Nr. 79. Abonnements- Bedingungen: e bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 mt., monatl. 1,10 Mr., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg.. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich. Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts d Berliner Volksblatt. 22. Jahrs. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pig. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett gedruckte) Bort 10 Bfg. jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Rummel- Diplomaten. Sonntag, den 2. April 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Man kann das Eintreten für ein unabhängiges und freies Die Lage der russischen Bauern. Marotto um fo mehr würdigen, da die deutsche Weltpolitik diesen Petersburg, 30. März.( Bureau Laffan.) Die Unzufriedenheit Grundsatz nicht immer gegenüber afrikanischen und asiatischen unter der Landbevölkerung wird verschärft durch das rücksichtslose Würden die Geschicke der Nationen nicht durch die großen Staaten und Völkern befolgt hat. Deutschland hat sich weder für Vorgehen der Behörden, welche die geringen Beträge, die den Faktoren der wirtschaftlichen und kulturellen Entwickelung bestimmt, die Freiheit der südafrikanischen Eingeborenen noch für die Unab- Familien der im Felde stehenden Soldaten als Unterwürden Einzelne fie nach ihrem Ermessen Leiten und Lenten hängigkeit Chinas begeistert. Aber gerade für Marotto ftügung gezahlt werden, mit der Begründung beschlagnahmen, können, so dürfte die gegenwärtige Gestaltung der internationalen erscheint der ungeſtüme Schuh immerhin nicht ganz so nötig als in daß erst die rädständigen Steuern bezahlt werden müßten. Der Beziehungen und insbesondere des Verhältnisses zwischen Deutsch- bielen anderen Fällen. Wenn nun Frankreich auch hoffen mag, mit Stadtrat von Belgorod und andere Körperschaften haben an den land und Frankreich für überaus unheilvoll gelten müffen. der Zunahme feines wirtschaftlichen Einflusses in Marokko schließlich Minister des Innern das Ersuchen gerichtet, er möge diese unnötige Die Diplomatie hat wiederum glänzend den Beweis erbracht, auch die politische Obergewalt zu erreichen, so sichert doch formell Härte verbieten. In der Presse wird Klage darüber geführt, daß, daß sie, soweit es an ihr liegt, befähigt ist, die Nationen wider ein- das französisch- englische Abkommen alles das, was der Kaiser für während 200 000 2Baggons monatelang auf den Bahnstationen lagen ander zu verwirren und zu verheven. Und der Diplomatie des Marokko und für den deutschen Handel fordert. Ebenso stimmen die und auf Wagen zur Beförderung ins Ausland warteten, gleichzeitig Grafen Bülow gilt in diesen Künsten der erste Preis. Erklärungen Delcassés im Senat mit diesen Forderungen überein. Getreide aus Deutschland nach Rußland importiert wird, und zwar Der gegenwärtige Kurs deutscher Regierungspolitik, dessen Die Erklärungen des Kaisers in Tanger und die Rede Delcaffés au Preisen, für die man es in Rußland schneller erhalten würde. Wesen es ist, in kaleidoskopischen Bildern zu wechseln, der bald stolz bestätigen vollauf die Ueberzeugung, die sich uns von Anbeginn des Der Finanzminister wird selbst in regierungsfreundlichen Kreisen berkündet, Deutschland habe die Jsolierung nicht zu befürchten, bald Maroffo- Lärms aufbrängte. Wenn Deutschland wirklich Anlaß scharf getabelt, weil er Kleinigkeiten übertriebene Aufmerksamkeit mit sämtlichen Staaten der Erde, vom Baren zum Präsidenten der haben konnte, sich durch das franzöfifch- englische Abkommen oder zuwendet und ernste Fragen vernachlässigt. So bezog beispielsVereinigten Staaten von Nordamerika und zum türkischen Sultan, durch seine spätere Ausnugung durch Frankreich verlegt zu fühlen, weise Kuropatkin fast eine Million Mart Extragehalt als Obersich befreundet erklärt, legte Gewicht auch auf die Freunde wofür bisher immer noch nicht irgendwelche Tatsachen beigebracht kommandierender und Admiral Allegejew, der hier in einem Hotel wohnt, schaft mit Frankreich. Wenn diese Bemühungen um ein worden sind, so wäre doch keinerlei Sinn zu entdecken, warum erhält über 600000 m. jährlich als Vizekönig, während die Familien günstiges Verhältnis zu Frankreich irgend wie mehr als ein Ausfluß diese jedenfalls Deutschland nicht im großen Interesse berührende von Soldaten betteln gehen müssen und Hungersnot die Bevölkerung des Dilettantismus, der sich in allem und jedem ergeht, wenn sie Frage nicht im üblichen Wege von der Diplomatie behandelt und Sibiriens bedroht. Selbst Fürst Westschersti, der bekannte starreine weltpolitische Ernsthaftigkeit hätten sein sollen, so hat die geordnet völlig bunte I, tonservative Vorfämpfer der Autokratie, protestiert dagegen mit Marottopolitit des Grafen Bülow alles, was in dieser wie durch die Methode, die Graf Bülow einschlug, die Graf Bülow einschlug, für folgenden Worten:„ Es ist nicht zu bezweifeln, daß ein Vizekönig des Nichtung hin seit vielen Jahren beabsichtigt wurde, in Grund die deutschen Interessen in Marotto etwas erreicht werden soll, fernen Oftens vorhanden ist, noch daß er mit großem Gefolge im Hotel und Boden zerstört, zerstört ohne jeden Anlaß und ohne jedes was nicht ebenso gut ohne welterregenden Lärm zu erreichen war. de l'Europe wohnt. Es wird versichert, er habe so wenig zu tun, daß an vernünftige Ziel. Selbst wenn aber durch die jeßigen Vorgänge in Marotto etwas manchen Tagen überhaupt nichts von ihm zu berichten ist. Inzwischen, und Die demokratischen Parteien Frankreichs haben viele Gründe, Ersprießliches für den deutschen Handel gewonnen werden könnte, namentlich den ganzen letzten Monat hindurch, haben Leute, die aus dem Leiter ihrer auswärtigen Politit, nicht nur, weil er für die so würde der minimale materielle Gewinn nichts bedeuten gegen dem Bizetönigtum hier eingetroffen sind, die Nachricht gebracht, daß innere Politik ihres Landes eine hemmende Kraft bedeutet, au miß- die schwere Schädigung, die Deutschland in feiner internationalen in ganz Stuffisch- Dftafien, bei Irkutst angefangen, eine Hungersnot trauen. Wenn jedoch die deutschen Offiziösen und die Schar der Stellung erfährt. ausgebrochen ist, die furchtbaren Umfang anzunehmen droht. Wir bürgerlichen Zeitungen, die in auswärtigen Dingen blindlings den fragen, ob diese Bezirke, in denen teilweise bereits Getreide an die Eingebungen des Auswärtigen Amtes folgen, die Kritik der Aus der Fülle der Breßäußerungen seien mur einige zitiert, Rotleidenden verteilt werden muß, einen Teil des Vizekönigtums französischen Bresse an dem Berhalten des Herrn Delcaffé in der bilden, und ob der Vizekönig nicht verpflichtet ist, außergewöhnliche Marottofrage ausnutzen zu können glauben, um die Trefflichkeit dem Hungertode zu retten." Maßregeln zu ergreifen, um die ganze östliche Hälfte Sibiriens vor der Bülow- Politik zu beweisen, so befinden sie sich im gröbsten ( Daily Telegraph".) Irrtum und stärken lediglich das gefährliche Vertrauen eines großen Teiles des deutschen Wolfes in die auf höchst bedenklichen Wegen wandelnde auswärtige Bolitik der deutschen Regierung. Wenn Herr Delcassé, als er die Abkommen mit England und Spanien schloß, Deutschland, wie behauptet wird, nicht genügend beachtet hat, so würde darin auch entfernt nicht ein zureichender Sinn für den ofenden Alarm liegen, der jetzt vollführt wird. worden ift. charakterisieren. " Bleibt Ga welche Tatsächliches beitragen oder die internationale Situation Der Matin" erklärt sich ermächtigt au bekräftigen, daß Botschafter Radolin eine Abschrift des Textes der französischen Kon vention einige Tage vor der Unterschrift von Delcaffé zugesandt erhielt. Es sei doch nicht anzunehmen, daß Radolin die rechtzeitige Abfertigung dieses Dokumentes nach Berlin verabsäumt haben sollte. Keine Friedensaussichten? Ein Vertreter einer politischen Korrespondenz erzählt, daß er am Die englische Bresse, abgesehen von der Morning Bost", ber urteilt in sehr scharfen Ausbrüden den anderthalbstündigen Aufenthalt Freitag eine Unterrebung mit einem Mitgliede ber japa Kaiser Wilhelms in Tanger.„ Daily Graphic" broht, in Marokko würde nischen Gesandtschaft in Berlin gehabt habe. Dabei habe man sehr bald bemerken, daß der Kaiser gegangen sei, er den japanischen Diplomaten gefragt, was an den vielfach er bie Franzosen aber bleiben, und daß es nicht wahr örterten Friedensnachrichten Wahres sei. Der japanische Diplomat scheinlich fei, daß der Kaiser wiederkommen würde, um deren Bläne habe erklärt, daß der Berliner Gesandtschaft amtlich noch nicht zu durchtrenzen. Wenn etwas geeignet fei, eine friedliche Einflußnahme Frankreichs in Maroffo in eine Politik bewaffneter Inter vention zu verwandeln, so wäre dies die unheilvolle Einmischung Deutschlands. und oosevelt set zum Bermittler zwischen Japan und Rußland aus Auch aus Washington wird gemeldet, daß die Nachricht, offiziellen Dementis an den Friedensnachrichten ein wahrer Kern ist, ersehen worden, unzutreffend fei. Ob nicht tros dieser entzieht sich zurzeit der Beurteilung. So viel kann allerdings als richtig betrachtet werden, daß Japan sich darauf nicht einlassen wird, Rußland einen Waffenstillstand zu bewilligen, bevor nicht Rußland hinlängliche Friedensgarantien geboten hat. Die Nede, die Delcassé am Freitagabend im Senat hielt, enthält einige zu beachtende Stellen, die zunächst in der gekürzten Wiedergabe nicht mitgeteilt wurden. Die Rede ist eine voll das mindeste bon folchen Berhandlungen mit ständige Antwort auf die Rede des Grafen Bülow im geteilt worden sei und sie die Nachrichten, daß eine Auslands Reichstag vom 30. März, ohne daß auf diese Rede oder das eine Bermittlerrolle zu spielen, samt und fonders für Fabeln macht, sei es Amerika, sei es Frankreich oder England, bemüht sei, Berhalten Deutschlands mit einem Worte gewiesen wird. Sie ist halte. Japan wünsche natürlich ernsthaft den Frieden, doch stehe infofern ohne Zweifel ein fleines diplomatisches Meisterstück, auf das es auf dem Standpunkt, daß der erste Schritt von Rußbisher das Drgan des Grafen Bülow eine Antwort nicht zu finden Die römische Tribuna" sagt zu den Worten Bülows, der land ausgehen müsse. Ferner müsse das Friedens weiß. Neues und zugleich flärendes freilich hat auch diese Nebe Besuch des Kaisers bedeute die Krönung jener Politik der offenen angebot birelt an Japan gerichtet sein. Solange dies nicht gebracht. Hatte Graf Bülow die Meinung erweden wollen, gegenzuhalten, daß diese Bemerkung durchaus nicht der nicht eher endigen, als bis Japan den bollen Sieg errungen habe. Tür", die immer von Deutschland ausgeübt wurde: Es sei ent- nicht geschehe, werde der Strieg fortgesetzt werden daß in neuerer Zeit besondere Borgänge gespielt haben, die das wiriliteit entspreche. In der Geschichte des europäischen Auf die Frage, welche Bedingungen Japan stellen werde, antwortete jähe und laute Eingreifen Deutschlands veranlaßten, so erwiderte Angriffs auf China tönnte man mehr wie ein Beispiel bafür finden, der Diplomat begreiflicherweise ausweichend. Doch bezeichnete er Delcassé mit dem dunklen Hinweis auf eine Attion, welche die daß Deutschland, wenn es seinen politischen und händlerischen die Zumutung, daß Japan auf eine riegsentschädigung Mittelmeermächte wohl mertten" und ber sie nicht Interessen mußbringend schien, gern bie Fahne der Einflußsphäre überhaupt bergichten möge, als im Ernst wohl nicht gleichgültig aufhauen tönnten". Andererseits be flattern ließ. Hervorgehoben zu werden verdient, daß die Rede Bülows bistutierbar. hauptete er, es fei„ nichts in unserer marokkanischen Boliti, im Herzen des Kaisers der Friedensliebe die nicht weniger entder Abglanz der Bremer Kaiserrede ist, aus welcher hervorgeht, daß nichts in unferer Anwendung der der Uebereinkommen vom 8. April und 3. Oftober 1904 geschehen, was die Erregung der Presse macht. Kaiser und Kanzler haben der Theorie vom Platz an der widelte Liebe für kommerzielle Eroberungen rauhe Stonkurrenz erklären könne". Delcassé schien also andeuten zu wollen, Sonne, der Deutschland zustehe, eine neue Entwickelung gegeben. daß erst gewisse Aktionen anderer Mächte die besondere Obhut Die Reise nach Tanger beweise, daß dieser Blazz in den Gedanken französischer Interessen in Marokko nötig gemacht haben, daß Frank- der deutschen Staatslenter sehr groß ist. reich dann aber niemandem Anlaß zur Beschwerde gegeben habe. Der französische Minister des Auswärtigen hat in seiner Rede in feiner Weise die Absicht zu erkennen gegeben, bor den deutschen Drohnoten irgendwie zurüd Wie aus Tokio durch das" Reutersche Bureau" gemeldet wird, auweichen. Er erklärt, die deutschen Handelsinteressen feien haben der Prinz und die Prinzessin Arisugawa am Lodz, 1. April.( Meldung der Petersburger i. April die Reise nach Deutschland angetreten, um der Hochzeit des völlig gesichert, besteht aber auf den besonderen Einfluß, den Frank- Telegraphen.Agentnr".) Gegen einen Bolizei- Kronprinzen Wilhelm beizuwohnen. Die japanische Presse gibt der reich dank seines viel größeren wirtschaftlichen Verkehrs in Marokko Meinung Ausdruck, daß der Besuch das gegenseitige Gefühl des Verund seiner Abmachungen mit dem Sultan besitzt. Er deutet auch fommissar wurde heute eine Bombe geschleudert, trauens und der Achtung der beiden Bänder stärken werde. nicht an, daß von seiner Seite aus in dieser Frage ein Ber- der Kommissar wurde schwer verwundet. Der Mann, Auch dieser neue hösische diplomatische Att zeugt von der poli ständigungsversuch mit Deutschland unternommen werden soll. der die Bombe geschleudert hatte, wurde von einem Polizei- tischen Klugheit Japans. Japan ist durch die Lage und das MißUnterdes hat der deutsche Kaiser den Besuch in Tanger beamten, der ihn festnehmen wollte, verwundet und dann als trauen sämtlicher europäischer Nationen, felbst seiner angeblichen vollendet. Er weilte faum atvei Stunden dort an Land, und die Gefangener ins Krankenhaus geschafft. Die Explosion war so um sich mit den verschiedenen Regierungen auf möglichst guten Fuß intimen Freunde England und Amerika, genötigt, alles aufzubieten, Eingeborenen, welche seit Wochen ein ausführliches Festschauspiel stark, daß alle Fensterscheiben der benachbarten Häuser zer zu stellen. Daher auch diese Prinzenreise. erwartet und vorbereitet hatten, sind durch die Schnelligkeit, in der trümmert wurden. das Ereignis entschwand, nicht wenig enttäuscht. Immerhin aber machte der Kaiser Aeußerungen, welche in Marokko die Meinung erbl Die Revolution in Rußland. Zur Kirchenreform". " Eine japanische Prinzenreise nach Berlin. Japans Kredit. New York, 31. März.( Laffan- Meldung.) Bei dem Bankhause Sun, 2oeb u. Co. laufen immer noch Beichnungen auf die japanische Anleihe ein. Die Firma macht bekannt, daß bereits gegen 500 millionen Dollar gezeichnet sind und ie weitere Meldungen nicht annehmen tann. Politifche Ueberficht. Berlin, den 1. April. weden müssen, als wolle er auf die weitere Entwidelung der Petersburg, 31. März. Am 22. März sollte im Ministerkomitee dortigen Berhältnisse nicht schnell schwindende Wirkung ausüben. Die Besprechung der Reform der orthobogen Kirche ftattEr gab vor den Vertretern der deutschen Stolonie Erklärungen ab, finden. Auf Wunsch des Präsidenten des Minifterkomitees stellte wie er sie zweifelsohne auch gegenüber dem Bertreter des Sultans ber Metropolit Antonius ein Reformprojett nach den Wünschen der Geistlichkeit auf. Danach sollte die Kirche zum Ausdrud gebracht hat. Er erklärte: die Verwaltungsform des 16. und 17. Jahrhunderts wieder annehmen. Er freue sich, die Pioniere Deutschlands in Marotto tennen Der Prokurator des Heiligen Synods Pobjedo zu lernen und ihnen fagen zu können, daß fie ihre Pflicht getan noszew war mit dem Entwurf nicht einver hätten. Sie sollten einig bleiben und in der Pflichterfüllung fort- ftanben und bat den Kaiser, die Beratung der Reformfrage im fahren unter dem Schutze des Kaisers. Deutschland habe große Ministerkomitee zu untersagen, da die Frage ausschließlich zur Handelsintereffen in Maroffo, sein Handel nehme einen erfreulichen Kompetenz des Synods gehöre. Der Bitte wurde entsprochen und Das Abgeordnetenhaus hat am Sonnabend nach Aufschwung. Er werde es sich angelegen sein laffen, diefen Sandel barauf alle Reformen für unnük; ber Synob teilte diese An- borlage an die Budgetkommission verwiesen und sich darauf die Frage dem Synod überwiefen. Bobiebonoszew erklärte Erledigung einiger kleiner Vorlagen die Sekundärbahnau fördern, was nur unter der Voraussetzung der Gleichficht aber nicht. Er erklärte es für unerläßlich, zu der berechtigung aller Mächte und unter der Soube- Berwaltung der Kirche durch eine Berfon zurüd- bis Donnerstag vertagt. Auf der Tagesordnung der nächsten ränetät bes Sultans und der Unabhängigkeit des autehren, und beschloß, den Kaiser um die Genehmigung zur Sigung stehen fleinere Vorlagen, Initiativanträge und die Landes möglich sei. Sein, des Kaisers Besuch, sei die An- Einberufung eines Sobor zu ersuchen, in dem die Wahl eines Interpellation Faltin betreffs Maßnahmen zur Bekämpfung erkennung dieser Unabhängigkeit." Patriarchen vorgenommen werden soll. der Genickstarre. Preußischer Landtag. An Herrenhause stand die Kanalvorlage zur Be- ratung. Der Ministerpräsident Graf Bülow war in höchst- eigener Person erschienen, um die Vorlage zu verteidigen, aber er hatte nicht nötig, in die Debatte einzugreifen, da die große Mehrheit des Hauses von vornherein entschlossen war, der Vorlage in der Fassung des Abgeordnetenhauses, d. h. mit dem Schleppmonopol und den Schiffahrtsabgaben bepackt, zuzustimmen. Eine dem Niveau des Hauses angepaßte Rede gegen den Kanal hielt der Majoratsbesitzer Dr. Hans Henning von Burgsdorff, ein Vertreter des alten und befestigten Grundbesitzes in der Mark; er versuchte, einen Zusammenhang Zwischen dem Kanal, dem Bergarbeiterstteik, den Caprivischen Handelsverttägen und dem Sozialistengesetz zu konsttuieren. Die Taffache, daß die sozialdemokratische Presse die Kanal- Vorlage verficht, macht Herrn v. Burgsdorff argwöhnisch. Gewiß, der Mann hat recht. Die Sozialdemokratie ist doch nicht deshalb Anhängerin des Kanals, weil das einen kulturellen Forffchritt bedeutet, sondern weil nach dem Bau des Kanals die Aufrichtung des sozialistischen Staates un- mittelbar bevorsteht. Völlig ablehnend gegenüber der Vorlage verhielt sich Graf Mirbach, der die Regierung um Prüfung der Frage des Ersatzes der für den Westen geplanten Kanalsttecken durch elektrische Schnellbahnen sowie um eventuelle Einbringung eines entsprechenden neuen Gesetzentwurfes ersuchte. Die von ihm vorgeschlagene Resolution fand aber nicht die Zustimmung des Hauses. Die Debatte war belanglos, es wurde nichts vorgebracht, was nicht bereits zu wiederholten Malen im Abgeordneten- hause gesagt ist. Nachdem das Haus sodann noch der Schadlos- Haltung des Hauses Schleswig-Holstein- Sonderburg-Glücksburg zugestimmt und dadurch den armen Mitgliedern dieses Hauses zum Ouartalserstcn eine kleine Freude auf Kosten der Steuerzahler bereitet hatte, vertagte es sich auf unbestimmte Zeit. Rom, Ende März. Der Sieg der Zweideutigkeit. Drei Tage hindurch hatten die oppositionellen Fraktionen ihre ttichtigsten Redner gegen das Ministerium losgelassen, drei Tage lang hatte man dem Kabinett in allen Tonarten das Mißtrauen der Kammer ausgesprochen, und als es dann zur Abstimmung kam, hatte das Ministerinm 121 Stimmen Mehrheit I Man hat der Politik GiolittiS die Billigung der Kammer noch ins Jenseits , mchgesandt und hat Fortis— denselben FortiS, dem soeben ein Versuch der Kabinettsbildung mißglückt war— zum Sieger dcS Tages gemacht! Der ganze Liberalismus der Mehrheit hat sich darin erschöpft, daß sie für Fortis und für eine liberale Politik«im Sinne des vorigen Kabinetts" gestimmt hat. Die Mehrheit hat nichts weiter getan, als die Formel neu aufgefrischt, mit der sie geboren ist. Der Schein des Liberalismus, der über dem Kammervotum lag, beruhte allein auf dem Namen, auf einem politischen K o n v e n t i o n a I i s in u s, der gewissermaßen willkürlich ist. Fortis ist ein Mitglied der Linken, ist als solcher abgestempelt und wird als solcher sterben, wie C r i s p i als Liberaler gestorben ist. Mit seinem Programm hat das nichts zu tuit! Der Name der Liberalen steht vor jedem Programm, unabhängig von ihm, wie das Etikett auf den Weinflaschen. Ja, wenn Fortis liberale Erklärungen abgegeben hätte, klar und deutlich, an Tagesfragen illustriert, dann konnte man ans Grund des Votums sagen: ja, wir habeil uns in der Par- lameiltsmehrheit geirrt, sie ist so schlinim nicht, wie sie schien, sie ist wirklich und ehrlich liberal, wir haben ihr Unrecht getan. Von all dem ist aber nicht die Rede. Fortis hat sehr elegant, sehr warm und liebenswürdig gesprochen, mit Akzenten großer Offenheit und Gradheit. Nur gesagt hat er nichts. Einzig in der Frage des Eisenbahnwesens hat er— hierin imEinklanjznlitdem konservativsten Konservativen — erklärt, er sei für die Verstaatlichung, gegen die ZZ 70 und 71 aber auch gegen das Streikrecht der Eisenbahner. Nicht einmal über die neueste vatikansteundliche Politik hat er sich in freisinniger Weise ausgesprochen, sondern vielmehr mit einem Hymnus auf die Gedankenfreiheit den Klerikalen das Wasser im Munde zusammenlaufen gemacht. Heber Militärausgaben und Steuerpolitik hat er geschwiegen, und über die Farbe des neuen Kabinetts hat er mit einem liebenswürdigen scherzenden Zynismus erklärt, einfarbigen Kabinette wären ein schönes Ding in Parlamenten mit klarer Parteibildung. In Italien aber liefen bei jeder neuen Kabinettsbildung die Parteien bunt durch- einander, da sei von reinlicher Scheidung nicht die Rede. Unter stürmischer Heiterkeit erklärte er, hier sei am angebrachtesten ein liberales Ministerium im bisherigen Sinne, mit einer kleinen Spitze nach rechts, die sich als Stützpunkt bewährt hätte! Sieht man ab von den noch unbekannten Keimen der Oppositton, die er in seiner eigenen Mehrheit hat, so kann man sagen, daß Fortis sich um seine Gegner in der Kammer keine grauen Haare wachsen zu lassen braucht. Das hat das Votum allerdings gezeigt. Die Sozialisten mit ihren 28 Stimmen sind natürlich keine Ge- fahr fiir ein Kabinett; obwohl sie ihm sein tägliches Leben recht sauer machen, kommen sie in den kritischen Momenten, wo die bürger- lichen Fraktionen sich um dieministerielleNachfolge streiten, nur wenig in Bettacht. Sie haben durch Bis solatis Mund ihre Meinung gesagt, haben ober an dem Wettlauf um die Macht nur ein akademisches Interesse. 'Dasselbe gilt von den Republikanern, die als Umsturzpartei in solchen Momenten nur durch die Stimmenzahl ins Gewicht fallen, die sie gegen die Regierung aufzubringen vermögen, nicht durch die Reden ihrer Abgeordneten, die inehr fiir das Volk als für das Parlament, gehalten werden. Anders steht es mit den konstitutionellen Ovpositions- Parteien. Diese können sehr wohl, durch eine kluge und gewandte Rede, durch ein geschicktes Manöver bei der Abstimmung, ihre Chancen fiir eine Beteiligung am neuen Kabinett vermehren, können ihm eine Spitze in ihr Lager hinüber aufzwingen. Sie haben sich aber un- fähig, uneins und schwach gezeigt. Bon den Radikalen, die den stärksten Konttngent an Rednern stellten, stimmte etwa ein Drittel überhaupt für die Regierung. Die Zanardellianer, oder, wie sie jetzt heißen, die konstitutionellen Demo« k r a t e n brachten es kaum auf 30 Stimmen und bei der zweiten, allerdings belanglosen Abstimmung(Tagesordnung Maffengo Bastiaj waren auch die fast alle verfluchtet. Am größten tvar die Enttäuschung, die die S o n n i n i a n e r bereiteten. Sie, die über zwei so bedeutende Blätter, wie den„Corriere della Sera" und das„Giornale d'Jtalie" verfügen, haben im entscheidenden Moment wohl 30 der Ihrigen zur Regierung über- gehen sehen. Niemand hätte gedacht, daß sie so kläglich abschneiden würden; Sonnino wurde durch eine sehr gelegene Hals- entzündung verhindert, eine große staatsmännische Rede zu chatten, die sein Fiasko vergrößert hätte. Das Fazit der Ab- sttmmung, aus der denn inzwischen das neue Ministerium hervor- gegangen ist, ist also dieses: die Regierung hat kein Programm entwickelt und eine große Mehrheit. 281 von 441 Stimmen erhalten. Die Opposition hat ebenfalls kein Programm entwickelt, sondern nur das Verhalten der Regierung krittsiert. Wer Sieger ist, ist also leicht zu sagen, es ist die alte Mehrheit GiolittiS. Was aber der Sieger ist, was er will, wozu ihm der Sieg dienen soll, das ist ein vollständiges Geheimnis, das erst durch die Taten des neuen Ministeriums gelöst werden kann. Vor Illusionen, daß eine grundsätzlich fortschrittliche Politik zu erwarten sei, muß nian sich von vornherein hüten I Daitfchto Reich. Der Rettich als Sprengbombe. Folgendes lesen wir nicht im„SimplicissimuS". nein— im „Thüringer Hausfreund": „M e i n i n g e n, 29. März. Die Zusammensetzung der preußischen Strafkammer dahier wird in allernächster Zeit eine vollständig neue sein, da sämmliche Mitglieder des Richter- kollcgiums— mit Ausnahme des Vorsitzenden Landgerichtsdirektor Herrwig— von hier fortkommen. Gerichtsassessor Gerecke ist zum Landrichterin Elberfeld ernannt worden, LandrichterNicdner wird nach Frankfurt a. M. versetzt, Gerichtsassefsor Klußmann ist zum Amts- richter in Bürden ernannt worden und Landrichter Simons hat die ehrenvolle Beförderung zum Oberlandesgerichtsrat in Kiel erhalten. Herr Simons ist, im Hinblick auf sein neues, hohes Richteramt, ein verhältnismäßig noch junger Beamter, der durch seine außerordentliche Befähigung sich zu einem so ehrenvollen Amte qualifiziert. Zu der Aenderung im Richterkollegium niögen unerquickliche kollegiale Verhältnisse, die seit Monaten unter einzelnen der Kammermitglieder bestanden, vielleicht nicht zum wenigsten beigetragen haben. Der Grund war die Anzeige des Assessors und Leutnants der Reserve Gerecke beim Ehrengerichte des Reserve-OffizierkorPS betteffend den ein- maligcn Verkehr zweier seiner Kammerkollegen und anderer Juristen, die ebenfalls dem Rcserve-Osfizicrsstand angehörten, mit dem sozialistischen Rechtsanwalt Liebknecht auS Berlin. Das Vor- kommnis ist seinerzeit in den Zeitungen und anderwärts vielfach kommentiert worden. Die Anzeige hatte aber nur die Wirkung, daß in das kollegiale Verhältnis ein großer Riß kam; jetzt ist dieser beseittgt." Die Beseitigung des Risses durch Versetzung des Richter- kollegiums ist gut, ein Witz a la Eisenbart. Als unser Genosse Liebknecht im Meininger„Omnibus" in vergnügter Tafelrunde gutes Bier trank und vortrefflichen Rettich verzehrte, ahnte er nicht, welch' fürchterliches Verhängnis iiber die Zechgenossen hereinbrechen sollte. Kein Mahner rief:„Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich an das Ende sehe." Blind rannte die Meininger Justiz in ihr Ver- derben. Bier und Rettich gemeinschaftlich von Justizbeamien und einem sozialdemokratischen Anwalt, genossen wirkten wie Nitro- glyzerin und Dynamit. Wir deutschen Sozialdemokraten können wahrlich leichten Herzens und voll Zuversicht in die Znkunst schauen. Wie schwer haben's unsere rnsstschen Freunde I In Deutschland genügt schon der Spreng- rettich zur Desorganisatton der kapitalistischen Staatsgewalt.— Der Reichstag?- und Landtags-Abgeordnete Senator Wall- brecht von der nationalliberalen Partei, der vor einigen Tagen an Influenza erkrankt war, ist am Sonnabend im 04. Lebens- jähre gestorben. Er vertrat den 9. hannoverschen Wahlkreis Hameln- Springe. In der Reichstagswahl 1903 wurden in diesem Kreise im ersten Wahlgang 10 200 Stimmen, in der Stichlvahl 11260 Stimmen für die sozialdemokratisch� Partei abgegebene Wallbrecht wurde mit 14 990 Stimmen gewählt.— Das Reichsgericht verwarf am Sonnabend die Revision des Redakteurs Schweynert vom„Residenzboten" in O l d e n- bürg, der am 2. Dezember vorigen Jahres wegen Beleidigung des Poker-Ministers Ruh st rat zu einem Jahr Gefängnis verurteilt worden war.— Für die Velkszählung am 1. Dezember 190ö veröffentlicht das Reichsamt des Innern die Anweisungen an die Zählungsbehörden. Es soll eine besondere Auszählung und spätere Bearbeitung dieser Zählung für die landsturmpflichtigen Männer mit vorgenommen werden. Polizeiflandal. Aus Halle berichtet man uns vom 31. März: Heute war zur Abwechselung vor dem Schöffengericht der Polizei- sergeant a. D. B<> y l wegen versuchten Betruges angeklagt. Behl ist derjenige Beamte, der sich vor einigen Wochen mit einem Memo- randum an das Stabtverordneten-Kollegiinn wandte und schwere Be- schuldigungen gegen seine Vorgesetzten erhob. Auffällig ist in diesem Prozeh, daß jener Betrugsversuch im April 1904 passiert sein soll, Behls Vorgesetzten davon Kenntnis hatten und jetzt nach elf Monaten erst die Anklage kommt. Bis Ende Dezember v. I. war Behl im Polizeidienst, und am 1 3. I a n u a r d. I. wurde dem Mann von dem Polizeidezernenten ein Führungsattest ausgestellt, daß Nachteiliges über ihn nicht bekannt ist. Und nun im März 1905 das Betrugsverfahren. Behl soll angeblich versucht haben, von einer Stiftung 800 M. zu erschwindeln. Der Staatsanwalt machte aber große Augen, als Behl erklärte, 300 M. von dem Gelde sollte er für den in Schulden geratenen Kommissar L o h s e beschaffen. Der Ankläger ließ Behls Angabe zu Protokoll festlegen und bedauerte, dah nun wieder ein Beamter mehr„mit hineingezogen" werde. Behufs weiterer Ermittelungen wurde die Sache vertagt.— Bürgermeister v. Hally sagte jüngst,'die hiesigen Polizeiskandale wären nur „Einzelfälle"» Der Herr kann— Kriegsminister werden!— Strafbare Wagenfahrte». Aus Ostpreußen wird uns geschrieben: Im November v. I. wurde gegen einen Genoffen aus Goldap, der aus Gefälligkeit einige russische Auswanderer von der Grenze bis zur nächsten Bahnstation begleitet und ihnen � dort zur Weiter« fahrt Eisenbahnfahrkarten besorgt hatte, ein Verfahren wegen Ver- gchcns gegen„das Gesetz über daS Auswanderungswesen" eingeleitet. Der Untersuchungsrichter, der auch niehrere Zeugen vernommen, hatte unserem Genossen schwere Sttafe in Aussicht gestellt. Aber am 20. Januar d. I. erhielt der Genosse vom„Ersten Staatsanwatt" zu Jnsterburg den Bescheid, daß das gegen ihn ein- geleitete Verfahren eingestellt worden sei. Offenbar hatte die Unter- tuchung keine Handhabe auf Grund dieses Gesetzes gegen den Genossen ergeben. Jetzt am 23. März erhielt er jedoch vom Amts- gericht in Goldap folgenden Sttafbefehl: Auf den Antrag der königlichen Staatsanwaltschaft wird gegen Sie wegen der Beichuldigung, im Herbst 1904 im Kreise Goldap russische Auswanderer mit Wagen anderswohin als nach drr nächsten Konttollstation befördert zu haben,— Uebertretung tzegen§ 5 und 7 der Polizeiverordnung des Herrn Regierungspräsidenten zu Gumbinneu vom 23. Dezeniber 1393 und 2. Juli 1904,— wofür als Beweismittel bezeichnet ist: Zeugnis des Weichenstellers Sch. in . eine Geldsttafe mm 10 M. oder fünf Tagen Hast festgesetzt. »gleich werden Jhrren die Kosten des Verfahrens auferlegt. Diesem Strafbefehl ist folgende Kostenrechnung beigefügt: 1. Gebühr stir den Sttafbefehl........ 1,— M. 2. Schreibgebühr und Porto......... 1,00, 3. Zeugengebühr............. 14,05, Sa. 16,65 M. Sttafe und Kosten dieses Sttafbefehls betragen also 26,65 M. Der§ 5 der sonderbaren Polizeivorschrift über das Auswanderer- Wesen heißt wörtlich: Dir Beförderung von russischen Auswanderern mit Wagen«drr Schiff ist verboten. Ausgenommen von diesem Verbot sind die von den Polizeibehörden bewirkten resp. unter Begleitung von Polizeiorganen stattfindenden Beförderungen. In weiteren Paragraphen wird jede Uebertretung mit einer Geldstrafe bis zu 60 M. bedroht. Diese famose, unseres Erachtens völlig willkürliche Polizei- Verordnung— das Auswanderungsgesetz des Reiches, das die Materie erschöpfend regelt, gibt keine Handhabe zu dieser Un- geheuerlichkeit— bedenkt in der Praxis: Ein Deutscher, welcher Beihülfe leistet, russische Deserteure vor der Zurückschaffung nach Rußland zu bewahren, wird straffällig. Man weist also nicht nur Militärflüchtlinge nach Rußland auS, sondern man bestraft auch Deutsche, die wenigstens in einzelnen Fällen sich bemühen, die Opfer der russischen Barbarei zu verringern.— Ursache und Wirkung. In recht schikanöser Weffe hat der Sanitätsmaat Unteroffizier Heine, der im Sommer 1904 i« Gnrnisonlazarett zu Curhapen als Polizei-Uuteroffizier fungierte, den Krankenwärter P. behandelt. Waren die übrigen Krankenwärter zum Kaffeetrmken erschienen, so mußte P. wieder zurück an die Arbeit, auch mußte er auf Befehl seines Peinigers die schwersten Arbeiten verrichten, ohne sich ausruhen zu dürfen. An einem heißen Julitage mußten die Soldaten zu Bauzwecken Sand ttansportieren und zwar in Eimern im Gewichte von je 100 Pfund. Während seine Kameraden bei dieser mit ihren Dienstobliegenheiten wenig in Einklang zu bringenden Arbeit ausruhen dursten, mußte P. den schweren Eimer die etwa 50 Meter weite Strecke ohne abzusetzen ttagen. Außerdem mußte P. sich andere „Liebenswürdigkeiten" von Heine gefallen lassen und wurde auch schwer beleidigt.„Der Kerl soll ins Kittchen und muß brummen, bis er schwarz wird", äußerte der Unteroffizier. P. äußerte kurz darauf Selbstmordgedanken und sagte, er wolle sich aushängen. Dazu kam es aber nicht, denn er wurde plötzlich vom Ver- folgungswahn befallen; er lief planlos umher und schlug wild um sich, weil er überall seinen Peiniger vor sich sah. Der Mann kam ins Irren- Haus, wo er sich noch heute befindet. Das Kriegsgericht der II. Marinestation konnte sich auf Grund des ärztlichen Gut- achtens nicht von dem Kausalnexus zwischen der Geisteskrankheit und der Behandlung durch den Angeklagten überzeugen und verurteilte den Unteroffizier nur wegen Beleidigung und unvotschriftsmätziger Behandlung zu 1 4 T a g e n M i t t e l a i r e st, gegen welches Strafmaß H. Berufung einlegte, die aber am Sonnabend vom Ober« kriegsgericht des 9. Armeekorps als unbegründet verworfen wurde.— Revolution in Koburg. Aus Koburg wird uns geschrieben: Eine wahrhaftige Revolution droht in unserem Ländchen auszu- brechen. Das neue Regiment wirft schon seine Schatten. Der Um- stand, dah offenbar aus Zweckmäßigkeit die Hosämter nach dem „roten Gotha" verlegt werden sollen, hat unsere Patrioten aus dem Häuschen gebracht. Am Mittwoch, sofort nachdem die Tatsache der Verlegung bekannt wurde, hat der Landtag, nachdem eine Jnter- vellation von der Regierung unbeantwortet geblieben war, eine ge- harnischte Resolution angenoininen, und statt dah eine entgegen» kommende Antwort von fetten des telegraphisch benachrichtigten Herzogs erfolgt, reist dieser ab. Die Verlegung der Hosäntter bringt für das kleine Herzogtum Koburg einen Steuerausfall, der zur Gruseligmachung der Einwohner benutzt wird, aber mehr als die drohende Vermehrung der Steuern liegt den freisinnigen und nationalliberalen Patrioten daran, dah ihr Einfluß möglicherweise ein geringerer wird. Die heutigen Blätter bringen gar die unver- blümte Drohung an den die Verlegung wünschenden noch unmündigen Landesvater Herzog Karl Eduard, dah der Landtag eventuell den Etat, dessen Verabschiedung eigentlich bis 1. April erfolgt sein mühte, ablehnen und sämtliche Abgeordneten ihre Mandate niederlegen würden. Sturm im Glas Wasser I— Militärstrafrecht. Das Kriegsgericht in Trier verurteilte de« löjährigen Harttnann, einen gebürtigen Elsässer, wegen im Jahre 1880, also vor f a st 25 I a h r e» begangener Fahnenflucht zu einem Jahr Gefängnis. Der Verurteilte war, nachdem er zwei und ein halbes Jabrzehnt in der Welt herumgewandert und u.a. fünf Jahre bei der französischen Fremdenlegion gedient hatte, im März dieses Jahres in sein deutsches Vaterland zurückgekehrt. Er war der irrigen Meinung, die Desertion sei mit dem 39. Lebensjahr verjährt. In Wirklichkeit findet aber die Bestrafung bis ins hohe Alter hinein statt, wenn der Steckbrief von fünf zu fünf Jahren richtig erneuert wird. Tabaksteuer und„SimplizissimuS". Stuttgart, 1. April.(Privatdepesche d.„Vorw.".� Die Erivartung, dah der Minister des Innern heute die wuchtige Rede unseres Genoffen Hildenbrand beanworten werde, wurde enttäuscht. Herr v. P i s ch e k hüllte sich in Schweigen und überlieh das Feld zunächst dem Nationalliberalen H i e b e r. der die sozial- demolrattschen Angriffe gegen die uferlose Reichspolitik und die kosffpieligen Kolonialabenteuer durch Aufwärmung langweiliger „nationaler" Phrasen zu parieren suchte. Seine Erklärung, dah selbst, wenn es sich in Südwestafrika nur um die Wahrung der Interessen des Großkapitals handele, das Aufgebot deutscher Sol- baten noch immer besser am Platze sei, als etwa für Hülfeleistung russischer Nihilisten und Anarchisten, zeigte ihn als gelehrigen Schüler des verflossenen preußischen Polizeiministers. In bezug auf die vom Zentrumsredner vorgeschlagene verstärkte Tabaksteuer äußerte Hieber sich mtt wohlwollender Zurückhaltung und pries die Idee des Herrn v. Kardorff, durch die Abgabe von 10 Proz. der emgclstciatlichcn Eisend ahnüberschüffe an das Mich der Finanznot abzuhebfen. Räch einer Philippika des Bauernbündlers Hang gegen die Konsumvereine nahm der Zentrumsabgeordnete Kiene das Wort zu einer belustigenden Erklärung. In seine gestrige Rede hatte Kiene auch einen Vorwurf über die zunehmende Unsittlichkeit eingeflochten, auf'die grohe Steigerung der Zahl der Geschlechts- krankhetten insbesonders unter der akademischen Jugend hingewiesen und als eine Hauptursache dieser Verseuchung den—„Si mp l i» z i s s i m u s" denunziert, dessen Druckort leider Stuttgart sei und dem die Stuttgarter Staatsantvalffchast nicht die notwendige Be- achtung schenke. Die Denunziatton hatte Herrn Kiene weiter nichts geschadet, wohl aber fühlten die Studenten von Tübingen und Sttittgart sich beschwert durch seine Aeuherung über die Verbrsittmg der Geschlechtskrankhetten. und so erklärte Herr Kiene heute feier- lichst, daß seine diesbezügliche Mitteilung sich keineswegs auf die Hochschulen in Tübingen und Sttittgart bezogen habe. Für Dienstag Ivird eine Erklärung des Ministers Pischek über die Verfassungsreform bestimmt erwartet.—•_ Das rtichöländische BereinSrrcht. Aus Strahburg schreibt uns unser W-Korrespondent unterm 30. März: Wie ich soeben höre. hat die vom Landesausschuh zur Beratung des Gesetzentwurfes �Über das Vereins- und Versammlungsrecht gewählte Spezialkommission ihre Arbetten beendet. Wem» nun auch von vornherein keine großen Hoffnungen an die politische und soziale Einsicht der größtenteils aus Notabel» bestehenden Kommission geknüpft werden konnten, so wurde doch zienilich bestimmt erwartet, daß wenigstens die Ge« werkschaften von dai> bezüglich der Minderjährigen, der Frauen und der Ausländer vorgesehenen reaktionären Bestimmungen ausdrücklich ausgenommen wurden. Ja, die gouvernementale„Straß- burger Post" ging sogar noch weiter und hielt es für wahrscheinlich, daß die Anregungen des Genossen E m m e l befolgt werden würden. Tatsächlich aber hat die Kommission, wie ich mitteilen kann, jede Aendernng abgelehnt, abgesehen von dem Datum des Inkrafttretens des Gesetzesl Ein Antrag von klerikaler Seite, die christ» lichen Jünglingsvereine sollten das Monopol für die Aufnahme Minderjähriger haben(I) wurde mit acht gegen sieben Stemmen abgelehnt, worauf ein Klerikaler erklärt haben soll, er werde gegen das ganze Gesetz stimmen! Die Herren von der Mehrheit, die keinen genügenden politischen Takt besaßen, um dem Vertreter der Sozialdemokratie Gelegenheit zur Aussprache in der Kommission zu geben, werden sich bei der zweiten Lesung im Plenum zu sozialdemokratischen Anträgen äußern müssen. Und das Interesse der Oeffentlichkeit an der Reform ist in einem Matze geweckt worden, daß ein Niederstimmen dieser An» träge der Sozialdemokratie ein ausgezeichnetes Agitationsmsttel! liefern würde!-»_ Genosse v. Bollmar ersucht uns, zu unseren Bemerkungen übe« die ReichstagSsitzung vom Freitag mttzuteilen, daß er auf keinerlei Würdigung der Petition um Abschaffung des§ 175 des Strafgesetz» buchs eingegangen ist, sondern sich auf die Erklärung beschränkt hat, daß es sich in keiner Weise um eine Angelegenheit der Partei handle.— Husland. Schweiz. ArleWnachweis und Schutz gegen Arbeitslosigkeit in der Bundes- Versammlung. Bern, 27. März.(Eig. Ber.) Am 3. Juni 1894 wurde in der Volksabstimmung das sozialdemokratische Jnitiativbegehren be- treffend die verfassungsmäßige Festlegung des Rechts auf Arbeit mit 308 289 gegen 75 880 Stimmen verworfen. Wenige Tage später, am 12. Juni, beschloß der Ständerat, den Bundesrat zur Prüfung der Frage einzuladen, ob und eventuell in welcher Weise eine Mitwirkung des Bundes bei Institutionen für öffentlichen Arbeitsnachweis und für Schutz gegen die Folgen unverschuldeter Arbeitslosigkeit möglich und gerecht- fertigt sei. Ter Nationalrat stimmte dem Beschlüsse zu. Der Bundesrat nahm den Auftrag entgegen. Nach mehr als zehn Jahren, Ende 1994, ließ endlich der Bundesrat der Bundesversammlung einen bezüglichen, 124 Druckseiten umfassenden Bericht zugehen, der die Gutachten der Kantonsregierungen, sowie der Vertretungen der Arbeiter, Gewerbetreibenden und Industriellen ganz bczw. auszugs- weise mitteilt. Von den Kantonen erklärten sich nur drei für die Förderung bezw. finanzielle Unterstützung der Arbeitslosenfürsorge, dagegen sprachen sich alle für die Förderung des Arbeitsnachiveises durch den Bund in irgend einer Form aus. Der schweizerische Ge- Werbeverein schlägt die Aufstellung einer Arbeitslosenstatistik und Förderung des öffentlichen Arbeitsnachweises vor; der Handels- und Jndustrieverein den Sparzwang als Mittel für die Arbeitslosen- Unterstützung und die Herausgabe eines Arbeitsmarkt-Bulletins; der Arbeiterbund bezw. das Arbeitersekretariat hat die beste, umfang« reichste und wertvollste Eingabe geliefert, in der die Unterstützung der gewerkschaftlichen Arbeitslosen-Unterstützung bezw. kommunaler Arbeitslosen-Versicherungen, die Befolgung einer planmäßigen Ar- beitspolitik durch den Bund, die Kantone und Gemeinden, ferner die Förderung und Zusammenfassung der Arbeitsämter, die Schaffung einer Zentralskelle und die Herausgabe eines Wochsnbulletins vorgeschlagen! werden. Gleichzeitig wird der kapitalistische Vorschlag auf Einführung des Sparzwanges bekämpft und zurückgewiesen. Der Bundesrat seinerseits machte sich die Sache ganz leicht. Er zog aus dem reichen Material einige Schlußfolgerungen, in denen er sich zwar gegen die Einführung des Sparzwanges, aber mich gegen jeden weiteren Schritt auf dem Gebiete der Arbeitslosen-Fürsorge, weil„unser Land nicht stark genug ist, gleichzeitig die Lasten großer Werke der sozialen Hülfe auf sich zu nehmen", die bis heute in der Hauptsache in der Bereicherung der Hcrrenbauern auf Kosten des Bundes bestehen, erklärt, während er in bezug auf den Arbeits- Nachweis die Vorschläge betreffend Schaffung einer Zentralstelle und Herausgabe eines Wochenberichtes als annehmbar bezeichnet. Und dann schließt er mit dem Antrag an die beiden Parlamente, seine Materialien sainmlung zur Kenntnis zu nehmen und ihm neuer. dings den Auftrag zu geben, zur Förderung des Arbeitsnachweises im Sinne der erwähnten Vorschläge eine Vorlage auszuarbeiten. Mit diesem Windei der bundesrätlichen Sozialpolitik im be- sonderen und der bürgerlichen Sozialpolitik im allgemeinen erklärte sich auch die Konunission des Nationalrats einverstanden, dessen Plenum sie beantragte, den Bundesrat einzuladen, die Frage der Arbeitslosenfürsorge weiter zu prüfen und über den Arbeitsnachweis eine Vorlage auszuarbeiten. Vorige Woche verhandelte der National- rat darüber. Der Kommissionsreserent war der sozialdemokratische Vertreter V o g e l s a n g e r, der die Quintessenz der Kommissions- Weisheit in die Worte faßte, daß, wie auch der Bundesrat sagt,„die Frage der Arbeitslosenfürsorge noch nicht genügend abgeklärt sei", was ungemein„staatsmännisch" klingt. Dr. Decurtins stellte den Antrag und in seiner Abwesenheit vertrat ihn unser Genosse Greulich, daß insbesondere die Unterstützung der Arbeits- losenversicherung durch die Gewerkschaften zu prüfen sei. Er geißelte mit beißendem Hohn und Spott die Unwissen- heit und Verständnislosigkeit de». Mehrheit in dieser Frage und die Unfähigkeit wie auch den Mangel an gutem Willen, in dieser so überaus wichtigen Angelegenheit etwas zu tun. Der Chef des Fndustriedepartements, Bundesrat D a u ch e r, empfahl den Gewerkschaften die Einführung der Arbeitslosenunter- stützung ohne Staatsunterstützung, ein ebenso überflüssiger wie billiger Rat, den er den begehrlichen und unersättlichen Agrariern nicht zu geben wagen würde, wobei er aber die Mittel für diese verwenden kann. Der in 50 Jahren zum vielfachen schweren Millionär gewordene Schuhfabrikant B a l l y. der in Schönen- wert fürstlich residiert und seinen Arbeitern elende Arbeitslöhne zahlt, empfahl den Arbeitern Anspruchslosigkeit, Bedürfnislosigkeit, Ein- fachhett und Sparsamkeit I Das Ende vom Liede war die Annahme des Kommissions- antrages und die Ablehnung des Antrages Decurtins und Greulich. Es wird also weiter geprüft und verschleppt, der böse Wille und die Unfruchtbarkeit verewigt. Am anderen Tage aber nahm derselbe Nationalrat den schweizerisch-deutschen HandelSver- trag mit 103 gegen 6 Stimmen an und belastete bannt die Arbeiter- schast um viel« Millionen Franken in verschiedenen Formen. Belgien. Der Kampf um die S-nntagSruhe hat in der belgischen Kammer begonnen. Seit Jahren ist eine Kommission tätig gewesen, um die Unterlagen für ein solches Gc- fetz zu schaffen. In der Sitzung vom Donnerstag begründete der sozialistische Abgeordnete Hector Denis die Forderung seiner Partei, allen Arbeitern und Angestellten den Sonntag als gesetzlichen Ruhe- tag oder, soweit dies nicht angängig, einen Wochentag als solchen zu gewähren. In großzügiger Rede wies er auf die physischen, intellek- tuellen und moralischen Schädigungen hin, welche der gesamten Ar- beiterklasse und mithin dem ganzen Volke und dem Staatswesen aus dem Mangel eines wöchentlich wiederkehreniden Ruhetages erwachsen. Die Regierung ließ durch den Handelsminister erklären, daß die ganze Staatsverwaltung von dem Gesetz ausgeschlossen bleiben müsse, da der Staat weder Unternehmer, noch Industrieller, noch Kaufmann sei. Ausgenommen vom Gesetz bleiben hiernach die Ar- bester und Angestellten der Eisenbahnen. Der Minister bekämpft sogar das Amendement des Genossen Bertrand, wonach den Arbeitern und Angestellten des Staates pro Jahr 52 Ruhetage gegeben werden sollen. Ebenso wendet er sich gegen ein Amendement des Abbe Daens, welches sich auf die Angestellten und Arbeiter der Kom- munen, auf die Angestellten und Arbeiter der Straßenbahnen usw. bezieht. Die kaufmännischen Angestellten sollen vom G»fetz wohl mit betroffen werden, die der Detail-Geschäfte jedoch sollen nur einen halben Tag Sonntagsruhe erhalten. Von dem Gesetz bleiben ferner ausgeschlossen die Angestellten der Gast- und Schankwirtschaften und der Nahrungsmittel-Jndustrien, ferner die Barbiere usw. Die Klerikalen ließen durch ihren frommen Führer Woeste erklären, daß auch ohne ein striktes Sonntagsgesetz die Verfassung ja nicht verletzt werde, da ja niemand gezwungen werden könne, am Sonntag zu arbeiten. Die weitere Diskussion wurde vertagt. Amerika. Ueber den Stimmenkauf bringt„Harpers Weekly" einen längeren Artikel, in welchem die Zahl der käuflichen Stimmen auf 170 000 veranschlagt wird. Groß-Ncw Bork hat 3 850 000 Ein- wohner: davon traten 652 116 Bürger über 21 Jahren im letzten November cm die Wahlurnen. Die Stadt ist in 1550 Wahldistrikte eingeteilt. Republikaner wie Demokraten gehen zu Wahlzeiten ganz systematisch zu Werke; die Hauptfrag« ist die, ob genug Geld in der Kasse ist, um den Wahlfeldzug mit Erfolg zu führen. Für jeden Wahldistrikt stellen beide Parteien ihren„Kapitän" oder Hauptmann an, jeder„Kapitän" versucht, die Schwächen des Gegners zu ent- decken und auszunützen. Jeder hat eine Liste von 3 bis zu 200 Personen, eingetragenen Wählern, deren Stimmen für Geld zu haben sind; der Preis ist gewöhnlich 5 Dollar; Neger soll man für 2 Dollar schon bekommen. Mit 100 000 Dollar läßt sich viel machen und eine große Wählcrmasse auf die eine oder die andere Seite werfen. In dieser Kunst, wie noch in manchen anderen Tricks war Sammaich Hall von jeher sehr gewandt und wurde sehr berüchtigt, hatte aber bisher guten Erfolg damit und rüstet sich schon, bei der Bürgermeisterwahl im kommenden November wieder den Sieg zu gewinnen.— Die widerstreitenden Interessen innerhalb einer Partei machen den Sieg manchmal schwer; auch ist der Stimmen- kauf nicht mehr so leicht wie früher. Abgesehen davon, daß das Gesetz die Uebeltäter mit strengen Strafen bedroht, wendet sich die öffentliche Meinung immer schärfer gegen diese Prakttken. Häufig beschuldigt jede Partei die andere der abscheulichsten Korruption und spricht laut ihre Entrüstung darüber aus. Gewöhnlich haben beide recht.— Hus der Partei. Ausschluß aus der Partei. Die Generalversammlung deS sozialdemokratischen Vereins Magdeburg beauftragte mit allen gegen zwei Stimmen den Vorstand des Vereins, das Mitglied Erich Wendlan dt wegen ehrloser Handlungen aus dem Verein auszuschließen. Diesem Antrage liegt ein ekelhafter Klatsch zugrunde, über den in der Versammlung aus- führlich verhandelt wurde, lieber den leitenden Redakteur des Magdeburgischen Parteiblattes, Genossen Bader, wurden vcr- leumderische Gerüchte ausgestreut, die seine Ehre schwer schädigten. Wendlandt machte sich insofern zum Mitschuldigen, als er an den Ausschuß der Partei in Magdeburg einen Brief richtete, worin er in Form von Fragen die gegen Bader gerichteten Beschuldigungen formulierte, sich aber beharrlich weigerte, den ihm bekannten Urheber der Verleumdungen zu nennen. Die Beschuldigungen gegen Bader sind untersucht worden und haben sich, wie gesagt, als erbärmlicher Klatsch erwiesen. In der Verhandlung im sozialdemokratischen Verein benahm sich Wend- landt durchaus nicht würdig; es ging daraus hervor, daß er sich au den Stänkereien beteiligte. Es spielten dann auch Vorgänge ans Wendlandts Vergangenheit in die Verhandlung hinein, die mit zu der Entschließung der Versammlung beitrugen. Als Urheber der Verleumdungen wurde dann der frühere Redakteur der Magdeburgischen„Volksstimme", Genosse Albert, jetzt Redakteur der.Breslauer Bolkswacht", bezeichnet. Es wurde in der Versammlung auch über einen Artikel der in Magdeburg er- scheinenden antisemitischen„Sachsenschau" gesprochen, der sich mit Ulberts Weggang aus Magdeburg beschäftigte und fiir diesen ein- trat, dem in einer früheren Generalversammlung des sozialdemo- kratischen Vereins Lügen und Jntriguenspicl vorgeworfen worden war. Der Schreiber dieses Artikels bezeichnet sich als„mit Herrn Albert sehr gut bekannt". Der Arnkel kann auch seinem Inhalt nach nur von jemand herrühren, der'Albert so gut kennt, wie dieser sich selbst. Wendlandt erklärte, dem Artikel gänzlich fern- zustehen. parlamentanfcbeQ. AuS der Börsenkommission deS Reichstages. Die Sitzung vom 30. März wurde durch eine längere Debatte über den vom Abg. D o v e(frf.) gestellten Antrag ansgefüllt, den in erster Lesung ge- strichene» neuen Absatz 2 züm§ 43 gemäß der Regierungsvorlage wiederherzustellen. Die Abgeordneten B u r I a g e(Z.), und Graf K a n i tz(k.), Herold(Z.) und Graf Schwerin- Läwitz sprechen gegen den Antrag und erklären, jede Zulassung eines börsenmäßigen TcrminhandelS in Getreide strikte ablehnen zu müssen. Dagegen treten Singer(Soz.), Müller- Sagan sfrs. Vp.) und Handels- minister Möller für den Antrag ein. Singer begründet seine Stellungnahme in längeren Aus führungen. Er und seine Freunde hätten stets den Standpunkt ver- treten, daß der Terminhandel in Waren eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit sei. Der Geschäftsmann könne die wichtigsten Dispositionen nicht treffen, wenn er sich nicht durch Terminkäufe sicher stellen könne. Wenn man logisch sein wolle, so müßte man gleich ein absolutes Verbot aller Lieferungsgeschäfte aussprechen. Aber dann werde das Gewerbe Mittel und Wege finden, diese Geschäfte doch zu machen, eben weil sie volkswirtschaftlich ganz unentbehrlich sind. Graf Schwerin habe seinerzeit selbst erklärt, daß auch er Termingeschäfte mache. Werde der beanttagte Zusatz nicht wieder hergestellt, so nützen alle weiter beanttagten Verbefferungen gar nichts. Redner und seine Freunde würden es sich noch sehr überlegen, ob sie alsdann überhaupt noch für die Vorlage stimmen könnten. Sitzung vom 31. März. Die Diskussion dreht sich zu- nächst noch um den Zusatzantrag der Regierung zu§ 43. Vorsitzender Pa a sch e verliest ein Schreiben des Vereins der Berliner Produkten und Getreidehändler, die u. a. eine größere Anzahl von S ch l u ß � scheinen landwirtschaftlicher Genossenschaften über Termingeschäfte in Getreide zur Verfügung stellen und gegen die Aeußcrungen Herolds und Porzigs protestieren. Staats- minister Posadowsky weist die Unmöglichkeit des Antrages Schwerin nach. Bernstein(Soz.) sieht sich genötigt, die Aus- führungenlvon Kanitz und Herold zurückzuweisen. Daß der Termin Handel einen Preisdruck erwirken könne, der nicht in den faktischen ProdukttonS- und Marktverhältnissen begründet sei. Dagegen ist es, wo keine zenttalen Märkte bestehen und durch das Mittel des Terminhandels für eine genane Preisbestimmung wirken, sehr wohl möglich, lokale Ueberteuerung ins Werk zu setzen. G a m p bringt einen neuen Anttag ein. Nach längeren Auseinander' setzungen zwischen Herold(Z.j. P o r z i g(!.), Kaempf(frf- Vp.). Kanitz(k.) und P a a s ch e(natl.), wird der Anttag abgelehnt und die Beschlutzfassung über§ 48 ausgesetzt. Die Beratung geht dann zum§ 51 über, zu dem folgender Anttag G a mp vorliegt:„Durch ein Börsentcrmingeschäft in Waren oder Wertpapieren, in denen der Börsenterminhandel untersagt ist, wird ein Schuldverhältnis nicht begründet". Der Antrag wird mit 12 Sttmmen angenommen. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 1. April 1905. Die Rentabilität des Steinkohlenbergbaues. Die Derggesetznovellen im preußischen Slbgeordnetcnhaus.— Seniors letzte Stunde in neuem Aufputz.— EntWickelung des deutschen Steinkohlen bergbaueS bis zur Gründung des KohlensyndikatS.— Steigerung der Stcinkohlenpreise.— Di« Schichtlöhne der Bergarbeiter im letzten Jahr- zchnt.— Zechenprosite.— Rentabilität des Kohlenbergbaues. Drei Parlamente beschäftigten sich in der letzten Woche mit der Frage der Berggesetzgebung: der Beraarbciter-Delegiertentag, das preußische Abgeordnetenhaus und schließlich auch noch, durch Bebels Kritik der Blllowschen Aeußernngen über den Bergarbeiterftteik in der Montagssitzung des Abgeordnetenhauses veranlaßt, der Reichstag. Als Ausdruck der gewaltigen Gärung innerhalb der Bergarbeiter- schaft verdient vielleicht die Tagung der Bergarbeiter die größte Beachtting, interessanter und charakteristischer für unser politisches Leben waren aber zweifellos die Verhandlungen im Dreiklassen- Parlament an der Prinz Albrechtstraße, nicht nur weil der Landtag über die von der Regierung ausgearbeiteten beiden Berggesetznovellen zu entscheiden hat, sondern weil die Beratungen die egoistisch- wirtschaftlichen Tendenzen, welche die politische Parteigruppierung beherrschen, bis zu widerlich- roher Nacktheit enthüllten. Die sozialpolitische Schminke, die aus Rücksicht auf die Wählerschaft des allgemeinen SttmmrechtS im Reichstage bei derartigen Debatten stets überreichlich zur Anwendung kommt, wurde in der Erregung des Kampfes mehr und mehr ab- gestreift, immer schärfer trat die grinsende Begierde nach Profit hervor, die ohne Rücksicht auf die Gesundheit Hunderttausernder von Arbeitern die ungeschmälerte Aufrechterhaltung der angeeigneten Privilegien fordert. Deutlich zeigte sich, wie wenig die vielgerühmte Sympathie der bürgerlichen Elemente mit den Bergarbeitern beim letzten Streik auSj Iber Einsicht tu die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter hervorgegangen ist, und welcher geringer Wert andererseits den gelegentlichen Deklamationen der agrarkonservativcn Blätter gegen das industrielle Kapital beizumessen ist. Wohl ärgern die agrarischen-itze und-Witze des Ostens die Millionen, die das Schlot» junkertum alljährlich an Profit in die Taschen steckt, und sie haben deshalb auch durchaus nichts dagegen, wenn die Regierung einen größeren Teil des Bergwerksbesitzes verstaatlicht; aber die Rechte der Zechenbesitzer zugunsten der Rechte der Arbeiter zu beschränken, das geht ihnen denn doch gegen den Sttich. Größer als der Haß gegen das in der Industrie und im Handel angelegte Kapital, ist der Haß gegen die Arbeiterschaft. Und schließlich ist doch der Bergwerlsbesitz gewissermaßen auch feudaler Besitz, dessen Vertreter sich, wenn sie auch fonnell den Anschluß an die fteikonservative Partei, der Ver- Mittelung der agrarischen mit den großindustriellen Wirtschastsinteressen, noch nicht vollzogen haben, doch in ihrer Auffassung wirtschafts- politischer Fragen von den fteikonservattven Größen, den Zedlitz, Kardorff, Arendt usw., kaum unterscheiden. Gegen die Novelle, die sich gegen die Zechensttllegungen richtet, haben die Herren allerdings wenig einzuwenden, da sie nur einige Aenßerlichkeiten trifft. Wenn in der Kommission, an welche die Vorlage verwiesen worden ist, einige sogenannte Rechtsgarantien in den Gesetzentwurf eingeflickt werden, so daß das Eingreifen der Bergbehörde beschränkt und die Möglichkeit jahrelanger Hin- ziehung'der Endentscheidung gegeben wird, werden voraussichtlich sich auch die freikonservativen und nattonalliberalen Volksvertreter zur Annahme dieser Vorlage bequemen. Ja, in mancher Hinsicht haben die Herren Zechenbesitzcr und ihre parlamentarischen Agenten, wie Herr Hilbck deutlich durchblicken ließ, gar nichts dagegen, wenn noch einige andere Bestimmungen des Berggesetzes von 1865 fielen und z. B. das Mutungsrecht wesentlich eingeschränkt würde— vorausgesetzt, daß nur die bisher erworbenen Besitzrechte nicht irgendwie angetastet werden. Warum auch nicht? Durch die Beschränkung des Mutungsrechts würden wohl einige Bohrgesellschasten, die erst kürzlich mit größeren Schürfarbeiten begonnen haben, geschädigt. aber andererseits würde dadurch die Entstehung neuer konkurrierender Kohlenbergbau- Betriebe noch mehr gehindert, das Monopol des KohlensyndikatS noch mehr gefestigt und dagegen haben die Herren natürlich absolut nichts einzuwenden. Es ist denn auch außerordentlich charakteristisch, daß von der Börse der Anttag des fteikonservattven Abgeordneten Gamp, der auf eine Jnhibierung der Mutungen in den nächsten fünf Jahren hinausläuft, mit einer Hausse in Kohlenaktien beantwortet worden ist. Uni so widerlicher istderZecheenbsitzerschaft und der mit ihr koalierten Bankfinanz die Gesetznovelle zur Regelung der Arbeiterverhältnisse im Bergbau; und da eS den Herren an eigentlichen Gründen gegen die vorschlagenen Besttmmungen fehlt, so werden aus der Argumenten- Rumpelkammer wieder ungeniert die alten fadenscheinigsten Ein- Wendungen hervorgesucht und dem lieben Publikum präsentiert. Die Beseitigung des Wagennullens sei, heißt es, ein höchst gefährliches Experiment, die Einführung des„sanitären" Arbeitstages infolge der Eigenheiten des Kohlenbergbaues undurchführbar und die obli- gatorischen Arbeiterausschüsse eine Untergrabung der Unternehmer- Autorität. Selbst Seniors letzte Stunde, die alte schon in den ftühestcn englischen Kämpfen um die Verkürzung der Arbeitszeit aufgettetene Behaupttmg, daß in der letzten Stunde des Arbeitstages der Profit produziert werde und deshalb, wenn die Arbeitszeit um diese Stunde verkürzt werde, der Profit wegfiele, marschiert in neuer Fassung wieder auf. Die Herren v. Zedlitz, Schmieding und Vorster wußten gar beweglich über die hohen Lasten des Kohlenbergbaues und die unvermeidliche Verminderung seiner Rentabilität durch ein Inkrafttreten der Vorlage zu klagen, und dienstbeflissen betet ihnen ein Teil der Unternehmerpresse die Litanei nach. Verschiedentlich haben wir schon an dieser Stelle nachgewiesen, daß im Kohlenbergbau während des letzten Jahrzehnts die Kohlen- preise und die Gewinne weit stärker gesttegen sind als die Arbeits- löhne, daß heute die Kohlenindustrie, und ganz besonders der Ruhr- kohlenbergbau, zu de» rentabelsten deutschen Industriezweigen ge- hört. Doch immer wieder taucht— meist allerdings ohne jeden Beweisversuch— in der kapitalistischen Presse die Klage über die erdrückenden Lasten des Kohlenbergbaues auf. Es Hilst deshalb nichts, wir müssen nochmals auf die EntWickelung des Kohlenbcrg- baues eingehen. Der eigentliche Aufschwung des deutschen Steinkohlenbergbaues und speziell des Ruhrkohlenbergbaues datiert aus der Zeit nach Be- gründung des Deutschen Reiches. Die sogenannten Gründerjahre riefen auch im Kohlenbergbau eine Reihe neuer Bettiebsgründungen hervor; die Produktton stteg und zugleich der Preis für die wichtig- sten Kohlensorten. Im Jahrftinst 1871/75 stellte sich bereits ine jährliche deutsche Durchschnittsförderung von Steinkohlen auf 34 485 Tonnen im Werte von 321 Millionen Mark; innerhalb 15 Jahren war die Produktion fast um das Dreifache gesttegen. Der Hereinbruch der Krise brachte einen starken Preis- druck, der auch, da ttotz des schlechten Geschäftsganges die Förderung noch immer stieg, in den ersten Jahren der geschäftlichen Rekonvaleszenz nicht verschwand. Im Jahres- durchschnitt notierte 1879 an der Essener Börse Flammkohle mit 5 M. pro Tonne, Fettkohle mit 4,7 M. Im nächsten Jahre, als nach Inkrafttreten des neuen Zolltarifs zunächst die industrielle Produktton einen neuen Aufschwung zu nehmen schien, sttegen die Preise für die genannten Kohlensorten auf 7,4 und 6,6 M. Im nächsten Jahre fielen sie jedoch bereits wieder und bis zum Aus- bruch des großen Bergarbeiterstteiks im Jahre 1889 haben Flamni- kohlen im Jahresdurchschnitt an der Essener Kohlenbörse nie den Preis von 6,3 M., Fettkohlen nie 6 M. und Gaskohlcn nie 7.5 M. pro Tonne überschritten. Die Dividenden selbst der größeren leistungsfähigen Zechenaesellschaften stellten sich denn auch in diesem Zeittaum meist nur auf 4—8 Proz. Der Stteik brachte eine bettächtliche Erhöhung der Steinkohlen- preise, die nach seiner Beendigung sich noch steigerten und im Jahre 1390 ihren Höhepunkt erreichten. Die durchschnittliche Notierung für dieses Jahr betrug in Essen: 12,4 M. pro Tonne Flammkohlen, 10,7 M. für Fettkohlen, UM. für Magerkohlen und 14,6 M. für Gaskohlen. In den nächsten Jahren fielen jedoch die Preise wieder und 1893 stellten sie sich für die vorgenannten Sorten auf 7,6 M., 7,3 M., 7,5 M. und 9,8 M. pro Tonne(20 Zentner). Mit der Begründung des Kohlensyndikats im Jahre 1893 und dem Einsetzen einer neuen Prosperitätsperiode stiegen dann auch die Preise wieder und zwar in folgendem Maße: JahreSdurchschnitts-Notierungen der Essener Börse! Flamm- Fett- Mager» Gas- kohle kohle kohle kohle M. M. M. M. 1893.. 7,6 7.3 7.5 9,8 1894.. 8,7 8.0 7,5 10,5 1895. 8,1 8,0 7,5 10,1 1896.. 8,0 8,3 7,7 10,2 1897.. 8,6 8,9 8,3 11,2 1898.. 8,8 9,1 8,6 11,5 1899.. 9,1 0,4 8,9 11,8 1900.. 10,0 10,3 9,5 12,8 1901.. 10,0 10,3 9,5 12,8 1902.. 9,7 9,6 8,8 12,0 1903.. 9,4 9,4 8,3 11,8 1904.. 9,4 9.4 8.3 11,8 Mit Ausnahme ber unter dem Einfluß deS großen Bergarbeiter« streiks stehenden Jahre 1889/90 haben also die Steinkohlen nie so hoch im Preise gestanden, als in den letzten fünf, sechs Jahren. Welchen Einfluß hatte diese Preisbewegung auf die Förderung? Die Statifttk zeigt, daß von Jahr zu Jahr die Produktion zu- genommen hat, selbst in den Jahren des größten Preisfalles 1885/87, als die Preise um ungefähr 40 Proz. niedriger standen als heute. Wenn demnach die aus dem Kreise der Zechenbesitzer inspirierte Presse behauptet, daß die notwendige Folge des Inkrafttretens der neuen Berggesetznovelle zur Regelung der Arbeiterverhältnisse ent- weder eine' Abnahme der Förderung, oder eine weitere Erhöhung der Kohlenpreise sein werde, so ist das barer Unsinn. Möglich ist schon, daß das Kohlensyndikat, die kleinen Unbequemlichkeiten, die den Zechenperwaltungen vielleicht aus der Novelle entstehen werden. als Mottv zu weiteren Preiserhöhungen zu benutzen suchen wifdi Gewerkschaftliches. aber wenn ihm das gelingt, so nicht deshalb, weil der Bergbau die f Eine Teltowkanal- Terrain- Aktiengesellschaft hat sich vorgestern sucht bereits in auswärtigen Tageszeitingen frische Arbeitskräfte, unbedeutenden neuen Lasten nicht zu tragen bermag, sondern weil mit einem Aftientapital von 6 900 000 m. fonftituiert. Die Gesell- Die Kollegenschaft allerorts wird ersucht, den Zuzug fernzuhalten. das Syndikat eine völlige Monopolstellung auf dem deutschen Markte schaft hat über 500 Morgen Land an dem in diesem Jahre zur ErDie Haugtverwaltung des Verbandes der Sattler. erlangt hat. öffnung gelanden Teltowkanal ertvorben, welche zu fabrikanlagen Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck dieser Wie stellt sich nun gegenüber dieser Preissteigerung der Kohle und zum Bau von Wohnhäusern und Arbeiterhäusern dienen sollen. Zeilen ersucht. die Lohnsteigerung? Beider laffen sich die Lohnaufnahmen in den Der größte Teil des Terrains schließt unmittelbar an die Stadt siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts Teltow an. Achtung, Kürschner! Die Kollegen und Kolleginnen der Pelzmit den späteren nicht vergleichen, da die Feststellungen branche in Leipzig sind wegen Erringung besserer Lohn- und nach anderen Prinzipien erfolgten. Vergleicht man aber Arbeitsbedingungen in den Ausstand getreten. Wir ersuchen hierdurch die Aufnahmen seit 1893, Bestehen also seit dem des sämtliche Kollegen und Kolleginnen, die größtmöglichste Verbreitung Kohlensynditats mit den Kohlenpreisen, so ergibt sich, daß z. B. dieser Notiz in die Wege zu leiten, damit Zuzug nach Leipzig fernFettkohlen nach den Essener Notierungen bis 1900 um 41 Broz., gehalten wird. Flammkohlen um 32 Proz. gestiegen sind, die Schichtlöhne der eigent Der„ Courier", das Fachorgan der Handels- und in Breslau sind ebenfalls in den Ausstand getreten und ersuchen Die Kollegen der Firma S. A. Gottstein u. Sohn Nachf. lichen unterirdisch beschäftigten Bergleute aber um 39 Proz. Da die Transportarbeiter, hat mit seiner legten Nummer die Auflage wir hierdurch sämtliche St. Il gen, fein Engagement, sei es durch Lohnsteigerung bei den anderen Bergarbeiterkategorien hinter anderen Bergarbeiterkategorien hinter 39 Broz. beträchtlich zurüdbleibt, entspricht also dem Anschein nach von 50 000 Exemplaren überschritten. Das Blatt ist eins der Beitungen oder genten, zu genannter Firma anzunehmen. die Preissteigerung der Lohnsteigerung, in Wirklichkeit stellt sich jüngsten Gewerkschaftsorgane, es wurde erst im Jahre 1897 Verband deutscher Kürschner. Testere aber ungünstiger; denn während die Kohlenpreise im Jahre zugleich mit der Zentralorganisation der Handels-, Transport1901 noch auf der Höhe des Jahres 1900 stehen blieben, fiel der und Verkehrsarbeiter gegründet. Damals zählte seine Auflage die Arbeiter der Brauerei Alte burg in den Ausstand getreten, Vor Zuzug von Brauern nach Köln wird gewarnt. Dort find Schichtlohn von 5,16 auf 4,98 Mt. und im nächsten Jahre( 1902) auf 2000 Exemplare. 1900 erschien der" Courier" bereits in nachdem man ihre Stommission abgewiesen hatte. Ueber die Brauerei 4,57 M., alfo um 11 Broz, obgleich der Preis.20 000 und nach einem Stilstand während der Krisenjahre wurde der Boykott verhängt. Noch ein Gewerkschaftspresse- Jubiläum. rüdgang der Flammfohlen nur 3, der Fetttohlen 7 1901 und 1902 stieg die Leserzahl 1903 auf 25 000. In den und der Gastohlen 6 roz. betrug. er werde Indes ergibt der Vergleich der Essener Notierungen mit den letzten zwei Jahren ist also eine Zunahme um netto 100 Pro Freitagabend in einer überfüllten Versammlung in geheimer Abzu Berglichen mit Auflageziffer im den vom Kohlensyndikat erzielten Preisen nicht genau überein- jahre beträgt der Aufschwung gar 2500 Proz. und das in der Der Obermeister der Malerinnung hatte auf die am 1. März ftimmen und überdies in der obigen Rechnung das Auslandsgeschäft furzen Spanne Zeit von acht Jahren, zumal sich die Leser übersandten Forderungent am 29. März erklärt, völlig unberücksichtigt bleibt. Einen genaueren Beurteilungsmaßstab aus ungelernten Arbeitern refrutieren. Mit folchen Erfolgen unter feinen Umständen sich beeilen oder etwas Außergewöhn bieten die Angaben des Kohlensyndikats über die tatsächsich von ihm können die Handels- und Transportarbeiter schon zufrieden liches tun. Solange er Obermeister sei, werde nie ein Tarif im Inland wie im Ausland erzielten Erlöse. Danach ergibt sich sein, ihre eifrige Agitationstätigkeit hat reiche Früchte ge- abgeschlossen werden. Von den jüngeren Gehülfen redete man folgende Zusammenstellung: tragen. als in der Innung Durchschnittlicher Schichtlohn Erlös des Syndikats pro Tonne M. M. 1894 7,83 3,73 der anderen der über der unterirdisch Tage bes eigentlichen beschäftigten schäftigten Bergarbeiter Arbeiter Bergarbeiter M. 2,72 M. 2,61 1895 8,02 3,75 2,65 2,74 1896 8,14 3,90 2,72 2,81 1897 8,45 4,82 2,88 2,96 1898 8,62 4,55 3,00 3,04 1899 9,14 4,84 3,16 3,18 1900 10,56 5,16 3,36 3,32 1901 11,01 4,98 3,85 8,32 M. Tat. Berlin und Amgegend. man des von„ Bengels". Auch sonst benahm Nur sich in der unparlamentarischsten Weise. Friedens halber hat der Gesellenausschuß nicht vor der Zeit bas Junungslotal verlassen. In der Versammlung der Gehülfen erklärten die einzelnen Redner, daß sie es fatt feien, sich länger von der Innung hinhalten und verhöhnen zu lassen. Die Gehülfen find vorzüglich organisiert, alle Borbedingungen eines erfolgreichen Kampfes sind vorhanden. Die Forderungen lauten u. a.: Neuns stündige Arbeitszeit, abends 6 Uhr Feierabend, 55 Pf. Mindestlohn pro Stunde, bei Gerüstarbeit 5 bezt. 10 Bf. Aufschlag, für Uebers stunden 25 Pf. Aufschlag, Nacht- und Sonntagsarbeit doppelter Lohn, Gehülfen unter 20 Jahren 52 Pf. Mindestlohn; Affordarbeit ist verboten. Aus der Frauenbewegung. Zur Lohnbewegung der Friseurgehülfen.„ Unsere Lohnbewegung und die den Arbeitgebern zu unterbreitenden Forderungen" lautete das Thema der öffentlichen Versammlung in den Arminhallen, die in der Nacht von Donnerstag zu Freitag tagte. Der große Saal war vollständig überfüllt, so daß die Nebenräume geöffnet werden mußten. Der Referent Wermte vom Zentral- Verband der Friseur- Ge hülfen Deutschlands führte den Anwesenden die allgemein wirtschaftliche Lage der Friseurgehülfen vor Augen. Der Streit im Jahre 1901 hätte eine vorübergehende Aufbesserung bewirkt, aber durch den Indifferentismus der Kollegen sei es gekommen, daß die Löhne, welche Damals errungen worden seien, zum größten Teil rüdgängig ge In eine Tarifbewegung sind auch die Maler Nürnbergs macht sind und jetzt dieselben Lohn- und Arbeitsverhältnisse existieren, wie vor 4 Jahren. Es sei erfreulich, daß nun endlich auch die bei eingetreten. Sie fordern u. a. die neunstündige Arbeitszeit und Demnach ist der Betrag, den das Kohlensyndikat im Durchschnitt den Innungsmeistern beschäftigten Gehülfen sich für die kommende einen Minimallohn von 40 Pfennig für Arbeiter, die noch nicht zwei für die von ihm verkaufte Tonne Kohlen erzielt hat, von 1804 bis Lohnbewegung intereffieren, und der Gehülfen- Ausschuß der Ber- Jahre aus der Lehre find, von 50 Pfennig für die übrigen Arbeiter, 1900 um 35 und bis 1901 um 41 Broz. gestiegen, während die bier- und Friseur- Innung mit dem Verband zusammen arbeiten ferner Bezahlung der Ueberstunden mit 15, der Sonntags- und Steigerung der Schichtlöhne von 1894 bis 1901 bei den eigentlichen wolle. Scharf ging Redner gegen die Lehrlingszüchterei von Nachtarbeit mit 50 Pfennig Aufschlag pro Stunde. Die Unternehmer Bergarbeitern nur zirka 34 Proz. beträgt, bei den anderen unter- 200 Lehrlinge seien dies Jahr mehr vorhanden, als vor 2 Jahren wurden aufgefordert, bis 3. April fich zu äußern. Die Forderungen irdisch beschäftigten Arbeitern nur 28, und bei den über Tage be- und bald erreicht die Zahl der Lehrlinge die der Gehülfen. Ueber follen nötigenfalls durch Arbeitseinstellung durchgedrückt werden. schäftigten Arbeitern gar nur 22 Proz. Dabei darf aber nicht über 23-24jährige Gehülfen erhalten fast keine Stellung, daher fommt es, Die Lohntommiſſion ist ermächtigt, nötigenfalls den allgemeinen sehen werden, daß der Lohn nur einen Teil der Produktionskosten daß die Selbständigkeit der Barbiere eine so große ist. In Berlin Streit oder Werkstättenstreits zu proklamieren, ohne erst eine Berausmacht, nämlich nur etwa 50 bis 55 Broz. Der andere Teil der und Umgegend gibt es 2806 Geschäfte, 1700 Gehülfen und 800 Lehr- sammlung darüber zu hören. Produktionskosten: Instandhaltung des Betriebes, Zinsen, Geschäfts- linge. 450-500 Gehülfen find stets arbeitslos. Die Arbeitgeber unfosten usw. hat fich aber feineswegs während der Jahre 1894-1901 graben mit ihrem System sich selbst ihr Grab, indem sie mit der ebenfalls im Verhältnis zur Förderungsziffer um 40 Proz. vermehrt; Behrlingszüchterei auch eine Konkurrenzzüchterei treiben. Die auf das heißt, wenn der auf die Tonne entfallende Lohn beispielsweise gestellten Forderungen feien nur niedrige; es sei den Verhältnissen bon 3,50 M. auf 4,40 M. gestiegen ist, so stiegen damit nicht auch Rechnung getragen. Der Referent ging dann auf die Unterbreitung Rigdorf. Mittwoch, den 5. d. M., abends 8% Uhr, hält der gleichzeitig die Zinsen und sonstigen Betriebsuntoften pro Tonne von der Lohnforderung ausführlich ein. Dieselbe soll nicht mehr an die Verein gewerblich tätiger Frauen und Mädchen" von Rigdorf im 3,50 W. auf 4,40 M. Im Gegenteil, ein Teil dieser Betriebs- Innungen, die Freie Vereinigung usw., also an die Sorporationen Lotale des Herrn Thiel, Bergstraße 151-152, feine Monats. und Vertriebskosten hat sich gerade infolge der Organisation des unterbreitet werden, sondern ähnlich wie bei den Bäckern, jedem versammlung ab. Auf der Tagesordnung steht ein Vortrag des Abfazes durch das Kohlensyndikat wesentlich verringert. einzelnen Arbeitgeber, damit die eine Innung sich nicht hinter der Herrn Dr. Laserstein:" Ueber Krebsleiden" und Verschiedenes. Die Tatsächlich gehört denn auch heute der Steinkohlenbergbau zu den anderen verstedt. Redner schloß seine Ausführungen mit den Wor. Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Auch Gäste rentabelsten Betriebszweigen. Nach der amtlichen Statistit ten: Bei ben minimalen Forderungen, die da aufgestellt sind, haben find uns hierzu herzlich willkommen. Gleichzeitig machen wir auf betrug bei den 70 preußischen Kohlenbergbau wir auf die Sympathie der gesamten Bevölkerung und vor allen unser diesjähriges Stiftungsfest aufmerksam, welches am 15. April Attiengesellschaften die Durchschnitts Dividende Dingen auf die der organisierten Arbeiter au hoffen.- im Lotal des Herrn Thiel stattfindet. Es soll zu einem Sommerfest für das Geschäftsjahr 1902/03 10,3 Broz, und der Von den Vertretern des Botal- Verbandes sprach sich Gerling in im Grunewald gestaltet werden. Billetts hierzu find zu haben Sturswert ihrer Attien stellte sich im Durchschnitt um scharfen Worten gegen den Berband aus, Wesche schlug versöhnliche beim Borstand, den Revisoren und bei den Hülfstaffiererinnen sowie 89 Pro3. höher als ihr Nennwvert. Nur zwei unter allen Töne an, nur glaubt er nicht, daß die Barbiere diefelbe Sympathie auch in der Vereinsversammlung. Wir machen die Mitglieder noch Industriezweigen hatten noch ein etwas günstigeres Resultat: die chemische wie die Bäder haben, für die feit Jahren August Bebel eintritt. Die einmal darauf aufmerksam, ihre neuen Adressen umgehend an Induſtrie mit einer durchschnittlichen Dividende von 11,9 Proz. und die Vertreter der Innungsgehülsen, speziell der Altgehülfe Schulz, er sumelden und zwar bei der Kassiererin Frau Lehmann, Richard Lederindustrie mit 11,4 Broz. Unter den obigen 70 Kohlenbergbau- fennen auch an, daß Mißstände bestehen und vieles anders sein straße 63, oder bei der Schriftführerin Frau Schmahl, Kopfstr. 28. gesellschaften sind aber auch die weniger rentablen BraunkohlenDer Vorstand. betriebe und die schlesischen Gruben mitgezählt, zieht man nur die könnte, aber der Verband gehe zu scharf vor und sei gehässig gegen anders Denkende. Von einigen Innungsgehülfen wurde lebhaft Tempelhof. Am Donnerstag, den 23. März, fand in Tempelhof Kohlenbergbaugesellschaften des Ruhrreviers in Betracht, fo Klage geführt, daß gerabe die Arbeiter unsere reine öffentliche Boltsversammlung statt. Diefelbe war von zirla ergibt sich, daß diefe unter allen Industriezweigen beitszeit berlängern, indem sie nach 9 1hr 300 Bersonen besucht, wovon ein großer Teil Frauen waren. Geam besten rentieren. Die Durchschnitts Dividende der abends und Sonntags nach 2 Uhr tamen und somit die freie noffin Klara Zetkin sprach über:" Die Bedeutung des politischen 13 größten Aktiengesellschaften des Ruhrkohlenbeckens betrug 1908 Beit verringern. Schobert( Zentral- Verband) ging den Massenstreiks". In der Diskussion trat ein Herr mit etwas antinicht weniger als 19 Broz. Und diese Industrie kann den in der Arbeitsnachweisen scharf zu Leibe, dort würden die Kollegen von den semitischem Anstrich auf und warf der Genoffin Bettin vor, daß fie Berggefehnovelle verlangten sogenannten" fanitären Arbeitstag" Vermittlern ausgebeutet; wer am meisten verzehrt, betäme zuerst den Fehler gemacht habe, die Menschheit nur in zwei Klassen zu nicht vertragen? Das glaube, wer einfältig genug ist. teilen, in die Kapitalisten und in die Proletarier; den Mittelstand habe sie bei ihren Ausführungen vollständig ignoriert. Ferner habe sie unser deutsches Baterland" immer mit schwärzesten Farben gemalt und die Vorzüge der französischen Republik gepriesen. Er, der viele Länder bereist habe, tönne mit gutem Gewiffen sagen, daß es nirgends so herrlich bestellt sei wie in Deutschland. Als Beispiel führte der Redner die Schule an. Wohlweislich aber die Schule, wie wir fie z. B. in Berlin haben; diejenigen im Osten unseres Vaterlandes vergaß er, desgleichen wie er auch der kirchlichen Beauf fichtigung der Schule gar nicht gedachte. Als dann aber der Genosse Birkel- Rigdorf eine Erfahrung zum besten gab, wie es feinem Sohn in der Schule gegangen ist( es handelte fich um den schon in den Beitungen erwähnten Fall des Schülers 3irkel- Rigdorf), da er griff dieser Herr das Hasenpanier. Verschiedene eingezeichnete Nebner mußten auf das Wort verzichten, weil die Polizeistunde nahte. Genoffin Bettin diente in ihrem Schlußwort auf die Unschuldigungen des Gegners. Sie ermahnte die Anwesenden, Wert auf eine feste gewerkschaftliche, sowie politische Organisation zu legen. Nachdem die Kreisvertrauensperson noch einige Worte an die an Die Antwort der Börse darauf war in den letzten beiden Tagen eine fleine Hausse in Kohlenattien. Das ist erklärlich, denn An die Musikinstrumentenarbeiter, Tischler und Polierer! Der wesenden Frauen gerichtet hatte, schloß sie die Bersammlung mit wenn in den nächsten fünf Jahren feine neuen Mutungsrechte erteilt Pianofabrikant Röfener weigert sich auch ferner, die Forderungen einem Hoch auf die internationale, bölferbefreiende Sozialdemokratie. der Kollegen anzuerkennen. Da Herr Rösener in seinem Betrieb die Friedenan. Dienstag, den 4. April, abends 8½ Uhr, hält der werden, wird dadurch den bestehenden Zechen und deren Vertreterin, längste Arbeitszeit in der ganzen Berliner Pianoforte Industrie hat, Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Stegliß und Umdem Kohlensyndikat, eine drohende Konkurrenz vom Halse geschafft. so dürfte wohl zu erwarten sein, daß kein Kollege auf die in der gegend bei Grube, Kaiser- Allee, eine Wanderversammlung ab, in Schon ist das Syndifat mit allen Kräften bemüht, die Gründung Provingpresse erscheinenden Inserate hineinfällt. Ganz besonders welcher Herr Krille einen Vortrag über:" Leben und Dichtung" von neuen Zechenbetrieben zu hintertreiben, und man erzählt, daß machen wir aber auch darauf aufmerksam, daß der Arbeitsnachweis halten wird. es zu diesem Zweck, d. h. zum Ankauf und zur Brachlegung von der Fabrikanten bom Arbeitgeber- Schußverband in der Dresdener Spandan. Unser Frauen- Bildungsverein hält Mittwoch abend Kohlenfeldern, in letzter Zeit bedeutende Mittel aufgewendet hat. straße 111 ebenfalls Arbeitsfräfte aller Branchen, besonders auch für Werden ihm diese Konkurrenzsorgen zum großen Teil durch eine Herrn Rösener, fucht. Dieser Arbeitsnachweis ist ebenfalls für alle 8 Uhr bei stumte, Schönwalderstraße 80, feine erste GeneralSuspendierung des bisherigen Mutungsrechtes abgenommen, so ist Stollegen gesperrt. Wir erwarten von den Kollegen allerorts, in bersammlung ab. Nach Erledigung des geschäftlichen Teiles hält das natürlich ein großer Vorteil, wie die Börse sofort begriffen hat. unserem Kampf gegen die Firma Röfener, fowie auch gegen den Herr Eichler- Berlin einen Vortrag über:" Schiller und seine BeArbeitsnachweis unterstützt zu werden. Alle Arbeiterblätter werden deutung für die Arbeiterklasse". Wir sind verschiedentlich dafür eingetreten, daß das bisherige um Abbrud gebeten. Mutungsrecht aufgehoben und dem Staat das Recht auf alle noch Die Branchenkommission des deutschen Holzarbeiter- Verbandes. nicht gemuteten, d. h. noch nicht an Privatpersonen vergebenen Kohlenschätze vorbehalten bleibt. Dem Gampschen Vorschlag ver- Firma Karl Raschig in Berlin, Abteilung Köpenickerstraße, ist nach Achtung, Leistenvergolder! Der Streit der Bergolder in der mögen wir jedoch keineswegs zuzustimmen, denn er führt in seiner biertägiger Dauer durch eine Einigung mit der Firma beigelegt und Wirkung zu nichts anderem als einem Geschenk an die Zechenbefizer find sämtliche Vergolder wieder eingestellt worden. London, 1. April.( W. T. B.) Die hiesige japanische Gesandt. und einer Stärkung des Monopols des Kohlensyndikats. Erstlich Die Ortsverwaltung schaft veröffentlicht folgende Depesche aus Tokio von heute: Gestern fordern wir nicht eine Suspension, sondern völlige Aufhebung des ist hier die Meldung eingegangen, daß Eingeborene, die aus der Mutungsrechts von 1865, und zweitens damit im Zusammenhange geset Richtung von Hailung, 87 Meilen südwestlich von Kirin famen, bes richteten, Russen und Chunchusen unter Oberst Maditoff hätten sich liche Bestimmungen, welche den Ankauf und das Brachlegen von Kohlenfeldern zum Zweck der Terrainspekulation verhindern: Bestimmungen Achtung, Holzbildhauer! In Elberfeld haben die Kollegen aus der Nachbarschaft von Sailung nordwärts zurüdgezogen. Der also, welche die Befizer zum Abbau ihrer Kohlenlager anhalten und einmütig, zur Erringung der achtstündigen Arbeitszeit die Feind konzentriere sich jetzt auf Stirin. Arbeit niedergelegt. Es find mun schon Nisten mit Arbeit nach ebentuell bei Berlust ihres Besitzrechtes hierzu zwingen. In der außerhalb gegangen. Die Berliner Kollegen haben die Pflicht, gut Petersburg, 1. April.( W. T. B.) Nach den Erkundigungen Form, wie der Abgeordnete Gamp seinen Antrag gestellt hat, aufzupaffen und verdächtige Arbeit sofort zurüdzuweisen. der Petersburger Telegraphen- Agentur" hat sich die Subskription bedeutet dieser aber nichts anderes als ein recht beträchtliches Geschent Es ist Möbel- und Bauarbeit, auch handelt es sich um eine Orgel. auf die neue innere Anleihe bei den Banken mit großem Erfolge an die Kohlenbarone: ein Geschent, dessen Nugen für sie größer ist, Sokoto, Gothit und modern. Stizzen sind im Bureau, Engels vollzogen. als alle Privilegien, die ihnen durch die beiden von der Regierung Ufer 15, einzusehen. Näheres am Dienstag. Also Kollegen, auf borgelegten Berggefeßnovellen entzogen werden, so daß es faft gepaßt. Die Agitationsfommission der Bildhauer Berlins. fcheint, als sollten durch den Antrag die Lasten der neuen Gesetz- Achtung, Treibriemensattler! 28 Kollegen der Firma Növer in entwürfe unter der Hand vollständig kompensiert werden. Magdeburg haben am Freitag die Arbeit eingestellt. Die Firma Aus Induftrie und Handel. Beschränkung des Mutungsrechts. Der freilonservative Abgeordnete Gamp hat im preußischen Abgeordnetenhause einen Antrag auf Abänderung des Berggesetzes eingebracht, dessen wichtigster Teil folgende Fassung hat: Die Annahme von Mutungen auf Steinkohlen sowie auf Steinsalz nebst den mit diesem auf den nämlichen Lagerstätten vor kommenden Salzen findet vom Tage der Verkündung dieses Gesetzes an auf die Dauer von fünf Jahren bei den staatlichen Bergbehörden nur noch insoweit statt, als die Mutung auf Grund von Schürf arbeiten, die schon vor dem 31. März 1905 begonnen worden sind, innerhalb sechs Monaten nach dem Tage der Verkündung dieses Gesetzes bei den zuständigen Bergbehörden eingelegt ist." Stellung. Im übrigen wendet er sich gegen Gerling und den Gehülfen- Ausschuß. Auch Bolljahn wendet sich gegen den Ausschuß. Dieser wäre schuld, daß die Freigabe der 2. Feiertage noch nicht durch sei. Von den 900 Unterschriften dieserhalb sei noch keine von den Innungsmitgliedern. Auf Grund der Statistit vom Statistischen Amt Berlin zeigt Redner wie elend die Löhne find. Nach den eigenen Angaben der Jnnung und der Innungs- Krankenkaffe gibt es Löhne von 7-10 M. und halbe Koft, im Höchstfalle 13,50 M. und halbe Kost und berechnet die halbe Stoft mit 4,50 m. und 2ogis mit 1,50 M., sodaß der Gesamtwert des Sohnes 13-20 m. die Woche beträgt. Während der Durchschnittslohn nach der Statistik bei ben gelernten Gesellen 27% M, beträgt, für Arbeiter bis 22% M., so für die gelernten Barbiergehülfen 15-20 M. Folgende Resolution fand gegen 1 Stimme Annahme: Die heut in den Arminhallen tagenden Friseur gehülfen Berlins erklären sich mit dem Vorgehen des Zentral- Verbandes der Friseurgehülfen betreffs der Lohnbewegung solidarisch und vollständig einverstanden. Die versammelten Gehülfen erklären mit dem vorgelegten Zarif einverstanden zu sein und für die Forde ringen der Lohnkommission energisch einzutreten. der Filiale Berlin des Verbandes der Vergolder Deutschlands. Deutfches Reich. Letzte Nachrichten und Depefchen. Vom oftafiatischen Kriegsschauplah. Tokio, 1. April.( Amtliche Mitteilung.) ( Amtliche Mitteilung.) Die Zeichnungen auf die neuen Schatbonds im Betrage von 100 Millionen Jen belaufen sich auf etiva 500 Millionen Jen; davon wurden 70 Millionen au einem höheren Kurse als dem Emissionskurse gezeichnet. Berantw. Red.: Paul Büttner, Berlin. Inferate verantw.( mit Ausnahme der Neue Welt- Beilage): Th. Glocke Berlin. Drud u. Berlan: Vorwärts Buchdr. u. Verlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 6 Beilagenu.Unterhaltungsbl. frildjje hkg jormürtf ferliner VolksblM. 2 �» f>crrciibau8. 89. Sitzung vom 1. April. 12 Uhr. DaÄ Haus ist schwach besetzt. Am Ministertisch: v. Budde. Freiherr v. Rheinbaben. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die Beratung der Kanalvorlage. Die Kommission beantragt Zustimmung zu dem Ge- setzenttrmrf in der vom Abgeordnetenhause beschlossenen Fassung. DaS Haus tritt zunächst in die Generaldiskussion über die Vor» läge im ganzen. Berichterstatter Oberbürgermeister Haken-Stettin bittet, der Vorlage zuzustimmen und so, des langen Haders müde, dem leidigen Kanalstreit ein Ende zu machen. Freih. v. Durant: Ich spreche meine Genugtuung darüber aus, dasi die Regierung die Kanalvorlage diesmal nicht vom politischen, sondern vom rein wirtschaftlichen Standpunkt aus behandelt hat. Gegenüber den früheren Kanalvorlagen hätte ich mich unbedingt ablehnend verhalten, weil dadurch eine Verschiebung der Wirtschaft- lichen Verhältnisse des Landes eingetreten wäre. Eine allzugrosie Ausdehnung des Verkehrs im Ruhrrevier halten wir nicht für toünschenswert. Auf Details brauche ich nicht einzugehen, Neues kann doch nicht mehr gebracht werden. Ich kann nur erklären, daß die von mir befürchtete Verschiebung der wirtschaftlichen Verhältnisse durch die gegenwärtige Vorlag« gemildert wird. Wünschenswert wäre es, wenn bei der Erhebung der Schiffahrtsabgaben ein Aus» gleich zwischen Osten und Westen stattfinden würde. Di? Lorlage kommt der Allgemeinheit zugute, ich werde ihr daher trotz mancher Bedenken zustimmen, hoffe aber, dasi die Regierung von einer Weiterführung des Kanals dauernd Abstand nimmt und die Beiträge von den Interessenten auch wirklich einfordert. Oberbürgermeister Knoblvch-Bromberg: Die gegenwärtige Vor- läge weist nach zwei Richtungen wesentliche Einschränkungen gegen die früheren auf. es fehlt das Mittelstück, und eS werden die bisher abgabefreien Ströme mit Abgaben belastet. Infolgedessen werden die jetzt bestehenden Garantievcrträge erneuert werden müssen, aber der Abschluß neuer Verträge wird dadurch erschwert werden. Ich fürchte, daß. wenn die Regierung diese Verzollung der Ströme in .Kraft treten läßt, der Osten weit mehr belastet wird als der Westen, daß er stärker mit Abgaben belastet wird, obwohl sein« Verkehrswege weniger fahrbar sind. Der Minister hat wiederholt erklärt, daß diese Vorlage auf Grundlage der wirtschaftlichen Kompensation eine Ein- heit darstelle. Wird ihre Ausführung nun unterbleiben, wenn ein einzelner Garantievertrag nicht zustande konunt? Oder wird dann nur ein Teil, der östliche oder westliche, des Kanalnetzes unausgebaut bleiben, oder wird schließlich nur das einzelne nicht garantierte Kanalstück unausgeführt bleiben? Auch eine klare Beantwortung dieser Fvage könnte zum Zustandekommen der Garantieverträge beitragen. Minister Dr. v. Budde: Wenn etwa der Garantievertrag für Kanalstrecke Bevergern— Hannover nicht zustande käme, könnte gleichwohl der Großschiffahrtsweg Berlin— Stettin gebaut werden. Wem» ftcilich die Ablehnung des einen Stücks die technische AuÄ- führuug des anderen unmöglich macht, z. B die Ablehnung der Weser-Regulierung den Rhein— Herne. Kanal, wird durch Ab- lehnung elnes Garanfievertrages auch eine größere Strecke gefährdet Iverden Immen. Fürst Dohna-Schlobitten: Vom Standpunkt des provinziellen Interesses aus bedeutet für uns Ostpreußen die Zchtiinmung zu dieser Vorlage einen Akt der Selbswerleugnung. Graf Hohenthal: Ich glaube nicht an Kanäle, ich glaube auch nicht cm diesen Kanal. Ich glaube nccht, daß er sich rentteren, ich glaube auch nicht, daß er funktionieren wird. Freih. v. Lanbsbergi Die westfälische Landwirtschast, die ich vertrete, hat sich gegen die ftüheren Kanalprojekte mit aller Ent- schiedenheit erklärt. Jetzt aber, nachdem alle ihre Forderungen er- füllt sind, verlangt sie im Interesse.der mit ihr eng verbundenen Industrie Ihre Zustimmung zur Kanalvorlage. Wir werden dadurch zur allgemeinen Beruhigung beitragen.(Beifall.) v. Burgdorff: Den Nutzen des Kanals für die Industrie sehe ich ein. den Nutzen für die Landwirtschaft bestreite ich ganz energisch. Ich wohne einen Kilometer von, Kanal, aber die berühmten ältesten Leute, die es überall gibt, können sich nicht entsinnen, daß ich ihn je benutzt hätte. Die Sommerbedürfnisse kann der Landwirt nicht auf dem Kanal herbeischaffen, denn da kommt es auf Pünktlichkeit an, die Frühjahrsbedürfnisse auch nicht, denn da ist der Kanal zugeftoven. Der vernünftige Landwirt rechnet nur mit den Eisegi- bahnen. Die Frachtverbilligung durch den Kanal wird bei der Kohle infolge des Syndikats nur den Produzenten, beim Getreide infolge des Syndikats der Großmühlen nur diesen zugute kommen. Der Kanal wird ferner eine Zunahine der Arbeiterschaft in den schon jetzt hypertropisch entwickelten Gegenden Westfalens herbeiführen. Di« Erfahrungen der letzten.Wochen sollen uns doch zur Vorsicht mahnen. Da ivivd der frivolste Streik vom Zaune gebrochen, angefiihrt von gewissenlosen Agitatoren. Da seben sich Hunderttausende von Arbeitern leichtfertig über Recht nnd' Gesetz hinweg. Diese Tatsachen werden ctuch nicht aus der Welt geschafft, Ivenn die Regierung danach die Gesetzgebungsmaschine in Betrieb setzt, um die mißvergnügten Arbeiter bei guter Laune z» erhalten. Und diese Zustände werden umso schlimmer, je grüßer die Zahl der Arbeiter wird. Auf welcher Seite dann das Recht ist. wird über- Haupt nicht mehr gefragt. Die sozialdemokratische Presse verficht die Kanalvorlage so eifrig wie einst die Eavrivischen Handelsverträge. Sie hat den ganz richtigen Instinkt dafür, daß diese Wirtschaftspolitik ihr mehr genutzt hat wie die Aufhebung des Sozialistengesetzes. Die Genesis der Kanaivorlage liegt in der Zeit, die Caprivi nahe stand. Schiffahrtsabgaben und Schleppmonopol werden hier ohne Früchte bleiben. Ich werde also gegen die Kanaivorlage stimmen. Frhr. v. Sch-rlemer: Die Borlage wird hoffentlich mit großer Majorität angenommen. Sollte die Regierung auch„och bald die Kanalisierung der Mosel, Lahn und Saar in Angriff nehmen, dann wird der rhennsche Provinziallandtag gern die für die Borlage ge- forderten Mittel bewilligen, jedoch nur unter der Boraussetzung, daß dir Scheidung zwischen dem östlichea und westliche» Wasscrstraßennetz definitiv bestehen bleibt. Die allgemeine Erörterung schließt damit. In der folgenden Einzelberatung und Abstimmung wird fgmächst das»Schleppmonopol' ohne Debatte angenommen, erner Alb, der die S ch i f f a h r t S a b g a b e n regelt. Nach Ab- lehnung mehrerer Resolutionen werden die sämtlichen Paragraphen der Borlage angenommen. Angenommen werden die Resolutionen der Kornmtssion betr. die Stichkanäle nach Lehrte, HildeZheitn und Peine sowie betr. die Kanalisierung der Mosel, Saar und Lahn. Damit ist die Beratung der Kanalvorlage erledigt. Die Kanalvorlage hat also nunmehr die ver- fassungSmäßig« Zustimmung beider Häuser des Landtages gefunden. Der Gesetzentwurf zur Berhütung von Hochwasser- gefahren wird auf Antrag deS Oberbürgermeisters Dr. Becker- Köln zur schriftlichen Berichterstattung an die Kommission zurück- verwiesen. Der Gesetzentwurf über die SchadloShaltung des herzoglichen Hauses SchleSwig-Holstein-Son der« bürg-Glücksburg wird nach einem Bericht des Grafen V, Arnim-Boitzenburg dcbatteloS unverändert angenommen. Prästdent Fürst Knyphausen teilt mit. daß das HauS jedenfalls in den letzten zehn Tagen deS Mai wieder zu einer zwei- bis drei- tägigen Tagung zusammenkommen werde. Schluß 6-/« Uhr. Der Kongreß von Ronen. Ronen, 26. März.(Eig. Ver.) Erster Berhandlnngstag. Nachmittags sttzung. 2% Uhr. I e g ou- Paris beantragt namens der Seine-Föderation eine Resolution gegen den ostasiatischen Krieg, für den der russische Zarismus verantwortlich gemacht wird, eine Sympathie-Resolution für die russische Revolution und einen Protest gegen die franko- russische Allianz. Der Kongreß beschließt, eine Redaktionskommission zur Abfassung der betreffenden Resolution zu ernennen. Debatte über die Einigkeit. Abg. Augogneur, Maire von Lyon, begründet die Resolution der Rhons-Födcration. Redner erklärt, tfin entschiedener Anhänger der Einigkeit zu sein. Beweis: die tatsächlich verwirklichte Einigkeit aller Richtungen im Lyoner Gememdcrat. Es ist aber notwendig, einige Vorbehalte zum Text der Einigkeitsdeklaration zu machen. Die allgemeinen Prinzipien derselben müssen von jedem Sozialisten anerkannt werden. Die Differenzen betreffen nur die Taktik, und diese Differenzen müssen im Nahmen der geeinigten Partei Platz finden. Redner wirft einen Rückblick auf die Entstehung der P. S. F. Die)« verdankt ihren Ursprung gerade der taktischen Unduldsamkeit der revolu- tionären Richtung. Und die Taktik der P. S. F- hat ihr zu großen Erfolgen verholfea, hat sie zu einer solchen Macht emporwachsen lassen, daß die Revolutionäre genötigt sind, mit ihr zur Einigkeit sich zusammenzuschließen. Me und warum sollen wir also unser« bisherige Taktik ändern?— Redner bestreitet die Richtigkeit der Amsterdamer Resolution. Die von der P. S. F. erreichten Resultate dürfen sich getrost mit denen der auswärtigen Parteien messen. In Italien hat die intransigente Taltik zu einem Mißerfolg bei den Wahlen geführt.(Sehr richtigl rechts. Proteste links. C i p r i a n i ruft: Die Zahl der Stimmen hat sich in Italien verdoppelt.) Aber die Zahl der Abgeordneten hat sich vermindert.(Rufe links:„Das ist von keiner Bedeutungl") Wie? Die Zahl der Wgeordneten be- deutet nichts? Das ist eine neue Doktrin. Die Zahl der Wahl- stimmen allein erhöhen heißt nur ein statistisches Werk vollbringen. So in Deutschland, wo die Wahl stimmen zu nichts anderem dienen als zu wahlstati st ischen Zwecken. Um uns der politischen Macht zu bemächtigen, müssen wir immer mehr parlamentarische Vertreter haben. Die intransigente Taktik der revolutionären P. S. de F. hat gerade unserer Partei genützt, indem sie uns neue Anhänger zugeführt hat. Die Einigkeits-Deklaration bildet in ihrem taktischen Teil eine Art. Verleugnung der Taktik der P. S. F. Der K 2 schreibt die unbedingte Ablehnung des Budgets vor. Das ist u n z u- lässig. Es können und müssen Umstände eintreten, wo das Vudgetvotmn notivendtg werden wird. Den Fall gesetzt, daß die sozialistische Fraktion 100 oder 150 Deputierte umfaßt. Dann lönnte die Verweigerung des Budgets die Existenz jeder demokra- tischen Regierung, ja einer republikanischen Regierung überhaupt un- möglich machen. Andererseits kämpfen die Sozialisten in der Budget- debatte für gewisse Reformen und erreichen gewisse Resultate. Wie sollen sie dann in der Gesamtabstimmung gegen die Teilreformen stimmen, für die sie in der Einzelberatung gekämpft haben? Des- gleichen das Einnahmebudget. Die Frage der Arbeiterpensionen wird bald gelöst werden. Dazu sind aber geWiste Einnahmen nötig. Wie können wir also für die Arbeiterpensionen stimmen und zugleich das Eimiahmebudget verwerfen. Das wäre eine unwürdige Ko- mödiel(Lebhafter Beifall l rechts.) Dann verbietet die Einigkeitsurkunde das Votum der Mi- litärkredite. Nun aber hat man soeben die zweijährige Dienst- zeit votiert, die eine Erhöhung des Militärbudgets notivendtg macht. Man kann also nicht generell die Ablehnung der Militärkredite vorschreiben. Ferner ist diese un- bedingte W lehnung auch deshalb unzulässig, weil das republikanische Frankreich in die Lage kommen kann, sich gegen rückständig« Nach- barländer verteidigen zu müssen. Was die Geheimfonds betrifft, so gilt es zu unterscheiden zwischen den jeweiligen Regierungen. Die Frage wurde übrigens bereits entschieden durch das Votum der Fraktion für die Geheim- fondS unter CombeS. Hat sie dadurch eine Sünde begangen, so be- deutet das Verbot des Votum? der Geheimfonds einen Akt der Reue, waS unannehmbar ist. Die Linksdelegfati on, dern� Seele) die Sozialisten waren, ist eine Einrichtung, die höher steht als die ministeriellen Erwägungen. Ob Eombes, ob Rouvier, bleibt sie ein wichtiges Werkzeug demokratischer Politik. Die Furcht, die Sozialisten möchten sich verbürgcrlichen infolge der Bloe-Taktik, beruht auf nichts. Wir verlangen keine Aendernng des Textes der Einigkeits- Urkunde, aber wir wünschen, daß diese Urkunde keine brutale und buchstäbliche Anwendung findet. Nur so werden wir in der Kammer imstande sein, unser Mandat zu er- füllen. Weiter betont Redner die Notwendigkeit einer relativen Unabhängigkeit der Kammerfraktion. Im In- terförderalen Komitee sitzen ja nur Pariser, die die Lage der Pro« vinz nicht kennen und ihren Geist nicht vertreten können. Die Par- teileitung der künftigen geeinigten Partei wird ebenso nur den Geist der Pariser vertreten, wenn man wie bisher die Ersetzung des Provinzvertreters durch den Pariser Ersatzmann zuläßt. In der Zwischenzeit aber zwischen der Sitzung der Parteileitung muß die Fraktion ftcie Hand haben, auf ihre eigene Verantwortung zu han- dein unter Vorbehalt der künftigen Kontrolle der oberen Partei- instanz.(Beifall rechts.) Zum Schluß wiederholt Augogneur, daß er keine bestimmte Resolution beantragen wolle: Die von ihm geltend gemachten Vor- behalte müssen berücksichtigt werden, damit namentlich die Kammer- fraktion ihr wichtiges Mandat erfüllen kann, das darin besteht, die sozialistische Gesellschaft im besonderen parlamentarischen Milieu vorzubereiten.(Lebhafter Beifall rechts.) Radi, Föderation der Ardeche und Drüme, spricht für die Bindung der Fraktion an die Beschlüsse der Parteileitung und ver. weist auf die negativen Seiten der Bloe-Taktik, welch letztere übrigens gegen den Willen der großen Mehrheit der Partei aufrechterhalten wurde: Die Abgeordneten dürften eigentlich an der Leitung der Partei nicht teilnehme»». Denn in diesem Falle sind sie Richter in eigener Sache. Zudem gibt es Ab- geordnete, die mit Hülfe nichtsozialiftischer Orgavtsafirmen gewählt worden sind. Diese Abgeordneten sind am wenigsten be- fugt, namens der Partei zu entscheiden. Doch verlangen wir nicht den Ausschluß der Abgeordneten aus der Parteileitung, aber wir müssen fordern ihre Unterwerfung unter die Beschlüsse der Partei- leitung. Die Pariser Ersatzmän»ier sind nicht so der Provinz entfremdet, wie Augogneur eS dargestellt hat. In Wirklichkeit befragen sie den Provinzvertreter. Uebrigens liegt eS an den Abgeordneten, dafür zu wirken, daß der Pariser Ersatzmann mit der Provinz in Fühlung bleibt. Weiter hat Augogneur über die besonderen Beding»mgcn des Parlaments gesprochen, die den Außenstehenden unbckannit sind. Mag sein, daß wir drauße» nicht alle Komödien und Schau- meiereien deS Parlaments kennen.(Demonstrativer Beifall links.) Aber dafiir kennen wir den wahren Geist des organisierter Prole- tariatS und wir sagen, daß, wenn cS so weiter geht, so wird sich dasProletariat mitEkel von der par- lamentarischen Aktion abwenden(Rauschender Bei- fall links.) und für dieselbe i»ur noch die Bittsteller nm Tabakver- schleiße nnd andere Vergünstigungen eintreten werden.(Erneuter Beifall linlS.), Nadi führt weiter eln Beispiel an, wo ein Vortrag deS Abg. Augogneur zur einzigen Folge hatte die Verstärkung der Mitglieder der bürgerlich-demokratischen Organisationen.(Augogneur protestiert. Erregung und Lärm.) Rad» schließt mit der Mahnung 'zum Verzicht auf die bisherige Taktik der Fraktionsmehrheit.(Bei- fall links.) Couprtte-Paris spricht im Sinne des Vorredners. Er erinnert an eine private Aeußerung AugogneurS, daß das Jnterförderale Komitee aus beschäftigungslosen Rechtsanwälten bestehe.(Proteste rechts. Zustimmung links.) Nun wohl, diese Anwälte sind treue Genossen, die keiner streberischen Intrige fähig sind und die übrigens in zahlreichen Arbeiterprozessen unentgeltlich die Sache der Opfer der Klassenjustiz führen. Man hat den Pariser Ursprung der Mitglieder des Jnterförderalen Komitees bemängelt. Aber auch manche Abgeordneten, die in der Provinz gewählt sind, sind in Paris zu Hause. Weiter kritisiert Redner die opportunistische Wahlagita- tion, dank derer so mancher Abgeordnete gewählt wurde. Die LinkSdelegatioi» mußte aufgfsgebed» werden infolge bcß Amsterdamer Beschlusses. Jetzt kommt man mit Kritiken gegen die Timgkeitsurfunde. W o sind aber die Kritiker ge- blieben während der Beratung der Einigkeits» Kommission? Abgesehen von Jaures, Pressense, Briand und ein paar anderen, haben sich die Abgeordneten gegenüber den Einig- keitsverhandlungen gleichgültig gezeigt. Vielleicht deshalb, weil sie an die Möglichkeit der Einigkeit nicht glaubten, der Einigkeit, für die sie sich alle jetzt erklären. Die bisherige Taktik der Fraktion hat unsere Partei immer mehr um das Vertrauen der Arbeiterschaft gebracht. So zählt die Parte» etwa 10 000 Mitglieder, während die der Partei feindliche gewerkschaftliche Organisation eine halbe Million Mitglieder umfaßt. Und wenn wir mit unserer Propaganda an die Arbeiter heran- treten, begegnet man uns mit Verachtung und Mißtrauen. Das sind die Früchte der Fraktionstaktik, der Vernachlässigung der Ar- beiterinteressen durch sie Fraktion. S o wird namentlich das Zehnstundengesetz gang und gäbe verletzt und umgangen, ohne daß die Fraktion dagegen etwas getan hätte.(Beifall links.) Abg. Rouanet verwundert sich, daß man sich mit der Kanrmer- fraktion auseinandersetzt, anstatt über die Einigkeitsurkmide zu beraten: ES gilt den Sinn dieser Urkunde klar festzustellen. Diese Urhmde wurde unrichtig ausgelegt, sowohl von denen, die von der Einigkeit den Bruch mit der bisherigen, zugleich reformistischen und revolutionären Taktik der P. S. F. befürchten, wie auch von der Mn- derheit der P. S. F.(d. i. der Linken. Die Linke vrotestiert gegen die Behauptung Rouanlet, sie wäre in der Minderheit). Rouanet erwidert: Wäre die Linke die Mehrheit der Partei, so hätte die Kammerfraktion seit langem aufgehört zu existieren. In Wirklichkeit bedeutet d»e EtnigkeitSur. künde eine Zustimmung zu unserer bisherigen Taktik. So beruft sie sich auf die Resolution Kautsky(1S00), die die Notwendigkeit des Kampfes für die Demokratie betont und in Ausnahmefällen sogar die Teilnahme am Ministerium zuläßt. Der Mangel der Urkunde ist deir Gebrairch einer altmodischen Phraseologie, die zu einer falschen Auslegung führen lonnte, als ob Sozialismus und Demokratie im Gegensatz zu einander ständen. In der geeinigten Partei werden die Kritiken gegen die Frak- tion abnehmen»md deren Tätigkeit erleichtert werden. Andererseits wird infolge der Verschmelzung der beiden Fraktionen die Taktik des revolutionären Ucbercmgebots ein Ende nehmen und damit dio Erzielung praktischer Resultate leichter werden. Weiter betont Rouanet die Notwendigkeit von Wahl- bündntssen mit den Linksparteien. Diese Bimdnisse werden in der geeinigten Partei mit größerem Erfolg betätigt werden können.(Beifall rechts.) DucoS de la Haillc-PariS, Vertreter der Ariege-Föderafion, erinnert zunächst an den A m st e r d a m e r Kongreß, der allein unsere Verhandl»mgen zu beherrschen hat. Anstatt dessen hat man viel über diese oder jene lokalen Rücksichten gesprochen.(Beifall links.) In Amsterdam hat Jaures die Taktik der P. S. F. mit einer Beredsamkeit verteidigt, die gewiß derjenige»» Äugagneurs gleichkommt. Der internationale Sozialismus hat sich— mit Recht oder Unrecht— gegen uns ausgesprochen. In Anffterdam find wir be- siegt worden. Wir haben uns nun zu unterwerfen. (Beifall links.) Oder wird Augag»»eur raten, mit der Internationale zu brechen?(Beifall links.) Hier handelt es sich um zwei Richtungen, et«« in- ldividualistische und eine sozialistische.(Lebhafter Beifall links.) Man hat auf der a»»deren Seste offenbar die Folgen der individualistischen Taktik vergessen. Das„Gespenst Millerand" ist schon vergessen.(Proteste rechts. De- »rwnstrativer Beifall links. Unruhe und Lärm.) Die Kontrolle, die Augagneur will, wäre ein Schatten. DaS angerufene Wachstum der Partei ist eine Legende. Wie soll die Partei wachsen, wenn die Propaganda durch die Haltung der Fraktion umnöglich gemacht wird, wenn die Abgeordneten sich in der Regel weigern, an der Agitation im Lande mitzuwirken oder doch nur in ihrem Wahlkreis Vorträge zu halten bereit stirb? Wir sind dahin gekommen, gemischte Föderationen(aus Sozialisten und Radi- taten) zu bilde»». Nichts mehr unterscheidet d»e Partei von den Radikalen. Redner betont zum Schluß nochmals, daß die Taktik der P. S. F. in Amsterdam verworfen wurde: Es gilt also, entweder sich dem Amsterdamer Beschluß zu unterwerfen oder aber aus der Jnternafio- nale auszutreten. Jaures hat es begriffen und demgemäß feine Meinung geändert. Mögen die anderen seinem Beffpiel folgen, damit eine Spaltung vermieden wird.(Lebhafter, anhaltender Beifall links.) Abg. Charpentier-Loire spricht für die Einigkeit im Sinftls Rouancts. Poisson-Cacn: Das Votum der Einigkeit bedeutet die Ein- weihung einer neuen Taktik, die ebenso verschieden ist von derjenigen der P. S. F. wie von der alten revolutionären Taktik.(Beifall links und teilweise rechts.) Augagneur hat zu Unrecht die Erfolge der Partei betont. Wo sind sie? In den letzten Wahlen hat man kaum 50 000 Stimmen geivonnen,»md man weiß nicht, ob man ebensoviel in den nächsten Wahlen gewinnen wird. Derselbe Still- stand auf dem Gebiete der Gewerkschaften und Genossenschaften. Die»»eue Taktik, die in der Einigkeit zu befolgen sein wird, be- steht darin, die wirtschaftliche Organisation als Grundlage der sozia- listischen Aktion zu betrachten, und das Hauptgewicht nicht mehr auf die parlamentarische Aktion, die nur ein Hülssmittel zu sein hat, zu legen, sondern auf die Organisation des Proletariats im Lande. (Lebhafter Beifall links und»ronischer Beifall rechts.) Abg. Briand wendet sich scharf wider die ständigen und un- gerechten Kritiken gegen die Fraktion: Es gibt eben mandatslustige Genossen, die darauf rechnen, am leichtesten gewählt zu werden. wenn sie die Erwählten angreifen. Die Bemühungen, durch die reine Propaganda zu einem Wahlcrfolg zu gelangen, sind freilich viel schwieriger. Redner wendet sich im besonderen gegen DucoS de ia Haille. dem er»niedrige Demagogie' vorwirft.(Lebhafter Beifall rechts.) Zur Einigkeitsfrage übergehend, erinnert Briand, daß alle Kritiker seit drei Jahren mit der Parteitaktit in allen ihren Ueber- gängen einverstanden gewesen seien. Und woher haben sie daS Recht genommen, von dem allgemeinen Mißtrauen der Arbeiter zu sprechen? Das Gcgenteff ist wahr. Ueberall, wo ich zu Arbeiten» gesprochen habe, wurde uns mit Vertrauen begegnet.(Jaures stimmt dem zu.) In der Kammer werden wir alltäglich von Arbeiterdelegationen aufgesucht, um unseren Einfluß für die Arbeiterschaft zu verwenden. Uebrigens haben die Kritiker niemals getragt, den Bruch mit tenn tvir, überarbeitet durch die parlamentarische, die berufliche Briand schließt unter langanhaltendem Beifall der Rechten wi der Bloc- Taktik zu beantragen. Selbst in St. Etienne nicht. Alles und agitatorische Tätigkeit, hierher fommen, begegnen wir immer einem Appell an die gegenseitige Gerechtigkeit und unter Betonung beschränkte sich auf bittere Gebärden, auf Bedenken und Zweifel. nur bitteren Angriffen, ironischen Ausfällen.( Rauschender Beifall der Notwendigkeit einer biegsamen Taftit, die allein allen Teilen Man wollte eben alle Vorteile der Bloc- Taktik ohne ihre Nachteile. rechts.) ermöglichen würde, innerhalb der geeinigten Partei, deren Entstehung Die Linksdelegation wird aufhören, das ist ausgemacht. Aber er von ganzem Herzen begrüße, ersprießlich zu wirken. Ihr sprecht von den Erfolgen der Anarchisten. Gerade Eure daraus folgt nicht, daß die Verständigung mit den Linksparteien stets Schluß der Nachmittagsihung 6½ Uhr. eigene ritit fommt den Anarchisten zugute. Unsere angestrengte und unter allen Umständen ausgeschlossen bleiben soll. Das ist Arbeit für Reformen hat ja Euch die Propaganda erleichtert. 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April, abends 812 Uhr, in der Königsbank", Große Frankfurterstr. 117: General- Verfammlung. Tages- Ordnung: 243/4 1. Kaffenbericht und Bericht der Revisoren. 2 Bericht des Borstandes. 3. Vortrag des Stadtverordneten Genoffen Borgmann über:" Die städtische Verwaltung als Arbeitgeber". 4. Diskussion. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch! Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Die Abteilungs- Versammlungen fallen in diesem Monat aus. 4. Wahlkreis, Südost. Sonntag, den 2. April, abends 5% Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27: Oeffentliche Versammlung Sce für Frauen und Männer. Zages Drdnung: Frühlingsgedanken, Freiheitstaten! Referentin: Frl. Jda Altmann. Nach dem Vortrag: Gemütliches Beisammensein mit Tanz. Zahlreichen Besuch erwarten Rixdorf. Montag, den 3. April, abends 8% Uhr, in der Neuen Welt, Hafenheide 108/114: Volks- Versammlung. Tages Ordnung: 202/12 1. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Paul Singer über: Die politische Situation. 2. Diskussion. Der Einberufer. Arbeiter- Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntag, den 9. April, vormittags 11 Uhr, in der Brauerei friedrichshain: Uebungs- Stunde. Liedet:„ Gruß an den Mai".„ Frühlingsstürme" ,,, Dem Lenz entgegen". Pünktliches, vollzähliges Erscheinen!- Bundeskarte legitimiert. Im Nebensaale: Vormittags präzise 10 Uhr: Husfchuß- Sitzung. Tages- Ordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Beschlußfassung zum Sängerfest. 3. Maiseier. 4. Bundes- Angelegenheiten. NB. Die Fragebogen find sofort an Mag Sinnecker, Rigdorf, Fuldastr. 59, einzusenden. Der Vorstand. Berfte 214/15 16/5 Die Vertrauenslente. Achtung! VL. Wahlkreis! Achtung! ( Schönhauser Vorstadt.) Sonntag, den 2. April 1905, abends 6 Uhr, im Jägerhaus", Schönhauser Allee 103: Volks- Versammlung für Männer und Frauen. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen Kotzke über: Die Entwickelung unserer Sozialgesezgebung". 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemütliches Beisammensein und Tanz. Bu zahlreichem Besuch ladet ein Achtung! MAURER! 03 02 Der Vertrauensmann. Montag, den 3. April, 1905 abends 8% Uhr: 247/3 Achtung! Oeffentliche Versammlung In Berlin: der Maurer Charlottenburgs und Umgegend im Boltshaus, Roſinenſtraße 8. Mittwoch, den 5. April 1905, abends 8½ Uhr: A9 Zentral- Verband der Glaser Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Warnung! Eltern! Vormünder! Warnung! Beil uns berichtet wurde, daß in vielen Bezirken Berlins besondere Nachfrage namentlich von Inhabern der Zwergbetriebe nach Glaserlehrlingen ist, warnen wir wegen Berufsüberfüllung dringend vor dem Erlernen dieses Gewerbes und zwar sowohl des Bau-, Bleis und Bilder- Glasergewerbes als wie der Glasmalerei. Bereits jezt werden am Drte über 300 Lehrlinge ausgebildet". Nach beendeter Lehrzeit werden die meisten der jungen Leute sofort entlassen, so daß allein in Berlin laut vorgenommener Berufsstatistit von den 800 Glasern fehr oft zwei bis dreihundert fast die Hälfte des Jahres arbeitslos sind, auch in anderen Städten liegen die Erwerbsverhältnisse nicht günstiger. H Um möglichste Bekanntgabe des Vorstehenden wird gebeten! 3. A.: C. Jahn, Borsigender. Für die Sektion der Bleiglaser und Glasmaler: H. Kündig. 78/50 Orts- Krankenkaffe der Weber und verwandten Gewerbe. General- Versammlung General- Versammlung sämtlicher Delegierten sche mbes am Sonntag, d. 9. April cr., 2 öffentiche Versammlungen der Maurer Berlins und Umgegend in den Andreas- Festsälen, Andreasstraße 23, und Fiebigs Festfälen, Ackerstraße 6-7. Zages Drdnung: 1. Die letzten Vorkommnisse in unserem Gewerbe und welche Lehren ziehen wir daraus?" 2. Diskussion. Sämtliche Maurer sind hierzu eingeladen. 129/15 Der, Vorstand. J. A.: Heinrich Megte. Deuticher Metallarbeiter Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3353. Montag, den 3. April, abends 8%, Uhr, im großen Saale der Brauerei am Friedrichshain 16/23: General- Versammlung. Tages Drdnung: 114/9 1. Stellungnahme zur General Bersammlung in Leipzig( Vorstandsvorlage, Anträge). 2. Stellungnahme zum 1. Mat. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Achtung! Für Köpenick ist noch nachträglich ein Wahllokal bestimmt, und zwar bei Helling, Schöner linderstraße 5. Die Ortsverwaltung. Genossinnen und Genossen! PrinzenDr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 98/10 Haut- und Harnleiden. Dienstag, den 4. April, abends 8 Uhr, in ,, Weimanns 10-2, 5-7. Sonntags 10-12. 2-4. Volksgarten", Badstr. 56: vormittags 10 Uhr, in Flechs großem Saa I, Fruchtstr. 36a. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Achtung! Parkettleger. Montag, 82/17 Engel- Ufer 15: tas, den 3. April, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshaufe, Kommissions- Sitzung. Die neugewählten Kommissionsmitglieder werden ersucht, zu erscheinen. Der Obmann. Tages Drdnung: 1. Vorlage der Jahresrechnung pro 1904. 2. Bericht der Revisoren und Antrag auf Ers teilung der Decharge. 3. Wahl des Kassenführers und eines Stellver- Mittwoch, den 5. April 1905, abends pünktlich 8 Uhr, bei Ladewig, treters. 4. Nachwahl eines auss geschiedenen Mitgliedes, Branche der Jalousie- Arbeiter. S Alte Jakobftr. 83: Arbeitnehmer für 1905. 5. Beschluß- Versammlung. faffung über eine gemeinschaftliche Krankenkontrolle.( Innerhalb des Gewerfs- Kranken- Vereins.) 6. Ver 6235 schiedenes. Delegiertenfarte legitimiert. Berlin, 2. April 1905. Der Vorstand. Emil Last, Vorsitzender. Gustav Berndt, Schriftführer. ff. Piano, 30 Mt., auch Sonntag bis 6, Nettelbeckplatz, hochpart., Nettetbedhof. Gasthof mit Ausspannung allein in einer Stadt von 9-11000 Einwohnern in der Priegnik, in welchem Sozialisten ihre Versammlungen abhalten, Ausschant 230 bis 250 Tonnen Bier( ohne Kannen- und Flaschenbier), ca. 5000 Ft. Weißbier u. noch Selter usw. soll sofort verkauft werden. Anzahlung 6000 M. Offerten unter G. 2 an den„ Borwärts" erbeten. Zages Ordnung: 1. Bericht des Dbmannes und der Kommission über das Geschäftsfahr 1904/05. 2. Neuwahl des Obmannes und der Kommissionsmitglieder. 3. Branchen und Verbandsangelegenheiten. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, bestimmt und pünktlich zu erscheinen. Dhne Mitgliedsbuch kein Einlaß. Der Obmann. Kurbelsticker, Stickerinnen, Pauserinnen, Hefterinnen usw. Montag, den 3. April, abends 82 Uhr: Oeffentliche Versammlung im Neuen Klubhaus, Kommandantenstr. 72. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Massuthe: Die Schäden in unserer Branche und wie ist denselben abzuhelfen?" 2. Diskussion. Agitiert fleißig für guten Besuch der Versammlung! Der Einberufer. 197/8 Volksverfammlung. Zentral- Verband der Schuhmacher Deutschl. Rabatt- Spar- Verein„ Süd- Oft“ Tages Ordnung: 1. Unter welchen Umständen ist der Wuchertarif zustande gekommen? Referent: Reichstags- Abgeordneter Genosse Molkenbühr. 2. Diskussion. Bahlreichen Besuch erwartet Die Vertrauensperson. 1/ 3* Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 3. April, abends 8%, Uhr: Werkstatt- Delegierten- Versammlung in Graumanus Festsälen, Naunynstraße 27. Tages Ordnung: 141/11 Montag, den 3. April, abends 82 Uhr, in den Industrie- Sälen, Beuth- Straße 20-21( neuer Saal): Versammlung der Schoßarbeiter. Zages Ordnung: 169/9 1. Die Organisationsverhältnisse und das Vertrauensmänner- System in der Friedrichstadt. 2. Verschiedenes. Die Ortsverwaltung. Zu den Urania- Vorstellungen am 9. April, nach: mittags 4 Uhr(„ Das Gebiet des Simplon"), und am 16. April, nach mittags 4 Uhr( Tierleben in der Wildnis") find noch Billetts a 60 Pf. im Bureau zu haben. 00 1. Bortrag des Genoffen Fritz Kater über: Welche prinzipielle und taktische Unterschiede bestehen zwischen den Gewerkschafts. Achtung! organisationen? 2. Diskussion. 3. Der 1. Mai. 4. Gewerkschaftliches. Zur Beachtung! Sämtliche Fabriken müssen vertreten sein. Die Mitglieder des Vorstandes, der Agitationskommission sowie der Arbeitsnachweiskommission müssen vollzählig er. scheinen. Der Vorstand. Verein für Frauen u. Mädchen der Arbeiterklasse. Montag, den 3. April, abends 8%, Uhr, in den„ Arminhallen", Kommandantenstraße 20: RF Versammlung. Vortrag der Schriftstellerin Frau Ruben( Hamburg): ( jetzt Käuferverein Selbsthilfe"). Auf Wunsch vieler Mitglieder finden etliche Versammlungen statt, um die Beschlüsse, welche die am 15. März stattgefundene Delegiertenversammlung gefaßt hat, den Mitgliedern bekannt zu geben und auch Wünsche der Mitglieder entgegenzunehmen. 00000000 im * Achtung! Kistenmacher. Montag, den 3. April, abends 8 Uhr, in den ,, Andreas- Festsälen", Andreasftr. 21: General- Versammlung. Tages Drdnung: Die Versammlungen finden statt: Montag, den 3. April, abends 8 Uhr: in der Drachenburg", Vor dem Schlesischen Zor 1, im Lokal ,, Süd- Ost", Waldemarstraße 75. Mittwoch, den 5. April, abends 8 Uhr: in Rigdorf bei Thiel, Bergstraße 151/152, und bei Zibel, Reuterstraße 62. Donnerstag, den 6. April, abends 8 Uhr: Märkischen Hof", Admiralstraße 18c, bei Gansewig, Reichenbergerstraße 147. Tages Drdnung: 1. Die Neugestaltung unseres Vereins. 2. Bericht der in der„ Nenen Welt" gewählten Kommission. Mitglieder, erscheint zahlreich in diesen Versammlungen und bringt Freunde des Genossenschaftswesens mit. 106/14 Der Verwaltungsrat. Möbelfabrik. 1. Abrechnung vom letten Duartal. 2. Wahl der Branchenkommiſſion. Kompl.Wohnungs- Einrichtungen 3. Verschiedenes. 103/5 Bahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. Der Vorstand. NB. Mitglieder, welche sich noch nicht haben umschreiben lassen, werden 55/7 ersucht, dies umgehend zu tun, da von diesem Tage an die Kistenmacher dem Holzarbeiter- Verband angehören. Gleichzeitig nochmals zur Nachricht Der holländische Dichter Herm. Heyermanns jr." bas ber Arbeitsnachweis sich jetzt Engel- fer 15, Zimmer 10, befindet Gäste willkommen Der Vorstand. die Zahlstellen Breslauerstr. 28 und Reichenberger- und Laufigerstraße Ede bleiben bestehen und werden jeden Sonnabendabend Beiträge tassiert. D. D. F. in jeder Preislage empfehlen 23872* solide zu billigen Preisen F. Baumgarten& Söhne, 0. Große Frankfurterstraße 29. TIODXI Extra- WARENHAUS 8219 Montag Dienstag Preise A.WERTHEIM Mach Kleider- u. Seidenstoffe Reinwollen. Voile modernen Farben ca. 110 cm breit, in allen 1.05, 1.40, 1.75 Reinwollen Kaschmir in den neuesten Farben ca. 110 cm breit Mtr. 2.25, 2.70 Etamine. Grenadine rein, brocht: 1.10, 1.50, 1.80 broschiert, kar. u. gestr. Farben Mtr. Crêpe- Voile. 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Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u Berlaosanitalt Boul Singer& Co.. Berlin SW Nr. 79. 22. Jahrgang. 2. Beilage des„, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Frauenbewegung. Genoffinnen, Genossen! Dienstag, den 4. April, abends 8 Uhr, findet in Weimanns Voltsgarten, Badftr. 56, eine öffentliche Boltsbersammlung statt, wo Genosse Moltenbuhr über den Wuchertarif Zentral- Kranken- u. Sterhekasse der deutschen Wagenbauer, E.H., Filiale Berlin XIII. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Mittwoch, den 29. März, nach langem Strankenlager unser Mitglied Otto Wessel Birkenstraße 57, im Alter bon 26 Jahren verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. April, nachmittags 4 Uhr, vom Krankenhause Moabit nach dem neuen JohannisStirchhof statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Verband der Schneider und Schneiderinnen. ( Filiale Berlin.) Todes Anzeige. Am 29. März verstarb unser Mitglied, die Kollegin Gertrud Klawitter ( Straßmannstr. 32) im 22. Lebensjahre. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. April, nachmittags 3, Uhr, von der Leichenhalle des Auferstehungs- Friedhofs in Weißensee, Lichtenbergerstraße, aus statt. 162/20 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß meine inniggeliebte Frau Marie Döring geb. Paulke am Freitagvormittag 8%, Uhr verstorben ist. Dies zeigen, um stilles Beileid bittend, an Die tiefbetrübten Hinterbliebenen. Familie A. Döring, Hasenheide 67. Die Beerdigung findet am Sonntag, nachmittags 3%, Uhr, von der Halle des neuen Rig dorfer Kirchhofes, Mariendorfer Beg, aus statt. Todes- Anzeige. 669b = " Gemeinsame Orts Krankenkasse f. Mariendorf u. Umgegend. Am 10. April d. J., nachm. 612 Uhr: Ordentliche General- Versammlung m Restaurant Reichardt zu Mariendorf, Chauffeestr. 16, zu der die Herren Delegierten hierdurch ergebenst eingeladen werden. 271/19 Tages- Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung für 1904. 2. Wahl eines Arbeitnehmervertreters in den Borstand. und die Handelsverträge" referieren wird. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung wäre ein recht reger Besuch zu wünschen. Gerade sich in Zukunft die Ausgaben für die nötigsten Lebensbedürfnisse die Frauen haben ein besonderes Interesse daran, wie es zugeht, daß steigern werden. Bersäume es daher niemand, sich diesen Vortrag anzuhören. Die Vertrauensperson. Rob- Tabak Sumatra, bon 1.30 an, mit Max Jacoby, Streligerstr. 52 2 Pfd. deckend, Heinrich Franck sowie alle Tabale billigft.[ 25432* Berlin N., Brunnenstr. 185. Besichtigen Sie bitte sofort: Decke Vollblatt Ganzhell, 200 Pf. reinfarbig, schneeweißer Brand. Roh- Tabak. 3. Statutenänderung, im befonberen Decke Nr.5230 des§ 12, betreffend die Erhöhung des ortsüblichen Tagelohnes für Marienfelde und Festlegung, welche Betriebe im Kassenbezirk für die rötlich, hell, reinfarbig, Bollblatt, unter 1, Pfd. deckend, Krankenversicherung als Fabrità 2 M. verzollt. betriebe zu betrachten find. 4. Regelung der Gehalts- und Anstellungs- Verhältnisse der Kassenbeamten. 5. Verschiedenes. Etwaige Anfragen, Beschwerden oder dergleichen, zu denen die Einsicht nahme der Geschäftsbücher erforderlich ist, sind dem Vorstande mindestens drei Tage vorher schriftlich vorzulegen. Mariendorf, den 30. März 1905. Der Vorstand. 0. Weiß, Schriftführer. Borfizender. E. Bethke, W. Hermann Müller, Berlin O., Magazinstrasse 14. Neue Javas und Sumatras. J. Fränkel Orts- Krankenkaffe E. für das Barbier Gewerbe. Am Dienstag, den 11. April 1905, abends 9, Uhr, bei Pfeffer, Rosen thalerstraße 57: Brunnenstraße 181 Katthuserstr. 11. Roh- Tabak Templinerstr. 3, webterſtraße. Nauen, a. b. 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Dies zeigen, um stilles Beileid 6675 bittend, an Frau Balbina Beetz geb. Bartkowiack, nebst kind. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 2. April, nachmittags 22 Uhr, von der Leichenhalle des Rummelsburger Kirchhofes, Rummelsburgerstraße, aus statt. ( Bahnstation: Nummelsburg- Ost.) Danksagung. Für die rege Beteiligung und die bielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, Herrn August Kronhagel fagen wir allen Beteiligten, insbesondere dem Vorstande, sowie den Mitgliedern der Bentral- Kranken- und Sterbelaffe deutscher Wagenbauer, E. H. Filiale Berlin XII, unseren verbindlichsten Dant. 6455 Familie Kronhagel. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzfpenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes sage allen Beteiligten, insbesondere den Kollegen der Firma Gebrüder Zeidler meinen herzlichsten Dant. 26452 Witwe Piersch nebst Sohn. Danksagung. Für die Beteiligung und Kranz Spende bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres Baters, fagen hierdurch herzlichsten Dank 26462 Anna Jeske und Kinder. nach Zages Drdnung: Wahl der Delegierten pro 1905/07 (§ 51 der Sagungen): 80 Staffenmitglieder, b) 40 Arbeitgeber. Bu dieser Versammlung werden fämtliche Arbeitgeber und Kaffenmitglieder hiermit eingeladen. Bei legteren legitimiert das von der Staffe ausgestellte, auf den Namen des Mitgliedes lautende Quittungs buch. 271/20 Bantow, den 30. März 1905. Der Vorstand der Orts- Krankenkaffe Pankow. Hoffrichter, Borsigender. teppdecken am preistauft man wertesten nur birekt in der Fabrit, 72 Wall ftraße 72, wo auch alte Gtebbdecken aufgearbeitet werden. 8. Strohmandel, Berlin 14 Sllustrierter Breistatalog gratis. Verlag Max Richter, Berlin W. 30, Speyererstr, 27. Soeben erschien: 3tes Causend Die Harnleiden ihre Gefahren, Verhütung und Beseitigung von Dr. med. Schaper. Preis 1 Mark. KonkursmassenAusverkauf! 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April findet die Mitgliederversammlung des Frauen und Mädchenbildungsvereins für Borsigwalde und 8 Uhr, statt. Vortrag des Herrn Dr. Maurenbrecher:" Frauenglück". Umgegend in Tegel im Lokale von Schmidt, Schlieperstraße, abends Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste haben Zutritt. Reste Berliner ArbeiterDamentuche, schwarz u.farb. Costumes- Stoffe, neueste Kammgarne[ Muster Staubmäntel- Stoffe Corkskrew Sammet, Plüsch Besatzartikel. 2265L* Confection Jaquetts, Dollmann Staubmäntel, Costumes Costum- Röcke, Blousen. Kottbuser C. Pelz, Straße 4. Eine Mark wöchentl. Teilzahlung liefere elegante, fertige Herren- Moden. Ersak für Makarbeit. Anfertigung nach Maß. feinste Verarbeitung. Garantie tadelloser Sitz. Spezialgeschäft für Herren- Bekleidung. 000 Kein Waren- Kredithaus. 428 J.Kurzberg An der Jannowitzbrücke 1, I. Bahnhof Jannowißbrüde. Eine Mark wöchentliche Teilzahlung liefere elegante fertige Herren- Garderoben. Ersatz für Maß. Anfertigung nach Maß. Tadellose Ausführung. Julius Fabian, Schneidermeister, Dieses Inserat erscheint nur Sonntags. Mitgl. b. Arb.- Radf. 9 Radfahrer- Verein. Bundes Solidarität". Der Berliner Arbeiter Radfahrer Verein", zur Zeit zirka 850 Mit glieder stark( resp. der Arbeiter- Radfahrer- Bund Solidarität", 25000 Mitglieder) ist bestrebt, bei niedrigen Beiträgen( Eintrittsgeld 75 Bf., wofür das Abzeichen geliehen wird, Beitrag monatlich 35 Pf. für männl. Mitglieder, 25 Pf. für weibliche Mitglieder, inklusive Bundesbeiträge) möglichst vorteilhafte Gegenleistung zu bieten, wie: Unterstützung bei Radunfall pro Woche 6 M., 7,50 M., 9 M., je nach Dauer der Mitgliedschaft, auf die Zeit von 13 Wochen. Ferner: Nechtsschutz, zollfreien Grenzübergang mit dem Rade, alle 14 Tage Erscheinen des Bundesorgans, Arbeitslosenunterstügung bei fonntäglichen Ausfahrten von 2 M. und 1 M., ermäßigte Radfahrerversicherung gegen Haftpflicht, Raddiebstahl usw., bedeutend ermäßigte Preise auf Billetts für Theater, Birkusse usw. Der Verein besteht aus neun Abteilungen. Die Bersammlungen finden statt: 99 I. Abteilung den 1. und 3. Freitag im Monat bei Kumke, Bülowftr. 59. II. Abteilung den 1. und 3. Donnerstag im Monat bei Schwantes, Mittenwalderstr. 15. III. Abteilung den 1. und 3. Mittwoch im Monat im , Märkischen Hof", Admiralstr. 18 c, IV. Abteilung den 1. und 3. Mittwoch im Monat bei Merkowsky, Andreasstr. 26. V. Abteilung den 1. und 3. Freitag im Monat im ,, Elysium", Landsberger Allee 40/41. VI. Abteilung den 1. und 3. Donnerstag im Monat bei Wernau, Schwedterstr. 23/24. VII. Abteilung den 1. und 3. Mittwoch im Monat bei Cranz, Röslinerftr. 8. VIII. Abteilung den 1. und 3. Mittwoch im Monat bei Fischer, Waldstr. 8. IX. Abteilung( Sektion der Bäcker) den 1. und 3. Donnerstag im Monat, nachmittags 3 Uhr bei Hübner, Swinemünder. straße 42. Mitglieder werden in jeder Versammlung aufgenommen. Die Sonn täglichen Ausfahrten( Touren) werden jeden Freitag im Vorwärts" bekannt gegeben. Auskunft, schriftlich und mündlich, erteilt A. O. Ritter, Christinenstr. 38, b. I. 12/14 Graumanns Festsäle Theaterbühne. 25492* Naunynstr. 27. 3 Kegelbahnen. Sonnabende und Sonntage im April, Mai und Juni noch frei. Voran Il 1968 Gustav Graumann. Einkaufsgenossenschaft des„ Berliner ArheiterRadfahrer- Vereins" Arb.- Radf.- Bund ,, Solidarität“. Räder! er fich ein Fahrrad zu laufen beab. fichtigt, nehme zuvor unsere Proberäder in Augenschein. Durch großen Abschluß find wir in der Lage, nur befte Räder zu billigsten Preisen zu liefern. Unsere sämtlichen Räder sind mit dem hier abgebildeten ausziehbaren Doppelglodenlager( D. R.-P. Nr. 100 596) versehen. Absolut staubsicher, 2 Jahre ohne Delung laufend. Preise: Mod. I 159 M., Mod. IÍ 145 m., Mod. II 123 M. Teilzahlung: Anzahlung 58 M., monat lich 10 M., bei bar 5 R. billiger. Sämtliche Bedarfsartikel für Radfahrer am Lager. Jede gewünschte Auskunft wird bereitwilligst erteilt durch die Geschäftsftelle M. Labbé, Swinemünderstraße 69 III. 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Satin gute Qualität 3.95 Bettbezüge gemusterter Stoff 3.25 Bettbezüge Damast 4.25 Bettbezüge bunt kariert 2.25, 2.85 Bettlaken Dowlas, ganze Breite Bettlaken Dowlas, ca. 225 cm lang Bettlaken Halbleinen, ganze Breite Bett- Inletts rot oder rot- rosa gestreift Gobelins für Betthimmel Wachstuch- Küchentischdecke 28, 33 Wachstuch- Wasserleitungsschoner 8 Portierenstangen mit sämtl. Zubeh. 1.85, 2.25 1.3. 43. 75 Gardinenstangen Mahagoni imit. 23. 48. 75 Holz- Rosetten Nussbaum oder Mahagoni imitiert 8, 12, 18 Zuggardinen- Einrichtung mit Schnur und Quaste 38 Unterbett Kissen Congressstoffe latter get Meter 38, 48 Gardinenhalter in vielen Farben 8, 15, 25 3.25, 5.25 2.75, 4.75 1.05, 1.45 Cöper- Rouleaux abgepasst, 2 teil. abgepasst, 2 teil. 1.70, 2.25 Cöper- Rouleaux ago 2.75, 3.50 abgepasst, 2 teil, altgold oder rot Cöper- Rouleaux abgepasst, 1 teil. weiss ed. creme 2.35, 2.75 oder gestreift weiss od. crême Nussbaum od. Deckbett Ein Posten Kissen- Bezüge mit Einsatz, verschiedene Sprüche. 90 Pf. sten K Ein Posten Damen- Wäsche ganz hervorragend preiswert! Idenza allorg 8025 id SERIE I: sib Damen- Hemden 1.25 Damen- Beinkleider Damen- Nachtjacken Holzwaren ca. 50 60 80 100 125 150 3 6 Paneele 90 1.25 2.25 2.90 4.50 6.25 4 5 8 Haken 25 33 42 50 Kleiderriegel Handtuchhalter Eck- Garderoben mit Haken Schirmständer OS. Salon- Tische mit gravierter Platte Diverses SERIE II: Damen- Hemden Damen- Beinkleider Damen- Nachtjacken OM 1.65 800mA.Inob huedsuno? Bettstellen 17 Polster- Bettstellen 7 Küchenkanten Rolle ca. 10 Meter Reissnägel Carton 3 Dutzend Butzen- Scheiben- Papier Meter 30, 40, 60 42, 90, 1.15 Bohnerwachs Dose 50, 70 70, 95, 1.40 Scheuertücher> 9 15 20 25 1.85, 2.65 Hausseife Spar- Kernseife Riegel 5 teilig 38 2.90 Küchenlampen 28, 38, 45 9, 17, 22 Dutzend 63 1.20 2.85, 3.50, 4.00 Vogelbauerständer 19 2.75, 4.00 Gasglühlicht- Strümpfe Vogelbauer, Holzgestell mit Scheiben 1.95, 2.65 Gasglühlicht- Cylinder Console 35, 45, 75 Waschkörbe oval Grosse Auswahl in Wandbildern! Waschkörbe viereckig Eisengestell, mit buntem Bezug Eisengestell 5.65 Polster- Bettstellen mit gestreiftem Bezug 7.45 Polster- Bettstellen Elsengestell mit buntem 6.50 Eisenbettstellen mit doppeltem SpiralBezug, Spiral- Boden boden ca. 190/80 Verzierungen, doppeltem 6.85 Eisen- Bettstellen schwarz lackiert, mit bronzierten Spiralboden, verstellbarem Kopfteil, auf Rollen 11.25 Matratzen ca. 190/80 3.65, 4.65, 6.95, 10.50 Bettfedern gut gereinigt, grau, Pfund 45, 60, 85 Bettfedern gut gereinigt, Pfund 1.60, 2.00 Bettfedern gut gereinigt, weiss Pfund 1.95, 2.50 Bettfedern gut gereinigt, Daunen 2.50, 3.00 Halbdaunen grau Pfund Becanto. Rebatteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Dr. TS. 22. Iahrgaag. 4. Kilme des„vmiirls" Mim KMM Sonntag, 2. Aprll IM. Sexverkf�aMickeg. Der Zweigverein Berlin des Zentralverbandes der Maurer hat soeben seinen Geschäftsbericht für das Jahr 1904 herausgegeben, dem Nur folgendes entnehmen: Das verflossene Jahr war. was die Arbeitsgelegenheit betrifft, ein überaus günstiges. Die flotte Bau- tätigle it in Berlin und Umgegend hatte zur Folge, daß sich die Zahl der hier beschäftigten Maurer erheblich vermehrte, was in Ver- bindung mit der regen Agitation dem Verbände einen erfreulichen Zuwachs von Mitgliedern brachte. Im dritten Quartal 1992 hatte der Zweigverein 3995, in der gleichen Zeit des Jahres 1993 dagegen 19 889 und im Jahre 1994 14 214 Mitglieder. Von diesen gehören dem Maurerberuf im engeren Sinne(einschließlich der Fliesenleger) 9696 an, während 2975 auf den Spezialberuf der Putzer und 2443 auf die Branche der Gips- und Zementarbeiter entfallen. Von den 9696 Maurern im engeren Sinne arbeiteten 6432 in Berlin selbst, die übrigen in den zum Zweigverein gehörenden Vororten. Zum Zweck der Agitation wurden im Laufe des Jahres drei Flugblätter verbreitet, von denen das letzte neben der Propaganda für den Verband auch zum Abonnement der Acheiterpresse und zum Eintritt in die sozialdemokratischen Wahlvereine aufforderte. Im Zweigveremsgebiet fanden 459 Versammlungen und 427 Sitzungen statt. Die Putzer entfalteten eine Bewegung zur Einführung der acht- ständigen Acheitszeit, deren Durchsetzung ohne Schwierigkeit gelang. Die in der Gips- und Zementbranche Beschäftigten führten, eine Lohnbewegung mit dem Erfolge durch, daß die Erhöhung des Stundenlohnes um 244 Pf. durch Vertrag festgelegt wurde. Die Spezialbranche der Backofenmaurer erreichte nach einem zweitägigen Streik den Abschluß eines Vertrages, der ihnen eine Lohnerhöhung von 79 auf 7744 Pf. pro Stunde gewährt. In die letzte Zeit des Berichtsjahres fallen auch die ersten Schritte für die Verbesserung des kürzlich aufs neue abgeschlossenen Vertrages der Maurer.— Um die Jnnehaltun� des Vertrages zu kontrollieren, veranstaltete der Zweigverein im Frühjahr und im Herbst je eine Bautenkontrolle. Bei der ersten wurde festgestellt, daß 8116 Maurer zu dem Vertragslohn von 79 Pf. arbeiteten, während 752 Maurer 7244 bis 89 Pf. erhielten. Unter dem Ver- tragslohn arbeiteten 39 Maurer.— Die zweite, im Oktober vor- genommene Konttolle ergab, daß von. 9349 Maurern 7969 den ver» ttagsmäßigen Lohn, 2665 einen höheren, nämlich 7244 bis 199 Pf. und 43 einen niedrigeren bis hinab zu 59 Pf. hatten. Löhne von 89 Pf. bis 1 M. find allerdings nur bei 43 Maurern festgestellt, in den meisten Fällen war die über den Vertragslohn hinausgehende Höchstgvenze 89 Pf.— 734 Maurer arbeiteten in Akkord.— Ferner ist festgestellt, daß die vertragsmäßige Arbeitszeit nicht selten über- schritten wurde. Es ist das jedenfalls eine Folg« der lebhaften Bautätigkeit. Bei der Herbstkontrolle sind 2394 Maurer ermittelt worden, welche länger arbeiteten als es nach dem Vettrage geschehen soll. Der Bericht rügt diese Ueberschreitungen der Arbeitszeit und verlangt von den Kollegen, daß sie sich in dieser Hinsicht streng an die Bestimmungen des Vertrages halten.— Zum Einschreiten bei Verstößen gegen den Verttag wurde die Verbandsleitung 723mal in Anspruch genommen, davon in 122 Fällen wegen Ueberschreitung der Arbeitszeit. In 196 Fällen wurde die Arbeitszeit infolge des Eingreifens der Vecbandsleitung sofort geregelt, in 14 Fällen mußte erst die Achtzehnerkommission einschreiten. Die Jahresabrechnung des Zweigvereins zeigt eine Einnahme von 561 995,15 M.. eine Ausgabe von 359 963,22 M. und einen Bestand von 219 941,93 M.— Ausgegeben sind unter anderem für Rechtsschutz 2835 M.. für Krankenunterstützung 22 249 M., Sterbegeld 9347 M., Reise-Unterstützung 3128 M., für Maßregelungen und Bausperren 25 649 M Die Krankenunterstützung ist eine neue Einrichtung deS Verbandes, die erst seit dem 1. März des Berichtsjahres in Kraft ist. Aus einer ausführlichen Darstellung der Krankheitsfälle nach Dauer, Ursache usw. ist ersichtlich, daß von 995 Krankheitsfällen allein 243 auf Bauunfälle zurückzuführen sind. 169 Kranke litten an Rheu- matismus, 149 an Lungenleiden und die übrigen, das ist die kleinere Hälfte aller Fälle, entfallen auf verschiedene andere Krankheits- Ursachen. Hiernach ist wohl der allgemeine Schluß berechtigt, daß mehr als die Hälfte aller Erkrankungen der Maurer in unmittel barem Zusammenhang mit der Berufsarbeit stehen. In einer Schlußbettachtung des Berichtes wird gesagt, das da» Ergebnis des vergangenen Jahres ein befriedigendes ist, das es aber gelte, die Organisation weiter zu stärken, alle Außen. stehenden heranzuziehen und die Kollegen nicht nur zur Arbeit auf gewerkschaftlichem Gebiet, sondern auch zur politischen Betätigung heranzuziehen. Versammlungen. Zweiter Wahlkreis. In einer Versammlung, die am Dienstag in Habels Brauerei-Ausschank stattfand, sprach Genosse Max Kiesel über:„Friedrich Schiller, ein deutscher Dichter". Die von Begeisterung für Schillers Idealismus durch. glühten Ausführungen, die in dem Gedanken ausklangen, daß es nicht das Bürgertum ist. sondern die Arbeiterklafie, die berufen ist, in unserer Zeit die freiheitlichen Ideale Schillers zu bewahren und zu verwirklichen, fanden lebhaften Beifall.— Zur Diskussion verlangte niemand das Wott. Als Abteilungsführer für die sechste Abteilung wurde Genosse Zwanzig emsttmmig gewählt. Vierter Wahlkreis(Osten). Am Dienstag hielt der Wahl- verein in der Weberstraße 17 eine Versammlung ab. Genosse Zubeil sprach unter lebhaftem Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft über:„Soldatenmißhandlungen und Militärjustiz". Der Redner zeigte, dcch die Ursache der grauenhasten Mißhandlungen, welche jetzt gelegentlich durch die Verhandlungen vor den Kriegsgerichten bekannt werden, in dem System des heuttgen Militarismus zu suchen ist und daß das Uebel selbst erst mit der endgültigen Ausrottung dieses Systems beseitigt werden kann. So lange die Forderung unbe- dingten blinden Gehorsams den Soldaten der brutalen Gewalt der Vorgesetzten preisgibt, so lange drakonische Sttafbestimmungen und eine eigene Militärjustiz solche Verhältnisse stützen, ist eine Besserung nicht zu erwatten. Für uns Sozialdemokraten gilt es, unter den jungen Leuten Aufklärung zu verbreiten über die Rechte, die dem Soldaten zustehen, damit er seinen etwaigen Peinigern gegenüber davon Gebrauch machen kann. Weiter aber ist es unsere Aufgabe, an der Beseitigung deS heutigen Militarismus zu arbeiten, ein Ziel, das allerdings erst erreicht werden kann, wenn die Idee des Sozia» lismus zum Siege gelangt. Sechster Wahlkreis. Am Dienstag wurde für den Bezirk Ge- sundbrunnen in„WeimannS Volksgarten" eine öffentliche Volks- Versammlung abgehalten, m der Reichstags-Abgeordncter Fräß- darf über„Die politische Lage" sprach. In seinem interessanten, lehrreichen Vottrage behandelte der Referent eine Reihe wichtiger Gegenwartsfragen der inneren und äußeren Politik. Bei der Er- örterung des Bcrgarbeiterstreiks und der jetzt vorliegenden Berg- Gesetznovelle erinnerte er unter anderem auch an die Debatten übpr foen General st reik und gab der Meinung Ausdruck, daß sich «nS immer mehr die Frage aufdränge, ob das Proletariat auf die Dauer den Generalstreik für gewisse Jndusttien, als politischen Massenstteik gedacht, in seinen Klassenkämpfen werde entbehren können. Sowohl im Hinblick auf den Bergarbeiterstteik als auch auf die gegenwättigen Vorgänge in Rußland sei eine gründliche Trüfung diefcs SßjutoUm nicht ppg der Hand zu weilen. Ferner sei eS nicht ausgeschlossen, daß die Pattei in Anbetracht der steigend reaktionären Haltung der Freisinnigen, die sich besonders bei dem letzten Mugdan-Rummel offenbarte, endlich einmal die Auffassung von dem„kleineren Uebel" einer Revision unterziehen werde. Seiner Ansicht nach kiüzne es kaum als taktischer Fehler betrachttt werden, wenn in Zukunft bei Stichwahlen zwischen einem Freisinnigen und einem Konservativen unsererseits strikte Neutralität proklamiert würde. Die Ausführungen des Referenten fanden den lebhaftesten Beifall der Versammlung.— Hierauf ermahnte die Genossin Frau Matschke die anwesenden Frauen, sich auch ihrerseits mit den Ideen des Sozialismus immer vettrauter zu machen und fordette zum Abonnement der„Gleichheit" auf. Nach kurzer Diskussion schloß der Vorsitzende Trapp dann die Versammlung mit dem dringlichen Appell a n die Gesundbrunn er Genossen, sich künftighin etwas zahlreiche r am Verfamm- lungsbefuch zu beteiligen, als wie es diesmal der Fall war._ Maßregelungen und Sittenzustänbe in Berliner Großbuchbindereien. „Die fortgesetzten Matzregelungen bei den Firmen W. Kämmerer und Lüderitz u. Bauer" war das Thema, mit dem sich am Montag eine zahlreich besuchte Wer- sammlung der in Großbuchbindereien beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen befaßte. Die beiden Firmen waren ersucht worden, in die Versammlung ihre Vertteter zu entsenden, denen volle Rede- freihcit gewährt werden sollte. Von Kämmerer waren zwei Buch- Halter anwesend. Sie ließen jedoch die schwersten Vorwürfe über ihre Firma ergehen, ohne ttotz aller Aufforderung auch nur ein Wort darauf zu erwidern. Lüderitz u. Bauer hatten ein Schreiben gesandt, worin sie„bedauern, dem Wunsche, der Versammlung beizuwohnen. nicht entsprechen zu können". Ferner wird in dem Schreiben erklärt, daß es sich bei den der Firma zum Vorwurf gemachten Entlassungen einer Falzerin und eines Pressers nicht um Maßregelungen handelt, und daß man den Presser bei flottcrem Geschäftsgang lvieder ein- stellen wolle, die Falzerin aber auf Wiedereinstellung verzichtet habe. Die Firma ist aber, wie aus den Ausführungen des Referenten Brucks und der zahlreichen Diskussionsredner hervorging. offenbar durchaus nicht so unschuldig, wie sie sich hinzustellen sucht. Allerdings sucht sie den Schein zu wahren, hütet sich auch wohl vor direkten Verstößen gegen den Tarif, nützt aber die Mängel und Schwächen des Tarifs gegen mißliebige Arbeiterinnen und Arbeiter in einer Weise aus, die keineswegs als anständig gelten kann. So wurde z. B. der erwähnten Falzerin, einer durchaus tüchtigen und erfahrenen Arbeiterin, die bisher bei der Firma einen auskömmlichen Akkordlohn verdient hatte, eine Arbeit zugemutet, bei der sie mit bestem Willen in einem halben Tage nur 65 Pf. verdienen konnte. Als sie um andere Arbeit ersuchte oder um Vergebung der Arbeit in Stundenlohn, wurde sie vom Werkführer an den Ehcf, vom Chef wieder an den Werkführer verwiesen und dieser. Herr T i e tz, er- laubte sich sogar zu sagen:„Sie sind zu faul zu der Arbeit." Die einttägliche Arbeit ließ man von Lehrmädchen ausführen, die erwachsene tüchtige Arbeiterin sollte mit einem Lohn nach Hause gehen, der eine anständige Existenz unmöglich macht. Verhandlungen mit den Vertretern der Organisation blieben erfolg- los. Herr Bauer regte sich ganz unnötigerweise auf, meinte: Die Organisation schleiche um sein Haus herum wie ein Dieb, um etwas zu ergattern, und war ganz und gar nicht für eine vernünftige Regelung zu haben. Von verschiedenen Rednern wurde noch erwähnt, daß es sehr zu bedauern sei, daß gerade diese Firma, die sich außerdem noch durch übermäßige An» treiberei auszeichnet, Arbeiten für die Vorwärts-Äuchhandlung ausführt.— Aehnlich wie die Firma Lüderitz u. Bauer geht die Firma Kämmerer, die die Arbeiten für die bekannte Militärbuchhand- lung Mittler u. Sohn ausführt, shstemattsch mit Maßregelungen gegen die Vertrauensmänner der Arbeiter vor. Der alte Herr Kämmerer war, wie in der Versammlung allgemein anerkannt wurde, ein recht anständiger und humaner Arbeitgeber.—„Er verstand auch was von der Arbeit I" wurde in einem Zwischenruf bemerkt.— Zu seiner Zeit hielt man es für ein Glück, bei der Firma in Arbeit treten zu können. Seitdem haben sich die Verhältnisse fortdauernd verschlechtert, so daß Leute, die eine Reihe von Jahren zur Zu- friedenheit des alten Chefs gearbeitet hatten, die Werkstätte ver- lassen mußten. Was aber noch schlimmer ist, das ist der Umstand, daß jungen Arbeiterinnen, die sich anständig ernähren wollen, der Aufenthalt bei der Firma unmötzlich gemacht wird. Nach dem, was in der Versammlung von mehreren Rednern und Rednerinnen ausgeführt wurde, ist der Werkführer Sonnenburg ein Mann, der die üble Angewohnheit hat, Arbeiterinnen, selbst solche im Alter von 16 bis 17 Jahren, zum Bier einzuladen, um sie unter Miß- brauch seiner Stellung als Werkführer zu unüberlegten Schritten zu verleiten. Es wurden in diese? Hinsicht so schwerwiegende An- schuldigungen gegen den Werkführer Kämmerer gettchtet, daß man sich wundern mußte, als der Referent in seinem Schlußwort er- klärte: er glaube, die Geschästsleitung wisse von diesen Dingen. — Außer diesen beiden Firmen wurde noch die Buchbinderei von Ludwig erwähnt, die sich ebenfalls durch Maßregelung und Schikanierung von Vertrauensleuten, schlechte Löhne usw. aus zeichnet. Einige Klagen über die Arbeitsverteilung in der Vor. wärtS-Buchbinderei— angebliche Benachteiligung der Ar- betterinnen— sollen, wie der Werkswbenvettrauensmann Klar bemerkte, zunächst einmal in der Werkstubensitzung besprochen werden. — Die Versammlung nahm die beiden folgenden Resoluttonen an: „Die Versammlung erklärt nach Anhörung des Referats über die Maßregelungen bei den Firmen Kämmerer, Lüdentz u. Bauer und Ludwig und der Diskussion darüber folgendes: Die fortgesetzten Maßregelungen bei den drei Firmen liegen nicht im Sinne einer Tarifgemeinschaft, welche eine Anerkennung der Organisatton der Arbeiter in sich schließt. Sollten noch weitere Maßregelungen vor» genommen werden, so sieht sich die Organisation veranlaßt, andere Maßnahmen zu treffen. Die Verantwortung für die daraus ent stehenden Konsequenzen tragen die genannten Firmen."— „Die Versammlung ersucht die Leitung der Vorwärts-Buch Handlung, ihre Arbeiten an tariftreue Buchbindereien, die nicht durch Umgehungsmanipulationen den Tarif zu durchbrechen suchen, zu vergeben, falls sie die Arbeiten nicht selbst herstellen kann." • Die Geschästsleitung der Vorwärts-Buchdruckerei und der Buch- Handlung VorwättS ersucht uns, ihr hierzu folgende Bemettung zu gestatten: Bis zur Stunde ist der Geschästsleitung eine Klage bezüglich angeblicher Benachteiligung von Arbeiteriimen überhaupt nicht mit- geteilt worden— vielleicht deshalb nicht, weil von einer Benach- teiligung der sämtlich im Wochenlohn arbeitenden Arbeiterinnen durch Arbeitsverteilung zu reden blanker Unsinn wäre. WaS die Vergebung von Buchbinderarbeiten der Buchhandlung Vorwärts an andere Buchbindereien betrifft, so ist am 28. Februar an den ArbeiterauSschuß der Vorwärts- Buchbinderei geschneben worden: „In bezug auf L. u. D. erkennt die Geschästsleitung die moralische Verpflichtung an, den Wünschen des Personals ent- sprechend die Geschästsbeziehungen zu L. u. B. zu lösen, wenn seitens der Organisation die erhobenen Vorlvürfe bestätigt werden. daß L. u. B. systematisch darauf ausgehen, den Tarif zu umgehen bez. zu brechen." Seit diesem Tage ist nun von feiten der Organisatton zwar keinerlei Mitteilung an die Geschästsleitung ergangen, ttotzdem aber an L. u. B. kein neuer Auftrag erteilt worden. Wenn nun gleich- wohl am 27. März in dieser Versammlung eine Resolutton wie oben gefaßt werden konnte, ohne daß seitens der OrganisationS- leitung oder des»Vorwärts'-Buchbindereipersonals der Sachverhalt klargestellt worden ist. fo wird das nicht bloß unsere Verwunderung erregen dürfen, sondern auch die der Genossen. Der Verband der Barbier-, Friseur- und Perückenmacher-Ge- hülfen ehrte in seiner regelmäßigen Versammlung die Märzgefallenen durch Erheben von den Plätzen. Dann gab der Borstand bekannt, daß von feiten des Vereins ein Kranz niedergelegt sei. Hierauf hielt Kollege Seifert einen Vortrag über:„Die Bedeutung des 18. März". Der Vertrauensmann Gerling erstattete Bericht vom Getverkschaftskartell und teilte mit, daß der Anschluß des Ver- bandes gegen eine Stimme vollzogen fei. Fünf Kollegen ließen sich aufnehmen. Eine Branchenversammlung der Bautischler des Holz- arbeiter-Verbandes tagte am Sonntag in den Germania- Sälen. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung durch Erheben von den Plätzen den verunglückten Kollegen G e i se n- h e i m e r. Dann gab Reiche einen Bericht über die Tättgkeit deS Obmannes und der Kontrollkommission der Bautischler-Branche. Es fanden im verflossenen Jahre eine öffentliche, vier Branchen- Versammlungen und zwölf Sitzungen der Kontrollkommission statt. Weiter teilte er mit, daß am dritten Osterfeiettage vorigen Jahres in einer Versammlung bei Keller m der Koppenstraße die Anregung gegeben wurde, in ganz Berlin und den Vororten den Nettotarif einzuführen, welcher Anregung die Kollegen wohl mich nachgekommen wären, doch nicht immer zur Zufriedenheit der Kommission. Es wurden in 132 Bauttschlereien Forderungen gestellt. In 95 Werk« stellen davon wurde ohne Arbeitsniederlegung der Tarif bewilligt. In 37 Werkstellen im Durchschnitt nach 14tägigem Streik. Immerhin verursachte der günstige Verlauf der Bewegung einen Kosten- aufwand von 17 833 M Die Vorverhandlung im Juli und August vorigen Jahres betreffs eines Tarifvettrages zwischen der Gehülfen- und der Meifterorganisation mußte abgebrochen werden, weil ein gegenseitiges Verständnis nicht zu erzielen war. Die Aussperrung und die anschließenden Einigungsverhcmdlungen brachten nun auch für die Baubranche einen Tarifvertrag. Redner erörterte dann die Tätigkeit der Schlichtungskommission, die ja versuche, strittige Punkte im Berufe in Güte zu erledigen. Leider nicht immer mit Erfolg. Jedoch müsse anerkannt werden, daß Fragen von prinzipieller Be- deutung bis jetzt noch nicht gemeldet ivaren respektive sofort erledigt wurden. Ein Antrag der Einsetzer wünscht vom 16. November bis 15. Februar achtstündige Arbeitszeit für alle Kollegen, die auf dem Bau als Einsetzer beschäftigt sind. Ebenso verlangen sie, daß zu jeder Werkstattsitzung die Einsetzer eingeladen werden. Der Ob- mann der Einsetzer Lehmann begründete diesen Antrag damit, daß im Winter bei künstlichem Licht die meisten Unfälle vorkämen und der Arbeiter natürlich dann der am meisten Geschädigte sei. Ebenso wünscht er, da man doch in einer Branche nicht gut zweierlei Arbeits- zeiten innehalten könne, daß sich auch die Werkstattgesellen, die auf dem Bau arbeiten, den Beschlüssen der Einsetzer fügen.— Die Neuwahl des Obmannes verlief resultatlos und tvmde der Bautischler- Kontrollkommission das weitere überlassen. Reinickendorf. In einer im Schützenhause in Reinickendorf-Ost abgehaltenen kombinierten Generalveüsammlung der Wahlvereine Reinickendorf und Wilhelmsruh erstattete der Ver- trauensmann W o l l st e i n Bericht über seine Tätigkeit seit dem 1. November v. I. Aus demselben ging ein erfreuliches Erstarken der Bewegung im Bezirk, sowohl hinsichtlich der Anzahl der organi- sierten Genossen, als auch der Aufbringung von Geldmttteln hervor, und konnte der Vertrauensmann konstatieren, daß. wenn die Be- wegung in demselben Maße fortschreitet, der Bezirk sich den best- organisierten bald an die Seite stellen könne. Leider sei e> ihm wegen Verzuges aus dem Bezirk nicht möglich, länger Vertrauens» mann zu bleiben. An seine Stelle wurde G u r s ch gewählt, als Revisoren Jendreieck- Reinickendorf-Ost, Fellbock- Reinicken» dorf-West und v. d. Wisch- Wilhelmsruh. Ferner wurde Heise» Wilhelmsruh zum Mitglied der Lokalkommission und zum provi, sorischen Revisor für die„VorwättS"-Spedition gewählt. Nachdem noch Genosse Wollstein bekannt gemacht, daß besonders infolge der geographischen Lage deS Ottes der Wahlverein in Reinickendorf sich vom 1. April in zwei Wahlvereine(Reinickendorf und Umgegend und Neinickendorf-West) zergliedert, schloß der Vorsitzende die leider recht schwach besuchte Versammlung. Britz. In der letzten Sitzung des Wahlverems hielt Genosse Mermuth einen interessanten Vortrag über:„Die Eroberung der politischen Macht". In der Diskussion erklärte Genosse Schröder, er könne sich nicht in allen Punkten mit dem Rc- serenten einverstanden erklären, beispielsweise ständen unsere parla- m entarischen Errungenschaften in keinem Verhältnis zu den großen Geldopfevn und der jahrelangen Arbeit, Anschauungen, welche der Genosse Mermuth und mehrere andere Diskussionsredner er» klärlicherweise nicht teilten.— Unter Vereinsangelegenheiten brachte H e l l e r den Zwischenfall zwischen unserem Reichstags-Abgeordneten Zubeil und Dr. M'ugdan im Reichstage gelegentlich der Be- ratungen des Krankenkassenwesens und der Arbeiterversicherung zur Debatte und empfahl hierzu folgende Resolution, welche einstimmig angenommen wurde:„Die Versammlung des Sozialdemokratischen Wahlvereins Britz spricht dem Reichstags-Abgeordneten Zubeil ihre Anerkennung aus für die energische Zurechtweisung im Reichstage dem Abgeordneten Herrn Mugdan gegenüber; desgleichen über die Erklärung, daß ihm in der Angelegenheit Kaufmann-Lichtenberg einige Irrtümer unterlaufen sind, welche er dann richtig steMe. Hierdurch hat der Vcttreter unseres Kreises, Genosse Zubeil, bewiesen, daß er als schlichter Arbeiter ein weit höher entwickeltes Ehrgefühl besitzt, als der hochgebildet sein wollende Herr Dr. Mugdan. Die Versammlung erklätt serner, daß überall dort, wo die Arbeiter» schaft sich an den Wahlen beteiligt und zur Macht gelangt, eS ganz selbstverständlich ist, daß sie die Angestellten der Kassen usw. aus ihren Reihen wählt. Die Versammlung würde es als grobe Pflichtverletzung betrachten, wenn die Vorstände der Kassen hiervon abweichen würden. Insbesondere, da die Regierung Vettretern der Arbeiter bei der Schuldeputation, als Schöffen, Stadträten usw. ihre Bestätigung versagt, und Staatsangestellten sowie Staats- arbeitern die Zugehörigkeit zur sozialdemokratischen Pattei unter Androhung der Entlassung verbietet." Eingegangene vrucklickrlften« Juternattonaler Kongreß der Föderation zur Bekämpfung der staatlich reglementierten Prostitntion in Dresden 1904. Ausgewählte iUcfcratc. Herausgegeben von Katharina Scheven.(Dresden 1995.) Dr. Aurel v. Onciul, Das österreichische Problem.(Karl Konegen, Wien.) Paul Risch. Schiller-Gedenkbuch.(Berlin, Paul Kittel, Historischer Verlag. Gustav Tschirn, Zur S0jährtaen Geschichte der frei» religiösen Bewegung.(Kommissionsverlag der Handeisdruckerei in Bamberg.) W. Knlemanu. Landgerichtsrat! Zusammenschluß der Liberalen!(O. V. Böhmert, Dresden.) Arbeiterdruckerei, Eingetr. Genossenschaft m. b. H. Bericht über das erste Geschäftsjahr. Dessau. Vereinigung der Maler, Lackierer, Anstreicher, Tüncher unb Wctßbinder Deutschlands. Bericht des Vorstandes und Ausschusses über die Geschästspenode der Jahre 1903/01.(A. Tobler. Hamburg 22.) Geschäftsbericht der OrtS-Zkrankenkasse der Maler zu Berlin sür baS Jahr 1904. SS Selten. Verlag Maurer u. Dimmick, Berlin S., Luisen- User 11. Josef Popper, Fundament eines neuen Staatsrechts. (Dresden, Karl Retsiner.) Wilhelm Winsch, Nein Christusbild.(Verlag LebenSrejorm, Berlin.) 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Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt Sonntag, 2. April 1903. Der Herr Regierungspräsident hat es verfügt... Gin Fischer, der im vergangenen Herbst etwa 80 W. Strafe bezahlt denn sie jagt uns die Fischer in hellen Scharen in die Arme. 3mmer noch nicht. Der Regierungspräsident hat angeordnet, daß diejenigen hungern, wenn sie vor Hunger und in Erregung fich widersetzen. Fischer, die sich widersetzt haben, zur Bachtfischerei nicht mehr zu So will es die preußische Regierung. Wenn diefe Maßregel nicht so gelassen werden sollen. Das flingt unwahrscheinlich aber es ist so. hart für die Fischer wäre, so würden wir ihr überaus dankbar fein, und fich bei der Fortnahme der Netze auch widersetzt hat, erhielt mehr sehen sie ein, daß es nur die Sozialdemokratie ist, feine Bachtfischerei. Dafür sandte ihm der Amtsvorsteher folgendes die sich ihrer annimmt und bei der nächsten Wahl werden fie mit diesem System abrechnen. 6 Ende vorigen Jahres wütete auf der Kurischen Nehrung in Ostpreußen eine ungersnot. Die Fischereierträgnisse Schreiben: waren immer mehr zurückgegangen, so daß schließlich die Fischer in" Auf Ihre Eingabe, die Sie am 26. Februar an Herrn Geheimschwere Bedrängnis gerieten. Ganz besonders schlimm sah es rat gerichtet in betreff Ihrer weiteren Zulassung zur fiskalischen Eingegangene Druckfchriften. im Fischerdorf Nidden aus. Hier riefen die Leute nach Brot, Pachtfischerei bin ich von Herrn Geheimrat beauftragt, Sie folgenderJ. P. Müller- Mein System. Tillges Boghandel, Kopentelegraphierten an den Kaiser, wandten sich an die maßen zu bescheiden: Nach dem Rundschreiben des Herrn OberfischRegierung, aber niemand half den Leuten. Im Abgeordnetenhause meisters in Memel vom 3. März d. J. find Sie vielfach wegen Fischerei- Arbeiter- Sekretariat Nürnberg. 10. Jahresbericht für das aberflärte feinerzeit die Regierung, daß fie die Wünsche der Fischer vergehen vorbestraft. Außerdem haben Sie gegen Fischereiaufsichtsbeamte gelaufene Selbstverlag des Arbeiter Sekretariats Bewenden. Um nicht zu verhungern, mußten die Fischer mit ver- verfügt, daß Pachtischer, welche sich einem Fischereibeamten widersett Kritik und Antwort auf die Reichstagsreden des Kriegsminifters und botenen Negen fischen. Aber die Fischerei- Aufsichtsbeamten waren haben, von der Konsignationsliste zu streichen sind. Demnach ist der Reichsschatsekretärs über das neue Benfionsgefek. Von Hauptmann a. D.***. auf dem Posten. Es regnete Geldstrafen, und obendrein wurden die Herr Geheimrat nicht in der Lage, weiteres für Sie in Ihrer Fischerei- Stuttgart, Nationaler Verlag( Kurt Ezold). Der Massenmord der heutigen Schlachten, ein unverantwortliches, Neze beschlagnahmt. Das erregte immer mehr Erbitterung, und Angelegenheit zu tun. hier und da tam es zu Zusammenstößen. Die Fischer widersetzten So sieht die wohlwollende Berücksichtigung der Wünsche" aus. teil vermeidbares Hindernis des Sieges. Bon Hauptmann a. D.*** Stuttgart, Nationaler Verlag. fich den Beamten. Natürlich nugte das das nichts, sondern Die Fischer, die einem schweren und gefahrvollen Beruf nachgehen Elf Jahre Freimaurer. Von Dr. Albert Ludwig Daiber. Stuttgart. fie wurden noch dafür bestraft. Aber all das genügte der Regierung und tagtäglich dabei dem Tode ins Auge schauen, sollen ber- Verlag von Streder u. Schröder. 1905. wohlwollend berücksichtigen werde. Aber damit hatte es auch sein Widerstand geleistet. Der Herr Regierungspräsident hat ausdrücklich Nürnberg äftsjahr 1904. 03$ 8 hobust A GBBM apaut EM 13 灣 Adreßbuch für Berlin und seine Vororte. Wie bereits bekanntgegeben, gelangt der zweite Nachtrag zum Adreßbuch für Berlin und seine Vororte 1905 Anfang Mai zur Ausgabe. Zum Zwecke der Erreichung größter Genauigkeit und Vollständigkeit werden alle Beteiligten dringend gebeten, Anmeldungen für den zweiten Nachtrag zu des Adreßbuchs möglichst umgehend, spätestens bis zum 10. April, der Redaktion des Adreßbuchs, SW, Zimmerſtr. 37/41, zugehen zu lassen. Insbesondere beliebe man bis zu diesem Termin Mitteilung machen von Geschäfts- Eröffnungen und-Verlegungen, von Wohnungs- und Grundbesitz- Veränderungen, die seit Erscheinen des ersten Nachtrags stattgefunden haben und noch nicht berücksichtigt sind oder zu einem jetzt schon feststehenden Termin im laufenden Jahre stattfinden werden. Alle Abnehmer der HauptAusgabe erhalten auch den zweiten Nachtrag unentgeltlich. August Scherl. Jedes Wort: 5 Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Ptg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Pfandleihhaus Weidenweg neun zehn, spottbilliger Gardinenverkauf, Bascheverlauf. 45* überall. 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Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. und Sonntag, 2. April 1905. - auch Kartoffeln 10,00-7,00 9. Nichtstrob 4,66-4,32. eu 8,80-7,20 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. im Kleinen Theater und die leberlaffung von Stüden wie Biebigs bekannter Gründe halber schon früher abgereist, und durch den 1, Bäuerin" und Gustav Wieds„ Abrechnung" an die Matineevor- Hohn des Dienstmädchens darüber fühlt sich die Heldin so entehrt, stellungen des Lustspielhauses. Wenn man ein Gutes in dem daß sie, Abschied nehmend von dem geduldigen Gatten, sich vom Neues Theater. Meta Ronegen". Drama in fünf Alten von Ueblen finden till, wäre es einzig, daß das verpfuschte Schauspiel Balton herabstürzt. Hermann Stehr. Hermann Stehr, als Voltsschullehrer in vielleicht den Namen Stehrs bekannter macht und so auf einem Das feine, vornehmlich im ersten Atte höchst eindrucksvolle Spiel Schlesien abseits lebend von dem oft so verflachenden Einflusse Umweg der Verbreitung des Gebiegeuen, das er geschaffen, seiner von Agnes Sorma und Albert Steinrüd literarischer Birtel, hat in Romanen, zuletzt in dem Begrabenen wenig gelesenen Romane dient. Hedwig Wangel in der Rolle der greifen Wärterin verdiente Gott", der diesen Winter in der„ Neuen Rundschau" erschien, mert- Mit dem ersten Akt ist alles, was der Dichter uns eigentlich zu jedes Lob konnte für diese völlige Zerfahrenheit der Dichtung würdig start geprägte Eigenart gezeigt. Seine Sprache ist da von sagen hat, erschöpft. Wir wissen, der ehemalige Professor Konegen nicht entschädigen. Das Publikum hatte weniger Geduld als Metaš überquellender Bildlichkeit, die, der Phantasie des Lesers zuweilen in dem abgelegenen schlesischen Landhaus lebt seiner wissenschaftlichen bedauernswerter Mann und drückte gegenüber dem nie völlig auch unnötige Anstrengungen zumutend, immer wieder doch auch Arbeit und der freigeistig aufklärenden Propaganda unter den Lehrern, fehlenden Applaus seine Meinung in einem durch Höflichkeitsräd durch die Fülle wirklicher und wesentlicher Anschauungen den Geist er hat die Frau, unter deren exaltiertem Wesen er schwer leidet, von sichten gedämpften, aber immerhin doch energischen Bischen aus. dt. belebt und im Guten wie im Schlimmen den Eindruck nicht der Herzen gern; er sorgt sich um sie, möchte helfen, aber der Ursprung Manier, sondern ursprünglicher, mit zwingender Gewalt ihrer Leiden: ihr sentimentales schmachtendes Begehren, ihren eifer- tgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte Marktpreise von Berlin am 31. März. Nach Ermittelungen des sich durchsetzender Anlage macht. Sein ernstes ernstes Ringen süchtigen Haß gegen die Arbeit, die ihn ausfüllt, fann und will 17,30-17,28 M., gilt in den Romanen mittel 17,26-17,24 R., der Darstellung ganz innerlicher er nicht verstehen. Wir haben Meta gesehen, wie sie blaß und Roggen), gute Sorte 13,80-13,78., mittel 13,66-13,74 M., geringe geringe 17,22-17,20. Borgänge; und wenn er gleich nicht ebenmäßig überzeugend alle zitternd von den feltsamen Halluzinationen der letzten Nacht 13,72-13,70 M. die Glieder einer psychologischen Entwickelung aufdeckt, wenn er erzählt, Futtergerste*), gute Sorte 16,00-14,80 9, mittel 14,70 angstvoll, reuig, verlangend die Arme nach bis 13,60 m., geringe 13,50-12,40 M. Hafer"), gute Sorte 16,20-15,40 m., öfter entscheidend wichtige Wendungen nur aphoristisch andeutet, ihm ausstrect. Sie sucht Schutz vor sich selbst, vor der eingebildeten mittel 15,30-14,60., geringe 14,50-13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen um bei einzelnen Situationen, von denen seine Stimmungskunst oder wirklichen Leidenschaft, die sie übermächtig zu einem jungen 45,00-30,00 M. Speiſebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linjen 60,00-30,00 Dr. fich stärker angezogen fühlt, ausmalend um so länger zu veriveilen, Herrchen ihrer Verwandtschaft, einem musikalischen Referendar drängt. folgt man dem Dichter tros solcher Willkür in der Komposition doch Damit ist's aus. Was weiter kommt, fügt diesem Bilde keinen Für ein stilogramm Butter 2,80-2,00 M. Gier per Schod 4,00-2,80 m. willig. Was innerhalb des allgemeinen Rahmens ihm besonders einzigen erklärenden oder bedeutsam interessanten Zug hinzu. Je liegt, ihn reizt und lockt, das tritt, hervorgeholt aus dunkel ver- mehr Meta von ihren Herzensschmerzen redet, um so unverständ Wasserstand am 31. März. Ibe bei Auffig+2,40 Meter, bei borgenen Tiefen, in sicherer, wunderbar fein schattierter Gestaltung licher es sei denn, daß man ihren Zustand rein pathologisch auf Dresden 0,87 Meter, bei Magdeburg+ 2,70 Meter. Instrut bei hervor. 50 durfte man gewiß fein lückenlos gebautes faßt Gerede Getue. Meter, Drama, wohl aber eines, das in manchen Szenen geheime Regungen vereinſamt zu ſein und hat zwei Stinder. wie flagt pathetic), Ober- Begel+5,38 Meter, bet Breslau Unter Begel+ 0,34 Meter, bei der Seelen in stimmungsvoller Kunst enthüllen würde, ein fie habe in ihrer Ehe sein wollen, und man Frankfurt+1,88 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 4,31 Meter. Stüd etwa im Werte von Sven Langes„ Stillen Stuben" erwarten. erfährt fein Sterbenswort, wie und warum, in Folge welcher Warthe bei Bosen 1,50 Meter. Nete bei Usch+ Meter. Die Hoffnung wurde gründlich enttäuscht. Das Problem, das Stehr Entwickelungen sie denn von ihrem so gefügigen Manne daran ge Witterungsübersicht vom 1. April 1905, morgens 8 Uhr. in feiner„ Meta Konegen" behandelt, ist dem Sven Langes eng ber hindert worden ist. Sie handelt, als wenn der Referendar das wandt auch hier eine unruhig grübelnde, hysterische Frau, deren Jdeal ihrer Träume wäre, und vor unseren Augen benimmt sich Liebesbedürfnis der gütige, aber gar nicht leidenschaftlich verliebte dieser Jüngling wie ein Mittelding von fadem Gecken und Idioten. Gatte nicht genügt, und die, darum halb verzweifelnd, halb trogig, Und dabei wird uns zugemutet, ihre Verschrobenheiten tragisch au in dem Verhältnis zu einem jungen, rüdhaltlos anbetenden Manne nehmen, mitzufühlen und gerührt zu sein. Statt das Innere ber Befriedigung sucht. Aber während der Däne für die Personen beiden Menschen vor uns zu erhellen, werden allerlei ganz äußerund ihren Konflikt, vom Schlußakt abgesehen, wahrhaft zu tiche, unverarbeitete Momente herbeigeschleppt, den Schein einer Swinemde. 760 intereffieren weiß, fehlt in dem Stehrschen Werke jeder Bewegung vorzutäuschen. Da gibts ein ungeheuer freches Dienst- Hamburg 764 3 feste Umriß. Die Charaktere verschwimmen; plump wie in mächen, das, gleichfalls in den Referendar verschossen, sich an der Frau Berlin 764 N 4 bedeckt irgend einem Melodrama, nur daß die äußerliche Spannung Professor als Rivalin rächen will, einen spionierenden katholischen Pfaffen, Frankj.a.. 770 fehlt, ist die Handlung zurechtgezimmert, und die Stimmung, die in der, um den freisinnigen Konegen auf dem Lehrertage zu kompro- ien München 770 23 dem ersten Aufzug noch vorhanden, schlägt alsbald um in Stimmung mittieren, den Standal an die große Gloce hängt, unendlich breite unverfälschter Langeweile. Die Aufführung war ein übler Mißgriff Rührszenen mit den Kindern, Stämpfe mit ber alten Haushälterin, der Direktion, übler noch als die Aufführung der Bahrfchen„ Sanna" als Meta aus dem Hause fliehen will. Der Referendar ist un- südwestlichen Winden, keine erheblichen Niederschläge. . Stationen Barometerstand mm Windrichtung Windstärke Better 3 bedeďt 4 Regen Temp. n. T. 5° C. 4° Stationen S BarometerWindrichtung Bindstärke Wefter Temp. n. T. 100 2molten! 1bedect 770 668 2bedeckt 764 W 1Dunst 772 Still bededt 8 1 2 7 Haparanda 753 M 6 Petersburg 753 23 6 Scilly Aberdeen 3.Bedeckt 6 Paris 767 9 1halb bd. Wetter- Prognose für Sonntag, den 2. April 1905. Nachts ziemlich fühl, am Tage wärmer, vielfach heiter bei mäßigen BAER SOHN Ausverkauf Frühjahr- Palefots Restbestände mit Mängeln 12.-, 8.-, Dieser Apparat Bur M. 6.75 Erther M. 12.50). 5.-M. Chausseestrasse 24a/ 25 11 Brückenstrasse 11 812 Gr. Frankfurterstr. 20 zwischen Invalidenstr. u. Schiller- Theater N. zwischen Jannowitzbrücke u. 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" 425 750 1050 Axminster ca. 170/230**. 1200 1650 Axminster ca. 200/300 1800 2400 Velour Prima 180/200 1150 1650 Velour Prima 170/230 Velour Prima 200/300 " 1 " 13. 13 19 33 1900 2600 3800 4500 475 650 950 Portieren 95009 Portieren o .1250 1500 2000 Tüll- Bettdecken für 1 Bett 225 450 650 Tüll- Bettdecken für 2 Betten 425 600 950 für und crême 19 Filz- 490 650 850 1 Lambrequin tuch 2 Schals 17 Garnituren 2 Schals 37 975 1300 21 " 12 Erbstüll- Bettdecken 1 Bett Erbstüll- Bettdecken 2 Betten 1475 1950 Spachtel- Rouleaux 2teil, weiß 195 250 450 Köper- Rouleaux 1teilig 175 250 400 Kongreß- Stoff.... Mtr. 38, 45, 60 PL. Scheibengardinen...Mtr. 15, 28, 40, Steppdecken 31 Steppdecken in jeder Farbe 350 600 750 M. Royalsatin Steppdecken Handarbeit 750 950 1100 Steppdecken Handarbeit, 750 950 1350 Steppdecken doppelseitiger 850 1350 1500 Wolle Royalsatin " F Garnituren 1 Lambrequin Plüsch 795 950 1350 jetzt 29 " 27 " Portieren mit Jacquardborde 225 250 300 Portierenstangen komplett 185 300 Zugstangen mit Schnur u. Quasten 38, 65, 75 Pr. Gardinenstangen.. 27, 48, 75. . Möbelstoffe Möbelstoff bunt und einfarbig Mtr. 125 175 M. Möbelstoff einfarbig.... 250 350 450 Moquettes schwere Qualität Mtr. 575 900 " " 99 mit keinen Fehlern in allen Teppiche Größen bedeutend unter Preis. Ein Posten Bettvorleger Prima Velour Wert bis 6.00, jetzt 275 " Läuferstoffel Juteläufer....... Mtr. 30, 45, 60 Pt. Tapestryläufer 67 cm breit. 175 250 M. Tüll- Läufer 111521 • Tüll- Läufer weiß und crême 60 Pt. 110 M, Häkel- Läufer ... 85 Pt. Spachteldecken 30/30 22, 50/50 55, 35/150 95 PL. 39 " 1. Möbelstoff- Reste passend f. Sofa sehr billig. 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Am An die Burteigenossen von Berlin, Teltow- Beeskow, Nieder- Potsdamer- und Lühowstraße mit einem beladenen Geschäftsdreirad Kottbuser Damm, Ede Lachmannstraße, fuhr ein Möbelwagen der Barnim und Potsdam- Sfthavelland. Am Sonntag, den 16. April, im Verkehrsgedränge an einen ganz langsam fahrenden Motorwagen Firma Freudenhein gegen die Vorderplattform eines bort haltenden erscheint die nächste Zotal- List e. Wir ersuchen die Mitglieder der Straßenbahn geraten, wobei nicht der Motorwagen, sondern das Straßenbahnwagens der Linie 46 derartig, daß die Deichselstange des der Lokalkommissionen der genannten Streise, die Neu- Aufnahmen Dreirad beschädigt wurde. Das war die ganze Straftat, zu dessen Lastfuhrwerts die Plattformtvand des Motorwagens durchbohrte, und die genauen Menderungen bis spätestens Donnerstag, den Sühne die Anklagebehörde ein volles Straffammerkollegium mit über den Perron hinweg noch gegen die Stirnwand stieß und diese 6. April, einsenden zu wollen und zwar für: Teltow Beeskow allem drum und dran mobil gemacht hatte. Selbst der Staatsanwalt eindrückte. Nahezu eine Viertelstunde währte es, ehe es gelang, an den Genossen Robert Gramenz in Baumschulenweg, mußte die Freisprechung wegen der gefährlichen Gefährdung" be- die Deichselstange aus dem Straßenbahnwagen herauszuziehen. PerKiefholzstr. 253, born III; für Nieder- Barnim an den Ge- antragen, weil das Dreirad und auch das Leben des Angeklagten fonen wurden glücklicherweise nicht verlegt. noffen Robert Ried in Rummelsburg, Kantstr. 22, part.; für Potsdam Osthabelland an den Genossen Sari Linz in Spandau, Mittelstr. 13; für diverse Orte an den Genossen Gustab Nowag in Straußberg( Stadt), Walt mühlenstraße; für Berlin an den Genossen Karl Rott, O. 34, Straßmannstr. 29.- Die Lokalfommissions- Mitglieder wollen die genauen Aenderungen und Neu- Aufnahmen für die Liste umgehend mitteilen, da spätere Einsendungen keine Berücksichtigung finden können. Bielfach tommt es vor, daß Buschriften in ofalangelegen heiten" an die Redaktion des Vorwärts" gesandt werden; zur Schnellen Erledigung ersuchen wir die Genossen, alle Anfragen und Zusendungen nur an den Genossen Karl Rott, Berlin O. 34, Straß mannstraße 29, au richten und nicht an den Vorwärts". Die Partei blätter der genannten Kreise werden um Abdruck ersucht. Die Lokalfommission. 21 Zur Lokalliste. Am Sonnabend, den 22. April, veranstaltet die Neue freie Boltsbühne eine Schiller- Feier in der Philharmonie, Bernburgerstraße. Die Neue freie Boltsbühne sucht nicht nur unter ihren Mitgliedern, sondern auch außerhalb des Vereins Billetts abzusetzen. Da das Lokal der Arbeiterschaft zu Versammlungen usw. nicht zur Berfügung steht, so weise man die Karten zurüd. 250 nosis Die Lokalfommission. Bierter Wahlkreis( Oft). Dienstag abend 81%, Uhr, findet in der „ Königsbant", Große Frankfurterstr. 117, die Generalversammlung des Wahlbereins statt mit folgender Tagesordnung: 1. Kaffenbericht und Bericht der Revisoren. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Borgmann über: „ Die städtische Verwaltung als Arbeitgeber." 4. Distuffton. Die Genoffen werden ersucht zahlreich und pünktlich zu erscheinent. Die Abteilungsversammlungen fallen in diesem Monat aus. no 18 mehr gefährdet gewesen ist wie der„ Eisenbahn"-Transport. Immers bin aber glaubte der Staatsanwalt, daß der Angeklagte nicht ganz ohne Strafe davonkommen dürfe, weshalb er gegen ihn wegen Uebertretung der Straßenordnung( Fahren auf den Straßenbahngeleifen) eine Geldstrafe von 1 M. beantragte. Das Urteil lautete furzerhand auf Freisprechung. Und um einer solchen Bagatelle willen zerrt man einen Menschen auf die Anklagebant wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports!$ 154 zwei Brand im Kabellager. Gestern mittag gegen 41 Uhr brach auf dem Charlottenburger großen Lagerplatz der Siemens- Schudert Werke am Nonnendamm Feuer aus. Die Feuerwehr der Firma, die mit vier Leitungen den Brand zu löschen versuchte, mußte von der Charlottenburger Feuerwehr unterstützt werden, die mit atvei Rohren der Dampfsprize und den gewöhnlichen Anschlußleitungen borging und bis 2½ Uhr gegen den Herd anfämpfen mußte. Es für eine Schiller- Feier 500 m. brannten Verpadmaterialien und Kabeltrommeln, die hier bis zur Die Stadtverordneten- Bersammlung bewilligte am Donnerstag Söhe von einem Stodwert aufgestapelt lagen. Die Löschungsarbeiten Werte des großen Dichters beschafft und an die bestbegabten Schüler worden war. Es sollen für diesen Betrag leitete v. Leuthold, der heute zum Brandinspektor ernannt der Mittel- und Gemeindeschulen verteilt werden. Weiter wurden die geforderten 15 000 M. für die Anlage einer FlußbadeAnstalt in der Wilhelmstadt bewilligt. Einen tödlichen Unfall erlitt gestern an der Ecke der Wiener straße und des Görlizer Bahnhofes der 56 Jahre alte Kohlenarbeiter Die Vorlage betr. Austausch von Gelände der Schüzengilde, August Poppe aus der Reichenbergerstraße 100, der in der Schäfer welches zu der unabweisbaren Erweiterung der Gasanstalt dringend schen Kohlenhandlung am Görlizer Bahnhof beschäftigt war. Er war nötig ist, mit einem gleichwertigen Teil der Stadtforst, östlich auf dem Hofe der Kohlenhandlung zu Falle gekommen und hatte ba der verlängerten Streitstraße, wird nach längerer Debatte vertagt. bei schwere Verlegungen im Gesicht davongetragen. Als er mit Bunächst soll eine örtliche Besichtigung des in Betracht kommenden start blutendem Kopfe um einen Straßenbahnwagen der städtischen Geländes vorgenommen werden. Linie Treptowo- Behrenstraße herum nach der Rettungswache laufen Endlich stimmte die Versammlung dem Neubau der zweiten wollte, geriet er unter einen Wagen der Linie 22, der aus der ent Gemeindeschule an der Ecke der verlängerten Moltkestraße und gegengesetzten Richtung fam, und wurde dabei so schwer verletzt, daß die Anstellung eines Technikers auf sechs Monate zur Ausarbeitung werden mußte. Dort starb er gestern abend. Der Verunglückte war Ringchauffee zu, lehnte aber auf Antrag unseres Genoffen Duds cher von der Rettungswache nach dem Krankenhause am Urban gebracht eines Projekts ab, da der Versammlung die seinerzeit geforderte verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Uebersicht über die Verwendung der zum Stadt- Bauamt gehörigen Beamten noch nicht zugegangen ist. Infolge eintretender Beschlußunfähigkeit nahm die Versammlung schließlich ein vorzeitiges Ende. nachmittag 3 Uhr in der Berliner Werkzeugmaschinen- Fabrik von Ein bedauerlicher Betriebsunfall ereignete sich am SonnabendWaren für 5000 M. gestohlen. Bei einem nächtlichen Besuch H. 2. Sentker in der Müllerstraße. Dort traf die Kurbel einer im Konfettionsgeschäft von Hermann Ganz an der Ecke Hausvoigtei- bettes fo unglücklich, daß das Gehirn heraustrat und der Tod sofort Winde den Lehrling Otto Paasch beim Umdrehen eines Drehbant Der Vorstand. plak und Oberwallstraße erbeuteten Einbrecher Waren im Werte plak und Oberwallstraße erbeuteten Einbrecher Waren im Berte so 1bon 5000 M. Nach dem Ortsbefund muß man annehmen, daß die erfolgte.msd mojot pienoise or Einbrecher mit den Räumlichkeiten bekannt waren. 15111 Berliner Nachrichten. Der zweite Nachtrag zum Berliner Adressbuch 1905 gelangt Bei Ankunft des ersten Löschzuges standen dort bereits mehrere Feuerbericht. In der Laubenkolonie in der Elbingerftr. 56 fam gestern auf nicht ermittelte Weise ein größerer Brand zum Ausbruch. Anfang Mai zur Ausgabe und wird, wie der erste, allen Abnehmern Lauben in hellen Flammen. Neueinteilung der Gewerbe- Aufsichtsbezirke. Die Bezirke der der Hauptausgabe unentgeltlich verabfolgt. Zum Zwede der Erwerben, um die Gefahr zu beseitigen. Auch in der Lhchenerstr. 4 Es mußte nun tüchtig Wasser gegeben Gewerbe- Inspektionen für den Landespolizeibezirk Berlin werden reichung größter Genauigkeit und Vollständigkeit werden alle Be- hatte die Wehr längere Zeit zu tun. vom 1. April 1905 ab unter Errichtung von zwei neuen Gewerbe- teiligten bringend gebeten, Geschäftseröffnungen und Verlegungen, größerer Ausdehnung. Es brannte ein Keller in Inspektionen folgendermaßen abgegrenzt: Allerlei Gerümpel, Bretter, VerpadungsGewerbe Inspektion Wohnungs- und Grundbesitz- Veränderungen, soweit dieſe ſeit Er materialien wurden eingeäschert. Kleinere Brände mußten dann Berlin C., umfassend Polizeireviere 1, 2, 6, 12 bis 16, 19 bis 22, scheinen des ersten Nachtrags noch nicht berücksichtigt sind oder zu in der Prenzlauer Allee 34, Hussitenstr. 14, Blumenstr. 37 a, 27, 38, 40 und 93. Vorstand: Gewerbe- Inspettor Dr. Jungfer, einem jetzt schon feststehenden Zeitpunkt im laufenden Jahre statt Ritterftr. 32 und in der Schwarzkopffftr. 1 abgelöscht werden. Bureau: Georgenfirchplatz 21. Gewerbe- Inspektion Berlin O., finden werden, möglichst umgehend, spätestens aber bis zum Nach der Gitschinerstr. 37 wurde die Wehr gerufen, weil dort ein Bolizeirebiere 23, 24, 44, 45, 51, 52, 65, 66, 92, 94 bis 96, 102 10. April d. J. der Redaktion des Berliner Adreßbuchs, SW. 12, beladener Möbelwagen umgefallen war und sich direkt auf die und 108. Borstand: Gewerbe- Inspektor Dr. Welzel. Bureau: Bimmerstr. 37-41, anzuzeigen.tidak ad Warschauerftr. 70. Gewerbe- Inspektion Berlin SO., Polizeireviere Straßenbahnschienen gelegt hatte, wodurch der Verkehr gehemmt 25, 26, 29, 48, 49, 53 bis 55, 70, 79, 86, 87 und den Stadttreis Rig Einem Mädchenhändler wurde durch die Tätigkeit des Deutschen wurde. Der 11. Löschzug beseitigte das Verkehrshindernis. dorf. Borstand: Gewerbe- Inspektor Dr. Fischer. Bureau: Elisabeth- die Tochter einer achtbaren Familie, entrissen. Das Mädchen machte Nationalfomitees eine junge Dame, die 20jährige unverehelichte B., Ufer 45. Gewerbe- Inspektion Berlin S., Bolizeireviere 28, 30, 41, vor einiger Zeit die Bekanntschaft eines„ Architekten" T., der mit Im Zirkus Schumann ist gestern zum erstenmal eine Truppe 42, 47, 48, 67, 72, 78 und 85. Borstand: Gewerberat Knoll. Bureau: Kaiser Friedrich- Platz 3. Gewerbe Inspektion SW., der B. ein Liebesverhältnis anknüpfte. Da die Eltern der Dame waschechter Chinesen aufgetreten. Es sind Akrobaten und Zauber Bolizeirebiere 3, 81 bis 87, 39, 56, 63, 71, 73, 77 und der Stadt: aber ihre Zustimmung zur Verlobung nicht geben wollten, beschloß fünstler, die sowohl wegen der Schwierigkeit als auch wegen der Bolizeirebiere 3, 31 bis 87, 89, 56, 68, 71, 73, 77 und der Stadt bas junge Baar, heimlich zu entfliehen und sich im Auslande trauen Originalität ihrer Vorführungen Beachtung verdienen. In diesen freis Schöneberg. Vorstand: Gewerberat Donath. Bureau: Geisbergstraße 88. Gewerbe- Inspektion Berlin W., Bolizeireviere zu lassen. Der Architekt fuhr zunächst nach Zürich, to angeblich seine artisten offenbart sich eine fremdartige Kultur im Kleinen; aber doch 4, 5, 8, 57, 58, 64, 74 bis 76, 83, 84, 91, 100, 104 und den Stadt- utter wohnte, um deren Einwilligung zu der geplanten Hochzeit scheint es hier, daß der Geist, der die Menschheit durchdringt, soweit Vorstand: Gewerbe Inspektor v. Giah. geld für die Fahrt nach Zürich mittels Postanweisung zugesandt und Böller des fernen Oftens beeinflußt. Dieser Geiſt iſt ſelbſt herbeizuführen. Tatsächlich erhielt dann auch Fräulein B. das Reise- an ihr Spuren fultureller Tätigkeit wahrzunehmen sind, auch die Bureau: Calvinstraße 13. Gewerbe- Inspektion Berlin N., Bolizeirebiere 7, 9 bis 11, 17, 18, 46, 50, 59 bis 62, 68, 69, 80 bis 82, die angebliche Absenderin, Frau T. sprach ihre Freude aus, ihre verständlich der des Judentums. Als wir gestern mittag in einer rebiere 7, 9 bis 11, 17, 18, 46, 50, 59 bis 62, 68, 69, 80 bis 82, Schwiegertochter begrüßen zu können. Die Dame reifte ab und war besonderen Vorstellung uns Dr. Rasch. Bureau: Prinzen- Allee oorstand: Gewerbe- Inspektor feit dieser Zeit spurlos verschwunden. Die Eltern wandten sich an mußten tvir Sie Chinesen ansehen sollten, 88 bis 99, uns 88. eine Weile in Geduld faffen, da die waderen Leute noch nicht ablömmlich waren. Sie feien beim Gottesdienst, so wurde uns gemeldet; und da Schabbes war, so wußten wir natürlich genug. Mittlerweile hatte sich von der elf Mann starten Truppe die größere Hälfte eingestellt; der Rest hatte noch im Tempel au tun. Unter den Erschienenen waren zwei erwachsene Damen, die sich damit begnügten, Publikum zu bilden; Gefühle einige englische Volkslieder und feste sich dann zu ihrer ein niedliches Mädchen von etwa zwölf Jahren sang mit schönem Mama. Hierauf gaben die Vertreter des starten Geschlechts " das Deutsche Nationalfomitee, das mit Hülfe der Vereinigung Die Hohenzollern- Legende. Der heutigen Nummer unferes Freundinnen junger Mädchen" in Zürich ermittelte, daß der an Blattes liegt ein Prospekt der Buchhandlung Vorwärts bei, gebliche Architekt mit der B. in der Schweiz umhergereift war, um von welcher als weiterer Band der Stulturbilder" dies Wert feine Verfolgung unmöglich zu machen. Bevor er jedoch sein Opfer unferes Genossen Dr. Maurenbrecher" Die Hohenzollern- nach dem Auslande„ abschieben" fonnte, wurde es in einem Grenz Legende" herausgegeben wird. Wenn je ein Buch in heutiger städtchen vollständig mittellos entdeckt. Das Nationalfomitee schickte Beit notwendig war, dann dieses. Systematisch wird der bereits bei seinen Eltern eingetroffen. Wie die Kriminalpolizei fest. an Fräulein B. das Reisegeld zur Rückfahrt, und das Mädchen ist Jugend die jämmerliche Lüge eingepaukt, daß wir es in den stellte, hält sich der Entführer noch in der Schweiz auf. verstorbenen Hohenzollern mit einem Geschlecht von un bergleichlicher Größe zu tun haben, daß die preußische Nation Der freche Juwelendieb, ber türzlich am hellen Tage in der Broben ihrer Kunst zum besten. Diese waren denn aller Achtung wert. Der Knabe, der auf einer Art Rec so ziemlich alles, was sie an Kulturgütern ihr eigen nennt, Friedrichstr. 158 einen Schaukasten plünderte und für 8000 Mart jid in den unglaublichsten Körperberrentungen und Kraftder fast unheimlichen Fürsorge ihrer Fürsten danken muß. Brillantbroschen und Ringe erbeutete, ist jetzt von der Kriminal- leistungen erging; der Senior der Truppe, der verschmigten der fast unheimlichen Fürsorge ihrer Fürsten danken muß. polizei ermittelt und festgenommen worden. Da der abgebrochene Angesichts durch allerhand Taschenspielerkunststücke verblüffte, und Dies Märchen führt Maurenbrecher in schlichter Dar- Rasten stark mit Blut bejubelt war, so beobachteten Striminalbeamte der Jongleur, ein junger Mann, der einen Porzellantibel bon stellung auf seinen Wert zurück und leistet damit der die Kaschemmen auf Gäste mit Berlegungen an den Händen. Hier- 35 Pfd. Schwere mit erstaunlicher Geschicklichkeit balangierte: ste historischen Wahrheit einen wertvollen Dienst. Das Werk bei fiel ihnen ein 18 jähriger Schlosser P. auf, der sich einen Finger alle vollbrachten Leistungen, die höchsten Lobes wert waren. Ohne ist im Format des bekannten Buches Wider die Pfaffen- der linken Hand durchgeschnitten hatte. P. wurde weiter beobachtet. 8weifel werden die Chinesen in Berlin Aufsehen erregen und vor herrschaft" erschienen; als spätere Werte sind vorläufig geplant Er gab viel Geld aus, aber von den Juwelen tam nichts zum Vor allem dem geistigen Genüssen sonst nicht ergebenen Teile des eine Geschichte der Revolutionen, eine Geschichte des Junkerschein. Gestern holte ihn die Kriminalpolizei endlich aus einer Publikums imponieren. Liefern sie doch den Abstinenglern den tums, eine Geschichte der Höfe und Höflinge usw. Das jekt Rafchemme in der Linienstraße heraus und sagte ihm, weil er fich Beweis, daß man auch im bezopften Zustande die schwierigsten begonnene Wert wird ebenso reichhaltig illustriert werden wie über den Erwerb seines Geldes nicht ausweisen konnte, den Dieb- Sachen deichseln kann. stahl auf den Kopf zu. Bald räumte er ihn auch ein und stellte die bisher erschienenen Bände der Kulturbilder, d. h. mehr bar, wie er ihn ausgeführt hatte. Hiernach hatte er den Kasten mit denn 400 Bilder bringen. Auch dieser Band wird in 50 Liefe- dem Ellenbogen eingedrüdt, als gerade ein Postbeamter vorüber am Sonntag nachmittag 5 Uhr über:" Venus als Abend und Auf der Treptow- Sternwarte spricht Direktor Archenhold rungen à 20 Pfg. erscheinen. Wöchentlich erscheint ein Heft. ging. Damit dieser auf den Bruch der Scheibe nicht aufmerksam Morgenstern", abends 7 Uhr über: Beschaffenheit und Alter der Probehefte sind in Berlin durch die Parteispeditionen, Zeitungs- wurde, machte er sich mit seinem Hut am Schaukasten zu schaffen, Sterne", am Montag, den 3. April abends 9 Uhr beginnt der spediteure und Stolporteure sowie direkt vom Verlag: bis er vorbei war. Dann drückte er mit der rechten Hand die 10stündige Chtlus: Einführung in die Astronomie" mit dem 1. VorBuchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68, Lindenstr. 69, zu Scheibe vollends ein, raffte hierauf, weil er sich in den Finger getrag Unser Standpunkt im Weltall." Die Karten zu diesem Cyklus beziehen. schnitten hatte, den Inhalt des Kastens mit der linken Hand an sich sind in den Bureaus der Humboldt- Akademie und an der Kasse der und ging mit der Beute davon. Diese verkaufte er noch am selben Treptow- Sternwarte für Damen und Herren erhältlich. Mit dem Ueber die Sonntagsruhe am Ofter- und Pfingstfeft find jetzt die Tage für den Spottpreis von 250 M. an einen Gehler, den er nicht großen Fernrohr wird während der ganzen Woche Benus und Bestimmungen vom Polizeipräsidenten für Berlin, Charlottenburg, fennt. Er ist ein entarteter Sproß einer achtbaren Familie. Sein Sonne am Tage, und abends intereffante Rebelflede und Kometen Schöneberg und Rigdorf getroffen worden. Neu ist die Zulassung Bater befleidet eine angesehene Stellung, eine seiner Schwestern ist des Handels mit Roheis in Berlin, Charlottenburg, Rigdorf von an einen Arzt verheiratet. gezeigt. Er selbst aber hat von Kindheit an 6-10, in Schöneberg von 6-1/ 10 vormittags. Im übrigen wird nichts getaugt. In der Schule lernte er aus Faulheit nichts und für Berlin, Charlottenburg und Rirdorf der Handel mit Milch auf in der Lehre war er nicht besser. Endlich wurde er gewerbsmäßiger die Zeit von 5-10 und 12-2 beschränkt. Der Handel mit Back- Einbrecher. und Konditorwaren einschließlich der Konfitüren, sowie der mit Fleischwaren ist zulässig von 5-10, der mit Solonialwaren, mit Vor- Die vielerörterte Verfügung über die Meldepflicht der ausfoftwaren, mit Blumen, mit Bier und Wein, mit Tabat und Bigarren tretenden Bahnsteigschaffner ist von ihrem Urheber, dem Leiter der von 8-10. In Schöneberg schließt der Handel schon um 10 Uhr. Eisenbahnbetriebs- Inspektion I, Regierungsrat Wambsgans, zurüdDie Wiederaufnahme beginnt dafür schon um 12. Auch beginnt gezogen worden. Der entschiedene Einspruch der Beteiligten ist nicht der Handel mit Kolonialwaren 2c. in Schöneberg schon um 18 Uhr. ohne Erfolg geblieben. Man scheint also doch Furcht vor der LächerDie Zeitungsspedition ist gleichmäßig in allen vier Städten von lichkeit zu haben. 4-9 Uhr früh zulässig. In dem Gewerbebetriebe der Molkereien, Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Im Wahnsinn. Der Portier Steiner aus der Kaiser Friebrich ftraße zu Charlottenburg wurde plötzlich von Tobsucht befallen und raste wild in seiner Wohnung umher. Sein irrer Blic fiel dabei auf eine Regerkeule, die dem Portier bei einem Wettringen vor Jahren als Preis zuerkannt worden war. Mit der Keule zer trümmerte der Wahnsinnige sämtliche Fenster der Wohnung sowie Bierbrauereien und Eisfabriken ist die Versorgung der Kundschaft Die Stadttelegraphie von Berlin wird eine wertvolle und eine ganze Anzahl von Wohnungsmöbeln. Die Angehörigen des St. mit Milch, Bier oder Roheis während derselben Stunden gestattet, wichtige Verbesserung erfahren, nachdem das Reichs- Postamt die Her befanden sich zum Glück nicht in der Wohnung. Drei beherzten während deren ein Handel mit diesen Produkten in offenen Verkaufsstellung eines Systems von Ferndrudern für den inneren Dienst Männern, die, durch den Lärm veranlaßt, herzueilten und in die stellen zugelassen ist. Für den zweiten Feiertag gelten dieselben Be- der Telegraphie angeordnet hat. Sämtliche Rohrpostämter mit Wohnung eindrangen, gelang es mit großer Mühe, den Nasenden stimmungen wie an Sonntagen. Bestellbezirk erhalten einen Ferndruder und werden unmittelbar an zu bändigen. Mit schweren Verlegungen, die sich der Tobende selbst beträgt 67. Die Ferndruder sind zunächst bazu bestimmt, die Stadt. Westend gebracht. das Haupt- Telegraphenamt angeschlossen. Die Zahl dieser Aemter zugezogen hatte, wurde er schließlich nach dem Krankenhause in telegramme zu befördern, von denen der Berliner verhältnismäßig viel Gebrauch macht. Die Praris muß ergeben, wie weit die Einrichtung auch für die Beförderung der Ferntelegramme von und nach dem Haupt- Telegraphenamt zu dienen geeignet ist. Auch eine Gefährdung eines Eisenbahntransportes. Es ist ja nichts Neues, daß der Strafparagraph, der die Gefährdung eines Eisenbahntransportes mit Gefängnis bedroht, auch auf ganz harms lofe Vorfälle im Straßenbahnbetriebe angewandt wird. Schon mancher hat ba irgend eine kleine Unachtsamkeit, die bei dem riesigen Berliner Verkehr nur zu leicht eine Karambolage mit Straßenbahnwagen herbeiführen tann, im Gefängnis büßen müssen, weil der Zwei größere Berkehrsstörungen wurden am gestrigen Tage durch Baragraph keine Geldstrafe zuläßt. Die ganze Unsinnigkeit dieser Möbelwagen verursacht. An einem schwer beladenen Möbelwagen Bragis trat gestern in einem Prozeß gegen den Hausdiener Karl der Firma Otto Strap war in der Gitschinorstraße das Hinterrad Baker zu Tage, der sich wegen fahrlässiger Gefährdung eines gebrochen. Das Ungetüm legte sich derartig auf die Seite, daß der Rigdorf. Die Verkehrspolitik der Großen Berliner" vor der Stadtverordneten Versammlung. In unserem Bericht über die lehte Sigung der Stadtverordneten- Versammlung war nur kurz die Stellungnahme der Versammlung zu einem von der Großen Ber liner Straßenbahn vorgeschlagenen Abkommen erwähnt. Die Straßenbahn will folgende Aenderungen beztv. Erweiterungen vornehmen: Die Linie 22 E wird eingezogen. An deren Stelle fol als Ersatz die jetzt am Schlesischen Bahnhofe endigende Linie 31 bis zum Richardplatz verlängert und in Gemeinschaft mit der un verändert bleibenden Linie 22 während der ganzen täglichen Ver kehrszeit mit TVa Minuten-Abständen betrieben werden. Auch die Linie 63(Hermannplatz— Danzigerstratze) erfährt eine Ver- längerung, und zwar bis zur Erkstrahe. Hier soll das Doppelgleis über die Donaustratze hinaus ausgedehnt werden, um dort die End- Haltestelle der letztgenannten Linie einzurichten. Dies wären also die Verbesserungen, welche die„Große" in ihrer bekannten„Bereit Willigkeit" der Stadt Ripdorf— um dieser wieder einmal auf ab sehbare Zeit den„begehrlichen" Schnabel zu stopfen— zu bescheren gedenkt. Natürlich nicht umsonst. Liebe erheischt Gegenliebe! Und so legt denn der zweite Teil des Abkommens die Gegenleistungen fest, durch welche sich die Stadt Ripdorf„Verbesserungen" erkaufen soll, deren Notwendigkeit ohne weiteres im Interesse des Verkehrs geboten war. Aber solche Rücksichten kennt die Straßenbahn nicht sie fordert nur— und die Stadt muß Order parieren und ihre Straßen und Plätze dem privaten Aktienkapital ausliefern. Dies mal ist es nun an erster Stelle die Erkstraße. In dieser soll der Straßenbahn das Rangieren! und das„vorübergehende" Aufstellen von Anhängewagen gestattet werden. Abgesehen davon, daß mit Rücksicht auf das Feuerwehrdepot diese Forderung abzuweisen ist, so muß man doch angesichts der Tatsache, daß sich die„Große" schon lange das Recht des Rangierens in der Erkstraße anmaßt, darau■ energisch dringen, daß der Magistrat dieser Gesellschaft die gar zu weitgehenden Freiheiten unzweideutig untersagt. Ferner soll sowohl — wie schon oben erwähnt— in der Erkstraße für die Linie 63 als auch auf dem Richardplatz für die Linie 31 eine Endhaltestelle angelegt werden. Mr wollen hier nicht darüber entscheiden, ob diese Anlagen nur so und nicht anders möglich sind. Das eine steht aber fchst, daß auch bei diesem Abkommen Leistung und Gegenleistung in keinem Verhältnis zu einander stehen. Die Stadt Ripdorf soll vielmehr die paar von der Straßenbahn hingeworfenen Brocken — denn anders sind die eingangs erörterten„Verbesserungen" nicht zu bezeichnen— außergewöhnlich teuer erstehen. Nur so ist es denn verständlich, daß auch endlich einmal die bürgerlichen Stadtväter — wie dies in der Donnerstag-Sitzung geschah— aufsässig wurden und den Drang verspürten, der Straßenbahngesellschaft öffentlich die Wahrheit zu sagen, ohne sich wieder in die geheime Sitzung zu ver kriechen. So kam die Versammlung denn— nachdem man dem Ver- langen des Magistrats, seine noch rechtlichen Auseinandersetzungen in geheimer Sitzung anzuhören, nachgekommen war— einstimmig zu dem Beschluß, das ganze Abkommen zu vertagen und in der nächsten Sitzung öffentlich zu behandeln. Hoffentlich ist die Eni rüstung der Herren von der Rechten im Stadtparlament kein Stroh- seuer und hält bis dahin vor. Schöneberg. Ucber Parteientwickelung und Parteiprogramm sprach im sozial- demokratischen Wahlverein zu Schöneberg am Dienstag, den 28. März, Genosse Dr. Borchardt- Charlottenburg. Der erste Teil des Vor- träges beschäftigte sich mit der äußeren EntWickelung der Partei bis zu den glänzenden Resultaten im Jahre 1903. Sowohl die Zahl der Stimmen war für prozentuale Verhältnis der abgegebenen Stimmen und sei die Sozialdemokratie seit dem Jahre 1871 in einem steten Steigen begriffen. Auch die Wahlen zum Reichstage im Jahre 1881 haben gezeigt, daß die Drangsalierungen des Sozialisten-Gesetzes nicht vermocht haben, die Parte, in ihren Grundresten zu erschüttern. Die verschiedenen Wandlungen im äußern Wesen der Partei haben auch innere zur Folge gehabt. Der Referent geht dann in seinen Ausführungen zurück bis auf das Ersuchen der arbeitenden Bevölkerung an Ferdinand Lasalle, die von ihm einen Programm-Eutwurf verlangte, den Lasalle als „Offenes Antwortschreiben an die Leipziger Arbeiter" im Jahre 1863 veröffentlichte. Die zwei Hauptfragen des„Antwort schreibens":„Braucht die Arbeiterschaft eine eigene Ver tretung" und„Errichtung von Produktiv- Genossenschaften mit billigem StaatSkredit", behandelte er dann ausführlich in seinen weiteren Darlegungen. Uebergehend zu der Vereinigung der da maligen beiden Richtungen in der organisierten Arbeiterichaft, der „Lassa lleaner" und der„Eisenacher", auf dem Kongreß in Gotha im Jahre 1876, streifte er kurz daS dort beschlossene Programm Auf die dann später stattgefundenen Parteitage übergehend, weist der Redner darauf hin, daß aus unserem jetzt maßgebenden, auf den, Erfurter Parteitage im Jahre 1891 beschlossenen Programm die Lassalleschen Grundanschauungen über die Produktiv- Genossen- schasten ausgemerzt sind. Der Referent empfiehlt zum Schluß die Konsum- Genossenschaften als ein Mittel zur Verwirk- lichung des Sozialismus.— In der sich an den Vor- trag anschließenden Diskussion trat Genosse Veit für Er- richwng von Produktiv- Genossenschaften ein. Er hält die Genossenschaftsbewegung für wichtiger als die Gewerkschaftsbewegung. Dieser merkwürdigen Anschauung trat Genosse Dr. Borchardt in seinem Schlußwort treffend und energisch entgegen. Unter Bereins-Angelegenheiten weist W a l l e r m a n n aus die am 9. April stattfindende Flugblattverbreitung hin, durch welche für die Verbreitung des„Vorwärts" Agitation entfaltet werden soll.— Ferner wird auf den am Freitag, den 31. d. M., stattfindenden ProjektionSvortrag des Genossen G r e m p e über.Freiheitskämpfe in Rußland" hingewiesen und die Genossen ersucht, diese Veranstaltung des Vereins zu besuchen.— In den Wahlverein wurden 24 Mit- glieder aufgenommen. Lichtenberg. Die Gemeinbe-Bertretung nahm in ihrer letzten Sitzung zunächst die Wahl zweier Schiedsmänner und eines Stellvertreters vor. Die Offerte der Lichtenberger Terrain-Aktiengesellschaft bezüglich des früheren Atzpodienschen Gutshofes in der Frankfurter Chaussee zum Zwecke der Erbauung eines Krankenhauses zeitigte wie schon so oft eine lebhafte Debatte für und wider die Errichtung des Krankenhauses. Die Offerte selbst ist eine weit günstigere als im Vorjahr. Es wurden 259 M. gegen 291 M. pro Ouadratrute im Vorjahr gefordert. Nichts destoweniger fanden sich wieder recht schroffe Widersacher. Sie meinten, daß für Lichtenberg wohl ein Krankenhaus Wünschens- wert sei, aber eine unbedingte Notwendigkeit sei es eben nicht. Lichtenberg könne sein Geld noch„besser" anlegen! Die„Liberalen" ließen durch ihren„Führer", auf den sie nun einmal ausschließlich angewiesen sind, erklären, daß an die An- nähme des Angebotes noch einige Bedingungen zu knüpfen seien. Diese Bedingungen sollten die„konservativen" Gegner des Kranken- Hausbaues zu der Annahme bewegen in der stillen Voraussetzung, daß nun doch„nichts daraus werde." Unsere Parteigenossen vertraten mit allem Nachdruck ihren bisher eingenommenen Standpunkt und zwar mit dem Erfolge, daß das etwa 7 Morgen große Terrain mit 225 M. pro Quadratrute angekauft werden soll. Sie konnten aber nicht ver- hindern, daß die Gesellschaft den Kaufpreis mit 3 Prozent auf 6 Jahre stunden solle, serner ein weiteres Baugelände, das zun, gleichen Zwecke weder benötigt, noch verwendbar ist, zum gleichen Preise der Gemeinde überlassen soll, obwohl baureife Grundstücke in dortiger Gegend mit 599 M. für die Ouadratrute bezahlt werden! Der Antrag der Liberalen ging darauf hinaus, den Krankenhausbau auf diese Weise zu verhindern. Die Etatsberatung, die nunmehr als Spezialberatung einsetzte und in der zehnten Abendstunde abgebrochen wurde, gab unseren Parteigenossen überaus reiche Gelegenheit der Oeffentlich- keit nachzuweisen, daß die Sachlichkeit und die Arbeitslust der sozialdemokratischen Vertreter durch noch so große Rüpeleien der Gegner keine Einbuße erleidet. Vor Beginn der Beratung stellte Genosse Grauer unter großer Aufmerksamkeit des Hauses und ohne jeden Widerspruch folgendes fest: Die Behauptung des Orts- blattes,— das der„liberalen Gruppe" nahesteht— der Gcmeindever- treter Grauer habe in der Generaldiskussion zum Etat in der Sitzung vom 23. März beantragt, den Etat unter Ausschluß derOeffentlichkeitnurin einer Kommission zu verhandeln, und daß erst ein Antrag der Liberalen die Oesfentlichkeit gesichert habe, ist unwahr. Weder habe er, Grauer, einen solchen Antrag gestellt, noch sei über einen entgegengesetzten An trag Plonz abgestimmt worden. Letzteres konnte nicht geschehen, da ein solcher Antrag aus Mangel einer Veranlassung dazu garnicht gestellt worden ist. Das Interesse der Bürgerlichen an der Etats beratung bekundete sich nicht nur in der Tatsache, daß die Versamm lung knapp beschlußfähig war, sondern auch darin, daß unsere Par, teigenossen die Kosten der Verhandlung fast allein zu tragen hatten und sich auch wiederholt gegen die Anträge auf Vertagung wenden mußten. Spandau. Zur kommunalen Besteuerung der Reichsbetriebe. Ueber die diesjährige Staatsarbeiter-Debatte im Reichstage liegt jetzt der stenographische Bericht vor. Bei dem yohen Interesse� das Spandau an einer Heranziehung des Fiskus zu den Gemeinde lasten hat, werden wir die Erklärung, welche der Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel auf di- auch in diesem Jahre wiederholte An frage unseres Genoffen Zubeil abgegeben hat, wörtlich zum Ab druck bringen. Frhr. v. Stengel führte aus: „Meine Herren, der Herr Abgeordnete Zubeil hat in seiner Rede auch die Frage der Besteuerung des Reichs in An sehung gewerblicher oder fabrikmäßiger Betriebe gestreift. Ich bc merke, daß die Frage einer gesetzlichen Regelung der kom- munalen Besteuerung der fabrikmäßigen Betriebe des Reichs der malen der Verhandlung unter den Refforts unterliegt, daß diese Verhandlungen aber bisher noch nicht zum Abschlüsse haben ge bracht werden können. Inzwischen ist aber, um den betreffenden Kommunen möglichst entgegenzukommen, für eine Reihe von Gc meinden, wo sich ähnliche Betriebe des Reichs befinden— ich er innere hier nur an die Gemeinden Kiel, Ellerbeck u. a.— durch den Marine-Etat angemessene Beihülfen ausgebracht worden, und es besteht sowohl bei der Heeres» als auch bei der Reichsfinanz-Berwaltung die bestimmte Ab ficht, in den Etatentwurf für das Jahr 1996 eine solche Beihülfe auch für die Stadt Spandau aufzunehmen." Hoffentlich läßt die definitive gesetzliche Regelung der Be steuerungsfrage nun auch nicht mehr lange auf sich warten. Wegen Beleidigung des Amtsvorstehers Kopp in Falkenhagen wurde am Freitag unser Parteigenosse R i ch. Bock aus F. vom Schöffengericht in Spandau zu 19 M. Geldstrafe verurteilt. Herr K., mit dem unsere Genossen während des Wahljahres 1993 so manches Sträußchen auszufechten gehabt haben, fühlte sich diesmal durch eine Bemerkung in einem Flugblatt beleidigt, das unsere Falkenhagener Genossen zum Zwecke der Erkämpfung eines Versammlungslokals verbreitet hatten. Potsdam. Mitten auf dem Bahnsteig entbunden wurde am Freitag in Potsdam ein von Berlin eben mit einem Stadtbahnzug eingetroffenes Dienstmädchen. Dasselbe wurde plötzlich schwach und hielt im nächsten Augenblick einen jungen Weltbürger in seinen Händen. Eine zufällig anwesende Diakonissin brachte in einer Droschke Mutter und Kind nach dem städtischen Krankenhause Herr Geheimrat wünschte Ruhe. Die Umpflasterung der Humboldtstraße in Potsdam, welche direkt vom Marktplatz zur Langen Brücke führt und die einzige Verbindungsstrah« zum Bahn Hof ist, währt bereits seit dem 21. März und wird mindestens noch drei Wochen dauern. Es ist anzuerkennen, daß sich das Stadtbau- amt alle Mühe gibt, um die Umpflasterung dieser Hauptverkehrs. traße, durch die auch die Pferdebahn fährt, zu beschleunigen und deshalb des Nachts arbeiten lassen wollte. Kaum war dies«wer ein- mal geschehen, da beschwerte sich darüber ein in der Straße wohnender höherer Beamter, und nun wurde die Nachtarbeit inhibiert. Seitdem heißt es mit der Umpflasterung:«Nur immer langsam voran" Wilmersdorf. Die feierliche Grundsteinlegung zu dem neuen Gebäude des Reform-Realgymnasiums in Wilmersdorf fand heute im Beisein des Gemeindevorstandes, der Gcmeindevertreter. einer Anzahl von Ehrengästen, des gesamten Lehrerkollegiums und der Schüler der Anstalt statt. Johannisthal. Der Gemeindehaushalt für das Rechnungsjahr 1995/96 beläuft ich in Einnahme und Ausgabe aus 73 999 M. Der Kommunal- teuerzuschlag ist von 189 Prozent auf 179 Prozent herabge- etzt worden. Die G r u n d w e r t st e u e r ist auf 2,7 Prozent pro Tausend für bebaute und unbebaute Grundstücke, die Gewerbe- teuer für die 1. und 2. Klasse auf 159 Prozent und für die 3. und 4. Klasse auf 199 Prozent festgesetzt worden. An indirekten Steuern sind vorgesehen die Lustbarkeitsteuer mit einem Ertrag von 2999 M., die Hundesteuer mit 559 M., die Umsatzsteuer mit 3999 M. und die Bicrstcuer mit 2999 M.— Zur Schulverwaltung erhält die Gemeinde einen festen Staatsbeitrag in Höhe von 3359 M. und eine wicderrufliche Beihülfe zur Lehrerbesoldung im Betrage von 2899 M., zum katholischen Religionsunterricht 225 M. und zum Handarbeitsunterricht 259 M. Der Gemeinde- Vorsteher hatte die persönlichen Ausgaben für die Gemeinde- Verwaltung auf 11 875 M. festgesetzt, das bedeutet gegen das Vor- jähr eine Mehrbelastung der Gemeinde um 2935 M. Darunter be- fand sich auch der Betrag von 999 M., welchen der Gemeindevorsteher mr seine Person als Gehaltserhöhung eingesetzt hatte. Die Ge- meindevertretung bewilligte eine Gehaltserhöhung von 499 M. für den Vorsteher, 259 M. für den Gemeindekasscn-Rcn- danten, 159 M. für den Gemeindediener und 199 M. für den Nacht- Wächter. Ferner für einen jugendlichen Schreiber eine Erhöhung einer Entschädigung von 399 auf 549 M. jährlich. Außerdem be- willigte die Vertretung 1699 M. für einen Sekretär und 369 M. für Schreibhülfe, strich jedoch den Betrag von 1259 M. für einen Assisten- tcn. Gegen diese Beschlüsse der Gemeindevertretung hat der Bor- teher beim Kreisausschutz Beschwerde eingelegt, um die zwangs- weise Einstellung der von ihm geforderten Position in den Etat zu erreichen. Die übrigen Ausgaben für die Gemeindeverwaltung belaufen sich auf 3725 M. Für die Unterhaltung des Feuerlöschwesens sind 799 M. festgesetzt, gegen das Vorjahr mehr 449 M. Darunter befinden sich zum ersten Mal Entschädigungen an die Feuerwehrleute und zwar im Betrage von 399 M. Ferner Versicherungsprämien für die Mitglieder der Feuer- wehr und die zu den Löschfuhren benötigten Pferde.— Die Unterhaltung der Volksschule erfordert an Gehältern und Mietsentschädigung 23 177,59 M., gegen das Vorjahr ein Mehr von 4347,59 M.; an sonstigen Kosten 7349 M. Ferner sind zur Ver- zinsung und Tilgung der zu Schulbauzwecken aufgenommenen Dar- lchen 5236 M. erforderlich. Zur Verzinsung und Tilgung der übrigen Gemeindeschulden sind 2331 M. erforderlich. An Kreis- te u e r n hat die Gemeinde zu zahlen 19 999 M., gegen 7999 M. im Vorjahr. Die Armenverwaltung erfordert 2699 M. Das Extraordinarium für das Jahr 1995/96 sieht vor für die Anlage der Schmutz- und Regenwasserkanalisation 159 399 M., ür Pf lastet kosten der Kaiser Wilhelmstraße und des ehe- maligen Kirchbauplatzes 199 999 M. und für den geplanten Bau 'es Gemeindehauses ebenfalls 109 099 M. Stralau. Im Eisenbahnwagen gestorben. In einem von Berlin abge- lassenen Fernzug v e r st a r b plötzlich zwischen Erkner und Fürstenwalde in einem Abteil vierter Klasse ein aus Amerika zurückgekehrter österreichischer Auswanderer, welcher seine geringen Habseligkeiten in einem Sack mit sich führte. Als man in Fürstenwalde die Wagen- tür öffnete, lag der Mann allein im Abteil tot auf einer Bank. Die übrigen Mitfahrenden hatten, als der Mann plötzlich seinen Geist aufgab, das Eoupe verlassen und hielten sich im Nebcnabteil auf. Es befanden sich unter ihnen gleichfalls einige aus Amerika heim- gekehrte Auswanderer, welche erzählten, daß der Verstorbene schon wählend der Seefahrt meistens im Schiffslazarctt gelegen hatte. Ein Fürstenwakder Arzt stellte fest, daß der heimgekehrte Aus« Wanderer an der Wassersucht verstorben war. Der betreffende Wagen wurde in Fürstenwalde aus dem Zuge entfernt und später nach Frankfurt a. O. zum Desinfizieren gesandt. 6cncht9-Zeitung. Wegen acht Mark sollte sich der Bureauhülfsarbefter Robert Pätz er unglücklich gemacht haben. Der große Apparat eineS Schwurgerichts wurde aufgeboten, um nach mehrstündiger Prüfung der Sachlage den Angeklagten auf Kosten der Staatskasse freizusprechen, nachdem er längere Zeit in Untersuchungshaft gesessen hatte.— Der bisher völlig unbescholtene P. stand vor den Geschworenen unter der Anklage der Unterschlagung im Amte und zwar in 16 Fällen in Höhe von je 59 Pf. Der An- geklagte steht seit dem Jahre 1878 in städtischen Diensten und hat sich während der ganzen Dicnstjahre einwandsfrei geführt. Seit dem Jahre 1999 ist Pätzer in dem Standesamt VIl a angestellt. Er hat hier unter anderem auch die Einforderung und Ablieferung der vom Publikum verlangten Urkunden. Vor den Geschworenen hatte Rechts- cmwalt Dr. S ch w i n d t einen umfangreichen Entlastungsbeweis angetreten. Da täglich etwa 39 bis 59 Urkunden auszufertigen sind, komme es häufig vor, daß in diesem oder jenem Falle auf Wunsch des Betreffenden die Gebühr nicht sofort entrichtet werde, sondern erst bei Aushändigung der Urkunde, was dann in vielen Fällen vergessen werde. Hieraus entstehen, wie mehrere Standesbeamte vor Gericht bekundeten, Mankogelder ohne Schuld des Beamten, und es sei allgemein üblich, um einen Ausgleich herbeizuführen, hinter einzelne Ausfertigungsgesuche den Vermerk„gebührenfrei" zu setzen. Der Angeklagte gab auch offen zu, diesen Ausweg auch seinerseits betreten zu haben, bestritt jedoch, sich dadurch strafbar gemacht zu haben. Die Geschworenen kamen nach kurzer Beratung dem Antrage des Ver- teidigers gemäß zu einer Verneinung sämtlicher©chuldsragen. Der Angeklagte, welcher seinerzeit gegen Kaution in Höhe von 1999 Mark aus der Untersuchungshaft entlassen war, wurde frei» gesprochen und sämtliche Kosten der Staatskasse auferlegt. Ein trauriges Sittenbild wurde gestern vor der zweiten Straf» kammer des Landgerichts I entrollt. Wegen Verbrechens gegen die Sittlichkeit waren drei verheiratete Männer, der Buchbinder Emil Bernthal, der Händler Willy G r u n d t k e und der Sattler Friedrich Teske angeklagt, von denen sich der erstere in Unter- suchungshaft befindet. Sie wurden beschuldigt, in den Jahren 1993 bis 1995 nrit der jetzt noch nicht 14jährigen Elisabeth M o o g ver- botenen Umgang gehabt zu haben. Das gestern aus einem Er- ziehungshause in Friedenau als Belastungszeugin vorgeführte Mädchen, welches noch einen recht kindlichen Eindruck macht, ist schon frühzeitig moralisch vergiftet worden. Der Gerichtshof erfuhr zu seinem Staunen, daß sich dieses Kind schon seit acht Monaten Mutter fühlt. Die beiden ersten Angeklagten waren geständig, sich an dem Mädchen vergangen zu haben, sie be- haupteten jedoch, die Anregung von dem Madchen selbst erhalten und dessen Alter höher geschätzt zu haben, als es in Wirklichkeit war. Der letzte Angeklagte, der von dem Mädchen weniger belastet wird, bestritt entschieden, irgend eine unzüchtige Handlung mit dem Kinde vorgenommen zu haben. Zur Erschütterung der Glaubwürdigkeit der Zeugin beantragte Rechtsanwalt Dr. Davidsohn eventuell die Vorladung noch mehrerer Zeugen. Staatsanwalt Braut hielt gegen die beiden ersten Angeklagten eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr, gegen den nichtgeständigen dritten Angeklagten aber eine Zuchthaus- träfe von 1 Jahr für eine angemessene Sühne. Der Gerichtshof verurteilte Bernthal und Grundtke zu je 1 Jahr Gefängnis und Jahren Ehrverlust. Die Verhandlung gegen Teske wurde ver- tagt, um die von dem Verteidiger vorgeschlagenen Zeugen vorzuladen. Teske und Grundtke wurden in Untersuchungshaft genommen� Rrbeiter-Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr, letzte Uebunas- tunde des Winterkursus, Dresdenerstr. 45. Vortrag der praktischen Aerztin Fräulein Dr. Pro sä über:„Krankenpflege". Nachher prakfische Uebungen. Wiederbeginn des Kuffus am Montag, den 8. Mai, abends 9 Uhr, in dem- elben Lokal Deutscher Arbeiter- Abstinentenbuud. Sonntag, den 2. April, 6 Uhr, im„Englischen Garten". Akexmiderstr. 27o: UnterhaltungSaben». Vortrag des Genossen H. B a e g e:„Entstehung und Abstammung deS Menschen".— Nachdem gemütliches Beisammensein und Tanz. Hmnoriftisch« Vorträge.______ Vermischtes. Ein Frauenattentäter. Ein unheimlicher Mensch treibt seit einiger Tagen in Dresden sein Wesen und versetzt durch sein Auftreten alleinstehende Frauen in Angst und Schrecken. Der Unhold begibt sich in die Wohnungen alleinstehender Damen, vornehmlich zu olchen, die sich in bedrängten Verhältnissen befinden und bietet ihnen Barunterstützungen an. Dabei stellt er sich als„Menschenfreund" vor und bezeichnet sich selbst als„Arzt", der auch gern bereit sei, die Dame von irgend welchen körperlichen Beschwerden zu heilen. Er hat in mehreren Fällen Frauen auf ihren körperlichen Zustand unter» ücht und dabei stellte sich dann heraus, daß er Sittlichkeitsattentate plante. Der„Menschenfreund" wandte, wenn die Uebcrfallenen sich gegen diese Manipulationen sträubten, sogar Gewalt an. Vis jetzt ist es den Bemühungen der Polizei noch nicht gelungen, den Frauen- attentäter unschädlich zu machen. Durch das leichtfertige Hantieren mit einer Schuhwaffe ist in Lunzenau i. S. ein schreckliches Unglück herbeigeführt worden. Vor einigen Tagen besuchte der Zigarrenarbciter Hornauer seinen Freund, den Arbeiter Jautke. Ersterer trug einen geladenen Revolver bei sich und wollte seinem Freunde später den Mechanismus er- klären. Beim Hantieren mit der Waffe richtet- Hornauer„scherz- weise" den Revolver auf den Freund. Der Schuß ging los und die Kugel traf das Herz des Freundes, der sofort tot zu Boden t ü r z t e. Vor Schreck gelähmt über das von ihm angerichtete Un- glück richtete nun Hornauer in seiner Verzweisclung die Waffe auf sich selb st, drückte los und stürzte tot nieder. Ein anderer junger Mann, der Zeuge deS ersten Unglücks gewesen war, sprang zwar hinzu, konnte aber den Selbstmord nicht mehr verhüten. Beide Freunde sollen in ein gemeinsames Grab gebettet werden. Der Bauunternehmer Georg John aus Fürstenwalde, dem der am 27. Februar auf einen Kassenboten der Deutschen Bank unter« nommene Raubansall zur Last gelegt wird, ist nunmehr auf Antrag des Rechtsanwalts Ernst Marcus«, der seine Verteidigung über- nommen hat, zur Beobachtung seines Geisteszustandes der Irren- anstatt Herzbcrge überwiesen worden. Selbstmord eines Leutnants. Selbstmord verübte der bei der einer Batterie des 22. Artillcrie-Regiments in Münster(Westfalen) tehende Leutnant R o m b e r g, indem er sich in seiner Dienst- Wohnung in der Kaserne mit einem Revolver eine Kugel in die Schläfe jagte. Als man den Lebensmüden auffand, war der Tod bereits eingetreten. Die erstarrte Rechte hielt noch krampfhaft den Revolver umspannt. Auf dem Tische lagen mehrere Briefe, darunter einer an den Regimentskommaafccur und ein zweiter an den RegimentS-Adjutanten adressiert. Der Lebensmüde hatte noch am Tag« zuvor an einer Besichtigung teilgenommen; er war 21 Jahre alt und aus Weimar gebürtig. Das Motiv zu der unseligen Tat ist nicht bekannt. 299 999 Kronen Schaden durch Schnccmassen. In den auf dem böhmischen Erzgebirge gelegenen Fürstlich Clarvschen Forstrevieren wird der durch die Schneemassen verursachte Holzbruch auf über 299 909 Kronen geschätzt. Das niedergebrochcne Holzquantum be- trägt 59 990 Festmeter. 107 Todesfälle infolge von Meningitis(Hirnhautentzündung) haben sich in New Dork in den letzten fünf Tagen ereignet. Der zur Untersuchung der Epidemie eingesetzte Sonderausschutz empfiehlt als einziges Mittel Isolierung der Kranken. Viele reiche Einwohner verlassen eiligst die Stadt. Die Epidemie tritt in allen BevötkerungS- schichten auf und befällt auch Aerzte und Pflegerinnen. Eermtw. Rtdafteur.: Paul Buttner, Berlin. Füi deu Inseratenteil vercmtw.: Th. Glocke. Berlin. Druck u Verlaa: BorwärtS Buchdruckerei u. Berlagsaujtalt Paul Singer& Co.» Berlin SW