Nr. 74. Abonnements- Bedingungen: Abonnements- Preis = pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter SonntagsBeilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- ZeitungsPreisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel. zeile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die genullte Berggesetz- Novelle. Situation. Dienstag, den 28. März 1905. die amtliche Statistik dem Humbug allzu gefährlich, den man mit der amtlichen Sozialpolitik den Arbeitern vormachen möchte. " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Wieder Zechenprotokolle. " Nach Möller tamen dann die Parteien. Es sprachen der Reihe nach v. Heyde brand für die Konservativen, Schiffer für die Der Reichs- Anzeiger" veröffentlicht die Protokolle über Bor etwa 100 gelangweilten Vertretern der zwvei oberen Klaffen Nationalliberalen, Mar Hirsch für die Freisinnigen, Spahn für die Untersuchungen auf den Schächten Kaiserstuhl I der preußischen Landtagswähler begann heute im Abgeordnetenhause das Zentrum. Sowie der Handelsminister zu reden aufhörte, trat und II". Natürlich sind von der Kommission„ keine Mißdie Beratung der beiden Novellen zum Berggefeg. Graf Bülow wieder Ruhe im Hause ein; dem Redner der Konservativen, die fast stände" gefunden, die einen Ausstand rechtfertigen. Es wäre war selbst erschienen und nahm auch zuerst das Wort zur Ver- allein die Mehrheit des Hauses für sich haben, gegen die feine übrigens von Interesse, einmal zu erfahren, wann denn cigentteidigung der Vorlage. Er redete eine seiner berüchtigten Reden der preußische Regierung möglich ist, gebührte Aufmerksamkeit. In parla- lich die Oberbergräte, Bergräte und Bürgermeister einen Ausmittleren Linie, die den Anschein erwecken sollen, daß die Regierung mentarischen Ländern ist der Minister der Vertreter der Mehrheit; auch stand für berechtigt halten. Bezeichnend ist, daß in der Unterstart und autoritär über den Parteien stehe. Erst eine preußische Minister sind natürlich von der Mehrheit abhängig, was suchungskommission Herr Bürgermeister LichtenbergVerwahrung dagegen, daß die Regierung sich durch den sich jedoch in Preußen darin ausdrückt, daß man dem Minister offen- Dortmund saß, aber nur in Vertretung des Oberbürgermeisters Streit ihre Vorlage hätte abzwingen lassen; die Regierung bare Mißachtung entgegenbringt, ohne daß es diesen geniert. Schmieding, der bekanntlich Aufsichtsratsmitglied von hat vielmehr schon lange vorher daran gedacht, etwas Der Redner der Konservativen begann sofort mit der Er- Harpen" ist. Warum ist nicht gleich Herr Bergmeister Sozialpolitik zu treiben. Dann die durch die ewige Wiederholung flärung, daß seine Partei prüfen würde, ob die Arbeiter Grund zu Engel, Geschäftsführer des Bergbaulichen Vereins, zum tomisch wirkende Entrüstung über den Kontraktbruch der Bergarbeiter. Beschwerden hätten. Nur wenn solche anerkannt werden könnten, Vorfigenden aller Untersuchungskommissionen ernannt worden? Ein paar Phrasen über die Hetzer und Wühler. Die Unternehmer würden fie entsprechenden Gefeßesvorschlägen zustimmen; Diese Protokolle beweisen wieder, daß man es in den hätten ganz recht gehabt, daß sie mit den Kontraktbrüchigen nicht andernfalls würden sie die gemachten Vorschläge ruhig ab. Niederschriften" mit objektiv sehr unzuverlässigen Aufverhandeln wollten. Nun nach der anderen Seite. Wenn die Re- lehnen. Obwohl er die Untersuchungskommissionen nicht zeichnungen zu tun hat. Wiederholt weiß der Leser gar nicht, gierung mit den Arbeitern verhandeln wollte, konnten es die Unter- nannte, ist das doch ein deutlicher Hinweis auf ein deutlicher Hinweis auf deren worum es sich handelt, weil der springende Punkt" aus dem nehmer schließlich auch. Die Arbeiterorganisationen wird man am Arbeit. Deshalb verlangte er auch nachdem die Re- Protokoll nicht ersichtlich. So bezeugt Bergmann B. eine Ende anerkennen müssen. Natürlich müssen sie in den richtigen gierung eine gedruckte Begründung gegeben und der Minister Täuschung der Kontrolle, das geht aber nicht aus der NiederBahnen gehalten werden. Und so fort mit bekannter Grazie. Am zirka eine Stunde Gründe geredet hatte die Regierung solle ihre schrift seiner Aussage, sondern nur so nebenbei aus dem Ende spannte er die Monarchie vor die Novelle. Das wird zwar Vorlage in der Kommission erst noch ordentlich begründen! In der sogenannten Gegenzeugnis des Steigers. hervor. Den der Novelle auch nicht viel helfen, aber es entspricht immerhin der Rede dieses junkerlichen Mehrheitsvertreters tam der ganze brutale Arbeiter M. scheinen die Steiger aufs Korn genommen zu Hochmut dieses Klassenparlaments zum Ausdruck. Mit der vorhaben; die Rede ist von einem ersten Untersuchungstermin". Diese Regierung, die nur existiert von Gnaden des Kapitals, nehmen fühlen Ruhe, die sich in der Macht fühlt, weil sie die Wenn, weshalb, warum diese Sache gerade für die gemildert durch die Monarchie, aber durch eine Monarchie, die Ballisaden des Dreiklassen- Wahlsystems noch für unerschüttert hält, Steiger so unangenehm war, erfährt man aus dem Protokoll wiederum nur durch ein Kompromiß mit dem Kapital existiert, diese sprach er darüber, ob der Zeitpunkt zu neuen Maßregeln sozialer nicht, und doch kommt es gerade hierauf an, wenn man die Regierung hat ja in der Tat nichts als die Monarchie einzusetzen, Fürsorge" richtig gewählt sei. Natürlich nichts! Sieht es doch aus Schifanierung des M. verstehen will. Ebenso unaufgeklärt wenn sie dem Kapital einmal, sei es auch noch so sanft, entgegen wie eine Konzession an die Bestie, die damit nur noch begehr- bleibt der Fall des Steigers Sl., der mit zwei Bergleuten in treten will. Die Auseinandersetzungen im preußischen Abgeordneten- licher gemacht wird. Man werde in der Kommission sehr einem„ Rollloch" festsaß. An sich ist das Festsitzen in einem hauſe trugen deutlich den Stempel dieses Verhältnisses. Da sind forgfältig erwägen müssen, wie weit man gehen dürfe;" Rollloch" nichts Außergewöhnliches, also muß dieser Fall benicht Parteien, die um ihre Interessen lebhaft und mit Einſegung die gemachten Vorschläge berührten die Grundlagen der Gesell- sondere, von den Arbeitern als Mißstände empfundene Merkaller Kraft gegeneinander kämpfen. Das arbeitende Volt, um dessen schaft usw. usw. male gehabt haben aber davon schweigt das famose Haut dort gefeilscht wird, ist ja nicht dabei. Es war deshalb Mut zeigen diese Herren Konservativen ohne Zweifel. Die Protokoll". Was tun wir mit einem solchen Protokoll"? nur ein Streit zwischen einigen in gleicher Richtung inter- Arbeiter werden schon noch kräftiger als bisher an die gut ver- Rein bernünftiger Mensch wird diese Niederschriften" essierten Gruppen darüber, welche Wirkung die von der Regierung wahrten Türen des preußischen Abgeordnetenhauses pochen müssen, als authentische Dokumente verwerten, deshalb ist es als Vertreter der einen Gruppe vorgeschlagenen Maßregeln auf den um die hochmütigen Herren aus der schönen Nuhe zu bringen. ein grober Unfug, mit den Untersuchungsprotokollen" gegen Dritten ausüben könnten, der nicht dabei ist, auf die Arbeiter Der Redner der Nationalliberalen ging mehr auf den Gegen- die Bergleute zu operieren, wie das" Post". Neueste Nachnämlich. Deshalb spielte die Frage eine Hauptrolle, ob die Sozial- stand ein. Er sagte aber auch der Regierung offen, daß seine Partei richten"," Rh.-W. 3tg." u. a. Unternehmerblätter tun. demokratie einen größeren Vorteil haben würde von der Ein- unter Berufung auf die Resultate der staatlichen Untersuchungs- Ohne Zweifel sind sich aber die Arbeitervertreter bringung der Vorlage oder von der Nichteinbringung, von der An- fommissionen das Bestehen von Mißständen bestreite. Grundsätzlich ihrer hochwichtigen Aufgabe nicht bewußt geworden, vielleicht nahme oder von der Ablehnung. In der Rede des Grafen Bülow stellte er sich ganz auf den Standpunkt der Konservativen. Seine mangelte es ihnen an Verständnis. Jedenfalls durften die ist kein Wort davon, daß die Lage der Arbeiter das Eingreifen der Einwände gegen die einzelnen Vorschläge der Vorlage sind die, die Arbeiterdelegierten sich nicht mit bloßen Versicherungen, es Gesetzgebung nötig macht, daß es notwendig ist, die Arbeiter gegen man von den Unternehmern schon kennt. würde gebessert, zufrieden geben z. B. in bezug auf die übermäßige Ausbeutung zu schüßen, daß ihre Verhältnisse verbessert Waschtaue, sondern sie hätten die Kommission hin werden müßten. Der leitende Gedanke seiner Rede ist: wenn wir zur Waschkaue führen müssen, um den Herren von der Bergnichts tun, dann gewinnt die Sozialdemokratie an agitatorischer Kraft. behörde einmal zu zeigen, wie es auf der von ihnen Es ist das offene Geständnis, daß die Regierung lediglich aus inspizierten Grube aussieht. Vielleicht hat aber auch das Rücksicht auf die Agitation der Sozialdemokratie ihre Vorlagen geGaloppverfahren die Arbeiter eingeschüchtert; vorbereitet mit macht hat. Sie hätte es sicher nicht getan, wenn nicht die SozialBeweismaterial waren sie keinesfalls, wie aus dem Protokoll demokratie zu fürchten wäre. deutlich hervorgeht. # 19 Die Konservativen und Nationalliberalen haben zusammen eine starke Mehrheit im Abgeordnetenhause. Daß die Vorlage der Regierung unverändert aus der Kommission herauskommt, ist nach den Neden der beiden Parteiredner ganz ausgeschlossen. Man wird die Vorschriften über die Arbeitszeit wahrscheinlich noch komplizieren, die Vorschriften über die Arbeiterausschüsse noch verschlechtern und auch noch nach besonderen Ersatzmitteln für das Verbot des Nullens sitchen. Der Handelsminister, dem der Reichskanzler die Begründung Und die Regierung wird mit sich reden lassen. Schloß doch Bülow Indessen merkt man aber auch an diesem Protokoll, was der Vorlage im einzelnen überließ, versuchte allerdings einige sozial- feine zweite Rede, nach der die Vertagung eintrat, damit, daß er die erst eine sorgfältig vorbereitete und allgemein durchgeführte politische Wendungen vorzubringen, fie gingen jedoch nicht über das Vorlage als im großen und ganzen" gerechtfertigt bezeichnete. Untersuchung ans Tageslicht fördern würde. Ergibt sich hinaus, was schon in den dürftigen Motiven zu den Vorlagen ge- Die Regierung wird sich also damit abfinden, daß ihre Vorlage ge- doch schon aus den wenigen Zeugenaussagen, daß auf druckt vorliegt. Von grundsätzlichen sozialpolitischen Er- nullt wird und, wenn wirklich noch ein Gesetz herausGesetz heraus- Kaiserstuhl" das Gedingewesen denkbar verwägungen teine Spur. Und am Ende lief's doch auf dasselbe kommt, so doch etwas anders, als was die Regierung worren und willkürlich praktiziert wird. Unter Gedinge Grundmotiv hinaus: die Furcht vor der Agitation. Zwar bestritt vorgeschlagen. So gemütlich, wie der Arbeitervertreter" Mar( Afford) versteht man doch eine Vereinbarung fester Herr Möller ausdrücklich, daß die Vorlage der Furcht vor der Hirsch machen es die Mehrheitsparteien nicht. Herr Hirsch, dem 2ohnsäße, die sich nach Leistung bemessen. Auf„ KaiserSozialdemokratie entsprungen sei; aber nicht nur, daß er sofort einige 40 oder 50 Abgeordnete durch lautes Reden opponierten, ver- stuhl" aber versteht man unter" Gedinge" das Recht des darauf sagte, er habe nie die Illusion geteilt, mit Sozialpolitit sicherte nämlich der Regierung, daß er und seine Partei sich bemühen Beamten, nach Gutdünken am Monatsschluß„ Lohn zu ließe sich die Zufriedenheit der Arbeiter herstellen, sagte er auch werde, feinen neuen Gedanken in die Vorlage zu bringen. Der schreiben". Die Arbeiter wissen also nicht, was sie verdienen, ebenso, es müsse dem Reichstage ein Agitationsstoff entzogen werden, Bentrumsredner Spahn hatte zwar allerlei Wünsche vorzubringen, es kann viel, es tann wenig sein, je nachdem der Steiger der in der bösartigsten Weise ausgebeutet worden sei. Da haben erklärte sich im allgemeinen jedoch befriedigt durch die Vorlage. am Monatsschluß gelaunt ist! Gegen dieses Abhängen wir auf dem Umwege über den Reichstag doch wieder die Furcht Wenn es dem Zentrum ernst wäre mit seinen Wünschen, dann hätte von Beamtenlaunen richtet sich der Arbeiterproteft. vor der Sozialdemokratie. Uebrigens eine für die politischen Zu- es die Macht, die Vorlegung eines Reichs- Berggefezes zu erzwingen. Soll vorschriftsmäßig gearbeitet, die Arbeitsstelle gegen stände im Reiche charakteristische Aeußerung eines preußischen Indem es die Verschleppung der Reform in den preußischen Landtag Zusammenbruch versichert sein, dann muß die Kameradschaft Ministers, daß er Politik treibt unter dem Gesichtspunkte, dem zugibt, verdammt es sich freiwillig zur Ohnmacht. passendes und genügendes Holz haben. Darüber wird vielReichstage einen bösartig ausgebeuteten Agitationsstoff zu entziehen. Die Arbeiter müssen ihre Stimme außerhalb des Landtages er- fach geklagt. Da stellte sich heraus, daß die Arbeiter die Schließlich, wenn sich Herr Möller auf seine paar armseligen heben. Daß sie Berücksichtigung heischen, haben sie mit ihrem Bimmerung der Strecken und Derter für ungenügend halten, sozialpolitischen Bemerkungen bei der Begründung der Vorlage be- Streit ausgesprochen. In ihrem Parlament, das heute hier zu- dagegen erhebt der Vertreter der Berg. rufen sollte: Wer ist Möller? Solange Graf Bülow sprach, war. das sammentritt, werden sie ihre Meinung sagen zu den Vorschlägen, mit inspettion geringere Ansprüche an die Haus aufmerksam, um Möller kümmerte sich niemand, die paar an denen die Regierung den Arbeitern ein für allemal das Recht zu Unfallverhütung! Man sollte es doch kaum für wesenden Abgeordneten unterhielten sich laut, auf der Tribüne war weiteren Forderungen, die moralische Berechtigung zu einem neuen möglich halten. Statt daß die Berginspektion die nur dann und wann etwas zu verstehen. Herr Möller redet ohnehin Streit glaubt abkaufen zu können. Milde Töne werden nicht wirken höchsten Ansprüche an die Sicherung der Arbeitspunkte stellte, ohne jeden Charakter, es ist, als ob er einen Geschäftsbericht vorlieft. auf das Junker- und Kapitalistenparlament. Mit allem Nachdruck sucht ihr Vertreter das VerantwortlichteitsDann und wann nur wendet er sich mit einer Handbewegung an weisen wir darauf hin, daß die Regierung geneigt scheint, sich eine gefühl der um ihre Sicherheit besorgten Arbeiter zu die Zuhörer die er nicht hat. Ein sozialdemokratischer Agitator weitgehende Verschlechterung ihrer Vorlage gefallen zu lassen und schwächen! würde darauf verzichten, zu einem Publikum zu reden, das ihm eine daß die Mehrheit die feste Absicht hat, die Vorlage zu verschlechtern. Aehnlich liegt der Fall B. B. hat vom Steiger den so beinahe demonstrative Gleichgültigkeit zeigt, wie es diesem Minister Daß heut die Bergarbeiter einig und geschlossen zu ihrem Auftrag: Schnell den Rieselschlauch nehmen bei Vertretung seiner Gesetzesvorlage passierte. Rongreß zusammentreten, ist ohne Zweifel ein Erfolg und wird nicht und alles zu besprisen." Ferner wird ihm befohlen, Dennoch muß darauf hingewiesen werden, daß Herr Möller ganz wirkungslos bleiben. Aber die Einigkeit allein wird nichts mit einem in die Wasserseige getauchten Latentuch die die sozialpolitische Bedeutungslosigkeit oder mindestens Geringfügig- erreichen, wenn nicht auch die Entschlossenheit hinzutritt. Vertrauens o13 stempel abzuwischen! Aus den nachfolgenden feit der Vorlage ausdrücklich hervorgehoben hat. Hinsichtlich der seligkeit wird ihnen feine Erfolge bringen. Wer das etwa noch Aussagen ergibt sich, daß dem Steiger die Berg. Einschränkung der Arbeitszeit sagte er, es sei keine einschneidende nicht hat glauben wollen, der dürfte durch die erste Beratung der inspektion signalisiert sein mußte. Ea besteht Maßregel, wenn man eine Arbeitszeit, die seit 50 Jahren schon be- Regierungsvorlagen zur Einsicht gekommen fein. Regierung und für Staiserstuhl" die Vorschrift des BerieseIns. stehe, um eine halbe Stunde einschränke. Die vorgeschlagene Be- preußischer Landtag verdienen tein Vertrauen bei den Arbeitern. Die Arbeiter sollten also kurz vor Eintreffen der Berggrenzung der Ueberschichten laffe immer noch dreimal soviel Ueber- Was sich die Arbeiter nicht erzwingen durch entschlossenes Fordern, inspektion schnell den Anschein erwecken, als ob geriefelt arbeit zu, als die Arbeiter jest tatsächlich im Durchschnitt leisten. hinter dem der Wille zum Erreichen steht, der Mut der Konsequenz, würde. Der angeschuldigte Steiger bestreitet die ManiUnd noch eins muß erwähnt werden aus den sozialpolitischen alle Kräfte zu entfesseln, das wird ihnen nicht gewährt werden. Mit pulation nicht direkt, sagt nur, in dem Südfeld" brauche, Erwägungen des Handelsministers. Er sprach davon, daß nach der Zuckerwasser wird der Widerstand, die Selbstsucht und der Hochmut mit wenigen Ausnahmen", nicht geriefelt zu werden. Prompt Statistik sich die Gesundheitsverhältnisse der Bergarbeiter verschlechtert des Dreiflaffen- Barlaments nicht besiegt werden. Ohne Kampf fein wird das vom Berginspettor Bergrat Köhler behaben, daß das Alter der Invaliden gesunken sei; aber er warnte Arbeiterschutz! Deffen mögen sich die Bergarbeiter bei ihren stätigt und hintennach gibt die( aus zwei königlichen Bergausdrücklich vor der Benutzung dieser Statistik. Ein Minister, der Verhandlungen bewußt bleiben. Wir rufen ihnen ein herzliches räten und einem Bürgermeister bestehende) Untersuchungsvor der Benugung der amtlichen Statistikwarnt! In der Tat ist auch Glückauf! zu. kommission das Urteil ab, in dem betreffenden Flöh " " bestehe keine Rieselpflicht, der„Bcschwerdefall" sei „hinfällig". Es hat aber weder Nachfrage danach stattgefunden, ob die Betrügerei nicht etwa gerade an den Ausnahme- stellen, wo Berieselung vorgeschrieben, gc- schah, noch hat der Arbeiteczeuge(laut Protokoll) sich rektifiziert! Warum ist die Kommission nicht sofort eingefahren, um einen Lokaltermin vorzunehmen? Wo es sich angeblich um Hinterslichtführung der Kontrollbeamten handelt, die eventuell schwere Unglücksfolgen haben kann, da müßte doch gerade der Bergbehörde daran liegen, die Sache ganz genau festzustellen. Aber die Bergbehörde scheint gar nicht erpicht zu sein auf das Kennenlernen der Gegner ihrer Kontrolltätigkeit. Das mutz um so mehr wundern, da von derselben Zeche noch zwei Fälle ähnlicher Art wie der vor- besprochene bekundet wurden. Auch auf den anderen, schon „untersuchten" Zechen kamen Betrügereien, begangen um die Verginspektion zn täuschen, zur Sprache. In keinem Falle hielt es die Bergbehörde, die doch in der Unter- � suchungskommission vertreten ist, für nötig, eventuell durch sofortige Lokaltermine den Tatbestand zweifellos festzustellen Ja, es ist in den Protokollen zn lesen, datz die betr.„Ein- fahrcr" und Berginspektoren noch mithalfen, die Vorgänge als möglichst harmlos abzutun! Während die betr. Arbeiter au' „Kaiserstuhl" unter schwierigen Verhältnissen bei schlechter Luft, in fußhohem Wasser, ohne Gewißheit über die Höhe des Ver- dicnstes schuften müssen, erhalten sie als Beigabe Schimpf- und Drohworte. Die Untersuchungskommission erblickt darin kaum etwas Fluchwürdiges, denn woher sonst die milden Urteile. Das Schimpfwort„Faulenze r" muß wohl als allgemein beliebtes Kosewort im Ruhrgebict gelten, da es so häufig von Steigern gegen Bergleute angewendet wird, ohne daß die llntcrsuchungskommissionen deshalb die Existenz von Miß- ständen zugeben. Auf„Kaiserstuhl" sagt der Steiger H. zu dem 46jährigen K., der schon 23 Jahre Bergmann ist:„Was haben Sie alles über mich zusamiiiengelogen, Sie spleeniges Luder!" Der Steiger B. sagt zu einer Kameradschaft, die um höheres Gedinge ersucht:„Ihr bekommt nichts mehr dabei und wenn Ihr Blut pisset!" Der humane Herr entschuldigte sich, es sei ein— Scherzwort gewesen!!! So also„scherzt" man mit schwer arbeitenden Bergleuten. Na, dann ist alles begreiflich. Die Untersuchungskommission kommt zu dem Urteil, es handele sich um„unerhebliche Vorkommnisse!" Wie wäre es, wenn jemand den Bergräten solche„Scherzworte" sagte? Wie besorgt man um Leben und Gesundheit der Berg- leute ist, beweist der Fall der Bergleute B. und Genossen. Die Leute arbeiteten an einer gefährlichen Stelle, wurden verschüttet und mußten he rausgegraben werden. Als anderen Tages der Bergmann Hs. um eine Vergütung der Rettungsarbeit bat, ertviderte der Steiger H.:„Laßt Euch das von den Kerls selbst bezahlen, denen hätte es nichts geschadet, wenn sie noch bis zum nächsten Morgen(verschüttet) gesessen hätten!" Was also ist ein Bcrgarbeiterleben wert? Die Revolution in Rußland. Bombenattentate in Warschau. Warschan, 26. März. Heute abend 8V< Uhr explodierte im Hofe der Pragaschen Polizeiverwaltnng eine Bombe, wodurch fünf Personen verwundet wurden, darunter zwei tödlich. Der Oberpolizeimeister Baron Nolken eilte sofort im Wagen nach dem Tatort. Unweit der Weichselbrücke wurde auf ihn eure Bombe geworfen; Baron Nolken erlitt schwere Verwundungen im Gesicht, an der rechten Hand und ani rechten Fuß und wurde in seine Wohnung gebracht. Die Aerzte hoffen ihn am Leben erhalten zn können. Ein vorübergehendes junges Mädchen wurde gleichfalls durch die Bombe verletzt. Warschau, 27. März. Ueber den Bombenanschlag auf der Polizcistation wird weiter gemeldet, datz vier Polizisten und zwei Privatpersonen verletzt sind. Der Täter ist selbst verwundet, verhaftet worden. Die Person, welche den Anschlag gegen den Polizeimeister verübt hatte, tötete aus ihrer Flucht einen Polizisten. Unruhen in Taurien. In I a l t a im Gouvernement Taurien ist es zu einer Erhebung der Bevölkerung gekommen. Nach einer Meldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur" sind fast alle Magazine und Branntweinbuden sowie das Polizei- a m t z e r st ö r t worden. Einige Läden wurden in Brand gesteckt. Der P o l i z e i ch c f wurde verwundet. Die Stimmung ist sehr erregt; das Eintreffen von Truppen wird erwartet. Die Post wird von Soldaten bewacht. Der Stadtrat ist zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen- berufen worden. Aus Sewastopol sind mehrere Kriegsschiffe sowie drei Kompagnien Soldaten nach I a l t a abgegangen. In S e w a st o p o l selbst ist infolge der Nachrichten aus Jaeta eine sehr erregte Stimmung. Warschau, 27. März.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur".) Der Urheber der Bombenexplosiou iu der Vorstadt Praga ist der lSjährige aus dem Bezirk Nowominsk stammende Schlosser Stefan Okojeca. Bauernunruhen. Petersburg, 26. März. Gestern wurde im Kreise I e p i f o n, Gouvernement T u l a, durch Bauern ein Landsitz geplündert, der bis vor kurzem ihrem Gutsherrn, dem Grafen Jgnatiew, gehört Patte und jüngst durch Kauf in den Besitz eines seiner Bauern namens BaSmauolv übergegangen war. Tiftis, 25. März. Die Gärung unter den hiesigen Schülern dauert fort. Diejenigen, welche die Schule besuchen wollen, werden von anderen gewaltsam daran gehindert. Aus verschiedenen Ortschaften des Gouvernements werden Bauern un ruhen gemeldet. Am 13. drangen 350 Bauern der Ortschaft Chidari Wardsija(Kreis Schorapau) unter den Rufen: „Hurra, Freiheit, Brüderlichkeit, nieder mit der alten Verwaltung!" in die vom Ministerium für Volksaufklärung ressortierende Schule, zertrümmerten Türen, Fenster und Möbel und zerrissen ein Bild des Kaisers sowie Dokumente und Bücher. Aehnliches verübten sie in der Wohnung des Verwalters eines einem griechischen Kloster gehörenden Gutes. In der Zeit vom 14. bis 18. d. Mts. begingen die Einwohner von drei O rt s ch a ft en Waldfrevel auf der Apanaacbcsitzung M u ch r a n s k o j e; 800 mit Stöcken und Gewehren bewaffnete Bauern ans verschiedenen Ortschaften erschienen in der Gulskanzlei und stellten die Forderung, jeder Ortschaft in Zivil- wie Kriminal- fachen unbeschränkte Rechtsprechung durch gewählte Richter zu ge- währen, den Dorfgemeinden beigetretene Personen anderer Stände als vollberechtigte Bauern anzuerkennen, die Staats-, Vlpanagen- und Privatgüter den Dorfgenreinden als Eigen tunr zu übergeben und von diesen nur Staatsstcuern zu erheben. Weiter ver- langten sie Besoldung der Geistlichen und Entschädigung derselben für gottesdienstliche Handlungen ohne Kontrolle der Obrigkeit, Freigabe und Eröffnung von Lesezimmern und Bibliotheken ohne Zensur, Schulen, Verwendung der Rekruten ausschließlich innerhalb der Grenzen des Gouvernements und für Kriegs- operatioueu nur innerhalb der Grenzen Transkaukafiens, sowie Preß- f r c i h e i t und Abschaffung verschiedener Steuern. Zum Schluß erklärten sie sich solidarisch mit den russischen Ans- rührern, setzten den 27. März als Termin für die Er- f ü l l u n g ihrer Forderungen f e st und behielten sich für die Zeit nach diesem Termin weiteres vor. Zur Herstellung der Oxdnung und Beitreibung der Entschädigung für den durch den Waldfrevel entstandenen Schaden ist ein Bataillon Soldaten entsandt worden.— Auch im Kreise Gori ist verschiedentlich Waldfrevel verübt worden. Politische debersiebt. Berlin, den 27. März. Die Firmeuschlacht'im Reichstage. Es ist nicht unsere Sache, uns die Köpfe der Mitglieder des Zentralverbandcs der Industriellen zu zerbrechen. Viel- leicht aber werden bei der Lektüre der Reichstagsverhandlungcn des Montags manche Angehörige des berufenen Scharfmacher- Verbandes sich die Frage vorlegen, ob nicht ein Teil des hohen Salairs, das Herr Beniner für sein Schimpfen auf die „bezahlten Agitatoren" der Gewerkschaften bezieht, ans die Firma Krupp abzuwälzen sei. Der Zentralverband hat doch Herrn Beumer als Generalsekretär angestellt und durch Aufbietung aller Mittel in Duisburg zum„Volksvertreter" wählen lassen, um durch ihn die gemeinsamen Interessen aller großindustriellen Ausbeuter vertreten zu lassen. Es genügt jedoch augenschein- lich dem Verehrungsbedürfnis des Dr. Beumer nicht, vor den Altären des abstrakten Kapitals im Staube zu liegen; sein Anbetungsdrang bedarf konkreter Objekte: und da der Geheimrat Ehrhardt den sogar in Verse gefaßten Weihrauch nicht zu würdigen verstand, den Herr Beumer vor ihm aufsteigen ließ, so trug dieser von da an die ganze Jnbrnnst eines hingebenden Herzens der Firma Krupp entgegen, die diese Opfergabe besser zu schätzen wußte. Nach Herrn Beumer stellt die Firma Krupp die Inkarnation des Patriotisnius, die flcischgeivordenc Selbstlosigkeit dar. Der Pelikan tränkt seine Jungen mit dem eigenen Blute: die Firma Krupp legt sich die schwersten Opfer auf, erduldet geduldig die herbsten Verluste, nur um dem Vaterlande mit Mordinstrumentcn zu dienen und den Weltruhm der deutschen Kanonen aufrechtzuerhalten. Schade nur, daß dieser begeisterte Hymnus des Hohenpriesters Beumer auf die Kapitalsgottheit Krupp so ungläubigen Hörern begegnete! Von den Rednern der Linken und des Zentrums wurde der Patriotismus der hohen Inlands- und billigen Auslandspreise gebührend bc- leuchtet; selbst der Kriegsnünister niußte zugeben, daß doch nicht wohl lauterer Patriotismus, sondern prosaische Furcht vor der Konkurrenz die Kruppschen Monopolpreise ein wenig ermäßigt hat;. und Genosse Singer geißelte mit ge- bührender Schärfe das sonderbare Benehmen des deutsch- russischen Staatssekretärs des Aeußeren, Frhr. v. Richthofen, der durch seine Einigungsermahnungen an die Adresse der beiden Konkurrenzfirmen das kaum durchbrochene Monopol wiederherstellen zu wollen scheint. Die Krupp-Ehrhardt- Debatte stand im Mittelpunkt der ReichstagSsitzung vom Montag, deren Anfang eine Erörterung über die S P a n d a u c r M i l i t ä r>v c r k st ä t t e n bildete. Wo der Fiskus dem St. Moloch dient, da sind seine Werk- stätten noch weniger als sonst Musterwerkstätten. Genosse Z ub eil beleuchtete scharf den politischen und sozialen Druck, unter dem die Militärwerkstättenarbeiter Spandaus trotz der nächsten Nähe Berlins schmachten. Die Erwiderung des Generalmajors Sixt von Arniin klang sehr kleinlaut, sie wäre vielleicht noch matter ausgefallen, wenn nicht in dem nationalliberalcn Dr. Lucas und namentlich in dem Zentrumsabgeordneten Becker dem amtlichen freiwillige Regierungskommissare beigesprungen wären. Nach der Erledigung des Militär-Etats wurde die auf- geschobene Abstimmung über die Resolutionen zum R e i ch s a m t des Innern vorgenomnien. Eine Koalition aller sozialpolitischen Fossile brachte die Resolutionen unserer Fraktion zum Fall, während das Zentrum neben mittel- ständischen: Quark einige ivinzige Reformanträge durchsetzte. Zur Abstimmung über einen Eventualantrag, der, im Falle der Ablehnung des Zehnstundentages der Fabrikarbeiter, den Zehnstundentag fiir die Arbeiterinnen fordert, ist zu be- merken, daß die sozialdemokratische Fraktion lediglich durch ein Mißverständnis ablehnend gestimmt hat. In der Schnellig- keit, in der die Abstimmung über die zahlreichen Resolutionen erfolgte, wurde angenommen, es handle sich nicht um den Eventualantrag, sondern um den zweiten Absatz des Zentrums- antrages, der Sondervorschriften für Arbeiterinnen macht, die ein Hauswesen zu besorgen haben. Der ausstehende Rest des P o st- E t a t s wäre schneller erledigt worden, wenn nicht der nationalliberale B a r t l i n g ür nötig befunden hätte, in der Breite eines nach Zeilen bc- zahlten Kolportageromans über den Platz des noch ungebauten Postgebändes im Weindorf Rüdesheim zu reden. Um so schneller»vurdc mit dem Rest des Marine- Etats aufgeräumt, wobei ein paar nette Zulagen für not- leidende Fregattenkapitäne abfielen.— Am D i e n s- t a g sollen weitere Etatsreste aufgearbeitet und außerdem Wahlprüfungen vorgenommen werden. Preußisches Herrenhaus. Nach längerer Pause sind die Herrenhäusler am Montag wieder zusammengetreten, um über die Geschicke des preußischen Staates zu beraten. Die Sitzung begann mit einer Ueber- raschung; die Herren, die aus allerhöchstem Vertrauen zu „Volksvertretern" berufen sind, soweit sie nicht durch ihre Geburt fiir dieses Amt im voraus bestimmt werden, die Herren, die die treueste Stütze von Thron und Altar bilden, sind plötzlich rebellisch geworden. Durch den Mund ihres erlauchten Präsidenten erhoben sie flammenden Protest gegen die Art und Weise, wie die Regierung sie, die ersten Männer im Staate, behandelt, indem sie die meisten Vorlagen erst an das Abgeordnetenhaus gelangen läßt. Darin erblicken die 'einfühligen Herren eine Zurücksetzung, die Regierung hindert sie am Arbeiten, und sie sehnen sich doch so sehr danach. Vor- läufig begnügte man sich, der Regierung seine Mißbilligung aus- zusprechen, für die Etatsberatung wurde eine fürchterliche Muste- rung in Aussicht gestellt. Wir verstehen den Schmerz dieser Edelsten der Nation zu würdigen; ihr Schicksal ist um so tragischer, als der einzige Mann in der Regierung, der sie richtig ein- .uschätzen wußte, Herr v. Hammerstein, nicht mehr am Leben st. Das war, wie der Präsident hervorhob, ein Mann, der den Wünschen des Hauses stets entgegengekommen ist und der es verdient hat, daß das Herrenhaus sein Andenken ehrt. ir gehörten stets zu den Gegnern des verstorbenen Ministers, wir haben ihm manch' bitteres Wort gesagt, aber so grausam wie der Präsident des Herrenhauses in seinem Nachruf haben wir ihm niemals mitgespielt. Die Tagesordnung, auf der nur unbedeutende Vorlagen, Berichte, Denkschriften und Petittonen standen, war in kurzer Zeit erledigt. Am Dienstag beginnt die Etatsberatung. DeutlcKes Reich. Flottenvorlage. Kaum hat das Landheer seine diesmaligen Wünsche befriedigt, da kündigen sich die Wünsche der Marine an. Man weiß, daß die nächste Reichstagssession eine Flottenvorlage bringen wird, der Staatssekretär v. Tirpitz hat sie bereits angekündigt und er hat mitgeteilt, daß der Appetit des Marinismus diesmal„nur" auf sechs Panzerkreuzer und sieben Torpedoboots- Divisionen geht. Schon aber werden in Blättern der Industrie, die mit dem Marinismus intime Fühlung hat und gut unterrichtet ist, über seine Pläne Ankündigungen gemacht, welche zeigen, daß die neue Flottenvorlage sich wieder überaus ko st spielig heraus- stellen dürfte. Die„Eisenzeitung" berichtet: „Es ist auf jeden Fall zu erwarten, daß die neue Flotten- Vorlage eine erhebliche Steigerung des Deplacements der Panzerkreuzer vorsieht, da die übrigen Seemächte Fahrzeuge dieses Schiffstyps meist nicht unter 14 000 Tonnen bauen, während der deutsche für 1005 gebaute Kreuzer v nur 11 600 Tonnen aufweist. Mit der Vergrößerung des Deplace- nrents wird auch eine Erhöhung der Armierung Hand in Hand gehen. Für die am Schiffbau interessierte Industrie fällt eine solche Erhöhung des Deplacements stark ins Gewicht; man kann diesen Faktor berechnen, tvenn man die Herstellungskosten eines Linienschiffes von der Größe der„Braunschweig"-Klaffe(mit 13 200 Tonnen) mit denen eines Kreuzers von etwa 16 000 Tonnen vergleicht. Rechnet man nämlich für Schiffe des ersteren Typs etwa 25 Millionen Mark, so kann man für den letzteren etwa 32 bis 33 Millionen Mark in Anschlag bringen. Außerdem ist auch eine ganz bedeutende Bergrößerinig der noch zu bauenden Linienschiffe, die 1906 auf Stapel gelegt werden sollen, angesichts der Fortschritte in anderen Marinen zur unbedingten Notwendig- keit geworden. Voraussichtlich wird die neue Vorlage auch in dieser Beziehung Klarheit schaffen. Unentschieden ist dagegen noch, ob man mehr den Bau kleiner Kreuzer, deren Wichtigkeit keineswegs verkannt wird, oder den der Torpedoboote in den Vordergrund stellen wird." Also nicht nur neue Panzerkreuzer sollen, über das Flotten- Programm von 1900 hinaus, gebaut werden, sondern man rechnet mit bedeutender Vergrößerung der Schlachtschiffe, sowohl der im Flottenprogramift vorgesehenen als der neu geplanten Panzerkreuzer. So wird jede der schwimmenden Festungen bedeutend höheren Kosten- aufwand beanspruchen als noch vor einigen Jahren angenommen wurde. Wer wird darüber klagen! Sind es doch die„Fortschritte in anderen Marinen", welche diese Vergrößerungen der Kriegsschiffe und ihrer Kosten„zur unbedingten Notwendigkeit" machen. Erst vollbrachten wir den„Fortschritt"' und die anderen folgten, nun sind die anderen wieder„fortgeschritten" und wir müssen folgen. Wie lange noch und der ganze Fortschritt des FlotteiiprogrammS ist überholt! Nur ein Ergebnis ist posittv und unbestreitbar: jede der fortschrittlichen Nationen hat Milliarden inS Wasser geworfen, Milliarden, die der menschlichen Arbeit und Kultur verloren find!— Beruhigung der Franzosen. Aufgeregten Leuten schien bereits aus der Marokkogeschichte ein Zerwürfnis mit Frankreich zu er- loachsen, des deutschen Kaisers Landung in Tanger wurde als Un- freundlichkcit gegen die Franzosen gedeutet. Es ist jedoch nichts damit, rein gar nichts, der Kaiser ist vielmehr von den liebens- lvürdigsten Empfindungen gegen Frankreich erfüllt. Wird doch heute berichtet: „Der deutsche Geschäftsträger in Paris, Boffchastsrat v. Flotow, erhielt gestern über Brest durch Funkentelegraphie eine Depeiche Kaiser Wilhelms, durch die er beauftragt wird, den Angehörigen Jules Vernes traS allerhöchste Beileid auszudrücken mit dem Beifügen, daß der Kaiser in seiner Jugend sich an den Werken des verstorbenen Schrift- stellers stets besonders erfreut habe." Jules Verne, der Schreiber des phantastisch-tollen Reiseromans, ist zwar eine Nichttgkeit im französischen Geistesleben, doch in funken- telegraphischer Eile sendet der Kaiser das Beileid, da er sich jugend- licher Freuden dankbar erinnert. Patts kann erkennen, wie fremd franzosenfeindliche Gefühle der Seele des Monarchen bleiben, und eS mag sich an der literarischen Beileidsdepesche trösten, wenn ihm in Marokko etwas mißfällt.— Zentrum und Unterstützung der Ruhr-Bergleute. Wir haben wiederholt festgestellt, daß das„arbeiterfreundliche" Zentrum in keiner einzigen der vielen Städte und Gemeinden, in denen es im Rathause die Mehrheit hat, auch nur einen roten Heller für die Bergleute bewilligte. Unser Kölner Parteiblatt, die„Rheinische Zeitung", hat nun das Sprachrohr des Kölner Rathaus-ZenttumS, den Bachemschen„Lokal- Anzeiger", mehrmals ausgefordert, sich darüber zu äußern, ob es wahr sei, daß in den Fraktions- s i tz u n g e n der Kölner Zentrums-Stadtverordneten zwar die Unterstützung gefordert, daß sie aber von der Zenttums- fraktion fallen gelassen worden sei. Der„Lokal« Anzeiger" antwortete ausweichend, bestritt aber die Behauptung der,. Rheinischen Zeitung" nicht. Darauf stellte unser Parteiblatt auf Grund dessen fest, daß in der Tat die Unterstützung der Ruhr-Bergleute von der Kölner Zentrunismehrheit des Stadt- verordneten-Kollegiums in der Fraktionssitzung abgelehnt worden sei. Das war zu Anfang voriger Woche. Bis heute hat man auf diese Feststellung mit keiner Silbe erwidert. Man gibt sie also st i l l s ch w e i g e n d zu. Wie wir schon früher betonten, gehört zu den Kölner Zentrums-Stadtverordneten auch der große Renommier- Sozialpolitiker des Zenttums, Reichstags- Abgeordneter Karl Trimborn!— Der Russeukurs vor Gericht. Stuttgart, 27. März.(Privatdepesche.) Eine am 15. März im„ S i m p l i c i s s i m u S" erschienene Sattre„Staatshoheit" von Ludwig T h o m a sollte heute an dem Verfasser und an dem verantwortlichen Redatteur des„Simpli- cissimus" gerächt werden. Der Stuttgarter Staatsanwalt sah in der Satire, wie schon früher seine Kollegen in Königsberg und Hannover, eine Beleidigung der Königsberger Polizei. Der Re- dakteur der„Königsberger Lolkszcitung" war denn mich wegen Abdruck der Sattre zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Die beiden Angeklagten waren zu der heutigen Verhandlung persönlich erschienen. Redakteur Linnekogel erklärte, die Satire ttchte sich keineswegs gegen subalterne Polizisten, sondern gegen die preußische Regierung und gegen den Reichskanzler. Thoina wies darauf hin, daß die Sattre geschrieben sei unter dem Eindruck der Rede des Reichskanzlers zu der sozialdemokratischen Jnter- pellation über die Auslieferung russischer Staatsbürger und unter dem Eindruck der Tätigkeit der russischen Polizei in Preußen. Der Staatsanwalt hielt demgegenüber daran fest, daß nur die Königs- berger Polizei beleidigt sein könne, nicht der Reichskanzler, denn es sei zwar in dem Artikel auch vom Reichskanzler die Rede, aber der Reichskanzler sei nicht lediglich preußischer Beamter, so daß im besonderen die inkriminierte Stelle„ein russischer Lump befiehlt und ein preußischer Beamter gehorcht" den Reichs- kanzler nicht trifft. Der Staatsauwalt beantragte für. jeden der Angeklagten 100 M. Geldstrafe. Hierauf ergriff Thoma nochmals das Wort. In verbindlichem Ton übergoß er die Staatsanwaltschaft mit Hohn wegen der Nach- forschung, die sie in Königsberg nach dem Helden der Satire, dein Studenten Steffanow, hatte pflegen lassen und weil sie diesem Schwabenstreich die Krone aufsetzte durch die amtliche Feststellung, dieser Student sei in Königs- berg nicht zu finden gewesen. Dann Ivendete sich Thoma der Person des Reichskanzlers zu, dessen Kant-Verehrung er unter fortdauernder Heiterkeit des Auditoriums, der der Ver- Handlungsleiter vergeblich zu steuern suchte, an den Taten Kants und an dem jetzigen Rnssenkurs auf ihren wirklichen Wert untersuchte. Königsberg sei als Schauplatz der Satire angebracht gewesen, als preutzisch-russische Grenzstadt, als Schauplatz des Königsberger Prozesses und als Geburtsort Kants, den der Reichskanzler mit so schönen Worten gefeiert habe, während seine Taten einen Hohn auf den Weisen von Königsberg bilden. Der Gerichtshof schlofi sich der Argumentation der Angeklagten an und erkannte auf F r e i s p r e ch u n g, da die Kritik der Satire sich nicht gegen die Königsberger Polizei, sondern gegen den Reichskanzler richtet. Ein zweiter„Simplicissinms"-Prozefi tvegen Beleidigung des Königs von Sachsen findet am 10. April vor dem Schwurgericht in Stuttgart statt.—_ Eine neue Enttäuschung für den Kriegsminister. Aus Straß- bürg wird uns berichtet: Nunmehr gelangt auch das 10. Fuß- artillerie-Regiment in die von Herrn v. Einem so gehaßte Rubrik „Aus unserem herrlichen Kriegsheer". Nach Berichten eines hiesigen Blattes wird sich der Unteroffizier E l s n e r in kurzem wegen fort- gesetzter Soldatenmißhandlungen zu verantworten haben. Es sind bereits jetzt einige der Erziehungsmittel des Unteroffiziers bekannt geworden. Er ließ die Rekruten in einer Reihe antreten, und zwar in geringen Zwischenräumen von einander, und befahl ihnen sodann, mit den Händen um sich zu schlagen, so daß sie sich gegenseitig ins Gesicht treffen mußten. Das Schlage» mit dem Querbaum oder dem Seitengewehr auf den Kopf der Leute, so daß Wunden in der Mund- höhle, an den Ohren, dem Schädel entstanden, betrachtete er als eine günstige Abhärtungsmethode I Häufig entzog er den Rekruten das Essen, indem er die Eßnäpfe auf die Spinde stellen ließ und befahl, an den Spinden hinaufzuspringen; und die Soldaten mußten sich mit dem Dampf der Schiissel Genüge sein lasse». Außerordentlich bezeichnend für das Militärshstem ist die Art, wie diese Schindereien überhaupt ans Tageslicht gekommen sind. Ein Gefreiter, der von Elsner wegen einer angeblichen Nichtbefolgung eines Befehls gemeldet wurde, meldete nun seinerseits aus Zorn die Mißhandlungen, die in seiner Rekrutenzeit vorgekommen waren. Auch hier ist die Aufdeckung der Abscheulichkeiten nur einem Zufall zu verdanken.—_ Südwestafrika. General v. Trotha befindet sich auf dem Wege nach dem südlichen Kriegsschauplatz und ist am 25. März von Rehoboth nach Kub abmarschiert. Nach einer Meldung des Generals aus Rehoboth vom 25. März haben die Gefechte vom 10. und 11. März in den Karasbergen den Erfolg gehabt, daß die Bande MorengaS sich nach allen Seiten zer st reute. Oberst Deimling hatte die Absicht, die Orte Hasuur, Garabis, Stinkdoorn und Kalkfontein, sowie die Karasberge und Hurub mit kleinen gemischten Abteilungen zu besetzen, um die Gegend weiter vom Feinde zu säubern. Major v. Kamptz kehrte mit dem Rest der Truppen und dem Beutevieh nach Keetmannshoop zurück. Auf dem Wege dorthin wurde er am 19. März östlich Hurub von etwa 100 Hottentotten angegriffen, von denen infolge der g ü n st i g e n A r t i l l e r i e w i r k u n g 50 f i e l e n. Diesseits sind 3 Reiter gefallen, einer verwundet. Am 22. März wurde die Abteilung Kamptz wieder von 150—200 Hottentotten er- folglos angegriffen. Diesseits fiel ein Bur, 4 Reiter und ein Bur wurden verwundet. Die feindlichen Verluste konnten der Dunkelheit wegen nicht festgestellt werden. Ein Telegrainm aus W i n d h u k meldet: Reiter Josef Lürken, geb. 5. Juli 1830 zu Verlautenheide, am 5. Januar dieses Jahres im Gefecht bei Gochas gefallen.(In- folge von Rückfragen verzögert.) Kriegsfreiwilliger Franz T r a u b. geb. am 10. Oktober 1866 zu Langenenslingen, im Gefecht bei Geibanes s ch w e r v e r w u n d e t.— Reiter Johann Büll, geb. ain 19. April 1883 zu Schinkel, am 22. März d. I. im Lazarett Kalkfontein an T y p h n s g e st o r b e n. Treiber Her- mann G u m m e r t aus Groppendorf bei einem tätlichen Angriff auf einen Posten in Lüderitzbucht erschossen. Berichtigung! Im Leitartikel der SonntagSniimmer soll es in der vorletzten Zeile der ersten Spalte heißen: Farmer familie, nicht Arbeiterfamilie. /Zuslancl. Frankreich. Depiitiertcnkiumuer. Das Haus fährt in der Beratung über die Vorlage betreffend die Trcnnuug von Kirche und Staat fort. Charles Benoit (natl.) gibt der Meinung Ausdruck, daß das Konkordat notwendig sei. Man dürfe der Kirche nicht ihre volle Freiheit lassen, da hierdurch Frankreich bald gezwungen sei, ein neues Konkordat ab- zuschließen.—_ Der Parteitag der Jaurösisten wurde am Sonntag eröffnet. Er ist von annähernd 100 Delegierten besucht, die 150 Mandate ver- treten. Auf Antrag von Jaures wurde sofort beschlossen, zunächst nur über die Herstellung der Partei-Einigkeit zu diskutieren und alle anderen Fragen einem gecinigten Parteitag zu überlassen, der Ende April in Paris tagen soll. Infolgedessen wandte sich die Diskussion sofort der hauptsächlichsten Streitfrage zu, ob die sozialistischen Deputierten im Kartell mit den übrigen Parteien der republikanischen Kammer- Mehrheit verbleiben sollen. Deputierter A n g a g n e u r, Bürgermeister von Lhon, trat lebhaft für die Unabhängigkeit der Parlamentsfraktion ein, während R o u a n e t sich für die Amster- damer Beschlüsse erklärte. B r i a n d schilderte die bisherigen Er- folge, welche die Sozialisten im Parlament ihrer Mitarbeit mit den übrigen Republikanern verdanken, besonders in der Frage der Trennung von Staat und Kirche. Briand sagte u. a., die Abgeordneten müßten sich an den Willen ihrer Wähler halten und nicht an den der s o z i a l i st i s ch e n Parteileitung. Darauf wurde ihm erwidert, bei solcher Auffassung würde der fran- zösische Sozialismus aus der internationalen Sozialdemo- kratie ausgeschlossen werden.— Dänemark. - Ein Schandfleck der Gesetzgebung. Am Freitag ist das Prügel- gesetz nach der dritten Beratung im Folkething mit 63 gegen 37 Stimnien angenommen worden; 10 Abgeordnete enthielten sich der Stimme und drei ivaren abwesend. Sieben Mitglieder der Re- gierungspartei, die im vorigen Jahre gegen das Gesetz stimmten und in der vorigen Woche bei der zweiten Lesung sich der Stimme ent- hielten, stimmten diesmal dafür. Sie waren, wie„Social-Demo- kraten" treffend bemerkt, jetzt so gut e i n e x e r z i e r t. um Albertis Prllgelmajorität zu verstärken. Tatsächlich war es der despotische Einfluß, den Alberti innerhalb der Regierungspartei ausübt, und keine sachlichen Gründe, was die allmächtige Erstarkung der Prügel. Majorität verursacht hat.„Ich will hoffen." sagte unser Partei- genösse Borgbjery, der nochmals eine große Rede gegen das schändliche Gesetz hielt und_�Ü>ei auch die politische Haltlosigkeit «llbertis treffend charakterisierte,„daß das Ausland hinreichend darüber unterrichtet wird, was für besondere Ilmstände es bewirkt haben, daß dieses Gesetz angenommen wird. Essindpolitische Gründe und nicht sachliche Ueberzeugung. Das Gesetz ist zu einer„Ehrensache" und zu einer Machtfrage für Alberti geworden. Die Leute in seiner Partei, die anders dachten, durften den Justizminister nicht im Stich« lassen, der nun einmal den Einfall hatte, daß wir die ungeheuerliche Prügelstrafe erhalten sollten.— Die Stillen im Lande, die guten Köpfe, die fein entwickelten Gehirne, empfinden es schmerzhaft, daß dieses Gesetz angenommen wird. Sie Wpfinden es persönlich als eine Schmach und Schande für das Land. Mex nehmen Sie nur diesen Entwurf an, und Wer sechs Jahre sitzt in diesem Saale eine andere Mehrheit, die das Gesetz niederstimmen wird. Unser Nein wird Wer das ganze Land hinaus- erschallen und widerhallen von allen Wahltribünen." Außer Borgbjerh sprachen von den Sozialdemokraten noch Marott, Sabroe und A. C. Meyer; aber auch sie waren sich selbst- verständlich wohlbewußt, daß die Annahme des Entwurfes eine ab- gekartete Sache ivar, daß die Stimme der Kultur und der gesunden Vernunft, daß alle guten Gründe auf diese durch Machtkitzel ver- blendete Mehrheit keinen Einfluß auszuüben vermochten. So mußte denn das vor wenigen Jahren noch unglaublich erscheinende geschehen, daß eine Partei, die jahrzehntelang für Demokratie und Humanität, oftmals gemeinsam mit der Sozialdemokratie, gekämpft hat, ein Gesetz zustande brachte, daß aller Kultur und Humanität Hohn spricht. Dos Prügelgesetz ist nun wieder dem Landsthing überstmdt worden und wird hier jedenfalls in seiner jetzigen Form ebenfalls angenommen werden.— Amerika. Die Venezuela-Affäre. Präsident Castro verhält sich den amerikanische» Wünschen gegenüber durchaus ablehnend und be- hauptet, es liegen keine Streitigkeiten vor, die einem Schiedsgericht zu unterbreiten wären; der Gesandte Bowen verschließe sich einer Darlegung des wirklichen Sachverhalts. Die Regierung in Washington ist von diesem passiven Widerstande Venezuelas un- angenehm berührt, will aber offenbar nichts Ernstes dagegeu unternehmen. Roosevelt läßt sich kein graues Haar deswegen wachsen und trifft Vorbereitungen für eine große Jagdpartie nach dem Westen, ein Zeichen, daß er der Angelegenheit wenig Wert fbeimißt. Von» ostasiatischen Kriegsschauplatz. Die japanische Verfolgung nicht«nterbrocheu! Petersburg, 27. März. Nach Meldungen aus Gunschulin sind die japanischen Truppenteile, welche den Auftrag haben, das russische Heer zu umgehen, nicht stark genug, um ihre Aufgabe vollständig durchzuführen. Trotzdem ist es möglich, daß die russische Armee sich bis zur sibirische» Grenze zurückzieht, um dort Verstärkungen zu erwarten und die Armee leichter zu ver- proviantieren. London, 27. März. Nach Meldungen aus Tokio ist die japanische Kriegsleitung fest entschlossen, in der Verfolgung der Russen keiuerlei Pause eintreten zu lassen. Es dürfte nicht lange dauern, bis Oyama Charbin besetzt hat und einen Teil des russischen Heeres nach Wladiwostok abdrängt, welches er durch Aushungerung in kurzer Zeit zu Falle bringen würde. Petersburg, 27. März. Aus Gunschulin liegt vom 24. März folgende Meldung vor: Nördlich von Kayuan wurden fünf Brücken gesprengt, wobei fiinf Soldaten verwundet wurden. Am Abend des 23. März wurde von japanischer Seite der Versuch gemacht, die Rückzugstruppen in der Nähe der Bahnlinie anzugreifen. Der Kampf dauerte bis nach Mitternacht. Zwei heftige Attacken der Japaner wurden zurück- geschlagen. Die Gerüchte von einer Umaehungsbewegung, die den Zweck haben soll, die Russen von Charbin abzuschneiden, be- stätigen sich. Sypiiiziv, 27. März. sMeldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur".) Unsere Patrouillen näherten sich der Stadt Tschantufu; ein in die Stadt eingedrungener Freiwilliger er- kündete, daß die Stadt von etwa zwei Infanterie- bataillonen und zwei Eskadrons Japaner be- setzt sei. Vor der Front unserer Armee wurde eine im Biwak liegende Chunchusenbande unter Führung japanischer Offiziere und Unteroffiziere bemerkt. Tokio, 27. März. sAintliche Mitteilung.) Marschall Oyama meldet, daß von den Nicht-Kombattanten. die bei der Schlacht von Mulden in die Hände der Japaner fielen, folgende entlassen wurden: Bei der Front der Avantgarde 47 im Osfizierrang, 359 im Unteroffizierrang Stehende, neun Pflegerinnen, zwei Priester und vier Kaufleute, die der Armee attachiert waren. Auf ihren Wunsch in Tschifu resp. Shanghai werden entlassen: 23 im Offizierrang, 298 im Unteroffizierrang Stehende und 23 Pflegerinnen. Huö Induftnc und Fjandcl. Die japanische Anleihe und die deutschen Banken. Anstatt offen zuzugeben, daß die englische und amerikanische Finanz sie von der Beteiligung an der neuen äußeren japanischen Anleihe ausgeschaltet hat, versucht die deutsche Bankfinanz noch immer in der ihr zugäug- lichen Presse, die Fiktion aufrecht zu erhalten, als hätte sie die Be- teiligung abgelehnt, weil der Emissionskurs zu hoch sei. Wieweit diese Angabe richtig ist, zeigt die Tatsache, daß in London die Anleihe bereits mit einem Agio von über 2 Proz. gehandelt wird und auch in deutschen Kapitalistenkreisen sich Neigung zu Käufen der neuen Werte bekundet. Das geht den deutschen Banken, die gern bei der Ausgabe mitgemacht hätten, gegen den Strich, und so bringt die „National-Zeitung" in letzter Nummer folgende lustige Warnung: „Wie wir erfahren, werden von feiten verschiedener Londoner Brokerfirmen Versuche gemacht, durch Vermittelung hiesiger Ge- schäftsfreunde deutsche Zeichnungen auf die obige Anleihe zu erhalten. Nachdem die deutsche Finanz die Beteiligung an der Anleihe auch mit Rücksicht auf die zu niedrige Verzinsung bezw. den zu hohen Emissionskurs ablehnen zu müssen geglaubt hat, besteht ftir die deutsche Kapitalistenwelt kaum eine Veranlassung, indirekt via London der Emission näher zu treten." Diese Besorgtheit um das Wohl der kleinen deutschen Kapita- listen ist geradezu komisch. Biel angebrachter wäre es gewesen, die „National-Zeitung" hätte vor einigen Monaten, als die deutschen Banken die Nussenanleche emittierten, das Publikum gewarnt, den neuen russischen Werten„näher zu treten". Die Berliner elektrischen Vorortbahnen, deren Aktien bekannt- lich größtenteils im Besitz der Großen Berliner Straßenbahn sind, veröffentlichen jetzt ebenfalls ihre Jahresabschlüsse, nachdem deren Hauptergebnisse schon im Geschäftsbericht der„Großen" mitgeteilt worden sind. Im ganzen haben die beiden Vorortbahnen, die West- liche und die südliche wesentlich bessere Resultate aufzuweisen, als im Jahr 1903. Die Westliche Berliner Vorortbahn hat zum erstenmal mit einem nennenswerten Gewinn abgeschlossen. Die Be- triebseinnahmen haben sich auf 2 115 618 M. ki. V. 1 816 496 M.) erhöht, die Betriebsausgaben auf 1 521 134 M.(x. V. 1 332 301 M.); der U-bcrschuß stellt sich also auf 594 485 M.(i. V. 484 194 M.). Der Reingewinn beträgt 147 366 M.(i. V. 68 882 M., wovon die llnter» bilanz 60 094 M. absorbierte). Die Südliche Berliner Vorort- bahn, von deren 3 Mill. M. Aktien die Große Berliner Straßenbahn die Hälfte besitzt, hat eine Konto-Korrentschuld von 741 027 M.(i. V. 659 000 M). Die Betriebseinnahmen betrugen 430 097 M., die Ausgaben 465 633 M., sodaß ein Betriebsverlust von 35 536 M.(i. V. 77 495 M.) entstand, zu dem noch 21 874 M. Zinsen und Kursverlust, 62 371 M. Abschreibungen und 11 641 M. Abgaben treten. Hiernach wächst die vorjährige Unterbilanz von 855 337 M. auf 986 760 M. an. SchiffSbaustahl-Bereinigung. Vor einiger Zeit wurde gemeldet. daß verschiedene fricher dem Grobblechverband angehörende Werke, besonders solche, die sich mit der Fabrikatim. von Schifssplatten be- fassen, eine Schiffsbaustahl-Vereinigung zu bilden gedächten. In einer am Sonnabend in Essen abgehaltenen Sitzung, in der jedoch die Vertreter' der Rheinischen Stahlwerke und der Gewerkschaft Grillo, Funke u. Co. fehlten, wurde über die wichtigsten statutarischen Be- siimmungen des neuen Kartells ein Einverständnis erzielt, so daß man darauf rechnet, Anfang nächsten Monats den Verband offiziell konstituieren zu können. Daß der Zuscnmnenschlutz, wie von einigen Blättern jüngst behauptet worden ist, speziell zu dem Zweck erfolgt, die Preise für Panzerungsmaterial zu erhöhen, wird von den Leitern der Bereinigungsverhandlungen bestritten. Nach ihrer Angabe hat das geplante Kartell mit Panzerungsmaterial gar nichts zu tun. Es handele sich vielmehr um den Verkauf und die Lieferung von Material für den Bau von Seeschiffen, also von Platten und Profil- stahl. Börsengesetznovclle. Der Vorstand des Vereins Berliner Ge- treibe- und Produktenhändler hat dem Reichstage gestern zum Wiederzusammentritt der Börsenkommission eine Eingabe Werreicht, in welcher er darum bittet, der Reichstag möge durch Annahme der Börsengesetznovclle mit den vom Börsenvorstande beantragten Aen- derungen den Lieferungshandcl in Getreide zwischen Kontrahenten, die nach ihrer wirtschaftlichen Stellung berechtigte Veranlassung zur Beteiligung an demselben haben, rechtlich sicherstellen. SevverKlcKafiUcKes. Berlin unet Umgegend. Der Bertrag der Maurer ist angenommen. Am letzten Freitag fand in den einzelnen Bezirken der Berliner Zahlstelle des Maurerverbandes die Abstimmung statt über die Ver- längerung des Tarifvertrages mit den in der Achtzehnerkommission beratenen Aenderungen. Am Sonntag wurde folgendes Ergebnis der Abstimmung festgestellt: Abgegeben sind 6227 Stimmen. Davon sind 4084 Stimmen für, 2187 Stimmen gegen den Vertrag, 56 Stimnien waren ungültig. Drei Bezirke, aus denen das Re- sultat noch nicht bekannt ist, stehen noch aus, sie können aber an dem Gesamtergebnis nichts ändern.— Durch die Annahnie des Vertrages sind die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Maurer in Groß-Berli,l wieder aus zwei Jahre festgelegt. Der Stundenlohn erhöht sich danach für das laufende Jahr von 70 Pf. auf 73 Pf. und im nächsten Jahre auf 75 Pf. Eine andere wesentliche Aenderung des Vertrages ist die, daß die Klausel, welche eine bestimmte Arbeitsleistung festsetzt, durch eine Bestimmung ersetzt wird, wonach eine dem Lohn angemessene Arbeitsleistung gefordert wird. — In den Bezirken Adlershof, Alt-Glienicke, Köpenick und Friedrichs- Hagen, die zusammen acht Orte umfassen, stand der Stundenlohn bis jetzt um 5 Pf. hinter dem Berliner Lohn zurück. Die Arbeiter haben bei den Unternehmern eine Gleichstellung des Lohnes der ge- nannten Orte mit dem Berliner Lohn beantragt. Die Sonder- beratungen, welche mit den Unternehmern der betreffenden Orte ab- gehalten wurden, hatten das Ergebnis, daß der Lohn in diesen Orten im laufenden und im nächsten Jahre um je 5 Pf. erhöht wird. Er beträgt also in diesem Jahre 70 Pf., im nächsten Jahre 76 Pf., und steht dann also auf derselben Höhe wie der für Berlin geltende Lohn._ Der Metallarbeiterstreik bei der Firma C. Lorenz ist beendet. Am Sonnabend fanden noch einmal Verhandlungen mit dem Firmen- chef statt, die jedoch wieder ein negatives Resultat zeitigten. Es wurde nichts weiter bewilligt, als der schon anfangs zugestandene Akkordsatz von 70 Pf. für Induktoren, 25 Proz. Zuschlag für Ueber- stunden und Einsetzung eines Arbeiterausschilsses. Me übrigen Forderungen wurden nach wie vor Wgelehnt. Falls die Streikenden sich mit diesen Bedingungen einverstanden erklären Würden, sollte deren Wiedereinstellung erfolgen, soweit Plätze frei seien. Nach Lage der Sache und in Anbetracht dessen, daß sich eine erhebliche Zahl vor, Arbeitswilligen der Firma zur Verfügung gestellt hatten, empfahl der Verbandsvertreter Wiesenthal in der gestrigen Streik- Versammlung den Ausständigen, den Kampf abzubrechen. Da sich be? der geheimen Abstimmung eine Zweidrittelmehrheit für die Fort- setzung des Streiks nicht ergab, so gilt derselbe als beendet. Die Lohnbewegung der Kornträger ist, ohne daß es zur Ar- beitsniederlegung kam, mit einem schönen Erfolge für did Arbeiter beendet worden. Am Sonnabend fanden unter Hinzuziehung des Verbandsvertreters U t h e ß vom Transportarbciter-Verband Verhandlungen mit den Arbeitgebern statt. Diese verhielten sich anfangs ablehnend, weil ihnen die Forderung als zu hoch erschien Als den Herren aber nachgewiesen wurde, daß sie bereits im Februar für ihre Kundschaft die Gebührensätze selbst schon erheblich erhöht hatten und zwar unter Hinweis auf eine kommende Lohn- bctvegung, an die damals noch keiner der Arbeiter dachte, da er- klärten sie sich zur Bewilligung bereit. Die Wäger gehören dennßich nicht mehr zur Akkordkolonne, sondern werden extra bezahlt. So- dann wurde die Grundtaxe des Trägerlohnes von 10 auf 12 Pf. pro Tonne schweren Getreides und von 11 auf 14 Pf. pro Tonne leichten Getreides erhöht. Nach diesen Abmachungen stellt sich der Träger- lohn bei einer durchschnittlichen Arbeitsleistung von 80 Tonnen pro Kolonne schweren Getreides für den einzelnen Träger auf 1,60 M. und bei 70 Tonnen leichten Getreides auf 2,30 M. täglich höher als bisher. Außerdem soll auch der Bootsmann außerhalb der Kolonne gestellt und mit 8 Pf. pro Tonne entschädigt werden. Gleichzeitig wurde für die Bodenarbeiter auf dem Speicher des Hamburger Güterbahnhofs— auf dem Lehrter- und dem Insel- Speicher fehlen die Bodenarbeiter— der Minimallohn auf 40 Pf., nach dreimonatlicher Beschäftigung auf 45 Pf. und für Vorarbeiter auf 50 Pf. pro Stunde bei lOstündiger Arbeitszeit festgesetzt. Ueber- stunden werden mit 5 Pf. Zuschlag bezahlt. Vorstehende Verein- barungen wurden tariflich auf 1 Jahr festgelegt und am Sonntag von einer gutbesuchten Kornträgerversammlung gutgeheißen. Bemerkt sei, daß die Kornträger gegenwärtig zu 90 Proz. organisiert sind. Die Bereinigung der Fliesenleger ersucht uns um Aufnahme der nachstehenden Erklärung, die leider aus Raummangel nicht früher Aufnahme finden konnte: Zu der Erwiderung der Fliesen- lcgersektion des Maurerverbandes in der Nr. 45 auf die Notiz deZ Ortsvereins der Fliesenleger entgegnen wir folgendes: Die Sektion unterbreitet der Oeffentlichkeit Tatsachen, die dartun sollen, daß Mitglieder der„Bereinigung der Fliesenleger Deutschlands" auf dem Bau Monbijouplatz 10 Sperrbrecherei begangen haben. Auf den eigentlichen Kern der Angelegenheit geht die Sektion fast gar nicht ein. Unsere Versammlung hatte in einem mit großer Mehr- heil angenommenen Antrag ausgesprochen,„daß diese Sperre nicht im Interesse der Arbeiter sondern zum Gefallen des Unternehmers verhängt wurde. Ohne gründliche Untersuchung seitens der maß- gebenden Funktionäre darf etwas Derartiges' nicht wieder vor- kommen. Die Versammlung beschließt, über diesen Punkt zur Tagesordnung überzugehen." Warum widerlegt die Sektion die hierin liegende Behauptung nicht, daß die Sperre zum Gefallen des Unternehmers verhängt worden sei? Weil sie es nicht konnte! Statt dessen klammert sie sich an einen individuellen Eindruck des Schrift- führers. Der Beweis für die Richtigkeit des in dem Antrage Nieder- gelegten sei hier kurz erbracht: 1. Als der Kollege Vorpohl von dem Bau gewiesen wurde kurz nach Frühstück, erklärt« sich mit diesem niemand solidarisch. Der Kollege Anton, in unserer Ver- sammlung als Vertreter der Sektion anwesend, von Puttlitz nach dem Grunde dieser Unterlassung gefragt, erklärte,„sie hätten zu weit umher gearbeitet," sie wußten nicht was vorging. Die Kollegen hatten aber bis zu Mittag und die Mittagszeit hindurch Zeit, zu beschließen, was sie tun wollten. Aber nichts geschah! 2. AIS dann am Nachmittag der Fliesengeschäftsinhaber eben- falls vom Bau gewiesen wurde, haben die Kollegen den Bau ver- lassen, nicht etwa freiwillig, sondern der Geschäftsinhaber forderte sie zum Verlassen des Baues auf, ver- sprach ihnen die Zeit zu bezahlen und wies ihnen später andere Ar- beitsstellen an. 3. Sagte der Unternehmer dann noch zu den Kollegen: „Sie sind doch alle organisiert; Sie werden doch wissen, was dort zu geschehen hat." Hierauf gingen die Kollegen der Sektion in ihre Mitgliederversammlung und beschloß diese dann die Sperre über den Bau Monbijouplatz 10/11. Dies alles war am 26. Januar. Wäre der Unternehmer acht Tage später durch den Polier Pflaum vom Bau gewiesen worden, so hätte die Settion jedenfalls auch dann erst die Sperr, verhängt aus Solidarität— mit dem Kollegen Vor- Pohl. Am 27. Janucu erschien schon die Sperrnotiz im«Vor- wärts", jedoch ohne Mitteilung davon, daß der Unternehmer die Sperre gewünscht hatte. Am Abend des 27. tam auch der Kollege Borpohl zu Buttlik dürfen. Auch das Handwertszeug wird in Zukunft von den Untervertreter nur ein freund- nachbarliches Verhältnis mit Rußland su und ersuchte ihn, sich der Sperre anzuschließen. Auch aus seiner nehmern geliefert werden. Die Arbeit ist am Montag wieder aufgaben, die innigeren Beziehungen zum Zarismus aber in Abrede stell Darstellung ging der oben geschilderte Sachverhalt nicht hervor und genommen worden. ließ ich mich herbei, ebenfalls eine Sperrnotiz nach dem Vorwärts" zu schicken, welche am Sonntag, den 29. Januar, erschien. Maßgebender als Vorpohls Darstellung war natürlich die Notiz der " Soziales. " beizu meijen. 47 Proz. der Bevölkerung schlafen in der Küche. überaus traurigen Wohnungsverhältnissen auf die Sozialdemokratie. ten. Der Redner wies nun an der Hand eines reichen Tatsachenmaterials nach, daß es der Regierung nicht gelungen ist, den Vors wurf zu entkräften, daß sie dem russischen Despotismus mit größter Bereitwilligkeit Dienste leiste, die geradezu entwürdigend für DeutschSektion für mich. Am Sonntag, den 29. Januar, erschien der Der Ausbau der öffentlichen und privaten Fürsorge für die ver- land sind. Ferner zeigte der Referent, daß das zwischen Deutschland ausführliche Versammlungsbericht, in dem der Sperrbeschluß der wahrlofte Jugend und Frankreich bestehende Verhältnis die Regierungen dieser beiden Sektion stand, mit der Mitteilung, daß die Sperre im Einber wurde am 25. März in der Gesellschaft für ethische Länder zu einem Wettkriechen vor Rußland veranlaßt und so den ständnis mit dem Unternehmer verhängt sei". Hieraus Kultur im Bürgersaale des Berliner Rathauses besprochen. Das Baren zum Herrn in Europa gemacht hat. Seit den Niederlagen, war nun der Wert und Charakter der Sperre schon etwas ersicht- Referat hielt Herr Pastor Plaß, der Direktor des Erziehungsheims welche Rußland auf dem ostasiatischen Kriegsschauplah erlitt, ist die licher geworden. Die Sektion berief dann zum 1. Februar eine" Am Urban" zu Zehlendorf. ruffenfreundliche Stimmung allerdings umgeschlagen. Die Sprache gemeinsame Sizung ein auf Grund des Schreibens vom Polier Er geht davon aus, daß auch in der Praxis mit der Auffassung der deutschen Regierungsvertreter ist in bezug auf russische Ange= Pflaum. Buttlig bekam am 31. Januar erst Nachricht zu der gebrochen werden müsse, daß die Fürsorge- Erziehung der jugendlichen legenheiten eine andere geworden und auch in Frankreich hat sich die Sigung und konnte seine Kollegen bis auf Vorpohl und Giesche, Berwahrlosten eine Strafe wäre. Die beste Fürsorge sei die Vor- Sympathie für Rußland erheblich abgekühlt und der besonders von weil er die Adressen nicht hatte, zum 1. Februar nicht mehr laden. forge. unseren französischen Parteigenossen vertretene Gedante einer AnPflaum hatte in dem Schreiben die Sektion aufgefordert, den Fall Leider hätte sich dieser Grundsak in manchen Kreisen noch nicht näherung an Deutschland hat mehr und mehr Boden gefaßt. Diese zu untersuchen. Dies ist nicht geschehen. Diese Tatsache verschweigt Bahn gebrochen. Wenn man sich der gefährdeten Kinder annehme, günstige Situation müßte im Intereſſe des Friedens und des Kulturdie Sektion in ihrer Ertviderung. Pflicht der Sektion war es doch ginge man der Krankheit der Verwahrlosung an die Wurzel. Das fortschritts ausgenutzt werden. Wir Sozialdemokraten wünschen, daß wenn sie die Sperre ernst nahm die Sache zu untersuchen radikale Mittel der gesetzmäßigen Anordnung der Fürsorge- Erziehung alle zibilisierten Staaten, zu denen hoffentlich bald auch Rußland geund uns mit hinzuzuziehen. Am 2. Februar wurden wieder drei sollte man als das letzte und nicht als das allein ausschlaggebende hören werde, in Frieden miteinander leben. Wir verurteilen es, wenn Leger nach dem Bau geschickt. Diese verhandelten im Beisein des Mittel betrachten. In der Anstalt„ Am Urban", wo jede Woche bestehende Rivalitäten benutzt werden, um zwietracht zwischen die Werkführers mit dem Polier. Der Polier gab dann die Erklärung einige Aufnahmen gemacht werden, habe man bei etwa 20 Prog. Wölfer Europas zu säen. Insbesondere bedauern und verurteilen ab, daß er in Zukunft die Leger nicht mehr behelligen wolle, und als psychopathische Minderwertigkeit feststellen können, zurückzuführen auf wir, daß das Verhältnis zwischen Deutschland und England getrübt die Leger darauf bestanden, daß Vorpohl dort wieder arbeiten solle, die Not und auf traurige Familienverhältnisse. Viele brächten wird, wie das bei Gelegenheit der unsinnigen Flottenagitation ge erflärte er sich auch hiermit einverstanden. Hierauf förperliche Gebrechen verschiedener Art mit, oder trügen die schehen ist. Wer auf solche Weise Del in das Feuer vorhandener fingen die Leger an zu arbeiten. Am Abend war unsere Versamm Spuren übernächtiger Ausbeutung. Wenn Redner Rivalität gießt, der begeht ein Verbrechen nicht nur am deutschen lung, wo sie vertreten waren und die Sache vortrugen. Gleichzeitig in die erste Klasse der Anstalt gehe und frage: Wer hat Kegel auf- Wolf, sondern an der gesamten Kulturwelt. Vor allem muß es uns erklärten sie noch, wenn die Versammlung mit dem Aufnehmen der gesezt? dann ständen mindestens 80 Proz. auf. Und auf die Frage, darum zu tun sein, daß ein gutes Verhältnis zwischen den Bölkern im Arbeit womit sie nach Lage der Dinge keineswegs meinten einen bei wem das bis nachts 3 Uhr der Fall gewesen sei, blieben die Herzen Europas plakgreift. Freundschaftliche Bezichungen mit Fehler begangen zu haben nicht einverstanden sei, sie am anderen Tag wieder vom Bau gehen würden. All diesem wohnte der meisten stehen. Eine ganze Reihe habe obendrein noch zu Hause Frankreich und England aufrecht zu erhalten muß der Angelpunkt der Sollege Anton von der Settion bei. Er konnte und Prügel gefriegt, wenn sie nichts verdienten. Unverkennbar feien auswärtigen Politit Deutschlands sein. Unser Verhältnis zu diesen sollte seinen Vorstand genau informieren; denn das war ja mit ein häufig die traurigen Eriverbsverhältnisse die Ursache der Verwahr- beiden Staaten darf nicht durch irgend ein zufälliges Ereignis gc= Grund seiner Anwesenheit in der Versammlung. Diese Versammlung losung. Es würden die Kinder zu früh in das Erwerbsleben hin- trübt werden. Wenn die deutsche auswärtige Politit sich von diesen cntschied dann, wie schon angeführt. Trotzdem kommt nach vier- ausgestoßen. Der Vater, der den ganzen Tag gearbeitet habe, sei, Gesichtspunkten leiten läßt, wenn sie ihre Aufgabe nicht mehr in ehn Tagen die Sektion mit einer Notiz, daß die Sperre gegen- wenn er abends müde nach Hause komme, außerstande, noch einen schmählicher Liebedienerei vor Rußland erblickt, erst dann wird tandslos geworden, weil der Bau durch Mitglieder der Vereinigung großen Einfluß auf die Erziehung der Kinder zu üben. Er sei froh, Deutschland die Stellung einnehmen, die seiner Würde und den allDer Fliesenleger besetzt sei". Hierüber mögen die Leser selbst urteilen. wenn er sich ein bißchen ausruhen könne von der Last des Tages. gemeinen zivilisatorischen Interessen entspricht. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Da sich niemand zur Dis Daß die Kollegen, nachdem der Polier die angeführte Erklärung Wenn die Mutter auch arbeite oder nicht energisch sei, so wäre es abgegeben hatte, die Arbeit aufgenommen haben, rechnet ihnen die eben sehr schlimm mit der Erziehung außerhalb der Schulzeit. Ein tuſſion meldete, schloß der Vorsitzende Strehl die Versammlung mit Sektion als ein schweres Vergehen an. Daß sie( die Sektion) aber sehr großer Teil der Schuld sei den traurigen, so der Aufforderung zum Anschluß an den Wahlverein und einem Hoch um der schönen Augen eines Chefs willen diese Sperre verhängte, Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen. stellt sie als eine ideale Leistung hin und sucht uns glauben zu Den Kindern blieben infolge der nicht ausreichenden Räume vielfach Die Zahlstelle Berlin hielt am Sonntag im Englischen Garten eine machen, es sei aus Solidarität mit einem Kollegen geschehen. Nun zu den Erklärungen, die ich und O. Giesche in der die Familienintimitäten nicht verfchloffen. Der Schlaf mehrerer in außerordentliche Generalversammlung ab. Zunächst teilte der VorSigung abgegeben haben sollen. Ich habe die Erklärung abgegeben, demselben Bett bei schlechter Luft fönne fein ruhiger, gesunder und ſizende Bruns mit, daß die Firma Dr. Cassierezu. Co. das daß ich, nachdem ich den Versammlungsbericht der Seftion am Sonn- erfrischender sein. Auch statistisch sei nachgewiesen, daß die Ursache Einigungsamt des Berliner Gewerbegerichts angerufen hat, um eine tag, den 29. Januar, gelesen, die Ansicht gewonnen hätte, daß die der Verwahrlosung der Jugend weniger in einem erblichen Hange Beilegung des Streits zu erzielen. Die Vorverhandlungen sind auf Sperre dem Unternehmer zum Gefallen verhängt worden sei und oder einer subjektiven Belastung liege, als in den traurigen Er- Montag nachmittag anberaumt worden. Die Streifenden beweisen wenn ich dies am 27. Januar gewußt hätte, ich die Sperrnotiz nicht werbs-, Wohnungs- und Familienverhältnissen. Redner führte aus, eine musterhafte Haltung; nicht einer ist abtrünnig geworden. aufgegeben hätte. Dann sagte ich noch, daß ich keine bestimmte Er- daß in sozialer Beziehung vorbeugend gewirkt werden müsse. Vieles Dann kam der erste Punkt der Tagesordnung: Die Stellung lärung zu der Sache mehr abgeben könne, sondern den Entscheid könnte ferner erreicht werden durch die freiwillige Liebestätigkeit, unseres Verbandes zur Landarbeiterfrage" zur der ant 2. Februar stattfindenden Bersammlung unseres Vereins die öffentliche Armenpflege und die vormundschaftliche Fürsorge im Verhandlung. Der hierzu bestellte Referent, F. Rehbein, war durch überlasse". Das waren meine Worte. Bestimmt formulierte Er- Sinne des bürgerlichen Gesetzbuches. Zum Beispiel verlangt er ein dringende Berufspflichten verhindert zu erscheinen. Statt feiner flärungen, wie die in der Erwiderung enthaltenen, lagen überhaupt rechtzeitiges Eingreifen der Armenpflege da, wo die Kinder ge- hielt Bruns das Referat. Er wies darauf hin, daß der Verband der Fabrik-, Land-, Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen es seit seiner nicht vor weder von mir und Giesche, noch von der Sektion. Diese 3ivungen seien, durch Kegelaufsetzen usw. mitzuerwerben. müssen erst nachher formuliert sein und verwahren wir uns ent Was nun die Fürsorge- Erziehung der schon Bertahrlosten Gründung als seine Aufgabe angesehen habe, die Landarbeiter zu fchieden dagegen, uns damit in Verbindung bringen zu wollen. Auf angehe, so bedürfe auch diese des weiteren Ausbaues. Angesichts organisieren. Das sei allerdings bis jetzt nur in sehr geringem Maße. das sonstige Drum und Dran der Erwiderung einzugehen, verzichten mancher Erzesse von Anstaltsinsassen( Angriffe auf die Leiter usw.) gelungen. Daran sei teilweise der Umstand schuld, daß der Grundwir, da wir annehmen, die„ Vorwärts"-Leser verlangen wohl solche sollte man nicht pharisäisch nur die Zöglinge selber dafür ver- beitrag von 30 Pf. für männliche und 20 Pf. für weibliche Mitglieder Disputationen so fura wie möglich gehalten. Selbst die Fliesen- antwortlich machen, sondern gerechterweise fragen: Ist auch die Er- unter den jämmerlichen Lohnverhältnissen der Landarbeiter unleger- Hülfsarbeiter lehnten übrigens in ihrer Versammlung eine ziehungsmethode die richtige gewesen? Tatsächlich habe man sich erschwinglich sei. Deswegen müsse eine besondere Sektion mit ge. Stellungnahme zu der Sperre ab, weil diese zum Gefallen des Ar- immer noch nicht davon ganz freigemacht, daß die verwahrloste ringen Beiträgen und dementsprechenden Gegenleistungen im Ver beitgebers und nicht im Interesse der Arbeiter verhängt worden sei. Jugend nur durch Strafe gebessert werden könne. Dem stellt Redner band geschaffen werden. Der Redner brachte folgende Resolution in Hermann Puttlig, feine Methode entgegen, durch Liebe und Vertrauen ein Autoritäts- Vorschlag, die nach kurzer Diskussion angenommen wurde: verhältnis herbeizuführen, indem man auf die Ideen der Zöglinge Die Zahlstelle Berlin des Verbandes der Fabrik-, Land-, Hülfseingehe und ihr Interesse beruflich und materiell wahrzunehmen suche. arbeiter und-Arbeiterinnen hält eine energische Heranziehung der Damit hätte er felbst bei jugendlichen Verbrechern schon die schönsten Landarbeiter zur Organisation für unbedingt erforderlich. Da die Erfolge erzielt. Er fordere: Bringt Sonnenschein und Freude in die Bandarbeiter bei ihren erbämlichen Löhnen zu Zahlung der VerAnstalt hinein, habt Verständnis für die Bedürfnisse der jugendlichen bandsbeiträge in der jezigen Höhe aber zweifellos außerstande find, berwerfen. Durch scharfe Maßnahmen und Unterdrückung alles schaffen mit wesentlich erniedrigten Beiträgen und dementsprechenSeelel Eine Erziehung nach der Schablone sei darum streng zu so ist es notwendig, für die Landarbeiter eine besondere Sektion zu Bersönlichen werde gerade das Gegenteil einer bessernden Erziehung den Leistungen von seiten des Verbandes. Die heutige außerordentbewirkt. Redner vertritt das Prinzip einer individualisierenden liche Generalversammlung der Zahlstelle Berlin spricht die Er Arbeitserziehung gegenüber der in vielen Anstalten üblichen wirt- wartung aus, daß der Gauvorstand dem nächsten Verbandstag eine schaftlichen Ausnußung. Er kenne Anstalten, wo den ganzen Tag dahingehende Vorlage unterbreitet und fordert den Redakteur des Holz zerkleinert, Steine geflopft oder jahraus jahrein Bürsten Verbansorganes auf, die Frage im„ Proletarier" zu öffentlicher Disfabriziert würden. Aber selbst in besseren Anstalten werde heute kussion zu stellen." noch das Wirtschaftliche einer auch die Neigungen der Zöglinge be- Hierauf sprach Bruns über den bevorstehenden Gewerk. rücksichtigenden Arbeitserziehung übergeordnet. Das müßte auf- chaftstongreß. Er wies auf die reichhaltige und wichtige hören. In der Anstalt" Am Urban" gebe es einen Gesangverein, Tagesordnung des Kongresses hin und bemerkte unter anderen, daß eine Theatergruppe, einen Turnverein, eine Feuerwehrkolonne, eine auch wiederum über die Grenzstreitigkeiten verhandelt werden sollte Sanitätstolonne usiv. Für ältere Zöglinge, die möglichst frei unterzubringen feien, empfiehlt Redner die Schaffung von Zentralstellen in fleinen Städten, von wo aus der Erzieher in seinem Sinne ihre beruflichen und persönlichen Interessen wahrzunehmen, z. B. Die Kulmbacher Brauereiarbeiter haben mit ihrer vor kurzem fie auch vor Ausbeutung und Ueberlastung zu schüßen hätte. eingeleiteten Tarifbewegung einen schönen Erfolg errungen. In dem Den mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß Redner mit zwischen dem Brauereiarbeiterverband und der Brauereibefizer- einem Hinweis, daß es allerdings der Mitarbeit der ganzen mensch- treter Funf. vereinigung abgeschlossenen, auf drei Jahre gültigen Tarifvertraglichen Gesellschaft bedürfe, um die Verwahrlosung, die eine Er- bst und Schensch gewählt. Dann berichtete Bruns über die Erfind unter anderem folgende Punkte festgelegt: 10stündige Arbeits- frankung des Volfskörpers sei, zu heilen. Die Diskussion, an der folge, die der Verband in letzter Zeit bei verschiedenen Arbeitgebern zeit, allwöchentlicher Wechsel der jeweils um 6 Uhr morgens oder ich Dr. Lewy, Nathanson, Lehrer Agahd und der Vor- erzielt hat. Schließlich wurde noch einstimmig ein Antrag angenont abends beginnenden oder endenden Tag und Nachtschicht, Gefigende Dr. Bengig beteiligten, hielt sich wesentlich im Rahmen men, wonach die Versammlungen spätestens eine Viertelstunde nach währung einer 36stündigen Ruhezeit an jedem dritten Sonntag; die des Vortrages. Dr. Benzig betonte die Notwendigkeit einer der bekanntgegebenen Zeit eröffnet werden sollen. Sonntagsarbeit wird auf drei Stunden beschränkt. Der Mindest= Charlottenburg. Eine öffentliche Versammlung der Droschken lohn beträgt in erster Klasse 21, in zweiter Klasse 18 M. und je vier größeren sozialen Fürsorge. futscher von Charlottenburg im Volkshause war einberufen vom Liter Bier. Die Ueberstunden werden Werktags mit 40, Sonntags Ein erschreckendes Bild sozialen Elends gibt eine in tegen 3 Bentralverband der Handels-, Transport und Verkehrsarbeiter. mit 50 Bf. vergütet. Nach einjähriger Tätigkeit in einem Geschäft burg aufgenommene ärztliche Statistik über die Kindersterb- Der Referent Gebert segte der stark besuchten Versammlung die werden jährlich drei Tage, nach fünfjähriger Tätigkeit fieben Tage lich feit. Im Jahre 1904 betrug in der 50 000 Einwohner neue Verordnung von 16. Februar auseinander und stellte fest, daß Urlaub gewährt. zählenden Stadt die Sterblichkeit der Kinder unter einem Jahre die einzelnen Paragraphen der neuen Droschfenordnung Kutscher www Vorsitzender der Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands. Otto Giesche, Vorsitzender des Ortsvereins Berlin. Die Firma W. Spindler, Spindlersfeld bei Köpenick, jucht in hiesigen Lokalblättern Arbeiter. Infolge von Anfragen machen wir darauf aufmerksam, daß bei der Weltfirma Differenzen wegen Errichtung eines Arbeiterausschusses und Lohnerhöhung ausgebrochen sind. Wir ersuchen unsere Verbandskollegen, unter keinen Umständen Bentralverband der Handels, Transportund Verkehrsarbeiter Deutschlands. Ortsverwaltung Köpenid. dort in Arbeit zu treten. Deutfches Reich. Achtung, Drücker! Wegen Maßregelung haben die Kollegen bei der Firma Schilder( Inh. Eutel) in Liegnis die Arbeit niedegelegt. Zuzug bittet streng fernzuhalten Die Bezirksleitung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes für den 2. Bezirk. und daß die Organisation der Fabrik- und Landarbeiter jede Einfchränkung ihrer Beibegungsfreiheit abwehren müsse. Ferner bes merkte der Redner, der Verband müsse wieder, geftüßt auf seine Größe und Bedeutung einen Sitz in der Generalfommission zu er halten suchen. Als Delegierter zum Gewerkschaftskongreß wurde in geheimer Abstimmung Bruns einstimmig gewählt; als Stellver Sodann wurden als Mitglieder des Gauvorstandes Ein Streit der Schwerfuhrwerker ist in Stuttgart aus. 31,14 Proz. der Gesamtsterbefälle. Noch höher ist der Prozentsab sowie Fuhrherren ganz empfindlich treffe, ja jogar den Kutscher fast gebrochen infolge der Weigerung der Unternehmer, die von den bei den unehelichen Kindern, von denen nahezu 40 Proz. unter einem für vogelfrei erkläre. Das kleinste Vergehen bringt unter Umorganisierten Fuhrwertern aufgestellten Forderungen, Minimallohn Jahre starben. ständen sofortige Entziehung des Fahrscheines mit sich. Recht von 20 beztv. 22 M., elfstündige Arbeitszeit 2c., auch nur in Ers Der schweizerische Arbeitertag tritt am Ostermontag in der interessant waren in der Diskussion die Ausführungen des Vorfizenwägung zu ziehen. Der Ausstand ist ein nahezu vollständiger. Das Konzerthalle" in Olten zusammen. Neben der Wahl des Ar- den des Vereins Charlottenburger Droschfenbesther Hadbarth. städtische Arbeitsamt hat die Vermittelung von Fuhrwerksgehülfen, beiterfefretärs und des Bundesvorstandes werden zwei wichtige Derselbe teilte mit, daß seinerzeit vom Polizeipräsidenten ver Möbelfahrern 2c. eingestellt. Die Aussichten des Streits find nicht Fragen besprochen. lleber die Krankenversicherung refe- iprochen worden sei, che noch die neue Verordnung herausgegeben ungünstig, da der Umzugstermin vor der Tür steht. Eine Anzahl Be- rieren Gottfried Herr, Pfarrer in Betschwanden, Jean Sigg aus werde, solle eine Konferenz stattfinden, damit die eventuellen triebe haben die Forderungen bereits bewilligt, doch wurde beschlossen, Genf und Nationalrat Decurtins. Ueber die Revision des Wünsche der Interessenten berücksichtigt werden könnten. Dies sei die Arbeit erst aufzunehmen, wenn die Organisation der Unternehmer a brit gefeßes werden die Genossen Nationalrat Studer und aber bis jest nicht geschehen. Am Schlusse der Versammlung wurde die Bewilligung der Forderungen zugesteht. G. Reimann Referate halten. der Vorstand durch eine Resolution beauftragt, die nötigen Schritte zu unternehmen, um das Inkrafttreten der Verordnung hinaus zuschieben. Die Behörde wird ersucht, gemeinsam mit den Inters essenten eine der Praxis angepaßte Verordnung herauszugeben. Zur Ausarbeitung einer solchen Verordnung sind Arbeitgeber sowie Arbeitnehmer hinzuzuziehen, umsomehr, als der Polizeipräsident, Herr Steifesand, seinerzeit versprach, sich mit den Inter. essenten wegen der Verordnung in Verbindung zu sehen. Ausland. Keine Albumarbeiter und feine Buchbinder nach Stockholm! Die Verfammlungen. Albumarbeiter von Herzog, der größten Buchbinderei in Deutschland und Rußland lautete das Thema, über welches GeStockholm, haben wegen Maßregelung die Arbeit niedergelegt. nose von Bollmar am Sonntag in einer Volfsversammlung Wie verlautet, war der Direktor James Herzog vor kurzem hier sprach, welche die Parteigenossen des ersten Wahlkreises nach dem in Berlin, um Streitbrecher heranzuziehen. Da Balast- Theater einberufen hatten. Die Versammlung war sehr start außerdem die Buchbinder Stodholms ihren seit 1899 besucht und auch auf die Polizei hat sie eine große Anziehungskraft bewegung stehen, wird sowohl vor Zuzug von Albumarbeitern wie Versammlungslokal und nicht weniger wie fünf Bolizeioffiziere hielBuchbindern nach der schwedischen Hauptstadt gewarnt. Auch in ten sich daselbst auf. Die Mannschaften, welche den Offizieren zur BerGöteborg sind die Tarifverhältnisse im Buchbindergewerbe noch fügung standen, waren größtenteils nicht auf der Straße, sondern immer nicht geregelt, so daß von dieser Stadt der Zuzug ebenfalls hielten sich irgendwo in der Nähe in Bereitschaft. So sah man im fernzuhalten ist. Hofe des Versammlungslokals eine Anzahl von Schußmannspferden. Die Reiter waren abgeseffen und vertrieben sich die Zeit mit Kartenspiel, was immerhin darauf schließen ließ, daß die„ Gefahr", mit der die Bolizei gerechnet zu haben scheint, noch nicht als unmittelbar bevorstehend galt. geltenden Lohntarif gekündigt haben, also vor einer Lohne ausgeübt. Eine stattliche Zahl von Schußleuten fah man vor dem Letzte Nachrichten und Depeschen. London, 27. März.( W. T. B.) Unterhaus. Im Verlaufe der Debatte fragt Mac Neill( Nationalist) den Premier minister, ob er irgend eine Mitteilung zu machen habe über Friedensverhandlungen zwischen Rußland und Japan. Eine Antwort erfolgte hierauf nicht. Die Revolution in Rußland. Zu einem günstigen Abschluß für die Arbeiter ist der Streit in der Pariser Wagenbau- Industrie gekommen. Die Hauptforderung der Arbeiter, Beseitigung der Affordarbeit, wurde von den Unternehmern bewilligt; sie soll innerhalb drei Monaten beseitigt Sebastopol, 27. März.( W. T. B.) Die Unruhen in Jalta fein und an ihre Stelle die Bezahlung im Stundenlohn erfolgen. Inzwischen füllte sich in aller Ruhe und ohne daß die Polizei begannen gestern abend. An fünf Orten fanden Brandstiftungen Allerdings ist es den Unternehmern freigestellt, eventuell auch das irgendwelchen Anlaß zur Entfaltung ihrer Macht gehabt hätte, der statt. Das Bolt verhinderte die Löscharbeiten. Alle PolizeiwachtKolonnensystem einzuführen, das heißt einen bestimmten Auftrag an Bersammlungssaal bis auf den lebten Blab. Genoffe von Voll- stuben wurden verwüstet und die Arrestanten freigelassen; die eine Anzahl Arbeiter in Gemeinschaft zu übergeben. Außerdem mar, von den Anwesenden mit lebhaftem Beifall begrüßt, erinnerte Branntweinläden wurden zerstört. Außer den gestern nacht von hier willigten die Unternehmer darein, daß die Beiträge zur Organisation daran, daß der Regierung von unserer Seite schon oft der Vorwurf nach Jalta abgesandten Truppen sind heute weitere drei Stompagnien in den Werkstätten außerhalb der Arbeitszeit eintassiert werden der Liebebienerei vor Rußland gemacht wurde, und die Regierungs- abgegangen, ebenso eine Eskadron aus Simferopol. Verantw. Red.: Paul Büttner, Berlin. Inserate verantwo.( mit Ausnahme der Neue Welt"-Beilage): Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanft. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagenu.Unterhaltungsbl. Kr. 71. 22. Jahrgang. 1. Seilnpt»es„Ümüirts" Sttlintt lolMlott Dienstag, 28. März 1905. Arbeitsbrüder.*) Z«r Berliner Konferenz der Bergarbeiter Preußens. Wir schuften und wir scharren Vereint in Qualm und Nacht, Vereint treibt uns der Hunger Tagtäglich in den Schacht.— Wir tragen Frost und Hitze. Wir tragen Müh' und Not Gemeinsam, und wir sterben Den gleichen frühen Tod.— Ja, alles, was uns quälet Es ist dieselbe Last. Derselbe Druck und Jammer Uns alle gleich umfaßt. Und sind wir eins im. Leiden Wir müßten Toren sein, Wenn wir im Kampf zum Bess'ren Uns wollten noch entzwei'n.—• Wenn wir nicht fest zusammen Vereinten uns're Kraft Zum Kämpfen und zum Siegen, Zur starken Bruderschaft.— Nur Toren und Verräter, Sie teilen uns geschwind In„Christen" und„Nichtchristen", Wo wir doch Brüder sind.— •) Aus den„Reuen Liedern" des Ruhr- Bergmanns H. Kämpchen._ Reichstag. 173. Sitzung vom Montag, den 27. März 1905, vormittags 11 U h r. Am Bundesratstische: v. E i n e m, Frhr. v. Stengel. Auf der Tagesordnung steht die Fortsetzung der zweiten Be- ratung des Militäretats von Kapitel 37(Artillerie- und Waffen- wefen) an. Abg. ZubeU(Soz.): Daß auf den königlichen Fabriken in Spandau so teuer produziert wird, liegt nicht an den besonderen örtlichen Verhältnissen. sondern an der ,n i l i t ä r i s ch e n O r g a n i- s a t i o n. Ein Hauptmann a. D., namens Preutz. der selbst lange Jahre dort tätig gewesen ist. hat dies in einer Broschüre ausgeführt; er steht aus dem Standpunkte, den wir seit Jahren vertreten. Große Summen Iverden tatsächlich zum Fenster hinausgeworfen. Wenn z. B. Handwerkszeug ein Millimeter von den Vorschriften abweicht, wird es ohne weiteres verworfen, obgleich es noch sehr gut brauchbar wäre. Ferner wird das Material häufig zu spät besorgt. 189« z. B. hätte es viel billiger besorgt werden können, wenn man es zur richtige» Marktlage besorgt hätte. Dann wird bisweilen Munition hergestellt, ohne daß das zugehörige Geschütz vorher geprüft worden ist. Eine IS Millimeter- Bersuchshaubitze von Krupp erwies sich bei den Schießversuchen in Kummersdorf als unbrauchbar; aber die Munition war schon her- gestellt und nun wertlos.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Gespart wird immer an falscher Stelle, am liebsten an den Arbeitslöhnen. Der Verfasser schlägt nicht mit Unrecht vor. den Ingenieuren von den gemachten Ersparnissen 10 Proz. als Gra- tifikation zukommen zu lassen. Aber dazu müßte erst der Bureau- kratismus beseitigt werden.(Sehr richtig! bei den Sozial- demokraten.) Die Offiziere find als Aufsichtsbeamte durch- aus ungeeignet; man könnte ja sagen, sie können sich allmählich das genügende Fabrikati onsverftändnis aneignen, aber die Fabriken sind dazu zu verschiedener Natur, Pulverfabriken, Stahlfabriken, Gewehrfabriken. Ein Offizier, der nach zweijähriger Tätigkeit in einem Betriebe in einen anderen versetzt wird, müßte ja Sieradezu ein Universalgenie sein, um daS alles zu verstehen. Deshalb tehen wir auf dem Standpunkte: Der Fachmann gehört in die Fabrik; verwaltet muß dort werden, nicht kommandiert!(Sehr richtig! bei den Soz.) Kompagnien lassen sich durch Kommando einschulen, Fabriken nicht I Jede Fabrik verlangt gemäß ihrer technischen Eigenart eine besondere Organisafion. Es ist erklärlich, daß man hier nicht schablonisieren kann. Eine Gleichmacherei innerhalb unserer königlichen Fabriken muß unbedingt zum Schaden der Fabrikation ausfallen.— Ganz v e r w e r f l i ch ist die Einteilung der Arbeiter in L o h n k l a s s e n. Ein solches System muß Unzufriedenheit erregen. Auch das betont der Verfasser der Broschüre. Die Leistungsfähigkeit ist sehr schwer zu beurteilen. Tatsächlich entscheidet der einzelne Meister, und es ist der Willkür Tür und Tor geöffnet, welcher Lohn- klaffe der einzelne Arbeiter zugewiesen wird. Die Arbeitskrast muß sich durch das Alter verringern. Wenn nun ein Arbeiter 20 Jahre in einer Klasse gearbeitet hat und altersschwach wird, so wird er in die nächst niedere Klaffe versetzt. Es ist da nicht allein der geringere Verdienst, der ihn trifft, sondern auch die Degradierung selbst muß ihn schwer verletzen. Aber auch wenn nach dem Dienstalter eingeteilt lvürde, würde die Ungerechtigkeit nicht verschwinden. Unter dem Dienstaltersystem hätte besonders der jüngere Arbeiter zu leiden. Der Verdienst sollte sich lediglich nach der Leistungsfähigkeit richten. Warum geht man weiter nicht dazu über, den Achtstundentag in den Spandauer Werkstätten einzuführen? Das würde die Arbeitsfreudigkeit der Arbeiter außerordentlich heben. In England Häven die StaatSwerkstätten schon seit 1899 de» Acht- stundentag, in Frankreich besteht er seit dem 7. Januar 1903 für die Betriebe der Marine und des Krieges, in Spanien seit 1902, ja jelbst in Rußland ist er teilweise eingeführt! Er gilt in Oesterreich- Ungarn un» in Nordamerika. Was für diese Staaten möglich ist. sollte auch für Preußen-Deutschland durchführbar sein.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Aber die Rücksicht auf die Privatindnstrie verhindert hier jeden Fortschritt. Kollege Pauli hat schon ausgeführt, daß die neue Lohn- ordnung nicht die Wünsche der Arbeiter erfüllt. Den Arbeitern in der Pulverfabrik ist die Vergünstigung genommen. für die Reinigung ihres Körpers eine besondere Pause zu erhalten, sie müssen diese Reinigung jetzt in den zehn Minuten Pause vor- nehmen. Einen Teil der Bestimmungen der nenen Lohnordmuig hat die Feldzcugmeisterei noch gar nicht zur Durchführung gebracht. Die Säure- zulagen für Arbeiter, die in den besonders gesundheitsschädlichen Säure- betrieben beschäftigt sind, sollten nach der neuen Lohnordnung m Wegfall kommen' und diese Arbeiter in eine höhere Lohnklasse kommen. DaS ist nicht geschehen. Die Maschinenarbeiter sind zwar in Klasse 3 versetzt, aber sie haben davon keinen Pfennig Lohn- erhöhuiig gehabt. Nlir mit Anspannung aller Kräfte können sie den Höchstsatz von 5,10 M. verdienen, aber auf Kosten ihrer Gesundheit und zum Schaden der Maschinen. Die Kranlenstatisfik beweist ja auch, daß die Gesundheitsverhälwisse in den Spandauer Werkstäten nicht zum besten bestellt sind.— Die Kantinenüberschüffe sollten zu UnterftützungSzwecken verwandt werden und nicht zu Sedanfeiern, Gründung von Gesaugvereinen ze. Viele Klagen werden laut über das Antreibersystem. Ein Herr Lentnant, der sich als besonderer Antreiber Hervortut, hat den Arbeitern verboten ihn mit Meister zu titulieren, es soll das Wort„Herr" stets davor gesetzt werden. Ich dachte Meister wäre ein Ehrentitel. Im vorigen Jahre brachte ich die Brutalitäten eines Ingenieurs vor; es wurde von der Militärverwaltung alles bestritten. Im letzten Jahre hat ein Arbeiter wegen der fortgesetzten Brutalitäten des Ingenieurs, zur Notwehr getrieben, ihm eine Ohrfeige appliziert und er ist mit Rücksicht auf diese Brutalitäten vom Gericht nicht mit Gefängnis, sondern zu einer Geldstrafe verurteilt worden.(Hört I hört I bei den Sozialdemokraten.) Jetzt ist ein Erlaß herausgegeben, der den Vorgesetzten nahe legt, in ihrem Verhalten zu den Arbeitern sich nicht zu Handlungen hin- reißen zu lassen, die zu Erörterungen in der Presse Veranlassung geben könnten. Also nur ans Furcht vor der Presse, nicht aus Achtung vor den Arbeitern ergeht ein solcher Erlaß.— Ein anderer Erlaß des Direktors der Pulverfabrik verlangte von den Arbeitern, daß von jedem einzelnen eine Art Steckbrief ausgestellt werden sollte. Auf den Unwillen der Arbeiter nahm der Direktor allerdings den Erlaß zurück und entschuldigte sich in einem öffentlichen Anschlag.— (Redner spricht vorwiegend zum Bundesratstische und bleibt großenteils auf der Tribüne unverständlich.) Die Fabriken tragen nichts zu den Kommunallasten bei. Daher ist dort der Steuer- Zuschlag schon auf über 200 Proz. gestiegen.— Der Regierung muß unser„Vorwärts" sehr oft herhalten, um unsere Partei anzugreifen. Deshalb kann auch ich mich auf eine Zeitungsnachricht beziehen. AuS dem„Spandauer Tageblatt", einem k o n- s e r v a t i v e n Blatte, geht hervor, daß die Militärverwaltung bei Feststellung der Lohnklasjen mit dem Vorstände des politischen, kon- servativen„neuen Wahlvercins" konferiert hat.(Hört! hört! beiden Sozialdemokraten.) Ich bitte den Herrn Kriegsminister, bei seiner bekannten Gerechtigkeitsliebe das nächste Mal auch die Vorstände des sozialdemokratischen Wahlvereins zur Konferenz zuzuziehen.(Heiter- keit.) Wenn wir zugestehen, daß innerhalb der Betriebe jede sozial- demokratische Agitafion unterbleiben soll, so mutz auch die Agitation für den konservativen Verein unterbleiben. In Wirklichkeit aber werden Obermeister, Meister und Meistergehülfen sehr gedrängt, diesem Verein beizutreten. Sie werden während der Arbeitszeit dazu aufgefordert.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Wer von ihnen zögert, bekommt die Statuten des Vereins ins Haus ge- schickt, bekommt also mit dem Zaunpfahl einen Stoß ins Kreuz. (Lachen rechts.) Wehe aber dem Arbeiter, dessen Frau einmal eine Stulle in einen„Vorwärts" oder eine„Brandenburger Zeitung" einwickelt. Dem tun sich die Tore der Fabrik sofort auf.— Ferner möchte ich den Kriegsminister bitten, sich des unglücklichen Arbeiters Oehlschläger anzunehmen. Ihm ist die berechfigte Unterstützung, die er jetzt erhält. fiir die vorhergehenden Jahre nicht nachgezahlt worden.— Auch die Lohnhöhe in Spandau ist ungenügend. Die Zahl der Erkrankungen ist eine sehr Hohe; desto besser sollten die Löhne sein, das trifft aber leider nicht zu. große Teile der Arbeiterschaft erhalten eine klägliche Bezahlung.— Die an sich guten Submissionsbedingungen werden von vielen Unternehmern umgangen. Wenn ein Arbeiter die Direktion darauf aufmerksam macht, schickt diese den Brief mit Namen an die Fabrikanten. Der Arbeiter wird dadurch in Berlin in seiner Branche brotlos gemacht. Ich schließe auch heute mit dem Satze: Wenn Sie wollen, daß von dieser Stelle derartige Mengen von Beschwerden nicht mehr vorgebracht werden, so machen Sie aus den königlichen Fabriken Musteranstalten!(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. Becker-Köln(Z.): Bei uns klagt gerade die Privat- induswie über zu hohe Löhne der königlichen Werkstätten, mit denen sie nicht konkurrieren könne. Redner tritt des weiteren für Besser- stellung der Meister bei den Werkstätten der Militärverwaltung ein. Abg. Dr. Lucas(natl.) begrüßt die Besserstellung der Techniker und Chemiker bei den Militärwerkstätten und bedauert, daß eS nicht auch möglich gewesen sei, die Wünsche der Berwaltungsschreiber zu erfüllen. Generalmajor Sixt v. Armin: Die Herren Pauli und Zubeil haben bedauert, daß bei der Gehaltsaufbesserung in Spandau vor allem die oberen Beamten bedacht worden sind. Wir mutzten den Etat in diesem Jahre so sparsam wie möglich halten und haben daher nur die durch Neuorganisafion bedingten Gehaltsaufbesserungen vorgenommen. Wir hoffen, beim nächsten Etat auch für die Meister und Unterbeamten eine Aufbesserung durchzusetzen.(Bravo!) Wenn wir teuer arbeiten, so liegt das eben nur daran, daß wir höhere Löhne als die Privatindustrie zahlen. Allen Wünschen um Aufbesse- rung nachzukommen hieße unserem Betriebe die Möglichkeit rauben, auf der alten Höhe zu bleiben, und die Folge wäre Entlassung von Arbeitern. Die Waffenmeister haben allerdings eine lange Warte- zeit, aber sie finden meist Stellungen in der Privafindustrie, und außerdem rechnet ihnen die Militärverwaltung vier Jahre ihrer Vorbereitungszeit als Dienstzeit an. Mit der Annahme, den Meistern set es nur selten möglich, das Höchstgehalt zu erreichen, muß Herr Pauli falsch unterrichtet sein. Die Urlaubsfrage hat auch uns beschäftigt, sie kann indessen, ebenso wie der Achtstundentag, nur für das ganze Reich geregelt werden. Richfig ist. daß wir für jede einzelne Arbeitskategorie mindestens zwei Klassen, für gelernte und ungelernte Arbeiter, haben. In jeder Klaffe existiert dann wieder eine Lohnskala. Wir halten dies System für durchaus gerecht.— Ich kann nicht auf alle Aus- führungen des Abgeordneten Zubeil antworten. (Beifall rechts.) Ich möchte nur bemerken, daß es der gcohrfcigtc Ingenieur allerdings nicht verstanden hat, mit den Arbeitern zu ver- kehren; er wür zu schroff. Darin hat Abg. Zubeil recht. Aber die Brutalität lag auf seite des Arbeiters. Im übrigen werde ich die Rede des Abg. Zubeil. wenn sie gedruckt vorliegt, wie in jedem Jahre eingehend prüfen und, wo es nötig ist, Remedur eintteten lassen. Ich glaube aber schon jetzt sagen zu können, daß die meisten Be- schwerden sich als unbegründet herausstellen werden. Dem„neuen Wahl- verein" steht die Heeresverwaltung vollkommen fern. Ich habe von diesem Verein überhaupt nur durch die Zeitungen erfahren.(Beifall rechts.) Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel: Der Abg. Zubeil hat unter anderem auch die Frage der Besteuerung des Reiches in Ansehen seiner gewerblichen Betriebe berührt. Ich bemerke, daß die Frage der kommunalen Besteuerung der Betriebe des Reiches die be- treffenden Ressorts zur Zeit beschäftigen, daß diese Verhandlungen aber noch nicht zu einem Abschluß gekommen sind. Inzwischen ist aber, um den Kommunen entgegen zu koinmen, für eine Reihe von Gemeinden, zum Beispiel für Kiel schon eine Besteuerung eingeführt worden. Es besteht die Absicht, in Zukunft in den Etat auch eine Steuersumme für Spandau einzusetzen.(Beifall.) Abg. Becker-Köln(Z.): Ich möchte den Herrn Reichsschatz- sekretär bitten, unter diesen llmständen auch eine Kommunalbesteuerung für die Reichsbetriebe in Siegburg einzuführen. Abg. Zubeil(Soz.): Ich möchte dem Herrn General erwidern; daß die Ohrfeige gegen den Ingenieur Barckmann unbedingt not- wendig erfolgte, und muß ferner bemerken, daß es keineswegs die Arbeitslöhne sind, welche die Produktion in Spandau teurer machen al« die private Produktion. Im Gegenteil, in allen beteiligten Industrien werden höhere Löhne gezahlt, so z. B. bei Krupp. Den teueren Wohuungsverhältniffen entsprechend müßte sogar eine Aufbesserung der Löhne stattfinden. Nur an der Organisation liegt der Fehler.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hiermit schließt die Debatte. Das Kapitel sowie der Rest des Ordinariums wird debattelos bewilligt. Beim Extra-Ordinarium beantragt die Kommission drei Titel betr. Beschaffung von Handwaffen usw. aus dem außerordentlichen Etat in den ordentlichen zu übertragen. Abg. Gröber(Z.) beantragt, die Debatte darüber, ob die Uebertragung stattfinden soll, bis zur Beratung der Anleihe zu ver- schieben. Das Haus beschließt demgemäß.— Zum Titel selbst ergreift das Wort Abg. Eickhoff(fts. Vp.): Dieser Titel gibt mir Gelegenheit, auf die Angriffe des Abg. Beumer vom 17. d. M. gegen die rheinische Metallwaren- und Maschinenfabrik Düsseldorf, deren Begründer der Geheime Baurat Ehrhardt ist, zurückzukommen. Ich habe damals keinerlei Angriffe gegen die Firma Krupp gerichtet, wie Herr Beumer fälschlich behauptet hat. Ich habe nicht be- hauptet, daß Krupp an den Panzerplatten so große und fast un- schätzbare Verdienste gehabt hat, wohl aber daß das Reich an Krupp für Panzerplatten mehr hat zahlen müssen, als die amerikanische Regierung den amerikanischen Firmen zahlt. Und ich habe darauf aufmerksam, daß die amerikanischen Firmen ihr Iveit billigeres An- gebot machen konnten, weil Krupp fem Nickelstahlpatent an die betreffenden Firmen verkauft hat, wie dieses Patent auch nach Frankreich verkauft worden ist. Ich habe Krupp nicht beschuldigt, leider aber hat Herr Beumer eine Reihe von Angriffen gegen die Firma Ehrhardt vorgebracht, die durchaus unberechtigt sind. Herr Beumer hat behauptet, Krupp habe nach dem Aus- lande nie in als billiger geliefert als an Deutschland. Darauf habe ich zu erwidern, daß, wenn der Preis für das Aus- land dem Inlandspreise gleich ist, das höchstens beweist, daß die Firma Krupp die enormen Unkosten der Auslandsliescrung auch auf die deutschen Preise geschlagen hat. Ich erinnere nur an das ominöse Wort Backschisch. Die Monopolstellung der Firma Krupp liegt iveder im militärischen noch im finanziellen Interesse des Reiches. Ich hoffe daher, das Auswärtige Amt wird noch jetzt den Botschafter besser informieren, damit er die Firma Krupp nicht einseitig begünstige. Kriegsminister v. Einem: Ich bemerke, daß Krupp durchaus keine Monopolstellung besitzt. Abg. Dr. Beumer(natl.) bestreitet die Richtigkeit der Dar- legungen des Vorredners. Was die Panzerplattenlicferungen an- langt, so hat Herr v. Tirpitz schon 1902 festgestellt, daß weder Krupp noch eine andere deutsche Firma je nach Amerika Panzerplatten geliefert hat. Ich selbst habe nachgewiesen, daß die deutsche Marine ihre Panzerplatten von Krupp so billig bezieht, wie es von keiner anderen Firma möglich wäre. Ich hoffe, daß damit endlich dieses Panzerplatten-Märchcn aus diesem hohen Hause verschwinden wird.(Bravo! bei den Nafionalliberalen.) Abg. Erzberger(Z): Jn�den Streit, der zwischen der Finna Ehrhardt und Krupp hier auf der Tribüne auSgefochten werden soll, mische ich mich nicht ein, aber die Rücksicht auf die Finanzen des Reiches nöfigt uns, in dem Streit Stellung zu nehmen. In d e-r Tat liegt die Sache so, daß die Firma Krupp sozusagen ein Monopol hat. Vor allem wünschen wir nicht, daß im Auslande irgend eine Botschaft für die eine dieser Firmen eine besondere Sympathie zeigt, sondern die diplomatische Verttetung im Auslande hat die Interessen der deutschen Industrie im allgemeinen zu wahren.— Der Abg. Müller-Fulda hat nie behauptet, daß Krupp an das AuS- land billiger geliefert habe als an Deutschland. Aber die Tatsache bleibt bestehen, daß in einer Zeit, als die a m e r i k a n i s ch e n Fabriken bereits billigere Platten lieferten, Krupp vom Deutschen Reiche sich noch nach den alten hohen Preisen hat bezahlen lassen. (Hört! hört! bei den Freisinnigen.) Und das, obgleich die ameri- kanischen Firmen hohe Abfindungssummen haben zahle» muffen, und obgleich die anicrikanischen Firmen höhere Arbeitslöhne zahlen mußten. Das ist ein krasses Beispiel für die Wirkung, die ein Monopol ausübt. Ferner werden mir folgende Zahlen mit- geteilt: Krupp verlangte früher für ein Geschoßrohr 3300 M., Ehrhardt verlangte einige Jahre dafür nur 1950 M., ja teilweise nur 1300 M.(Hört! Hört! links.) Ich bin nicht Fachmann. Aber wenn diese Zahlen anch nur teilweise zutteffen sollten, so wäre es höchste Zeit, wenn der Reichstag dafür sorgen wollte, daß sich keine Monopolstellung für irgend einen der militärischen BedarfSarfikel herausbilde.(Beifall im Zentrum und bei den Freisinnigen.) Kriegsminister v. Einem: Ich mutz die Frage, ob das Aus« wältige Amt von der Militärverwaltung In- st r u k t i o n e n erhält, bejahen. Ich habe schon oft gewissenhaste Auskunft über deuffche Firmen geben müssen, aber über die Ehr- hardtschcn Rohrrücklauf-Geschütze habe ich nie Auskunft geben können, da uns, wie gesagt, solche nie geliefert worden sind. Wenn ich dann weiter gefragt werde, ob durch die Konkurrenz ein großer Preissturz hervorgerufen worden sei, so muß ich das bestätigen.(Hört! hört! im größten Teile des Hauses.) Stahlkerne für gewisse Geschütze, die 1897/98 bei Krupp noch 35 M. gekostet haben, hat Ehrhardt dann für 30,15 M. angeboten und allmählich ist der Preis bei allen Firmen auf 17,20 M. heruntergegangen.(Hört! hört! bei den Freisinnigen.) Ferner haben Stahlkerne für 21 Zentimeter-Granaten 1890 bei Krupp zuerst 102 M. gekostet, bei Ehrhardt dann 89 M. (Hört I hört l bei den Freisinnigen.) Schließlich ist der Preis auf «7,50 M. heruntergegangen.(Hört I hört!) Derarfige Preis- rückgänge könnte ich noch mehr anführen. Wenn die Preise also in dieser Weise heruntergegangen sind, so ist das zum großen Teil der Firma Ehrhardt zu danken.(Beifall. Hört! hört! links.) Abg. Singer(Soz.): Ich bin mir nicht ganz klar, was der Kriegsminister mit diesen Zahlen hat beweisen wollen. Daß die Preise heruntergegangen find, kann doch auch durch die veränderte Konjunktur des Eisenmarktes bedingt sein. Die Frage, auf die es ankommt, ist: Sind die Preise durch eigenes Angebot oder lediglich durch den Druck der Konkurrenz heruntergegangen?— Daß Krupp und andere große Firmen nach dem Auslände billiger liefern als nach dem Jnlandc, ist eine bekannte Tatsache und liegt im Wesen der Kartelle und Monopole. Wir haben keine Veranlassung, uns in den Konkurrenzkampf cinzuniischen, für uns ist nur das finanzielle Interesse des Reiches maßgebend. Des- halb sollte die Regierung ihre Bezüge da machen, wo sie am billigsten wegkommt unter Voraussetzung guter Ware. Die Klagen, daß unsere Vertreter in auswärtigen Staaten die Firma Krupp durch besondere Befürwortung bevorzugt haben, sind durchaus berechtigt. Herr Beumer hat Herrn Eickhoff vorgeworfen, daß auf der Liste, die der Budgetkommission vorgelegen habe, ganz versch'rdenarfige Fabrikate verglichen seien. Demgegenüber möchte ich aus meiner persönlichen Erinnerung feststellen, daß die Regierung in der Kom- misston diese Liste mit keinem Worte beanstandet hat. Das ist ein ganz neues Moment, was Herr Beumer da vorbringt und er hätte höchstens der Regierung aber nicht Herrn Eickhoff einen Borwurf machen können. Jedenfalls muß dieser Widerspruch aufgeklärt werden. Feststeht jedenfalls, daß die Firma Krupp sich erst durch die Konkurrenz der Firma Ehrhardt veranlaßt gesehen hat, billiger zu werden. Das fällt auch in das Gebiet der unlauteren Konkurrenz, von der Herr Beumer sprach. Jedenfalls kann die Firma Krupp ihre teuren Preise nicht mit hohen Arbeitslöhnen rechtfertigen.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Sehr interessant war mir, daß der Staats- sekretär des Auswärtigen Amts der Firma Ehr- Hardt geraten hat, sie solle sich mit Krupp einigen. Ich weiß nicht, ob Herr v. Richthofen sich vollkommen klar darüber war, was er damit wollt!. Eine Einigung konnte doch nur bedeuten, daß die beiden Firmen sich fusionieren, um dann gemeinsam das Reich ab- schlachten zu könne». Ein hoher Reichsbeamter sollte das finanzielle Interesse des Reichs doch besser zu tvahren wissen und niöht Rat- schlüge erteilen, die darauf hinausAehen, den Reichssäckel um Millionen zu schädigen.(Bravo I bei den Sozialdemokraten.) Kriegsminister v. Einem: Ich erkläre, daß es in der Tat wieder- holt vorgekomnien ist, daß Krupp durch eigenes Angebot niit dem Preise heruntergegangen i st.(Hört I hört! beim Abgeordneten Beumer), besonders dann, wenn eS sich um Massenliefcrungen handelte, so bei der 16 Zentimeter-Haubitze, für die Krupp ein tatsächliche? Monopol besitzt. Das möchte ich konstatiert haben. Wg.sSickhoff lfrs lVp 1 ES ist in derpZudgetkommisfion festgestellt worden, daß tatsächlich Freiherr v, Richthofen zugeben mußte, daß tn Koustantiuopel die Firma Krupp einseitig begünstigt worden ist, Ich hätte erwartet, daß Abg, Beumer die schweren Vorwürfe, die er gegen die Firnia Ehrhardt unter dem Schutze der Immunität er- hoben hat, heute zurücknehmen würde, aber er hat das Gegenteil getan. Kollege Singer war ja schon so freundlich, nachzuweisen, daß einer dieser Vorwürfe nicht zutrifft. Die anderen Vorwürfe treffen aber auch nicht zu. Ich halte die Behauptung aufrecht, daß die Firma Ehrhardt die einzige ist, welche an verschiedene aus- ländische Staaten— das ist der springende Punkt— R o h r- rücklaufgeschütze zur Zufriedenheit geliefert hat. Abg, Beumer snatl.): Abg, Eickhoff hat mir Vorwürfe gemacht, daß ich die Angriffe gegen die Firma Ehrhardt nicht zurückgenommen habe. Aber ich habe doch meine Angriffe motiviert. Ich hätte von dem gesellschaftlichen Talt des Abg. Eickhoff erwartet, daß er mir nicht zumutet, solche gegründeten Angriffe zurückzunehmen. Hiermit schließt die Debatte. Die Titel werden bewilligt, ebenso der Rest des Extraordinariums sowie die Ein- nahmen. Dainit ist der Militär-Etat erledigt. Es folgt der Etat für die Expedition nach O st a s i e n. Derselbe wird debattelos bewilligt. Es folgen die Abstimmungen über die 24 Resolutionen zum Etat des Reichsamts des Innern. Es werden angenommen: Eine Resolution Dr. Eickhof (ftff. Vp.) betr. Zulassung der Ober-Realschulabitu- r ient en zu den ärztlichen Prüfungen, eineR es o l u t i o n Dr. Spahn sC.) auf Vorlegung einer Denkschrift über Kartelle, Syndikate jc., eine Resolution Trimboraorgebrachten, einen humoristtschen Anstrich. Mithaben ja hier ordentlich einen Bürgerkrieg in Rüdesheim vorwagen hören. Wir sind aber doch für den Kommissionsantrag.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Hierauf schließt die Debatte. Die Positton wird gegen die Stinimen der Nationalliberalen angenommen. Es folgt die Beratting eines Antrages Gröber(Z.) zum Marine-Etat, Kapital Besoldungen, auf Streichung von je 1150 Mark pensionsfähiger Zulage für 29 F r e g a t t e n- I a p i t ä n e. Staatssekretär des Reichs-Marineamts v. Tirpitz bittet, eS bei dem Beschluß der Kontmission auf Bewilligung dieser Zulage zu belassen und damit den Fregattenkapitänen dieselbe Zulage zu geben, wie sie im vorigen Jahre für die Oberstleutnants beschlossen sei. Der Antrag Gröber(Z.) wird hierauf abgelehnt, die Zulage wird bewilligt. Darauf vertagt sich das Haus. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr(Etatsreste. Wahlprüfungen). Schluß&l4 Uhr. Hbgcordnctcnbaua. 169. Sitzung vom Montag, den 27. März, vormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Graf B ü l o w. Frhr. v. Rheinbahen, Möller. Auf der Tagesordnung steht die erste Lesung der Novelle zum Berggesetz.(Bergarbeiterverhältnisse.) Sie enthält Vorschriften über die Zeit und Art der Abrechnung und Lohnzahlung, über Straf- gelder. das Verbot des Wagennullens und über die Bildung von Arbeiterausschüssen. Ferner führt die Vorlage den sanitären, aber nicht den allgemeinen Maxiinal- Arbeitstag ein und setzt im letzten Paragraphen die Strafen und Uebergangsbestimmungen fest. Ministerpräsident Graf Bülow: Von den beiden Novellen zum Berggesetz, die jetzt den Gegen- stand der Beratung dieses Hauses bilden sollen, beruht die eine Novelle über den Betriebszwang im wesentlichen auf früheren Be- fchlüssen dieses HauseS; die andere, die Novelle über die Arbeiter- verhälttnffe, hat schon vor ihrem Erscheinen Anlaß gegeben zu leb- basten Erörterungen in der Presse, in Vereinen und auch in den parlamentarischen Körperschaften. Diese Erörterungen waren nicht immer objektiv, sie waren vielfaib beherrscht von wirtschaftlichen und Parteiinteressen. Der Grund hierzu ist wohl zum Teil zu suchen in dem Zeitpunkt der Ankündigung dieses Gefetz- entwürfe?. Der Gesetzentwurf wurde in Aussicht gestellt während eines Kampfes, der nicht nur Arbeitgeber und Arbeitnehmer, sondern auch weitere Kreise in zwei Lager getrennt hat. Man hat den Gesetzentwurf ein Notgesey. ein Gelegeuheitsgesetz, ein VerlegenheitS- gesetz genannt. Dieser Ausdruck ist geeignet, die Mißdeutung hervor- zurufen, als ob Anlaß und Zweck der vorgeschlagenen Maßnahmen lediglich in einem augenblicklichen, gleich einem Naturereignis plötzlich hereingebrochenen Notstand und in dessenLinderung enthaltenwäre. Dem gegenüber muß ich zunächst darauf himveisen, daß die Regierung |ft»n vor dem Ausbruch des großen Berggrbciterstreiks im Ruhr- revier nicht nur mit den Gesetzentwürfen beschäftigt war, die das uw gerechtfertigte Stillegen von Zechen verhindern und das Knappschafts- wesen neu' regeln sollten— es schwebten schon Erwägungen über die gesetzliche Einführung einiger de» Arbeitsvertrag betreffenden gesetzlichen Maßnahmen, die in den staatlichen Bergwerken des Saarrevicrs bereits bestehen und sich dort schon be- währt haben. Wenn ich es auch meinem Nachbar, dem Handels- minister überlassen mutz, diese Gesetzentlvürfe im einzelnen zu ver- treten und z» begründen, so möchte ich Sie doch auch meinerseits um eine entgegenkommende, ruhige und sachliche Prüfung derselben bitten und zu diesem Zweck in aller Kürze einige Streiflichter werfen auf den vorhergegangenen Kampf und einige Begleiterscheinungen. Ich erkenne gern an, daß die ausständigen Bergarbeiter im großen und ganzen eine ruhige Haltung bewahrt haben und daß die leider unter Kontraklbruch niedergelegte Arbeit aus Gründen der Vernunft, im Vertrauen auf Entgegenkommen der Arbeitgeber und die in Aussicht gestellten gesetzlichen Matznahmen ivieder aufgenommen worden ist. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß der Streik selbst mit einer Unrcchtmäßigkcit begonnen hat. Es ändert nichts an der Tatsache, daß bei Beginn des Streiks die Stimme der Leidenschaft über besonnene Erwägung die Oberhand behalten hatte. In ihren Lohnforderungen haben die Arbeiter nichts erreicht, ihre materielle Lage hat sich verschlechtert durch den Lohnausiall, der auf 509 bis 69V 000 M. auf den Tag berechnet worden ist. Biel Not, viel Elend ist zu meinem tiefen Bedauern über manche Arbeiterfamilien gekommen. In einer sozialdemokratischen Zeitung habe ich gelesen, daß im Ruhrrevier eine Bevölkerung von zirka einer Million Menschen in- folge des Streiks ihren Lebensunterhalt um mehr als die Hälfte hat herabsetzen müssen. Die Arbeiter haben selbst erfahren müssen, eine wie zweischneidige Waffe ein solcher Lohnkampf ist. Mögen sie dafür vor allem die Hetzer und Wühler verantwortlich machen(Sehr richtig! rechts), die sie zur Niederlegung der Arbeit veranlaßt haben; auf der anderen Seite verstehe ich ganz wohl, daß die Zechcnbesitzer und die Organisation der Grubenbesitzer, der bergbauliche Verein zunächst nicht mit den kontraktbrüchigen Arbeiter» und deren Vertretern verhandeln wollten. Dieser Widerstand mußte aber aufgegeben werden, als die Regierung im Hinblick auf die weitreichenden schä- digenden Folgen gerade dieses Ausstandes von nahezu 200 000 Bergarbeitern im größten Kohlenrevier der preußischen Monarchie mit den Arbeitervertretern in Unterhandlung getreten war und ihrerseits eine Vermittelung anzubahnen versuchte. Wozu die Regierung bereit war, das konnten die Zechenbesitzer auch.(Leb- hafte Zustimmung.) Die Zechenbefitzer wollten die Arbeiter- Vertreter in der sogenannten Siebener-Kommission, die gebildet war aus Mitgliedern der christlichen und sozialdemokratischen Gewerkschaften und des Hirsch- Dunckerschen Arbeitervereins, nicht als berufene Vertretung der Belegschaften anerkennen. Dabei spielte zweifellos grundsätzliche Abneigung gegen die Organisationen der Arbeiter. als solche mit.(Sehr richtig!) Wenn wir aber sehen, wie die moderne Entwicklung mehr und mehr zu Graft betrieben, zu Riesenbetrieben hindrängt, wenn wir sehen, wie die Kapitalkräste sich syndizieren und kartellieren, wenn wir sehen, wie das alte Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern mehr und mehr schwindet, wenn wir sehen, loie der Arbeiter gegenüber der unpersönlichen Kapitalkraft vielfach allmählich zur bloßen Zahl wird, können wir da daS Bestreben der Arbeiter unbillig finden, sich auch ihrerseits zusammenzuschließen zu Vereinen und zu Vertretungen?(Sehr gut!) Ich habe im Reichstage gesagt, daß es ein schwieriges Problem ist, einerseits die kartellierten Kapitalkräfte, andererseits die Gewcrkschaftsbildung in den richtigen, durch das Gemeinwohl gezogenen Grenzen zu halten. Dieses Problem ist nach meiner festen Ueberzeugung nicht in dem Sinne zu lösen, wie es die Haltung der beteiligten Zechenbesitzer und Banken in der Hibernia- Angelegenheit und zu den staatlichen Ver mittelungsversuchen bei dem Kohlen- Bergarbriterstreik anzeigt, das heißt im Sinne möglichster Ausschaltung des Staates. Nein, das geht nicht an. Der Staat muß seine ordnende und schützende Hand auch auf diesem weiten Gebiete walten lasten. Man hat auch hingewiesen auf den Anteil der Sozialdemokratie an diesem Streik, auf den Anteil, welchen diese Partei, die die Existenz des Staates über- Haupt leugnet, während und nach den, Streik im Ruhrrevier an ihm genommen hat. Ich bin ganz damit einverstanden, daß die ver- hetzende Tätigkeit der Sozialdemokratie wohl kaum jemals drastischer zutage getreten ist, als bei diesem Anlasse. Diese Tätigkeit unmittelbar vor Ausbruch des Streiks mag schwieriger nachzuweisen sein. Aber es handelt sich eben um das allmähliche Wachsen der Saat des Hasses gegen die destehende Gesellschaftsordnung, der Unzufriedenheit mit Gott, Staat und Obrigkeit, jener utopistischen Borstellung einer Welt, in der es nur Gleiche, keine Armen und Reichen, in der es keine bösen Menschen mehr gibt. Es ist auch möglich, daß die lokalen Führer der sozialdemokratischen Gewerkschaften diesmal von dem Ausbruch des Streiks abgeraten haben, daß sie sich um einen ruhigen Verkauf des Streiks benu'iht haben. Als aber das Unheil im Gange war, setzte die sozialdemo- krattsche Presse auf der ganzen Linie ein, um den Kampf nach Mög- lichkeit zu verbittern und zu vergiften. Der nicht nur für die Autorität des Gesekes gegebene, sondern wirklich arbeiterfreund- liche Rat des obersten Reichsbeamtcn, sich nicht zu Ausschreitungen hinreißen zu lassen, wurde von dem Führer der fozialdemokrattschen Partei im Reichstage als eine Provokation der Bergarbeiter ver- 'chrien, die Ankündigung, daß bestimmte Beschwerden der Berg- arbeiter durch eine Novelle zum Berggesetz abgestellt werden ollten, als Hohn auf die Lage der Bergarbeiter bezeichnet und dursten dieselben unter keinen Umständen veranlassen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Es ist mir wohl bekannt, daß in den Kreisen des Bergbaulichen BereinS die Ansicht herrscht, der Streik wäre anders verlaufen, wenn die staatlichen Organe sich gar nicht um denselben gekümmert hätten. (Lebhaftes Sehr wahr! rechts und bei den Nationalliberalen.) In diefem Falle meint man, hätte der Streik vielleicht noch länger ge- dauert, aber mit einer villigen Niederlage nicht nur der Bergarbeiter, andern auch der Sozialdemokratte geendet.(Sehr wahr! rechts.) Ich will ganz absehen von der besonderen Gefahr dieses Streiks für unser ganzes Wirstchafts- und Erwerbsleben. Ich will auch davon abfehen, daß im Ruhrrevier sich die christlichen und freisinnigen Arbeiter mit den sozialdemokratischen Arbeitern ungefähr das Gleichgewicht halten. Aber in der Polittk kommt es nicht nur auf die richttge Gesinnung, es kommt auch auf die Anwendung der tauglichen Mittel, es- kommt auf die beste Wahl der Wege und des Terrains an. Bei der notorischen Uebermacht der Zechcnbesitzer hätten diese das Stillliegen der Zechen und Hochöfen sicherlich noch eine gute Weile aushalten, hätten schließlich die Arbeiter die Arbeit auf Gnade und Ungnade aufnehmen, die Betriebsleitungen alle aufsässigen Elemente ausscheiden und den Gewerkschaften einen schweren Stoß versetzen können. Sehr wahr! rechts.) Aber wäre damit die Sozialdemokratie wirklich wirksam bekämpft worden? Verlängerung des Streiks bedeutete Bergrößerung der Rot und des Familienelends unter den Bergarbeitern und Not und Elend find der beste Boden für die Sozialdemokratie. Warum wäre sonst die Sozialdemokratie der chleunigen Beendigung des Kampfes mit allen Mitteln entgegen- getreten und hätte seit der Verkündigung, daß der Staat vermittelnd eingreifen wolle, soweit sie konnte, allen Zorn auf die Regierung abgeladen? Die Sozialdemokratie braucht, um für ihre Grundsätze, fiir ihren Kampf gegen die sogenannte kapitalistische GesellschaftS- und Erwerbsordnung neue Anhänger zu gc- Winnen und die alten festzuhalten, der Unzufriedenheit der Massen und der Hoffnungslosigkeit des armen Mannes.(Sehr wahr!) Was die Sozialdemokratie an Mitgliedern des alten Bergarbeiter- Verbandes vielleicht verloren hätte, würde sie sicherlich an agitatori- cher Kraft reichlich wiedergewonnen haben.(Sehr wahr! im Zentrum.) So lange ich an dieser Stelle stehe, werden Sie mich zum Kampfe gegen die freiheits- und kulttirwidrigcn Bestrebungen der Sozialdemokratie immer an meinem Platze finden. Aber auf schwankendem brüchigen Boden reite ick keine Attacke. Die Bergarbeiter im Ruhrrevier haben die Arbeit wieder auf- genommen nnt der Hoffnung, daß die ihnen in Aussicht gestellte Novelle zum Berggesetz stärkeren Schutz ihrer Arbeitskraft, sicherere Gcähr ihrer Arbeitsleistung und Einführung von Arbeiterausschüssen bringen werde. Mögen auch die Uebelstände im Bergbau vor Ausbruch des Streiks stark übertrieben worden sein, so vermag doch die staatliche Fürsorge in mehr als einer Richtung helfend einzugreifen. Ent- täuschen Sie, meine Herren, diese Hoffnung nicht! Prüfen Sie mit Wohlwollen diese Vorschläge, welche Ihnen die königliche Staats- regierung unterbreitet. Was Sie in Erfüllung der sozialen Auf- gaben, der sozialen Pflichten mit Gerechttgkeit und Unparteilichkeit für die Abstellung dieser Beschwerden tun, das tun Sie gegen die fozialdemokrattschen Bestrebungen, das tun Sie für die Monarchie. (Beifall im Zentri»».) Minister Möller: Die Reformbedürstigkeit des allgemeinen Berggesetzes ist bereits seit Jahren anerkannt worden, und seit Jahren haben wir auch schon über einzelne Fragen, z. B. über die Frage der Reform des Knappschaftsweiens, Entwürfe veröffentlicht. Wenn diese Vorlage bisher nicht hat eingebracht werden können, so lag das speziell in diesem Jahre daran, daß die Session so überlastet war. Zu den Materien, die seit längerer Zeit beraten werden, gehört in erster Linie die in der zur Beratung stehenden Vorlage behandelte. Es sind auch aus dem Hause heraus zu wiederholten Malen Anregungen gekommen, daß weit über den Rahmen des Knappschaftswesens hinaus eine Reforinbedürftigkeit vorliegt, und insbesondere hat der Abg. Hilbck in dankenswerter Weise zu wiederholten Malen auf solche Punkte hingewiesen. Das ist zunächst der Gegenstand, der in der zweiten Novelle behandelt wird. Es ist Tatsache, daß der § 65 des Berggesetzes schon lange als nicht ausreichend anerkannt ist. Das Gesetz von 1865 war eine be- deutende Reformarbeit, eine Arbeit von einem Umfange, wie wir fix in Preußen bis dahin nicht gekannt haben. Gegenüber der großen Abhängigkeit, in der sich das ganze Bergwesen von der Regierung befand, wurde damals der freien Bewegung Spielraum gelassen und die Grundsätze, die im Berggesetz von 1865 niedergelegt sind, haben ungemein segensreich gewirkt. Sie sind die Ursache gewesen, daß der Bergbau Preußens sich in einer so un- erhörten Weise entwickelt hat wie kein anderer Industrie- zweig. Aber das Gesetz hat sich doch nicht in allen Puntten als ausreichend erwiesen. Wir befinden uns gegenwärtig in einer ganz anderen wirtschaftlichen Lage als im Jahre 1865 und müssen den veränderten Verhältnissen Rechnung tragen. Aber das erfordert eine Tätigkeit, die sich kaum in einer Sefsion erledigen läßt. Es war daher geboten zu fragen, ob nicht von den zu lösenden Auf- gaben einige auszuscheiden haben, um sofort gelöst zu werden. Ich habe mit großer Resignation mich darein gefügt, daß die Knappschaftsnovelle noch nicht in diesem Jahre in Ihre Hände ge- langt, wir haben aber wenigstens diejenigen Vergünstigungen, die die Krankenkassen-Novelle den Knappschasts-Krankenkassen gewährt, durch kaiserliche Verordnung am 1. Januar in Kraft treten lassen, um die Bergarbeiter vor materieller Schädigung nach dieser Richtung hin zu bewahren.(Beifall.) Andere Punkte verlangten ein sofortiges Eingreifen. Wir konnten unmöglich dem Vorurteil Rechnung tragen, daß wir mit solchen Vorlagen nicht kommen dürften. während eine Bewegung im Gange war; das wäre eine unnatür- liche und unverständige Auffassung gewesen. Wenn ich auch zugebe» daß dieses Borgehen uns als Schwäche ausgelegt werden könnte» so hat uns das doch nicht bewegen können, von der Einbringung dieser Vorlagen Abstand zu nehmen. Was die Vorlagen bringen, ist nichts Neues. Es sind alles Fragen, die seit Jahrzehnten erörtert sind, schon 1889 haben so erfahrene Männer und so vorsichtige Geschäftsleute wie Dr. Hammacher die wesentlichsten Punkte der Novellen, die wir Ihnen jetzt vorlegen, anerkannt. Auch der bergbauliche Verein hat in seiner Erklärung vom 13. Mai 1889 im wesentlichen das anerkannt, was Dr. Hammacher seinerseits den Arbeitern zugestehen zu können glaubte. Nur in bezug auf die Arbeiterausschüffe waren die Meinungen geteilt. Was wir von Ihnen verlangen, hatte bereits 1890 die Reichsrrgierung in ihrer Novelle zur Gewerdc-Ordnung, dem sogenannten Arbeiterschutzgesctz, gefordert; nur glaubte man sich damals mit fakultativen Ausschüssen begnügen zu können, und die Novelle zum Berggesetz von 1892 ist diesem Grundsatz gefolgt. Die fakultattven Ausschüsse haben aber einen sehr geringen Erfolg gehabt, man gab den Arbeiterausschüssen nicht die notige Beschäftigung. Wo man das getan hat, oder wo man die Krankenkafsenvorstände zu Arbeiterausschüssen bestellte, überall da haben die Arbeiterausschüsse recht gut gewirkt, es hat sich ein ffeundschaftlicheS Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herausgebildet, man hat auf allen Gebieten der Wohlfahrts- bestrebüngen ersprießlich gemeinsam gearbeitet. Mir sind zahlreiche Fälle bekannt, wo sich mit ausgesprochenen Sozialdemokraten in der- artigen Ausschüssen vortrefflich hat verhandeln lassen. Es wird die Hauptsache sein, den Ausschüssen, die wir jetzt für die Berg- werke obligatorisch einführen wollen, regelmäßige Arbeit zu geben. Ich hoffe, daß durch unsere Vorschläge das Verhältnis zwischen Arbeitnehmern und Arbeitgebern ein besseres wird. Wird die Novelle angenommen, dann wird auch über Streitigkeiten aus dem Lohnverhältnis viel friedlicher verhandelt werden als jetzt. Mit solchen Ausschüssen hat man neuerdings an vielen Stellen gute Er- fahrungen gemacht, ich erinnere nur an die Staatseisenbahn-Verwaltung und an die Verwaltung der Großen Berliner Straßenbahn. Der letzte Bergarbeiterstreik hat uns eine eklatante Lehre gegeben, denn als der Streik ausbrach, hat es sich als Kalamität gezeigt, daß man keinen Arbeilervertreter auf irgend einem Bergwerk hatte. Wir sind ge- zwungen gewesen, die Arbeitervertreter, mit, denen man verhandeln wollte, erst schaffen zu lassen. Durch den Mangel jeglicher Vertreter der Arbeiter im Kohlenrevier ist etwas entstanden, was de» Zechen- besitzern im höchsten Grade unangenehm war, nämlich die Mitwirkung der Siebener-Kommission. Daß die Zechenbesitzer sich weigerten, die Kommission anzuerkennen, ist bereits vom Ministerpräsidenten ausgeführt, aber dieselbe Siebener-Kommission, die nicht an- erkannt wurde, mußte herangezogen lverden, um die Vertreter der Arbeiter zu stellen. Daß in solchen Fällen für eine Ber- tretung der Arbeiter gesorgt werden muß, springt in die Augen. Daher war es absolut notwendig, hier im Wege der Gesetzgebung einzugreifen, und ich bin fest überzeugt, wenn das Vorurteil, das gegen die Arbeiterorganisationen bei den Besitzern besteht, einmal überwunden sein wird, es bei der Mehrzahl der Zechen ein leichtes sein wird, ein gutes Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitern herzustellen. Als Herr v. Bodelschwingh in seiner warmherzigen Weise dazu aufforderte, Beiträge zu sammeln, um der Not der Arbeiter zu steuern, das hat er in ebenso warmherziger Weise anerkannt, in wie hervorragendem Maße die westfälischen Bergwerksbesitzer opferwillig die größten Wohlfahrtseinrichtungen getroffen haben. Hier aber ist der Punkt, wo die Mitwirkung der Arbeiter einsetzen muß. Bei diesen Wohlfahrtseinrichtungen, die heute den Arbeitern als Geschenk gegeben werden, muß den Arbeiterausschüssen eine gewisse Mit- Wirkung eingeräumt werden. Die Arbeiter werden zu ihren Ber- tretern zweifellos Männer wählen, die ihr Vertrauen haben. Die Furcht vor den Agitatoren ist übertrieben; ich weiß es aus eigener Erfahrung, daß man auch mit diesen Arbeiterverttetern, auch wenn sie einmal in gewissem Sinne agitatorisch wirken, sehr wohl verhandeln kann. Die Bestimmungen, die wir hier treffen, sollen kein Präjudiz sein für die anderen Industrien.(Abwarten! und andere Zurufe.) Der Kohlenbergbau aber nimmt in der Tat eine erhebliche Ausnahme- stellung ein, denn von ihm hängen nicht nur die Kohlenarbeiter ab, fondern auch die 5— 6fache Zahl anderer Arbeiter,� die in Mitleiden- schaft gezogen werden, wenn kein friedliches Verhältnis zwischen den Kohlenarbeitern und Arbeitgebern besteht. Der zweite Punkt der Vorlage ist der sanitäre MaximalarbeitStag. Darüber besteht kein Zweifel, daß der Zustand, wie er bei dem Streik von 1889 bestand, inzwischen erheblich schwieriger geworden ist. Die Schächte sind seitdem viel tiefer und infolgedessen wärmer. die Belegschaften sind sehr viel größer geworden. Demgegenüber ist anzuerkennen, daß die Einrichtungen in den Zechen allerdings sehr viel besser geworden sind, daß erhebliche Schäden und Mißstände dadurch kompensiert sind. Immerhin bleibt aber eine gewisse Verschlechterung der allgemeinen Zustände bestehen(Widerspruch), und diese Verschlechterung wird sich auch trotz des Widerspruchs, den ich eben höre, von Jahr zu Jahr steigern, denn von Jahr zu Jahr wird man mehr gezwungen sein, tiefer zu gehen und in den tieferen Schächten größere Mengen allen von Arbeitern zu konzentrieren. Daß der Gesundheitszustand zurüd- Organisationen eingefügt find.( Lebhaftes Sehr richtig! rechts.) Wir Bis zu 20 bis 30 Mart im Laufe eines Monats find die Strafen gegangen ist, ergibt die Statistit. Ich warne aber, mit diesen hoffen trotz allem, daß es auch auf diesem schwierigen angewachsen.( Widerspruch bei den Nationalliberalen.) Das Doppelte statistischen Zahlen hier ohne weiteres im Hause zu operieren. Die Gebiet möglich sein wird, vielleicht eine Verständigung zu finden. des Tagelohnes scheint uns als Maximum der Monatsstrafe noch Zahlen sehen viel gefährlicher aus als sie in Wirklichkeit sind. Am meisten hat uns gegen die Vorlage die Art und Weise ein zu hoch. Wenn ich nun auf unsere Vorschläge komme, so weise ich zu- genommen, in der die königl. Staatsregierung fie eingebracht hat. Die obligatorische Einführung der Arbeiterausschüsse hat natürlich nächst darauf hin, daß schon im Jahre 1889 sowohl der Abg.( Lebhafte Zustimmung rechts.) Vielen meiner Freunde ist es ins- den lebhaftesten Beifall von mir zu erwarten. Warum sollen die Hammacher in dem bekannten Berliner Protokoll wie auch besondere zweifelhaft, ob der Zeitpunkt richtig gewählt war.( Sehr Belegschaften von weniger als 100 Arbeitern dieser Wohltat nicht der Bergbauliche Verein es gemeinsam anerkannt haben, wahr! rechts.) Sind denn die Beschwerden auf einmal jegt so teilhaftig werden? Und warum ist diese Bestimmung nicht auch auf daß die Normalschicht der Leute acht Stunden und daß die dringend geworden, nachdem die Regierung jahrzehntlang Zeit die Staatsgruben ausgedehnt worden!( Sehr gut! bei den Nationallib.) Einfahrt in der Regel eine halbe Stunde betragen soll. hatte, den Dingen auf den Grund zu gehen? Sind sie aber nicht Gute Erfolge ließen sich durch Hinzuziehung der Arbeiter zur GrubenAber auf der anderen Seite geht eine Tendenz über das auf diesem so dringend, so legt doch die Wahl gerade dieses Zeitpunktes zum inspektion erzielen. Ich glaube, es ließe sich noch vieles tun, Gebiet Mögliche hinaus: Die öffentliche Meinung steht heute ohne mindesten Mißverständnisse sehr nahe.( Lebhaftes Sehr richtig! um die Zahl der schrecklichen Unglücksfälle zu vermindern. weiteres auf feiten des Arbeiters und vergißt, daß es einen Unter- rechts.) Eine große Masse von Arbeitern hatte sich von der Basis( Sehr wahr! links.) Die Selbstverivaltung der Arbeiter hat nehmer gibt und geben muß.( Sehr wahr! rechts.) Auch ihm des Gesches entfernt.( Sehr wahr! rechts.) in Und sollte nicht die sich Versicherungszweigen bewährt. Nur ivenn die Freudigkeit am wirtschaftlichen Schaffen zu erhalten, ist Pflicht Staatsregierung als erste das Gesetz wahren?( Vielfaches Sehr gut! für diese Arbeiterausschüsse das allgemeine und geheime des Staates.( Lebhafte Zustimmung rechts.) Meine Partei würde rechts.) Jezt scheint es, als hätte die Regierung gegenüber einer Wahlrecht besteht, unter Verteilung der Size nach dem auch ihre letzten Ziele verleugnen, wenn sie nicht in die erste Reihe Gewalt Konzessionen gemacht.( Sehr wahr rechts.) Das Proportionalprinzip, und wenn alle fremden Elemente fern gehalten die Rücksicht auf Stärkung des Rechtsgefühls stellte. Sie sehen, ist der gefährlichste Weg, der betreten werden kann.( Lebhafte werden, können die Arbeiterausschüsse zum Nutzen der Allgemeinheit meine Herren, der Weg, den wir hier gehen wollen, ist schwer, sehr Bustimmung rechts.) Ich halte es für meine Pflicht gegenüber dem wirken.( Sehr wahr links.) Wenn wir uns auf den Boden des schwer. Aber es stehen so große Interessen des Staates auf dem ganzen, das auszusprechen, was so vielen auf dem Herzen liegt. Sanitären Marimalarbeitstages stellen, so müssen wir verlangen, Spiel, daß ich nur hoffen kann, unsere Bemühung werde( Sehr wahr! rechts.) daß er auch wirklich durchgeführt wird. Es gibt keine aufreibendere Erfolg haben und der Weg zu einem glücklichen Ziele Auf der anderen Seite haben wir die Pflicht, uns nicht um- Tätigkeit als die des Bergmanns in der Tiefe. Da ist mit der führen.( Sehr starker, lang anhaltender Beifall rechts.) Hier gekehrt nach der anderen Seite auf einen Standpunkt drängen zu regelmäßigen Arbeitszeit genug geschehen. Was darüber ist, das ist ist zweifellos einer der Punkte, wo eine Verschlechterung eingetreten lassen, der eben so weit von Gerechtigkeit und Sachlichkeit entfernt vom llebel.( Sehr wahr! bei den Freifinnigen.) Da soll der ist. Ich will den Bergbaubefizern keinen Vorwurf daraus wäre. Der Mahnung des Handelsministers hätte es für uns nicht Arbeiter nicht auf Kosten der Gefundheit den Verdienst erhöhen. machen, aber die Tatsache bleibt bestehen, daß heute ein großer Teil bedurft. Ein solcher Appell kann die Achtung vor dem Parlament Wir wollen uns hier nicht als Vertreter der Arbeiter der Arbeiter eine Einfahrtszeit von einer Stunde und mehr hat. nicht vermehren.( Lebhaftes Bravo! rechts und bei den National- hinstellen und einseitig nur ihre Interessen wahrnehmen. Aber der In der Sozialpolitik gibt es keinen Rückschritt, sondern nur Fort- liberalen.) Wir haben volles Verständnis für das gerechte Streben musterhaft durchgeführte Streit von 250 000 Ruhrrevier- Arbeitern schritte, und darum ist gerade die verlängerte Einfahrtszeit der des Lohnarbeiterstandes, seine Existenzbedingungen zu verbessern. war eine bewundernswerte Tat des sittlichen Haltes. Wir wollen Ausgangspunkt des verderblichen Streits geworden; bei der Zeche( Sehr wahr rechts.) Jedes Parlament, jeder Vaterlands-, jeder nicht die einzelnen Berufsstände auseinanderreißen, sondern dle Bruchstraße wenigstens ist sie zweifellos die alleinige Ursache des Menschenfreund hat die Pflicht, diesem Streben seine hülfreiche Einigkeit und den Frieden zwischen allen Parteien aufrecht erhalten. Streits gewesen. Hand zu bieten so weit es mit den Interessen der Allgemeinheit( Lebhafter Beifall links.) vereinbar ist. Abg. Schiffer( natl.): Abg. Dr. Spahn( 3.): genommen wird. Die Ministerpräsident Graf Bülow: Es ist dann gesagt worden, wir hätten nicht nötig gehabt, diese Frage gefeßlich zu regeln. Wir hätten durch das Berggesez und Es tomint garnicht darauf an, ob die Untersuchungskommission auch im Wege der Polizeiverordnung im Einzelfall die Möglichkeit Die Behandlung sozialpolitischer Vorlagen im Landtag beweist gehabt, einzuschreiten. Dem Oberbergamt steht lediglich das Recht dem unbefangenen Beobachter deutlich, wie unrecht die haben, die erhebliche Mißstände zutage gefördert hat. Bei diesen Untersuchungen zu, individuell einzuschreiten. Wir haben nur das gefeßlich geregelt, nur dem Reichstag sozialpolitisches Verständnis und guten Willen handelte es sich doch bloß um Verstöße gegen die bestehenden Gesetze, was schon im Jahre 1898 in bezug auf die Einfahrtszeit und die zutrauen. Gerade die preußische Berggesetzgebung ist ein Muster gerade aber die bestehenden Gesetze sind unvollkommen. Von einer Dauer der Arbeit sowohl von Herrn Dr. Hammacher wie vom berg- staatlicher Sozialpolitik. Wir würden sie gern noch weiter vorwärts inbuße an Autorität seitens des Staates kann bei diesem gesetz baulichen Verein generell für alle Zechen anerkannt ist. Wir sind bringen, wenn uns nicht gerade der gegenwärtige Zeitpunkt für die geberischen Vorgehen nicht die Rede sein. Es kann sich nur um die Frage handeln, ob die Klagen berechtigt sind, und wenn also nicht zu weit gegangen. Eine schiere Frage war für uns die Einbringung der Vorlage überaus ungünstig gewählt erschiene. Der Regelung der ſanitären Verhältnisse für die einzelnen Zechen. Da Zweck der Beilegung des Streits ist durch die Ankündigung dieses man sie bejaht, dann muß man auch dem Entwurf zustimmen. ist es zunächst angebracht, an die Tiefe der Zeche zu denken. Das Gesetzes nicht erreicht worden; er hat dann später aufgehört, weil das Meine Freunde werden die Grundsäge, die sie im Jahre 1892 auf wäre aber nur eine mechanische Grenze gewesen, die durch Verbesse- Geld ausgegangen war.( Sehr richtig!) Wir müssen annehmen, daß gestellt haben, auch bei der Beratung dieser Vorlage maßgebend sein lassen. Wir haben damals vor allem die Ansicht vertreten, daß rung der Einrichtungen hätte verschoben werden können. Wir haben der Streit die Regierung zur Einbringung des Gesetzes veranlaßt hat. Die achtstündige Schicht gesetzlich festgelegt werden müſſe. Wir deshalb die Temperaturgtenze für zivedmäßiger gehalten. Man hat Nach unserer Ansicht war der Notstand aber nicht so dringend, daß fordern sie für alle Arbeiter unter Tage. Mir hat ein Bergarbeiter unsere Normierung der Grenze auf 22 Grad als etwas durchaus Will der Streit gerechtfertigt gewesen wäre. Der Arbeitgeber wird jekt fordern sie für alle Arbeiter unter Tage. Mir hat ein Bergarbeiter kürliches hingestellt und darauf hingewiesen, daß Landarbeiter im fast rechtlos gegen den Arbeitnehmer.( Sehr richtig! bei den National- gesagt, er fei nach jeder Schicht so hundemüde, daß er eine volle Sommer manchmal in einer weit höheren Temperatur zu arbeiten hätten. liberalen.) Sein Recht geltend zu machen, gilt jetzt schon für eine Stunde des Ruhens brauche, um erst essen zu können. Erschwerend In einer Arbeit, die mir von hervorragenden Hygienifern zugegangen Rückständigkeit in der Sozialpolitif. Das Recht ist aber das Knochen- fällt ins Gewicht, daß der Bergarbeiter muur Kaffee und Butterbrot ist, ist die Grenze fogar auf 21 Grad festgesetzt. Aber die Wärme gerüst im Körper des Volkes. Die Arbeitnehmer haben beim Streit während der Schicht zu sich nehmen kann, während der Arbeiter über allein ist nicht maßgebend. Auch die Näffe der Gruben, die Feuchtig wenig Verantwortlichkeitsgefühl gezeigt, und der Vorwurf, daß die Tage doch wenigstens ein warmes Mittagessen zu genießen pflegt. Die Statistik ergibt, daß die Gesundheitsverhältnisse der Bergarbeiter keit der Luft, die Bewegung der Luft sind wesentlich mitbestimmend. Bechenbefizer nicht mit den Arbeitern verhandelten, ist formell unAus allen diesen Faktoren haben wir eine Norm finden müssen. Wir berechtigt: denn mit ihren Arbeitern wollten sie verhandeln, nur besonders ungünstig liegen. Auch die Arbeitsfähigkeit der Bergwerden auch in einzelnen Fällen noch einschreiten, wenn andere nicht mit der Siebener- Kommission. Immerhin stehe ich mit einem arbeiter ist infolge des erschwerten Betriebes start zurückgegangen. Faktoren sich neben diesen geltend machen. Die Arbeitszeit ist so Teil meiner politischen Freunde auf dem Standpunkte, daß während noch im Jahre 1898 der Bergarbeiter durchschnittlich bis bemessen, wie es schon 1889 anerkannt worden ist. Gerade deswegen es politisch unrichtig von den Arbeitgebern war, die Verhandlungen zum 50. Lebensjahr arbeitsfähig war, ist er es heute nur noch bis find der Regierung heftige Angriffe gemacht worden. Die Behauptung, mit der Siebener- Kommission abzulehnen. Denn die wirkliche zum 46. Auch die Strankheitsgiffer ist erheblich gestiegen, auch abdaß damit eine Verteuerung der Kohlenpreise und eine Schädigung der politische Gleichberechtigung der Arbeiter ist nur durch Organisationen gefehen von der Wurmkrankheit. Wir wünschen, daß zwischen der von sieben Stunden bei 26 Grad ganzen Industrie verbunden sei, ist doch ganz vage. Es gibt eine zu erreichen, und deshalb war die Ablehnung der Verhandlungen achtstündigen und sechsstündigen Schichtdauer noch eine Mittelstufe Grenze, über die hinaus man ohne Schädigung der Gesundheit nicht feitens der Arbeitgeber ein Mißgriff. Aber es war nicht berechtigt, Bestimmung, daß die Arbeiter unbedingt verpflichtet sein arbeiten kann. Außerdem hat das Oberbergamt die Berechtigung, gegen die Arbeitgeber in der Deffentlichkeit so einseitig Partei zu sollen, leberschichten zu machen, halten wir für bedenklich. eine Karenzzeit bis zu drei Jahren zu gewähren, um einen allmäh- nehmen, wie es geschehen ist. Die Regierung hat sich zu ſehr auf unbedingt notwendig find obligatorische Arbeiterausschüffe. Die lichen Ausgleich der Interessen herbeizuführen. Wir haben in die Seite der Arbeiter gestellt und dadurch die öffentliche Meinung Arbeiter stehen einen Bankhause, einer Aktiengesellschaft gegenüber, diesem Falle hauptsächlich deswegen eingegriffen, damit nicht in für die Arbeiter mobil gemacht. Mit der Vorlage ist ein willkürlicher Weise einzelne Arbeiter überlastet werden. bedauerlicher Präzedenzfall geschaffen worden; man hätte besser da müssen auch sie in einem Ausschusse eine organisierte Bertretung befizen. Die Ausschüsse müssen aber nicht nur mitzuraten haben, Was die Frage des Wagennullens anlangt, so ist das Wagen warten sollen, bis man das ganze große Gebiet der Berggesetzgebung sondern es müssen gesetzlich die Punkte festgelegt werden, die in die nullen auf den föniglichen Betrieben im Saarrebier überhaupt nicht einheitlich regeln konnte.( Sehr gut!) Wir werden die Novelle ruhig Arbeitsordnung aufzunehmen sind, und bei denen die Arbeiterüblich. Wenn wir an Stelle des Wagenmullens Strafgelder festgesezt und fachlich beraten. Erschwert ist uns aber die Mitarbeit durch ausschüsse mitzutaten haben. Weiter ist es erforderlich, daß von den haben, die die Höhe einer zweimaligen Arbeitsschicht nicht über die Umstände, unter denen sie vorgelegt worden ist. Was den In- Arbeitern selbst gewählte Grubentontrolleure der Bergwerkssteigen dürfen, so sind wir der Meinung, daß dieser Betrag nicht zu halt der Vorlage selbst anbetrifft, so sind die hauptsächlichsten Punkte inspektion zur Seite stehen. Anstoß erregt nur die Be hoch gegriffen ist, daß er aber sicherlich hoch genug ist. Der General- die Abschaffung des Nullens und der sanitäre Marimalarbeitstag. Stimmung, daß in den Arbeiterausschüssen nur deutsch sprechende streit ist von den Führern nicht gewonnen worden, sie haben ein- Das Wagennullen ist vielleicht besser als sein Ruf und es ist woh! Arbeiter vertreten sein sollen. Wie sollen denn die polnischen gelenkt, als sie saben, daß sie schwächer waren. nur infolge von Wittürlichkeiten, die dabei vorgekommen find, bei Arbeiter ihre Wünsche zur Geltung bringen? Wenn in der Vorlage Der Streit ist jahrelang in der Stille vorbereitet worden, es den Arbeitern verhaßt geworden. Ich hoffe aber, daß es möglich bestimmt wird, daß der Gesamtbetrag der Strafen im Monat nicht find vermeintliche Uebelstände breitgetreten worden und die Agitation sein wird, es zu beseitigen. Was den sanitären Arbeitstag angeht, hat schließlich das Pulverfaß zur Explosion gebracht. Der Agitations fo läßt sich diese schwierige Frage nicht mit dem Barometer in der en doppelten Schichtlohn überschreiten soll, so wird diese Strafe für stoff und damit die Möglichkeit, von neuem zum Generalstreit auf- Hand regeln. Es wird in der Kommission zu prüfen sein, ob auf leichtere Fälle auch noch zu groß sein. Ich hoffe, daß aus der zureizen, wird durch die Vorlage ganz erheblich vermindert. Die Sozial- Grund der erst begonnenen Untersuchungen die Einführung des Kommissionsberatung ein Gesetz hervorgehen wird, das zum sozialen demokratie ist allerdings mit der Vorlage nicht zufrieden. Ich empfehle fanitären Arbeitstages möglich ist. Mindestens muß erwogen werden, Frieden, zur Gesunderhaltung des Bergarbeiterstandes und zum Ihnen, die Artikel zu lesen, die im ,, Vorwärts" erschienen sind, als wir die ob nicht die Frage der Seilfahrt, die am meisten zu Klagen Anlaß Segen des Vaterlandes beitragen wird.( Beifall.) Grundlagen des Gesezes veröffentlicht haben. Ich habe selten den gegeben hat, geregelt werden fann ohne Rücksicht auf einen bestimmten ,, Borwärts" so ärgerlich gesehen wie in dem Augenblicke. Wir müssen sanitären Arbeitstag. Die Arbeiterausschüsse sind das Produkt Ich möchte zunächst meiner Befriedigung darüber Ausdrud geben, aber die anerkannten Uebelstände beseitigen, und nachdem im Reichs- einer doktrinären Anschauung, sie sind nicht aus der Praxis daß die Vertreter aller Parteien die Möglichkeit einer Verständigung tage die verbündeten Regierungen erklärt haben, daß die Berggesetz- heraus geboren. Wir wollen aber der Frage der Einführung zwischen der Staatsregierung und dem Hause über die beiden Berggebung den Einzelstaaten vorbehalten ist, müssen wir die Regelung ständiger Arbeiterausschüsse näher treten, weil sie dem lebhaftesten gefeß- Novellen in Aussicht gestellt oder offen gelaffen haben. Ich möchte dieser Frage hier vornehmen, und es ist für das Haus von allergrößter Wunsche der Arbeiter entspricht. Jedenfalls muß dahin gestrebt weiter sagen, daß der Ideenkreis, aus dem heraus Abg. v. Heydebrand Bedeutung, zu zeigen, daß das, was auf sozialem Gebiete geschehen werden, nach Möglichkeit Elemente in die Ausschüsse hineinzubringen, in so eindringlicher und beredter Weise für die Wahrung des fann, hier geschieht. Daß die Sozialpolitik nicht spurlos an unseren die den Frieden zu fördern bereit sind. Die geheime Wahl ist sehr Rechtsgefühls und der öffentlichen Ordnung im Staat eingetreten ist, Arbeitern vorübergegangen ist, daß sie Vertrauen zur Gerechtigkeit der bedenklich, aber es ist anzunehmen, daß bei der öffentlichen Wahl der mein volles Verständnis und meinen vollen Beifall findet.( Beifall gesetzgebenden Körperschaften haben im Gegensatz zu den Verhältnissen Terrorismus der Sozialdemokratie sich noch stärker geltend machen rechts.) Um fo größeren Wert lege ich darauf, daß die Verständigung it anderen Ländern, das zeigt die Disziplin, die die streitenden Arbeiter würde als bei der geheimen Wahl. Empfehlen wird es sich, das über die Gesetzentwürfe, die nach meiner Ueberzeugung im großen aufrecht erhalten haben. Erhalten wir uns das gute Gewiffen, daß Alter für das Wahlrecht hinaufzufezen, damit ruhigere und fach- und ganzen einen im besten Sinne konservativen und staatserhaltenden wir für die sozialen Uebelstände Abhilfe schaffen. Ich hoffe, daß verständige Elemente in die Ausschüsse hineinkommen. Wir werden Charakter haben, mit Unterstügung der konservativen Partei zu stande die große Mehrheit des Hauses dem Gesezentwurf zustimmen wird. an die Prüfung der Vorlage sine ira berantreten und hoffen, daß tommt. Die Novellen zum Bergarbeitergesetz sollen nicht den ( Beifall.) auf dem Boden des alten Gesezes ein Neubau entstehen wird, in Charakter einer Gesetzgebung ab irato haben, sie sollen im wesent Abg. Dr. v. Heydebrand und der Lafa( k.): den der soziale Friede eine dauernde Heimstätte finden wird. lichen nur die Forderungen erfüllen, welche der Staatsregierung Wir werden prüfen, ob begründete Beschwerden vorliegen, und( Beifall.) schon vor dem großen Streit im Ruhrrevier als berechtigt erschienen. Die Abg. Dr. Hirsch- Berlin( frs. Vp.): Novellen sollen nicht den Stempel der Gelegenheitsgefeßgebung tragen. wenn es der Fall ist und die zur Abhülfe vorgeschlagenen Mittel zwvcdmäßig find, so werden wir die Vorlage annehmen, selbst wenn Für uns tommt der Gesezentwurf nicht zu früh, sondern Ich schließe mich durchaus dem an, was der Abg. v. Heydebrand der Streit eine Rolle bei ihrer Einbringung gespielt hat. Wenn wir entschieden zu spät.( Sehr richtig! bei den Freisimmigen.) Der gesagt hat, daß wir weder einseitige Arbeitgeber, noch einseitige aber die Bestimmungen nicht für angebracht erachten können, so Gesezentwurf entspricht dem dringenden Bedürfnis einer halben Arbeitnehmerinteressen vertreten, sondern lediglich die des Staats. werden wir sie ablehnen. Wir nehmen eine objektive Stellung ein. Million von Bergarbeitern. Es ist darauf hingewiesen worden, daß Was aber notwendig ist, muß geschehen, um solchen Lohnkämpfen ( Beifall rechts.) Maßgebend für uns muß die Erwägung sein, daß die Untersuchungskommission gar nicht solche grobe Mißstände nach Möglichkeit vorzubeugen, und um ihnen, wenn sie doch einnicht einzelne Borkommnisse die Grundlage für eine Gesetzgebung bilden aufgedeckt hat. Die Untersuchungskommission hat doch bis jetzt treten, mit gutem Gewiffen entgegentreten zu können. Man hat der dürfen, die für die Dauer bestimmt ist.( Beifall rechts.) Jch beantrage, beide nur die Verhältnisse fleinen Minderheit untersucht. Regierung den Vorwurf der Schwäche gemacht. Mich wundert, ein solcher Vorwurf erhoben werden tann, wo ich Verggesez- Novellen einer Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen. Die Ergebnisse der Untersuchung find für den Gesezentwurf auch wie Wir müssen in der Kommission von der Regierung noch sehr viele gar nicht von so großer Bedeutung. Die Uebelſtände, Härten und doch gleich nach dem Ausbruch des Streits nicht den mindesten Erklärungen erwarten, da die Begründung der Vorlagen nicht aus- ungerechtigkeiten sind von uns schon wiederholt hier vorgebracht Zweifel gelassen habe, weder hier, noch im Reichstage, daß reichend ist. Ich zweifle nicht daran, daß eine Verständigung mit worden. Es handelt sich hier um die einfachsten Forderungen ich die gesetzliche Ordnung unter allen Umständen aufrechterhalten der Regierung über die Bestimmungen betreffend die Stillegung der Sozialpolitit.( Sehr richtig! bei den Freifinnigen.) Die Angst würde, und diese Zusage vollkommen eingelöst habe. Wer in den der Zechen nicht schiver sein wird. Ein gewisser Zwang zur Aus- vor dem roten Gespenst ist unbegründet. Die Tarifeinigungen haben Tagen des Streits die Sprache und Haltung der Sozialdemokratie übung der Mutung ist die logische Konsequenz des§ 65 des Berg- sich vorzüglich bewährt. Die Arbeitgeber im Bergwert haben sich verfolgt, die Reden, die von sozialdemokratischer Seite im Reichstage gefeges, aber es muß doch ein Unterschied gemacht werden zwischen noch niemals mit dem Arbeiter auf eine rein menschenfreundliche gehalten wurden, angehört und die Artikel, die damals in der sozial Bechen, die im Betriebe sind, und Bergwerken, die noch nicht im Be- Weise verständigt. Seit Jahrzehnten haben sie jede Verständigung demokratischen Presse gegen die Regierung erschienen, gelesen hat, triebe find. So, wie der Gesetzentwurf es vorsieht, wird man nicht abgelehnt, die Arbeiter persönlich abstoßend behandelt und ihre die Wutausbrüche, zu denen sich damals die Sozialdemokratie vorgehen können, aber er wird eine gute Basis zur Verständigung Gleichberechtigung beharrlich und prinzipiell verweigert. Daher das gegen die Regierung hinreißen ließ, der wird der Regierung bieten. Gefühl: so kann es nicht weitergehen, wir müssen die erste beste den Vorwurf der Schwäche nicht mit Recht machen können. - leider unter Kontraktbruch den Streit Und auch daran erinnere ich, wie ich den Bergarbeitern des NuhrWas die Einführung einer festen Arbeitszeit angeht, so hat die Gelegenheit benutzen, um rebiers, als sie sich an mich wandten, geraten habe, zunächst die Vorlage da den Punkt berührt, von dem aus allein, für uns in Szene zu sehen. wenigstens, eine Behandlung der Sache möglich ist, das ist der Es scheint mir völlig verkehrt, hier immer die Sozialdemokratie Arbeit wieder aufzunehmen und das von ihnen durch Niederlegung fanitäre Standpunkt, dieser tritt in den Vordergrund.( Sehr richtig! als einzigen Gegner hinzustellen. Wir, die Hirsch- Dunderschen, wir der Arbeit unter Kontraktbruch begangene Unrecht wieder gutzumachen. Ferner ist die Regierung getadelt worden, weil sie die alsbaldige rechts.) Vom rein wirtschaftlichen Standpunkte aus können wir einem christlichen Arbeiter protestieren gegen die Bevorzugung der Sozialfesten Arbeitstage nicht zustimmen, aber vom gesundheitlichen Stand- demokratie, die auch darin liegt. Es ist kein Wunder, wenn die Einbringung der beiden Novellen noch während der Dauer des Streifs punkte wird zu prüfen sein, ob die vorgesehenen Vorschriften zweck- Sozialdemokratie übermütig, wenn sie selbst von der Rechten hier angekündigt hat. Nach meiner leberzeugung war dieses Vormäßig find. Das Wagennullen scheint mir eine ganz verständige ständig als die Partei der Zukunft hingestellt und verherrlicht gehen der föniglichen Staatsregierung durchaus richtig und ( Sehr gut links.) Bir urteilen nicht nach Klassen zweckentsprechend. Mag auch der Geldmangel die Arbeiter Maßregel zu sein( Sehr richtig! rechts), es ist nichts weiter als die Be- wird. auf jeden Fall die Arbeit anstandung einer affordmäßigen Arbeitsleistung. Wenn sich aber ein und Ständen, sondern nach dem Wohl der gesamten Nation. schließlich gezwungen haben, anderes Mittel dafür finden läßt, so wird daran die Vorlage nicht scheitern. Ich warne, die Vorlage irgendwie zu verschleppen. Hinter ihr steht wieder aufzunehmen, der Streit hätte doch sehr wohl noch Eine andere Bestimmung macht die Arbeiterausschüsse obligatorisch. die feierliche Zusage und Verpflichtung der Staatsregierung! Bu acht Tage oder 14 Tage oder drei Wochen länger dauern können. Gewiß haben wir dergleichen schon früher gehabt, jetzt aber, wo fie unserer Genugtuung hat die Regierung ihr Versprechen, eine solche Ich glaube, meine Herren, daß ohne die Geneigtheit der königlichen eine organische, dauernde Einrichtung werden sollen, bedarf die Frage Vorlage einzubringen, erfüllt. Ein Gefeßzentwurf, der wirklich Besse- Staatsregierung, bestimmte Beschwerden der Bergarbeiter abzustellen, doch der sorgfältigsten Prüfung.( Sehr wahr! rechts.) Ich weise rung herbeiführen soll, muß die in ihm ausgesprochenen Gedanken die Maffe der Bergarbeiter über den Nat der Siebener- Kommission, selbst die obligatorische Einsetzung von Arbeiterausschüssen nicht konsequent zu Ende führen.( Sehr wahr! links.) In diesem Sinne die Arbeit wieder aufzunehmen, genau so zur Tagesordnung überOb die gegangen wäre, wie sie bei Ausbruch des Streits trotz des Rates absolut von der Hand. Aber dann müssen auf der anderen Seite werden wir den Gesetzentwurf zu verbessern suchen. Maßregeln getroffen werden, die verhindern, daß diese Einrichtungen positiven Maßnahmen genügen, ob nicht die Annahme nach der Führer in den Streit eingetreten sind, und ich weiß die Anstellung des Vertrauens nicht, ob nicht ohne ein Eingreifen der Regierung der nicht Organisationen der Sozialdemokratie werden und nicht zu einem Gewicht vorzuschreiben und einen weit tumultuarischeren Charakter angenommen Terrorismus ausgestaltet werden gegen die, die nicht absolut in die maunes obligatorisch zu machen ist, bedarf näherer Erwägung. Streit einer " Las Ober- Verwaltungsgericht wies die lage des Genossen Linde zurück, ohne Gründe zu verkünden. Ebenso erging es einer anderen Klage desselben Genossen, die die Versagung der Genehmigung zu einer Versammlung unter freiem Himmel im Kreise Labiau betraf. Wahrscheinlich hat sich das Ober- Verwaltungsgericht die Gründe des Regierungspräsidenten zu eigen gemacht. " Verfammlungen. laden. Was nun die lokalistische Organisation anbelange, so sei es doch sonderbar, daß dieselbe, die sich sonst immer damit brüste, als erste und einzig zielbewußte Organisation die Marschrichtung anzugeben, jetzt so unschlüssig auf die Entscheidung der verhaßten Zentralisten wartet. Hätte der Zentralverband dem Tarifabschluß bereits seine Zustimmung gegeben, so sei tausend gegen eins zu wetten, daß die Lokalisten Zeder und Mordio über die feigen verfumpften Verbändler" geschrien hätten, die es ihnen, den braven Lokalisten, jest unmöglich gemacht hätten, im Interesse der Algemeinheit einen höheren Lohnsatz durchzudrücken. Es würde bon ihnen dann wieder das Lied vom krassen Arbeiterverrat in allen Tonarten gesungen werden. Weil es den Lokalisten nun doch nieinals recht zu machen sei, deswegen habe der Verband auch keinen Anlaß, mit ihnen der Tariffrage wegen in direkte Verbindung zu treten, Es sei jedenfalls das beste, wenn jeder Teil nach seiner eigenen Taktik verfahre, dann könne wenigstens einer den anderen nicht der Verräterei bezichtigen.( Beifall.) hätte, als er jekt zu unserer Genugtuung angenommen hat. I fährden. Nach vergeblichen Beschwerden beim Landrat und beim dann würden sie es sicher getan haben. Go aber fonnten sie ein Ich glaube nicht, daß, wenn der Streit nach einem anderen Rezept Regierungspräsidenten flagte Linde im Verwaltungsstreitverfahren niedrigeres Angebot schon überhaupt nicht machen, weil sie sonst von behandelt worden wäre, er einen friedlicheren Verlauf genommen, ein auf Aufhebung der Verfügung, durch welche die Genehmigung ber- vornherein auf den Kampf und damit auf einen enormen Profits so rasches Ende gefunden hätte, und ich gestehe Ihnen, daß die mir sagt worden war. Er machte geltend, daß keine Tatsache angeführt ausfall gefaßt sein mußten. Es handele sich auch tatsächlich nicht nach dem Streit vorgelegte Karikatur eines Bolizeiwachtmeisters, der werden könnte, welche geeignet wäre, die Befürchtung einer Störung mehr lediglich um die 2 Pf., sondern um die Aufrechterhaltung der im Ruhrrevier angeblich vor Langeweile gestorben sein soll( Große der öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu rechtfertigen. Der früheren Beschlüsse. Eine Kraftprobe mit den Unternehmern um Heiterkeit), mir lieber war, als wenn der Streit zu einer wirklich Regierungspräsident antwortete, die von Königsberg aus betriebene die volle Durchführung der nur zu berechtigten Forderungen könne größeren Kalamität geführt hätte. Weiter ist gesagt worden, sozialdemokratische Agitation reize die Bevölkerung im Landkreise durchaus nicht schaden. Dadurch würden die Arbeiter mal wieder Die Einbringung der Gefeßentwürfe gerade in diesem in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise auf. Hierfür energisch aufgerüttelt und von einem kampfesfrohen Geiste beseelt, Augenblick bedeute eine Nachgiebigkeit gegenüber der irre- werden Aeußerungen in Königsberger Versammlungen, in der der ihnen jest teilweise fehle. Auch sei es zweifellos, daß der Streik geleiteten öffentlichen Meinung. Dieser Vorwurf dürfte sich Königsberger Volks- Zeitung" und im Landboten" angeführt. gewonnen würde. Wie aber auch der Ausfall sein möge: ein beebenso wenig rechtfertigen lassen, wie der Vorwurf der Weite Kreise ländlicher Arbeiter wären schon so erbittert, meinte der dingungsloses Zustimmen zu dem Unternehmerangebot könne es nicht Versäumnis, der mir vom Abg. Hirsch gemacht ist. Daß mir gleich- Regierungspräsident weiter, daß sie aus nichtigen Gründen eine geben; zum mindesten müsse noch einmal mit den Unternehmern zeitig Uebereilung und Versäumnis vorgeworfen wird, das erinnert feindliche Haltung dem Arbeitgeber gegenüber einnähmen, den Dienst darüber verhandelt werden, ob sie die 75 Pf. schon zu einem früheren mich an das Wort von Goethe, daß zwischen Uebereilung und Ver- hinwerfen usw. Reden der Art, wie sie in Königsberg gehalten Zeitpunkte zu zahlen gewillt sind. Von dem Ausgang dieser Verjänmnis unferes Lebens tief Geheimnis liege.( Heiter feien, würden die schlummernde Erbitterung anfachen, und wenn ein handlungen sei dann in letzter Stunde die Entscheidung abhängig zu feit.) Jedenfalls ist nach meiner Ueberzeugung der eine Gegner solcher Ausführungen in Versammlungen unter freiem machen, die bei negativem Resultat nur mit dem Streitbeschluß Vorwurf so unberechtigt wie der andere. Das kommt ja Himmel aufträte, dann würde die öffentliche Ordnung start ge- enden könne. im Leben häufiger vor, daß man mehr oder weniger lange sich mit fährdet sein. Auch würde sich bei der Nähe der Stadt das Er- Die Befürtvorter des Vertragsabschlusses auf der Grundlage einer Absicht trägt, und daß dann ein Ereignis eintritt, das zur be- scheinen eines großstädtischen Radaupublikums nicht verhindern der bisherigen Verhandlungsergebnisse führten demgegenüber an, schleunigten Durchführung der Absicht führt. Es soll die Kluft ver- lassen, selbst wenn der Kläger und seine Partei dies Publikum nicht daß sie zwar durchaus teine Scheu vor einem Kraftmessen mit den ringert werden, die sich vielfach zwischen den Bergwerksbefizern und wünschten. Schließlich sei zu bemerken, daß sozialdemokratische Führer Unternehmern hätten, aber es liege nun einmal so, daß die Unter den Arbeitern gebildet hat; die Fühlung zwischen Arbeitgeber im Jahre 1903 in eine fonservative Versammlung einzudringen ver- nehmer durch ihr tatsächlich bewiesenes Entgegenkommen dem Streit und Arbeitnehmer soll wieder hergestellt werden. Das ist der Haupt- fucht hätten, und daß eine freisinnige Versammlung in Königsberg den moralischen Untergrund entzogen hätten. Wenn jemals, so treffe zweck der Arbeiterausschüsse, von denen wir hoffen, daß durch sie durch Sozialdemokraten zu sprengen gesucht worden sei, was die hier das Sprüchwort zu: Ein magerer Vergleich ist besser wie ein möglichst Streiks verhindert werden. Verurteilung mehrerer zu Freiheitsstrafen wegen Hausfriedens- fetter Prozeß. Und als so überaus mager könne der Vergleich noch Bon allen Seiten ist zurückgekommen worden auf unsere Haltung bruchs zur Folge gehabt habe. Solange die bisherige Agitations- gar nicht einmal angesehen werden. Wen die ruhige Vernunft gegenüber dem Streit im Ruhrrevier. Gegenüber diesem Streit hat weise der Sozialdemokraten fortdauere, solange müsse im Landkreise reden lasse, der müsse sich sagen, daß die Differenz zu gering sei, um die Regierung von Anfang bis zu Ende festgehalten an der ruhigen Königsberg bei allen Versammlungen unter freiem Himmel die deswegen in einen möglicherweise folgenschweren Streit einzutreten. und fachlichen Haltung, die ich vor diesem Hause wie vor dem öffentliche Ordnung für gefährdet gehalten werden. Man dürfe die Arbeiterbewegung nicht als Sport betrachten, indem Reichstag dargelegt habe. Unbekümmert um die Sozialdemokratie, man sage, jest ist lange genug Friede gewesen, Geld genug ist da, die eine Verständigung erschwerte, hat die Regierung im Sinne des nun wollen wir streiken. Selbst bei siegreichem Ausgange des Streits Friedens gewirkt. Sie hat die öffentliche Ordnung aufrecht erhalten, sei es fraglich, ob das Errungene und Erzwungene in Zeiten schlechter aber gleichzeitig gegenüber diesem Lohnkampfe eine unparteiische Haltung Konjunktur gehalten werden könne. Aus all diesen Gründen könne eingenommen. Wie unparteiisch diese Haltung war, tönnen Sie am besten daraus ersehen, daß sie von beiden Seiten kritisiert worden man billigerweise die Verantwortung für einen Streit nicht auf sich ist. Und unbekümmert denn die Kunst des Regierens besteht ja jezt wirklich zum Teil darin, sich nicht durch die Kritik lähmen oder berblüffen zu lassen( Heiterkeit)- hat die Regierung die Pflicht Eine Breßkommission ist kein Verein. getan, die nach unserer Auffassung in diesem Augenblick Eine Sitzung der Breßkommission der Magdeburger gegenüber den Interessen der salus publica publica ihr oblag. Volts stim me" wurde am 13. September 1904 durch die Polizei Niemals zuvor hat bei uns ein Streit stattgefunden, welcher einen aufgelöst, die auch einige Notizzettel und die vor den Pläßen der solchen großen Umfang angenommen hatte. Die Zahl der Aus- Kommissionsmitglieder liegenden heftographierten Geschäftsberichte ständigen war, wie wir alle wiffen, noch größer als selbst bei dem beschlagnahmte. Hinterher erhielt Genosse Fabian als Eingrößten Streit der Kohlenarbeiter in Pennsylvanien. Hier waren berufer und Genosse Vater als derjenige, der den Raum zu einer nur 140 000 Arbeiter in den Ausstand getreten, diesmal im Ruhr- nicht angemeldeten Versammlung hergegeben hatte, eine Anklage. rebier aber an 200 000 oder sogar noch über 200 000. Durch den Das Magdeburger Polizeipräsidium vertrat die sonderbare AnStreit im Ruhrrevier ist der nationale Wohlstand um schauung, daß die Preßkommission ein selbständiger politischer Verein Hunderte von Millionen geschädigt worden. Die Regierung ist, in dessen Versammlungen öffentliche Angelegenheiten verhandelt hatte die Pflicht, der weiteren Ansbreitung weiteren Ansbreitung eines solchen werden. Das Schöffengericht fam, wie wir zur Zeit mitteilten, wirtschaftlichen Notstandes vorzubeugen. Es handelte sich nicht zu einem freisprechenden Urteil. Die Anklagebehörde legte gegen um eine gewöhnliche Arbeitseinstellung, sondern es handelte die Freisprechung Widerspruch ein und zwar mit dem Erfolge, daß fich um weitverzweigte Interessen, die unser ganzes Erwerbsleben in num auch die Straffammer zur Freisprechung der Angeklagten fam. Mitleidenschaft zogen. Was aber die Arbeiter angeht, so Die Magdeburger Polizei wird sich mit diesem Urteil schon bescheiden In seinem Schlußwort beleuchtete Stube nochmals die HauptTitten fie schon unter dem Ausfall der Löhne, unter den müssen. argumente des Für und Wider und empfahl dann schließlich, um teuren Preisen, und auch sie haben dasselbe Interesse wie auch der Opposition in weitgehendstem Maße Rechnung zu tragen die Arbeitgeber an der Erhaltung des nationalen Wohlstandes. und möglichste Einmütigkeit zu erzielen, die Versammlung möge die In den letzten Tagen habe ich vielfach gehört und gelesen, daß durch Mitglieder der Achtzehnerkommission nochmals beauftragen, mit den diese beiden Gesezentwürfe die Arbeiter noch nicht zufrieden gestellt Die Tariffrage beschäftigte am Sonntag auch die für den Lohn Arbeitgebern in abermalige Verhandlungen zu treten, um dieselben würden, die Sozialdemokratie verhöhne solche Vorschläge, die christ- bezirk Berlin im Gewerkschaftshaus abgehaltene 3 ahlstellen noch zu einem weiteren Entgegenkommen zu veranlaffen. lichen Gewerkschaften fänden von den von uns gemachten Ber- bersammlung des Zentralverbands der Zimmerer. Dieser Vorschlag wurde schließlich angenommen mit der Maßbefferungen manche noch nicht genügend. Ja, meine Herren, eine In seinem einleitenden Referat ging tube nochmals ausführlich gabe, daß noch im Laufe dieser Woche einer neuen Versammlung Regelung der Bergarbeiterverhältnisse nach den Wünschen der Beleg- auf die zivischer Arbeitnehmern und Arbeitgebern gepflogenen Ber- über das Verhandlungsresultat Bericht zu erstatten ist, worauf dann schaften ist überhaupt ausgeschlossen. Damit werden wir immer handlungen in der Achtzehnerkommission ein. Bekanntlich waren sofort die endgültige Entscheidung über Annahme oder Ablehnung rechnen müssen, daß Erwerbs- und wirtschaftliche Gruppen dieselben in den ersten Sizungen völlig resultatlos verlaufen. Die des Vertrages erfolgt. immer noch weitergehende weitergehende Forderungen aufstellen, immer Unternehmer lehnten nicht nur die geforderte Lohnerhöhung von Genosse Wernan sendet uns eine Richtigstellung in ber noch weitergehende Wünsche hegen, als sie vom Standpunkt des 70 auf 75 Pf. pro Stunde strikte ab, sondern beantragten ihrerseits Gemeinwohls aus befriedigt werden können. es heißt: Das war so während sogar eine Lohnreduzierung. Erst später beschloß dann eine ArbeitDer Ausschuß des Arbeiter Sängerbundes erwähnt in seinem der Handelsverträge, das war so während der Kanalfrage. Gsgeberversammlung, den Lohn vom 1. April ab für das erste Ver- Versammlungsbericht in Nr. 71, 3. Beilage des Vorwärts" bom tommt hinzu, daß der alte Bergarbeiter- Berband bestrebt ist, die tragsjahr von 70 auf 73 Pf. und für das zweite Vertragsjahr von 24. März, den Rechtsstreit, welchen ich mit dem Gesangverein chriftlichen Gewerkschaften aufzufangen. Die christlichen Gewert- 73 auf 75 Pf. zu erhöhen. In den weiteren Verhandlungen beschaften repräsentieren die alteingesessenen Arbeiter und darum sind zeichneten die Unternehmer dieses Angebot als die äußerste Grenze Niederlage für mich. Ich stelle fest, daß von einer Niederlage nicht Veritas" hatte und bezeichnet den Ausgang der Sache als eine fie vom Bergarbeiter- Werbande als gleichberechtigt anerkannt des Entgegenkommens, mit dessen Annahme oder Ablehnung die Ent- die Rede sein kann, weil die Angelegenheit mit einem Vergleich Wenn jetzt die Hoffnung der Bergarbeiter auf die scheidung über den neuen Tarif und damit über Kampf oder Frieden endete. Wie in solchem Falle von einer„ Niederlage" gesprochen Reform nicht in Erfüllung geht, dann bin ich überzeugt, wird mancher fallen müsse. Alle übrigen Punkte des Vertrages tamen erst in werden kann, ist für Vorurteilsfreie jedenfalls nicht recht verständlich. chriftliche Bergarbeiter zur Sozialdemokratie übergehen.( Sehr richtig!) zweiter Linie in Betracht. Die Kommissionsmitglieder der ArbeitWernan, Gastwirt. Sehr charakteristisch ist mir eine Aeußerung eines sozialdemokratischen nehmer wurden sich hierauf schlüssig, weder für sich, noch für die Am Donnerstag abend 8%, Uhr hält der Oberarzt der Beeliter Agitators in Dortmund. Ich freue mich, fagte er, wenn aus der Organisation eine bindende Erklärung abzugeben, sondern die Ent- eilstätten im Berein ehem. Beclizer B. 1. 1902 in den Residenzbevorstehenden Novelle nichts wird; unsere Bergleute werden scheidung lediglich der Gesamtmitgliedschaft zu überlassen. Eine festfälen, Landsbergerstr. 31, einen Vortrag, zu dem jedermann willkommen ist. ſo eher fozialdemokratisch.( hört! hört!) Jch Bezirksführerkonferenz des Zimmererverbandes beschloß nun fürzlich, möchte auch die Aufmerksamkeit lenten auf einen Artikel, den der den Mitgliedern die Annahme des Unternehmerangebots zu Vorsigende der Siebenerfommiffion, Herr Effert, in der Zeitschrift empfehlen. Denselben Vorschlag machte der Referent auch dieser Der Deutsche" vor einigen Tagen veröffentlicht hat und der mit beschlußfassenden Versammlung. Begründend führte er dazu aus: den Worten schloß:„ Wenn die Regierung und der Landtag baldigst Es laffe fich nicht verkennen, daß die Unternehmer den Arbeitern 26. Heft des 23." Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir Von der„ Neuen Zeit"( Stuttgart, Baul Singer) ist soeben das gesetzgeberische Maßnahmen zum Schuße der Bergarbeiter treffen, ein ziemlich weitgehendes Entgegenkommen gezeigt hätten. Freilich hervor: Monarchisch- Dynastisches. Der Stongreß von Rouen und die 10 bleibt nicht mur das Vertrauen des größten Teiles sei dies nicht etwa aus Liebe zur Arbeiterschaft geschehen, sondern Entwidlung des französischen Sozialismus zur Einigkeit. Von Jean Longuet. der Bergarbeiterschaft erhalten, sondern Tausende, die jetzt noch lediglich aus Respekt vor der starten kampfbereiten Arbeiterorgani- Die politische Lage in Holland. Von W. H. Bliegen. Ueber anthropo zweifeln und sozialdemokratischen Utopien nachlaufen, werden neuen fation. Zweifellos fei die Forderung auf den Stundenlohn von Mut fassen und die Stützen der monarchischen Ordnung werden." 75 Bf. schon vom 1. April d. J. ab ohne weiteres berechtigt, ebensoMag dem sein, wie ihm wolle, möge es auch richtig sein, sich vor wenig unterliege es einem Zweifel, daß die Unternehmer die 75 Bf. übertriebenem Optimismus zu hüten, für den Staat und für die genau so gut schon für dieses Jahr als erst für das nächste zahlen Regierung ist es Pflicht, das zu tun, was fachlich geboten ist. Nach tönnen. Demnach müsse bei fühler Ueberlegung das Angebot der unferer Ueberzeugung sind die wesentlichen Bestimmungen der beiden Unternehmer als afzeptabel betrachtet werden. Wegen der für dieses Ihnen unterbreiteten Gesezentwürfe im großen und ganzen fachlich Jahr nichtbewilligten 2 Pf. in einen Streit einzutreten, wäre ungerechtfertigt und fachlich berechtigt.( Beifall.) überlegt und verfehlt. Das Kampfobjekt sei offenbar zu gering und stehe mit den möglichen Opfern sicher in feinem Verhältnis. Wenn es zum Streit täme, würde es sich auch keineswegs mehr Von den„ Dokumenten des Sozialismus", herausgegeben von lediglich um die 2 Pf. Handeln, sondern der Kampf würde natur- Ed. Bernstein( Stuttgart, Dieg' Verlag) ist soeben das dritte Heft des gemäß auswachsen zu einer nackten Kraftmessung zwischen der Ar- V. Bandes erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor beiter und Unternehmerorganisation. Dabei möge man nicht ver- I. Bibliographie des Sozialismus und der Sozialwissenschaften. a) Be gessen, daß die Unternehmer die öffentliche Meinung zweifellos auf c) Aufsäße in sozialistischen und anderen Zeitschriften des In- und Auslandes. sprechung von Neuerscheinungen. b) Verzeichnis von Neuerscheinungen. Der niederösterreichische Landesparteitag hat am 25. März in ihrer Seite haben würden. Um eines Objekts von zirka 40 M., II. Bur Theorie des Sozialismus und der Sozialwissenschaften. Die Ge Krems begonnen. Es sind 84 Delegierte anwesend. Am ersten auf die sich der Lohnausfall der 2 Pf. in einem Jahre beläuft, könnte schichtswissenschaft als Sozialpsychologie. III. Aus der Geschichte des Versammlungstage wurden die ersten zwei Punkte der Tagesordnung man unmöglich alles auf eine Karte fetzen. Eine Kraftprobe bis zum Sozialismus. Aus der Oceana des James Harrington.( Fortsetzung.) Geschäftsberichte und Bericht über die Parteipresse erledigt. äußersten rechtfertige fich erst dann, wenn auch entsprechende Werte IV. Urtunden des Sozialismus. Sozialistische Manifeste und Proflamationen Genosse David berichtete über die Entwickelung der Bolts- auf dem Spiele ständen. Zudem könne nicht ganz außeracht gelassen zur Aufstandsbewegung in Rußland seit Januar 1905. V. Der Sozialismus tribüne. Dieses Parteiorgan hatte im Jahre 1901 eine Auflage werden, daß es in Berlin leider zwei Organisationen gäbe; es sei in den Zeitschriften. Notizen über Auffäße nichtſozialistischer Zeitschriften, von 24 800 Exemplaren. 1903 waren es schon 42 500, am Ende immer nicht vorauszusehen, wie es mit der Standhaftigkeit und die den Sozialismus und die Arbeiterbewegung betreffen, vorigen Jahres 49 000. In den letzten Wochen ist die Auflage des Leistungsfähigkeit der Lokalorganisation im Falle eines Streits von find durch alle Buchhandlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise Die" Dokumente des Sozialismus" erscheinen monatlich einmal und Blattes auf 53 000 Eremplare gestiegen. Es entwickelte sich eine längerer Dauer aussehe. Ueberdies müsse auch eine gewisse Rüd- bon 2,25 M. pro Duartal zu beziehen; jedoch ist bei der Post nur Quartalturze Debatte über die Haltung der Bolfstribüne" in der Los von sicht auf die übrigen Städte Deutschlands genommen werden, in Abonnement zulässig. Das einzelne Heft fostet 75 Bf. Rom- Bewegung. Der Landesparteitag billigte diese Haltung. denen ebenfalls Lohnkämpfe in Aussicht stehen, und zwar Kämpfe um Die Sozialistischen Monatshefte"( Administration: Berlin SW. 19, Emmerling- Wien teilt mit, daß die Auflage der Arbeiter- Objekte, die eine Ausgabe bedeutender Geldmittel in viel höherem Beuthstraße 2) haben soeben das April Heft ihres 11. Jahrganges er 3eitung" im letzten Jahre um 5000 gestiegen ist. Seine Mit- Maße rechtfertigen, als wie das in Berlin der Fall sein würde. scheinen lassen. Aus seinem Inhalt heben wir hervor: Eduard Bernstein: teilung, daß die Jubiläumsnummer der Arbeiter- Zeitung" in Die Gelder, die bei einem friedlichen Verlauf der Dinge hier in Revolutionen und Rußland. 82 000 Gremplaren verkauft wurde, wird mit lebhaftem Beifall auf- Berlin gespart würden, könnten dann den Kämpfenden anderer Orte wegen. Dda Dlberg: Polemisches über Frauenfrage und Sozialismus. genommen. Folgender Antrag fand einstimmige Annahme: worden. Dann um Die weitere Beratung wird auf Dienstag 11 Uhr vertagt. Schluß 4 Uhr. Partei- Nachrichten. 9 " 3 Eingegangene Druckschriften. logische Politit. Bon S. Fleischmann. Ein Tschandala"-Poet.( Ludwig Scharf). Bon Ernst Kreowsti- Chemnik. Literarische Rundschau: Ludwig Gumplowicz, Geschichte der Staatstheorien. Von Erwin Szabó. Dr. Eugen b. Sagemann, zur Reichsfinanzreform. Von gj. Dr. E. Bischoff, Der Koran. Talmud- Statechismus. Bon J. St. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft foftet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Clau Kringen: Der Sozialismus in Nor Dr. Paul zugute kommen, um deren Streits wirksamer zu gestalten und Prof. Dr. Franz Staudinger: Ein Streit um Erkenntnis. Ein von der Preẞkontrollkommission delegiertes Mitglied hat stärkeren Nachdruck zu verleihen. Unter richtiger objektiver Würdi- Landau: Der Dichter Baudelaire. Anton Fendrich: Zur Frage der das Recht, allen Sizungen der Landesparteivertretung, in denen gung aller begleitenden Umstände fönne man nur zu der Ansicht Entwidlung der Niederlande. Jugendliteratur. Willem Hubert Vliegen: Die soziale Gliederung und Konrad Fink: Bom Bädergewerbe. die Presse zur Verhandlung steht, mit beratender Stimme bet- fommen, daß sich ein Streit diesmal nicht rechtfertigen laffe, viel Wirtschaft von Mag Schippel. Politik von Richard Calwer. Sozial zuwohnen und ist daher auch zu diesen Sizungen einzuladen. mehr der Abschluß eines neuen Vertrages auf Grundlage der von politit von Baul Kampffmeyer. Soziale Kommunalpolitik von Dr. Hugo Die Preßkontrollkommission hat das Recht, jederzeit eine Sihung den Unternehmern gemachten Zugeständnisse geboten erscheine.( Bei- Lindemann.- Sozialistische Bewegung von Hugo Boeksch.- Gewerf der Landesparteibertretung zu verlangen. fall und Widerspruch.) fchaftsbewegung von Ernst Deinhardt. Genossenschaftsbewegung von Breßangelegenheiten sind in der Landesparteibertretung mur Es entspann sich, nun eine äußerst lebhafte, mehrstündige Debatte Gertrud David. Sozialpädagogische Bewegung von May Hermann Baege. im Beisein eines Mitgliedes der Kontrollkommission au verhandeln. für und wider, an der sich nicht weniger als 24 Diskussionsredner Anna Blehn. Frauenbewegung von Henriette Fürth. Bildende Kunst von Dichtfunst von Mag Hochdorf. Als Beigabe bringt das Parteipresse. Aus der Redaktion des Norddeutschen beteiligten, deren Mehrheit sich mit dem Referent einverstanden er- Best ein Borträt von Charles Baudelaire, gezeichnet von Felig Balloton. Voltblattes" scheidet am 1. April Genosse Mardwaldt, klärte. Von den Gegnern des vom Referenten gemachten Vorschlags Die Arbeit von D. Stringen fezt die Artikelferie über den Stand der um in die Redaktion der Märkischen Volts stimme" ein- wurde auf die kommende Steigerung der Lebensmittelpreise infolge fozialistischen Bewegung in den einzelnen Stulturstaaten fort; in den früheren zutreten. An seine Stelle tritt Genosse Richard Wagner, der des Zolltarifs verwiesen und unter allen Umständen die Aufrecht- Heften brachte diese Serie Studien über den Sozialismus in Bulgarien, bisher der Redaktion der Leipziger Volkszeitung" angehörte. erhaltung der Forderung von 75 Pf. verlangt. Es sei ja noch Dänemark, England, Finnland, Frankreich, Holland, Italien, Desterreich, durchaus nicht gesagt, daß es mit absoluter Sicherheit zum Streit Bolen, Queensland, Rußland, Schweden, der Schweiz, Spanien und tommen müsse, wenn das Angebot der Unternehmer abgelehnt werde. Ungarn. Der Preis des Heftes beträgt 50 Pf.; vierteljährlich 1,50 M. Bu Gründe für das Verbot sozialdemokratischer Versammlungen Sätten die Unternehmer die 3 Pf. bewilligt, so fönnten sie die beziehen durch alle Buchhandlungen, Kolporteure und durch jede Boſtunter freiem Himmel. Dem Parteigenossen Linde zu Königs- übrigen 2 Pf. ebenfalls bewilligen, und sie würden es auch tun, anftalt. Ferner direkt durch den Verlag der Sozialistischen Monatshefte", berg i. Pr. war die Abhaltung einer Versammlung unter freiem wenn man ihnen nochmals energisch auf den Leib rücke. Die Be Beuthstr. 2, Berlin SW.( Busendung unter Kreuzband oder in geschlossenem Himmel im Landkreise Königsberg durch Versagung der Genehmigung willigung der 3 Pf. für dieses Jahr sei doch zweifellos nur erfolgt Suvert). Brobehefte stehen auf Verlangen jederzeit tostenfrei zur Verfügung. immöglich gemacht worden. Angeblich sollte die Abhaltung einer mit Rücksicht auf die allgemeine Lage im Baugewerbe. Wäre es Deutscher Metallarbeiter Verband. Jahresbericht der Drtssolchen Versammlung die öffentliche Ordnung und Sicherheit ge- den Unternehmern überhaupt möglich gewesen, weniger zu bieten, verwaltung Berlin pro 1904.( Berlin, E. Janiszewski.) Berantw. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Nr. 7z. 22. 2. Icilip Ks Joritärts" ßttlintt WlllsM Dieustag, 28. Mar; MS. Verliner Partei-)Zngelegenkeiten. An die Parteigenossen von Berlin, Teltow- Beeskow, Nieder- Barnim u»d Potsdam- Osthavclland. Am Sonntag, den 16. April, erscheint die nächste Lokal-Liste. Wir ersuchen die Mitglieder der Lokalkommissionen der genannten Kreise, die Neil- Aufnahmen und die genauen Aenderungen bis spätestens Donnerstag, den 6. April, einsenden zu wollen und zwar für: T e l t o w- B e e s k o w an den Genossen Robert Gramenz in Baumschulenweg, Kiefholzstr. 253, vorn HI; für Nieder-Bar n im an den Ge- nassen Robert Rieck in Rummelsburg, Kantstr. 22, part.; für P ots d a m-O st h a v e ll an d an den Genossen Karl Linz in Spandau, Mittelstr. 13; für d i v e r s e O r t e an den Genossen Gustav Nowag in Strautzberg(StadtZ, Walk- mühlenstrasse: für Berlin an den Genossen Karl Rott. 0. 34. Stratzmannstr. 29.— Die Lokalkommissions- Mitglieder wollen die genauen Aenderungen und Neu-Aufnahmen für die Liste unigehend mitteilen, da spätere Einsendungen keine Berücksichtigung finden können. Melfach kommt es vor, daß Zuschriften in„Lokalangelegen- heilen" an die Redaktion des„Vorwärts" gesandt werden; zur schnellen Erledigung ersuchen wir die Genossen, alle Anfragen und Zusendungen nur an den Genossen Karl Rott, Berlin 0. 34, Straß- mannstraße 29, zu richten und nicht an den„Vorwärts". Die Partei- blätter der genannten Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokalkommisfion. Zur Lokallistc. Am Sonnabend, den 22. April, veranstaltet die Reue freie Volksbühne eine Schiller-Feier in der P h i l h a r»» o n i e. Bernburgerstraße. Die Neue freie Volksbühne sucht nicht nur unter ihren Mitgliedern, sondern auch außerhalb des Vereins Billetts abzusetzen. Da das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen usw. nicht zur Verfiigung steht, so weise man die Karten zurück. Die Lokalkommission. Zweiter Wahlkreis. Heute Dienstag, abends 8'/, Uhr, findet in Habels Brauerei-Ausschank, Bergmannstr. 5—7. eine Versammlung statt. Genosse Max Kiesel spricht über:„Friedrich Schiller, ein deutscher Dichter." Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Schöneberg. Heute, Dienstag abend, bei Obst. Meininger- straße 8: Versammlung des Wahlvereins. Auf der Tagesordnung steht u. a. ein Vortrag des Genossen Dr. Borchardt über: Partei- entwickelung und Parteiprogramm. Weißens«. Heute abend 8'/z Uhr. findet im Prälaten die VereiuSversammlirng statt. Wegen des interessanten Referats des Genossen D a v i d s o h n iiber Schiller, erwarten wir regen Besuch. _ Der Vorstand. Lokales. Die Unzufriedeueu. Z« recht erregte» Borgängen kam es anläßlich der Preis- Verteilung der I. Lebensmittel-Ausstellung in der Zentral» Markthalle. Das Preisrichterkollegium unter Vorsitz des Herrn Handelsrichter D ü s i n g konnte in fast verschwenderischer Fülle mit goldenen, silbernen und bronzenen Medaillen prämiieren. Waren doch bei etwa 800 in Betracht kommenden Ausstellern allein über 100 goldene Medaillen verteilt worden; in entsprechender Anzahl standen silberne und beinahe unbe- schränkter Fülle bronzene Medaillen zur Verfügung. Natür- lich waren nach der Verkündigung des Resultats nur die wenigsten Aussteller mit der Prämiierung zufrieden. Diejenigen, die die goldene Medaille erhalten hatten, glaubten Anspruch auf einen Ehrenpreis zu haben; und wenn nun die liebe Konkurrenz mit der silbernen Medaille bedacht und man selbst nur der bronzenen Anerkennung für würdig befunden war, so konnte natürlich nicht etwa die mindere Qualität der Ware zc. daran schuld sein, sondern es war selbstverständlich, daß die Preisrichter sich von eigennützigen Motiven hatten leiten lassen. Oder es wurden die von den Ausstellern selbst gewählten Preisrichter für so dumm erklärt, daß sie nicht fähig seien, ihr Amt ordentlich auszuüben. In einer Prote st Versammlung am Sonnabendabend trug man die unglaublichsten Sachen vor. Jeder der Be- schwerdeführer lobte seine eigene Ware über den grünen Klee und konnte sich nicht genug tun in der Geringschätzung Prä- miierter Konkurrenten. Wir halten es für selbstverständlich, daß man Preis- richtern, die man selbst wählt, auch das Vertrauen entgegen- bringt, daß sie fachgemäß die Qualität der Waren prüfen und gewissenhast entscheiden. Ganz unangängig scheint es unS aber, hinterher die Preisrichter für befangen, parteiisch oder dumm zu erklären, wenn man bei der Preisverteilung nicht so abschneidet, wie man es als selbstverständlich voraussetzt. Ein Gutes hat die Lebensmittel-Ausstellung in der Zentral- Markthalle ttotz alledem gehabt. Bei den Vorbereitungen sind die einzelnen Verkanfsstände so gründlich gesäubert worden wie niemals vorher in den 13 Jahren seit Bestehen der Halle. Und für diesen seltenen Opfermut hätte allerdings jeder Aus- steller ein Ehrendiplom verdient. Außerordentliche Sitzung der Stadtverordncten-Bersammlung. Heute, Dienstag, nachmittags 5 Uhr, findet eine außerordentliche Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung statt. Tagesordnung: Fortsetzung der Berichterstattung des EtatSausschusscs über die Etats, betreffend"Städtisches Obdach, Desinfektionsanstalt, II. Hülfsstation für Geschlechtskranke und Nachlaßverwaltung, Gymnasien, Real- gymnasien und Lbcrrealschulcn, Realschulen, Höhere Mädchenschulen, Turnhallen der städtischen höheren Lehranstalten, Spielplätze und Turnwesen im allgemeinen, Verschiedene Einrichtungen für die städtischen höheren Lehranstalten und die höheren Mädchenschulen, Gcmeindcschulen lVolksschulen), Taubstummenschule, Blindenanstalt nebst Betrieb der Beschäftigungs-Anstalt, Fakultatives FortbildungS- unterrichtswesen, Pflichtfortbildungsunterrichtswescn, Gewerbliches Unterrichtswesen, Kapital- und Schulden-Verwaltung, Gehälter der Magistratsmitglieder, Personalbcsoldung, Verwaltung der Bureau- dienstgebäude und der außerhalb derselben belegenen Bureaus, Ge- fchästsbedürfnisse und Prozeßkostrn, Dienstpensionen, Witwen- Pensionen und Waisengeldcr sowie außerordentlich bewilligte Pensionen, Unterstützungen und Erziehungsgelder, Straßen- bcleuchtung, Straßcnreinigung und-Besprengung, verschie- den« Einnahmen und Ausgaben, Gasanstalten und Petroleumbeleuch- tung, Wasserwerke, Viehmarkt, Schlachthof, Fleischbeschau auf dem Schlachthof, Kanalisationswerke und Rieselfelder, Markthallen, Hauptkaffe der städtischen Werke, Hafen am Urban, Hochbau, Ge- meindegrundfteuer, Gewerbe- und Warenhaussteuer, BetriebSstcuer, Gemeinde-Einkommensteuer, Huftdesteuer, Braumalzsteuerzuschlag, Wanderlagerfteucr, Umsatzsteuer.— Feststellung des StadthauShalts- Etat» für das EtatSjahr 190S. Die projektierten städtische« Schnellbahnen betreffend hat Poli- zeipräsident v. Borris die städttsche Verkehrsdeputation wissen lassen, daß der von der Stadt vorgelegte Entwurf der Rord-Süd-Linic, so- weit der Gemeindebezirk Berlin in Frage stehe',„als den Per- kehrSverhältnisscn entsprechend angesehen und unter der Voraus- Setzung gebilligt werdcn könne, daß er die notwendige Ergänzung durch eine etwg im Zuge der geplanten Schwebebahn verlaufende Linie vom Gesundbrunnen nach dem Innern der Stadt erhalte." Natürlich könne sich dieser Bescheid nur auf die allgemeine Gestaltung des Liniennetzes bezichen, er solle späteren, aus der EntWickelung der Berliner Verkehrsverhältnifle sich ergebenden, anderweiten Ent- schließungen und überhaupt dem eigentlichen Genehmigungsver- fahren des Kleinbahngesetzes nicht vorgreifen. Dementsprechend könne der jetzt vorgelegte Entwurf auch nicht insoweit als für alle Zeiten maßgebend-rächtet werden, daß durch ihn die Kreuzungsstellen der einzelnen Linien festgelegt würden; denn hierüber könne selbstver- ständlich erst im Einzelfalle, nach Vorlegung der zur Ausführung be» stimmten SpezialPläne, im kleinbahngesetzlichen Verfahren ent- schieden werdcn. Erst dann würde man auch der Frage näher treten können, ob und wie die geplante Ring-Linie zu bauen und zu be- treiben wäre. Ueber die Weiterführung der Bahnlinien in die Vor- orte Berlins könnten sich die Aufsichtsbehörden jetzt ebensowenig äußern, da von diesen Gemeinden noch keinerlei Erklärung vorliege. Diese Frage müsse also vorläufig ebenfalls ausgesetzt bleiben. Jeden- falls gäben sich, angesichts der sortgesetzt steigenden Schwierigkeiten in der Abwickelung des Verkehrs im Stadtinnern, die StaatSbe- Hörden der festen Hoffnung hin, daß Magistrat und Stadtverordnete im Interesse des Gemeinwesens den immer unaufschiebbarer werdenden Ausbau eines Schnellbahnnctzes fördern und nunmehr mit Ent- schiedenheit wenigstens den Ausbau der schon so lange geplanten Nord-Süd-Linie herbeiführen würden.— Die öffentliche Ordnimg und Sicherheit wurde am Montagabend gefährdet in einer von Männern und Frauen stark beiudsten Versa n, mlung(Neues Klubhaus, Kommandantenstraßel, in der der Schriftsteller Adolf Brand über das Thema„§175, das Zentrum und die Parlamente" zu sprechen gedachte. Eine Gefährdung nahm wenigstens der Polizeileutnant an, der die Ver- sanimlung zu überwachen hatte— und das kam so. Herr Brand hatte die Absicht gehabt, über den Ausgang des Beleidigungsprozesses zu referieren, der ihm wegen der Dasbach-Affäre angehängt worden ist. Da aber die Verhandlung, die vor einigen Tagen endlich stattfinden sollte, lvieder einmal vertagt worden ist. so mußte er sich für seinen Vorttag nach anderem Stoff umtnn. Zunächst wollte er ein paar Erlebnisse zum besten geben, die er während seiner letzten Gefängnis- hast gehabt hatte. Er erzählte, wie in der Anstalt zu Tegel der Geistliche zu ihm gekommen sei, um ihn dem Gottesglauben zurück- Zugewinnen. Der würdige Herr glaubte das dadurch zu erreichen, daß er den Gefangenen hart anließ und mit dein Apostel Paulus ihn und seinesgleichen als Hurer und Ehebrecher titulierte. Das war recht; denn also gebietet's dem Pastor die Pflicht. Brand aber wollte das nicht gelten lassen, setzte sich zur Wehre und suchte den Herrn Pastor darüber zu belehren, wie e r über das Geschlechtsleben denke. In der Diskussion, die sich dann zwischen den beiden entspann, verttat der Pastor den Standpunkt, der Geschlechtsverkehr dürfe nur der Fortpflanzung dienen, und ob man dann Kinder kriege, das müsse man Gott überlassen. Brand erwiderte ihm, das würde ein entsetzliches Elend unter der unbemittelten Bevölkerung geben, wenn jeder in diesem Punkte Gott walten lassen wollte. Was der Pastor hierauf zu antworten hatte, erfuhr man leider nicht— deshalb nicht, weil bei dieser Stelle des Brandschen Referates der Polizeileutnant er- klärte, wenn Br. s» fortfahre, werde er sich gezwungen sehen, die Versammlung aufzulösen. Der Versammlungsleiter, Herr Edwin Bab, bemerkte ruhig, hier liege wohl ein Mißverständnis vor, aber der Herr Leutnant duldete keine Widerrede, und so muhte dieses Thema verlassen werden. Die Drohung des fein- fühligen Polizeileutnants war von einigen Gruppen der Ver- sainmlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen worden. Brand deutete an, daß einem Gerücht zufolge in den katholischen Jünglingsvereinen die Parole ausgegeben worden sei, die Versammlung zn sprengen. Das schien aber ein Irrtum zu sein, denn die Beifallsspender saßen an den Tischen, denen gewisse evangelisch- anttsemitische Größchen präsidierten. Brand suchte dann darzulegen, daß verschiedene sehr bekannte Persönlichkeiten homosexuell gewesen seien. Er erinnerte an den Fall Krupp, sprach von dem in Port Arthur ermordeten deutschen Marine- Attache v. Gil�enheim, erklärte den in die Lust gesprengten Großfürsten Sergius für homosexuell, den Oberprokureur des heiligen Synod PobjedonoSzew desgleichen. Als er in diesem Zusammenhang den Namen des kürzlich verstorbenen Probst Neuber von St. Hedweg anführte, unterblieb der laute Protest, den er erwartet hatte. Ein paar Stimmen riefen„Hört! hört!", eine andere antwortete„Unsinn!" Der Redner wollte fortfahren und weiter auspacken, aber da erhob sich der Leuwant und verkündete, daß wegen Gefährdung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit die Versammlung aufgelöst sei. Die Versammelten gingen zögernd auseinander und der Saal leerte sich erst, als mit Anwendung von Waffengewalt gedroht wurde. Vor der Tür wurde lebhast die Frage erörtert, wieso die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefähroet worden wäre, wenn der Redner sein Namen- rcgister vorgetragen hätte. Ja, wer weiß—? l Die„Berliner Zeitung", deren Ende schon bor einem halben Jahre angekündigt wurde, soll nunmehr wirklich eingehen. Einem Teil des Setzerpersonals ist von der Firma Ullstein u. Co. zum 1. April ge- kündigt worden und von diesem Tage an wird auch das Blatt zu erscheinen aufhören. Es sind in der letzten Zeit noch Versuche ge- macht worden, die„Berliner Zeitung" als offizielles Organ der Frei- sinnigen Vereinigung zn etablieren, doch haben sich die Unter- Handlungen zerschlagen. Der Abonnentenstand des genannten Blattes soll zurzeit noch etwa 17 000 betragen. Das Wölfische Bureau verbreitet folgende Notiz: Die„Berliner Zeitung" erfährt vom 1. April ab eine Aenderung ibrer ErscheinungS- weise; die Morgenausgabe wird mit der in gleichem Verlage er- scheinenden„Berliner Morgenpost", die Abendausgabe mit der „Berliner Abendpost" verschmolzen, während die MittagSauSgabe <„B. Z. am Mittag") bestehen bleibt und erweitert werden soll. Straßenbadnunfälle und kein Ende. Tödlich verletzt beim Be- steigen eines fahrenden Straßenbahnwagens wurde Sonntag nach- mittag gegen Vj5 Uhr die in der Stubcnrauchstratze 3 wohnende Frau dcS Gärtners Völkel. Sie wollte an der Ecke der Kaiser Friedrich- und Hauptstraße in Schöneberg den Straßenbahnwagen Nr. 215 der Linie B(Potsdamerstraße— Grunewald) besteigen, glitt jedoch vom Trittbrett ab und stürzte so unglücklich auf das Straßenpflaster, daß sie besinnungslos liegen blieb. Die Frau wurde nach dein Elisabeth. Krankcnhanse geschafft, woselbst ein Rippenbruch und schwere innere Verletzungen festgestellt wurden. Sie verstarb kurz nach ihrer Ein- lieferung.— Ebenfalls ist beim Besteigen eines Straßenbahnwagens gestern nachmittag in Weihensee der Arbeiter GoszinSki, Löwe- straße 12 wohnhaft, verunglückt. Er versuchte vor dem Hause Kvnigschauffee 40 die Hinterplattform eines in der Fahrt befind- lichen Straßenbahnwagens der Linie 62 zu besteigen, glitt ab und stürzte zu Boden. G. erlitt Kopfwunden, konnte sich jedoch, nachdem er einen Notverband erhalten hatte, nach seiner Wohnung begeben. Drei größere Brände beschäftigten am Sonntag die Feuerwehr. Zu-'rst wurde sie früh gegen 7 Uhr nach der G i t s ch i n e r st r a ß e 108 gerufen. Hier waren in der im Erdgeschoß de» linken Seiten- flügels belegenen Tischlerei der Fahrstuhlfabrik von P. Witte Feuer ausgekommen und hatte einen größeren Posten Hölzer er- griffen. Die Gefahr wurde erst bemerkt, als plötzlich Flammen au» den Fenstern schlugen. Di« Feuerwehr mußte längere Zeit kräftig Wasser geben, um den Brand auf die Tischlerei zu be- schränken.— Am Nachmittag kam dann indcrBrückenAlleeio ein zweiter größerer Brand zum Ausbruch. Als die Feuerwehr ein» traf, stand hier der Tachstuhl des Hauses mit seinen Bodenräumen fast in der ganzen Ausdehnung in Flammen. Sofort wurden vier Schlauchleitungen in Tätigkeit gesetzt und von verschiedenen Seiten aus drangen die Löschmannschaften gegen den Brandherd vor. Immerhin dauerte es doch über eine Stunde, bevor die Gefahr be- seitigt war. Der Dachstuhl brannte zum größten Teil nieder.— Dann erfolgte ein Alarm nach dem Görlitzer Güterbahn- hos. Hier hatten zwei mit Holzwolle beladene Eisenbahnwaggons Feuer gefangen und brannten bei Ankunft des ersten Löschzuges lichterloh. Es mußte mit zwei Rohren tüchtig Wasser gegeben tverden, um die Flammen zu ersticken. Ueber die Entstehungsursachen der drei Brände konnte nichts ermittelt werden.— Zeugen gesucht. Die Personen, welche am 4. Februar, früh 4 Uhr, gesehen haben, wie ein Mann vor dem Cafö Meran in der Neuen Königstraße von einem Kellner zur Erde gestoßen wurde und ver- unglnckte, werden gebeten, sich Wadzeckstt. 9 bei Wtt zu melden. Einen Selbstmordversuch durch Erhängen nach vorheriger Oeff- nnng der Pulsadern unternahm gestern nachmittag der 39jährige Kaufmann Paul Jacobs aus Zehlendorf, Neue Straße 27, an der Verbindungsbahn in der Nähe des Tempelhofer Feldes. Hin- zukommende Eisenbahnbeamte und Arbeiter vermochten durch schnell unternommene Rettungsversuche den Unglücklichen wieder zum Be- wußtsein zu bringen. Er gab an, durch verlorene Prozesse zu seiner Verzweiflungstat getrieben worden zu sein. Schwer verletzt wurde er nach dem Britzer Kreiskrankenhause gebracht. Noch ein Seidendieb. Ein Kriminalbeamter traf gestern einen wohnungslosen Schirmmacher Fritz Lnbrich, der sehr herunterge- kommen aussah, beim Scidenhandel. Einen Coupon hatte er bereits verkauft, wegen des zweiten verhandelte er noch. Nach dem Erwerb seiner Ware gefragt, antwortete Lnbrich, ohne eine Miene zu ver- ziehen, er habe das Packet in einer Bedürfnisanstalt gefunden. Diese Angabe erhielt eine besondere Beleuchtung, als man das Packet ein- mal öffnete. Die Hülle barg nicht nur Seide, sondern auch einen ganzen Posten Dietriche und einen gestohlenen Militärpaß auf den Namen Woblitzcr. Der Paß wurde in der Königsbcrgerstrahe ent- wendet, wo Lnbrich früher in einem Brauereiausschank angestellt war. Nachdem er diesen Posten verlassen hatte, wurde er gerade zur Zeit des Einbruchs in jener Gegend wieder gesehen. Die Seide stammt aus einem anderen Einbruch. Untergang eines Spreekahnes. Abermals ist ein Kahn an dem noch stehengebliebenen und noch 25 Zentimeter über dem Wasserspiegel hervorragenden Strompfeiler der Eisenbahnbrücke am Bahnhofe Jungfernheidc, zerschellt und untergegangen. Ein nnt 10 000 Ztr. Malzgerste beladcncr Deckkahn, der mittels Schleppdampfer durch die Brücke geschleppt wurde, erhielt heute vormittag am Vorder- steevcn ein bedeutendes Leck, konnte zwar noch eine Strecke geschleppt werden ging�aber am Schloßgarten gegenüber dem Landgericht III unter. Der Schiffer Matzkc und die beiden Botsleute konnten sich mit ihrem Sohne retten. Die Gerste war in Reichenberg in Böhmen für die Firma Hirschmann u. Willner verladen worden und war für die Schultheisbrauerei bestimmt. Die Schiffahrt ist frei. Bor 14 Tagen ging an der gleichen Stelle ein Steinkahn unter. Eine Einbrecherbande von vier Köpfen, die in einem Seidenge- schüft in der Koppenstraße für einige Tausend Mark Waren erbeutet hatte, ist gestern früh von der Kriminalpolizei festgenommen wurden! Tie Verhafteten sind vielbestraste alte Einbrecher namens Gustav Klawatzeck, genannt„Kiebitz", Franz Katzuske init dem Spitznamen „der kleine Franz", Richard Loschinsky, der den Beinamen„Bouillon- Richard" führt, weil er mit Vorliebe in Bouillon-Kellern verkehrt, und Hermann Schmidt._ Bibliothek der Korporation der Kaufmanuschast. Vielfachen Wünschen entsprechend Riebt die Bibliothek und Lesehalle der Kor- poration der Kaufmannschaft(im Börsengebäude, St. Wolfgang- straße) vom 1. April ab Sonntags eine Stunde länger, also von 10—1 Uhr geöffnet. D«r 10. Nachtrag zum Katalog ist erschienen und wird unentgeltlich abgegeben. In der Fortbildungsschule für die weibliche Jugend, Alte Jakobstraße 127, bestehen Klassen für künstlerisches und kunstgewerb- liches Zeichnen, Malen und Modellieren, verbunden mit Anatomie, Perspektive, Proportionslehre, Stillehre und Komposttion. Hier- durch ist Mädchen Gelegenheit gegeben, sich dem kunstgewerblichen Berufszweige, wie Mufterzeichnen, Zeichnen für Tapisserie, Buch- schmuck, Kostümzeichnen, Möbelzeichnen, sowie Kleinplasttk zu widmen. Es empfiehlt sich dies umsomehr, als der kaufmännische Beruf für Mädchen übergroßem Angebot unterliegt. Auskunft erteilt der Leiter der Anstalt, Rektor Hellermann, Alte Jakobstraße 127. Gedenkfeier für Otto Erich Hartleben. Am Sonntagmittag hatten fitb in, Beethoven-Saal zahlreiche Freunde nnd Verehrer des dahin- geschiedenen Dichters versammelt. In einer prächttgen Rede würdigte Heinrich Hart die Persönlichkeit und die Werke HartlebenS. Keine Spur von Pathos und Sentimentalität, die sonst Gedenkreden aus- zuzeichnen pflegen, kam auf. Hart zeigte Otto Erich als den Freuden- vringer, den Kämpfer wider die Fäulnismoral des Pfaffen- und Philistertums, als Lyriker nnd Satiriker, als König der Zecher und HeroS der Kneipenseßhoftigkeit. Hartleben selbst hätte an dieser Red« seine Freude gehabt. Eduard v. Winter st ein sprach einige gut ausgewählte Verse au» den Dichtungen Hartlebens, Frau Almati-Rundberg sang einige von Marschalk komponierte Lieder des Dichters. Die Gedenkfeier schloß mit einem stimmungs- vollen Vortrag auf dem Harmonium. Auch eine Internationale. Das Volk der Künstler und Künstlerinnen vom Breill ist seit einigen Jahren internattonal organisiert, uin seine Interessen u. a. gewissenlosen Direttoren gegenüber wahrzunehmen. Inwieweit eS der Internationalen Artisten- löge bisher möglich war. ihre Berufsinteressen zu verfechten, wissen wir nicht, hoffentlich war ihr Streben erfolgreich. Zum Besten der Witwen-, Waisen- und Invaliden- Unterstützungskasse dieser Ver- einigung war Sonntagmittag im Wintergarten eine Borstellung veranstaltet worden, wie Berlin bisher wohl kaum eine vor Augen bekommen hat. WaS an bedeutsamen Leuten vom Brettl in Berlin anwesend Ivar, stellte sich für den guten Zweck zur Verfügung, und so kam denn gewissermaßen ein Kongreß internationaler Artisten zu- stände. Man stelle sich Frau Saharet, diese einzige Künstlerin, vor, wie sie mit Robert Steidl. dem berühmten Interpreten Linckescher Tondichtung den— Rixdorfer tanzt! Und eine andere Seltenheit. ES wandeln auf diesem Stern bekanntlich drei Steidl umher, R., F. und O. mit Vornamen, diese drei Brüder aber und mit ihnen noch Herr Bender vom Metropol-Theater gaben sich in dem eigens für die Mittagsvorstellung fabrizierten Drama ein Stelldichein. In diesem unschätzbaren Stück, das die Schlaftanzkunst vom Brettlstandpuiikt aus behandelt, trat ferner noch Fräulein Perry, die bekannte Sängerin des Apollo-Theaters, auf. Außer den genannten Leuten vom Brettl wirkte auch noch eine Ueberbrettlerin, nämlich Bozena BradSkh, an der Vorstellung mit. Hoffentlich war der Ertrag der Veranstaltung derart, daß sich die Muhe lohnte. Theater. National- Theater. Die Erstaufführung von»Die lusttgen Weiber von Windsor" ist auf Freitag verschoben worden, dafür geht am Mittwoch„DaS Glöckchen deS Eremiten" mit Fräulein Alma Sauer als Rose Froquet in Szene.—„Der Kilometerfresser". der jeden Abend im Thalia-Theater in Szene geht, ist jetzt rund von 128 Bühnen zur AuMhmng erworben worden. Hu» den Nachbarorten. Schöneberg. Die Stadtverordneten- Bcrsammlung erledigte gestern den Rest der EtatSberatiingen. der sich in diesem Jahre ungelvöhnlich lange verzögert hatte, da da? neue Etatsjahr bereits am!. April veginnt. In zweiter und dritter Lesung wurde sodann der Haushalt pro 1905 mit 17 579 176 M. festgesetzt. Weißensee. Ein Antrag Lessig:„ Den Magistrat zu ersuchen, eine Denk- zu erhöhen, hat man 41 000 m. aus dem Etat abzustreichen, und eine alte Frau wurden, wie gemeldet, tot hervorgeholt; et frift über die voraussichtliche Ausgestaltung des Verwaltungs- zwar allein für Straßenpflasterungen 35 000 m Soldaten befinden sich noch unter den Erdmassen; an ihrer Rettung wesens der Stadt in den nächsten drei Jahren, sowie über die in wird gearbeitet. demselben Zeitraum obliegenden notwendigen Aufgaben auszuarbeiten" Schiffs zusammenstoß vor dem Hafen. In der Nähe des Hafens -sowie„ Arbeitspläne für sämtliche in den Bureaus der Verwaltung Die Affäre Klingenberg scheint nunmehr ihrem endgültigen beschäftigten Beamten aufzustellen", fand trotz des magistratlichen Abschluß entgegenzugehen. Wie seinerzeit mitgeteilt, wurde der von Halifax stieß der Hamburger Paketfahrtdampfer„ Albano“ mit Widerspruches Annahme. Amtsvorsteher Klingenberg in Weißenfee im Wege des Disziplinar- 800 Passagieren aus Hamburg mit dem englischen Dampfer Einem Antrage auf Herabsetzung des bisherigen Beitrages von strafverfahrens zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er für den Ver- Parisian", der 1000 Liverpooler Passagiere an Bord hatte, infolge 1500 M. an den Letteverein auf 500 M. wurde nicht zugestimmt. fauf eines ihn interessierenden Grundstücks an die Gemeinde eine Rebels zusammen. Das tadellose Funktionieren wasserdichter Schotten Zur Hochbauverwaltung gelangt im Titel I wiederum höhere Maklergebühr von der Verkäuferin Frau Kahl angenommen berhinderte trotz bedenklicher Lecke das Sinken des stark beschädigten eine Summe von 150 000 M. zur Errichtung einer Volks hatte. Von der Gemeinde wird nunmehr geltend gemacht, daß" Albano". Sämtliche Passagiere sind wohlbehalten gelandet. Badeanstalt nach dem Vorschlage des Etatsausschusses zur Ein- Klingenberg die Provision nicht nur zu Unrecht empfangen hat, Zur Montignoso- Affäre wird aus Dresden gemeldet: Der Anstellung, nachdem dieser Betrag bei der Position, betr. den Neubau sondern verpflichtet ist, diese wieder herauszuzahlen, da die Kauf- trag des Justizrats Körner auf Einleitung einer Disziplinar- Untereiner Gemeindedoppelschule am Tempelhoferweg gekürzt wurde. summe, welche die Gemeinde für das betreffende Grundstück zahlen suchung gegen sich selbst wurde wegen Ermangelung stichhaltiger Beim Titel II, Grunderwerbskosten" wurde das außergewöhn- mußte, von der Verkäuferin um den Betrag der Vermittelungs- Gründe abgelehnt. Amtlich wird ferner gemeldet: Fräulein Mut lich schnelle Tempo unserer Neubauten bemängelt, denen faum Beit gebühren erhöht worden ist. Das Grundstück sei der Gemeinde durch wurde die nachgesuchte Entlassung aus allen Diensten des königlichen gelassen werde, bis zur vorhergesehenen Ingebrauchnahme in völlig ihr eigenes Oberhaupt, welches in erster Linie ihre Interessen wahr Hauses für April bewilligt. gebrauchsfertigen Zustand gesetzt zu werden. Eine längere Bau- nehmen mußte, in unzulässiger Weise verteuert worden. Außerdem periode gerade für Schulneubauten mache sich nicht bloß in all- habe Klingenberg der Frau Kahl direkt geraten, das Grundstück Verhaftung wir dieser Tage meldeten, ist nunmehr in Begleitung Der Geheime Kommerzienrat Viktor Hahn aus Dresden, dessen gemeiner, sondern auch in gesundheitlicher Beziehung erforderlich. möglichst teuer zu verkaufen. Diesen Behauptungen trat Bei der Position über das Statistische Amt moniert Stadt- Rechtsanwalt Bahn in dem gestern von der 10. Zivilkammer des eines Transporteurs nach Bauzen gebracht worden, um im dortigen berordneter Wollermann( Soz.) die von uns bereits früher Landgerichts II anstehenden Hauptverhandlungstermin entgegen. Landgerichtsgefängnis die ihm von der Dresdener Strafkammer zubemängelte Verzögerung in der Herausgabe der Selbst in dem Disziplinarstrafverfahren wären derartige Behaup- erkannte vierjährige Gefängnisstrafe zu verbüßen. statistischen Monatsberichte. Der Oberbürgermeister tungen als unrichtig anerkannt worden. Im übrigen sei überhaupt Bockenepidemie. Unter den italienischen Arbeitern, die an dem führt die diesmalige Verzögerung auf technische Gründe zurück. kein ordnungsmäßiger Gemeindebeschluß vorhanden, nach welchem Bau der linkssaarischen Eisenbahn beschäftigt sind, nimmt die Zahl Beim Schul- Etat stellt Stadtb. Wollermann wiederholt den die Gemeinde gegen Klingenberg vorgehen wollte, um die Provision der Bockenerkrankungen zu. Bis jetzt sind 16 Erkrankte in Baracken Antrag, den Magistrat zu ersuchen, statistische Erhebungen über zurückzuverlangen. Der Vertreter der Klägerin vermochte ebenfalls untergebracht worden. Das Lazarett ist ständig unter Bewachung den Gesundheitszustand und die Erwerbstätigkeit nicht einen diesbezüglichen Gemeindebeschluß vorzulegen und be- von Gendarmen. Die Frau, welche die Bockenepidemie einschleppte, der Schulkinder anzustellen.- Die Mehrheit konnte natürlich antragte die Vertagung der Sache, da inzwischen die Gemeinden ist gestern gestorben. Die gestern eingetroffene behördliche Kommission nicht finden, daß die Kinder im schulpflichtigen Alter durch Aus- Alt- und Neu- Weißensee verbunden worden und nicht ausgeschlossen ist mit Untersuchungen beschäftigt. tragen von Milch und Backware 2c. in ihrer Gesundheit geschädigt sei, daß der ganze Prozeß in Güte erledigt würde. Der Gerichtshof würden und lehnte somit gegen unsere sechs und drei bürgerliche hob den Termin auf, und zwar unter Widerspruch des Vertreters Stimmen unseren wohlgemeinten Antrag ab, nachdem Stadtv. des Beklagten, der ausführte, daß keinerlei zivilrechtliche Ansprüche Lulay, der bekannte Vorsitzende des Milchhändler- Vereins, an Klingenberg beständen. meinte, daß die die Sache bereits polizeilich geregelt ſei. Betreffs der Sedanstraße wurde mit großer Mehrheit beschlossen, die im Etat zur Asphaltierung eingesetzten 33 000 m. abzusetzen. Dadurch glaubt man, die halsstarrigen Eigentümer eher gefügig zu machen, ob aber damit der dortigen Bevölkerung gedient ist, dürfte sehr bezweifelt werden. Marktpreise von Berlin am 25. März. Nach Ermittelungen des tgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte 17,35-17,37 M., mittel 17,33-17,32 M., geringe 17,31-17,30. Roggen**), gute Sorte 13,70-13,69 m., mittel 13,68-13,67 M., geringe 13,66-13,65 m. Futtergerste*), gute Sorte 16,00-14,80 m., mittel 14,70 bis 13,60 M., geringe 13,50-12,40 M. Hafer*), gute Sorte 16,20-15,40 m., mittel 15,30-14,60 m., geringe 14,40-13,90 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,00-30,00 M. Speiſebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linjen 60,00-30,00 m. Kartoffeln 10,00-7,00 m. Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,00 M. Eier per Schod 4,20-2,80 m. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Nichtstroh 5,00-4,16 m. eu 9,00-7,40 M. Der Kampf um den Etat ist am Freitag um 211 Uhr abends zu Ende geführt. Zu den schon erwähnten acht Sizungen kam zum Schluß noch eine geheime, welche sich in der Hauptsache mit Berſonalien beschäftigte. Alle Anträge, welche unsererseits gestellt waren, blieben unberücksichtigt. Die Einsehung von Summen auf Erhöhung Dem Stadtv. Gottheiner scheint es noch immer schwer an- des Armen- und Schul- Etats, sowie für Regulierung von Straßen zukommen, daß im vorigen Jahre der von Handwerkerkreisen ein- und Bürgersteigen wurde abgelehnt. Auch hatte man für die wirtgebrachte Antrag auf Errichtung einer Baugewerkschule sich bei den schaftliche Aufbesserung der Beamten und Lehrer kein Gehör, sodaß Wafferstand am 25. März. Elbe bei Auffig+1,89 Meter, bei Er unsere Genossen gezwungen waren, gegen den Stat zu stimmen. Der Dresden+ 0,45 Meter, bei Magdeburg+3,12 Meter. beschränkten Mitteln der Kommune nicht verwirklichen ließe. Unstrut bet Dber bei Ratibor Meter, bei Breslau hat deshalb den Antrag gestellt: an den Magistrat das Ersuchen Etat schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 1629 100 M., gegen Straußfurt+1,80 Meter. zu richten, im Etat 1905/06 eine Summe von 1000 M. einzusetzen 7 435 078,07 m., nach Abzug der Schulden von 4 410 017,19 M. ber- Frankfurt+ 2,31 Meter. 1674 282. im Vorjahr. Der Besihstand der Gemeinde beträgt Ober- Begel Meter, bei Breslau Unter Begel Meter, bei Weichsel bei Brahemünde+5,01 meter. zu Stipendien für talentvolle, fleißige, jugendliche Handwerker zum bleibt ein Vermögen von 3 025 060,88 M. An Zinsen und Tilgung war the bei Posen+ 2,00 Meter. Meter. Nete bei Usch Besuch von Handwerker- und Baugewerkschulen." Daß gewisse Kreise im Kollegium noch immer für die Unterstützung der Klein- der Anleihen find 227 861,63 M. zu zahlen. An Steuern werden erHandwerker und des Mittelstandes schwärmen, bewies die teilweise hoben: 165 Prozent Zuschlag zur Staatseinkommensteuer gleich Bustimmung zu dem Antrage, dem unsererseits Genosse Küter 206 250 20., 165 Prozent der fingierten Normalsteuersäße für die entgegentrat. Einkommen von 420-900 m. gleich 14 025 M., 165 Prozent Zuschlag von den Forensen usw. 34 560 M., Gewerbesteuer 247% Prozent gleich 61 875 M., Betriebssteuer 30 Prozent gleich 1200 M., Gemeindegrundsteuer 0,4 Prozent des gemeinen Wertes der bebauten 6000 M., Hundesteuer 18 500 W., Brau- und Biersteuer 27 000 M., Swinembe. 763 und unbebauten Grundstücke gleich 277 200 M., Luftbarkeitssteuer Umsatzsteuer 1 Prozent bei bebauten, 2 Prozent bei unbebauten Grundstücken gleich 65 000 M., Steuerstrafen 1044 m. Da vom Magistrat aus die leise Andeutung fiel, die Zeit sei augenblicklich schlecht gewählt, vielleicht auch lasse sich dieser Angelegenheit bei einer anderen Position näher treten, zog der Antragsteller, Stadtv. Gottheiner,„ auf vielfachen Wunsch" seinen Antrag borläufig zurück. Beim Steueretat wurde nichts erinnert, derselbe stellt sich in Einnahme und Ausgabe auf 4 181 360 m. bei einem Ueberschuß bon 3 854 880 M. Ohne Widerspruch gelangten verschiedene Nachbewilligungen zum Etat von 1904 zur Annahme. Ein Antrag auf Abänderung einiger Paragraphen der Geschäftsordnung betr. die Behandlung der Petitionen und Unterftügungsgesuche wurde an einen Ausschuß verwiesen. In geheimer Sigung beschäftigte sich die Versammlung sodann noch mit einem Theater- Projekt, das auf eine bölige Umgeftaltung eines früher gefaßten Beschluffes über die Anlage eines monumentalen firchlichen Gebäudes auf dem Plaz y im nördlichen Gelände schließen läßt. Borläufig foll ein Ausschuß die weitreichende Angelegenheit noch sondieren. Rummelsburg. Rixdorf. Witterungsübersicht vom 27. März 1905, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärke Better 1 heiter 2bededt 2 bedeckt Temp. n. G. 5°.= 4° R. Stationen Barometer Wind. richtung Windstarte 2 Haparanda 764 Still 4 Petersburg 767 S 2 Scilly 4 Aberdeen 4 heiter 3wolfen! 3 Paris 6 754 SS 753 S 761 S Belter Schnee 2bedeat 1 bededt 1 bededt 2Negen Temp. n. 6. 5° G. 4° 9. Hamburg 761 SSD 2 Regen Berlin 763 S23 Frankf.a.M. 765 München 769 S Wien 765 3M Wetter- Prognose für Dienstag, den 28. März 1905. Etwas wärmer, zeitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regen Berliner Betterbureau. Ein größerer Brand kam in der Nacht zum Sonntag in Rigdorf, Kirchhofstraße 45, nahe dem Richardplak, zum Ausbruch, und zwar angeblich in der Drechslerei von B. Steinhoff. Die Flammen müssen fällen und mäßigen südwestlichen Winden. dort stundenlang geschwelt haben, denn als die Gefahr bemerkt wurde, brannte nicht nur die Drechslerei, sondern auch die darüber befindliche Stockfabrik von Brückmann u. Höhn. Als die Rigdorfer Feuerwehr erschien, stand das dreistöckige Gebäude schon vollständig in Flammen. Um eine weitere Ausdehnung zu verhüten, wurden sofort bier träftig Wasser gegeben. Es gelang denn auch ohne fremde Hülfe, das Schlauchleitungen vorgenommen und mit einer Dampfsprike wurde Feuer auf das Fabrikgebäude, das nicht mehr zu retten war, zu be= schränken und die angrenzenden Betriebe zu schüßen. Der Schaden ist bedeutend, indes durch Versicherung gedeckt. Nowawes- Neuendorf. Die Unfitte mancher Unternehmer, Kindern die Leitung eines Fuhrwerts anzuvertrauen, ist für die Frau des Webermeisters Cramer, Wallstraße wohnhaft, verhängnisvoll geworden. Sie wurde am Sonnabendnachmittag an dem Eisenbahnübergang bei der Kirchstraße von einem beladenen Wagen des Kohlenhändlers Scherfenberg, welchen ein 13jähriger Junge bediente, überfahren, wobei sie außer einer schweren Schulterberlegung mehrere Rippenbrüche erlitt. Die Verlegte wurde in ihre Wohnung gebracht, wo sie schwer frank daniederliegt. Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß unser einziger Sohn, Bruder und Schwager, der Maler Artur Koepnick nach schweren Leiden sanft ent schlafen ist. Die Beerdigung findet in Spandau am Mittwoch, den 29. März 1905, nachmittags 4, Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofs in den Kisseln aus statt. Emil Koepnick und Familie. Paul Litfin. Martha Litfin geb. Koepnick. Nach langen schweren Leiden berstarb am 26. d. M. mein lieber Mann und Schwager, der Stein5025 träger August Obst Verein ehem. Beelitzer B 1.1902. Vortrag des Herrn Oberarztes der Beeliger Heilstätten am Donnerstag, den 30. März, abends 8 Uhr, in den Residenz Festfälen, Landsbergerstr. 31. Gäste will tommen. 4826 21856 Die Beleidigung, die durch Uebereilung Herrn B. Richter zugefügt habe, nehme ich hiermit zurüd. 5015 Frau Dünger, Tilsiterstr. 80. Bruch- Pollmann . empfiehlt sein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, Suspensors, fowie sämtliche Artikel zur Krankenpflege. Eigne Werkstatt. Liefer. f. Drts- u. Hülfs- Krankenkassen Berlin C., 30. Linien- Straße 30. NB. Alle Bruchbänder mit elasti schen Belotten, angenehm und weich am Körper. 16382* In der letzten Sigung der Gemeindevertretung wurde der Grlaß eines die Verwaltung des Realprogymnasiums regelndes Ortsstatut beschlossen. Desgleichen stimmte die Vertretung dem Erlaß eines Ortsstatuts betreffend die Fürsorge für die Witwen und Waisen der Lehrer und Bearen des Realprogymnasiums zu. Gemäß einem Antrage der Schuldeputation wurde die Einstellung eines Lehrers als ständigen Vertreter erkrankter und beurlaubter Lehrpersonen beschlossen. Die vorgelegte Schlußabrechnung über den Borhagener Schulhausmittelbau schließt mit 411 233,19 M. ab. In nicht öffentlicher Sizung wurde zum zweitenmal über den Anlauf des sogenannten Krauseschen Eisgrundstücks verhandelt. Bor etwa 6 Wochen wurde der Ankauf dieses Grundstückes für den Preis von Eine für die Sittlichkeit und den Gesundheitszustand in unseren 320 000 m. abgelehnt. Heute lag nun ein neues Angebot vor; hier- Gemeinden geradezu gefährliche Praris betreibt die Direktion der nach soll das Grundstück nur noch 245 000 M. foften. Da das Grund- Deutschen Jutespinnerei in Neuendorf. Die Spinnerei leidet stüd zu fünf Sechsteln aus einem See besteht, dessen Grund zum unter einem fortwährenden Arbeitermangel. Anstatt diesem Mangel größtenteil noch moorig sein soll, so konnte sich auch diesmal, trotz der durch Aufbesserung der äußerst geringen Löhne abzuhelfen, versucht fie Verminderung des Preises, die Vertretung in ihrer Mehrheit zu seit Jahresfrist, auswärtige Arbeiterinnen( aus Schlesien, Polen einem Anfaufe nicht entschließen; in namentlicher Abstimmung wurde usw.) heranzuziehen, was ihr auch gelungen ist, indem bereits etwa der Ankauf gegen 9 Stimmen abgelehnt. Ferner lagen in dieser nicht 100 auswärtige Mädchen bei ihr beschäftigt sind. Da für diese Priöffentlichen Sigung verschiedene Projekte einer Straßenbahn- batlogis hier nicht zu haben sind, so bringt die Firma die Arbeiteverbindung mit Berlin zur Erörterung bor. Die Dis- rinnen in Massenquartieren unter; sie hat zu diesem Zweck ein Haus kussion ergab, daß die hiesigen Grundbesißervereine durch ihre in der Mühlenstraße gekauft, sowie einige leerstehende Wohnungen Nebenunterhandlungen mit der Großen Berliner Straßenbahngesells gemietet, diese mit Betten usw. ausgestattet und die Mädchen grupschaft der Gemeinde einen schlechten Dienst erwiesen haben. Das penweise auf die einzelnen Räume verteilt; auch in dem ehemals zur Geschrei dieser Vereine, daß es nur an dem Willen der Gemeinde- Villa des Direktors gehörenden Pferdestall sind einige Mädchen unterbertretung bisher gelegen habe, daß die Große Berliner Straßen gebracht, nachdem der Stall etwas hergerichtet ist. Eines der Mädbahn noch nicht durch Rummelsburg fährt und daß, wenn die Ge- chen hat in der vorigen Woche ein Kind geboren; am anderen Tage Für die mir beim Begräbnis meiner meinde ja sage, die Große Berliner sofort unter den günstigsten Be- ging es wieder zur Arbeit, ohne für Aufsicht und Pflege des Kindes lieben, unvergeßlichen Frau Bertha Hustentropfen. bingungen eine gute Linie nach hier bauen würde, hat sich als nicht zu sorgen; als die Mutter am Abend nach Hause kam, war das Kinduce geb. Horn erwiesene Teilnahme unerreicht wirkungskräftig. sage ich hiermit allen Kollegen, zutreffend erwiesen. Wohl ist die Große Berliner bei einer Ron- tot; aus Furcht vor Strafe ist das Mädchen von hier verschwunden. Freunden und Bekannten meinen zessionsdauer von 60 Jahren geneigt, die Linie Wilmersdorf- Frank- Ein anderes Mädchen mußte wegen einer häßlichen Krankheit das herzlichsten Dank. furter Allee( Ringbahnhof) durch die Niederbarnimstraße nach Krankenhaus aufsuchen. Da sich diese Zustände noch verschlimmern Rummelsburg, aber auch nur bis zum Rathause zuführen; bei Wei- dürften, ist es begreiflich, daß viele Kreise der Einwohner dieser terführung der Bahn bis zur Neuen Brinz Albertstraße soll die Ge- Praris der Direktion der Jutespinnerei mit sehr gemischten Gemeinde die etwaigen Mindereinnahmen decken. Die Vertretung sprach fühlen gegenüberstehen; auch eine Sihung der Nowaweser Armenfich dahin aus, daß eine Konzessionsdauer von 60 Jahren und die Deputation hat sich mit den Zuständen beschäftigt; und man ist allFührung der Bahn nur bis zum Rathause sowie auch die übrigen seitig der Ansicht gewesen, daß das Verhalten der Direktion ein Bedingungen für die Gemeinde un annehmbar sind. Es soll humanes nicht genannt werden kann. Leider bieten die Geseze keine deshalb mit der Firma Siemens u. Halste sowie mit der Stadt Handhabe, um diesem Verfahren der Fabrikleitung Einhalt zu tun. Berlin betreffend Erbauung einer Straßenbahn nach Rummelsburg weiter verhandelt werden. Potsdam. Vermischtes. Potsdamer Steuerverhältnisse. In der Potsdamer Stadtberordnetenversammlung beschäftigte man sich am Freitag längere Ein schwerer Unfall ereignete sich bei den Ringtämpfen im Der auch in Berlin bekannte Zeit mit der Finanzlage der Stadtgemeinde, um schließlich die Metropol- Theater zu Bremen. Steuerzuschläge pro 1905/6 festzusetzen. Es fand bei den Zu- Ringer Heinrich Eberle stürzte so unglücklich, daß er schwere innere schlägen zur Einkommensteuer, Grund- und Gebäudesteuer und Ge- Verlegungen erlitt. Eberle rang mit dem Franzosen Jean werbesteuer eine Steuerhöhung von je 5 Proz. statt, sodaß jezt Bierard und hob nach einem Kampfe von achtzehn Minuten seinen 110 Broz. Zuschlag zur Einkommensteuer, 160 Proz. Bu Gegner mittels Untergriffes aus dem Stande. Hierbei blieb Eberle schlag zur Grund- und Gebäudesteuer und 135 Proz. Zu- mit einem Fuß in dem Teppich hängen, stürzte rücklings zu Boden, fchlag zur Gewerbesteuer erhoben werden. Die Waren= wobei Pierard, der ein Gewicht von 330 Pfund hat, auf ihn fiel. haussteuer ist mit 35 000 m. veranschlagt und dient dieser Zwei sofort hinzugezogene Aerzte fonstatierten eine Verlegung des Betrag dazu, daß bei der Gewerbesteuer die Klasse IV gänzlich und Blinddarmes, an dem der Verunglückte bereits vor längerer Zeit Klasse III teilweise nicht erhoben wird. Die Schlachtsteuer operiert worden war. ist, mit einem Mehr von 12 000 M., in Höhe von 381 000 m. in den Stat eingestellt. Die Wildpret, und Geflügelsteuer soll gleichfalls ein Mehr von 1500 m., im ganzen 31 000 Mark bringen, während die Biersteuer ein Minus von 1000 m. gegen das Vorjahr aufweist und mit 41 000 M. in den Etat eingestellt ist. Der Rückgang ist in der verminderten Biereinfule nach Potsdam zu suchen. Die Umsatzsteuer soll wie im Vorjahre 50 000 m., die Hunde steuer ein Mehr von 5000 M., im ganzen 23 500 m. einbringen. Um die Steuern nicht noch weiter Bier Knaben getötet. Aus Homburg, Pfalz, wird berichtet: Sonntag wurden an der am Riesstollen belegenen, nicht bearbeiteten Better entzündet; es erfolgte eine Explosion, bei der vier Knaben Grube, Konsolidiertes Nordfeld Waldmohr" durch Kinder schlagende getötet und einer schwer verletzt wurde. Aus Budapest wird gemeldet: Bei den beiden Erdrutschen, die sich gestern in Semlin ereigneten, wurden insgesamt 7 Soldaten verschüttet und 14 teils schwer, teils leicht verlegt. Ein Soldat und im Alter von 41 Jahren. Dies zeigt tiefbetrübt an die trauernde Witwe Anna Obst. Die Beeerdigung findet Mitts woch, den 29., nachmitt. 1, Uhr, bom Trauerhause, Frankfurter Allee 10a, aus statt. 4875 Der trauernde Gatte Otto Lucke, Bernauerstr. 48. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme sowie für die zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage ich allen Freunden und Bekannten sowie den Kollegen der Werkstatt Holze meinen herzlichsten Dank. 25232 Die trauernde Witwe Ida Reis. PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 87/ 9* Hant- und Harnleiden. Gegen Husten, Heiserkeit, Verschleimung, Halsentzündung und jedwede Erkrankung der Luftwege nehme man die bewährten Reichels Der Erfolg ist überraschend! Fl. 50 Pf. Echt nur mit Marke „ Lichtherz". Otto Reichel, Berlin, Elsenbahnstraße 4. 22112* Kinderwagen- Kuhlicke Berlins größtes Spezial- Geschäft Hauptlager: Nene Königstr. 48 2. Lager: Königgrätzerstr.84 Kinderwagen, KinderSportwagen, Kinder- Bettstellen. 10-2,5-7. Gonntags 10-12, 2-4. Riesen- Auswahl. Spotthillige Preise, Kranz- und Blumenbinderei von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Bereins- Kränze, Balmen- u. 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Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 29. b. M., abends 8, Uhr, in den„ Arminhallen", Kommandantenstr. 20: Versammlung der Mechaniker, Optiker, Uhrmacher sowie aller in den Sozialdemokratischer Wahlverein f. d. 4. Berliner Reichstagswahlkreis( 6st). Dienstag, den 28. März, abends 8 Uhr, in Boekers Gesellschaftshaus, Weberstraße 17: Versammlung. Orts- Krankenkasse BoxhagenRummelsburg. Unsern Mitgliedern zur Kenntniss nahme, daß die in der General- Versammlung vom 15. November 1904 beschlossene Statutenänderung, betreffend die§§ 13, 49 und 50 am zu Potsdam genehmigt sind und vom 3. April cr. in Kraft treten. 271/17 Tagesordnung: 1. Soldatenmißhandlungen und Militärjustiz. Referent: Neichstags- Abgeordneter 8. März 1905 vom Bezirksausschuß; Genosse Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 2486* Gäfte haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Vorstand. VI. Wahlkreis! Dienstag, 28. März, abends 8% Uhr: Volks- Versammlung in Weimanns Volksgarten, Badstraße 56. Zages Ordnung: 219/ 12* mechanischen Betrieben beschäft. Arbeiter u. Arbeiterinnen. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten fräßdorf über: Die politische Lage. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Branchenvertreters und der Agitationstommission. 2. Neuwahl des Branchenvertreters und der Agitationsfommission. 3. Berschiedenes. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt." Mittwoch, den 29. d. M., abends 8, Uhr, im Dresdener Garten". Dresdenerstr. 45: Versammlung der Gold- und Silberarbeiter u. verw. Berufsgenossen. Tages Drdnung: 1.„ Der Verbandstag in Leipzig". 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Mittwoch, den 29. d. M., abends 8, 1hr, im„ Rosenthaler Hof", Rosenthalerstr. 11/12: Versammlung der chirurgischen Branche. Tages- Ordnung: 1. Die Ergebnisse der aufgenommenen Statistik". 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. 2. Disfuffion. Wir erwarten, daß sämtliche in der Branche beschäftigten Kollegen und Kolleginnen in dieser Versammlung erscheinen. Es muß endlich einmal in unserer Branche mit dem alten Schlendrian gebrochen werden, und ersuchen wir, daß alle Kollegen und Kolleginnen pünktlich erscheinen. Mittwoch, 29. b. M., abends 8%, Uhr, im Lokal von A. Reisen, Gr. Lichterfelbe, Chauffeeftr. 104: = Bezirks Versammlung für Steglitz und Umgegend. Tages- Ordnung: 1. Bortrag. 2. Bahl eines Schriftführers. 3. Verbandsangelegen heiten und Verschiedenes. 114/1 Die Ortsverwaltung. Deutsche Metallarbeiter- Gewerkschaft. Verwaltungsstelle Berlin. Bureau und Arbeitsnachweis: Rosenthalerstr. 57. ( 2. Eingang Gormannstraße.) Geöffnet von 9½- 2 und 4-8 Uhr. Telephon III 1296. Mittwoch, den 29. März 1905, abends 6%, Uhr: Oeffentliche Versammlung in der Kronenbrauerei, Alt- Moabit 47-49. Zages- Ordnung: 1. Welche Lehren haben wir aus der beendeten Bewegung in der Gelb metall- Industrie und den Bergarbeiterstreits zu ziehen? 2. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 74. 22. Jahrgang. 3. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Dienstag, 28. März 1905. Ein Unhold, im schlimmsten Sinne des Wortes, wurde dem Schwurgericht des Landgerichts I in der Person des Hausdieners Arthur Rudolf aus dem Moabiter Untersuchungsgefängnis vorgeführt. Nach dem Eröffnungsbeschluß wurde R. des schweren Sittlichkeitsverbrechens, der Freiheitsberaubung und Körperverletzung mittels einer das Leben gefährdenden Behandlung gegenüber einer 12jährigen Schülerin beschuldigt. Die Verhandlung fand hinter verschlossenen Türen statt und zog sich bis in die späte Abendstunde hin. Das Urteil gegen Rudolf lautete auf 8 Jahre Zuchthaus, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 10 Jahren. Wie aus den öffentlich verkündeten Urteilsgründen zu entnehmen war, hatte der Angeklagte die kleine 12jährige Tochter des in demselben Hause wohnhaften Gastwirts G. in den Keller gelockt und längere Zeit gefangen gehalten, nachdem er das Kind in der scheußlichsten Weise vergewaltigt und dann halb tot geschlagen hatte. Die Geschworenen bejahten sämtliche Schuldfragen im Sinne der An lage. Der Staatsanwalt beantragte die höchstzulässige Strafe von 10 Jahren Zuchthaus. Der Gerichtshof erkannte auf 8 Jahre 3uchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Angeflagte einer unglaublich rohen und brutalen Handlungsweise Angeklagte sei, wie schon der von ihm verübte räuberische Ueberfall delu Gerichts- Zeitung. 1911A schuldig gemacht hat, welche die betrübendſten Folgen nach sich zog, zeige, ein überaus gemeingefährlicher Verbrecher, der möglichst lange eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren 6 Monaten. Der unschädlich gemacht werden müsse. Der Gerichtshof erkannte deshalb Um eine Auge. Ein Aft unglaublicher Roheit Tag einer An- Gerichtshof hielt dem Angeklagten seine bisherige unbescholtenheit auf 2 Jahre 6 Monate Buchthaus, 420 M. Geldstrafe und Hage wegen schwerer Körperverlegung zugrunde, welche geſtern die zugute und erkannte auf ein Jahr 6 Monate Gefängnis. 5 Jahre Ehrverlust. 4. Straffammer des Landgerichts II beschäftigte. Auf der Anklage- Zugleich wurde K., da bei der Höhe der erkannten Strafe Fluchtbank mußte der Steinfeger Paul Klammer aus Briz Plaz nehmen. verdacht vorliege, sofort im Gerichtssaale verhaftet. Am 9. November v. 3. saß der Handelsmann Hermann Gointe in Der Herr Privatdozent". Wegen eines räuberischen Ueberfalls dem Piekkerschen Lotal in Brik gemütlich beim Glase Bier. Nach im Stadtbahnabteil wurde am 24. dieses Monats der Landwirt Otto einiger Zeit betrat der Angeklagte mit seinem Schwager das Lokal. Kuhn vom Schwurgericht I zu 3 Jahren Zuchthaus.berur Hier entspann sich ein geringfügiger Streit. Klammer behauptete, teilt. Daß dem Verurteilten, außer dieser wohl mehr im Wild- West Schinte hätten seinen, des Angeklagten, Jungen wegen einer Un- anzuwendenden Verbrecherspezialität, auch verschiedene andere Megezogenheit„ berhauen". Schinke bestritt dies, worauf sich der An- thoden, seinen Mitmenschen das Geld aus der Tasche zu holen, gegeklagte auch beruhigte; der ganze Streit schien beendet zu sein, denn läufig sind, zeigte eine Verhandlung, welche gestern vor der 4. StrafBeide tranten zusammen ein Glas Weißbier und unterhielten sich fammer des Landgerichts I stattfand. Kuhn entstammt einer sehr längere Zeit ruhig an einem Tisch. Plötzlich kam das Gesprächs- guten Familie, hat eine anständige Erziehung genossen und ist nur thema wieder auf den vorherigen Streitgegenstand. Wenn ich genau durch eigene Schuld auf den Weg des Verbrechens gedrängt worden. wüßte, daß Du meinen Jungen geschlagen haft, würde ich Dir ein Nach Verbüßung einer einundeinhalbjährigen Gefängnisstrafe wurde paar Ohrfeigen geben!" Diese Borte des Angeklagten wurden in S. aus der Strafanstalt entlassen und hatte nunmehr nichts Giligeres deffen schon mit einigen wuchtigen Ohrfeigen, die er dem Schinke zu tun, als sich dieses Mal als Hochstapler zu etablieren. Bei verohne weiteres venabfolgte, begleitet. Nicht genug damit. Von einem schiedenen größeren Bianofortefabriken gab sich der Angeklagte als plöblichen Wutanfall gepadt, ergriff der Angeklagte das vor ihm ẞribatdozent an der föniglichen landwirtschaft her lingetten stehende Weißbierglas und führte mit diesem einen furchtbaren Lichen Hochschule" aus und entnahm auf Teilzahlung mehrere Schlag in das Gesicht des Schinke. Das Glas zerschellte in einzelne Klaviere. Gr zahlte nur etwa 10-15 M. auf jedes Jnstrument an Stüde, ein größeres Stück drang dem Verletzten in das linke Auge und sobald es ihm übermittelt war, wanderte es auch sofort ins und führte eine vollständige Zerstörung des Augapfels herbei. Troß Leihhaus In dieser Weise gelang es dem Angeklagten, mehrere Simpliciffimus" Prozeß in Stuttgart. Die„ Simpliciffimus". entfeßlichster Schmerzen hatte Schinke noch soviel Geistesgegenwart, Pianofabrikanten um nicht unerhebliche Beträge zu schädigen. Vor Redakteure Ludwig Thoma( München) und Linnetogel( Stutt das Lokal zu verlassen und zu einem Arzt zu laufen. Dieser ordnete Gericht war. geständig, erhob jedoch wiederum den Einwand der gart) hatten sich in Stuttgart wegen Beleidigung der Königse cine jofortige Ueberführung des S. nach der Charité an. Sier fonnte Unzurechnungsfähigkeit und erklärte, von der ganzen Angelegenheit Berger Bolizei zu verantworten, die sich durch den Artikel„ Staatsjedoch nur noch der Augapfel entfernt werden. Nur der Kunst der nur noch zu wissen, daß er einmal ein Klavier versezt habe. Der hoheit" der Nummer 51 von Mitte März 1904 verlegt fühlte. In Merzte war es zu verdanken, daß die Sehkraft auf dem rechten Auge, Staatsanwalt beantragte eine Zusatzstrafe von 1½ Jahren bem Artikel wurde die bekannte Studentenauslieferung an Rußland Beide Angeklagte sind to stenlos frei welches ebenfalls start in Mitleidenschaft gezogen war, erhalten blieb. 3 uchthaus und die üblichen Nebenstrafen. Der Gerichtshof ging scharf gegeißelt. Staatsanwalt Dr. Pa b ft beantragte in Anbetracht, daß sich der jedoch ganz erheblich über das beantragte Strafmaß hinaus. Der gesprochen worden.misce Micht teuere kostspielige medikamente gereichen dem Gemeinwohl zum Vorteil, sondern erprobte Nährmittel, welche preiswert und überall fäuflich sind. Knorrs Haferpräparate und Suppenmehle zeichnen sich durch ihre borzügliche Qualität aus: sie sind aus den besten und feinsten Rohmaterialien hergestellt, ohne besondere Aufwendungen und überall zu erlangen. 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