Jr. 45. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährt. 3,30., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntagenummer mit illustrierter SonntagsBeilage, Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Erfdjeint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblaff. 22. Jahre. Die Infertions Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonelzeile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( settgebrudte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Morte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adreffe: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Lebenshaltung Berliner Arbeiterfamilien. I Mittwoch, den 22. Februar 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Schienenstüde fortgenommen werden. Die Beitungen erscheinen nicht, da die Druckereien nicht arbeiten. In Tiflis beträgt die Zahl der streikenden Arbeiter zirka 5000 bis 6000. Gestern stellten die Arbeiter in den Manganerzbergwerken von Tschiaturi die Arbeit ein, 4000 bis 5000 Mann start. Ihre Forderungen find ebenso wie hier überall teils ökonomischen, teils politischen Charakters. Ueberhaupt ist die Stimmung in ganz Grusien äußerst aufgeregt. Die Nachrichten von den Petersburger Megeleien verbreiten fich trotz aller Vertuschungsversuche und machen viel böses Blut. Attentate auf Militär- und Polizeipersonen mehren sich." Aus Batum wird ferner telegraphiert: Blutige Zusammenstöße haben gestern zwischen Muselmanen und Armeniern stattgefunden. Gegen sämtliche Läden und Verkaufsstellen wurden Schüsse abgefeuert; das Schießen dauerte gestern den ganzen Tag über. Zahlreiche Personen wurden getötet oder verwundet. Die Stadt macht den Eindruck, als ob der Belagerungszustand über sie verhängt wäre. doppelte und dreifache Bewohnerzahl entfiel. Maximum war: elf! Personen in einer Wohnung" von einer Stube. Die betreffende Familie hatte, nebenbei bemerkt, nur ein Einkommen uon 1722 M., obwohl außer dem Vater noch drei Personen mitarbeiteten. AusDie von uns bereits furz( in Nr. 12) besprochene Veröffentlichung gegeben wurden 1948 M. Der Mann scheint die Mahnung der des Berliner Statistischen Amts über„ Lohnermittelungen und Satten, sich nach der Decke zu strecken, schlecht beherzigt zu haben. Haushaltrechnungen der minderbemittelten Bevölkerung im Jahre 1903" Bei geringem Einkommen wird die erwähnte, schier unglaub dürfte mit ihrem zweiten Teil noch mehr Interesse erregen als mit liche Zusammendrängung notwendig, damit für Lebensmittel dem ersten. Welchen Lohn die Arbeiter der einzelnen Berufsgruppen verwendet werden kann, was an der Wohnung gespart bekommen, wieviel Stunden sie täglich arbeiten müssen, in welcher wird. Die Nahrungsbeschaffung verursacht in Arbeiterfamilien Jahreszeit und auf wie lange die Arbeit knapp zu sein pflegt alles ohnedies die stärkste Ausgabe. Je größer die Familie das ist im allgemeinen bekannt. Das Tabellenwerk des Statistischen ist, desto mehr wächst dieser Ausgabeposten, desto weniger Amts gibt hierüber im einzelnen noch manchen recht lehrreichen Auf- tann andererseits für Miete ausgegeben werden, und desto erbärmschluß und ist wertvoll trotz der mitunter sehr erheblichen Abweichungen, licher wird die Wohnung. Essen und Trinken im Hausdie zwischen den Antworten der um Auskunft ersuchten Innungen, halt erforderten durchschnittlich etwa die Hälfte aller Ausgaben, in Gewerkschaften, Gewerkvereine, Krankenkassen usw. bestehen. Aber 908 Familien 778 756 M. Man sieht, welche Rolle in der Hausin die rechte Beleuchtung wird das Ergebnis dieser dankens- haltung des Arbeiters die Frau spielt und in welchem Umfange werten Enquete über das Einkommen der Arbeiterbevölkerung sie zum Gelingen des Balanzierungskunststüdes mitwirkt. In viel Berlins doch erst gerückt durch die Ermittelungen über die nicht töpfigen Familien mit geringem Einkommen gehen sogar bis zuminder wichtige Frage, wie der Arbeiter mit seinem Verdienst zwei Drittel aller Ausgaben für Nahrungsmittel drauf. Da begegnet In der gestrigen Nummer haben wir die denkwürdige Kundund etwaigen Nebeneinnahmen( aus Mitarbeit von man in den Tabellen einer Familie von 9 Personen, die in einer gebung der Petersburger Studenten mitgeteilt. Der Köln. Frau oder Kindern, aus Mietsbeiträgen von Schlafleuten, aus Wohnung" von einer Stube hauft und 222 M. Miete zahlt. Die Zeitung" wird dazu aus Petersburg telegraphiert: Der Altersrenten und sonstigen Bezügen einzelner Angehöriger) sich Frau verdient mit( bei 7 kleinen Stindern!), aber die Jahreseinnahme Verlauf der Versammlung könne die Regierung nicht mehr einrichtet, um sein und seiner Familie Bedürfnis nach kommt doch nur auf 1436 M. Die Ausgabe beläuft sich auf 1524 m.; im Zweifel laffen, was ihr von der gesamten Intelligenz Wohnung, Meidung, Nahrung und Erholung leidlich befriedigen zu also wieder mal eine Decke, die nicht langen wollte. Für Nahrungs- sowie von den befizenden Ständen bevorsteht, wenn sie sich mittel wurden hier allein 1014 M. ausgegeben. Wie hoch steht doch nicht schleunigst entschließt, ernsthafte Schritte zur Klärung solch eine Arbeiterfrau über der reichen Gnädigen, die im Wohls der Lage zu tun. Die allgemeine Lage entwickelt sich immer tätigkeitsverein das Wort führt! bedrohlicher. tönnen. " # Die Lage. * Eisenbahnerstreif. Den meisten der 908 Haushaltungen, deren Angaben das Statistische Amt berücksichtigt hat, stand eine nur bescheidene Jahreseinnahme zur Verfügung, während die Zahl der Haus- Nimmt man den gesamten zur Eristenz notwendigen Bedarf, haltungsmitglieder in der Mehrzahl der Fälle nicht gering war. Die Haus- also außer Wohnung noch Heizung und Beleuchtung, außer Nahrung haltungsvorstände gehörten eben fast durchweg den( wie das Tabellen in der Familie noch Essen im Wirtshaus, das für manche Berufe Der allgemeine Ausstand aller Beamten und Arbeiter auf der wert sagt) handarbeitenden Klassen" an, und zwar hatten nur ganz ins Gewicht fällt, ferner die Kleidung, etwaige Fahrkosten usw., so Südwestbahn trat ein auf Ersuchen der Arbeiterverbände, die erwenige von ihnen in ihrer Erwerbstätigkeit eine leitende Stellung tommt man, wie schon oben angegeben, auf drei Viertel bis sieben warten, daß baldigft die Kollegen aller übrigen Bahnen sich dem inne. Bon den einzelnen Berufsgruppen waren am stärksten ver- Achtel aller Ausgaben. Vom Rest, der zwischen einem Viertel und Ausstand anschließen; so ist heute bereits ausgeschlossen, daß die noch treten die Holzindustrie( mit 175 Haushaltungen), die Metall- einem Achtel aller Ausgaben liegt, ist noch mancherlei zu bestreiten. im Lande vorhandenen Eisenbahntruppen genügen, um die Linien industrie( mit 148), das Baugewerbe( mit 115). Weniger zahlreich Die Aufwendungen für Erholung, die wir herausgreifen wollen, zu befeßen und zu bedienen, deren Bersonal fich jetzt im Ausstande waren die Erwerbstätigen der Papier- und Lederindustrie( 79), die schwanken zwischen einem Achtel und einem Zwanzigftet aller befindet. Arbeiter ohne nähere Angabe( 74), die Angestellten der Druckereien Ausgaben. Je größer die Familie, desto weniger bleibt für Aus Kiew, 20. Februar, wird gemeldet: und Hinstlerischen Betriebe( 68), die in der Bekleidungs- solchen„ Lurus" übrig. Nicht immer spielt der Alkohol industrie Beschäftigten( 45), die Hausdiener( 37) usw. In die Hauptrolle. Manche Haushaltungen fallen durch beträchtliche den Haushaltungen schwankle die Kopfzahl zwischen 1 und Ausgaben für Zeitungen und Bücher auf, aber daneben finden sich 18 Personen, während die Jahreseinnahme pro Haushaltung freilich auch einige in der Regel sind es die ärmsten, die hier bon 700 M. bis über 3000 M. reichte. Im ganzen kamen für nicht einen Pfennig gebucht haben. 3828 Berfonen in Betracht, für die eine gesamte Jahreseinnahme Die trockenen Zahlenreihen des Tabellenwerkes reden eine eindringvon 1589 547. zur Verfügung stand. Der Durchschnitt pro Haus- liche Sprache. Sie liefern aufs neue den Beweis, wie notwendig es haltung war etwas über 4 Personen mit rund 1751 M. Gesamt- ist, daß die Arbeiterbevölkerung immer günstigere Arbeits- und Lohneinkommen. Im einzelnen gab es natürlich mannigfache Abstufungen. bedingungen zu erringen sucht, damit sie ihre Lebenshaltung Beispielsweise standen auf der einen Seite Haushaltungen von menschenwürdiger gestalten kann. 2 Personen mit 2600 W., auf der anderen Seite folche von Sie beweisen aber auch, wie viel von dem gerühmten wirtschaft8 Personen mit nur 1000 m., von 9 Personen mit 1200 M., von lichen Aufschwung für die Arbeiter abfällt. Die Wortführer des 10 Personen mit 1400 M. Der Arbeiter ist arm an Geld, aber Kapitalismus gaukeln Möglichkeiten vor, die in der Wirklichkeit nicht dafür in der Regel desto reicher an Kindern. vorkommen; er züchtet den Reichtum der wenigen, die Not der Massen, die nicht dadurch verschwindet, daß sie in kleinen Schwankungen geringer oder stärker ift. Wer in solchen Haushaltungen den Einnahme- und AusgabeEtat im Gleichgewicht erhalten will, der muß ein geschickter Balanzierungsfünstler sein. Manchem ist das Kunststück so gut gelungen, daß er noch einen Ueberschuß herauswirtschaften fonnte. 399 Haushaltungen behielten 21 070. drüber, durchschnittlich jede 53 M. In 45 Haushaltungen stimmte die Rechnung auf Heller und Pfennig. Dagegen schlossen die übrigen 464 mit einem Defizit von 36 742 M. ab, durchschnittlich jede mit 79 M. Im ganzen blieb ein Defizit von 15 672 M.; der Gesamteinnahme von 1 589 547 M. stand gegenüber eine Gesamtausgabe von 1 605 219. Die Schwierigkeiten der Balanzierung sind deshalb so groß, weil in Arbeiterfamilien der größte Teil der Einnahmen für die zur Existenz absolut notwendigen Ausgaben draufgehen muß. Da foll einer es versuchen, sich nach der Decke zu streden"! Das Tabelleniverk unter scheidet: I. Existenznotwendige Ausgaben: 1. Miete, Heizung, Be leuchtung, 2. Kleidung, 3. a) Nahrung ohne Ausgabe für Spirituosen), 3. b) Essen im Wirtshaus, 4. Handwerksgerät, 5. Straßenbahn usw.; II. Gefeßlich- pflichtmäßige Ausgaben: 1. Kranken- und Invalidenversicherung, 2. Steuern, 3. Schulgeld, Lehrmittel usiv.; III. Ausgaben für förperliche und geistige Erholung: 1. Bäder, 2. Trinken im Wirtshaus, 3. Branntwein, 4. Tabat, 5. Zeitungen, Bücher, 6. Vergnügungen; IV. Freiwillige Beiträge: 1. Privatversicherung, 2. Vereine; V. Sonstige regelmäßige Ausgaben; VI. Außerordentliche Ausgaben: 1. Arzt, Apotheker, 2. Möbel, Umzug, 3. Schuldentilgung. Die, egistenznotwendigen" Ausgaben der Gruppe I blieben in feiner Haushaltung unter drei Biertel aller Ausgaben, und in manchen reichten sie bis fast an sieben Achtel heran. Schon die Aufzählung der Gruppen läßt erkennen, wie sehr das Tabellenwerk ins einzelne geht. Wir müssen uns aber mit der Wiedergabe nur der wichtigsten Daten begnügen. Die Wohnungsmiete bildet im Arbeiterhaushalt zwar nicht den allergrößten, aber den allerunbequemsten Ausgabeposten. An ihr läßt sich nichts abknappfen, auch wenn plöglich Krankheit oder Arbeitslosigkeit über die Familie hereinbricht. Sie wird voll eingefordert, auch wenn die paar Groschen, die noch da sind, kaum mehr ausreichen, um die Familie satt zu machen. Die Wohnung erforderte in den vom Statistischen Amt berücksichtigten Haushaltungen durchschnittlich ein Sechstel aller Ausgaben, obwohl sie in der Regel nur aus 1 oder 2 Stuben bestand. Die 908 Wohnungen kosteten 262 472 M., macht pro Wohnung 289 M. Die darin hausenden 8828 Personen verfügten über 1261 Stuben, macht pro Stube drei Bewohner. So wohnen die Berliner Arbeiterfamilien! So wohnen sie im Durchschnitt, die einzelne Familie wohnt manchmal besser, aber manchmal auch noch sehr viel schlechter. In den Tabellen find zahlreiche Fälle aufgeführt, wo auf die Stube mehr als die Das Todesurteil des Absolutismus. Beamte der Südwestbahnen versammelten sich heute früh, um die Frage der Aufbesserung ihrer Lage zu beraten und der Verwaltung ihre Forderungen bezüglich der Arbeitsbedingungen zu stellen. Zugleich versammelten sich die Kassenbeamten. Der Vorfigende verlas sodann einen Vorschlag betreffend Aufbesserung der Lage der Beamten und Arbeiter aller zu den Südwestbahnen gehörenden Linien und Werkstätten insbesondere bezüglich einer Lohnerhöhung der Unterbeamten, Gleichstellung der männlichen und weiblichen Angestellten, Eröffnung von Schulen, Regelung des Nachtdienstes sowie Verteilung von Gratifikationen durch Arbeiter statt durch die Verwaltung. Die Punkte betreffend den Verlauf des inneren Lebens und bezüglich der Politit wurden mit großer Mehrheit abgelehnt. Nach Durchsicht der Forderungen seitens der Verwaltung wurde der allgemeine Ausstand beschlossen, allerdings ohne Zwangsmaßregeln anzuwenden. die Dörfer. Weitere Ausstandsmeldungen. Warschau, 21. Februar. Viele Arbeiter begeben sich auf Nach dem erfolgreichen Attentat auf den Großfürsten Sergius Charkow, 21. Februar. Die Arbeiter in den Kronsbrechen die Zeichen der furchtbaren Gärung überall ungestüm hervor. branntivein- Niederlagen und in den Druckereien sind in AusDie wirtschaftlich- politische Arbeiterbewegung vereinigt sich immer ſtand getreten. inniger mit dem Kampf der Intellektuellen, die offen die rücksichtsloseste Sprache führen, die jemals in Rußland erhört worden ist. Noworadomsk, 21. Februar. Hier ist ein allgemeiner Arbeiterausstand ausgebrochen. * 營 Ein neuer Brief von Gapon. öffentlicht einen interessanten Brief des Priesters Gapon, welcher wie Das russische sozialdemokratische Zentralorgan„ Jskra" verDas herrschende Rußland befindet sich tatsächlich in einem Auflösungsprozeß. Es blutet wirtschaftlich aus unzähligen Wunden. Die große Streitbewegung beginnt jezt die Eisenbahnen zu erfassen. Am Kaukasus scheint der förmliche Bürgerkrieg ausgebrochen. In Petersburg hat eine machtvolle Studentenkundgebung den Todes- folgt lautet: ernst des gegenwärtigen Stampfes grell beleuchtet. * # Aufruhr im Raukasus. Ein Privattelegramm meldet uns: Das ganze Kaukasus- Gebiet ist vom Aufruhr ergriffen. Die Armenier, Grufier und Czirkessen haben sich gegen das Zarat verbündet. Nach Gerüchten ist das Militär zerstreut worden. Die Aufständischen haben den Truppen die Waffen, selbst Kanonen, abgenommen. Der Gouverneur wird von der Bevölkerung gefangen gehalten. Die Revolutionäre bilden Lager außerhalb der Städte. Telegraphen- und Eisenbahnverkehr ist zerstört. Die Dampfer werden in Batum nicht ausgeladen. Briefliche Mitteilungen des Berliner Tageblatt" aus Tiflis. besagen: " Der Streit in Transkautafien greift immer weiter um sich. Seit zehn Tagen schon ist die Arbeit in unseren Eisenbahn- Wertstätten eingestellt, ebenso in den wenigen Fabriken. Eine Woche lang streiften die Bäcker; seit gestern haben wir aber wieder Brot. Tramway- und Pferdebahnverkehr war einen Tag lang vollständig eingestellt, dann wurde der Betrieb teilweise wieder aufgenommen. Soldaten fungierten als Kondukteure und Kutscher; außerdem stand auf jedem Wagen schußbereit ein Soldat. Sonntag, den 29. Januar, fam es im Zentrum der Stadt zu einem großen Zusammenstoß zwischen Militär und Arbeitern. Es gab etwa 20 Verwundete. Die Stimmung in der Stadt ist sehr erregt. Patrouillen durchstreifen die Straßen. Die Vorstellungen in den Theatern sind untersagt. Proklamationen des Tifliser Komitees" findet man überall. Die Eisenbahnzüge gehen mit einer Ge schwindigkeit" von 15 Werft in der Stunde, da fortwährend Offener Brief an die sozialistischen Parteien Rußlands! Die blutigen Tage in Petersburg und im übrigen Rußland stellten die gefnechtete Arbeiterklasse von Geficht zu Angesicht direkt dem abfolutistischen Regime mit dem Bluthund von Zaren an der Spike gegenüber. Die große russische Revolution ist auss gebrochen. Alle diejenigen, welchen die Volksfreiheit wirklich am Herzen liegt, müssen siegen oder sterben. Jm Bewußtsein der Wichtigkeit des jezigen historischen Augenblicks, angesichts der jetzigen Lage, rufe ich, als ein Mann der Tat und vor allen Dingen Revolutionär, das Proletariat und alle sozialistischen Parteien Rußlands auf, unverzüglich sich unters einander zu einigen und den bewaffneten Aufstand gegen den Barismus anzufangen. Alle Kräfte jeder Partei müssen mobilisiert werden. Der technische Kampfplan muß für alle derselbe sein: Bomben, Dynamit, der individuelle und der Mafsenterror- alles das tann die Bolkserhebung fördern. Das nächste Ziel ist die Niederwerfung des Absolutismus, Schaffung einer temporären revolutionären Regierung, welche unverzüglich die Amnestie aller Kämpfer für die politische und religiöse Freiheit proflamiert, unverzüglich das Bolk bewaffnet und unverzüglich eine konstituierende Versammlung auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts einberuft. Auf zur Arbeit, Genossen! Vorwärts zum Kampf! Wieders holen wir die Parole der Petersburger Arbeiter vom 22. Januar: Freiheit oder Tod! Alles Zögern und Unordnung ist jetzt ein Berbrechen gegenüber dem Bolle, dessen Interessen Ihr ver teigigt. Indes ich alle meine Kräfte dem Volle, aus dessen Reihen ich selbst hervorkomme( Sohn eines Bauern), getvidmet habe, indem ich auf immer mein Schicksal mit dem Kampfe gegen die Ausbeuter der Arbeiterklasse verbunden habe, werde ich mit dem ganzen Herzen und mit der ganzen Seele mit denjenigen sein, welche sich mit der wirklichen Arbeit für die Befreiung des Proletariats und alle arbeitenden Elemente vom Joche des Kapitalismus und von der politischen Sklaverei befassen werden. Georgi Gapon. * * Mittwoch steht die dritte Lesung der Handels- 1 verträge auf der Tagesordnung. Kultns- Etat. Die Kommission sieht wohl ein, daß die Vorschriften über die Wahlurnen zu allgemein gehalten sind, so daß die Wahlvorstände die verschiedensten Gefäße: Kelche, Schüsseln, Terrinen, Krüge, Käseglocken, Zigarrentiſtchen u. dgl. m. zu Wahlurnen für genügend Das Abgeordnetenhaus begann am Dienstag die zweite erachten. Zweifellos erleichtern derartige Wahlurnen" die MöglichLesung des Kultus- Etats. Ganz gegen die geschichtliche Ueber- feit einer Kontrolle der Wähler, sind also Hülfsmittel zur Durch 21 Protestversammlungen gegen den Zarismus. lieferung der letzten 25 Jahre wurde die Generaldebatte, die veranlagt gesehen tros der zahlreichen Protestbehauptungen betreffs brechung des Wahlgeheimnisses. Allein die Kommission hat sich nicht Paris, 20. Februar.( Eig. Ber.) Die wirkungsvolle Protests sich an den Titel„ Minister" anzufnüpfen pflegt, diesmal nicht dieser Angelegenheit, eine prinzipielle Entscheidung zu treffen, sondern aktion der französischen Sozialisten aller Richtungen gegen den durch eine Kulturkampfrede eines Herrn vom Zentrum ein- will vielmehr diese dem Plenum allein zuschieben, das gelegentlich die Zarismus dauert ohne Unterlaß fort. Am letzten Sonnabend und geleitet. Das Zentrum mag wohl selbst zu der Ueberzeugung Frage beraten soll und eventuell bündigere Vorschriften im Wahlreglement Sonntag wurden den sozialistischen Parteien gemeinsam gekommen sein, daß es geschmacklos ist, nachdem die Regierung über die Wahlurnen fordern könne. Wenn darum bisher Wahl21 Protestversammlungen in ebenso vielen Provinzstädten abgehalten, ihm auf fast allen Gebieten viel weiter entgegengekommen ist, proteste behaupteten, mit Hülfe der Wahlurnen sei Kontrolle geübt und zwar in Clermont- Ferrand, Dijon, Lille, Saint- Etienne, Limoges, als es das Staatsinteresse gestattet, immerfort über ungleiche worden, wie jeder oder einzelne Wähler gestimmt haben, hielt die Chartres, Aurerre, Chalons- sur- Saône, Sotteville- les- Rouen, Belfort, Behandlung in Preußen zu flagen. Kommission nur die Fälle für erheblich, bei denen speziell nachTours, Decazeville, Dünkirchen, Havre, Montluçon, Sedan, Montceaugewiesen wurde, daß durch Führung einer Kontrolliste bei der Die Generaldebatte gestaltete sich in der Hauptsache, wenn Stimmenauszählung ausfindig zu machen gesucht wurde, wie die les- Mines, Périgueux, Chaumont, Cahors und Epernay. man von der Auseinandersetzung der Polen mit der Regierung wähler gestimmt hatten. Nur für Wahlbezirke mit wenigen Wählern Es kann nicht genug hervorgehoben werden zum Lobe der absieht, zu einer Erörterung unseres Schulwesens. Der ist in einzelnen Fällen die Vornahme der Kontrolle auch ohne französischen Sozialisten und als Anerkennung der besonderen Vergeschichtliche Zusammenhang zwischen Kirche und Schule darf Listenführung zugegeben worden, weil es möglich ist, daß der Wahldienstlichkeit ihrer antizaristischen Agitation, daß sie immer und nicht gelöst werden das war der Grundgedanke, der vorsteher sich merken kann, in welcher Reihenfolge die ihm bekannten überall neben der Betonung ihrer tiefen Solidarität mit dem ruffi- in der Erörterung teils mehr, teils weniger scharf zum Wähler die Stimmen abgegeben haben. Werden dann die Kuverts schen Freiheitskampfe die offizielle Allianz Frankreichs mit dem Ausdruck kann. Eigentlich bildete die Debatte nur ein Vor- in der Wahlurne" reihenweise übereinander gelegt und nach der Zarentum brandmarken und verwerfen. Damit geben unsere Redner spiel zu den Beratungen, die sich an das im Herbst mit Be- mtippung der Urne der Reihe nach abgehoben und geöffnet, iſt eine den klaren Gedanken und Gefühlen der Klassenbewußten Arbeiterschaft stimmtheit zu erwartende Volksschulgesetz anknüpfen werden und In den bezeichneten Fällen beschloß die Kommission Kassierung des Erforschung, wie alle oder einzelne Wähler gestimmt haben, möglich. Ausdruck und wecken andererseits machtvoll zur revolutionären inter- dessen Grundlinien in dem bekannten Kompromißantrage ge- ganzen Wahlaktes wegen Verstoßes gegen die gesetzlichen Vornationalen Solidarität und zur Selbstbefreiung vom reaktionären geben sind. Einer der Väter dieses Kompromisses, Freiherr schriften sur Geheimhaltung der Wahl. Banne der Allianz weite Schichten des bisher rückständigen Teiles v. 8edlig( ft.), brachte die reaktionären Forderungen auf Die Absicht, mittels der Wahlurne eine Kontrolle zur Durchdem Gebiete des Schulwesens zur Geltung, und der Minister brechung des Wahlgeheimnisses vorzunehmen, ist nun unzweifelhaft Letzteres hat sich wieder im glänzenden Verlauf der 21 Provinz Studt lieg feinen Zweifel darüber, daß er für an einem Fall zu erkennen, der sich bei der Wahl im zweiten Wahlversammlungen offenbart. Ueberall jubelte unseren Rednern eine jeden Rückschritt zu haben ist. Zähe hängt er an der freise des Regierungsbezirkes Königsberg, Labiau- Wehlau, abbegeisterte Zuhörerschaft au, überall wurde einmütig dieselbe Re- geistlichen Oberschulaufsicht fest, und er duldet es nicht gespielt hat. Der Wahlproteſt gegen diese Wahl besagt darüber solution votiert: das in der Pariser Massenversammlung vom einmal, daß die Lehrer auf ihrer Zusammenkunft in Königs30. Januar beschlossene Manifest an das Proletariat, worin u. a. berg ihre gegenteiligen Ansichten dargelegt haben. die Allianz mit dem mörderischen Zarentum zurückgewiesen wird. In Preußen sollen die Lehrer nun einmal nicht Staatsbürger sein, die frei und offen ihre Anschauungen äußern, sondern Staatsbeamte, die das zu tun haben, was der jeweils herrschende Kurs von ihnen verlangt. der Arbeiter. Die Protestversammlungen wirken auch Gutes für das sozialistische Einigungswerk. In der Regel beteiligen fich als Redner Vertreter der verschiedenen Parteien, wie die Versammlungen von der sozialistischen Einigungskommission veranstaltet werden. Und auch in den Neden selbst kommt der Einigungsgedanke naturgemäß zur Geltimg. Politifche Uebersicht. Berlin, den 21. Februar. Arbeitskammern. Nach Erledigung der Generaldebatte soll die Frage der akademischen Freiheit erörtert werden. Es dürfte hierbei nach dem bereits erfolgten scharfen Zusammenstoße zwischen dem Abg. Dr. Friedberg( natl.) und dem Ministerialdirektor Althoff zu urteilen zu heftigen Auseinandersegungen kommen. Vorläufig aber soll die Generaldebatte noch fortgesetzt werden, und bis sie zu Ende ist, haben sich die erhigten Gemüter vielleicht schon etwas beruhigt. Herr Der Reichstag, dessen Mitglieder sich zu den Handels- Althoff hat doch wahrlich keine Ursache, über den nationalvertrags- Verhandlungen ungewöhnlich zahlreich versammelt liberalen Professor Friedberg, der ihm bei der Verabschiedung haben, benutzte die feltene Gelegenheit der Beschlußfähigkeit, der lex Arons so wadere Dienste geleistet hat, als über einen um zu Beginn der heutigen Sigung über den Toleranzantrag Schüßer der akademischen Freiheit herzufallen. des Zentrums abzustimmen. Mit unserer Hülfe gelang es den Antragstellern, eine Mehrheit für die Ueberweisung an eine Kommission zu erzielen. Dann wandte sich der Reichstag unserem Antrag auf Errichtung eines Reichs- Arbeitsamtes und Bildung von Arbeitsämtern, Arbeitskammern und Einigungsämtern in ganz Deutschland zu. ist eine Mittwoch: Fortsetzung. * Deutfches Reich. Das Zentrum richtet sich ein. Der Abgeordnete Spahn hat am Sonntag in einer folgendes: Im Wahllokal zu Rudflorlanken war ein von Brettern zufammengenagelter Kasten als Wahlurne aufgestellt. Der Kasten war nur so groß, dak in der Länge und Breite nur ein Umschlag Plak hatte. Oben im Deckel war ein schräger Schlitz so eingerichtet, daß immer ein Umschlag auf den andern fallen mußte. Der Kuvertverteiler notierte der Reihe nach jeden Wähler. Bei der Auszählung wurde dann der Kasten umgekippt und das zuerst abgegebene Kuvert geöffnet. Auf der vorhin geführten Liste der Wähler wurde dann neben dem Namen der gewählte Kandidat beigeschrieben. Auf diese Weise wußte das Wahlkomitee, und wer es sonst wissen wollte, nach Beendigung der Wahl ganz genau, welchen Kandidaten jeder einzelne Wähler gewählt hatte. Auch hat der Wahlvorsteher sich vor der Wahl geäußert: Diesmal, mit den Kuverts, wissen wir ganz genau, was jeder gewählt hat." Dieser Fall ist geradezu typisch für die Tatsache, daß die Wahlurnen als Hülfsmittel zur Durchbrechung des Wahlgeheimnisses verwandt werden. Selbst wenn man kein Zusammenwirken zwischen Wahlvorstand und Kuvertverteilern annehmen will, muß man doch zugeben, daß erst die Beschaffenheit dieser Wahlurne" und die gehandhabte Auszählung der Stimmzettel die Kontrolle seitens des Kuvertverteilers ermöglichte. 8war gibt es Abgeordnete, die diese Art Kontrolle für erlaubt halten, wenn nicht erwiesen ist, daß der Listenführer eine zum Wahlvorstande gehörige Person ist, aber die große Mehrheit der Kommission erachtete die Kontrolle für unzulässig, wenn fie irgend einem im Wahllokal anwesenden Wähler durch derartige Vorgänge ermöglicht wird." der alle zehn Jahre wieder vor den Reichstag kommt. In Bentrumsversammlung in Bochum über die Berggefeß die Beschaffenheit der Wahlurnen behandelt wird, wird gerade an Wenn also im Plenum des Reichstags einmal die Frage über ausgeführt: diesem Fall nachgewiesen werden können, daß amtierende WahlDie Novelle wird vom 1. Oktober ab eine 8½ stündige Schicht vorstände durch ihre Maßnahmen trotz der Kuvertwahl das Wahlbringen, und diese Arbeitszeit wird vom 1. April 1907 und 1908 geheimnis durchbrechen helfen, ohne daß man ihnen direkter Verstöße auf eine achtstündige Schicht einschließlich Ein- und Ausfahrt Wohl aber machen sie durch gegen das Gesez vorwerfen kann. herabgehen. Nun wird in der neuen Vorlage diese vorläufige Umgebung und eigenartige Auslegung und Handhabung der gefez81% stündige und dann achtstündige Schicht nicht gedacht als dann achtstündige Schicht nicht gedacht als Vorschrift für alle Gruben, sondern als sanitärer Arbeitstag, lichen Vorschriften das Wahlgeheimnis zu nichte, denn sie erweisen der Anwendung findet bei allen Gruben mit Temperatur bis sich so als Helfershelfer der Parteien, denen die Durchbrechung des Wahlgeheimnisses zur Ausübung ihres Wahlterrorismus zu 22 Grad Celsius. Bei Gruben mit mehr als 22 Grad bienen soll. Temperatur wird eine Einschränkung einsehen können. Das Zentrum beabsichtigt, wie Abg. Spahn erklärte, bei 26 Grad die Arbeit auf 6 Stunden herabzusetzen. Die Verhältnisse in Oberschlesien ständen der Einführung eines allgemeinen MarimalArbeitstages noch entgegen; dort besteht noch eine lange Arbeitszeit, bis zu 12 Stunden, und man müsse erst versuchen, dort auf 10 und 9 Stunden Arbeitszeit herabzugehen. Abg. Spahn meinte, es sei zweifelhaft, ob die Forderung der Bergarbeiter auf Anstellung von Grubenkontrolleuren, die in geheimer Wahl von den Belegschaften gewählt werden sollen, vom Minister Möller in die neue Berggefeg- Novelle aufgenommen werde. Abg. Spahn nimmt an, daß nur erreicht wird, was in den staatlichen Gruben an der Saar der Fall ist. Dort werden Grubenkontrolleure angestellt und ausgewählt aus der älteren Belegschaft, und zwar durch den Staat. Diese Grubenkontrolleure an der Saar hätten sich verhältnismäßig schlecht bewährt, insofern als sie wenig Mißstände ermittelt und zur Anzeige gebracht haben. So ausgeübt, würde die Kuvertwahl das Wahlgeheimnis night nur nicht sichern, sondern noch gravierender durchbrechen, als die früheren nur mittels unverhüllten Stimmzettels ausgeübte Wahl. Das Plenum des Reichstages muß also unter allen Umständen auf Erweiterung der jezigen betreffenden Vorschriften des Wahlreglements dringen, wenn der neue Mißbrauch bei den nächsten Wahlen nicht noch weiter um sich greifen soll. Am ungeniertesten ist dieser Mißbrauch bezeichnenderweise in den oftelbischen Kreisen durch die Junker und Agrarier betrieben worden. Gemeinderatswahlen in Straßburg. Man schreibt uns: Die am 19. Februar stattgefundene Nachwahl hat den am 12. Februar im ersten Wahlgang begonnenen Sieg in glänzender Weise vervollständigt. Die sozialdemokratische Partei hat ihre sechs Kandidaten durchgebracht, während ein Liberaler ohne Gegenkandidat gewählt wurde, nachdem die sozialdemokratische Kandidatur zu feinen Gunsten zurüdgezogen worden war. Der einige! einzige Nicht- Sozialdemokrat gewählt von der Sozialdemokratie denselben Zeiträumen gibt die Regierung das Versprechen ab, einen Gesetzentwurf, der die verlangte Organisation der Arbeit mit sich bringt, binnen fürzester Frist dem Reichstag vorzulegen. Praktisch hat sie auf diesem Gebiet noch nicht das geringste geleistet; sie ist aus dem Stadium der Erwägungen, der ernſten Erwägungen und ernstesten Erwägungen noch nicht herausgekommen. Deshalb legte heut unsere Fraktion dem Parlament einen ausgearbeiteten Gesezentwurf zur Organifation der Arbeiter und Unternehmer in paritätischen Körperschaften vor. Genosse Thiele, der ihn begründete, gab eine eingehende Geschichte der Bestrebungen und parlamentarischen Arbeiten, die bisher zur Erreichung dieses Zieles geleistet worden sind, und wies nach, wie weit Deutschland in dieser Hinsicht hinter den anderen Kulturstaaten zurückgeblieben sei, wie mangelhaft infolgedessen die deutsche Arbeiterstatistik geblieben fei. Dabei hat die Gesetzgebung längst für alle anderen Selassen Interessenvertretungen geschaffen. Um so auffallender ist die Ablehnung der Forderung nach Arbeitskammern, die in dem kaiserlichen Erlasse von 1890 der Arbeiterschaft feierlich zugesichert worden sind, durch die Regierung. Und doch hat diese Stellungnahme ihren guten Grund. Denn die Arbeitskammern find nicht nur ein Stück Sozialreform, sondern führen auch in dem Bureaukratenstaat Preußen- Deutschland ein neues und wichtiges In Oberschlesien sind es Zentrumsleute, die als BergElement der Selbstverwaltung ein. Ihre aufklärende Tätig werksbesiger die Arbeiter zu zwölfftündiger Arbeit zwingen, deshalb will das Zentrum von der Forderung eines allfeit fürchtet die Regierung wie alle kapitalistischen Parteien. Der Besißstand der einzelnen Parteien auf dem Straßburger Am Bundesratstische war es leer. Erst gegen gemeinen Marimalarbeitstages nichts wissen. Von dem Rathause stellt sich nunmehr folgendermaßen dar: Am 11. Februar Schluß der Sigung erschien auf furze Zeit Graf Posadowsky. sogenannten sanitären Marimalarbeitstage werden die ober- bestand der Gemeinderat aus 11 Liberalen, 8 Sozialdemokraten, Die Herren Minister haben sich in den letzten Tagen über- schlesischen katholischen Grubenherren nicht sehr betroffen werden, 3 Demokraten, 3 Klerikalen und 1 Mittelständler. Erledigt waren mäßig für die Handelsverträge angestrengt; sie haben keine weil die oberschlesischen Gruben noch nicht so tief und deshalb 10 Mandate, und zwar 5 sozialdemokratische, 3 liberale, 1 demoZeit mehr, nebenbei auch noch ein bißchen Sozialpolitik zu noch nicht so warm sind wie die westfälischen. Die Redensart, fratisches und 1 fleritales. Nach dem jezigen Wahlausfall zählt der Gemeinderat treiben. Auch die Menge der bürgerlichen Abgeordneten hatte daß man erst versuchen müsse, in den oberschlesischen Gruben sich nach der Abstimmung rasch verlaufen. Sie überließen auf 10 und 9 Stunden zu kommen, ist eben nur eine 16 Sozialdemokraten( 1902: 13), 13 Liberale( 14), 3 Demos fraten( 4), 3 Klerikale( 4) und 1 Mittelständler( 1). Der Sieg Redensart. Wäre es dem Zentrum ernst mit seinen unserer Partei ist um so erfreulicher, als das Resultat bestimmter ihrem halben Dukend sozialpolitischer Gewohnheitsredner die undankbare Aufgabe, einen Grund für das ständige Gründen, dann stände doch selbst von seinem Stand- Bezirke einen Zweifel darüber nicht mehr aufkommen läßt, daß aus eines allgemeinen Marimal- den allgemeinen Gemeinderatswahlen, die 1908 stattfinden werden, Nichterfüllen des so oft Versprochenen zu suchen. Herr punkte der Einführung Trimborn bom Zentrum, der heute sein sozial- arbeitstages nichts entgegen, wenn für die oberschlesischen eine sozialdemokratische Mehrheit hervorgehen wird. politisches Licht gar nicht leuchten ließ, verlangte zugleich Gruben eine etwas längere Uebergangsfrist festgesetzt würde. Heute schon hat unsere Partei allein aus dem Grunde das tatsächSo ist es auch mit den Grubenkontrolleuren. Wenn das liche Uebergewicht in vielen Fällen, weil die sozialdemokratischen mit der Organisation der Arbeiter und Unternehmer eine Organisation der Privatbeamten eine neu entdeckte 3entrum ernstlich will, daß Grubenkontrolleure auf Grund Räte die Gemeinderats- Sitzungen fleißiger besuchen als die VerWählerklasse, deren Stimmen man gern fangen möchte. ordentlicher Wahlen der Bergarbeiter angestellt werden, so treter nichtsozialistischer Parteien", wie die demokratische„ BürgerHerr Erzberger forderte ebenfalls im Namen des Zentrums tann es das auch durchseßen. Das Zentrum hat es heute in Seitung" richtig bemerkt. eine Organisation der geistigen" Arbeiter. Er bemühte sich der Hand, eine ernstliche Arbeiterschutz- Gesetzgebung zu erim übrigen, den Gedanken einer mittelalterlich- ständischen zwingen; das Zentrum will aber nicht. Berufsvertretung dem modernen Gedanken der Klassenorganisation entgegenzustellen. Herr Dr. Mugdan von Unterstützung der Bergarbeiter abgelehnt. Wahlurnen und Wahlgeheimnis. " Der Wahlkampf ist in der letzten Woche namentlich in einem Bezirk mit großer Heftigkeit geführt worden, und von beiden Seiten wurden alle Kampfmittel erschöpft. Am Wahltage selbst herrschte eine gewaltige Aufregung, an die Wahlurne wurden fogar Krante und Blinde geschleppt. In diesem Bezirke siegte auch die sozialdemo Stuttgart, 21. Februar. Der Bürgerausschuß hat die vom fratische Liste mit 1906-1928 Stimmen über die gegnerische mit der Freisinnigen Volkspartei wußte überhaupt nicht, weshalb Gemeinderat bewilligten 5000 Markt zur Unterſtügung der not- 1889-1905, so daß es hier tatsächlich auf eine einzige Stimme die Arbeiter zu einer Organisation ,, gezwungen" werden sollten, leidenden Bergarbeiterschaft des Ruhrgebiets abgelehnt. trotz der starken Wahlbeteiligung anfam. Immerhin gesteht auch und folgerte logisch, daß er dem Prinzip unseres Antrages zu- München, 21. Februar. Der Magistrat hat gemäß dem Be- die liberal- gouvernementale Straßburger Post" zu, daß von sozialstimme. Natürlich nur, um mit dem Nationalliberalen schluffe feines Verwaltungsausschusses den Antrag des sozialdemokratischer Seite der Wahlkampf in durchaus parlamentarischer Dr. Pakig und dem Antisemiten Ra a b zusammen durch demokratischen Magistratsrates Schmid, für die Arbeiterfamilien im Art" geführt wurde. Politisch ist diese Wahl deshalb so bedeutungsvoll, weil von möglichst viele Ausstellungen an Einzelheiten der Aus- Ruhrgebiet 15 000 Mart zu genehmigen, abgelehnt. jezt ab die Sozialdemokratie in Straßburg das Feld behauptet, führung des Prinzipes entgegenzuwirken. Offenherziger Jedenfalls wird der Versuch von bürgerlicher Seite erneuert werden, lehnte der konservative Abgeordnete Pauli- Potsdam Als die früheren gesetzlichen Vorschriften zur Wahrung des unter Absehung von den gegenseitigen Reibereien einen Bund der jeden Gedanken an eine Arbeitervertretung ab, während wahlgeheimnisses bei den Reichstagswahlen nicht mehr zur Erfüllung„ Ordnungsparteien" zu gründen. Diese Politik hat vor drei Jahren er für alle anderen Interessentengruppen staatliche Organi ihres Zwedes ausreichten, wurden sie durch die jetzt bestehenden zwar schon ein klägliches Fiasko erlebt, aber auch die jungliberale" sationen zu schaffen bereit ist.-- Mit der bürgerlichen Rück- Borschriften( Suvertwahl, folierraum 2c.) ersetzt. Bekannt ist, wie Tattit hat unsere Erfolge nicht hemmen können, und zwar umso ständigkeit wie mit der bürgerlichen Halbheit rechnete dann die konservativen Wahlmacher diese neuen Vorschriften zu verhindern weniger, als die Wähler der von der Parteileitung ausgegebenen Bebe im Schlußwort zu unserem Antrage gründlich ab. suchten und im Reichstage stets die Regierung drängten, den mehr- Parole nur in geringer Zahl folgten. Eine Entscheidung über den Antrag selbst kann erst in fach gefaßten Beschlüssen des Reichstages zur Sicherung des Wahlgeheimnisses die Zustimmung zu versagen. Nun aber doch die neuen der zweiten Lesung fallen. Heute wurde ein verwässerter Antrag der National- Vorschriften gekommen sind und den alten Praktiken der Wahlliberalen auf Selbständigmachung der Kommission für Arbeiter terroristen ein Ende bereiteten, wenden diese neue Schliche und Kniffe an, um das Wahlgeheimnis zu durchbrechen. Alle Wahlproteste, statistit angenommen und ein von den Polen faum verteidigter die bis jetzt der Wahlprüfungskommission vorlagen, beklagen die Antrag auf Schaffung eines Reichs- Arbeitsamtes mit um Richtinnehaltung oder Umgehung der Vorschriften über die Jiolier faffenderen Befugnissen dem Reichskanzler als Material räume, hauptsächlich aber die Verhinderung des Wahlgeheimnisses überwiesen. durch die Wahlurnen. " Wilhelm der Große. In Graudenz hatte sich, wie das Berliner Tageblatt" berichtet, ein Komitee gebildet, um auf dent Marktplatz ein Denkmal für Kaiser Wilhelm I. zu errichten. Die Jury, der Geheimer Baurat Schwechten und die Akademieprofessoren Herber, Scheurenberg und Janensch angehörten, hatte einstimmig den ersten Preis dem Bildhauer Günther- Gera in Berlin zu gesprochen, dessen Entwurf auf dem Sockel eine Walküre darstellt und durch ein Porträtmedaillon des alten Kaisers das Wer? besten Andenken weiht. Entscheidend war dafür wahr» scheinlicki die bis zum Ekel gehende Abneigung weiter Kreise gegen die schablonenhafte Wiederholung des üblichen Denkmalstypus. Jetzt ist ein von zweiMinisterien unterfertigtes Schreiben «t den Regierungspräsidenten in Marienwerder gelangt, Ivonach der Kaiser die Ausführung dieses Entwurfes zu genehmigen„s i ch nicht zu entschließen vermocht hat". Es heißt in dem Schreiben: „Allerhöchstderselbe(der Kaiser) sind der Ansicht, daß die An- bringung des kleinen Porträtreliefs Seiner Majestät des hoch- seligen Kaisers Wilhelm des Großen an dem verhältnismäßig großen Bildwerke der Absicht der Stadt Graudenz, der Erinnerung an den Heldenkaiser ein würdiges Denkmal zu widmen, nicht genügend Ausdruck zu geben vermag." Die Stadt Graudenz und ihre künstlerischen Beiräte sind nach Ansicht Wilhelms II. nicht imstande gewesen, ihre Absicht, Wilhelm I. zu ehren, gehörig zum Ausdruck zu bringen. Da aber Wilhelm U. für Denkmäler. welche seinen Ahnen errichtet werden sollen, die höchstentscheidende Instanz ist, so bleibt die Stadt Graudenz bewahrt, in einer ihr so bedeutsamen Angelegenheit ihr patriotisches Ziel zu erreichen. Die Stadt und ihre Künstler werden nunmehr die Walküre in das Medaillon und den alten Kaiser auf den Sockel setzen. Dann dürfen sie hoffen, daß die Absicht ihres Denkinalbaues ge- nügend zum Ausdruck gelangt.— „Einmischung und Berniittelung". Unter dieser Marke behandelt, wie telegraphiert wird, die„Kölnische Zeitung" offiziös die Be- hauptungen,„daß Deuffchland und der deutsche Kaiser Rußland sowohl darin bestärkten, den Krieg bis auf das äußerste durchzu- führen als auch den Liberalen im Innern keine Zugeständnisse gU machen." Beides sei falsch. So wenig Deutschland an eine Friedens- vermittelung denke, ebenso wenig könne es als seine Aufgabe es betrachten, die Kriegspartei in Rußland zu stärken oder Rußland im Innern eine liberale oder reaktionäre Politik zu empfehlen. Weder in dem diplomatischen Verkehr beider Reiche, noch„in den sehr freundschaftlichen Beziehungen des deutschen Kaisers zum Kaiser von Rußland" sei jemals der Versuch gemacht worden, in irgend welcher Weise die innere Politik Rußlands zu beeinflussen oder auch nur ihm freundschaftliche Ratschläge zu erteilen. Beides würde„dem Grundsatz der unbedingten Neutralität und der 3 Nichteinmischung in die äußeren und in noch höherem Grade aber in die inneren An- gelegenheiten eines befreundeten Staates nicht entsprechen". Die offiziöse Note sagt nrehr als ihre Urheber verantworten können. Die Slichteinmischung in die äußeren Verhältnisse Ruß- lands, also jetzt in den ostasiatischen Krieg, nmß nicht absoluter Grundsatz der deutschen Politik sein. So sehr wir diese Einmischung unter deu gegenwärtigen Umständen wünschen, so würde eine Ein- Mischung zwecks FriedenSver Mittelung prinzipiell den Grundsätzen entsprechen, die Rußland und Deuffchland im Haager Uebercinkommen festgestellt haben. Die Behauptung des Offiziosus von der Nichteinmischung in die inneren Verhältnisse Rußlands ist durch den schmählichen Russen- dienst der preußischen Behörden der Lächerlichkeit überliefert.— Germanischer Wahn. Aus T h o r n wird gemeldet: Die An- s i e d e I u n g s- K o m m i s s i o n hat ihren Gutsverwaltern in be- stimmter Form die Pflicht auferlegt, alle Bedürfnisse nur bei Deutschen zu decken. Die gleiche Weisung ist an die A n s i e d l e r ergangen. Diejenigen Ansiedler, welche derselben nicht entsprechen, sollen die Entziehung aller staatlichen Vergünstigungen zu gewärtigen haben. Der Germanifierungswahn eilt von Tollheit zu Tollheit. Moralische Skrupel find, wie sich versteht, ausgeschlossen. Aber man sieht auch nicht, daß man die Polen zum Gegenboykott zwingt, daß man gerade die deutschen Geschäftsleute in vielen Orten schädigt, daß nian die Polen stets enger aneinander schließt und zur Empörung gegen die Zwingherrschaft zwingt.— Grossherzogtnm Sachsen-Weimar.(Eig. Ber.) Das Ver- sammlungsrecht ist im tveimarischen Landtage schon oft Gegenstand lebhafter Debatten gewesen. Doch immer ist es beim Alten geblieben. Jetzt hat der Abg. Baudert folgende Interpellation an die Regierung gerichtet. Wenn auch vorauszusehen ist, daß die Regierung alles bestreitet, so darf man doch aber auf die Beant- wortung, die im Ministerium des Innern ausgearbeitet wird, etwas gespannt sein. Die Anfrage lauter: Am 17. Februar 1902 beschloß der Landtag einstimmig, die Großherzogliche Staatsrcgierung möge baldtunlichst einen das Vereins- und Versammlungswesen regelnden Gesetzentwurf vorlegen. Seitdem sind nun mehr denn drei Jahre vergangen, ohne daß die Großherzogliche Staatsregierung diesem einstinnnig gefaßten Beschlüsse des Landtages die Beachtung geschenkt hat, die man nach Lage der Verhältniffe hätte erwarten können. Das Kapitel der„rechtswidrigen Beschränkung der Versamm- lungsfreiheit im Großherzogtum Sachsen", nach den Fesff'tellungen des Herrn Professor Dr. E. Abbe, ist innerhalb dcr letzten drei Jahre um eine Anzahl Fälle vermehrt worden, die sich nicht nur auf das Verbot von politischen, sondern auch rein gewerkschaftlichen Versamm- lungcn erstrecken.— Sogar Bürgerversammlungen und Ver- gnügungen sind mit Begründungen verboten worden, die zu lautem Spott über derartige Rechtsverhältnisse Anlaß gaben, die nur in einem Lande möglich sind, in dem ein Mangel an politischen Rechts- garantien vorhanden ist, oder die mißbräuchliche Anwendung der amtlichen Gewalt seitens der obersten Verwaltungsbehörde sanktio- niert und geduldet wird. Da aber ein derartiger Zustand nicht dazu beiträgt, das Ansehen eines Staates zu heben, und der Landtag durch seinen einstimmigen Beschluß am 17. Februar 1902 dem Wunsche Ausdruck gegeben hat, der politischen Rcchtsuusickierheit im Großherzogtum Sachsen ein Ende zu machen, frage ich die Groß- herzogliche Staatsregierung: Wird diesem Landtage noch eine Vorlage zugehen, durch welche eine Regelung des Vereins- und Versammlungswesens herbeige- führt wird; die der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Ent- Wickelung entspricht und eines Kulturstaates würdig ist?— Sudwestafrika. Räch Meldung des Generalleutnants V.Trotha ist die zweite Kompagnie Feldregiinents 1 nach Geitsabis zur Auf- klärung vorgegangen, woselbst am 13. Februar die Telegraphen- station von einer Hottentottcnbande angegriffen worden war. Stach ihrer Rückkehr soll am 21. Februar ein Detachement unter Haupt- mann v. Zwehl, bestehend aus der 2. Kompagnie Feldregiments 1. 10. Kompagnie Feldregiments 2 und Halbbatterie Stuhlmann von Gibeon den Hudup aufwärts marschieren, um Nordbethnnierbanden, die östlich Maltahöhe festgestellt worden sind, anzugreifen.— Das Marine-Expeditionskorps kehrt schon im Monat März aus Südwestafrika in die Heimat zurück und zwar in zwei Staffeln. Erste Staffel bestehend aus der dritten und vierten Kompagnie, zwei Drittel der Maschinenkanonen- Abteilung und der halben Sanitätskolonne zusammen 8 Offiziere, 4 Portepee- Unteroffiziere, 286 Mann. Am 5. März tritt die erste Staffel die Heimreise von Sivakopmund an. Die zweite Staffel, bestehend aus dem Stabe, 1. und 2. Kompagnie, Rest der Maschinen- kompaqnie, die Hälfte der Sanitätskolonne in Stärke von 10 Offizieren, 5 Portepee-Unteroffizieren und 176 Mann. Die zweite Staffel wird am 20. März die Heimreise von Swakopmund antreten. /ZiisUrni. Oesterreich-Ungarn. Budapest, 21. Februar. Der Abgeordnete Julius Justh (Kossuth-Partei) wurde als Kandidat der vereinigten Oppo- sition gegenüber Bela Tallinn(liberale Partei) mit einer Majorität von 62 Stimmen zum Präsidenten des Abgeordneten- Hauses gewählt. Zu Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauws wurden Franz B o l g a r(Dissident) und Stefan R a k o v S z k y(Bolkspartei) gewählt.— stfrankretch. Paris, 21. Februar. Aus Rom wird berichtet, der Papst sei von der Ansicht, daß die Trennung der Kirche vom Staate den Katholizismus in Frankreich stärken werde, abgekommen. Er wünsche im Gegenteil, daß die konservativen Mitglieder der französischen Kammer alles aufbieten, damit die Erledigung der Vorlage über die Trennung der Kirche vom Staate er st nach den all- gemeinen Wahlen zur Kammer im Jahre 1906 er- folgen könne. Dieser Auffchub solle dazu benutzt werden, in der Bevölkerung gegen die Vorlage Stimmung zu machen. Paris, 21. Februar. Der heute im Elysee abgehaltene Ministerrat beschloß, in der Deputiertenkammer zu beantragen, daß das Militärgcsctz gleich nach der Erledigung des Budgets zur Beratung gelange. Die Regierung ist der Ansicht, daß es im Interesse des prompten Inkrafttretens des Gesetzes liege, daß die Kammer die vom Senat angenominene Fassung genehmige. Dcputiertenkammer. Die Beratung des Marinebudgets wird fortgesetzt. Berichterstatter Bos erklärt, hinsichtlich dcS Baues und der Armierung der Schiffe habe Deutschland unter Aufwendung der gleichen Kosten und in demselben Zeitraum bessere Resultate erzielt als Frankreich. Der Munitionsvorrat der französischen Marine sei ungenügend und würde zum Beispiel beim Mittelmeer-Geschwader in zwei Stunden aufgebraucht sein.(Lebhafte Bewegung.) Auch die Kohlenvorräte seien ungenügend.(Unruhe.) Bos rügt die Ver- zögerung im Bau neuer Schiffe. Die Heereskommission der Kankmer beschloß den schon vom Senat angenommenen Militärgesetz-Entwurf en bloc zu genehmigen. Bienaime greift den früheren Marineminister Pelletan heftig an, welcher die Angeberei in der Marine eingeführt, die Dienst- ordnung und die Gesetze verletzt, Admirale geopfert, Diziplinlosigkeit in der Marine und das Politiktreiben unter den Offizieren ein- geführt habe(Bewegung). Er hoffe, daß der jetzige Minister Thomson die begangenen Fehler wieder gut machen werde. Seinen Abschied habe er, Redner, genommen, weil er bei der Niederlage Frankreichs eine hervorragende Rolle nicht spielen wollte und er hoffe, daß Thomson den Opfern seines Vorgängers Genugtuung werde zu teil werden lassen.(Beifall rechts.� Hierauf wird die Sitzung geschlossen. Belgien. Der Ausstand der Bergarbeiter. Brüssel. 21. Februar.(W. T. B.) Ter Ausstand der Berg- arbeiter in den Becken von Charleroi, Möns und La Louviere dauert fort und hat sogar eine geringe Verschärfung erfahren. Es dürften noch gegen 70 000 Arbeiter feiern. Die Erregung über den voraussichtlichen Mißerfolg des Ausstandes macht sich in vermehrten Angriffen auf Arbeitswillige Luft; die Gendarmerie ver- mochte jedoch überall die Ordnung aufrecht zu erhalten. D i e Kohlenvorräte sind erschöpft und die Industrie ist be- reits auf Lieferungen aus Deutschland und Frankreich angewiesen. Eine in Charleroi abgehaltene Bergarbeiterversmnmlung beschloß, den Arbeitsmini st er nochmals um seine Ver- Mittelung in der Loh»frage anzugehen und ihn zu ersuchen, die verlangten Reformen, in einer Gesctzesvorlage zu berücksichtigen. Der gestern in Charleroi versammelte Landes- ausschuß der Bergleute, der sich mit der Ausstandsfrage befassen sollte, beschloß, seine Enff'cheidung bis zum kommenden Sonntag zu vertagen. Man erwartet bis dahin ein merkliches Nachlassen des Aus- standes. Möns, 21. Februar.(W. T. B.) Auf fast allen Gruben des Borinage ist heute plötzlich in beträchtlichem Umfang die Arbeit wieder aufgenommen worden; in vielen Gruben sind die Belegschaften bei- nahe vollständig wieder eingefahren. Man glaubt, der Ausstand im Borinage werde morgen als beendet anzusehen sein, und man er- wartet, daß auch in den Kohlenbecken von Charleroi und La Louviere das hiermit gegebene Beispiel Nachahmung finden werde, sobald die Nachricht dorthin gedrungen sei. In zwei Orten des Borinage er- folgten in der Stacht Explosionen, durch die einiger Sachschaden an- gerichtet wurde. In Charleroi ist die Zahl der Ausständigen heute etwa 1050, was eine Abnahme gegen gestern um etwa 1000 Berg- leute bedeutet. Es herrscht überall Ruhe.— Italic«. Verstaatlichung der Eisenbahnen. Die Minister Tedesco und Luzzatff haben heute der Deputierten- kammer den Gesetzentwurf betreffend Betrieb der Eisenbahnen durch den Staat zugehen lassen. Der Gesetzentwurf geht dahin, daß der Staat den Betrieb der Linien des Mittelmeer-, des Adriatischen und des Sizilischen Netzes übernimmt, ausgenommen den Betrieb der Linien, für welche die Gesellschaft der M e r i d i o n a lb a h n e n die Konzession erhalten hat. Das vom Staate zu betreibende Eisen- bahnnetz umfaßt Linien von insgesamt 10 560 Kilometer Länge, das Mcridionalbahnnetz 2050 Kilometer. Die Verwaltung des Staatsbahnnetzes wird selbstständig sein und ein besonderes Budget er- halten. Für die Ablösung der Mittelmeergesellschaft, der Adriatischen und der Sizilischen Eisenöahngesellschaft ist ungefähr eine halbe Milliarde Lire vorgesehen; ferner wird angenommen, daß der Staat innerhalb zehn Jahren eine weitere halbe Milliarde für die Instandhaltung des eigenen Netzes und für Betriebsmittel aus- wenden werde. Diese erhebliche Ausgabe im Betrage von über einer Milliarde soll aufgebracht werden, ohne auf die Ausgabe einer Anleihe zurückzugreifen, wie es bereits Minister Luzzatti in seinem Finanzexpose vom 8. Dezember angekündigt hat. Der Gesetzentwurf soll auch die wirtschaftliche Lage des Eisenbahnpersonals verbessern, und schafft zu ihren Gunsten: 1. wählbare Spezialärzte und einen Generalrat des Personals, 2. ein obligatorisches Schieds- gericht, gebildet zu gleichen Teilen von Vertretern der Ver- lvaltung des staatlichen Netzes und des Personals, ferner einen Staatsrat als Präsidenten, einen Rat des Kassationshofes und einen Rat des Rechnungshofes, die frei von den betreffenden hohen Körperschaften gewählt werden; endlich sind besondere Bestimmungen für das Personal getroffen, um den regulären Dienst fortlaufend zu sichern. Ein Privattelegramm aus Rom meldet uns: Der„Avanti" sagt, indem er das Eisenbahngesetz kom- mentiert.' der Versuch, den Eisenbahnern die Waffe des Streiks zu entwinden, beruht auf einer Selbsttäuschung der Regierung. Das Zentralorgan selbst erklärt, es halte sich nicht für be- rufen, den Eisenbahnern einen Rat für ihr Verhalten zu er- teilen. Ihre kraftvolle Organisation solle aus eigener Machtvollkommenheit entscheiden, ob das Gesetz annehmbar sei oder nicht. Wie der Entscheid ausfallen wird, läßt sich unmöglich voraussehen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der General st reik eintritt. Die Kommission der Eisen- bahner ist für Freitag einberufen.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Nach einer„Laffan"-Meldung soll am Sonntag unter dem Vorsitz des Zaren ein Kriegsrat statt- gefunden haben, in dem beschlossen wurde, die Generäle Kuropatkin und Bilderling zurückzurufen, und zwar Kuropatkin ans Gesundheitsrücksichten. Sein Nach- folger würde General Grodekow werden. Roschdjestwensky »verde den Oberbefehl über die russischen Seestreitkräfte erhalten. Einstweilen befinden sich die Seestreitkräfte nicht in Ost- asien, sondern erst bei Madagaskar, wo sie auch noch geraume Zeit bleiben werden. Das dritte russische Geschwader hat allerdings Jütland bereits umschifft. Dein offiziellen Bericht nach besteht es aus 5 Panzerschiffen, 1 Hülfskreuzer, 3 Transportschiffen und 1 Schleppdampfer. Da es aber aus alten ziemlich wertlosen Kästen bestebt, wird es ftir die Flotte Roschdjestwensky recht unwesentliche Verstärkung bedeuten. Ob Roschdjestwensky nach seiner Vereinigung mit diesem dritten Geschwader zur Offensive übergehen wird, ist noch sehr die Frage. Anklagen gegen Stöffel. Paris, 21. Februar. Aus Petersburg tvird gemeldet: Ein Abgesandter des Generals S m i r n o w ist in Petersburg eingetroffen; derselbe überbringt dem Zaren ein Schreiben des Generals, welcher heftige Anklagen gegen Stössel erhebt. General Smirnow versichert darin, Port Arthur hätte gut noch einen Monat, vielleicht sogar sechs Wochen aushalten können und den Japanern noch große Verliffte verursacht, ferner daß der Kriegsrat einstimmig beschlossen hatte, den Widerstand fortzusetzen, daß aber Stössel durch den Tod des Generals Kondratenko einen allzu ernsten Verlust erlitten hatte und infolgedessen die Ueber- gäbe der Festung verfügte. Mißstimmung der Mandschurei-Armee. London, 21. Februar. Aus Petersburg wird berichtet, daß aus der Mandschurei eingetroffene Meldungen besagen, die jüngsten Niederlagen der russischen Truppen sowie die zwischen den Führern der ruf fischen Armee bestehenden Meinungsverschieden- h e i t e n hätten auf die Mannschaften einen deprimierenden Eindruck gemacht. Es verlaute, daß auch General Liniewitsch dem Beispiele Griepenbergs folgen und nach Rußland zurück- kehren wird. Liniewitsch wird Mangel an Initiative vor- geworfen. Russischer Schwindel. London, 21. Februar.(Bureau Laffan.) In Tokio herrscht, wie die„Times" melden, tiefste Empörung über einen Trick der Russen, die nach Aussagen chinesischer Augenzeugen am 4. d. Mts. 126 ver- wundete Japaner mit Stricken aneinander gebunden wie Verbrecher durch die Straßen von Mulden führten nnd dabei Nachrichten von einem Siege der Russen verkündeten. Die japanischen Verluste bei Heikoutai. London, 21. Februar.(Bureau Laffan.) Nach japanischen amt- lichen Berichten wurden in der Schlacht bei Heikoutai auf japanischer Seite 842 Mann getötet, darunter 82 Offiziere, und 314 Mann ver- wnndet, darunter 271 Offiziere. 526 Mann werden vermißt. Uus der frauenbewe�ung» Britz. Donnerstag, den 23. d. Mts., abends S'/a Uhr, findet bei Weniger, Werderstr. 27, die Versammlung des Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins von Britz statt. In derselben wird der Genosse Richard Stramm einen Vortrag halten. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Mitglieder ist erwünscht. Gäste willkommen. Köpenick. Mittwoch, den 22. d. Mts., findet im Lokale von Helling Mitgliederversammlung des Frauen- und Mädchen» Bildungsvercins statt. Vortrag der Genossin Fran Tietz über: „Wirtschaftliche und politische Schwierigkeiten in der Arbeiterinnen- bcwegung". Wir bitten um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wegen des Vortrages. Frauen und Männer haben als Gäste Zutritt. Der Vorstand. Pankow. Der Frauen- und Mädchen-BildungSvecein ver- anstaltete am 14. d. M. die erste Abendunterhaltung, welche bei den 350 Teilnehmern den besten Anklang gefunden hat. Die Theater- gesellschaft Stozelewicz und der Gesangverein Flora gaben heitere !md ernste Lieder und Vorträge zum besten. Besondere« BeisÄl fand ein Gedicht„Der Bergmann", das von Genossin Stezelewicz meisterhaft vorgetragen wurde. Da der Ertrag des Festes für die Bergarbeiter im Ruhr»»vier bestimmt war, verzichteten alle Mitwirkenden auf jegliche Ent- schädigung und es kann somit die Gesamteinnahme von zirka 135 M. den Bergleuten zur Unterstützung überwiesen werden. Soziales. Chikanöser Gebrauch des Rechts aus dem Kündigungsansschluss. Um diesen famosen neuen Rechtsbcgriff hat uns das Gewerbe- gericht unseres Nachbarortes Rummelsburg bereichert. Bor uns liegt die schriftliche Ausfertigung eines Urteils dieses Gerichts, die Kopfschütteln erregen muß. Der Kutscher Werner, welcher vom Juhrherrn Wagner unter K ü n d i gu n g s au s s chl u ß engagiert war, legte eines Vormittags die Arbeit nieder. Da ihm der verdiente Lohn in Höhe von 14 M. nicht ausgezahlt wurde, so machte er durch Klage bei dem zuständigen Gewerbegericht zu Rummelsburg die Forderung geltend. Der Beklagte Wagner er- hob eine Gegenforderung von 10,50 M., die er auf den an sich nicht bestrittenen Lohn angerechnet wünschte. Er betonte, Kläger habe am 26. Januar vormittags die Arbeit so plötzlich inedergeiegt, daß er für diesen Tag keinen anderen Kutscher als Ersatz habe bekommen können. Das vom Kläger bis dahin gefahrene Fuhrwerk habe dos, halb am 26. Januar keine Fuhre leisten können, wodurch ihm, dem Beklagten, ein Schaden von 10,50 M. entstanden sei.— Nachdem der Stallmann Richter hierüber als Zeuge vernommen worden Ivar, ver- urteilte das Gelverbcgericht zu Boxhagen-Rummelsburg, unter Vor- sitz des Assessors Köhler den Beklagten, an den Kläger nur 3,50 M. zu zahlen, und wies den Kläger mit seiner Mehrforde nmy ab, d. h. die Schadenersatzforderung des Beklagten wurde anerkannt und gegen den Lohn in Höhe von 10,50 M. aufgerechnet. In den Gründen wird ausgeführt:„Obgleich also die Kündigung von den Parteien ausgeschlossen worden ist, macht der Beklagte eine Schadenersatzfordcrung aufrechnnngsweisc geltend, mit der Be- gründnng, ihm sei infolge der plötzlichen Arbeitsniederlegung durch den Kläger ein Gewinn von 10,50 SN. entgangen. Das Gericht ist zu der Ansicht gekommen, daß diese Gegenfordernng des Be- klagten, deren Höhe durch das eidliche Zeugnis des Stallmanns fest- stehe, berechtigt ist. Denn auch wenn die Parteien die Kündigung ausgeschlossen haben, besteht ebensowenig das Recht des Arbeit- nehmers, die Arbeit sofort niederzulegen, wie das Recht des Arbeit- gebers besteht, den Ackieiter sofort zu entlassen, es müßte denn sein, daß ein außerordentlicher Kündigungsgrund gegeben ist, was hier nicht vorliegt. Treu und Glauben erfordern, daß von dem aus dem Kündigungsausschluß entspringenden Rechte kein chikanöser Gebrauch gemacht wird, daß beiden Parteien auch bei Kündigungsausschluß soviel Zeit gelassen wird, sich nach einem Ersatz umsehen zu können. Verträge sind nach§ 157 des Bürgerlichen Gesetzbuches so auSzu« legen, daß jedem arglistigen und gewissenlosen Ausbeuten der Um- stände entgegengetreten wird. Die Stellung des Kutschers ist eine Vertrauensstellung; es ist dent Beklagten zu glauben, daß es ihm unmöglich gewesen ist, sogleich nach der Arbeitsniederlegung des Klägers einen zuverlässigen Kutscher als Ersatz zu finden. Nach dem Gesagten mußte die Aufrechnung der Forderung des Klägers in Höhe von 10,50 M. erfolgen." Befremdend ist zunächst an dem Urteil, daß man eine Auf- rechnung gegen verdienten Lohn für zulässig hielt. Sie ist,»vis in Berlin schon hunderte von Malen ausgesprochen, unzulässig, da ver- dienter Lohn nicht pfändbar ist und§ 394 des Bürgerliche» Gesetz» buches ausdrücklich die Aufrechnung gegen Forderungen, soioeit sie der Pfändung nicht unterivorfeii sind, ausschließt. Tann aber muß den »noralisierendcn Ausführungen des Urteils durchaus widersprochen iwtbe«. Der KunÄgungsarisschluß gibt eben ohne weiteres das Rect�, die Arbeit niederzulegen oder den Arbeiter zu entlassen, und es ist lediglich Rechtsfrage, ob das zu jeder Minute des Tages oder erst abends zu geschehen hat. Da hat sich denn allerdings das Ber- liner Gcwerbegericht in jahrelanger Praxis auf den verständlichen Standpunkt gestellt, daß die Arbeiiseinheit der Tag sei und die rechts- mäßige Lösung, des Arbeitsverhältnisses auch bei Kündigungsaus- schluß die ain Schluß des Arbeitstages sei. Danach sind natürlich, wenn die Lösung im Laufe des Tages erfolgt, Schadenersatzansprüche für den Tag denkbar. Aber auf keinen Fall kann man dann mit moralischen Wertungen arbeiten, und es ist schier unverständlich, wie man von einem„chikanösen Gebrauch" des Rechts aus dem Kündigungsausschluß sprechen kann. Und zu den unmöglichsten Kon- sequenzen würde der im Urteil ausgesprochene Grundsatz führen, daß jeder Partei auch bei Kündignngsausschluß so viel Zeit gelassen werden müsse, bis sie einen Ersatz habe. Es wäre ja ganz schön, wenn ein Arbeitgeber trotz Kündigungsausschlusses den Albeiter be- halten müßte, bis er einen anderen Arbeitgeber gefunden hat. Da würde aber der AwAfertiger des Urteils vermutlich sagen:„Fa, Ar- beiter, das ist etwas ganz anderes." Kommunale Arbcitslosen-Zähluug in Köln. Am b. Februar, einem Sonntag, wurde in Köln unter Mit- Wirkung der Gewerkschaften, die die Zähler stellten, eine amtliche Arbeitslosen-Zählung vorgenommen. Nach der jetzt erfolgten vor- läufigen Bekanntmachung wurden dabei 2068 männliche und 127 weibliche, zusammen also 219S Arbeitslose festgestellt. Am 17. Januar vorigen JahreS hatte die Zahl der ermittelten Arbeits. osen 26S3 betragen. Die jetzige geringere Zahl ist auf das zu tlnfang Februar herrschende milde Wetter zurückzuführen; denn notz des absoluten Rückganges der Zahl der Arbeitslosen wurde bei ,ast allen nicht von der Witterung abhängigen Berufen eine Steigerung der Arbeitslosigkeit sestgestellt, nämlich bei den Packern und Ausläufern, Fabrikarbeitern, Tapezierern und Polsterern, Schneidern, Installateuren, Maschinisten und Heizern, Buchdruckern. In dem von der Witterung abhängigen Bau- zewcrbe waren mit Ausnahme der Zimmerer in allen Spczial- berufen die Zahlen gegen voriges Jahr erheblich gesunken. Das Proportional-Wahlsystem wird bei den Gewcrbegerichts- Wahlen in Krefeld eingeführt werden, und zwar auf Antrag der Christlichen. Seit dem Jahre 1892 ist das Regulativ des Gewerbe- gerichts in Krefeld schon verschiedentlich geändert worden, es handelt sich stets darum, den Christlichen den verlorenen Einfluß wieder zu verschaffen. Es fand zuerst eine Gruppencinteilung statt, doch bildete der ganze Gewerbegerichts-Bezirk, wie recht war, nur einen Wahlkreis. Als aber die freien Gewerkschaften die Beisitzerstellen alle eingenommen, verfiel man auf eine andere Idee, man ließ die Gruppeneintcitung bestehen, doch teilte man den Gewerbegerichts. Bezirk in fünf Wahlkreise. Die Folge war, daß die freien Gcwerk» schaftcn nur in Kvefeid-Stadt, die einen Wahlkreis für sich bildete, durchdrangen, dagegen in den übrigen Wahlkreisen die Christlichen siegten. Man hatte die Orte nämlich so hübsch zusammengelegt, daß die Stimmen der Gewerkschaften durch die der Christlichen er- drückt wurden. Doch sollte die Freude nicht lange dauern; durch rastlose Agitation war es geglückt, unsere Bewegung in den Orten vorwärts zu bringen, und jetzt würden auch die Bezirke den freien Gewerkschaften zugefallen sein; da wurde wieder eine Aenderung vorgenommen. Die Verhältniswahlen werden eingeführt, der Bezirk in drei Wahlkreise eingeteilt und außerdem soll jetzt nach drei Gruppen gewählt werden. Alles das geschieht nur, um den Christ- lichcn eine Anzahl Sitze in dem Gewerbegreicht zu sichern. GemrkfckafUicbes. Berlin und(Xmgegend. Die Stukkateure find in eine Tarifbeivegung eingetreten. Der bisherige, zwischen den Unternehmern und der Arbeiterorganisation vereinbarte Tarif ist von beiden gekündigt, er läuft deshalb am IS. Mai ab. Am Montag beschäftigte sich eine stark besuchte öffent- liche Versammlung der Stukkateure mit den Forderungen, die seitens der Arbeitnehmer bei den bevorstehenden Tarifberatungen gestellt werden sollen. Der Vorstand des Zentralverbandes der Stukkateure legte einen Tarifentwurf vor, der Erhöhungen der Akkordpositionen, sowie einige, den neueren Verhältnissen entsprechende Aenderungen vorsieht. An der gegenwärtig geltenden S'/zstündigen Arbeitszeit will mrfn festhalten, da eine Verkürzung auf 8 Stunden, so wünschenswert sie ist, jetzt nicht durchgeführt werden kann. Da die Werkstattarbeiter bis jetzt im allgemeinen in ihren Löhnen hinter den Bauarbeitern zurückstanden, so soll das Hauptaugenmerk auf die Verbesserung der Lage der Werkstattarbeiter gerichtet werden. Es wird gefordert für Gießer S,50 M., für Former und Zieher 6 M. pro Tag und für Zementarbeiten ein Ausschlag von 50 Pf.; außerdem ist für die Werkstattarbeiter ein Akkordtarif aufgestellt, der bisher noch nicht be- stand. Unter den allgemeinen Forderungen befinden sich einige, die für den Beruf der Stukkateure neu sind, vor allem die, daß die Zahl der Lehrlinge in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Gehülsen steht. Zu diesem Zwecke ist eine Lehrlingsskala aufgestellt. Bon den sonstigen ollgemeinen Forde- rungen ist noch die zu nennen, daß den Akkordarbeitern die durch Materialmangel verursachte Wartezeit in Lohn bezahlt wird. Die Diskussion drehte sich unter anderem besonders um die Frage, ob es zu billigen sei, daß für die Werffiattarbeiter ein Akkordtarif aufgestellt und damit die Akkordarbeit für diesen Zweig der Berufsgenossen eingeführt werde. Demgegenüber wurde be- merkt, daß schon jetzt der Tagelohn nach dem Quantum der ge- leisteten Arbeit bemessen werde, der Akkordtarif also eine Regelung dieser Verhältnisse schaffe. Man einigte sich schließlich dahin, daß die Frage des Alkordtarifs einer besonderen Versammlung der Werk- stattarbeiter zur Entscheidung vorgelegt werden soll. Hinsichtlich der Tarifbewegung selbst wurde folgender Beschluß gefaßt: Die Versammlung erwartet, daß bei der Neuberatung unseres Tarifvertrages derselbe in vielen Punkten zugunsten der Arbeitnehmer revidiert wird. Sie erwartet, daß die Arbeitgeber die berechiigten Forderungen der Arbeitnehmer anerkennen, um einen folgenschweren Lohnkampf zu vermeiden.— Die Stukkateure stehen nach wie vor auf dem Boden des Tarifverhältnisses und erwarten, daß sich jeder im Beruf Beschäftigte seiner Gewerkschaftsorganisation anschließt. Die Versammlung erwartet, daß von jetzt ab aus den anderen Städten Deutschlands jeder Zuzug nach Berlin vermieden wird und und daß die in Berlin nicht ortsansässigen und ledigen Kollegen ab- reisen, damit die zu führenden Verhandlungen im Interesse der All- aemeinheit in günstigem Sinne beendet werden können. Durch Annahme einer zweiten Resolution betraute die Ber- sammlung mit der Führung der Tarisverhandlungen die Mitglieder der Schlichtungskommission und erklärte den Zentralverband der Stukkateure als die alleinige Interessenvertretung der Berufs- angehörigen. Die Zuschneider der Blusen-, Wäsche- und Krawattenbranche haben in einer Versammlung am Montag vorbehaltlich der Zu- stimmung der Generalversammlung beschlossen, ihren Arbeitgebern am 4. März einen einheitlichen Tarif zur Anerkennung vorzulegen. Außer den in einem spezialisierten Akkordtarif nieder- gelegten Forderungen, die eine Lohnerhöhung von 10—15 Proz. in sich schließen, wird für Akkordarbeiter, die eine Arbeit in Lohn anfertigen müssen, ein Stundenlohn von 80 Pf. verlangt. Die ferneren Forderungen lauten: Für Lohnarbeiter ein Minimal- lohn von 27 M. pro Woche; allgemeiner Ueberstundenzuschlag von 25 Proz.; mehr als 5 Ueberstunden dürfen wöchentlich nicht gemacht werden und sind einen Arbeitstag vorher anzusagen; Einführung der achtstündigen Arbeitszeit; Benutzung des bestehenden Arbeitsnachweises für Zuschneider auch von den Arbeitgebern; drei- jährige Dauer des Tarifs und Einsetzung einer aus je 9 Arbeit» nehmern und Arbeitgebern bestehenden Tariflommission. Zur Siegelung der Lehrlingsfrage wird gefordert, daß bis auf 3 Zuschneider 1 Lehrling, bis auf 9 Zuschneider 2 Lehrlinge und in Geschäften mit über 12 Zuschneidern nicht mehr wie 3 Lehrlinge gehalten werden dürfen. Die Lehrzeit soll auf 3 Jahre bemessen werden.— Um eine wirksame Durchführung dieser Forderungen zu ermöglichen, beschloß die Versammlung weiter, sämtliche männlichen Mitglieder der Berliner Filiale des Verbandes der Wäsche- und Krawattcnarbciter zur Zahlung eines wöchentlichen Extrabeitragcs von 50 Pf. von der laufenden Woche an zu verpflichten. Die Sektion der Fliesenleger des Zentral-Verbandes der Maurer ersucht uns um Aufnahme folgender Erwiderung: In der Sonntagsnummer vom 19. Februar hält es der Vorstand der Freien Vereinigung der Fliesenleger für notwendig, die Sektion der Fliesenleger des Maurer-Verbandes der Verleumdung zu be zichtigen. Die Sektion hält es nun, provoziert durch diese Notiz und um in der Oeffentlichkeit ein einseitiges Urteil zu vermeiden, für ihre Pflicht, der Oeffentlichkeit folgende Tatsachen zu unterbreiten Nachdem in der letzten Woche des Januar von beiden Organisationen die Sperre über den Bau Monbijou-Platz 10— 11 bekannt gegeben wurde, lief am 30. Januar vom Polier Pflaum bei der Sektion ein Schreiben ein. Auf Grund dieses Schreibens und um ein ein heitliches Arbeiten beider Organisationen zu ermöglichen und end gültig Klarheit in dieser Sache zu schaffen, kam die Sektion zu dem Entschluß, mit den Vertretern und den direkt an der Sperre beteiligten Kollegen beider Organisationen Rücksprache zu nehmen In der Zusammenkunft, welche am 1. Februar stattfand, schilderten die Kollegen B o r v a h l von der Freien Vereinigung und Anton von der Sektion noch einmal die Vorgänge auf dem betreffenden Bau. Nach einer lebhaften Diskussion erklärte auch der Ver trauensmann der Freien Vereinigung, Herm. P u t t l i tz, daß, ab- gesehen von kleinen Formfehlern seitens der Sektion, er diese Sperre für gerechtfertigt hält. Sollte die Sperre aber jemals aufgehoben werden, so könnte es nur dann geschehen, wenn 1. der Polier die Beleidigungen durch Einrücken einer entsprechenden Erklärung im«Vorwärts" zurücknimmt, 2. sein Verhalten den Fliesenlegern gegenüber bedauert, 3. den Legern gegenüber vollständig ausgeschaltet wird. Der Vorsitzende des Ortsvereins Berlin, G i e s ch e, schloß sich im wesentlichen den Erklärungen von Puttlitz an; außer dem wünschte er noch, daß man die Befürchtungen, es könnte eine andere Firma die ArEwit übernehmen, fallen läßt, da es doch bei der jetzigen Konjunktur ausgeschlossen wäre, daß Leger anderer Firmen dort die Sperre brechen würden. Im allgemeinen waren die An wesenden damit einverstanden und gingen nun in der Meinung, daß der Besprechung gemäß gehandelt wird, auseinander. Am 2. Februar hielt die Freie Vereinigung eine Versammlung ab, in welcher die Sperre mit der in der Sonntagnummer von 19. Februar gegebenen Motivierung aufgehoben wurde. G i e s ch e schreibt am 19. Februar wörtlich: Leider hatte der Werkführer der betreffenden Firma den Legern verfichevt, sie könnten die Arbeit ruhig aufnehmen, die Sache sei mit den beiden in Betracht kommenden Bereinigungen geregelt. Bei diesem Satz, welcher in dem Artikel im«Vorwärts" besonders hervorgehoben wurde, hätte die Freie Vereinigung der Wahrheit die Ehre geben und den Lesern des„Vorwärts" mitteilen sollen, daß der Werksührer mit seiner Versicherung nur bei fünf Legern Erfolg hatte, welche insgesamt der Freien Vereinigung angehören. Diese Fünf haben am 2. Februar, an welchem abends in der Versammlung die Sperre aufgehoben wurde, auf dem Bau Monbijou-Platz ge arbeitet. Bemerkenswert ist, daß es dem Werkführer eher möglich war, sich über das, was am Abend kommen würde, zu informieren als den der Freien Vereinigung angehörenden ftinf Legern. Recht sonderbar liest sich der Bericht in der„Einigkeit vom 11. Februar. Steht doch dort u. a., daß es der Versammlung nicht möglich war, über die Vorgänge auf dem betreffenden Bau die nötige Klarheit zu erhalten. In dieser Versammlung, über welche so berichtet wird, waren die Kollegen Puttlitz und G i e s ch e anwesend, und diese habe» laut Bericht in der.Einigkeit" vom 11. Februar es nicht der Mühe für wert gehalten, ihre einen Tag vorher geäußerte Meinung ausrecht zu erhalten. Tie Sektion hält es für notwendig, auf eine solche Anrcmpelung hin hier mit diesen Tatsachen zu antworten und das Urteil der Oeffentlichkeit zu über- lassen. Es soll nicht unsere Aufgabe sein, neue Streitobjekte hervor- zusuchen, aber hier zeigt es sich zur Genüge, wer Unternehmer- intercssen vertritt, wer die Pflicht der Solidarität übt. Die Freie Vereinigung mag ja auf Grund langer Erfahrung eine andere Auf- fassung von Solidarität haben, wenn sie, ivie geschehen, sich mit fünf Legern solidarisch erklärt, Ivelche die Sperre gebrochen haben und auf Grund dieser Solidarität die Sperre aufhebt, was beileibe nicht im Interesse der Unternehmer, sondern nur im Interesse der Organisation geschehen ist, wie böse Zungen behaupten und wie Kollege Giesche zu beweisen sucht. Ter Vorstand de« Zrntral-BerbandeS der Maurer. veutlcbcs Rei«i». Ter Streik der Möbeltischler in Luckenwalde ist am Montag nach einer Tauer von 26 Wochen vor dem Einigungsmnte des Luckenwalder Gewerbegcrichrs unter Vorsitz des 2. Bürgermeisters. Herrn Fischer, beendet worden. Es ist ein Tarifvertrag von drei jähriger Dauer zwischen dem Arbeitgcberschutzverband der Deutschen Tischlermeister und Holzindustriellen(Filiale Luckenwalde) und dem Deutschen Holzarbeiterverband(Zahlstelle Luckenwalde) abgeschlossen worden. Die Arbeitszeit beträgt 57 Stunden(früher 60 Stunden), die bestehenden Akkordpreise erfahren eine Aufbesserung im ersten Jahre von 3 Proz., im zweiten Jahre von 2 Proz. und im dritten Jahre von 1 Proz. Sämtliche Streikende nahmen am Dienstag. den 21. d. M., die Arbeit auf. Achtung, Tischler und Maschinenarbeiter! Am Sonnabend. den 18. Februar, legten sämtliche Tischler und Maschinenarbeiter in Oderberg(Mark) bei der Firma Berliner Holzkomptoir, Fileale Oderberg, die Arbeit nieder, weil ihnen zugemutet wurde, sich 5 Proz. Abzug gefallen zu lassen. Zuzug ist streng fernzuhalten I Wir erwarten von den Kollegen, die in Berlin bei dieser Firma be- schästigt sind, daß keine Streikarbeit aus Oderberg fertiggestellt wird. Die Freie Bereinigung der Tischler Teutschland«. Die Differenzen im Münchener Schneidergewerbe find, nachdem die Gehülfen das Gewerbegericht angerufen haben, beseitigt. Nach dreistündiger Verhandlung, der im Auftrage des Haupt- Vorstandes des Verbandes der Schneider und Schneiderinnen auch S t ü h m e r- Berlin anwohnte, würde vor dein Einigungsamt eine Vereinbarung dahin getroffen, daß alle diejenigen Firmen, die den Sondervertrag vom 15. Februar 1902 unterzeichnet haben, und alle in den Arbeitgeber-Verband für das Schneidergewerbe neu- eintretenden Mitglieder eine Verschlechterung in der Lohn- Zahlung gegenüber den vor ihrem Eintritt in den Arbeitergeber- verband bestandenen Lohnverhältnissen nicht eintreten lassen, wogegen die Gehülfen ihre gestellten Lohnergünzungs- Forderungen zurückzogen. Bezüglich der Kündigung dieser Sonderverttäge gelten die Bestinmiungen des mit dem Arbeitgeber-Verband abgeschlossenen Tarifs. Die bei den Firmen Kiel- leutner und Melltteter ausständigen Gehülfen haben die Arbeit bis längstens Mittwoch wieder aufzunehmen. Die Bergolder in München haben vor dem Gewerbegericht mit ihren Prinzipalen einen auf drei Jahre gültigen Tarif- vertrag abgeschlossen. Vereinbart wurden: Neunstündige Arbeits- zeit, ein Mindestlohn von 3 M. für Ausgelernte, 4 M. Mmimallohn drei Jahre nach beendeter Lehrzeit, an den Sonnabenden um 5 Uhr Feierabend ohne Lohnabzug, fiir Arbeiten an Sonntagen gelten sieben Stunden als voller Arbeitstag, Ueberstunden werden mtt mindestens 10 Pf. Zulage honoriert. Der Kampf in der Schuhindustrie zu W e i ß e n f e l s tobt seit einigen Tagen auf der ganzen Linie. Alle Versuche durch die Tarif- kommissionen und Werkstattkoinmissionen zur Beilegung der Diffe« renzen sind an dem Starrsinn der Fabrikanten gescheitert. Seit 1897 sind sortgesetzt Abzüge gemacht worden an den damals erreichten Lohnsätzen, so daß jetzt von keinem der Fabrikanten mehr das Ver- einbarte gezahlt wird. Außerdem steht in den Fabriken ein ausgeprägter Wucher mit den Furnituren in'chönster Blüte. Die Arbeiter und Arbeiterinnen sind gezwungen, das'Material wie Seide, Zwirn, Knöpfe ze., was zu der Arbeit gebraucht wird, vom Fabrikanten zu entnehmen für den von ihm festgesetzten Preis. Ja, es ist vorgekommen, daß der Furniturenpreis höher war, als die ganze Bezahlung der Arbeit ausmachte. Gegen solche und ähnliche große Mißstände hat sich jetzt gemeinsam die Arbeitermasse erhoben zur Arbeitsniederlegung, nachdem die Kündigungfrist abgelaufen war. Lediglich der Willkür der Fabrikanten sollen sich die Arbeiter unterwerfen. Große Anstrengungen werden seitens der Fabrikanten gemacht, Arbeitswillige heranzuziehen; die Agenten sind nach allen Himmelsrichtungen hin tätig. Mit großer Begeisterung für ihre ge- rechte Sache kämpfen gegen 3000 Schuhfabrikarbeiter für einen Lohntarifvertrag. Das von den Arbeitern angerufene Einigungsamt ist von den Fabrikanten abgelehnt worden. Nicht einmal ihre eigenen aufgestellten Tarife wollen die Fabrikanten unterschreiben und auf bestimmte Zeit anerkennen. Die« hat viel zur Erbitterung beigetragen und einmütig wird der Kampf geführt von Verbändlern nnd Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinlern, zu denen vielleicht ein Viertel der Kämpfenden zu zählen ist. Husl»»d. Das streiklose Jahr. London, 18. Februar.(Eig. Mitt.) Nach einer Zusammen- fassung der laufenden Nummer der„Labour Gazette" war das Jahr 1904 besonders frei von Streiks. Die Zahl der Gewerbe« konflikte sowie die der verlorenen Arbeitstage und der betroffenen Arbeiter sind ganz bedeutend. Weniger als 1 Arbeiter in Hundert war an den Konflikten beteiligt, und kaum ein Siebentel eines Tages im Arbeitsjahre ging durch Stteiks verloren. Folgende Tabelle zeigt die Streibewegung in den letzten 12 Jahren: Letzre Nachrichten und Depcfchcn, Freisinnige Nächstenliebe. Königsberg i. Pr., 21. Februar.(W. T. B.) Die heute statt- gehabte Stadtverordneten- Versammlung lehnte den sozialdemo- krattschen Antrag auf Bewilligung von zehntausend Mark für die Bergarbeiter im Ruhrgebiet, welche Forderung im Laufe der Debatte seitens des AnttagstellerS auf fünftausend Mark ermäßigt wurde, ab. Sin Spende des Fürstbischofs Kopp. Effen(Ruhr), 21. Februar.