Kr. 7«. fl bonnemenf S'Bedlngungen: Wotmcmentä- Preis pränumerando; WerteljShrl. 3,30 STOf., monafl. 1,10 TOT, wöchentlich LS Pfg, frei WZ HauS. Einzelne Nummer 5 Pig. Sonntags- »ummer mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reu- Welt- 10 Psg. Pos!. Zlbonncmenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-ZeitiingS- Preisliste. Unter kreuziand für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für das tibrlge AuSIan» s Marl pro Monat. CrfibdRt agllch auCtr montaai. Devlinev VolktsblÄkk- SÄ. Jahrg. vi« Insertion!-eebt»,« öeträgt für die sechSgespallene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg.. für politische und gewerlschastlichc PereinS- und PersammluiigS-Aiizeigen 25 Psg. „Klttne Hn«ig«n". da« erste(feit- gedrutlle) Wort 10 Pfg, jede» weitere Wort ö Pfg. Worte über 16 Buchstaben zählen ffit zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer mästen bi« 6 Uhr nachmittag« in der Expeditton abgegeben werden. Die Expeditton ist an Wochen- tagen bi« 7 Uhr abend?, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm-tldreste: „S«zlaN(B*lirat Benin". Z«Mtfalorgan der lozialdcmokrati fchen Partei Deutfchtandd. Redaktion: 8LI. 68, Llndenetrassc 69. Fernsprecher: Amt IT. Rr. 1983. Donnerstag, den BO. März 1905. Expedition: 8 Cd. 68, Ltndenetraeec 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Die Krise des Dualismus. Aus Wien wird uns vom 26. März geschrieben: In der Ofener Burg sitzt ein Greis, der sich nicht zu helfen weiß: Das ist so die gegenwärtige Lage in Ungarn. Aber es wäre ungerecht, für die Tragikomödie der Situation den alten Kaiser verantwortlich machen zu wollen. Denn die Unlöslichkeit des dualistischen Problenis steckt nicht in den Menschen, sondern in den Dingen. ES handelt fich ja nicht allein um einen Konflikt zwischen der Parlamentsmehrheit und der Krone, der also durch die Nachgiebigkeit des Monarchen leicht geschlichtet werden kann: in jenem Gegensatz steckt auch der Gegensatz zwischen Ungarn und Oester- reich, also, wenn das paradoxe Wort gestattet ist, zwischen dem Kaiser von Oesterreich und dem König von Ungarn. Wie soll sich also Franz Joseph entscheiden? Soll er als Kaiser von Oesterreich handeln und dadurch die Ungarn, deren Loyalität fich ja von alters her als Tendenz von Soll und Haben darstellt, der Dynastie ent- fremden, soll er als König von Ungarn handeln, sich als kon- stiwtioneller Regent dem Willen der Mehrheit des Reiches unter- werfen und fich so um alles Ansehen in Oesterreich— und wohl auch in der nächsten Umgebung— bringen? Ueber dem Inhalt der Forderungen der neuen Mehrheit schwebt trotz der langen Krise geheimnisvolles Dunkel, aber dennoch versteht man, um was sich der Streit dreht. Die Sache ist einfach die, daß die neue Majorität einen staatsrechtlichen Erfolg braucht— welcher Art, ist eigentlich gleichgültig, nur recht in die Augen fallend muß er sein. Daß in ihrem Wunschzettel die Aufhebung der Wirtschaft- lichen Gemeinsamkeit, des gemeinsamen Zoll- und Handelsgebietes nicht an erster Stelle steht, kann man für gewiß nehmen. Erstens ist hier der Reichstag von der Krone ganz unabhängig; eine Gemeinsamkeit muß nicht, um beseitigt zu werden, auf- gehoben werden, vielmehr muß fie regelmäßig erst ver- einbart werden und hört also, wenn nicht bis dahin ein neuer Ver- trag(für den es freilich bereits jetzt zwei Formen gibt und dessen Art noch wesentlicher Umgestaltung fähig ist) Ende 1S67 von selbst auf. Andererseits ist aber die Gemeinsamkeit des Zollgebietes für Ungarn eine so wichtige Sache, daß auch darum kein Mensch ernstlich daran denkt, sie in einer absehbaren Zeit zu beseitigen, wenn fich auch jedermann in Ungarn wie in Oesterreich darüber klar ist, daß auf die Dauer dieses nicht bloß gemeinsame, fondern auch einheit- liche Zollgebiet nicht aufrecht zu erhalten sein wird. Mehr als die Anerkennung dieser Entwickelungstendenz fordert auch die Mehrheit nicht. Sie will die Gemeinsamkeit nicht aufheben, aber fie will zugestanden haben, daß fie keine Bedingung ist, ohne die eS nicht geht, also beseitigt werden kann und beseitigt werden tvird, wenn sie für Ungarn aufhören wird, eine Notwendigkeit und ein Borteil zu sein. So verworren fich die Dinge im Augenblick ausnehmen, so scheint es uns doch nicht zweifelhaft, daß.schließlich jener ganze Konflikt der Vereinbarungen der beiden Regierungen, den man Ausgleich nennt— wozu also das neue Zoll- und Handels- Verhältnis, der autonome Zolltarif und die Handelsverträge ge- hören— Geltung erlangen wird, wenn auch wirklich schwer zu sagen wäre, wie das alles bis Ende diese» Jahres in den beiden Par- lamenten bewältigt und geordnet werden wird. Dennoch ist das Schwergewicht der Notwendigkeit so groß. da« bloße Nichtzustandekommen all der Dinge so wenig eine Neuregelung als das Chaos eine Ordnung ist, daß eben das, was sein muß, auch geschehen wird— wenn es auch, infolge der parlamentarischen Wirren, seine Form noch ganz beträchtlich verändern kann. Eigentlich steht es für die ReichStagsmehrheit auch mit militä- rischen Forderungen nicht wesentlich anders. Hier geht bekanntlich ihre Forderung in der Haupts ache dahin, daß für den ungarischen Teil der gemeinsamen Armee die ungarische Kommandosprache eingeführt wird— die jetzt im ganzen Bereiche der k. und k. Armee die deutsche ist. Auch diese? ist nach dem wirklichen Stande der Dinge auf lange Zeit noch nicht zu verwirklichen, weil es den Magyaren an der nötigen Zahl von Offizieren gebricht und deren Aufzucht, die jetzt künstlich betrieben wird— widmet ihr doch Ungarn jährlich beinahe eine Million Kronen an Stipendien— erst in einem Menschen- alter ihre Wirkung zeitigen wird. Auch hier beschränkt sich also die Forderung der neuen Mehrheit aus eine theoretische Anerkennung. wozu freilich die Bedingung tritt, daß sich auch die Krone neue militärische Forderungen versagt und sowohl die projektierte Ver- mehrung des Mannschaftsstandes wie die Bewilligung einer Anleihe für die in den letzten Delegationen genehmigten Gelder Kredite sinSgesamt 450 Millionen Kronen) aufgibt oder wenigstens zurückstellt. Der Konflikt besteht also darin, daß die neue Mehrheit einen privatrechtlichen Erfolg, einen fichtbaren und den Wählern in die Augen springenden Erfolg braucht; wogegen der König den Beweis seiner Entschlossenheit und Widerstandsfähigkeit nicht missen kann. Denn so wie die neue Mehrheit einen Belveis braucht, daß sich durch ihr Bündnis die Dinge geändert haben und weiterhin noch ganz anders ändern werden, so braucht die Krone den Beweis, daß sich nichts geändert hat, weil sich an den Grundlagen des Reiches im Ausgleich de« JahreS 1867 nicht» ändern darf, daß also die Ver- änderung der Mehrheit de» ungarischen Abgeordnetenhauses in inneren Angelegenheiten ungarisch ist und bleiben muß. die an den Tatsachen deS Dualismus sdie sich im großen und ganzen auf die Gemeinsamkeit und Einheitlichkeit der Armeen beschränken) weder rütteln noch ändern kann. Auch ist nicht zu verkennen, daß die Stimmung in Oesterreich ganz außerordentlich gereizt ist und also auch gegenüber in der Sache ziemlich belanglosen Zugeständnissen, die e« früher mehr mit gutmütigem Spott aufgenommen hat. sehr empfindlich geivorden ist. woraus fich eben ergibt, daß der König von Ungarn nicht so leicht vergessen darf, daß er auch Kaiser von Oesterreich ist. Wie kann aber diese merkwürdige Situation beendet werden, Ivie wird der Konflift ausgehen? Denn daß er nicht lange währen kann, liegt angesichts der dringenden und drängenden Aufgaben auf der Hand. Stockt doch, von anderem ab- gesehen, die ganze Vorarbeit fiir die Handelsverträge, die sämtlich bis Ende des Jahres gekündigt sind und also in diesem Jahre mit den auswärtigen Staaten geschlossen und in den Parlamenten er« ledigt werden müssen. Vergleicht man objektiv die Machtmittel, welche der Krone und dem Reichstage zustehen, so fällt der Vergleich sehr zuungunsten der Krone aus. Im Grunde hat der König von Ungarn gegenüber dem ungarischen Parlamente keine größere Macht, als die eines negativen Vetos, mehr als nein zu sagen, vermag er nicht; nicht einmal das formale Mttcl eines Appells an die Wähler steht ihm zu Gebote. Er findet heute schlechtweg keinen Minister, der seinen Teil exekutieren würde. In Ungarn gibt eS keinen§ 14 und gibt eS, was von auSschlag- gebender Bedeutung ist, nicht die Einrichtung unparlamenkdrischer Regierungen. Einem Versuch, in Ungarn so etwas wie ein Beamten- Ministerium zu ernennen, würde sich also nicht bloß die Mehrheit, sondern mit der allergrößten Entschiedenheit der ganze Reichstag ent- gegenstellen. Nicht einmal das Ausknnftsmittel existiert, den Reichstag zu vertagen und das demissionierte Ministerium TiSza im Amte zu belassen. Aus allem ergibt fich. daß ohne eine Konzession an den staatsrechtlichen Standpunkt der neuenMehr« heit die Krise nicht gelöst werden kann, eine Unter- werfung der neuen Mehrheit unter den Willen des Königs weder zu verlangen noch zu erwarten ist. Die Belagerung durch die Tat- fachen wird aber Franz Joseph nicht lange aushalten. Daraus wird natürlich nicht folgen, daß der Dualismus von heute auf morgen aufgelöst wird— etwa so, wie man eine protokollierte Finna im Handelsregister löscht— aber daraus folgt, daß er auf die Dauer nicht haltbar ist. Die Unter- drückung der dualistischen StaatSformen ist mithin Sache der Ent- Wickelung, aber daß die EntWickelung darauf gerichtet ist, wagt heute kein Optimist zu bestreiten. Die Mini st er kr ife wird schließlich irgendwie g e l ö st werden, die Krise des Dualismus ist aber unlösbar.— Karl Marx über Terrorismus. Die neueste Nummer der«Vie S 0 ci al i sie', der von Press enss herausgegebenen, der Einigung der ftanzösischen Sozialisten gewidmete» Zeitschrift, veröffentlicht eine» bisher ungedruckten Brief von Karl Marx an seine Tochter Jenny Longuet, in dem Bemerkungen über den russischen Terrorismus enthalten sind. In wenigen Zeilen erschöpft hier Karl Marx alles, was über- Haupt über die Frage des russischen Terrorismus gesagt werden kann. Der Brief ist datiert aus London vom April 1881. Er führt uns in die Zeiten der Narodnaja Wolja, der älteren terroristischen Revolutionspartei, und knüpft an die Tötung Alexanders II. an und den Prozeß gegen die Urheber deS Attentats, Sophie PerowSkaja, Jeliaboff, Kibaltchitch, Mikhailoff und Ryffakoff, die sämtlich zum Tode verurteilt wurden. Marx wendet sich zunächst gegen gewisse anarchistelnde Gruppen russischer Revolutionäre, die in Genf ihr Wesen trieben, die einmal Europa zu überzeugen suchten, daß sie alle Attentate organisiert hätten, dann aber, als Bismarck und Konsorten die Prahlereien aus- nutzten und die Sache für sie gefährlich wurde, die Welt zu über- zeugen suchten, daß fie ganz friedliche Leute seien. Im Gegensatz zu dieser Haltung dieser Genfer, deren Einfluß auf das Schlachtfeld in Rußland selbst gleich Null sei, feiert er die Helden des Attentat» auf Alexander II.: .Hast Du den Prozeß der Urheber des Petersburger Attentats verfolgt? Das find alles bewunderungswürdige Menschen, ohne melodramatische Pose, voll Einfachheit, wahre Helden. Schreien und Handeln sind zwei entgegengesetzte Dinge, die sich nicht ver- einigen lassen. Das Petersburger Exekuttv- Komitee, das mit so großer Entschlossenheit handette, veröffentlicht Manifeste von außer- ordentlicher Mäßigung. Wie weit ist das von der Art der Most und anderer knaben- hafter Helden entfernt, die den Tyrannenmord als Universaltheorie und Allheilmittel predigen!(Selbst so ftiedferttge Engländer wie Disraeli, Savage Landor, Macaulay, Shaufield sprachen ebenso wie sie, al» fie ihren Freund Mazzini unterstützten). Das Exekuttv-Komitee wendet sich an Europa, um eS zu überzeugen, daß ihr Vorgehen eine spezifisch russische Taktik sei, zudem geschichtlich unvermeidlich, über die man schließlich ebensowenig dafiir oder dagegen moralisieren kann wie über das Erdbeben von ChioS." « �« Die Revolution in Rußland. (Offizielles Telegramm.)* Reval, 29. März. Zahlreiche Proklamationen fordern die Arbeiter auf, Unruhen in Masse am 2. April zu organi- sieren. In der Fabrik Dvigatel haben die Unruhen bereits angefangen. Petersburg, 28. März. Unter den Bauern des Bezirks Windau find vielfach schwere Unruhen ausgebrochen, zu deren Unterdrückung, wie üblich, Truppen abkommandiert worden sind. Saratow, 29. März.(Meldung der Petersburger Telegraphen-Agentur.) Eine außerordentliche Gouvernements- Semstwoversammlung beschloß, den Minister des Innern um unverzügliche Beratung über die gegenwärtige vage unter Teilnahme von Vertretern der Saratower Gesellschaft anzn gehen, weil die Lage sich immer mehr zuspitze. Erfordern� sei die Anfhebuug des verstärkte» Schutzes. Um der Gesell- schaft die bürgerliche Freiheit zu gewähren, sei keine komplt- fertc gesetzgeberische Arbeit erforderlich. Ferner wurde be- W Mi''>..... ge: Nreisc von den Japanern erkauft seien, zu widerlegen. «er_.,. WWW» BW schlössen, den Minister und den Synod darum anzugehen, öffentlich die lügenhaften Meldungen, wonach die intelligenten Väterchen läßt sagen. Petersburg, 2g. März. Der Zar hat au den Warschauer Generalgouverneur ein Reskript gerichtet, in welchem darauf hin- geivicsen wird, daß sich mit der Erneuerung des bürgerlichen Lebens im Weichselgebiet in den verflossenen letzten 40 Jahren eine Reihe von Bcdürfmsse»(I) hervorgedrängt hätten, denen die Regierung jetzt be- sondere Aufmerksamkeit schenke. Die Versuche der Feinde der Grenzen der Anwendung der Staatssprache, welcher im ganzen Reiche eine gebührende hohe Bedeutung gesichert bleiben müsse, aber ohne überflüssige ungerechte Verdrängung der örtlichen Sprachen. Demgemäß beauftragt der Kaiser den Generalgouvenieur, unter gesetzmäßiger fester Unterdrückung der künstlich hervorgerufenen Wirren, an die Ausarbeitung von Reformen zu schreiten, die als notwendig anerkamtt werden für das Gedeihen des untrennbar mit den übrigen Teilen des russischen Staates verbundenen Gebiete». Man kann es dem Zaren nachfühlen, daß er mit„so dummen Sachen", wie solchen unter seiner Firma laufenden Schriftstücken, verschont bleiben will. Vom oftasiatischen Kriegsschauplatz liegen Gerüchte vor. daß die Japaner die Verbindungen der russischen Armee abgeschnitten hätten und im Begriff ständen. die russischen Truppen völlig zu umzingeln. Nach offiziellen Petersburger Telegrammen soll jedoch auf dem Kriegsschauplatz keine Veränderung eingetreten sein.„Ge- rüchten zufolge" hätten die Japaner seit einigen Tagen ihren Vormarsch nicht fortgesetzt. Ihre Hauptkräste seien bei Tieltng konzentriert, ihre Vorhut befinde sich bei Kaijuan. Diese offizielle Meldung, die sich sonderbarerweise auch nur auf Gerüchte stützt, klingt außerordentlich unwahrscheinlich. Sicherlich haben die Japaner ihren Vormarsch fortgesetzt. Daß neue japanische Umgehungsmanöver im Gange find. darf ebenfalls als sicher angenommen werden; ob sie freilich schon jetzt zu einer Umzingelung der Russen gefiihrt haben, darüber werden erst die Nachrichten der nächsten Zeit Auf- schluß geben können. FriedenSvkrhandlnnge«? London, 29. März. Das„Reutersche Bilreaa" veröffentlicht ein Telegramm aus Petersburg, wonach Rußland einen allgemeinen Umriß der Bedingungen gegeben habe, unter denen es bereit sei. in Friedensverhand- lungcn einzutreten. Gestern abend habe anscheinend glaub- würdig verlautet, daß dank den guten Diensten der Ver» einigten Staaten von Amerika und Frank- r e i ch s die Friedensfrage jetzt praktische Gestalt angenommen habe. Ein amtliches Petersburger Telegramm dementtert aller- dingS diese Meldung, doch ist es gar nicht ausgeschlossen. daß mittlerweile die Friedensverhandlungen in der Tat Fort- schritte machen.— Nach einer anderen Meldung soll Japan erklärt haben, auf eine Kriegsentschädigung von 2 Milliarden Mark nicht verzichten zu können. Ein Telegramm der„Petersburger Telegraphenagentur" vom 2S. März erklärt die Mitteilung des„Reuterscheu Bureaus" über eine Bereitwilligkeit Rußlands zu Friedensverhandlungen für u n- r i ch t i g. Trotz der allgemeinen Hinneigung zu einem Abschlüsse de» Krieges hat Ruflland keine Fricdcnbbcdinguiigen vorgeschlagen und auch solche Bedingungen nicht ausgearbeitet. Hier wird also zum erstenmal die allgemeine Hinneignng Rußlands zum Friede» offiziös zugegeben! Wenn man sich schon zu einem solchen Zugeständnis durchgerungen hat, wird man bald auch weitere Zugeständnisse machen! 47 vvv russische Gefangene, die in der Schlacht bei Mukden gemacht wurden, sind nach einer Meldung aus Tokio teils nach Japan unterwegs. teils bereits angekommen. Sie machten in ihren zerrissenen Uniformen den Eindruck schrecklicher Verwahrlosung. Japanischer Kredit. London, 28. März. Der Prospekt der neuen japanischen Anleihe ist am Dienstag nachmittag erschienen; vor den drei Emissionsbanken und namentlich vor der Hongkong and Schanghai-Bank waren lange Reihen von Bewerbern aufgestellt. Die Polizei hielt die Ordnung aufrecht.— Allem Anscheine nach ist die neue japanische Anleihe bedeutend überzeichnet worden. Aus Hamburg allein sind Bewerbungen um l'/s Millionen Pfund Sterling eingegangen._ politische(leb ersieht. Berlin, den 29. März. Ter Reichskanzler in anderen Umständen. „Tie Sprache des Diplomaten muß sich nach den Um- ständen richten," verkündete Graf B ü l 0 w am Mittwoch der Welt und dem Reichstage. Der tiefsinnige Ausspruch bezog sich eigentlich zwar auf Maroklo und auf verpaßte Gelegen- Ijetfefi ökonomischer Einflußnahme, Sic man jetzt durch einen nachträglichen Tanger-Lärm wieder einzubringen versucht. Tas Wort des Reichskanzlers trifft aber noch in einem anderen Sinne zu, an den er wohl nicht gedacht hat: denn sonst hätte er das Wort im Busen bewahrt, ehe es dem Gehege seiner Zähne entschlüpft war. Im Abgeordnetenhause vor der industriell versetzten Gentry schnallt sich Graf Bülow den hauenden Säbel Eulenburgs um. Im Reichstage, wo die Kartellmehrheit des Landtags kaum ein Drittel der Sitze einnimmt, wo die aus- schlaggebende Partei des Zentrums dem allgemeinen Wahlrecht zuliebe sozialreformerisch schimmern muß, im Reichstage be- streitet Graf Bülow die Kosten seines geistigen Kampfes gegen die Sozialdemokratie mehr durch Anleihen bei Eugen Richter als durch solche bei der Firma Bismarck-Eulenburg. Mit den nun allmählich mehr als fade werdenden Zukunftsstaats- mätzchen und mit dem Hinweise auf Taten und Unterlassungen des zum Schildknappen Doumers gewordenen Millerand suchte er die wuchtigen Angriffe zu entkräften, die Genosse Bebel wegen seiner neulichen scharfmacherrede im Dreiklassenhause gegen ihn richtete. Gmf Bülow paßt in der Tat seine Worte den Umständen und den Umstehenden an. Und man muß ihm lassen, er kennt sein Publikum. Die massiven Ostelbierjunker des Abgeordnetenhauses rufen seinen Scharfmacheriäden, und die literarisch angehauchten Nationalliberalen und sozial- politisch angefeuchteten Ultranwntanen des Reichstags zollen seinen Mätzchen und Lesefrüchten Beifall. Bülows Geißelung durch Bebel bildete den Mittel- Punkt der Generaldebatte der dritten Etatlesting. die am Mitt- woch in Szene ging. Sonst gab es noch eine der gewohnten Ostmarkendebatten, wobei die Pathetischen Schlachtzitzen gegenüber den schnaubenden Hakatisten nicht schlecht abschnitten und einen schrillen Sehnsuchtsschrei des greisen Gründers v. Kardorff nach einer Aenderung des verhaßten Reichs- tagswahlrechts. Die Spezialdebatte gedieh bis zum Reichs- o m t des Innern. Der Nationalliberale Dr. Becker von Offenbach, den Mugdans Lorbeeren den Schlaf zu rauben scheinen, erlebte für eine Viertelstunde den Triumph, als Märtyrer zugleich und Heros des Gesamtbürgertums von einer Mehrheit ausgerufen zu werden, in der der Sozialisten- haß alle sonstigen Nuancierungen verwischte. Die Freude war von kurzer Dauer: mit überlegener Dialektik und auf Grund des reichhaltigsten Materials warf Genosse Scheidemann den Mugdan der Nationalliberalen aus dem Berliner Triumph in das Sprendlinger Nichts zurück. Vor der Etatsberatung wurden sang- und klanglos die beiden Militärvorlagen in dritter Lesung erledigt. Nur die Großmut unserer Fraktion ersparte dem beschluß- unfähigen Hause das Auffliegen. Als aber zum Dank dafür die Durchpeitschungsmehrheit die Sitzung in die neunte Tagungs- und achte Tagesstunde zu verlängern drohte» riß Genossen Singer die Geduld und er kündete einen Antrag auf Auszählung an. Das Mittel half sofort, indem der Vize- Präsident Dr. Paaschs eine Mehrheit entdeckte, wo er noch 10 Minuten zuvor eine Minderheit gesehen hatte. So wurde die Fortsetzung der Beratung auf Donnerstag 11 Uhr vertagt. Die fordernden Bergarbeiter. Der zweite Verhandlungstag der Bergarbeiterkonferenz hätte der Regierung noch reichere Belehrung bieten können als der erste. Im Anschluß an das Referat Husemanns vom ersten Tage entwickelte sich eine bewegte Diskussion. Bei Be- gm» der©rpimg TOnren schon 2? UdedNCr crngetrage».— langer Reihe traten die Redner, abwechselnd Vertreter der der- schiedenen Organisationen und aus verschiedenen Revieren auf, unl mit großem Eifer ihre Erfahrungen vorzutragen über die Zustände hinsichtlich der Arbeitszeit und die Wirkungen der langen Arbeitszeit und Kritik zu üben an dem Regierung»- vorschlage zur Regelung der Arbeitszeit. Diese Kritik för- derte aus dem Borne der praktischen Erfahrung ein über- Wältigendes Material dafiir zutage, daß den Bergarbeitern mit dem vorgeschlagenen sanitären Arbeitstage nicht gedient sein kann. Darüber herrschte nicht die geringste Differenz nnter den Arbeitern aller Richtungen. Es geschah auf An- trag des christlichen Vertreters I m b u s ch, daß in die Reso- lution Husemann noch ausdrücklich die Forderung nach Durch- führung des Marimalarbeitstages an Stelle des sanitären Arbeitstages aufgenommen wurde. Auch in der allgemeinen Bewertung der von der Re- gierung vorgeschlagenen Reformen sind die Vertreter der der- schiedenen Richtungen so gut wie einig. In der von Huse- mann beantragten Resolution befindet sich der Satz, daß die Novelle die Wünsche der Arbeiter fast ganz unberück- s i ch t i g t läßt. Jmbusch war der einzige Redner, der diesen Satz beanstandete. Er schlug an Stelle dessen vor die Worte zu setzen:„nicht genügend berücksichtigt" und be- gründete das damit, daß man der Regierung entgegenkommen und dankbar anerkennen müsse, daß sie etwas für die Arbeiter tun wolle. Ihm traten mehrere Redner entgegen: insbesondere wurde die Bemerkung, daß die Arbeiter der Regierung dank- bar sein müßten, so nachdrücklich angegriffen, daß Jmbusch schließlich erklärte, er habe es so nicht gemeint, wenn aber seine Worte so gedeutet werden könnten, nehme er das ausdrücklich zurück. Bei der Abstimmung, die nach Köpfen vorgenommen wurde, stimmte nur eine ganz kleine Minderheit für die Worte„nicht genügend berücksichtigt". Es blieb bei der scharfen Form Husemanns und diese Resolution wurde dann einstimmig angenommen, nachdem sie noch in dem von den Ueberschichten handelnden Satze auf Antrag aus den Reihen der Christlichen verschärst worden war. Noch bewegter und eindrucksvoller gestaltete sich die De- batte über die beiden vereinigten Gegenstände Arbeiter- ausschüsse und Grubenkontrolle. Bei Beginn der Debatte waren 24 Redner eingetragen und nach einer Stunde teilte der Vorsitzende mit, daß noch 30 Redner auf der Liste ständen. Die Redner, die so reichlich mit Material versehen waren, daß der Vorsitzende alle Mühe hatte, die Einhaltung der Redezeit zu erzwingen, brachten zahlreiche Fälle skandalöser Mißstände in den Gruben und von Betrügereien gegenüber der Gruben- inspektion zur Sprache. Dabei wurden auch einige Er- fahrungen aus den Verhandlungen der Untersuchungskom- Missionen von Teilnehmern zum besten geben. Ein Ver- treter der christlichen Organisation, der 5 Tage an solchen Ver- Handlungen teilgenommen hat, schilderte in lebender Ent- rüstung die Behandlung, die den Arbeitern dabei zuteil ge- worden. Wieder ein anderer schildert, wie die Arbeiter, die an diesen Verhandlungen teilgenommen, nachher.gemäß- regelt worden seien. Und weil die Unternehmer fromme Christen sind, so rächen sie die Sünden der Väter auch an den Kindern. Nicht nur der Redner, sondern auch seine drei Söhne sind gemaßregelt worden, weil er vor der Kommission Mißstände zur Sprache gebracht. Mit Mühe fand man gegen Abend eine Form, der De- zdatte über diese beiden Fragen ein Ziel zu setzen, indem man schließlich bestimmte, daß nur noch von jeder Organisation ein Redner sprechen solle: 19 Redner standen noch auf der Liste. Die Abstimmung über die beiden dazu vorliegenden Resolutionen der Referenten konnte wegen der übergroßen Menge der dazu vorliegenden Abänderungsanträge noch nicht vorgenommen werden. Die Redaktionskommission soll die Ordnung des Stoffes übernehmen. Es ist kein Zweifel daran. daß auch in den beiden Fragen einstimmige Beschlüsse der .Konferenz herbeigeführt werden, ohne daß irgendwelche Kom- promisse auf einer mittleren Linie erforderlich sind. In der Debatte sind keinerlei Gegensätze zwischen den Rednern her- vorgetreten. Gegensätze bestehen hier nur zwischen den Ar- Hestern auf der einen und den Unternehmern samt ihrer Re- gierung auf der anderen Seite. Zechcnstillegen und Inbetriebsetzung des Hanfes Glncksbnrg. Das preußische Abgeordnetenhaus beriet an: Mittwoch in erster Lesung die zweite Berggesetzuovclle, die Matznahmen gegen das«tillegen der Zechen vorsieht. Mit zur Debatte stand der bereits in einer Kommission vorberatene Antrag S a v i g n y(Z.), wonach die Frage geprüft werden soll, ob durch Zusammenlegung der für einen rationellen Be- trieb zu kleinen Grubenfelder im südlichen und südwest- lichen Teile des westfälischen Kohlenbeckens die dort noch vorhandenen Kohlenmengen noch mit Nutzen ge- Wonnen werden können, um so ein Stillegen von Zechen möglichst zu vermeiden. Ein konservativer Abänderungsantrag hierzu empfiehlt eine Ergänzung des Kommunalabgaben- Gesetzes, nach der den Gemeinden gestattet werden soll, analog der Besteuerung von Liegenschaften eine Abgabe von dem Werte stillgelegter aber noch betriebsfähiger Bergwerks- Unternehmungen zu erheben. Die Vorlage nebst den Anträgen wurde derselben Kom- Mission überwiesen wie die Novelle, die sich auf die Verhältnisse der Bergarbeiter bezieht. Aus der Debatte läßt sich der Schluß ziehen, daß sie, wenn auch nicht in ihrer jetzigen Form, zur Annahme gelangt. Uebrigens versteift sich die Regierung nicht auf den Wortlaut ihres Gesetz- entwurfs, sie ist bereit, auch einen anderen gang- baren Weg zu gehen, um dem Stillegen der Zechen ent- gegenzutreten. Bei aller Liebe zum Kohlensyndikat kann der Handslsminister Möller doch nicht seine Augen vor den Auswüchsen desselben verschließen, er erkennt das Syndikat als notwendig und nützlich an, sieht aber doch ein, daß ihm Schranken gesetzt werden müssen. Mit ihm billigten auch andere Freunde des Syndikats die Tendenz des Gesetzes. Dem freisinnigen Abg. T r a e g e r geht es noch nicht weit genug, und Abg. Wolfs- Lissa(frs. Vg.) hält die Aufnahme einer Bestimmung für notwendig, durch die der Staat für schädigende Maßnahmen, die durch die etwa im Zwangsverfahren getroffenen Anordnungen hervorgerufen werden. ersatzpflichtig gemacht werden kann. Jedenfalls werden die Vertreter des Geldsacks dafür sorgen, daß die Vorlage in der Kommission eine Fassung erlangt, die für ihre Freunde keinen materiellen Schaden bedeutet. In zweiter Lesung nahm das Haus sodann debattelos den famosen Gesetzentwurf betr. Schadloshaltung des Hauses Schleswig-Holstein-Glncksbnrg— das Zentrum verlor kein Wort!— an und begann hierauf die erste Lesung der Sekundärbahn-Vorlage, die am Dannerstag fort- gesetzt wird._ Etat- Kehraus im Herrenhause. Das preußische Herrenhaus bewies am Mittwoch, was die„ge- boreneu" Gesetzgeber im Gegensatz zu den gewählten zu leisten im- stände sind; in knapp vier Stunden erledigte das Haus nicht weniger als 25 Etats, darunter so umfangreiche wie den der Handel?» und Gewerbeverwaltung, der Bergverwaltung und der Eisenbahn- Verwaltung, und wenn nicht der Dauerredner Graf Mirbach bei fast jedem Etat von den Handelsverträgen zu reden angefangen hätte, dann wäre der ganze Etat in einer Stunde erledigt gewesen. Aus der Debatte ist hervorzuheben das Klagelied des Grafen Mirbach über die Notlage des Ostens und die Erwiderung des Ministers v. Rhei nbaben, daß die Regierung nach wie vor möglichst viel für Ostpreußen tun will, da diese Provinz einen „historischen Anspruch auf Dankbarkeit' seitens des Staates habe. Einen Eingriff in die Rechte der Krone leistete sich Graf v. R o o n durch den Vorschlag, kleine Beamte auf dem Lande als Belohnung für Patriotismus durch Ordensverleihungen auszuzeichnen. Selbst der stühere Minister Graf Botho zu Eulenburg und der ehemalige Oberpräsident von Schlesien. Fürst zu Hatzfeld, traten dem sonderbaren Schwärmer entgegen, ersterer unter ironischem Hinweis darauf, daß bei uns wirklich schon zu viel in Ordens- auSzeichnungen gemacht wird. Der Etat derEisenbahn-Verwaltung gab dem Mnister v. Budde Anlaß, ein glänzendes Bild von den Einnahmen der Eisenbahn-Verwaltung zu enttollen, die Ueberschüsie steigen von Jahr zu Jahr um ungezählte Millionen, und selbst im abgelaufenen Jahre sind sie erheblich über den Etatsansatz gesttegen, obwohl der „frevelhafte" Bergarbeiterstreik einen Ausfall von etwa 10 Millionen zur Folge gehabt hat. Am Donnerstag soll der Etat zu Ende beraten werden: Freitag wird die Kanalvorlage erledigt und am Sonnabend kleinere Vor» lagen. Dann werden sich die Herren von den Strapazen der letzten Woche ausruhen.— Deutfcbee Reich. TheÄtre pari im Mittelmeer. Der Marokko- Rummel nimmt bald die auffegende Größe eines Ringkampfes im Zirkus oder einer Galavorstellung im Opernhaus an. Wir würden uns nicht wundern, wenn morgen Scherl sich telegraphieren läßt, daß alle Fische des MittelmeereS vor Begeisterung die Schwänze aus dem Wasser stecken und auf die Weise stramm zu stehen versuchen: oder wenn über- morgen Mosse den Scherl funkeittelegraphisch— Fnnkengeflunker— llberttumpft durch die Nachricht, daß sich das ganze Meer schwarz- weiß gefärbt habe. In Tanger scheint man die sinnigsten Huldigungen vorzubereiten. Selbst alle Ruinen werden dem„B. T." zufolge ffisch geweißt— in Nacheiferung offenbar der berühmten Bronzierung des Branden- burger ToreS in Berlin und der beliebten deutschen Restaurationen. Die marokkanische Regierung hat sogar den verdienstvollsten Räuber- Hauptmann deS Landes zum Empfang befohlen, jenen Fra Diavolo Raisuli, der erst jüngst den englisch-amerikanischen Millionär Perdillaris fing und erst nach Zahlung eines Lösegeldes freiließ. Kurz, alles wie in der großen Oper l Schminke ist die Haupffache! Gegenwärtig— wo Wilhelm II. in Lissabon eine Rede gehalten hat— wird ganz Portugal mit Be- geisterung getüncht. Wie tief diese Begeisterung sitzen muß, das be- zeugt ein Lissaboner Witzblatt, das uns dieser Tage zugesandt wurde. ES ist der Ankunft Wilhelm II. gewidmet. Wäre eS in Deutschland erschienen, so würde diese Nummer nur eine Person begeiste»» den Staatsanwalt. Ist Festschminke und Theaterei wirklich das Wesen der deutschen Weltpolitik I Und lv e n hofft diese Presse eigentlich bettiigen zu können?— Gentleman Bülow. Während es zum ständigen Repertoir Bülowscher Polemik gegen die Sozialdemokratte zählt, sich über die Grobheit unserer Sprache zu beschweren, gestattet sich der Reichs« kanzler selbst die gröblichsten Worte. Wir hatten jüngst erzählt, der Abg. Erzverger hätte dem Grafen Bülow einige Zeitungsansschnitte über« geben, die derselbe gegen unsere Partei verwendet habe. Der Abg. Erzberger hat die Mitteilung bestritten, wir haben seine Be- richtigung wiedergegeben, und die Angelegenheit konnte damit als erledigt gelten. In der Mittwoch-Sitzung des Reichstages kam jedoch Gras Bülow nicht nur auf die nebensächliche Angelegenheit zurück. sondern er bezeichnete die berichtigte Mitteilung als„puren Schwindel" und in der zweiten Rede nochmals als„albernen Schwüdel". Tat- sächlich hat nicht allein unser Gewährsmann, der uns jene Mit« teilung machte, sondern zahlreiche Mitglieder des Reichstages haben von dem Vorgang, welcher der Mitteilung zugrunde lag, den bestimmten Eindruck gehabt, als ob Herr Erzberger dem Grafen Bülow das Zitat aus der„Schwäbischen Tagwacht' zutrug; da Herr Erzberger in Stuttgart, wo dieses Blatt erscheint, wohnt, so erschien die Mit- teilung erst recht wahrscheinlich. Es bedeutet aber das Gegenteil von Noblesse im politischen Kampfe, über einen Irrtum, der berichtigt ist, plump herzufallen und ein gegnerisches Blatt in theatralischer Pose deS Schwindels zu bezichtigen. Ein Reichskanzler sollte den elementaren politischen Anstand nicht verletzen, wenn er auch vollen Anlaß haben mag. ein Blatt nicht zu lieben, das allerdings dem Flittertand der Bülowpolittt niemals Pardon gab! Verschleppung von Wahlprüfungen. Entgegen der dauernden Praxis der Wahlpriifungskommission und des Reichstages selbst hat die Kommission bei der Prüfung der Wahl des Abg. Pauli im Wahlkreise Oberbaruim beschlossen, Beweis zu erheben, ob die Bürgermeister von Freienwalde und Werneuchen ihre Unterschriften unter Beifügung ihres Amtstitels mit ihrem Wissen unter den Wahlausruf für Pauli gegeben haben. Abgesehen von der Lächerlichkeit einer derartigen Beweis- erhebung, die obendrein eine Selbstverleugnung resp. eine Selbst- erniedrigung der betr. Beamten fordert, hat dieses Verlangen der schwachen und wankelmüttgen Mehrheit der Kommission zum einzigen Zweck die Verschleppung der endgültigen Prüffmg und Beschlußfassung über diese Wahl. Vor dem Plenum des Reichstages wird diese Art der Wahlprüfung jedenfalls eine sehr lebhafte Debatte hervorrufen und der Kommission die schärffte Kritik eintragen. Ob Ivohl der Abg. Pauli Wert darauf legen mag. das durch diese Ver- schleppung der endgültigen Beschlußfassung über seine Wahl ge- kennzeichnete und zweifellos ungülttge Mandat noch etwa ein Jahr länger zu behalten? » �» Nachfolgend der Bericht aus der Wahlprüfungskommission. Die Kommission hatte am Mittwoch nachzuprüfen, wie die amtliche Wahl- beeinflnsstmg, die im Wahlkreise Oberbarnim zugunsten des konservattven Abg. Professor Pauli betrieben worden est, zu bemessen sei. Der Protest behauptet, daß„Ober-Barnimer Kreiöblatt" habe ein Flug« blatt für Pauli als Beilage enthalten, auf dem sich die Bürger- nreister von Freienwalde und Werneuchen, serner zwei Amtsvorsteher und 47 Gemeindevorsteher unter Bei- fügung ihres Amtstitels unterzeichnet hatten. Das Flugblatt ist dem Protest als Beweis beigegeben worden. Mit sieben gegen sechs Stimmen verneinte die Kommission die amtliche Beeinflussung durch die Gemeindevorsteher, dagegen gilt es als ständige Praxis der Kommission, daß Bürgermeister und Amtsvorsteher Wahlagitation nnter Hervorkehrung ihre? AmtStttels nicht betteiben dürfen; tun sie es dennoch. dann wird die amtliche Wahl- beeinflufiung als erwiesen angenommen und die in dem Bereiche der Beeinflussung � für den amtlich unterstützten Kandidaten abgegebenen Stimmen werden kassiert. So hätte nun auch jetzt verfahren werden müssen, und die Berechnung ergab, daß, wenn n u r die Beeinflussung durch die Bürgermeffter und Amts« Vorsteher in Bettacht gezogen würde, die Wahl Paulis bereits unter solchen Umständen für ungültig erklärt werden müßte. Nun wurde jedoch bezweifelt, daß die Unterschristen der bett. Beamten mit deren Wissen unter den Aufruf gekommen seien, mid der Antrag gestellt, Beweiserhebung darüber anzustelle». Vergebens wurde darauf hingewiesen, daß es das erste Mal sei, daß etwas derartiges versucht würde, und daß das Plenum wahrscheinlich die bisherige Praxis nicht über den Haufen werfen werde, weil damtt der amt- lichen Wahlbeeinflussung ein weiteres Deckungsmittel gegeben werde. Vergebens wurde ferner gegenüber dem ganz ungewöhnlichen Ver« halten den die bisherige Praxis durchbrechenden Mitgliedern der Kommission(jesagt, der einzige Weg, das konservative Gewissen zu beruhigen, sei die Annahme folgenden Antrages:„Sämtliche Wähler des Kreises Oberbarnim zeugeneidlich zu vernehmen, ob sie das Flugblatt gelesen, die Unterschriften für echt gehalten und ihm» Be- deulung beigelegt haben".— Mit 7 gegen 6 Stinunen, der Sozial- dcmokraten, der Freisiimigen und eines Zentrumsmitgliedes, wurde beschlossen, Beweiserhebung zu beantragen und die Wahl zu beanstanden.— Das sächsische Wahlunrecht rächt sich an seinen Verübern. Die sächsische Regierung hat in der vorigen Landtagssession in ausfiihrlicher Denkschrift das Dreiklassen- Wahlrecht von 1396 als ungerecht und der Umgestaltung bedürftig zugestanden. Aber die sächsische Regierung kann aus der Grube, die sie sich und der sächsischen Dynastie gegraben, nicht wieder heraus. Die vom Unrecht lebenden Konservativen verhindern jede Aenderung, welche die Regierung aus allgemeinen StaatSgrnnden, soweit eine sächsische Regierung solche Gründe kennen kann, wünscht. So wird denn jetzt gemeldet, daß die Regierung auch für die nächste Session des Landtages keine Vorlage zur Beseitigung des zu- gestandenen Unrechts einbringen wird. Sie wird wiederum ihre Regierungs aufgäbe darauf beschränken müssen, eine Denkschrift einzureichen, in der allerlei Berechnungen über die Folgen der Ein- führung anderer Wahlrechtssysteme angestellt werden. Wie das„Chemn. Tagebl." erfährt, hat die Regierung solche Berech- nungcn silr ein von den Natiönallibcralcn befürwortetes Plural- st i m m r e ch t angestellt: sie soll dabei zu dem Ergebnis gelanat sein,„daß die Gewährung einer Zufatzsttmme für höheres Alter der Sozialdemokratie keinen irgendwie nennenswerten Abbruch tun würde". In Sachsen wird das Wahlrecht nämlich nicht nach Grundsätzen des Rechtes gestaltet, sondern nach dem Maße, in dem es der Sozialdemokratie Abbruch tun kann, wobei den Wahl» rechtS-Konstruktorcn freilich stets daS Unheil widerfährt daß sie zahlreiche Nicht-Sozialdemokraten zugleich der Entrechtung über- liefern und so nur den trügenden Schein der Schädigung der Sozial- dcmokralie erreichen Selbst die von den Konservativen der Zweiten Kammer zu- gestandene geringe Vermehrung der städtischen Wahlkreise und die Berufung einiger Vertreter des Handels und der Industrie in die feudale Erste Kammer, scheint die Regierung nicht zu wagen, da auch diese Konzessionen an die Nationalliberalcn in der Ersten Kammer auf Widerstand stoßen. Tie sächsische Regierung ist allent- halben der Gefangene des Unrechts, das sie vor zehn Jahren an dem sächsischen Volke verübt hat.— Zu 14 Dogen Stubenamst verurteilte das Kriegsgericht in Leipzig den Leutnant Gras Bibthnm v. Eckftädt, einen Reffe« deS kominmidierenden Geucrals gleichen Namens in Leipzig, wegen vorschriftsioidriger Behandlung und Beleidigung eines Untergebenen. Der Herr Leutnant hatte einen Soldaten seines Regiments, der sich beim Turnen etwas ungeschickt anstellte, fo an der Brust gepackt, daß dieser vom Ouerbanm herunterfiel imb einen Arm brach. In der Verhandlung selbst lvurde der Vorgang so dargestellt, als ob der Soldat durch Zufall herabgefalbm lei. Zugegeben hat der Leutnant nur, daß er ihn mit den Worten: Willst Du wohl herunter, verfluchter Ben gel! o.ngefaßt habe. Ein gesund- heitlicher Nachteil bleibt für den Soldaten nicht zurück, der Arm- Bruch ist so weit geheilt, daß der Vorletzte bereits wieder dienstfähig ist. Die 14 Tage Stubenarrest werden dem Leutnant wohl auch keinen gesundheitlichen Nachteil brLngen.— Huelaiull. Dänemark. Der Gesetzentwurf über eine nein: Einteilung der Folkethiugs- Wahlkreise, den unsere Parteigenossen vor anderthalb Monaten ein- reichten, wird in dieser Session nicht s lehr zur Verhandlung komme». Die Regierung hat beschlossen, den Reichstag am Sonn- abend, den 1. April, zu schließen. Es ist ein Zeichen für den reaktionären Charakter des neuen Ministeriums, daß es in dieser Weise die Beratung eines Gesetzentwui fes verhindert, worin nichts anderes gefordert wird, als die verfafsiuilgsgemäße Gleichberechtigung der städtischen mit der ländlichen Bevnlkerniig, eine Forderung, die kürzlich auch von zwei der größten wirtschaftlichen Organisationen des städtischen Bürgertums an die Regierung gestellt worden ist.— Schweden. Bier Sozialdemokraten in der(ticmeindcvertretung Stockholm-?. Außer dem bereits mitgeteilten Erfolg haben die nun beendeten Gemeindewahlen in der schwedischen.Hauptstadt noch zwei Sozial- demokraten ins Stadtparlament ges iihrt. Im dritten Wahlkreise wurde der Parteigenosse Fritz Lindqnist, im ersten Knut Tengdahl gewählt. Bisher hatte die Arbeiterschaft nur einen Vertreter im Stockholmer Gemeinderat, nach diese a Wahlen ist die Zahl auf vier gestiegen. Der Erfolg ist umsomehr ein Beweis für den Fortschritt der Sozialdemokratie, als in Schweden ein schändliches kommunales Wahlunrecht besteht, das den Begütert en bis zu Ivo Wahlstimmen gibt. Amerik a. Die Lage in San Domingo, lgis zur Erledigung der Frage, ob der Vertrag mit San Domingo ine Ratifikation durch den Senat erhalten wird, hat sich die amerikan ische Regierung anderweitig be- Holsen. Ihr Gesandter Dawson ha t im Einverständnis mit den Vertretern der übrigen Mächte einen Amerikaner zum Verwalter aller Zolleinnahmen ernannt, der 51) Proz. der Einnahmen auf die Tilgung der fremden Schuld vern«endet und 45 Proz. an San Domingo auszahlt. Nur eine münilliche Vereinbarung ist getroffen worden. Partei- IXa�KricKteu. Im Reichstags-Wahllreis Essen, ist am Soniitag auf einer Kreis- kcnferenz au Stelle des vor einigen Monaten verstorbenen Genossen Gräser der Genosse Gewehr- Elberfeld zum Rcichstagskandidaten aufgestellt worden. polireilicbes. Sei-iebtlicbes uto. Weil er fein Ansehen als sozialdemokratischer Agitator miß- braucht haben soll, um seine Par teigenossen zu einer strafbaren Handlung zu bestimmen, war der(Jienosse Osterroth, Redakteur der„Saarwacht", mit einem Strafm andat von 50 M. bedacht worden. Er hatte daS Verbrechen begangen, in einer Versammlung zur Vcr- breitung der Broschüre„Saarabicn vor Gericht" aufzufordern. Das Schöffengericht erkannte zwan das im Strafmandat geistreich konstruierte„strafbare Ansehen" an, setzte aber die Strafe auf 25 M. herab. Gegen dieses Urteil legte O sterroth Berufung ein. Die Strafkammer konnte sich nicht überzeugen, daß der Angeklagte sein Ansehen mißbraucht hat und kau t zur Freisprechung unter Ueber- bürdung sämtlicher Kosten auf die Staatskaffe. )Zbgeorcln>erenkaus. 171. Sitzung vom 2S. März, 11 Uhr. Am Ministertische: Möller. Der Präsident Dr. Krause eröffnet die Sitzung. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. Abänderung des Berggesetzes. Stillegung von Zechen. In Verbindung damit steht die Beratung deS Antrages des Abg. Dr. Savignh(Z.) betr. gesetzgeberische Maßregeln gegen das Stillegen von Bergwerksunternehvrnngen. Die Kommission beantragt folgende Anträge anzunehmen: 1. Die Regierung aufzufordern, in eine Prüfung der Frage einzutreten, ob durch Zusammenlegung der für einen rationellen Betrieb zu kleinen Grubenfelder im südlichen und südöstlichen Teile des westfälischen Steinkohlenbeckens die dort noch vor- handenen Kohlenniengcn noch mit Nutzen gewonnen werden können, damit auch diese Kohlcnschätze noch in einer längeren Reihe von Jahren möglichst vollständig zur Hebung gelangen und eine weitere Stillegung von Zechen dieses Reviers auch auf diesem Wege in ab- sehbarer Zeit vermieden tverdem kann; 2. die Regierung zu ersuchen, da der ß 65 des Berggesetzes vom 24. Juni 1865 eine ausreichende Handhabe nicht bietet, um das frei- willige, die beteiligten Gemeimden und deren Einwohner schwer schädigende Stillegen von ikiergwerksunternehmungen zu ver- hindern, noch in dieser Session einen Gesetzentwurf dem Landtage vorzulegen, welcher das Berggesetz dahin ergänzt, daß gegen jene Schädigungen wirksame Vorkehrungen getrofftn werden können. Abg. Schulze-Pelkum(k.) und Gen. beantragen, diesem zweiten Antrag folgende Fassung zu geben: Die Regierung zu ersuchen, da der§ 65 des Berggesetzes vom 24. Juni 1865 eine ausreichende Handhabe nicht bietet, um das freiwillige, die beteiligten Gemeinden und deren Einwohner schwer schädigende Stillegen von Bergwerksuntcrnchmungen zu ver- hindern, noch in dieser Session einen Gesetzentwurf dem Landtage vorzulegen, welche das Berggesetz dahin ergänzt, daß gegen jene Schädigungen wirksame Vorkehrungen getroffen werden können, ferner eine Ergänzung des Kommunalabgabengesetzes vom 14. Juli 1893 herbeizuftihren, welche den Gemeinden gestattet, analog der Bestimmung von Liegenschaften gemäß§ 27 des Gesetzes eine Ab- gäbe von dem Wert stillgelegter, aber noch betriebsfähiger Berg- werksunternehmungcn zu ercheben. Handelsminister Möller: Ter Forderung der ersten Resolution ist die Regierung durch die Vorlegung der Berggesetznovelle nachge- kommen, die gestern vom Hause beraten worden ist. Der Wunsch der zweiten Resolution konnte nicht ausgeführt werden. Die Materie ist eine überaus schwierige, die interessierten Zechen wurden aus- gefordert, Borschläge zu mache», sie sind aber dieser Aufsorderung seither nicht nachgekommen. Die jetzigen Verhältnisse sind herbei- geführt worden durch die Herren des neuen Syndikatsvertragcs. Durch diesen ist für die alten Kohlenzechen eine solche Verschlechterung der Lage eingetreten, daß sie gezwungen waren, ihren Betrieb aus- zudehnen, weil das ihnen zvgestandene Beteiligungsquantum nicht ausreichte, uni ihren materiellen Interessen zu genügen. Die reinen Kohlenzechen haben dazu greifen müssen, durch Auflauf von unrentablen Zechen ihre Lage zu verbessern. Das war die Ursache einer gewissermaßen epidemischen Stillegung von Zechen. Es sind auch«in« ganze Reihe darunter, deren Rentabilität keineswegs zweifelhaft war. Wenn wir den Prozeß der Stillegungen so Miter fortschreiten lassen wie bisher, dann werden gewisse Kommunen in ihrer Eristenz gradezu in Frage gestellt, und da eine Stillegung oft die andere nach sich zieht, so bedeutet dies unter Umständen die finanzielle Untergrabung ganzer Bezirke. Was wir Ihnen vor- schlagen ist im Grund- auch gar keine Schädigung des Shndikats, sondern' es bedeutet für di-ses nur einen Zwang, auf verstandig- Wege zurückzugehen. Ich persönlich halte die Syndikatsbewellung im gegenwärtigen wirtschaftlich?» Leben für eine Notwendigkeit und es liegt mir nichts ferner, als sie zu hemmen. Aber Aufgabe des Staates ist es und bleibt es, ihr Schranken zu setzen, insoweit sie mit den allgemeinen Interessen nicht vereinbar ist. Auch wir haben Be- denken getragen, in das Eigentumsrecht hier einzugreifen, wir tun es aber nur insofern, als Auswüchse vorhanden sind, und ich wenigstens stelle mich dabei auf den Standpunkt, daß das Bergwerkseigcntum leichter einen Eingriff verträgt als andere, weil es nicht absolutes, sondern verliehenes Eigentum ist. Abg. Tinslage(Z.) spricht sich im Namen des Zentrums im allgemeinen für die Vorlage aus. Nur sehr ungern stimme das Zentrum dem Eingreifen in den Privatbesitz zu. Die Bestimmungen der Vorlage gingen aber kaum weiter als schon das Gesetz von 1865. Das Stillegen von Zechen müsse auf jedem Fall verhindert werden. Redner beantragt Verweisung des Gesetzentwurses an dieselbe Kom- Mission von 28 Mitgliedern, der der Gesetzentwurf über die Ar- beiterverhältnisse in den Bergwerken überwiesen worden ist. Abg. Träger(frs. Vp.): Ich bin nicht der Meinung, daß es sich bei der Vorlage um einen ungerechtfertigten Eingriff in das Privateigentum handelt. Das Wort: ich kann mit meinem Eigen- tum machen, was ich will, ist für mich der brutal- Ausdruck des recht- losen Naturzustandes. Sobald die Rechtsverhältnisse geordnet werden, mutz auch das Eigentum und der Eigentümer den all- gemeinen Interessen sich unterordnen. Das Bergwerkseigentum ist, weil cs�nur verliehen ist, ein ganz besonderes Eigentum. Dem künstlichen Stillegen der Zechen muß vorgebeugt werden. Dabei ist das Stillegen in der Vorlage nicht einmal die Hauptsache. Heute werden nicht nur Zechen stillgelegt, sondern man läßt verliehenes Bergwcrkseigentum ruhig liegen(Sehr richtig!), man kauft Berg- werke nicht, um sie zu benutzen, sondern um die eigene» Interessen durch Nichtbenutzuitg zu sichern.(Lebhafte Zustimmung.) An die Stelle der 1865 etablierten Bergbaufreiheit ist jetzt das Monopol einiger weniger Interessenten getreten. Es brauchen deshalb nicht alle verliehenen und noch zu verleihenden Bergwerke aus einmal er- öffnet zu werden. Dadurch würde eine Kohlensündflut über uns hereinbrechen.(Heiterkeit.) Es soll nur nach dem Interesse der Allgemeinheit die Eröffnung neuer Bergwerke möglich sein, Und ob das durch diese Vorlage möglich ist, erscheint mir zweifelhaft.(Sehr richtig I links.) Die Hauptfrage ist für mich: ist die stumpfe Waffe des K 65 durch die gegenwärtige Vorlage hinreichend geschärft, um ihren Zweck zu erreichen? Ich hoffe, das Gesetz wird keine Schau- münze blechen. Seit der Gründung des Kohlensyndikats ist von freiem Wettbewerb auf dem Gebiete der Köhlengewinnung und Kohlenverwertung absolut nicht mehr die Rede.(Sehr richtig!) Durch das Kohlenkontor sind die Zwischenhändler ausgeschaltet und zu reinen Agenten des Syndikats geworden, die nicht mehr zwischen Produzenten und Konsumenten vermitteln, sondern die dem Kon- sumenten die Bedingungen des Produzenten diktieren.(Sehr richtig!) Die Syndikate nehmen icherhand, und sie sind not- wendigcrweise Massengräber für die kleinen selbständigen Industrien. Die Regierung hat die Syndikate sehr unterstützt. Es herrscht eine gewisse Kartellbegeisterung am Regierungstische, und die Kartell- cnqucte von 1903 machte schließlich den Eindruck einer großen Reinigungsanstalt. Jetzt scheint die Regierung doch etwas anderer Meinung geworden zu sein. Graf Posadowsky hat, indem er ein Wort des bekannten Doktor Philadelphiac Roosevelt(Große Heiter- keit) zitierte, das gegen die Kapitalsassoziation gerichtet war, von einem Größenwahn der Kapitalsassoziation gesprochen. Beim Kohlen- syndikat hat sich doch ein sehr starkes Machtbcwußtsein entwickelt, nicht nur der Arbeitern, sondern auch dem Staate gegenüber. Hat doch einer der Regierenden im Kohlenrevier einem Minister gegen- über einen Ton angeschlagen, der nur auf einer Verwechselung be- ruhen konnte. Der Herr muß wohl den Minister für einen seiner An- gestellten gehalten haben.(Heiterkeit.) Wir verlangen- heute kein Gesetz gegen die Kartelle. Wir sind auch Entschiedene Gegner des Staatsmonopols, aber da? Treiben der Syndikate läßt wirklich den Staatsbetrieb als das kleinere Uebcl erscheinen, der doch durch die Volksvertretung kontrolliert werden kann.(Lebhaftes Bravo! auf allen Seiten des Hauses.) HaiidelSminislcr Möller: Die Mahnungen in bezug auf die Neuregelung der Bctriebsvcrhältnisse im Bergeigentuin brauche ich nicht, ich hoffe, daß ich Ihnen demnächst eine Borlage darüber machen kann. Was dann die EntWickelung der Syndikate und Kartelle betrifft, so ist der Vorredner der Meinung, daß wir damit beide zu weit gegangen seien. Ich habe bereits früher die Hoff- nnng ausgesprochen, daß es uns gelinge» möge, diese Frage in besserer Forin zu lösen, als es die Amerikaner verstanden haben. Nichts wäre mehr zu beklagen, als wenn die individuelle Tätigkeit durch die EntWickelung der Syndikate vollkommen totgeschlagen würde, wie es in Amerika ge- schchen ist. Bei der Aufsaugung der individuellen Tätigkeit durch die großen kapitalistischen Unternehmungen, wie es in Amerika erfolgt ist, ist eine Rückkehr zum individnelleu Betrieb nicht mehr möglich. Nach meiner Auffassung soll die Regierung sich nicht dem Drange der Zeit nach Konzentration strikt entgegenstellen, sondern sie soll nur da eingreisen, wo man glaubt, daß die notwendigen Schranken überschritten werden. Wir müssen die Konzentrationsbewegung in verständige Bahnen zu lenken suchen und, wenn es so nicht möglich ist. durch das Gesetz einschreiten. Würden wir aber die Konzentrationsbewegung durch Gesetz unmöglich machen, so befürchte ich, daß wir unsere Stellung auf dem Weltmark verlieren würden. Abg. v. Bodelschwingh daS fiinfzigfache, bei den letzleren das fülmdzwanzigfache..des Reichsstempels betragen soll. Graf S ch wc i n- L ö w i tz be« gründet seinen Antrag dainit, daß er eine BS biete, aus der sich vielleicht ein Ausgleich der widerstreitenden Anfiten herstellen lasse« über die Vorlage und das jetzige Gesetz wert» eine Einigung vor« aussichtlich doch nicht erzielt werden nd so schließlich gar nichts zustande gebracht werden. Jnresfiere man den FiSkns durch eine so hohe Steuer an di Ermittelung der bezeichneten Geschäfte, so werde dies Gebhr dafür meten, daß diese Geschäfte auch wirklich festgestellt werde. D o V e(frs. Vg l vergleicht den Antrag mit den Prinzipien, wu sie bezüglich der Spielbanken beobachtet werden. Geschäfte, die mn für verwerflich erklärt, sollen durch hohe Abgaben zu erlaubten gemacht werden. Auch G amp(fk.) und der Regierungsvertreter ä&rmnth erklären sich gegen den Anttag, desgleichen später der ZenrumS-Abgeordnete B u r l a g e, der freisinnige Volkspartciler K ae m p f und der Nationalliberale Semler.— Singer(Soz.): Die Antragsteller scheinen sich bei ihrem Antrage an das Vorbild des Totalisator- ge setz es angelehnt zu haben. Die Moral sei die, Spiel ist un- sittlich, außer wenn hoch dafür bezahlt wird. Der Antrag würde die Börse erst recht zu einer konzessionierten Spiel- b a n k machen. Was heißt das, wenn ein Geschäft, daS man für verwerflich erklärt, dadurch erlaubt gemacht lverden soll, daß hohe Abgaben dafür bezahlt werden sollen? Die Regierungsvorlage entstammt der Erkenntnis, daß der jetzige Zustand unhaltbar ist, weil der Grundgedanke de? Gesetzes verkehrt ist. Es soll Treu und Glauben im Börsengeschäft ßneder hergestellt werden, nun suche man diese einfache Frage wieder zt? komplizieren. Logischerweise müßten die Antragsteller nun gegen das ganze Börsengesetz stimmen, ihr Anttag hat im Rahmen dieses Gesetzes überhaupt keinen Raum. Statt gewisse Geschäfte unmöglich zu machen, will er durch höhere Abgaben die Reichseinnahmen erhöhen, wo es feststeht, daß schon die jetzige Stemvelabgabe das Geschäft, und zwar gerade das reelle Geschäft, erheblich zurückgedrängt habe. Es sei schade um die Druckkosten für den Antrag. Nachdem Graf Schwerin-Löwitz noch seinen Anttag mit der Be- merkung verteidigt hat, die hohe Abgabe solle gerade als Sttaf- bestimmung wirken, wurde die weitere Debatte auf Donnerstag vertagt. Die Petitionskouimission des Reichstages verhandelte am Mitt- Ivoch über eine Petition der Herren Marquardt nnd Genossen in Apia. Die Petenten wünschen, daß den Ansiedlern auf Snmoa eine Entschädigung aus Reichsmittcln gezahlt werde, für die bei Unterdrückung der dortigen Unruhen erlittenen Bcrluste. Sie berufen sich auf die den Ansiedlern in Südwestafrika aus gleicher Ursache gewährten Entschädigungen und verlangen, mit gleichem Maße gemessen zu werden.— Die Kommission be- schloß, die Petitton dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. Ein zu zweijähriger Freiheitsstrafe Verurteilter in Görlitz gibt an, niisckiuldig zu sein und petittoniert um Wiederaufnahme des Berfahrcns. Er beschwert sich ferner darüber, daß eine für ihn wertvolle Urkunde aus den Gerichtsakten verschwunden ist.— Die Kommission hielt die Petition für ungeeignet zur Erörterung ini Plenum, da der Reichstag nicht zuständig sei. Klus Induftrie und Handel. Die Deutsche Bank und ihre Angestellten. In der gestern ab- gehaltenen Generalversammlung der Aktionäre, in der die Dividende für das letzte Jahr entsprechend dem Vorschlag der Verwaltung auf 12 Prozent festgesetzt und vier neue Aufsichtsratsmitglicder gewählt wurden, kam auch der von der Direktion beliebte Grasifikations- Verteilungsmodus zur Sprache. Auf die Aeußerung eines Aktionärs, die Direktion der Deutschen Bank möchte bei der Verteilung von Gratifikationen die unteren Beamten etwas mehr berücksichtigen, er- klärte Direktor Koch, die Verwaltung lasse es sich angelegen sein, auch die Gehälter der kleineren Beamten allmählich aufzubessern. Zu- dem habe man in Rücksicht auf die große Arbeitsleistung des Per- sonals hier tu Berlin an die Beamten über eine halbe Million Mark an Weihnachtsgratifikationen verteilt und außerdem kürzlich eine Ertra-Verglltung in der Höhe eines Monatsgehalts an die schor. längere Zeit bei der Bank angestellten Beamten und eines halben Monatsgehalts an die jüngeren Beamten ausgezahlt. Mit dieser nichtssagenden Erklärung gaben sich die Anwesender zufrieden. Tatsächlich bedeudet eine Gratifikation von einer halben Million Mark im Vergleich zu den hohen Tantiemen der Dttek. toren und Aufsichtsratsmitglieder und in Anbetracht der hohen Be- amtenzahl recht wenig; zum wenigsten hätte Herr Koch näher em« geben müssen, wie viel von der Gesamtsumme auf die einzelnen Be- amten in den verschiedenen Kategorien gekommen ist. Und was die Extra-Vergütung anbetrifft, so fragt sick, ob die Ueberarbeit, welche die Angestellten dafür haben leisten müssen, nicht den Betrag der Zu- Wendung bei weitein übertrifft Durch derartige allgemeine An- gaben, wie sie Herr Direktor Koch vorbrachte, werden die Klagen der Beamten über herrische Behandlung, Ueberarbeit und unzureichende Entlohnung, wie wir sie verschiedentlich im„Vorwärts" veröffent- licht haben, nicht im geringsten widerlegt. Die Direktion der Deutschen Bank sollte umsomehr auf eine an- gemessene Bezahlung auch der unteren Beamten halten, als die Gcwinnüberschüsse der Deutschen Bank seft Jahren mehr und mehr gestiegen sind und, wie die Verwaltung in der Generalversammlung mitteilte auch das neue Geschäftsjahr unter den günstigsten Be- dinguiigeli begonnen hat. , Das Hochofenwerk, ci Lübeck errichtet werden soll und oe>w.n Finanzierung akiengesellschast voraussichtlich schon in nachjtcr ijrit erfolgen d wird aus zlvei Hochöfen bestehen, in Venen, wie der.BrcSl, Anz." mitteilt, jährlich 127 000 Tonnen o.oheiien. und zwar eiutel Gieszerei-Nohcisen und zwei Drittel H?iuatit- Roheisen crbla'erden sollen. Mit der Hochofenanlage wird cuic Koksanstalt vl>en sein mit voraussichtlich 100 Kammern. ,f-r Lübeck ist die Errll des Werkes von groher Bedeutung. um dies zu erkennen, lit man nur an die das doppelte Ouanhun zu erblasenden Zsens betragenden Erztransporte und an r ie ebenfalls das Roheuantum übersteigenden Kohleiltransporte zu denken, die diese Ji ie-Anlage im Gefolge haben wird. . französische Kapi' in Rußland. Das russische Finanz- mmisterium ist cisrixemüht, die französische Hochfinanz zur irmiffioi, einer neuen scheu Anleihe zu bewegen. Unter diesen umstanden ist eine Bttung der französischen Kapitalanlagen in Rußland, die jüngst dSt. Petersburger Herold" aufgestellt hat, �rht interessant. Döhrliche Handelsumsatz zwischen Rustland oo, Zis�tzkrcich crreictwo 270 Millionen Franken, wovon etwa l Z-,}'onm Frankcuf den Export Rußlands nach Frankreich 'fd 3J Millionen Fra auf den Export Frankreichs nach Rußland ents allen, hg MillioiFranken französischen Geldes sind in Ruß- mnd in verschiedenewternehmungen, vor allem in Waren vor- Händen. Das Bcrmöfder Franzosen in Rußland ausschließlich des lndllstriellcn Wertes«cht eine Höhe von 17, die Kapitalien in den Banken eine solche I 18 Millionen Franken. Agenturen vom sr. � Lyonnais befin sich in Petersburg, Moskau und Odessa. Em kleineres Kapital bei der Schiffahrtsgesellschaft Helmsing und Er im in Hei Riga attgt. Was die französischen Kapitalien be- ■ J'■ Jndust und Bergiverksuntcruehmen stecken, so er- reichen sie eine Höhcsu 702 Millionen Franken, die hauptsächlich m Süd-, Zentral- u Westrußland angelegt sind. Endlich besitzt Frankreich etwa Milliarden Franken in russischen Staats- und Jndustrapieren, wovon etwa 7 Millionen Franken als russische Fonds in d Jahren 1839 bis 1904 in Frankreich unter- gebracht worden sin! r-t öderer©e wird der Besitz Frankreichs an russischen o un& Jndustpapieren noch höher eingeschätzt, nämlich auf 10 sogar auf li�illioncu Frank. , Der Berkehr i Rheinhäfe» mit den Seehäfen Deutschlands, Hollands, Belgiens, nglands und Rußlands hat sich in den letzten Jahren bedeutend twickelt. Die Handelskammer in Amsterdam ~n i�rcm letzte' Bericht genaue Nachweisungcn über die recht �tr°chtl.chen Güteteiigen veröffentlicht, die während des Jahres 1003 rheinauf und w von und nach deutschen, holländischen, belgischen und englischen Häsi gegangen sind. Diese Nachweisungen ermög- nchen interessante Lrgleiche. Was den Rhein-Seeverkehr anbetrifft, o«L- �utsch-niedcländische Grenze bei Lobith passiert, so sind vom Rhem über See ach deutschen Häfen zusammen über 102 000 sonnen(a 1000 Klogramm) nach englischen 54 000, nach russischen und anderen Höfa 22 000 Tonnen besördert worden. Hamburg allein empfing 4776 Tonneu, Danzig und Königsberg folgen mit annähernd 12 000md 11400 Tonnen, Stettin mit 9000 und Bremen niit 4800 Tonnen In umgekehrter Richtung ist der Warenverkehr über See von deujchen Häfen noch größer gewesen: er betrug 137 600 Tonnen, während von englischen Häfen gegen 20 000 Tonnen nach dem Rhein ginge' und Lobith passierten. Unter den deutschen Häsen steht Hamburg wieder an erster Stelle mit 66 600 Tonnen, dann kommt Stettin mit fast 21 000, Danzig und Königsberg mit je 10 400, und Bremen mit 10 000 Tonnen. 6ewerkrcbaftUcbee. Sertin und Clmgegcnd. Kramkenuilterstützung im Holzarbeiter-Verband. Die Ur- abstchimung, welche in der Berliner Mitgliedschaft des Holzarbeiter- Verbandes über die Krankenunterstützung vorgenommen worden ist, hat die für die Einführung derselben nötige Mehrheit von mehr als zwei Drittel der Abstimmenden ergeben. 3164 Mitglieder haben sich gegen, 6897 für die Einführung der Krankenuntcrstützung erklärt. Nach dieser Feststellung sind zwar noch eine Anzahl Stimmzettel ein- gegangen, die aber das Gesamtresultat nicht erheblich ändern können. Zur Abstimmung standen zwei Entwürfe, die verschiedene Leistungen und Gegenleistungen vorsehen. Der eine machte einen Bettrag von 15 Pf., der andere einen solchen von 20 Pf. wöchentlich für die Zwecke der Krankenuntcrstützung nötig. Angenommen ist das letztere Projekt. Danach erhöht sich also der Wochenbeitrag auf 30 Pf.(60 Pf. für den Verband, 20 Pf. für die Kraukenunterstützung). Diese wird nach einjähriger Mitgliedschaft vom dritten Tage der Erkrankung an in Höhe von 1 M. täglich für die Dauer von 26 Wochen gewährt. Die an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter traten bekanntlich dem Tarifvertrage, den der Holzarbeiter-Verband zu An- fang dieses Jahres mit den Unternehmern abschloß, unter der Vor- auSsetzung bei. daß für die Maschinenarbeiter ein besonderer, die eigenartigen Verhältnisse dieses Berufes berücksichtigender Vertrag abgeschlossen werde. Das ist jetzt geschehen. Die Vertreter des Verbandes der an Holzbearbeitungsmaschinen beschäftigten Arbeiter haben mit den Vertretern der Arbeitgeber einen Verlrag berate», der im wesentlichen dem Vertragsverhältnis der Tischler entspricht. Den besonderenVerhältnissen der Maschinenarbeiter ist dadurch Rechnung getragen, daß für sie eine eigene Schlichtungskommission gebildet loird, in welche die Maschinenarbeiter 7 Mitglieder aus ihren Reihen entsenden, wahrend die Arbeitgeber in der Kommission durch vier Fräsereibesitzer und drei Tischlermeister vertreten sind. Die letzteren solle» möglichst solche sein, welche Maschinenbetrieb haben.— Dem paritätischen Arbeitsnachweis der Tischler soll ein solcher für die Maschinenarbeiter in der Weise angegliedert werden, daß ein Mit- glicd des Verbandes der Maschinenarbeiter im Arbeitsnachweis an- gestellt wird.— Die Arbeitszeit ist, wie im Tischlergewerbe, auf 52 Stunden in der Woche festgesetzt. Die Höhe des Lohnes bleibt der freien Vereinbarung überlassen. Die vertragliche Festlegung eines Minimallohnes wünschten die Arbeiter nicht. Der Bertrag gilt, wie bei de» Tischlern, bis zum 14. Januar 1907 und läuft von da an ein Jahr weiter, falls er nicht ein Vierteljahr vor Ablauf geliindigt wird. Neben den drei Organisationen der Tischler- meister gehört auch der Berein der Fräsereibesitzer zu den vertrag- schließenden Körperschaften auf feiten der Unternehnler.— Neben dem Vertrage ist protokollarisch vereinbart worden, daß den Maschinen- arbeitern gestattet ist, auf dem Arbeitsnachweis im Anschluß an die Arbeitsvermitteluug diejenigen Arbeiten zu erledigen, welche zur Durchführung der Arbeitslosenunterstützung notwendig find. Am Montag lag der Vertrag einer Generalversammlung des Verbandes der Maschincnarbeiter zur Beschlußfassung vor. Er wurde nach reiflicher Dislussion mit allen gegen 4 Stimmen angenommen. Die Versammlung erteilte dem Vorstande die Befugnis, aus der Zahl seiner Mitglieder die Vertreter in der Schlichtungskommission zu bestimmen. Achtung, Schuhmacher! Die Differenzen bei der Firma Pfaff sind erledigt und ist Dienstag morgen die Arbeit wieder aufgenommen worden._ Die Ortsverwaltung. Achtung, Leistenvergolder! Sämtliche Vergolder(Politurarbeiter) der Firma Karl R a s ch i g, Berlin, Abteilung Köpnickcrstraße 37. haben wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug ist streng fcrnzu- halten, auch von Polierern und Poliererinnen der Möbelbranche. Tie Ortsverwaltung der Filiale Berlin des Verbandes der Vergolder Deutschlands. 0«utk«t»e» Reid». Achtung, Schuhmacher! Da die Kollegen in A h l e n i. W. in eine Lohnbewegung getreten sind und in zwei Fabriken die Kün- 1 digung eingereicht haben, ersuchen wir, den Zuzug streng fernzu- halten.— Arbeiterfreundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Verein deutscher Schuhmacher, Zahlstelle 173, Ahlen i. W. Der Malerausstand in Jena dauert fort. Alle Bemühungen. die Jnuuugsmeistcr zu Verhandlungen zu bewegen, sind gescheitert; auch der Vorsitzende deS Gewerbcgerichts ist mit seiner Vermittler- rolle von den Unternehmern zurückgewiesen worden, toährend sich die Gehülfen bereit erklärt hatten, das Geiverbegericht als EinigungS- amt anzurufen. Dem Gesellcnausschuß wurde mitgeteilt, daß die Streikenden, soweit sie gebraucht würden, die Arbeit zu den alten Bedingungen wieder aufnehmen könnten. Die Situation ist fol- gende: in den Streik getreten 36, abgereist 32, zu den neuen Be- dingungen arbeiten 6, Arbeitswillige 2. Zum Ausstande bei der Firma Benz u. Eo. in Mannheim meldet ein Telegraphcnburcau, es sei dort zwischen den Ausständigen und den Arbeitswilligen zu einem Konflikt gekommen. Die Polizei mutzte mit blanker Waffe einschreiten und verletzte mehrere Dcmon- stranten. Frauen und Kinder der Streikenden beteiligten sich an den höhnischen Zurufen gegen die Arbeitswilligen. Der Straßenverkehr war längere Zeit unterbrochen.— Als vor einiger Zeit schon einmal von angeblichen Ausschreitungen Streikender in derselben Fabrik die Rede war, konnten wir bekanntlich nachweisen, daß Streikende daran nicht beteiligt waren. Auslaud. Die Regelung der Lohnverhältnisse in der KleidungSindustric in Amsterdam, die von der Arbeitskammcr für die Konfektionsbetriebe angestrebt wird, ist nun, soweit die Maßbranche in Betracht kommt, von einem großen Teil der Arbeitgeber gutgeheißen worden. In ztoei Sitzungen hat die Arbeitskammcr mit den Arbeitgebern über die Sache beraten. In der letzten Sitzung, die in der vorigen Woche stattfand, beschlossen die Arbeitgeber einstimmig, die in einigen Punkten abgeänderte von der Arbeitskammer vorgeschlagene Re- geluug der Lohn- und Arbeitsverhältnisse durchzuführen. Es waren 25 Arbeitgeber anwesend, eine große Anzahl hatte sich cutschuldigt. — Die Arbeitskammer hat allerdings keine gesetzliche Wacht, um die allgemeine Durchführung der beschlossenen Lohnregelung zu er- zwingen, jedoch kann sie einen starken moralischen Einfluß ausüben, namentlich wenn sie dabei von den tariftreu gesinnten Arbeitgebern und den organisierten Arbeitern unterstützt wird.— Der Vorsitzende der Arbeitskammer sprach am Schlüsse der Sitzung den Wunsch aus, daß auch die Verhandlungen in der Konfektionsbranche dieselben guten Resultate zeitigen möchten. Die Kammer tvird in dieser Branche unverweilt ihre Bemühungen fortsetzen. Soziales. Ein sozialpolitischer Erlaß der bayerischen Regierung. Ter bayerische Minister des Aeußern hat an die Fabrikinspektoren einen bemerkenswerten Erlaß ergehen lassen. Den Gewerbcaufsichtsbeamten wird darin empfohlen, auch zurVerbesserung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse, der Wohnräume und der sonst in Betracht kommenden Zustände der Arbeiterbevöllcrung vermittelnd und anregend mitzuwirken. Insbesondere wird em- pfohlen, den Abschluß von Tarifverträgen zu för- d e r n, zu welchem Zweck sichdieBeamten mit denOrga- nisationen der Arbeiter und der Arbeitgeber ins Benehmen setzen sollen. Die Beseitigung des Prä- miensystems sei anzustreben. Zur Verbesserung der Wohnungs- Verhältnisse, die vielfach noch zu wünschen übrig lassen, sei ein Zu- sammengehen mit den Arbeitnehmern und den Bauvereinen unauS- gesetzt zu fördern und auf die Errichtung von Ledigenheimen hinzu- wirken. Die Errichtung von Gewerbegerichten soll auch in kleineren Gemeinden mit industrieller und gewerblicher Be- völkcrung in Anregung gebracht werden. Endlich ergeht an das Oberbergamt und an die Berginspektioncn die Aufforderung, sich den Schutz der Bergarbeiter vor Gefahren und Gesundheits- schädigungen sowie die Hebung der Wohlfahrt derselben nach allen Beziehungen angelegen sein zu lassen. Eue der Frauenbewegung Bürgerliche Moral. In Detmold wird seit über einer Woche ein kleinstaatlicher Kotzeprozctz verhandelt, in den die„besten" Kreise der- wickelt sind. Zahllose Zeugen werdcn als Empfänger anonymer Karten über die albernsten Nichtigkeiten vernommen. Doch eine Szene aus dem Zeugcnverhör sei als Dokument bürgerlicher Moralauffassung festgehalten. An einen Zeugen, Dr. v. Ohlen-Naumburg, richtete der Vorsitzende die Frage: Ist es richtig, daß Sie ihre damalige Braut gefragt haben: Ob Sie vielKinderhabenwollte? Zeuge: Ich erkläre das für eine Infamie. Ich habe selbstverständlich eine solche Frage nicht gestellt, sondern nur gesagt: Ich habe Kinder sehr gern, bist Du auch kinderlieb?— Ob Herr v. Ohle» es auch als eine Infamie erklärt, wenn man von ihm behaupten würde, daß er an seine Braut die Frage gerichtet habe: Gnädiges Fräulein, glauben Sie an den Storch?— Prüderie ist ein billiges, aber schädliches Surrogat für Moral. Streikende Streikbrecherinuen. Als im vorigen Sommer in der großen Nadelfabrik von William P rh m in der rheinischen Industrie- ,tadt Stolberg ein Streik ausbrach, ließ der Besitzer durH Agenten eine große Anzahl polnischer Arbefterinnen zum Lohne von 1,50 M. täglich herbeischaffen. Um die weiblichen Arbeitswilligen den rheinischen Arbeitern und Arbeiterinner zu entziehen, wurden sie innerhalb der Fabrik einkaserniert. Kürzlich wurde den Polinnen zugemutet, künftig in Akkord zu arbeiten, da dies aber eine Llchnvcrmindcrung von etwa 50 Proz. bedeutet haben würde, legten die Mädchen zum Teil die Arbeit nieder. Die Folge war. daß sie sofort aus der Kaserne herausgewiesen wurden, so daß die Polizei sie in einer Schule unterbringen mußte, bis sie in ihre Heimat abreisen konnten. Dieser Tage hat nun Herr Prym wieder 15 Polinnen wegen angeblichen Kontraktbruchs h i n a us- geworfen. Da der Lohn aber nicht zur Heimreise langte, brachte die Polizei 6 Mädchen als obdachlos im Hospital, die anderen 9 vorläufig im Pilizeigewahrsam unter. AdlerShif. Der Verein für Frauen und Mädchen hielt am 23. März eine öffentliche Versammlung ab, die leider schlecht besucht war. Genossin Z i e tz aus Hamburg hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thema:»Der Militarismus". Von der Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten mußte Abstand genommen werden, da um 10 Uhr durch die Polizeistunde Schluß der Versammlung eintrat. Im Lereiu für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse sprach in der Wanderversammlung im Norden an Stelle von Herrn Dr. Maurenbrecher Herr Hildebrandt über das Thema:„Warum ein Frauenverein?" Der Referent zeigte in großen Zügen, wie sich durch die wirtschaftliche EntWickelung die Stellung der Frau verändert habe. Das schwierigste Problem bildet für die Proletarierin die Vereinigung von Berufs, und Hausarbeit. Wie sich in der In- dustrie alles mehr und mehr in Großbetrieb verwandelt, so wird auch der unproduktive Einzelhaushalt verschwinden müssen. Dann wird es der Arbeiterin möglich sein, einen größeren Anteil am öffent- lichen Leben zu nehmen. Es sei von größter Bedeutung für die Frauen, daß sie dem Arbeiterinnenvereinc beitreten, um sich klar über die Stellung und die Ziele der Arbeiteriunenbewcgung zu wer- den. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. In der Diskussion forderte Herr R ie d e l die Frauen auf, sich trotz aller Schwierigkeiten an den großen Fragen unserer Zeit zu beteiligen. Tie Männer müßten die Frauen dabei unterstützen. Die nächste Vereinsversammlung findet am 3. April in den Zlrminhallen, Kommandantenstraße 20, statt. Frau Rüben aus Hamburg spricht über den holländischen Dichter Herm. Hcijer- mann. Gäste willkommen. Versammlungen. � Der Verlauf des lebten Gürtler- mid�Drückerstrciks wurde mn Sonntag in einer außerordemlichen Generalversammlung der Ber- liner Verwaltungsstelle des Metallarbciter-Verbandcs, die in der „Ileucn Welt" stattfand, eingehend erörtert. Cohen erinnerte an den Abschluß des Streiks und an die Wiederaufnahme der Arbeit mit den darauf erfolgten Einzelverhandlungen wegen Einführung der neunstündigen Arbeitszeit und der verlangten Rcversunterschrift. Eine Verhandlung auf der Grundlage des geforderten Tarifs ließ sich am Ende des Streiks nicht mehr ermöglichen, weil die Position der Fabrikanten nach dem fünf monatliche».Kampfe bedeutend stärker geworden war, als zu Anfang des Streiks. Sollte aber über den Tarif verhandelt werden, jo müßten die Arbeiter auf erhebliche Abstriche gefaßt sein. Da allgemeinen Verschlechterungen aber im Interesse der in tariftrcucn Betrieben beschäftigten Kollegen vor- gebeugt werden mühte, so waren eben nur Einzelverhandlungeu mit den Unternehmern möglich. Es ist dadurch trotz des negativen Streikrcsultats erreicht Werdern, daß zirka 2000 Kollegen den Ncun- siundentag bekamen, den sie'vor dem Streik nicht hatten. Die Fa- brikantcn, so führte der Referent weiter aus, wüßten auch sehr genau, daß der jetzige Friede- nur ein fauler Friede sei, weil mit jeder weiteren Woche die Position der Arbeiter wieder stärker werde. Nach Beendigung des Streiks hätten die Fabrikanten sogleich eine größere Anzahl der Streikende», eingestellt, ohne die bekannte Revers- Unterschrift zu verlangen. Aber schon nach etwa acht Tagen sei in allen Betrieben planmäßig auf die Unterschrift gedrungen worden. Von der Verbandsleitung ist darauf den Arbeitern empfohlen worden, den Revers nicht zu uuttcrschreibcn. Von der großen Mehr- zähl sei diese Anweisung auch strikte befolgt worden. Rur ein ber- hältnismäßig kleiner Teil habe den Revers unterzeichnet. Gegen- wärtig seien noch 850 der cstucttendeu außer Beschäftigung. Diese erhalten von der Organisation außer dem vollen Mictszuschuß, so- weit sie verheiratet sind, je 2 M., sotveii unverheiratet, je 2 M. Extrazuschuß zur laufenden smttutarischen Unterstützung pro Woche. Lille Kollegen aber, die wegen flierweigening der Unterschrift entlassen werden, betrachtet der Verband als Gemaßrcgelte, und sie sind auch demgemäß zu unterstützen. Auch die Arbeitslosen, die wegen Ver- Weigerung der Unterschrift keine Arbeit bekommen, erhalten die Arbeitslosenunterstützung, ohne daß ihnen diese angerechnet wird. Mit der zunehmenden Erholu»g der Gürtler und Drücker würden diese naturgemäß auch auf eime weitere Verbesserung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse dringcry, daran könne auch die durch Revers- Unterschrift dem Uitternehmerttzn verpflichtete Kolonne nichts ändern. Die Gürtler und Drücker seien also durch den Streik keineswegs ge- brachen, sondern der Kampf werde noch ständig weitergeführt, wenn auch in anderer Form. Nach dieser Saä)darstcllurgz beschränkte sich die Diskussion auf die Erörterung einiger taktischer' Maßnahmen, unter denen auch die ungenügende Information des„Vorwärts" im letzten Stadium des Streiks erwähnt wurde. Hierzu erklärte die Ortsverwaltung, daß sie durchaus nicht daran denke, die bürgerliche Presse dem„Vor- wärts" gegenüber zu bevorzugen, vielmehr den„Vorwärts" neben der„Metallarbciter-Zeitung" als einziges Publikationsorgan der Berliner Metallarbeiter betrochb?. Die hierauf folgenden Wcchflen hatten folgendes Ergebnis: Als erster Vorsitzender wurde C o b-e n gegen wenige Stimmen wieder- gewählt. Ebenfalls wicdergewÄhlt wurden Henning als zweiter Kassierer, L. Müller als Bibliothekar, Pawlowitsch und Heine als Bureaubeamte. Slorgeschlagcu zu Revisoren wurden Gahma nn. Handtke uicd C. Schmidt, zu Beisitzern Koritkowski, Menz. Zaleyski und H. Schütz. Deren Wahl erfolgt in den Bezirken. Ein Antrag Wiesenthal, zu Revisoren und Beisitzern nur solcke Kollegen zu wählen, die in der Werkstatt arbeiten, nicht aber als Krankenkassenbeamte tätig sind, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Der übrige Teil der Tages- ordnung soll in. der nächsten Veusmnmlung seine Erledigung finden. Eine Versammlung der nachtfahrcnden Berliner Droschken- kvtscher, die sich mit der neuen Ptvlizeiverordmmg beschäftigen wollte, wurde gestern mittag polizeilich aufgelöst. Der Referent Becker wollte gerade damit beginnen, die einzelnen Paragraphen einer kritischen Beleuchtung zu unterziehen und bemerkte nebenbei, daß untere Polizcidcamte, die chrbwce bürgerlich Frauen als unsitteverdächtig zum Wachtlokal bräästen, unmöglich in der Lage sein könnten, diese fraglichen 113 Paragraphen im Kopfe zu haben und richtig anzuwenden. Bei der Bemerkung erklärte der überwachende Leutnant die Versammlung für aufgelöst. Die Kouseltionssirma Hugo Hermann u. Co. ersucht uns mit Bezug auf die Warnung vor Stunkarbeit in einem Versammlungs- bericht unserer Nummer 70 vom Donnerstag voriger Woche mitzu- teilen, daß die Firma keinen Reifenden nach Köln gesandt habe, um dort etwa Streikaufträge zu effektuieren. Die Firma liefert ledig- lich infolge älterer Verbindunge» und Verpflichtungen Konfektion nach Köln. Zentralverdand der Handlungsgehülfen und-Gehülftuneu Teutschlands. Bezirk Berlin. Doov erStag, abends 9 Uhr: Sitzung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20.— Gäste sind willkommen. Berein für die Interessen der Hausangestellten. Donnerstag abend 8'/, Uhr in dm Armlnhallcn. Kommandantenstr. 20: Vorwog von Frl. LifchnewSka Über:.Schnlstagen". Friseurgehulfen. Donnerstag abmd 10 Uhr: Oefsentliche Bersamm- lnng in den Slrminhallen, Kommand-uttmstr. 20. Tagesordnung:.Unsere Lohnbewegung"._______ Letzte Nachrichten und Depefchen. Kommnualwahlsieg in Kiel. Kiel, 29. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Bei der heutigen Stadtverordnete»- Ersatzwahl siegte Genosse S e e g e n mit einer Mehrheit don 280 Stimmen über seine bürgerlichen Gegenkandidaten. Die sozialdemokratischen Stimmen haben seit vorigem Herbst nm 30 Proz. zugenommen. Mit Genosse Seegen zieht der dritte Vertreter der Sozial- demokratie in das Zensus-Stadtparlament. Paris, 29. März.(W. T. B.) Der Heeresausschuß der De- putiertenkammer hat einstimmig einen Antrag angenommen, nach welchem die regelmäßiger Uebunge» der Reservisten auf vierzehn Tage, die der Territorialarmee auf sechs Tage beschränkt werden sollen. Paris, 29. März.(W. T. B.) Der Senator und Ehemalige Kolonialminister Decrais teilte dem Minister Delcasse mit, daß er gelegentlich der Budgetberatung eine Anfrage betreffend Marokko einbringen werde. Paris, 29. März.(W. T. B.) In Bestätigung einer Londoner Meldung will der„Temps" wissen, daß gegenwärtig der Plan einer freundschaftlichen Begegnung der englischen Kanalflotte und des französisch«» Nordseegeschwaders erwogen werde. Das französische Geschwader werde in einem englischen Hafen einen mehrtägigen Besuch abstatten. Paris. 29. März..(W. T. B.) In der Wohnung des stellen- losen Cafekellners Didaret, der sich dort mit der Herstellung von Explosionskörpern beschäftigte, fand heute eine Explosion statt. Didaret wurde schwer verbrannt. Eine Haussuchung führte zu der Entdeckmig von anarchistischen Schriften. Petersburg, 29. März.(Meldung der„Petersburger Tele- graphenagentur".) Heute suchte eine Menge von etwa 300 Per- sonen die auf ein Uhr nachmittags angesetzte Wiederaufnahme des Unterrichts im Konservatorium zu verhindern. Es Ivurden revolu- tttmäre Rufe ausgestoßen. Die Polizei zerstreute die Ansammlung und nahm einige Verhaftungen bor. In den Zukoffschen Oelwerken entstand heute nachmittag in der Oeldestillations-Abteihing. wie mau vermutet, infolge Brandstiftung. eine Feuersbrunst, durch die 60 000 Piw Oel vernichtet wurden. Berantw.Red.: Paul Büttner, Berlin. Jnjerateverantw.(mit Ausnahme der.NeueAell'-BeilazeKTH. Glocke, Verlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bmhdr.u.VcrlaaZanst.PiiuI Singer L Eo., Berlin 377. Hierzu Z Betlagcnu.Unterhaltunssdl- if. 76. 32. Iahrgavg. 1. ßfilaaf>ks Jotwätls" Sttlintt WllÄM Asunerstag, 36. Wrz MS. l�eickstag. 175. Sitzung vom Mittwoch, den 29. März 1905, vormittags 11 Uhr. Am Bundesratstische: vonEinem. vonTirpitz. Auf der Tagesordnung steht zunächst die dritte Lesung deZ Gesetzentwurfs betreffend die Friedenspräsenz st ärke des deutschen Heeres. Abg. Dr. Wolff iWirtschafil. Vg.): Namens der Mitglieder der Wirtschaftlichen Vereinigung aus Süddeutschland habe ich zu erklären, daß wir uns bei der ersten Lesung von der absoluten Notwendigkeit der Heeresverstärkung, insbesondere was die Kavallerie anlangt. nicht haben überzeugen können. Wir hätten unsere Bedenken nur dann zurückstellen können, wenn uns ausreichende Garantien für eine Lösung der Deckungsfrage gegeben wären, der wir zustimmen könnten. Aber auf die bloße Hoffnmig einer Finanzreform hin können wir die Forderung nicht bewilligen.(Vereinzeltes Bravo! rechts.) Hierauf schließt die Diskussion. Der Gesetzentwurf wird mit geringer Mehrheit angenommen. Der Gesetzentwurf betreffend Aenderung der Wehrpficht wird ohne Debatte gegen die Stinunen der Sozialdemokraten an- genommen. Es. folgt die» dritte Beratung des ReichshanShalts-Etats. Zur Generaldebatte erhält das Wort Abg. Bebel: WaS mich veranlaßt, das Wort zu ergreifen, ist die Rede, die der Herr Reichskanzler am letzten Montag im Abgeordnetenhaus ge> halten hat. Er hat bei dieser Veranlassung auf die Verhandlungen hier im Reichstage hingewiesen und dabei meine Partei und speziell auch meine Person angegriffen. Außerdem hat er eine Darstellung des Bergarbeiter st reikS gegeben, die ich in sehr vieler Hin- sicht richtigstellen muß. Zunächst ist mir neu, daß die Sozial- demokratte, wie es in der Darstellung des Herrn Reichs- kanzlerS schien, den Staat leugnet. Unsere ganzen Bestrebungen laufen doch im Gegenteil darauf hinaus, das zu stärken, was man Omnipotenz des Staates nennt. Die Frage, ob in ferner Zukunft noch ein Staatswesen möglich sei, ist eine rein theoretische Frage. Aber auch alles, was der Herr Reichskanzler über den Streik gesagt hat, widerspricht der Wahrheit. Alle die Ausführungen, die meine Parteigenossen Hue, Sachse, Bömelburg usw. gemacht haben, waren das Gegenteil von dem. was der Reichskanzler daraus gemacht hat. Es wird dem Reichskanzler unmöglich sein, aus der sozialdemokratischen Presse vor Ausbruch des Streiks irgend etwas zu zitieren, was beweisen könnte, daß wir auf den Streik hingearbeitet hätten. Es ist im Gegenteil eine Tatsache, die von niemand bestritten werden kann, daß der Streik vou der Masse der Nichtorganisierten Arbeiter über die Köpfe der Führerschaft hinweg zustande gebracht wurdr. Alle Parteien haben ferner anerkannt, daß die Führerschaft i» der Siebener-Konmnssioir nicht den Männern aus der sozial- demokratischen Partei, sonder« denen aus der Zentrums- Partei zugefallen ist. Nach der äußerst maßvolle» Rede meines Parteigenossen Hue hier im Reichstage erklärte der Reichskanzler, daß er im Notfalle die änßersten Machtmittel des Staates gegen die Ausständigen anwenden wurde. Das war eine Drvhung!(«ehr richtig 1 bei den Sozialdemokraten.— Der Reichskanzler Graf B ü l o w betritt den Saal, kürz darauf Graf Posadowsky.j Eine Drohung, die um so ungerechtfertigter war, als nichts gegen die Ordnung geschehen war, und als der Abgeordnete Hue versichert hatte, es würde auch in Zukunft nichts gegen die Ordnung geschehen. Statt das mit Genugtuung zu begrüßen. provoziert der oberste Reichsbcamte noch die 200 000 Ausständigen! Dagegen sofort zu protestieren, hatte ich alle Veranlassung.(Lebhafter Beifall links.) Solange überhaupt Arbeitermassen in irgend einem Staate der Welt in einen Ausstand getreten sind, ist noch nie ein Streik von solcher Größe so ruhig verlaufen. Das gereicht der deutschen Arbeiterschaft zur höchste» Ehre.(Beifall links und im Zentrum.) Es waren im ganzen bei weitem über eine Million Menschen, die durch den Streik in ärgste Mitleidenschaft gezogen wurden. Und trotzdem ist der Streik ruhig verlaufen. Die Regierung hat uns provoziert. Als Abg. Hue erklärt hatte, daß der Streik « über die Köpfe der Führer hinweg beschlossen sei, da goß der preußische HandclSminister Hohn und Spott über die Führer aus, daß sie machtlos feien. Aber die Führer behielten doch die Gewalt über die Massen, und sie sorgten für eine rechtzeitige Bei- legung des Streiks. Auch nach dieser Richtung hätten die Berg- arbetter und ihre Führer die höchste Anerkennung verdient.(Sehr richttg! bei den Freisinnigen.) Drei Tage, nachdem die Führer die Niederleoung de? Streiks proklamiert hatten, war der ganze AuS- stand beseitigt, und das alles trotz der immer weitergehenden Pro- vokationen der Arbeitgeber. Aber von einer Niederlage der Berg- arbeiter kann man nicht reden, denn es ist kein Zwerfel, daß die Novelle zum preußischen Berggesetz niemals ohne den Streik gekommen wäre.(Sehr richtig I bei den Sozialdemokraten.) Ferner sind 100 000 Bergarbeiter neu für die Organisatton gewonnen, darunter 00 000 für den sogenamiten alten Verband, der als sozialdemokratisch be- zeichnet zu werden pflegt.(Zwischenruf des Abg. v. K a r d o r f f.) Aber Herr v. Kardorff, nicht durch die Unterstützung der Regierung ist dieser Erfolg zustande gekommen, denn diese hat sich bis zuletzt ablehnend gegenüber der ganzen Bewegung gezeigt. ES ist ja möglich, daß der Reichskanzler deshalb so im Abgeordneten« hause gesprochen hat, weil er die Herzen des Dreiklassen- Parlaments für sich gewinnen wollte. Aber die Herren haben ihm ja gezeigt, daß sie nicht einmal für jene kleinen Konzessionen zu haben sind, die in der Novelle enthalten sind. Die Bergarbeiter sind übrigens, soweit die bisherigen Verhandlungen dcS Bergarbeiter- kongresses darüber ein klares Bild geben, mit dieser Novelle keines- Wegs einverstanden. Auch WaS der Herr Reichskanzler über die Stellung der sozialdemokratischen Presse zur Frage der Beendigung des Streiks gesagt hat. ist von A bis Z unrichtig. Als die Siebener-Kommission den Streik für beendet erklärte, ist die gesamte sozialdemokratische Presse mit ganz wenigen Ausnahmen für diesen Besch lutz eingetreten, der Parteivorstand hat sein Mitglied Molkenbuhr nach dem Ruhr- revier geschickt, um dort die Parteigenossen mit allen Mitteln zu bewegen, zur Beendigung des Streits beizutragrn. Auch die Generalkommission hat sich stir den Beschluß der Siebener-Kommission erklätt. DaS ist die historische Wahrheit und dieser steht die Behauptting des Herne Reichskanzlers direkt gegenüber. Ganz falsch ist die Behauptung des Herrn Reichskanzlers, daß wir eine möglichste Verelendung der Massen im Interesse der Partei wünschen. AuS einer verelendeten Masse können wir unsere Truppen nicht rekrutieren, sie bestehen im Gegenteil aus den Besten und Tüchtigsten der Arbeiter.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Ganz crrig ist auch die Auffassung dcS Herrn Reichskanzlers als ob die Sozial- demokratte Freude an Streiks hätte. Im Gegenteil, weder wir noch die organisierten Gewerkschaften haben das geringste Juteresse an Streiks. Als ich den Satz las, den der Reichskanzler weiter sprach, daß er den Kampf gegen die„knltur- und freiheitswidrigen Bestrebungen der Sozialdemokratie" unermüdlich weiterfuhren werde, da hat mich, ich ivill eS gestehen, eine ftöhliche Heiterkeit erfaßt, die gewiß von den iveitesten Volksschichten geteilt wird. Ist eS beim nicht gerade die Sozialdemokratie, die die Erkämpfung der Freiheit, die Förderung der Kultur sich zur Aufgabe fetzt?(Lebhafte Zustimmung bei den Sozialdemokraten. Lärmender Widerspruch rechts. Unruhe im ganzen Hause.) Und wendet nicht der Reichskanzler alle Mittel an, um die einzige wirkliche Kultur- und Freiheitspartei (Lautes Lachen rechts) aus dein preußischen Klassenparlamente fern- 1 zuhalten?(Zuruf rechts: Mit vollem Recht!) Immerhin hat es i mich gefreut, daß die heroische, einmütige Haltung der Bergarbeiter selbst auf den verknöcherten preußischen Handelsminister Eindruck gemacht hat...(Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Der Ausdruck„verknöchert", auf einen preußischen Minister angewandt, geht entschieden zu weit. (Große Heiterkeit.) Ich bitte Sie, sich zu mätzigen.(Zustimmung rechts.) Abg. Bebel(fortfahrend): In den Reden des Reichskanzlers spielte wieder das„soziale Königtum" eine Rolle. Wenn nur das angebliche soziale König- tum zu einem wirklich.sozialen Königtum werden wollte.(Sehr richttg! bei dezr Sozialdemokraten.) Dann würden wir es gewiß nach Kräften unterstützen. Der Herr Reichskanzler sagte seinerzeit: Meine Herren, Sie kennen mich noch nicht. Jetzt hoben wir ihn kennen gelernt(Große Heiterkeit bei den Sozialdemokraten) und ?aben gesehen, daß sich der Herr Reichskanzler nicht nach links. ondern inmierinchr nach rechts entwickelt hat. Die Möglichkeit einer Verständigung zwischen ihm und uns ist jetzt weniger vorhanden als vorher. f. Noch ein Wort zu Marokko. Wir bedauern, daß nicht bereits vor einem Jahre der Versuch gemacht wurde, die berechtigten Jnter- essen Deutschlands in Marokko zu Ivahren. Auf keinen Fall werden wir natürlich die Bestrebungen des Alldeutschen Ver- b a n d e s unterstützen, die zur Folge hätten, daß Deutschland in einen großen Krieg verwickelt würde, in dem uns Frankreich und England mit ihrer Flotte gegenüberständen. Wenn die Polittk, wie sie der Kaiser in Bremen verkündet hat, wirklich innegehalten wird, so muß das zur Einschränkung der kolonialen Ausgabe» für Heer und Marine führen und eine solche Politik werden wir gern unterstützen.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Dr. v. Skarzynski(Pole) polemisiert über die Angriffe gegen die Polen aus der zweiten Lesung, insbesondere gegen den Abg. v. Gcrsdorff, der den Polen sogar mit dem kuror bsutonious gedroht habe. Abg. v. Gcrsdorff(Rp.) weist die Angriffe des Vorredners gegen den H. K. T.-Verein ab. polemisiert gegen frühere Ausführungen des Abg. Graf v. jMielzynski und fordert die polnische Be- völkerung auf, den großpolnischen Agitatoren den Stuhl vor die Tür zu setzen. Abg. v. CzarlinSki(Pole) wendet sich gegen den Vorredner und erörtert die historische Entwickelung des Verhältnisses zwischen Polen und Deutschen in den östlichen Provinzen. Polen hat als Schutz- wall gegen die Barbarei des fernen Ostens der westeuropäischen Kulttirivelt die größten Dienste geleistet. Es ist nicht wahr, daß die polnische Bevölkerung die deutschen Geschäftsleute boykottiert. Abg. v. Tiedemaun(Rp.) polemisiert gegen den Abg. v. CzarlinSki. DaS polnische Reich ist an seiner sozialen Struktur zugrunde gegangen. Die polnischen Leibeigenen waren nichts als Lasttiere: sie zu Menschen gemacht zu haben, ist das Verdienst der preußischen Regierung.(Stürmische Heiterkeit bei den Polen und den Sozial- demokraten.) Sie wollen immer bloß Hammer sein, das geht aber nicht.(Lebhafter Beifall rechts.) Abg. v. Chlapoweki(Pole): Wenn die Polen wirklich den Boykott in dem Grade ausüben würde», wie es von den Hakatistcn behauptet wird, so wären schon zwei Drittel der deutschen Handwerker in jenen Gegenden zugrunde gegangen. Das tun die Polen aber nicht. Wo sie boykottteren, ist es nur die Antwort auf den Boykott der preußischen Behörden. Der polnische Verein ist in gar keinen Vergleich mit dem Ostmarkenverein zu stellen. Abg. Gothcm(fr). Vg): Ich sehe die polnische Agitatton durch- aus nicht für so ungefährlich an, aber die preußische Polenpolitik ist bisher cjanz verkehrt gewesen. Sie war lediglich eine Politik der Ravel st ichc. die nur verbittert. Ebenso falsch war die preußische Ansiedelungspolittk. Wir wollen keine Hamnier- und Ambotzpolittk, sondern eine friedliche Verständigung.— Ueber die Rede des Herrn Reichskanzlers über die Berg�esetz-Novelle im Abgeordnetenhause habe ich mich nicht so sehr gewundert wie Herr Bebel. Er verfügt ja über die verschiedensten Seiten, und so glaubte er dem Sliveau des Ab- geordnetenhauses am besten zu entsprechen, wenn er der Vorlage einen scharfmacherischen Charakter gab. Zur Herstellung eineS friedlichen Verhältnisses zwischen Bergarbeitern und Zechen- besitzern kann diese Rede am wenigsten beitragen. ES ist zu fürchten, daß im Abgeordnetenhause dieser schwächliche Abguß einer Reform noch verschlechtert wird, so daß er schließlich gar keine Bedeutung mehr hat. Hätten die verbündeten Regierungen eine derartige Novelle im Reichstage eingebracht, so wäre sie hier so ausgestaltet worden, daß sie wirklich dem Frieden dienen konnte.(Sehr richtig I links.) Abg. v. Kardorff(Rp.): Ich gebe durchaus zu, daß verfasiungs- mäßig eine direkte Reichs-Einkommensteuer möglich ist. Solche direkten Steuern wie die Steuer auf Eisenbahnen haben wir übrigens bereits z. B. in der Frachtbriefsteuer.— Wenn infolge des Wahlgesetzes Wahlkreise mit einer ruhigen, sich um Politik nicht kümmernden Bevölkerung gewissenlosen Agitatoren zun: Opfer fallen, die es am besten verstehen, die Bevölkerung zu betrügen und zu verhetzen, dann wird hoffentlich das deutsche Volk stark genug sein, dieses Wahlgesetz z« beseitigen.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bebel sagte, seine Partei vertrete die Kultur, aber wenn man die sozialdemokratische Presse liest, so glaubt man nicht daran. WaS aus dem Deutschen Reiche werden sollte, wenn einmal Abg. Bebel Reichskanzler würde, das will ich nicht aus- malen.(Stürmische Heiterkeit bei der Reichspartei.) WaS Marokko anlangt, so kann Frankreich nie im Zweifel darüber gewesen sein, daß wir auch dort die Polittk der offenen Tür vertreten. Auch ich bin nicht für Besitzergreifung in Marokko. Dennoch darf man nicht, wie Abgeordneter Bebel getan hat, hier von der Tribüne aus sagen, daß wir in einein Kriege gegen Frankreich und zugleich gegen England unbedingt unterliegen müßten. DaS heißt doch diese Mächte geradezu auffordern, über unS herzufallen. Unser Landheer ist den anderen reichlich gewachsen und ich nehine an, daß unsere Flotte wenigstens in ihrer Verteidigungsstellung stark genug ist, um einen Angriff zu parieren.(Lebhafter Beifall rechts.) Reichskanzler Graf Billow: In der Ostmarkenpolitik kann der preußischen Regierung nur der Vorwurf eines Mangels an Kontinuität gemacht werden.(Beifall rechts.) Deshalb wird die preußische Regierung die jetzige O st- markenpolitik stetig fortsetzen.(Zuruf bei den Polen: Nur immer zu!) Mich über die Marokko- Frage im einzelnen zu äußern halte ich auch jetzt nicht für im portun. Ich nehme aber keinen Airstand zu erklären, daß ich mit den Aiisführnngcn des Abgeordneten Kardorff über diesen Punkt durchaus einverstanden bin. Seine Majestät der Kaiser haben schon vor Jahren Sr. Majestät dem König von Spanien er- klärt, Deutschland erstrebe in Marokko keine territorialen Vorrechte. Niemand hat aber die Berechtigung, auS dem Besuch in Tanger selbstsüchtige Mottve gegen die Integrität von Marokko abzuleiten. Unabhängig von diesem Besuch und von der Territorialftaae läuft die Frage unserer wirtschaftlichen Interessen. Wir haben in Marokko, ebenso wie in China ein erhebliches Jnter- esse an der Ausrechterhaltung der offenen Tür. Die deutschen Interessen in Marokko sind recht erhebliche, und wir haben dafür zu sorgen, daß sie mit denen aller anderen Mächte gleichberechtigt bleiben. Die Sprache und die Haltung des Diplomaten und Politikers richtet sich nach den Umständen. Den Zeitpunkt, den ich für die Vertretung deutscher Interessen für den geeigneten halte, wähle ich nach meinem eigenen Ermessen auS. Aber unsere Polittk in der Marokko-Frage hat sich nicht geändert. Sofern aber versucht wird, die völkerrechtliche Stellung von Marokko zu ändern, müssen wir auch in höherem Grade darauf achten als früher, daß unsere wirtschaftlichen Interessen in Marokko ungefährdet bleiben. Wir werden uns deswegen zunächst mit dem Sultan von Marokko in Verbindung setzen. Wenn Herr Bebel bei dieser Gelegenheit, was ich seinerzeit hier in diesem Hause über die unter allen Umständen auftechtzuerhaltende öffentliche Ordnung gesagt habe, als eine Provokation der Arbeiter bezeichnet hat, so erwidere ich, daß wir es stets als unsere erste und nächste Pflicht betrachten, zu verhindern. daß Gesetz und Ordnung verletzt wird.(Lebh. Beifall rechts.) Herr Bebel hat weiter gemeint, daß in England oder Frankreich kein Minister sich so gegenüber dem Streik hätte benehmen und auS- sprechen können wie ich bei dieser Gelegenheit. Ich aber meine, daß wohl kaum je aegeiuiber einer ernsten, so weit reichenden Arbeitseinstellung eine Regierung eine sachlichere und ruhigere Halbing beobachtet hat wie in diesem Falle die königliche preußische Staatsregienmg. Ich richte an den Herrn Abgeordneten Bebel die Gegenftage, lvie haben sich denn bei ähnlichen Anlässen aus� der Sozialdemokratie hervorgegangene Rcgicrnngen verhalten? Sie sind dein Streik militärisch ent- gegengetreten! So in Frankreich, so, weim mein Gc- dächtnis mich nicht täuscht, der Genosse Wullschläger in Basel. Wenn der Abg. Bebel das bestreiten sollte(Zuruf des Abg. Bebel: Daö bestreite ich ja gar nicht.)— nun. wenn es der Abg. Bebel nicht bestreitet, so will ich dennoch, um sein GedächwiS darin zu stärken(Stürmische Heiterkeit rechts), vorlesen, was er selbst auf dein internattonalen Sozialistcnkongreß in Anffterdam darüber gesagt hat. Ich bemerke aber, daß mir diese Nachricht nicht vom Abg. Erzberger zugestellt ist.(Stürmische Heiterkeit im Zentrum.) Was der„ V o r>v ä r t S" darüber gesagt hat, war purer Schwindel. Also der Abg. Bebel hat ausgeführt, daß seit 4 Jahren in Frankreich sowohl das Mnisterium W a l d e ck- Rousseau als das Ministerium C o m b e s bei jedem Arbeiter« streik die bewaffnete Macht aufgeboten habe.(Hört! hört! rechts.) Abg. Bebel hat weiter erklärt, daß die Polizei gewalttättgsterweise in das Arbeitshaus in Paris eingebrochen fei und 70 Arbeiter ver- wundet, niedergeknüttelt habe, und trotzdem habe ein Teil der foziali- ftifchen Freunde in der Kammer nicht für die Bestrafung des Polizei- präfetten gestimmt.(Lebhafte Pfuirufe!) Diesen Pfuirufen schließeichmich natürlich nicht an, weil ich mich ganz objektiv gegenüber den Vorgängen in anderen Ländern verhalte.(Lachen links.) Aber ich richte die Frage an den Abg. Bebel, mit welchem Rechte er da gegen die preußische Regierung zu Felde zieht, die gegenüber dem Ausstande von 200 000 Arbeitern nicht einen einzigen Soldaten auf die Beine ge- bracht hat. Als in der belgischen Kammer der belgische Kohlen- arbeitcrstrcik zur Debatte stand, baten die beiden sozia- listischenVertreter vonLüttich, die belgische Regierung möge eine ebenso gerechte und sachliche- Haltung einnehmen, wie die preußische während des Streiks im Ruhr- revier. Gehen Sie Herr Bebel bei Ihren belgischen Genossen in die Lehre! Oder kommen Sie niemals mehr mit Ihren verknöcherten Anschauungeit,— der Ausdruck(zum Präsidium hin) ist ja jetzt er« laubt.(Heiterkeit.) Ich habe immer gern anerkannt, daß der Streik im großen und ganzen ruhig verlaufen ist. Im schreienden Gegensatz zu dieser Haltung der Arbeiter stand aber von vorn« herein die Haltung der sozialdemokratischen Partei, ber welcher von vornherein immer wieder der politische revolutionäre Pferdefuß zum Vorschein kam. Die sozialdemokratische Presse war von Anfang an bemüht, Mißtrauen gegen die Regierung zu erwecken. Als die Regierung nun im Interesse des sozialen Friedens die Novelle zum Berggesetz in Aussicht stellte, hat die sozialdemokratische Presse alles getan, um den Arbeitern die Freude an diesem Eingreifen zu verderben. Im Gegensatz zu den Ausführungen des Abg. Bebel behaupte ich, daß der Ausstand schon sehr viel früher zu Ende gekommen wäre» wenn die sozialdemokratische Presse nicht immerfort Oel ins Feuer gegossen hätte. Ich habe hier einen Ausschnitt aus der „Frankfurter Zeitung" vor mir, welche meint, daß sich in der Bergarbeiterangelegenheit die Sozialdemokratie geradezu täppisch benommen und mit ihrer abgebrauchten Waschzettel-Phraseologie eine große Dummheit gemacht hätte. Auch die„Kölnische Volkszeitung" wies während des Streiks darauf hin, daß der„Vorwärts" den Kampf der Berg- arbeiter sehr erschwert habe. Auch die Rede des Abg. Bebel hier im Hause während des Streiks zeugte von verknöcherter Anschauung. Er hätte wirklich nicht anders sprechen können, wenn eS seine Absicht gewesen wäre, die arbeiterfreundlichen Bestrebungen der Regierung zu hintertreiben. Nicht meine Rede im AbgeordnetenhmlS hatte eine scharfmacherische Nnanze, wie Herr Abg. Gothein ge- meint hat, sondern Herr Abg. Bebel war einer der wirksamsten Helfer des sogenannten ScharfmacherttimS. Nun hat mir ja der Abg. Bebel zu meiner nicht geringen Ueberraschung die Bundes- genosscnschaft seiner Partei in Aussicht gestellt für den Fall, daß ich nach links rücken lverde, daß ich die Sicherheit des Landes kompromittiere usw. Ich erinnere mich noch sehr deutlich, daß der Abgeordnete Bebel bei verschiedenen Gelegenheiten mit derjenigen Offenheit, mit derjenigen Candcur(Naivität), die er ab und zu hat, ausdrücklich gesagt hat, die Sozialdemokratie nehme alle Konzessionen entgegen, halte aber fest an der Entwickelung der Endabsichten. Die Endabsichten find aber Ohnmacht des Landes nach außen und Anarchie im Innern.(Lachen bei den Sozialdemokraten.) Ich bin der festen Ueberzeugung, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes keine Lust verspürt, unsere verfassungsmäßigen Zustände mit der Diktatur des Proletariats, mit der ZuchthauSordnung des ZukunftsstaateS(Gelächter bei den Sozialdemokraten), mit einer banausischen Gleichmacherei und mit einem Wirrwarr zu vertauschen. der nach allen geschichtlichen Erfahrungen schließlich durch den Säbel durchhauen würde.(Lebhafter Beifall, namentlich rechts.) Abg. Sieg(natl.) polemisiert gegen die Ausführungen der polnischen Abgg. v. Skarzynsii, v. CzarlinSki und v. ChlapowSki und behauptet, daß die Polen die wahren Schuldigen an der Feindschaft zwischen der polnischen und deutschen Bevölkerung in den Ostprovinzen seien. Abg. Blumenthal(frs. Vp.): Sie haben in der zweiten Lesung einen Antrag angenommen, daß Elsaß-Lothringen eine Stimme im Bundesrate bekommen solle. Wir hätten, wenn wir hätten an« wesend sein können, nattirlich für diese Resolution gestimmt: aber diese Forderung ist doch keineswegs die wichtigste des elsaß- lothringischen Volkes. Wir wünschen auch keineswegs eine Stärkung des Einflusses Preußens im Bundesrate. Viel wichtiger ist für uns die Einführung einer aiis allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen hervorgegangeneu Volksvertretung.— Redner begrüßt eS, daß von einer Trübung der deutsch« französischen Beziehungen durch die marokkanische Frage nicht die Rede sei. Abg. Bebel(Soz.): Ich betone nochmals, daß im Januar zu der Drohung des Herr» Reichskanzlers gegenüber den Bergarbeitern nicht der geringste Anlaß vorlag. Seine Worte mußte» damals als Drohung aufgefaßt werden, zumal er gegenüber den Provokationen der Unternehmer mir milde Worte hatte.— Daß ich in allen meinen Reden zum Bergarbeiterftrcik scharfmacherisch gewirkt hätte, ist' schon deshalb unmöglich, weil ich in dieser Sache mir eine einzige Rede gehalten habe. Und in dieser Rede habe ich der preußischen Regicrung nicht den geringsten Borwurf gemacht, denn in diesem Falle hat sich in der Tat ausnahmsweise die preußische tegierimg korrekt verhalten. Die ganzen Vorlesungen meiner Ausführungen auf dem Amsterdamer Kongreß hatten gegenüber meiner Rede gar keinen Sinn. Der Herr Reichskanzler ist offenbar wieder mit einem fertigen Manuskript in der Annahme, daß ich das und das sagen würde, hierher gekommen, und diese Rede mußte nun gehalten werden, ganz gleichgültig, was ich sagte.(Heiter- keit.) Nebenbei bemerke ich, daß weder ich noch einer meiner Partei- sreunde behauptet hat, daß Herr Erzberger dem Herrn Reichskanzler Material liefere.— An die Arbeiterfreundlichkeit der preußischen Regierung können wir«ach ihren Handlungen nicht glauben, sind doch die Arbeiter durch das infame Dreiklasscn- Wahlrecht von der Vertretung im preußischen Landtage aus- geschlossen... Präsident Graf Ballestrem: Sie dürfen das Wahlrecht eines Bundesstaates nicht infam nennen. Abg. Bebel(Soz.): Ob ich es nun infam nenne oder das elendeste aller Wahl systeme, wie es Bismarck getan hat, kommt wohl auf eins heraus.— Wir haben nicht die Bergarbeiter in den Streik getrieben, aber als der Streik ausgebrochen war, war es selbstverständlich, daß wir die Arbeiter in ihrem Kampfe unterstützten. Denn wohl niemals war ein Streik gerechtfertigter als dieser Kampf.(Sebr richtig! bei den Sozialdemokraten.)— Wir sollen den Arbeitern das Gesetz zu verekeln gesucht haben. Nun eine besondere Genugtuung konnten wir wirklich über diese Novelle nicht empfinden, die nicht einmal die Forderungen erfüllt, die 1889 Herr Hammacher den Bergarbeiteru konzedierte.(Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Unter allen auf dem Bergarbeiter-Kongreß vertretenen Arbeitern, sozialdemokratischen und nichtsozialdemokratischen, ist man ein- stinimig der Ansicht, daß die Berggesetznovelle nicht genügt, enipfindet man einmütig das mit Kompetenzfragen entschuldigte Wegbleiben von Vertretern des Rcichsauits des Innern, die Nicht- Vertretung des preußischen Handelsministeriums als eine schwere Zurück� setzung gegenüber den stets von den Behörden mit zarter Rücksicht behandelten Nnternehmcrkougrcsscn. Dies Fernbleiben von Vertreten, des Handelsministcrs hat mehr verbittert als die Mängel der Berg- gesetz-Novelle. Und da verlangt man von den Arbeitern, daß sie Vertrauen zu der Regierung haben sollen! sSehr gut! bei den Sozialdeinokraten.) Der Reichskanzler sprach höhnisch von der Bundesgcnossenschaft, die ich ihm angeboten haben soll. Es ist noch nicht sehr lange her, als er größeren Wert auf die Mitarbeiterschaft der Sozialdemokratie legte. Ich erinnere an die erste Lesung des diesjährigen Etats, als er unserer Haltung gegenüber den Hetzereien einer gewissen Presse gegen England mit einer gewissen Anerkennung gedachte. Der Reichskanzler kam dann wieder auf den Z ukunsts- st a a t zu reden. Wenn der ZukunstSftaat so töricht wäre, wie der Herr Reichskanzler meint, dann freilich würden wir nicht drei Tage am Ruder bleiben.(Stürmisches: Sehr richtig I rechts.) Aber wir sind nicht so töricht, wir tun unseren Gegnern nicht den Gefallen, die Dummheiten zu begehen, die sie uns zuschreiben. Wir werden trotz aller Reichskanzlcrreden unseren Weg verfolgen und der Sieg ist uns sicher.(Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten. Lärm rechts.) Reichskanzler Graf Bülow: Die Kanonade des Herrn Vorredners war wohl mehr oder weniger ein Rückzugsgefecht.(Lautes Gelächter bei den Sozial- demokratcn.) Deshalb gehe ich auch nicht auf die kleinen Malicen gegen mich ein. WaS ich zuerst über den Streik gesagt habe, war keine Drohung, sondern die e ft st ei l u n g eines Grundsatzes, der in jedem monarchischen Staate gilt. Den Unternehmern gegenüber.habe ich. mich auch vollkommen objektiv verhalten. Ich v e r k e n n e nicht, daß die Unternehmer im Ruhrrevier durch ra st losen Fleiß(Zuruf bei den Sozial- demokraten: Ihrer Arbeiter!! und Intelligenz sich ihre Weltstellnng erobert haben, aber ich habe auch betont, daß die Haltung der Zcchenbesitzer bei dem Streik keine politisch kluge war, und ich stehe nicht an zu erklären, daß ich die zu heftige und leidenschaftliche Opposition der Zechenbesitzer gegen die Berggesetznovelle beklage. Ich habe nicht gesagt, daß Herr Bebel behauptet habe, Herr Erz- berger stelle mir Material zur Verfügung, sondern ich habe von einen, sozialdemokratischen Blatte(Zurus:„Vorwärts' I) gesprochen, das diese Behauptung aufstellte, die ich nochmals als albernen Schwindel charakterisiere.— Herr Bebel meinte, ich unterschätzte die Mithülfe der Sozialdemokratie, die sie eventuell der Regierung bieten könne. Wenn die Regierung seiner oder seiner Freunde Hülfe je in Betracht ziehen soll, dann müßten sie sich nicht nur mausern, sondern eine ganz andere Haut anschaffen.(Heiterkeit rechts.)— Als Herr Bebel wieder auf meine Bemerkung über den Zukunssstaat einging, dachte ich: Nun kommts endlich.(Heiterkeit.) Aber es war wieder nichts. Der ZukunstSftaat kommt niemals aus dem Futteral heraus.(Große Heiterkeit.) Die Herren von der Sozialdemokratie sollten sich das Wort des Herrn Bebel vom Amsterdamer Kongreß ins Stammbuch schreiben: Die Republik ist nicht so gut, wie wir sie machen und die Monarchie ist nicht so schlecht, wie wir sie machen. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Mg. Kulerski(Pole): So sehr die Mittel gewechselt haben, die man gegen die Polen anwandte, immer bildete die V e r- """*—- das d r ä u g u n g oder doch Znrnckdrängung der Polen Ziel, das die Regierung verfolgte: insofern kann man in der Tat von einer Kontinuität der preußischen Polenpolitik reden.(Zu- stimmung bei den Polen.) Wir nehmen die Kriegs- crllärung dcS Reichskanzlers an: die preußische Re- gierung möge die Folgen des Kampfes tragen, den sie selbst herauf- beschworen hat. dessen Fortsetzung sie will und wünscht!(Beifall bei den Polen.) Abg. Lattuianu(Ant.) legt in, Namen der christlich-nationalen Arbeiter Verwahrung dagegen ein, daß Bebel als Vertreter der ge- samten deutschen Aroeiterschaft spreche. Nur die Beteiligung der christlichen und nationalen Arbeiter Haiden, Streik im Ruhrrevier den ruhigen un d würdigen Charakter gegeben. Die Förderung der christlichen Arbeiter- bewegung ist eine nationale und sittliche Pflicht des Staates. (Beifall bei den Antisemiten.) Damit schließt die Generaldebatte. In der S p e z i a l- d e b a t t e werden die Etats de? Reichstages, des Reichs k a n z l e r s und des Auswärtigen Amtes angenommen. Es folgt der Kolonialetat. Zum Etat für Kamerun fragt Abg. Erzbcrger(Z.) an, wie cS mit den Unruhen in Kamerun steht und protestiert dagegen, daß der Reichstag in kolonialen Angelegenheiten immer nur als Geldbewilligungsmaschine behandelt werde. Es scheint, daß die großen Landgenossenschasten in Kamerun wie in Südwestafrika unheilvoll wirken.— Redner befürwortet sodam, eine von der Budgetkommission beantragte Resolution für Vergünstigung auch für die nicht etatsmnßigen Post bemnten in den Schutzgebieten. Kolonialdirektor Stiibcl: Ich habe über die Sachlage in Kamerun hier am 18. März bereits gesprochen. ES handelt sich um eine Präventivmatzregel gegen unliebsame Ueberraschungen, nicht um eine Repressivmaßrcgel gegen bereits ein- getretene Unruhen. Die darüber in der Presse verbreiteten Nachrichten waren also teilweise unrichtig. AlS ein ein- ziges konkretes Erlebnis ist nur eine bereits im November erfolgte, seitdem bereits gesühnte Mordtat zu verzeichnen. Aber un, vorzubeugen, muß dieSchutztruppe verstärkt werden. Der Reichstag kann die Verantwortung einer Ablehnung nicht ver- antworten.— Was die Südkamerun-Gefellschaft anlangt, so stehe ich nicht an, zu erklären, daß wir heutzutage eine so weitgehende Konzession nicht mehr erteilen würden.(Hört! hört! bei der Wirt- schädlichen Vereinigung.) Aber die Gesellschaft hat doch auch schon viel getan für die Kolonie. Gerade die Gesellschaft hat sich übrigens bäufig dafür verwandt. Eingeborene nicht so streng zu bestrafen. Hiermit schließt die Debatte. Die Etats für Kamerun und Togo werden ohne weitere Debatte bewilligt. Zum Etat für Südwestafrika fragt Abg. Lattmann(Wirtfch. Bg.) an. unter welchem Titel be, den Einnahmen die Summe von 2000 M.. die die South-West-African-Co. jährlich zu zahlen hat, figuriere. Kolonialdirektor Stübel: Sie ist unter„Verschiedene Einnahmen' gebucht und bisher stets regelmäßig gezahlt worden. Der Rest des Etats für Auswärtiges Amt und Kolonien wird ohne Debatte bewilligt einschließlich der Resolution der Budget- kommission betreffs der Postbeamten in den Schutzgebieten. Zum Etat für das ReichSamt des Innern bemerkt Abg. Dr. Becker-Hessei,(natl.): Der Abg. S ch e i d e m a n„ hat bei der zweiten Lesung scharfe persönliche Angriffe gegen mich gerichtet. Ich kann ja wohl den Haß verstehen, mit dem mich seit jener Zeit namentlich das Blatt dcS Abg. Scheidemann, das„Offenbacher Abendblatt", verfolgt hat. Ich will nur daran erinnern, daß man ein Seil quer über die Sttaße gezogen hat, als ich niit einem Automobil fahren wollte, daß man mich nachts niedergeschlagen hat, daß man meine Nacht- schelle mit Menschenkot beschmutzt hat, daß ich zivei Gendarmen bei mir einquartieren mutzte und einen Gendann per Rad hinter mir herfahren ließ. Nun zur Sache selbst: In Sprendlingen existierten nicht einer, sondern drei Sanitätsvereine. Als diese nun verschmolzen werden sollten, kam eine Deputation von ärmeren Leuten zu mir und forderte mich auf, überzusiedeln. Ich tat es unter gewissen Bedingungen. Die beiden Aerzte zogen später fort und seit 1893 bin ich alleiniger Arzt in Sprendlingen. Ich machte dann später den Vorschlag, den Sanitätsverein aufzulösen und sich bei mir in Familien Versicherung zu begeben.(Hört l hört! bei den Sozialdemokraten.) Das lag im Interesse der Arbeiter selbst. Noch heute sind 600 Familien bei mir versichert. Ich habe mich nie erboten, Familien„umsonst" zu be- handeln, wie nach dem Bericht des„Vorwärts" Abg. Scheidemann gesagt hat. I», stenographischen Bericht hat der Abgeordnete eine Aenderung vorgenommen.(Hört! hört! rechts.) Ursprünglich stand darin„gratis", dieses Wort war dann in, korrigierten Bericht mehrfach blau durchstrichen.(Hört! hört! rechts und bei den Liberalen.) Die sozialdemokratischen Arbeiter haben mein Einkoinmen nach Möglichkeit herunterzudrücken gesucht, sie forderten mich auf, für 6 M. pro Familie zu arbeiten, ich aber bin meinen Kollegen gegenüber verpflichtet, an den, Minimalsatz von 9 M. pro Familie festzuhalten. Ich bin derjenige gewesen, der dem sozialdemokratischen Kassenvorstand geraten hat, sich einen zweiten Arzt zu verschreiben und mich mit meiner Klientel allein zu lassen. Eine solche Ein- richinng, die dann durch Abstimmung der Mitglieder— nicht der Bevölkerung, wie Abg. Sckwidemam, behauptet hat— beschlossen wurde, oll ich hintertrieben haben! In Wirklichkeit aber habe ich es doch angeraten!(Hört! hört! bei den Nationalliberalen.) Ich 'oll Mitglieder brotlos gemacht haben wollen. Ein Mitglied sollte unterschreiben, wie er mir am vorigen Freitag sagte, daß ich den Versuch de? Brotlosmachens unlernommen habe. Er wollte nicht unterschreiben, da er sich daran, nicht erinnen, könne. Da hieß es: Unterschreibe nur, die anderen haben auch unter- ch r i e b e u.(Hört I hört! bei den Sozialdemokraten.) Mein Wunsch, ein zweiter Arzt solle sich niederlassen, wurde dann ersiillt. Ein Vortrag über die Hülfskassen, den ich gehalten habe und in dem ich ausführte, daß sie Schaden litten, wenn sie nicht mit den Aerzten freundschaftliche Fühlung nähmen, wurde vom Abg. Scheidemann auch erwähnt. Er hat dann 'ein Stenogramm in dem Sinne korrigiert, daß es nunmehr hieß: die hiesige Hülfskasse" statt„die Hülfskassen".(Hört! hört! rechts.) Solche Korrekturen waren bisher im Reichstage nicht üblich. Ferner soll ich absichtlich teuere Medizin verschrieben haben. Aber das Gegenteil ist der Fall. Sobald ein zweiter Arzt angestellt wurde, stiegen die Arzneiansgaben pro Kopf der Mit- glieder.(Hört I hört I rechts.) Im nächsten Jahre, als ich überhaupt nichts mehr mit der Kasse zu ttm hatte und die Kasse unter sozial- demokratischer Leitung stand, da stiegen die Arzneikosten etwa auf das Doppelte. Statt 20 Pf. die Woche mußten die Mitglieder jetzt 40 Pf. bezahlen.(Hört! hört! rechts.) Die Beschwerde an das Kreisamt, von der Abg. Scheidemann gesprochen hat, ist nicht gegen mich erhoben worden, sondern bestand in einem Brief, den ich geschrieben hatte.(Große Heiterkeit.) Auch die in diesen, Satz liegende Verdächtigung muß ich also aufs schärfste zurück- weisen. Ich bin wegen meiner billigen Rezepte als Kamillendoktor bezeichnet worden, also das Gegenteil davon ist wahr, daß ich zu teuer verschrieben habe. Das Anwachsen der Apothekenrechnung hat doch ganz andere Ursachen. Das ist öffentlich in einer kombinierten Sitzung festgestellt worden. Wenn dann nachher die Apothekerrechnung heruntergegangen ist, so liegt das daran, daß es— der Monat Mai war, wo natürlich die Zahl der Kranken stets heruntergeht. Auf jene kombinierte Sitzung, in der jene angeblichen Beschwerden zur Sprache kamen, kann der Preissall schon deshalb nicht zurückgeführt werden können, weil sie erst am 25. Mai stattgefunden hat.(Große Heiterkeit rechts.) Ganz unverständlich ist mir, was Abg. Scheidemann damit gemeint hat. wenn er gesagt hat, ich hätte nun eine neue Kasse gegründet. Ich hatte ja doch schon seit langen Jahren meine Kasse! Die neue Kasse war vom Bürger- verein gegründet und der Vorstand wurde in dieser auf 9 Jahre eingesetzt. Dies hat Abg. Scheidemann sehr gerügt, und ich gebe ihn, darin recht, das muß ja ganz unerträglich für die Mitglieder sein. Aber»un will ich Ihnen aus dem Statut der sozial- demokratisch geleiteten Kasse vorlesen. Da heißt es: Der Voiftand wird auf 9 Jahre gewählt.(Große Heiterkeit rechts und in der Mitte. Zuruf des Abg. Scheidemann: Lesen Sie weiter!) Ja. ja, ich werde schon weiter lesen: In der sozialdemokratischen Kasse schaltet allerdings alle drei Jahre je ein Mit- g l i e d ans. Und wie ist es in der anderen? Da findet sich genau dieselbe Be st immun g.(Große Heiterkeit rechts und bei den Liberalen.) Die Kasse ist, wie gesagt, vom Bürgerverein gegründet, und auch mit der Gründung dieses Vereins habe ich nichts zu tun gehabt. Herr Scheidemann sagt, der Verein habe den Zweck, die Sozial- demokratte umzubringen. In der Tat hat seit Bestehen des Bürger- Vereins die Zahl der sozialdemokratischen Stimmen abgenommen. (Heiterkeit.) Herr Scheidemann hat den§ 2 des Vereins verlesen, wonach ihm alle männlichen Einwohner, die gesund und über 14 Jahre alt sind, angehören dürfen. Ich zahle 1000 M. in die Parteikasse, wenn auch nur ein Wort davon in dem Staint des Bürgervereins steht.(Heiterkeit und Hört! hört! bei den Nationalliberalen.) Dieser PassuS findet sich im Statut der Unterstützungskasse des Bürgervereins, wo er naturgemäß ist.— Schließlich hat Herr Scheidemann gesagt,„man" nennt die Kasse de? Bürgervereins„Zum billigen Jakob". Ich fordere Herrn „Scheide"mann auf, diese Behauptinig außerhalb des Hauses zu wieder- holen, damit festgestellt iverden kann, wer der„man" ist. Ein Arbeiter in der Versammlung am vorigen Freitag, wo diese Dinge zur Sprache kamen, meinte sehr richttg: Die Sache wäre sehr einfach, der Betteffende habe nur seinen Vornamen vergessen, es werde wohlHerr Scheidemann sein.(Große Heiterkeit.) Damit hatte der Mann durchaus recht. Ich glaube hinreichend bewiesen zu haben, in welcher Weise die Angriffe des Herrn Scheidemann begründet waren. Möge mich Herr Scheidemann weiter verfolgen, aber nicht persönlich sondern sachlich. Als anständiger Gegner hätte Herr Scheidemann jedenfalls meine Gegenwart für seine Angriffe abwarten müssen.(Lebhafter Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Scheidemann(Soc.): Herr Mg. Becker hätte seine Angriffe weit besser substantiieren müssen, wenn er mich hier gewissermaßen als politisches Rauhbein hinstellt.(Heiterkeit bei den Natl.) Ich habe keinen Haß gegen Herrn Dr. Becker(Lachen bei den Nationalliberalen), ich habe ihn nicht an- f egriffen, weil es Dr. Becker war(Lachen bei den Nattonallliberalen), ondern in einer Polemik gegen Herrn Dr. Mngdan. Redner pole- misicrt zunächst gegen die früheren Angriffe des Abg. Mngdan gegen die Solinger Kasse.— Was nun Herrn Becker anbettifft, so hat er bebauptet. a II e meinen Behauptungen seien objektiv unwahr. Ich ?alte alles, was ich gesagt habe, aufrecht. Herr Becker hat ganz neben- ächliche Punkte ans Grund seines„amtlichen Materials" widerlegt, Herr Becker hat selbst zugegeben, daß er, wie ich behauptete, eine Konkurrenztasse gegründet habe und hat selbst darauf hingewiesen, wie dieser billigen Kasse nun die Arbeiter zulaufen. Ich habe mich nochmals bei allen Beteiligten erkundigt, habe durch einen Rechtsanwalt über alle Einzelheiten ein Protokoll aufnehmen lassen, dessen Angaben die Unterschriebenen, worunter einige GemeinderatSmitglieder, zu beschwören sich bereit erklärten. In diesem Protokoll ist alles enthalten, was ich damals angegeben habe.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Alle diese Leute müßten also Schwindler sein, wenn ich nicht die Wahrheit berichtet hätte. Der Rechtsanwalt hat die Leute aufs eindringlichste ermahnt, nur die reine Wahrheit zu sagen, und mich nicht falsch zu informieren. In diesem Protokoll bestätigt ein Assessor E m e r l i n g die Drohungen des Herrn Dr. Becker gegen Arbeiter, die dieser abstreitet. Er erklärt, Herr Dr. Becker habe auf Vorhaltungen über diese Drohungen gesagt, sie seien nur diplomatische Mittel gewesen, er habe nie daran gedacht, sie wahr zu machen.(Lebhaftes Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Redner verliest mehrere Erklärungen von Ar- heitern, wonach Dr. Becker solche Drohungen, er werde siir ihre Eni- lassung sorgen usw. ihnen gegenüber ausgesprochen. Herr Dr. Becker hat vorhin gesagt, e r sel b st habe die Familienversicherung eingerichtet. In ver- schicdenen Briefen an Arbeiter aber spricht er von dieser Familien- Versicherung als von einer gegen ihn gerichteten Einrichtung der Arbeiter. So widerspricht das, was der Abg. Becker sagt, dem, was er schreibt, vollständig.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Becker hat bestritten, daß er besonders teure Rezepte ver- schrieben habe. Während aber früher die Summe der verschriebenen Rezepte sich im Monat zwischen 39 und 90 M. bewegte, verschrieb Herr Dr. Becker in der Konfliktszeit gleich für über 200 M. Rezepte im Monat. Dabei war in dieser Zeit keine E p i d e m'i ej! Der einzige Grund war der Konflikt zwischen ihm und den Mit- gliedern der Kasse.(Hörtl hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Becker hat einzelnen Kranken an einem Tage Va und 3/4 Liter Pepsinwein verschrieben, einem Kranken für 4 M. Orthoform, während nach dem Arzneibüchlein der Frankfurter Ortskasse höchstens wenige Gramm Otthoform verschrieben werden darf, das Gramm kostet 20 Pf. (Hört! hört! bei den Soziald.) Mehrere Aerzte haben mir gegenüber ein Verschreiben von derartigen Arzneien in solchen Mengen als ganz unerhört bezeichnet.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Becker hat �stritten, daß er die Krankenkasse und den Bürgerverein begründet hätte. Aus einem Bericht des nationallibcralen Blattes in Sprendlingen über die Gründungs- Versammlung dieser Klasse geht aber klar hervor, daß Herr Dr. Becker der Spiritus rector dieser Gründung war. Ebenso hat Dr. Becker einen Vorttag gehalten, in dem er zur Gründung des Bürgervereins gegenüber den terroristischen Bestrebungen der Sozialdemokratie aus- forderte.(Hört! hört! bei den Sozialdemokraten.) Einem Zeitnngs- Besitzer, der einen gegen Dr. Becker gerichteten Artikel in seiner Zeitung veröffentlichte, hat er das diesem geliehene Kapital gekündigt und ihn dadurch geschädigt. Da sollte er doch mit dem Vorwurf des Terrorismus uns gegenüber vorsichtiger sein. CZustiminuiig bei den Sozialdemokraten.) Herr Dr. Becker tritt für die freie Arztwahl ein, es sind nur außer ihm keine Aerzte da, die gewählt werden können.(Heiterkeit.) Charakte- ristisch für Herrn Dr. Becker ist, daß, während wir ihn stets zu unseren Versammlungen eingeladen haben, er uns von feinen Versammlungen ausschließt. Der Ursprung der Ge- schichte mit dem Seil, das über die Sttaße gespannt sei, um Herrn Dr. Becker in seinem Automobil zu strangulieren, hat sich ttotz unserer größten Bemühungen nicht feststellen lassen. Es ist ja noch eine ganze Reihe von solchen Terrorismusgeschichten ver- breitet worden. So z. B. wurde in der Wahlzeit ein Extrablatt herausgegeben, daß Herr Becker erdolcht worden iei. Entweder ist dieser Herr Dr. Becker nicht der richtige(Heiterkeit), oder aber die Terrorismuserzählnn�en sind Schwind el.(Hört! hört!) Ich soll das Wort„Zum billigen Jakob" erfunden haben. Herr Dr. Becker aber hat sich selbst bei der großarttgen Siegesfeier vor allem Volk vor dem sozialdemottatischen Gewerkschaftshause alS „Kohlenjakob" hochleben lassen.(Heiterkeit.) Da der Abg. Dr. Becker solche stinkende Schweinerei, wie die Sache mit der Beschmierung des Klingelzuges mit menschlichen Exkrementen, vorgebracht hat, so möchte ich nur erwähnen, daß solche Sachen in Offenbach kein Novum sind.(Große Heiterkeit.) Herrn Ulrich find solche duftenden Sachen in Briefen zugeschickt worden.(Hört! hört! und Heiterkeit.) Das Wort„gratis" gestrichen zu haben, gebe ich zu, loeil es an jener Stelle gar keinen Sinn hatte. Warum soll einem sozialdemokratischen Abgeordneten nicht auch einmal ein falscher Zungenschlag passieren, haben Minister allein ein Anrecht darauf? (Große Heiterkeit.) Ich überlasse der Oeffentlichkeit das Urteil über Herrn Dr. Becker.(Beifall bei den Sozialdemottatcn.) Hierauf wird ein Vertagungsantrag abgelehnt. Abg. Bruhn(Antts.) polemisiert in einer bei der Unruhe des Hauses nicht verständlichen Weise gegen den Abg. Stadthagen. Abg. Singer(Soz.) stellt hierauf erneut einen Vertagungsanttag mit dem Hinzufügen, daß er im Falle der Ablehnung die Auszählung des Hanfes beantragen werde. Vizepräsident Dr. Paasche erklärt in der Abstimmung, daß der Vertagungsanttag angenommen sei.(Heiterkeit.) Nächste Sitzung: Donnerstag 11 Uhr(Fortsetzung der heuttgen Beratung). Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der �schrauben- dreher Otto Roy am 27. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 30. d. M., nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Franksurter Allee 179 nach dem Gemeinde- Kirchhof, Krugsteg, Lichtenberg aus statt. Rege Beteiligung erwartet 114/3 llie OrtsverwalSung. Den Mitgliedern des Wahl- Vereins zur Nachricht, daß unser Mtglied, der Schlosser Artnr Hoffmann Dienstag früh am Schlagansall gestorben ist. 288/6 Ehre seinem Andenken Die Beerdigung findet am Frei- tag. den 31. Marz, nachmittags 3 Uhr statt. Die Mtglieder versammeln sich um'/«S Uhr im VercinSlokal bei Hicmke, Wallstraße 55. Um rege Beteiligung ersucht De»- Vorstand. Kranken- und Begrätinis-Kasse der Seifensieder. (Eingeschr. Hülfskasse Ho. 17.) Am 27. d. MtS. verstarb nach schwerem Leiden unser Mtglied Henn. Pirsch. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donners- tag nachmittag 3 Uhr vom Trauer- hause, Stephanstr. 62, statt. 543b Der Vorstand. lentral-ai'aiilien- u. Sterbekasse der deutschen Wagenbauer, K. H. Filiale Berlin XII. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Montag, den 27. März, nach kurzen, Krankenlager unser langjähriges Mitglied und stell- verttetcnder Bevollmächtigter, der Restaurateur tllgust kronllsgel Roswckersttaßc 46, im Alter von 38 Jahren verstorben ist. Ehre seinem Andenken I Die Beerdigung findet Freitag, den 31. März, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle der Heilands- gemeinde in Piötzenfce aus statt. Um recht rege Beteiligung ersucht 253/3 Die Ortsverwaltung. Verband der Steinsetzer, Pflasterer und Berufsgeuossen. Filiale Berlin I. Dodes-Anzelge. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege F. Franzky verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Donnerstag nachmittag 4 Uhr von der Leichenhalle des neuen Paulskirchhoscs aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 174/4 Der Borstand. Für die vielen Beweise der Teil» nähme bei der Beerdigung meiner lieben Frau tleX geb. sage ich allen Verwandten, Kollegen und Bekannten meinen verbindlichsten Dank. 542b Aldert Silet 9 Kür den Inhalt der Inserate iibernimult die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortnng. UKeater. Donnerstag, den 30. März. Ansang T'/j Uhr: Qpernhans. Die Swmme von Bortici. Schauspielhaus. Götz von Berli, chingen mit der eisernen Hand. Deutsches. Oedipus. Berliner. Richard II. Westen. Die Asrikanerin. National. Die Fledermaus. Neues. Ein Sommcrnachtstraum. Thalia. Der Kilometersresser. Ansang 8 Uhr: Schiller O.< Ballner« Theater.) Krieg im Frieden. Schiller»1.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Die Herren Söhne. Lessing. Elga. Kleines. Sanna. Residenz. Hotel Pouchadour. Zentral. Die Juxheirat. Metropol. Die Herren vonMaxstn. Lustspielhaus. Der Familientag. Triauon. Das Abenteuer des Herrn Malezieux.— Die Briestasche.— Ein peinlicher Zwischensall. Deutsch-Amerikanisches. Ueiern großen Teich. Belle-Alliance. Wegen Vorbereitung geschlossen. Carl Weist. Berlin, wie es weint und lacht. Luisen. Die Grille. Kasino. Lolos Vater. Apollo. Das Veilchenmädchen. Spezialitäten. Herrnfeld-Theater. Die Meyer- Hains. Palast. Liebe kann alles.— Max und Moritz.— Spezialitäten. Passage-Theater. Die S Lorrisons. Soffen Lasson. Spezialitäten. McichShallc». Stettiner Sänger. Wintergarten. Saharet. Spezialitäten. ilrauia. Taubenstraste 48/4». Im Theater abends S Uhr: Tierleben in der Wildnis. Jnbalidenftraste 87/8!!. Stern- warte. Täglich geöffnet von 7 bis t t Uhr. Neues Theater. Anfang 7ll, Uhr. Sin SonmertmchlstrWM. Freitag zum erstenmal: Kots Konegen. Sonnabend: Ein Sommernachtstraum. Sonntag: Meta Konegen. Montag: Ein Sommernaehtstraum. Kleines Theater Ansang 8 Uhr. Sanna. Freitag: Salome. Sonnabend: Nachtasyl. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ermäßigte Preise. FamilienMyH. Liehesträume. Serenissimus. Abends 8 Uhr: Der grüne Abschledssouper. Montag; Angele. Oer Bär National-Theater WeinvcrgSwcg 19. Donnerstag, den 30. März 1905: Zum Benefiz f. d. Chorpcrsonal. Die Fledermaus. Rosalinde: ttelene Llehan-Glolilg a. G. Eisenstein.... Oskar Braun a. G. Ansang 7'l, Uhr. Freitag: Die lustigen Weiber von Windsor. Zentral-Theater AfienSS 8 Uhr: Die Juxheirat. Operette in 3 Akten von Jul. Bauer. Musik von Franz Lehär. Morgen u. folg. Tage: Die luxheirat. Sonntag nachmittag: Die Geisha. Abends: Die Juxheirat. Luisen-Theater. Zum erstenmal: Iii« Knill«. Freitag: Kyritz-Phritz. Sonnabend: Mein Leopold. Sonntag nachm.: Das Leben ein Traum. Abends: Die Grille. Montag: Lorbeerbaum u. Bettelstab 218. Friedrichsttaße 218. Täglich 8-, Uhr: Das Beilchenmädel. Vorher 8 Uhr: Die März-Spezialitäten. Sonntag, 2. April, nachm. 3 Uhr, ermäßigte Preise: Berliner Lnft und die neuen April-Ailraklionen. Kasino=Theater Loihringerstraße 37. Täglich 8 Uhr: Lotos Vater. fS";: M. L'irrooje. Vorher das brillante»arr-?regramm. Sonntag nachm. 4 Uhr: Heirat auf Prohe. Urania, Tauhenstr. 48/49 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Sternwarte lftvaI,den str.57;6g. ) CASTÄN S ANOPTICUM, Friedrichstr. 165. Das sensationelle Riesen-Mädchen!!! Rosa Wedsted, 2 Meter 20 cm hoch, größte lebende Riesin IM» der Welt. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: DasAbenteuer d.Hr». Malezieux Die Briestasche. Ei« peinlicher Zwischenfall. Ansang 8 Uhr. Freitag zum erstenmal:..Ihr Alibi." Metropol-Theater W' Große Ausstatttmgsposse mit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Richard Sehultz. Henry Bender. X Joset Giampletro. Josef Joseph!. X Anton Grünfeld. Frid Frid. X Fritri Massary. Das Fest des Lichts.(Ballett.) Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. Deutsch-tarikamsches ' Theater. 11 11 Köpnickerstr. 67/68, Stat. Jannowitzbr. Jeden Abend 8 Uhr: „Ueber'n groBon Teich". Mittwoch, den 5. April: Sonvenler-T orstellnng. MALE fl 450._ UEBERH GROSSEN � TEICH. � Jeden Sonntag nachm. 3 UJrr: Halbe Preise. „Ueber'n großen Teich". fiustspielhaus. Täglich 8 Uhr: Der Familientag. Allabendlich: Oer Familientag. Sonntag nachmittag zum erstenmal! Der Hann im Schatten. tiebl-üder HernM-TtiMter. Der größte Erfolg seit 14 Jahren ist unbestritten die Novität: i*■■ I• Komödie in drei Akten von Anton und Donat Herrnseld mit Anton Rerrnfeid als Pfchechowil, Herausgeber d.„Schein- werser" und Donat Herrnfcld als Kvmmerzirnrat Meyerhain. Ansang 8 Uhr. Vorverkauf ll— 2 Uhr. Passage-Theater. Ansg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Ans. iichm.Sonnt.3, Wochentg.öUhr. Tke tive sisters L-orrisoa die bekannten Frauenschönheiten. Bokken Lasson die exotische Straßensängerin. 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Als Gäste sind heute noch Reichstags-Abgeorditeter B ö m e l- bürg(Die Redezeit ist abgelaufcn.j Köster-Saarrcvier(Chr.): Mit der Einführung der Achtstunden- schicht im Saarrevier könnte sofort begonnen Iverden. Denn seit dem Jahre 1390, wo wir um ihretwillen gestreikt haben, haben die Grubenvcrwaltungen Zeit gehabt, den technischen Plan für ihre Durchführung auszuarbeiten. Schon damals forderte uns der Direktor der Zeche Dudweiler auf. wieder einzufahren, da in kurzer Zeit mit der Einrichtung der Achtstundenschlcht begonnen würde: „Werte Kameraden, ich gebe Euch mein Ehrenwort, daß alle»»ach Eurem Wnusch gemacht wird," sagte er damals zu uns, aber bis heute ist unser Wunsch Wunsch geblieben.(Hört I hört!) Wenn die Nachmittagoschicht einfährt, hört wegen der Seilfahrt die ganze Arbeit auf. ES könnte also bei acht Stunden ununterbrochener Arbeitszeit genau dasselbe Quantum gefördert werden, wie heute bei der O'/zstündigeu. Pokorny-Zwickau(Verband): Ein Teil der Schuld, daß nichts von der Regierung geschieht, liegt an der Berichterstattung: so be- zeichnet der Kottbuser Berginspektor den Gesundheitszustand als aus- gezeichnet, obwohl die Brandenburger Knappschaftskasse 71 Proz. Kranke hatte. Die Ueberarbett in, mitteldeutschen Braunkohlengebiet ist geradezu ungeheuerlich, ebenso die Zerfahrenheit in der Arbeits- zeit, man findet 8. 9, 10, 11 stündige Arbeitszeit auf dicht neben- einander befindlichen Gruben. Die Luft ist zun, Teil so stickig, daß die Lampen nicht einmal brennen, daß Carbid-Lompen benutzt werden müssen. Die Resolution schlage ich vor. so zu ändern, daß wenigstens auch hier der sogenannte sanitäre Arbeitstag ein- geführt iv,rd. Effert: Ich möchte noch auf einige andere Faktoren aufmerksam machen, welche den Gesundheitszustand beeinflussen. Durchgängig zeigt sich aus den Berichten des Allgemeinen Knappschaftsvereins Bochum, daß die Krankcnziffer in feuchten Gruben größer ist, als selbst bei höherer Temperatur in trockenen Gruben. Ein weiterer Faktor ist die Gefährlichkeit des Betriebes. Auf diese Fattoren mutz die Gesetzgebung ebenfalls Rücksicht nehmen. Brimmer-Waldenburger Revier(H.-D.) überbringt die Grüße der Waldenburgcr Bergleute und wünscht die Aufmerksamkeit der Gesetz- gebung auf das Ueberschichtenwesen auch in jenem Revier gelentt zu sehen. Tadelnd erwähnt er das unsolidarische Verhalten der katholischen Fachabteilnngen und der sogenannten Rcichstreuen, die sich nicht an den Beratungen hier beteiligen, die Vorteile, die errungen werden, aber gern mit benutzen werden. Schlösser-Aochen(Verband) schildert die mißlichen Zustände im Aachener Revier, wo gegen 10 000 Arbeiter in Betracht kommen. Der sanitäre Arbeitstag kommt hier nicht in Betracht, die Gesetzes- vorläge würde hier also keine Verbesserung bringen, obwohl die Krankheitsziffer bei uns viel höher ist als im Ruhrrevier. Wierzbica-Bottrop(Pole) berichtet über Mißstände auf Gruben der Borbecker Gegend. Schluchtmaun-Mciderich(Verband) schildert die Praktiken der Unternehmer zur Verlängerung der Schichtzeit sowie überhaupt zur Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen. Daß der Gesetzentwurf lediglich die Temperatur als maßgebend für den sanitären Arbeitstag annimmt und nicht mindestens auch die Feuchtigkeit berücksichtigt, ist geradezu beftemdlich, aber auch bezeichnend. Die Zechen- verwaltimgen zeigen schon jetzt durch ihr Verhalten, daß sie sich darauf einrichten, daß die Regierung nicht einmal den sanitären Arbeitstag durchsetzen wird. Schiller-Oberhausen(H.-D.) weist nach, wie unzureichend die Kontroilen und Revisionen durch das Oberbergamt verlaufen. Die 1 Unternehmer verstehen sich aber vortrefflich aufs Umgehen. In nassen Gruben sollte die Schichtzeit besonders verkürzt werde». Komme» die Einfahrer vor Ort. so unterlassen furchtsame Bergleute leider häufig, diesen die Wahrheit zu sagen. Maaßcn-Wurmrevier(christl.) bezeichnet es, wie der Vorredner. als Mißgriff, daß die Verkürzung der Arbeitszeit an hohe Ten,- peraturen gebunden sein soll.(Sehr richttg!) Richttger wäre cS, wenn man die Arbeitszeit für alle Bergarbeiter gesetzlich geregelt Hütte. Während des Streiks ertönte der Ruf> Schutz den Arbeitswilligen? Dazu ist jetzt Gelegenheit(Sehr gut!), denn alle Bergarbeiter sind arbeitswillig. Man sorge nur dafür, daß ihnen die Arbeitswillig- keit nicht durch die Verhältnisse genommen werde.(Lebhafter Beifall.) Heute hört man vielfach, daß der Bergmann sagt: Mein Sohn mag werden was er will, nur nicht Bergmann?(Lebhafte Zustimmung.) Unsere Arbeit vollzieht sich im Dunkeln; die Miß- stände, die sich da leicht einstellen, niüssen in, hellen Licht der Oeffentlichkeit besprochen werden. Einigkeit ist vor allen not. Ge- trennt marschieren, vereint schlagen!(Bravo!) Kräincr-Saarbrücken(bekannt durch den Hilger-Prozeß) nennt die Regierungsvorlage Flickarbeit, die die Bergarbeiter niemals zu- frieden stellen Ivird, und verlangt den Normalarbeitstag. WKrolik-Beuthci,: Oberschlesien gilt als das Dorado der Berg- arveiter.„Sie haben keinen Grund, sich zu beklagen", schrieb die „Schles. Ztg." 21 Stunden später war der Streik ausgebrochen, vcr- ursacht durch die lange Schichtdancr und das Ncberschicht-Systrm. Redner tritt für den Normalarbeitstag ein. Ebenso Krakowzek-Horst-Emscher(Verband), der über die lange Arbeits- zeit an heißen Stellen klagt. Er selbst hat acht Stunden lang ohne jede Bekleidung in der Grube schaffen müssen. Die Leistung von Neberschichten werde vielsach mit der Drohung der Abkehr erzwungen. Jmbusch-Borbeck(christlich): Es berührt sonderbar, daß man heute noch die Notwendigkeit einer Verkürzung der Arbeitszeit be- weisen muß. ES muß unbedingt rasch etwas geschehen, wenn der Bcrgarbeiterstand nicht noch weiter herunterkommen soll. Wer sich heute noch nicht von der Notwendigkeit der Schichtverkürzung über- zeugt hat. der will sich nicht überzeugen lassen.(Sehr wahr!) Die Resolution Husemann, wie sie nns jetzt vorliegt, ist für mich unamiehlnbar.(Oho!) Im ersten Absatz wird behauptet, daß die Wünsche der Bergarbeiter fast ganz unberücksichttgt geblieben sind. Ich glaube, es ist nicht klug, wenn wir die Resolution in dieser Fassung annähinen. Wir sollen nicht unser Herz und unsere Erregung sprechen lassen, sondern kühl und ruhig mit unserem Ver- stand urteilen. Der Regierungsentwurf ist trotz des größten Wider- standes von feiten der Unternehmer eingebracht worden. Wir sehen ja, welche Anstrengungen die Unternehnier noch heute machen, um ihn zu Fall zu bringe». Da dürfen wir den Unternehn,ern kein Wasser auf die Mühle liefen,.(Sehr richtig! bei den Christlichen.) Die Unternehmer behaupten schon jetzt immer:„Wenn sich die Re- gicrung von den Arbeitern hinreißen läßt, ihnen etwas zu gewähren, dann macht sie sie nur anspruchsvoller. Die Arbeiter sind doch nicht zufriedenzustellen." Wir müssen deshalb jeden Anschein vermeiden, als wenn wir nicht zufriedenzustellen wären. Wir müssen dankbar anerkennen(Wideripruch. Rufe: dankbar?>, daß die Re- giernng etwas stir uns getan hat(Rufe aus den Reihen des Verbandes: Gar nichts!) und daß der Entwurf Ver- besserungen enthält. Ich glaube nicht, daß auch nur einer der Anwesenden bestreiten ivird. daß der Entwurf Verbesserungei, enthält.(Rufe: Auch Verschlechterungen!) Diese Verbesserungen müssen wir anerkennen. Ich bin der letzte, der n,it ihm zufrieden wäre, und ich verlange auch mehr; ich sage nur offen: er enthält Verbesserungen.(Rufe: Wo?) Ich schlage eine andere Fassung der Rejolution vor. die allen einsichtigen Bergarbeitern gefallen wird. Im ersten Absatz der Resolution soll nicht gesagt werden:„Die Wünsche der Bergarbeiter sind fast ganz unberücksichtigt geblieben", sondern: „DieWünsche der Bergarbeiter sind nichtgeniigcndberücksichtigtworden". Im zweiten Absatz schlage ich Ihnen vor, statt:„Der sanitäre Arbeitstag kann als genügend nicht bezeichnet werden", zu sagen: „Die Konferenz hält die Durchführung eines Maxiinalarbeitstaaes statt des im Entwurf vorgeschlagenen sanitären Arbeitstages für dringend geboten.(Bravo! be, den Christlichen. Zurufe: Das ist ja dasselbe.) Ich glaube, gegen eine solche Fassung wird keiner der Anwesenden etwas einzuwenden haben und wir haben die schroffe Form, welche der Entwurf Husemanns enthielt, vermieden. ES ist das auf jeden Fall gerade so gut. Wir brauchen doch der Regierung hier keine Grobheiten zu sagen.(Heiterkeit.) Wir können unsere Wünsche auch deutlich und energisch zum Ausdruck bringen, ohne grob zu werden, und ich glaube, es hilft das ebensoviel. Die Unter- nehmer haben dann wenigstens keine Handhabe, gegen de» Regie- rungsentwurf und die noch vorzuschlagenden Verbesserungen Stim- mung zu mache» in den Kreisen der den Scharfmachern nahestehenden Parteien.(Lebhafter Beifall bei den Christlichen.) Die Anträge I n, b u s ch finden bei der Mehrheit der christ- lichen Delegierten genügend Unterstützung. Regulski-Bochum(Pole): Glückauf! Kameraden und verehrten Gäste!(Glückauf!) Der schlimmste Uebelstand bei den Bergarbeitern ist gerade die lange Arbeitszeit. Aber fast jede Zeche hat anliegend ihre Kokerei, und die Koksarbeiter leiden unter einer ganz un- menschlich übertrieben langen Arbeitszeit. Am Sonntag müffei» die KokSarbcitrr 24 Stunden ununterbrochc» arbeiten, so daß sie ihren moralischen und kirchlichen Verpflichtungen gar nicht nachkommen können. Eine regelmäßige Schicht von 20, 21 Stunden an den heißen Gasöfen und in dem Dunst zwischen den GaSröhren ist gewiß gesundheitsschädlich. Ich hoffe deshalb, daß die Kameraden nichts gegen meinen Zusatzantrag zur Resolution haben werden. Der Antrag RegulSki, daß die Kokerei- Arbeiten am Sonntage i» drei Schichten eingeteilt werden müssen, wird genügend unterstützt. Tombeck-Osterfeld(christl.): Ich hatte vor einiger Zeit Gelegen- heit. Herrn Hugo StinncS selbst über die Schichtzeit zu referieren. Ich sagte ihm, daß jede Verlängerung der Schicht die Unfall- und Krankenziffer bedeutend anschwellen lassen würde, aber StinneS er- widerte: Hören Sie mal. verehrter Freund. meine Arbeiter werden sich sehr leicht an die Verlängerung gewöhnen. (Hört! hört!) Es muß einem leid tun, daß solche Anschauung noch bei den Unternehmern verbreitet»st. Schon die heutige Abbau- Methode allein zwingt un«. eine Verkürzung der Arbeitszeit zu fordern. Wer in den dicken Flözen einige Jahre lang bei dem miserablen Wctterzug diese Ausdünstungen von Schwefel und anderen Gasen eingeatmet hat, wird wissen, wie notwendig die Verkürzung der Arbeitszeit ist.— Nun hat mein Kollege Jmbusch gesagt, wir sollten der Regierung für ihren Entwurf dankbar sein. Zu danken haben wir nicht, absolut nicht.(Vielfaches Bravo I und Händeklatschen.) Aber wir können es freundlich begrüßen, daß die Regierung endlich gewährt, was wir verlangen können und dürfen.(Zuruf: Und müssen!— Sehr richtig!) Hoffentlich wird die Regierung ihren ernsten Willen zeigen, etwa» für die Arbeiter zu tun.— Wenn wir auf der einen Seite das Verbot der Ueber- schichten fordern, dürfen wir auf der andern Seite ihnen keine Handhabe zur Nachholung von Feierschichten geben. Ich glaube deshalb, daß wir gut tun,»n Punkt 6 der Resolution den zweiten Absatz zu streichen. Wir haben beobachtet, wie die Zechen im Ruhr- revier, insbesondere die nichtsyndizierten, bei flaueren, Geschäfts- gang, auch ohne daß Arbeitsmangel sie dazu zwang, Feierschichten einlegten und dann in fünf Tagen die Arbeiter mehr zu schaffen zwangen, als sonst in sechs. Wir müssen dafür sorgen, daß das Gesetz über die Verkürzung der Arbeitszeit nicht durch Ueberschichtcn wieder hinfällig wird.(Bravo I> Stettner- Siegerland(christl.): Nach de», Regierungsentwurf soll der sanitäre Maximalarbeitstag für die Gruben eingeführt werden. die eine Temperatur von mehr als LS Grad haben. Dabei bleibt der Erzbergbau ganz unberücksichtigt. Können wir Kollegen aus dem Erzbergbau uns damit zufrieden geben, sprechen nicht ebenso gewichtige und stichhaltige Gründe für die Einführung des Maximalarbeitstages auch bei uns? Stellen Sie sich vor, daß zwei bis drei Sohlen gleichzeitig in Angriff genommen werden, ohne daß ein Wetterdurchschlag gemacht wird. In jeder Sohle arbeiten eine ganze Anzahl Handbohrer m,d einige Bohr- Maschinen, die mai, in der Bergwerkssprache„Dynamitkonsumenten" nennt. Nun müssei, in der mit dicken Dynainitdämpfen angeftillten Luft die Arbeiter acht Sttiiiden zubringen._ Denn der Achtstundentag ist fakultativ, exklusive Ein- und Ausfahrt, auf den meisten Erzgruben eingeführt: zu bedenken ist nur. daß je eine Viertelstunde vor- und nachexerziert werden muß. Den Unternqhn,er>, selbst ist bekannt, daß in den Erzbergwerken eine sehr ui, günstige Lust herrscht. Noch vor einigen Tagen ordnete ein Unternehmer an, daß an einem Tage nicht geschossen werden solle, weil der Aufsichts- beamte die Strecke befahren solle. Trotzdem beklagte sich der Aufsichts- Beamte über die schlechte Lust. Es riecht in, Erzbergwerk allerdings nach allein anderen eher als nach frischer Luft. An einzelnen Stellen ist die Luft so warn,, daß die Lampen überhaupt nicht brennen wollen— zuin Teil liegt es auch an dem schlechten Oel. das aus- gegeben wird,— an anderen Stellen geht eine nasse und kalte Zug- luft. Denken Sie sich, daß ein Bergmann im heißen Ueberbruch gearbeitet hat und dann seine Vesperpause in dieser Zugluft zubringen soll. In Gruben von 500 Meter Tiefe hat der Bergmann oft nicht eimnal wasserdichte Anzüge, so daß er schon nach fünf oder zehn Minuten Arbeit vollkommen durch- näßt ist. Wenn er dann in die kalte Lust nach 8 stündiger heißer Arbeit heraustritt, dann kann nian über Gelenkrheumatismus und Volksdegeneration sich nicht wundern. Wir nmßten in, Siegerlande nach einer solchen Arbeit noch draußen auf der Halde die Wagen ausschütten im Oktober, wenn es zu Hause in den Bergen längst Eis und Schnee gibt, da schreit man vergeblich nach der Bergpolizei. Auch für den Erzbergbau muß der Maximal- Arbeitstag auf 3 Stunden festgesetzt werde». Ich las in diesen Tagen eine Nottz, wonach ein Institut einen Preis aussetzt auf die besten Mittel zur Abwendung der Blcigefahr i», Erzbergbau und in Erzscheidcgruben. Aber bei uns im Siegerland iverden schon kleine Jungen von knapp 14 Jahren, 12, 13 Stunden täglich in kleinen engen Stuben mit dem Erzscheiden beschäftigt. In dem dicken Qualm. wo das reine Bleierz eingeatmet wird, hatten«vir natürlich nie Appetit, unser Brot zu essen. Wir bekamen dann für diese Arbeit 60, 70 oder 80 Pf. den Tag,»ver eine Marl verdiente, war schon froh, denn das ist für eine arme Siegerländische Beramannsfamilie schon eine bedeutende Nobeneinnahmc. Weni, der Bleibergmann nicht in der Jugend ge- schützt tvird, so rächt sich das in den späteren Jahren. DaS schwere Röcheln und Aechzen der Männer in den besten Jahren zeigt den Jüngeren, was ihrer wartet. Das Ende vo», Liede ist, daß auch der Erzbergmann früh ausgelitten hat. Löhne von 32 M. für 23 Schichten im Monat, wie sie eine große Finna aus dem Ruhr- revier den Erzbergleuten zahlt, sind ja nicht gewöhnlich, aber Löhne von 2,60 M. bis 2,80 M. pro Tag sind gar nichts Seltenes. Will man also für die Bergarbeiter etwas tun, so soll man die Eisenstein- arbeiter nicht vergessen, auch wenn sie nicht gestreikt haben. Ihr Schutz kommt ja auch nicht den Sozialdemokraten zugute, denn in, Siegersteiner Eisenbergbau gibt eS noch keine Sozialdemokraten. Da kann die Regiexung der Arbciterschntz-Gesetzgebung ordentlich die Zügel schießen lassen(Heiterkeit) und nicht vor den niedrigen Teniperaturen aufbäumen, sondern sich leicht darüber hinwegsetzen, im Hinblick auf die Feuchtigkeit und die mit Stickgasen geschwängerte Luft, in der wir leben.(Bravo!) Mcnde- Niederschlesten(A. V.): Die Erregung unter unseren Kameraden gegen die Novelle ist groß. Seit dem Jahre 1390 ivar die Zehnstnndenschicht bei uns eingeführt. Im Jahre 1900 wurde uns anläßlich des österreichischen Bergarbeiteransstandes die Achtstundenschicht zugesichert, aber ausschließlich Ein- und Ausfahrt. Früher, bei der Zehnstundenschicht, wurde die Arbeit von einem Verlesen der Lifte zun, anderen Verlesen gerechnet. Jetzt haben wir bei den abgelegenen Orten erst noch 8/« Stunden Weges zurückzulegen. und wer zu spät vor Ort kommt, verfällt in Strafen, denn die Arbeiter werden aus Schritt und Tritt kontrolliert. Die Kohlengewinnung ist jetzt bei den größeren Tiefen viel schwieriger geworden, eS muß meistens ge- schoflen werden, daher zieht der Ort nie auS, sondern ist stets mit Karbonidqualm angefüllt, dem schädlichsten Gase. daS die Lungen an, schwersten angreist. Die Augen leiden auch unter den bechendeu Gasen. Schon nach vier bis sechs Stunden Arbeit sieht der Berg- mann nichts mehr. Daher haben wir ja auch furchtbar viele, die in- folge von Augenkrankheiten frühzeitig Invaliden werden. Der Ar- beiter ist gezwungen, monatlich 8 bis 14 Ueberschichtcn zu machen; dadurch lvird der Durchschnittslohn künstlich erhöht. Die konsolidierte„FuchSgrubc", eine der reichsten Gruben. zahlt die niedrigste» Schichtlöhne, aber trotzdem infolge der vielen Ueberschichten die höchsten Durchschnittslöhne und brüstet sich noch damit. Auch durch die Feierschichten wird der Lohn immer weiter herabgedrückt. Eine generelle Regelung der Arbeitszeit liegt auch in, Interesse der niedcrschlesischen Kameraden, Waltrr-Gelsenkirchen(christl.): Der Streik hat die Regierung gezwungen, mit dem Gesetzentwurf vorzugehen. Von Dankbarkeit kann da gar nicht die Rede sein. Aber wir begrüßen die Vorlage und suchen zu verbessern, was zu verbessern ist. Ich möchte bc- sonders an die Kategorie von Arbeitern erinnern, die nur an nassen Orten arbeiten, an die Schachthaner. Reiche Gewerkschaften stellen ihnen nicht einmal ledernes Zeug oder wollene Unterkleider zur Verfügung. Wenn die Regierung sanitären Arbeiterschutz treiben will, mag sie auch hier den Hebel ansetzen, denn die nasse Arbeit wirkt besonders deprimierend auf den Körper. Man sagt bei uns, daß. wer 5—6 Schächte abgeteuft hat. fertig ist für sein Leben. An, schlimmsten treiben es die Unternehmer, die in Bausch und Bogen ganze Ouerschächte abzuteufen unternehmen und dann nur drängen und hetzen.— Der Maximalarbeitstag ist auch von Bedeutung für die Familie. Bei allzu langer Arbeitszeit hat der Bergmann zu nichts mehr Lust, vertvahrlosen seine Kinoer.— In der Resolution Husemann scheint eS mir total widersinnig, daß die Unternehmer die Verkürzung der Arbeitszeit durch Ueberschichten wieder sollen ausgleichen dürfen. Wir billigen auch die Ueberschichten zur Rettung von Menschenleben oder zu außerordentlichen Schacht- reparaturen. Aber durch diese Ausgleich- Erlaubnis wird der Arbeiter zu einem Spielball des Unternehmers(Sehr richtig I), die Kapitalisten werden Feierschichten einlegen, wann sie wollen, und im letzten Augenblick, wen» sie genügend Menschenmaterial herangezogen haben, wieder drauflosarbeiten wie toll. Durch diese Ueberschlchtenwirtschaft wird nur der Lohn reduziert. Wenn die Leute durch Ueberschichten ein paar Mark verdient haben, sieht eS im nächsten Monat schon ganz anders aus. Die Arbeiter, die Ueber- schichten machen, haben einen guten Lohntag, beim zweiten schneidet ihnen die große Schere des Lohndrücker« alles wieder weg.— Die neuen Gesetzesvorschriften werden nur Ziveck haben, wenn sie streng durchgeführt werde». Dieses Notgesctz darf nicht auf den, Papier stehen bleiben. Heute erlaubt sich jeder Steiger, den Einfahrer, der Ausstellungen macht, grob zu behandeln. Hier muß der Hebel an- gesetzt werden. Die Organisattonen müssen gekräftigt werden, um die Fälle aufzudecken, in denen die Unternehmer und Beamten auf das Gesetz pfeifen.(Sehr gut!) Wir iverden uns in den komnienden Jahren über die Durchführung dieses Gesetzes spreche» müssen, werden sehen müssen, ob wir damit auskommen. Wenn nicht, so setzen wir weiter ein.(Beifall.) Görtner-Senftenberg. Etage. Verkaufszeit 9—1, 3—8 Uhr. von 19372* A. SchulzlrE™*!1 ■ dauernde Kundschaft.' I Von f M. wöchtl. Teilzahlung| Dan liefere elegante, fertiges Ktichenbergerstraße 5 empfiehlt Einrichtungen von 240 bis 5000 M. von nur anerkannt gediegener Qualität zu äußerst billigen Preisen. Streng reelle und gcwiffenhafte Bedienung. Kulanteste Bedingunge«. Telephon: Amt IV 6877. Neue Königstr. 45(Grand Hotel) Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: S& Rcunion\ Anfang 10'/, Chr. N Ersatz für Maftarbeit. jL Ansertigung nach Maß. \i lAn feinste Verarbeitung.•» Garantie tadelloser Sitz.| Spezialgescbüft für? 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April ab erscheint für unsere Abonnenten in den Vor- orten Berlins täglich eine Extra- Beilage unter dem Titel: Vowkt Beilage des„Vorwärts" Berliner vollublatt In dieser Beilage„Borort" sollen auch aufgenommen werde» Inferate für die Vororte* Es steht zu erwarten, dast die Wirkung solcher Ankündigungen bei dem erhöhten Interesse unserer Leser für diese Beilage eine besonders günstige sein wird. j0 Wir berechnen für die nur in dieser Beilage aufznnehmenden Inserate für die sechs« gespaltene Kolonelzeile oder deren Raum Bei drei««nd mehrmaliger Aufgabe, sowie bei grösseren Inseraten gewähren wir entsprechenden Rabatt. Mv'lvst Erpedition des„Uorwörts�z zi«denstr.«9. Ein gutgehende«, in volkreicher Gegend Berlin» liegende» Zigarren- Geschäft ist anderer Unternehmungen halber zu verlausen. Kleine Wohnung, geschmackvolle Einrichtung, Fern- sprccher und billige Miete. Offerten unter V. 1 Expedition diese» Blatte». Echtnuftbäum- Säulen< Kleider« schrank. 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Ltndcnftr. 102. befinden sich im Streik. 18/16* Zuzug ist fernzuhalten! Die Ortsverwallung. Die Firma(jOSt& Co., Kurfürfttustraße 146 und JUkiflnbrinfuflr. 105 bis lOö Ist für Rahmenmacher, Tischler, Po- lierer, Glaser, Bcrgolder und Buch- blnder gesperrt. _ Die OrtSverwaltuug. Achtung! Bauarbeiter. Da verschiedene kleinere Firmen den Tarif noch nicht bewilligt haben. behält die Bankontrollkarte ihre Gültigkeit und ist aus Verlangen vor- zuzcigen. ES muff also jeder Jaloufie- arbeite»-, der aus Baitten beschäftigt ist. eine gelbe gestempelte Karte habe». IM« Konunisaion der Jalonulca rbelter. ftiler bei Snirlalte in Stralau befinden(ich im Streik. Zuzug ist senizuhalten. 82/7* __ Die OrtSverwaltuug. Stukkateure! Der Neubau Görner, Earmen Shlva- u. Greisenhagenerstraffe-Eckc ist mitsamt der Stucksirma MM kliietan&.I Pappel- Allee 44, als gesperrt zu betrachten, da aus wiederholtes Vorstellen unser Tarij nicht emgehalten ivlrd. 173/10» vi» 0r>»verwattung dar distal« llerlin/ Lenlralverbanll der Stukkateure. Achtung! Töpfer! Aus dem Neubau I<»vd«nan, Goftlcr- und Hrrtelstrasicu-Gcke. vauuntcrnchmer Niemarm u. Panitz. ausführende Töpfermeister Mitnfter und Klamann, haben unsere Kollegen den ihnen zustehenden Lohn sür die fertiggestellte Arbeit nicht erhalte»». Bi« zur Regelung der vorliegenden Lobn-lreitigkettm ist über die Firma MUuster& Klamann die S p e r r e verhängt. 105/13 Zeutralvcrband der Töpfer. Ftliale Berlin._ Achtung! In der Firma Karl Uauehlc, Berlin. Abteilung Köpnickerstraffe 37, haben sämtliche Vergolder(Politur- arbeite»-) wegen Lohndifferenzen die Arbeit niedergelegt. Zusug ist streng sernzuhaltei», auch von Policrei-n und Poliercrwnen anderer Branchen. Die Ortsoerwaltung der Filiale Berlin beb Bertandcs der Ber- golder Deutschlands. 225,6 SfiantW. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck«. Verlag: BiirtvärtS Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Ee., Berlin SW. Ii. 7«. 22. WKM'S- 3. ßerttner partei-Hngclcgenbciten. Sechster Wahlkreis. Dienstag abends 8 Uhr findet in WeimannS DolkSgarten, Badstraße 56, eine Volksversammlung statt. Reichstags-Abgeordneter Genosse Molkenbuhr spricht über das Thema:.Unter welcher- Umständen ist der Wuchertarif zustande ge« kommen?" Zahlreichen Besuch erwartet Die VerttauenSperson. Für SiummelSburg wird zum t. April er. eine Partei- f p e d i t i o n errichtet und zwar gemeinsam mit der schon vor- handenen Parteispeditron Lichtenberg-FriedrichSfelde-Wilhelmsberg« Hohenschönhausen. Spediteur ist Otto S e i k e l. Kronprinzenstr. 50, 1. ZeitungSkommissionSmttglieder find die Genossen John, Rummels- bürg, Karlshorsterstr. 2, und Nollstadt, Alt-Boxhagen 56, Portal 2. Bom selben Zeitpunkt ob befindet sich die Bibliothek des WahlvereinS beim Genossen Oelking. Schillerftr. 21, pari. Freitags von 7—9 Uhr. Lokales. ,/ES ist ja nur ein Arbeiter!" � Die Stadtverordneten-Versammlung hat in ihrer außerordentlichen Sitzung am Dienstag die zweite Lesung des Stadt haushaltsetats zu Ende gebracht. Diese Sitzung verlief stürmischer als alle vorhergehenden, die dem Etat gewidmet waren. Selbstverständlich waren es wieder die Sozialdemokraten, die dem Magistrat und seinen freisinnigelt Freunden in der Versammlung das Leben sauer machten. Wir haben es uns gestern aus Mangel an Raum versagen müssen, die bemerkenswertesten Abschnitte dieser Sitzung zu würdigen. Ein paar Vorgänge möchten wir aber doch noch nachträglich unterstreichen. „Der M a g i st r a t als Arbeitgeber" ist ein Thema, das die Sozialdemokraten in der Stadtverordneten- Versammlung leider immer von neuem erörtern müssen. Keine Dtatberatung geht vorüber, ohne daß rücksichtslose BeHand- lung der Gemeiitdear bester, wie der schlimmste Privatunter- nehmer sie�kaum ärger fertig bekäme, gerügt werde,: muß. In solchen Fällen hat dann die freisinnige Mehrheit der Der- fammlung durch die zynischen Zurufe, mit denen sie die Aus- führungen der sozialdemokratischen Redner begleitete, sowie durch die Antwortrcdlm ihrer eigenen Wortführer und durch ihre schließliche Abstinzmung manchmal recht deutlich gezeigt, daß sie sich das Verhältnis der Gemeinde zu ihren Arbeste-n in der Tat nicht wescwtlich anders denkt als das Verhältnis irgend eines privaten Unternehmers zu seinen Ausbeutungsobjekten. Am Dienstag waren es die Etats der Wasserwerke und des Viehhofs, bei denen neues Material zum Kapstel„Magi- strat als Arbeitgeber" beigebracht wurde. Beim Etat der Wasserwerke trug Genosse Weyl die Beschwerden der Arbester des Werkes lNüggelsee vor, denen ihr Urlaub erst im Spätherbst bezw. Winter bewilligt worden war. Der wohl- wollende Vorgesetzte, der so für seine Arbeiter gesorgt hat, ist der Betriebsleiter An k l a m. Der Mann gibt schon sest einer Reihe von Jahrim fortgesetzt Anlaß zu Beschwerden und Klagen— und bekommt„oben" doch immer wiederRecht. Auch diesmal nahm der Magistrat sich nicht der Arbeiter an, sondern des Herrn Anklam, dem vom Magi- stratstisch aus das Lob erteilt wurde, daß er„sein Amt außer- ordentlich gut versehe". Beim Etat des. Viehhofs teilte Genosse Hoff- mann mit, daß ein Arbeiter, bei dem sich herausstellte, daß er wegen Diebstahls vorbestraft war. entlassen worden ist, nachdem er bereits ein Jahr auf dem Viehhof beschäftigt worden war. Den Hinweis auf die t a d e l l o s e F ü h r u n g, die dem Arbeiter von den Viehhofsbeamten selber bestätigt worden war, suchte Oberbürgermeister Kirschner mit der Be- merkung zu entkräften:„Es ist vielleicht nichts be- merkt worden." Nicht wahr, man erschrickt förmlich über die nackte Brutalstät dieses Ausspruchs? Wäre von einem sozialdemokratischen Stadtverordneten über einen höheren Beamten der Stadt ober gar über ein Mitglied des Magistrats Aehnliches gesagt wor!oen, so hätte das Herr Kirschner vermut- lich als„leichtfertige Verdächtigung" zurückgewiesen und als „bedauerlichen Mangel an Vornehmheit der Gesinnung" ge- brandmarkt. Warum Herr Kirschner dieses beispiellose Ver- fahren dem Viehhofs arbeiter gegenüber für zulässig hielt? Aus den Reihen der(Sozialdemokraten antwortete der Zuruf: „Es ist ja nur ein Arbeiter!" Die Arbester werden gut daran tun, die kleine Episode recht fest ihrem Gedächtnis einzuprägen, nicht nur die Ge- meindearbeiter, sondem, auch jeder andere Arbeiter.„Es ist vielleicht nichts bemerkt worden!" Wir wünschten, die ge- samte Arbeiterbevölkerung hätte die kalte Gelassen- h e i t gehört, mst der der vom Vertrauet: des Freisinns ge- tragene Oberbürgermeister unserer Stadt diese Worte aus- sprach. Ja. es ist wirklich„nur ein Arbeiter", dem das widerfuhr._ Ueber 2000 Drvschlenfuhrherren und Droschkenkutscher waren gestern abend zu einer öffentlichen Protestversammlung gegen die neue Droschken-Fahrordaung versammelt. Der Hauptredner des Abends, das Vorstandsmrtglied der Personen- Lohnfuhrwerks« Innung P r i t s ch bespr>»ch eingehend die neue Verordnung und kam dabei zu dem Schluß, daß dt« Mehrzahl der 118 Paragraphen in der Praxis undurchführbvr und für Fuhrherr und Kutscher gleich gefährlich sei. Bon einem allgemeinen Droschkenstreik riet Redner ab. man solle ihn wenigstens nur als letztes Mittel be« trachten. Andere Redner forderten zum Streik auf. wenn die Behörde auf ihr. an Standpunkt beharrt. Die Vertreter der Kutscher Schulz und Knütter schloffen sich den Aus- führungen der Fuhrtherren an. Es gelangte schließlich eine Resolutton zur Annahme, nach der eine Kommission aus allen beteiligten verbänden dir weiteren Schritte unteniehmen soll. Eine engere Kommisfion von Fuhrherren«nd Kutschern, die sofort gewählt wurde, soll noch vor dein 1. April beim Polizeipräsidium und dem neuen Minister des Innern persönlich dahin vorstellig werden, daß 22 Paragraphen der neven Ordnung abgeändert oder aufgehoben werden. Wenn diese Vo Stellungen keinen Erfolg haben, so erhält die Kommission Prozeßvollmacht. um im BerwaltungSstreit- verfahren die UngiU tigkeitSerklärung der neuen Fahrordnung zu erwirken. Auf Antrag d-es Herrn Ludwig Streu soll bei Beurteilung der Brauchbarkeit des BiaterialS eine Kommission von Fuhrherren hinzugezogen werden. Auch die Fuhrherren und Kutscher ocr Bor- orte haben sich dem Burgehen der Berliner angeschlossen. Unter einer sehr auffälligen Begründung hat einer hiesigen Korrespondenz zufolge das Potsdamer Landgericht da» Strafverfahren gegen den Grafen Pückler ein- gestellt. Die königliche Staatsanwaltschaft in Potsdam hatte Ks Joniils" gegen den Grafen Pückler und den Drucker seiner Reden, Hermann Mitsching Strafantrag gestellt, wegen der bekannten Rede des Grasen im Januar in Potsdam, wo Pückler gegen den Schwager des Kaisers, Herzog Ernst Günther von Sonderburg-GlückSburg, Angriffe richtete und die Einbrecher aufforderte, in Judenläden einzubrechen. Der Sttafantrag stützte sich auf die§§ 110, 130, 47, 73, 41 deS Straf- Gesetzbuches und§ 20 des Gesetzes über die Presse. Gegen den Buchdruckereibefitzer Mitsching richtete sich der Straf- antrag wegen Verbreitung der Reden. Die Strafkammer II des kömglichen Landgerichts in Potsdam hat jetzt diesen Antrag der Staatsanwaltschaft abgelehnt. Als Grund der Ablehnung wird angegeben, daß Graf Pückler und Hermann Mitsching vom Landgericht Berlin im Januar bereits verurteilt worden find. „Die Verurteilung", so heißt es in der Ablehnung,.ist erfolgt unter der tatsächlichen Feststellung, daß sich die Angeschuldigten durch je eine fortgesetzte Handlung in der Zeit vom Juni bis Dezember 1904 zu Berlin bezw. Dt.-WilmerSdorf der ihnen auch hier zur Last gelegten Vergehen schuldig gemacht haben. Die jetzt unter Anklage gestellten Handlungen stellen sich nun lediglich als A u s f l ü s s e des damals bereits vorliegenden verbrecherischen Willens dar. Nimmt man eine strafbare Handlung an. so werden durch die Verurteilung alle strafbaren Einzelfälle, die vor der Verurteilung liegen, konsumiert. Und dies ist hier der Fall." An sich kann man sich ja nur freuen, daß der geistta verarmte Graf Pückler von neuer Strafverfolgung verschont bleibt. Aber die Gründe, die die Strafkammer für die Einstellung deS Verfahrens inS Feld führt, werden, so weit die deutsche Zuwge klingt, Staunen und Schütteln des Kopfes erregen. Wenn die deutsche Gerechttgkeit sich allgemein die Potsdamer Logik zu eigen macht, dann werden die Klagen über Belastung der Richter bald v e r st u m m e n. Denn in unzähligen Fällen werden Straftaten, die jemand verübt, nachdem bereits wegen anderer Delikte ein Verfahren gegen ihn eingeleitet ist. als Ausflüsse dieser Delikte herzurichten sein und der Uebeltäter hätte ver- briefte Straffretheitfür alle Zeiten. Vorläufig raten wir allerdings noch allen, die sich gegen die Strafgesetze vergehe« wollen, nicht allzu fest auf die Potsdamer Gerichtslogik zu bauen. Der Bau des LindcntimuelS der Stadt Berlin ist, wie der „Lokal- Anzeiger" erfahren haben will, von der Aufsichtsbehörde genehmigt worden. Das Blatt süat dieser Mitteilung die merk- würdige Meldung hinzu, daß die Genehmigung in dem Augenblick bekannt gegeben werde, in welchem die Stadt mst der.Großen Berliner" über das Mitbenutzungsrecht des Tunnels zu einer Ver- einbarung gelangt ist. Als künftige« Oberpräsideute» der Provinz Brandenburg nennt die.Berl. Ztg." den früheren Oberpräfidenten von Hannover, Freiherrn v. B r a n d e n st e i n. Das crlvähnte Blatt kennzeichnet diesen Herrn als Reaktionär der allerschärfsten Tonart. Im Kampf mit solchen Herren hat die Sozialdemokratie immer noch ihre schönsten Triumphe erlebt. Ein kleiner Scharfmacher. In der„Boss. Ztg." vom Sonntag findet sich folgende Anzeige: Gebild. Herr, Dreißiger(Fahrrad Bedingung), als Bau- Kontrolleur verlangt. Nur mit prima Zcugn., ganz bcrvorrag. cnerg., durchgreif. Herren, welche bei d. häuf. Krawallen, Roheiten d. Arbeiter Kopf nicht Verl., vielmehr kaltblütig, sicher disponieren. Valentin, Halensee, Westfälische Str. 27. Der Unternehmer, der m dieser Anzeige seine Sehnsucht nach Bildung offenbart, hat unter den Arbeitern wegen seines besonders fein ausgeprägten Rechtsempfindens«inen Namen und ist auf dem Gewerbegericht bekannt wie der bunte Hund. Obgleich solchen Vor- zügen gegenüber die kleine Beschimpfung der Arbeiter wenig bedeuten will, hat sich doch unter ihnen ein Erziehungsausschutz gebildet mit der Aufgabe, Herrn Valentin zu einem vollendeten Gentleman zu machen. Der Ausschutz ist der festen Hoffnung, daß ihm der kühne Wurf gelingen wird und Herr Valentin einmal und nicht wieder «ine solche Annonce losläßt. Berlin wird nm einen SenfattonSprozeß kommen, den gewisse Kreise teils mit Unbehagen, teils mit Neugier erwartet haben, je nachdem sie als Zeugen vorgeladen waren oder als Zuhörer auf die Pilanten Enthüllungen sich freuten. Die.Dame" SzmiegelSka, die ein von Angehörigen der Lebewelt seit fast 20 Jabren stark frequentiertes Heim in der Hedemannstratze hatte, sollte sich in den ersten Apriltagen vor ihren Berliner Richtern verantworten, und eine ungewöhnlich große Anzahl Zeugen war bereits nach Moabit geladen. nm über Besuche im Hause SzmiegelSka Auskunft zu geben.— Nun ist die ganze Anftegung umsonst gewesen, denn Frau Szmie- gelSka ist plötzlich geständig und macht dadurch den größten Teil der Zeugenvernehmungen unnötig. Die Paketfahrt-Gcsevschast hat kürzlich verschiedenen GeWerk- schaften mitgeteilt, daß sie die bislang besorgte Beförderung und da» gleichzeitige Austragen der Gewerkschaftsblätter mit dem 15. April d. I. einzustellen gedenkt, weil fich das Geschäft nicht genügend rentiert. Es hat sich nun eine Genossenschast ge- bildet, die gewillt ist, die Zustellung der gewerkschaftlichen Fach- organe an die GewerlschastSmitglieder zu übernehmen. Entsprechende Angebote sind denjenigen Gewerkschaften, die ihre Fachpresse den Mitgliedern nicht selbst übermitteln, von der neuen Genossenschaft bereits gemacht worden. DaS königliche Schauspielhaus ist zwar schon seit gut acht Tagen wieder seiner Besttmmung übergeben, aber fettig scheint es noch nicht zu sein. Diese Unannehmlichkeit wäre zu ertragen, wenn nicht die Erneuerungsarbeiten tagsüber weit über Gebühr ausgedehnt würden. Ein Leser unseres Blattes, der am Montag sich„Götz von Ber- lichmgen" ansah, teilt uns mit, daß die erste Hälfte der Borstellung durch fottdauerndes Poltern derart gestört wurde, daß das Publikum laut seiner Entrüstung Ausdruck gab. Der dritte Rang sei zuweilen durch die Arbeiten heftig erschüttett worden. Solche Störungen sollten fich doch vermeiden lassen. Texte für die Armeemörsche werden auf Wunsch des Kaisers in nächster Zett herausgegeben werden. Der Monarch hatte lebhaft be- dauert, daß für die alten, bekannten Armeemärsche keine leicht aus- faßbaren Texte, die sich als Marschlieder eigneten, vorhanden seien. Dieser Anregung folgend, hat emcn, hiesigen Blatte zufolge der Direktor der königlichen Schauspielhausmusik, der Komponist Ferdinand Hummel, unter Benutzung bereit« vorhandener Lieder« texte und unter Hinzuziehung verschiedener Neudichtungen von Hans Meyer-München, des langjährigen Lehrers der fürstlich Eulenburgschen Kinder, die Schaffung eines brauchbaren Textbuches in die Hand ge- nommen. Bisher war an Texten zu Marschliedern in der Armee eigentlich kein Mangel, nur daß diese Texte nicht recht salonfähig waren. Auch auf modernen Patriotismus waren sie zumeist nicht zugeschnitten. Diesen Mängeln wird jetzt wohl abgeholfen werden. Die Gasexplosion in der Michaelkirche in Berlin am 15. April 1902 wird unseren Lesern vielleicht noch�in Erinnerung sein. Sowohl ein beim Bälgetteten beschäftigter Soldat wie auch der Chorschüler Richter wurden erheblich verletzt. Die Kirchenverwoltung scheint nun sehr unchttstlich an den in ihrem Dienste verletzten Personen ge« handelt zu haben, denn der Vormund des R. mußte auf dem Klage- wege d,e Kirchengemeinde für den feinem Mündel zugefügten dauernden Schaden haftbar machen mid forderte eine JahreSuntte von 300 M. Die Klage stützte sich hauptsächlich auf die Fahrlässig- keit der Kirchenverwaltnng. Durch Sachverständige ist festgestellt worden, daß dein Gashahn während 20 bis 36 Stunden Gas entströmt sein mußte. Dies hätte aber nicht ge- schehen können, wenn der am Gasmesser befindliche Haupt- Hahn jedesmal nach Beendigung eines Gebrauchs der Kirche ZölUlerstug, 30. Man 1905. geschlossen worden wäre. DaS zuständige Landgericht sowie das Kammergericht hatten die Klage abgewiesen, da die Verwaltung kein Verschulden treffe. Die einzige Leimna der Kirche speise drei un- unterbrochen brennende Leuchter und könne der Haupthahn deshalb nicht geschlossen iverden. Unpraktisch sei das wohl, doch ist die Leitung durch die Gasanstalt von fachmännischer Seite so angelegt worden. Die Kirche oder Gemeinde kann somit nicht haftbar ge« macht werden. Eine Revision gegen diesen Urteilsspruch wurde vom ReichSgettcht zurückgewiesen. Ob die Kirchenverwaltung eS mit ihrem Gewissen vereinbaren wird, dem in ihrem Dienste verunglückten Knaben aus Billigkeitsgründen daS zu verweigern, wozu sie rechtlich nun einmal nicht verpflichtet werden kann? Bereitelte Prügelei. Durch die Achtsamkeit von Gendarmen ist gestern um 6'/, Uhr morgen? ein Duell vereitelt worden. daS im Grunewald, an der Pichelsdorfer Chaussee, mtweit Pichelsdorf, aus- gettagen werden sollte. Die Kontrahenten, ein Herr E. H. aus Bromberg, der an der Hochschule in Charlottenburg studiert, und ein Dr. Chr. auS Gnesen. erschienen im Wagen auf der Wahl statt, als fie von Gendarmen bemerkt und in» Verhör genommen wurden. Nachdem die Streitlustigen ihre Namen genannt und ihre Waffen an die Vertreter der öffentlichen Ordnung ausgeliefert hatten, fuhren fie in Gesellschaft ihrer Zeugen von dannen. Bielleicht zmn Frühschoppen. Zeugen gesucht. Die Personen, weMst in der Nacht zum 2. Januar der Schlägerei beigewohnt haben, die in der zweiten Stunde vor der Kaserne des 2. Garde-Regiments in der Friedrich- stratze zwischen Militär und Zivilisten entstand, werden gebeten, ihre Adresse bei Graf, Adolfftratzc 23, abzugeben. Unter der MaSke eine« GaSarbeiters treibt ein Dieb sein Unwesen. Er kommt mit einem Blechkasten, der die Auffchrist„Glühlicht' trägt. spiegelt den Pförtnerfrauen vor, daß er an der Treppenbeleuchtung dieses oder jenes auszubessern habe, und benutzt die Gelegenheit, Gasarme zu stehlen. Der Verwaltung der Gaswerke find schon mehrere solcher Diebstähle gemeldet worden. Der letzte wurde am Dienstag gegen abend in dem Hause Paulstr. 84 verübt. Dieses Treiben ist um so gemeingefährlicher, als eS leicht auch Gas- explostoncn herbeiführen kann. Die Hausverwalter und Pföttner iverden gut tun. von GaSarbeitern, die ihnen nicht persönlich bekannt sind, einen AuSweiS von ihren Auftraggebern zu verlangen. Dcr städtische Gcwerbesaal ist mit einer Ausstellung an die Oeffentlichkeit getreten, die gestern vormittag eröffnet wurde. Der Gewerbesaal zählt im ganzen 130 Klassen, die über ganz Berlin verbreitet sind, und wird von etwa 2400 Personen besucht, die von 80 Lehrern unterrichtet werden. Ueber drei Korridore und zwei Zeichensäle sind zahlreiche Zeichnungen und Entwürfe wohlgeordnet vetteilt; bei den in besonderer Abteilung untergebrachten fertigen Arbeiten sind die Werkzeuge, mit denen die Gegenstände hergestellt wurden, ebenfalls ausgestellt. Die Kunstschmiedc-Arbeiten sowie die der Maschinenbauer sind ganz besonders beachtenswert. ES kommt der Ausstellung zu statten, daß jedem Gegenstande eine wohl- informierende schriftliche Erklärung beigegeben ist, so daß cS den Besuchern möglich wird, sich ohne Führer zu orientieren. Die Ans- stellung, welche leider nur bis zum 2. April geöffnet bleibt, ist wochentags von 11 bis 2 Uhr und von 7 bis 9 Uhr, am Sonntag von 12 bis 5 Uhr geöffnet. Sie verdient von jedem gewerblichen Arbeiter beachtet zu werden. Einen ProjektionSvottrag über die Freiheitskämpfe in Rußland veranstaltet der Genosse Ingenieur Grempe am Freitagabend im Ob st schen Saale, Meiningerstr. 8. An der Hand von etwa 50 Lichtbildern wird das hungernde und revoluttonäre Rußland beleuchtet. Die Besucher diese? Bottrages lernen so das Elend des russischen Volkes, die männlichen und weiblichen Mättyrer der russischen Freiheitsbewegung, den Transport der Verbannten nach Stbitten, die hervorragendsten Persönlichkeiten usw. kennen. Der Eintritt ist jedem gegen Zahlung von 25 Pf. gestattet. Anfang 8 Uhr. Der ZirknS Albert Schumann wird am Sonnabend, den 1. April, daS Publikum mit einer Schaustellung von hohem ethnographischen Interesse überraschen. ES ist der Direktion nach langen und jchwierigen Verhandlungen gelungen, die Truppe echter Chinesen, die gegenwärtig auS dem Innern des Reichs der Mitte hier eintrifft, für«in kurzes Gastspiel in dem genannten Institut zu verpflichten. ES ist dies daS ersttmal, daß Angehörige eines Stammes, der in den von dcr modernen Zivilisation noch fast unberührttn Teilen China» haust, in Europa gezeigt werden. Die Söhne des himmlischen Reiches werden im Abendlande seit Jahrzehnten wegen ihrer künst- lerischcn Befähigung und hervorragenden industriellen Veranlagung gebührend geschätzt, doch hat man bisher, wenigstens in Berlin, noch keine Gelegenheit gehabt, sie zu bewundern. Die Mitglieder der wenigen Truppen, die bisher in Berlin auftraten, waren mehr imi, tiert, als importiett. Der Chinese, der in seinem starkcntwickeltcn Drange, zu verdienen, gewöhnlich nur ernsten Beschäftigungen nach- geht, hat sich die Vorführung seiner durch Jahrtausende alte Kultur bis zum höchsten Raffinement gesteigerten Künste auf der Schau- bühne in europäischen Ländern bisher entgehen lassen, obwohl er in seinen Leistungen dem Japaner keineswegs nachsteht, dcr bei seinem raschen Anpassungsvermögen und seiner geschäftlichen Jntelli- genz dieS so reiche Erfolg tragende Feld längst für sich ausgebeutet hat. Di« Darbietungen dieser echten Chinesen, deren Debüt im Zirkus Schumann bevorsteht, sind durchaus originell und fesselnd und werden das Publikum mit den eigenartigen Gebräuchen«nd Kunstfertigkeiten, die ihnen in ihrer Heimat grotze Verehrung beim Volke eintragen, bekannt machen. Theater. Im Trianon-Theater sind in dcr am Freitag stattfindenden Erstaufführung von.Ihr Alibi"(Los Duponts) die Damen Helene Fehdmer, Paula Winklcr, und die Herren HanS Junlcrmann, Max Laurence, Aendcrlh LebiuS»nd JulüiS Sachs in Hauptrollen beschäftigt.— Im Apollo-Theater ist Herr Siegftted Adler in der Operette„DaS Veilchenmädel" mit bestem Erfolg aufgetttten. Er singt die Rolle deS Muck. Sonntag nachmittag wird„Berliner Luft" zu ermäßigten Preisen gegeben.— Zum Benefiz für das Chorpersonal wird heute im National« Theater„Die Fledermaus" unter Mitwirkung hervorragender Gäste gegeben.—..... noch eiimial so lieben I", die neue Posse des Belle-Alliance-TheaterS geht am Sonnabend, den 1. Apttl, zum erstenmal in Szene. Wegen der umfassenden Vor- bereitunaen dieser neuen AuSstatttmgSposse, welche auch musikalisch sehr reich illustriett ist, wird das Belle-Alliancc-Theatcr am Donners- tag und Freitag geschlossen bleiben. /Ins den Nachbarorten. Charlottenburg. Keine Arbetterkontrolleure auf Vanten. Zu den wiederholten Anregungen unserer Genossen im Stadtparlament aus Einsetzung von Baukonttollenren aus dem Arbciterstand, hat der Magistrat nun- mehr Stellung genommen und. wie vorauszusehen war. von der Einstellung bejondercr Arbeiterkontrolleure abgesehen. Wie er in einer Vorlage an die Stadtverordncten-Vcrsammlung mitteilt, hat er am 14. April 1904 einen Ausschuß von 7 Mitgliedern eingesetzt, dcr den Auftrag erhielt, über die Möglichkeit des Versuchs einer Kon- trolle der Beobachtung der UnfallvcrhütnngSvorschriftcn bei städtischen Bauten durch Bauarbeiter zu beraten und dem Magistrat eventuell Vorschläge zu machen. Diesel Ausschutz hat sich nach längeren Vor- bcratungcn davon überzeugt, daß die Verhältnisse, wie sie außerhalb Preußens bestehen, zur Grundlage von zweckdienlichen Beschlüssen nicht dienen können und bejchlptz infosge dessen unter vorläufiger Ver- tagAng der weiteren Beratungen, den Stadtbaurat zu ersuchen, bei Gelegenheit des nächsten städtischen Neubaues, der Gemeindeschule in der Helmholtzstrahe nach Rücksprache mit den Unternehmern und Vertretern der Baugewerksberufsgenoffenschaft Vorschläge über die Beteiligung der Bauarbeiter des betreffenden Baues an der Beaus- sichtigung über die Beobachtung der Unfallverhütungsvorschristen durch eigene Vertrauensmänner zu machen. Die Verhandlungen mit dem betreffenden Unternehmer hatten jedoch das Ergebnis, daß dieser bat, von einer solchen Beaufsichtigung überhaupt Abstand zu nehmen, da schon die Baupolizei, die Bcrufsgenossenschaft, die Innung und die städtische Bauleitung die Kontrolle ausüben und da es nicht möglich sei, die Verantwortlichkeit von dem Polier auf andere Per- sonen zu übertragen. Auch wurde es im Interesse der Ordnung nicht für angängig erachtet, daß Arbeiter, welche auf dem Bau beschäftigt und somit dem Polier unterstellt sind, in ihm Betätigung als Bau» kontrolleure gewissermaßen dem selbst verantwortlichen Polier ihrer- seits Vorschriften zu geben hätten. Im übrigen seien die Poliere des Unternehmers durchweg angewiesen, allen Vorstellungen derLeute des- selben Baues Gehör zu schenken und etwaigen so bekannt gewordenen Mißständen an Rüstungen usw. abzuhelfen. Der Versuch der zeit- weisen Bestellung einiger Vertrauensmänner aus den Kreisen der auf dem Bau beschäftigten Arbeiter unter Beschränkung ihrer Be- fugnisse auf diesen Bau erschienen somit dem Magistrat nicht gang- bar, und ebensowenig hält er es für ratsam, versuchsweise einen ständigen Arbeiter zum Zwecke der Wahrnehmungen eines ständigen Meldedienstes auf den städtischen Hochbauten zur Verhütung von Bauunfällen einzustellen. Der Magistrat will sich, um seine eigenen Worte zu gebrauchen, nicht auf Experimente einlassen. Es soll also alles beim alten bleiben. Die in dem Ruf einer sozialpolitisch fortgc- schrittenen Gemeinde stehende Stadt Charlottenburg lehnt, wie fast alle Forderungen der Arbeiter, so auch diese Reform ab, da dke Unter- nehmer nicht damit einverstanden sind. Bei Arbeitern Erkundigungen einzuziehen, hält der Magistrat für überflüssig. Weihensec. Der Schulkostenstreit zwischen der Landgemeinde Neu-Weißen- fee(jetzt Weißeusee) und der Stadt Berlin ist jetzt, soweit es sich um die Jahre 1897 und 1898 handelt, endgültig erledigt. Neu- Weitzensee als Wohngcmeinde vieler in Berlin tätigen Arbeiter hatte von Berlin auf Grund des§ 53 des Kommunal-AbgabengesetzeS Zu- schüffe zu den Volksschulkosten beansprucht. Der Bezirksausschuß sprach bekanntlich Weißcnsee für das Jahr 1898 ca. 12 399 M. und für das Jahr 1897 eine ähnliche Summe zu. Die von Berlin hier- gegen eingelegte Berufung beschäftigte am 23. März in langer Ver- Handlung den 3. Senat des Oberverwaltungsgerichts unter dem Vor- sitz des Geheimen Rats T e ch o w. Berlin war durch Magistratsrat Dr. S ch a l h o r n. Weißensee durch Justizrat B ü r k n e r. Rixdorf vertreten. Das Obcrvcrwaltungsgericht bestätigte die Entscheidung deS Bezirksausschusses im vollen Umfange. Hinsichtlich der übrigen gleichartigen Prozesse zwischen Weißensce und Berlin, die die späteren Jahre betreffen, dürfte es nun wohl zu entsprechenden Vergleichen kommen. Ober-Schöneweide. Die Angelegenheit des Amts- und Gemeindevorstehers E ck a r d t in Ober-Schöneweide, der seinerzeit disziplinarisch seines Amtes entsetzt wurde, hat jetzt ihre Erledigung insofern gefunden, als Eckardt in zweiter Instanz freigesprochen ist. Ihm wurde zur Last gelegt, an seinem Dienstmädchen sich sittlich vergangen zu haben. Wie wir erfahren, wird Eckardt wieder in sein Amt ein- treten._ Vermlfcbtcs. Uefier ein Gruvemiiiglück wird aus Gelsenkirchen berichtet: Auf der Zeche Shamrock" bei Eickel verunglückten fünf Bergleute durch Abstürzen.' Einer war sofort tot. einer wurde schwer und die übrigen wurden leicht verletzt. Gerichts-Leitung. Der Prozeß wegen Unterschlagung von Eiscubahnmaterialicn ist gestern nach sechstägiger Verhandlung infolge des Gestand- nisses der Angeklagten, früher als man es erwartet hatte, zu Ende geführt worden. Das Urteil lautet gegen den Kauf- mann Friedeberg auf vier Jahre Gefängnis und fünf Jahre Ehrverlust unter Anrechnung von sechs Monaten Untersuchungshast, gegen den Eisenbahnzeichner Passarge und den Eisenbahnmaterialien-Vcrwalter S ch i e m e n z auf je anderthalb Jahre Gefängnis, gegen den Eisenbahn- materialien-Verwalter Büttner auf ein Jahr Gefängnis und gegen die Arbeiter Siegmund, Rücker, Wolff und Schwarz auf je sechs Wochen Gefängnis. Eisenbahnmaterialien- Verwalter Franke wurde freigesprochen. Wie man Gefängnisse füllt, so berichtet man uns unterm 27. März aus Holle, ergaben einige Verhandlungen, die heute vor der Strafkammer und vor dem Schöffengericht stattfanden. Die bürger. liche Presse beklagte jüngst die Uebersüllung des Gerichtsgefängnisses — ein neues Justizgebäude ist errichtet— und im Stadtverordneten- Kollegium bemüht man sich eifrig, die Mittel zur Herstellung eines neuen Polizeigebäudes zu erlangen. Da wurden heute der Händler S e g e l i n g und der Klenipner D i e n st, zwei durchaus harmlose Menschen, aus der Untersuchungshaft vorgeführt, in der sie sich feit dem 27. Februar befinden. Beide Angeklagten hatten eines Abends in der Zeit der Arbeitslosigkeit, um einige Groschen zu ver- dienen, in einer Kneipe sogenanntes Tiroler Alpenbrot ausgespielt und dadurch ohne Genehmigung der„Obrigkeit" eine„öffentliche Lotterie" veranstaltet. Das Gericht verurteilte die jungen Menschen dem Antrage des Staatsanwalts gemäß zu je 19 M. Geldstrafe. Beide Personen wurden der„deutschen Reichsfreiheit" wiedergegeben; sie hatten aber wegen der Lappalie, die mit 19 M. geahndet wurde, rund«inen Monat in der Hast zugebracht. Die abgemagerte Proletarierin Frau Alk hatte eines Tages in» der Heide dürres Brennholz aufgelesen und war dabei mit dem Forstaufseher Hedenus in Wortwechsel geraten. Als der Beamte der Frau den Korb wegnehmen wollte, erhielt die Unglückliche mit dem Korbe einen Stoß vor die Brust, daß sie einige Tage krank war. Heute erhielt die Angeklagte vor dem Schöffengericht noch wegen „Widerstandes" gegen den kräftigen Forstbeamten drei Tage Ge- fängnis.— So füllt man Gefängnisse in dem Staate mit den voll- endetsten Rechtsgarantien. Eingegangene DrudiFchriftern Die soeben erschienene Nummer 53 des„Simplizissimns" ist eine Spezialnummer, betitelt„Lügen" und enthält folgende Zeichnungen: „Religion" von Th. Th. Hewe,„StandeSbewutztsein" und„Vaterland" von E. Thönh,„Schande" in zwei Bildern,„Ehre".„Majestät" und„Gercchtig- kcit" von Wilhelm Schulz,„Beim Stcllenoermittler" und„Resignation" von I. B. Engt,„Moral" von E. Heilcmann,„Liebe" von O. Gulbransson. Die textliche Ausstattung besteht aus einer Skizze von L. Risser, betitelt „Christentum". Der„SimplizssfimuS" erscheint in einer billigen Ausgabe zu 29 Ps. und einer besseren aus stärkerem, vornehmerem Papier zu 39 Ps.; man kann ihn beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen oder direkt vom Verlag Albert Langen in München. Sriefkaften der Redaktion. Schwimmer. Durch Herrn F. Menschcl, Wcissensee, Rölkestr. 131».— G. R., Dame. Zu unserem Bedauern entscheidet der Brieskasten Spiel- streitigkeiten grundsatzlich nicht.— Stammtisch. Seit 6. Februar 1875 (Standesämter gesetzlich vorhanden.— Invalide. ES ist völlig unklar, welches Amt Sie meinen.— A. K. 123. Durch Norddeutschen Lloyd, hier. Unter den Linden 5— S oder Jnvalidenstratze, am Stettmer Bahnhof. Auch durch die AuSkunstSstellen der größeren BerNnetr Bahnhöfe. bnrg. M. F. 1. Ein Mensch, der verlernt hat, moralisch oder intellektuell Distanz zu halten. Zwecklos auf so niedrige Anwürfe zu reagieren. 2. Können wir auch bei gutem Willen»icht verraten. Rur die Petitionskommission deS Reichstages vermag sichere Auskunst zu er- teilen.— Konfucius. Den Hungernden versteht der volle Magen nicht. G. D. 44. Jeden Mittwoch bei Bachstein, Salzwedelerstr. IS. Jurxttitfher Cell. Die siiriplsche Sprechstunde finde« täglich mit Ausnahme de««ouuadeNdS von?-/, biS»-/, Uhr abend» statt. Geöffnet: 7 Uhr. Tegel, Albert. 1. Ihre Angaben lassen nicht klar erkennen, wie daS Sachverhältnis liegt. Einmal schildern sie es so. als ob der Vertrag ledig« lich zur Täuschung der Behörde geschlossen ist. Liegt der Fall so, so liegt ein ungültiger Verttag vor. Dann schildern Sie die Sachlage so, als ob ein Pachlverhälwis bestanden hätte. Ist dem so, so sind seine Bedingungen klagbar: welche Bedingungen vorlagen, geben Sie nicht an. Endlich stellen Sie die Sachlage an einer anderen Stelle so dar, als sei eine Einigung vereinbart. Diese wäre gültig, wenn nicht Ihre weitere Behauptung er- weislich wäre, daß diese Einigung verpaßt sei.£chne eingehende Darlegung, insbesondere auch genaue Mitteilung des Reverses sowie der Verhandlungen, die ein Anwalt für sie geführt hat, ist eine bcstimi nie Antwort nicht möglich. 2. Glauben sie. daß Freiheitsberaubung vorlag, so steht Ihnen Strasantrag frei.— BS.�Schr. 39. In der amtlichen Zentralauskunstsstelle für Aus- Wanderer, schellingstr. 4, erhalten Sie aus rnündliche oder schriftliche Ansragcn AuSkunst.— S. 7. Wir werden aus diese Frage zurückkommen. — Arnstadt i. Th. ES kann auch die Beerdigung vom Stcrbehause aus erfolgen.— W. K. 78. Voraussichtlich wird der zu spät gekommene Doktor mit seiner Forderung abgewiesen werden, wenn er dieselbe einklagen sollte.— E. Keller. Sie können beim Wirt Narhfrage halten oder sich an die Polizeibehörde und daS Amtsgericht(als Zäachlaßgericht) wenden.— — L. 3. ES hat die Witwe das Recht zu wähle«, ob sie nach märkischem Recht oder noch Bürgerlichem Gesetzbuch erben wSI, falls die Ehe vor dem 1. Januar t999 geschlossen ist. Deshalb ist zunächst erforderlich festzustellen, wann die Heirat geschlossen ist. Stellen Sie dies fest und wiederholen Ihre Anfragen unter Ergänzung auch nach der Richtung, hm, wann der Ehemann verstorben ist und ob er ein Testament hinterlassen hat.— 999. Ihre Ein- willigung genügt, ein Arbeitsbuch ist nicht ersacdcrlich. Den im übrigen krausen Rechtszustand für den Fall, in dem der Vater für schuldig erklärt ist, die Mutter das Fürsorgerecht, aber nicht die Vertretungsbesugnis ihres Kindes hat, finden Sie S. 39 des dem.Arbeiterrecht" beigefügten Führers durch das Bürgerliche Gesetzbuch dargelegt. DaS Buch liegt m den össentlichen Bibliothelen aus. Marktpreise von Berlsn am 28. März. Nach Enniltelungen des kgl. Polizei-PräfidiumS. Für l Doppel-Zentner: Welzen"), gute Sorte 17,35-17,34 M.. mittel 17,33-17,32 M., geringe 17,31—17,39 M. Roggen"), gute sorte 13,65—13,64 M., mittel. 13,63—13,62 M., geringe 13,61—13,69 M. Futtcrgcrstc»), gute Sorte 16�99—14,89 M., mittel 14,79 bis 13,60 M.. geringe 13,50-12,40®. Hafer»), gute Sorte 16,29—15,49 M.. mittel 15,39—14,69 M., geringe 14,59—13,89 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,99— 39,99 M. Speisebohnen, weiße 59,99— 39,99 M. Linsen 69,99— 39,99 M. Kartosseln 10.09—7,90 M. Richlslroh 5.09— 4.5V M. Heu 8,89-7,39 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80—2,00 M. Eier per Schock 4,99—2,89 M. ») Frei Wagen und ab Bahn.") Ab Lahn. WitteriingSübersicht vom 89. März IvvS, morgen» 8 Uhr. Stationen L e ■3 S s sä ss «- Swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien A. n 1 3 al 764 SO 762 SW 765 Still 767 SW 769 SO 766WNW Vetter 2 Nebel 4ch olkig wölken! 2 wölken! 3 wölken! 2 bedeckt *3i 35. B II - 13 w s> 4 7 3 6 3 Stationen c o «— ES« H S aparanda 760 SW ctersburg»765 SSW Scilly Aberdeen Paris 759 WSW 749!SSW 765 s S Vetter �bedeckt tNebel 3wolkig Owolkig 2beiter GU 3 5. 6* w s> -7 0 W 4 1 Wetter-Prognose für Donnerstag. ZV. Mär» 190S. Ziemlich warm, vielsach Hefter bei mäßigen südwestlichen Winden; zeitweise etwas Regen. Berliner Wette rbureau. Lpittslmarlct 16/17. Ecks Leipziger Strasse preiswertes Angebot in Sehnt-Artikeln Belle Alliance-Strasse 1/2. Arn BlUcherplatz Grosse Frankfurter-Strasse 113. Ecke Andreas-Strasse Brunnen-Strasse 19/21. Ecke Veteranen Strasse Von Donnerstag den 30. März bis Mittwoch den 5. April: Schreibhefte 20 ÜM 75 Diarien 32 Blatt stark(Kaiser Diarien) 8 Diarien mit Wachstuchdeckel. 40 Blatt|3 Schulbleistifte Dutzend 20) 35 Schulbleistifte stuck 4 outz. 45 Bleistifte JohaI?.n.5anber' stuck 6 outz. 68 Schulhefte-Etiquettes wo stuck 8, 10 Schulfedern �z.15 M8 ÄndlO Schulfedern SortiÄsifu8cckhtel 15 Radirgummi�AKA stuckö« 10,15) 25 Schiefertafeln Klapptafeln Griffel extra stark Federhalter Reissnägel Carton 3 Dutzend 7 Censuren-Mappen 35, 45 Ordnungs-Mappen 22, 43, 75 Butterbrotpapier tetidicdt. 100 B,att 18 Reisszeuge 45. 93, 1.50, 2.50 Flasche 3, 10 Liter 60 Schulatlanten 90, 1.35 Reissbretter, Reissschienen, Zeiöhen- ständer, Zeichenblocks nach Vorschrift in guten Qualitäten Bücherriemen ca. 100 cm lang 15, 18, Rand po'lert 45 45, 90 Dutzend 3 8 Stück 10 Tuschkasten Tab'etten 35, 75, luden 75, 1.50 Federkasten 8» 15, 25 doppelt 18, 35, 55 Federkasten schwa« 35, 45» 75 Octavhefte 3, 5 Aufgabenbücher 3, 4, 6 Löschblätter Mappe 25 eiatt � Umschlagpapier 26 Boflen 10 Schulmappen KÄh1 90, 1 10 1.50 Schulmappen 2 90. 3.65 Schulmappen 5.25, 5.75 Schulmappen 95, 1.35 Schulmappen fUr Ähen' 2.90, 3.45 Schulmappen 5.25, 5.75 Frühdückstaschen umd-wgen 33, 80 Schwarze Kinder-Hänger mit hUbschen farbigem Besatz GrOsse ca. 55 OO 65 70_ 75 80 1.10 1.20 1.30 1.40 1.50 1.60 Schwarze Re'orm-Kinder-Hänger ÄÄt Srvsse ca. 00 05_ 70_ 78__ 80 1.40 160 1.80 200 2.20 Schwarze Reform-Kinder-Hänger.JISSÄt Grväse ca. 00_ 05 70 76 80 160 1.80 200 2.20 2.40 Schwarze Panama-Tändei-Schürze Qn mit hübschem Besatz öU 40 Schwarze AIpacca-Tändel Schürze, in mit eleganten farbigem Besatz 1 1U Schwarze Reform-Schürze hUbbeiUtzt 2.10 Schwarze Hänge-Reform-Schürze 0 Qr mit Tasche und elsgantem Besitz Z.oO Mädchen- und Knaben- Schnür- oder Knopfstiefel QrOsse 28,26 27 30 31/35 36 42 Rossleder 2.75 3.50 3.90 4.90 Box Caif 4.25 5.25 5.90 6.90 GrSsse 25/26 27/30 31/38 36,42 Chevreaux 4.25 5.25 5.90 6 90 3.50 4.50 5.50 6.75 Cercmtit». Redakteur: Paul Püttner» Berlin. Für den Jnferatenteil�erantw.: Th. Glocke, Berlin Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer Si Co.. Berlin SW.