Kr. SS. R bonnemenf S'Bedi ngu ngcn: AbonnenicntS- Prciz pränumerando I »ierteljährl. 330 MI., monatl. 1,10 Mk., wöchcnllich 28 Pfg. frei ins HauS. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntag-. nummer mit illustrierter Sonntags, Bellage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Aboimement: 1,10 Mar! pro Monat, Eingetragen in die Post.ZeitungS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich» Ungarn Z Marl, für da? übrige Ausland S Marl pro Monat. SÄ. Jahrg. Vit Tnfertlons'Gebttiir teträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum<0 Pfg., sür politische und gewcrlschaftliche BereinS- und BersanimlungS-Anzeigen 2S Pfg. „Aleine �ureigen", das erste(sett- gedrucktes Wort 10 Pfg.. jedes weiter« Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen biS b Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. OWitiDt tilg»» auScr[stonUgs. Vevlinev Volksblelkk. Telegramm. Adresse: „Sozlaldtmoitral Rcrtln". Zcntralorgan der fozi aldcmokrati fehen Partei Deutfchlands. Redaktion: SM. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Bxpedltion: SM. 68, Ltndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Militärvorlage und Steuerpläne. Die Budgetkommission des Reichstages behandelt die Einemsche Heeresvorlage. Es treten dabei recht bcinerlenswerte Momente hervor. Ms weniger bemerkenswert können die Aeusierungen gelten, durch die der Kriegsminister die Kavallerievermehrung zu begründen versucht. Seine Darlegungen in der Dienstagssitzung der Kommission über diesen Gegeilstand lagen ausschließlich auf dem Gebiete der Mutmaßungsstrategie für den Kriegsfall, wogegen er die Antwort auf die Frage schuldig blieb, ob die erstrebte Gleich- Mäßigkeit der Kavallerieformationcn bei allen Truppenteilen nicht durch bessere Verteilung der jetzt schon vorhandenen Reiterei erzielt werden kann. Bedeutsamer waren einige andere Vorgänge. So ist die Mit- teilung zu begrüßen, daß die Abkommandierungen endlich vennindert werden sollen. Seit vielen Jahren ist von liberaler und sozialdemokratischer Seite eindringlich Beschwerde erhoben worden. daß man auf der einen Seite immer neue Hceresvermehrungen fordert, aber auf der anderen Seite zahlreiche Soldaten dem eigent- lichen Dienste entzieht und im Wachtdienst oder gar in der Be- schäftigung als Burschen verbraucht. Nun ist nicht davon die Rede, daß dieser Uebelstand gründlich beseitigt werden soll, so schnell geht eS in der Armee nicht mit vernünftigen Reformen. Aber immerhin soll etwas geschehen. Die Heeresverwaltung kündigt an, daß 3— 4000 unter den 20 000 Abkommandierten der dienstlichen AuS- bildung zurückgegeben werden sollen. Man hört auch bereits, daß beispielsweise die Berliner Gefängnisse, Moabit und Plötzensee, nicht mehr mit militärischen Wachtposten besetzt werden sollen. Nicht uninteressant ist es ferner, daß jetzt auch in konservativen Kreisen die Art deS M a n ö v e r b e t r i e b e S auf Bedenken stößt. Wenn früher Bebel dieses Kapitel im Reichstage behandelte, so setzten die Herrschaften vom Kriegsministerium die fachmännische Miene auf und erklärten den Kritiker unter lautem Beifall der militärfrommcn Rechten für einen Laien, der von der Sache nichts versteht. Wie in zahllosen anderen Fragen wird auch in bezug auf das Manöverwesen die Militärverwaltung und die ihr pudeltrcuen Parteien dem Laien nachhinken. Wie jetzt im Exerzierreglement einige Verbesserungen gemacht werden, welche, so völlig unzureichend sie sind, doch immerhin in der Richtung sozialdemokratischer An- schauungen liegen; wie man sich endlich auch damit abzufinden be- ginnt, daß die blitzenden Kinkerlitzchen der Uniformierung sich nicht auf die Dauer erhalten lasten und einer einfachen und kriegs- mäßigeren Ausrüstung weichen müssen; so ist cS interessant, daß ein iviann|roie Herr Iv. Kardorff jetzt zugesteht, daß hervorragende Offiziere sich ihm gegenüber gegen die Uebertreibungen des Manöver- lvesenS, besonders bei den Kaisermanövern geäußert haben. Freilich zeigte dabei der militärfrohe Kardorff, daß er allerdings höchst laienhafte Anschauungen in diesen Fragen hat, indem er ganz all- gemein den Umfang der Manöver tadelte. Bebel betonte mit Recht, daß, wenn einmal die heutigen militärischen Verhältnisse bestehen, die Manöver an sich notwendig sind und daran auch nicht gespart werden könne, daß dagegen der Prunk und LuxuS sowie das Parade- lvesen, welches mit den Manövern im weitesten Maße verbunden ist und sehr hohe Kosten verursacht, beseitigt werden muß. Nebenbei wurde der Kriegsminister auch aufgefordert, über da? neue Automobilkorps und seine Stellung zum Heere Rechen- schaft zu geben. Die Auskunft des Generals v. Einem bestätigt die von uns früher mitgeteilten und kritisierten Tatsachen. Der Kriegs- minister hält eS für statthaft, daß Reserve-Offiziere bei diesem frei- willigen KorpS Uebungen abhalten, die ihnen als dienstliche angerechnet werden. Wir haben wiederholt die Unstatthaftigkeit dieses Verfahrens betont und nachgewiesen. Da der Kaiser die Anregung zu dieser eigenartigen Einrichtung gab, so ist eS begreiflich, daß der Kriegsminister sich um seine Rechtfertigung eiftig bemüht. Es ist aber zu hoffen, daß der Reichstag die Angelegenheit einer gründlichen Kontrolle unterzieht und Abhülfe schafft. Von besonderer Wichtigkeit waren die Auslassungen, welche der Staatssekretär des Reichs-Schatzanites vor der Budgetkommission am Mittwoch niachtc. Bei den eindring- lichen Fragen, wie denn bei der jetzigen Finanzlage alle die neuen Forderungen fiir das Heer gedeckt werden sollen, war Freiherr v. Stengel in der ersten Etatsberatung des Reichstages stumm geblieben. Er schilderte damals in beweglichsten Tönen die jämmer- lichen Verhältnisse der ReichSkasse. aber er deutete nicht einmal a», wie Abhülfe geschaffen werden solle, wir lehnte er ab. daß durch verstärkte Heranziehung der Abgaben auS den einzelnen Staaten die Rot beseitigt werden soll. Da es jedoch offensichtlich geworden ist, daß im Reichstage weitere Forderungen für Heer und Marine sowie auch die Durchführung der neuen Militär- Pensions- gesetze kaum zu erreichen sein werden, wenn nicht zugleich die De ckungS fra ge ihre Lösung findet, so scheinen sich endlich die Regierunge» doch zu größerem Entschluß in der Steuerfrage aufzuraffen. Freiherr von Stengel erklärte, was vorauszusehen war. daß die in Aussicht stehende höhere Reichseinnahme aus den Zöllen kaum die Zuschnßanleihen beseitigt, geschweige denn die nötigen Mittel für die iveitercn Aufwendungen, welche die Reichs- regierung beabsichtigt, zu bringen vermöge. Er berechnet die Ein- nahmen aus den Zollerhöhungen auf jährlich 70 biS 30 Millionen, wovon aber durch die Zurücklegung für die Witwen- und Waisen- Versicherung nur 20 bis 30 Millionen für andere Zwecke übrig bleiben. Wenn nun auch diese Veranschlagung der Mehreinnahmen auS den Zöllen sich als tveitauS zu gering herausstellen wird, so ist darüber kein Zweifel, daß, wenn nicht an den Militär- und Marine- Ausgaben gespart werden soll, sondern die ReichSwirtschaft in bis- heriger Weife fortgetrieben und gesteigert werden soll, neue Stcuem unentbehrlich sind Freiherr v. Stengel hat nun die Erklärung abgegeben, es seien bereits neue Steucrvorlagcn in Vorbereitung und sie werden im Herbst vor den Reichstag gelangen. Er lehnte ab, über den Inhalt dieser Vorlagen irgend etwas zu sagen, da erst die einzelnen Re- giernngen ihre Meinung aussprechen und ihre Zustimmung geben müßten. Er sagte nur, daß die von ihm beabsichtigte Vorlage„auch die Finanzen der Einzelstaaten stark berühren würde". Der Abgeordnete Gröber bezeichnete mit Recht diese Auskunft des Staatssekretärs als„das verschleierte Bild von Sais". Immerhin läßt die Aus- drucksweise des Staatssekretärs annehmen, daß das Reichsschatzamt die Unmöglichkeit erkennt, neue indirekte Abgaben auf Volksbedürfnisse durchzusetzen. Vielleicht wird eine Reichs-Erbschaftssteucr vorbereitet. Ist es der Fall, so würde darin ein Erfolg derjenigen Parteien des Reichstages liegen, welche eine weitere Belastung der arbeitenden Klassen durchaus verweigern, also in erster Reihe ein Erfolg der Sozialdemokratie. Natürlich ist bei der notorischen Scheu der Regierung, die besitzenden Klassen zu den Reichslasten gehörig heranzuziehen, jedem neuen Steuerplan nur mit aller Zurückhaltung und Borsicht entgegenzusehen. *«■" Nachfolgend der Bericht über die Kommissionsberatung: In der Budgetkommission des Reichstags wurde am Mittwoch die Diskussion über die Erhöhung des Präsenzstandes der Armee fortgesetzt. Der Referent Abg. Rocren stellte zunächst an den ÄricgSminister drei Fragen: 1. Wieviel Mannschaften das Kavallerieregiment früher und jetzt habe? 2. Wie hoch die Minimalkopfzahl der einzelnen Jnfanteriebataillone und der Schwadronen sei? 3. Wieviel Bataillone und wieviel Schwadronen zur Komplettierung der Divisionen auf den Normaletat notwendig seien? Kriegs- minister v. Einem gab keine eigentliche Auskunft, sondern sagte nur, daß im Westen 4, im Osten 2, beim X. und IV. Korps je 1 Bataillon fehle. Das Kavallerieregiment solle mit 135 Pferden pro Eskadron in den Krieg ausrücken können. Abg. v. Kardorff fragte an, ob in die Prozentzahlen der zu den Waffen Gerufenen heute auch die Flotteninannschaftcn eingerechnet würden, was verneint wurde. Für die Vermehrung der Kavallerie sprach er sich aus, wies aber darauf hin, daß ein Kampf nach zwei Fronten nicht zu fürchten fei und daß die Bewilligungen„auf Pump" ausgeschlossen bleiben müßten. Mindestens müßte an anderen Positionen gespart werden, z. B. an den Manöverkosten; hervorragende Offiziere hätten ihm erklärt, daß die Manöver heute übertrieben würden, vor allem seien alljährliche Kaisernianöver nicht angebracht. Notwendig sei es, die Gesamtkosten der großen Manöver einmal zusammenzustellen; jetzt würden sie bei einem Dutzend Etatstiteln v e r st e ck t. Der Kriegs- minister bestritt. daß die Manöver übertrieben würden; Kaisennanöver seien allerdings bedeutend verstärkt worden, aber damit sei man nur den Spuren anderer Nationen gefolgt. lieber den Wert der großen Manöver könne man freilich verschiedener Meinung sein, aber für die Ausbildung der Führer feien sie geradezu unentbehrlich. Die großen Manöver habe man früher nur aus Rücksicht auf den alten Kaiser unterlassen; für ihn habe man kleinere Verbände aufstellen müssen, damit die Geschichte sofort losgehen konnte, wenn er auf dem Platze erschien. Die Manöver seien so notwendig, daß man nicht auf ihre Kosten die HeercSvermchrung vornehmen dürfe. Reichsschatzsekretär v. Stengel legte dar: Für die Finanzierung des Etats 1905 sei die Frage der sogenannten„Voreinfuhr" und der Einführung des Zolltarifs von Bedeutung. Der Mehrertrag der Voreinfuhr tverde sehr erheblich sein, aber davon sei die„Nach- einfuhr" bei den ermäßigten Zollpositionen abzusetzen; immerhin habe man geschätzt, daß der Mehrertrag im ganzen 50 bis 00 Millionen Mark betragen werde. Diese würden 1906 ver- einnahmt werden, nur etwa 14 Millionen in 1905. Von 1900 ab werde nun aber auch die Ist Trimborn wirksam werden und einen Teil der Mehrergebnisse der Zolleinnahmen in Anspruch nehmen. Für die„Zuschuß- Anleihe" pro 1905 werde man etlva 22'/., Millionen Mark noch in Aussicht nehmen müssen, eventuell plus 0 Millionen für die Militär- Vermehrung. Was die»cuen Stcncrpläne anlange, so könne man mit kleinen Mittelchen nichts mehr machen; die Zölle würden später 70—80 Millionen mehr bringen, davon ab 40—50 Millionen infolge der lex Trimborn, so daß für den Reichshaushalt nur 20 bis 30 Millionen Mark blieben. Da müßten neue Quellen erschlossen werden. Die Reichs-Schatzverwaltung bereite Vorlagen vor, die auch die Finanzen der Einzelstaatcn stark berühren würde». Daher könne er mit den Vorschlägen noch nicht an den Reichstag herankommen. bevor nicht die Beratungen im Bundesrate abgeschlossen seien. Bor dem Herbst sei die B-rlagr sür den Reichstag nicht fertigzustellen. Ohne materielle Finanzreforni sei die Auf- stelluna eine? Etats für 1900 unmöglich. Zuschuß- anlcihen seien nur während der NebcrgangSzeit zu einer anderen Handelspolitik zulässig gewesen. Da jetzt nur noch auf kurze Zeit hinaus Finanzschwierigkeitcn bestehen könnten, so dürfe man die Militärvorlage aus finanziellen Gründen nicht ablehnen. Abg. Gröber: Dank der politischen Lage könne man die HeereS- Vermehrung in voller Gemütsruhe beraten. Die Größe der kommenden Belastung müsse deutlicher dargestellt werden; man dürfe die Marine und die ostasiatischen Truppen sowie die Zahl der Unteroffiziere und Einjährigen nicht außer Ansatz lassen: das alles ergäbe mehr als ein Prozent der Bevölkerung. Schon 1899 habe man sich mit der Etatsstärke der einzelnen Truppenkörper eingehend beschäftigt; da hätten sich starke Unterschiede herausgestellt, z. B. bei preußischen Jnfanterie-Bataillonen Schwankungen zwischen 501, 573 und 039 Köpfen. Unter den Namen„Bataillon".„Eskadron" usw. berge sich offenbar sehr Verschiedenes; hier müßten die Stärkezahlen in: Detail festgelegt werden. Ferner fei bekannt, daß ein Teil der Mannschaften dem Frontdienst durch allerhand Dienstleistungen ent« zogen wird, lieber die hierbei in Bewacht kommenden Zahlen müßte Klarheit geschaffen werden. WaS die Vermehrung der Kavallerie anlange, so sei der Nachweis für deren Notwendigkeit noch nicht erbracht worden. Heute fei die vorhandene Kavallerie ganz ungleich verteilt. Daraus folgt, daß diese Verteilung zunächst geordnet werde. Die Einschränkung der Manöver sei wünschenswert; der Ausfall je eines Kaisermanövers werde allein Millionen ersparen. Die Deckung sei zunächst nicht vorhanden: die Pläne des Schatzsekretärs seien ein „verschleiertes Bild von Snls". Der Kriegsminister erwiderte, daß alle Truppen zusammen 1,08 Prozent der Bevölkerung ausmachten. Die jetzige Forderung solle nur die Kavallerie auf dieselbe Verhältnis- mäßige Stärke bringen, die sie 1870 hatte. Für den Kriegsfall reiche die Kavallerie einfach nicht aus und im Kriege könne man nicht erst organisieren. General Sixt v. Arnim entgegnete dem Abg. Gröber, daß jetzt nur noch bei der Artillerie 3 Etats be- ständen, bei der Infanterie seien Bataillone mit hohem Etat von 504 und niederem Etat von 502 Köpfen, bei der Kavallerie Regi- menter zu 007 und 577 Köpfen. Wolle man die Etats gleichmachen. so dürfe man nur die hohen Etats zugrunde legen. Der Zweck des vorliegenden Gesetzes sei auch die Ausbildung vermehrter Kräfte, nicht nur die Ausfüllung der Lücken. Die Zahl der Abkommandierten sei ungefähr 20 000, davon könnten ungefähr 4—5000 Mann vielleicht durch andere Kräfte ersetzt werden. Die großen Abkommandierungen zu Wachzwecken sollen am 1. Oktober d. I. aufhören. Abg. Bebel führte aus, es sei bedauerlich, daß der Schatzsekretär nicht einmal für seine Person seine Pläne enthüllt habe; seine Schätzungen der Zollerträge seien wohl zu niedrig. Die Anregung des Abg. v. Kardorff fei beachtenswert, aber die großen Manöver seien doch tatsächlich unentbehrlich. Andere Punkte gäbe es, wo besser gespart werden könne, als die Manöver, die vielleicht sogar noch größer gestaltet werden sollten, um sie dem„Enistfall" mehr anzunähern. Die Ausführung der Manöver fei heute freilich oft verschwenderisch, eS seien die reinen Prunkvianöver mit ihren Massenattacken der Kavallerie. Die Kosten der Parade» bei den Manövern seien ungeheuer. Wenn man in so vielen Dingen die französische Armee als Beispiel anführe, dann solle man ihr auch in der Einführung der allgemeinen zweijährigen Dien st zeit und in der Abschaffung aller Pri« vilegien nachfolgen. Dadurch könnten auch enorme Er- sparnisse gemacht werden. Politisch sei gar kein Grund zur Heeresvennehrung vorhanden: Rußland könne in absehbarer Zeit keinen europäischen Krieg führen; in Frankreich nähme der Chauvinismus ab. Wenn man mit dem Zweibund uns komme. dann müsse man doch auch an den Dreibund erinnern. Als Friedenssicherung habe er doch seine Bedeutung und eS sei bedauerlich, wen» eine schlechte Diplomatie ihn gefährde.— Die Angaben über unsere eigenen Militärkräfte schivankten so sehr, daß man erst genaueres darüber fordern müsse. Alles zusammen würden in Deutschland wohl 4'/» bis 43/4 Millionen KriegSmannschaften vorhanden sein, ohne die auszubildenden Ersatzmannschaften. Die AuS« fühnmgen des Kriegsministers gingen darauf hinaus, als ob jemand glaube, die Kavallerie sei etwa ganz und gar überflüssig. Das habe niemand behauptet. Wenn die Division als Gefechtseinheit mit einem Regiment Kavallerie auszurüsten sei, daim brauche man immer »och nicht soviel, wie gefordert tverde. Wenn jetzt da? Heer ver- stärkt werde, so müsse man auch wissen, waS es mit dem Freiwilligen Automobilkorps auf sich habe. Der KriegSminister entgegnete, daß in der Verfassung des HeereS dieses Automobilkorps keine Rolle spiele; er verstieße nicht so sehr gegen die gesetzlichen Borschriftr», daß er jemand seine militärischen Uebungen bei einem solchen KorpS abzuleisten gestatte. Auf die Uniformen und die Verfassung deS Korps habe er gar keine Ein- tvirkuiW. Offiziere und Unteroffiziere, die ihre Pflichtübungen ab- geleistet hätten, erhielten Automobilübungen beim Manöver als freiwillige Uebungen angerechnet; das dürfe die Verwaltung — Die Kavallerie-Attacken würden nur in der Annahme gemacht. daß die Angegriffenen bereits erschüttert seien. Die Paraden nach den großen Manövern, deren Bedeutung der Abg. Bebel sehr richttg geschildert habe, existierten gar nicht mehr. Bei Erfurt sei aller- dingS fiir die übliche Parade vor den Manövern ein Platz eingerichtet worden. Bei der Einführung des französischen Militärgesetzes würden wir in Deutschland aus eine Präsenz von mehr als 900 000 Mann kommen. UebrigenS sei die zweijährige Dienstzeit der Kavallerie in Frankreich fiktiv: 15 Prozent der Reiter werden das dritte Jahr bei der Fahne zurückgehalten.— Ob ein geschlagenes Rußland gerade besonders friedlich fein werde, stehe doch dahin. Die Kommission brach hier ihre Verhandlungen ab und ver- tagte sie auf Donnerstag. Völkermetzeleien im Kankafus. Heute sind die ersten brieflichen Mitteilungen eingetroffen, die zuverlässige Einzelheiten über die furchtbaren Vorgänge in Baku enthalten und zugleich über die Ursachen dieser nationalen Schlächtereien Auskunft geben. Man schreibt uns aus Baku unterm 23. Februar: Was hier während der letzten Tage vorging, spottet jeder Be- schreibung. Trotz deS Belagerungszustandes herrscht hier völlige Anarchie. Die Arbeiterbevölkenmg besteht hier hauptsächlich aus Armeniern und Tataren, sodann noch aus Russen, Persern und kaukasischen Bölkerstämmen(Georgier, Lesghinen, Talvlinen, Tschetschenzen usw.) Die Arbeitsverhältnisse sind auf den Oelfeldern in Baku— wie überall auf Petroleumgruben— die denkbar schlechtesten. Ein- heimische und ausländische Kapitalisten betreiben die Ausbeutung der Arbeiter in der schamlosesten Weise. DaS niedrige kulturelle und Bildungsniveau, auf dem die dortigen Arbeiter stehen und das babylonische Sprachengewirr, das unter ihnen herrscht, erschweren, neben den allgemeinen russischen politischen Verhältnissen, die sozialdemokratische Agitation in Baku ganz ungemein. Hierzu kommen noch die Verschiedenheit der Religion(die Armenier sind Christen, die Tataren Mohamedaner) und die beständigen Reibereien zwischen den einzelen Nationalitäten und Stämmen. Trotzdem ist eS verschiedenen sozialdemokratischen Organisationen, die seit mehreren Jahren in Baku arbeiten, gelungen, unter den dortigen Arbeitern festen Fuß zu fassen und eine geschlossene Streik- bcwegung hervorzurufen, die um so imposanter ist, als sie von einer aus so verschiedenen Elementen zusammengesetzten Arbeiterschaft ausgeht. Der erzieherische Einfluß, den der große Streik im Sommer 1903— wo etlva �40 000 Arbeiter in den Ausstand traten— und die nachfolgenden Streiks auf die Arbeitermasse ausübten, unterliegt nicht dem geringsten Zweifel.— Trotzdem ist die Bewegung noch zu jung, um so tieflvurzelnde nationale und Aieligionsgcgensätze bei der ganzen, dazu noch ständig wechselnden Arbeitermasse mit einem Male überwinde» zu können. Nur langandauernde Agitation wäre dazu imstande. Die Arbeiterorganisationen Planten nun bereits seit einiger Zeit eine große politische Manifestation, die zum Zweck haben sollte, gegen die in Aussicht stehende Mobilisation der Truppen des dortigen Militärbezirkes zu demonstrieren. Das revolutionäre Agitationskomitee soll jüngst Waffen an die Armenier verteilt und auch die Tataren aufgefordert haben, an der gemeinschaftlichen Aktion gegen die Regierung teilzunehmen. Die Regiermig, die jetzt kaum inehr in der Lage ist, die Armenier im Zügel zu halten, geschweige denn sich zweier solcher Ver- bündeter, wie Armenier und Tataren, zu er- wehren, gedachte nun, nach berühmten Mustern auch hier ein Blutbad anzurichten, das beide Teile schwächen und ein Schreckens- zeiche» für die Zukunft sein sollte. Nach dem bekannten Prinzip: Teile und herrsche. benutzte sie Vc Gärung unter den kulturell tiefer stehenden Tataren, sowie ihre traditionelle Abneigung gegen die andersgläubigen Armenier, um sie gegen letztere aufzustacheln und so deren Unzufriedenheit freien Lauf zu lassen. Es begannen nun, von der Polizei passiv begünstigt, einzelne Mordmffchläge und Znsammenstöße zwischen Armeniern und Tataren, die schließlich in ein furchtbares Gemetzel ausarteten. Der Straßenkampf begann Sonntag, den 19. Februar, mittags, doch verstärkte er sich besonders gegen Abend, so daß bereits Sonntagabend gegen 40 Tote auf dem Kampsplatz blieben. Montag vormittag begann der Kampf von neuem, doch erreichte er seinen Höhepunkt erst am Dienstag. Ein furchtbares Massakre begann Jeder Tatare, der einem Armenier in den Weg lief, jeder Armenier, der einem Tataren in die Quere kam, wurde erbarmungslos nieder gestoßen, erschossen, erstochen, erschlage». Mit einer Wut ohne gleichen stürzten sich die Ilnglücklichen aufeinander— verblendet und aufgehetzt 'wn den Schergen des Zarisnius. Jeder, der sich auf die Straße hinauswagte, war des TodcS. Auf den Straßen standen mit Dolchen, Nevolvern, Messern, Büchsen usw. bewaffnete Mengen, die keinem Pardon gaben. Von den flachen Dächern der Bakuer Häuser wurde aus Büchsen und Flinten auf die untenstehende Menge geschossen. Dienstag begann der Sieg, wenn man so sagen darf, sich den Tataren zuzuneigen. Die Armenier zogen den kürzeren. Die Hmiser der reichen Armenirr wurden von den Tataren überfallen ,nd teilweise geplündert. Ein reicher armenischer Naphtha-Jndustrieller, I. D. Adamianz, ging in seiner Bestialität so weit, daß er vom Dache seines Hauses gegen 00 Menschen eigenhändig niederschoß. Die Rache für diese Bluttat ließ nicht lange auf sich warten. Die Tataren, blind vor Wut, besprengten sei» Haus mit Petroleum, zündeten es an und begruben diese» Mann in den Flammen mitsamt seiner unglücklichen Familie. Eine Menge von verkohlten Leichnamen wurden später in den Kellern seines HauseS unter Schutt und Trümmern aufgestmden. Am nächsten Tage hörte das Schlachten allmählich auf und Mitt- tvoch nachmittag war der Kampf zu Ende. Die Zahl der Toten läßt sich nicht genau feststellen, da viele von ihnen von den Verwandten heimlich weggeschafft wurden. Trotz dem läßt sich mit Sicherheit behaupten, daß eS mindestens 1000 Tote gegeben hat. Die Zahl der Verlvnndeten ist weit größer, entzieht sich jedoch vollständig der Kontrolle. Es war eine blutige Orgie, die da gefeiert ward. Taumelnd vom Klüt, umnebelt von Rache, umnachtet von Unwissenheit, verzweifelt vor Elend— zerfleischten sich hier zwei Völker, die beide unglücklich, beide unter dem doppelten Joch des Zarismus und des Kapitalismus stöhnend, mit Gelvalt von jeder Bildung und jedem Fortschritt fern gehalten, sich noch nicht zil der ErkenntiliS hatten durchringen können, daß sie Brüder seien, Proletarier, Glieder einer Gesellschafts- klaffe, die nur einen Wunsch haben, die nur ein Ziel beseelen sollte: mit vereinten Kräften den KapitalisnmS zu stürzen und eine sittlichere Gesellschaftsordnung— den SozialiSmnS— herbeizuführen. Das grausige Bacchanal war zu Ende. Die heilige Hcrmandad, die„Hüterin der Ordnung", bewährte sich durch ihre Abwesenheit. Die„christliebende russische Kriegerschaft"— wie sie offiziell heißt—, die Kosaken, die Dragoner, die Artillerie und Jnf«nterie, deren es genug in Baku gibt, war nicht zu schauen. Es galt, zwei Völker an einander verbluten zu lassen, und dies geschah. Die„Opritschmki" konnten sich gratulieren. Ihrer Hände Werk war gelungen. Erst nach Verlauf einiger Tage erachtete eS der Gouverneur für nötig, zusammen mit der armenischen und muselmännischen Geistlichkeit die nötigen Maßnahmen zu treffen, um die Bevölkerung zu beruhigen und den Kampf gütig beizulegen. Der Friide ist wieder hergestellt, doch es ist Stille vor dem Sturme. Die Armenier werden eS den Tataren nicht vergessen, baß sie unterlegen sind, und neue blutige Ereignisse stehen bevor. Viele Einwohner flüchten und retten ihr Hab und Gut. Die Schulen siird geschlossen, das Geschästsleben stockt gänzlich. Telegramme und Briefe mußten unter Lebensgefahr nach den Post- stationen gebracht werden. Generalausstand in Baku. Ein Privattelegramm aus Baku meldet uns: Sonnabend oder Sonntag wird eine große Demonstration «nd Arbeiteransstand erwartet. Batum, 1. März. An den Unruhen in Kutais haben auch Schüler teilgenommen. Bei den Zusammenstößen töteten und verlvundeten die Kosaken mehrere Personen. Die Ordnung ist tviederhergestellt. Gestern abend gaben. drei betrunkene Offiziere der Garnison auf öffentlicher Straße Rcvolverschüsse ab, wodurch eine Panik verursacht wurde. Tifiis, 1. März. Die von den Unruhen erfaßten Kreise des Gouvernements Kutais sind bis zur Beruhigung der Ge- müter dem Generälinajor Alichanow unterstellt, welcher mit den Vollmachten eines Gouverneurs ausgestattet ist. Zu seiner Verfügung steht eine besondere Truppeuabtcilung. Zwei Anfrufe Gapons. Die„Tribüne Russe", das Organ der Sozialisten-Revolutionäre und die„Humanitö" in Paris veröffentlichen zwei Aufrufe Gapons, deren erster«n die Arbeiter, der zweite an den Zaren gerichtet ist. In dem Aufruf an die Arbeiterschaft heißt es: „Im Namen der Freiheit, im Namen des Blutes Eurer Frauen und Kinder beschwöre ich Euch: Verliert nicht den Mut! Laßt Euch nicht von den falschen Versprechungen der mörderischen Ratgeber des Zaren fangen. Verschachert nicht Euer Leben und das nahe Glück Eures Vaterlandes für ein Linsengericht! Arbeiter, wollt Ihr den Sieg, so vereint Euch ohne Unterschied der Partei, des Glaubens, der Nationalität! Befolgt den Rat der großmütigen Jugend der Universitäten und aller anderen Intellektuellen, die Eure Freunde sind.... Geht sofort an die Propaganda und an die Vorbereitungen für die Bewaffnung der Jnsurrektoren.... Tretet in Verbindungen ein, so viel Ihr könnt, mit Soldaten und Kosaken und ruft auch sie zu Eurer Hülfe. Saget ihneu, es sei. besser für fic, ihr Blut für Rußlands Freiheit und das Glück des Volkes zu vergieße», als von Hunger gequält ans den Schlachtfeldern der Mandschurei zu kämpfen. Verachtet de» heiligen Synod, die Bischöfe und die Priester, die aus Liebe zu Gott lügen und den Mördern, Dieben und De- fraudantcn des öffentlichen Gutes dienen und jene verdammen, die ihr Blut für die Freiheit verspritzen. Befaßt Euch mit der Organisation von Arbciterbataillonen. Sammelt Gelder zur Anschaffung von Waffen und lernt den Gebrauch von Waffen. Tötet ohne Mitleid jeden, der das Blut seiner Brüder vergießt. Vor allem aber laßt dieser verdammten Regierung, dieser Bande von verruchten Mördern, nicht die Zeit, sich zu fassen. Zu diesem Zweck tötet die Generäle, die Offiziere, die Gonverneure, die PolizcichefS. Bergeßt auch nicht die be- waffneten Demonstrationeu, die Streiks, die lokalen Aufstände. Wisset, daß dafür gesorgt ist. daß Ihr zur rechten Zeit jede Art von Waffen, namentlich Dynamit, zur Verfügung habt. Erhebt Euch wie ein Mann, wenn das Komitee der Rache Euch das Zeichen geben wird. Hemmt dann mit einen. Schlage alles Leben in den Städten. Zerstört auch die Wasser- und Gasleitungen, die Telegraphen- und Telephonverbiudungen und die Eiseiibahnstrecken. Brennt die SlaatSgebäude nieder, befreit die Gefangenen, aber schont jeglichen Privatbesitz. Der Plan des allgemeine» Aufstandcs wirv in nächster Zeit von Eurem Komitee fertiggestellt sein. Sein Zweck ist die Riedel streckung der Autokratie und die Einsetzung einer provisorischen revolutionären Regierung, die Einberufung einer Konstitnicrcndcn Versammlung. Der zweite Aufruf, der Brief an den Zaren lautet: „Au Nikolaus Romanow, früheren Zaren und jetzigen Mörder des Kaiserreiches Voll Vertrauen in Dich als Vater Deines Volkes kam ich zu Dir ftiedlichen Schrittes in Begleitung der Kinder Deines Volkes. Du mußtest es wissen und Du wußtest es. Trotzdem ist das Blut der Arbeiter, ihrer Frauen und Kinder geflossen. Dieses Blut wird Dich in Zukunft für immer von Deinem Volke trennen; niemals wird das moralische Band zivischen Dir und dem Volke wieder zusammengeknüpft werden! Den anschwellenden Aolksstrom wirst Du nicht eindämmen können, weder durch halbe Maß' nahmen noch durch das Versprechen der Einberufung einer Volks- Vertretung. Dynamitbombcn des kollektivistischen und individuellen Tcrrorismus des Bolksanfstandes erwarte» Dich, Deine Familie und alle Mörder dcS Bolkrs. Ich sage. es und es wird geschehen. Es werden vielleicht Ströme von Blut fließen, wegen Dir wird vielleicht Rußland ins Verderben gestürzt. Beo suche mich zu verstehen und laste es Dir ein jfür allemal gesagt sein: Verzichte vielmehr so schnell als möglich mit Deiner ganzen Familie auf den russischen Thron und fliehe vor dem Gerichte deS russischen BolkeS. Habe Mitleid mit Deinen Kindern und mit Deinem Lande, Du, der den anderen Völkern Frieden versprachst und das eigene Volk erwürgst. Wisse, daß dieser Brief eine Recht- fcrtigung der revolutionären und terroristischen Ereignisse sein soll, die denmächst in Rußland geschehen werden. Gapon. Belagerungszustand in Rnssisch-Polen. London, 1. März, ß, Bureau Lassan.") Ueber Russisch-Polen soll, wie der Warschauer Korrespondent des„Daily Chronicle" aus guter Quelle erfährt, der Belagerungszustand verhängt werden. Warschau, 1. März. In den Gouvernements Kielce, Lomscha, Lublin, Plozk und Snwalki wurde vom Generalgouverneur der Zu- stand des verstärkten Schutzes erklärt. Wegen Kohlenmangels stellte die Mehrzahl der Fabriken in Tomaschow den Betrieb ein. Die dortige Handelsschule wurde bis zum 27. d. M. geschlossen. Warschau, 1. März. Mehrere hiesige Banken haben die von den Angestellten verlangte Gehaltserhöhung bewilligt, andere sie jedoch abgelehnt; daraufhin hat der Ausstand der Angestellten begonnen. In der inneren Stadt sind die Dienstboten in Ausstand getreten. Der Eisend ahnersfteik. Petersburg, 28. Februar. l„Laffan"-Mcldung.) Trotz der Ein- führung des Belagerinigszustandes für den Eisenbahnbetrieb, wonach jeder Beamte, der die Arbeit verweigert, sofort 48 Stunden Arrest erhält, ruht der Betrieb auf der Linie Moskau— Kasan, der wichtigsten Bahn im südlichen Zentral-Rnßland. Die Lokomotivfiihrer weigern sich, die Lokomotiven zu besteigen, ehe nicht ihre Forderungen be- willigt sind, und die Heizer und Werkstättenarbeiter unterstützen die Lokomotivführer. *** Vom Schulenstreik. Petersburg, I.März. Aus dem Gouvernement M i n s k wird die Einstellung deS Unterrichts an allen Lehranstalten gemeldet. Beschlagnahmte Waffen. Rostow, I.März. Die Polizei beschlagnahmte bei Persera eine beträchtliche Menge Pulver und Waffen. Zahlreiche Fabrikarbeiter befinden sich im Ausstande; es wurden Versuche gemacht, das Einstellen der Betriebe zu er- zwingen. Obgleich bis jetzt keine ernstlichen Ruhestörungen vor- gekommen sind, ist die Bevölkerung in Angst versetzt und ver- steht sich mit Vorräten an Lebensmitteln. materiellen Stützpunkt für diejenigen, die in Rußland für das heilige Recht kämpfen. „Auf diese Weise werden die sich in den Dienst des russischen Volkes stellenden französischen Kräfte weder verloren noch zerstreut werden. Sie werden ein geschlossenes Ganzes bilden. „Diese Zentralstelle, dieser Stützpunkt erhält den Namen: Die Freunde des russischen Volkes lind der annektierten Völker." Der Aufruf ist unterzeichnet von sämtlichen Mitgliedern des Komitees der Liga, worunter glänzende Namen von Schriftstellern, Gelehrten und Künstlern: Vorsitzender Anatole France, Vize- Präsidentinnen: Frauen Msnard-Dorian, Psichari sRenans Tochter) und Witwe Emile Zola; Mitglieder: Dr. A. Broca, E. Carrisre lMaler), A. Chevrillon. A. Dayot, Professor Louis Havet und Frau, Dr. Huchard, P. Msnard-Doriau, P. Meurice, Octave Mirbeau, Professoren P. Painlevö, Psichari und Leignobas, Steinlein sMaler) Eine Liga russischer Polksfreunde. Paris, 26. Februar. sEig. Ber.) Nächst den Sozialisten sind eS in Frankreich die demokrat, scheu, teils sozialistisch angehauchten Intellektuellen, die am eifrigsten für die Sache der russischen Revo- lution wirken. Gleich nach den ersten revolutionären Ereignissen haben sie die Gründung einer Aktionsliga zugunsten der russischen Revolution ins Auge gefaßt. Diese Liga ist nun endgültig zustande gekommen. Sie trägt den Namen:«Liga der Freunde des russischen Volkes und der a n n e'k t i e r t e n Völker". Ihr soeben erlassenes erstes Manifest lautet wie folgt: „Die in Rußland seit bald 30 Jahren sich vollziehenden Er- eignisse sind seit sechs Jahren in ein derart gewalttätiges Stadium getreten, daß das Gewissen der ganzen Menschheit dadurch in Wallung kommt. „ES ist fortan klar, daß das absichtlich gewalttätige und ver- brecherische zaristische Regime nicht nur für Rußland tödlich ist, andern auch eine ständige Gefahr für alle zivilisierten Völker bildet. „Frankreich ist mit dem russischen Volke durch seine Pflicht und ein Interesse verbunden. Es liegt ihm daran. daß die Sache der Zivilisation und der Freiheit in Rußland zum Siege gelangt. „Und Frankreich fft es der Menschheit, ist eö sich selbst schuldig, den russischen Bürgern zu helfen in ihrem Kampfe für die Freiheit. m die Menschen- und Bürgerrechte. Frankreich muß es und muß dazu die Möglichkeit bekommen. Ilm zu können, muß man wissen. Es ist notwendig, unser Land über die russischen Vorgänge zu informieren. Es ist notwendig, daß man bei uns Fühlung nimmt mit der Volksmeinung Rußlands. «ES ist notwendig, daß män in Frankreich, falls der Zarismus einen neuen 22. Januar vorbereitet, davon Nachricht erhalt, ohne auf die russische Regierung angewiesen zu sein, um von ihr über ihre Verbrechen zu erfahren. «Um rechtzeitig die russischen Vorgänge kennen zu lernen, haben einige französische Bürgerinnen und Bürger beschlossen, eine ständige Nachrichten-Zeutralstelle zu schaffen, sowie eine» moralischen und PoUtifche Qeberfiebt. Berlin, den 1. März. Reichstag. Dem Willen der ausschlaggebenden Parteien hat es ge- fallen, mit der an sich schon fast unbegrenzten Generaldebatte über das Reichsamt des Innern auch noch die Erörterung all der eingebrachten 21 Resolutionen zu verbinden. Sie haben es damit erreicht, dah schon jetzt am dritten Tage der sozial- politischen Debatte die meisten Redner auf jeden Versuch einer allgemeinen Polemik verzichteten und sich damit begnügten, zu den Resolutionen zu sprechen, deren Annahme oder Ablehnung ihnen besonders am Herzen lag. So begründete der freisinnige Abgeordnete B l e l l eine von ihm eingebrachte Resolutton, die die Handelsagenten von der schikanösen Polizeiforderung der Lösung eines Wandergewerbe- scheines befreien soll. Ferner beschäfttgte sich der süddeutsche Volksparteiler S t o r z mit den Maßregeln, die die Gesetz- gebung zur Bekämpfung des Schmicrgelderunwcsens ergreifen könnte. Der Antisemit Lattmann forderte eine Abänderung des Gesetzes über die Reichszugehörigkeit, durch die den Kindern deutscher Auswanderer die Aufnahme in den Reichsverband er- leichtert werden soll; sein Gesinnungsgenosse K r ö s e l l versuchte wieder einmal eine Verteidigung des Befähigungsnachweises und bewies damit, daß die Handwerksbündler noch immer nichts gelernt haben. Der Zentrums-Abgeordnete v. Strombeck setzte sich mit seinem eigenen Frakttonsgenossen Erzberger über die Bedeutung des Hausierhandels auseinander und vertrat gegenüber diesem jugendlichen Vielredner, der Sozial- Politik zugleich für die Armen und Reichen treiben möchte, das Recht der Hausierer auf ihre Existenz gegenüber den Erdrosselungstendenzen, die sich sonst im Zentrum breit machen. Dieser kleine Parteizwist hinderte nattirlich den Abg. T r i m b o r n nicht, gegen unsere Partei wieder einmal jede Meinungsverschiedenheit über irgend eine prakttsche Maßnahme der Sozialreform auszuspielen. Sonst unterschied sich freilich die Rede Trimborns sehr zu ihrem Vorteil von der neulichen Rede seines Fraktionsgenossen Erzberger. Namentlich wandte sich der ultramontane Sozial- Politiker mit aller Entschiedenheit gegen die ungesetzliche Drangsalierung der Streikposten, wie sie die kleinen Polizei- Paschas von Stadt und Land gewerbsmäßig betreiben. Prak- tischen Wert haben freilich solche Einzeläußerungen von Zentrums-Abgeordneten nicht. Je enger die politische und sozialpolitische Interessengemeinschaft zwischen der katholischen und protestantischen Agrar- und Jndustrie-Gentry wird, desto ersichtlicher versagt das Centrum, sobald es sich um noch so geringfügige Maßnahmen im Interesse der Arbeiterschaft handelt. Dem Genossen Wurm fiel die Aufgabe zu, diesen klaffenden Gegensatz zwischen Worten und Taten des Zentrums in das rechte Licht zu rücken. Unser Frakttonsredner be- � handelte an diesem Tage in erster Linie die jammervolle Lage der in den Gifthöhlen der chemischen Industrie dahin- schmachtenden Arbeiter. Wenn menschliches Gefühl imstande wäre, über die plumpen Interessen des Geldsacks zu siegen, so müßte unsere Resolutton, welche den sanitären Marimal- Arbcitstag für alle Industrien mit Vergiftungsgefahr fordert, einstimmig angenommen werden. Aber die Rechte ließ nochmals durch den Mund des Abg. G a m p erklären, daß sie alle unsere Resoluttonen ablehnen wird. Derselbe Grandseigneur von HinterPommern lehnte hochentrüstet die Anregang des Anti- semiten Krösell, die Altersrente schon vom sechzigsten Jahre an auszuzahlen, ab und kanzelte Herrn v. Gerlach herunter. weil er sich erkühnt hatte, Klagen der Landsklaven zur Sprache zu bringen. Auf die geradezu furchtbaren Angaben des Abg. v. Gerlach über die schauerlichen Wohnungsverhälttnsse der Hoteldiener ging kein Mitglied der Mehrheitsparteien ein. Am Tonnerstag wird die Berattmg sortgesetzt.— Die Universitäten gegen die Sozialdemokratie. Es entspricht den Gepflogenheiten des preußischen Junker- iums, alljährlich, wenn das Kapitel„Universitäten" ans dem Kultusetat zur Beratung steht, von neuem zu dokumentieren, daß in Preußen die Universitäten in erster Linie gcfiigige Instrumente in der Hand der herrschenden Klaffen sein sollen. Es sei nur erinnert an die unter der Amtsftihrung des früheren Kultusministers Bosse inszenierte Hetze gegen die Katheder- sozialisten, an die Angriffe des Herrenhäuslers Frhrn. v. Durant gegen die freie theologische Forschung, an die Forderung der Agrarier, die Lehrstühle mit Agitatoren des Bundes der Land- Wirte zu besetzen, ganz zu schweigen von der lex Arons, jenem Gesetz, das jede freie Meinungsäußerung eines Privatdozenten mit'dcr härtesten Strafe ahnden soll, die über einen Beamten verbängt werden kann. Auch die diesjährige Beratung des Kapitels„Universitäten", die am Mittwoch stattfand, legte Zeugnis davon ab, wie jammervoll es um die Kultur in Preußen bestellt ist. Ein zommerschcr Junker, der Abg. v. A r n i m- Z ü s e d o m(k.). war der Rufer im Streite gegen die Sozialdeniokratie; er forderte nicht mehr und nicht weniger, als daß die Universitäten zu Organen herabgewürdigt werden sollen, die der Bekämpfung der Sozialdeinokratte dienen, und er hat hierbei die Mehrheit des Hauses ans seiner Seite. Muß nicht jeder patriotisch ge- rnnte Mann sich ttef verletzt fühlen, wenn er sieht, daß die Universität Halle einen Raum zur Errichttmg einer Volks- lcschalle zur Verfiigung gestellt hat. in der auch sozialdemo- kratische Zeitungen ausliegen, daß der Kurator der Universität Bonn, Herr v. Rottenbnrg, zu Sammlungen siir die Opfer der Grnbenbarone aufgefordert hat und daß einige Berliner Universitätsprofcssorcn sogar einem Wahlbündnis mit der Sozialdeinokratte nicht abgeneigt waren, um die Junkerherrschaft in Preußen zu schwächen? Der Minister Studt allerdings sieht, obwohl er pnnzipiell die Bekänipfung der Sozialdcmokratte als seine Lebensaufgabe betrachtet und keinen Sozialdemokraten in seiner Verwaltung duldet, in den von dem Abg. v. Arnim vor- getragenen Fällen keine Llttcntate auf den preußischen Staat; er erblickt vor allem in dein Auftuf des Herrn von Rottenbnrg lediglich einen Akt der Menschlichkeit. Studts Begründung, Herr von Rottenburg verdiene wegen seiner Verdienste unter Bismarck eine ganz besondere Beurteilung, läßt allerdings den Schluß zu. daß er einem anderen Universitätslehrer gegenüber schärfer vorgegangen wäre. Unterstiihung fand der Abg. v. Arnim in dem national- liberalen Vertreter des Grubenkapitals, Herrn Schmieding, der die Gelegenheit zu einer Hetzrede gegen die Bergarbeiter und zu einem Loblied auf die Herren vom bergbaulichen Verein benutzte, und in dem Abg. Freiherrn v. Zedlitz(frk.), dessen katilinarische Reden gegen die Sozialdemokratie nach- gerade komisch wirken. Wir verstehen es allerdings, daß Herr v. Zedlitz sich die Sozialdemokratie, der er die Entlassung aus seiner Stellung als Präsident der Seehandlung verdankt, und die sein Doppelspiel in der Kanalfrage enthüllt und einiges andere über Herrn v. Zedlitz angedeutet hat, grimmig haßt, aber kann er diesen Haß nicht in der Waschküche des„Tag" zweckmäßiger ausspülen? Das ist doch honorarreicher! Warum er übrigens gleichzeitig mit der Sozialdemokratie immer auch die Freisinnigen angreift, ist schwer zu sagen; die Freisinnigen haben es doch wahrlich nicht verdient, gemeinsam mit den Sozialdemokraten auf die Proskriptions- liste gesetzt zu»Verden. Im Gegenteil, sie bieten sich ja fort und fort den Konservativen als Hülfstruppen gegen die Sozialdemokraten an. Das bewies von neuem der Abg. R o s e n o>v(frs. Vp.), der unmittelbar nachdem sein Partei- freund Eickhoff gegen Herrn v. Arnim aufgetreten war und es als Anstandspflicht bezeichnet hatte, die Sozialdemo- kraten, die sich im Landtage nicht verteidigen können, auch hier nicht anzugreifen, die Geschmacklosigkeit besaß, seine Freunde den Konservativen zum Kampfe gegen den Umsturz in empfehlende Erinnerung zu bringen. Vermutlich wollte er die gute Wirkung der Rede des Abg. Eickhoff abschwächen. Nachdem noch der Abg. Dr. Friedberg(natl.) Herrn v. Rottenburg in Schutz genommen hatte, wurde die Debatte geschlossen und die Weiterberatung des Kultusetats auf eine Abendsitzung vertagt.— 1 . DeutfcbCB Reich. Tie Kündigung der Handelsverträge und der neue General- Zolltarif. Bei den Verhandlungen im Reichstage kündigte die Re- gierung an, daß sie alsbald nach der Annahme der neuen Verträge die alten zu kündigen gedenke, um das Inkrafttreten der neuen Vertragstarife am 1. März 1906 zu sichern. Tatsächlich ist denn auch, wie die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" offiziell meldet, bereits vorgestern der Austausch der Ratifikationsurkunden zwischen der deutschen und der russischen Regierung erfolgt, und zugleich überreichte der deutsche Botschafter in Wien dem Grafen Golu- chowski eine Note, durch die der bisherige Handelsvertrag Oester. reich-Ungarns mit Deutschland auf den 1. März 1996 für den Fall gekündigt wird, daß bis dahin die Auswechselung der Ratifikationen zum neuen Handelsvertrag nicht rechtzeitig erfolgt ist. Ebenso kündigte der deutsche Gesandte in Bukarest den bestehenden rumänisch- deutschen Handelsvertrag auf den 1. März 1996. Die Kündigung tritt ebenfalls nur m Kraft, wenn der neue Zusatzvertrag nicht ratifiziert tverden sollte. Diese Form der bedingten Kündigung mußte deshalb gewählt werden, tveil die neuen Tarifverträge be- kanntlich die Form von Zusatzverträgen zu den bisher gültigen er- halten haben und diese Zusatzverträge ohne das Fortbestehen der sogenannten Hauptverträge— tatsächlich sind ja allerdings die neuen Verträge die eigentlichen Hauptverträge— nicht in Kraft treten können. Indes gedenkt, wie offiziös gemeldet wird, sich die Regierung nicht mit der Kündigung zu begnügen, sondern es soll auch schon in den nächsten Tagen durch kaiserliche Verordnung der neue allgemeine Zolltarif zum 1. März 1996 in Kraft gesetzt werden. Die Meldung hat ettvas Ueberraschendcs. Selbstverständlich ist, daß zu- gleich mit den neuen Handelsverträgen auch der allgemeine Tarif vom 25. Dezember 1992, der sogenannte Kardorffsche Tarif, Geltung erlangt; aber befremdend ist, daß schon jetzt die kaiserliche Ver». ordnung erfolgt. Nach dem K 16 des Zollgesetzes ist diese Ver- ordnung an keine Frist gebunden und hätte deshalb auch ebenso gut erst einige Monate vor dem Inkrafttreten der neuen Verträge er- folgen können. Daß der Erlaß schon jetzt beliebt wird, läßt sich deshalb nur dahin deuten, daß die Regierung einen Druck auf Oesterreich-Ungarn ausüben will, sich mit der Ratifikation des neuen Vertrages zu beeilen. Die Revisionsverhandlung des KSnigSbergcr Prozesses findet am 3. Mai vor dem Reichsgericht in Leipzig statt. Sonntagsruhe in Glashütten. Der Zentral verband deutscher Industrieller hat an den Reichstag eine Petition gesandt um Ablehnung des sozialdemokratischen Antrages die Ein- schränkungen der Sonntagsruhe in den Glas- Hütten aufzuheben. Ober-Regierungsrat Werner teilte in der letzten Sitzung der Petitionskommission nnt, daß in der nächsten Zeit neue Verordnungen des Bundesrats über die zulässigen Ausnahmen von der Sonntagsruhe zu erwarten seien. Es seien sehr um- fangreiche Erhebungen angestellt worden, die zu einer Revision der be- stehenden Verordnungen drängen. Ueber den Inhalt der Ver- ordnungen im einzelnen und über die Lage in der Glasindustrie könne er detaillierte Angaben nicht machen, nur soviel könne er sagen, daß alles, was sich in der Praxis als überflüssig erwiesen habe, fallen gelassen werde. Abg. Horn trat den Behauptungen des Zentralverbandes der Industriellen entgegen. Die Petition wird angesichts der schwebenden Erhebungen dem Reichskanzler als Material überwiesen.— Seltsame Anschauungen fährt der sächsische König fort, vorzutragen. Er besindet sich auf den Reisen in die größeren Städte des Landes, wie sie nach dem Regierungsantritt in Sachsen üblich sind. Am Mittwoch traf er in Chemnitz ein und erwiderte dort auf eine bürgermeisterliche Begrüßungsansprache: „ES freut mich ganz besonders, an dieser Stelle aussprechen zu können, daß ich gesunden habe, daß in unserer Fabrikbevölkerung, die ja vielen Versuchungen und Gefahren �ausgesetzt ist, doch in reichem Matze die Begeisterung und Liebe für König und Vaterland existieren.... Ich hoffe sehr, daß die vor wenigen Tagen im Reichstage zur Verabschiedung gelangten HandelSverttäge mehr Ruhe und Stetigkeit in die vielfach in den letzten Jahren aufgeregten Teile der Industrie bringen werden, und ich hoffe zuversichtlich, daß diese große Tat für unser gewerbliches Leben, welche gleich zu Anfang meiner Regierung sich ereignete, ein günsttges Prognostikon für meine ganze Regierungszeit sein wird." In Chemnitz hat schon seit langem die Mehrheit der Bevölkerung ihre Vaterlandsliebe dadurch beivieien, daß sie fiir die Sozialdemo- kratte einttat. Niemals aber ist die sozialdemokratische Ueberzeugung mehr erstarkt als infolge der industriefeindlichen Zollpolitik, die in den jetzigen.,HandelS"verträgen zum Abschluß gelangt. In der Reichstagsivahl von 1398 siegte der Sozialdemokrat in Chemnitz mit 24 700 Stimmen, im Jahre 1993 aber mit 34 299 Stinimen. Zehn- tauiend sozialdemokratische Stimmen wurden zu erheblichem Teile in dem sächsischen Manchester durch die Zollgesetzgebung geschaffen. welche der sächsische König jetzt als„eine große Tat" anschaut und die er als günstiges On,en fiir seine ganze RegierungSzeit in Anspruch nimmt. Seltsam, sehr seltsam!— Aus dem Großherzogtum Sachsen-Weimar, 28. Februar.(Eig. Ber.) vi« Erhöhung der Steuerfreiheit und eine Ermäßigung der Steuern für die untersten Steuerstufen beschloß heute der Landtag. Dieser Erleichterung gegenüber wurde aber eine empfindliche Verschlechterung durch die Aufhebung der lex Baudert geschaffen. Der Anregung des Abg. Baudert folgend, hatten Regierung und Landtag vor drei Jahren gesetzlich festgelegt, daß alle Ermäßigungen des Steuerkapitals von den Gemeinden bei Erhebung der Gemeinde- Abgaben zu berücksichttgen waren. Diese Bestimmung hat der Landtag wieder aufgehoben. Das Gesetz tritt am 1. Januar 1996 in Kraft. Die Steuerfreihett umfaßt die Erwerbseinkommen bis 599 M. Bis 1999 M. Einkommen sind obligatorisch unter bestimmten Voraussetzungen Steuerermäßigungen vorgesehen.— München, 28. Februar.(Depesche.) Die„Münchener Post" tadelt in schärfster Form das Tanktelegramm des Prinzregcnten an den Reichskanzler anläßlich des Zustandekommens der Handels- Verträge und meint, bei den Verträgen habe Bayern ja nur nach der preußischen Pfeife tanzen dürfen, die bayerischen Gerstenbauer habe man gründlich übers Ohr gehauen und die bayerische Industrie sei der norddeutschen, speziell der rheinischen, geopfert worden „Uebrigens," bemerkt das Blatt,„ist eine Danksagung des Regenten an den Reichskanzler schon einmal einem bayerischen Minister Präsidenten sehr schlecht bekommen."— HuslancL Schweiz. Der Proporz hat gesiegt. Basel, 27. Februar.(Eig. Ber.) Nach vorausgegangenem heftigen Kampfe der Proporzparteien mit den gegnerischen Freisiimigen ist in der gestrigen Volksabstimmung das Jnitiativbegehren betteffend die Proportionalwahl des Großen RatS nnt 5290 gegen 5289, also mit einer Mehrheit von 19 Stimmen angenommen worden. Das ist nicht viel, aber es ist doch der Sieg und die Freisinnigen würden begeistert jubeln, wenn sie ihrerseits mit nur zehn Stimmen Mehrheit das Jnitiativbegehren hätten verloerfen können. Da das Begehren ein vollständig aus- gearbeitetes Gesetz ist, so wird bereits die in einigen Wochen stattfindende Neulvahl des Großen Rates nach demselben vorgenommen werden. Die sozialdemokratische Partei ist nun nicht mehr genötigt, mit einer der bürgerlichen Parteien Kompromisse einzugehen, sie wird ferner auch voraussichtlich ein halbes Dutzend neuer Mandate ge- »Vinnen und mit vielleicht 39 Vertretern ihren Einzug in das neue Parlament halten. Die Kosten werden die Freisinnigen zu tragen haben und dannn ihr unermüdlicher Kampf gegen den Proporz. Aber der Fortschritt, die politische Gerechtigkeit marschiert und siegt!— Frankreich. Untersuchung der Kongo-Greuel. In dem am Mittwoch im Elysöepalaste abgehaltenen Ministerrate beschloß die Regierung, eine unter der Ober- leitung de Brazzas stehende Sonderkomtnission nach Französisch- Kongo zu entsenden, um die dorttgen Verhältnisse zu unter- suchen. Der Ministerrat ermächttgte sodann den Kriegs- und den Marineminister, der Deputtertenkammer einen Gesetzentwurf vorzulegen, wonach die von Militär- und Marine- Angehörigen begangenen gemeinrechtlichen Ver- brechen und Vergehen den ordentlichen Gerichtshöfen zu überlveisen sind. Der Minister des Auslvärtigen Delcassv legte dem Präsidenten Loubet einen Gesetzentwurf zur Unterzeichnung vor, demzufolge die Regierung ihr Einverständnis damit er- klärt, daß die Vollmachten für die gemischten Gerichte durch den Khedive von Aegypten mit Zustimnlung der Mächte auf weitere ftinf Jahre verlängert werden. Die französische Regierung bekundet also wenigstens die Absicht, den Kolonial-Greueln auf den Grund zu gehen und Fürsorge dafür zu treffen, daß begangene Scheußlichkeiten auch eittsprechend gesühnt»verden. Deutschland könnte sich daran ein Beispiel nehmen I— Norwegen. Kristiania, 1. März. Das Ministerium Hagerup hat feine Entlassung eingereicht. Staatsminister Hagerup begründet in seinem Abschiedsgesuch seinen Standpunkt und erklärt, daß eine voll- ständige Klarstellung des Unionsverhältnisses auf der Grundlage der Voraussetzung notwendig sei, daß, wenn Norwegens berechtigte nationale Forderungen nicht in dem Rahmen der bestehenden Staats- Verbindung erfüllt»verden könnten, freiere Fonnen für das Zu- sammenarbeitcn der beiden Völker gesucht»verden müßten. Einseitige norwegische Beschlüsse, die sich auf die Konsulatssache beschränkten, seien nicht geeignet, zum Ziele zu führen. Der Kronprinz erklärte als Regent bei der Empfangnahme des Abschiedsgesuches, daß.er bei der herrschenden Unklarheit nicht sofort eine Entscheidung treffen könne und deshalb die Minister bitte, bis auf weiteres die Geschäfte »veiter zu führen.—_ Kämpfe bei Mnkden. London, 28. Februar. Reuters Korrespondent meldet aus dem Hauptquartier des Generals Kuroki von heute: In dem Kampf um Tsinkhetschen ließen die Russen 293 Tote auf dem Schlachtfelde zurück, ihr Gesamtverlust wird auf mehr als 2999 Tote und Bertvundete geschätzt; auch verloren sie mehrere Maschincngeschühe.— Freitag abend nahmen die Japaner den Tekitki-Hügel, südlich vom Schaho, nicht weit südlvestlich von Witosan. London, 28. Februar. Reuters Korrespondent in dem Haupt- quartier K u r o k i s meldet unter dem 26. d. M.: Die Japaner errangen gestern einen bemerkenswerten Sieg über General Rennen- kämpf, lvichtig besonders wegen des gewonnenen strategischen Vor- teils. Der Kampf fand in einer gebirgigen Gegend statt, 39 bis 45 Meilen östlich von Jentai. Sachetuu, 1. März. Um 3 Uhr nachmittags eröffneten die Japaner mit Belagerungsgeschützen ein heftiges Feuer gegen den Pntilow-Hügel; ungeheuere Wolken Staub und Rauch erheben sich auf beiden Seiten des Hügels, der wie ein Vulkan aussieht. Das Bombardement fetzt sich nach der rechten Flanke fort. Sachet»», 1. März.(Meldung der„Petersburger Telegraphen» Agentur".) Das Artillcriegefecht dehnte sich über die ganze Front in einer Länge von 129 Werst aus. Die im Osten stehende Ab- teilung bei Kudiaza warf die Japaner zurück. Die Japaner wurden auS dem Tunfiliailin-Paß in die Gegend des Gutulin-Passes zurück- geworfen, wo sich ein Jnfanterielampf entspann. Die Gegend beim Putilow-Hügel wurde mit elfzölligen Geschützen beschossen. Die russischen Batterien erwiderten das Feuer. An der Schahobrücke ist ein erbitterter Kamps im Gange. Der in der Nähe befindliche kleine Wald ging in die Hände der Japaner über, die ihn endgültig besetzten. Es geht das Gerücht, daß eine auf der äußersten rechten russischen Flanke im Marsche auf den Liaofluß befindliche japanische Division in Kalama angekommen sei. Die Verluste sind nicht bc- beutend, weil die Angriffe von wenig zahlreichen Truppen aus- geführt worden sind. Eine neue russische Anleihe Paris, 1. März. Nach einer Petersburger Meldung gehen dort die pessimistischesten Gerüchte über die militärischen Opera- tionen in der Mandschurei um. Es heißt, Lin rewitsch habe 19999 Mann verloren und Kuropatkin sei so hart bedrängt, daß ihm nichts anderes übrig bliebe, als sich nach der Mongolei zurückzuziehen, um sich der japanischen Einschließung zu entziehen. Diese Gerüchte»verden zwar amtlich nicht bestätigt, im Gegenteil legt man in amtlichen Kreisen großen Optimismus an den Tag. London. 23. Februar.(Bureau Lassan.)' Die Unterhand. lungen mit belgischen und französischen Finanzkreisen über eine neue russische Anleihe von 399 Millionen Rubel, die durch die jüngsten Ereignisse in Rußland gestört worden tvaren, sind nach einer Brüsseler„Standard"-Meldung wieder aufgenommen worden. Drei Vertreter der französisch-belgischcn Finanzgruppe haben sich nach Petersburg begeben. Verfrühte Friedensgerüchte. Tokio, 1. März. Der Minister des Aeußern, Baron K o m u r a, hielt am 26. Februar an die zurzeit hier versammelten Gouverneure* eine Ansprache, in der er den Friedens» gerächten entgegentrat. Der Minister bestritt ferner, daß in den Beziehungen Japans zu England eine Abkühlung ein- getreten sei und erklärte, die übrigen Mächte ständen zu Japan heute freundlicher als je zuvor. � General Stöffel ist heute, Mittwoch, in Petersburg eingetroffen. Sein Empfang war ein recht lauer. Bei emem städtischen Empfang in Petersburg hielt Stössel eine Verteidigungsrede. Port Arthur sei absolut nicht mehr länger zu halten gewesen. Die Munition sei so gut wie ver- schössen gewesen. Von 17 000 Mann Truppen seien nur noch 4000 übrig gelvesen, die Verwundeten eingeschlossen. Das ist natürlich eine plumpe Lüge. General Nogi berichtete seinerzeit, daß, die Verwundeten ungerechnet. einschließlich der Marinemannschaften 28 000 russische Soldaten in Gefangenschaft geraten seien. Ein späterer Spezialbericht Nogis bezifferte allein die Zahl der nach der Taubenbucht zur Uebergabe ausgerückten Mannschaften von sieben Schützen- Regimentern auf 280 Offiziere und 9000 Mann.— Partei- JVacbr lebten. Heber die Stellung der Partei zu den Gewerffchaften verhandelte der sozialdemokratische Volksverein Solingen. Es wurde nach längerer Erörterung folgende Resolution angenommen: „Die heutige öffentliche Versammlung des sozialdenwkra» tischen Volksvereins zu Dorperhof erklärt es für die Pflicht eines jeden Parteigenossen, soweit eine Getverkschaftsorganisation für ihn in Frage kommt, dieser Organisation beizutreten. Im Interesse der Gewerkschaften, der Partei, wie auch im Interesse deS Emanzipationskampfes der Arbeiter überhaupt, erachtet es die Bei- sammlung jedoch taktisch für verfehlt, die Zugehörigkeit zur Partei von der Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft abhängig zu machen. Nichtsdestoweniger ist es die Pflicht des sozialdemokratischen Volks» Vereins, Hand in Hand mit den Getverkschaftcn zur Erstarkung des gelverkschaftlichen Gedankens zu wirken." Arbeitersekretariate. Als Arbeitersekretär für Barmen ivurde Genosse Krüger aus Halle gewählt. Das bisherige GcwerkschaftSsekretariat in Magdeburg wird in ein Arbeiter- sekretariat umgewandelt._ Eine Geschichte der belgischen Sozialdemokratie. Genosse Louis Bertrand, der belgische Abgeordnete, von dem bereits eine Geschichte der belgischen Genossenschaften erschienen ist. veröffentlicht gegcnlvärtig eine Geschichte der Demokratte und des Sozialismus in Belgien seit dem Jahre 1839. Das Werk wird aus zwei Bänden zu je 699 Seiten bestehen und mit zahlreichen Illustrationen ausgestattet sein. Es erscheint in monatlichen Lieferungen von 60 Seiten. Der Gesamtpreis beträgt 19 Fr., der auch in fünf Raten bezahlt werden kann. Das Werk ist durch eine Vorrede von Vanderveldc eingeleitet. Unser japanisches Parteiblatt, der„Heimin Schimbim", hat aufgehört zu erscheinen. Dank den behördlichen Drangsaliernngen ist dieser Wochenschrift,»vie wir schon kürzlich mitgeteilt haben, der Lebensodem ausgeblasen»vorden. Die letzte vom 25. Januar datierte Nummer des BlatteS, die uns soeben zugeht, gibt in einem„Der Abschied des Heimin Schimbun" überschriebenen Artikel der Welt Kunde von dem unfreiwilligen Ende:„Dies ist die letzte Nummer unseres Blattes. Wir haben uns lieber freiwillig enhchlossen, die Zeitschrift eingehen zu lassen als die Unterdrückung abzuwarten. Auch auf uns passen die Worte in dem berühmten„Abschied der „Neuen Rheinischen Zeitung". Nun ade, doch nicht fiir immer ade! Sie töten den Geist nicht, ihr Brüder! Bald richt ich mich rasselnd in die Höh', Bald kehr ich reisiger wieder I Weiter heißt es in dem Abschiedslvort: Zum Glück für unsere Sache werden einige unserer Genossen eine neue Wochenschrist „Chokugen" herausgeben, welche im vorgeschrittenen Sinne redigiert »verde» soll. Dies Blatt würde in Zukunft als das Zentralorgan der japanischen Sozialisten zu bettachten sein. Ein Wort sei uns zun, Schluß noch gestattet. Japan will als hochzitülisierter Staat gelten, der im Namen der Gerechtigkeit und Humanität gegen das barbarische Nußland Krieg führt. Die Freiheit der Meinungsäußerung»volle man aber nicht in Japan suchen!_ Hu9 InduCtrie und Handel. Jahresabschluß der Diskontogesellschaft. Wie fast alle bisher von den Großbanken veröffentlichten Rechnungsablegungen für das Jahr 1994, so zeigt auch der Jahres- abschluß der Diskontogesellschaft, daß die Banken im ga>»zen keines« wegs so viel besser gearbeitet und solch höheren Nutzen im letzten Jahre erzielt haben, als noch im Dezember meistens in den Börsen- und Großgeschäftskreisen angenommen wurde. Durchweg waren ja bei den Banken die Gelvinnerträge etwas höher,»vie im Jahre 1993, und auch die Diskontogesellschaft hat einen un, ungefähr 3 Millionen Mark höheren Rohgewinn und einen um 1,8 Millionen Mark höheren Reingewinn erzielt; zieht man aber in Betracht, daß seitdem das Kommanditkapital uin 29 Millionen Mark (von 150 auf 170 Millionen) erhöht worden ist, daß die Diskonto- gesellschaft im letzten Jahre viele neue Beziehungen angeknüpft und mit allen Mitteln versucht hat, ihren Geschäftskreis auszudehnen, wodurch die Verwaltungskosten um 1 121 999 M. gestiegen sind, und daß ferner von dem erzielten Mehrgewinn von drei Millionen Mark 850 999 M. aus der Kommanditbeteiligung bei der Norddeutschen Bank in Hamburg und zirka 729 999 M. aus dem Gelvinn an verkauften Effekten herrühren, so erscheint das Resultat keineswegs als so glänzend. wie es vielfach in der Börsen- und Handelspreffe hingestellt»vird. Es ist unverkennbar, die Diskontogcsellschaft hat, nachdem sie vorher sich etwas in den Hintergrund hatte drängen lassen, im letzten Jahre einen energischen Anlauf zur Wiedereroberung ihrer früheren Stellung inmitten der großen Bankinstitute unternommen; aber allzu viel hermcsgekoinmen ist dabei vorläufig noch nicht. Der Bruttogewinn stellt sich einschließlich des auf 497 482 M. sich belaufenden Vortrages aus der vorjährigen Bilanz auf 23 769 932 M. gegen 29 727 927 M. im Vorjahre und setzt sich ans folgenden Erträgen zusammen: 1994 Mark 3 897 473 639 513 Zinsen der Platz- und an- deren Pariwechsel.. Kurslvechsel abzüglich Zinsen Eigene Effekten u. Reports 3 939 917 Provision...... 5 276 846 Zinsenkonto..... 5 953 183 Kommanditbeteiligung bei der Norddeutschen Bank 4 259 999 Sonstige dauernde Beteili- gunge»...... 1 187 031 Diverse Einnahme»... 113 473 Mach Abzug der Verwaltung Zkosten usw. 4 9S7993 M., der Steuern 1 126 248 M., der Abschreibung auf zweifelhafte Forderungen 154 169 M, und der Abschreibung auf die Bankgebäude und innere Einrichtung 401 032 M. bleibt ein Reingewinn von 17 091 470 M gegen 15 276 429 M. in, Vorjahre. Davon soll, wie für da Jahr 1909, eine Dividende von 8Vz Proz. verteilt werden. � Die Bilanz beweist, daß sich"auf fast allen Gebieten das Ge- schüft ausgedehnt hat; unter den Aktiven haben die Debitoren um 58 Millionen, die Reports und Effektenvorschüsse um 13 Millionen Mark zugenommen, während unter den Passiven die Kreditoren um 26 und die Akzepte um 41 Millionen Mark gestiegen sind i jedoch ist diese Ausdehnung des Geschäftsgebiets zum Teil mit einer Verschlechterung der Liquidität erkauft. Die sofort greifbaren Mittel sKassa, Wechsel und Reports) berechnen sich auf 233,57 Millionen gegen 216,95 Millionen in 1903; die Akzepte. Depositen und Kreditoren aber Ivuchsen von 350,44 Millionen auf 426,31 Millionen Mark._ Was hat das Kohlcnsq ndikat vor? Noch vor acht Tagen wurde von einigen meist gut über die Vorgänge im rhcinisch-westfälischen Kohlenrevier unterrichteten Blättern gemeldet, daß in den Kohlen- gruben angestrengt gearbeitet werde, um der nach Beendigung des Bergarbeitcrstreiks hervorgetretenen starken Nachfrage nach Kohlen möglichst zu genügen, und daß deshalb auch das Kohlenst, ndikat von einer Einschränkung der Förderung vorläufig absehen werde. Im Widerspruch zu dieser Meldung hat. wie die„Rheimsch-Wesifälische Zeitung" berichtet, der Ausschuß des Syndikats zur Festsetzung des Forderplanes, der vorgestern in Essen tagte, die Festsetzung der Bc- teiligungsanteile der Zechen für de» Dlonat März verschoben, mit der Begründung, daß die„endgültige Gestaltung der Förderung imd des Absatzes seit Wiederaufnahme der Arbeit sich noch nicht klar übersehen lasse." Allem Anschein nach gedenkt man den Kohlenmarkt knapp zu erhalten. Das ergibt sich auch aus der Begründung, mit der das Zcchenblatt diesen überraschenden Beschluß zu rechtfertigen sucht.„Soviel," schreibt es,„scheint jedoch schon festzustehen, daß für den Absatz der vollen Bcteiligungsmengen kein Markt vorhanden sein wird und mit einer Verringerung derselben in gewissem Umfang jedenfalls ge- rechnet werden mutz. Es ist bekannt und mit obigem in Verbindung zu bringen, daß die vorhandenen Bestände während des Ausstandcs nicht voll in den Verbrauch übergegmtgen sind, und daß vor allem bedeutende Ankäufe in englischen Kohlen getätigt worden sind, deren ?lbnahme auch heute noch nicht als beendigt anzusehen ist. Für Koks hat der Ausschuß die Bcteiligungsanteile für März auf 80 P ro z. festgesetzt. Hierzu ist zu bemerken, daß der Koksversand durch Zuhülfenahine der Bestände auch während der Streikbewegung auf dem ungefähren Umfange der vorhergehenden Atonale hat gehalten Iverdeu können, sowie daß die Kokserzeugung sich im allgemeinen wieder der ursprünglichen Höhe nähert. Wenn- gleich für den Monat März mit einem vermehrten Koksversand inz Vergleich zum Dezember 1904 gerechnet iverden kann, so ist der Bedarf doch nicht genügend erstarkt, um die frühere 34prozentige Verminderung ganz fallen zu lassen." � Die Absichten des Syndikats sind noch nicht deutlich zu erkennen. Fast scheint es aber, als plane man die Produktion einzuschränken und die Zufuhr nach dem Markt knapp zu halten, um dadurch die Borbedingung für Preiserhöhungen zu schaffen. Hamburger Aktiengesellschaften. Das soeben vom statistischen Bureau der Hamburger Steuerdeputation herausgegebene Heft 22 der Statistik des Hamburgischen Staates gibt zur Vervollständigung des Materials über die Einkommenverhältnisse der physischen Steuer- zahlcr einige Angaben über das Einkommen der Hamburger Aktiengesellschaften, die einen interessanten Ueberblick über die EntWickelung dieser Unternehmungsform in dem Zeitraum 1831 bis 1901 ge- währen. Seit 1881 unterliegen die Aktiengesellschaften der Ein- kommcnsteuer. Von diesem Jahre ab bis 1901 ist die Zahl der Aktiengesellschaften von 176 mit zirka lö'ch Millionen Mark Einkommen auf 375 mit 49% Millionen Mark gewachsen. Die Zahl der Gesellschaften hat sich demnach um mehr als das Doppelte, das Einkommen um das Dreifache vergrößert. Während die Steigerung in der Zahl sich, abgesehen von kleinen Unterbrechungen zu Anfang der achtziger und ebenso der neunziger Jahre, ziemlich regelmäßig und in gerader Linie vollzieht, läßt die Entwickelungs- kurve der Einkommenverhältnisse das Auf und Nieder der Kon- jnnkturen erkennen. Nach einem Wachsen der Einkommen Ibck annähernd gleichbleibender Anzahl der Gesellschaften in den Jahren 1381 bis 1884 zeigen die folgenden beiden Jahre 1885 und 1386 einen Rückgang der Einkommen. In dem Zeitraum 1837 bis 1891 loächst sowohl die Anzahl als auch die Summe der Einkommen, 1892 bis 1895 ist wieder eine Periode des Rückganges der Einkommen bei ungefähr gleicher Anzahl. Mit dem Jahre 1396 tritt eine beiderseitige Steigerung ein, die allerdings bei der Einkommensumme ein rascheres Tempo annimmt. Im Jahre 1991 verteilten sich die 375 vorhandenen Aktien» gcsellschaften nach der Höhe ihres Einkommens folgendermaßen: bis 10 000 M. hatten 159, von 10 900 bis 50 000 M. 112, von 50 000 bis 500 000 M. 84 und über 300 000 M. 20 Gesellschaften._ Hua der Frauenbewegung. Frauen im Postdienst. Der Verband fortschrittlicher Fraucnvcrcine in Berlin petitio- niert beim Slleich-stage um Zulassung der weiblichen Postbeamten zu den höheren Stellen des Post- d i e n st e s durch Freigabe der Sekretärprüfung. Die Petitums» kommission beschäftigte sich am Mittwoch mit der Eingabe. Ter Regicrungsvertretcr. Obcrpostrat Granzow, erklärte die Bitte für unerfüllbar; erstens seien keine Stellen verfügbar, die Post wisse schon nicht, wie sie das männliche Personal, das Anspruch auf diese Stellen habe, unterbringen solle. Speziell bei dem Sekretärdienft habe die Postverwaltung mit den Militäranlvärtern zu rechnen. Wenn die Poswcrivaltung 1400 Assistentenstellen verfügbar habe. müsse sie 600 von vornherein abziehen, die den Militäranwärtern vorbehalten bleiben. Und diese Leute machten meist die Sekretär- Prüfung, so daß man weitere Kreise gar nicht zur Bewerbung um diese Stellen zulassen könne. Dann aber spreche gegen die Petition auch die Untauglichkcit der Frauen für diesen Dienst. Die Schweiz, Schweden und Norwegen, Belgien und England hätten überall die Erfahrungen gemacht, daß Frauen als Vorsteherinnen größerer Postämter nicht verwendbar seien; sie können keinen Nachtdienst tun, eigenen sich nicht zur Aufsicht und zu schwierigeren Arbeiten. Außerdem sei der Prozentsatz der Er- krankungen viel größer als bei Männern und die Invalidität trete viel früher ein. Belgien beginne damit, die Fraucnbcschäftigung wieder einzuschränken.— Mit diesen Erfahrungen deckten sich auch die Erfahrungen der deutschen Rcichs-Postverwaltung. Der Referent Abg. Mugdan beantragte Ucbcrgang» zur Tagesordnung. Unter Ablehnung eines sozialdemokratischen An- träges, die Petition wenigstens dem Reichskanzler als Material zu überweisen, wurde nach dcni Antrage des Referenten beschlossen. Soziales. Der Kampf gegen die Jnvalidmente. In dem Bestreben, die Kosten der Invalidenversicherung herabzudrücken, hat die Versicherungsanstalt Brandenburg zu einem Mittel gegriffen, das man nicht unwidersprochen lassen darf. Sie hat sich an die Aerztekammer der Provinz gewandt mit einer Darlegung über die Grundsätze für die ärztliche Be- gutachtung der Erwerbsunfähigkeit im Sinne des Invaliden- gesetzes, in der es unter anderein heißt: 1. Es herrscht vielfach über den Begriff der Erwerbsunfähig- Kit noch eine gewisse Unklarheit. Derselbe wird häufig mit dem der Berufsinbalidität verwechselt. Die Fassung des§ 3 Absatz 4 des Jnbatidenversicherungs-G es etzeS kann allerdings leicht zu Mißver- ständnissen Veranlassung geben. Der Wille des Gesetzgebers ist aber zweifellos dahin gegangen, daß Erwerbsunfähigkeit nur dann angenommen werden soll, wen» der Versicherte das gesetzliche Drittel nicht mehr auf dem allgemeinen Arbeitsmarlte verdienen kann. Wenn man den ganzen Arbeitsmarkt überblickt, so gibt es oft eine Menge von Beschäftigungsarten, die von dem Renten- bcwerber sehr wohl noch geleistet werden können, obwohl er in seinem Berufe keine Verwendung mehr siuden kann. Diese Auffassung über den Begriff der Erwerbsunfähigkeit widerspricht dem Gesetze. Was hier die Versicherungsanstalt Brandenburg als„Wille des Gesetzgebers" ausgibt, das war der Inhalt des alten Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Gesetzes. Danach galt als erwerbsunfähig, wer dauernd ausser stände war. durch„eine seinen Kräften und Fähigkeiten ent- sprechende Lohnarbeit" ein Drittel zc. zu verdienen. Weil dies dazu geführt hatte, den Versicherten, die sich um Rente be- warben, jede beliebige Arbeit zuzumuten, zu der sie nach rein mechanischer Abschätzung ihrer Kräfte und Fähigkeiten für fähig gehalten wurden, deshalb ist in das neue Gesetz der Satz eingeschaltet worden, daß auch die Ausbildung und der bisherige Beruf der Bewerber bei der Prüfung ihrer Erwerbsfähigkeit billige Berücksichtigung finden sollen. Die Nichtberücksichtigung dieser ausdrücklichen Gesetzes- Vorschrift in den Tarleaungen der Versicherungsanstalt Brandenburg, die einer Irreführung der Gutachter recht ähnlich sieht, steht in auffälligem Widerspruch zu der buch- stabengetreuen Korrektheit, hinter die sich unsere Behörden sonst zu verschanzen belieben. Dieser übereifrige Kampf gegen angeblich unberechtigte Rentengewährung ist auch kein Ruhmesblatt der deutschen Sozialpolitik._ Die ärztliche Ehre. Die„Chemnitzer Allgemeine Zeitung" berichtet: „In aller Stille hat sich in Dresden ei» folgenschwerer Konflikt entsponnen, der zwar scheinbar nur unter den Acrzren ausgebrochen ist, in Wahrheit aber dem alten Gegensatz zwischen den Anhängern der vielgerühmten freien Aerztcwahl und ihren Gegnern gilt. Tie Dresdener Orts-Krankenkasse war der auch von uns gegebenen An- rcgung gefolgt, Schritte zur sozialen Sichcrstellung ihrer Acrztc zu tun. Ohne diesen irgend ein Opfer zuzumuten, beschloß sie aus eigenen Mitteln die Pensionsberechtigung ihrer Aerzte, Unkünd- barleit nach zehn Jahren und bedingungslose Pensionsberechtigung mit dem sechzigsten Lebensjahrs oder nach fünfundzwanzig Dienst- jähren. Allgemein erkannte man, daß das Institut sehr anständig gehandelt habe und über die Leistungen anderer Organisationen weit hinausgegangen war. Nebenher freute man sich in ärztlichen Kreisen, daß wenigstens in Dresden aus absehbare Zeit der Frieden zwischen Acrzten und Kasse gesichert war. Allein den jüngeren Elementen paßte diese Wendung durch- aus nicht. Der den Aerzten ohne irgend einen neuen beiderseitigen Vertragsschluß einseitig gewährte verbessernde Zusatz zu ihrem Vertrage sei, so argumentierte man, ein neuer Vertrag, der der Genehmigung des Bczirksvereins bedürfe. Da dieser Interessent und Richter in einer Perjon ist und die jüngeren Herren die Mehr- zahl bilden, so war es mützig, sich über den Ausgang einem Zweifel hinzugeben. In Beschlüssen wurde denn auch sofort vom ärztlichen Bezirksvercin festgelegt, daß diese Pensionsberechtigung zu ver- werfen sei. Danüt war der Riß in der Dresdener Aerzteschast vollzogen, und die Entwickelung nahm einen anderen Gang, als man geglaubt hatte, lieber 50 beteiligte Dresdener Aerzte riefen zunächst auf dem Beschwerdewege die Intervention der Kreishaupt- Mannschaft Dresden an, gleichzeitig aber auch verlangten sie die Stellungnahme des Ehrcnrates des ärztlichen Bezirksvereincs zu der das materielle Interesse der beteiligten Aerzte gefährdenden Resolution. Nun verlautet, dieser Ehrenrat habe, zweifellos auf den Rat seines juristischen Beisitzers Rcgierungsrat a. D. Prof. Dr. Schanze, dahin erkannt, daß in der Annahme dieser Pensionsberechtigung ein Vergehen gegen die Standcswürde nicht gefunden werden könne. Gleichviel ob der Bezirksvercin nun an den Ehrcngcrichtshof appelliert oder nicht, so ergibt sich aus der Beschwcrdcschrift an die Kreishauptmannschaft, daß der angefochtene Beschluß unstatthait ist; der einseitig? Liberalitätsakt der Verleihung einer Wohltat durch die Krankenkasse sei, so wird darin ausgeführt, kein erneuter Vertrag, der einer Genehmigung bedürfe. Aber gesetzt auch, sie wäre nötig, so mußte ihn der Bezirksvercin schon darum billigen, weil er seinerzeit die ersten Verträge genehmigte, und da er die Pflicht hat, die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder zu fördern, so durfte er nichts tun, was ihre Lage verschlechtert, wohl aber alles, was sie zu bessern geeignet ist. Ein direktes oder in- direktes Verbot der Annahme wäre ein Eingriff in das durch zwanzig Jahre wohlerworbene Recht der fixierten Aerzte. Hierzu kommt eine einleuchtende gesetzliche� Erwägung. De: Paragraph 15 der ärztlichen Standesordnung räumt den Bezirks- vereinen das Recht der Begutachtung über diejenigen Verträge nicht ein, die vor dem Inkrafttreten der ärztlichen Standcsordnung, 1. Januar 1905, abgeschlossen worden sind. Dieser Fall liegt hier vor, und der Bezirksvercin hatte mithin kein Recht, sich zu der ein- scitigen Melioration der Orts-Krankenkasse gutachtlich zu äußern, geschweige denn, seinen Mitgliedern deren Annahme zu verbieten. Im übrigen ist die Behauptung weder erwiesen, noch crweisbar, daß eine solche Pensionsberechtigung den Interessen der gesamten Aerzteschast widerspreche."_ Das Kammergericht erklärte eine Negierungs-Polizeivcmdnung in Schleswig-Holstein für gültig, welche die Aerzte verpflichtet, den Kreisärzten über die Patienten mit ansteckenden Krankheiten rcgel- mäßig Mitteilungen zu machen, mit Angaben von Namen und Stand der Betreffenden. Die Verordnung fände ihre Stütze im§ 6k des PolizeiverwaltungS-Gesctzes, wonach zu den Gegenständen Polizei. lichcr Regelung die Sorge für Leben und Gesundheit gehöre. Die Bestimmung beä Strafgesetzbuches über die Geheimhaltung von Privatgeheimnissen durch Aerzte usw. finde nicht Anwendung bei Mitteilungen, die die Aerzte dem Kreisarzt über ihre Patienten mit ansteckenden Krankheiten zu machen hätten.— Sei nun auch eine solche Verordnung, die der Bekämpfung der ansteckenden Krank- hciten diene, in Schlcswig-Holstein gültig, so würde sie doch, wenn hier erlassen, in den alten preußischen Provinzen u n- gültig sein, da ihr hier das Sanitätsregulativ über die an- steckenden Krankheiten von 1335 entgegen stände. Vom schweizerischen Arbeiterbund. Das leitende Komitee des schweizerischen Arbeiterbundes hielt am Sonntag in Zürich seine Jahressitzung ab, in der beschlossen wurde, an der seit Jahren erhobenen Forderung von 5000 Fr. für einen italienischen Adjunkten des Arbeitersekretariats festzuhalten und ein neues Gesuch an den Bundesrat zu richten. Darüber soll auch noch auf dem zu Ostern in Alten stattfindenden Arbeitertag ver- handelt werden. Ferner wurden auf die Tagesordnung desselben gesetzt: die Krankeiivcrsichcrnng und die Revision des eidgenössischen Fabrikgesetzes. In dem gleichzeitig für 1904 erschienenen Jahresberichte des ArbeilerbundeS teilt der leitende Ausschuß das auf Verlangen des Bundesrates revidierte Reglement des ArbcitersekretariatS mit. das schließlich doch noch eine annehmbare Gestalt erhalten hat. So ist als neue Aufgabe eingefügt worden„die Förderung der gcwerk- schastlichen Organisation durch Gutachten und statistische Arbeiten über den Bestand der Organisation und die Borgänge im Wirtschaft- lichen und Gewerkschaftsleben", womit nun auch formell und offiziell das Arbcitersekretariat in den Dienst der Gewerkschaftsbewegung gestellt ist. Eine bittere Pille ist die Bestimmung. daß das Aröeiiersekrekariat m Streikfällen eine„objektive Haltung�«fe- nehmen soll, eine unerfüllbare Zumutung, deim das Arbeitersekretariat ist keine neutrale Institution, sondern eine Einrichtung zur Ver- tretuiig der Arbeiterintercsseu. Es ist also Partei und soll Partei sein und danach allein mutz sich seine Haltung in Streikfällen richten. Das Arbeitersekretariat widmet einleitend in seinem Berichte den christlichen Gewerkschaften längere Betrachtungen, in denen es denselben die Existenzberechtigung bestreitet und schließlich der Hoff- innig Ausdruck gibt, daß das einige, durch keine Konfession gestörte Vorgehen der Unternehmer auch die heute noch getrennten Arbeiter zusammenführen wird. Sodann wird die Weiterentwickelung der schweizerischen Gewerkschaftsbewegung überhaupt eingehend be- sprochen und die Bildung von Jndustrieverbänden, die zum Teil bereits geschehen, empfohlen. In bezug auf die Lohnstatistik erfährt man, daß die Erhebungen in Winterthur und Umgebung im Januar 1905 beendet wurden und im Laufe des nächsten Sommers das erste Heft darüber erscheinen wird. Die Erhebungen in der Appenzeller Hausindustrie sollen in diesem Frühjahr begonnen Iverden. Daran schließen sich Mitteilungen über verschiedene Arbeiten, so über die Untersuchung der Verhältnisse in den katholisch- kapitalistischen Arbeiterinnenheimen. Ueber den Heiiiiarbeiterschutz-Koiiqretz der deutschen Arbeiter in Berlin, an dein Arbeiteriekretär Greulich tcilgenonimeii, wird ebenfalls berichtet. Ueber die Arbeits- und'Lohnverhältnisse, namentlich in den Spinnereien, werden verschiedene Mitteilungen gemacht, die neuer- dings die empörende Ausbeutung der Textilarbeiter illustrieren. Auskünfte wurden ini Hauptbureau in Zürich 1022, vom Adjunkten Reimann in Biel 2356 und von Sigg in Genf 1464 er- teilt. Beide Adjunkten berichten eingehend über die GewcrkschastS- bewegung in der Westschwciz. über die im Berichtsjahre vor- gekommenen gewerkschafrlichen Kämpfe und ihre Erfolge über die Arbeits- und Lohnverhälinisse in verschiedenen Gewerben und Industrien und städtischen Unternehmungen, über den Abschluß von Tarifverträgen zc. Mau ersieht aus allen diesen Miileilungen, wie doch daS ganze Jahr hindurcy ein großer Teil der schweizerischen Arbeiter am Werke ist, ihre Verhältnisse zu verbessern und in allen Richtungen materielle und sittliche Fortschritte zu machen. Die Rechiiung zeigt eine Ausgabe von 23 763 Fr. für das Arbeitersekieiariat und 3470 Fr. für die Lohnstatistik. Die Kosten der letzteren sollen ans ciiicm Ertrakredit des Bundes von 12 000 Fr. bestritten werden. Versammlungen. Tie Vertraiieiismäiiner des Holzarbciterverbandcs berieten in ihrer Versammlung, die am Mittwoch in Kellers Saal stattfand, über die Einführung der Krankenunterstützung für die Berliner Mitglied- schafl des Verbandes. E r n c r, der das einleitende Referat hielt und den Nutzen einer Krankenunterstützung eingehend darle-Ae, empfahl die Einführung derselben zum 1. Oktober d. F. Er regte zwei Entwürfe zur Diskussion vor. Der erste derselben sieht einen Wochenbeitrag von 75 Pf. vor(bisher beträgt der ordentliche Beitrag 60 Pf.), dafür soll außer den bisherigen Leistungen eine Kranken- Unterstützung von 1 M. pro Tag für 26 Wochen im Jahre nach einjähriger Mitgliedschasst und einer Woche Karenzzeit gewährr werden. Der zweite Entwurf rechnet mit einem Beitrage von 70 Pf. und will außer den bisherigen Leistungeii eine Krankenunterstützung gewähren, welche nach einer Karenzzeit von einer Woche für 13 Wochen im Jahre gezahlt wird, und zwar in der Höhe von wöchentlich 3 M. nach einjähriger, 4,50 M. nach zweijähriger, 6 M. nach dreijähriger Mitgliedschaft.— Die Vorschläge Exners wurden lebhaft diskutiert. Es traten verschieden« Meinungen zutage, so« wohl über die grundsätzliche Stellung zur Krankenunterstützung als auch über die Einzelheiten der Ausführung, falls sie angenommen werden sollte. Es wurde beschlossen, die Exnerschen Vorschläge in den Werkstellcn- und Bczirksvcrsammlungcn zu besprechen und die nächste Vertraucnsniännervcrsammlung darüber entscheiden zu lassen. Die Verwaltung wurde beauftragt, eine Kommission einzusetzen, welche die weitere Bearbeitung dieser Angelegenheit cniSzufiihrcn hat. Außerdem faßte die Versammlung folgende Beschlüsse: Ter aus Anlaß der Aussperrung auf 1 M. erhöhte Beitrag wird in dieser Höhe bis zum 1. April erhoben. Von da an tritt, falls die Kranken- Unterstützung abgelehnt tverden sollte, wieder der ordentliche Beitrag von 60 Pf. in Kraft.— Die Arbeitslosenunterstützung von ö M., welche wegen des Kampfes gegen den Arbeitsnachweis der Innung an die Mitglieder gezahlt wurde, die dem Verbände erst 26 Wochen angehören, fällt fort, weil der Kampf gegen den Arbcitsnackyveis mit dem Abschluß des Vertrages beendet ist. Für die Arbeitslosen- Unterstützung gelten nunmehr die statutenmäßigen Bestimmungen. wonach dieselbe erst nach einjähriger Mitgliedschaft bezogen werden kann._ Letzte Nachrichten und DepeFchen. Köln, 1. März.(28. T. B.) Die Kriminalpolizei erfuhr, daß Diebe, die kürzlich einen großen Juwelendicbstahl in Berlin anS- führten, sich hier aufhalten. Den Dieben gelang es gestern, den Beamten zu entwischen; ein Paket mit Wertsachen von mehreren tausend Mark wurde jedoch beschlagnahmt. Drei Hehler wurden verhaftet und drei Diebe erkannt._ Die ungarische Krise. Wien, 1. März.(W.T.B.) Der Ministerpräsident Graf Tisza wurde heute nachnnttag vom Kaiser in längerer Audienz empfangen; er unterbreitete dem Monarchen Vorschläge bezüglich weiterer Be- Handlung der KrisiS. Mehrere Politiker verschiedener Parteien werden nunmehr vom Kaiser empfangen werden. Zur Obstruktion des italienischen Eisenbahnpersonals. Rom, 1. März.(W. T. B.) Senat. In Beantwortung zweier Interpellationen betreffend die Obstruktion des Eiscnbahnpersonals erklärt der Minister der öffentlichen Arbeiten Tcdesko, um nur einen Teil der Forderungen dieses Personals zu befriedigen, müßte mau 100 Millionen verausgaben.(Bewegung.) Die Regierung habe die Forderungen geprüft; sie habe den Gesetzentwurf betreffend Ver- staatlichung der Eisenbahnen eingebracht, der viele Vorteile aufweise, die auch dem Eisenbahnpersonal zugute kommen würden; mehr glaube die Regierung nicht geben zu können und dürfen. Bezüglich des Obstruktionismus erklärt der Minister, daß er mittels derselben Bestimmungen besiegt Iverden köniic; eine bemerkenswerte Besserung sei schon eingetreten. Die Eisenbahngesellschaften hätten angeordnet, daß die Beamten die Verfügung des Reglements ausführen und wollen diejenigen bestrafen, welche das Reglement in böswilliger Weise ausführen; er wiederhole, die Regierung wache darüber, daß die Gesellschaften das Reglement voll und ganz aufrechterhalten. Nach einer heute ciugegaiigrncn Depesche scheine das Personal von dem Obstruktionismus abzulassen, man rechne auf eine all- mähliche Wiederherstellung des Dienstes, die Regierung halte es nicht für nötig, zu Ausnahmciiiaßrcgcln zu greifen, da die gewöhnlichen Gesetze für diesen Zweck ausreichten.� Die Regierung habe das Bewußtsein ihrer Pflickr und werde sie erfüllen.(Beifall.) Es werden darauf mehrere Tagesordnungen eingebracht, deren Beratung aus morgen angesetzt wird._ Tie Revolution in Rustland. Warschau, 1. März.(W.T.B.) In de» Nei, icren Fabriken fängt der Ausstand von neuem an. Die Stadt ist� beunruhigt. Palrouillru durchziehen wieder in größerer Zlnzahl die Stadt. Eine Reihe von kaufmännischen AugesteUtcii, die Schuhmacher und die Ticustboten find in den Ausstand getreten.. LuganSk. 1. März.(W. T. B.) Heute begannen 4000 Arbeiter der Hartmannwerke den Ausstand. Morgen werden Delegierte der Arbeiter der Fabrikverwaltung die Forderungen der Urbeiter mitteilen. Bisher ist die Ruhe nicht gestört worden, doch befürchtet man ernstliche Verwickelungen, da noch 3000 Arbeiter anderer Fa- briken und 500 Ladeiiverkäufcr in den Slusstand zu treten bcab- sichtigen._ Bercmtw.Red.: Franz Rehbcin, Berlin. Lnserateverantw.(mit?liiSnahmc dcr,NeueBelt'-Bcil!ige):Th. Glocke, Berlin. Druck u.Berlngi BorwättZ Buchdr. u.Berlagsanst.Paul Singer sc Eo.Berlin S'iV. Hierzu'! Beilagcnu.Uiitcrhaltnngsbl. Nr. 52. 22. IahrMß. 1. KcilM des„Wimits" Kerlim AslksM Donverstag, 2. Mar; MS. Reichstag* 162. Sitzung dom Dienstag, den I.März 1906, nachmittags 1 Uhr. Am BundeSratStische: Graf PosadowSky. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Beratimg deS Etats des Reichsamts des Innern nebst den bereits mitgeteilten 21 Resolutionen. Abg. Trimborn(Z.): Abg. Bruhn hat sich über das überstürzende Tempo der Sozial- reform, an dem auch nieine Freunde schuld seien, beklagt. Tat- sächlich ist aber besonders das letzte Jahr ganz unfrucht- bar gewesen. Lediglich das allerdings wichtige Gesetz über die Kaufmannsgerichte ist zustande gekommen. Die Sozialdemokratie hat dieses Gesetz beinahe zu Falle gebracht und ist deshalb von ihren eigenen Parteigenossen in Bremen getadelt worden. Das Proportionalwahlsystem wird sich bei den Kaufniannsgerichten be- währen. Eine größere Einheitlichkeit der Stawten wäre Wünschens- wert.— Wir wünschen das Proportionalwahlsyftem auch für die Orts-Krankenkassen.— Ende dieses Jahres ist durch Verordnung des Bundesrats durwgesetzt worden, daß eigene Kinder unter 10 Jahren nicht mehr beschäftigt werden.— Auf der Weltausstellung von St. Louis und auf dem internationalen Sozialistenkongreß ist die deutsche Arbeiterschutz-Gesetzgebung anerkannt worden, und der fran- zösische Sozialist Millerand hat auf der Internationalen Kon- ferenz für Gesetzgebung und Statistik zu Basel die deutsche Sozial- gesetzgebung als„erhabenes Kulturwerk* bezeichnet, das „überall Anerkennung* verdiene.(Hört! hört! rechts.) Die Kranken- und die Invalidenversicherung muß auf die Heimarbeiter ausgedehnt werden. Der Bundesrat hat daS Recht, die? jederzeit zu tun. Seit zehn Jahren aber hat er in dieser Richtung nichts getan. Es ist das vielleicht die schwierigste Aufgabe der gesamten Sozialpolitik. Aber es muß durchgesetzt werden. Die Leure, die das bekämpfen, sind überhaupt gegen alle Sozialreform. Sie sagen: Ruhe wollen wir haben!(Heiterkeit.)— Die verschiedenen Versicherungen sollten möglichst zusammengelegt werden. Dahin hat sich der Reichstag schon vor Jahren mit großer Mehrheit ausgesprochen. Der Herr Staatssekretär hat damals diesen Gedanken als nicht„unberechtigt* erklärt. Er hat dann weiterhin selbst den unzweifelhaft richtigen Gedanken ausgesprochen, daß ein gemeinsamer Unterbau für alle Versicherungen iu lokalen Versicherungsstellen, an die sich jeder zunächst zu wenden habe und die in jeder Gemeinde vorhanden sein müßten, zu schaffen seien. Das wäre allerdings die Lösung der Frage. Als Keim für diesen Unterbau, der sich später entwickeln sollte, hatten wir die lokalen Rentenstellen geschaffen. Aber leider ist nur in Beuthen O.-S. eine solche tatsächlich eingerichtet worden. Würden diese Rentenstellen auf alle großen Industriezentren ausgedehnt werden, so könnten eine Menge Erfahrungen gesammelt werden, die bei der späteren Schaffung des gemeinsamen Unterbaues sehr wertvoll sein dürsten. Zur Frage der Versicherung der Privatbeamten versprach im Vor- jähre der Staatssekretär, daß er das von den privaten Organisosionen gesammelte Material aufarbeiten und wenn es geeignet fei, uns werde vorlegen lassen. Ich möchte heute stagen, ob und wann uns diese Statistik zugehen wird.— Ehe ich das Versicherungswesen verlasse, muß ich den Klagen über den Schwindel Ausdruck geben, der mit den eingeschriebenen Hülfskaffen getrieben wird. Zwar unterstehen sie nicht dem Reichs- AuffichtSamt' für Privatversicherung, sondern der landesgcsetzlichen Handelspolizei, aber wenn man die Beschwerde hier vorbringt, spart man sie sich in LS Einzelparlamenten. Die Frage der Sonntagsruhe und die Begründung der Anträge, die wir auf ihre Ausdehnung im Handel gestellt haben. späteren AuSfiihrungen meines Kollegen Jtschert. ich mich nur gegen den Abgeordneten Pauli gestern sagte, Befreiungen von der Sonntagsruhe im äußersten Notfalle bewilligt. Ich weiß nicht, ob daS eine Klage oder eine Feststellung war. Nach meinen Erfahrungen aus Süddeutschland und Mitteldeutschland ist das Gegenteil leider der Fall.— Dem Abg. Raab gebe ich zu, daß die Frage der Sonntagsruhe für Binnenschiffer besonder? dringend ist. Der Beirat für Arbeiterstasistik ist mit dieser Frage seit Jahren be- schäfttgt, aber er arbeitet sehr langsam. Er scheint mir überhaupt völlig überlastet zu sein.— Zur Frage des Z e h n st u n d e n- t a g e S hat gestern der Abg. P a ch n i ck e erklärt, daß seine Freunde seiner generellen Einführung fiir erwachsene männliche Arbeiter nicht zustimmen würden. Herr Pachnicke meinte, die Industrie könne eine so gewaltsame generelle Regelung nicht vertragen i aber wir wollen sie ja mit einem sorgfältig ausgearbeiteten System von Ausnahmebestimmungen umgeben, wie etwa die Sonntagsruhe.— Der Schutz der Bauarbeiter ist so gering ge- blieben, wie er in den Vorjahren war, die Zahl der Unfälle ist noch immer außerordentlich groß.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Die Regierung hat eine Verordnimg über die Bleihütten und über die Bleiverwendung angekündigt, wo bleibt sie? Schon vor drei Jahren erwirkte mein Freund Hitze vom Staatssekretär das Ver- sprechen, ein Verzeichnis der gesundheitsgefährlichen Betriebe an- zulegen. Wann wird cS ansiefertigt werden? Auf die Frage der Fabrikinspestion gehe ich nicht ein. Mein Freund Erzbergcr hat sie im Reichstage und der Abg. Sittart im preußischen Landtage ausführlich behandelt. Meine bayrischen Parteifreunde erstären den Borwurf des Abg. Wurm, daß sie gegen die Ausdehnung der Fabrik- inspektion gewirkt haben, für gänzlich unberechtigt.(Sehr wahr l im Zentr.). Die Wüniche betreffs deö Arbeiterrechtes haben wir schon neulich, am 30. Januar, geäußert. Wir sprechen den Wunsch auö, daß noch in dieser Session hierzu eine Vorlage kommt, und daß in ihr nicht nur privatrechtliche Fragen gelöst werden, sondern auch vereinsrecht- liche. Ich spreche die dringende Hoffnung aus, daß ein gut Stück der Sicherung des Koalitionsrechtes in ihr ent- halten sei. Spätestens in der n ä ch st e n Session muß eine Vorlage über die Arbeitskammern kommen, und bei dieser Gelegenheit werden wir mich die sozialdemokratischen Anregungen gern benutzen. Wer die Berechtigung des Streiks als Waffe im wirtschaftlichen Kampf nicht nur theoretisch anerkennt, muß auch die Berechtigung der Streikposten anerkenn e n. (Beifall links und im Zentrum.) Beim Metallarbeiterstreik habe ich von einem durchaus zuverlässigen Manne— er rechnet sich zu Ihnen (zu den Sozialisten), aber so ganz doch nicht(Heiterkeit.)— gehört, daß Streikposten bis zum Abend von den Behörden festgehalten worden.(Hört! hört I bei den Sozialdemokraten.) DaS darf nicht so weiter gehen! Alle meine Freunde sind der Ansicht, daß gegenüber den wirk- lichen Nöten des Mittelstandes die Sozialpolisik nicht versagen darf. tSehr richsig I im Zentrum.) Aber allerdings muß man vom Mittel- stand, der aus wesentlich selbständigen Existenzen besteht, im höheren Grade erwarten, daß er sich durch Selbsthülfe emporarbeitet. Diejenigen Kreise aber de? Mittelstandes, die über die Arbeiter« fürforge schimpfen, sind ungeheuer kurzfichsig. Es gäbe keine Mittel- standspolisik, wenn die öffentliche Meinung nickt erst durch Arbeiter- polisik auf den Gedanken der Sozialpolisik überhaupt aekoimnen wäre. Die Kaufmannsaerichte wären nicht ohne die Gewerbcgerichte. der Gedanke der Privatbeamten- Versicherung nicht ohne die Arbeiter- Versicherung möglich usw. Die Erklärung deS Herrn Staatssekretärs gegen den Befähigungsnachweis im Handwerk veranlaßt mich, ein paar Worte darüber zu sagen. Wir fordcm z. B.. daß nur der geprüfte Meister Lehrlinge halten dürfe. Wie denkt die Regierung hierüber? Auch nilht-zünftlerische Handwerker erheben diese Forderung.— Dringend unterstützen meine Freunde die Forderung auf überlasse ich Heute will wenden, der würden nur �Abgrenzung zwischen Handwerk und Fabrik. kZur Beseittgung des Schmiergelder- und BestechungS- f w e s e n S ist nnt Selbsthülfe nichts zu erreichen. Auch bei uns wird nur der Weg der Gesetzgebung helfen, wie er in England und den Vereinigten Staaten bereits eingeschlagen ist; und zwar müßten sowohl der Bestechende ivie auch der Bestochene bestraft werden, sonst bliebe das Gesetz ohne den beabsichtigten Erfolg. Wir werden deshalb in den nächsten Tagen mit einem dahingehenden Antrag an das HanS herantreten. Die kaufmännische Standesbewegung hat durch die Kaufmanns- gerichte einen starken Anstoß erfahren. Ich für m e i n e P e r s o n halte aber auch die Forderung nach Handelsinspektoren für vollkommen berechtigt und steue mich, daß die Petittons- kommission mit Mehrheit eine dahin strebende Petttton dem Reichs- kanzler zur Erwägung überwiesen hat. In der großen sozial- pollttschen Rundschau über das verflossene Jahr ist nur eines Er- eignisses von besonderer Tragweite zu gedenken, des Bergarbeiter- streikS. In diesem Falle haben die Einigungsverhandlungen vor Aus- bruch deS Streiks leider völlig versagt. Man sprach doch schon seit Monaten davon, daß der Streik kommen werde. Die Vorsitzenden der Gewerbegerichte haben die Pflicht, die Arbeiterbewegung ihres Bezirks sorgsam zu verfolgen. In den letzten Jahren war die Arbeit des Staatssekretärs durch die Handels- und Agrarpolittk außerordentlich in Anspruch genommen. Wir haben das Gefühl, daß wir den relativ bestiedigenden Abschluß, den wir da erzielt haben, auf grund der ungemeinen Arbeitsleistung und Krastansttengung im Reichsamt des Innern, insbesondere auf feiten des Staatssekretärs. erreicht haben. Wir sind voller Anerkennung für diese unendliche Mühe und Arbeit(Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts), aber wir haben zu dem erprobten Lokomottvführer der deutschen Sozial Politik das Vertrauen, daß es nun auch auf dieser Bahn wieder rasch vorwärts gehen wird und daß das Jahr 1905 reicher an sozial politischen Ergebnissen sein wird als das Jahr 1904.(Bravo! im Zentruin.) Abg. Wurm(Soz.): Die Sozialpolitik, welche das Zentrum treibt, ist trotz aller schönen Ausführungen des Abg. Trimborn nicht die richtige. Wenn das Zentrum auch nur ein Zehntel dessen, was eS verspricht, durchsetzen wollte. so hätte es bei seiner großen politischen Macht und bei der Unterstützung, die es jederzeit von unserer Partei in diesen Fragen erhält, reichlich Gelegenheit dazu. Gerade Abg. Trimborn hat es jetzt bewiesen, daß seine Partei nicht den rechten Willen hat, all die schönen Versprechungen durchzu- führen. Er führte nämlich gegenüber dem Abg. Pachnicke aus, seine Partei sei nicht für eine generelle Regelung des Zehnstundentages, sondern für ein ganzes System von Ausnahmen. Ihr Antrag, mit dem Sie vor das Volk treten, lautet aber ganz anders.(Zuruf beim Zentrum: Die regelmäßige Arbeitszeit soll 10 Stunden betragen!) Ja. wollen Sie es denn vielleicht so verstanden wissen, daß Sir die Regel zur Ausnahme machen wollen?(Heiterkeit bei den Sozial- demokraten.) Abg. Trimborn hat erklärt, daß die Maximalarbeitszeit ebenso viele Ausnahmen bekommen soll als das Gesetz über die Sonntags- ruhe. Das SonntagSruhe-Gesetz ist aber durchlöchert wie ein Sieb. Und eS ist nicht wahr, daß das Zentrum zuerst die Sonntagsruhe beantragt hat. Unser Antrag lvar der ftühere.(Widerspruch beim Zentrum.) In der Kommission wurde Ihr Antrag allerdings am L. Juni, unserer erst am 3. Juni eingebracht, aber Ihr Antrag war nichts anderes als die Wiederholung unseres Antrages vom 8. Mai. Aber das find ja Kleinigkeiten. Als unser weiter gehender Antrag dann zur Verhandlung kam, haben Sie solvohl in der Komniission als auch in> Plenum dagegen gestimmt.(Wider sprach beim Zentrum.) Ja, sehen Sie doch die Akten nach. Sie rühmen sich ferner, daß Sie eS in Bayern durchgesetzt haben, daß mehr Gcwerhe-Jnspettoren angestellt wurden, aber es kommt nicht darauf au, wieviel Beamte angestellt werden, sondern wieviel nicht angestellt werden.(Lachen beim Zentruin.) Tatsache ist, daß die Gewerbe-Jnspektoren in Bayern nicht genügen, schon deshalb nicht, weil in Bayeni dankenswerterweise auch die Handwerksbetriebe der Gewerbe- Jnspcstion unterliegen, so daß daS ziffernmäßige Verhältnis zwischen Inspektoren und Betrieben, sogar noch ungünstiger ist als in Preuße». Aber auch abgesehen von den Handwerks betrieben würden die vorhandenen Inspektoren nicht genügen. Ueber das S t r e i k p o st e n st e h e n hat Abg. Trimborn ja sehr richsig gesprochen. Ich kann nur bitten, daß seine Fraktton auch in dieser Hinsicht ihre ganze Macht einsetzt. Denn in einzelnen Teilen Deutschland herrschen in dieser Hinficht Zustände, die skandalös sind. In meinem Wahlkreise in Gera erließ die Polizei erst ganz kürzlich eine Verorduung, der zufolge daS Stehen bleiben und das Hin- und Hergehe» auf der Straße während eines Streiks verboten wurde. Durch diese Verordnung wäre also jedes Streikpostensteh cn verboten gewesen. Das Ober- landesgericht in Jena hat dann diese Verordnung auch in Ueberein- stimmung mit einer Reichsgerichts- Entscheidung für ungültig erklärt. Aber was ist das für ein Rechtszustand, in dem jeder Polizei- beamte, jeder sozialpolitisch ungebildete Stadtrat sich herausnimmt, solche Verordnungen zu erlassen? In Jena find wir fteilich manches gewöhnt. Dort hat der Bürgermeister auch verboten, in sozialdemokratischen Versammlungen Eintritts- geld zu erheben oder Sanimlungen zu veranstalten, an- geblich weil die Gelder zu einem anderen Zwecke verwendet würden,'als eS von außen her den Anschein hätte. Während jeder Vergnügungsverein selbst von den Gästen Eintrittsgelder erheben darf, werden die Arbeitervereine drangsaliert und schikaniert, ohne daß diese Nadelstiche etwas anderes ausrichteten, als den Arbeitern ihren Gegensatz zur herrschenden Staatsgewalt noch starer zu machen. Der Abg. Trimborn spielte gegen uns aus, daß aus unseren eigenen Parteikreisen Protest gegen unsere ablehnende Stellung zu den Kaufmannsgerichten erhoben worden sei. Wir sind also nicht die engherzigen Fanatiker, als die Sie un» gern ausgeben möchten. Aber in der Tat erklärte sich nur eine ganz winzige Minderheit für dir KmifmannSgerichte. Wir konnten einem Gesetz nicht zustimmen, das eine ganze BevölkerungSschtcht, nämlich die Frauen, rechtlos macht, obwohl sie genau unter dem« selben Drucke stehen, unter noch schlechteren Arbeitsbedingungen als die Männer ihre Arbeit hin müssen. Ihnen(zum Zentrum) macht eS ja keine Mühe, eine solche Bestimmung zugunsten der Frauen fallen zu lassen, aber wir wollen nicht, daß die Frau weiter die Sklavin deS Mannes bleibt. Wir glauben, daß, wenn die Frau statt einer gefährlichen Konkurrentin eine wirstiche Mit- arbeiterin der Männer werden soll, sie auch die gleichen Rechte be- konimen muß. Das werden auch die HandlungSgeHülfen einsehen, die heute noch nicht so weit sind. Der Resolution Eickhoff über die Zulassung der Oberrealschul-Abiturienten zum medizinischen Studium und der Resolution Blell werden wir z u st i m m e n. Auch wir wollen die Handelsagenten von den Schikanen befreien, denen sie heute mit Hülfe des WaudergewerbescheiueS ausgesetzt sind.— Der Staatssekretär hat nach der herrschenden Mode auch einen Sozialdemokraten angeführt, der anderer Meinung ist als ivir. Da ist es gut, weim man sich inS Ausland begibt. Aber der australische Ministerpräsident Watson war überhaupt kein Sozialdemokrat, sondern ein Gewerkschaftler und bürger- sicher Sozialreformer und bildete zudem ein UeberaangS- Ministerium, daS keine feste Mehrheit hatte. Infolgedessen hat er geglaubt, eine Polisik deS Bündniffes mit den Liberalen befolgen zu muffen und hat dabei die schlechten Erfahrmigen gemacht, die die Arbeiter bei solchen Bündnisse» immer machen. Wir in Deutschland haben ja erfreulicherweise dergleichen vermieden.(Zuruf d«S Abg. Dr. Mugdan.) Nein, Herr Mugdan, wir stimmen für die Frei« sinnigen nach dem alten Grundsatze des kleineren Nebels, haben ihnen aber nie eine Rechnung präsensiert. Wenn Sie uns ftir das größere Nebel halten, so wird Sie der Lauf der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung vielleicht belehren. Dem Ab- geordneten Pachnicke muß ich ganz entschieden bestteiten, durch meine Ausführungen über die Verelendung der Jndustrie-Arbeiter den Agrariern Waffen geliefert zu haben. Ich habe sofort damals hinzu» gefiigt, daß nach den eigenen Angaben der Agrarier die Landarbeiter durchaus ebenso weit von einem nonnalen Gesundheitszustände ent- fernt seien. Herr Dr. Pachnicke hat sich sodann auf Engels berufen, aber Engels sagte in der zweiten Auflage der„Lage der arbeitenden Klassen m England" ausdrücklich, daß die große Prosperitätsepoche der englischen Industrie bis zum Jahre 1392 nur zwei besonders geschützten Abteilungen der Arbeiter dauernden Vorteil gebracht habe, daß aber die große Masse der Arbeiter in ihrem Lebensniveau und in der Existenz- Unsicherheit genau so niedrig stehe wie je, wenn nicht noch niedriger. (Zuruf des Abg. Dr. Pachnicke: Aber die beiden geschützten Klassen.) Gerade das war ja der springende Punkt meiner Ausführungen, daß die deutschen Arbeiter nicht den Schutz haben, der nöttg wäre, um eine Verelendung zu verhindern. Wenn Sie auf den Lorbeeren von 1892/93 ausruhen, so vergessen Sie, daß in den letzten!>/, Jahrzehnten die Intensität der Arbeit enorm gewachsen ist, während der Arbeiter- schütz verrostet stehen blieb. Darum nrnssen wir Ihnen Jahr für Jahr die iingeheueren Schädigungen vor Augen führen, die immer aufs neue den Arbeitern gegenüber auftauchen. Ich will mich beschränken, unsere Resolutton zu begründen, die sich auf die giftigen Betriebe bezieht. Wir fordern den Reichstag auf, den Reichskanzler zu ersuchen, den Bundesrat zu ver- anlassen, bis zur nächsten Session für alle Betriebe mit hoher VergiftungS- gefahr, in denen giftige oder infizierende Stoffe hergestellt oder verwendet werden, Vorschriften aus Grund der K 120s und 139a der Gewerbe« Ordnung zu erlassen. Wir fordern also die Festsetzung eines sanitären Maximal-ArbeitStages, der kürzer sein müßte, als der beste Maximal- Arbeitstag, den Sie je bewilligen. Der Arbeiter soll vor der Be- rührung mit infizierenden Stoffen und vor der Einatniung giftiger Gase befreit werden. Heute arbeiten weite Teile der gesamten modernen Industrie unter Bedingungen, wie man sie sich nicht nichtswürdiger denken kann. Ein ziffernmäßiger Nachweis für die Menschenleben, die dadurch vernichtet werden, existiert freilich nickt. Gerade die chemische Industrie, die KapitalS-Assoziationen darstellt, vor der dem Herrn Staatssekretär graut, die nicht nur ganz Deutsch- land, sondern auch den Weltmarkt beherrscht, ist in bezug auf die Gesundheitsverhältnisse ihrer Arbeiter statistisch ganz ungenau erforscht. Sie hat meist nur Fabrikkassen. Ferner sind die Zahlen über die Gesundheitsverhälsinsse der Arbeiter in der chemischen Iu- dustrie deshalb so ungenau, weil gerade unter diesen Arbeitern ein solcher Wechsel stattfindet, daß es zugeht wie in einem Taubenschlage. Oft schon nach Wochen, sicher aber nach Monaten und Jahren wechselt der ganze Stamm der Arbeiter; eS kommt immer frisches Blut hinein. Die Leute, die physisch bankrott sind, verlassen den Betrieb, werden vielleicht wieder gesund oder sie siechen dahin und kommen dann als Arbeiter in irgend einem andere» Betriebe in die Listen, nur nicht als Arbeiter in der chemischen Industrie. Aber die chemische Industrie nimmt keine bankrotten Arbeiter anderer Betriebe, sie nimmt immer nur frisches Blut hinein, um eS zu vergiften. Wie wenig dafür gesorgt wird, daß giftige Gase von den Arbeits- räumen ferngehalten werden, beweist, daß Briefe, die in diesen Räumen geschrieben wurden, noch, nachdem sie tagelang an der Lust offen gelegen hatten, danach riechen. Die Gewerbe- Inspektoren find viel zu tolerant gegen die Fabrikleitrr. Das ist aber nur die Folge solcher Instruktionen, wie ich sie vorgestern rügte, die die Aufseher anhalten zu vennitteln. Dadurch werden! die Inspektoren veranlaßt, nicht auf Besierung der gesundheitlichen Verhältnisse hinziiwirlen, wenn das kostspielige Anlagen und Neubauten erfordern würde. In den letzten Jahren hat Prof. Lew in in der„Medizinischen Wochenschrift" und der „Medizinischen Zeitschrift" aus alle diese Zustände hingewiesen. Er führte aus. daß nur durch Zufall ein Arbeiter von einer solchen Ver- giftung akut betroffen werde, meistens träten langsame Ver- ?iftungLerschei nungen ein. Obligatorische Körperunter- uchungen würden diese Tatsache bestättgen. Einige Fabrikärzte haben sich natürlich das Vergnügen gemacht, Professor Lewin anzu- greifen. Unterdessen hat das internationale Arbeitsamt in Basel, das seitens DeuffchlandS auch eine Unterstützung erhält, ein Werk herausgegeben, in dem es die Angaben Professor LelvinS in vollem Umfange b e st ä t i g t. Es teilt die Bettiebe ein in solche mit hoher Vergiftungsgefahr, zweitens in solche, deren Fabrikattonsversahren infolge der Ent- Wickelung von Staub und schädlichen Dämpfen eine hohe ErkrankungS- gefahr darstellt. Die Zahl dieser Betriebe ist riesengroß. ES werden gifttge Dämpfe entwickelt oder GlaS- und Sandstaub verursacht. Eigentlich existtert ja keine Arbeit, bei der nicht Staub entsteht; und auch Wollftaub, Baumwollstaub ist gefährlich. Aber die Grenzen lassen sich ja leicht ziehen. Der 8 120» der Gcwerbe-Ordnung gibt schon jetzt den Gewerbe-Jnspettoren die Möglichkeit, genügend gute Lust für die Arbeiter zu schaffen. Die dritte Betriebsart, die das Baseler Anit hervorhebt, setzt sich aus denjenigen Bettieben zusammen, in denen die größte Wahrscheinlichkeit von Unfällen vorhanden ist. Im Jahre 1895 hat der Reichstag eine Resolutton an- genommen, die die Erhebung einer Enquete darüber ver- langte, in welchen gewerblichen Betrieben die übermäßige Dauer der Arbeitszeit die Gesundheit gefährde. Die Regierung beeilte sich, die Enquete zu veranstalten. Die Ge- lverbc-AufsichtSbeamten gaben sich außerordentliche Mühe, und ihre Jahresberichte von 1897 sind Zeugnis dafür. Die Arbeit war umso schwieriger, als die Aerzte sich damals weigerten, Auskunft zu er- teilen. Die Gewerbe-Jnspektoren stellten eine große Liste von Betrieben auf. die außerordentlich gesundheitsgefährlich seien. Für 50 Be- ttiebe verlangten sie einen Maximal- Arbeitstag, und zwar bei 21 von acht Stunden, bei 9 von sechs Stunden, be» den Gummifabriken von fünf Stunden, und bei den Abteilungen der Gummifabriken, die mit Schwefelkohlenstoff arbeiten, von 1'/, bis 2 Stunden. Was ist seit 1897 nun geschehen? Hier lag reiches Material vor, a m t- l i ch e S Material, daS von keiner Seite bestritten werden konnte. Und geradezu schaudererregend war die Mtteilung über die Ber« wüssiing der Gesundheit der Arbeiter in diesen Betrieben. WaS aber ist geschehen? So gut wie nichts!(Hört! hört I bei den Soz.) Keine einzige Verordnung hat auf Grund des§ 120s den Marimalarbeitstag angeordnet. Rur für die Bleiakkumulatorenfabriken" ist eine Ver- ordnung erschienen, die eine Arbeitszeit von S— 8 Stunden anordnet. und diese Arbeitszeit ist noch viel zu hoch. In Frankreich sind 127 Betriebe, fiir die bestimmte sanitäre Vorschriften erlassen sind, in Belgien 122, in Deutschland aber mir 17. Eine kurze Arbeitszeit ist mehr wert, als alle Borschriften über Sauberkeit und Bentilation. Frauen sollten überhaupt in gesundheitSgefährlicken Bettieben nicht beschäfsigt werden, und ebenso jugendliche Arbeiter. Die Arbeitszeit der erwachsenen Männer aber muß so kurz wie möglich sein. Diesen Standpunkt vertritt auch der Toxikologe Professor Dr. Lewin. Staat und Gesetzgebimg müssen zu- gunften der in ihrer Gesundheit bedrohten Arbeiter eingreifen. Die Zinnasche, die im Handel ist, ist stark mit Blei versetzt. Es ist also doch zu verlangen, daß eine Verordnung erlassen werde, welche nur bleifteie Zinnasche erlaubt. Es sind ferner Lehrer erttankt, welche farbige»treibe benutzt haben, die mit Blei hergestellt war. Auch daS mutz verboten werden. In den Droaengcschästen und ebenso in Farbenhandlungen erkranken sehr viel Lehrlinge an Blei- Vergiftung, weil sie ohne Borsichtömaßregeln mit bleihaltigen Stoffen hantieren müssen. Wird nun jemand durch Bleivergiftung erwerbsunfähig, so erhält er im günstigsten Falle die I n v a l i d e n- r e n t e. Erleidet aber jemand einen Unglücksfall, der ihn erwerbsunfähig macht, so erhält er die viel größere Unfalls- rente. Das ist eine große Ungerechtigkeit. Prof. Lewin erklärt mit vollem Recht, daß die Bergiftung nichts anderes als eine Reihe von Unfällen ist, denn die Gifte besitzen die sogenannte akkumulierende Wirkung, das heißt, jeder einzelne kleine akute Vergiftungsfall häuft sich mit den bestehenden Vergiftungsfälleu zusammen und erzeugt schließlich die chronische Vergiftung. Zivischen Vergiftung und Unfall ist also kein Unterschied. Das Reichs-VersichcningSamt hat aber entschieden, daß es Bergiftnngsfälle nicht als Unfälle ansehen kann. Um so dringender ist ein Ein- schreiten der Reichsgesetzgebuug. Der jetzige Zustand ist eine schreiende Ungerechtigkeit, denn ein Vergifteter leidet doch unter Umständen schwerer an seinem ganzen Körper, als wenn einer zum Beispiel ein Bein verloren hat, im übrigen aber ganz munter ist. Und die Zahl dieser Vergiftungen ist ungeheuer groß, infolge der Rücksichts- losigkeit des Unternehmertums. Das beweist, daß mit aller Ethik und mit aller- Religiosität nichts geholfen ist. Einzelne Unter- nehmer find wohlwollender und liebenswürdiger, aber das find Aus- nahmen. Deshalb verlangen wir ein besonderes Schutzgesetz für Arbeiter in Betrieben mit Giftstoffen. Sehr gefährlich ist auch die Fabrikation von Zelluloid. Es ist ungeheuer seuer- gefährlich und entwickelt, wenn es brennt, erstickende Dämpfe, welche das Einschreiten der Feuerwehr ungeheuer erschweren. Es muß ganz unbedingt verboten werden, daß Heimarbeiter mit Zelluloid arbeiten, nicht allein im Jnterefie der Betroffenen, sondern auch im Interesse aller Bewohner jener Häuser, da in jedem Augenblick ein gräßliches Unglück ausbrechen kann. In einer von mir einberufenen Versammlung von Unternehmern und Ar- beitern der Zelluloidbranche stimmten die Unternehmer ein- stimmig meinem Vorschlage zu. Als die Unternehmer aber dann wieder unter sich waren, erklärten sie, sie machten nicht mehr mit und machttti eine dementsprechende Eingabe an die Regierung. Ich bitte vie Reichsregierung. sich durch diese Eingabe nicht verblüffen zu lassen.— Ein Wort noch über die Bleiweiß-Industrie. Den Malern sollte die Benutzung von Bleiweiß verboten werden. Von der Looisto cks salut public ist es festgestellt worden, daß kein Unterschied besteht in der Haltbarkeit von Waren, die mit Bleiweiß und solchen die mit Zink- weiß gestrichen sind. Ein Teil der Malermeister ist dann auch so vernünftig, zu sagen, ein allgemeines Verbot des Bleiweißes wäre das beste. Es würde das für sie bequemer sein, als die Be- folgung aller Bestimmungen, die beim Gebrauche von Bleiweitz not- wendig sind. Wenn ich mich der chemischen Industrie speziell mit einigen Worten zuwende, so geschieht es deshalb, weil über sie auch in den einflußreichen Kreisen unserer Regierung große Meinungsverschieden- heilen bestehen. Zwei hochgestellte Beamte des Deutschen Reiches haben auf dem V. Chemiker-Kongreß im Jahre l89l> grundverschiedene Auffassungen vertreten. Geheimrat Dr. Sprenger gab offen zu, daß die Lage der Arbeiter in der chemischen Industrie ungünstiger sei als in den meisten anderen. Uebcr das Maß anderer Industriezweige hinaus hätten sie Gesundheitsgefahren zu bestehen. Dazu käme der Wechsel zwischen Tag- und Nacht- schicht, der alle 14 Tage eine ununterbrochene 24 stündige Arbeit not- wendig mache. Archer der hohen Unfallgefahr bedrohten die Ge- fahren, die man unter dem Namen der Berufs- und Gewerbekrankheiten zusammenfaßte, die Arbeiter auf das ernsteste. Mit der fortschreitenden Mannigfaltigkeit der chemischen Industrie würden diese Gefahren immer größer. Der Kampf gegen sie sei um so schwieriger, als die Arbeiter technisch nicht genügend vorgebildet sein könnten, um die Gefahren zu würdigen. Deshalb hänge ihre Wohlfahrt von der Fürsorge der Arbeitgeber und ihrer Vertreter ab. Wenn man aber zugleich zugibt. daß die Arbeit in der chemischen Industrie immer gefähr- licher geworden ist, so gesteht man damit auch, daß der Schutz der Arbeitgeber für die Arbeiter nur sehr un- genügend gewesen ist. Die Arbeiter waren sehr erfteut über diese richtige Schilderung ihrer traurigen Lage durch einen hohen Re- gierungsbeamten. Aber ganz anders sprach der Korreferent, der Senats-Vor- sitzende des Reichs-Versicherungsamtes, Professor H a r t m a n n, Charlottenburg, der Senats-Vorsitzende der Berufs- genossenschaft der chemischen Industrie. Er sang ein Loblied auf das Unternehmertum, das Großes getan hätte. Es hätte zwei Millionen Unfallbeiträge in einem Jahre aufgebracht— die chemische Industrie beschäftigt rund 1b7(XX) Arbeiter mit einem Durchschnittslohne von 3,30 Mark, also einer Lohn- summe von ISS Millionen Mark; da zahlen die Untenichmer l'/e Proz. oder pro Kopf und Tag ill.2 Pf.(Hört I hört l bei den Sozialdemokraten.) Nicht etwa für die Verhütung von Unfällen, sondern für die Entschädigung. Professor Hartmann lobte auch die Revision der Betriebe durch die Berufsgenossenschaften, die natürlich ziemlich kostspielig sei. Für diese Revision hat die millionenreiche chemische Industrie im Jahre 1!X)2 die große Summe von 74(XX) M. bei 7375 Betrieben aufgewandt. Das macht auf jeden Betrieb 10 M., auf jeden Unternehmer, jede Aktiengesellschaft 25 M. jährlich! Prof. Hartmann hat recht: das ist schrecklich kostspielig! Prof. Hartmann dankte weiter der Berufsgenossenschaft dafür, daß sie angesichts des großen Elends, das die Unfälle zur Folge hätten, nicht nur ihre gesetzliche Entschädignngspflichl in humaner Weise erfüllt habe, sondern auch nichts versäume, um Unfälle zu verhindern. Angesichts der Tatsache, daß diese Berufsgenossenschast jährlich 50_ Pfennig pro Kopf dafür aufwendet und angesichts der riesengroßen Zahl der Unfälle, muß solchen Ausführungen gegenüber jedes Wort der parlamentarischen und außerparlamentarischen Kritik verstummen. Wenn zum Schluß Professor Hartmann den Unter- nehmern zurief, der Schutz der Arbeiter sei nicht nur ihre moralische Pflicht, sondern auch ein Vorteil für die Industrie, so sprach er ja die Sprache, die allein die Unternehmer verstehen. Wenn er gesagt hätte, sie sollten aus Menschlichkeit oder Rücksicht auf die Arbeiter Geld ausgeben, hätten sie ihn gar nicht angehört. So stehen sich die Urteile der beiden Vertreter der Reichsregierung auf einem Sachverständigenkongresse entgegen. An wen sollen sich die Arbeiter um Hülfe wenden, wenn Mitglieder des Reichs- Versicherungsamts die jetzt bestehende Fürsorge als wundervoll preisen? Was fordern wir nun? In unseren Resolutionen fordern wir Verordnungen des Bundesrats auf Grund der§§ 1206 und 136a der Gewerbe-Ordnung. Man kann aber auch andere Forderungen stellen. Wir haben in anderen Staaten eine andere Art des Vor- gehens. In den Mitteilungen der Berliner Korrespondenz wird an- gedeutet, daß auch die deutsche Regierung auf anderem Wege vor- gehen will, nämlich mit Hülfe eines sogenannten Rahmengesetzes. Man denke daran, ein besonderes Gesetz mit allgemeinen Vorschriften für alle gefährlichen Industrien Deutschlands zu erlassen. Aber ein solches Rahmengesetz könnte doch nur allgemeine Vorschriften enthalten über Luftraum, Waschvorrichtungen, genügende Ventilation und so weiter. und damit könnten unsere Gcwerbe-Aufsichtsbeamten, wie schon bisher, nichts anfangen. So gefährliche Betriebe, wie die meisten der chemischen Industrien es jetzt sind, verlangen ganz präzise Bestimmungen, die von Fall zu Fall durch Spezialverordnuugen jede Einzelheit festsetzen müssen. Am w i r k s a m st e n wäre freilich ein Rahmengesetz mit allgemeinen Bestimmungen und daneben Spezialbestimmungen für alle einzelnen Fälle, die nur wenige Paragraphen zu umfassen brauchten. Keines- Wegs Rücksicht auf die Existeuzfähigkeit der Industrie kann dafür maßgebend sein, der chemischen Industrie die Leistungen fiir den Arbeiterschutz zu ersparen; denn hier handelt es sich nicht uni Klein- Handwerker und Kleingewerbetreibende; die chemische Industrie ver- fügt über Millionen und Abcrmillionen von Kapital und über Millionen und Abermillionen von Gewinnen. Wenn sie da ihre Arbeiter in Werkstätten sperrt, die von den Arbeitern mit Recht als Gifthöhlen bezeichnet werden, liegt die Schuld nicht nur bei den Unternehmern, sondern auch bei der Gewerbe-Aufsicht. Denn für gesunde Arbeitsräume müßte die chemische Industrie schon nach den jetzigen Bestimmungen sorgen. Jüngst hat deslvegen erst in einer großen chemischen Fabrik in Leverbusen— die Arbeiter nennen den Ort Jammer busen— ein großer Streik stattgefunden. DaS ist auch eine der Fabriken, die mit Wohlfahriseinrichtungen renommiert. Ministerbesuche und sogar Prinzenbesuche empfängt, und deren Inhaber glücklich sind, wenn einmal ein Orden auf sie herunterfällt. Alle diese Wohlfahrtseinrichtungen sind eine Qual für den Arbeiter; sie sollen ihn nur vergessen machen, daß er berechtigt und verpflichtet ist, zu kämpfen. Und wenn die Arbeiter uns hierher schicken, um ihre Interessen zu vertreten, so richtet sich ihr Appell nicht nur an die Regierung, sondern auch an ihre Brüder draußen im Lande, denen sie zurufen: An Euch liegt es nicht, wenn eS nicht besser wird. Eure Vertreter wagen der Regierung Eure Not vor. Wenn die Regierung trotzdem nichts tut, so zeigt sie, daß sie die Klasienregierung eines Klassenstaates ist, die für die Arbeiter nichts übrig hat, als Gewalt- und Polizeimaßrcgeln.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemo- kraten.), Abg. Blell sfteis. Vp.) begründet die fteisinnige Resolution auf Befteiung der Handelsagenten von der Verpflichtung, einen Wander- gewcrbeschein zu lösen.(Ein Teil der Ausführungen bleibt bei der leisen Stimme des Redners und der im Hause herrschenden Unruhe auf der Tribüne unverständlich.) Die gesetzlichen Bestimmungen er- scheinen mir auch für die Hausierer zu streng. Es ist übertrieben, wenn Kollege Erzberger meint, die Hausierer hätten sich in manchen Gegenden zu einer wahren Landplage entwickelt, wenn auch zugegeben werden muß. daß bisweilen Belästigungen des Publikums mit dem Hausieren verbunden sind. Man darf aber nicht zu sehr verallgemeinern; viele tüchtige und brave Menschen weiben das Hausiergewerbe und in av- gelegenen Gegenden wird der Wanderhändler fteudig begrüßt; ist er es doch bisweilen allein, der den Verkehr einsamer Dörfer mit der Außenwelt vermittelt.— Es ist ein unwürdiger Zustand, daß ein gebildeter Kaufmann, der im Vorort von Berlin wohnt, einen Wander-Gewerbeschein lösen muß, wenn er in Berlin ein Agentur- geschäft beweibt. Noch schlimmer ist der dran, der in Berlin wohnt und nun etwa in Charlottenburg, Rixdorf oder Schöneberg Geschäfte treiben will. Das lag doch unmöglich im Willen des Gesetzgebers. Die Gewerbeordnung muß abgeändert werden. e n. Abg. v. Arnim(k.) erklärt in einer persönlichen Bemerkung, daß der Bürgermeister von Torgau der konservativen Partei nicht an- gehöre. Präs. v. Kröchcr: �m Namen des Bürgermeisters von Torgau dürfen Sie keine persönliche Bemerkung machen. Hierauf wird die Weiterberatung auf abends 7>/z Uhr vertagt. Schluß 4'/� Uhr._ parlamcntarifchca. Wahlprüfungs- Kommission. Im Wahlkreise Rügen- Stralsund wurde der Abg. v. R i e p e n h a u s e n(k.) gewählt mit 9812 Stimmen gegen 4957 freisinnige und 4199 sozialdemokratische. Gegen die Wahl ist ein gemeinsamer Protest der Liberalen und Sozialdemo- traten eingelegt worden. Von den Protestbehauptungcn ist jedoch nur eine einzige als erheblich befunden worden. In Neklade bei Bergen auf Rügen hat der Gesamt-Wahlvorstand die Wahlhandlung gegen 2 Uhr unterbrochen und sich in ein Nebenzimmer zum Mittag- essen begeben: außerdem habe ein Beisitzer, Gutsinspektor Schmidt, eine Konlrolliste gefiihrt und während des Wahlaktes geäußert: .Ich muß mir die einzelnen Wähler ein wenig nicrken. damit ich diejenigen, die nicht richtig wählen, kneifen kann." Da indes die eventuelle Kassierung des Wahlaktes das Endresultat der Wahl nicht wesentlich beeinflußt, wurde die Wahl für gültig erklärt. In einen: Nachtragsprotest sind zwar weitere Vorkommnisse gerügt, allein, diese Monita sind verspätet eingereicht, darum blieben sie unberücksichtigt. Wie splendid der Herr v. Riepenhausen als Wahlkandidat war, schildert eine Protestangabe wie folgt:„Der Kammerherr v. Riepenhausen ist in Stralsund kurz vor der Wahl in einem Fischereiverein erschienen, hat den Mitgliedern des Vereins seine Kabinettsbilder als Andenken verehrt und hat alsdann Bier spendiert und zwar in solcher Menge, daß die Vereinsmitglieder nicht imstande waren, das Quantum zu bewältigen, so daß sie noch gute Freunde zu diesem Gelage hinzugezogen haben." Jedenfalls eine an Agrariern nur zu Wahlzeiten zu bemerkende Freigebigkeit! Weiter wurde die Wahl des Abg. Jaunez,„Unabhängiger Lothringer", Wahlkreis Metz, geprüft, der 10 791 Stimmen erhielt gegen 5430 sozialdemokratische und 4419 des Zentrums. Gegen die Wahl wurde ein Protest von dem Rechtsanwalt Streflen in Metz eingereicht. Dieser Protest behauptet, daß die Wahl Jaunez' nur durch amtliche Wahlbeeinflussung zustande gekommen sei. Nach der Proklamation des Herrn Jaunez als Wahlkandidaten habe der Kreisdirektor für Metz-Laud, Graf Villers, die anläßlich eines Musterungsternünes in Remillh versainmelten Bürgermeister— zirka 30 an der Zahl— des Kantons Pange zurückbehalten und ihnen erklärt. Herr Dr. Max Jaunez sei der„offizielle", das heißt der von der Regierung gewünschte Kandidat und sie- hätten daher für diesen zu wirken. Die gleiche Beeinflus'ung beging der Kreis- direktor gegenüber dem Bürgermeister in Saulny, wobei er noch hinzufügte, daß die Gemeinde die von der Regierung erbetene Bei- hülfe zur Wiederherstellung des Pfarrhauses nicht bekommen werde, wenn sie nicht für Jaunez stimme. Und der Bürgermeister teilte dies dem einberufenen Gemeinderat unter der Aufforderung mit, für Jaunez zu wirken. Außerdem bezichtigt der Protest den Kreis- direktor weiterer ähnlicher Beeinflussungen.' Herr Jaunez selbst habe an sämtliche Bürgermeister des Wahlkreises ein Zirkular geschickt, worin er sie ersuchte, für Verteilung seiner Drucksachen, für Auf- stellung von Stimmzettelverteilern Sorge zu tragen und über alle Bewegungen der Gegner eventuell telegraphisch an sein Wahlbureau zu berichten. Anfangs Juni habe ein Beamter des kgl. Ministeriums den Gegenkandidaten Jaunez', den Oberrealschullehrcr Jung, an- gewiesen, seine Kandidatur zurückzuziehen, was dieser unter dem Drucke seiner Vorgesetzten auch tat. wodurch die Gegenpartei ge- schädigt ivurde. Alle diese Behauptungen wurden von der Kom- Mission für erheblich erklärt. Im Falle der Bestätigung diefer Vor- kommuisfe durch Erhebungen würde die Wahl Jaunez' für ungültig erklärt werden müssen, die Kommission beschloß daher, die Wahl z u beanstanden und Erhebungen vornehmen zu lassen. GewerKscKaMicKes. Bertin una GmgegcncL Der neue Tarifabschlust der Steinsetzer soll offenbar nicht ganz ohne Reibungen zustande kommen. Am 28. Februar tagte in: Spatcnbräu in der Friedrichstraße eine kombinierte Versammlung der Steinsetzer-Jnnungen von Berlin, Steglitz, Potsdam und Ebers. Walde. Es lag der von der paritätischen Schlichwngskommission neu entworfene Tarif zur Beratung und Beschlutzfassung vor. Bei der Beratung des von der Kommission vorgeschlagenen fünfmeiligen Rayons wurde mit 22 gegen 18 Stimmen beschlossen, nur einem solchen von drei Meilen zuzustimmen. Durch die Verkleinerung des Rayons ist für die beteiligten Steinsetzer der vier Jnnungs- bezirke eine wesentliche Verschlechterung eingetreten, zu der die Ver- treter der Arbeitnehmer ihre Zustimmung nicht ohne weiteres geben konnten. Beim Punkt 9 des Tarifes, welcher ebenfalls bisher eine für die Arbeitnehmer annehmbare Fassung hatte, wurde seitens der Arbeitgeber ein Satz gestrichen und dafür eingefügt:„Aus- sperrungen von Firmen, Polieren, Postengesellen. Gesellen und un- organisierten Arbeitern im Stcinsetzergewerbe dürfen nicht statt- finden". In dieser Form würde die Annahme des Satzes für die Arbeiter die Aufgabe des Koalitionsrechtes bedeuten, und deswegen wird derselbe kaum ihre Zustimmung finden.— Die Meister haben übrigens die Bestimmungen des Vertrages über seinen Neuabschlutz zu einem eigentümlichen Manöver ausgenutzt. Nach dem' Spruch des Einigungsamtes beim vorjährigen Steinsetzerstreik mutzten die neuen Tarisverhandlungen bis zum 1. März dieses Jahres erledigt fein. Ist das nicht der Fall, dann hat vom 1. bis zum 31. März das Einigungsamt zu sprechen. Nun ist es den Meistern gelungen, durch geschickte Verschleppungen die zum Tarif zu beschließende Ver. sawmtung der vier Innungen auf den allerletzten Tag anzusetzen und, da nun wesentliche Streichungen der hauptsächlich für die Arbeiter im Gewerbe in Betracht kommenden Punkte vorgenommen wurden, werden höchstwahrscheinlich in der heute stattfindenden kombinierten Versammlung der Steinsetzer weitergehende Beschlüffe gefaßt werden. Bei eventueller Ablehnung derselben seitens der Meister wird von der Gesellenschaft das Einigungsamt angerufen werden.— Es ist deswegen für die Arbeiter von grötzter Wichtigkeit, daß sie vollzählig erscheinen._ Achtung, Bauarbeiter! Die Jalousiearbeiter streiken. Berechtigt zum Arbeiten ist nur der Inhaber einer gelben Baukontrollkarte, welche gestempelt fein mutz. Die Kommission der Jalousiearbeiter. Die Arbeiter der Kunstsandftcin-Fabrik von G u t t m a n n zu Niederlehme bei Königs-Wusterhausen haben am Dienstag die Arbeit niedergelegt. Die Differenzen sind hervorgerufen durch Streitigkeiten über die Bezahlung sowie vorgekommene Maß- regeluugen.— Der Zuzug ist streng fernzuhalten. Arbeiterfreund- liche Blätter werden um Abdruck gebeten. Oeutkches Reich. Die Maler und Anstrcicher-Gehülfen in Köln beschlossen, wie uns unser dortiger Korrespondent berichtet, in eine Lohnbewegung einzutreten. Den Arbeitgebern werden unter anderem folgende Forderungen unterbreitet: Neunstündige Arbeitszeit, Verbot der Akkordarbeit, 55 Pf. Mindeststundenlohn, Gehülfen unter 20 Jahren nicht weniger als 52 Pf., für Ueberstunden 25 Pf. Aufschlag, für Nacht- und Sonntagsarbeit doppelter Lohn, für Stuhlarbeit 10 Pf., für Stehgerllstarbeit 5 Pf. pro Stunde Aufschlag, vor den hohen Feiertagen um 4 Uhr nachmittags Schluß, Einsetzung einer Tarif- kommission aus je sieben Unternehmern und Gehülfen zur Schlichtung von Differenzen. Der Tarif soll zwei Jahre Gültigkeit haben. Christliche Unternehmer und christliche Arbeiter. Aus dem Rheinland schreibt man uns: Bei der Firma Josef Ruhr in Euskirchen bei Köln ist der Führer der dortigen christlichen Textilarbeiter- Organisation gematzregelt worden. Wenn er Gicht wieder eingestellt wird, will die ganze Belegschaft der Firma die Arbeit niederlegen. Bei der Textilfirma C. Lückerath u. Co., ebenfalls in Euskirchen, sind die mehr als hundert Weber sämtlich in den Ausstand getreten, nachdem ihnen eine geringe Lohn- erhöhung abgeschlagen und eine Anzahl Weber gemaßregelt worden war. Euskirchen ist eine urkatholische Stadt mit alter Tuch- industrie. In beide» Fällen gehen christlicher und deutscher Textil- arbeiterverband Hand in Hand. IZustunS. Ter Schalcnmacherstreik in Chaux-de-fonds(Kanton Neuen- bürg) hat, wie man uns schreibt, nach vierwöchiger Dauer mit dem Siege det Arbeiter geendet. Sie erreichten den geforderten Zehnstundcntag, der bei Mangel an Arbeit entsprechend reduziert werden foll, Festlegung der Mnimallohnsätze, für einzelne Arbeiten neue Tarife mit Erhöhung. Die Unternehmer verpflichten sich, nur Mitglieder der Organisation, einzustellen, eine zu bestellende ge- mischte Kommission soll bei ausbrechenden Differenzen vermitteln. Zur Gründung der neuen Föderation der niederländischen Gewerkichasten. An der Konferenz, die zu diesem Zweck am Sonntag in Amsterdam stattgefunden hat, nahmen, außer dem Diamantarbeiter- Verband der Zimmerer-, der Zigarrenmacher-, der Möbel- tiWer-, der Textilarbeiter», der Molkereiproduttenarbeiter», der Maler-, der Bäcker-, der Buchbinder-, der Tapezierer-, der Gemeindearbeiter-, der Kleidungsindustriearbeiter-Verband und die Vereinigung des Eisen- und Stratzenbahnpersonals, sowie der Verband der Handels- und Kontorgehülfen teil. Mit 10 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen wurde eine vom Diamantarbeiter-Verband vorgeschlagene Resolution angenommen, wonach unmittelbar Matznah men zur Gründung einer solchen Föde- ration getroffen werden sollen. Ebenso wurden die vom Diamantarbeiter-Verband vorgeschlagenen Grundsätze für die Tätig- keit der Föderation gutgeheißen, worin unter anderem ausgesprochen wird, daß die Föderation mit den Zentralen der ausländischen Ge- werksckiaftsbewcgung iy Verbindung treten soll. Die vier Vertreter, die sich der Stimme enthielten, waren keineswegs gegen die Reso- lution, sondern hielten es nur für notivendig, sich zuvor mit ihren Organisationen darüber zu verständigen. Sie werden innerhalb zehn Tagen ihre Entscheidung treffen.— Ueber die weiteren Schritte, namentlich auch darüber, ob eine organisierte Unterstützung bei Streiks und Aussperrungen durch die Föderation möglich ist, soll in einer gemeinsamen Kommission beraten werden. Große Schuhmacheraussperrung in Schweden. Am Donnerstag wurden in der schwedischen Stadt Venersborg sämtliche Ar- bciter der großen Schuhfabrik von Karls son ausgesperrt, weil sie Anerkennung ihres Koalitionsrcchtes und Festsetzung eines Lohn« tarifes verlangten. Die Aussperrung umfaßt ungefähr 600 Arbeiter und Arbeiterinnen.— In der Schuhfabrik von John Leijer zu Stockholm sind die Zuschneider ausgesperrt. Die sämtlichen 200 Arbeiter der Fabrik haben nun über die Zuschneidcrabteilung die Sperre verhängt. 2999 Hafenarbeiter in Brest beschloffen, die Arbeit nieder- zulegen. Ein Streik der Bäcker ist seit mehreren Tagen in R o m im Gange. Man hat den Bäckermeistern Soldaten zur Arbeit zur Verfügung gestellt._ Versammlungen. Justiz und Arbeiterbewegung lautete das Thema, über das Genosse Dr. Karl Liebknecht am Dienstag in einer Versammlung des Wahlvereins für den sechsten Berliner Reichstags-Wahlkreis sprach, die im„Artushof" stattfand. Die Versammlung war so stark besucht, daß der gegen 1900 Personen fastende Saal wegen Ueberfüllung polizeilich abgesperrt wurde. Ehe die Versammlung begann, wurde den zahlreich erschienenen Frauen durch ein Beispiel vor Augen geführt, daß sie nach dem durch den bekannten Hammersteinschen> Segment-Erlatz„verschönten" preußi- scheu Vereinsgesetz minderen Rechts sind. Die Frauen, welche neben ihren Männern oder im Kreise von Bekannten Platz genommen hatten, mutzten sich auf Anordnung des überwachenden Beamten in einen Raum verfügen, der durch eine Säulenreihe vom Saale ge» trennt ist. Wegen des starken Andranges, der in allen Teilen de? Versammlungslokals herrschte, verursachte der Auszug der Frauen in das Segment einige Umstände. Nicht ohne Murren vertauschten die Angehörigen des weiblichen Geschlechts ihre guten Plätze mit den schlechten Platzen hinter den Säulen, ein Vorgang, der sicher nicht ohne agitatorische Wirkung geblieben ist. Bei Eröffnung der Versammlung gedachte der Vorsitzende Kiesel des verstorbenen Genossen F r i tz s ch e. Dann nahm Karl Liebknecht das Wort zu seinem Bortrage. Ausgehend von der Tatsache, daß die Trennung der Justiz von der Verwaltung einer der vornehmsten Grundsätze jedes Verfassungsstaates ist, wodurch die Unabhängigkeit der Richter gewährleistet werden soll, zeigte der Redner, daß die Richter auch bei dem aufrichtigsten Bemühen, objektiv Recht zu sprechen, unbewußt unter dem Einfluß der An- schauungen stehen, welche in jener Gesellschaftsklasse herrschen, aus der sie hervorgegangen sind. So lange die Klassengegensätze im Staate bestehen, ist eine wirklich objektive Rechtspflege ausgeschlossen. Gewiß haben die Richter nicht die Absicht, parteiisch zu sein, aber die feindliche Gesinnung, welche die bürgerliche Gesellschaft gegen die Arbeiterbewegung hegt, die arbeiterfeindliche Tendenz, welche in den bürgerlichen Zeitungen zutage tritt, kommt instinktiv, unbewußt in den Urteilen der Richter zum Ausdruck, und so erklären sich die harten Verurteilungen in allen Fällen, die mit dem Emanzipations- kämpf der Arbeiter in Zusammenhang stehen, Urteile, durch die nicht die Person, sondern die Partei des Angeklagten getroffen werden soll. Als Begründung für diese Auffassung verwies der Vortragende auf zahlreiche Beispiele der Rechtsprechung im Gebiete des Vereins- und Versammlungsrechts, der Prozesse gegen Redakteure sozialdemokratischer Blätter, auf die An» Wendung der Erpressungs- und Nötigungs-Paragraphen gegen ge- werkschaftliche Betätigungen der Arbeiter, sowie auf das bekannte polizeiliche und gerichtliche Vorgehen gegen Streikposten. In dieser Beziehung verwies der Redner insbesondere darauf, daß das Kammergericht früher den Standpunkt einnahm, der Richter habe in jedem Falle nachzuprüfen, ob eine Gefährdung der öffentlichen Ruhe, Ordnung und Sicherheit durch einen Streikposten vorgelegen habe, daß aber die Rechtsprechung des Kammcrgerichts jetzt dahin gekommen ist, daß es schon genügt, wenn ein Schutzmann nur glaubt, der Streikposten könne die Ruhe, Ordnung und Sicherheit ge- fährden. Bezeichnend ist es, daß ein Staatsanwalt kürzlich in einem Strcikpostenprozcß sagte, es sei eine Wortklauberei, wenn man meine, das Streikpostcnstehen wäre erlaubt; jeder Streik- Posten gefährde die öffentliche Sicherheit.— So hart und ungerecht die Verurteilungen auf den hier berührten Gebieten auch sind, sie erscheinen doch nur als Kleinigkeiten gegenüber den furchtbaren Urteilen in den Aufruhr- und Landfriedensbruch« Prozessen, welche aus Anlaß von Streiks eingeleitet worden sind. Die Urteile von Löbtau und Köslin werden unvergessen bleiben als Beispiel dafür, datz eine tiefe Kluft die Anschauung der Richter von den Anschauungen der flassenbewutzten Arbeiter trennt. — Es ist eine naturgemäße Folge des Klassengegensatzes, daß die Justiz zu einem Instrument des Klassenstaates geworden ist, und daß die Richter, ohne es zu wollen und ohne sich dessen bewußt zu werden, in dem klassenbewußten Arbeiter den Todfeind der bürgcr- lichen Gesellschaft sehen, und daß sie deshalb instinktiv dazu bei- tragen, die dem Klassenstaat feindliche Arbeiterbewegung ein- dämmen zu helfen. Daraus folgt, daß die Beseitigung der Klassen« justiz nur erfolgen kann, wenn der Kapitalismus, die Ursache der Klassenherrschaft, beseitigt, und eine Gesellschaft eingeführt wird. in der es keine Klassengegensätze mehr gibt.— Der wirkungsvolle zweistündige Vortrag fand stürmischen Beifall.— Der Vorsitzende schloß die Versammlung, indem er die Anwesenden aufforderte, die Konsequenz des Bortrages zu ziehen emd mit allen Kräften für die Ideale der Sozialdemokratie zu wirken. Der sozialdemokratische Wahlverri» in Caputh beschloß in seiner letzten Mitgliederversammlung einstimmig, den Beitrag von 15 auf 20 Pf. zu erhöhen. Im Anschluß an die Versammlung wurden vier neue Mitglieder aufgenonnnen, so daß der Verein nach einjährigem Bestehen bereits einen Mitgliederbestand von 70 Personen aufweist. Weißensee. Eine seitens des Wahlvereins einberufene öffentliche Holzarbeitervcrsammlung fand hier statt, die sich eines guten Besuches erfreute. Genosse H a a k hielt einen Vortrag über:„Die Notwendigkeit der politischen Organisation". Es wurde vom Vortragenden sowohl als von den Diskussionsrednern den Anwesenden durch zahlreiche Beispiele sowie Beleuchtung der bestehenden Zustände die zwingende Notwendigkeit erläutert, daß ein jeder Arbeiter sich auch politisch organisieren müffe. Es ließen sich auch sofort 13 Mann in den Wahlverein aufnehmen, und es besteht die Hoffnung, datz auch die übrigen der Partei noch fern- stehenden Holzarbeiter diesem Beispiel bald folgen werden, um den Wahlverein am Orte zu einer den gewerkschaftlichen Organisationen gleichen Stärke zu bringen. Zeutralverband der Handlungsgehülfe» und Gehülfinne» Deutschlands. Bezirk Berlin. Donnerstag abend 9 Uhr Versammlung in den Anninhallcn, Kommandantenstraßc 20. Julius KaliSki spricht über die Lohnstage im Handelsgewerbe. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsvcrwaltung. Ueizlarer ! Lotterie. Ziehung: 3. B. S. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. Ar. 52. 22. Jahrgang. 2. Seilaze te Jorairtf Sftlintt Solbhlitt. Donnerstag, 2. Marz 1905. Lokales. Vom Armenwesen im neue« Stadthaushalts-Etat. Wer den Etat der Stadt Berlin mit dem Auge eines Durchschnitts- Freifinnigen ansieht, der wird über eine ganze Reihe von Ausgaben das bedauernde Urteil fällen:„Schade um das schöne Geld, das da verpulvert wird." Das gilt besonders vom Armenwesen, das ja dem Freisinn von jeher eine Quelle des Verdrusses war. Freisinnigen Anschauungen ist es von Grund aus zuwider, daß die Stadt den Aermsten der Armen eine Leistung gewähren soll, für die sie von ihnen keine Gegenleistung empfängt. Wobei geflissentlich übersehen wird, datz öffentliche Arnrenpflege und auch private Wohltätigkeits- Übung bei Lichte betrachtet nicht etwas„schenken", sondern nur eine besondere Form darstellen, in der die besitzende Klasse der besitzlosen Klasse einen Teil des ihr vorenthaltenen Ertrages ihrer Arbeit aus .Gnade" schließlich doch noch zukomnien läßt. Diesmal können die freisinnigen Stadtväter bei der Durchsicht des Armenetats wenigstens d i e Freude haben, daß er nicht mehr ganz so arg wie in den letzten Jahren gestiegen ist. Das ist dock ein kleiner Trost für sie, nachdem sie so lange sich darüber haben ärgern müssen, daß die Armenlasten— dank der freisinnigunsozialen Kommunalpolitik, die sie selber in den Jahren der Wohnungsnot und des Arbeitsmangels getrieben hatten— immer gewaltiger anschwollen. Im Jahre 1905 will die Stadt für ihr gesamtes Armenwesen 15 867 376 M. ausgeben, nur noch 777 437 M. mehr als im Vorjahre. An Einnahmen werden 1 750448 M. erwartet, mithin sind 14 116 928 M. zuzuschießen. Von den Ausgaben kommen auf den in Spezialetat 20 zusammengefaßten Teil des Armenwesens, der hauptsächlich die offene Armen- pflege umfaßt, allein 11 134 400 M. Die Armenkommissionen sollen hiervon 9 240 000 M. verteilen als Monatsalmosen, monatliches Pflege- geld für die bei der Mutter belassenen Waisen, außerordentliche Unter- sliitzungen usw. Die Ansätze sind hier nur noch wenig höher als für das Vorjahr— die Erläuterungen zum Etat sagen:.mit Rück- ficht auf die Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse". Die Siechenpflege(Ausgabe 911233 M.) möchten wir eher zum Gesundheitswesen rechnen, die Waisenfürsorge engeren Sinnes<1 576 470 M.) sowie die Unterbringung Verwahrloster(605 685 M.) eher zum Erziehungs- und Unterrichtswesen; aber alles das gilt immer noch als ein Teil des Armenwesens. Die Unzulänglichkeit der vorhandenen Siechenhäuser tritt überall in dem Etat zutage, in immer größerem Unifange muß die Außenpflege als Notbehelf dienen. Beachtenswert ist auch die in den Erläuterungen enthaltene Mitteilung, daß in letzter Zeit„auffallend viele schwer sieche Leute" auf- genonnnen worden sind. Mancher davon hat wahrscheinlich wegen Platzmangels warten müssen, bis er sich im allerletzten Stadium seines Siechtums befand. In der Waisenpflege begegnen wir der befremdlichen Erscheinung, daß man ohne Not aus der vor- handenen Anstalt immer mehr Kinder hermlstlimmt. um sie in Familien zu geben. Man sagt, das sei zweckmäßiger, aber vor allem ist es billiger, und das ist ja die Hauptsache. Die Stummels- burger Anstalt ist schon jetzt fast nur noch Lazarett. AuS dem Obdach und dem A r b e i t s h a u s e, auf die von den Ausgaben 496 322 M. und 791266 M. kommen sollen, ist dies- mal nichts Neues von allgemeinerem Interesse zu melden. Für 1905 richtet das Obdach, wenigstens die Abteilung fiir nächtlich Obdachlose, sich auf eine etwas geringere, das Arbeitshaus sich auf eine höhere Frequenz als im letzten Jahre ein. Sehr viel Wirkung scheint man von der„Befferring der wirtschaftlichen Verhältnisse" doch noch nicht zu erwarten. Obdachlosenasyl und Arbeitshaus sind zwei Dinge, die eigentlich überflüssig sein sollten. Aber so lange der Kapitalismus herrscht, wird man ihrer allerdings schwer entraten können._ Der Ausschuß für die in den Etat für 1905 aufzunehmenden GehaltSveründerungen tagte am Mittwoch, den 1. März, nachmittags S'/z Uhr. im kleinen Sitzungszimmer der Stadtverordneten unter Vorsitz des Stadtv. Wallach. Der Ausschuß erledigte, ehe er in eine Generaldiskussion eintrat, das Gehalt des Magistratskanzlisten und Kanzleigehülfen(Lohnschreiber). Der Magistrat schlägt vor, das Anfangsgehalt der Magistratskanzlisien auf 1600 M. zu bemessen bei einem Pslichtpcnsum von neun Bogen pro Tag. das Höchstgehalt von 2500 M. in 14 Jahren zu erreichen; das Einkommen der Kanzlei- Gehülfen(Lohnschreiber) bei einem Pflichtpensum von 11 Bogen pro Tag von 3 auf 4,50 M. pro Tag zu erhöhen. Von Magistratsseite wurde darauf aufmerksam gemacht, daß die Stellen als Magistrats- kanzlisten nur von Militäranwärtern besetzt werde» dürfen, und dadurch die immerhin nicht unbedeutenden Ungleichheiten nicht zu be- fettigen sind, die von allen Seiten lebhast bedauert wurden. Von einem Mtgliede wurde vorgeschlagen, das Gehalt der Magistratskanzlisten um 200 M. herabzusetzen. Unter Ablehnung dieses Antrages wurde die Magistratsvorlage gegen 2 Stimmen angenommen und die Petition zu diesem Punkt als erledigt erachtet. Runmehr wurde in die Generaldiskussion aller übrigen Beamten- kategorien eingetreten. Stadtverordneter Singer bedauerte, daß in der Vorlage des Magistrats eine Beamtenkategorie ganz über- gangen ist, es find die Bureau-Hülfsarbeiter. die sich einst ihre Beamtenqualität erkämpft haben. Folgende Resolution wird von den sozialdemokratischen Mitgliedern des Ausschusses eingebracht und mit zur Debatte gestellt. Die Versammlung ersucht den Magistrat: 1. Noch für den Etat 1905 eine Gehaltsaufbefferung für die Hülfsarbeiter in Vorschlag zu bringen. 2. Davon abzusehen, datz bei den nach dem 31. März 1905 an- zustellenden Magistratssekretären eine GehaltSherabsetznng des Endgehaltes eintritt. Vom Magistrat wurde ausgeführt, daß die Vororte wie Char- lottenburg, Schöneberg. Wilmersdorf usw. den Beamten bessere An- stellungsbedingungen bieten. Vom Vorsitzenden wurde entgegnet, wenn die Stellen in den Vororten alle besetzt sind, Berlin noch Beamten genug erhalten wird. Dem gegenüber wurde mit Recht sozialdemokratischerseits darauf aufmerksam gemacht, daß es Berlins nicht würdig sei, zu nehmen was die Vororte übrig lassen. In der Spezialberawng erörterte man zuerst die Beziige der Magistratssekretäre. Der Magistrat beantragt 2400 M. Anfangs- gehalt mit einem Höchstgehalt von 5100 M., in 22 Jahren zu er- reichen. Singer beantragt, das Höchstgehalt auf 5300 M. in 24 Jahren zu erreichen. Vom Borsitzenden wurde sowohl dem An- trage des Magistrats wie auch dem Antrage der Sozialdemokraten widersprochen. Ein weiterer Antrag des Stadtverordneten Barth besagt, das Anfangsgehalt auf 2200 M. festzusetzen; daS Höchstgehalt auf 5300 M. in 24 Jahren. Bon sozialdemokratischer Seite wird aus- geführt, es ist notwendig, das Anfangsgehalt zu erhöhen; aber nicht einverstanden können wir unS erklären, am Endgehalt, wie der Magistrat vorschlägt, zu sparen. Es würde auch nicht richtig sein, diejenigen, die nach dem 1. April 1905 eintreten, schlechter zu stellen, alS diejenigen, die vor dieser Zeit eintraten. Der Antrag Singer mit der Magistratsvorlage wurde mit 7 gegen 3 Ssimmen angenommen. Die preußische Gastftrundschaft. Eine Liste von vierunddreitzig aus Berlin ausgewiesenen lästigen Ausländern Ivird wiederum im ..Zentral-Polizeiblatt' veröffentlicht. Siebzehn der lästigen Personen sind russische Staatsangehörige, unter diesen ist ein Kind im Alter von s i e b e n I a h r e n. Vierzehn Personen sind Oesterreicher, zwei Italiener(beide Drehorgelspieler) und ein Schweizer. Der Bau des Teltow-Kanals hat in der letzten Zeit bedeutende Fortschritte gemacht. Zwischen Tempelhof. Britz und Rixdorf, wo die Uebecfiihnmg der alten Straße zwischen Britz und Tempelhof große Schwierigkeiten bietet, ist ununterbrochen Tag und Nacht ge- arbeitet worden. In Treptow, an der Ausmündung des Stichkanals in die Oberspree, wird die Anlegung eines Hafens Treptow-Niedcr- Schöneweide und einer Zufahrt- bezw. Ladestraße geplant. Die Ver- Handlungen darüber schweben noch. Das Attentat eines Dienstmädchens. Einen Messerangriff auf ihre Madame und einen Selbstmord- versuch unternahm gestern morgen 7Vz Uhr das am 6. Januar 1887 geborene Dienstmädchen Berta Haberecht, das aus Schlesien stammt und seit dem 1. Januar bei den Kaufmann Bröerschen Eheleuten in der Mittenwalderstr. 14 in Stellung war. Der Kaufmann Bröer ist Vertreter einer Porzellanfabrik in Waldenburg und ging am Dienstagmorgen auf Reisen. Seine 32 Jahre alte Eheftau Klara, der zehn Jahre alte Sohn Hans und die fünfjährige Tochter Margarete waren mit dem Dienstmädchen allein in der Wohnung. Frau Bröer vermißte Dienstag einen Schmuckgegenstand und beschuldigte das Mädchen des Diebstahls, ohne aber Anzeige zu erstatten. Gestern morgen um 7l/z Uhr war Berta Haberecht, die in einem Raum neben der Familie schlief, noch nicht aufgestanden, als die Frau ihr aus dem Bett heraus zurief, daß es nun endlich Zeit zum Aufstehen sei, da der Junge in die Schule müsse. Das Mädchen antwortete der Frau, sie möge nur ruhig sein. gestern habe sie die Beschuldigung wegen Diebstahls erhoben, und heute mache sie schon wieder Lärm. Wenn sie nun nicht aufhöre, würde sie mit einem Messer ihr die Ruhe beibringen. Gleichzeitig sprang das Mädchen aus dem Bett heraus und erschien mit einem spitzen und scharfen Küchenmesser im Schlaf- zimmer der Familie. Frau Bröer und die beiden Kinder verließen nun auch die Betten, als die Haberecht sich auf Frau Bröer stürzte und ihr einen Messerstich oben in die rechte Schulter beibrachte. Frau Bröer hielt das Mädchen fest und schob eS auf den Flur nach der gegenüberliegenden Küche, erhielt aber dabei noch vier Stiche, einen in den Rücken, einen in die rechte Hand und zwei in das Gesicht. Unter lauten Hülferufen gelang es der Frau, das hofwärts belegene Fenster der Küche— die Wohnung befindet sich zu ebener Erde— zu öffnen. Darauf stiegen zwei junge Leute, der Koch Kuhlbrodt und der Kaufmann Schinner, die ebenda wohnen, durch das Fenster in die Wohnung und rissen das wütende Mädchen von der Frau fort und schoben es in das Badezimmer neben der Küche. Dort brachte sich das Mädchen, dem in der Eile das Messer nicht abgenommen war, zwei schwere Stiche in den Hals bei. Inzwischen wurde daS 67. Polizeirevier in der Zossenerstraße be- nachrichtigt, von wo der Vorstand, Polizeileutnant Stadion, mit mehreren Beamten und zwei Aerzten am Tatorte anlangte. Ein Arzt widmete sich der verwundeten Frau, der andere verband die Haberecht. Dann wurde das Mädchen, das keine Antworten gab, unter Bedeckung von zwei Polizeibeamten in einem Krankenwagen als Polizeigefangene nach der Charit« ge- bracht. Dort wurden die Verwundungen als gefährlich festgestellt. Die zwar schwer, aber nicht lebensgefährlich verwundete Frau Bröer blieb in ihrer Wohnung und wird von einer Bekannten gepflegt. Das Mesier, mit dem das Mädchen die Bluttat verübte, wurde von der Polizei als Beweisstück beschlagnahmt. Deutsche Arbeitswillige nach Rußland? GefälligkeitSdienste für Ruhjland leistet jetzt, wie die„Potsd. Korr." meldet, die Potsdamer Gasanstalt, welche zur Deutschen Kontinental- Gasgesellschaft in Dessau gehört. Schon vor einigen Wochen wurden vier ihrer Arbeiter nach Warschau gesandt, um bei der dortigen Gasanstalt während des Streiks Hülfe zu leisten, und am Anfang dieser Woche wurden abermals 13 Arbeiter dorthin geschickt. Uns wundert sehr, daß sich in Potsdam Arbeiter zu so bedenklichen Diensten hergeben. Die Lage des Bauunternehmers John aus Fürstenwalde, welcher den Raubanfall auf den Kassenboten Schmuhl verübte, erscheint keineswegs so günstig, als bisher gemeldet wurde. Wie heute aus Fürstenwalde mitgeteilt wird, hat John schon seit einem Jahre seine Zahlungsverbindlichkeiten mit Akzepten erfüllt, deren Einlösung häufig mit Schwierigkeiten erfolgte; er hat sich auch vielfach Geld geliehen. Vierzehn Neubauten, die er ausführte, find sein Eigentum. Seine Verwandten behaupten, daß er schon seit einiger Zeit Spuren von Geistesgestörtheit gezeigt habe. Eine Schwindelfinna. Auf der Straße verhaftet wurde gestern der Mitinhaber einer Schwindelfirma, der Kaufmann Ernst Dietze aus dem Hause Planufer 59. Seine Mithelfer Regensteiner und Gleschinski waren bereits bor einigen Tagen festgenommen worden. Dietze und Regensteiner, zwei gleich geartete Naturen, hatten sich im Strafgefängnis Plötzensee gefunden. Dietze war schon vorher im Zuchthause gewesen und Rcgensteiner hatte einen betrügerischen Bankerott zu verzeichnen. Beide wurden fast zu gleicher Zeit cnt- lassen und gründeten das Geschäft in der Wassertorsttaße. Ihr Schwindelgeschäft brachte bald bares Geld ein, so daß sie äußer- lichen Glanz entfalten konnten. Auf ihre Firmaboaen standen Tranfitlager in Amsterdam, Rotterdam und Trieft. An Schreibmaschinen saßen vier Mädchen, die aus Fachzeitschristen Angebote von Fabriken herausschnitten und die Firmen dann um „bemusterte Anstellungen" ersuchten. Täglich gingen über 500 Briefe hinaus, die nach und nach die Erfolge vermehrten. Von einem Aus- kunftsbureau bezogen sie gegen sofortige Bezahlung 100 AuSkunstS- zettel über sich selbst und verschickten sie nach auswärts. Auf Grund der„bemusterten Anstellungen" gaben sie dann große Aufträge an Automobilen, Kamelshaaren, Vorhängen, Schreibmaschinen, Kohlen, Auionmten, Spielwaren, bezogen sogar ganze Waggons Kartoffeln und Kieler Sprotten. Die Lieferanten'mußten drei Monate Ziel geben. Auf diese Zeit war der Schwindel nur berechnet, und die Betrüger hatten Hunderttausende vereinnahmt. Geschädigte mögen sich bei der Kriminalpolizei melden. Ordnungskampf gegen die Polen. Polizeilich verboten wurde die Aufführung des polnischen Lustspiels„Herr Geldhab" von Alexander Grafen Fredro, die für den letzten Sonntag von einer Anzahl von Dilettanten unter Leitung des polnischen Schauspielers Stanislaus Szatowski geplant war. Die Vorstellung sollte im „Englischen Garten" in der Mexanderstraße stattfinden. Die Zu- schauer aus alle» Schichten der Berliner Polcnkolonie, die sich in großer Zahl eingefunden hatten, um einer Theateraufführung in threr Muttersprache beizuwohnen, mußten umkehren, da am Eingange zum Lokal ein Plakat prankte:»Die Vorstellung findet wegen polizeilichen Verbotes nicht statt". Der Borsitzende de« deutschen Tabakvereins, Frankftirt a. M.- Hohenzollern-Platz 12, ersucht uns. folgende Mitteilung zu bringen- „Von einem dortigen Bureau für Zeitungsausschnitte wird mir ein Bericht der„Staatsbürger« Zeitung" in Berlin zugesendet, in welchem von einem in Ptakatform in den dorttgcn Tabak- geschästen verbreiteten Flugblatte die Rede ist. Dieses Flug- blatt, welches ich nicht kenne, soll zunächst von dem amerikanischen Tabak-Trust und der Georg A. JaSmatzi Aktien- aesellschast in Dresden sprechen, und sich sodann gegen einige dortige Zigarettenfabriken wenden, deren Inhaber Juden sind. DaS Flugblatt' soll die Unterschrift tragen„Der Vorstand deS Tabak- Vereins". Ich bemerke crgebenst, daß der Deutsche Tabakverein diesem Flugblatte in jeder Beziehung fernsteht, und daß augenschein- lich sein Name in dieser Sache in schmählicher Weise mißbraucht worden ist. Wir werden versuchen, die Urheber dieses Mihbrauchs zu ermitteln, und das weitere zu veranlassen." Zeugen gesucht. Personen, welche am 5. November v. F. vor der Fabrik von Zürn u. Glienicke, Luisen-Ufer 34, beobachtet haben, wie eine Person die Passanten mit einem Messer bedrohte, werden dringend gebeten, ihre Adresse an das Bureau des Metallarbeiter- Verbandes. Engel-Ufer 15, I einzusenden. Zu der Verhaftung des Bauschreibers Arnold K. aus der Perle- bergerstraße ist mitzuteilen, daß es sich um einen völlig ungerecht- fertigten Verdacht handelt. K. steht zu dem angeblichen Sittlichkeits- verbrechen in keiner Beziehung, und er wurde daher bald nach seiner Verhaftung wieder entlassen. Abermals eine verkrachte Krankenkasse. Der Polizeipräsident gibt bekannt, daß das Gewett der Stadt Rostock als Aufsichtsbehörde über die Norddeutsche Kranken-Versicherungskasse„S a n i t a s" (Eingeschriebene Hülfskasse) zu Rostock am 22. Februar d. I. bei der höheren Verwaltungsbehörde die Schließung der Kasse beantragt hat. Vertreter der Kaffe in Berlin ist Franz Starbatty, Fehrbelliner- straße 94, I. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 1. d. M., vormittags 7'T Uhr, wurde ain Mühlcndamm die Leiche eines unbekannten Mannes, anscheinend dem Arbeiterstande angehörend, aus der Spree gelandet und nach dem Schauhause gebracht. Beschreibung: zirka 1,68 Meter groß, ungefähr 40 Jahre alt, dunkelblondes Haar, rot- blonden Schnurrbart, schwarze Tuchhose und Weste, rotgestrcistes Parchendhemd, Hosenträger, auf deren Schnalle„Herkules" ein- geprägt ist, schwarze Filzstiefeletten mit Schnallenverschluß. Die Leiche dürfte ungefähr vier Tage im Wasser gelegen haben. Die Leiche ist im Leichenschauhause öffentlich ausgestellt und wollen Personen, die die Persönlichkeit des Toten zu identifizieren ver- mögen, dort ihre Angaben machen. Straßensperrung. Die Straße am Augustenburger Platze von der Föhrer- bis zur Amrumerstraßelwird behufs Asphaltierung vom 2. März d. I. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Ein seltsamer Straßenbahn-Nnfall ereignete sich gestern nach- mittag in der Königstraße am Alexanderplatz. Der in der Magazin- straße 13 wohnende Kellner Fischer wollte sich nach dem Bahnhof Alexanderplatz begeben, und versuchte unmittelbar vor dem langsam fahrenden Straßenbahnwagen Nr. 1560 der Linie Dönhoffplatz- Weißensee den Fahrdamm zu überschreiten. Hierbei war Fischer so unvorsichsig, daß er gegen die Schutzweste an der Vorderplattform des Motorwagens lief, er Ivurde zurückgestoßen und gegen die Vorderplattform eines aus dem Nebengeleise herankommenden Straßenbahnwagens der Linie 17, Danzigerstraße— Beusselstraße, ge- schleudert. Fischer erlitt eine anscheinend leichtere Verletzung an der Stirn und konnte sich nachdem er sich auf der Unfallstatton in der Keibelstraße einen Notverband hatte anlegen lassen, nach seiner Wohnung begeben. Feuerbericht. Nur wenig Marmierungen hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden zu verzeichnen. Nach der Kniprodesw. 120 wurde sie gerufen, weil hier Bohnermaffe in Brand geraten war. Die Ge- fahr konnte leicht beseitigt werden.— Allerlei Gerümpel, Lumpen zc. hatten dann in der Miillenhoffstt. 4 in einem Keller Feuer gefangen, während Unter den Linden 21 ein Schornsteinbrand beobachtet werden mußte.— Unfug am öffentlichen Feuermelder lag einer Alanmerung zugrunde, die nachts die Wehr nach der Poststr. 21/22 fühtte. Leider gelang es nicht, den frevelhaften Burschen bei seinen: lichtscheuen Treiben abzufassen.— Außerdem hatte der 16. Löschzug dann noch in der Reinickendorferstr. 64 c mit der Ablöschung eines Wohnungsbrandes zu tun. Möbel, Betten und Kleidungsstücke tourdcii hierbei im wesentlichen beschädigt. Ein neues Magdalcncntum etabliert sich. Büßerinnen sind diese Magdalenen eigentlich nicht, und soll von ihren Sünden gesprochen iverden, so ist es das Publikum, daß diese Sünden büßen muß. Da ist Madame Magdeleine G. als Traumtänzerin im Theater des Westens aufgetreten und die Kritik der Berliner Blätter hat sich mit dem künstlerischen Ruf, der dieser Dame vorausgegangen war, wie überhaupt nnt der ihr beigemessenen künstlerischen Bedeutung eingehend beschäftigt. Der Traumtanz war zu Ansehen gekommen wie vor zwei Jahren der Cake walk, und es trat ein, was immer ein- tritt, wenn einer erst auf der kühnen Bahn vorangegangen ist. Es folgten andere, die auch das Traunttanzen plötzlich heraus hatten. Das ist von künstlerischer und noch mehr von wissenschaftlicher Be- deutung, denn die hart mitgeironmrene Bazillentherorie erhält eine neue Stütze. Bei solchen Krankheiten ist es kaum anders möglich, als daß ein Bazillus oder ein ähnlicher unsichtbarer Käfer seine Hand im Spiele hat und dem Bedarf der Theaterdirektoren an krank- hafter Kunst Rechnung�trägt. Daß solche AuSbreittmg des Seuchen« Herdes die ursprüngliche Besitzerin der Krankheit mit sehr gemischten Gefühlen erfüllt, ist begreiflich, denn man hat auch im Traum sein bißchen Künstlerstolz und möchte das Mädchen ohnegleichen bleiben. Der Madame Magdeleine G. folgte auf dem Fuße die Schlaftänzerin Madelaine B.; wie jene im Theater des Westens, so tritt diese im National-Theater auf. Da schreibt uns denn Madame G.: „Im„National-Theater" wird eine„Original-Schlaftänzerin" angekündigt, die meinen Namen in gröblichster Weise nttßbraucht, um Irrtümer beim Publikum wachzurufen. Ick gestatte mir darauf hinzuweisen, daß ich als Madame Magdeleine G. in München, Stutt- gart und erst am letzten Sonntag im Hostheater zu Dresden auf- getreten bin und von der verehrten Berliner Krittk bei meinein Auftreten im„Theater des Westens" auf daS liebenswürdigste aufgenommen ivurde." UnS scheint, daß Madame G. sich umsonst� auftegt. Was Madame B. im Schlafe dem Publikum bietet, ist derart, daß an ein baldiges Erlöschen der Epidemie zu denken ist. AesthetischeS Be- Hagen gewährt der Schlaftanz nicht. Hat der Begleiter der Dame. die gestern nachmittag einem geladenen Publikum vorgestellt wurde, recht mit seiner Behauptung, daß sie ihre Bewegungen willenlos ausführe, so kann das am Ende den Arzt interessieren, aber nicht die Oeffentlichkeit. Im anderen Falle rechtferttgt sich erst recht nicht das öffentliche Auftteten, da der weiteren Versicherung des Herrn Impresario, daß Madame B. bis zur Stunde ihrer Entdeckung nicht einmal Polka Mazurka habe tanzen können, ohne weiteres zu glauben ist.___ Theater. Im Apoll o-T�eater ist heute die Erstaufführung der Operette„DaS Veilchenmädel". Herr Hofkapellmeister Professor Hellmesberger wird die ersten Vorstellungen dirigieren.— Im L u st- s p i e l h a ü s e ist heute Donnerstag die 100. Aufführung von RadeburgS Lustspiel„Der Familieutag".— Alfred de Musset. den Heinnch Heine den größten lyrischen Poeten genannt hat. ist der nächste Dichter-Abend des Schiller-TheaterS im Bürgersaale des Rathauses gewidmet. Den einleitenden Vorwog wird Herr Dr. Edgar Alfted Regener halten. «us den Nachbarorten. gharlottenbnrg. Die Stadtverordneten-Versammlung nahm zunächst einige Mitteilungen entgegen; bei derjenigen über die Volksbibliothek kennzeichnete Genosse Vogel die Engherzigkeit des Magistrats, der sich dem schon oft geäußerten Wunsch nach Auslegung politischer Zeitungen zähe widersetzt. Bürgermeister Matting erklärte die Erfüllung dieses Wunsches in echtem Geheimratstone als zurzeit untunlich wegen zu enger Raumverhältnisse. Die Angelegenheit wird jedenfalls nicht von der Tagesordnung schwinden, bis unser im Interesse der Bevölkerung gestelltes Verlangen erfüllt ist. Der Betrieb der öffentlichen Abortanstalten wurde Herrn Protz bis zum 31. März 1908 verpachtet. Vor einem Fahre wurde die Verpachtung nur für ein Jahr genehmigt, und der Magisttat auf Antrag unserer Genossen ausgefordert, auf bessere Arbeits- bedingungen der Wartefrmien zu dringen. Obwohl nun ihre Löhne nicht erhöht sind, meint der Mägisttat doch, weil sie zwei Tage im Monat Urlaub erhalten, seien ihre VerHältrnssejo gut, daß man sie dem Unternehmer ruhig auf mehrer« Jahre ausliefern könne, zumal der eigene Betrieb— die Stadt müßte selbstverständlich einigermaßen «mstandige Löhne zahlen— etlva 7000 2)?, mehr kosten mürbe. Genosse Dr. Z e p le r wies mit treffenden Worten auf das Un- würdige dieser schlecht angebrachten Sparsamkeit hin; doch hält die Mehrheit das Sparen bekanntlich für eine Tugend, tvenn es auf Kosten der Armen und Aermsten geschehen kann und lehnte unseren Antrag auf Eigenbetrieb ab. Eine neue Anleihe, welche der Magistrat in der Höhe von 24 Millionen Mark aufzunehmen beantragte, wurde nach dem An. trage des Ausschusses in Höhe von 20 Millionen Mark genehmigt; die Stadtverordneten hielten die Versehung von Mitteln für den Bau eines Waisenhauses und einer Bade- und Schwimmanstalt in den nächsten zwei Jahren, für welche die Mittel dieser Anleihe reichen sollen, für dringend notwendig. Aus diesem Gninde wurde die Erhöhung vorgeschlagen und angenommen. Dem Antrag auf Errichtung einer Müllverladehalle auf dem Güterbahnhof Westend, die etwa 70 000 M. in Anspruch nehmen wird, wurde zugestimmt. Die Halle soll auf städtische Kosten errichtet werden, weil für die Müllabfuhr überhaupt vom nächsten Jahre ab städtischer Betrieb eingeführt werden soll. Gegen den gewählten Platz wurden zwar einige Bedenken geltend gemacht; doch ist ein besser gelegener Platz nicht zu finden. Der Etat, welcher in Einnahme und Ausgabe im Ordinarium über 17 Millionen, im Extra-Ordinarium fast 21% Millionen Mark beträgt, wurde nach kurzer Debatte, an der sich Genosse Dr. Borchardt beteiligte, einem Ausschutz von 15 Mitgliedern übergeben. Der Antrag des Magistrats, die Umsatzsteuer für unbebaute Grundstücke von 1 Proz. auf 1% Proz. zu erhöhen, wurde debattelos angenommen. Den letzten Punkt der Tagesordnung bildete der Bericht des Ausschusses über die Revision des Normaletats, der bis zum Jahre 1910 festgelegt werden sollte. Im wesentlichen handelt es sich um teilweise nicht unerhebliche Steigerungen der höchst be- soldeten Beamten; die Steigerungen werden um so unerheblicher, je geringer die sogenannte Rangstellung der Beamten ist, und an, kleinsten werden sie bei den Arbeitern. Zu einem täglichen Mindest- lohnsatz von 4 M. konnten Magistrat und Ausschutz sich nicht auf- schwingen. Datz der liberale Berichterstatter, Herr Kauf- mann, die Lohnsätze für ausreichend erklärte und bei den gegen Monatslohn Beschäftigten die Steigerung von 90 M. auf 95 M. als eine soziale Tat pries, ist ja selbstverständlich; dieser Herr, den die Liberalen zum Ehrenposten des Vorstehers ausersehen haben— vorläufig mutz er sich mit der Stellung des Stellvertreters be gnügen— meinte mit Bezug auf die Arbeiter, datz die Stadt auf die Privatbetriebe Rücksicht nehmen müsse, ein Standpunkt, den unsere Genossen Vogel und Borchardt energisch zurückwiesen. Britz. In der Gemeinderatösihnng wurde mitgeteilt, datz der Ausein- andersetzungs-Vertrag zwischen den kommunalen und kirchlichen Körperschaften über die Vermögensstücke, deren Erträgnisse für die Bezüge einer Küster- und Lehrerstelle Verwendung finden, die Genehmigung gefunden hat. Der Gemeindevorstand wurde ermüch- tigt, die Grundstücke grundbuchlich eintragen zu lassen und die zu übernehmenden Gelder anzulegen. Der Vertrag mit Treptow wegen Verlegung eines Druckrohres in den Straßen von Britz wurde mit den von Treptow vorgeschlagenen Aenderungen und einen Abstrich von 2000 M. angenommen. Die A u f ii a h m e einer Anleihe in Höhe von 708 000 M. hat die Aufsichtsbehörde genehmigt. Die Brandenburgische Alters- und JnvalidenversicherungS-Anstalt bietet 200 000 Mark, die Preußische Pfandbriefbank 508 000 Mark zu 35/8 Prozent Zinsen und 1% Prozent Amortisierung. In Abänderung eines früheren Beschlusses wird bedingungslos ge- nehmigt, datz daS Grundgehalt der drei Rektoren- stellen mit 1800 Di. Grundgehalt und 000 Mark Wohnungsgeld zuschuß festgelegt wird. Die im Jahre 1899 von einer Aktiengesellschaft erbaute Britzer Gasanstalt ist an der Grenze ihrer Leistungsfähigkeit angelangt. Die Gemeinde steht mm vor der Entscheidung, einen Gasbehälter von 2000 Kubikmeter Fassungsraum zu erbauen oder ein entsprechendes Gas- guantum von der englischen Gasanstalt zu beziehen. Die Gemeinde besitzt Aktien dieser Gesellschaft im Betrage von 20 000 Mark und hat ferner das Recht, die englische Gasanstalt im Jahre 1909 zu er- werben. Die Gesellschaft bietet 80 000 Mark gegen Rückgabe des Aktienbefitzes und Aufgabe des Ankaufsrechtes ihres Unternehmens. Einstimmig beschloß der Gemeinderat, diese Offerte abzulehnen. Treptotv-Baumschulenweg. Eine Flußbadeanstalt wird an der Eisenbahnbrücke zwischen Stralau und Treptow errichtet. Diese schon vor Jahren von dem verstorbenen Lehrer Auerbach geplante Anstalt soll bis zur Bade- saison fertig gestellt werden. Es wird die größte Badeanstalt für Damen und Herren in der Umgegend Berlins. Lichtenberg. Selbstmord verübte die Frau des Werkführers Röbelt in der Gürtelstr. 20s.. Bereits am Montag versuchte sie ihrem Leben durch Lysol ein Ende zu machen, wurde an ihrem Vorhaben aber recht- zeitig gehindert. Die anscheinend plötzlich geistesgestörte Frau hat ihre Absicht am Dienstag auszuführen vermocht. Heimlich begab sie sich aus ihrer im Vorderhause belegenen Wohnung in das Hinter- gebäude, um dort im dritten Stock ans dem Flursenster zu springen. Obwohl eine hinzueilende Frau die Kranke fest umklammert hielt, gelang es der Lebensmüden, sich aus dem Fenster zu schwingen. Bevor weitere Hülfe kam, fiel der Körper in die Tiefe. Weihensee. Ei» Feind der roten Farbe scheint der Inspektor des„AuferstehungS- Kirchhofes� in Weißensee zu sein. Bei der Beerdigung deS Arbeiters Kästner zwang der Herr Inspektor einen Leidtragenden, die rote Schleife von einem Kranz zu entfernen. Der Kranzträger folgte dieser Aufforderung, da ihm sonst der Zutritt zur Gruft verweigert worden wäre. Toleranz über alles! Wilmersdorf. Ein eigenes statistisches Amt wird die Gemeinde Wilmersdorf zum 1. April d. I. errichten. Die Leitung dieses Amtes wird einem berufsmäßigen Statistiker übergeben, für den im Etat ein Anfangs- geholt von 4000 M. vorgesehen ist. Herr v. Thümen in Caputh. Die„Potsdamer Korrespondenz" schreibt: In dem Schifferdorf Caputh bei Potsdam bestand seit Jahren ein arger Konflikt mit dem Amtsvorsteher Rittergutsbesitzer v. Thümen, welcher in Gemeinschaft mit seinem Schreiber die Ge- schäfte in ganz eigentümlicher Weise führte. Der Wortführer der Gegner des'Ämtsvorstehers war der praktische Arzt Dr. Hartwig. welcher auch häufig in der Presse gegen ihn zu Felde zog. Zahl- reiche Beschwerden und Klagen bei der Regierung und beim Gericht, Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft ze. hatten nicht den gewünschten Erfolg, Herr v. Thümen wurde, obgleich er sehr schwerhörig ist, vom Kreisansschuß als Amtsvorsteher wieder gewählt. Die Dinge haben sich jetzt aber in dem Schiffer- dorf bis zum äußersten zugespitzt, so daß der Amtsvorsteher sich jetzt gezwungen gesehen hat, sein Amt niederzulegen. Er ist mit seiner »och jungen Frau nach Oberitalien zur Erholung abgereist. Die Tage seines allgewaltigen Schreibers dürften nun auch gezählt sein, da der Kreisausschuß das Amt des Amtsvorstehers ausgeschrieben hat. Vorläufig soll es kommissarisch verwaltet werden, da eine durchgreifende Reorganisation in Caputh nötig erscheint. Der Fall Hasse vor Gericht. Die Angelegenheit des Breslauer Landgcrichtsdirektors Hasse gelangte vor der dritten, Strafkammer des Landgerichts I zur Er- örterung. Das Erprcffer-Kleeblatt, das den alten Herrn zu seiner bekannten Verzweiflungstat getrieben, stand in den Personen des „Konditors und Handelsmannes" Bruno L ä ch e l, des Schreibers Bruno G ü n z und des Handlungsgehülfen Willy Heuer vor der genannten Strafkammer._ Den Ausgangspunkt zu dem Unglück d«S Lgndgcrichtsdirektors Hasse bildet eine in der Nähe des Bres-, lauer Landgerichtsgebäudes belegene öffentliche Bedürfnisanstalt, die er besucht hatte. Ihm war dahin ein 19jähriger junger Mann gefolgt, der sich so auffallend benahm, datz sich der Landgerichts- direktor zu einer unzüchtigen Berührung hinreißen ließ. Der junge Mann war der Angeklagte Günz. Die beiden anderen lagen auf der Lauer, und als der Landgerichtsdirektor die Anstalt verließ, stürzten sie auf ihn zu und bedrohten ihn mit den Worten:„Was haben Sie mit unserem Bruder gemacht I Folgen Sie uns zur Wache!" Der alte Herr bot in seiner Bestürzung den Erpressern ein Lösegeld von 150 M., was auch angenommen wurde. Von diesem Augenblick war der Landgerichtsdirektor völlig in den Händen der Erprcsserbande. Lächel bombardierte ihn aus den verschiedensten Orten mit Drohbriefen, und Herr Hasse hat nach und nach große Summen an die Erpresser gezahlt und sich finanziell vollständig ruiniert. Als er am 27. Dezember 1904 von Lächel abermals einen Erpresserbricf erhielt, kam er zu dem unseligen Entschluß, dem Jammcrzustande durch einen Gewaltakt ein Ende zu machen. Er bestellte Lächel zum 29. Dezember, abends 6% Uhr, vor die Hedwigskirche, und als dieser dort erschien, zog Hasse einen mit Schrot geladenen Revolver aus der Tasche und gab aus einer Entfernung von etwa zehn Schritt auf Lächel zwei Schüsse ab, durch die Lächel an der Hand verletzt wurde. Ter Landgerichts direltor stellte sich darauf der Polizei und wurde in Haft genommen. Lächel war entflohen, und bald darauf sandte er von Hamburg aus an Herrn Hasse ein Telegramm, in welchem er abermals unter Drohungen um Uebersendung des verlangten Geldes„postlagernd Hamburg" ersuchte. Lächel wurde alsdann verhaftet, als er am Postschalter nach einer etwa eingetroffenen Geldsendung nachfragte. Seine beiden Komplizen wurden einige Zeit darauf in Dresden festgenommen. Alle drei haben seit Jahren nur von Erpreffungen gelebt, Lächel soll in Hamburg schon wegen räuberischer Erpressung einmal mit sieben Jahren Zuchthaus bestraft worden sein.— Zu der gestrigen Verhandlung, die unter vollständigem Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, wurde Landgerichtsdirektor Hasse aus der Untersuchung?- hast als Zeuge vorgeführt. Außerdem waren zwei Zeugen aus Breslau und zwei aus Dresden geladen. Günz soll in Dresden in sehr anständigen Familien verkehrt haben.— Aus der vom Vor sitzenden Landgerichtsdirektor Langner verkündeten Urteils begründung ist folgendes hervorzuheben: Lächel und Heuer sind ge- ständig gewesen, aber auch bezüglich des Angeklagten Günz hatte der Gerichtshof keinen Zweifel, datz er sich der Erpressung schuldig gemacht hat. Nach Ansicht des Gerichtshofes hat die Beweis- aufnahm« ergeben, datz die drei Angeklagten sich vorher nicht dahin verabredet hatten, den Günz zum Zwecke der Erpressung in die Anstalt am Mauritiusplatz zu schicken, die der Landgerichtsdirektor betreten hatte; der Gedanke dazu kam ihnen erst, als letzterer die Anstalt verließ. Die Mitwirkung des Günz geht auch daraus her vor, daß, als die Angeklagten am nächsten Tage zu Hasse gingen und dieser bestritt, die behaupteten, Handlungen vorgenommen zu haben, Günz bei dieser Behauptung verblieb. Die Angeklagten haben gemeinschaftlich von Hasse 20 490 M. erpreßt, der Raub wurde in drei Teile geteilt, dann aber ging die Gemein samkeit in die Brüche, weil Heuer ins Gefängnis kam, und nun operierte Lächel auf eigene Faust, indem er dem Landgerichtsdirektor nach und nach noch zirka 14 000 M. abnahm. Zahlreiche zur Ver lesung gebrachte Briefe zeigen, datz die Angeklagten Herrn Hasse in ganz raffinierter Weise mit Drohungen zugesetzt haben, obwohl er sie wiederholt gebeten hat, ihn und seine Familie nicht unglücklich zu machen, und obwohl sie wußten, daß H. keinen Pfennig mehr besaß und die Gelder, die er ihnen opfern mutzte, sich erst borgen mutzte. Bei der Strafabmessung ist erwogen worden, datz sämt- liche Angeklagte erheblich vorbestraft sind und daß sie die Gelder, die sie erpreßt, in der liederlichsten Weise verpraßt haben. Jeder Milderungsgrund war daher ausgeschlossen. Das Urteil lautete gegen Lächel auf 5 Jahre Gefängnis, so daß er zusätzlich zu einer anderen über ihn bereits verhängten Strafe 9 Jahre 0 Monate Gefängnis zu verbüßen hat; gegen Heuer zu- sätzlich zu einer anderen Strafe auf 4 Jahre 9 Monate Ge- f ä n g n i s und gegen Günz auf 4 Jahre Gefängnis. Außerdem wurde gegen alle drei Angeklagte Ehrverlust auf 5 Jahre ausgesprochen. Geriebts-Zeitung. Um ein ganzes Vermögen ist eine Frau v. Rosenberg durch eine Schwindlerin gebracht worden, die in der Person der Privatiere Frieda Arnold gestern der zweiten Strafkammer des Land- gerichts II aus der Untersuchungshaft vorgeführt wurde. Die An» geklagte, welche zuletzt in Charlottenburg, Kantstratze 143, wohnte, stammt aus sehr guter Familie und ist mit sehr wohlhabenden und angesehenen Familien verschwägert. Vor einigen Jahren verfügte sie noch über ein Kapital von mehr als 49 000 M., sie machte aber so tolle Streiche, datz es notwendig schien, sie wegen Verschwendung zu entmündigen. Die Entmündigung ist später wieder aufgehoben worden. Die Angeklagte hatte mehrere Sommer hindurch in der Sommerfrische auf dem Lande bei einer Pastorsfrau zugebracht. Durch die Frau Pastorin wurde sie mit der Baronin v. R. bekannt. Die Frau Baronin war von ihrer jungen Freundin bald ganz ent- zückt. Diese zeigte sich stets als„Dame" in jeder Beziehung und gab auch nicht zu den leisesten Bedenken Veranlassung. Die An- geklagte hatte wiederholt durchblicken lassen, datz sie„Millionärin" sei, und ihr ganzes Auftreten, ihre sportlichen Neigungen, ihre Vor- liebe für Segeln, Reiten und große Reisen, standen dieser Angabe nicht im Wege. Die Frau Baronin nahm auch gern eine Einladung der Angeklagten an, mit ihr und auf deren Kosten eine Mittelmeer- reise mit der„Auguste Viktoria" zu unternehmen. Die Frau Baronin ahnte nicht, daß das flotte Leben, welches die Angeklagte hier und auf einer späteren Reise nach Binz führte, von ihrem (der Baronin) Gelde bestritten wurde. Die Angeklagte gewann, wie Frau v. R. gestern dem Gerichtshofe erklärte, bald eine ganz unerklärliche, riesige Macht über sie, und es wurde ihr nicht schwer, sie im Juli 1903 zur Hergabe von 10000 M. zu bewegen. Sie rühmte sich, sehr gute Börsenverbindungen zu haben und im- stände zu sein, Wertpapiere der Banca Commerciale d'Jtalia, die damals 130 im Kurse standen, zum Kurse von 100 kaufen zu können. Frau v. R. gab ihr ohne Bedenken die 10 000 M. zuin Ankauf.— Unter ähnlichen Vorspiegelungen lockte die Angeklagt- am 20. September 1903 von der vertrauensseligen Baronin 2 0000 Mark zum Ankaufe von Laura-Aktien und im Frühjahr 1904 1 0 0 0 0 M. zum Ankaufe von Schalker Gruben-Aktien heraus. Die Baronin begnügte sich alsdann mit der Versicherung, datz die Angeklagte die Papiere bei ihrem Bankier deponiert habe. Um ein Mißtrauen der Baronin fernzuhalten, wurden ihr pünktlich die Zinsen der Papiere gezahlt. Endlich entlockte die Angeklagte der Baronin im Juni 1904 nochmals 2 0 0 0 0 M. unter der Vor- spicgelung, sie wolle die Restschulden eines Grafen, der sie heiraten wolle, tilgen und habe ihr eigenes Geld zurzeit festgelegt. Tat- sächlich hatte ein junger Graf, der die Angeklagte auf einem Wohl- tätigkeitsfest der Fürstin Levoff kennen gelernt und von ihren grotzen Reichtümern gehört hatte, nicht übel Lust, sie mit der Grafen- kröne zu schmücken. Im ganzen hat sie der Baronin 00 000 M. ab- genommen, und diese hat nur 8000 M. noch gerettet. Die An- geklagte war im allgcincinen geständig. Der Staatsanwalt be- antragte 3 Jahre 1 Woche Gefängnis.— Rechtsanwalt Dr. Meyer st ein machte als Milderungsgrund geltend, daß die jedes Matz des Normalen übersteigende Vertrauensseligkeit der Baronin tet Angeklagten ihr Spiel doch wesentlich erleichtert habe. Die Entmündigungsakten zeigen, datz die Angeklagte minderwertig «i und ganz planlos mit dem Gelde herumzuwerfen liebe.— Der Gerichtshof verurteilte aus ähnlichen Erwägungen dir Angeklagte zu 1 Jahr 6 Monaten und 1 Woche Gefängnis unter Anrechnung von 1 Monat und 1 Woche auf die Untersuchungshaft. Wegen Fundunterschlagung hatten sich gestern drei Prostituierte vor der Strafkammer des Landgerichts II zu verantworten. Die drei kamen von einer vorgeschriebenen ärztlichen Untersuchung und fanden, als sie das Charlottenburger Rathaus verließen, unweit der Herbcrtstratze ein Notizbuch, welches der Zimmermeister Klamm auf dem Wege zum Rathause verloren hatte. In dem Notizbuch befand sich ein T a n s e n d m a r k s ch e i n, der von ihnen als gute Beute erklärt wurde. Sie fuhren gemeinschaftlich nach Berlin, machten hier erhebliche Einkäufe und jede von ihnen erhielt noch eine Summe von 250 M. auf ihr Teil herausgezahlt. In ihrem Glücks» gefühle hatten sie sich einen Rausch getrunken, in angeheiterter Stimmung ging die Zunge mit ihnen durch, bald wußten mehrere Personen von dem glücklichen Funde, und in kurzer Zeit erfuhr es auch die Polizei, der schon durch Klamm von dem Verluste Mit- tcilung gemacht worden war.— Die bereits vorbestraften An- geklagten waren geständig und wurden zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Vermischtes. Um einen Millionenschwindler. Der Geheime Kommerzienrat Hahn- Dresden ist bekanntlich wegen arger Betrügereien zu einer vierjährigen Gesängnisstrase und 3000 M. verurteilt worden. Jetzt ist für ihn ein Gnadengesuch, das mehrere Tausend Unterschriften trägt, dem König von Sachsen überreicht worden. Es wird daraus hingewiesen, daß der Verurteilt- viel Gutes für Staat und Stadt, Kirche, Kunst, Industrie getan und eine große Reihe von Wohltätigkeitsan st alten geschaffen hat, datz er die drei grotzen Dresdener Kunstausstellungen tkt Jahre 1897, 1899 und 1901 als Schatzmeister ins Leben gerufen und sie durch große finanzielle Opfer unterstützt hat. Vierzig Stadtverordnete mit dem Oberbürgermeister Beutler cm der Spitze und sämtliche Künstler, die an den drei Dresdener Kunstausstellungen mitgewirkt, haben das Gesuch unterzeichnet. Die petitionierenden Herren scheinen noch immer nicht begriffen zu haben, datz die„gemeinnützigen Bestre- Bungen" des Geheimen Kommcrzienrats dazu gedient haben, das Schwindeltreiben wirkungsvoll zu drapieren. An Genickstarre sind, wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, in Königshütte vom 19. bis 25. Februar 0 Erwachsene und 22 Kinder erkrankt. 4 Erwachsene und 11 Kinder sind gestorben. Schutz vor russischen Fürsten in Teutschland! Milde Richter fand bekanntlich der russische Fürst K o t s ch u b e y, der in einem Dresdener Hotel den Portier Müller schiver mißhandelt hatte. Der russische Prügelfürst wurde zu einer Geldstrafe von 1090 M. ver- urteilt. Gegen dieses Urteil hat der Mißhandelte erfreulicherweis« Berufung eingelegt. Wölfe in Ostpreußen. Auf dem Hofe der Domäne Röbel bei Lyck wurden zwei Ziegenböcke zerrissen aufgefunden. Die Spuren deuten auf Wölfe hin. In einem Nachbarort sollen in derselben Nacht auch Hunde erwürgt worden sein. Katastrophe in einer Negerlirche. Wie die„Frankfurter Zeitung" aus New Dork meldet, stürzte in Brooklyn in der Negerkirche bei einer Leichenfeier der Fußboden ein. Zehn Personen wurden getötet und fünfzig schwer verletzt._ ßnefharten der Redahticn. Th. H. Straßbnrg. Das ist gewiß auch ein Problem, der Erörterung wert; für eine Tageszeitung jedoch ist die von Ihnen vorgeschlagene ständige Behandlung der Frage unausführbar.— 1VV F. Die Sparkasse zu Schöne« berg nimmt Sparsummen bis zu 3000 M pro Buch an.— A. N. KS. llnentgellliche Aufnahme in ein Stift ist schwer möglich. Wegen Unter- stützung wenden Sie sich an die StistungSdeputatton, Poststr. 16. Jimstilchei- Cell. Die inrtftische Sprechstunde findet täglich mit SliiSnahme deS Sonnabends Von?>/, bis»-/, Uhr abend? statt. Geöffnet: 7 Uhr. M. Ff. 21. Ist der Austraa zur Klage-Erhebung vor Eingang de» Geldes erteilt, so hasten Sie für die entstandenen Kosten.— Milovanovics. Die Arbeitszeit sür Männer ist nicht gesetzlich sestgelegt.— G. D. I. Die Scheidungsllage hat Ausficht aus Ersolg.— G. G. V4. Die Krankenkasse kann die Bewilligung von Zahngebissen nach der herrschenden Rechtsprechung ablehnen, wenn die Ansertigung zu viel Kosten verursacht. Wenden Sie sich mit dem Antrag, Ihnen behuss Vermeidung weiterer Schäden ein Zahn- gebiß zu bewilligen, an die Landesversicherungsanstalt Berlin am Köllmjchen Park.— Gutes Recht. Sie müssen innerhalb je zweier Jahre mindestens 40 Marken als Selbstversicherer aus grauer Karte kleben.— W. Nein. — C. W. Grünau. Der Wunsch Ihrer Frau kann nicht ersüllt werden, weil die Zeit von der Anmeldung zum Hebammenkursus bis zur Ab» solvierung des Examens zurzeit mindestens drei Jahre erfordert, die Zu- lassung nach zurückgelegtem 30. Lebensjahr in Preußen verboten ist, Ihre Frau aber bereits 29 Jahre alt ist.— H. B. Waterloo-Ufer. Volontäre werden von Landwirten zur praktischen Ausbildung angenommen, wenn der Besitzer damit einverstanden ist. Theoretische Vorbildung erlangen Tie durch die landwirtschaftliche Hochschule. Wenden Sie sich zunächst an diese.— P. R. 1900. Der Antrag kann an das Amtsgericht in Liegnitz gerichtet werden. Erklärt sich der derzeitige Vormund mit demselben einverstanden, so wird ihm voraussichllich slatlgegeben werden.— 1 0 0 2 -2 1 Stationen Ü c c c taparanda 757 etcrsburg j763 i« Scillh ilberdeen Pari» s S» 1747 MW 1747 ONO [749,® Wetter 4 Schnee 2bcdeckt 5 wolkig 3hlilb bd. 2 wollig täs s ö 5» wa> —3 6 « -1 Wetter-Prognose für Tonnerstag, den 2. Mär» 1998. Zeitweise nebelig, vielsach heiter, am Tage mild bei mäßigen südliche» Minden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Setteröurea» Waarenbans Hermann Tietz Leipzigeratrasse 46- SO.— Krausenstrasse 44-49, Donnerstag Freitag Sonnabend Vorzugs- Preise Soweit der Vorrat reicht Glas 12 14 32 45 70 Ts -t o 3 CD 3 cro� v CO 12 38 0,2 Compotieren Kuchenteller Compotteller Butterdosen Käseglocken Honigdosen Citronenpressen Traubenspüler Wassergläser Kleeblatt- Bierbecher Zuckerschalen Glasteller Käseglocken geschliffen Compotieren geschliffen Glasteller geschliffen Wassergläser geschliffen Weingläser geschliffen 20 Pf. cryslall 22 Gambrinustulpen crystaii Victoriabecher mit Goldrand Römer 25 32 Pf. crystaii gravlrt 65 Pf. 85 Pf. 14 Pf. 22 Pf. 45 Pf. 18 pf. 12 Pf. 60 Pf. 6 pf. 0,3 1 10 15. 45 45 55 70 85 18 12 pf. 20 pf. 5 Pf. 75 pf- 95 Pf. 20 pf. 20 Pf. 25 pf. 32 Pf. 0.2'/« 1 25 pt 85 pf. Porzellan Theekannen Kaffeekannen Zuckerdosen 12 pf. Teller tief und flach Terrinen Ragoutschüssel Saucieren Kaffeeservice für S Personen Tafelservice fein deconrt, so teilig, Tafelservice fein decorirt, FiSChsen/ice fein decorirt, isteilig Kuchenteller fein decorirt Oessertteller fein decorirt Teller tief und flach Compotieren gross rund 75 Pf. Gpeinäpfe 23 Pf. Rahmkannen 15 18 28 38 45 Pf. Cabarets steuig deconrt|76 25 55 Pf. 55 75 pf. Menagen steüiglöpf. 18 20 Pf. 125 68 85 pf. I26 55 Pf. 26o 275 350 1650 1 97B 60 teilig 80 teilig 335Ö 5750 1650 33 75 Pf. 25 28 pf. 15 18 pf. Ponten kein decorirte Tassen statt 38 Pf. 25 pf. EiPo8It0en8er weisse Tassen mit Untertassen 8 Pf. Steingut Saucieren bunt 55«. Tortenplatten □ 18B Butterdosen farbig 25, 40 Pf.mit Klee decorirt 60 Pf. Butterdosen mit Klee decorirt 60 Pf. Kaffeebecher farbig 9, 10 Pf. DeCkelSChÜSSel farbig n. weiss 65 Pf. Satz Salatieren e theiiig weiss 85, 95 pf. 12B Waschbecken 65, 75, 85, 95pf. 1�° Waschkannen 45, 75, 95 Pf. Waschservice 22B 5B0 8B0 1000 Tafelservice 2g temg 7BO10B® Krüge 75, 85, 95 pl --i—,---- Einzelne Waschbecken u. Kannen Werth bis 6,00 J75 250 285 Ponten grosser Waschgarnituren 0 S theiiig mit Dosen V 00 Lampen Speisezimmerkrone 4000 Speisezimmerkrone 4fla3�bBehkRrngriun8 4450 485* KrOne Sflammig cuirre poli 22B0 30�° 32B® 35�® Perl- u.Bronge-Ampel 1450 1575 1800 182B 1876 Zug-Ampel mit särpÄnfUDg 1850 1960 2500 Fiir de« Indult der Inserate ubernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berannvortung. Hkeater. Donnerstag. 2. März. Ansang 7'/, Uhr: Opernhans. Dersliegende Holländer. Neues königl. Oper»> Theater. Die Junglrau von Orleans. Deutsches. Schusselchen. Berliner. Der.tiaiserjäger. Lessing. Ein Volksseind. Westen. Wohltätigleits-Vorstellung. Zentral. Die Juxheirat. National. Der Postillion von Lonjumeau. Neues. Der Gras von Eharolais. Thalia» Der Kilometersresser. Ansang 8 Uhr: Schiller v.(Wallner. Theater.) Familie Schierke. Schiller As. lFnedrich Wilhelm» städtisches Theater). Im Hasen. Kleines. Die Neuvermählten. Ab- schiedSsouper. Residenz. Hotel Pompadour. Lustspielhaus. Der Familientag. Trianon. Di« glückliche Gilberte. (llouronss.) Deutsch-AmerikantscheS. New Hork. Luisen.(Theater des Westens.) Tell. Belle- Allianee. Der beste Tip. Carl Weift. Die Kinder des Kapitän Grant. Metropol. Die Herren von Maxim. Slpollo. Das Veilchenmädchen. Spezialitäten. Kafino. Heirat aus Probe. Herruseld-Theater. Die Meyer» Hains. Pasiage-Theater. Die S LorrisonS. Böllen Lassan. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palast. Wie man Weiber sesselt. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Ilrania. Taubenstrnfte 48/49. Im Theater abends 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Jnbalidenstrafte 571»%. Sternwarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Apollo-Theater. Novität! Heilte 9'/, Uhr: Novität! unter persönlicher Leitung des Kompo» nisten Prof. toset Hellmesberger, k k. Hoskapellmeister: »aoneklne VettoH a. G. Willi Bauer a. G. vorher: Tie März-Spezialitäten. Ansang 8 Uhr. Kassenerössnung 7 Uhr. Taubenslr. 48/49. 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Sternwarte lnva"d9B" «tr. 57/62. ) CASTAN'S ANOPTIGUMv Friedrichstr. 165. Das sensationelle Riesen-Mädchen!!! Rosa Wested, 2 Meter 20 cm hoch, größte lebende Riesin"WM der Welt."IWE Neues Theater. Ansang 7'/, Uhr. Der Graf von Charolais. Freitag, Sonnabend, Sonntag, Montag: llin Sommernscktstesum. Kleines Theater Ansang 8 Uhr. Die Neuvermählten Hieraus; Abschiedssouper. trettag; Nachtasyl. onnabend: Angele. Der BSr. Sonntag: Angele. Abschied vom Regiment. Montag: Nachtasyl._ National-Theater Weinbergsweg 19. Donnerstag, den 2. März 1905; Der Postiilon von Lonjumeau. Ansang 71/j Uhr. Erstes Austreten der berühmten Schlastänzerin Original Ataclelaine B...« aus München, assistiert von dem weit- bekannten Nervenspezialisten Schmidt- Feto.— Gewöhnliche Preise.__ Luisen-Theater. Abends 8 Uhr: Gastspiel des Theaters des Westens. Teil. fceitag: Unsere Frauen. onnabend: Hopsenraths Erben. Sonntag nachmittags: Götz v. Ber» lichingen. Abends: Robert U.Bertram. Montag: Höhere Töchter. Zentral Theater Abends 7>/, Uhr: Die 3uxlieirat. Operette in 3 Akten von Jul. Bauer. Musik von Franz Lehär. Morgen u. folgende Tage: turheirat. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder- Vorstellung, halbe Preise: Der ge- stiefelte Kater. Abends: Die Juxheirat. Metropol-Theater IT Große Ansstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Henry Bender. Josef Ciampietro. Josef JosepbL Anton Griinfeld. FridFrid. Fritzi Massary. Das Fest des Lichts. Rauchen gestattet. Änf. 8 hr. Passage-Theater. Ansg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Ans. nchm.Sonnt.3, Wochentg.bUhr. nie 5 Lorrlsons die bekannten Frauenschönheiten. Bokken Lasson die exotische Strabensängerin. Die Tiechiani-Truppe. Die reizenden Fiokatis. _ 14 neue Nummern, 0V jede hervorragend.-MF Kasino'Theater Lothringerstrahe 37(Rosenthaler Tor.) Täglich 8 Uhr, Sonnt. 7'/,—8 Koiusrt. Heirat auf Probe. Vorher das vollst, neue Programm. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Kutter GrSbert. Carl Weiß-Thealer. Gr. Franksurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Die Kinder des Kapitän Grant. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kindervorstellung, kl. Preise: Die WDnschel« rute. Sonntag nachm. 3 Uhr. Parkett 60 Ps.! Senta WoKsburg. Zirkus Schumann. Heute DonnerÄag, den 2. März, abends präz. 7'/, Uhr: Elite-Nbenb. Gala-Programm. U. a.: Zum zweiten Male: MF- Der sensationellste Dressur- Akt der Gegenwart, Mr. Ephraim Ä"" ffunder-Elefantenherrie, darunter: Noch nie dagewesen I HIortt der einzige Elefant der £lUIU), Welt, der einen Saitomortale schlägt. Ferner: Die vorzüglichsten Pro- aramm-Nummern und Dir. �liboi-t SchnmannB neue und moderne Dressuren. Um 9'/z Uhr: Einzig dastehender Erfolg I Die große Schumannsche Ausstattungs- Pantomime Tiue Nordlandsreise. Komisch- phantastische Pantomime in 7 Alten.— Entworfen und aus daS zenb 1 Alb. Seh glänzendste ms�emert vom Dir. fleutsch-JItnerikanisches Theater. Köpnickerstr. 67/68, Stat. iannowitzbr. Jed. Abd.SUhr: Gastsp. Ad. Philipp. Der große Erfolg!! Zum Male: lOl. NEW-YORK Sonntag nachm. 3 Uhr, halbePreise Ueber'n groBen Teich. Palast-Theater Burgftr. SSJ, früher Feen-Palast. Vis-a-vis d. Börse, 2Min.v. Bdst Börse. 9 Uhr! Ein stürmischer Lachersolg! Der größte Schlager dieser Saison! 1« Weller lesseil. Militär-GesangSposse von Reislingen, Verfasser von„Mutter Grnbert-, ..Onkel Cohn",„Wie einst im Mai". Vor- und nachher: DaS neue glän- zendeMärz-Zpczialitäten-Progr. Freitag: Grosse Elite-Vorstellung: Othello. Trauersp. in 5 Akten von Shakespeare. Vcrrelger dieser Annonce zahlen wochentags die halben Kassenpreise. Ansang 8 Uhr. Vorher: Konzert. Entre« 50 Pf. Schluß der Saison am 7. März er. Mus Suseh. Gala-Paradt-Abelld., Benefiz für die Schul- reiterin Fräulein Martha Mohnhe. Im erstenmal: Zum Stein, engl. Vollbluthengst von Mephisto a. d. Censure, geritten von der Benefi- ziantin. Hieraus: Der Steiger „Tscheyran". Außerdem: Die beiden Phänomene Slslers Amalia-Leonora und die vorzüglichsten Gala-Pro- gramm-Nummern. Mit noch nie dagewesenem Urkelge die große Ausstattungs-Feerie: Katharina II. Fortsetzung der Gr. Internationalen Ringkampf- Konltnrren;. Mk.7500.-Gel(l- preise in bar. ' Ehren-Protektorat: Herr Professor Reinhold Begas. Beginn der Ringkämpse ca. 8'/, Uhr. (Endkämpse zwischen den Innnmehr als 8 besten Ringern ermittelten Teil- nehmern.) Avis! Sonntag nachm. 4 Uhr: Katharina II. Residenz-Theater. Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Hotel Pompadour. Schwank in 3 Akten v. Anthony MarS u. Leon Zkanros. Deutsch V.M.Schönau. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Das große Geheimnis. Stadt-Theater Moabit M-Moabit 47/49. Gastspiel des Bernhard Rose-Theaters: Das Katbchen von fjcUbronn* Gr. historisch. Rttter-Schauspiel in fünf Auszügen von H. v Kleist. Ansang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Voranzeige. Donnerstag, den 9. März: Grotze Extra-Benefiz-Vor- stellung sür ßlsa locosa. Zur Ausführung gelangt: vor Goldfuchs. V. Noacks Theater. Direktion: liob. Dill. Brunnenstr. 16. Benefiz für Vdo Hnrat. aj Ansang 8 Uhr. Entree 30 Ps. Ball. Freiing zum letztenmal: Nerrgetl- Schnitzer. Bernhard Rose-Theater Gesundbrunnen, Badstrasze 58. Onkel Cohn. Posse in 4 Akten von R. Schwarz unt E. Ziegler. Ansaug 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Ball. Borzugskarten zu halben Kassen- preisen haben Gültigkeit. Voranzeige. Dienstag, der 7. März(Fastnacht): Erstes dies jähriges Kostümscst. Gesindeball in Sperlingslust. Skala-Theater. Linienstr. 132(n. d. Friedrichstr.' Sensationelles Programm! Deta Waldau sowie 20 internat. Spezialitäten. Ansang 71/, Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Volksgarten- Theater sfrnher Weimann). Donnerstag, den 2. März 1905: Keine Voratellnng. Nächste Vorstellung am Sonntag, den 5. März, nachm.: Dornröschen. Ein Märchen für Kinder in 4 Akten. Abends: Ein Rabenvater. Kassenerössnung 6 Uhr. Ans. 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Ball. Moakiter Gkskllschastshuus, Wiclefstr. 24 und Emdenerstr. 41. Heute: Große hnmonstisthe Soiree der beliebten Norddeutsch. Sänger. Direktion: Petrle. Austreten der HarfetisJule. Ansang 7 Uhr, Konzert, Vorst. 8 Uhr. Entree 30. res. 50 Ps. Passepartouts haben Gültigkeit. 25786 Uelmutb Peters. o. Sallner-Theater. Donnerstag, abends 8U hr: �»inNie£lcdlv»'d«. Schwank in 3 Akten b.&. Sabelburg. Freitag, abends 8 Uhr: Wallcnstein» hager, Die Plccolomini. Sonnabend, abends 8 Uhr: Im Hafen. Schiller-Thealer Donnerstag, abendZCUHr: Im Hafen. Drama in 3 Akten von Georg Engeld Freitag, abends 8 Uhr: DM- Zum erstenmal:-M> He? I�etdalte. Sonnabend, abends 8 Uhr: Fahrmann Henschel. Thalia-Theater.| Belle Allianee-Theater. Dresdenerstr. 72/73. Direktion: Kran& Schänfeld. Belle Alliancestr. 7/8. Täglich abends 7'/, Uhr: Stürmischer Lacherfolg! Der Kilomtkrstkjstt Täglich abends 3 Uhr: Haeodsodlsgondae l-sodsetolgl Der beste Tst». Gr. Ausst.-Possem. Ges. u. Tanz i.3Akt. Sonntag nachmittags 3 Uhr: _ Hofgnnst. 7t eie Volksbühne Sonnabend, 18. IHttrz, S'/2 Uhr: IIBeethOTen-Sinfonie im Konzertsaal der Brauerei FriedrieitsiiaiD. Festmarken a 80 Pf. bis zum 10. März in allen Zahlstellen; Gastkarten a 1 M. vom 10. März ab in beschränkter Anzahl. Einen erlfinternden Vortrag über die Nennte Sinfonie wird Herr Dr. Leopold Hlrschberg am Donnerstag, den 0. Marz, abends 8l/i Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses halten. Die Mitglieder haben dazu unentgeltlich Zutritt. IQ. EitraTorstetiong: Sonntai „Kaehtasyl" /, den 5. Harz, 3 Uhr, Keines Theater. Sonntag, den 5. März, nachmittags 2'l, Uhr: Hetropol-Theater. Berliner Theater. 3. Abteilung; 8. Abteilung; Madame Bonivard. 228/9 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Sin Tenfelsherl Deutsche Konzert- Hallen. An der Spandaoer Brücke Z. Täglich: Großes Urbock-Jubelfest. Intematloiiale Knnstlerkonzerte. x Theater-Abteilang. Spezlal-Ansschank der Berliner Bock- Brauerei. .Sehuarzer Udler Inh.: Gebr. Arnhold Friedrichsberg, Franks. Chaussee 120. Jeden Sonntag:(ürnLer Ball. Jeden Donnerstag: Liviree der FUbrnsann-HUalde-Siinger. Bons haben Gültigkeit. LllZta? Behrens BMisIitäteu- Frankfurter- Allee 85. Das pBartige März-Prograim 2i erstklassige Nummern. Neu! Molly Neu! oder: Die Folgen eines Hiutertreppeu-RomanS. Horltzplatz. Täglich von 12— i Uhr: Mittagstisch. In den unteren Sälen jeden Abend: BockliiorGosti nr- KONZERT.-WE Der dumme Max u. der kluge HanS. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: frltz Steidl-Sänger. Nach jeder Vorstellung tm Kaiserjaal: DM- Tanz.-MW Victoria-Brauerei fctttsowstr. 111-11». Heute 8 Uhr: -ftllMR Montag u. Freitag: Nordd. Säuger. Avis: Am 7. Miirz(Fastnacht): Mn Wiener Masken-Ball. Maslei- GarM von 16712» Carl Ernst, 1 KStmickerstr. 126, 1 St. Gröstte Auswahl! Billigste Preise' Vorzeiger dieser Annonce erhält 10°/» PreiSermätzig. Heute �akanx 8 vkr. �llabeaälicd: Her rsmilieutug. Soantsx asckmittsx: DasIumpeiigtjiiibtl. IMW tu UM iÄN MM Heute Donnerstag, abends 8 Uhr, findet in der„Ständigen Ausstellung für Arbeiter' Wohlfahrt" in Charlottenburg, Fraunhoferstraste 11, ein Vortrag von Prof. Dr. Sommerfeld � Bleivergiftung statt. Wir ersuchen die Kollegen, recht zahlreich zu erscheinen. 124/9 Die Ortesverwaltnng. Trianon-Theater. Abends 8 Uhr: Die glückliche Gilberte Freitag: Das Abenteuer des Herrn Malezieux.— Die Briettasche.— Ein peinlicher Zwischenfall._ Gebrüder OmW-TlM Novität! Novität: Komödie in drei Alten von Anton und Donat Herrnseld. Kommerzienrat Meyerhai»: Donat Herrnfeld. Pschechowil, Herausgeber dcS .Scheinwerfer": Anton Herrnfeld. Ansang 8 Uhr. Borverkauj 11—2 Uhr. Neues Programm. Neues Programm. SAHARET. Herbert Uloyd, Amerikon. Komiker. Diandn. Dressierte Affen. Dorothy Clark, Engl. B&ngerin. Stelling n. Rcvell, Korn. Beckturner. Dr. Angelo, Lebende Porzollanfiguren. Pas de dcnx, Orientalischer Tanz. The Movellos, Europa in Indien. Diane de Pontenoy, Lebende Bilder. Rlstingnette, Pariser Sängerin. Kanfniann- Trnppo, Kunstradfahrerinnen. Doherty Slsters, Amerikan. Sängerinnen und Tänzerinnen. Biograph, Serienbilder._ Haussonci. Kottbuscr Tor— Stat. der Hochbahn. Sonntag, Montag, Donnerstag: Hoffmanns Norddeutsche Sanger u. TanzkrHnzchen. In Vorbereitung: .azzo o. seine Familie. Schausp. in 5 Abteilungen. Otte Prltzk ows Ä/Säzftrutze llfe T' fi!, 1 1 ch T'otstrilung HIB Arabella, die einzigste Dame, welche aus dem ganzen Körver tätowiert ist. iVIedlz'mlScbe Rätsel, anatomische Wunder. Riesen! Zwerge! Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger Ans. Wochentags 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. e e ai= ÜM » s<&§ Andreasgarteu. Andreasstr. 26. Andreasstr. 26. Allen Freunden und Bekannten empschle meine Räumlichkeiten zu Versammlungen und Festlichkeiten. Anerkannt gute Speisen u. Getränke. Kegelbahn. FremdenlogiS. Mittags. tisch von 60 Ps. an mit Bier. 20462» Fr. Horkowakl. lerband der Tapezierer flJ' wie Kleber!!! Freitag, de» 3. März, abends S'/a Uhr, im Luisenstädt. KonzerthauS, Alte Jakobstraße Nr. 37: MF" Versammlung"WH Tage». Ordnung: 177/10 Bericht der Tarifkommission. Es ist Pflicht jedes Kollegen, zu erscheine». Die AerbandSleitung. Iii Donnerstag, den S. Mörz, abends 8'/- Uhr. bei Keller, Koppeustraste 29: 8/2» Außerordentliche Generalversammlung, Tagesordnung: Stichwahl eines Beisitzers und Revisors. Wahl eines zweiten Arbeitsvermitllers. Stellungnahme zum GewcrlschastSkongretz und Wahl eines Delegierten zu demselben. Verbandsangelegenheiten. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Die OrtaTerwaltnng. �ung! jalöüMrbeiter! Donnerstag, den 2. März, abends 8'/, Uhr, bei Ladewig, Alte Jakobstraste 83: DT" Versammlung."WE Tages-Ordnung: Unsere Lohnbewegung und Bekanntmachung ~ nten, welche den Tarif bewilligt haben. Unbedingtes Erscheinen aller Kollegen der Fabrikanten, welche den Tarif bewilligt haben. DM- Unbedingtes Erscheinen aller Kollegen erforderlich. __ Die Kommission der Jalousie-Ardeiter. BrireMrtr. WR- Sonntag, den S. d. M.. nachmittags 2 Uhr. im Gcwerkschaftshanse, Engel-Ufer 15(Saal I): Geffentliche Versammlung der in Zrauereien beschästigten HandtverKer, Mgflhmisten und Heiter. TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Welche Forderungen wollen wir stellen? 3. Verschiedenes. pUf Kollegen I Wir erwarten vollzähliges und pünktliches Erscheinen. Agitiert für guten Besuch der Versammlung. Kein Handwerker darf schien. Wir verweisen besonders darauf, daß die Versammlung durchaus pünktlich erössnet wird, da der Saal um S Uhr geräumt werden mutz. Mit Gruß Die Kommission der Brauerei-Handwerkcr. 41/5» �______ I. A.: W. Siering. Achtung! Achtung! Schuhmacher! Donnerstag, den S. März, abends 8'/, Uhr, in den Residrnz-Sälen, Landsberger-Straße Nr. 31: Oeffenfliehe Versammlung 169/7 Tages-Ordnuna: 1. Der Streit in Weistcnfels. 2. Di« bestehenden Differenzen. 3. Verschiedenes.__ Der Einbcrufer. IS Sattler aller Branchen. Räch kurzem schwerem Leiden I verschied am 27. Februar der! Maurerpolier 22542» Ludwig Gerbsch.! Die Beerdigung findet am! 3. März, nachmittags 3 Uhr, von' der Leichenhalle des Rixdorferl Kirchhofes in der Rudowerstraße z auS statt. Hermann Brendel und Frau. MmMInW der Maurer HeitselilaBls.'"fflr1" Nachruf. Unseren Mitgliedern zur Nach- richt, datz am 27. Februar 1905 unser. Kollege H»rl Schulze Pankow nach langem Krankenlager ver- storben ist. 136/19 Ehre seinem Andenken! Die BerbandSlettung. Am Montag, den 27. Februar,! nachmittags 1'/, Uhr, starb nach| fünftägigem schwerem Leiden im 39. Lebensjahre meine liebe Frau, unsere unvergeßliche Mutter und Tochter Alma Wölbling geb. Herzog. Um stilleS Beileid bitten Fritz WSIbling und Kinder liebst Mutter. Die Beerdigung findet am Frei- tag, den 3. März, nachmittags 3'/, Uhr, von der Kapelle des hiesigen FriedhoseS aus statt. Adlershos, den 1. März 1905. Sedanstraße 22. Wir empfehlen: 233/13» Emzel- Ausgaben: 40 i geb. e Die Branchenversammlungen finden statt: Geschirrbranche Mittwoch, den 8. März, im Englische« Hof. Reue Roßstraße 3. Treibriemenbranche Sonnabend, den 4. März, bei Ziest. Pflugstraße 6. Taschen-, Koffer- n. Galanteriebranche Donnerstag, de» S. März, in Granmanns Festsälen, Raunynstr. 27. Linoleumleger und Teppichnäher Donnerstag, den S. März, bei Ladewig. Alt« Jakobfttaße 33. Wagenbranche Donnerstag, den S. März, bei Angnftin, Lindenstraße 69. Eisenmöbelbranche Donnerstag, den S. März, bei G. Diefener, Adalbertstraße 62. Sektion Charlottenburg Dienstag, den 7. März, bei S. Dörre. Wallstraße 90. sl56/S Da wichtige Punkte aus der Tagesordnung stehen, erwartet vollzähliges Erscheinen der Mitglieder Die Ortsverwaltung. NMFIststnlkgtr-Hülfslirbttftt. VeM der Bau-, Erd- und geverbl. BliMeiter BeokelilM. Freitag, de« S. März, abends 8 Uhr. im Roscnthaler Vcreinshaus, Roscnthalerstraste 37: 8 ektions- Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Der Stand der Bewegung und unsere weitere Stellungnahme. 2. Verschiedenes. Z2/14 Zahlreiches Erscheinen ist erforderlich. Die Ortsverwaltung. ?Zcl)tung! Achtung! Sektion der Fliesenleger! de« Zcntralvcrbandcs der Murer. Seit Dienstag, den 28. Februar, stehen uniere Berusskollegen, die Mesenleger-Hülssarbeiter bei den Finnen irnil End«, N. Ro«en(eld, Bamin und Villerqy& Doch im Streit, um die Anerlennung ihre» Tarisvcrtrage« und ihrer Organisation zu erzielen. Dir haben deshalb die Pflicht, unsere verusSkollegen bei den in Frage kommenden Firmen in diesem Kamps« zu unterstützen. Jeden im Zenttalverband organisierten Fliesenleaer seine Pflicht ist eS, Solidarität zu üben und streng daraus zu atmen, daß jeder im Besitz« einer vom verband der Ba«,, Erd- und gewerblichen HülfSarbeiter aus- gegebenen Arbeitsberechttgungs-Karte ist. Arbeiter, welche nicht im Besitz« einer solchen Karte find, verrichten Streikbrecherdienfle 136/18 Der 8ektlonsvor»«and. I. A.: F. Breltke Reis' nah Belligen. Kein Hüiuiig.... Hanne Nüte.... Woans ick tan'ne Kru kam m— Ut de Franzosentid... Polterabend-Gedichte und Lustspiele(in allen bisherigen Aus- gaben der Werke nicht enthalten)..... Läuschen un Rimels, 2 Teste...... Ut mine FeftnngSttd Schurr-Murr... Dörchläuchttng... Montecchi un Eapn- letti....... Ut mine Stromtid brosch. 1,40 M., geb. 2.- M. Ferner: Frist ReuterS ausgewählte Werke in 9 Bänden, in 2 Leinen. bänden geb...... 3,60 M. (Inhalt: Biographie, Läuschen un Rimels, Hanne Nüte, Franzosentid, Festungsttd, Stromlid.) Frist ReuterS sämtliche Werke in 18 Bänden, nebst Lexikon. In 4 Leinenbänden geb.. 6,— 9t. In 4 Salbsranzbänd. geb. 9,50 m Eine Luxusausgabe auf besserem Papier in 4 hock- eleganten Liebhaber.Halv» sranzbänden...... 12,50, Zu beziehen durch UHung UM Berlin«W. 08 Llndonstrafie 60, Laden. Gelegenheitskauf! Schlaft in Wolle, exlra schwer • JSO, 450, 500. 000 JL pjgfjg decken |. JSO. jSO. 450. gSO M Zteise�leekeu iMenezte Tiger- JInctor \k 455. 000. 000. JQOO M Versand per Nachnahme. 3*sMn Oranienstr. I§8. [Fehlerhafte Decken r«pottbllllg!-MM llnventor- Extraliste gratis und franko. Lergntw. Siedatteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den L"lexat«nteilver«itw.:Xh. G<»cke, Berlin. Druck».Verlag: Borwärt» Buchdruck««». VertägSemjtält Jaul'Singer Sc Co.. fßctlm SW.