Nr. 59. sibimizma i od leiddo lo rootsnaptonite Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 I., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntagss nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat Eingetragen in die Post- ZeitungsBreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. # ericheint täglich außer Montags. od nasal sid olicinismsalle med madado en cas 22. Jahrg. Vorwärts 19 and Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inferate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. ligolemusi d Telegramm Adresse: pigolni otodolod Sozialdemokrat Berlin". Berliner Volksblaff. sid Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Der Rückzug Kuropatkins. Freitag, den 10. März 1905. Kluge Taktik der Japaner. 290 lied:): 36 m Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. Petroleum- Industrie interessiert ist, beschloß der Kongreß, den Ausschuß der Naphtha Industriellen zu ermächtigen, um die sofortige Ernennung einer speziellen gerichtlichen Untersuchungskommission nachzusuchen, an der gewählte Vertreter der Batuer Stadtverwal tung und des Ausschusses der Naphtha- Industriellen, sowie Vertreter der Presse teilnehmen sollen." Dieser Beschluß wurde mit großem Beifall begrüßt und dem Tokio, 9. März. Amtliche Mitteilung. Um die Heiligkeit der Stätte zu ehren, aus der die dad Zotio, 9. März. Marschall Oyama berichtet, kaiserliche Dynastie Chinas entsprossen ist, und um Frieden daß die Russen in jeder Richtung ge- und Ruhe der chinesischen Einwohner Mukdens aufrecht zu schlagen worden seien. Sie hätten erhalten, hat Marschall Oyama, als er am 8. März den Mittwoch früh den Rückzug begonnen, und die Befehl zur Aufnahme der allgemeinen Verfolgung gegeben japanische Armee verfolge den Feind jetzt energisch. hat, seinen Truppen aufs strengste verboten, inner- Minister der Landwirtschaft telegraphisch weitergegeben mit der Bitte Totio, 9. März, 12 Uhr mittags.( Privat- halb der Umwallung der Stadt Quartier zu um fofortige Einsetzung dieser Kommiffion. Diese Resolution bezeugt nur wiederum, welch eine berTelegramm des„ Tag".) Die Japaner find in Auf diese Weise gewinnen die Japaner die Sympathien dammungswürdige Rolle die Süter der Ordnung"- die Polizei Mukden eingerückt. Es herrscht hier große Ve- der Chinesen. und das Militär- während der letzten Massakres zwischen den geifterung. Tataren und Armeniern in Baku gespielt haben. 39057 nehmen. " # Daß dieses selbst von den keineswegs radikal gesinnten NaphthaBaronen so offen ausgesprochen wird, ist ein Zeichen der Zeit, ein Beichen des Schwankens aller Grundfesten" des Zarismus. Zur Streifbewegung. * * Jm Roten Kreuz- Wagen. Der Herr von Petersburg, der General Trepow, Beschloß, als ihm die Hand vom Blut des Bolles troff, Als den Die deutschen Truppen schlugen bekanntlich während Japan begeht bereits feierlich den Sieg von Mukden. Es des Borerkrieges" ihre Wohnung ungeniert in Tempeln auf! hat auch alle Ursache dazu. Denn gleichbiel, wie viel Russen Zur Lage der Russen. entkommen: es ist kein Zweifel, daß diesmal die russische Die„ Tägt. Rundschau" läßt sich von ihrem BerichtNiederlage eine vernichtende sein wird. Schon jetzt werden die russischen Verluste auf mehr als 50 000 Mann geschätzt. erstatter aus Irkutsk vom 19. Februar melden: Auch die Rückzugsgefechte werden den Russen noch große Opfer allem des armen russischen Soldaten, dem solche Freuden Bergwerken von Schtscherbinowla und Auerbach im Kreise Bachmut Weil wir gerade von Tafelfreuden sprechen, gedenken wir vor Jekaterinoslaw, 8. März.( Offizielles Telegramm.) In den kosten. Ob und wie viele Gefangene gemacht worden sind, ist leider nicht beschert sind. Kuropatkins Feldarmee droht in absehbarer wurde am Sonntag bezw. Montag die Arbeit eingestellt. Es kam noch nicht bekannt. Wahrscheinlich ist es aber, daß namentlich die schwere russische Artillerie auf dem Rüdzug äußerst ge- Beit eine regelrechte Hungersnot- das ist kein Gerücht mehr, zu Biünderungen von Bergwerkseigentum und Läden. die schwere russische Artillerie auf dem Rückzug äußerst ge- sondern eine durch Ziffern und Berechnungen erhärtete Tatsache, auf Arbeitern mit dem Gebrauch von Waffen gedroht wurde, warfen fie fährdet ist. Erfolgt doch der Rückzug der Russen über Fuschungtschöng, von wo aus nur eine Kleinbahn die Ver- die der Kriegsberichterstatter jetzt immer und immer wieder zurück auf die Truppen mit Steinen und feuerten Revolverschüsse ab. bindung mit Zieling herstellt.( In der Beilage finden die fehren muß. Wie mir von maßgebender Stelle mit. Durch die Gewehrsalben, welche die Truppen iufolgedessen(?) auf Leser einen orientierenden Plan über die Situation bei geteilt wird, lagern zurzeit längs der sibirischen Eisenbahn nicht die Ausständigen abgaben, wurde eine Anzahl von Arbeitern getötet Mukden.) J weniger als 5000 Waggonladungen Nahrungsmittel, die für die bezw. verwundet. Mittlerweile ist die Ruhe wieder hergestellt und die Arbeit wieder aufgenommen worden. Die japanische Strategie hat diesmal große Triumphe und eines zweiten Bahngeleises nicht weiterbefördert werden können. zwei Unbekannte Revolverschüsse auf zwei Schuhlente ab, von denen Mandschurei bestimmt sind und aus Mangel an rollendem Material Lodz, 9. März.( Offizielle Meldung.) Gestern abend fenerten gefeiert. Das Umgehungsmanöver der Japaner von beiden Flanken setzte die Japaner selbst großen Gefahren aus. Man bedenke, was das besagen will: eine Million Zentner faulender einer getötet wurde. Vor der Fabrit Teschenmacher wurde gestern Aber diese waghalsige Strategie hat zum Siege geführt. Die Nahrungsmittel, während die Feldarmee bereits zu hungern be- eine Bombe geworfen, die aber nur Fensterscheiben zertrümmerte Russen ziehen sich eilends zurück, nachdem sie ihre Vorräte giunt! Kein Wunder, daß derartige himmelschreiende Zustände die berbrannt haben. Schon gestern ſetzten wir auseinander, daß der Rückzug der Russen nach Tieling die russische Zufuhr ruſſiſche Felbarmee immer mehr demoralisieren. Wie hier gestern außerordentlich erschwere, da ja nun die legte Eisenbahn- von Offizieren erzählt wurde, die just von der Front zurückgekehrt berbindung mit China durch die Japaner abgeschnitten sei. sind, haben jüngst 900 Offiziere und Militärärzte dem General Da bereits jegt in den Reihen der Russen die Hungers- Kuropatkin ein von ihnen allen unterzeichnetes Schriftstück überreicht, not herrschen soll, wird es den Ruffen in der Zukunft erst worin sie mit Hintveis auf die chronischen Niederlagen, recht nicht möglich sein, nur durch den einen mandschurischen die Unfähigkeit der Heerführer, die bevorstehende HungersSchienenftrang alle ihre Bedürfnisse an Proviant und not und die Mutlosigkeit der Mannschaft dringend um Munition befriedigen zu können. Rußland wird also wohl Anbahnung von Friedensverhandlungen ersuchen. Das ist wieder oder übel Frieden mit Japan schließen müssen auf der Grund- etwas Nochniedageweſenes! Ich glaube kaum, daß in irgend einem der Kriege, die die neuere Weltgeschichte kennt, Hunderte von lage der japanischen Bedingungen! Denn das ist offene Menterei, wenn Die offiziellen ruffischen Telegramme lassen allerdings die Offizieren gemeutert haben. völlige Niederlage Kuropatkins noch nicht erkennen. Das be- Offiziere auf dem Kriegsschauplatz ihrem Höchstkommandierenden so ärgere Auflehnung, als die weist natürlich gar nichts. Man versucht nur wieder einmal Schluß!" zurufen; eine um das Bekanntwerden der Hiobsposten um einige Tage zu ver- Menterer ihrer Straflosigkeit wohl sicher sein dürfen: Kuropatkin zögern. Genau so war es ja bej Liaujang, bei der Schlacht kann selbst nach russischen Begriffen nicht gut 900 seiner Offiziere am Schaho und bei dem Fall Port Arthurs. Bekannt wird füfilieren laffen. Man erzählt ferner, daß Griepenbergs Stabschef. aber diese Niederlage unter allen Umständen werden und dann General Solnzew, der nach den traurigen Tagen von Sandepu wird die Empörung des russischen Boltes ins Riesengroße an- fich eine Kugel durch den Kopf gejagt, einen Brief an General wachsen. Die Revolution im Innern wird die japanischen Er. Ruropattin hinterlassen habe, worin er unter gleicher Motivierung das gleiche gefordert, wie jene friegsmüben Offiziere. Man kann folge in Ostafien vervollständigen! sich nun lebhaft denken, wie kampfluftig die Soldaten sind, die von solchen Offizieren geführt werden, und man darf sich nicht wundern, wenn man hört, daß hier und da ein ganzes Bataillon sich unter Die Sinder und die Frau'n, die blutig, eng gepackt, Fluchen und Höhnen geweigert habe, gegen den Feind vorzugehen... Die Verluste. Nach einer Depesche aus Tokio schäßt man dort die Verluste der Japaner auf 50 000 Wann und die Gesamtverluste auf beiden Seiten auf weit mehr als 100 000 Mann. London, 9. März.( Bureau Laffan".) In Totio schätzt man die Verluste der Russen in der gegenwärtigen Schlacht bei Mukden auf bisher 50 000 Mann, die der Japaner auf 25 000 Manu. " Das war Mitte Februar. Wie wird es jetzt erst nach der neuen furchtbaren Niederlage werden! " London, 9. März. Der Korrespondent des Reuterschen Bureaus" bei der Armee des Generals Oku meldet von gestern: London, 9. März.( Bureau Laffan.") Ernste Nachrichten Die linke japanische Armee hat die Eisenbahn zwischen Mukden und aus der Mandschurei sind den„ Times" zufolge gestern Tieling abgeschnitten und zerstört. Einzelheiten waren nicht zu ernachmittag in 3 arstoje Selo eingetroffen. Seuropatkin halten. Die Russen ziehen sich auf den nördlichen Straßen zurück. meldete, daß die Japaner gewaltige Streitkräfte nordwestlich Die linke Kolonne der genannten Armee hatte bei Likampu, sieben von Mukden anhänfen, wodurch der sofortige Rückzug der Meilen nördlich vom Hunho und fünf Meilen westlich von der Ruffen erzwungen wird. Es wird befürchtet, daß sich die Eisenbahn, ein heftiges Gefecht mit einer dreifach stärkeren Anzahl russische Armee mit Gewaltstößen nach Tieling durchzuschlagen des Feindes. Die Verlufte der Russen betragen 10 000 Mann. Das haben wird. Der gegenwärtige Aufenthalt Kuropatkins ist Zentrum der Ruffen zieht sich in großer Verwirrung zurüd. this selbst dem Generalstabe unbekannt. Die Verluste der Russen während der ersten zehn Tage der Schlacht werden amtlich auf faft 33 000 Maun angegeben, darunter 830 Offiziere. d Die Anarchie im Kaukasus. Der westliche Flankenangriff der Japaner. Die Naphtha Industriellen in Balu halten jährlich Mukden, 9. März. Der Kampf westlich von Mukden Kongreffe ab zur Regelung der Fragen der örtlichen Betroleum dauert seit drei Tagen an. Die russischen Truppen ziehen sich Industrie. Der diesjährige XX. Kongreß, der in die Zeit der von ihren Stellungen am Schaho und vom linken Flügel auf Megeleien in Bafu fiel, hat nun, ohne seine Arbeiten zu Ende zu die Befestigungslinie am Hunho zurück. Die sich Mukden führen, am 26. Februar plötzlich seine Sigungen eingestellt und vor nähernden Japaner tonzentrieren sich. Die nördlich von dem Schluß folgende charakteristische Resolution gefaßt: Mulden vorrückenden Japaner nähern sich der Bahn bis auf drei Werft; ihre Geschosse erreichen die Eisenbahn. Tokio, 9. März.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Die Japaner haben die Eisenbahn nördlich von Mukden ab. geschnitten. Siegesfeier in Tokio. Tokio, 9. März. Obgleich der wirkliche Umfang des Er folges bei Mukden, noch unbekannt ist, feiert die Be. völkerung in Zotio bereits den Sie g. Ueberall in der Stadt wird geflaggt. Die Menge in den Straßen fauft eifrig die von den Zeitungen herausgegebenen Extrablätter. Im Kriegsministerium und im Generalstab laufen zahlreiche Glückwünsche ein. Es geht das Gerücht, Suropattin, dessen Rückzug teiliveise abgeschnitten, habe schwere Verluste an Gefangen gehabt; eine amtliche Bestätigung dafür liegt aber noch nicht vor. Die Betroleum Industrie befindet sich während der letzten ztvei Monate in einem Zustande tiefer Depression, der fast an völlige Einstellung industrieller Tätigkeit grenzt. Sein Schicksal, welches ihn schon anteht, zu betrügen Durch fluge Kriegslist und mit höhnendem Vergnügen. In des Palastes Hof die erzbewehrten Wachen Berbeißen heute kaum ein übermütig Lachen. Das„ Rote Kreuz" fährt vor. Der mächt ge Herr der Stadt Steigt ein, das ist der Streich, den er erfonnen hat. Es dunkelt in dem Raum, dem engen. Ruhig spricht Der General zu sich: Hier suchen fie mich nicht, Die Bombenschleuderer." Und sieht, wie vor dem Zeichen Des Noten Kreuzes schen und friedlich alle weichen. Zum Boden hin, ihm schien, es ficherte da wieder. Er lacht in sich hinein. Doch plöglich blickt er nieder Ein Nichern? Nein, doch jetzt ein Stöhnen in der Ede. Er neigt sich umb gewahrt am Boden dunkle Flede. Blut ist es, doch ihn schreckt es nicht, er sett den Fuß Darauf: Rebellenblut! Den Stiefel dir zum Gruß! Da tönt es leis zurück: Weh' dir, der uns noch schmäht, Uns, welche ohne Grund der Zar dahingemäht! Wir sind dir nah, die er zerschossen und zerhackt, Am zweiundzwanzigsten in diefem Raume lagen! Du schändetest den Tod! Du stiehlst ihm seinen Wagen! Doch er, in dessen Reich du eindringst freventlich, gegt ist er über dir! Trepow, wir rufen dich. Du bist zur Stelle hier, wo Plehtes Urteil fiel!" --- Der Herr von Petersburg wünscht seine Fahrt am Ziel. 1/96) F. L. Politische Ueberficht. Berlin, den 9. März. 91210 Der Schwindel- Arbeitstag. In Preußen sind etwa 550 000 Bergarbeiter beschäftigt. Die Vorschriften der Berggefeß- Novelle sollen mur anwendbar sein auf die in Steinkohlen- Bergwerken unterirdisch beschäftigten Bergarbeiter; das sind im ganzen reichlich 300 000, also nur die größere Hälfte aller Bergarbeiter. Von diesen kommen wiederum nur die des Dortmunder Oberbergamtsbezirks in Frage. Die Gruben der übrigen Bezirke sind weniger tief und daher weniger warm. Im Dortmunder Bezirk sind etwa 200 000 unterirdisch beschäftigte Steinkohlen Bergarbeiter und nur ein Teil dieser Arbeiter foll in 3 bielleicht erst in 5%, Jahren den achtstündigen Arbeitstag bekommen. d Für alle übrigen Bergarbeiter wird nichts geboten. Für sie bleibt die alte Willtür, die alte Schufterei bestehen, und für fie bleibt auch das Elend des Ueberschichtenwesens nicht nur bestehen, sondern es wird sogar erst durch diese Novelle ausdrücklich für alle Bergarbeiter zur gefeßlichen Einrichtung gemacht, selbst für diejenigen, deren Arbeitszeit das Gesetz sonst unberührt läßt. Daß In den letzten Tagen wurde die Fortsetzung der industriellen vor der Einlegung der Ueberschichten der Arbeiterausschuß gehört Tätigkeit gänzlich unmöglich, infolge der von den Behörden vom werden muß, ist nichts als Deforation. Besteht doch nicht die 6. bis 9. Februar zugelassenen Massenmorde wehrlofer Bürger auf geringste Verpflichtung für die Unternehmer, die Wünsche des den Straßen und in den Hänfern der Stadt, die von Plündercien Arbeiterausschusses zu berücksichtigen. und Brandstiftereien begleitet waren und die in Gegenwart Aber wie wird nun der„ sanitäre Arbeitstag", wenn er jemals der Polizei und des Militärs vor sich gingen, welche sich den ins Leben treten sollte, bestimmt? In Gruben oder GrubenMördern, Räubern und Brandstiftern gegenüber völlig teilnahmslos abteilungen, in denen mehr als die Hälfte der belegten Betriebsverhielten. Zur Wiederherstellung industrieller Tätigkeit ist die fefte punkte eine gewöhnliche Temperatur von mehr als+22 Grad Zuversicht erforderlich, daß die erlebten Greuel sich nicht wieder- Celsius haben, soll der sanitäre Arbeitstag eintreten. Die Berg holen werden; doch können die örtlichen Behörden bei der Untätig- behörde bestimmt, wo diese Voraussetzungen zutreffen. Zunächst feit, die sie zeigten, eine solche Zuversicht feineswegs einflößen. steht fest, daß nicht bloß hohe Temperaturen, sondern auch Gase Demzufolge und in Erwägung dessen, daß der Staat mehr oder Nässe die Arbeit im Bergwerk besonders schädlich machen, noch als die Naphtha- Industriellen selbst an dem Wohlergehen der ganz abgesehen von den allgemein ungünstigen Bedingungen d« Bergarbeit und ebenso ganz abgesehen von den allgemein voWwirtschastlichen Gründen, die eine gesetzliche Beschränkung der Arbeitszeit überhaupt als geboten erscheinen lassen. Warum aber soll eine unbegrenzte Arbeitszeit für die an kühleren Punkten in den Gruben arbeitenden Bergleute dann zulässig sein, wenn nicht mehr als die Hälfte der Betriebspunkte iiber-s- 22, Grad Celsius haben? Womit begründet man eine gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit siir die Arbeiter, die nicht an warmen Punkten arbeiten, wenn nur die Wärme als Maßstab für die Begrenzung gelten soll? In den Gruben, in denen nicht mehr als die Hälfte der Betriebspunkte die festgesetzte Temperatur übersteigt, sollen alle Arbeiter nach Willkür des Unternehmers arbeiten dürfen. In den anderen Gruben sollen alle Arbeiter eine gesetzlich geregelte Arbeitszeit haben. auch wenn ein erheblicher Teil an kühleren Punkten arbeitet und nach der Logik der Regierung gar kein Grund vorläge, für diesen Teil der Arbeiter die Arbeitszeit zu begrenzen. Die Regierungslogil ist eben keine Logik, sondern die vollendete Unlogik, ihre Vorlage ein un- sinniges Verlegenheitsprodukt. Wann sind aber die gesetzlichen Bedingungen � für die Begrenzung der Arbeitszeit in einer Grube gegeben? Die Belegung der Betriebspunkte wechselt oft rasch. Wenn für eine Grube eben festgestellt wurde, daß nicht mehr als die Hälfte der regelmäßig be- legten Betriebspunkte die hohe Temperatur ausweist, kann ein neuer Betriebspunkt belegt, ein bisher nicht regelmäßig belegter nunmehr regelmäßig belegt werden und es können nunmehr längst die gesetz- lichen Bedingungen für die Begrenzung der Arbeitszeit in einer Grube erfüllt sein, ohne daß die Bergbehörde gleich zu einer neuen Festsetzung gelangt. Fiir welche Zeiträume sollen die Festsetzungen der Bergbehörde gelten? Was heißt regelmäßige Bewetterung? Es ist nämlich sehr wohl möglich, zur Zeit der Feststellung der Temperatur eine stärkere Bewetterung eintreten zu lassen und so die Temperatur herabzusetzen. Danach tritt wieder schwächere Bewetterung ein— die Wetterführung kostet Geld— und die Temperatur steigt. Schon jetzt bestehen, wie die Verhandlungen der Untersuchungskommissionen zeigen, zwischen Arbeitern und Unternehmern erhebliche Differenzen darüber, ob die Bewetterung genügend oder ungenügend ist. Wenn von der Art der Bewetterung die Herabsetzung der Arbeitszeit für die ganze Grube abhängig ist, gewinnen diese Differenzen erhöhte Bedeutung und werden zu schärferen Zusammenstößen zwischen Arbeitern und Beamten führen. Die Vorschläge der Regierung sind also wahrhaftig nicht geeignet, den Interessen der Bergarbeiter zu dienen. Kommt nun dazu, daß die Oberbergämter auch noch Ausnahmen von den gesetz- lichen Vorschriften zulassen dürfen, so wird erstens nur ein geringer Bruchteil der Arbeiter von diesem sanitären Arbeitstage betroffen lverden, im übrigen aber werden Umgehungen der gesetzlichen Vor- schriften und Betrügereien geradezu herausgefordert. Das ist der Fluch aller Halbheiten. Die Vorlage, der Regierung ist ein Beweis dafür, daß es hier nur ein Entweder— Oder gibt. Wenn man nicht die Absicht hat, die Arbeiter durch Scheinreformen zu betrügen. dann darf man sich auf eine Spielerei, wie es die Vorlage der Re- gierimg ist, nicht einlassen. Im„Reichs-Anzeiger" werden die Nachweisungen über die Bergarbeitcrlöhne in Preußen im Jahre 1904 veröffentlicht. Es ver» dienten danach reinen Lohn per Schicht im O b e r b e r g a m t S- bezirk Dortmund die unterirdisch beschäfttgten eigentlichen Bergarbeiter �,78 M., die übrigen unterirdisch beschäfttgten Arbeiter 8,84 M. und die erwachsenen TageSarbeiter 3,32 M. Im Saarbrücken er Revier 4,22 M., 3,05 M. und 3,16 M. Im Aachener Revier 4,39 M., 3,42 M. und 3,30 M. In O b e r- s ch l e s i e>i 3,39 M., 3,09 M. und 2,64 M. In Niederschlesien 3,00 M.. 2,87 M. und 2,62 M. Der Gesamt-JahreSlohn des einzelnen Arbeiters im Durchschnitt aller Arbeiter eines Bezirks betrug in Oberschlesien 836 M., in Niederschlesien 843 M., im Dortmunder Revier 1208 M., Saarbrücken 1097 M. und Aachen 1169 M. Die Steigerung des Jahreslohnes gegen 1903 bettägt in Ober- Schlesien 4 M., in Rieder schlesien 16 M., in Dortmund 3 M., Saarbrücken 39 M., Aachen 14 M. Tie Heizer der sozialpolitischen Lokomotive. Im Reichstage war heute der achte Tag der sozialpolitischen Tebatte. Den Unternehmerfrcunden von den Industrie- tönigen bis zu den kleinen Handwerksmeistern herunter sind die Argumente gegen den Arbeiterschuh allmählich aus- gegangen. Ihre Phrasen von der notwendigen Erhaltung des Mittelstandes und der ungerechten Bevorzugung der Arbeiter durch die Gesetzgebung sind ihnen nun allmählich selbst überdrüssig geworden. Ter Antisemit F r o e l i ch, der heute als letzter dies Normalstatut einer Arbeitertrutzrede ausfüllen sollte, hatte es vorgezogen, nicht erst im Hause zu erscheinen, und dem Polen K u l e r s k i diente die Frage des Schutzes der Kleinbauern, die er in den Lordergrund stellte, wohl nur als Einleitung zu seinem scharfen und berechtigten Angriff gegen die Novells zum Ansiedeluugsgesetz. So traten denn in der heutigen Debatte immer bedeut- sanier die Redner hervor, die mit materialreichen Schilde- rungen des Arbeiterelends und der Arbeiterleiden und mit ihrer wohlbegründeten Berufung auf die Arbeiterforderungen und die Hartnäckigkeit der Unternehmer die sozialpolitische Maschine zu einem etwas schnelleren Tempo anzufeuern suchen. Unzweifelhaft wird in den nächsten Tagen diese Erscheinung sich noch deutlicher bemerkbar machen. Es ist naturgemäß, daß bei diesem Anheizen der sozial- politischen Lokomotive in erster Reihe unsere Genossen als die wirklichen Arbeitervertretcr tätig find, während die Mit- gliedsr der anderen Parteien nur die Hülfsdienste gleichsam der ungelernten Arbeiter am Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung zu verrichten imstande sind. Von diesen suchte heute der freisinnige Abgeordnete Dr. Müller- Sagan zwischen der Negierung jedes Glas- arbeiterschutzes durch den Grafen Posadowsky und unseren vom Zentrum unterstützten Forderungen verhältnismäßig nicht unglücklich zu vermitteln. Am bemerkenswertesten war aber in seiner Rede das. was er nicht sagte. Wie alle freisinnigen Redner, die vor ihm in dieser Debatte gesprochen hatten, fühlte sich auch der derzeitige Fraktionsführer der Freisinnigen Volkspartei nicht bemüßigt, nur mit einem Worte die An- griffe des Dr. Mugdan gegen die Selbstverwaltung der Krankenkassen zu verteidigen oder sich zuzueignen. Ter Zentrumsabgeorduete Jäger plädierte für die Wobnungsreform, sein Frattionskollcge S ch w a r tz e für den Bauarbeiterschutz. Aber erst Genosse B ö m e l b u r g ge- staltete das, was de? Zentrumsredner behauptet hatte, mit der eindringenden Sachkenntnis des berufsangchörigen Ar- bciters zu. einem wirklichen Beweise aus. Genosse Molken- b u h r führte den gleichen Nachweis für die Hoteldiener, Ge- nosfe Heine für die Bureau-Angestellten der Rechtsanwälte und Notare: dieser geißelte noch besonders den selbstherrlichen Unternehmerstandpunkt, den die Berliner Rechtsanwälte gegen- über den Forderungen der Gehülfen angenommen haben, die Dreistigkeit der AnwaltskanMern« den Verkehr der Rechts- anwalte nut den Gehülfenorganisationen als standesunwürdig und ehrenrührig unter Strafe zu stellen. Genosse Molken buh r ließ es sich auch nicht nehmen, auf die beiden prinzipiellen Aeußerungen in den Reden des Grafen Posadowsky zu antworten. Der Staatssekretär hat bekanntlich die Notwendigkeit der Vereinheitlichung der Ver- sicherungsgesetzgebung anerkannt. Molkenbuhr konnte fest- stellen, daß unsere Fraktion längst darauf gedrungen hätte, die Bestimmungen über die einzelnen Versicherungszweige so zu treffen, daß ihre spätere Vereinheitlichung möglichst er- leichtert würde. Sie hatte aber für ihr Beftreben bei der bürgerlichen Mehrheit und der Regierung kein Verständnis gefunden. So mahnte denn Molkenbuhr, die Zusammenlegung, der mit jedem Tage des Verzuges neue Widerstände erstehen, wenigstens jetzt so rasch wie möglich vorzunehmen. Wenn die Rechte der Versicherten auf Selbswerwaltung dabei gewahrt werden, wird die Reform unsere Zustimmung finden. Als Grundlage jeder ernsten Sozialreform ist aber nach wie vor die gesetzliche Verkürzung und Festlegung der Arbeits- zeit anzusehen. Wirtschaftliche, gesundheitliche, sittliche und nationale Gründe lassen sie in gleicher Weise als notwendigste Reform erscheinen. Das stellte zur Begründung einer unserer Resolutionen Genosse S ch ö p f l i n heute noch einmal prinzipiell fest, natürlich ohne sich bei der ablehnenden Stellung der ausschlaggebenden bürgerlichen Parteien gegen- über der Zehnstundentags-Jnterpellation des Zentrums der Hoffnung hinzugeben, daß sie unserem Achtstundentag-Antrage zusümmen würden. Zu Beginn der heutigen Sitzung hatte der Reichstag ztoei kleinere Gesetzentwürfe angenommen, nach denen die Geschäfts- führer der Gesellschaften mit beschränkter Haftung zum Handelsrichteramt befähigt sein sollten und die Anmeldung unehelicher, totgeborener Kinder am nächsten Wochentage— also nicht des Sonntags— erfolgen muß. Morgen wird er sofort die sozialpolitische Debatte fortsetzen.— Zur Lage der Gsenbahner. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Donnerstag die zweite Lesung des Etats der E i s e n b a h n- V e r- w a l t u n g fort. Der erste Teil der Sitzung wurde durch eine langweilige Debatte über neue Zugverbindungen aus- gefüllt, der zweite durch die Beratung von Anträgen, die sich auf die Verhältnisse der Eisenbahn-Arbeiter und-Beamten beziehen. Ein Antrag Herold(Z.) ersucht die Regierung. den Beamten und Arbeitern Zeit und Gelegenheit zum regcl- mäßigen Besuch des Gottesdienstes an Sonn- und F e st- tagen, mindestens aber an zwei Sonntagen im Monat zu geben, sowie für die Handwerker und Arbeiter in den Eisen- bahn-HauPt- und Nebenwerkstätten einen jährlichen Urlaub, steigend mit der Zahl der Arbeitsjahre, unter Fortbezug des Lohnes einzuführen. Ein Antrag des Abg. O e s e r(Hosp. der frs. Vp.) richtet an die Regierung das Ersuchen, dahin zu wirken, daß im Eisenbahn-Betrieb die auf die Nachtzeit eist- fallenden Dienststunden entsprechend höher angerechnet werden als die im Tagdienst geleisteten, und daß die auf den Nacht- dienst folgende Ruhezeit ausreichend bemessen werde. Weitere Anträge, die bereits der Budgetkommission vorgelegen haben, betreffen die Berechnung des Besoldungsdienstalters der technischen Beamten und die Erhöhung des Gehalts der Eisen- bahn-Vetriebssekretäre. Die Debatte wurde noch nicht zu Ende geführt. Es läßt sich aber jetzt schon mit Bestimintheit sagen, daß die Eisen- bahner keine Aussicht auf Erfüllung ihrer Wünsche haben. Eine große Reihe von Rednern tadelte es sogar, daß die Be- amten sich mit Petitionen an das Haus wenden: selbst ein konservativer Herr brachte es über sich, von einem Petitionsunfug zu sprechen. Den arbeiter- und be- anttenfeindlichsten Standpunkt aber vertrat Herr Hammer (kons.), der es geradezu als Pflicht des Staates bezeichnete, im Gegensatz zum Reichstage, der ohne Rücksicht auf die Finanz- läge des Reichs die Gehälter erhöhe, recht vorsichtig zu Werke zu gehen. Die kleinen Beamten, denen Herr Hammer seine Wahl verdankt, werden hoffentlich bald erkennen, eine wie un- geeignete Person sie zum Fürsprecher ihrer Beschwerden ge- macht haben. Am Freitag wird die Beratung fortgesetzt.— Die Berichte aus den Reichstags- Kommissionen. Weil von den Blättern des Herrn Scherl dem Abgeordneten Dr. Paasche in dem Berichte über die letzte Sitzung der Budgetkommission Dummheiten in bei, Mund gelegt worden waren, die geradezu beleidigend wirkten, schnitt Herr Paasche am Donnerstag in der Budgetkommission die Frage der Berichte wieder an. Eine Reihe von Abgeordneten, unter ihnen die Herren v. Kardorff und Dr. Beumer, möchten am liebsten die detaillierten Berichte aus den Kommissionen unterdrücken, oder wenigstens, wie auch Dr. Spahn, jede Namens- und Partei- nennung vermieden wissen. Genosse Singer trat allen Ver- suchen, die Verhandlungen der Kommissionen zu sekretteren, energisch entgegen: es sei wichttg, die Meinungen der einzelnen Parteivertreter schon in den Vorverhandlungen auch außerhalb des Kommissionszimmers kennen zu lernen. Etwa vorkommende kleine Unbequemlichkeiten und Ungenauigkeiten könnten uns einer Ab- Weichling von diesem Prinzip nicht geneigt machen. In der Dis- kussion, die resultatlos verlief, hob übrigens Abg. Graf Oriola her- vor, daß die Berichte des„Vorwärts" die objekttvsten und genauesten seien.—*___ Die Reichs- und Staatsangehörigkeit iu Deutschland betrifft eine wichttge Entscheidung des preußischen Ober-Verwaltungs- gerichts, in der unter anderm ausgesprochen wurde, daß unter Um- ständen auch Personen, welche die Reichs- und Staatszugchörigkeit in Deutschland nicht besitzen und nicht erhalten, zum Militärdienst herangezogen werden können.— Der Arbeiter Stahl, welcher die deutsche Bundes-(Reichs-) und preußische Staatszugehörigkeit be- saß, war 1382 nach Amerika ausgewandert und hatte nach fünfjährigem Ausenthalt die amerikanische Staatszugehörigkeit erworben. Einige Jahre später kehrte er nach Deutschland zurück und nahm mit der Familie seinen dauernden Aufenthalt in Berlin. Im vorigen Jahre beanttagte er, da er inzwischen das amerikanische Bürgerrecht wieder verloren hatte, fiir sich und seinen 1883 in New Jork geborenen Sohn Frank die Erteilung einer Aufnahme- Urkunde gemäß Z.21 Absatz 6 des Gesetzes über die Bundes-(Reichs-) und Staats- Zugehörigkeit vom 1. Juni 1870, wo eS heißt:„Deutsche, welche ihre Staatsangehörigkeit durch zehnjährigen Aufenthalt im Auslande verloren haben und demnächst in das Gebiet des Reiches zurück- kehren, erwerben die Staatsangehörigkeit in demjenigen Bundes- staate, in welchem sie sich niedergelaffen haben, durch eine von der höheren Verwaltungsbehörde ausgcferttgte Anfiiahmeurkunde, welche auf ihr Nachsuchen ihnen erteilt werden muß."— Der Polizeipräsident lehnte aber die Erteilung der Aufiiahmeurkunde ab. mit der Begründung, daß der§ 21 Absatz 5 des Gesetzes auf keinen der Fälle zutreffe, wo zugleich eine fremde Staats- Zugehörigkeit erworben worden sei. Aus diesem Grunde hätte St. keinen Anspruch auf den Erwerb(Wiedercrlverb) der Staatsund Reichsangehörigkeit gemäß K 21 Absatz 5. Dasselbe treffe auf den allerdings vor der amerikanischen Naturalisation Stahls geborenen Sohn zu, da er ja ohne weiteres durch jene damals die amerikanische Staatsangehörigkeit erworben hätte. Gleich« gültig Wäre, daß sie die amerikanische Staatsangehörigkeit inzwischen wieder verloren hätten. Es genüge, daß sie sie überhaupt besaßen. Stahl und sein Sohn klagten im Verwaltungsstreitverfahren. In der Klagebegründung wurde hervorgehoben, daß der obigen Auf» fassung doch der§ 11 des ReichS-MilitärgesetzeS entgegenstände, welcher bestimmt:„Personen, welche das Reichsgebiet verlassen, die Reichsangehörigkeit verloren, eine andere Staatsangehörigkeit aber nicht erworben oder sie wieder verloren haben, sind, wenn fie ihren dauernden Aufenthalt in Deuischland nehmen, ge« stellungspflichtig und können nachttäglich ausgehoben werden, im Frieden jedoch nicht über das 31. Lebensjahr im Dienst behalten werden." Dasselbe gilt von den Söhnen ans- gewanderter und in das Deutsche Reich zurückgekehrter Personen. tofern die Söhne keine andere Staatsangehörigkeit erworben haben. — Wenn man diese Bestimmung u. a. berücksichtige, führte die Klage aus, dann dürfte doch wohl anzunehmen sein, daß auch im Hinblick auf§ 21 Abs. 3 des Gesetzes über die Bundes- und Staats- Zugehörigkeit eine wieder verlorengegangene fremde Staatsangehörigkeit zu betrachten sei, als wäre sie nie dagewesen. Das Ober-Verwalwngsgericht wies jedoch die Klagen von Stahl. Vater und Sohn, a b. indem es von folgenden Gründen ausging: Ein ehemaliger Deutscher habe, wenn er durch zehnjährigen Aufenthalt im Ausland der Staatsangehörigkeit in Deutschland ver- lustig gegangen sei, bei seiner Rückkehr in das Reichsgebiet und seiner Niederlassung in einem Bundesstaate keinen Rechtsanspruch auf Wiederaufnahme dann, wenn er inzwischen Angehöriger eines fremden Staates geworden war. Ebenso ver- halte es sich unter der Herrschaft eines Staatsvertrags, wie dein mit Nordamerika, wo die zehnjährige Frist auf eine fünfjährige, verbunden mit Naturalisation in dem fremden Staate, vermindert worden sei. Insbesondere werde auch durch ein Wiederverloren gehen der fremd- staatlichen Naturalisation oder durch einen Verzicht auf die Rechte aus dieser ein Anspruch auf Wiederaufnahme nicht begründet.— Verfehlt sei schließlich der Hinweis des Klägers auf den tz 11 des Reichsmilitär- gesetzes, der ausnahmsweise auch Nichttnländer der Gestellungspflicht vor den Ersatzbehörden und der Aushebung unterwerfe, namentlich solche Personen, welche das Reichsgebiet verlassen, eine andere Staatsangehörigkeit aber nicht erworben oder wieder verloren haben, vorausgesetzt, daß sie ihren dauernden Aufenthalt in Deutschland nehmen. Im tz 11 werde, wie die Be- gründung des Gesetzentwurfes und eine Erklärung des Präsidenten des Reichskanzler-Amtes in den Reichstags-Verhandlungen ergäben. nur die Absicht verfolgt, da?„Privilegium der Heimat- losen", die keinem Staate Untertan und deshalb auch der Militärpflicht keines Staates unterworfen waren, zu be- s e i t i g e n. Der Gesetzgeber sei weit davon entfernt gewesen, an die Einstellung solcher Personen, die er von dein nach Lage des Einzelfalles zu übenden Ermessen der Militärbehörde abhängig nmcht, eine stillschweigende Renaturali- sation zu knüpfen, oder auch nur eine Verpflichduig der in Betracht kommenden Personen zur Nachsuchung ihrer Wieder- aufnähme. Für die Wiederaufnahme in die deutsche Bundes- und Staatszugehörigkeit könne ans§ 11 des Reichs-Militärgesetzes somit nichts hergeleitet werden. Mit Recht sei den Klägern die Aufnahme- Urkunde verweigert worden, weil ein Anspruch darauf ihnen nicht zugestanden habe, tz 21 Abs. 5 des Gesetzes vom 1. Juni 1870 sei nicht anwendbar.—_ Kriegervereins- Kunst. Der Stadt Graudenz wird es schwer, zu ihrem Kaiser W i l h e l m- D e n k m a I zu kommen. Ein Denkmalsausschuß hatte die seltsame Anschauung, daß Graudenz nicht eins von den all- üblichen Denkmälern Häven soll, wie sie alle Märkte deutscher Mittel- und Kleinstädte in endloser Langweiligkeit verzieren. Sie wollten ein künstlerisches Werk schaffen und gaben dem Bildhauer Günther-Gera den Preis auf seinen Brunnencntwurf, der eine Walküre mit Roß darstellt, der aber allerdings den alten Kaiser nur in einem Medaillonrelief darstellte. Dieser Entwurf hat, wie bekannt, auch nicht den Beifall des Königs von Preußen gefunden, der durch Vermittelung des Ministeriums die Meinung aussprechen ließ, daß das Denkmal in der geplanten Art die Absicht der Graudenzer Bevölkerung, den Heldenkaiser Wilhelm I. zu ehren, nicht würdig zum Ausdruck bringe. Daraufhin ist in der Stadt Graudenz unter den Denimalslusttgen und Helden- kaiscrverehrenden ein gewaltiges Gedränge entstanden. Der Denk- malsauSschuß hat zunächst die Angelegenheit dadurch zu ordnen beabsichtigt, daß er den Künstler befragt hat, ob es möglich sei, den Wünschen des Kaisers dadurch Rechnung zu tragen, daß das Medaillonporträt größer als im bisherigen Entwurf ge- fertigt werde. Zugleich aber regte sich in Graudenz die „Volksseele". Schon früher haben Mittelstäiidler und Krieger- vereinlcr sich nicht zur Begeisterniig fiir die Walküre und ihr Roß aufschwingen können, doch ihr Knnstgeschmack tobte sich an den Bierbänken aus und gelangte nicht in die Oeffentlichkeit. Jetzt aber, da der oberste Kriegsherr seine Unzufriedenheit mit dem Entwurf des Denkmalsausschiisses bekundet hat, wagt sich der Kunstgeschmack der ausgedienten Soldaten machtvoll hervor. Man hat eine Ver- sammlung einberufen, wo JnnungS-Obermeister, Hausbesitzer, Rentiers und vor allem Kneger- und LandwehrvercinS-Häuptlinge sich ein Stelldichein gaben. Da entlud sich lauter Groll gegen die absonderlichen Kunstneigungen, welche den alten Kaiser auf den nebensächlichen Platz zu setzen gedachten. Ein Oberleutnant der Reserve, so liest man in dem Berichte des„Graudenzer „Geselligen", bekämpfte mit Entschiedenheit die Auffassung, „als wenn die Errichtung einer Brunnenanlage dem Volköcmpfinden als Gedächtnisdenkmal für den Kaiser Wilhelm I. genügen würde". „Der Bauer zum Beispiel." sagte der Kunst-Leutnant,„der nach der Stadt komntt, müßteerst gewissermaßen mit der Nase darauf gestoßen werden, wenn er die Bedeutung des Brunnens erkennen soll. Anders sei es mit einem Standbild. Wenn der einfache Mann seinen allen Kaiser, wie er ihn z. B. auf Bildern gesehen hat, im Standbild vor sich sieht, so wirkt dies auf ihn viel Vesser". Ein Mitglied des Denkmalsausschusses gab sich hervor- ragende Mühe, das anwesende„Volk" zu überzeugen, daß der geplante Walkürenbriinnen künstlerischem Geschmack entspreche. Aber er miißte erkemien. daß„leider viele Mitbürger sich von der hergebrachten Kaiserdarstellung nicht losmachen konnten und durchaus ein Stand« bild mit Helm und anderen Ausrüstungsstücken haben wollten". Und schließlich faßte ein Herr„Volksanwalt" Tetzlaff die Gefiihls der Versammelten in die Erklärung zusammen:„Wir als alte Soldaten und Mitglieder der Kriegervercine kennen nur unbedingten Gehorsam und das Vertrauen in myere Führer. Erst als das Bild deS DenkinalsbrunnenS im„Geselligen" veröffentlicht wurde, hat das Volk den Entwurf zu Gesicht bekommen. Da habe alles gerufen: Wo ist der Kaiser, den Kaiser wollen wir sehen! Als alte Soldaten haben wir uns da? Denkmal anders gedacht."— Sckiließlich nahm die Ver- sammlung der KriegervereinS-Kunst mit allen gegen 10 Sttmmcn eine Petition an. die in der löblichen Stadt Graudenz kursieren soll und in der erklärt wird, daß den Anschauungen der Majorität der Graudenzer Bevölkerung allein ein Denkmal entsprechen würde. welches„in einfacher, würdiger Form dem Volke die Heldengestalt Kaiser Wilhelms des Großen vor Augen führt". Dieser Kriegervereins-Kunst wird kein Denkmalsausschuß wider- stehen. Graudenz wird seinen Heldenkaiser haben, damil auch der Bauer, wenn er in die Stadt kommt, sich pattiotisch und monarchisch erheben kann, ohne„mit der Nase darauf gestoßen zu werden"... Vielleicht kommen nun auch einmal die Berliner Krieger» verein ler zur Kunstberatung zusammen. Da könnten auch die Marmorblöcke der Ahncnallee m ihrer künstlerischen Bedeutung er- kannt werden.— Schutz vor Schiller! Aus dem Großherzogtum Sachsen. 8. März. wird uns geschrieben: Die Schillerfeier in Weimar soll H besonders großartiger Weise unter Anteilnahme der gesamten Bevölkerung begangen werden. Jedoch die etwa 700 organisierten Arbeiter wollte man nicht haben. Nunmehr beschlossen die GeWerk- schasten für die Arbeiterschaft eine besondere Feier am 9. Mai. Aber alle Saalbesitzer lehnten es ab, ihren Saal den Arbeitern zu einer solchen Feier zur Verfügung zu stellen. Die Angst vor dem Terrorismus der sogenannten gebildeten Gesellschaft, die Angst vor dem Militärboykott treibt den Arbeiten! die Säle ab. Die vor Fahren geplante Goethefeier wurde den Arbeitern polizeilich ver- boten. Ziir Schillerfeier erhalten sie keinen Saal. Kann die geistige und politische Unfreiheit in der Schillerstadt Weimar besser bewiesen werden?! Offenbar will man die Arbeiter vor Schiller schützen oder aber die Oeffentlichkeit vor der Wahrheit über Schiller I— Ein Montignoso-Prozeß. Vor der dritten Straflammer des Z w i ck a u c r Landgerichts hat sich am Freitag, 10. März, der Redakteur Ernst Schubert vom sozialdemokratischen„Sächsischen Bolksblatt" wegen Bc- leidigung des Königs von Sachsen zn verantworten. Der Prozeß ist der erste der sogenannten„Montignoso-Prozesse", deren mehrere ein- geleitet sind. Auch gegen den«Simplicissimus* schwebt bekanntlich ein solches Strafverfahren in Stuttgart. Der unter Anklage gestellte Artikel des„Sächsischen Volks- blattes" erschien in der Rummer vom 28. Dezember 1904 und war betitelt:„Die Königin auf dem Schub". Er entstammt der„Wiener Arbeiter- Zeitung" und schildert den Kontrast zwischen der vor dem Schloß stehenden vertriebenen Mutter und dem Weihnachtsfest„da drinnen im Schloß". Sie(gemeint sind die Kinder des Königs) erzählen, so heißt es in dem Artikel, sich drinnen heimlich, wenn sie in ihren Bettchen liegen, von der guten Mama, die so weit, weit fort mußte, und ahnen es gar nicht, daß sie vor der Tür steht. Aber die Schloßwache hat Befehl, die Sünderin nicht einzulassen und bleibt für alle Zeiten taub. Und weiter wird dann ausgeführt:„Wäre das eine so recht schummerige Weihnachtsgeschichte, wie sie das deutsche Gemüt liebt, da müßte jetzt der König auf seine:» prächtigen Schimmel, von seinem Jagdgefolge umgeben, über den Schloßhof gesprengt kommen, die Büßerin im härenen Kleide zn seinen Füßen sehen. Erstiege von seinem Pferde, höbe die Gebeugte zu sich empor, die ihm schluchzend in die Arme sänke, und König, Königin und Prinzlein vereinigten sich unter dem strahlenden Tannenbaum als ein rührendes Bild deutschen christlichen Familienlebens." Hieran wird dann die Kritik gekniipft, daß es in Dresden Weihnachten nicht so gekommen sei, wobei die nach Ansicht der Anklage beleidigenden Wendungen gebraucht werden, Die Schuld daran, daß es nicht so kam, soll nämlich dem König beigemessen sein. Die Angelegenheit sei, so schließt der Artikel, keine Privatangelegenheit des Königs mehr, sondern eine öffentliche Angelegenheit, weil der König gegen seine ehemalige Frau eine ganze Armee von Gendarmen, Kriminal- kommisfaren und Polizisten habe aufmarschieren lasten. Das sei ein Mißbrauch der Staatsgewalt. Uns ist die un- glückliche Frau kein Objekt lüsterner Untertanenneugicrde, sondern nur ein Mensch wie jeder andere, der Rechte wie jeder andere hat. Auch sie hat das Recht, die Wohltaten des Gesetzes zu genießen; wenn man sie mit Polizisten und Gendamen aus dem Lande hetzt, so ist und bleibt das, mag sie die gewesene Gemahlin eines Königs oder eine russische Studentin sein...(hier folgen einige ebenfalls inkriniinierte Wendungen. Red.) Es ist der- selbe Geist, der im Borjahre den streikenden Webern von Crimmitschau ihr Weihnachtsfest nahm und der in diesen: Jahre die Mutter des künftigen sächsischen Königs von Tür und Schwelle jagte. Es ist eine echt sächsische Weihnachtsgeschichte!" Die Staatsanwaltschaft hat gegen das„Sächsische Bolksblatt" wegen des Artikels Anklage erhoben. Die Verteidigung führt Rechts- anwalt Neu-Leipzig._ Wegen Majestätsbcleidiguug verhandelte an: Donnerstag die Strafkammer des Landgerichts II gegen den Tapezierer Max Perlewitz aus Rixdorf., Dieser fuhr am 2. Oktober v. I. mit der Eisenbahn von Groß-Lichterfelde nach Berlin. In demselben Abteil saß der O b e r j ä g e r G e n s ch o w, mit dem der Angeklagte ein Gespräch anknüpfte. Er verband damit Erinnerungen an seine eigene Dienstzeit sowie an Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich. die er in Gegensatz zu Kaiser Wilhelm II. stellte. Dabei gebrauchte er einen beleidigenden Ausdruck über den Kaiser. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 3 Monaten Gefängnis.— Verluste in Südwestafrika. Nach Meldung des Generals V.Trotha vom 8. März überfiel Detachement Zwehl<2. Kompagnie Regiments 1, 10. Kom- pagnie Regiments 2 und Halbbatterie Stuhlmann) im Marsch von Gibeon nach dem Hadup am 1. März eine im oberen Keitsub- Revier und am 2. März eine in Hadup sitzende Bande von etwa 100 Witbois und Bastards und sprengte sie auseinander. Der Feind verlor 6 Mann tot, diesseits keine Verluste. Eine Patrouille von 2 Mann, die von Gibeon Verbindung mit Detachement Zwehl aufsuchen sollte, wurde am 3. März aus nächster Nähe von etwa 10 Hottentotten beschoffen, ciu Mann blieb tot, der andere. durch fünf Streifschüffe verwundet, erreichte von Hottentotten verfolgt am b. März zu Fuß die Statton Hanaus, von wo er am gleichen Tage nach Gibeon weiterritt. Am 4. März wurde zwischen Zwartfontein und Mtkranz ein Wagentransport von Witbois über- sollen, wobei unsererseits 11 Mann fielen, 3 Mann verwundet wurden. Die Verfolgung des nach Osten und Nordosten zurück- gegangenen Feindes ist durch die 2. Kompagnie Regiments 2 auf- genommen worden. Berlin, 9. März. Nach einen: Telegramm aus Windhuk ist Vizewachtmeister Joseph Michael Ragaller, geboren am 4. Juli 1872 zu Passau. am 3. März im Lazarett Okahandja an Lungenschwindsucht gestorbcn. HlloUlML Frankreich. Zur Frage der französischen Neutralität. Der sozialistische Deputierte de Pres seilst hat dem Minister des Auswärtigen, D e l c a s s 6, mitgeteilt, daß er ihn am 16. März gelegentlich der Wiedereröfsnung der Teputiertenkammer, die sich gestern nach Erledigung des Budgets bis dahin vertagt hat, eine Anfrage über das lange Verbleiben der Baltischen Flotte Rußlands in den Gewässern von Madagaskar richten werde. In dem hierauf bezüglichen Schreiben des Deputierten an den Minister heißt es unter anderem, die andauernden Berichte über den langen und fast endlosen Aufenthalt des russischen Geschwaders in den Gr- wässern von Madagaskar beunruhigen lebhaft alle Freunde des Friedens in Frankreich. Es sei notwendig, daß Frankreich die Verpflichtungen der Neutralität dein G e i st e wie den: B u ch st a b e n nach respektiere und durch seine Haltung auch diesen Eindruck hervorrufe. Frankreich dürfe sich nicht Beschwerden oder der Gefahr einer Flottenaktion in seinen Gewässeril aussetzen, gegen die es einen gerechten Einspruch nicht würde erheben können. Presse:: ,<5 bemerkte schließlich in seinem Schreiben, er wolle dem Minister Gelegenheit geben, die allgemeine Beunruhigung zu zerstreuen.— Italien. Thron und Altar. Der Papst hat an Kardinal Svampa ein Handschreiben gerichtet, in dem er sich unter anderem scharf gegen die Partei der„ ch r i st l i ch e n Demokraten" wendet. Er be- zeichnet die Bestrebungen derselben als„eingegeben durch den Drang «ach einer falsch verstandenen Freiheit"; er nennt ihre Ziele„Streben nach gefährlichen Reuerunge«" usw. Bor allen Dingen aber rügt er diejenigen katholischen Zeitungen, die den Bischöfen ihren Tadel aus- sprachen, welche die Tendenzen der katholischen Deniokraten miß- billigten. Mit der Absicht der Demokraten, einen Kongreß in Bologna abzuhalten, ist der Heilige Vater natürlich ganz und gar nicht einverstanden und fordert alle„wahren Katholiken" auf, sich an diesem Kongreß nicht zu beteiligen! P r i e st e r. die diesem Verbot zuwiderhandeln, sollen gar nach kanonischem Recht bestraft werden zc.— Man sieht: Die Gerüchte von einer Annäherung zwischen Vatikan und Ouirinal entbehren nicht einer gewissen inneren Wahrscheinlichkeit. Bald werden sich Papst und König von Italien versöhnt in die Arme fallen.— Amerika. Tammany-Wirtschast in New Dork. In jüngster Zeit werden wieder viele Klagen laut über die Korruption der Polizei und die Zunahme der Verbrechen in New Uork. Tammany Hall, die be- rüchtigte, altbekannte demokratische Organisation, beherrscht die Ver- waltung der Stadt. Mc Clellan, der Bürgermeister, ist durch Tan:- manys Macht zu seinem Amte gelangt und es wird ihn: der Borwurf gemacht, daß er in der Korruption vorangehe; er soll die Stadt an die Gasgesellschaft verkauft haben, indem er Kontrakten zustimmte, durch lvelche die Stadt um Millionen bestohlen wird. Daß die Polizei käuflich ist, weiß jedermann. Von den Gastwirien erhebt die Polizei bestimmte Tributgelder, 3—20 Dollar wöchentlich, damit die strengen Gesetze, die den Gastwirtschaftsbetrieb einschränken, un- gehindert übertreten werden dürfen. Die Spielhöllen und die Pro- stitution bilden reichlich fließende Einnahmequellen für die Polizei. Der Staatsanwalt Jeromc hat kürzlich offen erklärt, daß die ganze Polizeiverwaltung«ine korrupte ist, daß Bestechungen regelmäßig stattfinden und daß sogar Verbrechen begünstigt werden; Anklagen zu erheben sei zwecklos, denn selten würden die Schuldigen bestraft. Im nächsten November ist wieder Bürgermeisterwahl und ein schwerer Kampf steht in Aussicht, denn Tammany will die Wieder- Wahl Mc ClellanS durchsetzen. New Aorks Verwaltung kostet nicht wenig. Für das Jahr 1905 wurden die Kosten der Stadtverwaltung von Groß- New Dork mit seinen nahezu vier Millionen Einwohnern auf 100 500 000 Dollar festgesetzt.(Die Regierung von Kanada mit 6 Millionen Einwohnern hat im Jahre 1904 etwa 52 Millionen Dollar gekostet; Mexiko mit 14 Millionen Einwohnern wurde regiert für 08 Millionen Dollar.) Tammany Hall wurde so oft schon bloß- gestellt und die Macht dieser Organisation manchmal gebrochen, aber sie verstand es immer wieder, die Bürgerschaft zu gewinnen und zur Herrschaft zu gelangen. In der letzten Zeit wurde viel über innere Streitigkeiten laut; die Kleinen murren gegen die Großen, weil die Beute ungerecht ver- teilt werde; viel Unzufriedenheit soll der Führer Charles Murphy, ein ehemaliger Gastwirt, jetzt Millionär, erregt haben. Im allge- meinen ist die Organisation eine sehr starke und gefürchtete. Gegen die Privilegien der Wehrpflicht. Die Budgetkommission des Reichstags begann am Donnerstag zunächst die Beratung des Gesetzentwurfs über die Aenderung der Wehrpflicht(gesetzliche Fe st legung der zweijährigen D i e n st z e i t). Der Kriegsminister v. Einem betonte, daß sich an der zweijährigen Dienstzeit Mängel herausgestellt hätten, die durchgreifende Abhülfe erheischten. Der Soldat und das Aus- bildm:gspersonal dürften nicht überbürdet werden; daher sei Ver- stärkung des Personals und Vereinfachung der Ausbildung nötig. Das letztere sei durch die unlängst erlassene Kabinettsordcr des Kaisers erreicht, die Vermehrung des Personals werde jetzt gefordert. Ohne diese_ Äusgleichsmaßregcln sc: das Gesetz unannehmbar. Abg. v. Richthofen(k.) stimmte ihm vollständig bei. Abg. Süde- k u m begründete den Antrag, durch Aufhebung des Z 8 des heutigen Wehrgesctzes das Privilegium des EinjährigendienstcS abzuschaffen. Würde man diesem Antrage zustimmen, so schaffe man nicht nur eine empörend ungerechte Bevorzugung der Besitzenden ab, sondern liefere auch dem Heere daS brauchbare Ausbildungsmaterial, das der Kriegs- minister jetzt vermisse. Es sei ferner unzweifelhaft, daß eine weiter- gehende Verkürzung der aktiven Dienstzeit nur zu erreichen sein werde, wenn diese Privilegierung der herrschenden Klasse falle. � Abg. Gröber legte dar, daß sehr viele Mißhandlungen von Soldaten in der Zeit der zweijährigen Dienstzeit zu beklagen ge- Wesen seien; das liege zum Teil an der starken Anspannung der Unteroffiziere nach der Verkürzung der Dienstzeit. Daher sei die geforderte Zahl der Verstärkung der Unteroffiziere nicht von der Hand zu weisen. Tic Bedenken Südckums gegen das Institut der Einjährigen würden auch von vielen Militärs und Schulmännern geteilt.?lber die Frage sei nicht so einfach zu lösen, dazu greife sie zu tief in das ganze soziale Leben ein. Vor einer Erhöhung der Kosten durch gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit dürfe man nicht zurückschrecken, die Ausgleichsmaßregeln müßten bewilligt werden. Auf demselben Standpunkte stand Abg. v. Liebermann, der theoretischer Anhänger der dreijährigen Dienstzeit ist. Was das Einjährigeninstitut anlange, so verkenne er auch nicht dessen Bedcnklichkeiten; aber von seiner Aufhebung erwarte er nicht die allgemeine einjährige Dienstzeit. Das Gesetz wolle gar keine Privi- legierung des Besitzes. Abg. Bebel betonte, daß wir Gegner jeder Privilegienmg im Staate seien, daher prinzipielle Gegner des Einjährigenwesens. Die Bildung sei heute auch nur ein Privileg des Besitzes; auch müßten sich ja ine Einjährigen selbst unterhalten, also sei die Privilegierung des Besitzes evident. Aus dem Ärbeiterstand gingen viele Leute hervor, die geistig den Ein- jährigen völlig gewachsen seien. Durch die Annähme des Antrages Südekum würden uns unsere Gegner ein sehr wichtiges Agitations- nsittcl gegen den Militarismus aus der Hand winden; aber dagegen hätten wir nichts. Auch in Frankreich sei das Einjährigenprivileg gefallen. Unzweifelhaft würde die Abschaffung des Privilegs den Kampf um allgemeine Verkürzung der Dienstzeit erheblich erleichtern. Mit dem Fall des Privilegs müsse eine Reform des Unterrichtswesens und eine systematische körperliche Ausbildung der Jugend Hand i n H a n d g e h e n. An eine Wiedereinführung der dreijährigen Dienstzeit könne im Ernst niemand denken. Abg. Dr. Müller- Sagan meinte, in politischer Beziehung habe Bebel vollkommen Recht: die Privilegierung des Besitzes wirke aufreizend. Ein bemittelter Junge könne sich das Zeugnis mif alle Fälle ersitzen; darunter leide auch das Schulweseu empfindlich. Aber die Möglichkeit einer rascheren Ausbildung derjenigen Elemente, die sich zu Führern eigneten, dürfe man doch nicht aus der Hand geben, obschon der heutige Zustand unhaltbar sei. Die Regierungs- vorläge dürfe nicht zurückgewiesen werden, weil die weitergehende Forderung nicht bewilligt werde. Darum solle man unter Ablehnung des Antrages Südekum auf eine baldige Abschaffung des Instituts der Einjährigen dringen. Der Kriegsminister legte dar, daß das Privileg der Besitzenden zweifellos bestehe. Wenn man es ersitzen könne, s« sei das ein Fehler der Schule. Es komme auch vor, daß reiche Leute das Ziel nicht erreichten. Wenn die Eltern übrigens nicht den Unterhalt der aktiven Einjährigen bezahlen könnten, so würden viel- fach die Kosten durch die Generalkommandos übernommen. Die Einjährigen könne man nicht durch einen Federstrich abschaffen; sie lieferten brauchbares Reservistenmaterial und müßten doch auch lange Hebungen machen. Die zweijährige Dienstzeit sei 1893 eingeführt worden, einmal um einer gewissen Volksstimmung Rechnung zu tragen und dann um rasch die Zahl der Reservisten zu vermehren. Abg. Starz erklärte, man müsse die geforderte Vermehrung des Ausbildungspersonals bewilligen; ob aber dadurch die Miß- Handlungen auS der Welt geschafft würden, sei zweifelhaft. Der Abschaffung des Einjährigeninstituts stehe er sympathisch gegenüber, obschon er darin nicht so sehr ein« Privilegierung des Besitzes sehe, als eine der städtischen Bevölkerung. Abg. Graf O r i o l a sprach namens seiner Partei die Zustimmung zu dem Gesetzentwurf aus. Tie Nationalliberalen hätten früher lange geschwankt, ob die zwei- jährige Dienstzeit richtig sei; eine Verlängerung sei aber jcht ganz ausgeschlossen. Ueber den sozialdemokratischen Antrag könne er nur persönlich erklären, daß man ihn nicht kurzer Hand annehmen könne. Die Aufhebung des Einjährigeninstttuts mache auch erhebliche Mehr- kosten. Abg. Le debour wandte sich gegen Mg. Müllcr-Sagcm und führte aus, daß gerade bei gleicher Dienstzeit die Befähigteren leichter ausgewählt werden könnten. Die lange Dienstzeit beein- trächtige auch andere, als die Privilegierten, in ihrem Berufe. Der Auffassung des Äriegsmiuisters, daß die langgedicnte kaiserlich- französische Infanterie der deutschen 1870 mannigfach überlegen gc- wesen sei, könne man durch Berufung auf M o l t k e entgegentreten. Abg. Dr. B e u m e r wies darauf hin, daß unter den Einjährigen heute der Luxus überhand nähme, besonders unter denen der Kavallerie. 10— 12 000 M. koste oft daS Jahr. Hier sollten die Kommandcure eingreifen. Die Einjährigen müßten auch oft„Ab- gaben" leisten, die eigentlich verboten seien. Gegen solche Miß- stände müßte eingeschritten werden, um das Institut der Einjährigen dem Heere zu erhalten. Der Kriegsmini st er führte das „S ch m i e r e n" auf eine grenzenlose Feigheit der Einjährigen mit zurück. Die Uebelstände des übertriebenen Aufwandes lägen auch in der heutigen Erziehung. Er be- greife die Kommandeure nicht, die so etwas zuließen. Abg. Beumer solle nur die Fälle melden, dann würde er mit fester Hand eingreifen. Abg. Bebel legte dar, daß die Ver- waltung nur mit offenbar sehr geringem Erfolge gegen den Luxus in der Armee vorgehe. Man solle angeben, wieviel Einjährige n i ch t auf Grund des Berechtigungszeugnisses eingetreten wären. Von einer Zurückrevidicrung der Dienstzeit könne ganz und gar keine Rede sein; übrigens habe theoretisch die zweijährige Dienstzeit bis zur Armeereorganisation in Preußen und auch in den süddeutschen Staaten bestanden. In Württemberg habe man vor 1870 sogar die Einführung der 17monatlichen Dienstzeit geplant gehabt. Um Ueber- gangsmahregeln für die Annahme des Antrages Südekum zu er- möglichen, wollten wir den Einführungstermin aus 1908 festsetzen; auch die entstehenden Mehrkosten könnten kein Grund zur Ablehnung des Antrages sein. Würden sie durch eine Reichseinkommensteuer aufgebracht, so werde man darüber mit sich reden lassen. Mg. v. Richthofen besttitt nicht, daß ein Privileg vorliege, aber die Frage sei doch noch nicht spruchreif. Abg. v. Lieb er mann wollte durch Zustimmung zum Antrag Süde- kum nur seine prinzipielle Stellung kennzeichnen, obschon er eine allgemeine Umwandlung des Heerwesens jetzt nicht empfehlen könne. Abg. Graf Mi e l z y n s k i verhielt sich gegen den sozialdemokratischen Antrag ablehnend. Abg. v. K a r d o r f f wies darauf hin, daß die zweijährige Dienstzeit dem Volke doch schwere Lasten gebracht habe. Die Vorlage werde er bewilligen. Abg. R o e r e n erklärte, er werde— aus Furcht vor einer„Falle"— auch gegen de» modifizierten Antrag Südekum stimmen, solange die Sozialdemo« kraten keine annehmbaren Reorganisationsvorschläge gemacht hätten. Die Mißstände erkenne er aber ohne weiteres an. Abg. Erz- b e r g e r regte ein Einschreiten gegen die„Pressen" an und erwähnte einige Fälle von Bestechungen in der württembergischen Armee. Abg. Bebel wandte sich gegen die Behauptung des Abg. Roeren, die Abänderung des sozialdemokratischen Antrages sei eine „Falle": wir hätten uns überzeugt, daß die s o f o r t i g e Abschaffung des Einjährigeninstttuts nicht angehe und deshalb wollten wir ganz loyal durch Gewährung eines weiteren Spielraums zu der not- wendigen Reorganisationen auch die Stimmen der prinzipiellen Gegner des heutigen Systems gewinnen. Abg. Singer crllofte, die Anregung des Abg. Erzberger sei deshalb zurückzuweisen, tveil die Vor- f Christen nur ein bestimmtes Maß von Kenntnissen verlangten, aber keine Bestimmungen über die Art enthielten, wie sie erworben wurden. Alles Herumdoktern an den Schäden des Instituts sei un- nütz, man müsse es a u f h e b e n. Abg. v. Liebermann erklärte, er sei überzeugt, daß die notwendigen organisatorischen Arbeiten zur Abschaffung des Einjährigeninstitttts gar nicht so bedeutend seien. Er würde freilich Bedenken tragen zuzustimmen, wenn er nicht sicher wäre, in der Minorität zu bleiben; aber er wolle das Prinzip damit vertreten. Abg. Müller-Sagan kündigte für das Plenum eine Resolution an, in der er eine Rcformierung des In- stituts des Einjährigenwesens verlernge. Artikel I und II der Gesetzesvorlage wurden von der Mehrhen unverändert angenommen. Der sozialdemokratische Antrag wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und des Abg. Liebermann v. Sonnenberg abgelehnt.— kommunales. Stadtverordneten-Versammlung. 10. Sitzung vom Donnerstag, den 9. März 1905, nachmittags 5 Uhr. Der Vorsteher Dr. Langerhans eröffnet die Sitzung um%6 Uhr und veranlaßt zunächst die feierliche Einführung des neugcwählten Mitgliedes Gastwirt Feuerstein, der darauf auf die Städte- ordnung verpflichtet wird. Ueber die Vorlage betr. die Abänderung cm:gcr Be» soldungsordnungen fiir das Lehrpersonal an den höheren Lehranstalten und höheren Mädchenschulen berichtet Stadtv. Cassel. Die Vorschläge des Magistrats hinsichtlich der Erhöhung des Wohnungsgeldes für das Lehr personal der Ge. meindeschulen auf 730 bezw. 300 M. hat der Ausschuß gut- geheißen. Stadtv. Dr. Preus)(soz.-fortschr.) verweist darauf, daß Berlin auch mit diesen Ausbesserungen keinen vollen Ausgleich schaffe. Charlottcnburg sei mit den Oberlchrergehältern auch jetzt schon' wieder Berlin voran. Den ordentlichen Lehrern an den höheren Mädchenschulen sei man leider nicht genügend entgegengekommen. Auch die Lehrer an der Taubstummen- und Blindenanstalt verdienten größere Berücksichtigung. Die Ausschutz-Vorschläge werden angenommen. Die Versammlung beginnt darauf mit der Spezialberatung des Stadthanshalts-Etats und zwar auf Grund des Berichts des Stadtv. Bütow(Fr. Fr.) über die Verhandlungen des Etats-Ausschusses betr. den städtischen Grundbesitz und die Kranken- und Irrenhäuser. Der Etats-Ausschuß hat vorgeschlagen, die im vorigen Jahre gefaßte Resolution: „Den Magistrat zu ersuchen, im Falle der notwendigen Auf- nähme von Nichtortsangehörigen in die städttschen Krankenhäuser den wirklichen Selb st kosten» preis, wie er sich aus den jährlichen Durchschnittsberechnungen ergibt, vergüten zu lassen, den Tarif dementsprechend zu ändern und diese Aenderung im laufenden Jahre so vorzubereiten, daß sie für den Etat 1903 in Kraft tritt" zu wiederholen, da die Angelegenheit noch immer nicht er- ledigt sei. Die Spczialetats„G r u n d st ü ck e i n d e r S t a d t",„L ä n d- liche Grundstücke und Kalksteinbruch in Rüders- dorf",„Berechtigungen" werden ohne Debatte cn bloc un» verändert angenommen. Zum Etat des Krankenhauses„Friedrichshain" liegt die vorerwähnte Resolution vor. Ferner wird folgende vom Ausschuß abgelehnte Resolution wieder eingebracht: «Die Versammlung ersucht den Magistrat, zu erwägen, ob nicht für die in den städtischen Krankenanstalten beschäftigten Wärter, Wärterinnen, Arbeiter und Arbeiterinnen Lohnskalen nach dem Muster, wie sie in anderen Verwaltungen bereits bestehen, eingeführt werden können." Stadtv. Dr. Wehl(Soz.): Bei der Etatsberatung hatte der Kollege Rosenow eine Anregung gegeben, welche wohl auf einen Artikel des Dr. Becker in der„Voss. Ztg." über die Wald- «rholungs statten zurückzuführen war. Die Waldcrholungs- statten sind«in ausgezeichnetes Mittel, die Krankenhäuser zu ent- lasten. Es wäre sehr zweckmäßig, wenn die Stadt Berlin auch einmal ihrerseits ein Experiment damit machte. In Berlin sind derartige private Stätten seit drei Jahren, im letzten Jahre auch im Winter, im Betriebe gewesen. Unter den Insassen der Krankenhäuser bc- findet sich eine große Zahl von Patienten, die besser in solchen Kr- holungsstätten aufgehoben wären, Refonvalescenten, Nervenschwache, Blutarme, Bleichsüchtige usw., die vor allem Licht und Luft für ihre Heilung bedürfen. Die jetzt vorhandenen Stätten beherbergen bie Kranken aber nur über Tage; werden sie den Krankenhäusern fest angegliedert, so würde auch Fürsorge für die Beherbung über Nacht zu treffen sein, es müßten Schlafräume geschaffen werden und die Kosten würden nur gering sein. Eine Stätte, welche ein Krankenhaus um 200 Kranfe entlastet, würde 100 000 m. toften, während das Krankenhaus diesen Betrag beinahe voll wieder hereinbringen würde. Der Vorsteher hält sich für verpflichtet, darauf hinzuweisen, daß es die Durchberatung und rechtzeitige Fertigstellung des Etats nicht fördern könne, wenn solche allgemeinen Wünsche an den Etat geknüpft werden. Jedes Mitglied habe die Möglichkeit, solche Anregungen zum Gegenstande besonderer Anträge zu machen, die in der nächsten Sigung erledigt werden müßten. Der Geschäftsgang in der Berfammlung sei ein anderer als in den Parlamenten; solche weitgehenden Abschweifungen werde er nicht weiter zulassen, wenn die Versammlung ihm zustimme. Stadtv. Borgmann( zur Geschäftsordnung): Ich kann diesen Ausführungen nicht vollständig folgen. Die Bemerkungen des Kollegen Weyl standen im engen Zusammenhange mit unserem Krankenhauswesen. Eine so weitgehende Einschränkung, wie der Vorsteher sie andeutete, sollte nicht eintreten. Der Borsteher bleibt bei seiner Auffassung stehen. Stadtv. Mommsen( Fr. Fr.): Die vom Vorsteher aufgeworfene Frage ist nicht so leicht zu entscheiden. Wir sollten heute ruhig weiter, wie bisher, berhandeln und die Geschäftsordnungsfrage uns zunächst einmal in den Fraktionen überlegen. Stadtv. Singer( Soz.): In dem Wunsche rechtzeitiger Er ledigung des Etats find wir alle einig. Reine Gruppe hat ein Interesse daran, das zu verhindern. Daß er übrigens am 31. März durchaus fertig sein muß, fann ich nicht zugeben. Legt der Magistrat Wert auf die Fertigstellung, so soll er ihn rechtzeitig einbringen. Was im Protokoll steht, was also im Ausschuß erörtert worden ist, muß doch das Plenum auch beraten können. Wenn der Vorsteher bei jedem Spezialetat beim ersten Titel eine allgemeine Besprechung zuließe, würde er gerade am besten fortkommen. Stadtv. Gaffel(. 8.) pflichtet den Kollegen Mommsen und Singer zum Teil bei, hält aber auch dafür, daß die Geschäftsordnung der Versammlung von der der Parlamente doch erheblich abweicht. Stadtv. Borgmann( Soz.) begründet die wiedereingebrachte Resolution. Für Kanal- und Bassinarbeiter, sogar für die Kohlenfarrer der Gasanstalten, für die Maschinenschlosser und für andere Kategorien in städtischen Betrieben beständen solche Rohnstalen. Der Einwand, daß der Verwaltung damit die Hände gebunden würden, sei unhaltbar. கம் Stadtv. Wallach( A. 2.): Ob das Alterszulagensystem für gewisse Kategorien städtischer Arbeiter an sich zweckmäßig sei, fann man dahingestellt sein lassen; für die Krankenanstalten hält der Ausschuß es für geradezu zwedwidrig; die Verwaltung muß die Freiheit behalten, tüchtige Sträfte auch besser zu besolden. Stabtv. Borgmann( Soz.): Daran wird die Verwaltung durch die Stala nicht gehindert. Gerade der Umstand, daß die Leute auf das Wohlwollen und die Willkür der Verwaltung angewiesen sind, bringt den beklagenswerten steten Wechsel im Wärterpersonal hervor. Die Resolution Borgmann wird abgelehnt, die vom Ausschuß vorgeschlagene angenommen. Der Etat für das Krankenhaus„ Friedrichshain" wird en bloc genehmigt, desgleichen diejenigen für die Krankenhäuser Mo a bit", Urban"," Gitschinerstraße", aiser und Kaiserin Friedrich Arantenhaus". Der Kostenanschlag für die innere Einrichtung des Neubaues des Märkischen Museums wird genehmigt. Die Vorlage wegen Herstellung eines elektrischen Speiseaufzugs und Verlegung der Fest küche im Ratsteller wird nach furzer Debatte einem Ausschuß überwiesen. m Die Vorlage, wonach bei Her Trichinenschau mildere Be. Für Streifunterstüßung wurden allein 56 Broz. der Einnahmen Stimmungen bezüglich der Einführung von Wurstausgegeben. Die gestellten Anträge betreffend Agitation und Bezirks. waren in das Regulativ aufgenommen werden sollen, wird ohne einteilung wurden der Verwaltung überwiesen. Zum Punkt Gelb Debatte genehmigt. metall- Bewegung wurde folgender Antrag Schlenker angenommen: " Die heutige Generalversammlung beschließt, die Erhebung des Extrabeitrages von 50 Pf. mit der Schlußwoche im Februar einzustellen, mit der Begründung, daß jedes Mitglied, welches über 24 M. Wochenverdienst hat, im Jahre 1904 7 Gürtlermarken und 1905 8 Gürtlermarken im Buch geklebt haben muß. Die MitDie Vorlage betr. Abänderung der Abt. XI und IX des Be glieder mit unter 24 M. Wochenverdienst müssen 5 Gürtlermarken bauungsplanes zwischen der Berliner Ringeifen geklebt haben. Die Versammlung betont nochmals, daß derjenige, bahn, hochstraße, Badstraße, Grünthalerstraße, welcher diese Verpflichtungen nicht erfüllt hat, in UnterstübungsWeichbildgrenze mit Pankow und Malmöerstraße fällen seiner Rechte verloren geht." will Stadtv. Modler( A. 2.) in demselben Ausschuß vorberaten, Nunmehr folgten die Neuwahlen. Gewählt wurden: Bedler, den bereits die analogen Vorlagen bezüglich des Griebenowschen Geschäftsleiter; Schröder, Bevollmächtigter; Grünberger, Terrains überwiesen find. Schriftführer; Wiesner, Ortstassierer; I inte, Kassierer für Stadtv. Hinge( Soz.) weist darauf hin, daß die Wollantschen Norden; Böttger, Hülfstassierer; Schola, Kassierer für Süden; Erben zum Teil ungeheuerliche Forderungen stellen. Außerdem soll Edelmann, Buth, Gall, Revisoren; Buth, Schatohl, ein dort projektierter Play von 29 000 auf 21 000 Quadratmeter Kartelldelegierte. Ersazwahl zum Hauptvorstand: Nims. Hierauf verkleinert werden. Ausschußberatung sei also notwendig. Redner erfolgte die Wahl sämtlicher Agitationskommissionen.midist schließt sich dem Antrag Modler an. Die Versammlung beschließt demgemäß. Die Hausdiener, Bader und Geschäftslutscher hielten in den Der Ankauf der auf dem rechten Spreeufer an der Frucht- Industrie- Festfälen ihre erste diesjährige Generalversammlung ab. Unter Mitteilungen gedachte der Borsitzende Kluge der Opfer straße belegenen Flugbadeanstalt wird beschlossen. Die städtische Schiller- Gedenkfeier am 9. Mai des 22. Januar in Petersburg; die Versammlung ehrte das An soll in den Gemeindeschulen dadurch begangen werden, daß denken an die gefallenen Freiheitshelden durch Erheben von den bie bom Berliner Lehrerverein veranstaltete, bei Fischer u. Frande Plätzen. Der Kaffenbericht, welchen der Kassierer Schmidt gab, in Düsseldorf erscheinende Auswahlsammlung Schillerscher Gedichte wonach einer Einnahme von 4116,35 M. eine Ausgabe von 3586,71 als Erinnerungsausgabe an sämtliche Schüler und Schülerinnen der Mark gegenüberstand, so daß ein Kassenbestand von 529,64 M. berOber- und Mittelstufe in den Berliner Gemeindeschulen verteilt bleibt, rief eine längere Debatte hervor. Bei der Neuwahl des Vorwird, während geeignete Drudwerke als Prämien an die beiden standes wurde aunau als erster, Kaiser als zweiter Bor besten Schüler in jeder Klasse der städtischen höheren Lehranstalten fikender gewählt; zum Schriftführer wurde Basel, zum Staffierer zur Verteilung gelangen sollen. Sluge gewählt; als Beisiger gingen Schmidt, Glode, Barnad und Groß aus der Wahl hervor; zu Revisoren wurden Reklaff, Schwarz und Rüdiger gewählt. Unter Berfchiedenes wurde die Krankenunterstüßung anderweitig geregelt, auch erfolgte auf Antrag Koch der Austritt aus der Geschäftskommiffion des Gewerkschaftskartells. Für die Gemeindeschulen ist der Kostenbetrag( Eremplar 35 Pf.) auf rund 40 400 m. veranschlagt, für die Prämien der höheren Schulen werden rund 3600 M., im ganzen alfo 44 000 Mart gefordert. a2100000 Nach einem Antrage Stapf(. 2.), der die höheren Schulen und die oberen Klassen der Gemeindeschulen wesentlich besser bedacht wissen will, wird der Betrag um 20 000 W. erhöht und ein Gesamtbetrag von 64 000 m. auf den Dispositionsfonds für unvorhergesehene Ausgaben angewiesen. Schluß 8 Uhr. Verfammlungen. Letzte Nachrichten und Depefchen. Der russisch- österreichische Eisenbahnverkehr unterbrochen. Breslau, 9. März.( W.T.B.) Die„ Schlesische Zeitung" meldet: Nunmehr ist auch die Eisenbahnlinie von Myslowiß nach Charkow montasid über Graniza von der Kaiser Ferdinands- Nordbahn für den gesamten Güterverkehr gesperrt, da die österreichische Eisenbahndirektion die weitere Annahme von Gütern verweigert. Zentralverband der Handlungsgehülfen. In der am Donnerstag in den Arminhallen vom Zentralverband der Handlungsgehülfen und Mtt 65 000 Pfd. Sterl. ist die Heldentat Noschdestwenskys gefühnt. Gehülfinnen Deutschlands einberufenen und gut besuchten Versamm- London, 9. März.( W. T. B.) Der russische Botschafter Graf lung referierte Julius Ralisti über die Lohnfrage im Handels- Bendendorff hat heute dem Staatssekretär des Auswärtigen Lord getverbe: Nebner besprach kurz und fachlich die jammervollen Lohn- Lansdowne die Entschädigungssumme von 65 000 Pfund Sterling für verhältnisse der Handlungsgehülfen, deren Lage sich seit fünfzig die von der Huller Katastrophe betroffenen Fischer ausgehändigt. Jahren nicht berbessert, fondern im Gegenteil wesentlich verschlechtert habe. Der Redner geißelte aber auch in Die Typhus- Epidemie im 18. Jnfanterie- Regiment tou scharfen Worten die Intereffelofigkeit der meisten Handlungs- Laudau( Pfalz), 9. März. Da bei dem hier in action gehülfen, die eine Beitragszahlung für eine Organisation für eine Zugusausgabe halten und sich vor allen Dingen höher dünlen liegenden 18. Infanterie- Regiment feit dem 29. Januar fein neuer als die Arbeiter. Zur Befferung der wirtschaftlichen Lage der Typhusfall mehr vorgekommen ist, kann die Epidemie als erloschen Sandlungsgehülfen sei es unbedingt notwendig, daß diefelben zu angesehen werden. Die Zahl der im Garnisonlazarett befindlichen dem Bewußtsein kommen, daß sie zu den Arbeitern zählen. Die Ver- Typhustranten beträgt noch 34, darunter 30 Rekonvaleszenten; fchlechterung der Lohnverhältnisse im Handelsgewerbe sei auf das Kranke find bereits als geheilt entlassen, 4 sind der Strankheit erVerhalten der Handlungsgehülfen selbst zurückzuführen. Es fei mir legen. Die Typhusverdächtigen befinden sich seit dem 19. Februar Zu den Etats für die Jrren- und Jdiotenanstalt Dalldorf daran erinnert, mit welchem Leichtsinn Handlungsgehülfen nicht mehr unter Stontrolle; am 22. Februar ertranft noch ein und die Irrenanstalt Herzberge beantragt Stadtv. Borgmann Verträge in den Geschäften unterzeichnen, die gleichbedeutend Militär- Krankenwärter durch Ansteckung. eine Resolution des Inhalts, die Löhne des Pflegefeien mit ihrem Todesurteil. Als Beispiel für die jämmerPetersburg, 9. März.( W. T. B.) Zwei Unbekannte schoffen personals aufzubessern und ohnstalen für dasselbe festlichen Löhne führte der Referent an, daß in der Allgemeinen heute auf den Oberst Progulbitski, den Chef des Suchumer Bezirks, Elektrizitätsgesellschaft Buchhalter einen Stundenlohn von Stadtv. Borgmann: Der Magistrat hat in diesem Jahre eine 30 f, d. i. einen Wochenlohn von 18 Marf erhalten, der in dem Augenblick, als er von der Post kam, sechs Revolverschüsse ab. große Anzahl Aufbefferimgen für städtische Beamte vorgeschlagen. jich nach Abzug verschiedener Spesen bis auf 16 m. reduziert. Es Der Oberst ist nicht verwundet; den Angreifern gelang es zu entDie unteren Organe unserer Verwaltung aber, besonders diejenigen, fann dann ein Buchhalter nach 4 jähriger Tätigkeit glüdlich einen fommen. Das Attentat hatte politischen Charakter. die einen schweren Dienst haben, sind unberücksichtigt geblieben. Wir Wochenlohn von 20 Mart erreicht haben. Am Schluß wies Belgrab, 9. März.( Meldung des Wiener Telegr.- Korresp.machen daher wiederum den Versuch, hier zu bessern. Der Dienst Redner darauf hin, daß es Pflicht eines jeden Handlungs- Bureaus.") Die Schwierigkeiten für die Einbringung der Vorlage des Pflegepersonals ist außerordentlich schwer, der Personalbestand gehilfen sei, für die Sache nach Möglichkeit zu agitieren. Leb- betreffend den deutsch- serbischen Handelsvertrag in der Skupſchtina außerordentlich schwankend. Ein solcher Wechsel erschwert den Be- after Beifall lohnte den Vortrag. Der Vorfizende Fried- bestehen, außer in der Opposition der selbständigen Radikalen, trieb der Anstalt außerordentlich. Unbedingt müssen Lohnstalen fest- länder drückte daß auch als darin, in Streifen der Regierungsmajorität Ungesetzt werden, weil nur so das Personal dauernd an die Anstalt einzige Stadt noch kein Kaufmannsgericht hätte. Er verlas dann zufriedenheit über einzelne Bestimmungen des Bertrages herrscht. gefesselt werden kann. eine auf seine Ausführungen bezugneğmende Resolution. In der Da jedoch von der Votierung des Vertrages das Verbleiben der Die Resolution wird abgelehnt, die Etats gelangen zur An- Diskussion über diese Resolution erivähnte Neichstags- Abgeordneter gegenwärtigen Regierung abhängt, welche noch den Abschluß der nahme. Lipinski, daß nicht nur Berlin zurückstände, sondern daß in großen Geschüß- und Eisenbahnanleihe durchzuführen hat, hegt man Auch der Etat der Anstalt für Epileptische in uhl- Deutschland noch ungefähr 110 Gemeinden existierten, die noch in Regierungsfreisen die Erwartung, daß auch die unzufriedenen garten bei Biesdorf wird unverändert festgesetzt. Damit ist für teine Staufmannsgerichte hätten. Er ersuchte darum, daß die Refo- Abgeordneten der Majorität aus Parteidisziplin für den Vertrag heute die Etatsberatung erledigt. lution in diesem Sinne erweitert werde, was denn auch geschah. Die stimmen werden. aufezen. sein Bedauern daß aus, Berlin Stadtv. Dinse( N. 2.) berichtet über die Vorlage wegen Ab- Resolution wurde einstimmig angenommen. Friedländer gab Washington, 9. März.( W. T. B.) Die Senatskommission für änderung des§ 9 des Gemeindebeschlusses vom 9. Mai 1901 betr. noch bekannt ,, daß der Zentralverband in der nächsten Woche mit auswärtige Angelegenheiten stimmte dem Vertrage mit Santo die Bewilligung von Ruhegeld und Hinterbliebenen- einer Protestversammlung im Sinne des Abg. Lipinski in die Domingo unter Abänderungen zu, die teils lediglich redaktionell versorgung für die ohne Pensionsberechtigung im Dienst der Stadt Deffentlichkeit treten werde und daß die stattgefundene Versammlung sind, teils die Bezugnahme auf die Monroedoktrin in der ursprüngdauernd beschäftigten Personen. Nach dieser Vorlage soll das Ruhe- nur dazu gedient habe, der Regierung einen freundlichen Rippenstoß lichen Fassung des Bertrages beseitigen. geld um den halben Betrag der Invaliden- oder zu gebent. Altersrente, wenn solche dem Nuhegeldempfänger zusteht, gekürzt werden. Die Bemühungen der sozialdemokratischen Ausschußmitglieder, diese Verkürzung zu verhindern, sind erfolglos geblieben; es soll nur die Bedingung daran geknüpft werden, daß die bisherigen Bezieher eines höheren Ruhegeldes dasselbe ungefürgt weiterbeziehen. Der Antrag, folgende Faffung anzunehmen: Beim Zusammentreffen des Ruhegeldes mit Bezügen aus öffentlichen Mitteln oder mit Unfall-, Alters- oder Invalidenrente, tritt eine Kürzung des Ruhegeldes ein, wenn und fotveit diese Bezüge zusammen mit dem Ruhegeld den Durchschnitts. Arbeitsverdienst übersteigen", and ent ift abgelehnt worden, derselbe liegt als Antrag Borgmann heute wieder bor. Stadtrat Fischbeck gibt namens des Magistrats die Erklärung ab, daß nach dem Zusabantrag des Ausschusses selbstverständlich verfahren werden solle. London, 9. März. Dem„ Reuterschen Bureau" wird aus Niutschwang von heute gemeldet: General Nogi jetzt den Vormarsch in Eilmärschen, bis zu 25 Meilen täglich, fort und operiert in Vers bindung mit Okus linkem Flügel. Es heißt, er habe eine große russische Streitmacht bei Tieling umgangen und die russischen Hülfstruppen abgeschnitten, die sich eiligst zu der russischenẞ Hauptmacht begeben wollten. Es heißt weiter, Nogi sei während des Marsches an einer russischen Division vorbeigegangen, habe derselben jedoch teine Aufmerksamkeit geschenkt, bis er seine Umgehungsbewegung vollendet hatte. Erst dann habe er von allen Seiten einen vernichtenden Angriff gemacht. Suropattin hat, wie erklärt wird, seit dem 1. März keine Verstärkungen aus der Richtung von Charbin erhalten. Vom oftasiatischen Kriegsschauplate. Die Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft hielt am 26. Februar London, 9. März.( W. T. B.) Dem Reuterschen Bureau" wird eine stark besuchte Generalversammlung in Wilfes Festsälen ab. Die Japaner fordern Den Jahress und Kassenbericht gab der Geschäftsführer 3 edler. aus Niutschwang von heute gemeldet: Redner schilderte zunächst die Lage der Metallindustrie im Jahre die Beförderung von 450 Tonnen Reis nach Sinminting und 1904 und ging dann auf die einzelnen Streits und Sperren näher drohen, wenn dieser Forderung nicht stattgegeben wird, die Eisenein. Seit dem Bestehen des am 1. Februar 1904 geschaffenen bahn zu beschlagnahmen. Man glaubt hier, daß es sich um eine Bureaus haben sich die Arbeiten mehr und mehr gehäuft. Die Probe handelt, weil die ständige Beförderung von Weizen und Kämpfe, die die Arbeiter gegen das propige Sapital führen mußten, Kohlen für die Russen nicht gehindert wird, die Japaner aber un feien zwar nicht immer zum Vorteil für die Arbeiter verlaufen, parteiische Behandlung verlangen. Heute haben die Japaner wieder doch war es nötig, gegen allzu große Mißstände und Verschlechte- das Telegraphenamt von Sinminting besest. rungen Front zu machen. Als Branchenstreiks waren besonders der Formerstreit und die Lohnbewegung in der Gelbmetall- Industrie zu nennen; ersterer endete mit einem Vergleich, letzterer bauerte bis ins Jahr 1905 hinein und ging verloren. Gleiches Schicksal traf auch den Streik der Werkstättenarbeiter der Großen Berliner Straßenbahn; nach vierzehntägiger Dauer mußte der Kampf aufStadtv. Dinje als Referent zieht hiernach den Zufazantrag gegeben werden, da die Streifbrecher von außerhalb waggonweise herbeigeschafft wurden. Die Gewerkschaft war an den verschiedenen namens des Ausschusses zurück. Stadtv. Schubert( Soz.): Der Magistrat hat in dieser Frage eine Streits mit zusammen 466 Stollegen mit einer Dauer von 7255 Tagen bemerkenswerte Frontänderung vollzogen. Bei der ersten Beratung beteiligt und mußte die Summe von 14 901,60 M. aufbringen. Gehat der Oberbürgermeister eine geradezu programmatische Rede ge- maßregelte waren 7 mit 75 Tagen vorhanden; Rechtsschuß erhielten halten, in der er erklärte. die Differenz würde eventuell aus städti. 14 Mitglieder, was 438,49 W. Kosten verursachte. Die Arbeitsfchen Mitteln zugelegt werden; der Fehler liege nicht bei der Stadt, bermittelung hat sich ganz bedeutend gehoben; für 242 Stollegen sondern bei der Judikatur des Reichs- Versicherungsamtes. Jekt ist wurde Arbeit vermittelt. Als gestorben sind der Verwaltung vier Tokio, 9. März.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Das das Eigentümliche eingetroffen, daß, nachdem eine Entscheidung der Mitglieder gemeldet worden. Die Bibliothek, die im Anfang des japanische Hauptquartier auf dem mandschurischen Kriegsschauplake Testeren Instanz die entstandenen Schwierigkeiten beseitigt hat, die Jahres nach dem Bureau verlegt wurde und 400 Bände umfaßt, er- berichtet unter dem heutigen Datum folgendes: In der Richtung foziale Bohltat nicht ausgebaut, sondern eingeschränft werden soll, freute sich regen Zuspruchs; 367 Bücher wurden gelesen. 21 große auf Sintiching berfolgen unsere Truppen, die die Russen bei Es ist hier in der Beschlußfassung der Versammlung ein Fehler ge- und öffentliche Versammlungen und mehrere hundert Werkstatt- Matschuntan geschlagen haben, die Feinde weiter. Am Schaho östlich macht, der eine zwiespältige Interpretation zuläßt; der Magistrat sibungen wurden abgehalten, ferner 9 Mitglieder- Generalversamm von der Eisenbahn macht sich das Zurüdgehen des Feindes bemerkbar. legt den Wortlaut zum Nachteil der Arbeiter aus und diese sind lungen, 12 Vertrauensmänner- Konferenzen, 40 Verwaltungs- Unsere gange Linie eröffnete am 7. d. M. um Mitternacht den alldie Leidtragenden. Der Magistrat beansprucht jetzt die Hälfte der fibungen inklusive Agitationssihungen. Redner bespricht dann gemeinen Angriff, drängte den Feind aus seinen Stellungen und ver die gur folgt ihn jeht in der Richtung auf den Hunho. Der ganze Bezirk Invalidenrente für sich. Eine neue Entscheidung des Reichsversiches noch Borgänge anläßlich der Delegiertenwahlen der Mechaniker und des Vorgehens westlich der Eisenbahn und südlich des Hunho ist in unseren Händen. rungsamtes fann die Sache für die Arbeiter noch ungünstiger gestalten. Orts Krankentajie Wir müssen das volle städtische Invalidengeld bestehen lassen; alten, der Verbände bei der letzten Gewerbegerichtswahl, und schließt mit Bei den Operationen auf dem rechten Ufer des Hunho fährt der lang gedienten Arbeitern muß man das gewähren, das war früher der Aufforderung, weiter an der Fortentwickelung der Gewerkschaft Feind in der Nähe von Yangschihtun und Likuangu fort, hartnädigen auch der Standpunkt der Versammlung. Die neue Bestimmung soll mit tätig zu sein. Auf Antrag Rasenad gibt hieran anschließend Widerstand zu leisten. Er machte mehrere Gegenangriffe, die wir 16 000 M. Mehrausgaben hervorrufen. Ich kann das nicht zugeben; der Ortslassierer Wiesner den spezialisierten Vierteljahresbericht jedoch, unter schweren Verlusten für die Russen, abgewiesen haben. Im da werden kaum städtische Arbeiter, sondern andere Leute in Be- vom 4. Quartal und dann desgleichen den Jahresbericht. Die Ein- Unsere Truppen drängen jetzt die Ruffen nach Mukden zu. tracht lommen.( Beifall.) nahmen im 4. Quartal 1904 betrugen: 7610,02 M., die Ausgaben Norden von Mukden besetzten wir trotz hartnäckigen Widerstandes Stadtrat Namslau sucht nachzuweisen, daß der Oberbürger 7596,61 M. Mit dem Ueberschuß 13,41 M. betrug der Bestand am des Feindes Siaochitun, 5 Meilen nordwestlich vor Mulden, und meister sich mit dem jetzigen Magistratsvorschlag nicht in Widerspruch Jahresschluß 2988,90 m. Die Einnahme 1904 betrug infl. 3570,14 W. Pachiatsu, 2 Meilen nordöstlich von Siaochitun, sowie Santaitsu, Bestand 30 957,35 M., die Ausgabe 27 986,45 M. Der Bestand am 5 Meilen nördlich von Mukden. Unsere Truppen zerstörten die Eisenbefinde. Stadtv. Ullstein( soz. fortschr.) tritt dagegen unter lebhafter 81. Dezember 1904 2988,90 M. An Beitragsmarken wurden 41 586 bahn im Norden von Mukden. Bolemit gegen den rückschrittlichen Antrag des Magistrats für den Stüd verkauft. Neue Mitglieder wurden 858 gewonnen. Freiwillige Antrag Borgmann ein. Beiträge wurden zusammen 2003,00 M. geleistet. Die Hauptlasse leistete einen Zuschuß zu den Streits laut Statut bon 9061,88 90. Für Agitation wurden 560,58 m. gezahlt, für Rechtsschutz 438,49 M. Der Antrag Borgmann wird abgelehnt, die Magistratsvorlage unverändert angenommen. Eine zweite Depesche besagt: Seit gestern feuert die feindliche Artillerie häufig auf unsere Toten und Verwundeten, welche auf Tragbahren und Fuhrwerken nach einem Punkte westlich von Nungtuantun bei Yangschitun gebrachi werden. Verantw. Red.: Paul Büttner, Berlin. Inferate verantwo.( mit Ausnahme der NeueWelt- Beilage): Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanst.Paul Singer& Co., Berlin SW. Hieran 3 Beilagenu.Unterhaltungsbl. Kr. 39. 22. >»--» 1. Stilmk hs LmSrls" fctlintt JiteWatl. m»«»» Orientierungsplan zur Schlacht bei Mukden. Unsere Karte zeigt die Stellungen der beiden Armeen vor dem Beginne der gewaltigen Schlacht, die jetzt mit der völligen Niederlage des russischen Heeres geendet hat. Der ö st l i ch e japanische Flügel, der unter dem Befehl K u r o l i s stand, ging während der Schlacht gegen Fuschuntschöng vor. Das japanische Zentrum unter Rod zu hatte die Aufgabe, das russische Zentrum am Schaho solange zu beschäftigen, bis der Angriff der beiden japanischen Flügel zu der entscheidenden Umklammerungs- bewegung geführt hatte. Erst als dies Ziel erreicht war, hatte N o d z u energisch die Verfolgung der sich zurückziehenden Russen aufzunehmen. Auf dem West- l i ch e n japanischen Flügel kommandierte Oku den Teil, der vom Südwesten aus gegen Mukden vordrang und am H u n h o operierte, während General Nogi, der Sieger von Port Arthur, von Hsin- minting aus gegen die Eisenbahn- linie zwischen Mukden und T i e l i n g vorzudringen chatte. Der Rückzug der Russen war in dem Augenblick not- wendig geworden, als die Truppen rij.»'«sWanfulin� 'LamosontMarhn. 6 frff/t'Sfho/jelßfJ. Nogis nördlich von Mukden die Eisen« bahnlinie gefährdeten. Der Schlachtplan der Japaner zeugt von grober strategischer Umsicht und ungeheuerer Energie. Mußten doch die Japaner ihre Schlachtlinie zum Zwecke der oben gekennzeichneten Umgehung auf IM Kilometer ausdehnen. Aber das gewagte Unternehmen glückte dank der beispiellosen Tapferkeit der Japaner. Die Russen, die von Mukden nach Osten abgedrängt wurden, müssen nunmehr von Fuschuntschöng auS den Rückzug nach T i e l i n g antreten, wobei ihnen nur eine Kleinbahn zur Ver- fügung steht. Dabei sind sie vom Osten, vom Süden und Westen von den japanischen Truppen bedrängt. Ihre Vernichtung könnte als sicher gelten, wenn nicht auch die Japaner durch die zehntägigen, ununterbrochenen Kämpfe furchtbar erschöpft wären. Trotz- dem dürfte die schwere Artillerie der Russen aufs äußerste bedroht sein. Wie unsere Karte zeigt, sind Teile der japanischen Armee im Nord- w e st e n bereits bis Fukumön vor- geschoben. Möglicherweise dürften auch diese Truppen in die NachzugSgefechtc eingreifen. �.eickstag. lös. Sitzungvom Donnerstag, den v. März 1905, nachmittags l Uhr. Am BundeSratstische: Rieberding. Graf P o s a d o w S k h. Zunächst wird das NachtragS-Uebereinkommen zum österreichischen Handelsvertrage in dritter Beratung angenommen. Sodann wurde der Gesetzentwurf betreffend§113 des Gerichts- verfassungs-Gesetzes dahingehend, daß fortan zu Handels- richtern auch die Geschäftsführer der Gesellschaften mit be- schränkter Haftung und nicht nur die Vorsteher von Aktien- gesellschaften ernannt werden können, in erster und zweiter Lesung angenommen. Hieraus beginnt die erste Beratung des vom Abg. Dr. Stock- mann(Rp.) und Genossen eingebrachten Gesetzentwurfes betreffs Aenderung des Gesetzes über die Beurkundung des Personenstandes. Zur Begriinduiig erhält das Wort Abg. Dr. Stockmann(Rp.s: Es handelt sich um die Aenderung de?§ 23 des PerfonenstandesgesetzeS. In diesem Paragraphen heißt cS, daß die Anzeige über Totgeburten oder über in der Geburt ge- storbene uneheliche Kinder am nächsten Tage beim Standesamt zu erfolgen habe. Es wurde seinerzeit beantragt, statt„Tage- das Wort „Wochentage- zu fetzen. Der Antrag wurde damals abgelehnt mit der Begründung, daß in solchen Fällen der Verdacht des KiudeSmordes vorliege und daß man daher mcht über den Sonntag hinaus mit der Anzeige warten dürfe. Wahrend also die gewöhnlichen Todesanzeigen nicht am Sonntage stattfinden, müssen die Standesbeamten nur wegen dieser Verhältnis- mäßig wenigen Fälle auch am Sonntage Amtsstunden abhalten. Die Erfahrimg von fast 30 Jahren hat gezeigt, daß die damals aus- gesprochenen Bedenken unbegründet waren. Wir erneuern deshalb den Antrag von damals. Unser Antrag ist gleichlautend mit einer von der sreisinnigen Bolkspartei beantragten Resolution zum Etat des Reichsamts des Innern. Ich hätte es für illoyal gehalten, mit diesem Anttag ohne Einverständnis mit der freisinnigen Bolkspartei vorzugehen. Sie sehen aber, daß auch der Abg. Müller-Sagan unseren Antrag mitunterschrieben hat.(Beifall.) Abg. Müller-Sagan(fts. Vp.j: Ich danke dem Abg. Stockmann für seine Rücksichtiiahme auf unsere Resolution und schließe mich ganz seinen Ausführungen an. Bon den 65 M0 Totgeburten im Jahre 1902 waren11,4Proz. uneheliche, von den Lebendgeborenen 8,4 Proz. Das ist ein so geringer Unterschied im Prozentsatze, daß man damit nicht die Ausnahmebestimmung im Personenstandssetze begründen kann. Zudem beträgt die Zahl der wirklich nachgewiesenen Kindes- morde nur 5,28 Proz. derjenigen unehelichen Kinder, die totgeboren oder in der Geburt gestorben sind. Auch kann ja schon jetzt die polizeiliche Beurkundung vor der standesamtlichen erfolgen. Wie man also auch die Sache auffassen mag. stets ergibt sich die Un- nöttgkeit jener Ausnahmebestimmung.(Beifall.) 'Abg. Bufing(natl.): Ich erkläre nur kurz, daß sich meine politischen Freunde ganz den Ausführungen der beiden Herren Vor- redner anschließen., �. Hiermit schließt die Debatte. Der Anttag Stockmann wird.in erster Lesung und darauf in zweiter Lesung angenommen. Hierauf beginnt daS Haus die Fortsetzung der zweiten Beratung des Etats zum Reichsamt des Inner, i, Abg. SchSpflin(Soz.): Ich will die folgende, von meiner Fraktton eingebrachte Resolution begründen: Der Reichstag wolle beschließen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, dem Reichstage baldigst einen Gesetzentwurf vor- zulegen, durch den die tägliche regelmäßige Arbeitszeit für alle im Lohn-, Arbeits- und Dienstverhältnis im Industrie-, Handels- und Verkehrswesen beschäftigten Personen unter Festsetzung angemessener Uebergangsvorschriften auf längstens acht Stunden fest- gesetzt und der Sonnabendnachmittag freigegeben wird. In Bettieben mit ununterbrochener Arbeitszeit, sowie in unterirdischen Bettieben soll eine tägliche regel- mäßige Arbeitszeit von längstens acht Stunden und in unter- irdischen Betrieben, in welchen die Temperatur 28 Grad Celsius überftrigt, von längstens sechs Stunden zugelassen werden. Unsere Resolution behandelt den Marimal-Arbeitstag oder besser gesagt Normal-Arbeitstag, denn bei der Debatl«. die wir vor einem Monat hier anläßlich der Zentrumsinterpellation über die gleiche Frage hatten, hat sich ja schon herausgestellt, daß die gesetzlich fest- gelegte Marimal-Arbeitszeit in der bürgerlichen Gesellschaft zur Nornial-Arbeitszeit wird. Die Behandlung, die jene Interpellation von den bürgerlichen Parteien erfahren hat, war nicht besonders ennuttgend, ganz zu schweigen von der Antwort der Re-' aterung, die em Eingehen auf diese Frage schlankweg ablehnte. Wer aber ehrlich und grundsätzlich Sozialpolitik treiben will, muß doch dazu kommen, die Arbeitszeit in angemessener Weise festzulegen. Die Beschrän- kung der Arbeitszeit auf 3 Stunden. wie wir sie fordern, mit angemessenen UebergangSfristen. ist unzweifelhaft die Grundlage jeder vernünftigen Sozialpolitik, alles andere sind auch innerhalb der Sozialpolitik Palliativmittel. Wenn ich alles, was für die Ver- kürzung der Arbeitszeit angeführt lvcrden kann, hier ausführen sollte, so müßte ich die Debatte, die wir vor einem Monat geführt haben, heute wiederholen. Das will ich nicht. Ich will mich vielmehr auf einige Bemerkungen beschränken. Die heutige Arbettszeit, selbst da, wo sie 10 Stunden bettägt, ist nach meiner festen Ueberzeugung viel zu lang. Die Intensität det Arbeit führt zu einer Abnutzung der ArbeitSttaft, die die allerschwerstcn Gesund- heitsschädiguiigm zur Folge haben müssen. Die hohen Unfall- und Krankheitsziffern und die Ziffern über die Invalidität, über die Lebensdauer einzelner Berufsgruppen innerhalb eines und desselben Volkes zeigen uns die Folgen dieser langen Arbeitszeit. Obwohl wir viel Stattstik haben, ist leider noch nicht genau festgestellt, an welchem Wochentage und zu Welcher Stunde— zum Beispiel bei der Nnfallstatistik— die Arbeiter verunglückt sind. Wenn das einmal streng durchgeführt würde, so würde sich bald zeigen, daß die Verunglückungen sich auf die letzten ein bis zwei Wochentage, auf die letzten Arbeitsstunden des Tages zusammen- drängen. Gewiß ttagen außer der Arbeitszeit auch die ungünstigen Ernähnmgs- und Wohnungsverhältnisse und die Sorge um die Existenz zur Verkürzung der Lebensdauer bei. Aber zweifellos ist die lange Arbeitszeit die Hauptursache. Ein auf sozialpolitischem Gebiet, außerordentlich bekannter Mann, Professor A b b e, hat in seinen Vorträgen über Finanzwissenschaft und Gesellschaft nach gewiesen, daß der Achtstundentag sich ohne Schädigung für die nationale Wirtschaft durchführen ließe. Auch der preußische Regierungsrat Kolb hat sich für die Möglichkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit ausgesprochen unter Berufung auf Urteile befreundeter Groß- i n d u st r i e l l e r. Ich selbst habe am eigenen Leibe den Wert und die Bedeutung einer kürzeren Arbeitszeit kennen gelernt. Als Handwerksgeselle habe ich monatelang 15 bis 16 Stunden arbeiten müssen, dann wieder 10 Stunden und in Berlin auch einmal 8 bis 9 Stunden. Es'ist bekannt, daß in Gegenden mit niedrigen Löhnen und langer Arbeitszeit sich seltener eine physich gesunde und geistig regsame Arbeiterschaft findet. ES ist ja auch klar, daß 10 bis 12 Stunden monotonster Arbeit in schlecht gelüfteten Räumen schädigend auf die Gesundheit einwirken muß.— Auch vom nationalen Gesichtspunkt aus ist es ganz verkehrt, die vorhandene Arbeitskraft der arbeitenden Bevölkerung zu verschleudern. Die Arbeiter haben in Erkenntnis der großen Bedeutung einer Verkürzung der Arbeitszeit in ihren machtvollen Organisattonen den Kampf nach dieser Richtung aufgenommen. Die größte Anzahl der Streiks in den letzten 7, 8 Jahren hat sich um die Verkürzung der Arbeitszeit gedreht. Eine ganze Reihe von Organisationen sieht weniger darauf, ein paar Groschen mehr Lohn zu bekommen als vielmehr auf eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die Arbeiter sagen sich, selbst wenn wir den Vorteil nicht in der Tasche haben, so haben wir ihn doch in den Knochen.— Gegen unseren Antrag wendet man feit jeher ein. daß die Konkurrenzfähigkeit der Industrie dadurch geschädigt ivird. Diesen Ein- wand hat man bereits erhoben, als es sich um die aller- ersten bescheidenen Ansänge der Sozialpolitik handelte. Wir Sozialdemokaten haben gewiß kein Interesse daran, daß die Industrie geschädigt wird und wir sind auch überzeugt, daß die Durchführung unseres Antrages gerade die Konkurrenzfähigkeit unserer Industrie, die heute-vor allem auf den Oualitäts- waren beruht, heben würde, denn die Herstellung der Oualitäts- waren bedingt eine physisch gesunde und geistig regsame Arbeiter- schaft, wie sie nut bei kurzer Arbeitszeit heranwachsen kann. Das hat selbst ein deutscher Admiral z. D. Hoffmann anerkannt. Also davon kann keine Rede sein, daß unser Antrag eine Schädi- gung der deutschen Industrie bedeutet. Die Industrie wird im Gegenteil davon Nutzen haben. Noch ein anderer Einwurf wird häufig erhoben, trotzdem sich auch bürgerliche Sozialpolitiker mehr und mehr für eine Kürzung der Arbeitszeit aussprechen. Der Ein- lourf lautet, daß die Arbeiter ihre freie Zeit schlecht anwenden würden, daß sie, kurz gesagt, in dieser Zeit nur ihr Geld.versaufenwürden. Die Erfahrung hat das Gegenteil gezeigt: überall, wo kürzere Arbeitszeit herrscht, ist die geistige Hebung der Arbeiter am größten; dort lesen die Arbeiter, dort suchen sie sich mit der Literatur vertraut zu machen, dort gehen sie in Theater und Konzerte. Wenn man aber 12—14 Stunden gearbeitet hat, dann ist unter zweimal hunderttausend Arbeitern vielleicht nur einer, der noch die nötige Energie besitzt, sich geistig emporarbeiten zu können. Diejenigen meiner Parteigenossen, die gleich mir früher in der Fabrik gearbeitet haben, lvissen das auö eigener Erfahrung ebenso gut wie ich.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ab- gearbeitete Leute greifen viel eher zum Alkoholgenusse: Es ist ein Spruch von altersher: Wer Sorgen hat. hat auch Likör! Wer gute Sozialpolitik treiben will, muß einfach für unsere Resolution stimmen; und wer es nicht tut, beweist, daß er nur Pflästerchen aufsetzen will, Iveil er die Arbeiterbataillone in dröhnen- dem Schritt heranziehen hört.(Lebhaftes Bravo l bei den Sozial- deniokraten.) Abg. Dr. Müller- Sagau(frs. Vp.): Der Staatssekretär Graf Posadowsky hat in der Dienstags- Sitzung sich mit den Glas« arbeitern beschäftigt und dabei Aeußerungen getan, die mir Veranlassung zu erheblichen Bedenke» geben. Er sagte, daß das ? ein einsame Mund stück der Glasarbeiter gesund« e i t l i ch nicht so gefährlich wäre, da ja der Speichel nur in den Magen käme, so daß dadurch keine Tuberkulose übertragen werden könne. Diese Bemerkung scheint nach meinem Wissen mtt den Erfahrungen nicht im Einklang zu stehe». Graf Posadowsky glaubte sich auf einige Aerzte berufen zu können. Ich halte es aber für notwendig, daß vor allen Dingen das Reichs-Gesundheitsamt um ein Gutachten ersticht wird. Es steht durchaus noch nicht fest, daß Tuberkulose nicht durch den Magen überttagen werden könne.(Sehr richtig!) Außerdem können andere Krankheiten, wie z. B. Syphilis, überttagen werden. Es gibt kaum eine gefährlichere Art der gemeinschaftlichen Benutzung von Jnstrumeute» als in den Glashütten. Ich möchte wissen, was denn dagegen spricht, ein Wechseln des Mundstückes einzuführen. Einfach zu erklären. es habe sich nicht bewährt, entspricht nicht der Wichtigkeit der Sache.(Sehr richtig! links.) Meine politischen Freunde werden der Resolutton Albrecht, welche die Sonntagsruhe für die Glashütten-Arbeiter fordert, zustimmen. Wir würden auch der Einführung des sanitären Maximal-ArbeitStageS, welche die Zentrnmsresolution fordert, zustimmen, wenn darin von G las- Hütten und nicht allgemein von der Glasindustrie die Rede wäre. ES gibt aber in der Glasindusttie Betriebe, welche durchaus nicht gesundheitsgefährlich sind.(Abg. v. V o l l m a r ruft: Aber die Schleif« mühlen!) Die Trockenschleifmühlen sind allerdings gesundheitsgefähr- lich, es wird aber vielfach schon auf nassem Wege geschliffen. Ich würde beantragen, im Anttage Erzberger und Genossen statt „in der Glasindusttie- zu setzen„in den Glashütten und anderen gesundheitsschädlichen Betrieben der Glasindustrie- und bitte Sie, diesem unserem Amendement Ihre Zustimmung nicht zu versagen. (Bravo! bei den Freisinnigen.) Abg. Kuleröki(Pole): Wir sind in sozialpolitischer Hinsicht durchaus nicht rückständig, aber wir müssen fordern, daß außer dem Arbeiterschutz auch ein kräftiger Schutz des Mittel- st a n d e s getrieben wird— nicht nur nebenbei, sondern durchaus in gleichem Maße. Vor allem verlangen wir Schutz des Klein- bauer», dieser zahlreichen und für das Vaterland so wertvollen Schicht der ländlichen Bevölkerung. Bei Staatssteuern, Kreissteuern. Schullasten usw. ist die Steuerschraube unerträglich straff angezogen. Wie der Arbeiter Sklave des Jndusttiekapitals, so ist der Bauer Sklave des Leihkapitals. Er ist nicht Besitzer, sondern nur Schein- besitzer seines Grundstücks, das er für den Kapitalisten verwaltet. Wir verlangen daher B e r e i t st e I l u n g v o n G e l d e r n für die Entschuldung des bäuerlichen Kleinbesitzes. Wir wünschen Bereitstellung dieser Mittel von Reiches wegen; denn zur pr e ußisch en R eg i e rung haben wir kein Ver- trauen. Hat sie doch selbst bei den zur Beseitigimg einer Hungers- not ergriffenen Maßnahmen zuungunsten der polnischen Bevölkerung differenziert und durch daS Ansiedelungsgesetz, das unter Bruch der Verfassung zustande kam und ein Fanstschlag ins Gesicht des Reiches ist, ihren Willen bekundet, den Mittelstand so rasch wie möglich zu- gründe zu richten. Wie verträgt eS sich mit der Sozialpolitik, die wir hier be- handeln, daß man die Bauern durch die Judasgroschen der Koloni- satton verleitet, ihren angestammten Grund und Boden zu ver- schachern, und auf der anderen Seite es den polnischen Arbeitern unmöglich macht, in den Mittelstand aufzusteigen.— Auch das Handwerk gehört zum Mittelstand. Aber noch viel schwerer als der deutsche Handwerker hat unter der Not des Mittelstandes der polnische Handiverker zu leiden. Der polnische Handwerker darf sich nicht schmei- cheln, jemals bei behördlichen Submissionen zu- gelassen zu werden. Das polnische Handiverk leidet doppelt: einmal unter der allgemeinen Misere des gewerblichen Mittelstandes und sodann unter der von Obrigkcits wegen geförderten hakatistischen Hetze. Die Hakatisten arbeiten fortwährend mit dem Boykott; empfiehlt aber einmal ein polnisches Blatt als Gegenmaßregel den Boykott über deutsche Geschäftsleute, so sind flugS Straf- richter und Staatsanwalt zur Stelle. Da» Pitt» priuhische Zustande I— Redner klagt üöer die SHikanierungen, denen die Wirte ausgesetzt sind, die ihre Lokale zu polnischen Wähler- Versammlungen hergeben. Die preußischen Polizeibehörden haben doch kein Recht, uns Reichstags- Abgeordneten die Berichterstattung vor unseren Wählern unmöglich zu machen. Es kommt vor, daß überwachende untergeordnete Polizeivcamte dem Vcrsammlungsrcdner in brutalem Tone zuschrcien: Halten Sic den Mund! Solchen Zu- ständen muß ein Ende bereitet werden!(Lebhafter Beifall bei den Polen.) Abg. Schwarhe-Lippstadt(Z., ans der Tribüne schwer verständlich) spricht sich für einheitliche, reichsgesetzliche Regelung des Bauarbeiter- schntzeS aus. Abg. Molkcnbuhr(Soz.): Herr Dr. Mllller-Sagan betoute mit Recht die Schäden der überlangen Arbeitszeit in den schon an sich gesundheitsgesährlichen Trockenschleifereien der Glasindustrie. Aber auch in der Naßschleiferei ist die Arbeit nicht so harmlos, wie er es hinstellte. Wenn auch die Schwindsucht dorr nicht so oft vorkommt, so leiden doch die Arbeiter dieser Betriebe desto mehr an Rheumatismus und ähnlichen Krankheiten. In den P o I i e r w e r k st ä t t e n herrscht sogar eine Arbeitszeit von Sonntag nachts 12 Uhr kontinuierlich bis zum nächsten Sonntag früh 6 Uhr, so daß die Leute aus der staubigen Werkstätte die ganze Woche nicht herauskommen. Hier vor allem sollte der§ 120 s Absatz 3 der Gewerbe- Ordnung eingreifen. Der Staatssekretär nannte die Monopole und Trusts eine Ausschreitung des„kapi- talistischen GrößeiUvahns". Dieser Ausdruck erscheint mir unrecht angebracht: das find nicht Dinge des Wahns, sondern Dinge mit sehr realem Unterbau, und man dürfte in nächster Zeit solchen Zlussch reitungen noch häufiger begegnen. Ich halte diese Kartelle für eine ganz natürliche Folge der heutigen Wirtschaftsform. Zu einer Krankheit werden sie nur da, wo sie durch die Regiening künstlich auf dem Wege der Schutzzölle und der ganze» Tarifpolitik gefördert werde». Zu den Ausschreitungen der Kartelle wird es nur beitragen, wenn man den Arbeiterorganisationen nicht dieselbe freie Beivegung gestattet wie den Unternehmervereinen. Die deutsche Gesetzgebung gibt ja scheinbar dem Staatsbürger eine große Bewegungsfreiheit, aber leider herrscht bei uns der Grundsatz: >oe»n zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Der Stahlwerks- verband bedroht jeden Betrieb, der nicht mit eintritt, niit dem Untergange. Wenn eine Arbeiterorganisation dasselbe tun würde, dann würde jeder Richter in einer solchen Androhung den Tatbestand einer Erpressung finden.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Aber den großen Kartellen gegenüber' ist selbst eine starke Arbeiter- organisation machtlos. Deshalb muß hier die Gesetzgebung eingreifen. Das haöen die Vorgänge im Ruhrgebiet bewiesen. Je mehr das Syndikatswesen um sich greiit und die Konkurrenz zwischen den Betriebe,» aufhebt, desto skrupelloser kann die sozialpolitische Gesetzgebung zugunsten der Arbeiter eingreifen, Iveil ja die Konkurrenzgefahr der einzige halb- Wegs stichhaltige Einwand gegen die Sozialpolitik ist. Ich möchte eine Frage an den Herrn Staatssekretär richten, nämlich, ob es nicht möglich sei, den sogenannten BerufSinvaliden die vollen Wohltaten des Reichs-JnvaliditätSgesetzes zukommen zu lassen. Dem Wortlaute nach werden von dem Gesetze allerdings nur die allgemeinen Invaliden betroffen. Deshalb haben wir von jeher diesen Wortlaut bekämpft. Leute, die nicht vollständig invalide sind, haben wohl theorettsch noch die Möglichkeit, in anderen Berufen Geld zu verdienen. Aber die Erfahrung zeigt, daß es an der nötigen Arbeitsgelegenheit für solche Ha'lbinvaliden fehlt. Ein Arbeiter, der noch die sogenannte halbe Arbeitskrast besitzt, ist nicht besser daran, als ein Schuhmacher, der statt eines PaareS Stiefeln nur einzelne Stiefeln zu verkaufen hat und nun darauf wartet, bis zufällig einmal ein Einbeiniger in seinen Laden kommt und nach einem einzelnen Stiefel fragt. Praktisch bedeuten einzelne Stiefeln für den Schuhmacher überhaupt keine Verkaufswerte. So hat auch der Halbinvalide praktisch überhaupt keine Arbeitskraft mehr zu ver- kaufen.(Heiterkeit und Sehr richtig! links.) Es ist ja daher auch bedenklich, es lediglich de» Acrzten zu überlasse», zu bestimme», in welchem Umfange ein Mensch arbeitsfähig ist. Ein Arzt erklärte ein- mal von eineni Berufsinvaliden, er könne doch immer noch Zigarren drehen. Der Zigarrenfabrikant aber nahm den Mann nicht an und sagte, Zigarren drehen könne er nicht inehr, aber er könne vielleicht noch Medizin studieren.(Große Heiterkeit bei den Soz.) Die Ge- schichte der Erfahrungen mit dem Jnvaliditätsgesetz heweijt, daß ursprünglich die Einnahmen aus dem Verkauf der Marken und die ausgezahlten Renten wenig im Einklänge standen. Allmählich scheint man sich dann damit geholfen zu haben, daß man immer so viel Renten bewilligte als Geld vorhanden war. Aber noch immer erhält das Versicherungsaml in jedem Jahre viele Millionen mehr Ein- nahmen als es Renten zu zahlen hat. Die Vermögenssteigerung geht schneller vor sich als man ursprünglich gedacht hatte. Schon letzt ist ein Vermögen von einer Milliarde und 100 Millionen auf- gespeichert.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Um so weniger halten wir es für angebracht, sich_ an den_ Buchstaben des Gesetzes zu klammern und wir wünschen, daß auch den Berufsinvaliden die volle Rente � ausbezahlt werde. Graf Posadowsky betonte die Notwendigkeit einer Lereinheit- Briefe an den Zaren. Vor fünfzig Jahren, an, 10. März 1855, richtete Alexander Herzen, dieser unermüdliche russische Kämpfer für Recht und Freiheit, folgende Zeilen an Alexander II.: „Majestät, Ihre Regierung beginnt unter einem überaus glücklichen Stern. Sie sind nicht blutbefleckt. Sie haben keine Gewissensbisse. Die Nachricht vom Tode Ihres Vaters haben Ihnen nicht dessen Mörder überbracht. Um den Thron zu besteigen, brauchten Sie nicht einen mit russischem Blute bedeckten Platz zu überschreiten. Sie brauchten nicht durch Hinrichtungen dem Volke Ihren Regierungsantritt anzukündigen. Die Chroniken Ihres Hauses haben kaum ein Beispiel eines solchen Regierungsantritts aufzuweisen. Und das ist nicht alles. Man erwartet von Ihnen Sanftnmt,>nan erwartet von Ihnen ein menschliches Herz.— Sie sind überaus glücklich! Das Schicksal, der Zufall, alles— gab Ihnen etwas, Ivas zu Ihren Gunsten sprach. Sie sind der einzige, der von den Ihrigen in Moskau das Uicht der Welt erblickt hat, und zu einer Zeit, wo die Stadt nach dem reinigenden Feuer zu neuem Leben erwacht war. Die Kanonen von Borodino und Tarutino, die kaum aus dem Auslande zurückgekehrt und noch niit Pariser Staub bedeckt waren, verkündeten von den Höhen des Kreml ihre Geburt. Als fünftähriger Knabe hörte ich sie und entsinne mich dessen. Rylejew begrüßte Sie durch einen Ratschlag.(Sie können doch diesen tapferen Streitern für die Freiheit, diesen Märtyrern ihrer Ueberzeugung, Ihre Hochachtung nicht versagen?) Warum hat gerade Ihre Wiege ihm ein so bescheidenes und friedliches Gedicht eingeflößt? Welche Prophetenstimme hat ihm gesagt, daß mit der Zeit Ihnen die Krone zufallen werde? Sie find von eine»! Dichter erzogen worden, den Rußland lieb gehabt. Am Tage Ihrer Volljährigkeit wurde das Los unserer Märtyrer erleichtert. Ja. Sie sind auffallend glücklich. Dann Ihre Reise durch Rußland. Ich habe Sie gesehen— und mehr noch, ich kann mich sehr gut auf dieselbe besinnen: Durch Ihre Fürsprache hat sich meine Lage in geographischer Hinsicht gebessert, man hat mich von Wjatka nach Wladimir über- geführt. Ich habe das nicht vergessen. Verschickt nach der fernen, jenseits der Wolga gelegenen Stadt, sah ich die ungekünstelte Liebe, mit der Ihnen das arme Volk entgegenkam und dachte:„Was wird die Antwort auf so viel Liebe sein?" Da ist sie, die Zeit der Abrechnung, und wie muß sie Ihnen leicht fallen! Geben Sie Ihrem Herzen fteien Lauf. Sie lieben gewiß Rußland und Sie können so vieles, vieles für das russische Vvit tun. Auch ich liebe das russische Volk, ich habe eS aus Liebe ver- tafe». ich konnte nicht untätig sitzen und schweigend zusehen all lichung der Arbeiterversicherung. Wir hatten schon beim Krankenversicherungs-Gesetz beantragt, den Paragraphen so zu fassen, daß eine möglichst große Gleichartigkeit mit den anderen Versicherungsgesetzen erzielt würde. Aber die Regierung und die Mehrheit haben alle Versicherungsgesetze so gemacht, als ob sie eine Zusammenlegung für alle Zeit unmöglich machen wollten. In jedem einzelnen Versicherungsziveige haben wir einen anderen Personen- kreis, andere Begriffsbestimmungen, ein anderes Deckungsverfahren. So entstehen z. B. bei der Unfallversicherung immer neue Lasten, und das Kapital der landwirtschaftlichen Berufsgenossen- schaften reicht schon zurzeit»icht einmal ans, um die Schulden zu decken, die sie bei der Post für Voransbezahlung der Renten haben. Je mehr wir die Vereinheitlichung der Versicherungsgesetzgebung hinauszögern, desto größer wird da-Z Mißverhältnis, desto schwerer die Zusaulmenlegung werden. Ich befürchte aber, daß die Arbeiten der Vereinheitlichung überaus langsam vor sich gehen werden. Bei der letzten Krankenkassennovelle, vor genau zwei Jahren, gab ein Bundesbevollmächttgter in. der Kommission die Erklärung ab, daß das Reichsamt des Innern eine Umfrage bei sämtlichen Bundesregierungen machen werde, um festzustellen, inwieweit die ländlichen Arbeiter und die Dienstboten bisher schoi, in die Krankenversicherung einbezogen seien und welche Erfahrungen damit gemacht worden seien. Das Ergebnis dieser Erfahrungen werde dem Reichstage vorgelegt werden. Das ist aber bisher noch nicht ge- schehen. Wenn eine einfache Umfrage so lange Zeit in Anspruch nimmt, wie lange wird dann das Reichsamt des Innern erst zu einer so großen Reform, wie es die Vereinheitlichung der Ver- sicherungS-Gesetzgebung ist, gebrauchen Daß die Vereinheitlichung kommen muß. ist allgeinein anerkannt: aber bei dieser Vereinheitlichung der Versicherung wird es darauf aitkommen. zuitächst die Versicherten selbst zu organisieren und ihnen in allen Zweigen der Versicherung größere Mitwirtüngsrechte zu geben. Damit werden die größten Schwierigkeiten überwunden. Ich fürchte aber, daß man diesen Weg nicht gehen wird: darauf deuten nicht nur die Angriffe auf die Selbftverivaltung in der bekannten Denkschrift des Geheimrats Hoff- mann im Austrage der preußischen Regierung hin, sondern auch Aeußerungen aus anderen Kreises des Reichstages, die früher lebhaft für die Selbstverwaltung eingetreten sind. Ich will nicht näher ans die Rede des Herrn Dr. M u g d a n eingehen, aber das eine will ich doch feststellen: sie richtete sich im Grunde gegen die Besetzung der Armter in den Kraukenkaffen durch die Versicherten selbst! Daß die Arbeiter Leute aus ihre» Kreise» ivählen, ist doch ganz selbstverständlich. Daß sie fähig sind, die 5tra>ike»kassen zu verwalten, beweist der Umstand, daß sie große Hülfskassen schon vor jeder staatlichen Unterstützung gegründet hatte». Bei der staatlichen Krankenversicherung das Wahlrecht der Arbeiter einzuschränken, war früher ein L i e b N n g s g e d a n k e des Freiherr» v. Stumm, der nur deshalb keinen dahingehenden Antrag stellte, weil er fürchtete, ganz allein zu bleiben. Jetzt kommen in der Frcifiimigen Partei solche Gedanken zum �Ausdruck, wie sie danials Stumm kaum zu ver- treten wagte! Das zeigt, wie tief die Freisinnige Partei unter dem jungen Nachwuchs heruntergekommen ist.(Vielfaches und lebhaftes Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Früher hat aus Ihrer Partei Dr. Max Hirsch mit aller Kraft für die Rechte der Ver- sicherten gekämpft. Ich möchte nun die StaatSregierung noch auffordern, den § 120 s Absatz 3 der Gewerbeordnung auf ein bisher un- geschütztes Gewerbe anzuwenden. Und deswegen habe ich mich eigentlich zum Worte gemeldet. Der Z 120 s sollte überall An- Wendung finden, wo nachgewiesenermaßen durch übermäßig lauge Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter geschädigt wird. Aber sein Anwendungsgebiet wird nicht nur ganz langsam erweitert, sondern oft nur auf einen Bruchteil des Gewerbes ausgedehnt. So schützt die Verordnung für da? Gostwirtsgewerbe nur die Kellner uud Köche, aber nicht die Hoteldicner. Mau hat seinerzeit wohl ange- nommen, daß die Ruhezeit, die für die einen festgesetzt würde, auch den anderen zugute käme. Aber das ist nicht der Fall gewesen. Die Arbeitszeit der Hoteldiener ist heute wesentlich länger als die der Kellner. Nach einer von der Organisation der Hoteldiener veranstalteten Enquete arbeiten über 18 Proz. von ihnen länger als 17 Stunden. Dabei müssen die Hoteldiener in ihrer kurzen Ruhezeit noch öfter Nachtwachen durchmachen. Das im Jahre 1891 gegebene Versprechen, die Sonntagsruhe für das Gastwirtsgewerbe besonders zu regeln, bezog sich doch wohl nicht nur auf oie Kellner und Köche. Aber noch heute haben die Hoteldiener weder de» Sonntag noch einen anderen Wochentag frei. Dazu kommt, daß diese Leute nicht etwa hohe Löhne beziehen. sondern meist ausschließlich auf Trinkgelder angewiesen finö,_ Ja vielfach müssen sie noch von diesen Trinkgeldern einen größeren Prozentsatz an den Unternehmer zahlen. Besonders traurig sind die Wohnungsverhältnisse der Hausdiener. Alle irgendwie zur Unterbringung von Menschen geeigneten Räume werden ja im Hotel für Fremde reserviert, was noch übrig bleibt, da werden dann den: Range nach Oberkellner, Kellner untergebracht und der Haus- dieuer schließlicki muß mit Räumen vorlieb nehmen, denen mancher sich bedenken würde, sein Pferd unterzubringen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Freilich macht man den Leuten den Auf- den Greueltaten, die an unserem Volke von Gutsbesitzern und Beamten verübt werden. Mein Fortzug hat meine Gefühle nicht geändert: Unter Fremden, unter durch den Krieg hervorgerufenen Leidenschaften habe ich mein Banner nicht gesenkt. Und noch in diesen Tagen begrüßte die gesamte englische Nation in meiner Person das russische Volk. Selbstverständlich ist meine Rriegsfahne— nicht die Ihre; ich bin ein unverbesserlicher Sozialist, Sie ein absoluter Herrscher. Aber Ihre Fahne und die meine können das eine gemeinsam haben: die Liebe zum Volke, von der die Rede war. Und ihr zuliebe bin ich bereit, ein großes Opfer zu bringen. Was die jahrelangen Verfolgungen, das Gefängnis, die Verschickung. das langweilige Umherirren von Land zu Land nicht imstande waren— ich will es tun aus Liebe zum Volke. Ich bin bereit zu warten, mich zu vertuschen, von anderem zu reden, wenn ich nur die lebendige Hoffnung hätte, daß Sie irgend etwas für Ruß- land tun wollen. Majestät, geben Sie Freiheit dem russischen Wort. Unser Geist wird beengt, unsere Gedanken vergiften unsere Brust aus Mangel an Raum,— sie stöhnt auf dem Schafott der Zensur. Geben Sie uns Freiheit des Worts... Wir haben manches der Welt und den Unseren zu sagen. Geben Sitz den Bauern Land, das schon sowieso ihnen ge- hört. Waschen Sie Rußland rein vom Schandfleck der Leibeigen- schaft. Heilen Sie die blauen Narben aus dem Rücken unserer Brüder— diese furchtbaren Spuren der Menschenverachtung. Sterbend hat Ihr Vater— fürchten Sie nicht, ich weiß, daß ich mit dem Sohne rede— gestanden, daß er nicht Zeit gehabt habe, all das zu tun, was er für seine Untertanen habe tun wollen... Die Leibeigenschaft erschien, wie die Gewissensbisse, im letzten Augenblick. Im Laufe von 30 Jahren kam er nicht dazu, die Bauern zu befreien. Beeilen Sie sich! Retten Sie den Bauernckor den Verbrechen in Zukunft, retten Sie ihn vor dem bevorstehenoen Blutvergießen. ... Ich schäme mich, daß wir bereit sind, uns mit so geringem zu begnügen. Wir wollen Dinge, an deren Berechtigung Sie ebensowenig zweifeln wie wir alle. Fürs erste sind wir auch damit zufrieden. Möglich, daß aus der Höhe, auf der Sie stehen, umgeben vom Nebel der Schmeichelei. Sie sich über meine An- maßung wundern werden: möglicherweise werden Sie sogar lachen über dieses verlorene Sandkom von den 70 Millionen Sand- körnern. die den Granit Ihres Piedestals bilden. Aber bester wäre. Sie lachten nicht. Ich spreche nur das, waS bei uns nicht ausgesprochen wird. Deshalb habe ich auch in einem freien Lande die erste Druckpresse aufgestellt; sie zeigt wie ein Elekttometer die Tätigkeit und Spannung der durchfließenden Kraft an.... Einige Tropfen Wasser, die keinen Ausgang finden, geniigen, um den Granitfelsen zu sprengen. enthalt dadurch erträglicher, daß mau ihnen eine möglichst geringe Zeit zum Schlafen läßt. Menschen, die sich so abarbeiten, daß sie schließlich im Siehe» schlafen, werden sich des Zustande? ihrer Schlaftäume gar nicht recht bewußt. Hier muß die Gesetzgebung unbedingt eingreifen. Dies ist um so mehr notig, nachdem die Kellner und in nächster Zeit auch die Hotelkutscher geschützt sein werden. Die Arbeit dieser Leute wird dann zum Teil auch noch den Hoteldienern aufgebürdet, es ist also dringend geboten, daß auch diese Schicht geschützt wird.(Lebhaftes Bravo! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Jäger/z(von 33,06 auf 23,36) Mill. Mark abgenommen, so daß dem Aktienkapital von 180 Millionen Mark nur ungefähr 45 Millionen Mar! an Dividcndenpapieren und Konsortialbeteiligungen gegenüber stehen. Auch haben die Akzepte nur ungefähr 5 Millionen Mark zugenommen, und während durch« lveg bei allen Großbanken sich die Liquidität verschlechtert hat, ist sie bei der Deutschen Bank ein wenig bester geworden. Zur Lage de-Z Schiffsbaues. Wie die meisten Handelskammer« der großen Hafenplätze berichtet auch die Kaufmannschaft von Stettin, daß der Schiffsbau im vorigen Jahre sehr unter der Ungunst der Verhältnisse zu leiden hatte.„Die Berichte der Schiffswerften". heißt es in ihrem Bericht,„stimmen ohne Ausnahme darin überein, daß der Geschäftsgang im verflossenen Jahre kein günstiger gewesen ist, da Aufträge aus Neubauten wegen der schlechten_ Lage deS Frachtenmarktes nur zu außerordentlich gedrückten Preisen zu er« langen waren. Wenn einzelne Schiffswersten stärker beschäftigt waren als im Vorjahre, so hat dieser Fortschritt seine Ursache mehr darin, daß infolge Erweitenrng und Verbesserung der Betriebs- einrichtungen größere Aufträge übernommen werden konnten. Die Aussichten im laufenden Jahre sind für den Schiffbau im allgemeinen keine besonders günstigen zu nennen und die Werften werden nur mit einer teilweiscn Beschäftigung rechnen können." SchiffSverkäufc der Hambnrg-Amerika-Linie. An der Hamburger Börse stiegen gestern die Aktien der Hamdurg-Amerika-Linie um zirka 2 Prozent, da mit Bestimmtheit versichert wurde, daß die Direktion dieser Gesellschaft elf große Dampfer an Rußland verkauft habe. Eine gewisse Bestätigung findet diese? Gerücht durch die Tatsache, daß die Direktion der Hamburg-Amerika-Linie solche Matrosen, die bereits auf für Rußland bestinunten Schiffen Dienst getan haben, auffordert, sich zu melden. Soziales* Die Unfallversicherung des Personals der Konsumvereine. Die Pctitionskommission des Reichstags verhandelte in ihrer Sitzung am Donnerstag über eine Petition des Verbandes der Lager- Halter und Lagerhalterinnen Deutschlands, das UnfallversicherungS- Gesetz dahin abzuändern, daß das in Konsumvereinen und nicht im Handelsregister eingetragenen Handelsgeschäften beschäftigte Per- sonal der Unfallversicherungspflicht unterliegen soll. Der Regierungskommissar wies darauf hin, daß ähnliche Wünsche bereits bei der Beratung des jetzt geltenden Gesetzes im Reichstage laut geworden seien, man habe sich aber geeinigt, die Unfall- Versicherungspflicht nur auf die im Handelsregister eingetragenen Handelsgeschäfte auszudehnen. Bei einer späteren Revision des Gewerbc-Unfallversicherungs-Gesctzes dürfte jedoch die Frage zu prüfen sein, ob nicht auch die in den Läden und Lagern der Konsum- vereine beschäftigten Personen der Unfallversicherung zu unterstellen seien, da es sich hier oft um recht große Betriebe handele. Er be- zweifle jedoch, daß man sich dazu verstehen würde, auch die kleineren kaufmännischen Betriebe zur Unfallversicherung heranzuziehen. Von sozialdemokratischer Seite wurden die Wünsche der Petenten im vollen Umfange für berechtigt anerkannt und beantragt, die Petition dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu über- weisen. Die Kommission lehnte diesen Antrag jedoch ab und be- schloß Uebcrwcisung an den Reichskanzler zur Erwägung. Versammlungen. Vierter Wahlkreis(Ost). Ter sozialdemokratische Wahlvcrciu hielt am Dienstag für das Landsberger Viertel eine gut besuchte Versammlung im„Elysium" ab. Auch hier sprach der Vorschnitter Genosse Albert S ch m i dt- Sonnenburg über die Landarbeiter- frage. Sein Vortrag fand lebhaften Beifall. Wiederholt wurden aus der Versammlung Ruse der Zustimmung laut, besonders von solchen Genossen und Genossinnen, die mit den ländlichen Verhält- nissen selbst zum guten Teile vertraut waren. Genosse Eitner ergänzte in der Diskussion dann noch die Ausführungen des Rc- serentcn und ermahnte ebenfalls, in der Landagitation nicht zu erlahmen.— Einen ziemlich peinlich empfundenen Zwischenfall führte der überwachende Polizeileutnant dadurch herbei, daß er den Rc- serentcn plötzlich auf sächsische Art in der Rede unterbrach. Genosse S ch nk i d t erzählte nämlich von einer Unterredung, die er mit einem Pfarrer gehabt hatte, den er daran erinnerte, daß der liebe Gott wohl nicht besonders erbaut sein würde von den Zuständen auf Erden, wenn er mal wieder— wie Anno dazumal— hienieden unter den Menschen wandeln würde. Diese ganz ungekünstelten, für Industriearbeiter durchaus nicht befremdlichen Ausführungen müssen dem Polizeileutnant wohl momentan den Frieden seiner Seele gc- stört haben. Er wünschte, der Referent möchte derartige Er- örterungen unterlassen. Genosse Schmidt kam denn auch gut- mutig dem Wunsche deS Ueberwachenden nach und ließ den lieben Gott im Himmel. Sechster Wahlkreis. Ueber„Das gebildete Prole» t a r i a t" hielt Genosse K a l i s k i am Dienstag einen Vortrag in einer gut besuchten Versammlung des Sozialdemokratischen Wahl- Vereins, die im Swinemünder Gesellschaftshaus tagte. Der Redner schilderte in großen Umrissen die Lebenslage derjenigen Schichten der Bevölkerung, die darauf angewiesen sind, ihre geistige Bildung und Arbeitskraft zu verkaufen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Er wies nach, daß diese Leute ihrer wirtschaftlichen Lage nach größtenteils dem Proletariat angehören, daß ihre Interessen mehr und mehr mit denen des Proletariats identisch werden, ihre Organi- sationcn aber den Kampf gegen die Verelendung mit weit weniger Verständnis führen als die Organisationen der Handarbeiter, indem sie danach streben, den Zuzug neuer Arbeitskräfte zu de» einzelnen Berufen einzuschränken und namentlich auch die Frauen von vorn- herein auszuschließen suchen. Ter Redner sprach zum Schluß die Erwartung aus, daß das proletarische Bewußtsein auch in diesen Schichten immer mehr zum Durchbruch kommen werde. Die Sozial- demokratie heiße jeden willkommen, der aus diesen Kreisen als ehr- licher Kämpfer in die Reihen des Proletariats eintreten wolle.— Die interessanten Ausführungen fanden lebhaften Beifall. An der Diskussion beteiligten sich die Genossen Bergmann und Hess«, die ebenso wie der Vorsitzende zu reger Agitation für den Wahlverein und die Parteipresse aufforderten. In der letzten Versammlung deS Verbandes der Glaser hielt Gen. Stadtv. A n g u st i n einen interessanten Vortrag, in dem er die Kämpfe der deutschen und russischen Arbeiter schilderte. Als der Referent in seinem Schlußworte auf den Mord von 150 Arbeiterführern zu sprechen kam, erhob sich ein allgemeiner Entrüstungsswrm unter den Versammelten. Um den Eindruck des Referats nicht abzuschwächen. wurde von einer Diskussion über den Vortrag abgesehen.— Hicranf berichtete Jahn über die Differenzen bei der Firma v. Ottowiez. Die dort beschäftigten 31 Kollegen hatten am Montag, den 13. Februar einmütig die Arbeit niedergelegt, weil der Unternehmer in mehreren Fällen Arbeiten im Akkord ausführen ließ und eine Art Prämien- system einrichten wollte. Die angerufene Tarifkommission entschied zugunsten der Kollegen. Die beiden Inhaber der Firma, die sich beuäufig bemerkt, hauptsächlich mit dem Vertrieb und der Verarbeitung der Fabrikate von SiemenS Drahtglashütte in Dresden befaßt, dieHerren M. v. Ottowiez und C. Hoffmann, mußten sich unter- schriftlich binden, kernen Akkord mehr arbeiten zu lassen. Am Freitag früh wurde daraufhin die Arbeit von allen wieder aufgenommen.— Das Ergebnis der vorgenommenen Wahlen war folgendes: Als Delegierter zur Gewerkschastskommisfion wurde Jahn, zur Bau- arbeiterschutz-Kommisfion L o w i tz k i. in die Tarifkommission und das NachwerSkuratorinm I a h n. Rochow, Krause, Boeker und Kündig, letzterer an Stelle des ausgeschiedenen Kollegen Feuerbach gewählt._ ___________ Dmchrcbrlften. «ritische Blätter sür die gesamten Sozlalwiffenschalten. teaeben von Dr. Hermann Beck in Berlin in Vcrbiiidunz mit eingegangene Blätter sür die ge gegeben von Dr. Hermann Beck in Berlin in Berbindung mir ajx. Hann» Dorn in München und Dr. Ochmar Spann in Berlin. Verlag C. 33. Böhmerl n Dresden. Justus Perthes in Gotha. Kart- vom neuen SeckriegS-Schauplatz der russisch-japanilchen Flotten im Indischen Ozean.__ • Heraus- Dr. Hann» Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck». Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW7 Nr. 39. 22. £ Ititajt des Jomätte" Serlim MolWIilt Freitag, 10. Mar; 1905. Lohales. Aus der Stadtverordnctcn-Bcrsammlung. In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten tvurde mit der zweiten Lesung des neuen Stadthaus- Halts-Etats begonnen. Wär's nach dem Sinne des Vor- stehers Langerhans gegangen, so hätte die Versammlung alle Einzeletats, die zur Beschlußfassung vorgelegt wurden, wort- los angenommen. Auf freisinniger Seite verspürte man in der Tat kein Bedürfnis mehr, die Berichterstattung über die Verhandlungen des Etatsausschusses noch durch weitere Er- örterungen zu ergänzen. Dggegen hatte die sozialdemo- kratische Fraktion noch etliche Anregungen und Wünsche vorzutragen, die schon den Ausschutz beschäftigt hatten, aber dort nicht sehr freundlich aufgenommen worden waren. Herr Langerhans fand nun, daß durch solche„Er Zählungen" dieEtatsberatung aufgehalten werde. Als Genosse Borgmann ihm erwiderte, daß diese Dinge doch in engster Verbindung mit dem Etat stehen, entspann sich über des Vorstehers Versuch, die Redefreiheit zu beschränken, eine lange Gcschäftsordnungs- Debatte. Genosse Singer forderte, daß dem Plenum auch in zweiter Lesung griindlichste Prüfung des Etats ermöglicht werde, und tadelte, daß der Magistrat den Etatentwurf wieder zu spät vorgelegt habe. Die Herren M o m m s e n und Cassel fanden für den Vor- steher einen Ausweg aus dem Konflikt, den er in seinem Uebereifer wieder einmal heraufbeschworen hatte. Sie meinten, über die Geschäftshandhabung bei der Beratung des Etats wolle man sich erst in den Fraktionen besprechen, fiir heute solle der Streit noch einmal ruhen. Es wurde nicht klar, ob Herr Langerhans einem eigenen Einfall gefolgt war oder einer ihm von feiner Fraktion gewordenen Anregung, die er nur ungeschickt ausgeführt hatte. Nach Herrn Cassels Erklärung gab er sich zufrieden. Es waren die Kranken haus-Etats, die den An- laß zu diesem ersten Zusammenstotz gegeben hatten. Genosse Wehl machte hier den Vorschlag, zur Entlastung der Kranken- Häuser und im Interesse der Kranken die E r h o l u n g s> st ä t t e n heranzuziehen, fiir die man ja jetzt versuchsweise sogar einen Winterbetrieb eingeführt habe. Auf die Anregung ging niemand weiter ein, vielleicht nur deshalb nicht, weil Herr Langcrhans mit seinem Redeverbot dazwischen fuhr und die erwähnte Geschäftsordilungs- Debatte heraufbeschwor. Eine von der sozialdemokratischen Fraktion beanntragte Resolutton, die für das Warte- und A r b e i t s p e r s o n a l der Krankenhäuser geregelte Lohnskalen fordert, wurde bekämpft von Herrn Wallach, der das System der Altcrszulagen überhaupt nicht für empfehlenswert hält. Genosse B o r g m a n n, der die Resolution begründete. wies die Mehrheit darauf hin, daß man die Angestellten nicht von dem Wohlwollen irgend eines Vorgesetzten abhängig sein lassen dürfe. Aber die Resolution wurde, wie im Ausschutz, so auch hier— abgelehnt. Genau so verhielt sich die Mehrheit nachher bei den I r r e n h a u s- E t a t s zu einer von unserer Frattion beantragten Resolutton, die für das Pflegepersonal eine Aufbesserung der Löhne forderte. Borgmann sprach die Erwartung aus, daß bei besseren Löhnen der starke Wechsel des Personals nachlassen werde. Auch diese Resolution wurde— abgelehnt. Mehr war vom Etat im Ausschutz noch nicht fertig geworden. Die Fortsetzung folgt in acht Tagen; bis dahin werden sich dann die Mchrheitsfraktionen auch darüber schlüssi geworden sein, ob der Vorsteher„Erzählungen" zulassen so oder nicht. Aus dem weiteren Verlauf der gestrigen Sitzung ist zu erwähnen der Beschlutz über die Aenderung der Ruhegeldverhältnisse der städtis che» Arbeiter. Die sonderbare Art, in der hier der Magisttat seine Arbeiter- fürsorge im eigenen Hause bekundet, wurde von unserem Ge- nossen Schubert" beleuchtet. Den Oberbürgermeister, an dessen früher gegebene Versprechungen Schubert erinnerte, suchte Stadttat Namslau zu verteidigen; man müsse jene Reden Kirschners„mit gutem Willen lesen". Was die sozialdemokratische Fraktton forderte und in einem Antrag vorlegte, wurde auf freisinniger Seite nur vom Stadtv. Ullstein(Soz.-Fortschr.) unterstützt. Das Er- gebnis war auch hier— Ablehnung. Zum Schluß wurden die Vorschläge für die Feier von Schillers hundertjährigem Todestag debatte- los und einstimmig angenommen. Dafür stimmten selbst- verständlich auch unsere Parteigenossen, so wenig sie sich sollst für die vom Magisttat veranstalteten Feste erwärmen. Schiller darf von dem nach Ausklärung und Freiheit ringenden Proletariat mit größerem Recht gefeiert werden als von dem Bildungsprotzentum der bürgerlicheil Klasse. Gegen Ruhftrat und die Ruhstrat-Nichter zieht das Berliner Polizeipräsidium zu Felde. Gestützt auf die Entscheidung im Oldcn- burger Prozctz, in welchem bekanntlich der Justizminister Ruhstrat, in Uebereinstimmung mit den Richtern, das Pokern nicht für ein Glücksspiel erklärte, haben sich zahlreiche Spieler dem Pokerspiele zugewandt. Verschiedene Kaffechausbcsitzcr waren in Zweifel, ob sie dies Spiel, das allerdings bisher in Berlin stets als Glücksspiel angesehen wurde, nunmehr dulden dürften. Der Vorstand deS Cafetier-Vereins hat deshalb Veranlassung genommen, sich an zu- ständiger Stelle über diese Frage zu erkundigen. Kriminalkommissar v. Manteuffel erklärte den, Vorsitzenden des Vereins der Cafetierö Deutschlands, daß das Berliner Polizeipräsidium nach wie vor das Pokern als Hasardspiel ansehe und mit verschärften Strafen gegen die Lokalbesitzer vorgehen werde, die das Poker- spiel in ihren Räumlichkeiten dulden. Der Ruhstrat-Prozetz könne die Berliner Kriminalpolizei nicht von ihrer bisherigen Auffassung über das Wesen des Pokerns als Glücksspiel abbringen. In Berlin darf also auch künftig nicht gepokert werden und Herr Ruhsttat tut gut, in Oldenburg zu bleiben. Zum Fall Hasse. Aus der Untersuchungshaft entlassen ist wegen seines ungünstigen Gesundheitszustandes der Landgerichtsdirektor Hasse Das Strafverfahren wird fortgeführt; Hasse hat sich in eine Privatklinik begeben. Wie der„B. L.-A." hört, hat die Unter- suchung ergeben, daß eine Anklage aus dein§ 173 des Neichsstraf- geseybuches nicht in Frage kommt. Das Verfahren wird lediglich wegen der Schießaffäre auf den Erpresser Lächel geführt, der in- zwischen zu»'/, Jahren Gefängnis verurteilt worden ist. Im Laufe dieser Voruntersuchung soll sich die Vermutung bestätigt haben, daß Hasse infolge schwerer körperlicher Erkrankung uiid seelischer Er- schütterung in der letzten Zeit nicht inehr un vollen Besitz seiner Geistestätigkeit gewesen ist. Der Juwelendieb Zacharias, über dessen Festnahme wir be- richteten, hat schon oft die hiesige Kriminalpolizei und andere Be- Hörden beschäftigt. Der alte Einbrecher, der im vergangenen Jahre wieder aus Dalldorf entsprang, machte u. a. auch einen Raubzug nach Hannover mit. Eine Dirne namens Felke, die mit einein Ein- brecher Steinecke, ebenfalls einem„schweren Jungen", zusammen wohnte, hatte Verbindungen mit einer Büffettmamsell Willrich in Hannover. Diese baldoiverte dort eine Gelegenheit aus und ließ dann Steinecke, Zacharias und einen Einbrecher Schmidt kommen, der gleichfalls„geisteskrank" ist. Die Gesellschaft erbeutete in Hannover für 5000 M. Wertsachen und fuhr mit der Willrich nach Berlin zurück, um sie hier abzusetzen. Aber schon auf dem Bahnhofe wurden Steinecke und die Willrich verhaftet, während die beiden anderen entkamen. Schmidt zog mm mit der Felke nach der Lichtenberger-. sttaße, wo er auch dem Zacharias einen linterschlupf gewährte. Lange Zeit schlug er der Kriminalpolizei ein Schnippchen, obwohl sie ihn so viel als möglich beobachtete. Wiederholt sahen Beamte ihn in die Wohnung seiner Geliebten hineingehen und ließen ihn gewähren, um ihn zu überraschen, aber wenn sie dann einfielen, ivar er jedesmal verschunden. Endlich klopfte man die ganze Woh- nung von oben bis unten ab, entdeckte so einen Hohlraum, den Schmidt sich in die Speisekammer hatte einbaue» lassen, und in diesen, den Perbrecher. Zacharias fand einen anderen Schlupfwinkel, bis er jetzt auch wieder unschädlich gemacht wurde. WaS einem anständigen Mann in Berlin passieren kann. Ein Leser unseres Blattes gibt folgenden Schmerzensschrei kund: Ich hatte einem Bekannten einen Ucberzieher geborgt, und da ich das Kleidungsstück wieder haben wollte, mußte ich es mir selber abholen. Das geschah am 11. Dezember vorigen Jahres. Ich mußte auf dem Rückwege über den Moritzplatz und ging in die dort befindliche Bedürfnisanstalt. Hinter mir kamen in diesem Augenblick vier Männer daher, von denen der eine sagte:„Seht einmal, der hat einen lleberzieher geklaut." Ich bedeutete dem Menschen, daß der Ueberzicher mein Eigentum sei, und erklärte ihm, ans welchen Gründen ich das Kleidungsstück über dem Arm trage. Beim Vcr- lassen der Anstalt beschuldigten die vier Männer midi trotzdem laut des Diebstahls, und bald hatte sich eine große Menschenmenge um mich versammelt, so daß ich weder vorwärts noch rückwärts konnte. Schließlich gelang es mir, mich zu einem Schutzmann hindurchzudrängen, der einige Schritte entfernt auf Ordnung achtete. Ich brachte bei dem Beamten mein Anliegen vor, und es gelang ihm auch, zlvci von den vier Männern festzustellen. Die anderen beiden hatten sich seitwärts gedrückt. Mit dem Schutzmann Ivar ich nun fertig und dachte Iveiter meines Weges zu gehen. In der Aufregung aber war ich statt durch die Prinzen- straße durch die Oranienstraße gegangen, und immer noch verfolgte mich eine Menschenmenge. Der eine von den vier Männern trat mich dabei immer auf die Hacken und in die Kniegelenke; die anderen drei hielten mich umschlossen und riefen fortwährend:„Der hat mir meinen Ucberzieher gestohlen!" An der Ecke der Kommandanten- straße konnte ich nicht mehr weiter, weil mir die Hacke am rechten Fuß abgeschunden war. In diesem Augenblick kamen die vier Ver« folger dicht an mich heran und der eine versetzte mir einen furcht« baren Schlag ins Gesicht, so daß ich mit dem Kopf gegen eine Mauer flog und dann zu Boden stürzte. Nunmehr bestiegen die vier Aer- folger eine Droschke und fuhren davon. Ich bat mm viele der Umstehenden, mir ihre Adresse zu geben, doch nur zwei verstanden sich hierzu, der eine von ihnen aber ist nicht aufzufinden. Alle anderen Leute wollten mit dem vermeintlichen Ueberzieherdiebe nichts zu tun haben. Ich stellte später gegen die beiden ermittelten Personen Strafantrag wegen Beleidigung und Körperverletzung, doch hat die Staatsanwaltschaft die Verfolgung wegen Mangels an öffentlichem Interesse abgelehnt. Vielleicht wird mir Hülfe, wenn ich auf diesem Wege die Zeugen des Vorfalles bitte, ihre Adresse beim Portier des HauseS Holzmarktftt. 60 abzugeben. Traurige Folgen hat ein Stteit gehabt, in den am 1. März ein Kutscher Friedrich Bohnen st engel aus der HenningSdorferftraße Nr. 11 mit einem Sttaßenreiniger geriet, als er über die Marschall- brücke fuhr. Bohnenstengel wollte im Verlaufe des Wortwechsels seinen Gegner mit der Peitsche schlage», die Schnur fing sicb aber in seinem Besen, und da nun keiner von beiden loslassen wollte, so wurde er vom Wagen gezogen und erlitt einen Obrrarmbruch und andere Verletzungen. Obwohl diese nicht unmittelbar lebensgefähr- lich waren, so starb er jetzt doch im Krankenhaufe Moabit an ihren Folgen, da Wundfieber hinzuttat. Wegen Entführung ihrer eigenen minderjährigen Tochter iverden die verwitwete Amtsrichter Anna Elteste und deren Verwandter, der Grundstücksmakler Emil Krinmiling, steckbrieflich verfolgt. Frau E. ist erst im Oktober v. I. aus Senstenberg i. M. nach Berlin zugezogen und mietete die halbe dritte Etage in dem Hause Wilms- straße 12. wo sie mit ihrer zehnjährigen Tochter und Krimmling, welcher als Aftermieter gemeldet war, wohnte. Auf Veranlassung des Vormundes des Kindes wurde der Mutter das Erziehungsrecht entzogen, weil sie nicht in der Lage war, auf das etwas wilde Mädchen einen genügenden Zwang auszuüben, und dieses nach Groß- Lichtcrfclde in Pension gegeben. Aus irgend welchen bisher noch unaufgeklärten Gründen wollt« Frau E. Berlin heimlich verlassen; sie verkaufte in unauffälliger Weise ihre Möbel und verließ dann am 15. Februar mit K. die Wohnung. Beide fuhren mit einem Automobil nach Groß- Lichterfelde, wo sie das Kind abholten, und sind seit dieser Zeit spurlos verschwunden. Die Kriminalpolizei, die mit der Verfolgung der Flnchtaffäre betraut worden ist, hat fest- gestellt, daß die Witwe Elteste mit Tochter und Krimmling nach Rotterdam gefahren und von dort vermutlich sich nach Amerika ein- geschifft hat. Bei der Arbeit vrrnnglnckt ist Mittwoch nachmittag der 26 Jahre alte Kutsckier Karl Hennigs aus der Steglitzerstt. 3. Er hatte am Alerander-User von einem Dampfer Waren aufgeladen und wollte auf seinen Wagen springen, als die Pferde schon im Gange waren. Hierbei glitt er aus und fiel so unglücklich bin, daß ihm die Räder über die Brust gingen. Mit mehreren Rippenbrüchen und anderen schweren Verletzungen tvurde der Verunglückte in bedenklichem Zu- stände in ein Krankenhaus gebracht. ncoen isevauven jeder viarm von vornherein als„Mittelfeuer" an- gesehen wird, so rückte sofort ein großes Löschaufgebot nach dorthin aus. Es lag aber keinerlei Feuersgefahr vor. so daß die Löschzllge nach kurzem Aufenthalt ivieder Kehrt machen konnten. Fcuerbericht. In der Nacht zum Donnerstag wurde die Wehr nach dem Kottbuser-Ufer 40 gerufen, wo in einer Tischlerei Feuer entstanden war. Als der achte Löschzug eintraf, standen bereits Hölzer. Späne:c. in Flammen. Es mußte längere Zeit mit einer Schlauchleitung Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu be- seittgen.— Allerlei Gerumpel und Verpackungsmaterial ivar dann in der Dircksenstt. 43 in einem Keller in Brand geraten, während in der Elsasserstr. 61 Möbel und Kleidungsstücke durch Feuer beschädigt wurden.— In der Puttkamerstt. 19 war der Spiritusbehälter einer Automobildroschke explodiert und hatte diese selbst in Brand gesetzt. Der 10. Löschzug war schnell zur Stelle und löschte die Flammen in kurzer Zeit. Der Führer des �Automobils Wilhelm P. trug schmerzende Brandwunden an den Händen und im Gesicht davon, die ihm von den Samaritern verbunden wurden.— Außerdem hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch am Grünen Weg 10 und Siegmundshof 6 zu tun._________ Die Ringkampf-Konkurrenz im ZirtuS Busch fand heute abend ihr Ende. Im ersten Gang wurde B e r V e t von A i m a b l e nach 38 Minuten geworfen. Das Hauptinteresse des Publikums wurde natürlich durch den Gang zwischen dem Deutschen Jacob Koch und dem dänischen MeisierschaftSringer Jeß Pedersen in Anspruch genommen, die den 1. Preis unter einander ausrangen. Leider hatte es der Zufall trotz aller Vorsichtsmaßregeln der Direktion des Zirkus Busch so gefügt, daß sich diese beiden Ringer im letzten Entscheidungskampfe gegenüberstanden. Der von der Direktion in Aussicht genommene Pohl hatte an der Konkurrenz überhaupt nicht teilgenommen, ebensowenig wie Aberg; und Petroff war nach seinem be- kannten Unfall völlig ausgeschieden. So Ivar als einziger mir Czyaniewicz übrig geblieben, der zwar über gewaltige Körperkräfte verfügt, aber technisch dem Koch und Pedersen einstweilen noch nicht gewacysen ist. So ergab sich also in Berlin schließlich doch nur eine Wiederholung der Wiener Ringkämpfe. Nur daß diesmal, wie ja schon im voraus prophezeit worden tvar, Koch der Sieger blieb, während in Wien Pedersen.Erster geworden war. Der Kampf währte 33 Minuten. Pedersen, der seinem Gegner mindestens gewachsen schien, war meist in der Offensive. Schließlich, als er in der Oberlage Koch durch einen Nelson zu drehen ver- suchte, wälzte dieser sich auf den Dänen und drückte ihn über- raschend schnell auf beide Schultern, als jedermann erwarten mußte, daß Pedersen eine Brücke schlagen würde. So erhielt also Koch 3000 M., Pedersen 1500 M. und Czyaniewicz 1000 M. Fortsetzung demnächst in— P r a g. Arbciter-Bildungsschule Berlin. Heute abend findet Unterricht in Sozialer Gesetzgebung statt. Die letzte Stunde ist am Donnerstag, den 16. d. M.— Sonnabend'/oO Uhr im Gewcrk- schaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 3: Milglieder-Ver- s a m ni l u na.— Sonntag, den 12. März, abends 6 Uhr: Schiller- Feier im Gewcrkschastshause, Engel-Ufer 15. großer Saal. ES ist alles aufgeboten, um das Fest würdig zu gestalten.(Siehe Inserat.) Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die vom Buchbinder-Männerchor und Musikverein„Harmonie- Berlin am 12. Februar veranstaltete Matinee unter gütiger Mit- Wirkung des Volkshumoristen Herrn Balze hat für die Bergleute einen Reinerttag von 251,00 Di. ergeben. Theater. Maria PoSpifchil, die aus der LÄrronge-Zeit deS Deutschen Theaters bekannte Tragödin, gegenwärtig Mitglied des Hamburger Stadttheaters, wird demnächst im Schiller- Theater in drei Vorstellungen von Grillparzers„Medca", die am 21., 22. und 24. März stattfinden, die Haupttolle zur Darstellung bringen.— Die erfolgreiche Novität deS Schiller-Theaters, das Drama„Im Hafen' von Georg Engel wird auf beiden Bühnen nur noch sechsmal an Wochentagen zur Darstellung gelangen können, da von den 24 AbonnementS-Serien 18 das Stück bereits gesehen habe,?.— In: Bellealliance-Theater findet die Erst- aufführung der Novität„Die Rote" am Sonnabend, den 13. d. M, statt. Bis dahin wird jeden Abend„Der beste Tip" gegeben. Am nächsten Sonntagnackiimttag gelangt„ K e a n" mit Herrn Hof- schauspielcr Emst Benzinger in der Titelrolle zur Aufführung.— Das Lesfing-Theater bereitet zur Schi ller-Feier eine Auf« führung des„Demetrius" vor. Der Text wird ausschließlich der Schillersche sein. Am selben Abend werden„Szenen aus den Phönizierinnen des Euripides" in Schillers Uebersetzung zur Dar- stellung gelangen.— Rational- Theater. Freitag geht zum erstenmal„Don Juan" in Szene, die Titelpartie singt Herr Remy Marsano._ Hub den Nachbarorten* Schöneberg. Die Kranzfrage. Der Beschluß des Schönebcrger Wahlvereins, wonach ver- storbcnen Mitgliedern nur dann ein Kranz gespendet werden soll, wenn an der Beerdigung kein Geistlicher mitwirtt, hat der bürgerlichen Presse Veranlassung gegeben, ein Gezeter über die Intoleranz der Schöneberger Sozialdemokratie an- zustimmen. Insbesondere glaubt die vor Scheiterhaufen- sehnsucht schmachtende„Germania", deren erster und letzter Grundsatz religiöse Intoleranz ist, die unter einem er- logenen Toleranzgeschrei mit bösartigem Fanatismus jede andere Ueberzeugung als die päpstlich-katholische beschimpft und zu unterdrücken trachtet, in diesem Beschluß einen direkten Verstoß gegen den sozialdemokrattschen Programm- satz:„Erklärung der Religion zur Privatsache" konstatieren zu können.— lieber die Gründe, die zu diesem Beschlutz geführt haben, wird uns aus Schöneberg gc- schrieben: Bei Beerdigungen von Wahlvereins- Mitgliedern wurde entweder unseren Parteigenossen der Zutritt zum Friedhofe nur nach Entfernung der Schleifen von den Kränzen gestattet, oder die Herren Geistlichen benutzten die Leichenpredigt zu groben Angriffen gegen unsere Partei, so daß es mitunter zu erregten Szenen gekommen war. Da sich nun aber die Herren Pastoren nicht belehren lassen wollten, daß durch derartige Zwischenfälle die Leidtragenden und vor allem die Hinterbliebenen in ihren Gefühlen auf das schwer st e verletzt wurden, so zogen wir es vor, derartige Zusammenstöße mit Geistlichen zu vermeiden. Wird von einer Kranzspende Ab- stand genommen, so wird der hierdurch ersparte Geldbetrag den Hinterbliebenen zur Verfügung gestellt. Es kann also gar nicht die Rede davon sein, daß wir uns einer Intoleranz unseren verstorbenen Genossen gegenüber zuschulden kommen lassen. Die bürgerliche Presse würde sehr zweckmäßig handeln, wenn sie die gehässige Intoleranz der verehrlichen Geistlichkeit be- kämpfen wurde. Der Einfluß der„Germania" wäre hierin nicht zu unterschätzen. Können uns Garantten gegeben werden, daß wir und die Hinterbliebenen vor Heber- griffen und Beleidigungen seitens der Geistlichkeit geschützt sind, dann ließe sich über die Auf- Hebung dieses Beschlusses wohl diskuttercu. Hoffentlich wird die toleranzentzückte„Germania" diese Darstellung unserer Schöneberger Genossen ihren Lesern nicht vorenthalten. Zugleich unterbreiten wir den bürgerlichen Kämpfern für Toleranz und Pietät einen neuen Fall skandalöser Intoleranz: Die Witwe eines verstorbenen Sozialdemokraten, der Mitglied eines bürgerlichen Unterstützungsvereins war, hatte nicht die Absicht, einen Geistlichen zum Begräbnis ihres Mannes heranzuziehen. Der genannte, Verein stellte nun die Witwe vor die Alternattve: entweder wirkt ein Geistlicher mit oder die fällige Unterstützung gelangt nicht zur Auszahlung. Die Frau war nun gezwungen, einen Geistlichen zu bestellen, um die durch jahrelange Beiträge er- wordene Unterstützung zu erhalten.— Die bürgerliche Presse wird gewiß vor sittlicher Eni- rüstung schäumen.—_ Rixdorf. Einen unwillkommenen Besuch erhielt vor kurzer Zeit das am Hermannplatz in einem der bekannten' Kioske befindliche Zigarrengeschäft der Firma Löser u. Wolff; durch das Schaufenster kam e.i Ober- Schöneweide. " 12 mit zwei Pferden bespannter Rollwagen in den Laden gefahren ,, Maskierungsmanöver",„ Unwahrheiten", Verdächtigungen" die Arbeit ebenfalls niederzulegen. Die Versammelten hatten es fe dabei natürlich alles demolierend, was ihm im Wege stand. Selbst und andere schöne Sachen vor. selbstverständlich, die Arbeit der Streifenden unter allen Umständen ein das Dach stützender Pfeiler wurde fortgerissen, so daß Gefahr 黏 Von der anderen Seite sind in dem sich schon lange hin zu verweigern. bestand, daß der ganze leichte Bau zusammenbrechen werde. Dit Der Streit bei der Firma Rösener und in der Pianofortefabrik vieler Mühe gelang es, Pferd und Wagen wieder auf die Straße ziehenden erbitterten Kampf der Brüder in Christo nicht zu befördern. Die Verantwortung für den Unfall, bei welchem minder massive Beschimpfungen gefallen. Am schlimmsten Merkur beschäftigte am Mittwoch eine Vertrauensmänner- Bersanım glücklicherweise Menschen nicht verletzt wurden, wohl aber ein er- treibt es allerdings das genannte Blatt der Berlin- Trierer lung der im Holzarbeiter Verband organisierten Musikinstrumenten wagens, dem Kutscher K. zur Last gelegt. der die abschüssige Recht auf die Autorität einer Reihe preußischer Bischöfe stützt, die Streifenden einmütig im Stampfe aus. Vor 2 Wochen wurde heblicher Schaden entstanden war, wurde dem Führer des Roll- Gewerkschaftsrichtung, das sich für seine Anschauungen mit Arbeiter. Bei Rösener dauert der Streit, wie der Vertrauens mann Lippold ausführte, jetzt schon 23 Wochen. Dennoch halten Hermannstraße heruntergefahren war, ohne das Fuhrtverk zu bremsen. Darunter auch des Bischofs Korum von Trier. Das Rigdorfer Schöffengericht, vor welchem sich K. jetzt zu verbersucht, Verhandlungen anzufnüpfen, weil ein Wertführer bestimmt Auch Kaplan Dasbach, der Zentrumsführer, ist versichert hatte, daß der Unternehmer zu berhandeln wünsche. Auf antworten hatte, billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu Gegner der christlichen Gewerkvereine und Befürworter der bie telephonische Anfrage des Vertreters der Streifenden folgte und ließ es bei 40 M. Geldstrafe bewenden. Dingon Fachabteilungen in den katholischen Arbeitervereinen. In der jedoch eine schroff ablehnende Antwort. Die Zahl der Streifenden Streitbrecher wurden bor Rhein- und Wied- Zeitung", einem der vielen Blätter des ist turbie 24 Arbetsbit Bei der Gemeindevertreter- Ersaswahl, die am 8. März stattfand, Herrn Dasbach, wurden der Vorsitzende des christlichen bon denen fünf als Klaviaturmacher wurde der Parteigenosse Sarl Jobslato mit 444 Stimmen ge- Metallarbeiter- Berbandes und die christlichen Führer über- Streifenden nicht in Betracht kommen. Im übrigen handelt es sich wählt. Der Schildträger der Zentrumspartei, Wierczyk, vereinigte haupt in einer Art heruntergemacht, die in der Tat ihres- Berufen angehören. Die Firma hat bereits großen Schaden durch um minderwertige Arbeitskräfte und um Leute, die ganz anderen auf sich 84 Stimmen, der Kandidat der geeinten Grundbefizer- und gleichen sucht. Das genannte Zentrumsblatt behauptet, der den Streit gelitten und wird sich wohl über kurz oder lang genötigt Bürgervereine, Staatsbeamter härwig, erhielt deren 68. Die Agitation gegen die Sozialdemokratie wurde von den bürgerlichen christliche Führer Wieber, übrigens ein ſtockfrommer fehen, nachzugeben. Die Streifenden, die dem Holzarbeiter- Berband Kreisen mit den üblichen Mitteln der Verleumdung und Beschimpfung Katholik, habe im dortigen Bezirk in einer Versammlung die angehören, haben einstimmig, die vom Fachverein mit allen gegen geführt. Der Erfolg ist nicht ausgeblieben. Die Wahl unseres Arbeiter mit„ tollem Zeug" traftiert, und der Veranstalter eine Stimme beschlossen, weiter zu streiken. In der Pianofortefabrik Genossen erfolgte mit einer bisher nicht erreichten Stimmenzahl. der Versammlung habe auf katholische Obere und katholische Merkur legten die Umbaumacher am 28. Februar die Arbeit nieder Groß- Lichterfelde. 75 Einrichtungen geschmäht. Weiter heißt es in dem Artikel, den und ihnen schlossen sich die übrigen Arbeiter aus Solidarität an. Die Zahl der Streifenden ist 71. Verursacht wurde die Arbeitsniederlegung dadurch, daß die Firma bei einer Abänderung in der anscheinend ein Geistlicher geschrieben hat: Was unterscheidet denn diese Christlichen mit dieser un Arbeitsteilung eine zu geringe Summe für das Furnieren zahlen wollte. eingeschränkten Streiftheorie noch von den richtigen Verhandlungen wurden gepflogen und der Fabritant zeigte ein gewisses Sozialdemokraten? Ihr christlichen" Streifführer! Nennt Entgegenkommen, jedoch nicht in dem Maße, wie es zur Erlangung euch doch nicht Freunde der Arbeiter! Denn ihr führt die Arbeiter des alten Affordlohns notwendig gewesen wäre. zu immer neuen Niederlagen... Und da kommen diese Arbeiter- fuffion über diesen Streit wurde allgemein anerkannt, daß der von freunde nach Hönningen und sammeln, um ihre leeren ben Streifenden verlangte Preis durchaus nicht zu hoch gegriffen Streittassen zu füllen, mit der Drohung eines größeren ist. Ebenso ergab die Diskussion über den Streit bei Röiener, Streits.... Das ist ein wahrer Freund der Arbeiter, der vor daß die Versammlung mit der Haltung der Streikenden vollständig diesem sinnlosen und gefährlichen Treiben warnt; einverstanden war. das ist freilich nicht nach dem Sinne dieser„ Chriftlichen", aber echt katholisch und darum auch vernünftig." seiner Sehnsucht nach einer liberalen Verwaltung" bescheidenen Ausdruck, von der er einen günstigen Einfluß auf die örtlichen Verhältnisse erhofft. Geheimrat Raete erklärte, daß im Etat Mittel In der DisMit nahezu zwei Millionen schließt der diesjährige Gesamt- Etat der Gemeinde ab und gibt damit ein Bild von der raschen Entwickelung unseres Vorortes. Unter den Einnahmen sind an direkten Steuern einschließlich der Kreissteuern, die wieder an den Kreis gehen, 916 580 M., an indirekten Steuern( darunter die Biersteuer mit 21 000 M.) 175 000 M. enthalten. Für den Bau und die Unterhaltung der Straßen find 74 000, für Beleuchtung 56 000 in den Etat eingestellt, für das Gewerbegericht 2660 M. und das noch nicht eristierende Kaufmannsgericht 300.Gymnasium und Oberrealschule erfordern einen Zuschuß von 110 000 m., während die Ausgaben für die Voltsschulen sich Achtung, Kleber! Den bei uns organisierten Kollegen zur Mit von 170 000 auf 187 000 m. erhöht haben. Dem Lichterfelder Verein werden 300 m. im Etat zugewiesen als Beitrag zur fog. VoltsDer Verfasser beruft sich für seine katholischen Organi- teilung, daß am Sonnabend, den 13. d. M., im Bureau abends von bibliothek. Die Kosten der Armenpflege betragen 34 000 m. fationen ausdrücklich auf die„ Erlasse des Heiligen Vaters und 5 Uhr ab die Erteilung des Schlußstempels in der Streiffegitimation gegen 30 000 M. im Vorjahr. Die Gemeindeftenern find die Normen des Fuldaer Pastorale unserer Bischöfe" sowie auf erfolgt. Der Vorstand des Vereins der Kleber Berlins und Umgegend. Bureau: Schüßenstr. 18/19. Amt I 1308. wieder auf 129 Proz. inkl. der Kreissteuern wie im Vorjahre fest- die bewährte Führung des Bischofs von Trier. gesezt worden. Die erste Lesung des Etats fand am Montag statt Das oben Wiedergegebene zeigt, wie groß die Angst der Deutfches Reich. und bot wenig Nennenswertes. Gem.- Vertr. Raupert wünschte die katholischen Arbeitervereinler vor einer von den christlichen Achtung, Former und Gießerei- Arbeiter! In der Maschinenfabrik Errichtung von Wochenmärkten und eine gründlichere Straßenreinigung. Gewerkschaften herbeigeführten Lockerung des heutigen und Eisengießerei von Ga ut u. Hoffmann in Frankfurt a. D. Dr. Kübler konstatiert den geringeren Zuzug guter Elemente". Gängelungssystems ist. Und so wie das Dasbach- Blatt denken sind am Mittwoch sämtliche Former ausgesperrt worden.- Wir ,, Gute Elemente" bedeutet im Lichterfelder Professoren- Jargon goldbeschwerte Steuerzahler. Der politisch harmlose Profeffor gab auch im Innersten fast alle Führer des Zentrums! ersuchen, den Zuzug streng fernzuhalten. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Die Bezirksleitung IH. Bezirk Berlin una amgegend. Zur Schuhmacherbewegung in Weißenfels wurde in der letzten Zur Lohnbewegung der Schildermaler. Entsprechend dem am Versammlung der Streifenden festgestellt, daß in 41 Betrieben 2497 für eine Bade- Anstalt nicht eingestellt seien. Er könne aber der Mittwoch gefaßten Beschluß find die Schildermaler gestern sämt- Personen beschäftigt waren; im Streik befinden sich 2360. Als Deffentlichkeit gegenüber versichern, daß die Errichtung einer solchen lich in den Streit eingetreten. In Betracht kommen ins- Arbeitswillige find 494 zu verzeichnen. Hiervon sind 228 jugendtroydem erfolge, sobald die nötigen Unterlagen beschafft seien. gefanit etwa 60-70 Arbeitgeber mit zirka 200 Malern; außerdem liche, 103 männliche, 163 weibliche. Bugereiste sind sehr wenige zu Dies wird vom Gemeindevorsteher bestätigt. Nur iſt abzuwarten, noch eine Anzahl Vergolder, Metallarbeiter und Lackierer. Es verzeichnen. and wie lange es dauert, bis dies einzige Monument sozialer Für wurde bereits hervorgehoben, daß die Schildermaler durch das Die Tapezierer in Hildesheim haben die Kündigung ein forge enthüllt wird. Nachdem einige Positionen in die Kommiſſion rigorose Vorgehen der Arbeitgeber in die Zwangslage gebracht gereicht, da ihre Forderung( neunstündige Arbeitszeit) abgelehnt zurüdverwiesen und die Erhöhung der Zahl der Nachtwächter be- worden sind, schon vor Ablauf der den Unternehmern gestellten Er- wurde. Die Arbeiterpresse wird gebeten, hiervon Notiz zu nehmen. fchloffen war, wurde die zweite Lesung zum nächsten Montag vertagt. flärungsfrist den Streit zu proflamieren. Die Herren Meister fonnten es anscheinend kaum fassen, daß die Schildermaler in ber- Fabrikschuhmacher- Bewegung in München. Unser Münchener Lichtenberg. hältnismäßig furzer Zeit ihre Organisation so ausgebaut hatten, Korrespondent berichtet uns: Eine am Freitag tagende Fabrikanten Wenn Arbeiterfragen zur Verhandlung stehen. Dem Verlangen um auf der ganzen Linie geschlossen ihre Forderungen auf Versammlung hat den vor dem Einigungsamt provisorisch abbes Arbeiterausschusses der Gemeinde- Gas-, Waffer- und Elektrizitäts- zustellen. Bislang hatte eben jeder Meister mit feinen gefchloffenen Tarifvertrag abgelehnt. Eine Ausnahme machten die werke auf Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse hat das eigenen Leuten nach Gutdünken die Lohnbereinbarungen Firmen Gebrüder Regensteiner und Schürr. Die übrigen Kuratorium in den wesentlichsten Punkten entsprochen. Bu bemerken getroffen und empfindet es daher jetzt als einen unerhörten Fabrikanten hatten sich jedoch am anderen Tage schon eines Besseren ist allerdings, daß von den Mitgliedern dieser Kommission, außer Einbruch in die meisterliche Autorität, mit dem Vertreter besonnen und sind mit dem Geschäftsführer der Organisation in dem Vertreter der Sozialdemokratie, nicht ein Mitglied der der Organisation verhandeln zu sollen. Die Forderung der acht Unterhandlung getreten, so daß auch sie nach einiger Ueberlegung bürgerlichen Gemeindevertreter anwesend war, obwohl die Tages- stündigen Arbeitszeit, ein Minimallohn von 6212 Pf. pro Stunde, dem Vertrage zustimmten. Nur mit der Leiterschen Schuhfabrik ordnung ausdrücklich lautete: Etatsberatung für die Gas-, bie Anerkennung des Arbeitsnachweises der Organisation usto. er- fonnte eine Verständigung nicht erzielt werden, so daß in einer Waffer- und Elektrizitätswerke! scheint vielen der Herren Arbeitgeber auch als etwas ganz Un- vollständig besuchten Fabrikversammlung einstimmig beschlossen wurde, Die Dfenarbeiter der Gasanstalt sollen nun 5,25 M. pro gewöhnliches. Daher erklärt sich auch ihr launenhafter Aerger. in den Streit zu treten. Zuzug von Fabrikschuhmachern und Schicht erhalten. Für die sogenannten ofarbeiter ist der Sagte doch einer von ihnen zu einem Gehülfen rund heraus:„ Wir Stepperinnen nach München ist fernzuhalten. Lohnfaz auf 3,75 M. erhöht. Diejenigen Arbeiter, die drei Jahre wollen mal sehen, wer es länger aushält, wir oder Sie halbim Gemeindedienste beschäftigt find, erhalten 4 M. pro Tag. Für verhungerter Malergefelle." Ein anderer drohte einem ausländischen die sogenannten Schmußarbeiten der Werte soll der Stundenlohn Gehülfen mit Denunziation bei der Polizei, damit er ausgewiesen 40 Bf. betragen. Den Stredenarbeitern find 3,50 M. und nach würde. Ob den Arbeitgebern jetzt aber bei der allgemeinen Arbeitsdreijähriger Dienstzeit 4 M. zugestanden. Die Löhne für die nicht niederlegung so besonders wohl geworden ist, darf billig bezweifelt boll Arbeitsfähigen und Invaliden sollen der freien Vereinbarung werden. Im Laufe des gestrigen Tages haben bereits etwa unterliegen. 20 Firmen mit zirka 80 Gehilfen die Forderungen bewilligt. Potsdam. 115 - S Rusland. 150 0 Die Arbeiter des Simplontunnels auf der Südseite und der dahinführenden Zufahrtslinie find in einen Streit eingetreten. Die allgemeine Aussperrung der norwegischen Former, die schon vor mehreren Wochen angekündigt wurde, scheint nun wirklich zur Tatsache werden zu sollen. Am 4. März haben die Arbeitgeber dem Der Lohnbewegung der Tapezierer haben sich auch die in Landessekretariat der Gewerkschaften ein Ultimatum gesandt, worin Ein größerer Kellerbrand fand gestern früh in den Kommuns I Tapeziererwerkstätten beschäftigten Näherinnen angeschloffen. sie unbedingte Annahme ihrer am 18. Februar gemachten Vorschläge beim Neuen Palais statt, der erst nach mehrstündiger Tätigkeit der Sie hielten auf Einladung der Verbandsleitung am Mittwoch eine verlangen. Das Landessekretariat hat sich jedoch mit der Haltung Militär- Feuerwehr, der Freiwilligen Feuerwehr und der Berufs- Versammlung ab und beauftragten die Verbandsleitung, bei den Ber- des Formerverbandes, der die Vorschläge der Arbeitgeber ablehnt, Feuerwehr gelöscht werden konnte. Die Löschmannschaften hatten handlungen mit der Innung, die bereits im Gange sind, die vollkommen einverstanden erklärt und auch in diesem Sinne auf sehr unter der starten Rauchentwickelung zu leiden. Intereffen der Näherinnen wahrzunehmen. Hinsichtlich der Arbeits- das Schreiben der Arbeitgeber geantwortet, sich aber, wenn es von zeit sowie der übrigen Punkte sollen für die Näherinnen dieselben den Arbeitgebern gewünscht werden sollte, zu neuen Verhandlungen Forderungen gelten, welche die Tapezierer aufgestellt haben. Be- bereit erklärt. Die Aussperrung wird sich auf 760 Former er züglich des Lohnes der Näherinnen schlug die Verbandsleitung als streden, und außerdem werden zirka 4000 Eisen- und Metallarbeiter Mindestforderung einen Stundenlohn von 35 Pf. vor, für Ueberstunden und eine große Zahl ungelernter Arbeiter arbeitslos. 10, Nachtarbeit 35, Sonntagsarbeit 15 Pf. Aufschlag und bei AffordAlt-Glinicke.spa Der zweite Sozialdemokrat hält seinen Einzug in die Gemeindebertretung. Bei der gestern stattgefundenen Gemeindewahl gaben von 675 eingeschriebenen Wählern 187 ihre Stimme dem sozial demokratischen Kandidaten Bartels. Der Gegenkandidat erhielt 36 Stimmen. Bartels ist somit gewählt. Steglik. arbeit die Garantie eines Wochenverdienstes von 19 M. Wie in der Der Streit an der Hoch- und Untergrundbahn in New York wird Versammlung festgestellt wurde, erhalten die meisten der anwesenden mit wachsender Unruhe vom Bublikum beobachtet. 1200 00 Menschen Näherinnen bereits 35 Pf., ja in manchen Fällen sogar einen höheren benutten täglich die Bahnen und das Verlangen nach einem SchiedsLohn; die Firmen Rudolph Herzog, Gerion und Jira el gericht wird vielseitig laut. Die Zahl der Streifenden beträgt 6000. zahlen niedrigere Löhne. Die Näherinnen, welche den geforderten Die Geschäftsführung der Bahnen hat auf einem Schiff im Hudson Lohn bereits haben, wünschen insofern eine angemessene Erhöhung, Revier eine große Verpflegungsstation für die Streifbrecher eindaß ihnen auch nach der geforderten Berkürzung der wöchentlichen gerichtet. Viele Studenten der Columbia- Universität haben sich als Arbeitszeit um zwei Stunden der bisherige Wochenlohn bleibt. Die Streifbrecher auwerben laffen. Die Streifenden erklären, sie hätten Verbandsleitung wird bei den Verhandlungen in diesem Sinne Geld genug in der Kaffe, um es sechs Monate aushalten zu können. wirken ,, sie erwartet aber auch von den Näherinnen, daß sie im not listiny, s Falle eines Streits der Tapezierer nicht mit Streitbrechern zusammenarbeiten. 1:00 010 1303906 Vermischtes. Das Verlangen nach Stadtwerdung abgelehnt. Der Gemeindetommission des Abgeordnetenhauses Tag gestern die Petition der Gemeinde Steglig um Stadterhebung vor. Es fand eine sehr lange Erörterung statt. Ein Antrag aber, die Petition der Staatsregierung zur Berücksichtigung zu überweisen, wurde mit sechs gegen fünf Stimmen abgelehnt; es wurde nur beschlossen, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Die Ablehnung des ersten Antrages erfolgte, indem einerseits anerkannt wurde, daß die Gemeinde Steglit ein volles Recht habe, Stadt zu werden, daß aber Ein Werkstattstreit der Metallarbeiter ist am Mittwoch im andererseits der Kreis Teltow durch das Ausscheiden der Gemeinde Induktorbau der Firma C. Lorenz, Telegraphenbau- Anstalt, Wieder ein schweres Grubenunglüd. Noch find die Opfer der Steglitz zu sehr geschädigt werden würde. Die Kommission war Elisabeth- Ufer 5, ausgebrochen. Schon wiederholt waren von den Katastrophen auf der Hultschiner und der Preußengrube nicht genicht vollzählig besetzt. Gegner der Stadtwerdung waren die einzelnen Meistern Reduzierungen der Atfordpreise vorgenommen borgen, ist wieder ein schweres Bergwerksunglück zu verzeichnen. Konservativen. worden. In der vorigen Woche hatten nun die Arbeiter der InduktorAus Recklinghausen wird gemeldet: Auf Schacht 1 der Beche Abteilung Forderungen auf eine Affordzulage von 60 auf 70 Bf. Augusta Viktoria" find Donnerstag früh vier Mann mit einem Ueber standalöse Berhältnisse flagen die Arbeiter beim Teltow pro Stück gestellt. Sie glaubten noch sehr bescheiden gewesen zueil der Mauerbühne abgestürzt. Zwei von ihnen find tot, Kanal. Nachdem jezt die Kanalarbeiten mit Hochdruck wieder auf- fein, da diese Arbeit in anderen gleichartigen Betrieben mit 80 bis die beiden andern leicht verlegt. genommen worden sind und die Zahl der Arbeiter erheblich vermehrt 85 Pf. bezahlt wird. Ihre Forderung wurde jedoch abgelehnt; ist, sollen die Wohnverhältnisse besonders auf der Kanalstrecke in Verhandlungen tamen nicht zustande, weshalb die Arbeits- Lebendig begraben. Von den Vorgängen bei dem Grubenunglüd Mariendorf geradezu entfeßlich sein. So wird angegeben, daß in nieberlegung erfolgte. Am Donnerstag befaßte fich eine start in der Hultschiner Steinkohlengrube werden entsetzliche Einzelheiten einem Hause nicht weniger als 52 polnische Arbeiter zusammen- besuchte Versammlung der gesamten Arbeiter und Arbeiterinnen von den Ueberlebenden gemeldet: Die Geretteten haben furchtbare gepfercht wohnen. Sie hausen dort wie die Tiere in Ställen, in der Firma mit der Angelegenheit. In der Aussprache wurde Stunden 200 Meter tief in giftgeschwängerter Luft eingemauert ver Schuppen und auf den Böden. Ein Bund Stroh dient als Lager, besonders die ständige Lohndrückerei fritifiert, vor der keine Ab- bracht. Sie sahen einen Kameraden nach dem andern sterben und der eigene Rod als Dedbett. In einem Stalle steht ein eiserner teilung sicher fei. Der Bevollmächtigte Wiesenthal vom fonnten nichts zur Rettung tun, denn auch ihnen stand ja das gleiche Ofen, dessen Nohr den Boden durchbricht, der also das Haus und Metallarbeiter- Werband hetonte sodann, die Firma sollte doch schon, Schicksal bevor. Nach 20 stündigen Todesqualen öffnete fich die auch die umliegenden Grundstücke beständig in Feuersgefahr bringt. um ihrer Hauptabnehmerin, der Reichs post, wenigstens einiger Mauer ihres Grabes. Sie wurden dem Leben, dem Lichte zurückAn Schlafgeld müssen die Leute für die Woche 1,50 M. bezahlen. maßen brauchbare Arbeit zu liefern, auch halbwegs anständige Löhne gegeben. Sechs von den Unglücklichen konnten lebend zutage ge Die Verwaltung hat die dringende Pflicht, die bisher ver- zahlen, weil die Postbehörde sonst notwendiger- fördert werden, acht Bergleute waren den giftigen Kohlenoxydgafen nachläffigten Maßnahmen zur Beseitigung dieser menschenunwürdigen weise mit Pfuscharbeiten beglüdt würde. Der zum Opfer gefallen. Die Rettungsmannschaft fand zehn der Ver Bustände sofort zu unternehmen.) metho Firma find nun die Forderungen schriftlich formuliert zugegangen, unglüdten in einem Wintel der abgesperrten Strede tauernd eng auf die bis Sonnabend eine Erklärung gewünscht wird. Außer der aneinander geschmiegt. Als die Retter nahten, brannte nur noch Atfordzulage für Induktoren wird auch gefordert, daß die alten eine Lampe; fünf Bergleute waren vor den Augen ihrer unglüdlichen Attordpreise für die übrigen Arbeiten bis zum 15. März 1907 der Kameraden gestorben, die Ueberlebenden hatten noch so viel Kraft, gewünschten Gültigkeitsdauer der eventuell zu treffenden Ver- mit ihren Kleidungsstücken die ausströmenden Gase nach Möglichkeit einbarungen bestehen bleiben sollen. Ueber Afforddifferenzen abzuwehren. Die Stunden, die die eingeschlossenen Bergleute ber Die christlichen und die katholischen Gewerkschaften soll in Bufunft mit Arbeiterkommissionen aus den einzelnen Werk- lebten, waren fürchterlich. Sie sahen mit an, wie eine Lampe nach bekämpfen sich in einer Art, die alles andere, mur nicht christlich meistereien verhandelt werden. Unter Genehmigung der erwähnten Forde der anderen verlosch, wie ein Stamerad nach dem anderen seinen genannt werden kann. Das Blatt der katholischen Richtung, rungen nahm die Versammlung sodann einstimmig folgende Refolution Geist aushauchte. Die Geretteten erholten sich schnell, wurden aber der in Berlin erscheinende„ Arbeiter", verkehrt mit den christ- an: Die im„ Märkischen Hof“ versammelten Arbeiter und Arbeiterinnen zur Pflege ins Knappschaftslazarett gebracht. Von den Opfern der der Firma C. Lorenz, Telegraphenbauanstalt, erklärer den Streit katastrophe waren vier Familienväter. lichen Gewerkschaftsführern und Blättern nur im wüsteſten ihrer Kollegen der Abteilung Kurz für berechtigt. Sie verflichten fich, Besenstil. So warf das Blatt der ebenfalls katholischen sobald es die Organisation für nötig erachtet, sowohl abteilungs- Ins Massengrab. Die Leichen der in der Preußengrube ber„ Kölnischen Volkszeitung" dieser Tage in einer Auseinander- weise wie in der Gesamtheit zur Unterstützung der Streifenden unglüdten vierzehn Bergleute wurden vergangene Nacht fegung berleumderische se be", empörende tattische als auch zur Abwehr der überhaupt fast täglich brohenden Abzüge geborgen. Die Beerdigung erfolgt morgen in einem Massengrabe. Gewerkschaftliches. Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Ceil. verlauf oder für sein Geschäft gelaufte Waren tritt in vier Jahren ein. 100,00-00,00 m. Futtergerfte*), gute Sorte 16,40-15,10 M., mittel 15,00 Die Berjährungsfrist fängt erst mit Ablauf des Jahres an, in dem bis 13,70 M., geringe 13,60-12,40 M. Hafer*), gute Sorte 16,20-15,50., die Forderung erwachsen ist und wird durch jede Art der Anerkennung mittel 15,40-14,70 M., geringe 14,60-14,00 2. Erbsen, gelbe, zum Kochen Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends R. Studium. Das juristische Studium seßt die Ablegung des Abiturienten- Kartoffeln 10,00-8,00 m. sowie durch Klage unterbrochen. 2. Y. 1. Ja. 2. Nicht mehr. 45,00-30,00. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linsen 60,00-30,00 9. Gen 7 bis 9%, Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Richtstroh 4,82-4,16 M. Heu 9,20-7,10 M. Nirwana. Rein:§ 95 der Gewerbe- Ordnung. egamens voraus. Es ist nicht ersichtlich, nach welcher Richtung hin( mit Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,00 M. Gier per Schod 4,80-3,00 M. 5. R. 10. Die Frage, ob der Ehemann die in dem Prozesse seiner Frau entstandenen Dyne Mitteilung nach dieser Richtung ist eine Erfüllung Ihres Wunsches welchem Ziele) Sie Selbststudium vornehmen, was Sie erlernen wollen.*) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Kosten deren Gegner zu ersehen hat, ist zu verneinen, ist aber streitig. Auf nicht möglich. M. 1000, Unter den Linden. 1. Mein. 2. Ja. Berlangen seiner Frau hat er ihr die Kosten zu ersehen. Ohne besondere W. S. 20. 1. Wie viel Gas eine Gasflamme verbraucht, hängt von Klage fann die Verpflichtung des Ehemannes zur Tragung der dem Gegner einer Reihe von Umständen ab, die in jedem Fall verschiedenartig find( zum erwachsenen Soften nicht ausgesprochen werden. 25 Frike. 1. Der Beispiel Umfang des Rohres, Art und Alter des Strumpfes). Ihr GasEhemann hat für die Schulden seiner Frau nicht aufzukommen. Ob etwa zähler zeigt Ihnen an, wie viel Sie verbrauchen. 2. Keineswegs; beim Urtundenfälschung zuungunsten der Chefrau als vorliegend erachtet werden mieten hatten Sie ja Kenntnis von dem Umstand, dessen Beseitigung Sie fann, läßt sich aus Ihren Angaben nicht ersehen. Gebraucht die jetzt wünschen. Ehefrau ohne Genehmigung des A. S. 1. In offenen Verkaufsstellen muß den Gehülfen Ehemannes den ohne Unterschied des Geschlechts eine Ruhezeit von wenigstens 10 Stunden Namen des Ehemannes ohne weiteren Busak, so set( in Ortschaften mit mehr als 20 000 Einwohnern von 11 Stunden) sowie sie sich der Gefahr strafrechtlicher Verfolgung eine Mittagspause von 12 Stunden gewährt werden. 2. Ja. 3. Ein der wegen Urkundenfälschung aus. 2. Der Abzug entspricht cutiger gefeßlicher Anspruch steht Angestellten nicht zu. 4. Es ist anleider den Vorschriften der Gefinde- Ordnung 23. 9. 82. 1. Auf zuvadzahlung des zu viel Gezabilen fönnen Sie gemellene, auf Amujen vom Gericht feftauſtellende Zeit zu gewähren. bei dem Amtsgericht Solingen flagen. 2. Sie sind schadenersatzpflichtig. 3. Wenden Sie sich mit einem Gesuch um Beitrag zu einem Gebiß an die Berficherungsanstalt. 4. Die Adressen der verschiedenen Vereine finden Sie im zweiten Teil des Adreßkalenders. A. 2. 33. Zurüdholung durch die Polizei fann nur erfolgen, wenn der Antrag innerhalb einer Woche gestellt und der Lehrvertrag schriftlich geschlossen ist. Durch einen mit der Klage zu berbindenden Antrag an das Gericht können Sie diese Folge vermeiden. E. S. 1. Jn 30 Jahren. 2. bis 5. Dhne Kenntnis der Atten des Prozesses find diese Fragen nicht zu beantworten. Ch. A. K. Hatten Sie die Zigarren zum Verbrauch für sich oder zur gastlichen Hingabe an Dritte entnommen, so ist die Forderung verjährt. Haben Sie aber die Bigarren zum Weiterverkauf entnommen, so würde frühestens mit Ablauf des nächsten Jahres Verjährung eintreten fönnen. Berjährung für zum eigenen Verbrauch gekaufte Sachen trift in zwei, solche für zum WeiterFür den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater.comed Freitag, den 10. März. Anfang 72 Uhr: Opernhaus. Carmen. Neues fönigl. Opern Theater. Wie die Alten fungen. # Deutsches. Die Brüder von Sankt Bernhard. Berliner..., so ich Dir! " Leffing. Traumulus. Westen. Die neugierigen Frauen. Zentral. Die Jurheirat. National. Don Juan. Neues. Der Graf von Charolais. Thalia. Der Kilometerfreffer. Anfang 8 Uhr: Schiller 0. Medea. Urania, Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: 5. Als Verkäuferin steht Ihnen ersten zu. Für Krankheitsfälle ist mindestens 6 Wochen Gehalt zu zahlen. Kündigungsfrist zum 6. Vereinbarungen auf 14 Tage Kündigungsfrist sind ungültig für Vertäuferinnen; es tritt die gefeßliche Frist ein. Gültig wäre eine Monatsfrist. 5. Geschäftsbericht für das Wafferstand am 8. März. Elbe bei Auffig+1,31 Meter, bei Dresden 0,14 Meter, bei Magdeburg+1,64 Meter. Unstrut bei Straußfurt+1,55 Meter. Oder bei Ratibor 1,78 Meter, bei Breslau Ober- Pegel+5,16 Meter, bei Breslau Unter Begel- 0,12 Meter, bei Frankfurt+1,83 Meter. Weichsel bei Brahemünde+3,86 Meter. Nete bei Usch 0,00 Meter. art he bei Posen+2,28 Meter. Witterungsübersicht vom 9. März 1905, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Bindstärke Better Temp. n. C. 56.= 4°. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke 3 Haparanda 756 S 3 Petersburg 759 WSW 1 Scilly 5 Regen 2wolfenl 3 wolfen! 3 Aberdeen 4 heiter-1 Paris 4halb bd. 753 S 744 S 761 Better 2Schnee 1Schnee 6 bedeckt 3halb bd. 4 bedeckt Temp. n. C. 5º 6.4°. -15 Swinemde. 760 WSW 2 wolfig Hamburg 758 S Eingegangene Druckfchriften. Berlin 762 SS Arbeitersekretariat Halle a. S. Frankf.a.M. 763 Jahr 1904. Selbstverlag. München 768 S Wien 766 3 Marktpreise von Berlin am 8. März. Nach Ermittelungen des tgl. Polizei- Präsidiums. Wetter- Prognose für Freitag, den 10. März 1905. Für 1 Doppel- Rentner: Weizen**), gute Sorte Mild und zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Regenfällen 17,40-17,39 m., mittel 17,38-17,37 M., Roggen**), gute Sorte 13,70-00,00., mittel 00,00-00,00 M., geringe 17,36-17,35 M. und lebhaften südwestlichen Winden. 0. Wallner- Theater. N. geringe Schiller- Theater ibidem Bernhard Rose- Theater Freitag, abends 8 Uhr: Gebiet Fr Der Simplon und sein Gebiet Sternwarte invalidenstr. 57/62. CASTAN'S ANOPTICUM. PANOP Friedrichstr. 165. Das sensationelle Medea. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Der Geizige. Hierauf: Hexenfang. Sonntag, abends 8 Uhr: Der Leibalte. Thalia- Theater. Friedrich Wilhelmstädtisches Theater. Freitag, abends 8 Uhr: Der Leibalte. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Stomödie in 3 Alten v. Lothar Schmidt. Die Gaftspiel- Vorstellungen Sonnabend, abends 8 Uhr: finden in folgenden Etablissements statt: Der Leibalte. Sonntag, nach m. 3 Uhr: König Lear. Sonntag, abends 8 Uhr: Krieg im Frieden. Belle Alliance- Theater. Dresdenerstr. 72/73. Direttion: Kren& Schönfeld. Belle Alliancestr. 7/8. Täglich abends 7, Uhr: Stürmischer Lacherfolg! Bernhard Rose- Theater. Stadt- Theater Moabit. Fröbels Allerlei- Theater. Etablissement Neue Welt. Schloß Weißensee. Anfang 8 Uhr. Berliner Wetterbureaut. Neues Programm. 765 Neues Programm. SAHARET. Herbert Lloyd, Amerikan. Komiker. Dianda, Dressierte Entree 30 Pf. Numer. Plaz 50 i Affen. Dorothy Clark, Engl. Heute u. folgende Lage abends 8 U: Skala- Theater. Letzte Woche! Uhr: Riesen- Mädchen!!! Der Kilometerfreffer Der beste Tip. Rosa Wedsted, 2 Meter 20 cm hoch, größte lebende Riesin der Welt. allner Theater: Luisen- Theater. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der Leibalte. Kleines. Sanna. Residenz. Hotel Pompadour. Luftspielhaus. Der Familientag. Trianon. Das Abenteuer des Herrn Malezieur. Die Brieftasche. Ein peinlicher Zwischenfall. Deutsch- Amerikanisches. New York. Luisen. Das Stiftungsfest. Belle Alliance. Der beste Tip. Carl Weiß. Die Kinder des Kapitän Grant. Metropol. Die Herren von Magim. Apollo. Das Spezialitäten. Bellchenmädchen. Kafino. Heirat auf Brobe. Abends 8 Uhr: Das Stiftungsfest. Sonnabend: Der neue Stiftsarzt. Sonntag nachm.: Dorf und Stadt. Abends: Registrator auf Reisen. Montag: Götz v. Berlichingen. Apollo- Theater. Täglich: Das Veilchenmädel. Herrnfeld Theater. Die Meyer Mufit von Prof. Josef Hellmesberger, hains. Paſſage Theater. Die 5 Lorriſons. L. Softapellmeiſter. Botten Lasson. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Palast. Wie man Weiber fesselt. Spezialitäten. Uhr: Wintergarten. Spezialitäten. Urania. Zaubenstraße 48/49. Jm Theater abends 8 Der Simplon und sein Gebiet. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Anfang 7 Uhr. Der Graf von Charolais. Sonnabend, Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Josefine Vettori a. G. Willi Bauer a. G. Vorher 8 Uhr: Neue Spezialitäten. Sonntag, 12. März, nachmittags 3 Uhr, ermäßigte Preise: Berliner Luft und Spezialitäten. Metropol- Theater Die Herren von Maxim Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Schultz. Henry Bender. Josef Giampietro. Anton Grünfeld. Fritzi Massary. Montag: Der Graf von Charolais. Kleines Theater Josef Josephi. Frid Frid. Anfang 7 Uhr. Zum erstenmal: Sanna. Sonnabend: Angele. Der Bär. Sonntag: Angele. Abschied vom Regiment. Montag: Sanna. National- Theater Weinbergsweg 19. Freitag, den 10. März 1905: Bum erstenmal: Don Juan. Anfang 7, Uhr. Sonnabend: Undine. Sonntag nachm. 3 Uhr: Troubadour. Abends 7 Uhr: Don Juan. Zentral- Theater Abends 72 Uhr: Die Juxheirat. Operette in 3 Aften von Jul. Bauer. Musik von Franz Lehár. Morgen und folgende Tage: Die Jurheirat. Sonnabend nachm.: Der gestiefelte Kater. Abends: Die Juxheirat. Sonntag nachm.: Die Fledermaus. Abends: Die Juxheirat. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Die Kinder des Kapitän Grant. Anfang 8 Uhr. Morgen und folgende Lage: Die Kinder des Kapitän Grant. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinderborstellung: Aschenbrödel oder: Der silberne Pantoffel. Sonntag nachm. 3 Uhr: Kean oder: Genie und Leidenschaft. Das Fest des Lichts.( Ballett.) Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Sonnabend, den 11. März: Großer Metropol- Theater- Ball. Residenz- Theater, Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Hotel Pompadour. Schwant in 3 Atten v. Anthony Mars u. Leon Xamrof. Deutsch v. M.Schönau. Sonntag nachm. 3 Uhr: Nora. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Kean. Sonntag an. Charleys Tante. Sonnabend, 18. März zum erstenmal: 32 Uhr: Deutsche Konzert- Hallen. An der Spandauer Brücke 3. Täglich: Großes Urbock- Jubelfest. Internationale Künstlerkonzerte. x Theater- Abteilung. Spezial- Ausschank der Berliner Bock- Brauerei. Linienstr. 132( a. d. Friedrichstr.) Sensationelles Programm! Deta Waldau ſowie 20 internat. Spezialitäten. Anfang 72 Uhr. Vor der Vorstellung: Konzert. Palast- Theater Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Vis- a- vis d. Börse, 2 Min. v. Bhf. Börse. Heute große Elite- Vorstellung: Trianon- Theater. Zirkus Schumann. Der Pfarrer von Kirchfeld. Heute und folgende Tage: Das Abenteuer d.Hrn. Malezieux Die Brieftasche. Ein peinlicher Zwischenfall. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachin.: Die glückliche Gilberte. Passage- Theater. Anfg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Anf. nahm.Sonnt.3, Wochentg.511hr. Das beste Programm Berlins The five sisters Lorrison die bekannten Frauenschönheiten. Bokken Lasson die erotische Straßensängerin. Die Picchiani- Truppe. 14 nene Nummern, jede hervorragend. Bum 78. Male: Die größte Prachtausstattungs- Schauspiel mit Gesang in 5 Aften pantomime der Gegenwart: Eine Nordlandsreise. Im Strahle der Mitternachtssonne. Stonger von Anzengruber. Anfang 8 Uhr. Vorher: Konzert. Kleine Preise. Morgen und folgende Tage 9 Uhr: Birla 400 Mitwirkende. 2 Mufitforps. Wie man Borber: Das glänzende Programm und Mr. Ephraim Thompson mit seinen wunderbar dressierten Elefanten, worunter„ Mary", der einzige Elefant der Welt, der einen Saltomortale schlägt. Sonntag 2 Borstellungen. Radm. 32 Uhr( ein Kind frei): Marokko. Gr. Ausstattungspantomime. Abends 7 Uhr: Eine Nordlandsreise. In beiden Vorstell.: Mr. Ephraim Thompsons Wunder- Elefanten- Herde. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Rovität! Täglich: Novität! Lustspielhaus. Die Die Der Familientag. Sonntag mittags 12 Uhr zum erstenmal: Hans im Glück. Deutsch- Amerikanisches A Theater. Köpnickerstr. 67/68, Stat. Jannowitzbr. Gustav Behrens SpezialitätenTheater, FrankfurterAllee 85. Jed. Abd. 8 Uhr: Gastsp. Ad. Philipp. Das großartige März- Programm. Der große Erfolg!! 24 erstklassige Nummern. Zum 109 Male: NEW- YORK Sonntag nachm. 3 Uhr, halbe Preise Ueber'n großen Teich. Kasino- Theater Rothringerstraße 37( Rosenthaler Tor.) Täglich 8 Uhr, Sonnt. 7-8 Konzert. Heirat auf Probe. Vorher das vollst. neue Programmt. Sonntag nachmittags 4 Uhr: Mutter Gräbert.( leine Preise.) 133 Neu! Molly Neu! oder: Die Folgen eines Hintertreppen- Romans. Eigene Werkstätten! Berlin Meyerhains. Sängerin. Stelling u. Revell, Kom. Reckturner. Dr. Angelo, Lebende Porzellanfiguren. Pas de deux, Orientalischer Tanz. 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Bon diesen Dannen genügen 3 bis 4 Pfund zum großen Oberbett. Berpadung frei. Breist. u. Proben gratis. Biele Anerkennungsschr. ( Süd- Ost) Freitag, den 10. März 1905, abends 8 Uhr: Oeffentl. Versammlung im Lokal ,, Urania", Wrangelstraße 10/11. Tages Drdnung: Junkerschuh und Arbeitertruh. Reiterbeter Georg Ledebour. Zahlreichen Besuch erwarten Reichstags- Abgeordneter Diskussion. Die Vertrauensleute. 214/ 3+ „ Berliner Arbeiter Achtung! 6. Wahlkreis. Atung! Radfahrer- Verein". ( M. d. B. ,, Solidarität".) Strafgericht und Polizei. Von Sonntag, den 12. März, nach Schönhauser Vorstadt. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstagswahlkreis. Den Genossen zur Nachricht, daß das Mitglied, der Gastwirt Fritz Klugmann Inselstraße 6 verstorben ist. Die Beerdigung findet heute, Freitag nachmittags 3, Uhr auf bem Zentral- Friedhof in Friedrichs felde statt. 240/8 Um zahlreiche Beteiligung er Der Vorstand. fucht Sozialdemokratischer Wahlverein Reinickendorf. Am 7. März 1905, abends 7 Uhr, verstarb das langjährige Mitglied, der Genossenschaftsbäder Karl Seidel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ant Heinemann. Preis 40 Bf. Bernau. Start: 1 Ühe Prenzlauer Sonntag, den 12. März 1905, abends 6 Uhr, in den Berolina- Sälen, Sonntag, den 12. März, nachm Das Vereins- und Versammlungsrecht und Danzigerstraßen- Ede. Gäste will11/19 in Deutschland haben wir soeben in fommen. zweiter Auflage, durchgesehen und revidiert herausgegeben. Dasselbe Heute Freitag abend 8 Uhr: enthält ausführliche Erläuterungen Fahrwarthung bei Wilke, zum preußischen Vereinsgesez bom Brunnenstr. 188. Das Erscheinen 11. März 1850 und eine Uebersicht sämtlicher Fahrwarte ist Pflicht." des Vereins- und Bersammlungsrechts nach den reichsgefeglichen und landesrechtlichen Borschriften. Das Buch ist mit ausführlichem Sachregister versehen und kostet geb. 233/15] 1,25 Mark. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, Laden. Hüte in allen Preislagen. NB. Sonnabend, den 11. März, feiert der Bruderverein Charlotten: burg seinen Maskenball in den Germaniasälen, Spreestr. 13, und ladet hierzut alle Berliner Genossen ein. Achtung! Achtung! Schönhauser Allee 28: Volks- Versammlung Für Männer und Frauen. 246/ 18* Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Albrecht Fülle:" Soziale Kämpfe". 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertrauensmann. VI. Wahlkreis. 2 Uhr, von der Leichenhalle der Freireligiösen Gemeinde, PappelAllee, aus statt.* Um rege Beteiligung ersucht 222/8 Der Vorstand. Treffpunkt um 12 Uhr bei Brückner am Bahnhof Schönholz. Neue Berliner Genossenschafts- Bäckerei. Todes Anzeige. Am 7. d. m. verstarb unser Bundesgenoffen! Sonntag, 12. März, abends 6 Uhr, im Kolberger Salon, Stolbergerstr. 23: Mitglied, der Bäder Wo Du auch herkommst, Hemme Dein Rad, Und wisse, daß Leo, Schillingstr. 24, Eine Kneipe hat. Es gibt dort Weiß und Bayrisch fehr fein, Drum fehrt oft bei Leo Ostrofsky ein. Mit Frisch auf! Euer Bundesgenosse Leo Ostrofsky. u. Blumen R. Weidner, Hutmacher, Kränze men Dresdenerstr. 100, empfiehlt* an der Prinzenstraße. 2828L F. Jacobitz, Koppenftr. 44. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 87/ 9* Hant- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4.|* Spezial- ranzbinderei. * Fritz Eitner, W., Bayreutherstr. 20. insegnungsAnzüge E in den neuesten Façons in blau und schwarz Kammgarn 2165L Julius und Cheviot. Lindenbaum. Große Frankfurterstr. 141, Ecke Fruchtstraße. Größtes Etablissement des Ostens, Nordostens u. Südostens. Anerkannt reellste u. billigste Bezugsquelle. Versammlung für Frauen und Männer. StL Ann leler Zages: Drdnung: Rezitation des Ful. Anna Hedeler über Fritz Renter. 219/ 10+ Bu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der Vertrauensmann. Nach der Bersammlung: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Karl Seidel. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. März, nachm. 2 Uhr, von der Leichenhalle des Freireligiösen Friedhofs aus statt. 106/2 Der Vorstand. 3131 Freie Vereinigung der Bauarbeiter Verband der Bäcker 8 Berlins und Umgegend. Uhr, Sonntag, den 12. März, vormittags 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstraße 27 c: Deutschlands. ( Mitgliedschaft Berlin.) Todes- Anzeige. Am 7. März verstarb unser Mitglied General- Versammlung. Karl Seidel Tages- Ordnung: 1. Unsere Lohnforderung für das Jahr 1905 und wie gedenken wir dieselbe zur Durchführung zu bringen? 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. 31/3 Verband der Capezierer( Filiale Berlin). Tapezierer! Sonntag, den 12. März, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal): Versammlung. 1090 Tages Drdnung: Berichterstattung über die Sinigungs- Verhandlungen! In Werkstätten, die am Freitag Lohn Zur Beachtung! zahlung haben, darf die Arbeit keinesBau- und Erwerbsgenossenschaft Vorwärts" falls schon am Sonnabend niedergelegt werden, vielmehr ist laut BeAktiva " Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. An Staffa- Konto Bilanz am 31. Dezember 1904. • D . Mr. 486,23| Per Kreditoren " Haus- Konto. " 4750, " Mt. 5236,23 Geschäftsanteil- to. Reservefonds- Konto schluß vom 7. März erst die obige Versammlung abzuwarten. Passiva 177/15 . 3000, " " 2083, 153,23 DIST. 5236,23 Debet Kredit " Abschreibungen " Gewinn( dem Res. " . 324,35 Eintrittsgelder- Sto. Mietsertrag Stonto M. 30,97 14, 9 Fonds zugeschrieben) 149,55 " 02. 502,47 An Untoften- Stonto Gewinn- und Verlust- Konto. Mt. 28,57 Per Zinsen- Konto Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband 457,50 Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. . 502,47 Verwaltungsstelle Berlin. Fernsprecher Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 335. Im Laufe des verflossenen Geschäftsjahres find 16 Genossen neu bei- Sonntag, 12. März, vormittags 10 Uhr, in der Neuen Welt, Hajcuheide 108/114: getreten und 7 ausgeschieden. Der Genossenschaft gehörten am Ende des Jahres 103 Genossen an. 28865 Das Geschäftsguthaben hat sich während des Geschäftsjahres 1904 um mr. 500,- erhöht und die Gesamthaftsumme der Genossen ebenfalls um 2011. 500,- Regtere belief sich am 31. Dezember 1904 auf Mt. 5200,-. Stralau- Berlin, den 9. März 1905. Otto Schroeder. Max Schuldig. Adolf Kadisch. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Bernau. Sämtliche Drechsler von Bernau( 86 Kollegen) befinden sich im Streik. Die Forderungen find: Abschaffung des Dampfgeldes usw., Erhöhung der Akkordlöhne. Wir ersuchen, den Zuzug fernzuhalten. Die Lokalverwaltung. Achtung! Bauarbeiter. Da verschiedene Kleinere Firmen den Tarij noch nicht bewilligt haben, behält die Baukontrollfarte ihre Gültigkeit und ist auf Verlangen vor zuzeigen. Es muß also jeder Jalousiearbeiter, der auf Bauten beschäftigt ist, eine gelbe, gestempelte Karte haben. Die Kommission der Jalousiearbeiter. carbelter. General- Versammlung. im 39. Lebensjahre an Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 12. März, nachmittags 2 Uhr, bon der Leichenhalle des Friedhofes der Freireligiösen Gemeinde, Bappel- Allee 15/17, aus statt. 28745 Der Vorstand. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am Mittwoch, den 8. März, nach kurzem Krankenlager mein lieber Mann, unser guter Vater, der Gelbgießer Julius Raasch am im 56. Lebensjahre verstorben ist. Um stilles Beileid bitten Berta Raasch nebft Rindern. Die Beerdigung findet Sonntag, den 12. März, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Bartholomäus- Kirchhofes bei Faltenberg aus statt. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sollege, der Tischler Gustav Ehricke am Dienstag, den 7. März ver storben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet ant Freitag, den 10. März, nachm. 3 Uhr, bom Trauerhause, Rummelsburg, Türrschmidtstr. 5, nach dem Rummelsburgerkirchhofe, Neue Prinz Albertstraße, aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. 81/13 Zentral- Kranken- u. BegräbnisLages Ordnung: 1. Jahresbericht und Kaſſenbericht sowie Bericht der Revisoren. Kasse der Sattler u. Berufsgen. 2. Neuwahl des ersten Bevollmächtigten, des zweiten Raffierers, zweier Revisoren, zweier Beisiger, der Auszahler der Arbeitslosen- Unterstügung, des Bibliothekars und des Registrators. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Herrenkragen, rein Lein. 4f. Die Ortsverwaltung. 113/2 befte Qualit. Dh. M. 3 u. 3.50. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Manschetten, prima. 4fach D. M. 1,80 und 2,25. Seute Freitag, abends 8, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15: Sitzung der Ortsverwaltung. Serviteurs, größte Auswahl Stück von 30 Pf. an. Krawatten, Handschuhe, Hosenträger, Taschentücher, Strümpfe ic. Detailverkauf zu Engros- Preisen. Ernst Marcuse 23. Münzstrasse 23. Meinen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß ich Buckower: ftrake 4 ein Familien- Restaurant eröffnet habe. Mit Gruß 28382* A. Dalg. Steinarbeiter -Berlin I. Sonntag, den 12. März, vormittags 10 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 172/4 1. Bericht des Gesellenansschuffes über die nenen Verhandlungen mit den Meistern. Wie stellen wir uns dazu? 2. Verschiedenes. Es ist Ehrenpflicht eines jeden organisierten Steinarbeiters, in dieser Bersammlung zu erscheinen. Es wird gebeten, die Liften vom Berg arbeiterstreit zu verrechnen oder auch leer abzuliefern, Der Vorstand. Deutschlands Hoffnung". E. H. Nr. 64 zu Berlin. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 7. März, verstarb unser Mitglied, der Sattler Paul Schreiber. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 12. März, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle bes Luther- Kirchhofes in Lantwik aus ftatt. Um rege Beteiligung ersucht 28756 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters, 28695 Schwieger- und Großvaters Hermann Brausewetter fagen wir unseren tiefgefühlten Dant. Die traueruben Hinterbliebenen. Verantw. Medakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr... terei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 59. 22. Jahrgang. 3. SnllP i>e» Jarmiitls" Kerlim WIKsdlR ireitag, 19. Marz 1995. Justiz und Polizeitateu. Abenteuer in der„Blanken Hölle" lagen einer BelcidigungS- klage zugrunde, die gestern den Lvjährigeii Versichcrungsbeamten Otto Knappe aus Tempelljof und den Schriftsteller Max Ludwig vor die vierte Strafkammer des Landgerichts I führte. Den Vorsitz führt LandgerichtSrat Braun, die Anklage vertritt Staatsanwalt E h r e ck e, die Verteidigung führen die Rechtsanwälte B r a m f o n und Dr. L ö w e n st e i n. Auf Grund der Angaben des Angeklagten K n a p p e veröffentlichte der zweite Angeklagte in der„Welt am Montag" vom 12. September unter der Ueberschrist„Schutz gegen die Polizei" eine längere Darstellung eines recht bösen Abenteuers, ivelcheS den: Knappe am 2ö. August durch die Schöne- berger Polizei bereitet worden ist. Danach habe sich Knappe, dem vom Arzte möglichst häufige Bewegung in der Sonne verordnet worden, gegen 11 Uhr vormittags nach dem in der Nähe seiner Tempelhorer Wohnmig belegenen Feld begeben und sich am Rande der sogenannten„Blanken Hölle" buchlesend hingesetzt. Dies sei ein Teich, der wegen seiner schönen Lage das Ziel vieler Aus- flügler sei. Unten im Teich badeten zwei Schüler und zwei ältere fischten im Wasser. Plötzlich sei der Teich von etwa 20 Männern umringt gewesen, die die vier Leute mit sich nahmen und auch ihn, Knappe, ausforderten, mitzugehen. Trotz seines Protestes hätten die Mämier, die sich nicht als Beamte auswiesen und sich auch nach seinen Personalien gar nicht erkundigt hätten, ihn gezwungen, mit- zugehen. Er sollte mit einer ganzer Schar fragwürdiger Gestalten. die Ivohl aufgegriffen worden waren, in Reih und Glied nach Süd- ende zu marschieren und als er sich etwas seitwärts gehalten, habe er plötzlich einige empfindliche Stockhiebe gegen die Waden erhalten. Er habe in seinem Gefühle voll- kvmmener Unschuld dagegen lebhaft protestiert und sich geweigert, lveiter zu gehen. Da habe er aber von einigen Beamten weitere Stockschläge erhalten und der eine habe ihm die Handschelle so eng umgelegt, dah das Blut in der Hand stockte. Unterwegs ficlbe er allerlei höhnische Bemerkungen über seine„feine Pelle" und eine weiße Weste anhöre» müssen. Einer sagte dabei:„Das ist der erste Schritt zum Staatsverbrecher". In strömendem Regen sei es dann von Südende noch eine kleine Stunde weit auf der Landstraße bis nach Schöneberg gegangen. Der Zug sei ünrner größer und abenteuerlicher geworden. Auf einem Polizeibureau habe dann endlich ein Verhör stattgefunden. Obivohl die Personalien Knappes auf telephonische Anfragen von der Tempelhofer Polizei bestätigt worden seien, habe nian ihn dennoch in eine Zelle g e- sperrt und dort sei er sistiert geblieben, bis die lange Reihe der übrigen Vernehmungen beendet war. Bei seiner Entlassung habe ihm ein Beamter gesagt: Er solle sich hüten, sich wieder in der „Wanken Hölle" sehen zu lasten, er würde sonst wie die anderen ohne Rückficht nach Moabit gebracht werden.— 8ln diefe Mitteilungen knüpfte der Artikel eine das Verhalten der Polizei geißelnde Kritik. Es wurde insbesondere darauf hingewiesen, daß dieses Erlebnis de» Berliner Ausflüglern verlockende Aussichten eröffne; jedem einzelnen könne es passieren, wenn es einem Kriminal- beamtcn passe, wie est» Stück Vieh behandelt zu werden.— Gegen den Inhalt dieses Artikels erließ der Polizeipräsident von Schöneberg, Graf W e st a r p. eine Berichtigung. Dieser gegenüber wurden in einem zweiten Artikel alle Angaben des Knappe durchaus aufrecht erhalten und nochmals die Behauptung aufgestellt, daß„hier ein empörender Uebergriff gegen einen unbescholtenen und friedlichen Bürger" vorliege.— Der Polizeipräsident Graf Westarp hat darauf den Strafantrag gestellt. — Angell. Knappe' bestreitet seine Schuld und behauptet, daß die Darstellung in dem Arsikel durchaus zutreffe.— Angeklagter Ludwig erklärt, daß er es für feine Pflicht gehalten, den fast un- glaublichen Borfall der Oeffcntlichkeit mitzuteilen, da der GewährS- mann als unbescholtener, anständiger Mensch vollen Glauben verdiente. Bei der Zeugenvernehmung bekundete Krimmalkommissar RuckS: Die„Blanke Hölle" fei ein kleines Gewäster zwischen Tempelhof, Mariendorf und Schöneberg. Es werde dort allerlei Unfug gc- trieben, Männer und Frauenzimmer baden häufig dort zusammen und treiben Allotria. Allerlei Gesindel werde dort angetroffen, so baß wiederholt die Abhaltung einer Razzia notwendig erscheint. Bei der hier in Frage stehenden Razzia seten, wie das jedes in al geschieht, alle Personen, die bei dieser Gelegenheit auf dem Felde gefunden wurden, mitgenommen worden. Bei den früheren Razzien habe sich ergeben, daß unter den Mitgenommenen jedesmal nur sehr wemg anständige Personen sich be- fanden, die eine Wohnung hatten. Daß dte„Blanke Hölle" von anständigen Tempelhofer Familien als Ausflugsort benutzt wird, wie der Angeklagte Knappe behauptet, sei ganz ausgeschlossen. Alle die bei der hier fraglichen Razzia mitgenommenen Personen seien Strolche gewesen und an sich sei aar nicht anzunehmen, daß ein anständiger Mensch, der sich dorthin etwa verirrt haben sollte, längere Zeit mtter den, Gesindel dort aufhalte. Knappe sei direkt nach einer Legisimatton gefragt worden, er habe sich geweigert mitzugehen und der Beamte habe ihm deshalb die Kette angelegt und ihn etwa 100 Schritte geführt. Dann habe er ihm die Kette wieder abgenommen. Daß Knappe geschlagen worden sei, hat der Zeuge nicht gesehen, glaubt es aber nicht. Er behauptet, daß Knappe nach seiner Einlieferung aus der Polizei schon nach zehn Minuten lvieder entlassen worden sei.— Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. Löwen st ein erklärt der Zeuge, daß die Razzia durch eine bestimmte Tat nicht veranlaßt worden fei und daß Knappe nur wenig getrennt von den übrigen Personen gesessen habe. � Rechts anwalt L ö w e n st e i n: Sind dem Zeugen die Vorschriften über den Schutz der persönlichen Freiheit bekannt, in welchem genau die Umstände festgelegt sind, unter welchen eine Aufhebung der persönlichen Freiheit statthaft ist?— Zeuge: Ja, das ist mir bekannt.— Auf Befragen des Rechtsanwalts B r a m s o n gibt der Zeuge zu, daß aus der Sieihe des mitgenommenen Gesindels allerlei spötsifche Bemerkungen, wie„WaS hat der für eine anständige Pelle an, wo mag er diese wohl ge- klaut haben?" über den bester gekleideten Knappe gemacht wurden. Die Beamten hätten über diese Bemerkungen nichrmals gelacht. Cr habe den Angeklagten, der sich so Iveigerte. mitzugehen, für einen !.Znhälter gehalten. Daß dieser ein Lesebuch bei sich gehabt, sei mög- l lich.— Beisitzer Landgerichtsrat Gräber: Im allgemeinen pflegen doch Strolche, die aufgegriffen iverden, nicht Nnterhaltungsbücher bei sich zu führen.— Kriminalschutzmann K r e b s k e: Knappe habe sich entschieden geweigert mitzugehen und mit der Presse g e- droht fwas der Angeklagte entschieden bestreitet). Bei der fort- gesetzten Weigerung des Angeklagten habe er diesem die Kette lose umgelegt. Jeder anständige Mensch weiche der„Blanken Hölle" weit aus und deshalb liege der Verdacht von vornherein nahe, daß Leute, die sich dort aufhalten, Strolche sind. Eine ganze Anzahl von Personen mit allerlei schönen Spitz- namen treibe» dort vielfach unsittlichen Unfug. Die Behauptung Knappes, daß er geschlagen worden sei, müsse er bestreiten.— Angeil. Knappe: Dies ist der Beamte, der mich höhnisch gefragt hat, ob ich an den Händen die Krätze habe und der dann weiter fragte, ob es mir besonderen Spaß mache, an der Kette zu gehen. Ich habe ihm geantwortet: ehe ich mitten unter dem Ge- sindel gehe, will ich lieber an der Kette gehen. Borsitzender Landgerichtsrat Braun: Wie kamen Sie nnn dazu, gleich zur„W. a. M." zu rennen und dort Ihre Beschwerde anzubringen? Den Redakteur der „W. a. M." halten Sie als» für den kompetenten Mann, um Ihnen widerfahrenes Unrecht zu sühnen? Das geschah doch bloß, nm Klatsch und Reklame zu machen?— Angekl. Knappe: Ich hätte ja geklagt, wenn meine Eltern Geld hätten. So aber wollte ich wenigstens öffentlich zur Warnung bekannt machen, wie man von der Polizei behandelt wird.— Vorsitzender: Man wird oft schlecht behandelt, wenn nian selbst sich nicht geschickt be- nimmt.— Der Angeklagte Knappe hält alle seine Behauptungen aufrecht.— Der Kriminalschutzmann Krebste bestreitet nochmals, daß Knappe geschlagen worden sei und wiederholt die Schilderung der übrigen Beamten dahin, daß die„Blanken Hölle" der Sammel- Punkt für allerlei Gesindel sei.— Kriminalschutzniann L o Iv s ch i n S k i schließt sich der Darstellung seiner Kollegen an und bestreitet die Behauptung Knappe«, daß er erst nach einer halben Stunde aus dem Polizeirevier entlasten worden sei.— Verteidiger Rechtsanwalt Dr. B r a m s o it: Der als Entlastungszeuge geladene Schlosser Mietzelfeld wird bestätigen, daß Knappe eine halbe Stunde mit ihm zusammen in die Zelle gesperrt worden ist.— Vorsitzender Land- gerichtsrat Braun: Na, Herr Mietzelfeld hat natürlich ein Interesse daran, die Zeit möglichst lange anzugeben.— Rechtsanwalt Dr. L ö w e n st e i n: Und die Herren Beamten haben umgekehrt ein lebhaftes Interesse daran, die Zeit möglichst kurz darzustellen!— Der alsdann vernommene Zeuge Schlosser Mietzelfeld, ein keineswegs zum„Gesindel" zu zählender Mann, bekundet: Er sei in- folge eines Unfalls arbeitslos gewesen und an dem qu. Tage in der Gegend der„Blanken Hölle' spazieren gegangen. Plötzlich sei dort eine Anzahl von Polizeibeamten auf der Bildfläche erschienen und habe alle mitgenommen, die dort vorgefunden wurden. Er selbst sei auch mitgenommen und. obgleich ihm' dies höchst unangenehm ge- Wesen, sei er doch wohl oder übel ruhig mitgegangen. Auf weiteres Beftagen bekundet der Zeuge, daß er auf dem Transport vor Knappe gegangen sei und plötzlich eine Bclvegung hinter sich gehört habe. Er habe die Ueberzeugung— die er aber durch besondere Umstände nicht stützen kann— daß Knappe geschlagen worden sei, doch habe er nichts gesehen.— Zeugin Frau Kellner. eine Hauögenosfin der Familie Knappe, hat den Angeklagten Knappe gesprochen, als dieser von der Polizei zurückkehrte. Der junge Mann, der eine gastrisch-nervöse Krankheit durchgemacht hatte und von seinem Arzt angewiesen war, recht viel in der Sonne zu lagern, hat der Zeugin sein Abenteuer genau so erzählt, wie e? später in der Zeitung stand. Knappe war über die ihm widerfahrene Behand- lung ganz erschüttert. Er erzählte, daß man ihn gefesselt habe, so daß daS Blut im Handgelenk stockte, und zeigte seinen Arm, an dem deutliche Spuren der Fesselung zu sehen waren. Er erzählte weiter. daß ihn die Beamten wegen der weißen Weste, die er getragen, verhöhnt und unter anderem gesagt hätten:„DaS ist der erste Schritt zum Staatsverbrecherl" Da die Zeugin erwähnt, daß Knappe ihr beide Arme gezeigt habe, und dagegen feststeht, daß er überhaupt nur an einem Anne gefesselt war, hält ihm der Vor« fitzende vor, daß dieser Umstand schon zeige, was er für ein verlogener Mensch sei. Auf Befragen des Rechtsanwalts Dr. L v w e n st e i n, daS der Vorsitzende nicht Wetter zulassen will, da seine eigenen Fragen völlig korrekt gewesen seien— wogegen der Verteidiger event. Gerichts- beschluß beantragt—, gibt die Zeugin die Möglichkeit zu, daß der Angeklagte vielleicht beide Hände erhoben und mit der einen auf die blutigen Striemen am anderen Arm gezeigt habe. Auf weiteres Beftagen des Verteidigers erklärt die Zeugin: Sie habe nie gehört, daß die„Blanke Hölle" der Schlupfwinkel von Verbrechern und Gesindel sei. Sie selbst, wie auch andere an- ständige Leute seien dort oft spazieren gegangen.— Dasselbe bekundet Frau Knappe, die Mutter des Angeklagten, die iin übrigen auch bestätigt, daß ihr Sohn die Vorgänge genau so geschildert, wie eS später in der Zeitung gestanden habe. Richsig sei es, daß ihrem Sohne vom Arzte dringend geraten worden sei, sich recht viel in der Sonne zu lagern.— Damit ist die Beweis- aufnähme erschöpft. Staatsanivalt E h r e ck e hält ftir erwiesen, daß Knappe dem Angeklagten Ludwig bewußt unwahre Angaben gemacht habe. Die behaupteten Pflichtwidrigkeiten und Amts- Überschreitungen der Polizeibeamten seien nicht vorgekommen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Knappe 1S0 M. Geldstrafe event. 60 Tage Gefängnis, gegen Ludwig»00 M. Geld- strafe event. 100 Tage Gefängnis,' außerdem Publikationsbefugnis für den Polizeipräsidenten von Schömberg tc.— Rechtsanwalt Dr. B r a m s o n beantragte für Knappe die Einstellung des Ver- fahrcnS. da sich der Strafantrag mit dem EröffmiiigSbeschluß nicht decke, eventuell aber die Freisprechung des Knappe. Dessen Bc- hanptungen seien im wesentlichen als wahr erwiesen.— Rechts- anwalt Dr. Löwenstein: Der Wahrheitsbeweis ist in einem solchen Rtoße geführt, daß man billig staunen muß, wie der Staats- anivalt nach dieser Verhandlung die Anklage noch aufrecht erhalten kann. AuS tatsächlichen und rechtlichen Gründen ist die Freisprechung des Angeklagten Ludwig geboten. Das Urteil. Räch etwa zweistündiger Beratung des Gerichtshofes verkündete der Vorsitzende Landgerichtsrat Braun folgendes Urteil: Die An- sichten, welche hier geäußert worden sind, gegenüber der Polizei, kann der Gerichtshof in keinerlei Weise teilen. Die Polizei ist berechtigt, RazziaS vorzunehmen, Leute zu verhaften und dem Richter zu überliefern; daß dabei Verfehlungen einzelner Beamten vorkommen, ist begreiflich. Aber die gegenwarsige Sache war nicht geeignet ein solches Aufhebens zu machen. Der An- geklagte Knappe hat zweifellos arg übertrieben. Es kommt ihm jedoch zugute, daß ihm allerdings übel mitgespielt worden ist. Der Angeklagte Knappe hat Herrn Ludwig mitgeteilt, er sei von den Polizeibcamten mit dem Stock geschlagen worden. DicS ist eine nicht erweislich wahre Tatsache. Allein der Gerichtshof ist der An- ficht, der Angeklagte befand sich in einer derartigen Erregung, daß er eS schließlich telbst geglaubt hat. ES wurde ferner behauptet: der Angeklagte sei widerrechtlich gefesselt worden. Die Polizei- beamten sino anderer Meinung. Wenn seitens der Beamten eine Aufforderung ergeht, ihnen zu folgen und sich der Betreffende weigert, so muß er es sich eben gefallen lassen, gefesselt zu werden. Wenn er diesen Widerstand fortsetzt, dann wird die Fesselung beibehalten und verstärkt. Endlich sind die Beamten der Freiheitsberaubung beschuldigt worden. Dieser Vorwurf wäre berechsigt, wenn man den Angeklagten in die Zelle gesperrt hätte, obwohl schon seine Personalien festgestellt waren. Dies war aber nicht der Fall. Der Angeklagte Knappe hat sich auch sagen müssen: Wo Holz gehauen wird, da fallen auch Späne. Und wenn der Angeklagte sich sormgerecht bei dem Polizeipräsidenten beschlvert hätte, dann würde er vielleicht Recht bekommen haben. Der Angeklagte Knappe müßte daher verurteilt werden. Allein seine Angriffe richteten sich nicht gegen die hier vernommenen Polizeibeamten, sondern gegen die Polizeibeamten in ihrer Gesamtheit, die an der Razzia teilgenommen hatten. Der Sttafantrag deckt sich daher nicht mit der vorliegenden Beleidigung. Der Angeklagte Ludwig hat wohl die Erzählungen des Knappe für wahr gehalten, hat sie aber zu einem heftigen Angriff auf die Polizei benutzt. Hierin liegt zweifellos eine Beleidigung. Der Schutz oes§ 183 Str.-G.-B. steht dem Angeklagten keineswegs zu. Die Presse hat nicht mehr Recht, öffentliche Mißstände zu rügen, als jede Privatperson. Der Schutz des§ 183 steht dem„Preßman" nur zu, wenn er persönlich verletzt ist; dies ist eine alte ReichSgerichtsentscheidung. Allein gegen Ludwig hätte der Herr Minister des Innern Strafantrag stellen müssen. Da aber ein solcher nicht vorliegt, so hat der Gerichtshof beide An- geklagten • freigesprochen und die Kosten des Verfahrens der Staatskasse auferlegt. Ich be- merke jedoch ausdrücklich, daß die Angeklagten damit n i ch t R e ch t bekommen haben. ES ist lediglich deshalb auf Freisprechung erkannt, weil die erforderlichen Sttafanträge fehlen und außerdem dem An- geklagten Knappe die große Erregung zugute kommt. Ich ersuche also, sollte die Sache überhaupt in die Presse kommen, dies der Oeffentlichkeit in der von mir vorgetragenen Weife mitzu- teilen." » Das Benehmen des LandgenchtSratS Dr. Braun in dieser skandalösen Polizeisache wird gewiß von der Bevölkerung mit der entsprechenden Nutzanwendung aufgenommen werden. Diese kann selbstverständlich gar keine andere sein als die, daß einzig der Presse in derartigen Fällen Verttanen entgegengebracht wird, weil nur die Oeffentlichkeit gebührenden Schutz bietet. Wir stehen gar nicht an, zu erklären, daß die Polizeizustände sich seit emem Jahrzehnt gebessert haben und Mißhandlungen gesitteter Staats- bürgcr, ivie sie besonders der berühmte Beleidigungsprozeß gegen unseren Genossen Stadthagen 1898 in grauenhafter Fülle ans Licht gefördert hat, heute zu den Seltenheiten gehören. Daß diese Besserung eingetreten ist, hat die Bevölkerung aber zum wesentlichen der unabhängigen Presse zu danken, die unbeirrt durch drohende Gefängnisstrafen immer und immer wieder die beschämenden Polizei« skandale erörtert hat. DaS möge auch der Landgerichtsdirettor Dr. Braun sich merken, wenn er wieder einmal dem Publikum>«te Lehren geben will. Huö der Frauenbewegung. Rixdorf. Am 1. März fand im Lokal dcS Herrn Thiel, Berg- straße 151-152, eine gut besuchte Monatsversammlung des Vereins gewerblich tätiger Frauen und Mädchen von Rixdorf statt. Genosse Dr. Silber stein sprach über:„Das Kind im ersten Lebensjahr". Der Referent erledigte sich seines Vortrages in so aufklärender Weise, daß eine Diskussion hierzu nicht beliebt wurde. Köpenick. Am 22. Februar fand im Lokal von Helling die Mit- gltederversaminlung des Frauen- und Mädchen- Bildungsvereins statt, in welcher Genossin Frau T i e tz einen mit großem Beifall auf- genommenen Vortrag über:„Wirtschaftliche und politische Schwierig- ketten in der Arbetterinnenbewcgung" hielt. In der Diskussion sprachen mehrere Genossinnen. Ferner ließen sich zirka 15 neue Mitglieder ausnehmen. AdlerShof. Der Verein für Frauen und Mädchen in Adlershof hält am Montag, den 13. März, abends 8% Uhr, seine regelmäßige Vercinsversammlung ab. In derselben hält Herr Emil Eichler einen Vortrag über:„Der Dorfschulmeister". Siingerinnenausbildung, Die Sänger- und Humoristengesellschaft Höcker in Dresden „bildet" junge Mädchen zu Sängerinnen aus. Das heißt, die jungen Mädchen müssen in artistischen Vorstellungen mitwirlen und be- kommen dafür neun Mark Monatsgehalt. Weil auch das der Gesell- schaft noch zu teuer ist, nimmt der Impresario Höcker für sich und die jungen Mädchen ein gemeinschaftliches Schlafzimmer im Hotel. Eines der jungen Mädchen wollte sich diese sittliche Sparsamkeit nicht gefallen lassen und verlangte die Entlassung. Da kam eS aber bei der Herrschaft schön an. Frau Hacker sperrte das Mädchen einfach ein. Wegen Freiheitsberaubung wurde darauf Frau Höcker zu 8 Tagen Gefängnis verurteilt. f*2it*t2fi«t m bellen und Braten sehr ernpfehienswert 0pro PfdPf 23 �' ,m Anschnitt£§ Pf. Srope Schellfische Pfd. 20-21 �' ,m Anschnitt£8 PJ- Alle Fischarten sind infolge großer Fänge soeben In jfroßen Uenzen eingetroffen. Die mannigfachen Zubereitungen sind aus dem umfangreichen Seefisch- Kochbuch, das jeder Käufer gratis erhält, ersichtlich. Ein Versuch mit diesen luBerst schmackhatten Fischen ist jeder Haasfran»u empkehlen. Deutsche Daffipffischerei-Gesellschaft„Nordsee" Filiale: Berlin C. 2, Bahnhol Börse, Lope» 8—10. 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