Goldbauer. Schauspiel in 5 Aften Firma Hugo Baruch u. Co., Hoflieferanten Sr. Maj. des Kaisers. Die von Charlotte Birch- Pfeiffer. elektrischen Lichteffekte von der Firma Schwabe u. Co., Hofl. S. Maj. d. Kaisers. dazu eigens engagierte Norweger, die im Stilauf zu Christiania mit Medaillen und großen Preisen ausgezeichnet sind. # 1. Bild: Die Im Hamburger Hafen. Woermann Expedition am Quai der Hamburg- Amerika- Linie. 2. Bild: Die Ueberfahrt. 3. Bild: 5. Bild: Bei den Eskimos. 6. Bild: Mitternachtssonne. Dem Ehepaar Richard and Emma Liehr zu seiner heutigen Silber- Hochzeit die besten Glückwünsche. Die Kolleginnen der Parteispedition f. Rosenth. Vorstadt u. Gesundbrunnen. Unserem lieben alten Freunde und Vorstands- Kollegen, treuen Genossen dem Julius Bahr gratuliert herzlich zu seinem 60. Geburtstage 252/9 Der Vorstand d. sozialdemokr. Vereins im 5. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Zentral- Kranken- u. Sterhekasse der deutschen Wagenhauer. ( Berlin 16.) Den Mitgliedern zur Nachricht, daß das Mitglied 278/10 Friedrich Konzer am 18. d. M. verstorben ist. Die Beerdigung findet Freitag, nachmittags 3hr, von der Leichen halle in Friedrichsfelde aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Montag( 2. Feiertag), muchm. 3 Uhr Skala- Theater. fleine Preise: Das Schloß am Meer. Dienstag( 3. Feiertag) 9 Uhr: EinAnf. 7%, Uhr. Kassenöffnung 6%, Uhr. geschneit. Borverkauf ab 10 Uhr. Etablissement Buyyenhagen Moritzplatz. Anläßlich der Baumblüte großes Die Nordpol- Expedition unter der Täglich von 12-4 15: Mittagstisch. Kinderfest im Tivoli zu Kopenhagen. 4. Bild: 7. Bild: In den unteren Sälen jeden Abend 8 Uhr: Im ewigen Eise. Die Bewohner Militär- Konzert. " Chriftiania".( Großes Eisfeft.) des Nordpols. Die nordische Boe. Der Besonders hervorzuheben: echte norwegische Stilauf auf der vom Direktor Alb. Schumann erfundenen und zum Patent angemeldeten Künstlichen Bahn", Schnee- Orkan. Große Schlufs- Apotheofe. Vorher: Gala- Programm und Münstedts reizende Liliputaner. Freie Volksbühne Dienstag, den 27. Dezember, abends 6 Uhr, im Rathause: III. Kunstabend: Märchen- Abend. Eintrittskarten a 30 Pf. sind in den bekannten acht Zahlstellen zu haben. Die Kinder der Mitglieder haben Zutritt gegen Vorzeigung einer Einlaẞkarte. Sonntag, 25. Dezember, nachm. 24 Uhr: Metropol- Theater. Berliner Theater. 5. Abteilung und Montag, 26. Dezember, 230/6 6. Abteilung: Die Juden. 8. Abteilung: Die Karlsschüler. Sonntag, den 1. Januar, 1. Abteilung: 5. Serie im Berliner Theater: Die Räuber Ivon Friedrich Schiller( im Originaltext). Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. General- Versammlung Donnerstag, den 5. Januar 1905, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause. ( Eintritt nur gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte.) Tages- Ordnung: 1. Vortrag d. Herrn Schriftsteller Kerr. 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 3. Bericht der Revisoren. 4. Diskussion und Verschiedenes. Hasenheide Schwant in 3 Atten von Baul Baub Zirkus Busch. Neue Welt 18/114. und M. Hennequin. Deutsch von M. Schönau. Sonnabend, den 24. Dezember cr.: Geschloffen. Kasino- Theater Gonntag nachm. 3 Uhr: Nora. Lothringerstraße 37( Rosenthaler Tor). Zäglich 8 Uhr, Sonnt. 7-8 Konzert. Montag nachm. 3 Uhr: Die 300 Tage. W. Noacks Theater. 9, ubr: Jn Vertretung." Direttion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Borher: Corradini. etc. An den Festtagen 7: In Vertretung. 25. Dezember 4 Uhr: Matter Gräbert. 26. Dezember 4 Uhr: Wildes Blut. Apollo- Theater. Abends 8 Uhr: Berliner Luft. Musik von Paul Lincke. 8 Uhr: Die amerikanischen Sensations- Novitäten! 1. u. 2. Weihnachtsfeiertag, nachmittags 3 Uhr, abends 8 Uhr: Berliner Luft und die amerikanischen SensationsNovitäten des phänomenal. DezemberProgramms. Gustav Behrens Heute: Geschlossen. An allen 3 Feiertagen: Große Fest- Vorstellungen! Wechselndes Programm. Otto Fritkows Abnorinitäten Ausstellung lebender Kuriositäten! Medizinische Rätsel, anatonische Wunder. Riesen! Zwerge! Spezialitäten- Volksgarten- Theater Theater, Frankfurter Allee 85. Das neue Dezember- Programm. ( früher Weimann). Donnerstag, den 22. Dezember 1904: Keine Vorstellung. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Dornröschen. Entree 10 Pf. Montag nachm. 3 Uhr: Neu! Mr. Isano mit seinen Der armen Kinder Weihnachtsfeft. lebensgroßen sprechenden Automaten. Entree 10 Bf. Neu! Der Reformdichter.bends 7 the: Theolinde und Der eingebildete Kraute. Katharina II. Die Original Japaner. Die dress. Affen des Clown Armando. Sperr Burkhardt- Foottit, Schulreiter. Gine Bebra- Stomobie. Milton, irländ. nummern. Jagdpferd u. die vorzügl. ProgrammCarl Weiß- Theater. Große Frankfurter Straße Nr. 132. Bis intl. Sonnabend: Geſchloſſen. An allen drei Feiertagen, abends 7 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Nachm. 3 Uhr, bei halben Preisen: Die Kette. engros. Gegr. 1873. Gastspiel des Bernh. Rose- Theaters. Wilhelm Tell. Schauspiel in 5 Aufzügen von Friedrich v. Schiller. Mitwirkung d. gesamten SchauspielPersonals d. Bernh. Rose- Theaters. Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Entree 50 Pf., numer. Blag 75 Pf. Sperrsit 1 M. Borzugsbilletts haben Gültigkeit. Nur bis Weihnachten! Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Fritz Steidl- Sänger. Nach jeder Vorstellung im Kaisersaal He Tanz. Sanssouci. Linienftr. 132( a. d. Friedrichstr.) Sensationelles Programm! Moderne Bauspekulanten. Bosse mit Gesang in einem Aft, fowie 30 internation. Spezialitäten. Anfang 7 Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Orts Krankenkasse = der Drechsler und verwandter Gewerbe. Mittwoch, den 4. Januar 1905, abends 8-92 Uhr, im Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45: Skottbuser Tor- Stat. der Hochbahn. Wahlversammlung. Heute Donnerstag: Hoffmanns I. Bersammlung sämtlicher großjähriger Mitglieder der Kaffe nach§ 49 des Norddeutsche Sänger Statuts behufs Wahl von 162 Beru. Tanzkränzchen. An allen drei tretern derfelben pro 1905. II. Eine Bersammlung sämtlicher Ar beitgeber der Kaffe, welche Beiträge Weihnachts- Feiertagen für die Mitglieder aus eigenen Mittein Grosse zahlen, findet am Mittwoch, den 4. Januar 1905, abends 8 Uhr, im Extra- Vorstellungen. Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45, Reichshallen- Theater. statt behufs Wahl von 75 Vertretern derselben pro 1905. Für die Mitglieder legis Stettiner Sänger. timiert das Kaffenbuch, für Reu! Der Bassisten- Arbeitgeber die letzte Quit kampf in Perleberg. Bum tung der Kaffe über gezahlte Schluß: Exzellenz kommt Beiträge. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Montag, 26. Dezbr.( 2. Feiertag): Große Benefiz- Fest- Soiree. Bum erstenmal: Bei Batern. Ein Weihnachtsbild von Mehjel Anfang 12 Uhr. Entree 50 Pf. WING! 8 76 5 ARTEN Mittwoch, den 28. Dezember, abends 8-9 Uhr, findet im Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45, eine Ver sammlung fämtlicher großjähriger Mitglieder der Kaffe behufs Aufstellung von Kandidaten zur Ber treterwahl pro 1905 statt. Um recht zahlreiches Erscheinen ers fucht Der Vorstand. 7365 J. A.: Gustav Tiedt, Borsigender. ! Wurst! Land- Zwiebelleberwurst a Bid. 60 ẞj. Braunschweig. Kalbsleberw. Thüringer Rotwurst Westfälische Mettwurst Pommersche Schlackwurst. Salami 95 03 50 65 . Westfälische Schinkenwurst, 1,20 deutsche Schlacht.a " Täglich Holsteiner Zervelatwurst. 1,25 Landspeck fett und mager, Bid. 10Landschinken Bar oftpreuß. im ganzen 95 Wettrennen zwischen dem amerikanischen RadfahrerWalthour und 1. Berliner Rennfahrern, 2. dem amerikanischen Rennpferd ,, Dolly", gar. Delikates- 2-3. ft. a Pfd. 1,05 Schinken, ohne Knochen, B Pomm. Gänsebrüste afb. 1,45, J. Striepling, Köpnickerstr. 150/151 III. Hauptgeschäft II. Geschäft Invalidenstrasse 147. Brunnenstr. 196( am Rosenthaler Tor.) Friedrichstr. 21 n.d.Halle. Großer Spielwaren- u. PuppenAusverkauf, aus Engros- Musterlagern stammend, zu staunend geritten vom Jockey Kreamer. IV. billigen Preisen. Das Dezember- Programm 13362 " Gr. Frankfurterstr. 140. enthält 15 hervorragende Nummern. E. Möbis, Uhren, Koppenstr. 82.* G. R. Zöffel, Schirm- Fabrik. Haupt- Geschäft: NO., Gr. Frankfurterstraße 106. Filialen: C., Landsbergerstraße 83. W., Martin Lutherstr. 1, Ecke Motzstr. Friedenan, Rheinstraße 24. endetail. T. A. VIIa 8040. HHHH-------------------Achtung! langilega Achtung! Bis Weihnachten Vierter Berliner Reichstags- Wahlkreis( Osten). herabgesetzte Preise Große Matinee 192 Montag, den 26. Dezember 1904( 2. Weihnachtsfeiertag), mittags 12 Uhr, in 2. Kellers Festsälen, Koppenstr. No. 29. or Die Konzertmusik wird ausgeführt von dem neuen Berliner Konzert- Orchester unter Leitung seines Dirigenten Herrn Rudolf Tietz. Auftreten der Volkssänger- Gesellschaft Hermann Lewandowski. Billetts 25 Pf., an der Kaffe 30 Vf. 262/9 Das Komitee. яте язу ANR 3880 Streng feste Preise auf jedem Gegenstand aufgedruckt. in den Abteilungen: Winter- Paletots JETTI Winter- Joppen Schlafröcke Morgen- Joppen Knaben- Paletots Knaben- Joppen Veitinger& Co 40 St.40/ 41 Deutsche Compagnie Prelskurant gratis und franko. Oranienstr 41 1460L +---+----------------------52207280 6. Wahlkreis Montag, 26. Dezember( 2. Weihnachts- Feiertag) 18 präzise 12 Uhr mittags: 8 Matineen obad t Moabit: in folgenden Lokalen: e8 Granienburger Vorstadt: Peters Gesellschaftshaus, Wiclefstr. 24. Germania- Säle, Chausseestraße 103. Unter Mitwirkung der Theater- Gesellschaft Strzelewicz, des Gesangvereins Vereinte Sangesbrüder Moabits und Mitgliedern des Turnvereins Fichto. Billett 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Unter Mitwirkung der Hamburger Sänger und des Gesangvereins Nordwacht. Billett 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. 1197160 Schönhauser Vorstadt: asdas Wedding: pillid Brauerei Königstadt u. Berliner Prater. Feldschlößchen, Müllerstraße 142, Unter Mitwirkung des Gesangvereins Freiheit- Nord u. der Herren Gebr. Riedel. Billett 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Auftreten der Norddeutschen Sänger ( Dir. Horst), des Berliner Ulk- Trio und des Gesangvereins Linde I( M. d. A.-S.-B.) Entree 30 Pf. Kassenverkauf findet nicht statt. Jamloop ab Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen: Ballschmieder, Badstraße 16; Bernhard Rose, Badstraße 58; Weimanns Volksgarten, Badstraße 56. Besuchen Sie die Weihnachts- Ausstellung ng theM- 2 nov fusilniemsee magneties as not 1ST 19ned len Billett 25 Pf., an der Kasse 30 Pf. Billetts haben in allen Lokalen Gültigkeit. 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Tapezier- u. DekorationswerkstattH. Gerson 27,—. Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Boas IS,—. Wahlverem Osten 181o Bezirk 10,—. Rote Graveure und Ziseleure von Schneider S,—. Treppenbau 81. Hundt, Grünstr. 17,—. Küchenmöbel-Fabrik Mauste, Greisswalderstr. 27,—. Bauttschlerci F. Liebock, Liste 1741, 9,—. Kraftimmverein Brüder- schaft, Liste lS8f>, 36,80. Tischlerei von Schwartz u. Fröhlich, Liste 1793, 24,S0. Buchbinderei H. Schubert, Wilhelmstratze 16,80. Tischlerei Schirm 4,—. Max Schuch 1,—. Eisbeinessen Schwimmklub.Vorwärts" 11,20. Org. Eulen 4,50. Z'eis u. Martin, Liste 13S1, 47,75. Parkettleger der Firma E. Ende 7,70. Arbeiter-Radfahrer-Verein.Blitz" 6,—. Pianofortesabrik Merkur 35,50. Liste 1198 7,25. Arbeiter-Verein FriedrichShagen 50,—. Maurer u. Dimmick, Druckerei 1S,SS. Lifte 308 7,45. Sparverein.Fröhliche Weihnacht", darunter 8 M. Zinsen 26,20. Tischlerwerkstatt Singer 14,25. Wilhelm Zühlke Liste 1579 19.85. Tischlerei Siemens u. Halske, Berliner Werk 37,15. Bautischlerei W. Schulze, Marienburgerstr. 32 20,20. Tischfabrik Ditten u. Preister Liste 2073 9,30. Tischlerei Olm Liste 2061 28,05. Glaserei Schmerler u. So. 10,—. Möbelsabrik Gebr. Ehrlich Liste 1353 10,45. Tischlerei M. H. Wegener, Belleallianceftratze, 10,20. Tischlerei W. Mahnke, Moabit 3,50. Möbelsabrik.Einil teil" 15,—. Tischlerei Schulz, Memelerftraße, Liste 2069 13,5 Vom Personal der Buchdruckercien: G. 8lhrens 3,—. Arendts Verlag 3,10. G. Beier 5,30. E. Billig 16,65. Biosseid u. Müller 8,50. R. Boll 10,65. W. Büxenstein, Maschinenpers. 29,45. Deutscher Verlag 19,90.»Deutsche Warte" 25,95. Gebr. Dchl u. Wagner 6,80. O. Drewitz 6,05. G. Eichler 7,60. O. Elsner 22,75. Gebr. Fehl 5,45.„Germania" 21,—. C. Gernbeck 4,—. W. Greve 17,05. W. Gronau 18,—. Gebr. Grunert, Maschinensaal 3,65. Gursch, Schrist- gieherei 45,50. I. Harwitz Nachs. 12,—. Heimann u. Sohn 4,75. Hcmpel u. Co. 27,30,.Rundschau" 10,35. H. S. Hermann 72,65. O. v. Holten 22,80. H. Klotow, Sechsertasse 10,—. 89. Köbke 14,—. C. Kroll 8,55. Langenscheidt 9,15. M. Lewin 6,76. Liebheit u. Thiefsen 16,—. W. u. S. Löwenthal 20,75. C. Marschner 16,60. E. S. Mttler u. Sohn 36,50..Nattonal- Zettung" 21,>. Nauck 12,10. Nauck u. Hartmann 7,55. Norddeutsche 51,25. Dito(Reichstag) 10,60. Paritschke u. Schurig 9,75. Patz u. Garleb 40,—. Povmetter 1,20. Reichsbote 16,—. Riesen- stahl u. Zumpe 16,60. R. D. R. 84.36. Scydel u. Cie. 24,15. L. Simion Nachs. 10,05.«. Simon 8,25. I. Sittenseld 63,95. Sonntagsblatt 10,75. Scherl, Gewitzgeld 8,60; Setzer vom.Tag" 13,50; Setzer von der.Woche" ~' 22,—. F. Schirmer 25,40. Saloanoplastik __ 0,50. Vaterländische" VerlagSanstalt 6,15.' Vereinsbureau(3,— von Schi.) 11,—. O. Walter 8,15. G. Witze! 7,—. In Summa 1199,41. Piano-Mcch. Fabrik Genz u. Ko. 20,40. Kollegen der Firma Hosmann u. Co. 11,—. Tischlerei Zwiner, Bergmannstratze, Liste 1576 28,60. Maurer des Neubaues Moniack, Schwäbischestratze und Sternbergsiratze-Eckc 11,10. Weinberg, Liste 372 8,50. Tischlerei Gossow, Tcltowersttasze, Liste 174? 10.50. Töpser Bau Astsalk, Stralau, Markgrajendanin» 10, 10,50. Zenttalvcrband der Glas- arbeiter u. Arbeiterinnen Deutschi. 50,—. Tischler und Polierer von Betrieb Eberhardt 6,—. Werkst. Lochmaim, Hollmannstrahe, Liste 1856 12,85. Tisch!. von Pehlke, Gräsestr. 34 7,—. Tischleret Köther 10,—. Hettever, Liste 1640 10,—. Tischlerei von Hartmann 9,—. Tischlerei von Huse, Manteussel- stratze 59 8,—. Einsetzer von Behrendt, darunter ZemkuS 6,—. Viktor Krause Liste 969 10,30..Hamster" AndreaSslratze 5,75. Heinzc Listen 1521—22 36,70. Sparverein.Zukunft I« 3,50. Holzarbeiter der Goldleistensabrik Werkmeister, Bruniienstratze 6,25. Sammlung von Karl Müller, Köpnickerstr. 109 21,35. Ewisabrik Kann Liste 2057 10,—. Töpser Bau Thiele, WtnSstrahe 6,50. Lederwarensabrik Markiewicz II. Rate 8,60. 2 Dtz. Mundharmonikas P. 50. 2 Dtz. Federkasten Grundke.(E. M. 112. Kl. Paket Kinderlose Eheleute.) Verb. d. Möbelpol. verschiedene Kletdungs- stücke. Streu 2,50. Pardemann u. Co., d. Arb. m. einigen Ausnahmen 7,—. Buchdruckerei-Hülssarb. v. Singer u. Co., Werkabt. 10,—. Kofs erwerkstatt E. A. Müller, Adaldcrtstratze 2,—. Firma Otto ftitzling. Naunynslratze 8,25. W-rkst-tt Röhlich. Beuthstratze, d. Melzer, List- 1952 16.85..Elende", Neubau Kaiserallce, Ecke RoSberitzcrstratze 18,55. Tapez.-Werkst. R. Hertzog 11,10. Lederw.-Fabr. Rud. Dietrich, Ritterstratze 6.90. Koll. v. Baschwitz 4,45. Rich. Töpke, Charlottenftratze, List« 1905 12,50. Tischlerei von Schröpp, 2. Rate 17,50. Zuschn. d. Firma Solomon Masse nebst Budiker 6,30. Tischlerei LewwS Wwe. u. To., Waldemarstrahe 13,75. Personal d. Gewerkschaftshause« 10,—. Arb. d. Stocksabr. A. Ludwig u. Co. 4,—. Mod.-Tischl. d. NileS-Werke iij Oberschönew. 23,—. Albert Meyer i d. Firma Schuh- kuecht 11,50. Tischlerei Klein. Liste 1726 7,45. Kall. d. Firma Bellenbaum 18,40. Arb. d. Kronleuchtersabr. H. Schistver 18,—. Holzarb. in Waid- inannSlust, Liste 1652 21,30. Drechsl. d. Werkst. Bellin, Elisabeth-Ufer 5,90. Schleiser d. Metallurgie Alb Groß 13,—. Metallwaren-Fabrik Napiwatzkh, Brandenburgstrahe 5,—. Bautischlerei u. Einsetzer Gruner» u. Co.. Fchr- bellincrslrahe 18,25. 17. Revier d. Städt. Gaswerke 17,60. Kuchenbäcker bei Burgönger, Rummslsburg 5,45. Stukkateure d. Firma Kretschmar, Bau Hilde- brandt 9,—. Uebersch. dÄranzsp.v.d Rohrieg.u.Helscrnd. Firma Fricke Nachs., Alte Jarobstrabe4,—. Tischlerei HnrlS u. Schelm, Krausenftrahe 21,50. Bauttschlerci Martens, Turmstrahe 32,—. Tischlerei stavenow, Bülowstr.S?, Liste 1597 28,50. Möbel-Fabr. von Hein, Pallisadenstrahe 9,—. Holzbcarb.- Fabr. Hcckert, Demminerstrahe 5,50. Verband Wäschebranche, Liste 812 13,85. Wäsche- brauche Sektton Waschmeister, Kamper und Weber 17.50. Wäschebranche, darunter v. H. 20,—, 31,10. Schraubendreher von Rühle u. Kussel, Tempelhos 10,05. Metallarb. d. Firma F. Spengler 26,95. Buchdruckcrei S. Löbach u. Ko.. Liste 1692 12,75. Tischl.-Ges. d. Firma Bartels u. Gast- Wirt Wagner, Franksurter-Allee 198 12,50. Helene 8,—. R. Forner, See« strah« 10,—. Kranzsp. d. Einsetzer Berlin 8. Uebcrschuh v. Forner 1,20. Bauttschlerei H. Kühn. Luisen-User, 2. Rate 27,—. Maschinist-n. Heizer und Berussgenossen Zentr. Oberspree 30,15. Liste 1124 10,70. Ang. d. Orts- Krankenk. d. Graveure 3,—. Durch Röwert Liste 1662 16,35._ Wilke, Gitschinerstrahe 14,—, 3,60, 8,56. Listen 1159, Elende aus Breslau b. Brüderschast" C. d. D. R. 5,—. E. Richnon 15ß0. Sparverein.Streng reell" 30,—. Restbest. v. Wanderllub Tresfp. Schles. B. d. Tschcuschncr 6,60. Schneider der Werkst. Adam Liste 1881 10,75. Koll. Thiemc Liste 1851 4,85. Liste 975, dar. v. d. Arb. d. Möbeljabr. Klug 31.-. 32,70. Werkst. Haase, Fruchtstr. 2,—. Koll. Plath Liste 1880 20,30. Fr. Werner Liste 1991 14,15. K. Triebsee, Theaterverein»Gut Freund" 12,05. Mtethke Liste 1663 18,25. A. W. L. Schade, Buchdr. d. Koll. Wohlsahrt 13,55. List« 1291 2,90. Hanich Liste 1842 20,85. Bautischl. o. Lassen 9.—. Radol Liste 1469 6,90. Weidler Listen 392, 393, 394 15,10. Hiutze 1,—. David Wetdenweg 1,50. Ges. b. d. Weihnachtsbesch. d. Asphaltcure im Gewerkschaft«- Haus 5,59. Schneider, Listen 1395, 96, 97, 98. 99 26,90. Max Wegener Liste 1330 11,40. Opitz Liste 365 8,05. Liste 1987 1,-. Summe 3320,96. Bereits quittiert 11 307,—. Gesamtsumme 14 624,73. Weitere Beiträge werden entgegengenommen im Bureau der Berliner Gewerkschastskommission Engel-User 15. 11—1 und 6—8 Uhr. Geldsendungen sind zu richten an Alwin Körsten. Der AuSschuh der Berliner Gewerkschaslskommission. Serliner Partei-Angelegenheiten. Zur Lokalliste. Zu de« bevorstehenden Feiertagen ersuchen wir, nur vergniigmtge» in Lokale» zu besuchen, die auf der Lokalliste aufgeführt find. Berlin. Der Zither- und Mandolinenklub»La Kella TScilia" veranstaltet am 1. Weihnachtsfeiertag in den Union«- FestsSlen, Greisswalderstr. 221—228 eine Festlichkeit. Wir machen darauf aufmerksam, daß dies Lokal in der Lokal» liste nicht aufgeführt ist. Mariendorf. Am Sonntag, 25. Dezember, arrangiert der Kraft», Turn- und Artistenverein„Jugendkrast" ein Bereinsvergnügen im Lokal von Setzcfand, Feldstr. 44. Die? Lokal steht der dortigen Arbeiterschaft zu Versammlungen jc. nicht zur Verfügung, wir ersuchen daher das Vergnügen streng zu meiden. Reinickendorf(O st). Auf vielfache Anfragen hin teilen wir mit, daß das Lokal von Großm.mn(Schönholzer Flora), Provinz- und Friihlingsstrasten-Ecke, zu Versammlungen zc. nicht zur Verfügung steht. RowaweS bei Potsdam. Zu Versammlungen stehen nur zur Verfügung die Lokale von Schmidt, Wilhelmstraste, und R. Gadglücks Bolls garten. Priesterstr. 31. Wir ersuchen diese beiden Lokale zu berücksichtigen und die anderen Lokale streng zu meiden, sowie die Billetts von Vereinen, welche Vergnügen in anderen Lokalen veranstalten, streng zurückzu» weisen. Drewitz. Hier steht das Lokal von A. Puhlmann, Potsdamer- stratze, der Arbeiterschaft zur Verfügung. Alt- Glienicke. Der Krasttiim» und Athleten» Verein„Vereinte Kraft" veranstaltet am 1. WeihnachtS- Feiertug im Lokal des Herrn Bohne ein Vergnügen. Da dieses Lokal der Arbeiter- schaft zu Versammlungen-c. nicht zur Verfügung steht, so ersuchen wir, das Vergnügen streng zu meiden. Bohnsdorf bei Grünau. Da Herr Gastwirt Schulz der Arbeiter- schaft sein Lokal nicht zu Versammlungen zc. zur Verfügung stellt, so ersuchen wir unter allen Umständen, das Lokal streng zu meiden. Die Mitglieder der Arbeiter- Baugenossenschaft „Paradies" ersuchen wir ausdrücklich, darauf zu a ch r e n. Johannisthal. Das Lokal von Alb. G o b i e n(früher Mertins), Roonstr. 2, sowie das Lokal von Henneberg st. Vertr. Krüger), Friedrichstr. 10. sind als frei zu betrachten, die gegenteiligen Gerüchte sind unzutreffend. Di« Lokalkommission für Berlin und Umgegend. Lokalcd. Weihnachtstrnbes. . Drei kurze Tage noch, dann ist Weihnachten da. Nun be- ginnt selbst der Säumigste, sich zu sputen, damit er noch recht- zeitig fertig wird mit seinen Vorbereitungen auf das Weih- nachtsfest und die Weihnachtsbescherung. Ein geschäftiges Treiben herrscht auf den Straßen, ein emsiges Schaffen in den Häusern. Alle Läden, die glänzenden der Innenstadt und die bescheidenen der Außenbezirks, sind angefüllt mit Kauflustigen, die unter den Waren wählerisch suchen und mit Ausdauer um den Kaufpreis feilschen. Zwischen den leichten Buden des Weihnachtsmarktes, der in der Tempelhofer und der Rosen- thaler Vorstadt Unterschlupf gefunden hat, wird es lebendiger, und manches Händlers trübselig Gesicht hellt allmählich sich auf. Der stattliche Wald von Tannen und Fichten, der auf den Plätzen und Straßen prangt, lichtet sich mehr und mehr und streut sein freundliches Grün über dir Häuser und Wohnungen aus. Drinnen aber geht es nicht minder geschäftig zu, bei Groß und Klein, bei Jung und Alt. Da werden die eingekauften Gaben vorsorglich im sicheren Versteck untergebracht, da wird von geschickter Hand hinter verschlossenen Türen an„Selber- gemachtem" fleißig gebastelt, da wird in Stube und Küche eifrig gescheuvrt und gebacken, da wird schließlich in verschwiegener Nachtstunde der Weihnachtsbaum mit Süßigkeiten und Flitter behängt. Liegt nicht etwas Beseligendes in der Unruhe dieser Wochen und Tage, etwas Versöhnendes in ihrem Zweck und Ziel? Wirken nicht schon diese Vorbereitungen zum Weih- nachtsfest beglückend auf alle, die an ihnen teilnehmen, gießt nicht das Weihnachtsfest selber F r i e d e n in die Herzen aller, die seinem Zauber sich überlasten? Ach. ja l Aber es ist leider auch hier wieder„nicht alles Gold, was glänzt." Uns will scheinen, als ob in diesem ganzen Weihnachtstrubel, in dieser weihnachtlichen Orgie des Be- schenkens ein tüchtiges Stück Selbsttäuschung steckt. Da glaubt mancher, Wimder wie lieb zu sein, wenn er zu Weihnachten tiefer in den Geldbeutel greift. Er ist gerührt über seine eigene Güte und erteilt sich Absolution für alle Selbstsucht, die er das Jahr hindurch geübt hat. Und das nennt man dann das„ver- söhnende Moment" des Weibnachtsfestes. Diese Selbst- täuschung beherrscht zu Weihnachten das Verhältnis nicht nur des einzelnen zum einzelnen, sondern auch der Klasse zur Klasse. Man weiß, wie der Wohltätigkeitssport in der Weihnachtszeit seine gleißenden Blüten entfaltet. In der Großstadt mit ihrem Massenelend gibt es Tausende, die an dem oben geschilderten Weihnachtstrubel nicht teilnehmen können, weil bei ihnen der karge Verdienst noch nicht mal zum nösigsten langt. Da wird manchem dann von fremder, reicher Hand ein Weihnachtstisch aufgebaut. Das ganze Jahr hindurch kümmert sich kein „Wohltäter" um sie, aber zu Weihnachten wenigstens will man sich ihrer erinnern. Warum? Weil man wenigstens einmal im Jahr Versöhnung wünscht und Frieden sucht, weil der Besitzende sich rühmen lassen will durch seine eigene Güte, weil er sich selber Absolution erteilen will für alle Selbstsucht, mit der seine Klasse ihre Herrschaft über die Besitz- losen führt. Und auch das wird dann als ein„versöhnendes Moment" des Weihnachts festes gepriesen. Bücher für den Weihnachtstisch. In der Woche vor Weihnachten wimmeln die Zeitungen — die„parteiischen" und die„unparteiischen"— förmlich von Bücheranpreisungen aller Art. Nicht nur im Inseratenteil und in Reklamebeilagön wird versucht, das Publikum«auf den Geschmack" zu bringen: auch im redaktionellen Teile wird auf diese oder jene Novität des Büchermarktes hingewiesen, die sich ganz besonders als Weihnachtsgeschenk eignen soll. Meist ist es wertloses Zeug in marktschreierischem Einband, das schon durch sein äußeres Gewand dem Käufer auffallen und seine Kauflust reizen soll. Unsere sozialdemokratischen Verlagsanstalten arbeiten nun nicht mit derartigen Mitteln. Sie legen weniger Wert auf einen bunten, grellen Einbanddeckel,— der Inhalt des Buches ist hier der Hauptgrund, daß das Werk auf dem Markt erscheint. Es ist gesunde, bekömmliche Kost, die dem kauflustigen Publi- kum geboten wird. Und nicht nur aktuelle Fragen finden wir in diesen Büchern unserer Parteiverlage behandelt, sondern auch Werke von anerkanntem und dauerndem wissenschastlichem oder poetischem Wert. Da sind Gedichte und Erzählungen, die im Klassenkampf entstanden, für den Klassenkampf ge- schrieben sind. Den älteren Lesern des„Vorwärts" wird Robert S ch w e i ch e l s Bauernkrieg-Roman„U m d i e F r e i h e i t" gewiß nicht aus der Erinnerung gekommen sein. Auch Minna Kautskys soziale Romane„Viktoria" und„Helen a" gehören zu den besten Erzeugnissen der modernen Roman- literatur. Wer je den von unserem alten, unvergeßlichen ilhelm Liebknecht herausgegebenen Morris- scheu Roman„Kunde von Nirgendwo" gelesen, wird ihn sicher seinem Bücherschatz einverleiben wollen. Und mit ähnlichen Büchern wird es anderen genau so ergehen! Eine Fülle kampfesfroher, begeisterter Lieder enthält die von dem verstorbenen Max Kegel herausgegebene Gedichtsammlung „L i ch t st r a h l e n der P o e s i e". Klara Müllers „S t u r in l i e d e r vom Meer" gehören zu den besten Erzeugnissen sozialdemokrasischer Lyrik. Ein neues Gedicht- � buch„F a ck e l n d e r Z e i t" von L u d w i g L e s s e n ist erst dieser Tage im Verlage„Vorwärts" erschienen. In diesen klangschönen, formvollendeten Gedichten finden wir lebens- getreue Bilder vom Ringen, Mühen und Hoffen des modernen Proletariats. Weckrufe voller Begeisterung, Kampfesfrende und Siegeszuversicht klingen und singen in diesem vornehm illustrierten Buch, auf das wir unsere Leser aufmerksam machen wollen. Eine ganze Reihe ähnlicher brauchbarer und zweckmäßiger Bücher für den Weihnachtstisch sind zu billigem Preise in unserer Parteibuchhandlung, Lindenstraße 69, und durch unsere Parteispediteure zu haben.— Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Bersammlnng, Donnerstag, den 22. Dezember d. I., nachmittags 5 Uhr. Pensio- nierungS-, AnstellungS- und Unterstützungssachen.— Borschläge deS Ausschusses für die Wahl von unbesoldeten Gemeindebeamien.— Fünf Naturalisationsgesuche.— Vorschläge deS Ausschusses für Petitionen.— Vorlagen betreffend die Frage, in welcher Weise die drohenden Ausfälle im StadrhauShaltS-Etat gedeckt werden können.— Maßnahmen zur Bekämpfung der Säugling»- sterblichkeit— und die Organifatton in der Verwalttmg des städtischen Rudolf Virchow- Krankenhauses.— Bericht- erstattung des Ausschusses für Rechnungssachen über zweiundzwanzig Rechnungen, die Jahresabschlüsse für das Etatsjahr 1903, betreffend, die Verwalttmg des Hafens am Urban, die Markt- Hallenverwaltung, den Verwalrungsfonds der Sparkasse nebst An- hängen, den Viehmarkt, den Schlachthof, die Fleischbeschau auf dem Schlachthofe und die Fleischbeschau für das von außerhalb ein- geführte Fleisch, die Hauptkasse der städtischen Werke für die Kassenverwaltung und den Gesamtjahresabschluß dieser Kasse.— Berichterstattung über die Vorlage betreffend den Erwerb des Grund- stücks Alexanderstraße 12a.— Vorlagen betreffend: die Beschaffung von neun neuen Kehrmaschinen,— die Entnahme der Grundstücke Schulstraße 119/124 au» dem Stadtbezirke 310 und Zuteilung zu dem Stadtbezirk 314d,— die Gewährung einer Beihülfe zu der Vergrößerung des Feierabendhauses deS Diakonissenhauses Bethanien, — die Bewilligung eines Preises zu dem internationalen Schwimm- feste des Deutschen Schwimmverbandes,— die Festsetzung des Feuer- kassenbeittageS für das Geschäftsjahr 1. Oktober 1903/04,— daS Ortsstatut und die Ordnung des Fach- und FortbildungS- s ch u l w e s e n s zu Berlin,— die Nachweisung des UmfangeS der öffentlichen Beleuchtung in dem Bierteljahr Juli-September 1904,— die Regulierung und Pflasterung der Bromberger- und Pillauer- straße,— den?lbschluß eine« Abkommens wegen Regulierung der Straße 28a, XIIIA, und der Kotheniusstratze— und die Bestätigung der Wiederwahl der Stadträte Böhm und Mugdan.— Bericht- erstattung. betreffend die Wahl eines Bürgerdeputierten für die Schul- deputation.— Borlagen, betreffend die Verleihung eines Ehren» bürgerrechts der Stadt Bertin— und die Bewilligung einer Remuneration. Ehrung eines deutschen Dichters. Es wird berichtet: Die letzte Ruhestätte Heinrich v. Kleists am Wannsee ist mit ihrer ganzen Um« gebung, den Waldungen zwischen der Wannseebah» und dem kleinen Wannsee bis zur Grenze der königlichen Forst, vom Prinzen Friedrich Leopold, dem bisherigen Besitzer, an die Firma Gebrüder Dressel in Berlin verkauft worden. Der Kaufpreis für das gesamte Terrain, das über 70 Morgen umfaßt, beträgt 1 900 000 M. Der bereits im vorigen Jahre aufgetauchte Plan, auf dem herrlich ge- legenen Gelände eine neue Villenkolonie anzulegen, soll jetzt in Angriff genommen werden, zumal die Hindurchführung deS Prinz Friedrich Leopold-KanalS durch den lleinen Wannsee einen neuen Verkehrsweg schaffen und damit einen neuen Ansporn für die Bebauung der Umgebung bieten dürste. Das Grab Heinrich v. Kleist», wohl«ine der am schönsten gelegenen Ruhestätten eines deutschen Dichters, scheint vorläufig nicht gefährdet und dürste auch von dem neuen Besitzer pietätvoll an der alten Stätte erhalten werden. Man soll sich darob aber keine großen Sorgen machen. Läßt sich eine schönere Ehrung ersinnen, als wenn ein Grundstücksspekulant sich rühmen kann, aus der Grabstätte deS Dichters Hunderttausende herausgeschlagen zu haben? Die Berbreitening der KSnigstraße. Die Tiefbaudeputation beriet gestern über die Verbreiterung der Königstraße zwischen den Kolonnaden und der Neuen Friedrichstraße. Mit Rücksicht auf dem Umstand, daß eine einseitige Verbreiterung der Königstraße, so wünschenswert sie auch an sich sein mag. wegen der Kolonnaden nicht gut möglich ist, wurde davon Abstand genommen und eine Straßenregullerung an dieser Stelle beschlossen, die eine Ver» breiterung des Bürgersteiges vorsieht unter teilweiser Einschrälikung deS Straßendamines. der an jener Stelle eine ziemliche Breite hat. Wenig, aber vom Staat. Der Weihnachtsmann ist bei der Feuerwehr und Schutzmannschaft eingekehrt. Die jüngeren Feuermänner erhielten jeder 10 M.. die älteren jeder lö M.. die Oberfeuermänner 18 M. und die Feldwebel 24 M. Die Schutz- männer erhielten etwas mehr, da reichlichere Mittel zu Gebote standen. Einen ununterbrochenen Betrieb von 44 Stmiden wird die elek- irische Hoch- und Untergrundbahn zum erstenmal seit ihrem Bestehen bei dem bevorstehenden Wechsel des Jahres einrichten. In der Reujahrsnacht hatte die Hochbahn schon in den letzten Jahren ihren Betrieb bi« gegen den Morgen ausgedehnt, aber dann eine Betriebs- paus« eintreten lassen. Diesmal soll der Verkehr während der ganzen NeujahrSnacht ohne Unterbrechung aufrecht erhalten werden. Die Hochbahn ist dann vom Silvestcrmorgen früh 5 Uhr bis zum 1. Januar nachts 1 Uhr ohne Unterbrechung im Betrieb. Die ein- zelnen Züge sollen sich auch während der Nacht in Abständen von 6 bis 10 Minuten folgen. Im allgemeinen ist gehnminntenbetrieb, der bei Bedarf bis 5 Minuten verdichtet wird. Wie schon jetzt w den späteren Abendstunden gehe» die Züge in der Reujahrsnacht vom Knie über den Potsdamer Platz nach dem Osten und zurück. Eine verkrachte Kaffe. Der kgl. Polizeipräsident zu Aachen gibt bekannt, daß die Volks-Krankenkasse„Hoffnung"(E. H. 17) zu Aachen durch Beschluß deS Bezirksausschusses daselbst vom 16. d. MtS. auf Grund des§ 29 Ziffer 2 des Gesetzes über die eingeschriebenen Hülfskasscn und de« 8 142 Abs. 2 des Gesetzes über die Zuständigkeit derVerwaltungS- und Berwaltuiigsgerichtsbchörden vom 1. August 1833 vorläufig geschlossen worden ist. Gemäß§30 deS Hülfskasseugesetze» ist die Abwickelung der laufenden Geschäfte der Kasse dem kgl. Polizei- sekretär Riewiesch zu Aachen und dem öffentlich vereidigten Bücher- revisor und Dozenten an der kgl. Technischen Hochschule ebendaselbst Dr. Sckatz übertragen worden. Die vorbezeichneten Bevollmächtigten sind demnach allein zur Erledigung sämtlicher die Kasse betreffenden Angelegenheiten bestigt. Alle die Kasse betreffenden Ein- gaben, Beschwerden, Anstagen, Geld- und Wertsendungen sind an den kgl. Polizeisekretär Riewiesch zu Aachen— kgl. Polizei- direktton— zu richten. In Berlin war für die Kaffe bisher der Agent Richard Runge. Mauerstr. 92, tättg. Ein Lotterielos bleibt bi« zur Bezahlung Eigentum de» Kollekte«»». Dieser Grundsatz ist durch ein Urteil des ersten Zivilsenats des Reichsgerichts bestätigt. Ein Kolletteur hatte einem Oberlehrer in Berlin' ein Achtel-Los der Braunschweiger Lotterie zum Kauf an- geboten, und da er ohne Nachricht blieb, sandte er ein Erinnermig»- zirkulär, dem dann am 20. Juli eine Postnachuahme folgte, auf welcher sich der Vermerk befand:„Nach einmaliger Präsentation sofort zurück." Diese Postsendung traf den Oberlehrer nicht in Berlin an und wurde ihm nach dem Seebade Niendorf nachgesandt, woselbst am 22. Juli die Einlösung erfolgte, deren Annahme aber der Kollekteur verweigerte, weil jene« Los inzwischen am 21. IM mit einem Gewinn von 20 000 M. gezogen war. Der Oberlehrer wollte Aus den Nachbarorten. Köpenick. rorten. # Vermischtes. ben Gewinnbetrag, 2125 M., Bei der Lotterielaffe erheben, doch ist dieses Geld, bis zur Entscheidung des sich aus diesem Vorkommnis entspinnenden Prozesses, deponiert. Der Kollekteur strengte eine Klage Aus Bremerhaven wird über das furchtbare Bau unglü beim Landgericht Berlin gegen den Oberlehrer an, dahingehend: Die Stadtverordneten- Bersammlung von Köpenick erklärte die im noch berichtet: Die Zahl der Opfer, die der Hauseinsturz gefordert darin zu willigen, daß der auf das Los Nr. 30 477 der Braun- November stattgefundenen Stadtverordnetenwahlen fämt hat, beläuft sich nach endgültiger Feststellung auf 17. Davon find schweigischen Lotterie entfallende Gewinn an den Kläger ausbezahlt lich für gültig und erteilte dann auf Antrag des Magistrats den 14 tot und drei Schwerverletzte befinden sich im Krankenhause. Ueber werde. Das Landgericht hat dem Klage- Antrage entsprochen, indem Bachtgeboten des Herrn Jsrael auf die städtische Bade Anstalt in die Unfallursachen variieren nach der Nordd. Volksstimme" die ber es Bezug nahm auf einen Satz in dem Zirkular des Sollefteurs, der Wilhelmstraße und des Herrn Graun auf die Bade- Anstalt in schiedensten Gerüchte. Augenzeugen schildern den Vorgang, daß sich worin es heißt: In jedem Falle bleiben Lose bis zur Bezahlung der Gartenstraße für den Zeitraum der Jahre 1905-1907 den Bus bas Mauerwerk in der ersten Etage nach außen gebogen und dann unser Eigentum." Gegen dieses Urteil legte der Beklagte Berufung schlag. Der Antrag auf Ausbau der Realschule zu einer zusammengestürzt sei. Hierauf feien die obersten Stockwerke in beim Kammergericht ein, die aber keinen Erfolg hatte. Das Reichs- Ober- Realschule muß auf Betreiben unserer Genossen noch eine zweite jedesmaliger Folge von einigen Sekunden nachgefunken und in fich gericht hat dieses Urteil bestätigt. Lesung durchlaufen. Die bürgerliche Mehrheit, welche nach Jahresschluß zusammengebrochen. Die didsten Balken sind wie Rohr zersplittert, Blumenhandel am ersten Weihnachtstage. Der Verband deutscher eine ihr ungünstigere Zusammensetzung des Kollegiums befürchtete, wollte die starken eisernen Träger sind krumm gebogen, ein Beweis für die Blumengeschäfts- Inhaber gibt bekannt, daß laut Polizeiverfügung unter allen Umständen die Vorlage noch im alten Jahre unter Dach Macht des Sturzes. Der stehengebliebene Teil ist förmlich wie glatt am ersten Feiertage sämtliche Blumengeschäfte Berlins und der Vor- und Fach bringen. Man sette darum die zweite Lesung auf Freitag, abgeschnitten, was einen überaus merkwürdigen Eindruck macht. Die orte von 10 Uhr vormittags ab geschlossen bleiben.hand den 23. Dezember, an. Der Rechnungsabschluß der verwendeten Steine weisen fast durchgängig nur geringe, meist gar städtischen Gaswerte weist einen Ueberschuß von 21 717,38 feine Spuren von Mörtel auf. Zusammenhängende Blöcke bilden Diebstähle auf Güterbahnhöfen. Auf den großen Bahnhöfen, Mark auf Dem Antrag des Magistrats, hiervon 1717,38 M. dem nur Stüde der vorderen Pfeiler. Selbst Kenner ergehen sich über namentlich auf dem Stettiner und Schlesischen Bahnhofe find in Reservefonds zu überweisen und 20000 M. in den Etat 1905/06 die Unfallsachen in vielen Erklärungen. Nach einigen soll das Fun letzter Zeit sehr große Mengen Güter von den Güterböden gestohlen einzustellen, wird zugestimmt. Desgleichen wird die Festsetzung der worden. Die Eisenbahnbeamten haben deshalb, soweit es ihr Dienst Rechnung der Straßenbahn- Kommission für die Zeit vom 11. Auguſt erlaubt, ein wachfames Auge auf die dort verkehrenden Personen. 1903 bis 31. März 1904 genehmigt. Der Ueberschuß von 657,63 M. Als nun der aus Brandenburg an der Havel stammende, schon viel wird dem Reservefonds überwiesen. fach wegen Diebstahls vorbestrafte Kutscher Wilhelm Redlin für die Maschinenfabrit von K. Lose Eisenteile abholen wollte, bemerkte ein Bahnbeamter, daß er sich auch nach einem Teil des Güterbodens begab, wo Eisenwaren nicht aufgestapelt werden. Er schob dort eine Kifte, die 150 Pfund Fleischwaren enthielt, auf eine Bodenfarre und rollte sie auf seinen Wagen, auf dem er sie mit einem Plane bedeckte. Als man ihn nun festnahm, wollte er sich damit ausreden, daß ein Beamter ihm gesagt hätte, die Kiste sei auch für die Maschinenfabrik bestimmt. Er wurde mit seinem Mitfahrer auf das Polizeirebier gebracht und bei beiden sofort eine Haussuchung vorgenommen. Man fand in der Wohnung des Mitfahrers eine Kiste mit 120 Pfund Zigarren, und es stellte sich nun heraus, daß Redlin auch diese vor etwa acht Tagen gestohlen hat. Er wurde daher verhaftet. Straßensperrung. Die Behmstraße von der Badstraße bis zur Eisenbahnunterführung und die Bellermannstraße von der Grünthalerbis zur Behmstraße wird behufs Anrampungsarbeiten von heute ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Neiter gesperrt. Charlottenburg. Ines Die Gründung einer zweiten Waldschule ist in Charlottenburg geplant. Sie soll im Frühjahr erfolgen. Die erste Waldschule, welche die Stadt Charlottenburg zuerst eingerichtet hat, hat sich so bewährt, daß in den Kreisen der Stadtverwaltung die Errichtung einer zweiten Waldschule für die Kinder auf keine Schwierigkeiten stoßen wird. Angeschlossen soll eine Erholungsstätte für kränkliche Kinder werden. Der Reichsglöckner Joachim Gehlsen hat sich von dem schweren Unfall, über den berichtet wurde, so weit wieder erholt, daß die Aerzte jetzt eine Lebensgefahr für ausgeschlossen erklären. Es ist sogar Ausficht vorhanden, daß der Verunglückte bald wieder hergestellt sein wird. Rigdorf. Der nächste Kunstabend in Rigdorf am Dienstag, 27. Dezember, im Realgymnasium heißt„ Weihnachten in Wort und Lied" und Eine gefährliche Ladendiebin ist gestern verhaftet worden. Bei beginnt ausnahmsweise schon um 7 Uhr. Zu diesem Abend haben Wertheim in der Leipzigerstraße ertappten Angestellte und Kriminal auch Kinder Zutritt. Eine Eintrittskarte mit Programm fostet für Die Karten find von heute an beamte eine Rundin", bei der eine ganze Anzahl Kleinigkeiten ge- fie 30 Pf., für Erwachsene 40 Pf. funden wurden. Sie gab an, eine 52 Jahre alte Rentneriu Margarete in der Bickhardtschen Buchhandlung und beim Gastwirt Hoppe, Zielfe zu sein und behauptet, daß sie gerade soviel Kapital besige, Berlinerstr. 14, erhältlich. An diesem Abend werden geeignete um von den Zinsen notdürftig leben zu können. In Berlin wohne Bücher für die Kinder und künstlerische Bilder für die Erwachsenen sie erst seit einem halben Jahre. In ihrer Wohnung, die auf Schöne- verlost. Wir werden gebeten, recht nachdrücklich darauf hinweisen zu berger Gebiet liegt, fand die Kriminalpolizei noch eine ganze Wienge wollen, daß die Plätze von Nr. 1-315 Abonnementspläge sind und Sachen, die ebenfalls in Warenhäusern gestohlen sind. Polizeilich nur von den Inhabern der Abonnementstarten besetzt werden tönnen. gemeldet war die Diebin noch nicht, obwohl sie dieselbe Wohnung schon ein halbes Jahr inne hat. Eine zweite Wohnung hat sie an der Fischerbrücke. Auch dort ist sie nicht gemeldet. Es wird vermutet, daß sie mit den gestohlenen Sachen Handel trieb und nicht die Person ist, für die sie sich ausgibt. In ihrer Wohnung konnte sie unbehelligt schalten, weil ihre Wirtin den ganzen Tag nicht zu Hause ist. Durch den Erkennungsdienst wird sich ihre Persönlichkeit wohl bald feststellen lassen. Gerichts- Zeitung. dament äußerst mangelhaft, insbesondere die Rammpfähle viel zu furz und für einen solchen Bau mit derartigen Steinmassen absolut unzureichend gewesen sein. Andere wollen Konstruktionsfehler bei der Verwendung der eisernen Träger erkannt hab. Wieder andere glauben, daß das Material, Sand und Steine, nicht in einwands. freier Güte sich befunden haben. Auch die Qualität der Bauausführung wird von verschiedenen Seiten bemängelt. Was nun die wirkliche Ursache ist, wird die bereits eingeleitete Untersuchung hoffentlich aufklären. explodierte bei der Destillation von absolutem Alkohol ein tupferner Explosionen. Im chemischen Laboratorium der Universität Graz Steffel. Ein Laboratoriumsdiener erlitt schwere Brandwunden, denen er erlegen ist. Ein Praktikant und sein Assistent wurden gleichfalls schwer verletzt. In der Fabrik Spodio in Sussat bei Fiume fand eine Kesselexplosion statt. Zwei Arbeiter wurden auf der Stelle getötet, fünf wurden tödlich, zahlreiche leichter verletzt. Die gesamte Fabrit ist in Flammen aufgegangen. Ein heftiger Sturm an der Nordküfte von Portugal hat zahl reiche Unglüdsfälle im Gefolge gehabt. Nach einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Lissabon famen 18 Fischer von FigueiraFaz ums Leben. 600 befinden sich in Not. Eine Fähre an der Mündung des Mondego schlug um. 14 Personen ertranken. In der Nähe von Oporto fanten 5 Boote, 5 Mann sind ums Leben gekommen. Eingegangene Druckfchriften. " Kommunale Praris", 8eitschrift für Kommunalpolitit und Gemeinde- Sozialismus. Herausgeber Dr. Albert Südetum. In der neuesten Nummer wird die Debatte über die Taktik bei Gemeindewahlen in drei Artikeln fortgeführt; Heymann- Stuttgart, Beus- Dessau und Adelung- Mainz beteiligen sich an der Diskussion. Einen anregenden Artikel steuert H. Fehlinger- Wien über österreichische Wohnungsverhältnisse bei. Der Notizenteil ist, wie immer, sehr reichhaltig. Die Kommunale Bragis" erscheint am 1. und 15. jeden Monats und foftet vierteljährlich 1,50 M. Probenummern versendet franto und gratis der Verlag Berlin W. 15. " Geheimnisse einer Bäderei. Anläßlich des legten Bäderstreifs tamen naturgemäß eine Reihe von Zuständen in Bäckereien zur 23. Jahrganges. Die Auguren" nennt sich das Titelbild, das einen WeihDer Süddeutsche Postillon" versendet die Schlußnummer seines Sprache, die aus begreiflichen Gründen das Licht der Deffentlichkeit nachtsabend im deutschen Pfarrhaus malt. Friede auf Erden", Gedicht von nicht vertragen können. Ein Fall dieser Art, der während des E. Klaar. Mannesmut", Gedicht von Jon. Reuter, deutsch von Wenn man geistreich sein will und tann's nicht, Ein Mann, der billig zu reisen versteht. Ein Dauergänger, der Bäckerstreiks dem Urteil der öffentlichen Meinung unterbreitet worden E. Brausewetter. Wenn zwei dasselbe tun. Der alte Veteran, ein Stultur bon Petersburg aus über Neapel nach Berlin wandert, wird am ist, hat kürzlich durch gerichtliche Feststellung eine volle Bestätigung Illustration. bild aus Reichenbach im Vogtl., Gedicht. In verzehrendem Not zeigt ein Weihnachts- Heiligenabend hier eintreffen. Der Dauergänger ist der gefunden. 54 Jahre ulte Kaufmann Otto Ribbe, ein in Petersburg ansässiger In einem Flugblatte, welches der Verband der Bäcker während des anderer Künstler ein Silvester" aus der honetten Gesellschaft, unter dem Deutscher, der eine Wette eingegangen ist, die Route Petersburg- Streits verbreitete, wurde in bezug auf ein Vorstandsmitglied der Bäcker- das düstere und doch hörbar emfige Schaffen der Arbeit sich antündet. Ein gleichnamiges Gedichtchen von 2. R. Beiträge unserer Bekannten Neapel- Berlin zu Fuß zurückzulegen. Er verpflichtete sich, die 7500 Innung zu Berlin, Herrn Apelt, Köpnickerstr. 127, behauptet, daß das Abderid und Biedermeier, Weltbegebenheiten und eine Reihe satirischer und Kilometer betragende Wegstrede in 250 Tagen abzugehen, ohne Geld losett als Aufbewahrungsort für die feine Butter zur Kuchenware humorvoller Kleinigkeiten. Eine Freude bereitet der Postillon" noch den von Hause mitzunehmen oder sich solches zu leihen oder nachschicken sowie der Füllung für Pfannkuchen und anderer zur Herstellung Berlinern mit dem Schlußbild„ Berliner Banama", errichtet von der dankEine Photo- baren Großen Berliner Straßenbahngesellschaft. zu lassen. St. Hat am 15. April Petersburg verlassen und an ein besseren Gebäcks nötiger Gebrauchsartikel dient. Die religiösen Strömungen der Gegenwart. Von Superintendent zelnen Tagen Streden bis zu 70 Stilometer zurückgelegt. Gestern, graphie, welche sich in Händen des Vorstandes des BäderDienstag, ist der Dauergänger auf der letzten Kontrollstation vor berbandes befand, stellt den ominösen Raum dar, der gleichzeitig D. A. H. Braasch in Jena. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig. V Berlin, in Rathenow, eingetroffen und hat von dort aus heute das Klosett und die für feine Backware erforderlichen Materialien in und 148 S.) 8. Preis geh. 1 M., geb. 1,25 M. Abstammungslehre und Darwinismus. Bon Prof. Dr. N. Hesse. morgen den Weitermarsch nach dem Endziel anzutreten. Der Sieges- Wahrheitsbeweiß seinerzeit zu jedermanns Einsicht im Bureau des Leipzig. 2. Aufl.( IV und 128 6.) 8. Preis geh. 1 M., geb. 1,25 M. trautem Nebeneinander beherbergt. Diese Photographie lag als Mit zahlreichen Abbildungen im Tert. Berlag von B. G. Teubner in preis beträgt 2000 m. Die moderne Frauenbewegung. Von Dr. Käthe Schirmacher in Paris. Verlag von B. G. Teubner in Leipzig.( VI und 130 S.) 8. Preis geb. 1 M., geb. 1,25 M. Katscher, Leopold: Berta von Suttner, die Schwärmerin für Güte. Bäckerverbandes aus. Auf dem Wege zur Arbeit schwer verunglückt ist gestern morgen Bäckermeister Apelt, dessen Betriebsgeheimnisse in der geum 7 Uhr der Maurergeselle Hermann Vogel aus der Pantstr. 32. schilderten Weise an die Deffentlichkeit gebracht worden waren, reichte Als er benn Ueberschreiten des Nettelbeckplatzes den Bürgersteig ver- eine Zivilflage auf Schadenersaz ein; er behauptete, die im Flugblatt ließ, glitt er aus und fiel hin. Dabei schlug er mit dem Hinter- gekennzeichneten Zustände hätten beim Erscheinen des Flugblattes Kopf auf die Bordschwelle auf und blieb bewußtlos liegen. Der nicht mehr bestanden. Der Kläger berechnete unter Zugrundelegung Berunglückte wurde nach der Unfallstation in der Lindowerstraße und eines Verdienstes von 33 Proz., den er an den Bad von dort mit einem Lückschen Rettungswagen nach dem Moabiter waren erzielt, seinen Schaden auf 300 M. Die Klage richtete sich Krankenhause gebracht. gegen eich old als Verfasser und gegen die„ Vorwärts"-Druckerei als Herstellerin des Flugblattes. Aus dem Gefängnis zu Plößensee find gestern der 26 Jahre alte August Breschel und der 22jährige Theodor Kohlmann entflohen. Breschel war vor neun Jahren wegen eines Raubmordversuchs in Eisleben zu einer zwölfjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden; Kohlmann erlitt wegen schwerer Körperverlegung und Sittlichkeitsverbrechens eine lange Gefängnisstrafe. Die Flucht ist offenbar auf Verabredung gemeinsam erfolgt. Am späten Nachmittag fand ein Aufseher die beiden Zellen leer. materialien brannten. Die Beklagten traten den Wahrheitsbeweis an, der bollkommen gelang. Das Amtsgericht hat infolgedessen den läger mit seinen Ansprüchen abgewiesen. 1904 Piersons Berlag, Dresden- Altstadt. Preis 50 Pf. Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. Die Ge Die zum Amt eines G. 2. 42. Vorläufige Anfrage bei dem Vorsteher ihres Poftamts; spätere Meldung bei der Ober- Bostdirektion Berlin.- Kompromis. Ber einbarung, Uebereinkommen parlamentarischer Parteien. Neuerdings Schul kompromis im preußischen Landtage zwischen Nationalliberalen, Konservativen und Ultramontanen zur Herabdrückung der Volksschul- Leistungen durch " Bürgerkönig“. stärkere Betonung des tonfessionell- religiösen Prinzips. Die Bekundungen der vom Gericht vernommenen Zeugen stellen Louis Philipp 1830-1848; diese Beit fegte ein mit der Juli- und endete In corpore. Als Körperschaft, bezw. die Zustände, welche bei der Verbreitung des Flugblattes- Mai mit der Februar- Revolution. in dem Klosett und Vorratsraum der Bäckerei von Apelt mitteilung machen, wenn es soweit ist. Aber wir wissen nicht, wie lange es insgesamt. Lotte. 1. Nein. 2. und 3. Ja. H. M. 55. Wir werden herrschten, noch schlimmer dar, wie sie im Flugblatt selbst angegeben noch dauern kann, bis die Sache in Kraft tritt. 999. 1. und 2. Nein. wurden. In dem schriftlichen Urteil, welches den Beklagten soeben Feuerbericht. In der Nacht zum Mittwoch wurde die Wehr zugestellt wurde, finden sich unter anderm folgende Zeugenaussagen: nach der Neuen Königstr. 85 gerufen, weil hier gegen Mitternacht Wertmeister C., ein Geselle und ein Lehrling, der vom Kläger Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends im vierten Stock in einer Küche Feuer ausgekommen war, das selbst als Zeuge benannt worden ist, bestätigten, daß die Angaben von 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Möbel, Decken 2c. ergriffen hatte. Der erste Löschzug fonnte die des Flugblatts zutreffen und die Photographie die Zustände, wie sie und zwölf Geschworenen. Die Geschworenen allein beurteilen die Schuld. Schwurgericht. Das Schwurgericht besteht aus drei gelehrten Richtern Gefahr leicht beseitigen. Derselbe Löschzug hatte dann in der zur fraglichen Zeit herrschten, richtig darstelle. Wie der Lehrling frage und diese allein. Nur in einem Fall hat das Dreimänner- Gericht Neuen Friedrichstr. 22 und in der Alexanderstr. 16 zu tun. Spier ferner bekundete, hat der Meister etwa 14 Tage vor Pfingsten, also mitzureden. Sind die Dreimänner der einhelligen Ansicht, daß die Ge standen in einem Keller Späne in Flammen, während dort Fäffer, nach dem Erscheinen des Flugblattes, den Klosettraum schworenen sich zuungunsten eines ihrer Ansicht nach schuldfreien AnKisten 2c. in Brand geraten waren. Aber auch in diesen beiden durch eine Bretterwand in zwei Teile scheiden lassen, so daß zwei geflagten geirrt haben, jo tann es die Sache dem nächsten Schwurgericht Fällen nahm die Ablöschung nur kurze Zeit in Anspruch.- Petroleum gesonderte Räume entstanden, der eine ,. in dem sich das Klosett überweisen. Ist die Schuldfrage verneint, so hat das Dreimannerhatte bald darauf in der Schliemannstr. 36 Feuer gefangen, während befindet, und ein auderer, in dem nunmehr die Vorräte auf- Stollegium freizusprechen. Ist die Schuldfrage bejaht, so hat es( abgesehen in der Großen Frankfurterstr. 36 Lumpen und allerlei Verpackungs- bewahrt wurden. Ueber die Beschaffenheit des Raumes vor bon dem oben erwähnten Fall) die Strafhöhe auszumessen. In der Quizotstr. 117 hatte der 16. Lösch- Errichtung der Bretterwand gab dieser Zeuge an, daß sich daselbst Schöffen und Geschworenen fähigen Einwohner finden Aufnahme in einer Urschworenen werden in folgender Weise ernannt. zug einen Wohnungsbrand zu beseitigen, bei dem in der Hauptsache ein Ausgußbecken befand, vor dem ein Tritt angebracht war, damit liste. Diese Urliste wird von einer Neunerkommission gesichtet. Diese StomKleidungsstücke und Möbel beschädigt wurden. Die übrigen die Gesellen das Becken als Bissoir benutzen konnten. Bei solcher mission besteht aus einem Amtsrichter, einem Staatsverwaltungsbeamten Alarmierungen, die die Wehr dann noch nach der Blumenstr. 35 b, Benutzung tam es vor, daß Urin aus dem defekten Abflußrohr in und sieben durch die Vertretung der Gemeinde gewählte Personen. Diese Oppelnerstr. 4 und noch nach einigen anderen Orten führten, waren den Naum floß, wo die Materialen zur feinen Kuchenbäckerei auf- Reunerkommission wählt aus der Urliſte die Schöffen aus. Ferner wählt fie auf ganz geringfügige Anlässe zurückzuführen. bewahrt wurden. Ein weiterer Zeuge gab an, daß das Abfluß- aus der Urliste eine Reihe von Personen, die sie für das Geschworenenamt rohr am Klosett einmal mehrere Tage lang verstopft war, daß auch von fünf Mitgliedern des Landgerichts nach freiem Ermessen die erforderliche in Borschlag bringt. Aus dieser Vorschlagsliste entnimmt eine Kommission Das Belle- Alliance- Theater hat gestern mit der Aufführung von manchmal einer der Lehrlinge, weil es in dem Raum dunkel war, Anzahl Geschworener. Die durch diese Giebung erhaltenen Namen werden Costas alter Posse„ Ein Bligmabel" einen guten Griff getan. feine Notdurft neben dem Ausgußbeden verrichtete, und daß in- in der Jahreslifte der Geschworenen zusammengestellt. Aus dieser Jahres. Nicht etwa, daß die zu Anfang der siebziger Jahre entstandene Boffe folgedessen Urin in die Nähe des Milchgefäßes floß, welches ebenfalls lifte werden für jede Schwurgerichtsperiode 30 Geschworene ausgelost. Für in diesem Raum aufbewahrt wurde. Der Meister, so sagte der jede einzelne Sache treten dann 12 Geschworene in Funktion, die wiederum zu den dramatischen Meisterwerfen gehörte. Sie ist sogar schon ziemlich antiquiert, und auch die Musik von Millöcker, so hübsch fie Beuge, habe diese Zustände gekannt, er habe sie gerügt, aber nicht durch Los unter den dreißig und durch Gebrauch oder Nichtgebrauch des abgestellt. Verwerfungsrechtes der Angeklagten und des Staatsanwalts gebildet ist, kann das Alter nicht verdecken. Aber wenn wir die Fabri- Nachdem durch die Zeugenaussagen die Angaben des Flugblattes und erfahren dort das Nähere. werden. G. A. Sie müssen sich bei der Regierung in Potsdam melden fate neueren Datums durchgehen, so sehen wir Sind Sie älter als 26 Jahre, so hat bei nicht nur bestätigt, sondern noch übertroffen wurden, mußte der dem großen Andrang Ihr Gesuch keinen Zwed, da zu Hebammen Personen wahrlich nichts, dessen fich das Coftasche Stüd eigentlich Ein hoher nicht ernannt werden, die ein Lebensalter von 30 Jahren erreicht haben. zu schämen hätte. Und für eine tüchtige Soubrette ist das lagende Bädermeister natürlich abgewiesen werden. Grad von sagen wir Dreistigkeit ist es aber, daß der Herr, der Der Kursus usw. foftet etwa 300 M. und dauert sechs Monate. M. Ja. Blizmädel" dadurch von unschätzbarem Wert, daß es der Künstlerin doch die Zustände in seiner Klosett- Vorratskammer gekannt hat, die G. F. 4. Für jedes Familienmitglied ist ein Bett( oder Sofa u. dergl.) in der Titelrolle zur Verwertung vielseitiger Talente Gelegenheit Stirn hatte, die betreffenden Angaben als unwahr zu bezeichnen erforderlich und deshalb unentbehrlich. Das Gesetz bezeichnet nicht beſtimmte gibt. Um ihrem Schaß eine Stellung zu verschaffen, muß die und auf diese Bezeichnung hin die Schadenersatzklage einzureichen, Gegenstände, die unentbehrlich find; vielmehr ist von Fall zu Fall vom Ge Heldin in allerhand drolligen Verkleidungen auftreten. Ob Josephine und diese aufrecht zu erhalten, nachdem durch Zeugen bereits die richtsvollzieher zu entscheiden, was unentbehrlich sei. Im Termin wäre es Dora, der zu Gefallen die Posse anscheinend gegeben wurde, in der Wahrheit des im Flugblatt Behaupteten festgestellt war. Wer solche frist bis zum Schluß des Jahres zu erstreden. für Sie ratsam, zu beantragen, für den Fall der Ermission die Ermissions. 2. 53. 1. Ja, das Titelrolle Genüge findet, scheint uns zwar zweifelhaft; nach unserer Betriebsgeheimnisse hat wie dieser Bäckermeister, der täte doch nähere tönnen Sie S. 2 des dem Arbeiterrecht angehängten Führers und Meinung kann diese vortreffliche Künstlerin weit mehr von sich geben, flüger, sie nicht durch einen Prozeß von neuem der Deffentlichkeit in dem preußischen Geſetz vom 31. Dezember 1842 nachlesen. Die Rechtsals hier von ihr verlangt wird. Aber da die Handlung lebendig vorzuführen. lage ist wohl ein duzendmal von uns dargelegt. 2. Ja. 3. Nein; Polizei ist und das Publikum mehr auf Aeußerlichkeiten gibt als auf tiefere verordnungen verbieten das. 4. Wo dergleichen Berordnungen bestehen, ist Charakterisierung, so mag der Geschmack der Künstlerin entschuldigt Eine Musikkritik vor Gericht. Bisher waren es Bühnenkünstler eine Bestrafung zulässig. G. Sch. 77. Formulare betreffs Austritt werden. Ihr zur Seite stand Herr Heinz Gordon als Chorist und Konzertvirtuofen, die ihre Empfindlichkeit durch die Pfeile der aus der Landestirche erhalten Sie Blumenstr. 14 bei Hoffmann Ein Neugieriger. Auf dem Standesamt erhalten Sie Auskunft. Brüller, ein Darsteller bon natürlicher Komit. Bemerkt sei, daß das Kritik verlegt wähnten. Jetzt folgen ihnen die Romponisten. Ein Theater der Weihnachtszeit zum Troz ganz vorzüglich besucht war. solcher Fall ereignete fich in Straßburg. Dr. Gustav Altmann E. K. 4. Ihre Braut hat das Recht, jederzeit vom Berlöbnis zurüc hatte in der bekannten Kunstzeitschrift Die Musit" über ein zutreten. Die Verlöbniszeichen( Ning 2c.) find zurückzugeben. Noch vor pantomime„ Eine Nordlandfahrt im Strahle der Mitternachtssonne" einem Zyklus„ Jahreszeiten" fann man getrost die Ueberschriften Die Erstaufführung der Schumannschen großen Ausstattungs- Stonzert des Komponisten J. Fabian berichtet und u. a. gefagt:" Ju handene Geschenke können innerhalb zwei Jahren nach der Auflösung Jurüdbegehrt werden. 3. K. Klage wäre leider aussichtslos. 28. 1. Gegen eine in einer Zivilsache weber persönlich noch findet heute Donnerstag abend statt. auswechseln, ohne an der Stimmung etivas zu ändern." Der durch einen bevollmächtigten Vertreter vertretene Bartei ergeht auf Antrag Komponist erhob darob Beleidigungsflage. In der eben stattgehabten Bersäumnisurteil. 2. Die Höhe der Kosten richten sich nach der Höhe des Gerichtsverhandlung wurde der Kritiker freigesprochen. 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Während des alsdann beginnenden Berichts des Professors Dr. Straßmann über die Ergebnisse der nudes Untersuchung der Leichenteile -schehen kann, ohne Blutspuren zu hinterlassen. Man braucht bloß gehen, wenn ich annehme, ebenfalls über den törperlichen und Dazu gehört aber ruhige Ueberlegung, die also bei der Berstüdelung Berger im Gefängnis besonders eingehend auf seinen Geifteszustand in Frage kommt und bei der Tat selbst nicht vorhanden zu sein untersucht, wir sind dabei gewöhnt, zuerst an eine erbliche Belastung braucht. Ein Geschworener macht darauf aufmerksam, daß, zu denken. Wir haben gehört, meine Herren, daß in der familie wenn sich die Sache so abgespielt hätte, wie Prof. Dr. Straßmann an des Angeklagten verschiedene Verwandten an Gehirnleiden ver nimmt, die Hände der Leiche doch wohl geballt vorgefunden sein mußten, storben sind. Hierauf darf man jedoch nicht allzu großes denn das Kind würde sich wohl gewehrt haben, dem Mörder in die Haare Gewicht legen. Berger ist wiederholt in dem Unter gefabren sein 2c.- Prof. Dr. Straßmann: Gewöhnlich ersuchungs- Gefängnis ſowie in anderen Gefängnissen gewesen. chlaffen die Hände wieder und bleiben nicht in der Stellung, die Ich habe mir alle Gefängnisjournale kommen lassen, habe sie durchfie im Moment des Todes eingenommen hatten.-Präs: Ist gesehen, aber nichts gefunden, was darauf schließen läßt, daß benn überhaupt anzunehmen, daß der Widerstand des achtjährigen vielleicht schon damals der Verdacht angeregt worden war oder be Kindes ein sehr großer war? Prof. Dr. Straßmann: Nein. stand, daß Berger unzurechnungsfähig sei. Jm Gefängnis ereignete Schon ein Aufschlagen des Hinterkopfes würde dies verhindert und sich nur ein bemerkenswerter Vorfall, der indessen zu feinerlei Be wird auf Antrag des Staatsanwalts Dr. Lindow die Deffentlich ein Verschließen der Atembewegung würde den Widerstand des denken Anlaß geben kann. Ende Juli oder Anfang August verfiel teit ausgeschlossen. Kindes gebrochen haben.- Beiiizer: Können Blutflecke so be- Berger in einen eigenartigen Zustand, er sprach wenig und stierte Profeffor Dr. Straßmann: Am 11. Jann sind die ersten seitigt werden, daß der Chemiker nachher nichts mehr finden kann? teilnahmslos vor sich hin. Meine Vermutung, daß es sich um einen Leichenteile zur Untersuchung gekommen, am 17. folgte der Stopf Dr. Jeferich: Ja, sobald es sofort beseitigt ist. Auf Wunsch Bustand von sogenannter atuter Verwirrtheit handele, bestätigte sich, und die Die Untersuchung des Rechtsanwalts Bahn bestätigt Dr. Jefe rich, daß er auch denn als ich Berger fragte, was mit ihm sei, erzählte er mir ist von ihm in Gemeinschaft mit bem verstorbenen Medizinalrat den Schmug aus den Dielenspalten der siebenuthſchen Wohnung folgendes. Anläßlich eines Rundganges auf dem GefängnisDr. Mittenzweig ausgeführt worden, ein Teil der Untersuchung untersucht, aber Blut nicht gefunden habe. Wäre Blut hof hätte ihn ein Mitgefangener gefragt, wer er sei, er habe wurde dem Dr. Arthur Schulz übertragen. Was das Zusammenpaffen dort hineingefloffen, fo wäre folches auch gefunden worden, geantwortet:„ Berger". Darauf habe ihm jener gesagt:„ Dann bist der Leichenteile betrifft, so zeigte es sich, daß der Rumpf, der Kopf und aber es ist ja nicht gesagt, daß Blut hineingefloffen fein Du ja der Mörder!" Durch diesen Vorfall wollte Berger in jenen die Arme vollkommen an einander sich fügten. Das Gesamt- muß. Der Verteidiger erflärt weiter, daß bei der polizei- Zustand versetzt sein. Der Sachverständige kommt ebenfalls zu dem gewicht ist auf 22 Kilogramm festgestellt worden. Es tamen nur lichen Aufnahme über die in der Liebetruthschen Wohnung vor Schlußgutachten, daß er keinerlei Anlaß habe, an der zwei Todesurfachen in Betracht: eine Verblutung oder eine plögliche gefundenen Beitungen nur die Morgenpost" aufgeführt worden sei. geistigen Gesundheit des Berger gewaltsame Erstickung. Eine an der Leiche vorgefundene Verlegung Tatsächlich sei aber auch ein Stück der„ Germania" vorgefunden zu zweifeln. ließ feinen Zweifel darüber, daß ein Lustmord vorlag, Diese Ver- worden und nach Bergers Behauptung habe die Liebetruth auch die Sachverst. Dr. Schulz erläutert noch an der Hand von Photo legung muß begonnen haben, als das Leben noch nicht entwichen Berl. Illustrierte 3tg." gehalten. Es werden über diesen Bunft graphien die erfolgreichen Versuche, die Zeichenteile in den Korb zu war. Die übrigen Berlegungen sind erst nach dem Tode entstanden, noch Untersuchungsrichter Maßmann und die Kriminalkommissare bringen, Ein Geschworener macht darauf aufmerksam, daß denn es wäre an sich schon faum möglich, einem Lebenden in Wehn und Wannowsti bernommen. n. Ihre Aussagen find es body, bentbar ist, daß zuerst ber Rumpf weggetragen und ins folcher Weise Arme und Beine abzuschneiden. Eine weiter vorgefundene ohne Bedeutung. Ein Geschworener stellt noch einige Wasser geworfen ist und daß man dann die übrigen Leichenteile Schnittwunde war auch auf diesen Bwed zurückzuführen; es scheint Fragen, die auf die Menge der im Ofen befindlich ge- mittels des Korbes weggebracht hat. " erst die Abficht vorgewaltet zu haben, die Leiche in der Mitte Bereter die auf die zu wefenen Afsche Bezug haben. Wenn der Angeklagte behaupte, Es werden alsdann noch zwei Beuginnen vernommen, die nichts Es folgt das Gutachten zerschneiden. Das Ausschneiden der Extremitäten muß in großer daß er mit dem Zeitungspapier Kartoffeln gekocht hat, zu befunden wissen. Ruhe ausgeführt sein, die Schnitte weisen auf einige Gewandtheit io müßte doch eine Unmenge Asche vorhanden gewesen Dann wird die Beugin Liebetruth nochmals vorgerufen. des Täters, letterer scheint aber doch nicht ein ganz geschulter Mann sein. Wenn nicht, dann müßte die Asche beseitigt worden Sie bestätigt nochmals, daß Berger wiederholt die Bitte aus gewesen zu sein, denn es ist bei den Schnitten mehrfach angesetzt fein, oder aber Berger hat dies nur gesagt, um das Fehlen der gesprochen habe, über den Korb nichts zu sagen, und daß fie nach worden. Der Sachverständige legt des weiteren dar, daß und Beitungen zu erklären. Berger: Das ist eine falsche Auffassung. Auffinden des Korbes auch es für möglich gehalten habe, daß Berger warum er annimmt, daß Verblutungstod nicht vorliegt. Aus der Ge- Ich habe nicht geiagt, daß ich Kartoffeln, sondern daß ich Kaffee der Täter fei.- Berger: Er habe lediglich aus dem Grunde ge samtheit der Erscheinungen und da andere Ursachen nicht in Betracht damit gekocht habe. beten, nichts von dem Korb zu sagen, weil er jeden Skandal vcr gezogen werden fönnen, muß auf Erftidung stod geschlossen meiden wollte. Sie habe ihm gesagt, sie würde, wenn er in Ver werden. Bei folchen Zeichenteilen ist der medizinischen Beurteilung dacht käme, beschwören, daß er zur Zeit der Tat bei ihr war. Er natürlich eine gewisse Grenze gesteckt. Alles deutet in diesem Falle des Dr. med. Artur Schulz, der den Magen der Lucie Berlin babe aber geantwortet:" Hannchen, auf Deinen Schwur gibt's auf plögliche Erstickung. Eine Strangulationsmarke war nicht zu untersucht hat. Er ist mit dem Prof. Dr. Straßmann der Ansicht, nichts. Du bist nur als Be lastungszeuge brauchbar. Wenn Du ſagſt, bemerken, auch keine sicheren Würgespuren. Dies ließe sich aber so daß der Tod wahrscheinlich bald, spätestens aber 1-2 Stunden nach ich sei ein schlechter Kerl, dann glauben sie es Dir; wenn Du mich erklären, daß dem Kinde vielleicht die durch ein Tuch geschützte der Mahlzeit eingetreten ist. Auf eine Frage des Rechtsanwalts entlastest, dann glauben sie es nicht." Hand auf den Mund gedrückt wurde oder daß Nase und Mund durch Bahn erklärt Dr. Schulz, daß er den Berger einen Tag nach Die Beweis aufnahme wird hierauf endgültig das Auflegen eines Stiffens oder der Kleider des Kindes dessen Verhaftung untersucht habe und die Reinheit des geschlossen. Die Liebetruth und der Zeuge Lenz verschlossen wurden. Das find natürlich nur Vermutungen. Körpers desselben ihm aufgefallen fei. Es habe so aus- werden vereidigt, Frau Walter und Frau Schulz bleiben unSelbst die scharfsinnigste Kombination scheitert ja aber oft gesehen, als ob er ein Bad genommen hätte. Bei Lenz war das bereidigt. an ber unendlichen Mannigfaltigkeit der realen Verhältnisse. nicht der Fall. Wahrscheinlich ist das Kind gemißbraucht und gleichzeitig Medizinalrat Dr. Beppmann: Das Thema, bas ich befind, um es am Schreien zu verhindern, Mund und Nale zu handeln soll, ist mir amtlich nicht bekannt gegeben. Nach meiner gedrückt worden. Was die Zeit des eingetretenen Todes betrifft, so Meinung fann es sich bei meinem Gutachten nur um die psychohat Dr. Schulz die Untersuchung des Mageninhaltes vorgenommen. Logische Seite handeln unter welchen Umständen solche Taten, die Der vorgefundene Mageninhalt entsprach der legten Mahlzeit, die man Luftmorde nennt, zustande kommen und in welcher Geistesdas Kind bei den Eltern eingenommen hatte: Karbonade, Kartoffeln verfaffung fich die Täter befinden. Die Taten, die man mit dem und Gurkensalat. Nach den im Darm vorgefundenen Kotmassen Sammelnamen ift anzunehmen, daß der Tod eingetreten ist, bevor das eine Amputation auch mit dem Taschenmesser Luftmorde" Nach der Mittagspause werden die den Geschworenen vorzuTegenden Schuldfragen erörtert. Der Präsident hat nur zwei Schuldfragen entworfen: die erfte auf Sittlichkeitsverbrechen, die zweite auf Mord lautend. Staatsanwalt 2indow: In der Verhandlung sind doch Gesichtspunkte hervorgetreten, die mich veranlassen, die Hinzufügung einer Das Sittlichkeitsverbrechen der Tod der Lucie Berlin verursacht Frage im Sinne des§ 178 Str.-G.-B. zu beantragen: ft durch worden?" Außerdem beantrage ich, die Frage aus§ 211 zu trennen, Kind auf das Klosett gegangen ist. Nun hat aber eine als bezeichnet, find in den allermeisten Fällen Augenblidshandlungen. Beugin hier vernommene Greifin bekundet, daß sie das Kind Es ist nicht notwendig, daß der, der eine solche Tat begeht, felbft auf das Klosett gehen gesehen habe. Es ist nicht ausgeschlossen, wenn er sie begeht, um sich durch die Grausamkeit ein Wolluftgefühl so daß eine Frage den Vorfaz und eine andere die Ueberlegung daß dies ber gall gewesen und das Kind doch auf dem Klosett etwas entleert hat. Weit der Verpackung der Zeichenteile find wird oft gebraucht, obgleich er in den meisten Fällen gar nicht zu bereiten, geistig frant sein muß. Der Name„ Lustmord" betrifft. Versuche angestellt worden nnd diese haben ergeben, daß in der Tat Rechtsanwalt Bahn: Auch ich beantrage noch zwei Hülfsfragen, es möglich ist, die Zeichenteile in dem hier in Frage stehenden Korb anwendbar ist. Wir sind durch Vermittelung der Internationalen da ein Berteidiger in einem Mordprozeß nie va banque spielen darf au paden. Bräf.: Würde zur Berstückelung ber Leiche ein be morde zugegangen, und aus diesen habe ich festgestellt, daß bei den beantrage daher die Hülfsfragen nach Totschlag und nach Körper Bräs.: Würde zur Zerstückelung der Leiche ein be- riminalistischen Vereinigung aus aller Welt die Aften über Luft- und die Ansicht der Geschworenen nicht voraus wissen kann. Ich fonderes Instrument nötig gewesen sein oder genügte dazu ein ge eigentlichen Zustmorden eine Beschädigung der Genitalien fast nie verlegung mit tödlichem Ausgange und außerdem die Frage nach wöhnliches Küchenmesser? Sachverständiger Prof. Straßmann: Ein berühmter Chirurg hat einmal gesagt, man muß unter Um- eingetreten war. Es gibt folgende Möglichkeiten: 1. Der sogenannte mildernden Umständen, die bei der Bejahung der Frage nach Totschlag Luftmord ist gar nicht ein solcher, sondern eine Tötung aus anderen zuläffig wäre. ständen Gründen und eine Verlegung des betreffenden Opfers, um den Gedanken an einen Luftmord vorzutäuschen; 2. der Täter verübt ein Staatsanwalts und des Verteidigers. Es werden an Stelle der Der Gerichtshof formuliert die Fragen nach den Anträgen des oder Kilchenmesser vornehmen können. Mit einem festen Kilchen Sittlichkeitsverbrechen, und nach der Tat erfolgt die Tötung; 3. fann ursprünglichen zwei Schuldfragen nunmehr deren zehn festgestellt messer konnte diese Verstümmelung wohl vorgenommen werden. es sich handeln um ein Sittlichkeitsverbrechen, bei welchem der Täter und zwar: 1. nach Sittlichkeitsverbrechen; 2. nach Mord; 8. nach Bert.: Der Herr Sachverständige hat gesagt, daß die Art der Ausschon während des Verbrechens Gewalttaten berübt, um den Wider Totschlag; 4. nach mildernden Umständen; 5. nach Todeseintritt lösung der Extremitäten eine richtige Sachtunde nicht berriet; der stand feines Opfers zu brechen und diese Gewalttaten steigern fich infolge der Vornahme des Sittlichkeitsverbrechens; 6. nach Körpera Täter mußte aber doch wohl ein Mann gewesen sein, der eine zur Tötung; 4. werden Grausamkeiten berübt, um an Stelle der verleßung mit Todeserfolg. Die Fragen 7-10 beziehen sich darauf, besondere Uebung hatte. Der Sachverständige gibt dies nicht zu. 28ollust zu treten. Nach meiner Erfahrung find die letzteren ob eine einzige oder mehrere Handlungen vorliegen oder IdealBräf.: Muß sich der Täter der Prof. Dr. Strak Berstümmelung Fälle fast nie mit einer Beschädigung der Genitalien verbunden. tonkurrenz anzunehmen ist. Nach allseitiger Zustimmung zu den Fragen vertagt der Vorder Plaidoyers. figende die Verhandlung auf Freitag 9 Uhr zur Entgegennahme Donnerstag findet teine Sigung statt. mit Blut besudelt haben? mann: Bei toten Körpern sprigt das Blut nicht mehr und der Täter braucht sich bei der Trennung der Extremitäten nicht mit Blut besudelt haben. Die Möglichkeit einer Befudelung liegt aber natürlich auch vor. Rechtsanwalt Bahn: Ist nicht möglich, daß der Tod durch Schreck as bas 112 Seelenleben des Täters folcher Zuftmorde betrifft, so war man früher geneigt, einen Luftmörder als nicht gescheit zu betrachten. Dies ist feinesfalls zutreffend. Es handelt sich also, wie gesagt, bei Lustmorden um Augenblickshandlungen, wo die Begierde sich augenblicklich äußert. Marktpreise von Berlin am 20. Dezember. Nach Ermittelungen des erfolgt ist? Profeffor Dr. Straßmann: Das wäre un- Wollust und Grausamkeit sind auch im normalen Seelenleben eng tgl. Polizei- Bräfidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Welzen**), gute Sorte gewöhnlich und ungemein felten. Es tommen ja Todes verwandt und wenn sich dies nicht sichtbar betätigt, so bat dies in 17,70-17,68 m., mittel 17,66-17,64., geringe 17,62-17,60 2. fälle durch physischen Choc vor, aber bei Kindern doch der Berbreitung von Sitte und Kultur seinen Grund. Im Kriege, Roggen**), gute Sorte 13,95-00,00 m., mittel 00,00-00,00 m., geringe taum. Der Schmerz tönnte sich ja mit dem Choc nach Schlachten, bei Ausbrüchen von religiösem Fanatismus tann 00,00-00,00 2. Futtergerste*), gute Sorte 15,90-14,80 m., mittel 14,70 verbunden haben und eine Nervenlähmung eingetreten fein, aber das man sehen, wie sexuelle Regungen leicht entstehen. Berfonen, bis 13,60 M., geringe 13,50-12,40 M. Hafer*), gute Sorte 16,50-15,60., ist doch eine sehr fern liegende Annahme. Wenn ich hier stehe, so welche Luftmorde begehen, find im allgemeinen entfittlicht, ver 40,00-30,00 M. Speifebohnen, weiße 50,00-30,00 M. 2injen 60,00-30,00 2. mittel 15,50-14,60 M., geringe 14,50-13,60 2. Erbsen, gelbe, zum Kochen erklärt der Sachverständige, dann hüte ich mich, etwas für abfolut tommen; ihnen gilt ein Menschenleben nichts. Die meisten Luft Startoffeln 9,00-7,00 m. Richtstroh 5,00-4,66 m. Heu 8,90-7,20 m. unmöglich zu erklären, denn die Wissenschaft bringt täglich neue morde werden im halben Rausche, unter den Nachwirkungen des Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,20 9. Eter per Schod 4,80-3,20 M. Erfahrungen. Aber meine wissenschaftliche Ueberzeugung geht dahin, Alkohols, ausgeübt. Was den Angeklagten betrifft, so ist in dem,*) Frei Bagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. daß Erstickungstod vorliegt. Ein Geschworener fragt, ob was Berger aus seinem Vorleben mitgeteilt und wie er sich hier das Abschneiden der Körperteile in der Liebetruthschen Wohnung gezeigt hat, nichts zu finden, was etwa dazu drängte, irgendwie hätte vor sich gehen können, ohne daß die Wohnung mit Blut be- eine geistige Störung anzunehmen. Unter den Bersonen, die fudelt worden wäre. Professor Dr. Straßmann: Dies gewissermaßen berufsmäßig mit dem Strafgefeß in Konflikt kommen, ließe fich schon dadurch vermeiden, daß der Täter bei jedem habe ich noch nie einen Menschen gefunden, der so scharf abwägend Schnitt eine Schüffel unter den betreffenden Körperteil stellt. und vorsichtig vorgeht. Er zeigt auffällige Ruhe und scharfen VerEin Geschworener weist darauf hin, daß dies doch unter ge- stand und es liegt teinerlei Anlaß vor, anzunehmen, daß bei ihm wöhnlichen Umständen nicht vorauszuseßen fei, wenn jemand bei ein Ausschluß der freien Willensbestimmung vorliegt. folcher Tat aufgeregt und nicht Herr seiner Gedanken sei. Prof. Der demnächst vernommene Sachverständige, Gerichts- und Dr. Straßmann: Wenn ein gewandter Mensch die Berstüdelung Gefängnisarzt Dr. Hoffmann befundet folgendes: Ich bin in in Ruhe vornimmt, so tann ich mir wohl vorstellen, daß es ge- derselben Lage wie mein Herr Vorredner. Ich glaube nicht fehlzuORIGINAL SINGER NAHMASCHINE ST. LOUIS 1904: 7 Grand Prix 7 Goldene Medaillen. Die Tützlichsten Weihnachtsgeschenke find 14062* Singer Nähmaschinen nur zu kaufen in den Geschäftsstellen der Singer Co. Tähmaschinen Act. Ges. Berlin, Leipziger Straße 92 Filialen in allen Stadtteilen. Wafferstand am 20. Dezember. 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