r. 305. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30., monatl. 1,10., wöchentlich 28 Pig. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. mummer mit illufhierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Seitungs. Breisitste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Cricheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für bie sechsgespaltene Rolonelgeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 fg. Kleine Anzeigen", das erste( fett gebrudte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inferate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormittags geöffnet. Telegramm Abresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Rr. 1983. Kulturpreußen. Pfiffige Journalisten haben die Losung ausgegeben, die bürgerliche Presse möge über den sozialdemokratischen Breußentag nicht berichten; diese Verhandlungen könnten ja doch nur Worte produzieren, zu Taten sei die Sozialdemokratie in Preußen nicht befähigt, dank dem Schutzwall des Dreiklassen- Wahlsystems. Diese grausame Mahnung, der mühseligen Arbeit der bürgerlichen Berichterstatter das Geschäft zu verderben, verrät zweierlei. Donnerstag, den 29. Dezember 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Artdere weisen auf die Wichtigkeit der Uebernahme der Schulkosten So fließen froh die Tage dessen dahin, der nur einen Neben auf den Staat hin und regen einen Protest gegen den Mißbrauch menschen im Duell erschlägt oder einen Untergebenen, der nicht ge der Schule zur zwangsweisen Ausrottamg nationaler Minderheiten grüßt und der davonläuft, tödlich trifft. Der Hüffener fann an seine an. Die Entartung der Schulen zu Kasernen des rohen Mords- Festungszeit Zeit des Lebens freudig zurückdenken. Aber der Nepatriotismus und des läppischen Byzantinismus wird gegeißelt. Es batteur einer Zeitung, welcher einen Minister beleidigt, wird mit Gründen darauf hingewiesen, daß es nicht genüge, die er habe hazadiert, da er nur gepofert hat, wird auf viele Monate Schule von dem religiösen Lehrstoff zu befreien, es gelte auch positiv in das Gefängnis gefteckt; es wird ihm die selbständige Beschäftigung im Geiste einer freien Weltanschauung zu erziehen, damit die Kinder und die eigene Kost entzogen, er wird in seiner Gesundheit aufs nicht außerhalb der Schule um so sicherer der Kirche berfallen, die schwerste geschädigt. Und ein„ gemeiner" Soldat oder ein Reservist, nicht zum mindesten gerade die Religion verdirbt. der in unglücklichem Ungefähr einen Vorgesezten berührt, wird auf fünf Jahre ins Buchthaus geworfen, wird von Eltern, von Weib und Kind gerissen, wird um seine ganze Zukunft gebracht. So will es das Gesetz der deutschen Gerechtigkeit. Einmal zeigt sie, was diese Vertreter des bürgerlichen christlichen An der Diskussion beteiligen sich auch die Frauen. Grell hebt Idealismus, die ebenso gern wie einfältig auf den groben Materia- sich von dem herrschenden Unwesen unsere Schule der Zukunft ab. lismus der Sozialdemokratie schelten, in Wirklichkeit von der Macht Verwilderung, Geistesarmut und Komit sind die Zeichen der der Idee, der Kraft des Geistes halten. Schwindel ist ihnen Jdee herrschenden Kulturpflege, die bei der Wohnungsfrage den gemeinund Geist, solange der Gedanke nicht die Vollstreckungsgewalt der famen Abort als höchsten Stolz der Sozialpolitit, und bei der SchulTat hat. Und weil sie sich noch sicher fühlen hinter der brutalen frage die moralische Geschichte von dem Prinzen, der sich nicht Gewalt des Geldes, der Gesinde- Ordnung, der Kirche, des Drei- waschen lassen will, als Triumph der monarchisch untertänigen flassensystems, und letzten Endes der Bajonette, darum erlauben sie Pädagogil erzeugt! sich, die sozialistische Propaganda zur Abwechselung einmal unbeachtlich zu finden. In diesem Hohn über die Wahrheit, die keine Gewalt hat, erweisen sich aber die Todfeinde des Proletariats als ihre eindringlichsten Erzieher: sie weisen mit Fäusten auf die Notwendig keit der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat hin, in der der sozialistische Geist erst Körper gewinnt. " # Wegen Aufforderung der Personen des Beurlaubtenstandes zum ungehorsam hat die Staatsanwaltschaft in Magdeburg gegen den Redakteur der Breslauer Volkswacht" Robert Albert Anklage erhoben. Albert, der bis vor kurzem Redakteur der Magdeburger Boltsstimme" war, hatte in diesem Blatte Militärpersonen des Beurlaubtenstandes auf Anfragen den Nat gegeben, die Anfrage des Bezirkskommandos Aschersleben, ob sie ust hätten, gegen ottentotten zu kämpfen, nicht zu beantworten. Nach§ 112 des Strafgesetzbuches macht sich strafbar, wer eine Person des Soldatenstandes auffordert oder anreizt, dem Befehle des Oberen nicht Gehorsam zu leisten, wer insbesondere eine Person, welche zum Beurlaubtenstande gehört, auffordert oder anreizt, der Einberufung zum Dienst nicht zu folgen. Mit regster Aufmerksamkeit folgen die Freunde im Bublifum das jedes freie Plätzchen einnimmt, den ernsten Verhandlungen der acht vollen Stunden. Draußen, irgendwo im Nebel, erscheinen der Phantasie schattenhaft preußische Minister, Abgeordnete, Herrenhäusler sogar. Seltsam, sie sollen wirklich noch leben! Das Wunder ist möglich, daß eine Stadt, eine Zeit GesellschaftsAber der Spott ist doch nur äußerlich. Jm Grunde verbirgt schichten zugleich in fich birgt, die nichts gemein mit einsich und das ist der zweite Grund dieses Totschweige- Rezepts ander haben, wie durch ein Jahrtausend der Kulturentwicklung das schlechte Gewissen des herrschenden Preußen. Man weiß nur zu geschieden. Wo die einen heilig glühen, ersticken die anderen schier der obigen Mitteilung vollständig wiedergegeben ist, erscheint die Sofern der Tatbestand, welcher der Anklage zu Grunde liegt, in genau, daß der preußische Staat moralisch sein Dasein von der in Hammersteinschem Bettgelächter oder sie hetzt der Verfolgungs- Anklage schon um deswillen hinfällig, weil eine Anfrage des BezirksIntereffelosigkeit der öffentlichen Meinung am Landtage fristet. Die wahn der Todesfurcht. tommandos nicht einen Befehl im Sinne des§ 112 bedeutet. preußischen Zustände vertragen nicht einmal die Kritik eines ernst- Die pfiffigen Berater der bürgerlichen Bresse haben recht. Man haften, bei uns freilich ausgestorbenen Liberalismus, geschweige denn foll den Herrschenden der preußischen Barbarei nichts von dem mäßigkeit und Enthaltsamkeit im Munde, fie flagen über Verwahr Agrarische Schnapsteufelei. Die konservativen Agrarier führen das sozialistische Urteil. Hier in Preußen, wo die wichtigsten Stultur- Breußentag der Sozialdemokratie reden. Selbst att ihrem losung und Unfittlichkeit einer bösen Gegenwart. Aber sie selbst sind fragen, deren Wirkungen jedem unmittelbar in Herz und Hirn fühl- Gelächter über uns vergiften fie fich. Dafür lärme bar werden, entschieden werden, erweist sich wie auf keinem anderen von dem Niedergang der Sozialdemokratie. Das erquidt die seiner wesentlichsten Ursachen, den Schnaps, den Fusel. Ein festman die Rugnießer des Uebels und produzieren mit heiligem Eifer eine Gebiete der schrille Gegensatz der beiden Welten: Das kulturhemmende Aermsten, und uns freut die Untenkunde ganz besonders während zuhaltendes Zugeständnis dieser agrarischen Branntwein- Mission und tulturzerstörende herrschende Preußen und die erlösende einer Aktion, die uns das Bewußtsein aufs neue fräftigt, wie viele, findet sich im letzten Jahresbericht des großen Verwertungs- VerSchöpferarbeit des sozialistischen Kulturpreußen. Die Empfindung reiche und fruchtbare Arbeit wir zu leisten haben, was alles wir bandes Deutscher Spiritus- Fabritanten( Bentrale für Spiritus- Vererschreckt die Kronenwächter der preußischen Reaktion, daß eine verrichten können und werden in Einheit und Hingebung an die wertung). Der Jahresbericht wirft einen Ausblick auf das neue fozialistische Kritik der preußischen Kulturprobleme auch in das trübfte gewaltige Sache. Mögen sie immerhin von ohnmächtigen Worten Schwierigkeiten, aber zugleich auch Erhöhung des Branntweinpreises Geschäftsjahr, das infolge der ungenügenden Kartoffelernte Bewußtsein den Erkenntnisfunken weht, wie der verschriene Umsturz reden, Begeisterung und Erkenntnis ist Tat... in Wahrheit Schöpferarbeit, die Auflösung alles Bestehenden die bringen werde. In diesem Zusammenhang wird nun erklärt: „ Eine in ihren Ießten Wirkungen allerdings wenig erfreuliche Erstehung einer neuen Welt bedeute. Und wenn die Narren den Entlastung dürfte im Südgang des Verbrauches liegen. Sozialismus immer wieder mit der Frage tot zu fizzeln suchen, wie Unser Unternehmen hat sich zwar niemals das Ziel gestedt, denn diefer sozialistische Zukunftsstaat aussehe dann brauchen den Verbrauch von Branntwein zu Trinkzivecken zu fördern. Das tvir nur das Füllhorn unserer Forderungen zu öffnen, die ja VorBrennereigewerbe hat aber auf der anderen Seite feineswegs das schläge positiver Arbeit sind, und auch das rückständigfte DentInteresse, den Absah auf diesem Gebiete herabzudrücken." vermögen sieht ein, daß nur der Sozialismus den Weg zur Zukunft zielsicher zu führen vermag, während alle anderen sich im TeufelsTreise blind und gierig drehen, ohne einen Ausweg zu finden. " Politische Ueberficht. Berlin, den 28. Dezember. Aus feiner Festungszeit. Als der Fähnrich Hüffener am Ostertag 1903 in Essen den 4 Neue Boltsvertreter. Es wird gemeldet: Bu Mitgliedern des Herrenhauses sind berufen worden: 1. der Bürgermeister der Stadt Trier, Albert v. Bruchhausen, durch allerhöchsten Erlaß vom 14. d. M. auf Präsentation der Stadt Trier als Nachfolger des am August d. I. in den Ruhestand getretenen früheren OberRittmeister a. D. Fideikommißbefiger Graf Werner von der Schulenbürgermeisters dieser Stadt, Geh. Regierungsrats de Nys; 2. der burg auf Wolfsburg im Kreise Gardelegen durch allerhöchsten Erlaß vom 19. d. M. auf Präsentation des Verbandes des alten und des befestigten Grundbesizes in dem Landschaftsbezirke Herzogtum Magdeburg als Nachfolger des am 6. August d. J. verstorbenen Landrats a. D. Grafen von der Schulenburg- Angern. Um den§ 11 des Presgesetzes Einjährig Freiwilligen Hartmann niederstach, weil er ihn nicht ge- fchaft, welche bei niedrigem Lohn besseres und gesundes Getränk nicht Das ist die christliche Junkermoral: Die armselige Arbeitergrüßt habe, da glaubte der Jüngling, durch militärische Ehrbegriffe erstehen kann, wird geschmäht, daß sie dem Schnaps frönt und verdreht, eine harte Soldatenpflicht" erfüllt zu haben. Juristisch durch den Schnaps sich gesundheitlich und moralisch schädigt. Aber Schon der erste Tag unseres Preußentages bewies, daß der Tag der Fall sehr schwierig, die Anklagebehörde beantragte sechs diefelben Leute, die an der Spige von mancherlei frömmelnden Justinkt für die Selbsterhaltung der Tierheit unfere Gegner wohl Jahre Zuchthaus, die erste Instanz des Militärgerichts in Kiel er Vereinen Mäßigkeit predigen, haben als Brennereibefizer„ teinestvegs beriet, wenn sie durch läppischen Spott und verlegenes Totschweigen fannte auf vier Jahre Gefängnis und Degradation, die Berufungs- das Interesse", die Verminderung des Schnapsverbrauches herbeiunsere Veranstaltung aus dem Wege zu räumen rieten seit dem instanz konnte zvar den Getöteten nicht wieder zum Leben erwecken, zuführen! Der konservative Pfarrer eifert wider die Schnapspest, Wahltriumph der drei Millionen hat die Sozialdemokratie feinen verurteilte aber den Totschläger zu zwei Jahren Festung bie tonservativen Parteifreunde produzieren die Best und zugleich erhebenderen und glücklicheren Erfolg erzielt, als ihr dieser erste ohne Degradation. ihre Bereicherung aus den Pfennigen der Aermſten. Versuch beschied, über der preußischen Barbarei in schaffender Kritik In Deffau wurden Soldaten, weil sie die Notwehr gegenüber das Jdealbild eines sozialistischen Kulturpreußens zu errichten. Der einem betruntenen Unteroffizier überschritten haben sollen, zu fünf Sängerchor, der zur Eröffnung der Verhandlungen:" Empor zum Jahren Zuchthaus verurteilt, und feine Woche vergeht, ohne daß Licht!" machtvoll vortrug, gab in Wahrheit die Losung zu unserer ähnliche furchtbare Urteile von Kriegsgerichten auf Grund des Arbeit. Sonne und Freiheit für die Leiber, Sonne und Freiheit für Militär- Strafgefegbuchs gefällt werden. So ist das„ Necht" für die die Köpfe das war die Seele und die Sehnsucht dieser acht- Jugend des Voltes, die ihre Kraft dem Vaterland giebt: Hier wegen stündigen Verhandlungen, deren fachlicher Ernst und wissenschaftliche geringer Verfehlung, bei der niemand Schaden nahm, fünf Jahre Gründlichkeit belebt waren durch die Kraft der großen einheitlichen ins Buchthaus, Menschenleben graufig gemartert und zerstört; bort Ueberzeugung. der frivole Fähnrich, der einen Menschen getötet, auf zwei Jahre in Empor zum Licht- ihr in Höhlen hausenden Leiber, so flang es die Ehrenhaft" der Feftung! I am Vormittag aus dem Referat über die Wohnungsfrage, das Genosse Und wie behaglich und vergnüglich ist diese„ Ehrenhaft". Schon Heimann in einer das unerschöpfliche Material kritisch ordnenden früher wurde davon gemeldet, wie angenehm der Hüffener seine und durchdringenden Darstellung erstattete. Tatsache reihte sich an Tage auf Ehrenbreitstein zubringen darf, und wie er reichlichen fand am 22. Dezember vor der Straffammer in Bosen ein interTatsache. So ist es, teine Schönfärberei, feine schwächliche Halbheit Urlaubs in anderen schönen Städten des schönen Rheinlandes ge- effanter Prozeß statt. Der Redakteur des„ Dziennit Poznansti", schafft diese unerbittlichen Wirklichkeiten von den Türen der kapita- nießt. Jetzt werden recht interessante Einzelheiten bekannt von der Stachowski, hatte eine von der Direktion der Provinzial- Feuer listischen Gesellschaft; teine Kanalisation durch die Afterwissenschaft Art, wie die sonst so harte staatliche Gerechtigkeit den Festungs- Sozietät eingesandte Berichtigung zwar gebracht, aber nicht, wie von der Förderung der Grundrente schwemmt diese Wahrheit mehr häftling straft". verlangt, in deutscher, sondern in polnischer Sprache. Die genannte unter Tag! So tann es sein, so muß es sein, nur die Bernunft, Es wird in einigen unserer Parteiblätter ein Bild gedruckt, zu Direktion hatte daraufhin die gerichtliche Bestrafung des Redakteurs getröstet und gestärkt an der Reinheit ihres flügelweiten Denkens, dem die Aufnahme im Zimmer eines Gefangenen auf der Festung gefordert. Das Schöffengericht in Posen sprach jedoch den Angelobt ihrer Einsicht die Tat... Ehrenbreitstein und zwar bei Bliglicht um 12%, Uhr nachts geflagten frei. Gegen das freisprechende Urteil legte der StaatsEmpor zum Licht ihr in dumpfer Knechtschaft gebannten gemacht wurde. Das Bild zeigt drei Gefangene, die sich bei ge des Vorderrichters eine irrige sei, daß der Angeklagte bei Aufantoalt Berufung ein, indem er geltend machte, daß die Auffassung Hirne so tlagte es an, so weďte es auf, als am Nachmittag füllten Gläsern hinter einer Batterie geleerter Flaschen wohl seinnahme der Berichtigung der Bestimmung des§ 11 des Preßgesebes Genosse Arons seinen umfassenden Vortrag über die Schulfrage hielt. lassen. Am wohlsten von den dreien ist aber dem Jüngling auf der genügt habe. Wenn der betreffende Paragraph auch nur bestimme, Wieder reden Tatsachen und abermals Tatsachen, aber die dürren rechten Seite des Bildes, der zudem besonderen Anspruch auf unser baß die Berichtigung in derselben Schrift ohne Zufäße oder WegZahlen werden lebendig und formen sich zu einem düsteren Heer, Interesse machen darf, als es sich eben um die militärhistorische laffungen aufzunehmen sei, so habe doch eine Behörde, deren Amtsdas Wüstenei und Schreden verbreitet, wo Frucht und Freude üppig Persönlichkeit des Fähnrichs Hüssener handelt. sprache die deutsche ist, das Recht zu verlangen, daß die eingesandten gedeihen könnte. Ein Wort Fichtes, des Philosophen, des Enthusiasten Berichtigungen in deutscher Sprache erfolgten, um nachprüfen zu für die Kulturmöglichkeiten der Boltsgemeinschaft, schwebt licht über tönnen, ob die Aufnahme der Berichtigung den gefeßlichen Be der Schilderung des heutigen Schul- Elends und begleitet es zu der ftimmungen entspreche oder nicht. Das Gericht schloß sich auch befreiten Schule der sozialistischen Zukunft. Es gibt keine Widerdieser Auffassung an und verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von 10 M. ebent. 1 Tag Haft. legung dieses zwingenden Materials, deffen ruhige Darlegung der Redner bisweilen durch einen temperamentvollen Ausbruch der Empörung, durch ein aufzudendes Bliglicht eines satirischen Epigramms unterbricht und steigert. Südwestafrika. So bereitet die Festungsstrafe, durch die das Militärgericht den Totschlag zu fühnen glaubte, dem jungen Helden gar angenehme Stunden im Kreise froßer Zecher. Aber auch sonst darf er sich wohl befinden. Nach den für die preußischen Festungen maßgebenden BeStimmungen hat auch in Ehrenbreitstein jeder Gefangene mit ehrenvoller Haft" die Erlaubnis, sich täglich bis zu fünf Stunden innerhalb und außerhalb der Festungswerke zu bewegen, und zwar Berlin, 28. Dezember.( Amtliche Meldung.) Ein Telegramm aus ohne Aufsicht, er fann während dieser Zeit Besuche em Bindhut meldet: An Typhus sind gestorben: Reiter Hermann Und auf der Höhe des Referats bleibt die Diskussion, die fich pfangen und allerdings mur mit Genehmigung des Komman- Dimfe, geboren 7. 9. 81 zu Godziszewo, am 20. 12. im Lazarett daran knüpft. Man fühlt, wie innerlich das Interesse an dieser Frage banten auch in der Stadt Besuche machen. In Ehren- Epifuro; Reiter Ernst Schulze, geboren 17. 2. 88 zu Damm, ist, wie leidenschaftlich der Tatendrang ist. Von allen Seiten gibt man breitstein haben die Gefangenen oft die Festung berlaffen und in am 24. 12. im Lazarett Otjofondu. bemerkenswerte Anregungen, um die vorgelegte Resolution zu er- Koblenz wie in den Dörfern der Umgegend sich nach Herzensluft Grönniger, geb. 21. 9. 83 zu Büdesheim. Am 15. 12. im Gefecht bei Koes gefallen: Reiter Philipp gänzen. Hatte Arons die Befreiung der Schule von der Kirche als amifiert. Jeder Gefangene hat sein gut eingerichtetes Sm Gefecht bei Hubup am 21. 12. Icicht ber aktuellste Entscheidung in den Vordergrund gerückt, so wünschen 3 immer, das nicht berfchloffen und nur in längeren wundet: Leutnant Freiherr v. Malyahn, geboren am 27. 1. 80 andere, daß die Einheitsschule, mit ihrer Konsequenz der gemein- Zwischenräumen untersucht wird. Jeder Zwang bezüglich der Be- zu stöslin, Prellschuß rechten Oberschenfel; Sergeant Julius famen Erziehung, zum Ausgang der Propaganda gemacht werde. schäftigung ist untersagt. leg, geboren am 11. 11. 77 zu Umstadt, Fleischschuß im linke Oberschenkel; Sergeant Karl Scholz, geboren am Zt. 6. 74 zu Erfurt, Prellschuß linken Fuß: Unteroffizier Wendelin Frank, geboren am 5. 78 zu Bern(Schweiz), Streifschuß Nase, rechten Oberarm. Berlin, 28. Dezember.(Amtliche Meldung.) Nach einem Telegramm aus Windhuk ist an Typhus gestorben: Reiter Ernst Esser, geb. 25. 12. 81 zu Neckargemiind, am 25. Dezember im Lazarett Windhuk.— Im Gefecht bei Koes am 15. 12. l)4 gefallen: Gesteiter Alois Kemmler, geb. 2. 5. 8V zu Pfersee. — Im Gefecht am H u d u p am 21. Dezember 1904 gefallen: Reiter Ferdinand G u st u s, geb. 4. 2. 83 zu Wegeleben.— Verwundet: Reiter Ferdinand M e h r m a n n, geb. 22. 12. 82 zu Heldra, Fleichschuß rechte Schulter.— Reiter Johann Leitner, geb. 18. 1. 82 zu Schwimbach, seit dem 17. Dezember in Okosondu vermißt. Berlin, 28. Dezember.(Amtliche Meldung.) Nach Meldung Generals v. Trotha vom 27. Dezember wurden durch Patrouillen am 11. Dezember südwestlich Otjihangwe und am 22. Dezember in den Bergen östlich Brakwater Hererobanden überfallen. Mehrere Hereros fielen, zwei Gewehre wurden erbeutet. Am 22. Dezember griff Oberleutnant Streitwolf mit Leutnant v. Usedom und 12 Mann eine Hererowerft bei O k a t j i p i k o an; der Feind eröffnete das Feuer und die Werft wurde erstürmt, wobei 16 Hereros fielen.— HusUifck Oesterreich-Ungar». Ein Beurlanbungsgcsuch KocrderS. Wien, 28. Dezember. Zu den Gerüchten von einer Krise im Ministerium Koerber bemerkt das„Fremdenblatt": Die sich wider- sprechenden Nachrichten lassen vermuten, daß bisher keine entscheidende Tatsache zu verzeichnen ist. Mit Sicherheit steht bloß die Tatsache fest, daß die Gesundheit des Ministerpräsidenten unter der auf- reibenden, nahezu erdrückenden Arbeitslast der letzten Jahre ge- litten hat.— Die heutige Audienz des Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber beim Kaiser dauerte über eine Stunde. Man vermutet, daß es sich bei Koerbers Gesuch nur um eine zeit- weilige Beurlaubung, nicht um eine definitive Demission handelt. Koerber beabfichtige wohl nur, seine Position durch dies Gesuch zu stärken.— Im ungarischen Abgeordnetenhause forderte Ministerpräsident Graf Tisza das Haus am Mittwoch noch- mals auf, ein kurzes Budgetprovisorinm zu bewilligen, ausschließlich zu dem Zwecke, damit die Neuwahlen nicht im ex lex-Zustande statt- finden. Die Führer der Opposition erklärten, das Provisorium nicht bewilligen zu wollen, worauf die nächste Sitzung auf den 3. Januar einberufen wurde. In derselben wird bekannt gegeben werden, wann der Reichstag mit einer königlichen Thronrede ge- schlössen wird. Frankreich. Zur Syveton-Affäre. Wie verlautet, befinden sich in der Wohnung Syvetons unter den Nachlatzpapieren einige Briefe, darunter einer voni Vor- sitzenden der Patrie franeaise, Doussct, worin dieser Shveton kategorisch um eine Rechnungsablegun» ersucht.— In der Wohnung Syvetons wurde außer C y a n k a l i auch Opium gefunden. Auf Bestagen erklärte der Schwiegersohn Syvetons, Menard, es sei seiner Frau von einem Arzte verordnet worden. In die Enge getrieben, erklärte er, er habe es sich ver- schafft, weil er Selbstmord zu begehen beabsichtigte, als er über die Verhältnisse in seiner Familie Kenntnis bekam. Auch soll noch in Syvetons Wohnung ein ununterschricbenes Testament gefunden worden sein, in dem der Verfasser erklärt, daß er Selbstmord begehen würde. Außerdem ist noch ein echtes Testament vorhanden, in dem Syveton seine Frau als Universalerbin einsetzt. Rustland. Ein gemeinsamer Aufruf gegen den Zarismus wird gegenwärtig in Rußland verbreitet. Der Aufruf ist in russischer, polnischer, lettischer und gruzischer Sprache erschienen und von den Zentral-Komitees der Polnischen Sozialistischen Partei, der Partei der(russischen) Sozialisten- Revolutionäre, des lettischen Sozialdemo- krati scheu Verbandes und der gruzischen Partei der Soziali st en- Revolutionäre- Föderalisten unterzeichnet. In dem Austuf wird zunächst die Bedeutung des Augenblicks dargelegt.„Es naht der Tag, an dem die zarischc Re- gierung unter der Last ihrer eigenen Verbrechen fallen wird, nieder- getreten, entkräftet, geschändet, von allen verlassen— sie fällt und wird in dem Gedächtnis der Völker nur blutige Spuren hinterlassen." Tann wird dargelegt, welche Bedeutung der Fall des Absolutismus für den Kampf des Proletariats, für die EntWickelung der Völker haben würde. Dann heißt es: „Genossen! Auf dem Wege zum Kampfe mit dem Zarat werden wir Verbündete finden, die aus anderen sozialen Schichten stammen, die zu anderen, nichtsozialiftischen, Parteien gehören. Es werden augenblickliche Verbündete sein, mit denen wir nicht immer zusammen werden gehen können auf demselben Wege und in einer Kampfreihe. Einzelne spezielle Ziele können Euch zeitweise mit ihnen vereinen; a b e r es i st ein ganzer Abgrund, der Euch von denen trennt, sowohl in bezug auf den Euch belebende i: Geist, als auch mit Rücksicht auf Euere Endziele und Eueren Klassen st andpunk t." Das Zarat sei— wird weiter ausgeführt— aber so mächtig, so unmenschlich, daß man in dem bevorstehenden Generalsturm keine Kraft, die gegen den Zarismus ver- wendet werden könne, außer Acht lassen dürfe. „Dann aber, Genoffen, müßt Ihr vor allem dafür sorgen, daß Euere gelegentlichen Verbündeten im Kampfe gegen das Zarat die Früchte des Sieges nicht zum Schaden der Arbeiterklasse ein- heimsen; daß in dem Augenblicke des Falles und der Liquidation des ganzen absolutistischen Systems das große Heer der Arbeit in einheitlicher, geeinigtcr und mächtiger Reihe auftritt, mit vollem Bewußtsein seiner Forderungen und seines sozialistischen Endziels, um nach der politischen Umwälzung möglichst große Vorteile für die Arbeiterklasse, die irgend in der gegebenen Lage erreicht werden können, herauszuschlagen." Es folgt ein Absatz, in dem das strikte Selbstbestimmungsrecht einer jeden Nation proklamiert wird. Die Bourgeoisie werde, wenn sie das Heft in der Hand habe, versuchen, die Arbeiter Rußlands durch Hineintrag ungvonnationalenZwi st igkeiten gegeneinander zu hetzen, um die Aufmerksamkeit der Arbeiter von ihren Klasseninteressen und ihrem sozialistischen Ziele abzulenken.„Aber Genossen— lesen wir im Aufruf—, uns Arbeitern sind die Privilegien der einen Nationalität gegen die andere absolut unnötig; wir brauchen nicht die Vergewaltigung der Freiheit irgend einer Nationalität; möge jede Nation, ohne alle Hindernisse, über ihr Los selbst entscheiden— sei es unter einer gemeinsamen staatlichen Decke und unter denselben Gesetzen mit dem russischen Volke, sei es autonom entsprechend den Grundsätzen des Förderativ-Verbandes, sei es endlich in voller Gesonderthcit nnd Unabhängigkeit, wie es zum Beispiel jetzt die Polen verlangen." Zum Schluß des Aufrufes heißt es: „Und deshalb, Genossen, werden wir, die sozialistischen Arbeiter- Parteien verschiedener Völker, die durch die russische absolutistische Regierung mit gemeinsamen Ketten zusammengeschmiedet sind, nunmehr all unser Streben vereinigen... Stark durch unsere Einigkeit, stark durch den Glauben an den endgültigen Sieg unserer Sache, stark durch die Bereitschaft zu allen Opfern, durch die Bereit- schast zum nahen Entscheidungskampf mit dem Feind— wollen Wir kühn vorwärts gehen! Tod dem schändlichen absolutistischen Regiment! Herunter mit den Ketten der unterjochten Völker! Hoch der internationale Sozialismus! Dezember 1994." Es folgen die Unterschriften der genannten Organisationen. Folgendes niedliche Geschichtchen, das sich vor kurzem im heiligen Moskau zugetragen haben soll, wird uns von nahestehender Seit« zur Jllustrierung unseres vorgestrigen Leitartikels mitgeteilt: Einer der reichsten Großindustriellen in Rußland ist der viel- fache Millionär Morosow in Moskau, der in seinen dortigen Fabriken allein über 35 990 Arbeiter beschäftigt. Eines Tages sieht sich Herr Morosow veranlaßt, für die kämpfenden Soldaten im fernen Osten etwas zu tun und spendet 25 999 Pelze für dieselben. Herr Morosow ist jedoch Russe, und als solcher weiß er wohl, daß nicht alle Gaben für die Krieger bis nach Ostasien gelangen, sondern schon diesseits des Urals unter die Leute kommen. Um also ganz sicher zu gehen, vertraut er seine Spende der besonderen Obhut eines Mitgliedes des kaiserlichen Hauses an und freut sich schon in Gedanken über die beglückten Gesichter der kämpfenden Landslcute, wenn sie die schönen Pelze, die ja ein ganz stattliches Sümmchen repräsentieren, be- kommen würden. Es dauert aber gar nicht lange, so wird Herrn Morosow mitgeteilt, daß ähnliche Pelze, wie die von ihm gespendeten, in erstaunlich großer Zahl auf dem Trödelmärkte in Moskau feil- geboten werden, und bald laufen auch aus anderen großen Städten des heiligen Rußlands ähnliche Mitteilungen ein. Herr Morosow ist zuerst ungläubig— befanden sich doch die Pelze in der besonderen Obhut des Großfürsten— doch geht er der Sache auf den Grund und entdeckt die erstaunliche Tatsache, daß wirklich es die in seinem Auftrage angefertigten Pelze sind, die ihren Weg in die Trödlcrlädcn gesunden haben. Diese Geschichte ist selbst ihm zu russisch; er geht zum Großfürsten und teilt ihm entrüstet die Tatsache mit, fest überzeugt, bei diesem die gleichen Empfindungen wachzurufen. Aber zu seinem großen Erstaunen wird er jedoch sehr unlicbenslvürdig verabschiedet. Schade um die schönen Pelze, denkt Herr Morosow — doch die Sache komnit noch besser!— Herr Trepoff, der Polizei- gewaltige von Moskau, läßt eine Stunde später den Großindustriellen zu sich kommen und erklärt ihn nach kurzer Unterredung für ver- haftet.„Sofort zu Ihren Diensten," erwidert Herr Morosow, „doch bitte ich um die Erlaubnis, noch meinem Geschäftsführer für die Zeit meiner Abwesenheit einige Direktiven telcphonieren zu dürfen." Dagegen hat natürlich auch ein russischer Polizeigewaltiger nichts. Herr Morosow aber tritt ans Telephon und ruft seinem Geschäftsführer zu:„Ich befehle, alle meine Fabriken sofort zu schließen und sämtliche Arbeiter für entlassen zu erklären. Sollten dieselben nähere Auskunft über den Grund der plötzlichen Entlassung wissen wollen, so wird sie ihnen Herr Trepoff gern mitteilen."— Sprach's, und wandte sich zum Herrn Polizcimeister mit den Worten:„Ich stehe nun zu Ihrer Verfügung." „Nicht doch, nicht doch," wehrt in ganz verändertem Ton der Polizeigcwaltige ab.„Meine Bemerkung war nicht so ernst gemeint. Aber Sie begreifen doch, wenn Se. kais. Hoheit..." „Ich begreife," erwiderte Herr Morosow,„ein russischer Scherz, nichts weiter." Sprach's und entfernte sich. Eine neue Illustration der Furcht, die bei der Polizei vor dem Riesen Proletariat herrscht. Der Kampf»m die finnläiidische Berfassiing. An die Mitglieder des finnischen Landtages ist am Freitag ein ans Grund der be- kannten Petition vom Bcschwerdcausschuß ausgearbeiteter Vorschlag verteilt worden, den Zaren zu ersuchen, Mahregeln zur Wiedereinführung der verfassungsmäßigen Ver- >v a l t u n g und der gesetzlichen Ordnung zu treffen. Vier Mitglieder des Ausschusses haben sich jedoch reserviert und wünschen, daß der Zar um Vorschläge zu einer neuen Regier» ugsfor in für Finnland, aufgebaut auf den bisher geltenden und erprobten Grundsätzen, ersucht werde.— Aus Moskau wird bau„Raprzod" berichtet: Am 14. Dezember fand eine von 799 Studenten besuchte Versammlung statt, welche mit der Annahme einer Resolution endete, in welcher die Tat von Sazonow und Sikorski begrüßt wird und die revolutionären Par- teien aufgefordert werden, zur Veranstaltung einer Demonstration beizutragen. Die Partei der Soziali st en-Revolutionäre setzte die Demonstration für den 18. und 19. Dezember fest. Gleich- zeitig mit einem Aufruf wurde der nachstehende Zettel verbreitet: Das Moskauer Komitee der Partei der Sozialisten- Revolutionäre macht darauf aufmerksam, daß in den, Falle— wenn anläßlich der für den 18. und 19. Dezember angesetzten politischen Demonstration die Behörden und die Polizei sich so tierisch verhalten sollten, wie in diesen Tagen in Petersburg— die ganze Verantwortung für diese Barbarei auf die Köpfe des General- Gouverneurs Sergius; und des Polizeimeisters Trepoff fällt. Das Komitee wird nicht zurückschrecken, gegen sie das Todesurteil auszu- führen. Dezember 1994. Das Moskauer Komitee der Partei der Soziali st en-Revolutionäre. Die Widerstandsbewegung gegen die zweite Mobilisation hat in Rusfifch-Polen kräftig eingesetzt. In einem Aufruf des Zentral- Komitees der P o l n i s ch e n S o z i a l i st i s ch c n P a r t e i, der in 39 999 Exemplaren verbreitet worden ist, werden die Reservisten aufgefordert, der Mobilisierungsorder keine Folge zu leisten und direkten Widerstand zu leisten. Die großen Städte Warschau und Lodz sind von der jetzt bekannt gemachten Mobilisation nicht betroffen worden. In dem Aufruf des Radomer Komitees der Poln. Soz. Part,„an die Frauen der Reservisten" heißt es: ..... An Euch ist es, Eueren Männern nicht zu gestatten, zum Mobilisationspunkt zu gehen. Denkt, daß mit dem Augenblick der Einberufung Euerer Männer zum Krieg Euch Hunger und Ent- behrungen zuteil werden. Glaubt nicht den lügnerischen Ver- sprechungen der Regierung, sie wird Euch nichts geben..." Zlfrikn. Englands Vorgehen in Südafrika. Der Gouverneur von Britisch-Zentral-Afrika annektierte, wie „Daily Mail" meldet, Nord-Angoliland(südlich vom Nyassa-See) für England. Das annektierte Gebiet ist 4999 englische Quadrat- meilen groß und hat eine Bevölkerung von 299 999 Seelen. Amerika. Zum Kongreß der amerikanischen Arbciterfederation. Zu den von uns bereits veröffentlichten Verhandlungen des Kongresses der American Federation of Labor in San Francisco berichtet noch unser New Dorler Korrespondent: Die Einnahmen an Kopfsteuern betrugen im verflossenen Be- richtSjahr«(vom 1. Oktober 1903 bis 30. September 1994) 136 941 Dollar und aus anderen Quellen flössen 84 054,23 Dollar; die Ausgaben für Gehälter, Lvbbykomitees und Organisatoren, und für Sitzungen bezifferten sich auf zirka 120 000 Dollar. Schlecht honorieren lassen sich nämlich die Beamten der Federation nicht. «fii» erhält der Präsident Gompers ein Jahresgehalt von 3909 Dollar (wozu im letzten Jahre 1467 Dollar Spesen kommen), der Sekretär �509 Dollar, einzelne Organisatoren ebenfalls an die 3900 Dollar. Auf der anderen Seite sind dieselben Herren sehr knauserig. Die Gesamthülfc, die sie beispielsweise den 149 900 Kohlcngräbern in Pennsylvanien während ihres mehrere Monate währenden Streiks zuteil werden ließen, bezifferte sich einschließlich einer ausgeschriebenen Extrasteucr ans etwas über lumpige 3900 Dollar. Und im Berichtsjahre_1S93/19V4 wurden von der Federation of Labor aus dem„großen" Streikfonds ganze 15 972 Doll. an Streik- Unterstützung ausgezahlt. Seit Jahren müssen oder sollen die einzelnen Gewerkschaften, die der Federation of Labor angehören, einen Beitrag zu dem Streikfonds liefern. Im letzten Jahre brachten die 1 679 909 Mitglieder die geringfügige Summe von 33 722,55 Dollar zusammen. Der Fonds ist jetzt auf 81 146,95 Dollar angewachsen. An Beschlüssen, welche hier der Arbeiterbewegung vorteilhaft sind, hat die Jahresversammlung in San Francisco nichts gezeitigt. Im Gegenteil. Der Kongreß hat aufs neue bewiesen, daß die Arbeiterschaft keinen schlimmeren Feind hat. als die Federation of Labor unter ihrer jetzigen Leitung. Die Frage der Bildung von Jndnstrieverbänden wurde von den „Steifleinenen des Ritter Fkllstaff", wie ein Parteiblatt die GomperS und Konsorten nennt, ebenso umgangen, wie schon seit Jahren Direkt abgelehnt wurde ein Antrag der sozialistischen Delegaten, das amerikanische Milizsystem, das ein Freiwilligensystem ist, nach schweizerischem Muster umzugestalten. Abgelehnt wurde ferner ein Antrag der Sozialisten, ein nationales Altersversicherungsgesetz zu verlangen, das jedem Arbeiter über 60 Jahre, sosern er nicht über 1090 Dollar pro Jahr verdsent, eine Pension von 12 Dollar im Monat garantiert. Alle Vernunftgründe prallten wirkungslos an den dicken Schädeln der Gompers ab. Die Antragsteller waren Sozialisten, und das genügte, um ihre Anträge zu bekämpfen und zu Fall zu bringen. Nur der Vollständigkeit halber sei angeführt, daß Gompers und der ganze bisherige Klüngel wiedergewählt wurde. Die nächste Tagung der Federation of Labor findet in Pittsburg in Penn- sylvanien statt.—_ Vom oftasiatischen Kriegsschmrplatze. Japanische Offensive am Schaho? Schanghai, 27. Dezember.<„Laffan"-Meldung.) Die Japaner vertrieben die Russen aus den Stellungen zwischen S a i m u t s e und Kaoli hing auf dem linken Ufer des Taitse- f l u s s e s. Die Japaner bereiten eine Bewegung in der Richtung ans Mulden vor, die jedoch als Finte betrachtet wird, während als das wirkliche Ziel der Japaner Hingking gilt. („Morning-Post".) London, 28. Dezember.„Daily Telegraph" wird über Tsingtau von gestern gemeldet, die linke Flanke der russischen Armee sei vorgeschoben. Ihre Front sei 65 Kilometer lang. Es werde offiziell ausgesprochen, daß die rnssiiche Armee Anfang Februar 699 999 Mann stark sein werde. Mit Hülse der Armee von Wladiwostok solle dauu der Versuch gemacht werden, die Japaner zu umfassen. Die in Mulden eintreffenden Verstärkungen kommen meist aus den nordwestlichen Grenzbezirken. Die Garde werde im Januar erwartet. Ein neues Kampfesmittel der Japaner? Petersburg, 27. Dezember.(„Laffan"-Meldung.) Dem russischen Hauptquartier am Schaho sind Nochrichten zugegangen,� daß die Japaner gegen 1999 vierrädrige Wagen, d'ie gut gepanzert und mit Schießscharten für Geschütze und Gewehre versehen sind, ins Feld gebracht haben. Vorläufig ist man noch aus Vermutungen darüber angewiesen, in welcher Weise die Japaner diese Panzerwagen verwenden wollen. Port Arthur. Tokio, 26. Dezember.(,Laffan"-Meldung.) D i e I a p a n e r eroberten drei Punkte westlich und südöstlich von L i a o t e s ch a n, die bisher als Stützpunkte für die Versorgung Port Arthurs mit Vorräten dienten, so daß die Zufuhr nach Port Arthur jetzt abgeschnitten ist. Tokio, 23. Dezember.(Meldung des„Reuterschen Bureaus'.) Meldungen aus glaubhafter Quelle bestätigen die Nachricht von dem Tode des Generals K o n d r a t e n k o; außerdem wird gemeldet, daß General Stössel infolge eines Sturzes vom Pferde eine Verletzung erlitten habe und daß General S m i l n o iv verwundet s ei. Tschisu, 26. Dezember.(„Laffan"-Telegramm.) General N o g i, der Oberbefehlshaber der japanischen Armee vor Port Arthur, soll durch Gewehrkugeln schwer verwundet in Dalny i m H v s p i t a l l i e g e n. Er soll die Wunden bei den Operationen erhalten haben, die der Wegnahme des 203 Meter-Hügels vorangingen.(«Daily Telegraph.") Bon der baltifchen Flotte. London, 27. Dezember.(„Bureau Laffan.") Die russische Admiralität soll, wie einer„Standard"- Meldung zufolge in Mariuekreisen in Odessa verlautet, aus Madagaskar beunruhigende Nachrichten über das russische O st s e e g e s ch w a d e r erhalten haben. Es heißt, bei ge- wissen Schiffen des Geschwaders hätten sich ernste Mängel heraus- gestellt. Die Werften, welche die Schiffe ausrüsteten, hatten von vornherein abgelehnt, für die Dicnsniichtigkeit der Schiffe Bürgschaft zu leisten, da sie mit größter Beschleunigung scebereit gemacht werden mußten. Möglicherweise handelt es sich um eine russische Kriegslist. Partei-s�acftnckten. Die Beschimpfungen, welche Franz Mehring in der„Leip- ziger Volkszeitung" gegen die Redaktion des„Vorwärts" ge- richtet hat, beschästigen noch vielfach die gegnerische Presse, welch» aus unserem Verhalten den Schluß zieht, als gedächten wir aus die Abwehr dieser Beschimpfungen zu verzichten. Beispielsweise sagt die„Berliner Volkszeitung" nach der Zitierung unserer Erklärung in Nr. 303 und der Erklärung Bebels in derselben Nummer: „Der objektive Befund ergibt, daß, je deutlicher die„Leipziger Bolkszeitnng" wird, um so stiller eS um Bebel wird." Die„Freie Dcuffche Presse" sagt: „Herr Bebel duckt sich vor Mehring... Dem Beispiel Bebe folgt auch die Redaktion des„Vorwärts"... Mehring also, d> früher der cutschiedenste Gegner der Sozialdemokratie lvar, git heute in der Partei den Ton an und selbst Bebel und der„Bva wärts" beugen sich vor ihm." Auch die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" meint: „Der„Vorwärts" wagt es nicht, auf die ungemein scharst Angriffe Franz Mehrings inhaltlich zu erwidern... Diese alle dings sehr bequeme Schweigetaktik würde man wohl in studenti- scher Sprache als„kneifen" bezeichnen... Wie gute Gründe müssen Bebel und der„Vorwärts" haben, wenn sie auf das Wort verzichten." Alle diese gegnerischen Mutmaßungen sind hinfällig. Wir haben ausdrücklich erklärt, daß wir eine Auseinandersetzung gegenüber den ehrenrührigen Beschimpfungen durch Mehring an dieser Stelle ckblehnen, Ivofür wir allerdings sehr gute Gründe haben. Die Angelegenheit selbst ist für uns natürlich damit nicht erledigt, sie beschäftigt zunächst den Parteivorstand und die Berliner Preßkommission. „Die Neue Welt" wird, wie uns der Verlag mitteilt, im neuen Jahrgang reicher illustriert erscheinen als bisher. Die Wissenschaft- lichcn Artikel werden vielfach Abbildungen bringen, die den Tert lebhafter, anregender und verständlicher machen. Eine in zwangloser Folge sich wiederholende Rubrik wird den, llnterhaltungsbedürsnis der Jugend schließlich noch besonders Rechnung tragen. Zu dem Bericht über die KiinigSborger Partciversnmmlung ersucht uns unser Berichterstatter um die Erklärung, daß er sich bei seiner Darstellung im guten Glauben befunden habe. Wir tun das sehr gern mit dem Bemerken, daß wir natürlich nicht den geringsten Grund zu der gegenteiligen Annahme haben. Die Aus» regnng der Versammlung, die auch aus der Mitteilung Borck'ardts ersichtlich ist. erklärt hinreichend die Differenz. Wir betrachten die Angelegenheit damit als erledigt. Eine Bewegung gegen die Freimaurer, die zugleich Parteigenossen sind, bereitet sich in. Italien vor. Die Genossen d-s Organisationsbczirks Toskana hatten bereits aus Aus Induftrie und Handel. Neue russische Anleihe. Daß die Verhandlungen gescheitert find, liegt einzig und allein an dem Verhalten der Vertreter der Verbände, die eine Unterwerfung verlangten. Die Konferenz erklärt sich mit der Haltung ihrer Vertreter einverstanden und empfiehlt den Ortsbereinen: Sollte man von irgend einer Seite an sie herantreten, um Einigungsbestrebungen in die Wege zu leiten, sie dieselben ohne Einverständnis der Geschäftsleitung rundweg abzulehnen haben." Um die Theem legten Rongreß zu Florena befchloffen, diejenigen Mitglieder, Bom internationalen Arbeitsmarkt. In Frankreich und England die zu gleicher Zeit Freimaurer sind, aus den Listen zu streichen. hat sich während des Novembers der Arbeitsmarkt wesentlich verDaraufhin tritt nunmehr der Vorstand der italienischen Gesamt- schlechtert. Vor allem hat in England die Arbeitslosigkeit einen partei der Prüfung dieser wichtigen Prinzipien- Frage näher. Es umfang erreicht, der zu außerordentlichen Maßnahmen Veranlassung wird höchstwahrscheinlich eine Urabstimmung über ganz Jtalien ver- gibt. Die Zahl der Armen in 35 städtischen Distrikten belief sich im anstaltet werden in dem Sinne: Darf ein Sozialdemo= November auf 390 822; auf 10 000 Personen der Bevölkerung famen frat eingeschriebenes Mitglied des Freimaurer= 228 Arbeitslose. Im Vormonat betrug die entsprechende Ziffer 219 ordens fein?" Die endgültige Lösung dieser schon lange und im November 1903 212. Jn London allein schätzt man die ventilierten Frage wird von den italienischen Parteigenossen und Zahl der Arbeitslosen auf mindestens 200 000. Die Arbeitslosigkeit Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. von deren Gegnern mit außerordentlicher Spannung erwartet. unter den gelernten Arbeitern betrug nach den Angaben der Hierauf referierte Gehl über Agitation und Organisation. Trades- Unions im November 7 Prozent gegen 6 Prozent im Er betonte die Notwendigkeit einer planmäßigen Agitation, die das November des Vorjahres. Die starke Arbeitslosigkeit ist die Folge Ziel haben müsse: Zusammenschluß der Arbeiter zum Widerstande der weiteren Verschlechterung des gewerblichen Beschäftigungs- gegen ihren schärfsten Gegner, das Unternehmertum. grades. Im Bergbau war die Förderung weniger lebhaft als im Agitation planmäßig und erfolgreich zu betreiben, müsse eine November vorigen Jahres. Die Bergleute waren durchschnittlich Person damit betraut werden, die sich ganz dieser Arbeit widmen In den Eisen- und Stahlwerken hat die Zahl der Beschäftigten dahin zu wirken, daß jede einzelne Organisation ihre volle nur 5,14 Tage pro Woche beschäftigt gegen 5,24, im Vorjahr. fönne. Hinsichtlich der Organisation bemerkte der Redner, es sei abgenommen. In 194 Werfen betrug sie im November 73 505 gegen Selbständigkeit habe. 74 637 im Parallelmonat des Vorjahres. Im Maschinengewerbe stieg Zu diesem Punkt lagen mehrere Anträge vor, welche sich auf die die Zahl der Unbeschäftigten bis auf 7,8 Proz. gegen 6,0 im Vor- Anstellung eines befoldeten Geschäftsleiters beziehen, der unter jahre. Nur im Schiffbau trat in einer Reihe von Bezirken eine kleine anderem auch die Agitation zu betreiben hat. Die Diskussion Abnahme der Beschäftigungslosigkeit ein. Der Jahreszeit entsprechend drehte sich hauptsächlich um diese Anträge. hat auch die Bautätigkeit nachgelassen, aber die Abnahme ist so start, Angenommen wurde eine schon von der vorigen Konferenz daß gegenüber dem Stande vom Vorjahr die Zahl der Unbeschäftigten beschlossene Resolution, welche in der Hauptsache besagt: Alle Die Bewegung der bilden, welche die Agitation innerhalb und außerhalb ihres Ortes Ueber 156 000 Arbeiter zu betreiben und dem Vertrauensmann vierteljährlich Bericht zu erstatten haben. Als nach dem Abschluß des deutsch- russischen Handelsvertrages das Gerücht auftauchte, die deutsche Regierung hätte der russischen zugesichert, bei der deutschen Großfinanz ihren Einfluß zugunsten der Aufnahme einer russischen Kriegsanleihe geltend zu machen, wurde diese Meldung alsbald von dienstwilligen Blättern dementiert; und dann folgten allerlei Artikel, in denen mit sogenannten wissenschaftlichen Gründen nachzuweisen versucht wurde, daß die russische Staatstasse im Golde schwimmt und des russischen Zaren Finanzminister gar nicht daran dächte, die westeuropäische Finanz anzupumpen. Selbst noch vor wenigen Wochen hieß es, an die Aufnahme einer russischen Anleihe in Deutschland und Frankreich sei vorläufig nicht zu denken. Was dieses Geschwätz wert war, zeigt folgende Petersburger telegraphische Meldung des offiziösen Wolfffchen Telegraphenbureaus: " erwarten ist." Industrien das Tertilgewerbe beschäftigt. sich verdoppelt hat. Relativ befriedigend war von den großen selbständigen Organisationen haben Agitationskommissionen zu Löhne geht noch immer stark nach unten. mußten im Monat November eine Lohnkürzung über sich ergehen lassen, denen nur 2668 Arbeiter mit einer Lohnsteigerung gegenüberstehen. ,, Aus zuverlässiger Quelle verlautet, daß seit den letzten Tagen Auch in Frankreich ist die Arbeitslosigkeit in diesem Jahre, hier Verhandlungen wegen Ausgabe einer neuen russischen An- namentlich seit Oftober, wieder viel stärker als 1903. Eine Juterleihe geführt werden. Die Verhandlungen sollen einen glatten pellation über die gegenwärtige Arbeitslosigkeit, die in der franBerlauf nehmen und man glaubt, daß ein baldiger Abschluß zu Schägungen über die Höhe der gegenwärtigen Arbeitslosigkeit. Für zösischen Kammer besprochen wurde, brachte einige bemerkenswerte das Jahr 1904 wird der Prozentsaz auf mindestens 10 Proz. der Wie hoch sich die Anleihe belaufen wird, verschweigt das Tele- industriell beschäftigten Arbeiter angenommen. Bei etwa 5%, Millionen gramm. Wenig wird es nicht sein, denn die russische Regierung gewerblich beschäftigter Arbeiter ergäbe dies weit über eine halbe braucht viel und schnell Geld. Würde ihr das Feuer nicht auf die Million Arbeitslose. Zur Unterstüßung der Arbeitslosenkassen, die Nägel brennen, sie hätte sicherlich noch gezögert; aber die Noten- von den Arbeiterorganisationen eingerichtet sind, wurde ein Kredit presse läßt sich nicht immer wieder von neuem in Bewegung segen, von 100,000 Mark in das Budget des Handelsministeriums eindie Masse der offen und geheim ausgegebenen Kreditrubel wird all- gestellt. gemach zu groß. Vielleicht noch einige Tage und wir werden wieder in manchen Zeitungen lesen, wie prächtig es um Rußlands Finanzlage bestellt ist, welche enormen natürlichen Reichtümer es befizzt usw. Jedenfalls. kann man sich darauf gefaßt machen, daß der in drei Wochen fällige Finanzbericht des russischen Finanzministers in schönster Tünche prangen wird. Soziales. Vom Schadenersah. Er Der Arbeiter S. verlangte durch Klage beim Gewerbegericht eine Lohnentschädigung wegen unberechtigter Entlassung. Die Sonneberger Spielwaren- Industrie hat im Jahre 1904, machte geltend, er sei entlassen worden, weil er auf die Bezahlung ivie der Bericht der Sonneberger Handelstammer konstatiert, einen der wegen einer Kontrollversammlung versäumten Zeit bestanden Rückschlag erlitten. Zum erstenmal seit langer Zeit ist ein Stillstand babe. Der als Zeuge vernommene Werkmeister der beklagten Firma in der Produktion und dem Absatz des Sonneberger Bezirks ein- Ernst u. Ko. gab auch zu, gesagt zu haben:„ Wer uns so die getreten, der sich daraus erklärt, daß Großbritannien seine alte Pistole auf die Brust seßt, den fönnen wir nicht gebrauchen, das sind Es wurde Beweis erhoben über die BeStauftraft noch nicht wiedererlangt hat. Das zeige eindringlich, wir nicht gewöhnt." welche Perspektive sich eröffnen würde, wenn nicht nur vorübergehende hauptung des Firmeninhabers, daß der Kläger nach der Entlassung Geschäftsunlust, sondern ein handelspolitischer Systemwechsel sich alsbald aufgefordert worden sei, 14 Tage, die Zeit der Kündigungsdort vollziehen würde. frist, weiter zu arbeiten. Ein Zeuge bestätigte dies und bekundete, Was den Absatz in Deutschland anbetrifft, so wird hervor- Kläger habe darauf gesagt, er sei ja schon entlassen und sei gegangen. Der Gerichtshof wies die Klage mit folgender Begründung ab: gehoben, daß das Geschäft mit den großen Warenhäusern immer beträchtlicher wird; aber der Einfluß dieses Geschäfts auf die Gs sei als erwiesen anzunehmen, daß Kläger die Aufforderung, Fabrikation in den Geschäftskreisen des Bezirks nicht ausnahmslos 14 Tage noch zu arbeiten, gehört habe. Wenn er trotzdem nicht günstige Beurteilung findet. Zugegeben werde, daß seit dem Auf- blieb, so habe er den Schaden selber verschuldet und deshalb könne kommen der Warenhäuser und unter deren Einflusse die Umsätze sich er eine Entschädigung für die 14 Tage nicht beanspruchen. Unter entschieden erhöht haben und daß die Abwickelung im ganzen weniger diesen Umständen brauche auf die Frage, ob die Entlassung an sich Kläger unter der Schwerfälligkeit und den Umständlichkeiten zu leiden hat, berechtigt war oder nicht, nicht erst eingegangen werden. die dem Verkehr mit Detailgeschäften vielfach anzuhaften pflegt; habe den Begriff des Schadenersatzes offenbar verkannt. andererseits aber wird berichtet, daß, da von den Bazaren vorzugsweise geringere und Mittelware geführt werde, der Begehr nach den besseren Qualitäten gelitten habe. Jedenfalls seien, wie der Bericht bemerkt, die Warenhäuser heute im geschäftlichen Verkehr eine so wichtig gewordene Betriebsform, daß die an sie abgesetzten Warenmengen für das jeweilige Geschäftsbild, insbesondere das deutsche, von geradezu ausschlaggebender Bedeutung sind. Die Produktion der deutschen Bierbrauereien hat im Steuerjahre 1903/04 sich zwar gegenüber dem Jahre 1902/03 etwas ge= hoben, aber doch nicht wieder die Höhe erreicht, wie in den diesem voraufgegangenen drei Steuerjahren. Es wurden nämlich im deutschen Zollgebiete während des Jahres 1903/04, nach der Köln. Volkszeitung", 68 952 000 hektoliter Bier hergestellt, gegen 67 699 000 Hektoliter im Jahre 1902/03, 71 157 000 hektoliter im Jahre 1901/02, 70 857 000 Settoliter im Jahre 1900/01 und 69 500 000 Settoliter im Jahre 1899/1900. Der Rückgang wurde durch Abnahme des Verbrauchs bewirkt. Berechnet man den Bierverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung, so war der Verbrauch im Jahre 1903/04 zwar ein wenig größer, als im Vorjahre, aber doch nicht mehr so groß, wie in den fünf Jahren 1897/ 98-1901/ 02. Entfielen doch im Zollgebiete auf den Kopf der Bevölkerung durchschnittlich im Jahre 1895/1896 115,8 Liter 1896/1897 116,0 1897/1898 123,0 " " " im Jahre 1900/1901 125,1 Liter 1901/1902 124,1 1902/1903 116,0 1903/1904 116,5 " " der Maler, Lackierer usw. zu dem Entwurf von Bestimmungen zur Zur Bleifrage. Die Petition des Vorstandes der Vereinigung Verhütung von Bleierkrankungen ist jetzt dem Bundesrat mit 20 562 Unterschriften aus 311 Orten zugegangen. Eine Anzahl Verbandsfilialen hat die Sammlung von Unterschriften verbummelt. 200 000 Arbeitslose sind in der vorigen Woche in London fonstatiert worden! Auf Ersuchen des Königs läßt der Lordmayor von Sammelliste zirkulieren! London eine Ferner wurde der folgende, von der Berliner Organisation gestellte Antrag angenommen: Zur Leitung sowie zur Regelung der Geschäfte wird eine Geschäftskommission gewählt, bestehend aus fünf Personen, und zwar einem Geschäftsleiter, dessen Stellvertreter, einem Kassierer und wählt, als besoldeter von der Zentralisation angestellt. Aufgabe zwei Revisoren. Der Geschäftsleiter wird auf der Konferenz gedes Geschäftsleiters ist, die Organisationen im ganzen zu über= wachen, auszubauen und zu stärken, die ihm übrig bleibende freie Zeit als Mitarbeiter am Fachorgan„ Die Einigkeit" und zur Agitation für die Freie Vereinigung deutscher Gewerkschaften zur Verfügung zu stellen. Die anderen Mitglieder der Geschäftsleitung wählt die Berliner Organisation. Der erste. Vorsitzende ist zu gleicher Zeit stellvertretender Geschäftsleiter, der erste Kassierer Die übernimmt zugleich die Kassengeschäfte der Zentralisation. Amtstätigkeit reicht von Konferenz zu Konferenz, dieselbe soll in der Regel am Jahresschluß berufen werden. Gewerkschaftliches. Sicherheitsbehörde oder Unternehmer- Bureau? Die Bauunternehmer in Pyrit streben, wie der Stett. „ Volksbote" mitteilt, mit allen Mitteln danach, den Zentralverband der Maurer am Drte unmöglich zu machen; sie beschränken sich dabei nicht nur auf erlaubte Mittel, sondern üben den schlimmsten Terror gegen die Verbandsmitglieder aus. Und behülflich ist ihnen dabei die Polizei! Wer Verbandsmitglied ist, bekommt nicht eher Arbeit, als bis er von der Polizeibehörde eine Bescheinigung etwa in folgender Form vorlegen kann: Die Polizei- Verwaltung. Journ.- Nr. Phrizz, den 12. Septbr. 1904. Der Maurer K. R. zeigte heute an, daß er den Austritt aus dem Verbande der zentralisierten Maurer noch heute anmelden werde. Dies wird hiermit bescheinigt. J. A. ( Stempel.) gez. Mielte. Wie kommt die Polizei dazu, solche Bescheinigung nicht völlig private Absicht zu erteilen? über irgend eine vollzogene amtliche Handlung, sondern eine Uebrigens ist auch dafür gesorgt, daß jeder Maurer es nicht bei der bloßen Absicht zum Austritt beläßt oder aber nach erfolgtem Austritt etwa der Organisation wieder beitreten kann. Am Abend des 12. November wurde ein Maurer von einem Unternehmer entlassen. Bei der Entlassung wurde ihm gesagt, daß er zwar am 5. September aus der Organisation ausgetreten sei, am 12. September sich aber wieder- angemeldet habe. Wie der Unternehmer das erfuhr? Nun, organisierter Arbeiter auf dem Bureau der Phrizer Polizei zu tun, da trat ein bei dem in Betracht kommenden BauUnternehmer beschäftigter Technifer ein und sagte dem Polizeisekretär: Die Vertrauensmänner- Zentralisation der Maurer an demselben Tage, an dem die Entlassung erfolgte, hatte ein Deutschlands hält gegenwärtig in Wiltes Saal in der Brunnenstraße ihre 14. Jahreskonferenz ab. Dieselbe wurde am Mittwoch vormittag eröffnet. Anwesend waren 24 Delegierte aus 15 Orten, außerdem die Fünferkommission sowie je ein Vertreter der gleichen Organifation der Zimmerer, der Bauarbeiter und der Geschäftsleitung der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften. „ Die Leute sagen, sie sind alle aus dem Verbande ausgetreten. Das glaube ich nicht und möchte ich mich hiervon überführen. " Der Herr Techniker wurde nicht hinausgeworfen. Die Auskunfterteilung erlitt nur eine kleine Verzögerung dadurch, das Mette erstattete den Bericht der Geschäftsleitung der Vertrauensmänner- Zentralisation der Maurer. Aus demselben ist folgendes hervorzuheben: Dem Wunsche einzelner Organisationen daß der Herr Polizeisekretär erst das Mitgliederverzeichnis entsprechend, veranstaltete die Kommission in einer Reihe von Orten hervorsuchen mußte; er beeilte sich aber, dies zu tun. insgesamt 60 Agitationsversammlungen. Einem Beschlusse der Diesem Zwecke also dienen die der Polizei eingereichten 1898/1899 124,2 borigen Konferenz entsprechend, ist den einzelnen Organisationen Mitgliederverzeichnisse in Pyrit! Sie sind nicht über1899/1900 125,0 durch Rundschreiben der Verlauf der vom Parteivorstande ein- flüssig, wie der eine oder andere wohl denken mag; sie modern Der Rückgang des Verbrauchs ist nicht nur im Brausteuergebiete geleiteten Ginigungsverhandlungen zwischen den gewerkschaftlichen nicht still in verschwiegenen Aftenschränken. Nein, sie liegen wahrnehmbar, sondern auch in Bayern, Württemberg und Baden, so Verbänden und den Vertrauensmänner- Zentralisationen bekannt jederzeit bereit, den Interessen des Unternehmertums dienstbar daß es fast den Anschein gewinnt, als habe der Bierverbrauch überall gegeben worden. Die Antwort war, daß sämtliche Organisationen gemacht zu werden! in Deutschland seinen Höhepunkt überschritten. Im Jahre 1903/04 die Einigungsverhandlungen nunmehr als erledigt betrachten. Wie Die Pyrizer Maurer haben Beschwerde geführt gegen iamen im Brausteuergebiete auf den Stopf der Bevölkerung durch im vergangenen Jahre, so blieben der Zentralisation auch in dieser diese Preisgabe des polizeilichen Amtsgeheimnisses an schnittlich 97,7 Liter, in Bayern 231,9, in Württemberg 168,9, in Geschäftsperiode Kämpfe nicht erspart. An Lohnbewegungen waren Baden 157,2, in Elsaß- Lothringen 88,1 Liter, an Bierabgaben im die Vereine in Haffelfelde, Jüterbog, Schönwalde, Stralsund, Unternehmertum; sie weigern sich auch, der Behörde weiterhin Brausteuergebiete 0,84 M., in Bayern 5,29 M., in Württemberg Spandau, Königsberg i. Pr. beteiligt. In Berlin und den Vor- noch Auskunft über ihren Mitgliederstand zu geben, so lange 3,84 M., in Baden 3,94 m., in Elsaß- Lothringen 2,20 M. Im orten kam es öfter zu Aussperrungen seitens einzelner Unter- ihnen keine Verschwiegenheit der Polizei für die Zukunft ganzen lieferte die Besteuerung des Bieres rund 93 Millionen Mark; nehmer. Auch mußten die Kollegen, um den Drangsalierungen ein- garantiert ist. Die Pyrizer Maurer haben recht. Aber eine dazu trugen bei das Brausteuergebiet 39 Millionen Mart, Bayern zelner Unternehmer und Boliere Halt zu gebieten, zur Sperre Byrizer Polizei ist nur möglich bei der preußischen Vereins33,9 Millionen Mart. schreiten. Dieselben sind teils zugunsten, teils zuungunsten der Die Einfuhr ausländischen Bieres hat im Steuerjahre 1903/04 Stollegen ausgefallen. Ein Streit der Badofenmaurer, der nur bei gefeggebung, und ist nur möglich, so lange bei uns die Polizeibureaus gleichzeitig Unternehmerbureaus sind. eine bisher nie gekannte Höhe erreicht, nämlich 693 000 hektoliter; Tage dauerte, hatte den Erfolg, daß mit den Unternehmern ein Veraber auch die Ausfuhr hob sich auf 819'000 Bettoliter. Welche Ver- trag abgeschlossen wurde, der eine Lohnaufbefferung von 7% Pf. Ob die Unternehmer sich auf der Polizeiwache Auskünfte schiebung im Auslandshandel mit Bier sich seit zwei Jahrzehnten pro Stunde gewährt. Auch für die Kanalisationsmaurer trat eine oder billige uniformierte Streitposten holen; beides ist den vollzogen hat, zeigt die Tatsache, daß vor 20 Jahren unsere Bier- Erhöhung des Stundenlohnes um 2½ Pf. ein. Der bedeutendste der Arbeitern im Lohnkampfe und im Kampfe für ihre Organieinfuhr nur 112 000 hektoliter umfaßte, dagegen unsere Bierausfuhr Lohnkämpfe ist der, welcher sich in Königsberg i. Pr. abspielte und fation gleich unangenehm und eins wie das andere charakterisiert 1,2 Millionen Hektoliter; also ist in dem angegebenen Zeitraum die Erringung des den Arbeitern schon vor zwei Jahren ver- sich als Stellungnahme gegen die Arbeiter und für das Untererstere um 519 Proz. gewachsen, lettere um 32 Proz. zurück- sprochenen Stundenlohnes von 55 Pf. zum Ziel hatte. Dieser nehmertum. Dieser nehmertum. In dieser Parteinahme leistet die Polizei auch Kampf währte 25 Wochen und foftete der Organisation 28 900 M. außerhalb Pyrit Vortreffliches. Interessant ist, daß die Einfuhr süddeutscher, speziell bayerischer Die Gesamtorganisation zählte am Schluß des dritten Quartals Biere in das Gebiet der Brausteuer- Gemeinschaft seit einigen Jahren 1903 3388, am Schluß des dritten Quartals 1904 3432 Mitglieder. in der Abnahme begriffen ist, d. h. der Genuß bayerischen Bieres in Davon kommen auf Berlin 2467( 1903) 2531( 1904), Königsberg Norddeutschland zurückgeht. Einen Beweis dafür liefert die Höhe i. Pr. 304 bezt. 232, Wernigerode 110 beztv. 150, die übrigen der erhobenen Uebergangssteuer. Dieselbe ergab im Jahre 1893/94 14 Orte weisen geringere Mitgliederzahlen( 14-67) auf. 3 678 000 m., fieben Jahre später 4 144 000 m.; von da an aber trat ein Rüdgang ein: im Jahre 1901/02 auf 3 805 000 M., 1902/03 auf 3 625 000 20., 1903/04 auf 3 599 000. gegangen. Noch beachtenswerter erscheint die zunehmende Betriebskonzentration im Brauereigewerbe, die stetige Abnahme der Zahl der Brauereien im Brausteuergebiet. Dort zählte man im Jahre 1903/04 6405 Brauereien gegen 6582 im Jahre 1902/03, und zwar find es wieder ausschließlich mittlere und kleine Brauereien, welche eingegangen sind. Im Jahre 1902/03 hatte man noch 5540 Brauereien mit einem Malzverbrauch von nicht mehr als 150 Doppel- Zentner im Jahr, gezählt, im Jahre 1903/04 aber nur noch 5331, während die Zahl der Brauereien, die mehr als 1500 Doppel- gentner Malz berarbeiteten, von 1042 auf 1074 stieg. Trotzdem scheint wenig Aussicht auf eine Staffelung" der Biersteuer zu bestehen. Daher ist anzunehmen, daß die soeben geschilderte Bewegung im Brauereigewerbe auch weiterhin andauern wird. Berlin und amgegend. Die Einigungsverhandlungen der Tischler wurden gestern fortgefeßt, sie sind aber noch nicht zum Abschluß ge= Der Kassenbericht, den der Kassierer Kaufmann erstattete, tommen. Von seiten der Arbeiter sind bei den Verhandlungen weist eine Einnahme von 42 240,13 M., eine Ausgabe von 37 049,71 folgende Organisationen vertreten: Holzarbeiter- Verband, FachMark und einen Bestand von 5190,42 M. auf. berein der Tischler, Gewerkverein der Tischler, Verband der HolzDer nächste Punkt der Tagesordnung betraf die schon im Ge- bearbeitungsmaschinen- Arbeiter, Zentralverein der Bildhauer.--schäftsbericht erwähnten Einigungsverhandungen. 3 scho ch, welcher Die gestrigen Verhandlungen drehten sich zunächst um die Geschäftsüber diese Angelegenheit referierte, empfahl folgende Resolution: ordnung der Schlichtungskommission. Diese hat unter Vorsitz des „ Die 14. Konferenz der Vertrauensmänner- Zentralisation der Gewerbegerichts- Direktors v. Schulz unter anderem die StreitigMaurer Deutschlands nimmt Kenntnis von dem Abschluß der feiten zu entscheiden, welche bei Vergebung neuer Affordarbeiten Einigungsverhandlungen beziehungsweise Bestrebungen des Partei- entstehen. Die Beilegung der Differenzen, die in verschiedenen vorstandes, zwischen der Generalfommission und der Gewert- Betrieben schon vor der Aussperrung bestanden und damals zum schaftskommission einerseits und der Geschäftskommission der Streik führten, gehört zu den Voraussetzungen einer endgültigen Freien Gewerkschaften Deutschlands und dem Gewerkschaftskartell Einigung. Es ist Aussicht vorhanden, daß diese Differenzen in andererseits. Die Konferenz ist der Meinung, daß eine Ginigung nächster Zeit zwischen den Inhabern und den Arbeitern der be auf der Grundlage, wie sie die Geschäftskommission auf dem treffenden Betriebe geregelt werden. Wo das nicht der Fall sein 6. Kongreß geschaffen hat, wohl möglich wäre, was jedenfalls nicht sollte, tritt die Schlichtungskommission in Tätigkeit. Lange und oft zum Schaden der gesamten Arbeiterbewegung gewesen wäre. sehr lebhafte Erörterungen entstanden bei den Verhandlungen über Deutfches Reich. Die Zentrumspreffe zwingt uns, so widerwillig uns das Geschäft ift, noch einmal auf die christliche Schweinigelei, die sich in einer Kölner Buchbinderei zugetragen hat, zurückzukommen. Zurzeit geht durch die gesamte Zentrumspreffe ein Artikel, der die Tatsachen von vorn bis hinten völlig verdreht darstellt. Es wird da behauptet, „ Der Betreffende", ein Mitglied des christlichen graphischen Verbandes, sei aus seiner Gewerkschaft ausgeschlossen worden, weil er darum gewußt" habe, daß ein Lehrling einem Arbeiter ein Batet mit Menschentot in die Tasche gesteckt" hat, es aber nicht verhindert habe. In Wahrheit ist das betreffende Mitglied, als die Sache durch die sozialdemokratische Presse bekannt wurde, selbst aus dem Verband ausgetreten und dann erst hinterdrein noch ausgeschlossen worden. Dann wird verheimlicht, daß der Betreffende" der Werkstattvertrauensmann der Christlichen war, und er hat nicht nur um die Sache gewußt", sondern er ist der alleinige Anstifter und Verführer des Lehrlings, der auf sein Geheiß die nämliche Schweinerei furz vorher schon einmal machen mußte, wobei der Junge aber aus Versehen in die Tasche des Unrichtigen geriet. Der Artikel der Zentrumspresse zieht einen ähnlichen Fall heran, der sich im vorigen Jahre in Kiel zugetragen hat und behauptet, der Kölner Fall reicht an diesen von übten Terrorismus nicht heran. Umgekehrt wird ein Schuh daraus! sozialdemokratisch organisierten Arbeitern" gegen christliche verIn Kiel waren die Täter einfache, ungeschulte Mitglieder des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes, und die Holzarbeiter- Zeitung" selbst hat die Sache zuerst veröffentlicht und scharf verurteilt In Köln aber wurde der Terrorismus verübt gegen ein leitendes Mitglied des christlichen Verbandes von einem leitenden Mitglied des christlichen Verbandes, und die Sache wurde von einer den Christlichen gegnerischen Seite an die Oeffentlichkeit gebracht. Die mechanische Weberei von Winkler u. Ko. in Kassel sucht mit allen Mitteln Ersatzkräfte heranzuziehen, da am Sonnabend die Kündigungsfrist des wegen der gezahlten Hungerlöhne in den Ausstand tretenden Personals abläuft. Zuzug ist fernzuhalten. # # die Regelung des Arbeitsnachweises. Mehrmals schien es, als ob welche int fleinen Schwurgerichtssaale stattfindet, find drei Tage in Mittwoch im Monat in den bekannten Sokalen stattfinden, währenb hierüber keine Einigung erzielt werden konnte und ein Abbruch der Aussicht genommen, da nicht weniger als zirka 40 Beugen geladen die Vereinsversammlungen auf den lehten Dienstag im Monat ver Verhandlungen unvermeidlich war. Schließlich wurde jedoch die sind. Unter der Anklage des wiederholten bandenmäßig aus- legt worden sind. Bäumler weist auf die Parteispedition hin Errichtung eines paritätischen Arbeitsnachweises auf beiden Seiten geführten schweren Diebstahls mußten folgende Personen auf der und ersucht die Parteigenoffen, ihren Bedarf an Büchern, welche fie anerkannt; er soll am 1. Juli, spätestens am 1. Oftober nächsten Anklagebant Plaz nehmen: 1. der 27jährige Kistenmacher Karl als Geschenke benutzen wollen, aus den Vorräten derselben decken zu Jahres in Funktion treten. Zu erledigen ist nunmehr noch der Tarif Hänsel, 2. der Möbelpolierer Otto Sommer, 8. der wollen. Neuaufgenommen wurden 41 Mitglieder. der Bautischler und der Ladeneinrichtungsbranche. Voraussichtlich Maschinenarbeiter Mar Serber, 4. der Schloffer Erhard Nieder- Schönhausen. Der Wahlverein befaßte sich in seiner tommen die Verhandlungen heute zum Abschluß. Für Freitag abend Diebow, 5. der Handlungsgehülfe Billy Blöt. Ferner außerordentlichen Sizung mit den Anträgen des Vorstandes in hat der Holzarbeiter- Verband eine Vertrauensmänner- Versammlung waren der Goldarbeiter Albert Hübner, der Uhrmacher Paul Sachen der Stimmenthaltungen bei der letzten Gemeindevertreterwahl. nach der Brauerei Friedrichshain einberufen. Der Versammlung II esser wegen gewerbsmäßiger Hehlerei, die unverehelichte Es ward einstimmig beschlossen, das Mitglied Seller wegen un werden die Einigungsbedingungen zur Beschlußfaffung vorgelegt. Emma emmer und die nicht erschienene verebelichte begründeter Stimmenthaltung auszuschließen. Nitschke und Fiedler Stanislawa Schneider, geb. Malista, wegen einfacher sind der Entscheidung des Vereins dadurch aus dem Wege gegangen, Hehlerei angeklagt. Der ebenfalls nicht erschienene Kaufmann daß sie auf das Ersuchen des Vorstandes, die Gründe ihrer EntKarl Bauer hatte sich wegen bandenmäßig ausgeführten Ein- haltung vorzubringen, mit der Austrittserklärung antworteten. Unter bruchsdiebstahls zu verantworten. Da der Verteidiger des Hübner, Verschiedenem" ward auf die inzwischen ins Leben getretene BarteiRechtsanwalt Werthauer, nicht rechtzeitig geladen war, so spedition für Pankow und Nieder- Schönhausen hingewiesen und zu mußte das Verfahren gegen H. und den durch Rechtsanwalt unablässiger Agitation für den Vorwärts" aufgefordert, der nun ta cho to 3 t y bertretenen Allesser abgetrennt und wird gegen diese früher am Ort eintrifft; vor allem darf die beschämende Tatsache Angeklagten später besonders verhandelt werden. Die des Dieb- nicht länger fortdauern, daß ein beträchtlicher Teil der organisierten ftahls angeklagten Personen befinden sich seit Dezember 1903 in Genoffen nicht den Vorwärts" hält. Untersuchungshaft, also ein volles Jahr. Der Anklage lag folgendes In einer öffentlichen Versammlung zu Karlshorst referierte zugrunde: Der vielfach vorbestrafte„ Arbeiter" Paul Röhl hatte Genosse Dr. Südek um über die Aufgaben der Gemeindevertretung. es vorgezogen, als er bei einer neuen Straftat ertappt wurde, denn der Diskussion versuchte ein pensionierter Lehrer, Herr Sielaff, wilden Mann" zu spielen. Er kam auch tatsächlich als angeblicher In der Diskussion versuchte ein pensionierter Lehrer, Herr Sielaff, " Geisteskranker" in die Beobachtungsstation der königlichen Charité. der fozialdemokratischen Lehre seine christlich konservativen AnDer Aufenthalt gefiel ihm nicht; im Juli 1903 brach Röhl aus und schauungen entgegenzusehen. Genosse Pinseler schildert darauf seine Tätigkeit als Gemeindevertreter in Friedrichsfelde und verweist hielt sich in Berlin verborgen. Bis zu feiner Verhaftung lebte er ausschließlich von Diebstählen, welche er mit Hülfe der jetzigen Mit- darauf, wie erst kürzlich wieder die von ihm gemachten Anregungen in bezug auf die Gesundheitspflege von einem Vertreter aus Karlsangeklagten berübte. Röhl legte fich einen falschen Namen Baul horst, welcher sogar in der dritten Klasse gewählt sei, als ZukunftsDrömer bei und gab sich als Eisenbahn- oder Postbeamter aus; musit bezeichnet wurden. Die von der Gemeinde beschäftigten hierzu trug er die passende Uniform. Eine Spezialität des Röhl Straßenreiniger bekommen wöchentlich nur 13,50 M., früher sogar war es, mit Dienstmädchen und Kindermädchen, deren Herrschaften verreist sind, ein Verhältnis anzubandeln, die Mädchen nur 12 M. Stürzlich sei ein Nachtwächter für 400 M. Jahresgehalt zu einem Rendezvous zu bestellen, um dann in aller Ruhe in die gesucht worden, das zeige jedenfalls zur Genüge, wie die Gemeinde der Angeklagte Hänsel aus dem Tegeler Strafgefängnis, bald darauf ständig recht hätte, wenn er behaupte, daß das Wohnungselend der leerstehende Wohnung einbrechen zu können. Im August 1903 tam bezw. deren Vertreter ihre Pflichten gegen die von ihnen beschäftigten Arbeiter auffassen. Stühmer führte aus, daß der Referent volllernte er Röhl kennen, und beide gemeinschaftlich haben eine ganze Proletarier sich auch auf die Berliner Vororte erstrede. Die WohReihe Einbruchsdiebstähle in Berlin, Charlottenburg, Schöneberg nungsmieten sind unverhältnismäßig hoch, sie betragen hier für eine und Wilmersdorf verübt. Als beide in Stettin eine kleine Gastrolle Wohnung von 1 Zimmer und Küche von 18 bis 26 M., 2 Zimmer und geben wollten, wurde Hänsel gefaßt und mußte bis zum 25. Sep- Küche bis zu 40 M. und darüber pro Monat. Dabei sind diese tember in Haft fißen. Röhl hatte inzwischen in Berlin die An- Wohnungen, welche für die Arbeiter eigentlich nur in Betracht geklagten Bauer und Plöb, der sich von Alvensleben nannte, fommen, entweder im Souterrain( teilweise einige Stufen niedriger kennen gelernt und mit ihnen Einbrüche verübt. Zu ihnen geſellten wie die Straße, also Seller) oder unterm Dach( Mansarde) gelegen. sich nach und nach die Angeklagten Kerber, Sommer, Diebow. Die gesamte Einbrecherbande wohnte bei der Angeschuldigten Schneider, Rechnet man nun noch das Fahrgeld nach der meistens in Berlin gewohin auch die„ Sore"( Diebesbeute) geschafft wurde. Während legenen Arbeitsstätte hinzu, so bleibt als Vorteil nur die etwas Röhl das Haupt" der Diebesbande war, hatte Kerber die Vermitte- bessere Luft übrig. Die Ursache der teueren Wohnungen sei der lungsgeschäfte zum Absatz der Beute bei den mitangeklagten Behlern Bodenwucher, welcher von den Gemeinden eher unterstützt wie beübernommen. Zur Anklage stehen 17 Einzelfälle. In dem ersten fämpft worden sei. Gerade die Gemeinde Friedrichsfelde habe ihre so Die Landesorganisation der schwedischen Gewerkschaften hat in Schmidt in der Kreuzbergstraße verübt. S. war verreift, die Diebelebter Zeit geringe Anzeichen zur Befferung bemerkbar machen, fo Die Landesorganisation der schwedischen Gewerkschaften hat in hatten Röhl, Plök und Bauer einen Einbruch bei dem Privatier sozialen Pflichten bisher in jeder Weise vernachlässigt, wenn sich in diesem Jahre eine sehr lebhafte und fruchtbare Agitationstätigkeit fonnten in seiner Abwesenheit die Wohnung fast ausplündern. Ge- ei dies auch zum größten Teil auf die Tätigkeit der beiden sozialIn demokratischen Gemeindevertreter zurückzuführen. feinem entfaltet. Die Mitgliederzahl der der Landesorganisation schon stohlen wurden Silberzeug und andere Gegenstände im Werte von Schlußwort wies der Referent verschiedene Einwendungen des Herrn länger angehörenden Verbände ist trop der vielen durch gewerkschaft- 450 Mart. Aus der Wohnung einer Frau v. Schulzendorf wurden Sielaff zurüd. Mit einem Appell an die anwesenden Arbeiter, dem liche Stämpfe notwendig gewordenen Extrabeiträge um ungefähr für 1300 Mark Goldsachen entwendet. Bei dem Goldwarenhändler 10 000 gestiegen. Im ganzen gehören jetzt von den ungefähr Grase in der Prinzenstraße wurde in der Nacht zum 26. November sozialdemokratischen Verein beizutreten, und einem Hoch auf die 90 000 organisierten Arbeitern Schwedens 75 000 der Landesorgani- vorigen Jahres von Nöhl, Hänsel und Sommer mittels Dietrichs Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die Versammlung. Ober- Schöneweide. Sier tagte eine äußerst startbesuchte Boltsdie Eingangstür geöffnet und Goldwaren im Werte von 2500 Mark entwendet. Eine aus diesem Diebstahl herrührende Uhr wurde später bersammlung, welche Stellung nahm zu dem Antrage der hiesigen bei der Angeklagten Hemmer vorgefunden. Trotz doppelten Sicher Satholiten auf Errichtung einer fatholischen Schule. Vocdem er heitsschlosses drangen Röhl und Hänsel in die Wohnung der Rentiere stattete Genosse Grunow Bericht aus der Gemeindevertretung. Es Was ist Religion? Unter diesem Titel beschäftigt sich im Gaede in der Leibnizstraße zu Charlottenburg ein und entwendeten wurde vornehmlich ein Verfahren gegeißelt, daß Bauprojekte vore Vorwärts" vom 18. 12. 04 Herr Dr. Maurenbrecher mit der 425 Mark bar und Silbersachen. In einem Hause der Luitpoldstraße Schul- und Rathausbauten, welche als dringend angesehen, in allen Freireligiösen Gemeinde und mit einem Vortrage, den ich daselbst wurden von den Angeklagten Bodenverschläge geöffnet und daraus Einzelheiten beschlossen, nach kurzem Zeitraum aber verworfen über Campanella gehalten. Dr. M. benennt mein Eintreten für ein photographischer Apparat im Werte von 1230 Mart gestohlen. wurden und andere Projekte vorgelegt werden. So hat der RatCampanellas harmonische" Weltauffassung recht unproletarisch Aus der Wohnung des Kapitäns b. Mann in der Fasanenstraße zu hausbau, der jetzt nicht ausgeführt wird, in feinen Borarbeiten empfunden". Mag sein, daß Dr. M. ein feines Empfinden für das Charlottenburg wurden Gegenstände im Werte von 1100 Mart ent- 11 000. gefoftet. Für den als äußerst dringend bezeichneten Broletarische hat, ein feineres wohl gar als die 12 000 proletarischen wendet. Die aus dem Graseschen Diebstahl herrührenden Goldwaren dritten Schulbau wurde nach Annahme des Projekts ein Grundstück nach 8 Wochen war es nicht mehr nötig, Männer, Frauen und Kinder, welche der Gemeinde angehören und wurden im Rausch an Hübner verkauft. Dieser versteckte die für 90 000 m. getauft, bisher nicht ahnten, daß seit 15 Jahren in ihrem Neste ein Rududs- Gegenstände in dem Gehäuse der vor seinem Geschäft befindlichen und ein anderer Bau an anderer Stelle wird aufgeführt. Die Ver Durch um- sammlung verurteilte dies ganz energisch. Zu teilweise recht erEi sich breit macht, von Dr. M. Weltanschauung des Satten" Uhr. Ein Teil wurde an Allesser weiterverschärft". genannt. In gebührender Demut bekenne ich, daß ich allerdings fassende Ermittelungen gelang es, etwas Licht in die Angelegenheit regten Debatten führte die Behandlung des Antrages der Katholifers. nicht mit der Muttermilch proletarisches Empfinden eingesogen habe. zu bringen. Es wurden einige Haussuchungen vorgenommen, bei In geradezu die Versammlung beleidigender Weise traten Redner Das blieb nun freilich ebenfalls dem Sohne des Geheimrats welchen ein ganzes Lager gestohlener Gegenstände entdeckt wurde. der Katholiken auf, die in den verworcensten Ausführungen sich AnMaurenbrecher versagt; er wird also wohl theoretisch seine Sturze Zeit darauf saßen sämtliche Mitglieder der Diebesbande hinter würfe gegen die Sozialdemokratie und ihre Führer leisteten, was Vor Gericht waren die Angeklagten teilweise von der Versammlung mit erregtem Protest beantwortet wurde. proletarische Seelenkunde sich angeeignet haben, frisch aus Büchern! Schloß und Riegel. Dankbar lasse ich mich von überlegener Wissenschaft belehren. geständig. Hänsel versuchte dem Vorbild des Röhl gemäß den Einer der Herren hatte sogar die Dreistigkeit, sich damit zu brüsten, Doch woher hat Dr. M. seine Kenntnis von Campanella, wenn er Geistestranten" zu spielen, hatte damit aber wenig Glück. Von in dem gegenwärtigen Stampfe der Metallarbeiter als Streitbrecher dessen Lehre von der Harmonie des Weltalls eine Weltauffassung der Verhandlung selbst find wenig bemerkenswerte Einzelheiten zu au fungieren, und jemand aus der Versammlung, der ihn als Streif. des Satten" nennt? Bergebens grüble ich, wie Campanella wohl erwarten. Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten. brecher titulierte, bei den überwachenden Beamten zu denunzieren. Von unseren Genossen Bessier, Jakobsen, Diefing und Grunow wurde zu seiner Sattheit gekommen sein mag. War er nicht Revolutionär ihnen eine gründliche Abfuhr zuteil. Unsere Redner gaben unter und ein Märtyrer des Sozialismus? Schmachtete er nicht 27 Jahre Heiterkeit der Versammlung der Meinung Ausdruck, daß diese Herren in unterirdischen Kerfern, wo er 7mal auf das Schärfste gefoltert ihre Bildung wohl aus einer katholischen Schule hätten. Eine wurde? Seine Seelenstärke bewahrte ihn allerdings vor der Ver- In der Generalversammlung des Fachvereins der Mufit Resolution an die Gemeindevertretung, welche gegen den Antrag der zweiflung; und er gelangte sogar zu der Ueberzeugung, daß alles instrumentenarbeiter vom 19. Dezember bei Graumann, Naunyn Statholiken protestiert, fand gegen einige Stimmen Annahme. Erst Leid schließlich einen Beitrag zur Harmonie des Weltalls liefere. straße 27, berichtete Ieinlein über den Stand des Streits. spät endete die Versammlung, die einige Male daran war, aufgelöst Inwiefern aber soll diese Idee unproletarisch sein? Ist denn nicht Von den 1700 Kollegen, die am 3. Oktober in den Streit traten, das Urdhristentum und Märtyrertum, welches Campanella beeinflußt arbeitet die große Mehrzahl zu den neuen Bedingungen, so daß un- Friedrichshagen. In der Teßten Monatsversammlung des hat, durchaus proletarisch? Selig, die da Leid tragen" so gefähr noch 400 Streifende zu verzeichnen find. Die Situation ist sozialdemokratischen Arbeiter- Bildungsvereins hielt Genoffe Baege schwärmten die Sozialdemokraten des römischen Kaiserreiches. noch dieselbe, wie in der letzten Streifversammlung bekannt gegeben sozialdemokratischen Arbeiter- Bildungsvereins hielt Genosse Baege Allerdings hat das Pfaffentum diesen Preis des Leides mißbraucht, wurde. Wie Redner mitteilte, wurde in der letzten Branchen- Ber- einen fesselnden Vortrag über:" Die Entstehung des Weltalls und indem es das darbende Volt mit dem irdischen Entsagungslied ein- sammlung des Deutschen Holzarbeiter- Verbandes über den Fach- der Erde". Bei der Ergänzungswahl zur Lokalkommission wurde fullte. Aber bei Campanella, in der Freireligiösen Gemeinde und in berein und besonders über den Redner selbst hergezogen. Unter der Genosse Meves gewählt. Angenommen wurde ein Antrag meinen Vorträgen ist niemals diese pfäffische Lehre vom Leide gut anderem soll Kleinlein bei den Einigungsverhandlungen bei der Werkmann, dem Metall- und Holzarbeiter- Verband je 25 M. geheißen worden. Und Dr. M. zeigt nur, daß er mich nicht ver- Fabrik von Rösen er nichts gegen die 54stündige Arbeitszeit einzu- zur Weihnachtsbescherung zu bewilligen. flanden hat, wenn er geltend macht, daß ich das lebel nicht wirklich wenden gehabt haben. Als Kleinlein von diesem Fall hörte, habe er sation an. Ausland. Aus der frauenbewegung. Verfammlungen. zu werden. llebel" und den Schmerz„ nicht wirklich Schmerz" nenne. Gewiß sofort in der Zehner- Kommission dagegen Stellung genommen, und Letzte Nachrichten und Depefchen. ist der Schmerz wirklich Schmerz aber nicht bloß Schmerz! liege wohl fein Grund vor, Kleinlein irgendwie zu beschuldigen. Die Im Zusammenhange der Menschheit und des Weltganzen spielt der Streitfommission des Fachvereins hat eine Liste angefertigt, auf Wien, 28. Dezember.( Bon einem besonderen Korrespondenten.) Schmerz nämlich auch eine heilsame Rolle. Er spornt die welcher die arbeitswilligen Mitglieder, die während des Streits in Der Neuen Freien Bresse" zufolge ist Ministerpräsident v. Stoerber fühlenden Wefen an, sich von schmerzhaften Verhältnissen zu be- bestreiften Betrieben die Arbeit aufgenommen haben, verzeichnet unter allen Umständen entschlossen, aus dem Amte zu scheiden; er freien, und treibt die vernünftigen Menschen zur Verbesserung ihrer wurden. Die Namen der Betreffenden wurden verlesen. In der hat den Kaiser in dringender Weise um seine Entlassung ersucht. Macht und Gefittung. Unnd diese Idee soll unproletarisch" sein? hierauf folgenden Diskussion, die sehr lebhaft war, wurde beschlossen, Baris, 28. Dezember.( W. Z. B.) Der Senat genehmigte Nein, fie begeistert manchen Proletarier zum Befreiungskampfe; daß die nächste Versammlung sich mit der Angelegenheit betreffs der der Proletarier fühlt, daß seine Unzufriedenheit und Entbehrung Streitbrecherliste sehr eingehend beschäftigen solle. Ferner erhalten heute ein provisorisches Budgetzwölftel. Die Session des Bar. wenigstens insofern etwas Seilfames bedeutet, als dieser Schmerz die streikenden und auch die noch nicht voll unterstützungsberechtigten laments wurde darauf geschlossen. ein Kulturhebel ist und eine bessere Gesellschaftsordnung herbeiführen sowie die arbeitslosen Fachbereinsmitglieder zu Weihnachten eine hilft. Uebrigens strebe ich nicht nach einer Weltanschauung, welche Ertra- Unterstüßung. Nunmehr teilte Kleinlein ein Urteil des für diese oder jene Klaffe brauchbar" ist, sondern einfach nach Er- Gewerbegerichts mit( derselbe war Vertreter einiger Kollegen), tenntnis. Und ich meine, die Grienntnis sollte sich nicht nach dem wonach die betreffenden Arbeiter verurteilt wurden. An diesem Proletariat, vielmehr dieses nach der Erkenntnis richten. Urteil sind nicht weniger als vier Organisationen beteiligt, und Dr. Bruno Wille. werden dieselben in Gemeinschaft ein Urteil vom Landgericht zu erTangen wissen, um festzustellen, inwieweit der Paragraph 152 der Gewerbe- Ordnung für die Arbeiter bei Differenzen überhaupt in Betracht kommt. Gerichts- Zeitung. Kein unlauterer Wettbewerb, aber Verstoß gegen die guten Der Arbeiter- Sängerbund nahm in seiner lebten AusschußSitten. In einer Klagefache wegen unlauteren Wett- Sibung zuerst die Abrechnung vom Sängerfest in Friedrichshagen bewerbes hat das Reichsgericht einen solchen durch Urteile entgegen. Es steht einer Einnahme von 2767,95 Mart eine Ausgabe über einen Konkurrenten auf Grund des§ 826 des Bürgerlichen von 2711,80 Mart gegenüber. Der Vorsitzende sprach dann über die Gesetzbuches für unzulässig erklärt. Ein Gewerbetreibender hatte Kassenberhältnisse des Bundes und motivierte einen Antrag des Vorin Bekanntmachungen in Tageszeitungen über ein Stonkurrens- standes, wonach jeder Verein eine Ertrasteuer von 3 Mart zu zahlen geschäft unter anderem sich geäußert: Die deutsche Hausfrau werde hätte. Der Antrag wurde angenommen mit der Bestimmung, daß bort nicht wahrhaft gut und solid bedient, sie laufe bei ihm besser das Geld bis zum 15. Januar 1905 bezahlt sein muß. Was den als dort, da in dem Konkurrenzgeschäft von einer leistungsfähigen Beschluß der Vertrauensleute anbelangt, den Sängern leine cei Reparaturwerkstatt nicht die Rede sein tönne. Darauf wurde auf billetts mehr zu bewilligen, so wird ein Antrag angenommen, in der Unterlassung der Wiederholung und Verbreitung dieser Angaben nächsten Ausschußjigung vom 15. Januar endgültig Stellung dazu getlagt. Das Reichsgericht hat sich nach der„ Deutschen Juristen zu nehmen, wie die Vereine sich dagegen zu verhalten haben. Zeitung" den Gründen der zur Verurteilung gefommenen Vorinstanz dahin angeschlossen: es lägen allerdings keine tatsäch lichen Angaben im Sinne der§§ 1, 6 des Wettbewerb Gesetzes vor, sondern nur Urteile. Aber es verstoße gegen die guten Sitten(§ 826 B. G.-B.), in dieser Art über die Leistungen eines Konkurrenten zu urteilen, um ihm die Kunden abspenstig zu machen. Eine London, 28. Dezember. Dem Reuterschen Bureau" wird aus Bangkok unter dem heutigen Datum gemeldet, die lebergabe des Territoriums, das durch den französisch- siamesischen Vertrag abgetreten ist, soll am 30. Dezember stattfinden; die Franzosen haben Tschantabon innerhalb zehn Tagen danach zu räumen. Kompagnie Soldaten hat Tschantabon bereits verlassen. Schuscha im Rautafus, 28. Dezember.( W. T. B.) Der Polizeimeister Sacharow ist heute in der Hauptstraße durch sieben Schiffe getötet worden. New York, 28. Dezember. W. T. B.) Der Nebel hat sich ge= hoben. Die ausgebliebenen Dampfer treffen ein. Großfeuer in Zürich. Zürich, 28. Dezember, 11 Uhr abends.( W. T. B.) Das ganze alte Neumühlen- Areal, die ehemaligen Gebäude der Maschinenfabrit Escher, Wyß u. Ko. umfassend, steht gegenwärtig in hellen Flammen. Davon betroffen sind über 40 Werkstätten, eine chemische Produktenanstalt, eine Fahrradfabrik, zwei Buchdruckereien, eine Guttaperchafabrit, mehrere mechanische Tischlereien und Drechslereien. Bom oftafiatischen Kriegsschauplate. Shanghai, 28. Dezember.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Der hiesige Taotai hat dem Hafenmeister in Shanghai und den Striegsschiffen in Wufung den gemessenen Befehl erteilt, jeden Fluchtversuch der„ Askold" und" Grofovoi" zu verhindern; es sollen noch mehr chinesische Kreuzer hier eintreffen. Schöneberg. Die bevorstehenden Aufgaben des Reichstages behandelte Genosse Wolkenbuhr in einem Vortrage, welchen er in der Vereinsversammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins zu Schöneberg hielt. Reicher Beifall lohnte den Referenten für seinen lehrreichen und instruttiven Vortrag. In der sich anschließenden Tolio, 28. Dezember.( W. T. B.) Die Militärbehörde verDiskussion sprachen sich die Genossen Karl Klein und Vallentin im Sinne des Referenten aus. Unter Vereinsangelegenheiten weist öffentlichte heute abend eine weitere Verlustliste, nach welcher Ein großer Bandendiebstahls- Prozeß begann gestern vor der der Vorsitzende darauf hin, daß vom nächsten Jahre ab die Bezirks- 18 Offiziere gefallen und 86 verwundet sind, vermutlich vor Bort erften Straffammer des Landgerichts I. Für die Verhandlung, sigungen, wie in Berlin und den anderen Vororten, am zweiten Arthur. Berantw. Redakt.:Paul Büttner, Berlin. Inferate verantw.( mit Ausnahme der„ Neue Welt"-Beilage): Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagenu.Unterhaltungsbl. Nr. 305. 21. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bounerstag, 29. Dezember 1904. Preußischer Parteitag. Berlin, 28. Dezember 1904. " wird, damit ein Geschlecht erzogen trird, das imstande ist, Verhältnis zu ihrem Einkommen viel zu teuer sind. Diesen llebelmit teilzunehmen an dem Befreiungskampf der Arbeiterkasse.( Beifall.) ständen wirkt der Entwurf nur sehr schwach entgegen. Weder die Wir werden uns weiter beschäftigen mit dem liberalea Antrage auf Aenderung der Baufluchtlinien- Festsetzung noch einige Steuererläſſe Aenderung des Landtags- Wahlrechts; wir werden nicht eher ruhen, für die Häufer mit kleinen Wohnungen werden mehr als eine Farce Der erste Parteitag der Sozialdemokratie Preußens trat heute als bis das Dreiklassen- Wahlsystem, das jeden Fortschritt im Keime sein. Auch die Baugenossenschaften werden in absehbarer Zeit gegen um 9 Uhr morgens im großen Saale des Gewerkschaftshauses" zu erstickt, seinen Erfindern vor die Füße geworfen ist. Der Kampf das Privatkapital nicht aufkommen können; aber für die bestgestellten feiner ersten Sigung zusammen. Der Saal hat sozialistischen Schmuck um das Wahlrecht wird in Preußen den Gipfel unserer Propaganda Arbeiter leisten sie übliches, und insoweit hat ihre materielle und angelegt. Die Estrade für das Präsidium mit der Rednertribüne und Agitation bilden.( Lebhafte Zustimmung.) ideelle Unterstützung keine Bedenken. dabor ist an der Stirnfeite des Saales aufgestellt. Aus einer Hecke Wir leben in einer Zeit, in der, um ein Wort des Reichskanzlers In gewissen bürgerlichen Streisen scheint man zu glauben, daß immergrüner Pflanzen erheben sich im Hintergrunde der Bühne zu gebrauchen, Preußen in Deutschland vorangehen soll, in der aber alles Freude und Wonne sein würde, wenn es nur gelingt, den auf hohen Bostamenten die Büsten von Mary und Lassalle. in Wirklichkeit Preußen in Deutschland vorangeht mit der Reaktion, Baugenossenschaften billige Hypothekengelder zu beschaffen. Wohl Die Delegierten haben an fünf langen Tafeln Tafeln Platz mit der Bekämpfung der Freiheit, mit der Niederhaltung aus folchen Erwägungen heraus machte vor wenigen Monaten der genommen. Ein fleiner Teil des Saales ist für die zahlreich der Volksrechte. Den zweifelhaften Ruhm kann man Preußen viel bekannte Dr. Freund, der erste Vorsitzende der Berliner Versicherungserschienenen Zuhörer bestimmt, die auch die beiden Galerien füllen. leicht lassen, daß es einen erheblichen Konkurrenten hat an den anstalt, den Vorschlag, es sollte durch Gesetz den VersicherungsMännergesang leitet die Verhandlungen ein. Ein aus allen beiden Mecklenburg( Heiterkeit), wo ebenfalls eine die Volksfreiheit anstalten das Recht gegeben werden, neben den bisherigen Beiträgen Vereinen gebildeter Chor des Arbeiter- Sängerbundes bringt Empor bekämpfende Tätigkeit vorwaltet. Wenn aber die finstere Reaktion in 3wangsbeiträge von allen unter das Invalidengesetz fallenden Arbeits zum Licht" und" Frühlingsstürme" zum Vortrag. Lebhafter Beifall Breußen einer freiheitlichen Politik Platz machen, wenn eine Alenderung gebern und Arbeitnehmern zu erheben. Diese neuen Zwangsbeiträge dankt den Sängern. Dann es ist 10 Uhr geworden ergreift der innerpolitischen Verhältnisse eintreten soll, dann ist es notwendig, follten zur Bildung eines Garantiefonds verwendet werden und aus Frik Zubeil daß das Volk sich seiner Macht bewußt wird. Ich brauche Sie nur diesem Garantiefonds die Baugenossenschaften Hypothekengelder das Wort und heißt die Delegierten im Namen der Genoffen von zu erinnern an die Königsberger Schmach, um zu beweisen, daß garantiert erhalten. Bedenken Sie, die Millionen versicherungsBerlin und Umgegend herzlich willkommen. Es wird das Bestreben die Vertreter der arbeitenden Klasse frei find von aller reaktionären pflichtiger Arbeiter sollen zwangsweise besteuert werden, der hiesigen Parteigenossen sein, Ihnen die wenigen Stunden, die Schuld, die die herrschenden Klassen im preußischen Staate auf damit die geringe Zahl derjenigen, die in Baugenossenschaften zusammengeschlossen find, billigeres Hypothekengeld erhalten. Herr Ihnen nach ernster Arbeit übrig bleiben, so angenehm wie möglich ihre Schultern geladen haben. zu gestalten. 37 Jahre find vergangen, seit der erste sozialdemo Zu dieser Arbeit sind Sie zusammengekommen, und diese Arbeit Dr. Freund will aber nicht etwa mur Baugenossenschaften solche fratische Arbeitertag 1867 hier zu ernster Arbeit versammelt war. werden Sie erfüllen; ich bin überzeugt, daß der Parteivorstand sich wohltaten zuteil werden lassen, sondern sein Ehrgeiz geht 12 Jahre sind verstrichen seit der Tagung eines deutschen Partei- nicht in seinen Hoffnungen getäuscht hat, daß auch diefer Parteitag weiter. Er will ganz nach dem Muster des preußischen Entwurfs tages hier in Berlin. Heute sind Sie herbeigeeilt aus allen Gauen ein Fortschritt sein wird auf dem Wege der Eroberung der bürger- Arbeitgebern ja unter gewissen Voraussetzungen privaten UnterPreußens, um dem ersten Parteitag der Sozialdemokratie Breußens lichen Gesellschaft. Mit diesem Wunsche erkläre ich den Parteitag der nehmern aus seinem Garantiefonds die Hypotheken garantieren. beizuwohnen. preußischen Sozialdemokratie für eröffnet und bitte Sie, sich zu fon- Den Arbeitern zwangsweise Geld abnehmen, damit Arbeitgeber und Als ein preußischer Parteitag in Bremen angeregt wurde, fand der stituieren und Vorschläge für die Leitung der Verhandlungen zu private Unternehmer billige Hypothekengelder erhalten, das ist doch Gedanke allseitige Zustimmung. Und es erschien selbstverständlich, machen.( Lebhafter Beifall.) ein Vorschlag, dem energisch entgegenzutreten die Arbeiter alle Verdaß der erste preußische Parteitag hier in Berlin zusammenberufen Auf Vorschlag von Rüger werden Singer und Schü anlassung haben. Sieht man von der Form der Unterstützung ab, die den Bauwerden mußte, am Sige der Regierung des größten Einzelstaates Breslau durch Zuruf zu Vorsitzenden gewählt. nicht nur, sondern auch am Size der Zentralregierung Deutschlands, Zu Schriftführern werden auf Vorschlag von Thiele- Halle genossenschaften durch die Versicherungsanstalten etwa zugeführt gleichzeitig aber auch am Size der Reaktion in des Wortes gewählt: Erdmann- Köln, Adler Kiel, Leopold Beiß, werden, so werden bei allen übrigen Arten der Unterstützung mittelschlimmster Bedeutung. Hier werden all die finsteren Boigt Berlin, Wels Prenzlau und Frau Schulz Frank- bar oder unmittelbar die Gemeinden mitzuwirken haben. Treten die Gemeinden aber in Aktion, so ist es unendlich wirkungsvoller, Bläne geschmiedet, die dazu dienen follen, die legten furt a. M. Reste von Freiheit und Recht dem Volle zu nehmen. In die Mandatsprüfungs- Kommission werden auf Vorschlag wenn sie nicht erst auf dem Umwege über die Baugenossenschaften, Von hier aus spinnen sich die Fäden weiter nicht nur über Preußen; von Hofmann- Bielefeld entsandt: Gewehr- Elberfeld, Storch- sondern ganz direkt und unmittelbar durch Herfie üben auch ihre unheilvolle Wirkung auf das ganze übrige Stettin, Schrader- Hannover, Linde- Köln, Bender Magdes stellung von Häusern mit gesunden fleinen Wohnungen und Vermietung derselben zu dem Selbstkostenpreise in die Regelung Deutschland aus. Jm Dreiflaffen- Barlament feiert die Reaktion, das burg und Frau Stod Berlin. preußische Junker-, Pfaffen- und Muckertum seine Triumphe. OhnDie Gemeinden laufen durch Die auf den deutschen Parteitagen geltende Geschäfts- der Wohnungsfrage eingreifen. mächtig, mart und fraftlos steht dieser übermütigen Gefell- ordnung wird auch für diesen Parteitag mit der Aenderung an- folches Vorgehen teinerlei Risiko. In den Mieten für die Kommunalschaft das preußische Bürgertum gegenüber. So ist es der genommen, daß entsprechend der geringeren Zahl der Delegierten wohnungen, wenn ich mich so ausdrücken kann, sollen ja nach Sozialdemokratie vorbehalten, den Kampf in Preußen aufzunehmen. Die Ziffern für die Unterstützung der einzelnen Anträge von 15 und unseren Forderungen nicht nur die Herstellungskosten, sondern auch angemessene Amortisationsquoten eingesetzt sein. Und da diese Die Sozialdemokratie wird vollenden, was die Bourgeoisie vor 20 auf 10 und 15 herabgesetzt werden. 57 Jahren angefangen und unvollendet liegen gelassen hat. Das Häuser immer befeht sein werden, weil die Wohnungen billiger und beffer find als die durch Privatkapital hergestellten, so werden die westliche Kalmüdentum, die preußische Junkers, Muder- und Pfaffenherrschaft wird durch die Sozialdemokratie überwunden werden. Es Gemeinden wegen der Beschaffung der notwendigen Gelder kaum je fcheint ein gutes Omen zu sein, daß um die Jahreswende der in Verlegenheit geraten. Sollte der Fall aber eintreten, daß in einer Gemeinde durch irgend welche Umstände vielleicht große preußische Parteitag tagt. Hoffen wir, daß seine Beschlüsse für die Sozialdemokratie Preußens, für die Sozialdemokratie Deutschlands Fabrikanlagen errichtet werden und dadurch ein Bevölkerungszufluß im neuen Jahre gute Früchte zeitigen werden.( Lebhafter Beifall.) entsteht, dem die Gemeinde weder materiell noch intellektuell geHierauf ergreift das Wort wachsen ist, so müßten in dem Reichs- Wohnungsgeset. das wir fordern, Bestimmungen vorgesehen sein, daß solche Gemeinden mit den benachbarten zu Zweckverbänden zusammengeschlossen werden können. Diese Zweckverbände müssen, wenn auch sie noch nicht genügend leistungsfähig sind, die benötigten Gelder durch den Staat vorgefchoffen erhalten. Pant Singer: N 6 Als vorläufige Tagesordnung für die Beratungen des Parteitages wurde vom Parteivorstand festgesezt: 1. Der Wohnungsgesezentivurf. Berichterstatter H. Heimann. 2. Der Gefeßentwurf F treffend die Bestrafung wegen Annahme fontrattbrüchiger Arbeiter. Berichterstatter A. Stadthagen. 3. Der Schulgefeßentwurf beziehungsweise der Schulgefeßtompromiß der maßgebenden Parteien im Landtage. Bericht erstatter Dr. L. Arons. " " 4. Das Landtags- Wahlrecht. Berichterstatter G. Ledebour. Ein am 22. Dezember eingegangener Antrag aus Heddernheim, Genoffen und Genossinnen! Im Auftrage und im Namen des die Stadt und Landgemeinde- Ordnung" auf die Parteivorstandes der sozialdemokratischen Partei Deutschlands heiße Tagesordnung zu setzen, wird debattelos abgelehnt. ich Sie herzlichst willkommen und danke Ihnen dafür, daß Sie in Schrader- Hannover schlägt vor, die Partei- Organisation in so großer Anzahl unserem Rufe gefolgt sind. Breußen" als fünften Bunft auf die Tagesordnung zu setzen. Es Artikel 2 bestimmt, daß durch die Bauordnungen insbesondere Bisher hat in Preußen eine fozialdemokratische Landes- tönnte eingewendet werden, daß der nächste allgemeine Parteitag fich die Abstufung der baulichen Ausnutzbarkeit der Grundstücke nach organisation nicht eristiert. Man war mit Recht der Meinung, mit der Organisationsfrage befassen muß. Aber für Preußen muß Ortsteilen, Straßen und Pläßen geregelt werden kann, und es muß daß man sich mit Rücksicht darauf, daß in Berlin der Siz die Frage doch gesondert beraten werden. Singer sprach ohne weiteres zugegeben werden, daß das Kapitel der Bauordnung des Parteivorstandes ist und daß der größte Bundesstaat durch von der preußischen Landesorganisation. Aber bies ein- ein sehr wichtiges für die Wohnungsfrage ist. In jeder ber die preußische Sozialdemokratie repräsentiert wird, mit den heitliche Organ befizen wir nicht. Die einzelnen Provinzial- nünftigen Bauordnung dürfte nur die Rücksicht auf das Wohl Provinzial- Organisationen begnügen fönnte. Die Verhältnisse und Agitationskomitees genügen nicht mehr und reichen der zukünftigen Bewohner der zu errichtenden Baulichkeiten maß haben sich aber in einer Weise gestaltet, daß der Parteivorstand, den nicht aus. Ein besserer Zusammenschluß ist notwendig; die gebend sein. Bei uns find aber die Rücksichten auf die GrundstücksAnregungen von verschiedenen Seiten gern folgend, zu der Ueber- preußische Sozialdemokratie muß sich als besondere Sektion in die besiger entscheidend. ist tlar, daß der Preis zeugung gekommen ist, daß es notwendig sei, daß auch die preußische große Organisation des Reiches einfügen. Nur so ist es möglich, in eines Grundstücks erheblich beeinflußt wird durch die Art, Sozialdemokratie in ihrer Gesamtheit, vertreten durch Delegierte aus Sie Reaktionspolitik Preußens einzugreifen. Eine lebendige Be- wie e& überbaut werden kann. Jede Beschränkung gibt allen Kreisen, das Wort nimmt, um einzugreifen als Landes- wegung können wir nur dann entfalten, wenn an der Spize Preußens den zukünftigen Bewohnern mehr Luft und Licht und sentt organisation in die Geschäfte der Partei und in die Gestaltung der ein besonderer Landesausschuß steht. Der überlastete Parteivorstand gleichzeitig die Preise für den Grund und Boden. Heute Dinge, in die Gestaltung der großen Fragen, die uns alle bewegen, kann sich um die preußischen Dinge nicht so eingehend kümmern. wo bei uns in allen großen und größeren Städten der Grund daß auch die preußische Sozialdemokratie Schulter an Schulter mit vielleicht könnte jetzt gleich im Anschluß an diesen Vorschlag eine und Boden bis meilenweit ins Land hinein sich in Händen von marschieren müsse zur Bekämpfung der bürgerlichen Gefellschaft, nicht Kommiffion eingesetzt werden, die einen Organisationsentwurf vor- Spekulanten und Terraingesellschaften befindet, wird ein solcher plannur im Deutschen Reich, sondern speziell auch in Preußen, dem Herd bereitet, der, wenn er angenommen wird, provisorisch gilt, bis der all- mäßiger Ausbau der Städte ohne scharfen Eingriff in die Rechte der der Reaktion, der Quelle aller Hindernisse. gemeine Parteitag bestimmte Normen für die Organisation gegeben Grundstücksbesitzer nicht möglich fein. Ein solcher Eingriff wäre Wir mußten umsomehr jetzt einen preußischen Barteitag ein hat. Vor allem müssen wir an die Spize Preußens einen Landes- aber selbst vom Standpunkt des heutigen kapitalistischen Staats berufen, als die preußische Regierung in ihrem reattionären Beausschuß stellen. durchaus unbedentlich. Ob nun die verschwindende Zahl streben allzeit in Deutschland voran Schritte tut, um das, was Pfannkuch: Was sich gegen den Antrag sagen läßt, hat der von Grundstücksspekulanten und Befizern von Aftien der Terraindurch die Reichs- Gesetzgebung ihren reaktionären Gelüften nicht boll- Antragsteller selber gefagt. Was er wünscht, läßt sich erreichen, ohne gesellschaften ihr investiertes Kapital etwas höher oder niedriger ständig zu erreichen gelingt, auf dem Wege der preußischen Gesez- daß sein Antrag angenommen wird. Vom Kreise Niederbarnim liegt berzinsen oder ob sie selbst Geld verlieren, das ist für das Nationalgebung zu erringen. Die volksfeindlichen Gesetze, die heute etwa bereits der Antrag vor, daß der preußische Parteitag in regel- vermögen ganz gleichgültig und verschwindet vollkommen hinter der unnoch fehlen, um die Arbeiterklasse vollständig rechtlos zu machen und mäßigen Intervallen wiederkehren soll. Diefer Antrag wird, falls gebeuren Wichtigkeit der Tatsache, ob die Millionen der fünftigen Mieter zu unterdrücken, verdanken dem preußischen Landtage ihre Entstehung. er angenommen wird, erreichen, was Schrader will. Außerdem ist dieser Gelände besser und billiger wohnen. Bauordnungen sind nicht für Angesichts des elenden Dreitlassen- Wahlsystems, des Gipfels der von den Veranstaltern dieses Parteitages ein ähnlicher Gedanke er die Ewigkeit gegeben. Werden fie eingeschränkt, fällt dadurch der Reaktion, die in diesem Wahlsystem sich berkörpert, angesichts örtert worden; auch foll neben dem Barteivorstande eine Instanz Breis des Grund und Bodens, so passiert den Grundstücksspekulanten des Umstandes, daß dadurch die Sozialdemokratie von der eben nur das, was allen anderen Spekulanten zuſtößt, d. h. fte Landes- Gesetzgebung ausgeschlossen ist, betrachten wir es für unsere müssen mit wechselnden Konjunkturen rechnen, während bisher fast ernste und heilige Pflicht, von hier aus unsere Stimme erschallen ausnahmslos ein Steigen der Bodenpreise stattgefunden hat. Wie zu lassen und den herrschenden Klassen flar zu machen, wie das die verschiedenen Bauordnungen die Preise des Proletariat über ihre freiheitsmörderische, volksfeindliche Politik Landes beeinflussen, dafür möchte ich Ihnen ein Beispiel denkt.( Beifall.) geben. Im Jahre 1892 wurde durch den Landrat Stubenrauch die sogenannte Teltower Bauordnung erlassen, durch welche einige Baubeschränkungen für die westlichen Vororte Berlins vorgesehen wurden. Die Attien der betreffenden Terraingesellschaften fielen sofort um 16-37 Proz. Die Wut dieser Kreise gegen einen solchen Einbruch in ihre wohlerworbenen" Rechte war natürlich groß. Ein erbitterter Stampf gegen die Bauordnung wurde eingeleitet mit dem Erfolge, daß die tgl. Regierung zu Potsdam unter Aufopferung jener ersten eine neue Verordnung erließ, die mit dem Tage der Veröffent lichung, dem 1. Mai 1903, in Kraft trat. An der Börse war man von diesem Siege schon vorher unterrichtet und hatte die kommenden Gewinne rechtzeitig estomptiert. Binnen einem Vierteljahr stiegen die Attien der betreffenden Gesellschaften um geschaffen werden, die selbständig die preußischen Parteitage einzuberufen hat. Es bedarf also des Schraderschen Antrages nicht; ich bitte ihn abzulehnen. Der Antrag Schrader wird abgelehnt und die provisorische Tagesordnung unverändert angenommen. Das internationale sozialistische Bureau in Brüssel fendet dem Barteitag ein Begrüßungsschreiben. Die Arbeitszeit des Parteitages wird auf 9-1 und 3-7 Uhr festgefeßt. Es wird in die Tagesordnung eingetreten. Berichterstatter 1. Der Wohnungs- Gefeßentwurf. Hugo Heimann: " Neben dem Abgeordnetenhause egiftiert ja noch die besondere Raritatur einer Volksvertretung, die unter dem Namen Herrenhaus seit jeher eine unheilvolle Rolle gespielt hat. Diesen beiden Störperschaften gegenüber, die es als ihre einzige Aufgabe betrachten, Geseze zu schaffen, durch die unter dem Schein eines Konstitutionalismus Bureaukratismus und Absolutismus zur Herrschaft tommen, ist es notwendig, daß in freier Diskussion die Ansichten der Arbeiterklasse zum Ausdrud fommen, denn gerade die Ausbeutung der Arbeiterklasse ist es ja, die den herrschenden Klassen im Landtage die Möglichkeit gibt, ihre gefeßlichen Privilegien geltend zu machen, weil der Befiz, auf Nach langen Vorbereitungen und Ankündigungen hat die Grund dessen sie dieses Privilegium ausüben, erarbeitet ist von der preußische Regierung den Gefeßentwurf veröffentlicht, den sie Gefeßgroßen rechtlosen Masse, auf deren starken Schultern Staat und entwurf zur Verbesserung der Wohnungsbedingungen nennt. Für die Gesellschaft aufgebaut sind. 1 600 000 sozialdemokratischen Wähler Preußens, die das Dreillaffen- 9 millionen Mark, ein um so riesigerer Betrag, wenn man bedenkt, Das sind die Gründe, die den Vorstand veranlaßt haben, den Wahlrecht vom direkten Einfluß auf die Gefeßgebung aus- daß das nominelle Aftienkapital aller in Betracht kommenden GeParteitag zusammenzuberufen. Die Tagesordnung enthält eine Reihe schließt, ist der prinzipielle Standpunkt zu ihm gegeben. Ich brauche sellschaften nur 30 Millionen beträgt. Mit solchem Vervon Fragen, die für die Arbeiterklasse von der vitalsten Bedeutung find. ihn an dieser Stelle so wenig zu erörtern wie die Gründe der halten der preußischen Regierung stimmt ihr Vorgehen überein, Wir werden unsere Ansichten zu äußern haben über den preußischen Wohnungsnot, ich brauche auch keine Schilderung ihres erschreckend sobald der Fistus felbst als Grundstücksbesizer auftritt. Kein Wohnungsgesehentwurf. Es muß Klarheit darüber geschaffen werden, großen Umfanges zu geben. Wir müssen gegenüber allen Plänen, privater Grundstücksfpetulant kann sich einen Pfifferling weniger daß nicht die Vorlage der Regierung und nicht jene Auffassung, die in der bürgerlichen Gesellschaft die Wohnungsnot zu beseitigen, um Algemeininteressen fümmern als der preußische Staat, wenn er die bürgerlichen Parteien von der Wohnungsfrage haben, der Auf- besondere Borsicht walten laffen. Denn gerade die Wohnungsfrage Terrains zu verkaufen hat. faffung der Arbeiterklasse entspricht, sondern es muß deutlich aus ist seit jeher der Tummelplas sozialpolitischer Eine weitere Voraussetzung für eine solche Ausgestaltung ist, gesprochen werden, daß nur durch die Beseitigung des Privatbefizes Reformen aller Art. So fand vom 16. bis 19. Oftober baß das Gebiet unserer Großstädte über ihre ganze natürliche an Grund und Boden die Vorbedingung für die Lösung ber in Frankfurt a. M. der erste allgemeine deutsche Wohnungstongreß Wachstumssphäre erweitert wird. Die Eingemeindung der Vororte, Wohnungsfrage geschaffen werden kann. Wenn wir weiter ber- statt. Sein komplettes Fiasko bezeugt das Urteil Prof. Brentanos, die Angliederung an ihr wirtschaftliches Zentrum darf von Aufsichts handeln werden über das Gesetz, das unter dem Namen Kontratt baß es der bürgerlichen Wissenschaft nicht gelungen fei, die Klassen wegen nicht gehindert, sondern muß auch gegen Widerstreben der bruchgefeß bekannt ist, dann wird die Arbeiterklasse, die hier ver- gegenfäße zu überwinden, bezeugt ebenso der Jubelruf der Haus- Gemeinden durchgeführt werden. Dann wird es nicht passieren treten ift, ihre Stimme erheben und berlangen nicht befizer, beren Urteil der bekannte Baumeister Hartwig tönnen, wie es jept vielfach geschieht, daß einzelne Vororte durch nur die Gleichberechtigung der industriellen und landwirt dahin zusammenfaffen fonnte, daß der Grund der Wohnungs- ihre Spezial Bebauungspläne nur reiche Leute zulassen und ihre schaftlichen Arbeiter, sondern die Gleichberechtigung aller. Gie not die mangelnde fittliche Qualifikation vieler Mieter fei, Steuern niedrig zu halten vermögen, während die betreffenden Einwird nicht dulden, soweit fie dazu imftande ist, daß über die land- die Lust an Spiel und Weibern hätten und ihr Geld in die Streit wohner ihr Vermögen im Verkehrszentrum erarbeiten lassen. lichen Arbeiter ein Gesetz hereinbricht, das den legten Stest bon taffe abführten.( Hört! hört 1) Und der Referent, Profeffor Bohle, Artikel 3 spricht davon, daß Häufer mit fleinen Wohnungen bei Menschenwürde in ihnen zu erstiden geeignet ist. Bei den Bernegierte jebe Wohnungsreform, als er schrieb, das Anwachsen der der Festsetzung von Gebühren für Kanalisation, Wasserversorgung handlungen über die Schulfrage werden die reichen Erfahrungen, die Bodenrente fei teine ungerechte Erscheinung, müsse als notivendige und dergleichen bevorzugt werden sollen. Als ein Mittel zur Sie alle mitbringen, dahin führen, daß der Parteitag flammenden und gegebene Tatsache bingenommen werden. So wenig wie dieser Linderung der Wohnungsnot fommt das gar nicht in Betracht. Kein Protest erhebt gegenüber dem realtionären Bestreben, die Schule Kongreß hat der preußische Städtetag neue Wege zur Ver- Befizer von Arbeiterwohnhäusern wird, weil er mun etwas weniger noch mehr an die Stirche auszuliefern. Wir werden feinen Zweifel befferung des Wohnungswesens gewiesen. Nun müssen wir Steuern zu zahlen hat, die Mieten herabseßen, sondern er wird darüber laffen, daß das, was die bürgerlichen sogenannten liberalen scharf unterscheiden zwischen akuter Wohnungsnot, der Mangel fehr bergnügt den ersparten Betrag in die Tasche steden und beim Parteien tun, nichts weiter ist, als ein Kompromiß, der den Kern an Wohnungen auch für zahlungsfähige Mieter, und Verkauf die Ersparnis kapitalisiert auf die Preise schlagen. der Sache nicht trifft. Unsere Aufgabe wird es sein, dafür zu sorgen, chronischer, der darin besteht, daß die Wohnungen Wende ich mich nun zu den Artikeln, die den Erlaß von daß die Schule von den ihr anhaftenden Fesseln befreit für die unbemittelte Bevölkerung vollkommen unzulänglich und im Wohnungsordnungen und die Schaffung von Wohnungsämtern # regeln, so springen zunächst die Tatsachen ins Auge, daß Wohnungs« ordnungen nur im Wege der Polizeiverordnuug und nur für Ge- meindeu mit mehr als 10 000 Einwohnern zu erlassen sind, und daß die Kontrolle durch die Wohnungsämter nur iu Gemeinden mit mehr als 100 000 Einwohnern zu erfolgen hat. Diese letzteren Be- stinulmngen bedeuten von vornherein eine Kapitulation vor den Juukeru. In einem Entwurf, der einem anderen als einem Drei- klassen-Parlament vorgelegt würde, wären solche Bestimmungen einfach unmöglich. Aber freilich, der ganze Entwurf ist ja von dem Bestvf m durchzogen, überhaupt nur geringfügige Verbesserungen der WohmuigSverhältnisse zu bewirken, damit nicht durch den großen Unterschied der Wohnverhältnisse in den Städten und auf dem Lande die Landflucht des ländlichen Proletariats noch befördert werden könnte. In der Begründung heißt es ausdrücklich: „Mit Rücksicht auf all diese Verhältnisse, die für die ländlichen Ge in ein den und die vor- wiegend Landwirtschaft betreibenden Teile des Staatsgebiets vielfach schwerwiegende Nachteile im Gefolge gehabt haben, bedarf die Frage einer sorg- fältigen Prüfung, ob von einem auf die Beseitigung der vor- handeneu Wohnungsmißstände gerichteten Vorgehen ein un- erwünschter Einfluß auf die Vermehrung des Zuzugs der ländlichen Bevölkerung nach den Städte» und I Ii d u st r i e z w e i g e n zu e r lv a r t e n ist." Das ist also das Fazit! Aus diesem Geist heraus find auch die an die Wohnungen zu stellenden Mindestanforderungen entstanden. Wie gänzlich unzuläng- tich sie sind, kann ich Ihnen mit den Worten eines amtierenden preußischen Ministers nachweisen. Die Vorschriften sind genau nach- cbildet der Polizeiverordnung, die der jetzige Finanzminister Rhein- oben als Regierungspräsident für Düsseldorf erlassen hat. Als nun die Anstellung eines Wohnungsinspektors für Düsseldorf im Ab- geordnetcnhaus zur Beratung stand, führte R h e i n b a b e n am 12. Februar 1902 u. a. aus: „In Düsseldorf besteht' seit einer Reihe von Jahren eine Polizeiverordnung, die gewisse Mindest- anforderungen für Wohnungen aufstellt. Ich betone das Wort Mindestanforderungen, es sind in der Tat überaus bescheidene An- forderunaen. Beispielsweise wird pro Kopf nur ein Rauminhalt von 10 Kubikmeter Lust verlangt. Man hatte mit vollster Ab- ficht sich mit der geringsten Forderung begnügt." Die Baugenossenschaften nehmen als Mindestbodenfläche für die kleinsten Kammern 12 Quadratmeter an; als Mindestluftraum wird von Rubner und Noivack 20, von Bär 22, von Erismann 24, von Steven 30 Kubikmeter verlangt. Die preußische Regierung aber begnügt sich mit 10 Kubikmeter Luftraum und 4 Quadratmeter Bodenfläche. Es fehlt in denr Entlvurf dann ferner, daß eine Anzeige- Pflicht für den Wohnungswechsel statuiert wird, damit der bauliche Zustand der Wohnungen kontrolliert und festgestellt werden kann, ob der kubische Inhalt der Wohnungen für die neu Hereinziehenden auch genügt. Von den Fenstern spricht der Entwurf überhaupt nicht und doch ist die Größe und Lage des Fensters von ausschlag- gebender Wichtigkeit für die Gesundheit und Lllftbarkeit eines Zimmers. In den Bestimmungen für die Aufnahme von Schlaf- gängern fehlt die Vorschrift, daß jeder Schlafgänger ein eigenes Bett, ein eigenes Waschgefäß und Handtuch haben soll. Zahlreiche preußische Polizeiverordnungen enthalten derartige Fest- stellnngen, in dem Entwurf fehlen sie gänzlich. Keller- Wohnungen müßten überhaupt verboten werden. Alle Vor- schriften des Entwurfs beziehen sich nur auf M i e t s h ä u s e r, sie müßten aber durchaus auch auf die eigenen Häuser ausgedehnt werden. Die Bestimmung, daß die Gemeinden berechtigt sind, über die gesetzlichen Mindest-Anforderungen hinaus- zugehen, sind wertlos. Die Gemeinden, in denen das bei uns heute herrschende Regime derartiges tun wird, wird man an den zehn Fingern abzählen können. Daß alle Bestimmungen durch Ausnahmen; die alle in Betracht kommenden Behörden zu gewähren imstande sind, durchlöchert werden köiknen, erwähnte ich bereits. An der Unterbringung der Arbeiter geht der Entwurf, wie gar nicht anders zu erlvarten, achtlos vorbei. Es wird lediglich bestinunt, durch Polizeiverordnungen, durch welche die Unterbringung von Arbeitern geregelt wird, müssen Mindestforderungen hinsichtlich der Beschaffenheit, Einrichtung, Aus- stattung usw. festgesetzt werden. Geringfügig wie diese positiven Bestimmungen des Entwurfes sind, sie haben genügt, um eine wahre Empörung unter den Hausbesitzervereinen hervorzurufen. Kein xbeliebiaer Haus- agrarier, sondern der Stadtverordnete Justizrat Dr. Baumert, der Vorsitzende des preußischen Landesverbandes der städtischen Haus- und Grundbesitzervereine, hat eine Kritik des Entwurfes ver- öffentlicht, in der er sich unter anderem gegen die Bestimmung des Entwurfes, daß jede Wohnung einen eigenen Abort haben muffe, mit folgenden Worten wendet: „Solle nicht vielleicht gerade die gemein- sanre Benlltzung des Aborts erzieherisch auf die Friedfertigkeit wirken?(Lachen.) Gerade die Be- gründung betont so schön das erzieherische Moment und nimmt dieses für den Entwurf in A n s p r u ch." Die Bestimmung des Entwurfs, daß Personen über 14 Jahren getrennt nach Geschlechtern schlafen, wird wie folgt bekämpft: „Der Versuchung zu ll n s i tt l i ch k e i t e n Widerstand leisten, kann nur ein Mensch, der von Jugend auf mit den» anderen Geschlechte frei zu verkehren gelernt hat, der dies täglich geübt hat. Jede Trennung der Jugend nach Geschlechtern schädigt überall den Familiensinn und fördert die Sittlichkeit nicht, sondern schädigt sie sogar.(Gelächter.) Warum also stellt der. Gesetz- g e b e r's o Ich e Forderungen?" Dabei haben die Wohnungsämter und Wohnnngöiuspektionen gar keine eigenen Machtbefugnisse. Läßt sich durch Rat, Belehrung oder Mahnung Abhülfe nicht schaffen, so haben sie sich an die Polizei zu wenden, damit diese das weitere veranlaßt. So wird bedauer- ticherweise das ganze Wohnungsamt zu einem der Polizei unter- geordneten Organ herabgcdrückt. Auch die Polizei wird, das kann man heute schon mit Bestimmtheit sagen, Zwangsmatzregeln nur in den seltensten Fällen anwenden. Zu dieser tatsächlichen Unnröglichkeit, die Bestim- m u n g e n des Entwurfs scharf zu handhaben, kommt überdies die Neigung unserer staatlichen Bureaukratie, die besitzenden Klassen nicht scharf anzufassen. Von den Ausnahmebestimmungen des Entwurfs wird daher sicherlich der ausgiebigste Gebrauch durch die staatlichen Organe gemacht werden. Aus meinen Darlegungen werden Sie ersehen haben, daß die- jenigcn Maßnahmen, mit deren Grundgedanken, wenn auch nicht mit deren Ausführung wir uns einverstanden erklären können, eine Ein- schränkung der Rechte der Selbstverwaltung und eine Erweiterung der Machtbefugnisse der staatlichen Organe bilden. Diese nicht weg- zuleugnende Tatsache hat ja zahlreichen Gemeinden, Berlm voran, Gelegenheit gegeben, gegen den Entwurf als Beeinträchtigung der Rechte der Selbstverwaltung zu pro- testieren und man hat uns gesagt, ihr, die ihr doch stets für völlige Selbstverwaltung der Gemeinden einzutreten vor- gebt, ihr müßt hier mit uns an einem Strange ziehen. Nun wir dürfen uns durch solche Gründe nicht einfangen lassen. Die angebliche Hochhaltung der Rechte der Selbst- Verwaltung, das ist die Maske, hinter der kämpfend man daS Gesetz, dessen ganze Richtung den Herren nicht patzt, zu Fall bringen möchte. Wir haben g e w isß k e i n e V e r a n l a s s u n g. der preußischen Bureaukratie freundlich und vertrauend gegenüber- zustehen. Weit größer aber ist auf dem Gebiete des Wohnungs- wesenS unser Mißtrauen gegen die Interessenten, die in den Gemeindeverwaltungen die Majorität bilden. Gehen wir in der Ver- werfung des Entwurfs Hand in Hand mit den Hausagrariern, den rückständigsten Schichten im Biirgertmn, den schlimmsten Feinden des Proletariats, so ist es doppelt nötig, eine scharfe Scheidewand zwischen jenen und uns aufzurichten. Wir sind gegen den Entwurf, weil eruns nicht genügt. Nicht in dem, was er bringt, weniger noch in dem, was er nicht bringt. Für uns ist das einzig Erfreuliche an der geplanten gesetzgeberischen Aktion, daß nunmehr auch die preußische Regierung die himmelschreienden Zustände auf dem Wohnungsgebiete und die Tatsache zugibt, daß sie selber von der freiwilligen Betätigung der preußischen Kommunen in ihrer jetzigen Zusammensetzung nichts mehr erwartet und erhofft. Wie ein roter Faden zieht sich durch die Motive das Mißtrauen gegen die Hausbesitzermajoritäten in den Kommunen. Wenn ich aber traurige Zustände verbessern mutz, wenn ich dazu als Organe die Gemeindevertretungen gebrauche, so muß ich zunächst mal als ersten Schritt diese Zusammen- s e tz u n g der Gemeindevertretungen von Grund aus ändern. Die preußische Regierung aber handelt ganz anders. Fragen wir, warum sie das tut, so liegt die Antwort auf der Hand. Die Furcht vor der Sozialdemokratie beherrscht das ganze Denken und Handeln der Regierung. Wollte die preußische Regierung der Wohnungsmisere wirklich ernstlich zu Leibe gehen, so müßte sie der verhaßten und gefürchteten Sozialdemokratie die Tore zu den Ge- meindevertretungen weit öffnen. Ehe sie sich aber zu einem solchen Schritte entschließt, lieber läßt die Regierung Wohnungs- not Wohnungsnot bleibe». Und wie die Regierungen nun weiter nichts sind wie das getreue Spiegelbild der herrschenden Klassen, als deren ausführendes Organ sie zu fungieren haben, so ist es vollkommen ausgeschlossen. daß etwa durch die Beratungen im Landtag der Entwurf eine für uns annehmbarere Gestalt erhalten könnte. Der preußische Landtag, der neulich im Reichstage mit Recht als eine politische Freibank bezeichnet worden ist, in der die schlimmsten volksfeindlichen und volksverderblichen Pläne und Maßnahmen zu- sammcnaebraut werden, der preußische Landtag wird gar nicht daran denken, seinen Willen für die vernünftigere Ausgestaltung des Eni- Wurfs einzusetzen. Im Gegenteil, zwar hat die Regierung, die mit unserem Junkeitum hundertfach versippt und verschwägert ist, schon durch die Bestimmung, daß Wohnungsordnungen nur in Ortschaften mit mehr als 10 000 Einwohnern erlassen werden sollen, dafür gesorgt, daß in den Herrschaftsgebieten der Junker alles hübsch beim alten bleibt, daß also den Junkern im Herrenhaus und Abgeordnetenhaus kein Schaden geschieht; allein ein Wohnungsgesetz bedeutet im Prinzip doch wenigstens eine Einschränkung der bis- herigen Ausbeutungsfreiheit, und solches Beginnen ist den wohledlen Herren dort ein Dorn im Auge. Von der preußischen Regierung und dem preußischen Dreiklassen- Parlament, das als Zerrbild einer freiheitlichen Volksvertretung nur kapitalistischen Interessen frönt, sind also keine Maßnahmen zur Linderung des Wohnungselcnds der Massenbevölkerung zu erwarten. Wir, wir alle, die wir hier in diesem Saale vereint sind, stehen prinzipiell auf dem Standpunkt, daß eine Gesundung der Wohn- Verhältnisse, daß die Beschaffung von guten und gesunden Wohnungen für die Massen sich erst wird erreichen lassen, wenn der Grund und Boden von allen kapitalistischen Interessen losgelöst ist und sich im Gemeinbesitz der Gesellschaft befindet. Wir sind bereit, nach Kräften zu einer Linderung der heutigen Woh- nungsnot mitzuwirken, nur können wir uns niemals dazu hergeben, uns mit gesetzgeberischen Aktionen abspeisen zu lassen und etwas zufrieden zu geben, die den Anschein erwecken sollen, daß geschieht, während sie in Wirklichkeit nach ihrer ganzen Anlage zu vollkommener Unfruchtbarkeit verurteilt sind.(Lebhafte Zustimmung.) Wir müssen daher unter Verwerfung des preußischen Ent- Wurfes fordern, daß die Wohnungsgesetzgebung durch das Reich durchgeführt wird, und daß auf diese Weise das Proletariat Gelegen- heit erhält, an der Beratung eines solchen Gesetzes durch seine Per- treter entscheidend mitzuwirken. Ein solches umfassendes Wohnungsgesetz müßte neben der Regelung zahlreicher Detailfragen insbesondere enthalten Be- stimmungen über die W o h n u n g s o r d n u n g e n, die die einzelnen Gemeinden im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften für ihre Bezirke zu erlassen haben, sowie Vorschriften für die Errichtung, Zusammensetzung und den Geschäftskreis des Reichs-Wohnungsamts und der in den einzelnen Gemeinden zu errichtenden Wohnungsämter. Diese kommunalen Wohnungsämter hätten in ihren Bezirken die Woh- n u n g S i n s p c k t i o n durchzuführen und müßten natürlich mit der nötigen Machtbefugnis ausgerüstet sein, ihren Anordnungen Geltung zu verschaffen. Sie müßten ferner beauftragt werden, alle das große und weite Gebiet des Wohnungswesens und des Wohnungsmarktes betreffenden Ziffern und Daten in ihren Bezirken zu sammeln, festzustellen und zu sichten, die Ergebnisse zu publizieren und an das Reichs- Wohnungsamt zu berichten. Ich bin überzeugt, diese Berichte würden das vorhandene Wohnungßelend in seiner ganzen Größe aufhellen und uns eine wahre Fundgrube für die Agitation sein. Neben dem hygienischen Nutzen, neben dem Vor- teil der Klarstellung der tatsächlichen Verhältniffe wird eine energische Wohnungsinspektion auch eine preissenkende Wirkung aus- üben. Je größer die Möglichkeit ist, in eine kleine Wohnung eine große Zahl von Personen hineinzupressen, desto höher werden die Meten. In dem Gutachten, das Oberbürgermeister Z w e i g c r t an den Verein für Sozialpolitik erstattet hat, heißt es wörtlich: „Lasse li wir llebcrfüllung der Wohnungen zn, so steigern wir die Mietspreise, verhindern wir die- selbe aus hygienischen Gründen, so wird die Folge eine Herabsetzung der Mietspreise sei n." Sodann müßte in einem solchen Reichs-Wohnuugsgesctzl vor allem auch das Euteigimnqsrecht der Gemeinden neu geregelt werden. Daß von dem preußischen Landtag, dessen Hauptbestreben cs ist, alte vermoderte feudale Einrichtungen herüberzuretten und zu konservieren, durchgreifende Aenderungen des Euteignungsrcchts nicht zu erwarten sind, das hat das Schicksal der schüchternen Versuche ja gezeigt, die Adickes gemacht hat. Ohne durchgreifende Aenderung des bestehenden Rechts ist aber ein wirkungsvolles Wohnungsgesetz gar nicht denkbar. Wir müssen daher verlangen, daß das erweiterte Enteignungsgesetz einen Teil des Reichs-Wohnungsgesetzes bildet. Das beste Reichs-Wohnungsgcsetz wird aber ein mit schönen These» bedecktes Stück Papier bleiben, wenn es nicht Leben erhält durch sinn- und zweckentsprechende Anwendung seiner Bestimmungen durch die Organe, die mit seiner Durchführung betraut sind. Diese Organe sind vor allem die einzelnen Gemeindevertretungen. Von unseren preußischen Gemeindeverwaltungen m ihrer jetzigen Zusammensetzung erwartet aber, wie wir gesehen haben, selbst die Regierung nichts mehr. Zu einer wirksamen Wohnungsfürsorge werden sie sich niemals verstehen. Er st in demokratischen Gemeinwesen wird man anfangen, dem Wohnungsproblem ernstlich zu Leibe zu gehen. Bei uns widersetzt sich d a s H a u S a g r a ri e r t um in den Gemeindevertretungen jeder Reform, verstößt gegen die materiellen Interessen der Hausbesitzer und diese sind ja in der Lage, solche sie schädigenden Beschlüsse nicht durchzulassen. Die Zusammen- setzung der Gemeindevertretung auf der Grundlage des allgemeinen gleichen direkten und geheimen Wahlrechts und völlige Selbstverwaltung der Gemeinden sind also die Boraus- setzungen für wirksame Durchführung von Wohnungsreformen im Rahmen der heutigen Wirtschaftsordnung. Der Kampf fiir die Umgestaltung der Gemeindeverfassungen auf breitester demo- kratijcher Grundlage sowie für die Befreiung der Kommunen aus den Fesseln der engsten staatlichen Bevormundung schließt aber notgedrungen den Kampf gegen das verrottete, elende Klassen- Wahlrecht zum preußischen Landtag in sich, denn das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Sind diese Voraussetzungen gegeben, so werden lokale demo- kratische Gemeinwesen in der Lage sein. Mittel gegen die Wohnungs- not in ihren Bezirken zu ergreifen. Hier kommt zunächst die Erhaltung und Vermehrung des gemeindlichen Grundbesitzes m Betracht. Sozialistische Gemeindevertreter sollten, außer in solchen Fällen, in denen es sich um Baumasken und dergleichen handelt, der Ver- äußerung von Gemeindeterrain stets aufs schroffste entgegentreten. Selbst wenn ein Preis erzielt wird, der für den Augenblick hoch erscheint, wird die Gemeinde stets geschädigt sein, weil binnen wenige» Jahren der heutige Preis überholt und der Spekulation durch den Verkauf neue Nahrung zugeführt ist. Die Verwertung von Gelände, das für eigene Zwecke der Ge- meinde zunächst nicht zu gebrauchen ist, hat natürlich im Wege der Verpachtung oder des Erbbaurechts mit kurzen Veranlagungsperioden zu geschehen, so daß steigende Grundrente der Gemeinde zufließt. In Welch engen Beziehungen die zweite Forderung der Errichtung von Häusern mit gesunden kleinen Wohnungen durch die Gemeinden mit der Wohnungsinspektion steht, habe ich wiederholt schon hervor- gehoben. Geht mit der Wohnungsinspektion nicht die Errichtung solcher Häuser durch die Gemeinden Hand in Hand, so wird die Wohnungsinspektion nichts ausrichten können und sie wird um so wirkungsloser bleiben, je schlimmer die vorhandenen Zustände find. Es wird stets heißen, es ist doch besser, daß die Leute irgendwie und irgendwo wohnen, als daß wir sie obdachlos machen und nicht unter- bringen können. Die Erstellung solcher Häuser wird nur durch die Gemeinden in dem Unifange möglich sein, der dem Bedürfnis entspricht. Was die kommunalen Steuern betrifft, so habe ich in die Re- solution mir die Forderung nach Besteuerung des unverdienten Wert- Zuwachses an Grund und Boden aufgenommen. Der Besteuerung nach dem gemeinen Wert des Grund und Bodens können wir überall zu- stimmen, weil sie von allen in Geltung befindlichen Steuerarten die Lasten am gerechtesten verteilt. Nur kann ich ihr für die Besserung der WohnungSverbältnisse ans den vorhin angeführten Gründen keine Bedeutung zusprechen und insofern gehört sie nicht hierher. Auch die von manchen Seiten empfohlene Bauplatzsteuer vermag ich als Mittel zur Linderung der Wohnungsnot nicht anzuerkennen. In dem einen oder anderen' Falle wird es vielleicht erreicht werden, daß kapital- schwache Besitzer sich ihrer Bauplätze zu entledigen wünschen, um der Zahlung der Steuer zu entgehen. Die Grundstücke werden zu diesem Zweck aber nicht bebaut, sondern veräußert werden, und sie werden vorzugsweise aufgekauft werden durch die großen Terrain- Gesell- schaften, in deren Händen sich ja leider das meiste Land rings um die Städte befindet. Diese Terrain- Gesellschaften aber schreiben alljährlich 1 000 000 Mark von ihrem Gelände als Zinsverlust des investierten Kapitals zu und gegen diese_ Beträge fallen die minimalen Summen, die sie für die Bauplatzsteuer zu zahlen haben, gar nicht ins Gewicht. Ich komme auf die Frage der Ueber- wälzung der Steuern vom Grundbesitz. Die Frage ist eine äußerst verwickelte und noch offene. Im allgemeinen wird man, ohne Wider- spruch befürchten zu müssen, sagen können, daß in Zeiten günstiger Konjunktur und in Ortschaften mit wachsender Bevölkerungsziffer die Wirte meist in der Lage sein werden, alle Steuern auf die Mieter abzuwälzen, sofern die Gemeinden nicht in aus- reichender Zahl selbst Wohnungen erbaut haben, waS bisher noch nirgends der Fall gewesen ist. Je starrer und gleich- förmiger und unabhängiger von den jeweiligen Ertrags- und Wertverhältnissen überdies eine Steuer ist, umso eher wird sie den Charakter einer Reallast aimehmen, jedesmal im Preise des Grundstücks zum Ausdruck kommen und also mietssteigernd wirken. Am wenigsten groß scheint mir die Gefahr der Ueberwälzuug bei der Wcrtzuwachs-Steuer zu sein, die erhoben wird, wenn bei Verkauf der Wertzuwachs zu tage tritt, welchen der Besitzer über seine etwaigen Aufwendungen zur Werterhöhung des Grundbesitzes erzielt. Auch liegt diese Steuer ganz im Rahmen des Kampfes, den wir gegen die so unverdienten und unerhörten Ge- Winne der Grundstückspekulauten führen. Selbstverständlich muß auch mit einer solchen Steuer der Eigenbau von Häusern durch die Gemeinden Hand in Hand gehen. Die Steuersätze müßten progressiv steigen, je nach der Größe des Wertzuwachses und der Länge des Zeitraumes, in welchem dieser Wertzuwachs erzielt ist. Es ist nun klar, daß zwischen den betreffenden Besitzern und den Veraulagungsbehördcn stets eine ganz verschiedene Auffassung darüber herrschen wird, ob der Wertzuwachs im Sinne des Besitzers verdient, das heißt durch etwaige eigene Aufwendungen entstanden oder ob er nur infolge der Thäligkeit des Gemeinwesens erwachsen, also unverdient ist. Wohl mn diesen Schwierigkeiten zu entgehen, hat man in Frankfurt a. M., wo anfangs d. I. eine Wertzuwachs-Steuer be- schloffen worden ist, zu dein AuShülfsnnttel gegriffen, falls seit dem letzten Besitzwechsel bei bebauten Grundstücken 20 Jahre und mehr, bei unbebauten 10 Jahre und mehr verflossen sind, nur Zuschläge zu der Umsatzsteuer zu erheben, die zwischen 1—0 Proz. schwanken: Liegt dagegen der Eigentumswechsel kürzere Zeit zurück, so werden von dem eigentlichen Wertzuwachs Steuern erhoben, die von ö auf 20 Proz. steigen. Andere gesetzgeberische Versuche, die man mit der Einführung dieser Steuern in Baden. Sachsen und Bayern jüngst gemacht hat, sind über die Anfangsstadien noch nicht hinaus- gekommen. Die letzte der von mir i» der Resolution aufgestellten Forderungen, Uebernahme der Verkehrsmittel in kommunale Regie und planmäßige Aufschließung des Gemeindegebiets kann ich auch mit kurzen Worten abtun. Das Verlangen nach Uebernahme der Verkehrsmittel in eigene Regie der Gemeinden ist eine für jeden Sozialdemokraten selbstverständliche Forderung. In die Wohnungs- ftage schlägt diese Forderung ein, weil die von uns zu fordernde abgestufte Zonen-Bauordnung den unbemittelten Klassen statt Schaden nur dann Vorteil bringen kann, wenn seitens der Gemeinden für schnelle, ausreichende und billige Verbindung mit dem Zentrum und den übrigen Teilen der Stadt gesorgt ist. Diese Ziele sind aber nur zu erreichen, wenn die Gerneinden rechtzeitig vor der Schaffung neuer Verkehrslinien durch Kauf oder Enteignung sich in den Besitz des aufzuschließenden Grund und Bodens gesetzt haben, mindestens aber soviel davon in der Hand halten, um in der Lage zu sein, maßgebend auf die Preisbildung desselben einzuwirken. Täte sie das nicht, würde sie unabhängig von allen anderen Maßnahmen nur neue Verkehrslinien schaffen, so würden die lünfttgen Bewohner der Gegend den Sckiaden, den Vorteil aber die Terrainbesitzer haben, deren Gelände durch die Schaffung der neuen Verkehrswege sofort im Preise steigt. So sehen wir denn, wo wir auch anpacken, daß die vor« geschlagenen Mittel nur lvirken können, wenn sie zusammen, ein- lettlich, planmäßig und mit starker Hand durchgeführt werden.(Leb- hafter Bei'all.) Die Resolution, die der Referent vorschlägt, lautet: Die kapitalistische EntWickelung der bürgerlichen Gesellschaft schafft auf dem Gebiete des Wohnungswesens Zustände, die für die breiten Volksmassen in Stadt und Land die schwersten Schädi- gungen in gesundheitlicher, sittlicher und materieller Hinsicht herbei- führen. Das Privateigentum an Grund und Boden mit seinen mono- polistischen Wirkungen hat namentlich in den Städten die Rente aus Grund- und Hausbesitz maßlos in die Höhe getrieben und dadurch bewirkt, daß die Arbeiterklasse den vierten bis dritten Teil ihres Einkommens für die WohnungSmiete ausgeben mnß. Die unerschwinglich hohen Mieten zwingen entweder zur Auf- nähme von Aftermietern und Schlafgängern in die Familien- Wohnungen, wodurch eine mit schweren gesundheitlichen und sittlichen Uebelständen verbundene Ueberfüllung der Wohnungen herbeigeführt wird, oder es werden Räume für Wohnzwecke benutzt, die zur Be- hausung von Menschen ungeeignet sind. Um eine durchgreifende Aenderung dieser Verhältnisse zu be- wirken, bedarf es der Loslösung des Grund und Bodens von allen kapitalistischen Interessen, da diese einzig und allein auf Aus- Wucherung des Grund und Bodens und möglichste Steigerung der Grundrente abzielen. Erst auf dem im Mgemeinbesitz befindlichen, nicht dem Kapita- lismus dienstbaren Grund und Boden können gcsimde zweckentsprechende Wohnungsverhältnisse für die Arbeiterklasse geschaffen werden. Die bürgerliche Gesellschaft ist weder gewillt, noch— wie die bisher gemachten WohnungSreform-Vorschläge beweisen— befähigt, der infolge der kapitalistischen Ausbeutung entstandenen Wohnungs- not der Arbeiterklasse durchgreifend entgegenzutreten. Auch der von der preußischen Regierung veröffentlichte Wohnungs- Gesetzentwurf ist völlig ungenügend, den schweren aus dem Gebiete des Wohnungswesens vorhandenen Mißständen ernstlich zu begegnen. Durch die Beibehaltung des Geldsackswahlrechts fiir Staat und Gemeinde, durch die Fortdauer der besonderen Bevorrcchtuna der Hausbesitzer bei den Gemeindewahlen erstickt der Entlvurf jede gesunde und wirksame Wohnungsreform im Keime. Bon der alle kulturellen und freiheitlichen Bedürfnisse des Volkes 1 nehmern in Frankfurt getan wird und was nicht gerade das Zucht- Der Berichterstatter Dr. 2. Arons schlägt folgende Refozurüddrängenden preußischen Regierung ist ebensowenig eine aus- haus mit dem Aermel streift, sieht er als gesunde Spekulation an; lution vor: reichende Wohnungsreform zu ertvarten, wie von dem preußischen er betrachtet es als seine Aufgabe, Privatunternehmer durch städtische Die Boltsschule ist unter der Herrschaft der fapitalistischen GeLandtage, der, das Zerrbild einer Volksvertretung darstellend, nur Gelder zu unterstützen. Die größte Aktion, zu der er sich hat auf- sellschaft zu einer Anstalt entwickelt worden, deren vornehmste Auftapitalistischen Interessen dient und in dem eine klerikal- absolutistische schwingen können, war die Unterstügung zweier Riesen- Aktiengesell- gabe ist, die bestehende Klassenherrschaft zu erhalten und die vorMajorität ihr volts- und arbeiterfeindliches Wesen treibt. schaften aus städtischen Mitteln zum Bau von Arbeiterwohnungen. Handenen staatlichen und gesellschaftlichen Autoritäten zu stützen. 1. den Erlaß eines umfassenden Reichs- Wohnungsgefeges, unter anderem mit Bestimmungen für die in den einzelnen Gemeinden zu erlassenden Wohnungs- Ordnungen und weitgehendem Enteignungsrecht zugunsten der Gemeinden. 2. Schaffung eines Reichs- Wohnungsamtes als Zentralinstanz für die in allen Gemeinden zu errichtenden kommunalen Wohnungsämter. 3. Einführung des allgemeinen gleichen geheimen und direkten Wahlrechts für alle Einwohner der Gemeinde. Aufhebung aller Vorrechte für die Hausbefizer. 4. Völlige Selbstverwaltung der Gemeinden. Die wirksame Bekämpfung der Wohnungsnot im Rahmen der Die Gesellschaften machten dabei ein glänzendes Geschäft, sie pro- Um diesen Zweck in höherem Grade zu erreichen, ist die Schule heutigen Gesellschaftsordnung hat zur Voraussetzung einen maß- fitierten durch den Wertzuwachs enorme Summen. Die Wohnungs- dem Einfluß und der Herrschaft der Kirche unterworfen, ist der gebenden Einfluß des Proletariats auf Staat und Gemeinde, der inspektion ist bei uns noch nicht durchgeführt, weil man fürchtet, daß Geistliche zum Vormund des Lehrers eingesetzt worden, ist anstatt nur durch die Eroberung der politischen Macht errungen werden kann. dann zu viel Leute ermittiert werden müßten. Das neueste Stück der Einheitsschule für sämtliche Kinder des Volkes ein nach den Der Parteitag der preußischen Sozialdemokratie fordert daher Frankfurter Wohnungspolitik besteht darin, daß auf Drängen fozialen Schichten geschiedenes Schulsystem entwickelt worden, das unter Verwerfung des preußischen Gesezentwurfs: der Hausbesitzer an einem großen Straßendurchbruch Grundstücke darin gipfelt, daß der Lehrstoff für die in den eigentlichen Volksgebaut wurden, aber nur aus dem Grunde, damit die Hausbesizer schulen vereinigten Schüler auf das dürftigste bemessen ist. in der Umgegend auch angehalten werden, zu bauen; diese Grund- Obgleich die preußische Volksschule längst von dem Volksschulstücke werden dann an die Spekulanten wieder verkauft. Auch mit wesen in vielen anderen Staaten überflügelt wurde, und obgleich dem sozialpolitischen Steuerwesen ist es in Frankfurt nicht weit her. es die Entwickelung des modernen Wirtschaftssystems in hohent Durch die Zuwachssteuer ist nichts Grundlegendes geschaffen. Adickes Grade fördert, wenn auch der letzte Arbeiter ein höheres Maß von selbst mußte auf meine Frage eingestehen, daß die Steuer auf die Wissen und können besitzt, hat ein großer Teil der sich liberal Mieter abgewälzt werden kann. Einen von dem Referenten ab- nennenden Bourgeoisie sich mit den ausgesprochensten Feinden der weichenden Standpunkt nehme ich in der Frage des Selbst- Volksbildung zu dem sogenannten Schultompromis vereinigt. verwaltungsrechts ein. Ich stehe auf dem Standpunkt, Der Schulkompromiß ist ein Verrat an den bisherigen Kulturdaß wir selbstverständlich nicht in die Gründe der bürger- errungenschaften, ein Aft namenloser Feigheit einer sich liberal lichen Stadtverordneten einzustimmen haben. Aber wir nennenden Bourgeoisie, die damit die Volksschule endgültig zur wollen doch von der städtischen Selbstverwaltung Dienerin der Kirche herabwürdigen will. auch ein Stüd für unsere Ziele behalten. Wir sind Der Parteitag der Sozialdemokratie in Preußen sieht in der doch mehr und mehr bemüht, in die Stadtgemeinden einzubringen allgemeinen möglichst hohen Volksschulbildung aller ein eminentes und müssen von dem Selbstverwaltungsrecht im Interesse unserer Kulturelement, das die geistigen und materiellen Interessen des Klaſſengenossen entschieden und energisch Gebrauch machen. Wir Voltes aufs höchste fördert. müssen uns die nötige Bewegungsfreiheit wahren. Die Resolution fcheint mir etwas lang geraten, vielleicht empfiehlt es sich, die ersten acht Absätze zu streichen. Weiter wäre es erwünscht, auch den Zusatzantrag Nieder- Barnim mit aufzunehmen und einen weiteren Absatz einzufügen, worin gefordert wird, daß der Wohnungsgesetz- Entwurf den Ausschüssen der Gewerbegerichte zur Begutachtung vorgelegt wird. ( Beifall.) in Betracht: Grund und Boden. Erst wenn diese politischen Vorbedingungen gegeben sind, werden die Gemeinden die Wohnungsnot ernstlich bekämpfen können. Als hierfür geeignete Mittel kommen in erster Linie a) Erhaltung und Vermehrung des Gemeinde- Eigentums an b) Errichtung durch die Gemeinden von Häusern mit gefunden dem Bedürfnis der breiten Massen entsprechenden Wohnungen, welche zu Mietspreisen abzugeben sind, bei denen nur die Verzinsung und Amortisation des aufgewendeten Kapitals sowie die aus der Instandhaltung der Gebäude entstehenden Kosten in Ansatz gebracht werden. c) Besteuerung des unverdienten Wertzuwachses an Grund und Boden. d) Aufstellung von umfassenden Stadterweiterungsplänen und Erlaß abgestufter Bauordnungen. e) Uebernahme der Verkehrsmittel in fommunale Regie und planmäßige Aufschließung des Gemeindegebietes. Die Diskussion wird eröffnet. Mit zur Debatte stehen die Anträge 3( Nieder- Barnim) und 6 ( Hoffmann- Bielefeld). Antrag 3. Die Preußenkonferenz soll zum Ausdruck bringen, daß die Wohnungsaufsicht, welche im Wohnungsgesetzentwurf für Gemeinden über 10 000 Einwohner vorgesehen ist, auch auf die Kleinsten Gemeinden obligatorisch auszudehnen ist. 9 Schütz- Breslau: In Breslau hat der Oberbürgermeister Bender unter lebhaftem Beifall der Hausbesizer vor der Errichtung von Wohnungen für städtische Arbeiter gewarnt, um den Hausbefizern feine Konkurrenz zu machen. Die Wohnungsverhältnisse find bei uns so schlecht, daß der Magistrat sich schon vor vier Jahren veranlaßt gesehen hat, eine Gesundheitskommission einzusetzen. Diese Kommission hat zwei Jahre gebraucht, um die Formalien zu erledigen, sie hat als Unterkommission eine Wohnungskommiffion eingesetzt und dadurch einen Entrüstungssturm unter den Hausbesißern entfesselt. Der Magistrat troch zu Kreuze, und die Wohnungskommission ist nicht nicht in Tätigkeit getreten. städtische Baupolizei, an deren Spize Herr Bender steht, hat Wohnungen für unbewohnbar erklärt, aber der Magistrat, an dessen Spitze derselbe Herr steht, hat den entgegengefeßten Standpunkt eingenommen und nun soll im Prozeßwege entschieden werden, ob Herr Bender als Haupt des Magistrats oder als Chef der Baupolizei recht hat.( Heiterkeit.) Wir sollten mit allen Kräften danach streben, daß die Uebelſtände im Wohnungsmerksamkeit zuwenden und vor allem müssen unsere Gemeindevertreter bei jeder Gelegenheit auf die erbärmlichen Wohnverhältnisse hinweisen und die Gemeinden zwingen, unseren Forderungen Rechnung zu tragen.( Beifall.) maß Von diesem Gesichtspunkt aus fordert der Parteitag als Mindest zur Hebung des Volksschulwesens in Preußen: 1. Die Trennung der Schule von der Kirche, d. h. die gänzliche Beseitigung des Einflusses der Geistlichkeit in der Schule und der Ausscheidung jedes religiösen Unterrichtes aus dem Lehrstoff der Schule. 2. Die Einheitsschule für alle der Schulpflicht unterworfenen Schüler; neben der Unentgeltlichkeit des Unterrichts auch die Unentgeltlichkeit der Lehrmittel; Beschränkung der Schülerzahl auf ein Maß, das dem Lehrer die volle Unterweisung feiner Schüler ermöglicht. Bessere Ausbildung und Besoldung der Lehrerschaft. 3. Schaffung von Schulräumen und Lehrmitteln, die den Anforderungen der Hygiene und der vorgeschrittenften Pädagogik entsprechen. 4. Ernährung und Bekleidung aller hülfsbedürftigen Schüler. Der Parteitag fordert die Parteigenossen auf, im Sinne der vorstehenden Forderungen die Agitation für eine Umgestaltung des Volksschulwesens in Preußen mit größtem Nachdruck zu betreiben. Außerdem liegen folgende genügend unterstützte Anträge vor: Antrag 7. Zum Punkt„ Schulfrage": Der Parteitag protestiert entschieden gegen die Art und Weise, in der die preußische Regierung die Volksschule in den fremd- bezw. gemischtsprachigen Gegenden als Mittel zur sog.„ Germanisation" mißbraucht, als eine den Grundfäßen der Volksbildung sowohl wie aller wahren Kultur und allem Bruns Katto wig. Antrag 6. Im 6. Absatz der Resolution zur Wohnungsfrage hinter„ Die bürgerliche Gesellschaft" einzuschalten: welche nicht einmal imstande war, mit dem Herrschaftsüberreft des Feudalismus aufzuräumen, durch welchen auf den großen Gütern Ostelbiens nach einem Ausspruch des deutschen Kaisers die Arbeiterwohnungen unter das Niveau der Schweineställe herab- wesen beseitigt werden. Die Partei muß dieser Frage ihre Auf- Gerechtigkeitsgefühl widersprechenden Maßregel. gedrückt werden. Die Mittagspause tritt ein. Schluß 1 Uhr. Nachmittags- Situng. Hoffmann- Bielefeld: Die Resolution ninunt nur Bezug auf das wohnungselend, das sich aus der steigenden Grundrente ergibt. Daneben besteht aber doch das Wohnungselend der landwirtschaftlichen Arbeiter, das aus dem Feudalismus der Junter folgt, und dies Wohnungselend zu erwähnen ist der Zwed meines Antrages, des Referenten habe ich nichts hinzuzufügen. um dessen Annahme ich Sie bitte. Den vorzüglichen Ausführungen Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Das Schlußwort erhält der den Worten: d) Einheitsschule für alle der Schulpflicht unterworfenen Antrag 8. Wir beantragen, unter 2 der Resolution nach Schüler einzufügen: mit gemeinsamem Unterricht von Knaben und Mädchen bis in die höchsten Klassen".( Coeducation.) Wally Zepler. Antrag 9. Zufazantrag zur Resolution in der Schulfrage: Um auch den steuerschwachen Gemeinden die Durchführung der zu stellenden Mindestforderungen zu ermöglichen, fordert der Parteitag die Uebernahme der allgemeinen Volksschullaften auf den Staat unter Aufrechterhaltung der Verwaltung der Volksschule durch die Referent Dr. Leo Arons- Berlin: In feiner elften Rede an die Nation hat Johann Gottlieb Fichte folgende Worte gesprochen: Auch in den neuesten Zeiten und bis auf den heutigen Tag ift die Bildung der vermögenden Stände betrachtet worden als eine Privatangelegenheit der Eltern, die sie nach eigenem Gefallen einrichten möchten, und die Kinder dieser wurden in der Regel nur dazu angeführt, daß sie sich selbst einst nüglich würden. Die einzige öffentliche Erziehung aber, die des Volks, war lediglich zur Seligkeit im Himmel; die Hauptsache war ein wenig Christentum und Lesen und, falls es zu erschwingen war, Schreiben, alles um des Christentums willen. Alle andere Entwickelung der Menschen wurde dem ohngefähren und blind wirkenden Einflusse der Gesellschaft, in welcher fie aufwachsen, und dem wirklichen Leben selbst überlassen." Frau Dr. Weyl Berlin: Wir Frauen haben ein doppeltes Interesse an gefunden Wohnungen, wir müssen uns entweder als Hausfrauen den Tag über in den Wohnungen aufhalten oder als Hausindustrielle in engen Räumen bis in die sinkende Nacht schaffen. Dazu kommt die Fürsorge für das Wohl unserer Kinder. Nach der Berliner Statistik ist die Sterblichkeit unter den Arbeiterkindern weit größer als die unter den Kindern der wohlhabenden Bevölkerung. Die Diskussion über Punkt 1, Wohnungsfrage" wird Dieses ungünstige Verhältnis ist zweifellos mit auf die schlechten fortgefeßt. Wohnungen zurückzuführen. Unsere Vertreter müssen in den GeMeyer Neustadt( Holstein) berichtet über die Wohnungsmeinden ganz energisch darauf dringen, daß der Wohnungs- Gesetz- verhältnisse des rein ländlichen 9. holsteinischen Wahlkreises. Die Gemeinde und bis zur Verwirklichung dieser Forderung die auf Anentwurf ausgebaut, daß namentlich ein größerer Luftraum gefordert Wohnungen sind äußerst elend. Redner hebt die Notwendigkeit trag einer beteiligten Gemeinde durchzuführende Bildung von Zweckund weibliche Wohnungsinspektoren angestellt werden. Pflicht unserer eines demokratischen Wahlrechts für die Gemeinden hervor. Die verbänden. Wittrisch Forst. Genossen im Lande ist es, unter den Frauen eine lebhafte Agitation Sigungen der Neustädter Gemeindevertretung finden in einem für die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse zu entfalten.( Beifall.) fleinen Zimmer statt. Alle Augenblicke wird die Deffentlichkeit Boigtherr- Stettin: Ebenso wie bei den allgemeinen wirtschaft ausgeschlossen. Ihm ist als Berichterstatter jetzt der Stuhl entlichen Verhältnissen machen wir auch bei der Wohnungsfrage die zogen worden! Erfahrung, daß gerade die weitesten Kreise derjenigen Bevölkerung, die am meisten unter dem Wohnungselend zu leiden haben, sich dieses Elends am wenigsten bewußt find, und es wird eine Hauptaufgabe bei der Löfung der Wohnungsfrage darin bestehen, in diesen Kreisen weiter aufklärend zu wirken. Auch ich habe fein Vertrauen dazu, daß bis auf weiteres aus einer gesetzgeberischen Regelung der Wohnungsfrage etwas Ersprieß liches herauskommt. Wir müssen unter den jezigen Verhältnissen die Köpfe auch nach dieser Richtung hin revolutionieren und ferner, so viel in unseren Kräften steht, zur Linderung des Wohnungselends Referent Hugo Heimann: Die Ausführungen des Genossen beitragen. Heimann meinte, daß zur Regelung der Wohnungsfrage Dr. Quard nötigen mich zu einer kurzen Erwiderung. Er glaubte zwei Beweggründe vorhanden seien: die Hebung der Sittlichkeit und einen leisen Tadel gegen mich aussprechen zu müssen, weil ich die Hebung der Gesundheitsverhältnisse. Auf die Hebung der Sitt- feinem Oberbürgermeister Abides zu lobend erwähnt hätte. Ich habe heute noch zu. Zwar wurde Fichte anläßlich seines 100jährigen Diese Worte aus dem Anfang des 19. Jahrhunderts treffen auch lichkeit legt die Bourgeoisie keinen großen Wert. Einen größeren nur verschiedene Vorschläge Adickes erwähnt, ich habe weder Todestages in ganz Deutschland gefeiert, zwar hat unser redeWert legt die Bourgeoisie auf die Gesundheitsfrage, weil sie an der Neigung, noch Veranlassung, mich zum Lobredner der Kommunal- gewandter Reichskanzler vor wenigen Jahren bei der Enthüllung Gestaltung der Gesundheitsverhältnisse selbst beteiligt ist. Eine politit Abides aufzuwerfen, und ich gebe zu, daß Dr. Quard ein eines Fichte- Denkmals ein Loblied auf diesen großen Philosophen Herabdrückung des Gesundheitszustandes im Proletariat wird zweifel- tompetenterer Beurteiler seines Oberbürgermeister ist, als ich. Ich gesungen. Aber seine Ideale sind bis heute noch los auch das Bürgertum in Mitleidenschaft ziehen. Damit hängt stimme darin mit Herrn Abides überein, daß auch die Zuwachssteuer nicht berwirtlicht. Fichte traf den Nagel auf den Kopf, als die Frage der Veranstaltung von Wohnungsenqueten in den einzelnen abgewälzt werden könnte. Die Abwälzung würde nur dann nicht er die Worte aussprach: Gemeinden zusammen. Bisher wurden diese nur in geringemllmfange vor- möglich sein, wenn gleichzeitig die Gemeinden in umfassender ,, ir... haben nicht von Erziehung des Volkes im Gegensage genommen, weil die Hausbesizerkreise das Resultat solcher Enqueten Weise mit dem Bau eigener Häuser vorgehen würden. Die höherer Stände geredet, indem wir Bolt in diesem Sinne, für ihre Interessen fürchteten. Eine partielle Enquete hat im legten von uns vorgeschlagenen Mittel werden überhaupt nur dann wirken niedern und gemeinen Pöbel, gar nicht länger haben wollen, noch Jahre in Stettin stattgefunden, und das geradezu schauderhafte Re- tönnen, wenn fie planmäßig angewendet werden. Wenn nur eines er für die deutschen Nationalangelegenheiten ferner ertragen werden fultat derselben hat dahin geführt, daß man sich entschlossen hat, die oder das andere angewendet werden würde, so würde das Kapital tann, sondern wir haben von Nationalerziehung geredet. Soll es Anstellung eines Wohnungsinspektors und vier Unterinspektoren in Mittel und Wege finden, die erstrebten Biele zu umgehen. jemals zu dieser kommen, so muß der armselige Wunsch, daß die die Wege zu leiten. Bei der Wohnungsenquete ist auch auf die Bei meiner Stellung zur Frage der Selbstverwaltung befand ich Erziehung doch ja recht bald vollendet sein und das Kind Frage der Klosetts besonderer Wert gelegt worden, die gerade für mich in Uebereinstimmung mit der Berliner Stadt- wieder hinter die Arbeit gestellt werden möge, gar nicht mehr zu die arbeitende Bevölkerung von großer Bedeutung ist, und da hat verordneten Frattion. Mir liegt die Selbstverwaltung Ddem kommen, sondern sogleich an der Schwelle der Beratung über sich ergeben, daß es Häuser gibt, in denen bis zu 70 Personen auf genau so am Herzen wie dem Genoffen Dr. Duard, aber haben ein Sloſett angewiesen sind. Das sind Zustände, die zum Himmel wir denn in Preußen überhaupt eine Selbstverwaltung? Auf Schritt schreien und die noch stärker zu tage treten würden, wenn die Enquete und Tritt sind die Kommunen durch die staatlichen Behörden einauf den ganzen Ort ausgedehnt werden würde.( Beifall.) geengt, und je größer eine Kommune ist, umso mehr wird sie Schwericka- Werder a. H.: Die Wohnungen der Landarbeiter durch die staatlichen Organe gehemmt, wie wir das in Berlin gefind noch weit schlechter als die Arbeiterwohnungen in den sehen haben. Die Ausführungen von Dr. Duard fönnen mich nicht Städten. Zehn, zwölf Familien wohnen zusammen in einem veranlassen, von dem, was ich gesagt habe, etwas zurückzunehmen. Hause und drei bis vier Personen müssen gemeinsam eine Küche Dem Vorschlag, die ersten Säße meiner Resolution zu streichen, ,, Gleichmäßige Würdigung aller Teile des Naturstudiums ist benutzen. Der Fußboden ist mit Ziegeln belegt, die Kammern find bitte ich, teine Folge zu geben. nicht heizbar und haben keine Fenster, sondern höchstens ein Luftloch; enthalten das wichtigste Prinzip. Gerade diese ersten Säße aber vorzüglich ein Bedürfnis der gegenwärtigen Beit, wo der Den ferneren Vorschlag materielle Reichtum und wachsende Wohlstand der Nationen in einer sie werden nicht nur zum Schlafen benutzt, sondern auch zur Auf- Dr. Quards, den Gesetzentwurf den Ausschüssen der Gewerbe forgfältigeren Benutzung von Naturprodukten und Naturkräften gebewahrung von Kartoffeln und gepöteltem Fleisch. Klosetts find gerichte zur Begutachtung vorzulegen, bitte ich abzulehnen. Was das gründet find. Der oberflächliche Blick auf den Zustand des heutigen meist überhaupt nicht vorhanden. Kein Wunder, daß solche Zustände preußische Proletariat zu dem Wohnungs- Gesezzentwurf zu sagen Europas lehrt, daß bei ungleichem Wettkampfe oder dauernder Unfittlichkeit zeitigen! Dazu kommt, daß nach den Kontrakten alle hat, das werden Sie ja hier gleich zum Ausdruck bringen. Wir Bögerung notwendig partielle Verminderung und endlich VerMitglieder der Familie für den Besitzer mitzuarbeiten gezwungen brauchen da doch nicht noch eine höhere Instanz. Dazu kommt nichtung des National- Reichtums eintreten müsse;... Nur ernste find. Die Löhne betragen im Winter für Männer 1,10 bis noch eins. Wir überweisen die Lösung der Wohnungsfrage dem Belebung chemischer, mathematischer und naturhistorischer 1,30 Mart, für Frauen 60 Pfennig bis 1 Mark pro Tag, und wer Reich, wir erwarten von einer Gesetzgebung durch Preußen absolut Studien wird einem von dieser Seite einbrechenden Uebel dafür nicht arbeiten will, der wird gezwungen, die Wohnung zu nichts.( Sehr richtig!) Wenn wir aber den Antrag Quard an entgegnen. Der Mensch kann auf die Natur nicht einwirken, sich verlassen. Redner schildert einige Landarbeiter- Wohnungen, die er nehmen, so stellen wir uns auf den gegenteiligen Standpunkt. feine ihrer Kräfte aneignen, wenn er nicht die Naturgeseze, nach aus eigener Anschauung kennt. Die Polizei fümmert sich um diese Was den Antrag unter 3 betrifft, so habe ich ja gefagt, daß Maß- und Zahlverhältnissen, kennt. Auch hier liegt die Verhältnisse nicht. Es ist dringend notwendig, die Landarbeiter wir den Entwurf auch aus dem Grunde verwerfen, weil er Macht in der volkstümlichen Intelligenz. Sie steigt und darüber aufzuklären, wie schlecht und teuer sie wohnen. Auch in mur die großen Gemeinden berücksichtigt. Das liegt in der finkt mit dieser... Diejenigen Völker, welche in der allgemeinen den kleineren Gemeinden muß eine Wohnungsinspektion eingeführt Resolution darin. Antrag 3 ist also überflüssig, ebenso Antrag 6, industriellen Tätigkeit, in Anwendung der Mechanik und technischen der die Resolution nur unnötig verlängert. Dagegen habe ich eine Chemie, in sorgfältiger Auswahl und Bearbeitung natürlicher Stoffe Dr. Quard- Frankfurt a. M.: Ich möchte wünschen, daß das redaktionelle Aenderung an meiner Resolution unter 4b vorzu- zurückstehen, bei denen die Achtung einer solchen Tätigkeit nicht Referat wörtlich ins Protokoll aufgenommen wird. In bezug auf schlagen. Sie besteht darin, daß der zu lange Sag in zwei Sage alle lassen durchdringt, werden unausbleiblich von ihrem Wohldie Kritik des Wohnungsgesezes stimme ich im allgemeinen mit zerschlagen wird. Er soll lauten: Errichtung von Häusern mit ge- stande herabsinken." Heimann überein. Die Grundbestimmungen über den Luftraum in funden, dem Bedürfnis der breiten Massen entsprechenden Woh- Also nicht etwa um der Kinder des Volkes willen hat man dem Entwurf bleiben noch hinter den Normativbestimmungen für nungen durch die Gemeinden. Diese Wohnungen find...( weiter daran gedacht, die Erziehung zu regeln, sondern man mußte daran die Gefängnisse zurück.( Hört! hört!) Der Referent hat öfter wie im Entwurf). denken, um den wirtschaftlichen Aufschwung der eigenen unseren Oberbürgermeister Adides erwähnt. Ob sich Herr Adickes In der Abstimmung wird die Resolution des Referenten Nation nicht zurückstehen zu lassen hinter dem der anderen. sehr geschmeichelt fühlt, wenn er in dieser Weise genannt wird, mit der von ihm vorgeschlagenen redaktionellen Abänderung unter Zwischen zwei Bolen schwankt fortwährend die Wage, wenn es sich möchte ich dahin gestellt sein lassen, denn seine Taten stehen im Ablehnung aller Zusaganträge einstimmig angenommen. um die Erziehung der Massen handelt: auf der einen fchroffsten Gegensatz zu dem, was er in seinen Vor- Auf Wunsch der Referenten zu 2 und 3 der Tagesordnung Seite die Feudalen, die noch mit einem Fuße im Mittelalter stehen trägen und Schriften empfiehlt, er steht im Grunde werden diese beiden Punkte umgesetzt. Es folgt also: und den Standpunkt vertreten, je dümmer der Arbeiter, desto besser, genau auf dem Standpunkt des preußischen Wohnungsgefeßentwurfs. Der Schulgefegentwurf bezw. der Schulgesetz auf der anderen Seite die Vertreter der bürgerlich kapitalistischen Er versteht unter gesunder Wohnungsspekulation überhaupt die kompromiß der maßgebenden Parteien im Land- Richtung, denen sich die Ueberzeugung aufgedrängt hat, daß ein be private Spekulation; alles was von Privatspekulanten und Unter- Itage. stimmtes Maß von Bildung für ihre Ausbeutungsobjekte im höchsten werden. diese Angelegenheit abgelegt werden." Nun dieses Jdeal, daß man die Erziehung des Kindes nicht unter dem Gesichtspunkt betrachten soll, fie möge möglichst bald abgeschloffen sein, wird erst in einer focialistisch dentenden Gesellschaft, niemals aber in einer bürgerlich tapitalistisch en verwirklicht werden. Ich erinnere an die Worte Alexanders v. Humboldt: ffimbe ton Bedeutung ist. Das gilt allgemein für alle modernen 5kuliurländer. Preußen genoß früher den Ruhm, daß es auf dem Wjelriete des Volksbildungsschulweseus in erster Stelle steht. Diesen Ruhm hat es dadurch erlaugt, daß in Preußen zuerst eine auf- geklärte Bureaukratie zu der Erkenntnis dessen gekommen war, was ich Ihnen mit den_ Worten Humboldts zu schildern der- sucht habe. In Preußen ist mit an erster Stelle eingeführt worden die allgemeine Schulpflicht und die Unentgeltlichkeit des Volksschul- Unterrichtes, wenn auch die Durchführung dieser Unentgeltlichkeit erst Ende des vorigen Jahrhunderts eine vollständige geworden ist. Damit ist aber auch dasjenige erschöpft, was gutes von den preußischen Schulverhältnissen zu sagen ist. Wie steht es nun umdiegegenwärtigeLagederVolls- schule in Preußen? Eine eigentliche VoUsschulgesetzgebung haben wir in Preußen nicht. Die Verfassung von 1849 hat' neben einer großen Anzahl sonstiger Gesetze auch ein Unterrichtsgesetz ver- heißen, aber obgleich der Minister Ladenburg bereits damals er- klärte, daß es Aufgabe der Verwaltung sei, das Erscheinen des Unterrichtsgesetzes, zu dem sämtliche Materialien vorhanden seien, möglichst zu beschleunigen, haben wir bis heute dieses Gesetz noch nicht. Der preußischen Monarchie gilt noch jetzt, was 1900 ein Ver- liner Staatsrechtslehrer sagte: „In Wahrheit gibt es in Preußen kein Sjchulrecht; aber was schlimmer ist, an seiner Stelle herrscht ein Chaos von Wust und Moder abgelebter Institutionen, deren formelle Fort- existenz behauptet wird, obgleich sie zu allen realen Verhältnissen des heutigen Lebens in dem unversöhnlichen Gegensatze des Toten zmn Lebendigen stehen; und in diesem Chaos tummelt sich ein Schwärm von Ministerialreskripten und sonstigen Verwaltungs- Verfügungen, die einander vielfach durchkreuzen und widersprechen, die oft von problematischer Rechtmäßigkeit, manchmal von zweifel- loser Rechtswidrigkeit sind." In Preußen steht an der Spitze der Unterrichtsverwaltung nicht ein besonderer Minister, sondern der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal angelegenheiten. Die Organisation der Verwaltung ist nun eine doppelte und wir haben noch heute den Gegensatz, auf den Fichte bereits hingewiesen hat, zwischen der Er- Ziehung der Kinder der besitzenden Klassen und den Llindern des Proletariats. Die höheren Schulen unterstehen den Provinzial- Schulkollegien in den einzelnen Provinzen, die dirett dem Minister untergeordnet sind. Die Volksschulen dagegen unterstehen der zweiten Abteilung bei den Bezirksregierungen, d. i. der- lenigen für Kirchen- und Schulsachen, deren Vorgesetzter also der Regierungspräsident ist. Den Regie- gierungen unterstehen die Kreis- Schulinspektoren. und diesen die Orts- Schulinspektoren, die meist im N e b e n a m t e tätig sind. Die Kreis-Schulinspektion übt in Preußen gewöhnlich der evangelische Superintendent bezw. der katholische Dechant aus. In Preußen gibt es 1239 Kreis-Schulinspektoren, von denen 915 im Nebenamt tätig sind, das sind also Theologen, weitere 53 Kreis- Schulinspektionen sind mit Theologen im Hauptamt besetzt. während nur 93 seminaristisch gebildete Lehrer als Kreis-Schul- inspektoren tätig sind. Das zergt, wie außerordentlich gering der Stand unserer Volksschullehrer von den herrschenden Klassen eingeschätzt wird. Die Orts-Schulinspektoren find fast ausnahmslos die Ortsgeistlichen selbst. So hält die Kirche in der Verwaltung selbst die Hand auf der Schule. Wenn es in den Städten anders ist, so deshalb, weil in sechs- und mehrklasfigen Schulen der Rektor direkt unter den, Kreis-Schulinspektor steht. Wie sieht nun die Volksschule selbst aus? Die Antwort gibt uns die Allgemeine Verfügung des Kultusministers Fall vom 15. Oktober 1872. Danach gilt als Mindestmaß die einklassige Vollsschule, wo alle Kinder gleichzeitig von einem Lehrer im gleichen Räume unterrichtet werden. In der Unterstufe werden 20, in der Mittel- und Oberstufe je 30 Stunden wöchentlich erteilt. Aber selbst dieses Mindestmaß ,st nicht einmal durchgeführt. In der Falkschen Verfügung heißt es: „Wo die Anzahl der Kinder über 80 steigt oder das Schul- zimmer auch für eine geringere Zahl nicht ausreicht und die Ver- Hältnisse die Anstellung eines zweiten Lehrers nicht gestatten, sowie da wo andere Umstände dies notwendig erscheinen lassen, ist die Halbtagsschule zulässig." An diesen Halbtagsschulen sind 32 Stunden wöchentlich zu leisten, worein sich die Schüler zu teilen haben. Weiter sind die S o m m e r s ch u l e n zu erwähnen, in denen die jüngeren Kinder 18 Stunden wöchentlich, die älteren aber nur 12 Stunden unterrichtet werden. Sollen sie doch für die Arbeit ausgenutzt werden. Von diesen Sommerschulen wird ausgiebig Gebrauch gemacht. So sagt die Regierung zu Lüneburg in einer Verfügung vom 27. März 1901, sie habe„in einer großen Anzahl von einklasfigen ländlichen Schulen aus Rücksicht auf die wirtschaftlichen Bedürfnisse der ackerbautreibenden Bevölkerung für das Sommerhalbjahr Halbtagsschulen gestattet". Aber, Parteigenossen, selbst die Halbtagsschulen reichen nicht aus, wir haben, so unglaublich es klingen mag, in Preußen auch noch Dritteltagsschulen! 1901 gab es noch 92 Dritteltagsschulen, 19 im Regierungsbezirk Posen, 19 im Regierungsbezirk Merseburg und drei vor den Toren Berlins im Regierungsbezirk P o t S d a in. jHört I hört I) Zu erwähnen sind noch die Rüben- ferien und die Einrichtung der Hütejungen. Ein Erlaß der Gumbinner Regierung verlangt, daß nur elf- und zwölfjährige Knaben zu Hütejungen genommen werden dürfen, und daß diese einmal tvöchentlich die Schule besuchen müssen:„nur ausnahmsweise dürfen auch jüngere Kinder als Hütejungen verwendet werden, doch müssen diese zweimal wöchent- lich die Schule besuchen.(I I) sHört! hört!) Hier sehen wir, wie die Regierung fiir die Kinder des Volkes sorgt. Gehen wir jetzt eine Stufe höher, so kommen wir zu den Schulen mit zwei Lehrern. Die Verfügung sagt: Steigt die Zahl der Kinder in der einllassigen Schule über 100 mehrklassige Schule. Wie verteilen sich nun die Kinder auf diese Schulen? Nach der letzten Statistik von 1901 sind 70 Prvj. aller Volksschulen ein- und zwei- klasstg(Hört l hört I). Sie werden besucht von 1 861 272 Kindern bei im ganzen 5 670 870 Kindern; 32,3 Proz., also fast ein Drittel aller Schüler besuchen solche Schulen! Aber diese Zahl erschöpft das Bolksschulelend noch nicht, hinzu kommt noch die U e b e rf ü l l u n g. In überfüllten Klassen saßen 875 576 Kinder, d. h. mehr als 50 Proz. aller Kinder.(Hört! hört!). Die Prozentzahl aber besagt noch nichts, wir müssen wissen, was als überfüllt gilt. Die Halbtags- fchule sollte mit 50 Kindern als überfüllt gelten, in der Wirklichkeit trifft das nicht zu, sie gilt erst als über- füllt, wenn mehr als 60 Kinder vorhanden sind. In folchen überfüllten Halbtagsschulen saßen 93 066 Schüler. Die einklassige Schule gilt erst bei mehr als 80 Kindern über- füllt. In folchen überstlllten Schulen saßen 93 677 Schüler. Im Durchschnitt also 89. In den letzten Wochen ging durch die Zeitung die Nachiicht, der Kaiser habe es als eine Meuschenquälere» bezeichnet, wenn ein Lehrer mehr als 60 Schüler unterrichtet. Ich bin sehr begierig, wann diese Menschenquälerei in Preußen auf- hören wird. fSehr gut lj Die zwei- und mehrklasfigen Schulen gelten als überfüllt, wenn mehr als 70 Schüler vorhanden sind. In solchen überfüllten Klassen saßen 670 833 Schüler. Trotz dieser Z�sammenpferchung konnten 1901 2735 Kinder überhaupt nicht ein geschult werden, weil die Schulen überfüllt waren. In einem pol- nischen Ort hat ein Lehrer 200 polnische Kinder zu unterrichten, allerdings hat er einige Uebung im Unterrichten, denn er hat 54 Aiutsjahrc auf dem Rücken! In einem anderen polnischen Ort unterrichtet ein Lehrer mit 48 Awtsjahrcn über 200 Kinder. jHört! hört!) Diese Zahlen habe ich angejührt, um ein scharfes Wort gegen die Heuchelei zu sprechen, die die preußische Regierung mit ihrer G e r m a n i s i e r u n g s p o l i t i k in den Ostmarken treibt. (Lebhafte Zustimmung.) Wenn von den Hunderten von Millionen, die für diese Politik ausgegeben werden, nur ein Teil dazu verwandt wird, um bessere Schulverhälmisse zu schaffen. dann könnte man allenfalls von einer guten Germanisierungspolitik sprechen, weil durch die Verausgabung von Mitteln zu solchem Zweck die nationale Ehre hochgehalten wird. Wenn wir aber sehen, daß das Geld nur zur Erhaltung schiff brüchiger Elemente unter den Grundbesitzern dient, dann müssen wir sagen: eine größere Heuchelei gibt es überhaupt nicht.(Lebhafter Beifall.) Was lehrt nun die Volksschule? Ihr ganzes Streben ist ge- richtet aus die Seligkeit im Jenseits. Nach einer mir vor- liegenden Tabelle wird in der einklasfigen Schule in der Unterstufe 20 Stunden unterrichtet, davon entfallen 4 Stunden auf Religion, auf Realien überhaupt keine Stunde: in der Mittelstufe und ebenso in der Oberstufe wird 5 Stunden in Religio», 6 Stunden in Realien unterrichtet. In der Unterstufe Ivird 20 Prozent und in der Oberstufe noch fast 17 Prozent Religion verzapft. Aehnlich liegen die Verhältnisse in der mehrklasfigen Volksschule. In der Mittelschule dagegen, also Schulen, in denen Schulgeld erhoben lvird, in denen also nach kapitalistischen Begriffen an- ständigere und weniger gefährliche Kinder zu finden sind, braucht das Kind in der Unterstufe nur 12,5 Proz. Religion über sich ergehen zu lassen, und von der 4. Klasse an nur 6/2 Proz. Dafür, daß die Kinder etwas Schulgeld bezahlen, wird ihnen ei» gutes Stück Religion erlassen; man hat aber nicht mehr nötig, die Kinder zur Unterwürfigkeit zu erziehen, denn aus diesen Schulen werden die Unteroffiziere unseres Wirtschaftslebens herausgeholt, die unter Um- ständen auch etwas zu befehlen haben und denen man deshalb nicht zanz das Rückgrat durch Religion zu brechen für notwendig erachtet. Sehr gut!) Und diese Zahl von Rcligionsswnden, deren Festlegung als eine Trimuphtat Falks gepriesen wird, reicht noch nicht einmal aus. Nach einem Ministerialrcskript vom 24. Juni 1884 ist es ge stattet, daß eine Stunde des Unterrichts in der Muttersprache auf Bibellesen verwendet wird, und dazu kommt noch, daß auch in fast allen anderen Fächern der Unterricht durchfeuchtet ist von dem Hin- weis auf religiöse Verhältnisse. So bestimmt die Regierung zu Düsseldorf in einer Verfügung von 1379, daß in den paritätischen Schulen eine Stunde Religion mehr gegeben werden soll, die Mädchen haben zu diesem Zweck eine Stunde Raumlehre, die Jungen im Sommer eine Stunde Turnen, im Winter eine Stunde Naturkunde zu opfern.(Hört! hört!) Sie sehen, was in den Simultanschnlen an religiöser Unterweisung fehlt, wird durch Opfer an anderen Unterrichtsgegenständen wieder eingeholt. Dazu kommt noch ein drittes Moment: die Abhängigkeit des Lehrers von den Geistlichen, die dazu führt, daß die Lehrer möglichst viel Religion in die Kinder hineinpauken. Und die�AnsprücheKdes'Staates�sind keines- wegs gering. Nach einer Verfügung des königlichen Konsistoriums der Provinz Sachsen vom 17. Dezember 1900, die mit dem Pro- vinzial-Schulkollegium und der Regierung vereinbart ist, besteht der religiöse Gedächtnisstoff, der den Normalstoff bildet, aus 170 Bibel- sprächen, nämlich 22 zur biblischen Geschichte, 6 Psalmen und Psalm- abschnitten und 142 Sprüchen zur Erklärung von Luthers Katechismus— an sich der größte Unsinn, denn Luthers Katechismus sollte man nicht noch erst zu erklären brauchen.(Sehr richtig I) Aber darauf kommt es einem hohen Konsistorium nicht an. Zu diesem Unterrichtsstoff kommen 20 namentlich aufgesührte Kirchenlieder, wovon 4 ebenfalls benannte auf den höheren Schulen in Weg- fall kommen. Die Verfügung fährt dann fort: „Soweit für einzelne Volksschnlen die Erweiterung des Normalstoffes in Sprüchen und Psalmen der örtlichen Schul- Verwaltung als erwünscht erscheinen sollte, ist die Zustimmung der königlichen Regierung einzuholen... Die Kirche hat in demselben (dem Normal st off) nicht mehr als das Minimum des religiösen GedächtniSstoffes zu sehen, auf das sie bei dem Konfirmandenunterricht hinfort rechnen darf." Eine bessere Darlegung der Methode, um nach Möglichkeit den Geist der Kinder einzuschnüren und mit totem Stoff zu bepacken, der das Denken erschwert, gibt es gar nicht als diese Verfügung. Von besonderem Interesse für uns ist es zu sehen, wie der Geist des Unterrichts bestellt ist. Darüber gibt uns Aufklärung die Order Wilhelms II. an das Staatsministerium vom 1. Mai 1389. Darin heißt es: „Schon längere Zeit hat mich der Gedanke beschäfttgt, die Schule in ihren einzelnen Abstufungen nutzbar zu machen, um der LluSbreitung sozialistischer und kommu- nistischer Ideen entgegenzuwirken. In erster Linie wird die Schule durch Pflege der Gottesfurcht und der Liebe zum Vaterlande die Grundlage für eine gesunde Auffassung auch der st a a t l i ch e n und gesellschaft- I i ch e n Verhältnisse zu legen haben. Aber ich kann mich der Er- kenntniS nicht verschließen, daß in einer Zeit, in welcher die sozialdemokratischen Irrtümer und Ent- st e l l u n g e n mit vermehrtem Eifer verbreitet werden, die Schule zur Förderung der Erkenntnis dessen, was wahr, was lv irklich und was in der Welt möglich ist, erhöhte Anstrengungen z u machen hat. Sie muß besttebt sein, schon der Jugend die Ueberzeugnng zu verschaffen, daß die Lehren der Sozialdemokratte nicht nur den göttlichen Geboten und der christlichen Sittenlehre widersprechen, sondern in der Wirklichkeit unausführbar und in ihren Konsequenzen dem Einzelnen und dem Ganzen gleich verderblich sind."---------- „Die angeblichen Ideale der Sozialisten sind durch deren eigene Erklärung hinreichend gekeimzeichnet, um den Gefühlen und dem praktischen Sinne auch derJugend als abschreckend geschildert werden zu können." Parteigenossen! Das ist der Geist, in dem nach den Worten des Königs der Unterricht in den Volksschulen gettagen werden soll. Als abschreckend sollen hingestellt werden die Lehren der Sozial- dcmokratie, die als Ideal gelten der größten Partei Preußens.(Hört, Hört!) Hiergegen kann man nicht scharf genug Protest erheben. (Lebhafte Zustimmung.) Selbstverständlich erließ der Minister v. Goßler sofort ausführende Bestimmungen— wenn er es nicht gemacht hätte, hätte es ein anderer gemacht—(Stürmische Heiterkeit). Diese AuSführungSbestinimuilgen, die natürlich dem Staatsministerium vorgetragen waren, betteffen besonders den Religions- und Geschichts- Unterricht und es ist charakteristisch, daß die byzantinische Verfügung des Ministers mit den Worten schließt: „Was zur Zeit Friedrichs des Großen gesagt wurde: die anderen Völker beneideten dem Preußen seinen König, gilt noch heute.... Eine Fülle lebensvoller Anschauungen und sittlich tief und nachhaltig anregender Momente tritt uns aus der Erzählung von der fast ein halbes Jahrtausend erfüllenden un- unterbrochene n Arbeit der Hohenzollern für ihr Land und Volk entgegen.... Deshalb sollen sämt- l i ch e preußische Könige in dem Unterrichte der preußischen Jugend eine hervorragende Stelle erhalten...." Also auch Friedrich Wilhelm II., gcnauut der Dicke(Heiterkeit), von dem man uns auf dem Gymnasium beigebracht hat, daß man am besten über ihn hinwegkäme, wenn man sagt, unter seiner Regierung sei nur das Brandenburger Tor erbaut.(Stürmische Heiterkeit) Ich schließe diesen Abschnitt meiner Ausführungen mit der Bemerkung, die sich in den Falkeschen Versügmigen befindet über die Naturkunde in den ein- und zweiklassigen Schulen.In dem naturkundlichen Unterricht der Schulen mit einem oder zwei Lehrern sind die Schüler zu einem annähernden Verständnis der- l�e n i g e n Erscheinungen zu führen, welche sie täglich umgeben." Nun zur Stellung der Lehrer I_ Die Klagen über Lehrermangel werden immer zahlreicher. Die Regierung entschuldigt sich damit, daß Lehrer schwer zu finden sind. Das ist kein Wunder, denn es ist nicht verlockend in Anstalten zu gehen, in denen nach den Worten des Königs Menschenquälerei geübt wird. Dazu kommt die Abhängigkeit der Lehrer von den Geistliche» und weiter ihre materielle Lage. Der Geistliche hat eine 15 jährige Aus- bildung hinter sich, der Lehrer eine 14 jährige. Während aber das Grundgehalt eines Bolksschullrhrers 900 9Ji., das einer Lehrerin 700 M. beträgt, erhält ein protestantischer Geistlicher ein Anfangs- gehalt von 1800 M., ein katholischer, der ja nicht verheiratet sein darf, 1500 Bk. Die Alterszulagen betragen für einen Lehrer 100 M., das Mindest-Höchstgehalt. daß der Lehrer nach 31 Jahren erreicht, beläuft sich auf 1300 M.. also gerade so viel, wie der protestantische Geistliche als Anfangsgehalt hat. Der protestanttsche Geistliche bekommt alle fünf Jahre im ganzen fünfmal je 600 M. Zulage, er erreicht nach 25 Jahren daS Höchstgehalt von 4800 M. Unter solchen Umständen ist es natürlich bequemer, Geistlicher zu werden als Lehrer, die Ueberzeugung muß ja in beiden Fällen in die Tasche gesteckt werden.(Sehr gut l) Man darf sich nicht wundern, daß die besseren Elemente lieber Geistliche werden wollen, als Volksschullehrer, zumal da das Mindestgehalt in vielen Fällen, namentlich auf dem Lande draußen, auch das wirkliche Gehalt ist. Wenn also die preußische Regierung über Lehrermangel klagt, so trägt sie selbst die Schuld daran. Unsere Volksschullehrer befinden sich auf einem äugerst bescheidenen Niveau. So schließt z. B. der Brief eines Lehrers, der in der„Kreuz-Zeitung" veröffentlicht ist, mit den Worten:„Den Wünschen der Volksschullehrer in bezug aus deren soziale und materielle Stellung soll man billig Rechnung tragen und sie. wenn irgend tunlich, den Subalternbeamten gleichstellen." (Hört! hört I) In einem sozialistischen Staat würden die Lehrer an allerer st er Stelle st ehe», bei uns in Preußen müsse» sie darum bitten, daß sie den Subaltern- beamten tunlichst gleichgestellt werden.(Sehr gut I) Parteigenossen, ich komme nun zur Schul unterhaltungs- frage. Dabei handelt es sich um Steuerzahlung für die besitzenden Klassen. Die Regierung zahlt ja Zuschüsse zur Lehrerbesoldung, aber im höchsten Falle nur für 25 Lehrer bezw. Lehrerinnen, also für sämtliche Lehrkräfte mir in Gemeinden mit bis zu 10- oder 12 000 Einwohnern, nur diese werden vom Bater Staat unterstützt. Die Zuschüsse, die z. B. B e r l i n erhictt, spielen für Berlin keine Rolle. Abgesehen von diesen Staatszuschüssen besteht in bezug auf die Schulunterhaltung ein absolut gesetzloser Zustand und eine Verwirrung. Der Staatsrechtslehrer, den ich vorhin erwähnte, kennzeichnet den bestehenden Zustand wie folgt: Zugrunde liegt in den meisten alten Provinzen das Allgemeine Landrecht. Für Ost- und Westpreußen gibt es Schul- ordnungen aus den Jahren 1840 und 1846. Für die verschiedenen Kreise der Rheinprovinzen kommen neben dem Allgemeinen Land- recht die ftanzösische Gesetzgebung und die bergische Gesetzgebung aus dem 17. Jahrhundert in Betracht. Schleswig- Holstein hat eine Schulordnung aus dem Jahre 1814, Hannover von 1845; in Hessen-Nassau gelten eine Reihe verschiedener Bestimmungen. Wer auch innerhalb der einzelnen Rechtsgebiete gibt es wieder die mannigfalttgsten Abstuftmgen. So heißt es in der Begründung des Schulgesetz« Entwurfs von 1890:„Nimmt man dazu, daß ein großer Teil der schlesischen Schulen aus früheren Jahrhunderten her noch anderweit dotiert ist, daß neuerdings die bürgerlichen Gemeinden vielfach die Schul- last überhaupt auf ihren Etat übernommen haben, so erhält man sechs bis sieben verschiedene Arten der Schul- Unterhaltung in dieser Provinz(Schlesien)." Also in Schlesien allein sechs bis sieben verschiedene Arten der Schulunterhaltung!(Hört I hört l) Das Allgemeine Landrecht weist die Schulunterhaltung den Schulsozietäten zu, zu der alle selbständigen Persönlichkeiten gehören, also auch die Bauern und Tagelöbncr; nur der Gutsherr hat nichts dazu zu zahlen.(Hört! hört!» Dagegen wird dem Gutsherrn die Schulsteuer, welche er nicht zahlt, zur Berechnung seines Wahlrechts angerechnet, und er wählt in der ersten Klasse. Den Tagelöhnern aber werden die gezahlten Schulbeittäge nicht beim Wahlrecht be« rechnet, iveil diese ja keine Staats- oder Gemeindesteuern sind. (Hört! hört!) Die Stellung der Selbstverwaltung ist auf dem Gebiete der Schulverwaltung noch viel miserabler, als auf irgend einem anderen Gebiete. Auf dem Landk bestehen Schulvorstände, deren Borsteher der Pfarrer oder der Gutsherr ist. Die Regiermrgcn wünschen in neuerer Zeit auch die Heranziehimg eines Lehrers zum Schulvorstande, ferner von zwei bis vier achtbaren, befähigten und kirchlich gesinnten Familienvätern, die von den Gemeinden gewählt, aber vom Landrat bestätigt werden, und wenn die Be- stätigung zweimal versagt ist, so ernennt sie der Landrat. Die Städte-Ordnung von 1854 ist auf> Grund der ottroyierten Ber- fassung gesetzlich zustande gekommen, und sie kennt nur Deputationen schlechthin, teils Magistratsdeputationen, teils Deputationen, die aus Magistratsmitgliedern und Stadtverordneten oder anderen Bürgern zusammengesetzt sind. Ein Ministerial- erlaß aber bestimmte, daß die Mitglieder der Schul- deputattonen der Bestätigung der Regierung bedürfen, damit „aus den städtischen Schuldeputationen zur Ausübung der wichtigen diesen übertragenen Funkttonen ungeeignete Elemente ferngehalten werden." Die Städte-Ordnung kennt selbstverständlich eine solche Bestätigung nicht, aber dank der tapferen Haltung der Bourgeoisie hat der Minister es durchgesetzt, seinem Erlaß Rechtskraft zu ver- leihen. Sie wissen, daß 1898 Singer zuni Mitglied der Schul- deputatton in Berlin gewählt wurde. Der Minister versagte die Be- stätigung. und das schwächliche Verhalten der Stadtverordneten- Versammlung gab den, Minister den Mut, sein Reskript allgemein zu machen, der allgemeine Erlaß ist vom 29. Juli 1893 und lautet: „Die sozialdemokratische Partei erstrebt ausgesprochenermaßen die Beseitigung der bestehenden staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Schon daraus ergibt sich folgerichttg, daß ihren Mit- gliedern die Wahrnehmung obrigkeitlicher Befugnisse von Staats- wegen nicht anverttaut werden' kann. Sie steht nach ihren pro- grammattschen Kundgebungen in einem grundsätzlichen Gegensätze zu den Aufgaben der preußischen Volksschule. Daraus folgt, daß ihren Anhängern die zur Mitwirkung bei der Erfüllung dieser Ausgaben erforderlichen Eigenschaften abgehen und daß sie als Mitglieder einer städtischen Schuldepntaiion oder eines Schul- Vorstandes nicht zugelassen werden können. Der königlichen Re- gierung mache ich daher zur Pflicht, vorkonmiendcnfalls der Wahl derartiger Personen zu Mitgliedern von städtischen Schul« deputationen oder Schulvorständen von SchulausiichtSwegen die Bestätigung zu versagen und die nachgeordneten, zur Mitwirkung bei der Bestätigung oder zur selbständigen Ausübung des BestätiguugSrechteS berufenen Behörden und Beamten alsbald mit entsprechender Weisung zu verschen." Sie sehen, wie rücksichtslos der Minister, man kann fast sagen imposant gegenüber dem schmählichen Verhalten der bürgerlichen Kreise, in die sogenannte Selbstverwaltung eingriff. Auch sonst läßt es die Regierung nicht fehlen an Eingriffen in die Schulder- waltung. Seit dem Jahre 1894 dnngt der Minister darauf, daß Geistliche in die Schuldeputationen hineingewählt werden. 1900 der- langte die Potsdamer Regierung von Charlottenburg, einen evangeli- chen und katholischen Geistlichen in die Schuldeputatton zu wählen. Ueber die Befugnis der Schuldeputationen besteht folgender Erlaß: „Auf dein Gebiete der Verwaltung ist ihre(der Schul- deputationen) Befugnis in allen äußeren Angelegenheiten der Gemeindcschulen an die Mitwirkung des Magistrats gebunden. In inneren Angelegenheiten sollen sie und der Kreis-Schulinspektor Hand in Hand gehen, bei Meinungsverschiedenheiten finde» die Entschließungen der Schuldeputatton in inneren Angelegenheiten zwar Einhalt gegenüber der abweichenden Auffassung des Schul« mspettorS. Andererseits ist die Schuldeputation aber jederzeit in der Lage, durch Vorstellungen an die gemeinsame vorgesetzte Be- Hörde ihren Standpunkt zu wahren." (Fortsetzung in der 2. Beilage.) Verantw. ReMteMv Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: Tb. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts iSt'-bdru�erei" Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Verlin SW, Dr. 305. 21. Jahrgang. 2. Kilage des Jornörtf Wim ilsüislilali. V Donnerstag, 29. Dejmber 1904. Preußischer Parteitag. (Fortsetzung aus der 1. Beilage.) Eine Scheidung zwischen inneren und äußeren Angelegenheiten ist gar nicht durchzuführen. Ich erinnere Sie an den Berliner Schul- konflikt, in dem die Regierung den Rektoren Ungehorsam gegenüber der Schuldeputation befohlen hat! es handelte sich da um die Be- Nutzung der der Stadt gehörigen Schulräume außerhalb der Unter- richts�eit, das ist doch eine äußere Angelegenheit, und trotzdem hat die Regierung sich das Recht angemaßt, da einzugreifen. Das ist ein völlig rechtloser Zustand, über den ich noch einmal den schon erwähnten Staatsrechtslehrer Preutz zitiere: »Dieser ganze Gegensatz der Schulverivalinnq zur Kommunal- Verwaltung ist ein Produkt der krassesten Ministerwillkür. der kein Schatten noch Schimmer des Rechts zur Seite steht; er beruht auf keinem Gesetz, auf keiner mit Gesetzeskraft ausgerüsteten könig- lichen Verordnung, sondern allein und ausschließlich auf Ministerial- reskripten, die dem Geist des Grundgesetzes städtischer Selbst- Verwaltung durchaus widersprechen." Parteigenossen, ich habe versucht. Ihnen ein Bild über die augenblickliche Lage der preußischen Schulgesetzgebung zu geben. Die Liberalen empfinden die Schulverhülmisse als unzulänglich, von dem Gedanken ausgehend, daß zur Fortsübruna der wirtschaftlichen EntWickelung des einzelnen auch ein gewisses Maß von Kenntnissen notwendig ist; die Konservativen wünschen eine klarere Festsetzung dessen, was sie beanspruchen. Warum trotzdem kein Schulgesetz, ob- gleich schon 1849 der Minister erklärte, daß das Material dazu vor- liege? Preuß sagt:„Die völlige Unfruchtbarkeit aller im Lause des 19. Jahrhunderts immer wieder gemachten Versuche eines preußischen UnterrichisgesetzeS geht ihrerseits zurück auf die unter den gegebenen Verhältnissen unlösbare konfessionelle Frage." Ein historischer Rückblick zeigt uns, daß sich hier Preußen stets rückwärts beivcgt, daß die Reaktion noch im Aufsteigen begriffen i it. Am sreisinnigsten ist noch daS Allgemeine Land- recht, welches bestimmt, daß es auf die Konfession des Lehrers nicht ankommt. Aber die Reaktion erfocht unter Friedrich Wilhelm IV. einen vollen Sieg. Die Raumerschen Regulative haben 13 Jahre auf der preußischen Schule gelastet.' In denselben heißt eS: „Der Gedanke einer allgemein menschlichen Bildung durch formelle EntWickelung des Geistesverinögens an abstraktem Inhalt hat sich durch die Eifahrung als wirkungslos oder schädlich er- wiesen. Das Leben des Volkes Verlangl eine Neugestaltung auf Grundlage und im Ausbau seiner ursprünglich gegebenen und ewigen Realitäten auf dem Fundament des Christentums, welches Familie, Berusskreis, Gemeinde und Staat in seiner kirchlich be- rechtigten Gestaltung durchdringen, ausbilden und stützen soll." Also ein halb Jahrhundert nach Fichtes Ausführungen stellt der Kultusminister in Preußen das als Aufgabe der Volksschule hin. Weiter eine Bemerkung gegen die Freisinnigen; sie klagen fa immer, daß ihr Kampf gegen die Reaktion ihnen durch die Sozial- demokratie erschwert wird. Nun, die Raumerschen Regulative haben von 1854 bis 1872 die Volksschule bedrückt, wo war in dieser Zeit die Sozialdemokratie? Damals hatten die liberalen Parteien die überwältigende Mehrheit im preußischen Landtag. Was tat damals der Liberalismus? Erinnern wir die. Liberalen, wenn sie mit solchen Vorwürfen kommen, nur immer daran, daß sie von 1854 bis 1372 die Herrschaft der Regulative nicht zu beseitigen vermochte. Ein anderer Grund aber ist der: die Raumerschen Regulative zeigen den Zustand, dem wir heute wieder zustreben.(Lebhafte Zu- stimmung.) Als Falk heraufkam, schienen die Zeiten besser zu werden, aber ein großer Staat ist mit den Falkschen Verfügungen nicht zu machen, immerhin bedeuteten sie einen Fortschritt gegen Raumer. Ein anderes Verdienst Falks war eine gewisse Be- fünstiguna der Simultanschule durch ihn. Trotz der Geringfügigkeit einer Reformen war er ein gehaßter Mann. 1879 mutzte er ab- treten. Welcher Geist schon wieder herrschte, zeigt die Tatsache, daß Falls Nachfolger Herr v. Puttkamer war, em Vertreter der allerschwärzeften Reaktion, unter dem Sozialistengesetz als Putti bekannt. Wie als Motto seiner Tätigkeit sagte er 1379 auf der Generalsynode: „Wohin steuert unsere Volksschule? Soll sie lossteuern in das uferlose Meer, in eine bloß humanitäre allgemeine Richtung, oder soll sie fest gegründet bleiben auf der unverrücktcn Grundlage, die aus dem Ewigen stammt und auf das Eivige zurückführt?" Aber Puttkamer war auch darauf bedacht, daß diese seine Absicht keine Kosten verursachte. Kurz vor seinem Scheiden aus dem Kultusministerium— er wurde Minister des Inneren— erließ er einen Erlaß an sämtliche Regierungen, der auf Sparsamkeit an sämtlichen Volksschulen drang: „Man solle„auf kostspielige Verbesserungen des bisherigen gustandes, auch wenn sie an sich wünschenswert und nützlich sein mögen, verzichten... und sich mit bestehenden Einrichtungen, auch wenn sie zu wünschen übrig lassen» bis aus bessere Zeiten begnügen." Der Geist der Schulpatrone, die den RegierungS-Schulrat „vielfach ersuchten, ihnen nur Kandidaten mit Nr. 3 zuzuweisen, weil diese die bescheidensten wären"(Falk in der oben zitierten Rede) herrschte wieder im preußischen Kultusministerium. ES herrscht also ivieder ein Geist iin preußischen Kultusministerium, den Fall durch die Erzählung charakterisiert hat: die Grundbesitzer bitten den Schulinspektor meistens, ihnen einen Schullehrer mit dem Zeugnis Nr. 3 zu schicken, weil diese die bescheidensten sind. (Hört I hört.) Falk war gestürzt, bevor eS ihm gelungen war, den von ihm ausgearbeiteten Schulgesetz-Entwurf vorzulegen. Glücklicher war Herr v. Goßler. In der Thronrede von 139V hatte Wuhelm II. ein Schulgesetz angekündigt. Herr v. Goßler brachte es, aber er fiel, weil Konservative und Zentrum trotz seines weitgehenden Entgegen- kommens ihm geschlossen entgegentraten. Erst sein Nachfolger, Graf Zedlitz-Trützschler, fand den Beifall der Konservativen und des ZentruniS, deren Wünsche er durch seinen Entlvurf im Jahre 1892 erfüllte. Die freifinnigen Nationalliberalen und Freikonservativen richteten fich dagegen auf. Es entstand ein ziemlicher Stunn der Entrüstung und der Entwurf wurde schließlich zurückgezogen. Seit 1892 haben wir nun einen vollständigen Stillstand in der Schul- gesetzgebung. abgesehen von dem Lehrerbesoldungs-Gesetz von 1897. Die Konservativen bezeichneten 1893 im Wahlaufruf ihren Stand- punkt, fie betonten die Dringlichkeit eines Schulunterhaltungs- Gesetzes und sagen dann: „Indessen besteht die konservative Partei darauf, daß die äußeren Angelegenheiten von der iimcren Ausgestaltung der Volksschule nicht getrennt werden können, weil die festzustellende Grundlage des Christlichen und Konfessionellen notwendig die äußere Gestaltung der Volksschule beeinflußt." Unmittelbar nach Zusammentritt des 1902 gewählten Landtages verlangt« die freikonservative Fraktion von der Regierung die end- liche Regelung der Schulunterhaltungsfrage. Sie meinte dabei, daß die konfessionelle Frage auf dem Verwaltungswege erledigt werden könne. Die Regierung war aber durch Schaden klug geworden und wollte auf diesen Plan nicht eingehen. Sie sagte, schafft erst den Beweis, daß auf dem Gebiete der konfessionellen Frage eine Einigung, die die Mittelparteien einschließt, möglich ist. dann sind wir bereit, ein Schulunterhaltungs« Gesetz einzubringen. Daraufhin kam auf Betreiben der Regierung ein Kompromiß zwischen Konservativen, Freikonservativen und Nationallibcralen in der Schulfrage zustande. Das Zentrum wurde absichtlich beiseite gelassen, denn seiner Zu- stimnumg zum Kompromiß konnte nian sicher sein und daS Kompromiß war weniger kompromittierlich, wenn«S in Gemütsruhe als lächelnder Dritter ruhig beiseite stehen blieb. DaS Kompromiß hat folgenden Wortlaut: Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die königliche Staatsregienmg aufzufordern: I. ohne Verzug, spätestens in der nächsten Tagung, einen Gesetz- entwiirf, betreffend die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen, auf folgender Grundlage vorzulegen: 1. die Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen liegt den bürgerlichen Gemeinden(Gutsbezirken) oder Verbänden solcher unter ergänzungsweiser Beteiligung des Staates an den Kosten ob;(Art. 25 d. Verf.) 2. in Ausführung des Artikels 24 der Verfassung, wonach bei der Einrichtung der öffentlichen Volksschulen die konfessionellen Verhältnisse möglichst zu berücksichtigen sind, werden nach- stehende Grundsätze festgelegt: a) in der Regel sollen die Schüler einer Schule derselben Konfession angehören und von Lehrern ihrer Konfessionen unrerrichtet werden, d) Ausnabmen sind nlir aus besonderen Gründen, insbesondere aus nalionalen Rücksichten oder da. wo dies der historischen Entwickelung entspricht, zulässig(Lehrer, welche zur Er- teilung des Religionsunterrichts für konfessionelle Minori- täten an Schulen anderer Konfession angestellt sind, dürfen voll beschäftigt werden); o) erreicht die Zahl der schulpflichttgen Kinder einer konfessionellen Minderheit eine angemessene Höhe, so hat diese Minderheit den Anspruch auf Einrichtung einer Schule ihrer Konfession; ä) es sind zur Verwaltung der Schulangelegenheiten neben den ordentlichen Gemeindebehörden in den Städten Schul- deputationen und auf dem Lande Schulvorstände ein- zurichten, bei denen der Kirche, der Gemeinde und den Lehrern eine angemessene Vertretting zu gewähren ist; H. bei Neuregelung der Schulunterhaltungspflicht zugleich für die Beseitigung unbilliger Ungleichheiten in der Belastung der der- schiedenen Schnlverbände und in der Höhe des Diensteinkommens der Volksschullehrer zu sorgen. Gegen Nr. 1 ist nichts einzuwenden. Mit Nr. 2 aber ist die konfessionelle Schule eingeführt und die Misere der ein- und zweiklassigenSchulen auf dem Lande Vers ch ä r f t. Die unter b) geiiaiinten Ausnahmen beziehen sich auf Hefsen-Nassau, das seit Anfang des vorigen Jahrhunderts die Simultanschulen hat, die nattonalen Rücksichten beziehen sich auf die bekannte Ostmarkenpolitik. Sie enthält eine der schwerwiegendsten Bestimmungen, die direkt dem Zedlitz-Trützschlerschen Entwurf von 92 entnommen ist. WaS dies anlangt, so habe ich vorher gesagt, wie Schillvorstände und Deputationen ohne jede gesetzliche Grundlage vom Minister in ihrer Wirkung be- einträchtigt werden. Diese Beeinträchtigungen sollen jetzt Gesetzeskraft erhalten. An dem Kompromiß ist das wahrhaft Wunderbare der Name, tatsächlich sind die Nationalliberalen und Freikonservativen nur auf das eingegangen, was die Konservativen und das Zentrum immer gefordert haben. Nein politisch betrachtet ist der Abschluß des Schul- koinpromisses ein geradezu logische Handlung zu nenneu. Alle sind darin einverstanden, daß in der Schulfrage gesetzgeberische Maß- nahmen ergriffen werden müssen. Diese Maßnahmen aber scheitern an der Konfessionsfrage, folglich muß diese vorher gelöst sein. Zur Lösung aber sind nur zwei Wege vorhanden. Entweder liefert man die Schule an die Kirche aus, oder man zerschneidet das Tischtuch zwischen der Kirche und der Schule durch die Ausscheidung der Kirche von der Schule. Die Anhänger des Kompromisses haben den ersten Weg gewählt. Für die G e g n e r ist damit vorgeschrieben, was sie zu sagen habe», sie müssen die konfessionslose Schule, die vollkommene Ausscheidung deS Re- ligionS-UnterrichteS aus der Schule verlangen. (Sehr richtig!) Aber diesen Weg wagt heute von den liberalen Parteien im Landtage keiner zu vertrelen, obwohl doch diese Forde rung in ein liberales Programm hineingehört. In Preußen ist sie mit völliger Klarheit zuletzt im Programm der demokrattschen Partei ausgesprochen worden, die sich im Jahre 1385 aus den Fortschrittlern bildete, die die Fusion mit den Sezessionistcn nicht mitmachen wollten. Da heißt es:„Es ist die Durchführung des Prinzips der allgemeinen Volksschule zu erstreben, die religiöse Erziehung soll jedoch der privaten Fürsorge der Familie überlassen sein." In dem Programm der beiden freisinnigen Parteien fehlt diese Forderung, ja ihre parlamen- tarischen Vertreter haben gegen die„Verleumdung" protestiert, daß sie die Volksschule entchristlichen wollten; das hat Virchow schon 1872 erklärt und denselben Protest haben jetzt Emst von der Freisinnigen Vereinigung und Kopsch im preußischen Landtag erhoben. Wie, oll sich ilun die Sozialdemokratie ver- halten? In der Presse ist von einer Seite gesagt worden, die Sozialdemokratie brauche sich über die Schulfrage nicht aufzuregen. In der kapitalistischen Gesellschaft sei die Schule stets ein Unter- drückungSmittel gegen das Proletariat; bei einem Gegensatz zwischen Konservativen und Liberalen hätten wir selbstverständlich die letzteren zu unterstützen, nicht um ihrer schönen Augen willen, sondern weil wir versuchen müßten, möglichst viel für das Proletariat heraus- zuschlagen. Dieser Standpunkt ist durchaus nicht übel, er leidet bloß an dem Umstände, daß bei uns in Preußen die Liberalen fehlen, denen wir die Führung der Geschäfte überlassen könnten. Wenn wir eine starke liberale Partei hätten, dann brauchten wir nur zii tun, was Marx schon im Kommunistischen Manifest sagte: Ständig dieser Partei auf die Hacken zu treten und fie in ihrer revolutionären Haltung zu unterstützen. Gewiß unsere Liberalen haben ganz annehmbare Schulprogramme, so hat im vorigen Sommer Pfarrer Naumaiin in der Tonhalle folgendes Programm aufgestellt: Wir verlangen: 1. daß die gesamte Jugend des deutschen Volke? bis zu einer gesetzlich festgestellten Altersgrenze in der Volksschule» in der Unterricht und Lernmittel frei sind, vereinigt werde und daß neben der Volksschule öffentliche Anstalten ftir den ersten Unter- richt nicht bestehen, 2. daß die Volksschule mit den mittleren und höheren BildnngS- anstalten in organische Berbindung gebracht werde und besonders begabte Kinder unentgeltlichen Unterricht in weiterführenden Lehr- anstalten erhalten, 3. daß sich an die Volksschule eine obligatorische FortdildnngS- schule für Knaben und Mädchen anschließt. 4. daß in der Volksschule, wie in jeder anderen staatlichen BildungSanstalt, eine konfessionelle Trennung der Kinder nur im Religionsunterricht stattfindet und daß für die TrUnahme am Religionsunterricht ein Zwang nicht besteht, 5. daß die Lehrer eine wissenschaftliche Bildung erhalten, die der Stellung der Volksschule im gesamten BUdungSorganismuS des Staates entspricht. 3. baß die Volksschule zeitgemäß ausgestaltet und dotiert wird(Verkleinerung der Schulklassen, Aufbesserung der Lehrer- besoldungen), 7. daß die Aufsicht über die Volksschule in die Hände von praktisch bewährten und pädagogisch gebildeten Fachleuten gelegt wird und— 8. daß die Oberleitung deS Unterrichtswesens einem Unterrichtsministerium obliegt, das vom Kultusministerium völlig getrennt ist, 9. daß diejeniaen Gemeinden» die größere Opfer für ihr Schul- wesen bringen, an der Verwaltung der Schulen entsprechend be- teiligt find. Das sind ganz ausgezeichnete Forderungen; wenn sie mit Ernst von einer liberalen Partei verfochten werden, dann möchte ich den Sozialdemokraten sehen, der sich dagegen aussprechen würde. Aber damit ist für imS noch nicht alles erledigt. Vergleichen Sie dieses Programm mit den Forderungen unseres ParteiprogrannnS und unserer Resolution. Wir verlangen die Weltlichkeit der Schule durch die Entfernung des Religionsunterrichtes aus der Schule. Diese Forderung fehlt selbst in dem vorgeschrittensten liberalen Schul« Programm. Die Liberalen sind wohl Gegner der KonfesstonS- schule, aber sie sind zu feige, um die entscheidende Gegenforderung zu stellen. Wir Sozialdemokraten müssen uns aber an die Spitze des Kanipfes um die Schule mit der Forderung stellen, fort mit der Religion aus der Schule.(Lebhafter Beifall.) Leicht wird uns diese Aufgabe gewiß nicht sein. Es wird nicht leicht sein, aus den Köpfen der Landbevölkerung die Verehrung des Religionsunterrichtes zu beseitigen, es wird auch nicht'leicht sein, den Widerstand der Lehrer zu brechen, die jetzt Religionsunterricht erteilen und nicht zugeben mögen, daß sie 6 Jahre unnützen Studiums daran gewandt haben. Allein, was in Frankreich die Bourgeoisie durchgeführt hat— dem, dort ist der Religionsunterricht aus der Schule verbannt— müssen wir hier leisten, wir können nicht wie die Katze um den heißen Brei herumgehen. Was wir als richtig erkannt haben, dessen Durchführung müssen wir auch fordern. Die Forderung, heraus mit dem Religionsunterricht aus der Schule, die schon Diesterweg aufgestellt hat, wird dazu beitragen, alles, was in Deutschland an freiheitlich denkenden Männern noch vorhanden ist, die jetzt im Schmollwinkel sitzen, noch einmal herauszuholen, und Freunde für diese Forderungen werden uns auch von der Seite der wahrhaft frommen Elemente und unseres Volkes koinmen. Pastor Bolus hat 1900 den Ruf erhoben, hinaus mit der Religion aus der Schule um der Religion willen. Und Pastor Rahde sagte in der„Christlichen Welt", er sei erschrocken, wie viel Zustimmung diese Losung ge- sunden habe; und noch einen frommen Zeugen, Schleyermacher, will ich anführen, er sagt: „Was nun den Religionsunterricht, der in öffentlichen Schulen erteilt wird, betrifft, so bin ich der Meinung, daß dieser ganz erspart werden kann. Es ist dieser Unterricht nur ein Rest aus früherer Zeit, in der diese Anstalten kirchlichen Ursprungs der Kirche untergeordnet waren. Jetzt sind sie nicht mehr kirchliche Anstalten." Daniit bin ich am Ende. Redner verliest die Resolutton und weist auf die Bedeutung der Forderung der Einheitsschule noch anS- drücklich hin. Alle anderen Forderungen werden wir viel schneller erreichen, wenn das Kind des Besitzenden dieselbe Schulbank drückt, wie das Kind des Arbeiters. Ich bitte, die Resolutton einstimmig anzunehmen.(Lebhafter Beifall.) BrnhnS- Kaltowitz: Als Vertreter des dunkelsten Teils unserer schwarz- weiß- roten Monarchie mutz ich den eigenartigen Schul- Verhältnissen Oberschlesiens Rechnung tragen. Im Schulbezirk Oppeln beträgt die Durchschnittsziffer der Schüler, die auf einen Lehrer ent- fallen, 79; im Bezirk Tarnowitz 35, im Bezirk Huldschin und Nicolai 87 und im Bezirk Lnblinitz mit 27 Schulen 91 Schüler. In 218 von 1453 oberschlesifchen Volksschulen beträgt die Zahl der Schüler, die auf einen Lehrer falleii, über Ivv bis 20V. Schillpatrone solcher Schulen sind die adeligen Großgrundbesitzer, die Thiele-Winckler u. a. Ueber die Lchrergehälter will ich nichts sagen, sondern mir daraus hinweisen, daß die Lehrerwohnunaen oft jeder Beschreibung spotten. Die örtliche Schillaufsicht in Oberschlefien wird in mehr als 30Proz. von den Geistlichen ausgeübt, in anderen Fällen von Gutsbesitzern. Apothekern, Bauern und andern Leuten, die natürlich keine Ahnung davon haben, was für die Schule nöttg ist. Der schlimmste Uebel- stand ist die durch die Volksschule erstrebte Germanisation, es ist den Lehrern verboten, abgesehen vom Religionsunterricht in den untersten Klassen, sich der polnischen Sprache zu bedienen, auch in Gegenden, wo nur polnisch gesprochen wird. Fügen sich die Lehrer nicht den Wünschen ihrer Vorgesetzten, so erhalten sie nichts von der Ost- markenzulage. Wie eine solche Methode auf die Bildung des Volkes wirken inuß. braucht wohl kaum geschildert zu werden; die Kinder kennen wohl einzelne deutsche Worte, aber nicht ihre Bedeutung, fie sind in den Geist der Sprache nicht eingedrungen. Gewiß steht die polnische Bevölkerung kulturell ttef, aber ihre geistigen Anlagen sind keineswegs gering. Nur infolge des mangelnden Unter- richts, infolge der blödsinnigen Hakati st enpolitik werden die jungen Leute in Unwissenheit gehalten. Ich bitte Sie, meinen Antrag anzunehmen, um auf viese Weise Protest gegen die GermanisierungSbesttebungen zu erheben.(Beifall.) Adler-Kiel: Zum Referat brauche ich nicht viel zu sagen, höchstens, daß die Einheitsschule, um die wir in Preußen noch kämpfen, in Japan bereits eingeführt ist.(Hört l hört!) Ebenso wie den Polen nimmt man auch den Dänen ihre Muttersprache. Die Kinder können dem Unterricht in deutscher Sprache nicht folgen. Und wie steht eS um die Kenntnisse deren, dte die Kinder unterrichten sollen? Dafür ist charakteristisch eine Anekdote, die von einem Geistlichen erzählt wird. Der Geistliche wollte von der Auferstehling des Fleisches sprechen. DaS dänische Wort für Fleisch heißt Ködets, das für Speck: Fleskets. Der Geistliche sprach nun nicht von Ködets opstaadse, sondern von F l e S k e t S opstaadse, d. h. von der Auferstehung des Specks.(Stürmische Heiterkeit.) Wir dürfen nicht vergessen, daß die dänische Kultur eine recht hoch- stehende ist. Die alten Römer nannten die Völker, die ihre Sprache nicht kannten, Barbaren, ich bezeichne es als barbarisch, wenn man Kinder in die Welt setzt und ihnen ihre Muttersprache nimmt. Darum ist die Resolution Bruhns ein Protest gegen die gegen Polen und gegen Dänen geübte Barbarei.(Lebhafter Beifall.) Müller-Sagan: Wir n,üssen die Aufmerksamkeit mehr als bisher auf die Stellung der Sozialdemokratie gegenüber den Kragen der preußischen Gesetzgebung richten. Genosse Arons hat in einem vor- züglichen Referat eine Reihe von Gedanken vorgetragen, aber er ist nicht eingegangen auf ein Thema, das er selbst einmal angeregt hat, die Frage der Beteiligung der Sozialdemokraten an den Kirchen- wählen. Natürlich haben wir es abgelehnt, von Partei ivegen hierzu Stellung zu nehmen, aber wir wären sehr wohl in der Lage, auch bei dieser Gelegenheit auf unsere Genossen einzuwirken, um gu verhindern, daß die Macht derer gestärkt wird, die einen so unheil- vollen Einfluß auf die Schule ausüben. Vielleicht genügt es, durch eine öffentliche Diskussion das Gewissen dieser Genossen zu schärfen» Paech-SchwiebuS: Die Frage, die der Vorredner angeregt bat. hat mit der Schule nichts zu tun.(Sehr wahr!) Wie es m oen Jnnker-Schulen aussieht, weiß ich aus eigener Erfahrung. Die Junker besitzen noch das Privileg, die Schulkinder nach Kräften aus- beuten zu können. Von 6 bis'/s�Uhr morgens gehen dieKinder zur Schule, und dann werden siebis Sonnenuntergang ausgebeutet. Was sie da kernen, kann man sich denken, die Leute können, wenn sie zwei oder drei Jahre auS der Schule sind, knapp ihren Namen deutsch schreiben— lateinisch können sie eS überhaupt nicht. Auch die Schulferien richten sich danach,>oie die Kinder zur Landarbeit gebraucht werden. Die Kinder müssen für die Junker Kartoffeln graben, aus diesen Kartoffeln wird dann Schnaps hergestellt zur weiteren Verdummung der Massen.(Sehr gut!) Ich habe als Kind 40 Pf. pro Tag für solche Arbeit erhalten und täglich zwei Glas Schnaps. Herr Gamp hat allerdings im Reichstag bestritten, daß so etwas vorkommt. Wenn er es wieder bestreiten sollte, so schicke man ihn nur an meine Adresse. Daß die Disziplin und die Sitten der Kinder darunter leiden, ist erklärlich. Wo es sich um andere Stellvertreter Gottes handelt, da achtet die Regierung auf Disziplin, bei den Lehrern tut sie das Gegenteil. Dagegen mllflen wir Protest erheben. Ebenso haben wir dagegen zu pcotestieren, wenn Lehrer ihr Amt dazu mißbrauchen, um Sozialdemokraten an den Pranger zu stellen.(Brisall.) Müller-Schkeuditz: Die Uiientgeltlichkeit des Schulunterrichts ist in unserer Genieinde noch nicht durchgeführt, wohl aber haben wir die Einheitsschule. Aber wie sieht diese Einheitsschule aus? ES sind Parallelllasseii eingeführt, in der einen sitzen die Proletarier. in der anderen die besser situierten Kinder. Wir haben also genau dieselben Zustände wie vor Errichtung der Einheitsschule. Und wie betrachten die Rettoren ihre Aufgabe? Sie sind ja schon dramatisiert in„FlachSmann als Erzieher". ES gibt eine ganze Reihe solcher Flachsmänner, die nach oben kriechen und nach unten brutal austreten. V Jakobsen Dttensen Lodstedt: Bei uns ist der Antrag auf Ge-| der gemeinsamen Erziehung von Knaben und Mädchen zugrunde; I stoff, durch den Katechismus, durch unverstandene Sprüche, durch währung freier Lernmittel angenommen, aber die Regie- man sagte sich, daß vor allem die natürliche sittliche Einwirkung, immer wertlos gewesene oder wertlos gewordene Kirchenlieder- all rung hat erklärt, daß die Gemeindevertretung kein Recht hat, die von Anfang an das gemeinsame Aufwachsen von Knaben und das kann man nicht genug verdammen. Deshalb bin auch ich für die solche Anträge zu beraten. So sieht es mit der Selbst- Mädchen, besonders auch das gemeinschaftliche Streben und Lernen Trennung der Kirche von der Schule. Ich sage aber nein, wenn ohne verwaltung aus! Auch die neue Schulordnung für Schleswig- auf beide Geschlechter ausüben müßte, äußerst günstig sein würde, weiteres die Trennung der Schule vom Religionsunterricht verlangt wird. Holstein enthält wesentliche Verschlechterungen gegen daß die etwas wildere Natur der Knaben gemildert werden könnte Jch könnte für diesen Satz stimmen, wenn er einen momentan früher, unsere Verbesserungsanträge sind infolge des Umfalls der durch die größere Sanftmut der Mädchen und daß umgekehrt der zu ergreifenden praktischen Ausweg aus den Schwierigkeiten darLiberalen abgelehnt, die Schule ist der besigenden Klasse ausgeliefert vielleicht oberflächliche Intellekt des Mädchens gehoben werden stellte. Wenn wir heute die Schule von der Gewalt der Kirche worden. Man will nicht, daß die Kinder zuviel lernen, weil man fönnte durch die größere Vertiefung des Knaben in geistige Gegen- befreien könnten, aber nur um den Preis der Entfernung des Refürchtet, daß man dann zu viel Sozialdemokraten bekommt.( Sehr wahr!) stände. Nach Ansicht aller Pädagogen, die in solchen Schulen unterrichtet ligionsunterrichts aus der Schule, würde ich aus oppor Wittrisch- Forst: Wenn wir uns an den Kirchenwahlen beteiligen haben, find tatsächlich ähnliche Resultate erzielt worden. Meiner Meinung tunistischen Gründen dies annehmen als das kleinere llebel. follen, so tommt mir das so vor, als wenn ein Rabbiner Vor- nach muß dieser fortschrittliche Versuch auch von uns durchaus Aber so liegt es nicht. Kirche und Staat halten fest zusammen schriften geben soll über die christlichen Taufen.( Heiterkeit.) Und vertreten werden. Aus diesen Gründen bitte ich Sie, unseren und dieses Bündnis muß erst nicht nur moralisch Baukerott gemacht was erreichen wir denn durch den Austritt aus der Landeskirche? Antrag anzunehmen. Meine persönliche Ansicht geht ferner noch haben das hat es schon längst in den Augen aller frei Denkenden Ein lebendes Beispiel dafür ist ja Genosse Hoffmann, unser Zehn dahin, daß in der ganzen Schulgesetzgebung den Frauen ein größerer sondern auch sich äußerlich unmöglich gemacht haben. Davon sind Gebote- Hoffmann.( Heiterkeit.) Der hat seine Kinder jüdisch taufen Einfluß gewährt werden müßte, daß mehr Frauen in die wir aber noch weit entfernt. Unsere Erörterung ist deshalb rein Tassen( Stürmische Heiterkeit). ich wollte sagen, er ist gezwungen Schuldeputationen hineinmüßten( Sehr richtig!) und akademisch, theoretisch, und in solchen Fällen ist man meines Erachtens worden, seine Kinder am Religionsunterricht teilnehmen zu lassen daß es Sache der sozialdemokratischen Partei ist, in stärkerer Weise verpflichtet zu prüfen, ob das, was man ja nur für die Zukunft und hat sie in den jüdischen Religionsunterricht geschickt. Genosse als bisher den Einfluß des weiblichen Geschlechtes im öffentlichen fordert, in dieser Zukunft auch richtig und praktisch sein würde. Arons hat auf die Wirkung des mechanischen Einpautens des Leben auch tatkräftig zur Geltung zu bringen.( Lebhafter Beifall.) An eine Ueberwindung der Macht der Kirche über die Schule ist religiösen Lernstoffes hingewiesen, aber nur nebenher hat er die Er- Inzwischen ist folgender genügend unterstützter Antrag 10 ein- erst zu denken, wenn einmal eine starke freiheitlich gesinnte Mehrziehung der Jugend zum Mords patriotismus erwähnt, gegangen: Antrag zur Resolution zur Schulfrage. Zu Punkt 1 am heit ihre Hand auf den Staat gelegt haben wird. Welchen Grund und das ist doch viel wichtiger. Die Religionsgeschichten pflegen unsere Schlusse einzufügen:„ Beseitigung der Bestrebungen, die darauf aus- aber hätten die dann herrschenden frei denkenden Politiker, einen so Kinder als schöne Märchen anzusehen.( Widerspruch.) zu welcher gehen die Schule statt zu einer Pflegstätte vorurteilsloser Bildung zu wesentlichen Teil der Erziehung der Jugend aus der Hand zu geben abscheulichen Dressur des menschlichen Geistes aber der in der Schule einem Werkzeug politischer Verhegung zu machen." Lily Braun. und den erbittertsten Feinden der Freiheit, den Kirchen zu übergepflegte Mordspatriotismus führt, das hat Bebel erst neulich im Lily Braun Berlin: Genosse Wittrisch hat bereits darauf hin- lassen? Diesen die bildsamen Seelen der Kinder zu jedem pfäffischen Reichstage nachgewiesen. Man stellt unseren Kindern den Gefreiten gewiesen, daß es gerade im Interesse unserer Bewegung ist, nicht Mißbrauch auszuantworten? Lück und Konsorten als Jdeal hin.( Heiterkeit.) Dagegen Einspruch nur den Kampf gegen die Kirche in den Vordergrund zu schieben, Man denke nicht, daß die Eltern von ihrer Freiheit, die Kinder zu erheben, ist notwendig. Selbst in Lehrerkreisen macht sich schon sondern auch den Kampf gegen den Mordspatriotismus, diesem Religionsunterricht zu entziehen, Gebrauch machen würden. eine Bewegung gegen diesen Mordspatriotismus geltend. Daß wir wie er unseren Kindern gelehrt wird, ganz besonders zu betonen. Wir sehen es an Frankreich, an Belgien, an Amerika, überall, eine Anzahl von Forderungen aufstellen, die wir als Minimal- Von diesem Standpunkte aus habe ich den Antrag 10 eingebracht. wo man der Kirche solche Freiheit eingeräumt hat, da hat sie sie forderungen bezeichnen, ist ja sehr hübsch, aber gegen eine ganze Auch in der Volksschule, in der der Geschichtsunterricht gleich Null benutzt, um Armeen der Freiheitsfeindschaft heranReihe dieser Forderungen kann der Steuerpolitiker, der mit den ist, wird der Mordspatriotismus unseren Kindern durch die Lese- zuziehen. Nirgends ist die Macht der Kirchen größer als in diesen Ländern. einmal gegebenen Verhältnissen rechnen muß, Einspruch erheben. bücher beigebracht. Gerade hier werden die schlimmsten Einflüsse Wir sehen ja auch bei uns, daß in den Dingen, in denen jeder Wir haben entlegene Gebirgsdörfer, wo die Kommunalstenern un- geltend gemacht. Ich erinnere zum Beispiel an den Haß gegen Freiheit hat, sich zur Kirche zu stellen wie er will, Trauung und erschwinglich hoch sind. Hier müßten sich die Gemeinden zu Verbänden rankreich, der durch die Lesebücher in unseren Kindern syste- Taufe, nur sehr wenige von dieser Freiheit Gebrauch machen, zusammenschließen, und der Staat hätte die Mittel für Schulzwecke matisch großgezogen wird. Dagegen werden die Heldentaten gegen- und viele, die davon Gebrauch gemacht haben, sich nachträglich noch zu bewilligen, wenn er wirklich auf den Namen eines Kulturstaates wärtiger Herrscher und lebender Fürstlichkeiten in einer Art Heldengedicht von der Kirche wieder einfangen lassen. Anspruch erheben will. dargestellt. In dem Lesebuch meines siebenjährigen Jungen handeln Religiöses Bedürfnis steckt eben tief in der Natur der Menschen Wally Bepler- Berlin: Genosse Arons hat mit Recht betont, daß 19 Erzählungen vom Vaterlande, darunter elf allein vom und je mehr man den Glauben erweckt, daß Religion und Kirche es für den Augenblick darauf ankommt, die Herrschaft der Pfaffen Kaiser Wilhelm I., Kaiser Friedrich, Kaiser Wil- ohne weiteres zusammenfielen und nur die Kirche die einzige und über die Schule zu brechen. Ich bin damit vollkommen ein- helm II. und dem jezigen Kronprinzen.( hört! hört!) Von rechte Verwalterin des Religiösen im Menschen wäre, desto mehr verstanden, aber wir, d. H. eine Versammlung sozialistischer Ver- legterem werden zwei rührende Geschicht chen stärkt man die Kirche. treter des preußischen Staates, haben doch auch die Aufgabe, vor als Moralpredigten für unsere Kinder erzählt. Ich meine deshalb, daß die Schule, wenn sie einmal das Joch allem unsere Meinung über die kulturhistorische Bedeutung der Einmal wollte er sich nicht waschen lassen. Da durfte die SchildSchule zu sagen. Eine der gewaltigsten Triebkräfte der sozialistischen wache nicht vor ihm präsentieren und dadurch wurde er gezwungen, Bewegung liegt ja darin, daß sie immer und immer wieder zeigt, daß sich waschen zu lassen.( Heiterkeit.) In der anderen Erzählung wird der Fortgang der menschlichen Kultur an den Fortgang der sozialistischen dargestellt, daß er nicht mit Puppen spielen sollte, da ja die SolBewegung gebunden ist. Die Schule ist dasjenige Gebiet, wo die daten auch nicht mit Puppen spielen.( Heiterkeit.) Wenn die Lesegewaltige fulturelle Ueberlegenheit der sozialistischen Weltanschauung bücher anders gestaltet wären, so könnte durch sie wirkliche Vatergegenüber der reaktionären und der zurückgebliebenen liberalen Welt- landsliebe unfern Kindern beigebracht werden, denn Deutschland hat anschauung besonders zum Ausdrud kommen muß. Der gewaltige Helden genug aufzuweisen, Helden der Kulturentwickelung, des Unterschied zwischen der heutigen Volksschule und dem, was uns als Menschheits- und Freiheitsgedankens. Die Vorführung solcher Helden Ideal einer Zukunftsschule vorschwebt, bringt so recht zum Ausdrud würde allerdings eine hervorragende erzieherische Bedeutung für den ungeheuren Unterschied der heutigen tapi unsere Jugend haben. Unsere Lejebücher sind auch vollgepfropft von talistischen Welt gegenüber einer zukünftigen religiösen Geschichten aller Art, die vielfach eine im höchsten Maße sozialistischen Kulturwelt. Wir glauben alle, daß die durchseuchte und vergiftete Moral zeigen. Die Armut wird den Erziehung der Jugend in einer zukünftigen sozialistischen Gesellschaft Kindern noch dargestellt unter dem Gesichtspunkt, daß die Tugenden aufgebaut sein muß nach den höchsten Prinzipien der Menschheit der Reichen sich an den Armen üben sollen, während die Armen das überhaupt, und deshalb muß die Forderung der Einheits- durch die Demut, die Bescheidenheit, die Unterwürfigkeit, die handene menschliche Anlage die edle schöne Frucht persön schule in den Vordergrund des Kampfes gerückt werden, Dankbarkeit und dergleichen schönen Dinge lernen sollen, die wir denn darauf beruht jeder nur mögliche Fortschritt im Schul- den Kindern nicht beibringen wollen. Wir wollen uns vor allem wesen. Solange wir eine Klassenschule haben, eine wenden gegen eine Art des Patriotismus, die unserem Ideal strikt Schule, die nach Diesterweg nicht eine Bolts- sondern eine entgegengesetzt ist. Es wird an die schlechtesten Instinkte im Armenschule ist, kann von einem kulturellen Fortschritt im Schulwesen Menschen appelliert, an die Habsucht, den lebermut und Haß, die feine Rede sein. Wir befinden uns pädagogisch heutzutage in einem wir als Sozialdemokraten mit Stumpf und Stiel ausrotten wollen. Anschauungskreise, der von Grund aus eine Reformierung unserer Wir müssen gegen den Einfluß der herrschenden Klassen in diefer ganzen Jugenderziehung bezweckt, eine Reformierung, die dahin geht, Richtung auf unsere Kinder protestieren.( Lebhafter Beifall.) daß die Schule aufhören soll, eine Schule zu sein, die nur ganz be- Von Heine- Berlin liegt ein genügend unterstützter Antrag vor, stimmte Kenntnisse übermittelt, daß sie vielmehr werden soll ein wonach in der Resolution der Sazz: und der Ausscheidung jedes großes foziales Erziehungsinstitut mit der Aufgabe, religiösen Unterrichts in der Schule" durch folgende Fassung ersetzt die geistigen, fittlichen, fünstlerischen und physischen Fähigkeiten des werden soll:„ und der Ersatz des konfessionellen Religions- Unter Kindes zu pflegen. Gerade in lester Zeit neigen die Pädagogen richts durch Unterweisung in Religionsgeschichte, Moral und Kunstmehr und mehr zu der Ansicht, daß die Durchdringung der Jugend pflege, Gestaltung des gesamten Unterrichts nach den Grundfägen mit dem sozialen Gedanken die hervorragendste Aufgabe der Zukunfts- fortgeschrittener Pädagogif. pädagogik ist und daß eine solche Sozialpädagogik praktisch durchgeführt wird in einer Schule, die durch das gemeinsame Leben der Kinder aller Stände die sozialen Instinkte zu entwickeln imstande ist. Heine- Berlin: Mein Antrag hat den Zweck, daß wir in unserer Was unser Antrag bezweckt, ist das, was unter dem Namen Resolution nicht nur das Verwerfliche am heutigen Unterricht fennCo- Education, gemeinsame Erziehung, bekannt und in Nordamerika, zeichnen, sondern zeigen, daß wir wohl wissen, wie positive KulturNorwegen und Finnland schon praktisch erprobt ist. Alle förderung aussieht und daß wir von vornherein Vorwürfen begegnen, Pädagogen, die sich mit diesem System beschäftigt haben, sind der die sonst gegen uns erhoben werden würden. Ich möchte den Die Fortsetzung der Diskussion wird auf Donnerstag 9 Uhr vertagt. Ansicht, daß die gemeinsame Erziehung von Knaben Halbsay:" Ausscheidung jedes religiösen Unterrichts aus dem Lehrstoff Die Berliner Genossen geben den Delegierten um 8 Uhr abends und Mädchen in vielfacher Hinsicht die vorzüg- der Schule" so unvermittelt und in solcher Allgemeinheit nicht stehen lichsten Resultate zeitigt. Nach Meinung aller derer, die lassen, sondern ersetzen so wie mein Antrag vorschlägt. Dem was über einen Kommers in der Neuen Welt. Schluß 7 Uhr. das öffentliche Wirken der Frauen studiert haben, soll man die etwas die Gestaltung des Religionsunterrichts in der heutigen Schule verschiedenartige geistige und sittliche Begabung von Frauen und gesagt worden ist, kann ich vollständig beipflichten: Ueberhäufung, Männern für die Bereicherung des Kulturlebens ausnutzen, dadurch, daß leberwucherung des übrigen Unterrichtsstoffes durch einen man die Anlagen entwickelt und auf einander wirken läßt. Diese Jdee lag wäre zu viel Ehre, ihn religiös zu nennen firchlichen MemorierFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, 29. Dezember. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Der Roland von Berlin. Neues königl. Opern Theater. Die Herzmarke. Deutsches. Helden. Berliner. Alt- Heidelberg. Leffing. Die Siebzehnjährigen. Westen. Wiener Blut. Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. National. Die Millionenbraut. Thalia. Der große Stern. Zentral. Die Negerlein. Anfang 8 Uhr: Neues. Der Graf von Charolais. Belle Alliance. Ein Blizmädel. Schiller 0.( Wallner Theater.) Die Thrannei der Tränen. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Heimg'funden. Kleines. Salome. Residenz. Herkulespillen. Carl Weiß. Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Lustspielhaus. Der Familientag. Trianon. Die glückliche Gilberte. ( Heureuse.) Deutsch- Amerikanisches.New- York. Luijen. Die zärtlichen Verwandten. Apollo. Berliner Luft. Wundersterne. Elektrische Tanzbilder. Metropol. Die Herren von Marim. Kasino. In Bertretung. Passage Theater. Ludolf Waldmann. Klara Lingen. Anf. 5 Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Balaft. Spezialitäten. Herrnfeld Theater. Prinz Levy in Ahlbed. Urania. 48/49. Haenisch- Dortmund beantragt, in diesem Amendement das Wort Religionsgeschichte" zu streichen. es der Kirche abgeworfen hätte, sehr recht daran täte, sich mit der Religion in einer Weise zu beschäftigen, wie die Kirchen dann es nicht tun würden: vorurteils los ohne konfessionellen Haß. ohne dogmatische Engherzigkeit. Ein guter freier Unterricht über die Religionen, der freilich erst möglich wäre nach Trennung der Schule von der Kirche, würde das unentbehrliche Mittel sein, die geistige Freiheit vor ihren firchlichen Feinden zu schützen. Selbstverständlich würde ein folcher Unterricht nicht im mechanischen Auswendiglernen von schlechten Kirchenliedern und unverstandenen Sprüchen bestehen. Es soll und kann Religion selbst im wahren Sinne nicht gelehrt werden, denn sie ist etwas, was einer nicht lernen fann, sie ist kein Wissen, auch kein für Wahrhalten, sondern eine innere Erregung, ein inneres Erleben. Aber es soll der Boden bereitet werden, auf dem diese nun einmal vorlicher Religion tragen kann, und es sollen die Seelen der Kinder vor einseitig firchlicher Verbildung, vor konfessioneller Verhegung bewahrt werden. Dazu dient Religionsgeschichte, der Unterricht in der Sittenlehre und Kunstpflege vor allem, denn die erzeugt eine Erregung, die der religiösen verwandt ist. Mit Es gibt schon heute solchen Religionsunterricht, freilich nur hie und da für Kinder der besitzenden Klassen. Wenn ich aber an die zukünftige Gestaltung unseres Bildungswesens dente, so möchte ich eben dasselbe Gute, das heitte nur wenige genießen tönnen, für unser ganzes deutsches Volt wünschen. dem, was in dieser Beziehung in der Resolution steht, würden sich die gehässigsten und volksfeindlichsten Pfaffen einverstanden ertlären können. Die würden schon wissen, was sie mit den ihnen überantworteten Seelen der Kinder anfangen würden, wenn fein Gegengewicht in der Schule gegeben ist. Dieses Gegengewicht darf natürlich nicht in einer Unterweisung in Dogmen bestehen. Deshalb bitte ich Sie, zu zeigen, daß wir nicht bloß wissen, wie schlecht das heutige ist, sondern auch mindestens fühlen und ahnen, wie gut eine freie Kultur sein könnte. Ich bitte Sie, meinem Antrage zu zustimmen. 3m Theater abends 8 Uhr: I'm Urania, Taubenstr. 48/49. Luisen- Theater.| Neues Theater. Residenz- Theater. Bannkreis der Jungfrau. Jm Theater nachmittags 4 Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Stern. Invalidenstraße 57/62. Täglich geöffnet von 7 bis 11 115r. warte. Jm Theater abends 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. National- Theater Weinbergsweg 19. Donnerstag, den 29. Dezember 1904: Gastspiel Fritz Werner: Die Millionenbraut. Anfang 72 Uhr. Freitag: Gastspiel Werner: Die Fledermaus. Sonnabend: Gastspiel Werner: Die Fledermaus. Zentral- Theater Anfang 7 Uhr. 8 Uhr: Im Bannkreis der Jungfrau. Im Theater Uhr: Frühlingstage an der Riviera. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. CASTAN'S ANOPTICUM. PANOP Während der Festwoche: Große WeihnachtsAusstellung!! Die Hauffschen Märchen. Achmet Effendi, der indische Bauchredner u. seine sprechenden Wunderfiguren. Der rätselhafte Zaubertisch. Die Negerlein. Passage- Panopticum. Groteske Operette in 3 Aften. Morgen und folgende Tage: Die Negerlein. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Däumelinchen. Abends 7, Uhr: Die Negerlein. Sonntag nachm. 4 Uhr: Fledermaus. Abends: Die Negerlein. Apollo- Theater. 218 Friedrichstr. 218. Täglich: Berliner Luft von Paul Lincke. Letzte Woche! Auftreten der phänomenalen amerikanischen Sensations Novitäten! Neujahrstag, 1. Januar 1905, nachmittags 3 Uhr: Berliner Luft u. die sensation. Januar- Spezialitäten. Bis Sonntag, den 1. Januar inkl.: Volkstage. Jeder Erwachsene hat ein Kind frei. Jedes Kind erhält ein Weihnachts- Geschenk. Der Riese Machnow der größte Mensch, der je gelebt hat! Das Bärenweib. MarionettenTheater. Die 3 kleinsten Schwestern der Welt. Alle Schaustellungen u. Nebensäle ohn. Extra- Entree. Entree 50 Pf. W. Noacks Theater. Abends 8 Uhr: Anfang 72 Uhr: Alexander. Die zärtlichen Verwandten. Der Graf von Charolais. Deute und folgende Lage 8 Uhr: Freitag: Die zärtlichen Verwandten. Sonnabend: Doktor Fausts Zauber täppchen. Sonntag nachm.: Don Carlos. Abends: Der Registrator auf Reisen. Montag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Kleines Theater Anfang 8 Uhr: Salome. Freitag, zum 1. Male: Die Neuvermählten. Sonnabend: Die Neuvermählten. Borher: Abschieds- Souper. Sonntag: Die Neuvermählten. Vorher: Abschieds- Souper. Passage- Theater. Anfang d. Abendvorst. 8 Uhr. Anf. nachm. Wochent. 5 Uhr, Sonntags 3 Uhr. Letzte Woche! Ludolf Waldmann Berlins populärst. Liederkompon. Carla Lingen in ihrer Szene ,, Die Gefangene". 14 neue erstklassige Nummern. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. In den unteren Sälen jeden Abend 8 Uhr: Direktion: Rob. Dill. Brumenjte. 16. Militär- Konzert. Donnerstag wegen Privatfestlichkeit: Geschlossen. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Freitag: Der Graf von Charolais. Sonnabend: Einen Jux will er sich machen. Sonntag: Der Graf von Charolais. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Deutsch- Amerikanisches Theater. Köpnickerstr. 67/68. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Ad. Philipp: NEW- YORK Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise Ueber'n grossen Teich. Herkulespillen. Schwank in 3 Aften von Paul Bilhaud und M. Hennequin. Deutsch von M. Schönau. Silvesterabend ausnahmsweise egi 75. mittag 3 Uhr: Die 300 Tage. Sonntag, 1. Januar 1905, nachLustspielhaus Friedrichstraße 236. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Morgen und folgende Tage: Der Familientag. Sonnabend nachmittag: Das böse Kasino- Theater Prinzeßchen. Lothringerstraße 37( Rosenthaler Tor). Täglich 8 Uhr, Sonnt. 72-8 Konzert. Großer Erfolg! Stürm. Heiterkeit! In Vertretung. Sonntag nachmittags 3 Uhr, halbe Preise: Kamerad von Zeck. Carl Weiß- Theater. Abends 8 Uhr: Vorher nur noch kurze Zeit Corradini Große Frankfurter Straße Nr. 132. und das brillante Dezember- Progr. Sonntag nachm, 4 Uhr: Blumen- Die Reise um die Erde in strauß. Schwarzer Peter. d Palast- Theater Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Das hervorragende Spezialität.- Programm. 9 80 Tagen. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr KinderVorstellung: Aus der Märchenwelt. ( Rotkäppchen.) Sonntag 3 Uhr( Parkett 60 Pf.): Senta Wolfsburg. ub. Stadt- Theater Moabit. 9 : Eingeschneit. ust. Weihnachtsbild mit Gesang von Walter. Vor- und nachher: Spezialitäten 1. Ranges. Mt- Moabit 47/49. Gastspiel des Bernh. Rose- Theaters. Freitag: Elite- Vorstellung. l. Preise. Der große Wohltäter. Das Gefängnis. Lustspiel in 4 Aften von St. Benedig. Dr. Hagen... Direktor Winkler. Premieren- Borstellung u. Zanz Volksstück mit Gesang und Tanz in 4 Aften von Willen. Anjang 8 Uhr. Freitag 3. legtenmal: Der Wiiddieb. Fritz Steidl- Sänger. Gonnaben: Große Silvester- Feier. Nach der Borstellung: Gr. Ball. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Nach jeder Vorstellung im Kaisersaal Anfang 8 Uhr. Kaffenöffnung 7 Uhr. Sonnabend: Großer Silvesterball. Tanz. Entree 50 Pi. Entree 30 Pf. Num. Platz 50 Pf. Sonntag, den 1. Januar 1905: Das bemescto Haupt. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Tyrannei der Tränen. Lustspiel in 4 Aften von C. HaddonChambers. Deutsch v. Berta Pogson. Freitag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Sonnabend, abends 8 Uhr: Pension Schöller. Schiller- Theater N. ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Donnerstag, abends 8 Uhr: Heimg'funden. Weihnachtskomödie in 6 Bildern von Ludwig Anzengruber. Freitag, abends 8 Uhr: Heimg'funden. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Familie Schierke. Krug zum grünen Kranze Grand- Hotel Alexanderplatz. Jeden Abend * Carl Lüdeckes humoristische Konzerte* Fidelitas. 16022* Achtung! VI.Wahlkreis Achtung! Schönhauser Vorstadt. Sonntag, den 1. Januar 1905, mittags 12 Uhr: Große Matinee im Berliner Prater, Kastanien- Allee 7-9, veranstaltet von den Parteigenossen der Schönhauser Vorstadt. SHOL Ersatz für die am zweiten Feiertage polizeilich aufgelöste Matinee im Berliner Prater. [ 220/ 13*] Das Komitee. Entree nach Belieben. Zirkus Busch. Zirkus Schumann Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Katharina II. Nur noch einige Male: Heute Donnerstag, den 29. d. Mts., abends präz. 72 Uhr: = Die Original Japaner. Elite Abend, Gala Programm. Die dress. Affen des Clown Armando. Bum 7. Male: Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Herr Dir. Busch: Eine Steeple- Chaise. Die große Schumannische Ausstattungs- Donnerstag, den 29. Dezember 1904, abends 8 Uhr, im Lokale Eine Zebra- Komödie und die vorzügl. Programmnummern. Gebr. Herrnfeld- Theater. Prinz Levy in Ahlbeck. Schwank in drei Atten von Anton und Donat Herrnfeld. Anf. 8 Uhr. Vorverkauf 11-2 Uhr. Sonnabend, den 31. Dezember: Große Silvester- Feier mit originellem Riefen- Jubel- Programm Um 8 Uhr: Die ftürmisch bejubelte Situationstomödie: Prinz Levy in Ahlbeck. Um 12 Uhr: Gruß an das neue Jahr 1905! Humoristisch aktueller Prolog von Hugo Pollak mit Jubel- Fanfaren- Chor und Left- Musik. Sierauf Gratulations- Cour Algemeine mit Punsch- PfannkucherPolonaise. Um 1 Uhr: Mit gänzlich neuer Ausstattung: Die Original- Klabrias- Partie. Billett- Vorverkaáf ab heute. Metropol Theater Pantomime Eine Nordlandreise. Jm Strahl der Mitternachtssonne. Komisch- pbantastische Pantomime in 7 Bildern. Entworfen und auf das Glänzendste in Szene gesetzt vom Direktor Albert Schumann. Borher sämtliche Spezialitäten, Dir. Alb. Schumanns neue u. moderne Dressuren und Münstedts reizende Liliputaner. Sonntag, den 1. Jan. 1905, nadm. 312 Uhr und abends 72 Uhr: Zwei große Gala- Fest- Borstellungen. Nach mittags 1 Kind frei. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Sonnabend, 31, Dezember: Grosse Silvester- Ulk- Soiree mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Die Her ren von Maxim. WINE ARTEN Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik Ir von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direkt or Richard Schultz. Henry Blender. Josef Giampietro. Josef Josephi. Anton Grünfeld. Frick Frid. Fritzi Massary. Alte Jakobstr. 37( Louisenstädtisches Konzerthaus): General- Versammlung Tages- Ordnung: 1. Aufstellung der Kandidaten zum Verbandstage und Anträge zum Verbandstage. 2. Verschiedenes. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen aller Mitglieder notwendig. 161/1 Mitgliedsbuch refp. Legitimationsfarte legitimiert. Freie Volksbühne Sonntag, 1. Januar, nachmittag 2, Uhr: 21 Metropol- Theater. 7. Abteilung Berliner Theater. 1. Abteilung: Die Juden. Die Räuber. General- Versammlung Donnerstag, den 5. Januar 1905, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause. ( Eintritt nur gegen Vorzeigung der Mitglied skarte.) Tages- Ordnung: 1. Vortrag Herr Dr. Emil Geyer. 2. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 3. Bericht der Revisoren. 4. Diskussion und Verschiedenes. 230/7 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Partei- Speditionen: Berlin zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalderftraße 30, b. part.- Dritter Wahlkreis: t. Friz, Prinzenstr. 31, Hof rechts part.- Vierter Wahlkreis 0.: Robert engels, Gr. Frankfurterstr. 133, of part.- SO.: Baul Böhm, Laufiperplat 14/15 ( Laden). Fünfter Wahlkreis: Leo 8ucht, Seibelstraße 42 Heute und die folgenden Tage( Laden). Sechster Wahlkreis( Moabit): Karl Anders, Wedding und Oranienburger Salzwedelerstr. 8, im Laden. Vorstadt: Emil Stoltenburg, Wiesenstr. 41/42. Rosenthaler Vorstadt, Gesundbrunnen: Hermann Raschte, Rügenerstr. 24, born part. links. Schönhauser Vorstadt: Stari Alt Glienicke: Reinhold Mars, Kastanien- Allee 95/96. die sensationellen Wettrennen amerikanischen Radfahrer Walthourorf: 23. 2ídel, Berlinerfir. 130, III. und Der Vorstand. feuerscheinungen! Wir empfehlen zur Anschaffung: Fackeln der Zeit. Gedichte von Ludwig Lessen. Preis 50 Pf. Alkoholfrage und Arbeiterklasse. Bon Dr. Richard Fröhlich. Preis 20 Pf. Die Schulfrage. Von Klara Zetkin. Preis 15 Pf. Die Sozialdemokratie im Lichte der Kulturgeschichte. Von Paul Kampffmeyer. Preis 40 Pf. Anarchismus und Sozialismus. Von Georg Blechanom. Preis 40 Pf. Die Warenhäuser und die Mittelstandspolitik des Zentrums. Von Adolf Braun. Preis 20 Pf. Theorien über den Mehrwert. Aus dem nachgelassenen Manuskript " Zur Kritik der politischen Detonomie" von Karl Mart. Herausgegeben von Karl Kautsky. I. Band. Die Anfänge der Theorie vom Mehrwert bis Adam Smith. Preis brosch. 5,50 M., geb. 6,- M. Aus Leben und Wissenschaft. Gesammelte Aufsäte und Vorträge von Prof. Dr. A. Dodel. Zweite Serie in drei Teilen. Inhalt: I. Teil: Mitten im Stampf. II. Teil: Pädagogisches. III. Teil: Aus dem jonnigen Süden. Preis brosch. 3,50 M., geb. 4, M. Ein neuer Totentanz in 18 Bildern von Hans G. Jentsch. In eleganter Mappe. Preis 2,50 M. Der Königsberger Geheimbundsprozek. Nach den Akten und stenographischen Aufzeichnungen. Herausgegeben von Kurt Eisner. Illustriert. In 11 Heften a 20 Pf. Ferner empfehlen wir: zwischen dem bed o13, Rupomeritr. 72, Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Sonnenblumen. Eine Sammlung 1, Ede Goethestraße, vorn I Deutsch- WilmersFriedrichsbergGedichte berühmter Autoren auf losen Blättern. In eleganter Mappe. Friedrichsfelde Wilhelmsberg Hohenschönhausen: Das Fest des Lichts.( Ballett.) Alle vier Bände zusammen Preis Rauchen gestattet. Anf. 82 Uhr. 1. Berliner Rennfahrern, Otto Seitel, O. 112, Kronprinzenstraße 50, I Grünau: 3, M., einzelne Bände 75 Pf. Rixdorf: M. Heinrich, H. Bluhme, Sturfürstenstraße 3. Sonnabend, den 31. Dezember: 2. dem amerikanischen Prinz Handjerhstraße 7, im Laden. Schöneberg: Wilhelm Zu beziehen durch Rennpferd„ Dolly", Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Ober- SchöneSchöneweide: Bonatowsky, Berlinerstr. 8. JohannisGroße Silvester- Feier. geritten vom Jockey Kreamer, Trianon- Theater. das glänzende Dezember- Progr. das glänzende Dezember- Progr. Heute und folgende Tage: Die glückliche Gilberte Anfang 8 Uhr. Sanssouci. Scottbuser Tor- Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sänger = u. Tanzkränzchen. Sonnabend, 31. Dezbr.: Silvester Vorstellung. Silvester- Ball. Anfang 8 Uhr. Ende? Gustav Behrens SpezialitätenTheater, FrankfurterAllee 85. Das neue Dezember- Programm. Neu! Mr. Isano mit seinen lebensgroßen sprechenden Automaten. Neu! Der Reformdichter. Otto Pritzkows Abnormitäten- Ausstellung Münzstraße 16. Täglich Vorstellung lebender Kuriositäten! Medizinische Rätsel, anatomische Wunder. Riesen! Zwerge! sowie Neues Konzerthaus, Grand- Hotel Alexanderplatz. Inhaber Albert Moerner. Heute sowie täglich: Grosses Curt Goldmann- Konzert unter Mitwirkung des 9 Jahre Virtuosen alten Violin- Kun Arpád, des Opernsängers Fr. Hoberg und Salonkomikers Osk. Saldow. des Anfang 8 Uhr. X Entree 20 Pf. X Meine 3 Säle sind an Sonntagen bis 5 Uhr nachmittags für Versammlungen zu vergeben.[ 1601L* weide: Otto Münzer, Edisonstraße 31, 2 Treppen. Nieder Buchhandlung Vorwärts Bismardjiraje 32, I.- Königs Wusterhausen: thal: Paul Mann, Bismarditr. 7.- Adlershof: Baul Schmidt, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, Laden. 5. Meier, Max Wegner, Bahnhofstr. 11 II.- Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 29. Friedenau- Steglitz:. Bernsee, Schloßftr. 115, Gartenhaus I, in Stegliz. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz: H. Mohr, MarienDüppelstraße 8, und Fr. Schellhase, Ahornstraße 15 a. dorf: Hermann Reichardt, Chausseestraße 16. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: R. Boigt, Elsenstr. 37, born III I. Neu- Weissensee: W. Reste, Sedanstr. 53, part. Zentral- Markthalle 1, Reinickendorf( Ost und West), Wilhelmsruh und Haupteingang: Gontardstraße, Schönholz: Schüler, Provinzstr. 28, II. Rummelslinks, erste Reihe. burg: Forgbert, Kantstraße Nr. 5. Tegel, Borsig- Echte Edernförd. Sprotten, große walde, Dalldorf und Waidmannslust: Paul Kienast, goldgelb Fettwar., ifte ca.51/ Pfd. € 1,50 Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf at Hankels Ablage: a Bumb bon 1.00 bis 1,60 Alfons Gräs, Eichwalde, Kronprinzenſtr. 82, I.- Nowawes: Räucher ganzen Güden Bjund 1,00 Wilhelm Jappe, Friedrichstr. 1. und Pfund Stücken Sozialdemokrat. Wahlverein f. d. 4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Süd- Ost). Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Arbeiter Otto Flemming wohnhaft Eisenbahnstraße 16 ( Stadtbezirk 103) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag nachmittag um 3 Uhr von der Leichenhalle des EmmausKirchhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 262/13 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den Bezirk Stralau. Am 26. d. Mts. verstarb nach Mitglied, der Glasmacher langer Strankheit unser treues Eduard Rieppel. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren! Die Beerdigung findet am 29. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, bom Trauerhause Alt- Stralau Nr. 7 aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 223/11 Der Vorstand. Todes- Anzeige. Allen Freunden, Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Tischler Karl Davideit nach langen schweren Leiden am 27. Dezbr. verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 31. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Charité aus nach dem Charité- Kirchhofe statt. 10026 Die trauernde Witwe Christine Davideit. Am Dienstag, den 27. Dezember, abends 11, Uhr, starb nach langen schweren Leiden unser geliebter Sohn 10005 Walter Faber im 21. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die tiefbetrübten Eltern nebst Bruder, Streligerstraße 51. Die Beerdigung findet Sonnabend, den 31. Dezember, nachmittags 3 Uhr, von der Leichen halle des Elisabeth- Kirchhofs, Prinzen- Allee, aus statt. Danksagung. Für die Beteiligung und schönen Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Vaters, Groß- und Schwiegervaters 9946 Valentin Szczepanski besonders dem Berein zur Wahrung sagen allen Freunden und Bekannten, der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend sowie den Kollegen von dem Bau Melanchthonkirche unferen herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Nur für Töpfer! Humoristische und ultige NeujahrsPostkarten, Federzeichnungen aus der Ofenseßerei usw. Näheres Lothringer straße 72, 4 Tr. links. 9995* Schuhmacher! Erklärung. Gu bowstt hat, nachdem der Angestellte Der " Der Schuhfabrikant Herr H. Jako der Organisation, Herr Herrmann, in Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Kieler Sprott- Bücklinge Stifte der gegen ihn angestandenen Ver Werte bort zu haben. Auch werden Inserate für den Vorwärts" entgegengenommen. Zu Silvester 19 empfehlen Groggläser 81/2, 101, 12-40 PfWeingläser. 10, 15, 25-1,50. Bierbecher. 7, 10, 15-75 Pf. Neujahrs- Spitzen 3 und 4 Pf. sowie sämtliche Gastwirts Artikel. L. Katz& Co. Spandauerstrasse 45 am Molkenmarkt. Bitte ausschneiden. ( zirka 100 Inhalt) zum Verkauf kommen nur täglich eintreffende Eilgut- Sendungen. Max Wegner, Zentral Marktontart Haupteing.: I, straße, lints erste Reihe. 8895* Lieferant für Kaufleute, Warenhäuser, Händler, große Haushaltungen usw. Vereinen empfehlen Verlosungs- Gegenstände zu enorm billigen Preisen wegen Aufgabe unseres Geschäfts Ecke König- und Spandauerstr. vis- a- vis dem Rathause. L. Katz& Co. König- u. Spandauerstr.- Ecke. аговите bandlung erklärt hat, daß es ihm ferngelegen habe, den Herrn Jakobowsti persönlich zu verletzen, den Strafantrag gegen Herrmann zurückgenommen. Es wird bei dieser Gelegenheit anerkannt, daß die Löhne bei Herrn Jakobowski fich erheblich gehoben haben." Nachdem mir von seiten des Ge richts die Abschrift dieser Erklärung zugegangen ist, bringe ich dieselbe hiermit zur Veröffentlichung. 171/4 C. Herrmann. Begr. 1864 Pelzwaren- Fabrik S. Schlesinger Neue Königstraße 21, 11. ,, Ordonnanzhaus" Einzelverkauf nach beendet. Engros- Saison Reisemuster, Kolliers, Stolas, Muffen etc. zu billigsten Engros- Preisen. Es gelangt nur wirklich reelle Kürschnerware zum Verkauf. Reparaturen 61/ 14* billigst und sauber. Begr. 1864 A.JANDORF& Co SPITTELMARKT 16/17 Ecke Leipziger Strasse BELLE ALLIANCE- STR. 1/2 GROSSE FRANKFURTER- STR. 113 Am Blücherplatz. 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Wo ist die jedem Alt- Berliner wohlbekannte und von jedem vielbesuchte„stoobige" Hasenheide geblieben?— Sonntags nach der Hasenheide, das war für die Berliner vor 18—20 Jahren noch das echte und rechte Sonntagsvergnügen. In dichten Scharen zog man die alte Pionierstraße, jetzige Blücherstraße hinauf und man brauchte nicht zu lange wandern, da sah das freudig aufleuchtende Auge der Stadtkinder die grünen Wiesen liegen, und dann ging es am alten„Hof- jäger", einem beliebten Tanzlokal, vorbei und hinein in die Hasenheide. Dort war man wie in einem Strudel aus- gelassener Lustigkeit. Ueberall gab es Musik, Lärm, Staub und Vergnügen: dazwischen stiegen die Düfte der..Knobländer" und„Jauerschcn" auf und reizten den Appetit: man amüsierte sich prächtig. In dieser Vorstellung sieht heute noch mancher Berliner die Hasenheide. Heute ist dort ein solides Stadt- viertel entstanden; prächtige Wohnhäuser hat man errichtet, wo einst Busch und Heide war.— Wandert man weiter, nach Rixdorf hinein, so merkt man. wie die Weltstadt Berlin auch die Umgegend verändert hat. Die Hermannstraße hieß früher Britzer Chaussee und gleich unten am Rollkrug begannen schon die Kartoffel-, Kohl- und Kornfelder. Die ganze Chaussee ent- lang waren Obstbäume gepflanzt, meist Kirschen, und ein Wächter hatte immerwährenden Krieg gegen die kirschenlüsterne Jugend zu führen. Rixdorf macht heute einen gar stolzen Eindruck und auch Britz, das der Alt-Berliner noch als ein kleines Nest mit einigen Bauernhäuschen kennt, hat ein Stadtkleid angelegt.— Aber weiter, immer weiter streckt Groß-Bcrlin seine Polypenarme aus. Im Südosten scheint der Militärfiskus ein unüberwindliches Bollwerk entgegen- gesetzt zu haben, das Tenipelhofer Feld mit den Resten der Hasenheide, eine der Kultur und Bauspckulation unzugängliche Oase von 800 Hektar Ausdehnung. Aber Groß-Berlin über- springt das Hindernis. Gewaltig dehnen sich namentlich Rixdorf und Britz von Osten her aus. Wo sich jeuseits der Ringbahn bisher unbegrenzte Felder ausbreiteten, sind bereits quadratisch lange Straßenzüge durchgelegt worden. Wie lange noch, und Me „Wüstenbahn", die bisher nur an Friedhöfen vorbeifiihrte, fährt durch ew neuentstandcnes Häusermeer I Auch der Teltow-Kanal hat in das ländliche Idyll energisch Bresche gelegt. Von Britz nach Tempelhof und von dort weiter nach Sudeicde zieht sich bereits sein tief ausgeschachtetes Bett. Vor Jahresfrist noch dehnte sich westlich und östlich von Tempelhof ununterbrochen Acker- und Brach- land. Jetzt schneidet die Riesenfurche des Kanals quer durch das Land. In der Woche ächzen und klirren die gewaltigen Bagger: des Sonntags wandert das Publikum ail den hoch- getürmten Erdhalden entlang und prüft sachverständigen Micks die Fortschritte der Arbeit, Die leuchtenden Mohnfelder, in denen die Jugend sich fröhlich Sträuße wand, sind verschwunden. Wer sich jetzt in Grün und zwischen Aehrenfeldern ergehen will, muß schon weiter hinausschweifen gegen Buckow und Rudow hin. Auch westlich von Tempelhof sind die idyllischen Fußpfade an der „Blanken Hölle" bereits gesperrt. Ein vornehmes Villen- viertel ist diesseiis entstanden und jenseits haben Bau- spekulanten das Gelände bereits durch hohe Drahtzäune ge- sperrt. So schiebt sich auch im Südwesten und Süden das Weichbild Groß-Berlins unaufhaltsam vor. Die Zahl der DchankkonzessionS-Gesuche hat fich im letzten Jahre um 1K9 vermindert: immerhin wurden der Gewerbedepulation deS Magistrats 8SS0 solcher Gesuche im letzten Jahre eingereicht. S4l1 davon wurde» von der Deputation befürwortet, III zurückgezogen und gegen 28 Widerspruch erhoben. Von den letzteren haben elf Antragsteller ihre Gesuche noch vor dem Stadtausschuß durchgedrückt. Ein schlechtes WeihnachtSgeschitft haben in diesem Jahre die Standinhaber der städtischen Markthallen gehabt. Schon seit einigen Jahren läßt fich ein Geschäftsrückgang in den Hallen feststellen; noch nie ist er aber für die Standinhaber so empfindlich bemerkbar geworden, wie bei dem diesjährigen Weihnachtsgeschäft. Viele Standinhaber haben nur die Hälfte der Einnahmen früherer Jahre zu verzeichnen. Der ständige Geschäflsrückgang wird in der Haupt- fache darauf zurückgeführt, daß die Warenhäuser mehr und mehr die Artikel der Markthallen übernehmen und ebenso wie die Spczial- geschäfte während der Weihnachtszeit das Publikum durch geschickte Reklame zum Kaufen veranlassen, während die Markthallen aus die Anwendung der Reklame verzichten müssen. Die Ständinhaber haben das schlechte Weihnachtsgeschäft zum Anlaß genommen, um in Petitionen an die Markthallenverwaltung erneut darum zu bitten, daß die Markthallen durch zeitgemäße Ausstattung mit den übrigen Geschäften konkurrenzfähig erhalten werden. Insbesondere wünscht man eine bessere Kenntlichmachung der Hallen an den Eingängen durch entsprechende Beleuchtung und eine bessere innere Ausstattung, damit das kaufende Publikum wieder inehr in die Hallen gezogen wird. Eisenbahn und Berkehrbiutercsse. Seit vielen Jahren schon wird die Durchlegung der Teltowerstraße nach der Kurfürstenstrahe von den Anwohnern des Westens und Südens der Stadt angestrebt. Die Aueführung dieses für die Verkehrsentwickelung beider Stadtteile außerordentlich wichtigen Planes würde sich aus dem Grunde ganz besonders schwierig gestalten, als die Durchlegung über oder unter dem ausgedehnten Bahnkörper der Anhalter und Potsdamer Bahn erfolgen müßte. Der Verkehrsausschuß der vereinigten Vereine des Südwestens hatte sich kürzlich in einer Eingabe an den Eisenbahn- minister gewandt und um Durchführung des Verkehrsplanes ersucht. Jetzt ist darauf ein Antwortschreiben eingetroffen, worin die Eisen- bahnverwalwng es ablehnt, dem Projekt näher zu treten. Gegen den Silvester-Unfng in der Friedrichstadt wird die Polizei auch in diesem Jahre besonders energisch vorgehen und zu dem Zwecke die 1. Hauptmannschaft durch Abkommandierung von Schutz- leuten aus sämtlichen Revieren wesentlich verstärken. Auch Kriminal- beamte werden in großer Zahl aufgeboten und besonders die Neben- straßen in der Friedrichstadt, in welchen der Unfug im vorigen Jahre besondere Ausdehnung fand, überwacht werden. Die Bitdung größerer Meuschentrupps soll unter allen Umständen verhindert werden. Wegen Silvester-Unfug fistierte Personen erhalten kein Strafmandat, sondern werden zur Aburteilung dem Amtsgericht überwiesen. In dem letzten Jahre sind wegen Unfugs in der Silvesternacht sistierte Persa-'en mit Haft bis zu zwei Monaten be- straft worden. Alle diese Androhungen haben die Lieblingsgewohn- heiten des Janhagels in Zylinder und Ballonmütze, bis jetzt nicht sonderlich eindämmen können. Was als NeujahrSgruß zulässig ist. Zum Neujahrs-Briefverkehr wird auf die wichtigsten Bestimmungen für Versendung von Post- karten und Drucksachen aufmerksam gemacht. Formulare zu Post- karten, die von Privaten hergestellt sind, dürfen in Größe, Papier- stärke und Form nicht wesentlich von den Formularen der Post ab- weichen. Als wesentliche Abweichungen gelten für die Größe mehr als S Millimeter in einer Richtung, für die Stärke eine Ueber- schreitung des doppelten Gewichtes oder 6 Gramm der amtlichen Formular«. Nicht zulässig find gegen die Postkartentaxe Postkarten mit erheblich abgerundeten Ecken, Postkarten aus Büttenpapier, deren Ränder stark von der geraden Linie abweichen. Postkar�-n mit ausgestanzten Oeffnungen, mit Buchstaben, die mittels Mrch- lochung hergestellt sind und darauf mit Fäden auSgestickt sin, mit Schutzdecken, aufgeklebten Geldstücken, Postkarten aus Metall oder Holz, sowie in Äästchenform(mit Qmetschvorrichtung), ferner Post- karten, in die mit Ansichten versehene Drehscheiben eingefügt sind. Bilderschmuck und Aufklebungen auf der Rückseite der Formulare sind nur zulässig, wenn die aufgeklebten Zettel usw. der ganzen Fläche nach befestigt sind. Andere Postkarten unterliegen dem Brief- porto. Ganz ungeeignet zur offenen Versendung sind Karten mit aufgeklebtem Mineralstaub, Glimmer, Glassplitterchen, GlaS- kügelchen, Sand, Metallteilchen, Postkarten mit Ausschnitten, niit angehängten Siegeln aus Staniol, sowie Postkarten in Form von Biergläsern, Fischen usw. Diese Gegenstände müssen stets unter Briefumschlag versendet werden. Auf Neujahrskarten gegen Druck- sachen-Taxe kann eine Widmung geschrieben werden, nicht aber handschriftliche Zusätze, wie„mit herzlichem Gruß" usw. Auf ge- druckten Visitenkarten, nicht aber auf Ansichtskarten usw., dürfen Glückwünsche, Danksagungen und andere Höflichkeitsformen bis zu 5 Worten ausgeschrieben, oder abgekürzt, hinzugefügt werden. Dies muß aber in allgemein verständlichen Schriftzeichen geschehen,' zum Beispiel nicht stenographisch. Auch eine Organisation. Man schreibt uns: In dem Mordprozeß gegen den Zuhälter B e r g e r ist festgestellt worden, daß für angeklagte Zuhälter von deren Kollegen häufig Gelder zur Bezahlung eines Verteidigers gesammelt werden. Diese Feststellung hat einiges Aufsehen erregt und ist auch in der Presse glossiert worden. ES dürfte dennoch in der Oeffent- lichkeit— hoffentlich nicht auch der Polizei— unbekannt sein, daß die Zuhälter eine förmliche, feste Organisation besitzen, die den Zweck hat, ihnen„im Bedarfsfall«" Rechtshülfe zu gewähren. Der Sitz dieses Vereins befindet sich in Frankfurt a. M. Wer in Groß- stüdten viel bei Gericht zu tun hat, weiß auch, daß die Verteidigung angeklagter Zuhälter im allgemeinen immer durch ganz bestimmte Anwalte besorgt wird, die, wie man hört, finanziell gar nicht schlecht dabei fahren sollen. Ter Schwindel mit dem Boltakrcuz. Der Polizeipräsident er- läßt folgende Warnung: Neuerdings ist in verschiedenen Tages zeüungen wiederum ein sogenanntes„Doppel-Volta-Kreuz" zum Preise von 3 M. angepriesen worden. Mit Beziehung auf meine früheren Warnungen mache ich das Publikum erneut darauf auf merksam, daß dem„Voltakreuz" nach dem Urteile maßgebender Sachverständigen jedwede Heilwirkung abgeht und daß sein Her stellungswert kaum mehr als 10 Pf. betragen dürfte. Das Ende deS„Falles Grünthal". Die dem Reichstage vor- gelegte Uebersicht der Reichsausgaben und-Einnahmen für 1903 enthält einen Ausgabeposten von 281 303 M., der an den bekannten Schwindel GrünthalS mit den Reichsbanknoten erinnert. In der Begründung heißt es, daß der frühere Oberfaktor Grünthal in der ReichSdrnckerei amtlich hergestellte überschüssige Reichsbanknoten drucke entwendet, sich durch Ergänzung von Nummer, Buchstaben und AuSfcrtigungsstempel gefälscht und in den Verkehr gebracht habe. Die gefälschten Reichsbanlnoten sind von der Rcichsbank eingelöst worden. Ausgegeben waren 527 500 M. Das Vermögen Grün- thals hat 265 897 M. ergeben, so daß der Schaden sich aus 261 603 Mark beläuft. Für diesen Schaden hat die Reichsdruckerei zu haften. Der Betrag ist der Rcichsbank erstattet worden. Ueber das Vermögen des Hofbildgießcrs Gladcnbeck, der in Friedrichshagen unter der Firma Oskar Gladcnbeck u. Ko. die be. kannte Bronzewaren-Fabrik innehatte, ist vom königlichen Amts- gericht zu Köpenick der Konkurs eröffnet worden. Die erste Gläubi?erversmnmlung ist auf den 20, Januar 1905, der Er- öffnungstermin auf den 8. März 1905 festgesetzt worden. Die An- Meldefrist für Forderungen aus der KonkurSmaffe läuft bis zum 23. Februar kommenden Jahres. Die Freundin der Frau. Ein merkwürdiges Familiendrama hat sich Dienstag abend hier abgespielt. In der Füsilierstraße 13 wohnte seit vier Jahren der 35 Jahre alte Artist A. Boldt mit seiner Ehefrau und einer 42jährigcn Steinsetzcrmeistersfrau Elise Schwalbe. die von dem Ehepaar ein Zimmer abgemietet hatte. Boldt war ohne Beschäftigung rnrd lag oft im Streit mit seiner Ehefrau, um so mehr, als diese in einem unerquicklichen Freundschaftsverhältnis zu der Frau Schwalbe stand. Er fühlle sich aber ohnmächtig gegen Gattin und Freundin. Vorgestern abend saß man im Heim des Haus- Verwalters wieder in Gesellschaft beisammen und hatte viel ge- trunken. ES kam schließlich zu allerlei anzüglichen Sticheleien und gar zum offenen Streit, der sich in der Wohnung Boldts nachher fort- setzte. Der erregte Artist forderte Frau Schwalbe auf, die Wohnung zu verlassen, wurde aber von ihr und seiner Ehefrau überfallen. Er griff nach einem Revolver und schoß Frau Schwalbe eine Kugel in die linke Brust. Tann stellte er sich selbst auf der Wache des 16. Reviers. Die Schwerverletzte wurde in einem Rettungswagen in das Krankenhaus am Friedrichshain gebracht. Bor dem Unter- suchungSrichter gab Boldt an, der Revolver sei nur mit Platz- Patronen geladen gewesen. Trotzdem wurde Frau Schwalbe er- heblich verletzt, weil sie der Selzuß aus unmittelbarer Nähe traf. Lebensgefährlich ist aber die Vertvundung, wie im Krankenhause festgestellt wurde, keineswegs. Ter Verführte. Reumütig zurückgekehrt ist der 16 Jahre alte Hausdiener Rudolf Kerpen� der kürzlich seinem Arbeitgeber, einem Zigarrenhändler in der Friedrichstraße, mit 1500 Mark durch- gebrannt war. Der junge Mann ließ sich von einem Altersgenossen Fricke, der seinen Eltern schon öfter davongelaufen und auch schon auf See gewesen war, verführen. Fricke redete ihm«in, daß in Deutschland kein Geld zu verdienen sei. Er solle nur machen, daß er eine größere Summe bekomme und dann mit ihm in die Welt gehen. Sobald Kerpen nun 1500 Mark erhielt, um Stempelmarien einzukaufen, brannte er mit dem Verführer durch. In Potsdam kauften sie sich neue Kleidung. Dann fuhren sie nach Magdeburg und am nächsten Morgen, nachdem sie sich das Geld geteilt hatten, nach Harburg und von dort mit der elektrischen Bahn mich Hamburg. Hier trennten sie sich, um nicht den Verfolgern aufzufallen, nahmen auch keine feste Wohnung, trafen sich aber bald hier, bald da in leichtsinniger weiblicher Gesellschaft, in der ste auch die Rächte ver- brachten. Als Kerpens Geld bis auf 30 Mark zusammengeschmolzen war und Fricke ihn versetzte, statt die versprochenen AuSlandspapiere zu besorgen, schrieb er an seine Eltern und kehrte in den Feiertagen zu ihnen zurück Sein Verführer ist noch nicht ermiftelt. Mit Cyankali vergiftet hat sich in den Feiertagen der 37 Jahre alte Handelsmann Haus Chlebus aus der Weydingerstraße 4. EhlebuS entstammt einer Offiziersfamili«, hatte eine gute Schul- bildung genossen, war aber von jeher etwas leichtsinnig veranlagt gewesen. Eine Zeitlang war er Gelegenheitsarbeiter, dann ging et mit einem Phonographen umher und seit einem Jahre handelte er in Gastwirtschaften mit Galanteriewaren. Endlich hatte er, wie er in einer hinterlassencn Aufzeichnung mitteilte, das Leben satt und machte ihm mit Cyankali ein Ende, weil er fürchtete, daß ihm ein Futzleidcn auch den Hausierhandel unmöglich machen werde. Ein anderer Handelsmann, der mit ihm die Stube teilte, fand ihn in den letzten Zügen im Bette liegen, und bevor noch ein Arzt kommen konnte, war er tot. Kein Selbstmord. Vorige Woche ging eine Mitteilung durch die Presse, wonach die Krankenschwester Luise Hoferichter Selbstmord begangen habe. Von dem Bruder dieser Dame wird uns jetzt eine Urkunde des Leichenkoimnissariats vorgelegt, wonach kein Selbst» mord, sondern unbekannte Todesursache vorliegt. Der Restanrateur Herr Kirchner, Heilige Geiststraße 40, er» sucht uns, mitzuteilen, daß er mit dem im Mordprozeß Berger cr- wähnten Gastwirt gleichen NamenS nicht identisch ist. Unsere Mitteilungen über die Behandlung der Fürsorge- zöglinge hat uns sowohl vom Magistrat als vom Polizei- Präsidium eine Berichtigung eingetragen. Sieht man auf die Form, so haben beide Behörden Ursache gehabt, zu berichtigen. Aber auch wesentlich nur, soweit die Form in Betracht kommt. Daß es keine andere Strafen in den Erziehungsanstalten gibt als die Prügel- strafe, ist von uns nicht behauptet worden; aber immerhin ist daran nicht zu zlveifeln, daß oft in Fällen der Bakel geschwungen wird, wo andere Pädagoger. diese Prozedur noch nicht für nötig halten würden. Der Delinquent muß die Jacke ausziehen und soll sich dann frei» willig bücken, um die Prügel in Empfang zu nehmen. In seiner gräßlichen Angst macht er Einwendungen. Dann befördert man ihn ivohl in die Schneiderwerkstatt, zieht ihn auf den Tisch, bindet ihn fest und vollstreckt hierauf die Strafe. Außer dieser in bestimmten Fällen angewandten Prozedur wird bei beträchtlicher Renitenz wohl auch die Zwangsjacke hergeholt. Was die Fessel betrifft, die auf dem Transport nach Lichtenberg gebraucht wird, so besteht diese aus einer Darmschnur mit Knebel, der nach Belieben des Transporteurs angezogen werden kann. Schulknaben kommen allerdings nach Zchlendors und werden dann nicht gefesselt. Der Berliner Zoologische Garten ist seit langen Jahren wieder einmal in den Besitz eines echten Dingos oder a u st r a l i scheu Wildhundes gelangt, den er der Güte des Herrn F. E. Clotten aus Franksurt a. M. verdankt. Das wertvolle Tier stammt aus den durch seine Erzlager jetzt sehr in Aufschwung gekommenen Gebieten des nördlichen. Queensland. Es ist dort auf den Besitzungen deS lebhafte und muntere Geschöpf ist im kleinen Raubtierhause unter- gebracht. Im Metropol- Theater soll am Sonntag, 15. Januar, mittag» 12 Uhr, eine künstlerische Matinee abgehalten werden, deren Ertrag'für die in Not befindliche Witwe eines bekannten Künstlers bestimmt ist. Hervorragende Kräfte wollen an dieser Veranstaltung mitwirken. Tie Ortsgruppe Berlin des Deutschen Arbeitcr-Abstinente»- bundes hält am 7. Januar im Gewerkschaftshause ihr Winterfest ab. Für ein künstlerisches Konzertprogramm ist Sorge getragen; die Festrede hält Genosse Simon Katzenstcin. Buq den Nachbarorten. Friedrichsfelde. Eine Neuerung im Armenwesen zu Friodrichsfelde ist jetzt durch Errichtung von Krankenstuben geschaffen worden. Im Armenhanse ist für männliche und weibliche Insassen je eine Krankenstube eingerichtet. Jedes Zimmer ist kranlenhauLmäßig ausgestattet und enthält zwei Betten. Außerdem ist für den Armenarzt ein Kon- sultationszimmer eingerichtet worden. Diese Einrichtung stieß anfangs auf starken Widerspruch, obwohl sie nicht nur zweckmäßig ist, sondern für die Gemeinde auch finanziell vorteilhaft fem wird. Der größte Teil der Bewohner des Armenhauses ist entweder krau! oder all und schwach. Bisher mutzten diese Leute häufig auf Kosten der Gemeinde in einem Krankenhause untergebracht werden, während nun die Krankenhausiiberführung nur in schweren Fällen notwendig sein wird. Eine Nachtwächternot droht unserem Orte. Am Schluß diese» Jahres scheidet der Nachtwächter in Friedrichsselde aus seinem Amte, aber kein Bewerber hat sich bisher für die ausgeschriebene Stellung gefunden. Niemand scheint das ehrgeizige Verlangen zu haben, Herrscher der Nacht in Friedrichsfelde zu werden, trotz der ver- lockenden Aussichten, die so ein Posten bietet. Der Bewerber muß im Alter Mischen 25 und 40 Jahren stehen, braucht nicht einmal Militäranwärtcr zu sein, erwirbt zwar keine Pensionsberechtigung. erhält aber auch ein Jahresgehalt von 400 M. I Die Gemeinde wird wohl oder übel etwas tiefer in den Säckel greifen müssen, um nicht eine nachtwächterlose Zeit heraufzubeschwören. Halb erfroren wurde am ersten Feiertag im Walde bei Karl»- Horst ein Mädchen von hiesigen Einwohnern aufgefunden. Da» 25 Jahre alte, aus Schlesien gebürtige Mädchen erzählte, nachdem sie sich in einer Wirtschaft gestärkt und aufgewärmt hatte, sie sei in Karlshorst bedienstet gewesen, habe es aber bei ihrer Dienst- Herrin nicht inehr aushallen können und deshalb beschlossen, sich das Leben zu nehmen. Planlos irrte sie im Walde umher, bis sie er» mattet zusammenbrach. Ter Wirt sorgte dafür, daß dem Mädchen von Polizei wegen ein vorläufiges Unterkommen verschafft wurde. Köpenick. I» der letzten Stadwerordneten-Sitzung in Köpenick wurde in zweiter Lesung der Antrag, die Realschule zu einer Ober-Realschule auszubauen, angenommen. Unsere Gerrosien beantragten, bei Er- richtung der Ober-Realschule die bestehenden drei gymnasialen Ncbenklasien wegen, zu geringer Schülerzahl eingehen zu lassen und stimmten nach Ablehnung ihres Antrages gegen die Errichtung der Ober-Realschule. Beim Anttag des Magistrats, 500 M. zum HochzeitSgeschenk deS Kronprinzen zu bewilligen, er- klärten unsere Genossen: Wir können es mit unseren Pflichten als Stadtverordnete nicht vereinbaren. Gelder der Steuerzahler für Privatfestlichkeiten und Geschenke herzugeben. Außerdem befinden sich unter den städttschen Geldern auch die Steuern von ungefähr 70 Proz. aller Einwohner Köpenicks, welche einst als Elende be- zeichnet wurden. Als Vertreter dieser„Elenden" lehnen wir e» ab. zum Hochzeitsgeschenk für den Schlotzherrn von Oels Gelder der Steuerzahler zu bewilligen. Statt der beantragten 500 M. wurden schließlich 300 M. bewilligt.— Im Voranschlag des Etats für 1905 sind die Kommunalsteuern auf 195 Proz. veranschlagt; die B«trieb Ssteu er soll wie im Vorjahre in Höhe von 175 Proz., die Gewerbe st euer mit 250 Vroz. für die 1. und 2. Klasse, mit 180 Proz. für die 9. und 4. Klasse erhiche» werden; die Grundwertsteuer soll mit S M. pro Mille zur Erhebung kommen. Der Voranschlag wurde dem EtatSausschuß überwiesen. Tchöneberg. Die städtische Lesehalle in SchöneSerg wird, nachdem ste sechs Monate hindurch geschlossen war. am 2. Januar im gaiucn Umfange wieder zur öffentlichen Benutzung gelangen. Die Kosten zur Befcittgung der im Sommer entdeckten Uebelstände in der Ver- waltung der Bücherei dürsten jedenfalls bald m Form einer Nach- tragsforderung präsentiert werden. Jedenfalls aber hat der Magistrat die Verpflichtung, im diesjährigen Etat Mittel einzustellen, die eine geordnete Verwaltung eines solchen der weitesten Allgemeinheit Sienenden Instituts garantieren. Die Einwohnerzahl der Gemeinde Grunewald beträgt nach den Ermittelungen des dortigen Meldeamtes 4123 und hat sich seit der lekten Volkszählung um 893 Personen vermehrt. Die Bevölkerung feßt sich zusammen aus 1146 männlichen und 2184 weiblichen Perfonen über 14 Jahren und 793 Kindern unter 14 Jahren. Vermischtes. Eine peftartige Seuche im Uralgebiet. Aus Petersburg wird amtlich gemeldet: In einem Kreise und zwei Stanizen des Uralgebietes trat Mitte November eine nach den Symptomen und der großen Sterblichkeit der Beulen pe st ähnliche Krankheit auf. Die Herkunft der Seuche ist nicht festgestellt, nur ist ermittelt, daß die ersten Fälle eine Rirgifenfamilie betrafen. Die Krankheit verbreitete sich dann unter den Kirgisen und ging auch auf die Kosatenbevölkerung über. In der Zeit vom 24. November bis 26. Dezember starben in zwei Stanizen 190 Personen. Zur Feststellung der Art der Krankheit wurde ein Bakteriologe aus Astrachan entsandt, auch ist die erforderliche Anzahl Aerzte mit Heilserum von Petersburg abgegangen. Die Häuser und Ortschaften, auf die sich die Krankheit erstreckt, find streng abgesperrt und die beiden Stanizen als peft= verdächtig erklärt worden. Unwetter in den Vereinigten Staaten. Wie aus New York gemeldet wird, sind alle dort im Laufe des gestrigen Tages eingelaufenen Dampfer durch Nebel und Hagelwetter aufgehalten worden. Nach verschiedenen Richtungen ist die telegraphische Verbindung durch Schneefälle und Regengüsse unterbrochen, besonders zwischen New York und Chicago. Von Chicago bewegt sich der Sturm nach Osten zu. Auf den Börsen waren die Mitteilungen von verschiedenen Märkten ausgeblieben. Alle Züge haben Verspätungen. Vor der Quarantäne- Insel laufen keine Dampfer ein, obgleich mehrere fällig sind. Man vermutet, daß die Schiffe vor Sandy Hook liegen und warten, daß sich der Nebel verziehe. In verschiedenen Staaten, darunter Missouri, Nebraska, Kansas, Jowa und Oklahoma tobten Schneestürme. Luther als Schimpfmeister. In der Reichstagsfizung vom 10. Dezember hatte Bebel darauf hingewiesen, wie ausgezeichnet der Reformator Luther zu schimpfen verstanden hat. Er hat aber nicht nur in Wort und Schrift seine Gegner mit den ausgesuchtesten Schimpfworten bedacht, sondern mit seinen Freunden es auch sehr gut berstanden, sich der Karikatur zu bedienen zur wirksamen Förderung seiner Agitation. In großen Mengen wurden diese Blätter unter das Volk verbreitet, und sie erzielten hier die gewollte Wirkung. Die große Masse des Voltes konnte weder lesen noch schreiben; das gedruckte Flugblatt hatte also wenig Einfluß. Ganz anders die Spottbilder, die auch das Volk verstehen konnte. " die Kirche". Die rechte Hand ist gleich einem Elefantenfuß, sie bedeutet das geistliche Regiment des Papstes, womit er niedertritt alle schwachen Gewissen"; die linke Hand bedeutet des Papstes weltlich Regiment; der Ochsenfuß sind die Diener des Papstes," die dem Papsttum im Unterdrücken der Seelen" helfen und beistehen. Der weibisch Bauch und Brust, das sind Kardinäle, Bischöfe, Pfaffen, Mönche, Studenten und dergleichen... Der Kopf auf dem Hintersten aber zeige, daß das Papsttum an sein Ende kommen sei". Luther fügte dieser Deutung„ noch ein recht kräftiges Amen" hinzu. Und wie der Bapstesel den Sturz des Papsttums bedeute, sagt Luther, so bedeute das Mönchskalb den des Mönchstums:„ genugsam sei an diesem Kalb gesagt, daß Gott der Möncherei Feind ist". " Ein Erzherzog als nütliches Mitglied der Gesellschaft. Leopold Wölfling, früher Erzherzog Leopold, der seit zwei Jahren zurückgezogen am Zuger See lebt, will, der„ Voff. 3tg." zufolge, nun Schweizer Bürger werden und hat deshalb in Bern Unterhandlungen angeknüpft, die wahrscheinlich zum Ziele führen. Wölfling ist letthin auch Mitglied der Stadtschüßengesellschaft in Zürich geworden und besucht einige Vorlesungen am dortigen Polytechnikum. " Strandung eines deutschen Dampfers. Ein Lloyd- Telegramm aus Punta- Arenas meldet: Der auf der Fahrt von Seattle nach Hamburg befindliche deutsche Dampfer Abydos" ist in der OsornoBucht gestrandet. Die Lage des Schiffes ist gefährlich, Hülfe ist abgesandt. Das Vorderteil und das Mittelschiff sißen auf Felsen fest, das Heck schwimmt. Im Vorderschiff befindet sich Wasser. Das Urteil über Norges" Untergang. Jetzt erst, am 24. Dezember, hat das Kopenhagener See- und Handelsgericht sein Urteil über die Anklagen gegen den Kapitän Gundel und" Det forenede Dampskibselskab" gesprochen. Die Verhandlung fand bekanntlich schon Mitte vorigen Monats statt und die lange Verzögerung des Urteilsspruches ließ den Verdacht aufkommen, als wolle man erst eine Beruhigung der öffentlichen Meinung abwarten. Das Gericht hat beide Angeklagten freigesprochen, dem Kapitän Gundel jedoch für seinen Teil die Kosten des Verfahrens auferlegt. Ueber Eingegangene Druckschriften. Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Diet' Berlag) ist soeben das 13. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Zwischen zivei Fronten. Frankreich. 7. Die bürgerlichen Republikaner an der Arbeit. Von K. Kautsky. Republik und Sozialdemokratie in Der Kampf um den Stillen Ozean. Von M. Beer.( Schluß.) die Rechtsverhältnisse der Gärtner. Bon Otto Albrecht, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutschen Gärtnervereins.- Literarische Rundschau: Dr. Heinrich Feuerstein, Lohn und Haushalt der Uhrenfabrik- Arbeiter des badischen Dr. Kurt Lampert, Die Völker der Erde. Schwarzwaldes. Bon Ad. Gk. frankheiten. Von E. W. Dr. Ludwig Spiker, Wesen und Verhütung der GeschlechtsBon C. Die Neue Beit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Stolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Brobenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Von der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen ( Stuttgart, Diet' Verlag) ist uns soeben die Nr. 27 des 14. Jahrganges Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: zugegangen. Aufmarsch zum Stampfe. Gefeßentwurf betreffend die Erschwerung des Vertragsbruchs landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes. Von A. St. Agitation im 14. sächsischen Wahlkreise. Bon Luise Bieß. Aus der Bewegung. Feuilleton:" Feststimmung". Gedicht von Georg Davidsohn. Notizenteil: Frau Nächstenliebe. Von E. Preczang.( Schluß.) Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. Arbeitsbedingungen der Arbeiterinnen. Frauenstimmrecht. Die„ Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 f. Von den„ Dokumenten des Sozialismus", herausgegeben von Ed. Bernstein( Stuttgart, Diet' Verlag) ist soeben das 12. Hest des IV. Bandes erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: I. Kritische Bibliographie des Sozialismus. II. Aus der Geschichte des Sozialismus. Die technologische Utopie des Francis Bacon. Ein Stüd aus der„ Neuen Atlantis". Ein programmatischer Brief von Rodbertus an Rudolf Meyer. III. Urkunden des Sozialismus. Die Grundsazerklärung der Schweizerischen Sozialdemokratie. Prinzipienerklärung. IV. Der Sozialismus in den Zeitschriften. " Die Dokumente des Sozialismus" erscheinen monatlich einmal und sind durch alle Buchhandlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 2,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch ist bei der Post nur QuartalAbonnement zulässig. Das einzelne Heft kostet 75 Pf. Die Neujahrsnummer des ,, Wahren Jacob" ist soeben erschienen. Brinzessin Luise von Koburg. Aus Paris wird gemeldet: Die Aus dem Inhalt derselben erwähnen wir die drei farbigen Bilder„ Der Professoren Magnau und Garnier haben gestern mit ihren Be- Pfaffenschrecken"," Katholisch ist Trumpf" und„ Das normal entwidelte Ein schöner russischer Zug", obachtungen zum Zwecke der Untersuchung des Geisteszustandes der Fürstengeschlecht" sowie die Illustrationen Prinzessin Luise von Koburg begonnen. Sie haben die Prinzessin enn zwei dasselbe tun"," Der Störenfried"," Das militärische Dienstim Hotel Westminster aufgesucht und mehrere Stunden im Gespräch verhältnis Barte Rücksicht" und Im Winterpalast zu Petersburg". Der mit ihr verbracht. Wie es heißt, soll die Untersuchung einige Monate textliche Teil der Nummer bringt die Gedichte„ Neujahrsnacht“,„ Spießers Neujahrswünsche"" Die lustige Sieben", Gelsenkirchen" ,,, Merkt's euch!" dauern. und außer zahlreichen fleineren Beiträgen die größeren satirischen Feuilletons ,, Der Banfier Strawattenknüpfer u. Co. an den Fabrikbefizer Goldschlot u." Sohn",„ Entwurf eines Kontraktbruch gefeßes für seleinbauern und ländliche Arbeiter" ,, Sühne Behauptungen" ,,, Aus Münta“ und„ PlapRi- Plap- Ra"( illustriert). Der Preis der zwölf Seiten starken Nummer ist 10 Pf. " Der peftverdächtige Dampfer. Aus Stettin wird berichtet: Die am 22. d. Mats. über den englischen Dampfer Daybreak" verhängte Quarantäne wurde von der Polizei aufgehoben, da die Untersuchung der toten Ratte keine Bestgefahr ergab. Mord aus Eifersucht. Köln, 28. Dezember. Heute mittag 2 Uhr wurde in der Alteburgerstraße ein Mädchen von seinem Liebhaber aus Eifersucht durch einen Stich ins Herz getötet. Der Mörder ist berhaftet. Innerhalb weniger Tage ist dies die dritte Mordtat in Köln. Zwei der wirksamsten dieser Blätter sind, den Originalen tren nachgebildet, im ersten Bande des Rosenowschen Buches Wider die Pfaffenherrschaft" auf Seite 364 und 365 enthalten. Es find dies das„ Mönchstalb" und der" Papstesel", deren Ursprung allerdings schon in die Zeit vor Luther fällt. Aber Luther und Melanchthon benutzten diese Karikaturen für ihre Agitation. Arbeiter- Baugenossenschaft Paradies" zu Berlin.( Eingetragene Wir lesen darüber in dem Rosenowschen Buche:" Die Blödheit des Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht.) Bureau: SO. 26, Scottbuser Mönchstalbes sollte die blöde Unwissenheit der Mönche versinnbild- user 44, of rechts I. Geöffnet von 8-10 und 4-7, Uhr. Die Mitlichen". Den Papstesel erläuterte Melanchthon:" Aufs erst bedeutet glieder der Arbeiter- Baugenossenschaft Paradies" werden auf die heute der Eselskopf den Papst, denn gleich wie sich ein Efelskopf auf einen abend 8 Uhr bei Fiebig, Große Frankfurterstraße 28, stattfindende außer Menschenleib reimet, so reimt sich auch der Papst zum Haupt über ordentliche Generalversammlung aufmerksam gemacht. Jedes Wort: 5. Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Pig. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Näumungsverkauf berfallener Pfänder, Garderoben, andere Waren zu Spottpreisen. Pfandleihhaus Weidenweg 19. Winterpaletots, Taschenuhren, Wanduhren, Aussteuerwäsche, Inlette, Betten, Steppdeden, großer Bosten Gardinen zu halben Preisen. Pfandleihhaus Weidenweg 19. " Vernunft und Wahrheit. Von J. Hugo Spausta. Leipzig, Drud und Verlag von Oswald Mute, 1904. Wafferstand am 27. Dezember. Elbe bei Auffig+0,04 Meter, bei 1,32 Meter, bei Magdeburg+ 1,22 Meter. 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