,..' »donnementz.keöingungen: «bonnsment?- Preis pränumerando* SterleliädrL 3�0 SM, monatl. 1,10 SM., ws Wenn das ReichSstatnt vorliegt, werden wir auch zu einer Landesorganisalion kommen. In Groß-Berliy wird natürlich eine größere Kommission gebildet als von sieben Mit- gliedern. Die Kommissionsmitgliedec müssen natürlich in einer Stadt wohnen; wollen Sie Berlin nicht nehmen, so bin ich ein- verstanden, daß wir eine andere Stadt wählen. Stertin, Magdeburg oder eine andere. Aber ich glaube, die Berliner werden auch ohne Bcauffichtigung durch die Provinz nur das tun, was im Interesse der Partei lieest. Die Berliner stehen in steter Verbindung mit dem Parteivorstand und den leitenden Kreisen der Partei überhaupt. Es ist daher nur zivcckmäßig, den Berlinern den Auftrag zn geben, die Vorbereitungarbeiten zn treffen. Im Jahre 1906 werden Sie sagen: Die Berliner haben unser Vertrauen gerechtfertigt. Rirger-Köln: Die OrganisationSsrage ist dringend. Die Landesorganisation muß kommen und ich glaube, wir müssen einen Anfang machen. Das beabsichtigen wir mit dem Antrag 25. Damit schließt die Erörterung. Der Antrag 25 wird einstimmig angenommen; damit ist der Antrag 27 gefallen. Vorsitzender Singer: Wir sind jetzt mit unserer Tätigkeit auf diesem Parteitage am Schlüsse angelangt. Ich möchte zunächst— und weiß mich der Zustimmung samt- licher Mitglieder des Parteitages sicher— den Berliner Genossen den Dank aussprechen, nicht nur für die eifrige Arbeit, die sie bei den Vorbereitungen für den Parteitag geleistet haben, auch nicht nur für die Hülfe und stete Bereitwilligkeit, die sie während der Tagung erwiesen haben, sondern namentlich auch dafür, daß sie in so freund- licher, gastfreier Weise dem Parteitage teils frohe, teils ernste, aber auch dafür um so dankbarer empfundene Stunden bereitet haben. (Bravo!) Die gestrige Vorstellung, die die Berliner Genossen für den Parteitag arrangiert haben, wird den Delegierten eine bleibende Erinnerung sein. Parteigenossen I Wenn wir auf die Verhandlungen dieses Partei- tages zurückblicken, so dürfen wir mit einem freudigen Gefühle — um nicht den Ausbruck Stolz zu gebrauchen— sagen: Auch nnf diesem Parteitage hat sich erwiesen, daß die einzige Partei in Deutschland, welche Empfindung, Kenntnis und Juteresse für die großen. die Arbeiterklasse bewegenden Fragen hat, die deutsche Sozialdemokratie ist. Die Fragen, die uns hier zusammengeführt haben, würden, wenn eine verminftige, die Interessen der Gesaint- heit fördernde, und nicht nur den» Besitze gewidmete Gesellschafts- orgauisation vorhanden wäre, überhaupt nicht zur Verhandlung zu kommen brauchen. Aber gerade der Umstand, daß die heutige bürger» liche Gesellschaft auf der Ausbeutuug der Arbeiterklasse beruht, der Umstand, daß die herrschenden Klassen ihre ganzen An- strengungen darauf richten, ihren Besitz. ihre polilische Macht zu vermehren, daß sie die Klinke der Gesetz- gebnng in der Hand haben und dadurch bewußt verhindern, daß vernünftige Einrichtungen für die Gesamtheit geschaffen werden, ich sage, gerade dieser Umstand beiveist doppelt und dreifach, wie iiotlocndig es ist, daß die von der Gesetzgebung ausgeschlossene, durch das Dreiklassen-Wahlsystcm brutalisierte breite Masse der Bevölkerung unabhängig Vvn der Parlamcntstrtbünc das Wort nimmt, um das zu tun, Ivas die verfluchte Pflicht und Schuldigkeit der preußischen gesetzgebenden Versammlungen wäre.(Bravo I) Die Fragen, die lvir hier verhandelt haben, wobei eben so sachkundige wie form- vollendete Referate die Grundlage gegeben haben, diese Fragen sind es, die dringende Abhilfe heischen, soll nicht der geistige und physische Untergang des Proletariats in Preußen herbeigesührt werden. Die Wohmmgsfragc, die Schulfrage, die Frage des Wahlrechts, die Frage des Koalitionsrechts der Arbeiter, die sind, jede einzelne für sich, von großer Wichtigkeit, aber zusam»iengenomnien gipfeln sie eben darin, daß wir in Preußen in einem rechtlosen Zustande leben, Preußen geht in der einen Beziehung in Deutschland voran, daß alle Reaktion, alle Ungerechtigkeit von Preußen gestützt, von Preußen verbreitet, von Preußen getragen wird, daß der stärkste Hort der Reaktion in Deutschland eben Preußen ist. Wenn lvir in bezug auf die einzelnen Fragen in den einzelne» Resolutionen unsere Auf- fassung niedergelegt haben, so müssen wir uns bewußt bleiben, daß alle unsere Anstrengungen schließlich darin gipfeln inüssen. für Preußen diejenigen gesetzlichen Organisationen zu schaffen, in denen nicht nur die herrschende Minderheit, die Privilegierten des GeldsackS, sondern die Gesamtheit der preußischen Staatsangehörigen ohne Unterschied des Geschlechts an die Wahlurne treten kann. Die Beschlüsse, die hier gefaßt worden sind, werden, abgesehen von der Wirkung, die sie an sich haben, ihre Ergänzung finden müssen, in kräftiger Propaganda und in der Agitation, welche wir für sie eröffnen müssen.(Lebhafte Zustimmung.) Auch ich betrachte diesen ersten preußischen Parteitag als den Anfang einer bestimmten einheitlich organisierten Belveaung in Preußen. Die preußische Sozialdemokratie hat von Anfang an innerhalb der deutschen Sozialdemokratie ihre volle Schuldigkeit getan und ich möchte fast sage», eS war der glühende Eifer, es war die Empfindung der Solidarität mit der gesamten deutschen Partei, welche die preußischen Parteigenossen veranlaßt hat, bisher stets bescheiden zur Seite zu stehen, nicht»och eine einzelne Landes- orgauisation zu bilden. Der preußischen Sozialdemokratie, glaube ich, darf es zur Ehre angerechnet werden, daß sie unter Verzicht auf diese landesorganisatorische Täligkeit ihren ganzen Eifer, ihre ganze Kraft auf die allgemeine deutsche Agitation geworfen hat, freilich in der Sicherheit, daß das, was für Deutschland geschieht, zugleich auch für Preußen geschieht. Nachdem sich aber herausgestellt hat, daß die preußische Regierung mehr und mehr das preußische Parlament als Gesetzgebungsmaschine für Zwecke benutzt, die sie im Reichstage nicht in dem gewünschten reaktionären Umfange durchführen kann, da tritt allerdings auch die Notwendigkeit umso schärfer hervor, daß jetzt die Sozialdemokratie in Preußen klar und laut ihre Stimme erschallen läßt, so laut, daß es nicht nur den Gesetzgebern, sondern auch der Regierung und noch Höher» in die Ohren gellt.(Bravo.) Das ist der Grund, aus dem der preußische Parteitag zum erstenmal zusammengetreten ist. Wenn unsere Beschlüsse und unsere Beratungen ihren Zweck erfüllen sollen, dann muß was wir auf unseren Parteitagen verhandeln, in immer weitere und weitere Kreise getragen werden, muß das preußische Proletariat erfüllt werden mit dem Geiste, aus dem diese Beschlüsse geboren sind; dann muß das preußische Proletariat bis in die letzte Schicht der Landarbeiter hinein aufgerüttelt werden, um teilzunehmen an diesem großen Befreiungskämpfe, der schließlich nicht nur dem preußischen Proletariat, nicht nur dem deutschen Proletariat, sondern dem Proletariat aller Länder zugute kommt. ES muß organisiert und propagiert werden, damit auch der letzte Mann in Preußen ein- rückt in die Armee der Sozialdemokratie und Schulter an Schulter mit den übrigen Genossinnen und Genossen kämpft. Diesen Erfolg miserer Parteitags- Verhandlungen herbeizuführen, das ist die Aufgabe, die Sie jetzt an der Schwelle des neuen Jahres mit in Ihre Heimat nehmen. Um diesen Erfolg des Parteitages herbeizuführen, dazu gehört auch die unausgesetzte rastlose Tätigkeit für die Verbreitung unserer Parteipresse.(Lebhafte Zustimmung.) Die Parteipresse ist das vornehmste Mittel der Agitation, und so sehr lvir uns freuen können über die Fortschritte, die unsere Presse auch in Preußen gemacht hat, so sehr müssen wir immer wieder be- tonen, es kann in dieser Richtung hin nicht genug geschehen, und eine der vornehmsten Aufgaben für Sie alle ivird sein, in Ihren Kreisen jeder an seinem Orte für die Notwendigkeit der Vermehrung, der Verbreitung der Parteipressc zu wirken. Wie es mit der Presse ist, so lvird es mit den Versammlungen sein, so wird es mit der Agitation sein, mit der Verbreitung der Flugblätter und Broschüren. Und deshalb glaube ich, kann ich die Verhandlungen des Parteitages' dahin zusammenfassen, daß wir mit dem Erfolg zufrieden sind und in dem Erfolg eine Mahnung zur Erreichung noch größerer Erfolge erblicken.(Bravo!) Ich täuii die Verhandlungen dahin zusammenfassen, daß sie in eine Aufforderung auslliiigen an die preußischen Genossen, rastlos bemüht zu sein, immer mehr und mehr zu agitieren, innner mehr und mehr zu propagieren das Ziel der sozialdemokratischen Partei Deutsch- lands. das Ziel der Befreiung des Proletariats aus dem Doppeljoch der ökonomischen Ausbeutung und der politischen Rechtlosigkeit. (Lebhafter Beifall.) Palteigenassen und Geiwssiimen! Die Banner hoch! Vorwärts in den Kampf gegen Unrecht und Niedertracht, vor« wärtS in den Kampf für Wohlfahrt, für Freiheit, für Frieden, für Gleichheit! Vorwärts in den Kampf gegen die Unterdrückung und Ausbeutung in jeder Form! Das wird der schönste Erfolg dieses Parteitages sein. daß er dazu beitragen wird, die sozialdemokratische Armee zu stärken, die Regimenter zu formieren und sie schlagbercit zu machen. Dieser Wunsch, den wir alle haben, und die Hoffnungen, die sich daran knüpfen, daß er zur Wahrheit werde, fassen wir zusammen, indem wir auseinander- gehen nnt unserem altbewährten Ruf: die preußische und die deutsche �Sozialdemokratie und das in seinen Zielen klare und zielbewußte Proletariat aller Länder, sie leben hoch I Die Versammlung stimmt begeistert in daS Hoch ein. Die Delegierte» singen stehend den ersten VerS der Arbeiter-Marfeillaife. Singer; Mit einem herzlichen Prosit Neujahr allen Delegierten und Genossen erkläre ich die Verhandlungen für geschlossen. Schluß 2 Uhr. « Mißtrauch des Schlußwort. ES ist uns äußerst zuwider, einen Vorgang in der letzten Sitzung des preußischen Parteitages besonders zur Sprache bringen zu müssen. Wir haben gestern die vom Genossen Ledebour gemachte Mit- teilung über private Vorgänge vor Einbringung einer Resolution milde gemißbilligt. Diese Meinungsäußerung hat Genosse Ledebour so schwer erregt, daß er ohne jeden Anlaß eine neue Ausschreitung unternahm. Ledebour sagte, der„Vorwärts" leistet das Menschenmögliche, um Bernstein und seine Freunde zu unterstützen, er treibe eine Ver- tuschungspolitik, um den Anschein zu erwecken, daß eS eigentlich einen Unterschied zwischen Radikalen und Revisionisten nicht gibt usf. Ledebour hat damit in den in wirkmizsvollster Einmütigkeit verlaufenen Parteitag der preußischen Sozialdemokratie Mißklänge zu tragen versucht. Der Widerspruch und die Unruhe des Parteitages dürften selbst ihn überzeugt haben, wie wenig die Partei geneigt ist, sich von tönenden Schlagworten tyrannisieren zu lassen. Als Beweis für seine Anschuldigung verwies Genosse Ledebour auf eine Notiz des„Vorwärts" am 25. Dezember, welche eine gegnerische Aeußcrung über Bernsteins Auftreten in Baden widergab. Die Notiz lautete: „lieber eine Versammlnngstour des Genossen Ed. Bernstein in Baden urteilt der Karlsruher Korrespondent des„Schwäbischen Merkur": „Die Vorkämpfer des Revisionismus sind nur in nebensäch- lichen Punkten etwas pcruüuftiger als che Radikalen; in der Hauptsache sind sie genau ebensolche Theoretiker wie jene. Das hat sich auch i» dem Vortrag des Genossen Bernstein gezeigt. Der Redner wirbt für die Gewerkschaftsbewegung, gleichzeitig aber auch für die politische Organisation, das heißt für die Sozial- denrokratie, und er gcberdet sich in dieser Hinsicht so„korrekt" vom Parteistandpunkt aus. daß ein Unterschied von den Radikalen auch mit bewaffnetem Auge kauni zu erkennen wäre. Wie die Radikalen steht Bernstein auf dem Boden de»„Klassen- kampfeS"... Es wäre müßig, von der Arbeit der Revisionisten die„Mauserung" zu erwarten, auf die manche Politiker ihre ZukuuftSpolitik bauen." Von dieser Notiz, die unter mannigfaltigen anderen Mitteilungen auS der Partei einen bescheidenen Platz fand, sagt Ledebour:„Eine so unglaublich taktlose und geschmacklose Notiz wird zum Beweise für den Radikalismus Berusteius gebracht." Tatsächlich hatte die Notiz lediglich den Zweck, zu zeigen, daß die Gegner der Sozial« denrokratie von der Anschauung, als werde Bernstein sich als der Mann ihrer sozialistenfeindlichen Hoffnungen erweisen, zurück- kommen. Wenn Genosse Ledevour gegenüber solcher Notiz von außer- ordentlicher Empfindsamkeit ist, dann ist es umso erstaunlicher, daß er keine Empfindung besitzt für die Aufgaben des Redners im Schlußwort, auf welches dem Angegriffenen die Antwort un- möglich ist.—_ Das Ende Port Arthurs bevorsteheitd? Eine Londoner Meldung besagt: Nach den letzten aus Tokio eingegangenen Nachrichten scheint das Ende der Belagerung von Port Arthur jetzt endlich bevorzustehen. Der Einfluß der Einnahme des Fort Erlungschan auf die Belagerer und die Belagerten ist so gewaltig, daß das ganze Bild dieses Teiles des Kriegsschauplatzes sich geändert hat. Die„Morning Post" ineldet, daß die Unterminierungen, welche von den Japanern unternommen worden sind, um das Songshushan-Fort in die Luft zu sprengen, beinahe fertig sind, so daß die Vernichtung dieses wichtigen Punktes der russischen Verteidigung demnächst stattfinden wird. Nach anderen Meldungen haben die Japaner weitgehende U n t e r m i n i e r u n g e n von anderen wichtigen Forts, welche noch im Besitz der Russen geblieben sind, durchgeführt, und kurz vor dem nächsten allgemeinen Angriff werden diese Minen in Tätigkeit gesetzt werden. Allgemein wird behauptet, daß der allgemeine Angriff gegen Port Arthur innerhalb einiger Tage ausgeftihrt werden wird. Tokio, SO. Dezember.(Meldung des..Reuterschen Bureaus".) Das Mar ine Ministerium veröffentlicht das Schreiben eiaeSOffiziersder„Sewastopol", welches den japanischen Behörden i» die Hände gefallen ist. In dem Briefe heißt eS. Port Arthur könne nach dem Dezember nicht länger Widerstand leisten. Welche Fortschritte die Japaner im Zentrum der Befestigungen ge- macht hätten, sei noch nicht vollständig bekannt, aber ihrem Vorrücken könne nicht dauernd Widerstand ent» gegengesetzt werden. Da? Fernbleiben der baltischen Flotte wcrde schmerzlich empfunden und das traurige Ende der Belagerung rücke täglich näher. Die Behauptung von der Un- einnehmbarkeit der UmWallung sei eine Mythe: nachdem einmal der 203 Meter-Hiigel genommen fei, fei der Fall der Festung unvermeidlich. Nur in dem alten Stadtteile könne länger Widerstand geleistet werden. Man könne kein Brennmaterial be- schaffen und es sei unmöglich, sich zu wärmen. Ebenso sei eS unmöglich Munition einzuschmuggeln und der Dampfer„King Arthur", der die Blockade durchbrochen habe, habe nur Gerste ge- bracht. Die Isolierung der Festung sei eine vollständige. Das Schreiben schildert den beklagenswerten Zustand der„Sewastopol", und schließlich erklärt der Schreiber des Briefes, die Schiffs offiziere wie die Verteidiger der Festung seien entschlossen, sich bis aufs äußerste zu schlagen, um ihre Ehre austecht zu erhalten und die Schmach einer Uebergabe der Festung der Hungersnot wegen zu vermeiden. London, 31. Dezember.„Daily Telegraph" wird aus Tschifu vom 2g. d. Mts. gedrahtet: Ein Bote, welcher am Abend aus Dalny hier eintraf, meldete, daß die Japaner acht Geschütze in die eroberten Teilungen gebracht hätten, welche die Stellungen nördlich von Jtzeschan beherrschten. Während die Japaner ihre Geschütze aufstellten, feuerten die Russen. Der neue Stadtteil von Port Arthur sei durch das Bombardement verwüstet und von den Russen geräumt. Die Japaner hätten aber diesen Stadtteil noch nicht besetzt in der Befürchtung, er könne unterminiert sein. Die Japaner bombardierten die Stadt während der Nacht, stellten aber das Feuer in hellen Nächten ein, um ihre Stellungen nicht zu verraten. Das große Hospital sei wegen der Beschießung verlegt worden. Die Straßen der Stadt lägen unter einer Schneedecke. Die russischen Soldaten seien warm gekleidet. In Port Arthur befänden sich gegenwärtig nur noch vier TorpedobootSzerstörer in gutem Zustande. China und die Neutralität. Schanghai, 30. Dezember. Der T a o t a i ergreist strenge Maßnahmen, um den Schiffen„Askold"und„Gromobol" jede Möglichkeit zu entfliehen, zu nehmen. Die chinesische Regierung beauftragte den Taotai, darauf zu bestehen, daß der russische Konsul den chinesischen Behörden den russischen Matrosen, den Urheber des Mordes eines Chinesen, auszuliefern. Tollte Rußland dem Ber- langen nicht nachkomme» und dadurch die Neutralität verletzen, so könnte auch China die Russen gegen die Japaner in de» chinesischen Höfe» nicht schützen. London, 31. Dezember.(„Bureau Lassan".) Die Unfähigkeit Chinas, die Beobachtung der Neutralität zu erzwingen, verursacht, >oie„Standard" meldet, in Tokio Beunruhigung. Russischen Offi- zieren, die in chinesischen Häfen festgehalten werden sollten, gelang es, zu entkommen, auch aus Tsingtau wird gemeldet, daß es einigen Offizieren des dorthin geflüchteten russischen Panzerschiffes„Zarc- witsch" gelang, nach Süden zu entkommen. Unruhen in Korea. London, 31. Dezember.„Daily Telegraph" meldet aus Söul von gestern: In den letzten Tagen fanden hier mehrere doli- tische Kersammlungcn statt. Unter der Bevölkerung herrscht große Beunruhigung, die politische Lage ist sehr schmierig. Einige hervorragende Koreaner wurden heute verhaftet. Eine große Anzahl von Mitgliedern der sogenannten Jlchiiihvi-Gesellschast. welche japan- freundlich gesinnt ist. versammelten sich in der Nähe des Palastes. Es lam zu erheblichen Ruhestörungen, wobei koreanische Palast« Wächter 12 der JlchinhviS durch Gewehrschüsse verwundeten. Der Zustand mehrerer derselben ist ernst. In der Stadt herrscht infolge- dessen große Erregung, große Volksmassen haben sich in den Haupt- stratzen angesammelt, welche berittene japanische Gendarmen- Patrouillen durchziehen. Gegen Ausländer richteten sich die Unruhen bisher nicht. London, 31. Dezember. Dein„Standard" wird aus Tokio ge- meldet: Die wirtschaftliche und finanzielle Lage Japans am Ende des Jahres istvollständig befriedigend. Ter Wert deö auswärtigen Handels� Japans bis zum 23. d. M. beläuft sich auf 37 Millionen Pfund Sterling, der Wert der Einfuhr übersteigt den Wert der vorjährigen Einfuhr um 13 Millionen Pfund Sterling, wobei die durch den Krieg erforderlich gewordenen außer- ordentlichen Bedürfnisse nicht in Rechnung gezogen find. » London, 31. Dezember. Der„Daily Mail" wird auS Tokio gemeldet, nach Berichten aus Niut schwang seien 30 000 Russen vor einigen Tagen von Tieling nach Tsiengfu und Tschahotengtacheng aufgebrochen. l. Sariales. Königlich privilegierte Vorschule der Prostitntion. In den Tagen der überschmimenden sittlichen Entrüstung aller gutgesinnten— Kostgänger der Prostitution interessiert ein Zitat aus einem Buche deS bekannten Kulturhistorikers und schlveizcrischen Staatsarchivars Dr. Otto Henne am R h y n. Dieser schreibt in dem Buche„Sünden der Sittenpolizei"(Leipzig. Max Spohr, 2. Aufl.): „ES besteht in Berkin, um den mehr und mehr in« Stocken ge- ratenen Zuzug neuer Kräfte für daö Corps de Ballet zu sichern, eine von der General- Intendanz der königlichen Schauspiele ress�ortierende und mit bedeutenden Mitteln ausgestattete sogenannte Ballettschule. Alljährlich findet eine Musterung der Exspektanten statt, bei deren Schilderung man un- willkürlich an einen Remontemarkt... erinnert lvird. Die- jenigen Kinder nämlich, deren Angehörige entweder durch gewisse Schönheitsjäger(man nennt als besonders tätig und routiniert in der Wahl qualifizierter Subjekte einen Offizier a. D.) oder durch. Erfolg" von Aspirantinnen crnS ihrem Ort auf die Vergiinstigungeil der Ballettschule aufmerksam gemacht worden sind und ihrem hübschen Fleisch und Blut gern den mühelosen Eintritt in eine„höhere" soziale Stellung verschaffen möchten, werden im Beisein der an der Sache und für die Sache Interessierten(!) durch den Theaterarzt in betreff der Jufallibilität der Zähne, der Fesselgelenke, der Knie, der Figur, sowie— falls genügende Auswahl vorhanden— auch selbst de« Profils.untersucht. Die geeignet Befundenen werden sodann zu bestimmten Familien in Kost gegeben und unter sich trotz„Schulzwang" und„Allgemeiner Ministerialbcstimmmigen" etwa zwei Stunden täglich aufs notdürftigste im Lesen, Schreiben, Rechnen und in französischer Kunstsprache(in Religion gar nicht), in gymnastischen und Tanz- Übungen dagegen bis zum Ueberdruß unterrichtet. Auf die Frage: „Was wird aus diesen Mädchen?" antwortete dem Berichterstatter der Begleiter einer Schar dieser.. Mädchen(von S bis 11 Jahren!!): Dreiviertel derselben gehen unter!" Wahrscheinlich aber gehen alle unter..."_ KaufmannSwahlen. In Karlsruhe machten nur 12S von 375 eingetragene» Gehülfen von ihrem Mahlrecht Gebrauch. Ter Zentralverband hat dort noch nicht Wurzel gefaßt. In Dessau wählten 237 von 370 eingetragenen Gehülfen. Dabei waren fünf Listen aufgestellt. Unter den zwölf gewählten Beisitzern befindet sich der Lagerhalter Franz Günther. Frankfurter Sozialpolitik. In Frankfurt a. M. wurden am Weihnachtsabend über hundert städtische Tagelöhner entlasten und weitere hundert sollen nach Neu- jähr entlassen werden. Man will bei Stratzenarbeiten 3000 bis 4030 M. ersparen. Für ein Hochzeitsgeschenk an den Kronprinzen bewilligte die Stadt 15 000 M. Da wird man noch viel Tage- löhner entlassen müssen, um das wieder einzusparen. SewerKscbaftttcbes. KrokodilSträiicu. Als vor einem Jahre die Arbeiterschaft Deutschlands den ausgesperrten Textilarbeitern in Crimmitschau eine Weihnachts- beschcrung bereitete, verunglückten bekanntlich einige der Aus- gesperrten dadurch, daß ein Gerüst, auf dem die Weihnachts- gaben aufgestapelt waren, zusammenstürzte. Jetzt geht durch die arbeiterfeindliche Presse eine Notiz, welche an diesen Vorgang erinnert, und im Anschluß daran wird gesagt:„Die Leute brachen Arm und Beine uud sind zum Teil verurteilt, ihr Lebtag Krüppel zu bleiben."— Die Notiz ist dem„Crimmitschauer Anzeiger" entnommen, der sie in leicht verständlicher Absicht kurz vorderStadtverordneten- mahl brachte, und hat den Rechtsanwalt Dr. Tictze, den bekannten Wortfiihrer und warmen Verteidiger der Crinmiit- schauer Texttlunternchmer zum Verfasser. Der eigentliche Zweck der Veröffentlichung wurde ja nicht erreicht: die Crimniitschauer Arbeiter wählten mit übergroßer Majorität Leute ihres Vertrauens und nicht die Tictze und Konsorten.„Was ist nun auS den Opfern der Weihnachtsbescherunq, den Opfern der Barmherzigkeit einer halben Welt geworden fragt Herr Tictze und er antwortet, der Textilarbeiter-Verband habe trotz der reichen Ueberschüsse, welche die vorjährigen Weihnachts- sammlungen lieferten, die Verunglückten mit kargen Streik- Unterstützungen hingehalten und sie im übrigen wegen etwaiger Entschädigung auf den Klageweg gegen den Erbauer der zu- sammcngebrochenen Gerüste verwiesen. Ist es nicht ein schneidender Hohn, daß gerade Herr Dr. Tietze sich berufen fühlt, öffentlich für die armen„Opfer der Weihnachtsbescherung" zu plaidieren? Derselbe Rechts- anwalt Dr. Tietze, der das nur zu bekannte Vorgehen deS Unternehmertums und jede noch so ungerechtfertigte Maß- nähme der Polizei unbesehen in Wort und Schrift gutgeheißen hat. Kam doch Herr Tietze eigens nach Berlin, um hier in einer von bürgerlicher Seite zugunsten der Ausgesperrten einberufenen Versammlung die Praktiken der Crinimitschauer Fabrikanten und der Polizei zu verteidigen und die Aussperrung als gerechtfertigt hinzustellen. Diesem Mann ist es natürlich nicht darum zu tun, daß den..Opfern der Weihnachtsbescherung" geholfen werde, sondern es kommt ihm nur darauf an, den Textilarbeiter-Verband zu ver- unglimpfen und die Arbeiterbewegung in ein schlechtes Licht zu stellen. Dazu ist aber der hier in Rede stehende Vorgang so wenig wie nur irgend möglich geeignet. Jene Arbeiter, welche beim Zusammenbruch der Gerüste verunglückten, sind Opfer der von Herrn Dr. Tietze verteidigten Aussperrung und der polizeilichen Schikane. Denn ohne Aussperrung hätte es keine Weihnachts- beschcrung gegeben und ohne das Polizei- liche Verbot der Abhaltung der Weihnachts- feier in fünf Lokalen hätte man die Gaben nicht in einem einzigen unzureichenden Lokal auf- häufen brauchen, was jedenfalls die unmittelbare Ursache des Unfalls war. Doch wie steht es nun in Wirklichkeit mit den„Opfern der Wcihnachtsbescherung"? Erfreulicherweise sind die Ver- letzten bis auf einen völlig wiederhergestellt worden. Dieser eine ist leider infolge des Unfalles lahm geblieben und deshalb nicht imstande, als Textilarbeiter sein Brot zu ver- dienen. Ein zweiter, über 60 Jahre alter Arbeiter, der damals ebenfalls verunglückte, hat auch bis jetzt keine Arbeit wieder erhalten. Das ist aber nur auf sein hohes Alter und nicht auf die Folgen des Unfalles, die bei ihm ausgeheilt sind, zurückzufilhren. Ohne erst die Frage der moralischeu Berpflichtting zu nnter- suchen, ist der Texttlarbeiter-Vcrband für diese beiden Arbeiter helfend eingetreten. Bis jetzt(!) erhielten beide ausreichende Unterstützung, womit sie auch zufrieden waren. In letzter Zeit ist nun in anderer Weise durch den Textilarbeiter-Verband für die Existenz der beiden gesorgt worden. Dem Arbeiter, welcher durch den Unfall lahm ge- worden ist, hat der Verband eine Geldsumme zur Verfügung gestellt, welche ihn in den Stand setzt, das Zigarrenmachen zu erlernen und sich ein eigenes Zigarrengeschäft einzurichten! Auch der alte Arbeiter, der nicht mehr an den Folgen des Unfalls leidet, hat eine Geldsumme erhalten und befindet sich keineswegs in einer Notlage. Beide Arbeiter sind mit der Hilfe, die ihnen der Textilarbeiter-Verband zu teil werden ließ, vollkommen zufrieden. Wenn die arbeiterfeindliche Presse diese Angelegenheit gegen die zielbewußte Arbeiterbewegung glaubt ausnutzen zu können, so hat sie wieder einmal am Ziel vorbeigeschossen. Der Urheber des Hetzarttkels aber hat mindestens sehr leicht- feriig gehandelt, wenn er die Frage:„Was ist aus den Opfern der Weihnachts-Bescherung geworden?" in wahrheitswidriger Weise beantwortete. Die Angelegenheit ist bereits vor einigen Wochen zur vollkommenen Zufriedenheit der Beteiligten geregelt worden und dürfte inzwischen auch Herrn Dr. Tietze bekannt geworden sein. Daß Herr Dr. Tietze nun seine Anschuldigungen an der Stelle zurücknimmt, von der aus er sie in die Welt schleuderte, nehmen wir allerdings nicht an. Wir erwarten auch nicht, daß irgend eines der Scharfmacher- und Amtsblätter, welche die Notiz brachten, von unserer Richtigstellung Notiz nehmen wird. Wir wollten lediglich an diesem Falle der organisierten Arbeiterschaft von neuen: zeigen, welche Waffen unsere Gegner ihrer selbst für würdig halten. Druckfehler-Berichtigung. In unserer Polemik mit der „Einigkeit" hat sich ein sinnentstellender Druckfehler eingeschlichen. Auf Zeile 3 des letzten Absätze» ist dort die Rede von„neutralen" Gewerkschaften; natürlich muß es„zentralen" heißen. Da die Gewerkschaften ja für die Interessen der Berufsangehörigen zu kämpfen haben, wäre es ein Unsinn von uns gewesen, Gewerljchastcn irgend welcher Richtung„neutral" zu nennen. Herlin una tlmgegencl. An die organisierte Arbeiterschaft Berlin» und der Borarte. Partei-Genossinnen und Genossen! Im Inseratenteile veröffentlichen wir heute wiederum die Lifte der bewilligten Bäckereien. Dieselbe enthält auch diesmal wieder eine Anzahl Beränderungen. Eine Reihe Neubewillignngen, die neu in die Liste eingefügt sind, sind auch jetzt noch eingelaufen— der beste Beweis von der Solidarität der Arbeiterschaft. Diesen gegenüber stehen eine Anzahl jener„vornehmen" Bäcker- meister, die die Zeit zur Durchbrechung ihrer Bewilligung für gekommen erachten. Diese Herren stehen deshalb in der heutigen Liste nicht mehr verzeichnet, jeder achte daher genau darauf, ob sein Lieferant noch in der Liste aufgeführt ist. Niemand unterstütze durch seine Kund- schaft jene Leute, die jetzt darauf rechnen, daß die Kontrolle seitens der Konsumenten nicht mehr so scharf ist, und die glauben, nun unbemerkt und ungestraft die alten erbärmlichen Arbeitsverhältnisse für die Bäckergesellen wieder einführen zu lönnen, die versuchen, durch die mit dem Kost- und Logiswesen beim Arbeitgeber untrennbar verbundenen ekelhaften Unsaubrrkeitrn den Bäckergesellen und der konsumierenden Bevölkerung im Interesse ihres Geldbeutels schweren Schaden zuzufügen. Gerade in den Arbeitervierteln warcn und find jetzt noch diese Zustände am schlimmsten! Hier sind auch die gewisienlosesten unter den Bäckermeistern zu finden. In Rixdorf. im Osten und Norde» mußten wegen Nicht- »inHaltung der Bewilligung eine Reihe Bäckereien gestrichen werden. Ein Teil dieser noblen Gesellschaft setzt seine Hoffnung auf de« Winter. Man will durch die Kälte und den Hunger, nach Scharfmacher- manier, die Arbeiter niederzwingen. Und dabei betteln diese Leute vor den Türen der Arbeiter um deren Kundschaft, obwohl sie im Stillen auf die Arbeiter schimpfen und bei den Behörde» um Ausnahmegesetze gegen die Arbeiterschaft petitionieren. Arbeiter! Frauen d«S« olleS! Gebt diesen Ar- beiterfcinden, die nm Euer Geld, um Eure Kundschaft betteln, dabei aber nur darauk sinnen, wie sie am besten den Arbeiter politisch und wirtschaftlich knebeln und entrechten können, dadurch die einzig richtige Antwort, daß Ihr Euren Bedarf von Brot uud Back- waren nur aus Bäckereien kaust, in denen die F» r- derunge» der G-hülfenschaft bewilligt sind. Wir bitten Euch, in Bekanntenkreisen und auf Arbeitsplätzen auf die Liste aufmerksam zu machen. Die O r t S v e r w a l t u n g Berlin deS deutsche« Bäckerverbandes. Veutkcbea Keick». Immer mehr Funken inS Pulverfaß schleudert daS Unter- nchmertum im Ruhrrevier. Auf Zeche„Herkules hat man den AnappschastSältcstrn Wagner kurzer Hand nufS Pflaster gesetzt! Schon einmal versuchte man den W. auf die Straße zu werfen, doch zog man cS gegenüber der Solidaritätserklärung der Belegschaft vor, es bei einem Versuch bewenden zu lassen. Ob man nun einen Kampf direkt provozieren will? Am Sonntag nimmt die Belegschaft in dieser Angelegenheit Stellung. Auch auf anderen Zechen, z. B. „KönigSborn", fanden Maßregelungen statt. Bereits befaßt man sich in öffentlichen Bcrgarbeiter-Vcrsammlungen mit den Angelegen- heitcn, das heißt, die Bergarbeiter fangen an, jeden einzelnen Fall nicht als nur die betreffend« Belegschaft, sondern die Gesamt-Berg- arbeiterschaft treffend anzusehen und fordern sie zu solidarischem Vorgehen auf._ Letzte JVacbncbten und Depefchcn. DaS neue Ministerium. Wie». 31. Dezember.(23. T. 23.) Der Kaiser empfing heute mittag den Präsidenten des Obersten Rechnungshofes Frhrn. Gautfch in Audienz. Im Laufe des nachmittags erfolgte unter gleichzeitiger Enthebung des bisherigen Ministerpräsidenten v. Koerber die Er- nennung des Frhrn. Gautsch zum Ministerpräsidenten. Die bis- herigen Minister verbleiben im Slmte. Zum Minister des Innern wurde der bisherige Statthalter von Ober-Oesterreich Graf v. Bylandt-Rheidt und zum Leiter des Justizministeriums der Scktionschef Geheimrat Dr. Klein designiert. Am Nachmittag fanden zwei kurze Sitzungen des Ministerrates statt; zunächst ver» abschicdete sich v. Koerber von seinen bisherigen Kollegen, sodann begrüßte Frhr. Gautsch die Minister und versammelte sie zu einer Beratung._ Lübeck, 31. Dezember.(W. T. B.) Der Berliner V-Zug mußte heute nachmittag fünf Uhr eine Station vor Lübeck wegen Ueber» flutung des Dammes liegen bleiben. Die Passagiere und das Gepäck wurden mit Wagen auf der höher gelegenen Chaussee nach Lübeck und von hier weiter befördert. DaS Wasser war heute mittag etwas gefallen, stieg aber nachmittags um 5 Uhr wieder und war abend» unverändert. Bremen. 31. Dezember.(W. T. B.) AuS der Umgegend und von der See laufen viele Meldungen über Sturmschäden em. Auf der Weser wurden zahlreiche Schiffe losgerissen. Der Hamburger Dampfer„Rhactia" geriet bei Vegesack ins Treiben, lief aus und wurde erst mit vieler Mühe flottgemacht. Eine englische Vicrmast» bark wurde in'Nordenham losgerissen und strandete. Menschen sind, soweit bekannt, nicht verunglückt. Wien, 31. Dezember.(W. T. B.) AuS Prag und ganz Böhme« werden orkanartige Slürme gemeldet, die großen Schaden anrichten. In Teplitz war der Sturm von Gewittererscheinungen begleitet. Viele Eiseubahnzüge trafen mit Verspätungen ein. Movkail, 31. Dezember.(W. T. B.) Die Kälte hat 27 Grad erreicht. Infolge deS Frostes sind heute alle Lehranstalten gv» schlössen worden. Perantw. Redakt.-PaulBüttner', Berlin. Fnserateverantw.(mit Ausnahme der.NeucWelt'-Bellage): Th. Glocke, Berlin. Druck u. Bering: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanst.Paul Singer& Co., Berlin 3 W. Hierzu 4 Beilagen u. Unter haltnngsbl. *1 i. KeilM bw Jotroitte" ßttlintt JolbWitt.>»---« Preußischer Parteitag. Berlin, 31. Dezember 1S04. Vierter Verhandlungstag. Singer eröffnet um f)1/, Uhr die Verhandlungen und teilt mit, daß Antrag 5*) zurückgezogen worden ist. Die Diskussion über Punkt 4 der Tagesordnung:„Das Land- tagS-Wahlrecht" wird eröffnet. Eduard Bernstein: Die Ausführungen, die der Referent seinem Referate gestern anhängte, gehörten nicht mehr zum Referate.... Vorsitzender Singer: Ich muß doch bitten, der Leitung der Ver- sammlung zu überlassen, was zum Referat gehört oder nicht. Bernstein sfortfahrend): Meiner Ansicht nach gehörten sie nicht zun» Referat, sondern sie waren persönliche Ausführungen. Der Referent hat sich herausgenommen, die von mir und einer Anzahl Genossen beantragte Resolution zu bekämpfen, ehe er die Begründung gehört hatte. Das ist bisher auf Parteitagen nicht üblich gewesen, und ich hoffe, es wird auch in Zukunft nicht vorkommen. Er hat sich dann auch erlaubt, auf die Motive einzugehen und mir Motive unter- zuschieben, zu denen er nicht das Recht hatte. Er hat u. a. ge- iprochen von„den Radikalen spielen", als handele es sich hier nicht dämm, Ansichten zu begründen, sondern Schauspielerei zu betreiben. Den Gedanken, als ob es mir irgend wie darauf ankommt, hier eine Rolle zu spielen, muß ich entschieden von mir weisen. Ich habe nicht nötig, irgend eine Ansicht zu vertreten, die ich nicht habe. ?km allerwenigsten stand es dem Referenten zu, sich Bemerkungen dariiber zu erlauben, wie die Resolution ausgesehen hat, e h e sie hier eingereicht wurde. Ich hoffe, den Parteitag in seiner Einheitlich- keit dafür zu haben, daß das ein ganz ungehöriges Ver- halten ist. Jede Resolution ist eben dem ausgesetzt, redigiert zu werden. ehe sie eingereicht wird, weil der Referent auf die Antragsteller Rücksicht zu nehmen hat. welche die Resolution unterstützen wollen. Es geht niemand etwas an, wie die Resolution ausgesehen hat, man hat sich hier an das zu halten, was in der Resolution zum Vorschlag gebracht wird. Diese Erklärung gebe ich prinzipiell ab. WaS mich persönlich anbetrifft, so war eS meine Abficht, das hier zur Sprache zu bringen, w a s in dem ursprünglichen Entwurf gestanden bat: Straßcndemonstration statt Massendemonstration. ES ist nur fortgeblieben, weil eine Anzahl Antragsteller Bedenken dagegen hatten. Wer einigermaßen die politische Entwickelung Preußens und auch Deutschlands in der letzten Zeit verfolgt hat. der wird sagen müssen, daß schärfere Formen der Agitation, als bisher üblich waren, einfach zur Notwendigkeit geworden sind.(Sehr richtig!) Welche Formen haben wir aber noch außer der Straßendemoustration? Daß andere Formen die Wirkung nicht ausüben, das wiffen wir alle, und wenn man eine derartige Auffassung hat. dann hat man sie auch nicht für sich zu behalten, sondern sie öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Der Referent hat selbst darauf hingewiesen, daß wir in der Erkämpsimg deS demokratischen Wahlrechts in Preußen auf unsere eigene Kraft angewiesen sind. Wie stellt man sich denn diese Erkämpfung vor? Durch mehr oder minder gelungene Witze über die Hohcnzollerndhnastie und die Denkmäler im Tiergarten? Damit erkämpfen wir kein Recht. Gewöhnliche BersanmilungS- Proteste werden einfach ignoriert. Ich erinnere an die großartigen Äersammlungsdemonstratronen, die wir bei Gelegenheit deS Zoll- kampfeS im Reichstage gegen die Vergewaltigung der Geschäftsordnung im Reichstage veranstalteten. Was haben die Proteste geändert? Gar nichts. WaS damals ge- schaffen wurde, die lex Gröber, die die Geschäftsordnung so änderte, daß jede Majorität etwas durchpeitschen kann, ehe die Massen sich bewußt werden, was auf dem Spiele steht, ist heute noch in Kraft. Ucber diese Tatsachen müssen tmr un-Z Rechenschaft ablegen und uns sagen, andere Formen des Kampfes können nötig werden, ohne daß wir wissen, wann. Das hängt nicht von uns ab, es kann erst in langen Jahren sein, aber auch in einem halben Jahre. Denn Demonstrationen macht man nicht ohne die großen Massen, und die kann man nicht im Augenblick nach Belieben kommandieren. Wir haben die Erfahrung ja in Sachsen gemacht, wo ein WahlrechtSraub auf dem Spiele stand. Da hat man auch Versammlungen veranstaltet, aberanStraßendemonstrationen, die auf die Gesetzgeber hätten Eindruck machen können, hat eS gefehlt, weil unsere Massen in einer ganz anderen Auffassung erzogen sind. Wir müssen eine andere Auffassung erst in sie hinein erziehen. TaS soll gegen niemand ein Vorwurf sein. Aber wer unser Volk und unsere Parteigeschichte kennt. der weiß, daß wir noch ungeheuer p o l i z e i f r o m m sind und daß wir zu starken Gebrauch von der unter Umständen berechtigten Mahnung gemacht haben:„Laßt Euch nicht provozieren, die Reaktion will schießen." ES gibt auch Ver- Hältnisse, in denen man sagen muß:„Laßt Euch nicht ver- blüffen, so schnell schießen die Preußen nicht!" (Sehr richtig!) In dieser Beziehung ist alles Vcrstcckspielen falsch. Es handelt sich in der Politik oft darum, schnell zu handeln. Da trifft das Sprichwort zu: WaS du von der Minute ausgeschlagen, bringt keine Ewigkeit zurück. WaS wir in einem Augenblick versäumen, �aS kann unS jahrzehntelange Kämpfe auferlegen, und darum heißt es, wahr sein, aussprechen daS, was ist. Wir informieren damit nicht unsere Gegner, sondern die Masse, die hinter unS steht, über das, ivaS getan werden muß. Der Referent hat eine Aeußerung des Ministers v. Hammerstein angefiihrt, der gesagt hat, daS öffentliche Stimm- recht sei das Wort des freien Mannes. Aber der Minister hat mich unmittelbar nach der Landtagswahl erklärt, das preußische Drei- klassen-Wahlsystem bringt die öffentliche Meinung am korrektesten zum Ausdruck. Das hat er gesagt wenige Monate, nachdem 1 600 000 Stimmen von erwachsenen preußische» Staatsbürgern für die Sozialdemokratie in die Wahlurne geworfen waren, ohne daß ein einziger Sozialdemokrat in die preußische Kammer hinein- gekommen ist. Die 1 600 000 Stimmen hat der Minister für null und nichtig erklärt, als nicht zur öffentlichen Meinung gehörig. DaS war ein Schlag ins Geficht, uns, der größten politischen Partei Preußens. Und was ist darauf geschehen? Gar nichts, nicht einnwl ein an- ständiger Protest ist dem Minister entgegen geworfen worden. Ich denke, das muß einmal anders werden in unserem Volk. DaS politische Empfinden und Fühlen nmß etwas mehr angestachelt werden. Der Referent nennt daS: den Radikalen spielen! Ich bin ein Gemäßigter und bin stolz darauf, diesen Namen zu tragen, aber ich muß daS zum Ausdruck bringen, was absolut notwendig ist. Sie haben vom Referenten gehört, daß man in Preußen damit umgeht. daS Wahlrecht zu ändern, man will diejenigen Be- stiminungen aus dem Wahlreglcmcnt herausnehmen, die den herrschenden Klassen unbcgucm sind. Dieses Wahlsystem, das Werk- zeug einer Reaktion, zu einer Zeit geschaffen, in der man die Demo- kratie damit totschlagen wollte, war doch gegen die damalige Arbeiter- klaffe insofern nicht das Unrecht, das es heute ist, als damals die Lohnarbeiterschaft im modernen Sinne nur in ganz kleinen Anfängen vorhanden war; die damaligen Handwerksgesellen hatten noch fein Klassenbewußtsein. Seitdem ist eine nach Millionen zählende Arbeiter- klaffe herangewachsen, und wenn man heute dieses Wahlsystem auf- recht erhält, dann ist es ein Ausnahmegesetz gegen die Arbeiterklasse und muß als solches von ihr empfunden und bekämpft werden. Es handelt sich nicht darum, irgend welche provozierende Estwache zu führen, sondern darum, eine kräftige Agitation ins Werk zu setzen. Der Referent sagte, er wolle noch mehr. Aber:„wer zu viel um- *) Antrag 5. Köln-Land. Der preußische Parteitag ist in Zu- ' kunft alljährlich abzuhalten und zwar möglichst im Anschluß an den allgemeinen denffchen Parteitag. j fassen will, erdrückt schlecht." Der Schluß der Resolution lautet: „Wir fordern alle Parteigenossen auf, durch unablässige Agitation in Wort und Schrift zu wirken." DaS ist unzählige Male gesagt worden, es ist aber in dieser Allgemeinheit zu u n d e stimmt. Darum haben wir es für notwendig gehalten, einen Ergänzungs- antrag einzubringen. Eine ganz bestimmte Gelegenheit, be» der nach meiner Anficht ein stärkeres Eingreifen notwendig ist, ist dann z. B. gegeben, wenn im preußischen Landtag irgend welche Aenderungen am Wahlsystem zur Sprache kommen. Dann haben wir das Volk in erster Reihe aufzurütteln zu großen Protesten gegen seine Ausschließung aus dem Landtage, und diese Proteste werden ihre Wirkung nicht verfehlen. Das ist das Mindestmaß dessen, was loir zu tun haben. Darum habe ich auch gesagt, die Preffe solle zu solchen Zeiten nicht bloß einmal einen Artikel bringen, sondern wiederholt dem Volke zeigen, was auf dem Spiele steht. Da kann man doch nicht sagen: Das ist hysterisches Gekreisch.(Ledebour: So habe ich es nicht angewandt!) Nun gut, dann soll man solche Redens- arten unterlassen. Wenn man ein Gesetz bekämpfen und eine unmittelbare politische Wirkung erzielen will, dann ist es notwendig, solche Appelle an das Volk zu erlassen und darauf hinzuweffen: Es handelt sich nicht nur um das Landtagswahlsysten», sondern auch um die Wahrung des Reichstags-WahlrechtS. Im Augenblick ist der Sturm gegen das Reichstags-Wahlrecht etwas abgeflaut. Aber derselbe Arendt, der im Abgeordnetenhause den Antrag gestellt hat, die sogenannten Unbequenilichkeiten des Drei- klaffen- Wahlsystems zu beseitigen, kämpft heute für Diäten im Reichstage. Wir sind alle für Diäten. Aber die frei- konservative Partei besteht aus lauter reichen Leuten, und wenn sie für Diäten eintritt, so ist das eine Finte, um hinterher daS Reichs- tags-Wahlrccht zu ändern. Herr Arendt sagt allerdings: das ReichstagS-Wahlrecht darf nicht geändert werden, nur im Wahl- reglemeut würde eine kleine Aenderuna notwendig sein, indem man eine bestimmte Dauer deS Wohnsitzes festsetzt: wer nicht anderthalb Jahre in» Wahlkreis wohnt, hat das Wahlrecht verloren. Dadurch würden Hunderttausende entrechtet werden. Das ist die Sihlation augenblicklich, so wird gewühlt und darum müffen wir etwas Präziseres geben, als wir bisher gegeben haben und müssen die Ucberzeugung der Massen wachrufen und wach er- halten, daß wir unter Umständen zu größeren Demonstrationen übergehen müssen, selbst zu Straßcndemonstrationen. vor allem in den großen Zentren und vor allen Dinge» hier in Berlin. Es ist mir wegen der Kürze der Zeit leider nicht mehr möglich, darzulegen, daß die Gefahr bei solchen Demonstrationen bei weitem nicht so groß ist, wie sie hingestellt wird, und daß wir dadurch auf die Mafien einen ganz anderen Eindruck ausüben können als durch Versammlungen. Auf unbewaffnete Demonstranten wird keiner zu schießen wogen. Erinnern Sie sich daran, was in Wien, in Mailand erzielt worden ist durch Massende mon st rationen. Sie haben in Italien solchen Eindruck gemacht, daß der italienische Ministerpräsident erklärt hat, es werde nicht mehr geschossen werden. Ich erinnere Sie an die Demonstrationen in Rußland. Wenn wir das Ausnahmegesetz be- kämpfen, wenn wir eine Reaktion, die in der Prinz Albrechtstraßc sitzt, stürzen und beseitigen wollen, dann muß nian sich auf stärkere Demonstrationen gefaßt machen, und dann werden wir dahin kommen, da» jetzige Wahlrecht zum Landtag, dieses Werkzeug der Reaktion, das eine Spottgeburt ist, aus der Welt zu schaffen.(Lebhafter Beifall.) Rieger-Köln: Das Wort„Der Zentrumsturm hat schon Riffe" hat schon oft den Spott der Zentrumsanhänger hervorgerufen. Der Mittelpunlt des ZentnnnS ist daS Rheinland. Dort kann man den Maßstab anlegen, ob Risse Vorhände» sind. In der schwärzesten Ecke Koblenz-Trier haben wir 48 000 Stimmen erhalten gegen 31 000 im Jahre 1898. Auch in Köln selbst haben sich»micre Stimmen erhöht: dort haben wir 4 Proz. gewonnen und gerade diese 4 Pro z. hat daS Zentrum verloren. Aber, Ge- noffen, wir können nur etappenweise vorgehe»», daS zeigt die Wahl- Jicschichte. Mag das Zentrum auch noch ein oder zweimal in Köln iegen, die Zeit muß doch kommen, wo wir die Mehrheit haben. Risse in» Zentrum sind demnach vorhanden. Sagen ivir dem Zentrum, führt im Landtag das allgemeine Wahlrecht ein, so antwortet es. wir haben nicht die Mehrheit. Hätte eS diese, so täte eS auch nichts, denn eS will der Arbeiterklasse keine Vertretung einrämnen. Die Liberalen haben sich bei unS schinählich benommen. sie haben bei der letzten Wahl nicht einmal Wahl- männer aufgestellt. Die Liberalen raffen sich nicht zun, Widerstand ans, während das Zentrum eine feste Organisation hat. DaS Zentrum will ein Volk, da§ sich nicht um die Politik lümmert. Alle paar Jahre werden die Wähler an die Urne gerufen, warun, wiffen fie auch»ich.. Hier haben wir Aufklärungsarbeit zu verrichten. Und in diesem Sinne gibt die Resolution Berusicii» gute Winke. Etwas Gutes scheint mir drinnen zu stecken, wenn sie mir auch nicht in allen Teilen gefällt. Sie, Genossen hier, können uns in unserer Arbeit helfen, lvcnn Sie Ausdrücke venneiden, die uns in hunderttausend Flugschriften dann vorgehalten werden. Die „Schwarzen" entstellen alles, und was die Führer vorbcten, glauben die WShlermaffen.(Zustimmung.) May- Solingen: Unsere Verhandlungen werden die Agitation draußen günstig beeiufluffen. Der Pessimismus auf vielen Gebieten wird schwinden, aber nicht in bezug auf die Wahlbeteiligung für den Landtag. In Crefeld haben wir uns überhaupt nicht ai« der Wahl beteiligt, wir konnten nicht einnial Wahlniänuer auf- stellen. Der Solinger Wahlkreis bot hingegen günstige Aus- sichten. Und was ist erreicht? Von 900 Wahlmänuern haben wir 213 erreicht! Dabei hat sich das Zentrum an der Wahl gar nicht beteiligt. Unsere Wahlinämier siud bei der Ausübung der Wahl sogar noch gestört worden, der Obrrbürzermeistcr von Solingen lieh»iisere Leute durch die Polizei ausweisen, weil sie einen Schneidermeister, ciuei» Latriuenreiniger und noch eine höhere Persönlichkeit wählen wollte,». Da« wurde als Verhöhnung des WahlvorstaudeS aufgefaßt. Wir haben schließlich eine Menge Prozesse auf den Hals bekommen. Das zeigt, wie schlecht unser Wahlrecht ist. WaS nun tun? Bernstein empfiehlt uns Agitation. Ja, mit seinen Worten stimmen wir übereil». Wir wiffen das und wollen agitieren, aber wer die Schwerfälligkeit der Deutschen kennt, weiß. wie schwer Massendemonstrationen zu»nszeuiereu siud. Heißt es doch sogar in geivissen Gewerkschafts- kreisen, eine De mon st ratio n wie die Maifeier könne zu Kontraktbrnchen führen. Die Hauptsache ist. daß die Parteiprcsse mehr Aufmcrft'amkrit als bisher den Landtagsverhandlungen schenkt.(Lebhaste Zustimmling.) Jetzt sind wir �mit der Reichspolitik überlastet. Der Parteiverlag muß Broschüren über Landtagsfragen herausgeben.(Sehr richtig!) Ist so der Boden vorbereitet, dann können wir daS iiächste Mal unS entscheiden, ob wir»»»S an der Wahl beteiligen wollen oder nicht. Meist-Köln: Wir müffen die demokratischen Prinzipien mehr betonen, die die bürgerlichei» Partei«» vergessen haben. Darum haben sie anck» das Vertrauen des Volkes verloren. Von oben herab wird dem Volke nichts freiwillig gegeben, das Volk muß sich erst jeden Fortschritt erkämpfen. Deukeu Sie an den Beginn des vorigen Jahrhunderts, an Jena und Äuerstädt lind die Aera Stein, unter der eine Verfassung versprochen wurde! Als aber die Völkerschlacht bei Leipzig geschlagen war, wurde ein ewiges Bündnis zwischen Rußland, Preußen und Oesterreich gegründet und die Hoffnungen des Volkes ailf eine Verfassung richteten sich auf den„liberalen" Kronprinzen. Diese Hoffinlngen hat Friedricki Wilhelm IV. zerstört. Er hat die Privilegien der Krone und des Adels wiederhergestellt. Er hat uns mit dem erlauchten Herrenhailse beglückt, deflei» Mitglieder durch Geburt oder Berufung zu Gesetzgebern bestinnnt find. Wie weit der Ncbenmit der Reaktion geht, zeigt die Aeußening des Herrn v. Mirbach in dieser erlauchten Versammlung, beim allgemeinen Wahlrecht könne jeder Kretin stimmen. Nu», Kretins hat er vielleicht auch im Herrenhause erblicken können. Selbst auf Thronen können Kretins sitzen. Als Alexander von Serbien von seinen Prätorianern abgemurkst wurde, schrieb die„Kölnische Zeitung", daß der Schädel des Ermordeten dicker sei, als anderer Sterblichen Schädel, nämlich 11 Millimeter dick, während das übliche Maß 7 Millimeter beträgt. DaS war also ein sehr dickschädeliger König.(Heiterkeit.) Warum haltei» sich die Herrenhäusler zu Gesetzgebern eigentlich berufen? Das Herrenhaus»st die Brutstätte der Reaktion geivorden, weil das preußische Volk zu feige war, den Kampf auSzufechteu. Es wäre noch schlimmer geworden, wenn>»icht Ferdinand Lassalle ii» den 60er Jahren mit seiner Forderung des allgemeinen, gleichen, geheimen Wahlrechts aufgetreten wäre. Das haben wir für das Reich erreicht, aber in der Zivischenzeit ist der Kampf gegen das preußische Dreiklassen-Wahlrecht in den Hintergrund gedrängt worden. Sehen Sie nach Süddeutschland. Dort kämpfen die bürgerlichen Parteien mit uns für Wahlreformen I Diese Arbeit haben wir in Preußen allein zu verrichten, durch Agitation mrd, tvenn's nötig ist, durch Demonstration.(Bravo!) Zubcil-Berlin: Professor Delbrück hat eine bewußte Iii»- Wahrheit ausgesprochen, wenn er behauptet, daß sich die Genosien in Teltow-Beeskow am Tage der Landtagswahl beim Wahl- alte nicht wie gesittete Menschen benoinmen hätten. Wir haben nur dafür gesorgt, daß der Wahlvorstand gesetzlich verfuhr. Als wir vor Jahresfrist den Kampf un» die Laudtagsivahlen aufnahmen, lvollten wir den Ansang vom Ende machen. Erfolge haben wir nicht erzielt, auch nicht erwartet. Aber se itdem ist eS still geworden, und wenn es noch vier Jahre so weiter geht, werden wir den Anfang vom Ende noch nicht haben. In dieser Hinsicht bringt der Antrag Bernstein brauchbare Vorschläge. Den zweiten Teil des Ber i» st einschen Antrages bekämpf eich. Straßen- denionstrationen organisiert mau nicht, ebensowenig wie Revolutionen, sind wir auf die Straße gezogen, so werden wir nicdcrgckuiippelt und zusammengeschossen. Daraus warten nur uniere Gegner. DaS Beispiel von Rußland trifft nicht zu. Mir haben eine starke Presse, eine starke Organisation auf politischem und gewerkschaftlichem Gebiet! Auch Spanien� und Italien können nicht in Vergleich gezogen werden. Das Strohfeuer, daö dort ausflackert— ebenso wie in Frankreich— hat noch nie etwas Nachhaltiges geschafft. Wir sind schwerfälliger, aber was wir erkämpft haben, lassen wir uns nicht nehmen. Die Landtagswahle»» haben auch den Optimisten unter uns die Augen darüber geöffnet, daß die Liberalen nicht bündnisfähig sind. Mit einem Paktieren mit dieser Gesellschaft muß eS ein für allemal vorüber sein. Was wir aus eigener Kraft nicht erreichen können, müssen lvir lassen, bis uiisere Kraft gewachsen ist. Die liberalen Anträge auf Aenderung des Wahlrechts wollen daS Proletariat noch rechtloser machen, als eS jetzt schon ist; so ist die liberale Gesellschaft noch reaktionärer als die übrige Gesellschaft. Wenn wir in die Heiinar zurückkehren, muß eine andere Agitation entfaltet werden als bisher. Wege giebt's genug! Tun wir unsre Schuldigkeit,(Beifall.) Adler-Kiel: Ich hätte gedacht, daß wir den flammenden Protest, den wir in Sachen des Kontraktbruch-Gesetzes und deS Volksschul- Gesetzes erhoben haben, so viel als möglich auch in der Landtags- frage hätten verstärken wollen. Aber zu meinem Bedauern hat mir der Genosse Bernstein daS Konzept verrückt.(Heiterkeit.) Bernstein hat einen Antrag eingebracht uild Ausführungen gemacht, die uns zwingen, innerhalb der Partei Aufklärungen zu bringen, statt einen Protest nach außen zu tragen. Bernsteins Austreten ist ein s ch iv e r e r F e h l e r. der nur dadurch gut ge- macht werden kann, daß wir»ms in der schärfften Weise daze»"" wenden. Ich als Vertreter auS dem Norden erkläre, um mit den Berlinern zu reden:„Uf dem Kalmus piepen wir nicht." (Heiterkeit.) Wir lassen unS auf solche Sachen nicht ein. Wir können den Bernsteinschen Plan nicht begreifen und verstehen, ja wir ver« dämmen ihn auf das schärfste. Was glaubt denn Bernstein, haben Protestartikel in den sozialdemokratischen Zeitungen zu bedeuten? Die sozialdemokratischen Zeitungen sind als solche ein Protest gegen die bürgerliche Gesellschaft, der besser wirkt, als für diesen Zweck geschriebene Arttkel. WaS heißt: Artikel an hervorragender Stelle? Man muß mit dummen Lesern rechnen, wenn man glaubt, daß fie nur lesen, was an erster Stelle steht. Parteigenossen müssen alle? lesen, ob es vorne od« hinten steht. Ich rechne nicht mit der Dummheit, sondern mit de» Aufklärung, der Bildung und der Einsicht uiiserei Parteigenosie». Bernstein fordert wiederholt flammende Artikel. Die Leute, die so töricht sind, daß sie sich nur mit besonderen Kraftworten antreiben lassen(Sehr richtig!), die werden stumpf, wenn sie solche Artikel alle Tage sehen. Für gute Sozialdcmokrateu»nuß geschrieben werden, was ist, IvaS nötig»st, WaS gemacht werde» mutz und kann; darüber hinaus dürfen wir nicht gehen. Legen wir uns aber ins Zeug, um Drohungen auszusprechen, dann sind wir int liberalen Fahrwasser. Was haben die Liberalen gedroht mit der Ot.royierung der Berfassimg bis zum heutigen Tage! Eine Drohung nach der anderen, und eine Blamage nach der anderen! Sollen wir drohen, wo wir nichts leisten?— nein, wir leiste» lieber, wo wir nicht drohen. Und Straßen- De« mon st rationen! Wenn wir auf die Straße steigen, ver- letzen wir daS preußische Vereinsgesetz(Zustimmung) und müssen darauf gefaßt sein, daß wir die Polizei zum Eingriff zwinge n. Eingriff der Polizei bedeutet aber, wenn wir im Ernst auf die Straße gegangen sind, Straßen kämpf. Der Straßenkampf bedeutet aber die sogenannte bewaffnete Revolution'. Diese bewaffnete Revolution»st so lange Blödsinn, als wir nicht in der Lage sind, zu siegen, und wenn lvir die Macht haben, bei einer solchen Revolution zu siegen, können wir auch siegen, ohne daß Schüsse fallen. Dieser Gesichtspunkt muß maßgebend bleiben. Wir niüffei» das Volk reif machen für neue Verhältnisse. Dann wird jede Revolution, dann wird auch die ruhigste Revolution ge- lingen. Diese Zeit ist noch nicht da; um fie zu schaffe», dürfen wir nicht mit solchen Anträgen konimen. Wenn Tag und Stimde kommt »md sich ein Ziel, des Kampfes wert, zeigt, wird sich alles finden ohne Blutvergieße», ohne Katastrophen, ganz ordnungsgemäß, weil wir die Macht in Händen haben»verde». Öder glaubt Bernstein, daß man wegen einer Karikatur, wie der preußische Landtag »st. eine Revolution inachen kann? Bismarck hat einmal von etwas gesagt: was ist uns Hekuba? Ja, was ist uns die Hekuba dieses preußischen Landtages. Ist der eine Revolution wert? (Zurufe: Ja! Noch inehr!) Nein, wer das meint, daß der Land« tag der Revolution wert ist, der irrt sich sehr, KZurnfe.) Der preußische Landtag»st nur ein Produkt der preußischen Berhaltniffe (Zuruf.) die wollen wir beseitigen. Einen Baum beseitigen wir aber doch nicht damit, daß wir die Aeste abschneiden und die Zweige abstutzen, sondern damit, daß wir ihn mit der Wurzel nnsrotten(Zunlfe: Wollen wir I Machen wir!), und wenn wir daS wollen, dann dürfen wir keine Revolution ä la Bernstein machen, dam» machen wir ganze Arbeit und nicht halbe, dann machen wir Arbeit i,n Sinne der Resolution des Referenten, im Sinne einer planmäßige» Arbeit auf alle» Gebieten. Dann graben wir die Wurzeln ab und sorgen dafür, daß der Baum fällt, wenn Tag und Stunde gekommen ist. Aber mit Straßendcn>oilstratio»ren. mit der Drohung einer Revolution, die wir nicht machen wollen »md nicht machen können, vergeuden wir einen Teil unserer Kraft. Damit können wir die Sozialdemokratie zwar nicht in Gefahr bringen und können sie auch nicht ruinieren, dazu ist sie zu groß, zu fest »md zu gut, aber wir können mit solchen„italienischen Spielereien" unsere gute Bewegung zwingen, langsamer in den» Bett zu laufen, in dem fie jetzt als gewaltiger Stron» hinströmt. Sorgen wir für die Anfklärnng der Masse», sorge» wir dafür, daß sie beieipert foeiben, für das Ziel, das wir stecken: die Befreiung von Elend und Sklaverei, dann werden sie arbeiten auf allen Gebieten und dann werden sie ohne Demonstration, wenn Tag und Stunde kommen, in der Lage sein, den Kampf zu führen, der in der entscheidenden Stunde geführt werden muh.(Lebhafter Beifall.) Paech-Schwiebus: Ich bin nicht in der Lage, den Mnnd so voll M nehmen, wie meine grohstädtischen Vorredner(Große Heiterkeit), ich möchte nur betonen, daß wir eine große LI u f k l ä r u n g s- n r b e i t auf dem Lande noch zu leisten haben. Wir kleinen Krebse wisten ja gar nicht, was wir den Leuten vom Landtage vorerzählen sollen. Von der Diskussion hatte ich erwartet, daß uns da gewisse lliatsKliige erteilt würden, aber das ist bisher nur Ivenig geschehen. Die Partei kann nicht einmal genug Referenten über die Landtags- frage stellen. Wie kommen denn die Wahlen ans dem Lande zu- stände? Die Bauern gehen überhaupt nicht wählen. Wählen gehen der Gutsbesitzer, der Gemeindevorsteher, der Pastor, der Lehrer und ' Nachtwächter. Das sind die Wahlmänner der Junker. Wir Müssen die Genossen erst daran gewöhnen, sich um die Vorgänge im Landtage zu kümmern. Darin hat unsere Presse bis jetzt sehr ge- sündigt. Ich bin ja nun einer von den dummen Lesern(Heiterkeit) und da möchte ich wünschen, daß diese Dinge, so wie Bernstein will, in d e r P r e s s e mehr in den Vordergrund gestellt werden. Wenn sich die Arbeiterschaft, die Bauern und die Klein- bauern an den Landtagswahlcn erst niehr beteiligen, dann wird sich die Mehrheit im Landtage mehr nach links schieben. Ich bitte den ersten Absatz der Bernsteinschen Resolution anzunehmen, sie gibt uns eine gewisse Richtschnur.(Bravo I) Frl. Baadcr-Berlin: Die Frauen leiden noch mehr wie die Männer unter den Sünden des jetzigen Landtages. Wir haben eine Resolntion(29) eingebracht, um deren Annahme ich bitte. Vieles von dem, was im Landtag beraten wird, ist von größter Be- deutung für die Arbeiterinnen, deren Zahl in Industrie und Land- Wirtschaft ständig zunimmt. Und da ineint der Minister Hannnerstein. ftir die Frauen hätte sich in den 59 Jahren, wo das jetzige preußische BereinSgesetz besteht, nichts geändert. Es ist eben Regierungs- anficht, daß die Frauen in ihrer unterdrückten Stellung bleiben sollen und nicht in der Oeffentlichkeit mitzureden haben, und wie wird dieses Vereins- und Versammlungsrecht von den Beamten gehandhabt I Hammersteins ScgmentSrede hat uns ein scheinbar kleines Recht gegeben, aber welche Verwirrung hat diese ungesetzliche Erlaub- nis nicht in den Köpfen der P o l i z e i b e a m t e n a n g e r i ch t e t I Manche von ihnen wissen nicht, was eine öffentliche und was eine V e r e i n s v e r s a mm lu n g ist, das geht wirr durcheinander. Im Rnhrgcbiet durfte eine Genossin nichts reden, weil der Beamte die öffentliche Volks- versa m m l u n g für eine politische Verein sversamin- I u n g hielt, er erklärte, das Frauenzimmer sollte aus dem Saale gebracht werden. Auch das Koalitionsrecht, das Reichsrecht ist, wird uns mit Hiilfe� des preußischen Vercinsgesetzcs beschränkt. Wie oft sind gewerkschaftliche Filialen aufgelöst' lvorden, weil es hieß, ihr Frauen habt Politik getrieben. Wir fordern die Umgestaltung des Wahlrechtes und die Erteilung des Wahlrechtes auch an die Frauen. Erst lvenn die Frau mit dem Geiste des Sozialismus durchtränkt ist, kann sie die Jugend so erziehen, daß freie Menschen entstehen, aber die demütige Frau erzieht Sklaven.(Bravo!) Locbe-Breslan: Es ist ein Irrtum, daß wir in Breslau einen Kompromiß mit den Freisinnigen abgeschlossen hätten, das ist nicht geschehen. Wir haben bei den Stadtverordneten- Wahlen einen Liberalen gewählt, weil in der Stadtverordneten- Versammlung Sil Liberale gegen SO Konservative stehen, und deshalb haben wir einen Freisinnigen gewählt. So sind unsere zwei Vertreter aus- schlaggebend in der Versammlung. Wir schließen keinen Kompromiß mit den BreSIauer Freisinnigen, weil wir die Bande seit langem kennen. Außerdem ist der Freisinn bei den letzten Wahlen so heruntergerutscht, daß er gar nicht mehr bündnisfähig ist. Ich muß mich wundern, daß die Resolution Bernstein, die so radikal ist, gerade von den radikalen Roizieigenossen bekämpft wird. Parvus und Luxemburg werden an ihrem Adler keine Freude haben, auch Liebknecht nicht. Wir müssen dem preußischen Proletariat neue Waffen in die Hand geben, wir brauchen flammende Artikel. Wozu sollen die dienen? fragt Adler. Aber flammende Artikel schreiben wir ja auch bei den Reichstags-Wahlen, auch Massenkundgebungen halte ich für notwendig. Sie sichern den Berliner Genossen ja immer den großen Erfolg. Wenn 39—49 Versammlungen an einem Tage stattfinden, hat jeder das Bewußtsein, daß etwas Großes auf dem Spiele steht. Das will die Resolution auf den Kampf gegen das jetzige Landtagswahlrecht übertragen. Haben wir nicht unsere großen Erfolge bei Vorängen wie Löbtau und Krimmitschau gerade dadurch erreicht, daß die Partei große Aufrufe au der Spitze der Blätter veröffentlichte? Gerade die jetzige Zeit ist für solche Massen- kundgebungen geeignet, weil wir im übrigen wohl einem ruhigen Jahre entgegensehen. Gewiß Straßcndemonstratioiien lassen sich nicht organisieren, aber sie lassen sich vorbereiten. Auf der Straße"demonstrieren nicht nur die überschäumenden Romanen, sondern auch unsere sehr bedächtigen österreichischen Parteigenossen. Wenn der Antrag Bernstein abgelehnt wird, hat die Resolution des Referenten etwas Halbes. Seine Rede lvar ja so gut, daß ich sie genie in einer Breslauer Volksversammlung gehört hätte, aber neue Wege hat sie uns nicht gewiesen. Der Bcrnsteinsche Antrag aber ruft aus zu einer neuen Art der Bekämpfung des Unrechtes. (Bravo I) Ein Schlußantrag, den Fr i e d l än d e r- Berlin begründet und H ä n i s ch- Dortmund mit dem Hinweis auf die Bedeutung der gerade zur Erörterung stehenden, für unsere ganze politische Zukunft ausschlaggebenden.Fragen bekämpft, wird abgelehnt. Stnn-Hanau: Ich muß an dieser Stelle gegen den letzten Teil der Bernsteinschen Resolution p r o t e st i e r e n. Der erste Teil ist selbstverständlich, den können Ivir annehmen. Aber das Proletariat zu S t r a ß e n d e m o n st r a t i o n e n aufzurufen— dazu ist es noch nicht an d e r Z e i t. Wir müssen zunächst Aufklärung ins Volk bringen, diesen Standpunkt haben wir bisher eingenommen und müssen ihn festhalten für die Zukunft. Wir müssen von unten anfangen und nicht von oben. Wir wissen gar nicht, ob das Proletariat mit auf die Straße geht. Bringen wir Klarheit in die Köpfe, dann Iveiß jeder, was er zu tun-hat. Wir wollen die Herzen und Köpfe erobern. Thomas-Altoua: Unser Wahlkreis bot große Hoffnungen auf einen Sieg, aber der Erfolg hat uns gezeigt, daß der L i b e r a- ltsmus in Altona von so erbärmlicher politischer Loddrigkeit ist, wie nirgends im Reiche. Die Führer der Liberalen erklärten mir rundweg, wenn wir die Leute so hinter uns hätten, wie Sie die Ihren, denn könnten wirs machen, aber u n s e r e L e u t e werden fahnenflüchtig.(Sehr richtig!) Bei uns trifft das Wort von der einen reaktionären Masse zu. Wir sind die Vertreter des pulsierenden politischen Lebens in Altona. Der Altonaer Bürger- meister hat zu mir einmal geäußert, in das Stadtparlament gehören keine politischen Parteien. Das beweist den Tiefstand der politischen Einsicht in Altona. Der erste Teil des Bernsteinschen Antrages ist annehmbar, nicht aber der zweite. Straßendemonstrationen können nicht gemacht werden, die müssen impulsiv entstehen. Heute nimmt die Presse die erste Stelle in der agitatorischen Wirkung ein. In Hamb u r g haben wir ja unter dem Sozialistengesetz große D e m o n st r a t i o n e n g e h a b t, die kamen aus der impulsiven Gesinnung des Volkes. Als der Hamburger Staatsanwalt Rinnen nns des Meineids beschuldigte, entstand eine gewaltige Demonstration in Versammlungen, sie hätte wohl auch Bernstein befriedigt, ohne daß sie auf die Straße getragen wurde. Sorgen wir zunächst für Airfklärung in den Volkskreisen. Damit ist es seit Jahresfrist zu still geworden. Vielleicht beschäftigt sich in Zukunft auch unser Hamburger Organ etwas mehr mit den preußischen Landtagsangelegenheiten. Es ist ein Antrag auf Schluß der Debatte eingegangen, den Dietrich begründet und H a e n i ch mit dem Hinweis darauf ab- zulehnen bittet, daß es notwendig sei, gegen die Ausführungen Adlers zu protestieren und das Problem noch weiter zu erörtern. Da die Abstimmung zweifelhaft bleibt, erklärt Singer den Antrag als abgelehnt. Bernstein: Ich habe nun mein Teil abbekommen, bin aber trotz- dem mit dem Verlauf der Debatte nicht unzufrieden. Meine An- regungen sind nicht umsonst gewesen. Von S t r a tz e n de m o n- st r a t i o n e n ist in meinem Antrage nichts gesagt, er überläßt die Bestimmung der Form der Demonstration den Genossen selbst. Da ich aber von dem Referenten provoziert war, mußte ich aus- führen, warum wir in Preußen nach meiner Ansicht um die S t r a ß e n d e m o u st r a t i o n e n nicht herumkommen und warum wir die Massen an diesen Gedanken gewöhnen müssen. Der Tag kann doch früher kommen, als man unter Umständen denkt. Sind die Massen noch nicht reif, und ist das deutsche Volk zu schwer- fällig— gut, dann will ich anerkennen: ich mache morgen keine Straßendemonstratioa. aber den Gedanken kann man doch in die Massen werfen. So gefährlich ist es auch gar nicht, wie mau cS hinstellt. Daß man Straßendemoiistrationen nicht organisiert, ist richtig und ist nicht richtig, man darf im politischen Leben nicht alles sich selbst überlassen. Ich glaube nicht an die poli- tische Manchcstermaxime, daß das Volk eines Tages auf die Straße geht, wir müssen es auf die Tat vorbereiten. Der Gc- nosse Zubeil befürchtet, daß die Straßendemonstraiiten nieder- geknüppelt und niedergeschossen werden. Das kommt doch auf die Form der Demonstration an. Wir haben doch in Oesterreich und in Wien große Massenspaziergänge gehabt, die den Verkehr ungemein gestört und gehemmt haben und damit gezeigt haben, hier sind Zehn- taufende von Menschen auf der>straße, die vrotestieren, und das hat seine Wirkung getan. Da wird nickt gleich geknüppelt und ge- schössen. Ein paar Schutzleute werden ja Verhaftungen vornehmen, das ertragen wir noch, und, um mit Ledebour zu sprechen, wenn es darauf ankommt, bin ich auch bereit, dabei zu sein. Im Volksleben gibt es Evochen, wo man Widerstand in irgend einer Weise der- suchen muß, auf die Gefahr hin, ja selbst mit dem Bewußtsein, zu unterliegen. Ar.ich Niederlagen bringen Volkssiege. Mit ihrem Stroh- feuer haben die Franzosen doch sehr viel erreicht.(Sehr richtig!) Ich habe keine Lust, auf den Gegensatz von radikal und gemäßigt anl zuspielen, ich erkenne ihn nicht einmal an, das ist Phrase. Wir sind alle Sozialdemokraten, wir wollen das sozialdemokratische Programm durchführen.(Sehr gut.) Aber wenn wir einmal das Wort gelten lassen, auch das Wort vom Revisionismus: so mögen Sie wissen: Am meisten hat mich zum Revisionisten gemacht, als ich sah, wie sich in Sachsen das Volk das Wahlrecht nehmen ließ. Wir haben heute eine so starke Arbeiterschaft, so stark an Zahl, so wichtig an sozialer Bedeutung, daß, wenn wir diese Arbeiterschaft überzeugen, daß ein heiliges, wichtiges, notwendiges Recht für sie auf dem Spiele steht, daß sie dann auch im geeigneten Moment zu demonstrieren wissen und es erzwingen wird. Das will mein Antrag. Es steht nichts darin, was Sie nicht mit gutem Gewissen annehmen können. Jeden- falls hoffe ich, daß der erste Absatz angenommen wird, der eine Sandhabe gibt, die öffentliche Meinimg aufzupeitschen, damit die Spottgcburt endlich einmal gestürzt wird.(Lebhafter Beifall.) Vorsitzender Singer: Aus den letzten Acußeriingen des Vor- redners entnehme ich, daß er den Wunsch getrennter Abstimmung über seine Resolution hat.(Bernstein bejaht.) Diesen Wunsch werde ich erfüllen. Borchardt-Königsberg: Man könnte nicht nur erstaunt sein, daß der radikale Antrag Bernstein gerade von den Radikalen verworfen wird, man kann noch erstaunter sein über die Häufung der Kraft- ausdrücke im ersten Teil seines Antrages.(Bernstein ruft: Bestreiten Sie die Nichtigkeit der Ausdrücke?) Nein, aber Bernstein erkennt damit an, daß die Häufung von Kraftaus- drücken oft ganz angebracht ist.(Sehr gut.) Aber hier ist sie unangebracht, weil sie überflüssig ist. Alles, was Bernstein verlangt, geschieht doch schon jetzt. Wo das nicht geschieht, wäre es Pflicht der zulässigen Instanzen, einzuschreiten, viel euer- gischer einzuschreiten, als bei anderen Sachen, wo es unnötigerweise geschieht.(Zuruf: Da ist es auch nötig!) Bernstein sagt dann, im zweiten Teil seiner Resolution steht ja nichts von Straßendcmon- stration. Aber bei seiner Begründung hat er das Hauptgewicht darauf gelegt. Also stehen die Straßendemoiistrationen doch zur Debatte. Massendemonstrationen sind selbstverständlich, wie der erste Teil seines Antrages überhaupt. Es wäre ja traurig, wenn das nicht von selbst käme. In der Betonung, daß diese Demonstrationen in den großen Städten und den Industriezentren gemacht werden sollen, liegt das Eingeständnis, daß sich so etwas nicht machen läßt, wenn es nicht mit elementarer Wucht hervorbricht. Gegen dieses durch- schlagende Moment konnte Bernstein gar nicht ankämpfen. Tic Gefahr ist es nicht, vor der wir zurückschrecken, sondern die Voraus- ficht, ob dabei etwas herauszuholen ist, oder nicht. Wenn wir solche Straßendemonstrationen vorher ankündigen, ist aber nichts herauszuholen. Der Antrag ist ein schwerer Fehler, weil er das Mittel vorher ankündet, wenn wir wirklich einmal dazu greifen müssen. Ich bitte unter allen Umständen, den zweiten Teil des Antrages abzulehnen und ebenso den ersten Teil, weil er etwas Selbstverständliches enthält. Aus den Reden einzelner Genossen klang es so heraus, als ob wir uns an den Landtagswahlcn nicht mehr beteiligen sollten. Wir KönigSbcrgcr haben den direkten Auftrag, uns im gegenteiligen Sinne zu erklären. Wir haben das letzte Mal die a l l c r b e st c n Erfahrungen gemacht. Von 16 999 Wählern bei den ReichStligSwahlen haben 7909 Mann unter der Königsherger Arbeiterschaft den Mut gesunden, öffentlich ihre Stimme für einen Sozialdemokraten abzugeben. Dieser Erfolg hat unsere Erwartungen weit übcrtroffen. Ein so gewaltiges Agitatious- mittel dürfen wir uns unter keinen Umständen wieder nehmen lassen. Auch das nichtsnutzige Verhalten der Liberalen darf uns von der ferneren Wahlbeteiligung nicht abhalten. Für uns entscheidet lediglich die Frage der Agitation, einem Wahlbündnis stehen wir weder ablehnend noch zustimmend gegenüber, wir sind aber keines- falls gegen jedes Zusammengehen mit den Liberalen, denn schon im kommunistischen Manifest ist gesagt, wenn die Bourgeoisie revolu- tionär, d. h. heute also fortschrittlich auftritt, so kämpfen wir mit ihr Schulter au Schulter.(Beifall.) Dr. Liebkuccht-Berlin: Ich habe bedauert, daß der Genosse Ledebour den Genossen Bernstein in so heftiger Weise angegriffen hat.(Sehr richtigl) Ich halte das nicht für begründet, auch für etwas unchristlich.(Heiterkeit.) Ich stehe auf dem Standpunkt, daß gerade der Radikalismus an dem Genossen Bernstein seine Freude haben müßte, daß er in diesem Falle nach dem Worte handeln müßte: Wir haben mehr Freude an einem Sünder, der Buße tut, als an 99 Gerechten.(Heiterkeit.) Aber auch der Genosse Bernstein hat dem Genossen Ledebour Unrecht getan, denn dieser hat ansdrück- lich erklärt, er sei keineswegs ein grundsätzlicher Gegner der Stratzendcmoiistration. In unserer Resolution demonstriert sich die ganze Hülflosigkeit gegenüber den total verfahrenen preußischen Zuständen. Sie tritt zutage in dem Schlußsatz der Resolution, der absolut inhaltlos ist, der einfach allgemeine, selbstverständliche An- Weisungen gibt, die man an den fünf Fingern abzählen kann, die wir vorher gewußt haben, und die auch vorher schon geübt worden sind. Andererseits gebe ich zu, daß der Autrag Bernstein auch nicht gerade das Ideal einer Wegwcisimg für eine richtige Taktik zur Bekämpfung des Drciklasseii-Wahlspstems ist. Ich hatte den Antrag unterzeichnet noch in der ursprünglichen Form und kann bestätigen, daß Bernstein nur mit großem Widerstreben schließlich das Wort Straßendemonstration hat fallen lassen, mit der Erklärung, in der Begründung werde er sich nachdrücklich dazu bekennen. Bernstein geht wohl fehl, wenn er meint, wie er schon früher einmal gesagt hat, zur Beseitigung des Dreiklassen-Wahlsystems könnte man den Generalstreik anwenden. Ich spreche dieses Wort zum erstenmal aus und gehe auch nicht näher darauf ein. Es wird sehr schiver sein, ein so wuchtiges Instrument zu gebrauchen aus einem Anlaß, der dem Volke nicht unmittelbar an die Nieren geht und es nicht aufpeitscht, wie es hier der Fall ist. Es wird in Deutschland schwer sein, die Exekutive derartiger Machtmittel zu ergreifen, wenn es sich nicht darum handelt, Rechte zu verteidigen. Immerhin stehe ich auf dem Standpunkt, daß der Antrag Bernstein wenigstens eines zum Ausdruck bringt, nämlich: eS muß etwas geschehen, es darf. nicht in der hehaglirfien und gemütlichen Form weiter gehen. Ge» nosse Adler hat ganz recht, der Erfolg unserer Bewegung ist im Grunde geiOmmen nur gesichert durch die allmähliche Um- gestaltimg der Berhältuisse, dadurch, daß sie Aufklärung in die Massen h i n e i n r r a g e n. Andererseits müssen wir aber in unserer politischen Betätigung alle Mittel der Propaganda be- niltien, um das Volk reif zu machen. Bernstein will demonstrieren, nicht um das Wahlsystem zu stürzen, sondern um an feuernd und b e g e i st e r n d und aufregend auf die Massen der Arbeiter zu wirken, die erzogen weiden müssen, zu glühendem Haß gegen das in Preußen herrschende Recht. Das bringt der Antrag Bernstein zum Ausdruck, wenn auch nicht in besonders glücklicher Weise. Ge- nosse Adler hat die Forderung bekämpft, daß solche Artikel an die Spitze des Blattes gestellt werden sollen. Ich erinnere daran, wie der Satz an der Spitze unserer Blätter:„Proletarier aller Länder vereinigt Euch!" jeden Augenblick jedem Leser die Wichtigkeit dieses Grundgedankens in die Seele geprägt hat, also dieje Forderung Bernsteins ist kein so großes Unglück. Wichtiger als der erste Absatz des Antrages ist für mich der zweite.(Sehr richtigl) Ter erste Satz ist viel mehr selbstverständlich als der zweite. Gerade wenn der Begriff Straßendemonstration suppcditiert wird, wie ich gern möchte, so ist das ein neuer Gedanke, der in unsere Be- wegung hineingeworfen wird. Parteigenossen! Es ist ein glück- l icher Gedanke!(Widerspruch.) Es unterliegt keinem Zweifel, daß Straßendemoiistrationen in gewisser Form verboten sind, Umzüge dürfen nicht abgehalten werden, aber überall ist das nicht der Fall. Demonstrationen, die nicht Umzüge sind, sind nicht verboten. Unsere Partei ist gewissermaßen verrostet in ihrer Taktik. In die Taktik, die früher nützlich gewesen ist, sind wir so hinein- gewachsen, daß wir aus dieser Taktik gar nicht mehr herauskönnen. Die Taktik der Aufklärung muß selbswerstäudlich den Grund- st o ck der Taktik bilden, aber wir dürfen uns nicht sklavisch ab- hängig machen von der bisherigen Parteitaktik, Wir müssen eine größere revolutionäre Beweglichkeit in das Volk hineintragen.� Wir sind Akademiker und Thcoretilcr geworden in bezug auf die Taktik; wir müssen mehr propagieren, eine Taktik der unbegrenzten Möglich- leiten treiben, wir müssen aussprechen, daß wir uns an gar keine Taktik binden, sondern daß wir alles tun werden, was wir für zweck- mäßig, richtig und wirksam halten. Wir wollen nur die Auf- merksamkeit des deutschen Volkes darauf lenken, daß es außerhalb der üblichen 25 Versammlungen, die keinen Hund mehr hinterm Ofen hervorlocken(Widerspruch), auch noch andere Mittel geben kann. Wenn dieser Gedanke im Volksherzcn Wurzel geschlagen hat, dann, davon bin ich überzeugt, wird auch die Partei dafür sorgen, daß von diesen Mitteln der Taktik nicht uns innig erweise und an unrechter Stelle Gebrauch gemacht wird, sondern nur, wenn es notwendig ist. Aus dem Gesichtspuukie heraus, daß wir mit allen Mittel die Reaktion bekämpfen müssen, bitte ich Sie, der Anregung Bernsteins, die das Beste der Partei will und einen ver- söhnlichen Ausblick aus den Ausgleich der Gegensätze in der Partei gibt, beizustimmen.(Lebhafter Beifall.) Ulm-Bcrlin: Ich schließe mich den Ausführungen Borchardts auch für Berlin an. Ich glaube, die sämtlichen Berliner Ge- nossen stehen heute vollständig auf dem-Standpunkt, daß die Be- tciligung au den Landt'agswahlen unter allen Umständen notwendig ist. Wir haben nicht bloß die Massen dadurch aufrütteln können, sondern wir haben, auch in organisa- torischcr Hinsicht große Erfolge erzielt. Dagegen hat Bernstein mit dem zweiten Absatz seines Antrages nicht recht. Wir würden damit nicht aufklärend, sondern nur verwirrend auf die Massen wirken. Ich erinnere an den Omnibuskutscher- Streik, an das, was auf dem H o ch p l a tz passiert ist. Da handelte es sich auch um friedliche Demonstrationen, und doch sind sie mit dem P o l i z e i l n ü't t e l niedergeschlagen worden.(Sehr richtigl) Ich bitte, den zweiten Teil der Resolution Bernstein ab- zulehnen. Liebknecht hat von unserer verrosteten Taktik gesprochen; wir können in Berlin nichts davon verspüren. Hoffmann- Bielefeld schließt sich ganz den Ausführungen Liebknechts an. Die Resolution Bernstein spricht nur etwas Selbst- verständliches aus. Die Enthaltung der Partei von den Landtags- wählen mit ihrer öffentlichen Stimmabgabe bis 1898 war nur ein Zeichen unserer Ohnmacht. Sehr gefreut habe ich mich, daß die Berliner von ihrem ablehnenden Standpunkt ganz zurückgekommen sind. Unser Erfolg in Bielefeld war großartig. Die Liberalen be- kamen es nicht fertig, uns einen Abgeordneten zuzugestehen, und so wurde Herr v. Bodelschwingh gewählt. Wenn sich die Liberalen jetzt über seine Reden lustig machen, so machen sie sich über ihre eigene Schande lustig.(Lebhafte Zustimmung.) Vielleicht sind schon da» nächste Mal unsere Erfolge bei den Landtagswablen so, daß Massen- dcinonstratimicn überflüssig werden. Schon diesmal würden wir mehr erreicht haben, wenn wir überall, wo wir ausschlaggebend zwischen Liberalen und Konservativen waren, radikal für die Konser- vativcn gestimmt hätten, dann würden die Liberalen ganz aus dem Landtage herausgeworfen worden sein und diese Erziehung hätte schon auf sie gewirkt. Wenn wir die Resolution Bernstein über die Massendemonstrationen annehmen, dann beschließen wir etwas, was den Berlinern ausschließlich zur Last fällt. Denn wenn wir in Bielefeld eine Straßendcmonstraiioii machen, so wird das keinen großen Eindruck hervorrufen. Anders ist es, wenn so etwas in Berlin geschieht. Wir gehen also eigentlich mit einem solchen Beschluß über unsere Kompeteiiz hinaus. Aber ich fasse den Bernsteinschen Vorschlag nur als Anregung auf. Ein Schlußnntrag. den wieder Friedländer-Berlin stellt und wieder Harnisch bekämpft, wird angenoinmen. (Schluß im Hauptblatt.) Partei-�ackricbten. Die Angriffe Mehrings auf den„Vorwärts" beschäftigen fort- gesetzt die bürgerliche Presse und auch ein Teil der Parteipresse nimmt dazu Stellung. Da wir es von vornherein abgelehnt haben, vorläufig ans die Angriffe zu antworten, unterlassen wir es auch, auf die vorliegenden Preßäiißerungen einzugehen, so lange die An- gelegenheit die Parteiinstanzen beschäftigt. Partcipresse. Aus der Redaktion der„Mainzer Volks- z e i t u ii g" ist der Genosse Elvald Mendel ausgeschieden, um in ein Berliner Korrespondcnzbureau einzutreten. An seine Stelle tritt der Genosse Gott hilf Hitzler aus Stuttgart. Marktpreise von Berlin am 30. Dezember. Nach Ermittelungen deS tgl. Polizei-Präsidiums. Für k Doppcl-Zentner: Weizen"), gute Sorte 17,65-17,64 M.. mittel 17,63-17,62 M.. geringe 17,61—17,60 M. Roggen"), gute Sorte 13,90—13,89 M., mittel 13,88—13,87 M., geringe 13,86—13,85 M. glitt er gaste«), gute Sorte 15,90-14,80 M., mittel 14,70 bis 13,60 M., geringe 13,50—12,40 M. Haser«), gute Sorte 16,50— 15,60 M., mittel 15,50— 14,60 M, geringe 14,50—13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 40,00-30,00 M. Speisebohneu, weiße 50.00—30,00 M. Linsen 60,00—30.00 M. Kartoffeln 9,00-7,00 M. Richtstroh 5,00-4,66 M. Heu 9,00-7,40 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80—2,20 M. Eier per Schock 4,80—3,20 M. «) Frei Wagen und ab Bahn.««) Ab Bahn. WttlcruiigSnberiichl vom ZI. Dezember 1994, morgens 8 Il!>r. Stationen "S i §5 i« Swinemde. ri 752 ÄO >753 NNW .crlili 1750 NW Frai!ls.a.M.s758NW München ft'3W Wien 747 ,W ZZeUer 9 bedeckt 3bcdcckt 7«chiiee tzbcdeckt 7 bedeckt 3 halb bd u» 05 r» w Z- Stationeii 5-2 »5= i« daparanda 772 Still Petersburg � 762 NO cilly Aberdecn Paris 772 N 768 l NW 766 N Weiter wolkig 1 wolkenl '»volkig 3 heiter 1 wolkenl »« r (-Ja -23 23 9 Wetter-Proguole für Vielfach heiter bei ziemlich Winden i zeitweise etwas Schnee Sountag, den I. Januar 199S. strengem Frost und frischen nordöstlichen Berliner Vetterbureau. £ese- u. Disktierklub„Südost" Sonntag, den 8. Januar 190?. in Kellers Festsälen, Koppcnstr. S9: 14. iflffiattgsjesi Wß- Konzert. Festrede gehalten vom Rcichotags-Abgeordneten Paul Tinger.— Gesang: Gesangverein»Norddeutsche schleife". Chorincisler l 16212' Graumanns festsäle Theaterbülwe. xannynstr. 27. 3 Kegelbahnen. Nach umfassenden baulichen Veränderungen stehen den vv. Gcwcrk- schalten und Vereinen meine Säle auch Sonntags zu Festlichleiten, Vcr- sammlungen zc. zur Verfügung. 16622' Sonnabend, den 7. Januar, frei geworden. tliiKtnv Granmann. O Achtnns! Vereine! Ich habe mein 16422" Weiß- und Bayrischbier-Lokal nad) AltcJnkobstr.Sa, viS-a-vis der Sebaftianstrahe verlegt. Empfehle zwei Vereinszimmer, Saal, zwei Kegel- bahnen und Garten. _ QllStaü faßewig, KommanSns� Fachverein der Tischler Berlins und Umgegend. 186/1 Montag, 8. Januar 1905, abends 8 Uhr, bei Zoels, Fürstenhof, Kitpenickerstrafte 137: Ii »» Wegen der Wichtigfeit der Tagesordnung ist es Pflicht eines jeden Kollege», pünftlich zu erscheine».__ Der Vorstand. nr Belirl Montag, den 3. Januar, abends 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshausc, Gngel-Ufrr 15: der er Tages-Ordnung: Bericht über den von den Bautischlermcistern liorgclegten Tarif. 77/Z3 Ter Obmattn. f. 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Zeiilral-VcFhantl der Steinsetzer, Pllasterer nnd Bernfsgenossen Deutschlands. Filiale Berlin I. Todes-Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege 7h. Westermaun gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonn- tag, den 1. Januar 1905, nach- mittags 2 Uhr, voni Augusta- Krankenhause, Scharnhorststraße. aus statt. 174/ Um rege Beteiligung ersucht Der VorNtaaU. Am 29. vor. Mts. verstarb nach langem, schweren 2eiden unser lieber Kollege 104gb Georg Michaelis im Alter von 34 Jahren. Ein ehrendes Andenten wird ihm stets bewahren Das Personal der Buch- druckerei Koebke. Die Beerdigung findet heute nachm. 3 Uhr von der 2eichcnhalle des Emmaus-Kirchhoscs aus statt. Mal-kbaiitl öer Maurer Zweigverein Berlin. Sektion der Putzer. Unseren sowie den Mitgliedern des Gesangvereins der Putzer zur Nachricht, daß unser Mitglied Friedrich Gclnnohi am Freitag, den 30. Dezember, verstorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 3. Januar, nachm. 3 Uhr von der 2eichcnhalle des Emmaus-Kirchhoscs aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die örtliche Verwaltung. I. A.: H. Neumann. Mand derHäfEDarbeiter und mw. Berufsgen. Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin II. Am 29. Dezember verstarb unser Mitglied taz Hentschel. Ehre fernem Andenken. Die Beerdigung findet am 2. Januar, nachmittags 3 Uhr,!' von der Halle des neuen Jakobi- � Kirchhofes ans statt. Uni rege Beteiligung ersucht 19/1 Der Borstand. Tades-Aaizelge. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß unsere inniggetiebte Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante Ose Qohlke im jugendlichen Alter von 15'/, Jahren nach langem schweren Leiden am Freitag, den 30. De- zcmber, mittags 1°/, Uhr an Herz» schwäche sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbiiebenen. Die Beerdigung findet am Montag, den 2. Januar, mittags l1/, Uhr, vom Trauerhause itinppincrstr. 32 aus statt._ Verla» Mst Richter, � Jt-r$ Soeben erschien; 3tes Causend Die Harnleiden ihre Befahren, Verhfltung und Beseitigung van Dr. med. Schaper. Preis 1 Rark. Kredit. MieuMsia liefere Anzüge .......' Paletots nach Maß. Per Kasse auch billigste Preise. " ermeisl 55. J. Toniporowski, ÄÄ. ft--' Berliner 1|Sk-Trio. Felix Scheuer U Strsliiideralr. 1. J. Baer BädStr.&PriÄoe ' Herren- und Knaben* �•KJHMBModen. Berufskleidung. I Elegante Paletats (l/.ruWli und Havelocks.* «�'Großes Lager in- und ausländischer Stoffe zur Anfertigung nach Maß. Allerbilligste, streng feste Preise. 29 Gardinenhaus Bernhard ischwartz Wallstr. 20 Flnr-Eing. m r.» ri Hygien.Bedarfsarfik. Illnstr. Proisl. frei Gustav Engel, Berlin 172, Potsclmiei'straße 131. 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Paragon-* Herrenschirme gesteii u. Futteral 4.75 _.. TafTct-Gloria mit e-re DamenSChirme langem Silbergrxö_ 6.70 Damenschirme lume 5.75, T�ffet'4 6.75 Herrenschirme» inseid, raffet 6.75 Damenschirme süberpia"" Ungem 7.50 ömmmischiuhe Harburger Herrenschuhe 3.40 Harburger Damenschuhe 2 wt, 2 70 Harburger Kinderschuhe 1.60,1.80 Petersburger Herrenschuhe 4.85 Petersburger Damenschuhe 3.55 Schlittschuhe- Schrauben-SchlittschuheR.emen 45 pf. Schrauben-Schlittschuhevernick. 1.05 „Iris" oder„Patent-Merkur" 1.15 Merkur-Schlittschuhe 1.60, nÜk.2.65 Hubertus-Schlittschuhe vernickelt 3.75 ..(( neukonisch. Lauf» vernickelt— „Katna oder Eskimo, mit Platte 5 Mk. „Patria-Normal" kfaWmSngSei,eo- 5.85 Fram-SchlittschuhentuäomeSeh.Lauf5.50 Zu Originalpreisen: % Abrei Bronze-Imitation mit Uhr mit Weckeruhr 38 pf. 3 0 pf. Ii«35 mk. lloPOwk. Die Blocks sind mit Sorüchen und Küchenzetteln versehen. SSccantlx). Redakteur: Ar. 1. 22. Jahrgang. 2. Cfiliigt ilts Joritärlö" Krlim DlksM Zonutag, 1. Januar MS. Bcriimr partci-Hngclecfcnbciten. Steglitz. Mittwoch abends 3'/.z Uhr, Mtgliederversammlung des Wahlvereins bei Schellhase. Tagesordnung: Bericht von der General- Versammlung und Kommunale Angelegenheiten. Türkontrolle findet statt. Pankow— Nieder-Schönhausen. In der am Dienstag, abends 8V2 Uhr, im Lokale des Herrn Roczycki, Pankow, Kreuzstr. 3'4, stattfindenden öffentlichen Versammlung für M ä n n e r u n d F r a u e n wird Reichstags-Abgeordneter Molkenbuhr über.Die soziale Gesetz- gebung" referieren. Im Anschluß daran werden die Kandidaten zu der am 9. Januar er. stattfindenden Ersatzwahl der Gewerbe- gerichts-Beisitzer aufgestellt. Spandau. Am Dienstag, den 3. Januar, finden in allen Be- zirken die Zahlabende statt. Die Genossen werden ersucht, sich zahl- reich einzufinden._ Lokales. Prost Neujahr! „Die Wollust der Kreatur ist mit Bitternis gemenget." Wer gestern am Silvesterabend zu den Lusttgsten gehörte, ist heute am Ncujahrsmorgen höchst übel gelaunt. Wer gestern am forschesten trank, tut heute kalt Wasser auf den Kopf und kaut sauren Hering. Prost Neujahr! In solcher Neujahrs-Katerstimmung steckt ein Stück Haus- backene Philosophie. Trinke nicht, dann kriegst Du keinen Bninimschädel. Mach keine Dummheiten, dann bleibst Du vor Ungemach bewahrt. Denk' immer im voraus an die Folgen, dann brauchst Du nichts zu bereuen. Es gibt Menschen, die diese Lebensweisheit zu schätzen wissen. Doch am meisten wird sie, merkwürdiger Weise, nicht von denen geschätzt, die am häufigsten Gelegenheit gehabt hätten, sie durch eigenes Ungemach zu erwerben. Sie ist mehr was fiir Leute, die gern hinterm sichern Ofen sitzen bleiben und durch fremden Schaden klug zu werden verstehen. Sollen wir den Neujahrsmorgen dazu benutzen, vom Ofen aus eine Kapuzinerpredigt wider den Alkoholteufel zu halten? Ach nein, lieber nicht! An verständnisvollen Zuhörern würde es uns ja wohl heute nicht fehlen, aber man soll die Notlage seines Mitmenschen— die Neujahrs-Katerstimmung eines Silvesterschwärmers— nicht ausbeuten. Da mutz es schon einem anderen Anlatz vorbehalten bleiben, für die Wasser- trinker Propaganda zu machen. Neujahr ist das Fest nicht nur der freundlichen Wünsche, sondern auch der guten Vorsätze. Der eine nimmt sich vor, keinen Silvester wieder zu feiern. Der andere ist fest ent- schlössen, überhaupt keinerlei Dummheiten mehr zu machen, damit er nichts zu bereuen hat, wenn wieder ein Jahr um ist. Und mit all' diesen Vorsätzen pflastern sie dann den Weg, der sie zum nächsten Silvester führt. So sind wir Menschen! Aber natürlich nicht alle I Denn es gibt welche, die machen grundsätzlich keine Dummheiten. Wie es ja auch Leute gibt, die— wir erwähnten sie oben— grundsätzlich nur Wasser trinken und dann selbstverständlich niemals einen Rausch kriegen können. Wer vermag es, an diese Heroen heranzureichen'4 Zentner schweren Gewichte aufzuziehen, die bei einfacher Flaschenrolle einen Fallraum von 33 Meter haben. Der Minutenzeiger hat eine Länge von 2'/- Meter. Die vier Zifferblätter messen im Durchschnitt 5 Meter. Sie werden des Nachts durch je sechs elektrische Glühlampen erleuchtet. Die Uhr kostete im ganzen 12 YYV Mark. Auch der Humor ist bei der Einrichtung der Uhr nicht zu kurz gekommen. Mannchardt, ihr Erbauer, hat dem Antriebs- gewicht die Form eines Stiefels gegeben. Als endlich das Werk 1873 nach fünfjähriger Bauzeit vollendet war, und Mannhardt die Uhr übergab, hat er auf dem»einen Stiefel das Bild des Architekten des Rathauses, Geheimen Baurats Wäsemann und auf dem Bügel sein eigene» befestigt. Der Stiefel gab alle zwei Sekunden dem Bilde einen Tritt, während Mannhardt dem Bilde eine BerSeugung machte. ES wurde hierdurch angedeutet, datz Baurat Wäsemann den Meister öfters.getreten", das heitzt, um Beschleunigung ersucht hatte, wofür Mannbardt dann mit einer stummen Verbeugung geantwortet hatte. Das redigierte Protokoll des Ausschusses zur Vorberatung der Magisttatsvorlage über den Bau von fünf städtischen Strassen- b a H n l i n i e n ist fertiggestellt. Mit der Beratung und Bericht- erstaittmg dürfte am 12. Januar im Plenum begonnen werden. Das Protokoll umsaht 12 Druckseiten über die Sitzungen vom 27. Juni. 17. Oktober, 31..Oktober, 7.. 14.. 17. und 23. No- vember 1904. Dasbach-Belcidigungcn. Adolf Brand, der Herausgeber der Kunstzeitschrist.Der Eigene" in Charlottenburg, und Karl S ch n e i d t, der Chefredakteur der„Zeit am Montag" zu Berlin, haben wegen Beleidigung des Reichs- und Landtags-Ab- geordneten Kaplan Dasbach endlich die Anklageschrift zugestellt erhalten. Es wird den Angeklagten zur Last gelegt, Dasbach öffentlich für homosexuell erklärt und ihm besonders dadurch schwer beleidigt zu haben, datz sie ihm als an der Abschaffung des§ 175 persönlich interessiert hinstellten. Brand wird besonders noch die Tatsache zur Last gelegt, datz er Dasbach beschuldigt hat: 1.„unter dem Schein eines sakramentalen Bekenntnisses" männliche Prostituierte nacb ihrem homosexuellen Verkehre ausgefragt zu haben— 2. im Falle Pohl einen Meineid geleistet zu haben— und 3. eigene Fraklions- genossen ihres homosexuellen Umgangs wegen lüstern bespitzelt zu haben!— Die Angeklagten wollen einen umfassenden Wahrheits- beweis für ihre Behauptungen antreten. Professor Ernst Ewald, der Leiter der Unterrichtsanstalt am Kunstgewerbe-Mnsenm, ist vorgestern im Alter von 38 Jahren an einer Herzkrankheit gestorben, die ihn bereits vor fünf Jahren befallen und längere Zeit seiner Lehrtätigkeit entzogen hatte. Ewald wurde zu Berlin im Jahre 1836 geboren. Er trat 1855 in das Atelier des Professors Steffeck ein und setzte 1853— 1863 seine Studien in Paris, wo er die sieben Todsünden malte, dann 1363—1864 in Italien fort. Seit 1865 wieder in Berlin, beschäftigte er sich vorzugsweise mit dekorativen Malereien und mit den verschiedenen Arten kunstgewerb- licher Kunsttibung. Hierher gehörige gröhere Arbeiten find: Wand- gemälde im Bibliothekzimmer des Berliner Rathauses(1869); Deckengemälde(Nibelungenzyklus) in der National-Galerie zu Berlin, Ausschmückung der Burg Kochein an der Mosel, Mosaiken an der Fassade des neuen Kunstgewerbe-Museums. An diesem war Ewald seit 1869 als Lehrer, seit 1874 als Direktor der Unterrichtsanstalt tätig. Er hintcrlätzt eine Witwe, die sich als Fächermalerin einen Namen gemacht hat. Die Beisetzung soll am Montag erfolgen. In der Generalversammlung deS Aerzte-Bereins der Berliner Rettungsgesellschaft erstattete der Vorsitzende Sanitätsrat Dr. S. A l e x a n d er Bericht über die Tätigkeit des Vereins im ver- flosscnen Jahre, welche eine nach allen Seiten befriedigende gewesen ist. Professor Dr. George Meyer berichtete über die Tätigkeit der Rettungswachen, welche wiederum gegen das Vorjahr zu- genommen hat. Rund 12 030 Hülfsleistungen einschliesslich Wagen- bestcllungen wurden von den Wachen ausgeführt. In der darauf- folgenden Vorstandswahl wurden die Herren Sanitätsräte S. Alexander, Henius, PH. Herzberg, die Professoren F. Krause, R. Kutner. George Meyer Rotter und Dr. Schayer gewählt. Es folgte eine kurze Besprechung über das neue Krankentransport- Unternehmen des Verbandes für erste Hülfe und über einige innere Angelegenheiten des Vereins. Durch einen ungetreuen Buchhalter fft eine Mehlhandlung im Norden der Stadt schwer geschädigt worden. Ein 24 Jahre alter Stanislaus v. Tucholka bekieidete bei ihr einen Vertrauensposten. Er benutzte ihn dazu, schon längere Zeit in seine eigene Tasche hineinzuarbeiten. Mit gefälschten Lieferzetteln stellte er den Ab- nehmern unmittelbar vom Schiffe Mehl zu, zog den Betrag dafür gegen gefälschte Quittungen ein und vertuschte das Verschwinden der Ware durch Fälschung der Bücher. Eine Bergleichung des Lagers mit der Kasse brachte endlich den Geschäftsinhaber zu der Ueber- zeuguug, datz etwas nicht stimmte. Als nun v. Tucholka sah, datz seine Entlarvung unvermeidlich war, suchte er das Weite. Eine Nachprüfung ergab, datz mindestens 13 333 M. fehlen. Der un- getreue junge Mann verkehrte viel in Mädchenkneipen und auf Rennbahnen. Die Poswcrbindung mit den Bororten liegt bekanntlich noch sehr im Argen und alle Wünsche auf Verbesserung der kläglichen Zu- stände sind bis jetzt tauben Ohren begegnet. Selbst Eilsendungen scheinen mit der Schneckenpost befördert zu werden. Vor uns liegt ein nach Wilmersdorf adressierter Brief, der seines Inhalts wegen nicht mit der Rohrpost befördert werden konnte und daher als Eilbrief aufgegeben wurde. Dieser Brief ist, wie bemerkt sei, nicht am gesttigen Tage, wo der Andrang der Neujahrssendungen eine langsamere Bestellung entschuldigen konnte, sondern am Freitag, also uncer normalen Verhältnissen, vornnttags 13 Uhr in Berlin der Post übergeben worden. Die Berliner Abgangsstenipel zeigen denn auch die Zeit von 13 bis 11 Uhr an. In Wilmersdorf wurde der Eilbrief aber erst nach 5 Uhr dem Empfänger zugestellt; der dortige Bestellsteinpel gibt richtig die Zeit von 4'/« bis 5� Uhr an. Mithin hat diese Eilsendung auf einem Wege, der von der Strassen- bahn in 45 Minuten zurückgelegt wird, nicht weniger als sieben Stunden gebraucht. Ein Eilbrief von Berlin nach Hamburg wird schneller befördert. Z« dem Gattenmord-Bersuch in der Straßmannstraße wird mit- geteilt, datz der Metallschleifer August Jonas am Sonnabend von der Eharitö nach dem Untersuchungsgefängnis gebracht wurde. Einen Selbstmordversuch hat er nicht gemacht, und feinen Tobsnchts- anfall nach der Teilnahmlosigkeit hallen die Aerzte für Verstellung. Unser tägliches Eisenbahn- Opfer. Im Dienst verunglückt ist gestern abend ans dem Bahnhofe Nieder-Schöneweide- Johannisthal ein 26 Jahre alter HülfSrangierer Mühle aus Nieder- Schöneweide. Der Verunglückte wurde um 13'/z Uhr mit zerquetschtem rechten Bein mit der Eisenbahn nach der Rettungswache am Görlitzer Bahnhof und von dort nach Bethanien gebracht. Zu einem peinlichen Zwischenfall bei der Ausfahrt der Kaiserin kam es Freitag abend am Potsdamer Platz. Um eine ungehinderte Durchfahrt zum Potsdamer Bahnhof zu schaffen, hatten Schutzleute auf dem Platz für wenige Minuten einen freien Weg hergestellt. Der Führer eines zweispännigen Lastwagens, Kutscher Louis Schmidt, fuhr aber, so erzählt der„L.-A.", trotz lauter Zurufe der Beamten und des Publikums unter Schimpfreden mitten auf den gesperrten Weg ustd direkt auf den Hofwagen zu. Ein Zusammenstotz wurde nur dadurch vermieden, datz Schutzleute den Pferden des Lastwagens in die Zügel fielen. Unter grossem Menschenauflauf wurde der Kutscher nach heftiger Gegenwehr durch vier Beamte vom Wagen geholt und nach der Polizeiwache gebracht. Hier wurde Schniidt mit Rücksicht auf seine Vorstrafen wegen ähnlicher Vergehen und da er wohnungslos ist, in Haft behalten.— Es scheint, datz dieser Bc- richt des konservattven Blattes stark pattiotisch gefärbt ist. Der Selbstmord eines Fabrikbesitzers erregt im Gesundbrunnen- Viertel einiges Aufsehen. Der 41 Jahre alte, aus Quedlinburg ge- bürtige Fabrikant Wilhelm Hecht bcsatz mit einem Kaufmann Ernst Rappe zusammen das Grundstück Putbuserstt. 19 und bettieb darauf eine Kunstblumen-Fabrik, die 183 Arbeiter und Arbeiterinnen be- schäftigt. Die Fabrik fertigt besonders Markartfträusse an, die in die ganze Welt ausgeführt werden. Im vergangenen Jahre feierte sie mit vielem Glanz ihr zehnjähriges Bestehen. Hecht, der eine Mit- besitzer, hatte mit seiner Frau und vier Kindern im Aller von 3 bis 18 Jahren eine Wohnung von 1133 M. inne. Er pflegte in einem Zimmer für sich allein zu schlafen. Heute morgen hörten die Kinder, die nebenan ihr Schlafzimmer haben, ihn schwer röcheln. Sie weckten die anderen Geschivister und die Mutter, und der älteste Sohn, ein Gymnasiast, holte sofort einen Arzt aus der Nachbarschaft. Dieser stellte fest, datz Hecht Gift genommen hatte, ob Cyankali oder Strychnin, ließ sich ohne weiteres nicht sagen. Er lebte noch, ver- schied aber schon nach kurzer Zeit trotz aller Gegenmittel, die der Arzt anwendete. Die Revierpolizei beschlagnahmte die Leiche, ebenso zwei Fläschchen, aus denen sich der Verstorbene das Gift gemischt zu haben scheint. Was Hecht zu dem Selbstmord veranlasst haben mag, ist seinen Angehörigen nicht bekannt. Auch im Geschäft behauptet man, es nicht zu wissen._ Vom kranken Mann. Trotz aller Schwierigkeiten, die dem Grafen Pückler von der Polizei in Berlin und den Vororten bereitet werden, ist eS ihm jetzt doch gelungen, bei einer Weihnachtsfeier seiner Anhänger feine Rede anzubringen und dabei alles das nachzuholen, was er bisher versäumt hatte. Den deutschen Frauen empfiehlt der Graf, „Furien und X a n t i p p e n mit furchtbar grossen Schnauzen" zu werden und ihre Männer gegen die Juden aufzuhetzen. Die Hülfe erblickt Graf Pückler schliesslich in einem Bündnis der Sozia l- d e m 0 k r a t i e mit den Antisemiten gegen die Juden. Hierbei geht er auch der Reformpartei zn Leibe, von der er sagt:„In der Reform- Partei befinden sich allerdings viele Schwindler und Betrüger; die Kerle behaupten, sie seien Antisemiten, sind es aber nicht, sondern es sind Leute, welche ihre eigenen Gesinnungs- genossen beschimpfen und lästern in den gemeinsten und gröbsten Ausdrücken. Diese Lümmel werden aber über kurz oder lang erkannt werden in ihrer ganzen Erbärmlichkeit und werden der allgeiueinen Schmach und Verachtung anheimfallen." Graf Pückler erklärt dann, er sei ein überzeugterSozialist, und fordert seine„roten Brüder" auf, bei den reichen Juden ein kleines Revoluttönchen zü veranstalten und sich die Taschen mit ihrem Geld vollzustecken. Er ruft ihnen dann zu:„Sammelt Euch jetzt überall in fest geschlossenen Bataillonen zum Sturm! Ich Euer Führer wünsche uud befehle den Angriff auf das scheutzliche, verfluchte, niederträchtige, völkerfressende und gemeine Judentum. Berlin mutz stehen unter dem Zeichen der roten Fahne!" In dieser bunten Verrücktheit liegt ein Körnchen Einsicht. Es dämmert offenbar beim Grafen Pückler, dass er in sozialdemokrattscher Behandlung wieder leidlich vernünftig werden kann. Eine 72jährige Greisin überfahren. Von einem Geschäftswagen überfahren und getötet tvlirde gestern abend kurz vor 8 llhx die 72 Jahre alte Aufwärterin Auguste Köppe aus der Swmemünder- strasse 95. Die Greisin, die seit 18 Jahren dort ein Stübchen für sich allein bewohnte, soviel sie konnte, nock arbeitete, und auch Unterstützung erhielt, wollte sich aus einem ihrer Wohnung gegen- überliegenden Keller etwas Milch holen. Kaum hatte sie mit dem Milchtopf in der Hand den Fahrdamin betteten, als ein Selterwagen von der Lortzingstratze in schärfstem Galopp daher gejagt kam und rücksichtslos über sie hinwegfuhr. Die Räder gingen der Aermsten über die Brust, und als mitleidige Leute von allen Seiten herbei- liefen, um sich ihrer anzunehmen, war sie schon tot. Der rohe Kutscher jagte unbekümmert um das Unheil, das er angerichtet hatte. davon und entkam. Hoffentlich gelingt es aber doch noch, ihn nach- träglich zu ermitteln und der verdienten Strafe zuzuführen. Den Diebstählen von Fleischerfuhrwerle», die in den letzten Mo- naten sich immer mehr hausten und gewöhnlich so endeten, datz die auf den Fuhrwerken befindlichen Fleischwaren verschwanden, während die Geschirre führerlos in entfernten Gegenden aufgefunden wurden, ist, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung meldet, die Polizei jetzt auf die Spur gekommen. Gelegentlich eines aufs neue in der Pestalozzistrasse in Charlottenburg geplanten Diebstahls sind die Diebe, drei Kutscher, ermittelt und abends bei dein Fuhrmann Weigel am Weidemveg verhaftet worden. Als Hehler, die schon lange den Dieben Vorschub geleistet und ihnen das gestohlene Gut abgenommen haben, komme» fünf Fleischermeister in Bettacht.' Festgenommene Hochsiaplerin. Festgenommen wurde die am 4. September 1334 zu Lichtenrade geborene, mehrfach wegen Be- truges bestrafte, beschäftigungslose unverehelichte Martha Tegge. Seit einigen Wochen lebte sie als Studentin Jenny von Dettow aus London in guten Hotels der Friedrichstadt. Ihre Spezialität ist, Verlustanzeigen über angeblich abhanden gekommene grössere Geldsummen zu erstatten und damit die Mildtätigkeit anderer wach- zurufen. Da die Tegge ihren Verlbleib, ihre persönlichen Be- ziehungen, den Aufbewahrungsort ihres Gepäcks in Dunkel zu hüllen versucht, wollen Geschädigte oder Personen, die sachdienliche Angaben machen können, schleunigst sich bei einem Polizeirevier oder der Berliner Kriminalpolizei unter Angabe der Tagebuch-Nr. 13 534 IV 33. 34. melden._ Märchenvorlesung. Auf die heute nachmittag 4 Uhr in dem grossen Saal der Arminhallen, Berlin L1V., Kommandantenstr. 23, stattfindende Märchenvorlesung von Maria Holgers sei hiermit noch- nials hingewiesen. Eintritt für Erwachsene 33 Pf., für Kinder die Hälfte. Auf der Treptow-Stcrnwarte werden mit dem grossen Fernrohr jetzt drei Planeten: Venns, Saturn und Jupiter gezeigt. Autzerdem stehen drei Kometen: der Enckesche, der Tempelsche und der neue Gtacobinische aus dem Programm. Am Reu- jahrStage fiihrt Direktor Archenhold nachmittags 5 Uhr in dem Vorttag:„Ein Ausflug in die Sternenwelten" zahlreiche Licht- und Drehbilder vor und spricht abends um 7 Uhr über„Weltanschauung und Himmelskunde". Auch finden wieder des Montags regelmässig abends um 9 Uhr Vorträge statt und lautet das Thema für den Vortrag am Montag, den 2. Januar, abends 9 Uhr:„Die Bewohnbarkeit der Welten." Im ZirkuS Schumann finden an, heutigen Neujahrssonntag zwei Galafestvorstellungen mit neuem Programm statt. Die erstklassigsten Nummern werden sowohl in der Nachmittags« wie in der Abend- Vorstellung auftreten. Der berühmte Jean Clermont mit seinem originellen, hochkomischen Dressurakt und die vorzügliche Parforee- reiten» Miss Enima Stickney debütieren. Nachmittag» geht die Ausstattungspantomime Marokko in Szene und die urkomischen Klowns und Auguste werden ihre neuen Originaltricks vorführen. Im Zirkus Busch tritt die bekannte Löwenbändigerin Miss Heliot mit ihren zwölf ostafrikanischen Löwen im neuen Jahre wieder ans. Die Leistungen dieser Dame sind bekannt und ihr Grundfatz, durch Anmut die Bestien der Wüste zu zähmen, erinnert an die Praktiken des alten Bänkelsängers Orpheus, der duch Gesang die wilden Tiere zu sanften Sitten gewöhnte. Die Dame hat sich neuerdings in ihrer Kunst noch vervollkommnet, und da ihr Marstall durch einige Prachteremplare ergänzt worden ist, so wird die gefährliche Kunst die sie ausübt, an Reiz noch gewinnen. Die zwölf Löwen, die Miss Heliot in einem die ganze Manege umfassenden Käfig vorführt sind voll ausgewachsene Tiere au« Dcutsch-Ostafrika. die zu bändigen nicht leicht war. Bemerkt sei noch, datz die Künstlerin mit dem fremd- artigen Namen keineswegs deutschen Sitten fremd ist; ihre Wiege stand, wenn wir nicht irren, im schönen Sachsenlande': und wenn wir ferner recht unterrichtet sind, ist auch die Stätte, wo sie sich in ihrer Kunst übte, keineswegs irgendwo in, aftikanischen Wüstensande sondern in einem zoologischen Institut Deutschlands zu suchen. Ueber die gesunde Entwickeln, ig der KindrSsrele will Montag abend Herr Köhler im Bürgersale des Rathauses einen Vortraq. halten. Der Zuttitt ist für Männer und Frauen frei. Huq den Nachbarorten. Dahlwitz-Hoppegarten. Hoppegarten— dem Berliner wohl nur bekannt durch feine Rennbahn, liegt etwas über 2 Meilen von Berlin entfernt an der Oftbahn. Die Station tz't nach dem anscheinend wichtigere«»eil Hoj>p>:garten benannt. Dah die blaublütigsteii und zahlungsfähigsten Kreise hier des öfteren zu Gast sind� merkt man schon an den Bahn- Hofsanlagen, die allen preuhisch-fiskalischen Traditionen entgegen, äußerst geschmackvoll gehalten sind� Geht man durch die schön aus- gebaute Srratze vom Bahnhof nach dem Dorf Dahlwitz, so erfreut sich das Auge an einer Reihe von Villen, die auch den modernsten und verwöhntesten Ansprüchen geniigen dürften. Zwischendurch er- blickt man prächtig gebaute und sehr geräumige Ställe für die Rennpferde. Ter größte Teil des insgesamt ICKK) Einwohner zählenden Ortes ist in den Unternehmungen, die dem Rennsport dienen, tätig. Betritt der Wanderer nun das eigentliche Dorf, so steht man auch dem Landarbeiterleben, richtiger gesagt dem Land- arbeiterelend, gegenüber. � Rechts und links sogenannte Arbeiter- familienhäuser; ab und zu auch ein Bauernhäuschen. Betrachten wir nun ein solches Arbciterfamilienhaus. DaS Dach ist von Stroh, die Wände Lehmfachwcrk. Dem Aeußcren entsprechend ist auch das Innere. Rechts und links vom Hausflur je eine Familienwohnnng, bestehend aus einer Stube von 20 l 2 Quadratmeter Grundfläche. Die Höhe der Stube beträgt 2,55 Meter. Der Fußboden ist von Ziegelsteinen und so ausgetreten, daß es unglaublich erscheint, daß hier Kinder ihre ersten Gehversuche machen können. Auch ein Stubenofen aus Ziegelsteinen ist vorhanden. Um recht praktisch zu sein, hat man als Kochmaschine eine Herdplatte in die Wand ein- gelassen. Diese Stube ist Wohnstube, Schlafstube und Küche zu- gleich. Als Zubehör dient ein Hinterraum, welcher weder heizbar ist, noch genügend Licht durch das kleine Lukenfcnstcr empfängt und nur zur Aufbewahrung von Gerümpel und als Borratskammer für Kartoffeln verwendet werden kann. In dieser„Wohnung" haust die ganze Familie. Eine dieser Familien besteht aus Mann, Frau und 0 Kindern. Die Bewohner dieser nur nach dem Sprachgebrauch als Wohnungen zu bezeichnenden Räume sind Tagelöhner auf dem Dominium, der Eigentümer ist der Gutsherr.— Eine schöne Welt, in der Menschen die Pferde um ihre Stätse beneiden müssen.?ln- gesichts dieses Landidylls vor den Toren Berlins bedarf die For- derung auf Ausdehnung der Wohnungsinspektion, welche im preußischen Wohnungs- Gesetzentwurf nur für Gemeinden über 10 000 Einwohner verlangt wird, keiner tveiteren Begründung mehr. Zwei Berliner Einbrecher in Kipenick verhaftet. Die„Gelegen- heitsarbeiter" Haser und Schneider hatten vor einigen Tagen einen „Abstecher" nach Köpenick unternommen. Dort verübten die beiden Komplizen eine ganze Reihe von Einbruchsdiebstählen und hatten auch mit recht gutem Erfolge„gearbeitet". Mit großer Muhe und Not schleppten sie in der letzten Nacht ihre Beute nach dem Köpenicker Bahnhof, um mit dem um 0.I8 Uhr abfahrenden Vorortzug Berlin zu erreichen. Der Köpenicker Polizei ivar jedoch von dem ver- hrecherischen Treiben der beiden„gepfiffen" ivorden und so ereilte noch im letzten Augenblick die Einbrecher ihr Geschick. Soeben wollte Schneider seinem Komplizen die Diebesbeute, ein mächtiges Paket, in das Coupö des haltenden Vorortzuges hineinreichen, als er plötzlich von hinten ani Kragen erfaßt und samt seiner Beute zurückgerissen wurde. In diese», Augenblick setzte sich der Zug. in dem sich Glaser befand, in Belvegung. Schon glaubte sich der ent- kommeue Einbrecher sicher, als auf der folgenden Station„Sadowa" plötzlich die Türe aufgerissen wurde und ein Beamter vor ihm auf- tauchte. G. wurde nun ebenfalls verhaftet. Hus Induftric und Handel. Tie deutsche Schiffahrt in 1904. Tie Handelskammer zu Hamburg veröffentlicht, wie alljährlich, auch diesmal pünktlich zum Jahresschluß ihren Jahresbericht. Besonderes Interesse be- anspruchen darin, entsprechend der Bedcurung Hamburgs als See- Handelsplatz, die Mitteilungen über die Enttoickelnng der deutschen Schiffahrt im letzten Jahre. Nach dem Hamburger Bericht hat der dortigen Reederei das verflossene Jahr im allgemeinen die ersehnte "ffjcnmg nicht gebracht; die Frachten für in freier Fahrt befind- liche Dampfer sind eher noch lvciter gcsunle», und auch für die Zu- kunft bieten sich diesen Schiffen wenig günstige Aussichten, da ihnen durch die festen Linien, die wegen der größeren Schnelligkeit und Regelmäßigkeit vom Handel bevorzugt werden, und die durch Ver- ' einbarungen und Rabattverträge die fremde Konkurrenz erschlveren, ihr Tätigkeitsfeld mehr und mehr eingeschränkt wird. Für die Ham- burgische Reederei, deren Schwerpunkt in den transozeanisches' Dampferlinien und daneben in großen Segelschiffen liegt, ge- stalteten sich die Verhältnisse allerdings günstiger. Für letztere hat die gegen Ende vorigen Jahres geschlossene internationale Ver- einigung der Segelschiffsreedereien teillveise eine mäßige Erhöhung der Frachten bewirkt und namentlich deren weiteres Sinken ver- hindert, und die regelmäßigen Dampferlinien, die das Netz ihrer Fahrten immer weiter ausdehnen und verdichten, haben aus der Besserung der Geschäftslage in manchen Wirtschaftsgebieten Nutzen gezogen, wenn auch eine Erhöhung der Frachten nur in einzelnen Richtungen eingetreten ist. Auch der Personenverkehr nimmt in- ' folge der Fürsorge, die die Reedereien ihm zuwenden, immer mehr cm Bedeutung zu. Für die New Jorker Fahrt hat die Ham- burg-Amerika-Linie zwei große Dampfer in Auftrag gegeben, die durch neue Einrichtungen den Reisenden erhöhte Annehmlichkeiten gewähren werden. Mit Mexiko ist ein verbesserter Passagicrverkehr eingerichtet worden, im Verkehr mit Argentinien haben die Kap- Dampfer der Hamburg-Südamcrikanischen Tanipsschiffahrts-Gesell- schaff die fremden Schiffe aus der bisher von ihnen eingenommenen ersten Stelle verdrängt, und im Verkehr mit Ost- und West-Afrika werden die beiden Hamburger Linien wegen ihrer vorzüglichen Ein- ■ richtungen auch von den Reisenden fremder Nationen bevorzugt. Der Auswanderer-Verkehr nach den Vereinigten Staaten wurde durch den Kampf, der zwischen der Cunard-Linie und den vereinigten übrigen a» diesem Verkehr beteiligten Linien ausgebrochen war, - sowie durch das befremdliche Verhalten der ungarisckien Regierung � beeinträchtigt, die durch einen Vertrag mit der erstgenannten Linie dieser das Monopol der Auswandererbcförderung über Fiume über- trug und durch weitgehende behördliche Maßregeln die ungarischen Auswanderer zur Benutzung dieses WegeS zwang, wodurch die deutschen Linien in einer, wenn auch nicht mit dem Wortlaute, so ldöch mit dem Geiste des zwischen beiden Staaten bestehenden Meist- begünsffgungs-Bertrages im Widerspruch stehenden Weise benach- teiligt wurden. Erfreulicherweise ist gegen Ende des Jahres eine Vereinbarung zwischen den kämpfenden Reedereien zustande gc- kommen, von der für alle Teile ein besseres Ergebnis aus diesem Verkehr zu erwarten ist. Das Ende des Helios. In Köln fand gestern die General- Versammlung der Helios-Aktionäre statt. Die Bilanz sowie die Gewinn- und Verlust-Rcchnung wurden mit 2579 gegen 250 Stimmen genehmigt und der Verwaltung mit 2196 gegen 246 Stimmen Entlastung erteilt. Einige Aktionäre legten nach diesen Beschlüssen beim Notar Protest ein. Ferner wurde mit 2573 gegen 234 Stimmen ein Angebot der Allg. Elektrizitätsgesellschaft und der Siemens und Schuckert-Wcrke in Berlin angenommen, wonach diese Gesell sch asten die Ehrcnfelder Fabrik des Helios, wie sie steht und liegt, über- nehmen, mit Ausnahme derjenigen Werkzeugmaschinen, die nach- wcisbar besonders für die Herstellung von Zählern angeschafft und gebraucht wurden. Der Kaufpreis beträgt 2 500 000 M., zahlbar zur Hälfte bei der Auflassung, zur anderen Hälfte am 2. Januar 1006. Die Vorräte können die Käufer ebenfalls erwerben. Helios hält die Fabrik zur Aufarbeitung der Aufträge noch einige Zeit im Betrieb, mindestens bis zum 30. September 1905. Die Auflassung erfolgt am 1. April 1905. Auch gegen diese Beschlüsse wurde von Aktionären Protest eingelegt. Die neue russische Anleihe ist beträchtlich niedriger normiert worden, als in Bank- und Börsenkreisen allgemein erwartet wurde. Im November wurde die neue Anleihe fast überall auf 300 bis 1000 Millionen Frank geschätzt und in letzter Zeit gingen die Schätzungen meist noch über diesen Betrag hinaus. In An- betracht der Finanzlage und der hohen Kosten, welche die großen russischen Rüstungen verursacht habe» müssen, erscheinen diese An- gaben, wie hoch auch die genannten Summen an und für sich sein mögen, keineswegs übertrieben. Von den 800 Millionen Frank fünfprozentiger Schatzscheine, die im April zu 95M> Proz, in Paris ausgegeben worden sind, ist jedenfalls seit langem nichts mehr übrig, ebensowenig von den 150 Millionen Rubeln, die in Renteibilletts in Rußland selbst emittiert worden sind, und den 270 Millionen Rubel Banknoten, die nach offizieller Angabe>— in Wirklichkeit dürfte der Betrag wesentlich höher sein— vom 1. Januar bis 1. November 1904 in Umlauf gesetzt wurden. Wenn Nuß- land sich deshalb, wahrscheinlich weil die beteiligten Banken eine höhere Anleihe absolut nicht übernehmen Wollren, sich jetzt mit der Aufnahme einer Anleihe von 500 Millionen Mark begnügt, so muß mit Bestimmtheit darauf gerechnet werden, daß die Absicht besieht, schon in den nächen Monaten eine weitere Anleihe folgen zu lassen, Wahrscheinlich erklärt sich auch daraus, daß an dem Uebernahmc- konsortium Pariser Bankhäuser nicht beteiligt sind— man will sich offenbar den französischen Markt freihalten. Das Geld, das Ruß- land aus der neuen Anleihe erhält, bedeutet in Anbetracht der Kosten der jetzigen großen Kriegsrüsnmgen kaum mehr als einen Tropfen auf heißem Stein, Ter jetzigen Anleihe auf dem deutschen und holländischen Geldmarkt wird deshalb sicherlich alsbald eine weitere auf dem französischen folgen. Sturmwetter. Ein orkanartiger Sturm hat den Ausgang des alten Jahres begleitet. Aus allen Teilen Teutschlands und dem Auslande treffen Nachrichten über schwere Verheerungen, die das Unwetter in der Nacht vom Freitag zum Sonnabend hervorgerufen hat, ein. Tie Stnrmnacht in Berlin ist nicht ohne Unfälle verlaufen. Ein gewaltiger Schneesturm fegte durch die Straßen und machte vorübergehend die Passage fast un- möglich. Ziegelsteine und Schieferplatten wurden von den Dächern hcrabgcrissen und zertrümmerten auf dem Straßenpflaster; Firmen- schilder und Kalkbelag an den Wänden gelockert und zahlreiche Fensterscheiben zertrümmert. In der König-, Ecke Spandaucrstraße, wurde ein Schaukasten von der Wand losgerissen und die Tür des- selben in ein großes Schaufenster der Wollwarenfirma Gebr. Grumach geschlendert; die wertvolle Spiegelscheibe wurde total zer- trümmert. An dem Hause Lcipzigerstraße 23 riß der Sturm ein hohes Bogenscnster heraus, welches von der zweiten Etage aus den Bürgersteig fiel. Den Baumbeständen im Tiergarten, Fricdrichshain und Humboldthain konnte der Wind zwar wenig anhaben, da der Wind in den entlaubten Bäunicn keinen Widerstand fand, doch richtete er im Grunewald bedeutenden Windbruch an. Stellenweise lagen vier Bäume und mehr entwurzelt. Hebel nittgespiclt wurde durch den Sturm auch den Theater- und Zirkusbcsuchern auf dem Nachhausewege. Die Hüte wurden vom Kopfe gerissen und empor- gewirbelt, sowie Schirme zerbrochen. Auch in der Umgebung Berlins hat der Sturm arg gehaust, und besonders zahlreich? Meldungen über Sturmschäden sind aus den verschiedensten westlichen Vororten eingelaufen. In Schöneberg wurden Zäune umgelegt, in der Hauptstraße Ver- zierungen von den Balkons herabgerissen und eine große Zahl von Fensterscheiben eingedrückt. Aehnlich wütete das Element in Friedenau, Zehlcndorf und Machnow. Zu den Sturmschäden teilt die Verwaltung der Großen Berliner Straßenbahn mit: Durch plötzlichen Witterungs- Umschlag von Regen zu Kälte bildete sich Eis in den Schienen, die von einer Eisschicht förmlich umzogen wurden. Da außerdem heftiges Schneetreiben bei starkem Wind eintrat, wurden die Schienen durch den harten Schnee völlig gefüllt. Es traten infolge- dessen während des starken Frühverkehrs heute morgen Strom- störungen ein, so daß der Betrieb in der Brunnenstraße vom Rosen- taler Tor bis Ramlerstraßc von 7 Uhr 40 Min. bis 8 Uhr vor- mittags, in der Langcrhansstraße und Königs-Chausscc in Weißens« von 7 Uhr 35 Min. bis 7 Uhr 50 Min. vormittags, in der Frank- furter Allee, Frankfurter Chaussee von 7 Uhr 30 Min. bis 8 Uhr vormittags, in Friedrichsseide, Berlinerstraßc, von 7 Uhr bis 8 Uhr 45 Min. vormittags, am Küstrinerplatz und in der Königsbergcr- straße von 7 Uhr 35 Min. bis 8 Uhr vormittags, in Rixdorf, Bcr- linerstraße und Kottbuserdamm sowi? in der Hasenheide und Fichte- straße zeitweise von 7 Uhr 30 Min. bis 8 Uhr 30 Min. vormittags unterbrochen war. Durch geeignete Matznahmen gelang es, die Be- triebsstörungen in verhältnismäßig kurzer Zeit zu beseitigen. Gegen 10 Uhr abends wurde durch den Orkan ein Eisenbahn-Unfall in Nieder-Schöneweide verursacht, dem, wie zu befürchten ist, ein Menschenleben zum Opfer fallen wird. Der Sturm trieb auf dem Rangierbahnhose in Nieder- Schönewetde vier Kesselwagen gegen einen anfahrenden Güterzug. Die Kesselwagen fuhren direkt in die Lokomotive des Güterzuges. Der Lokomotivführer, der bei der Finsternis die anrollenden Wagen nicht sehen konnte, bremste zwar, konnte aber einen Zusammenstoß nicht verhindern. Die Lokomotive, ein Güterwagen und zwei Kessel-« wagen wurden demoliert. Der Lokomotivführer rettete sich im letzten Augenblick durch Abspringen, dagegen erlitt der Heizer, der zwischen die Lokomotive und einen Kesselwagen geriet, lebensgefährliche Ver- lctzungen, indem ihm ein Schenkel vollständig zerquetscht wurde. Der Verunglückte, der Heizer Ernst Mühle, wurde noch lebend nach dem Krankenhausc gebracht. Heber Sturmfluten und Hochwasser wird gemeldet: Greifswald, 31. Dezember. Seit heute nacht wütet an der hiesigen Küste ein orkanartiger Nordoststurm, verbunden mit Schnee- treiben, der eine große Sturmflut zur Folge hatte. In der Stadt wurden die Straßen überschwemmt; an einigen Stellen ist der Damm der Hafenbahn durchbrochen. Die Fischerdörfer haben großen Schaden erlitten; das Wasser stieg so Plötzlich, daß niemand Zeit hatte, die Boote in Sicherheit zu bringen. Kiel, 31. Dezember. Das Hochwasser, das um 10 Uhr vor- mittags bereits 2Vi Meter höher stand als gewöhnlich, breitete sich gegen Mittag auch auf die Hauptverkehrsstraße der Stadt, die Holstenstraße, aus und ebenso auf die am kleinen Pick gelegenen Straßen. Der Fußgängerverkehr ist gänzlich unmöglich, die elektrische Straßenbahn mußte den Verkehr zum Teil einstellen. Am Hafen sind zahlreiche Fahrzeuge von den Fluten zerschellt. In Labö sind sechs Fischerboote gesunken. Die Besatzungen sind gerettet. Lübeck. 31. Dezember. Bis zum Mittag wuchs die Wasserflut weiter und stieg bis auf 3 Meter über normal. In Lübeck stehen alle niedrig gelegenen Straßen unter Wasser; mehrfach sind Menschenleben in Gefahr. Eckernförde, 31. Dezember, mittags. Das Wasser im Hafen stieg erheblich. Bis gegen Mittag mußten die am Hafen wohnenden Leute mit Booten in ihre Wohnungen befördert werden. Stralsund, 31. Dezember. Seit gestern abend wütet hier ein starker Nordost-Sturm, der gegen Morgen zum Orkan anschwoll. Die ganze Hafen-Jnsel ist überschwemmt, und in den Straßen steht das Wasser fußhoch; der an Waren, Getreide und Gebäuden an- gerichtete Schaden ist sehr groß. Flensburg, 31. Dezember. Seit heute vormittag steht der ganze untere Stadtteil unter Wasser. Der Schiffsverkehr und der Verkehr auf der Eisenbahnftrecke Flensburg— Kiel ist unterbrochen. Der Sturm richtete schweren Schaden an den Fernsprcchleitungen an. Hadersleben. 31. Dezember. Das Hochwasser, verursacht durch den heftigen orkanartigen Sturm, hat einen Hochwasscrstand ver- ursacht, wie er hier seit 1872 nicht beobachtet worden ist. Die niedriger gelegenen Stadtteile sind vollständig unter Wasser gesetzt. Von der Insel Aarö wird gemeldet, daß der untere Teil der Insel vollständig unter Wasser steht und daß bei weiterem Steigen des Wassers Gefahr für den Ort besteht. Verkehrsstörungen sind in allen Gegenden des Reiches eingetreten. Berlui, 31. Dezember.(Amtliche Meldung.) Der Betrieb zwischen Strälsund-Hafen und Altcfähr und der Verkehr nach Rügen und Schweden ist wegen Sturmflut seit heute morgen 6 Uhr unter- brachen. Da der Sturm ungeschwächt fortdauert, kann eine bestimmte Angabe über die voraussichtliche Wiederaufnahme des Betriebes nicht gemacht werden. Die Störung wird jedoch voraussichtlich heute noch andauern. Die Züge auf Rügen verkehren. Königsberg i. Pr., 31. Dezember.(Amtliche Meldung.) Die Eisenbahnftrecke Fischhausen— Palmnicken ist seit heute früh 6 Uhr gesperrt. Die Störung wird mindestens 24 Stunden währen. München, 31. Dezember. Seit heute früh 8 Uhr herrscht hier bei heftigeni Sturm starkes Schneetreiben. Telephon- und Telegraphen-Verbindungen erleiden vielfache Störungen.— Auch aus Nürnberg wird starkes Schneetreiben gemeldet. Frankfurt a. M., 31. Dezember. Orkanartiger Sturm, welcher gestern nachmittag und nachts hier und in der Umgegend wütete, hat vielfachen Schaden an Bäumen, Telegraphenleitungen usw. an- gerichtet. Ueberfällige Schiffe und vermißte Boote. Saßnitz, 31. Dezember, vormittags. Der durch den Sturm hier angerichtete Schaden ist sehr erheblich. Im Hafen ging ein Schiff unter, während zwei andere auf das Wrack auftrieben. Von den fälligen Postdampfern aus Schweden fehlt bis jetzt jede Nachricht. Gegenwärtig hält das Schneetreiben an. Pillau, 31. Dezember. Zwei Fischerboote aus Grotz-Kuhren und zwei Fischerboote aus Klein-Kuhren mit je 5 Mann Besatzung, welche gestern in See gegangen waren, sind bis heut mittag noch nicht zurückgekehrt. Man bcsürchtet, daß sie während des gestrigen mit Schneetreiben verbundenen Orkans untergegangen sind. Memel, 31. Dezember. Wie das Memeler„Dampfboot" meldet, fuhren gestern abend fünf Fischerboote von Bommclsvitte in See, um Netze aufzunehmen. Der auskommende Sturm trieb die Boote fort, so daß sie den Hafen nicht erreichen konnten. Drei Boote kamen heute früh unbeschädigt an, ein Boot strandete beim Sandkrug; die Insassen, die fast erstarrt waren, konnten gerettet werden. Das fünfte Boot mit drei Fischern dürfte verloren sein. Sturmopfer. Grcifswlild, 31. Dezember. In Wieck bei Eldena stürzte infolge Hochwassers das Armenhaus ein, wobei drei Frauen und 4 Kinder ums Leben kamen. Die deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger meldet über Errettungen aus Seenot. Thießow-West. Am 31. Dezember wurden aus einem um» wogten und gefährdeten Fischerhause drei Personen durch das Rettungsboot der Station„Theodor Lange" gerettet. Bremen, 31. Dezember. Am 31. Dezember von dem in der Proraer Wiek gestrandeten deutschen Ewcrkahn„Delphin", Kapitän G. K. Oltmanns, mit Brettern von Memel nach Oldenburg bestimmt, vier Personen durch den Rakctenapparat der Station gerettet. Der Sturm im Auslande. Kopenhagen, 31. Dezember. Die Fahrten zwischen Gjedser und Warnemünde sind heute nacht wegen Sturm und Hochwasser nicht ausgeführt worden: die Uebcrfahrt ist vorläufig eingestellt. Tic Uebcrfahrt zwisdhen Masncdö und Orehoved(Falster— Seeland) ist heute morgen ebenfalls eingestellt worden. Aus verschiedenen Gegenden des Landes wird gemeldet, daß das Hochwasser in der vergangenen Nacht einen höheren Stand erreicht hat als. bei der großen Sturmflut von 1872. Der durch das Wasser angerichtete Schaden ist sehr bedeutend. Malmö, 31. Dezember. Heftiger Nordoststurin richtete in Süd- schweden großen Schaden an. Die Kontinentalstation von Trelleborg befindet sich unter Wasser. Viele Orte sind überschwemmt, zahlreiche Telcphonverbin düngen gestört und der Eisenbahnverkehr ist mehrfach unterbrochen. London. 30. Dezember. Ucber das ganze Land hin ist seit heute vormittag ein heftiger Sturm gegangen, der schweren Schaden an den Telegraphen- und Telephondrähten angerichtet hat. Viele Orte längs der Küste sind stark mitgenommen worden. Wien, 31. Dezember. In der vergangenen Nacht wütete hier ein orkanartiger Sturm; abgesehen von vereinzelten Beschädigungen an Häusern ist bis heute'vormittag kein nennenswerter Unfall ge- meldet worden. Königsberg, 31. Dezember. Amtlich wird gemeldet: Der Schnee- stürm, der am Nachmittag des 30. Dezember einsetzte, hat im Eisen- bahnbetrieb ganz erhebliche Störungen hervorgerufen. Am Morgen des 31. waren fast sämtliche von Königsberg ausgehende Eisenbahn- strecken derartig verweht, daß die Frühzüge nicht abgelassen werden konnten. Die ankommenden Züge treffen mit mchrsttindigen Ver- spätungen ein._ Hiilfska sie der Graveure, Ziseleure und verwandten BerusSgenoffen Berlins tagt jeden I.Montag im Monat im Restaurant Stehmann, Luisen- User 1, abends 8—10 Uhr. Vermilektes. Stendal, 31. Dezember.(Amtliche Meldung. Am 30. d. Mts., nachmittags 8 Uhr 56 Minuten, ist der Schnellzug V 3 Köln- Berlin auf Station Bnschow mit vier im Nebengeleise stehenden durch den herrschenden orkanartigen Sturm in Belvegung gesetzten Güterwagen zusammengestoßen. Durch den Zu- sanimenitotz wurde ein Güterwagen vollständig zertriimniert. Zwei Giiterwagen sind entgleist und ebenfalls beschädigt. Auch Lokomotive und sämtliche Wage» deS Zuges D3 haben Be- schädigungcn erlitten. Der Weichensteller Rahnsberg der vor seiner Bude O. B. die Durchfahrt des Schnellzuges erwartete, hat einen Bruch des rechten Oberarmes und zwei Fleischwunden am rechten Oberschenkel davongetragen. Reisende sind nicht verletzt worden. Die Schuldfrage ist noch nicht aufgeklärt. Die Untersuchung ist ein- geleitet. Eine Revolte in einen, kalifornischen Gefängnis.„Daily Chronicle" berichtet aus San Francisco vom 30. Dezember: Gestern versuchten 300 in dem Gefängnisse von Folsom(Kalifornien) befind- liche Sträflinge in corpore auszubrechen. Sic arbeiteten in den Steinbrüchen und stürzten ssich plötzlich auf ein hierzu gegebenes Zeichen mit ihrem Handwerkszeug aus die Wachen, dZch eilten andere Wachmannschaften herbei, die Feuer auf die Sträflinge gaben, wobei sieben von diesen ihren Tod fanden. Die übrigen ergaben sich und wurden nach dem Gefängnis zurückgebracht. Ein Gefangen- Wärter wurde getötet, ein anderer so schwer verwundet, daß sein Ableben zu erwarten ist. Ucber den Stand der Eliolcra in Rußland wird folgendes gemeldet: In dem Gouvernement Eriwan, wo die Cholera am stärksten austrat, ist eine bedeutende Abnahme der Erkrankungsfällc wahr- nehmbar, ebenso an anderen Orten des Reiches. An der Beulen» pest sind in drei Stanizcn des Uralgcbietes vom 16. bis zum 18. Dezember 34 Personen erkrankt. In dem Gouvernement Wologda dauern die Erkrankungen an der sibirischen Pest fort; vom 21. bis zum 28. Dezember sind in zwei Kreisen 86 Personen erkrankt. Von einem wütenden Bulle» aufgespießt. Wie ans Kassel gemeldet wird, wurde der 49jährige Bürgermeister Kühlborn in dem Torfe Günsterode, Kreis Melsungen, von einem Bullen aufgespießt, durch die Luft geschleudert und furchtbar zerfleischt. Der Gemeinde- bulle wurde auf dem Transporte scheu und brachte zahlreiche Ein- wohner der Gemeinde in ernste Gefahr. Unerschrocken trat der Bürgermeister Kühlborn dem Tiere entgegen; dieses nahm ihn in- dessen von der Seite auf die Horner und warf ihn zur Seite, worauf es seine Attacke auf den Bürgermeister erneuerte und ihn dabei so schwer verletzte, daß er schon nach wenigen Stunden unter qual- vollen Schmerzen seinen Geist ausgab. Für dc» Jiilmlt der Inserate «berniiiimt die Redaktion de», Publik»»! gegenüber keinerlei Lermituiortnng. Hbcatcr. Sonntag, 1. Januar. Freie Volksbühne, nachm. 3'/, Uhr: 1. Abteilung: im Mctropol-Thcater, Die Juden. t. Abteilung: im Berliner Theater, Die Räuber. Reue freie Volksbühne, nachm. 2-/. Uhr: l. Abteilung: im Neuen Theater, Josevhine Martens. 7. Abteilung: in:«chiller-Thcater O., Mutter Erde. Anfang 71/, Uhr: Opernhaus. Theätre pare. Das eherne Pferd. Montag: Tannhäufer und der Sängerkrieg auf Wartburg. Neues �önigl. Lpcru- Theater. Ein Sommcrnachtstraum. Montag: Die Herzmarke. Deutsches. Helden. Nachm:ttags"2'/, Uhr: Der Vcr- fchwcndcr. Dlontag: Maskerade. Berliner. Die Gräfin v. Keck. Montag:..., so ich Dir. Lessiug. Im grünen Baum zur Nachtigall. Hierauf: Der Arzt seiner Ehre. Nachmittags 2'/, Uhr: Die ver- fuiikcnc Glocke. Montag: Traumulus. Westen. Don Cefar. Nachmittags 3 Uhr: Don Juan. Montag: Wiener Blut. Thalia. Der große Stern. Nachmittags 3'/, Uhr: Charleys Tante. Montag• Der Große Stern. National. Der Troubadour. Nachmittags 3 Uhr: Der Frei- schütz. Montag: Die Fledermaus. Zentral. Die Fledermaus.(Anfang 7 Uhr.) Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Montag: Die Geisha. Kasino. In Vertretung. Nachmittags 4 Uhr: Blumenstrauß. Schwarzer Peter. Montag: In Vertretung. Mrtropol. Die Herren oon Maxim. Montag: Dieselbe Vorstellung. Ülnfaiig 8 Uhr: Neues. Der Gras von Charolais. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Belle-Zlllianre. Ein Blitzmädel. Nachmittags 3 Uhr: Ein unbefchric» benes Blatt. Montag: Ein Blitzmädel. Schiller v.(Wallner- Theater.) Krieg im Frieden. Nachmittags 3 Uhr: Mutter Erde. Montag: Heiingfinnden. Schiller'S..(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Familie Schierke. Nachmittags 3 Uhr: Die Kreuzel- fchreibcr. Montag: Familie Schierke. Kleines. AbfchicdSsouper.— Die Neuvermählten. Nachmittags 3 Uhr: Familicnidyll, Liebcsttäuinc?e. Montag: Nachtasyl. Earl Wein. Die Reise um die Erde in 30 Tagen. Nachmittags 3 Uhr: Scnta Wolfs- bürg. Montag: Die Reise um die Erde in 80 Tage». Residenz. Herkulespillen. Nachmittags 3 Uhr: Die 300 Tage. Montag: Hcrtulcspillen. Luftspielhaus. Der Familientag. Nachmittags 3 Uhr: Kamerad von Zeck. Montag: Der Familicntag. Drianon. Die glückliche Gilberte. (Hsurouse.) Montag: Dieselbe Vorstellung. Deutsch Amcriknnisches.New-Hork. Nachmittags 3 Uhr: Ucbcr'n großen Teich. Montag: New-Uork. Luisen. Der Regiftrator auf Reisen. Nachmittags 3 Uhr: Don Carlos. Montag: Die Reise durch Berlin in 80 Stunden. Slpollo. Berliner Luft. Wundersternc. Elelirifche Tanzbildcr. Nachmittags 3 Uhr: Dieselbe Vor- stcllung. Montag: Dieselbe Vorstellung. Paftage- Theater. Bernardi. Willi Prager. Ans. 3 Uhr. Montag: Dieselbe Vorstellung. Wiutergarte». Spezialitäten. Reichshalle». Stelliner Sänger. Palast. Spezialitäten. Herrnfeld-Theater. Prinz Levy in AHIbcck. Montag: Dieselbe Vorstellung. Urania. Taubcuftraftr iHitV. Im Theater abends 8 Uhr: Im Bannkreis der Jungfrau. Im Theater nachmittags 4 Uhr: An den Seen Obcritaliens. Montag: Im Bannkreis der Jung- sran. Juvalidenstrafte K7/63. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis ll Uhr. Im Theater abends 8 Uhr: Tier- leben in der Wildnis. Zentral Theater Nachmittags 3 Uhr: Die Geisha. Abends 7 Uhr: Große Neujahrs- Fest- Vorstellung. Die Fledermaus. Operette in 3 Akten von I. Strauß. Montag: Die Geisha._ Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: Die xlücklickeLilberte Ansang 8 Uhr. UraiGa, Taudenslr. 48/49. 8 Uhr: Im Bannkreis der Jungfrau. Montag: Dieselbe Vorstellung. 4 Uhr; An den Seen Obcritaliens. Sternwarte 8 Uhr: Tierlcbcn in»1er Wildnis. ) CASTANS ANOPTICUM; Friedrichstr. 165. Große Weilniaelils- Äussteiiumjü Bunte Märchenwelt in plastischen Gruppen. Aennict Effendi, ct. indische Bauchredner, der indische Zauberer m. d. rätselhaften Zaubertisch. in. Bis Sonntag, den 1. Januar inkl.: Volkstage. Jeder Erwachsene hat ein Kind frei. Jedes Kind erhält ein Weihnachts-Gesch enk. Oer Riese."llaclinow der gröSte Mensch, der je gelebt hat! Das Bärenweib.— Marionetten- Theater. Die 3 kleinstenSchwestern der Welt. Alle Schaustellungen u. Kebensäle ohne Extra-Entree. Entree 50 Pf. National-Theater Wcinbergsweg 19. Sonntag, den 1. Januar 1905, nachmittags 3 Uhr: Der Freischütz. Abends 7'/, Uhr: Einmaliges Gastspiel Erancesehina Prevosti: Der Troubadour. Luisen-Theater. Nachmittags: Don Carlos. Abends: Der Registrator auf Rtiseu. Montag: Die Reife durch Berlin in 80 Stunden. Kleines Theater Nachm. 3 Uhr, ermäßigte Preise: Familienid/il. Liebesträume. Serenissimus- Zwischenspiele. Abends 8 Uhr: Die Neuvermählten Hierauf: Abschiedssouper. Montag: Nachtasyl. Dienstag: Die Neuvermählten. Mittwoch; Die stillen Stuben. Neues Theater. Ansang 71/j Uhr: Der Graf von Charolais. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Dienstag: Der Graf von Charolais. Mittwoch: Einen Jux will er sich machen. KasinosTheater Lothringerstraße 37(Nesenthaler Tor). Täglich 8 Uhr, Sonnt. 7 V,— 3 Konzert, Das neue Januar-Programm. •— Der beliebte Neumann:c. Großer Erfolg! Stürm. Heiterkeit l In Vertretung. Heute 4 Uhr: Schwarzer Veter. BlumenstrauB. Apollo Tlieater. 218 Friedrichstr. 218. Nachmittags 3 Uhr; Grosse Extra-Vorstelinng. Debüts der neuen sensationellen Januar-Spezialitäten und Berliner Luft von Paul Eincke. Abends 8 Uhr; Dieselfee sroße Eitra- yorstelliing wie nachmittag;»». Kassoneröffnung nachm. 2 Uhr, Anfang nachm. 3 Uhr. Kassoneröffnung abends S'/jUhr, Anfang abends 8 Uhr. Deutsch- terikanisehes Theatcp. Köpnickerstr. 67/68. Jeden Abend 8 Uhr: Gastspiel Ad. Philipp: NEW-YORK Sonntagnacluu. 3 Uhr, halbePreise Eeber'n sroHscn Teich. Reicksiialieu-Theater. Stettiner Sänger. Scliiller- Theater. Schiller-Theater O. (Wallner-Tbeater). Sonntag, nach m. 3 Uhr: Matter Erde. Drama in 4 Auszügen von Mar Halbe. Sonntag, abends 8 Uhr: liricx In» Erieiicn. Lustspiel in 5 Atten�von G. v. Moser und F. v. Schönthmi. Montag, abends 3 Uhr: ReiaiA'faiMlea. Dienstag, abends 8 U h r: Nie Ilaaheaierche. Scliillep-Theater S. (Friedrich-WilheliiistädtifcheS Theater). Sonntag, nach m. 3 Uhr: Nie lirea�elsehreihep. Bauernkomödie m. Ges. in 3 Alte» von Ludwig Anzengrubcr. Sonntag, a b c n d s 8 U H r: Eamille Selilerke. Schwanf in 3 Akten v. G. Uadelburg. Montag, abends 8 Uhr: Eaiaiiie Schierke. Dienstag, abends 8 Uhr: Walleusteins Eujfcr. Nie Plccoloaiini. Zirkus Sekumam Heute Sonntag, den 1. Januar 1905, nachm. 3>/z Uhr und abends lll„ Uhr. 2 große nuftorordentliche' ckZ Gala- Fest- Vorstellungen. In beiden Vorstellungen, nachmittags und abends: Großartige neue Debüts. aiS Jan Clenmnl mit seinem urkomischen Dressurakt. ma?! efiZ ftii Eiiiiiiy Sfickney. In beiden Vorstellungen gleich reich- balliges abwechselndes Programm und Dir. Alb. Schiluiaillis Dressuren. Nachmittags zum Schluß Marakk«. Große Ausflattungspantomiinc. Zirka 200 Mitlonckendtz. Nachm. auf allen Plätzen l.ilind frei. Jedes weitere Kind halbe Preise (außer Galerie). Abends 7>/z Uhr: Sensationeller Erfolg! Die große Sohurnainischc Ausstattungs- Pantomime Eine Uord!a»dreise. Im Sttabl der Mitternachtssonne. Komisoh-phanlastische Pantomime in 7 Bildern. Entworfen und auf das glänzendste in Szene gesetzt vom Direktor Albert Schumann. Montag, den 2. d. M.: Gala-Sport- Vorstcllung sämtlicher Spezialitäten. Original.1«» Eiermaat und Eine �sardiaadrei.e. ietropol-Thealer Große Ausstattungspossc mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Uollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Henry Bemler. Josef Giaiiipietro. Josef Josepl Anton Grilnlell Fritl Fpid. Fritzi Massary. Das Fest des Lichts.(Ballett.) Anf.'/,8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonnabend, den 7. Januar 1905; GroBer Metropol-Tlieater-Ball. Lustspielhaus Fricdrichfttaßc 236. Nachmittags 3 Uhr: Kamerad von Zeck. Llbcnds 8 Uhr: Der Familientag. Allabendlich: Der Famillonlag. Residenz-Theater. Dir.; Richard Alexander. Heute uiii) folgende Tage 8 Uhr: Herknlespillen. Schwank in 3'Akten von Paul Bilhaud und M. Hennequin. Deutsch von M. Schönau. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Di« 396 lag«._ Gebrüder Herrii-TWer. Die stürmisch bejubelte SitnntionS- Komödie: Schwank in 3 Akten von Anton und Donat tzerrnseld. Hauptrollen: Magnus Prinz Levy: Donat Herrnfeld. Prahidal, dessen Rcisebcglcitcr: Jlntou Herrnfeld. Ans. 8 Uhr. Vorverkauf 11—2 Uhr. Carl Weiß-Tliealer. Große Frankfurter Straße Nr. 132. Sonntag nachm. 3 Uhr(Parkett 60 Pf.) Einmalige Nachmittag-Aufführung: Senta Wolfsbnrg. Abends VI, Uhr: Die Reise um die Erde in tzW Tilge». Morgen und die folgenden Tage: Die Reise um die Erde in 80 Tagen. ZirkiiH Iftiiscli. 3 g'P. Ouia- Vorstellnngcn. Nachm. 4 Uhr(auf Sitzplätzen 1 Kind frei) und abends 7'/, Uhr. In beiden Vorstellungen: Die dress. Äffen des Clown Armando. Eine Zebra-Kouiödie und die vorzügl. Programmnuinmern. Nachmittags 4 Uhr: Südivest-Afrika. Abends V/, Uhr: Katharina II. ZW- Zum 1. Male: Debüt der Löivenbraut S>t&~ Miss Clalre Heliot. mm* Beruhard Rose-Theater Gciulidbriiiincii. Badstraße 58. Heute nachmittag 3 Uhr: Herr und Lrau Dolitor. Abends/ Uhr: Der große Wohltäter. Nach der Vorstellung: tür. Kail. Enircc 40, Parkett 7SPf., Sperrsitz l M. Morgen Montag: Das dsnioost« stäupt. Stadt-Theater Moabit. üllt.Moabit 47/49. Gastspiel des Bernd. Rose-Theaters. Das bemooste Haupt. Schauspiel in 4 Auszügen von Rodcrich Bcncdir. Nach der Vorstellung: hir. Ball. Zlnfang 6 Uhr. Entree 50, Parkett 75 Pf., Balkon 1 M. Dienstag: Das bemooste Haupt Palast-Theater Bnrgstr. 33, früher Feen-Palast. Das neue hervorragende JaRuar-Spezialitäten-Programm Novität! Der gröBte Erfolg! Ein Allel lokttsmiidet. 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Februar, ist noch a» Bereine zu veraeben. 1S1SL' hId-I Ortsgruppe Berlin. Sonnabend, 7. Jan., im Ocwci-kschartshaane (großer Saal), SO., Engel-Ufer 15: WINTERFEST Künstlerische Leitung Herr Komponist Richard Kursch, unter gefälliger Mitwirkung: Frl. Maria Holgers(Rezitation), Herr Rud. Soheffler(Tenor), Frl. Anny Louxenhurg(Violine), Herr R. Kursch(Klavier). Festrede; Genosse Simon Katzenstein. Nach der Vorstellung: Eröffnung'/g8 Uhr, BAILjE» Anfang'/-S Uhr. Billetts a 40 Pf. sind bei den Mitgliedern, im Gewerkschaftshause bei Horsoh(Zigarronhandlung) und an der Abendkasse zu haben. 285/1 Victoria-Brauerei Lützow-Straße 111-112. Heute am ersten Neujalirstage: Elite-Militär-Streich- Konzert. Von 6 Uhr an:'Tanzki-iinxchcii. Im Restaurant täglich: Großer Mittagslisch a Couv. 75 Pf., 4 Gänge, bei anerkannt vorzüglicher Küche, Max Saeger. Jeden Donnerstag: Tanzkriinzchcn. Brauerei priedrkhsbain (früher Lipps) Am Königstor. Größter Konzcrtfaal Berlins. Heute sowie jeden Sonntag � Fütirniann-Waldo-Sänger und KonzeH. i Ansang des Konzerts 5 Nhr, der FUhrmann-Walde-Sänger 7 Uhr. '|äUp- Kasfcnöffimng 4 Uhr._ Enttec 50 Pf."TJESJ Wahrend des Konzerts im 5tl.«aal} fgmiljgN- Ksg�OllON. 16202* Nach der Soiree im Große» Ksuv Welt Arnold Scholz H�|�de Sonntag, d. 1. Jan. 1905(Neujahr) sowie jeden Sonntag: Horsts Nordd. Humoristen und Quartett-Sänger Cr. MiliMreieli- Konzert. Anfaiis 5 Ehr. Entree 50 Pf. i(Vorvk. 40 Pf.) Res. Platz 75 Pf. Nach der Vorstellung: Tan/.kränzchen. Von 12-2 Uhr; Gr. Mittagstisch ,(4 Gänge 1 M.). Von 4 Uhr ab fl« Dali 1 in d. hint Sälen; M*» ÖUs». Donnerstag, den 5. Januar 1905 sowie jeden Donnerstag: Bernh. Rosc-Thoatcp. Anfang 8 Uhr. Nachdem£ Familien-Tanzkränzchen. 9 Vorzugskarion sind in den mit Z' Plakaten belegt, stand), zu hab. X »««»»»?(tMMIPiMJJ»!! Chausseestr. 103. Arnold Scholz. Jeden Sonntae: Hain- Dir.: Otto Steidl-Willi Wölfl. Weihnachten in der Kantine. Schwank von Fröhlich. Blekei und Puckel. 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Diese nahm einen so temperamentvollen Charakter an, datz einige Schutzleute auf dem Kampfplatze erscheinen mutzten, um die Streitenden zu trennen. Diese polizeiliche Einmischung gefiel dem Angeklagten ganz und gar nicht, sondern erzeugte bei ihm eine Art „Blaukoller", der ihn zu lebhaftem Widerstände antrieb. Er wider- setzte sich dem Schutzmann, der ihn besänftigen wollte, aufs heftigste, rief ihm drohend zu:„Hund, Dich kenne ich! Dir steche ich die Augen aus!" und als der Beamte kurzen Prozetz machen und ihn zur Wache bringen wollte, lieh er ihn die Güte seiner Zähne er- kennen, indem er ihn recht unsanft ins Bein bist. Der Staatsanwalt hielt den Exzctz für einen so groben, datz er neun Monate G e- fängnis in Antrag brachte. Nun legte sich der Angeklagte aufs Lamentieren. Er bat den Gerichtshof immer inständiger, doch Milde walten zu lassen.„Er wolle sich ja in kurzer Zeit verheiraten, und wenn er erst eine Frau habe, dann werde diese schon dafür sorgen, datz er nie wieder in solcher Weise aus der Nolle falle, denn er habe ihr schon jetzt das Versprechen abgegeben, künftig sich nicht mehr den schlechten Einwirkungen des Fusels hingeben zu wollen." Sein Appell an die Milde der Richter hatte Erfolg. In der Erwartung, datz der Angeklagte sein Versprechen erfüllen werde, verurteilte ihn das Gericht nur zu 6 Wochen Gefängnis und 3 Tagen Haft. Zur Verbrechergilde der„Schlittenfahrer" ist der Tischlermeister Wilhelm W e b c r zu zählen, der gestern der achten Strafkammer des Landgerichts I aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Der Angeklagte hat früher schon mehrfach mit Gefängnissen und Zucht- Häusern Bekanntschaft gemacht, sich aber seit 1838 straffrei geführt. Er hatte in Spremberg eine ganz gut gehende Möbeltischlerei, mutzte aber schlictzlich in Konkurs gehen. Er behauptete gestern vor Gericht, datz er ein Opfer seiner politischen Agitation geworden sei. Er habe im Jahre 1903 bei der Wahl eine Agitation für den nationalliberalen Kandidaten betrieben und die Folge davon sei gewesen, datz er von den Sozialdemokraten völlig boykottiert worden sei und sich schlichlich nicht mehr über Wasser habe halten können. Diese Art. sich trügerisch als das Opfer einer politischen Partei aufzuspielen und die Milde der Richter zu erbetteln, blieb wirkungslos. Kurzum: der An- geklagte ist von Spremberg weggegangen und hat dann nur vom Schwindel gelebt, indem er von Ort zu Ort zog und eine ganze Reihe von Möbelhändlcrn in der dreistesten Weise„hineinlegte". In zehn Fällen ist es ihm gelungen, durch einfache Bestellung unter angenommenen Namen und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen bezüglich seiner persönlichen Verhältnisse, Möbelhändler zu ver- anlassen, ihm größere Posten Möbel in möglichster Schnelligkeit zu übersenden. Er hatte dann schon alles so weit vorbereitet, datz sofort nach Eintreffen der Möbel eine Auktion abgehalten werden konnte, auf der sie um jeden Preis verschleudert wurden. Da der Angeklagte gestern in vollem Umfange geständig war und sich jede Beweis- aufnähme aus diesem Grunde erübrigte, blieb leider die Frage un- erörtert, w i e es der Angeklagte verstanden hat, die Lieferanten zu einer so ungewöhnlichen Vertrauensseligkeit zu bringen. Der Staats- anwalt beantragte gegen den Angeklagten 3 Jahre Gefängnis. — Rechtsanwalt Dr. Mendel bat den- Gerichtshof, die Strafe wesentlich zu ermäßigen und führte für den Angeklagten ins Feld, datz dieser sich seit 16 Jahren straffrei gefuhrt habe und ihm seine Schwindeleien durch das Entgegenkommen der Lieferanten selbst doch allzu leicht gemacht worden seien.— Der Gerichtshof erkannte auf 2 Jahre Gefängnis. Kaufmann Behl» erklärt: In der Nr. 393 des„Vorwärts", 1. Beilage, Seite 3, behauptet Herr Hgtzschold, ich hätte in meiner letzten Berichtigung zugegeben, datz ich leine Aeutzerungen den Bäcker- meistern zugetragen habe. Diese Behauptung ist tatsächlich unwahr, wie der Wortlaut der im„Vorwärts", Nr. 297, enthaltenen Be- richtigung unmittelbar ergibt. (ftGARETTEv: Berlin, Neujahr 1905. Umsonet erhält jeder Kunde den illustrierten Berliner Almanach 1906 zugesandt. An unsere Kunden! 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Meinen werten Güsten, Freunden und Bekannten die heniiehzte lZralulalioa zum Jahres, vechicl tt. Bcrkowlcz, känigs-Oale, Kaiser Wilhelm- u. Ecke Münzstraße. Zur'Abholung der WcihnachtS- gcjchcnke werden von Silvester ab Bons vcrabjolgL 10 M. Schneider& Cie. Spittel- Markt No. 11 SPEZI AL-KAUF HAUS Ecke Kur-Straße für schwarze und farbige Kleiderstoffe, Seidenstoffe, Leinen- und Baumwollwaren, fertige Wäsche, Trikotagen, Unterröcke, Schürzen, Korsetts, Gardinen, Portieren, Teppiche, Läufer, Tisch-, Stepp-, Schlaf- und Bettdecken, Blusen Kostümröcke 1570L auflallend billigen aber festen Preisen Ms zum 8. Januar 1005 verlängern wir unseren wirklich reellen Gelegenheits-Ausverkauf geben wir, um unser Lager zur bevorstehenden Inventur zu verkleinern, auf jeden Einkauf extra JQ 0/o Rabatt. k Auf Waren, die für Umtauscb gekauft werden, bat dies keine Gültigkeit. WAARENHAUS HERMANN UETZ Leipzigerstrasse 46-50— Krausenstrasse 44-49. 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VolkSsänger- Gesellschaft Hugo Anke, Sioinemündcrstraße 122.+60» GropIuS- � 1052b Kleine +147 Glsholz. straße 7. Komiker, Marks Künstter-Ensemble Zlleranderstraße 1. Scfilafstcllen* Schlafstelle, Herrn, vermietet Nicksch, Kottbuserstraßc tl, vmn I. Stellensngedote. Grundicrer verlangt Wicnccke, Görlitzer-Ufer 23.+9» Grundiercr verlangen Deutsch u. Lachmann, Pflügerstraße 18. 1082b Händler, Hausierer aus Fenster- scheiden, Froslschutz, verlangt Kuhn, Hermsdorf, Albrechlstraße 83. Sonn- tags 12—3.+103 Fliesenleger, selbständig arbeitend, verlangt M. Zander, Frankfurter Allee 165.+37 Blusen-Zusammensetzerwnen außerm Hause verlangt Tschipke, Lausitzer- straße 18 I.__+9 Koftünirock- Arbeiterin, Stepperin, Garnicrerin im, außerm Hause vcr« langt Bratzkc,-samariterstraße 24. Frauen finden durch Zeitung?- austragen dauernde und lohnende Beschäftigung. Meldungen vormittags 9—12 Ubr Schützenstraße 24/25, par- terre rechts. 62/11 Frauen finden durch Zcitungs- auslragen dauernde und lohnende Beschästigung. Meldungen vormittags 9—12 Uhr Königstraße 56/57 I. 62/12 bürg, Giesebrechlstr. 7, Bau Herold, Friedenau. Hähnelitr. 19. Bautischlerei Lüdlke, Gitschiner» straße 106: Bau Schöncberg, Feurigstraße 53. Kursürstcndamm 68. Ludwigkirchplatz(Aussichtsamt), Berlinerst. 19, Eharlotleuburg, Stattsti- sches Amt, Lützow-Nscr. Bautischlcrei Rachfall i Kastanien- Allee l0 u. Bau Bötzowstr. 10/11; die Kirche, schrödcrstraßc; Eadincrstr. 18; Süd-User, Ecke Torsstraße. Gasanstalt in Tegel. Baulischlerei Gmmelnih, Ripdorf, Kaiser Friedrich s!r. 180; Bau Buch- holzcrstraße und Pappel- Allee Ecke. Ferner Gesundheitsamt in Dahlem; Patculamt Gitschinerstraße; Büchsen- stein, Wilhelmstraße 9� Die Bauarbcit im Schloß von dm Firmen Prächtel, Lippert, Haber» land. Bautischlcrei Hegelman», Hasen- beide, Rixdors, Kaiser Fricdrichstr. 211; Bau Gulzcit, Berlin, Teltowcrstr. 24; Witting, Schllncbcrg.Eisenachcrstr. 96; Hcling, Berlin, Petri-PIatz; Wilmersdorf. Kaiser-Allee Ecke RoSberitzerstr.; Welsch, Bau Hciligcnstädt, Westend, Königin Elisäbethstraße, Rixdors, Mainzerstraße; Lehmann, Arnholo» straße 12, Hinterhaus, ESmarchstr. 15. vauttschtcrei Birgens, Rixdors, Prinz Haudjerystr. 23; Bau Ober- Schöneivcrdc, Ratheuaustraße 54/55; Reinhardt, Rixdors, Reuter- und Müiichencrstraßc-Ecke; W!lmersdol+, Holstciniichestr, 27, Podorf. Bautischlerei Osten, Rixdors, Richard» straße 105. Bau RummelSburg-Oft, Prinz Albcrtstraße u. Puschcrstraßen- Ecke. Berlin, Frciltarathstr. 4. Bautischlcrei Jastrau, Rixdors, Kirchhosstr.42; Bau Bober- u. Rogatstr.» Ecke; Bau Happel, Edmund- und Rcinholdstraßeu-Ecke; Bau Zeimer. Baulischlerei von Sponar, Zlixdorf, Münchenerstr. 22; Bau Buchholz, Rirdorf, Hansastraße 13. Bautischlcrei von Sawaiiky, Blücherslraßc; Bau Isaak, Stur- sürsicndamm 80; Schuscheck, Wie- land- u. Nicbuhrstraßeii-Ecke; Petsch, Schöncberg, Martin Luthcrstraße Ecke Barbarossa straße; Thomson, Nieder- Schöneweide, Bcriinerstraße. Tischlerei Meli. Urbanstr. 102; Bau Hollmaiin, Wilmersdorf, Kaiser- Allee"16; Bau Bändel, Bennigsen- straße; Bau Stör und Bau Alexander, Babelsbergerslraßc; La- bclsbergcrstr. 13 in BllmcrSdors; Bai» Mailing, Rixdors, Hersurth- straßc. Tie Ortsverwaitung. Fm ArbeitSniartt durch besanhe"-"' f hervorgehobene «nzeip........ 10 Pf. prs Zeile. »»»OSSTS»«»«»««««««« IWMMr SWM Die Fürlher Gcwerlschastcn be« absichtigen, am 1. April 1905 ein Arbcitersekrctariat zu eröffnen. Be> Werbungen um diesen Posten wollen bis 20. Januar eingereicht werden. Den Bewerbungsschreiben möge«ine selbstgeschriebene Abbandlung über die Ausgaben«ines Arbcitcrsckrciariats beigefügt werden, welche durch ein Stichwort kenntlich ist. AIS Gehalt find vorläufig 2000 M. angesetzt worden. 161lL' Bewerbungen find einzureichen unter Offcric Ai-belteraekretai-lat, „FUrther Bürgerzeitung", Moslstr 7. Achtung, Holzarbeiter! Der Zuzug nach der Firma .I.C. Pfuir, Zeughosftr. 3, ist streng feriizuhalte»; desgl. nach der Bau- tischlerci Traxel, Ehaussecstr. 23, und dic Bautm: Ebarlolteiiburg, Suarez- straße(Kliiigeiiberg); Berlin, LUcxan- drinciistraße(Gornau u. Graul). Tischlerei Hermann, llhauffcc straße 52: Bau Schoffow, Charlotten- Achtung! golchkurbkitnugs- maschjukn-Arbkittr! Wegen Differenzen sind die Firmen ■.ÄF.Beradh««? und 71/5» mhr& Wiese Nachfolger Rüdersdorferstrahe LS, früher ItlcliterMcher Betrieb, gesperrt, 76/16* Der Vorstaud. Weißensee! Achtung! Holzarbeiter! Gesperrt sind jolgende Billard- qneus-Fabriten: 77/2 Lebrüder WeiB, Gäblerftr. 52. Emil Heine, König-Ehauffec 75. Max Fröhlich, PistortuSstr. 11. Zuzug ist streng sernzuhallen. DieOrt»r>eriv„ltuug S. Deutschen Holzarveiter-Berbauves. Zahlstelle Weisicnsee._ Sichtung! Achtung! Musikinstrumenten- Arbeiter und Xlnchler sowie Arbeiter aller Branchen. 77/1» Folgende Betriebe sind gesperrt: Bartbel, Braun, Böger& Sohn, Oonadoni 4 Pohl, Garn, Gast& Co., Liese 4 Reineke. Görs 4 Kallmann, Hansen, Hedks, Heindorf, Hepperlo, Hillgärtner, Hooff 4 Co., Homuth 4 Hinke, Jaschinsky, iannowsky, Knabe 4 Thal, Klingmann, Knöchel, Koch 4 Co, Krause, LangfriU, Lehmann, List, Manthey, Mäbes, Neumeyer, Nöcke, Paul, Quandt, Reeke- witz, Riesner, Rödner, Steuer, Ulbrich, Werner, Klaviatursabrilm Gallov/sky, Roinkc 4. V/altcr Schwahl». Diese Liste wird jeden Donnerstag und Sonnlag veröffenUicht.___ Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. VerlagSanstalt Paul S-inger& Co.. Berlin SW. |t. 1. 22. Jahrgang. 4. KtilM des Jotniürlo" ßetlititt NolksM Sonntag, 1. Januar 1905. Bitte anssclmeiden micl aufbewahren! Liste der äekereien Reklaniationen oder Berichtigungen gegen obige Liste bitten wir bis Dienstag, den 3. d> M., mittags an das unterzeichnete Bureau einzusenden. Die mit einem* versehenen Bäckermeister haben den Tarif des EinigungSamtes anerkannt, und bitten wir die Konsumenten, diese besonders zu unterstützen, da sie alS die zuverlässigsten gelten müssen. Vom Norden sowie Rixdorf und Köpenick werden nur Tarifbäckereien aufgeführt, sind also nicht mit Sternen versehen, was zur Vermeidung von Irrtümern niit angeführt sei. Hnnsfrune»! Arbeiter! Bürger! Berücksichtigt in erster Linie die tariftrenen Bäckereien! Der Borstand des Verbandes der Bäcker und Bernfsgenossen Deutschlands. (Mitgliedschaft Berlin.) Bureau: Gipsstraste S, Hof parterre.— Telephon: Amt III, Nr. 1243. Korden. Im Norden werde» durchweg Tarif-Biickerclen aufgeführt, je- doch halten die mit einem f der» fehenen Bäckereien zwar alle Forderungen«in, haben aber nicht«nterschrieben. Ackerstr. lS. Eduard Goldacker. , 68, Eduard Goldacker. 153, O.«chumann. . 5, Dahlke. „ 171, P. Ncntwig. Adolsstr. 11, Teiinlgkeit. „ 1, E. Balhke. 12b, Hönisch. ?lnklamerstr. 19, Eduard Goldacker. Artilleriestr. 3, Eduard Goldacker. . 36, Falkenbcrg. Badstr. 37», Zchiinchcck. Bernauerstr. 47, Schiweck. , 35, H. Schröder. 97. O. Marx. Blefenthalcrstr. 2, Mcnsing. Boyenstr. 11, Leopold Jhle. Borsigstr. 18, O. Zschoch. Brumienstr. 41, Herm. Sorge. „ 95, Hanke. 3. Th. Mollweide. 5«. D. Pirwitz. 27, O. Hanke. . 95, O. Hanke. „ 96, Eduard Goldacker. 129,.. 48, Rothe. Buttmann str. 20, Hirsch. BurgSdorsstr. 15, O. Kratockwlll. Buchholzerstr. 16, E. Vogler. Carmen Sylvastr. 163. E. Feist. Chausseestr. 88, Eduard Goldacker. Ehorinerstr. 55, F. Hanke. Cosllnerstr. 3, E. Schniidt. 1, H. Tschökc. Eremmenerstr. 15, Adols Morlok. Dalldorferstr. 38, Tzschctzsch. 13, Strcuber. Danzigerstr. 21. Singer. 70, C. Ztink. , 76, O. Schmidt. »1. RßmuS. . 72, G. Von dran. Demmwerftr. 18, Neue Berliner Ge- nosscnsch.«Bäckerei. 23. F. Gutsch. „ 25, Grund. Dunckerstr. 73. C. Jaenle. 78, F. Deinert. Drontheimerstr. 6, H. Schröder. lllsasserstr. 82, Brotfabrik Berolina. Exerzicrstr. 19, Koschcl. 1a, Volcy. Fchrbellinerstr. 27. M. Höselbarth. Frans eckistr. 45, Foh. Thiel. . 5t. K. Wittkops. 53. Ed. Goldacker. Fürstenbcrgerstr. 12, Broisab. Berolina. 16, Lawrenz.f Gerichtstr. 14, Schwemlcr. 4, Ö. Schröder. Gleimstr. 19. Zlracke. 60. Mcisch. Graunsir. 22, Dohrmann. , 52, F. Hanke. . 32, F. Hanke. 37. Eduard Wuttie. Grenzstr. 13, Zicgelski. GrünthalersU. 6t, F. Altrock. 5, P. Jambor. Gartenstr. 61, E. Bichweger. Gaudystr. S, Foh. Bauer. Greisenhagenerstr. 15, Ä. Niklasch. Hagenaucrstr. ta, Friß Hanke. Hennig'sdorsrrstr. 25, Voien. 1,.Herrmann. Hochmeistcrftr. 9, L. Rapp. 20. P. Meyer. Hochstr. 81, O. Fciiske, Neue Hochstr. 18, Bcrl Gen-Bäckerei. ,. 24, H. Schulz. ,, 28, D. Korherr. f ochstädtcrstr, 23, P. Janrbor. ussitcnstr. 43, Kichling. „ 4/5, Friedrich. IaSmunderstr.>8, A. Döring. Jnvalidenstr. 144, Ed. Goldackcr. Kastanicn-Allcc 13.14, Pape, r 103, Adamitz. 57, Aug. Künscher. , 10, Eduard Goldacker. „ 46. Bing. Kolonicstr. 28, 31. Schneider. 28, Osburg 71, E. Richert. � 34, E. Muche. 151, Otto Schecr. Koib-rgcrjtr. 27, F. Brauu. Kopenhagencrslr..4, P. Schön . 23, Eisenschmidt. Kuglerftr. 8, SB. Zicbell. Lhnarslr. 4, Kadak. , 14, Pawlick. „ 1, Marquardt. Liebenwalderstr. 60, Th. OuaSnIca. „ 59, H, Schröder. 31. M. Fackel, „ 10, Boley. Lortzrngstr. 6, G. Röszner, „ 36, F. Haute. „ 17, F. DahmS. Lüderitzstr. 60, P. Gärtner. Lychenerstr. 17, P. BorowSky. , 4, Waller vorm. Schwede. 105, H. Schröder. Maxstr. 17, E. Schulze, Mctzerstr. 2, Sachwitz(oorm. Zeitler), Müllerstr. 32, Wwe. Blum. „ II, Brotfabrik Berolina. „ 33, WitilcrS Broisabrik. „ 37, Friedrich Beyer. 166», Hanke. Oderbcrgerstr. 49, Böhme. „ 46, Schönherr. , 21, Wagner. Oudenarderslr. 44, P. König. 44, 3l. Liebner. Oranienburgerstr. 60/63, Simons Broisabrik, Pappel-ttllee 24, Karl Caseler. 21. F.hse. „ 18, I. Gocken, 14, M. Hösclbarth. „ 104, Nich. Müller. 136, E. Drehler, Pankftr, 51, F, Klang. » 21, o. Schröder. „ 456, G. Göllcr.. Pflugstr. 3, F. Kosellek. Prenzlauer Äillce l lo.. Ed. Goldacker. . 24. Ed. Goldacker. „ 203, M. Hcrrinaun. Putbusetzstr. 21, P. Hanke. „; 14, H. Faapc. 24, Kuudt. 37, I. Bauer. 46. R. Block. 48, H. Schröder. Prrnzcn-Allce 53, Schmidt. „ 57. M. Schwcndy. 61, H. Mehls. Prinz Ewgenstr. 10, O. Senff. „ 16, H. Oswald. , 8, H. Reiche. 20, O. Hörder. Ramlerstr. 36, G. Huehn, 24, G, Seidel. „ 31. Th. Dahlenburg. Raumcrstr. 55, K. Scharlock. Raocnöstraste 1, Ernst. Reinicke'-e'.serstr. 20, P. Hanke. 69, Pitzsch. 41. R. Wenzel. „ Ha, W. Herberg. 47, H. Bloch. Nheinsbergerstr. 13, 31. Scholz. 26. M. Loren,. n 48, Seidel. Rhinowerstr. 2, O. Schwienhagen. Rupptnerstr. 8, F. Baacke. 12. O. Hanke. Rügencrstr, 3, Heublein. 16, Höhn. Rytestr. 24, Georg Sy. 34, E. Vogler. Swinemündcrstr. 27, OSw. Grostmann. 106, 6. Kunze. „ 54, Paulischeck. 82, M. Manuel. „ 93, Schubert. 74. F. Hauke. Schönh.'Allee 177, Eduard Goldacker. Scyulstr. 20, Hugo Stoizmann. 37. sirttzkc. 25, Th. Schmidt. „ 28, Schamberger. , 51, Krumbach. 110, E. 3irndt. Schlicmannstr. 24, E. Rciscwih. Schwedlerstr. 52, 3l. Hübner. . 230, O. Kumm. 48, 9(. Löchcl. 240, Otto Schmidt. Sparrstr. 6, Elöner. Stetlinerstr. 54, P. Zrschmann. Stoipischestr. 64, Badtkc. Strelitzerstr. 4, F. Hentschel. „ 46, Georg Witt. 3l, P. Scheunemann. 64, Brauner. Strabbnrgerstr. 35, Hellman». j Stargardcrstr. 78, Bark u. Walter. „ 63, E. Burger. 74. F. Hanke. 12a, A. Eberl. 70, Langnickel. Schönholzerstr. 5,?.>!ittclbach. Schwarhkopssstr. 7, G. Thonms. Schulzeudorserstr. 14, O.'AgMola. 23, 31. Franz. Triststr. 2, M. Förster. 43, Heinrich Naehr. TreSckowstr. 44, L. Lehmann. 57, St. Mörschner. Tegelerstr. 11, Lenzner. 51, Scholz, Usedoinstr. 4, Slollberg. 15, H. Schröder. Utrechtcrstr. 3, Kerslcn. Wattstr. 21, F. Nicbcnstahl sr. Willdcnowslr. 29, F. Breier. Wcißenbnrgerslr. 55,£>. Ziobiling, „ 42, 81. Astmus. 16, 3t. 3l|Jnru8. Wiesenstr. 31, I. Schneemann. „ 19a, P. schardien. 28, Seeger. Wolgastersir. 13, Wwe. Dreier. WolUnerstr. 50, Sticol. „ 68, F. George. 44, E. Raddatz. „ 23, I. Dahlen. 31. R. Bordasch. 38, Fuhrmann. Weddingstr. 7, H. Brendel. Wcinbergsweg f. Honte. Wichertstr. 5, C. Schmidt. Zionskirchstr. 2, Regen. 26, E. Förster. Ziouskirchplatz 1, Th. Mollweide. Kor, loston. Barnimstr. 4/5, Grosch.» , 17, C. Dorendorp. 35, Dzienian." Büschingstr. 11, F. Schütze« 18.«. Alsert. 29. B. Roiost. Elisabethsir.>5. W. Porath. Franksurterstr.>08, Büttner. Kl. Franksurterstr. 14, F.Miiielstadt.« Georgcukirchstr. 48, Wechcck. GreisSwaiderslr. 29, Kajchcl.» „ 76, G. Wegner. 12, O Hanke.« 202, H. Förster. j Heinersdorserstr. 12, P. Lainler.« Höchstestr. 11, C. Dzieiiiim.« Fmmanuclkirchstr. 10, K. Krause, 33, R. Kleiner.« 21, I. Kreil. 30, R. Baldin. 39, H. Dänitc. Kuglersir. 8, W. Zicbell.« Landsbcrgerstr. 146, O. Schwarze. Landsberger 3lllec 157/53, G. Eggert. „ 43, Grulchka. 57, 3l. Ranitn. Landwehrstr. 12, H. Oeck. Lippehnerjtr. 2, H. Hast.« „ 5, sabrowski. 8, H. Kruse. Marienburgerslr. 7, 3l. Seemann.« 24, L. Schmidt. Mchncrstr. 2t, Grosch.« Neue Kontgstr. 23, P. Nitschke. , 60, Ed. Goldacker.« 55/56, I. Schultasch. Pallisadcnstr, 44, P. Martin. 84. K. Kinzcl, „ 9, R. Schäle. 20, H. Kähne. 58, H. Hecht.« Woldonbergstr. 17, P. Brey. K>V. KonMt. 3klt-Moab!t 77, O. Blottner« Bandelftr. 34, Broisabrik Berolina.« Beusselstr. 42, 31, Schmidt,« „ 44, R. Schwämmlein.« 74, Th. Krull. 50, W. Wesche.« 56, Pohle.« Bcrlichtngenstr. 1, W. Frey er.« 12, R. SNittelstrahe.« Bredoivstr. 20, M. Schubert. „ 16, Th. Kähner. Birkenstr, 32, R. Wackerhagcn.« Bremerstr. 56, O. VcstcrIIng. 60, I. Beyer. Elaudiusstr. 10, 31. Tacke. Dreysestr. 12, P. Bänsch.« Emdenerstr. 21, F. Foizing. „ 17, H. Blume. 44, H. Linte. Gotzkowskystr. 6, G. Müller. „ 33, F, DrenSke, Huttcnstr. 41, 31. Slernsdorst.« „ 4, F. Rechenberg.« Fagoivstr. 10. F. Bartel.« Kirchstr. 12, O. Fliegner.« Lübcckerslr. 47, E. Schmidt« Melanchthonstr. 18, Brodsbr. Berolina.« Oldenburgstr. 14, E. Pcickert.« Perlebergerstr, 7, E. lSeorge.« Putiitzstr. 16, E. Schumann. Rostockcrstr. 31, F. Küglcr. „ 51, O. Hering.« 40, Th. Beyer.« Sicmensstr. 17, F. Heyden.« 7. L. Laabs.« Sickingenslr. 41, R. König. Stendolerstr. 5, Corts u. Co.« Stephanslr. 55. F. Handtke.« 7. P. Busse.« Turmstr. 67, Hanke. 47, Ed. Goldacker.« Utrcchterstr. 8, W. Kersten.« Waldstr. 25, E. Jglilch.« „ 42, 3t. Heinrich.« 46, Müller. Wiclcsstr. 66, G. Spieckcrmann. 36, E. 3Iswaidt.« 59, W. Werdermann.« 21, Otto Heinrich. Wittstockei str. 7, E. GIcSmann. 25. V. Lnkowski.« Wilsnackerstr. 33, P. Hanke. 26, Ed, Goldackcr.« Wilhclmshavencrstr. 17, MattheS.« 33b, Rinke.« „ 37, R. Topp« 16, 31. Danelzlk. Zinzcndorsstr. 8, B. Koch.« Osten. AndreaS-Platz 3, Böttcher. AndreaSstr. 4. G. Fischer. „ 16, Hanke.« 32, Wiihcstna, Broisabrik.« Kleine 31ndreasstr. 7, Christall.« Blumenstr. 13, Berolina Broisabrik.« „ 50a, Funkers Erben.« 51a, E. Krause.« 59, W. DombrowSky. BreSlauerstr. 32, C. Bra demann. Eadinerstr. 20, Mar GeiSler. .. 14. O. Bäsch. Edclingstr. 5, M. Blender.« Elbingerstr. 86, Ö. Hast.« 97. H. Hais.« 76, Fritz Bark.« 90, Herm. Trapp» Eldcnaerstr. 2. F. Spöttllch.« Eckertstr. 1, 3l. Schcer. 13, E. Hertig. Friedenstr, 47, G. Jackisch.« 44, O. Hartmann. 57. E. Rolle« Frtedrichsbergerstr. 20, W. Bchrend.« Friedrichsselderslr. 17, K. Kauze. 26, Hering. 39, F. Brögc. Fruchtstr. 37, Schernickau.« 29. B. Nlcbisch. 46, Polenz. 73. Ä. Grünebera. Fürslenwalderslr, 7, 3t. Schntzcndübel.« Frankfurier 3Illce 75, M. Banlsch. , 108. Büttner. . 145, W. Engel. „ 179, Horstmcyer. �„ 173. Berolina Brods.« Gr. Franksurterstr. 2, H. Prager. 85, Ed. Goldackcr.« Gabelsbcrgerslr. 8, 31. Töeise. Graudenzerstr. 12, G. Spcrrling.« Grüner Weg 54, Sehne. „ 03, Hanke.« ..75. E. Wolst. ., 115, Spüllmann. Grrbenerstr. 42, K. Darmstädt. 27, Feuer.« 32, Ladewig. 49, C. Hönke. 57, Deust. Harisbirrgstr. 26, Schneider. Heidenseldstr. 2l, Malm.« Holzmarltstr. 50a, F. Stock. 55, F. Ricboldt. Hübnerstr. 6, Riegler.« 14, G. Treu. Jfflandstr. 2. F. Stachowski. Jnsterburgerstr. 12, 31. Mascht«. Kochhannstr 34, W. Brüse. 43, Joseph GrogowSki. Koppcnstr. 23, G. Werner. 58. R. Woblick. 15. C. Zabel.« „ 49, Ladislaus Starossa.« 99, O, Siedersleben. KopernikllSstr. 3, Vorwärts-Brotfabr.« 9. 3l. Wiemann. Königsbergerstr. 9, P. Zimmer. 18, O. Lucko," 35, I. Sommerfeld. Krautstr. 10, 3ilbrccht. 22. 3lrndt.« 25, Julius Freudenhammer.« 3, Eduard Goidacker.« Kreuzigerstr. 1, Hanke.« Langeiibcckstr. 12, O. Rehwaldt.« Langestr. 21, G. Hildebrandt. „ 36, Brotfabrik Berolina.« 13, Ed. Goldackcr.« Lichtenbergcrstr. 6, F. Scheel. Ltcbigftr. 38, Hanke. , 15, Bauer.« Lithauerftr. 14, F. Hildebrandt. Löwestr. I, Liahlsust.« 18, Ernst.« Lcbuscrstr. 11', R. Bienert.«' Markus str. 9. K. Keil. „ 11, M. Schriccbcrgcr. , 27, Astohlnau. . 38, L. Köppe. , 15, W. Stütze. Kleine Markusftr. 12/13, Lehmann. Memelerftr. 4, Estler.« , 7, Knocke.« 20. L. Holbe.« 47. Rikisch.« 52. F. Mchlbose.« 59, G. Donltze. Mirbachstr. 14, Genossensch. VolkSbrot.« 29, Schulz.« Matiernstr. 2, W. Zcplin.«» 13, H. Dörner.« Markgrasendanun 32, Lehmann. ?.>!ünchcbergerstr. 15, O. Lau. 32, E. Albrecht. Mühlen str. 35, 31. Müller.« 51, I. Schön.« 68, Gäckel. MuSkauerstr. 28, P. Heinzelmann.« 3lm Ostbahnhos 1, R. 31dam. Petersburgerstr. 2, E. Wiedekind. 66, 3llb. Thiel. 21. P. Mertens. Posenerstr. 2, St. Eymer. 16, H. Victsch. Pintschstr. 4, R. Gorgens. HroSknuerstr. 28, Bloch. 31ichthosenstr. 5, R. Zelm. 33, H, Neumann. Rigaerftr. 438, B. Burkat. Romintenerstr, 20, I. Stöwer. 44. E. Küster.« 57, M. Gorgar.« Rüdersdorserstr, 20, SB. Bödner.« „ 62, tzeinr. Büttner. 67, Anna Krockcr. Samaritcrstr. 2. F. Fischer. , 11, Fr. Hanke. Schreinerstr. 57, Louise Ramisch. . 60, R. Steffen. Straustbergerstr. 1, C. Reglin. 17. 31. Pirschel. 5. F. Schubert. „ 46, Fr. Müller. Straßmannstr. 8, Ernst Feller. „ 24, Hein.« Stralauer Platz 18/19, Heida. Stralauer-31llee 23, H. Winnenbergs 17. A. LipSfi.« Thaerstr. 11, Fr. Reinikc. Tilsttcrstr. 26. 31. Gegner.« . 34, Köpig. 77. Ferd. Stahnsdorf.« „ 91, Hanke. 12, St. Bicringer.« Thornerstr. 67, P. Reich. Wallnertheaterstr. 10, L. Fränkel. Warschauerstr. 1, Heinr. Godlke. 4. I. Rülkc. 27, H. Lüda. 30, H. Oerr. 60,«chulzc.« 69, O. Liebig. 76. F. KnalS. 82, W. Biew.e Webersir. 36, Ed. Goldacker. Weldcnweg 7, Herm. Müller. 2o, Molttecht.« „ 30, Berolina, Brotfabrik.' 57, Hause. 74, Klose.« 82, O. Bcrtzau.» „ 87, R. Kirchmeyer.« Wilhelm Stolzestr. 2, O. Schachsal. „ 35, R. Bachmann. Zcllestr. 2. Franke. Zorndorferftr. 8, L. Göbel.« „ 27, Nielsching. 34, Maast. 55, Richter.« 8