Mr. 68. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 R., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Bost- Beitungs. Breisliste. Unter Streuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erichbeint täglich außer Montags. lement tai 22. Jahrg. Vorwärts Berliner Dolksblatt. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder beren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pig. ,, Kleine Anzeigen", bas erste( fettgebrudte) Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müffen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. werden. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Gleiche Wehrpflicht. " Dienstag, den 21. März 1905. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. " Die Flucht der Russen. ablegen, bei dem die Anforderungen für die Reife zur Ober- sich schon vor ihrer Dienstzeit den nötigen Pferdeverstand" sekunda eines Gymnasiums usw. zu erfüllen sind. Es liegt erworben hätten; im Gegenteil spielt gerade bei ihnen oft die Die beiden von der sozialdemokratischen Reichstags. auf der Hand, daß diese private Vorbereitung auf das Examen Mode, um nicht zu sagen die Reklame eine ganz besonders Fraktion zur zweiten Beratung des Entwurfs eines Gesetzes in der Regel nicht minder kostspielig ist als der Besuch einer große Rolle. Wenn man die Dienstzeit des Kavalleristen auf über Aenderung der Wehrpflicht eingebrachten Anträge haben höheren Schule selbst. Nur Künstler, Schauspieler usw. von zwei Jahre herabfekt, natürlich auch für die nicht mit dem die gemeinsame Tendenz, die gesetzlich bestehende allgemeine hervorragender Leistung auf Grund amtlich beglaubigter Berechtigungsschein ausgerüsteten Freiwilligen, dann darf man Wehrpflicht nunmehr auch zu einer gleichen Wehr- Beugnisse können vom Nachweise der wissenschaftlichen Be- mit Sicherheit auf einen erheblichen Budrang reitkundiger freipflicht zu machen. Der eine will mit einer ungerecht fahigung entbunden werden, was verhältnismäßig sehr selten williger Refruten rechnen, deren Ausbildung in zwei Jahren fertigten Belastung gewisser Kategorien von Dienstpflichtigen, geschieht. um so leichter zu vollenden wäre, je einfacher man die Equider andere mit einer ungerechten Bevorzugung der wohl- Es ist nach alledem- auch ganz abgesehen davon, daß pierung und je weniger parademäßig man den Dienstbetrieb habenden Schichten der Bevölkerung aufräumen. Deshalb soll eigene Bekleidung, Ausrüstung und Verpflegung gefordert einrichten würde. einmal die bisherige drei jährige Dienstpflicht der berittenen wird unleugbar, daß, wie gesagt, nur ein genügender Besit Nicht mit Unrecht hat man das Einjährigenprivileg als Truppen hinfort auf nur zwei Jahre beschränkt, und andermal Anwartschaft auf das Einjährigenprivileg gewährt. Diefer ein Privileg des spezifisch städtischen Besizes hingestellt; die Einrichtung des Einjährigen jahres ganz aufgehoben genügt aber auch dazu. Denn abgesehen von einigen Fällen die Landbevölkerung auch in ihren wohlhabenden Schichten vollkommen hoffnungsloser Vertrottelung, gelingt es jedem fönne, sagt man, davon weniger Gebrauch machen, weil sie Es versteht sich von selbst, daß diese beiden Anträge keine Sprößling wohlhabender Eltern, sich das Einjährige" auf ihrem Nachwuchs nur unter erschwerten Umständen die nötige Abweichung von unserer prinzipiellen Haltung in der Wehr deutschen Schulen zu erfizen; schlimmstenfalls begibt er sich in Schulausbildung angedeihen lassen könne. Wir geben das frage find, die durch folgende Worte im dritten Absatz der die Kur irgend einer Presse", in der er auf die Prüfungs- rundweg zu und freuen uns, der Landbevölkerung einen neuen Forderungen unferes Programms feftgelegt ist: Erziehung gewohnheiten bestimmter Examinatoren nach allen Regeln der Beweis dafür liefern zu fönnen, daß wir keineswegs ihre zur allgemeinen Wehrhaftigkeit. Boltswehr an Stelle der Kunst abgerichtet wird. Von allen verständigen Schulmännern intereffen vernachlässigen. Aber mit unserem zweiten Antrage stehenden Heere". Sie gehören vielmehr zu jenen Vorschlägen, wird das Berechtigungswesen geradezu als ein Uebel helfen wir ihr noch mehr. Da die Mehrzahl der ausgehobenen durch die sich die Sozialdemokratie um die Verbesserung be empfunden; auf den Gymnasien und den ihnen gleichgestellten Reiter vom Lande stammt, so wird die erhebliche Ver. stehender Zustände müht. Anstalten gehören diejenigen Schüler, die lediglich das Ein- fürzung des Reiterdienstes gerade der Landbevölkerung zugute Der zweite unserer Anträge Abschaffung des Ein- jährige zu erhaschen trachten, zu den schwierigsten Elementen, Femmen. Alle diejenigen, die nicht müde werden, über die jährigenprivilegs ist bereits in der Budgetkommission des bilden oft geradezu ein Bleigewicht, das auf Kosten der Aus. Leutenot auf dem Lande zu flagen, hoffen wir deshalb bei der Reichstages besprochen worden und hat dort zu sehr bemerkens bildung Weiterstrebender mühsam von Klasse zu lasse weiter. Abstimmung auf unserer Seite zu finden. werten Auslaffungen der bürgerlichen Abgeordneten und der geschleppt und endlich mit einem Seufzer der Erleichterung ab. Heeresverwaltung geführt. Wurde er schließlich auch mit geschoben wird. Mit einer jämmerlichen Halb- und Viertelsgroßer Mehrheit abgelehnt nur der Abg. Liebermann von bildung ziehen diese jungen Leute dann ins Leben hinaus, zu Sonnenberg stimmte ihm bedingt, der Demokrat Storz un- anspruchsvoll zu redlicher Handarbeit und zu wenig vorgebildet Petersburg, 20. März. General Binewitsch meldet bedingt zufo bestritt doch kein einziger seiner Gegner feine au produktivem geistigen Treiben. Die beklagenswerte Ver prinzipielle Berechtigung, nur fand man die Frage noch nicht flachung und geistige Versandung weiter Schichten der deutschen dem Kaiser von gestern abends 9 Uhr: Nach dem Bericht des spruchreif". Merkwürdig, wie lange die Brivilegien der Bourgeoisie geht nicht zum geringsten aufs Konto des Berech kämpfe statt. Berichte von der ersten und dritten Armee herrschenden Klassen brauchen, bis ihre Abschaffung„ spruchtigungswesens. Ein wenig, aber auch nur ein wenig besser ist reif" wird. Seit ihrem Bestehen ist die Sozialdemokratie im es mit denen bestellt, die eine Schule zweiter Ordnung mit find nicht eingegangen. Ich habe die aus Rußland einKampfe gegen den Militarismus nicht müde geworden, feine abgeschlossenem Schulplan zur Erreichung des Einjährigen getroffenen Truppen inspiziert; Haltung ist aus. Elaffenden Schäden aufzuzeigen, und dennoch flagt man über zeugnisses durchgemacht haben: auch bei ihnen ist zumeist der gezeichnet, die Gesundheitsverhältnisse sind gut. Ruroti faft zu. Die Plöglichkeit", mit der wir unsere Reformvorschläge ein- Schein" das eigentliche Strebensziel, während die jolide bringen! Fundierung einer umfassenden Bildung völlig vernachlässigt London, 20. März. Die Besetzung von Zieling, Das Privilegium des einjährigen Dienstes ist ohne fede wird. der von Natur stärksten Position längs der ganzen Frage ein Privilegium des Besites. Im Jahre 1813, in Es kann daher keine Rede davon sein, daß die Aufhebung Eisenbahn, die fast ohne Kampf erfolgte, hat die Japaner mit der Not des Befreiungstrieges geschaffen, sollte es die bisher des Einjährigenprivilegs etwa den Bildungsbestrebungen in großem Selbstgefühl erfüllt. Sie erholen sich rasch von den von der militärischen Dienstpflicht befreiten und( oder weil) der Nation Abbruch tun könnte: im Gegenteil werden da. Berlusten, die die Schlacht von Mutden für fie gehabt hat, wohlhabenden Schichten der Bevölkerung mit dem Gedanken durch erst die Borbedingungen zu einer nationalen Berbesserung während der russische Rückzug von Zag zu Zag der allgemeinen Wehrpflicht ausföhnen. Die beiden von der Allgemeinbildung geschaffen. Die wirklich Unbefähigten de moralisierter erscheint. Suroti ist an der Scharnhorst angeregten Menderungen der bisherigen Wehr- tönnen sich, wenn sie sich nicht mehr den Einjährigenschein unter pihe der verfolgenden japanischen Truppen. verfaffung( vom 3. und 9. Februar 1813) betrafen die Er. allen Umständen kraft Familienbeschlusses holen müssen. Die Verfolgung nach der zehntägigen ununterbrochenen richtung von Detachements freiwilliger Jäger" und die Auf- beigeiten einer erfprießlicheren Tätigkeit zuwenden; die Be Schlacht von Mutden dauert jest neun Zage an und hebung der bisherigen Eremtion( Ausnahme) von der Kantons. fähigten haben das schöne Bewußtsein, daß sie nicht nur um erstreckt sich über ein Gebiet von mehr als achtzig pflichtigkeit für die Dauer des Strieges". Alle siebzehn- bis eines äußeren Vorteils willen ihren Geist fultivieren, und Meilen Länge, wobei es häufig zu Gefechten vierundzwanzigjährigen jungen Männer aus denjenigen werden außerdem in ihrem Streben nicht mehr durch die schäd- tommt. Täglich wird weiter eine Anzahl von Klassen der Staatsbürger, welche bisher vom Dienste befreit liche Maffe der Untauglichen aufgehalten. Russen gefangen genommen. und wohlhabend genug sind, um sich selbst bekleiden und be- Auch der militärische Dienstbetrieb hat von ritten machen zu können", durften sich als Freiwillige melden der Abschaffung des Einjährigenprivilegs mur Vorteile. Jeder Zofio, 19. März. Die Russen, die sich durch geund ihren Truppenteil wählen; sie sollten nicht zum inneren Sachkenner wird zugestehen, daß die Einjährigen heute bei der birgiges Gelände aus dem Gebiete von Sfinting zurückgezogen Dienst in Garnisonen und zum Wachtdienst herangezogen Truppe ein stören des Element sind. Zu einem anderen haben, sind in erbarmenswerter age. Sie haben werden, sondern nur den Dienst der leichten Truppen leisten. Termin als die übrigen Mannschaften eingestellt, komplizieren teine Vorräte und schlachten daher Pferde. Sie sind Die Scharnhorstschen Reformen wurden von dem reaktionären fie den Ausbildungsdienst in einer oftmals verhängnisvollen von den Japanern nahezu eingeschlossen. Friedrich Wilhelm III. sofort nach Beendigung des Krieges Weise. Und einmal in die Kompagnie, Batterie oder Eskadron Tokio, 20. März.( Amtliche Meldung.) Marschall durch Kabinettsorder vom 27. Mai 1814 wieder aufgehoben, einrangiert, machen jie täglich Abweichungen vom normalen Dyama berichtet, daß eine japanische Abteilung am gestrigen feierten aber dank den energischen Bemühungen Boyens in Dienstplan notwendig. Ihre beständige Bevorzugung fällt Tage 4 Uhr nachmittags Sayuman, 20 Meilen nörd. dem Gesetze über die Verpflichtung zum Kriegsdienst vom auch dem geduldigsten Rekruten schließlich auf die Nerven. It ch von Zieling, befeht hat. Der Feind versuchte 3. September 1814 ihre Auferstehung mit dem Grundfake Auf der anderen Seite paart sich mit dieser Bevorzugung später einen Gegenangriff, wurde aber zurüdgeschlagen. aber auch zugleich die Ausnahme! Der§ 1 des Gesetzes be- häufig eine an Beleidigung grenzende Mißachtung durch Der Feind brannte die Brücken auf der Hauptstraße füdlich stimmte: Jeder Gingeborene, sobald er das zwanzigste Jahr Offiziere und Unteroffiziere. Natürlich wieder die Ein- von Rayuan ab und zerstörte auch einen Teil der Eisenbahnvollendet hat, ist zur Verteidigung des Baterlandes ver- jährigen!" das ist ein Ruf, der auf jedem Ererzierplatz oder brüde. In der Nähe von Mutben wurde eine pflichtet"; im§ 6 hieß es weiter, daß die Mannschaft des Schießstand drohend und spöttiſch täglich ertönt. Eine un- große Anzahl bergrabener russischer Geschüße stehenden' Seeres die drei ersten Jahre sich durchgängig gerechte Bevorzugung trägt eben die Keime der Berrüttung in gefunden. bei ihren Fahnen befinden foll". Aber dann tommt sofort alle Verhältnisse hinein. Dazu kommt noch, daß der in vielen der Privilegienparagraph 7: Junge Leute aus den gebildeten Regimentern von den Einjährigen oftentativ betriebene Petersburg, 19. März. Ein Telegramm des Generals Ständen, die sich selbst fleiden und bewaffnen können, sollen lich noch in der Budgetkommission vom Abg. Beumer mit Recht inewitsch vom 18. d. M. meldet: Japanische Batterien die Erlaubnis bekommen, sich in die Jäger- und Schüßenforps beklagte Lurus und die nicht minder stark verbreitete Be- beschossen gestern die ruffischen Truppen. aufnehmen zu lassen. Nach einer ein jährigen Dienstzeit ftechung von Vorgesetzten durch Freiwillige eine oftmals direkt abteilungen in den Tälern bei Tabanpun können sie zur Fortsetzung ihres Berufes auf ihr Verlangen verwüstende Wirkung in einzelnen Truppenteilen ausüben. und Yanpun. Der Feind wurde bei Saotaitse be beurlaubt werden. Nach den abgelaufenen drei Dienstjahren Gegen unseren Antrag hat man eingewendet, daß das merkt. Die Stadt Takumin wurde von japanischer treten sie in die Landwehr des ersten Aufgebots, wo sie nach Privilegium deshalb nicht so bedeutend sei, weil eigentlich Stavallerie besett. Die Armeen fahren fort sich zu Maßgabe ihrer Fähigkeiten und Verhältnisse die ersten An- nur für die Freiwilligen die Wehrpflicht allgemein sei: von konzentrieren. sprüche auf die Offiziersstellen haben sollen." Aus dieser Vor- den übrigen Mannschaften würden dagegen nur so viel Doch wohl nur nach rückwärts! schrift ist die heutige Form der Privilegierung hervorgegangen, Refruten ausgehoben, wie das Jahreskontingent erfordert, Japanische Anleihe. die wir im§ 11 des Gesetzes betreffend die Verpflichtung zum während darüber hinaus die Militärtauglichen mit einer hohen London, 20. März. Die Fremden in Japan haben Kriegsdienste vom 9. November 1867 finden:" Junge Leute Losnummer befreit blieben. Das ist kein ernsthafter Gegen- 50 Millionen Yen der vierten japanischen inneren Anleihe gevon Bildung, welche sich während ihrer Dienstzeit selbst be grund; diese Benachteiligung der Privilegierten" würde zeichnet; es ist eine fünfmalige Ueberzeichnung kleiden, ausrüften und verpflegen, und welche die gewonnenen übrigens in demselben Augenblick verschwinden, wo man mit dieser Anleihe zu erwarten. Kenntnisse in dem vorschriftsmäßigen Umfange dargelegt der allgemeinen Wehrhaftmachung des Volkes begönne. Bu dem zweiten sozialdemokratischen Antrage haben, werden schon nach einer ein jährigen Dienstzeit Kuropatkin Unterkommandierender? Petersburg, 20. März.( W. T. B.) Von maßim stehenden Heere vom Tage des Dienſteintrittes an ge- fchaffung der dreijährigen, für die nicht zum Einjährigen bezur Reserve beurlaubt. Sie können nach Maßgabe rechtigten Freiwilligen gar vierjährigen Dienstzeit bei den geben der Seite wird gemeldet, daß Kuropatkin zum Führer ihrer Fähigkeiten und Leistungen zu Offiziersstellen der berittenen Truppen ist nur wenig zu sagen. Die Militär- der ersten Armee ernannt worden sei. Reserve und Landwehr vorgeschlagen werden. Die Vor- verwaltung hält nur aus technischen Gründen an ihr fest, da schriften über den Umfang und die Art der zur Erlangung des fie behauptet, ein des Reitens Unfundiger könne nicht in einer Privilegs notwendigen Kenntnisse, das sogenannte Berech fürzeren Beit zu einem brauchbaren Ravalleristen( oder tigungswesen, haben von 1814 bis heute mannigfach gewechselt; reitenden Artilleristen) ausgebildet werden. Umso merkwür. immer aber ist die Bedingung erhalten geblieben, daß der diger ist nur, daß auch bei dieser Waffe die Besitzenden längere oder fürzere Besuch einer höheren Lehranstalt nach den Dienst in einem Jahre zu erlernen vergewicfen werden mußte; ausnahmsweise privatim vorgebildete mögen! Es hieße geradezu Unsinniges behaupten, wenn Bewerber müssen vor einer besonderen Kommission ein Eramen I man sagen wollte, daß die Mehrzahl der Kavallerie- Einjährigen rechnet neuAbVerzweifelte Lage der Ruffen. Kosaken gegen die Inden. Megeleien nach der Art von Kischinew, Homel, Mohilew scheinen wieder vorbereitet zu werden. Ein offizielles Telegramm meldet: Boriffow, 20. März. Von hier sind drei Eskadrons Dragoner nach den Flecken Beresino, im Kreise Igumen, und Kaidanowo, im Kreise Minst, abgegangen. Wie es heißt, find in Berefino Mit der jüdische» Bevölkerung Unruhen hervorgerufen, Lei denen der Polizeikommissar und ein Landpolizist erschlagen worden sind. Im übrigen liegen heute nur dürstige offizielle Telegramme über die Bewegung in Rußland vor: Petersburg, 19. März. Der„Nowoje Wremja" wird aus Baku unterm 18. März gedrahtet: Die jüngsten Unruhen sind zweifellos daS Werk der armenischen Revolutionskomitees. In dem statistischen Bureau des Stadtanits wurde die Bibliothek des örtlichen Komitees aufgefunden; daselbst find auch zehn Personen verhaftet worden. Unter den hier Verhafteten befinden sich 39„Anarchisten". Es steht fest, daß die scheußlichen MassakreS der Nationalitäten im Kaukasus durch den Zarismus angestiftet worden find. *.* Njeshin, 20. März. Eine israelitische Familie ist hier in brutaler Weise ermordet worden; es liegen schwere Indizien gegen vier Soldaten der hier garnisonierendcn Batterie vor. Tschita, 20. März. Ein Telegramm des Chefs der TranSbaikal- bahn an die Gendarmen befiehlt Maßnahmen zur Sicherung der von der Telegraphie benutzten Räumlichkeiten zu ergreifen; ferner das Engagieren von Agenten und anderen Beamten zur Bedienung des Telegraphen. Es geht das Gerücht, daß der Ausstand der Eisenbahn- telegraphisten, die Gehaltserhöhung fordern, fortbesteht; dieselben Forderungen werden von den Stadttelegraphisten gestellt. Der Aus- stand der Eisenbahnarbeiter ist beendet. poUtilcbe Qeberficht. Berlin, den 20. März. Das„Volk in Waffen". Genosse Bebel erhielt heute im Reichstage als erster das Wort zu der geplanten Vermehrung des stehenden Heeres um 10 339 Mann, die vornehmlich der Kavallerie zugute kommt. Bebel verzichtete darauf, unsere grundlegenden An- fchauungen über den Militarismus noch einmal darzulegen. Er stellte sich gleichsam auf den bürgerlichen Standpunkt, auf den Boden der bestehenden Heeresverfassung und wies von da aus nach, daß nicht der mindeste Grund für, wohl aber ge- wichtige Argumente gegen diese Heeresvermehrung sprechen. Zunächst die schwere Finanznot des Reiches. 61V- Millionen werden in diesen Tagen in Nachtragsetats vom Reichstage wiederum für Südwestafrika gefordert, Schiffsneubauten für viele Hundert Millionen werden im nächsten Jahre sicherlich von der Marineverwaltung gefordert werden und eine starke Vermehrung der Schutztruppe ist für alle Kolonien, besonders für Kiautschou, höchst wahrscheinlich. Trotzdem soll das deutsche Heer, das schon jetzt das zahlreichste der Welt ist, immer weiter vermehrt werden, ohne daß man auch nur daran denkt, im linisormicrungs- oder Besoldungswesen die Ersparnisse zu machen, die mit größter Leichtigkeit ohne jede Schädigung des militärischen Organismus durchgeführt werden könnten. Im Gegenteil vermehrt man gerade die kostspieligste Waffen- gattnng, deren Wert von militärischen Sachverständigen immer weniger hoch veranschlagt wird und für die nur das eine spricht, daß sie die„Lieblingswaffe" ist. Treffend hob Bebel noch weiter hervor, was er schon jüngst im Reichstage ausgeführt hatte, daß die Weltlage nie so friedlich war, wie jetzt; Rußland auf lange Zeit hinaus unschädlich. Frankreich revanche- unlustiger als je, England noch unter dem Eindrucke des Burenkrieges friedlich und in Asien mehr als genügend be- schäftigt Von all dem konnten die bürgerlichen Parteien kein Wort bestreiten. So entwickelte sich eine eigentliche Debatte über- Haupt nicht; die bürgerlichen Redner begnügten sich, eine oder ein paar Phrasen herzusagen, die verdecken sollten aber kaum konnten, daß sie ohne jeden Grund jeder Militärforderung zu- zustimmen bereit sind. Ter Konservative v. Normann wollte, ganz im Gegensatze zur sonstigen Moskowitcrschwärmerei der preußischen Junker, nicht glauben, daß das Zarat auch nach noch so schweren Niederlagen friedfertig würde. Daß Raubgier im Wesen des Absolutismus liegt, hat er, wenn auch etwas lange nach uns, richtig erkannt. Nur die Kraft der Autokratie überschätzt er noch. Der Nationalliberale Graf O r i o l a hielt jede Sparsamkeit für unangebracht, wenn es sich um die Ver- teidigung des Vaterlandes handelte. Hurra! Als ob nicht Bebel gerade Sparsamkeit bei den Ausgaben gefordert hätte, die ohne den geringsten Zusammenhang mit der Wehrfähigkeit Teutschlands sind. Der Antisemit Lieber niann von Sonnenberg kam uns historisch. Auch 1869 habe kein Wölkchen den Friedenshorizont getrübt. Herr Liebermann unterstellt also der Regierung des Grafen Bülow die— sagen wir— Genialität Bismarcks, einen Krieg zu provozieren. Gerade das unmöglich zu machen, sollte Aufgabe der Volks- Vertretung sein. Herr Schräder, der mit dem Freisinn Hofsehnsucht und Ministcrschaftsambitionen vereinigt, wagte nicht, seine Autorität gegen die des Kriegsministers einzusetzen. Ein liberaler Mann schilt auf den Kadavergehorsam der Jesuiten, nur um das aaenSdum intellectus jedem Hoflakaien in Uniform zu Liebe zu vollziehen. Nicht viel besser benahmen sich die„demokratischen" Parteien. Herr Spahn vom Zentruni rühmte den Beschlüssen der Kommission, lies: dcS Zentrums, als größten Vorzug nach, daß sie die verstärkte Volksbelastung in diesem Jahre noch weniger fühlbar mache. Ja, das Zentrum ist groß im Volksbetrug. Es rechnet darauf, daß übers Jahr man schon vergessen hat, welch' neue Lasten das Zentrum der großen Masse aufgebürdet hat. Aber wir lverdch, auch dem katholischen Volk das Gedächtnis stärken. Herr Spahn hat jedenfalls das beispiellose Verdienst, dem Kricgsnnnister jede Verteidigung seiner Vorlage erspart zu haben. Die freisinnige Volkspartei ist das umgekehrte Zen- triun. Die Herren von der mittleren Linie sind in der ersten Lesung oppositionell und fallen in der zweiten national um. Tic Volksparteiler versichern in der ersten Lesung, sie wollten dem. Heere geben, was des Heeres ist. Man möchte doch nicht gern antinational gescholten werden. In der zweiten Lesung fallen sie dann denrokratisch um unter Berufung auf Bezirks- Vereinsphrasen, z. B. heute, daß allein die Liebe des freien Mannes die für freisinnige Helden allzu steile Höhe der Fürstenthrone sichern könne. So fand sich denn außer ihnen die ganze bürgerliche Mehrheit in der Zustimmung zur Heeresvermehrung zusammen. Nur der Reichsparteiler v. T i e d e- m a n n und der Antisemit B ö ck l e r baten sich noch besonders für den Osten einige kleine Garnisonen ohne Biljes aus. In die richtige Beleuchtung wurde diese begeisternde Einmütigkeit für die nationale Wehrkraft erst durch die Ablehnung unserer Anträge auf gleiche Verteilung der Lasten des Heeres- dieustes gerückt. Die Genossen S ü d e tu m und Singer begründeten unter Berufung auf die gleiche, soeben in Frankreich vollzogene Reform unsere Anträge auf Abschaffung einerseits der dreijährigen Dienst- zeit bei den reitenden Trichpenteiken, andererseits der ein- jährigen Dienstzeit für die durch„Besitz und Bildung" hervor- ragenden Klassen. Der Nachweis, daß diese letztere Reform sowohl ini Interesse des militärischen Dienstes wie der wahren BUdung liege, fiel, ihnen leicht. Für die Beseitigung der unnötig langen Dienstzeit der Kavalleristen Gründe an- zuführen, war überflüssig, da die Gerechtigkeit der Forderung ja gar nicht bestritten werden kann. Der Kriegs- minister war Militär genug, um unseren Anträgen heute öffentlich mit keiner Silbe zu widersprechen, aber die Vertreter der Bourgeoisie und die Offiziersväter auf der Rechten wollten von den Vcrnunftgründen nichts wissen. Zentruni, Freisinnige und Nationallibcrale nahmen eine inhaltslose Resolution einzig aus dem Grunde an, weil sie sich nicht offen als Anhänger der Privilegien der besitzenden Klassen zu zeigen wagten. Morgen: Militäretat.—_ Marokkanische Inszenierung. Der deutsche Reichskanzler Graf Bülow liebt die In- szeyierungskünste von Primadonnen, die erst in die Oeffent- lichkeit bringen, daß sie durch einen Eisenbahnunfall, eine Fenersbrunst ganz oder teilweise oder beinahe ums Leben gekommen seien, und deren Wiederauferstehung auf der Bühne nach dergestalt überstandenen Nöten dann um so größere Wirkungen erzielt. Graf Bülow hat vor einigen Tagen direkt oder indirekt den Herrn von Reventlow veranlaßt, im Reichs- tage weltpolitische Beklemmungen über die Marokko- Politik der deutschen Regierung zu äußern. Graf Bülow antwortete mit geheimnisvollen Geberden, daß Großes im Werke sei, aber man könne noch nichts sagen. Heute ver- künden die Offiziösen bereits, daß ein herrlicher Erfolg ge- lungen sei. Die Politik des Grafen Bülow hat wieder einmal alle Schwierigkeiten besiegt! Und übrigens läßt man auch bereits im voraus alle Lorbeeren künftiger Taten telegraphisch wachsen. Die bürgerliche Presse in Deutschland verwandelt sich immer mehr in ein Treibhaus zur Züchtung phantasttschen Ruhmes kommender Taten. Der besorgten Anfrage des Grafen Reventlow und der geheimnisvollen Andeutung des Grafen Bülow lag die im Reichskanzlerpalais offenbar bereits bekannte Tatsache zu- gründe, daß der Kaiser die Absicht hat, am 31. März ge- legentlich seiner Mittelmeerfahrt auch Tanger zu besuchen, und er soll bei dieser Gelegenheit durch einen vom Sultan be- auftragten marokkanischen Würdenträger begrüßt werden. Kaum ist diese Nachricht bekannt geworden, da hat schon August Scherl die marokkanische Volksseele sondieren lassen und stellt im vornherein fest, wie ein unbeschreiblicher Enthusiasmus durch die Ankündigung hervorgerufen sei, daß Wilhelm II., der doch so ziemlich alle Städte der Welt besucht hat, einmal auch nach Tanger kommen wolle. Man plane großartige Ovationen, an denen sich Deutsche, Marokkaner, §�uden und Spanier beteiligen wollen, offenbar aber nicht ranzosen und Engländer. Eine eigentümliche Ehrung scheinen nach einem anderen Blatte die Arbeiter von Marokko zu Planen, die nämlich am 31. März zu feiern be- schlössen haben, in bedauerlich zweckwidriger Unkenntnis der Tatsache, daß Wilhelm II. gegen solche Kontraktbrüche dereinst die Zuchthausvorlage gewollt hat. Ebenso wimmelt die offiziöse Presse von Mitteilungen über internationale Schwierigkeiten, die wiederum die deutschen Offiziösen veranlassen mitzuteilen, daß die deutsche Politik wie immer maßvoll und gerecht und friedliebend und trotzdem weitblickend sei. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" er- klärt, da? der Kaiser sich schon vor Jahresfrist gegenüber dem König von Spanien verpflichtet habe, daß Deutschland in Marokko keinen territorialen Vorteil irgend welcher Art er- strebe, sondern dort nur für die Fortdauer der wirtschaftlichen Gleichberechtigung einzutreten habe. Die„Norddeutsche Allgem. Zeitung" hat bis heute keinen Anlaß, zu vermuten, daß der Sultan von Marokko Verpflichtungen einzugehen beabsichtige, welche seine Unabhängigkeit beschränken und ihn künftig ver- hindern würden, allen handeltreibenden Völkern auf seinem Gebiete die gleiche Behandlung zuteil werden zu lassen. Uebrigens bringe es die Lage von Marokko mit sich, daß bei dieser Frage die Interessen des Weltverkehrs in Betracht zu ziehen seien. Die letztere Andeutung weist also darauf hin, daß Deutsch- land handelspolitische Vorteile, vielleicht auch gewisse Einflüsse sich zu sichern sucht. Möglicherweise wünscht auch Deutschland in Marokko eine Flottenstation zu errichten. Deutschland ist bisher arm an Flottenstationen, und mit der wachsenden Flotte trstt das Bestreben auf, sich Stützpunkte für sie zu suchen. Es wird über die diplomatischen Erfolge Deutschlands zu reden sein, wenn man weiß, was erreicht ist. Frankreich hat im April vorigen Jahres ein Ueberein- kommen mit Großbritannien geschlossen, wonach Frankreich den Aktionen Englands in Aegypten freien Lauf ließ, während England auf den politischen Einfluß in Marokko verzichtete und Frankreich das Recht einräumte, über die Ruhe Marokkos zu wachen und der marokkanischen Regierung den etwa er- forderlichen Beistand zur Umgestaltung der Staatsverwaltung, Finanzen und Armee zuteil werden zu lassen. Frankreich übernahni auch die Verpflichtung, dafür zu sorgen, daß die großen öffentlichen Unternehmungen in Marokko in den Händen des Staates bleiben. Daß Deutschland keine territorialen Erfolge erstreben will, ist eine Enthaltsamkeit, die selbstverständlich ist; denn in dem Abkommen zwischen Frankreich und England haben beide Länder die Unverletzlichkeit Marokkos verbürgt. Auch hat Frankreich die Handelsfreiheit für 30 Jahre zu- gd chcrt. Wenn mithin nicht Deutschland unabsehbare Ver- Nv igen anzetteln will, so kann es in dieser Richtung gar niu/' weltpolitisch" vorgehen. Jedenfalls beweist wiederum die bloße Inszenierung dieses Besuches, daß Deutschland noch imnier in der Welt voran ist, wenn es gilt, Ereignisse im voraus mit weltgeschichtlicher Be- deutung auszustatten. Wenn wirklich sehr bedeutsame Erfolge in Aussicht ständen, hätte es die Regierung des Grafen Bülow sicherlich nicht notwendig, derlei wilden offiziösen Lärm zu entfachen.— Der Abschluß der Hammersteinakten. Der preußische Polizeimiinster Herr v. Hammerstein ist plötzlich gestorben. Er hat vier Jahre im preußischen Polizciministcrium zu- gebracht und ist, wenn wir nicht irren— die Namen und Erlebnisse preußischer Minister sind uns allerdings nur in unklarer Er- innerung— der einzige Minister des neuen Kurses, der im Amte gestorben ist, der einzige Minister also, den niemals Gesundheits- rücksichten befallen haben, konnte als Minister sterben. Auch die politische» Gegner des Herrn v. Hammerstcin können in ihren Nachrufen dem Manne zugestehen, daß er keine Feinde be- seffen hat. Uni Feindschaft zu erregen, dazu war der Mann persön- lich zu bedeutungslos. Aber gerade bei seinem selbst für einen preußischen Minister erstaunlichen Mangel an geistigen Fähigkeiten konnte sich in ihm doch daS System der preußischen Reakkio« gipfeln, die der gefährlichste Feind aller EntWickelung im Deutschen Reiche ist. Herr v. Hammerstein hat seine Sporen sich in den Rcichslanden als einer jener Weisen verdient, die da glauben, es gehöre Verstand dazu, mit dem Ausnahmezustand zu regieren. Er war der Mann des Diktaturparagraphcn, der noch als besondere Spezialität die Unterdrückung der gewerkschaftlichen Bewegung in Elsaß- Lothringen betrieb. Seitdem ihn ein Ungefähr ins preußische Ministerium be- rief, war er der Vertreter insbesondere jenes preußisch- partikularistischen Kurses, der in den letzten Fahren ein verfassungswidriges Gesetz nach dem anderen produzierte. Man kann es den: Minister v. Hammerstein sogar zu- trauen, daß er bei seiner geistigen Veranlagung redlich geglaubt habe, daß die von ihm verantwortlich gezeichneten Gesetze mit der Verfassung und dem Recht des Deuffchen Reiches überein- stimniten. Die Vertretung der polnischen Ausnahmcgesetzgebung fand in ihm einen besonderen unbekümmerten Anwalt. Der Umsturz der preußischen Verfassung und der Reichsgesetzgebung, wie er ins- besondere in dem polnischem Ausiedelungsgesctz kratz hervortritt, ist wohl sein Lieblingswerk gewesen. Ein besonderes Mißgeschick verfolgte den Minister bei seinen Polizei-Akten, die er mir unermüdlichem Eifer vorlas, uin svzia- listische Angriffe zu widerlegen. Er wurde beständig von dem Unglück verfolgt, niemals eine richtige Tatsache zu erhaschen. Da- gegen war der Mann, der auch polizeilich über die Aufrechtcrhaltung der Sittlichkeit zu wachen hatte, vollständig blind gegen die Ehr- Verletzungen, die er von der parlamentarischen Tribüne aus Frauen zufügte I Bon dem Fall jener Hamburger Dame, die er schmählich verdächtigte, um polizeiliche Übergriffe zu entschuldigen, bis zu der neuesten Bettgeschichte, die einen stürmischen Heitcrkeitserfolg beiden Junkern des Dreiklassenwahlsystems erzielte. Es gibt keine Skandalgeschichte der letzten Jahre, an der der verstorbene Minister nicht hervorragend beteiligt war, um seine Schuld dann, wenn er gestellt wurde, aktenmäßig zu widerlegen. In den Mirbachschen Mosaikbettel war er ebenso verwickelt wie in die Scherlsche Sparlotte. Uebrigens war er der besondere Ver- trauenSmann der Scherlschen Meinungsfabrik. Hammerstcin war der rechte Vertreter des Russenkurscs. Er trug die Verantwortung für das russische Spitzellvesen in Preußen, für die AuswcisungspraxiS, für die Ballinschandc. An der Stimmungsmache für den Königsberger Prozeß hat er sich durch besonders toll gefälschte Zitate beteiligt. Sein rednerisches Mißgeschick zeitigte seinerzeit das von hoher Seite angekündigte Geschenk eines silbernen Maulkorbes. Die Ein- lösung dieses Versprechens ist nunmehr nicht mehr notwendig. Die Personalakten des Herrn v. Hammerstein sind geschlossen. Die Akten seiner gesetzgeberischen und Verwaltimgstätigkeit aber werden von dem wahlverwandten Mann, der sein Nachfolger werden wird, im alten Geiste weiter geführt werden, wenn es auch schwer sein wird, selbst unter preußischen Korpsstudenten eine Persönlichkeit zu finden, die mit solcher Bewußtlosigkeit die ungeheuerlichsten Aktionen auf sich nimmt.—_ Weitere 61 Millionen für Sndwestafrika! Die beiden Nachtragsetats für Südwestafrika sind nun- mehr dem Reichstag zugegangen. Der erste Nachtragsetat (der dritte für 1901) verlangt 27 235 600 M.; ein Ergänzungs- etat für 1905 fordert das bescheidene Sümmchen von 33 417 500 M. Dadurch erhöhen sich die Ausgaben für Süd- Westafrika auf zirka 200 Millionen Mark. Natürlich schließen diese Forderungen durchaus noch nicht die Ausgaben für Südwestafrika ab, vielmehr kann man mit tödlicher Sicherheit darauf rechnen, daß die Summe von 300 Millionen auf alle FMe erreicht werden wird. Diese beiden Etats sind erforderlich geworden, um unsere Truppen in Südwestafrika um 308 Offiziere und 5298 Unteroffiziere und Mannschaften zu verstärken. Außerdem sollen, wie ja bereits unlängst verschiedene Blätter melden konnten, alle zwei Monate je 250 Mann ErgänznngSmannschaften nach Südwestafrika abgehen. Die Truppeuzahl in Südwestafrika bcläuft sich demnach ohne diese periodischen Nachschübe, ohne das Marine- Expeditionskorps und die Reservisten sowie unter Berücksichtigung eines Abganges von etwa 700 Mann durch Tod oder Heimsendung auf zirka 13 500 Mann. Trotz dieser gewaltigen Truppenstärke wird der Krieg sein Ende so bald noch nicht gefunden haben! Unter den Ausgaben fällt durch seine Höhe ein Posten auf, der zum Ankauf und Transport von 1000 Pferden be- stimmt ist. Diese 1000 Pferde sollen nämlich bis zur Ankunft in Südwestafrika 6 850 000 Mark kosten, das macht pro Pferd den Preis von 6850 Mark. Dieser Preis setzt durch seine Höhe wirklich in Erstaunen, beträgt der Ankaufspreis eines guten Kavallericpferdcs im Höchstfalle doch nur 1500 M. Wenn auch die Transportkosten erhebliche sind, so ist doch der Betrag von 5350 M. für den Transport eines Pferdes ein ganz phänomenaler! Ueberhanpt ist es rätselhaft, warum man diese Pferde in Deutschland an- kauft, um sie nach Südwestafrika zu schicken. Östpreußische Pferde sind doch sicher die ungeeignetste Pferdcrasse für Südwestafrika. Die nngchenrcn Berlnstziffcrn gerade bei den Pferden beweisen das. Im Reichstag allerdings wurde von einem Rcgierungsvertreter behauptet, daß die ostpreußischen Pferde sich ebenso bewährt hätten, als die mexikanischen Pferde. So lange uns aber nicht ein ein- gehender Bericht über die H e r k u n f t der Pferde und die prozentuale Verlustziffer vorliegt, gestatten wir uns, die Erklärung des Rcgierungsvertreters für absolut unglaubhaft zu halten. Unseren Agrariern geschieht freilich durch den Ankauf dieser Pferde ein großer Gefallen. Ihre Kolonialbegeisterung ist auf solche Subventionen nicht zum geringsten Teil zurückzufiihrcn. Beträchtliche Posten werden auch gefordert zur Wieder- Herstellung der Eisenbahn Swakopmund-Windhuk. Bedeutende Beträge sollen ferner auf die Anlegung von Wasser- werken, Punipstationen und Wasserleitungen verwendet werden. So soll beispielsweise für Windhuk eine Wasserleitung für 125 000 Mark gebaut werden. Begründet wird diese Forderung damit, daß aus den Typhnsherden sich jetzt die Krankheii fast über das ganze Land verbreitet habe und mit großer Heftigkeit auftrete. Um eine gefährliche Ver- seuchung der„Stadt" zu verhüten, sei eben die Lieferung einwandfreien Wassers notwendig. Wir zweifeln nur daran, daß sich fiir die 125 000 Mark eine derartige Wasserleitung herstellen läßt. In späteren Nachtrags-Etats wird man ja weitere Raten verzeichnet finden. Wie wir schon bemerkten, werden diesen Nachtragsetats noch weitere folgen. Hat sich doch die Lage im Hottentotten- lande durchaus nicht zugunsten der Deutschen gebessert. Die Witbois werden sich, wenn es ihnen nicht mehr gelingen soll, unseren Truppen solche Schläge beizubringen, wie noch im Anfang d i e s e s M o n a t s, in die unzugänglichen Gebirgs- gegendcn zurückziehen und von dort aus Streifzüge gegen unsere Truppen unternehmen. Auch der Krieg gegen die Hereros kann fünftig auch in Veranstaltungen reden, die mit der sozialdemokrati- ließe feine Gelegenheit vorübergehen, um die Baugenossenschaften zu noch keineswegs für beendet angesehen werden. Gerade durch schen Organisation als solche nichts zu tun haben. unterstützen, und damit den„ häuserbauenden Grundbesitz" zu schädigen. die famose Ausrottungsstrategie Trothas sind die Hereros Die Versuche der Freien Deutschen Presse", diesen Aft eines Diese Behauptung ist ein ebensolcher Unsinn wie das Wort„ häuser= derartig zersprengt worden, daß sich jetzt noch zahlreiche geradezu ungeheuerlichen Terrorismus zu verschleiern, sind vergeblich. bauender Grundbesiz". einen Mann mundtot zu machen, der zwar in dem Vorstand der Trupps von ihnen im Lande herumtreiben und dort not- In Wirklichkeit handelt es sich um die Tendenz, auf diese Weise Jm Geschäftsbericht des Verbandsvorstandes finden sich einige dieser zerstreuten Banden wird sehr viel Beit kosten. weil der Pfarrer Naumann für die kapitalistische Interessen beleuchten, als dies je bisher durch offizielle Angaben geschehen iſt. gedrungen dem Räuberhandwerk obliegen. Die Aufreibung Freifinnigen Vereinigung fizzt, dessen Einfluß man aber fürchtet, Angaben, die das furchtbare Wohnungselend in den Städten schärfer Aber selbst nach vollständiger Niederwerfung der Witbois und vertretung dieser Parteigruppe allzu ernsthaft sozial denkt. Den Hausbesizern hat es besonders die Vorschrift des preußischen Hereros foll wohl erst noch die Entwaffnung der Wenn die Freie Deutsche Presse" fragt, was die Sozialdemokratie in Gefeßentwurfs angetan, wonach Familienwohnungen eine eigene wambos borgenommen werden. Man wird also solchen Fällen tun würde, so lautet die Antwort: Es würde bei uns Kochstelle, eigenen Abort und, soweit in dem Gebäude Kanalisation nicht allzu pessimistisch urteilen, wenn man die Dauer des die Frage aufgeworfen werden, ob die lokale sozialdemokratische Organi- oder Wasserleitung eingerichtet sind, einen eigenen Ausguß und füdwestafrikanischen Abenteuers auf noch wenigstens ein Jahr fation, die einen Sozialdemokraten am Reden hindert es braucht Wasserhahn haben sollen. Der Verband hat nun Unterveranschlagt. Dieses weitere Jahr südwestafrikanischen Krieges nicht einmal ein Vorstandsmitglied zu sein- in ihrer Leitung noch suchungen anstellen lassen, ferner würdig wäre, der Partei anzugehören. Ueberdies würden sich wird uns aber weit über 100 millionen Mart fozialdemokratische Organisationen eine solche Bevormundung durch daß diese Vorschriften, auf schon bestehende Wohnungen toften! Kanalpraktiken für die Behandlung der Novelle zum Berggesetz schlägt die" Post" vor, indem sie schreibt: Ferien ein wahrer Segen." Es kann den noch nicht erledigten Vorlagen, wie insbesondere dem Berggesez, nur zu gute fommen, wenn es einer längeren ruhigen Erwägung überlassen wird. Die Staatsregierung hat legal ihr Wort eingelöst, indem sie die Vorlage machte. Im übrigen ist bei der Schwierigkeit der Materie keinerlei Gile geboten, sondern im Gegenteil eine ruhige, fachgemäße Behandlung. Für Regierung wie Barlament wäre der baldige Eintritt längerer Man beachte den Zynismus, daß die Regierung ja ihr Wort eingelöst habe durch Vorlegung des Entwurfs. Wann, wie und wo er Gesetz werde, davon ist ja nicht geredet worden. Es wird also der Regierung nahegelegt, sich nach Art der Halsabschneider herauszureden. Und die" Post" will doch wissen, welche Moral in den Kreisen der herrschenden Klasse waltet. Sie scheint nicht zu fürchten, daß sich die preußische Regierung durch solche Zumutung beleidigt fühlt. Von einer anderen Seite kommen die Unternehmer der Regierung. Der Vorstand und der Ausschuß des Vereins rheinischer Industrieller und der nordwestlichen Eisen- und Stahlmänner beschloß unter Beumers Banner, den Landtag um Ablehnung der Vorlage zu ersuchen. Begründet wird der Beschluß mit dem Hinweise auf die Ergebnisse Ergebnisse der Untersuchungs- Kommissionen. Wir haben schon bald nach Bekanntwerden der ersten Pros tokolle über die famosen Untersuchungen darauf hingewiesen, daß die Unternehmer es sich nicht entgehen lassen werden, der Regierung diese Untersuchungsprotokolle um die Ohren zu schlagen und wir gönnen es der Regierung von ganzem Herzen, daß es geschieht. ihren Vorstand gar nicht gefallen lassen. mit denen er beweisen will, angewandt, undurchführbar seien. Nach diesen Untersuchungen würden nach Annahme der genannten Vorschriften unbewohnbar werden in Genosse Wolfgang Heine bittet uns um Aufnahme folgender von den vorhandenen 30 000 Wohnungen, in Altdamm 1570 WohBreslau 50 000 bis 60 000 Wohnungen, in Halle a. S. 22 000 Zuſchrift: i Die Welt am Montag" vom 20. März 1905 beschäftigt sich mit nungen, in Krossen 178 Wohnungen, in Küstrin 80 Proz. und in den Rechtsanwälten und ihrem Bureauangestellten und behauptet Görlitz 20 Proz. aller Wohnungen. Die Untersuchungen zeigen, wie dabei, daß auch in den Bureaus der sozialistischen Rechtsanwälte, kulturwidrig die Wohnungen meist beschaffen sind, wie kläglich die z. B. dem des Abgeordneten Heine, die Forderungen der An- meisten Menschen wohnen müssen. Gegenüber diesen eigenen Festgestellten, Abschluß schriftlicher Verträge mit Lehrlingen, Besuch stellungen der Hausbefizer uimt es sich komisch aus, wenn Herr von Fachschulen, Zahlung besserer Gehälter, Festsetzung einer Justizrat Baumert- Spandau, bekanntlich den sozialen Frieden vom Arbeitszeit von täglich acht Stunden, strikte Sonntagsruhe, Be- gemeinsamen Abort erhofft, beauptet, es sei eine Legende, daß den zahlung von Ueberstunden, Festsetzung einer monatlichen Kündi= gungsfrist und Gewährung eines zweiwöchentlichen Urlaubes jähr- Hausbefizern die schlechten Wohnungsverhältnisse zur Last fielen. lich, feineswegs erfüllt seien. In dem hier fraglichen Punkte fallen sie ihnen ohne Zweifel zur Demgegenüber erkläre ich, daß ich hinsichtlich der Lohnverhält- Last, wenn natürlich auch das allgemeine Wohnungselend, das sich nisse stets den Wünschen meiner Gehülfen entsprochen habe, die ja nicht im Fehlen der genannten Dinge erschöpft, allgemeine soziale achtstündige Arbeitszeit eingeführt habe, Ueberstunden bezahle und Ursachen hat. klientel begründeter Schwierigkeiten abgeschafft habe. Urlaub unter wir übrigens schon am preußischen Städtetage erlebten die Sonntagsarbeit trop besonderer, in den Bedürfnissen meiner Die Verhandlungen zeitigten das interessante Schauspiel Fortzahlung des Gehalts haben meine Angestellten schon seit vielen am Haus- und Grundbesitz interessierten Kapitalisten wütende Jahren jeden Sommer auf vierzehn Tage, der Bureauvorsteher auf Gegner polizeilicher Bevormundung sind und mit wahrhaft rührender drei Wochen. Einem Gehülfen zu kündigen habe ich, soviel ich mich erinnere, seit acht Jahren keinen Anlaß gehabt. Wenn ich einen Treue an demokratischer Selbstverwaltung hängen. Es bereitet uns Behrling habe, halte ich ihn stets zum Besuch der Fortbildungs- ein ungemischtes Bergnügen, diese Herren Bourgeois aller Parteischule usw. an und bezahle den Unterricht. farben gegen polizeiliche Bevormundung wettern zu hören. Natürlich, wenn die heiligsten Güter des Bourgeois, Zinsen und Dividenden, in Gefahr sind, dann wird er zum rasenden Freiheitshelden. Nur feine polizeiliche Bevormundung bei dem edlen Geschäft der Ausbeutung. Hoch die heilige Selbstverwaltung des Kapitals. Mein Bureauvorsteher ist im achten Jahre, die Gehülfen bis auf den jüngsten sind sämtlich über fünf Jahre bei mir. Berlin, 20. März 1905. Wolfgang Heine, Rechtsanwalt. Husland. Frankreich. Zum Präsidenten des Pariser Gemeinderats wurde aur Brousse, Sozialist, mit 43 Stimmen gewählt gegen 27, die auf Escudier, Nationalist, entfielen. Afien. Zum Kulturfortschritt Japans. Wir können uns nicht recht vorstellen, daß die Regierung beabsichtigt haben sollte, sich in solche Situation zu bringen. Wenn sie die Ergebnisse der Untersuchungen so wie sie vorliegen, gewünscht und unter diesem Gesichtspunkte ettva die Kommissionen bestellt hätte, dann hätte sie wohl die Resultate abgewartet und dann unter Berufung darauf eine Gesetzesvorlage verweigert. Allerdings hätte sie dann aber auch mit Versprechungen während des Streits borsichtiger sein müssen. So wie es jetzt steht, erscheint das Verhalten der Regiernng als die Folge ausgesuchter Unfähigkeit. Erst verspricht sie Reformen und gibt damit doch zu, daß Mißstände bestehen. Dann läßt sie durch ihre Drgane untersuchen, ob Mißstände bestehen. Nachdem die Regierungsbeauftragten festgestellt, daß keine Mißstände bestehen, legt die Regierung dennoch einen Gefeßentwurf zur Abschaffung der Mißstände vor. Da sie sich zur Verteidigung ihres Entwurfes gegen die rebellierenden Unternehmer auf ihre eigenen Untersuchungen nicht berufen kann, so wird ihr wohl nichts weiter übrig bleiben, als sich auf unsere Gründe für Reformen zu berufen. Das wird aber auch nicht sehr wirksam sein, da unsere Beschwerden durch die Vorlage der Regierung kaum berührt, geschweige denn beseitigt werden. Wer sich unsere Gründe zu eigen machen will, der muß auch unsere Forderungen akzeptieren. Eine beneidenswerte Situation, würdig des preußischen Minister- pation der japanischen Frau fordert. präsidenten! Der Franff. 8tg." wird von ihrem Brüsseler Korrespondenken gemeldet: 11 Das neue Das Internationale sozialistische Bureau empfing ein Exemplar der japanischen Zeitung Chokuya"(" Der, der geradeaus spricht!"). Die" Chokuya" ist als Nachfolger des von der japanischen Regierung unterdrückten fozialdemokratischen Organes" He i min Shimbun" gegründet worden. Blatt übernahm der Redakteur der eingegangenen Zeitung und es erscheint in bedeutend vergrößertem Umfang als offizielles Organ der Die Nummer enthält die japanischen sozialdemokratischen Partei. Fortsetzung eines Tendenzromanes„ Die Geſtändnisse eines Ghemannes", von dem bekannten japanischen sozialistischen Advokaten, Redner und Journalisten Kinoshita. Dieser Roman handelt von einer unglücklichen bürgerlichen Ehe und den Differenzen zwischen einem Hausagrarier und seinen Mietern. Es wird in diesem Blatt berichtet, daß die Abgeordneten Ebdra und Shimada in der Kammer eine von den gebildeten Frauen ausgehende Petition eingebracht und verteidigt haben, die die politische Emanzi " Partei- Nachrichten. das daß die Der Verbandstag nahm zum Wohnungsgesetz- Entwurf eine Resolution an, worin zwar das Eingreifen der Gesetzgebung zur Beseitigung von Mißständen auf dem Gebiete des Wohnungswesens für berechtigt, der vorliegende Entwurf jedoch als unannehmbar bezeichnet wird. Als unannehmbar wird insbesondere bezeichnet: Die geplante steuerliche Bevorzugung der Baugenossenschaften, der sogenannten gemeinnüßigen Aktiengesellschaften, sowie der Wohnhäuser Unbemittelter," „ die geplanten Vorschriften für die bauliche Einrichtung von Mietswohnungen bezüglich Wasserhahn, Ausguß und eigenem, verschließbaren Abort, soweit es sich um bereits bestehende Häuser handelt." Gefordert wird unter anderem: Die Schaffung von provinziellen Rentenbanken zur Berichtigung der Anliegerbeiträge, wodurch die Herstellung von Straßen, von fleineren Gebäuden und von Häusern mit kleineren Wohnungen besser als durch Zwang gegenüber der Selbstverwaltung gefördert wird. Auch wird durch solchen Zwang die Herstellung von Straßen mit geringerer Breite nicht erreicht werden, sondern viel erfolgreicher dadurch, daß den Grundbefizern ein Anspruch auf Aufnahme solcher Straßen im Bes bauungsplane unter gewissen Voraussetzungen gesetzlich eingeräumt wird. Die Schaffung von Pfandbriefinstituten für städtische Hausgrundstücke nach dem Vorbilde der preußischen Landschaften zur Verbilligung des Kredits und damit der Herabsetzung der Mieten." Es wurde dann noch über die Grundwertsteuer verhandelt, von der man die Züchtung einer künstlichen Bauwvut" befürchtet. Fest gehalten zu werden verdient die Bemerkung des Verbandsdirektors Dr. Pabst, daß eine Kapitalrentensteuer von 6 Proz. keineswegs Freifinniger Autoterrorismus! Sozialdemokratische Heuchelei findet die Freie Deutsche Presse" in unserer Kritik des als Vermögenstonfistation angesehen werden könne. Ein Redner Auf seltsame Zustände in der Partei in Pommern läßt ein Vor- forderte Erhöhung der Warenhaussteuer und überhaupt Bekämpfung Verhaltens der Freifinnigen Vereinigung in Königsberg, die es nicht gang schließen, der sich in der Generalversammlung des Wahlvereins der Warenhäuser, um die„ wirtschaftliche Massenproduktion" einzuduldet, daß ihr eigenes Vorstandsmitglied, der Pfarrer Naumann für den Wahlkreis Random- Greifenhagen abspielte. Wir in einer Versammlung rede. Sie behauptet, daß die Sozial- finden in dem Bericht über diese Versammlung im„ Stettiner Bolts- schränken. Lebhaften Beifall fanden Vorschläge auf allgemeine Eindemokratie diefelbe Praris verfolge und fügt als Beweis hinzu, daß boten" folgende Darstellung, die wir ungekürzt wiedergeben. führung einer kommunalen Biersteuer. die Expedition des Vorwärts" einem Inserat folgenden Inhalts die Unter Verschiedenem macht Gen. Scharping die Anwesenden Aufnahme verweigert hat: auf die Anstellung des Parteisekretärs Gen. A. Horn aufmerksam. Von hervorragender Bedeutung für Handlungsgehülfen ist ein „ Achtung! Charlottenburg! Heute, Mittwoch, den 15. d. Mts., Desgleichen auf den Bezug des„ Pommer". Gen. Becker frägt an, Urteil des Kaufmannsgerichts Bremen. Ein dortiges abends 81 Uhr, öffentliche Versammlung im Volkshause, Rosinen- warum wir noch zwei Mitglieder vom Wahlkreise Stettin zu unseren Warenhaus hatte sich die Gepflogenheit mancher Handelskapitalisten straße.„ Warum ich aus der sozialdemokratischen Partei ausgeschlossen Mitgliedern zählen. Höppner( Kreiskassierer) erklärt hierauf, daß angeeignet, auf Grund einer besonderen Vereinbarung mit den AngeFreie Aussprache. wurde". Referent: Kurt Schweizer. Der dieselben in beiden Wahlvereinen ihre Mitgliedschaft haben und auch stellten die Bestimmung des§ 63 des Handelsgesetzbuches, wonach dem „ Vorwärts", d. h. die Expedition habe die Aufnahme dieses Inserats so die Beiträge bezahlen. Eine Schande aber für unser ganzes Handlungsgehülfen im Krankheitsfalle das Gehalt bis zu sechs Wochen mit der Begründung verweigert: Bei der Ankündigung von Parteileben ist, wenn sich gerade noch hervorragende Genossen fortgezahlt werden muß, auszuschalten. Seit Bestehen des KaufmannsVolksversammlungen muß die Genehmigung des Vertrauens nicht den Beschlüssen der Partei fügen. Dies treffe auf den soeben gerichts find nun von Verkäuferinnen mehrere Klagen auf mannes erst eingeholt werden. angestellten Parteisekretär Gen. A. Horn zu. Gerade er müßte in Auszahlung des vorenthaltenen Gehalts anhängig gemacht worden. Wir können der Freien Deutschen Preſſe" nicht den Gefallen erster Linie die Beschlüsse des pommerschen Parteitages anerkennen Das Kaufmannsgericht hat am letzten Donnerstag in einer der tun, zuzugeben, daß in dieser Auskunft der Expedition der„ Vorwärts" und respektieren. Einem solchen Genossen aber gebührt nicht ein selagefachen zugunsten der Klägerin entschieden und sich damit auf irgend etwas von Terrorismi je herbe, bort eg solcher Poſten. Er, Redner, ersuche die Konferenz, dem Genossen den Standpunkt gestellt, daß ein Bertrag, durch den veröffentlicht die Inserate, sofern sie gewünscht werden, von Volks- Horn ihre Mißbilligung für dieses Verhalten auszusprechen und einbart ist, daß dem Handlungsgehülfen für die versammlungen aller Richtungen, auch von Freisinnigen, Anti- gegen die bereits erfolgte Anstellung zu protestieren. Er werde der 3 eit seiner Krankheit kein Gehalt gezahlt werde, femiten, Anarchisten, Landwirtsbündlern. Dagegen ist es selbst Versammlung einen diesbezüglichen Antrag unterbreiten. Der An- ungültig ist. Diese Entscheidung des Gerichts, als erstes der verständlich, daß Veranstaltungen, die von Parteiwegen statt- trag lautet: deutschen Kaufmannsgerichte, ist um so beachtenswerter, als über die finden, als solche gekennzeichnet werden müssen. Um einem MißDie Kreis- Generalversammlung erhebt gegen die Anstellung Auslegung des genannten Paragraphen des Handelsgesetzbuches brauch zu steuern, daß Personen offizielle Parteiversammlungen des Genossen Aug. Horn als Parteisekretär ganz energischen unter den Kommentaren Meinungsverschiedenheiten bestehen und von einberufen, ohne dazu autorisiert zu sein, ist es ganz selbstverständProtest, da derselbe den Beschlüssen des pommerschen Parteitages den ordentlichen Gerichten bislang nur das Berliner Landgericht in lich, daß eine solche Gegenzeichnung eines Vertrauensmannes notnicht nachgekommen ist." zwei Fällen die Frage zugunsten der Handlungsgehülfen ents wendig ist. Bei der Ankündigung des Herrn Schweizer war es nun Genosse Schmidt und Scharping sehen in dem Antrage ein Miß- fchieden hat. nicht flar, ob der Betreffende sich noch zur sozialdemokratischen trauensvotum gegen die Agitations- Kommission. Erſterer will erſt ob es sich um eine sozialdemokratische Ber- jekt von der Nichtbeachtung der Parteibeschlüsse des Genossen Horn Partei rechnet, Da zudem die Veranstaltung in Char- Stenntnis haben. Im übrigen sei auch Genosse Horn in geheimer Aus Industrie und Handel. anstaltung handelte. im Boltshause stattfand, das bekanntlich Tottenburg im von Abstimmung mit 6 gegen 3 Stimmen gewählt worden. Genosse geleitet ist, ist, so war die Hanisch verwirft ebenfalls die Handlungsweise des Genossen Horn Sozialdemokraten begründet und Neue japanische Anleihe. Japan gedenkt eine weitere KriegsBernuutung nicht von der Hand zu weisen, daß es sich um eine und ist der Meinung, daß wir auf solche Genossen, die nicht mit uns anleihe im Auslande aufzunehmen, und zwar diesmal in England Barteiversammlung handeln solle, und dazu war natürlich die Gegenzufammen arbeiten wollen, verzichten sollten. Im übrigen glaube und Deutschland. An der Börse lief sogar heute mittag das Gerücht Nevner alle Beziehungen zur Partei gelöst hätte und als Gegner Stettin und Randow- Greifenhagen beziehe und deshalb der Antrag Deutschen Bank und der Deutsch- Asiatischen Bank angeknüpft seien. einen Vortrag halten wollte über die Gründe seines Austritts aus Höppner wenig Wert haben werde. In der darauf erfolgten Ab- Daß Japan wieder Geld braucht und Neigung hat, sich an den ver Bartei, so wäre das Inserat anstandslos aufgenommen worden. Stimmung wurde der Antrag gegen 4 Stimmen angenommen." Selbst die Deutungskunst der Freien Deutschen Presse" wird Um was es sich eigentlich handelt, ist also aus dem Bericht nicht deutschen Geldmarkt zu wenden, ließ sich schon am Sonnnach dieser Aufklärung versagen müssen, hier einen Aft von zu ersehen, obwohl das doch sehr notwendig wäre. Entweder hat abend aus verschiedenen Preßäußerungen entnehmen. So be Terrorismus oder Zensur zu fälschen. Die Freie Deutsche Presse" man eine Kleinigkeit ungebührlich aufgebauscht oder die Genossen, richtete die" Frankfurter Zeitung", daß nach ihren Inforfragt aber ferner, was die sozialdemokratische Parteileitung dazu die verantwortlich sind für die Anstellung des Parteisekretärs, der mationen bereits japanische Unterhändler nach England unterwegs fagen würde, wenn fernstehende Komitees Herrn Schippel oder doch in erster Linie Agitator sein soll, haben äußerst gewissenlos ge- feien und daß man diesmal versuchen wolle, auch„ an Deutschland Bernstein einladen würden, in Hamburg über Bollfragen, über den handelt. Auf keinen Fall kann diese Kompromittierung eines als beranzutreten." Gleichzeitig veröffentlichte der„ Berliner BörsenRevisionismus zu sprechen. Dazu ist zu bemerken, daß die Partei- Agitator bestellten Genossen unaufgeklärt bleiben. Courier" eine anscheinend aus dem Kreise der Deutschen Bank leitung dazu überhaupt nichts zu sagen hätte. Sozialdemokraten inspirierte Notiz, in der es heißt:„ Die Aeußerung des Reichskönnen selbstverständlich über alles reden und überall reden, wo sie wollen. Genosse Bernstein hat oft genug über Revisionismus gefanzlers Grafen Bülow in der gestrigen Sitzung des deutschen redet, und an Schippels Haltung gegenüber den Zollfragen wurde Reichstags, daß, wie die deutsche Regierung feine Veranlassung das ausgesetzt, daß sein Standpunkt nicht in genügender Klarheit zum hatte, eine neue russische Anleihe in Deutschland zu verhindern, sie auch die japanische Regierung nicht verhindern wirde, eine Anleihe Ausdruck fam. Soziales. Hausbesitzer und Wohnungsgesetz. Der preußische Landesverband städtischer Haus- und GrundEs dürfte in der Geschichte aller Parteien noch nicht vorgekommen befizervereine hielt Sonntag und Montag hier einen Verbandstag bei uns aufzunehmen, scheint die Deutsch- Asiatische Bank, zu deren sein, daß das Vorstandsmitglied einer Partei in einer Bersammlung ab. Das Hauptthema bildete der preußische Entwurf zu einem Hauptgeschäftsgebieten Japan gehört, veranlaßt zu haben, im per eigenen Bartei nicht mehr reden darf, wie das in Königsberg Wohnungsgesetze. In den Eröffnungsreden machte ein Herr Brinzip dem Gedanken der Mitwirkung bei einer etwaigen neuen der Freifinn geleistet hat. Wenn sich die Freie Deutsche Bresse" Mallowsti der Stadt Berlin ein recht unverdientes Kompliment. Er japanischen Anleihe näher zu treten. Angesichts der lebhaften dahinter verschanzt, daß das Vorstandsmitglied von Königsberger Freifinnigen, die der Organisation fernstehen, eingeladen beschwerte sich nämlich darüber, daß Magistrat und Stadtverordnete Beziehungen, die das Institut mit Japan verknüpft, worden sei, so ist auch das natürlich kein Grund, Naumann das Berlins nicht einmal geantwortet hätten auf die Einladung zu dem halten wir es für wahrscheinlich, daß Anerbietungen Reden zu verbieten. Sozialdemokraten haben stets und werden auch Kongreß und bei dieser Gelegenheit behauptete er, die Stadt Berlin an die Bant betreffs einer Beteiligung bei den Parole der absoluten Neutralität, Einivendungen gegen die Blazierung japanischer Staatsobligationen in Deutschland nicht erhebt, was sich aus der gestrigen Erklärung des Grafen Bülow ergibt, fo liegt für die Bank jedenfalls auch kein Grund vor, sich gegen die Mit wirkung an einem solchen Geschäft grundsätzlich ablehnend zu verhalten." Um welche Summen es sich handelt, ist noch nicht bekannt. Wenig dürfte es nicht sein. japanischen Anleihe operationen bereits früher Arbeiterinnen und zwei Arbeiter in diesen Betrieben stehen geblieben.| Bugehörigkeit zur Organisation oder Tätigkeit für dieselbe dürfen herangetreten sind. Die Grundbedingung hier. Das Bentral- Streitbureau befindet sich Ritterstr. 75 bei Boigt. nicht stattfinden. Zur Schlichtung von Streitigkeiten soll eine fiz bildete aber das Einverständnis der Die Polsterer der Eisenmöbelbranche haben beschlossen, Sechzehner- Kommission gewählt werden, bestehend aus den in Bedeutschen Reichsregierung. Wenn diese nun, getreu der die Fabrikanten zu ersuchen, daß sie sich im Laufe des gestrigen Montags tracht fommenden Organisationen. oder teine Antwort erfolgen, so ist am Dienstag( heute) die Arbeit Februar dieses Jahres ein, wurden aber einer Antwort seitens der zu den Forderungen äußern. Sollten die Forderungen abgelehnt werden, Die Arbeiterorganisationen reichten ihre Forderungen schon im niederzulegen. Die Forderungen betreffen die Anerkennung eines Arbeitgeberorganisationen nicht für würdig gehalten. Diese Affordtarifs, der die bisherigen Preise um 10 bis 25 Broz. erhöht. wendeten sich vielmehr vor einigen Tagen mit einem Schreiben an Als Stundenlohn werden 70 Bf. gefordert, für Ueberstunden ein den Gesellenausschuß der Bauinnung. Die" Bugeständnisse", die ste Aufschlag von 20 Pf. pro Stunde. Wartezeit wegen Mangel an machten, sind folgende: Sie wollen einen Normalstundenlohn von Material soll den Affordarbeitern in Lohn bezahlt werden. Ferner 54 Bf. für Maurer und 44 Pf. für Hülfsarbeiter bei 10stündiger wird gefordert die Anerkennung der neunstündigen Arbeitszeit. Die Arbeitszeit im Sommer bewilligen, und zwar bis zum 31. Mara selbe soll bei schlechtem Geschäftsgange, ehe Entlaffungen vor 1907. Den Lohn wollen sie ant Sonnabend abend nach Feierabend genommen werden, bis auf sieben Stunden verkürzt werden. auszahlen. Agitation auf der Baustelle zieht die sofortige Ent laffung nach sich. Das Brennmaterial zum Heizen der Baubude sollen die Arbeitnehme:( 1) liefern. Die Wahl einer Kommission wird abgelehnt, weil die Verhandlungen nur mit dem Gesellenausschuß gepflogen werden sollen. Kaiser- Keller und Kaiser- Hotel. Bisher befand sich der KaiserKeller in der Friedrichstraße nebst dem Kaiser- Hotel und dem KaiserCafé im Besitz einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung; jezt soll das Unternehmen in eine Aftiengesellschaft umgewandelt werden. Der Hauptbeteiligte, Kommerzienrat Schönner, hat den Besizanteil seiner Mit- Gesellschafter erworben und gedenkt das Ganze, dent noch die ihm gehörenden Häuser in der Friedrichstraße, der Tauben und der Jägerstraße hinzugefügt werden sollen, in eine große Aftiengesellschaft umzuwandeln. Arenbergsche Aktiengesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb, Effen. Auch der Jahresabschluß dieser Gesellschaft beweist, daß tros aller Klagen der Bergbau zu den rentabelsten Unternehmungen gehört. Nach 462 065( im Vorjahre 489 577) W. Abschreibungen auf Zeche Arenberg und 276 000( 0). Abschreibungen auf Zeche Julius Philipp bleibt ein Reingewinn von 2 784 643( 2 985 694) W., aus welchem 35 Proz.( 40 Proz.) Dividende an die Attionäre berteilt werden sollen. Gewerkschaftliches. Berlin und amgegend. " " Der Metallarbeiterstreit bei der Firma C. Lorenz, Telegraphenbauanstalt, dauert unverändert fort. Am Montag stellten sich von den gesamten zirka 400 Streitenden nur 2 Mann als Arbeitswillige der Firma zur Verfügung Alle arbeitsuchenden Metall= arbeiter werden dringend ersucht, diesen Betrieb zu meiden. Kein neuer Tarif im Dachdeckergewerbe. Auf diese Abänderungen ihres Vorschlages gingen die Arbeiter nicht ein; in gemeinschaftlichen Versammlungen faßten sie vielmehr folgende Resolution: " Die Versammelten bedauern den ablehnenden Standpunkt der Innung gegenüber den Arbeiterorganisationen, der in der Der Zentralverband der Dachdecker( Filiale Berlin) nahm in bölligen Ignorierung derselben seitens der Innung zum Ausdruck einer zahlreich besuchten Versammlung am Sonntag nochmals fommt. Sie erwarten in Zukunft die Anerkennung der Organi Stellung au seiner Tarif angelegenheit. Nach rechtzeitiger ſation der Arbeiter, entsprechend den heutigen Wirtschaftsverhält= Ründigung des jeßiger Tarifs ist es zu einer Verständigung mit nissen. Des weiteren erklären die Versammelten, daß die Beschlüsse den Arbeitgebern bisher nicht gekommen, und es bestehen auch keine der Innung, betreffend die Arbeitszeit, Lohnfestseßung usw., nicht Aussichten, ein neues Tarifverhältnis zu schaffen. Die Arbeitgeber den Wünschen der Arbeiter gerecht werden, und beauftragen die haben sich außerstande erklärt, den Stundenlohn auf 75 Bf. au er: Lohnlommission, den hiesigen Arbeitgeberverband und die Freie höhen, auch widersehen sie sich der vom Verbande geforderten u 3- Bauinnung um weitere Verhandlungen zu ersuchen." schaltung der christlichen Organisation beim Ab- Es liegt jetzt an den Unternehmern, einem Kampfe vorschluß eines neuen Vertrages. Wie der Vorsigende öppner zubeugen; ein wenig mehr Konzessionen werden von den Arbeitern ausführte, ist die Mitwirkung der christlichen Organisation als ver- erwartet. tragschließender Faltor in einer früheren Bersammlung von den Gleichzeitig mit den Bauarbeitern sind die Schneidergehülfen Verbandsmitgliedern definitiv abgelehnt worden, weil sich nach und Düffelsdorfs in eine Bewegung eingetreten. Doch handelt es sich nach ein unleidliches Verhältnis zwischen diesen beiden Arbeiter- bei dieser Bewegung um Beseitigung bestehender Mißstände; eine Zum Ausstand der Berliner Schildermaler schreibt die Arbeit organisationen herausgebildet hat. Es ist eine Kommission So 3. B. hätten die Lohnforderung kommt nicht in Betracht. geber Beitung" unter anderem:... Die Arbeiter warteten die ge- Christlichen" die Verbändler häufig Lumpen, aur Untersuchung der Uebelstände gewählt worden, und hofft man gebene Frist nicht ab, sondern legten die Arbeit und zwar vielfach Schwindler und Betrüger geschimpft, was zu aller auf eine friedliche Lösung der Differenzen. unter Kontrattbruch nieder". Damit will man dann die hand Reibereien Anlaß gab. Wenn dann unter solchen Umständen Auch wollen die Gärtnergehülfen in Düsseldorf ihre Lage ver Arbeitgeber scharf machen. Das geschieht seitens der Arbeitgeber die Verbandsmitglieder das Zusammenarbeiten mit den christlichen bessern, doch finden sie gar kein Entgegenkommen bei den GärtnereiBeitung" auf grund einer maßlosen llebertreibung. Von einem viel Schimpfbrüdern verweigerten, dann sei sowohl von der christlichen besigern. Diese haben die Forderungen der Gehülfen, die mehr fachen Kontrattbruch kann gar nicht die Rede sein. Denn von den Fachpresse wie auch von diversen Zentrumsorganen ein heillojes als bescheiden genannt werden müssen, sie verlangen einen Wochen160 Malern, die am 8. März beschlossen, die Arbeit sofort Lamento über sozialdemokratischen Terrorismus" erhoben worden. lohn von 20 M. bei 11ftündiger Arbeitszeit, als zu hoch und unniederzulegen, fommen im Höchstfalle drei in Betracht, die Natürlich verschweige diese Presse gefliffentlich alle Fälle von„ christ- erfüllbar erklärt und daraufhin jede Verhandlung mit der Gehülfenmit Kündigungsfristen zu rechnen hatten. Und das waren lichem Terrorismus", obwohl es eine ganz alltägliche Erscheinung sei, fommission abgelehnt. Zu einem Streit wird es wohl in diesem Zeichner, bie ja ohne die Maler auch nur bedingungsweise daß die Christlichen überall dort, wo sie in der Mehrheit sind, die Gewerbe nicht fommen, weil die Organisation noch zu schwach ist. arbeiten fonnten. Aber die Arbeitgeber Beitung" hat alle Verbändler rüdsichtslos aus der Arbeit graulen. Was aber den Die Stellungnahme der Unternehmer wird die Gehülfen vielleicht Beranlassung, auf die Arbeiter zu wettern, um dann hinter Christlichen in ihren Domänen recht sei, müsse den Verbändlern zu einem Zusammenschluß treiben. diesem Geschrei die Sünden der Unternehmer zu verbergen, nament hier schließlich billig sein. Die Abneigung beruhe eben auf Gegenlich jene Art und Weise in Vergessenheit zu bringen, in der einzelne feitigkeit. Es stehe den Christlichen ja frei, mit den Unternehmern Unternehmer gegen die bei ihnen beschäftigten Ausländer vor- auf eigene Faust einen ähnlichen Vertrag abzuschließen wie ihn die gehen. Wir wollen da wir annehmen, die Arbeitgeber- Zeitung" Verbandsmitglieder anstreben. Da unter den geschilderten Umfennt die Dinge nicht genügend- hier einen weiteren ständen ein neues Vertragsverhältnis aber nicht zustande gekommen Im Berein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse sprach Jeweis von Unternehmerterrorismus Arbeitern gegenüber geben. Das fei, so würden die Dach deder vom 1. April an eben am 13. März Frl. Dr. Wyzodszinsky über Formen und Verlauf der ist die Firma Adolf Lenau. Wenn wir recht unterrichtet find, so ohne Tarif arbeiten und sich dann den geeigungentuberkulose. Die sehr zahlreiche Versammlung folgte mit leb werden von derselben ausländische Arbeiter mit Vorliebe beschäftigt, neten 3eitpunkt zur Durchfebung ihrer Forde haftestem Interesse den höchft intereffanten flaren Ausführungen der da man meint, diese Leute mehr in der Hand zu haben als die in rungen vorbehalten. Beschlossen wurde sodann, den Referentin. Es ergab sich, wie notwendig die Aufklärung über die ländischen Arbeiter. Bei dieser Firma waren bis jetzt auch drei Arbeitsnachweis in der Gormannstraße 3 so weit verbreitete Krankheit in der Arbeiterschaft ist, wie tief fie ungarische Maler beschäftigt, die unter der Bustinimung fperren und sämtliche Mitglieder zu verflichten, nur den mit den sozialen Verhältnissen zusammenhängt, und auch im des Unternehmers an dem Ausstand teilnahmen. Nur sollten sie nach weis der Organisation in der Weinstraße au wesentlichen nur durch Besserung derselben mehr und mehr versich dem Berbande nicht anschließen; die Kosten würde die Firma ben uken. Ebenfalls wurde beschlossen, den 1 Mai durch schwinden wird. Die Debatte war sehr lebhaft, man griff die tragen. Der Ausstand scheint der Firma mittlerweile jedoch ebenso allgemeine Arbeitsruhe zu feiern, Lang geworden zu sein, als die Ungarn Lust an dem Streit betommen hatten. Am 16. März ging dem einem von ihnen nachstehendes Schreiben zu: " " Aus der frauenbewegung. und Depefchen. Berlin, 20. März. Amtliche Meldung. Ein Telegramm aus Windhul meldet: Unteroffizier Hans Schnabel, geboren am 6. Februar 1882 zu Schetriden, früher im Kaiser Alexander Garde Grenadier- Regiment Nr. 1, ist am 14. März 1905 im Lazarett Bethanien am Typhus gestorben. Strantenlaffenverwaltungen an, die oft in der Verschreibung bon nährkräftigen Heilmitteln zu bureaukratisch vorgingen. Der Streit der Kranführer, Transporteure und Hülfsarbeiter Die nächste Versammlung ist eine Wanderversammlung und findet von der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft, Abteilung Brunnen. am 27. März im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23, statt. Das Mit Gegenwärtigem teile ich Ihnen mit, daß ich Ihnen straße, ist bendet. Bereits am Sonntag' vormittag hat eine Referat hat Herr Dr. Maurenbrecher übernommen. nunmehr einige Tage Beit gelassen habe, sich den unbesonnenen feitens des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Ver. Borsigwalbe. Die Mitgliederversammlung des Frauen und Schritt, den Sie und Ihre Kollegen getan haben, zu überlegen: tehrsarbeiter einberufene Versammlung der Streifenden statt Mädchen- Bildungsvereins für Borfigwalde und Umgegend findet Ich mache Sie darauf aufmerksam, daß ich, falls Sie nicht bis morgen, Freitag, den 17. März früh, Ihre Tätigkeit wieder auf- gefunden, in welcher auch die zunächst beteiligten Interessenten von Mittwoch, den 22. b. M., abends 8 Uhr, im Zolale von Mob. genommen haben, gegen Sie als Ausländer all die ben im Betriebe beschäftigten Arbeitern start vertreten waren. Schmidt in Tegel, Schlieperstr. 64, statt. Schritte unternehmen werde, die mir das Gefe der Beschluß gefaßt, die bestehende Kommission zu beauftragen, Nach eingehender Aussprache über den Stand des Streiks wurde gestattet. Sie persönlich sind mit 100 M. im Vorschuß und noch haben außerdem vierzehntägige Kündigung. Nach Rücksprache mit noch einmal mit der Direktion in Berhandlung zu treten und Letzte Nachrichten einem Rechtsanwalt habe ich demnach nur nötig, eine Geld- darauf zu bringen, daß der Vertrauensmann Fromke wieder an faution für die Richtigkeit meiner Behauptungen bei Gericht seinen Posten gestellt wird. Diese Verhandlung hat dann auch am zu stellen, um Ihre sofortige Berhaftung als Montag stattgefunden, und zwar unter Hinzuziehung des Ob. fluchtverbächtige und für mein Guthaben nicht mannes des im Betriebe bestehenden Arbeiterausschusses. Die Berfichere Ausländer in die Wege leiten zu können. handlung führte zu einem Bergleich, welcher darin besteht, daß die Bevor ich zu diesem Schritte Ihrerseits gezwungen werde, Direktion einwilligte, den Vertrauensmann Fr. wieder in die Abschreibe ich Ihnen noch diesen Brief und erwarte Ihrerseitsführer, sondern als Hülfsarbeiter in der Kolonne. Auch wurde wurde in einer Sandgrube bei sterdorf ein Handkoffer mit teilung des Meisters Lehmann einzustellen, jedoch nicht als Kran Hamburg, 20. März.( W. T. B.) Wie die Abendblätter melden, daß Sie morgen die Arbeit wieder aufnehmen. Achtungsboll Adolf Lenau." seitens der Direktion die Zusicherung gegeben, daß Fr., welcher Papieren gefunden, aus welchen hervorgeht, daß die beiden am Die in Betracht kommenden Maler gaben dem Herrn Lenau würdigenden Arbeiten nicht herangezogen werden soll. jahrelang als Kranführer tätig war, zu seine Berfon etwa herab Sonnabend aus der Alster gezogenen zusammengebundenen Leichen Der Lohn der Klempner Heinrich Koberle aus Altlomnig in Schlesien und die einzig richtige Antwort auf seine Drohung. Sie warteten den foll in allernächster Zeit für die Hülfsarbeiter in der Kolonne so deffen Sohn find. Berhafis und Ausweisungsbefehl nicht erst ab, sondern sie reiften geregelt werden, daß von einem Lohnausfall vielleicht schon nach sofort in ihre Heimat. So hat der Unternehmer der Organisation 14 Tagen nicht mehr die Rede sein kann. Mit dieser Zusicherung Die Bewegung in Rußland, die Arbeit erleichtert und sich seinerseits nach Kräften bemüht, die erklärten sich die Streifenden einverstanden und beschloffen ein- Jekaterinoslaw, 19. März.( W. T. B.) Die Verwaltung der Zahl der Streifenden am Orte zu verringern.- Jedenfalls aber wird auch dieser Fall auf die Ausländer in der von uns gewünschten stimmig, die Arbeit noch am Montag, wie dies von der Direktion Neurussischen Gesellschaft verweigerte die geforderte Lohnerhöhung. Weise wirken und die Warnungen vervollständigen, die die politische gewünscht wurde, wieder aufzunehmen. Da Schichtwechsel im Be- Die Hüttenwerke in Jufoto und die Kstohlengruben im Streise Weise wirken und die Warnungen vervollständigen, die die politische triebe eingeführt ist, meldeten sich die Beteiligten dementsprechend Bachmut sind geschlossen. Die Entlassung von 13 000 Arbeitern Presse und die Fachblätter des Auslandes den ausländischen Kollegen zugehen ließen. Der Zuzug von ausländischen Arbeitswilligen ist um 1%, 2 und 5% Uhr zum Antritt ihres Dienstes. Somit fonnte steht bevor. der gesamte Betrieb, auch die Nachtschicht, wieder aufrecht erhalten Tiflis, 20. März.( W. T. B.) Die Bauerunruhen im fast hermetisch abgeschlossen. Der ausländischen Arbeiterpresse sei an werden. Arbeitswillige aus den Streifen der Berufsangehörigen hatten Gouvernement Kutais breiten sich aus. Die gegenseitige Feinddieser Stelle mit dafür gedankt. fich erfreulicherweise nicht gefunden. Dagegen wurden acht schaft zwischen den Mohammedanern und Armeniern im Gebiete Der Stand der Bewegung ist für die Maler ungemein günstig trä ne, welche am Montag morgen in Betrieb von Kars wird beunruhigend, besonders im Hinblick auf die AnArbeitswillige fehlen auch aus den Reihen der inländischen Kollegen. Nur ein Maler Guttad, Schöneberg, Hauptstr. 3, bemühte sich um gefest worden sind, von Ingenieuren, Technikern und wesenheit von zahlreichen aus der Türkei geflüchteten Armeniern. Streitarbeit. Falls der Genannte Gehülfen beschäftigt, werden diese Meistern, also proletarie rn im 3ylinderhut und Es sind Sicherheitsmaßregeln getroffen worden. Stehkragen, welche sonst derartige Arbeiten als Hoffentlich Stellung dazu nehmen.- Wenn einzelne Internehmer meinen, fie fönnten ruhig eine Saison schießen lassen, so vergessen die Herren eine Herabwürdigung ihrer Stande sehre be trachten, bedient. Wie verlautet, soll es dabei ohne etliche dabei, daß ihnen mit der Saison auch eine große Anzahl Kunden verloren geht. Die 23 Firmen, welche bereits bewilligt haben, sind unfälle nicht abgegangen sein. Dies dürfte ficherlich ein Beweis auf den Gouverneur in Wiborg( Finnland) Mjasojedow, ist heube mit Arbeit außerordentlich reich versehen. Interessenten, die ihre dafür sein, daß diese Herren vielleicht wohl in der Theorie be- von einem unbekannten, ungefähr fünfundzwanzigjährigen Mann Bestellungen von den lahmgelegten Firmen nicht ausgeführt erhalten wandert sind, daß es aber in der Bragis bei ihnen hapert. Bur geschossen worden. Die Verwundungen des Gouverneurs find fönnen, verweisen wir an die Adresse: Restauration lofterglocken", Ausführung der verantwortungsvollen Arbeit der Kranführer ge- lebensgefährliche. Alte Jakobstr. 83. Dort befindet sich das Streitbureau der Arbeiter, hört nicht nur Körperkraft, sondern auch Gewandtheit und Gewo jederzeit den Inreressenten die Firmen, bei denen gearbeitet wird, ein Gewicht von 200 bis 400 Bentnern haben, ohne dieselben zu be- Mann, der den Mordanschlag gegen den Gouverneur Mjawjedow befannt gegeben werden. Lohnbewegung der Sattler. fchädigen und, was die Hauptsache ist, ohne Unfälle transportieren zu fönnen. Es wurde der Stommiffion zugestanden, daß hinsicht lich der Einführung der zehnstündigen Arbeitszeit für diese Abteilung in nächster Zeit Berhandlungen stattfinden sollen. Deutfches Reich. Der Bezirksleiter. Ein Attentat auf den Gouverneur von Wiborg. Helsingfors, 20. März.( Meldung von Rigaus Bureau.). Helsingfors, 20. März.( Meldung von Ribaus Bureau.) Der in Wiborg berübt, ist verhaftet. Er heißt Matti Reinifta. Er hat gegen den Gouverneur drei Schüsse in dessen Bureau abgegeben. Man glaubt jetzt, daß die Verwundungen des Gouverneurs nicht lebensgefährlich sind. Brockton( Massachusetts), 20. März.( W. T. B.) Durch eine Steffelexplosion entstand heute eine Feuersbrunst in der Groverschen Schuhfabrik. Dabei sind, wie bisher festgestellt wurde, 25 Personen umgekommen, deren Leichen bereits geborgen sind; es ist nicht befannt, ob noch mehr Tote unter den Trümmern liegen. Brockton( Massachusetts), 20. März.( W. T. B.) Die Zahl der beim Brande der Groverschen Schuhfabrik umgekommenen, deren Leichen bisher geborgen sind, beträgt 35, die der Verletzten beträgt fünfzig. Ein Fabrifbeamter äußerte, daß möglicherweise hundert Personen ums Leben gekommen sind. Zwei Spezialbranchen des Sattlergetverbes befinden sich augen blidlich in einer Lohnbewegung. Die Arbeiter der Gürtel und Achtung, Maler! Die Kollegen von Potsdam und Nowawes Galanterie branche haben am Sonntag beschlossen, ihre Forderungen am Montag( gestern) in allen Betrieben einzureichen, befinden sich im Ausstande und warnen wir daher dringend vor und überall, wo die Unternehmer Verhandlungen ablehnen, die Buzug nach diesen Orten. Auch ersuchen wir die Kollegen, welche Arbeit sogleich niederzulegen. Die hauptsächlichsten Forderungen bei einem Potsdamer oder Nowaweser Meister in Berlin arbeiten, find: Mindest Wochenlohn für gelernte Arbeiter 26 M., für dieses sofort in unserem Bureau, Engel- Ufer 15, zu melden. Stepperinnen 18 W., für Hülfsarbeiterinnen über 16 Jahre 18,50 m., für Hülfsarbeiterinnen unter 16 Jahre 10 M., für männliche Hülfsarbeiter 21 M. Bereits gezahlte höhere Löhne werden um 5 Proz. erhöht. Ueberstunden sind mit einem Düsseldorf. Die Bauarbeiter Düsseldorfs sind in Aufschlag von 25 Broz. zu bezahlen. Die Arbeitszeit foll 53 Stunden eine Lohnbewegung eingetreten, die freien Gewerkschaften haben in der Woche betragen. Abschaffung der Afford- und der Heims sich mit den Christlichen zu einem gemeinsamen Vorgehen geeinigt. arbeit. Nach Vorlegung der Forderungen haben 15 der Fabrikanten Es ist den Unternehmern ein Tarif unterbreitet worden, der ein fich bereit erklärt, mit der Kommiffion zu verhandeln. Die Lohn Jahr Gültigkeit haben soll. Gefordert wird eine 9½stündige Artommission hat diese Firmen zu einer Sigung eingeladen, die abends beitszeit für die Sommermonate. Die Maurer verlangen einen 6 Uhr stattgefunden hat, deren Ergebnis aber bis zur Stunde noch Stundenlohn von 57 Pf., die Bauhülfsarbeiter einen solchen von nicht feststeht. Bei zehn Firmen sind die Nrbeiter und Arbeiterinnen 47 Pf. Der Lohn foll Freitag abend vor Feierabend auf der Baueinmütig in den Ausstand getreten. In Betracht kommen die Firmen: stelle ausgezahlt werden; jede Wartezeit sollen die Unternehmer Santiago de Chile, 20. März.( Meldung der Agence Havas.) v. Bohlen, Boas, Staffel, Engel, Lewy, Mohr, Zeusler, Cohn, vergüten. Weiter verlangen die Bauarbeiter die Abschaffung der Die Beulenpest, die schon seit vorigem Jahr in Iquique herrscht, Franken u. Ehrenstein und die Firma Brummer mit insgesamt Affordarbeit und die genaue Einhaltung der Arbeiterschutz- breibet sich jetzt auch im Süden aus; heute sind in Valparaiso bier 165 Arbeitern und 53 Arbeiterinnen. Im ganzen sind nur vier Bestimmungen und Sanitätsvorschriften. Maßregelungen wegen Bestfälle festgestellt worden. Boodton( Massachusetts), 20. März.( W. T. B.) Bis jetzt find im ganzen 60 Leichen von bei dem heutigen Fabrikbrande Verunglüdten zutage gefördert. Die Best in Chile. Beranti. Ned.: Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw.( mit Ausnahme der„ Neue Welt" Beilage): Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagenu.Unterhaltungsbl Nr. 68. 22. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Reichstag. 168. Sigung bom Montag, den 20. März 1905, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: v. Einem, Freiherr v. Stengel. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung eines Gefeßentwurfs betreffend die Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres. Abg. Bebel( Soz.): D " " nagan dion for dentit Dienstag, 21. März 1905. Wenn ein Volk Die Durch Abschaffung des Parademarsches würden eine Menge Klagen durch Vereinfachung des Egerzierens und Beseitigung des blinkenden in der Armee beseitigt werden, ohne daß die Kriegsbereitschaft des Heeres Kürassierhelms wird doch kein Geld gespart. In der Schlacht um das geringste vermindert würde.( Sehr richtig! links.) Ferner muß zieht man übrigens den leinenen Ueberzug über den endlich einmal eine Vereinfachung in der Uniformierung in die Wege Sürassierhelm und dann blinkt er nicht mehr, Herr Bebel! geleitet werden; feit 16 Jahren trete ich nun dafür ein, ohne daß Ich schließe mit den schönen Worten des Generals v. Clausewitz: ich viel Unterstüßung dabei gefunden hätte. Dabei ist die Frage Nur wenn Boltscharakter und Kriegsgewöhnung in beständiger doch absolut feine politische, sondern nur eine Zwedmäßigkeitsfrage. Wechselwirkung sich gegenseitig tragen, fann ein Volt hoffen, einen Es kann doch keinem von uns daran liegen, daß im Kriege wegen der festen Stamm in der politischen Welt zu haben. jezigen unzweckmäßigen Uniformen mehr Opfer fallen. Und dann einen festen Stamm in der politischen Welt dauernd bewahren will, sollte man auch die finanzielle Frage einer neuen zweckentsprechenderen fo darf es nicht warten, bis der Krieg über es hereinbricht, sondern Ich bedauere lebhaft, daß, als die Budgetkommission über diese Uniformierung in Betracht ziehen; viele Millionen ließen sich muß im Frieden schaffen was notwendig ist!( Bravo! rechts.) Vorlage beriet, es noch nicht bekannt war, in welcher Höhe die durch zweckentsprechende Ausrüstung der Truppen ersparen. ZweifelAbg. Dr. Spahn( C.): Nachtragsforderungen für Südwestafrika sich belaufen würden. los ist der Kürassierhelm ein ganz vorzügliches Ziel- Ich will kurz die Unterschiede zwischen der Regierungsvorlage Bekanntlich handelt es sich um eine Nachtragsforderung für 1904 in objekt für den Feind( Sehr richtig 1), und dies ganz besonders Der Reichstag hat es der Höhe von 27 Millionen Mark und um eine Ergänzungsforderung beim Aufklärungsdienst, der sich ja wegen der weiten Trafähigkeit und den Kommissionsbeschlüssen darlegen. für 1905 in der Höhe von 34 Millionen Mart, zusammen also der modernen Geschosse weit schwieriger gestaltet. Auf 1500 oder sich zur Aufgabe gesetzt, die Zuschußanleihen zu beseitigen. Sie hat 61 Millionen Mart.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) 1600 Meter fann ein hinter einem Baume verstedter Infanterist einen infolge dessen die Erhöhung der Präsenzstärke erst vom 1. Oktober Wir können aber auch darauf rechnen, daß das noch nicht die letzten solchen Reiter wegschießen ohne daß man ahnt, woher die Kugel dieses Jahres an bewilligt, damit die Belastung des diesjährigen Forderungen für Südwestafrika sind. In dem Ergänzungsetat wird tommt. Aber alle diese Dinge sind ja für die Herren der Majorität Etats nicht zu stark wird, und auch das erst, nachdem die Regierungen auch eine Forderung enthalten sein über die Verstärkung der ein" Noli me tangere". Sie wissen, daß an sehr maßgebender sich bereit erklärt haben, die Matrifularbeiträge zu leisten. Schuztruppe in Kamerun. Im übrigen wurde es auch Stelle besondere Vorliebe für äußeren Glanz und Prunt be- Beseitigung der Dekonomiehandwerker ist eine alte Forderung meiner bereits in der Budgetkommission flar, daß auch für Kiautschou steht.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten. Unruhe rechts.) Partei gewesen. Durch ihre Einrechnung in die Friedenspräsenzzweifellos erhebliche Mehrforderungen zu erivarten find zum Teil Tatsächlich werden beim Militär fortwährend Aenderungen eingeführt. stärke haben wir erreicht, daß auch die 2000 Dekonomiehandwerker, für die dort stationierte Schuytruppe und zum Teil für die Schiffe. Der ganze Zidzadfurs präsentiert sich in der Entwickelung der die später noch beseitigt werden sollen, dann von der Friedens Endlich wird uns das Militärpensions- Gesetz erheb- Armee genau so, wie in der ganzen äußeren und inneren Politit. präsenzstärke abgehen. liche Mehrkosten machen. Weiterhin ist es zweifellos, daß im nächsten Oberst Gaedte im„ Berliner Tageblatt" hat das sehr hübsch Abg. v. Tiedemann( Rp.): Meine Freunde haben von Anfang Jahre eine neue Marineforderung fommen wird. Dazu charakterisiert, indem er alle die verschiedenen Aenderungen zu an der Vorlage mit großen Sympathien gegenübergestanden; follen mun noch die Mehrausgaben der gegenwärtigen Borlage sammenstellte. Da gab es erst die Schaffung neuer Bataillone, dann wir begrüßen auch die Vermehrung der Kavallerie und erkennen es kommen, falls dieselben, woran ja nicht zu zweifeln ist, von der ihre veränderte Organisation, dann ihre Abschaffung. Dann wurden an, daß die Heeresverwaltung sich hier auf das NotMehrheit bewilligt werden.( Sehr richtig! rechts.) Es handelt sich Meldereiter eingeführt, Meldereiter neu organisiert, Meldereiter abwendigste beschränkt hat. Mit dem redaktionellen Antrag um eine Mehrforderung von 74 Millionen Mark, darunter 62 Millionen geschafft.( Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Alles das hat Spahn können wir uns einverstanden erfären. für einmalige Ausgaben. Jedenfalls ist das eine sicher, daß der Reichs- der Reichstag bewilligt, ohne sich aufgeregt zu haben über die Wider- Abg. Dr. Müller- Sagan( frs. Vp.): Wenn behauptet wird, daß haushalts Etat durch diese hier aufgeführten Forderungen fich sprüche, die sich seit 1½ Jahrzehnten in der Entwickelung des Heeres die Niederlage der Russen durch die Japaner lediglich herbeigeführt noch erheblich ungünstiger stellen wird. Der Reichstag hat also zeigen, und zwar auf allen Gebieten der Heeresverwaltung. Da worden sei durch ihren Mangel an festgegliederten Formationen, so allen Grund, sich die Vorlage drei- oder viermal näher anzusehen, wurde erst die denkbar größte Ungleichheit zwischen den einzelnen wird das wohl innerhalb und außerhalb des Hauses ehe er sie bewilligt. Die erhöhte Friedens- Präsenzstärke wird mit Divisionen geschaffen, dann hieß es wieder, alle Divisionen müßten niemand glauben. Man sollte vielmehr an den Vers denken: dem Hintveis auf die politische Lage begründet. Das ist ja natürlich, gleich organisiert werden, und es wurde daraufhin wieder eine Liebe des Vaterlands, Liebe des freien Manns sichern den denn die Armee ist ja nicht Selbstzwed, sondern soll nur das Vater- Mehrforderung begründet.( Sehr richtig! links.) Aber bis jetzt ist Herrscherthron wie Fels im Meer"! Wenn die Russen etwas mehr land verteidigen. Ich muß noch einmal, wie schon bei der General- taum eine Militärforderung an den Reichstag gekommen, reiheit hätten, dann würden sie vielleicht manches ersetzen debatte des Etats, darauf hinweisen, daß es gar keinen un- die von militärischen Sachverständigen militärischen Sachverständigen so bekämpft worden fönnen, was ihnen jegt an friegerischer Energie fehlt.( Sehr richtig! lints.) günstigeren Zeitpunkt für eine neue Militärvorlage geben wäre als die gegenwärtige, speziell mit Bezug auf die Wenn Herr Liebermann v. Sonnenberg darauf hingewiesen hat, daß fann als den gegenwärtigen, weil auf absehbare Zeit Vermehrung der Kavallerie.( Zustimmung links.) auf Jena und Auerstädt infolge der Heeresreorganisation Leipzig die Entstehung eines europäischen Krieges ausgeschloffen ist. Bei ihrer Begründung wird wieder auf die Möglichkeit eines Krieges folgte, fo hat er dabei die Stein- Hardenbergsche Gesetzgebung verWenn wir die großen Opfer ansehen, die der russische Krieg in den mit zwei Fronten hingewiesen. Aber selbst in diesem Falle wäre geffen. Aus der Zeit nach Jena und Auerstädt fann man viel eher letzten Wochen gekostet hat, wenn wir sehen, daß die russische Armee die Vermehrung der Kavallerie überflüssig. In der Breslauer lernen, daß man militärische 3öpfe nicht tonfer fast vollständig vernichtet ist, so ist meines Erachtens eine große Morgenzeitung" hat ein sehr tüchtiger penfionierter Offizier bieren, sondern beschneiden soll. Meine politischen Sicherheit gegeben, daß Rußland auf eine sehr lange Reihe von fürzlich drei Artikel erscheinen lassen. Er bezieht sich dabei Freunde find durchaus nicht abgeneigt, der Heeresverwaltung dasjenige Jahren nicht in der Lage sein wird, einen Angriff gegen uns zu auf den Berichterstatter eines großen füddeutschen Blattes zu gewähren, was notwendig ist zur Verstärkung der Wehrkraft richten. Für jeden Monat, den Rußland den Krieg weiter ich bermute die Frankfurter Zeitung", den dieses auf den insbesondere auf Grund der technischen Fortschritte der Neuführt, braucht es ein volles Jahr, um die durch den Krieg ver- Kriegsschauplatz entsandt hat. Da wird erklärt, die Kavallerie zeit. So werden wir der Vermehrung der Fußartillerie, der ursachten Schäden auszugleichen. Dazu die Revolte im Innern Ruß- hätte sich einfach überlebt. Selbst attackierende Kavallerie, die Pioniere 2c. unbedingt zustimmen. Wir sind aber nicht lands. Ich meine, daß uns auf absehbare Zeit von Rußland absolut doch sonst das Schlachtbild so anziehend gemacht hätte, ließe einverstanden mit der Bindung auf eine längere Frist. lein Angriff droht. Auch die franzöfifche Presse, insbesondere das sich gegenwärtig nicht mehr verwenden. In der Schlacht am Schaho Gine Notwendigkeit der Vermehrung aus der gegenwärtigen poli offiziöse Organ der französischen Regierung, der„ Temps", rät Ruß- haben nicht nur die Japaner ihre Kavallerie nicht besonders ent- tischen Weltlage abzuleiten, ist unmöglich. Wir haben ja in der land zum Frieden, weil, wenn Rußland den Krieg noch lange faltei, was man ja allenfalls damit erklären könnte, daß man sagt, Budgetkommission erfahren, daß das Kriegsglück nicht immer bei fortsetzt, Frankreich auf absehbare Zeit keine Aussicht hat, die Japaner hätten sich mit ihrer Kavallerie nicht be- den stärksten Bataillonen ist, sondern bei den besten Eisenbahnen. von Rußland unterstützt zu werden, wenn Frankreich den sonders sehen lassen tönnen, sondern auch die Russen( Sehr richtig! und Heiterkeit links.) Für die Beseitigung der Versuch machen sollte, einen Krieg vom Zaune zu brechen. haben ihre berühmte Kavallerie, noch dazu in dem Detonomiehandwerker und ihre Ersetzung durch Zivilhandwerker Wir haben also auch von französischer Seite in absehbarer General Rennenkampf einen besonders tüchtigen Führer ge- haben wir uns stets ausgesprochen. Dagegen können wir Zeit einen Angriff nicht zu erwarten. In dem Maße, in habt hat, nicht irgendwie entscheidend verwenden tönnen. der Bermehrung der Kavallerie nicht zustimmen. Der dem sich die Friedenszeit verlängert, sinkt die Wahrscheinlichkeit, Höchstens ein Angriff auf die Infanterie sei noch möglich; aber so Kriegsminister hat zwar in der Kommission eine sehr schöne Rede daß Europa noch jemals in einen großen Krieg verwidelt werden lange noch eine Infanterie- Abteilung ihrer selbst Herr sei, so lange für diese Vermehrung gehalten, aber er hat mich nicht überwird. In den Schlachten in der Mandschurei standen sich Hundert sie Patronen in der Tasche habe, könne auch sie die Kavallerie zurüdeugt. Ich muß mich in bezug auf die Kavallerie im wesentlichen tausende gegenüber, und wenn man sich die Schwierigkeiten verweisen. Die Kavallerie ist also einfach aus der modernen Schlacht dem anschließen, was Abg. Bebel ausgeführt hat. Wir gegenwärtigt, die sich bei der Verpflegung dieser Massen ergeben ausgeschlossen.( Sört! hört!, links.) Ich meine, wenn in dieser Weise haben als Abgeordnete nicht immer nur neue Ausgaben zu unterhaben, und bedenkt, daß es sich bei einem Kriege in Europa um die Sachverständigen sich, milde gesagt, uneinig sind, ob eine Ber- stügen, wir müssen auch prüfen, wie sie gedeckt werden sollen.( Bus Heere von Millionen handeln würde, so muß man es für un- mehrung der Kavallerie nötig ist, dann sollte doch der Reichstag stimmung links.) Wenn die Rechte stets für eine Finanzreform im möglich halten, daß die Völker Westeuropas jemals einen Krieg be- eine Mehrforderung auf diesem Gebiete nicht bewilligen. Denn Reiche eintritt, fo möchte ich fie bitten, doch zunächst die Liebesgaben ginnen werden. es steht hier Behauptung gegen Behauptung auf der einen Seite für die Landwirtschaft zu beseitigen.( Beifall links.) Unsere Armee würde aber auch im Falle eines Krieges allen die Sachverständigen, die sagen, wir haben Kavallerie übergenug, Kriegsminister v. Einem: Der Herr Abg. Bebel hat in seiner Anforderungen genügen, die eventuell an sie gestellt werden könnten. wir brauchen sie nur richtig zu verwenden; auf der anderen heutigen Rede, die er übrigens schon mehrmals gehalten hat( Sehr Da sollte sich doch der Reichstag ernsthaft fragen, ob die Vorlage, die Seite die Militärverwaltung, welche eine Vermehrung fordert. Nun richtig! rechts), eine tiefe Wahrheit ausgesprochen: Wenn er auch auch von meinem Standpunkte aus als klein bezeichnet werden muß, wissen wir allerdings, daß die Kavallerie sehr große Liebhaber hat, Laie wäre, so könne er doch bestimmt behaupten, daß der Aufabsolut notwendig ist, um die Sicherheit des Landes in allen aus sehr einflußreiche Liebhaber!( Sehr richtig! links.) Gewisse Kreise flärungsdienst der Kavallerie bedeutend schwerer geworden sei wärtigen Verwidelungen zu garantieren, ob wirklich eine so enorme betrachten die Kavallerie sozusagen als eine Sporttruppe, und von als früher. Das habe ich schon immer in der KomGefahr entstände, daß Deutschland nicht mehr in der Lage wäre, dieser Seite wird immer mehr darauf gedrängt, diefer Sporttruppe mission behauptet und betont, und gerade darum habe ich jeiner Feinde Herr zu werden. Angesichts der schwierigen Finanz- eine größere Bedeutung zu geben. Wir aber als Voltsvertreter auf Verbesserung und Vermehrung der Kavallerie hingewirkt. lage sollten Sie doppelt und dreifach prüfen, ob noch eine weitere haben eine andere Stellung einzunehmen. Wenn die Urteile der hat mich sehr gefreut, daß Herr Müller- Sagan mich eine Autorität für Vermehrung der Truppenzahl für Deutschland notwendig ist. Ein Sachverständigen so auseinandergehen, so kann der Reichstag gar ihn genannt hat( Widerspruch des Abg. Müller- Sagan) oder sollte ausländischer Fachmann hat berechnet, daß Deutschland im Fall eines nicht anders handeln, als der Vorlage ein glattes Rein ent- ich ihn mißverstanden haben, das tate mir furchtbar leid.( Große Krieges schon jetzt geradezu kolossale Menschenmassen in den Kampf gegenzufeßen.( Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Heiterkeit.) Und daß er gesagt hat, ich hätte in der Kommission für werfen fann. Alljährlich werden in Deutschland 260 000 Mann Der Präsident teilt mit, daß ein Antrag Dr. Spahn( 8) die Kavallerievorlage eine sehr hübsche Rede gehalten ausgebildet. Im Falle eines eines Krieges fann Deutschland und Genossen eingelaufen ist, welcher folgende redaktionelle oder fagte er sogar schöne"?( Große Heiterkeit), freut mich auch. 4940 000 Mann ausgebildeter Mannschaften zu den Waffen Kenderung fordert: Während die Regierungsvorlage eine Erhöhung Er meinte aber, ich hätte die Beweise für die Not einziehen. Rechnet man die zirka 400 000 Mann Abgang, der Friedenspräsenzstärkte schon im Laufe des Rechnungsjahres 1909 wendigkeit einer Vermehrung der Kavallerie nicht erbracht. so bleiben für die effektive Kriegführung 4%, Millionen Mannschaften, auf 505 839 Gemeine, Gefreite und Obergefreite fordert, wünscht Ich frage die Mitglieder der Kommission, die überhaupt für zu denen noch 250 000 Unteroffiziere treten, so daß die Kriegsstärke Antrag Spahn, daß die Friedenspräsenzstärke im Laufe des Rechnungs- Militärforderungen zu haben waren. Wenn ich dem Abgeordneten 43 Millionen beträgt. Im äußersten Falle kommen dazu noch sechs jahres 1909 nur die Zahl von 504 665 Gemeinen, Gefreiten und Dr. Müller- Sagan den Beweis nicht erbracht habe, so lag es wirkJahrgänge Ersazmannschaften, die während des Krieges eingezogen Obergefreiten erreicht und erst im Laufe des Rechnungsjahres 1910 lich nicht an mir. Wir brauchen für den schwierigeren Dienst der und ausgebildet werden, wie 1870 und jetzt in Rußland und Japan, auf 505 839 erhöht wird. Der§ 2 wird in der Form des Kavallerie im Frieden eine bessere Kavallerie, und die können wir so daß wir also über 53 Millionen verfügen.( Hört! hört!) Kein Kommissions Antrages erfordert, daß bei der Kavallerie zehn nur erreichen, indem wir unsere Kavallerie vermehren, damit wir Land der Welt verfügt im Fall eines Krieges auch nur über Eskadrons bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1910, die übrigen unseren Infanteriedivisionen bessere Kavallerie zuerteilen können. eine gleiche Truppenzahl, annähernd Militär bis zum Schluß des Rechnungsjahres 1909 gebildet werden. Ich bin dem Abg. Dr. Müller- Sagan schließlich noch sehr dankbar, muß anerkannt verwaltung daj Die Kommission fordert außerdem, daß von der Friedenspräsenz daß er mich auf einen Umstand aufmerksam gemacht hat, dessen all das, was auf dem Papier steht, in Deutschland auch wirklich vor stärke 2000 Dekonomiehandwerker abgehen, für deren Ersatz durch Gefährlichkeit und Wichtigkeit mir bisher ganz entgangen ist, daß handen ist. Ich will von Rußland gar night reden, aber auch Bibilhandwerker die Vorbereitungen spätestens bis zum 31. März 1910 nämlich die Lanzenfähnchen ein Sammelherd von Batterien und andere Länder sollen in dieser Beziehung viel zu wünschen übrig im Etat zu treffen find. Bazillen sind. Ich werde demnächst eins dieser Fähnchen dem lassen. Da sollte doch der Reichstag sorgfältig prüfen, ob diese Bor- Abg. v. Norrmann( fonf.): Der Abg. Graf Stolberg hat bereits Reichs- Gefundheitsamt einsenden.( Stürmische Heiterteit.) lage wirklich notwendig ist. Schon jetzt kann Deutschland trots bei der ersten Lefung der Militärvorlage erklärt, daß wir der Bor- Abg. Schrader( frs. Bgg.): Die gegenwärtige Vorlage soll nichts straffster Anspannung der Steuerschraube nicht einmal in normalen lage günstig gegenüberstehen. Wir halten die Erhöhung weiter sein als eine technische Verbesserung der Armee. Wir legen die Mittel aufbringen, die Friedenszeiten seine Wehr der Friedenspräsenzstärte und die Neuformationen im Interesse der teinen großen Wert darauf, ob die Bewilligung Was foll da werden, wenn ein Sicherheit unseres Vaterlandes für notwendig. Der Abg. Bebel auf längere oder fürzere 8eit erfolgt. Hierin können verfaffung erfordert. Krieg ausbricht und die finanziellen Anforderungen über alles hat aus dem Verlauf des russisch- japanischen Krieges den Schluß wir also nicht mit dem Abg. Dr. Müller- Sagan übereinstimmen. Maß hinausgehen?( Sehr wahr bei den Sozialdemokraten.) gezogen, daß eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke nicht notwendig Abg. Bebel schien sogar anzudeuten, daß eine Verminderung der Bei der schwierigen Finanzlage Deutschlands sollte der Reichstag fei. Wir müssen da mehr Wert legen auf die Ansichten unserer Armee gegenwärtig möglich sei, weil Rußland geschwächt ist. Aber fich doppelt und dreifach überlegen, ob diese Vermehrung wirklich militärischen Autoritäten und auf unsere eigenen Ansichten. wenn Rußland schwach ist, können andere Mächte entsprechend notwendig ist. Wenn man aber schon einmal glaubt, auch diese Nachdem sich der Kriegsminister in der Kommission mit dieser Ab- stärker werden. Ich erinnere an die vielen ungelösten Fragen Borlage bewilligen zu müssen, so sollte man sich wenigstens fragen, änderung der Vorlage einverstanden erklärt hat, werden wir der auf der Ballanhalbinsel. Wir brauchen also. eine starte ob nicht durch Ersparniffe die Mehrausgaben der Vorlage fich wieder Kommissionsfassung und dem Antrage Spahn zustimmen.( Beifall Armee auch für die Zukunft. Die Frage ist also nur noch die: ausgleichen ließen. In dieser Beziehung hat sich die Mehrheit rechts.) fönnen wir eine Ablehnung der gegenwärtigen Vorlage vers zum Ruhme und der werden, des Reichstages die Sache außerordentlich leicht Abg. Graf Oriola( natl.): Herr Bebel hat alles mögliche vor- antworten? Es ist das eine militärtechnische Frage. Ich gemacht. Ich habe nicht den geringsten Zweifel, daß weit mehr, gebracht, was er seit Jahren an der Armee auszusehen hat, aber bin nicht in der Lage, meine Autorität gegenüber der des Kriegsals die Vorlage toftet, auf andere Weise zu ersparen wäre, ohne all das kann uns in unserer Stellungnahme zu diesem Gesetz nicht ministers einzusetzen. Ich glaube auch nicht, daß zum Beispiel den bisherigen Stand der Heeresorganisation irgend zu beeinträch beeinflussen. Herr Bebel hat von der Notwendigkeit gesprochen, Abg. Dr. Müller- Sagan dazu in der Lage ist.( Sehr richtig! bei tigen. In einem Berliner Blatt hat vor wenigen Tagen ein höherer füd- Ersparnisse zu machen. Da, wo es fich aber darum handelt, das den Nationalliberalen.) Die Frage der Kavallerie- Bedeutung ist deutscher Offizier sich mit aller Entschiedenheit gegen diese neue Vor- durchaus Nötige für die Wehrkraft des Waterlandes zu bewilligen, halten völlig strittig. Der Burentrieg war überhaupt lage ausgesprochen, ganz Deutschland ohne Unterschied der Partei wir jede Sparsamkeit für verfehlt. Die Verbesserung der Finanzen kann ein eigentlicher Krieg, und die Erfahrungen über anschauung sei gegen diese weitere Vermehrung der Armee ein- nur auf dem Wege einer durchgreifenden Reichs- Finanzreform geschehen. den russisch japanischen Krieg Krieg find völlig unabgeschlossen. genommen.( Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) In jedem Wir halten es nicht für richtig mit Rücksicht darauf, daß einer unserer So wenig wir also wir also im allgemeinen wünschen, daß sich alle aber jei es notwendig, durch eine Herabsetzung der Dienstzeit Nachbarn in seiner Wehrkraft augenblicklich geschwächt ist, von einer die Ausgaben für das Heer vermehren, fo so wenig sind nicht nur bei den Fußtruppen, sondern auch bei der Kavallerie zu Vermehrung der Flotte( Heiterkeit links), des Heeres( Abg. Singer: wir in der Lage, diefer Borlage entgegenzutreten. Die Annahme sparen; die Ausbildung der Soldaten laffe eine große Menge von Der Flotte auch! Heiterkeit) darüber sprechen wir später wird uns dadurch erleichtert, daß die Deckung nicht durch Vereinfachungen ohne alle Schwierigkeiten zu. Das wird man um abzustehen, und werden für die Fassung der Kommission stimmen. so weniger bestreiten können, als durch faiserliche Verordnung( Bravo! bei den Nationalliberalen.) indirette Steuern, sondern durch Erhöhung der Matrikularbeiträge erfolgen soll. Eine Reichs- Vermögenssteuer scheint uns die beste Wehrfteuer zu fein. Wir sind also, wie gesagt, für die Vorlage und zwar in der Fassung der Kommission.( Beifall bei der Freisinnigen Bereinigung.) Abg. Böckler( Antis.): Wir haben zwvar einige Bedenken gegen in der legten Zeit eine Reihe von Reformen im Eyerzier Abg. Liebermann v. Sonnenberg( Ant.): Meine Freunde werden reglement durchgeführt worden find, die früher hier die für die Kommissionsbeschlüsse mit dem Antrag Sachverständigen jahrelang erklärt für unmöglich haben. Spahn stimmen. Herr Bebel meinte, nie sei ein ungünstigerer Zeit Daß der Parademarsch für die friegsmäßige Ausbildung der Truppen punkt für eine Heeresorganisation gewesen. Es ist schon in der unzweckmäßig und sogar die Ursache einer großen Bahl äußerer und Kommission vor vor solchen Prophezeiungen gewarnt und daran die Vorlage, werden ihr aber doch zustimmen. Erleichtert wird innerer Strankheitsfälle in der Armee ist, wird von militärischen erinnert worden, daß furz vor dem 70er Striege ein Abrüstungs- uns diese Zustimmung durch die gleichzeitige Einführung der zweiSachverständigen selbst zugegeben. Wenn man ihn doch beibehält, antrag damit begründet wurde, daß kein Wölfchen am politischen jährigen Dienstzeit. Im Gegensatz zu Herrn Bebel sind wir der mus man schwerwiegende Gründe dafür ins Feld führen können. Horizont fei. Herr Debel hat ja mit Recht Ersparnisse gefordert. Aber Meinung, daß die politische Lage gerade die gute Ausrüstung der Armee erfordert. Rußland hat noch ungeheure Hülfskräfte zur Ver- füguug und es wird jedenfalls die erste Gelegenheit benutzen, um sein Prestige wiederherzustellen. Auch Japan wird sicher nicht auf- hören, weiter zu japanisieren. Abg. Dr. Müller-Sagan sfrs. Vp.): Ueber die Notwendigkeit der Kaballerieverstärkung zu urteilen ist vor allem Sache des Politischen Staatsmannes und des Politischen Volksvertreters und nicht des militärischen Fachmannes. Der Kriegsminister glaubte dann meine Bemerkung wegen der Fähnchen der Ulanenlanzen mit einer scherz- haften Bemerkung abtun zu können. Der Heeresverwaltung wird aber bekannt sein, daß Männer wie Professor Bergmann darauf auf- merksam gemacht haben, daß Fetzen Stoff, die durch die Kugel in den Körper gebracht werden, die Heilung der Wunde sehr erschweren. So bin ich allerdings der Meinung, daß es eine Forderung der Menschlichkeit ist, Wunden, die man mit der Lanze beibringt, nicht noch durch Nachführung eines Lappens zu vergiften. Kriegsminister v. Einem: Aus meiner fachmännischen Einseitig- keit heraus möchte ich den Abgeordneten Dr. Müller-Sagan dahin informieren, daß bei einem Lanzenstiche, der auch nur einen halben Zoll eindringt, ein Reiter vom Pferde hinuntergesioßen wird. Die Lanzenfahne befindet sich aber l'/z Fuß unterhalb der Spitze. Ich war selbst Ulan im französischen Kriege und habe keinen Franzosen gesehen, der von der Fahne auch nur berührt worden wäre. Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.): Ich habe lediglich ans fach- männischen Erörterungen heraus Veranlassung genominen, die Sache vorzubringen. Es kommt doch nicht darauf an, daß ein kleiner Lanzenstich genügt, um einen Reiter vom Pferde zu stoßen, sondern darauf, ob nicht bei einem raschen Ansturm auch einmal die Lanze bis zur Flagge in den Körper eindringen kann. Kriegsminister v. Einem: Verehrter Herr Abg. Müller- Sagan I Denken Sie sich, daß ein Mensch von einer Lanze bis znr Flagge durchrannt wird; das sind dann doch solche Verletzungen, daß der Betreffende sich in der Tat nicht mehr um Bazillen zu kümmern braucht.(Stürmische Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Der Gesetzentwurf wird gegen die Stimmen der Freisinnigen Volkspartei und der Sozialdemokraten an- genommen. Es folgt die zweite Lesung des Gesetzes betreffend Aenderung der Wehrpflicht, dnrch das die Dienstzeit für die Kavallerie und reitende Feldartillerie auf drei Jahre, für die übrigen Waffen- gattungen auf zwei Jahre festgesetzt wird. Die Kommiffion hat die Vorlage der Regierung unverändert angenommen, aber als neuen Paragraphen die Bestimmung eingeschaltet, daß die Zeit für die Uebungen der Personen des Bcurlaubtenstandes unter möglichster Berücksichtigung der Interessen der bürgerlichen Berufskreise, nament- lich der Ernteverhältnisse, festzusetzen sei. Hierzu liegen folgende Anträge Albrecht u. Gen.(Soz.) vor: Die zweijährige Dienstzeit auch für die Kavallerie und reitende Feld- artillerie festzusetzen und die Bevorzugung der Einjährig-Freiwilligen aufzuheben. Ferner schlägt Abg. Dr. Müller- Sagan eine Resolution vor, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, in Ausführung der Bestimmung des Reichs-Mlitärgesetzes vom 2. Mai 1874 dem Reichstag baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen zur Regelung der Vorbedingungen, welche zum einjährig-fteiwilligen Dienst berechtigen. Abg. v. Normann(f.): Meinen politischen Freunden wird die Stellung zu diesem Gesetz etwas schwer. Wir wissen nicht, ob die geforderte Kompensation tatsächlich ausreicht für die gesetzliche Fest- legung der zweijährigen Dienstzeit. Wir müssen die Verantwortung der Militärverwaltung überlassen, wenn wir trotzdem für den Gesetz- entwurf stimmen. Im Falle der Annahme der sozialdemokratischen Anträge ist das ganze Gesetz für uns unannehmbar. Abg. Dr. Sndekum(Soz.): Der Abg. v. Nornmnn brauchte sich wirklich nicht so viel Mühe zu geben, das Jawort seinem Herzen abzuringen.(Heiterkeit links.) Denn die dreijährige Dienstzeit wird nie wieder eingeführt werden, am wenigsten bei der jetzigen Finanzlage, auch wenn dieser Entwurf nicht Gesetz würde. Daß 18S3 nicht die zweijährige Dienstzeit sofort gesetzlich festgelegt wurde, geschah nur des- halb nicht, weil die Regierung ein Pressionsmittel in der Hand haben wollte. Diese Schraube sollte den Reichstag dazu pressen, später eine Heeresvermehrung zu bewilligen. Die haben wir jetzt. Mit Erfolg hat die Regierung ihre Schraube in Bewegung gesetzt. Zur Frage des Einjährigen-Privilegs übergehend, begründet Redner den sozialdemokratischen Antrag auf Abschaffung dieser Geldsack-Vergünstigung. Das Berechtigungswesen hat die Bildnngsbestrebungen nicht gefördert, sondern in ernsthafter Weise gefährdet.(Sehr richtig! links.) Die Dünkel- haftigkeit in�der Bourgeoisie ist nicht zum wenigsten auf dieses Be- rechtigungslvesen zurückzuführen. Es müßte doch auch für die An- gehörigen der besitzenden Klassen etwas Hohes sein, wenn sie den Bildungsbestrebungen nachgehen können ohne den Ausblick auf einen unmittelbar zu erreichenden materiellen Vorteil.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Das Einjährigen- Privilegium ist aber nicht nur eine Ungerechtigkeit gegen die große Masse des Volkes, sondern es schädigt auch den inneren militärischen Dienst. Die Einjährigen sind ein st'öreildes Element im militärischen Körper, die Einjährigen treiben Luxus, die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel veranlassen sie zu Bestechungen der Unteroffiziere und Feldwebel. Dazu kommt, daß die Einjährigen sich bei den Unteroffizieren durchaus nicht besonderer Achtung erfreuen und dem- entsprechend behandelt werden. Das wird erst anders werden, wenn die Freiwilligen nicht mehr den größten Teil der Dienstzeit außer- halb der Kaserne zubringen werden. Die Folge der Beseitigung des Privilegs der Einjährig-Frei- willigen-Dienstzeit wäre zweifellos auch eine weitere Verkürzung der zweijährigen Dienstzeit: wen» der Sohn des Bourgeois und des Junkers ebenso wie der Arbeiter und der Bauer zwei Jahre bei der Fahne bleiben müßte, würde man auch auf jener Seite des Hauses bald die Neberzcngung gewinnen, daß man sehr gut mit erheblich kürzerer Dienstzeit auskommen kann. Man hat eingewandt, daß die Einjährigen ja doch fast dieselbe Dienstzeit hätten, daß sie bis zu 40 Wochen Uebungen machen müßten. Die übergroße Mehrzahl der Einjährigen aber macht höchstens 20 Wochen Uebungen. Nun fragt eS sich noch, ob jetzt der richtige Zeitpunkt für eine solche Reform ist. Herr v. Normann wollte nicht mit einem Federstriche eine so lange bestehende Einrichtung wie die der Einjährig-Frei- willigen beseltigen i im Satze vorher war er aber dazu bereit, eine ebensolange bestehende Einrichtung, die dreijährige Dienstzeit, ab- zuschaffen.— In Frankreich ist jetzt die Reform, die wir verlangen, durchgeführt. Der Kriegsininister hat diese Aenderung als Forderung der Gerechtigkeit verteidigt. Die Lohnarbeiter und Kleinbauern sollten hinfort nicht mehr allein die Lasten des Kriegsdienstes tragen. Bemerkenswert war die Ausnahme unseres Antrages in der Budget- kommission. Keine Partei hat ihn prinzipiell abgelehnt, nur Opportunitätsrücksichtcn wurden dagegen geltend gemacht: Ma.. sei überrascht durch den Antrag, es sei Zeit notwendig, um solche Re- formen durchzuführen usw. Die Vertreter einer parlamentarischen Gruppe haben sich unbedingt, andere bedingt auf unseren Standpunkt gestellt. Es ist kein Zweifel, daß die Notwendigkeit und Gerechtigkeit der Forderungeu, die in unseren Anträgen formuliert sind, sich durch- setzen wird. Damit wird wieder ein Teil der Vorrechte der wohl- habenden und herrschenden Klassen fallen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gröber(Z.): Wir werden für d i e V o r l a g e stimmen. In dem Augenblick, wo wir eine nicht ganz unbeträchtliche Ver- mehrung der Trnppenzahl bewilligen, halten wir es für durchaus gerecht, die zweijährige Dien st zeit gesetzlich fe st- zulegen.— Die einjährige Dienstzeit verliert dadurch wesentlich an Bedeutung. Schon heute dient der Einjährige 1 Jahr 20 Wochen, der Zweijährige 2 Jahr 4 Wochen. Dazu kommt, daß die Einjährigen alles selbst bezahlen müssen und daß sie naturgemäß im Durchschnitt an entgangenem Arbeitsverdienst weit mehr verlieren als die Zweijährigen. Die Aufhebung des Einjährigen-Jnstituts wäre eine Vermehrung der Friedenspräsenz- stärke um 20 000 Mann.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) In Frankreich ist das Einjährigen-System noch weit mehr ausgebildet und führt zu weit ärgeren Mißständen. Wir müssen den Antrag der Sozialdemokraten ablehnen, werden aber fiir die Resolution Müller- Sagan stimmen, die, soweit ich sie verstehe, eine allmähliche Aus- dehnung des einjährigen Dienstes einzuleiten beabsichtigt.(Beifall im Zentrum.) Abg. Dr. Müller-Sagan(frs. Vp.) polemisiert gegen den Abg. v. Normann und verteidigt seine Resolution. Die Resolution lautet: „Der Reichstag ersucht die Verbündeten Regierungen, in Ausführung der Bestimmungen deS§ 14 des Reichs-Militärgesetzes vom 2. Mai 1874 baldigst einen Gesetzentwurf zur Regelung der Vorbedingungen des einjährig-freiwilligen Dienstes vorzulegen." Der Wortlaut meiner Resolution ist ans dem Gesetz selbst entnommen. Denn in ihm steht ja das Versprechen, so bald als möglich an eine Aenderung der Dienstdaucr heranzugehen. Die einjährige Dienstzeit darf kein Privileg bleiben. Immer weitere Schichten sollten die Erlaubnis bekommen, nur einjährig zu dienen. Wir können also dem sozialdemokratischen Antrag, welcher den Dienst derjenigen Bevölkerungsschicht, welche jetzt schon einjährig dient, verlängern will, nicht zustimmen.(Beifall bei den Frei- sinnigen.) Äbg. Graf v. Oriola(natl.): Wir haben es für richtig gehalten daß eine so tief einschneidende Maßnahme, wie die Einführung der zweijährigen Dienstzeit, erst Jahre vorher erprobt werde; nachdem sie sich aber bewährt hat, sind wir mit ihrer gesetzlichen Festlegnng einverstanden. Wir setzen aber dabei voraus, daß als Korrelat dafür eine Entlastung und Besserstellung der Unteroffiziere eintritt.— Herr Südekum hat sich für die Abschaffung der dreijährigen Dienst- zeit bei der Kavallerie auf Frankreich berufen. Ich meine, wir sollten es den Franzosen ruhig überlassen, mit solchen gewagten Experimenten vorzugehen und sollten an dem Altbewährten festhalten. Der Antrag der Sozialdemokraten geht uns zu weit; dagegen sind wir bereit für den Antrag Müller-Sagan zu stimmen, obgleich uns dieser, der eigentlich nur von der Vorbildung der Einjährig- Freiwilligen spricht, nicht weit genug geht. Wir sind für eine gründ- liche Reform des Einjährig-Freiwllligenwesens.(Bravo I bei den Nationalliberalen.) Abg. Liebcrmann v. Sonnrnbcrg(Antis.): Gerade die Parteien, auf deren Drängen die zweijährige Dienstzeit eingeführt ist, sollten alles bewilligen, um das deutsche Heer schlagfertig zu erhalten. Gerade für das Ausbildungspersonal muß aufs beste gesorgt werden. Nun würden die jungen Leute, die jetzt einjährig dienen, das beste Material bilden, um Unteroffiziere daraus zu schnitzen. Ich bin des- halb stets für Aufhebung des einjährigen Dien st es eingetreten und würde für den durch Einsetzung einer Frist gegenüber dem Kommissionsantrag noch verbesserten Antrag Südekum stinimen, wenn dieser nicht mit dem Antrag auf Verkürzung des Dienstes bei den berittenen Truppen verknüpft ist. Ganz und gar nicht können wir dem Antrag Müller-Sagan zu- stimmen; auf keinen Fall darf das Institut der Einjährigen noch ausgedehnt werden. Schon die Gebildeten können in dem einen Jahre nicht genügend ausgebildet werden. Jeder, der für die zwei- jährige Dienstzeit ist, muß sich schon der Verantwortung bewußt sein, damit schon das äußerste bewilligt zu haben.(Beifall bei den Anti- semiten.) Abg. Mommsen(frs. Vg.): Die gegenwärtige Vorlage ist kein Entgegenkommen seitens der Regierung, sondern nur das Festlegen des' schon lange tatsächlich eingeftihrten Zustandes. Wir stimmen deshalb für die Vorlage als für etwas Selbstverständliches.� Dem Antrage auf Herabsetzung der Dienstzeit für die Kavallerie können wir in seiner heutigen Fassung nicht zu- stimmen; aber seine Tendenz beurteilen wir nicht so ungünstig wie die Mehrheitsparteien. Jedenfalls bedarf diese Frage ernster Er- wägung seitens der Kriegsverwaltung: vielleicht konnten auch hier zunächst Versuche gemacht werden.— Das Einjährig-Freiwilligen- Institut halten wir für absolut notwendig, schon um des Reserve-Offizierkorps willen. Abg. Werner(Ant.) spricht sich für die Vorlage und für die Be- seitigung des Einjährig-Freiwilligen-Privilegs aus. Abg. Singer(Soz.): Ich freue mich, daß ich auch einmal Herrn Abgeordneten Lieber- mann von Sonnenberg in der Frage der Beseitigung des Ein- jährigen-Privilegs auf unserer Seite gefunden habe.(Heiterkeit.) Ueber die Frage der zweijährigen Dienstzeit� will ich mich nicht lange verbreiten. Für die tatsächlichen Verhältnisse ist es ja auch gleich- gültig, ob sie jetzt festgelegt wird oder nicht. Die Erwiderungen gegen unseren Antrag auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit auch für die Kavallerie verstehe ich nicht recht. Wenn es möglich ist, einen jungen Mann, der eine bestimmte Zeit auf einem Gymnasium gesessen hat. in einem Jahre kavalleristisch auszubilden, so muß es doch um so eher möglich sein, Leute, die aus Berufen kommen, wo ihnen kavalleristische Dinge viel näher liegen, in zwei Jahren genügend auszubilden. Herr v. Liebermann befindet sich in eigentümlichem Widerspruch mit den Parteigenossen vom Bauernbund. Diese legen durchaus Wert darauf, daß ihre Söhne nur zwei Jahre bei der Kavallerie dienen müssen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemo- kraten.) Ebenso befindet sich Herr Gröber mit seiner Stellungnahme gegen die Aufhebung des Freiwilligen-Jnstituts im Widerspruch mit seinen Parteigenossen in Süddeutschland. Dort bekämpft man seit Jahrzehnten dieses Institut und ist durch- drungen davon, daß es ein Privilegium des Gcldsnckcs ist. Herr Gröber hat hier mit Gründen operiert, mit denen man jedes Privileg verteidigen kann, wenn er meinte, das Privileg sei ja nicht von großer Bedeutung. Wenn das Privilegium so bedeutungslos ist, ei so können Sie eS ja um so leichter aus der Welt schaffen, dann hätte diese Reform gewiß keine Schwierigkeit. Dieses ganze Privileg ist einzig und allein zu verteidigen vom Standpunkt der Klassenpölitik, die dem Besitz vou vornherein ein Privileg zubilligt, weil er Besitz ist. Wir, die den entgegengesetzten Standpunkt einnehmen, können mit aller Bestimmtheit die entgegengesetzte Schlußfolgerung ziehen. Ich will dem Abg. Liebermann v. Sonnenberg nicht in die Unter- suchung der Gründe folgen, aus denen heraus er für die Abschaffung dieses Privilegs eintrat. Mir genügt, daß er dafür eintritt, und wir werden hoffentlich Gelegenheit haben, ihn beim Worte zu nehmen.(Sehr gut I bei den Sozialdemokraten.) Die Frei- sinnigen wollen das Privileg dadurch beseitigen, daß sie es zunächst vergrößern. Das ist eine eigentümliche Logik. Je weitere Kreise ein Interesse daran erhalten, das Privileg aufrecht zu erhalten, um so geringer wird die Hoffnung, überhaupt zu einer Verkürzung der Dienstzeit z» gelangen.(Sehr wahr! bei den Sozialdemokraten.) Schon deshalb sind wir mit aller Entschiedenheit gegen die Erweiterung dieses Privilegiums. Ein Privilegium des Besitzes bleibt es auf alle Fälle. Glauben Sie denn, daß die Regierung bereit ist, in bedeutendem Uuifange Unbemittelten Zugang zum einjährig-freiwilligen Militär- dienst zu gewähren? Der Kriegsminister würde gewiß sehr gern der Abschaffung dieses Privilegiums zustimmen, wenn er nicht daran dächte, daß er bei dem jetzigen System Soldaten hat, die nichts kosten und doch ihre Pflicht und Schuldigkeit tun. Die Heeresverwaltung müßte ei» schlechter Rechner sein, wenn sie das nicht mit in Erwägung zöge. Nun sagt man, daß ja auch Söhne armer Eltern auf Kosten des Staates einjährig-freiwillig dienen könnten. Ja wohl, das steht auf dem Papier. Wenn der Kriegsminister die Freundlichkeit haben würde, uns einmal seine Uebersicht darüber vorzulegen, wieweit Einjährig- Freiwillige auf Staatskosten dienen, so würden wir sehen, daß das prozentuale Verhältnis gar nicht in Betracht kommt. Man sagt, man brauche die Einjährigen, damit sie künftig Reserve- offi ziere würden. Aber diese sollen ja nicht aus der Armee verschwinden. Wenn sie als zweijährige ausgebildet werden, werde» sie ja mit um so größeren Fähigkeiten Reserveoffiziere werden. Unser Antrag wird das Rcserveoffizierkorps nur noch tüchtiger, nur noch befähigter machen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Abg. Liebermann hat entschieden mehr Verständnis für unseren Antrag gehabt, als Kollege Gröber. Es ist ganz selbstverständlich, daß wir die Beseitigung in dem Rahmen der heutigen Fricdenspräs enzstärke wünschen. Wir haben uns, um den sonst entstehenden Schönheits- fehler im Gesetz über die Friedenspräsenzstärke zn vermeiden, vor« behalten, für den Fall der Annahme unseres Antrages bei der dritten Lesung des Gesetzes über die Friedenspräsenzstärke zu beantragen, den Passus über die Einjährig- Freiwilligen zu streichen. Man hat uns heute wieder diejenigen Dinge aus der französischen Wehr- Verfassung vorgehalten, mit denen wir wohl nicht einverstanden sein würden. Aber es ist doch ganz klar, daß, wenn wir für die Abschaffung des einjährig- freiwilligen Instituts sind und dabei darauf hinweisen, daß es in Frankreich sich gezeigt habe, daß unser Antrag durchaus möglich ist— daß wir noch nicht für jede Bestimmung des französischen Wehrgesetzes stimmen. Erstens wissen wir sehr wohl, das möchte ich Graf Oriola einwenden, daß Frankreich die zweijährige Dienstzeit erst eingeführt hat, nachdem sie sich bei uns vier Jahre bewährl hat. Wenn Frankreich uns in dem Falle was nachgemacht hat, so schließt das doch nicht aus, daß wir Frankreich in einem anderen Falle etwas nachmachen.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Dann wird uns noch eingewandt, die Mißhandlungen hätten sich durch Einführung der zwei« jährigen Dien st zeit vermehrt; aber am stärksten und am niedertrachtigsten waren doch die Mißhandlungen in den siebziger Jahren, wo noch die dreijährige Dienstzeit bestand. Wenn eine gewisse Besserung eintrat, so ist das zum Teil, das wollen wir sehr gern anerkennen, den Bemühungen der höheren Kommando- stellen zu danken. Wenn Mißhandlungen jetzt vielleicht mehr bekannt werden, wie früher, so liegt das zum Teil daran, daß jetzt eine, wenn auch nur geringe, aber doch einigennaßen befriedigende Ocffentlichkeit im Gerichtsverfahren besteht, zum Teil daran, daß wir hier im Hause Jahr für Jahr die Fälle zur Sprache bringen. Daß die zweijährige Dienstzeit an sich eine wesentliche Vermehrung der Mißhandlungen hervorgebracht hat, ist eine irrige Annahme. Der Antrag Müller-Sagan ist deswegen für uns unannehmbar, weil er eigentlich gar keinen Inhalt hat.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Das Einjährig-Freiwilligen-Jnstitut soll dadurch nicht etwa beseitigt oder eingeschränkt werden, sondern der Antrag bewegt sich nnr in ganz allgemeinen Redeivendungcn. Ans der Begründungsrede des Antragstellers ging aber sogar hervor, daß die Herren nicht eine Beseitigung, sondern eine Vermehrung der Ungleichheiten bei diesem Institut wollen. Die Herren von der Frei- sinnigen Bolkspartei haben sich nun zwar im Prinzip für unseren Antrag erklärt, aber mit ganz nichtigen Gründen weigern sie sich, dafür zu stimmen. Man fragt, wie wir die Kosten decken wollen. Wir verweisen ja beständig auf den Weg der direkten Reichssteuern.(Zuruf: Das genügt nicht.) Das müßte erst einmal abgewartet werden. Man kann aus direkten Reichssteuern schon genügende Mittel herausholen. Nur darf man nicht so zimperlich sein und bei 4 Proz. Progression Halt machen. (Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Wenn man die Pro- gression bis in die Millionen und vielfachen Millionen Einkommen fortsetzt und bis zu etwa 10 Proz. auf- steigen läßt, wenn Sie dann die Militär- und Marine-Ausgaben aus Ihrem eigenen Beutel bezahlen müßten, dann würden die Ausgaben dafür wohl rasch geringer werden. Der Reichstag hat die Pflicht, ein von allen Parteien verurteiltes Institut endlich zu beseitigen. So lange er das nicht tut, wird das Volk es durchaus zu würdigen verstehen, daß die Mehrheit des Reichstages wieder einmal ein verwerfliches Privilegium des Besitzes verteidigt hat. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Müller-Sagan(fts. Vp.): Der Abg. Singer hat ge- ftagt, was unser Antrag für einen Inhalt hat. Heute beruht das Einjährigen-Jnstitut im wesentlichen auf einer Instruktion, die auf Grund des§ 11 des Kriegsdienst-Gesetzes von 1867 erlassen ist. Unser Antrag verlangt eine gesetzliche Festlegung. Wenn dann ein derartiger Gesetzentwurf dem Hause unterbreitet sein wird, wird es an der Zeit sein, die in unserem Antrag dargelegten Gedanken zur Wahrheit zu machen. Wir drücken uns nicht nin die Entscheidung henlm, wir wollen sie nur an einer Stelle herbeiführen, wo ihr praktische Wirksamkeit gegeben werden kann.(Brovo I bei den Frei- sinnigen.) Damit schließt die Diskusston. In der Abstimmung wird der Antrag Albrecht auf Einführung der zweijährigen Dienstzeit bei den reitenden Truppenteilen gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Freisinnigen Volkspartei und des Abg. v. Gerlach, der Antrag auf Beseitigung des Einjährig-Freiwilligen-JnstituteS gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Antisemiten, der Abgeordneten Jessen(Däne) und v. Gerlach abgelehnt.— Damit ist die Tages- ordnung erledigt. Nächste Sitzung Dienstag 1 Uhr: Etat des ReichS-Militar- gerichtes und Militäretat in zweiter Lesung. Schluß 7 Uhr._ Die diesjährige Vezirksversammluug der Rothenburger Ver- ÜcherungS-Anstalt a. G. zu Görlitz für Berlin und Vororte findet am Frei- lag, den 24. Atärz, abends 8 Uhr, in Dräsels Festsälen, Neue Friedrich- strafje 25, statt. Tages-Ordnung: Wahl des Bezirksvorsitzenden, der Bezirksvertreter und deren Stellvertreter, Anträge an die General-Ver« jammlung 2C. Als Ausweis sür die Teilnehmer dienen die VerstcherungZ- Urkunden(Sterbelassenbücher) nebst letzten Beitragsquittungen. Wasserstand am 20. März. Elbe bei Aussig-j- 2,2g Meter, bei Dresden-f 0,74 Meter, bei Magdeburg 4- 2,93 Meter.— U n st r u t bei Straußsurt-f 2,40 Meter.— Oder bei Ratibor-s- 3,02 Meter, bei Breslau Ober< Pegel-s- 5,34 Meter, bei Breslau Unter> Pegel-s- 1,62 Meter, bei Frankfurt+ 2,07 Meter.— Weichsel bei Brahemünde-j- 5,43 Meter.— Warthe bei Posen-f 2,08 Meter.— Netze bei Usch-f 1,46 Meter. Mcht Genuss-, sondern Nahrungsmittel braucht der menschliche Organismus, wenn er den großen Arbeitsanforderungen auf die Dauer erfolgreich widerstehen soll! Die geforderten Eigenschaften solcher Nahrungsmittel heißen immer wieder großer Nährwert und leichte Verdaulichkeit. In Knorrs Haferpräparaten und Suppemnehlcn besitzen wir vorzügliche Fabrikate, die nicht nur wohl- schmeckend sind, sondern denen nährende und gesundheitsfördernde Bestandteile in reichen! Maße innewohnen. Niemand darf deshalb unterlassen, Knorrs Haferpräparate weitgehendst zu verwenden; dieselben sind in allen einschlägigen Verkaufsgeschäftcn erhältlich. Für den Inhalt der Juferate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 21. März. Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Der Ring des Nibelungen. Anfang 7 Uhr. Neues königl. Opern Theater. Prinz Friedrich von Homburg. Urania, Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Der Simplon und sein Gebiet. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. 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MALE National- Theater UEBERN GROSSEN Beinbergsweg 19. Dienstag, den 21. März 1905, Abends 7, Uhr: Der Troubadour. Mittwoch: Undine. Donnerstag: La Traviata. Freitag: Das Glöckchen des Eremiten. Zentral- Theater Abends 7%, Uhr: Der größte Schlager der Saison: Die Juxheirat. Dperette in 3 Aften von Jul. Bauer. Musik von Franz Lehár. Morgen u. folg. Tage: Die Juxheirat. Sonntag nachm.: Der Bettelstudent. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: Hopfenraths Erben. Mittwoch: Der Verschwender. Donnerstag: Das Leben ein Traum. Freitag 3. erstenmal: Khriz- Pyrik. Sonnabend: Hasemanns Töchter. Sonntag nachm.: Lorbeerbaum u. Bettelstab. Abends: Khriz- Phrib. Montag: Lorbeerbaum u. Bettelstab. TEICH. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Halbe Preise. Ueber'n großen Teich". Passage- Theater. Aufg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Anf. nchm.Sonnt.3, Wochentg.5Uhr. The five sisters Lorrison die bekannten Frauenschönheiten. Bokken Lasson die erotische Straßenfängerin. Die Picchiani- Truppe. Die reizenden Fiocatis. 14 glänzende Nummern. Stadt- Theater Moabit Alt- Moabit 47/49. Gastspiel des Bernhard Rose- Theaters: E. Brick. Trianon- Theater. Seute: Gr. Extra- Benefiz- Borstellung Heute und folgende Tage: Das Abenteuer d.Hrn. Malezienx Die Brieftasche. Ein peinlicher Zwischenfall. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: Die glückliche Gilberte. Zur Aufführung gelangt: Der Widerspenstigen Zähmung. Schausp. in 5 Aufz. v. W. Shakespeare. Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. dressierte Neu! Elefanten als AfroElefanten als musikalische Der Barbier, urkomische Szene, dargestellt von Elefanten. Der einzig existierende Saltomortale schlagende Elefant. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Der größte Erfolg seit 14 Jahren ist unbestritten die Novität: Die Meyerhains. Komödie in drei Aften von Anton und Donat Herrnfeld mit Anton Herrnfeld als Pschechowil, Herausgeber d.„ Scheinwerfer" und Donat Herrnfeld als Kommerzienrat Meyerhain. Anfang 8 Uhr. Borverkauf 11-2 Uhr. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Zum erstenmal: Der schmale Weg. Lebensbild in 5 Aften( 6 Bildern) von Paul Blig. Für die Bühne bearbeitet von Dr. Karl Wendt. Hierauf: Frauen- Liebe und Leben. Melodrama von Rob. Schumann. Anfang 8 Uhr. Morgen u. folg. Lage: Dief. Borstell Palast- Theater Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Bis- a- vis d. Börse, 2 Min. v. Bhf. Börse. Heute: Benefiz für das Hauspersonal. Der Walzerkönig. Bosse mit Gesang und Tanz in drei Aften von Mannstädt. Höppner Dir. Rich. Winkler. Vor- und nachher: Die hervor ragenden März Spezialitäten allerersten nach der Borft: Familien- Kränzchen. Anfang 8 Uhr. Vorher: Konzert. Entree 50 Pf. Ehren- u. Vorzugst. haben Gültigkeit. Vorzeiger dieser Annonce zahlen wochentags die halben Kassenpreise. Morgen: Liebe kann alles. Voru. nachher: Spezialitäten 1. Ranges. Kasino- Theater Bernhard Rose- Theater Skala- Theater. Lothringerstraße 37( Rosenthaler Tor.) Täglich 8 Uhr, Sonit. 7-8 Konzert. Uur bis Donnerstag: Gesundbrunnen, Badstraße 58. 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Raffeneröffnung 6 Uhr. Anf. 7 Uhr. Nach der Vorstellung: Ball. Mittwoch: Die Goldgrube. Nachh. Ball. Gustav Behrens Spezialitäten Theater, FrankfurterAllee 85. Wieder neues Programm. Neu! Mr. Arlys, asiatischer ReifenNeu! Quartett Wollmer. fünstler. Dänische Rollschuhtänzer u. Sänger. Geschiv. Christensen, Erzentrit- Duett. Neu! Hermann Grosch, der Ur tomische, sowie die übrigen erfitlaffigen Kräfte. Neues Programm. 765 Neues Programm. SAHARET. Herbert Lloyd, Amerikan. Komiker. Dianda, Dressierte Etablissement Baggenhagen JUIM Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. In den unteren Sälen jeden Abend: Bockbierfest. I KONZERT. Der dumme Mar u. der Kluge Hans Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Urania, Affen. Dorothy Clark, Engl. Fritz Steidl- Sänger. Sängerin. Stelling u. Revell, Nach jeder Vorstellung im Kaisersaal: Kom. Reckturner. Dr. Angelo, Lebende Porzellanfiguren. Pas de deux, Orientalischer Tanz. The Novellos, Europa in Indien. 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Vortrag des Redakteurs Genossen Ströbel über:„ Kulturfortschritt und gepanzerte Faust". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder. Zahlreichen Besuch erwartet Dienstag, den 21. März 1905, abends 8%, Uhr: Versammlung im Hofjäger- Palast, Hafenheide 52/53. Tages Ordnung: 1. Die Entwickelung der Sozialreform in Deutschland". Referent: Reichstags- Abgeordneter F. Lesche. 2. Diskussion. Gäfte. Damen und Herren haben Zutritt. Bahlreichen Bejuch erwartet Der Vorstand. 238/ 8* Sozialdemokratischer Wahlverein Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. für den 4. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 21. März, abends 8½ Uhr, bei Hensel, Invalidenstraße la: Verfammlung. Tages Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Paul John über: Erklärung der Religion zur Privatsache. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäfte Bu zahlreichem Besuch ladet ein Damen und Herren haben Zutritt. Der Vorstand. Genoffen und Genoffinnen! ( Süd- Oft.) Dienstag, den 21. März, abends 8 Uhr, in Graumanns ben Festfälen, Naunynstr. 27: Versammlung. 246/2007 Dienstag, den 21. März 1905, abends 8%, Uhr, bei Keller, Koppenstraße Nr. 29: Volks- Versammlung. Referentin: Lages- Ordnung:„ Der politische Massenstreik". Klara Zetkin aus Stuttgart. 1/ 2* Zu äußerst zahlreichem Besuch dieser Versammlung ladet ein Die Vertrauensperson für die Frauen Berlins. Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 22. März, abends 8% Uhr: Mitglieder- Verfammlung. in der Musikerbörse, Kaiser Wilhelmstraße 18m. ✓ Zages Drdnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mat. 2. Beschlußfaffung über unser diesjähriges Zages Drdnung: 1. Die Proletarisierung bürgerlicher Schichten. 2. Diskussion. Referent: Redakteur Kaliski. 3. Bereinsangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet 242/ 19* alpad Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. 71 Mittwoch, den 22. März, abends 8, Uhr: 2196L* Inventur Räumungs- Preise! ardinen GE abgepasste Fenster, weiß und crême Shawllänge pro. M. 250 3 Mtr. Fstr. Shawllänge pro M. 335 3,20 Mtr. Fstr. Imit. Point- lace. Gardinen, pr. Fstr. M. 585 Eleg. SezessionsTüll- Stores M. 165 Gestickte echte Spachtel- Stores Goldfarb. reichM. 565 gestickte M. 435 Band- Stores decken cm. Tüllbett- 180/220 M. 235 Reichgest. Erbs- M. 535 tüllbettdecken Teppich- Spezial- Haus Emil Lefèvre Allgemeine Versammlung Berlin Oranien- Straße 158. der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher sowie aller in den mechanischen Betrieb. beschäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen bei Buggenhagen, Oranienstr. 147( am Morikplan). Tages- Drdnung: 1. Stellungnahme zum Streit bei der Firma E. Lorenz. Referent: Stiftungsfest. 3. Stellungnahme zu den letzten Vorgängen in unserem siesenthal, 2. Distufion. Gewerbe. 129/13 Kollegen, die jetzige Zeit erfordert, daß ein jeder pünktlich in dieser Versammlung erscheint. Der Vorstand. Verband der Möbelpolierer. Mittwoch, den 22. März, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15 ( großer Saal): ad Außerordentliche General- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Jahresbericht von 1904. 2. Bericht der Uebertritts- Kommiffion. 3. Die diesjährige Maifeier. 4. Wahl des ersten Kassierers. 5. Verschiedenes. Kollegen! Da in dieser Versammlung endgültiger Beschluß gefaßt werden soll, unter welchen Bedingungen der Uebertritt in den Holzarbeiter- Verband am 1. April erfolgt, ist es Pflicht eines jeden Kollegen z erscheinen. Auch wird der diesjährige Jahresbericht daselbst ausgegeben. Mitgliedsbuch legitimiert! Den Kollegen von Weißensee au Renntnis, daß sich vom Montag, den 27. März, ab, die Zahlstelle, Arbeitsnachweis und Bibliothek im Lokal zum Prälaten", Ede Lehderftraße und König- Chaussee befindet. " Kollegen, welche noch Maskenball Billetts abzurechnen haben, werden ersucht bei H. Schulz, Es ist dringend notwendig, daß alle Kollegen und die in der Branche beschäftigten Kolleginnen in dieser Versammlung erscheinen. 113/14 Die Ortsverwaltung. S. Nach auswärts per Nachnahme. Inventur- Extraliste( gratis u. Katalog mit ca. 600 und franko Plustrat. Ein Versuch Fachverein der Tischler bauernde Sundſchaft! Berlins und Umgegend. Dienstag, den 21. März 1905, abends 81%, Uhr, im„ Fürstenhof", Köpniderfte. 137: Mitglieder- Verfammlung. Zages Ordnung: 186/ 4* 1. Die wichtigsten Bestimmungen über Unfallversicherung. Referent: Genosse Theodor Fischer. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Wir ersuchen die Mitglieder, mit Frauen recht zahlreich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Die be ften U in neu, Herren- Sommer- Paletots u. 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Verband der Portefeuiller Achtung! und Ledergalanterie- Arbeiter und Arbeiterinnen. Mittwoch, den 22. März, abends 8, Uhr, in Graumanns Festfälen, Naunynstr. 27: Mitglieder Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Die Tuberkulose und Werkstatthygiene. Referent: Dr. Zadek. 2. Distuffion. 3. Der Gürtelarbeiterftreit. 4. Verbandsangelegenheiten und Berschiedenes. 109/4 Gäste willkommen. 340 Das bestimmte und pünktliche Erscheinen aller Mitglieder erwartet Die Ortsverwaltung. Der Vorstand. Orts Krankenkasse # Lichtenberg. wittwoch, den 29. März 1905 abends 8 Uhr: Ordentl. General- Versammlung im Lokale der Herren Gebr. Arnold ( Schwarzer Adler) Frankfurter Chaussee 120, Zimmer rechts vom Haupteingang. Tages- Ordnung: 1. Borlegung der Jahresrechnung und des Berichtes der Prüfungsfommission. 2. Abnahme der Jahres rechnung und Bericht des Vorstandes. 3. Erfahwahl eines Borstandsmitgliedes aus den Reihen der Arbeitnehmer. Die Herren Delegierten werden um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht. 271/11 Deutscher Textilarbeiter- Verband 4. Staffienangelegenheiten. Filiale Berlin II( Posamentiere). Mittwoch, den 22. März, abends 8%, 1hr, im Gewerkschaftshause, Saal 5: Mitglieder- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genossen Brückner über: Friedrich Schiller. 2. Bericht der Fachkommission. 3. Verschiedenes. 197/5 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Frankes Feftfäle Amt 1, 939. Sebastianstraße 39. Amt 1, 939. mpfehle meine hochfein renovierten Festsäle nebit großem Naturgarten, beides mit schöner Bühne, zu Sommerfesten, Versammlungen usw. unter fulanteften Bedingungen. 24392* Sonnabende und Sonntage noch frei. Zuständigen Bersammlungen ist der Mittwoch frei geworden. Balduin franke, Sebastianstr. 39. Verantwo. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Der Vorstand. P. Levyn, Borsigender. Gänsefedern 60 Pf. pr. Pfund( gröbere zum Reißen). Schlachtfedern, wie sie v. d. 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Nachdem Redner beteiligter Filialen, so auch F l e m m i n g- Charlottenburg, sich dagegen gewandt haben, be- schließt die Versammlung, die Neuordnung mit dem Termin, wo das neue Statut Güligkeit erlangt, in Kraft treten zu lohen. Vorgesehen ist ferner eins Beirragsleistung an die Hauptkasse von 35 Pf. pro Sommerwoche. Prinzipielle Gründe werden hiergegen nicht erhoben, jedoch gestaltet sich die Debatte vorwiegend über die Kostendeckung und die Anstellungsbedingungcn äußerst lebhaft. Das Anstellungsverhältnis der Bezirksbeamten soll nur gelöst werden können,„ivcnn grobe Pflichtverletzung vorliegt". Die Bestallung selbst erfolgt durch den Vorstand und Ausschuß. Bei den Filial- beanrten soll es ebenso gchandhabt werden; anstelle des Ausschusses tritt jedoch die Filialverwaltung. Diese und nachfolgende Vor- schlüge werden akzeptiert: Filialen mit mehr als 500 Mitgliedern können Beamte anstellen. Di« Besoldung erfolgt durch die Haupt- lasse.— Filialen mit 300 bis 500 Mitgliedern können Beamte an- stellen, jedoch müssen die Filialen% des Gehalts zuschießen.— DaS Regulativ der Bezirksleiter und Agitationskommissionen wird cn bloc angenommen. Das Streikreglement erhält folgende Er- gänzungen resp. Abänderungen: Genehmigte Streiks werden nach zwei Tagen von feiten der Hauptkasse unterstützt.— Ledige, die nachweislich der Ernährer der Familie sind, erhalten pro Woche 12 M. Unterstützung.— Die zu neuen Bedingungen Arbeitenden haben für jeden vollen Tag 50 Pf. abzuführen.— Letztgenannte Erhebung soll ganz auf die Hauptkasse gebucht werden. Eine sehr intensive Debatte zeitigte der Antrag auf Festlegung der Höchstgrenze der zu unterstützenden Äinderzahl. Man einigte sich in der Annahme eines Antrages, wonach die Unterstützung den bisherigen Lohn nicht überschreiten darf. 13. März. Vormittagssitzung. Vorerst wird die Angelegenheit der Lackierer erörtert. A p i tz- Hamburg befürwortet eine größere Agitation unter den Lackierern, die unter sehr ungünstigen Bedingungen in bezug auf Lohn- und Arbeitszeit zu leiden haben. Auch müsse den Lackierern größere Be- Wegungsfreiheit gewährt tverden. Dieselben müssen in den Filial- Verwaltungen unbedingt Sitz und Stimme haben. Redner empfiehlt folgende Resolution zur Annahme:„Der Hauptvorstand ist be- rechtigt, nach vorheriger Prüfung der Sachlage in Fällen, wo durch Arbeitseinstelluirg zum Zwecke der Erringung bcsicrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse irgend einer Berufsart in einem Industriebetriebe die Lackierer in Mitleidenschaft gezogen werden, Streikunterstützung -u gewähren. Der Hauptvorstand möge ein besonderes Flugblatt oder eine Agitationsbroschüre auf Grund des im Geschäftsbericht enthaltenen statistischen Materials für die Lackierer herausgeben." In der Debatte hierüber wird betont, daß sich die Lackierer nach den bisherigen Gepflogenheiten nicht beklagen können; man ist ihnen bei jeder Gelegenheit entgegengekommen. Schließlich fand die Resolution Annahme. Ein Antrag der Gewerkschaft der M a l e r- A r b e i t s l e u t e Hamburgs:„Sämtliche in Deutschland beschäftigte Maler-Arbcits- l-ute heranzuziehen und diese in selbständigen Sektionen der Ver- cinigung anzugliedern, und dem Tagclohn in den verschiedenen Städten entsprechend, die Klassifizierung der Beiträge vorzunehmen." wird abgelehnt mit der Motivierung, daß es sich schwer machen läßt. für eine kleine Zahl besondere Beiträge einzusetzen. Den Maler- Arbeitsleuten sei genügend Gelegenheit gegeben, sich in den Ver- band der Bau-, Erd- und gewerblichen Hülfsarbciter zu organisieren. Die Beschwerdekommission erstattet noch über eine Angelegenheit in bezug auf die in diesem Jahre stattgefundenen Wahlen der Ortsverwaltung Berlin, in der Wahlunrcgelmäßigkeiten vorgekommen seien, Bericht. Die Kommission schlägt vor. die Wahl des Ortskassierers zu annullieren und eine Neuwahl vorzunehmen. Nachdem von Mietz die Verhältnisse in der Filiale Berlin ein- gehend geschildert, wird der Kommissionsantrag angenommen.— Nunmehr erstattet Link- Berlin namens der eingesetzten Kom- Mission für Abhalwng eines internationalen Kon- gresses einen eingehenden Bericht. Er empfiehlt folgende ResoluOoN'i�. � H�nburg tagende Generalversammlung erklärt sich im Prinzip für Abhaltung eines internationalen Berufs- konqresses; sie hält einen solchen indessen gegenwärtig nicht für zweck. mäßig, weil es hierzu in anderen als der mit unserer Organisation im Kattcllvertrag stehenden Ländern an jeder Vorbedingung fehlt. Dem Haiivtvorsland wird anHeim gegeben. Verbindungen mit den etwa bestehenden Zentral-Organiiationen anzuknüpfen und sich, so- weit es möglich ist. über die Ziele und Tätigkeit dieser Organisat.oncn zu informieren und eventuell den Abschluß eines Kartellvertrages mit denselben anzubahnen. 2as gesammelte Material ist der nächsten Generalversammlung vorzulegen." Der Vertreter der serbischen Organisation bittet um Anbahnung eines Kartellvertrages mit dieser Organisation. Dieses soll speziell der Vorstand und Ausschuß erwägen.... Die von L i n! vorgeschlagene Resolution wird einstimmig an- genommen._., �. Nunmehr wird, da die StatutenberatungS-Kom- Mission ihre Arbeiten erledigt, weiter in die Beratung cinge» treten....... Referent der Kommission ist wiederum Zimmermann- Frmikfurt a. M. Dem§ 1 des Statuts, der den Zweck der Ver- einignng darlegt, soll zugefügt werden:..Aufnahmen, statistischer Erhebungen zur Erforschung der Lohn- und Arbcitsverhältnlste. Dies wird angenommen. Zu den weiteren Paragraphen, d,e den Beitritt, Austritt und Ausschluß behandeln, werden besonder» wesentliche Abänderungen nicht gemacht. Nachmittagssitzung. Unter den Bestimmungen des§ 5„Filialvcrwaltung" wird folgender Passus angenommen:«Die VerwaltungSbeamten sind jedes Jahr in der im ersten Quartal stattfindenden Generalversamm- lung(die nicht nach dem 1. März stattfinden soll), zu wählen. Nicht wiedergewählte Verwaltungsbeamte bleiben so lange im Amte, bis die Bestätigung der neuen Verwaltung durch den Hauptvorstand erf ol&f- Bei der weiteren Beratung der Paragraphen werden in der Hauptsache die vom Hauptvorstande gemachten Vorschläge ange- nommen.«.- Von mehreren Filialen lagen. Antrage zwecks Einführung emer Arbeitslosenunterstützung vor. Die Kommission schlägt vor, einen Beschluß auf der Generalversammluiig nicht zu fassen. Sie empfiehlt: Vor dem 1. August d. I. soll nochmals eine Urabstimmung vorgenommen werden, bei der folgende Unterstützungssätze unterbreitet werden: Diejenigen, die eine 2jährige Mitgliedschaft aufweiien können, erhalten auf die Dauer von 30 Tagen eine Unterstützung im täglichen Betrage von 00 Pf-- breijahrige für 35 Tage 05 Pf. pro Tag. vierjährige für 10 Tage� 70 Pf. pro Tag und fünfjährige als Höchstgrenze für 15 Tage 75 Pf. pro Tag. Einige Schärfen in dem vorigen Regulativ des Vorstandes find gestrichen worden, und joimr hofft die Kommission bestimmt auf l eine endliche Annahme der Unterstützung bei der Urabstimmung. ' Diese Vorschläge nimmt die Versammlung an.— Bei der Wahl des Vorstandes werden T o b l e r als erster Vorsitzender, 5i r ü g e r als zweiter Vorsitzender, W e n t k e r als Kassierer und Mark als Redakteur einstimmig wiedergewählt. Der Sitz des Vorstandes bleibt in Hamburg. Als Vorsitzender des Aus- schusses wird L e i n e r t mit dem Sitz Hannover wiedergewählt. Nach den üblichen Schlußansprachen der ausländischen Dele- gierten und des Vorsitzenden Tobler wird die Generalversammlung mit einem Hoch auf das Gedeihen der Organisation geschlossen. Die Delegierten entfernen sich unter dem Gesänge der Arbeiter- Marseillaise._ ßerlincr partei-Hngelcgcnbeitcn. Zweiter Wahlkreis. Heute. Dienstag abend 8'/3 Uhr, findet im Hosiäger-Palast, Hasenheide 52/53, eine Versammlung statt, in der Reichstags- Abgeordneter F. Lesche über„Die EntWickelung der Sozialreform in Deutschland" sprechen wird. Frauen haben Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Charlottenturg. Der Sozialdemokratische Wahlverein hält heute abend S'/2 Uhr im„Volkshause" eine außerordentliche General- Versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht: 1. Vortrag des ReichstagS-Abgeordneten Hermann Förster über: Reichsfinanzpolitik. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahl des Vorstandes und der Bezirksführer. 4. Verschiedenes.— In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung ist das Erscheinen sämtlicher Mitglieder notwendig. Der Vorstand. Köpenick. Mittwoch abend Punkt 8 Uhr Versammlung des WahlvereinS in ScheerS„Wilhelmsgarten'. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Kiesel über:'DaS Erfurter Programm. Diskussion. Stellungnahme zur Maifeier. Erkner. Dienstag abend S'U Uhr ist bei Kurzhals, Wilhelm- straße Ecke Hübnerstraße, Versammlung des Wahlvereins. Bericht der Gemeindevertteter. Ober-Schöncweide. Heute abend 7 Uhr ist Handzettelverteilung. Die Parteigenossen wollen in den bekannten Lokalen zahlreich und pünktlich zur Stelle sein. Eichwaldc. Heute' sind die Wahlen zur Gemeinde-. Vertretung in der dritten Abteilung. Die Wahlhandlung ist von 5 bis 6'/, Uhr. Bei der letzten Wahl fehlten uns nur 2 Stimmen an der Mehrheit; versäume niemand sein Wahl- recht auszuüben!_ Lokales. Die großen Gefahren des neue« Fleischfchau-Gesetzes und dessen Ausführungsbesttmmungon für Berlin, die in manchen Kreisen bisher noch unterstützt kvurden, sind jetzt selbst von dem Polizeipräsidenten anerkannt worden. Die gemischte Deputation, die von der Stadtverordneten- Versammlung und dem Magistrat eingesetzt ist, hat außer den Versuchen, durch Verhandlungen mit den in Berlin be- stehenden Organisationen der Fleischer und Engrosschlächter Mittel und Wege zur Verhütimg der Einfuhr gesund- heitsschädlichen Fleisches zu finden, durch den Magistrat die Anfiage an den Polizeipräsidenten ge- richtet, was seitens der Gesundheitspolizci geschehen sei, um die Einwohnerschaft der veränderten Sachlage gemäß gegen die Einführung nichtuntersilchten oder nach der Untersuchung in gesundheitsschädlichen Zilstand über- gegangenen Fleisches zu schützen. Auf diese Anfrage ist jetzt eine Antwort eingegangen, welche die Einwohnerschaft auf das höchste beunruhigen muß. Der Herr Polizeipräsident erklärt, daß die beamteten Tierärzte in den Markthallen wiederholt Kontrollen ausgeübt haben, auch wiederholt von außerhalb eingeführtes Fleisch gefunden worden sei, das nicht abgestempelt war. Mehr zu tun sei er nicht in der Lage, insbesondere kann er die Fleischerläden, Wurstfabriken usw. nicht kontrollieren und revidieren, da er dazu keine geschulten Beamten habe. Ferner sei nach dem Gesetz vom 14. Mai 1879 die Kontrolle in den Vorratsräumen nur bei den wegen Vergehen gegen das Nahrungsmittel- gesetz Vorbestraften zulässig, auch bei diesen Personen nur auf die Dauer von drei Jahren nach der erlittenen Bestrafung. Auf Grund dieser Erklärung des Polizeipräsidenten, welche durch jede Kritik nur abgeschwächt werden würde, be schloß die Deputation einstimmig, den Magistrat aufzufordern, sofort an den Polizeipräsidenten ein Gesuch zu richten, für Berlin eine Kontrollstatton, wie sie die Stadt Viersen bereits hat, mittels Verordnung einzuführen, der das gesamte von auswärts eingeführte Fleisch zur Fest- stellung vorgelegt tverden muß, ob es ordnungsgemäß unter- sucht imd'inztvischen nicht verdorben ist. Hoffentlich läßt dieser dringende Schutz, der von der Berliner Bevölkerung gefordert werden muß. mit seiner Durchführung nicht zu lange auf sich warten. Die maßgebenden Behörden tragen jetzt für alle eintretenden Folgen der Einführung und des Genusses verdorbenen Fleisches die Verantwortung. Stiidtvemdnttenwahlen finden heute im 3. und 4. Wahlbezirk der 1. Abteilung statt. Im 3. Wahlbezirk, den der verstorbene Stadt- verordnete Reichnow 22 Jahre vertreten hat. ist der Handelsrichter Dyrenfurth als liberaler Kandidat aufgestellt. Im 1. Wahlbezirk, den der verstorbene Stadtverordnete Lemcke seit 11 Jahren im roten Hause vertreten hat, ist der Pelzhändler Gohlicke. Friedrichstraße. z»lm liberalen Kandidaten nominiert worden. Da hier der Geldsack nicht von der Arbeiterschaft bedrängt wird, kann die Ernennung zun» Stadtverordneten völlig nach Herzenswunsch der Freisinnigen er- folgen._ Das Birchow-Krankeuhaus, das an der Seestraße emporwächst und seiner Vollendung entgegengeht, hat also nun, wie wir am Sonnabend meldeten, sein Direktorium erhalten. Der Magistrat hat in der Sitzung vom letzten Freitag die beiden Direktoren für die innere bezw. für die äußere Abteilung sowie den Verwaltungs- direktor gewählt. Die Frage, wie die Leitung der neuen An- stalt zu organisieren sei, ist von den städtischen Behörden lange erwogen worden. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten- Versammlung erklärte sich gegen den Plan des Magistrats, ein Kollegium aus zwei ärztlichen Direktoren und einem Verwaltungsdirektor zu bilden. Sie empfahl, über die beiden Leiter der inneren und der äußeren Abteilung als Direktor einen Mann zu stellen. der selber ein hervorragender Arzt sein müsse. In einem Dreimännerkollegium. wie der Magistrat es vorschlug, pflegt der Verwaltungsdirektor sehr bald die alleinige Leitung an sich zu bringen. Da geraten dann die ärztlichen Direktoren in ein Abhängigkeitsverhältnis, das den Zwecken der Anstalt keineswegs förderlich ist. Die Mehrheit der Stadtverordneten-Versammlung entschied sich, ungeachtet dieser Bedenken, für ein dreiköpfiges Direktorium. Jetzt ist aber der Magistrat bei der am Freitag vorgenommenen Wahl des Direktoriums den damals vorgebrachten Wünschen wenigstens so weit gerecht geworden, daß er zum Ver- waltungsdirektor der neuen Anstalt nicht einen Juristen, sondern doch einen Arzt ausersehen hat. Der Geheime Rcgierungsrat O h l rn ö l l e r vom Reichsgcsundhcitsamt, dem der Magistrat dieses Amt übertragen will, ist Arzt. Er ist nicht das, was jener Vorschlag einer einheitlichen ärztlichen Leitung des Virchow- Krankenhauses als selbstverständlich voraussetzte: ein Fachmann, der die beiden anderen Direktoren weit überragt und mit Recht die oberste Leitung beanspruchen dürfte. Aber man darf von diesem künftigen Verwaltungs- direktor der neuen Krankenanstalt Wohl das Eine erwarten, daß er eben doch mehr als ein bloßer„Verwal- tungsbcamter" sein wird. Die preußische Versammlungsfreiheit. Von anarchistischer Seite war am Sonntag eine Volksversammlung nach dem Böhmischen Brauhause einberufen worden mit der Tages- ordnung: Die geschichtliche Bedeutung der Märzkämpfe. Am Sonnabendabend erhielt der Einberufer Oskar Rüdiger vom Polizeipräsidium, Abteilung VII, ein Schreiben, worin ihm kurz und bündig mitgeteilt wird:„Die von Ihnen für den 19. März mittags 12 Uhr nach dem Böhmischen Brauhause in der Landsberger Allee angemeldete öffentliche Versammlung wird hierdurch, weil strafgesetzwidrigen Zwecken dienend, verboten."— Die Versammlungsbesucher, welche am Sonntag erschienen, fanden den Saal geschlossen und wurden durch Polizeibeamte zurückgewiesen. Das ist ein durch nichts begründeter Eingriff in das Ver- sammlungsrecht. Wie mag nur die Polizei zu der kühnen Behauptung kommen, daß die Versammlung, von der sie noch nichts weiter wußte, als daß sie einberufen war, strafgesetz- widrigen Zwecken dienen soll 2 Die Besprechung der geschicht- lichen Bedeutung der Märzkämpfe läuft doch dem Strafgesetz nicht zuwider. Der wahre Grund des Verbotes kann nur der sein: Die Polizei will nicht, daß Leute, die sie zu den An- archisten rechnet, von dem allen Staatsbürgern zustehenden Versammlungsrecht Gebrauch machen. Der Direktor des Zuchthauses in Moabit, Major a. D. E r n st Z i l l i g u s, ist Sonntag. 09 Jahre alt, gestorben. Er führte die Direktion seit dem 1. Juli 1892. In der Angelegenheit der Neue» freien Volksbühne erhalten wir von dem Vorsitzenden Herrn Dr. Josef E t t l i n g e r eine Zuschrift, in der auseinandergesetzt wird, daß eS gelungen sei, für die Schiller- Feier den Hofkapellmeister Dr. Richard Strauß zu interessieren. Es konnte nur das Philharmonische Orchester in Betracht kommen, da bei diesem eine einzige Probe genüge, man Herrn Strauß aber nicht zumuten konnte, ein kleines Privatorchester besonder» einzuüben. Das Philharmonische Orchester sei aber durch bestimmte Verträge gehalten, nur in der Philharmonie respekttve in der Singakademie zu spielen. Diese sei aber für das geplante Fest zu klein gewesen. Weiter schreibt Herr Dr. Ettlinger: „Nach alledem waren wir vor die Alternative gestellt, entweder auf eine Feier in dem großen Stil und der künstlerischen Höhe, wie wir sie planten, zu verzichten oder die Philharmonie zu nehmen. Wir entschlossen uns fiir das letztere im festen Vertrauen darauf, daß unser Antraa auf Aufhebung des Boykotts in Anbetracht der vielseittgen Unterstützung, die er fand, bei der Lokalkommission ohne Schwierigkeit durchgehen würde, denn irgend ein erkennbarer Grund für Aufrechterhaltung der vor vielen Jahren unter längst erledigten Voraussetzungen verhängten Saalsperre schien nicht mehr vor- Händen. Wir haben dann ordnungsgemäß den erforderlichen Antrag gestellt, den die Lokalkommission ohne Angabe irgend eines halt- baren Grundes rundweg ablehnen zu müssen glaubte. Denn was in dem Antwortschreiben der Kommission angeführt wurde, war keine Begründung, die lvir gelten lassen konnte». Wir hatten als Vertretung eines Vereins von 0000 Mitgliedern ein Recht darauf, daß man uns für die Ablehnung eines so stark unterstützten An- träges ivenigstenS einen gewichtigeren Grund nannte, als die bloße Befürchtung, einer oder der andere Saalinhaber„könnte" dann seine Unterschrift zurückziehen. Ob das tatsächlich geschehen wäre, hätte inan ja zunächst einmal abwarten können. Daß wir aber das Gelingen einer groß gedachten, mit vieler Mühe vor- bereiteten künstlerischen Veranstaltung nicht an einer derart schwach und dünn begründeten Ablehnung unseres Antrages scheitern lasten wollten, mag uns verdenken, wer will." Herr Dr. Ettlinger behauptet dann ferner, daß die Neue freie Volksbühne den ordnungsmäßigen Weg zur Aufhebung de» Philharmonie-BoykottS beschritten habe, bevor sie sich dem Beschluß der Lokalkommission widersetzte. Darüber und über die Anschauung, daß kein DiSziplicnbruch begangen sei, dürsten denn doch sehr viele Parteigenossen und zwar auch solche, die nicht zu den „Banausen" zählen, anderer Meinung sein. Im Namen der O r d n e r s ch a f t der Neuen freien Volksbühne erhalten wir noch von Herrn Kaufhold die Mitteilung, daß die gc- samte Ordnerschaft sich mit dem Vorstände in der vorliegenden Frage einverstanden erklärt habe; Tatsache sei nur, daß in der in Frage kommenden Sitzung zwei oder drei Ordner das Bedenken geäußert hätten, eine?!ichtbcachtung des Philharmonie-Boykotts könne den Verein schädigen. Lediglich deshalb hätten sie gegen den Antrag gestimmt. Das Flugblatt des Herrn Nest habe dem aller- größten Teil der Ordner vorgelegen und sei von diesen gebilligt worden. Da die Herren von der Neuen freien Volksbühne auf die Veröffentlichung dieser Mitteilungen Wert zu legen scheinen, so geben wir sie hiermit den Parteigenossen zur Kenntnis. Die Lokalkommission sendet uns in dieser Angelegenheit noch folgende Zuschrift zur Veröffentlichnng zu: „In der Frage des Philharinonie-Boykotts, den Herr Nest als Geschäftsführer der Neuen freien Volksbühne in dem am Sonnabend im„Vorwärts" erwähnten Flugblatt für seine Organisation als hinfällig bettachtet, haben wir. um Mißdeutungen vorzubeugen. folgendes zu erklären: Nachdem unserem Parteigenossen Rott von der Lokalkommission zu Ohren gekommen war. daß die Neue freie Volksbühne in der Philharmonie eine Schiller-Feier veranstalten will, wurde Herr Nest zu einer gemeinsamen Sitzung mit der Lokal- kommission gebeten. Hier führte Herr Nest an, daß man es in der Philharmonie ausschließlich mit einem Kunstinstittit zu tun habe, das in der Lokalstage nicht in Betracht komme und das daher ohne weiteres frei zu aeben wäre. Darauf wurde Herrn Nest erwidert, daß die Beschlüsse der parteigenössischcn Körperschaften in Lokal- angelegenheiteu auch der Philharmonie gegenüber bestehen und daß die Neue steie Volksbühne, vorausgesetzt, daß sie sich über- Haupt als proletarische Organisation fühle, keine Ausnahme für sich beanspruchen könne. Die Lokalkommission hätte selbst- verständlich nichts dagegen, daß die Neue steie Volksbühne allein oder in Gemeinschaft mit anderen Vereinigungen die Auf- Hebung des Boykotts zu verwirklichen suche, aber dies müsse auf ordnungsmäßigem Wege geschehen. Da ein Beschluß auf Aufhebung des Boykotts von der Partei aber zurzeit nicht gefaßt sei. so könne die Lokalkommission gar nicht anders, als die Parteibeschlüsse ver- treten und zur Geltung bringen. Die Antwort des Herrn Nest war. daß für die Neue freie Volksbühne zuerst die Kunst und dann die Sozialdcinolratte in Betracht komme und daß der Verein auf leinen Fall Von seinem Vorsatz avgehe; der Beschluß der Lokalkommission könne ausfallen Ivie er wolle. Mit vier gegen zwei Stimmen habe der Vorstand der Neuen freien Volksbühne beschlossen, in der Auf- Hebung des Philharmonie-Boykotts den Anfang zu machen und dabei werde es bleiben. Der Lokalkominisfion blieb nach dieser Erklärung nichts übrig als Herrn Nest auf die Folgen aufmerksam zu machen, die aus dieser Haltung für die Neue freie Volksbühne entstehen könnten. Soweit die besondere Erwähnung des Partei- genossen Rott in dem Flugblatt des Herrn Nest in Frage kommt, sollte dieser Herr als Leiter eines Vereins doch wohl wissen, daß Rott nichts getan hat, als ihm die Beschlüsse der parteigenössischen Körperschaften bekannt zu geben und daher die von Herrn Nest beliebte persönliche Verunglinipfung in jeder Hinsicht unziemlich war. Die Lokalkommission." Einen schrecklichen Mord und Selbstmord sollte der Tischler Maschinsky aus der Katzbachstr. 25 nach Zeitungsmcldungcn be- gangen haben. Es wurde berichtet, daß der Tischler infolge ehelicher Zerwürfnisse mit seinem zweijährigen Sohn nach Hamburg gereist sei und dort am Alsterufer sich und sein Kind durch Revolver'schüsse getötet habe. Die Leichen seien in der Alster aufgefischt worden. Wie uns berichtet wird, ist die ganze Nachricht unwahr. Das Kind hat MaschinSky in Pflege gegeben, er selbst aber ist am Leben und arbeitet auf einem Bau in der Tegelerstraße. Bom Wert des„vorschriftsmäßigen Patriotismus" erhält die Oeffentlichkeit durch eine„Streikgeschichte", die jetzt beigelegt ist, einen Begriff. Wir berichteten vor kurzem von einer Verfügung der Berliner Schuldeputation, die sich gegen die Weigerung einzelner Lehrkräfte richtet, am Geburtstage des Kaisers den' Schiilern patriotische Reden zu halten. In der letzten Sitzung des Etats- ausschusses kam diese Verfügung zur Sprache. Die Verfügung ist, Ivie die„Volks-Zeitung" nieldet, aus folgender Ursache erlassen worden:„Im Frühjahr 1Ll>3 sei bekannt geworden, daß Gemeinde- Lehrerinnen sich weigerten, die Ansprachen an ihre Schülerinnen zu halten,„weil sie nicht so hoch bezahlt würden wie die Lehrer".(!) Darauf sei bereits eine Verfügung vom 7. März v. I. erlafien worden. Zu Anfang dieses Jahres hätten nun mehrere Rektoren angezeigt, daß die Festfeier ausfallen müßte, weil keine Redner zur Verfügung ständen:„Nachdem die Lehrerinnen sich geweigert hätten, die Ansprache bei dem Festakt zu halten, sei auch von den Lehrern erklärt worden, daß sie nicht reden würden." Diese„Zustände" hätten die Verfügung vom 30. Januar d. I. veranlaßt." Kein Geld, kein Schweizer! lautet ein altes Sprichwort. Nach dem hier berichteten Geschehnis mag man den Wert des vorschrifts- mäßig in den Schulen verzapften Patriotismus bemessen. Graf Piicklcr hat den Berliner Staub von seinen Füßen ge- schüttelt: er will sich vom politische» Leben zurückziehen und in Klein-Tschirne seinen Kohl bauen. Nachdem ihm das gesetzlich bedenkliche polizeiliche Redeverbot die Abhaltung von Versammlungen in Berliu unmöglich gemacht hatte, wollte er seine Ideen in Flugblättern unter das Volk bringen. Eine dieser„ungehaltenen Reden" ist auch in kleiner Auflage verbreitet worden. Der Ton seiner weiteren Flug- blätter wurde aber so temperamentvoll, daß selbst der Buchdruckerei- besitzer Mitsching, der bisher die Reden des Grafen verbreitet hatte, den Druck ablehnte. Das hat den Grafen verschnupft. Er erklärte seine Freunde für schlappe Kerls, die sich vor ein paar Jahren Ge- fängnis fürchteten. In Sachen der städtischen Straßenbahnen hatten Oberbttrger- meister Kirschner, Stadtbaurat Krause und Stadtrat NamSIau am Sonntag eine Audienz beim Kaiser. Nach dem„Lokal-Anzeiger" gab der Monarch seiner Genugtuung darüber Ausdruck, daß die Stadt Berlin ein so bedeutsames Werk unternehmen wolle, um an ihrem Teil an der Lösung der dringenden Verkehrsfragen mitzuwirken. Daß der Kaiser diese Lösung hauptsächlich im Schnellverkehr und demnach in unterirdischen Bahnanlagen erblickt, kam nach dem er- wähnten Blatt zu deutlichem Ausdruck. Auch ließ sich der Monarch die Entwürfe für die geplanten Hafen- und Speicheranlagen am Stralauer Anger erläutern. Endlich wurden dem Kaiser einige Zeichnungen unterbreitet, die sich auf den Pariser Platz beziehen. Hier sollen einige neue Jnselperrons geschaffen und mit Kande- labern geschmückt werden. Schwere Beschuldigungen gegen einen bekannten hiesigen Kaffee- hauS-Besitzer erhebt das Fachorgan der Cafs-Angestellten. Der Be- treffende wird der Vergewaltigung einer 18jährigen Angestellten, deren Name genannt wird, und anderer Sittlichkeitsverbrechen be- schuldigt. Eine frühere Büfettmamsell soll, von dem Cafotier ver- führt, Selbstmord begangen haben. Die Frau des Cafotiers wird gleichzeitig des wiederholten Diebstahls und der Fundunterschlagung bezichtigt und dabei betont, daß die letzterwähnten Beschuldigungen bereits vor einiger Zeit öffentlich erhoben worden sind, die von den Beleidigten in Aussicht gestellte Verleumdungsklage jedoch bisher nicht eingereicht wurde. Gleichzeitig wird der Verein der Cafotiers aufgefordert, den Beschuldigten, der ihm als Mitglied angehört, seiner Aemter zu entsetzen. Ein folgenschwerer Zusammenstoß einer Droschke mit einem Straßenbahnwagen fand gestern gegen �1 Uhr in der Friedrichstraße, Ecke der Französischenstraße statt. Das Pferd der Taxameterdroschke Nr. 7217 war scheu geworden und jagte, von der Leipzigerstraße kommend, die Friedrichstraße entlang. An der Französischenstraße wollte das Tier, über welches der Kutscher jede Herrschaft verloren hatte, einein die Friedrichstraße kreuzenden Straßenbahnzug der Linie 61 ausweichen und bog kurz vor demselben seitlich ab. Das Pferd rannte gegen die Hinterplattform des Anhängewagens, wobei die Droschke gegen die Perronwand geschleudert wurde. Der Anprall war so heftig, daß das Pferd auf der Stelle tot zusammenbrach. Die Insassen des Taxameters, die in der Georgenstr. 20/21 wohnhafte Frau Klara Köhne, deren Dienstmädchen und zweijährigs Töchterchen, wurden auf den Straßendamm geschleudert. Frau K. erlitt einen Schädelbruch und wurde nach der königl. Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Das Dienstmädchen und das Kind blieben unverletzt. An der Droschke wurden die beiden Scheerbäume sowie die beiden Vorderräder zerbrochen, an dem Bahnwagen die Plattform ein- gedrückt. Eine Gesellschaft von fünf Burschen ist unter dem Verdachte des Straßenraubes festgenommen worden. In der Nacht zum 28. v. Mts. kam ein Kaufmann R. aus Rummelsburg in eine Schankwirtschaft zu Lichtenberg, in der sich fünf Burschen sehr laut machten. Er gab ihnen einiges zum Besten und nahm an ihrem überlustigen Treiben teil. Endlich versuchte einer der Gäste, ein Arbeiter Oswald Rehwald, die Ladenkasse zu plündern. Als ihm das nicht gelang, verließen alle fünf das Lokal. Bald ging auch R. In der Nähe der Wirt- schaft, wo die Niederbarnimerstraßc nicht beleuchtet war, lauerten die Burschen ihn auf, fielen über ihn her, warfen ihn zu Boden und nahmen ihm alle? ab, was er bei sich hatte, ein Portemonnaie und ein Messer. Aus Aerger, daß das Portemonnaie nur noch wenig eist- hielt, mißhandelten sie den Ueberfallenen schwer durch Faustschläge und Fußtritte und ergriffen dann die Flucht. Nach und nach fanden sich die Wegelagerer in Kneipen wieder zusammen und sprachen auch über den Vorfall, als sie glaubten, daß wohl Gras darüber ge- wachsen sei. Nachdem die Kriminalpolizei auf diese Weise eine Spur bekommen hatte, ermittelte sie als die Täter die Arbeiter Oswald Nehwald, Albert Völz, Karl Kneifel, Wilhelm Konitzki und Wilhelm Spicker und nahm diese gestern fest. Einen schrecklichen Selbstmordversuch machte di« 29 Jahre alte Frau des Tischlers Wisniewski aus der Fürstenwalderstratze. Sie verlor am letzten Weihnachtsfeste ihren einzigen Sohn durch den Tod und ist seitdem tiefsinnig geworden. Gestern besuchte sie das Grab ihres Lieblings. Während dann abends ihr Mann bei einem Flurnachbar war, begoß sie sich im Schlafzimmer ihre Kleider mit Spiritus und zündete sie auf dem Leibe an. Im selben Augenblick hüllte eine große Flamme die Unglückliche ein. Auf ihre Hülferufe eilte ihr Mann und die Nachbarn herbei und erstickten das Feuer. Die Lebensmüde war aber an Brust und Hals schon so schwer ver- . bräunt, daß man sie nach dem Krankenhaus am Friedrichshain brwgen mußte. Als Kricgervereinshans ist am Sonntag der„Eiskeller" in der Chausseestr. 83 eingeweiht worden. Ein Festzug mit Fahnen, wie er Arbeitern selbstverständlich nicht gestattet wird, bewegte sich von der Johannisstraße nach dem neuen Institut. Nach einer Ansprache des Geschäftsführers, Generalmajor z. D. Bartels, soll das Haus den nach Berlin entlassenen Reservisten eine Stätte sein, wo sie jederzeit Rat und Hülfe finden können. Ob die Herren Krieger im sozial- demokratischen Berlin das Haus erhalten können, wenn sie auf hohem Pferd bleiben und den Saal der Arbeiterschaft zu Ver- sammlungen verweigern— das muß die Zukunft lehren. Das katholische Leo-Hospiz redet da eine warnende Geschichte. Der Berliner FrühjahrSjahrmarkt findet vom Mittwoch, den 22. d. Mts., bis Sonnabend abend, den 25. d. Mts., wieder im Südwesten Berlins, vor dem Halleschen Tor, in der Gneisenau-, Baruther-, Jork-, Großbeerenstraße und den die Gneisenaustraße durchschneidenden Straßen: Nostiz-, Solms-, Zossener-, Mitten- walder-, Schleiermacherstraße statt. Der Aufbau der Jahrmarkts- buden beginnt bereits Dienstag. Großfcuer kam am Sonntag nachmittag um 6 Uhr in Moabit im Kriminalgericht auf noch nicht aufgeklärte Weise zum Ausbruch. Das Feuer wurde erst bemerkt, als es schon eine große Ausdehnung erlangt hatte. Als der 15. Löschzug als erster an der Brandstelle erschien, stand der Keller schon vollständig in Flammen. Das Vordringen der Feuerwehr war infolge der enormen Qualm- entwickelung und Hitze sehr erschwert. Brandmeister Hammer ließ sofort zwei Schlauchleitungen von Dampfspritzen und zwei von Hydranten vornehmen und mit aller Energie Wasser geben. Der Leiter der Feuerwehr Brandinspektor Reinhardt erschien pcrsön- lich an der Brandstelle, um Anordnungen zu treffen. Nach dreistündiger Tätigkeit konnte die Wehr wieder abrücken. Der Schaden ist bedeutend, da mehrere Keller total ausgebrannt sind. Fcucrbcricht. Sonntagvormittag wurde die Wehr nach der Französischenstr. 57/58 gerufen, weil dort in einem Keller Feuer entstanden war. das Körbe, Kisten und allerlei Verpackungs- Materialien ergriffen hatte. Der 19. Löschzug hatte längere Zeit mit einer Schlauchleitung Wasser zu geben, um die Flammen zu er- sticken.— Ein zweiter Kcllerbrand mußte dann in der Elsasserstr. 44 abgelöscht werden.— Ein Posten Sägespäne hatte am Weiden- weg 61 Feuer gefangen, während in der Putlitzstr. 16 Wäschestücke und Kleider in Brand geraten waren. In beiden Fällen konnte die Gefahr bald beseitigt werden.— In der Leipzigerstr. 122 brannte dann im Dachraum des rechten Seitenflügels die Schaldecke und Balkenlage.— Die übrigen Alarmierungen, die noch in den letzten 48 Stunden aus der Beuthstr. 18 und noch aus einigen anderen Orten einliefen, waren durchweg auf„blinden Lärm" zurück- zuführen._ Das Belle Alliance- Theater kam am Sonnabend mit einer französischen Neuigkeit, an der drei Autoren, nämlich Lepetellier, Decourcelle und Tanroff herumgearbeitet haben. Das Stück heißt „Die Rote" und ist klassifiziert als Sensationskomödie aus dem Pariser Nachtleben. Diese Komödie, in der es Mord und Totschlag nach Noten gibt, soll in einem Pariser Theater 500 mal mit großem Erfolge aufgeführt worden sein. Eine solche Zukunft hätte ihr in Berlin vielleicht noch vor 50 Jahren gewinkt; aber seitdem ist man hier von der Freude an Verbrecherromantik und Schauerdramen zurückgekommen. Wenn die Pariser sich wirklich an dem törichten Zeug der genannten drei Autoren fünfhundertmal erbaut haben sollten, dann sind sie zu bedauern. Dem Berliner Publikum gereicht es zur Anerkennung, daß es an dem Stück nichts ernst nahm als die Bezeichnung Komödie und daher um so mehr lachte, je tränenrührender die Handlung wurde. Der Direktion aber können wir den Vorwurf nicht ersparen, daß sie der vortrefflichen Künstlerschar unter ihrem Regime Aufgaben zugemistet hat, vor denen das Ostend-Theater in seiner schlimmsten Zeit zurück- geschreckt wäre. Man denke sich Bozena Bradskh als sentimentale Straßendirne, die sechs Akte hindurch ihr verlorenes Kind sucht und schließlich, als sie das arme sterbende Wesen in ihren Armen hält, sich großmiitig den Gerichten stellt, um. so einem unschuldig wegen Mordes Bestraften die Ehre wiederzugeben. Es ist ja das Recht einer Possenbühne, Geschmacklosigkeiten zu verüben, aber das soll stets mit lachendem Munde geschehen. Theater. Maria Pospischil wird, wie die Direktion des SchillerTheaters bekannt gibt, nur an drei Abenden auf- treten: am 21., 22. und 24. März im Schiller-Theater N.(Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater) als Medea in Grillparzers gleichnamigem Tranerspiel. Eine Fortsetzung des Gastspiels ist durch die Ver- pflichtungen der Tragödin unmöglich.— Carl Weitz-Theater. Das fünfaktige Lebensbild„Der schmale Weg" wird am Dienstag erstmalig in Szene gehen. Den Schluß des Abends bildet das Melodrama von Rob. Schuhmann:„Frauen- Liebe und Leben", verbunden mit lebenden Prachtgemälden und Kunstgesang, arrangiert von Alfred Lux._ Huö den Nachbarorten. Schöneberg. Die Stadtverordneten-Versammlung erledigte gestern die Fest- stellung der diesjährigen letzten Etats mit Ausnahme des Etats der allgemeinen Verwaltung. Zunächst wurden beim B a u e t a t (Tiefbauverivaltung) für einen Lcmdmesser die Diäten von 4000 M. auf 3000 M. herabgesetzt. Bei der Kanalbau-Verwaltung bemängelt der Stadtv. Kuznitzki die Ungerechtigkeit der Erhebung der Gebühren von den Hausbesitzern. Man könnte durch die Einführung eines anderen Modus, wie er z. B. in Charlottenburg üblich ist, den bis- herigen hohen Zuschuß in einen Ueberschutz verwandeln, wenn die Kanalbeiträge nach dem Nutzungswert der Grundstücke erhoben werden. Ter Stadtbaurat B e r g e r stellte eine derartige, bereits in der Vorbereitung begriffene Aenderung in Aussicht. Im Kapital- und Schuldenetat fand sich nichts zu erörtern. Der in der vorigen Sitzung zurückgestellte Antrag betreffend die Schaffung von Stadtrat st ellen stand wieder zur Tagesordnung. Vom Ausschuß war der Magistratsvorlage in bezug auf zwei unbesoldete und eins besoldete Stadtratstelle zugestimmt worden mit der Bedingung, daß in der Ausschreibung hervorgehoben werde, daß die Befähigung zum höheren Justizdienst nicht durchaus erforderlich sei. Bezüglich der letzteren hatte sich der Magistrat auf die Besetzung mit einer juristisch gebildeten Person festgelegt, da durch die Niederlegung des Armendezernats seitens des bisherigen Inhabers, Stadttats Näther, sich diese Bedingung als notwendig erweise.— Seitens der Sozialdemokraten war zum Ausschußantrage der Zusatz gestellt worden, �„daß Bewerber sich in sozialpolitischer und prakttschcr Beziehung bereits bewährt haben". — Daß in der ganzen Angelegenheit sich bereits Dinge vollzogen haben, die scheinbar das Tageslicht scheuen, beweist die durch den Stadtrat Blankenstein angeführte Personenfrage, so daß hier die Oeffentlichkeit ausgeschloffen wurde.(Wir werden über das Re- sultat morgen berichten.) Eine längere Debatte zeitigte die vom Ausschuß zurückgelangre Vorlage, betreffend den Neubau der Realschule und der höheren Töchterschule. Nach dem Anschlage belaufen sich die Kosten für erstere auf 630 000 M., für letztere auf 883 000 M. Geplant sind diese Anstalten auf dem von der Gemeinde vor kaum einem Jahre für 800 000 Mk. erworbenen, 7400 Quadratmeter großen Areal am Barbarossaplatz in der Eisenacherstratze. Daß seitens der städtischen Bauleitung hier ein Prunkgebäude errichtet werden soll, scheint nach den Ausführungen und VerbesserungS- vorschlügen einer Anzahl Redner nickst ausgeschlossen, nur„ändern möchte man an dem Projett nichts mehr", um endlich diese Sache einmal zur Erledigung zu bringen. Die Magistratsvorlage ge- langte sodann zur Annahme, nachdem die Bauperiode bis zum Oktober 1906 in Aussicht genommen war. Ter Verein der Beamten der Stadtgemcinde hatte in einer Petition beantragt, einen«angemessenen" Betrag zur Unterstützung hülfsbedürftigöv Beamte» bereitzustellen. Bisher hatte dieses Bewilligungsrecht die Stadt- verordneten-Versammlung allein für sich ausgeübt und diesem konform einen vorjährigen Antrag auf Einstellung von 5000 M. mit Recht abgelehnt.— Unseren Standpunkt vertrat Stadtv. Ge- nosse Hoffmann. Er verweist die Beamten auf die Selbsthülfe, wie es auch andere Berufsvereinigungen tun, denn durch Abtretung des Bewilligungsrechts an den Magistrat für Unterstützungen ver- liere die Versammlung jede Kontrolle.— Die meisten Redner sprechen sich ebenfalls für Ablehnung der Position und des AuS- schußantrages, der dieselbe dem Magistrat zur Berücksichtigung überweisen möchte, aus, die denn auch gegen 7 Stimmen erfolgte. Zur Anfertigung eines im Stadtverordneten-Saale an- zubringenden Bildes für den verstorbenen früheren Stadtverordneten-Vorsteher Gustav Müller wurden nach einem Antrage des Magistrats die erforderlichen Mittel in Höhe von 3000 M. an Honorar und 500 M. für Be- schaffung eines Rahmens bewilligt. Schmargendorf. Achtuhr- Ladenschluß. Mehrere Geschäftsinhaber haben_ beim Regierungspräsidenten beantragt, den Achtuhr- Ladenschluß für Schmargendorf anzuordnen. Diese Anordnung kann nur erfolgen, wenn zwei Drittel der Interessenten ihr Einverständnis erklären. Eine Liste der beteiligten Geschäftsinhaber liegt vom 29. März bis 11. April im Anstsbureau aus. Hoffentlich findet dieser verständige Vorschlag die genügende Majorität, obwohl einige Kaufleute, die dem alten Schlendrian nicht glauben entsagen zu können, sich da- gegen sträuben. Armenkommission. Wegen Verzuges nach außerhalb hat unser Parteigenosse P u d l i tz sein Amt als Rcvicr-Armenpfleger für den 4. Bezirk niedergelegt. Pudlitz ist der einzige mit einein kommunalen Ehrenamt betraute Sozialdemokrat gewesen. Eine Ersatzwahl wird von der Gemeindevertretung demnächst vorgenommen werden. Hoffentlich tritt wieder ein Vertreter der Arbeiterschaft an die Stelle unseres Parteigenossen. Nowawes-Neuendorf. Eine heilsame Lehre dürfte der Bauunternehmer S ch u l t h e i ß in Neuendorf erfahren haben. Sch. hat sich schon öfter Verstöße gegen die Bauordnung zuschulden kommen lassen, indem er seine Bauten nicht den genehmigten Zeichnungen entsprechend ausführte. Die Geldstrafen, mit denen er belegt worden war, standen aber nicht im Verhältnis zu den Vorteilen, die er durch seine eigen- mächtige Handlungsweise erzielte. Vor kurzem nun hatte er vor seinem großen Wohnhause an der Bülow- und Schul- straßenecke, vor dem nach der Bauordnung, die für diesen Ortsteil gilt, ein Vorgarten hergerichtet werden muß, eine Veranda gebaut, welche zu einem„besseren" Restaurant benutzt werden sollte, ohne hierfür die erforderliche Erlaubnis zu befitzen. Gegen einen Entscheid der hiesigen Baubehörde, die Veranda wieder abzureißen, legte er Berufung beim Bezirksausschuß ein, welcher dieselbe aber verwarf. Darauf wandte sich der Hausbesitzer beschwerde- führend an den Minister, worauf jetzt beim Anstsvorsteher der Eni- scheid eingegangen ist, daß die Verfügung der hiesigen Baubehörde zu Recht bestehen bleibt. Danach ist also Herr Schultheiß ge- zwangen, die kostspielige Veranda wieder abzureichen und den Platz in einen Vorgarten umzuwandeln. Ein Einbruchsversuch wurde am hellen Tage am Sonnabend in dem Sotschekschen Hause am Kirchplatz in Nowawes aus- geführt. Als die in dem Hause wohnende Frau Skirk in der Mittags- stunde von einem Gange zurückkehrte, bemerkte sie, daß das Korridor- schloß zerbrochen war. Während sie sich noch bemühte, dasselbe zu öffnen, ging der Sohn des Hausbesitzers nach dem Boden und fand dort einen fein gekleideten Menschen im Alter von ca. 25 Jahren, der. als er sich entdeckt sah, die Treppen hinunter lief und hinaus- eilte. Der Flüchtting wurde in einem Gartengrundstücke fest- genommen, wo er erschöpft zusammengebrochen war. Bei seiner be- hördlichen Vernehmung gab er an, ein Tilchler Piesel zu sein. auf alle übrigen Fragen verweigerte er die Auskunft. Endlich als Leiche aufgefunden wurde bei Baggerarbeiten in der Elbe bei Lanenburg der Bootsmann Kißel aus Glindow bei Werder a. H. Im Herbst vorigen Jahres war er in Gemeinschaft mit dem Dampfschiffsbesitzer Ernst Moritz in der Elbe ertrunken, als beide einen in Haniburg neugekauften Dampfer nach Werder a. H. bringen wollten. Trotzdem Fischer die Elbe absuchten, konnten die Leichen nicht gefunden werden, so daß bereits allerlei Gerüchte über den Tod der beiden in Umlauf waren. Boraussichtlich wird die Leiche des Moritz nun auch bald aufgefunden. VermiFcbtea. 24 Bergleute umgekommen! Wie aus Charleston(West-Virginia) gemeldet wird, sind in der Rnshrun-Kohlengrube durch eine Explosion zehn"! Menschen getötet worden. Eine RettungSäbteilung. welche 14 Mann stark in die Grube einfuhr, kam infolge einer zweiten Explosion ebenfalls ums Leben. An Genickstarre sind in der vergangenen Woche nach amtlicher Meldung in Königshütte 18 Kinder gestorben. Eingegangene Druckschriften. Von der„Nene» Zeit««Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 25. Hest des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Hestes heben wir hervor- Allotria.— Kritische Randbemerkungen zur Bergarbeiter-Novelle. Von Anton Bredenbeck-Dortmund.— Die ungarische Revolution von 1848. Bemerkungen zu Engels' Artikel über Ungarn in der„Neuen Rheinischen Zeitung". Bon Erwin Szabä.(Schluß.)— Neue Resormaktion der Mächte in Makedonien. Von Milorad Popowitsch.— Die zarischen Intrigen im Kaukasus. Von einem Armenier.— Die Gewerkschaften und der Kost- und Logiszwang. Von Wilhelm Jansson.— Literarische Rundschau: Dr. Käte Schirmacher, Die moderne Frauenbewegung, ein geschichtlicher Ueberbiick. Von Therese Schlesinger-Eckstein. Arbeiter-Gesundheits-Bibliothek. Von ll. Ii. — Notizen: Ein Vorgeschmack zur Schillerseier.-z.-r.-S01ünchcn. Konsumvereine und Sozialdemokratie. Von Hermann Fleißner. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstalten mid Kolporieure zmn Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen i jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Hest kostet 25 Ps. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Marktpreise von Berlin am 18. März. Nach Ermittelungen des kgl. Polizei-Präsidiums. Für 1 Doppel-Zentner: Weizen"), gute Sorte 17,40-17,38 M.. mittel 17,30-17,34 M.. geringe 17,32-17,30 M. Roggen"), gute Sorte 13,70—00,00 Vi., niittel 00,00—00,00 M.. geringe 00,00—00,00 M. Futtergerste»), gute Sorte 16,40-15,10 M., mittel 15,00 bis 13,80 M.. geringe 13,70-12,50 M. Haser»), gute Sorte 16.20-15,50 M.. niittel 15,40—14,70 M.. geringe 14,60—13,90 M. Erbsen, gelbe, zmn Kochen 45,00—30,00 M. Speisebohnen, weiße 50.00—30.00 M. Linsen 60,00-30,00 M. Kartoffeln 10,00-7,00 M. Richtstroh 4.66-4.32 M. Heu 9,40-7,30 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80—2,00 M. Eier per Schock 4,20—2,80 M. ») Frei Wagen und ab Bahn.»») Ab Lahn. WtttrrungSiibersich» vom 20. März 1905, morgens 8 Uhr« Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M. München Wien 764 SO 765 WSW 763 SSO Haparanda 767 Still Petersburg 765 NO 756 � SO 762 1>sSO 764! OSO — Schnee 1 wölken! 4 bedeckt Lhalb bd. twolkenl 2 Schnee 2 Nebel 1 bedeckt 4 Scilly ._ I wollenl 5 Aberdeen 766 W 4 Regen 3 Paris 763W 1'Regen tlvetter-Prognos« für DienStag, den 21. März 1905. Langsam aufklarend, am Tage etwas warmer be» schwachen östlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge.,. Berliner Wetterbureau. Sozialdemokrat. Wahlverein f.d.4. Berl. Reichstagswahlkreis ( Süd- Ost). Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser Genosse, der Restaurateur Albert Winkelmeyer ( wohnhaft Görlißerufer 37, Stadtbezirf 107b) gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag nachmittag um 4 Uhr von der Leichenhalle des Emmaus- Kirchhofes( Hermannstraße) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 242/20 Der Vorstand. Sozialdemokratischer Verein im 5. Berl. ReichstagsWahlkreise. Unser altes, treues Mitglied, der Chemiter Robert Kunst ist nach langem, schweren Leiden verschieden. Das Andenken des opferwilligen Genossen werden wir stets in Ehren halten! Die Beerdigung findet Dienstag, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des St. JohannesEvangelist Kirchhofes, Barsusstraße( Müllerstraße) aus statt. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 6. Berliner Reichstagswahlkreis. Todes- Anzeige. Am 18. d. m. verstarb unser Mitglied, der Restaurateur Wilhelm Hiller, Brunnenstr. 150. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute Dienstag, den 21. d. M., nachmittags 1/24 Uhr, vom Trauerhause aus nach dem ElisabethKirchhof in der Prinzen- Allee ſtatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 247/1 Der Vorstand. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 87/ 9* Hant- und Harnleiden. Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 2.Berliner Reichstagswahlkreis. Am Sonnabend, den 18. d. M., verstarb unser Mitglied, der Klempner Julius Horchert. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Dienstag nachmittags 4 Uhr von der Halle des Zwölf Apostel Kirchhofes ( Ebersstraße) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 238/9 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Klempner Julius Horchert am 18. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 21. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Zwölf Apostel- Kirchhofes am Bahnhof Ebersstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 113/13 Die Ortsverwaltung. Nach kurzen schweren Leiden entschlief sanft am Sonntag, den 19. d. M., meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Tante Am 18. d. M. entschlief nach furzen schweren Leiden meine liebe Schwester und Schwägerin, unsere gute Zanteä Witwe Märtens Müllerstr. 24a im 67. Lebensjahre. Dies zeigt mit der Bitte um stilles Beileid an 10-2506 Familie H. Krüger. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. d. M., nachm. 4 Uhr, auf dem alten MarienKirchhof am Prenzlauer Tor statt. Danksagung. Unserem Kollegen und Genossen Otto Liepe senden zum heutigen Wiegenfeste drei kleine Tischler und eine Malerkröte die besten Glückwünsche. 253b Sein 21192476 40jährig. Geschäftsjubiläum feiert morgen, am 22. März 1905, der Tischlermeister und Vorsitzende der Berliner Möbel- Industriellen, Herr Gustav Plage, hier, Lindenstr. 13. Bekanntmachung der Orts Krankenkasse für das Töpfergewerbe zu Berlin. Laut Verfügung des Herrn Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg Für die vielen Beweise herzlicher berechnen sich die Beiträge gemäß elame und reichen Stranzipenden§ 33 Abjat 4 des Krankenversiche bei der Beerdigung meiner lieben rungs- Gesezes auf Antrag der AufFrau, unserer guten Mutter, sagen sichtsbehörde vom 27. März d. J. ab wir hiermit allen Bekannten herzlichen wie folgt: 1,08 Mt. wöchentlich für die 1. Klasse 0,87 Dant. 24702 Die trauernden Hinterbliebenen Paul Wegner nebst Sohn und Tochter. " " " " 0,69 0,57 0,42 " " " " " " " " 2. 3. 4. 5. " " " " " " Das Krankengeld wird durch nunKranz- und Blumenbinderei mehr endgültigen Erlaß des Herrn * von Robert Meyer, uur Mariannen- Straße 2. Vereins- Kränze, Palmen- u. BlumenArrangements, Bouquets, Guirlanden usw. werden sein u. preiswert geliefert Wilh. Burg, Restaurant Oberpräsidenten vom 6. Januar d. J. im Betrage der Hälfte der durchschnittlichen Tagelohnsäge unter Berechnung dreier Starenztage für jeden Arbeitstag einschließlich der auf einen solchen fallenden Festtage gewährt. 271/10 Der Vorstand. Lindenstr. 3, Hygienische empfiehlt sein 21642* Anna Schubert Großes Vereinszimmer im 57. Lebensjahre. 246b Dies zeigen tiefbetrübt an Die trauernden Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 22. d. M., nachm. 4 Uhr, vom Trauerhause, Grüner Weg 63, aus nach dem LazarusKirchhofe in Wilhelmsberg statt. Kinderwagen- Kuhlicke Berlins größtes Spezial- Geschäft Hauptlager: Neue Königstr. 43 2. Lager: Königgrätzerstr.84 Kinderwagen, KinderSportwagen, Kinder- Bettstellen. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 24. Riesen- Auswahl. Spottbillige Preise, ( bis 120 Personen) für WerkstattVersammlungen und Vereine. Vorzügliche Speisen und Getränke. Sanitäre Bedarfsartikel, Gummiwaren etc. v. Prof. und Aerzten vielfach empfohlen. Apotheker S. Schweitzer's Fabrik hygienischer Präparate. 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