Nr. 306. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 21. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für bie sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 1hr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Neues Werk. Freitag, den 30. Dezember 1904. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Kritik den Inhalt und die Absichten des Gefeßentwurfs. Er wies Die Bedeutung des plötzlichen Umschwunges ist die: es die vielfältige Durchbrechung reichsgesetzlicher Bestimmungen durch ist das der vollständige Sieg Wittes. Witte ist ein aus den Entwurf nach und erweiterte feine Darstellung zur großzügigen proletarischen Kreisen hervorgegangener Abenteurer; mit ihm Schon hallt es in der Presse der Junkerei und Muckerei von Schilderung der allgemeinen Rechtsentmündigung und der wirtschaft ist ein Stück neuer Zeit in die altüberlieferte Organisation umerhörter Aufreizung und Verhegung, die wider alle Autoritäten, lichen Vergewaltigung, der das ländliche Proletariat unterliegt. Er des Absolutismus eingedrungen. Die Aera Witte bedeutet wider Staat und Kirche, wider Gesetz und wohlerborenen Besitz auf forderte außer der Abweisung des neuen Junkeranschlags die völlige einen Verfuch, der Geschichte ein Schnippchen zu schlagen durch dem Parteitag der preußischen Sozialdemokratie rechtliche Gleichstellung der ländlichen Arbeiter und Arbeiterinnen die Fiktion eines Absolutismus, der sich betrieben wird. Wir aber erklären freimütig und stolz: Es ist sowie des Gefindes mit der gewerblichen Arbeiterschaft, insbesondere an die die neuen Lebensverhältnisse, die Pflicht aufzureizen, Empörung und Begehrlichkeit zu erregen gegen Einführung landwirtschaftlicher Inspektoren, Schiedsgerichte nach Art kapitalistische Wirtschaftsform angepaẞt Pflicht aufzureizen, Empörung und Begehrlichkeit zu erregen gegen der Gewerbegerichte, gute Krankenversicherung, Vereinsrecht, Ver- hat. Witte will ein Realpolitiker großen Stils ſein. Es all das unsägliche Elend, das auf Preußen lastet. Entsagung gegenüber der preußischen Unkultur oder nur gelinder fammlungsrecht, Koalitionsrecht. ist das ein neuer Napoleon III. mit seinem Surrogat eines Einspruch gegen ihr Herrschen wäre Verbrechen an der Nation und Die Diskussion, die Stadthagens Bericht folgte, wird in der politischen Lebens, Surrogat einer Presse, Surrogat eines Selbstverurteilung zu geistigem Tod. Wo immer man die preußi- Geschichte unserer Partei denkwürdig bleiben. Das Leben der un- Liberalismus, mit seinem Kokettieren mit allen politischen und schen Zustände berührt, da schlägt der Ekel von gehäuftem Unrat menschlichen Not, das der Landarbeiter des Kulturlandes Preußen sozialen Kräften, aber er ist zugleich ein Plebejer mit einer entgegen, und gewaltige Aufgaben drängen sich auf, das Schlimmste lebt, wurde aufgerollt. Alle Schleier der patriarchalischen ursprünglichen wilden Energie, der vor nichts Halt macht, auszuräumen und den Beginn kulturellen Lebens zu schaffen. In Herrschaft wurden zerrissen. In alle Schrecknisse des Wohnungs- dessen Charaktergrundzug ein unmittelbarer roher Zynismus Preußen ist eine ganze neue Welt zu erbauen. elends, der Hungerlöhnung, des Nahrungsmangels, der Ver- ist, der den Adel, die Geistlichkeit, die Revolutionäre, alle gewaltigung weiblicher Ehre, der Rechtlosigkeit wurde mit den gleich zu kennen glaubt, und alle gleich verachtet, kurzum ein grellen Fackeln der Wahrheit geleuchtet. Vild um Bild wurde die plebejischer Abenteurer großen Stils. Er schrie früher preußische Junkerhölle gezeichnet, von Männern, welche die ländlichen Nikolaus II, an, tyrannisierte ihn und Nikolaus, der von Verhältnisse aus vieljähriger Erfahrung kennen, von Landproletariern, einem persönlichen Haß gegen ihn erfüllt ist, hat sich nun die als Schnitter auf die Güter sich verkaufen und als Sachfengänger genötigt gesehen, bei ihm seine Zuflucht zu suchen. Und wenn mit Weib und Kindern um Arbeit suchen. Kaum je hat eine Aus- er dies tut, so zeigt er damit, daß er trotz seines Hasses in Sprache einen Parteitag so machtvoll ergriffen als diese. Als der Witte eine ihn überragende Kraft erkannt hat, um so fester Schnitter Schmidt aus dem Kreise Sternberg seine eigensten Erscheint die anbrechende Herrschaft Witte gegründet zu sein. fahrungen vortrug, da stand der Parteitag unter dem Bann dieses Von Plehwe sagte ein Mann, der ihm nahe stand:„ Plehwe andarbeiterloses und, als die kurze Sprechzeit abgelaufen, forderte ist ein kluger Mann, aber bereits seit 40 Jahren dringt das der Parteitag einmütig die Fortsetzung der in ihrer Schlichtheit Rauschen des Lebens nicht mehr an sein Ohr." Und in der überwältigenden Darstellung. Tat bewegte sich der Gedankenkreis Plehwes ausschließlich innerhalb bureaukratisch- polizeilicher Mauern. In der Donnerstags- Sigung des preußischen Parteitags wurde zunächst die Aussprache über die Schule zu Ende geführt. Dann ging die Vertretung von Arbeiter- Preußen an die Erwedung des ländlichen Proletariats. Zwei Probleme wurden bewältigt, deren jedes eine gigantische Kulturarbeit in sich schließt. Die keinen Augenblick an Bedeutsamkeit verlierende SchulDiskussion brachte noch mannigfache Ergänzungen und wertvolle Hinweise. Neben den Schilderungen der Schulnot in all ihren Gestaltungen wurde vom vorhergehenden Tage die Polemit fortgeführt, die sich aus einem Vorschlag Heines ergab. Schon die vollendete Sachlichkeit, in der diese Polemit verlief, war höchst erfreulich und gewährt für zukünftige parteigenössische Dispute beste Aussicht; die sachliche Bemühung, die Meinung des anderen zu verstehen, führte zu der Erkenntnis, daß dieser Auseinandersetzung eine wesentliche Verschiedenheit der Auffassungen überhaupt nicht zugrunde lag. Heine glaubte irrtümlich den Wortlaut der Resolution so auffaffen zu müssen, als solle die Wissenschaft der Weltanschauung, die oberste aller Wissenschaften, aus dem Schulplan ausgeschlossen sein. Das will natürlich niemand. Sobald die Sozialdemokratie auf die Schule So eröffnet auch diese Beratung zugleich eine ungeheure Kultur unmittelbaren Einfluß gewinnt, wird sie auch die Aufgabe erfüllen, aufgabe der sozialdemokratischen Propaganda und zugleich die durch die staatliche Schule alle geistigen Bedürfnisse der Jugend Gewißheit, daß diese Aufgabe der Erweckung des Landproletariats, zu erfüllen, wozu vornehmlich die Unterweisung in der Welt- so außerordentliche Schwierigkeiten sie stellt, ihrer Lösung gewiß ist. anschauung oder, wie es oft genannt wurde, in der Religion des Sozialismus" zählt. Der Schnitter Schmidt, neben anderen unmittelbar aus der Landarbeit gekommenen Genoffen, verkörperte aber zugleich in sich das rettende Mittel der ländlichen Arbeiternot. Er bewies, wie mächtig der Befreiungsgedankte in dem Landproletariat bereits geworden, welch befähigte Köpfe der Sozialismus auch in den entlegenen Gehegen des Junkerabsolutismus fich gebildet und geschult hat. Der neue Herr. Witte hat Kenntnisse vom wirklichen Leben und ist daher dem Plehwe überlegen. Sein Subatowismus ist daher ein anderer als der Plehwesche. Er wird daher eine tiefe und systematische Korrumpierung der Gesellschaft und des Volkes nicht durch Polizeimaßnahmen, sondern durch Ausnutzung der realen, im inneren Wesen verschiedener Lolksschichten begründeten Schwächen anstreben. In der Person Wittes tritt die letzte und größte Kraft des absolutistischen Regimes in den Vordergrund, die, welche unter Umständen hätte die gefährlichste sein können. Alles, was in der Gesellschaft faul und schlecht ist, wird er auszuDoch diese nebenher gehende Fehde verschwindet gänzlich hinter nußen suchen. Der neue Herr Rußlands ist ein schmutziger, ber gewaltigen Bedeutung der Aufrollung des gesamten preußischen roher, zynischer, durch und durch geriebener Geschäftsmann. Schulproblems durch den Parteitag der Sozialdemokratie. Der einIm Erlaß des 3aren, der eine neue Reformära anKennzeichnend für die Fähigkeiten Wittes ist, daß er ein stimmig gefaßte Beschluß des Parteitages verurteilt den Kompromiß fündigt, ist an die Spitze der zu erwartenden Reformen die Gegner des mandschurischen Abenteuers ist. Mit seiner Person des nationalliberalen Schulverrats mit der konservativen Geistes- der Lage der Bauernschaft gestellt. Dabei wird verwiesen auf ist das erste Stadium der ostasiatischen Politik verknüpftreaktion, welcher die Volksschule vollends der konfessionellen Frömmelei Beratungen durch eine ausgewählte Anzahl der erfahrensten das des Jahres 1896. Das ehemalige Programm war: ausliefern soll, und stellt die wichtigsten unserer nächsten Schul- Personen der höchsten Verwaltung", die zurzeit über diese Durchschneidung des nördlichen Teiles der Mandschurei mit forderungen scharf heraus. Das Ergebnis dieser Beratungen Frage stattfinden. Es ist damit gemeint die besondere be- der Destlich- Chinesischen Eisenbahn, die bis Wladiwostok reicht aber noch weit selbst über diesen Beschluß hinaus. ratende Kommission für das landwirtschaftliche Gewerbe", in führen sollte; die Beleihung Chinas mit Geld; Gründung der Durch diese Beratungen ist die größte Kulturangelegenheit der gegenwärtig über die Denkschrift des Vorsitzenden dieser Russisch- Chinesischen Bank; der geheime Vertrag mit China Preußens zu einer Hauptfrage unserer Parteibetätigung erhoben Kommission, des ehemaligen Finanzministers Witte, beraten vom Jahre 1896, durch welchen diesem die Unversehrtheit worden. Der Vorsitzende des Parteitages, Genosse Singer, hat wird. Zunächst war beabsichtigt, eine Bauernreform nach den gesichert wird, man wollte selbst nicht in China eindringen feineswegs einen unberechtigten Vorwurf gegen die Partei erhoben, Intentionen des früheren Ministers des Innern Blehwe einzu- und andere nicht hineinlassen. Das war Wittes Politik. tvenn er bemerkte, die jetzt auf dem Parteitag behandelten Fragen leiten, und zwar sollten die Standeseigentümlichkeiten der Ganz anders war die Politik des Jahres 1898- die Beseien bisher im Verhältnis zu ihrer Bedeutung einigermaßen ver- Bauernschaft noch schärfer als bisher hervorgehoben werden, setzung Port Arthurs und die Durchführung einer 2500 Werft nachlässigt worden. Natürlich ist an der Boltsschule in unseren die Bauern noch schärfer als bisher von den adligen Beamten langen Eisenbahn durch die ganze Mandschurei, was notReihen bei mannigfaltigen Gelegenheiten eindringliche Kritik voll- bevormundet werden. In den Kreisen des höheren Beamten- wendigerweise( und Witte hatte das vorausgesehen) zur Bezogen worden. Jezt aber ist das, was bisher zerstreut geübt wurde, tums war nichts von einem Protest gegen Plehwes Pläne zu setzung der Wandschurei im Jahre 1900 geführt hat, da die zu einheitlicher Zusammenfassung gelangt. Jezt nimmt die gesamte hören. Nachdem aber Plehwe dahinjank und ein paar Monate Bahn sonst nicht geschützt werden konnte. Das war die perSozialdemokratie Preußens die große Frage der Erziehung der eine Frühlings" witterung in Rußland herrschte, brachte sich sönliche Politik Nikolaus II. Dazu kam später die Politik proletarischen Jugend in systematischer Arbeit auf und gewinnt wieder Witte in freundliche Erinnerung mit seinem Entwurf Besohrasows: persönliche Konzessionen in Korea. Seit 1898 daraus eine Aktionskraft, die bisher unmöglich war. einer Bauernreform, nach welcher die Bauern nicht mehr einer war Witte unaufhörlich Gegner der ostasiatischen Politik Unsere Berliner Genossen haben das Verdienst, daß sie das Speziellen Polizei und speziellen Gerichten unterstellt, sondern Nikolaus II. Das war die Hauptursache des Streites, der preußische Schulproblem in seiner ganzen Bedeutsamkeit vor die Partei nach diesen Richtungen hin anderen Ständen gleichgestellt schließlich zu seinem Falle geführt hat. gebracht haben. Der preußische Parteitag hat die Anregung werden sollen, auch soll durch Aufhebung der speziellen schweren Die Großtat Wittes ist die Herstellung der Goldwährung. zur Kulturtat entwickelt und die Volksschule ist in den Brenn- Bestimmungen über das Paßwesen für sie die Freizügigkeit Er suchte ein Großtapital großzuziehen, das mit dem Finanzpunkt des politischen Interesses der preußischen Arbeiterklasse hergestellt werden; des weiteren soll der Zwang, zu einer ministerium eng liiert ist, ein ganzes System zu schaffen von gestellt. Es ist der Anstoß zu einer Bewegung der Geister gegeben, Dorfgemeinde zu gehören, aufhören und die Bauern nach ihrer gegenseitigen Hülfeleistungen der Regierung und der deren reiche Früchte gewiß find. Wie wir im Reiche den umfassenden freien Entscheidung ihr Land im Gemeinde- oder Privatbesitz Kapitalisten nach dem Grundsatz: eine Hand wäscht die andere, und nie ermüdenden Kampf gegen die Barbarei des mordrüstenden haben. Freilich ganz sollen die Standesunterschiede nicht auf mit einem Wort, an Stelle des Adelsabsolutismus einen Militarismus führen, so soll in Preußen auf ganzer Linie und in hören, im eigenen Interesse" der Bauern sollen noch einige großkapitalistischen zu setzen. Im Zusammenhang dauernder Nachhaltigkeit der Kampf geführt werden gegen die Bar- Standeseigentümlichkeiten beibehalten werden. Ueber das damit hat Witte ein Netz von Handelsschulen geschaffen, barei einer geistmordenden Volksschule, die eine Schule gegen das wichtigste und entscheidenste Mittel, die Lage der Bauern zu das auf dem Grundsatz der Selbsttätigkeit, der Beseitigung Volt ist, wie das Heer des Klassenstaats ein Heer gegen das Volt heben, die Ermöglichung der Bildung für der Reglementierung und Routine, des Zusammenhanges der ist. Es gilt, eine machtvolle Agitation hiuauszutragen nicht nur zur alle Bauern, findet natürlich Wittes Entwurf fein Schule mit der Gesellschaft gegründet ist. Bekämpfung jenes Kompromisses, sondern um die unendliche Ve- Wort, denn das würde seinem Programm, der Aufrecht- Jezt leitet Witte eine Bauernreform ein, die die Bauerndeutsamkeit der Erziehung der Volksjugend in das Bewußtsein der erhaltung des Absolutismus, durch Anpassung schaft von den veralteten Fesseln befreien, eine Mobilisierung Massen zu prägen. Es gilt die Begehrlichkeit des Volkes aufzuwiegeln, an die Forderungen der kapitalistischen Neuzeit zuwiderlaufen. des Bauerneigentums herbeiführen, auf dem Lande eine Klasse die Begierde nach Wissen, nach Bildung, nach allen Errungenschaften Taß ihm in der Tat die Aufrechterhaltung des Absolutismus von Bourgeois- Bauern schaffen soll. Auch das Proletariat des menschlichen Geistes. Der Ausschluß vom Geist ist die entseg der Hauptzweck ist, hatte er seinerzeit Flar ausgesprochen in beabsichtigt Witte durch eine Sozialpolitik zu bestechen, die lichste Qual, die der Klassenstaat über das Proletariat verhängt. feiner berühmt gewordenen Denkschrift, die unter dem Titel: lediglich auf einen Subatomismus) im größeren Stile hinFühlt das Proletariat diese Dual in ihrer Furchtbarkeit, so ist eine Der Absolutismus und das Semstwo" im Auslande im Ver- Der Frühling war eingetreten, damit nunmehr Witte Revolution der Geister geschehen, die keinen Widerstand kennt! lage der„ Sarja" veröffentlicht worden ist. In dieser Denk- seine Ernte einheimsen kann. Jegt gilt es, stark und gewappnet Vom Elend der Proletarierjugend ging der Parteitag zum schrift hatte er dem Baren die vollständige Aufhebung der zu sein gegen alle Versuchungen seitens des großen Reformen-. Elend des ländlichen Proletariats, der Landarbeiter und Semstwo Selbstverwaltung angeraten, weil diese naturnot- fälschers. des Gefindes. Wie die Schule der Muckerei, so sind die Landarbeiter wendig konstitutionelle Gelüfte erwecken müßte. Soweit unser Gewährsmann. Die Gefahr, die Rußland der Junkerei schutzlos überantwortet. Auf den Gutsherrschaften der Daß die von Witte vorgeschlagene Bauernreform an die von Wittes Schlauheit droht, schätzen wir nicht für allzu hoch Agrarier ist in Reinzüchtung das Regiment der Edelsten zu finden. Spize aller Reformen gestellt ist und insbesondere, daß in ein. Er ist gewiß schlauer als Blehwe, aber das öffentliche Sie haben es bis zum heutigen Tage vollbracht, Millionen von Abweichung von früherer Praris das Ministerkomitee, dessen Bewußtsein in Rußland ist bereits so weit fortgeschritten, daß Männern und Frauen in brutaler Rechtlosigkeit und in einer Lebens- Vorsitzender Witte ist, beauftragt worden ist, alle Reformpläne auch Witte mit seiner Weisheit hinter den Forderungen, die haltung niederzudrücken, die jeder Menschlichkeit spottet. Jest soll in bestimmte Vorschläge zu fleiden, zeigt, daß es Witte ver- in Rußland selbst von gemäßigter Seite an die Regierung im Klaffenparlament der neue Ring des Kontrakt bruch- standen hat, sich als letzter Retter des Zarismus aus den Ge- gestellt werden, weit zurückgeblieben ist. Einen Beweis dafür Gesezes in die Kette dieser Entrechtungen geschmiedet werden. fahren der gegenwärtigen Situation zu repräsentieren. Zur Genosse Stadthagen, der anerkannte Kenner des Arbeiter, rechts" Kennzeichnung dieses Mannes wird uns von einem Freunde im allgemeinen und der Landarbeiter Rechtlosigkeit im besonderen, unseres Blattes, der mit den einschlägigen Verhältnissen verbehandelte in eindringlicher Darstellung und vernichtend scharfer traut ist, das Folgende geschrieben: " # *) Subatom war der berüchtigte Organisator der Arbeiter im Dienste des Absolutismus. auslaufen wird. " Der Gendarm Walliczek soll sich bei der Wahl keineswegs unparteiisch verhalten haben. In einer Zentrumsversammlung soll er gleich bei der Hand gewesen sein, auf Wunsch eines Teiles der Versammlung einen nicht genügend schwarz gefärbten Katholiken rauszuwerfen, wurde aber von einem Kollegen von einer solchen Ungehörigkeit zurückgehalten. Bei Verkündung des Wahlresultats soll er verschiedentlich eine große Begeisterung öffentlich gezeigt habe. Ich halte die Verseßung eines so parteiisch auf tretenden Gendarmen für notwendig. Auch beabsichtige ich die fiskalische Wohnung, welche W. inne hat und nach der Nachfrage unter meinen Bergleuten ist, ihm zum 1. zu kündigen." Wegen Verlesung dieses Briefes, der vertraulicher Natur geliefert uns z. B. die Schätzung der Witteschen Bauernreform[ kredit von 15 Millionen Stronen enthielt; die Bedeckung"| Widerts Schwiegervater) bezog. Walliczek, der sich weigerte, dem feitens des Moskauer Professorenblattes Rußkija Wjedomosti". des Kredites( für den Zustand des Budgets ganz bezeichnend) Aufinnen der Bergbeamten, Dregler wegen seines Bierverkaufs auf Nachdem es darauf hingewiesen hat, daß Witte die unter den solle durch Ausgabe von Rente, also durch eine Anleihe er- dem Grubenterrain zu protokollieren, zu entsprechen, wurde in einem schwierigsten Verhältnissen seit langer Zeit von Semstwvoleuten folgen. Aber gleichzeitig verlangte die Regierung die Er- Briefe des Bergrats Wickert an den Vorgesetzten des Gendarmen Walliczek denunziert. Als Zeuge im Prozeß Krämer- Hilger verlas erhobene Forderung der Befreiung der Bauern von einer mächtigung, 53% Millionen Tilgungsrente ausgeben zu dürfen Walliczet unter allgemeiner Spannung diesen Brief, der folgenden administrativen Bevormundung ziemlich spät, erst bei einer( das ist die Rente, die gesetzlich jedes Jahr zur Bezahlung Wort.aut hatte: günstigen politischen Konjunktur aufgegriffen hat, fährt das alter Schulden ausgegeben werden fann und ausgegeben wird), Blatt fort: Welche Gründe haben wir, an die Dauer der die sie mangels gefeßlicher Ermächtigung bisher nicht ausneuen Strömung zu glauben, welche Garantien haben wir, geben konnte und den Betrag also den Kassenbeständen entdaß sich morgen des nicht wiederholen wird, was wir gestern lehnt hat die nachträgliche Ausgabe sollte also zur Rückerlebt haben? Gewiß, der neue Entwurf einer Bauernreform erstattung( oder wie man hierzulande sagt: zur Refundierung) wird in der Presse und in der Gesellschaft besprochen werden, an die Staatskasse dienen. Die Verknüpfung der zwei sachlich seine schwachen Seiten werden Widerspruch hervorrufen, seine nicht zusammengehörigen Gesetze war der feine Plan: Dadurch unzweifelhaften Vorzüge werden wahrscheinlich Hoffnungen sollten die Jungtschechen, eben mit Rücksicht auf den Notstandserwecken; aber diesen Hoffnungen wird sich unvermeidlich eine kredit, abgehalten werden, die Vorlage zu obstruieren, sondern Besorgnis zugesellen; diese Kritik wird begleitet werden von gezwungen werden, die Bewilligung passieren zu lassen. einem Zweifel an der Stabilität der Strömung in der Ne- Aber der Plan mißlang; anstatt daß es die Deutschen gierung, die den Entwurf geboren hat, und daher auch an der geduldet oder unterstützt hätten, daß die tschechische Db- wesen sein soll, hatte sich, wie wir der Saarwacht" entnehmen, Fruchtbarkeit dieser Kritik selbst." Die nationalliberale Ruß" strüftion wenigstens einmal gebändigt oder überlistet wird, Gendarm Walliczek am 23. Dezember vor dem Kriegsgericht zu bemerkt dazu ihrerseits:" So wird es sein, bis die Möglichkeit fetten sie die ernsteste Miene der Budgetkritiker auf und„ be- Saarbrücken zu verantworten wegen Verlegung des Dienstgeheimnisses. Als Zeugen wurden vernommen Herr Landrat Freiherr der Verwirklichung nicht nur der Bauernreform, sondern auch wiesen", daß die Vorlage fachlich" nicht korrekt sei. Und b. Münchhofen in Ottweiler, der Empfänger der Denunziation, bieler anderer Reformen real, greifbar sein wird." als im Ausschusse über die Vorlage abgestimmt wurde, blieb fowie Herr Landgerichtsdirektor Heidermanns, der präsidierende Die„ Ruß" will damit sagen, bis Rußland eine Verfassung sie in einer Minorität, wie sie einer Regierungsvorlage in Richter im Krämer- Prozeß, Herr Schichtmeister Louis aus Louisenthal. haben wird- in eine solche Fassung muß dieser Wunsch Desterreich selten noch beschieden war. Außer den von der Nach nahezu vierstündiger Verhandlung wurde dieselbe auf unbejezt in der loyalen russischen Presse gekleidet werden. Wir galizischen Ministerreise verpflichteten Polen stimmten für die stimmte Zeit vertagt. Der Gendarm war durch seinen Eid verpflichtet zu sagen, was sehen also, selbst die Gemäßigt- Liberalen wollen nicht mehr Regierung nur einzelne persönliche Getreue; gegen sie auf das neueste Lockmittel des Zarismus anbeißen. Daß die votierten fast alle Parteien und fast alle Nationen. Herr er zur Sache wußte; eidliche Pflichterfüllung kann niemals Verweiten Schichten der Bevölkerung, die bis jetzt eine Verfassung v. Koerber erklärte damals, die Sache bis zur Entscheidung legung des Dienstgeheimnisses sein, abgesehen davon, daß der private verlangt hatten, weit entfernt sind, sich von dem Schlaufopf über die politischen Hauptfragen" zu vertagen, schickte die Brief eines Bergbeamten kein Dienstgeheimnis ist! Witte födern zu lassen, zeigt die Tatsache, daß am Tage nach Abgeordneten heim und hat jegt demissioniert. Er fann, der pompösen Reformenankündigung allen Lockungen und wenn er geht, ein Dußend Gründe angeben, und könnte, Drohungen zum Troß gegen tausend Personen auf einem mit wenn er bliebe, ein Dutzend Notwendigkeiten dafür anführen, großer Begeisterung verlaufenen Bankett in Petersburg den aber die Wahrheit ist eben, daß Desterreich nicht zu helfen Ruf nach Einführung einer Verfassung aufs neue erhoben ist und daß Koerber endlich begreift, daß auch er ihm nicht haben. zu helfen vermag. Politische Uebersicht. Berlin, den 29. Dezember. Ministerwechsel in Desterreich. Wie die Krise verlaufen wird, ist im Augenblick auch nicht zu vermuten. Es ist möglich, daß Herr v. Koerber bleibt, weil der Kaiser gerade jezt genug ungarische Sorgen hat; es ist möglich, daß ein provisorisches Uebergangs- Ministerium ihn ablöst( da würde der alte Aushelfer Wittek, der jetzige Eisenbahnminister einspringen); und selbst die Bildung einer parlamentarischen Regierung ist nicht ganz unmöglich. Die Minister werden gehen, und neue werden kommen; bleiben wird aber die Krise, denn die steckt nicht in den Menschen, sondern in den Einrichtungen. " Freifinnige Gerechtigkeit. Aus München wird uns geschrieben: Wiederholt schon waren wir genötigt, die verlogene Art fest= zunageln, wie die bürgerliche Presse in Norddeutschland, besonders aber in der Reichshauptstadt, ihre Leser über bayerische Verhältnisse informiert. Ganz besonders zeichnet sich auf diesem Gebiete das Berliner Tageblatt" des Herrn Rudolf Mosse aus. Dieses Organ gab am 24. Dezember seinem Münchener Korrespondenten wieder einmal Gelegenheit, einen bedeutenden Blödsinn über die gegen wärtige politische Lage in Bayern zu erzählen. Der Artikel liefert ein typisches Beispiel dafür, wie man Tatsachen verdreht. Der Münchener Korrespondent behauptet nämlich, um das Mitleid für den armen, unschuldig verfolgten Liberalismus zu erwecken, die Regierung wolle für die nächsten Landtagswahlen an Stelle der heutigen, relativ gerechten Wahlkreis Einteilung eine dem Zentrum auf den Leib geschnittene ſetzen". Aus Wien wird uns vom 28. Dezember geschrieben: In zwei Monaten würde Herr Koerber sein fünfjähriges Ministerjubiläum feiern, aber es scheint nicht, daß sein Regieren diesen„, historischen" Tag erleben sollte: Seit gestern Wie diese relative Gerechtigkeit" der jetzigen WahlkreisEinteilung aussieht, zeigt die einfache Tatsache, daß bei den letzten tritt mit der größten Beharrlichkeit das Gerücht auf, daß Roerber zum Rücktritt entschlossen sei, und Wien, 29. Dezember. Die„ Neue Freie Presse" Wahlen die Liberalen mit 288 000 Stimmen 44 2bgeordnete und die Sozialdemokraten mit 215 000 Stimmen 11 Abgeordnete erwenn auch die heutige Audienz des Ministerpräsidenten beim meldet: Die Demission des Ministerpräsidenten Dr. v. Koerber hielten, wobei noch zu berücksichtigen ist, daß unsere Genossen in vielen Kaiser keine endgültige Entscheidung gebracht hat, so scheint ist angenommen worden. Sein Nachfolger foll Bezirken gar nicht in die Wahl eintreten fonnten, weil sie nicht in doch soviel sicher zu sein, daß die Demission keine Komödie, bereits ernannt sein. Herr v. Koerber konferierte der Lage waren, Wahlmänner aufzustellen. So wurde nach Ausweis sondern wahre Absicht ist, daß sich Koerber, der fünf Jahre heute mit dem Freiherrn v. Chlumeßky. Es wird hervor der amtlichen Staftitit in ganz Niederbayern und in der Oberpfalz mit wechselndem Erfolge zwar, aber immer mit redlicher Ab- gehoben, daß der Ministerpräsident dem Monarchen keinen nicht eine einzige sozialistische Stimme abgegeben. Die Liberalen sicht das Steuerruder führt, nun zurückziehen will. Bei dem Vorschlag bezüglich seines Nachfolgers gemacht hat. haben nur deshalb eine im Verhältnis zu ihrer Stimmenzahl so große Zahl von Abgeordneten, weil in einer ganzen Reihe von WahlEntschluß werden sicher viele Gründe mitgewirkt haben: die Erkenntnis von der Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen, die Ent- Wien, 29. Dezember.( B. H.) Hier zirkuliert folgende kreisen sozialdemokratische und auch ultramontane Bezirke in täuschung über die wirklich alberne und undankbare Stellung Ministerliste: Graf Buquoi, Ministerpräsident und Inneres; raffinierter Weise zugunsten der liberalen Partei totgeteilt find. liches Leiden( der Minister leidet an Magenneurofe), das ihm Steinitz, Landesverteidigungsminister; Dr. Herold, tschechischer völlig der geeinte Liberalismus in Bayern auf den Hund geder deutschen Parteien und, nicht zum mindesten, ein förper Graf Schönborn, Justizminister; Feldmarschall- Leutnant und angesichts solcher Zustände wagt ein freifinniges Blatt von ,, relativer Gerechtigkeit" zu sprechen. Diese Aeußerung zeigt, pie die schweren Strapazen dieser dreifachen Ministerschaft( Herr Landsmannminister; und Dr. Pientat, polnischer Landsmann- fommen ist. b. Koerber ist Ministerpräsident, Minister des Innern und minister. Die übrigen Portefeuilles bleiben mit den bisherigen Justizminister) unerträglich macht. Verstimmt, müde und Inhabern besetzt. ergebnislos zieht sich der Minister zurück, der mehr an Talent, größerem Fleiß und gewissenhaftere Absichten in sein Amt mitgebracht hat als einer vor ihm. Die Tschernigower Adresse. Südwestafrika. Berlin, 29. Dezember. Amtliche Meldung. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Im Gefecht bei Naris am 5. Dezember wurde leicht verwundet Vizefeldwebel der Reserve Richard Runt, geb. am 29. April 1868 zu Hermersberg, Schuß in beide Schultern. m Patrouillengefecht bei Swartwater am 2. Dezember ist gefallen Vizefeldwebel der Reserve Ferdinand Bötel, geb. am 15. März 1876 zu Bochum. Berlin, 29. Dezember. Amtliche Meldung. Ein Telegramm aus Bindhut meldet: An Typhus gestorben: Reiter Wilhelm Rüdiger, geb. 28. Mai 1884 zu Zedel, auf dem Transport von altfontein nach Stub. Im Gefecht bei Warmbad am 28. November verwundet Reiter Jakob Schäfer, geb. am 26. November 1882 zu Forbach Husland. Frankreich. Zur Syveton- Affäre. Wir sind in der Lage, den Wortlaut der Adresse des Den unmittelbaren Anlaß zu der Demission lieferte eine Tschernigower Semstwos mitzuteilen, dessen Einsendung vom Abstimmung im Budgetausschusse, in welcher eine Regierungs- Baren als verwegen und taktlos" bezeichnet worden ist. Sie borlage, auf welche welche der Ministerpräsident das größte lautet: Gewicht gelegt hatte, mit Zweidrittelmehrheit ab= ,, Majestät! In der von unserem Vaterlande erlebten gelehnt wurde und in welcher das Koerbersche Regime schweren Zeit des Krieges und der inneren Unvollkommenheiten von fast allen seinen alten Freunden, insbesondere entschließt sich die Versammlung des Tschernigower Gouvervon den deutschen Parteien, verlassen erschien. Um die nement- Semstwos, Ihnen ihre tiefe Ueberzeugung auszuJungtschechen von der Obstruktion abzubringen, hatte Herr sprechen, daß eine regelmäßige Tätigkeit der öffentlichen v. Koerber für den letzten Sessionsabschnitt manches vorgekehrt. Institutionen und der gesamten Staatsverhältnisse unter den Vor allem allerlei kleine nationale Konzessionen für die Verhältnissen, die Rußland schon lange erlebt, ganz unmöglich leicht. Tschechen, die zwar ihre große Schmerzen die noch immer ist. Das bureaukratische Verwaltungssystem, das eine volldie Einführung der tschechischen Amtssprache im inneren Dienst ständige Trennung der souveränen Gewalt von der Bevölkerung der Behörden und die Errichtung einer zweiten tschechischen geschaffen hat, indem es jedwede Teilnahme der Gesellschaft Universität sind unberücksichtigt ließen, aber ihnen doch die an der Verwaltung beseitigte und die vollständige AbUeberzeugung schaffen sollten und konnten, daß in der Re- gesondertheit und Verantwortungslosigkeit ihrer Tätigkeit Paris, 29. Dezember. Gestern wurde in der Wohnung des An gierung Stoerber alles andere als ein ihnen feindliches Ministerium aufrecht erhielt, hat das Land in eine äußerst drückende Lage walte 3 Noilhan, Sekretär der„ Batrie francaise", eine Hau 3gebracht. Die Persönlichkeit eines Russen ist nicht geschützt fu chung vorgenommen. Noilhan war Anwalt Syvetons, bebor er im Amte sei. Jene Ronzessionen waren nicht unbeträchtlich gebracht. die gewichtigste" war die Errichtung von slavischen Parallel gegen die Willkür der Behörden, er hat keine Ge- derjenige der Md. Syveton wurde. Seine Haltung bei dem Tode Klassen an den zwei deutschen Lehrer- Bildungsanstalten in wissensfreiheit, die Bekanntmachung in Versammlungen und Syvetons gab zu vielen Kommentaren Anlaß. Die Haussuchung fand Schlesien, aber sie reichten aus, um die bis dahin recht in der Presse der Mißbräuche und der Gesetzesübertretungen mit seiner Zustimmung und nach erfolgtem Gutachten des Stabfreundliche Stimmung der Deutschen umschlagen zu machen, die in der Verwaltung wird streng verfolgt; ein bedeutender Teil trägers des Advokatenstandes statt. Die Haussuchung dauerte drei Stunden und war erst um 7 Uhr abends beendet. Es wurden zahl dann durch die bekannten Ereignisse in Innsbruck zur regelrechten Rußlands ist dem Gesetze betreffend verstärkte Sicherheitsmaßreiche Briefe von Persönlichkeiten gefunden über die in der Syvetong,, Entrüstung" gesteigert wurde. Ein zweites Mittel, die Tschechen nahmen unterstellt, das der Willkür der Administration einen Affäre viel geredet worden ist. Der Chef des Laboratoriums Dfier zu gewinnen, war die Ernennung eines tschechischen Lands weiten Spielraum läßt und für die Bevölkerung äußerst hat gestern dem Untersuchungsrichter das Ergebnis seines Versuches mannministers( eines Ministers für tschechische Angelegenheiten), drückend ist; das Gericht ist eingeengt und beschränkt im Schutze mitgeteilt. Die chemische Untersuchung soll das Vorhandensein von welche Stelle seit dem Rücktritt des Professors Rezet unbesetzt der Gerechtigkeit und des Gesetzes. Eine solche Sachlage 16 bis 17 Broz. Kohlenoryd ergeben haben. Eine weitere Analyse var. Und v. Koerber benutzte die Demission des Finanz- schafft unzählbare Kalamitäten für die Bevölkerung in allen ist in 5 bis 6 Tagen beendet. Dann wird man erst feststellen, ob ministers Böhm- Bawerk der von ihm ging, weil die Aeußerungen ihres privaten und öffentlichen Lebens und ruft der Tod durch Einnahme von Betäubungsmittel erfolgt ist. Dr. Barney, der Schwager Syvetons, überreichte dem Untersuchungsrichter einen Koerbersche Versöhnungspolitik gar zu fostspielig wird, um eine allgemeine unzufriedenheit hervor. Brief des Geliebten des Dienstmädchens Spillmakers, worin dieser Die Versammlung des Tschernigower Gouvernement- versichert, seine Geliebte, das Dienstmädchen, habe erklärt, Syveton sich auch seines unpopulären Ackerbauministers zu entledigen und an seine Stelle einen den in allen Parteien mächtigen Semstwos, fest überzeugt davon, daß die Herstellung der sei ermordet worden. Das Blatt„ La Presse" findet eine Abweichung Agrariern genehmen Grafen( den Grafen Bugnoy) ins Kabinett Ordnung, des Rechtes und der Wahrheit im Lande mir durch in den Aeußerungen Menards, Syvetons und Dr. Talmanns. Dem zu nehmen, wodurch er die Anziehungskraft seiner Regierung Herbeiführung eines engen Zusammenwirkens der souveränen Temps" zufolge beabsichtigte Menard tatsächlich, Selbstmord zu bezu mehren hoffte; und um die„ Rekonstruktion" des Kabinetts Gewalt mit dem Volke herbeigeführt werden kann, ersucht gehen, nachdem er von den Beziehungen Syvetons zu seiner Stiefboll zu machen, brachte er als Landsmannminister den Pro- untertänigst Gure Majestät, die aufrichtige und wahre tochter Kenntnis erhalten hatte. fessor Randa hinein, einen namhaften tschechischen Juristen, Aeußerung des russischen Volkes zu erhören und zu diesem dessen Anwesenheit die tschechischen Belagerer abschrecken sollte. Zwecke die frei gewählten Vertreter des russischen Semstwos Aber alle diese Künste erwiesen sich als vergeblich, und das Abgeordnetenhaus verfiel in seiner Herbstfession dem bekannten geschäftlichen Müßiggang, der jede fruchtbare oder nur normale Tätigkeit ausschließt. = einzuberufen und ihnen zu befehlen, unabhängig und selbstständig einen Entwurf von Reformen auszuarbeiten, die den ihnen so nahe bekannten fundamentalen Bedürfnissen entsprechen, und zu gestatten, diesen Entwurf unmittelbar Eurer Majestät vorzulegen." * Deutfches Reich. Italien. Der Prozeß wegen des Blutbades von Giarratana. Rom, 26. Dezember.( Eig. Ber.) Die Vorgeschichte dieses Prozesses, über dessen Ausgang wir telegraphisch berichtet haben, stellt eine der leidvollsten Episoden im sozialen Kampf des jezigen Italiens dar. Am 13. Oktober 1902 hatten sich die Landarbeiter von auf dem Markt des Städtchens Giarratana in Sizilien nachdem ihnen die Geduld ausgegangen war, versammelt, seit langem angestrebte Verbesserung der länger auf die Bachtverträge zu warten. Man beschloß das Ausziehen der Arbeiter auf die Felder zu verhüten und war deshalb seit Morgengrauen zur Stelle. Der Bürgermeister, der von dem Ernst der Lage wußte, hatte einige Karabinieri, im ganzen 12, auf dem Marktplatz aufstellen lassen. Die Menge schien unruhig und bereit, auch mit Nun geht es Herrn v. Koerber auch an einem Punkte schlecht, wo ihm auch der gefällige§ 14 nicht zu helfen ver- Man muß gestehen, daß das Tschernigower Semftivo mag: die Kassen sind leer. Was nämlich in den Delegationen seinen Ruf nach einer Verfassung in eine bis zur Unkennt dem Militarismus bewilligt wird, müssen die beiden Re- lichkeit beschriebene Form gefleidet hat. Und trotzdem taktlos gierungen honorieren; und das ist infolge der gerade in den und verwegen! legten Jahren neu erwachten Gefräßigkeit des GroßmachtsMolochs nicht wenig. Aus den Kassenbeständen lassen sich die Hundertmillionen- Kredite nicht decken, und eine Anleihe ist ohne gesetzliche Ermächtigung nicht möglich; da kann kein Die eidliche Aussage eine Verletzung des Dienstgeheimnisses. Gewalt den Auszug der Arbeitswilligen zu hindern. Als die Leute Paragraph helfen. Es wird glaubwürdig versichert, daß die Jm Saar- Reich wirkt noch immer die Erregung des Krämer- Prozesses dicht an die Karabinieri gedrängt, ihr Recht forderten, gaben diese Und da geschah das Schreckliche: Militärverwaltung um ihre Quoten schon wiederholt gemahnt nach. Es scheint, als ob man jezt mit allen Mitteln sucht, Maß eine Salve in die Luft ab. hat, aber weder in Ungarn noch in Desterreich etwas bekommen nahmen gegen unbequeme Beugen zu treffen. Wie erinnerlich, ein auf einem Balkon stehendes Kind neigte sich, von einer fonnte. Um sich nun wenigstens die dringendste Finanznot wurde im Prozeß der Gendarm Walliczek als Beuge Rugel in die Stirn getroffen und die blutüberströmte Leiche fiel aufs Er machte sehr belastende Aussagen gegen den Straßenpflaster. Ueber die Menge fam einer jener furchtbaren vom Halfe zu schaffen, hatte Herr v. Stoerber ein sehr bernommen. Schlafhausmeister Bremer und den Bergrat Bergrat Widert. Stürme der Entrüstung, die jede Ueberlegung fortreißen. ingeniöses Mittel ersonnen, dessen Ueberschlauheit ihm aber Nach seiner Aussage sollen die beiden beiden Bergbeamten dem Rasenden trieben die Karabinieri in die Kaserne zurück und schnitten sehr zum Bösen ausschlagen sollte. Für die von der Berg- Invaliden und Flaschenbierhändler Dregler den Verkauf einem den Rückweg ab. Diefer eine, ein 25jähriger Sizilianer, fiel Dürre des heurigen Sommers heimgesuchten Bauern reichte von Flaschenbier im Grubenterrain verboten haben, weil Dregler der Volkswut zum Opfer. Er wurde entwaffnet und mit seinen er eine Gesezvorlage ein, die einen sogenannten Notstands- das Bier nicht aus der Brauerei Schmidt in Neunkirchen( Bergrat eigenen Waffen niedergemacht. Auf ihrem Rückzug, ob vor oder Die nach der Tötung ihrer Gefährten ließ sich nicht feststellen, gaben die] Karabinieri noch zwei Salven auf die Menge ab und streckten zivei Landarbeiter tot nieder. Einige 50 waren verwundet. 97 Hofgeschichten. " In dem Pamphlet ist mit einem wahrhaft teuflischen Eifer alles zusammengetragen, was nur etwa geeignet sein könnte, den London, im Dezember.( Eig. Ber.) Kaiser und seine nächsten Verwandten zu diskreditieren. Noch Auf beiden Seiten war Blut geflossen, beide Teile waren auf Vor einigen Wochen erschien hier ein Buch unter dem Titel niemals ist der Kot gegen einen Monarchen so hoch gehäuft worden das schwerste provoziert worden. Die Hauptschuld trug der unThe Private Lives of William II. and His Consort"( Das Privat- und der Leser steht erstarrt vor der Intensität des Hasses, die aus glückselige Zufall einer verirrten Kugel. Man hätte also die Toten leben Wilhelms des Zweiten und Seiner Gemahlin), das offenbar jedem Worte spricht. Kein Mittel ist der Verfasserin Stil und begraben und den Lebenden vergeben sollen. Fehlte doch der Boden für jede Justization, jede irgendwie verwertbare Zeugenaussage, in Deutschland viel mehr Aufsehen gemacht hat als in England. Auffassung deuten unverkennbar auf eine solche zu niedrig und wie das bei derartigen Massenkundgebungen stets der Fall ist! Das Buch ist die Ausarbeitung eines Tagebuches, das eine Gräfin, welche Seite man auch aufschlagen möchte, man findet sensationelles Die Behörden aber haben es vorgezogen, dem blutigen Drama die vom Juni 1888 bis zum Frühjahr 1898 Hofdame der Kaiserin Material, das die Verfasserin im unschuldigsten Tone vorbringt.... ein unblutiges folgen zu lassen, dessen Schrecken das erste war, geführt hat. Die Gräfin ist ohne Zweifel eine gute Beobachterin Es möge genügen, daß man es mit einem Buche von gemeins weitüberragten. Man verhaftete blindlings darauf los, zunächst und eine für ihren Stand gebildete und freigesinnte Frau. Sie gefährlicher Tendenz zu tun hat. Diese Tendenz wirkt um so ver 56 Mann, unter diesen den Vater des getöteten Kindes und einige, scheint süddeutscher Abstammung zu sein. Der Bearbeiter des Tage- Heerender, als gar nicht zu leugnen ist, daß die Verfasserin die Hofdie beim Prozeß beweisen konnten, daß fie gar nicht am buches, der sich Henry W. Fischer nennt, ist vielleicht ein Deutsch- sphäre, die höchsten Herrschaften und die sie umgebenden Persönlich 13. Oktober in Giarratana waren. Nach einem Jahr Amerikaner. Wenigstens machen einige Redewendungen und Aus- feiten auf das allergenaueste kennt und daß kleine Fehler in der sachVoruntersuchung verhaftete man weiter 49 Personen. Fünfzig Monate nach dem Blutbad begann der Prozeß, ein drücke den Eindruck, daß der Bearbeiter eher dem amerikanischen als herzzerbrechendes Bild menschlicher Qual. Viele der Angeklagten dem englischen Leben nahe steht. widerriefen die Aussagen, die sie dem Untersuchungsrichter gemacht Ehe ich auf manche Partien des Buches näher eingehe, möchte hatten und gaben an, sie seien unter Androhungen ich die Behauptung einiger deutscher Blätter widerlegen, daß die aller Art, selbst unter Bedrohung mit Aus- Engländer besondere Freude an diesem Buche hätten. Ich war stechen der Augen erpreßt worden. Ein An- fürzlich in Mudies Library, der größten Leihbibliothek Englands, um geklagter wendete sich klagend an die Geschworenen und sagte, mir das Buch auf einige Tage zu borgen. Es wurde mir aber der ihm sei ins Gefängnis die Kunde gebracht worden, daß seine Frau ihre Ehre verkaufen mußte, um die Kinder zu ernähren. Bescheid, daß das Buch dort nicht zu haben sei. Ich frug den Selbst Belastungszeugen fagten furchtbare Dinge über die Not des Hauptbibliothekar um den Grund der Vorenthaltung des Buches. Landvolkes aus. Wenn man das Stenogramm dieses Prozesses ver- Er antwortete mir, das Buch sei von der Presse ungünstig beurteilt öffentlichte, so würde es seinen Platz neben den erschütterndsten worden, und er zeigte mir die Rezensionen auf Starton aufgeklebt, sozialen Dramen behaupten. um seine Antwort zu bekräftigen. an lichen und formellen Darstellung lediglich zu dem Zweck gemacht worden sind, um hinsichtlich ihrer Bersönlichkeit irre zu führen, über die wir uns natürlich jede Vermutung versagen müssen. Man sollte meinen, es läge ganz eminent im Interesse der kaiserlichen Familie, den Anter zu entdecken und womöglich der verdienten Strafe zuzuführen, jedenfalls aber durch öffentliche Kennzeichnung seiner Persönlichkeit die Verleumdung vor aller Welt zu entfräften." Vom ostasiatischen Kriegsschauplatze. Das Fort Erlungschan genommen! Tokio, 29. Dezember.( Meldung des ,, Reuterschen Bureaus".) Die Japaner haben das ganze Fort Erlungschan am 28. d. M. besetzt. Tokio, 29. Dezember. Amtliche Mitteilung. Von der Armee bei Port Arthur wird gemeldet: Der linke Flügel und das Zentrum haben am 28. Dezember um 10 Uhr vormittags die Brustwehr in der Front des Fort Erlungschan in und unter dem Schutz von schwerem Geschütz und Feldgeschützen trotz des feindlichen Feuers Verteidigungsanlagen errichtet. Um 4 Uhr nachmittags stürmten wir, besetzten int Innern des Forts die Linie der schweren Geschütze und gingen dann bis zur Kehle des Werks vor, von wo sich der Feind schließlich nach einem hartnäckigen Widerstand zurückzog. Unt 7 Uhr 30 Minuten abends war das ganze Fort Erlungschan in unseren Händen. Der Staatsanwalt forderte für 24 Angeklagte Verurteilung Soviel für diejenigen bürgerlichen Korrespondenten, die offenbar wegen Totschlags, für die anderen wegen Aufruhr und Ver- den Zweck verfolgen, die deutsch- englischen Beziehungen zu verbrechen gegen die Staatsgetalt. Die Geschworenen lehnten es bittern. Man kann sich darauf verlassen: was Mudies nicht ab, die lange Schuldliste der Gesellschaft gegen die Unglücklichen nehmen, wird vom englischen Publikum nicht viel beachtet. Auch noch um ein halbes Jahrtausend Zuchthaus zu ber= mehren: sie sprachen nur 2 Angeklagte der Mitschuld mein Buchhändler sagte mir, das Buch werde meistens von Fremden der Tötung des Karabiniere schuldig und gestanden ihnen die teil- gekauft. weise Geistesumnachtung als mildernder Umstand zu. Mit zwei Ver- Nun zum Buche selbst. Es behauptet Vertrautheit mit den urteilungen zu 6 Jahren Zuchthaus und vier geringen Strafen, die längst Affären und Personen, die es der Deffentlichkeit mitteilt und die Luft gesprengt, dann die Brustwehr mit Sturm genommen verbüßt sind, endete so der Prozeß. Die 89, die nach langen Monaten der schildert. Die Gräfin ist offenbar degoutée; das Berliner Haft freigelassen werden, kehren nun in ihre armseligen Hütten Hofleben, das an die Selbstverleugnung sehr hohe Anforderungen zurück, wo in der Abwesenheit des Ernährers der Gerichts- stellt, war ihr von Anfang an zuwider; sie mußte aber aus vollzieher den wenigen Hausrat geholt und der Tod feine Ernte gehalten hat. Nicht einer, der nicht durch die lange Haft an den Bettelstab gebracht und durch die Allgemein gesprochen enthält das Buch für Sozialdemokraten, Not seiner Lieben beraubt worden wäre. Und dieses furcht- bie psychologisch und erfahrungsgemäß den Einfluß der unbare Schicksal, das dies sizilianische Städtchen schwerer heimgesucht beschränkten Macht kennen, nichts besonderes. Ueber den Charakter hat als ein Erdbeben, glaubte man im Interesse des Regierungs- des Hofs ist seit dem Abgange Bismarcks so viel an die Deffentprestige herbeiführen zu müssen und bezeichnet die Art und Methode lichkeit gedrungen, daß man sich ungefähr ein Bild machen kann. dieser Verheerung als Rechtspflege! Die einzelnen und ausführlichen Angaben, die das Buch bringt, soweit es sich um politische Aeußerungen handelt machen es England. Traurige Nachrichten aus Irland verstärken den Eindruck der Traurige Nachrichten aus Irland verstärken den Eindruck der Mitteilungen über Arbeitslosigkeit und Hunger in England, die wir in den letzten Wochen zu hören bekamen. Infolge der übermäßigen Regenfälle des vergangenen Sommers ist die Kartoffelernte ganz West- Frlands gleich Null. Herrscht aus diesem Grunde in den betreffenden Teilen schon jetzt Hungersnot, so ist natürlich für den Ausgang des Winters- Februar- März noch viel entsetzlicheres Elend zu befürchten. finanziellen Gründen ihr Joch schleppen. besonders zur Pflicht, die verfassungsmäßigen Rechte der Nation indes dem deutschen Reichstage und der ernsten deutschen Presse energisch zu wahren und mit aller Kraft darauf zu dringen, daß der Majestätsbeleidigungs- Paragraph beseitigt wird. Die Verluste der Japaner bei der Einnahme des Forts Erlungschan Tokio, 29. Dezember.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) werden auf 1000 Mann geschätzt. Tokio, 29. Dezember. Das Hauptquartier der Armee in der russische schwere und Feldgeschüße die EisenbahnMandschurei meldet: Am Dienstag um 3 Uhr nachmittags beschossen brücke über den Schaho und die Umgebung der Station; die russischen Geschüße in Talientun beschossen Chihsiagtun und Schulingu. Russische Kavallerie griff Heilintun bei Sonnenuntergang desselben Tages an, wurde aber durch japanische Kavallerie zurüdgeworfen. Um 129 Uhr abends umzingelte russische Kavallerie japanische Vorposten, die aber, nachdem sie Verstärkungen erhalten hatten, die Russen vertrieben. Unser Verlust ist unbedeutend. Shanghai, 28. Dezember.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus".) Der hiesige Toatai hat dem Hafenmeister in Shanghai Kriegsschiffen vor Wusung den ge messenen Befehl erteilt, jeden Fluchtversuch der„ Askold" und" Grofovoi" zu verhindern; es sollen noch mehr chinesische Kreuzer hier eintreffen. Die zehn Jahre, die die Gräfin in engem Verkehr mit dem Kaiserpaar zubrachte, sahen vor allem die Entwickelung des starken monarchischen Bewußtseins beim Kaiser; dann die wachsende Unterwürfigkeit des Hof- Adels unter den kaiserlichen Willen; die immer Es wurden bereits mehrere Versammlungen abgehalten, in weiter werdende Kluft zwischen dem monarchischen Bewußtsein und denen besonders der Parlamentarier John Redmond sich über die dem Publikum; die Koze- Affäre, in der, wie die Gräfin verUrsachen der entsetzlichen Zustände äußerte: Seit 1845 tritt die Hungersnot in Irland periodisch auf. Die Schuld liegt daran, daß sichert, nicht Kotze, sondern eine dem Kaiserpaar sehr nahestehende und den ganze Teile West- Irlands, die sich trefflich kultivieren ließen, brach Persönlichkeit den anonymen und pornographischen Briefwechsel unter liegen bleiben. Redmond hat angesichts dieser Zustände einen den Hofleuten einleitete; ferner die Berliner Hungerrevolte; die genauen Plan der Mittel und Wege ausgearbeitet, die er für ge- Welfenfonds- und Invalidenfonds- Affäre; schließlich die zwei Kanzlereignet hält, diesen unwürdigen Zuständen ein Ende zu bereiten. wechsel. Rußland. Es ist selbstverständlich unmöglich, die internen Vorgänge, Geschichten und Anekdoten, über die die Gräfin, teils als angebliche Eine Betition des finnländischen Adelsstandes. In der Sitzung Augenzeugin und angebliche Zuhörerin, teils aus zuverlässigen der Ritterschaft und des Adels des finnischen Landtages am 23. De Quellen berichtet, auch nur schüchtern anzudeuten. Das Buch gibt zember wurde eine von zehn Mitgliedern unterzeichnete Petition über alle diese Dinge Namen, Ort und Datum an. Es ist eine an den Zaren eingebracht, durch die der Zar ersucht werden chronique scandaleuse, wie sie aus den Hofgeschichten des 17. und foll, das Prokuratoramt im finnländischen Senat wieder in der 18. Jahrhunderts bekannt ist. Das Buch hat höchstens vor jenen Form herzustellen, daß es dem ursprünglichen Zweck, der höchste Wächter des Gefeßes zu sein, entspricht, und daß der nur das voraus, daß es sich zuweilen auf die im 19. Jahrhundert Prokurator verpflichtet werde, dem Landtage Bericht gemachten Fortschritte der Wissenschaft bezieht und dadurch einen über die Rechtspflege und die Handhabung der etwas wissenschaftlichen und ernsteren Anstrich vortäuscht. Indessen Gesetze zu geben. diese Geschichten aus der Privatexistenz der Hofleute könnten, selbst wenn In einer längeren Rede, die oft von lebhaftem Beifall unter- fie wahr wären, nur das Interesse der Kreise des preußischen Polizeis brochen wurde, bemerkte Arne Kederholm unter anderm, daß er ministers erregen, der ja Bettanekdoten für besonders wert der öffentnicht ganz mit der Betition einverstanden sei; er habe gewünscht, lichen Erörterung hält. daß darin ausdrücklich erklärt werde, daß der jezige Inhaber Uns interessieren diese Dinge sehr wenig. Dort, wo die Tokio, 28. Dezember. Die Militärbehörde veröffentlichte heute abend eine weitere Verlust liste, nach welcher 18 Offiziere gefallen und 86 verwundet sind, vermutlich vor Port Arthur. Gewerkschaftliches. Im Ruhrrevier gärt cs! Die Verwaltung der Zeche Bruchstraße" hat den Anschlag betreffend Schichtverlängerung erneuert mit dem Bemerken, zu der„ Aenderung der Arbeitsordnung" könnten sich am 1. Februar 1905 in Kraft treten. die großjährigen Belegschaftsmitglieder äußern"; sie werde Wem die Verschlechterung der Arbeitsbedingungen nicht passe, könne das Arbeitsverhältnis fündigen! " Dieser folgenschwere Vorgang hat, wie wir der Dortdes Profuratoramtes nicht das Vertrauen des Volkes habe, und der Gräfin über politische Vorgänge berichtet, zeigt sie, daß sie munder Arbeiter- Zeitung" entnehmen, eine interessante VorKaiser ersucht werde, ihn durch einen anderen zu ersetzen. geschichte. Jm übrigen verurteilte der Redner in scharfen Worten von diesen Dingen nur oberflächliche Kenntnisse hat. Sie berührt Zeche Bruchstraße" gehört zu der Bergwerksgeselldie Taten des gegenwärtigen Profurators. So ist es", erklärte er, nur Symptome und Nebenerscheinungen, die nur für diejenigen, die schaft Louise Tiefbau", der außer der erstgenannten noch die dahin gekommen, daß der Mann, dessen hohe Pflicht es wäre, mehr die Politit ernst verfolgen, einen gewissen Wert haben. Bechen„ Wiendahlsbank" und" Louise Tiefbau" eignen. Be als alle anderen Gesetz und Recht zu schützen, ein Werkzeug So wurde, nach Ansicht der Gräfin, Caprivi aus rein privaten kanntlich soll Louise Tiefbau" sti IIgelegt werden, fie Motiven lucanisiert. Die 56 Hohenlohes, wie man sie im„ Almanach wäre schon außer Betrieb, wenn nicht die Oberbergbehörde sich de Gotha" aufgezählt findet, sollen, unterstützt von den 160 Groß- ins Mittel legte. Jedoch der maßgebende Besitzer der Zeche der Gewalt und willkür geworden ist, ebenso wie das Amt, das er bekleidet, ein Berrbild dessen was es sein sollte, geworden ist." müttern, Müttern, Tanten, Gattinnen und Töchtern, den Kaiser bestürmt haben, dem neuen Reichskanzler sein Gehalt auf die Höhe hat schon oftentativ erklärt, er lege Louise Tiefbau" do ch still. Maßgebender Besizer seit kaum Jahresfrist ist Herr des von ihm als Statthalter bezogenen heraufzusetzen. Stinnes, der viel Millionen reiche Werksunternehmer. SoWie die Studenten in Odessa ihre Bersammlungen abhalten. Da es den Studenten verboten worden ist, irgend, welche öffentliche Versammlung abzuhalten, kamen sie auf einen Einfall, der wohl schichte, daß der Mann ohne Ar und Halm von den Junkern gestürzt legungspläne ein! Derselbe Herr kaufte bekanntlich auch die So die Gräfin. Wir wissen aber aus der zeitgenössischen Ge- bald Herr Stinnes zur Herrschaft kam, setzten auch die StiffNachahmung erhalten wird. In der medizinischen Fakultät der Universität Odessa sollte eine worden ist. Doktordissertation stattfinden, zu der viele Studenten als Zuhörer Des Kaisers Vorliebe für den Sultan, schreibt die Gräfin auf Beche Marianne Steinbank". um sie überraschend schnell stil erschienen waren. Während der Rede des Differtanten erhob jich plötzlich Grund von wörtlich mitgeteilten Unterredungen zwischen den Mitgliedern zu legen. Auch die Zeche„ Haſewinkel" erwarb Herr Stinnes, ein Student bat den Redner und die anwesenden Professoren um des königlichen Hauses dem Umstande zu, daß der Kaiser das ab- um kurz darauf eine große Reduzierung der Belegschaft vorVerzeihung und erklärte folgendes: die Studenten Odessas hätten folute Königtum Abdul Hamids bewundere. Die Gräfin erzählt wurden. Diese unheilvolle Tätigkeit hat dem Herrn Stinnes zunehmen, wovon auffallend viele ältere Bergleute betroffen nirgends eine Gelegenheit ihre Versammlungen Was kann denn Ihr Bruder an dem Sultan beabzuhalten und so sähen sie sich genötigt, hier im Universitätsraum über den neuen Kurs und die jetzige Lage zu sprechen. wundern?" fragte Prinzessin Sophie ihre Schwester von Lippe bei im Ruhrgebiet den Namen„ Zechentöter" eingetragen. Wo er sich als hochgebildeter Mann nicht schämte, Polizei spielen Victoria stellte dieselbe Frage an ihren Mann Adolf, dem der Kaiser Freisen bekannt, daß vorzüglich die Herren Stinnes und Der Dekan der medizinischen Fakultät, Podwisody, der einer Familienzusammenkunft in Friedrichshof im Juni 1894. fich als Antäufer blicken läßt, da befürchten die Arbeiter für ihren Broterwerb das Schlimmste. Es ist auch in Regierungszu wollen, erstieg die Rednerbühne und verlangte im Namen der alles fage. Worauf Adolf antwortete: Wilhelm licht Wissenschaft Ruhe. Er wurde jedoch niedergezischt und verließ mit diesen Grandseigneur als die Verkörperung des Absolutismus". Thyssen die treibenden Kräfte der Fusionen“ und„ Verden übrigen Professoren den Saal. Ein Student hielt mun un- Im Sommer 1896 sandte der Kaiser eine Photographie seiner schmelzungen" im Ruhrkohlengebiet sind. gestört eine Rede über den neuen Kurs und die Einschränkung der Familie an den Sultan. Die Kaiserin hatte sich geweigert, ihr Bild Tiefbau" zustehende Syndikatsbeteiligungsziffer nur von Herr Stinnes beabsichtigt, die der Gesellschaft„ Louise Rechte der Studenten. Man verteilte Proklamationen und fang zum und das ihrer Kinder an Abdul Hamid, wegen der armenischen Bruchstraße" und von Zeche„ Wiendahlsbank" fördern zu Schluß die Barschawianka. Als die Polizei kam, war diese politische Metzeleien, zu schicken, worauf der Kaiser sagte:„ Diese Armenier lassen. Eine entsprechende Verlegung der Arbeiter und ein Versammlung in den geheiligten Hallen der Odessaer alma mater Metzeleien, zu schicken, worauf der Kaiser sagte:„ Diese Armenier" Bruchstraße" und von Zeche Wiendahlsbank" fördern zu bereits vorüber, so daß keine Verhaftungen vorgenommen werden waren Rebellen konnten. Auch hier berichtet die Gräfin nur über eine Nebenerscheinung. gegen früher sehr verstärkter intensiver Abbau soll auf„ BruchDer Hauptgrund der deutsch- türkischen Freundschaft ist die Bagdad- straße" und" Wiendahlsbank" vor sich gehen. Um das zu bewerkstelligen, foll eben die geplante VerPetersburg, 28. Dezember. In seiner heutigen Sigung beschloß bahn, oder allgemein gesprochen die deutsche Ausdehnung nach Kleinder Stadtrat mit Mehrheit, um Einberufung einer Versammlung von aften. längerung des unterirdischen Aufenthalts Vertretern der Stadträte ganz Rußlands vorstellig zu werden. Der Immerhin das Buch dürfte trop seiner Mängel- für die der Belegschaft nun erzwungen werden! Stadtrat nahm ferner einen Antrag der Stadträte Rechtsanwälte Schitnikom und Kebrine an, wonach es notwendig sei, dagegen Be- neudeutsche Hofgeschichte ebenso wichtig werden, wie die Memoiren stillgelegt, viele hunderte Bergleute verlieren ihren alten schwerde zu führen, daß die Polizei sich der Hausmeister( Dwornits) der Markgräfin von Bayreuth für die Geschichte des preußischen Arbeitsplat;„ zum Ausgleich" wird den Arbeitern von„ Bruchbedient, um gegen Personen, die an Straßenunruhen teilnahmen, Hofes im 18. Jahrhundert. straße" eine längere Arbeitszeit zugemutet! Einervorzugehen, da dies den Vorschriften betreffend die Hausmeister seits schwere Schädigungen der Gemeinden und Arbeiter durch widerspreche. Der Stadtrat beschloß sodann, über den Gegenstand der Beschwerde einen Bericht erstatten zu lassen. So weit unser Korrespondent. Inzwischen scheint sich diese Ver- die Stillegung, andererseits stärkere Ausbeutung der veröffentlichung, gegen die übrigens bei Cäsar Schmidt in Zürich eine bleibenden Arbeitskräfte! Petersburg, 28. Dezember. Die lebenslängliche den Hauptinhalt wiedergebende deutsche Gegenſchrift" erschienen ist, Schon am 1. Juni 1904 waren, wie der LandtagsKerterstrafe, die Sasanow, dem Mörder zu einem neuen Fall Kotze zu entwickeln. fommission in einer Denkschrift mitgeteilt ist, 3545 Arbeiter Plehwes, zuerkannt wurde, ist gemäß dem kaiserlichen Nach einem Artikel des„ Leipziger Tageblatt", dessen Infor- nebst Angehörigen aus den 19 hauptsächlich von den damals Erlaß vom 24. August dieses Jahres betreffend die von mationen der der Kaiserin nahestehende Reichsbote" wiedergibt, noch nicht ganz vollendeten Stillegungen( beziv. BelegschaftsSondergerichten gefällten Urteile auf 14 Jahre er wird hinter den" Papieren und Tagebüchern von Ursula, Gräfin reduzierungen) betroffenen Gemeinden verzogen. Erst nachmäßigt, die dem Mitangeklagten Sikorski zuerkannte von Eppinghoven, Hofdame Ihrer Majestät der Kaiserin und dem ist aber die eigentliche Krifis eingetreten. Inzwischen Strafe von 20 Jahren auf 10 Jahre Kerker er Königin" eine in Berliner Hoffreisen sehr wohl bekannte Dame find dazu ſtillgelegt oder stehen dicht vor der Stillegung mäßigt werden. gesucht. In dem erwähnten Artikel heißt es: 19 Zechen bezw. Schächte mit 6265 Arbeitern. Voraussichtlich % * " Die eine Zeche der Gesellschaft( Louise Tiefbau) wird rascher, wie die Oeffentlichkeit annimmt, kommen außerdem s. zum Stillstand die Zechen„Freiberg",„Altendorf" und' „Eiberg"(Hauptschacht. Schacht Hermann liegt schon still). Führt Herr Stinnes seinen Nermchtungsschlag gegen„Louise Tiefbau", dann fallen auch„Glückauf Tiefbau" und„Kaiser- Friedrich" mit zusammen 1876 Arbeitern.„Andere Gruben würden folgen", heißt es in dem Landtags-Kommissionsbericht. Bis jetzt beträgt die Gesamtbelegschaft(Stand 1903, fstr 1904 liegen noch keine Abschlußziffern vor), der schon stillgelegten, dicht vor der Stillegung stehenden oder durch sie direkt.be drohten Zechen schon 10 203 Arbeiter, die als Opfer eines rück sichtslosen Egoismus ihren alten Arbeitsplatz verloren oder verlieren werden. Da ohnehin Arbeiterüberfluß im Ruhr gebiet herrscht, kommen die Arbeitslosen nur unter, wenn sie schlechtere Arbeitsbedingungen akzeptieren, die Zahl der arbeitslosen Bergleute ist zurzeit schon ziemlich bedeutend! Von den bisher auf Zeche„Concordia" bei Oberhausen entlassenen oder gekündigten 600 Bergleuten haben viele noch keine Arbeit wieder gefunden. Tatsächlich stehen ganze Scharen von Arbeitern vor den Zechentoren und bitten um Anlegung. ll e b e r a l l werden sie nun abgewiesen. Deshalb fordern die Bergleute Schichtverkürzung und werden sich eine Schichtverlängerung e r st recht nicht gefallen lassen. In diese Spannung wirft nun„Bruchstraße" ihren Anschlag betr. Verlängerung der Schichtzeit, auch auf„Westende" spielt die Verwaltung mit dem Feuer. Es ist anscheinend noch nicht genug mit dem durch die Zechenlegerei dem Gemeinwohl zugefügten Schaden. Am Dienstag hielt die Belegschaft der Zeche„Bruchstraße" zwei Versammlungen ab, die sich nnt der Sachlage beschäftigten. Als Vertreter des Bergarbeiter-Verbandes sprach H u f e m a n n. Er teilte u. a. mit, daß die Belegschaft der Zeche„Bruchstraße" zu 90 Prozent organisiert sei. In der Diskussion erklärte ein Vorstands- Mitglied des polnischen Verbandes, die polnischen und deutschen Arbeiter hacken zusammen Kohlen, deswegen müßten auch beide Verbände zusammengehen I Beide Versammlungen nahmen folgende Resolution an: Die Belegschaftsversammlung der Zeche„Bruchstraße" nimmt Kenntnis von dem erneuten Anschlag betreffend die Verlängerung der Schichtzeit und erklärt unter keinen Nmstnndcn in eine Verlängerung der Schichtzeit einwilligen zu können. Die Versammlung beauftragt die Kommission bei Betriebsverwaltung bezw. der Direktion, und wenn hier Einigung erzielt wird, beim königlichen Ober-Bergamt der keine Ver- Handlungen zu führen, um auf friedliche Weise die geplante Ber- längerung der Schichtzeit zu verhindern. Zunächst ist die Kommission verpflichtet, die Protestlisten der Verwaltung am 28. d. Mts. zu überreichen und dieselbe zu er- suchen, bis zum 3. Januar 190b der Kommission eine Erklärung zukommen zil lassen. Die Versammlung erklärt aufs neue, daß sie der Kommission ihr volles Vertrauen schenkt und daß die Aeußerungen des Herrn Bergrat Remy nicht imstande sind, dasselbe zu erschüttern. Alle Arbeiter erklärten, lieber ohne Arbeit zu hungern als mit Arbeit.— Zu den nächsten Versammlungen sollen auch die Frauen mit hinzugezogen werden, damit sie über die Sachlage aufgeklärt werden und mcht, wie in früheren Fällen, den Männern ein Hemm- nis sind. Die Protestlisten trugen über 1000 Unterschriften bei etwa 1300 in Betracht kommende» Bergleuten! Dabei waren dir Minderjährigen von der Unterschrift ausgeschlossen worden! Man kann also sagen: Die ganze Belegschaft ist sich einig Achtung, Drechsler! In der Tischfabrik von Hermann Menzel tn Großröhrsdorf dauert der Streik der Holzarbeiter fort. Die Kollegen aller Orten werden besonders dringend ersucht, den Zuzug von Drechslern nach dem Streikort zu verhindern.— Arbeiter freundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Berlin uncl Ckmgegend. Den Uebertritt in den Holzarbriter-Bcrband beschloß der Verband der Möbelpolierer in einer Dele- giertenkonferenz, die am Mittwoch und Donnerstag im Berliner Gcwerkschaftshause stattfand. Es waren 46 Delegierte erschienen. Nachdem in ausgiebiger Debatte das Für und Wider des Ucbertritts erörtert war, gelangte der Antrag, in corxors zum Holzarbeiter- Verband überzutreten, mit 29 gegen 17 Stimmen zur Annahme. Die Minorität erklärte nach der Abstimnumg, ebenfalls im Sinne des Majoritätsbeschlusses handeln zu wollen. Es wurde sodann eine siebengliedrige Kommission gewählt, die wegen der Uebertritts- bedingungen nnt der Leitung des Holzarbeiter- Verbandes in Ver- Handlungen treten soll. Bis zum Abschluß derselben wurde die Führung der Organisationsgeschäfte dem neugewählten Vorstand übertragen, der aus folgenden Mitgliedern besteht: 1. Vorsitzender N i t s ch e, 2. Vorsitzender D u m k e, 1. Schriftführer Wolf, 2. Schriftführer A r n e m a n n, 1. Kassierer D ö r i ch t, 2. Kassierer Kuß, Revisoren Geppert, Nigbur und S i e b e r t. Die Einigungsverhandlungen der Tischler sind nunmehr soweit gediehen, daß der heut abend stattfindenden Vertrauensmänner-Versammlung des Holzarbeiter-Verbandes die in den Einigunassitzungen formulierten Vorschläge vorgelegt werden können. Gestern sollten zunächst in besonderen Kommissionen die Tarife der Bautischler und der Ladeneinrichtungsbranche festgelegt werden. Die betreffenden Kommissionen haben zedoch ihre Arbeiten noch nicht beendet. In der Einigungssitzuug selbst beschäftigte man sich mit der Beratung von allgemeinen grundlegenden Arbeits- bedingungen, wie Höhe de? sogenannten Kostgeldes sAbschlagzahlung auf Akkordpreise), Arbeitszeit und dergleichen. In den Debatten, die über diesen Punkt gepflogen wurden, zeigte sich jedoch, daß zwischen den beiderseitigen Vertretern keine Einigung zustande kommen konnte. Diese Angelegenheit blieb deshalb vorläufig noch unerledigt. Es lourde bestimmt, daß die Versamnilungen beider Parteien erst darüber befragt werden und daß die fo entstehenden Vorschläge dann deni Einigungsamt übermittelt werden. Die formulierten Vorschläge, iiber welche die heutige Versammlung zu befinden hat. betreffen die Forni der Lohnsicherrmg beziehungsweise Festsetzung von Akkordpreisen bei neuen Arbeiten, die Aufgaben der Schlichtungs- koinnnsfion, die Erledigung der Differenzen, welche vor Beginn der Aus- sperrung in verschiedenen Betrieben ausgebrochen find, die Dauer sowie die Kündigungsbedingungen des etwa zustande kommenden Tarifvertrages und die Regelung des Arbeitsnachweises, der in Zu- kunft ein paritätischer sein soll. Von der Entscheidung der Versammlungen der Parteien hängt es nun ab, ob auf Grund der Einigungsvorschläge ein Friedens- schluß herbeigeführt iverden wird. Eine neue und zwar öffentliche Sitzung des Einigungsamtes findet am Mittwoch, den 4. Januar, statt, um die Streitfrage in der einen oder der anderen Weise endgültig zu erledigen. Deutlcbes Reich. Die Schlächter in der Wnrstfabrik von Günther zu Reu- m ü u st e r in Holstein sind in einen Streik zur Verteidigung des Koalitionsrechtes getreten. Zwei verheirateten Gesellen, die in leitender Stellung im Verbände tätig waren, wurde die Zumutung gestellt, ihren Austritt zu erklären und über den erfolgten Austritt einen Nachweis zu erbringen. Als sie sich dessen weigerten, erfolgte gestern früh ihre Entlassung. Ihre Kollegen erklärten sich mit den Ge- maßregelten solidarisch und legten die Arbeit nieder.— Zuzug von von Schlächtern ist von Neumunster fernzuhalten. Der dritte ungarische Gewerkschaftskongreß wurde am ersten und zweiten WeihnachtStage in Budapest abgehalten. 104 Delegierte ver- traten 32 Organisationen mit mehr als 50 000 Organisierten. Angesichts der sich immer stärker und fester zusammenschweißenden kl n t e r n e h m e r- Kartelle beschloß der Kongreß, zur Erhöhung der Widerstandskraft der Gewerkschaften den Zusammenschluß von Arbeiterorganisationen verwandter Berufe zu größeren Ver bänden zu fördern. Man will Arbeitslosen- und Reise-Unterstützung allgemein einführen usw. In einer Resolution fordert der Kongreß Zuweisung der Arbeitsvermittelung an die Gewerkschaften. Im Anschluß an den Gewerkschaftskongreß hielten auch die Werkstättenarbeiter der ungarischen Eisen- bahnen eine Landeskonferenz in Budapest ab. 103 Dele- gierte waren erschienen fauS 24 Orten), einige durch Ein Ichüchterung seitens der Behörde an der Reise verhindert, die Delegierten von Szolnok sogar aus dem Dienste entlassen worden Es referierte Jzor Farkas, ein Parteigenosse, der vor einigen Wölben gemaßregelt worden ist, nachdem er 9 Jahre lang in der Budapester nördlichen Eiseubahnwerkstätte angestellt gewesen war. Die zur Konferenz geladenen Abgeordueteu entschuldigten ihr Fernbleiben, dagegen ließ sich die Direktion der Staatsbahnen durch zwei Beamte vertreten. Von den Forderungen, die gestellt wurden, sind hervor zuHeben: Abschaffung der Akkordarbeit, Lohntarif, Minimaltagelohn von 4 Kronen für gelernte Arbeiter, neunstündige Arbeitszeit, Sonntagsruhe, eventuell 5 Proz. Lohnzuschlag, Koalitionsrecht, Altersversorgung, Unfallversicherung, Krankenunterstützung. Ein Tclcphonarbeitcr- Streik in Antwerpen. Mitte dieses Monats legten ungefähr 100 Arbeiter und Arbeiterinnen der„Bell Telephon Companie" in Antwerpen die Arbeit nieder, weil die Fabriksleitung 11 von ihnen wegen Gründung eines Fachvereins entlassen hatte. Seitdem ist die Zahl der Streikenden auf 550 an- gewachsen. In Arbeit stehen vorläufig noch 350. Die Streikenden verlangen: Wiederemstellung der Gemaßregcltcn, Entlassung der Streikbrecher, Zuschlag für Ueberzeit- und Sonntagsarbeit von 50 Prozent und Aufhebung des Zwanges zur Sonntagsarbeit. Ter Streik der niederländische» Glasbläser. Am Tage vor Weihnachten sind die von den Herren Hovy, Treub und Schoelvinck eingeleiteten Verhandlungen zwischen den Fabrikanten und den Vertretern der Streikenden beendigt worden. Es ist ein Tarif- c n t w u r f zustande gekommen, der eine Milderung der Lohnherab- setzungen, die den Streik hervorgerufen haben, enthalt und gewisser- maßen eine Garantie dafür bietet, daß der Arbeitsverdienst auf vier- kantige Flaschen nicht um mehr als 5 Prozent und auf runde Flaschen nicht um mehr als 10 Prozent sinkt. Die Entscheidung über Annahme oder Ablehnung des Entwurfs ist den Streikenden vorbehalten. Die ortsüblichen Polizeiblamagen. Im Laufe der verflossenen Woche wurden vor dem Schöffen- gericht in Moabit folgende„Fälle" verhandelt: Der Metallschleifcr W. sollte groben Unfug verübt haben, weil er einen Arbeitswilligen fragte, ob er nicht wisse, daß „hier" gestreikt würde. Bei der Beweisaufnahme zeigte es sich recht drastisch, welchen geringen Wert die Angaben der Unternehmer mitunter haben, wenn sie die Streikposten irgend welcher vermeintlicher strafbarer Handlungen wegen bei den Schutzleuten denunzieren. Hier war der Angeklagte sistiert worden, weil der Firmenchef C. dem als Zeuge anwesenden Schutzmann bestimmt versichert hatte, der Angeklagte habe einen Arbeitswilligen belästigt. Der Arbeitswillige selbst be- kündete dagegen, er sei nur ganz anständig angesprochen, keineswegs abo rbelä st igt worden. Dem Gericht war es absolut nicht ersichtlich, inwiefern hier der Angeklagte groben Unfug begangen haben könne; es erkannte daher auf Freisprechung. Ebenfalls wegen groben Unfugs war der Gürtler R. angeklagt. Er hatte zu einem Arbeitswillige» gesagt:„Bruder Gürtler, hier wird gestreikt." Dieser„Bruder" ging aber zu einem Schutzmann und erzählte ihm das„Verbrechen" des Gürtlers. Als der Schutzmann den Gürtler darauf zur Rede stellte, sammelten sich um die beiden einige Neugierige an. Den so entstandenen„Auf- lauf" sollte nun der Angeklagte verursacht haben. Da die Beweis- aufnähme für ihn aber nichts Belastendes ergab, so wurde auch er freigesprochen. Der Arbeiter B. hatte nach erfolgter üblicher Sistierung ein polizeiliches Strafmandat erhalten, obwohl er der Aufforderung eines Schutzmannes, sich als Streikposten von der Straße zu ent- fernen. Folge geleistet hatte und in einen Torweg gegangen war. Von irgendwelchen Unruhen, die ein polizeiliches Einschreiten bei dem Streik notwendig gemacht hätten, wußte der Schutzmann nichts zu bekunden. Da der Streikposten, als er sich in den Torweg stellte, unmöglich mehr die S t r a h e n Verkehrsordnung verletzt haben konnte, so erfolgte seine Freisprechung. Mit einem ähnlichen Falle hatte sich die Strafkammer als Berufungsinstanz zu beschäftigen. ES handelte sich um den Gürtler F., der vom Schöffengericht seinerzeit zu 30 M. Geldstrafe verurteilt war, weil er von einem Schutzmann unter Hinweis auf die Straßen- Verkehrs- Ordnung aus einem Hauseingang fortgewiesen war. der Aufforderung jedoch nicht gutwillig Folge geleistet hatte. Die Straf- kammer hob das erste Urteil auf, weil sich die angezogene Verkehrs- ordnung eben nur auf Vorgänge in den Straßen, nicht aber auf solche in Hausfluren, Torwegen ze. anwenden lasse, und kam zur Freisprechung. Einen gewichtigen„Belastunaszeugen" hatte die Polizei in der Person eines Fabrikanten aufniarschieren lassen. Dieser sollte näm- lich vor Gericht bekunden, daß vor seiner Fabrik während des Streiks „Unruhen" ausgebrochen seien, weshalb die polizeiliche Fortweisung, Sistterung und Strafmandatsbeglückung des Metallschleifers K. als Streikposten im Interesse der öffentlichen Ordnung und Sicherheit eine Notwendigkeit gewesen wäre. Der Belastungszeuge wußte jedoch über wirkliche Unruhen nicht das mindeste auszusagen. Das Urteil lautete auf Freisprechung. Bei dem Streik am Südufer sollte sich der S ch l o s s e r S ch. geweigert haben, seinen Stand als Streikposten vor der Toreinfahrt der bestreikten Fabrik zu verlassen. So bekundete ei» Schutzmann als Zeuge. Die Aussage eines zweiten Schutzmanns stimmte hiermit jedoch nicht überein. Ein dritter vollends sagte, der Angeklagte habe der Aufforderung des Schutzmanns, fortzugehen, sehr wohl Folge geleistet, doch habe der Schutzmann dem Fortgeiviesenen sogar eine bestimmte Richtung vorschreiben wollen, in der dieser gehen sollte: dagegen habe Sch. sich aufgelehnt, worauf seine Sistierung erfolgt sei. Bei der Vcrschiedenartigkeit dieser Aussagen sah sich das Gericht außerstande, einen Schuldspruch zu fällen und kam zur Freisprechung. Die Arbeiterin H. war beschuldigt, in einer Schraubenfabrik em»n Arbeitswilligen mit Gips beworfen zu haben. Das Gericht konnte sich von ihrer Schuld jedoch nicht überzeugen, sondern er- kannte aus Freisprechung. Eine neue Instruktion leuchtete augenscheinlich aus der Aussage eines Schutzmanns gegen den Glasarbeiter P. hervor. Der Arbeiter war auch als Streikposten sistiert worden und hatte sein Strafmandat erhalten, wogegen er gerichtlichen Einspruch erhob. In der Verhandlung bekundete nun der als Belastungszeuge auf- tretende Schutzmann allen Ernstes: Er habe den Angeklagten nicht fortgewiesen und sistiert, weil derselbe Streikposten gestanden, sondern weil er den Ver- kehr behindert habe. Erwürbe auch gegen jeden anderen Passanten in gl e ich e r W ei s e eingeschritten sein, lvenn ein solcher ähnlich wie der Angeklagte d e n V e r k e H r gehe m ni t hätte. Auf Grund der Beweisaufnahme kam das Gericht aber zu der Ueberzeugung, daß die Bekundung des Schutzmanns nicht recht glaubhaft sei. ES sei deswegen auch an- genommen worden, daß die Fortweisung nicht im Verkehrs- polizeilichen Interesse erfolgt ist. Das Urteil lautete daher auch hier dem Antrage des Verteidigers Dr. H e i n e m a n n gemäß auf Freisprechung. Die Angeklagten sind trotz der Freisprechungen zu bedauern, eben weil sie in dem erbitternden Gefühl, daß sie selbst nach bürger- lichen Begriffen völlig schuldlos find, sich den Scherereien, die ein Strafprozeß mit sich bringt, ausgesetzt sahen. Will man das Gefühl an Stelle des Verstandes sprechen lassen, so kann es einem ja auch um die Polizei leid tun. Aber da es unser Beruf nicht ist, die Polizei vor Blamagen zu schützen, so stehen wir der Minderung ihres Ansehens, die in den Freisprechungen ausgedrückt ist, mit dem Gefühl vollendeter Wurschtigkeit gegenüber. Schlimm ist es allerdings. daß nicht die Beamten, die die ungesetzlichen Sistierungen veranlaßt haben, sondern die Steuerzahler die Kosten der vielen halt- losen Streikprozesse tragen müssen. Soziales. Eine merkwürdige Rechtsauffassung macht in Halle von sich reden. Wie wir seinerzeit berichteten, wurden bei der Halleschcn Genossenschafts-Druckcrei(der Druckerei unseres Parteiblattes) Stimmzettel für eine Versammlung von Mitgliedern des Konsum- Vereins Nietleben bestellt. In dem Verein herrschten Differenzen. Drei Mitglieder des Vereins waren vom Amtsgericht ermächtigt, eine besondere Versamlung auf Kosten des Vereins zur Erledigung dieser Differenzen, einzuberufen und die so amtlich Beauftragten bestellten die Stimmzettel zur Vornahme von Abstimmungen in der Versammlung. Die Druckerei führte den Auftrag ordnungsmäßig aus. Die Verwaltung des Konsumvereins lehnte jedoch die Zahlung des Preises in Höhe von 8,50 Mark ab mit der Begründung, die Stimmzettel wären nicht notwendig gewesen. Auf die Klage der Druckerei entschied das Amtsgericht in Halle im Sinne des Konsum- Vereins. Das nunmehr angerufene Landgericht entschied in dem- selben Sinne. Die Stimmzetel seien nicht notwendig gewesen, folglich habe der Konsumverein keine Zahlung zu leisten. Wenn diese Auffassung rechtsgültig würde, dann müßte sich ein Geschäfts- niann in solchem Falle vor Annahme eines Auftrages erst über- zeugen, ob der Auftrag des berechtigten Vertreters einer Genossen- schaft auch den Zwecken der Genossenschaft dienlich ist. Für einen Geschäftsmann eine angenehme Lage. Schriftlicher Lehrvertrag und Lehrverhältnis. Das Ortsstatut über den Fortbildungsunterricht in einer West- fälischen Pflicht-Fortbildungsschule in Verbindung mit den beziig- lichen Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung sollte der Bäckermeister Kleinhuben dadurch übertreten haben, daß er den Lehrling W. nicht zum Besuch der Fortbildungsschule angehalten habe. Der Angeklagte behauptete, er sei gar nicht verpflichtet gewesen, den jungen Mann in die Fortbildungsschule zu schicken und ihn' zum Besuch derselben anzuhalten, denn es sei gar nicht sein Lehrling gewesen. Vielmehr sei W.(sein Enkel) hauptsächlich mit Haus- und Gartenarbeiten beschäftigt worden. Er habe ihn nur gelegentlich zu Arbeiten in seiner Bäckerei heran- gezogen. Nach einer Beweiserhebung wurde Kleinhubcrt in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt. Die Beweiserhebung habe ergeben, daß der jugendliche W. dieselben Arbeiten wie ein anderer Bäckerlehrling in der Bäckerei habe machen müssen, daß er darin unterwiesen worden sei, und zwar nicht bloß vorübergehend, sondern dauernd. Somit sei anzunehmen, daß tatsächlich ein Lehr- Verhältnis vorliege, wenn auch ein schriftlicher Lehrvertrag nicht abgeschlossen sei. Die über den Fortbildungsunterricht der Lehrlinge crlasfenen Vorschriften hätte Angeklagter deshalb auch mit Bezug auf W. beachten müssen. Das Kammergericht verwarf die hiergegen eingelegte Revision des Angeklagten. Begründend wurde ausgeführt: Es sei kein Rechtsirrtum, wenn das Landgericht trotz FehlenS eines schriftlichen Lehrvertrages das Vorliegen eines t a tf ä ch- lichen Lehrverhältnisses annehme. Die Zuläsfigkeit einer solchen Eeststellung ergebe sich aus den Bestimmungen der Gewerbe- rdnung, wonach der schriftliche Lehrvertrag binnen vier Wochen abgeschlossen werden solle. Es müsse danach einen Zeitpuntt geben, wo ein Lehrverhältnis schon bestehe, ohne daß ein schrift- licher Lehrvertrag bereits abgeschlossen sei. Es wäre ja auch sonst den Lehrherren möglich, sämtliche Bestimmungen über die Lehrlinge zu umgehen. Sie brauchten ja nur sich tatsächlich einen Lehrling nehmen und absichtlich unterlassen, einen schrift- lichen Lehrverttag abzuschließen. Ein Lehrverhältnis bleibe immer ein Lehrverhältnis. Da hier vom Landgericht festgestellt sei, daß Äleinhubert den W. wie einen Lehrling beschäftigt habe, indem er ihn dauernd Bäckerci-Arbeiten lernte, so hätte er die Bestimmungen über den Fortbildungsunterricht der Lehrlinge im hier gegebenen Falle beachten müssen. Entscheidend sei, daß tatsächlich ein Lehrverhältnis vorliege. Mit Recht sei Angeklagter verurteilt worden, weil er einen Lehr- ling nicht zum Besuch der Fortbildungsschule angehalten habe. Das Fehlen eines schriftlichen Lehrvertrages ändere daran nichts.— Die hohe Bedeutung des s ch r i f t l i ch e n Lehrvertrages für zivilrechtliche Ansprüche aus dem Lehrverhäitnw wird durch diese Entscheidung nicht berührt. Letzte]Macbrlchten und Depefcbcn. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatze. Schanghai, 29. Dezember.(Meldung des„Reuterfchen Bureaus".) Privatnieldungeii aus Sascha zufolge wurden unter den an Bord des von den Japanern aufgebrachten Dampfers„Stigretea" befindlichen Personen der Kapitän und ein Leuwant des Torpedobootzerstörers Rastoropny" identifiziert. Tokio, 29. Dezember.(W. T. B.) Heute wurde wiederum eine Verlustliste veröffentlicht, nach der 49 Offiziere vom Oberst abwärts gefallen und 58 ebensolche Offiziere verwundet worden sind. Tschifu, 29. Dezember.(Meldung des„Reuterstben Bureaus".) Das Ergebnis des allgemeinen Angriffs auf Port Arthur, der am 25. Dezember begonnen hat, ist, daß die Japaner ihre Linien be- deutend näher an Liautischan heranziehen. Chinesen, die gestern von Port Arthur abgefahren sind, berichten, daß eine an Zahl dem Feind bedeutend unterlegene russische Abteilung die Gräben drei Tage lang bis aufs äußerste verteidigte, und sich erst zurückzog, als es der japanischen Artillerie gelang, ihre Stellung zu bestreichen; die Russen hätten sich dann nach Tschingkakoa zurückgezogen. Aus Dalny hier eingetroffene Japaner berichten, die Belagerer hätten nach einer Reihe von Nachtangriffen cmen Hügel namens �jangthubmi ge- nommcn, dessen Besitz sie in den Stand setze, die Landverbindungen zwifchen Miaottschan im Süden und Jtzeschan sowie Antschan im Norden zu stören. Während eines der nächtlichen Angriffe sei bei den Japanern Verwirrung eingetreten, so daß sie aufeinander feuerten; sie hätten sich schließlich zurückgezogen, und als der Mond aufging. den Irrtum erkannt. In letzter Zeit machte» wieder zwei Dampfer den Verfuch, die Blockade zu brechen, der eine mit Erfolg, der midece aber wurde gleich vor der Hafenausfahrt weggenommen. Verantw. Redukt.iPaul Büttner, BerIW. Inserate verantw.(mit Ausnahme der„NeueWeltt-Beilage):TH. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Verlagsanst.Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen n.Nnterhaltuugsbl. um ai«» 1. ßtildjt Joniitts" SrtliMt WlksdlM» j, 80. Dezember 1904. Preußischer Parteitag. Berlin, 29. Dezember 190�. Zweiter Verhandlungstag. Vormittags-Sitzung. Bevor in die Tagesordnung eingetreten wird, erstattet Gewehr- Elberfeld den Bericht der Mandatspriifungs-Kommission. Anwesend sind 143 Delegierte, die 14S Wahlkreise vertreten. 12 Genossen sind ohne Mandate anwesend, und zwar Mitglieder des Parleivorstandes, die vier Referenten, die Reichstags-Abgeordneten Robert Schmidt und Thiele-Halle, Redakteur Eisner und Frl. Baader, die BertrauenSPerson der Genossinnen Deutschlands. Sämtliche Mandate werden für gültig erklärt und auf weiteren Antrag der Kommission den 12 Genossen die Rechte der Delegierten eingeräumt. Es wird in die Tagesordnung eingetreten und die Debatte über die Volksschule fortgesetzt. Erdmaim- Köln: Die Bildungsfeindlichkeit des Zentrums zu schildern, ist überflüssig, denn diese Partei läßt über ihre reaktionären Schulpläne niemanden im unklaren. Die schwersten Angriffe sind gegen den Liberalismus zu richten; zwischen den Liberalen und den Konservativen ist heute in der Schulfrage kaum noch ein Unterschied, der Liberalismus hat heute keinen Anlaß mehr, die Volksschule weiter zu entwickeln, denn das, was er von ihr verlangt, der Industrie geeignete Arbeiter zu liefern, leistet sie. Die Haltung der Nationalliberalen in der Schulfrage ist im Lande auf Widerspruch gestoßen, aber die Opposition flaute bald ab, und auch die Jungliberalcn leisten keinen Widerstand mehr, sie sind die würdigen Söhne ihrer Väter. Die Jungen brauchen revolutionäre Phrasen und die Alten vollführen reaktionäre Taten.(Sehr wahr! So ist die nationalliberale Partei das, was sie immer war, die Partei des Umfalls, die Partei der Charakterlosigkeit. sSehr wahr!) Einige Worte zu den gestrigen Ausführungen von Heine. Ich bin der Meinung, daß der Religionsunterricht aus der Schule entfernt werden muß. Heine hat ein Thema angeschnitten, das entweder gründlich oder gar nicht behandelt werden muß, nämlich die Frage der Gestaltung des Lehrplanes in der Zukunftsschule.(Sehr richtig I) Religionsgeschichte gehört in den allgemeinen Geschichtsunterricht. Oder Ivill Heine etwa die Religion als spezielles Fach in den Lehrplan einfügen? Ebenso wie mit der Religionsgeschichte steht es mit der Kunst- pflege. Genosse Heine will die Kunstpflege, will die Moral als Ersatz für dre Religion haben. Was ist denn eigentlich Moral? Definiert er etwa Moral als Sittenlehre? Die Klerikalen bezeichnen ihre Lehren auch als Morallehren. Der Begriff Moral bedeutet für mich gar nichts(Sehr richtig!), das ist ein schwankender Begriff. Heine weist auf den poetischen Stoff in der biblischen Geschichte hin. Ich bin der Meinung, daß die biblische Geschichte auch sehr viel Sinnwidriges und moralisch Abstoßendes enthält.(Sehr richtig!) Wir bringen den Kindern die griechische Mythologie und die der Edda bei, weil die Kinder ein Recht darauf haben, zu erfahren, was in der Geschichte vorgekommen ist. So kann es auch mit der christlichen Religion geschehen. Ich meine, wir lassen es bei der Fassung der Resolution. Ich würde am liebsten sagen: Heraus mit ieder Religion aus der Schule. Die Fassung der Resolution ist aber sehr gut. Wenn Heine meint, er könne mit seinen Vorschlägen den Gegner» ein gewisses Entgegen- kommen zeigen, so ist er damit auf dem Holzwege.(Sehr richtig I) Auf unsere Gegner werden wir mit unserer Stellung zur Religion nicht versöhnend einwirken. Die Klerisei hat mit dem Teufel das gemein, daß sie, weml man ihr den Finger reicht, die ganze Hand nimmt. Ich bitte, den Antrag Heine abzulehnen.(Beifäll.) Döring-Berlin IV: Arons erwähnte die Halbtags- und Hüte- schule. Ich bin auch in ein solches Hüteseminar gegangen. Um Vjb wird das Kind aus dem Bett gerissen; von 6 bis 8 ist Schule, dann geht es an die Arbeit bis in die späte Nacht. Von Schul- arbeiten machen ist keine Rede. Was da gelernt wird, können Sic sich denken. Schreibbücher sollen möglichst wenig verwandt werden, weil sie den Eltern Geld kosten. Nachbleiben darf daS Kind nicht, denn dann gerät der Lehrer in Konflikt mit dem Arbeit- geber. So ist der Stock das eigentlichste Lehrmittel: er soll alles gut machen. Durch die Volksschule geht wie ein roter Faden der Grundsatz: Dem Volke mutz die Religion erhalten werden. Schließ lich sind wir es aber selbst, die der Reaktion den Steigbügel halten. Wie viele Genoffen unterlassen aus reinem Schlendrian denAustritt aus der Kirche. Auf dem Lande bringt ja unsere Stellung zur Kirche gewisse Schwierige leiten mit sich. Aber in den großen Jndustrieorten ist eS doch anders, wo die Behörden Angst vor der Oeffentlichkeit haben. Und doch wie toenig Dissidentenkinder trifft man in den Berliner Volksschulen! Leider fehlt es an einer Statistik. Die meisten Genossen schieben allerhand Rücksichten vor, die sie am Austritt aus der Kirche hindern. Da hat der eine einen Jungen, der am Ende einmal Unteroffizier werden kann, der andre eine Tochter, der er nicht in Zukunft eine Partie verderben möchte, der dritte hat eine Mutter oder Schwiegermutter. (Heiterkeit.) Wenn wir fordern, daß die Religion aus der Schule verschwindet, kann uns der Minister antworten: die Stattstik beweist, daß kein Bedürfnis vorhanden ist. Darum müssen alle, deren Ueber- zeugung es ist, die Konsequenzen ziehen und mit der Kirche auch endlich brechen.(Bravo!) Gewehr-Elberfeld: Ich habe mich gefreut über die Krittk, die der Referent gestern an der Haltung der Liberalen geübt hat. Der freisinnige R e k t o r K o p s ch hat stch auf dem Lehrertag sogar für die Konfessionalität der Volksschulen ausgesprochen. Die An- schauungen von Heine dürften kaum Zustimmung auf dem Parteitag finden. Am wichttgsten ist die Frage, wie wir die Agitation be- treiben sollen, um die Forderungen der Resolution zu verwirklichen. Wir müßten einige bestimmte Punkte herausgreifen, z. B. dre Un- cntgeltlichkeit der Lernmittel und Lieferung freien Frühstücks, und entsprechende Anträge an alle Gemeindeverlvaltungen stellen, auch da, wo wir noch keine Vertreter in der Gemeinde haben. Wir in Elberfeld haben solchen Antrag gestellt, es wurde uns geantwortet, das lväre der erste Schritt in den ZukunftSstaat. (Heiterkeit.) Entschieden möchte ich mich für den Antrag der Genossin Zepler erklären. Thiele-Halle: Arons hat gestern den Philosophen Fichte zitiert. Aber mit demselben Recht können wir uns auf e i n e ganze Reihe von Philosophen und Pädagogen berufen, darunter auch solche, die kirchlichpofitiv gebildet sind, ich erinnere nur an Pestalozzi, Schleiermacher usw. Wenn man be- denkt, was sie von der Schule gefordert haben, und sieht, was d-r Staat ans der Schule gemacht hat, so möchte man die Fäuste ballen und fragen: Was hast du Staat aus der Schule gemacht? Und die Lehrer, die sich willenlos fügen, möchte man fragen: Was macht Ihr aus unseren Kindern? Wenn man bedenkt, wie herzlich und innig das Verhältnis zwischen Lehrern und Kindern sein könnte und wie es in den meisten Schulen ist, dann packt einen der ganze Groll gegen den Klassenstaat. Aber so kraß, so roh und gewalttätig, wie in Preußen und in Deutschland. wird in keinem Lande die Volksschule zum Instrument des Klaffen- staates gemacht, wenn auch in manchen Ländern Europas die Volksschule noch nicht auf der Höhe der Entwicklung unserer Volksschule steht. Wenn aber auch die Schuten in anderen Ländern und Staaten Mängel haben, so sieht man dort den guten Willen, die Schule vor- wärts zu bringen. Bei uns aber Iv erden alle Keime in dieserRichtung erstickt und die Schule tvird zur Dressuran st alt. Gestern wurde von der Verkrüppelung von Liedern gesprochen. Es giebt viel Schlimmeres für den entartenden Einfluß der Schule auf die Charakterbildung der Kinder, die die Haupt-. fache sein soll. Ich erinnere an die zunehmende Brutalisierung. Das Unglück fängt aber nicht in der Volksschule, sondern bei der Lehrerausbildung auf den Seminaren an, an deren Spitze weise Theologen stehen. Was soll aus der im pkäffischen Geist erfolgenden Ausbildung der Lehrer in der Abgeschlossenheit des Internats entstehen? Die überfüllten Klassen führen zur Züchtigung, dazu kommt die unsichere Rechtslage der Lehrer. Ich bedauere, daß in der Resolution nicht auf die Lehrerausbildung Bezug genommen ist. Noch unsicherer stehen die Lehrerinnen da. Wie viele frisch auf- blühende Menschenblüten werden erdrückt durch das erzwungene Zölibat und sonstige auf die Lehrerinnen einwirkende Mißhellig- leiten. Es ist auf die vielen Mängel und Lücken im Volksschulplan hingewiesen worden, aber es ist doch wenigstens in bezug auf die Methode ein klein wenig vorwärts gegangen, während es mit der Charakterbildung schnell rückwärts geht, damit die Schule im höchsten Matze Instrument des Klassesstaates werde. Es gibt ja auch tüchttge Männer unter den Lehrern, aber es kommen auch viele F l a ch s in ä n n e r vor. Dr. Liebknecht-Berlin: Bedauerlicherweise hat Arons, da er zu viel Material zu bewältigen hatte, nicht auf die Zustände der Schulgebäude eingehen können. Ich möchte aus eigener Er- fahrung einen Fall erzählen: In Schöneiche, unmittelbar vor den Toren Berlins, existiert ein Schulgebäude, das aus einem Raum mit einem Fenster besteht, 2 Meter hoch, 4 Meter lang ist und die eine Hälfte des allgemeinen Schnitterhauses bildet. Es ist feucht, der O s e n qualmt, es ist kein Licht darin, und nach ä r z t- l i ch e m Gutachten ist der Aufenthalt in diesem Raum für die menschliche Gesundheit auf die Dauer gefährlich. Einige Personen, die ihre Kinder aus der Schule zurückhielten und vom Staate verlangten, daß er ein ordentliches Gebäude hergibt, wurden mit Strafe belegt, sie erhoben Widerspruch und die Gerichte, sowohl das Landgericht als das Kammergericht in Berlin ent- schieden, daß eine Verpflichtung zum Besuch der Schule nicht besteht, wenn damit eine Gefährdung der Gesundheit verbunden ist. Ich füge hinzu, daß in diesem Falle allerdings die Klage von einem Angehörigen der besitzenden Klassen ausgegangen ist. Ich möchte bezweifeln, ob das gleiche Experiment gelingen würde, wenn es sich um An- gehörigen der ärmeren Klaffen handelte, wenn zuni Beispiel in T r a k e h n e n die Kinder der Hofgänger nicht in die Schule geschickt würden, so würde wahrscheinlich gesagt werden: für euch ist der Schweinestall immer noch gut genug. Erwähnenswert ist noch eine Folge des kaiserlichen Erlaffes von 1884, den Arons erwähnt hat. Auf Grund dieses Erlaffes mußte z. B. im Jahre 1399 auf dem Friedrich Werderschen Gymnasium in Berlin die Lektüre des bollmn civile, jenes berühmten historischen Dokuments von Julius Cäsar über den römischen Bürgerkrieg plötzlich abgebrochen werden.(Heiterkeit.) Den Kindern wurde eine weniger gefährliche Lektüre gegeben.— Nicht deutlich genug hat Arons hervorgehoben, daß der sogenannte Falksche Liberalismus im Grunde genommen nichts weiter ist, als ein organischer Teil der deutschen Kulturkanipf-Gesetzgebung, gerichtet gegen den Ultramontanismus. Wenn heute der Schulkompromiß zu stände gekommen ist, so liegt das daran, daß jetzt das Zentrum in Deutschland Trumpf ist. Es hat in gelvissem Sinne eine Aus söhmmg stattgefunden, die früheren Gegensätze sind verschwunden hinter den allgemeinen Gegensatz der Geschorenen und Gescheitelten gegenüber dem Proletariat, sie halten die Zeit für erreicht, um die Beute unter sich zu teilen, sie wollen das alte Wort von dem Zähmen der Bestie wahr machen.und die Volksschule noch mehr als bisher zu einem Verdummungs-Jnstitut machen.(Sehr richtig!) Gegen die Resolution habe ich einige geringfügige Einwendungen. Im Ab) atz 4 ist die Rede von hülfsbedürftigen Schülern. Sollte es sich nicht ermöglichen lassen, den Makel der Hülfsbedürfttgkeit zu beseitigen? Ich will keinen positiven Vorschlag machen, vielleicht ändert Arons das selbst. Weiter könnte wohl unter Ziffer 3 die Forderung der Schaffung von Schulärzten aufgenommen werden. Für den Antrag Zepler werden wir selbstverständlich wohl alle stimmen, die gemeinsame Erziehung der Geschlechter entspricht ja unserem allgemeinen sittlichen und kulturelle» Standpuntt. Gegen die Ausführungen von Heine muß auch ich mich wenden, obwohl ich glaube, daß Erdmann ihm Unrecht tut. Heine hat kein End gegenkommen zeigen wollen, er sagt, wir wollen unsere Kinder nicht demKlerikalismus„ausantworten"..Aber ich glaube, Heine geht absolut fehl, wenn er meint, daß man diese Ausantwortung dadurch ver- meiden könne, daß man in der Schule Moralunterricht, Kunst- Unterricht und dergl. erteilt. Wir sehen hier auf das beut- lichste, wie sich das Schulproblem berührt mit dem allgemeinen B i l d u n g s p r o b l e m. Es ist ganz unmöglich, nnt der Volks- schule das zu erreichen, was wir erreichen»vollen, den Unterricht so zu gestaEen, wie eS notwendig ist, für eine fortgeschrittene Gesell- schaft, wenn nicht das allgemeine Kultur Niveau gehoben ivird, wenn nicht die Kinder im Hause auch eine freie Gesinnung finden. Hier vermischt sich das Problem der Volksschule mit dem Problem der allgemeinen geistigen Bestciung des Menschengeschlechtes. DaS von Heine vorgeschlagene Gegengift gegen den Klerikalismus ist durchaus nicht wirksani. Heine sagt: das religiöse Bedürfnis sei ttef begründet in der Kinderseele. In gewissem Sinne ist das richttg. Mir ist der Ausdruck religiöses Bedürfnis un- sympathisch, verschwommen. Religiöse Aequivalente find freilich unentbehrlich. Die Kunst und in noch viel höherem Maße die Natur können sehr wohl ein Aequivalent für die Religion bieten.(Sehr richtig!) Es kann nichts Glücklicheres geben, als wenn man dem natur wissenschaftlichen Unterricht den größten Raum in dem Lehrplan einräumt.(Sehr richtig!) Unmöglich erscheint es mir, hier einige Gegenstände herauszu- greisen, die ein Gegengewicht gegen die Religion bilden sollen, die Gesamtheit des Unterrichts muß das Gegen- gewicht bilden. Was die Forderung der Einführung des Moralunterrichts betrifft, so wollen wir doch unsere Volks schule, die gegenwärtig ein Instrument ist zur Schaffung der den herrschenden Klassen angenehmen Moral, gerade aus dieser MorolisierungStendenz herausholen. So lange nicht der Begriff der Rkoral in unserem sozialistischen Sinne festgelegt ist, können mir unter keinen Umständen einen Moralunterricht gebrauchen. Ganz unerträglich an dem Anttag Heine ist die Wendung, daß er einen Ersatz schaffen will für den„religiösen" Unterricht. WaS Heine uns bieten will, soll ja auch nach seiner Ansicht kein Ersatz, sondern ein G e g e n s a tz zur Religion sein, es soll zur Bekämpfung der Religion dienen und deshalb ist seine ormulieruna eine Verschleierung. Wir müssen mit scharfen Sorten die Trennung der Schule von der Kirche fordern, wie es in der Resolution geschieht.(Lebhafter Beifall.) Schikorr-Danzig: Der Religionsunterricht muß aus der Schule unbedingt verschwinden. Ich kann nicht be- greifen, wie einzelne Genossen behaupten können, der Religions- Unterricht sei nicht so gefährlich, wie der Mordspattiottsmns. ES ist nicht richtig, daß die Kinder die religiösen Erzählungen als Mythen betrachten. Wer zehn Jahre lang eine erfundene Geschichte erzählt, weiß schließlich selber nicht mehr, ob es Wahrheit oder Lüge ist.» Das Gedächtnis vergißt nicht, was ihm von früher Jugend an beigebracht worden ist. Daher rührt dann der Fanatismus. Auf Rechnen und Schreiben wird in der Schule lange nicht soviel Wert gelegt, wie auf das Auswendiglernen von Bibelsprüchen. Die Religion verhetzt nicht nur. sie führt noch mehr als der Mordspatriotismus zu Roheitsattentaten. In katholischen Gegenden wissen wir ein Lied davon zu fingen. Borchardt-Königsberg: Ich möchte doch warnen, die patriotische Verhetzung, die in den Schulen getrieben wird, zu»i n t e r s ch ä tz e n.(Sehr richtig I) Wir werden unter- schreiben müssen, was Genossin Braun gestern darüber gesagt hat. Aber ihr Antrag ist nicht richtig formuliert. Front muß gegen den schon bestehenden Zustand pattiotischer Verhetzung gemacht werden. Ich schlage ihnen deshalb folgende Fassung des Antrages vor:„Be- seitigung des Mißbranchs, den die herrschenden Klassen mit der Schule treiben, indem sie die Schule als Werkzeug politischer Ver- hetzungen benutzt." Heines Ausführungen mußten den Eindruck erwecken, als empfände er eine Lücke, wenn der Religionsunterricht aus der Schule verschwände. Ich empfinde diese Lücke nicht, im Gegenteil, dann hat die Schule er st Zeit zäun« geheuer vielem, was sie jetzt nicht tut. Was er als Ersatz vorschlug, nimmt dem eigentlichen GeschichtS Unterricht ja fast den ganzen Stoff weg. Der Lehrplan der Zukunft wird sicherlich nicht die jetzige pedanttsche Scheidung der einzelnen Lehrstoffe haben. Moralunterricht wird in allen Fächern erteilt. Liebe zur Kunst, Verständnis für die Geschichte wird überall den Kindern vermittelt werden. Von Grund aus müßte erörtert werden, wie im Rahmen der sozialistischen Gesamtauffassung der künftige Unterricht einzurichten ist, dann müßte man auch von der Methode des Unterrichts sprechen, aber all das ist n i ch t Gegen- stand der heutigen Erörterung. Auch der Zusatzantrag Hänisch erscheint mir verfehlt. Wir sollen uns auf„Ersatz" überhaupt nicht einlassen. Wer soll denn diesen Ersatzunterricht geben? Doch die Lehrer, die wir heute haben, und die stecken in dem einen oder anderen religiösen Vorurteil. Auch der Ersatzunterricht würde immer konfessionellen Charakter haben und dafür bedanken wir uns. Hänisch-Dortniund: Borchardt hat den Zweck meines Antrages durchaus mißverstanden. Ich bin prinzipiell für Ab- lehnung des Antrages Heine. Sein Satz, daß der Unterricht nach den Grundsätzen moderner Pädagogik gestaltet werden soll, ist überflüssig. Der Teil seines Antrages aber, der vom Ersatz des Religionsunterrichts handelt, ist geradezu schädlich. Sollte der Parteitag es aber für wünschenswert erachten, das Selbst- verständliche zu fordern, so Ivollte ich doch dem Antrage Heines den eigentlichen Gistzahn. die schlimmste Spitze ausbrechen, und deshalb habe ich meinen Abänderungsantrag gestellt, das Wort Religionsgeschichte zu streichen. Ich will sie durchaus nicht den Kindern vorenthalten, aber die Religionsgeschichte ist ein Teil der allgemeinen Kulturgeschichte und kann nur im Zusammenhang mit ihr verstanden und behandelt werden. Die Verquickung der ReligionS- geschichte mit Moral und Kunstpflege ist aber durchaus zu veriverfen. Es ist überaus charakteristisch, daß sich gegen Heine gerade Gegner aus dem Rheinland gewandt haben, wo wir mit einem scharfen Klerikalismus zu kämpfen haben. Wer mit klerikalen Arbeitermassen zu tun hat, die in die'Kirche und zur Beichte gehen, weiß. daß es sich nicht bloß um einen Kampf gegen die äußeren kirchlichen Formen der Kirche als Herrschaftsorganisation handelt, sondern daß auch bekämpft werden muß, was Heine das ethische Moment im Christentum nennt. Auch in ihm steckt Kultur- und Sozialisten- feindliches. Ich bin natürlich weit entfernt von öder Pfaffenfrefferei. Heine behauptet, in jedem Menschen steckt religiöses Bedürfnis. Ich bedauere, daß diese mehr philosophische Frage überhaupt berührt worden ist. In zehn Minuten ist eine gründliche Erörterung nicht nlöglich. Was Heine religiöses BedürsiiiS nennt, ist mehr ein allgemeines Phantasiebedürfnis, das Bestreben, höheren Ideen in irgend welcher Beziehung zu dienen. Mit verschwommenen allgemeinen Begriffen sollte man uns nicht kommen. Jeder Unterricht in Religionsgeschichte niuß im heuttgen Staate unter allen Umständen konfessionell werden, und wennHeiue nur von der Zukunft reden will, so sollte er bedenken, daß es sich heute nicht um Zukunstsmalerei, sondern um die Abwehr des schädlichen Schulkompromisses und um unsere Mindestforderungen im Gegenwarts- staat auf dem Gebiet der Schule handelt. Hüten wir uns, an die Stelle klarer Erkenntnis v ö l l i g v e r s ch w o m m e n e, breiige Begriffe zu stellen. Das Beispiel der liberalen Theologie ist abschreckend genug. Heine aber glaubt: Ich muß ein bißchen revidieren. Das' Wort stammt von Mephistopheles, auch hinter dieser Art Revision steckt der mephistophelische Pferdefuß. Singer teilt mit, daß Frau Braun ihren Antrag nach dem Borchardtschen Vorschlage modifiziert habe. Von Adolf Hoffmann, der nicht Mitglied des Parteitages ist, läuft folgende Erklärung ein: „Während ich gestern nicht im Saale anwesend war, soll der Genosse Wittrisch-Forst erklärt haben, ich hätte meine Kinder „jüdisch taufen" lassen, resp. ich hätte dieselben in den jüdischen Religionsunterricht geschickt. Um einer falschen Auf- fassung vorzubeugen, erkläre ich: Als man mich durch das ziveite korrigierte Kammergerichts- Urteil zwang, meine Kinder, nachdem sie zehn Jahre davon befreit tvaren, am Religionsunterricht der Schule teilnehmen zu lassen, wählte ich, ohne daß ich selbst oder meine Kinder dieser Religions- gesellschast beitraten, den mosaischen, da mir nach Kammergerichts- Urteil die Wahl des Religionsunterrichts freistand. Dies hatte zur Folge, daß die Kinder wohl den Unterricht besuchten, aber nichts zu lernen und positiv nicht daran teilzunehmen brauchten, da man natürlich keine Juden heranziehen wollte; ich erreichte also durch die Wahl dieses Religionsunterrichts tatsächlich die Befteiung meiner Kinder von dem Auswendiglernen der religiösen Geschichten, Verse und Lieder. Seit mein Sohn die Realschule besucht, ist derselbe von jedem Religionsunterricht befreit." Stein-Hanau: Gerade tvir Angehörigen des ländlichen Standes kömicn von der Erziehung der Kinder in der Volksschule in Preußen etivas erzählen. Der heutige Klassenstaat kann nicht anders handeln, als er eö tut, er muß die Volksschule als Mittel benutzen, un» sich Menschen großzuziehen, wie er sie für seine Zwecke braucht. Das muß jeder Staat und jede Gesellschast tun. Die Arbeiterkinder können nicht die besseren Schulen besuchen, und die Volksschule ist auf ein Niveau heruntergesunken, das gerade genügt, damit die Arbeiter als Ausbeutungsobjekte vom kapitalistischen Staat benutzt werden können. Der Klassenstaat braucht Klaffenschnlen. Wir verlangen eine einheitliche Gesellschaftsordnung, in der alle Menschen zum Wohle der Gesamtheit mitarbeiten müssen, ,md in der zukünftigen Gesellschaftsordnung sollen die Kinder zu Menschen erzogen werden, die an allem Schönen und Guten teil- nehmen können. Daß wir im heutigen Klassenstaat die Kinder in der Volksschule besser erzogen bekommen werden, glaube ich nicht. Ich möchte Sie alle bitten, alle Hebel und Mittel in Bewegung zu setzen, um das Volk wachzurufen zum Protest gegen das zu erwartende Schulgesetz. Ich bitte, dem zu- zustimmen, daß die gesamten Resultate der heuttgen Verhandlung mit allen Daten und Zahlen in einer Broschüre niedergelegt werden, die der Parteivorstand herauszugeben hätte, und daß in öffentlichen Versammlungen durch Mitteilung dieser Resultate das gesamte Volk zu einem rötest entflammt werde gegen den heutigen lasse n st aat und seine Regierung. Alle Stände, auch die Kleinbauern, die Handwerker und die Kaufleute müssen zum Protest gegen die scheußliche Behandlung der Arbeiter von der heuttgen Regierung und dem heuttgen Landtage aufgerufen werden. DaS Kind ivird, wie schon• Fichte gesagt hat. erzogen, um als Maschine im Klassenstaat tättg zu sein. Auf dem Lande schneidet es am meisten in die Herzen der Leute ein, daß die Gemeinden die Schulhäuser bauen müssen. Bei uns wurde die Gemeinde zum Bau eines Schulhauses gezwungen, aber der Gemeinderat ist der Meinung, daß der Bau nicht eilt, obschon die Schulen überfüllt sind. weil es an den Geldbeutel geht, und da hört auch bei den Bauern die Gemütlichkeit auf. Wenn der Staat die K a s e r n e n für die Soldaten aus eigenen Mitteln baut, so müssen wir auch die Forderung in den Vordergrund stellen, daß alles, was zur Er- ziehung der K i n d e r in den Volksschulen notwendig ist, vom Staate aufgebracht werden mutz, dazu gehören auch die Ulm- Berlin IV: Den Antrag der Genossin Braun müssen wir unbedingt annehmen. Solche Schmußereien, wie sie in manchen Lesebüchern zu finden sind, sind entschieden zu verurteilen. Redner verliest einen gegen die Sozialdemokratie gerichteten Artikel aus dem von dem freisinnigen Abgeordneten Rektor Ernst in Verbindung mit den Lehrern Tews und Pagel herausgegebenen Deutschen Lesebuch für städtische und gewerbliche Fort bildungsschulen", Ausgabe für Berlin und Vororte, worin die Attentate auf Wilhelm I. den Sozialdemokraten in die Schuhe geschoben werden. " 17 mit Braucht die Schule die Religion, so wird für die überwiegende Mehrzahl aller Preußen keine Frage sein, daß die Schule das Christentiini braucht. Braucht die Schule aber das Christentum, so kann sie es nicht ergreifen und erfassen ohne KonBraucht die Schule Konfessionen, so braucht die Schule den Zusammenhang mit den Kirchen, von welchen die Konfessionen ausgehen und gehandhabt werden.( Heine ruft: Falsch!) Es scheint mir das eine logische Schlußfolgerung zu sein, gegen die gar nichts einzuwenden ist. Es kann ja um das Maß gestritten werden, tun Sie das in der Kommission, treten Sie dem Entwurf näher, beleuchten Sie die einzelnen Fragen, aber diese Grundsätze sind nach meiner Ueberzeugung nicht aus der Welt zu schaffen. Ich habe in einem Blatt, welches vielleicht über die Freifinnige Partei noch etwas hinausgeht, eine ebenso tonfequente Deduktion gefunden, die aber dazu kam: Machen Sie die Schulen religionslos! Wenn Sie das machen wollen, dann verstehe ich die generellen Angriffe, die von dieser Seite gegen den Entwurf gerichtet worden sind. Wenn Sie das aber nicht wollen, dann stellen Sie sich mit uns auf den Boden der konfessionellen Schule, es wird Ihnen nichts anderes übrig bleiben." Nach meiner Meinung hat hier der ehrliche Reichskanzler Caprivi flar und deutlich ausgedrückt, was auch wir anerkennen müssen: Entweder die Schule wird religionslos, und das ist eine Forderung, mit der wir wirklich eine Voltsbewegung entfesseln können, die weit über unsere Kreise hinausgreift. Kommen Sie aber mit irgendwelchen Konzessionen, so gleiten Sie auf der schiefen Ebene weiter und müssen bei den preußischen Verhältnissen zu der Konfessionsschule gelangen. Ich kann nicht auf alle Anregungen eingehen, die in der Debatte gemacht sind. Das aber gebe ich zu, daß ich dem Genossen MüllerSchleudig gegenüber im Unrecht bin, wenn ich sagte, daß in Preußen die Schulgeldfreiheit vollständig durchgeführt ist. In dem Gesetz heißt es in§ 4: Die Erhebung eines Schulgeldes bei Voltsschulen findet fortan nicht statt. Ausnahmen sind nur gestattet: 1. Für solche Kinder, welche innerhalb des Bezirks der von ihnen besuchten Schule nicht einheimisch sind. 2. Soweit als das gegenwärtig bestehende Schulgeld durch den Staatsbeitrag nicht gedeckt wird, und andernfalls eine erhebliche Vermehrung der Kommunal- oder Schulabgaben eintreten müßte. den Schulhäuser. Die schon miserable Wolfsausbildung heute soll nicht| Forderung der Trennung von Staat und Kirche eingeschlossen gegen den Heineschen Vorschlag erklären. noch unter dem Mangel an Schulhäusern leiden. Ich bitte Sie, ist. Man könnte auch daran denken, die Einführung des Unterrichts Rücksicht darauf, daß wir uns wesentlich mit der augenblicklichen meinen Vorschlägen zuzustimmen. in Rechtsfragen, in der Arbeitergesetzgebung. im Strafrecht für die politischen Lage in Preußen zu beschäftigen haben, muß ich es mir Schrader- Hannover: Ich warne dringend davor, die Resolution Schule zu verlangen, aber auch diese Spezialisierung ist überflüssig. versagen, auf den fachlichen Inhalt der Heineschen Vorschläge eins mit zu viel Ballast zu beladen, der ihr ihre jezige präzise Form Zubeil- Berlin: Die letzten Ausführungen Heines haben seinen zugehen. Ich würde auch sonst nicht darauf eingehen, weil ich mich nimmt. Es handelt sich für uns doch nur darum, Stellung zu Antrag nicht annehmbarer gemacht. Was wir in Zukunft für An- nicht für berufen halte, in die eigentlichen pädagogischen Fragen nehmen gegen den beabsichtigten Schulfompromiß. Die Resolution träge stellen werden, wie wir diese Fragen endgültig glauben lösen einzubringen. Sobald man sich auf den Standpunkt von Heine erklärt, daß wir diesen Kompromiß verwerfen und stellt außerdem zu können, wird uns die Zeit schon lehren. Wenn Heine glaubt, stellt, ist man auf der schiefen Ebene, die zur KonMindestforderungen auf. Alles andere ist Sache der Agitation. Wir daß durch die Einführung des Religionsgeschichts- Unterrichts an fessionsschule führt.( Sehr richtig!) Ich erinnere an die müssen, wie Gewehr vorgeschlagen hat, mit Anträgen an die Ge- Stelle des Religionsunterrichts der Einfluß der Pfaffen gebrochen Worte des Reichskanzlers Caprivi aus dem Jahre 1892: meindeverwaltungen herantreten und die Herren auf Herz und Nieren werde, so befindet er sich auf einem Jrrivege, denn wenn nicht prüfen. Wir werden dann finden, daß die Liberalen nur folange andere Momente Plaz greifen, so wird es den Pfaffen immer gefür die Schule sind, wie sie nichts dafür zu zahlen haben. In lingen, auch durch den Geschichts- und Moralunterricht ihren Einfluß Hannover waren es Freisinnige, die auf die Ent- auf die Kinder auszuüben. fernung von Arbeitern aus Schuldeputationen fessionen. Bogtherr fagte ganz richtig, wir werden in Zukunft auf die drangen, obivohl fich diese Arbeiter sehr bewährt Selbsthilfe angewiesen sein. Wie wenig haben bis jetzt hatten; aber fie den legten ihnen durch Bau einer die Parteigenossen die Selbsthülfe für sich und Turnhalle Lasten auf, und konnten das die Freifinnigen ihre Kinder in die Tat umgefeßt.( Sehr richtig!) Sie nicht vertragen. Stimmen Sie der Resolution möglichst ein- liefern heute noch ihre Kinder dem Pfaffen aus. Wenn wir heute von dem Rechte Gebrauch machen würden, der Kirche den Rücken zu stimmig zu! Habicht Limburg: Die nassauischen Volksschulen sind ja etwas lehren und die Teilnahme der Kinder am Religionsunterricht zu besser als die ostpreußischen, aber keineswegs so, daß wir sie loben verweigern, so würde es schon jetzt dem Staate sehr schwer werden, Aber wir lassen alles über uns können. Die Schule erschwert uns heute zum guten Teil den alle Zwangsmittel anzuwenden. gewerkschaftlichen Kampf; infolge der Einwirkung der ergehen, ohne Rüdgrat zu zeigen. Wenn die Genossin Braun den Religion fönnen wir die jungen Leute nur schwer gewinnen. Des- Mordspatriotismus für viel gefährlicher hält, als den Religionshalb müssen wir streng die Entfernung des Religionsunterrichts aus unterricht, so wissen wir alle, die wir auf dem Lande zu tun haben, der Schule verlangen. Ich habe keine Luft, den schon toten Antrag daß wir dort den Mordspatriotismus mit Erfolg bekämpfen können, Heine noch extra aufzuhängen. Für die Regierung bilden die während es its schwer wird, die religiösen Vorurteile, die mit der Konfessionsschulen in den Industriezentren ein Mittel gegen die Muttermilch eingesogen sind, zu beseitigen. Es wird uns ja immer Arbeiterklasse. Von 37 000 Volksschulen sind in Deutschland nur gesagt, wir sollen draußen in bezug auf die Religion nur vorsichtig 700 Simultanfchulen, davon 109 in Nassau. Die Frankfurter Demo- vorgehen, damit wir nicht anstoßen, es könnten bei den nächsten fraten gebrauchen ja die Erhaltung der Simultanschule als Wahl- Wahlen wieder ein paar Stimmen verloren gehen. Für mich steht parole, aber in der Praxis subventionierten sie bei den Eingemein in erster Linie die Bekämpfung des Religionsunterrichts in der dungen die Konfessionsschulen. Gewünscht hätte ich, daß die Reso- Schule. An einem Schulhause in der Umgegend Berlins lution das heuchlerische Vorgehen aller bürgerlichen Parteien schärfer steht: Jesum Christum lieb haben, ist besser als gebrandmarkt hätte. alles Wissen". Daran frankt unser heutiges Schulwesen, das kennzeichnet die heutige Gesellschaft. Sie weiß, daß Kinder, die in dieser Weise erzogen werden, auch in Bu funft Teichter zu regieren sind. Es ist doch nicht von ungefähr, daß den Kindern des Proletariats als Morgenkost ein bis zwei Stunden Religionsunterricht gegeben werden, während bei den Kindern der befizenden Klassen der Religionsunterricht etwas Nebensächliches ist. Die besitzenden Klassen haben für sich den Wahlspruch unseres alten Liebknecht in Anspruch genommen:" Wissen ist Macht!" Die sozialistischen Gemeindevertreter sollten alle Jahre die Forderungen, welche in der Resolution aufgestellt werden, wiederHeine- Berlin: Es ist zwar unangenehm, was man am Tage holen. Wir haben in der Berliner Stadtverwaltung seit 20 Jahren vorhergesagt hat, wiederholen zu müssen, ich bin aber leider in diese schon manches der bürgerlichen Gesellschaft abgetrozt. Ich bitte Sie, unangenehme Lage versest. Meine Ausführungen gelten nicht für die Resolution Arons nicht mit weiterem Ballast zu belasten, sondern die Gegenwart, sondern für die Zukunft. Wir durch unsere alle Anträge abzulehnen und die Resolution einstimmig anzunehmen. Resolution werden das Bündnis zwischen Staat und Kirche, das sich Reste- Weißensee: Es kommt nicht so sehr darauf an, was wir in der Herrschaft der Kirche über die Schule äußert, nicht erschüttern, in Zukunft zu tun haben, sondern darauf, was im Gegenwartsstaat sondern höchstens noch fester schmieden. Uebrigens ist auch nach der zu tun ist. In Neu- Weißenfee hat die Gemeindevertretung die ErAlso erstens müßte der Staatszuschuß geringer sein, als das Fassung der Resolution die Forderung der Ausscheidung jeden richtung eines Schulgebäudes mit 24 Klassen beschlossen, welches religiösen Unterrichts aus dem Lehrstoff der Schule nur für eine dringend notwendig ist. Als aber die Regierung um einen Zuschuß bisher erhobene Schulgeld und zweitens müßte, wenn kein SchulZeit gestellt, wo die gänzliche Beseitigung des Einflusses der Geistlichkeit von 10 Proz. der Baukosten ersucht wurde, wie sie ihn auch früher geld erhoben würde, eine erhebliche Vermehrung der KommunalWürde in der Gemeindeverwaltung von auf die Schule gelungen ist. Ich meine, wenn wir so gegeben hatte, da erklärte fie, einen Zuschuß nur zu einem Bau lasten eintreten. weit sind, fönnen wir auch noch mehr tun, nämlich eines zwölfklassigen Gebäudes geben zu wollen, und wenn die Schkeudik einer Aufrechnung gemacht werden über den die Schultinder, die Zukunft der Nation, nicht nur von der Macht Gemeinde darauf nicht eingehe, so müsse sie die Genehmigung Betrag, der überhaupt erhoben werden darf, und eine Wenn also die Gemeinden weitere Aufrechnung darüber, wie hoch dieser Betrag der Kirchen mechanisch loslösen, sondern auch positiv beschützen. zu dem geplanten Bau verweigern. Dem gilt mein Antrag. Kein Redner hat die Gefahr widerlegt, die zum Bau von Schulhäusern gewillt sind, so verweigert die Regierung wäre, wenn er aus allgemeinen Steuern aufgebracht würde, ich in der schutzlosen Ausantwortung der Kinderseelen an die Kirchen die Genehmigung. Die vom Genossen Zubeil erwähnte Inschrift so würde dort wohl sehr bald die unentgeltlichkeit des erblicke. Eine Berdrehung ist es, wenn man mir unterstellt, ich wolle befindet sich an einem Schulhause, das der Stadt Berlin Schulunterrichts eingeführt werden, Die Tendenz des Antrages 7 findet gewiß allgemeinen Beifall, der Kirche entgegenkommen. Vielmehr ist das, was die Resolution gehört. will, ein Entgegenkommen gegen die klerikalen Wünsche. Wenn die Thiele- Halle: Der Wunsch, die Resolution unverändert anzu- aber ich halte es nicht für richtig, daß diese Tendenz in unserer Macht der Kirche über die Schule gebrochen ist, so nehmen, ist nicht berechtigt. Daß die Resolution nicht sehr sorg- allgemeinen Schulresolution Ausdrud findet. Auch der Antrag 8 verlangt die Kirche den ausschließlichen Religionsunterricht fältig vorbereitet ist, geht ja schon aus der Zurückziehung eines wird natürlich von allen Sozialdemokraten gebilligt, aber es wäre für sich. Sages derselben hervor. Ich halte die Annahme des Antrages angebrachter, ihn mal auf einem allgemeinen Parteitag als zum Programm einzubringen. Gegen Schon die Verfassungsbestimmung, auf die sich jetzt das neue Bruns, der sich gegen die Verheyung wendet und des Antrages 9, Ergänzung Schulgesetz stützen soll, die den Religionsunterricht den Religions- welcher eine einheitliche Besoldung der Lehrer in Stadt und Land Antrag 9 ist auch nichts einzuwenden, doch erscheint mir seine Aufnahme in meine Resolution nicht zweckgemeinschaften überweisen will, ist ein Erfolg des Klerikalismus. fordert, für sehr wichtig. Bezüglich des Antrages eine bin ich auch Also nicht ich bin es, der den Klerikalen entgegenkommen will, ich der Meinung, daß wir nicht nur sagen müssen, was wir mäßig, wir haben Zeit, ihm näherzutreten, wenn die Schulwollen, was sondern auch, wir wollen. bin im Gegenteil antiklerikaler als die Resolution. Um dem Teufel nicht Lieber Unterhaltungspflicht aktuell ist. Bei dem Antrag 10. haben wir es es mir, wenn im Antrage Heine das Wort gewiß mit etwas wichtigem zu tun, ich bitte trotzdem, ihn in die nicht den kleinen Finger zu geben, sollen wir ihm die Kinder mit wäre Haut und Haaren, mit Leib und Seele überantworten? Meine Religionsgeschichte" ersetzt würde durch Kulturgeschichte". Resolution nicht aufzunehmen, denn wir würden dann auch eine Anträge Braun= Borchardt und positiven Vorschläge gingen darauf hin, Religionsgeschichte in der Auch die Wittrisch bitte große Anzahl anderer Anregungen mit aufnehmen müssen, und die Schule zu lehren. Mehrere Redner haben sich dafür erflärt, fie ich anzunehmen. In der reichsgesetzlichen Regelung des Schul- Resolution würde außerordentlich anschwellen und doch nicht vollhaben gefagt, das wäre selbstverständlich, denn das wäre ja ein wesens liegt ein ungeheures Mittel, das Volksschulwesen zu heben. ständig sein. Von dem Antrag 12 habe ich schon gesprochen, es ist Teil des allgemeinen Geschichtsunterrichts, des allgemeinen Kultur- Sehr bedauerlich ist es, daß nichts in die Deffentlichkeit tommt über der Antrag Heine, ich bitte ihn, ebenso wie das Amendement dazu, zu lassen. Der Antrag 14 unterrichts. Ich bin damit einverstanden, aber dann muß eine Enquete, die Mitte November veranstaltet ist über die Beschäfti- in die Versenkung verschwinden man nicht einen Saz annehmen, der das ausschließen, der den gung von Kindern in der Hauswirtschaft, in der Land- und Forst- betrifft eine Forderung, die mir als Mindestforderung nicht anwir können doch nicht eine Resolution Pfaffen ein Recht geben würde, jede religionsgeschichtliche wirtschaft und im Gewerbebetrieb. Wozu die Geheimniskrämerei? gebracht erscheint, Erörterung zu verhindern. Das tut aber die Resolution, wenn sie Die Deffentlichkeit hat doch ein großes Interesse daran, zu erfahren, wie fassen, die so tief in die Verfassung des Deutschen Reiches sagt:„ Ausscheidung jedes religiösen Unterrichts viel Schulkinder durch Lohnarbeit strapaziert werden. Wir müßten eingreift. Ebenso leicht tönnte Thieleja beantragen, aus dem Lehrstoff der Schule". Sie gehen immer von möglichst viel Material sammeln; wir haben so viele Liebhaber der ganzen Kleinsta aterei in Deutschland ein dem heutigen, schlechten Religionsunterricht aus, den Sie kennen. Photographen, die sollten die ländlichen Schulhäuser abknipsen, das Ende zu bereiten.( Sehr gut!) Auf der anderen Seite ist Es giebt aber auch besseren Unterricht, und einen solchen wünsche würde uns schon wertvolles Material geben. Ferner sollten wir die Gefahr nicht ausgeschloffen, daß bei einem Reichs- Schulgesetz ich. Es ist von der Moral gesprochen worden. Mit Leuten, unsere Kinder nicht in den Konfirmandenunterricht schicken und sie die Verpreußung Deutschlands noch weitere Fortschritte macht und die die Moral für eine bürgerliche, die Unterdrückung nicht konfirmieren lassen. Wir müssen systematisch vorgehen, wenn die preußische Pickelhaube noch weitere Gebiete bedecken würde als des Volkes bezweckende Hinterlist zu halten scheinen, diskutiere ich wir etwas erreichen wollen. Es ist schon Voltaire erwähnt worden. heute. Ich schließe mit der Bitte, die Resolution, wie Sie Ihnen nicht.( Unruhe.) Ich möchte auch mit einem Worte Voltaires schließen:„ crasez borgelegt ist, einstimmig anzunehmen, um damit eine scharfe Willenskundgebung der preußischen Sozialdemokratie auszudrüden. Ich glaube, daß der sittliche Gehalt im Sozialismus fein l'infâme". lebensvoll pulsierendes Blut bildet. Es gibt übrigens eine Borchardt- Königsberg: Ich würde es für falsch halten, alle An-( Lebhafter Beifall.) Es wird zur Abstimmung geschritten. theoretische Morallehre, von der ich zwar nicht sagen will, träge in Bausch und Bogen abzulehnen, bloß damit die Resolution Die Resolution Arons wird durch Annahme der Anträge daß fie dem Menschen alles gäbe, was er auf diesem Gebiete nicht überlastet wird. Mindestens sollten Sie den Antrag des Gebraucht, die aber einen unentbehrlichen Bildungsstoff enthält, und nossen Braun in seiner abgeänderten Form annehmen. Die Aus- 3epler( Co- Education) und Braun ergänzt und unter Beseitigung ich wünschte, daß dieser Bildungsstoff auch unserer Schule zugeführt führungen von Heine haben mich auch jetzt noch nicht überzeugen eines Druckfehlers( statt und der Ausscheidung":" und die Auswird. Ich will nicht sagen, daß er allein eine Schußwehr gegen können. Halten wir den Grundsay: Religion ist Privatsache, für scheidung") einstimmig angenommen. Der Antrag eine wird nach den Meritalismus bildet, aber er hilft auch mit, er hilft vor allem richtig, so müssen wir die Religion aus der Schule entfernen Annahme des Amendements Haenisch gegen etwa 12 Stimmen die Lehre zu bekämpfen, daß nur innerhalb der Religion Moral und es jedem überlassen, sein religiöses Bedürfnis so zu abgelehnt. Als besondere Resolutionen werden die und Sittlichkeit möglich ist. Das sind die Gründe, aus denen ich befriedigen, wie er es will. In der Sache gehen wir vielleicht gar Anträge 7( Protest gegen den Mißbrauch der Schule zu Germanimeinen Antrag gestellt habe, mögen sie ihn nun annehmen oder nicht soweit auseinander, Heine schlägt nur einen falschen Weg ein, fationszweden), 9( Steuerschwache Gemeinden) und 14( Reichsgesetznicht. Aber wenn wir einmal praktisch vor der Frage stehen, ob er verwechselt unterricht in Religion mit unterliche Regelung) angenommen. Gewehr- Elberfeld ergänzt den Bericht der Mandatsprüfungswir die Schulkinder schutz- und wehrlos der pfäffischen Verblödung richt in Religionsgeschichte. Wenn wir den religiösen ausantworten, oder ob wir etwas dagegen tun sollen, dann hoffe Unterricht ausscheiden, scheiden wir selbstverständlich nicht aus den Kommission dahin, daß die Zahl der Mandate von 143 auf 148, ich, wird die Partei sich auf meinen Standpunkt stellen. Unterricht in Religions geschichte. Eine weitere Aussprache über und die Zahl der ohne Mandat am Parteitage teilnehmenden GeVogtherr- Stettin: Wenn Heine sagt, die Annahme der Ne- diese Frage in der Presse und in Versammlungen ist nötig, nur noffen von 12 auf 17 gestiegen ist. Die Mittagspause tritt hierauf ein. folution würde das Band zwischen Staat und Kirche noch fester wünsche ich, daß eine solche Erörterung feinen akademischen Charakter schließen, ja dann könnten wir nichts Besseres tun, als die Resolution trägt, damit auch die Arbeiter sie verstehen können. ablehnen. Heine hat aber den Sinn des von ihm be= Niemann- Schwarzenbeck: Bei uns im Lauenburger Kreise werden anstandeten, Sazes ganz falsch aufgefaßt. Wenn die Kinder schon vom 9. Jahre an für den Hütedienst von der die Ausscheidung des religiösen Unterrichts verlangt wird, so wird Schule dispensiert; nur 6 Sunden haben sie wöchentlich damit nicht die Ausscheidung eines Teiles der Kulturgeschichte ge- Unterricht. Ich selber habe diese Art Unterricht genossen. Selbst fordert, nur der dogmatische Inhalt soll beseitigt werden, der in Hamburg macht es Schwierigkeiten, die Kinder vom Religionsjeßt die Schule durchtränkt. Eine sehr gefährliche Forderung Heines unterricht zu dispensieren. Als ich meine Tochter vom Religionsist die des zukünftigen Moralunterrichts. Wir wissen, daß die Ent- unterricht frei machen wollte, meinte der Oberlehrer, ich sollte das wickelung moralischer Anschauung parallel mit der Entwickelung doch lassen, mit dem Religionsunterricht sei es in Hamburg ja der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Zustände einer Gesellschaft nicht schlimm heftellt; denn den Lehrern mache es auch feinen schreitet. Wir können nicht bestimmen, in welcher Weise und wie die Spaß, in Dingen zu unterrichten, die sie selbst nicht glaubten. Redner Moral sich in Zukunft entwickeln wird. Welche Moral lehrt die tritt für den Antrag ein. heutige Gesellschaft? Es ist die Moral von Lohn und Strafe, vom Gegensatz zwischen arm und reich, vom Unterschied zwischen Herrn und Knecht, es ist die Moral, die den Krieg für berechtigt und notwendig erklärt und die einer bestimmten Klasse das Recht des Duells gibt. Auch für die Zukunft können wir auf eine Mitwirkung der aus der Debatte den Schluß, daß wir uns mit der Schulfrage bürgerlichen Kreife in diesen Moralfragen nicht rechnen. An der noch recht oft auf nationalen und auch auf internationalen ( Sehr richtig!) Denn Reformbewegung der fünfziger Jahre haben sich die bürgerlichen Kongressen werden beschäftigen müssen. Kreise zuerst lebhaft beteiligt, jetzt ist ihre Teilnahme tot und er- die Erziehungsfrage ist ja an Landesgrenzen nicht gebunden. storben und die Arbeiterklasse hat sie übernommen. Ich erinnere Me in Referat war auf die augenblickliche Lage in Preußen zugespitzt. Heine an das Wort Voltaires:" Ich habe Euch von einem reißenden Ich habe Ihnen gezeigt, wie die Dinge liegen. Wir können in Tier befreit und Ihr fragt mich, was ich an seine Stelle feze." Preußen auf dem Gebiet der Schulgesetzgebung keinen Schritt tun, Heute gilt es die Volksschule von dem Einfluß befreien, der bebor nicht die tonfessionelle Frage entschieden für die wirtschaftliche und politische Erkenntnis des erwachsenen i st. Gerade in Preußen, das doppelfonfessionell ist, verschärft die Menschen schädlich ist. Ich hatte zuerst auch Lust, die Einfügung Konkurrenz der beiden Konfeffionen die konfessionelle Frage außervon einigen Spezialfragen in die Resolution zu beantragen, so die ordentlich. Wir tömmen auf kein Entgegenkommen der Evangelischen Forderung der Befreiung der Dissidententinder am rechnen, weil sofort die Katholiken fagen würden: Scht, hier treibt ardere Seite Verrat an der Religion. Und so Religionsunterricht teilzunehmen. Arons hat mich aber die Ausdrücklich muß ich mich Damit schließt die Diskussion. In seinem Schlußwort zieht davon überzeugt, daß diese Forderung in der prinzipiellen ist es auch umgekehrt. Arons Nachmittags- Situng. Den Borfiz führt Schütz. Nächster Gegenstand der Tagesordnung ist der Gesezentwurf betreffend die Bestrafung wegen Annahme kontrattbrüchiger Arbeiter. Der Referent A. Stadthagen schlägt folgende Resolution vor: Der preußische Parteitag erklärt: Der dem preußischen Abgeordnetenhause vorgelegte„ Entwurf eines Gesetzes betreffend die Erschwerung des Vertragsbruchs Landwirtschaftlicher Arbeiter und des Gesindes" ist ein mit der Reichsgesetzgebung unvereinbares neues Ausnahmegesetz gegen die Kleinbauern, die ländlichen Arbeiter und das Gesinde. Dieser Gesetzentwurf sucht diese Arbeiterklasse zugunsten der Großgrundbesitzer vollends zu entrechten und auf die Stellung mittelalterlicher Höriger und Zwangsarbeiter herabzudrücken. Eine bis zur Unerträglichkeit gesteigerte Vermehrung des Elends der Mein bauern, der ländlichen Arbeiter und des Gesindes, sowie eine Vermehrung der Leutenot wäre die notwendige Folge eines solchen Ausnahmegesezes. Gegen diesen Gesezentwurf erhebt der preußische Parteitag den nachdrücklichsten Protest. Der preußische Parteitag fordert entgegen diesem Ausnahmegesetz: 1. die rechtliche Gleichstellung der ländlichen Arbeiter und des Gesindes mit den gewerblichen Arbeitern; 2. Beseitigung der gegen die ländlichen Arbeiter und gegen das Gesinde bestehenden Ausnahmegesetze, insbesondere des Gesezes vom 24. April 1854 und der Gefinde- Ordnungen; 8. Arbeiterschutz durch Reichsgesetz für die ländlichen Arbeiter und für das Gesinde, und ein volles, gesichertes Koalitions- recht. Die traurige wirtschaftliche und rechtliche Lage der ländlichen Arbeiterbevölkerung und das Bestreben der herrschenden Klasse, die ländliche erwerbstätige Bevölkerung vollends rechtlos zu machen, legt den Parteigenossen die dringende Pflicht auf, die ländliche Bevölkerung über die Mißachtimg ihrer Rechte aufznkläreir und ihnen die Notwendigkeit eines festen Zusammenschlusses zum gemeinsamen Kampfe gegen Ausbeutung und Reaktion einzuprägen. _Der Parteitag fordert daher die Parteigenossen auf, mit allen Kräften die Organisation der Landarbeiter und des Gesindes zu betreiben, um die wirtschaftliche Notlage und die politische Unterdrückung des ländlichen Proletariats wirksam zu be- kämpfen. Haase- Königsberg beantragt folgende Einschaltung hinter der Forderung 1: Errichtung von Schiedsgerichten für die Streitigkeiten der Landarbeiter und des Gesindes unter Mitwirkung von Richtern, welche von den Landarbeitern und dem Gesinde aus ihren Kreisen auf Grund des allgemeinen gleichen geheimen direkten Wahlrechts zu wählen sind. Referent Stadthagen-Bcrlin:. Der preußische Landtag hat in diesem Jahre uns als Sozial- demokraten einen außerordentlichen Gefallen getan, er hat die Freundlichkeit gehabt, durch Vorlegung des Kontraktbruch-Gcsctzes unsere Agitation auf dem Laude zu beleben, er peitscht dadurch die Landarbeiter auf und bringt ihnen in Erinnerung, wo ihr Feind ist. Man könnte glauben, daß der Gesetzentwurf aus dem 17. Jahr- hundert stammt, weil er vollständig den Geist ausdrückt. der die Untertänigkeitsverhältnisse des �.Jahrhunderts beherrscht. Würde der Entwurf Gesetz, so würde der Arbeiter, der seinen Dienst verläßt, brotlos gemacht sein, niemand dürfte ihn mehr in Arbeit nehmen. Es handelt sich um eine gesetzliche Verrufserklärung der schlimmsten Art. Wie kommt die Regierung dazu, dem Landlage solchen Gesetzentwurf vorzulegen? Die Junker haben seine Einbringung seit Jahren ver- langt, obwohl er mit den Reichsgcsctzcn in Widerspruch steht! Seit 1894 ist man darauf ausgegangen, in Einzelstaatcn Gesetze zu schaffen, die die Sanktion des Reichstages nun und nimmer finden ivürden. Schon im 17. Jahrhundert führten die Junker das Rechtsverhältnis des Zwangsdicnstes ein, ein rechtswidriges Ber- hältnis, das die obersten Gerichte für ungesetzlich erklärten. Die Folge der gerichtlichen Urteile Ivar, daß die Ritterschaften sich an die Fürsten und ihr Gesinde— das was man heute Ministerialbeainte nennt(Heiterkeit)— wandten mit der Bitte, dem entgegenzutreten. Es wurde schließlich den Advokaten untersagt, fernerhin die Untertanen gegen die Gutsobrigkeit aufzuhetzen. Das ist derselbe Geist, der aus dein heutigen Abgeordnetcnhause spricht. Es wird gegen Recht und Gesetz verstoßen, und dann unterfängt man sich zu sagen: es wird gehetzt. Die Zwangs-Gesindedienstc sind dann im langen Kampfe abgeschafft. Die letzten Reste der- selben fielen in Preußen nicht durch unsere Ritterschaft, nicht durch die H o h e n z o i l e r n, sondern durch die Verheißung der Franzosen im Jahre 1807. Die Erbuntertänigkeit sollte aufgehoben werden, der Uebermut der Junker hatte seine Quittung erhalten, der Zusammenbruch Preußens ist nicht zuletzt zurückzuführen auf den Uebermut der Junker. Daß eine Art Freiheit den Preußen wenigstens verheißen wurde, ist den Franzosen zu danken, vom Martinitag 1810 ab sollte die Untertänigkeit aufhören, eS sollte nur noch freie Leute geben, aber trotzdem wurde die Gcsinde-Ordnuug von 1810 angenommen. Heute versuchen die Junker die Erb- Untertänigkeit lvieder einzuführen. Wenn die Regierung schließlich dem Schreien der Junker nachgegeben hat, so haben wir doppelte Ursache, gegen diese schreiende RcchtSwidrigkeit zu protestieren. Was die Junker wollen, ergibt sich auS ihren Reden im Ab- geordnetenhause. Die Junker glauben in der Tat, sich heute ein Zwangsgesinde konstruieren zu können durch die Hnngcrpcitsche, durch die Wiedereinsührlmg der Lelbeigeuschast. Ich erinnere nur an die Ausführungen des Herrn v. M e n d e l- S t c i n f e I s. Er meinte: Wir wollen das alte patriarchalische Verhältnis wieder einführen. Ich glaube, er dachte dabei an die Be- stimmung, wonach die Erteilung von Stockschlägen für gesetz- widrig erklärt, dagegen der Gebrauch einer ledernen Peitsche, mit welcher auf den Rücken über den Kleidern eine mäßige An- zahl von Hieben gegeben werden, erlaubt ist.(Hört! hört!) Und jetzt hat das Oberverwaltungsgericht sogar in einem Falle, in dem ein Knecht mehrfach durch den Unternehmer mit der Peitsche ins Gesicht geschlagen lvurde, entschieden, daß das kein Grund zum Verlassen der Arbeit sei, denn ein Hieb mit der Peitsche sei keine ungewöhnliche Behandlung.(Hört! hört!) Nach dem neuen Entwurf soll nun der Arbeiter, der in dieser Art mißhandelt ist, nicht nur nach wie vor dem Dienste wieder zugeführt werden können, sondern es sollen auch diejenigen, die es wagen, einem solchen Arbeiter Arbeit zu geben, gleichviel, ob industrielle oder landwirtschaftliche Unternehmer, bestraft werden. Die Konservativen wollen den Menschen als Sache behandelt und schlimmer als eine Sache mißhandelt wissen. Das geht deutlich aus den Ausführungen des Abg. Krämer hervor; ich weiß nicht, ob es ein konservativer Abgeordneter, aber jedenfalls war es ein Junker. Ob konservativ, ob freikonservativ, ob Zentrum, ob Nationalliberal, soweit es sich darum handelt, die Arbeiter zu mißhandeln, können Sie die Leute in einen Sack stecken und durcheinanderschütteln, und wen Sie heraus- greifen, ist wirklich gleichgültig.(Heiterkeit.) Der Entwurf verstößt in der eminentesten Weise gegen die Reichsgesetze. Man versucht einen Einbruch in die Reichsverfassuug zu machen. Wir haben ja auch eine Reihe anderer Gesetze, zum Beispiel die A n s i e d e l u n g s g e s e tz e, Gesetze, die im Reichs- tage nicht durchgeführt werden können, in denen der Versuch gemacht wird, durch Bruch der Verfassung auf landesgesetzlichem Wege das Ziel zu erreichen, gleichviel, ob diese Gesetze gültig sind oder nicht. Der Entwurf eines Kontraktbruch-Gesetzcs ist also ein Einbruch in die ReichSgesetzgcbung. Er verstößt gegen die Reichsverfassung. Ihr Artikel 1 sagt, daß das Reich zum Schutze des innerhalb des- selben geltenden Rechtes und zur Pflege der Wohlfahrt seiner Ein- ivohner geschaffen sei. Artikel 2 bestimmt ausdrücklich, daß das Reichs- recht den, Landesrecht vorausgeht. Im Artikel 4 aber wird bestimmt, daß die Freizügigkeit, das Strafrecht, das bürgerliche Recht usw. der Zuständigkeit des Reiches unterworfen sind. Von der Regelung des bürgerlichen Rechtes ist das Gesinderecht leider ausgenommen worden, aber zweifellos gehören die ländlichen Arbeiter nicht zum Gesinde. Der Entwurf widerspricht dem FrcizügigkeitSgedankcn, daß jeder sein Brot dort suchen soll, wo er eS am besten findet. Ju demselben Augenblick, wo die Junker für gesundheitswidriges FleischFreizügigkeit fordern, suchen sie ihren Arbeitern diese Freizügigkeit zu rauben. Das Kontraktbruch-Gesetz wider- spricht der Gewerbe-Ordnung in ihren§§ 1 und 41, wonach der Betrieb eines Gewerbes jedem gestattet sein soll, soweit nicht Aus- nahmen im Gesetz ausdrücklich angegeben find, und wonach die Befugnis zur Ausübung des Gewerbes das Recht in sich begreift, in der Wahl des Arbeiter- und Hiilfspersonals durch keine Be- schränkung als durch das Gcwerbegeietz gebunden zu sein. Der Eni- Ivurf aber setzt Strafen darauf, wenn ein Unternehmer ländliche Arbeiter beschäftigt, die angeblich noch im Dienst eine? andern stehen._ Das ist ein krasser Verstoß gegen die Gewerbe-Ordnung. Im Reichstage ist dieser Verstoß vom M'inistcrtische zugegeben worden, aber gesagt worden, daß der preußische Gesetzgeber nicht die Fähig- keit besessen hätte, auszudrücken, was er ausdrücken wollte, nämlich, daß nur landwirtschaftliche Arbeitgeber mit Strafe bedroht werden. Wir können uns»ur an das halten, ivas tatsächlich ausgedrückt ist. Bis zur Stunde ist übrigens noch nicht der Versuch gemacht worden, «ine andere Fassung für diese Bestimmung des Entwurfs zu finden. Ferner verstößt der Entwurf gegen die 8§3S und 38 der Gewerbe-Ordnung, welche die Ausübung des Gewerbebetriebes der Gesindevermieter regeln, während§ 1 unter Nr. 2 des Entwurfes die Gesinde- Vermieter unter besonderen Gesetzcszwang stellen. Der Entwurf verstößt gegen das Strafgesetz. Stach 8 2 des Einführungsgesetzes im Strafgesetzbuch sind alle strafrechtlichen Bestimmungen der Landesgesetzgebung, soweit sie Materialien betreffen, die im Straf- gesetzbuch geregelt sind, außer Kraft gesetzt. In den§8 329 und 298 des � deutschen Strafgesetzbuches ist die Frage des Kontraktbruches bereits behandelt. Nach 8 HO wird nach der Auslegung des Reichsgerichts die Aufforderung zum Kontraktbruch bestraft, wenn sie öffentlich erfolgt. Der Entwurf verstößt mich gegen das NcichSgesetz gegen unlauteren Wettbeiverb, welches bestimmt, in welchen Fällen gewerbliche und landwirtschaftliche Unter- nehmer. die u...»iteren Wettbewerb gegen andere treiben, strafbar sind. Trotzdem soll durch dieses Landesgesetz der unlautere Weit- bcwerb bei denjenigen Arbeitgebern bestraft werden, die ihn durch Wcgkapern von Arbeitskräften betreiben. Ich mußte Ihnen die lauge Liste der Verstoße gegen die Reichsgesetze vorlesen, um fragen zu dürfen: Glmibc» jene Leute, die jetzt als Minister i» Preuße» diene», wirklich im Ernst, daß dieser Entwurf im Einklang mit der Rrichsvcrfassung und RcichSgcsctzgcbung steht)?! Der Entwurf steht weiter im Widerspruch zum Bürgerlichen Gesetzbuch, das den Dienstvertrag des ländlichen Arbeiters geregelt hat und keinen Raum mehr läßt für landesgesetzliche Be- stimmnngen. 8 026 besagt: Der ländliche Arbeiter hat das Recht, den Dienst zu verlassen, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Der Gesetzentwurf verstößt auch gegen die Vorschrift des Bürgerlichen Gesetzbuchs, die wucherische Verträge für nichtig erklärt. Wenn schon gegen einzelne Arbeiter wucherische Verträge ungültig sind, um wie- viel mehr ist daS gegenüber einer ganzen Klasse der' Fall? Was ist es anders als der eminenteste, stinkendste, erbärmlichste Wucher, wenn Arbeiter und Arbeiterinnen durch Hunger gezwungen werden sollen, Mehrwert zu schaffen, obwohl die Behandlung eine solche ist, daß sie die Arbeit verlassen könne»? Es wird lveiter durch dieses Gesetz das System der schwarzen Listen gegen die Arbeiter angelvendet. Daß dieses System gegen die guten Sitten verstößt, sagt nicht nur das Bürgerliche Gesetzbuch, sondern das hat auch das Reichsgericht in einem Falle entschieden. Diese Art von Ver- fcmung ist ein Verstoß gegen die guten Sitten, wenn sie sich gegen einen Einzeliren richtet, sie wird zu einem gemeingefährlichen Aufruhr gegen Sitte und Gesetz, wenn eine ganze Klasse davon betroffen wird. Ich stehe mit dieser meiner Ansicht keineswegs allein da, sie ist von den zuständigen Justauzc» früher stets gebilligt worden. Auch das Z e n- t r u nr vertrat früher meine» Standpunkt, damals waren allerdings noch Leute, wie die Gebrüder Rcichensperger, die Führer des Zentrums. Heute ist das Zentrum lediglich eine Vertreterin der besitzenden Klassen. Anfangs der siebziger Jahre stellte sich auch das preußische landwirtschaftliche Ministerium aus den Standpunkt, daß die kriminelle Bestrafung des KoutraktbruchS allein und ausschließ- lich zur Zuständigkeit dcS Reiches gehöre. Auf dieseur Standpunkte stand die Regierung noch bis in die achtziger Jahre hinein. Ja, sogar in den neunziger Jahren hat die Re- gicrung im Landtage erklären lasten, daß die krimi- nelle Bestrafung des Kontraktbruches der Laudarbeiter zur Kompetenz der Rcichsgesetzgebung gehört. Genau fünf Jahre, bevor der jetzige Landwirtschaftsminister die Vorlegung des Gesetzentwurfs ankündigte, hat Miguel, der damalige Vertreter des Minister- Präsidenten, im Landtage erklärt, daß die Frage vor die Reichs- kompctenz gehöre(Hört! hört!), und der damalige Landwirtschafts- minister Frhr. v. Hammerstein fügte hinzu, daß sich seine Anschauung mit der von Miguel deckt. Indessen, dem Junker schwillt immer mehr der Kamm, er trumpft auf, er verlangt von den Ministern, sich zu erinnern, daß sie nur das zu tun haben, was er ihnen be- fehle, und die Minister apporticrcn daS, was die Junker von ihnen als ihren vermeintlichen Lakaien verlangen. Ich habe also durchaus recht, wenn ich sage, es ist schwer möglich zu glauben, daß einer derjenigen, die diesen Entwurf haben wollen, sich nicht selbst dessen beimißt ist, daß er damit gegen die Reichsverfassuug verstößt. In der Tat will man den Kleinbauer, den ländlichen Arbeiter, daS Gesinde zu Staatsbürgern zehnter Klaffe herabdrücken, es wieder zu Leibeignen machen. Man hat ge- glaubt, dies tun zu dürfen wegen der drohenden Konkurrenz auS- ländischer Arbeiter. Diejenigen Leute, die sich als Patrioten aus- aeben, haben ja in immer verstärktem Maße ausländische landwirt- schaftliche Arbeiter»ach Deutschland gezogen. Die Zahl der Russen, Italiener und Galizier, die in ländlicher Fron in Deutschland be- schäftigt werden, dürfte 300 000 bereits übersteigen, sie sollen den deutschen Arbeitern in den Rücken fallen und ihnen gegenüber eine Schmutzkonkurrenz bilden. Hat doch die russische Regierung ihre Arbeiter sogar davor gewarnt, nach Deutschland zu gehen, weil die ländlichen Arbeiter hier auf das schmählichste betrogen werden. Eine ähnliche Warnung hat die italienische Regierung erlassen, und selbst im galizischen Landtage sind die Arbeiter gewarnt worden, nach Deutschland zu gehen. In dieser Untergrabung der bestehenden deutschen Arbeit durch die Heranziehung ausländischer Arbeiter be- steht eine ganz eminente Gefahr. Daß die ausländischen Arbeiter nicht genug gewarnt werden können, geht auS den verschiedenen Angeboten hervor? es heißt in den Angeboten dieser Seelenverkäufer, daß man ausländische Arbeiter auf Lager habe u. dgl. In einem anderen Angebot heißt eS:„Dumme sind mir lieber als Sozial- demokraten."(Große Heiterkeit.) Nachdem ich dargelegt habe, daß der eigentliche Zweck des Gesetzes darin besteht, Zwangsgesinde zu schaffen, komme ich zu der Frage: wie muß es auf die ländlichen Arbeiter wirken? Wir müssen bei ihnen zwei Kategorien unterscheiden. Ein Teil der ländlichen Arbeiter unterliegt dein Bürgerlichen Gesetz- buch, der andere der Gesindc-Ordnung. Für den ersten Teil kommt der 8 626 des Bürgerlichen Gesetzbuches in Betracht und danach hat er, soweit nicht der Vertrag etwas anderes besagt, das Recht, aus einem wichtigen Grunde den Vertrag zu lösen. Ob ein wichtiger Grund vorliegt, entscheidet der Richter. Daß der Richter in ländlichen Verhältnisten auf die Seite des Stärkeren treten wird, hat schon der preußische Minister Suarez den Junkern gegenüber anerkannt, so ist es auch noch heute. Bei Streitftagen treten viele Richter auf feiten der Herren und legen das Gesetz so aus. wie die Junker eS wünschen. Ucber 100 derartige Urteile liegen hier vor. aber ich kann nur ein paar Fälle erwähnen, um zu zeigen, was alles als wichtiger Grund, die Arbeit zu verlaffen, für den ländlichen Arbeiter nicht gilt. So hat ein ländlicher Arbeiter sich verbeten, deduzt und dämliches Luder, dämlicher Schafskopf benannt zu werden. E r v e r l i e ß den D i e n ft, als es t r o tz- dem weiter geschah nnd klagte den Lohn ein, den er zn ver- langen hatte; der Lohn wurde ihm aber vom Richter nicht zu- gesprochen und ihm gesagt, daß diese traurigen Anreden kein wichtiger Grund seien, um den Dienst zu verlasse». Das ist in Mecklenburg passiert. Ans Ostpreußen liegen zwei Urteile vor. Da wurde in dem einen Falle ein Arbeiter wegen unbefugten Per- lassens des Dienstes bestraft, tveil er weggegangen war, als mau ihn dämliche» Hnnd genannt hatte, ein anderer wurde bestraft, weil er weggegangen ivar, als man ihn als versoffenen Kerl bezeichnete. Eine minderjährige und eine ältere ländliche Arbeiterin verließen den Dienst, weil die eine Saumcnsch, die andere liederliche Dirne genannt worden war, und der Richter entschied, daß diese Bezeichnungen nicht über liebenswürdige Kosenamen hinausgingen (Heiterkeit) und bestrafte die Arbeiterinnen wegen unbefugten Ber- lassens des Dienstes. Das Oberverwaltungsgericht hat entschieden, daß ein ländlicher Arbeiter nicht genügend Grund habe, den Dienst z» verlassen, wenn er mit der Peitsche inS Gesicht geschlagen und von den Kindern des Arbeitgebers mißhandelt werde, nnd zwar des- wegen nicht,„weil nach den Sitten auf dem Lande in dieser Be- Handlung keine besondere Mißhandlung liege". Welch tiefer sittlicher Standpunkt offenbart sich hier.(Zustimmung.) Ich möchte aber die ländlichen Arbeiter doch warnen, den gnädigen Herrn oder die gnädige Frau liebkosend auszupeitschen oder sie einen versoffenen Kerl und eine liederliche Dirne zu nennen(Heiterkeit), es würde ihnen schlecht ergehen. Wenn ein solcher Arbeiter zu einem anständigen Arbeitgeber kommt— denn es gibt auch auf dem Laude anständige Arbeit- geber—. so muß der anständige Arbeitgeber auf Grund des Kontraktbruch- Gesetzes bestraft werden, ja der Vater, der Vormund, die Mutter werden bestraft, wenn sie ihren Kindern, die so behandelt werden, sagen, daS darfst Du Dir nicht gefallen lasten, Du mußt aus dem Dienst.(Bewegung.) Wessen Herz nicht verstockt ist. wer nicht raffgierig wie die Junker ist, der muß erklären, daß eine solche Gesetzgebung die brutalste ist. die unter sämtliche» Kulturländern nur bei unS zu finden ist.(Lebhafte ustimmung.) Der ländliche Arbeiter befindet sich in noch schlimmerer age, wenn er einen Vertrag abschließt, der ihm sein bißchen Recht ganz nimmt. Solche Vertrage, entworfen von halbobrigkeitlicher Seite, geben den ländlichen Arbeiter dem Wucher und der Recht- losigkeit preis. Er leidet unter der laugen Arbeitszeit und der jämmerlichen Ernährung und den scheußlichen Wohnungsverhältnissen, am Mangel jeglichen ArbeiterschutzeS. Dazu tritt noch seine totale Rechtlosigkeit, die ein P r o s e s s o r in die Worte zusammengefaßt hat: Auf dem flachen Lande herrscht der absolute Despotismus, gemildert durch den Vertragsbruch. Mir liegen Arbeitsverträge aus verschiedenen Provinzen vor. Diese Verträge verstoßen gegen das bürgerliche Recht und machen die Landarbeiter noch rechtloser als sie sind; es finden sich darin Bestimmungen über Aufrechnung des Lohnes, obwohl das nach dem Gesetz unstatthaft ist. Der zurückbehaltene Lohn wird erst bei ordnungsmäßigem Abgang der Arbeiter bezahlt, aber was ist als ordnungsmäßig anzusehen? Jeder Arbeitgeber hat es nach solchen Kontrakten in der Hand, die Arbeiter zu entlassen, wie er will, und ihnen den Lohn dann noch vorzuenthalten. Das Gesetz nennt solche Ver- träge wucherisch, es erklärt sie für nichtig. Das nützt jedoch nichts, denn dieselben Verträge schließen den Rechtsschutz aus, sie überweise» die Entscheidung Gerichten, die der Arbeitgeber einsetzt, die also von vornherein den Arbeitern unrecht geben. Hiergegen müssen wir die Arbeiter aufpeitschen. Die ländlichen Arbeiter müssen verlangen, daß das ordentliche Gericht über alle Streitigkeiten entscheidet, daß der Gutsbesitzer sie nur aus denselben Gründen entlasten darf, aus denen auch gewerbliche Arbeiter entlaste» werden dürfen. Insbesondere muß festgesetzt werden, daß die Arbeiter den Vertrag anfheben dürfen, wen» der ihnen zustehende Lohn nicht pünktlich bezahlt wird, und daß Schadenersatzklagen wegen Lohn nicht geltend gemacht werden dürfen. Endlich muß gesagt werden, daß die Vorschriften der G e s i n d e- O r d»u n g auf ländliche Arbeiter keine Anwendung finden werden. Und wie steht es mit den Löhnen der Landarbeiter? Wir haben Löhne von 23ö M. jährlich, Löhne von 400 M. das ganze Jahr einschließlich der Naturalleistung. Ans die jammervolle soziale Stellung der ländlichen Arbeiter will ich augenblicklich nicht weiter eingehen, ich verweise in dieser Beziehung auf Schilderungen aus bürgerlichen Kreisen, in denen über die schlechten, oft jeder Be- schreibung spottenden Arbeiterwohnungen und über das frühe Heran- ziehen der Jugend zur Arbeit geklagt wird. Die geistige und körperliche Verödung unseres Landvolkes wird durch diese Ver- Hältnisse von Jahr zu Jahr künstlich vermehrt. Noch ein Wort über die rechtliche Lage des Gesindes. Auch das Gesinde soll ja dem neuen Gesetz unterworfen werden. Wir haben keine Reichs-Gesindeordnung, ja wir haben nicht einmal eine einheitliche Gesinde-Ordnung für Preußen, sondern 19 verschiedene Gesetze, von denen das älteste aus dem Jahre 1732, das neueste aus dem Jahre 1867 stammt. Für den größten Teil von Preußen gilt die Gesinde-Ordnung von 1810. Das uns vorgelegte Gesetz würde auf daS Gesinde außerordentlich schwer fallen. Unter welchem Verhältnis daS Gesinde heute lebt, möchte ich an einem Fall nachweisen: Ein erwachsenes Dienstmädchen sollte, weil es des Abends eine Stunde länger ausblieb, gezüchtigt werden. Der Dienstherr verlangte. eS solle sich entblößt über den Stuhl legen, und als das Mädchen sich weigerte, verlangte der Dienstherr in Gegenwart seiner Frau von dem anderen Gesinde, es solle diese Prozedur an dem Mädchen vornehmen. DaS Mädchen bat die gnädige Frau, davon abzusehen, es nutzte nichts, und schließlich legte es sich in die Positur, die verlangt wurde. Der Gutsbesitzer schlug nun mit einem dicken Knüppel auf de» entblößten Teil(Pfui!), bis sei» Arm erlahmte. Dann sagte er zu seiner Frau:„Ich kann nicht mehr, schlage Du weiter."(Erneute lebhafte Pfui- Rufe.) Das tat die gnädige Frau, dann fing er selbst wieder an und schließlich gab er dem beinahe ohnmächtig gewordenen Mädchen noch einen Stotz und warf eS zur Tür hinaus. Das Mädchen lief aus dem D i e n st, es wurde aber zurückgebracht.(Hört I hört!) Nach einiger Zeit wurde es wieder mißhandelt, es entläuft und geht zu den Eltern. Der Gutsbesitzer verlangt, daß die Eltern das Mädchen herausgeben, und droht ihnen, daß sie sonst bestraft würden. Die Eltern holen sich bei Sozialdemokraten Rat— wo sollten sich arme Leute sonst Rat holen?—, es wurde ihnen erklärt, sie sollten Strafantrag stellen gegen den gemein» gefährlichen Mädchenschläger. Das geschah und der Gutsbesitzer lvurde mit einer Geldstrafe belegt. Aber damit ist die Sache noch nicht zu Ende, er denunziert nun das Mädchen wegen Entwendung von Nahrungsmittel», es sollte einer alten Dicnstfran etwas Milch und Brot gereicht haben, und wegen dieses angeblichen Diebstahls wurde es in erster Instanz zu einer Woche verurteilt.(Pfui!) Aller- dings hat das Landgericht das Mädchen freig es pu: o ch en. weil diese Infamie gegen das klare Recht und das Rechtsgefühl denn doch den drei Leuten, die da zusammensaßen und von denen der eine sich vor dem anderen geschämt haben mag, zu viel war. Wir haben die Verpflichtung, gegen ein so schandbares Gesetz, wie eS dem Landtage vorgelegt ist, nachdrücklichst Protest zu erheben. Mag der Entwurf Gesetz werden, in welcher Form es auch sei, es muß zerrissen werden, es darf nicht geachtet werden, weil es ein grober Einbruch in das Reichsgesetz, ein grober Einbruch in das natürliche Rechtsempfinden ist. Aber wir können nicht dabei stehen bleiben, daß wir sagen, fort mit diesem Gesetz, wir müssen auch ver- langen, daß die alten bestehenden Gesetze falle», daß. die ländlichen Arbeiter und das Gesinde den gewerblichen Arbeitern gleichgestellt werden. Es müssen fallen die Ausnahmegesetze gegen ländliche Arbeiter und Gesinde, es müssen fallen die Schranken, die bestehen gegenüber dem Koalitionsrecht, es muß fallen das Gesetz von 1854, welches den Ungehorsam der Landarbeiter mit Strafen be- droht und ihnen das Koalitionsrecht nimmt. Alle diese Ausnahme- gesetze müssen fallen, wie wir das in der Resolution fordern. Gegen den Antrag Haase habe ich nichts einzuwenden. Die Haupt- fache aber ist, daß wir nicht bei dem Beschluß, den wir fasten werden, stehen bleiben, sondern daß wir das Mittel, das unS die Junkerschaft zur Aufklärung der ländlichen Arbeiter an die Hand gegeben hat, auch ergreifen, daß wir in größerer Masse als bisher der länd- lichen Arbeiterbevölkerung klar machen, in welcher Weise ihr Recht mißachtet wird, und wie es ihre Pflicht ist. Schulter an Schulter mit den Arbeitern in der Stad't gegen die Ausbeutung in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht zu kämpfen. Ich weiß, daß es schwer ist, den ländlichen Arbeitern die Klassengegensätze klar zu machen, ihnen klar zu machen, wie notwendig die Sozialisierung der Gesellschaft ist, ich weiß auch, wie schwer es ist, an den ländlichen Arbeiter heranzukommen. Aber dieser Gesetzentwurf gibt uns ein vor- zügliches Mittel hierzu an die Hand. Sorge» wir dafür, daß der ländliche Arbeiter sich endlich aufrafft. Von diesem Stand- Punkt aus können wir dieses Mittel nur freudig begrüßen als ein AufklärunaSmittel allerersten Ranges. Weiter ist es notwendig, die Landarbeiter je nach den Verhältnissen zu organisieren. Ich bitte Sie, meiner Resolution zuzustimmen, es aber nicht bei der Zu« stimmung bewenden zu lasten, sondern noch tatkräftiger als bisher die Landarbeiter über ihre rechtliche und wirtschaftliche Lage aus- znklären» ihnen klar zu machen, daß sie unentbehrlicher ftir den Junker sind, als die Junker für sie und daß es ihre Pflicht ist, trotz aller Wunden und Narben, die man sich in diesem Kampfe holt, gemeinsam mit den anderen Arbeitern zu kämpfen.(Lebhafter Beifall.) ES sind folgende Anträge eingegangen: Antrag �20(Frau Ihrer): In der Resolution, in Absatz 3 hinter„Arbeiter" einzufügen„und Arbeiterinnen". Antrag Haase: Im Antrag 17 anstatt„Kreisen" zu sagen „Berufskreisen". Antrag Liebknecht: Im letzten Absatz der Resolution hinter „mit allen Kräften" einzufügen„die Aufklärung und". Linde-Königsberg begründet die Resolution 17. Nirgends sind die Verhältnifse für die Landarbeiter so traurig, wie in Ostpreußen. Hier herrscht das Junkertum mit seiner brutalen Macht. Wir unters Schmidt- Sonnenburg( beim Wiederbetreten der Tribüne mit Adler- Niel gibt ein Bild aus der nördlichen Ede", der traurig scheiden Instleute, Deputanten, Frei- oder Lohnarbeiter und Knechte. Beifall begrüßt): Ich möchte noch auf unsere Frauen zurückfommen. Lustigen Ecke Preußens. Unsere Gesinde- Ordnung gilt als beste, ste Mit den Inftleuten und Deputanten werden Kontrakte abgeschlossen. Gewöhnlich übernimmt die Frau des Vorschnitters das Essentochen kennt das Prügeln z. B. nicht. Aber daß es im Lande darum nicht Die Landwirtschaftskammer für Ostpreußen hat Musterkontrakte an- für die Schnitter. Sie steht aber dann nicht so früh auf, um den besser aussieht als anderwärts, dafür einige Fälle. So berichtet gefertigt. Wir haben Kontrakte, in denen als Lohn inkl. Natural- Kaffee für die Schnitter zu kochen, die schon um 22 Uhr mein Gewährsmann, kein Arbeiter, sondern ein dänischer Bauer, bezüge 230 M. jährlich angegeben find. Die Frau wird durch den hinaus müssen, und übernimmt denn das Kaffee- daß ein Gutsbesizer seine Knechte zwei bis drei Tage lang in den Kontrakt gezwungen, auch wenn sie Kinder hat, als Schartverker zu kochen eine Schnittersfrau, die IHN 2 Uhr aufstehen Keller sperrt.( Bewegung.) Ein Gutsbefizer war mit seinem Knecht arbeiten. In dem Musterkontrakt befindet sich eine Bestimmung, muß. Denken Sie sich nun, wenn die Frau Kinder nicht zufrieden. Der Knecht ließ eines Tages die Pferde angeschirrt auf wonach bei dem ländlichen Arbeiter wohnhafte Angehörige ohne zu versorgen hat, so muß ſie abends bis der Straße stehen. Der Herr zeigte den Knecht an, da er aber selbst AmtsVortvissen der Dienstherrschaft nicht anderwärts hinziehen dürfen; 11 oder 12 Uhr siten, u mt alles im stande vorsteher war. erschien es ihm unbillig, ihn bei sich anzuzeigen( Heiterkeit) fremde Personen dürfen ohne Wissen des Dienstherrn oder seines zu halten, und sie hat dann nur 2-3 Stunden Schlaf. und er zeigte ihn dem stellvertretenden Amtsvorsteher an. Dieser Inspektors nicht beherbergt werden. Der Dienstherr hat das Die Schnitter müssen sich ihr Holz selbst zerkleinern, sie erhalten setzte die Strafe von 15 M. gegen den Knecht fest. Der Knecht Recht, jederzeit die Wohnung des Arbeiters zu betreten.( Hört! aber in der Woche keine Zeit dazu, und wenn sie es des Sonntags erhob Widerspruch, aber das Schöffengericht verdonnerte ihn, weil hört!) Dieser Mustervertrag ist dabei noch nicht einmal das schlimmste. tun, so laufen sie Gefahr, vom Gendarmen angezeigt zu werden und der Amtsvorsteher, der ja nicht den Strafbefehl erlassen hatte, jet In einem Kontraft wird freie Weide und Futter für eine Suh zu- 3 M. Strafe zahlen zu müssen. Ich bin von der Insel Fehmarn als 3euge auftreten konnte.( Hört! hört!) Redner empfiehlt die gesagt, die Kuh wird aus den Gutsbeständen geliefert, wofür jährlich ausgerückt, weil ich da meinen Tod vor Augen sah, und habe 40 M. Resolution Nr. 22. Der preußische Staat hätte allen Grund mit 15 M. Miete gezahlt werden müssen. Bei guter Führung geht die Kaution im Stich gelassen.( hört! hört!) Jetzt bin ich bei einem dem Kontrafibruchgesez vorsichtig zu sein, denn wenn es in NordKuh in den Besitz des Deputanten über, sobald der Wert der Ruh Gegner von uns beschäftigt, der mir erklärte: Sie sind ein tüchtiger schleswig richtig gehandhabt würde, würde keiner mehr Strafe erhalten durch die Miete gedeckt ist. Verläßt der Arbeiter seinen Dienst vor- Arbeiter, aber machen Sie mir die Leute nicht verrückt. Ich sagte: als der preußische Staat! Wer dem Gesinde rät, einen Dienst zu zeitig, so fällt die Kuh an die Herrschaft zurück, und diese bestimmt Die sind schon verrüdt. Wieso? Sie geben den verlassen, wird im einzelnen Fall mit 150 M. Geldstrafe bestraft, den Wert der Kuh. Eine Kategorie von Landarbeitern wird durch deuten für schwere Arbeit täglich 1 Mart, und ich bin wenn die Fälle sich aber wiederholen und System werden, Agenten herangeschafft, sie werden in der Regel auf ein Jahr an- im Begriff, dasselbe zu tun. Es ist für den Schnitter ein Glück, dann kommt ein erfleckliches Sümmchen heraus. In Nordschleswig genommen und erhalten Tagelohn, sie erhalten die Naturalien ge- wenn er im Winter 1 M. verdient. Dann gehen noch 50 Pf. für herrscht Leutemangel und die dänischen Bauern, auf deren liefert, und diese werden ihnen auf den Lohn angerechnet. Nach Stranken- und Invalidenversicherung ab. Sie sehen also, daß es not wirtschaftliche Schädigung der Köllerkurs hinausgeht, find ge= einem Gute im Kreise Heiligenbeil zog ein Agent zwei galizische wendig ist, für diese Klasse von erbärmlich bezahlten Menschen etwas zwungen, neben den deutschen dänische Knechte anzunehmen. Der Arbeiter, welche im Westen als industrielle Arbeiter tätig waren zu tun, damit sie bessere Arbeitsbedingungen erlangen.( Lebhafter felige, d. h. nur für unsere Provinz felige, Köller wies die und nach Hause reisen wollten. Der Agent versprach ihnen Beifall.) dänischen Knechte einfach aus. Sie konnten sich nur 1,50 M. Tagelohn, freie Wohnung und gutes Essen. Die Galizier, Löwe- Breslau: Parteigenossen! Zu den hervorstechendsten Un dadurch retten, daß sie rasch bei einem deutschen welche des Deutschen nicht fundig waren, unterschrieben einen gerechtigkeiten des Gesezentwurfs gehört es, daß er wohl die Bauern Arbeit nahmen, oder daß die dänische Magd rasch Vertrag, welcher ihnen 1-1,50 Mart Tagelohn je nach der ländlichen Arbeiter für den Kontrattbruch bestrafen will, aber einen deutschen Knecht heiratete. Köllers Nachfolger, Herr Jahreszeit zusicherte, während ihnen die Wohnung mit 18 m. jährlich diese nicht schützt vor dem kontraktbruch der Ar- v. Wilmowski scheint ein anderes System zu bevorzugen. Dient angerechnet wurde. Dann heißt es in dem Vertrage: Der Dung beitgeber. Auf der Domäne Nimkau in Schlesien war bei einem dänisch gesinnten Bauern ein dänischer Knecht, dann ladet des Hofmieters verfällt der Gutsherrschaft, der Hofmieter hat 5/2 Jahre ein Pferdefnecht tätig. Seine Frau arbeitet im Winter ihn jetzt der Amtsvorsteher vor und gibt ihm drei Tage Frist, wenn feinen Anspruch darauf."( Heiterkeit.) Die Frau des Arbeiters wird für 50, im Sommer für 60 Pf. täglich auf demselben Gut, also für er in diefen Tagen nicht das Arbeitsverhältnis gelöst oder bei einem in dem Vertrag verpflichtet, gegen einen Tagelohn von 60 Pf. mit weniger, als ein Berliner Maurer in der Stunde verdient. Die anderen Dänen Arbeit nimmt, wird er ausgewiefen, geht er zuarbeiten; versäumt die Frau die Arbeit, so wird deren Lohn dem Frau mochte wohl aus der Großstadt gehört haben, wie es die aber zu einem deutschen Bauern, oder streift er arbeits Manne von seinem Lohn abgezogen. Ferner wird die Frau ver- Arbeiter machen, wenn sie Lohnerhöhung verlangen, und so ver los im Lande umher, dann darf er bleiben. Das Kontraktpflichtet, eine bestimmte Menge Garn zu spinnen; tann sie nicht abredete sie sich denn mit acht oder neun Kolleginnen, 10 Pf. mehr bruch- Gesetz bestraft denjenigen, der einem Knechte rät, vor Ablauf spinnen, so wird ihr ein entsprechender Lohnabzug gemacht. Für zu verlangen oder nicht weiter zu arbeiten. Nachdem sie die Arbeit des Stontraktes den Dienst zu verlassen; hier aber liegt der die Umzugs- und Werbekosten werden monatlich 3 M. abgezogen, einen Tag eingestellt hatten, wurden die 10 Pf. bewilligt. Aber der direkte Befehl vor, du mußt kontraktbrüchig werden, und das befehlen und sie werden dem Hofmieter zurückerstattet, wenn der Hofmieter Pferdeknecht wurde mit seiner Frau entlassen, sie mußten das Haus alle Amtsvorsteher in Nordschleswig! Wenn bei einem Amtsvorsteher mindestens drei Jahre dient. Als die Leute, die eine Woche ge- verlassen, obgleich sie ein trantes Kind hatten. Was nicht von vornherein der Dolus ausgeschlossen wäre, könnte man hier arbeitet hatten, merkten, welche Abzüge ihnen gemacht wurden, sahen der Mann auf dem Deputatader gepflanzt hatte, von einer Art Nötigung oder von einem anderen Verstoß gegen das fie ein, daß sie nichts verdienten und hungern mnßten. Sie waren mußte er im Stich lassen, weil er nicht gleich einen Käufer Strafgesetzbuch sprechen. Wird der Kontraktbruch- Entwurf Gesez, so in einer Scheune untergebracht und bekamen Ungeziefer. Als für die fünftige Ernte fand, wodurch er 60 M. Schaden hatte, dann kommt noch die unbeabsichtigte Verlegung eines dritten Gesezes sie den Dienst verlassen wollten, bestand der Dienstherr auf hatte er vergessen, sich abzumelden und mußte 2 M. Strafe hinzu.( Heiterkeit). Ob das strafbar ist, darüber würde eine andere feinen Kontratt; er wolle sie nur freigeben, wenn sie ihm und Kosten zahlen. Ich hatte der tapferen Frau im Auftrage der Instanz als unser Parteitag zu entscheiden haben. Wir aber können die 100 Mart ersetzten, die der Agent erhalten hätte. Das Breslauer Genossen ein Geldgeschenk zu überbringen, es sah wirklich daraus ersehen, in welchem rechtlosen Zustande sich das ländliche Konsulat nahm sich schließlich der Leute an und sie wurden auf sehr traurig da aus. Das kranke Kind starb, und dann wurde die Frau Proletariat befindet. Stadthagen hat in seiner liebenswürdigen Art Staatskosten nach Hause gebracht. Solche Kontrakte sind nicht selten, wegen der Verabredung mit den anderen Frauen zu zehn Tagen noch zu schonend gesprochen, wenn er diese Zustände mit dem Mittelfie werden natürlich von den Landarbeitern gebrochen, ja, fie müssen Gefängnis verurteilt.( Hört! Hört!) ( hört! Hört!) Das Gericht erklärte, wem alter verglich. Hier handelt es sich um etwas, was das Mittelalter gebrochen werden, wenn die Landarbeiter nicht verhungern wollen. die Arbeitseinstellung länger als einen Tag gedauert hätte, so wäre gar nicht kannte. Im Mittelalter war das feudale Unrecht logisch, Dieser Kontrattbruch soll jetzt durch ein schärferes Gesetz bestraft die Strafe nicht so milde ausgefallen.( Hört! Hört 1) Wir haben heute ist es so unlogisch, daß der Staat sich blamiert, wenn er mit werden. Redner teilt einen Fall aus dem Kreise Ulegto mit, wo einen Versuch mit einem Flugblatt gemacht, in dem wir an die solchen Entwürfen kommt. Für uns aber heißt es: das Unrecht ein Knecht um 4 Uhr morgens aus dem Bette geprügelt und im Spige einen solchen Fall stellten mit einer Ueberschrift, zum Beispiel muß fort, das uns in den Berdacht bringt, unser Land habe keine Hemde in der Kälte Wasser vom Brunnen holen mußte. Der Knecht die streikende Knechtsfrau! Eine weitere Moral an solchen Fall zu Kultur. Es muß fort in Preußen und in Nordschleswig.( Beifall.) verließ den Dienst und erhielt für vier Monate Arbeit drei Mark. knüpfen, ist dann fast gar nicht nötig! Solche Flugblätter werden Thiele- Halle: Wir haben nicht die Macht, durch die Annahme Die Kontrakte werden von den Arbeitern nicht gründlich gelesen, eher gelesen, als die mit längeren Ausführungen, und ich empfehle der Resolution die Gesinde- Ordnung zu beseitigen, wohl aber haben häufig können sie es nicht einmal bei der schlechten Schulbildung. Ihnen, für die ländliche Agitation damit Verfuche zu machen. Ich wir die Mittel, die Lage der Landarbeiter etwas zu bessern. Ins Wie steht es aber mit den Kontraktbrüchen der Arbeitgeber? Bei der bitte, den Antrag Haase anzunehmen, und ich schließe mich den Aus- besondere drückend ist die einjährige Dauer der Verträge und die geringsten Kleinigkeit heben sie den Vertrag auf und verlangen die führungen des Referenten an. Wir dürfen nicht dabei stehen bleiben, fehlende Bestimmung über die Lohnzahlung in den Verträgen. Ich Räumung der Wohnung binnen drei Tagen. Redner empfiehlt den den Gesetzentwurf über den Kontraktbruch zu bekämpfen, sondern bin überzeugt, wenn wir durch Flugblätter und durch unsere Presse Antrag 17, der der Regierung zeigt, wie die Rechtsverhältnisse der wir müssen auch die Abschaffung des Gesetzes von 1854 verlangen. genügend arbeiten, wird es möglich sein, wenigstens für die Eltern, Landarbeiter einigermaßen gebessert werden können. Die Drganisationen möchte ich bitten, für ein möglichst reichhaltiges die in der Industrie arbeiten und deren Kinder sich als Mädchen Material zu sorgen.( Beifall.) oder Knechte vermieten, etwas zu tun. Wir müssen entsprechende Inzwischen sind folgende genügend unterstützte Anträge ein Vertragsformulare entiverfen, die Verträge dürfen nur die Hauptpunkte enthalten. Schmidt- Sonnenburg: Sobald der Entwurf des KontrattbruchGesetzes bekannt wurde, bemächtigte sich meiner Kollegen, der Schnitter, eine große Erregung. Die Schnitter sind im allgemeinen zufriedene Menschen, fie murren nicht, tvenn es ihnen einigermaßen geht. Dabei werden sie von den Inspektoren schimpflich behandelt. Wagen sie den geringsten Widerspruch, so heißt es zu dem verheirateten Schnitter: Du Kerl gehst, aber Deine Frau bleibt hier. Sagt der Schnitter: Wo der Mann ist, da muß auch die Frau bleiben, so soll das Kontraktbruch sein! gegangen: Antrag 21. Um die Landarbeiter möglichst vor den Gefahren der Gesinde- Ordnung zu bewahren, find unter der Landbevölkerung einheitliche Vertragsformulare zu verbreiten, welche beim Abschluß eines Dienstverhältnisses zu benußen find. In dem Vertragsformular ist besonders Gewicht zu legen auf die Festlegung einer beiden Seiten jederzeit freistehenden 14 tägigen Kündigungsfrist und darauf, daß der Lohn monatlich und ohne Abzug zu zahlen ist. Ad. Thiele- Halle. Antrag 22. Der Parteitag der Sozialdemokraten Preußens protestiert gegen die in Nordschleswig geübte Politit, aus dem Königreich Dänemark stammende Knechte und Mägde von amtswegen unter Androhung der Ausweisung zum Kontraktbruch aufzufordern und zu verleiten. Heinrich Mahlke. 0 Der Resolution ift anzufügen: Der Parteivorstand wird er fucht, in Verbindung mit der Generalfommission der Getverk schaften Deutschlands organisatorische Anregungen für die Landarbeiter zu geben und deren Verwirklichung in den einzelnen Landesteilen einzuleiten. H. Hüttmann.( Genügend unterstützt.) ( Fortsetzung in der 2. Beilage.) Marktpreise von Berlin am 28. Dezember. Nach Ermittelungen des tgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- 8entner: Weizen**), gute Sorte 17,75-17,72 M., mittel 17,69-17,66 M., geringe 17,63-17,60 2. Roggen**), gute Sorte 13,95-13,93., mittel 13,91-13,89 M., geringe 13,87-13,85 m. Futtergerste*), gute Sorte 15,90-14,80 m., mittel 14,70 bis 13,60 M., geringe 13,50-12,40 m. afer*), gute Sorte 16,50-15,60 m., mittel 15,50-14,60., geringe 14,50-13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Stochen 40,00-30,00 M. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linsen 60,00-30,00 m. Sartoffeln 9,00-7,00 M. Richtftroh 5,00-4,50 m. Heu 9,60-7,20 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,20 m. Gier per Schod 4,80-3,20 m. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Im ersten Bunft wäre festzulegen, daß das Dienstverhältnis auf unbestimmte Zeit gefchloffen wird mit einer beiden Teilen freistehenden vierzehntägigen Kündigung. Weiter wäre zu bestimmen, wie hoch der Lohn und in welchen Raten er zu zahlen ist. Drittens wäre zu fagen, daß tätliche Beleidigungen des Gefindes seitens des Dienstherrn oder eines feiner Beauftragten zum Verlassen des Dienstes ohne Einhaltung der Kündigungsfrist berechtigen, ferner Redner teilt seine Erfahrungen aus seiner legten Stellung als daß der Lohn unter allen Umständen bis zum Tage des Verlassens Schnitter im vorigen Sommer mit. Den Schnittern waren vertragsdes Dienstes ungekürzt zu zahlen ist, und endlich, welche Dienst mäßig Milch und 25 Pfund Kartoffeln zugesichert. Die Kartoffeln bezüge außer dem Lohn den Arbeitern noch zustehen. Ich bitte Sie, waren einen Meter aus der Miete herausgewachsen, waren unmeinen Antrag mit der Aenderung anzunehmen, daß statt monat. genießbar und verbreiteten einen Geftant toller als ein Schweinelicher Lohnzahlung gefordert wird die 2ohnzahlung in stall. Als Milch wurde Schleudermilch geliefert, die sonst den fleinen furzen Zeitabschnitten. Es ist mit Recht darauf hin Ferkeln gegeben wird. Sehr schlimm waren die Zustände auf den Schweride- Werder a. H.: Die große Mehrheit unserer Arbeiter gewiesen, daß die Eltern die Gefahren der Gefinde- Ordnung gar Gütern des vor zwei Jahren gestorbenen Prinzen Albert von fennen gar nicht das Gefes, sie wissen nicht, in welche Gefahr sich nicht kennen. Unsere Presse müßte mehr als bisher vor der Annahme Sachsen- Altenburg. Auf dem Gute Arenshagen mußte der ihre Kinder begeben, wenn sie sich auf dem Lande vermieten. Mit des Mietstalers warnen. Die Anregung, möglichst einfache, leicht Vorarbeiter mit ruffisch- polnischen Arbeitern arbeiten. Zwei junge dem Augenblick, wo der Knecht oder das Mädchen den Mietstaler verständliche Flugblätter herauszugeben, bitte ich Sie, zu beherzigen. Arbeiter wurden in einer Stube allein untergebracht, ein Beit nimmt, haben sie sich schon auf ein Jahr weiter verpflichtet und Statt aller Reflegionen müssen wir Tatsachen anführen.( Beifall.) gibt es natürlich nicht. Das Stroh liegt auf der Diele. müssen nun allen Anordnungen der Dienstherren oder ihrer Kinder Inzwischen ist der Antrag 24 eingegangen. In der Nacht entsteht ein Boltern, und als der Vorarbeiter hinein- Folge leisten. Die Leute haben keine Ahnung davon, welche Antrag 24. blickt, sieht er nichts weiter als eine schwarze gähnende Deffnung, reaktionären Bestimmungen die Gesinde Ordnung enthält. aus der ein Wimmern hervortönt.( Bewegung.) Einer der Aufenthaltsräume für den Knecht und das Mädchen sind oft nicht jungen Arbeiter hielt sich am Fensterkreuz und rief um vorhanden, die Arbeitszeit ist eine ungewöhnlich lange, es bleibt Hülfe. Die Diele war mit samt dem Lager faum Zeit, die Nahrung zu sich zu nehmen, ja es wird ihnen sogar in die Tiefe gegangen! Einen Abort gab es nicht. zugemutet, auf dem Mistwagen während der Arbeit zu früh Männer und Frauen gingen rings um's Haus und fahen, wo sie es stücken. Ich möchte Ihnen empfehlen, den Antrag 21 möglichst einIos würden. Zwar find getrennte Schlafräume vor stimmig anzunehmen. geschrieben, aber ich habe noch keine Arbeitsstelle gefunden, wo dies Frau Ihrer- Niederbarnim: Die Beispiele über die Rechtlosigkeit innegehalten worden wäre. Männer und Frauen schliefen der Landarbeiter und die Drangsalierungen, denen sie ausgesetzt sind, bunt durcheinander. Auf dem Gute Lippfee, das Prinz bedürfen kaum der Ergänzung. Ich habe auf der Agitation in der Albert von Sachsen an einen Gutsdirektor verpachtet hatte, wurde Grüneberger Gegend ein über 70 Jahre altes Ehepaar getroffen, uns nicht Langstroh, sondern kurzes Preßstroh geliefert. Darauf das nur die Hälfte des Lohnes erhielt, und hiervon wurde noch die haben wir 19 Wochen geschlafen. Wenn die Schnitter nicht auf Altersrente abgezogen. Dabei mußte das Ehepaar dasselbe leisten peinlichste Sauberkeit halten, muß Ungeziefer in Masse entstehen. wie andere Arbeiter. Mit der Arbeitskraft der Frau rechnet man Auch dort trat ein Schnitter durch die Deck e. So sieht wie mit etwas Selbstverständlichem; namentlich während der Ernte es in Mecklenburg aus. Einsichtige Gutsbesizer haben Schnitter- wird auf die Frauen gar keine Rücksicht genommen und die Kinder häuser erbaut mit Waschküchen und anderen Bequemlichkeiten und werden ohne weiteres als Ausbeutungsobjekte betrachtet. liefern eiserne Bettstellen. Sie haben sich auch über Kontrattbruch Je mehr Kinder, desto besser! Die Annahme des Annicht zu beklagen. Die Landsberger Schnitter werden jetzt, weil trages 17 ist ja schon von 17 ist ja schon von mehreren Rednern empfohlen sie auffässig sind, auf den Gütern nicht mehr genommen, man hülft worden. Daß wir auch die Arbeiterinnen schüßen, ist sich mit russischen Schnittern. Wie die hausen, können Sie sich denken. ja selbstverständlich, aber aus prinzipiellen Rücksichten müssen wir Sie schlafen in demselben Raum, wo sie wohnen und essen und immer und immer wieder auch für das Wahlrecht der Frauen eindecken sich mit einer Decke zu, die der Gutsherr liefert. Sie treten, zumal da die Behandlung der Kaufmannsgerichte wieder haben ja teine eigenen Decken und tragen ihr ganzes Geschirr in einmal gezeigt hat, wie man über das Frauenwahlrecht denkt. Deseinem Taschentuch.( Heiterkeit.) Nun wird uns Schnittern gesagt: halb schien es uns notwendig, das Selbstverständliche noch extra zu Ihr müßt solche Kontratte nicht unterschreiben. Wir müssen betonen. Ich weise dann noch auf das Gesinde- blend hin. In den aber jeden kontratt unterschreiben, um Arbeit Verträgen der Landwirtschaftskammer der Provinz Brandenburg Swinemde. 764 23 zu bekommen. Wir Schnitter bestreiten, daß eine Leutenot be- wird die Schwangerschaft unverheirateter Personen als fofortiger Hamburg 767 8 steht, sonst würden die Gutsbesitzer nicht so rigoros gegen uns vor- Entlassungsgrund angegeben. Es ist ja bekannt, daß die meisten gehen, aber das Ausland liefert ihnen Leute, so viel sie brauchen. unehelichen Kinder von Dienstmädchen stammen. Diese Mädchen München 777 28 Wenn ein Schnitter sich verdingen will, so geht er zum Vorschnitter. werden oft genug, wenn sie hübsch sind, engagiert, weil sie wien 772 3 Ich wurde im vorigen Jahre von einem solchen in Sachsen an- ben jungen Herren ihr Vergnügen erleichtern. Wetter- Prognose für Freitag, den 30. Dezember 1904. genommen, aber es wurde mir dann nicht gestattet, meine Kinder( Buruf: Den alten auch Wir haben die Pflicht zu er= Biemlich warm, zeitweise aufklarend, vorwiegend trübe mit Nieder. mitzunehmen, und so mußte ich mir etwas anderes suchen. Ich innern, daß es ein zum Himmel schreiendes Unrecht ist, schlägen und starten westlichen Winden. hatte einen Schnitterverein gegründet, um die Schnitter dahin zu Mädchen, die sich noch fräftig genug zur Arbeit fühlen, auf die bringen, wohin wir sie haben wollen. Nun war ich von Straße zu sehen, weil sie unglücklich gemacht sind durch die einem Vorschnitter angenommen worden, und als der hörte, Arbeitgeber, deren Söhne oder sonst wie. Daß auch unter daß ich den Verein gegründet habe, schrieb er mir:" Ich kann dem Gesinde der Wunsch erwacht, daß die Knechtschaft endlich ein Sie nicht mitnehmen, weil ich höre, Sie sind Ende nehmen möge, zeigt ein der Genoffin Baader zugegangener Demotrat, und Demokraten darf ich meiner Herr- Brief, worin ein Dienstmädchen die Dienstboten als die größten schaft nicht mitbringen. Ich habe dem Manne den Stand- Lohnsklaven bezeichnet, die nur Pflichten und keine Rechte haben und punkt flar gemacht, und er schrieb dann, wenn ich auf meinen Ver- ganz von der Gnade der Herrschaft abhängen. Es heißt weiter trag bestehe, so solle ich mich am dritten Feiertag bereit halten. Ich darin, daß wir zwar in einem christlichen Staate leben, daß aber habe ihm geantwortet, wie es sich gehört. Meine Redezeit ist, leider nicht christlich gehandelt wird. Auch wird darüber Klage geführt, abgelaufen. Ich möchte im Namen meiner sämtlichen Collegen gegen baß der Abgeordnete v. Gerlach troß seines Versprechens bisher im einen Gesezentwurf protestieren, der uns, die wir schon Menschen Reichstage noch nicht für die Dienstboten eingetreten ist. Die Brief zweiter Klasse sind, noch weiter herabwürdigen soll.( Lebhafter schreiberin bittet, daß der Parteitag auch an die Dienstboten denkt. Beifall.) Ich bitte Sie, die Resolution mit unserem Zusazantrag einstimmig Auf Antrag von Haase wird dem Redner die Redezeit ver- anzunehmen, auf das energischste gegen das Dienstbotenelend zu doppelt, weil er aus eigener Erfahrung über die ländlichen Ver- protestieren und nach Kräften für Aufklärung auch unter den Arbei hältnisse berichtet. terinnen zu sorgen.( Lebhafter Beifall.) Berantwo. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glote, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchbruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Witterungsübersicht vom 29. Dezember 1904, morgens 8 hr. Stationen 76923 Berlin Franti.a.M. 776 S Better Stationen 6 Dunst 4 Haparanda 757 5 bedeckt 2 Betersburg 748 8 3 bedeckt 3 Scilly 3 bedeckt 5 wollen! 7 bedeckt 1 Aberdeen -2 Paris Wetter OPD 22 2wolten! 20 3 bedeckt-14 775 SW 4 Nebel 11 760 23523 5balb bd. 12 777 SS 2 bedeckt Berliner Betterbureau. Briefkaften der Redaktion. Streitende 20. Das Viktoria- Theater war ein Privatunternehmen D. K. In Köln a. Rh. liegen folgende Infanterieund keine tgl. Bühne. Regimenter in Garnison: 5. Rheinisches Nr. 65, 3. Westfälisches Nr. 16, 5. Westfälisches Nr. 53. Nigaerstraße. Wenden Sie sich wegen des unterrichts stotternder Stinder an den Reftor der nächsten Gemeindeschule. 3m vorigen Jahre sind 19 Kurse für stotternde Stinder in den Gemeindeschulen abgehalten worden. Enterbter Tischler. Der Holzarbeiter. Berband kann doch wirklich nicht mehr tun, als den beiden Ihnen bekannten un organisierten Tischlern während der Aussperrung regelmäßig eine Unter stübung zu zahlen. Sie, als„ alter organisierter Parteigenosse", sollten diesen Leuten, die sich jekt wegen Zurüdweijung bei der Bescherung beklagen, sagen, daß ein flassenbewußter Arbeiter nicht nur Ansprüche auf Unterstüßung er heben darf, sondern daß es seine Pflicht ist, durch Beitritt zur Organisation auch die Mittel zur Durchführung der Arbeiterforderungen aufbringen zu helfen. Wenn nun alle erst tommen wollten, wenn sie ausgesperrt sind? Nr. 306. 21. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Freitag, 30. Dezember 1904. Preußischer Parteitag. ( Fortsetzung aus der 1. Beilage.) Wenn Liebknecht sagt, es gäbe teine schlimmeren Ausbeuter als die verein, ein Lied zu singen. Als man sich troßdem dazu anschickte, landwirtschaftlichen, so müssen wir hinzufügen, auch die Bertreter sprangen die Beamten hinzu, es gab ein wildes Durcheinander, des industriellen Ausbeutertums laffen es sich angelegen sein, alle einem Sänger wurde das Liederheft entrissen, das nachher aus der Beiworte zu verdienen, die den landwirtschaftlichen Arbeitgebern hier Tasche eines Geheimen" wieder ans Tageslicht fam. Schließlich beigelegt worden sind. Der Gefeßentwurf ist nur der erste Schritt, gab der Geistliche die Erlaubnis, ein bestimmtes Lied zu singen. follte er nicht zu stande kommen er ist ja sehr ungeschickt- so Troßdem suchten die Beamten das wieder zu verhindern, fie fonnten dürfen wir einem ähnlichen Versuch in erweiterter Auflage im Reiche aber den Wall der Leidtragenden, der sich um die Sänger geschart entgegensehen. Auf dem Gebiete des Koalitionsrechtes der Arbeiter hatte, nicht durchbrechen. Aber nachher, als die Kränze niedergelegt gehen wir neuen Kämpfen entgegen.( Bravo!) wurden, gab es Ernte. Um die Leute zu notieren, sie zu verhindern, einige Abschiedsworte dem entschlafenen Genossen zuzurufen, sprangen Beamte hin und her, sogar über das Grab hinweg: Hier wird nicht geredet, lärmte es zwischen die Weiheworte. So hat man im Kampfe gegen einen Toten, im Staate der frommen Sitte, wiedermal den Staat gerettet. Dr. Liebknecht- Berlin: Es wird ein Ruhmesblatt in der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie bleiben, daß sie das erste Mal die entsetzlichen barbarischen Zustände in den Rechtsverhältnissen des Gesindes und der landwirtschaftlichen Arbeiter in ausführlicher und fachlicher Weise behandelt hat. Auch ich verfüge aus meiner Praxis als Anwalt über ein reichhaltiges Material. Im Einführungsgese Frau Schulz Frankfurt a. M. weist darauf hin, daß die Verzum Bürgerlichen Gesetzbuch ist das Recht zum Prügeln des Gefindes hältnisse für die Dienstboten in Berlin auch nicht viel günstiger ausdrücklich aufgehoben, aber trotzdem ist nach wie vor das lägen, als im Osten Preußens. Die rechtliche Lage der Dienst Prügelrecht für Preußen anerkannt. Um das zu verstehen, muß man mädchen, die in Gastwirtschaften arbeiten, sei ganz unklar. Bei Jurist, sogar Kammergerichtsrat sein.( Heiterfeit.) Es wird nämlich Tage würden sie in der Küche beschäftigt, abends helfen sie bei der gesagt, die preußische Gesinde- Ordnung enthält gar fein Prügel Bedienung mit, bei Lohnstreitigkeiten lehne das Gewerbegericht seine recht, sondern bloß eine prozessuale Bestimmung, die bei gewissen Zuständigkeit ab, weil die Mädchen nicht Gewerbegehülfinnen seien, 27. Dezember in Breda ihre 15. Generalversammlung ab. Wie der Die holländische Sozialdemokratische Lehrervereinigung hielt am Mißhandlungen und Beleidigungen das Klagerecht der Dienstboten und das Amtsgericht verweist sie wieder an das Gewerbegericht. Sekretär J. C. Ceton im Jahresbericht mitteilte, hat die Verausschließt, und diese gewissermaßen prozessuale Bestimmung ist In besonderer Not befindet sich auch die Kategorie Dienstmädchen, einigung zurzeit 159 Mitglieder. Die Zahl der Sozialdemokraten aufrecht erhalten. Das ist die Auffassung des Rammergerichts und des die bei herumziehenden Komödianten, Schieß, Schaubuden- und unter den holländischen Lehrern ist jedoch mehr als doppelt so groß. Reichsgerichts. In der Proving Brandenburg bestehen auf einem Gut, Karouffelbesitzern im Dienst ist. Lohn erhalten sie überhaupt nicht, Es ist festgestellt worden, daß 160 bis 170 Lehrer wohl Mitglieder das durch eines der schönsten Gedichte von Fontane berühmt sondern Beköstigung, aber um sie hat sich noch niemand gekümmert, der sozialdemokratischen Partei, aber nicht Mitglieder der Sozialgeworden ist, Arbeitsverträge, die u. a. die Bestimmung enthalten, obwohl besonderer Schuh notwendig wird. Für uns gilt es, tüchtig demokratischen Lehrervereinigung sind. Die Versammlung befaßte daß die Instleute ihre Kinder nur bis zum 15. oder 16. Lebensjahre zu arbeiten, um Positives zu erreichen.( Bravo!) bei sich im Hause behalten dürfen; wenn die Kinder vom 15. Jahre Die Weiterberatung wird auf Freitag bertagt. Vereinigung zu den Stammerwahlen und Gemeindewahlen betreffend. sich außerdem hauptsächlich mit tattischen Fragen, die Stellung der an für den Gutsbesizer arbeiten wollen, dann dürfen sie noch weiter Zur Geschäftsordnung rät Singer den Mitgliedern des Hierzu wurden zwei Resolutionen angenommen, die beide von der da bleiben, sonst müssen sie aus dem Hause heraus.( Hört! hört!) Parteitages, sich darauf einzurichten, mindestens noch Sonnabend Auffassung ausgehen, daß die Vereinigung sich, ebensowenig wie der Das ist geradezu eine Erpressung. Ich bin jederzeit bereit, auf vormittag tätig zu sein. Für morgen nachmittag ist eine Theater- Lehrerverband, mit der Aufstellung von besonderen Kandidaten für Grund dieses Tatbestandes eine Anklage wegen Erpressung genau so vorstellung geplant, die um 3 Uhr beginnt, also kann nur der Vor- derartige Wahlen befassen soll, sondern das der Partei zu überlassen gut und besser zu begründen, wie die zahlreichen Anklagen wegen mittag benutzt werden. Der zur Beratung stehende Punkt der hat, daß aber die Mitglieder die sozialdemokratischen Kandidaten: Erpressung, die tagtäglich gegen Arbeiter wegen Ausübung ihres Tagesordnung ist außerordentlich wichtig und die Materie ver- unterstüßen sollen. Dieser Beschluß ist darum besonders wichtig, Stoalitionsrechtes erhoben werden.( Sehr gut!) In einem anderen dient, daß die Debatte nicht kurzerhand abgebrochen wird. weil im fünften Amsterdamer Wahlkreis bei den bevorstehenden Falle prügelte der Bauer das Gesinde. In der Knechtstube hatten Außerdem ist noch ein Punkt der Tagesordnung zu erledigen und Stammerwahlen wiederum der bisherige Vertreter, der freifinnig die Ratten die Dielen angefressen und tanzten des Nachts vergnügt eine Reihe wichtiger Anträge sind zu erörtern. Jedem Wider- demokratische Lehrer Ketelaar pom Lehrerverbande als Kandidat herum, in der Mädchenstube war ein Loch in der Decke, so groß, spruch kann von vornherein durch den Hinweis begegnet werden, aufgestellt werden soll. Die sozialdemokratischen Verbandsmitglieder daß man sich leicht über die Vorgänge im oberen Stock orientieren daß die bisherigen Beratungen ein so großes Interesse erwecken, werden dagegen den von der Arbeiterpartei aufzustellenden Kandikonnte, und umgekehrt, und in ein einziges Bett wurden alle also außerordentliche Sachkenntnis gezeigt und so wichtige Gesichts- daten unterstützen. Mädchen gebracht, die auf dem Gute beschäftigt waren. Eines Tages punkte erörtert haben, daß wir schon um unserer eigenen Würde wurde auch die sogenannte Lauseschulze, ein schmutziges Mädchen, in das willen nicht kurz damit abbrechen können. Der preußische Parteitag Bett gelegt zu einem reinlichen und anständigen Mädchen. Nach kurzer Zeit hat in glänzendster Weise sich entwickelt, er wird hoffent war dieses Mädchen natürlich über und über verlauft, es lief in lich den Anfang einer Bewegung darstellen, die nicht nur feiner Berzweiflung nach Hause, aber die Polizei holte es unseren Gegnern Achtung abnötigt, sondern unsere Partei zu mit Gewalt zurüd.( hört! hört!) Es wurde mit Strafe einer weiteren Machtentfaltung führt.( Lebhafte Zustimmung.) Die Konferenz wurde gestern fortgefeßt. Sie verhandelte zu belegt, und als schließlich unser Partei- Organ diese Wirtschaft in Ich möchte Sie also bitten, sich mit meinem Vorschlage ein- nächst über die Taktik bei Streifs. Der Referent Gerlach- Königs gebührender Weise kennzeichnete, wurde auch noch der te verstanden zu erklären, es wäre nicht richtig, wenn wir unsere Arbeit berg i. Pr. und die Diskussionsredner stimmten darin überein, daß Batteur angetlagt und berurteilt.( hört! hört!) schädigen wollten, und deshalb bin ich der Meinung, daß wir mit für die Streittaftit feine bestimmte Schablone geschaffen werden Noch schlimmer als das Gesetz von 1854 in seinen Strafbestimmungen Rücksicht auf die große Wichtigkeit der Fragen unsere Verhandlungen könne, die Taktik müsse sich vielmehr nach den jeweiligen Verhält ist die Befugnis der Polizeibehörde, den Dienstboten mit Gewalt in um einen halben Tag verlängern. Ich bitte die Delegierten, sich niffen richten. Besonders wurde betont: Wenn sich im Laufe eines Den Dienst zurückzuführen, entweder durch zwangsweisen Transport darauf einzurichten, daß wir am Sonnabend vormittag noch ver- Streits herausgestellt hat, daß durch Fortführung desselben nichts oder durch Zwangs-, Geld- und Haftstrafen. Redner führt einen handeln.( Lebhafte Zustimmung.) mehr erreicht werden kann, dann müsse die Streifleitung den Mut Fall an, in welchem ein Mädchen, das nicht weit von Berlin aus Schluß 7 Uhr. haben, den Abbruch des Streits zu befürworten, wenn auch die dem Dienste entlaufen war, auf Grund sich jagender polizeilicher Stollegen damit nicht einverstanden sein sollten. Im Laufe der Zwangsverfügungen, in furzer Zeit über 100 Mart Strafe zahlen Genoffe Dstar Schütz- Breslau bittet uns um folgende Debatte kam auch die Rede auf die Tarifverträge. Gehl Berlin mußte; durch diese Bestimmung besteht die Möglichkeit, ein Richtigstellung: vertrat die Ansicht: Tarifverträge stärken die Position des Unters Mädchen bollständig wirtschaftlich zu ruinieren, Der Oberbürgermeister von Breslau hat sich nicht gegen die nehmertums. Eine Arbeiterorganisation, welche die Abschaffung der und wenn es die Strafe nicht bezahlen kann, dann dann wird Errichtung von Wohnungen für städtische Arbeiter ausgesprochen, Lohnfflaberei und die Einführung der sozialistischen Produktion ere es in Haft genommen und tommt schließlich überhaupt sondern gelegentlich einer von mir gegebenen Anregung erklärt: strebt, habe kein Interesse am Abschluß von Tarifverträgen. Wenn nicht mehr aus dem Gefängnis heraus. Sie sehen daran, Wir können doch unmöglich von Gemeinde wegen Wohnungen bauen es die praktischen Verhältnisse erfordern, werde man wohl auf Tarifa in welch traffen Formen sich die Rechtlosigkeit der Arbeiter und so den Hausbefizern Konkurrenz machen. verträge eingehen, man müsse sie aber betrachten als einen Patt mit den Unternehmern, den man wieder aufgibt, fobald es im Inter esse der Arbeiter angebracht erscheint. st 營 Partei- Nachrichten. gerade hier auf dem Gebiete des Polizeiverwaltungsrechtes tennzeichnet. Besonders schlimm ist es, wenn der Amtsvorsteher gleichzeitig der Dienstherr ist. Wie eigenartig es wirft, wenn Schwangerschaft als Entlassungsgrund statuiert wird, beweift folgender Fall: Ein Rittergutsbesitzer in der Nähe von Berlin war zwei Jahre lang allnächtlich mit seinem Dienstmädchen ungültigkeitserklärung der von unseren Parteigenossen erfämpften Bei der erneuten Stadtverordnetenwahl in Grimmitschau, die durch zufammengekommen, und als nun das Malheur da war und die Mandate notwendig geworden war, erhielten, wie uns ein PrivatMimentationstlage drohte, gab er ein paar hundert Mark und telegramm meldet, die Sozialdemokraten 677 und die Ordnungsglaubte auf diese Weise die Sache aus der Welt zu schaffen. Das brüder 659 Stimmen. Die ungültigkeitserklärung hat also den alte jus primae noctis feiert hier eine höchst bedenkliche Auferstehung, Herren nichts genügt. es bleibt nicht mehr bei der ersten Nacht, die Gutsherren mit ihrer Sippe verlangen oft genug alle Nächte, die der Herrgott werden läßt, von den Dienstboten für sich. Neue Arbeiterfekretariate werden im neuen Jahre in den westlichen Bergarbeiterbezirken eröffnet, und zwar am 1. Januar eins in Redlinghausen und am 1. Februar in Kohlscheidt bei Aachen. Boltshaus ein. Die Elberfelder Genoffen weihten am 1. Feiertage ihr neues Der§ 3 des Kontrattbruch- Gefeßentwurfs nimmt sich in seinem Wortlaut sehr schön aus, beinahe als wäre er im Jnteresse der Arbeiter gemeint; aber in Wirklichkeit will man die Arbeitgeber nur darum zwingen, Beugnisse auszustellen, damit fünftig jeder Arbeitgeber, der einen Dienstboten ohne Zeugnis annimmt, schon ohne weiteres überführt ist, den Dolus oder die Fahrlässigkeit zu Von der Saarwacht" ist uns die Nr. 1 zugegangen. Im haben, die nach§§ 1 und 2 des Gesetzes zur Bestrafung ausreichen. äußeren Aussehen entspricht das achtseitige Blatt der Volksstimme" Der Zusammenhang dieses Gesetzes mit der Zollvorlage ist ein in Frankfurt a. M., in deren Druckerei es gedruckt wird. Erganz eklatanter. Das Juntertum hat in der Zollvorlage versucht, scheinungsort ist St. Johann a. D. Saar. Inhaltlich bietet es neben fich dadurch ein Eristenzminimum zu verschaffen, daß die Preise der dem allgemeinen politischen Terte mehrere Artikel und Notizen, die Produkte möglichst in die Höhe getrieben werden. Es galt nun sich mit den besonderen Verhältnissen des Saarrebiers beschäftigen. noch, die Spefen der Produktion möglichst herabzudrücken. Das Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Genosse Osterroth. Der Gesetz von 1854 hatte in dieser Beziehung eine Lüde gelassen. Um Preis ist auf 70 Pf. monatlich festgesetzt. diese Lücke auszufüllen, ist dies Gesetz geschaffen, dessen Tendenz teine andere ist, als billige Arbeitskräfte für dasselbe Junkertum zu besorgen, das durch die Zollvorlage seine Profite maßlos erhöht hat. Diesen Versuch müssen wir in der schärfsten Form zurück iveifen, wir müssen betonen, daß es keine Klaffe, gibt in Preußen, die gemeiner und eigennütziger ist, als das Junkertum und daß wir dieser heuchlerischen Hngerechtigkeit Kampf bis aufs Meffer anfagen. ( Lebhafter Beifall.) Biedermann- Delitzsch berichtet über die Zustände in dem länd lichen Wahlkreife, den er vertritt. Ein Gutsbefizer wurde zu einer geringen Geldstrafe verurteilt, der einen 16 jährigen Arbeiter durch Prügel gezwungen hatte, auf dem Felde zu bleiben, wo er durch Hipschlag den Tod fand. Alte Arbeiter werden erbarmungslos abgeschoben, und ihr Unterhalt belastet die Armenlasten der Heimatsgemeinde. Die Schlafstellen der Dienstboten find ganz unzulänglich. In einem Dorfe mußten mehrere Dienstboten in demselben Bette schlafen und holten sich Sträge. Baffehl- Wolgast teilt Baragraphen aus der Gesinde- Ordnung für Stralsund, Vorpommern und Rügen vom Jahre 1845 mit, einer wahren Sklavenordnung. Die Gefinde Ordnung spricht überhaupt nicht von den Rechten, sondern nur von den Pflichten des Gesindes. Der Vertrauensmann der Partei in unserem ländlichen Wahlkreise ist gleichzeitig auch der Vertrauensmann des ländlichen Gefindes. Der Lohn des Gesindes ist von der Pommerschen Landwirtschaftsfammer auf 420 W. jährlich angegeben. Bei dem großen Arbeiterfreund und Reichstags- Abgeordneten Grafen Schwerin- Löwig beträgt der Lohn mit Deputat 500 m. jährlich. Das Kontrattbruch- Gesetz soll nun zu den alten Fesseln eine neue hinzufügen. unfer neneg Kein Terrorismus? was Unser neues Parteiblatt, die„ Saarwacht", tann gleich in seiner ersten Nummer mit einem Dokument aufwarten, dessen Zweck offensichtlich die Aushungerung sozialdemokratischer Arbeiter ist. Es lautet: Arbeitgeber- Verband der Saar- Industrie. Vertrauensmänner- Zentralisation der Maurer Deutschlands. " M Anträge zum Beschlüsse zur Streittaftit wurden nicht gefaßt. Der folgende Punkt der Tagesordnung lautet: Maurer hinfort den Namen" Freie Vereinigung der Programm der Organisation". Hierzu lag ein Antrag von Berlin vor, welcher fordert, daß die Vertrauensmänner- Bentralisation der Maurer Deutschlands" führen soll. Mette- Berlin begründete diesen Antrag. Er sagte unter anderem: Nach Aufhebung des Verbindungsverbotes im preußischen Vereinsgefeh habe die Organisation das System der Vertrauensmänner abgefchafft, die Geschäfte werden durch die Leitungen der Organisationen geführt; die Bezeichnung Vertrauensmänner- Bentralisation" stimme mit den wirklichen Verhältnissen nicht mehr überein, deshalb werde die Aenderung des Namens vorgeschlagen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen besprach der Redner die einzelnen Säße des Programms der Organisation. Der erste derselben besagt, die Organis sation bekennt sich zu den Grundsäßen der sozialdemokratischen Partei und hält es für unerläßlich notwendig, für die Auss breitung dieser Grundsähe tätig zu sein. Mit Bezug auf diesen Programmpunkt jagte der Redner: Als die Generalstreitdebatten in Fluß tamen, sei von anderer Seite gesagt worden, jetzt werde fich die Organisation von der sozialdemokratischen Partei trennen. Diefe Annahme sei ganz grundlos. Die Organisation stehe nach wie vor auf dem grundsäßlichen Standpunkt der Sozialdemokratie, deshalb könne sie aber doch Fragen diskutieren, welche in der Oeffentlichkeit auftauchen, obwohl dieselben innerhalb der Sozialdemokratie vielfach auf Widerspruch stoßen. Nach Schluß der furzen Diskussion wurde der Berliner Antrag auf Namensänderung angenommen. " Die hierauf folgenden Erörterungen über die Presse bezogen fich auf einzelne Artikel der„ Einigkeit", an denen der eine oder andere Redner etwas auszusehen hatte. Im allgemeinen wurde der Standpunkt vertreten, daß man mit der Haltung der Einigkeit" zufrieden sein könne. Zu diesem Punkte tourde eine Refolution angenommen, welche der Einigkeit", als dem Organ der auf sozialdemokratischem Boden stehenden Gewerkschaften vollste Anerkennung ausspricht. " Nach Erledigung einiger univeſentlicher Angelegenheiten schritt die Konferenz zur Festsetzung des Gehaltes des befoldeten Geschäftsleiters. Hierzu wurde beschlossen: Das Gehalt richtet sich nach der Höhe des am Orte bestehenden Tagelohnes und ist wöchentlich auszuzahlen, ohne Abzug der in die Woche fallenden Feiertage. Nebeneinnahmen, welche der Geschäftsführer in dieser seiner Eigenschafft hat, fallen dem Agitationsfonds zu. Als Geschäftsleiter wurde Gehl- Berlin einstimmig gewählt, seine Amtstätigkeit beginnt am 1. Januar. Ein schon von einer früheren Konferenz gefaßter Beschluß: Eine kurze Geschichte der deutschen Manverbewegung herauszugeben, wurde der neuen Geschäftsleitung zur Berücksichtigung überwiesen. Liste der in der sozialdemokratischen und gewerkschaftlichen Agitation im Saarrevier tätigen Personen. Geheim. den 6. Dezember 1904. Liste Nr. 12. Verteilung sozialdemokratischer Schriften. Wie wir in Erfahrung gebracht haben, find in der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober d. J. auf der Chauffee&..... A. von drei Perfonen sozialdemokratische Schriften, Saarabien vor Gericht", an die Bergleute der Grube M.... verteilt worden. Es waren dies der Händler P. K. in F...., sowie die Arbeiter F. B. und F. B., beide in F Es wird vermutet, daß außer diesen Dreien noch die A. Sch.... und J. St. aus F. bei der Verteilung zugegen gewesen sind, die jedoch keine Schriften berteilt haben sollen. Der Händler P. S. ist pensionierter Bergmann und dem Vernehmen nach ausgesprochener eifriger Sozialdemokrat, der fich auch agitatorisch an allen in hiesiger Gegend stattfindenden sozialdemokratischen Versammlungen usto. beteiligt. Derselbe war früher Kassierer des Verbandes der... arbeiter Gin Delegierter warf die Frage auf, ob es angebracht sei, daß und verwandter Gewerke Deutschlands" und ist auch jetzt noch Mit die Organisationen der hier vertretenen Richtung den örtlichen Ge glied des Verbandes. Der arbeiter F. B. arbeitet bei werkschaftskartellen beitreten. Th. Fischer, der die Geschäftsder Firma L. R. Sohn in F. und der arbeiter F. B. bei leitung der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften vertrat, Ledebour- Berlin: Ich möchte die Ausführungen Stadthagens in der Firma S. u. H. in F. Beide waren früher auch Mitglieder verties auf einen Beschluß des vierten Kongresses dieser Richtung. einem Puntte ergänzen und zwar inbezug auf die Stellung der des obengenannten Verbandes und sind es wahrscheinlich auch Derselbe besagt, daß gegen den Beitritt nichts einzuwenden sei, sofern bürgerlichen Barteien zum Kontraktbruch- Gesez. Wir haben nach allen jetzt noch. das betreffende Kartell nur gemeinsame Angelegenheiten der örtbisherigen Erfahrungen ja nicht viel von den bürgerlichen Parteien Die Herren vom Arbeitgeber- Verbande werden diese gem e lichen Organisationen regele. Wenn aber, wie es vielfach der Fall erwartet, aber die schlimmsten Befürchtungen werden Kennzeichnung der drei Sozialdemokraten nicht vorgenommen haben, sei, die Kartelle Organe der Generalfommiffion und einseitige Verjezt schon übertroffen. Nach dem Bericht über die Verhandlungen um ihnen eine Belohnung zu gewähren. Der jungen Partei- tretungen der Verbände seien, dann könne nicht erivartet werden, in der Kommission zur Vorberatung des Kontraft- bewegung dieses Bezirkes kann übrigens nichts besseres passieren, als daß sich eine der hier vertretenen Organisationen solchem Kartell bruch Gesetzes steht fest, daß dort die Vertreter der national folche brutale Bekämpfung; sie wird daran rasch erstarken. anschließen. Ob der Anschluß in einem bestimmten Fall ratsam liberalen Partei erklärt haben, der Entwurf ginge ihnen nicht weit sei oder nicht, das hänge somit von den örtlichen Verhältnissen ab. genug, es müßte zunächst nicht nur der landwirtschaftliche Arbeit- Am Vorabend des chriftlichen Friedensfestes trugen die Partei- Wo die Gewerkschaften der Freien Vereinigung zahlreich genug geber bestraft werden, der einen kontraktbrüchigen Arbeiter in Dienst genossen in Meiderich bei Ruhrort einen Toten hinaus, den feien, würden sie gut tun, eigene Kartelle zu gründen, wie in Berlin nehme, das Gesetz müsse, um wirksam zu werden, ausgedehnt werden Snappschaftsältesten und Barfeivertrauensmann Diederich Kötten, und einigen anderen Orten. Im Anschluß an diese Frage wurden auf alle Dienstverhältnisse und auf alle Kontrattbrüche, also auch der sein Lebtag ein tapferer und braver Kämpfer war. Aber nicht noch verschiedene örtliche Angelegenheiten besprochen. Damit war auf die industriellen Arbeiter. Auch reiche es nicht aus, es für friedlich zeigte sich die offizielle Ordnung. Ueber zwei Dußend die Konferenz beendet. Preußen zu erlassen, es müsse ausgedehnt werden aufs Behelmte, dazu noch eine Schar Geheime", begleiteten den Bug. Reich. Dieser Kommissionsbericht hat keinen Widerspruch gefunden, und Ohne Rücksicht auf die Leidtragenden wurde der Zug gestört, indem Hus Induftrie und Dandel. die Haltung der Nationalliberalen stimmt überein mit sonstigen die Entfernung der Schleifen von den Kränzen gefordert und erBortommmiffen. So ist in Anhalt bekanntlich unter Beihülfe der zwungen wurde. Zu beschämenden Auftritten tam es am offenen Zum Konzentrationsprozeß im Steinkohlenbergbau liefern die Nationalliberalen, ja sogar eines freisinnigen Landtags- Abgeordneten, Grabe. Gegen den ausdrücklichen Willen des Verstorbenen begleitete Beteiligungsziffern des Rheinisch- westfälischen Kohlensyndikats ein noch viel weitergehendes Kontrattbruch- Gesetz beschlossen worden. I ein Geistlicher den Trauerzug. Dieser verbot demi Arbeiter- Gesang- für 1905 einen intereffanten Beitrag. Nach der Behauptung mancher g " nommen. Kartell Theoretiker soll die Kontingentierung der Produktion durch| ziehen, die zur Deckung dieses Bedarfes ihren fünften Hochofen an-| gewesen ist. In der Hauptsache ist dieser neue Rückgang auf den die Kartelle das beste Mittel gegen die industrielle Betriebs- blasen dürfte. Für das Jahr 1905 haben die Huldschinskyschen jüngsten Bericht der Entförnungsanstalten zurückzuführen, der von fonzentration sein, da sie auch den schwächeren Werken einen be- Hüttenwerke ihren Roheisenbedarf zwar noch beim Roheisen- Syndikat den Baissespekulanten nach allen Regeln der Kunst zum Preisstimmten Anteil an der Jahresproduktion garantieren und die über- abgeschlossen. Damit ist aber auch der Absatz des Syndikats an die druck ausgenutzt wird. Nach diesem Bericht sind bis zum mächtige Konkurrenz der großen Werke ausschalten. Für das Kohlen- bisherigen ständigen Revierkonsumenten endgültig beendet. Die 13. Dezember 11,8 Millionen Ballen entförnt worden gegen syndikat traf bisher diese Behauptung nicht zu. Unter dem alten Bismarckhütte und die Huldschinskyschen Hüttenwerke haben einen 8,75 Millionen im gleichen Zeitraum des Vorjahres, so daß man Syndikatsvertrage mit seiner jährlichen erneuten Beteiligungs- Marimalbedarf von zirka 70 000 Tonnen Roheisen pro Jahr gehabt. auf eine Ernte von beinahe 13 Millionen Ballen rechnet. festſebung erlangten vielmehr von Jahr zu Jahr die großen Berg- Bringt man dieses Quantum in Abzug, so bleibt den Hochofenwerken Die Baumwollpflanzer sind über diesen erneuten Preisrüdgang werksgesellschaften ein steigendes Uebergewicht, denn sie erweiterten und zwar den Hauptroheisen- Verkäufern, Donnersmarckhütte und voller Erbitterung. Der Frankfurter Zeitung" wird darüber aus stetig ihre technischen Anlagen, und da die Höhe der Beteiligung Bethlen- Falvahütte, im wesentlichen nur das Geschäft in Gießerei- New York gedrahtet: Die Baumwollpflanzer sind durch den neuerstatutengemäß nach der Leistungsfähigkeit bemessen wurde, ver- Roheisen. Nun aber erscheint im vornhinein ausgeschlossen, daß das lichen Rückgang des Produkts schwer betroffen worden. An manchen größerte sich alljährlich ihr Produktionsanteil gegenüber dem der oberschlesische Gießerei- Roheisengeschäft derart nach Mitteldeutschland Orten wurden größere Mengen von Baumwolle verbrannt, um die fleinen Zechen. Um diesem Vorgehen der großen Grubengesell- ausgedehnt werden kann, daß die 70 000 Tonnen Martin- und Buddel- Preise aufrecht zu erhalten. Die Urheber dieser Bewegung streben schaften zu wehren, wurde bei der Erneuerung des Kohlensyndikats Roheisen, die in Wegfall kommen, durch die Gießerei- Roheisen- die Vernichtung von zwei Millionen Ballen an. im vorigen Jahre die Bestimmung in das Statut aufgenommen, produktion ersetzt werden können. Zweierlei ist nur möglich: Ent- Deutlicher als durch diese Meldung kann der Unsinn des daß die Beteiligungsziffer nicht jährlich neu festgesetzt werden solle, weder es kommt zu weiteren Fusionen im oberschlesischen Revier kapitalistischen Wirtschaftsgetriebes kaum charakterisiert werden. Das sondern bis 1905, und daß sie innerhalb dieses Zeitraumes nur so oder das eine oder das andere Hochofenwerk entschließt sich zur eine Jahr, unter Hinweis auf angeblich zu geringe Ernte- Ergebnisse, weit erhöht werden dürfe, als der Bedarf zunehme. Damit sollte Erweiterung seines Betriebes und sucht, sein Roheisen selbst zu eine maßlose spekulative Preistreiberei, welche die Baumwolldie Konzentrationsbewegung eingedämmt werden; der Erfolg war konsumieren. industrie in eine schwere Krise stürzt; das nächste Jahr, wenn die aber bekanntlich nur, daß die großen Bechen die kleinen auftauften, Posener Spritfabrit. In der gestern abgehaltenen General- Ernte günstiger ausfällt, eine fast nicht minder schädliche künstliche Preisum ſie ſtillzulegen und ihren Produktionsanteil in anderen beffer versammlung der Aktionäre wurde nach längerer Befürwortung durch drückerei, welche die Pflanzer zu einer mutwilligen Zerstörung des rentierenden Gruben fördern zu laſſen. Die Konzentration ist nur ben Direktor Stern der Antrag auf Errichtung einer Interessen- reichen Erntefegens treibt. Das ist die schöne Harmonie, die sich noch beschleunigt worden, wie sich zahlenmäßig nachweiſen läßt. gemeinschaft mit der Bank flir Sprit und Produktenhandel ohne nach liberaler Doktrin in unserem heutigen Wirtschaftsgetriebe durchAm 1. Januar 1904 betrug beispielsweise die Gesamtbeteiligungsziffer 73 157 140 Tonnen, für das nächste Jahr ist sie auf 75 584 133 Biderspruch angenommen und die Dividende auf 16 Proz. fest- setzt und die beste aller Welten regiert. Tonnen bemessen; während aber zu Beginn dieses Jahres an der geſetzt. Neue russische Anleihe. Wie heute an der Börse gerüchtweise Beteiligung noch 97 Zechengesellschaften partizipierten, sind es bom Helios- Gesellschaft, Köln. Die gestrige Versammlung der In- verlautete, soll der Abschluß der neuen russischen Anleihe unmittelbar 1. Januar nächsten Jahres ab nur 87. Die übrigen 10 Gesellschaften haber von Schuldverschreibungen der Helios- Gesellschaft hat sich ein- bevorstehen; nach anderen Behauptungen soll sie fogar schon ab find aufgekauft und ihre Betriebe mit anderen vereinigt worden. stimmig für die Liquidation der Gesellschaft ausgesprochen. Der geschlossen sein und sich auf 1200 Millionen Frank belaufen. Außer Noch deutlicher kommt die Konzentration darin zum Ausdruck, Pfandhalter der Obligationäre, Justizrat Heiliger, erklärte: Bei in Deutschland soll sie in Rußland, Holland und Belgien aufgelegt daß zu Beginn des laufenden Jahres die 12 größten Bergwerts Aufstellung des letzten Rechnungsabschlusses des Helios habe sich werden. Eine Beteiligung Frankreichs ist nicht in Aussicht gegesellschaften an der Gesamtbeteiligungsziffer nur mit 32 764 700 ergeben, daß ein ertragbringendes Arbeiten unmöglich und die Tonnen partizipierten, vom nächsten Jahre ab dagegen mit 38 074 190 Liquidation unter Vermeidung des Konkurses am besten sei. Dazu Tonnen. Es sind dies folgende Zechengesellschaften: sei aber die Zustimmung der Inhaber der Schuldverschreibungen, der Bankengläubiger und der sonstigen Gläubiger erforderlich. Die gewählte Kommission sei nach längeren Verhandlungen zu dem Schluß gelangt, daß mit der letztgenannten Gruppe von Gläubigern wegen ihrer großen Zahl und der Verschiedenartigkeit ihrer Interessen nichts zu erzielen sei, so daß von diesen, falls sie nicht befriedigt würden, jederzeit die Gefahr des Konkurses zu besorgen sei. Da aber bei Eintritt des Konkurses weit weniger herauskommen würde als bei ruhiger Abwickelung, so habe man sich dahin geeinigt, die legtgenannten Gläubiger voll zu befriedigen. Nach Ansicht der Verwaltung sei bei außergerichtlicher Liquidation volle Befriedigung der Schuldverschreibungen und Bankengläubiger zu erwarten. Dazu sei aber erforderlich, daß dem Helios die Geldmittel zur Befriedigung der laufenden Verpflichtungen zur Verfügung gestellt würden. Aus eigener Kraft könne sie der Helios nicht aufbringen. Die Banken hätten sich dagegen bereit erklärt, gegen die Bestellung Zur Lage der oberschlesischen Eisenindustrie. Durch die Fusion verschiedener bisher noch nicht verpfändeter Sicherheiten die erforderder Huldschinskyschen Hüttenwerte mit der Oberschlesischen Eisenbahn- lichen Mittel zur Befriedigung der laufenden Verpflichtungen zur Bedarfs- Attiengesellschaft hat die industrielle Verfassung des ober- Verfügung zu stellen. schlesischen Montanreviers ein vollständig neues Gepräge erhalten, die Stimme eines Inhabers von Schuldverschreibungen anDie Vorschläge der Kommission wurden schließlich mit allen gegen und es ist nicht ausgeschlossen, daß sich verschiedene, bedeutsame Konsequenzen an diese Fusion knüpfen werden. Die Huldschinskyschen genommen, der seine Ablehnung damit begründete, daß er in erster Werke, die bislang die letzten Haupt- Roheisen- Konsumenten des ober- Linie die Uebernahme einer Gewährleistung durch die beteiligten schlesischen Roheisen- Syndilats waren, werden nämlich von diesem Banken fordern müsse. in ihrer Roheisen- Eindeckung durch die Fusion, wie der„ Breslauer Die amerikanischen Baumwollpreise sind in den letzten Tagen an General- Anzeiger" richtig hervorhebt, ganz unabhängig. Die den Baumwollbörsen von New York und New Orleans erneut geBismarckhütte schied durch ihre Interessengemeinschaft mit der Ober- funken. Sie stellten sich in New York am 28. d. M. auf 6,66 Cents schlesischen Eiſenindustrie aus. Nunmehr werden die Huldschinsky- für Märzlieferung und 6,81 Cents für Mailieferung: eine so niedrige schen Hüttenwerke ihr Roheisen natürlich von der Friedenshütte be- Preisnotierung, wie sie seit fünf Jahren nicht mehr zu verzeichnen Gelsenkirchener Bergwerks- Aftiengesellschaft Harpener Bergbau- Attiengesellschaft Hibernia Rheinpreußen 1905 1904 6 754 000 6 650 000 4 030 000 2 132 500 2 740 000 7 698 000 7 240 000 5 416 500 2 994-490 Nordstern 2 740 000 Konfolidation 1 740 000 1 740 000 Arenbergsche Attiengesellschaft 1 872 700 1 570 000 Gutehoffnungshütte. 1 700 000 1 100 000 Gewerkschaft Ewald 1 693 000 Zollverein 1 755 500 Neumühl 1 650 000 1 574 000 38 074 190 . Zeche Graf Bismarc Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Freitag, 30. Dezember. Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Mignon. Neues fönigl. Opern Theater. Die Herzmarke. Deutsches. Maskerade. so ich Dir! Berliner. Leffing. Traumulus. Westen. Der Troubadour. Thalia. Der große Stern. National. Die Fledermaus. Zentral. Die Geisha. Anfang 8 Uhr: Neues. Der Graf von Charolais. Belle Alliance. Ein Blißmädel. Schiller 0.( Wallner Theater.) Die Haubenlerche. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Thenter). Heimg'funden. Kleines. Die Neuvermählten. Residenz. Herkulespillen. Carl Weiß. Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Luftspielhaus. Der Familientag. Trianon. Die glückliche Gilberte. ( Heureuse.) Deutsch- Amerikanisches.New- York. Luijen. Die zärtlichen Verwandten. Apollo. Berliner Luft. Wundersterne. Elektrische Tanzbilder. Metropol. Die Herren von Marim. Kasino. In Vertretung. Paffage Theater. Ludolf Waldmann. Klara Lingen. Anf. 5 Uhr. Wintergarten. Spezialitäten. Neichshallen. Stettiner Sänger. Palast. Spezialitäten. Herrnfeld- Theater. Prinz Levy in Ahlbed. Urania. Taubenstraße 48/49. Jm Theater abends 8 Uhr: Bannkreis der Jungfrau. Im Theater nachmittags 4 Uhr: An den Seen Oberitaliens. Im Stern. Invalidenstraße 57/62. warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Jm Theater abends 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. National- Theater Weinbergsweg 19. Freitag, den 30. Dezember 1904: 15. Freitags- Abonnement. Vorletztes Gastspiel Fritz Werner: Die Fledermaus. Anfang 72 Uhr. Sonnabend: Lestes Gastspiel Werner: Die Fledermaus. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: 1 123 000 1755 500 1 650 000 1 519 700 32 764 700 Urania, Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Im Bannkreis der Jungfrau. Im Theater 4 Uhr: An den Seen Oberitaliens. Sternwarte 8 Uhr: Invalidenstr. 57/62. Tierleben in der Wildnis. CASTAN'S ANOPTICUM. PANOS Während der Festwoche: Große WeihnachtsAusstellung!! Die Hauffschen Märchen. Achmet Effendi, der indische Bauchredner u. seine sprechenden Wunderfiguren. Der rätselhafte Zaubertisch. Passage- Panopticum. Bis Sonntag, den 1. Januar inkl.: Volkstage. Jeder Erwachsene hat ein Kind frei. Jedes Kind erhält ein Weihnachts- Geschenk. Der Riese Machnow der größte Mensch, der je gelebt hat! Das Bärenweib. MarionettenTheater. Die 3 kleinsten Schwestern der Welt. Alle Schaustellungen u. Nebensäle ohne Extra- Entree. Entree 50 Pf. Schiller- Theater. Schiller- Theater 0. ( Wallner- Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Schauspiel in 4 Akten von Ernst v. Wildenbruch. Sonnabend, abends 8 Uhr: Pension Schöller. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Mutter Erde. Sonntag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Schiller- Theater N. Vermischtes. Niederträchtiger Baumfrevel. In der Christnacht wurde an der Luther- Eiche in Wittenberg ein schändlicher Baumfrevel verübt. Die Eiche, die in der Nähe der Stelle steht. auf der Luther am 10. Dezember 1520 die Bannbulle des Bapstes verbrannt hat, ist nicht mehr die ursprünglich dort gepflanzte, die im Jahre 1813 von den Franzosen gefällt worden ist, sondern sie wurde erst am 25. Juni 1830 bei der dreihundertjährigen Gedächtnisfeier der Uebergabe der Augsburgischen Konfession gepflanzt, dürfte also jetzt etwa 100 Jahre alt sein. Sie hat an der Schnittstelle, einen Meter über der Erde, 3 Meter Umfang, davon sind 1,72 Meter in der Breite nach den Anlagen zu mit einer Säge eingeschnitten, die Seite nach der Lutherstraße ist aber intatt gelassen. Ob der Schnitt das Ab. sterben des Baumes zur Folge haben wird, ist noch nicht festzustellen. Von der Polizeiverwaltung in Wittenberg ist eine Belohnung von 1000 Mart, vom Evangelischen Bund eine solche von 50 Mark ausgefeßt behufs Ermittelung der Schuldigen. Die verheerende Feuersbrunst, die, wie bereits berichtet wurde, gestern früh an. Der Schaden wird auf einige 100 000 Frank ge auf dem alten Neumühlenareal in Zürich ausgebrochen is hielt bis schätzt; die Ursache des Brandes konnte nicht genau ermittelt werden, Brandstiftung scheint nicht ausgeschlossen. Wegen der großen Feuergefährlichkeit konnte nur wenig versichert werden. Ueber ein Liebesdrama wird aus Mainz berichtet: Der auf Urlaub befindliche Musketier Mann vom 112. Infanteries Regiment zu Rastatt verlegte gestern nacht seine frühere Geliebte Schwarz durch drei Revolverschüsse tödlich und erschoß sich dann felbst in der Wohnung seines Bruders. Neues Theater. Palast- Theater Burgstr. 22, früher Feen- Palaft. Anfang 72 Uhr: ( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater). Der Graf von Charolais. Freitag, abends 8 Uhr: Heimg'funden. Weihnachtskomödie in 6 Bildern von Ludwig Anzengruber. Sonnabend, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Familie Schierke. Sonntag, nahm. 3 Uhr: Die Kreuzelschreiber. Sonntag, abends 8 Uhr: Familie Schierke. Zirkus Schumann. Zirkus Busch. Bum 8. Male: Sensationeller Erfolg! Die große Schumannsche AusstattungsPantomime Eine Nordlandreise. Im Strahl der Mitternachtssonne. Komisch- phantastische Pantomime in 7 Bildern. Entworfen und auf das Glänzendste in Szene gesetzt vom Direktor Albert Schumann. Besonders hervorzuheben: Christiania. Großes Eisfest. Echter norwegischer Skilauf auf der bom Direktor Albert Schumann erfundenen und zum Patent angemeld. tünstlichen Bahn, dazu extra engagierte Norweger. Die wirkl. feenhafte Schluß- Apotheose. Vorher: Elite: Programm und Münstedts Liliputaner. Sonntag, den 1. Jan. 1905, nachm. 3 Uhr und abends 7, Uhr: Zwei große Gala- Fest- Borstellungen. NachEine Nordlandreise. Zentral- Theater mittags 1 sind frei. Zum 10. Male: Anfang 72 Uhr. Die Geisha. Sonnabend nachm. 3 Uhr: Däumelinchen. Silvesterabend 7 Uhr: Die Fledermaus. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Abends 7, Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag 71, Uhr: Der Bettelstudent. Residenz- Theater. Dir.: Richard Alexander. Freitag 8 Uhr: Sonnabend ausnahmsweise 7, Uhr: Sonntag und folgende Tage 8 Uhr: Herkulespillen. Schwank in 3 Aften von Baul Bilhaud und M. Hennequin. Deutsch von M. Schönau. Sonntag, 1. Januar 1905, nachmittags 3 thr: Die 300 Tage. Kleines Theater Anfang 8 Uhr: Zum erstenmal: Die zärtlichen Verwandten. Die Neuvermählten Sonnabend: Doktor Fausts Zaubertäppchen. Sonntag nachm.: Don Carlos. Abends: Der Registrator auf Reisen. Montag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Sonnabend: Die Neuvermählten. Abschieds- Souper. Sonntag nachm.: Familienidyll. Liebesträume. Serenissimus. Abends: Die Neuvermählten. Abschieds- Souper. Kasino- Theater Lothringerstraße 37( Rosenthaler Tor). Täglich 8 Uhr, Sonnt. 7-8 Konzert. Großer Erfolg! Stürm. Heiterkeit! Gala- Abend. Katharina II. Nur noch einige Male: Die Original Japaner. Die dress. Affen des Clown Armando. Mademoisele de Holstein, Schulreiterin und die vorzügl. Brogrammnummern. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Die glückliche Gilberte Anfang 8 Uhr. Apollo- Theater. 218 Friedrichstr. 218. Täglich: Berliner Luft von Paul Lincke. Letzte Woche! Auftreten der phänomenalen amerikanischen Sensations- Novitäten! Neujahrstag, 1. Januar 1905, nachmittags 3 Uhr: Berliner Luft u. die sensation. Januar- Spezialitäten. Sonnabend: Einen Jux will er sich machen. Sonntag: Der Graf von Charolais. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Deutsch- Amerikanisches Elite- VorsteHung. Das Gefängnis. Lustspiel in 4 Affen von R. Benedig Dr. Hagen... Dir. Rich. Winkler. Anfang 8 Uhr. Kassenöffnung 7 Uhr. Kleine Preise. Sonnabend: Theater. Köpnickerstr. 67/68. Große Silvester- Feier. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Ad. Philipp: NEW- YORK Sonntagnachm. 3 Uhr, halbe Preis Nach der Vorstellung: Tan 3, an welchem jeder Besucher der Vorstellung unentgeltlich teilnehmen kann. Zum erstenmal: Ein Allerweltsmädet. Vor- und nachher: Spezialitäten I. Ranges. Ueber'n grossen Teich.enf. 7, Uhr. Kasseneröffnung 6%, the Carl Weiß- Theater. Große Frankfurter Straße Nr. 132. Abends 8 Uhr: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr KinderVorstellung: Aus der Märchenwelt. ( Rotkäppchen.) Sonntag nachm. 3 Uhr( Parkett 60 Bf.): Senta Wolfsburg. Lustspielhaus Friedrichstraße 236. Abends 8 Uhr: Der Familientag. Morgen und folgende Tage: Der Familientag. Sonnabend nachmittag: Das böse Prinzeßchen. Sonntag nachmittags 3 Uhr, halbe Breise: Kamerad von Zeck. Metropol- Theater Bernhard Rose- Theater In Vertretung. Die Herren von Maxim Vorher nur noch furze Zeit Corradini und das brillante Dezember- Progr. Sonntag nachm. 4 Uhr: Blumenstrauß. Schwarzer Peter. WINE BARTEN 6 Am 31. Dezember 1904: Glänzende Silvester- Vorstellung. Erstes Auftreten von Tortajada Lafargue Alexia Otto Reutter. Außerdem das sensationelle Dezember- Progr. Anfang des Konzerts 7 Uhr, der Vorstellung 8 Uhr. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Die Gastspielvorstellungen finden in folgenden Etablissements statt: Bernh. Rose- Theater. Stadt- Theater Moabit. Fröbels Allerlei- Theater. Neue Welt. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf., numer. Plak 50 Pf. Henry Bender. Josef Giampietro. Neues Konzerthaus, Josef Josephi. Anton Grünfeld. Frid Frid. Fritzi Massary. Das Fest des Lichts.( Ballett.) Rauchen gestattet.. Anf. 8 Uhr. Sonnabend, den 31. Dezember: Grand- Hotel Alexanderplatz. Inhaber Albert Moerner. Heute sowie täglich: Grosses Ende?? Sonntag nachm. 3 Uhr kleine Breise: Die Anna- Lise. Reichshallen- Theater. Stettiner Sänger. Anfang: Wochentags 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Grosse Sonnabend, 31, Dezember: Silvester- Ulk- Soiree mit darauffolgendem Tanzkränzchen. Sanssouci. Rottbuser Tor- Stat. der Hochbahn. Sonnabend, 31. Dezember: Silvester- Vorstellung. Silvester- Ball. SilvesterUlk- Jubel- Trubel Punsch- Polonaise. Anf. 8 Uhr. Ende 1905. Großße Silvester- Feier. Curt Goldmann- Konzert Etablissement Buggenhagen Näheres besagen die Plakate an den Litfassäulen. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenſtr. 16. Zum legtenmal: Der Wilddieb. Weihnachts Schauspiel in 4 Aften von Friz Brenner. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Bf. Sonnabend: Großer Silvesterball. unter Mitwirkung des 9 Jahre alten Violin- Kun Arpád, Virtuosen des Opernsängers Fr. Hoberg und Salonkomikers Osk. Saldow. des Anfang 8 Uhr. X Entree 20 Pf. X Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch, In den unteren Sälen jeden Abend 8 1hr: Militär- Konzert. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Meine 3 Säle sind an Sonntagen Fritz Steidl- Sänger. bis 5 Uhr nachmittags für Versammlungen zu vergeben.[ 1601L* Nach jeder Vorstellung im Kaisersaal Tanz. Nr. 306. 21. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Zur Weihnachtsbescherung arbeiter und die Kinder anderer ausgesperrten Arbeiter träge ein: Freitag, 30. Dezember 1904. Die Berliner Parteigenossen als es nicht allein den bürgerlichen, sondern auch den sozialdemokratischen oberen Zehntausend als Stammlokal dient. gaben am Mittwoch abend den Delegierten des ersten für die Kinder der ausgesperrten und streikenden Metallarbeiter, Holz- ihre Mahlzeiten einnehmen, ist vom Trianon her bekannt. Der die lebhafteste Anteilnahme auch der hiesigen Genossen Daß Bebel, Braun und Mehring dort in enger Freundschaft preußischen Parteitages in der Neuen Welt" einen Kommers, gingen bei der Berliner Gewerkschaftskommission folgende Bei- Parteitag auch die übrigen Mitglieder des Parteivorstandes doch gewiß stattliche Zahl der Delegierten, für welche einige Seitdem dank der letzten Gehaltserhöhung auf dem Bremer fand. Der gewaltige Saal war so gefüllt, daß sich darin die Ladierer u. Ladiererinnen d. A. E.-G., Aderstr., Abt. Dobert, 10,90. 34 Proletariern in gehobener Lebensstellung aufgerückt sind, Tischreihen reserviert waren, wie ein kleines Häuflein in einem Lackierer u. Radiererinnen d. A. E.-G., Aderſtr., Abt. Dobert, 10,90. halten sie dreimal in der Woche bei Dressel Skatabend ab, und großen Heere verlor. Frohe Stimmung beherrschte die ErZentralverein der Bureau- Angestellten 30,-. Fahrstuhlarbeiter d. Deutsch. Boltsbauges. 8,- Druckerei Rosenthal at. Co. 8,50. E. D. G. 2, um diese Genossen bildet sich dann gewohnheitsmäßig eine fchienenen, so daß sich die von Mitgliedern des VerKlaviaturarb. Hermann u. Bartrow 11,10. Pianof. Quandt 4,50. Gastwirt besser fituierte Korona von Kiebigen. Sie besteht aus den bandes der Zivilberufsmusiker ausgeführte Musik anfangs Abendrot, Pankow 2,- Liste 1783 Tischlerei Sauerwein 27,45. Liste 1329 Reichstags- Abgeordneten der ersten Diätklasse und den zahl- kaum Gutschmidt 3,60. Rifte 1211 George 12,65. Firma Walter Peck 4,05. der berdienten Beachtung erfreute, obwohl Geburtstagsfeier Nante Krause, Wilhelmsberg 13,20. Ein Berliner in reichen Parteimillionären. Wegen Beteiligung an Geschäfts- sie mit Wagner einsetzte. Doch bald zwang sie auch Elberfeld 12,-. Revolverdreher b. Firma Borfig 15,75. Tischlerei Fangauf, gründungen auswärtiger Parteigenossen, Unterstüßung lungen- bie mitteilensfrohen Tausende in ihren Bann und erntete Elsafferstraße, 11,-. Arbeiter der Firma Breitschu u. Grüning 10,50. franker Konsumvereine, Einrichtung neuer Parteidruckereien reichen Beifall. Stoll. d. Berkſtatt Fiedler 5, St. Wendel 3, Buchdruckerei Gustav Das reiche Programm bot dann trefflich Müller 1,50. Behnte 1,05. Schilders. R. Ephinius 6,05. Lotterieklub Bech und so weiter spreche man diese Herren übrigens nicht während ausgeführte Chorgefänge des Gesangvereins Norddeutsche 2,55. A. Fritsch 2,50. Rahmenfabrit, Dresdenerstraße 3,- Schleifer E. B. des Kartenspiels an, sondern warte bis zur zehnten Sektflasche Schleife, Rezitationen Eduard v. Winterstein, humoristische Göra, Friedenau 3,20. Gesellen d. F. A. Hein, Zwingliftraße 6, Leichen oder noch besser bis zum nächsten Morgen, wo die Stunde Vorträge von Alexander Tyrkowski, Aufführungen des Turnfeier Alb. Rieder, Stammtisch bei Schaukel- Wilhelm 10,-. Liſte 229, Snoppe, zwischen sieben und acht die geeignetste ist. Von den Redakteuren vereins Fichte und zur besonderen Erheiterung einige Dardes Vorwärts" verkehrt noch niemand bei Dressel. Nach der Vorstellung im Kleinen Theater empfiehlt sich ein Besuch der Sieges allee. In der elektrischen Abend beleuchtung blenden die Marmormassen nicht so sehr wie beim grellen Tageslicht, so daß dann nur empfindsame Augen einer Schneebrille bedürfen. In Rücksicht auf die Gefühle der zahlreichen Patrioten, welche ständig die Denkmäler zwecks patriotischer Erbauung umlagern, behalte man unzarte Velieber für sich. Doch darf man vor den einzelnen FürstenHiltmann, merkungen über Otto den Faulen, Friedrich Wilhelm II. usw. standbildern passende Vaterlandslieder fingen, so vor Wilhelm dem Großen Heil Dir im Siegerfranz", vor Friedrich Wilhelm IV. das Lied vom Bürgermeister Tschech. bietungen des Berliner Ulf- Trios. Bankow 8,-. Lotterieverein" Immer raus", Pankow 10,-. Verband der Steinfeger, a. Liste 59,90. Verb. d. Vergolder, Filiale Berlin 99,25. 1919 15,- Pochanke, Listen 976, 77, 78 20,25. Lifte 2130, Bohrer und Fraiser b. Siemens u. Halske, Markgrafenstraße 16,55. Hausdiener, Stutscher gesprochene Prolog, der, von E. Preczang verfaßt, die RechtDie stärkste Wirkung erzielte der von Alb. Massini trefflich d. Handtuchverleih- Institut Leopold Fiegner, 3. Rate 20,- Lifte 1994, Wiede mann, Gürtler 20,30. Lifte 1671, Mag Giente 5,80. Lifte 1672, Rich.orbe 12,05. losigkeit der preußischen Arbeiter und ihren Kampf gegen das Stat d. D. Hildebrand 1,25. Anton Boeker 10,- M.-G.-B. Rosenrot Wahlunrecht des Klassenparlaments zum Gegenstande hatte. 10,-. W. Ellund 1,-. Lifte 1529 u. 1870 10,70. Lifte 1992, Schädlich 15,50. E. v. Winterstein rezitierte Heine in geeigneter Auswahl und Lifte 1344 14,25. Geburtstagsfeier Max Halle b. Markwart 2,60. Gustav gab durch Stoff und Vortrag Anlaß zu verdientem Beifall. Westphal 1,50. Liste 601 2,75. Hutmacher Stafflub Kreuz 7" 5,-. Tischlerei Gumtau, Gr.- Lichterfelde 5,30. Liste 1796 2,65. Lifte 1993, Auch die Vorträge Tyrkowskis boten geeigneten politischen H. Schäfer 5,45. Personal d. Buchdruckerei A. Scherl 15, Joachimstraße 3, Lifte 1666, Willi Reichert 23,25. Gewerkschaftskommission Stoff( in Prosa) und fanden berechtigte Anerkennung. Schöneberg auf Risten 104,20. Met.- Arb. d. F. Gäbert 43,15. Hummel 6,-. Hatten es sich die Berliner Genossen so angelegen sein Liſte 1195, Bau Hermannstraße 11, Listen 1933 und 34, Delitsch 18,70 lassen, den Besuchern angemessen ausgewählte Vorträge in Familientreis gef. 4,-. Liste 1679 5,- Lifte 1920, Starl Heymann 11,85. künstlerischer Ausführung zu bieten, so bleibt doch die HauptMetallw. F. Holscher, Oranienstraße, d. Bock 4,30. Lifte 1841, Steinbildhauer, Kriminalgericht d. Geyer 8,50. Verb. d. Möbelpoliere 100.-. sache eines solchen Kommerses das frohe Zusammensein, das Lifte 970, A. Krimie 8,10. Segelflub„ Carré" 3,-. Lederwarenf. Markiwiz, Das Reichstagsgebäude ist abends nicht ge- zwanglose Plaudern und gegenseitige Aussprechen unter 3. Rate 6,10. Tapezierwerkſt. Dumske 10,- Rifte 2143, Piano Mechan. öffnet, man spart den Besuch dieser Stätte daher bis zum Freunden und Bekannten nach der ernsten Arbeit des Tages, Jakob 13 05. Lifte 1901, Fischer 20,-. Masch.- F. Kuhn u. Co., Diten 5,50. nächsten Morgen auf. Leider ist der Präsident augenblicklich das zur Erneuerung aller, zum Abschließen neuer Bekannt Liſte 2075, Tischlerei v. Philipp 12,60. Buchdr. Schenk Nachflg. P. M. Weber mit der Sozialdemokratie etwas brouilliert, so daß der schaften in dem großen Heere der kämpfenden Proletarier führt. straße 11,15. Verein d. Berl. Droschkenkutscher auf Listen 172,80. Lifte 2150, Wunsch der Fraktion, zu Ehren der Kongreßdelegierten eine Hin und her fluteten die Massen in den Pausen zwischen den einzelnen Tiller 14,-. Lotteriegewinn 1, R. M. 1, Liſten 1888, 89, Wafferjule außerordentliche Tagung zu veranstalten, sich nicht durchsetzen Vorträgen, und allenthalben sah man neue Gruppen sich in Schmargendorf 20,05, Nordd. Buchdruckerei( Reichstag) 8,55. Personal ließ. Aus diesem Grunde mußte im Kleinen Theater magerer bilden, angeregte Unterhaltung pflegend. Aber wohin man der Schultheiß Malzfabrik, Pankow 25,55. Lifte 1127 1,-. ifte 2122 Ersatz gesucht werden. Doch sind überall im Reichstag auch hörte, meist konnte man wahrnehmen, daß ernste Dinge, Bon Berliner Tischlern in Briebus durch Wolf 29,35. Mutoskopautomaten und Phonographen aufgestellt, die gegen Angelegenheiten des öffentlichen Lebens, erörtert wurden. So Dr. Zaded, S. Dresdenerftr. 109, 20,- Angestellt. d. Allg. Orts- Kranken- Einwurf eines Zehnpfennigstückes besonders bewegte Sigungen verleugnet auch eine der Zerstreuung gewidmete Zusammenlaffe Rigdorf 10,-. Verb. d. Friseurgeh. d. Zweigv. Berlin 10,-. Eduard des Parlaments sowie hervorragende Nedeleistungen bekannter funft aufgeklärter Arbeiter ihren Charakter nicht. Zentralverband der Zimmerer, Zahlit. Stargard i. Bommern 10, Abgeordneten von sich geben. Wer längere Zeit sich solchen Bafil Iffatschens, Charlottenburg i. Namen v. J. 15,-. 182. Stadtbez. d. Genüssen hingeben will, wendet sich wegen Abonnements an M. Stracht 10,05.„ Saboy" 9,50. Barwich, Motte, Reseg und Boß 8, einen der Diener; die bekannte Antricksche Achtstundenrede Rauchklub„ Glühlicht I", M. d. A.-R.-B. Weißensee 7,-. Ungenannt 5,-. Firma A. Strefter, Straßburgerstraße 4,05. Dtto Ewald, Dentist, Charlbg. 3, ist für eine Mark zu hören. Für denjenigen jedoch, der um Bierproz. d. F. Schönheimer, Maschfbr. 3,55. Kolonne S. S. d. Jadrewsky 3,65. Sensationen nicht verlegen ist und den Eindruck einer durch S. E. R., Berlin 3,05. Uebersch. v. Gratul. Werkzeugb. C. P. Görz 2,40. schnittlichen Parlamentstagung in sich aufnehmen will, genügt Kollegen der Schuhmacher- Werkstatt Stiller, Tauenzienstraße 2,40. Bierprozente v. Adolf Seidel 1,50. G. Hentschel, Urbanſtr. 50 1,50. Gesammelt es, einfach in den leeren Sitzungsfaal einen Blick zu werfen. bei einer Geburtstagsfeier W. Kunze 2, Liste 1700, 1721, 22 45,75. Er braucht sich dann nur den Präsidenten und die Glocke hinEmil Kloth 3,-. Bwirk, Waldemarstraße 2,-. Lifte 1317, darunter vom zuzudenken. Tambourverein Zufriedenheit" 5,- 12,05. Hr. H. Heinemann 35,-. 9,80. Taubenboden v. Lorenz 4,30. Liste 2134, Tischlerei Bülow, Grimm 4,-. Liste 1536 10,-. Liste 2053 Schulze 9,02. Liste 1347, Göße 11,35. Bernstein, Hohenstaufenstraße 10,-. Buchbinder, Zahlstelle Steglitz( Höhn) 10.-. Den Teilnehmern der Festlichkeit wird diese eine angenehme und bleibende Erinnerung sein. Die Berliner Krankenkaffen, soweit sie der Aufsicht des Magistrats unterstehen, bestanden am Schluß des letzten Statsjahres( 31. März und 19 Innungs- Krankenkassen. Die Zahl der Betriebs- Krankenkassen dieses Jahres) aus 55 Orts- Krankenkassen, 53 Betriebs- Krantentassen hat sich gegen das Vorjahr um 4 vermehrt, während die der anderen Stassen sich nicht verändert hat. Die Mitgliederzahl aller genannten Kaffen betrug im Jahresdurchschnitt 585 347( gegen 540 718 im Vorjahre). Männliche Mitglieder waren 371 277( 349 074), weibliche 214 070( 191 644) borhanden. Die durchschnittliche Mitgliederzahl hat sich also gegen das Vorjahr um 22 203 männliche und 22426 weibliche( zufammen 44 629) vermehrt. ivaren, Liste 1835, darunter Leop. Saupe, Bigarren engros u. betail 5, 24,50. Sehr empfehlenswert und gern gesehen ist ein Besuch Liste 1185, 2117, 1836-38 d. Scheffler 44,25. Lifte 1736, 38, 39, 40 28,15. der Redaktion unseres Blattes, obgleich er nur solchen Lifte 2110 d. Beinberg 6,65. Drei Gef. v. Buchs u. Co., Rifterstr. 113 3,- Genossen zuträglich ist, die im Bergsteigen und im Bestehen Sig- u. Zigaretten- Arb. d. Ratajezad, 3. Rate 41,-. Bentr.- Berb. d. Zimmerer, von allerhand Gefahren einige Uebung besitzen. Des Verkehrs Rahlstelle Friedrichshagen 25,- Siemens Schuckert- Werke, Abt. 92 14,70. mit dem Publikum wegen befindet sich die Vorwärts"-Redak Viste 396, 97, Gewerkschaft d. Dachdecker( Höppner) 18,80. Restaur. Dstar Böhme, Zorndorferstraße 5,- Jetrim, Moabit 2,-. Die Orts- Krankenkassen zählten 257 230( 24 953) männliche und Burstmeher N., tion im höchsten Stockwerke des weitläufigen Gebäudekompleres 174 180( 159025) weibliche, die Betriebs- Strankenkassen 69 951( 64257) Brunnenstraße 10,-. S. Müller 3,05. Bon einem alten Genoffen 6,05. Lindenstraße 69. Mit einiger Beobachtungsgabe findet man männliche und 17988( 15 378) weibliche und die Innungs- KrantenBom Nonnendamm unter uns d. P. 2. 3,85.? Altohol, Büschingplag 1,80. unter den vielen Haustüren in dem Gewirr der Höfe des tassen 44 079( 43 844) männliche und 21 866( 17 207) weibliche MitStatklub Oller ehrlicher Seemann" 5,-. M. Schönberg, Rigdorf 2,-. Liste 1295, Henniger u. Co., Alte Jakobstraße 38,30. Gef. b. Geburtstag, Hauses bald diejenige heraus, die zur geistigen Werkstatt führt. glieder. Ferner kamen noch auf die Gemeinde- Krankenversicherung Broskauerstr. 3 4,-. Gej. b. Karl Baschig, Abt. Mezenmacher 10,95. Doch ist Vorsicht geboten, da unberufener Besucher wegen 18( 21) männliche und 35( 34) weibliche Mitglieder. Liste 1820 d. Sauer 16,70. Liste 1580, dar. Werkstatt Deblert, Fuß angeln und Selbstschüsse auf den Treppen Erkrankungsfälle, welche mit Erwerbsunfähigkeit verbunden Mariannenstraße 12,35. Lifte 2132, ges. b. Runge 6,40. Poliz gelegt sind. Durch die Türklinken der einzelnen Redaktions-( 73 879) veiblichen Mitgliedern traten bei 148 971( 134 275) männliche und 89 427 6,85. Koll b. Hofmann u. Co. 11,-. 2ifte 1162, 63, 64, Buchh." Borwärts" 88,10. ein. Tischlerei Neumann, Eisenbahnstraße 4, zimmer läuft, folange sie geschlossen sind, ständig ein elektrischer Strankheitsfälle gegen das Vorjahr betrug demnach bei den Die Vermehrung der Durch Westphal 3,75. Johannes Bierdt 1,-. Tischlerei Schröpp, 3. Rate Strom von 3000 Ampere Stärke. Bemerkt sei übrigens, daß männlichen Mitgliedern 14 696, bei den weiblichen 15 548. Auf 15,- Lifte 1360, Geiling 3,50. Lifte 1964, Bianinofabrit Lost 5,55. auf Betreiben des Stadtverordneten Augustin im Quer- 100 männliche Mitglieder tamen 40,12( 38,47), auf 100 weibliche Lifte 2145, Metallw.- Fabr. Hemlin, Manteuffelstr., 15,25. Sattler Eb. 1,-. Lifte 2089, 90 Albrecht 14,35. Liste 2083, Güttler 4,20. Bierproz. d. Firma gebäude des ersten Hofes eine Unfall station mit zehn Mitglieder 41,77( 38,55) mit Erwerbsunfähigkeit verbundene Oskar Frit 20,- Tischlerei Fehrmann 3,50. Liste 1391 1391 1,50. Feldbetten eingerichtet worden ist. Bis abends Uhr zehn bietet Erkrankungsfälle. Die Krankheitstage betrugen bei den männlichen Liste 1586, Beil 8,75. Bauanschl. Schule IV in Bilmersdorf 6,-der Besuch der Redaktion wenig Anziehendes, da bis dahin die Mitgliedern 3 668 956, bei den weiblichen 2479 899( gegen 3 466 714 Lifte 2170, Tischlerei Porth durch Kluge 11,80. Lifte 1212 1,55. Leop. Grothe 1,75. Lifte 2178, Buchdruckerei Auerbach 4,40. meisten Redakteure unterwegs sind, um Lofalneuigkeiten ein- beam. 1995 385 im Vorjahre). Die männlichen Stranten wiesen Lifte 2151, Holzarb. d. Deutsch. Waffen- u. Munitionsfabr. 25,- Lifte 1790 zufangen. An Tagen, wo sich wenig Einbrüche usw. er- 202 242, die weiblichen sogar 484 514 Erkrankungstage mehr als im 3,60. Liste 1594, Schaarschmidt 18,95. Berb. d. Sattler auf Listen 110,90. eignen, vervollständigt der eine oder andere wohl auch selbst- Belastung der Krankenkassen durch die weiblichen Mitglieder. Es ergibt sich daraus eine unverhältnismäßig starke Lifte 1929 5,21. B. Berl. Boltsschullehrern 3,-. Liste 2172, Tischlerei Bähr tätig die Lokalchronik. In der elften Abendstunde wird das u. Haroste 10,75. Liste 2173, Werner, Langestr. 36a 14,10. Liste 1140 10,25. Gestorben sind bei den Kassen im Berichtsjahre 1. April 1903 Liften 1340, 41, 42, 43, d. Aug. Hesse 41,75. Liste 1331, Red. d. 3." 34, Redaktionsfrühstück gemeinsam eingenommen, das aus Rhein- bis 31. März 1904 insgesamt 3515( 3413) männliche und 1220( 1138) Weihnacht im Ges. Ber. Borar" 11,35. Lifte 1852, gef. v. Roll. Rumpelt wein und Kaviarschnitten besteht und gemäß dem Tarifvertrag, weibliche, das find auf 100 männliche Mitglieder 0,95( 0,98) und auf 4,55. Roll. b. F. S. Hirsch, Gürtel- u. Taschenfabr. ,, Ritterstr. 12,- Emil der nach der 1899er Streitbewegung zu stande kam, vom 100 weibliche 0,57( 0,59). 4,55. Stoll. b.§. 6. Hirsch, Gürtel H. 2019. Parables. Winterfeldstraße Berlag gratis zu liefern iſt. Zurzeit ist eine Bewegung im 13,- Bildhauer der Firma Kühn, Bau Herzog 5,50. Bau Westend, Heiligenstraße, Töpfer B. Griesh 8,-, darunter Birthl. Wollenzin 1,- Gange, die auf warmes Frühstück hinausgeht. Nach andert Gesangverein der Kupferschmiede 10,- Stuffateure d. Firma Trommer, halbstündiger Essensdauer beginnt die eigentliche RedaktionsSteglik 6,85. Lifte 2168, 69 d. Wilh. Freitag, Teltow 19,50. Polierer d. Firma tätigkeit. Natürlich muß in einem so großen Betriebe eine Wolff, Chauffeeftr. 67 5,- Töpfer v. R. Fiebig, Reinickendorf 6,-. Paul Arbeitsteilung stattfinden, die zu beobachten den Besuchern Falbe, Bigarrenf. Bernau 50,-. Summe 2631,08. Bereits quittiert 30 587,05. Gesamtfumme 33 218,13 M. der Redaktion angelegentlichst empfohlen wird. Bis Mitter Beitung" noch aus Rom geschrieben: The Leoncavallo Berlin ver. Wilhelm II. und Leoncavalls. Zu dieser Frage wird der KreuzBeitere Beiträge werden entgegengenommen im Bureau der Berliner nacht werden die mehr mechanischen Arbeiten, wie Scheren- ließ, hatte er einen wahren Hymnus auf Berlin, Deutschland, die Gewerkschaftskommission Engel- Ufer 15. 11-1 und 6-8 Uhr. Geldsendungen sind zu richten an Alwin Störsten. schleifen, Bleistiftspißen, einheitliche Stellungnahme in Deutschen und vor allem die deutsche Stunft angestimmt, hatte aber wichtigen Parteifragen usw., erledigt. Dann beginnt das bemerkenswerterweise in der italienischen Preffe damit nicht das Ausschneiden und Aufschneiden. Von eins bis zwei sprudeln leiseste Echo hervorgerufen, weil es allgemein befannt ist, wie feinddie gegen Bülow gerichteten Wige, von zwei bis drei werden die Russen besiegt, von drei bis vier ist Polemit gegen die Leipziger Volkszeitung" usw. Dann beginnt der Druck der Unsere Mitarbeiter, Abonnenten und Inserenten werden Beitung. Schnell hilft das Redaktionspersonal noch die gebeten, Bostsendungen, die uns zur Sonntagsnummer sowie dann zerstreut es sich auch schon wieder in alle Richtungen der gebeten, Postsendungen, die uns zur Sonntagsnummer sowie schweren Zeitungspakete in die Transportwagen tragen und zu den ersten Nummern der nächsten Woche erreichen sollen, Windrose, um, ewig rubelos, für die Numuner des nächsten möglichst zeitig zugehen zu lassen, da erfahrungsgemäß die Tages Neuigkeiten zu sammeln. Post am Silvestertage sowie an den ersten Tagen des neuen Jahres sehr langsam und unzuverlässig arbeitet. Stadtbriefe, die uns am Tage der Absendung noch erreichen sollen, werden am besten als Rohrpostsendung aufgegeben. Müller, Charlottenburg, Rosinenstraße 10,15. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommiffion. Lokales. Im Fluge durch Berlin. Urteil des Bezirksausschusses den Parteien am 27. d. M. zuIn der Wahlprotestsache unseres Genossen Kerfin ist das gestellt. Raummangels wegen fönnen wir auf seine Begründung erst in einigen Tagen näher eingehen. " felig er in Wahrheit allem, was deutsch ist, gegenübersteht. Inzwischen hatte er im" Giornale d Italia" feine wahre Meinung niedergelegt und seine deutschfeindliche Gesinnung zum Ausdruck gebracht, was um so mehr befremden muß, als man annehmen durfte, einiges über die Aufnahme seines Werkes. Ein Teil der Kritik sei daß er der mit vollen Händen über ihn ausgeschütteten kaiserlichen Gunst nicht ganz uneingedenk geblieben wäre. Er erzählt zunächst auch nach der Aufführung nicht zur Erkenntnis der gewaltigen Bedeutung seines Werkes gekommen, ein anderer habe sich ge beugt", denn der Deutsche ist im Grunde ein ehrlicher Mensch". Dann folgen die Ausfälle gegen deutsche Komponisten. Der letzte bedeutende Meister war Richard Wagner; was nach ihm gekommen Eine jungdeutsche Schule? Sie ist überhaupt nicht vorhanden, falls ist, sind ausschließlich Leute ohne die geringste musikalische Intelligenz. man nicht einer Bande weniger als mittelmäßiger Musiker diese Bezeichnung beilegen will. Für sie alle ist die menschliche Stimme nur ein Instrument, der Gesang ist tot, während man im Orchester nichts als eine Folge unlogisch aneinander gefügter Mitöne bernimmt. Dies sei übrigens die Ansicht des intelligenteren Teils der Deutschen selbst. Während seines Aufenthaltes in Berlin hätte ein hervorragender Verleger ihm erklärt, daß die deutschen Verlagseinzigen Tondichter von der Bedeutung eines italienischen häuser sich glücklich schätzten, wenn es in ganz Deutschland einen Melodisten untergeordneten Ranges gäbe. Dem Kaiser, der ein ausgezeichneter Musiffenner ist, konnte diese nationale Armseligkeit nicht entgehen. Bis jetzt hatte er die deutsche Kunst Symphonien von Richard Strauß, meine„ Medici" hörte, tat er den Ausspruch:" Ah, das ist ein Mann, der einen geschichtlichen Gegenstand zu behandeln versteht; die Deutschen scheinen ohne jede ausnahme Dummföpfe zu fein Und so entstand der Auftrag, den„ Roland von Berlin" zu schaffen. Kaiser Wilhelm betet die italienische Musik an.„ Wiffen Sie," sagte er bei der Generalprobe zu mir, weshalb ich die süße Melodie Ihres Landes fo sehr liebe? Weil sie sich unmittelbar an unsere Phantasie wende Es verwischt die erhebenden Eindrücke, die die Kongreßteilnehmer so verhältnismäßig mühelos vom geistigen Berlin in sich aufgenommen haben, wenn sie nach gewissenhafter Erledigung des hier beschriebenen Programms noch nach minder. wertigen Sehenswürdigkeiten Verlangen tragen. Wir bemerken jedoch, daß Besuche bei Bülow grundsäßlich nicht durch uns Heute ist, wenigstens nach dem offiziellen Programm, der bermittelt werden; man wende sich zu diesem Zwed an einen der Tetzte Songreßtag. Eigentlich gilt ja auch dieser Tag nur vielen sozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten. Wer die für halb, da um drei Uhr bereits die Sondervorstellung von Poste sel sehen oder einen denkmalsfreien Platz Gortis„ Nachtasy!" im Kleinen Theater beginnt. Wir betreten will, frägt einfach einen Schuhmann, der mit dem nehmen aber an, daß manche der von auswärts gekommenen Notizbuch in der Hand in liebenswürdigsten Formen Auskunft Delegierten nicht so spornstreichs den Berliner Staub von den gibt. Was die Benutzung der öffentlichen Beförderungsmittel Füßen schütteln, sondern den angebrochenen Nachmittag betrifft, so sei bemerkt, daß die ständige Ueberfüllung der mindestens bis zum Silvesterabend ausdehnen. Man friegt Straßenbahn es erforderlich macht, wegen Benutzung nicht alle Tage jo etwas wie Berlin zu sehen, und schließlich der üblichen Zehnpfennigstrecke etwa acht Tage vorher schriftlich soll man zu Hause doch nicht allein Bericht erstatten, sondern bei der Direktion einzukommen. Allen aber, die das Straßen unterstützt; als er aber dann, übermäßig gelangweilt durch die auch Eindrücke zum besten geben, die ja nicht absolut denen leben sowie die innere Einrichtung der Gefängnisse Berlins zu ähneln brauchen, die in der morgigen Nacht insgemein den genauer kennen lernen wollen, ist in der Nacht zum Sonntag Bylinderhüten zuteil werden. ein Besuch der Friedrichstraße zu empfehlen. Als passendes Da Uhr drei die Vorstellung Unter den Linden beginnt, Kleidungsstück suche man aus dem Koffer die parteigenössische empfiehlt es sich, vorher zu Mittag zu speisen. Guter bürger Ballonmüge und das rote Halstuch hervor. Alles übrige entlicher Mittagstisch ist bei Dressel erhältlich. Dies Lofal wickelt sich dann von selbst. gewinnt für die Kongreßbesucher dadurch einen gewissen Reia, unb fich in unser ganzes Sein einnistet, um uns nicht wieder zu vers 1 der Ertrablatt- Verkäufer Kuropatkin gefallen!" veranlaßte natür-| abgesehen von dem fachlichen Urteil, einen recht interessanten Ein Tassen. Den ganzen Tag über nehmen mich die Staatsgeschäfte in lich Aufsehen, und so fand das Schwindelblatt reißenden Absatz. blick in die sozialen Anschauungen der bürgerlichen Kreise. Wäre Anspruch; gehe ich dann abends in Theater, möchte ich gern eine Zu der Bluttat des Vizefeldwebels Bernhard, der, wie wir werblichen Betrieben nach richterlichem Ermessen etwa dem der das Arbeitsverhältnis wissenschaftlicher Hülfsarbeiterinnen in ge= Welodie erhaschen, die mich nach Hause begleitet und bis in den meldeten, seine frühere Geliebte, die inzwischen verheiratete Frau Fabritarbeiterinnen gleichgestellt worden, dann würde diese Tätigkeit Schlaf verfolgt." Vom" Roland" ist der Kaiser begeistert. Böttcher aus Köln, im Cranachwäldchen bei Mülheim erschoß, wird in Zukunft mit einem unauslöschlichen Makel behaftet sein und von Nach der ersten Aufführung sagte er mir:„ Dieſe Muſik vermag uns weiter berichtet, daß gestern der Tatort durch Vertreter der den jungen Damen„ besserer Stände" wie die Pest gemieden werden. nur ein Mitbürger Romeo und Julias zu ersinnen( wozu übrigens Staatsanwaltschaft und des Gerichts eingehend in Augenschein ge- So bewertet die„ gebildete Welt" die Arbeit. Die jungen Damen bemerkt werden mag, daß Leoncavallo einer eingewanderten jüdischen nommen wurde. Hierbei wurde festgestellt, daß der Fundort der Familie entstammt), das alles ist ganz shakespearianisch." Leiche auch der Tatort gewesen ist. Da bisher eine Spur von dem flüchtigen Mörder nicht entdeckt werden konnte, wird vermutet, daß er inzwischen durch Selbstmord aus dem Leben geschieden ist, um sich der Strafe zu entziehen. Dem neuen Ehrenbürger der Stadt Berlin, Herrn Stadtrat Haad, sind gestern bei seinem Scheiden aus dem Amte von den Angestellten und Arbeitern der städtischen Wasserwerke wertvolle Adressen überreicht worden. Stadtrat Haack hat den städtischen Wasserwerken über 25 Jahre vorgestanden. Frauen in den Jnnungen. Die weiblichen Innungsmitglieder sind in manchen der Innungen Berlins ziemlich zahlreich. Die letzte Aufstellung hierüber, die der neueste Bericht der Gewerbe deputation ( für 1903/04) veröffentlicht, zeigt in den 44 freien Innungen unter 11 648 Mitgliedern nur 609 weibliche, aber in den 18 Zwangsinnungen unter 17 105 Mitgliedern 2319 weibliche. In vielen Innungen finden sich weibliche Mitglieder nur vereinzelt oder gar nicht, in anderen begegnet man ihnen dafür um so häufiger. Von den freien Innungen führt die Schlosserinnung unter 785 Mitgliedern 125 weibliche auf, die Innung der Weber und Wirker unter 851 Mitgliedern 243. Verhältnismäßig noch zahlreicher find die Frauen in einigen fleinen Jnnungen. Die Jnnung der Handschuhmacher und Bandagisten hat unter nur 102 Mitgliedern 31 weibliche, die Nagelschmiede- Innung unter nur 49 Mitgliedern 27 weibliche. Bei den Zwangsinnungen fällt die Schneiderinnung durch ihre große Zahl weiblicher Mitglieder auf; sie hat unter 5541 Mitgliedern 2105 weibliche. Unter den übrigen steht obenan die Schloſſerinnung, die unter 2610 Mitgliedern 90 weibliche hat. Die Stadtverordneten- Versammlung hat in dem nun zu Ende gehenden Jahr 1904 eine ungewöhnlich große Zahl von Sibungen abgehalten eine so große, wie sie seit einem vollen Jahrzehnt nicht dagewesen ist. Diesmal haben die Stadtverordneten es auf 40 Sibungen gebracht; das letzte Jahr mit einer gleich großen Zahl von Stadtverordneten- Sigungen war das Jahr 1894 gewesen. Das Jahr 1904 bildet in dieser Hinsicht ein Gegenstück zum vorhergehenden Jahr 1903, das mit der ganz ungewöhnlich niedrigen Zahl von nur 31 Stadtverordneten- Sigungen abgeschlossen hatte. Die Rathausturmuhr wird wegen Ausführung notwendiger größerer Ausbesserungen usw. vom 2. bis einschließlich 6. Januar außer Betrieb gesetzt werden. dürfen weiter die Ehre genießen, sich auch in Nachtarbeit ausbeuten zu lassen. : In dem Vandendiebstahls Prozeß gegen Röhl und Genossen fonnte gestern schon die Beweisaufnahme geschlossen werden, trotzdem Der Antrag Wem gehört das Kettenarmband? In einer Ermittelungssache drei Verhandlungstage in Aussicht genommen waren. ist ein goldenes Kettenarmband, achtkarätig, mit Sicherheitskette und des Vertreters der Anklagebehörde lautete gegen Hänsel auf viereckigem Anhänger, auf welchem eine Blume, deren. Blüte von 6 Jahre Zuchthaus, gegen Sommer auf 1 Jahr Ge= einer kleinen Wachsperle gebildet wird, eingraviert ist, abgegeben fängnis, gegen Kerber auf 3 Jahre Zuchthaus, gegen worden. Das Armband hat einen Wert von zirka 20 M. Der die Angeklagte Hemmer auf 6 Monate Gefängnis und bisherige Inhaber will dasselbe gefunden haben, jedoch dürfte nicht gegen Die bow und Plöh auf Freisprechung. Der Geausgeschlossen sein, daß das Armband aus einem Diebstahl herrührt, richtshof unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Oppermann I Es wurden verurteilt: der Angeklagte und wird daher der Eigentümer ersucht, sich zwecks Rekognoszierung kam zu folgendem Urteil. bei der Kriminalpolizei, Polizeipräsidium, Zimmer 323, wochentags Hänsel wegen schweren Diebstahls in elf und einfachen Dieb= zwischen 9 und 1 Uhr vormittags zu melden, bezw. schriftliche Mit- stahls in einem weiteren Falle zu 5 Jahren Zuchthaus, teilung zur J.-Nr. 10 735 IV. 14. 04 einzusenden. 5 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht, Sommer zu 6 Mo= naten Gefängnis, die Angeklagte Hemmer zu 1 Monat freigesprochen, dagegen das Verfahren wegen gewerbsmäßiger Gefängnis. Kerber wurde von der Anklage des Diebstahls Hehlerei gegen ihn vertagt. Die Angeklagten Diebow und Plok wurden mangels hinreichenden Beweises freigesprochen. Bockbrauerei in der Chausseestraße 58 der 26 Jahre alte Arbeiter Verbrüht. Gestern früh wurde in Abteilung II der Berliner Emil Pebrick aus der Liegnizerstraße 5 lebensgefährlich verbrüht. Bebrick befand sich um 8 Uhr allein in dem Raum, in dem Flaschen Sülfe rufen und sprangen ihm bei. gespült wurden. Plötzlich hörten Arbeiter im Nebenraum ihn um Hülfe rufen und sprangen ihm bei. Der Unglückliche lag unter einem Kessel mit heißem Wasser und war am ganzen Körper verbrüht. Seine Arbeitsgenossen befreiten ihn aus seiner schrecklichen Lage und brachten ihn nach der Unfallstation VI in der Lindowerstraße. Von hier führte ihn ein Koppscher Rettungswagen einem Krankenhause zu. Die Neue Freie Volksbühne bringt am Sonntag nachmittag 3 Uhr in Neuen Theater Lothar Schmidts dreiaktiges Schauspiel Josephine Martens" erstmals zur Aufführung. Die Titelrolle spielt Fräul. Elisabeth Schneider vom königl. Hoftheater in München, in den übrigen Hauptrollen sind die Damen Glümer, Korn, Wangel und die Herren Efert und Steinrück beschäftigt. Die Regie führt Friedrich Moest. Der Turnverein„ Fichte" ersucht uns, mitzuteilen, daß seine 11. Männerabteilung in der Gemeindeschule Fürbringerstraße turnt. Männer turnen dort Dienstags und Freitags von 8 bis 10 Uhr, Lehrlinge Mittwochs und Sonnabends von 8 bis 10 Uhr. Spandan. Knabenstreiche als Staatsverbrechen unter Anklage zu stellen sind die traurigen Ers und mit Gefängnisstrafen zu belegen rungenschaften moderner Justiz. Ein Streit zwischen Jungen im Alter von 13-14 Jahren, wie er im Leben der Kinder aller Schichten der Bevölkerung durchaus nicht zu den Seltenheiten gehört, war diesmal zu einer Anflage wegen Straßenraubes verdichtet, die gestern vor der zweiten Strafkammer des Landgerichts II zur Verhandlung kam. In den Schranken der Anklagebank standen der 14jährige Arbeitsbursche Konrad B., der 13jährige Schüler Mar J. und der 14jährige Schüler Reinhold H. Zwischen der in den Stadtgegenden des Tempelhofer Feldes wohnhaften Berliner Schuljugend und den Rigdorfer fünftigen Vaterlandsverteidigern bestand ein grimmiger Haß, der gewöhnlich in einer offenen Feldschlacht" auf dem Tempelhofer Felde zum Ausbruch fam. Ströme Blutes flossen zwar nicht, auch war von dem brüllenden Dampf der Geschüße nichts zu merken, dafür aber mußte mancher von den Jungen mit einer Beule und zerrissenen Hosen heimtrollen, wo ihm Die Große Berliner Straßenbahn wird einen ununterbrochenen väterlicherseits eine neue Schlacht" mit dem spanischen Rohr geBetrieb in der Neujahrsnacht einrichten. Der Betrieb wird also vom liefert wurde. Am 16. September d. J. zogen sich wieder einmal Sonnabend früh gegen 5 Uhr bis Montag nacht gegen 3 Uhr ohne drohende Wolfen über dem Tempelhofer Felde zufammen. Die drei Unterbrechung etwa 46 Stunden dauern. In Aussicht genommen für den durchgehenden Nachtbetrieb sind wieder die wichtigsten Linien, Die Polizeifommission" beschäftigte sich am Mittwoch u. a. mit Angeflagten, welche der Rigdorfer Kriegspartei" angehörten, hatten welche die verschiedenen Stadtteile miteinander verbinden. Ins= der vom Kreise Teltow neu eingerichteten und vom preußischen zwei Schüler bemerkt, die harmlos spazieren gingen. Plötzlich hieß es:„ Hie Rixdorf" und" Hie Berlin" und zugleich entstand eine besondere ist es wieder die Ringbahn, eine Linie zwischen Moabit Ministerium eifrig geförderten Polizeischule. Dieselbe ist für Polizei allgemeine Balgerei. Die beiden Schüler Penzien und Grothe und dem Südosten, Linien zwischen dem Kreuzberg und dem beamte sowohl als für Anwärter beſtimmt; unter Leitung des wurden zu Boden geworfen, hierbei sollen nun die Angeklagten die äußersten Norden, zwischen den nördlichen und südlichen Vor- Polizei- Inspektors Finger aus Breslau sollen die Schüler in Taschen der„ Besiegten" einer genauen Durchsuchung unterzogen und Linien zwischen der Mitte der Stadt und dem allgemeiner Gesetzeskunde 2c. unterwiesen werden; jeder Kursus dem Penkien eine silberne Taschenuhr fortgenommen haben. Der Betrieb der übrigen Linien wird verstärkt und dauert ein Vierteljahr, das Schulgeld beträgt 75 M. Der Regierungs- Beweisaufnahme stellte indessen fest, daß die Möglichkeit besteht, nach Bedürfnis zum Teil bis 4 Uhr morgens verlängert. Nahezu präsident macht die Gemeinden in einem Rundschreiben darauf auf daß die Uhr bei der Balgerei verloren wurde. 4% Millionen Fahrgäste hat die Große Berliner Straßenbahn mit merksam, daß er in Zukunft die Bestätigung neuer Polizeibeamten beantragte wegen bersuchten Straßenraubes je 1 Monat den mit ihr vereinigten Gesellschaften an den Weihnachtstagen be- stets von dem erfolgreichen Besuch dieser Schule abhängig machen Gefängnis. Der Gerichtshof beließ es bei je einer Woche fördert, wenn man auch den Heiligen Abend und den sogenannten werde. Der Magistrat beantragte die erforderlichen Mittel( zirla Gefängnis, erachtete jedoch die bedingte Begnadigung für zudritten Feiertag in Betracht zieht. Unter angemessener Berücksichti- 900 M.) für die Entsendung von zunächst drei Beamten, welche gung der Zeitfarten brachte den stärksten Verkehr der Sonnabend demnächst neu eingestellt werden sollen, nach dieser Schule. Wenn selbst die Begnadigung eintritt, so bleibt dieser Prozeß mit 1 Millionen Personen. An zweiter Stelle steht der zweite Die Kommission entschied sich jedoch nach längerer AusKinder werden ob dennoch eine tief bedauernswerte Erscheinung. Feiertag mit 1 196 000 Personen. An diesem Tage sind allein bei sprache für Ablehnung dieses Antrages; dagegen soll verhältnismäßig harmloser Jungenstreiche vor die Richter gezerrt, der Großen Berliner Straßenbahn nahezu eine Million Fahrscheine bei zufünftigen Ausschreibungen vakanter Beamtenstellen ein hochnotpeinliches Verfahren wird eingeleitet und dann Gefür 10 Pf. gelöst worden, genau 968 360. ,, erfolgreiche Besuch der Polizeischule" den Bewerbern zur Bedingung fängnisstrafen über sie verhängt, die in keinem Verhältnis zu ihren gemacht und diesen die Rückerstattung des Schulgeldes in Aus- Taten stehen. Sollte nicht auch unter den Richtern Erkenntnis über ficht gestellt werden. die erzieherische Wirkung dieser Vorgänge vorhanden sein? Dürfte nicht der Zweck des Verfahrens voll erfüllt sein, wenn die Jungen statt dem Staatsanwalt ihren Vätern zur Ahndung ihrer Verbrechen übergeben worden wären? Sicherlich aber ist eine Verurteilung zu Gefängnisstrafen am besten geeignet, selbst wohlerzogene, gutgeartete Kinder zu Verbrechern zu erziehen. orten, 3 der Die lässig. Die Der Staatsanwalt Das geheimnisvolle Verschwinden eines alten Mannes, das in München zur Verhaftung eines Ehepaares unter dem Verdacht des Weiter beschäftigte sich die Polizeifommission" mit der durch Raubmordes führte, beschäftigt auch die hiesige Kriminalpolizei. In die Neuordnung des Meldewesens nötig werdenden VerBasing, bei München wohnte bei den Privatleuten Heinrich und mehrung der Beamtenstellen im Einwohner Melde- Amt. Katharine Scheelhaas ein am 21. September 1835 geborener Reform" dient natürlich vornehmlich polizeilich- politischen Schikanen Hermann Cramen, der früher in Hamburg Gerichtsschreiber und des Publikums; vielleicht hofft der Minister, auf diesem Wege auch dann Defonom und Privatmaun war. Ostern vorigen Jahres war den letzten Einwohner oder Besucher Preußens unter eine sich bis Die beiden Eidesverweigerer, die unter Berufung auf ihre Zuder alte Mann plöglich aus der Scheelhaasschen Villa und Pafing auf die Gehirntätigkeit erstreckende Polizeikontrolle zu bringen. Die verschwunden. Niemand hörte mehr etwas von ihm. Seine Wirts- Kosten wälzt der Minister ganz einfach auf die Gemeinden ab! gehörigkeit zu einer den Schwur ablehnenden Sekte von„ DissidentenChristen" vor einigen Wochen der neunten Straffammer biel Teute erzählten, er sei nach der Schweiz abgereift, aber dort war er Und diese seufzen zwar, aber sie zahlen geduldig! auch nicht zu ermitteln, man fand überhaupt keine Spur mehr von Ein gerichtliches Nachspiel wird der kürzlich gemeldete Unfall bei Schwierigkeiten bereiteten und trotz aller Bemühungen des Vorleute ihn ermordet und beraubt und die Leiche irgendwie beseitigt Arbeiter Paustian seinen Tod fand. ihm. Die Ermittelungen legten den Verdacht nahe, daß die Wirts den Kanalisationsarbeiten in der Parkstraße haben, bei dem der sigenden und des Staatsanwalts zur Ableistung des Zeugeneides Die Untersuchung soll nicht zu bewegen waren, waren gestern in derselben Straffache wiederum als Zeugen geladen worden. Die Verhandlung mußte haben. Man hat nun versucht, festzustellen, welche Wertpapiere ergeben haben, daß angeblich eine Fahrlässigkeit seitens des Sie verfiel gestern demselben Schicksal, Cramen besaß, und erfahren, daß zu seinem Bejizz die sächsischen Poliers K. vorliegt, welcher bei den Absteifungsarbeiten nicht beweil die Angeklagten erkrankt und nicht zur Stelle waren. Der seinerzeit vertagt werden. Staatsschuldverschreibungen Lit. Dr. 030 746 und 030 747 zu je rücksichtigte, daß ganz in der Nähe der Arbeitsstelle fortwährend 500 M. gehörten. Diese hat jetzt der Untersuchungsrichter zu schwere Lastwagen vorbeifahren, deren Druck das schwache Ab- Vorsitzende befragte die beiden Zeugen, ob sie sich die Sache überlegt München gesperrt. Er ersucht nun auch die hiesige Kriminalpolizei, aber mit einem kategorischen und überzeugungstreuen Nein!" nach dem Verbleib des Mannes und der Papiere und Zinsscheine Steifungsmaterial nicht standhalten konnte. Gegen den Bolier soll hätten und das nächste Mal den Eid leisten würden, beide antworteten nunmehr Anklage erhoben worden sein. Der Unternehmer trägt natürlich keine Berantwortung! zu forschen. Die Banken haben eine entsprechende Mitteilung er halten und auf der Börse ist ein Anschlag veröffentlicht worden. Gramen ist mittelgroß und gut genährt. Er hat graues Haar, das er zuweilen färbt, einen grauen Schnurr- und Knebelbart, eine gebogene Nase, ein blasses Gesicht und einen scheuen Blick und ging stets dunkel gekleidet. " and Gerichts- Zeitung. Fabrikarbeiterinnen oder wissenschaftliche Hülfsarbeiterinnen? " Vermischtes. 3 Knaben Ueber das Unglück beim Schlittschuhlaufen, das sich vor einigen Tagen in Speicher bei Trier ereignet hat, und bei dem sieben Knaben ertranken, berichtet die Trierer Zeitung": Etwa 15 Knaben aus Silvester und Neujahr werden amtlich durch folgende Mit- Eine Frage von grundsäglicher Bedeutung unterlag gestern der Tongruben bei Speicher, die zum Teil sehr tief sind. 7 Knaben dem naheliegenden Beilingen begaben sich auf die Gisbahnen zu den teilungen des Bolizeipräsidiums eingeleitet: 1. Um dem Unfug in der Silversternacht zu steuern, werden seit Prüfung der vierten Straffammer des Landgerichts II. Während hatten das Unglück, einzubrechen und unter den Gismassen zu verlängerer Zeit die dabei vorfallenden Ausschreitungen nicht durch der Zuckerkampagne werden von den Direktoren der Zuckerfabriken schwinden. Nach langem Suchen barg man die Zeichen. längerer Zeit die dabei vorfallenden Ausschreitungen nicht durch polizeiliche Strafverfügungen erledigt, sondern der Staatsanwaltschaft bielfach junge Mädchen angestellt, welche einen mehrmonatlichen im Alter von 15, 13 und 11 Jahren hat eine Witwe verloren. Dem zur gerichtlichen Verfolgung übermittelt. Im Jahre 1904 find Kursus auf der Zuckerschule in Halle durchgemacht und auch ein zwischen 6 und 15 Jahren alt. aus diesem Anlaß bestraft worden 169 Personen mit Geld- Examen bestanden haben und nun während der Zuckerkampagne in Förster sind 2 Söhne ertrunken. Die verunglückten Kinder waren den Laboratorien der Zuckerfabriken die zur Kontrolle der Fabrikation strafen bis zu 100 Mart, 25 Personen mit Freiheitsstrafen Es Ueber eine Maffenvergiftung durch Leuchtgas wird aus bis zu vier Wochen, 11 Bersonen mit gerichtlichen Veriveisen, notwendigen chemischen Hülfsleistungen zu verrichten haben. 3 Angeklagte wurden der Staatsanwaltschaft zur anderweitigen war nun die Streitfrage entstanden, ob diese jungen Damen als Brag berichtet: In der Gasse Untere Schloßstiege auf der KleinAburteilung überwiesen. Auch dieses Jahr ist die Schutzmannschaft Fabritarbeiterinnen" anzusehen sind, welche bezüglich ihrer Be- feite wurden kürzlich die Arbeiten der neuen Kanalisation beendet. schäftigungszeit den Bestimmungen der Gewerbe- Ordnung unter- Infolge der bedeutenden Erdbewegung, die mit den Arbeiten verangewiesen, in energischer Weise gegen Unfugstifter vorzugehen. 2. Aus Anlaß der am 1. Januar 1905 im föniglichen Schlosse statt- stehen oder aber als höhere Angestellte, als wissenschaftliche Hülfs- bunden war, dürfte das angrenzende Erdreich gesunken sein, arbeiterinnen betrachtet werden müssen. Das Schöffengericht hatte findenden Gratulationscour, des Salutschießens im Luftgarten und den Direktor Wenke aus Nauen wegen Bergehens gegen die Gewerbe- wodurch die Gasrohrleitung beschädigt wurde, und das ausder großen Barole- Ausgabe im Zeughause werden von 10 Uhr vor- Ordnung zu 30 Mart Geldstrafe verurteilt, weil er zwei junge strömende Gas im Laufe der Nacht und des nächsten Vormittags ab bis nach Beendigung der Feierlichkeiten etwa gegen Mädchen dieser Art, die er zur Tätigkeit im Laboratorium während mittags in eine Reihe Häufer dieser Gasse drang und das 1½ Uhr nachmittags- der Lustgarten, die Schloßfreiheit, die Kaiser der Dauer der Zuderkampagne mit einem Monatsgehalt von 175 M. Leben der dort wohnenden Leute in hohem Maße gefährdete. der Luftgarten, die Schloßfreiheit, die Kaiser Wilhelm- und die Schloß- Brücke sowie der Platz am Zeughause für angestellt hatte, erforderlichenfalls auch nachts hatte arbeiten lassen. Bis jetzt sind 32 Vergiftungsfälle, darunter zwei schiere Fälle, Fuhrwerke, Reiter und Fußgänger nach Bedarf gesperrt. Das Schöffengericht hatte auf Grund eines Gutachtens des Gewerbe- festgestellt worden. Polizeiorgane und Aerzte sind in voller Die Betriebsleitung der Berliner elektrischen Straßenbahnen rates Dr. Löwenstein sich auf den Standpunkt gestellt, daß die beiden Tätigkeit, um weiteren Unfällen vorzubeugen. teilt uns mit, daß in der Silvesternacht auf der Linie Mittelstraße- jungen Damen als Fabritarbeiterinnen" anzusehen seien. Gegen Bankow die Wagen ab Pankow bis 1,5 Uhr nachts und ab Mittel- das schöffengerichtliche Urteil war wegen der prinzipiellen Bedeutung straße bis 1,55 Uhr nachts verkehren werden. Desgleichen findet dieser Frage Berufung eingelegt worden. Im geftrigen Termin auf der Linie Behrenstraße- Treptow zwischen Behrenstraße und begründete Gewerberat Dr. Löwenstein seine Ansicht dahin, daß die Wiener Brüde bis 1,54 Uhr nachts zehnminuten- Verkehr statt. beider jungen Damen als Fabritarbeiterinnen zu gelten haben, weil Der alte Bodendieb Wilhelm Richter, der von Adlershof aus ihre Tätigkeit im wesentlichen doch nur eine mechanische und mit feine Streifzüge nach Berlin machte, fürzlich von Kriminalbeamten der Fabrikation in unmittelbarem Zusammenhange stehende sei. heimlich nach der Motzstraße verfolgt und eine halbe Stunde später am Der Sachverständige Prof. Dr. Serzfeld kam zu einem entgegenHochbahnhof Nollendorfplatz mit einer ansehnlichen Beute fest- gesetzten Gutachten. Es handle fich hier zweifellos nicht um Arbeiterinnen in engeren Sinne der Gewerbe- Ordnung, sondern um genommen wurde, hatte in seiner Behausung ein so großes Lager Angestellte höherer Art, die auf Grund einer ausreichenden Vorgestohlener Sachen, daß es noch nicht möglich war, für jedes Stick den Eigentümer wiederzufinden. Das ist um so schwieriger, Isbildung ein genügendes Maß von Wissen befizen müssen, um imder alte Sünder selbst nicht mehr weiß, wo er überall gestohlen bat. stande zu sein, im Laboratorium Polarisationen zu machen, arithZu dem Lager gehören u. a. noch eine Anzahl schöne Betten, die metische Mittel zu ziehen, Schwefelsäure anzufertigen und dergleichen merkwürdigerweise noch niemand vermißt zu haben scheint. Die mehr. Dieser neue Erwerbszweig für junge Mädchen aus besseren Ständen würde bald verwaist sein, wenn man sie als FabrikKriminalpolizei hält sie für den Eigentümer zur Verfügung. arbeiterinnen behandeln wollte, und dies wäre im Interesse der Der Extrablatt- Schwindel steht wieder in Blüte. Gestern hatte Buckerfabriken nicht zu wünschen. Der Gerichtshof schloß sich dem ein„ Redakteur" es fertig gebrachi, den General Kuropatkin er letteren Gutachten an und erkannte auf Freisprechung. Nach der schießen zu lassen. Im Norden, Zentrum und Nordosten der Stadt ganzen selbständigen Tätigkeit der jungen Damen, ihrer sozialen wurde abends ein" Extrablatt" berbreitet, das die Meldung von Stellung, ihrer Vorbildung, ihrer festen Anstellung für die Dauer einer blutigen Schlacht bei Mukden brachte, in welcher General ciner Buderkampagne und der Höhe ihres Gehalts find sie nach Kuropatkin durch die Brust geschossen sei. Nach einer allerdings Ansicht des Gerichts nicht als Fabritarbeiterinnen anzusehen. unverbürgten" Meldung sollte er bereits gestorben sein. Der Ruf Das Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. Hersfeld gibt, Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. im Ein schwerer Eisenbahnzusammenstoß hat sich gestern auf der Strede Neapel- Rom bei Geprano ereignet. Außer zahlreichen Personen, die leichte Quetschungen erlitten haben, sind bei dem Eisenbahnunglüd 40 Personen verlegt worden, darunter 6 schwer. Das Unglück scheint auf eine Verminderung der Fahrgeschwindigkeit des von Neapel kommenden Zuges, der schließlich wegen eines Defektes halten mußte, zurückzuführen zu sein. Der von Roccasecca kommende Zug, der ihm mit 14 Minuten Zeitunterschied folgte, holte den Neapeler Zug ein und stieß mit großer Seftigkeit auf ihn. Obgleich das Personal des Neapeler Zuges das Haltefignal gegeben Kurve befand. hatte, fonnte der andere Zug nicht halten, da er sich gerade in einer Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur.( Abteilung Berlin.) Freitag, den 30. Dezember, abends 8, Uhr, im Bürgersaal des städtischen Rathauses: Vortrag des Geh. Regierungsrats Prof. Förster:" Sollen die höheren oder niederen Wohl- und Wehegefühle die Welt regieren?" Diskussion. Gäste willkommen. Wafferstand am 28. Dezember. Elbe bei Ausfig 0,06 Meter, bei 11n strut bei Dresden- 1,36 Meter, bei Magdeburg+1,17 Meter. Straußfurt+1,05 Meter. Oder bei Natibor+ 1,50 Meter, bei Breslau Ober Begel+5,14 Meter, bei Breslau Unter Begel 0,46 Meter, bei Frankfurt+1,66 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 2,93 Meter. Neze bei llich+0,81 Meter. arte bei Bosen- Meter. 0