Bbonncments-Bcdingungen: »bonnementZ• PrsiZ prSnmnerando! «ierteljShrl. zao 2RI, monail. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei ins Hau?. Einzewe Nummer S Psg. Sonntags- mimmer mit illustrierter Sonntag?, Beilage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post- Wonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitung?» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Mark, für da? übrige Ausland S Mark pro Monat. SÄ. Jahrg. VIe Infertions'Gebflbr »etrtigl für die fechsgespalten« Koloncl-. zcile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewertschaftliche Verein?- und Bersammlungs-Anzeigcn LS Pfg. „Ultlne Anreizen", das erste lsett- gedruckte) Wort 10 Pfg., jede? weitere Wort b Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis E Uhr nachmUlag? in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi? 7 Uhr abend?, an Sonn- und Festtagen bi? 8 Uhr dormUtag? geöffnet. Crfittlnt Ugiich aaScr montag». Berliner Volkcsblnlk. relegramm- Adresse: ..Zoalaliitwöllkal BtrUn". Zcntralorgan der fozialdcmokrati feben Partei Deutfcbtands. Redaktion: SM. 68, Linden Strasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Dienstag, den 4. April 1905. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Das Kabinett Fortis. Rom, den 31. März. Nach dem Votum vom 24. März war das Interesse für die Lösung der Krise in den nicht direkt beteiligten Kreisen sehr zurückgegangen. Als dann die offizielle Nachricht der Bildung des Kabinetts kam, wurde sie mit großer Gleich- gültigkeit aufgenommen und von der Presse nur sehr lakonisch kommentiert. In der Tat läßt sich nicht viel über das Ministerium Fortis sagen. Es beschwört nicht jene Ent- rüstungsstürme herauf, die vor zwei Jahren das Kabinett G i 0 l i t t i heraufbeschwor, als man dem Lande das würdige Kleeblatt Tittoni-Rosano-Paterno zumuten lvollte. Andererseits hat es auch nicht einen Namen, der zu besonderen Hoffnungen berechtigte. Es ist ein farbloses Kabinett, wie es zu der grauen verschlafenen Kammer paßt. Einige konservative Blätter heben hervor, daß es, politisch gesprochen, ein weit kleineres Segment der Kammer umspanne als irgend ein früheres Kabinett seit P e l l 0 u x. Vom Stand- Punkt der Namengläubigen hat man darin recht, denn die berühmte„Spitze nach rechts", die Fortis versprochen hatte, ist sehr kümmerlich ausgefallen, da einzig Tittoni Mitglied der Rechten ist. Nun haben aber die Namen, wie das Votum ge- zeigt hat, gar keinen Wert mehr im italienischen Parlament; nachgerade sollten es die konservattven Blätter doch wissen, daß die reakttonärste Politik in Italien sehr gut von dem allerliberalsten Kabinett gemacht werden kann. Die„Spitze nach rechts" hat ja für die Konservattven ein gewisses polittsch- persönliches Interesse; den prinzipiellen Forderungen der Reaktton wird jedoch auch ohne sie auf das beste genügt. Eigentlich hat das neue Kabinett außer Fortis nur vier neue Minister, da der Postminister Stelluti Scala schon seit Monaten zurückaetteten war und an seine Stelle jetzt sein Unterstaatssekretär Morelli-Gualtierati tritt, was keinerlei Aenderung im Posttessort herbeiführt. Von dem alten Ministerium scheiden aus Luzzatti, der nicht unter Fortts Minister sein konnte, weil er es zu offen darauf an- gelegt hatte, an seine Stelle zu treten. Er gehörte der Rechten an und galt als ein sehr fachkundiger Fiuanzminister. An seine Stelle tritt der bisherige Schatzminister M a j 0 r a n a, der seinerseits von dem Zanardellianer C a r c a n 0 ersetzt luird. Carcano ist ein früherer Radikaler, der im ersten Kabinett Crispi Unterstaatssekretär der Finanzen war, dann unter den: ersten Ministerium Palloux Finanzminister wurde und dasselbe Ressort im Ministenum Zanardelli übernahm. In der parlamentarischen Alchemie hat er die FunMon, die konsüttitionellen Demokraten mit dem Kabinett auszusöhnen. Im Schatz- oder Finanzressort gilt er für tüchtig. Für den neu eintretenden konstttuttonellen Demokraten tritt ein anderer— Ronchetti— aus. Außer durch Ehr- geiz zeichnete sich dieser Justizminister durch nichts aus. Er hatte sich sehr große Hoffnung aus die Ministerpräsidentschast gemacht. Sein Nachfolger Finocchiaro Aprile ist Sizilianer; früher Anhänger Crispis nennt er sich jetzt liberal. Er war Postminister unter Giolittt und Justiz- minister unter dem Pelloux der ersten Auflage. Der Unterttchtsminister O r l a n d 0 verläßt die„M i n e r v a", weil er dort Zustände einreißen ließ, die stark an den seligen N a s i erinnern. An seine Stelle ttttt Leonardi Beanchi, Irrenarzt und Professor der Jrrenheilkunde, sehr geeignet, wie boshafte Blätter bemerken, für die Tollheit der italienischen Unterrichtsverwaltung. Bianchi steht im Rufe klettkaler Sympathien. Als Arzt und Wissenschaftler ist er geschätzt. politisch unbekannt. T e d e s c 0, der Minister der öffentlichen Arbeiten, fällt als Opfer der Eisenbahnerobstruktton. Da schon die Anttstteik- gesetze fielen, mußte der Minister nach. Carlo Ferraris, sein Nachfolger, ist nattonalökonomischer Schriftsteller, der auch ein Werk gegen den Geschichtsmaterialismus geschrieben hat. Was ihn zum Arbeitsminister befähigt, ist aller Welt ein Geheimnis. Fortis hat es vor allem darauf abgesehen, schnell fertig zu werden. Großen Enthusiasmus für sein Werk bringen selbst die Offiziösen nicht auf. Immerhin ist anzuerkennen, daß anrüchige Persönlichkeiten nicht im neuen Ministerium sind. Mehr verlangt man ja gar nicht mehr bei dem Tief- stand der Kammer und der programmlosen Versumpfung. Selten hat ein neues Kabinett eine so apathische Presse ge- habt. Im Zeichen der Ermüdung geboren, wird es sich wohl vor allem durch jene Indolenz auszeichnen, die als das wesentlichste Charatteristikum unseres wobl�-mä??«,-! Minister» Präsidenten bezeichnet wird. Die Revolution in Rußland. Ein Blutbad in Rußland. I» Warschau fand am Sonntag abends 7 Uhr im jüdischen Stadtviertel eine sozialistische Demo« st ratio» statt. Die Demonsttanten entfalteten rote Fahnen. Eine Militär- Patrouille ging scharf gegen die Manifestanten vor, von denen ebenfalls Revolverschüsse abgefeuert worden sein sollen. Durch die Salven des Militärs wurde eine Anzahl von Per- sou-en getötet«der schwer verwundet. Alle Ver- letzten find Asraeliten. Während in einem Telegramm des „Berliner Tageblattes" die Zahl der Toten auf vier angegeben wird, meldet ein späteres Telegramm des Depeschen- Bureaus „Herold", daß im ganzen fünfzehn Demonstranten getötet worden seien, darunter mehrere Frauen fünfzig weitere Personen seien verletzt worden In der Stadt herrscht große Aufregung, an verschiedenen Stellen der Stadt seien Proklamationen angeschlagen worden, worin die Bevölkerung gewarnt werde, sich in der Nähe öffentlicher Gebäude aufzuhalten, da dieselben jeden Augenblick durch Dynamit in die Luft gesprengt werden könnten. Demonstratton in Saratow. Saratow, 31. März.(Telegramm der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Amtliche Meldung. Im hiesigen Stadttheater kam es heute zu einem grotzen Lärmauftritte, als nach einem von etwa 2000 Personen besuchten Bortrage über die Cholera zwei Rechtsanwälte Reden über Tagesfragen halten wollten und durch die Polizei daran gehindert wurden. Die Polizei rief zwei Kompagnien Infanterie herbei. Ehe diese an- kamen, wurden von der Galerie Aufrufe ins Haus geworfen und revolutionäre Reden gehalten. Sodann verließ die Menge das Theater und zog unter Absingung der Marseillaise durch die Straßen Die Truppen versperrten der Menge den Weg, aus deren Mitte hierauf fünf Revotverschüsse abgegeben wurden, die aber niemand ttafen. 39 Personen wurden verhaftet. Bei denselben wurden viele revolutionäre Schriften und Aufrufe gefunden. Gegen die Verhasteten ist Anklage wegen Verletzung der Vorschnsten des Gouverneurs erhoben worden. Der verbotene Cholerakongreß. Moskau, 2. April.(Meldung der Petersburger Telegraphen Agentur.) Morgen sollte hier ein Kongreß zur Bekämpfung der Cholera eröffnet werden. Der Gehülfe des Ministers des Innern hat die Eröffnung untersagt, weil, wie es in der amtlichen Mitteilung heißt, die Urheber des Kongresses diese Gelegenheit zu Kundgebungen gegen die Re g i e r u n g benutzen wollten. Die Kongreßleitung hat in einem Telegramm an den Minister des Innern diese Behauptung als ungerechtfertigt bezeichnet; sie hat auf die Mißstimmung hingewiesen, die durch das Verbot bei den bereits in Moskau zur Teilnahme an dem Kongreß eingettoffenen Aerzten erregt werde. und darauf, daß daS Verbot die Bekämpfung der Cholera sehr störe. Vis zum Eingang der Antwort des Ministers werden keine neuen Teilnehmer zum Kongreß zugelassen. Offizielle Jndenhatz. Das„Berliner Tageblatt" meldet, daß w zahlreichen Städten, in Odessa, Schatomir, Balta und anderen Orten Aufrufe verbreitet worden seien, in denen zum gewalt tätigen Vorgehen gegen die Juden aufgefordert werde. In den Ausrufen wird behauptet, daß die„Unordnung" in Ruß land durch die I u d e n angezettelt worden sei. Die jüdischen Rufe:„Nieder mit der Selbstherrschaft!" müßten mit dem Rufe:„Nieder mit den Juden!" erwidert werden. Die eigent- lichen Blutsauger des Volkes seien die Juden, Armenier, Polen, Grusier usw. Der Aufruf, der namens eines an- geblichen Vereins der Nationalisten, der 297(XX) Mitglieder zähle, verbreitet worden ist, schließt mit der Aufforderung: „Nieder mit den Juden und Fremden!" „Nieder mit der Verfassung, es lebe unser Väterchen Zar!" Die gebildeten Schichten der betteffenden Städte hatten sich an die Staatsbehörde um Schutz gewandt. Es sei ihnen jedoch nirgends ein festes Versprechen zum Einschreiten gegeben worden. Es scheine also eine generelle Anweisung der Zentralgewalt vorzuliegen, diese Hetze gegen die Inden zu begünstigen. Es handelt sich also nur um einen neuen Versuch der reaktionären Gewalten, den Ingrimm des Volkes von der Regierung abzuwenden und gegen die Juden und fremden Volksstämme zu entfachen. In Tiflis ist dieser teuflische An schlag der Regierung ja leider gelungen. Ob er im übrigen Rußland Erfolg haben wird, ist dagegen sehr zu bezweifeln! « Petersburg, 2. April.(Telegramm der„Petersburger Tele- graphen-Agenttir".) In zahlreichen Städten Rußlands fordern die Angestellten in den Magazinen und Werkstätten Verringerung der Arbeitszeit und zum Teil auch Lohnerhöhung; die letzten derartigen Meldungen sind aus Twer, Bonssow und SySran. Maxim GorkiS Krankheit besteht in einem Rückfall in ein stüheres Leiden: die Tuberkulose der linken Lunge, von der er vor einigen Jahren befallen wurde und die verheilt worden war. Durch den Aufenthalt in der Petersburger Festung ist daS alte Leiden wieder zum Ausbruch ge- kommen. Fieber und Bluthusten haben sich eingestellt. Wie der „Ssyn Otetschestwa" erfährt, hat man endlich die Genehmigung er- langt, den Leidenden nach Jalta reisen zu lassen. Ferner ist dem Schriftsteller erlaubt worden, zum 22. April, eine Woche vor seiner Verhandlung seines Prozesses, nach Petersburg zu kommen, um von den Details der Anklage-Aktcn Kenntnis zu nehmen. Das in der Festung von ihm verfaßte.Drama" trägt die Aufichrift:„Der Arrestant Alcxei Peschkow". Die ersten Leser des Bühnenstückes Gorkis waren die Beamten der Gefängnisverwaltnng, die nichts Ungebührliches in dem Werke fanden und es zur Ver- öffentlichung freigegeben haben. Maxim Gorki(Alexei Peschkow) wird dem oben zitterten Blatt zufolge bereits zum vierten mal in einem polittschen Prozeß gerichtlich belangt... Die Versammlungen des russischen literarischen Vereins(Litern- turni KruShok) und seiner Sektionen sind auf Grund des§ 2 Art. Ig der Verordnung über den Schutz der Staatsordnung und der öffentlichen Ruhe vom Livländischen Gouverneur verboten worden. Bom oftasiatischen Kriegsschattplatz. Ein japanisch-chinesischer Bertrag? Nach einer„Herold"-Mitteilung aus Petersburg ist die russische Regierung verttaulich davon unterrichtet worden, daß in den letzten Tagen zwischen China und Japan ein Geheim- vertrag abgeschlossen worden sei. durch den China sich verpflichtet, 590 909 Soldaten in dem Moment ins Feld zu stellen, wo die Russen vollständig aus der Mandschurei Vertrieben seien. Diese Mitteilung ist aller Wahrscheinlichkeit nach nur ein Versuch, bei den Auslandsmächtcn Mißtrauen gegen Japan zu erwecken, gewissermaßen ein russischer„Wink mit dem Zaunpfahl an die Völker Europas", sich gegen die„gelbe Gefahr" zusammenzuschließen. Der Inhalt der russischen Aus- streuung wird aber nirgends Glauben finden, da er allzu sinnlos ist. Wenn die Japaner die Russen aus der Mandschurei Vertrieben haben, ist nicht abzusehen, was die halbe Million chinesischer Soldaten überhaupt noch soll. Um mit den Russen ferttg zu werden, bedarf Japan nicht der chinesischen Hülfe. Daß aber die S09 099 Soldaten dem Zwecke dienen sollten, nun auch offensiv gegen die übrigen Mächte vorzugehen, die sich auf chinesischem Gebiete häuslich nieder- gelassen haben, wäre eine ganz blödsinnige Annahme. Muß doch Japan alles aufbieten, um es nicht mit den übrigen Mächten zu verderben; würde doch ein gemeinsames Vorgehen Chinas und Japans gegen die Auslandsmächte völlig aussichtslos sein. Von dem Augenblick an. wo auch nur eine fremde Macht seine Marine gegen Japan eingreifen lassen würde, wären alle Errungenschaften Japans auf den, ostasiatischen Festlande in Frage gestellt. Daß Japan mit China einen Freundschaftsvertrag, vielleicht auch ein Bündnis abschließt oder abgeschlossen hat, wäre allerdings nicht ausgeschlossen. Ein solches BündmS aber würde einen so un- sinnigen Punkt, wie der aus Petersburg berichtete, unter keinen Umständen enthalten. Die Politik der beiden ostasiatischen Mächte könnte höchstens darauf hinauslaufen, ihre Integrität für spätere Zeit durch ein festes Schutz- und Trutzbündnis zu sichern. Nach einer„Laffan"-Meldung soll denn auch der japanische Gesandte in Washington erklärt haben, daß in 19 Jahren China imstande sein werde. Rußland entgegenzutreten. Ferner seien dem amerikanischen Staatsdepartement Nachrichten zugegangen, daß China den Bau einer großen Flotte und die Schafsung eines großen Landheeres plane. Man beabsichtige in den nächsten Jahren nicht weniger als 29 Schlachtschiffe, 29 Kreuzer und 129 Torpedoboote zu bauen und ein Landheer von 299999 Mann zu organisieren. Was an dieser Meldung Wahres ist, wird sich schwer feststellen lassen. Zur militärische« Lage. London, 2. April. Die japanische Gesandtschaft erhielt eine Meldung aus Tokio, wonach ein Eingeborener, welcher aus der Richtung westlich von Kinn eingetroffen war, mitgeteilt hat, daß die R u s s e n und T u n g u s e n unter dem Befehle des Obersten Madotow sich aus der Umgegend von Hai- lina nach Norden zurückgezogen haben, und daß sich der Feind in der Richtung von Kinn konzentriere. Petersburg, 2. April. Zirka zehn Züge mit Proviant und Kriegsmatenal gehen täglich nach Wladiwostok ab. Das Blatt Slowo" berichtet, daß eine Verdoppelung der Gleise der sibirischen Bahn in einer Gesamtlänge von 159 Kilometern vorgenommen worden sei, und zwar an solchen Orten, wo der Verkehr besonders stark ist. Der Verkehrsminister Fürst Schilkow wird demnächst die Arbeiten inspizieren, loclche als- dann systematisch fortgesetzt werden sollen. Petersburg, 3. April. Der Korrespondent des„Ruß" meldet aus Guntschulin vom 31. Mär�: Die Japaner entwickeln eine große Tätigkeit imWesten in der Nähe der mongolischen Grenze. Unter der chinesischen Bevölkerung zirkulieren Gerüchte über einen Aufstand gegen die Europäer. Die Propaganda stamme aus dem Innern Chinas. Petersburg, 2. April. Eine japanische UmaehungS« kolonne wurde in der Gegend von Girin beobachtet.— lieber das Schicksal des 6. russischen Schützen-Regiments fehlt noch immer jede Nachncht. poUtircbc Qeberricht. Berlin, den 3. April. Marokko. Offiziös wird jetzt der Wortlaut des Ansprachenaustausches in Tanger veröffentlicht. Der Vertreter des Sultans Abd-el-Malek begrüßte den Kaiser in folgenden kurzen Worten: Ich begrüße Euere Majestät wärmstenS in meinem Namen und dem des Sultans. Ich bin beauftragt, der vollen Freude Ausdruck zu geben, die der Sultan über Ihren Besuch empfindet, und diese Freude wird von dem Maghzen und der ganzen Bc- völkerung Marokkos geteilt. Der Kaiser dankte für den Empfang und erwiderte zu- nächst: Er habe großes Interesse an dem Wohlergehen und Gedeihen des marokkanilchen Reiches. Er besuche den Sultan als unab- hängigen Herrscher und hoffe, daß unter der Herrschaft des Sultans ein freies Marokko der friedlichen Konkurrenz aller Nationen ohne Monopole und Ausschließung eröffnet werden würde. Auf der deutschen Gesandtschast verlas dann Wd-el-Malck ein Schreiben des Sultans, in welchem gesagt wird, der Sultan bleibe eingedenk der Freundschaft, die immer zwischen einen Vorfahren und Deutschland bestanden habe; er sei von ,em Wunsche beseelt, diese freundschaftlichen Beziehungen in zeder Weise zu erweitern und zu bekräfttgen. Der Kaiser erwiderte: Er hege aufrichtige Wünsche für die EntWickelung und Wohl- fahrt des marokkanilchen Striches ebenso sehr zum Besten seiner Untertanen wie dem der anderen europäischen Nationen, die dort Sandel treiben, und zlvar, wie er hoffe, auf dem Boden völliger leichbercchtigung. Später wandte sich der Kaiser in dem Salon des deutschen Geschäftsträgers nochmals an Abd-el-Malek und bemerkte: Sem Besuch in Tanger habe den Zweck, darzutun, daß die deutschen Interessen in Marokko beschützt und gewahrt werden sollten, lieber die besten Mittel, dies zu erreichen, werde er sich mit dem Sultan ins Einvernehmen setzen, den er als freien Herrscher betrachte. Der Kaiser schloß mit dem Bemerken, daß Besonnenheit notwendig sei bei den Re- tonnen, die der Sultan plane, und daß den religiösen Gefühlen der marokkanischen Bevölkerung Rechnung getragen werden müsse, um eine Störung der öffentlichen Ordnung zu vermeiden. Möge das Wort des Kaisers von„seinen Untertanen" bei den neuen marokkanischen Freunden nicht allzusehr Miß- Verständnisse über die deutschen Verfassungszustände erwecken, Wenn selbst Marokko frei sein soll, so ist immerhin auch Deutschland in der Freiheit so weit vorangekommen, daß der deutsche Staatsbürger niemandes Untertan ist. Auch aus der wortgetreuen Meldung der kaiserlichen Marokko- n, einung ergibt sich dem Prüfenden, der sich nicht von dem Rummel Bülowscher Bcgeistcrungsmachc überwältigen läßt, keinerlei Erkenntnis etwaiger sachlicher und zureichender Ur- fachen der plötzlichen Drohpolitik gegen Frankreich. Ebensowenig ist die kurze Bemerkung, welche die„Nordd. Allg. Ztg." nach einigem Besinnen auf die Ausführungen des französischen Ministers des Auswärtigen gibt, irgendwie ge- eignet, Sinn in den Marokkolärm zu bringen. Das Blatt des Grafen Bülow sagt: „Wir haben zu den Ausführungen des Herrn Ministers nur folgendes zu bemerken: Auf die jederzeit zu widerlegenden Bc- hauptmmen französischer Blätter über einen angeblichen deutsch- p/anzösischen Meinungsaustausch oder gar Wer deutsch-französische Verhandlungen wegen Marokko— Behauptungen, die in den Preßerörteru ngen der letzten Woche eine Rolle gespielt haben— ist der französische Minister des Aeußercn nicht zurückgekommen. Auch hat er mit keinem Worte angedeutet, daß er in absehbarer Zeit eine Anregung zu solchen Verhandlungen erwarte oder geben werde. Die gegenwärtige diplomatische Lage ist mithin die. daß beide Mächte, Deutschland und Frankreich, in Fez über ihre marokkanischen Interessen mit der Regierung eines völkerrechtlich unabhängigen Staates verhandeln." Irgendwelche Tatsachen der Zurücksetzung deutscher Jnter- essen in Marokko werden nach wie vor nicht erbracht. Es bleibt allein die Beschwerde, daß Frankreich bei Abschluß des Abkommens mit England sich nicht mit der deutschen Regierung in Vereinbarung gesetzt hat, welches Verfahren aber vor Jahresfrist, als es in die Erscheinung trat, dem Grafen Bülow nicht den geringsten Anlaß zum Widerspruch gab. D a ni a l s bedeutete die französische Marvkkopolitik nicht die geringste Gefahr für deutsche Interessen, jetzt plötzlich ist sie so dräuend geworden, daß die üblichen diplomatischen Wege nicht beschritten werden durften, daß sofort die denkbar lauteste Demonstration unternommen werden mußte. Schmollend verharren die Diplomaten beider Staaten in ihrer Gegnerschaft. Wie eigensinnige Buben, die sich gegen- seitig verletzt glauben, will keiner von beiden dem andern entgegenkommen. Aus einer an sich geringen Ursache erwächst böse Verfeindung und langdauerndes Mißtrauen. Den Nationen selbst bringen diese Künste der Diplomatie materiell und ideell überaus schwere Schädigung. An Mitteilungen zur Marokko- Frage sind die folgenden zu verzeichnen: Paris, 3. April. Nach einer Mitteilung der„Agence Havas" hat der Minister des Auswärtigen, D e l c a s s ö, zwei Deputierte empfangen, welche ihn über die ftanzösische Politik in Marokko inter- pellieren wollten. Delcassö erklärte, daß sich in der Politik Frank- rcichs nichts geändert habe und daß er den in den letzten Tagen im Senat abgegebenen Erklärungen nichts zuzufügen haben würde. Er bitte daher die Interpellanten, alle Debatten über Marokko bis auf weiteres aufzuschieben. Die Deputierten erklärten, dem Wunsche des Ministers nachkommen zu wollen. Tanger, 3. April.(Meldung der„Agence Havas".) Nachrichten aus Fez zufolge soll der Sultan die Ansicht angesehener Marokkaner über das französische Reformprogramm eingefordert haben. Ferner hat der Sultan Befehl gegeben, die Befreiung des Forschungsreisenden S e g o n z a c in jeder nur möglichen Weste zu erleichtern. Sühne findet jetzt ein vor Jahresfrist an einem Deutschen in Marokko verübter Mord. Die Angelegenheit G e n t h e(so hieß der erniordete Korrespondent der„Köln. Ztg.") ist nunmehr endgültig geregelt; die zwei an dem Morde beteiligten Marokkaner sind zu lebenslänglicher Gefängnisstrafe verurteilt. Die Regierung wird für Errichtung eines Denkmals über dem Grabe Dr. Genthes sorgen und der Familie des Ermordeten eine Buße von 40000 Frank aahlen._ Kanal« Orden. Nach den vieljährigen Mühen um den großen preußischen Kanal nun nicht einmal eine Jubelfeier! Ausnahmsweise haben die Offiziösen das rechte Gefühl, daß kein Anlaß zu Ruhmeslärm ist. der wahrlich nur den höhnenden Spott derer entfesseln müßte, welche die wahren Sieger des Kanalstteites sind: die agrarischen Junker. Nur ein für preußisch-deutschen Polttikbetrieb bescheidenes Zeichen bekundet, daß ein Kanalgesetz zustande gekommen. Aus Gibraltar sandte der Kaiser an den Minister v. Budde telegraphischen Dank für die„aufopfernde Tätigkeit", welche er„diesem für die wirtschaftliche Zukunft des Vaterlandes hoch bedeutsamem Werke" gewidmet habe, und er verlieh ihm den Schwarzen Adler- o r d e n. Herr v. Budde hat ohne Zweifel für die Kanalvorlage sich ciftigst gemüht. Doch wenn die Junkerei Ostelbiens höheren Orden zu geben hätte als den Schwarzen Adler, sie würde dank- baren Sinnes ihn dem Minister überreichen. Sie schulden ihm zehnfältigen Dank um den Duldermut, der sich von Junkersieg zu Junkersieg bewährte, der das wertvollste Stück des Kanalwerks aus- brechen ließ, der daS Kultnrwerk mit so viel Unkuttur belasten ließ, daß die Jndustriefeinde es erträglich fanden. Im Juli 1839 sandte Wilhelm II. das Telegramm, das, auf die Kanalvorlage deutend, erklärt: auch in ihm, dem Kaiser, sei„ein unbeugsamer Wille, den einmal als richtig erkannten Weg allem Wider st and zum Trotz unbeirrt weiter zu gehen". Am 11. August 1899 weihte der Kaiser den Dortmund— Ems-Kanal ein; er bezeichnete diesen Kanal als ein„Teilwerk" und erklärte:«Er ist aufzufassen in Ver- bindung mit dem großen Mittellandkanal, den zu bauen und zur Durchführung zu bringen ineine Regierung und ich fest und unrr- schüttcrlich entschlossen sind." Dann war es Herr v. Budde, der in der Kommission die militärischen Notwendigkeiten des Mittellandkanals eindringlich nachwies, aber lächelnd erklärte Graf L i m b u r g- S t i r u m: die Landesverteidigung ist die ernsteste Sache, aber Herrn Budde habe diesmal daS Beste gefehlt, er habe die Konservativeir nicht überzeugt I Man verschleppte die erste Kanalvorlage, man obsttuierte die zweite Vorlage im Jahre 1901. Erst mußte die Regierung alle junkerlichen Forderungen erfüllen, sie mußte den Wuchertarif und die agrarischen Verträge gegen den Handel apportieren und dann wurde der Kanal a u ch n i ch t g e b a u t. Die Kanalvorlage, als sie zun, drittenmal wiederkam, war ihres ursprünglichen Wesens beraubt, aus der stolzen Verbindung des preußischen Ostens mit dem Westen Ivar der Kanal- stummel geworden, die Verbindung von Weser und Elbe war aus- gebrochen, eS wurden reichsverfassungswidrige Schiffahrtsabgaben beschlossen, es wurden den Provinzen schwer zu leistende Garantien zugemutet. Es wurden Schwierigkeiten auf Schwierigkeiten gehäuft, so daß das Blatt der agrarischen Rebellion nun diabolisch die Frage erheben kann, ob denn nach den jetzigen Beschlüssen es„endgültig entschieden ist, daß der Kanal gebaut wird". Wie vollständig die Junkermacht triumphieren darf, es zeigt sich an einem Beispiel in fast derselben Stunde der Budde- Dekoration. Unter den Landräten und Regierungspräsidenten, die den Rebellen- trutz ihrer Kanalgegnerschaft mit dem Abschied aus dem Dienst büßen mußten, befand sich auch der damalige Regierungspräsident in Posen, Herr v. I a g o w. Mit den anderen Kanalrebellen wurde er bald wieder in Gnade zurückgenommen, er wurde Oberpräsident in Marienwerder, und soeben wird seine Ernennung bekannt zum Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg! Die Sieger des Kanalstreites sehen heiter den dekorierten Kanal- minister: Statt des Kanals, der nicht gebaut wird, bedarf er reich- licher Ordensttöstung I—_ Finanzreform und Reichstags-Arbeit. Zur Reichs-Finanzreform wird der„Köln. Bolksztg." aus sicherer Quelle mitgeteilt, daß die Vorarbeiten im Rcichs-Schatzamt erledigt und der Entwurf im Wortlaut fertiggestellt ist. Der Bundesrat würde dann den Sommer über mit der Vorlage sich zu befassen haben. Wenn er rechtzeitig sich einigt, wird voraussichtlich der Reichstag so früh, etwa schon im Oktober, einberufen werden, daß die Vorlage in ihm durchberaten werden kann, ehe die Etats- beratung beginnt. Da sonach in der diesjährigen Tagung auf keinen Fall mehr eine der.neuen Steuervorlagen an den Reichstag kommt, wird der Reichstag nach Ostern kaum mehr nötig haben, allzu lange zusammenzubleiben. Nach Ostern werden wohl nur noch die' Börse ngesetz-Novelle und die Novellen zur Zivil- prozeß- Ordnung und zum Gerichts verfassungs- Gesetz(Entlastung des Reichsgerichts) erledigt werden, was in vielleicht vierzehn Tagen zu erreichen sein dürfte. Danach wird der Reichstag seine Sommerferien antreten können. Ob er g e- schlössen oder vertagt wird, steht noch nicht fest. Doch ist eine Vertagung wahrscheinlich mit Rücksicht auf die Militär- Pensions-Gesetze, damit diese sofort nach dem Wieder- zusmnmentritt des Reichstages in der Kommission in Angriff ge- nommen werden können. Selbstredend hängt das Zustandekommen dieser Gesetze auch davon ab, ob es der bevorstehenden Reichs- Finanzrcform gelingen wird, in genügendem Umfang Deckungsmittcl zu schaffen. Außerdem nimmt man aber auch an, daß die Vor- beratung dieser Vorlagen in der Kommission viel Zeit und Arbeit in Anspruch nehmen wird, da sie recht schwierig, verwickelt und umfangreich sind, außerordentlich viele, oft recht weitgehende Wünsche zu ihnen, vorliegen und bei jedem Schritte im Auge behalten werden muß, welche Rückwirkung die einzelnen Beschlüsse etwa aus die Pensionsverhältnisse der Zivilbeamten haben werden.— Das Abgeordnetenhaus soll Ende dieser Woche in die Oster- ferien gehen. Die zur Vorberatung der Berggesetz-Novellen eingesetzte Kommission wird vor den Osterferien nur die erste Lesung der Novellen in der Kommission beenden und die zweite Lesung bis nach den Osterferien vertagen, so daß die Entwürfe aus der Kvm- Mission an das Plenum kaum vor dem 15. Mai kommen werden.— Der Bergarbciterschutz in der Kommission. Am Montag verhandelte die Kommisston des Abgeordneten- Hauses darüber, ob und in welcher Weise der Bergwerksbesitzer gegen „unreine" Förderung geschützt werden könne, insbesondere durch Strafen und Ersatz der Kosten für die Feststellung, welches Quantum eines nicht vorschriftsmäßig beladenen Wagens zu entschädigen ist. Aus der Mitte der Kommission waren dahingehende Anträge gestellt worden, von der Staatsregierung wurde aber allen diesen Anträgen widersprochen und mitgeteilt, daß die Arbeitsordnung des Saar- reviers und des fiskalischen Betriebes in Oberschlesien sich als aus- reichend erwiesen hätte, und daß namentlich in letzterem Bezirk man mit geringen Strafen ausgekommen sei. E i n st i m m i g wurde beschlossen, in das Gesetz an Stelle des Wortes„Vertrauensmann" daS Wort„Vertrauensmänner" zu setzen, weil bei mehrfacher Schicht mehrere Arbeitwiegekonttolleure angestellt werden müßten. Abgelehnt wurde der Antrag, daß die Arbeiter die Kosten für das Vorwiegen mangelhast beladener Förder- gefäße zu tragen haben, ferner, daß die Verauslagung der Bezahlung der Wiegekontrolleure durch den Bergwerksbesitzer auch ohne Antrag des Arbeiterausschusses geschehen müsse, und ebenso der Antrag des Zentrums, Spezialstrafen für die einzelnen Verfehlungen gesondert festzusetzen. Gegen die Stimmen der Konservattven wurde der Anttag angenommen, daß die Maximalstrafen für nicht sachgemäße Füllung der Fördergefäße für den einzelnen Arbeiter im Monat 5 M. nicht übersteigen dürfen. Im übrigen(also bei sonstigen Verfehlungen) wurde es bei den Bestimmungen des Gesetzentwurfs belassen. Das Beschwerderecht des Wiegekontrolleurs wurde mit Mehrheit angenommen, und es wurde als zuständig für die Beschwerde die Bergbehörde, also der Revierbeamte, festgestellt. Abgelehnt wurde ein Antrag, der dahin geht, dem Arbeiter für den Fall, daß ein Gedinge nicht zustande kommt, eine dem durch- chnittlichen Schichtlohn gleichwerttge Arbeit zu sichern, und ferner ein Anttag, das festgesetzte Gedinge in ein den Arbeitern offen- liegendes Gedingebuch einzutragen und den Arbeitern der betteffenden Kameradschaft öffentlich mitzuteilen. Sodann verhandelte die Kommission über die Frage der obli- gatorischen Arbeiterausschüsse. Die Ansichten darüber, ob und in welchem Maße sich die bisherigen fakultativen Ausschüsse bewährt haben, waren geteilt. Nur von einzelnen Mtgliedern wurde angeregt, daß die Wahl zum ArbeiterauSschuß eine mündliche, öffentliche sein solle, die Mehrheit sprach sich aber für eine geheime Wahl auS, nachdem auch vom Regierungsttsch dieser das Wort geredet war. Bon nationalliberaler Seite lag ein Anttag vor, wonach das aktive Wahlrecht von einer dreijährigen, das passive von einer fünfjährigen Arbeitstätigkeit abhängig lein soll. Von fteisinniger Seite und vom Zenttum wurde dieser Anttag be- kämpft. Von nattonalliberaler Seite wurde ein Anttag eingebracht, wonach ein ständiger ArbeiterauSschuß, der seine Zuständigkeit über- chreitet, durch die Bergbehörde aufgelöst werden kann. Em Anttag j. Hehdebrand(k.) und des Freiherrn v. Zedlitz(ft.) will olgende Bestimmungen aufgenommen wissen: Es ist die Aufgabe des LrbeiterauSschusses, auf geordnete und friedliche Verhältnisse in der Arbeiterschaft des betteffenden Bergwerks hinzu- wirken und Störungen der öffentlichen Ordnung sowie Bedrängung der Arbeitswilligen und insbesondere auch gelegentlich von Arbeits- einstellungen hintanzuhalten. Eine politische Betättgung ist den Arbeiterausschllssen bezw. deren Mitgliedern unbeschadet der Aus- Übung ihres politischen Wahlrechts untersagt. Zuwiderhandlungen ziehen den Verlust der Mitgliedschaft bezw. die Auflösung des Arbeiterausschusses nach sich. Die Entscheidung darüber steht der Bergbehörde zu. Von fteisinniger Seite wurde beanttagt, dem Arbeiterausschuß die Fähigkeit zu überlassen, für die Arbeiter Erklärungen über die Kündigung oder Wiederaufnahme der Arbeit sowie in allen das Arbeitsverhältnis betreffenden gemeinsamen Fragen abzugeben und dabei aber dem einzelnen Arbeiter offen zu lassen, eine abweichende Erklärung abzugeben. Dieser letztere Anttag wurde von national- liberaler und konservattver Seite bekämpft; auch seitens des Ministers wurde ihm widersprochen. Auch die übrigen Anträge riefen längere Erörterungen hervor. Ein Zentrumsantraa will das passive Wahl- recht(gegenüber dem nationalliberalen Antrag, der fünfjährige Arbeitstätigkeit fordert) von dreijähriger Arbeitstätigkeit abhängig machen. Ein Anttag, daß ein Arbeiterausschutz schon dann zu bc- stellen sei, wenn zwanzig Arbeiter in einem Betrieb vorhanden sind (der Gesetzentwurf hat hundert Arbeiter zur Mole abgelehnt. Weitere Beschlüsse wurden noch nicht gefaßt. Dienstag werden die Verhandlungen fortgesetzt. Das Herrentum. Die Bergherren haben bekanntlich in einer Zusammenkunft am 16. März die Ablehnung der Novelle zum Berggesetz gefordert. Aus der jetzt erschienenen Denkschrift dazu wird ein Satz mitgeteilt, der den Kern der Ablehnungsgründe darstellt. Es heißt da: „Sind die obligatorischen Arbeiterausschüsse erst einmal ent- standen, so wird das Drängen der sozialdemokrattschen und groß- polnischen Hetzer nicht eher nachlassen, als bis auch die Lohn- und Arbeitszeitfragen zu den regulären Beratungsgegenständen der Arbeiterausschüsse gehören. Hat doch bereits der am 23. d. M. in Berlin tagende Delegiertentag deutscher Bergarbeiter die Mit- Wirkung bei der Lohn-(GedingeZRegelung für die Ausschüsse in Anspruch genommen." Das ist immer wieder der alte brutale Herrengeist, der mit den Bergsklaven nicht verhandeln will; nur durch harttn Kampf wird dieser Uebermut gebrochen werden können.— Reform der Straftrozesi- Ordnung. Die Sachverständigen- Kommission zur Vorberatung von Fragen der Reform des Straf- Prozesses hat ihre Aufgabe nun beendet. Man kam darin überein, daß es wünschenswert sei, wcnn> vorerst von keiner beteiligten Seite eine Veröffentlichung der gefaßten Beschlüsse veranlaßt werde. Denn es könne nicht zur Förderung einer Urteilsbildung, sondern nur zum Gegenteil beitragen, wenn die Beschlüsse ohne die Gründe bekannt würden, die zu ihrer Fassung führten. Im Mai werden im Verlag von Guttentag die ersten Protokolle über die Berhand- lungen der Reichsjusttz-Kommission zur Veröffentlichung ge- langen.— Zu Kammergerichtsräten wurden wieder zwei Staatsanwälte, nämlich die Herren Richter und Dr. Kleine von der Ober- staatsanwaltschaft beim Kanunergericht ernannt. Kammergerichts- rat Dr. K a r st e n wurde zum Landgerichts-Direttor beim Land- gericht I Berlin ernannt. Mehrere Staatsanwälte wurden außerdem zu Richtern ernannt.—_ Heuervertrag für die nach Rußland verkauften deutschen Schiffe. Wie ein Hamburger Blatt meldet, sollen jetzt Mann- schaften ftir die an die russische Reederei C. Wächter u. Co. in Petersburg verkauften Schiffe der Hamburg-Amerika-Linie angemustert werden. Das Blatt veröffentlicht Mitteilungen über die den Offizieren und Mannschaften zu zahlende Heuer und über Gratifikattonen, die den Mannschaften gezahlt werden sollen. Auch für den Todesfall oder Invalidität enthAt der Kontrakt Besttmmuugen. Sowohl die Heuer, als auch die Jnvaliditäts- und Hinterbliebenenrenten sind nicht besonders hoch. In dem Kontrakt wird ferner erklärt, daß die für Transportschiffe für die Kriegsflotte dienenden Dampfer nicht dazu verwendet werden dürften, mit den Schiffen der Kriegsflotte zusammenzulaufen. Sie sollen nur dazu dienen, an gewissen Stellen der Kriegs- flotte die Uebernahme von Kohlen und Proviant zu er- möglichen. Hoffentlich finden sich unter den Seeleuten in Hamburg wenig Personen, die gewillt sind, als russische Söldner zu dienen. Liefen doch die Schiffe, sofern sich das russische Geschwader überhaupt in ostasiattsche Gewässer wagt, Gefahr, in die Kriegsaktionen verwickelt zu werden. Die Japaner würden jedenfalls mit den russischen Schiffen wenig Federlesens machen, da ja auch seinerzeit die Russen die japanischen Transportschiffe in barbarischer Weise iu den Grund gebohrt haben. Hinzu kommt noch, daß die Forderungen der Hinterbliebenen umgekommener Soldaten resp. die Forderungen invalid gewordener Matrosen keineswegs gesichert wären, da der Kontrakt nur einen Privat konttakt darstellt und nirgends sich ein Vermerk befindet, daß der russische Staat etwa ein springen würde, wenn die Reederei infolge irgend welcher Umstände ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen könnte. Mögen sich also die deuffchen Seeleute vor den russischen Seelenverkäufern hüten!—_ Abschied v. Aschs. Die„AugSb. Avendztg." meldet vom 3. April: Kreise, welche gut informiert sein können, behaupten, daß Kriegs- mini st er Freiherr v. Asch bereits gestern sein Abschieds- gesuch eingereicht habe. Als seinen Nachfolger bezeichnen die gleichen Kreise den derzeittgen Kommandeur des dritten Armeekorps in Nürnberg, General der Infanterie v. Horn, doch soll die dies- bezügliche Publikatton erst in etwa acht Tagen erfolgen. An amt» licher Stelle hat man diese Angaben weder bestättgt, noch demen- tiert, sie sind also als zutreffend anzunehmen. Herr v. Asch hatte sich wiederholt mit der Mehrheit der bayrischen Abgeordnetenkammer m peinlichen Konflikt gesetzt, so daß sein Abschied schon seit längerer Zeit mit Sicherheit erwartet wurde.— Neue Verluste in Südwcstafrika. Nach einer Meldung des Generals v. Trotha vom 1. April trieben am 26. März Hottentotten 60 Ochsen der Halbbatterie Stuhlmann aus KranSplatz nördlich G i b e o n ab. Hierbei fielen von der Viehwache zwei Retter und zwei Buren. Die von der 10. Kompagnie aufgenommen« Ver- folgung blieb erfolglos, da Regengüsse die Spuren ver- wischt hatten. Eine halbe Etappenkompagnie griff am 26. März von Gr.-HeusiS. etwa 60 Kilometer südwestlich Windhuk, aus eine unter Andreas Kuiseb- abwärtsgezogene Hcrerobande an. Nach fünfstündigem Gefechte gab der Feind seine Stellung auf. Diesseits sind gefallen beziehungsweise werden vermißt 1 Offizier, 2 Reiter und 3 eingeborene Soldaten, leicht verwundet ist 1 Unter- offizier. Vom Feinde fielen etwa 20 Mann. Zur Verfolgung des Gegners und zum Aufsuchen der Vermißten wurde eine starke Pattouille unter Graf v. Königsmarck enffandt. Die halbe Etappen- kompagnie marschierte nach Windhuk, um ihre Verpflegung zu er- gänzen. Die nunmehr in Windhuk eingetroffene vierte Etappen- kompagnie wird der Pattouille Königsmarck umgehend folgen, um Andreas weiter zu verfolgen. Berlin, 3. April. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter Wilhelm Dippel, geboren am 4./6. 82 zu Hagen, am 11. März 1905 im Gefecht bei Aub leicht verwundet, Stteifschuß linken Oberschenkel; Reiter Paul Dörnbrack, geboren am 2./9. 83 zu Bauhof, am 28. März 05 in Krankensammelstelle Kubub am Typhus gestorben. Hueland, Frankreich. Paris, 3. April. Senat. Bei der Beratting deS Etats des Ministeriums des Aeußern verlangt ve Mareiere, daß der Posten eines Botschafters beim Vatikan wieder besetzt werde. Es sei nötig, die Botschaft beizubehalten. De Lama r- z e l l e betont, im Interesse Frankreichs dürfe nicht mit dem Papste gebrochen werden. Minister des Aeußern D e l c a s s 4 rechtfertigt die von der Deputiertenkammer bereits beschlossene Aufhebung der Botschaft beim Vatikan und erklärt; daß auch für den Senat kein Hinderungsgrund bestehe, diesem Be- schluß zuzustimmen. De Lamarzelle gibt der Ansicht Ausdruck, daß die Reise des Präsidenten Loubet nach Rom die ernstesten Folgen für Frantreich gezeitigt habe.(Widerspruch links.) Minister D e l c a s s e widerspricht diesen Ausführungen und sagt, es sei für efre unabhängige Nation unzulässig, daß sie ihre Beziehungen zu dem Könige von Italien den Beziehungen d»Z Königs zum Vatikan und den Beschwerden, welche der Vatikan gegen Italien geltend mache, unterordne. Bei dem Kapitel„Ausgaben für Polizei" fragt Clemenceau, ob Frankreich mit der Ausübung der Polizei in Marokko betraut sei. Minister D e l c a s s e erwidert, es beständen gemischte Kommissionen, die mit der Aufrechterhaltung der Ordnung in den auf beiden Seiten der Grenze geschaffenen gemischten Märkten beauftragt seien. Der Etat des Auswärtigen wird ge- nehmigt. Deputiertenkammer. Die Beratung des Gesetz- entwurfes betreffend Trennung von Staat und Kirche wird fortgesetzt. Bancel bekämpft den Entwurf und er- klärt, die Trennung würde das Land beunruhigen. Die Auf- Hebung des Kultusbudgets sei ungesetzlich. R i b o t erklärt, der Zeitpunkt für die Trennung von Staat und Kirche sei noch nicht gekommen. Für diese Trennung, die eine friedliche und liberale Maßregel sein müsse, sei die Mitwirkung des Oberhauptes der Kirche notwendig. Bevor eine solche Reform ins Werk gesetzt werde, sollte das Land befragt werden. R i b o t weist ferner auf das Mißgeschick Rußlands hin und sagt, es sei jetzt nicht der Augenblick, die Uneinigkeit unter den Franzosen zu vermehren. Redner legt dar, welche Bedeutung die Kündigung des Konkordats habe. Redner tritt schließlich für Ab- lehnung des Gesetzentwurfs ein, der die Gefühle des Volkes ver- letze und der zu heftigen Zwistigkeiten in jeder Gemeinde führen würde.(Lebhafter Beifall im Zentrum und rechts.) Die Sitzung wird aufgehoben.—■ Spanien. Hungersnot. Trübe Nachrichten kommen aus Spanien: Nach Depeschen aus Malaga, Merös, Antequera-c. ist über die ganze Land- schaft Andalusien eine furchtbare Krisis hereingebrochen. Die bäurische Bevölkerung leidet buchstäblich Hunger. Alles, was man bis jetzt von Gegenmaßregln hört, ist nichts weiter als ein könig- liches Dekret, in dem der junge Monarch gütigst der Ausführung der im Budget vorgesehenen öffentlichen Notstandsarbeiten für die andalusischen Provinzen seine Zustimmung erteilt. Auch in der Hauptstadt müssen die Dinge sehr im Argen liegen, wie aus dem Beschlüsse des Gemeinderats von Madrid hervorzugehen scheint, wonach die Errichtung kommunaler Bäckereien beschlossen «vorden ist, um die Fixierung des BrotpreiseS zu ermöglichen. Die Regierung hat an alle Kommunalverwaltungen des Landes die Auf- forderung gerichtet, diesem Beispiele zu folgen. Sie hofft, auf diesem Wege der dem ganzen Lande drohenden Hungersnot vor- zubeugen.— Dänemark. Et» taktischer Erfolg der Sozialdemokratie in der Wahlkreisfrage. Der Vorschlag unserer Parteigenossen zu einer der Ver- fassung entsprechenden neuen Wahlkreisordnung ist nun doch noch im Folkething zur Verhandlung gekommen. Vermutlich hat die Niederlage der Antisozialisten bei der Gemcindewahl in Kopenhagen auf die Rogierungsvertreter derartig gewirkt, daß sie die Absicht, die Sache hinauszuschieben, aufgaben. Die Verhandlungen haben am Freitag mit einem unerwarteten taktischen Erfolg der sozial- demokratischen Fraktion geendet. Zivar wurde der Antrag, der dazu führen sollte, daß bereits die Folkcthingswahlen von 1306 auf Grund einer neuen Wahlkreisordnung erfolgen sollten, nicht an- genommen, sondern von unseren Parteigenossen zurückgezogen, doch zwang Borgbjerg durch ein sehr geschicktes Vorgehen in der Debatte den Ministerpräsidenten Christensen zu einer Erklärung. wonach noch in dieser Legislaturperiode eine Verfassungsänderung zur neuen Wahlkreis- ordnung vorbereitet werden soll. Die Vertreter der Regierungs- Partei sotvie der Konservativen und Moderaten, die mit einer un°- verbindlichen Prinzipienerklärung davonzukommen suchten und, wie der liberale Wortführer Anders Nielsen sagte, in der Wahlkreissache „der Regierung keine Schlinge um den Hals legen" Ivollten, sahen sich mm widerwillig genötigt, dem zunächst von dem Radikalen Trier eingebrachten bindenden Vorschlag zu- zustimme«, schon deswegen, um dem städtischen Bürgertum, dessen größte wirtschaftliche Organisationen eine gerechte Wahlkreis- ordnung verlangen, nicht allzu sehr vor den Kopf zu stoßen. Im Jahre 1336 muß außer dem Folkething auch die eine Hälfte des Landschings neu gewählt werden. Ohne große Schwierig- keit kann dann der ganze Reichstag aufgelöst werden und der neue Reichstag wäre imstande, endgültig über die geplante Verfassungs- ändarung zu beschließen. Legt die Regierung Wert darauf, als parlamentarisch zu gelten, so ist sie genötigt, diesen Weg einzuschlagen, oder abzutreten.— Rrchland. Zehn Millionen finnische Marl sollen auf„allerhöchsten" Befehl von jetzt ab jährlich für Kriegsbedürfnisse aus finnländischen Staats- Mitteln an die Reichs-Steuerkammer abgeführt werden, und zivar 1 200 000 Mark aus dem Mlitärfonds und 7 000 000 Mark aus dem Staatsfonds. Die übrigen 1 800 000 Mark werden vom Landtage aus den Ueberschüsten der'Finnlander Bank angewiesen, wozu bereits der Vorschlag vorliegt. Das Manifest, wonach die Aushebung der Wehr- Pflichtigen in diesem Jahre nicht erfolgen soll, ist am Freitag im finnischen Landtage vorgetragen worden. Die Bezirksamtmänner wurden davon sofort telegraphisch in Kenntnis gesetzt.— Der neue Rnhstrat-Prozetz. 8. u. H. Oldenburg, den Z. April. (Telegraphischer Bericht.) Unter getvaktigem Andränge des Publikums begannen heute vor- mittag vor der zweiten Strafkammer des hiesigen Landgerichts die auf zwei Tage berechneten Verhandlungen in dem neuen Ruhstrat- Prozeß, der den eigentlichen Urheber der ganzen Oldenburgischen Minister-Affär«, die nunmehr seit nahezu drei Jahren die Oeffent- lichkeit fortgesetzt, aufs neue erregte, den Herausgeber des Olden- burger..Residenzboten" Hans B i e r m a n n auf die Anklagebank führt. Nachdem der Redakteur seines Blattes, Schweynert, im Dezember vorigen Jahres wegen verleumderischer Beleidigung des Justizministers Ruhstrat zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt wurde und dieses Urteil am letzten Sonnabend durch die Vertverfung der von Schweynert beim Reichsgericht in Leipzig eingelegten Revision rechtskräftig geworden ist, hat sich heute Biermann wegen des gleichen Deliktes vor der hiesigen Strafkammer zu verantworten, da sein Antrag, die Angelegenheit wegen Befangenheit sämtlicher Olden- burgcr Richter vor einem nichtoldenburgischen Gericht zu verhandeln, vom Reichsgericht abgelehnt worden ist. Der„Residenzbote" des Angeklagten Biermann hat sich be. kanntlich seit Jahren eine planmäßig betriebene Opposition gegen das jetzt in Oldenburg am Ruder stehende Ministerium Ruhstrat an- gelegen sein lassen, das vor nunmehr drei Jahren, nachdem der jetzige Großherzog die Regierung angetreten hatte, an Stelle des Ministeriums Jansen die Leitung der Staatsgeschäfte übernommen hat. Das Ministerium Ruhstrat setzt sich aus zwei Vettern Namens Ruhstrat zusammen. Der eine ist Inhaber des Finanzministeriums, lvährend der andere, Ruhstrat II, das Justiz- und Kultusministerium übernommen hat. Dieser ist ein Schulfreund des jungen Groß- Herzogs, der ihm noch bis in die letzten Tage hinein sein vollstes Vertrauen entgegengebracht hat. Schon bald nach dem Minister- Wechsel erschienen in dem„Residcnzboten" mehrere Artikel, die sich mit der Geschästsgebarung der beiden Vettern befaßten und namänt- lich an dein Justizminister außerordentlich viel auszusetzen hatten. Es wurde ihm u. a. vorgehalten, daß er zu der Zeit, da er noch Staatsanwalt bezw. Oberstaatsanwalt in Oldenburg gewesen sei, im hiesigen Kasino dem Hasardspiel gehuldigt habe, statt in seiner amt« lichen Eigenschaft dagegen einzuschreiten. Es wurde dabei an- gedeutet, daß der Minister den Ghmnasialdirektor Frühstück in Birkenfcld deshalb zur Beförderung für diese Stelle in Vorschlag gebracht habe, weil jener ihm beim Hasardspiel einmal mit Geld aus- geholfen habe. Der Minister sollte sein Darlehnsgesuch mit den Worten unterstützt haben: Es soll Ihr Schade nicht sein! In einem anderen Artikel wurde erzählt, daß der damalige Staatsanwalt Ruhstrat einen älteren jetzt verstorbenen Oberlandesgerichtsrat im Kasino angeulkt und beleidigt habe, indem er durch die im Gespräch mit anderen angewandten, unverkennbar auf den Oberlandes- gerichtsrat gemünzte Bezeichnung:„Schaf vom Oberlandesgericht" den Betreffenden zum Verlassen des Lokals veranlasste. Der dritte Artikel trug die Ueberschrift:„Wer bezahlt's?" und stellte die Be- hauptung auf, daß der Minister Ruhstrat durch seine unverlangte Beteiligung an der Tonnen- und Baakenschau auf der Unterweser auf Kosten des oldenburgischen Staates ein« Vergnügungsreise unter- nommcn habe. Wegen dieser Artikel strengte der Minister gegen den verantwortlichen Redakteur des„Residenzboten", Biermann, der zu- gleich auch Verleger des Blattes ist, die Privatklage an. Ehe dieselbe zum Austrag gelangte, veröffentlichte Bicrmann im„Residenzbotcn" einen Aufsehen erregenden Auszug aus den geheimen Staatsakten des Großherzogtums, die sich auf den stattgefundenen Ministerwechsel bezogen und zugleich einen Rückschluß auf das zwischen dem Groß- Herzog und seinen Ministern bestehende gespannte Verhältnis zu- liehen. Es ging u. a. daraus hervor, daß der Großherzog scharfe Randbemerkungen zu den Akten gemacht hatte, die nach der Ansicht" des..Residenzboten" ein anderes Ministerium zum Rücktritt ver- anlaßt haben würden. Das peinliche Aufsehen, das diese Veröffent- lichung allenthalben machte, veranlasste die Oldenburger Behörden geradezu zu fieberhaften Nachforschungen nach dem unbekannten Urheber der Jndistretion, der nur in den„besten" Gesellschaftsklassen der Stadt sich befinden konnte. Eine Reproduktion des Unbekannten, die von dem Verleger Biermann der Behörde zur Verfügung gestellt wurde und die man in den Schaufenstern ausstellte, führte schließlich auf die Spur des Oberlehrers Dr. Ries in Barmen. Dieser, ein Sohn des Ministerialsekretärs Ries in Oldenburg, war als Olden- burger Oberlehrer für die Erhöhung der Oberlehrergchälter ein- getreten und soll sich durch seine Agitation oben mißliebig gemacht haben. Er wurde bald darauf nach Jever versetzt und legte, da er diese Versetzung als eine Maßregelung empfand, sein Amt nieder, um später in Barmen eine Stelle in preußischen Diensten anzu- nehmen. Sein Interesse blieb jedoch den Vorgängen im Olden- burgischen nach wie vor zugetvandt, und insbesondere soll es seinen Zorn erregt haben, daß sein früherer Kollege Frühstück, derselbe, der nach der Behauptung des„Residenzboten" dem Minister beim Hasardspiel ausgeholfen haben sollte, die Stelle des Direktors am Gymnasium in Birkenfeld erhielt, um die sich Dr. Ries vergeblich beworben hatte.« Deshalb sandte er den erwähnten beleidigenden Artikel an dcq „Residenzbotcn" ein, der den Ende 1303 verhandelten großen Straf- Prozeß zeitigte, in welcher Dr. Ries zu 6. der Verleger Biermann zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. In jenem Prozeß wurde festgestellt, daß der Minister gluhstrat Ende der 80er und An- fang der 30er Jahre ein scharfer Spieler war, der im Berein mit höheren Beamten und Offizieren sowohl im hiesigen Kasino, als auch im Eilerschen Ktubzimmer der Offiziere dem Glücksspiel über- aus leidenschaftlich gefrönt hatte, wobei er auch mehrfach die Bank hielt. Nicht erwiesen wurde die Behauptung der Angeklagten, daß Herr Ruhstrat auch noch in seiner Eigenschaft als Justiz- und Kultusminister gejeut habe. Von den beiden Angeklagten, die unter allerlei ausfälligen Begleiterscheinungen verhaftet worden waren, suchte in der Folge Biermann um eine zeitweilige Haft- entlassung nach, die ihm aber selbst dann nicht gewährt wurde, als seine Gattin den Minister um Gnade anflehte. Vielmehr ver- stieg sich Herr Ruhstrat ihr gegenüber zu dem Ausruf:„Ihr Mann ist ein Lumpl", was einen Bcleidigungsprozeß gegen ihn zur Folge hatte, der jedoch mit seiner Freisprechung endete. Inzwischen führten die Redakteure Biermanns, Kruse und Schweynert, den Kampf gegen den Minister im..Residenzboten" ungeschwächt fort, wodurch auch sie mehrfach mit dem Gericht in Konflikt kamen. Gelegentlich eines Strafprozesses gegen Kruse, der in einem seiner Leitartikel erneut auf die Spielaffäre eingegangen war und behauptet hatte, daß der Minister der tollste Spieler unter seinen Genossen gewesen sei und der„Lustigen Sieben" auch nach seiner Beförderung zum Minister noch gehuldigt habe, stellte dann der Verteidiger des Ange- klagten eine Reihe von Beweisanträgen, die jedoch vom Gericht als unerheblich abgewiesen wurden. Eine wesentliche Rolle spielten hier- bei die Aussagen zweier Kellner namens Laturnus und Meyer, die den Minister während seiner Spielabende bedient und dabei eine Reihe sehr gravierender Beobachtungen gemacht haben wollten. Wenige Tage, nachdem Biermann seine Strafe verbüßt hatte, griff er in seinem Blatte diese Behauptungen auf und erweiterte sie dahin, daß er den Minister direkt des Meineides bezichtigte, weil dieser in den früheren Strafprozessen verschwiegen habe, daß er auch noch als Minister von der Spielwut beseelt gewesen sei. Merkwürdigerweise schwieg sich Minister Ruhstrat zu dieser schweren Beschuldigung zunächst aus. Erst als Bier- mann immer ärgere Beschuldigungen gegen ihn erhob und eine Interpellation im Oldenburgischen Land- tage angekündigt wurde, sah sich Herr Ruhstrat En d e September zur Stellung von Strafanträgen gegen Biermann und den Redakteur Schlveynert veranlaßt, worauf auch alsbald die Verhaftung der beiden erfolgte. Sie wurde bei den beiden mit Fluchtverdacht begründet, obwohl Schweynert angeblich nur zu einem Besuche seiner Mutter nach Erfurt gereist war, während Bier- mann mit der Absicht umgegangen sein will, seinen„Residenzboten" nach Bremen zu verlegen, um vor der Oldenburgischen Justiz sicher zu sein. Ferner stellte der Minister Strafantrag gegen die„N a t i o n a l- Z e i t u n g", die diese Maßnahme abfällig be- urteilt hatte, sowie gegen das sozialdemokratische„Norddeutsche V o l k s b l a t t" in Bant, das geschrieben hatte:„In wenigen Tagen wird Minister Ruhstrat genötigt sein, seinen Urlaub zu unter- brechen, um sich vor dem Landtage zu verantworten. Der Landtag wird diesmal ein Gerichtstag werden. Vor dem Landtage aber wird ein anderer auf der Anklagebank sitzen, wie Redakteur Hans Biermann aus Oldeüburg." In dem Ende vorigen JahveS vor der hiesigen Strafkammer verhandelten Beleidigungsprozeß wurden u. a. die Kellner La- t u r n u s und Meyer als Zeugen vernommen. Ersterer, der eine Menge ehrenrühriger Dinge gegen den Minister vor dem Verteidiger Schweynerts, dem Rechtsanwalt Dr. Sprenger aus Bremen, aus- gesagt hatte, hielt seine Angaben in der Hauptverhandlung nicht auf- recht, dagegen bieb Meyer dabei, daß der Minister noch bis Mai 1900 im hiesigen Kasino mit einem Buchhändler, einem Zahnarzt und mehreren jüngeren Referendaren zunächst„gepokert" und dann auch„L u st i g e Sieben" gespielt habe. Dies wurde vom Minister R u h st r a t und seinen angeblichen Mitspielern unter dem Eide in Abrede gestellt, worauf die Verhaftung des Kellners Meyer wegen Verdachts des Meineides erfolgte. Zu der heutigen Verhandlung sind wieder über 60 Zeugen er- schienen, die über die Spielvorgänge im hiesigen Zivil-Kasino und in dem Eilerschen Lokale aussagen sollen. Den Vorsitz im Gerichtshof führt Landgerichtsdirektor E r ck, derfelbe, der im Schweynert-Prozeß den Vorsitz leitete Als Anklagevertreter ist Staatsanwalt Dr. S i m m e l antvesend, der auch schon in ftüheren Ruhstrat-Prozessen fungierte. Die Verhandlungen«verden diesmal im Schwurgerichtssaale«Abgehalten. Die Bänke der Geschworenen sind mit Journalisten aus Oldenburg, Wilhelmshaven, Varel und Berlin besetzt. Unter ihnen bemerkt man auch den Redakteur des „Vortvärts", Kurt Eisner aus Berlin. Der Angeklagte B i e r m a n n wurde kurz vor Beginn der Sitzung von zivei Ge- fängnisaufsehern der Strafanstalt Vechta vorgeführt. Er ist ein schmächtiger, kränklich aussehender Mann mit einem kleinen braunen Schnurrbart und kurz geschorenem Haar. Verteidiger Biermanns sind die Rechtsanwälte Dr. Sprenger und der sozialdemokratische Rechtsanwalt Herz aus Altona, die auch im Schtveynert-Prozeß die Rechte des Angeklagten wahrnahmen. Unter den Zeugen sieht man die Staatsanwälte Riesbieter und Jansen, sowie die Landgerichtsräte Knau er und Be- d e k e r. Es liegen zwei Anklagen gegen Biermcmn vor. Die eine lautet auf Beleidigung des Justizministers Ruhstrat, die andere auf Beleidigung des Rechtsanwalts Wisser, des Rechtsbeistandes Ruhstmts. Zunächst wurde in die Verhandlung der� ersten Anklage eingetreten. Hierzu war der Verteidiger Dr. Sprenger als Zeuge geladen und er mußte deshalb den Saal verlassen. Er er« klärte jedoch, daß er von dem ihm zustehenden Rechte der Zeugnis- Verweigerung keinen Gebrauch machen werde. Dann begann die Vernehmung des Angeklagten. Biermann ist am 8. Februar 1868 in Leer in Ostfriesland ge- boren. Er ist Vater von vier Kindern und ist bestraft: 1831 in Aurich tvegen Beleidigung durch die Presse zu 100 Mark, 1895 in Aurich wegen Beleidigung durch die Presse zu 40 Mark, 1303 in Oldenburg wegen Beleidigung durch die Presse zu 6 Monaten, in demselben Jahre ferner noch zu 4 Wochen und schließlich zu 10 Monaten Gefängnis. Bicrmann erklärt hierzu:„Ich bin schon so oft bestraft worden, daß ich nicht weiß, ob das alles Strafen sind." Diese Strafen hatte Biermann am Ib. Dezember vorigen Jahres verbüßt, wurde jedoch wegen des heutigen Strafverfahrens in Unter- suchungshaft zurückbehalten. Hierauf wird der inkriminierte Artikel verlesen. Er ist überschrieben:„Protest". Es heißt darin: Er (Viermann) habe vor wenigen Tagen bei der Staatsanwaltschaft in Oldenburg Strasantrag gegen den Justizminister Ruhstrat wegen schtveren Verdachts des wissentlichen Meineides gestellt. Aus diesem Grunde erhebe er feierlichen Protest dagegen, daß der Justizminister noch weiter als solcher fungiere, weil es feststehe, daß Ruhstrat einen wissentlichen Meineid geleistet habe. Ebenso stehe fest, so heißt es in dem Artikel weiter, daß die Staatsanwaltschaft seinem Antrage nicht Folge geben werde, sondern daß der Minister in den nächsten Tagen im Kreise ehrenwerter Männer, nämlich im oldenburgischen Land- tage, auftreten und die Interessen des Landes zu vertreten vorgeben werde. Er(Biermann) halte es nicht für angebracht und mit der Würde des Landes für unvereinbar, daß der Minister an den Arbeiten des Landtages teilnehme. Er protestiere dagegen, daß dieser in irgend einer Form eine Gesetzesvorlage vertrete. Jeder Ab- geordnete, der nicht in seinen Protest mit einstimme, sei ein Verräter an den Interessen des Volkes. Auf Befragen des Vorsitzenden, wie er zu diesem Artikel ge- kommen sei, erklärt Biermann: Nachdem ich 16lh Monate Zeit gehabt habe, mich zu beruhigen und die Dinge nochmals an meinem Geist vorübergehen zu lassen, muß ich heute erklären, daß ich auch jetzt noch vollkommen davon überzeugt bin, daß der Justizminister Ruh st rat einen Meineid ge- schworen hat. Wenn ich heute in die Lage käme, würde ich den Artikel noch einmal so schreiben, und zwar auf Grund der Ergebnisse des Schweynert-Prozesscs, der meine Angaben vollständig bestätigt hat. Ich habe seinerzeit im Biermann-Ries-Prozeß selbst gehört, wie auf die Frage des Vor- sitzenden nach der Daue r der Spielzeit der Minister Ruhstrat antwortete:„Ja, vor 10 bis 12 Jahren habe ich solche Dummheiten begangen, da bin ich solch ein Dummkopf gewesen." Er klopfte sich dabei an den Kopf. Ich habe damals erklärt, daß, wenn dies richtig wäre, ich ihn zu unrecht beschuldigt hätte, tveil ja diese Zeit vor seiner Ministertätigkeit liege. In der Straf- anstalt Vechta hörte ich dann aber, daß der Minister auch später noch Hasard gespielt Ijat. Ich habe dann auf Grund der Aussagen der beiden Kellner Laturnus und Meyer meinen Artikel geschrieben. Diese Zeugen sind allerdings nur durch Rechtsanwalt Sprenger vernommen worden. Nach meiner Haftentlassung brachten alle deutschen Zeitungen die Beschuldigungen, daß der Minister Ruhstrat einen Meineid geleistet habe. In fast jeder deutschen Zeitung wurde Ruhstrat unzweideutig des wissentlichen Meineide? bezichtigt. Allein er schwieg, schwieg länger als 6 Monate. Nur einem Redakteur der Berliner„Morgenpost" schrieb er:„Sie können über mich schreiben, was Sie wollen." Das war für mich ein Beweis, daß er sich s ch u l d i g f ü h l t e. Natürlich genügte mir das noch nicht und ich fuhr zu Rechtsanwalt Sprenger nach Bremen. Tn stellte sich heraus, daß Ruhstrat viel länger als bis 1831 Hasard gespielt hatte. Ob gerade„Lustige Sieben" konnte man allerdings nicht sage». Ich mutzte daraufhin meinen Artikel schreiben, und als ich ihn schrieb, wußte ich, daß aus ihm mir an dieser Stelle ein Strick gedreht würde. Das hatte man mir schon oft genug bewiesen und deshalb gebrauchte ich die Vorficht, die Vor- gänge rein referierend wiederzugeben und zwar bis zu den Aus- sagen der beiden Kellner. Ich habe einfach hervorgehoben, daß Ruh- strat seit 6 Monaten des Meineids bezichtigt und deshalb nicht würdig sei, vor dem Landtage zu erscheinen und die Regierung zu vertreten. Wenn ich dies nicht getan hätte, hätte man das Recht gehabt, mir Vorwürfe zu machen und mich als den Hallunken hin- zustellen, als den mich der Justizminister Ruhstrat zu bezeichnen sich erlaubt hat.— Der Vorsitzende richtet an den Angeklagten verschiedene Fragen, die daraus hinausgehen, festzustellen, in welcher Form Biermann seine Anschuldigungen aufgefaßt wissen wollte.— Der Angeklagte Bier mann erwidert: Herr Vorsitzender, ich kann das nicht zugeben, was Sie wünschen, sondern nur das, was ich gesagt haben will.— Vorsitzender,: Sie haben doch wörtlich geschrieben:„Ein mit dem Verdacht deS wissentlichen Meineids gcbrandmarktcr Mensch". Hatten Sie das nicht für eine Beleidigung?— Angeklagter Bier mann: Ich bitte, meine Erregung zu berücksichtigen, in der ich mich durch die nach meiner Ansicht zu Unrecht erlittenen Strafen damals befand.— Staatsanwalt: Ich verweise demgegenüber darauf, daß der Angeklagte soeben erst erklärt hat. er würde �denselben Artikel noch einmal schreiben.— Angeklagter B i e r m a n n: Ja, dann aber in einer anderen, verständigeren Form. Das hat mit meiner Ueberzeugung, daß der Minister einen Meineid geleistet hat, nicht das geringste zu tun. Ich meine also, ich hätte eine vorsichtigere Ausdrucksweise angewandt. aber dasselbe behauptet, schon um nicht noch einmal eine monate- lange Untersuchungshaft über inich ergehen zu lassen.— Der Staatsanwalt fragt hierauf den Angeklagten, ob er vor der Veröffentlichung mtt seinem Verteidiger Dr. Sprenger über den Artikel gesprochen, ja ihm den Artikel vorgelegt hat.— Angeklagter Biermann: Nein, ein anständiger Journalist geht mit seinen Artikeln nicht bei Rechtsanwälten hausieren.— Aus weitere Fragen. wann er denn eigentlich den Meineid des Ministers erblicke, gibt der Angeklagte die Erklärung ab, Minister Nuhsttat habe be» schworen, daß er nur im Kasino gespielt habe. Tatsächlich habe er auch bei Eilcr gespielt. Er habe ferner eidttch bestritten, daß er leidenschaftlich gespielt habe, trotzdem er ein leiden» schaftlicher Spieler wäre. Da der Angeklagte«vettere Erklärungen nicht mehr abgeben will, wird mit der Zeugenvernehmung begonnen. Erster Zeuge ist der Rechtsanwalt Dr. Sprenger- Brenren. Er referiert zunächst über seine Anwallstättgkett in dem Prozeß gegen Dr. Ries aus Barmen. Er behauptet, daß alle Fragen an Minister Ruhstrat, die sich auf die Spielvorgänge be, zogen, keinen Zweifel darüber gelassen hätten, daß diese Fragen sich auf die Spielvorgänge zu allen Zeiten bezogen hätten. DaS Urteil im Ries-Prozeß nehme auf Grund der eidlichen Aussage des Ministers Ruhstrat ausdrücklich darauf Bezug, daß die Behauptung Ries', Ruhstrat habe noch vor drei Jahren gespielt, unrichtig sei. da das Spiel des oldenburgischeir Ministers um 13 Jahre zurückliege. Es sei oarum anzunehmen, daß, obwohl eine derartige Frage,«vmin und zu welcher Zeit Ruhstrat gespielt habe, vorher nicht gestellt worden sei. Die eidliche Aussage Ruhstrats mußte den Eindruck hinterlassen, daß das Spiel seinerseits 13 Jahre zurückliege. Außerdem habe Ruhstrat auch immer nur von den Spielabenden im Kasino gesprochen, also niemals von den Spielabcnden bei Eiler. Ein Extrablatt der in Oldenburg erscheinenden„Nachrichten für Stadt und Land" nahm direkt darauf Bezug, daß das Gericht das Zurückliegen der Spiele des Ministers um 13 Jahre strafverschärfend für den Angeklagten ausgedeutet hat. Alle Fragen der Verteidiger an den Minister im Ries-Prozeß hatten den Zweck, die Spielleiden- schaft Ruhstrats zu illustrieren. Schon aus diesem Grunde mußte nach der eidlichen Aussage RuhstratS ein jeder den Eindruck haben, sein Spiel liege tatsächlich 12— 13 Jahre zurück. Bezüglich der Leidenschaftlichkeit habe die Zeugenvernehmung ergeben, daß diese Frage nicht angeschnitten worden sei. Man habe eine Feststellung der Leidenschaftlichkeit angestrebt und in dem damaligen Urteil iverde die Leidenschaftlichkeit des Ruhstratschen Spielens als nicht erwiesen erachtet. Die Ruhstratsche Aussage bestreite ja auch die Leidenschaft- lichkeit des Spiels. Wenn behauptet werde, ihm(Zeugen) habe der Angeklagte den Arftkel vor der Veröffentlichung vorgelegt, so sei das eine Verleumdung. Im Gegenteil, er, Zeuge, habe Frau Biermann gesagt, datz er die Berteidigrmg dafür nicht über nehme._ GcwerhrcbaftUcbce. Berlin und(Imgfegend. Streik der Modelltischler. In der Versammlung der Modell- und Fabriktischler sowie Modelldrechsler, die am Sonntag im Germania� saal tagte, wurde Bericht erstattet über die Ergebnisse der nodh maligen Vorstellung Bei den Arbeitgebern. Weitere Erfolge sind den durch nicht erzielt worden. Die großen Betriebe der Metallindustrie verharren auf ihrem ablehnenden Standpunkt. Nur im Kabelwerk an der Oberspree sowie bei neun Kleinmeistern der Modelltischlerei sind die Forderungen bewilligt worden. Unter diesen Umständen kam die Versammlung nach kurzer Diskussion zu dem einstimmigen Beschluß, daß in allen Betrieben, wo die Forderungen der Arbeiter nicht bewilligt sind, am Montag(gestern) die Arbeit nicht wieder aufgenommen wird. Auch die Mitglieder des Hirsch-Dunckerschen GewerkvereiuS der Tischler erklärten sich einmütig für den Streik.— Mit der Leitung des Streiks wurde der Branchenvorstand des Holz arbeiter-VerbandeS unter Mitwirkung eines Gewerkvereinsmitglledcs betraut. Die Verlängerung des Vertrages der Steimnetzen(Sandstein- arbeiter) scheint gesichert. B u ch w a l d berichtete Sonntag in einer Mitgliederversammlung im Gewerkschaftshaus über den Ausgang der neuen Verhandlungen mit der Jnnungsleitung. Die Herren bleiben dabei, dah die allgemeine Durchführung des Tagelohnes nicht bewilligt werden würde. Neben dem Tagclohn, der ja allerdings schon meist besteht, solle der Akkordtarif fortbestehen bleiben. Da- gegen werde gemäß dem schon vor 2— 3 Wochen gemachten Innung?- vorschlage jetzt, nachdem der Vkaurervertrag zustande gekommen die Erhöhung des TagelohnS um 3 Pf. pro Stunde zugestände� falls der Vertrag auf ein Jahr verlängert loerde. Ten Akkord arbeitcrn soll bei schlechten Akkorden die Möglichkeit geboten tveeden, durch Verhandlung mit dem Chef einen Ausgleich zu erzielen. Das- selbe trifft bei ungünstiger Gesinnung des Poliers zu. Eine Beschwerde beim Gcsellenausschuß wäre zulässig. Bezüglich des ge wünschten Fünfuhr-Schlusses auf den Plätzen hält der Obermeister eine Einigung für möglich; er meinte, darüber ließe sich sprechen. Tie bisherige Arbeitszeit, d. h. die Dauer der täglichen Arbeit, bleibt bestehen.— Nach längerer Debatte erklärten sich in der Abstimmung sechs Siebentel der Versammelten dafür, daß unter Erhöhung des Lohnes um 3 Pf. pro Stunde der Tarif wieder auf ein Jahr abzuschließen sei, unter der Bedingung, daß auf den Plätzen um 5 Uhr Feierabend ist. Der Tarif der Bauanschläger(Sektion des Metallarbeiter-Ver- bandes), der mit der Berliner Schlosser-Jnnnng und dem Verband Berlmer Schlossereibetriebe vereinbart«vurde, ist mit den, 1. April in Kraft getreten. Bisher war es noch zweifelhaft, ob die Char lottenbnrger Innung wie auch die außerhalb einer Arbeitgeber� organisatron stehenden Firmen der Branche diesem Tarifverhältnis beitreten würden. Aus diesem Grunde hatten die Ballanschläger kürzlich beschlossen, den letztgenannten Firmen mitsanlt der Char- lottenburger Innung zum 1. April den Tarif zur Anerkennung vorzulegen, und falls dieser verweigert würde, eveiituell in den Streik einzutreten. Wie nun am Sonntag in der Scktions- Bersammlmig der Bauanschläger bekannt gegeben wurde, hat sowohl die Charlottenburger Innung wie auch der größte Teil der außer- halb einer Unternehnlerverclnigung stehenden Firmei, den Tarif jetzt ebenfalls anerkannt, so daß fich eine Arbeitseinstellung erübrigte. Beschlossen wurde sodann, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um auch noch die Spandauer Innung mit in das Tarif- Verhältnis emzubeziehen.— Außerdem ivurde sich die Sektion schlüssig, die diesjährige Maifeier ebenso wie in früheren Jahren durch Arbeitsruhe zu begehen. Stau Tarifverhandlungen im Dachbeckergcwerbe. Am Sonntag fand bei Feind in der Weinstraße eine Mitgliederversammlung der hiesigen Filiale des Dachdeckerverbandes statt, die so zahlreich besucht lvar, daß ein Teil der Tische entfernt werden mußte, um mehr Nanm zu schaffen. Der Vorsitzende H ö p p n e r gab Bericht über den Stand der T a r i f f r a g e. Er teilte mit, daß der JnnungS vorstand in der vorigen Woche nach einer heftigci, Diskussion be- schlosseii hat, nun doch auf die Forderung, die Christlichen bei dem Tarifabschluß mit dem Zentralverband auszuschalten, einzugehen, und sich bereit erklärte, die Verhandlungen am Montag wieder aufzunehmen. Da hiermit die Bedingung erfüllt ist, an der die Tarif- Verhandlungen bis jetzt gescheitert waren, erteilte die Bersamnilung der Tarifkommisfion den Auftrag, weiter zu verhandeln und mit aller Kraft für den Abschluß eines vorteilhaften Tarifvertrages zu wirken. Achtung, Holzbildhauer. Ergänzend zu unserer Notiz in der Sonntagsnummer betreffend Streikarbeit aus Elberfeld, sei noch bemerkt, daß von den Firmen Krause und Marschner Arbeit bereits fortgesandt ist. Für Bildhauer Krause(Lehrer an der dortigen .Kunstgewerbeschule) kommt gute Arbeit in Polisanderholz in Betracht. Für die Möbelfabrik Marschner Rokokko-Arbeit in Mahagoniholz (Möbel), gute eichene Möbelarbeit und vorwiegend Bauarbelt in Eiche für Türen, Aufsätze und anderes in modern Barock, mehrere Kartuschen und Frnchtgehänge mit Fratzen nn Neiiaissancestil. Des- gleichen zirka 8 große eichene Füllungen von beiden Seiten geschnitzt. Die Firma Bildhauer Krauts u. Schöneweiß-Barmen hat Teile für eine gottsche Orgel in Kiefernholz versandt. Genaue Detailstizzen hängen im Bureau aus und sind von den Kollegen genau zu beachten, damit keiner Streikarbeit anfertigt. Glpsbildhauer und Modelleure wollen die Firma Thiele u. Tschinkel, Bendlerstraße und Neubau Amtsgericht, so lange meiden bis die Schlichtungkommission die ausgebrochenen Differenzen beigelegt hat. Die Ortsverwaltung. veutkcbes Reich. Die Steinsetzer Breslaus befinden sich in der Aussperrung wegen Nichtanerkenming des Unternehmertarifs. In Prenzlau ist ein Streik derselben ausgebrochen infolge Tarifbruchs der Unternehmer. Auch in Rostock sind sie im Streik wegen Lohndifferenzen und in Neuzelle drohen Differenzen wegen Nichtanerkennung des vereinbarten Tarifs. — Zuzug ist nach überall fernzuhalten. I« der Eisengießerei W. Nauke, Neu-Ruppin, ist am Sonnabend, den 1. April, eine Lohnbewegung ausgebrochen und ist strengster Zuzug von Formern fernzuhalten. Alle arbeiter- freundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Verwaltung Neu-Ruppin. Die Drahtspanner der Stukkateurgrschäfte in Bremen befinden sich in Lohndifferenzen.— Zuzug ist streng fernzuhalten. Der Streik in der Hannoverschen Waggonfabrik dauert unver» ändert fort. Stattgefundene Verhandlungen haben fich gänzlich zerschlagen. Die Ausständigen stehen nach wie vor fest zusammen; noch ist keiner abgefallen. Em großer Teil ist anderweitig in Arbeit gebracht und der Rest ist fest entschlossen auszuhalten, bis der Sieg auf ihrer Seite steht. Daß die Fabrik stark in der Klemme sitzt, beweist ihr eifriges Bemühen, tüchtige Arbeiter als Streikbrecher anzuwerben« besonders fehlt es an eingearbeiteten Holzarbeitern. Es ist daher Ehrenpflicht aller Arbeiter, die Hannoversche Waggon fabrik zu meiden und obiges überall bekannt zu geben.— Arbeiterfreundliche Blätter werden uiu Nachdruck gebeten. Die Schneider in Köln beschlossen, wie uns unser Kölner- Korrespondent schreibt, am Sonntag in geheimer Abstimmung mit 699 von 712 Stimmen, anr Montag in den Streik ein zu- treten. Der vor zwei Jahren mit dem Arbeitgeberverband und der Innung abgeschlossene Tarif ist am 31. März abgelaufen. Obwohl die Gesellen am 1. März den Tarif kündigten, war am 1. April infolge des Verhaltens der Arbeitgeber noch kein neuer Tarif zu- stände gekommen. Der von den Arbeitgebern angebotene Tarif blieb zum Teil noch hinter dem bisherigen zurück, und er lvar derart, daß sogar der Vorsitzende des christlichen(I) Schneiderverbandes ihn als undiskutierbar und als eine Frechheit bezeichnete. Die Christlichen gehen mit dem deutschen Schneiderverbande völlig ein- miitig zusammen, Die Versammlungen werden von den Vorständen der beiden Verbände gemeinsam geleitet. Die Organisation der Kölner Schneider ist sehr stark, und die Arbeitgeber hätten wahrlich Ursache, ihren Hochmut ein erhebliches Stück hinunterzuschrauben. Statt dessen erklärten sie noch dieser Tage nach einem erneuten Angebot der Lohnkommission, sie lehnten den Antrag auf weitere Verhandlungen als zwecklos ab, weil sie nicht über ihre bisherigen Angebote hinausgehen könnten; auf Grund ihrer Angebote zu verhandeln, seien sie aber nach lvie vor bereit. Das Ganze lief nur auf ein Hinhalten der Gesellen bis nach Ostern hinaus. Der Streikbeschluß aber zwingt die Arbeitgeber zum Ein lenken. Sie haben sich denn auch schon zum Erscheinen vor dem Einigungsaint des Gewerbegerichts bereit erklärt. Selbstverständlich werden die Gehiilfen der Einladung des Gewerbegerichts ebenfalls Folge leisten. Die Sattler in Köln haben beschlossen, in eine Lohnbewegung einzutreten. Am Sonnabend haben sie folgende Forderungen auf- gestellt: Abschaffung des Wohnens und Schlafens im Hause des Meisters; Gewährleistung eines Lohns von 25 M. wöchentlich bei Stücklohn; zehn Prozent Erhöhung der Lohnsätze resp. 49 Pf. Mindcftstundenlohn, 35 Pf. für Gehülfen unter 29 Jahren, für Ueberstunden 25, für Nacht- und Sonntagsarbeit 59 Proz. Lohn Zuschlag. Der Malerstreik in Köln. Die im christlichen Verbände organisierten Maler und Anstreicher beschlossen am Sonnabend ein- mutig, am Montag die Arbeit einzustellen und sich den Mitgliedern der freien Gewerkschaft, die schon am Sonnabend in den Ausstand traten, anzuschließen. Die Zahl der Ausständigen wird sich heute auf etwa tausend belaufen. Ruttattd. Lohnbewegung im Baugewerbe in Südschwcdcn. Der im Jahre 1992 nach langem Streik zustande gekommene Tarifvertrag der Maurer, Zimmerer und Bauarbeiter der Städte Schönens (Malmv, Lund, Trelleborg uslv.) ist am 1. April abgelaufen, ohne daß ein neuer Vertrag abgeschlossen wurde. Die Arbeiter haben rechtzeitig ihre Vorschläge zu einem neuen Tarif eingereicht und verlangen hauptsächlich Erhöhungen der Mimmallöhne. Die Unter- nehmer wollen dagegen den alten Vertrag verlängert wissen. Der Tarifvertrag der Maler ist ebenfalls am I.April abgelaufen; auch sie fordern Lohnerhöhungen, ohne daß bisher die Unternehmer irgendwelches Entgegenkommen gezeigt haben. Die Vorstände der in Betracht kommenden Organisationen haben einstimmig beschlossen, an den Forderungen festzuhalten. Malcrstreik in Malmö. Die Maler in Malmö haben am Sonnabend die Arbeit niedergelegt. Die Zahl der Streikenden ist ungefähr 699.______ Hud InduPtnc und Handel Neue 3s«prozentige Reichsanleihe. Die in den letzten Wochen vielerörterte Frage, ob die Regierung bei der Aufnahme der neuen Rcichsanleihe wieder zu dem Z�prozentigen Typus zurückkehren und ob der Anleihebetrag auf 399 oder 499 Millionen. Mark fest- gesetzt werden würde, ist entschieden. Wie offiziell gemeldet wird, hat ein unter Führung der Reichsbank gebildetes Konsortium, welchem die königliche Seehandlung,(Preußische Staatsbank), die königliche Hauptbank zu Nürnberg und die schon früher bei gleichen Gelegenheiten beteiligten Bankfirmen angehören, und in welches die Bankhäuser L. Behrens u. Söhne, M. M. Warburg u. Ko. in Hamburg sowie die Bayerische Vereinsbank in München neu ein- getreten sind, gestern von der Reichsfinanzverwaltung 399 Millionen Mark 3Vzprozentiger Reichsanleihe übernommen. Der Zeichnungspreis beträgt a) für diejenigen Stücke, für welche der Erwerber sich einer Sperre bis zum 15. Oktober d. I. unterwirft und gleichzeitig die Einlieferung an die Reichsschulden- Verwaltung behufs Eintragung in das Reichsschuldbuch beantragt, 191,19 M. für je 199 M. Nennwert; b) für alle übrigen Stücke 191,29 M. für jc 199 M. Nennwert.— Der Uebernahmekurs beträgt, wie verlautet, 199� Proz. Der Betrag wird am 19. d. M. zur öffentlichen Zeichnung auf- gelegt und zwar bei dem Kontor der Reichshauplbank für Wert- Papiere, der Seehandlungskasse und der Preußischen Zentral- Genossenschaftskasse, bei allen Rcichsbankhauptstellen, Reichsbank- stellen und Reichsbankncbenstcllen mit Kaffeneinrichtung, bei der königlichen Hauptbank in Nürnberg, der Bank für Handel und Industrie, der Berliner Handelsgesellschaft, S. Bleichröder, der Kommerz- und Diskonto-Bank, Delbrück, Leo u. Ko., der Deutschen Bank, der Direktion der Diskonto-Gesellschaft, der Dresdener Bank, F. W. Krause u. Ko., Bankgeschäft, Mendelssohn u. Ko., der Mittel- deutschen Kreditbank, der Nationalbank für Deutschland, dem A. Schaaffhausenschen Bankverein und Robert Warschauer u. Ko., bei Sal. Oppenheim jr. u. Ko. in Köln, Jakob S. H. Stern und Lazard Speyer-Ellissen in Frankfurt a. M., der Norddeutschen Bank, L. Behrens und Söhne und M. M. Warburg u. Ko. in Hamburg, der Rheinischen Kreditbank in Mannheim, der Bayerischen Hypo theken- und Wechselbank und der Bayerischen Vereinsbank in München, der Ostbank für Handel und Gewerbe in Posen und der Württcmbcrgischen Bereinöbank in Stuttgart. Die Regierung kehrt damit nach 15 Jahren— die letzte 31hprozentige Anleihe wurde im Jahre 1899 ausgegeben— wieder zum Zinssatz von 3)ö Proz. zurück, zwar hat sie inzwischen zweimal, nämlich in den Jahren 1999 und 1993, 89 und 199 Mill. M. zu 4 und 3% Proz. aufgenommen, aber in beiden Fällen handelte«S suh um Schatzanweisungen mit kurzer Umlaufsfrist. Ob dieses Zurück greifen-auf den allen Typus nur die Bedeutung eines Versuchs hat, oder ob die Regierung auch für du Folge keine Anleihen mit 3prozentiger Verzinsung mehr aufnehmen wird, das dürfte davon abhängen, welche Aufnahme die neue Anleihe beim Publikum findet und wie sich der Kurs im weiteren Verlauf gestaltet. Wie die Bestimmungen betreffs der Ermäßigung des Zeichnungskurses um 19 Pf. für solche Erwerber zeigt, die sich einer Sperre unterwerfen und die Eintragung in das Reichsschuldbuch beantragen, trachtet man die Konzertzeichnerei einzuschränken und die neuen Stücke m 'ogenannte feste Hände zu leiten. Die Anleiheschuld des Deutschen Reichs ist seit seiner Be- gründung im Jahre 1871 gewaltig gestiegen. Mit den neu- aufgenommenen 399 Mill. Mark stellt sie sich uf 3593 Millionen Mark, wozu noch zirka 79 Millionen Mark unverzinslicher Schatz» cheinc und für 129 Millionen Mark Reichs- afsenfcheine kommen. Der Militarismus und der Flottenbau kosten Geld. Di» Hohenloht-Oehringrnfchen Montanwerke als Aktiengesell- chaft. In den letzten Tagen fanden an der hiesigen Börse beträcht- liche Käufe in Anteilen der Berliner Handelsgesellschaft zu steigenden Kursen statt. Als Grund hierfür verlautete gerüchtweise, daß die Handelsgesellschaft die Gründung einer großen Bergwerks- und Hütten-Aktiengesellschaft vorbereite, in deren Besitz die sämtlichen obcrschlesischen Kohlen- und Zinnbergwerke nebst den Hüttenbetrieben des Fürsten Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehriugeu, Herzogs von lljest, übergehen sollten. Die Richtigkeit des Gerüchts wurde vielfach bezweifelt, sie wird aber jetzt von der Handelsgesellschaft selbst be- stätigt. Gestern wurde in den Geschäftsräumen der Berliner Handelsgesellschaft die Gründung der„Hohenlohe-Werke, Aktiengesellschaft" mit einem von den Gründern zu über- nehmenden Grundkapital von 49 Millionen M. und einem durch Zuzahlung der Gründer zu schaffenden Reservefonds von 4 Millionen Mark vollzogen. Als Zweck der Gesellschaft wird angegeben die Uebernahme der sämtlichen Kohlen- und Zinkbergwerke, Hütten- anlagen und zugehörigen Liegenschaften des Fürsten Hohenlohe- Oehringen, Herzogs von Ujest, im oberschlesischen Revier. Ein Teil der Attien wird auf ein unter Führung der Berliner Handelsgesellschaft stehendes Konsortium übergehen, dem außer Herrn Geh. Kommerzienrat Fritz Friedländer die Bank für Handel und Industrie, das Bankhaus S. Bleichröder, die Deutsche Bank, die Direktion der Diskontogesellschaft, die Nationalbank für Deutschland, ferner der Schlesische Bankverein und das Bankhaus E. Heimann, Breslau, angehören. Die übrigen Aktien verbleiben im Besitze des Fürsten von Hohenlohe-Oehringen. Der Besitz des Herzogs von Ujest im oberschlefischen Revier ist ein sehr ausgedehnter. Es gehören u. a. dazu die„Konsolidierte Hohenlohe-Steinkohlengrube" bei Bittgor, die„Kombinierte Chassse und konsol. Fanny" und die„Max-Grube" bei Michalkowitz, die „Konsol. Georg-Grube" bei Klein-Dombrowska und die„Hoym- Laura-Grube" bei Birtultan, ferner die Beteiligung an mehreren Bleierz- und Zinkgruben und außerdem ein Zinnwalzwerk, sowie die Theresia- und die Hohenlohc-Hütte. Regierungsbeamte als Aufsichtsratsmitglied«. Das liberale „Luzerner Tageblatt" veröffentlicht eine Zusammenstellung, wonach drei ultramontane Mitglieder der Luzerner Kantonsregierung Mitglieder des Verwaltungsrates von 24 Aktiengesellschaften sind. Ter Regierungsrat Schmid sitzt im Verwaltungsrat von 12 finanziellen, industriellen und Verkehrs- (Gotthardbahn) Aktiengesellschaften; bei zweien dieser Gesellschaften ist er Berwaltungsrats-Vorsitzender. Der Regierungsrat Schobinger gehört dem Verwaltungsrat von 6 Aktiengesellschaften an, bei vieren ist er Präsident. Der Regierungsrat Schumacher gehört ebenfalls dem Verivaltungsrat von 6 Aktiengesellschaften an. Bei solcher Doppelstellung darf man sich nicht über die kapitalistische Politik mancher Regierungen wundern. Bahnbautcn in den Bereinigten Staaten von Amerika. Zu der günstigeren Gestaltung des amerikanischen Elsenmarktes trägt wesent- lich die zunehmende Bautätigkeit der amerikanischen Eisenbahn- gesellschaften bei. Bis jetzt sind nach einem amerikanischen Fachblatt 9332 englische Meilen(1 Meile— 1524 Meter) neue Bahn projektiert und ist der Bau von 7599 Meilen bereits in Angriff genommen, resp. kontraktlich vergeben. Größere Bauten entfallen davon auf die MinncapoliS, St. Paul u. Sault Ste. Marie<291 Meilen), die Missouri Pacific(259 Meilen in Arkansas und Mssouri), die St. Louis, Brownsville u. Mexiko(143 Meilen in Texas), die LouiSville u. Nashville(141 Meilen in verschiedenen Staaten des Südens). Auch für die kanadischen Bahnen steht eine lebhafte Bautätigkeit bevor. Letzte INfachrichten und DepcFchen, Der Ruhstrat-Prozeß. Oldenburg, 3. April.(Privatdepesche des„Vorwärts".) In sehr friedlicher Verhandlung begann heute der Prozeß gegen Biermann, der den Minister Nuhstrat beschuldigt, im Prozeß Biermann-Ries unter seinem Zeugeneide fälschlich de» An- schein erweckt zu haben, daß er nur als Staatsanwalt vor 12 bis 14 Jahren hasardiert habe. Daß dies der Inhalt des Ruhstratschcn Zeugeneides gewesen, nahmen damals Plädoyers, Urteilsbegründung, alle Zeitungsberichte und Besprechungen an. In diesem Prozeß geht aber die Taktik der Staatsanwaltschaft dahin, zu leugnen, daß Ruh- strat überhaupt sich damals allgemein über seine Spielerkarriere geäußert habe und zu äußern brauchte, weil nur bestimmte Einzel- fälle in Frage standen. Daher seien die Beweisanträge der Per- tcidigung, die durch nahezu 89 Zeugen beweisen will, daß der Minister bis in die jüngste Zeit hasardiert, unerheblich. Die Ver- teidigung bemüht sich durch eindringende Feststellungen, mindestens festzustellen, daß Ruhstrat durch Verschweigen seiner andauernden Spielleidenschaft die Meinung erhalten habe, es handle sich bei den Beschuldigungen Bicrmanns um„alte JugenMmmmHeiten"; hierin liege der Meineid. Die heute vernommenen Zeugen, zumeist hiesige Richter und Staatsanwälte, bekunden fast wörtlich übereinstimmend, doch nicht ohne Widersprüche, im Sinne der neuerlichen Ausfassung des Ministers. Ruhstrat selbst, gegen 7 Uhr zcugcneidlich ver- ncmmen, wird heftig, beschuldigt den RcichstagS-Abgeordneten Lenz- mann der Verleumdung, greift die Verteidigung an, die ihm objektive Unwahrheiten nachweist. Ob in die Beweisaufnahme über die Spiel- affären selbst eingetreten wird, entscheidet sich morgen. Der Prozeß bildet einen höchst merkwürdigen Beitrag zur Psychologie de» Ver- teidigungSbetriebes._ Aussperrung der organisierten Brauer Kölns. Köln, 3. April.(W. T. B.) Der Voykott-Schutzverband der rheinisch-wcstsälischen Brauereien hat beschlossen, daß 34 größere Brauereien von Köln und Umgebung an, 5. d. Mts. sämtliche, der Organisatton angehörige Brauereiarbeiter aussperren bezw. ihnen kündigen, weil über die Kölner Brauerei Altcburg der Boykott verhängt wurde, da die Brauerei zwei Brauer entlassen hatte, obwohl das Schiedsgericht entschieden hatte, sie seien zu Recht ent- lassen worden.__ Sieg der Metallarbeiter in Mannheim. Mannheim, 3- April(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Streik bei der Maschinenfabrik Benz ist durch Verhandlung uut« Borsitz des Fabrikinspektors mit einem völligen Sieg für die Arbeiter beendet. Die Arbeit wird Dienstag Wied« aufgenommen. Ehrung der Freiheitsgrfallenen durch den Moskauer Aerztekongrch. Moskau, 3. März. Der Acrztekongreß ist heute hier in An- Wesenheit eines zahlreichen Publikums zusammengetreten. Der Vorsitzende. Dr. Jelpatewskh, eröffnet in Gegenwart von ungefähr 1999 Aerzten die Versammlung mit einer Ansprache, in der er bemerkte, es sei bisher die Frage gewesen, ob die Re- gierung Vertrauen zum Volke habe, jetzt Hütten sich die Zeiten geändert, jetzt laute die Frage, hat da» Boll noch Brr- trauen znr Regierung? Hierauf forderte er die Anwesenden auf. sich zu Ehre» der am 22. Januar gefallenen Opfer zu«heben. Die Revolution in Rußland. Petersburg, 3. April.(W. T. B.) Im Bezirk Bachmut haben wieder Bauernunruhen stattgefunden. Auf das Verwaltungsgebäude des Bergwerks von Uspeasky in der Nähe von Slawjanoserbsk wurde am 39. März ein Angriff gemacht. Das Bureau wurde geplündert. 23 der Angreifer sind auf administrativem Wege verschickt worden. An den Tatort sind Kosaken entsandt worden. Grubenunglück in Amerika. Köln, den 8. April. Die„Kölnische Zeitung" meldet aus New Dork von heute: In Zeiglcr(Illinois) wurden durch eine Gas- explosion in der Kohlengrube von Joseph Leikes zwanzig Personen getötet und achtzehn verwundet. "'i-'a—----- r-- /- p" vytusivuuy curcc ijroßtn«tiütucu»« unu ütiuiet Utto vcuuuuvts. Berantw.Red.: Paul Büttner, Berlin. Jnscratellerantw. smit Ausnahme der. N-ueWeIt".B-ilag-):Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Snchdr. u. VerlagSanst.PaulSinzerS: Co.. Berlin SV. Hierzu 3 Beilagen u.lluterhaltungsbl » so. 22.1�., i. Deilllge des IljMiirts" Aerlim WlistlM Der Kongreß von Ronen. Rouen, 27. März.(©ig. Ber) Zweiter Berhandlungstaz. NachmittagSsitzung. 2'/z Uhr. Die Debatte über die Einigkeit wird fortgesetzt. Heppenheimer, Gemcinderat-mitgiied von Paris(Rechte): Wir wollen die Einigkeit, aber ohne jeden Verzicht auf die Vergangen- heit, auf unsere eigene Auffassung.(Beifall rechts.) Die EinigkeitS- Urkunde weist mehrere für uns unannehmbare Punkte auf: die Ablehnung des Budgets und die Einführung eines dirigierenden Komitees. Die sozialistischen Abgeordneten werden mit Mißtrauen behandelt. Ich sage aber, daß jenes leitende Komitee eher mit Mißtrauen zu behandeln ist. Die Komiteemitglieder, die außerhalb des Parlaments stehen, können ein nur vages Verantwortlichkeitsgefühl besitzen. Als früherer Arbeiter habe ich stets der Tyrannei des Unternehmertums Trotz geboten. Ebenso wenig kann sich ein Sozialist, ein sozialistischer Abgeordneter der Tyrannei eines leitenden Komitees unterwerfen. (Beifall rechts, Proteste links.) Niemand hat das Recht, den Vertrag zwischen dem Gewählten und der Wählermasse zu verletzen. Der Gegensatz zwischen den Gewerkschaften und der Partei ist dem Einfluß der Anarchisten zuzuschreiben.(Protestrufe links.) Uebrigens gibt es in der Konföderation der Arbeit selbst Gewerkschaften, die mit der gegenwärtigen Leitung der Konföderation so sehr un- zufrieden sind, daß' sie mit ihrem Austritt drohen. Und das sind gerade die stärksten Gewerkschaften. Auf dem Kongreß von Bordeaux hat JauröS die Notwendigkeit betont, allen Tendenzen in der Partei Raum zu gewähren. Diese Auffassung ist immer die meine. Auch innerhalb der Einigkeit werde ich für meine reformistische Tendenz kämpfen. Copigncaux- Paris, Sekretär der Gelverkschast der Kommunal- arbeiter(Linke), hebt hervor die disziplinwidrige Haltung der Fraktion in bezuq auf die Linksdelegation: Wir, die Kritiker der Fraktion, haben stets gute Disziplin gehalten. Wir haben in Versammlungen die Fraktion verteidigt. lassen uns aber nicht das Recht nehmen, sie auf einem sozialistischen Kongreß zu kritisieren.— Sodann wirft Redner den Pariser sozialistischen Gemeindemitgliedern vor, die Jnteresien der Kommunalarbeiter zu vernachlässigen und in gewissen Fällen, die er anführt, gegen den Willen der Gewerkschaft gehandelt zu haben.(Heppen- heimer protestiert.) Wenn es so weiter geht, loird die Partei hinter sich nur noch unzufriedene radikale Wähler haben und keinen einzigen Arbeiter.(Beifall links.) Schon in den letzten Pariser Gemeinde- Ivahlen haben die Geiverkschasten die Wahlenthaltung empfohlen. Wozu den Klaffenkampf ins Programm einschreiben, wenn ständig das Zusammenwirken der Klassen betätigt wird? Man hat viel von der zweijährigen Dienstzeit gesprochen. Aber diese und ähnliche Reformen find nicht geeignet, das Proletariat zu beftiedigen. Wir werden in der Einigkeit fortfahren für Arbeiterreformen einzutreten, energischer als die Rechte.(Beifall links.) Abg. Presscnsä beschwert sich zunächst über die Heftigkeit gewisser Kritiken gegen die Fraktion. Redner dürfe ruhig diese Bemerkung machen, nachdem er ja in der Frage der Linksdelegation sich von der Fraktionsmehrheit getrennt hätte: ES ist aber auch ungerecht, die be- sonderen Verdienste der P. S. F. in der Vergangenheit zu leugnen. Die Bloc-Taktik, die ihren Ursprung in der Dreyfus-Krise hat, in der Notwendigkeit, die Republik, auch die bürgerliche Republik zu verteidigen, war in der Vergangenheit berechtigt. Es soll nicht verkannt werden, daß in der alltäglichen Praxis jener Taktik manche Fehler begangen würden._ Aber fie hatte namentlich auch diesen Vorteil, den Einfluß der sozialistischen Partei auf das Proletariat zu verstärken. Es ist nämlich nicht zu vergessen, daß es in Frankreich kein einheitliches Proletariat gibt. Reben einein sozialistischen Proletariat gibt es em radikales und republikanisches Proletariat. Um dieses letztere für den Sozialismus zu gewinnen, imißten endlich die seit 20 Jahren von den Radikalen versprochenen Re- formen verwirklicht werden, damit die Aufmerksamkeit des Proletariats nicht mehr von seiner sozialisfischen Aufgabe abgewendet werden könnte.(Beifall rechts.) Zur Frage der Linksdelegation sagt Redner: Die Dele- gation hat seit Oktober 1.90t aufgehört. Sie war bereits ein Leichnam. Und als wir in den Unterhandlungen mit den revolutionären So- zialisten auf die Linksdelegationen verzichteten, so haben wir ihr nur die Todesurkunde ausgestellt. Sie soll und darf nicht mehr erneuert werde n. Unter CombeS bot sie bedeutende Vorteile, aber unter Rouvier begann sie ein Aushängeschild zuseür, hinter dein nichts geleistet oder sogar eine reaktinäre Politik betrieben lvurde. Dennoch aber sind hie und da Verständigungen mit den Links- Parteien unentbehrlich. Auch die Revolutionäre haben ja, wie Briand crumcrt hat. indirekt solche Verständigungen betätigen müssen. Pic.re-Bertrand-Haute Vienne(Linke) macht einige kritische Be- mcrkungen gegen die ultra-ministerialistische Haltung der Fraktion und betont entgegen der Rechten, daß der Amsterdamer Kongreß die bisherige Taktik der P. S. F. zurückgewiesen hat. Abg. Breton- Eher(äußerste Rechte) verweist auf die rcforu,erischen Leistungen der laufenden Legislatur dank der sozialistischen Aktion im Parlament, so namentlich auf daS Votum der zweijährigen Dienstzeit und auf die bevorstehende Voticrung der Trennung zwischen Kirche und Staat, ferner die Abschaffung des privaten Arbeitsnachweises, die Kommunalisierung des GaSbetriebes in Paris, welche freilich zurzeit im Senat gescheitert ist; die Verbesserung des Unfallgesctzes, die Aussicht auf das Votum der Arbeiter- Pensionen: All biete Resultate wurden aber nur dank der Links- delegation erreicht. Es wäre schädlich, jede solche Delegation in Zu» kunft zu verbieten. Der Austritt der Sozialisten aus dem Bloc könnte den Anschluß der Melinisten an denselben zur Folge haben, was die Reformaktion schädigen würde. Ferner bekämpft Redner die Verweigerung des Budgets und be- schwert sich darüber, daß man stets über die Linksdelegation der Kammer herfalle, ohne ein Wort der Kritik gegen die permanente Linksdelegation im Pariser Gemeinderat zu äußern. Sodann kritisiert Breton die Haltung der revolutionär-sozialistischen Fraktion, die im Grunde dieselbe Politik befolge, wie die P. S. F., nur daß jene es nicht offen tue. Er schließt mrt der Erklärung, sich dem Parteibeschluß betreffend der Linksdelegation fügen zu wollen, unter der Betonung der Notwendigkeit zeitweiliger Verständigungen mit den Radikalem(Beifall rechts.) Renaudel-Rouen(Linke): Auf diesem Kongreß stehen sich wiederum zwei Tendenzen gegenüber: die eine sieht nur die parlamentarische Aktion, die andere gibt den Vorzug der Organisation des Proletariats vornehmlich auf wirtschaftlichem Boden. Je nachdem man sich zu den beiden Tendenzen stellt, löst man auch verschieden die Frage über das Ucbergeloicht der Kammerfraltion oder der Parteileitung. lBeifall links.) Der Konflikt. über den wir zu entscheiden haben, spielt nicht zwischen dem Jnterföderalen Komitee und der Fraktion, sondern viemehr zwischen zweiTeilen der Fraktion selb st, von denen der eine durch die Namen I a u r ö S und Pressenfs, der andere durch die Namen Augagneur und Breton ver- treten wird. Und der Konflikt wurde hervorgerufen nicht durch das Jnterföderale Komitee, nichr einmal durch den Nationalrat(in welchem das Komitee und die Fraktion zusammentagcn), sondern durch die Fraktionsmehrheit. Redner bespricht eingehend die Phasen deZ Konflikts und hebt folgendes hervor: In der Fraktion sitzen bisher zehn Abgeordnete, die der Partei nicht angehören, wie übrigens auch hier auf dem Kongreß einige Abgeordnete als Delegierte mit- tagen, die der Partei nicht angehören. Und gerade diese außerhalb der Partei stehenden Abgeordneten, wie Z s v a ö s und D e v i l l e, welch letzterer übrigens gegen seinen Ausschluß aus der Partei durch die Scine-Föderation au diesen Kongreß nicht appelliert hat, sie waren es, die für die Beibchaltungder Linksdelegation ein- getreten sind und den anderen eine Mehrheit dafür gebildet haben. Noch mehr: namens der Fraktion wurde in die Linksdelegation entsendet der nicht zur Partei gehörende Zsvaös, der aber ohne jeden Vorbehalt in der Linksdelegation als Vertreter der Partei wirkte. Man hat hier versucht, die Linke als tyrannische Beherrscherin der Fraktion darzustellen, um so die weniger imformierten Provinzdelegierten zu beeinflussen. Das Gegenteil davon ist wahr. In Saint- Etienne waren es nicht wir, die In- transigentcn, die den Nationalrat als Organ der Kontrolle auf- gezwungen haben. Das war JaursS, und wir haben Jaurss' Vor- schlag votiert! Nicht wir haben die Resolution des Nationalrates gegen die Linksdelegation beantragt. Das war Jaurös, nnd wir haben JaursS' Resolution votiert! Ebenso steht es mit dem Vorschlag, diesen Kongreß zur Schlichtung des Konfliktes einzuberufen.(Leb- hafter Beifall links.) Nun zur Frage der Linksdelegation: ES mag fein, daß in den alten Wahlkreisen, wo die Sozialisten in der Hauptwahl den Vorrang haben, die Bloc-Taktik dem Sozialisten die radikalen Stimmen zuführt. Wie steht eS aber in den jungen Wahl- kreisen? Dort, wo der Sozialismus erst entsteht, werden wir im Namen deSZBlocs als Werkzeuge der Reaktion verschrien und man stellt uns in Gegensatz zu den Genossen Jaurvs und Briand, mau denunziert uns als„Kollektiviften" und„Kommunisten", die mit den wahren Sozialisten von der Kammerftaktion nichts gemein hätten, ja man verleumdet uns namens des Bloes als bezahlte Handlanger der Reaktion.(Stürmischer Beifall links.) Und dann ruiniert die Bloc-Taktik unsere Organi- sationskraft. Es gibt Gegenden, wo G c n o s s e n in g e m i s ch t e n Gruppen der„republikanischen Verteidigung" wirken und dadurch von der sozialistischenArbeit gänz- lich abgewendet werden. Man will die Linksdelegation anftecht erhalten, ungeachtet auch des UmftandeS, daß das Kabinett Rouvier von der Börse mit einer Hausse begrüßt wurde. Die Kapitalisten wissen, daß Rouvier ihre Interessen niemals verletzen lvird.(Stürmischer Beifall links.) Dann gibt cS die Marokko- Frage, die mit vielen Gefahren droht und das alles wegen gewisser Interessen der Hochfinanz. Sollen wir auch diese Verantwortung als Bestandteil des Bloes übernehmen?(Lebhafter Beifall links.) Die EinigkeitSurkimde mußte das Verbot der Linksdelegation aussprechen. Im übrigen ist es falsch, die Urkunde so darzustellen, als ob fie die Denk- und Meinungsfreiheit unterdrückte. Wir haben dieselbe Auffassung von der Parteidisziplin wie die Redner der Rechten. Es handelt sich nur darum, in der Aktion Disziplin zu halten, den Parteibeschlüssen sich zu fügen, unbeschadet der Propa- gandafteiheit für die abweichenden Meinungen.(Lebhafter Beifall links.) Ebenso verlangen wir jetzt nicht den Verzicht der Anders- denkenden auf ihre Meinung in bezug auf die Linksdelegation, sondern daß sie sich dem Parteibeschluß fügen und der Delegation fernbleiben. Weiter erwidert Renaudel auf die Kritiken, die gewisse Vertreter der Rechten gegen die Klassenkampf- Auffassung geäußert haben. Der Klaffenkampf i st da. Wenn wir uns auf den Boden des Klassenkampfes stellen, so deshalb, weil die Lohnarbeiter selbst mitten im Klassenkampf stehen. Und die Pflicht der Sozialisten ist es. die rückständigen Elemente der Arbeiterschaft über die wirkliche Bedeutung ihrer Klasscnlage aufzuklären, sie zu bewußten Klassen- kämpfern zu machen, nicht' aber den Klassenkampf zu leugnen und zu verspotten.(Lebhafter Beifall links.) Die Gewerkschaften haben aber auch eine spezifisch sozialistische Aufgabe, sie sind berufen, in der sozialistischenGesellschaft die Produttion zu organisieren, wie die Konsumgenossenschaften berufen sind, den Konsum zu organisieren.(Lebhafter Beifall links.) Augagneur und seine GesinnungSgenosien sind auf dem besten Wege, vollständig mit dem kämpfenden Proletariat zu brechen, indem sie ferner die Streik- aktion als eine Schwächung der sozialistischen Kräfte betrachten, weil hie und da ein Streik die Verminderung der Wahlstimmen ver- ursacht haben soll. �Und diese Anficht macht sich geltend zu einer Zeit, Ivo gerade die Streikaktion überall den größten Umfang annimmt, so in Rußland, im Ruhrgebiet, in Belgien: zu einer Zeit, wo in Frank- reich eine starke Agitation für den Achtstundentag entfaltet wird! (Lebhafter Beifall links.) Zum Schluß betont Renaudel den Gedanken, daß die Einigkeit ohne jegliche Einschränkungen und Borbehalte zu votieren und zu betätigen sei, unbeschadet späterer Diskussionen über Aenderungen der Emigkeitsurttnidc: Denken Sie an deii�Beschluß von Amsterdam! Indem wir die sozialistische Einigkeit verwirklichen, erfüllen wir zu- gleich einen Wunsch des internationalen Sozialismus, bleiben wir der Internationale treu!(Lebhafter, langauhaltender Beifall links und auf den Zuschanertribünsn.) fieranf wird die Debatte auf morgen vertagt und eine K o m- ion zur Ausarbeitung einer Resolution über die Einigkeitsfrage gewählt. Schluß der NachmittagSsitzung 6 Uhr. Em der Partei. DaS Gtraskonto der Arbeiterbewegung ist im März mit einem Jahre Zuchthaus, sieben Jahren elf Monaten und fünf Tagen Gefängnis und 2760 M. Geldstrafen belastet. Emen großen Anteil an dieser Straflifte hat wieder die Gewerkschaftsbewegung. Obwohl von allen Seiten zugegeben lvird, daß der große Bergarbeiterstreik in geradezu mustergültiger Ordnung verlaufen ist, so werden doch aus Bochum und Dortmund zahlreiche Verurteilungen von Bergleuten und Bergmannsfrauen gemeldet. Unterhaltungen und Bemerkungen, wie sie täglich in Arbeiterkreiseu tausendfach gehört werden können, werden plötzlich Vergehen im Sinne des§ 153 der Gewerbe-Ordmmg, wenn die Beteiligten Streikende und Streikbrecher sind. Auch die Zuchthausstrafe ist eine Folge des Lohnkanrpfes. Der Vertrauensmann des Maurerverbandes, Genosse Bcnedik in Beuthen, hatte für einen Streikprozeß Zeugen gesucht. Mit Hülfe des Grenzkommissars Mädler wurde nun Material gesucht und auch so viel herbeigeschafft, daß das Schwurgericht in Beutheu Benedik wegen Verleitung zum Meineid verurteilte. Eine internationale proletarische FriebenSkundgebung in Trieft. Auf Grund einer Besprechung italienischer und österreichischer Teilnehmer am Amsterdamer Kongreß werden die Genossen Oester- reichs und Italiens in Trieft eine gemeinsame Kundgebung gegen die fortgesetzten Rüstungen beider Reiche veranstalten. Am 23. April wird ein Kongreß der italienischen und südslavischen Genossen des Küstenlandes und des Trenttno abgehalten werden. Am 2i April, vormittags findet eine Konferenz von Delegierten der österreichischen, der italienischen und der ungarischen Parteileitung sowie des vstcr- reichischcn und italienischen Parlaments, der österreichisch-italienischen und südslavischen Partei statt, die eine Kundgebung an das internationale Proletariat und an die gesamte Oeffentlichkeit beschließen soll. Für den Nachmittag des 24. April ist ein großes mehrsprachiges Meeting auf einem öffentlichen Platze Triests in Aussicht genommen, bei dem die Vertreter der Arbeiterparteien der drei Retche das Wort ergreisen werden. paUZkUlebes, Oerichtliches ulw. Ruhr-Justiz. Genosse Janscheck, verantwortlicher Redatteur der„Berg- arbeiter-Zeitung" wurde am 81. März von der Strafkammer in Bochum wegen Beleidigung des Krankenwärters Haag ans Herne zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. In einem Artikel in Nr. 41 der„Bergarbciter-Zeitung" vom IS. Oktober v. I. war be- hauptet worden, Haag lasse die Wunnttanken vier Kuren durchmachen, ohne Rücksicht ans ihren körperlichen Zustand und ohne vor- her den leitenden Arzt beftagt zu haben; ferner ordne er Wurm- kranken, die sich bei Einnahme einer Kur erbrechen mußten, gleich die Einnahme einer zlveiten Kur an, die auch sofort erfolgte. Für ein Attest ließ H. sich 2,S0 M. zahlen, obwohl sonst die Atteste nur 2 M. kosteten. Die 50 Pf. behalte er eingestandenermaßen für sich und hier war die Frage gestellt, wer ihn dazu berechtige. Zuletzt war noch behauptet worden, H. habe sich gegen das Dienstmädchen skandalöse Behandlungen zuschulden kommen lassen. Gegen diesen Artikel stellte Haag Strafantrag und die Staats- anwaltschaft erhob im öffentlichen Interesse die Anklage gegen Janscheck. In der Verhandlung gab der leitende Arzt der Herner Wurmbaracke Dr. Lapene als Sachverständiger und Zeuge zu, daß H. tatsächlich die vier Kuren den Kranken verordnet hat, aber es hätte sich dessentwegen niemand beschwert. Nach Erscheinen des Artikels habe er die Aenderung getroffen, daß er erst zu befragen sei, ehe H. die vierte Kur anordne. Vier Kuren seien aber auch gebräuchlich gewesen. Demgegenüber stellte der Angeklagte fest, daß der Handelsminister Möller am 19. Januar bei Besprechung der Jnterpellatton Auer und Genossen ausdrücklich erttärt habe, daß nach einer dreimaligen Kur erst eine sechswöchentliche Pause ein- treten müsse, ehe die vierte Kur verabfolgt werden dürfe. Die S0Pf. hätte H. für Reinigung der Geschirre zugifftandeu. Auch hier konnte der Angeklagte sich auf den Minister Möller berufen, der in jener Sitzung ausdrücklich erklärte, daß er angeordnet habe, die Wurmatteste sollten den Bergleuten für 2 M. ausgestellt werden und daß somit die Bergleute ein Recht hatten, danach zu fragen, von wem H. autorisiert sei, 50 Pf. mehr zu fordern. Der Gerichtshof erblickte jedoch in dieser Frage einen Vorwurf, der den Kläger der Unterschlagung be- zichtige. Bezüglich des Dienstmädchens gibt H. und auch das Mädchen selbst zu, daß H. eS aus dem Speiseraum in ihren Schlafraum ge- tragen, auf das Bett gelegt und die Tür hinter sich geschloffen habe, jedoch habe er keinerlei unsittliche Handlungen an ihr begangen. Der Gerichtshof bezeichnet dieses als einen— harmlosen Scherz. Eine hier nicht wiederzugebende Aeußerung, die H. dem Mädchen zu- gerufen haben soll, wird von einem Zeugen beschworen, das Mädchen tvill sie jedoch nicht gehört haben. Der Gerichtshof schenkt dem nicht vereidigten, noch keine 16 Jahre alten Dienstmädchen Glauben, während er die Aussagen des vereidigten Zeugen für nicht glaubhast hält. Daß H. das Dienstmädchen geschlagen und ausgeschimpft hat, gibt er zu, jedoch das seien nur leichte Züchtigungen gewesen, die zur Anstecht- erhaltnng der Ordnung notwendig waren. Dem schließt sich der Gerichtshof an und so hielt er den Wahrheitsbeweis für vollständig mißlungen und in Anbettacht, daß der Artikel die Bergleute auf- Hetze, mußte das Gericht eine so hohe Sttafe erkennen. Weil der Angeklagte bisher noch völlig unbestraft war, hat man von einer Gefängnisstrafe Abstand genommen. Soziales. Krankenversicherung nnd gkevision des FabrikgesctzeS in der Schweiz. Zu diesen beiden Fragen, die die Hauptgeschäste auf dem zu Ostern in Osten stattfindenden schweizerischen Arbeitcrtage bilden, haben die Referenten jetzt schon ihre Thesen veröffentlicht. Di« Referenten für die Krankenversicherung sind Pfarrer Heer- Betschwanden(Kanton Glarus) und unser Genosse Sigg-Genf. Die Quintessenz ihrer Thesen geht dahin:„Ter Bund richtet den Kan- tonen für die Krankenversicherung soweit möglich Beträge in gleicher Höhe aus, wie sie im Gesetzesentwurf vom Jahre 1900 in Aussicht ge- nommen waren. Es steht den Kantonen frei, unter Berücksichtigung der bestehenden Krankenkassen die Bundesmittel, sei es für die Krankengeldversicherung, sei eS für die unentgeltliche Arznei oder auch für beides zugleich zu verwenden." So hat bereits eine Dele- giertenversammlung der schweizerischen Krankenkassen beschlossen. Der Arbeiterbund soll nun gemeinsam mit den Krankenkassen ein Jnitiativbegehren aufstellen und dafür die erforderlichen 50 000 Unterschriften sammeln, um es zur Volksabstimmung zu bringen, nach dem der Bund an dieKantone für den Zweck der Kranken- und Invalidenversicherung Subventionen ausrichten soll im Verhältnis von 2500 Frank auf je 1000 Einwohner(was rund 8i-s Millionen Franken jährlich ausmachen würde) und Kantone, Gemeinden, Ver- einigungen und die Versicherten selbst mindestens einen gleichen Be» trag aufwenden. Die subventionierten Krankenkassen müssen Frei- zügigkeit gewähren. Die Kantone haben sie zu überwachen und über die Verwendung der Bundcssubvention die genaueste Rechenschaft ab- zulegen. Die Unfallversicherung soll der Bund selbst einrichten. Die Referenten für die Revision des Fabrikgesetzes sind unsere Genossen Dr. Studer-Winterthnr und Reimaun-Biel. Sie haben ziemlich umfangreiche Thesen aufgestellt. Nach einer Reche von Erwägungen fordern sie die Revision der Bundes- Verfassung zwecks Schaffung eines allgemeinen Gewerbegesetzes, den Erlaß eines Gesetzes über die Hausindustrie und bis dahin gründ- liche praktische Untersuchungen durch die Organe des ArbeiterbundcS (Arbeitersettetariat) über die Bedeutung, den Umfang und die Ver- Hältnisse der Hansindustrie. Für die Revision des Fabrikgesetzes lvird gefordert: Erweiterung seines Geltungsgebiete» auf alle Be- triebe ohne Rücksicht auf die Zahl der beschäftigten Personen, welche Motoren verwenden, oder weibliche Personen oder Jugendliche unter 18 Jahren beschästigen, oder gesundheitsschädlich sind, oder Gefahren für Leib und Leben der Arbeiter bieten oder den unverkennbaren Charakter von Fabriken aufweisen; ferner auf alle Betriebe mit mehr als fünf Arbeitern, auf alle mit den Betrieben in Verbindung stehenden Wohlfahrtscinrichtungen. auf alle industriellen Armen-, Erziehungs-, Lehr-, Besserung�« nnd Sttafanstalten. Von drn zahlreichen weiteren Forderungen seien nur die wichtigsten erwähnt: wöckicntliche dirette Lohnzahlung innerhalb der Arbeitszeit und schriftliche Berechnung des Lohnes für den Arbeiter, erheblicherer Ber. znaszins für verspätete Lohnzahlung, Abschaffung der Bußen und Lohnabzüge, sowie der Lohnkautionen. Zehnstundentag, freier Sonn- abcndnachmittag, Beschränkung der Ueberzeitarbeit und Ausschluß der Arbeiterinnen nnd Jugendlichen von derselben, erheblichen Lohn- Zuschlag für Ucberzeit-, Nacht- und Sonutagsarbeit, Verbot der Mit- gäbe von Arbeit nach Hause, Gewährung eines freien Wochentages für jede Sonntagsarbeit, drei Achtstnndenschichten in ununter- brochenen Betrieben, Ausschluß der Jugendlichen von der Nachtarbeit, Ausschluß der Frauen von besonders gefährlichen oder für sie un- geeigneten Arbeiten, Verlängerung der Mittagspause für verheiratete Arbeiterinnen, zweckentsprechender Schutz der Wöchnerinnen, strenge Aufnahmsbestimmungen für Kinder und Jugendliche, kürzere Ar- bcitszeit für diese als für die Erwachsenen, Erweiterung der Kom- pctenzen der Fabrittnspektoren, Anstellung besonderer technisch und hygienisch sachkundiger, sowie weiblicher Beamten der Fabrikinspettion, Verschärfung der jetzigen Strafbestimmungen. Eine Zenttalfielle für dU Arbeitsämter in der Schweiz trat am 1. April in Tätigkeit und zwar ist das Arbeitsamt der Stadt Zürich mit den bezüglichen Aufgaben bettaut worden. Die Zentralstelle soll den weiteren Ausbau des Arbeitsnachweises durch die Gemeinden fördern, die Berichterstattung nach einheitlichen Grundsätzen organisieren, mit den kantonalen und eidgenössischen Behörden sowie mit auswärtigen Arbeitsämtern in Verbindung treten und monatlich einen Zenttalbericht herausgeben. 50 000 bis(50000 Italiener werden dieses Frühjahr als Wanderarbeiter in und durch die Schweiz erwartet. Die Gotthardbahn profitiert daran eine Einnahme von 500000 bis 600000 Fr. Dir Kosten der«nentseltliche« Veerdigunq im Kanton Thnrgau betrugen im Jahre 1904 63 048 Fr., wovon die Gemeinden 33 032, der Staat 30 013 Fr. zu tragen hatte. )Zus der frauenbeweguncf. Pankow. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen hält Douuerstag, den 6. April, abends S'/z Uhr, bei Mierke, Berliner- straße 62, seine regelmässige Vereinsversammlung ab. Frau Dr. B e r w i g spricht über:„Die Pflege des Kindes in gesunden und kranken Tagen" und wird zahlreicher Besuch seitens der Mitglieder erwartet. Gäste willkommen. Marktpreise von Berlin am 1. Aprll. Nach Srmittekimgm des kgl. Polizd-PräsidiumZ. Für 1 Doppel-Zentner: Weizen"), gute Sorte 17,30—17,28 M.. mitiel 17,20—17,24 M.. geringe 17,22-17,20 M. Roggen"), gute Sorte 13,76—13,74 M., mittel 13,73—13,72 M., geringe 13,71—13,70 M. Futtergerste"), gute Sorte 10,00—14,80 M., mittel 14,70 bis 13,00 M.. geringe 13,60—12,40 M. Haser«), gute Sorte 10,20-16,40 M., mittel 18,30—14,00 M., geringe 14,60—13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,00—30,00 M. Speisebohnen, weiße 60,00—30,00 M. Linsen 00,00—30,00 M. Kartoffeln 10,00—7,00 M. Nichtswoh 4.82—4,60 M. Heu 9,00-7,40 M. Für ein Kilogramm Butter 2,80—2,00 M. Eier per Schock 4,00—2,80 M. Wetter-Prognose für Dienstag, den 4. April 1»OS. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, aber veränderlich mit geringen Nieder- schlagen und frischen nördlichen Winden. WitternngSüdorsicht vom 8. April 4905, wor#«* 8«H»> Stationen Swinemde. Hainburg Berlin Frankf.a.M. München Wien " e 73 S B ° c II s«■ 751 WNW 757 WNW 752 WNW 702 NW 701! NW 755 WNW Wetter 2 bedeckt 0 bedeckt 2 bedeckt 6 wolkig 7heiter Omollig i? M& Stationen s§ II OB R— taparanda etersburg Scilly iilberdeen Paris 765 S 758VNO 70l!SSW 706 WNW 706 OSO Wetter! bedeckt bedeckt SDunft 1, wölken! 2 b ed eckt —7 —2 11 2 8 Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Pnblitnm gegenüber keinerlei Verantwortung. "Cbeater. Dienstag, den 4. April. Ansang 7'/, Uhr- Opernhans. Manon. Schauspielhaus. Prinz Friedrich von Homburg. Deutsches. Faust.(Erster Teil.) (Ansang 7 Uhr.) Berliner. Die Räuber.(Anfang 7 Uhr.)' Weste». Die Asrikanerin. Rational. Undine. Neues. Ein SommernachtStraum. Thalia. Der Kilometerfreffer. Ansang 8 Uhr: Schiller O.(Wallner» Theater.) Augen rechts. Die sittliche Forderung. Schiller(Friedrich Wilhelm städttsches Theater). Fmniiie Schierke. Lessiug. Elga. «keines. Nachtasyl. Residenz. Hotel Pompadour. Zentral. Die Juxheirat. Aietrvpol. Die Herren von Maxim. Lustspielhaus. Eine Abrechnung. Die Bäuerin. Trianon. Ihr Alibi. Deiitsch-Auierikanifches. llebern großen Teich. Velle-Allianee.... noch einmal so liebe» I Carl Weih. Judith, dir Schwester vom russischen roten Kreuz. Luisen« Der Herrgottschnitzer. Kasino. Lolos Vater. Apollo. Das Veilchenmädchen. Spezialitäten. Herrnfeld-Xheater. Die Meher- Hains. Palast. Der Raub der Sabinerinnen. Spezialitäten. Passage-Tlieater. Emmi Kröchert. Pipp. Die 7 Allisous. Spezialitäten. Reichshallen. Stettiner Sänger. Wintergarten. Eleo de Merode. Julius ispielmann. Spezialitäten. Urania. Taubenftrahe 48/49. Im Theater abends 3 Uhr: Der Simpkon und sein Gebiet. Jnvalidenstrah« 57/62. Sternwart«. Täglich geöffnei von 7 bis 11 Uhr. Tb udenstr. 48/49 8 Uhr: iM sein Wt. Sternwarte lnval",en' str. 57/62. ) CASTAN'S ANOPTICUM. Friedriohstr. 165. Das sensationelle Riesen-Mädchen!!! Rosa Wedsted, 2 Meter 20 ein hoch, größte lebende Riesin"96 der Welt. Neues Theater. Ansang 7'/, Uhr. Mittwoch und folgende Tage- Sominornsobtslraum. llin Kleines Theater Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Mittwoch: Salome. Donnerstag: Angele. Abschied rem Regiment. treitag: Nachtasyl. onnabend: Angele. Abschied vom Regiment. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Ermäßigte Preise. Familienidyll. Liebesträume'. Serenissimus. Abends 8 Uhr: Salome. National-Theater Weinbergsweg 19. Dienstag, den 4. April 1905: Undine. Ansang 71/, Uhr. Mittwoch: Die lustigen Weiber«on Wfndsor. Donnerstag: Gastspiel des königl. Kammersängers Francesco d'Andrade Don Juan. Lnisen-Theater. Benefiz: Der Serrgottschnitzer. Mittwoch: Lorbeerbaum und Bettel- ftab. Donnerstag: HasemannS Töchter. tieitag: Der Herrgottschnitzer. onnabend: Hopsenrats Erben. Sonntag nachmittags: Der neue Stiftsarzt. Abends: Der Herrgottschnitzer. Montag: Hasemanns Töchter. tann-Thcnlcs. Ansg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Ans. nchm.Sonnt.3, Wochentg.bUhr. Stnini Kröchert dem Berliner sein Fall. DieTiMIisons Akrobaten. Lotte Sebus Vortragskünstlerin. Liosoros, Koloratur-Sängerin. Man de Wirt Ii, Damen-Imitator. 14 neue glänzende Nummern. 218. Friedrichstraße 218. Täglich S'/j Uhr- Das Veilchenmädel. Vorher 8 Uhr: Die April-Spezialttäten. Sonntag, 9. April, nachm. 3 Uhr, ermäßigte Preise: Berliner Luft und die neuen April-Spezialitäten. ökut5ed'Am8rikgni5ellS5 ' Dlloaton.' Köpnickerstr. 67/68, Stat. Jannowitzbr. Mittwoch, Jeden Abend! /dB Ueber'n großen 450. TEICH. Auftilhrung. Auf. 8 Ubr, Ende 10n Sonntag nachm. 3 Uhr: HA1/OE PREISE. ,Eebcp'n großen Teich". KasinosTheater Lothringerstraße 37. Täglich 8 Uhr Kolo's Uater. td. L'trrciige. Vorher daS gr. neue April-Frogramm. Sonntag nachm. 4 Uhr: Heirat auf Probe. Trianon-Theater. Heute und folgende Tage: „Ihr HUbi" (Los Dunonts). Anfang 8 Uhr. Sonntag nachm.: Uie glückliche Gilberte. Gebräder HurnH-Tliittr. Der größte Erfolg seit 14 Jahren ist unbestritten die Novität: Komödie in drei Akten von Anton und Donat Herrnseld mit Anton Herrnfeld als Pschechowil, Herausgeber d.»Schew» werser" und Donat Herrnfeld als Kommerzienrat Meyerhain. Ansang 8 Uhr. _ Vorverkaus 11—2 Uhr._ Metropol-Theater Große Ausstattungsposse mit Gesang und Tanz in 5 Bildern von Julius Freund. Musik von Viktor Hollaender. Inszeniert vom Direktor Bichard Schultz. Josef Giampietro. Josef Joseph). X Anton Grttnfeld. Frid Frid. X Fritz! Massary. Das Fest des Lichts.(Ballett.) Bauchen gestattet. Anf. 8 Uhr Residenz-Theater. Dir.; Richard Alexander. Heute bis Freitag 8 Uhr: Motel Pompadour. Sonnabend zum erstenmal: Her/oxin Crevette. Schwank in 4 Akten von G. Fehdean. Sonntag nachm. 3 Uhr: Der selige Toupinel._ ■ auf Teilzahlung. MOuG Kellermann, SW. Puttkamerstr. 18, nahe Frjedrichstr. SSI.* o. Wallner-Theater. Dienstag, abends 8 Uhr: Zum erstenmal: Augen rechts. Hierauf: Die sittliche Forderung. Mittwoch, abends 8 Uhr: Augen rechts. Hierauf: Die sittliche Forderung. Donnerstag, abendS 8Uhr: Dension Schüller. Schiller-Theater M. Friedrich- Wilhelm« städtisches Theater. Dienstag, abends 8 Uhr: Eanilile Schierke. Schwank in 3 Akten von Gustav Kadelburg. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der I-eibalte. Donnerstag, abends8Uhr: Der Eeibalte. wWwwWwwwww« # Neues Konzerthaus Rrand Hotel Alexanderplatz. GroGss Kurt Goldmann-Konzert unterMitwirkung des S 2323L' lalon-Humoristen lionnc. Ansang 8'/, Uhr.� Alhert Hoeruerl Nr �eue Künixstr. 45 �(irsaä tlotel) Hontag, Dienstag, Ufittwoch und Donnerstag: S? R�union\ Anfang lO'/j Uhr. tas Sehnmann. Wirklich sensationelle Novität! I SIR- Nur kurzes Gastspiel!"Wk 12 Oriii 12, ehitij-Iteg-J'co, das größte aller letienden Wander. LWI�CheB-To� Po-ta-to, die menschliche Schnecke. Ghad-ru, der zweiköpfige Knabe. �»-MmtentlmWigeii�iieii Vorher: Das neue Programm und Direktor Alhert Schunmnns Monstre-Dresinreu. Um 9'/, Uhr: ZUST' Riesen-Erfolg I Das größte Pracht-Manege-Schaustück: Gme Nordlandsreife. Lu8t5pielksll8. Abends 8 Uhr- Eine Abrechnung. Die Bäuerin. Rosa Bertens als Gast. Mittwoch und Donnerstag: Der Famiiiootag. Palast-Theater Burgstr. LL, früher Feen-Palast. Vis-a-vis d. Börse, 2Min.v. Bhs.Börje. 8'/, Uhr: Der Sensattons-Schlager Asilt-Iliögtös Uosdii W.Moabit 47/49. Gastspiel des Bernhard Rose-Theaters: Heute große Extra- Vorstellung. Papageno. Gr. Paffe in 4 Akten v. Rud. Kneisel. Ansang 8 Uhr. Entree 60, Parkett 76, Sperrsitz 1 M. Vorzugskarten zu halben Kassen- preisen haben Gültigkeit._ Theater. Brunnen str. 16. V. Noaeks Direktion: Rob. Dill. Ein fideles Lustspiel in 4 Atten von R. Benedix. Ansang 8 Uhr. Entree ZV Ps. Mittwoch z. letztenmal: Ein fideles Gefängnis. Donnerstag: Die Waise ausl.o»ood. Carl Weiß-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Judith, die Schwester vom rnss. roten Kreuz. Ansang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend nachm. 4 Uhr Kinder. Vorstellung: UneesdNchen. Volksgarten- Theater (früher Welmann). Mittwoch, den 5. April 1905: Große Extra-Vorstellung zum Benefiz sür -Fräulein Erna Di,hlnsh>. Die Strohwitwe. Schwank in 3 Akten von Misch und Jaeoby. Kaffenöffnimg 6'/, Uhr. Ans. 8'/, Uhr. Nach der Vorstellung: Tanzkränzchen _ ohne Nachzahlung._ Schwank in 4 Atten von Franz und Paul Schönthan. Striese...... Dir. Rieh. Winkler. Vorher: Konzert a.Sp£Z!älitäten?orstei!uiig M. Atrani, moderner Jongleur. Harro Reuners m. sein, neuest. Schlag. dir. Gifford, der Unvergleichliche. Ansang 8 Uhr. Elltree 50 Ps. Vorzeiger dieser Annonce erhalten auf allen Plätzen 66 Proz. Ermäßigung. Reichshallen. Täglich: Stettiner Sänger Unsere siiüen Dlenstmlidcl. -ff ja U o vcy wo- «Kto Erity.Kows Die Riesln Ilona, 485 Pjd. schwer, die schwerste Dame, die je gelebt. MedizTmische Rätsel, anatoniische Wunder. Riesen! Zwerge! aus der Brauerei G. Sandler in Bayern 22 Fl. SM., Flaschen ohne Pfand Bierkellerei* Lübbenerstr. 14. tyl* Albert Post, �poxrspkia Gesangverein veriloer kucddrocker und ScbrittgieLer. Gegr. 1879.* Chormeister: Alexander Weinbaum.» M. d. A.-S.-B. Sonntag, den 9. April im Festsaale der „Nenen Welt'*, Hasenheide: KONZERT. Mitwirkende: FrL Roxy King(Sopran) vom Theater des Westens. Herr Altred Wittenberg(Violme). Anfang 7 Uhr. Eintritt 50 Pf. Kfnder 20 Pf. Kinder unter 6 Jahren haben keinen Zutritt. j& Nach dem Konzert: TANZ. J& Eintrittskarten ü 40 Pf. sind zu haben in den Zigarren-Handlungen von Harsch, Gewerksohaftshaus, Engel-Ufer 15, Gottfr. Schulz, Kottbuser Tor, Paul Ihm, Wrangelstr. 58, Paul Koppe, Tilsiterstr. 45, Heiß, Schöneberg, Bingbahnhof, Emil Schulz. Mittenwalderstr. 2, Konrad, Hermannstr. 50, Tabakarbsiter-Genossenschaft, Greifenhagenerstraße 2; in den Bestaurants von Augustin, Lindenstr. 69, Henning, Seidelstr. 11, Tolktdorf, Görlitzerstr. 58, Arminhalien, Kommandanten- Straße 20. 65/10_ Der Torstand. 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Hülfs-Krankenkassen Berlin zulills Fabian, Schneidermeister, GroBe Fraakturtcr-Str. 31, D, Eingang Strausberger Platz. M wWWtFM»V»»M, 1 SoeBen erschienen: „Ccutbtkugdn" Ernste und heitere BortragS- gedichte für Arbeiterfeste. Mit einer Einleitung: Viekunftcles Vortrages. Das Werk enthält Gedichte bekannter Autoren, u. a. auch einige in platt- deutscher Mundart von Fritz Reuter. Der Preis beträgt 59 Ps. Im Anschluß hieran empfehlen wir: «Mein Sur Zeit." Gedichte von Ludwig Lessen= mit Buchschmuck von Agnes liosonhain. Der Verfasser führt uns in seinen G.edichten ein Stück Proletarierleben vor Augen. 234/1« Preis 50 Pf. HHHg UM Berlin SW. 68, lilndenstr. 69, Eaden. Sozialdemokratischer Wahlvereiti f. d. 4. Berliner jleiehstagswahiUreis(6st). Dienstag, den 4. April, abends S'/a Uhr, in der„Königsbank", Große Franksurterstr. 117: General- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisoren. 2 Bericht des Vorstandes. 3. Vortra> Genossen Bergmann über:»Die städtische Verwaltung als Arbeitgeber". 4. 5 i Eintritt nnr mit ailtglledsbncli!— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. 243/4 des Stadwerordnetcn iskussion. Die Abteilungs-Äersammlungen fallen in diesem Monat aus. Wer-Stoff-hat, fertige Herrenanzug, 20 SR., ohne Konkurrenz, feinste Zutat., 2 Anpr. Für guten Sitz bekam gold. Medaille. Endsvig Engel, Prenzlauer- straf-e 23, II.(Alexandcrplatz).- Gegründet 1892. 16632* Stempel- von Kabrik sl707L* Robert Hecht, Berlin 8», Oranienstr. 142, liefert schnell und billig alle Arten Stempel in bester Zlussührung. Kautschuk- Typen»Perfekt* sum Zusammensetzen einzelner Wörter owie ganzer Sätze von 1,60 M.an TenvaUnngsstelle Berlin.- Haupt-Bureau: Engel-Uscr 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 6. April, abends Punkt 8'/, Uhr: Allgemeine Uersammlung der Rohrleger und Helfer Kerlins und Umgegeud im Gewcrkschaftshanse, Engel- Ufer Nr. 16, Saal 4. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Wiesenthal über: Der Leipziger Verbandstag. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheit und Verschiedenes. Kollegen l Agitiert für diese Versammlung, da auch wir ein Interesse haben müssen am Ausbau unserer Organisation. Znr besondere» Beachtnngl Zur leichtere» und einfacheren Erledigung unserer Bureangeschäfte ersuchen wir unsere Mit. glieder, jeden Wohnungswechsel unverzüglich unter Angabe der Orts- oder Hauptnnmmer schriftlich durch Postkarte dem Bureau mitzuteilen. Gleichzeitig machen wir daraus ausmerksam, daß Ersah« bücher für verlorene nur nach genauester Angabe der Orts- oder Haupt- nummer, als auch wann und wo der Verlierer seinen letzten Beitrag gezahlt hat. im Burea» gegen Zahlnng von 20 Pf. ausgestellt werden können. Schriftliche Gesuche ohne Einsendung obiger Angaben und des Betrages werden nicht berücksichtigt. im, Baum- Zur Beachtnug! Im Zigarrengeschäst von Wangen schulenweg 14. befindet sich vom 1. April ab eine Zahlstelle. Die für diese Woche in der.Metallarbciter.Zeitung* bekanntgegebenen Konserenzen der Vertrauensleute finden nicht, wie irrtümlich angegeben, am 4., sondern am Mittwoch, den 6. April, statt. 114/10_ Die Ortsverwaltnng. Deutscher Buchbinder-Verband. Zahlstelle Berlin. Morgen. Mittwoch, den 8. April, abendS 8'/, Uhr: Mitglieder Nersammlung im tiiesrerksQhaftshans, Engel-Ufer 16, Saal 1. TageS-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Wich. LiPinSki über:»DaS soziale Kaiserreich*. 2. Stellungnahme zur Maiseier. 3. Verbands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Wir ersuchen alle Kollegen und Kolleginnen, in dieser Versammlung recht zahlreich zu erschemen. 23/16 Die Ortsverwaltung. Genossinnen und Genossen! Dienstag, den 4. April, abends 8 Uhr, in„Weimanns Volksgarten", Badstr. 5«: OolksverfammluDg. TageS-Ordnung: 1. In welcher Form wird der Wuchertaris eingeführt? Referent: Reichstags-Abgeordnctcr Genosse Molkenbuhr« 2. Dislussion. Zahlreichen Besuch erwartet 1/3* _ Die Tertranensperaon. ftftttooeh, den 5. Zlpril, abends 8'/- Uhr: bei Bahel, Bergmannstratze 6—7: r- Rosentbaler und Schönhauser Torstadt: bei Wernau, Schwedterstr. 23—24. Frauen- Vortrag-ß» heute DienStag, abends 8'/, Uhr. Gr. Frankfnrterftr. 30, Straußb. PL UM" Frauenleiden erklärt an lebenSgr. weibl. Torso vom prakt. Nawrhellk.«rnndmann. Kuranstalten: Köpenickerstratze 72. 11—1. 0—7. Kopernikus- stratze 29. 4-5.— Eintritt nebst Brosch. 20 Ps. Naturheilo. Reform. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauens- männer. 2. Verbandsangelegenheiten. Osten U. NOrdOSten: bei Mann, Stransbergerftr. 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Obleute. 2. Werkstatt-Angelegcnheitm. 3. Verbands-Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. SltF' Jede Werkstatt muß vertreten seht.*98 Mitgliedsbuch und Karte legitimiert. Südosten: �»a»», Manteuffelstr. 95. Tagesordnung: Bericht der Kommission. Verbands« und Werkstatt« Angelegenheiten. Verschiedenes. In dieser Versammlung werden die Vertr auensmännerkarten für 1905 ausgegeben. Westen und Süd-Westen: Habel, Bergmannstr. 5-7. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt-Kontrollkommission. 2. Bericht der Werkstatt-Vertrauensleute. 3. Verschiedenes. Süden: bei Knesing, Waffertorstr. 08. Tagesordnung: 1. Bericht der Werlstatt-Kontrollkommisfion. 2. Verbands- und Werkstatt-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Moabit: � wagei, 10. Tagesordnung: 1. Bericht der Vertrauensmänner. L. Verbands- und Werlstatt-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Wedding und Gesundbrunnen: Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. 2. Verbands- und Werlstatt-Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Bezirk Friedrichsberg: 6ei n gdcbt� Tagesordnung: Bericht des Obmanns. Verbands-Angelegenheiten und Werkstatt-Angelegenheiten. Verschiedenes. Drechsler. Osten: bei Hranse, Koppenstratze 41. g2/lg Norden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. Südosten und Westen: bei»trnmm, Ritterstratze 1«s. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Werkstattdisserenzen. 3. Verbands-Angelegenheiten. Jede Werkstatt muß vertreten sein, auch die w Tischlereien beschästtgten Drechsler haben einen Delegierten z« entsenden. t 6ti pr 100.-. Bitte genau ans Hausnummer„SS" zu achten. 33. R. Groskurth, Berlin c. Münzstr. 23. Gebrauchte Räder billig l • Kanch-, Kau- und Schnupf- Tabake, i-a I Zigaretten: Josetti, Garbaty, Phänomen eto. t mm» H. Preuss mm {S, Swlnemfinderstr. 66, I. Etage. Z ■£3' Bekannte, billigsto Bezugsquelle nur für Wiederverkäufen. SS ' Spezialität: Pre-IJsslna-Zfgarren. ■MMBl�M Tel HZ 6949- Buch abends 8 Uhr bei Eadewlg, Alte Jakobstr. 83. Will-«ud Cklliiloiii- Arbeiter: Abends 8 Uhr bei Bareins, Brückcnstr. 7. Mujibiiijiruiucuttu- Arbeiter im vewerksohattshanse, Engel-Ufer Nr. 16, Saal V. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensleute. 2. Branchenanaelegenhetten und Verschiedenes. IM** Jede Werlstatt hat in diese Versammlung Vertreter zu entsenden. NB. Ilm 7 Uhr findet eine Sitzung der alten und neuen Kommissionsmitglieder statt, wozu dieselben vollzählig erscheinen müssen. Die Branchenkommission. Unserem lieben Parteigenosten, i dem bewährtenFührer der 7.Ab° I tcilung, unserem alten Freunde Smil Meie gratulieren herzlich zum 00. Ge- burtstage. 245/7 j Die Borstands-Kollegen im 5. Kreise. Unserem Parteigenosten Wilhelm Worlltz nebst Frau zu ihrem S6jahrigen Ehejublllinm die besten Glückwünsche. 641b bis Genossen des Stadtbezirke 189k. ZuMideiüliki'zl. NM?» i.d.t.wI.keiMMMM («ttd-«st). Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß unser langjähriger Genosse, der Tischler Karl Koch (wohnhast Schlesischestr. 14, Stadtbezirk 107b) seinem langen schweren Leiden erlegen ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittags um 3 Uhr vom Traucrhause aus nach dem Zentral-Friedhose w Friedrichs- selde statt. Um zahlreich eBetelligung ersucht 243/5 Der Borstand. Zentral-Kranken- und Sterbe- kasse der Tisebler. Verwaltung Berlin H. Am 2. April verstarb nach langem Leiden unser altes Mit- glied, der Tischler Karl Koch im 53. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am Mitt- woch, nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Schlesischestraße 14, nach dem Gemeindc-Fricdhof in Friedrichsseide statt. Um zahlreiche Betestigung btttet Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-TerbandJ Den Mitgliedern znr Nachricht, F daß der Tischler Karl Koch am 2. April nach langer Krankhl an der Proletarierkrankheit ver- storbcn ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 5. April er., nach- mittags 3 Uhr, vom Trauerhause Schlesischestr. 14 au? nach dem Zentral- Friedhofe in Friedrichs. selde statt. Um rege Beteiligung ersucht 114/11 Hie Vrtsvervmttung. Danksagmtg. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden Sei der Beerdigung meines lieben Witwe Jung nebst Kindern. Danksagung. Für die liebevolle Teilnahme und Kranzspende bei der Beerdigung meiner lieben Frau, sage ich allen Freunden, Bekannten und Genosten meinen herzlichsten Dank. 699b Pamiiie A. POrlng, Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines liebe» ManneS, des Zigarrenhändlers Friedrich Beetz Achtung! Köpenick. Arbeiter und Arbeiterinnen der 7irtna W. Spindler. Am Mittwoch, den 6. April, abendS 8 Uhr, im Lokale des Herrn BlngeUanhe: 288/8 Oeffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission über Errichtung eines Arbeiterausjchusses. 2. Bericht über die Eingaben um Lohnerhöhung. 3. Stellungnahme der Arbeiter 4. Verschiedenes. und Arbelterinnen zu diesen Berichten. Der Einberufer. Arbkittrvkckktn-Nkrm Kerim. Donnerstag, den 0. April, abend» 8'/, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 16: Vsnssänmlung. TageS-Ordnung: 1. Arbeitskammern oder Arbeiterkammern. Referent: Reichstags» Abgeordneter Robert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. sajr- Gäste willkommen. Um pünttliches Erscheinen ersucht 63/4 Der Borstand. J. A.: F. Ficacbol, Gartenstr. 61. sage ich allen Beteiligten meinen tief- esühsten Dank 26676 au Balbina Beetz geb. Bartkowiat nebst Kind. I)Hnk*agiia_ Für die vielen Beweise herzlsther Teilnahme und die reichen Kranz« spenden Sei der Beerdigung meine» lieben ManneS, Vaters, Bruders und Schwagers, sage allen Beteiligten, WS- besondere dem Personal der Braueret Patzcnhoscr meinen herzlichsten Dank. Witwe irnrloflk geb. V 2653g] ' geb. nebst Kindern. Wilk Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung meiner lieben Frau, WS- besondere den Kollegen der Firma Sommerfeld und dem Gesangverein Berliner Kürschner, sage meinen herz- lichen Dank. 2655L NtchnrdDrnuuneMKindern. Dr. Simmel, �nien Spezialarzt für > nnd Har 4t, Hant. nnd Harnleiden. 10—2, 5—7. Sonntag» tO— 12. 2—4. Kimsefedtta 60 i vr.»0fund(gröber» jnm Reihen). schlachtfedern, wie fle o. d. Gan» fallen, mir allen Daunen m. 1.5», föllferiiger chänferups M. 2.00, bessere iSänfehalddaunen M. 2,50, 8.06. dess, schneeweiß» M. 8.56. rnssi sch« Daunen M. 8.56, weiß, böhm, Daunen M. 5.66, rissene fiebern m. 1.56, 2.60, 2.50. Prima geristen« IN. 8.«a, 8.50» Versand gegen Nachnahm». UuiwEuztig.p,.«:�'�.. «est. Bettfedernfabrik m«lerä! .Betriebe, viel» Anerkenyungsschrei' \ Gegründet 1825 f ./I BERLIN C" Alexanderplatz. 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Redner weist u. a. darauf hin, dast der Verband 20 Jahre bestehe und schildert anschaulich die schweren Kämpfe, die durchzumachen waren, ehe die Organisation zur heutigen Höhe aufstieg. Dankbar gedenkt er der Unterstützung, welche die Bäcker bei der Entwicklung aus zünftlerischer Rückständigkeit zu vollem Verständnis der Notwendigkeit des Klassenkampfes durch die Gesamtarbeiterschaft, insbesondere aber der Einwirkung der Arbeiter- Vertreter aus die Gesetzgebung. Anwesend sind 47 Delegierte, 1 Ausschuß- und 7 Vorstands- mttglieder, 3 Revisoren und 2 Gauleiter; die Generalkommission ist nicht vertreten. Dos Bureau wird gebildet aus Allmann-Hamburg, G a ß n e r- München als Vorsitzenden und Z i e g o n- Breslau, Bötzel- Stuttgart als Beisitzern. Die Tagesordnung besteht aus 14 Punkten. Dem gedruckt vorliegenden Geschäftsbericht entnehmen wir folgende Angaben: In der Berichtsperiode 1903/4 machte der Verband nach jeder Richtung erfreuliche Fortschritte. Die Zahl der Mitglied- schasten stieg von 30 auf 91, die der Mitglieder von 5142 auf 9706. Leider ist die Fluktuation unter den Mitgliedern noch eine sehr große, denn es wurden neu aufgenommen 1903: 5296, 1904: 10 961. Nach beendigter Lohnbewegung springen regelmäßig viele Mit- glieder ab; der Borstand meint hierzu, daß neben dem Aus- bau des Einkassiererwesens die Frage erörtert werden müsse, ob es nicht ratsam sei, Bestimmungen dahingehend zu treffen, daß in allen Mitgliedschaften von dem Augenblicke ab, wo die Lohnbewegung durch den Hauptvorstand gutgeheißen wurde salso 2 Monate vor Beginn derselben), Mitglieder nur unter der Be- dingung aufgenommen werden, daß sie beim Eintritt mindestens 10 Wochcnbeiträge im voraus zu zahlen haben. An größeren Lohn- bewegungen seien erwähnt: 1903: Kassel /erfolglos), 1904: Kiel /erfolgreich), Lübeck /teilweiser Erfolg), Reichenhall /erfolgreich) und Berlin, wo der große Kampf, an dem über 4000 Arbeiter beteiligt waren, erfolgreich verlief. Daneben wurden kleinere Lohnkämpfe ge- führt, teils mit, teils ohne Erfolg. Die Kriegskoften betrugen 1903 rund 2000 M., 1904 rund 33 000 M. Durch diese Kämpfe wurden eine Reihe der ärgsten Mißstände beseitigt, so 1903 für mehr als 4000 Bäcker das Kost- und LogiSwesen, 1904 für mindestens die gleiche Zahl Kollegen. 1904 wurden für mindestens 6000 Bäcker Lohn- erhöhungen herausgeschlagen, die bis 3 M. wöchentlich betragen. Mit Recht hebt der Bericht hervor, daß diese Erfolge den noch dem Verbände fernstehenden Kollegen Anlaß geben sollten, bald Mitkämpfer zu werden. Viele Bäcker haben geemtet ohne zu säen, denn in den Nachbarorten der Streikgebiete wurde aus naheliegenden Gründen den Bäckern der Lohn freiwillig erhöht. Außer dem Mitgeteilten ist in mehreren Orten die Arbeitszeit verkürzt worden, auch werden dort Ueberstundcn bezahlt und sonstige Vergünstigungen gewährt— alles Errungenschaften des Verbandes. Die Einnahmen betragen 265 443,49 M., die Ausgaben 239 955,50 M., das Berbandspermögen beläust sich auf 57 941 M. Außer der Streikunterstützung wurden gezahlt: für Rechtsschutz 2798 M., für Arbeitslos enunterstützung 47 740 M., für Reiseunterstützung 3980 M., Krankengeldzuschuß 4456 M., Sterbegeld 290 M., Notfallunterstützuug 340 M., Gemahregeltenunterstützung 4627 M. usw.— Die.Bäcker-Zeitung' hatte 1903 im Durchschnitt eine Auf- läge von 7169, 1904 von 10 863 Exemplaren. Abzüglich der Ein- nahmen beliefen sich die Unkosten 1903 auf 8010 M., 1904 auf 12 511 M., die Höchstauflage war 15000.— Der Bericht des Ausschusses ist sehr kurz—, ein Zeichen dafür, daß an der Leitung der Organisation wenig auszusetzen war. Der Vorstand, die Revisoren und der Ausschuß erstatten sodann ihre Berichte, worauf die Mittagspause eintritt. 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Aptil 1905. parte!-Hngclegcnbcitcn» Das Lokal„Kurfnrftcnpark" in Halensee steht der Arbeiterschaft fetzt zu Versammlungen ustv. zur Verfügung. Die Lokal-Kommission. Steglitz. Mittwoch, abends 8>/. Uhr. bei Sckiellhasc, Ahornstrahe. Mitglieder-Versammlimg. Vortrag des Genossen Stripp:„Re- formieren oder revolutionieren". Verliner f�acbricbten. SBoit der geplanten Untergrundbahn. Stadtbanrat Krause legte am Montag in der Sitzung der Deputation für die städtischen Kanalisationswerke und die Rieselfelder die Pläne und Karten für die von der Firma Siemens u. Halske projektierte Untergrundbahn Potsdamerplatz— WilhclmSplatz— Hausvoigteiplatz— Spittelmarft und für die von derstädtischen Verkehrsdeputatio» vorgeschlagene Untergrund- bahn Kreuzberg— Belleallianceplatz— Gendarmenmarkt— Weddingplatz— Secstrahe vor. Aus dem Vortrage des Stadtbaurats war zu cntnchinen, daß bei dem Bau dieser Untergrundbahnen zunächst schon wegen der Verlegung der Kanalisationsröhren zc. bedeutende Aenderungen notwendig werden. Die Kosten für diese Verlegung sind veranschlagt auf rund 2 Millionen Mark für die Untergrund- bahn Spittelmarkt— Potsdamerplatz und auf S'/z Millionen Mark für die Nord— Südlinie, zusammen also auf 7so Millionen Mark. Wegen der Uninvglichkeit, einen Bahnhof an der Seestratze und die Fortsetzung bis zum Werkstättcnbahuhof zu bauen, ohne dort eine Dückeranlage anzulegen, Ivurde beschlossen, zunächst eine solche Anlage ausarbeiten zu lassen und der Deputation vorzulegen. Die Kosten des Straßenbahnprozessrs. Auf die Beschwerde der Stadt Berlin hin hat das Kammergericht die Kosten des Straßenbahn- Prozesses auf den dritten Teil der ursprünglichen Anrechnung herab- gesetzt. Statt auf 30 Millionen soll das strittige Objekt auf 1t) Millionen Mark bewertet werden. Berechnet man hiernach die Gerichtskosten und Auwaltsgebühren, so gelangt man natürlich zu dedeutend ermäßigten Sätzen: für alle drei Instanzen würden die Gerichtskosten 375 250 M. und die Anwaltsgebühren 12g 094 M., zusammen 504 344 M. betragen, zu welcher Summe dann noch die Schreibgebühren für die dickleibigen Schriftsätze, die Porto-Auslagen zc. kommen würden. Vorausgesetzt ist dabei, daß, wie vor dem Land- und Kammergericht, auch vor dem Reichsgericht keine Beweis- austiahme stattfinden würde, für Ivclche— außer der Verhandlungs- und Entscheidungs-— auch noch die Beweisgebühr zu erheben wäre. Nach dem gegenwärtigen Stande des Millioncnprozesses sind nur zwei Instanzen zu liquidieren, nämlich 22ö 130 M. Gerichtskosten und 76 476 M. Anwaltsgebühren, zusammen 301 606 M. Die Mehrkosten für die Revisionsinstanzen betragen also nur zirka 200 000 M. i ob die Große Berliner Straßenbahn-Gesellschaft den Prozeß noch in der dritten Instanz verfolgen wird, darüber soll noch keine Entscheidung getroffen sein. Die Gasdepiltation beschäftigte sich am Montag u. a. mit der Eingabe der Gasarbeiter-Ausschüsse, die eine Erhöhung der Löhne für alle Branchen forderten. Da der Magistrat vor einigen Wochen sich einer gleichen Eingabe gegenüber ab- lehnend verhalten hatte, und die Deputation von der Ansicht ausging, daß der Magistrat jetzt bei seiner bisherigen Stellungnahme verharren werde, zog sie nur den Eventual- antrag der Ausschüsse in Betracht, der dahinging, den Anfangs- gchalt der Hofarbeiter von 3,80 M. auf 4 M. und nach zwei Jahren auf 4,20 M. zu erhöhen. Nach Befürivortung dieses Antrages durch Stadtrat Namslau stimmte die Deputation diesem Antrage zu. Die Rückzahlung der zwangsweise erhobenen Kirchenbaubeiträge an die Stadt Berlin ist nunmehr erfolgt. Von den betreffenden Kirchengemeinden ist jetzt, nachdem das Reichsgericht zu ihren Un- gunsten entschieden, die ganze von der Stadt vorgeichossene Summe nn Betrage von 1900000 M. teils in bar, teils in Checks an die Stadthauptkasse zurückgezahlt worden. Die Droschkcnfiihrherrcn aus dem Polizeipräsidium. In Sachen der neuen Droschkenfahrordnung, die am 1. April in Kraft getreten ist, waren gestern die Fuhrherren Joh. Streu, Pritsch, Groß und Schulz auf dem Polizeipräsidium erschienen, um im Auftrage einer kürzlich stattgehabten Versammlung der Droschkenfnhrherren und Kutscher dem Präsidenten v. Borries die schweren Bedenken gegen die neue Verordnung vorzutragen, und ihn zur Abänderung ver- schiedcncr Paragraphen zu bewegen. Die Deputation hatte das Unglück, den Polizeipräsidenten nicht anzutreffen, der zurzeit verreist ist. Sic wurden von Oberregierungsrat Dumrath und RegierungSrat Dr. v. Hasselau empfangen und hatten mit ihnen eine dreistündige Konferenz. Von den Vertreter» des Polizeipräsidenten wurde der Deputation keine Hoffnung aufAenderung der rigorosen Bestimmungen gemacht', dagegen wurde mitgeteilt, daß die neue Fahrordnung eine möglichst milde Aus- legung seitens der Polizei finden werde. An die einzelnen Reviere fei bereits eine Verfügung ergangen, in der die unteren Polizei- organe angewiesen iverden, nur in den äußersten Fällen von dem Rechte der Fahrscheinentzichung Gebrauch zu mache» und auch sonst besonders während der UcbcrgangSzeit die Verordnung so milde wie möglich zu handhaben. Die Deputation der Droschkenfuhrherren wurde schließlich veranlaßt, am Dienstag noch einmal vorzusprechen, wenn der Polizeipräsident wieder in Berlin sei. Von dem Ergebnis dieser Unterredung wird es dann abhängen, ob sich die Droschken- interessenten noch an den Minister des Innern wende» oder im Wege des VcrwaltungsstreitvcrfahrenS die neue Droschkenfahrordnung anfechten. Die Deputation für die städtischen Rieselfelder will dem Pastor v. Bodelschwingh bei Rüdnitz etwa 700 Morgen Land zu einem Pachtpreise überlassen, der einer Verzinsung von 3'/s Proz. des ursprünglichen Kaufpreises gleichkommt. Es soll dort die Wander- bcttelci durch Errichtung von Obstbaukolonien bekämpft werden. Die neue Volkszählung. Für die Volkszählung vom 1. De. zember 190S sind jetzt die Bestimmungen vom Bundesrat getroffen worden. Neu ist in den Zählungsfonnularen die Frage für reichs- angchörige, landsturmpflichtige Männer im 39. bis zmn vollendeten 45. Lebensja/ire(aus der Gcburtszeit von: 1. Dezember 1860 bis 31. Tczembyr 1866 einschließlich), ob militärisch ausgebildet a) im Heere, b) iit der Marine, oder ob nicht militärisch ausgebildet. Die größeren Verwaltungsbezirke und die einzelnen Gemeinden von mindestens 20 000 Einwohnern haben die vorläufige Uebersicht bis zum 1. Mhrz 1906 an das kaiserliche statistische Amt einzusenden. Die Fristen/ für die lveiteren Einsendungen laufen bis zum 1. Mai 1907. Die vorläufige Uebersicht über die Einwohnerzahl unter- scheidet mtr nach den Geschlechtern. Die Tabelle über Fläche und Einwohnet gibt auch die Ab- und Zunahme der Bevölkerung an. Für jeden Obergerichtsbezirk wird eine Tabelle über die jugendlichen Personen uitter 1.2—-17, fö— 1,8 und mehr als 19 aufgestellt mit Angabc der aktiven Militärpersonen unter 13 Fahren. Die Gc- meindcn und Wohnplähe werden nach der Zahl der Einwohner, 100, 500, 1000, 2000 unterschieden. Tie Haushaltungen sollen nach preußischen Provinzen in Städten von mindestens 100 000 Ein- wohnern usw. gezählt werden. Unterschieden Ivird die Zahl der Mitglieder. Bei der Staatsangehörigkeit wird China und Japan von Asien getrennt. Rita Leon. Eine Nachricht, die fast wie ein verspäteter April- scherz klingt, geht dem„Berl. Tagebl." zu. Rita Leon, die Muse Alphons Röhlls, versendet an ihre zahlreichen Freunde zierliche Karten aus Frankfurt a. M., auf denen sie ihre vor acht Tagen voll- zogenc Vermählung mit einem Baron v. R a d o w i tz anzeigt. Warum auch nicht?�Berta Rother hat es bekanntlich zu einer mecklen- burgischen Gutsbesitzerin und zum Mitgliede der mecklenburgischen Ständekammer gebracht. Der Baron ist väterlicherseits Waise, 23 Jahre alt und steht im Referendareramen. Er verfügt über ein sehr bedeutendes Vermögen. Abermals eine Krailkcnkasse verkracht. Der Polizeipräsident gibt bekannt, daß nach einer Mitteilung des königlichen Landsrats zu Mörs die„Rheinlands-Eiche", Kranken- und Sterbekasse für ganz Deutschland zu Hochheide(Eingeschriebene Hülfskasse Nr. 190), durch Beschluß der Generalversammli-.ng vom 5. Februar 1905 sich aufgelöst hat. Zur Abwickelung der Geschäfte ist der Prozeß-Agent Kohlhaas zu Mörs, Uerdingerstr. 19, bestellt worden. Der berichtigte Aprilscherz. Der Besitzer des Restaurants Dressel, Unter den Linden, würde vielleicht von einem berüchtigten Aprilscherz reden, denn er sendet uns als Entgegnung auf den am Sonnabend gebrachten Schcrzartikel die folgende Zuschrift:„In Ihrer Zeitung vom Sonnabend, den 1. April bringen Sie unter„Razzia bei Dressel" einen Artikel, den ich und vielleicht auch meine be- kannten Gäste als Scherz auffassen würden. Da aber Fernstehende anders urteilen könnten und ich dann geschäftlich geschädigt sein würde, ersuche ich Sie, da ich heute vergeblich darauf gewartet, dasselbe in der richtigen Weise klarzustellen. Anderenfalls wäre ich genötigt, Sie laut Z 11 des Preßgesetzes dazu aufzufordern. Hoch- achtungsvoll Karl Fehr."— So bekennen wir denn feierlich, daß die Razzia bei Dressel eine Ente war und daß die Polizei, was immer ihr auch sonst zuzutrauen ist, nach unserer Meinung nicht daran deirken wird, in diesem Lokal nach flüchtigen Bankdirektoren zu angeln._ Alfred Ramm verhaftet. Der Totschläger Kellner A l f r c d R a m m, der in der Nacht zum 11. März bei dem Schankwirt Grabow einbrach und dessen Sohn erstach, während eine Tochter schwer verwundet wurde, ist Sonntag früh in Berlin ergriffen worden, während er in der Pro- vinz, im Reich und im Auslande eifrig gesucht wurde. Er wurde beim Diebstahl einer Milchkanne auf offener Straße ergriffen. Er gab im Verhör an, daß er nach dem Einbruch oft am hellichten Tage auf der Straße spazieren gegangen sei und in. Schankwirtschaften gesessen habe. Ersparnisse aus seiner früheren Tätigkeit hätten ihn dazu in den Stand gesetzt. Seine alte Kleidung habe er an einen ihm bekannten Arbeiter verkauft. Für die Behauptung, daß er in Biesenthal auf dem Wege nach Stettin und außerdem in der Provinz gesehen worden sei, hatte er nur ein Lächeln; dafür sei er doch zu alt und zu kundig, um nicht zu wissen, daß er in Berlin viel eher und länger untertauchen könne als irgendwo in der Provinz und auf dem platten Lande. Den Totschlag selbst hat er bisher noch nicht ein- gestanden. Das gestrige Perhör dauerte den ganzen Vormittag, ohne daß Ramm sich zu einem Geständnis bequemt hätte. Er be- gegnet allen Leuten, denen er zur Erkennung gegenübergestellt wird, mit höhnischen Mienen und Worten, um sie stutzig zu machen. Die verletzte 16 Jahre alte Tochter Grabows erkannte ihn zunächst nicht bestimmt wieder. Das lag wohl zum größten Teil an der ver- änderten Kleidung und der anderen Stellung und Umgebung. Als er auf Geheiß die Stellung angenommen hatte, aus der er das Mädchen anfiel, und es hierbei ansah, erinnerte sie sich seiner Person wieder bestimmt. Frau Rauhut und der Schlosser Michaelis bekunden mit Sicherheit, daß Ramm der Mann sei, der am Abend nach der Tat als Kaufmann Behrend nach der Brandenburgstraße mit in Schlafstelle kam. Ueber seinen Aufenthalt in Berlin macht der Verhaftete immer noch widerspruchsvolle Angaben. Gewohnt hat er nach dem 18. März, an dein er Michaelis den Koffer und die Kleider stahl, zwei Tage in der Neuenburgerstraße. Als die Wirtin ihn dann melden wollte, verschwand er. Den Koffer mit einem Teil seiner Sachen und anderen, die er gestohlen hatte, ließ er zurück. Zwei wichtige Belastungspunkte aber fehlen, sein Ueberzieher, der jedenfalls viele Blutspritzer enthält, und seine Schuhe, die bei seiner Flucht in dem weichen Boden des Gartens deutliche und sorgfältig aufgenommene Spuren hinterlassen haben. Ramm will den Ueber- zieher am 18. oder 19. März in der Manteuffel- oder Wrangel- straße auf offener Straße, auf einem Hausflur oder in einem Ge- schäft einem ihm unbekannten Arbeiter verkauft haben. Sollte das wider Erwarten wahr sein, so wäre es dringend erwünscht, daß dieser Arbeiter sich im Zimmer 37 des Polizeipräsidiums oder auf irgend einem Revierbureau schleunigst meldete. Der lange, schwarze Ueberzieher hat zwei Knopfreihen und«inen Sammetkragen. Die Schuhe, schwarze Schnürschuhe, will Ramm auf dem Wege von der Brandenburg- durch die Zimmerstraße nach der Hasenheide zu an einer Lichtung, wie er sagt, vielleicht mr einer freien Baustelle, weg- geworfen haben, um di« besseren Stiefel von Michaelis anzuziehen. Auch die Herbeischaffung der Schnürschuhe ist für die Untersuchung wichtig._ Ueber einen Einbruchsversuch wird amtlich gemeldet: In der Nacht zum Sonntag gegen 3% Uhr wurde der im Kellergeschoß des Hauses Besselstraße 4 wohnende Schuhmacher Bruhns durch ein knarrendes Geräusch, das aus dem über seiner Wohnung belegenen Kontor der Holz- und Kohlenhandlung von K. Nicolas Nchflgr. kam, aus dem Schlafe gestört. Er holte zwei Schutzmänner herbei, die beim Absuchen der Nicolasschen Räume den Tischler Karl Knauth, 42 Jahre alt, den Hutmacher Robert Krmner, 52 Jahre alt, und den 33jährigen Handelsmann Karl Schumann in einem Hinter- zimmer versteckt vorfanden. Die Einbrecher, die eine Menge Diebes- Handwerkszeug, einen Revolver sowie eine Flasche Gift bei sich hatten, ließen sich, da sie die Nutzlosigkeit eines Widerstandes erkannten, festnehmen und zur Wache führen. Sie ivaren durch Eindrücken der Tür in das Kontor gelangt und hatten schon ein eisernes Geldspind angebohrt, als sie überrascht wurden. Der Tischler Knauth wurde bereits polizeilich gesucht. Auch die beiden anderen scheinen er- fahrene Einbrecher zu sein. Straßensperrung. Die Einmündung des südlichen FahrdammeS der Straße Unter den Linden in den Pariser Platz wird behufs Asphaltierung vom 3. April ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. � Nach Unterschlagung von 5600 M. ist der 34 Jahre alte Bahn- steigschaffuer Hermann Schlees e aus der Tegelerstrahe 33 flüchtig geworden. Schleese war seit 12 Jahren bei der Stadtbahn angestellt und seit vier Jahren Rendant des Spar- und Darlehns- Vereins der Bahnsteigschaffner und Portiers. Wie seine Frau be- kündet, zeigte Schleese seit Sonntag vor acht Tagen ein unruhiges Wesen. Am Donnerstag nahm er Urlaub, uni Verwandte m Soremberg zu besuchen, kam aber nicht dorthin und ist seitdem ver- schwunden. Am Sonnabend abend eröffnete der Vorstand des Vereins den Geldschrank und fand keinen Pfennig darin. Es fehlen rund 5600 M. Wo Schleese, der verheiratet und Vater von sieben Kindern ist, das Geld gelassen hat, weiß niemand. Einer unangenehmen Bcrmechsclung war der 20 Jahre alte Arbeiter Max Schlüter aus der Sparrstr. 3 ausgesetzt. Als er in der Nacht zum Sonntag zwischen 12 und 1 Uhr aus einer Gast- Wirtschaft in der Cöslinerstraße, wo er Karten gespielt hatte, nach Hause ging, fielen ihn an der Ecke der Müller- und BurgSdorffstraße ei Kerle, die in einer Türnische gestanden hatten, ohne weiteres an. Einer schlug ihm mit dein Schirm über den Kopf und der andere versetzte ihm einen Messerstich in den Rücken, als er stch zur Abwehr nach dem ersten Angreifer umwandte. Dann liefen beide davon und entkamen. Sie hatten es ohne Zweifel auf jemand anderes abgesehen und Schlüter verkannt. Der Ueberfallene ließ sich auf der Unfallstation in der Lindowerstraße verbinden und wurde von dort nach der Charitee gebracht. Der Stich ist nicht lebens- gefährlich.— Zwölf Messerstiche erhielt in derselben Nacht der 33 Jahre alte Arbeiter Ernst Tornow aus der Grenadierstr. 17, der angettunken durch die Mulackstraße ging und vor dem Hause Nr. 16 einen anderen Mann hänselte. Er kam trotzdem mit leichten Ver- letzungen davon und konnte von der Rettungswache Hl in der Kastanien-Allee nach Hause gehen. Der Täter entfloh auch in diesem Falle. Feucrdcricht. Die Brandchronik der letzten 48 Stunden ist eine ungewöhnlich reichhaltige, denn sie weist über 20 Alarmierungen auf. Sonntag abend wurde die Wehr nach der Krautstr. 19 gerufen, loeil es dort in einem Keller brannte. Allerlei Gerümpel und akter Hausrat wurde in der Hauptsache eingeäschert.— Ein zweiter Keller- brand beschäftigte den 15. Löschzug in der Klopstockstr. 32.— Längere Zeit gab es dann in der Reinickendorferstr. 18 zu tun. Dort war auf nicht ermittelte Weise auf einem Futterboden Feuer entstanden, das an den Stroh- und Heuvorräten reiche Nahrung gefunden hatte. Es mußte mit zwei Schlauchleitungen tüchtig Wasser gegeben werden, um die Flammen zu ersticken.— In der Michaelkirchstr. 12 waren Möbel und Decken in einer Wohnung in Brand geraten, während in der Waldemarstr. 40 s, Terpentinballons Feuer gefangen hatten. In beiden Fällen konnte die Gefahr leicht beseitigt werden.— Ein Ladenbrand kam dann in der Bandelstr. 6 aus; Verpacknngsmateralien und Bretter wurden vernichtet.— Die übrigen Alarmierungen führten die Wehr dann noch nach der Genthinerstr. 36, Putbuserstr. 1, Putt- kamerstr. 2, Reichenbergerstr. 160, Köpenickerstr. 73, Liegnitzerstr. 2, Friedrichstr. 43. Stettinerstr. 50b und noch nach einigen anderen Orten. In allen diesen Fällen handelte es sich aber um ganz un- bedeutende Brände, die teils vor Ankunft der Löschzüge bereits von Hausbewohnern beseittgt waren, teils die Wehr nur kurze Zeit be- schäftigten.— Ilm Mitternacht wurde der öffentliche Feuermelder in der Grcifswalderstraße an der Ringbahn böswillig m Tätigkeit gesetzt. Der Täter ist leider entkommen. Mit dem Bcllcalliance- Theater will es auch jetzt noch nicht st» recht gehen. Zwar scheint es, daß seit der Direktion der Herren Kren u. Schönfeld der Janimer früherer Jahre sich gelindert hat und der Besuch besser geworden ist. Aber ein Stück, das dauernd zieht, ist auch in dieser Saison noch nicht gefunden und man wurstelt von einem Achtungserfolg zum anderen weiter. Die am Sonnabend aufgeführte Ausstattungsposse mit dem abgehackten Titel„... noch einmal so lieben!" ist von der Direktion nach einer älteren Idee des Possendichters Mannstädt angefertigt. Diese Idee bezweckt, einigen Bühnensternen durch allerhand Verwandlungen Gelegen- heften zum Prillieren zu geben, und sie ist, soweit Aeußerlichkeiten in Betracht kommen, mit berückendem Wage- mut in die Tat umgesetzt worden. Bozena Bradsky spielt die Rolle eines weiblichen Detektivs, der sich vom italienischen Veilchen- mädel in einen Mausefallenjungen und von diesem in ein Mädchen für alles zu verwandeln hat. Noch mehr riskiert natürlich Frau Dora, die einen Tiroler darstellt, dann als graubärtiger Seebär eine Art Plattdeutsch von sich geben muß und zum Schluß noch als Waschfrau Molsen ein drolliges Genrebild zum besten gibt. Alle diese Umständlichkeiten sind ebenfalls Ergebnisse einer Detektivrolle. Der bunte Wirrwarr ist namentlich im zweiten Akt unterhaltend zusammengestellt; aber das bischen Handlung, um das sich diese Verwandlungen drehen, macht sich in seiner Armseligkeit recht gequält. Viel riskiert die Direktion allerdings nicht, wenn eine Ausstattungsposse einmal nicht nach Wunsch einschlägt, denn eine weise Oekonomie beivegt sie, die abgelegten, aber noch gut er- haltenen Garderoben des Thalia-Theaters im Südwesten zweck- mäßig zur Geltung zu bringen.— Wir wollen hoffen, daß so starke Talente, wie die der Damen Bradsky und Dora endlich einmal wieder in würdiger Weise zur Geltung kommen. Der Zentralvcrciii dentschrr Kaninchenzüchter veranstaltet in den Osterfeiertagen(vom 21. bis 26. April) eine Ausstellung in den Glashallen des Etablissements Buggenhage», Berlin L., Moritzplatz. Annieldungen zu dieser Schau, die alle Gebiete der Kaninchenzucht und Pflege umfaßt, sind bis zum 10. April d. I. an Herrn A. Wie- land, Berlin, Scharnhorststt. 42, zu richten. Der Jerusalems- Kirchenchor(Dirigent M. Eschke), der am 5. April, abends von 8—9 Uhr sein 8. Konzert in der Jerusalems- Kirche gibt, wird Passionsgesänge von Mendelssohn. Lassus, Bach. Schreck und Nößler-Becker zu Gehör bringen. Frl. Marie Rost (Sopran), Herr kgl. Kantmermusiker O. Urak(Violoncello) und Herr R. Klose(Orgel) haben ihre Mitwirkung gütigst zugesagt. Diese Konzerte sind unentgeltlich. Theater. Im Schiller-Theater 0.(Wallner-Theater) geht heute, Dienstag, die Komödie„Augen rechts" in Verbindung mit Harlebens Lustspiel„Die sittliche Forderung" zum erstenmal in Szene. Die Besetzung ist folgende: in„Augen rechts": Friesling: Max Pategg, von Quast: Paul Otto, Julius Schönchen: Leopold Thurner, Liese: Ada Blanche, Max: Georg Paeschke, Frau Baggenrod: Agnes Werner, Mielke: Adolf Joseph, Schilling: Hans Staufen, Baggenrod: Alfted Schmasow, Hampe: Franz Rolan, Meyer: Karl Dahlen, Poppe!: Max Reimer, Wenk: Karl Dappcr, Ritzniann, Bernhard Herrmann. Fritz: Hermann Wlach. Besetzung des Lustspiels„Die sittliche Forderung": Rfta ReVera: Hermme Schumoivska, Stierwald: Bernhard Herrmann, Berta: Martha Hartmann. Die Regie in beiden Stücken führt Waldemar Runge.— Der Wochenspielplan des National-Theaters bringt am Donnerstag das erste Gastspiel des Kammersängers Francesco d'Andrade als Don Juan, am Freitag geht neucinstudiert„Fra Diavolo" mit Dr. Otto Bricsemcister in der Titelpartie als Gast in Szene und wird am Sonntag wiederholt: am Montag wird „Fidelio", Dienstag„Undine", Mittwoch„Die lustigen Weiber von Windsor" und am Sonnabend„Die Jüdin" gegeben.— Luisen- Theater. Zum Benefiz für Frl. Helene Winter und Herrn Sieg- fried Böhm gelangt Dienstag zum erstenmal..Der Herrgottschnitzer von Ammergau" zur Aufführung. Winter, fffftel, Böhm, Rufs, Majewski, Hüner sind in den Hauptrolle", beschäftigt.— Im Lu st spielhause gelangt Dienstag abend Klara ViebigS Drama „Die Bäuerin" und Gustav Wieds humorvoller Einakter„Eine Ab- rechnung" zur Darstellung. Rosa Bertens wird die von ihr kreierte Rolle der Bäuerin spielen. Im Apollotheatcr bringt das Spezialitätenprogramm einige hübsche Neuheiten. Ganz merkwürdige Künstler sind die Gries, von denen die neuen Nichtungckl in der Malerei lernen können. Nach dem Schlagwort von der Ninnsteinkunst haben sie eine Lunrpenkunst in die Welt gesetzt; ans allerhand Lappen und Lumpen fertigen sie auf einer Sammetfläche niedliche Gemälde an. Die Geschwister Andersen gebrauchen als„Fuß-Antipoden" ihre Beine mit großer Kunst- sertigkeit. Sie balanzieren damit die verschiedensten Gegenstände und führen einen drastischen„Lnfttanz" auf. der in Paris auf Tages- ordnung sein soll.— Gescheite Tiere sind in der Hundemeute de? Herrn Braatz. Eine richtige Pantomime„Der ertappte Einbrecher" wird von den Vierfüßlern aufgeführt. Der Kincinatograph bringt aus den Scekämpfen vor Port Arthur schreckcnerregcnde Bilder.— Nach dem Spezialitätenteil wird die Operette„Das Veilchenmädel" mit Erfolg aufgeführt. Im Berliner Aquarium sind die ersten FriihjahrSsendungen von empfindlicheren Meercstieren von der Adria-Station Rovigno ein- getroffen. Unter diesen Seebewohnern fällt etwa ein Dutzend walzenförmig gestreckter, mit Fühlerkranz am Mundende versehener Geschöpfe auf, da sie von den mit ihnen im Seepferdchenbscken untergebrachten Seesternen und Seeigeln in der äußeren Gestaltung ganz und gar abweichen, trotzdem sie mit ihnen zu ein und dem- selben Tierkreis gehören. Aber schon die Leibesbedeckung ist, wie das unter der Haut in den bindegewebigen Teilen der Leibeswand liegende feste, aus kohlensaurem Kalk gebildete Skelett, allen diesen „Stachelhäutern" oder Echinodermen, die sich durch eben diese Ve- fchaffenheit der Leibesdecke dieNamen erwarben, gemeinsam. In den neu angelangten Vertretern dieser Gruppe haben wir Mitglieder zweier Gattungen Seegurken und Seewalzen vor uns und damit zugleich die nächsten Verwandten derjenigen Spezies, die in den malayischen und australischen Meeresteilen lebend, zu den von den Chinesen besonders als Delikatesse genossenen„Trepang" verarbeitet werden. Mit ihnen sind auch verschiedene Seesterne und aus der Klasse der drollig aussehenden Seeigel zwölf Exemplare einer Art mit langen, spitzen, dunkelvioletten oder dunkelolivenfarbigen Stacheln, die gen? in selbstgebohrten Höhlen der Felsen sich aufhalten, angekommen. Vorort- J�achricbten, Schöneberg. In der gestrigen Stadtvcrordneten-Sivung erfolgte zunächst die Einfiihrung der neugewählten resp.„ernannten" Stadtverordneten Schellack slll. Abteilung, 10. Bezirk) und Schneider und Schüler(I. Abteilung) in der üblichen Form. Die Wahl dreier Ausschüsse erfolgte in geschästsordnungs mäßiger Weise; unsererseits gehören an: dem Ausschutz betreffend Aendenmg einiger Paragraphen der Geschäftsordnung(PetitionS- reckt) Wollermann, dem Ausschuß für Erweiterungsbau der Schule in der Feurigstraße M a s u ch, dem Ausschuß für Errichtung ciueö Theaters auf Platz Y O b st. Die Wähler der ersten Abteilung wollen fortan nicht mehr in nur einem Bezirk ihre 20 Abgeordneten ernennen, sondern ver- langen in einer Petition die Einteilung in Wahlbezirke. Sogar die bisherige Wahlzeit von 12 bis 2 Uhr scheint einigen Herren nicht mehr zu genügen, sie beantragen viel mehr die Verlegung derselben in die Zeit von 3 bis 6 Uhr nachmittags. Genosse Küter ivieS darauf hin, daß die herrschenden Klassen, wenn sie das Wahlunrccht einsehen und den Volkswillen zum Ausdruck kommen lassen wollten, bloß das allgemeine Wahlrecht cinzuftihren brauchten; uns Sozialdemokraten sei eS an sich gleichgültig, wie die privilegierten Klassen die 20 Man- date unter sich verteilten; wenn man aber auch hier schon auf die günstigste Wahlzeit der unstreitig bestsituierten Herren Rücksicht nehmen zu müssen glaube, so solle man doch auch den Wählern der dritten Abteilung, die nicht tvie jene Leute unabhängig über ihre Zeit verfügen können, durch Ver- längerung der Wahlstunden entgegenkommen. Nachdem auch der Oberbürgermeister namens des Magistrats sein Einverständnis er- klärt hatte, gelangte ein Antrag auf Einteilung der ersten Wähler- klaffe in zehn Bezirke und Festsetzung der Wahlzeit von 3—6 Uhr nachmittags einstinunig zur Annahme. Dem Beschluß der Stadtverordneten-Versammlung betr. die Wiedereinsetzung des Ausschusses für Regulier ung der Sedanstraße, dem unsererseits Genosse Obst angehört, ist nun auch der Magistrat beigetreten. Die Verhandlungen mit den An- liegcrn sollen nun fortgesetzt werden, von deren Verhalten es aber abhängen wird, ob die städtischen Körperschaften die für Asphaltierung dieser Straßenstrecke erforderlichen Mttel zu bewilligen in der Lage sind. Neben einigen Nachbewilligungen zum Schuletat gelangte der Erlaß eines Ortsstatuts zur Annahme, wonach vom 1. April d.J. ab die Zahl der unbesoldeten Stadträte auf 12 festgesetzt wird, so lange, bis die Einwohnerzahl von 150(XXI Seelen festgestellt sein wird. Nixdorf. Ein tödlicher Bauunfall ereignete sich gestern nachmittag auf den, Neubau des Hauses Kaiser Friedrichstr. 254 in Rixdorf. Dort war der Mauer Gustav Gerhard mit Abputzungsarbeiten i.n vierten Stockwerk beschäftigt, wobei er wahrscheinlich das Gleich- gewicht verlor und in die Tiefe stürzte. Ein sofort herbeigerufener Arzt konnte nur den bereits eingetretenen Tod feststellen. Wie ver- lautet, lvar von der Baupolizei noch keine Erlaubnis zur Jnangriff- nähme der Abputzungsarbeiten erteilt, so daß ein dem entsprechendes Gerüst noch nicht aufgestellt worden war. Der Verunglückte, ein kräftiger Mann in den vierziger Jahren, wohnt in Rixdorf, Jansa- swaße, und hinterläßt seine Frau mit drei unmündigen Kindern. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dem Schauhause überführt. Bei einem Umzüge schwer verunglückt ist gestern der Schaffner Fritz Wolgast im Hause Hertzbergstr. 26. W. hatte das Malheur, auf der Treppe auszurutschen und so unglücklich mit dem Hinterkopfe auf eine Kante der Treppenstufe aufzuschlagen, daß er eine schivere Gehirnerschütterung erlitt und ihm das Blut aus Mund und Nase floß. Ein herbeigeholter Arzt ließ den Verunglückten, dessen Zustand höchst bedenklich ist, nach dem städtischen Kranken- hause schaffen. Lichtenberg. Der Lichtenberger Mord dürfte voraussichtlich keine Sühne finden. Nach dem Ergebnis der bisherigen Ermittelungen zu urteilen, kommt auch nicht eine einzige Person in Betracht, welche irgendwie als Mörder des Dienstmädchens Conradt verdächtigt werden könnte. Am Sonnabend erschien auf dem Weberscheu Gärtnereigehöst die Staatsanwaltschaft des Landgerichts II, um am Tatorte eine nochmalige und letzte Untersuchung vorzunehmen. Es wurden sämtliche für die Ernriltelungen in Betracht kommenden Räumlichkeiten des Weberschen Grundstücks, vor allem aber die Mordkammer sowie die darin befindlichen Gegenstände abgezeichnet. Die Dachstube, in der die Conradt Hingemordet wurde, ist, nachdem sie durch die Kriminalpolizei bereits wieder freigegeben, von der Staatsanwaltschaft nochmals verschlossen und versiegelt worden. Ob die geheimnisvolle Mordaffäre jemals Aufklärung finden wird, mag dahingestellt werden. Im städtischen Krnnkenhause an der Cannerstratze entstand Sonnabendabend durch Kurzschluß der elektrischen Leitung in einem neben dem Operationssaal belegenen Raum Feuer. Dasselbe konnte jedoch von Angestellten des Krankenhauses gelöscht werden, bevor es größere Dimensionen angenommen hatte. <3erickts-Leitung. Die verfolgte Unschuld auS der Alcxanderstraße. Am Donnerstag hatte sich wieder einmal der bekannte Sekretär M e i n k e vom Arbeitsnachweis der Holzindustriellen wegen Kör- perVerletzung vor dem Moabiter Schöffengericht zu verant- warten. Es war einer jener vielen Prozesse, die ihre Ursachen in dem gewalttätigen Verhalten des Herrn Meinke gegenüber den Kontroll- Posten des Holzarbeiter-Verbandes haben. Am 14. Juli v. I. war der Drechsler G r o s ch k e als Kontrollposten vom Sekretär Meinke wegen angeblicher Belästigung Arbeitswilliger einem Schutzmann zur„Fest- stellung" denunziert worden. Da G. über diese unnütze Chikane un- gehalten war, ersuchte er den Schutzmann, auch die Personalien seines Denunzianten festzustellen. Es war dies auf dem Hofe des Arbeitsnachweises. Während sich nun der Schutzmann Notizen machte, sagte Meinke zu Groschke, er solle sofort machen, daß er vom Host käme. Ohne aber dem G. Zeit zu lassen, sich zu entfernen, packte Meinke ihn an der Brust und mißhandelte ihn durch fortwährende Stöße, sodaß G. znr Erde siel. Der Mißhandelte stellte hierauf Strafantrag gegen Meinke, wurde indessen auf den Weg der Privatklage verwiesen. Meinke drehte nun den Spieß um und vcranlaßte die Strafverfolgung des G. wegen Hausfriedens- bruchs, die aber mit der Freisprechung Groschkes endete. In dem jetzigen Termin stellte sich Meinke nun in wirklich rührender Art als verfolgte Unschuld hin. Man habe ihn verfolgt und angegriffen, sodaß er„auf Empfehlung des Polizeipräsidiums" zu seiner Sicher- heit einen Revolver trage. Den Kläger habe er weder geschimpft noch geschlagen, sondern nur vom Hofe„geschoben", wobei er allerding: gestolpert und hingefallen sei.— Vom Vertreter des Klägers, Rechts anwalt Dr. Heine mann, brauchte demgegenüber nur auf das Ergebnis der Beweisaufnahme und auf die Vorstrafen des Beklagten verwiesen werden. Er ist nämlich wegen schwerer Körperverletzung schon einmal mit 6 Monaten Gefängnis und ettx, anderes Mal mit 30 M. Geldstrafe vorbestraft. Das Gericht erkannte auf 16 M. Geld- strafe ev. 2 Tage Gefängnis. Begründend führte der Vorsitzende aus, daß eine Körperverletzung nicht vorliege, weil nicht erwiesen sei, daß dem Kläger durch das Vorgehen des Beklagten„körperliches Miß- behagen" verursacht worden wäre. Voraussichtlich ist die„Aera" der Meinke-Prozcsse jetzt glücklich vorüber. Ob aber der arme„ver- folgte" revolvertragcnde Bedienstete der Holzindustriellen mit dem Endeffekt seiner alten und neuen„Jugendeseleien" besonders zu- frieden sein wird, dürfte billig bezweifelt werden. Zu wünschen wäre nur, daß auch Streikposten stets so milde bestrast würden wie Herr Meinke in diesem Fall, wenn sich einer von ihnen wirklich ein- mal soweit vergißt, einem Arbeitswilligen in ähnlicher Weise„kein" körperliches Mißbehagen zu verursachen. Eine lebhafte Episode auS dem Lohnkampf der Müllkutscher ge- langte dieser Tage vor das Schöffengericht Berlin I. Im Oktober v. I. wurden bekanntlich von der Berliner Abfuhr-Gcscllschast und anderen Firmen die Müllkutscher, die sich eine Lohnherabsetzung nicht gefallen lassen wollten, entlassen. Zwei von den für sie cingestellren Arbeitswilligen, die Gebrüder Kuban, kamen nun am 25. Oktober in das Haus Berlichingenstratze 10, um Müll abzuholen, wurden aber durch wiederholte Güsse Wasser, die auS einem Fenster auf sie nicderregncten, hiervon abgeschreckt. Die Urheberin, die die Be- geistcrung der Arbeitswilligen so eigenartig löschte, sollte die Ehefrau des dort wohnenden ausgesperrten Müllkutschers Wedler gewesen sei». Als mehrere Tage später zwei andere Arbeitswillige, Blüthner und Peter, zur Heldenfahrt in das gefährliche Haus abbcordert wur- den, regneten diesmal aus den verschiedenen Fenstern nur mehr oder weniger liebenswürdige Redensarten auf die beiden herab. Frau Wedler speziell soll„Streikbrecher" gerufen haben. Die un- willkommenen Gäste revanchierten sich durch ein krasses Schimpfwort, und, als der Ehemann W. herunterging und Blüthner am Kragen faßte, mit der Frage, wie er seine Frau so beleidigen könne, be- arbeiteten ihn die beiden Arbeitswilligen derart mit ihren Gurten und Haken, daß er hinfiel. Die ihm zu Hülfe eilende Ehefrau stürzte auch. Durch Dritte wurden die Kämpfenden dann auseinander- gerissen. Blüthner aber eilte der Frau, die mit ihrem Mann sich nach der Wohnung zurückbegab, nach und versuchte noch mit seinem Hakengurte ihr eins zu versetzen. Die wehrhafte Frau ergriff jedoch ihren Feuerhaken und schlug ihm durch treffsichere Hiebe an Kopf und Armen in die Flucht. Die Eheleute W. waren deshalb wegen Ver- gehens gegen den bekannten Z 153 Gewerbeordnung(Ehrvcrletzung bei Streiks) und gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagt. Der Staatsanwalt beantragte wegen der letzteren 20 M. Geldstrafe, gegen die Ehefrau aber wegen der Ehrverletzung, begangen durch"die Wassergüsse und die Aeußerung„Streikbrecher"— 1 Woche Gefängnis. Der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. B r o h, führte aus, daß er sich ein Urteil über ein solches Strafmaß ersparen könne; denn die Ehefrau müsse mangels Beweises sowohl wie aus Rechtsgründen — da hier gar kein Streik, sondern eine Aussperrung vorgelegen habe— freigesprochen werden. Der Ehemann aber habe sich be- rechtigterweise seiner beleidigten Frau angenommen und es seien dann die Arbeitswilligen zu Angreifern geworden. Das Gericht trat im wesentlichen diesen Ausführungen bei, legte dem Ehemann nur eine Buße von 5 M. auf und sprach die Ehefrau gänzlich frei.— Ein interessantes Renkontre zwischen dem Staatsanwalt und dem Verteidiger verdient noch erwähnt zu werden. Der Staatsanwalt meinte die Arbeitswilligen noch besonders in einem Schlußwort gegen die angeblich unerhörten Angriffe des Verteidigers in Schutz nehmen zu müssen, worauf dieser replizierte, daß es höchst seltsam anmute, den Vertreter der Staatsgewalt in so lebhaften Tönen eintreten zu sehen für zwei Müllkutscher, die, wie festgestellt worden, wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung bereits erheblich vorbestraft seien.— Ja, aber es waren doch Arbeitswillige, Stützen der Gesellschaft. Vermifcktes. Ein schweres Eifrnbahn-Unglück ereignete sich am Sonntag ftüh in L i e g n i tz. Gegen 5 Uhr fuhr eine Lokomotive auf den in der Einfahrt in die Station Liegnitz begriffenen Güterzug 6556, der drei Wagen Auswanderer beförderte. Ein Schaffner ist tot; vier Passagiere sind schwer, etwa dreißig leicht ver- letzt. Zwei Lokomotiven, drei Personen- und fünf Güterwagen ent- gleisten. Sämtliche Wagen wurden stark beschädigt. Infolge Aus- strömens und Juvrandgeratens des Leuchtgases geriet ein Spiritus- ivagen in Brand und entzündete die Trümmer sowie das Stellwerk Otm., welches ausbrannte. Bei den Aufräumungsarbeiten wurde die Leiche eines sechzehnjährigen Mädchens unter den Trümmern gefunden. Ein sechzehnjähriges Mädchen wird noch vermißt. Eine Frau ist ihren Verletzungen erlegen. Die Auftämnungsarbciten dauern fort. Großfeuer in einer Danziger Schiffswerft. Die große Klawittersche Werft in Danzig ist in der vorgestrigen Nacht fast völlig nieder- gebrannt. DaS Feuer kam in der Nähe der Tischlerei aus und wurde, da der Wächter schlief, erst durch einen Schutzmann gegen 7z2 Uhr gemeldet. Als die Feuerwehr anrückte, standen sämtliche Betriebsgebäude in Flammen. Auch die Feuerwehr der kaiserlichen Werft eilte mit einer großen Abteilung von Offizieren und Matrosen zu Hülfe. Von der ganzen Werst ist nur ein Teil der Kupferschmiede und zwei Hellinge mit darauflicgenden Schiffen, um deren Er- Haltung sich besonders die Marinemannschaften verdient»lachten, erhalten geblieben. Intimes aus spanischen Klöstern. Aus Madrid wird der.Volks- Ztg." gemeldet, daß aus dem Nonnenkloster von San Martin eine 27 jährige Nonne eutfloh, indem sie auS dem Fenster sprang. Sie hat an den Händen Brandwunden, die ihr, wie sie sagte, von den frommen Schwestern zugefügt wurden, tveil sie sich iveigerte, 4000 Pesetas Aussteller zu zahlen. Die Flüchtige erreichte Sorbran und bat auf den Knien, man möge sie nicht wieder zmn Kloster zurückschaffen, wo die Nonnen ihr Bett anstecken wollten. Nichtsdestoweniger wurde das arme Geschöpf wieder zum Kloster gebracht, was die Enttüstung der Bevölkerung erregt. Gegen das Korsett. Der bulgarische llnterrichtsminister hat ein Rundschreiben an die Direktoren der Mädcheiigymnaficn ge- richtet, worin er, auf die Nachteile des Miedertragens hinweisend, bestimmt, daß vom 1. April dieses JahreS an den Gymnasiastinnen das Tragen des Mieders verboten werde. Gekentert ist nach einer Mitteilung aus Kopenhagen vom 2. April in den Gewässern der Farörer Jnselpruppe ein Fischerboot, wobei sieben Personen ertrankeil. Lnefkaften der RedafcHon. M. S»., Eberswalde. Unser Text ist aus dem Russische» übersetzt und stimmt auch durchaus mit einer uns vorliegenden französischen lieber» sehung übercin.— Sensarth. Nach Beantwortung ist Ihre Quittung ver- nichtct. Briefliche Mitteilung war unmöglich, da uns Ihre Adresse sehlt.— H. K. Quittung einsenden und Ansrage wiederholen! Besseres hätten Sie nicht zu sragen? H. E. Eberstadt. Kann stimmen. Durch das.Offen- bacher Abendblatt" können Sie wohl Näheres seslstellen.— Zöllnitz. Wie war der Inhalt?— A.(S, Ja.- B. H. Nein.— 1122. Mulden, Kirin mtd Charbin.—4433. Nie.— lliollmops. Nein. Leider übersehen.— — H. D. Ja.— H.-Markt 2. Können wir nicht empschlcn. Lesen Sie in größeren Nachschlagewerken die betreffenden Artikel unter ,H.» B. in einer Lesehalle oder Bibliothek nach.— P. 99. 1. Bitte, Adreßbuch sehen. 2. Durch ein hiesiges Realschul-Direktorat.— W. G. 1. Ministe gehalt 36 000 M. in Preußen. 2. In Summa 100 000 M. und free Wohnung als Reichskanzler. 3. Zulagen pro Anno 14 000 M. für die preußischen Gehälter in Aussicht genommen. 4. Der preußische Kriegs« miuislcr vom Reiche 36 000 M., Zulage müßte auch vom Reiche kommen.— G. B. 9. 1. Zweifellos kann ein Monist auch Sozialist sein. Allein an dem Beispiele H.s sehen Sie, daß der Monismus nicht zum Sozia- lismus führen muß. 2. Aus Toleranz usw. s ü r Aushebung der belreffen« den Ausnahmegesetze. 3. B. ist nicht kritisiert, dürste auch nicht lohnen. — Militaria und Losungsschein. Vergleiche untenstehende Chiffren.— 61. Nk. Leichte Hcrztrankheit.— Ersatz-Rcserve. 1. Einziehung später nicht ausgeschlossen. 2. Beine sehlerhast. 3. Nicht untauglich für Landsturm. 4. Gutes Sehvermögen. 5. öaulkranlheit.— E. M. 44. 1. O-Beine. 2. Hautkrankheit.— Harz 1Ö0. 1. Dienstuntauglich. Allgemeine Körperschwäche. 2. Enoeiterung der Blutadern an den Beinen. 3. Krankheit der unteren Gliedmaßen, 4. X-Bcine.— K. 191. Unfähig zum Dienst mit der Waffe.— 3303. Tauglich für Landsturm.— 9010. Auch für Land- stürm dauernd untauglich.— Nichtjurist.„Wehrordnung". Gesetz vom 22. November 1888, ß 1—120 sowie gesetzliche ErgäuzungSbestimmungen hierzu in der„Hecrordnung", ZK 1—53. Verlag Mittler n.«ohn, Berlin. Darin alles Nähere.— Afrika. 1. Marokko, Sultanat, im Nordwesten deS „schwarzen" Erdteiles. 2. 10 Millionen Einwohner aus 500 000 Quadrat- kilometer. 3. Tanger gegenüber Gibraltar. Eigentliche Haupt- und Residenz- stadt Marokko mit rund 50 000 Einwohnern.— R. 3. Selbstverständlich ist gekochte Milch gesünder; vor allem dürseu Säuglinge sie nie anders gemeßen. Juriftischer Oeil. Tie juriftischc Sprcchftniidc findet täglich mit Ansiiahme de? Touiiabends von 7'li bis tz'/j Uhr abends statt. Geönnct: 7 Uhr. A. F. 123. Im Laufe des Ersten, also bis spätestens etwa um 6 Uhr, ist Ihre Wohnung zu räumen.— Mantcnffelstr. 103. Sie können sich an die Stelle wenden, die Pension bewilligt hat; Ihr Gesuch wird aber schwerlich bewilligt werden.— Streik Boxhagen� Lag in der Tat ver- sichcrungspflichtige Bcschästtgung vor, so konnte eine Schadenersatzklage gegen den Arbeitgeber angestrengt werden(„Arbeiterrecht" vierte Auflage S. 608). Soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, ist aber dieser eventuelle Schaden- ersav-Anspruch bereits verjährt. Hinzu tritt, daß Ihr Vater die Weiter- Versicherung fahrlässig unterlassen hat. Es dürste daher in Ihrem Fall lediglich der Weg übrig bleiben, nunmehr die Weitervcrsicherung vorzunehmen. — 22 jähriger Abonnent. Sie könnten eine Erhöhung wegen nachträglich veränderter Umstände beantragen, würden aber mit diesem Antrag nur durchkommen, wenn Sie nachweisen, daß die Folgen des Unfalls nachträglich eine Verminderung der Erwerbssähigkeit herbeigeführt haben. Der Antrag ist an die Bcrussgenossenschast zu richten.— T. 99. 1. Der Antrag genügt, falls es sich um ein Verfahren wegen Körperverletzung handelt. Ob das der Fall, ergibt Ihre Darlegung nicht. 2. Sie gehören zum vierten Reichstags- Wahlkreise, müssen sich also dem sozialdemokratischen Verein dieses Wahlkreises anschließen. Wenden Sie sich an den Genossen Thielke, Pallisaden- straße 52, vorn parterre, oder an Genossen Hackelbusch, Lausitzer Platz 14/15. — P. L. 28. Da die Kündigungsfrist 6'Monatt und 3 Tage beträgt, Sie die Kündigung am 28. erhalten haben, so ist die Kündigungsfrist vollauf gewahrt. Nicht gewahrt wäre sie, wenn Sie erst am LZ. die Kündigung er- hallen hätten.— Kind. Der Dispens von der Altcrsvorschrist ist an keine bestimmten Bedingungen geknüpft. Es ist aber selbstverständlich, daß er um so eher erteilt wird, als Gründe sür diesen Dispens vorliegen. Zu solchen Gründen gehört der durch das Attest zu attestierende Umstand. Lassen Sie also das Attest ausstellen, um Ihren Zweck erreichen zu können.— 59. Ja. — N. S. Auch das Kind, das ein Grundstück von seinen Eltern kaust, bat ebenso wie die staatlichen Steuern auch die etwa eingeführte Gemeindesteuer(Umsatzsteuer) zu zahlen.— Erbrecht. Sic haben das Recht zu wählen, ob sie nach märkischem Recht oder nach dem B. G.-B. erben wollen. Erklären Sie nicht innerhalb sechs Wochen notariell oder gerichtlich bc- glaubigt dem Nachlaßgcricht, daß Sie nach dem B. G.-B. erbe» wollen, so erben nach märkischem Recht. Vorausgesetzt ist bei dieser Älntwort, daß Ihr erster Ehewohnsitz in Berlin oder m der Mark war. Erben Sie nach märkischem Recht, so wird der Nachlaß und Ihr eigenes Vermögen als eine einheitliche Masse angesehen. Von dieser erhalten Sie die eine, Ihre Kinder die andere Hälfte. Wird Erbrecht nach B. G.-B. ge- wählt, so behalten Sie Ihr Eigenttrm, erhalten von dem Rachlaß Ihres Mannes ein Viertel, Ihre Kinder erhalten die resllichen drei Viertel. I» jedem Fall liegt Ihnen die Pflicht ob, sür Ihre Kinder ein Inventar«in- zureichen.— K. F. 79. 1. Ja. 2. Etwa 100 M.— E. S. In zehn Jahren.— Ch. D. 18. 1. Sie würden einen Anspruch aus die Alimente haben. 2. bis 4. Auch der andere Schein ist gültig, würde jedoch erst vam Zeitpunkt des Getrenntseins ab gelten und könnte jederzeit widerrufen werden. Ein Scheidungsprozeß Ihrerseits dürste sür Sie ratsamer sein. — AdlcrShof. Ein Anspruch aus Herauszahiung steht Ihnen nicht zu.— H. R. Was bei der Veranlagung zur Steuer abgezogen werden kann, ist wiederholt, zuletzt im„Vorwärts" vom 20. März, ausführlich im Briefkasten dargelegt. Die betreffende Stummer können Sie in d«r Expedition einsehen. — B. K. 32� Sie allein, nicht der jneue Eigentümer, hasten sür die nicht eingetragene Schuld.— R. K. Leider ist eine Auswärterin nicht kranken- versichcrungspflichtig, noch bat die Herrschast Kurkosten zu kragen, da sie nicht in die Hausgemeinschaft ausgenommen ist.— Amberg 1. 1. Nein, die Act der Weigerung kann aber eine Beleidigung darstellen. 2. Ja. Ch. P. Sie könnten(Beim Amtsgericht) aus Beseitigung deS Mißstandes klagen.— Karl. 2 Kreis. 1. Steht, was die Regel in Berlin bildet, in Ihrem Melsverlrag. daß nicht der Wirt, sondern Sie für zerbrochene Scheiben usw. hasten, so sind Sie hastbar. Regreß können sie gegen den Vater des Kindes nehmen, das die Scheiben zertvorfcn hat; in der Regel erfolgt Verurteilung' 2. Ihre Richte hat keinen Anspruch aus Rückerstattung, well sie älter als 15 Jahre ist.„Arbeitcrrccht", vierte Auflage, S. 502. - A. B. G. Ja.— 499 K. Sl. Leider besteht sür solchen Fall eine Anstatt nicht. Sie könnten aber ein Gesuch an den Magistrat, Hell- stättenverwaltung, richten.— G. R. 3. 1. Darlehen verjähren in 30 Jahren. 2. Ja. 3. Nein. 4. Ein Jahr lang nach dem Jahr, in dem der Austritt erfolgt ist, ist Kirchensteuer von dem SluSgettetenen noch zu zahle». Ew. 27. 1, Die im Statut festgelegte vierwöchcntllche Frist. 2. Sic müßten die Klage zurücknehmen. 3. Ihr Statut ist entscheidend: es ist nicht ersichtlich, welchen speziellen Fall Sie im Auge haben. — N. B. 7. Ist, was wahrscheinlich, das Betreten der Anlegcsleige durch Polizeiverordnung verboten, so ist auch das Betteten zwecks Angelus ver» boten. In der gegen Sie ergangenen Sttasverfügung muß auch die Ver- ordnung bezeichnet werden, gegen die Sie verstoßen haben sollen. Es ist sür uns unmöglich, Ihnen zu raten, ob Sie gerichtliche Entscheidung beantragen sollen, wenn Sie uns weder angeben, welche Sttastai Sie nach der Verfügung begangen(gegen ivclche Verordnung Sie ver- stoßen) haben sollen noch wo(an welchem Ort) dies Pech Ihnen passiert ist — M. K., Rixdorf. 1. Vor dem Abschluß einer zweiten Ehe hat eine Auseinandersetzung mit den minderjährigen Kindern stattzufinden. DaS VormundschaslSgericht erteilt dann eiiieii Auseinandersetzungsschein. ES kann auch gestatten, die Auseinandersetzung erst nach der Heirat stattsindeu zu lasten. Vor Beibringung der vormundschaitsgerichtlicheii Bescheinigung soll eine Heirat nicht stattfinden. 2. Sie müßten sich an Polizeibehörden der Orte wenden, die Ihr Schuldner als neuen Wohnort angegeben hat.— Kirsch. Dem Bettesscnden steht leider keinerlei Anspruch zu.— N. 1. Ja. R.®. 33. Unmöglich ist eS nicht, daß ein solcher Grund als hin- reichend sür eine Enterbung erachtet wird.— A. Z. 33. Ihre Wohnung ist am Ersten zu räumen.— H. BS. 109, Schlegel. Nein.— M. M. 199. In der Fortlassung deS„Herr" in der Adresse wird schwerlich ein Gericht eine Beleidigung erblicken; indessen kann alles Mögliche als Beleidigung erachtet werden.— O. B. 2 Auch wenn Sie Ratenzahlungen leisten, haben Sie sür die Dauer eines Jahres(von Entlassung ans dem Kranken- bause ab gerechnet) Ihr Wahlrecht verloren. Es ist demnach wirtjchastlicher, überhaupt nichts zu zahlen, es vielmehr aus eine Klage ankommci! zu lassen. — Unfall, db das persönliche Erscheinen in einer Unsallsache zweckdienlich ist, ist nach Lage des Einzelsalls zu entscheiden.— H. A. Zwecks Heirat ist die Beibringung der Geb«tsuriunden, der Mllitärpapicre sowie die Ein- willigung des VaterS einer noch nicht 21 Jahrejalten Braut erforderlich. Handelt es sich um Bayern, so ist ein VerehelichungszeugniS der bayrischen Gemeinde erforderlich. Welche Lcgittmattonspapiere Sie meinen, iit nicht ersichtlich. Wiederbolen Sie eventuell unter Klarlegung deS Sie betreffenden Falls Ihre Frage.— Paul K. Gewiß können Sie Beschwerde einlcgm; unverständlich ist, weshalb Sie nicht sofort im Termin sich das Duzen verbeten oder erwidert haben.— Vi. K. Leider zu spät. — Wilhelmine 200. Auch ohne besonderen Vertrag leben Sie außer Gülergemeinschast. Wollen Sic eine besondere Sicherheit schaffen, so er- richten Sie einen Vertrag des Jnhatts, wie er S. 225 Nr. 22 des dem �Arbeiter-recht" beigcsügten Führers skizziert ist Der Verttag ist notariell oder gerichtlich zu schließen. Seine Kosten richten sich nach der Höhe deS Objekts.— F. L. M. Soweit gehl die VersrommungS- und Slntisröhlich. kcits-Berechtigung auch in Preußen nicht, daß eine Privaffcier(z. B. eine Hochzeitsjeier) verboten oder aus Musiklosigkeit gesetzt werden darf. Di« bettestcndcn Verordnungen sind in konstanter Praxis selbst am Kammer- gericht dahin ausgelegt, daß das Lufttgkeits-Tanzmusik-Berbot sich niemals auf private Veransiaitungen, das heißt solche, zu denen ein begrenzter Personenkreis eingeladen ist, beziehen kann.— Karl Kl. 1. Nein. 2. Ja. Briefkasten der Expedition. Hamburg. K. K. Von der Buchhandlung Vorwärts sind zu beziehe»: JauroS.„Der Bruderzwist in Frankreich" M.—,30 und„Deutschland und Frankreich, eine Rede s»r de» Frieden" M.—60. Weitere schristen JauroS in sranzösischer Sprache werden zu haben sein in Preis, Sociöt« Nouvell® nie Casus 17. Verantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Für den Inseratenteil vcrantw.: Th. Glocke, Berlin. Krück u. Verlag: BsrtvärtS BuKdruckerei u. Verlagsanftalt Paul Singer.& Co,. Berlin SW.