.42 Abonnements- Bedingungen: M abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mr., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntagsnummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrs. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonelzeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Numiner müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Rächer. Die Maffenschlächterei des 22. Januar ist an einem ihrer verantwortlichen Verbrecher gerächt worden: Der Großfürst Sergius, der Ontel des Zaren, dessen Einfluß es zugeschrieben wird, daß an jenem Petersburger Blutsonntag die Dum- Dum- Geschosse gegen wehrlofe fromme wallfahrende Beter flogen, ist durch wehrhafte Helden ausgetilgt worden. Die Bombe, die ihn zerriß, vernichtete zugleich die Keime weiterer zahlloser Greuel, die in diesem Himme wucherten, das alle Lafter und Bestialitäten eines verruchten Systems persönlich vereinigte. Zu gleicher Zeit, da der offizielle Telegraph im öden Hofftir meldet, daß der Prinz Leopold von Preußen in Barskoje Szelo mit dem üblichen Militärpomp empfangen sei, berichtet er auch und in den dürren Kanzliftenworten russisch- zensurierter Depeschen scheint etwas wie Erregung durchzuzittern wie an einem Schuldigen des 22. Januar das Urteil vollstreckt worden ist. Am Freitag nachmittag liefen die folgenden offiziellen Telegramme ein: Petersburg, 17. Februar. Telephonisch wird aus Moskau gemeldet: Im Kreml, wo sich gegenwärtig Großfürft Sergius befindet, habe eine Explosion stattgefunden. Die Bevölkerung ist in höchster Erregung. Es geht das Gerücht, Großfürst Sergins sei getötet, es hat aber bisher teine Bestätigung gefunden. Petersburg, 17. Februar. Weitere Gerüchte aus Moskau besagen, eine Bombe sei unter den Wagen des Großfürsten Sergius geworfen; der Großfürst, der Wagen und die Pferde seien in Stüde zerrissen. Petersburg, Freitag, 17. Februar, nachm. 4 Uhr 5 Minuten. Ans Moskau wird telephoniert: Auf einer Fahrt des Großfürsten Sergius vom Historischen Museum nach dem Kreml wurde der Wagen beim Justizpalast von zwei Personen in einer Droschke erwartet. Als der Großfürst den Justizpalast passierte, folgten sie dem Wagen. Eine Bombe ourde unter den Wagen geworfen. Es erfolgte eine Starke Explosion, der Wagen wurde zertrümmert und der Großfürst getötet. Die Täter wurden verhaftet; einer ist schwer verwundet. Ferner find mehrere Studenten verhaftet worden. Sonnabend, den 18. Februar 1905. Es gehört nicht sonderlich viel Tapferkeit dazu, unter dem militärischen Zwange eines Maffenfiebers auf den Feind zu zielen, aber es erfordert die Anspannung höchfter fittlicher Kraft, es ist wahrer Heroismus, als einzelner sich in die Speere der Tyrannei zu werfen. Turgenjew, der große russische Dichter hat in einem gewaltigen Gedicht in Prosa, diesen Todesmut der russischen Befreier dargestellt. Es ist das Gedicht auf die Perowstaja: " Ich sehe ein riefiges Gemäuer. Der Eingang, eine schmale Tür, ist weit geöffnet; hinter der Tür schreckliche Finsternis. Und vor der hoher Schwelle steht ein Mädchen... ein russisches Mädchen. Die undurchdringliche Finsternis haucht einen eisigen Atem aus, und mit diesem eisigen Hauch dringt aus des Gemäuers Tiefe eine Stimme langsam und dumpf:" O, Du, die über diese Schwelle treten will, weißt Du, was Deiner wartet?"" Ich weiß," antwortet das Mädchen. Kälte und Hunger, Haß und Hohn, Verachtung, Schmähung, Krankheit und Tod?"" Ich weiß, ich bin bereit."" Entfremdung, völlige Vereinsamung?"" Ich weiß... ich bin bereit. Ich werde alle Schläge und Leiden er tragen." " Nicht nur von Deinen Feinden, auch von Freunden und Verwandten?" " Ja, auch von ihnen." Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Eine sehr gut unterrichtete Persönlichkeit schreibt uns aus Petersburg: Der Kaiser ist in einem üblen Zustande. Die Minister beflagen fich, daß er immer mehr dem zufälligen Einflusse unbefannter Menschen zum Opfer fällt: immer mehr weint er und betet er. Der Eisenbahnminister Fürst Chilkoff erscheint vor ihm, er hört kaum den Vortrag des Ministers zu und in der Mitte unterbricht er ihn: Haben Sie den Neugeborenen gesehen?" Der Minister wird ins Kinderzimmer geführt. Um das ganze Bett des Kindes herum hängen kleine Heiligenbilder. In die Hand des Säuglings wird ein Bildchen des heiligen Serafim von Saroff hineingelegt. Der erstaunte Minister erhält mit Respekt das Heiligtum aus der Hand des Säuglings und geht weg, ohne den Vortrag beendet zu haben. Während seiner legten Reife übernachtete einmal der Kaiser im Hause eines Gouverneurs. Am folgenden Tag wurden im Zimmer, wo der Kaiser übernachtet hatte, auf den kostbaren Tapeten Spuren von Nägeln bemerkt. Es ertveist sich, daß der Staiser felbst seine Heiligenbilder über seinem Bett mit Nägeln befestigt. Den Vorträgen der Minister hört er faum zu, er hat aber Beit genug, um jetzt sowie in den früheren Jahren den Kaiserinnen Lange alte historische Materialien laut vorzulesen." Längst nennt man den Zaren in einem Wortspiel den " Gut denn; du bist bereit zum Opfer. Du wirst unterlegten Romanow. gehen und niemand, niemand wird je wissen, wessen Andenken zu ehren." " Ich brauche weder Dank noch Mitleid. Ich brauche keinen Namen." ,, Bist Du denn bereit zum Verbrechen?" Das Mädchen fenkt den Kopf. Auch zum Verbrechen bin ich bereit." " Die Stimme erneuerte nicht sogleich die Fragen. ,, Weißt Du auch," begann sie endlich, daß Du den Glauben an das, woran Du jetzt glaubst, verlieren fannst; glauben kannst, daß Du Dich getäuscht, umsonst Dein junges Leben geopfert haft?" Ich weiß auch das und will doch hinein." " So geh'." Das Mädchen tritt über die Schwelle und ein Vorhang schlägt hinter ihr schwer zusammen. Unsinnige!" knirscht jemand hinterher... " Heilige!" tönt irgendwo die Antwort. * -> Die Arbeiterfarce. Ueber den Empfang der 34 Potemkinschen Arbeiter werden uns aus gut unterrichteter Quelle noch folgende Einzelheiten berichtet: Der Kaiser empfing die 34 Arbeiter auf folgende Weise. Er las seine Rede von einem Blatt Papier ab. Dann verteilte er den Arbeitern hettographierte Abschriften davon, welche ihnen die ihnen gut bekannten heftographischen Proklamationen ins Gedächtnis riefen. Der Kaiser fragte dann einen Arbeiter: Ist es wahr, daß es viele Tote gegeben hat?" Der Arbeiter antwortete: Ich weiß nicht, es ist uns nicht gestattet, uns darüber auszusprechen."( Trepow hatte alle Arbeiter, die nach Zarsloje Selo fuhren, mit Sibirien bedroht im Falle überflüffiger Unterredungen".) Einen anderen fragte der Kaiser: Jft es wahr, daß man mein Bildnis mit dem Kopf nach unten trug?" und einen dritten: ,, Aus welchem Gouvernement tommt er?" Das war die ganze Aufklärung, die der Zar von den Arbeitern erhielt. * Gorki. Gorki ist nicht freigelassen worden. Man will ihn auf Grund deffelben Hochverrats- Paragraphen wie Safonow ( Plewes Vernichter) anklagen. Berfassungs- Gerüchte. Petersburg, 17. Februar, 5% Uhr nachm.( Ausführlichere Meldung.) Heute nachmittag 3 Uhr passierte Großfürft Sergins in Moskan, zu Wagen vom Nikolauspalaste Das erfolgreiche Attentat gegen den Hauptschuldigen des tommend, den Senatsplass. Hinter der Equipage fuhren 22. Januar und des Trepow- Regiments beweist, daß die Ruhe der zwei Droschken. Als die Kutsche fich dem Justizpalaft näherte, legten Zeit nur scheinbar war. Die mit dem Kleinkalibrigen, mit fam ihr ein Schlitten mit zwei Männern in Zivilkleidung der Peitsche und dem Säbel niedergeworfene Massenbewegung er entgegen; der eine trug einen Arbeiteranzug. Am Justiz- zeugte aus sich selbst heraus die terroristischen Einzeltaten, gegen die Die Intellektuellen" haben sich schnell wieder über das palast ließ der Schlitten die Equipage vorbeifahren. In es trog affer feigen Sicherheitsmaßregeln feinen Schutz gibt. diesem Augenblick wurde eine Bombe unter Das Attentat ist nicht nur die allgemeine Antwort auf das Schicksal Gorkis beruhigt. Alle beschwichtigenden Meldungen die Kutsche geschleudert. Die Explosion Trepow- Regiment, es ist insbesondere auch die direkte Vergeltung sind aber geflissentlich erlogen. Aus Petersburg wird uns war so heftig, daß alle Fensterscheiben im für jene Moskauer Auspeitschungen von friedlichen Demonstranten, geschrieben: die bereits zu einem mißlungenen Anschlag auf Trepow Justizpalast zersplitterten. Der Wagen wurde völlig zertrümmert; die Pferde führten, den jetzigen Diftator von Petersburg, der vordem der Geliefen davon. Die Volksmenge auf dem Plate fammelte die hülfe des jetzt getöteten Großfürsten war. Holztrümmerstücke und Stoffrefte auf. Der Großfürst In dem Großfürsten Sergius häufen sich alle Verbrechen des war sofort tot. Der Kopf und die Beine absolutismus. Er ist das Haupt der brutalsten Reaktion, er gilt waren vom Rumpfe getrennt, die Kleider zerriffen. als der Berater und Anstifter aller Verbrechen des Zarismus. Hugo In der ruffischen Presse wird mit großer Bestimmtheit die EinDer Kutscher, der schwere Brandwunden erhalten hatte, Gauz schreibt über ihn in seinem bekannten Buch über Rußland: berufung des Gemstij Sobor" in Aussicht gestellt, worunter starb auf dem Wege zum Krankenhaus. Auf dem Blaze Das arge Gegenstück bildet Großfürst Sergius, der General- fich niemand etwas Bestimmtes vorstellt; sicher aber handelt es sich liegen die Räder der Equipage. Die Explosion wurde gouverneur von Moskau, der Schwager und Onkel des Baren. Was nur, wenn die Einberufung überhaupt in Frage steht, um eine weithin vernommen. über seine persönliche Lebensführung ganz öffentlich erzählt wird, ständische Versammlung mit lediglich beratenden Funktionen. Die Täter sind verhaftet. Der eine sagte:„ Ich mache entzieht sich der Wiedergabe. Auf die Basfionen des Großfürsten Indeffen der offizielle Telegraph stellt auch selbst diese bes mir nichts daraus, meine Arbeit ist getan." Sergius fommt man aber darum gern zu sprechen, weil sie mit scheidenen Pläne in Abrede. Aus Petersburg wird nämlich Der Name des Täters ist unbekannt. seiner sonstigen Frömmelei in so schreiendem Widerspruch stehen. amtlich berichtet: ein böser beNach einigen Augenblicken begann die Menge sich an dem Von ihm wird unbestritten behauptet, daß er Tatorte anzusammeln. Das Tor des Kreml wurde ge- lasteter Mensch sei, dessen Wonne die Qual anderer bilde." schloffen. Auf dem Roten Plate veranstaltete die Menge(?) Bu dem, was man sich über diesen Unhold erzählt, gehört die Beeine Rundgebung gegen die Studenten, welche hauptung, daß er seine Gewalt mißbraucht, um sich zwangsweise geprügelt wurden, und zwar in solcher Weise, daß ein Kinder für seine Gelüfte zuführen zu lassen; er kommandierte beim Juftizpalaft angestellter Beamter dazwischen trat und Schulrektoren, ihm die Opfer feiner Begierden zur Verfügung zu stellen. veranlaßte, daß mehrere Personen verhaftet wurden. Es wurden dann Proklamationen unter die Menge geworfen. Als die Großfürstin Sergins die Nachricht von dem Ereignisse erfuhr, begab sie sich sofort an den Tatort. Die Ueberreste des Großfürsten Sergius wurden aufgelesen und nach dem Nikolauspalast geschafft. In einem rechtlosen Staate ist der Terror das Recht des Volksgewissens. Es ist in diesem Augenblick nicht angemessen, über die Zweckmäßigkeit dieser Einzeltaten von Helden zu erörtern. So gewiß es ist, daß die Sache der russischen Befreiung nur in der fozialistischen Aufklärung des Proletariats und in dem Massenkampf gesichert ist, so gewiß ist es auch, daß die terroristischen Atte in den gegenwärtigen Verhältnissen Rußlands mit elementarer Rotwendigkeit, wie Naturerscheinungen, hervorbrechen, ohne zu fragen, was fie nügen oder schaden mögen. Das Rechtbewußtsein der Verzweiflung zeugt diese Taten. Der Nichter ist Rächer wider die Tyrannei der verwüstenden Gewalt. Diese furchtlosen Richter vertreten ihr gerechtes Urteil mit ihrer Person. Nicht von sicheren Seffeln aus urteilen fie zwischen Schlaf " In Rußland war man darauf gefaßt, daß sich die furchtbare Spannung demnächst in terroristischen Taten auslösen werde. Unterm 14. Februar wird in einem uns übermittelten Privat brief aus Petersburg geschrieben: " Welche Stimmung bei uns herrscht? Eine unbestimmte, aber feine niedergebrüdte. Nach den ersten Schritten Trepowe war man niedergedrückt, jetzt ist das aber verschwunden. Bald fühlte man, daß es nicht mehr weit gehen kann, daß es zu Blehte keine Rückkehr git. Die jezige Stimmung kann man eine abwartende nennen. De warten auf etwas, aber erwarten nichts von Witte. Jmmer lauter wird von Konstitution gesprochen. Es sprechen von einer Konstitution und verdammen die Greuel des 22. Januar jagar Beamte der eigenen Kanzlei des Kaisers und Hochgestellte! Jetzt werden für die allernächste Zukunft Attentate erwartet. Sonderbar! Alle sind von deren Unvermeidlichkeit und Unabwendbarkeit überzeugt." " 0 Die Blätter melden aus Zarskoje- Sielo, daß gestern dort die Semskij Sobor Frage beraten worden ist. Demgegenüber berlautet zuverlässig, daß in der gestrigen Ministerberatung unter Borsiz des Kaisers, woran auch Minister Witte und Murawjet teilnahmen, die Frage der Umwandlung des sich nur ab und zu verfammelnden Ministerkomitees in eine ständige Institution beraten wurde, wobei aber nicht der Grund gelegt werden soll für ein verantwortliches Minifterium. Den Vorfiz werde entweder der Kaifer oder ein Ministerpräsident führen. Also es ist nicht einmal ein Ministerium im westeuropäischen Sinne zu erivarten.* # Frauen- Bittschrift. Petersburg, 17. Februar. Die Frauen Mostans richteten an die Kaiferin Alexandra eine Adresse mit vielen Unterschriften, in welcher die Kaiserin gebeten wird, dem Kaiser die Notwendigkeit vorzustellen, Rußland aus seinem Unglück zu retten. Die Bewegung in Russisch- Bolen. Warschau, 17. Februar. Der Kurator des öffentlichen Unterrichts hat angeordnet, daß der Unterricht am Montag in allen Schulen wieder aufgenommen wird. Die Schüler, welche sich an den Unruhen beteiligt haben, werden von den Schnlen ausgeschlossen und dürfen in feine andere Schule eintreten. Warschau, 17. Februar. Als der Fabrikant Fraget, der bei den Arbeitern nicht beliebt ist, von einer Spazierfahrt In der Hinrichtung des Großfürsten Sergius hat sich diese Er zurückfam und in das Tor seiner Fabrit einbog, feuerte eine unbekannte Person drei Revolverschüsse auf ihn ab. Zwei Kugeln trafen den Wagen, die dritte verlegte Fraget am Arm. Der Täter entfam. und Effen über Leben und Tod, kraft der Gewalt des anarchischen wartung rasch erfüllt. Absolutismus, diefe Richter treten selbst ins Gewühl des Kampfes und besiegeln das Urteil, das sie sprechen und vollstreden, mit ihrem * 著 Der Narren- Zar. eigenen Leben. Es zeugt von der ungebrochenen Kraft des russischen Während das russische Reich unter den ehernen Schritten Bolles, daß es fähig ist, trog aller Entnerbung und Unterdrückung eines tragisch befreienden Schicksals erbebt, ist sein mächtiger nath Männer zu erzeugen, die so ihr Leben einer Sache opfern. Herrscher zum Kinde geworden. Inzwischen lügt die„ Petersburger Telegraphen- Agentur" wieder die Hunderte von Toten lebendig. Sie verbreitet folgenden Streckenrapport": * * Der Streif. Krementschug( Gouv. Poltawa), 17. Februar. In den Tabatsfabriken, den Druckereien und anderen Fabriken ist die Arbeit niedergelegt worden. In den Straßen herrscht Ruhe. * * * Die Bauern für Väterchen. * Wirrungen und Aufklärung. Bebe, 17. Februar. Während der drei Wochen, die der Aus- shoffen, sehen sich mehr als je von der Erfüllung ihrer Wünsche zurüd- Jes fehlte alles Material zur Beurteilung der neuen Handelsstand dauert, wurden bei Zusammenstößen mit Truppen getötet gedrängt und müssen es jetzt erleben, daß der Arbeitsvertrag des verträge in ihren Einzelheiten. Die Kommissionsmitglieder beziehungsweise sind an ihren Wunden gestorben 5 Personen, einzelnen Arbeiters um ein gutes Teil ihrer Willfür entzogen und der bürgerlichen Parteien mußten selbst diesen unerhörten Zuverwundet wurden 8. Die Zahl der in den Nachbarorten Getöteten gesetzlich geregelt wird. Das ist entschieden bitter für Leute, die von stand zugeben und der Vorsitzende Spahn vermochte eine Entbeträgt 10, die der Verwundeten 33. ihrer Regierung, von ihrem Minister solches am wenigsten erwartet hätten, und es hieße Balsam in die Wunden der Zechenherren und schuldigung für die unter seiner Leitung betriebene Posse nicht ihrer Troßknechte träufeln, wollten wir den Bergarbeitern einreden, zu finden. Aber die selbstverständliche Forderung, die von sozialdemokratischer Seite erhoben wurde, unter solchen Verfie verließen als Besiegte den Kampfplak." hältnissen die Beratung abzubrechen und die Regierung zunächst für Herbeischaffung des Materials Sorge tragen zu lassen, An die Beendigung des Streifs knüpfen sich eine Reihe blieb natürlich unbeachtet, da es eben den Kardorff- Parteien Meldungen über Wirrwar im Lager der Streifleitung und überhaupt nicht darauf ankam, eine wirkliche Beratung der widersprechende Parolen. So sollte, während die Revier- Handelsverträge vorzunehmen. konferenz Donnerstag, den 9. Februar, die Aufhebung des Das Ergebnis dieser Beratungen" stand von Anbeginn Streits beschlossen hatte, Genosse Hue Freitag, den 10. in fest. Die Verträge sind in der Kommission mit großer Mehreiner Versammlung, die an diesem Abend in Essen stattfand, heit angenommen worden. Auch die Agrarier der äußersten mitgeteilt haben, die Siebener- Kommission habe aus Anlaß der Rücksichtslosigkeit wissen, was sie an den Verträgen haben und vielen gemeldeten Maßregelungen und Lohnreduzierungen wollen sich nicht durch Ablehnung dem für sie gegenwärtig die Parole zum Weiterstreifen ausgegeben. Genosse Hue peinlichen Vorwurf aussehen, daß sie für die„ praktische gibt nun im„ Volksblatt" für Bochum eine längere Politik" sich selbst ausschalten. Einige Zentrumsmitglieder Darstellung der Vorgänge, wonach er in der Versammlung aus Bayern stimmten gegen einen Teil der Verträge, der den nur gesagt hat, wenn sich die Meldungen über Maßregelungen süddeutschen Bauern nicht das bringt, was sie fordern. und Lohnreduzierungen bestätigten, dann müßte der Kampf Für das Schicksal der Verträge unwesentlich, aber für fortgesetzt werden. Im übrigen aber hat er, wie auch der die allgemeine Politik charakteristisch ist jedoch allein Bericht des Essener Beobachters", der allein in der Ver- das Verhalten des Liberalismus. Der Vertreter sammlung vertreten war, bestätigt, auf die Siebener- Som- der Freisinnigen Volkspartei Abgeordneter mission verwiesen, die auf Grund der eingelaufenen Meldungen a empf hat für die Verträge gestimmt, so daß es nunmehr für Sonnabend eine neue Sigung anberaumt hatte. Bei der sicher scheint, daß die Freisinnige Volkspartei im Plenum fest nun folgenden Prüfung der eingegangenen Beschwerden stellte geschlossen für die Verträge stimmen wird. Abgeordneter sich jedoch heraus, daß sie unbegründet waren. Infolgedessen Gothein von der Freisinnigen Vereinigung stimmte gegen beschloß die Siebener- Kommission Sonnabend, den 11. Februar, die Verträge mit der Sozialdemokratie, doch weiß man, daß daß der Streifaufhebungs- Beschluß bestehen bleibe. auch aus seiner kleinen Parteigruppe mehrere Abgeordnete Petersburg, 17. Februar.( Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Bauern einer Gemeinde des Kreises Neu- Ladoga haben durch den Generalgouverneur von Petersburg an den Kaiser eine Adreſſe übermittelt, in der sie ihre Ergebenheit ausdrücken und versichern, daß sich an den Stufen des Thrones die ganze Bauernschaft und das ganze loyale Rußland im Gebet vereinigen, um Kraft zum Tragen der gegenwärtigen schweren Prüfung zu erlangen. Sie seien alle bereit, heißt es in der Adreſſe weiter, auf den Ruf des Kaisers ihr Leben einzusehen, und weder auswärtige noch innere Feinde könnten die Macht Rußlands bis zum Friedensschluß erschüttern. Ein gewerkschaftliches Urteil über den Bergarbeiter- Streik. Das„ Correspondenzblatt der Generalfommission der Gewert fchaften Deutschlands" widmet dem Ausgange des großer Bergarbeiterstreits einen Artikel, aus dem wir die Hauptstellen wieder zugeben für nötig halten, da die Auffassung, die von der Zentralstelle der deutschen Gewerkschaften über einen solchen Kampf vertreten wird, auf Beachtung Anspruch hat. Das„ Correspondenzblatt" schreibt: " " " Tatsächlich sind aber schon am Freitag nachmittag, das absplittern werden. Die Süddeutsche Volkspartei, so ist zuheißt also bevor Hue gesprochen hatte, die Zahlstellen des nächst zu vermuten, wird gegen die Verträge stimmen. In Verbandes telephonisch unterrichtet worden, daß der Beschluß jedem Falle werden die Verträge eine sehr große Mehrheit " Was haben die Arbeiter durch diesen Kampf erreicht? Ein vom 9. Februar aufgehoben sei und daß weitergestreift werde. finden, indem die alte Mehrheit des Wuchertarifs von 1902 Teil der politischen Arbeiterpresse bezeichnet den Streit als einen Wie das zugegangen ist, darüber gibt Genoffe Graf, Mit- noch durch die" freisinnigen" Stimmen vermehrt wird. berlorenen Kampf der Arbeiter. Es sei ihnen nicht gelungen, die glied der Verbandsleitung, im„ Bochumer Bochumer Voltsblatt" Grubenbesizer zum Nachgeben oder auch nur zu einem kleinen Schritt Der ,, linksstehende" Liberalismus tritt für die Verträge In der Arbeiterzeitung" in Dort ein, die auf Grund des Wuchertarifes zustande gekommen des Entgegenkommens zu veranlassen, bedingungslos müßten sie in eine Erklärung ab. die Grube zurückkehren. Wer den Kampf der Bergleute von dieser mund war berichtet worden, Graf habe am Freitag nachmittag sind. Er erklärt die Verträge für grundschlecht und industrieSeite aus, d. h. als einen rein wirtschaftlichen Machtkampf betrachtet, an die Effener Geschäftsstelle des Blattes, die Genosse Ostkamp feindlich, um schließlich seine Stimme für ihren Abschluß abder muß notwendigerweise zu solchen Schlußfolgerungen gelangen verwaltet, im Namen der Verbandsleitung die Mitteilung gelangen zugeben. Er stützt sich dabei auf den Vorwand, daß bei Abund eingestehen, daß die Macht der organisierten Bergleute der Macht lassen, daß weitergestreift werde. Graf hat sich darauf von lehnung der Verträge möglicherweise der autonome Tarif mit des Grubenkapitals in feiner Weise gewachsen war. Von diesem Dittamp bestätigen lasten, daß er nur gesagt hat, wenn den höheren Zollfäßen in Kraft gesezt werden könnte. Es ist Gesichtspunkte aus hätte aber der Streit gar nicht geführt werden Massenmaßregelungen und Lohnreduzierungen vorkommen, unnük, die Unsinnigkeit dieser und ähnlicher Vorwände nochdürfen, eben weil den Bargarbeitern alle Voraussetzungen fehlten, dann würde auf diesen Zechen weitergestreift werden. mals ausdrücklich zu erweisen. Es sind nicht Gründe, um das Grubenkapital niederzuztvingen. Deshalb boten ja auch die in der Sache selbst Dstkamp aber, der mit der Streifleitung nicht das geringste die liegen, unt deretwillen Organisationsleitungen alles auf, um das Entstehen oder wenigstens Freisinn den Konservativen die Waffe in die das Umsichgreifen des Streits zu verhindern. Daß der Kampf zu tun hat, habe auf Grund der angeblichen Mitteilung Grafs der erklären: Wie vortrefflich sind diese trokdem mit elementarer Wucht, gegen den Willen der Gewerkschafts- die Zahlstellen des Verbandes telephonisch unterrichtet, daß Hand gibt, zu fte führer, losbrach, und dennoch in so hohem Maße die Sympathien weitergestreift würde. Ostkamp behauptet demgegenüber, daß Verträge, daß die Partei Eugen Richters selbst der öffentlichen Meinung gewann, beweist, daß seine Bedeutung weit er nur solche Zahlstellen in diesem Sinne unterrichtet habe, ihrer Zustimmung für wert hält. Und tatsächlich widerlegt. mehr auf politischem als auf gewerkschaftlichem Gebiete Tag, wenn die bei ihm angefragt haben, nachdem ihm Graf auf seine der Freiſinn seine in Worten geübte Opposition gegen den seine Form auch derjenigen der gewerkschaftlichen Kämpfe entsprach. Frage, ob er den noch Streifenden raten solle, den Beschluß Bolltarif und die Verträge durch die schließliche Zustimmung Sein Ziel war und mußte in erster Linie sein, die Gesetzgebung gegen Der Siebener- Kommission abzuwarten, geantwortet hatte, dies gründlicher, als es die Widerlegungsversuche der Zöllner das Grubenkapital zum Schuße der Arbeiterrechte und des Arbeiter. würde das Beste sein. jemals vermochten. Der Freisinn überliefert sich der Lächerwohles mobil zu machen, den starren Widerstand des übermächtigen Gegners durch das Eingreifen einer höheren Gewalt zu brechen.. Der ebenfalls verbreiteten Meldung, daß Massenaustritte lichkeit und Verächtlichkeit, indem er das, was er für schädlich Die eigentliche Bedeutung des Kampfes Tag also durchaus auf aus dem Verbande vorgekommen feien, tritt ein Bericht der und verderblich bekämpft hat, jetzt bejaht und durch seine politischem Gebiete und konnte von Anbeginn nach Lage der Verhält Volksstimme" in Frankfurt a. M. aus dem Streifgebiete ent- Mitwirkung zur Verwirklichung gelangen läßt. nisse nur auf diesem liegen, deshalb war es auch verfehlt, wirt- gegen. Ihr wird geschrieben: Diese selbstmörderische Politik wäre unverständlich, wenn schaftliche Erfolge zu erwarten und von einer wirtschaftlichen Nieder-" Bon feiner Stelle werden Massenaustritte gemeldet; natürlich dieser Freisinn nicht längst jedes Empfinden für eine prinzipielle Tage der Arbeiter zu reden. Ein politischer Machtkampf erfordert wird die ungeheure Masse, die während des Streits für die liberale Politik völlig verloren hätte und zum Schleppenträger einen ganz anderen Maßstab als ein rein wirtschaftlicher Streit, und Organisation gewonnen worden ist, nicht vollzählig Stand halten, der Reaktion geworden wäre. Dieser Freifinn fürchtet in danach haben die Streifenden unleugbare Erfolge errungen. Sie wie jeder erfahrene Gewerkschaftler weiß. Sie wie jeder erfahrene Gewerkschaftler weiß. Aber noch am Freitag, der Opposition zu sein. Er will zeigen, daß sich mit ihm haben die Notwendigkeit eines gesetzlichen Bergarbeiterschutzes, den Sonnabend, Sonntag und Montag, also zu einer Zeit, wo nach leben läßt". Er huldigt der närrischen Einbildung, die Vordie Regierung noch am Vorabend des Stampfes leugnete, so über Effener Schauernachrichten die Organisationen in ihren Fugen teile der kapitalistischen Interessententreise, die er vertritt, dadurch zeugend nachgewiesen, daß selbst ein Kardorff sich der Zustimmung frachen sollten, find noch Hunderte von Neuanmeldungen erfolgt; nicht entziehen konnte und ein Möller binnen wenigen Tagen seinen am Dienstag tamen allein an 600 bei unserer Verbandszentrale an. zu wahren, daß er die Regierung nicht verlegt, sondern sich Standpunkt völlig ändern mußte. Das lettere trat um so drastischer Die Verwirrung“ und„ Mutlosigkeit" ist so groß, daß in einer fänftiglich ihrer Politik anpaßt. Schon spekuliert er, von der herbor, als zu gleicher Zeit sich die Grubenherren auf die für die Reihe Versammlungen unter stürmischer Zustimmung angeregt Regierung eine günstigere Reform der Börsengesetzgebung zu Regierung bis dahin allein maßgeblichen gegenteiligen Erklärungen wurde, den Verbandsbeitrag von 20 Pf. wöchentlich auf 50 Bf. zu erreichen, wenn er sich ihr als wohlerzogener Snabe zur Verder obersten Bergbehörde stützen konnten. Das war ein großer mora- erhöhen! Das ist gewiß ein Zeichen von Vertrauen auf die Gewert fügung stellt, eine Spekulation, deren Zorheit sich natürlich lischer Erfolg. Die bestimmten Erklärungen der Regierung lassen schaft." sehr bald herausstellen wird. aber auch erwarten, daß es bei diesem rein moralischen Erfolge nicht Das deutsche Bürgertum und der deutsche Liberalismus bewendet, sondern daß binnen fürzester Frist tatsächliche Reformen zeigen durch diese Abstimmung erschreckend, bis zu welchem durchgeführt werden. Freilich erfüllen diese Verheißungen, soweit Der Gemeinderat in Stuttgart bewilligte auf Antrag der politischen Tiefstande sie gelangt sind. Eine kraftfie über den Inhalt des kommenden Berggesezes Klarheit schaffen, sozialdemokratischen Mitglieder mit 14 gegen 6 Stimmen 5000 m. volle, die liberalen Grundläge ehrlich wahrende Politik ist noch sehr wenig die Forderungen der Streifenden, weder materiell, zur Unterstützung der Bergarbeiter. In München wurde der An- diesem Liberalismus schon längst verloren gegangen. Die Zunoch formell. Sie stellen statt der Sstündigen nur die 9-8½stündige trag unseres Genossen Schmid, 15 000 M. für die Bergarbeiter zustimmung zu den Verträgen, welche Industrie und Handel in Schicht, noch dazu auf besonders ungesunde Verhältnisse beschränkt, bewilligen, vom Verwaltungsausschuß des Magistrats abgelehnt. in Aussicht, wollen das Ueberschichtwesen beschränken, das Nullen Im Stadtmagistrat Fürth i. B. hatten die sozialdemokratischen ihrer Entwickelung hemmen und die breiten Massen des Volfes beseitigen und Arbeiterausschüsse obligatorisch machen, sie gehen Mitglieder des Kollegiums den Antrag gestellt, für die notleidenden der Verteuerung aller Nahrungsmittel ausliefern, vollendet aber der Reform der Grubenkontrolle und des Knappschaftswesens Bergarbeiter 2000 Mark zu bewilligen. Dieser Antrag wurde jedoch die Tatsache dieses ruhmlosen Niederganges. völlig aus dem Wege und schließen vor allem den Weg der Reichs- von der liberal- demokratischen Mehrheit abgelehnt. Was dieser Freisinnn überdies übersieht oder übersehen gesetzgebung aus, indem sie die Bergarbeiter auf den Dreiklassen- Straßburg, 17. Februar.( W. T. B.) Der hiesige Gemeinde- will, ist die Thatsache, aß seine miserable Haltung einen Landtag vertrösten. Das ist sicher nicht viel, weit weniger als rat hat heute für die notleidenden Familien der Bergleute im Ruhr- folossalen Gewinn für das Agriertum bedeutet. Die Handelsdas, was die Regierung nach Lage der Verhältnisse hätte tun können gebiet 5000 Mart bewilligt. verträge gegen den Handel sind nicht der Abschluß der agrariund die Bergarbeiter hätten erwarten dürfen. Aber der Eindruck des Streiks war groß genug, um der Regierung eine Wiederholung. Eine große Zahl Gemaßregelter der Zeche„ Deutscher Kaiser" schen Volksplünderung in Preußen- Deutschland. Es werden unerwünscht erscheinen zu lassen und sie zur Tat anzuspornen. Und( Oberhausener Revier) war am Donnerstag in Marrloh ber- weitere Maßnahmen ungestüm gefordert zur Behinderung der so wird der Kampf auch seinen materiellen Erfolg haben, und der sammelt. Es wurde eine Kommission von drei Mann gewählt, die modernen Wirtschaftsentwickelung und zur künstlichen Bereiche= lektere wird um so größer sein, je weniger jezt die öffentliche unter Zuziehung des Herrn Hammacher, des Vertreters der Hirsch rung der Edelsten der Nation; und die Regierung des Grafen Meinung erlahmt in ihrem Eifer für die Sicherstellung eines mög- Dunderschen in der Siebener- Kommission, bei der Direktion vor- Bülow hat ihre Freudigkeit zu weiteren Spenden an die lichst weitgehenden Arbeiterschutzes.... stellig werden soll. Landwirtschaft" bereits erklärt. Ein Liberalismus, der so Und einen dritten Erfolg haben die Streifenden darin zu ver- Auf Zeche Westende in Meiderich soll, wie uns von dort kläglich handelt wie jetzt die Freisinnige Volkspartei und ein zeichnen, daß sie ten rücksichtslosen Herrenstandpunkt der Arbeitgeber berichtet wird, durch Anschlag die Verdoppelung des Preises der Teil der Freisinnigen Vereinigung, stärkt naturgemäß die einmal in feiner ganzen abschreckenden Widerlichkeit an den Pranger Deputatkohlen angeordnet worden sein. Auf den Zechen Wiesche wucherische Neigung des Agrariertums ins Ungemessene. stellten, ihn dem Abscheu, der Verdammung der ganzen öffentlichen und Nosenblumen delle sollen Lohnreduzierungen vor- wucherische Neigung des Agrariertums ins Ungemessene. Meinung preisgaben. Selbst ein Möller und v. Bülow, die gewiß genommen worden sein. Von anderen Zechen wird wieder der Warum sollten die Konservativen und Bündler nicht das für das Kraftbewußtsein des Unternehmertums volles Verständnis" Frankfurter Volksstimme" über Aufbesserung der niedrigsten Löhne äußerste wagen, wenn sie wissen, daß eine Partei, die voroffenbaren, sprachen sich gegen das selbstherrliche Verhalten der berichtet. geblich ihre entschiedene Gegnerin ist, schließlich den unGrubenbefizer aus. Ohne diese heilsame Wirkung des Streiks wäre Mit Maßregelungen und Ermissionsflagen geht besonders der geheuerlichsten Volksschädigungen die Zustimmung gibt! es für die Regierung von der Anerkennung der Notwendigkeit sozialer fromme Thyssen vor. Das Amtsgericht Ruhrort hat die VerReformen bis zu deren Durchführung noch ein weiter Schritt ge- handlung der Ermissionsklagen vertagt. Ivesen, das Verhalten der Zechenherren überhob sie indes der vorher bewährten ängstlichen Rücksicht und beschleunigte ihr EinUnterstützung der Bergarbeiter. Politische Uebersicht. Berlin, den 17. Februar. Liberaler Tod. Preußisches Herrenhaus. Das Herrenhaus nahm am Freitag zunächst den Gesetzentwurf betreffend Maßnahmen zur Regelung der Hochwasser, Deich und Vorflut- Verhältnisse an der oberen und mittleren Oder an. Mit Rücksicht darauf, daß es den Entwurf in einem unwesentlichen Punkte abgeändert hat, muß er an das Abgeordnetenhaus zurück, da eine übereinstimmende Fassung beider Häuser des Landtags erzielt werden muß, wenn er Gesetz werden soll. Die Leiche des von Arbeitswilligen erschossenen Berggreifen. Für die Arbeiterbewegung liegt darin das Eingeständnis, arbeiters Jansen ist am Mittwoch von Bergarbeitern, die nach daß die Zeit der absoluten Unternehmerherrschaft vorbei ist, und daß es als pflichtwidrig empfunden wird, wenn sich die Arbeitgeber mit ihm suchten, in der Emscher aufgefunden worden. Bis jetzt den Vertretern der Arbeiterschaft nicht verständigen. Das Scharf, ist gegen die Schuldigen noch nicht eingeschritten worden. machertum, das schon gelegentlich der Zuchthausvorlage eine wohlverdiente Zurückweisung erfuhr, als es die Gesetzgebung gegen die Arbeiter zuspißen wollte, zeigte sich diesmal in voller Größe und erntete eine vollendete Blamage. Bürgerliche Sozialpolitiker erIm übrigen erledigte das Haus nur fleinere Vorlagen warten davon eine abschreckende Wirkung auch auf die übrigen Arbeit. und Petitionen, von denen nur die des Dürerbundes um Ergeberkreise und das Aufdämmern eines höheren Verständnisses für das gleichberechtigte Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeiter. Die lächerliche Kommissionsberatung über die Handels- haltung des Heinrich v. Kleistschen Grabes am, Wannsee zu Wir geben uns darüber feinerlei Grivartungen hin, weil wir wissen, verträge hat am Freitag mittag ihr Ende erreicht. Man hat erwähnen ist. Das Haus ging über die Petition zur Tagesdaß die Anerkennung der Arbeiterorganisation und ihrer Gleich in der Geschichte des deutschen Reichstages vielerlei Kläglichkeit ordnung über, da die Angelegenheit bereits im Sinne der berechtigung dem Kapitalistentum abgerungen werden muß. Aber für weite Kreise des Volkes und insbesondere für die Gesetzgeber erlebt, kläglicheres aber als diese Kommissionsberatungen Petition erledigt ist. Der Reichskanzler hat nämlich das Grab bedarf es dieser Demonstration des Herrenmenschentums in feiner wohl noch nie. Die Absicht, welche die Mehrheitsparteien namens des Reichs als Geschenk vom Prinzen Leopold überganzen Gemeingefährlichkeit, um ihnen den Staat im Staate zu bei der Befürwortung einer Kommissionsberatung verfolgt hatten, nommen und sich bereit erklärt, es auf Kosten des Reiches zu zeigen, der die allgemeinen Gesetze und Interessen hohnlachend bei- war lediglich, die Regierung zu weiteren agrarischen Ver- unterhalten. feite schiebt und sein nacktes Besißinteresse zum leitenden Prinzip sprechungen, besonders bezüglich der Kündigung der Meist Die nächste Sigung des Herrenhauses findet erst Mitte erhebt. Sie wird und muß dazu führen, ven Einfluß dieser Scharf- begünstigungsverträge zu drängen. Wenn man gleichwohl März statt. macher auf die Gesetzgebung zu isolieren und alle sozialdenkenden unter der Firma Kommission zur Beratung der HandelsStreise gegen ihn zusammenzuschließen. Die Marine und ihre Arbeiter. Das sind die unbestreitbaren Erfolge des großen Bergarbeiter verträge" tagte, so konnte von vornherein von einer wirklichen Während auf den Reichswerften die Zahl der Arbeiter fampfes, und wir fönnen mit ihnen ebenso zufrieden sein, als die Beratung keine Rede sein. Der Leser der Kommissionsberichte führenden Arbeitgeberkreise diesem Ausgang mit gemischten Gefühlen hat mit Erstaunen wahrgenommen, wie die Sache verlief. nicht unwesentlich vermindert worden ist, soll nach dem Vorgegenüberstehen. Diese Herren, die von einer Gewaltpolitit alles Es fehlten alle Voraussetzungen für eine geordnete Beratung, Ischlag der Verwaltuma das technische Personal erheblich ver «ne§tl Verden. Die Budgetkommission stniV von der geforderten Zahl der Baumeister 4 und von der der Werk- meister 3. Tie Regierung will den bei Prüfungen anderer Beamten tätigen höheren Baubeamtcn besondere Zuwendungen machen: da diese Beamten aber während der Zeit dieser Prüfungen doch ihren anderen Dienst nicht versehen, so kommt das auf eine verschleierte Erhöhung des Gehalts hinaus. Die Kommission lehnte die Forderung einstimmig ab. Die Marineverwaltung will zur Bearbeitung des aus ihren Betrieben erwachsenden arbeiterstatistischen Materials einen Gewerberat anstellen; Abg. Erzberger begrüßte diese Ein- .richtung und beantragte, daß dieser Beamte alljährlich einen Bericht über die Arbeiterverhältnisse auf den Werften dem Reichstag vorlegen solle. Abg. Dr. Leon hart wünschte, daß der Gewerberat nicht dem jeweiligen Oberwerftdirektor subordiniert werde, weil er sonst doch nichts ausrichten werde. Die Verwaltung legte dar, daß der Gewerberat zunächst in Berlin seinen Wohnsitz haben, um der Zentrale durch fach- kundigen Rat beizustehen und um, ausgerüstet mit der Autorität der Zentralbehörde, überall eingreifen zu können. Die Vorlage wurde bewilligt. Bei dem Etat für den allgemeinen Werftbetrieb tadelte Abg. Erzberger, daß die kaiserlichen Werften in Zukunft nur noch zu Reparaturen verwendet werden sollen. Wenn Arbeiter entlassen würden, dann solle man doch nicht gerade die lang- beschäftigten, sondern die jüngeren Kräfte zuerst auswählen. Wie es mit Versuchen über das in eucsti scheu Werften angewendete System der Arbeiterprämim stehe? Ter Staatssekretär gab zu bedenken, daß eine Entlassung von 400 Arbeitern auf die Gesamtzahl von 19 000 sich manch- mal beim besten Willen nicht vermeiden lasse. Die älteren Leute seien auf sein direktes Eingreifen wieder eingestellt worden, nachdem vorübergehend der Achtstundentag eingeführt worden war. Die Reichswerften müßten sich für den Kriegsfall gerade auf rasche Reparaturen einüben. Aber daneben würde auch ein gewisses Maß von Neubauten immer absolviert. Ge- heimrat Harms verbreitete sich ausführlich über die auf den Werften gebräuchlichen. Lohnsysteme. In einer Werkstatt zu Wilhelmshaven sind Versuche mit einem modifizierten Prämienlohnsystem gemacht worden. Die Arbeiter hätten sich damit befreundet, da das Herunterdrücken der Akkorde dadurch vermieden würde. Abg. Dr. Leonhart beklagte, daß oft über Bedarf Arbeiter auf den Werften eingestellt würden. Ein weitgehender Nepotismus machte tüchtigen Leuten das Vor- wärtskommen sehr schwer. Tie ganze Arbeiter wohl- f a h r t der kaiserlichen Werft basiere finanziell auf dem Bier- Überschuß: die Einfuhr von Bier sei streng verboten, der Konsum im Inneren werde aber gefördert; mindestens 1000 Liter würden täglich in Regie ausgeschenkt. Das aus dem Gelde erhaltene„Arbeitererholungshaus" werde gar nicht von Arbeitern besucht. Das Unterstützungswescn sei auch nicht eimvandsfrei. Abg. S ch ö p f l i n wandte sich gegen die„Anregung" des Prämiensystems, das korrumpierend und demoralisierend wirke, zumal auf Staatswerften, wo starke Protektionswirt- schaft herrsche. Das Systenr der Ueberwachung führe dort zur Beschränkung der Arbeitsintensität. Ueber das Prämien- system solle man erst einmal die Arbeiterorganisation fragen. Abg. Bebel wies darauf hin, daß die Notwendigkeit und Möglichkeit des Achtstundentags nicht mehr zu. be- streiten sei; in den englischen Staatsmerkstätten sei er schon seit zehn Jahren eingeführt worden und dort sei der Lohn nicht unerheblich höher als bei uns. Zweifellos sei bei uns ein zu großer Verivaltungsapparat vor- Händen: dadurch würden die Bauten verteuert. Die Riarine solle mit der Verkürzung der Ar- beitszeit bahnbrechend vorangehen; aus der Fülle semer persönlichen Erfahrung gab der Redner eine Reihe von interessanten Details über die Lohnwsteme bekannt. Akkord- arbeit mit Prämiensystem sei geradezu verwüstend für den Arbeiter— rafsinertes Auspressungssystem. Hinter den so- genannten Wohlfahrtseinrichtungen stecke zumeist nichts als ein „ganz vorzügliches Geschäft", wie einst der Industrielle Grad zugestanden habe. Der Staatssekretär wollte nicht auf die prinzipielle Frage der Arbeitszeitverkürzung eingehen, obschon er nicht verkennen wolle, daß sehr vieles für die Ver- kürzung spreche. Die Arbeitszeit sei jetzt 9 Stunden 33 Minuten. Die Vergleichung der Schiffspreise der verschiedenen Nationen sei sehr schwierig, da man nicht genau wisse, was alles zum Schiffsbau gerechnet werde; die deutschet: Panzer- schiffe würden tatsächlich billiger gebaut, zumal bei uns mehr Panzer und mehr Artillerie für die einzelnen Schiffe verwendet werde. In der Organisation des Werftbetriebes seien wir dei: Engländern zum Teil überlegen. Abg. Gröber be- merkte, das Eingreifen des Staatssekretärs zugunsten der älleren Arbeiter sei zu begrüßen, aber es sei doch nicht zu be- streiten, daß die Werftverwaltung zunächst ganz unsozial gehandelt habe. Geheimrat Harms suchte die„Wohlfahrts- einrichtungen" in Kiel zu verteidigen und legte dar, daß die Kantine einen energischen Kamps gegen den Schnapskonsum führe, seitdem sie in Regie gehalten wurde. Er selbst habe öeu Arbeitern Schnapsflaschen vor die Füße geworfen! An vielen Betriebsstellen sei jetzt Kaffee, Kakao und Bouillon zu haben und dadurch sei auch der Bierkonsum zurückgegangen. Frei- geben dürfe man die Mkoholeinfuhr auf die Werft nicht wieder. — Man könne nicht von dem Prämiensystem reden, weil es deren viele gibt. Die Debatte gestaltete sich sodann weiter zu einer all- gemeinen Erörterung von sozialpolitischen Fragen. Abgg. S ü d e k u m und S ch ö p f l i n wandten sich nochmals energisch gegen die„Anregung" des Prämiensystems durch Erz- berger und tadelten die Art, wie die Werftverwaltung„anti- alkoholistisch" zu wirken suche. Herr Harms habe zu seinem rigorosen Auftreten nicht das geringste Recht. Abg. Leon- hart deckte auf, daß die. Beamten der Werft heimlich nachts anderes Bier auf die Werft schaffen ließen, weil das Regie-Bier ihnen nicht schmecke. Die Verwaltung wußte auf diese Anklagen nichts zu er- widern. Der Titel wurde bewilligt. Für das Waffenwescn der Marine werden alljährlich größere Aufwendungen gemacht, die in die Millionen gehen; die Mehrheit der Kommission bewilligte alle diese Mehr- forderungen.— Die Schiffsbauten— einmalige Ausgaben— erfordern im kommenden Etatsjahre 70 Millionen Mark; da sich die größeren Raten im Rahmen des Flotten- gesetzcs halten, so wurden sie ohne Diskussion bewilligt; abgelehnt wurden die Forderungen für einige Kanonenboote. Einige hunderttausend Mark wurden auch bei den Forderungen für das Artillerieweseu gestrichen. Bei der Position fiir Unterstützung notleidender Gemeinden regte Dr. Lconhart wiederum die Frage der Kommunal- besteuerung des FiSkus an. Der Vertreter der .Regierung, Direktor Twele, erklärte, ein Gesetzentwurf darüber Hgi in Vorbereitung, aber seine Bollendung sei noch gar nicht abzusehen. Gegen den geplanten Bau einer Kirche in Wiek sprach sich der Abg. L e o n h a r t aus; die Mehrheit bewilligte aber den geforderten Betrag und man sprach sich sogar schon zu- stimmend zum Bau einer dritten Kirche aus. Der Rest des Marine-Etats wurde ohne erhebliche Aende- rungen genehmigt._ Die Wertlosigkeit des Religi«iZiiutcrrichts. Selbst in den religiösesten und orthodoxesten Gehirnen dämmert jetzt langsam die Erkenntnis auf, daß die heutige Methode,„dem Aolke die Religion zu erhalten", nicht die richtige ist, sondern das Gegenteil der' erhofften Wirkung hervorruft. Die„Pädagogische Zeitung" erbringt dafür einige recht anschauliche Beweise. Ein mecklenburgischer Lehrer hat Anfang der achtziger Jahre im vorigen Jahrhundert in einer Anzahl mecklenburgischer und zwei preußischen Schulen eine Umfrage darüber veranstaltet, Ivelches Unterrichtsfach den Kindern das liebste sei. Bon rund 600 Schülern erklärten sich nur 17 für den Religionsunterricht, und davon waren nur zwei Knaben, die übrigen waren Mädchen. Der Lehrer erkannte durch Nachfragen, daß das Uebermaß des religiösen Memorierstoffes die Ursache für diese Erscheinung war. Nun ist inzwischen der Memorierstoff in Mecklenburg ein wenig eingeschränkt Ivorden. Trotz- dem war das Resultat einer jetzt, 20 Jahre spater, unternommenen Uin- frage nicht ermutigender. Eine Umfrage in den drei Obcrklassen der Stadt- schule in Boizenburg in Mecklenburg ergab, daß von 80 Schülern nur 1ö die Religion als Lieblingsfach bezeichneten, von 67 Knaben kein einziger. Ein ähnliches Ergebnis teilt M. Lobsien in der „Pädagogischen Psychologie" mit: eine Umfrage bei 600 Knaben und Mädchen im Alter von 7 bis 14 Jahren ergab, daß nur zwei Knaben und zehn Mädchen die Religionsstnnde die liebste war. Mit Recht bemerkt die„Pädagogische Zeitung" zu diesen für die Vertreter der weiteren Verkirchlichung der Schule geradezu ver- nichtenden Tatsachen, daß die Angaben aus Mecklenburg nicht da- durch abgeschwächt werden könnte», daß man sie auf laxen Re- ligionsunterricht zurückführe. Gerade in Mecklenburg herrscht die für Preußen angestrebte Konfessionsschule unumschränkt, dort ist religiöses Muckertum ausgeprägter als anderswo, und zumal der er- wähnte Lehrer, der Veranstalter der Rundfrage, ist ein eifriger Ver- treter des Religionsunterrichts. In anderer Weise, aber nicht minder beweiskräftig, rücken die Ergebnisse eines Experiments dem Religionsunterrichts zu Leibe, das ein niedizinischer Doktorand, Ernst Rodenwaldt, Assistenzarzt im Leibkürassier-Regiment Großer Kurfürst in Breslau, vor kurzem an- gestellt hat. Rodenwaldt trieben nicht pädagogische oder schulpolitische Gründe zu seinen: Versuch, sondern er hatte sich die Aufgabe ge- stellt, den Wisscnsbestand bei Gesunden festzustellen, um einen Maß- stab für die Defektprüfung bei Geisteskranken zu haben. Es sollte also festgestellt worden,„ivie viel man durchschnittlich an Wissen beim Gesunden erwarten dürfe." Um dieses Material zu sammeln, hat der Doktorand bei dem Ersatz des genannten Kürassierregiments Kenntnisprüfungen angestellt. Die Prüfung erstreckte sich auf 174 Rekruten, von denen 77 freiwillig eingetreten und 07 Kantonisten ivaren. Es wurden im ganzen 167 Fragen an jeden Soldaten ge- stellt, und von diesen bezogen sich die Fragen 63 bis 80 auf religiöse und kirchliche Verhältnisse und Personen. Die Fragen lauteten: 63. Welches ist der Unterschied zwischen Katholiken und Evangelischen? 64. Welches ist der Unterschied zwischen Christen und Juden? 66. Wann ist Weihnachten? 66. Wieviel Zeit ist zwischen Weih- nachten und Neujahr? 67. Wann ist Silvester? 68. Wann ist Ostern? 69. Wieviel Zeit ist zwischen Ostern und Pfingsten? 70. Warum wird Weihnachten gefeiert? 71. Warum wird Neujahr gefeiert? 72. Warum wird Ostern gefeiert? 73. Warum wird Karfreitag gefeiert? 74. Warum wird Pfingsten gefeiert? 76. Wann hat Christus gelebt? 76. Wer war Dr. Martin Luther? 77. Wann hat Luther gelebt? 78. Was ist der Papst? 79. Wie heißt der Papst? 80. Seit wann ist er Papst? Der Unterschied zwischen Katholiken und Evangelischen wurde von der großen Mehrheit wie folgt au- gegeben.„Die Evangelischen glauben nur an Jesus Christus, die Katholischen glauben an Maria<33);— sie haben andere Beichte und Abendmahl<21); die Katholischen glauben an Maria, die Mutter Gottes(16): die Katholischen beten Heilige an, die Evangelischen beten zu Gott<12); 7 Sakramente, 3 Sakramente(6); haben anderen Glauben(6); die Evangelischen glauben nicht, daß Maria eine Jungfrau war<4); die Katholischen haben katholischen Glauben, die Evangelischen haben evangelischen Glauben<4); die Katholischen sind noch von Christus her, die Evangelischen von Luther<3); die Evangelischen beten Gott an, die Katholischen Bilder(3)." Die Zeit des Weihnachtsfestes gaben 16, die des O st e r f e st e s 73 falsch oder gar nicht an. 16 Gefragte bcanlworteten die Frage,„Warum wird Weihnachten gefeiert?" falsch<13) oder gar nicht<3). Auf die Frage:„Warum wird O st e r n gefeiert?" antworteten 40 falsch und 16 nicht. Die Bedeutung des Karfreitages kannten 132, die des Pffingstfestes 81. Die Frage:„Wer war Dr. Marti m Luther?" beantworteten 96 richtig; keine Antwort gaben darau 4l Katholiken und 38 Evangelische. 18 Katholiken und 29 Evange- lische wußten nicht, was der Papst ist. Den Namen des Papstes gaben 66 richtig, 62 falsch und 66 gar nicht an. Von den letzteren ivaren 39 Katholiken. Ein Katholik antwortete, der Papst heiße Martin Luther. Selbst die„Pädagogische Zeitung", die unserer Forderung auf Beseitigung des Religionsunterrichts aus der Schute sonst stets die bekannten verlegenen liberalen Ausreden gegenübersetzt und dem Religionsunterricht das Wort redet, nimmt die mitgeteilten blamablen Tatsachen zum Anlaß, um wenigstens mit Entschiedenheit der Phrase entgegenzutreten, daß die Religion als Unterrichtsgegenstand im Mittel- Punkt der Schule stehen und den gesamten Unterricht_ durchdringen müsse. Das Blatt wird dadurch den vollen Zorn der Gescheitelten und Geschorenen auf sich herabbeschwören, denn diese werden cS nie zulassen wolle:,, daß die Religion als„Sonne" der Schule entthront und zu einem bescheidenen nebensächlichen Unterrichtsgegenstand„erniedrigt" wird. Es ist aber auch nichts mit der liberalen Halbheit, die zwar die Wertlosigkeit des Religionsunterrichts einsieht, sich aber zur kon- sequentei: Forderung der Ausschaltung dieser Ueberflüssigkeit aus dem öffentlichen Schulunterricht nicht aufschwingen kann. Durch solche Unentschiedenheit erreicht man keine Besserung. Hier handelt es sich um eine grundsätzliche Entscheidung, um einen resoluten Bruch mit der herkömmlichen„religiös-sittlichen Basis" der Volksschule. Solange man anerkennt, daß die Sittlichkeit nur aus der Religion hergeleitet werden kann, noch dazu nur: entweder ans der katholischen oder aus der sorthödox-) protestantischen, solange :::uß man auch der Religion, also heutzutage den beiden herrschenden Kirchen, ihren Einfluß auf die wichtige Erziehungsanstalt der Volks- schule einräumen und viel Platz für Religionsunterricht hergeben. Oder man bricht mit dieser alten aber darum nicht minder falschen Auffassung und erkennt der Sittlichkeit ganz andere Quellen als die Religion zu,— dam: verliert die Religion sofort ihre bisherige Be- deutüng in der Schule, sie sinkt zu einem historischen Begriff herab und wird als solcher im Rahmen des kulturgeschichtlichen Unterrichts zur Behandlung gelangen. Ueber den Ausfall der Wahl in Hof ist ein Teil unserer Gegnerin einen wahren Freudentaumel versetzt worden. Und doch liegt dazu, wie uns ans dem Wahlkreise geschrieben wird, absolut kein Anlaß vor, denn die paar Hundert Stimmen, die wir weniger cr- hielten, lassen keineswegs einen Schluß darauf zu. daß unsere Partei in diesem Kreise in rückläufiger Bewegung sich befinde. Im Jahre 1903 stand die Sache so, daß aus den Reihen der National- liberalen heraus gegen Münch-Ferber, wegen dessen Haltung in der Zolltarif-Kommisflon eine Agitation entfaltet worden ist. In einer großen Spinnerei hatte man Plakate angeschlagen des JnhaW: M ü n ch,- F e r b e r z u w ä h l e n w i r d n i ch-t g e« wünscht. Gleichzeitig gelangten Stimmzettel zur Verbreitung die auf S t ü ck l e n lautfteu. Das Resultat war damals: Stticklen 10 678, Münch-Ferber 7673, Dr. Gollerr d st e u e r ist in Höhe von 2.4 Proz. des gemeinen Wertes der bebauten und unbebauten Grundstücke und die Gemeinde-Gewerbesteuer in Höhe von 100 Proz. der staatlich veranlagten Gewerbesteuer zu erheben. und zwar mit der Maßgabe, daß der Betrag der Gemeinde-Grund- und derj Gemeinde- Gewerbesteuer zusammen einem Satze von 150 Proz. der staatlich veranlagten Realsteuern gleich- kommt. Die Gewerbesteuer der in Klasse IV veranlagten Steuersätze von 4,8 und 12 und— soweit der Betrag der im Rechnungs- jähre 1904 aufgekommenen Warenhaussteuer ausreicht— auch noch von 16 M. wird außer Hebung gestellt. Die im Rechnungsjahre 1905 aufkommende Warenhaus st euer wird im Rechnungsjahre 1906 zur Erleichterung des Gewerbesteuersolls der Gewerbesteuerklasse IV verwendet, die B e t r i e b s st e u e r wird in Höhe von 100 Proz. der festgesetzten Betriebssteuer erhoben; die Gemeinde- Umsatzsteuer kommt in Höhe von 1 Proz. des Umsatzwertes der bebauten und 1 Vz Proz. des Umsatzwertes der unbebauten Grundstücke zurAErhebung; die nach Maßgabe des Gebäude- Nutzungswertes zu erhebende Kanalisationsgebühr wird auf 1 Proz. festgesetzt. Die Untervcrteilung des R e a l st e u e r b e d a r f s auf die Gemeindegewerbe- und Gemeindegrundsteuer ist in der bisherigen Weise auf der Grundlage des Gemeindebeschlusses vom 13. Januar- 30. März 1898 vorgenommen worden, wonach die Gewerbesteuer nur mit demselben Zuschlage wie die Staatseinkommensteuer belastet, dagegen der nach Abzug des Ertrages aus der Gewerbesteuer ver- bleibende Rest des Realsteuerbedarfs durch die Gemeindegrundsteuer aufgebracht werden soll. Hierdurch tritt für die letztere Steuer eine Belastung ein, welche der Erhebung eines Zuschlages von rund 160.Proz. der Staats-, Grund- und Gebäudesteucr entsprechen würde. Die Umsatzsteuer wurde bisher mit 1 Proz. des Umsatz- wertes der bebauten und unbebauten Grundstücke erhoben, während der Antrag des Magistrats eine Erhöhung des Satzes für unbebaute Grundstücke auf l'/z Proz. vorsieht. Wegen der dadurch erforderlich werdenden Abänderung der„Ordnung für die Erhebung einer Gemeindesteuer bei dem Erwerbe von Grundstücken" wird der Stadt- Verordnetcn-Versammlung ein Nachtrag zun: Statut zugehen. Ober-Schöueweide. Die letzten Gemeiuderatsfitzungen beschäftigten sich mit der Be- ratung des Haushalts-Etats, welcher, da im laufenden Jahre über 100 Proz. Zuschlag erhoben werden, der Regierung rechtzeitig zur Genehmigung vorgelegt werden mutz. Der Voranschlag für den Gesamt-Etat balanziert in Einnahine und Ausgabe mit 1 044 470 M. Wesentliche Abstriche, und zwar in Höhe von 20 000 M., sind nur gemacht worden beim Etat des in diesem Jahre zu erbauenden Wasserwerks für den OrtSteil Ostend und den neu eingemeindeten Bezirk. Das Werk erfordert einen Kostenaufwand von 80 000 M. Der notwendige Erweiterungsbau der Kläranlage erfordert 130 000 M. Beschlossen wurde, nachstehende Steuersätze zu erheben: Gemeinde-Einkommensteuer 130 Proz. Zuschlag inklusive 30 Proz. Kreissteuer, Forensal- Einkommensteuer 130 Proz. Gemeinde-Gewerbesteuer: Klassen 1 und 2: 195 Proz., desgl.: Klassen 3 und 4: 150 Prozent. Die Grundwertsteüer wird mit 1,50 Mark vom Tausend erhoben. Die Umsatzsteuer wird von 1 Proz. auf l'/z Proz. auf bebaute, und 2 Proz. auf unbebaute Grundstücke erhöht. Zur B e t r i e b s st e u e r lag ein Antrag des Gastwirtevereins vor, diese Steuer aufzuheben. Vom Genossen Grunow wurde dieser Antrag befürwortet. Diese Steuer, welche onst nur die Gastwirte belastet, soll im übrigen auch nach dem Gesetze von solchen Geschäften erhoben werden, die Spirituosen in versiegelten Flaschen verkaufen. Ganz merkwürdig sei es. daß, trotz- dem es eine große Zahl solcher Gefchäfte am Orte gibt, nur der Konsumverein damit belastet ist. Eine Untersuchung wurde zugesagt, der Antrag aber abgelehnt. Es kommen 100 Proz. zur Erhebung Erhöht wurden noch die Hunde- und die Lustbarkeitssteuer. Ein Antrag der Hausbesitzer, die Kanalisationsbeiträge neu zu regeln, derart, daß die Fabriken stärker belastet würden, wurde abgelehnt. Für Pflasterung der H a f n e r st r a ß e sind 11 400 M. bewilligt. Für die Volksbibliothek sind 500 M. eingestellt, so daß etzt 1400 M. verfügbar sind. Die Bibliothek soll in dem im Bau Gegriffenen Amtshause untergebracht werden. Das Grundgehalt der Rektoren wurde von 1800 auf 2000 M. erhöht. Beim Etat des Friedhofes wurde vom Genossen Grunow gerügt, daß dem Friedhofs- Wärter bei der Gebührenfestsetzung für Gräberpflege freier Spiel- räum gelassen sei. Diese Sache wurde der Friedhofskommission überwiesen. Der fertiggestellte Brückenbau wird die Bausumme um 50 000 M. überschreiten, so daß die Brücke einen Kostenaufwand von 550000 M. erfordert hat._ Menschen anfangen sollte, drängte er sich an ihr vorbei und v«- schwand. Der Schmieresteher dagegen wurde festgenommen und von den Gesellen der Polizei übergeben. Den Einbrecher wollte er nicht nennen, trotzdem wurde aber auch dieser schon nach einer Stunde eingeliefert. Schuhmacher brauchte dringend Geld und ließ sich daher durch das Mißlingen des Versuches nicht abschrecken, brach vielmehr sofort bei einem anderen Handwerker in die Stube der Söhne ein. Eben war er wieder soweit gekommen, wie bei dem Schmiedemeister, als auch hier die Hausfrau kam, um die Betten zu machen. Dies- mal aber entkam er nicht. Als er auf der Wache seinen Freund Rösicke traf, legte er sofort ein Geständnis ab. Museen, Sammlungen nsw. Altes