Nr. 3. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Vierteljährl. 3,30 r., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn e Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Bfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uh nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 4. Januar 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Mr. 1984. Die Ursachen der Gärung im Nuhrrevier. Glauben und ohne das Eingreifen der Führer zugunsten einer ftimmungen zu Recht oder Unrecht genullt wird. Ob ein Wagen Aus dem Ruhrrevier wird uns geschrieben: Wer die Gärung im Ruhrrevier auf nur einen konkreten, materiellen Ursprung zurüdführen will, wird immer mehr oder minder weit an dem Ziel vorbeischießen. Die augenblickliche Bewegung muß psychologisch erfaßt werden, soll sie dem Verständnis nahe kommen. Mit der Formel: Welches ist die Ursache? wird man die Lösung nicht finden. So verschieden wie die Lohnverhältnisse und die Lebenshaltung, so verschieden sind die Arbeitsverhältnisse überhaupt. Eine allgemein gültige Norm oder Schablone, nach der man zeichnen könnte, gibt es nicht. stimmten. Damit fand man aber bei den Bergarbeitern feinen mangels Kontrolle darüber, ob nach den üblichen BeVermittelung und ohne die durch das Oberbergamt erzielte Ver- gestrichen wird, darüber bestimmt souverän ein Unterbeamter und ständigung wäre es schon damals zu einem größeren Streit ge- oft hört man die Klage: Es wird nach Gunst und Gabe genullt! kommen. Auf einer Anzahl Bechen war man bereit, zugunsten der Auch wird der Vorwurf erhoben, die Brückenkontrolleure hätten den Belegschaft auf Oberhausen sofort die Arbeit einzustellen. Auftrag, eine bestimmte Anzahl von Wagen zu nullen, ganz unbeschadet der gelieferten Qualität und des Maßes. Ueber Günstlingswirtschaft wird sodann vielfach geklagt hinfichtlich der Gedingefestsetzung. Beliebte Leute erhalten die beffere Arbeit, wer nicht artig ist, wird strafverlegt, vor Orten mit schlechten Arbeitsverhältnissen. heimischen. Die späteren Vorgänge haben die Ansicht der Bergarbeiter bestätigt. Die hervorstechende Tendenz im Bergbau ist, die Förderung auf die leistungsfähigsten Schächte zu konzentrieren. Damit wachsen die Belegschaften auf tausende Mann an. Nun wird also die VerMan kann keinen allgemein gültigen Maßstab für die Lebens- längerung der Seilfahrt mit der Stärke der Belegschaft begründet, Haltung der Bergarbeiterschaft aufstellen. Die Bergarbeiterschaft als dazu wird begründend die Seilfahrt, Regelung" auf anderen Zechen Nicht wenig beigetragen zu der allgemeinen Erregung hat ferner Einheit bildet eine ganze Stala sozialer und wirtschaftlicher Ver- angezogen. Damit wird ein allgemeines Recht auf Schicht die ununterbrochene Heranziehung von fremden Arbeitskräften, die schiedenheiten. Es gibt im Bergbau eine ganze Stufenleiter von verlängerung reflamiert, gleichzeitig aber auch der Widerstand der eingestellt wurden, während einheimische Leute den Laufpaß erhielten. Lohnfäßen; das Einkommen erwachsener Arbeiter schwankt zwischen gesamten Bergarbeiterschaft aufgestachelt. Und so wird dieses Das erbitterte umsomehr, als die aus allen Weltgegenden Heran3 M. und 6 M. Man findet Bergarbeiterfamilien, die sich wirtschaft- Moment zum Ausgangspunkt einer allgemeinen Forderung, in geholten als Lohnbrüder mißbraucht werden. Diese Leute müssen lich einer gewissen Behäbigkeit erfreuen; daneben andere, die aus welcher sich tatsächlich die durch eine Menge von Imponderabilien mit allem zufrieden sein und die schlechteren Arbeitsverhältnisse, Schulden, Not und Elend nicht herauskommen. Leicht ist man da erzeugte Unzufriedenheit auslöst. Die weitere Folge ist, daß wenn mit denen sie sich abfinden müssen, brücken allmählich auch den Eingeneigt, nach Fleißigen und Sparsamen einerseits und Faulen die fonkrete Einzelheit zur Explosion führt, sich auch die Ursachen und Verschwendern andererseits zu tlaffifizieren. Nichts verkehrter der übrigen, die Unzufriedenheit schürenden Verhältnisse zu be Es wirken so eine Menge von verschiedenen Faktoren zusammen, als das! Der minder entlohnte Bergmann mit zahlreicher Familie stimmten Forderungen verdichten. Es ist dieselbe Erscheinung, die die eine Spannung erzeugt haben, die mit einer gewissen Naturfizzt unversehens in Schulden, wenn Krankheit oder anderes Miß- fich auch 1889 zeigte. Die Arbeitszeit war der konkrete Anlaß, nach notwendigkeit der Entladung bedarf. Die Stimmung ist heute so, gefchic ihn trifft; und ist einmal das wirtschaftliche Gleichgewicht ver- Ausbruch des Streits traten andere Forderungen hinzu. Schon jezt daß jeder offensichtliche Versuch, zur Nachgiebigkeit zu veranlassen, Loren, nicht so leicht wird es zurückgewonnen. ist in einigen Versammlungen beschlossen worden, mit Forderungen noch weiter sich zu gedulden, die Erregung steigert, die Opposition Dann sind in den letzten Jahren viele tausende vollständig über die Löhne 2c. hervorzutreten. Die Unternehmer haben den herausfordert. Wenn die Führer den Streit provozieren wollten, besitz- und vermögenslofe Bergarbeiter- Familien in das Ruhrrevier Bogen überspannt, mit dem Resultat, daß nun auch auf Abstellung brauchten sie jetzt nur energisch dagegen aufzutreten, die Arbeiter eingewandert. Ein fleiner Koffer, ein paar Bettstücke sind oft der von Mißständen, die sonst noch weiter geduldet worden wären, ge- aufzufordern, auf den Kampf zu verzichten, sofort würde man die ganze Reichtum, den solche Familien mitbringen. Sofort fängt drängt wird. Broden hinwerfen. natürlich die Bumpwirtschaft an. Die im Ruhrrevier wie Pilze aus Außer dem Bestreben, die Schichtzeit zu verlängern, sind Anlässe Unter solchen Umständen muß es Befremden erregen, wenn der Erde geschossenen Abzahlungsgeschäfte und bie ersten zur Unzufriedenheit massenhaft zu konstatieren. Das Lohnminimum Unternehmerblätter, gerade als wollte man die Arbeiter berhöhnen, Schmaroger, die sich solchen Familien anhängen sind sie müssen ist allgemein gesunken. Trog Steigerung der Belegschaften ging der offen erklären: Solange die jetzigen Führer an der Spize stehen, dabei noch als Rettung aus der Not betrachtet werden. Oft Anteil der Gesamtheit an den drei höchsten Lohnklassen bon 1900-1902 gibt es feinen Streit!( Rh.- Westf. 8tg.") Besser kann man die muß der Neuangelegte 5-6 Wochen warten, ehe er Löhnung hat, von 52 Broz. auf 31,7 Broz. Herunter. 1900 gehörten zu den beiden Leute wirklich nicht aufwiegeln, als durch solche Vertrauensdie inzwischen gezahlte sogenannte Abschlagszahlung dient zur Be- höchsten Lohntlassen 41 Proz. aller Belegschaftsmitglieder, 1902 nur noch votums" für die Führer. Ganz gleich, ob Bosheit oder friedigung der Lebensmittel- Lieferanten. Jedenfalls hält es für 17 Proz. Im Jahre 1900 zählte die erste Lohnklasse rund 68 000 Mann, Dummheit bei solchen Stilübungen die geber führt, die Wirkung solche Familie schwer, sich von der Schuldenwirtschaft frei zu machen. 1908 nur noch 24 000 Mann. Das bedeutet ohne Zweifel ein starkes ist dieselbe. Dieselben Blätter, die in folcher Weise ganz unnötig... Die langen Löhnungsfristen find damit zu einem schweren sozialen Heruntergehen des Lohnniveaus. Von Hauern, Familienvätern, weise Stimmung machen, gelten in weiten Kreisen dabei noch als Uebel geworden, fie sind zu einem Faktor geworden, der die Un- werden jezt Lohnbücher präsentiert, die Monatslöhne bis herunter fachverständige und objektive Beurteiler der Verhältnisse. Da braucht zufriedenheit steigern hilft. auf 60 m. nachweisen. Da braucht man nicht mehr nach Gründen man sich wirklich nicht zu wundern, daß die Deffentlichkeit im allder Unzufriedenheit zu suchen. Verzweiflung reizt zur Streifluft. gemeinen und besonders auch solche Stellen, die die Pflicht haben, Wie ernst man es damit nimmt, bezeugt die von den Gewerbe- sich genau zu informieren, der ganzen Bewegung verständnislos treibenden bestätigte Tatsache, daß Bergleute in der letzten Zeit gegenüberstehen und, weil das am bequemften ist, den bösen Hezern außerordentlich vorsichtig im Geldausgeben waren; man spart für und der Begehrlichkeit der Arbeiter die Schuld an den Konflikten Auf der einen Beche find noch Refte des früheren patriarchalischen den Streif. beimessen. Verhältnisses zwischen Vorgesetzten und Knappen vorhanden, auf Die Wurmkrankheit hat weiter in den Kreisen der Bergarbeiter- Man hat die Arbeiter nicht nur scheel angesehen, sie sind jahreanderen Gruben herrscht der Kasernenton, das Herr- im- Hause- Wesen schaft so tiefe Wunden geschlagen, daß man sich wirklich nicht lang mit gepanzerten Fäusten traftiert worden, nun ist das Maß in Reinkultur; hier gehört das Wagennullen zu einer ordnungs- darüber zu wundern braucht, daß die noch nachzitternde Erregung voll, die Empörung muß einen Ableiter haben. gemäßen Betriebseinrichtung, dort wird wenig genullt; auf der einen über die Art, wie Unternehmer und Regierung bisher die AngelegenStelle sind die sanitären Einrichtungen ziemlich gut, auf der anderen heit behandelten, aus Anlaß der jüngsten Vorgänge neue Nahrung ( Privattelegramme des Vorwärts".) Stelle lassen sie viel zu wünschen übrig, und so findet man überall erhielt. Essen, 3. Januar. Die Verwaltung der Zeche„ Bruchstraße" hat Verschiedenheiten. Vielleicht mehr noch als wegen der materiellen Schäden hat eine ausweichende Antwort gegeben. Die Kommission hatte in de Trog der vielen Verschiedenheiten finden sich die Bergarbeiter das Bechenlegen wegen der ideellen Folgen die Unzufriedenheit ge- am 27. Dezember stattgefundenen Belegschaftsversammlung der aber doch mit ihren Klagen zusammen. Das erklärt sich aus der schürt. Es sind gerade die alten Bergbaubezirke, wo der ein Auftrag erhalten, der Verwaltung mitzuteilen, daß man unter feiner Unzufriedenheit über die Veränderung des zur Gewohnheit gewordenen heimische, traditionelle Bergmann Herrscht, welche durch das Zechen Umständen in die angeordnete Schichtverlängerung einwillige. Bi Status. Eine allgemeine Lohnkürzung erregt allgemeine Unzufrieden- legen betroffen werden. Das bedeutet für die Leute ein Losreißen zum 8. Januar wünsche die Kommission Antwort, ob die Verwaltun heit, obwohl ein großer Teil der Betroffenen nach der Lohnkürzung von der Scholle, die sie mit der den Westfalen eigenen Zähigkeit und auf die Schichtverlängerung verzichte. Nun hat die Verwaltung immer noch günstiger gestellt ist als der andere Teil mit dem schon leidenschaftlichen Anhänglichkeit lieben. Materieller Vorteil fann flärt, die Frist zur Beantwortung sei zu furz gewesen. Daraufhi früher niedrigeren Lohne. Nehmen wir an, die Hauer verdienten diesen ideellen Verlust für den alten Bergmann nicht aufheben. Er hatte die Kommission der Verwaltung mitgeteilt, daß sie die Frist durchweg 4,50 m., die Schlepper 3,50 M. Eine Lohnreduktion von läuft eine Stunde weit zur Grube, er verzichtet auf günstigere zur Beantwortung endgültig bis auf den 5. Januar ausdehne. 10 Broz. setzt die Löhne auf 4,05 m. resp. 8,15 M. herab. Der Schlepper Arbeit, nur um seinen Heimatsort nicht verlassen zu müssen. Welche Die Dortmunder Zeitung" bemerkt zu der Nachricht von der ist unzufrieden, ebenso der Hauer, obwohl sein jeziger Lohn Wirkungen da das Bechenlegen hervorruft, kann man sich vorstellen. Beche„ Bruchstraße": den noch weit übersteigt, mit welchen der Schlepper zufrieden war. Hinzu kommt die rigorose Behandlung, über die immer mehr Die hier wirkenden Sträfte find aber auch maßgebend für alle anderen geklagt wird, seitdem durch jüngere Beamte die Umgangsformen des Einzelheiten im Arbeitsverhältnis. Neben bestimmten, für alle Kasernenhofes auf den Zechen Eingang finden. Typisch für das Bergarbeiter gleichwertigen Faktoren gibt es eine Unmenge ver- Verhältnis ist der zu einem Konflikt ausgewachsene Vorgang auf schiedenartiger Verhältnisse, die zur Gewohnheit geworden, selbst Beche Herkules. Dem noch nicht lange amtierenden Betriebsführer bann bei einer Veränderung des Status, Unzufriedenheit erregen, wird eine angebliche Aeußerung eines Vertrauensmannes der Ar wenn durch die Veränderung ein Zustand geschaffen wird, den man beiter überbracht, durch die der Herr sich beleidigt fühlt. Anstatt die Mit dieser Meldung wird bestätigt, daß die Schichtenan anderer Stelle bereits vorfindet. So bemerkt z. B. die Ver- Denunziation vernünftigerweise zu ignorieren oder sich allenfalls mit verlängerung, die man auf einigen Bechen durch allerhand Vor waltung von Zeche Bruchstraße nicht gegen die Wahrheit, daß mit einem Verweise zu begnügen, zieht man nicht einmal Erkundigung spiegelungen erlangt hat, dazu benutzt werden soll, allgemeine Schicht der von ihr angeordneten Ausdehnung der Seilfahrt eine Betriebs- ein, об die Denunziation der Wahrheit entspricht, nein, verlängerungen einzuführen. Es zeigt fich also, daß die Berg. einrichtung geschaffen werde, wie sie auf anderen Gruben in provokatorisch wirkender Weise setzt man den Mann arbeiter mit ihrer Ansicht, es handele sich darum, eine allgemeine bereits bestehe. Die Verwaltung wird dieses Moment auch für die am Tage vor Weihnachten aufs Pflaster. Die Umgehung der Schichtverlängerung durchzusetzen, vollständig recht hatten. Unter Folge als schwerwiegenfte Begründung ihrer Maßnahme ins Feld Kündigungsfrist war nicht nur für den Hinausgeworfenen beleidigend, solchen Umständen wird der Kampf zweifellos unvermeidlich werden. führen. sie ist auch gleichbedeutend mit Verrufserklärung; denn mit solcher Um einer falschen Würdigung der Tatsache vorzubeugen, erscheint Abkehr wird der Mann nirgends Arbeit erhalten. Dazu entbehrte es zweckbienlich, auf dies Moment etwas näher einzugehen. Tat die Maßregel der tatsächlichen materiellen Grundlage. Es ist dem sächlich bestehen auch bei der Seilfahrt geringe Verschiedenheiten, Betriebsführer angeboten worden, einwandsfrei nachzuweisen, daß zum Teil sind sie durch die Gewohnheit angenommen, zum Teil der Denunzierte die angebliche Aeußerung gar nicht getan hat. Troze ist nach den neuesten Mitteilungen bereits unterzeichnet worden. aber auch erst in neuerer Zeit aufgedrängt worden. Die neueren dem weigert sich die Verwaltung kategorisch, die Maßregel ridgängig Amtliche Meldungen über die Bedingungen derselben Veränderungen find erheblich gegenüber den sonst vorhandenen Ver- zu machen. Unter solchen Umständen ist es für die Belegschaft liegen noch nicht vor, auch sind noch keine Nachrichten schiedenheiten. Die Arbeiter haben sich nur gezwungen damit ab Ehrenpflicht, sich mit dem Gemaßregelten solidarisch zu erklären. Darüber eingetroffen, ob die Japaner bereits Port Arthur gefunden, meist find fie dabei betrogen worden. Einmal erweckte Aehnliche Vorgänge, wie diese, spielen fich fast tagtäglich ab. Es besetzt haben. man den Anschein, als ob es fich nur um eine vorübergehende Ein- bleibt nicht immer bei groben Worten, über gleichwertige Taten In Rußland hat man sich nach Kräften bemüht, die richtung handle, die sich aus besonderen Umständen nötig mache, wird massenhaft geklagt. Meldung über den Fall Port Arthurs möglich st lange dann wieder stellte man dafür Vorteile auf der anderen Seite in Aussicht, schließlich wählte man zu solchen Maßnahmen Perioden, wo man in der Lage war, jebe Regung von Unzufriedenheit mit dem Hinauswurf zu beantworten. " " Wir nahmen Beranlassung, bei der Grubenverwaltung anzufragen, ob fie dem Wunsche der Belegschaft zu entsprechen gedente. Es wurde uns die Antwort, es gehe das nicht an. Die bermehrte Belegschaft erfordere eine längere Zeit für die Ein- un Ausförderung der Leute. Auf den benachbarten großen Zechen b stehe schon längst die gleiche Einrichtung." Die Kapitulation Port Arthurs Weitere Klagen betreffen das Wagen- Nullen. Für nicht voll zu verheimlichen. Wie wir gestern bereits mitteilten, geladene Wagen und für Wagen, die relativ viel Steine enthalten, gab man amtlich statt der letzten Telegramme über die wird nicht etwa eine Mindervergütung gezahlt, für solche Wagen Kapitulation nur allerhand Berichte über die Lage in wird nichts gezahlt, sie werden genult. Für die maßgebenden der ersten Hälfte des Monats. Erst am Nachmittage Unter solchen Umständen sette man verschiedentlich Schicht- Mängel fann man aber oft die Bergleute nicht verantwortlich wurde der Fall Port Arthurs durch englische Meldungen verlängerungen durch. Wie sehr sich die Bergarbeiter dagegen machen. Wird z. B. ein Wagen, der mit Stüdtohlen geladen ist, bekannt. Eine amtliche Bestätigung erfolgte nicht! Erst sträuben, lehrten die Vorgänge auf Zeche Oberhausen im Januar v. J. auf dem Transport viel hin- und hergestoßen, rütteln die Kohlen heute hat man sich dazu entschlossen, einige Telegramme Schon damals ging die Anregung über den Streis der direkt Be zusammen; tommt der Wagen zutage, ist er nicht mehr gestrichen Stössels zu veröffentlichen, in denen er den bevorstehenden Fall teiligten hinaus, es hatte sich bereits die Ansicht durchgerungen, es voll und wird genullt. Ist die Kohle start mit Gestein durchfest, Port Arthurs ankündigt, da die Munition vollständig vergelte einem allgemeinen Bestreben nach Berlängerung der Schichtzeit dann ist es dem Bergmann oft gar nicht möglich, reine braucht sei. fich entgegenzustellen. Die Verwaltung erklärte allerdings, daß in Kohle zu liefern. troydem tbird der Wagen genullt. Nach Petersburger Meldungen soll die Nachricht diefem Falle besondere Betriebsverhä'tnisse die Anordnung be- Die Erbitterung über die Nullerei wird noch gesteigert dort einen uiederschmetternden Eindrud gemacht haben. Die zeigte, ins Ungeheure. Am Niederrhein, im lachenez Breffe fucht darin einen Trost zu finden, daß sie erklärt, der der Kriegsschiffe war ein mühevolles Werk, es mußten mehrere Er- genau so gut wie andere Arbeiter. Ruhm der russischen Waffenehre sei gerettet worden. Be- plostonen hervorgerufen werden, um die Vernichtung zu vollenden. Gebiet usw. usw. hat das katholische Unternehmertum den„ christlich" merkenswerter ist, daß die russische Presse mehr oder minder Die„ Sewastopol" zersprang, nachdem sie in Brand geraten war, organisierten Arbeitern die Faust nicht minder brutal ins Gesicht gedeutlich erklärt, daß der Fall Port Arthurs eine Lehre und schlug dann umi. Die Hafeneinfahrt ist durch die gesunkenen schleudert als anderswo. bedeute, die nicht spurlos an dem Lande vorübergehen dürfe. Schiffe gesperrt. Es ist nur noch ein kleines Häuflein völlig erschöpfter Es kamen die Zeiten des Bollwuchers. Und was fich bis da Rußland müsse sich solcher Helden wert zeigen." Was die Mannschaften, die sich ergeben, und nur über eine Wüste verstreuter hin niemand hatte träumen lassen, das wurde Ereignis; katholische Nowoje Wremja" hiermit meint, ist nicht flar ersicht Trümmer fallen den Japanern in die Hände; von den schönen Arbeiter traten innerhalb der Zentrumspartei auf und erhober: in lich. Deutlicher äußert sich die, Russi", die erklärt, daß öffentlichen Bauten in Port Arthur ist nicht einer mehr übrig. großen Versammlungen Protest gegen den Brotwucher ihrer eigenen Rußland sein unerbittliches Schicksal standhaft ertragen müsse. Die letzten Kämpfe um Port Arthur. Führer. In Aachen- Land jagten die katholischen Textilarbeiter ihren Um das zu ermöglichen, müsse jedoch die Regierung ein Petersburg, 3. Januar.( Meldung der Petersburger Telegraphen- bisherigen Vertreter im Reichstage, den Zeitungskaplan Dasbach Bündnis mit dem Volke machen, das Reich müsse die Mög- Agentur.) Ein Telegramm General Stössels an den Kaiser vom weg bis in den äußersten Wahlkreis der politisch toten Eifel. Nur richkeit haben, seine Lage zu beraten, um von neuem 29. Dezember besagt: Gestern vormittag um 10 Uhr sprengten die mit Gewalt und jesuitischen Streichen gelang es den Brust, Giesden Glauben an sich und seine Zukunft zu finden." Nur Japaner die Brustwehr des dritten Forts und eröffneten sodann eine berts, Stegerwald usw., wenn auch nur äußerlich, zum Schweigen unser Volk kann fiegen, nicht die Regierung." Man starke Kanonade auf der ganzen Front, die sich besonders gegen zu bringen. Der Abfall aber wuchs, wie sich bei der Reichstagswahl Zwischenher war die Aufsässigkeit der sieht also, daß die Verfassungsbewegung in Rußland durch das dritte Fort richtete. Gegen 1 hr griffen sie von einem Laufden Fall Port Arthurs einen neuen Ansporn erhalten hat. graben aus die Brustwehr an. Zwei Angriffe wurden zurück fatholischen Bauern und ihr Geschrei nach höchsten Wucherzöllen, Auch in Paris ist der Eindruck des Ereignisses ein geschlagen; aber die Japaner besetzten das Loch, welches die Explosion Grenzsperren und dergleichen bis zum Gipfel gestiegen. gerissen hatte. Gegen 5 Uhr besetzten sie die Brustwehr und Zur nämlichen Zeit entstanden in den christlichen Gewerkschaften gewaltiger. Ein Teil der Presse glaubt, daß nunmehr eine brangen bei Einbruch der Dämmerung in großer Anzahl in das vermittelnde Intervention der neutralen Mächte mehr Aussicht Fort ein. Zwei Bataillone unserer Truppen, die auf den Wällen Konsumvereine, die dem Mittelstand das Dasein erschwerten auf Erfolg haben werde, als vorher. Der Waffenehre fämpften, wurden vernichtet. Abteilungen unserer Truppen zogen und die zu neuen Auseinandersetzungen in der Partei führten. Wie im politischen und wirtschaftlichen Leben, so suchten sich bald sei auf beiden Seiten Genüge geschehen. Beide Mächte hätten sich in die Kasematten zurüd, aber die Japaner stellten vor den durch ihre kolossalen Leistungen die Bewunderung der Welt Eingängen Revolverkanonen auf, so daß es den Verteidigern un nachher die katholischen Arbeiter auch in den Gemeinden Geltung hervorgerufen, so daß sie jetzt dem Friedensbedürfnis Rechnung möglich war, hinauszukommen. Wir machten drei Gegenangriffe, die zu verschaffen. Im Ottober 1902 stimmten in Mülheim a. Nh. tragen fönnten. Der Figaro" äußert die Ansicht, daß jedoch keinen Erfolg hatten; das Fort blieb in den Händen der die gemäß Verabredung sehr zahlreich in der Stadtrats- Wählerder Fall Port Arthurs" für die Entscheidung in Ostasien Japaner. Unsere Verluste, besonders an Offizieren, find bedeutend. versammlung der Zentrumspartei erschienenen katholischen Arbeiter der Fall Port Arthurs für die Entscheidung in Ostasien Die Besatzung gelangte durch die Fenster ins Freie. Nach der einen von dem Wahlausschuß vorgeschlagenen Schlächtermeister nieder feineswegs von großer Bedeutung sei. Er gibt Einnahme diefes Forts find die Japaner Herren des ganzen und setzten als Kandidaten einen Arbeiter an die Stelle. Im OftoDarlegungen des militärischen Mitarbeiters des Berliner Nordostens. Wir werden uns noch einige Tage halten. Die Tageblattes", des aus Ostasien zurückgekehrten Oberst Gädke, Munition ist fast vollständig verschossen. Ich werde Maßnahmen ber 1904 machten es in M.- Gladbach die Arbeiter genau so, indem wieder, in denen dieser der Meinung Ausdruck gibt, daß Ruß- treffen, um in den Straßen Blutvergießen zu vermeiden. Die sie den von der Parteileitung präsentierten Fabrikbesizer durchfallen land fein Gewicht darauf legen werde, zunächst Port Arthur Garnison leidet an Storbut; nur 10 000 Mann der Besaßung find ließen und den Arbeiterfekretär Giesberts aufstellten. In Sieg. zurückzuerobern, sondern daß es seine Angriffe gegen Korea noch übrig, und selbst diese sind krank. Die Generäle Fock und burg hatten schon 1902 fatholische Arbeiter den offiziellen Zentrums kandidaten bei der Stadtverordnetenwahl zwei der ihrigen entgegen richten werde. Die Einnahme von Port Arthur sei nur ein Nititin haben mir heldenhaften Beistand geleistet. seit langer Zeit vorhergesehener 3 wischenfall, der Krieg Agentur.) Der russische Konsul in Tschifu meldet dem Kaiser unter Arbeiterkandidaten ohne weiteres auf ihre Listen. Die Arbeiter aber Petersburg, 3. Januar.( Meldung der Petersburger Telegraphen- gestellt. Im Jahre 1904 nahm die Parteileitung diese beiden werde auf den Schlachtfeldern der Mandschurei entschieden dem gestrigen Datum, daß die Torpedoboote„ Vlasiny"," Serdity" Arbeiterkandidaten ohne weiteres auf ihre Liſten. Die Arbeiter aber werden. Allerdings habe der Marschall Dhama eine Ver- und" Stary" mit Depeschen in Tschifu eingetroffen sind und daß begnügten sich damit nicht und stellten noch weitere zwei Arbeiter stärkung von rund 50 000 Mann aus den Reihen der Belagerungs- Port Arthur kapitulieren müsse. auf, die auch mit großer Mehrheit gegen die offiziellen Zentrumskandidaten gewählt wurden. armée von Port Arthur zu erwarten, allein dadurch werde das Die Siegburger Zentrumsblätter verFriedensschalmeien. numerische Uebergewicht Kuropatkins feineswegs ausgeglichen London, 3. Januar. Der„ Standard“ erfährt von„ autoritativer" weigerten die Aufnahme der Versammlungsanzeigen für die Verwerden. Diese Auffassung Gädkes und des Figaro" beweiſen Seite, der Fall von Port Arthur werde als ein bebutender fammlung der Arbeiter, die ausdrücklich als Versammlung der war. Zentrums Arbeitereine feltsame Sturzsichtigteit. Wie nun, wenn die Schritt zum Friedensschluß angesehen. Eine Vermittelung christlichen Arbeiter einberufen In der Industriestadt EschJapaner bei einem wirklich erfolgreichen Vordringen der tomme zwar nicht in Betracht, da feiner der Kriegführenden fie an- freundlichkeit in der Praxis! Russen nicht nach Korea, sondern nach der Halbinsel nehmen will; aber für Japan wenigstens fei jetzt das Hindernis für weiler bei Aachen stellten die katholischen Arbeiter fürzLiautung zurückweichen würden? Durch den Besit Port eine friedliche Lösung beseitigt. Der große Verlust an Menschen- lich, allerdings ohne Erfolg, dem Zentrum eigene Kandidaten Arthurs wäre der japanischen Armee jede nötige Verbindung leben vor Port Arthur bedinge, daß es jetzt weitergehende Bu- entgegen. Zum Schluß sei noch erinnert an die an dieser Stelle mit dem Mutterlande gegeben, so daß sie sich bei der Halb- geständnisse verlangen werde. Es sei kein Geheimnis mehr, daß wiederholt besprochenen Stämpfe der katholischen Textilarbeiter in insel in uneinnehmbare Stellung verschanzen und dieselbe beide Mächte fondiert worden sind und Japan Port Arthur als Aachen um den Zutritt zum Rathaussaal und um Herabsetzung Hindernis für den Frieden bezeichnete, während Rußland jede ErRolle spielen könnte, die jetzt die Russen bei Mukden gespielt wägung des Friedens zurückwies, so lange es nicht sein Preſtige des Wahlzenfus, der von der zu zwei Dritteln aus Zentrumsleuten haben. Es liegt also auf der Hand, daß Rußland den Krieg durch einen Sieg wiederhergestellt hätte. Die Japaner seien über- bestehenden Stadtverordneten- Bersammlung abgelehnt wurde. nur dann zur Entscheidung bringen könnte, wenn es zeugt, daß sie nunmehr Kuropatkin eine entscheidende Niederlage beiPort Arthur, den festen Stützpunkt der japanischen bringen können. Falls die russische Regierung dies einsehe, dürfte Invasion, zu rüderobern würde. Daran ist aber gar der Friedensschluß näher sein, als man erwarte. nicht zu denken. Viel richtiger beurteilt die Situation der General a. D. Medel, der bekannte Instruktor der japanischen Armee, der sich folgendermaßen äußert: " = Gezwungen durch alle diese Erscheinungen und um sich der andrängenden Sozialdemokratie gegenüber mehr als bisher die Stimmen der katholischen Proletarier zu fapern, ist das Zentrum New Yort, 3. Januar. Eine Depesche der„ N. Y. Tribune" aus freiwillig" dazu übergegangen, in einigen wenigen Städten Aber es hat sich ergeben, Washington von gestern abend meldet: Präsident Roosevelt ist einen Arbeiterkandidaten aufzustellen. durchaus geneigt, seine guten Dienste zur Her- daß für die Partei die Lage dadurch nur noch schlimmer stellung des Friedens im fernen Osten an= wird. In der Stadtverordneten- Versammlung, wo die als„ Arbeiter Mit der Eroberung von Port Arthur haben die Japaner in zuwenden. Rußland und Japan sind vollkommen davon der Mandschurei endgültig festen Fuß gefaßt. Die Liautung Halbinsel ist jetzt ihr unbestrittener Besiz. Die japanische Feld- würde, indessen ist der Präsident durch die seit langem feststehende Politit wollen, geraten sie an allen Ecken und Enden in Streit mit ihren unterrichtet worden, daß er dies mit Freuden tun bertreter" gewählten Leute naturgemäß auch ein wenig leiſten armee hat jetzt einen festen Zufluchtsort im Falle des Unglüdes und eine gesicherte Verbindung mit dem gehindert, Vorschläge zu machen, ehe nicht beide friegführenden Barteien bourgeoisen und mittelständlerischen Fraktionsgenoffen und mit Meer, während sie bisher in Gefahr war, im Falle der Nieder- gleichzeitig an ihn herantreten. Die Regierung nahm heute sich selber, nämlich durch den ewigen Konflikt zwischen dem abend an, daß der Abschluß eines Waffenstill- Partei- und dem Arbeiterinteresse. In Köln wurde vom Zentrum lage in die See geworfen zu werden. Ein wichtiges unschätzbares it an des vor Ende dieser Woche gesichert sei. Im als erster Stadt in Preußen ein Arbeiter- Stadtverordneter, der BuchFaustpfand für fünftigen Frieden ist jetzt in den Händen Japans. biplomatischen Korps herrscht der Eindrud vor, daß Europa zur bruder Rings, gewählt. Der Mann suchte ursprünglich im Rat38 wird den Russen schwer fallen, dieses Land wieder Vermeidung einer etwaigen Störung der bestehenden Eintracht es an sich zu reißen, felbst wenn ihre Feldarmee bei weitem vorziehen würde, daß Washington der Schauplatz der haussaal den Arbeitervertreter zu betonen. Aber bald mußte er unausgefeßt siegreich sein sollte." Nun ist aber gar nicht daran zu denken, daß die russische endgültigen Regelung der Streitigkeiten zwischen Rußland und erkennen, daß er unter seinen Fraktionskollegen weniger als eine Japan wäre. Es wird der Gedanke angeregt, Frankreich könnte die Null iſt. Nach einigen Mühen und mehreren Blamagen hat Armee in der Zukunft siegreich sein werde. Ob wirklich die Mächte sondieren, wenn der Vorschlag für Rußland annehmbar er- der erste ultramontane Arbeitervertreter" in Preußen den Kampf Armee Kuropatkins der Dyamas numerisch so bedeutend über- scheint. eingestellt, und er sagt heute überhaupt nichts mehr, höchstens Ja. Tegen ist, ist noch sehr die Frage, und der Verstärkung New York, 3. Januar.( Meldung des Reuterschen Nimmt das Zentrum auf seine Kandidatenliſten keine Arder russischen Mandschurei- Armee sind, wie wir ja gestern Bureaus") Man glaubt hier, daß die Washingtoner Meldung beitervertreter, so entlaufen ihm die katholischen Proletarier. Erbereits dargelegt haben, ganz bestimmte Grenzen ge- der New Yorker Tribüne" über eine eventuelle Friedensvermittelung füllt es aber deren Begehren und läßt Arbeiter in die Stadtsett. Hingegen können die Streitkräfte der Ja pa ner noch inspiriert sei. Die Mitteilung schließt wie folgt: Wenn Rußganz bedeutend verstärkt werden. Diese lettere Auffassung land auf Träume von Gebietseroberung verzichtet, und sich damit verordneten- Kollegien wählen, so entlaufen ihm die Proletarier er st vertritt auch ein offenbar von sachkundiger Seite geschriebener zum freien Meere zu sichern, so müßte dies den Boden der Ver- beitervertreter" find, die nicht durch das Vertrauen der klassenbegnügt, fich das dauernde Recht auf Zugang für seinen Handel recht, weil sie erkennen, wie macht- und nutzlos diejenigen„ ArArtikel in der, St. Petersburger Zeitung". Der ständigung für die beiden Kriegführenden zum beiderseitigen Nutzen bewußten, der sozialdemokratischen Arbeiter in das Stadtparlament selbe führt aus, daß man erst jetzt in russischen Militärkreisen und zu beiderseitiger Ehre abgeben. hineingewählt werden. einige Klarheit über die Organisation der japanischen Truppen erster Linie und die Zusammensetzung der Aufgebote zweiter Linie erlangt habe. Die Behauptung, daß Japan seine Das Bankett in Petersburg im Saale der Frau Pawlowa militärische Leistungsfähigkeit nahezu erschöpft habe, Berlin, den 3. Januar. am 27. Dezember, am Jahrestage des Aufstandes der Defei unzutreffend. Japan könne die jetzige Armee durch zehn Der Klaffenkampf in der Zentrumspartei. fabristen im Jahre 1825, verlief, wie uns ein Teilnehmer mitJahrgänge brauchbarer Leute im Alter von 27 bis 37 Jahren Das Schwergewicht des Zentrums liegt in der Rhein- teilt, in der größten Begeisterung. 780 Personen hatten m nicht weniger als 400 000 Mann verstärken. Selbst mit provinz. Dort wohnen und werden gewählt seine hervorragendsten Teilnehmerkarten bekommen, es war aber auch noch Publikum iesem Aufgebot waffenfähiger Mannschaft seien die Hülfs. Führer; dort ist der Siz des Voltsvereins für das katholische ohne solche Karten anwesend. Ein Stadtverordneter führte fräfte Japans noch nicht erschöpft. Zurzeit seien zwei Deutschland; dort spielt sich weitaus der wichtigste Teil seines den Vorsiz. Es wurde zunächst über den Krieg gesprochen. Rekrutenjahrgänge in der Heimat zurückgehalten worden, die Parteilebens ab, und dort wird auch der Konflikt des Die Versammlung ehrte sodann das Andenken der Dekabristen für das Landheer je 45 000 und für die Marine je 16500 Mann Bentrums mit den katholischen Arbeitern endgültig durch Aufstehen. Dann wurde von einem Redner vorgeschlagen, start seien, also eine weitere Verstärkung von 123 000 Mann ausgetragen. eine Antwort auf das Zarenmanifest zu geben. Ein Bankettbedeuteten. Die Rekrutenjahrgänge selbst aber könnten teilnehmer rief: Wollen wir verwegen, wollen wir taktlos sein!", was stürmischen Applaus hervorrief. Politische Ueberficht. i am Eine revolutionäre Kundgebung. Die katholischen Arbeiter des Rheinlandes offenbaren seit einiger noch bedeutend erhöht werden, betrage doch werden, betrage doch die Zahl Beit eine neue Bosheit", die in höchstem Maße geeignet ist, dem der Stellungspflichtigen zirka 430 000 Mann. Ebenso Bentrum das ohnedies so saure Leben vollends unerträglich zu 3wei sozialdemokratische Arbeiter legten irrig sei es, wenn man annehme, daß in nächster machen. Sie verlangen vom Zentrum Sie im Rathaussa al. die Forderungen der Sozialdemokratie dar. Ein Sozialist Zeit auf japanischer Seite Mangel an Offizieren Das Zentrum verabscheut den Klassenkampf, und es leugnet dessen Revolutionär forderte die Liberalen auf, weiter nach links zu zur Ausbildung und Führung dieser Truppen eintreten könne. Notwendigkeit. Dabei aber ist das Parteileben des Zentrums nichts als rücken. Er sagte:„ Ich rufe Sie auf zur Revolution!" StürDa der Friedensstamm an jungen Offizieren bei den ver- ein ununterbrochener Versuch, die in der eigenen Partei bestehenden misches Beifallklatschen ward ihm zur Antwort. Die Resoschiedenen Truppengattungen in Japan außerordentlich hoch Gegensäze zwischen den in ihr verbundenen Klassen und Berufen zu lution des Banketts enthielt erstens einen Protest gegen den sei, sei es möglich gewesen, eine hinreichende Anzahl derselben überkleben. Das Band der Religion vereinigt im Zentrum alle Krieg und zweitens die Erklärung, daß nur eine Volksauf die Reserve und Ersatzformationen zu verteilen, ohne das möglichen Stände und Erwerbsgruppen; die wirtschaftlichen, die vertretung den Ausweg aus den Schwierigkeiten weisen kann. dienstliche Interesse der alten Regimenter zu schädigen. Es Klasseninteressen aber treiben diese wieder nach rechts und nach Die Resolution wurde angenommen von Vertretern der freien könne also zur Zeit von keinem wirklichen Mangel links auseinander. Das hat sich niemals deutlicher gezeigt als bei Berufsarten und der Arbeiter." Die Worte:„ und der an Offizieren gesprochen werden. Wie man sieht, den großen Zolltämpfen im Jahre 1902. Die katholischen Landwirte Arbeiter" wurden der ursprünglichen Fassung hinzugefügt auf gelangt man also jezt auch auf russischer Seite zu der Auf- hatten ja auch schon in früheren Jahren der eigenen Partei in der Wunsch der anwesenden Sozialdemokraten und Sozialist- Refassung, daß die Hülfskräfte Japans vollständig ausreichen, robustesten Weise zugesetzt, um ihre agrarischen Interessen zu fördern. volutionäre. Auf ihren Wunsch wurde auch in der Resolution um, wenn nötig, den Krieg no ch Jahre lang fortzusehen. Auch die fabelhaft rücksichtslose Art, wie sie in den beiden letzt ausdrücklich betont, daß das Wahlrecht ein gleiches, gein das verflossenen Jahren dem Zentrum zu Leibe gingen, war nicht dem heimes und direktes sein muß. Wesen, sondern nur dem Grade nach neu. Die Kapitulationsbedingungen. Zotio, 3. Januar.( Meldung des„ Reuterschen Anders die katholischen Arbeiter! Diese standen noch vor wenig Bureaus".) Die Japaner nahmen heute eine Anzahl Forts Jahren, soweit sie nicht den Weg zur Sozialdemokratie gefunden von Port Arthur in Besit. Den russischen Offizieren hatten, zu der ultramontanen Partei etwa in dem nämlichen Verund Beamten ist gestattet, auf Ehrenwort nach Rußland zurück- hältnis wie die Schafherde zum Hirten. Die Parteiführer waren zukehren; die Offiziere behalten das Seitengewehr. die Hirten, und wenn sie etwas anordneten, so gehorchte die Herde Tschifu, 3. Januar.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus".) ohne Widerrede. Als dann die Zahl derer, die sich vom Zentrum Der Befehlshaber des letzten russischen Dampfers, der Port Arthur lossagten, immer stärker anwuchs, da gründeten die Rieper, Julius gestern abend um 8 Uhr verließ, berichtet, daß die Uebergabe- Bachem, Trimborn usw. ihre christlichen Gewerkvereine, um den Berhandlungen um diese Zeit noch im Gange waren. Der Vorschlag Zustrom zu den freien Gewerkschaften aufzuhalten. Bald zeigte des Generals Stössel, daß die russischen Verwundeten unter der sich, daß diese Gründungen nicht geeignet waren, dem Zentrum erhofften Aufsicht der russischen Aerzte verbleiben dürfen, und ein anderer die Dienste Als zu leisten. die christlichen" Vorschlag bezüglich der Fortschaffung der Nichtkämpfer seien an Organisationen einmal da waren, mußten sie, um am Leben zu genommen worden, hingegen habe man sich über den Vorschlag, bleiben, etwas leisten, und so saben wir bald die neuen Verbände daß die Russen unter Waffen abmarschieren dürfen, noch nicht ge- in heftigsten Kämpfen mit dem christlichen", insbesondere dem einigt gehabt. Der Offizier berichtet weiter: Die letzten beiden Tage katholischen Unternehmertum. Katholische Unternehmer und Handist kein Schuß gefeuert worden. Der Pulverlärm, der vernommen werksmeister maßregelten unbequeme christliche Gewerkschafter und wurde, rührte davon her, daß die Russen die Forts, Schiffe ultramontane Richter verknurrten ihre proletarischen Glaubens- und Lagerhäuser und die Docks in die Luft sprengten. Die Zerstörung Barteigenossen wegen Streitvergehen und verwandter Straftaten " " Deutfches Reich. Ueberzeugung, sondern vor allem auch nach der Ueberzeugung unferer Der sozialdemokratische Preußentag ist nicht nur nach unserer politischen Widersacher vortrefflich verlaufen. Diese politischen Widerfacher schimpfen nämlich nach allen Regeln ihrer Kunst gegen die erschrecklichen Vorgänge des preußischen Parteitags. Ein weiteres Beispiel zu den früheren bietet der Reichsbote", der also wettert: Die Hauptsache bildet die Debatte über die Schule, die Landtagswahl und die Wohnungsfrage. Hier aber hat sich die Sozialdemokratie in ihrem ganzen revolutionären Radikalismus gezeigt. Ihre Kundgebung über die Ausmerzung des Christentums aus der Schule und Volkserziehung, über den preußischen Staat als einen Raubstaat und über die Erregung von Volksaufständen, Straßenrevolten, um das Volk für die Revolution einzuegerzieren und auf Regierung und Bürgertum Schreden auszuüben und Konflikte zu erregen, zeigen deutlich genug, was die Sozialdemokratie für Staat und Gesellschaft bedeutet. Dieser Antrag auf die Erregung von Straßenaufständen ging gerade vox >«m Revksionkflen Bernstein aus, der dadurch wieder einmal seine revolutionäre Gesinnung dokumentieren wollte; er fand aber bei den Klügeren keinen Beifall!, weil sie sich von solchen Aufständen, die bald unterdrückt würden, keinen Erfolg versprechen, sie wollen jedoch auch Volksaufstände, aber nur erst nach längerer Vor- bereitung und dann in großem Maßstabe, also eine große Rc- volution. Dr. Liebknecht ist aber des jetzigen trockenen Tones der Taktik satt, er spottet über den Scheinerfolg von 25 Volksversammlungen am 1. Mai. Auch er will revolutionäre Taten sehen; aber das Volk soll sie machen und sich dabei zu Krüppeln schießen lassen. Das Beste, was das deutsche Volk hat, sein Christentum zerstören, den Staat beschimpfen und ihm und dem Bürgertum die Revolution ankündigen— um den Zukunftsstaat, der ein Sklavenstaat ist, ohne Eigentum und Freiheit für den Bürger, weil alles verstaatlicht wird, an seine Stelle zu setzen— das dürste denn doch auch den schlaf mützig st en Bürger aus seiner politischen Gleichgültigkeit gegen die Sozialdemokratie aufrütteln. Auch die Arbeiter hätten allen Anlaß, sich aufs neue zu fragen: wo sind die Vorteile, welche uns die Sozialdemokratie gebracht hat? Alle Arbeiterschutzgesetze sind gegen ihre Opposition eingeführt worden; sie haben opponiert und haben d>e Ver- sicherungsgelder als Bettelpfennige verspottet. Aber die Arbeiter wissen, welchen Schatz sie in der Kranken-, Unfall-, Alters- und Invalidenversicherung besitzen, der Z u k u n f t s st a a t würde diese Wohltaten zerstören und auf den Trümmern des revolutionär zerstörren Staates würden sie ohne Arbeit, ohne Ver- dienst, hungernd ihre Verblendung beklagen können, mit der sie den Lockungen der Sozialdemokratie gefolgt sind, und Freiheit und Eigentum in dem Sklavenstaat verloren haben." Das wirre Geschmäh beweist lediglich, wie schwer das„NeichSboten"- Völkchen durch den Preußentag getroffen ist. In ihrer Verwirrung wissen diese Leute nichts Besseres, als allerlei tausendfach als wirkungslos erwiesene Torheiten von Revolution und Zukunftsstaat zu wiederholen. Gewiß wird der Preußentag viele schlafmützige Menschen aus der politischen Gleichgültigkeit aufrütteln, aber aller- dings in ganz anderem Sinne als der frumbe„Reichsbote" zu hoffen vorgibt. Er wird aufrütteln vor allem gegen das widerwärtige Schein-„Christentum" der„Reichsboten"-Art, das die scheußlichsten Laster beschönigt, die arbeitenden Klassen der widerchristlichsten Aus- mitzung preisgibt und die Jugend des Volkes um die Möglichkeiten der geistigen EntWickelung betrügt.— Der Eheirrimgs-Pfarrer Lissek in Groß-Chelm bei Myslowitz, von dem wir jüngst erzählten, hatte noch kürzlich die Stirn, den Zeitungen, welche sich mit seinen Ehrlosigkeiten beschäftigten, mit dem Staatsanwalt zu drohen. Mittlerweile aber ist die Kirchen- behörde denn doch endlich eingeschritten, das Breslaner fürstbischöfliche Konsistorium hat den ungetreuen Hirten zunächst von seiner» Amte suspendiert. Mit Recht erinnert die Breslauer„Volkswacht" daran, daß die Kirchenbehörde über einen Monat lang auf die öffentlich erhobenen Klagen gegen Lissek schwieg. Die Kirchenbehörde wußte wochenlang von dem Skandal. Der Ehegatte der verführten Frau war wiederholt persönlich beim Fürstbischof in Breslau und forderte die Versetzung des Verführers und Beleidigers. Und trotz allcdeni betete, beichtete, predigte der heuchlerische Seelenhirt ruhig weiter! Erst als sich die sozialdemokratische„Volkswacht" des öffentlichen Skandals annahm, ließ man den Mann fallen. Hätte sie das nicht getan, so säße noch heute der Pfarrer mit seinen Beichtkindern im Beichtstuhl, predigte er noch heute auf der Kanzel und im Krieger- verein von christlicher Nächstenliebe und— gegen die Sozial- demokratie.— Schwerster Verlust? In der„Täglichen Rundschau" wird mit- geteilt: „Wie wir hören, ist am 1. Januar mit einer einzigen Aus- nähme sämtlichen Redakteuren der Zeitung„Die Post" gekündigt worden. Es scheint die Verschmelzung des Blattes mit einer anderen Berliner Zeitung geplant zu fem. Wir hoffen zuversichtlich, daß sich die Nachricht als falsch erweist. Wäre sie richtig, so droht doppeltes schweres Mißgeschick. Was soll aus der Sozialdemokratie werden, wenn die„Post" nicht mehr die Stummsche Tradition verttitt und die tägliche Scharfmachertollheit gegen unsere Partei losläßt? Was soll aber auch aus den be- dauernswerten Redakteuren werden, die im Eselsdienst der„Post" für jede brauchbare Journalistik verdorben sind? Seit dem Königs- berger Mißgeschick hat nicht einmal die politische Polizei Ver- Wendung.— In das Herrenhaus berufen ist der Rittergutsbesitzer, Rittmeister der Reserve, Dr. Werner v. Q u i st o r p ans Crenzow in» Kreise Greisswald, durch allerhöchsten Erlaß von, 14. Dezember v. I. auf Präsentation des alten und des befestigten Grundbesitzes in dem Landschaftsbczirke Neuvorpommern und Rügen an Stelle des am 2. April 1904 ver- storbenen Kammerherrn und Majoratsbesitzers v. Voß-Wolffradt zu Lüssow bei Gützkow. Der Nenberufene gehörte bisher dem Hause der Abgeordneten an als Vertreter des Wahlbezirks Stralsund, und es erlischt nunmehr dieses Mandat infolge seiner Berufung in das Herrenhans. Das offiziöse Telegraphenburean verbreitet mit Fug und Recht dergleichen Berufungen in das preußische Haus der Herren. Es ist gut, daß den preußischen Staatsbürgern in jedem einzelnen Falle eingeschärft wird, wie die gesetzgebende Körperschaft Preußens zu- sammengesetzt wird. Eine winzige Zahl feudaler Herren des„alten »md befestigten Grundbesitzes" schlägt vor und der König beruft die Vorgeschlagenen in die—„Volks"vertretung. Die Menge der Staatsbürger sieht nichts und weiß nichts von dieser Schaffung neuer Gesetzgeber, aber sie muß sich der politischen Weisheit dieser Herr- schaften löblich unterwerfen.— Nuiform- Jntcruationale. In einem heeresbegeisterten Blatte wird die Stellung des deutschen Kaisers zu den Armeen anderer Völker dargelegt:„König Alfons hat deir deutschen Kaiser zum Ehren-Generalkapitän der spanischen Armee ernannt. Bei dieser Gelegenheit dürste eine Zusammenstellung der Ehrenstellen des Kaisers in den Heeren nicht uninteressant sein. Der deutsche Kaiser steht zu den Armeen acht ausländischer Monarchien in engster Verbindung und zwar als F e l d m a r s ch a l l zu der Oesterreich-Ungarischen und Britischen. Generalkapitün ist er in der Armee Spaniens geworden, während er als A d m i r a l in fünf ausländischen Marine-Verbändcn auftritt. Schweden, Norwegen, England, Rußland, Dänemark führen den deutschen Kaiser als Admiral, Siebenmal begegnet uns Wilhelm II. als Chef- Inhaber nicht- deutscher Truppenteile. Im Zarenreiche gc« hören ihm drei, in Oesterreich zwei, in Portugal und Spanien je ein Regiment. Von den deutschen Ncgimenrern haben 13 die Ehre, den Kaiser ihren Chef nennen zu dürfen. Es sind dies sieben preußische, zwei bayerische, ein württcmbergisches, ein sächsisches, ein badisches und ein hessisches Regiment. Außerdem ist der Kaiser Chef der deutschen Marine. Im ganzen bekleidet Wilhelm II. 36 militärische Ehren st ellen. Da jede der Ehrenstellen eine besondere Uniform erheischt, die in zwei oder drei Exemplaren vorrätig gehalten wird, so ergibt sich, wenn man Helme, Degen, Schärpen usw. noch hinzurechnet, eine ganz ansehnliche Summe kaiserlicher Unisormstücke. Die Verwaltung der kaiserlichen Uniformen untersteht einem Offizier, der auch bei Reisen des Monarchen für richtige und vollständige Packung der be- nötigten Uniformstücke verantwortlich ist."— Hammersteins Rachlast. Für den nächsten Monat wird die Publikation von Aufzeichnungen und Briefen des verstorbenen „Kreuz- Zeitungs"- Hammerstein angekündigt. Die eigenen Auf- Zeichnungen des laugjährigen Führers der Konservativen sollen hauptsächlich seinen eigenen Strafprozeß betreffen, unter den Briefen sollen sich interessante Beiträge zu Vorgängen der letzten Jahr- zehnte finden, wie zu dein Tode Königs Ludwig von Bayern uzd der Entlassung Puttkamers durch Kaiser Friedrich.— Bestrafter Kontraktbruch. Aus Halle berichtet man uns mtterm 2. Januar: Wie die Agrarier die Bestraftma des„Kontrakt- bruchS" wünschen, ergab eine vor der Strafkammer stattgehabte Verhandlung gegen den Amtsvorsteher und Domänenpächter Robert Glöckner von Priorau bei Bitterfeld, der wegen Körperverletzung im Amte angeklagt war. Eines Tages beschwerte sich der Knecht Karl Lippert bei dem Amtsvorsteher' über den Gutsbesitzer Preußer, der dem Knecht weder Lohn noch seine Eutlassungspapiere geben wollte. Der Amtsvorsteher nahm seinen Krückstock, ging mit dem Knecht zu Preußer, und als dieser selbstverständlich sagte, der Knecht habe unbotmäßig gehandelt, wurde letzterer abgeschüttelt,„Schweinigel" genannt und dann von dem Aintsvorsteher mit dem Knüppel verprügelt. Der Knecht verspürte mehrere Tage Schmerzen und brachte die Lynchjustiz zur Anzeige. Der Staatsanwalt sagte, der Amtsvorsteher habe sich hin- reißen lassen und beantragte 30 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte demgemäß. Was hätte der Knecht bekommen, wenn er sich hätte„hin- reißen" lassen.— Eine Ehrrnkränkung der„nationalen" Ochsen. Vom Main wird uns geschrieben: Am 1. Januar haben die mitteldeutschen Vieh- Händler in Frankfurt getagt und u. a. eine Viehversicherung begründet. Dabei wurde nach folgenden Grundsätzen verfahren; die Prämien betragen für Kühe und Bullen 4 M, für Rinder, Stiere und Otbsen 3 M., für österreichische Ochsen,„bei denen (wörtlich I) Krankheiten nnr selten vorkommen"(!!!) 2 M.— Das ist ein von Sachkundigen geführter Schlag gegen die Agrarier und eine Ehrenkränkung der„nationalen" Ochsen, wie sie schlimmer nicht gedacht werden kann.— Ucbcr den Abg. Gröber berichtet die„Köln. Volksztg.": Die etatsmäßige Beförderung des Landgerichtsrats Gröber in Heilbron» in ein höher dotiertes Staatsamt ist für die nächste Zeit zu erivarten, so daß noch in diesem Jahre im 15. ivllrtteinbergischen Wahlkreis (Blaubeuren-Ehingen) für den Reichstag und>m Oberamtsbezirk Riedlingen für den württembcrgischeu Landtag Neuwahlen be- vorstehen würden. Der Reichstags-Wahlkreis gehört dem Zentrum seit 1881.— Hueland. Vergewaltigung der Preßfreiheit in Japan. Wie die„Deutsche Japan-Post" meldet, ist das s o z i a> l i st i s ch e Blatt„Heimin S k i m b u n" im November vorigen Jahres von der japanischen Regierung unterdrückt worden, weil das Blatt einen Artikel habe veröffentlichen wollen, der„die Heiligkeit des kaiserlichen Haushaltes verletzte und das konstittitionelle System störte". Es wurde nicht nur die Fortführung des Blattes verboten, sondern es wurden sogar die Maschinen konfisziert, außerdem wurde der Heraus- geber und Drucker(!) zu fünf Monaten schwerem Gc- fnngnis und zu 50 Jen Geldstrafe verurteilt. Zu gleicher Zeit wurde ein sozialistischer Verein in Tokio verboten. Die Japaner waren bisher bemüht, im Auslande die Sympathien der fortschrittlichen Efenente dadurch zu gewinnen, daß sie darauf hinwiesen, daß Japan gegenüber Rußland den Staat von höherer Kultur und größerer politischer Freiheit darstelle. Das rigorose Vorgehen der japanischen Regierung gegen die sozialistische japanische Presse und Partei beweist je- doch, daß auch in Japan die Opposition, nainentlich die sozia- listische, in ebenso skandalöser Weise verfolgt wird, wie in R u ß la n d. Japan hat sich durch diese Aktion wahrlich kein Ruhmesblatt erworben! Es stellt ja dem Sozialismus in Japan ein ehrendes Zeugnis aus, daß er von der Regierung als achtunggebietend genug gehalten wird, in derartiger ge- häfsiger Weise bekänipft zu werden. Die Regierung eines wirklich zivilisierten Landes sollte sich jedoch schämen, einer Partei, die lediglich mit den Mitteln der A u f k l ä r u n g kämpft, mit der brutalen Gewalt des Polizei- b ü t t e l s entgegenzutreten. Allerdings zweifelte ja kein Sozialist daran, daß Japan trotz seiner Fortschritte, die es auf dem Gebiete der kapitalistischen Technik gemacht hat, weit da- von entfernt sei, als wahrhaft freier Staat gelten zu können. Es ist vielmehr selbstverständlich, daß Japan genau dieselbe politische Entwickelung durchmachen wird, wie alle übrigen kapitalistischen Länder und daß es auch in S o z i a l i st e n- bekämpsunghinterdeneuropäischenStaaten nicht zurückstehen wird. Die Zustände, wie sie sich in der schmählichen Unterdrückung der sozialistischen Propaganda geäußert haben, beweisen schließlich auch, wie recht vom s o z i a l i sti s ch e n Standpunkte aus unsere j a p a- nischeu Genossen hatten, daß sie den Krieg gegen Rußland mit aller Energie bekämpften und stets darauf hinwiesen, daß die politischen und wirtschaftlichen Vorteile eines Sieges über die Russen nicht dem Volke. sondern nur den herrschenden kapitalistischen Klassen zugute kommen würden!— Die Semstwo- Bewegung. Die Versammlung des Gouvernement- Semstwo in Peters- bürg wurde am 28. Dezember eröffnet mit einer Rede des Vor- sitzenden der Uprawa(des geschäftsführenden Ausschusses) Markow (des einen von den zwei Braven, die sich geweigert hatten, die Resolution der Semstwo-Konferenz zu unterzeichnen). Markow pries die vom Zaren augekündigten Reformen in einem Tone, als ob all die schönen Versprechnngeu bereits zu Taten geworden seien, und schlug vor, zu Ehren der Geburt des Thronfolgers, der„als Ver- künder großer Reformen auf der Welt erschienen ist— um dieses für jedes russische Herz freudenvolle Ereignis zu feiern", einen Fonds von 10 000 Rubel namens des Thronfolgers Alexis zu gründen für die Bildung der Kinder der im Semstwo angestellten Personen. Die Versammlung nahm diesen Antrag an, ohne daß von irgend einer Seite der Versuch gemacht worden wäre, die politische Situation in Rußland unter einem höheren Gesichtspunkte zu beleuchten. Das Publikum, das sich in Erwartung großer Ereignisse in großer Anzahl angesammelt hatte, zog enttäuscht wieder von bannen. Dann schritt die Versammlung zur Erledigung einer Reihe ge- schäftlicher Vorlagen. Unter anderem kam auch eine Vorlage„be- treffend die Erhöhung der Verantwortung für das eigenmächtige Fällen fremden Waldes" zur Verhandlung. Die Vorlage wünscht, daß dieser Frevel fürderhin nicht mehr bloß als eigenmächttges Holz- fällen, sondern als Diebstahl bestraft werde. Vergeblich erhob ein Teil der Versammlung energischen Widerspruch gegen diese Vorlage, vergeblich wurde darauf hingewieseu, daß das Hoizfällen meistens aus bitterster Not geschehe und daß die Verschärfting der Strafe dafür doch gar nichts helfen werde— die Vorlage wurde doch, wenn auch mit geringerMajorität<18gegen IlZStimmen) angenommen. So beging das Semstwo der russischen Hauptstadt den Tag, an dem von ihm die Forderung einer Verfassung erhofft wurde. Am nächsten Tage wurde allerdings von den Vertretern der Mnorität in Sachen der Holzfällangelegenheit durchgesetzt, daß diese Sache noch einmal beraten werden wird— es hatte sich näm- lich herausgestellt, daß ein Teil der Semstwo-Mitglieder den Saal vor der Verhandlung dieser Frage in der irrtümlichen Meinung ver- lassen hatten, die Sitzung sei schon aus. Dafür kam es an diesem Tage wieder zu äußerst lebhaften Debatten über die Notwendigkeit, die Sommerfrischler in der Nähe von Petersburg gegen die über- mäßigen Forderungen der Droschkenkutscher zu schützen. Diese „brennende Frage", wie sie ein Senstwo-Mitglied nannte, wurde durch Slnnahme obligatorischer Bestimmungen für die Droschkenkutscher gelöst. In der Semstwo-Sitznng in I a r o s l a w am 24. Dezember ist es nicht weniger kläglich zugegangen. Bei Verhandlungen über den BildunaSzensuS für Semstwo-Agronomen hielt Fürst D. Schachowski eine Rede, in der er ausführte, die Agronomen, die aus den wenigen landwirtschaftlichen Hochschulen Rußlands hervorgehen, verließen diese zumeist als gebrochene, zur prakttschen Tätigkeit unbrauchbare Menschen. Doch nicht etwa durch eine Reform dieser Hochschule könne Abhülfe geschaffen werden, sondern nur durch eine fundamentale Umwandlung der gesamten politischen Zustände Rußlands. Als der Fürst sich noch deutlicher aussprach und seine Rede stürmischen Bei- fall seitens des Publikums hervorrief, entfernte der Vorsitzende dieses letztere und auch die Preßvertreter aus dem Saale und in nichtöffentlicher Sitzung wurde beschlossen, den Nahmen des von der Administratton erlaubten Programms nicht zu überschreiten. Das am 27. Dezember in Kasan zusanunengclretene Semstwo wählte eine Kominission, die einen Vorschlag darüber ausarbeiten will, in welcher Weife zu der Ankündigung von Reformen seitens der Regierung Stellung zu nehmen ist. Das Moskauer Semstwo, das am 26. Dezember eine Adresse an den Zaren zugunsten einer Neuumwandlung der politischen Ver- Hältnisse angenommen hatte, hatte leider zugleich auch den byzantini- scheu Beschluß gefaßt, zu Ehren der Geburt des Thronfolgers 300 000 Rubel unter der Bezeichnung„Fonds namens des Thron- solgcrs Alexis Nikolajewitsch" für Schillbauten zu stiften. Am nächsten Tag brach die Semstwo-Bersammluna ihre Session ab mit der Begründung, daß sie infolge der soeben veröffentlichten Regierungs- bekanntmachung(die radikale Semstivo-Beschlüsse mit Bestrafung der Versammlungsleiter bedrohte) nicht die nötige Ruhe für weitere Ver- Handlungen habe. Es scheint damit eine Protestkundgebung gegen den Regierungsakt bezweckt gewesen zu sein. In scharfer Form hat auch das Semstwo in Tschernigow Protest erhoben gegen die Randschrift des Zaren auf die Adresse dieses Semstwo, in der er sie als taktlos und ver- wegen bezeichnet hatte. In der Versammlung, die auf die Bekannt- niachung dieser Randschrist folgte, erklärten zunächst 30 Semstwo- Mitglieder, ihr Amt mederzulegen, und verließen sofort den Saal. Die anderen Mitglieder drückten ihr Bedauern aus, daß sie kraft ihres Amtes in der Versammlung verbleiben müssen und sich den fortgegangenen Kollegen nicht anschließen können. Sämtliche Distrikts- Adelsmarschälle erklärten auch, durch ihr Amt gezwungen zu sein, in der Versammlung zu verweilen. Schließlich legten der Vorsitzende und die Mitglieder der Gouvernement- Uprawa(außer einem) ihr Mandat als Semstwo-Mitglieder nieder und erklärten, im Amt nur bleiben zu wollen, bis sie durch Neugcwählte ersetzt würden. Da in dieser Sitzung sowie an den nächstfolgenden Tagen die Zahl der anwesenden Mitglieder eine ungenügende war, mußte die Session offiziell geschlossen werden. Zu einem Protest in ähnlicher Form kam eS in der Sitzung des Goilvernentent-Semstwo in S m o l e n s k. In zwei Kommissionen wurde der Entwurf einer Adresse an den Zaren über die polittsche Lage Rtißlands ausgearbeitet. Der Vorsitzende der Versammlung setzte jedoch auf Befehl von oben die Verhandlungen über diesen Enttvurf von der Tagesordnung ab. 20 Mitglieder der beiden Kommissionen und sämtliche Delegierte des Distriktes Doragobusch erklärten darauf, der Semstwo-Versammluitg nicht mehr beiwohnen zu können, und verließen sofort den Saal. Die Tagung einer Reihe von Semstwo-Bersammlungen wird erst nach dein russischen Neujahr beginnen. Es wird erwartet, daß eure Reihe derselben unter Hinweis auf die Unzulänglichkeit der im Ministerkomitee gepflogenen Reformverhandlungen den Wunsch nach einer Verfassung aussprechen werden.— Oesterreich-Ungarn. Die letzte Sitzung des ungarischen Abgeordnetenhauses. Budapest, 3. Januar. Abgeordnetenhaus. Vizepräsident Feilitzsch verliest eine Zuschrift des Ministerpräsidenten, in welcher die Ab- geordneten zur Verlesung der Thronrede, mit welcher der Reichstag geschlossen wird, für morgen in die Burg berufen werden. Franz K o s s u t h erklärt, der Ministerpräsident habe unrecht gehandelt, indem er dem König den Rat zur Auflösung des Reichs- t a g e s erteilt habe, da die Auflösung in weiten Kreisen st a r k e Bedenken wegen der kon st itution eilen Zulässigkeit erregt habe. Ministerpräsident Graf T i s z a führt aus, er müsse inmitten der herrschenden Erregung dem Vorredner danken, daß er die Verantwortlichkeit gegen die Regierung geltend gemacht habe, ohne die Krone in die Debatte zu ziehen. Redner ersucht die Abgeordneten, sie mögen sich nicht hinreißen lassen, und mit dem Grundsatz der ministeriellen Verantlvortlichkeit in Gegensatz geraten, sowie in Widerspruch mit der Nation, welche von Ehrfurcht gegen den König erfüllt sei; es gebe keine antidynastische Partei in Ungarn.(Zwischenrufe auf der äußersten Linken: Sie werden eine solche durch Ihre Wirksamkeit ins Leben rufen.) Der Ministerpräsident fährt fort: Sie können diese Tat- fache durch die Allüren von Operetten- Revolutionären nicht verdunkeln. Er erklärt, daß die Auflösung des Reichstags ver- f a s s u n g s m ä ß i g und unanfechtbar'das geeignetste Mittel zur Lösung der Krise gewesen sei. Graf A p p o n y i erklärt, daß infolge des Attentats vom 10. November vorigen Jahres die Regierung und das Präsidium das Recht ver- wirkt hätten, Indemnität zu verlangen. Er protestiert gegen die A u f l ö s u n g desReichstags als berfassungS- widrig. Während der hierauf folgenden Rede des Justizministers Dr. P l o ß werden unartikulierte Laute hörbar und es ent- steht eine große Unruhe, worauf der Justizminister erklärt, inmitten des Tumults nicht reden zu können, und sich wieder setzt. Baron B a n f f y ergreift hierauf das Wort, worauf die liberale Partei sowie die Minister den Saal verlassen. Es ent- steht große Unruhe, und der Präsident suspendiert die Sitzung. Viccpräsideut Feilitzsch gibt nach Wiederaufnahme der Sitzung einen Rückblick über die Tätigkeit des Reichstages in der abgelaufenen Periode und wird von unaufhörlichen Pfuirufen und Ausrufen der Entrüstung seitens einiger oppositionellen Abgeordneten unterbrochen. Alsdann ivird inmitten großer Erregung die letzte Sitzung des Reichstags geschlossen.— Dänemark. Verurteilt wegen Beleidigung des Zaren und des dänischen Prinzen Harald wurde am Sonnabend vom Kriminalgericht zu Kopenhagen der Redakteur Emil Opffer zu zwei Monaten Gefängnis. Die Zarenbeleidigung wurde in drei Artikeln des Mittagsblattes „Klokken 12" entdeckt, die sich auf den Amtsantritt des neuen finn- ländischen Geueralgouvernenrs und die Ermordung Bobrikoffs be- zogen. Die Prinzenbeleidigung soll der Verurteilte in einer Reihe. von Artikeln über die Skandalgeschichte der Frau des dänischen Obersten Munth e begangen haben. Diese Dame hatte bekanntlich einen mit der Unterschrist des Prinzen Harald ver- sehenen Wechsel auf 20 000 Kronen einzulösen ver- sucht, der dann für gefälscht erklärt wurde. Die Dame selbst wurde in eine Irrenanstalt gebracht; sie soll sich aber, wie vor einigen Tagen gemeldet wurde, jetzt nach Hamburg begeben haben. Opffer hat in seinem Blatt behauptet, Prinz Harald habe in einem Liebesverhältnis zu Frau Munthe ge- standen; auch sei es nicht wahr, daß der Wechsel gefälscht iv a r. Außerdem stützt sich die Verurteilung auf einen im Feuilleton veröffentlichten Roman„Der König auf Liebeswegen". worin ähn- liche Verhältnisse und Vorgänge geschildert werden.— Eine allgemeine Ministcrlrisis scheint jetzt unausbleiblich. Der Kriegsminister Madsen hat sein Abschiedsgesuch damit begründet, daß Meinungsverschiedenheiten in der Mikitär- frage zwischen ihm und dem M a r i n e m i n i st e r 'Jöhnke entstanden seien. Er stellt also das Ministerium vor die Wahl zwischen ihm und Jöhnke. Wird der Marineministcr genötigt Kl demissionieren, so werden wohl auch die beiden anderen freiheitlich ge- sinnten Mitglieder des Ministeriums: der Präsident und Minister des Aeußercn, D e u n tz e r und der Finanzminister Hage nicht mehr bleiben können. Fällt aber Madsen, der es ja offenbar auf eine Sprengung des ganzen Ministeriums abgesehen hat, so wird wohl mindestens sein nicht weniger reaktionärer Kollege Alb erti, der Agitator der Prügelstrafe und Neubeleber der Theaterzensur, mit in die Versenkung gezogen. Der Kampf zwischen Madsen und Iöhnke ist gewissermaßen ein Kampf um die Befestigung Kopenhagens und um daS Programm der Linken- Partei, die von jeher gegen den Militarismus und gegen die verfassmigswidrig zustandegekommene und nicht weniger verfassungS- widrig vonMadseu vervollkommnete Befestigung derHauptstadtgeknmpst hat. Der Marineminister, und überhaupt in Marinekreisen siehtman dieses kostspielige Werk als unbrauchbar und sogar als schädlich für die Landesverteidigung an. Offenbar ist aber diese Frage nicht für das Abschiedsgesuch Madsens ausschlaggebend gewesen, vielmehr muß man annehmen, daß zugnterletzt der Neutralitätsbruch die Krise heraufbeschworen hat. In dieser Sache hat übrigens am Freitag das»Dansk Rekylriffel- Syndikat" eine offizielle Erklärung erlassen, die aber ganz nichtssagend ist. Darin wird nur behauptet, daß eine am Tage zuvor in der Zeitung„Klolken 12" erschienene Notiz, das Syndikat habe ein russisches Probegewehr in Empfang genommen. unwahr sei. An„Social-Demokratens" Behauptungen aber wagt man nicht zu rütteln. Im Justizministerium ist, wie berichtet wird, die Frage erwogen, ob man nrcht gegen„Social-Demokraten" öffentliche Anklage erheben solle. Der Plan wurde aber, jedenfalls aus Furcht vor dem Beweismaterial unseres Bruder- organs, fallen gelassen.— Rußland. Der Kampf um die Verfassung Finnlands. Am letzten Tage des alten Jahres haben die vier Stände des finnländischen Landtages eine Petition an den Zaren, die Wiedereinführung der verfassungsmäßigen Staatsordnung betteffend. beschlossen. ES handelt sich hier um einen K�mpromißvorschlag, der in dem zur Prüfung der verschiedenen Vo sch ige gewählle» Aus- schuß zustande gekommen ist. In dem Vorsah. age wird darauf hin- gewiesen, wie wichtig es ist, daß die sgesetzwidrige) Aushebung der Wehrpflichtigen sofort eingestellt und die Berordiuing vom 2. April 1903 samt den nachfolgenden Bestimmungen aufgehoben wird, und dann der Zar ersucht, die zur Wiedereinführung der versassungs- .aätzigen Regierungsform und gesetzliche» Ordnung in Finnland not- wendigen Maßregeln zu treffen. Ferner haben die Stände beschlossen, die jetzt geltenden Be- stimmUngeir über die Branntweinsteuer und die Abgaben auf Malz- getränke. Spielkarten und Stempel auf S Monate zu verlängern.— Amerika. Tos Schatzamt berichtet über Einnahmen im Jahre 190-1 »n Betrage von 540 000 000 Dollar, denen 612 000 000 Dollar Ausgaben gegenüberstehen: das ergiebt ein Defizit von 72 000 000, welches die Ausgaben für den Panama-Kanal. die 50 000 000 betrugen, einschließt. Will man eine der Re- gierung günstige Rechnung aufstellen, so kann man darauf hin- weisen, daß die 22 000 000 Dollar, die sich als unheimliches Defizit nicht wegleugnen lassen, immer noch einen Fortschritt bedeuten, denn das Defizit von 1902 war um 3 000 000 Dollar größer.—»_ GewcrhlcbaftUcbca. Lehrli»gS-„Fürsorge". Der neue Lehrlingsverein hat bekanntlich das besondere Mißfallen der zünftigen Zunftmeister und industriellen Scharf- n, acher erregt. Ist es ihnen schon ein Dorn im Auge, daß sie nicht die absolute Verfügungsgewalt über Gesellen und er- tvachsene Arbeiter besitzen, so wollen sie sich dieses„Recht" den Lehrlingen gegenüber doch„unter allen Umständen" wahren; nicht im selbstsüchtigen Ausbeuterinteresse— bewahre nein— sondern aus reiner väterlicher„Fürsorge" für das Wohl der Lehrlinge. Sie richten deshalb allerhand sonderbare Schreiben resp.„Erlasse" an die Eltern der ihrer Ausbildung anvertrauten jungen Leute, worin die Worte„unter- sagen" und„verbieten" die Hauptrolle spielen. Ein klassisches Dokument dieser Art ist ein„Erlaß" der Firma F r i st e r, Inhaber Engel n. Heegewaldt, zu Berlin-Ober-Schöneweide, an die Eltern ihrer Lehrlinge. Man braucht nur daran zu erinnern, daß Herr Heegewaldt der Vorsitzende des Vereins B e r- linerMetallwaren-Fabrikanten ist, der die gegenwärtige Aussperrung in der Gelbmetall-Jndustrie in- szenicrt hat, so wird einem der kühncmännliche Geist des Er» lasses bedeutend verständlicher. Das Ding lautet: Wie ich aus einem Zirkular ersehen habe, wird von a e- w i s s e r Seite zur Bildung eines Lehrlingsvereins agittert. Weim erwachsene Mensche», die geklärte Lebensanschauungen haben, sich einem Verein anschließen oder einen solchen begründen, so ist das ihr gutes Recht. Dagegen muß ich auf Grund Z 6 des Lehrlingsvertrages fAbsatz 2 u. 3) meinen Lehrlingen, die meiner Fürsorge unterstellt sind, unter allen Umständen untersagen, daß sie als kaum der Schule entwack)sene unreife Jünglinge mit noch ganz ungeklärten Ansichten einem Verein mit ganz einseitig ausgeiprochenen Zielen beittete».— Ebenso verbiete ich aus Grund desselben Passus des Lehr- Vertrages meinen Lehrlingen, während eines Streiks mit Streikenden zu verkehren und sich diesen gegenüber über Geschästsangelegenheiten auszulassen. Ich bemerke daher, daß ich ein N ebertreten der er- wähnten Bestimmungen als Kontraklbruch im Sinne der angeführten Stellen des LehrverttageS auffassen würde und müßte ich mir vorbehalten, die sich ergebenden Konsequenzen daraus zu ziehen. Unterschrist der Firma. Der Ukas liest sich gerade wie eine Polizeiverordnung des Pankower Amtsvorstehers. Ueberaus schnurrig: Auf Grund des§ so und so verbiete und untersage ich dieS und das. Fehlt nur noch, daß„ein Uebertreten der erwähnten Bestimmungen" mit Geldstrafe bis zu 1000 M. oder Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft wird, falls nach kühnemännlichen Begriffen nicht noch eine höhere Strafe verwirkt ist. Merk- würdig, derselbe Firmenchef, der die vielen Lehrlinge seines Betriebes kaum persönlich kennt, geschweige noch daran denkt, ihre Ausbildung persönlich zn leiten, entsinnt sich jetzt mit einem Male, daß die Lehrlinge seiner Fürsorge unterstellt sind. Ja, er erstreckt seine väterliche„Fürsorge" jetzt nicht nur auf die Arbeitszeit der Lehrlinge, sondern auch auf deren freie Zeft, wo er ihnen doch naturgemäß„nix to seggen" hat, da die Lehrlinge dann vielmehr lediglich der elterlichen Aufsicht unterstehen. Doch Herr Heegewaldt will auch„Konsequenzen ziehen", falls seine Bestimmungen übertreten werden. Wo bleiben aber Logik und Konsequenz, wenn den Lehrlingen verboten wird. mit Streikenden zu Verkehren? Das bedeutet unter Umständen nichts weniger,«lS dem Sohne zu verbieten, mit seinem eigene« Vater zn verkehren! Man sieht, wohin der Herren- dünkel unserer übennodernen Kühnemänner führt. Dasselbe Unternehmertum, das heute um ganz geringfügiger Ursachen Willen kaltherzig Tausende von Arbeitern Wochen- und monate- lang aussperrt, maßt sich dann obendrein noch an, den als Lehrlingen tätigen Söhnen der Ausgesperrten den Verkehr mit den eigenen Vätern zu„verbieten"! Glücklicherweise ist die Arbeiterschaft heutzutage schon stark genug, ihrerseits die Konsequenzen aus dem Verhalten der Kühnemänner zu ziehen. Deshalb wird auch der Ukas des Herrn Heegewaldt hiw wandern, wohin er gehört— in den Orkus. kerlin una tlmgegencl. tlebcr die Versammlung der Holzindustrielle», deren Verlauf wir gestern mitteilten, wird noch von anderer Seit» berichtet. In der Debatte kam zum Ausdruck, daß nur dann die schon gemachten Zugeständnisse aufrecht erhalten werden und in einem längeren Ver- trage festgelegt werden dürfen, wenn die Vertreter der ver- schieden«» Arbeiterverbände sich verpflichteten, nachträglich keine weitergehenden Forderungen zu stellen. Man wolle keinen faulen Frieden, sondern einen dauernden. Neue Zugestand nisse seien ausgeschlossen, lieber wolle man jetzt weiter kämpfen. Die Arbeiter hätten die Frage angeschnitten, was denn später aus den Arbeitgebern werde, die keiner Organisation"imehoren, das heißt nicht vertreten sind? Ob man bei diesen �rderungen stellen könne? Hierauf wurde erwidert, daß diese Arbeitgeber sich nux durch schnellen Anschluß an die Arbeitgeberorganisation schützen könnten. Die Entlassung Arbeitswilliger sei unter allen Umständen ausgeschlossen.— Die Arbeitswilligen dürsten höchstens den Unter- nehmern Kopfschmerzen machen, und am meisten, wenn sie diese paar Leute wirklich behalten wollen, weil deren Arbeitswilligkeit zu deren Arbeitsfähigkeit in einem diametralen Gegensatz steht. Die stille Hoffnung aber, daß die Holzarbeiter ihnen die den Scharf- machern fernstehenden Unternehmer durch unangenehme Forde- rungen in die Arme treiben werden, sollten die Herren ganz sinken lassen. Die Arbeiter werden natürlich auch von diesen nichts als die Jnnehaltung des Tarifs fordern. Daß die Unternehmer im An- gesichte eines Tarifabschluffes überhaupt über etwaige„weitergehende Forderungen" der Arbeiter diskutieren, kennzeichnet ihr Verständnis für die ganze Sache.— Hoffentlich dämmert ihnen dies Verständnis noch im Laufe der Verhandlungen. Die Berliner Stockarbeiter bereiten eine Bewegung vor. In der Berliner Stockindustrie sind zurzeit 4S0 Personen in Fabrikbctrieben und 129 bis 149 Heimarbeiter beschäftigt. Seit Jahren klagen nun di- in Betrieben Arbeitenden über die den Lohn drückende Konkurrenz des Heimarbeiters. Alle Versuche zur Verbesserung der Verhältnisse vermittels der Organisation sind bisher gescheitert. Aus Anlaß des Heiniarbeiterschutz-Kongreffes wurde diese Frage wiederum in einer Stockarbeiter-Verfammlung diskutiert und die Branchenleitung beauftragt, Erhebungen bei den Heimarbeitern zu veranstalten. Besonders schwierig war die Emittelung der Adressen der Heim- arbeiter, und konnten aus diesem Grunde auch nur ein Teil, und zwar nur 49, besucht werden. Bei diesen 49 Heimarbeitern waren noch 48 Kollegen beschäftig, so daß also für 97 Heimarbeiter die Lohn, und Arbeitsverhältnisse zahlenmäßig festgestellt wurden. Leider muß konstatiert werden, daß nach Kenntnis des Gewerbes einzelne Angaben über den Lohn als zu hoch erachtet werden müssen, so daß das Endresultat als genaues nicht bezeichnet werden kann. Es ist jedoch die Lage eines Teiles der Heimarbeiter so einwandfrei nachgewiesen, daß die Unternehmer einem Drängen der Arbeiter nach Ausbesserung der Löhne werden nachgeben müssen. Einige klassisizierte Arbeiter, Bieger und Schnitzer, erzielten einen Stunden- lohn von 98, 72 und 89 Pf. Auf gebogene Arbeit waren 29 Heim- arbeiter beschäftigt mit einer Arbeitszeit von 59— 79 Stunden wöchentlich und einem durchjchnittlickicn Stundenverdienst von 49 Pf. Die Löhne schwanken zwischen 22—52 Pf. Allem Anschein nach wird aber vielfach länger gearbeitet, als hier angegeben. Die 97 Heim. arbeiter arbeiten im Durchschnitt 61�1 Stunden bei einem Stunden- verdienst von 47,5 Pf. 8 Arbeiterinnen und Arbeiter sind nur beim Polieren beschäftigt und erzielen bei 52 Stunden durchschnittlicher Arbeitszeit pro Woche einen Stundenlohn von 36 Pf. Drei Frauen arbeiten aber nur 39—45 Stunden, daher die scheinbar kurze Durch- schnittsarbeitszeit. Dieselben haben neben der Arbeit Kinder und Wirtschaft zu besorgen. Gegenüber der Behauptung der Unter- nehmer, die Heimarbeiter erzielten hohe Löhne, sei ein typischer Fall dargestellt. Laut Lohnbuch erzielte ein Arbeiter mit Hülfe seiner Frau im Durchschnitt 69 Marl. Davon hatte er an Auslagen für Schcllak, Spiritus usw. 17,59 Mark; verbleibt ein Verdienst von 42,59 Mark bei 69— 65stündtger Arbeitszeit, gleich einem Stunden- lohne von 32—34 Pf. Das sind die günstig gestellten Arbeiter. Viel schlimmer sind die Verhältnisse bei den Polierern der Unterstöcke, der sogenannten Schüsse. Diese Arbeit ist infolg« der niedrigen Löhne nur Heimarbeit. Das Schleifen der Stöcke ist eine äußerst gesund- heitssckädliche und schmutzige Arbeit. Der Arbeiter und der Arbeits. räum sind nach mehrstündiger Arbeit mit einer mehrere Milli» meter hohen Staubschicht bedeckt. Die Arbeitszeit schwankt zwischen 54 bis 99 Stunden. Die Löhne sind wahre Hungerlöhne. Einige Beispiele sind Stundenlöhne von 25, 27, 23 und 29 Pf. Die Frau arbeitet voll mit und dann erzielen beide, Mann und Frau, 39— 35 Pf. usw. Ebenso elend wie die Löhne, so ausgedehnt ist die Arbeitszeit. 79— 80 Stunden pro Woche ist die Regel. Als Durchschnittslohn wurde festgestellt 33 Pf. Die Akkord- preise betragen per Groß 3,75— 4,50 Mark. Der Arbeiter mutz aber die Politur im Werte von 1,25— 1,50 Mark selbst stellen, so daß nur 2,25—3,25 Mark als Arbeitslohn verbleibt, und das für eine Arbeit, zu deren Herstellung 7—8 Stunden gebraucht werden, und— wenn die rohen Stöcke schlecht vorgearbeitet sind oder da? Holz schlecht ist— auch 10— 11 Stunden. Insgesamt stellt sich der Durchschnitts- verdienst sämtlicher Arbeiter auf 39—49 Pf. pro Stunde. Die Arbeil von vier Frauen konnte jedoch nicht besonders gerechnet werden, so daß der Durchschnitt sich noch vermindert. Hinzu kommt, daß von diesen Verdiensten noch die Uniosten für Miete der Arbeits- räume, variierend zwischen 19—23 Mark, Beleuchtung, Heizung usw., in Abzug gebracht werden müssen. Wie stellen sich demgegenüber die Verhältnisse der in Betrieben beschäftigten Arbeiter? Unter Zu- grundelegung von Wochenzetteln von 135 Betriebsarbeitern, verteilt auf 9 Betriebe bei durchschnittlich 5241 stündiger Arbeitszeit, stellte sich der DurchschnittSverdienst auf 54,5 Pf. Bei der Heimarbeit bei 61— 62stündigcr Arbeitszeit 39—49 Pf., bei der Fabrikarbeit vor- stehend angeführte Arbeitszeit und Lohn. Die Gegenüberstellung dieser Zahlen zeigt unS mit verblüffender Deutlichkeit das Gemein- gefährliche der Hausindustrie.— Nun zu den Arbeitsräumen. In acht Fällen war die Küche der Arbeitsraum. In mehreren Fällen befanden sich auch kleine Kinder in der Kücbe. Nun bedenke man den furchtbaren Staub beim Nohschleifen, den die Nasenschleim- häute angreifenden Staub beim Abschleifen von Kali und anderer giftigen Farben, den Geruch der Beizen, den Geruch des denaturierten Spiritus, und halte sich daneben, daß auch Kinder diesen Mißständen ausgesetzt sind. Andere Arbeitsräume befanden sich im Keller, zum Teil nahezu finster. Bei einem solchen Arbeitsraum wurden 13 hinabführende Stufen gezählt. Ein weiterer ArbeitSraum hatte 9—10 Quadratmeter Bodcnfläche und arbeiteten hier ständig zwei bis drei Personen. In 17 Fällen waren die Frauen miterwerbS- tätig, vielfach ersetzten dieselben eine Arbeitslraft, indem sie von früh bis spät an der Arbeit teilnahmen, nach einer Angabe unter Zuhülfenahme deS Sonntag, bis zu 75 Stunden pro Woche. In verschiedenen Fällen wurden Eltern durch erwachsene Kinder unter« stützt, in anderen Fällen wurde an Schlaflcute vermietet, um so die Miete aufzubringen, und dann war mehrfach die Küche Wohn- räum, Küche und ArbeitSraum zugleich. 24 der Befragten erklärten sich strikte für Beseitigung der Heimarbeit, da dieselbe schädlich. Als Gründe für Beibehaltung der Heimarbeit wurden angegeben: hohes Alter, die einmal vorhandene Werkstatteinrichtung, die durch Auf- gäbe der Heimarbeit werllos würde, Frauen könnten der Kinder wegen nicht in Betriebe gehen, und der Lohn deS Mannes ermögliche keine Existenz. Lebhafte Klage wurde geführt über die Preiserhöhung des PolicrmaterialS, als Spiritus und Schellak, von 1,89 bis auf 4,99 und 5,69 Mark. Von 24 in Betracht kommenden Unternehmern haben nur 3 sich für verpflichtet gefühlt, Zulagen von 25 Pf. bis 1 Mark pro Groß zu geben, so daß im allgemeinen die Erhöhung der Materialpreise bei de» Schußarbcitern und Polierern einer Lohnreduktion um 19—15 Prozent gleichkommt. Die Ver- sammlung, welcher dieser Bericht vorlag, und an welcher eine große Anzahl Heimarbeiter teilnahmen, beschloß einstimmig, die Branchen- leitung zu beaustragen, mit den Heimarbeitern zusammen et«» Tarif auszuarbeiten, welcher mit allen Mitteln zur Durchführung gebracht werden soll, und verpflichteten die Versammelten sich, die Heimarbeiter in jeder Weise zu unterstützen. Es haben nun in den letzten Wochen Beratungen behufs Ausarbeitung eines Tarifs statt- gefunden, so daß ein Entwurf desselben den Heimarbeitern in nächster Zeit zur Beschlutzfassung vorgelegt werden kann. Achtung, Schuhmacher! Die Arbeiter der Firma MalSkett. Neue Königstraße 5. find wegen Lohnabzug in den Ausstand ge- treten. Zuzug ist streng fernzuhalten. Die Ortsverwaltung der Schuhmacher Berlins. Deirtlcbes Reich. Di« Firma Stöver i» Stettin sucht durch Chiffre-Jnserat« in verschiedenen Blätter» Schlosser und Eisendreher. Es sei darauf hingewiesen, daß die Metallarbeiter dieser Fabrik sich im Streik be« finden.— Chifire-Jnseraten gegenüber sei überhaupt den Arbeitern aller Branchen Vorsicht empfohlen; es verbergen sich dahinter oft Streikbrechergesuche. Der Schlächterstreik in Neumünster hat sofort die dortige Polizei zur Rettung des dortigen Kapitals begeistert. Sofort nach Ausbruch des Streikes wurde der Vorsitzende V o ß des FleischerverbandeS, dessen Maßregelung den Anlaß zum Streik gab,&on der Polizei gesucht. Da man ihn jedoch nicht finden konnte und Voß dies hererts erfahren hatte, begab er sich zum Kommissar, um zu sehen, was man von ihm wolle. Er traf diesen jedoch nicht an, weshalb ihm bedeutet wurde, er solle nach dem Wachlokal gehen. Hier traf Voß den Polizei- scrgeanten Genkel, der ihn aufforderte, seinen Posten als Vorsitzender niederzulegen! Als Voß sich dessen selbstverständlich weigerte, erklärte der Beamte, daß er ihn wegen Hausfriedensbruch und Aufruhr„im Austrage" de» Herrn Wurstfabrikanten Winter verhaften müsse! Richtig führte der Beamte Voß nach dem Gefängnis im Haart, wo er wie ein HandwerkSbursche untersucht wurde, ob er auch Ungeziefer habe! Nach Verlauf von vier Stunden wurde er dem Kriminalkommissar vorgeführt, der dann allerdings seinem Erstaunen darüber Ausdruck gab, daß Genkel ihn eingesperrt habe. Natürlich wurde Voß wieder auf freien Fuß gesetzt. Ties ist aber nicht die einzige Einmischung der Polizei in diesem Streite. Als die Gesellen, die bei Winter logieren, kamen, um ihre Sachen zu holen, waren auch hier schon drei Beamte, welche die Leute aufforderte», sofort ihre Sachen wegzuschaffen, anderenfalls würden sie diese hinauswerfen.— Eine öffentliche Volksversammlung protestierte auf das energischste gegen die polizeilichen Eingriffe in diesen Kampf und beauftragte das Gewerkschaftskartell, alles aufzubieten, damit alle Ucbergriffe an geeigneter Stelle den vorgesetzten Behörden und der großen Masse der Arbeiter zur Kenntnis gelangen. Endlich verpflichtete sich die Versammlung, so lange der Streik dauert, keine Waren zu konsu- mieren, die in der Fleischlonservenfabrik hergestellt sind. Letzte ISacbrlcbtcn und Dcpefchen« Eine Kundgebung des neuen Ministerpräsidenten. Wien, 3. Januar.