Nr. 15. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 r., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pig. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 8 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 22. Jahrg Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Bfg.. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das schwarze Reich. Ein Denkerwort zum Bergarbeiterstreit. Alfred N. Wallace, der berühmte Mitbegründer der Evolutionslehre, sagt in seinem neuesten fürzlich erschienenen Werke: Des Menschen Stellung im Weltall"( Berlin, Deutsches Verlagshaus Vita),( Deutsch von F. Heinemann) folgendes( S. 234-38): " Die Wolken sind nicht nur dadurch segensreich, daß sie Regen erzeugen und die Hige beständigen Sonnenscheins abmildern, sondern sie sind auch zur Bildung gewisser chemischer Zusammensetzungen notwendig, die sich im Pflanzenreich vollziehen und für das gesamte Tierreich von der höchsten Wichtig feit sind. Soweit es uns bekannt ist, könnte auf der Erde tierisches Leben nicht ohne diese Quelle des Stickstoffes bestehen und infolgedessen auch nicht ohne Wolfen und Blige, und wie wir uns eben überzeugt haben, hängt deren Auftreten wieder hauptsächlich von dem richtigen Verhältnis des Staubes in der Atmosphäre ab. Dieses richtige Verhältnis des Staubes wird seinerseits aber wieder durch die Vulkane und Wüsten geschaffen und aufrecht erhalten und seine gleichmäßige Verteilung und beständige Gegenwart in der Luft hängt wiederum von der Dichtigkeit der Atmosphäre ab. Diese ihrerseits ist von zwei anderen Umständen abhängig, der Schwerkraft, die der Masse des Planeten entspricht, und der absoluten Menge freier Gase, aus denen die Atmosphäre besteht. Mittwoch, den 18. Januar 1905. 200 000 Bergarbeiter Da Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Der Oberberghauptmann meinte: Hoffentlich werden die Unternehmer zu gemeinsamer Verhandlung bereit sein. * Der Streit im Dreillaffen- Parlament. Uebel, die uns jeßt quälen, zugleich mit ihm verschwunden zum Ausdruck brachte, bestanden sie lediglich in allerlei Befind? Diesem Ziele muß alles andere nachstehen. In diesem denken gegen die Forderungen der Arbeiter. Kriege gegen Schmutz, Krankheit und Elend darf es gerade Mittwoch wollen die Kommissare mit den Unternehmern wie in cinem Eroberungs- oder Angriffskriege, wo der Sieger verhandeln und am Donnerstag will der Oberberghauptmann alles vor sich niederwirft, wo das Privatrecht unter dem er- versuchen, die von den Unternehmern bisher so schroff abflärten öffentlichen Wohl zurückzutreten hat, weder Privat- gelehnte gemeinsame Verhandlung mit beiden Parteien herbeiintereffen noch verbrieftes Recht geben,-nnr dann, aber zuführen. dann auch sicher, werden wir siegen. Dieses Evangelium ist es, was man jekt predigen sollte, bis die Völker darauf hören und sich überzeugen. Dies sei unser Kriegsruf: Reine Luft und reines Wasser für jeden Bewohner des Reiches. Gebt eure Stimme für niemand ab, der sagt, es ist unmöglich. Stimmt nur für den, der sagt, es muß geschaffen werden. Es mag Der gewaltig über die Welt hinbrausende Notschrei, der fünf, oder es mag zehn, oder es mag zwanzig Jahre dauern, den Ausstand von 200 000 Bergarbeitern verkündete, hat nun aber alle kleinlichen Verbesserungen, alles Reformstückwerk muß auch ein mattes Echo im preußischen Abgeordnetenhause geaufgeschoben werden, bis diefe Grundreform ausgeführt funden. Am Montag wurde über Thema" noch nicht geworden ist. Erst dann, wenn wir unser Volf in den Stand sprochen, am Dienstag füllte der Streif bereits die ganze gesezt haben werden, reine Luft zu atmen und reines Wasser Sigung aus. Aber es wurde nicht nur gesprochen, sondern au trinfen, sich von einfacher Nahrung zu ernähren und unter es wurde auch endlich die Maste gelüftet. Während der gesundheitlichen Bedingungen zu arbeiten, sich zu erfreuen und Handelsminister Möller bis jetzt den Anschein der Unzu ruhen, werden wir in den Stand gesetzt, und zwar zum parteilichkeit zu erwecken sich bemühte, hat er nunmehr sich erstenmal, darüber zu entscheiden, welche anderen Reformen not- ausgezogen und sich als uneingeschränkter Agent des Unternehmertums bekannt. wendig sind. Nachdem der Führer der christlichen Bergarbeiter, AbGedenken wir doch dessen, daß wir Anspruch darauf haben, ein Bolt von höchster Kultur, vorgeschrittenster Wissenschaft, geordneter Brust( 8.) in ruhiger und fachlicher Weise die Forderungen der Bergarbeiter als berechtigt hingestellt und größter Menschlichfeit und größten Reichtums zu sein. sollten wir uns schämen, zu sagen, wir sind außer stande, die den Grubenbaronen ihr Sündenregister vorgehalten hatte, er Dinge so einzurichten, daß unser Bolf unverdorbene und un- warnte zwar davor, schon jest, bebor die Untersuchung ab. un- hob sich Minister Möller zu einer längeren Rede. Er Wir überzeugen uns also, daß jener unsichtbare Ozean vergiftete Luft einatmet." geschlossen sei, ein Urteil zu fällen, aber trotzdem warf er den bon Luft, in dem wir leben und der für uns so ausschlaggebend Bergarbeitern Stontrattbruch bor, sprach er davon, daß die ist, daß unser Leben ohne ihn sofort vernichtet würde, auch viele andere segensreiche Wirkungen ausübt, auf die wir geArbeiter durch ihr Verhalten eine Verständigung erschwert hätten und verstieg sich sogar zu der Behauptung, daß jo wöhnlich wenig achten, höchstens ausnahmsweise zu Zeiten wenig Sinn für Gefeßlichfeit in der deutschen Arbeiterschaft von Sturm oder Orfan, von übergroßer Hiße oder Kälte; dann werden, wenn diese Zeilen den Leser erreichen, im Ruhrrevier aus vorhanden sei. Gleichzeitig bemühte er sich, die Arbeitgeber als tommt es uns wohl zum Bewußtsein, wie außerordentlich zart ständig sein. Ein wahrer Weltkrieg der Arbeit gegen das Kapital! unschuldige Kinder darzustellen. Daß sein Wunsch, die das Gleichgewicht jener Bedingungen ist, von denen unsere Bis tief hinein in die bürgerlichen Streife regt sich der Unmut über Arbeiter möchten bedingungslos die Arbeit wieder aufnehmen, Behaglichkeit und auch unser Leben abhängt. die Schreckensherrschaft des Kohlensyndikats, das das ganze Unter- bis die seit 15 Jahren fällige, jetzt plötzlich unternommene Schon der kurze Ueberblid aber, den ich hier zu geben nehmertum in diftatorische Zentralgewalt organisiert hat, das selbst Untersuchung" abgeschlossen sei, in Erfüllung geht, baran versucht habe, belehrt uns, daß die Atmosphäre tatsächlich ein mur als Organisation redet, das aber die Organisationen der Arbeiter wagt der Minister wohl selbst nicht zu glauben. außerordentlich fompliziertes Werkzeug ist, ein wundervolles nicht anerkennt und nur mit dem einzelnen Arbeiter über Arbeits- Nach Herrn Möller sprach auch der Polizeiminister einige Gerät, das wir mit seinen verschiedenen Bestandteilen an Gasen, bedingungen verhandeln will- dieses Unternehmertumis, das die Worte. Der Mann vertrat die Sozialpolitit des Polizeifähels feiner Tätigkeit und Reaktion auf Wasser und Land, seiner Einrechnung der Seilfahrt in die Schichtzeit ablehnt, weil man als- und des Gummischlauchs. Er redete Infanterie, Kavallerie, Erzeugung elektrischer Entladungen und seiner Fähigkeit, die dann neue Arbeitermassen heranziehen müsse, die ungelernt seien Artillerie. Er schoß gewissermaßen, wie sein Vorgänger, der Elemente zu liefern, aus denen der ganze Aufbau des und die Betriebssicherheit gefährden; im gleichen Atemzug aber zieht jezige Oberpräsident des Ruhrreviers, im Geiste bereits nach organischen Lebens erfolgt und beständig erneuert wird, tat- diese Gesellschaft polnische Streitbrecher heran, die nie ein Bergwert den Beinen der Ausständigen. Herr v. Hammerstein fächlich als die wahre Quelle und Grundlage des Lebens selbst gesehen haben. Man fühlt in der bürgerlichen Welt, daß das Treiben glaubt, daß er mit der„, ordinären" Polizei- ein treffliches anzusehen ist. Dies geht nicht nur aus unserer bollkommenen des Syndikats den Kapitalismus selbst in der Wurzel kompromittiert Bort, das hoffentlich für den Minister, der ja nicht wie die Abhängigkeit von ihr hervor. Einer Abhängigkeit, die jede und darum wendet man den vom Kohlensyndikat gepeinigten und Abgeordneten immun ist, feine Anflage wegen Beleidigung Minute über unser Leben oder unseren Tod entscheidet, sondern verhöhnten Proletariern einige Sympathien zu. auch aus den schrecklichen Wirkungen, die auch nur eine leichtere der Polizei zur Folge haben wird auskommen und nicht So findet man in bürgerlichen Blättern einen Stimmungsbericht genötigt sein wird, die Hülfe des Militärs in Anspruch zu momentane Verunreinigung des Elementes der Luft auf unsere über die Proklamierung des Generalstreifs, in dem es heißt: Am nehmen. Nicht etwa, um Blutvergießen zu vermeiden, sondern Lebensfräfte ausübt, und doch finden wir gerade bei den Montag abend sammelten sich die Arbeitervertreter in Ruhe und um der Polizei nicht den Vorwurf zuzuziehen, daß fie der Nationen, die an der Spize der Zivilisation zu schreiten be- Ordnung im großen Saale der Effener Tonhalle; alle waren von Bewegung nicht Herr werden könne Jedenfalls ist der haupten, jene, die da glauben, in der Kenntnis des Natur- dem Ernst der Lage erfüllt. Aus ihren Gesprächen ging hervor, daß Minister bereit, die Arbeitswilligen mit Hülfe feiner Gendarmerie gesezes zu handeln, jene, die sich des größten Fortschritts in der sie eine völlige Abweisung für unmöglich hielten, und daß fie ein zu schüßen. Das nennt man in Preußen Objektivität der Wissenschaft rühmen, gerade bei ihnen die größte Gleichgültig- leines Entgegenkommen der Rechenbefizer erfaßt hätten, Behörden. teit, die größte Sorglosigkeit gegenüber all den Ver- um den großen Ausstand zu begraben. Die eine Woche des AusVon den Rednern, die aus dem Haufe das Wort ergriffen, umreinigungen dieses wichtigsten Lebenselements; diese größte ftandes hatte viele schon gemäßigt; nur etwas menschlicher erging fich namentlich der nationalliberale Abgeordnete Sorglofigkeit geht soweit, daß sie gleichgültig zusehen, wie die wollten sie gestellt fein. Sie hatten eingesehen, daß nicht alle Sirich, der ehemalige Sekretär bes Zentralverbandes Gesundheit des größten Teiles ihrer Bevölkerung geschädigt, Forderungen bewilligt werden konnten, und deswegen waren sie zu deutscher Industrieller, augenblicklich Handelskammer- Synditus daß deren Lebenskraft herabgemindert wird, durch Zustände, einem mageren Bergleiche bereit. Und nun die herbe Ablehnung in in Essen und Schwiegersohn des Scharfmachers Bued, in unter deren Zwang sie genötigt sind, mehr oder minder ver- allen Bunkten! Durch die Menge ging ein Zittern, und stundenlang maßlosen Beschimpfungen der unglücklichen Bergarbeiter. dorbene und unreine Luft während des größten Teiles ihres waren die Arbeiter wie gelähmt, mit weit aufgerissenen Angen starrten Herr Hirsch kennt von der ganzen Bewegung nur eine Lebens einzuatmen. Zeugen dieser verbrecherischen Gleich- sie ihre Führer an, und als Efferts mit schmerzerstickter Stimme systematisch betriebene gewissenlose und verbrecherische Vergültigkeit, dieser unglaublichen Sorglosigkeit und Unmenschlich erklärte: Das ist zu viel!" da gellte nur der Schrei eines Ber- hetzung von offenen und verkappten Sozialdemokraten"- als feit sind die mächtigen immer stärker anwachsenden Städte, die zweifelten durch den Saal. Allmählich löste sich die Beklem, ob die verbrecherischen Streifheker vom Kohlensyndikat Sozialgroßen Fabrikplätze, die ihren Rauch und die vergifteten Gase und nun kam ber Lärm der Entrüftung." Hört! hört! ps." so demokraten feten! Die Arbeiter streifen überhaupt nur aus gegen den Himmel ausspeien, die zusammengedrängten erscholl es aus dem Munde der verzerrten Gesichter." Wohnungsstätten, wo Millionen ihr Leben unter den hygieneAm Dienstag abend meldet uns ein Privattelegramm, daß 180 Auf derselben Höhe standen die Ausführungen feines widrigsten Bedingungen gezwungener Weise hinbringen. Bechen vom Ausstand betroffen feien, die Zahl der Streikenden sich Parteifreundes Schmieding, der als Anwalt der GrubenWährend der ganzen letzten fünfzig Jahre haben wir die 200 000 nähere. Das Bochumer Revier sowie Recklinghausen liegt barone auftrat und mit einigen im voraus bestellten Teleunvermeidlichen Ergebnisse solcher Lebensbedingungen kennen fast vollständig still. Der Versand ist heute fast auf Rull se- grammen über angebliche Mißhandlung Arbeitswilliger durch Lernen müssen, und trotzdem ist bis auf den heutigen Tag nichts funten. von Bedeutung dagegen geschehen, und nichts im Werden. In Die Ruhe ist wie bisher überall mustergültig. diesem schönen Land ist Raum genug und weit mehr als er- Auch eine aus Unternehmerkreisen inspirierte ruffische Meldung forderlich reine Luft für jeden Menschen, der dort lebt, bor- fpricht bereits von 154 330 Streitenden auf 202 Bechen. handen. $ " 營 Uebermut. Streifende die Notwendigkeit polizeilichen Einschreitens demonstrieren wollte. Blut soll nun einmal fließen wenn das langsamere Verbluten unter Tage im Dienste des Kapitals unterbrochen ist, dann heischt man gegen die Empörer die afute Blutentziehung mittels Pulver und Blei! Man verTrotzdem widmen unsere wohlhabenden gebildeten Kreise, Die Verhandlungen der Regierung mit den Arbeitern. langt, daß die Regierung sich in den Dienst der Grubenunsere Regierungen und unsere Gesetzesmacher, unsere Re- Aus Dortmund telegraphiert unser Z- Korrespondent am barone stellt und die Arbeiter durch den Säbel, der sticht, und ligionslehrer und unsere Männer der Wissenschaft, ihr Leben Dienstag abend: die Flinte, die schießt, zur Arbeit zwingen soll. und ihre Tatkraft allen anderen Erscheinungen, nur nicht dieser, Die Verhandlung zwischen den Vertretern der Regierung Der Dritte im edlen Bunde der Scharfmacher war der und doch ist dieses gerade die einzige, ganz große unumgängliche und der Kommiffion der Bergarbeiter dauerte von 4 bis 8 Uhr. tonservative Abg. Windler. Für ihn gilt ebenso wie für Lebensfrage für die Gesundheit und Wohlfahrt des Volkes. Anwesend waren Oberberghauptmann v. Velsen, Berghaupt- den nationalliberalen Redner einzig und allein die brutale Und ihr sollte alles andere vorläufig untergeordnet werden. mann Baur und noch drei Kommissare. Die Kommission der Gewalt. Welche Kenntnisse er von der ganzen Sache hat, Solange dafür nicht gesorgt ist, und zwar durchaus gründlich Bergarbeiter war vollzählig. Die Forderungen wurden Punkt geht aus der Aeußerung hervor, daß die Bewegung auf und vollkommen gesorgt ist, so lange ist unsere Relegion Stüd- für Bunft durchgesprochen und von den Vertretern der Berg- fozialdemokratische Agitation zurückzuführen ist. Herr Winckler werk, und unsere Politik weniger als nichts, etwas absolut Ber- arbeiter ausführlich begründet. ging noch einen Schritt weiter als seine Stollegen vom Scharfächtliches, ja fie steht noch unter dem Werte dessen, was man Die Regierungsvertreter verlangten Beweise für die ein- macher- Sleeblatt, er benutzte die Gelegenheit zu einem Vorstoß verachtet. zelnen Behauptungen der Bergarbeiter. Man kann das der gegen die Preßfreiheit, er verlangte, daß die Regierung anBei der Betrachtung der wundervollen Atmosphäre in Regierung auch nicht verdenken, da man von ihr nicht ver- gesichts der Tatsache, daß in sozialdemokratischen Blättern ihren mannigfaltigen Beziehungen zum menschlichen Leben langen kann, daß sie sich über die seit Jahren erhobenen geradezu die Revolution gepredigt werde, Wachsamkeit und überhaupt hat sich dieser Notschrei für die Kinder und für die Beschwerden einer Viertelmillion Bergarbeiter unterrichtet Entschlossenheit zugleich beweise. beleidigte Menschheit meinem Herzen entrungen. Sollte sich hätte. Fast noch charakteristischer als das Auftreten der Clique wirklich keine Gemeinschaft von Männern und Frauen zu Zu mehr als einer Information tam es nicht. Außer Hirsch, Schmieding, Wincler war das Verhalten der Herren fammentun wollen, die nicht eher Ruhe gibt, bis dieses dem Oberberghauptmann sprach teiner der Kommissare auch vom Zentrum und von den freisinnigen Parteien. Abgesehen Schreiende Nebel abgeschafft ist und bis neun Zehntel aller nur ein Wort. Soweit der Oberberghauptmann Meinungen von dem Abg. Brust, der die Debatte eingeleitet hatte, und Bem Abg. Goldschmidt( frs. Vp.), der in mehr als schwächlicher Weise eine kurze Erwiderung herstammelte, ergriff niemand von ihnen das Wort. * * Wo bleibt die Hülfe? Der Parteivorstand der deutschen Sozialdemokratie hat fofort nach Proklamierung des allgemeinen Ausstandes den Aufruf zur Sammlung von Unterstügungsgeldern ergehen lassen. Der Ertrag der sozialdemokratischen Sammlung kommt ohne Unterschied der Organisation allen Streifenden zugute, auch den Zentrumsarbeitern und Hirsch- Dunckerschen. Nun verhalten sich die christlichen Arbeiter zum Zentrum, die Hirsch- Dunckerschen zum Freisinn, wie die freien Gewerkschaften zur Sozialdemokratie. Es ist also auch Pflicht des Zentrums und des Freisinns, die thnen angegliederten Organisationen zu unterstützen. Wenn es denn wahr ist, und nicht elendeste Heuchelei, daß sie es Ernst meinen mit der Arbeiter- Organisation, so müßten Zentrum und Freifinn unverzüglich sich unsrer Sammlung anschließen. Hier ist die Probe aufs Exempel. Hier handelt es sich um eine für alle Folgezeiten entscheidende Stellungnahme. Der Beweis der Arbeiterfreundlichkeit ist jetzt zu erbringen! Will Zentrum und Freifinn es wirklich der Sozialdemokratie allein überlassen, die christlichen Arbeiter und die Hirsch- Dunderschen zu unterstützen? Bisher sehen wir nichts von Sammlungsaufrufen in der Zentrumshalten, wonach Lohn- oder Affordreduktionen so früh be- Bürgermeister Antonie als Chef der Polizei und den Polizeifannt gegeben werden müssen, daß den Arbeitern Gelegenheit ge- Inspektor Rochmann in Empfang genommen, während sich in der geben ist, zu kündigen und vor Inkrafttreten der reduzierten Bahnhofshalle unauffällig vier bis fünf Kriminalbeamte plaziert Lohnes oder Akkordes abkehren können. Gewöhnlich läßt man Lohn- hatten. Nun wurden die beiden Anarchisten in den bereitstehenden oder Akkordreduktionen sofort in Kraft treten, ja, nicht selten werden Wagen gebracht und nach dem Polizeibureau gefahren. Das se ontrattbruch! Wer sich solchem Kontrattbruch nicht fügte, flog etwas erfuhr. solche mit rückwirkender Kraft angeordnet. Das ist jedesmal Ganze spielte sich so unauffällig ab, daß kaum jemand hiervon hinaus, oder wurde strafverlegt. Und nun befundet man heilige Danach hätte sich die Polizei also höchst anarchistisch benommen, Schen vor dem Arbeitsvertrage! Ist das Hohn oder Heuchelei? wenn sie ohne jedes Recht Reisende, die nichts Strafbares begangen, Kontraktbruch brachte den Stein ins Rollen! Kontraktbruch verhaftet hätte. Oder handelt es sich nur um ein Mißverständnis seitens der Verwaltung der Zeche Bruchstraße" provozierte den des Reporters? Gehörten die„ Anarchisten" am Ende zur Polizei? Streit. Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen ordnete man eine Wenn man die wirklichen Anarchisten verhaften wollte, so Schichtverlängerung an und trieb damit die Leute in den Ausstand. fäßen die Herren Kirdorff, Stinnes, Thyssen längst hinter Schloß Aber die Unternehmer entrüsten sich über Kontraktbruch! und Riegel. Die Forderung auf Lieferung von Deputatkohlen gründet sich auf einen historisch gewordenen Rechtsanspruch. Biele Verwaltungen halten den Bergarbeitern die Deputatlohlen vor, weil sie sie dadurch scheint das Syndikat ausgesetzt zu haben. Auch Schweinburg bewirbt Preise für Schrecknachrichten vom Streik abhalten wollten. Das ist Kontraktbruch, -gegen sich um die Preise mit folgenden Probeleistungen: deu man eine so große Abscheu bekundet. * König Stinues. Stinnes hat einem Trupp Arbeitswilliger die Anfahrt verweigert, weil die Betreffenden durch dreitägiges freiwilliges Feiern aus der Belegschaft ausgeschieden seien. Herr Stinnes will weiter Zechen töten. Per eingeschriebenen, unfrantierten Brief hat Stinnes der Kommission von Zeche Bruchstraße" mitgeteilt, daß er Verhandlungen vor dem Einigungsamt ablehne. Ruhestörung. * Aus dem Streifgebiet werden uns telegraphisch aus Essen weitere Mißhandlungen von Arbeitswilligen gemeldet, so aus Hoerde, wo gestern morgen mehrere Mißhandlungen Arbeitswilliger erfolgt sid, so daß die Arbeitswilligen in Furcht sind, weil die Zugangswege von fremden Streifpoften lagert sind und polizeilicher Schutz vollständig versagt; ferner aus Unna- Königsborn, wo gestern morgen. zwei Bergleute auf dem Wege zur Schicht in Bommern durch Ausständige überfallen worden find. Einer davon ist in ärztlicher Behandlung. Die Namen der Täter sind noch nicht ermittelt. Weiter wird aus Holzwickede gemeldet, daß die Wege von Streitposten belagert sind, die jeden notieren, geklagt, daß Aus diesem Grunde sind Mann wieder nach wenn die Streifposten entfernt würden, es sind auch sieben Mann nachträglich noch angefahren. pre Die, Germania", Sie Digger hülffos geschwankt und Versuche die bewaffneten Kolonienbögte morgens die ganze stolonie abflappen, her zur Zeche geht. His bieten erat, in 15 are to be a gemacht hat, scharfmacherisch von sozialdemokratischer Verhegung zu reden, entschließt sich freilich neuerdings zu sehr derben Worten gegen das Kohlensyndikat, dessen Verhalten es geradezu als eine Aufreizung der Arbeiter zu Gewalttätigkeiten, somit als Verstoß gegen den§ 130 des Strafgesetzbuches bezeichnet". Aber das sind das find Worte! Wo bleiben die Taten? Und die freisinnigen Blätter entschließen sich nicht einmal zu träftigeren Worten! Die Situation ist verhängnisvoll namentlich für das Zentrum. Diesmal muß es Farbe bekennen. Im Ruhrrevier kämpfen christliche und sozialdemokratische Arbeiter Schulter an Schulter- werden die christlichen Arbeiter werftätige Unterstügung wirklich nur bei der Sozialdemokratie finden? * * an jeder Tür herumrumoren, die Leute aufwecken und auffordern zur sich Streifende, dadurch in der Ruhe gestört worden zu sein. Arbeit zu gehen. In einer Versammlung am Montag beschwerten Die Leute wollten Augenzeugen erhalten wegen Ruheſtörung! ,, Genullte" Nachrichten. Die Schwindelnachrichten der Rheinisch- Westfälischen Zeitung" In verschiedenen Bezirken sprach unser Dortmunder Mitarbeiter mit und die Polizeimaßnahmen in Dortmund erregen überall Unwillen. Oberbürgermeisters von Dortmund und der„ Rheinisch- Westfälischen Organen der Polizei- und Zivilverwaltung über das Vorgehen des Beitung". Die Haltung des Scharfmacherblattes bezeichnete man durchgängig als frivol, die Taten Schmiedings als unverständlich. Eine Streikbrecher- Organisation. eine in Man sollte es kaum für möglich halten aber es ist Tatsache, Arbeiterorganisation" fordert auf zum Streifbruch. Der evangelische Arbeiterbund, Sit Bochum, fordert in einem Tausenden von Exemplaren verbreiteten Flugblatte kategorisch zu Streifbruch auf. Aber in diesem Bund wird es nun wohl wieder so sein, wie es so oft war. Die Mitglieder sind nur zum Zahlen und Maulhalten da, alles andere macht der Vorstand, in dem kein Arbeiter zu finden ist. Es ist ein Standal wie der Name Arbeiter von Kapitalsföldnern mißbraucht und geschändet wird. * * Was sagt die Regierung? Die Mißhandlungen bestehen offenbar lediglich in der Grausamkeit, mit der die Streifenden dem Kapitalsdienst ent laufen find. Solidaritäts- Rundgebungen. kurzer Begrüßung durch Vandervelde nimmt Genosse Bebel Am Sonntag abend fand im Brüsseler Volkshaus ein großer Kommers statt, an welchem zirka 4000 Personen teilnahmen. Nach das Wort. Er bringt die Sympathien, welche die Sozialdemokratie aller Länder, vor allem auch die Dentschlands, für das belgische reich vollzogene Einigung ausgesprochen, kommt er auf die beginnenden Proletariat hat, zum Ausdruck. Nachdem er seine Freude über die in Frant Kämpfe im Ruhrgebiet zu sprechen. In wenigen Tagen würden voraussichtlich gegen 200 000 Bergleute im Ausstand sich befinden. Genosse Bebel rechnet auf die internationale Solidarität; spricht die Hoffnung aus, daß das Proletariat aller Länder die deutschen Bergleute in ihrem gewaltigen Kampfe unterstützen werde, so daß es den internationalorganisierten Sohlenmagnaten nicht gelingen werde, Streifbrecher im Auslande anzuwerben oder den Kohlenbedarf in anderen Ländern zu decken. er Die von Vandervelde übersetzte Rede wird mit ungeheurem Beifall aufgenommen. Aus Prag erhalten wir folgendes Telegramm: Glück auf! zum aufgezwungenen Kampfe den deutschen Bergarbeitern! Unserer internationalen brüderlichen Solidarität werden wir auch tatkräftigen Ausdruck verleihen. Partei- Exekutive der tschechischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Anton Nemec, Vorsitzender. Politifche Ueberficht. Das Kohlensyndikat als Agent provocateur. Aus Essen wird uns geschrieben: Für unglaublich hielt man die von bürgerlicher Seite verbreitete Meldung, Bergrat Engel habe erklärt, der Streit solle niedergeschlagen werden und wenn er hunderte Millionen Mark tosten sollte. Nicht Herr Engel, einer feiner Beamten ließ ein Dementi aufflattern, es fand gläubige Aufnahme. Wäre die Antwort des bergbaulichen Vereins schon bekannt gewesen, die Ablengnung hätte wohl kritischere Würdigung erfahren. Jedenfalls fonnte jene Aeußerung nicht aufreizender wirken, als die offizielle Antwort des bergbaulichen Vereins. Das Antwortschreiben, die Art der Behandlung der Arbeitervertreter, Wochen stattgefunden haben, förderten eine Unmenge Klagen über Die vielen Versammlungen, die im Ruhrrevier in den letzten mutete an, als habe man nach beleidigenden, verlegenden und heßenden brutale Behandlung durch Betriebsführer, Steiger und andere Beamte Formen förmlich gesucht. Wie die Arbeitervertreter behandelt worden zutage. Nicht gering ist der Anteil der Unzufriedenheit der aus der find, das schilderte der Obmann des Ausschusses, Efferts, Borichlechten Behandlung erwachsen ist. Und was geschieht? Die Zivilfizender des christlichen Gewertvereins, also: Auf behörden- vielfach mit dem Bergbau start verwandt, Schmiedingeine Anfrage am Montag früh wurde ihm vom Bergrat Engel die Dortmund zum Beispiel ist der Aufsichtsrat der Harpener BergbauAntwort, es sei ein Einschreibebrief mit der Antwort an ihn um Gesellschaft 9 Uhr abgegangen. Mittags 1 Uhr erklärte man auf dem Postamt Beiniger ansieht, Polizeigewalt! Jest sieht man die Leute, die sonst übertragen diesen Beamten, die man vielfach als in Altenessen, der Brief sei noch nicht eingetroffen. Gegen 2 Uhr mit dem Worte die Arbeiter verletzten und aufreizten, bewaffnet fei er wieder dort gewesen; schließlich habe man ihm gesagt, der einherstolzieren. Das müssen die Arbeiter doch als Hohn und Spott Brief sei da. Aber mun wurde dieser nicht verabfolgt. Obwohl er auffassen, denn schon oft mußten früher Beamte wegen Schießerei ( Efferts) an demselben Morgen noch einen anderen Einschreibebrief und anderer Gewalttätigkeiten bestraft werden. in Empfang genommen, obwohl er verschiedene Legitimationspapiere borwies, dem Beamten die Situation erläuterte, ihm mitteilte, daß die Konferenz stundenlang auf den Eingang des Briefes warten Die Schleswig Holsteinsche Volkszeitung" veröffentlicht Tate müsse, wurde erst noch Ausweis durch dem Beamten bekannte Solange man hoffen konnte durch Schwindeleien Arbeitswillige fachen, die die Mitteilungen des Abgeordneten Paasche von der Personen verlangt. Der Ausweis durch einen Postboten habe auch zu loden, blieb die bürgerliche Preffe mit den Angaben über die äußersten Spannung zwischen England und Deutschland, die noch nicht genügt, es hätten erst müssen zweie sein. Hierdurch sei Bahl der Streifenden weit hinter der Wirklichkeit zurüd. Am Montag, fürzlich bestanden hat, bestätigen. Der Gewährsmann unseres Kieler wiederum eine Stunde Verzögerung eingetreten. Die Presse konnte wo bekannt war, daß an die Proklamation des Generalstreiks nicht Parteiblattes ist absolut zuverlässig und hat schon wiederholt unserem die Antwort biel früher mitteilen, als diese in Händen des Aus- mehr zu zweifeln fei, änderte sich das Bild urplöglich. Am Sonnabend Parteiblatt über internste Marine- Angelegenheiten Mitteilungen geschusses war. wurde die Zahl der Streikenden auf 50 000 und weniger angegeben, Köfter vom Gewerkverein bezeichnete die Art und Weise, wie die am Montag früh sollten sogar noch mehr Arbeitswillige fich eingestellt macht, die in jedem einzelnen Falle sich als zuverlässig erwiesen Verbände behandelt worden sind, als skandalös. Nachdem haben, als bisher, und am Montag abend gab die bürgerliche Breffe haben. Danach ist für die Flotte nicht die Mobilisierung, wohl aber Efferts den Wortlaut der Antwort mitgeteilt hatte, bemerkte er: die Zahl der Streitenden auf 100 000 an!- Weiter ist auf ein- die Kriegsbereitschaft angeordnet gewesen. Auf Urlaub beIch habe dazu weiter nichts zu fagen als: Die Unter- zelnen Bechen geschwindelt worden, indem man die Maschine laufen findliche Offiziere waren zu dem kritischen Zeitpunkte zurüdgerufen nehmer haben uns den Kampf aufgenötigt, gut, sie sollen ihn haben! ließ und damit den Anschein erweckte, es werde gefördert. Auf solche worden. Die Munitionsvorräte sind vervollständigt worden und die Anhaltender stürmischer Beifall. Praktiken wird man nun wohl berzichten. Reparaturen der in den Werften befindlichen Schiffe ungemein be fchleunigt. ** Die bürgerliche Presse und die Zahl der Streikenden. Begeisterte Stimmung. Röster erklärte, die legten Bemerkungen Efferts deckten sich mit dem Beschluß des Ausschusses. Bu beraten sei da weiter nichts 1 In der beschlossenen Resolution sei niedargelegt, daß bei ablehnender Antwort der Generalstreit als proklamiert gelte. Bravo! ZuMontag abend fanden in Dortmund, Effen, Castrop, Werne usw. ftimmung! Eine Diskussion sei wohl nicht erforderlich? große Versammlungen statt, in denen man sich mit großer BeRufe: Nein! Nein! Weiter gab Köfter dann noch Verhaltungsmaßregeln: geisterung zustimmend zu der Proklamation des Generalstreits erDer Altohol müsse strengstens gemieben, für größte Ruhe gesorgt lärte. Ueberall regen sich die Frauen, die in prächtig verlaufenen werden. Um die Arbeitswilligen folle man sich nicht fümmern. Versammlungen die Männer anfeuern, im Kampfe auszuharren. Wer arbeiten wolle, den solle man ruhig gehen lassen, die Streifenden müßten sich, soweit sie nicht als Ordnungsmannschaften fungierten, strengstens aus der Umgebung der Zechen fern halten.- Zu= stimmung!- In den Streitbersammlungen dürfe irgend welche parteipolitische Agitation nicht geduldet werden. Für die Streifenden gelten nur die vom Ausschuß herausgegebenen Bekanntmachungen, alle anderen Publikationen müßten ignoriert werden. Sachfe schloß sich den Ausführungen an. Den Führern fei vorgeworfen worden, sie seien umgefallen. Gewiß, sie hätten den Streit vermeiden wollen, nachdem aber der Volkswille entschieden habe, sei es ihre Pflicht, die Leitung in die Hand zu nehmen, in diesem Falle sei des Volkes Stimme Gottes Stimme! ( Bustimmung.) Die Organisationen würden für Ruhe und Ordnung sorgen, zu diesem Zwecke schlage er vor, überall Ordnungstommissionen zu bilden, die sich den Behörden zur Verfügung stellen. ( Zustimmung.) Die Unternehmer hätten den Kampf gewollt, nun heiße es festhalten; fefte drauf, bis der Sieg errungen sei!( Anhaltende lebhafte Zustimmung.) Bergmann Hade Stiepel verlas sodann( wie schon telegraphisch gestern berichtet) einen Artikel aus der Rheinisch- Westfälischen Zeitung", nach welchem er zu einem Gutsbesizer gesagt haben sollte, der Generalstreit sei längst beschlossen. Die Rheinisch- Westfälische Zeitung" hatte daraus einen Beschluß des Parteivorstandes gemacht! Hade legte dann eine amtlich bestätigte Erklärung des betreffenden Gutsbesizers vor, in welcher dieser mitteilte, es sei unwahr, daß ihm von Hacke die obige Mitteilung gemacht worden sei. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Einigkeit der bier Verbände schloß dann Köster die Konferenz. Die Nachricht von der Proklamation des Generalstreiks wurde überall mit jubelndem Beifall begrüßt. * Kontraktbruch". In der Antwort des bergbaulichen Vereins wird bemerkt, ein Eingehen auf die Wünsche der Arbeiter sei die Sanktionierung des Kontrattbruchs. Wie zartfühlend! * Der Aufruf des Bergarbeiterausschusses. In dem den allgemeinen Ausstand verkündenden Aufruf der Kommission der vereinigten Arbeiterorganisationen heißt es unter anderem: Berlin, den 17. Januar. Der deutsch- englische Konflikt. Aus Kiel meldet uns ein Privattelegramm: " g Gerüchtweise verlautet, ein Angriff der Flotte sei besonders bei dem Vorfall an der Doggerbant geplant gewesen, aber auch dann sei ein solcher in Aussicht genommen worden für den Fall, daß bie englische Flotte sich lebergriffe gegen Rußland erlauben sollte. Soweit unser Telegramm. Unser Kieler Parteiblatt bringt außerdem noch weitere Mitteilungen, die darauf hindeuten, daß die Kriegsbereitschaft noch jetzt aufrecht erhalten sei. Wir verzeichnen diese Mitteilungen, weil allerdings die Affäre Baasche es wurde kürzlich von dem Blatte, das die Rede gebracht, ausdrücklich die Authentizität des Wortlautes verbürgt Wir sind nunmehr in einen schweren wirtschaftlichen Kampf durchaus nicht geklärt ist. Selbst wo Paasche qualmt, muß irgend um die Rechte der gesamten Bergarbeiterschaft eingetreten. Mit ein Feuer brennen. beispielloser Einigkeit fordern die Kameraden aller Verbände die Anerkennung der Arbeiterrechte! Nur Gerechtigkeit wollen wir, wir wollen feine Vorrechte, wir wollen nichts unerfüllbares! Gerechtigkeit willen kämpfen wir. Der Reichstag rechtigkeit, nur Gerechtigkeit, heißt unsere Parole. Um der Ge- erledigte heute in einer temperamentlosen Sigung die zweite Lesung des Etats des Reichsschatzamtes. Bei dieser Gelegen heit brachte der freisinnige Abgeordnete Dr. Hermes wie immer die Klagen der Großhändler in Süßstoffen zum Vortrag, die bei dem zugunsten der Zuckerindustriellen erlassenen Süßstoffgesetz in der Entschädigung zu kurz gefahren sind. Die Expropriation ohne Entschädigung, dieses Schreckbild des Zukunftsstaates, wird also unter Umständen schon von der bürgerlichen Gesellschaft gehandhabt. Weiter wurden Wünsche über die Ausprägung von Münzen geäußert. Kameraden, nun der organisierte Kampf von den Drganisationen geführt wird, heißt es strenge Disziplin halten, jede, auch die geringste Ausschreitung zu verhindern! Belästigt teine Arbeitswilligen, haltet streng die öffentliche Ordnung aufrecht, keinerlei Ansammlung vor den Zechen und auf den Straßen! Meidet strenge den Alkohol, denn er ist unser schlimmster Feind! Bildet selbst Eure Polizei, forgt überall für Ordnungsmannschaften zur Unterstützung der Behörden. Je ruhiger wir den uns aufgezwungenen Kampf führen, desto mehr sympathisiert die Deffentlichkeit mit uns. Je entschlossener und einiger wir handeln, desto größer ist unser Erfolg. Die Zechenpresse ruft nach Militär, zeigen wir durch musterhafte Ordnung, daß die Ruhrbergleute gefittete Staatsbürger find, die aber gewillt sind, einmütig und geschlossen den Kampf um ihre Befferstellung durchzuführen. Kameraden, unsere Parole lautet darum: Unbedingte Einigkeit und entschlossene Ruhe! Wichtiger als diese Dinge war die Erörterung einer Zentrumsresolution, die für die unteren Beamten eine Erhöhung des Wohnungsgeldzuschusses forderte unter besonderer Berüc fichtigung der Beamten, die mit Familienangehörigen einen Haushalt führen. Der Schatzsekretär erklärte sich bereit, dieser Resolution, die schließlich auch angenommen wurde, am 1. April Kameraden, von nun an heißt es für jeden, sich an die An 1906 insofern Genüge zu tun, als wenigstens die Aufbesserung ordnungen der unterzeichneten Kommission zu halten. Nur das ist maßgebend für die Belegschaften, was die unterzeichnete Kom- der Wohnungsgeldzuschüsse für die Unterbeamten dabei in mission bekannt gibt. Kehrt Euch nicht an andere, hört nur auf Frage kommt. Von unserer Seite billigte Genosse Singer die Beschlüsse der Verbandsvertreter, teine andere Seite hat das den Grundgedanken der Resolution, tadelte aber ihre unRecht, fich in unsere Sache zu mischen. Unser Kampf ist eine rein bestimmte Fassung, die, wenn sie Gesetz werde, aufs neue der bergmännische Angelegenheit, und wir weisen die Einmischung Willfür, der Streberei und der Liebedienerei Tür und Tor irgendwelcher auderer Faktoren in diesem Bergarbeiterkampf ent- öffne. schieden zurück. Was zu beschließen und anzuordnen ist, wissen Genosse Singer hatte Veranlassung, die bösen Folgen Tar wir selbst, wir brauchen keine Nebenregierung. Unser Kampf muß und tautschukartig gefaßter Gesezes bestimmungen an einer nur vom rein gewerkschaftlichen Gesichtspunkte geführt werden, Materie nachzuweisen, die ebenfalls beim Etat des Reichsschapum so besser für uns!" Anarchisten". Hätten die Unternehmer stets einen so großen Respekt bekundet in bezug auf Vertragstreue, die Unzufriedenheit hätte bei den Bergarbeitern gar nicht den jezigen Grad erreicht. Für sich selbst haben die Unternehmer längst den Vertragsbruch sanktioniert. Die feierliche Zusage in dem Berliner Protokoll hat man schnöde mißachtet, die Schaurig, traurig meldet ein Telegraphenbureau: wiederholten feierlichen Erklärungen des bergbaulichen Vereins Gelsenkirchen, 17. Januar. Mit dem D- 3uge, der um 11 1hr hinsichtlich der Lohnsteigerungen waren für die Razz. Tausendfach 35 Min. Gelsenkirchen passiert, tamen zwei Anarchisten an, die aber hat man Kontraktbruch begangen durch Gedinge Abzug. Fast bereits von Dortmund aus durch zwei Kriminalbeamte verfolgt wurden. nie hat man sich an die gesetzlichen Bestimmungen ge- Auf dem Bahnhofe in Gelsenkirchen wurden sie durch den % " amtes zur Verhandlung gelangte. Im Gesetz über die Beihülfen für Kriegsveteranen ist von der Würdigkeit" der Empfänger die Rede. Wie unsere Fraktion vorausgesagt hat, ist diese Bestimmung gründlichst mißbraucht worden. Von unserer Seite führten die Genossen Singer und Grünberg, von freisinniger Seite die Abgg. Dr. Müller Sagcm und Gothein eine Reihe Fälle an, die von diesem Mißbrauch schreiendes Zeugnis ablegten. Selbst auf der rechten Seite des Hauses nahm der alte Herr v. Nicht- Hofen, ein durch etwas Humanismus gemilderter Junker, gegen diesen Mißbrauch Stellung; dagegen benutzte Dr. Arendt die Gelegenheit zu einer Hetzrede gegen die Sozialdemokratie. Singer und Gothein gaben ihm die gebührende Antwort: auch Dr. Müller- Sagan fand gegen den scharfmacherischen Silberapostel scharfe Worte, wie sie seit langem nicht aus der freisinnigen Volkspartei— nach rechts ge- fallen sind. Am Mittwoch ivird der Reichsanteil am Buddismus, d. h. der Etat der Verwaltung der Reich sei senbahnen den Reichstag beschäftigen.— Die Berhöhliung des allgemeinen Wahlrechtes. 9U Regierung schlägt jetzt eine neue Taktik ein, um die Sozial- demokratie zu bekämpfen. Man ist zu der Erkenntnis gekommen, daß die rednerischen Triumphe des Reichskanzlers gegenüber der Sozialdemokratie lediglich papierene Siege sind, die im Preßbureau des Auswärtigen AmteS und in der von ihm gespeisten bürgerlichen Presse organisiert werden. Den Triumphräuschen folgt allemal ein Katzenjammer, und selbst die Verbreitung der Bülowreden im Lande hat nichts gefördert, wie die Vermehrung der Makulatur. Die Regierung ist jetzt nach solchen Mißerfolgen auf den Aus- weg verfallen, das gleiche, allgemeine, direkte und geheime Wahlrecht aus eigener Machtvollkommenheit dadurch aufzuheben, daß sie dem Reichstag überhaupt nicht mehr Rede st eht, sondern die Aktionen oder wenigstens die Einleitung der Aktionen in den preußischen Landtag verlegt. Wir haben schon früher darauf hingewiesen, daß höchst auf- fälligerweise in seiner preußischen Etatsrede der Finanzminister v. Rheinbaben sich über die Handelspolitik ausließ, bevor auch nur der Reichstag sich mit der Frage wieder beschäftigte. Noch mehr! Die Konservativen hatten eine Interpellation im Reichstag be- schloffen, in der über die Kündigung der Handelsverträge die Regierung befragt werden sollte. Die Konservativen verzichteten aber darauf, die Anfrage sofort einzubringen und auf die Tages- ordnung setzen zu lassen, weil inzwischen der Graf Bülow im preußischen Landtag über diese R e i ch S s a ch e Rede und Antwort stand. Man hat also in diesem Falle eine unzweifelhafte Reichs- angelegenheit künstlich vor den preußischen Landtag gebracht. In diesem Falle spielten die Konservativen freiwillig und absichtlich als eine Art politische Rückkompagnie mit, um ihre eigene Interpellation in den Landtag zu verschleppen. Dagegen wurde die sozialdemokratische Interpellation über den Bergarbeiter st reik wider den Willen ihrer Urheber aber- mals aus dem Reichstage in das preußische Abgeordnetenhaus ge- schmuggelt. Der Graf Posadowskh, sofern er das sozialpolitische Gewissen des offiziellen Deutschen Reiches vertritt, muß sich sehr unbehaglich gefühlt haben, als er die aus- weichende Antwort gab, die Regierung könne die Interpellation nicht sofort beantworten, weil der Handelsministcr Möller im preußischen Landtage zu tun habe; denn zur selben Zeit verbreitete sich Herr Möller, ohne durch eine Interpellation genötigt zu sein und obwohl der Bergarbeiterstreik im eininentesten Sinne rechtlich und politisch das ganze Deutsche Reich angeht, ausführlich über den Konflikt im Ruhrrevier. Sogar Graf Bülow war erschienen, um einige Sprüche der Weisheit über die Angelegenheit dem hohen Hause des Dreiklassen-Wahlrechts zu unterbreiten. Das gleiche Schauspiel wiederholte sich bei der Beratung des Königsberger Prozesses. Der verantwortliche preußische Justizminister und Bevollmächtigte des Bundesrats. Schönstedt, blieb dem Reichstagesfcrn, obwohl esjsich um elementare Fragen des Reichs- Strafgesetzbuches und der Reichspolitik handelte. Alle Einwände, daß sowohl Königsberg wie der Bergarbeiter- streik von Recht? wegen dem preußi'chen Abgeordnetenhaus unter- stehen, werden dadurch widerlegt, daß eben Graf Bülow auch über die Handelsvertrags-Politik im preußischen Abgeordnetenhause sich verantwortete, obwohl er selbst der Meinung ist, daß gerade diese Frage durchaus dem Reichstage vorbehalten sein muß. Es war am 2. Juni 1902, als das Abgeordnetenhaus einen Antrag beriet, in der die Regierung ersucht wurde, im Bundesrate dafür einzutreten, daß den von der Mehrheit der Reichstags-Zoll- tarifs-Kommission ausgedrückten Wünschen auf Verstärkung des land- wirtschaftlichen Zollschutzes über die Zolltarifvorlage hinaus ent- sprachen werde. Obwohl nun damals im Gegensatz zur heutigen Situation eS sich um eine von Preußen ausgehende Instruktion für den Bundesrat handelte und ein besonderer Antrag vorlag, erklärte damals der Ministerpräsident Reichskanzler Graf Bülow: „Zu den vorliegenden Anträgen der Abgeordneten Graf zu Limburg-Stirum und Genossen und der Abgeordneten Freiherr v. Zedlitz und Neukirch und Genossen habe ich namens der könig- lichen Staatsregierung folgende Erklärung abzugeben: Die könig- lichc Staatsrcgiernug lehnt es ab. a» der Beratung dieser Anträge sich zu beteiligen. jBravol links.) Der dem Reichstage vor- liegende Entwurf einesZolltarifes bildet einen nach langen und mühe- vollen Verhandlungen unter den verbündeten Regierungen zustande gekommenen Kompromiß. Nach der Reichsverfassung und insbesondere nachdem der Entwurf eines Zolltarifgesetzes nebst Zolltarif im Auf- trage Seiner Majestät des Kaisers nach erfolgler Zustimmung des Bundesrates dem Reichstage zur verfassungsmäßigen Beschluß- nähme vorgelegt ist und zur Zeit den Gegenstand der Beratungen der zu diesem Zwecke gewählten Zolltarifkommission bildet, gehört diese Materie zur ausschließliche» Kompetenz des Reichs- tages. lSehr richtigl links.) Die gleichzeitige Beratung dieses Gegenstandes in einzelstaatlichen Landtagen_ und namentlich in demjeitigen des größten Bundesstaates (Sehr richtig! links), kann nur den Zweck verfolgen, von den parla- mcntarischen Körperschaften der Einzrlstantcn aus eine Lecinsiussimg auf die Beschlußfassung des Reichstages auszuüben.z. Brust über die Ver- sagung von Deputatkohlen sind absolut unangebracht gewesen. Ich muß diese, wie auch die Angriffe auf die Grubenbesitzer, indem er von protzigem Auftreten derselben sprach, entschieden zurückweisen. Ich hoffe, daß es der von der Regierung entsandten Kommission gelingen wird, ohne Voreingenommenheit festzustellen, daß in Wirk- lichkeit die Grundlage des Streiks die hetzerische Agitation ist, die über viele Taufende von Arbeiterfamilien so viel Leid bringt und schwere Schädigungen für unser gesamtes Wirtschaftsleben im Gc- folge hat. Handelsministsr Möller: Dem Vorredner gegenüber bemerke ich, daß ich den Kontrakt- brück, in höchstem Maße mißbillige. Ich bedaure, baß in der deutsche» Arbeiterschaft so wenig Gefühl für Gesetzlichkeit herrscht, daß sich die Arbeiter zum Kontraktbruch verleiten lassen. Auch 1889 hat der Kontraktbruch die Gemüter aufs höchste erregt. Im Jahre 1890 haben bei der Beratung des Arbcitcrschutz-Gesetzes die Vertreter der Sozialdemokratie, insbesondere der Abg. Bebel, sich die größte Mühe gegeben, die Kündigungsfrist in der Gewerbeordnung zu streichen, damit die Arbeiter nicht in die Zwangslage kämen, den Kontrakt zu brechen. Ich bin damals als Abgeordneter in der schärfsten Weise gegen den Antrag Bebel aufgetreten und habe darauf hingewiesen, daß die Kündigungsfrist für die Arbeiter einen viel höheren Wert habe als für den Arbeitgeber, und daß das Verhältnis zwischen Ar- beitgeber und Arbeiter sich verschärfen müsse, wenn die Kündigungs» frijt beseitigt werde. Ich bedaure, daß die Arbeiterschaft selbst sich durch ihr Verhalten von neuem einen Angriffspunkt gegen dieses Schutzmittel bereitet hat. Aus einer Reihe von Telegrammen von heute morgen darf ich gleich zur allgemeinen Kenntnis bringen, daß erfreulicherweise die Order, in den allgemeinen Streik einzutreten, nicht beachtet ist. (Hört! hörtl) In einzelnen Bezirken ist die Arbeiterschaft bis zur Hälfte eingefahren, und auf einzelnen großen Zechen ist die Mann- schaft vollzählig eingefahren. Hoffen wir. daß die Zeit zu Verhand- lungen noch nicht zu spät ist.(Beifall.) Abg. Goldschmidt(frs. Vp.): Ich bedaure die Aeußerungen des Ministers v. Hammerstcin darüber, was geschehen solle, wenn die ordinäre Polizeigewalt nicht ausreiche. Ich möchte dem Minister sagen: wenn die Polizei sich nicht ordinär beträgt, so wird schon alles gut werden. Die Arbestecschafc wird selbst für Ordnung sorgen, und wenn die Polizei sich im Rahmen des Gesetzes hält, so wird trotz der großen Aufregung in dem Streik alles sich so abwickeln, daß die Anordnungen des Ministers überflüssig sein werden. Ich weiß nicht, ob in der von Herrn Hirsch angeführten Statistik auch die Beamtengehälter einbezogen sind. (Abg. Hirsch: Nein!) Ich habe früher öfters das Gegenteil gehört. Wenn der Minister Möller meinte, nur auf 3 Proz. der Förderung beziehe sich das Wagennullen, so trifft doch auf den einzelnen Ar- beiter ein höherer Prozentsatz. Mein lebhaftes Bedauern muß ich darüber aussprechen, daß Abg. Hirsch von hetzerischer Agitation ge- sprachen hat. Wir müssen uns bemühen, den Frieden aufrechtzuer- halten, dazu aber tragen die Ausführungen des Abg. Hirsch nicht bei, sie verschärfen nur die Gegensätze. Die Mitteilungen des Handrlsministers begrüßen wir mit Dank.(Beifall links.) Abg. Winckler(kons.): Ich muß bezüglich des Kohlenstreiks dem Handclsminister beitreten, wenn er, wie der Ministerpräsident, eine reservierte Stellung einnimmt und jetzt noch kein Urteil über die Schuld der Parteien wünscht, wo er eine unparteiische Untersuchung angezeigt hat. Nach ihrem Abschluß werden wir aber auch fragen müssen, ob die Organe der Regierung nicht doch hätten früher eingreifen können, als das Unheil noch zu verhindern war. Den Worten des Ministers des Innern kann ich nur aus voller Ueberzeugung beistimmen. Beim Schutze der Arbeitswilligen ist die Autorität der Staatsregierung und die Autorität des Staates engagiert.(Sehr gut! rechts.) Erst vor Wenigen Minuten haben wir durch Telegramme die bedauerliche Nachricht erhalten, daß man auch diesmal wieder versucht hat, Arbeitswillige mit Gewalt an der Arbeit zu verhindern.(Hört! hörtl rechts.) Eins dürfen wir schon jetzt als feststehende Erkenntnis aus dem Streik gewinnen: die sozialdemokratische Agitation hat dort an der Ruhr wie überall vorbereitend für den Streik gewirkt, so daß es in der Tat nur noch eines Funkens bedurfte. Schon jetzt wissen wir, daß es kein Gewicht hat, wenn die Führer der Sozial- dcmokratie jetzt, nachdem es so weit gekommen ist, anscheinend und äußerlich die Friedensschalmei blasen. Wir haben es schon so oft ausgeführt, wenn wir an Unruhen anderer Art, die kommen könnten, erinnerten: daß das Unglück nachher nicht die Führer trifft, daß die sich stets zu salvieren wissen. Gegenüber den Organisationen ist die Stellung der Unter» nehmer sehr schwierig geworden. Um so bedauerlicher und schlaffer ist die Haltung der sogenannten unparteiischen Blätter, die bei jedem Lohnkainpfe ohne weiteres auf die Seite der Arbeiter treten. Denken Sie nur an Erimmitschaul(Unruhe links.) Freilich die Zusammen- ballung der Syndikate und Kartelle hat vielleicht auch in bezug aaf " Es fann aber nur zählen und zählt lediglich den helden mütigen Kampf der Sozialisten in Rußland, um den durch den Krieg und die revolutionären Konsequenzen der Ereignisse ein geleiteten Zusammenbruch des Zarismus zu realisieren und auf diese Weise der Kolonialräuberei ein Ende zu machen. Das Bureau sendet im Namen des internationalen Sozialis mus an die fämpfenden Sozialisten und Proletarier in Rußland den Ausdruck seiner Bewunderung und brüderlichen Sympathien mit heißen Wünschen, daß ihr revolutionärer Kampf Rußland und die Welt baldigst von der Tyrannei des Absolutismus befreien und dem Proletariat in Rußland diejenigen Bedingungen verschaffen möge, in denen es sein Organisationswert und seinen Befreiungskampf ungehindert führen kann. Der Sekretär Servy gibt den Bericht über die Tätigkeit des Internationalen Bureaus Frage des Abstimmungsmodus Die Arbeiterverhältnisse schädliche Wirkungen gehabt.( Sehr wahr! Zusammenhang des Streites bollkommen genau unterrichtet links.) Da hat mich in der Rede des Finanzministers zum Etat eine sind durch die mehrstündige Konferenz, die am 10. cr. Stelle gefreut, die fehlte.( Seiterkeit.) Im vorigen Jahre hatte er in Leipzig zwischen ihnen und den Partei- Vorständen ein überschwengliches Lob gesungen auf das Kohlensyndikat ins- stattgefunden hat. In dieser Konferenz hätte sich die Redaktion besondere; diesmal nach den Stillegungen und den Hiberniaerfah- des Vorwärts" als„ unterrichtete Stelle" ebensogut vertreten rungen hat er geschwiegen. Das war die beredteste Stelle seiner be= Tassen können, wie es die Redaktion der Leipziger Volkszeitung" redten Rede. Ümsomehr muß man sich über die Reichstagsrede des getan hat, zumal ihr die sachlichen Beschuldigungen keineswegs preußischen Staatsministers Grafen Bofabowsky am 13. Dezember neu und der„ Leipziger Volkszeitung" längst bekannt waren. 1904 wundern. Ich flechte hier ein, daß wir nicht daran denken, Wenn sie es gleichwohl unterlassen hat, um sich jetzt nachträglich zu uns vom Abg. Wiemer das Recht nehmen zu lassen, hier über Reichs- einem Beweisverfahren zu erbieten, das rechtzeitig vor den angelegenheiten zu sprechen.( Sehr gut! rechts.) Bei der Reichs- Leipziger Partei- Instanzen zu führen wir diesen niemals verwehrt gründung haben die Einzelstaaten gewisse Gebiete sich ausdrücklich hatten, so bekräftigt eine milde gesagt so überflüssige Rückzugsund ausschließlich vorbehalten, andererseits Gebiete dem Reiche zur fanonade nur das Ürteil, das von den Leipziger Partei- Instanzen Erledigung überwiesen. Soweit aber diese letteren durch den im Schlußsaße ihrer Erklärung über die Kampfesweise des Bom Borfizenden Vandervelde wird ein Telegramm von Bundesrat erledigt werden, gehört es zur Zuständigkeit dieses Hauses," Vorwärts" gegen die„ Leipziger Volkszeitung" gefällt worden ist." Daszynski, Raniowski und Morawski vorgelesen, in zu prüfen, wie Preußen im Bundesrat vertreten wird. Alle An- Wir finden es durchaus verständlich, daß der für diese Aus- dem die Genannten im voraus ihre volle Solidarität mit den Bes gelegenheiten des Reiches find somit Angelegenheiten Preußens, lassung verantwortliche Redakteur der„ Leipziger Volkszeitung" das schlüssen des Bureaus ausdrücken, da der Vertreter ihrer Sektion Bayerns usw.( Sehr gut! rechts.) In dieser Beziehung interessiert Bedürfnis fühlt, die Leipziger Partei- Instanzen vor der Aufklärung verhindert sei, in der Sitzung zu erscheinen, und auf den gegen uns auch die Haltung des preußischen Ministers und Bundesrats- über die von ihm zusammengerührten Behauptungen zu bewahren. wärtigen Kampf mit dem russischen Absolutismus hinweisen. bevollmächtigten Grafen Posadowsky gegenüber den Warenhäusern. Aber wir bemitleiden ihn gleichzeitig wegen des Maßes von InEr rühmte sie als eine Erscheinungsform der Kapitalsassoziation, die besonnenheit, zu dem er in der Polemik gegen uns hervorgerufen sei durch die elektrischen und Untergrundbahnen. Aber nachgerade fich gesteigert hat. Sollte der Schreiber der die Klagen der Handwerker beschränken sich nicht auf Berlin mit vorstehenden Bemerkungen bei der erwähnten Konferenz seinen Untergrundbahnen. Durch ihre Verständnislosigkeit hat die mit dem Parteivorstand anwesend gewesen sein, getvesen sein, so hat er seit dem Amsterdamer Kongreß( derselbe Bericht wird auch schriftlich Regierung den Bund der Handwerker wie den der Landwirte not- die unwahrheit geschrieben, wenn er behauptet, die Leipziger Partei- den Mitgliedern des Bureaus vorgelegt). Servy teilt ferner mit, wendig genacht, und ich freue mich aufrichtig über die große Instanzen seien über den Zusammenhang des Streites vollkommen daß das Bureau von zwei bulgarischen sozialistischen Fraktionen eine Stimmenzahl, die auf den ersten Handwerkerkandidaten jüngst bei der genau unterrichtet worden; denn diese Bemerkung kann in dem Zu- Beschwerde erhalten habe, von jeder über die Zulassung der Reichstagsnachwahl gefallen ist. Redner geht dann auf die Notlage fammenhang, in dem sie geschrieben ist, und wenn sie überhaupt anderen zur Vertretung im Internationalen Bureau. der Landwirtschaft ein und verlangt eine umfassende Entschuldungs- einen Sinn haben soll, nur bedeuten, daß auch der Parteivorstand aktion. Zur Revision der Ginkommensteuer verlangt er, daß alle Aufklärungen gegeben habe. Der Schreiber obiger Zeilen muß as dritter Punkt der Tagesordnung wird die direkten Steuern ausschließlich den Einzelstaaten vorbehalten blieben wissen, daß das Gegenteil von dem, was er behauptet, die und das Reich den Einzelstaaten nicht länger zur Last falle. Der Wahrheit ist. Der Parteivorstand hat ausdrücklich in jener vem Minister versprochene Termin für das Volksschulunterhaltungs- Konferenz erflärt, daß er feinerlei Anlaß habe, auf die auf den internationalen Kongressen behandelt. gebiet müsse streng festgehalten werden. Die Polenpolitik der Re- Haltung des Vorwärts" irgendwie einzugehen, er hat Ban Kol erklärt, daß es notwendig sei, den größeren Nationen gierung sei die einzig richtige und mögliche. Es würde die größte ferner mitgeteilt, daß im Einverständnis mit ihm die mehr Stimmen zu geben als den kleinen, und legt einen praktischen Naivität sein, der polnischen Agitation, in der der Unabhängigkeits- Redaktion des" Borwärts" verzichtet habe, sich in der Leipziger Vorschlag in diesem Sinne dar. Als Grundlage für die Zulassung gedanke noch fortlebt, freien Spielraum zu lassen. Wir sollen uns Konferenz vertreten zu lassen, weil eben der Vorwärts" und feine einer Nation zum Kongreß soll der bereits vom Internationalen nach Ansicht der Polen nur als provisorische Plazhalter der ehemals Haltung gar nicht zur Debatte stand, sondern es lediglich sich um Bureau in Amsterdam akzeptierte Grundsatz gelten, daß man unter polnischen Landesteile betrachten. Wir werden die jetzige Bolen- die Gehäffigkeiten und Beschimpfungen in Nr. 298 der Leipziger Nation nicht eine ethnographische Gruppe, sondern die Gesamtheit politik der Regierung stets unterstüßen. Ich freue mich, daß der Volkszeitung" handelte. Die Leipziger Partei- Instanzen sind in der Sozialisten versteht, die im Rahmen eines bestimmten Staates Minister des Innern sich mit der Anregung des Grafen Limburg ein- jener Sigung also, abgesehen von den unwahren Behauptungen gegen eine gemeinsame Regierung fämpfen, daß aber jeder dieser verstanden erklärt hat, für die öffentlichen Bersammlungen den ihres Redakteurs, in feiner Weise über die tatsächlichen Vor- Nationen nach Maßgabe ihrer Größe eine verschiedene Stimmenzahl Gebrauch der deutschen Sprache vorzuschreiben. Juristische Be- gänge informiert worden. zugestanden werde. denken dagegen können nicht in Betracht kommen. Wir wünschen, daß Festgestellt sei noch, daß das Gerede des Vorwärts", von dem Hyndman unterstügt den Vorschlag und die Auffassung Ban Kols. bei der Vertretung der vitalen Interessen des Landes stets die er- der Redakteur der„ Leipziger Volkszeitung" in den obigen Säßen Bandervelde spricht gleichfalls dafür, daß das in Amsterdam vom forderliche Entschlossenheit seitens der Regierung betätigt wird. spricht, dem Parteivorstand vor der Veröffentlichung zur Kenntnis- Internationalen Bureau formulierte Prinzip, daß man unter Nation Nicht nur die Angriffe der Polen müssen zurückgewiesen werden, son- nahme unterbreitet worden ist." die Gesamtheit der Genossen in einem Staate versteht, aufrechtdern wir müssen auch eine entschlossene Abwehr der sozialdemo Wenn der Verfasser der neuen Entgegnung in harmonischer erhalten werde, daß jedoch ein System von Pluralstimmen eingeführt tratischen Bestrebungen verlangen. Kann es einen größeren inneren Uebereinstimmung mit der Freien Deutschen Preffe", dem Organ werde, dem auch die Größe der von jeder Nation an das InterFeind geben als die Sozialdemokratie? In einer sozialdemokra- der Sozialistenspiegler, und der Mehrzahl der bürgerlichen Blätter nationale Bureau zu entrichtenden Beiträge angepaßt werden müsse. tischen Broschüre wird von dem neuen Jahre erhofft, daß es in von einer Rückzugskanonade des Borwärts" und von dem un- Kautsty liest zunächst eine ihm zugegangene Mitteilung vor von den Rußland zur Revolution kommen werde; damit würde auch der geheueren Eindruck spricht, den die Erklärung der vor jeder bulgarischen Genossen( Rakowsky, Harlakon und das Zentralrussische Bann gebrochen werden, der auf Deutschland laste. Da wahrheitsgemäßen Aufklärung von ihrem Informator behüteten fomitee der sozialdemokratischen Partei Bulgariens), worin diese wird direkt die Hoffnung auf eine Revolution ausgesprochen, und Leipziger Partei Instanzen auf alle Unbefangenen gemacht gegen die Fassung etwaiger Abänderungsbeschlüsse betreffend den demgegenüber müssen wir die Bitte aussprechen, daß der alte haben soll, so werden wir uns auch durch diese Redewendungen Abstimmungsmodus protestieren und die Absetzung dieser Frage von preußische Geist in der Verwaltung festgehalten werde. Oft wird das nicht provozieren lassen. Es ist seit jeher die taktische Kunst der Tagesordnung der Sitzung des Bureaus fordern. Kauts th Wort des großen Königs zitiert: Toujours en vedette! Ich möchte von Sozialdemokraten, auf Provokationen nicht zu reagieren. Wir fügt dem hinzu, daß er es für unmöglich hält, eine so schwierige wünschen, daß der Nachfaz: Tout soit force, nerf et vigueur mit werden nach wie vor dabei beharren, Parteigenossen gegenüber in der Frage ohne vorherige genügende Diskussion durch einen Beschluß goldenen Lettern über allen unseren Ministerien stehen möge.( Beifall Deffentlichkeit die Rücksichten zu nehmen, die nun einmal genommen zu lösen und schlägt vor, sich vorläufig auf einen Meinungsaustausch rechts.) werden müssen, auf die Gefahr hin, daß urteilslose Leute auf das zu beschränken, die Fassung eines Beschlusses aber bis zu einer Abg. v. Karborff( ft.): Geschwätz der bürgerlichen Presse hineinfallen und demjenigen recht späteren Sigung zu verschieben. geben, der solche Rücksichten nicht kennt. Wir aber dürfen diese Burückhaltung üben in der festen Ueberzeugung, daß jedes Spiel der unwahrhaftigkeit einmal von selbst eine Ende nimmt. Polizeiliches. Gerichtliches ufw. 0 " " Welter spricht für die Zulassung des Großherzogtums Lugemburg als besondere Nation im Bureau und auf den Kongreffen. Eine Reichs- Finanzreform ist dringend nötig. Die jebige starte Inanspruchnahme durch das Reich ruft zumal in den schwer betroffenen fleineren Staaten eine Reichsverdrossenheit hervor. Wir Adler meint, daß wenn auch die gleichen Rechte der fleinen tvollen diese treuen Freunde aus der Zeit des seligen Bundestages Nationen mit den großen bei der Abstimmung auf internationalen aber nicht verlieren.( Bravo!) ( Bravo!) Für das Schulunterhaltungs- Nachwehen des Königsberger Hochverrats- Prozesses. Wegen Kongressen zu Unzuträglichkeiten führen mögen, er doch keine NotGesetz wird man von meiner Partei fräftig eintreten. Eine Hinaus- Beleidigung der Königsberger Ober- Postdirektion und der Reichspost wendigkeit sieht, hierin durch ein neues System Wandel zu schaffen. schiebung der Einbringung über Erde dieses Jahres hinaus würde hatte sich Genoffe rille als verantwortlicher Redakteur des„ Bolks- as jedoch zu ändern Notwendigkeit wäre, das ist der Modus der bei allen Barteien lebhafte Mißstimmung erregen( Sehr richtig!) blattes für Harburg" vor der Straffammer in Stade zu verant. Bulassung verschiedener Nationen zur Vertretung im Bureau Es wäre wünschenswert, daß der Gesezentwurf vor seiner Ein- worten. Die Beleidigung wurde in einer Notiz erblickt, in der und auf den Kongreffen. Die von dem Internationalen Bureau in bringung publiziert würde, um den Gemeinden und den weiten unter der Stichmarke„ Schnüffler an der Arbeit" aus Königsberg Amsterdam getroffenen Beschlüsse gälten nur für den AmsterKreisen der Wähler eine Stellungnahme zu ermöglichen. berichtet wurde, daß bei unserer Königsberger Parteileitung ein damer Kongreß und dürfen nur als provisorische, nicht definitive fodann nicht eine weitere Ausdehnung der Selbstverwaltung möglich defektes Paket mit russischen Drucksachen eingegangen sei, das augen- betrachtet werden. Als Grundlage hierbei könne weder der Begriff fein? Dadurch würden dem Staate Arbeitskräfte gewonnen. Wir scheinlich auf der Post einer unerlaubten„ Revision" unterzogen Nation, noch Staat dienen, denn es gibt Staaten mit sehr sollten auf dem Wege weitergehen, den wir mit der Einführung der worden sei. An diese Behauptung war noch eine scharfe Kritik eines vielen Nationalitäten und Nationen, die keinen Staat haben. Das Streisordnung zum Gegen des Vaterlandes beschritten haben.( Bei- solchen Gebahrens geknüpft. einzig richtige wäre, die Parteien als solche zuzulassen, und fall rechts.) zwar jeder sozialistischen Partei das Recht auf eine gesonderte Minister Frhr. v. Hammerstein Delegation und eine Stimme zu geben. beftreitet dem Abg. Windler gegenüber, daß Graf Bosadowsky auf einem anderen wirtschaftlichen Standpunkt stehe als das Abgeordneten haus. Abg. Schmieding( nail.): Sollte Krille wurde zu einer Geldstrafe von 100 Mart und den üblichen Rebenstrafen verurteilt. Die Sitzung des Brade fonstatiert, daß bereits in Amsterdam das Internationale Bureau als Regel erflärt hat, jede Nation dürfe höchstens zwei Sektionen bilden, das von Van Kol vorgeschlagene Pluralvotum dürfe deshalb nicht etwa so ausgelegt werden, daß nunmehr jede Nation nach der ihr zugestandenen Stimmenzahl als ebenso viel Sektionen gelten dürfe. Internationalen sozialistischen Bureaus. Erhebliche Misstände werden im Ruhrrevier nicht zutage ge-( Eig. Ber.) Am 15. diefes, Sonntag, hat das Internationale fördert werden. Die Erregung ist auf die sozialdemokratische Versozialistische Bureau in Brüssel, im Maison du Peuple, eine Sigung Bebel hebt zunächst hervor, daß die Frage eine außerordentlich hehung und die Agitation der polnischen Arbeiter zurückzuführen, die abgehalten. Anwesend waren: Bebel und Kautsky( für Deutschland), schwierige und verwickelte sei. Eine ideale Lösung, die allen Aneir sehr unruhiges Element sind, und für die das Zauberwort Heimat Anjeele und Vandervelde( Belgien), Cipriani und Jean Longuet für sprüchen und Auffassungen genügen würde, kann es gar nicht geben. und Familie keine Bedeutung hat. Die Ausführungen des Abg. Gold- die eine französische Sektion, Vaillant und Brade für die andere, Wir müssen aber suchen, einen einigermaßen befriedigenden Ausweg schmidt machten auf mich den Eindruck, als wollte er sagen: Ich kenne Cambier( Argentinien), Axelrod und Rubanowitsch( Rußland), Hynd- zu finden, und da sei selbstverständlich vor allem eine ausreichende zwar die Verhältnisse nicht, aber die Arbeitgeber sind im Unrecht. man( England), Van Kol( Holland), Rosa Luxemburg( sozialdemo- allseitige Diskussion in der Parteipreffe notwendig. Die dabei auf Mit wem sollten die Zechenbesizer verhandeln? Man verhandelt nicht fratische Partei des Königreichs Polen), Welter( Großherzogtum tauchenden Vorschläge müßte dann das Internationale Sefretariat mit solchen, die keine Macht hinter sich haben. Es hat sich in diesem Luxemburg). sammeln und in den drei Kongreßsprachen den Mitgliedern des Streit eine vollständige Kopflosigkeit und Disziplinlosigkeit der ArBaillant macht zuerst Mitteilung, daß die französischen Sozialisten Bureaus wieder mitteilen, wobei wohlgemerkt eine etwas forgfältigere beiter gezeigt. Wir müssen vor allem es mißbilligen, daß die Arbeiter dem in Amsterdam von der Internationale ausgesprochenen Wünschen Uebersetzung besorgt werden sollte, wie in den Zusendungen des unter Kontraktbruch in den Ausstand getreten sind. Nach den uns nachgekommen sind und die Bureaus seit dem Amsterdamer Kongreß. In der Sache selbst zugegangenen Nachrichten sind mehrfach Ausschreitungen Ausständiger sozialistische Einigung wären drei Abstimmungsformen auf den Internationalen Kongressen gegen Arbeitswillige vorgekommen, und der polizeiliche Schuh hat vollständig versagt. Gegenüber dem Mangel an Rechts- und Ver- realisiert haben. Ur zwar ist sie auf dem Boden der in denkbar: Die Abstimmung nach Köpfen wäre vielleicht an sich die antwortlichkeitsgefühl, den wir bei den streifenden Arbeitern sehen, Amsterdam akzeptierten Dresdener Resolution verwirklicht rationellste, wird sich aber kaum praktisch durchführen lassen. 2. Die müssen wir einen energischen Schutz der Arbeitswilligen verlangen. worden, d. h. unter Bedingungen, welche die strikte Anwendung der Abstimmung nach Bartei- Organisationen. Der hiergegen gemachte Der Abg. Goldschmidt hat dem Minister vorgeworfen, daß er, obwohl sozialistischen Prinzipien und der revolutionären Tattit in der fran- Einwurf, daß dies eine Prämie für die Bersplitterung wäre, sei an er den Streik vorhergesehen habe, nichts getan habe, um ihn zu ber- zösischen Bewegung garantieren. Die Einigung ist ausdrücklich auf sich unstichhaltig, weil doch keine Organisation fich zu einem so hüten. Hätte er nur die Wege dazu ang geben! Wenn ein Boden der Auffassung basiert, daß die französische sozialistische Partei nicht fleinlichen Zwecke absplittern würde, um eine Stimme auf dem durch die sozialdemokratische Berhebung so vorbereitet ist, wie dort, eine Partei der Reformen, sondern eine revolutionäre Partei des internationalen Kongreß zu erlangen. 3. könnte nach Nationalitäten abgestimmt werden Dabei fann selbstverständlich z. B. den fo genügt ein Funken, um das Pulverfaß zur Explosion zu bringen, Selaffenkampfes sein müsse. Bracke liest die betreffenden Dokumente vor, nämlich den von Kolonien mit eigener Regierung das Recht auf gesonderte und es hilft dagegen nichts. Die große Hälfte der Arbeiter ist zur der Einigungskommission ausgearbeiteten Entwurf der Bedingungen Delegation und Stimme nicht streitig gemacht werden. Desgleichen Arbeit bereit, wenn ihr die Möglichkeit zu arbeiten gewährleistet für die definitive Einigung der Organisationen. hat das Großherzogtum Luremburg darauf einen berechtigten AnDieser Entwurf wurde sodann allen beteiligten Barteien und spruch. Bum Schluß formuliert Bebel seinen Vorschlag: jede Organisationen zur Ratifizierung vorgelegt. Am 13. dieses Monats Nation hat nur zwei Stimmen. Wer die Stimmführer sind, enthat nun die letzte Sigung der Einigungsfommission stattgefunden, in scheidet in strittigen Fällen das Internationale Bureau. Jeder Staat Abg. Dr. Wiemer( frf. Vp.): Durch den Schluß der Diskussion der festgestellt wurde, daß der Einigungsentwurf von allen Organi- von einheitlichem nationalen Charakter hat eine eigene Vertretung. bin ich verhindert worden, dem Abg. Windler zu antworten und die fationen afzeptiert worden sei.( Nur die autonome Föderation des Wo mehrere Nationalitäten vorhanden sind, hat jede einen Anspruch Vorwürfe des Vorredners gegen den Abg. Goldschmidt zurückzuweisen. Nordens hat noch aus prinzipiellen Gründen ihre Ratifizierung bis auf eigene Vertretung. Ich habe nicht die Theorie aufgestellt, daß hier Reichsfragen nicht be- zu ihrer nächsten Konferenz hinausgeschoben, die jedoch bereits am Rubanowitsch ist auch der Meinung, daß die Frage erst reiflich handelt werden sollen, sondern ich habe Widerspruch gegen die von der 29. 6. M. stattfinden soll.) So kann die Einigung als eine voll- diskutiert werden müsse. Rechten erhobene Forderung erhoben, daß die Minister nicht im endete Tatsache betrachtet werden. Nunmehr soll noch ein allgemeiner Rosa Luxemburg stellt gegen Adler fest, daß die von dem inters Reichstage Auskunft über preußische Angelegenheiten geben sollen. Stongreß aller franzöfifchen sozialistischen Organisationen stattfinden, nationalen Bureau in Amsterdam formulierte allgemeine Regel für Wir sind bereit, der Landwirtschaft zu helfen, bestreiten aber, daß die mit beffen Vorbereitung eine Kommission betraut worden ist, und die Bulaffung der Delegationen teine provisorische war, sondern Agrarzölle den mittleren und fleineren Landwirten zugute kommen. Der wahrscheinlich schon im Frühjahr zustande kommen wird. Es ganz allgemein für die Kongresse gelten sollte. Das von Adler vors Der größte Teil des Etats wird hierauf der Budgetkommission sind im übrigen auch noch Maßnahmen getroffen worden, damit schon geschlagene System sei unzulässig, denn in Verhältnissen wie z. B. von jetzt ab bis zur definitiven formellen Einigung die verschiedenen in Rußland sei der Begriff" Partei" noch viel bager und Nächste Sizung: Mittwoch, 11 Uhr.( Einführungsgeset Organisationen in ihrer Tattit in Reih' und Glied marschieren in schwankender als der Begriff Staat" und" Nationalität". Jeder zum Reichs- Seuchengeſetz.) der Richtung, die für die geeinigte Partei maßgebend werden soll. Rationalität eine gesonderte Vertretung zugestehen, wie Bebel wolle, Schluß 3% Uhr. Hyndman bringt darauf eine Resolution ein, die diejenigen gehe nicht an, weil dann erstens die jeßigen Delegationen ganz uma fozialistischen Parteien beglückwünscht, denen es gelungen ist, in geändert werden müßten, indem die Deutsch- Desterreicher mit den ihrem Lande die Einigkeit zu realisieren, und die anderen, in denen Reichsdeutschen ſizen würden, die Schweizer Delegation ganz aufnoch Zersplitterung herrscht, ermahnt, sich die Wichtigkeit der Einigkeit gelöst werden würde, um in die französische, deutsche und italienische zu überlegen und Anstrengungen nach dieser Nichtung zu machen. aufzugehen, andererseits würden zwei Staaten mit abnormsten VerHyndman hat dabei insbesondere auch seine eigene, englische sozia- hältnissen: Rußland und Desterreich allein auf den internationalen liftische Bewegung im Auge. Kongressen die Majorität bilden. Baillant bringt im Namen der Sozialistischen Partei Frankreichs die folgende Resolution über den Krieg wird.( Beifall.) Ein Schlußantrag wird angenommen. Persönlich bemerkt überwiesen. W Partei- Nachrichten. Die Furcht vor der Aufklärung. Die„ Leipziger Volkszeitung" antwortet auf unsere Bemerkungen über die von den Leipziger Partei Organisationen unterzeichnete Mehringsche Erklärung das Folgende: Die Unterstellung, daß die Erklärung der Leipziger Bartel Instanzen bestimmt sei, mildernde Umstände für die Redaktion der Leipziger Volkszeitung" au erwirken, erledigt sich durch den Wort- ein: laut der Erklärung und die Wirkung, die sie auf alle unbefangenen Barteigenossen gehabt hat. Ebenso summarisch erledigt sich das übrige Gerede des Vorwärts" durch die einfache Tatsache, daß die Leipziger Partei Instanzen über den ganzen " Axelrod gibt eine Darstellung der erflusiven Verhältnisse in Rußland, wo auch bürgerliche Elemente sich an die Arbeiterklasse heranmachen, wo bald alles in Sozialismus machen dürfte. Wenn wir jeder sozialen Partei" oder Organisation das Recht auf eine Das Bureau erneuert seine Mahnung an die fozialistischen Delegation und Stimme geben, dann könnte die wirk Parteien aller Länder, daß sie alle Wachsamkeit und alle An- liche proletarische Partei, die russische Sozialdemokratie, strengungen aufbieten, um jede Beteiligung ihrer Länder am sehr leicht von allerlei„ Auchsozialisten" überstimmt werden. Kriege und jeden Bruch der Neutralität zu verhindern. Wenn fogar ein solcher Modus, wie ihn Abler vorschlägt, atzeptiert werden follte, so müßte fich die ruffifche Sozialdemokratie eine entscheidende Rolle spielen. Das kann auf zweifachem Wege geblieben, als auf ihre frühere Selbständigkeit zu verzichten. bor seiner Anwendung auf Rußland garantieren. geschehen. Entweder erfüllt die neue Regierung die Forderung der Die Abfuhrgesellschaft und die Firma H. Scheller arbeiten mit Schließlich wird eine Kommission aus drei Mitgliedern( Ban tot, Beamten und nimmt massenhafte Maßregelungen der Offiziere und ihren Gespannen bereits für ihre frühere Konkurrenz, die WirtBandervelde und Leroy) gewählt, die beauftragt wird, alle Vor- Bivilbeamten vor, die in den Skandal verwidelt sind, oder aber schaftsgenossenschaft". An der ganzen Sache intereffiert am meisten schlage, die sich auf die Vertretungs- und Abstimmungsfrage auf sie erklärt, unbeschadet etwa der Statuierung einiger Erempel, die der offensichtlich zutage getretene fapitalistische Aufsaugungsprozeß den Kongreffen beziehen, zu sammeln, zu redigieren und den Mit Angelegenheit für erledigt durch den Nücktritt des Kabinetts Combes. der Kleinen durch die Großen und das Bestreben der Kleinen, dieser gliedern des Bureaus mitzuteilen. Als Frist zur Einsendung dies- Die Linke, die unter Walded- Rousseau im Namen des lieben Friedens ökonomischen Notwendigkeit auf Kosten der Arbeiter so lange wie bezüglicher Vorschläge an das Sekretariat aus den Reihen der die Amnestie für die Fälscher und Verbrecher des Generalstabes möglich Widerstand zu leisten. In diesem Falle hat der Streit den fozialistischen Parteien sind sechs Monate firiert. botiert hat, kann offenbar nur den letzteren Weg für annehmbar Aufsaugungsprozeß allerdings wesentlich beschleunigt. halten. Der Nüdtritt Combes entwaffnet übrigens die persönlichen Feindschaften zahlreicher Diffidenten, die einem neuen Links- Namen Mar Winkler, Frankfurter Allee 142 wohnhaft, lautend, ist Das Mitgliedsbuch Nr. 15 des Vereins der Kleber, auf den ministerium wohl oder übel werden Gefolgschaft leisten müssen. 營 Es wird sodann die Mitteilung gemacht, daß Genoffe Leroy fein Amt als Sekretär des Internationalen Bureaus niederlegt, und an seiner Stelle Genosse Fahsmanns gewählt wurde. Bandervelde hebt in kurzen Worten die Verdienste des ersten Sekretärs hervor, der in der schwierigsten Zeit der Funktionierung des Bureaus seiner Aufgabe mit Hingebung und Geschid obwaltete. Das Bureau bestätigt dies durch lebhaften Beifall und Händes flatschen. Jean Louguet schlägt eine Sympathie- Erklärung für die jetzt von der eigenen Regierung besonders gemaßregelten japanischen Genossen bor, was einstimmig angenommen wird. Die Resolution lautet: Was die Sozialisten betrifft, so werden sie jedes Linksministerium gestohlen worden. Wir ersuchen, sollte dasselbe irgendwo vorgefunden unterstützen, welches sich auf Combes Programm verpflichten würde. resp. auch versucht werden, zu unlauteren Zwecken zu benutzen, das Auch die revolutionären Sozialisten, die übrigens in der Buch anzuhalten und seinem obigen rechtmäßigen Eigentümer zulegten Debatte ebenfalls mit der Vertrauensmehrheit des Kabinetts stellen zu wollen. Der Vorstand des Vereins der Kleber( Tapezierer) gestimmt haben. Jaurès fügt noch die Bedingung oder den Wunsch Berlins und Umgegend. hinzu, daß aus dem neuen Ministerium die Urheber des„ berräterischen Werkes" der Wahl Doumers zum Kammerpräsidenten ausgeschlossen bleiben, d. h. vor allem die ehemaligen Mitglieder des Kabinetts Waldeck- Rousseau. Gewerkschaftliches. „ Das Internationale Sozialistische Bureau protestiert gegen die politischen und gerichtlichen Verfolgungen, deren Opfer die japanischen Sozialisten gegenwärtig find. Es protestiert speziell gegen die Auflösung der sozialistischen Vereinigung von Tokio, gegen das Verbot des sozialistischen Organs Haimin- Shimbun" und die Verurteilung seiner Redakteure auf Grund der bloßen Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests", dieses klassischen Doluments des internationalen Sozialismus. Das Internationale Sozialistische Bureau fendet den Ausspielte sich in Moabit folgender Zwischenfall ab: bruck seiner tiefen Sympathie und Solidarität an die japanischen Sozialisten, welche für die gemeinsame Sache des internationalen Proletariats fämpfen." Darauf wird die Sitzung des Bureaus geschlossen, nachdem noch Bebel den Vorschlag gemacht hat, nur einmal jährlich in einer günstigeren Jahreszeit( im Frühling) die Sigungen des Bureaus abzuhalten. In wichtigen Fällen könnte dann das Sekretariat selbst eine Extrasigung einberufen. Der Bebelsche Vorschlag wird allgemein angenommen. Ministerkrisis in Frankreich. Paris, 16. Januar.( Eig. Ber.) Ein Organismus, der in feiner Lebenswurzel getroffen ist, fann, wenn er nicht sterben will, nur noch einen langwierigen Todestampf bestehen. Das war die Lage des Kabinetts Combes vor der zweitägigen Rammerschlacht und das ist sie nach der Schlacht. Mit einer Vertrauensmehrheit von sechs und zehn Stimmen, worunter acht Ministerstimmen, tann man nicht mehr regieren, hat man nicht mehr die Kraft, ein Reformprogramm zu ver. wirtlichen. Man fann nur noch in schwebender Pein fortbegetieren bis zum nächsten Zusammenstoß mit der immer siegesgewifferen Oppofition. Das hat die Erfahrung der Herbstfession gezeigt. Deutfches Reich. Einen Kampf gegen die Arbeiterorganisation führt die Firma 2. u. A. Bernstein in Wafungen( Thüringen). Die Firma betreibt eine Holzwarenfabrit, welche als Spezialität Sportwagen, Kinderwagen, Kinders, Triumph- und Salonstühle anfertigt. Vor cinigen Wochen bildete sich in Wasungen eine neue Zahlstelle des Holzarbeiter Verbandes. Die Firma L. u. A. Bernstein stellte darauf am Weihnachtsheiligabend die von ihr beschäftigten Arbeiter vor die Staatsanwalt, Dreschgraf und Arbeiterführer. Bei der Verhandlung gegen den Dreschgrafen Pückler Wahl, entweder aus dem Holzarbeiter- Verbande auszutreten oder die Arbeit aufzugeben. Die eben erst gegründete Zahlstelle war nicht in der Lage, das brutale Verlangen des Unternehmers abGraf Bidler( erregt): Der Herr Staatsanwalt hat hier zuivehren. Die Arbeiter erwarten jedoch, daß auf die organisations. soeben Ausdrücke gebraucht wie Gassenjungen“ und„ pöbelhaftes feindliche Firma ein Einfluß ausgeübt werden könne durch die Benehmen". Ich verlange, da diese Aeußerungen eine schwere Abnehmer ihrer Fabrikate. Die Wafunger Holzarbeiter ermitteln Ehrenfränkung für mich enthalten, daß der Herr Staatsanwalt deshalb die Kunden der Firma 2. u. A. Bernstein. Als einer der fofort reboziert, wenn er ein Ehrenmann ist. hauptsächlichsten Abnehmer der Firma ist der Kinderwagen. Wenn der Staatsanwalt nicht sofort revoziert, behalte ich mir Bazar Baby in Berlin, Juhaber S. Kalisti, Hauptgeschäft weitere Maßnahmen vor. Ich bitte also dringend, den Invalidenftr. 160 festgestellt. Diese girma hat auch noch eine Anzahl Ausdrud Gaffenjungen" zurückzunehmen. Ich will wie ein weiggeschäfte in verschiedenen Stadtteilen Berlins. " Gentleman behandelt werden! # Wors.: Der Herr Staatsanwalt hat nur gesagt, daß sie Ausdrücke gebraucht haben, wie sie auch Gasienjungen gebrauchen. Erflären Sie sich vor allen Dingen auf den Antrag des Vertreters der • Anflagebehörde. Ausland. Dir ausgesperrten Tischler Wiens erklärten sich in einer Ber sammlung zu Unterhandlungen mit den Meistern auf der Basis des Neunstundentages bereit. Tie Demonstrationen vor Graf Büdler: Jch fordere erst, ehe ich mich auf weitere den Werkstätten der Scharfinacher werden fortgesetzt. Während der Erklärungen einlasse, daß der Herr Staatsanwalt diese Aeußerungen Versammlung marschierten 200 Polizisten zu den Häusern der beiden zurüdnimmt und ertlärt, daß er mich persönlich mit dem" Gassen- Möbeltischler Ludwig, um die Herren vor Huldigungen zu schüßen. jungen" und„ pöbelhaften Benehmen" nicht beleidigen wollte. Das wurde auch in der Versammlung gemeldet und den Ber Staatsanwalt Noelting erklärt, daß er felbft fammelten empfohlen, die Polizei zu stiller Betrachtung allein verständlich mit seinen Aeußerungen nicht die Persönlichkeit des zu lassen, da sich für die Demonstrationen ja eine geeignetere Stunde Grafen Bidler, sondern nur die verschiedenen, der Persönlichkeit finden lasse. Dagegen wurde von Ausgesperaten bei der Firma Grafen durchaus nicht angemessenen Redewendungen Siegmund Jaray demonstriert. Das war auch nur möglich, indem charakterisieren wollte. man auf der Landstraße die Polizei millerweile bei der Firma Bortois u. Fig beschäftigte. Dian inszenierte nämlich eine fleine Scheindemonstration, auf die sich die Polizei fofort mit Feuereijer warf. Mittlerweile fonnte ungestört Herrn Siegmund Jaray laut gehuldigt werden. des Da sich der Angeklagte mit diesen Erklärungen zufrieden gibt", so ist der Zwischenfall erledigt. Eine ähnliche Szene hat sich in Moabit bor fast genau einem Vierteljahre schon einmal zugetragen; allerdings mit einem anderen Ausgang. B " Es ist daher ein verständiger Beschluß, wenn die Regierung nach Die Möglichkeit solcher Demonstrationen, die in Breußen- Deutfch ihrem Aftersieg demissionieren will. Dadurch würde sie Am 11. Dftober 1904 stand vor den Schranken der land einfach uninöglich wären, erklärt sich aus den besonderen öfter ihren Todestampf abkürzen und was die Hauptsache ist zu Berliner Bevollmächtigte des Metallarbeiter Verbandes, der reichlichen Verhältnissen. Di- ser Tage standen beispielsweise die mindest die Möglichkeit sichern, aus ihrer Programm- Erbschaft zu jüngst verhafteten ad, t Arbeiter vor Gericht. Einer hatte im Zuge eine retten, was in dieser Legislatur noch zu retten ist. Wenn nämlich Genoffe Cohen. Diesem glaubte der Staatsanwalt sagen Tafel geführt mit der Aufschrift:„ Hoch der Neunstundentag!" und das Kabinett als solches bloß sechs Stimmen Mehrheit( 287 gegen zu dürfen, daß er sich von den„ Schweißgroschen" der Arbeiter einem Polizisten die Herausgabe der Tafel verweigert, Die anderen 281) erhalten, so hat seir Programm in einer gesonderten Ab nähre. Als der Angeklagte darauf erwiderte, er müsse für hatten einem Auflauf" beigewohnt, den die Polizisten mit blanker stimmung 362 gegen bloß 46 Stimmen( bei Enthaltung namentlich fein Gehalt genau so seine Arbeit liefern wie der Herr Staats- Waffe zerstreuten. In Deutschland hätten die Aermiten wegen Auf der Melinisten) vereinigt. Unter Abzug der etwa 30 nationalistisch anwalt, entschuldigte sich dieser Herr nicht etwa mit einer rubes langjährige 8uchthaus und Gefängnisstrafen reaktionären Stimmen, die aus demagogischer Tattit für das Reform Entgleifung oder einem Mißverständnis, sondern bezeichnete davongetragen, in Bien erhielt der ärgste Schelm wegen Richt programm abgegeben wurden, ist es die gute alte Linksmehrheit, mit die aufgedrungene Abwehr eines vom Vertrauen seiner Kollegen auseinandergehens und Aufforderung zur Bidersezlich der Combes die ersten zwei Jahre regiert hat. Das heißt natürlich in ein Ehrenamt berufenen Mannes als eine Ungebühr! teit gegen die Wache- 14 Tage Arrest! Die anderen lamen nicht, daß die gleiche Mehrheit wirklich entschlossen ist, Und der Gerichtshof, der erst bei der Auslegung des§ 153 mit fünf, drei Tagen und 48 Stunden Arrest davon. Bei der letzten Auszahlung waren 1886 Personen gegen 1989 Die Steuerreform, die Alterspensionen und die Trennung zwischen Kirche und Staat zum Gesetz zu erheben. der Gewerbe- Ordnung einen Lapsus beging, ahndete diese an- am vorhergehenden Sonnabend zu unterstützen. Inzwischen haben nun auch die Budapester Tischlermeister Wohl aber bindet jenes Botum den Präsidenten der gebliche Ungebühr mit einer Geldstrafe von 20 m. eine Aussperrung inszeniert und in neunzehn Werkstätten zirka 600 Republik bei der Ernennung des Nachfolgers Combes und wird bis 700 Gehülfen ausgesperrt. Die Budapester Tischlergehülfen haben so wenigstens die allgemeine Richtungslinie des nächsten Kabinetts im demokratischen Sinne festgelegt. feine Forderungen gestellt, sie standen mit feiner Firma in irgend einem Sampf und die Ausspering stellt sich lediglich als ein Stampf gegen bereits gemachte Errungenschaften in der Arbeitszeit dar. Die Meister wollen einheitlich den Gifstundentag durchführen, wodurch den Gehülfen die bei vielen Firmen errungene neun, neun einhalb und zehnstündige Arbeitszeit entriffen würde. Gleichzeitig mit dieser Vereinheitlichung der Arbeitszeit zum Nachteil der Ge hülfen sollte eine neue arbeitsordnung durchgeführt werden, die derartige unzulässigkeiten enthält, daß sie abgelehnt werden mußte. Daraufhin erfolgte die Sperre. Berlin una amgegend. Der Die Arbeitsaufnahme der Tischler ist am Dienstag in der Die skeptische Beurteilung der Zukunft des Reformprogramms ist schon durch den bisherigen Verlauf der ablaufenden größten Zahl aller Betriebe ohne weitere Zwischenfälle erfolgt. In Legislatur gerechtfertigt. Die tiefere Ursache der heraufziehenden mehreren Betrieben ist die Arbeit dagegen noch nicht aufgenommen Arise ist ja gerade, wie bereits in meinem Neujahrs- Artikel aus- worden, weil sich noch Schwierigkeiten herausgestellt haben, die je einandergesetzt wurde, die reformerische Ohnmacht des heterogenen, doch nicht von großer Bedeutung sind. In diesen Betrieben hat die innerlich verschiebenartigen Blocs und der nach seinem Ebenbilde ge- Leitung des Holzarbeiter- Berbandes im Laufe des gestrigen Tages schaffenen Regierung. Für eine demokratische Steuerreform gibt es vermittelnd eingegriffen. Voraussichtlich werden die noch bestehenden in dieser Kammer ebensowenig eine aufrichtige Mehrheit wie in allen früheren Stammern der dritten Republit, höchstens eine he u ch- Differenzen in fürzester Zeit geregelt, so daß auch in den noch aus Terische Mehrheit, welche die Lähmung ihres Votums durch den stehenden Betrieben die Arbeit vielleicht schon heut wieder aufDifferenzen in der Antwerpener Diamantindustrie. In der legten Senat heimlich diskontiert. Die Alterspensionen für Ar- genommen wird. Zeit sind in der Diamantindustrie Antwerpens wiederum verschiedene beiter können wohl auf eine erdrückende Mehrheit aus allen Parteien Brauerei- Arbeiter. Bei der Wahl der Arbeitnehmer- Mitglieder Differenzen entstanden, die dadurch hervorgerufen wurden, daß die rechnen. Die Furcht vor den Arbeiterwählern will es so. Indes ist des Kuratoriums des Arbeitsnachweises der zum Verein der Arbeitgeber mit Hülfe einer Streitbrecherorganisation an den Er diese Reform undenkbar ohne eine durchgreifende Aenderung des Brauereien Berlins und Umgegend gehörenden Brauereien siegte die rungenschaften des legten Streits zu rütteln fuchen. Besonders Steuersystems und des Ausgabenbudgets. Bleibt doch selbst die Liste der Vertreter des Zentralverbandes deutscher Brauerei- Arbeiter möchte man die neunstündige Arbeitszeit wieder abschaffen. Am 1903 bon der Kammer votierte Reform der Armenpflege( obliga- glänzend. Abgegeben wurden von den im Bereiche des Vereins der Sonnabend ist auf mehreren Fabriken durch Anschlag angekündigt torische Unterstübung der Greise und Gebrechlichen), die als ein Brauereien beschäftigten 1150 Brauern 917 Stimmen. Davon worden, daß bom Montag, den 16. Januar an, die Vorverk der Altersversicherung gedacht war, bisher im Senat steden erhielt der Verband 641 Stimmen, der Bund deutscher Bierbrauer- Arbeitszeit wieder neuneinhalb Stunden oder aus Mangel an Geld. Endlich die dritte Hauptreform, die Gesellen 276. Trog aller Agitation erlitten die berufensten Ver- aehn Stunden dauern sollte. Die Anordnung ist mit der Trennung zwischen Kirche und Staat. Es ist ein treter der Harmonie zwischen Kapital und Arbeit eine solche Rieber Streifbrecherorganisation vereinbart worden. Nach den beim letzten subjektiv ungewolltes, objektiv aber verdienstliches Resultat der anti- lage. Bei der Wahl vor zwei Jahren erhielten der Verband 516, Streif getroffenen Abmachungen fann jedoch eine Benderung der fongreganistischen Aftion Combes', die Trennungsfrage von Re- ber Bund 864 Stimmen. Es scheint also mit dem Bunde abwärts Arbeitszeit, der Bestimmungen über die Löhne usto. nur mit dem gierungswegen spruchreif gemacht zu haben. Andererseits setzt die zu gehen. In der Sektion II( Hülfsarbeiter) fiegte ebenfalls die Antwerpener Diamantarbeiter- Berband vereinbart werden. Trennung feine Budgetopfer voraus, ja, auf die Dauer Liste des Verbandes. Von 1459 abgegebenen Stimmen erhielt der Verband wirkt denn auch eifrig dafür, daß der Tarifvertrag in entlastet sie das Budget vollständig von den mehr als Verband 1448. Die Wahl ist in sofern von größter Wichtigkeit für feinem ganzen Umfang aufrecht erhalten und jener Nugriff ab40 Millionen Frant an Kultusausgaben, abgesehen von den die Brauerei- Arbeiter Berlins, als die Kuratoriumsmitglieder zu geschlagen wird. Ginnahmen, die der Staat aus seinem Eigentumsrecht auf die gleicherzeit Mitglieder des bestehenden Einigungsamtes find. Die niederländische Gewerkschaftsbewegung hat im verflossenen Kultusgebäude ziehen könnte. Trotzdem aber tann sie in dieser Kammer offenbar weder eine aufrichtige noch eine heuchlerische Achtung, Schuhmacher! Wegen Maßregelung haben die Arbeiter Jahre wiederum unter den Kämpfen zu leiden gehabt, die nun Mehrheit finden. Der neueste bündige Beweis dafür ist die der Genossenschafts- Schuhfabrit, Wilhelmstr. 30/31, die Arbeit nieder bereits seit zehn Jahren innerhalb der organisierten Arbeiterschaft Hollands ihren verderblichen Einfluß geltend machen und der Weigerung Etiennes, des Vorsitzenden der Demo- gelegt. Buzug ist fernzuhalten. Ortsverwaltung Berlin tratischen Union", fich namens dieser äußersten Rechten des weiteren Ausbreitung und inneren Erstarfung der Bewegung hinder lick, sind. des Vereins Deutscher Schuhmacher. Blocs in dem Entwurf einer Vertrauensformel auf die Trennung Das Nationale Arbeitersekretariat", das, wie die Generalfommission" in Deutschland, die Zentrale der niederländizwischen Kirche und Staat zu verpflichten. Die ausdrüdliche Auf- Nachwehen des Mülltutscherftreiks. Wie erinnerlich sein dürfte, zählung der Reformen mußte daher in jener Formel durch den war dem Müfutscherstreit bei der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner fationen mit zusammen 6642 Mitgliedern, und eine Zunahme wird schen Gewerkschaften sein sollte, umfaßte im September 42 Organi Bauschalausbrud: Programm der Regierung" ersetzt werden. Grundeigentümer eine Aussperrung der Kutscher seitens der Zudem wird die innerliche Abgeneigtheit eines Teiles der Links. Firmen S. Scheller, C. Scheller und der Berliner seitdem bei der überall im Lande herrschenden Arbeitslosigkeit nicht mehrheit gegen die Reformen begünstigt und bequem verhüllt durch übfuhrgesellschaft" vorausgegangen. Lezigenannte Firmen stattgefunden haben. Wie" Het Volt" bemerkt, wird das„ N. A.-S." den materiellen Zeitmangel, der um die Wette durch die Opposition widerfesten sich einer Verständigung mit den Stutschern und mit an innerer Straft und an Mitgliederzahl von einer lokalen Föderation wie der" Amsterdamer Vorständebund" übertroffen. Alle großen und die Regierung bezw. die Mehrheit herbeigeführt worden ist. fahrem aufs heftigste; der Kampf dauerte bei ihnen auch am längsten. Verbände und auch viele Kleine stehen außerhalb des N. A.-S.", Neben der reformerischen Ohnmacht und in engem Zusammen. Die Gründe für dieses eigentümliche Verhalten treten jetzt offensicht hang mit ihr laftete auf dem Kabinett und lastet auf der politischen lie autage. Schon im Anfang der Aussperrung war die Streit das übrigens in einer feiner letzten allgemeinen Bersammlungen Situation der Geheimzettel- Standal. Die Opposition hat ja die leitung der Ansicht, daß die Herren Aussperrer mit ihrem Vorgehen sich statt der bisher propagierten Neutralität" au einem„ freis sozialistische n" Standpunkt bekannt, und das außerdem durch Frage der„ Angeberei" auch in dem letzten Ansturm in den Mittel- alles auf eine Starte festen. Die Sache lag nämlich so, daß ein Zirkular die unzufriedenen Mitglieder von Verbänden aufforderte, punkt gestellt, nachdem sie durch eine neue Enthüllung über den diese Firmen gegenüber der bedeutend größeren und leistungs- fich in ihren Berufen zu Föderationen zusammenzuschließen, und republikanischen Armeekorps- Befehlshaber General Beigné, der fähigeren Wirtschaftsgenossenschaft nicht mehr tonturrenzfähig bamit auf eine weitere Bersplitterung ber Bewegung hinwirkte. brieflich dem Sekretär des Freimaurer- Ordens über die bor- waren. Sie hielten sich nur noch auf Kosten ihrer Arbeiter. Sobald Wahrscheinlich wird in nicht allzu ferner Zeit eine neue Bentrale genommenen Berjebungen Ilerifaler Offiziere berichtet, in die Re- die den zwar als berechtigt anerkannten Forderungen der für die niederländische Gewerkschaftsbewegung entstehen. Die Zahl gierungsfeftung eine neue schwere Bresche gelegt hatte. Andererseits Stutscher auf bessere Entlohnung nachfamen, so fonnte fich ihr Rein- ber organisierten Arbeiter, die nicht dem„. A.-S." angehören, hatte der Rat der Ehrenlegion in brüderlicher Eintracht mit der gewinn unter Umständen bis zur Unrentabilität ihrer Unternehmungen wird auf 30 000 bis 40 000 angegeben." Große gewerkschaftliche Opposition an dem borbereitendem Artilleriefeuer teilgenommen. bermindern, umsomehr, als weil sie der Wirtschaftsgenossenschaft auf In einer außerordentlichen zu ungewohnter Zeit einberufenen dem legalen Wege doch nicht mehr die Wage halten konnten. Aus Kämpfe hatten im verflossenen Jahre nur die Diamantarbeiter und Sigung hatte er den Major Bégnicourt als Angeber aus der Ehren- biefen Gründen erklärte sich die hartnädige Ablehnung der Arbeiter die Glasbläser zu bestehen. In beiden Fällen fam bekanntlich ein legion gestrichen- just am Vorabend der ministerstürzenden forderungen. Als dann später bei der Wirtschaftsgenossenschaft eben- Stompromiß mit den Unternehmern zustande. Die große all falls die zum Streit führende Lohnforderung gestellt und die Ge- gemeine Bewegung der Gewerkschaften gegen den Gefeßentwurf des Justizministers mit den den Arbeitern schädlichen Bestimmungen Kammerdebatte. " " Die Aeußerungen der oppofitionellen Bresse aller Schattierungen nossenschaft bank der Energie der streitenden Kutscher und Mitfahrer über den Arbeitskontratt hat jezt bereits insofern Erfolg gehabt über die Strife zeigen übrigens, daß die Opposition entschlossen wäre, zum Nachgeben gezwungen wurde, da sahen sich auch die Abfuhr- daß der Entwurf in seiner ursprünglichen Form jedenfalls nicht die Geheimzettel als Erpressungs mittel gegen jede andere gesellschaft und die Firma H. Scheller zum Nachgeben genötigt. Gesetz wird. lintsstehende Regierung zu gebrauchen. Die Fundgrube der Geheim- Der Schaden, den sie sich durch die Aussperrung selbst zugefügt gettel ist anscheinend noch nicht erschöpft. Die Erwerber der frei hatten, ist aber anscheinend schon zu groß gewesen, um ihn maurerischen Zettel und Briefschaften wirtschaften mit ihrem Fund durch die Bewilligung und den erneut aufgenommenen sparsam und tattisch umsichtig. Bei der Neubildung des Ministeriums Stonturrenztampf gegen die Wirtschaftsgenossenschaft wettmachen muß daher die gründliche Erledigung der Frage der Angeberei" au tönnen. So ist den Firmen denn nichts weiter übrig Berantiv. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Qrud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Briefkaften der Redaktion. E. H. Petershagen. Ihre Mitteilungen werden erscheinen, Nr. 15. 22. Jahrgang. 2. IciliK des Jfltmiittfi" Knlim MsUitt. Mvach. 18. Janaar 1905. Berliner partei-Hncjelegenbeiten. Zur Lokallistc. Die Parteigenossen werden ersucht, aus- nahmslos alle Mitteilungen, welche die Lokalliste und Lokalangelegenheiten betreffen, nicht, wie gestern irrtümlich angegeben, dem Genossen W. Hinz, sondern dem Genossen Karl Rott, Straßmannstratze 29, vorn parterre, zugehen zu lassen. Mitteilungen dieser Art, welche an die Redaktion ge- richtet sind, werden nicht veröffentlicht, sondern dem Genossen Rott zugesandt. Friedrichsfelde. Mittwoch abend 3'/z Uhr bei Bube. Prinzen- Allee 30, Volksversammlung. Genosse Artur Stadthagen spricht über:„Deutschland voran". Fricdrichshagcn. Sonnabend abends g Uhr findet bei Petznick, Friedrichstr. Il�t, die Mitgliederversammlung des Arbeiter- bildungsvereinS statt. Der ReichstagS-Abgeordnete S ch i p p e I sprich: über:«Der Zucker m der Kulturgeschichte und im Völler- leben"._ Lokales. Die Fraktionen der Berliner Stadtverordneten- Versammlung haben zurzeit folgende Stärke: Die„Linke" zählt S0 Mitglieder unter dem Vorsitz des Justizrat Cassel, die„Neue Linke" 19 unter dem Vorsitz des Fabrikanten Dinse, die„Freie Fraktion" 23 unter dem Borsitz des Bankdirektors Mommsen, die„Sozialdemokratische Fraktion" 31 unter dem Vorsitz von P. Singer, die„Sozial- fort- schrittliche Gruppe" 7 unter dem Vorsitz des Rentners Deutsch. Ferner ist noch zu bemerken, dafi drei Mandate frei find, nämlich das für den 10. Wahlbezirk der II. Abteilung durch den Tod deS Stadwerordneten Manegold, das für den 17. und das für den 32. Bezirk Hl. Abteilung, in denen Kerfin und Leid zur Wahl standen, aber behindert find, ihre Mandate auszuüben. Die städtischen Straßenbahnen. Der Zuschufi, den die beiden Siemens-Bahnen nach Treptow und. Pankow von Siemens u. Halske im letzten EtatSjahr erhielten, belief sich auf rund 33S M. Der Magistrat setzte dabei nichts zu, da Siemens u. Halske eine Dividende von 5 Proz, garantiert hat. Nichtsdestoweniger hat auch der Magistrat rund 60 000 M. aus allgemeinen Mitteln für die Amorti- sation seiner Aktien dieser Bahnen auswenden müssen. Auf beiden Bahnen wurden IS1� Millionen Fahrgäste befördert. Der Ueber- schuh, der hierbei erzielt wurde, belief sich auf 200 660 M. Da 4 Proz. des angelegten Aktienkapitals zum Erneuerungs- und Tilgungsfonds abgeschrieben werden müssen, wofür 226 837 M. erforderlich waren, so ergab sich ein Fehlbetrag von 20 200 M. Das Aktienkapital be- trägt nur 6 Millionen Mark. Dem Magistrat kosten seine Aktien rund 10 Millionen Mark, so das; er, trotzdem S Proz. Dividende garantiert find, nur 3 Proz. für sein verausgabtes Geld bekommt. Wegen MajestätSbrleidigung soll nach dem„Berliner Tageblatt" gegen den Grafen Pückler in Potsdam vorgegangen werden. In der letzten Versammlung, die er dort zwei Tage vor seiner letzten Verurteilung abhielt, verlangte Pückler in höhnischer Weise auch, von dem Schwager des Kaisers, dem Herzog Günther von Schleswig- Holstein, der den Profeffor Cohn nach Schloh Primkenau eingeladen hatte, daß er nach Palästina auswandere und Fürst von Jerusalem iverde. Die weiteren Ausführungen Pückler» beschäftigten sich daim mit der.Judenwirtschaft' an den Fürftenhöfen. Hiervei gebrauchte nun der Dreschgras einige recht anzügliche Redewendungen, die von dem beaufsichtigenden Polizeibeamten genau notiert wurden, weil die Beamten sie als Majestätsbeleidigung auffaßten. Die Aufzeichnungen sind jetzt zur Grundlage einer Untersuchung gegen Graf Pückler gemacht worden. Wenn wirklich mit dem MajestätSbeleidigungS-Paragraphen gegen PücklerS Albernheiten operiert werden soll, dann kann eS geschehen, daß er selbst dort, wo man seme Ausfälle jetzt für Verrücktheiten hin- nimmt, sich den Ruf eine» Märtyrers verschafft. Der städtisch« Hafen am Urbim wurde im letzten Verwaltung?- jähre(1. April 1903 bis 31. März 1904) von 2817 Schiffsfahrzeugen zum Beladen bezw. Entladen benutzt. Der Verkehr hat sich gegen das Vorjahr, in welchem nur 2126 Fahrzeuge, oder 791 weniger als im Berichtsjahre, den Hafen benutzten, nicht unerheblich gehoben.— Der Ertrag des Hafens betrug im Berichtsjahre 35 791,26 M., sodaß gegen das Vorjahr eine Mehreinnahme von 9642,61 M. erzielt wurde. Die Hafenausgaben betrugen 20 427,79 M. und sind gegen daS Vorjahr um 3283,08 M. gestiegen. Ueber daS Verhalten des LchrpersonalS bei Unfällen von Schul- kindern ist neuerdings eine Verfügung der Berliner Schuldeputation an die Rektoren der hiesigen Gemeindeschulen erlassen, die bei Un- fällen von Schulkindern daS erste Augenmerk auf die Untersuchung des verletzten Kindes durch den Schularzt oder die Rettungsgesell' schaff richten sollen. Das Lehrpersonal ist, der„Tägl. Nuiichchau' zufolge. angewiesen, dem Rektor jeden Unfall, durch den das Be' finden eines KindeS auch nur einigermaßen beeinträchtigt erscheint, ohne allen Verzug zu melden. Die städtische Schuldeputation spricht die Erwartung aus, daß die Rcttoren sich dauernd über die Art und Weise, wie die ärztliche Untersuchung sich am leichtesten herbeiführen läßt, unterrichtet halten. Tittenbilder. Gestern vormittag wurde der 32 Jahre alte Arbeiter Hermann W e n s ch, der wegen Kuppelei und Zuhälterei von der Staatsanwaltschaft schon lange gesucht wird, aus dem Standesamt in der Wilhelmshavenerstr. 12» verhaftet. Wensch hatte vor Jahren ein Verhältnis mit einer Berta Brock, die unter der Aufficht der Sittenpolizei steht. Nach einem Zerwürfnis mit seiner Braut wurde er wegen sckwerer Straftaten angezeigt. Er hielt sich verborgen und wurde vergeblich gesucht. Auf die Dauer aber be« hagte ihm dies zurückgezogene Leben nicht. Um eine Aendenmg herbeizuführen, mutzte er erst die Hauptbelastungszeugin in dem einen noch gegen ihn schwebenden Strafverfahren unschädlich machen. Nach dem Vorbilde BergerS entschloß er sich, die Brock zu heiraten, damit sie als seine Frau ihre Aussage verweigern konnte. Dieser Plan wäre beinahe gelungen. Die Brock war trotz ihrer früheren Erfahrungen damit einverstanden, daß sie Frau Wensch werde, um nur unter die Haube zu kommen. DaS Aufgebot wurde bestellt, und heute vormittag sollte auf dem StaudeSamt die Trauung stattfinden. Davon hatte aber auch die Strafbehörde Kenntnis erhalten. Mit einem Haftbefehl des Staatsanwalts in der Tasche begaben sich zwei Kriniinalbeamte nach dem Standesamt und erwarteten Wensch mit seiner Braut und seinen Zeugen. Kaum hatte der Bräuttgam seinen Namen genannt, da zeigten sie ihren Hastbefehl, nahmen ihn fest und brachten ihn nach der Wache des Reviers. Braut und Zeugen folgten dorthin, mußten aber ohne den Bräutigam wieder fortgehen, da nun an Stelle der Flitterwochen die Zeit der Untersuchungshaft treten wird. Die verwitwete ö2jährige Kanzleirättn Anna Smigielska, die seit neun Jahren in der Hedemannstr. 5 eine große Parterre- »vohnung mnehat und seit längerer Zeit im Verdachte der K u p p e l e i steht, ist jetzt verhastet und nach Moabit eingeliefert worden. Sie heiratete als zwanzigjährige« Mädchen den mehr als 60 Jahre zählenden Kanzleirat, dessen jüngster Sohn aus erster Ehe älter wir als die junge Stiefmutter. Seit einer Reihe von Jahren hat nun die Witwe Kupplerinnendienste geleistet. Sie lvar fleißige Bcsucherin der Rennplätze, hat auch einigemal mehre« Wochen in Monte Carlo Aufenthalt genoinmen und dabei Verbindungen mit reichen Lebe- männern und lebenslustigen Damen angeknüpft, deren beiderseitige Bekanntschaft sie dann vermittelte. Der Verlehr wurde später»n rhrer hiefigen Wohnung fortgesetzt. Zum Fall Haffe geht uns folgendes Privattelegramm zu: Der„Schlesischen Zeitung" zufolge ist bis jetzt festgestellt, daß ein Vergehen gegen§ 173 nicht in Frage kommt, und ebenso hat sich allmählich herausgestellt, daß Direktor Hasse schon seit Jahren durch schweres körperliches Leiden für die Geistes- krankheit prädisponiert lvar, der er bei Begehung des Attentats bereits verfallen lvar. Die Nachricht, daß die Ehe- frau ihre Unterschrift auf Wechseln als nicht von ihr her- rührend bezeichnet habe, hat ihre Aufklärung dahin gesunden, daß die Eheleute in westfälischer allgemeiner Gütergemeinschaft lebten und der Ehemann daher berechttgt war, auch die Unter- schrift der Ehestau abzugeben.— Wir verzeichnen diese Mit- teilungen selbstverständlich, ohne uns für deren Richtigkeit zu verbürgen. Der Fall des LandgeriÄts-Direktors Hasse hat die Agitation für die Aufhebung deS'§ 175 des StrafgeietzbucheS wieder belebt. In Ballschmieders Konzerthaus. Badstraße, fand gestern abend eine von mehr als 600 Personen männlichen und weiblichen Geschlechts besuchte öffentliche Versammlung statt, in d.er Dr. H i r s ch f e l d, der Vorsitzende des bumanitär-wissenschastlichen Komitees. einen Vortrag über den Fall Haffe und die Notwendigkeit der Aufhebung des§ 175 hielt. Der Redner begründete im wesentlichen eine Petttion an die gesetzgebenden Körperschaften des Deutschen Reiches, die unter anderem schon die Unterschriften von Ernst v. Wildenbruch, Max Halbe, Detlev v. Lilienston und verschiedenen anderen Größen der LUeratur und Kunst sowie auch von einigen Gemeinde- vorständen trägt. Es wird darin die jetzige Fassung des § 175 für unvereinbar mit der fortgeschrittenen wisseuschast- lichen Erkenntnis erklärt und die Gesetzgebung aufgefordert, diesen Paragraphen möglichst dahin abzuändern, daß sexuelle Akte zwischen Personen desselben Geschlechts ebenso wie solche zwischen Personen verschiedenen Geschlechts nur dann zu be- strafen sind, wenn sie unter Anwendung von Gewalt, wenn sie an Personen unter 16 Jahren oder wenn sie in einer„öffentliches Aergernis" erregenden Weise vollzogen werden. Nach eingehender Diskussion faßte die Versammlung folgende Resolution:„Die heute abend im Anschluß an den Fall des Landgerichts-Direktors Haffe ver- einigte, von etwa 600 Personen besuchte Volksversammlung schließt sich der Petition an den Reichstag an, den§ 175 aufzuheben bezw. in angemessener Weise abzuändern, da derselbe der fortgeschrittenen wiffenschastlichen Erkenntms nicht mehr entspricht und zu unerhörten Erpressungen und Vernichtungen menschlicher Existenzen Anlaß gibt, wie gerade durch den Fall Hasse wiederum aufs schlagendste er- wieseir ist." Unser tägliches Eisenbahnopfer. Im Dienste verunglückte gestern der Rangierer Hermann Schmoock aus der Bergmannstr. 81, der seit 12 Jahren auf dem Schlesischen Bahnhof beschäftigt war. Der Mann lehnte sich auf dem Trittbrett stehend zu weit voin Wagen ab, verlor das Gleichgewicht, fiel hin und zog sich einen Schädel- bruch zu. Ein Rangierzug, der sich auf ihn zu bewegte, konnte zum Glück noch zeitig genug zum Stehen gebracht werden. Der Ver- unglückte, der verheiratet ist. wurde imt einem Lückschen Rettungswagen den» Kranshaus Bethanien zugeführt. Ein internationaler Taschendieb wurde in einem hiesigen Theater unschädlich gemacht. In der letzten Zeit waren in verschiedenen Theatern eine Reihe von Diebstählen vorgekommen. Den Lang- fingern waren zum Teil sehr erhebliche Beträge in die Hände ge- fallen. Vorgestern sahen Beamte der Kriminalpatrouille, wie ein Theaterbesucher einem anderen daS Portemonnaie auS der Tasche zog. Der Dieb wurde festgenommen. Er legte sich einen falschen Namen bei, wurde aber von» Erkennungsdienst als ein aus Oesterreich gebürtiger internationaler Taschendieb namens Josef Winsecke festgestellt und nach Moabit in Untersuchungshaft gebracht. Die Kälte hat die natürlichen Gewäsier schnell zum Stehen ge- bracht. Das Eis des Müggelsees ist so stark, daß Ende der Woche die polizeiliche Abnahme erfolgen kann, wenn kein WitterungS- ilmschlag eintritt. Der Hundekehlen-See im Grunewald ist gestern bereits freigegeben worden. Zwei Berliner Einbrecher, vermutlich dieselben, die kürzlich in den Juwelierladen von Eilgen Schröder in der Leipzigerstraße einzu- dringen suchten, haben in Leipzig eine erfolgreiche Gastrolle gegeben. Wie daS Polizeiamt in Leipzig dem hiefigen Polizeipräsidium mit- teilt, ist in der Nacht zum 12. d. Mts. in einem in der Windmühlen- straße 32 zu Leipzig belegenen Juwelengefchäst ein Einbruch verübt worden, bei dem die Verbrecher eine größere Partte Schmucksachen erbeuteten. Die Diebe haben von einer leerstehenden Wohnung des ersten Stocks aus mittels ZeutrumSbohrerS ein Loch durch Diele und Fußboden gebohrt und sich sodann an einer auS Stücken Waschleine und anderen Bnidfadenarten zusammengeknoteten, treppenartig mit Schlingen versehenen Leine hinabgelassen. Gestohlen find Kolliers, Armbänder, Ringe mit Brillanten, Saphiren, Rosetten und verschiedenen Steinen, Taschenuhren, Uhrketten, Vorstecknadeln und Manschettenknöpfe. Die gestohlenen Gegenstände bestanden teils aus 18- und 8karätigem Golde, teils aus Granaten. Einer der Diebe dürfte identisch sein mit einem etwa 30jähngen Manne, der am 11. d. M. die leerstehende Wohnung besichtigte, angeblich, um dieselbe mieten zu wollen. Der Verdächtige spricht Berliner Dialekt, ist et.oaS unter Mittelgröße, von schmächttger Statur, mit vollem Gesicht und dunklem Haar. Auf die Herbeischaffuna der gestohlenen Gegenstände ist eine Belohnung von 500 M. ausgesetzt worden. Ein ganz plumper Schwindel. DaS Polizeipräsidium teilt folgende Warnung vor einem angeblichen Prof. Maxim in London mit: Seit einigen Monaten erscheinen in den Zeitungen Inserate. durch die man unter geheimnisvollen Versprechungen ersucht wird. seine Geburtsdaten an die Adresse„Prof. Johannes Maxim. 2 Harrison Street. Kings Croß. London" mitzuteilen. Wer die» tut. bekommt auS London eine Anzahl Drucksachen, deren Inhalt darauf hinausläuft, daß gegen Einsendung von 5 Mark Marim eine „Planchette" schicken werde, mit deren Hülfe man die Zukunft voraus- sagen, Gewiunlosnummerit. erraten könne usw. Die„Planchette" geht dann auch ein. Es ist ein ganz gewöhnliches wertloses Holz« brettchen mit drei Füßen. Zwei davon tragen kleine Rädchen, der dritte einen Bleistift mit der Spitze nach unten. Die„Planchette" soll benutzt werden, indem man ein Stück Papier darunter, die Hände darauf legt und nur an den bestimmten Gegenstand denkt. Durch dieses Sichverseuken soll der Bleistift zum Schreiben gebracht werden. Gegen Maxim sind bei der Berliner Kriminalpolizei viele Anzeigen wegen Bettuges. begangen durch die Anpreisung und den unverhältnismäßig zu teuren Verkauf der wert- und zwecklosen „Planchette" erstattet worden, doch ist eine Strafverfolgung dieser- halb nicht möglich, weil Maxim in London wohnt und dem hiesigen Verkäufer der„Planchette" nicht nachzuweisen war. daß er die Un- reellität des Maximschen UnteniehmenS gekannt hat. Unter diesen Umständen kann nur geraten werden, die Inserate des Maxim ganz- lich unbeachtet zu lassen. Durch die Umsicht eines Schutzmannes wurde gestern eine G a S- cxplosion verhütet. Das Dienstmädchen Frieda Leßlow, Linden- straße 71. hatte durch eine Postkarte eine Absage von seinem„Schatz" erhalten und bekam dadurch Selbstmordgedanken. Es öffnete in einem Zimmer die Gasleitung und stellte, nachdem es sich auf den Tisch gilegt hatte, eine brennende Lampe daneben. Die HauS- bewohner wurden durch den Gasgeruch aufinerksam. Als sie die Tür verschlossen fanden, benachrichtigten sie die Polizei und sperrten den Gashahn ab. Ein Schutzmann drang in die Wohnung ein, löschte das Licht au« und holte die Feuerwehr. Durch Wiederbelebungsversuche und Einatmen von Sauerstoff wurde das Mädchen aus ihrer Starrheit erweckt und dann nach dem städtischen Kranken« Haufe am Urban gebracht. Die erste Winter-ErholungSstätte wurde am 16. Januar in Eichkamp eröffnet. Die Erholungsstätten verdanken ihre Entstehung den vereinten Bestrebungen zur Verbesserung des Wohnungswesens und der Tuberkulosebekämpfung. Im Ver- laufe von Erhebungen, die bei Gelegenheit des Tuberkulose- kongrcsses 1899 die Berliner Aerzte Dr. Wolf Becher und Dr. Rudolf Lennhoff über die Wohnungen tuberkulöser Arbeiter anstellten, entwickelte der erstere den Plan der Er- holungsstätten. Ihr Wesen besteht darin, daß die Erkrankten der Großstädte tagsüber Gelegenheit haben, in einem ge- eigneten Waldgelände eine nach Art der Heilstätten ein- gerichtete Kur zu gebrauchen, die Nacht aber in ihren Woh- nungen zuzubringen. Der Volksheilstättcn-Vercin vom Roten Kreuz errichtete die erste Erholungsstätte im Sommer 1960 in der Jungfernheide bei Berlin für Männer. Seitdem gibt es bei Berlin für Männer, Frauen und Kinder acht solcher Anstalten. Insgesamt beträgt ihre Zahl in Deutschland und im Auslande bereits über 30. Während aber die bisherigen Erholungsstätten nur für den Sommerbetrieb einrichtet waren, ist mit der neuen Anstalt in Eichkamp zum erstenmal der Ver- such einer Winter-Erholungsstätte gemacht worden. Sie ist vorläufig für 30 Patienten eingerichtet, am ersten Tage waren schon 17 Pattenten und zwar männliche Angehörige Berliner Krankenkassen anwesend. Die Erholungsstätte ist genau nach dem Grundsatz der höchsten Einfachheit eingerichtet, wie die Sommer-ErholungSstätten, selbstverständlich niit all denjenigen Zutaten, die für eine Winterkur nötig sind, als heizbare Wirt- schaftsräume, Tageraum und Speisesaal für die Kranken, offene Veranden, Liegehallen, Liegestühle, warme Schlafsäcke ic. Möge der neue Weg, der mit der Errichtung dieser Anstalt für die Bekämpfung der Tuberkulose betteten ist, ein erfolg- reicher sein. Folgen einer Bierreise. Der 33 Jahre alte Schuhmacher Gustav Hackbarth aus Baumschulenlvcg hatte am Sonntag nachmittag eine Bierreise unteruommeli, die ihn auch nach Rixdorf führte. Ziemlich spät abends begab er sich auf den Heimweg. Unterwegs machten sich jedoch die Folgen des Alkoholgenusses bemerkbar, allmählich schwanden ihm die Sinne und in der Meinung, zu Hause angelangt zu sein, betrat er in der Nähe der neuen Gasanstalt eine Laube, entkleidete sich zum Teil und schlief dann auf einer Bank ein. Montag mittag hörten vorübergehende Leute auS der Laube lauteS Stöhnen, sie betraten daher den Raum und fanden den H. in be- jainmenSIvertcm Zustande vor. Dem Aermstcn waren beide Arme und Beine in der Nacht erstoren, so daß er sich nicht bewegen konnte. Der Unglückliche wurde mittels herbeiaerufeue» Krankenwagens der der städtischen Krankenanstalt zugeführt. Ein größerer Dachstuhlbrand, bei dem zwei Personen leicht ver« letzt wurden, beschäftigte in letzter Nacht die Feuerwehr fast drei Stunden in der K u r st r a ß e 47/48, gegenüber der Reichsbank. DaS große vierstöckige Gebäude enthält nur Lager« und Verkaufs- räume von KonfektionSfirmen. Das Feuer war auf noch nicht ermittelte Weise im vierten Stock des Vorderhauses und zwar an- scheinend im Komptoir der mechanischen Sttckerei von Alex Rothe n. E o. ausgekommen, hatte von hier au» feinen Weg nach dein dahinterliegenden Arbeits« und Lagerraum genommen und dann den Dachstuhl erfaßt. Die Feuerwehr ging sofort mit einigen Schlauch- leitungen über eine mechanische Leiter hinweg und über die Treppen vor und es gelang ihr in verhältnismäßig kurzer Zeit, die Flammen, die an Regalen und Konfekttonswaren reiche Nahrung gefunden hatten, zu ersticken. Ein großer Teil des Dachstuhls wurde indes vollständig zerstört und da auch Warenbestände mit vernichtet wurden, so ist der verursachte Schaden immerhin erheblich. Bei den Auf- rälimungSarbeiten wurden zwei Feuerwehrleute durch herabfallende Holzteile leicht verletzt. Für die Dampferfahrten im Prinz Friedrich Leopold-Kanal, der nach seiner Fertigstellung den Griebnitzsee mit dem Stölpcheusee und dann weiter mit dem Wanusee verbindet und eine landschaftlich schöne Gegend dem Pcrsouenvcrlehr erschließt, sind von der Ge« meinde Wannsce die Anlegestellen bereits bestimmt worden und zwar im Stölpchensee, an der neuen Mottkestraße bei der Meierschen Villa und an der großen Brücke in der Königstraße beim Bahnhof Wannsee. Ein Fledderer wurde in der Person eines Schlossers Johannes Waldow festgenoninicn, als er vor Weihnachten einen Bettunkenen ausplünderte. Diesen lernte er in einer Gastwirtschaft in der Lichten- bergerstraße kennen. Da er sah, daß der Manu ein wohlgefülltes Portemonnaie bei sich hatte, so verschleppte er ihn erst noch in eine andere Wirtschast und dann nach dem Flur emeS Hauses in der LandSbergerstraßc. Das beobachtete ein Schutzmann. Dieser folgte Waldow. der schließlich seinem Begleiter Uhr und Portemonnaie wegnahm und ihn stehen ließ, und nahm ihn fest. Als er dann aber mit ihm nach dem Hausflur zurücklehrte, lvar der Betrunkene, der von dem Raube nichts wußte, schon davon gegangen und nicht mehr zu finden. Der Mann weiß jedenfalls auch heute noch nicht, wo seine Uhr und sein Portemonnaie geblieben sind, und hat deshalb keine Anzeige gemacht. Die Kriminalpolizei hat fich vergeblich be- müht, ihn zu ermitteln, um ihm fem Eigentum wiedergeben zu lönnen. Zu dem Bericht über den traurigen Abschluß einer Dampferpartie, den wir in Nr. 14 brachten, teilt uns Herr Paul Obst mit, daß das erwähnte Fräulein Hedwig N. sich nicht an der Partte de» Gesangvereins beteiligt, sondern an dem Ausflug eine» Sparvereins teilgenommen habe. Die Dame sei ihm nicht bekannt gewesen, auch habe er fie nicht um die Taille gefaßt, sondern ihr nur seine Be- aleitung angettagen. Aus diesem Anlaß kam eS zwischen den Herrn Obst unbekannten Begleitern der Dame und ihm zum Streit, in dessen Verlaufe der Angeklagte S. auf der Michaelkirchbrücke mit dem Messer auf ihn eingedrungen ist. Als sein Freund Trage, so berichtet Herr Obst weiter, ihm zu Hülfe gekomnicn wäre, habe der Angreifer diesem die tödlichen sechs Meffersttche versetzt. Im Arbeiterinnenheim I— Brückensttaße 8— werden folgende Borträge stattfinden: Donnerstag, den 19. d. M., abends 8 Uhr, über: �.Gesundheitspflege" und Sonntag, den 22., abends 7 Uhr: „Nciseschilderungen aus Indien fnnt Lichtbildern). Eintritt frei. Mädchen und Frauen willkommen. Soziale Kunst ist das Thema des sechsten am Sonntag, den ct., stattfindenden Charlottenburger Volkskunstabends. ES kommen Dichtungen von Freiliarath, Heine, Arno Holz, Ada Negri. Henckell Zt.. Bruchstücke aus Fischers„Erinnerungen emeS Arbeiters", ZolaS „Germinal", Hauptmanns„Die Weber" zc. zum Vortrag, Kompositionen von Richard Strauß. Schilling, Schubert zc. Karten a 0,50 M., einige numerierte Plätze a 1 M.. sind in allen Char» lottenburger Buchhandlungen soivie im Verein zur Förderung der Kunst. Albrechtstr. 11. Dürerhaus. Kronenstr. 18, Bloch, Bruder- straße 1, zu haben. Freie Hochschule Berlin. Der erste Sinzelvortrag der Freien Hochschule findet beute, Mittwoch abends 8>/. Uhr im Bürgcrsaale de» Rathauses statt. Herr Schriffteller Karl Henckell spricht über „Die.deutsche Lyrik seit Heine". Mitglieder deS ZentralvcreinS haben gegen Vorzeig», ig ihrer Mitgliedskarte freie» Eintritt. Nicht- Mitglieder zahle« 50 Pf. Karten sind von abende<>/, Uhr ab tm der Abendkasse zu haben. Theater. Im Deutschen Theater wird aö».«v,« w—r heil das klösterliche Schauspiel„Die v rüder von St. Bernhard" von •nhm Ohorn zur SuMhrung vorverettet. Der Autor, der früher selbst dem geistlichen Stande angehört hat, wirkt zurzeit als Pro- fesior an der Gewerbe- Akademie in Chemnitz. Inzwischen wird „Faust" I. Teil neu einstudiert und im Laufe der nächsten Woche in das Repertoir aufgenommen.— Im Schiller-Theater (Friedrich Wilhelmstädtisches Theater) wird heute, Mttwoch(statt der bereits angekündigten Vorstellung von„Tyrannei der Tränen") das Schauspiel„Mutter Erde" von Max Halbe gegeben. Die 286. Veranstaltung des Vereins für Volksunterhaltungen findet am Sonntag, nachmittags 3 Uhr, im Schiller-Theater dl. statt. Zur Aufführung gelangt:„Die Haubenlerche", Schauspiel in vier Akten von Ernst v. Wildenbruch.—„Mutter Thiele," von Adolf L'Arronge, gelangt Donnerstag, den 26. d. M., in einer Vorstellung zum Besten des„Deutschen Künstlerheims" in der kompletten Besetzung des königlichen Schauspielhauses mit Anna Schramm, Berta Hautzner, Anna v. Hocheuburger, Wollmer, Molenar, Böttcher usw. im Luisen-Theater zur Darstellung. /Ins den Nachbarorten. Rixdorf. Lei der Stadwerordneten- Ersatzwahl der zweiten Abteilung unterlag gestern unser Genosse R a m b o w mit 121 Stimmen seinem bürgerlichen Gegner, welcher 213 Stimmen auf sich vereinigte. Schöneberg. Der klagende Oberbürgermeister. Wie wir bereits gestern mitteilten, ist gegen unseren Genosten Stadtv. Hoff mann sowohl wie gegen den bürgerlichen Stadt- verordneten Lohausen vom Schöneberger Oberbürgermeister Wilde Strafantrag wegen Beleidigung gestellt worden. Es ist dies ein Vorgehen, wie es wohl einzig dastehen dürste. Stadtverordnete, die im Interesse der städtischen Bevölkerung ihre Tätigkeit unier großen Opfern an Zeit und Geld ausüben, werden vor den Kadi geschleppt, weil das Stadtoberhaupt in ihren Aeußerungen eine per- sönliche Beleidigung erblickt. Der Vorgang, aus dem die Klage hergeleitet wird, spielte sich, wie man uns schreibt, in der Sitzung vom 9. Januar ungefähr folgendermaßen ab. Der Oberbürgermeister hatte in seinen Aus- fllhrungen bezüglich der Schularzt-Affäre es stir nötig befunden, dem Schularzt Dr. Goldfeld unlautere Motive zu unterschieben und hatte dabei auch auf ein Gerücht Bezug genommen, wonach Dr. G- sich einer ehrenrührigen Aeußerung bedient haben soll. Genosse Hoffmann wollte u. a. mm nachweisen, wie wenig Wert auf derartige Zuträgereien zu legen ist und illusttierte dies an einem Gerüchte, das ihm seinerzeit zu Ohren gekommen sei, wonach der Oberbürgermeister sich von der englischen Gasanstalt den Mund durch ein paar blaue Lappen habe stopfen lassen. Durch einen Ordnungsruf wurde unser Genosse am Weiterreden verhindert. Er selbst glaubt natürlich nicht im entferntesten an die Wahrheit eines derartigen Gerüchtes. Der Stadtv. Lohausen führte aus, daß die Städte-Ordnung geeignet sei, die Bürgermeister mehr oder weniger zu Tyrannen heranzubilden, und glaubte konstatteren zu können, daß dies bei unserem Bürgermeister in ganz besonderem Maße zutreffe. Er wies ferner darauf hin, daß sich verschiedene unbesoldete Magistrats- Mitglieder Informationen vom Oberbürgermeister holten, wie sie abzustimmen hätten. Ob es für unseren Genossen Hoffmann taktisch richtig war, in den Fehler des Oberbürgermeisters zu verfallen, möge dahin- gestellt bleiben. Auf keinen Fall halten wir aber eine Verurteilung desselben für möglich. Daß der Oberbürgermeister durch Be- schreitung des Klageweges an Ansehen gewinnen wird, ist aus- geschloffen. Wir werden also getrost den Prozeß abwarten. Recht bezeichnend für die Objektivität verschiedener bürgerlicher Stadtverordneter ist noch folgende Tatsache: Als der Bürgermeister Gerhardt mitteilte, daß gegen unseren Genossen H o f f m a n n Strafanttag gestellt sei, ertönten auf verschiedenen Seiten Bei- fallsäußerunge'n, als er dann aber weiter mitteilte, daß in derselben Weise gegen den bürgerlichen Stadtverordneten Lohausen vorgegangen werde, verstummten mit einem Male diese Zustimmungs« rufe. Wir sehen daraus, daß diesen Herren uns gegenüber jedes Mittel recht ist; wird aber gegen ihre eigenen Klassengenossen vor- gegangen, dann nehmen sie erne ganz andere Stellung ein. Groß-Lichterfelde. Die Gemeindevertretung von Groß-Lichterfelde hatte sich in ihrer jüngsten Sitzung u. a. auch mit der Aufftellung eines Bebauungs- planes für das Gelände zwischen der PotSdam-Magdeburger Bahn und der Potsdamer Chaussee einerseits und von der Steglitzer Grenze bis zur Dahlemersttaße andererseits zu befaffen. Der ganze Komplex gehört der Terraingesellschaft am neuen botanischen Garten. Nach dem Entwurf sind zwei Parallelstraßen entlang der Potsdamer Chaussee und diverse Querstraßen vorgesehen. Die Breite soll 13 Meter, 16 und 12 Meter betragen. Für drei öffentliche Plätze sind der Gemeinde zirka 358 Quadrat- ruten, zu Gemeindezwecken ein zusammenhängendes Gnmdstück von 400 Ouadratruten abzutreten. Für notwendig werdende Brücken- erweiterungen und Brückenbauten im Zuge der Roonstraße hat die Gesellschaft an die Gemeinde 100 000 M. zu zahlen. Ferner sind 767 000 M. als Kaution für die der Gemeinde gegenüber über« nommencn Verpflichtungen zu deponieren.— Die Errichtung von Ouergebäuden und Seitengebäuden ist verboten; dagegen dürfen Seitenflügel ohne selbständige Wohnungen in unmittelbarem An- schluß an die Vordergebäude errichtet werden.— Das Riesclgut Werken ergab für das Rechnungsjahr 1903/4 ein Defizit von 4597 M.— Dem Teltowkanal-Fonds wurde die Umsatz- steuer stir verkaufte Grundstücke am Kanal im Betrage von 3226 M. zugewiesen.— Die Beratung über die Errichtung der Kaufmanns- g e r i ch t e nahm wenig oder besser gesagt, fast gar keine Zeit in Anspruch. Einrichtungen, die der arbeitenden Klasse zugute kommen, werden in Groß-Lichterfelde nicht als dringend angesehen und dem- gemäß behandelt. Aus den einleitenden Worten des Gemeinde- Vorstehers war zu entnehmen, daß für Groß-Lichterfelde etwa 60 Gehilfen und Lehrlinge in Betracht kämen, man also an sich von der Notwendigkeit eines Kaufmannsgerichtes nicht sprechen könne. Aber der gesetzlichen Borschrift müsse entsprochen werden. Der Statuten- Entwurf, der nicht zur Beratung kam, wurde einer Kommission von vier Mitgliedern überwiesen. Sie loird aus den G.-B. Pranse, Ransert, Racke und dem Vorsitzenden des Gewerbeaerichts, Scheff, bestehen.— Außerhalb der Tages- ordnung fand»in dringlicher Anttag, eine Kommission, die sich mit der Frage der Erweiterung des Rathauses zu befassen habe, zu wählen, einstimmig Annahme. Schmargendorf. Aus Mangel an Beweisen. In den Jahren 1902 und 1903 hat die Erwerbung des sog. Friedhofgrundstücks in Schmargendorf wegen der sonderbaren Manipulationen beim Kauf viel Staub aufgewirbelt. Im Juli und am 14. Oktober 1902 war der Ankauf des Grund- stücks MiSdroyerstraße 8 von der Gemeindevertretung abgelehnt worden, weil der geforderte Preis von 280 M. für die Ouadrattute zu hoch erschien. Schon am 23. Oktober aber� beschloß die Ver- tretung auf eine erneute Borlage des Amtsvorstehers den Erwerb und zwar zu 350 Vi. pro Rute I Nicht genug damit I Einen Tag nach der Sitzung kaufte ein Bekannter des Schmargcndorfer Amtsvorstehers, ein Herr Bruck-Südende, das fragliche Grund- stück für 14 000 M.<318 M. pro Rute) und gab es einige Tage danach an die Gemeinde für 15 625 M. ab. Es kam hinzu, daß sich der Amtsvorsteher bei der von ihm selbst verfaßten Ausgabe- Auweisung stir Herrn Bruck um 204 M. zum Schaden der Gemeinde irrte. Weiter wurde die peinliche Angelegenheit dadurch ver- schärft, daß„versehentlich" eine Umsatzsteuer von Herrn Bruck nicht erhoben worden und hierdurch der Gemeindesäckel obendrein noch geschädigt war. Diese Skandalaffäre erregte die Oeffentlichkeit in ausgedehntestem Maße. Von Gemeinde wegen beschäftigte sich eine Untersuchungskommisfion mit der Sache. Beschwerden gingen an die vorgesetzten Behörden. Schließlich übergab man die Angelegenheit der Staatsanwaltschaft. Jetzt gelangt ein gericht- liches Schreiben an die Oeffentlichkeit, wonach der Amts- Vorsteher H o h m a nn„wegen mangelnder Beweise außer Verfolgung gesetzt" worden ist. Aus der Schmargendorfer Gemeindeverttetting. Der kleine inmitten des Dorfes liegende Friedhof soll bedeutend erweitert werden. Zu diesem Zwecke hat man bereits das an den alten Kirchhof anstoßende, von den Häuserreihen der Misdroyer-, Warnemünder- und Breitestraße umsäumte ehemals Balz'sche Terrain erworben. Für die gärtnerische Ausgestaltung wurden 3896,50 M. ausgeworfen. Vorgesehen sind Reihengräber, Wahlstellen und Erbbegräbnisse; der Dreiklassen- Charakter ist also gewahrt. Die Bewässerungsanlagen, Wasser- spülung einschließlich Hydranten, übertrug man dem Ge- meinde- Verordneten Schitting als Mindestfordernden.— Hinsichtlich der Kaiser- G eburtstagS-Feier im Rathause beschloß die Gemeindevertretung, von einer brieflichen Einladung Abstand zu nehmen und eine Eintragungsliste öffentlich auszulegen, trotzdem man die Befürchtung hegte, daß nicht genügend Zeichnungen erfolgen und Schmargendorf sich so blamieren könnte. Um dem vorzubeugen, werden bei unzureichender Meldung doch noch briefliche Einladungsschreiben ergehen. Im sozialdemokrattschen Schmargendorf scheint man die monarchischen Gefühle selbst der konservativsten Elemente nicht allzu hoch einzuschätzen. Gemcindewählerlisten. Für die Einwohner von Schmargendorf liegen die Gemeindewählerlisten im Rathause während der Dienst- stunden und außerdem jeden Donnerstag von 5—8 Uhr abends im Zimmer 5 aus. Spandau. Die Stadtverordneten-Bersammlung zu Spandau hatte sich in ihrer letzten Sitzung u. a. auch mit einem Antrage unserer Genossen zu beschäftigen, welcher die Hergäbe einer geeigneten Räumlichkeit für die Sitzungen der sozialdemokratischen Fraktion verlangte. Der Antrag, der vom Genossen Scholz begründet wurde, fand bei den Bürgerlichen sehr geteilte Aufnahme. Das alte Steckenpferd wurde wieder geritten, daß nämlich die Städte-Ordnung keine„Fraktionen", sondern nur einzelne Stadwerordneie kenne. Genoffe Rieger erwiderte, daß in jedem Fall die Bildung von Fraktionen ein Zeichen des Fortschritts sei. Der Antrag wurde schließlich einer gemischten Kommission zur Weiterberatung überwiesen. Hierauf trat die Versammlung in die Etatsberatung ein. Beim Schulkassen-Etat, der mit 702 489.68 M. abschließt, und seitens der S t a d t- Hauptkasse einen Zuschuß von 460 550,28, seitens der Regierung aber nur eine Beihilfe von ganzen 42 350 M. erhält, gelang es unseren Genossen endlich eine alte Forderung, die A» st e l l u n g von Schulärzten betreffend, durchzusetzen. Genosse Pieper beantragte nämlich, des ewigen Herumziehens der Sache müde, kurz und bündig, 3500 M. in den Etat für die Anstellung von Schulärzten einzustellen. Dieser Antrag wurde von dem bürgerlichen Stadtv. Dr. Engelhardt em- pfohfen und zu allgemeiner Ueberraschung mit beträchtlicher Majorität angenommen. Allerdings hat der Magistrat hier auch noch ein Wort mitzureden. Der Schuletat selbst wurde mit dieser Abänderung angenommen und hierauf die Etats des Schlachthofs, der Elektrizitäts- anstatt, des Kanalisations- und des Wasserwerks, des Krankenhauses, der Annen- und der Banverwaltung und der Begräbnisplätze nach der Vorlage unverändert gleichfalls festgestellt. Um den StadtrntSposten in Spandau, der in Kürze neu besetzt werden soll, haben sich insgesamt 21 Herren beworben; auf Vorschlag der Spezialkommission sind von der«tadiverordneten-Versammlung folgende fünf Herren zur engeren Wahl gestellt: Zweiter Bürger- meister Fischer in Luckenwalde, Assessor L a n t s ch in Branden- bürg, Assessor Regenbrecht in Gncsen, Assessor W ü b k e n- Königsberg und Assessor Reichardt zurzeit juristischer Hilfsarbeiter beim hiesigen Magistrat._ Ein neuer Kanalisations-Zweckverband ist auf Anregung deS Landrats v. Stubenrauch in den westlichen Vororten im Entstehen begriffen. ES handelt sich um einen dauernden Anschluß an die Wilmersdorfer Kanalisatton stir diejenigen Gemeinden, deren Gebiet das Wilmersdorser Lbwässerdruckrohr berührt. In Betracht kommen für den Zweckverband außer Wilmersdorf, Schmargendorf, Zehlen- darf, Stahnsdorf, Grunewald und Teltow. Gericbts-Leitung. Die Kunst, ehrenhafte Arveiter unter Benutzung des Erpressungs- Paragraphen ins Gefängnis zu bringen, ist gestern von Berliner Richtern in mehreren Fällen geübt worden. Im ersten Falle, der vor der zehnten Straf- kammer verhandelt wurde, waren die Dachdecker August Rosen- bäum, Karl Schmidt und Karl Friede! angeklagt. Diese waren bei dem Bau des Rudolf Virchow-Krankenhauses beschäftigt, wo auch der Bautechniker Steinweg Arbeit angenommen hatte. Letzterer war den, Verbände der Dachdecker allerdings beigetreten, hatte aber seine Beiträge schon mehrere Wochen nicht bezahlt und wollte seine Pflichten dem Verbände gegenüber nicht weiter erfüllen. Er behauptete. von den Angeklagten deshalb arg belästigt worden zu sein; diese hätten auch ver- sucht, durch Drohung ihn zu zwingen, dem Verbände bei- zutreten. Er beschuldigte insbesondere den ersten Angeklagten, ihm die Drohung zugerufen zu haben:„Wenn Du Dein Verbandsbuch nicht in Ordnung hast, dann werden wir Dich bei den Schweins- ohren kriegen,, wir werden Dich erziehen, hier geht es anders zu als bei Dir zu Hause!" Ferner soll ihm einer der Angeklagten bei Gelegenheit aus Schabernack ein Bein gestellt haben und außerdem sollen die Worte gefallen sein:„Wenn Du Dich nicht fügst, wie wir wollen, dann wollen wir mal sehen, was dem Meister lieber ist: ob er einen Mann behält, oder ob zwanzig gehen!"— Die Angeklagten bestritten die Richtigkeit dieser Darstellung ganz entschieden und behaupteten, daß die Aeußerungen gar nicht in diesen, Wortlaute und in dem behaupteten Zusammenhange gefallen seien. Der Zeuge blieb aber dabei, daß er die Auffaffung erhalten habe, daß er durch Drohung gezwungen werden sollte, dem Verbände beizutreten. Der Staatsanwalt beantragte gegen Rosenbaum zwei Monate, gegen Schmidt 1 Monat Gefängnis und gegen Friede! Freisprechung.— Rechtsanwalt Dr. Liebknecht plädierte für die Freisprechung der sämtlichen Angeklagten. Zunächst könne gar keine Rede davon sein, daß der Zeuge gezwungen werden sollte, dem Verbände beizutreten, denn er se, ja schon Mitglied gewesen und seine Mitgliedschaft sei nach dem Statut trotz der rückständigen Beiträge noch nicht erloschen gewesen. In tatsächlicher Beziehung seien die Angaben des Zeugen doch viel zu verschwommen, um zur Verurteilung zu führen. In juristischer Beziehung sei es eine uner- trägliche, absolut falsche Auffassung des Reichsgerichts, wenn es in einem Erkenntnis behauptet habe, daß in einem solchen Falle die Vorteile, die jemand durch seinen Beitritt dem Verbände zuführt, größer seien, als die ungewissen und nicht unmittelbaren Vorteile, die der Verband ihm gewähre. Das sei, wie der Verteidiger unter Hinweis auf die vielen rdealen Vorteile, die der Verband biete, darzulegen suchte, durchaus unzutteffend.— Der Gerichtshof verurteilte Rosenbaum zu einem Monat Gefängnis und sprach die beiden anderen frei.— Der zweite Fall lag ähnlich. Die dritte Strafkammer hatte seinerzeit die Töpfer Paul Kitzle, Aug. S o k o l o w s k i. Emil M u s o l t und WilH. Griebe— sämtlich Männer im vorgerückten Lebensalter— für überführt erachtet, den Versuch gemacht zu haben, den Töpfer Adameit durch Drohung zum Beitritt zum Zentralverband der Töpfer und Berufsgcrossen zu nöttgen. Wegen versuchter Er- Pressung war der Angekl. Kitzle zu zwei Monaten, die Angekl.sSokolowski, Musolt und Griebe zu je einem Monat Gefängnis verurteilt worden. Das Reichsgericht hatte das Urteil aufgehoben, weil die Verurteilung nur wegen versuchter Erpressung und nicht auch wegen Vergehens gegen Z 153 der Gewerbe-Ordnung erfolgt war. Nach der Be- kundung deS Zeugen«damit in der erneuten Verhandlung sollen die Angeklagten ihn zwangsweise dem Verbände haben zuführen wollen. Auf seine Antwort, daß er kein Geld dazu habe, habe ihm der erste Angeklagte vorschußweise das Geld gegeben, er sei damit auch zur Verbandskasse gegangen. Als man ihn dort geftagt, ob er auch aus freiem Antriebe beitrete, habe er verneinend geantwortet und gesagt: er füge sich nur dem Zwange. Daraufhin sei er nicht auf- genommen worden und die Folge sei gewesen, daß er seine Arbeits« stelle verlor, da die übrigen mit ihm nicht zusammen arbeiten wollten. Auch in diesem Fall bestritten die Angeklagten die Richtigkeit der Beschuldigung und Rechtsanwalt Dr. Liebknecht machte abermals juristische Bedenken geltend. Der G.' �hof war aber auch hier der Ueberzeugung, daß die Angel. n dem Zentralverband einen Vermögensvorteil ver- schaffen wo-uen, da die Erlangung deS baren Eintrittsgeldes für den Verband mehr wert sei als die ungewiffen Verpflichtungen des letzteren gegen die Mitglieder. Der Gerichtshof erkannte wegen ver- suchter Erpressung und Vergehens gegen die Gewerbe-Ordnung ebenso wie das erste Mal. In einem dritten Falle stand der Schlosser Otto Jüttner wegen versuchter Nötigung vor der dritten Strafkammer. In der Metallgießerei von Asch Nächst, in der Huttenstraße war im Ottober Streik ausgebrochen. Am 10. Oktober morgens 7 Uhr stand der Angeklagte vor der Fabrik Streikposten und soll zwei Arbeitsburschen, die dort Arbeit annehmen wollten, gedroht haben,„daß sie die Jacke vollbekommen würden, wenn sie dort arbeiteten, denn eS sei Streik"! Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu drei Wochen Gefängnis._ Walserfahrt mit Musik und g 10 deS preußischen BereinsgesetzeS. Hallesche Studenten, die eine Wasserfahrt mit Musik unternahmen. hatten die Polizei nicht um eine Erlaubnis dazu ersucht. Der Ver» anstalter. der Vorsitzende des Vereins„Thuringia", sollte dadurch den§ 10 des Vereinsgesetzes übertreten haben, wonach man einer Erlaubnis bedarf zur Veranstaltung von öffentlichen Aufzügen „innerhalb der Städte und Ortschaften oder aus ö f f e n t l i ch e u S t ra ß e n". Er wurde jedoch in zweiter Instanz freigesprochen. Das K a m m e r g e r i ch t als Revisionsinstanz hob indeffen dies Urteil wieder auf und verwies die Sache an die Vor- mstanz zurück. Begründend wurde ausgeführt: Als eine Straße im Sinne des§ 10 könne ein Wafferlauf allerdings nicht angesehen werden. Also könnte nur in Frage kommen, ob der Aufzug— ein solcher liege zweifellos vor—„innerhalb der Stadt" vor sich ge- gangen sei. Das Landgericht verneine dies, weil der fragliche Teil der Saale nicht von Häusern und Straßen, sondern meist von Gärten, Wiesen und Wald begrenzt sei. Diese Auffaffung sei aber falsch, denn es fei lediglich entscheidend, ob der Saaleteil, um den es sich handele, im Gebiete derStadt liege, wie es die Staats. anwaltschaft angebe. Liege er wirklich im Stadtgebiet, dann handele es sich um einen öffentlichen Aufzug im Sinne des§ 10 des Vereins- gesetzes. Darum habe das Landgericht noch einmal Stellung zu nehmen._ Vermifcktes. Professor AbbeS Leichenbegängnis. In Jena wurde am Dienstag die Traucrfeier für Pro- sessor Abbe abgehalten. Der große Saal des VolkshauseS lvar, wie uns ein Privattelegramm aus Jena meldet. wirkungsvoll dekoriert. Es sprachen Dr. C z a p s k i und Regieruugsrat Bollert im 5!anlen der Zeiß-Sttftung, Pro- rektor W a g e m a n n für die Universität, der Vorsitzende des Arbeiterausschusses, Leber, für die Arbeiterschaft. Weiter hielten Gedächtnisreden Professor Ernst Häckel als Natur- forscher und als Studienfreund des Verblichenen, Ober- Bürgermeister Singer im Nainen der Stadt Jena. Zahl- los waren die Kranzspenden, die am Sarge niedergelegt wurden: unter anderen hatten der Großherzog von Sachsen- Weimar, die Grotzherzöge von Sachsen-Meiningen, Sachsen- Altenburg und Sachsen-Koburg-Gotha Kränze gefristet; neben diesen Widmungen lagen solche von wissenschaftlichen, ge- meinnützigen ic. Vereinen, unter denen auch eine herrliche Blumenspende des deutschen Metallarbeiter-Ver« b a n d e s bemerkt wurde. Viele Tausende schlössen sich nach Beendigung der Feier dem Trauerzuge nach dem Friedhofe an, wo die Leiche eingeäschert wurde. Bahnhofsbrand in Schwerin. Das Dachstockwerk des Nordflügels vom Bahnhofsgebäude in Schwerin stand gestern früh in Flammen. Die dort liegenden Stuben brannten völlig aus. Der Feuerwehr gelang es, die unteren Stockwerke vor dem Feuer zu sichern. Die Wartesäle 1. und 2. Klasse wurden durch das Waffer sehr beschädigt. Die Entstehungsursache des Brandes ist unbekannt. Ausschreitung eines Berliner Studenten, Im Löwenbräukeller in München gab es eine Messerstecherei unter Studenten, ein in München bisher unerhörtes Vorkommnis. Der Student der Zahn- Heilkunde Hans Friedrich Neumann, Leutnant a. D. aus Berlin, versetzte nach einem heftigen Wortwechsel dem am gleichen Tische sitzenden Studenten der Tierärztlichen Hochschule Wenzeslaus Swi- kalsky von Stargard mit einem grifffesten Messer zwei lebensgefähr- liehe Stiche in den Rücken. Der Täter wollte flüchten, wurde aber verhaftet. Er mußte von der Polizei gegen das'Publikum in Schutz genommen werden, das ihn zu lynchen drohte. Infolge Schneeverwehungen ist die Eisenbahnstrecke Buchholz— Weigert der Linie Annaberg bis auf weiteres für den Verkehr ge- sperrt. Die Aufrechterhaltung des Personenverkehrs durch Umsteigen der Passagiere ist nicht möglich. Witterungsumschlag in England. Wie ein Telegramm aus London meldet, hatte England vorgestern den kältesten Tag seit Jahren. In der letzten Nacht schlug das Frostwetter in warmes, Regenwetter um. Während eines heftigen Schneesturmes sanken an der Küste mehrere Schiffe, man befürchtet Stele Verluste an Menschenleben. Vor der Insel Whigt sank ein kleiner französischer Segler; seine Mannschaft ist vor den Augen der Zuschauer ertrunken. Fortgesetzt laufen weitere Nachrichten über Schiffsunfälle ein, die zumeist kleinere Fahrzeuge betreffen. Eisenbahnunglück in Oesterreich. Bei einer Entgleisung deS Brünn— Wiener Schnellzugs in der Station Hohenau wurden, nach einer Meldung aus Wien, drei Personen schwer, elf leichter verletzt. Mehrere Waggons wurden zertrümmert. Die Verwundeten sind in letzter Nacht mittels Hülfszugs nach Wien gebracht und von �>er Rettungsgcsellschaft übcniomiucn worden. Die Lokomitive ist bei Hohenau 70 Kilometer vor Wien infolge eines Schienenbruchs 6nt- gleist und durch den Rückstoß der letzte Waggon über den Damm hinabgeschleudcrt worden. Im Zuge befanden sich der Abgeordnete Dr. Otto Lecher und der Professor der Kinderheilkunde Dr. Monti. Massenvcrhaftung von Mädchenhändlern. Durch Herrn Kanoni» kus Dr. Müllcr-Simonis, der im Interesse des Deutschen National- Komitees vor 6 Monaten eine Informationsreise nach Süd-Amerika unternommen hatte, ist in Rio de Janeiro die Bekämpfung des Mädchenhandels in Fluß gebracht worden. Der Erfolg ist ein sehr erfreulicher. Er wurden dort in kurzer Zeit unter Benutzung des daselbst bestehenden Belagerungszustandes über 30 noto- eische Mädchenhändler festgenommen, und 15 AiM> länder konnten bis jetzt ausgewiesen werden. Man arbeitet nun darauf hin, ein Gesetz durchzubringen, welches eine längere Frei- heitsstrafe über diejenigen Ausländer, welche sich des Mädchen- handeles schuldig gemacht haben, vor ihrer Ausweisung verhängt. da sie sich sonst der Bestrafung sehr leicht entziehen können, indem sie nach erfolgter Ausweisung so lange im Auslande verweilen, bis die Straftat verjährt ist, und außerdem sogar noch den unfreiwilligen Eisenbahnunfall. Herbesthal, 17. Januar. Heute abend stieß eine Rangiermaschine mit einem Personenzuge zusammen. Die Maschine wurde beschädigt, Führer und Heizer erlitten leichtere VerTehungen. Alufenbalt im Auslande noch dazu benuken, nene Beziehungen für| Schreinerstraßen- Ede. Beichfelblatt", Seidler, Frankfurter Allee 176.| Meganderstr. 27c. Borsitzender: Fritz Dito, Berlin N. 28, Stotneminder ihr schändliches Gewerbe anzuknüpfen. Stornblume", Dillenberger, Bimmerstr. 59. Alt- Schöneberg", straße 49, III. Kerstan, Schöneberg, Sedanstr. 52. Sumatra", Beier, Lübbenerstraße 11. Berliner Volks- Chor. Uebungsstunde jeden Mittwochabend 8% lhr: Collegia", Bergner, Reichenbergerstr. 157. Fidele Raucher", Steinstr. 31. Krüger, Rirdorf, Reuterstr. 15. Sumatra SO.", Krone, Liegniterstr. 18. Gesellige Vereine.„ Nymphaea alba", Verein für Aquarien- und " Konſequent". Beder, Köpniderſtr. 191.-" Gerade aus", Maaßen, Terrarienkunde, jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. des Monats in Hintsches Woldenbergerstr. 14. Bruderbund", Kolms, Grünauerstr. 9. Veilchen Vereinshaus, Köpnickerstr. 62. Theaterverein ,, Fidele Geister 1901" im duft", Behrend, Schwarzkopffstr. 8." Berzaget nie", Kirchhof, Schöneberg, Felsenkeller, Luisen- Ufer 17. Gesangverein ,, Gesundbrunner Liederkranz", Sedanstr. 48.- Pfeifendeckel", Marth, Fruchtstr. 69..„ Vorwärts", Wählisch, bei Koch, Biesenthalerstr. 16. Mundharmonikaverein„ Symphonie", Adalbertſtr. 4. Blauer Ring", Charlottenburg, Grente, Schillerstr. 38/39. Restaurant Storchnest, Müllerstr. 161. Tambourverein Wirbel", bei Regalita", Leonhardt, Koloniestr. 147. Ringelwolke", Better, Martin, Jostystr. 8. Frohes Leben", Laue, Adlershof, Bismardstraße 10. Bredowstr. 11. Alpenrose", Wendt, Reinickendorf, Justusftr. 55. Unterstützungsverein der Bierabzieher Berlins und Umgegend. Steinidenport, Stuge, Berlinerstr. 128. Raucherluft", Adlershof, Wöhter; Jeden Mittwoch nach dem 15. bei Ladewig, Allte Jakobstr. 83. " Immer blau", Automobilunfall. Gestern mittag stieß das Automobil des Herrn Friz Opel auf dem Wege zwischen Gustavsburg und Bischofsheim beim Ausweichen vor einem Fuhrwerk gegen eine Telepraphenstange. Die Insassen wurden herausgeschleudert, wobei Opel leichte Verlekungen erlitt, während der Chauffeur ſchwerverletzt nach Mainz in ein Spital gebracht werden mußte. Gijon, 17. Januar. Fünf Matrosen des deutschen Dampfers Ajar" stürzten, als sie von Land an Bord zurüctehrten, ins Meer und ertranten. " Eingegangene Druckschriften. Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 16. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir herbor: Theorien über den Mehrwert. I. Die Anfänge der Theorie vom Mehrwert bis Adam Smith. Aus dem nachgelassenen Manuskript zur Kritik der politischen Dekonomie" von Karl Marg, herausgegeben von Karl Kautsky. Von Heinrich Cunom. Die jüngste Wahl in Amerika und die Arbeiterbewegung. Von Philipp Rappaport( Indianopolis). Aus den Zagen der dreijährigen Dienstzeit. Von Rudolf Krafft. Die deutsche Krankenversicherung von 1897 bis 1902. Von H. Mattutat. Eine Biographie Lassalles. Von Franz Mehring. Literarische Rundschau: G. Schmoller, Ueber einige Grundfragen der Sozialpolitik und der Volks. wirtschaftslehre. Bon F. M. Konrad Hartmann, Arbeiterschuß. Von ew. Inventarien von 87 Dresdener Arbeiterhaushalten. Von ad. br. Edward Stilgebauer, Göz Krafft. Von F. M. Notizen: Der Kampf um den Stillen Dzean. Bon C. N. Carleson. Das Heilverfahren der Landes- Verficherungsanstalt der Rheinprovinz. Bon E. G. Zum Plane einer Ausstellung von Heimarbeiten. Bon Paul Barthel. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Bost nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Sihung haben Mittwoch: Lefe und Diskutierklubs.„ Südost", Tolksdorf, Görlizerftr. 58. Lese- und Diskutiertlub Moabit", Bachstein, Salzwedelerstr. 16. Leseund Diskutierklub„ Demosthenes", Sizung jeden Mittwoch( mit Ausnahme des Wahlvereins- Bablabend) bei Hermann Dornbusch, Brinz Eugenſtr. 8. Sozialistenklub Vorwärts", Kristiania, Mölbergaden 17. " Arbeiter Raucherbund Berlins und Umgegend. Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten an Albert Liebetrau, Butbuserstr. 15 IV. " Barinas", Jänide, Gubenerstr. 7.- Qualmbrüder", Wolff, Rummelsburg, Kantstr. 14. Waldesgrün", Kunze, Forsterstr. 36. Sieben roocht", Adlershof, Reichert, Bismardstr. 34. Siedleff", Fourmond, Neu- Weißensee, Sedanstr. 18.„ Rosenblüte", Sobel, Straßmannstr. 4. Gemütlichfeit II SO.", Rurth, Wrangelstraße 105. Fidele Brüder", Losse, Friedrichsfelde, Luisenstraße 20. Glühlicht IT"," Prose, Marstr. 13c. Phönir", Hauser, Schöneberg, Sedanstraße 60. Die Dampfenden", Schid, Manteuffelstraße 74. Intelligenz", Bosold, Manteuffelstraße 66. " Fliederduft", Böhm, Borndorferstraße 9." Kein Zon", Sponholz, Prenzlauer Allee 232. Fliederduft II", Stein, Samariter- und Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, 18. Januar. Anjang 7, Uhr: Opernhaus. Die Zauberflöte. Neues königl. Opern Theater. Geschlossen. Deutsches. Helden. Berliner. Kean. Leffing. Traumulus. Weften. Der Prophet. National. Der Troubadour. Zentral. Der Zigeunerbaron. Neues. Die lustigen Weiber von Windsor. Anfang 8 Uhr: Kasino. In Vertretung. " Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9%, Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. W. W. 1. Nein. 2. Es tann eine bis auf 4 Jahre zurückgehende Nach besteuerung stattfinden. 3. Ja. E. u. S. Können zwei Mitbewohner eines Zimmers sich nicht vertragen, so mögen sie die Bude und Stuben gemeinschaft fündigen. A. O. 22. Etwa 5 Mart. Wilhelmsberg, 3. G. K. Liegt ein Unfall vor, so hat die Berufsgenossenschaft einzutreten, sonst nur die Kaffe. Albert N., Anflam. Zwedmäßig wäre es, daß der Betreffende einen Verteidiger bestellt. E. B. 1995. 1. und 2. Ja. Anton 36. 1. Nein. 2. Ja. 3. Nein. 4. Der Teil, der nicht für schuldig erklärt wird. 5. Das ist unmöglich.- S. 300. Ja. Nokstr. 2. Shre Anfrage iſt unverständlich eine„ neue Sonntagsruhe iſt nicht ers andere Geschäfte gelten sollen, ist nicht ersichtlich. Legen Sie schriftlich oder lassen. Weshalb für Ihr Geschäft andere Sonntagsruhevorschriften wie für in der juristischen Sprechstunde detailliert dar, was Sie meinen. Dalles. 1. Das ist möglich 2. 6 bis 20 M. für die Entbindung, 1 bis 3 M. für jeden Besuch werden als angemessene Hebammengebühren erachtet. Bismarckstr. 24. Blütenduft", Fedtke, Cotheniusstr. 8. Morgenrot", Marktpreise von Berlin am 16. Januar. Nach Ermittelungen des Schmidt, Blumenstr. 43." Lustige Sieben", Leonhardt, Rixdorf, Prinz fgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte Handjerystr. 69. 17,60-17,58 M., mittel 17,56-17,54 M., geringe 17,52-17,50. Arbeiter- Radfahrerbund ,, Solidarität". Gau 9( Prov. Branden- Roggen**), gute Sorte 13,90-00,00., mittel 00,00-00,00 M., geringe burg). Alle Zuschriften und Anfragen den Bund betreffend find zu richten 00,00-00,00. Futtergerste*), gute Sorte 15,90-14,80 m., mittel 14,70 an den Gau- Vorsitzenden Karl Fischer, Berlin NW., Waldstraße 8. bis 13,60 M., geringe 13,50-12,40 M. Hafer*), gute Sorte 16,50-15,60 m., Arbeiter- Radfahrerverein", Abteilung III, jeden 1. und 3. Mittwoch bei mittel 15,50-14,70 9., geringe 14,60-13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen schauscht, Naunynstr. 6. Abteilung IV, jeden 1. und 3. Mittwoch bei Merkomsti, 45,00-30,00 9. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 9. Linsen 60,00-30,00 7. Andreasstr. 26. Abteilung VII, jeden 1. und 3. Mittwoch bei Granz, Startoffeln 10,00-7,00 m. Nichtstroh 0,00-0,00 m. Heu 0,00-0,00 M. Waldstr. 8. Köslinerstr. 8. Abteilung VIII, feden 1. und 3. Mittwoch bei Fischer, Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,00 M. Eier per Schod 5,00-3,20 m. Schneider, " Frohes Biel", jeden zweiten Mittwoch, Wilhelmsruh bei*) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Chaussee 86. Hauptstraße. „ Glück auf", Friedrichsberg, Frankfurter Köpenid, Schönerlinderstr. 5. Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 8. und 22., 1. und 15., Alt- Glienicke bei Lobete. Vorwärts", jeden Mittwoch nach dem 59157 1. und 15., Rudow, Bendastr. 52, Reime. " Blik", jeden Mittwoch nach dem „ Männer- Radfahrverein", Brandenburg, Bergstr. 20.- Wanderer", Friedrichshagen, Friedrichstr. 137. Solidarität", Fürstenwalde, Schloßkellerei." Frisch auf", Guben, Restaurant Bellevue." Hoffnung", Potsdam, Alte Luisenstr. 32. " Frisch auf", Sorau, Restaurant Flora. Quisenstr. 17. " Arbeiter- Radfahrverein Belten", Ringstraße. " Tempo", Finsterwalde, nach dem 1. und 15., Spohn, verein Nowawes", Priesterstr. 31. " Frisch auf", Landsberg a. W., Kayser.- Arbeiter- Radfahrerund 15, Schnelle 67 bei Boillion. Greif", Prenzlau, nach dem 1. und 15., Meiningerstr. 8 bei Obst. Vorwärts", Schöneberg, nach dem 1. straße 21. " Frei Beg", Schöneberg, AkazienWanderlust", Seifersdorf, nach dem 1. bei B. Schoter. " Condor", Bergholz, jeden britten Mittwoch Landsbergerſtr. 11/18. Weinstr. 3, I." Courier", jeden Mittwoch nach dem 1. und 15. bei Schütz Arbeiter: Radfahrerbund Freiheit". Geschäftsstelle bei F. Lier, ( Berolina- Säle), Schönhauser Allee 28. Arbeiter Turnerbund. Mittwoch und Sonnabend: Turnverein Fichte", Geschäftsstelle Berlin O. 17, Stoppenstr. 24 II, abends von 8 bis 10 Uhr: 1. Männer- Abt. Friedenstr. 37. 3. Männer- Abt. Boechstr. 17/20. 8. Männer- Abt. Höchstestraße 36/37. 2. Lehrlings- Abt. Stalizerstr. 55/56. 4. Lehrlings- Abt. Siemensstr. 20( Moabit). 5. Lehrlings- Abt. Ackerstr. 67. 6. Lehrlings- Abt. Reichenbergerstraße 131/132. 9. Lehrlings- Abt. Müllerstraße 158( Wedding). 10. Lehrlings- Abt. Petersburgerstr. 4. 11. LehrlingsAbteilung Fürbringerstr. 33. 12. Lehrlings- Abteilung Eberswalderstr. 10. Arbeiter- Turnverein zu Adlershof. Männer- und Lehrlings- Abteilung turnt Mittwoch- und Sonnabendabend 8-10%, Uhr, Damen- Abteilung turnt Freitagabend 8-10 Uhr, Wöllsteins Lustgarten. Gäste willkommen. Freie Turnerschaft Stralau- Rummelsburg". Männner- Abt. 8-10, Lehrlings- Abt. 8-10. Turnhalle in Borhagen: Turnverein Jahn" in Treptow- Baumschule: eg. 8-10% in der Turnhalle Kiefholzstraße 274: Swinemde. 765 SD Männer- und Lehrlings- Abteilung. Arbeiter- Turnverein" Frob und Frei", Hamburg 758 D Groß- Lichterfelde( Damen- Abteilung), bei A. Reiser, Chauffeeſtr. 104. Berlin Arbeiter- Schwimmerbund. Gegr. 1897. Anfragen find zu richten Franff.a.M. 755 D an R. Danziger, Burgsdorfstr. 14. Sigung: Vorwärts"( Abteilung München 4 heiter Charlottenburg) jeden Mittwoch nach dem Ersten im Charlottenburger Bolts Bien 770 GD 3, wolfen!-10 hause. Rosinenstr, 3. Uebungsstunde: Vorwärts"( Abt. Charlottenburg) Wetter- Prognose für Mittwoch, den 18. Januar 1905. bon 7-8 Uhr in der städtischen Badeanstalt, Krummestraße. Gelinder, vorwiegend trübe mit Niederschlägen und lebhaften südlichen Deutscher Arbeiter- Abstinenten- Bund. Ortsgruppe Berlin. Ver- Winden. ſammlung jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat im Englischen Garten, Berliner Wetterbureau. Neues Theater. Urania, Taubenstr. 48/49. Anfang 72 Uhr: Die lustigen Weiber v. Windsor. Donnerstag: Der Graf von Charolais. Freitag: Die luftigen Weiber von Windsor. Sonnabend und Sonntag: Der Graf von Charolais. Kleines Theater Abends 8 Uhr: Salome. Donnerstag: Die Neuvermählten. Hierauf: Abschiedssouper. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend und Sonntag: Die Neuvermählten. schiedssouper. Hierauf: Ab: ☐ National- Theater Metropol. Die Herren von Marim. Schiller 0.( Wallner Theater.) Krieg im Frieden. • Weinbergsweg 19. Mittwoch, den 18. Januar 1905: 8 Uhr:! Im Bannkreis der Jungfrau. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. CASTAN'S ANOPTICUM. PANOS Der Friedrichstr. 165. geheimnisvolle Hexentisch!! das Mirakel des 20. Jahrhunderts. Kasino- Theater Lothringerstraße 37( Rosenthaler Tor.) Täglich 8 Uhr, Sonnt. 7-8 Konzert. Glänzender Erfolg! Stürm. Beifall! Schiller Friedrich Bilhelm Der Troubadour Reu! 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Trauerspiel in 5 Aufzügen von Otto Ludwig. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Donat Herrnfeld. Die märchenhaft schöne Schluß: Entree 30 Pf., numer. Platz 50 Bf. Prahidal, dessen Reisebegleiter: Apotheose. Anton Herrnfeld. Apollo- Theater. sang und Tanz in 5 Bildern von Anf. 8 Uhr. Billetivorverk. 11-2 Uhr. Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Henry Bender. Josef Giampietro. Josef Josephi Anton Grünfeld. Frid Frid. Fritzi Massary. Das Fest des Lichts.( Ballett.) Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Sonnabend, den 21. Januar: Residenz- Theater. Di Richard Alexander. Seute und folgende Tage 8 Uhr: Herkulespillen. Schwank in 3 Atten von Paul Bilhaud und M. Hennequin. Deutsch von M. Schönau. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Nora. Bockbierfest. 2. großer Metropol- Theater- Ball. Carl Weiß- Theater. D KONZERT. Der dumme Mag u. der Kluge Hans. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Fritz Steidl- Sänger. Nach jeder Borstellung im Kaisersaal: Tanz. Lustspielhaus Täglich 8 Uhr: Der Familientag. Sonnabend nachmittag: Das böse Prinzeßchen. Sonntag nachm.: Der Familientag. Große Frankfurter Straße Nr. 132. Borlette Aufführung. Anf. 8 Uhr: Die Neise um die Erde in 80 Tagen. Freitag, 20. Januar, zum erstenmal: Geld und Name. Sonnabend nachm. 4 Uhr, Kindervorstellung: Mag und Morih. 218 Friedrichstr. 218. Täglich: Berliner Luft und das hochinteressante JanuarSpezialitäten- Programm. Sonntag, den 22. Januar, nachm. 3 Uhr, ermässigte Preise: Venus auf Erden. Dazu die Attraktionen des Januar- Spezialitäten- Programms. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Die Grille. Schauspiel in 5 Aften von Charlotte Birch- Pfeiffer. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Donnerstag, d. 19. Benefiz für Arthur Seelen: Mein Heidelberg. Sonntag nachm. 3 Uhr: Papageno. Abends 7 Uhr: Jägerliebchen. Neues Konzerthaus Grand Hotel Alexanderplatz. Inhaber: Albert Moerner. 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Januar, nachmittags 5, Uhr, beim Kollegen Frik Wilke, Brunnenstraße 188: General- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Raffenbericht. 2. Unsere Agitation. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verbandsangelegenheiten. 69/1 Mitgliedsbuch legitimiert. Die Mitglieder werden dringend ersucht reftierende Beiträge zu begleichen. Um zahlreichen Besuch bittet Der Vorstand. J. A.: Ernst Obst. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Verband des technischen Bühnen- Personals. Heute Mittwoch, nachmittags 3 Uhr, in Kellers Festsälen, Koppen Strasse 29: Versammlung der noch nicht in Arbeit getretenen Kollegen. 7815 Die Ortsverwaltung. Laden- u. Kontormöbel- Branche. Donnerstag, den 19. Januar, abends 81, Uhr, bei Kossin, Andreasstr. 20( früher Stecherts Festsäle): Mitglieder- Versammlung. Mitgliedsbuch legitimiert! Die Ortsverwaltung. -Maler! Donnerstag, den 19. Januar, abends 8, Uhr, in der Berliner Ressource, Kommandantenstr. 57: Versammlung. Zages Ordnung: Neuwahl für die ausscheidenden Mitglieder des Gehülfen- Ausschusses gemäß§ 41 des Innungsstatuts, Der Innungs- Vorstand. F. Schnare, Obermiftr. 124/3 Der Gehülfen. Ausschuß. M. Bartel, Altgehülfe. Abends 9%, Uhr: Versammlung sämtlicher im Malergewerbe beschäftigten Personen. # Sages Ordnung: Wahl der Arbeitnehmer Beisiger zum Jnnungs Schiedsgericht und Stellvertreter für das Jahr 1905.(§ 2 Absatz 4 des Innungsstatuts und§§ 3 und 4 des Nebenstatuts des Innungs- Ausschusses. Der Gehülfen- Ausschuß. M. Bartel. Jedes Wort: 5. Pfennig. Das erste tettgedruckte Wort 10 Ptg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Reifegläser, Operngläser, Reiß zeuge, Regulatoren, Freischwinger, Harmonilas, Geigen, Zithern, Betten, Teppiche, spottbillig. Lude, Dranien1390b ftraße 131. Sitz Berlin. Soeben erschienen: Fritz Reuters Werke. Einzel- Ausgaben: 80 B 80 D Reif nah Belligen. geb. 80 Pf. 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Während der deutsche Kaiser den General Stössel durch den Orden IPour le merite für seine heldenhafte Verteidigung Port Arthurs ausgezeichnet hat, gelangt man in der Petersburger Oeffentlichkeit mehr und mehr zu der Auffassung, daß General Stössel sich keineswegs solche Meriten erworben hätte, wie sie der deutsche Kaiser bei ihm voraussetzte. Schon vor einigen Tagen wiesen wir darauf hin, daß die japanischen Nachrichten über die große Zahl der gefangen genommenen russischen Soldaten in Petersburg stutzig gemacht hat. Während man annahm, daß nur noch zirka 10(XX) unverwundete Soldaten übrig geblieben seien, von denen aber der größere Teil durch Strapazen vollständig erschöpft gewesen sei, erfuhr man jetzt, daß zirka 24 000 russische Soldaten die gefallene Festung in Reih und Glied verlassen konnten, um auf den bereitgehaltenen japanischen Dampfern als Kriegsgefangene verschickt zu werden. Dieser Umstand hat das Urteil der öffentlichen Meinung über Stössel völlig umschlagen lassen. Während man ihn bisher für einen Helden hielt, der tatsächlich bis zum letzten Augenblick die Festung gehalten habe, ist man jetzt der Auffassung, daß General Stössel gar nicht so unrecht gehabt habe, wenn er dem Zaren telegraphierte:„Großer Kaiser, richte uns." Ein im„Tag" veröffentlichter Petersburger Brief verbreitet sich ausführlich über diesen Umschwung der öffent- lichen Meinung. Besonderes Aufsehen habe in Rußland die Tatsache erregt, daß die Zahl der Offiziere eine noch sehr große gewesen ist. Bei den Regimentern 13, 14, 15 und 16 seien pro Regiment noch 36 Offiziere gezählt worden. Das Regiment 25 habe noch 42 kampffähige Offiziere aufgewiesen, das Regiment 26 40 Offiziere, das Regiment 27, dessen Mann- schaften besonders schwer mitgenommen waren, sogar noch 58 Offiziere, also bedeutend mehr als ein deutsches Regiment in Kriegsstärke überhaupt an Offi- zieren zähle!(Ein Regiment zu drei Bataillonen zählt 66 Offiziere. Red.) Nach den Verlusten von St. Privat, bemerkt der Mit- arbeiter des„Tag", sei die Zahl der kampffähigen Offiziere für eine Anzahl von Regimentern auf 20 Offiziere pro Regiment zusammengeschmolzen gewesen, und trotzdem hätten diese Regimenter sich bei Sedan mit Bravour geschlagen. Die Be- fatzung Port Arthurs sei also durchaus nicht derartig zu- sammrngeschmolzen gewesen, namentlich aber nicht das Offizier- korps, daß ein weiterer Widerstand ausgeschlossen gewesen iväre. Ebenso großes Erstaunen habe sich der Petersburger Oeffentlichkeit bemächtigt über die Mitteilungen, daß in Port Arthur noch 82 676 Granaten vorhanden gewesen wären, ferner nach den Berichten des General Nogi große Vorräte an Reis und Mehl und noch 1926 lebende Pferde. ES habe also nach der Auffassung der Petersburger Bevölkerung die Festung an Fleisch und Brot durchaus keinen Maugel gehabt. Die Japaner seien denn auch sehr durch die rasche Kapitulation in Erstaunen gesetzt worden und die Kapitulation sei um so trauriger gewesen, als es Stössel nicht gelungen sei, eine ehrenvollere Kapitulatton zu erzielen, d. h. freien Ausmarsch der Truppen mit Waffen, Fahnen, Feldartillcrie usw. So urteilt man in Petersburg über den Fall Port Arthurs und die Kapittllation Stössels, die man sich nur da- durch erklären könne, daß seine Nerven durch die letzten kriege- rischen Ereignisse stark gelitten hätten. In Fachkreisen, also in OsfizierSkreise», spreche man sich noch viel schärfer über Stoffel aus als im Volke! Interessant ist auch folgende Meldung, die der bekannte Krieaskorrespondent der„Daily- Telegraph" unter dem 14. d. Mts. seinem Blatte übersendet. Nach einer „Laffan"-Meldung urteilt der Korrespondent: ES ist kaum glaublich, daß die Russen diese Stellungen auf- gaben, ohne um ste zu kämpfen. Die Uebergabe von 24 000 kainpf- Üfthtigen Offizieren und Mannschaften wirst ein schlechtes Licht ..uf die Tapferkeit der Russen, denn die Erzählungen von einem Mangel an Lebensmitteln in der Festung siud Abertriebe». Große Mengen Gewehre. Munition und Granaten wurden in dir See geworfen. Die tapfere Verteidigung wurde durch eine schmachvolle Kapitulation zuschanden gemacht. Die Besatzung war nach der Uebergabe noch im stände, 1b englische Meile!, zu Fuß zu marschieren, und die Geschichte von ihren Leiden sind stark über- triebe». Nach alledem scheint es. als ob auch in der russischen und russenfteundlichen Berichterstattung über die russischen Kämpfe um Port Arthur ebenso ungeheuerlich geschwindelt worden wäre, wie über die ganzen Kriegsoperatiouen. Wir von unsere:, Standpunkte aus begrüßen es ja nur freudig, daß Port T thur gefallen ist, ohne daß die Menschenopfer einen noch größeren Grad erreicht haben, aber vom Stand- punkte des Militarismus aus und gemessen an den gewaltigen Ruhmredigkeiten deö General Stösiel selbst, der noch in seinem Antwort-Telegramm an den deutschen Kaiser den Mund recht voll genommen hat, muß doch die Kapitulatton Port Arthurs unter den gekennzeichneten Umständen für alleS eher gehalten werden als für eine besondere historische Ruhmestat der russischen Waffen. Ob der Zar trotz der Ordensverleihung General Stössel doch noch vor ein Kriegsgericht stellen wird? Schwerlich! Denn wenn alle die Generäle, die sich in dem Feldzuge große Fehler und unverantwortliche Rücksichtslosigkeiten, ja sogar Feigheit haben zuschulden kommen lassen, be- straft werden sollten, so müßten schon Masseuvernrteilungen vorgenommen werden. Das ganze russische Militärsystem hat sich ungeachtet der Heldenhaftigkeit der gemeinen Soldaten als so korrupt und unfähig erwiesen, daß die russische Re- gierung sich hüten wird, durch Untersuchungen und Ver- urteilungen die ohnehin kolossale Blamage vor aller Welt noch offensichtlicher kund zu tun. Petersburg, 17. Januar. General Kuropatkin meldet dein Kaiser untern, gestrigen Datum: An, Morgen des 14. Januar umging eine starke japanische Abteilung Infanterie, Kavallerie und Artillerie bei nebligem Wetter eine Kolonne unserer Kavallerie von zwei Seiten. Als unsere Kavallerie sich nach Norden zurückziehen wollte, entspann sich ein Kampf auf kurze Entfernung. Unsere Artillerie beschoß die Japaner auf 1000 Schritt und fügte ihnen beträchtliche Verluste zu. Unsere Kavallerie zog sich sodann in voller Ordnung nach Nprden zurück. Unsere Verluste an Toten und Verwundeten betragen fünf Offiziere und bO Mann. Am 14. Januar stieß eme Patrouille wieder zu unserer Kavallerie, nachdem sie die Eisenbahn und den Telegraphen 3 Werst nördlich von Taschitschiao auf einen halben Werst zerstört hatte. Ein polnischer Geheimbnndprozest. Vor dem Landgericht in G l e i w i tz(Oberschlesien) standen am Montag, den 10. Januar, 22 Personen aus Gleiwitz und Umgegend. 12 Männer und 10 junge Mädchen, Handwerker. Arbeiter und Arbeiterinnen, meist in, Alter von 17—24 Jahren unter Anklage der Zugehörigkeit zu einem Gehet u, bund, dessen Dasein. Zweck und Verfassung darauf gerichtet waren, Gesetze des Staates außer Kraft zu setzen. Einer der Angeklagten, der 20jährige Eise»- dreher Jgnaz S ch i k o r a, der gegenwärtig seiner Militärpflicht ge- nügt und deshalb in Uniform auf der Anklagebank erscheint, ist außerdem der Aufteizung verschiedener Bevölkerungsklassen gegen- einander angeklagt, die er dadurch begangen haben soll, daß er polnische Bücher mit angeblich aufreizenden, Inhalt an andere junge Leute verliehen haben soll. Nach der Anklage haben im Jahre 1903 und Anfang 1904 in Gleiwitz in der Wohnung der inzwischen mS Ausland verzogenen Frau S o I t y s, der Gattin des Herausgebers des radikal-polnischen Wochenblattes„Jskra", wie in den Wohnungen mehrerer der jetzigen Angeklagten öfter geheime Versammlungen stattgefunden, in welchen aus politischen Zeitungen und Büchern vorgelesen, auch polnische aufreizende Lieder gesungen wurden. Auch sollen von ein- zelncn Teilnehmern Reden gehalten worden sein, in welchen die Deutschen als die größten Schweine bezeichnet und zum festen Zu- sammenhalt der Polen aufgefordert wurde, selbst„wenn es Blut koyen sollte". Ebenso wurden in den Zusammenkünften polnische Schriften verteilt. Die Angeklagten verweigern meistens, sich auf die Anklage zu erklären, einige gestehen nur zu. an Zusanunenkünsten harmloser, geselliger Art teilgenommen zu haben, während andere entschieden jede Be- teiligung an Zlisainmenkllnften bestreiten. Als HauptbelastungLzeugin tritt ein 17jähriges Mädchen Marie Z e l a s n y auf, welches an den meisten der an- geblichen geheimen Zusammenkünfte teilgenommen hat. Die Ber- leidigung beantragt, die Zeugin zur Verweigerung der Aussage zu berechtigen über alle jene Versammlungen, an welchen sie selbst teil- »ahm. DaSGericht lehnte diesenÄntra� ab. Die Zeugin sagt aus, daß sie in der Zusammenkunft bei Frau SoltyS, zu der sie von jungen Mitbewohnerinnen ihres Hause? veranlaßt wurde, mit Kaffee bewirtet wurde. Im Gespräch wurde vo» Frau SoltyS gesagt, die Teilnehmerinnen an der Zusaminen- kunft sollten zusammenhalten, nicht auf den Straßen umherlaufen, sondern in die Versammlungen kommen, de»» die Deutschen seien Schweine: kein Pole würde sich gegen ein Mädchen benehmen, wie das die Deutschen tun. Dann wurde ü, Gemeinschaft mit den juilgen Mädchen vorgelesen und später gesungen. Den Sinn-dessen. was die„Leiter" dieses Geheimbundes vorgelesen hatten, verstand die Zeugin nicht, da es hochpolnisch ivar. Am Schlüsse der „geheimen Versammlung" wurde von einem der„Leiter". dein zwanzigjährigen Dudek, den Mädchen vorgeschlagen, das nächste Mal in seine Wohnung zu kommen und sich dam, während deS Vorlesens und Singens mit Stricken zu beschäftigen. Zeugin will sich nichts Schlimmes bei diesen Versammlungen vorgestellt haben, was man wirklich begreiflich finden kann angesichts des staats- gefährliche» KaffeetrinkenS und GtrmnpfstnckenS in diescin „Geheimbunde". Daß die Teilnehmer an diesen Versammlungen sich in irgend einer Weise zum Besuch der Versammlungen ver- pflichtet hätten, konnte weder von dieser noch von den anderen „BelastinlgZzcugei," bekundet werden. Aus den Aussage!, einiger anderer Zeuginnen ging hervor, daß »venigstens einige Teilnehmer beiderlei Geschlechts aus gegen- fettigem Herzensbedürfnis und nicht aus„ational- politischen, Autriebe am„Geheimbund" Interesse fanden. Eine andere„Geheimbüudlcrin", die nicht auf der Anklagebank steht, sondern auch als Zeugin vernommen wird, weiß auch nicht, was vorgelesen wurde, und sagt auf die Frage, welche Lieder gesungen wurden, unter großer Heiterkeit:„Gute Nacht!" Die Frage des Borsitzenden, wer nach dem Vorlesen gesprochen habe, beantwortet die Zeugin mit den Worten:„Alle haben gesprochen." Auch andere Zeuginnen wissen nicht zu sagen, wovon das Vorgelesene handelte. Eine Zeugin ivill ivaS von„polnischen Königen und vom Aufstand" gehört haben, kann aber nicht sagen, was unter „Aufstand" zu verstehen ist, iveiß auch nicht ein- mal. wie das Wort„Aufstand" polnisch heißt. Der Vorsitzende, LandgerichtSdirektor Vogt, ftägt die Zeugin, von welchen polnischen Königen gesprochen wurde. Als die Zeugin schweigt, ftägt der Vorsitzende ungeduldig:„Haben Sieden» nicht mal w a S von König KoSziuSko gehört?"(Große Heiterkeit.) Einige der Angeklagten werden auch beschuldigt, sowohl die eigeuen jüngeren Geschwister wie auch die der übrigen„Geheimbündler" im Lesen und Schreiben der polnischen Sprache unterrichtet zu haben. Den Kindern ivurde aufgegeben, in der Schule von diesem Unterricht nicht» zu sagen. Die sich bis in den späten Abend erstreckende Skachnüttagssitzung beschäftigt sich mit der Verlesung der beschlagnahmten Briefe und Schriften. Das Urteil wurde am Dienstag gefällt. Der Haupiangeklagte S ch i k o r a wurde zu einem Monat Gefängnis, 14 lvcitere Angeklagte zu Gefängnis st rasen von eine». Tage bis zu zwei Wochen wegen Vergehens gegen 8 128 des Slrafgesctzbuchü iGeheimbündelei) verurteilt. Sieben Angeklagte wurden fteigesprocheii. Hua Induftrie und Handel JahreS- und Schichtlöhne der Bergarbeiter im Dortmunder Oterbergamtsbezirk. Der bergbauliche Verein für den Obcrberg- amtsbezirk Dortmund hat die Lohnforderungen der BerAarbeiter deS RuhrrevierS mit der Begründung abgelehnt, daß die Löhne von der allgemeinen Geschäftslage und den Absatzverhältnissen des Kohlen- bergbaueS abhingen, und da diese ungünstige wären, die Zechen- aesellschaften sich nicht zur Bewilligung der Forderungen veranlaßt sahen. Wie weit diese Behauptung, die Geschäftslage fei für die Zechengesellschaften eine ungünstige, zutrifft, haben wir bereits i» Rr. 7 des„Vorwärts" in dem Artikel Zechenlöhne und Zcchenprofite gezeigt. Sicherlich bestehen im Kohlenbergbau, da dessen technische Ausgestaltung in den letzten Jahren weit schneller vorgeschritten ist als der Bedarf, mancherlei Absatzschwierigkeiten; aber infolge der Hochhaltung der Kohlen» und Koksorcisc durch das Rheinisch-west- fälifche Kohlensyndikat stecken trotzdem die Zechcngesellschaften hohe Gewinne ein. Wie wir nachgewiesen haben, hat trotz der angeblichen „Notlage" die von den 13 maßgebenden Bergwcrksgescllschaften des RuhrrevierS nach reichlichen Abschreibungen verteilte Durchschnitts- dividende im letzten. Geschäftsjahr über 19 Proz. betragen— gewiß ein recht ansehnlicher„Entbehrungslohn" für die Aktionäre, Jeden- falls sind, wie ein. Vergleich der Erlöspreise deS Kohlensyndikats und der Zechengewinne mit den Arbeitslöhnen zeigt, die auö der un- bezahlten Mehrarbeit der Bergleute stammenden Zcchenprofite un- gleich stärker gestiegen, als die Jahres- und Schichtlöhne der Ar- beiter. In den Jahren des Aufschvunges von 1894/1900 haben sich allerdings auch die Löhne der Bergleute gehoben, wenn auch lange nicht in gleichem Maße wie die Gewinne der TergwerkSgesellschaftrn, die vielfach in jenen Jahren um da» Drei, und Vierfache, ja um daS Fünf- und Sechsfache gestiegen sind; aber nach dem Eintritt der Krise ginge,' die Arbeitslöhne, während die Kohlenpreise zunächst noch stiegen, schnell zurück und haben heute noch immer nicht wieder die.Höhe deS Jahres 1899 erreicht. Von der aus den Kreisen der Zechenverwaltung:!, inspirierten Presse wird allerdings behauptet, daß die Löhne längst wieder das Niveau deS Jahres 1899 erreicht hätten und sich bereits dem Hoch- stand vom Jahre IM näherten� schon ein flüchtiger Blick auf die amtliche Lohifftatistik für den Oberbergamtsbezirk Dortmund lehrt das Gegenteil. ES betrugen die Löhne für: Allerdings steht, wie die Tabelle zeigt, der Schichtlohn der unter- irdisch beschäftigten Hülfs- und Nebeuarbeiter(Schlepper, Bremser, Pferdetreiber usw.) ctwaS höher als 1899, da aber im letzten Jahr viel häufiger Feierschichten eingelegt worden sind, stellt sich trotzdem der Jahreslohn niedriger. Dabei kommt aber in Betracht, daß feit 1900 die Wohnungsmietsn und teilweise auch die Lebensmittel im Ruhrrevier noch weiter gestiegen sind, so daß der Arbeiter heute mit derselben Lohnsummc nicht so weit reicht wie 1899. Kohlenangst. Das Kohlensyndikat fürchtet anscheinend, daß in- folge des ausgebrochen eir Generalstreiks der Bergarbeiter des Ruhr- reviers sich in bei, Kreisen seiner großen Abnehmer eine„Kohlen- angst" einstellen könnte, welche diese zu forziertem?lbr,lf oder viel- leicht gar in den Gebieten, wo das Syndikat mit der englischen Kon- lurrcnz zu rechnen hat, zum Ankauf englischer Kohle bestimmt. Es ist deshalb krampfhaft bemüht, nach allen Richtungen hin zu ver- sichern, daß es reichlich mit Borräten versehen ist und allen Ansprüchen zu genügen hofft, wem, nur seine Kundschaft nicht drängelt. So teilt z. B. das Amsterdamer niederländische Verkaufsbureau deS Syndikats in einem an seine Kunden und an die Presse versandten Rund- schreiben mit, daß es in feinem Ruhrorter Lager ziemlich große Vor- räte besitze und einstweilen keinen Stillstand der Ausfuhr erwarte. Und zugleich bringt die„Kölnische Zeitung" über bm oberrheinischen, speziell den Mannheimer Kohlcnmartt folgende Beruhigungsnotiz: „Die Wirkung des Bergarbeiter-Ausstandes hat sich in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche auch hier bemerkbar gemacht; der Ver- fand in Jndustriekohlen Hai nicht unerheblich zugenommen. Zu einer Beunruhigung der Verbraucher liegt indessen keine 1lrsack?e vor. Die Ankünfte sind unvermindert stark geblieben. Die Schisse haben sich in dem Maße angesammelt, daß nicht alle rechtzeitig entladen werden können. Der Oberrhein war nur auf einige Tage und nur bis Lauterburg offen. Die Erleichterung, die dadurch den hiesigen Häfen zuteil geworden ist, war nicht von Belang. Der Streik hat für das süddeutsche Geschäft wenigstens den Vorteil, daß die Zufuhren, einst- weilen unterbunden werden. Hamburg-Amettka-Linie. DaS relativ gute Passagegeschäst und die bedeutenden Schiffsverkäufe der Gesellschaft ließen die Verteilung einer hohen Dividende für das Jahr 1904 ertvarten, und meist ist denn auch in der letzten Zeit an der Hamburger Börse die Dividende auf 8 bis 10 Proz. geschätzt worden. Die in der heutigen AuffichtS- ratssitzung der Hamburg-Amerika-Linie beschlossene Dividende recht- fertigt diese Erwartung. Die Dividende wurde nämlich auf 9 Proz. festgesetzt gegen 0 Proz. im Vorjahre. Der erzielte Reingewinn be- trägt zirka 39 Millionen Mark, so daß nach Abzug der Zinsen auf die Prioritätsanleihen ein Betrag von etiva 28 Millionen Mark ver- bleibt, ungefähr 10 Millionen Mark mehr als im Borjahre. Tie Lebensmittelpreise steigen. Tie Mitte des Vorjahres«in- setzende Steigerung der Warenpreise bewirkt, daß das Jahr 1902 mit einen, durchschnittlich höheren Preisniveau begann, als die beiden Vorjahre. Leider ist vorläufig noch nicht anzunehmen, daß die Preis- kurve schoi, auf dem höchsten Punkte angelangt ist, vielmehr muß ber der augenblicklichen Marktlage vieler Artikel mit der Fortdauer der Haussetendenz gerechnet I verde». Vor allen, sind es die Getreide- preise mit Ausnahme von Mais, die höher stchen akS zu Beginn der Jahre 1904 und 1903. Vom Brotgetreide zeigt Roggen ein« sehr starke Spannung zun, Vorjahre, während Weizen nur wenig gestiegen ist. Allerdings ist dabei zu erwägen, daß zu Beginn des Vorjahres Weizen schon recht hoch im Preise stand. Wie weit die Steigerung des Preises für Brotgetreide schon auf den Brotpreis eingewirkt hat, das entzieht sich namentlich deswegen einer genauen Kenntnis, weil das Gewicht des Brotlaibes schwankend ist und auch durch eine Ver- änderung der Mehlqualität der DctailbrotpreiS dem Großhandelpreis für Getreide angepaßt lvorden kann, ohne daß der nominelle Preis des Brotes sich verändert. In, Gegensatz zu der Beilegung der Großhandelspreise von Getreide läßt sich die Einwirkung hoher Kartoffelpreise auf die Haushaltskosten unmittelbar nachweisen. Je geringer das Einkommen, desto stärker ist der Kartofsellmisum, desto drückender wirken erhöhte Kartoffelpreise. Sekt 1903 zeigen nun die Kartoffelpreise fast in allen Gegenden Teutschlands mit Ausnahme weniger Landesteile eine fortgesetzt steigende Tendenz. In etwas wird die Steigerung der Getreide- und Kartoffelpreise dadurch cttvas ausgeglichen, daß die Viehpreise fast durchweg niedriger stehen als im Januar de» Vorjahres. Diese für den Konfimi günstige Belvegung würde noch weit erfreulicher fein, wenn auch die Schweinepreise eine rückläufige Bewegung aufzeigten. Aber gerade sie zeigen ein An- ziehen vo» mindestens 10 bis 12 Proz. gegenüber dem Vorjahre. Sie sind damit zwar noch nicht so hoch wie zu Anfang des Jahres 1903. aber hoch genug, um den Fleischverbrauch der arbeitenden Bevölkerung merklich zu beeinträchtigen. Fettwaren, die während der Winter- monate in verstärktem Maße verbraucht werden, zeigen mit Ausnahme von Schmalz gleichfalls eine Preissteigerung. Ebenso setzten Kaffee und Zucker beträchtlich höher ein als 1904. Soziales. Verweigerte Uetersttmdcnbrzahlung. In der Galanteriewaren- fabrik von Wolf u. Rosenzweig, Inhaber Stein, war Fräulein H. i» der Hochsaison vor Weihnachten beschäftigt. Sie fungierte gegen einen Wochenlohn von 11 M. als Zuschneiderin. Nachdem sie v,er- zehn Tage lang von 8 Uhr bis 8 Uhr gearbeitet hatte, bei zwei Stunden Mittag, begani, die Ucberzcitarbeit, zunächst bis VaO Uhr, später vorübergehend bis 9 Uhr, bis die Polizei Herrn Stein belehrte, daß in seinem Fabrik betriebe Arbeiterinnen nur bis'/»O Uhr abends beschäftigt werden dürften, abgesehen von Ausnahmen. Es ivurde dann von den Arbeiterinnen wieder bi« V,9 Uhr gearbeitet, die Mittagszeit dagegen um eine halbe Stunde verkürzt. Fräulein H. wunderte sich sehr, daß bei der Lohnzahlung der lieber- stunden gar nickt gedacht wurde. Sic wartete 14 Tage und fragte dann die Direktrice Wolf, wie tS den» mit den Ucberstnndeil sei. Die Dame lehnte eine Bezahlung der Mehrarbeit ab. Fräulein H. arbeitete weiter, jetzt in dem guten Glauben, jiir die Ucberzeit würde sie glänzend durch eine Weihnachtsgratifikation entschädigt werden. Nachdem ihre Mutter noch vorstellig geworden war, machte sie eine Woche wng fcftte Ntbersiunden. Jetzt wurde sie, birze Zeit vor Weihnachten. entlassen. Nunmehr klagte Fräulein H. gegen die Firma beim Ber- liner Gewerbegericht auf Zahlung von 8,80 M. für 44 Ueberswnde» Der Chef, Herr Stein, nahm vor dem Gewerbegericht Gelegenheit, sich als sehr vornehm denkenden Mann hinzustellen, der eine der an- gesehensten Firmen der Ritterstraße vertrete. Man hätte ihn ja auch sonst nicht in die Handelskammer gewählt. Er sprach dann manches von den Neujahrs- Gratifikationen, die in seinem großen Betriebe vergeben würden, auch meinte er, es würden bei ihm lieberstunden bezahlt, aber an die Bezahlung der von der Klägerin geleisteten Ueberstunden wollte er nicht heran. Er wollte nicht zugestehen, daß von ihr„Ueberstunden' gemacht seien. Sein ebenfalls anwesender Prokurist schien es da gegen für selbstverständlich zu halten, daß die Ausdehnung der Arbeitszeit in der Saison nicht durch Ausdehnung des Lohnes ausgeglichen werde.— Die Direktrice bekundete im Gegen- satze zu den Ausführungen des Chefs, daß sie aus die Vorstellungen des Mädchens gesagt habe:„Ueberstundengeld gibt es bei uns nicht; ist Ihnen das nicht beim Engagement gesagt worden?" Der Borsitzende, Magistratsrat Dr. Meyer machte nach er- folgter Beratung wiederholt Vergleichsvorschläge und hob hervor, daß im Scholße des Kollegiums ausgesprochen worden sei:„Wenn in der Saison mehr gearbeitet wird, wird der Arbeitgeber dadurch stillschweigend verflichtet, diese Mehrarbeit zu bezahlen. Nach vielem Zureden zahlte Herr Stein der Klägerin 5 M., womit diese sich zufrieden gab.— Absolute sozialdemokratische Mehrheit in einem dänischen Ge mcindcrnt. In der jütländischen Hafenstadt E s b j ä r g besitzen unsere Parteigenossen schon seit längerer Zeit die zehn StadP verordnetenmandate der allgemeinen Wählerklasse. In die Klasse der höchstbcsteuerten Wähler einzudringen ist selbstverständlich für die Sozialdemokratie im allgemeinen sehr schwierig. In Esbjärg trat nun aber der sonderbare Fall ein, daß alle Wähler derallgemeinenWählerklasse zugleich auch Wähler der höchstbesteuerten Klasse wurden. Das war eine Folge davon, daß nach den neuen Steuergesetzen die von Aktien- gesellschaften zu zahlenden Steuern, die Erwerbssteuern, neben den Hafensteuern und den von den Staatsbahnen herrührenden Steuern mit zu der gesamten Steuersumme gerechnet werden, die der Klassen Einteilung der Wähler zugrunde liegt, und jene Institutionen nicht Wähler sein können. Dazu kommen eine Anzahl außerhalb Ivohnender Grundsteuerzahler sowie die minderjährigen und die un- verheirateten weiblichen Steuerzahler, die alle die Steuersumme vermehren, aber nicht die Zahl der Gemeindewähler. Dies alles be- wirkte, daß man in diesem Jahre„höchslbesteuerter" Gemeindewähler in Esbjärg mit der Mindeststeuerleistung von 2 Kronen jährlich wurde, und voraussichtlich werden sich diese Verhältnisse in den nächsten Jahren nicht zu Ungunsten dieses Zustandes verändern.— Die„Höchstbesteuerten" hatten am tv. Januar die kleinere Hälfte des Gemeinderates, 9 Stadtverordnete, zu wählen. Die Sozial- demokraten hatten mit den Radikalen eine gemeinsame Liste auf- gestellt, die 2 sozialdemokratische und 6 radikale Kandidaten enthielt. Auf diese Kandidaten wurden 773 bis 787 Stimmen abgegeben. Neben diesen 8 Kandidaten wurde ein Anttsozialist gewählt mit 409 Stimmen. Der Gemeinderat besteht also danach aus 12 Sozialdemokraten, 6 Radikalen und einem Antisozialisten. Esbjärg war die erste Kommune Dänemarks, wo alle von der all- gemeinen Wählerklasse gewählten Stadtverordneten Sozialdemo- traten sind! diese Stadt ist nun auch die erste, wo die Sozialdemo- kratie die absolute Mehrheit hat. Gegen die Kinderarbeit besteht seit länger als zwei Jahren im Staate New Uork ein Gesetz, das bisher nicht zur Anwendung ge- langte. Durch vielseitige Klagen veranlaßt, wurde eine Untersuchung über die Wirksamkeit des Gesetzes angeordnet, und man fand, daß Kinder massenhaft der schonungslos: n Ausbeutung in Fabriken preisgegeben waren. Die Fabrikanten beachteten das Gesetz nicht; sehr selten kam eine Anklage wegen Uebertretung desselben vor und noch seltener erfolgte eine Verurteilung. Es gibt manches Gesetz in den Vereinigten Staaten zum Schutze der Arbeiter, aber es kommt gewöhnlich nicht zur Ausführung! den Arbeitern fehlt es an politi- scher Macht, darüber zu wachen. In manchen Südstaaten der Union, wo die Legislatoren sich sogar weigerten, überhaupt Gesetze gegen die Kinderarbeit anzunehmen, wird die Ausbeutung der Kinder in der rücksichtslosesten Weise be- trieben. Eine städtische Großschlächterei wird in Wien und zwar in Form einer Aktiengesellschaft errichtet. Die Gründer der Groß- schlächterei find die G e m ei n d e W i e n, die Domänenverwaltung de- Erzherzogs Joseph, die Aktiengesellschaft für chemische Industrie und die Länderbank. Die Aktiengesellschaft wird zunächst mit einem Kapital von 5 Millionen Kronen ins Leben gerufen werden, das jedoch auf 20 Millionen Kronen erhöht werdeil kann. Die Stadt Wien selbst wird nach den bestehenden Absichten für 1 Million Kronen Aktien zeichnen. Die Gesellschaft hat die Pflicht übernommen, all- jäbrlich, längstens aber bis zum fünften Jahre, die Schlachtung von S0 000 Rindern durchzuführen. Wie die„Neue Freie Presse" mitteilt, soll durch die Ersparnisse im Schlachtbetriebe, durch zweckmäßige Verwertung der Abfallprodutte sowie durch den Einkauf von Mästern selbst die Möglichkeit geschaffen iverden, bei gleichbleibenden oder selbst steigenden Viehpreisen dem Konsum billigeres Fleisch zu liefern, als eS namentlich den kleineren Fleischhauern bei der irrationellen Art des heutigen Gewerbebetriebes möglich war. Die Großschlächterei ist zur Errichtung von Detail- Fleischverkaufsstellen in den Bezirken verpflichtet. Der Berliner Kommunalfreisinn würde in der Gründung einer städtischen Großschlächterei die Etablierung der sozialistischen Gesell- schaft erblicken und eine solche Forderung als einen gemein- gefährlichen Anschlag der Sozialdemottatie auf den staatserhaltenden Fleischer-Mittelstand bekämpfen. Hud der fraiienbcwec{ung» Heber die wirtschaftlichen und geistigen Momente in der Frauen- bewegung diskutierte man am 12. Januar in der staatswissenschaftlichen Ab- teilnng der Berliner„Freien Studentenschaft"(Finkenschaft). Das Referat hatte Fräulein Dr. B ä u m e r übernommen. Jn> seiner Begrüßungsrede gedachte der Vorsitzende, Studiosus Freund, besonders des Umftandes, daß es seit einer Reihe von Jahren wieder das erste Mal sei, eineDame als Vortragende in studen- tischen Kreisen hören zu können. Der Vortrag des Fräulein Dr. Bäumer setzte ein mit geschichts- theoretischen Erörterungen. Nach einer Skizzierung der idealistischen Geschichtsauffassung und der sie gleichsam ablösenden materialistischen Betrachtungsweise geschichtlichen Geschehens, erwähnte sie die(anch von Professor Schmoller vertretene) Auffassung, die davon absehe, einen absoluten Zusammenhang zwischen den wirtschaftlichen Zu- ständen und dem geistigen Geschehen, den Ideen und ihrer Ent- Wickelung, herzustellen. Diese Auffaffung beschränke sich darauf, in der Einzelerscheinung die Wechselwirkung der wirtschaftlichen und geistigen Elemente festzustellen, ohne bestimmte Normen ableiten zu wollen. Alle drei Richtungen der Geschichtsauffassung hätten nun auch in der geschichtlichen Betrachtung der Frauenbewegung ihren Niederschlag gefunden. Redneriu suchte das in längeren, recht interessanten Ausführungen näher darzutun. Aus den dann folgenden mehr positiven Darlegungen ergab sich, daß sie der Schmollerschen Auffassung zuneigt. Die Rednerin bezog sich bei diesen Darlegungen auf die deutsche Frauen- bewegung. Der kurz zusammengefaßte Gedanken- gang ist etwa der: Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts habe die Frau allerdings vor einem wirtschaftlichen Problem gestanden. Aber mit welchen Ideen sei man an die theoretische Lösung gegangen. Es waren alle jene ethischen und politischen Anschauungen,- die sich feit der Proklamation der Menschenrechte immer mehr in die sittlichen Instinkte der Menschen hineingearbeitet hätten. Die Anschauungen vom Recht der Persönlichkeit seien im 19. Jahrhundert fester ge worden. Das sei die eine Gruppe ethischer Anschauungen, mit denen die Frauen dem wirtschaftlichen Problem gegenüber standen. Dazu sei die Verfeinerung der seelischen Kultur und der seelischen Ansprüche gekommen, die man etwa mit dem Namen Goethe ver binden könnte. Die davon beeinflußt seien, verlangten mehr vom Leben. Sie fühlten, daß das wertvollste das-Individuelle sei. Und von den Frauen werde unter jenen ethischen Einflüssen die Selbst- Verantwortlichkeit als ein wesentlicher Wert erkannt. Die bürger- lichen Frauen hätten nur einen Ausweg gesehen in der Wirtschaft liehen Versorgung auf Grund eigener Arbeit und eigener Verant Wartung. Daraus habe sich zum guten Teil die Lösung der Wirt- schaftlichen Frauenfrage ergeben, die zusammengefaßt"sei in der Forderung: Gebt uns die Arena der Arbeit frei! Es sei damals ein Fehler g/wesen, daß die bürgerlichen Frauen übersahen, daß bei den Arbeiterinnen jene Forderung zu deren Unglück erfüllt sei. Als sie erkannten, daß die Freiheit allein nichts bedeute als eine freie Ausbeutung, da hätten die wirtschaftlichen Momente zurückgewirkt auf eine Korrektur des Frauenprogranrms. Der Kampf um die Arbeiterinnenschutz-Gesetzgebung habe darauf hohe Wogen inner- halb der bürgerlichen Frauenbewegung geschlagen. Und so weiter. So beeinflussen sich nach Auffassung der Referentin vielfach Wirt- schaftliche und ethische Momente gegenseitig in der Frauenbewegung. Zum Schluß gab sie noch ihrer Überzeugung dahin Ausdruck, daß infolge der geistigen EntWickelung geistige Ansprüche drr Frauen hervorgerufen seien, die für sich ihre Erfüllung heischten, ganz gleich, welche Lösung die wirtschaftlichen Fragen erführen. Die Bewegung umfasse auch alle persönlichen Beziehungen der Geschlechter nebcn ihrem Verhältnis in der sozialen Gemeinschaft. Es folgte eine sehr angeregte, ausgedehnte Diskussion. Einzelne Redner verfochten gegenüber der Referentin die materialistische Ge- schichtsauffassung. Herr Heilmann bekannte sich als entschiedener Marxist. Er präzisierte gegenüber der Referentin scharf die materia- listische Geschichtsauffassung und brachte sie in Beziehung zu der Frauenbewegung. Er hob in bezug auf entgegengesetzte Ausfüh- rungen hervor, daß die proletarische Frauenbewegung eine Klassen- bewegung sei. Getrennt von der bürgerlichen Bewegung und als Klassenbewegung müsse sie sich vollziehen. In ihrem Schlußwort wandte sich die Referentin gegen die Anschauungen dieses Redners und entwickelte nochmals ihre oben kurz skizzierte Geschichtsauf- assung._ Köpenick. Heute Mittwoch, abends 8Vz Uhr findet im Lokal von Hellwig die Generalversammlung des Frauen- und Mädchen-BildungSvereins statt. DaS einleitende Referat hat Genossin T ö l l e übernommen. Es findet die Neuwahl deS Vorstandes statt, ferner wird die Broschüre der Genossin Zetttn„Die Schulftage" an Mitglieder unentgeltlich verteilt. Es ist die Pflicht aller Mitglieder, in dieser Versammlung zu erscheinen. Schöneberg. Der Ver-in für Frauen und Mädchen hielt am Januar im Klubhause eine Generalversammlung ab. Dem Bericht über die BereinStättgkeit folgte der Kassenbericht. Der Kassiererin wurde auf Antrag der Revisoren Deebarge erteilt. An Stelle der Genossin B ä u m l e r, die ihr Vorfiandsamt nach l'/�jähriger Führung niederlegte, wurde die Genossin Frau Heide als erste Vorsitzende gewählt. Es wurde zum Schluß der Ver- ammlung bekannt gegeben, daß am 18. Februar im Klubhause ein Maskenball stattfindet._ 9. Versammlungen. Tie Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Werkstättenarbeiter bei der Hoch- und Nntergrundblib» wurden am Sonntag in einer bei Litfin, Memelerstraße 67, ab- gehaltenen Metallarbeiter-Versammlung einer kritischen Besprechung unterzogen, die ein äußerst ungünstiges Licht auf die„idyllischen" Zustände in diesem Betriebe warf. Schon der Umstand, daß die Be- triebslettung einen großen Teil der Werkstättenarbeiter gerade an diesem Sonntag bis%2 Uhr arbeiten ließ— nach Meinung der Betroffenen lediglich deshalb, um sie in weiser Fürsorge dadurch vom Versammlungsbesuch fernzuhalten—, zeigte bereits so un- gefähr, wie dort mit den Arbeitern umgesprungen wird. Was dann aber der Referent B u s e, gestützt auf ein reichhaltiges Tatsachen- Material, über die Arbeitsmethode, sowie die Entlohnung und Be- Handlung der Arbeiter vortrug, dürfte alles, was auf diesem Ge- biete von Berliner Unternehmern bisher geleistet wurde, weit in in den Schatten stellen. Die Hoch- und Untergrundbahn-Gesellschaft hat für ihren Be- trieb zwei Reparaturwerkstätten eingerichtet, eine an der Warschauer Brücke und die andere am Zoologischen Garten, woselbst im ganzen etwa 280 Arbeiter beschäftigt werden. Allgemein klagen nun die Leute über die unpraktische Arbeitsmethode und den Mangel in der Verwertung technischer Hülfsmittel zur zweckmäßigen Bewältigung der Arbeit. So z. B. müssen am Zoologischen Garten die Repara- turen teilweise auf und neben dem Gleis ausgeführt werden, wo- durch schon zahlreiche Unfälle herbeigeführt wurden. Die Arbeit elbst ist in beiden Werkstätten eine äußerst schmutzige, und die Be- triebslettung tut nichts, um sie praktischer und dadurch reinlicher zu gestalten. Kleidung und Körper der Arbeiter starren förmlich von chmutz und Schmiere. Zudem haben die Arbeiter sehr unter dem atembenehmenden Gestank des Salmiakgeistes zu leiden, der zum Abbeizen der Farbe an den Wagen verwandt wird. Beschwerden hierüber tun die Meister einfach mit den Worten ab:„Von dem Salmiakgeist werden Sie nicht tot werden, der ist sogar sehr gesund." Obgleich in den Werkstellen der Schmutz zeitweilig in dicken Schichten lagert, wird doch nur allwöchentlich eine Platzreirngung vorgenommen. An genügenden Waschvorrichtungen mangelt es eben- alls, und in den kleinen Spinden der unzulänglichen Umkleideräume muß bei den Wechselschichten das schmierige Arbeitszeug der abgehenden Schicht unmittelbar neben und zwischen die Anzüge der anfangenden Schicht gehängt werden. Deshalb werden die Werk- stätten von den Arbeitern auch nur kurzweg als„Dreckbuden der Patentbahn" bezeichnet. Was nun die Arbeitszeit anbelangt, so ist dieselbe offiziell auf 10 resp. 9� Stunden festgesetzt, jedoch grassterr ein ausgedehntes U eber st undenun Wesen. J£ie sogenannten Revisionskolonnen müssen meistens 62 bis 76 Stunden per Woche arbeiten. In der Werkstelle am Zoologischen Garten haben die Ar- beiter schon seit Wochen keinen freien Sonntag mehr gehabt. Das tollste aber ist, daß für die Ueberstunden nicht nur k e i n Z u s ch l a g gezahlt wird, sondern daß die Arbeiter selbst noch für jede Ueberstunde einen RelchSpfennig extra an die Betriebskrankrukasse zu entrichten haben. Die Ausnutzung der Arbeitskraft durch Ueberstunden wird den Ar- beitern also anscheinend noch als eine Vergünstigung angerechnet. Bei einer solchen Auffassung der Dinge darf man sich denn auch über die ungemein niedrigen Löhne nichts allzu sehr wundern. Gelernte Arbeiter wie Schlosser, Dreher usw. erhalten einen Stundenlohn von 45 Pf., nur wenige Bevorzugte bringen es auf 47 Pf., wohingegen der Normallohn dieser Arbeiter in, den meisten Berliner Betrieben bis zu 60 Pf. beträgt. Noch elender aber werden die Hülfsarbeiter entlohnt. Sie erhalten 35, höchstens 36 Pf. per Stunde, werden aber auch mit 27� Pf. resp. 28 Pf. eingestellt. Schon mehrfach sind die Arbeiter ganz bescheiden wegen einer kleinen Lohnerhöhung vorstellig geworden. Vor einem halben Jahre hat ihnen der Betriebsdirektor auch eine nach Altersarenzen abzustufende Lohnzulage versprochen: bei diesen Ver>prechungen ist es aber auch geblieben. Doch halt, der Gesellschaft darf wissentlich kein Unrecht geschehen; deshalb sei auch ausdrücklich mit- geteilt, daß sie. n a ch d e m diese Versammlung ein- berufen war. in urplötzlich überquellender Humanität am letzten Sonnabend ganzen sechs Mann eine Lohnzulage von je— 1 Pfennig per Stunde gewährt hatl Was den Arbeitern, aber an guter Bezahlung abgeht, das wird ihnen wieder überreich durch schlechte Behandlung vergolten. Die Anwesenden waren sich darüber einig, daß auf den Kasernenhöfen auch kein rüderer Umgangston herrscht, als wie ihn hier die Meister resp. Werkführer gegen die Arbeiter anschlagen. Einige der„Herren Vorgesetzten" verfügen über ein schier unerschöpfliches Register echt unteroffiziersmätziger Kunstausdrücke, und das letzte Wort heißt dann gewöhnlich:„Wems nicht patzt, der kann gehen." Unterstützt wird die Aufrechterhaltung der Disziplin überdies noch durch ein ziemlich rigoroses Strafgelder sy st em.— Trotz alledem brüstet sich die Gesellschaft mit ihrer Arbeiterfreundlichkeit und ihren Wohlfahrtseinrichtungen. Dabei leistet die Betriebs- krankenkasse in Anbetracht der enorm hohen Beiträge von zirka 1 M. nur ein ganz minimales Krankengeld, und aus der Unterstützungs- lasse werden Beträge nach Ansicht des Referenten vielfach nur nach Gunst gezahlt. Höcksst unangenehm scheinen der Betriebsleitung aber die Organisationsbestrebungen der Arbeiter zu sein. Schon mehrfach sind Arbeiter und Vertrauensleute, die für den Metallarbeiter-Ver- band tätig waren, unter nichtigen Vorwänden entlassen worden; erst kürzlich mußten vier Mann wieder ihr Bündel' schnüren. Als sie sich darüber an zuständiger Stelle beschwerten, wurde ihnen gesagt, ihre Entlassung sei zu Recht erfolgt, weil sie„agitatorisch" tätig gewesen seien, und weil sie auch einmal den Herrn Obermeister— nicht gegrüßt hätten.— Aus alledem e r g i e b t sich, daß die Werkstätten der Hoch- und Untergrundbahn sicher mit zu den allerschlechtesten Arbeits- Plätzen von ganz Berlin gehören. Der Referent meinte daher auch, die Gesellschaft dürfe sich nicht wundern, wenn angesichts solcher unwürdigen Zustände eines guten Tages schließlich ganz spontan ein Streik ausbräche. Zugunsten der Direktion wurde vorläufig jedoch angenommen, daß sie von all diesen Dingen wohl noch nicht genügend Kenntnis erhalten habe. Der Zentralverband der Stukkateure(Filiale Berlin) hielt am Montag seine stark besuchte Generalversammlung in Frankes Festsälen ab. Aus dem gedruckt vorliegenden Kassenbericht für das vierte Quartal ergibt sich, daß Einnahmen und Ausgaben der Haupt- lasse mit 4529,72 M., und die der Filialkasse mit 12 903,50 M. balanzieren. Der Bestand beträgt 10 108,75 M. Nach gutgeheißener Neuregelung der Manko-Entschädigung erstattete der Vorsitzende Krebs den Jahresbericht. Die Mitgliederzahl ist im Jahre 1904 von 770 ans 900 gestiegen. Es sind 303 Bauten von 60 Unter- nehmern mit 1105 Kollegen einer Baukontrolle unterzogen worden, was zu 43 Werkstattbesprechungen und 5 Bausperren führte, von denen 2 ergebnislos verliefen. Das Ergebnis der Fragebogen- Beantwortung über Werkstattverhältnisse soll später veröffentlicht werden. In 131 Werkstellen wurden neben 334 Gehülfen 249 Lehrlinge gezählt. Der Arbeitsnachweis ist im ver- flossenen Jahre stärker frequenttert worden wie ftüher. Während im Jahre 1903 auf 100 gemeldete Arbeitslose nur 35 Stellen- vermittclungen kamen, so gestaltete sich das Verhältnis 1904 auf 100 zu 52. Gerügt wurde aber das immer noch ausgeübte„An- fragengehen". Mitgeteilt wurde ferner, daß der von der Organisatton eingerichtete Zeicheukursus eine gute Beteiligung aufzuweisen hatte. Für eigene Streiks brauchte die Filiale im abgelaufenen Jahre nur 70 M. aufzubringen; anderen Gewerkschaften sind 500 M. über- wiesen worden. Im Frühjahr v. I. haben sich der Filiale auch die Marmor-Stukkateure als Gruppe B angeschlossen, und es ist ihnen auch gelungen, eine Tarifbewegung mit Erfolg durchzuführen. Mit der Tättgkeit des Vorsitzenden erklärte sich die Versammlung in allen Teilen einverstanden.— Die Neuwahlen hatten folgendes Er- gebnis: 1. Vorsitzender Krebs, 2. Vors. Scheck; 1. Kassierer Koppe, 2. Kassierer Eckert; 1. Schriftführer I o e ck e l, 2. Schrift- führer W e n g e l s, Revisoren Bleibaum und Peters, Bei- sitzer Gü ntt h e r und Ja n i sch, Gewerkschastskommissions-Delegierter R a d t k e. Bestätigt wurden ebenfalls die Funktionäre der Gruppe B sowie die Hülfskassierer. Auf Beschluß soll die Bibliothek nach dem Verbandsbureau übergeführt werden. Hierauf nahm die Versammlung Stellung zum Ablauf des Tarifvertrages. Es herrschte allgemein die Auffassung, daß der Tarif verbesserungsbedürftig sei. Daher wurde be- schlössen, den am 15. Mai ablaufenden Vertrag zu kündigen. Der Vorstand soll sich als Lohnkommission konstituieren und rechtzeitig der Schlichtungskommission die Wünsche der Stukkateure zur Borberatung unterbreiten.— Schließlich wurden die Kollegen der Firma B o s>v a n u. K n a u e r verpflichtet, gegen die Errichtung einer Betriebs-Krankenkasse dieser Firma zu votieren, wenn diese Frage an sie herantreten sollte. Tie Reu-Plätterinnen, Näherinnen und Zuschneider hatten sich am Montag sehr zahlreich zu einer öffentlichen Versammlung im Alten Schützenhause eingefunden, die vom Verband der Wäsche- und Krawattenarbeiter und-Arbeiterinnen veranstaltet war, um die Lohnabzüge in der Wäschefabrik von F. Gottheim zu besprechen. Die Referentin, Frau T i e tz. teilte zunächst mit, daß die Lohnabzüge kurz vor Beginn der Versammlung rück- gängig gemacht waren und der Chef sich verpflichtete, die alten Preise weiter zu bezahlen. Damit war der Umstand, der die Ber- sammlung veranlaßt hatte, hinfällig geworden. Wenn dennoch die Angelegenheit ausführlich besprochen wurde, so geschah«S deswegen. weil hier ein für die Gesamtheit der Arbeiterinnen, lehrreicher Fall vorlag, der recht deutlich zeigt, in welcher Weis« man die Lichne herabzudrücken sucht, wie es aber den Arbeiterinnen, wenn sie ein- müttg zusammenhalten und eine gute Organisation hinter sich haben, leicht möglich ist, solche Angriffe abzuwehren, zumal wenn es sich wie in diesem Falle um eine Arbeit handelt, die gelernt sein will und viel Uebung und Anstrengung erfordert. Tatsächlich handelte es sich bei Gottheim um ganz ungeheuerliche Herabsetzungen der Akkordpreise, die bei einzelnen Artikeln mehr als 40 Prozent betrugen,(z. B. bei einer Sorte Manschetten, wo der Preis von 70 auf 40 Pf. herab- gesetzt werden solltet und im Durchschnitt etwa 20 Prozent aus- machten. Die unerhörte Höhe der Abzüge mag dazu beigetragen haben, daß die sämtlichen 44 Plätterinnen der Firma mit einer, in dieser Branche leider noch sehr seltenen Einmütigkeit die Arbeit niederlegten. Die Firma suchte dann am Sonntag in verschiedenen Zei- tmigen nach Arbeitswilligen, fand aber nicht was sie suchte. Das war bei dem Mangel an wirklich tüchtigen Plätterinnen voraus- zusehen. Dieser Mangel hat seine Ursache darin, daß die Arbeit sehr anstrengend ist und sehr gesundheitsschädlich, so daß nur kräftige Personen sie zu leisten vermögen, und daß außerdem von ver- schiedenen Arbeitgebern schändliche Lehrlingsausbeutung betrieben wird. Eine Firma Ritter wurde in der Versammlung erwähnt. die man wegen der dort fortdauernd betriebenen Ausbeutung sehr junger Arbeitskräfte in Plätterinnenkreiscn als„Kleinkinderbewahr- anstalt" bezeichnet.— Sowohl von der Refcrenttn wie von den Tis- kussionsrednerinnen und-Rednern wurde darauf hingewiesen, das; nur durch eine starke Organisation Verschlechterungen der Arbeits- bedingungen abgewehrt, Verbesserungen erzielt iverden können, und daß dazu die Einführung eines einheitlichen Lohntarifes, der für alle Arbeitgeber der Branche bindend sein muß, notwendig ist. Zur Ausarbeitung eines solchen Tarifes wählte die Versammlung eine Kommission von 15 Mitgliedern. Ferner wurde einstimmig folgende Resolution angenommen: „Die öffentliche Versammlung sämtlicher Arbeiterinnen und Arbeiter der Wäschcbranche nimmt mu Entrüstung Kenntnis von den bei der Firma Gottheim geplanten Lohnreduzierungen, die jedoch durch das einige Zusammenhalten der dort beschäftigten Arbeiterinnen vereitelt worden sind. Die Anwesenden verpflichten sich, sich der Organisation der Wäschebranche anzuschließen, um so geschlossen solchen wie ähnlichen Anforderungen einzelner Arbeitgeber entgegen- treten zu können. Die Versammlung gibt ihre Zustimmung dazu, daß die Organisation die geeigneten Schritte unternimmt, um ge- ordnete Verhältnisse in der Wäsche- und Krawattenbranche herzu- stellen." Sozialdemokratischer Zentral-Wahlvcrcin Kalau-Lncka«. Ort,. verein Berlin. Donnerstag, den 19 d. Mts. abends S'l. Uhr, bei Weih. nacht: Versammlung. Vortrag des Genossen öoismariu über;„Die preußische Volksschule." ES wird den Mitgliedern zur Pflicht gemacht, wie immer zahl- reich und püultlich zu erscheinen.,_ Deutscher Slrbettcr-Abstinentenbund, Ortsgruppe Berlin. Mittwoch. dm 18. Januar, präzise 8'/. Uhr. im Englische» Garten, Alcxanderstt. 27o: Versammlung. Vortrag: Alkohol und Fusel. Rcsermt: Herr Adols Fried. länder. Korreferent: Genosse W. Mielhle. Diskussion. Gruppen. An- gelegenheiten. Gäste, Damen und Herren willkornmeu. Lerantw. Redakteur; Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: TS. Gl, cke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin LM