Nr. 93. Abonnements- Bedingungen: Abonnements-Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 m., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Belt" 10 Pfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 22. 22. Jahrs. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pfs., flir politische und gewerkschaftliche Bereinsund Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jebes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Musikerelend. Mittwoch, den 19. April 1905. • " Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Mr. 1984. ertrantten. Gesunde und Kranke schliefen alsdann im gleichen punkt der sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands geschrieben Bett. Ein Kollege wurde endlich ins Hospital aufgenommen, ist. Der Auffaz polemisiert u. a. gegen die durch den Wunsch nach wo er nach wenigen Tagen an Unterleibsschwindsucht starb. der Einheit aller ruffischen sozialistischen Richtungen maßgebend Vor einiger Zeit gab der Allgemeine deutsche Musiker. Ein Lungenkranker erhielt die Entlassung; zwei Monate hatte beeinflußten Haltung des Vorwärts". In dieser Hinsicht schreibt Kautsky: verband eine Broschüre heraus:„ Recht verlangen wir, nichts er mit einem Gesunden das Bett geteilt. Die Kost war als Recht", die vor allem einer Darstellung der Schwierig schlecht In Egeln bei Magdeburg, Kapellmeister teiten gewidmet war, die dem Zivilberufsmusiker durch die schliefen wir zu zwölf Mann in einem elenden Raum, dessen Konkurrenz der Militärmusiker bereitet wird. Wir haben von Fußboden seit Jahren nicht gescheuert war. Mein Bett hatte ihr damals Notiz genommen. In dieser Schrift wird nach- schon mein Vorgänger drei Monate benutzt. Dann habe ich gewiesen, daß diese Konkurrenz, geübt von 560 Militärmufit. es 14 Tage gebraucht und danach das Engagement aufforps mit 17 692 Musikern( 94 Musikkorps mit 4931 Mann gegeben. Die Beföstigung war miserabel. Unsere Waschung mehr, als etatsmäßig geführt werden sollen), den Zivil- mußten wir morgens im Hofe unter freiem Himmel vorberufsmusikern, die heute auf gegen 50000 angenommen nehmen... Bei Herrn Kapellmeister hatten wir werden, einen Verdienstausfall von mehr als 10 Millionen Kellnerdienste zu verrichten. Der servierende Kollege steckte Mart verursachen. Dazu kommt noch die Konkurrenz der sich aus guten Gründen auf dem Wege von der Küche nach nebenberuflich tätigen Beamtentapellen und schließlich die der dem Speiseraum die Taschen voll Kartoffeln; wenn er dann Lehrlingskapellen. Das Lehrlingswesen ist überhaupt ein ins Zimmer trat, wurde er förmlich überfallen. Uebrigens Krebsschaden dieses Berufes. Darüber wird uns von einem gab es für uns meist erst um vier Uhr Mittag. Vorher purde geprobt. Musiker geschrieben: 75 " " " Die Laufbahn des Musikerproletariers beginnt gewöhnlich Das Musikerproletariat ist organisiert im Zentralverband in einer Stadtkapelle( Stadtpfeiferei). Ein Stadtkapellmeister der Zivilmusiker Deutschlands( auf dem Boden der modernen hält sich 30, 40 bis 50 Lehrlinge. Die Lehrzeit dauert vier Arbeiterbewegung stehend, Sig in Hamburg) und im Albis fünf Jahre. Die Eltern der Lehrlinge haben für Instru- gemeinen deutschen Musikerverband( politisch indifferent, Sizz mente nebst Zubehör, für anständige Kleidung und Wäsche zu in Berlin, 13 000 Mitglieder). Außerdem bestehen noch etliche forgen und meistens noch ein Lehrgeld von 200-300 M. zu- fogenannte freie" Vereinigungen. zuzahlen. Sie find verpflichtet, im Falle der Erkrankung eines Alle diese Musiker vereinigt der Kampf gegen die ihren Lehrlings alle daraus entstehenden Kosten zu tragen. Der Beruf gewaltig schädigende, vom Staate subventionierte Lehrling selbst ist zu jeglicher Arbeitsleistung, die ihm zugemutet Konkurrenz der Militär- und Beamtenmusiker. wird, verpflichtet, ohne dafür eine Entschädigung beanspruchen Bur systematischen Bekämpfung dieser Konkurrenz hat sich zu dürfen. Ein bis drei Lehrlinge werden ständig in der im Verein Berliner Musiker"( Lokalverein des Allgemeinen Rüche mit Kartoffelschälen, Abwaschen u. dergl. m. beschäftigt. Deutschen Musikerverbandes) eine kleine Schar strebsamer und Außerdem behält sich der Lehrherr das Büchtigungs- intelligenter Musiker in der sogenannten B.-K.( Beamten Konkurrenz)-Kommission zusammengeschlossen. recht vor. Lange Zeit Um die Lehrlinge zu Musikern auszubilden, werden zwei haben sie versucht, durch untertänigste Petitionen an den Reichsbis drei Gehülfen engagiert; zumeist minderwertige Mufiter, tag und die verschiedenen Behörden eine Abschwächung der da tüchtige Leute sich selten, nur notgedrungen in diese Ver- Bedrückung zu erreichen. Sie erzielten lediglich einige ganz wirtungslose Palliativmittelchen. Sowie die Lehrlinge ihr Instrument zu halten wissen, Auch diese politisch indifferenten Musiker haben jetzt einwerden sie in rücksichtslosester Weise ausgebeutet. Oft werden gesehen, daß sie auf diesem Wege nicht vorwärts kommen. Sie sie auf benachbarte Dörfer geschickt. Dann haben sie, mit In- wollen eine große öffentliche Bewegung entfachen, die sie einstrumenten und Noten schwer bepactes mag stürmen und leiten mit einer Protestversammlung.") stundenlang regnen, es mag die Sonne glühend scheinen Die Musiker werden sich allerdings nicht darüber im zu marschieren, ehe fie an die Arbeitsstätte gelangen, wo der Zweifel sein dürfen, daß die Misere ihres Berufes enge zueigentliche Dienst erft beginnt: in einem verqualmten Tanz- fammenhängt mit den allgemeinen sozialen und politischen saale die ganze Nacht hindurch fideln und blasen bis in den Verhältnissen, in ihnen wurzelt und nur mit deren Menderung gründlich gebessert werden kann. Inzwischen aber bedürfen sie hellen Morgen. Man bedente, daß es Fünfzehn- bis Neunzehnjährige einer Berufsorganisation, die sich nicht scheut, sich offen auf sind, erwachsene Knaben, welche noch in der Pubertätsperiode den Boden der modernen Arbeiterbewegung zu stellen. Daß stehen, die nachts in den obstursten Lokalen musizieren und sie mit dem milden Gesäufel der Petitionen und mit bedabei tüchtig trinken! scheidenen Bitten nichts erreichen, das haben sie ja wohl nun genugsam erfahren. Es ist im Intereffe der Musikproletarier zu wünschen, daß sich diese Erkenntnis in der neu einsehenden Bewegung vor allen Dingen Bahn bricht. hältnisse fügen. In fast jedem anderen Gewerbe ist die jugendliche Arbeitskraft vor der Auswucherung durch brutale Unternehmer geschüßt. In fast jedem anderen Gewerbe existiert für den Lehrherrn der Zwang, die Lehrlinge in die Fortbildungsschule zu schicken. Die Stadttapellmeister sind ver schont damit; die Musiklehrlinge müssen verwildern, versinken in einen Abgrund. Die Stadtkapellmeister sind vielfach selbst Produkte der geschilderten Verhältnisse und schon aus diesem Grunde nicht qualifiziert, junge Menschen außer zu erwerbstüchtigen auch au charaktervollen Männern zu erziehen. In den eben geschilderten Verhältnissen liegt das Grundübel. Deswegen lauten die dringendsten Forderungen: • Der Schutz der jugendlichen Arbeitskraft muß auf das Musikergewerbe ausgedehnt werden. Der Fortbildungsschulzwang muß auch im Musikergewerbe ftritt durchgeführt werden. Jeder Kenner der in den Stadtkapellen herrschenden Verhältnisse muß bewundern, daß die Zivilberufsmusiker nicht noch tiefer hinabgeglitten sind. Es ist fein Wunder, daß ein so ausgebildeter" Musiker nur eben notdürftig mit seinem Instrument umgehen kann. Die Ausbildung beim Lehrmeister ist ja meist noch weniger wert, als die eines Handwerkslehrlings beim Kleinmeister. Die Ermordung des Rächers. Der Rächer, der Rußland von dem Unhold befreite, der sich Großfürst Sergius nannte, soll mun getötet werden. So will's der Barismus, der allezeit über wehr lose Helden zu stegen versteht. Die russische Freiheit soll mit Märtyrerblut befruchtet werden. Ein offizielles Telegramm meldet: " Im russischen Proletariat herrscht die höchste Hochachtung, ja Verehrung für die deutsche Sozialdemokratie, die ihm als die Führerin und Borkämpferin des gesamten internationalen Sozia lismus erscheint. Jedes Wort aus dem Munde deutscher Sozialdemokraten wiegt schwer bei ihm. Um so bitterer empfinden es da unsere russischen Genossen, daß seit geraumer Zeit das Zentralorgan der deutschen Sozialdemokratie eine Haltung einnimmt, die eine Ablehnung und Mißbilligung alles dessen bedeutet, was sie in mühevollster Propaganda seit zwei Jahrzehnten geleistet. Da die deutschen Genossen den russischen Verhältnissen fernstehen und daher in ihrer großen Mehrheit keine Ahnung von dieser Haltung und ihren Konsequenzen haben, ist es nötig, sie einmal darauf hinzuweisen. Natürlich verlangen wir vom Vorwärts" nicht, daß er nun in das Gegenteil seiner bisherigen Haltung verfalle und der Sozialisten- Revolutionären feindselig entgegentrete. Trotz aller theoretischen Bedenken müssen wir doch diesen Kämpfern die wärmsten Sympathien entgegenbringen, die erhebliche Schichten des russischen Proletariats vertreten und heldenmütig in das große Ringen gegen den Absolutismus eingreifen, das sich vor unseren Augen vollzieht und ein neues Rußland schafft. Diese historische Aufgabe ist so tolossal, daß wir keine Kraft dabei entbehren können, und das Kampffeld ist weit genug, daß für alle Raum zur Betätigung bleibt. Wo wir den Sozialisten- Revolutionären in ihrem Kampfe gegen den Absolutismus helfen können, müssen wir es tun. Aber wir haben nicht die mindeste Ursache, ihnen beizustehen dort, wo sie im Konflitt mit einer fozialdemokratischen Organisation geraten. Diese haben nichts getan, was eine solche Parteinahme rechtfertigen würde." Der zweite Absatz widerspricht einigermaßen dem ersten. Wir würden nur die ganzen Konsequenzen aus der außerordentlich freundlichen Anerkennung der Sozialisten- Revolutionäre ziehen. Wenn wir die Dinge richtig verfolgt haben, so macht sich gerade neuerdings in der Beurteilung des Terrorismus und die terroristische Taltit bildet den Hauptstreitpunkt zwischen den Richtungen- eine mehr sympathische Auffassung geltend, und Kautsky felbft findet Ausdrücke der Sympathie, deren viel mäßigerer Gebrauch uns noch vor turzem als eine Art Parteiverbrechen angerechnet wurde. Es ist eigentlich merkwürdig, daß gerade jegt, wo unsere ſeit jeher eingenommene Haltung mehr Verständnis zu finden beginnt, wir Angriffen wegen unserer Stellungnahme ausgefeßt find. Jit fachlicher Hinsicht ist es unrichtig, daß wir der Richtung Plechanows irgendwie feindselig gegenübergetreten find. Kautsty gründet diesen Vorwurf im wesentlichen darauf, daß wir gelegentlich auch Kundgebungen, die aus dem Lager der Sozialisten- Revolutionäre stammen, ohne Kommentar, zur Information wiedergegeben haben. Er verdenkt es uns besonders, daß wir jenen Schriftwechsel zwischen Gapon und dem internationalen Bureau in Brüssel furz erwähnt haben. Er bergißt aber mitzuteilen, daß der„ Vorwärts" unmittelbar vorher in zwei großen Artikeln die von der anderen Seite stammenden, die Gemeinschaft mit den Sozialisten- Revolutionären ablehnenden programmatischen Rundgebungen in aller Ausführlichkeit, gleichfalls ohne kommentar, gebracht hat. Es war eine Anstandspflicht, da auch eine Gegenäußerung der anderen Richtung wiederzugeben. Mangelnde Objektivität könnten uns höchstens die Sozialisten- Revolutionäre vorwerfen, da wir die Arbeiterpartei auf fast ebenso viel Spalten wie die Sozialisten- Revolutionäre auf Beilen zu Worte kommen ließen. Im übrigen ist der Vorwurf einer feindseligen Haltung gegen die Arbeiterpartei schon deshalb haltlos, weil gerade der„ Borivärts" allen unter einander zerklüfteten grundsätzlich gegenüber Richtungen in den Bruderparteien des Auslandes die Haltung einer auf Einheit gerichteten Neutralität feit jeher eingenommen Moskau, 18. April. Bei der Verhandlung im Senat gegen Haltung schon deshalb für uns geboten, weil einmal die hat. Bei den russischen Sozialisten ist diese den Attentäter des Großfürsten Sergius, Koliajew, war die Bewegung mehr unter der Oberfläche vor sich geht, und weil wir Deffentlichkeit ausgeschlossen. Der Präsident, Senator Deuer, wie auch Rautsty selbst mangels Beherrschung der russischen richtete die üblichen Fragen an den Angeklagten betreffs feiner Sprache lediglich auf Informationen angewiesen sind, die wir aus persönlichen Verhältnisse. Der Angeklagte bestreitet die Berechtigung allen Lagern uns zu beschaffen und unbefangen zu würdigen andieser Fragen; da er sich als ein im Kriege friegsgefangener Bürger dauernd beflissen sind. betrachte, werde er nur als Kriegsgefangener antworten. Roliajew wurde zum Tode verurteilt. Der Präsident läßt darauf den Angeklagten, dessen Verteidiger Mandelstamm und Schdanow find, abführen. * Gegen die Polizei. Der Schles. 8tg." zufolge wurde der neue Polizeimeister von Daß übrigens auch die Lage der akademisch gebildeten Gaenstochan, Bossow vergiftet. Possow, der sein Amt vor acht Tagen Orchestermusiker nicht glänzend ist, unterliegt auch keinem angetreten hat, erhielt einen Drohbrief,(?) daß er nur noch sechs Zweifel mehr. Eben beschreibt ein solcher, Paul Marsop Tage zu leben habe. Daraufhin bat er um seine Bersetzung, die ihm auch sofort bewilligt wurde. Die Terroristen hielten jedoch in München, in der vom Kapellmeister Bernhard Schuster Bort, indem sie das angekündigte Urteil vollzogen. herausgegebenen Musifzeitschrift Die Musir" in mehreren Wort, indem fie das angekündigte Urteil vollzogen. Die Einzelheiten der Nachricht flingen verdächtig.. größeren Auffäßen die soziale Lage der Drchestermusiker. In anschaulicher Schilderung fennzeichnet er die AnDie Stützen des Zarismus. forderungen, die an einen guten Orchestermusiker gestellt Nach einem Telegramm des" Tag" ist im Finanzworden war. Vom ostasiatischen Kriegsschauplage liegen heute nur dürftige Nachrichten vor. Scheinbar hat die russische Flotte ihre Fahrt nicht fortgesetzt, sondern verweilt einstweilen im Schutz der französischen Küstengewässer. Es scheint, als ob Roschdjestwensty erst das dritte Geschwader abwarten wollte, das in wenigen Tagen bei ihm eintreffen muß. Auch für eine mutmaßliche Offensive der Japaner liegen noch feinerlei Anzeichen vor. Wie wir schon gestern berichteten, konzentriert sich jetzt die allgemeine Aufmerksamkeit auf das Verhalten Frankreichs den russischen Schiffen gegenüber. Allgemein wird die Frage der Neutralität erörtert. Deutsche Marinesachverständige äußern die Aufwerden, die nervenzerrüttende Tätigkeit des Mufiters, der ministerium eine Defraudation von gegen 400 000 M. auf- fassung, daß Frankreich die Neutralität durchaus nicht ver ebenso wie andere besonderen Berufskrankheiten unterworfen gedeckt worden, begangen durch einen höheren Beamten, dem lege, wenn es der russischen Flotte gestatte, nach Belieben ist, die Ansprüche an die Kleidung- tadelloser Gesellschafts- diese Summe im Auftrage des Ministeriums des Innern Aufenthalt in den französischen Meeren von Cochinchina zu anzug und dazu die meist armselige Entlohnung, die nur bei wenigen Bevorzugten in einigen Weltstädten auf 3000 m. zum Ankauf von Korn für Verpflegungszwecke überliefert nehmen. So führt der Marineschriftsteller Reventlow im steigen, sich vielfach aber unter 1800 M. bewegen. Und auch Nur 400 000 Mart? Wenn man anfangen wollte, diese Musiter leiden unter der gekennzeichneten Konkurrenz. Drönung zu schaffen, so gäbe es teine Hüter des Barismus Auch für fie ist der Kampf gegen diese Konturenz, die wieder zum Teil in der freien Lehrlingsausbeutung beim Stadtpfeifer ihre Wurzeln hat, eine Lebensfrage. Deshald berührt auch Ueber die„ Differenzen unter den russischen Sozialisten" Marsop die Lehrlingsfrage. Er teilt zur Illustration Auf- bringt die legte Rummer ber„ Neuen Zeit" einen längeren inftrufzeichnungen aus dem Leben einiger fo Ausgebildeten mit: tiven Artikel aus der Feder Karl Kautstys, der vom Stand" In Bünde i. W., Stapellmeister..., mußten wir, unserer zwölf, zu je sechs Mann mit drei Betten und zwei Kammern mehr! *) Gründonnerstag, den 20. April, abends 8 Uhr, in den Leb nehmen, deren Höhe 1,65 Meter betrug. Verschiedene Germania- Festfalen, Chausseestr. 105. Berliner Tageblatt" aus, daß Frankreich den Begriff der Neutralität während eines Seekrieges feit jeher ganz anders aufgefaßt habe, als England und verschiedene andere Mächte. Nach englischen Begriffen verbiete es die Neutralität eines Staates, eine fremde Kriegsflotte zurzeit des Krieges länger als 24 Stunden in einem seiner Häfen verweilen zu lassen. Dieser Auffassung habe sich auch eine Anzahl anderer Staaten angeschlossen. Frankreich beharre jedoch auf der älteren Auffassung aus dem Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, wonach die Neutralität zu lasse, daß am Strieg beteiligte Flotten neutrale Häfen ganz nach Be lieben aufsuchen können. Der Dauer ihres Aufent Halts sei keinerlei Grenze gesetzt. Nur dürften die Schiffe keine Munition an Bord nehmen oder angesichts des Er scheinens feindlicher Schiffe nicht sofort in kriegerischer Absicht den Hafen verlassen. Es liegt auf der Hand, daß eine derartig gehandhabte Neutralität Frankreichs der russischen Flotte das Fehlen eigener Häfen vollständig ersetzen würde, daß fran> zösisch Cochinchina von der Flotte RoschdjesttvenSkys dnrchans als Operationsbasis benutzt werden könnte! Daß dadurch die Chancen der Japaner für die Kriegsführung außer ordentlich verschlechtert würden, braucht nicht auseinander� gesetzt werden. Japan wird deshalb alles aufbieten, um Frankreich zu verhindern, seine Neutralitätspflichten in dieser Weise auszulegen. Auch wird es jedenfalls in London die energischesten Vorstellungen machen, um durch die englische Diplomatie auf die französische Regierung einzuwirken. Wie sich Frankreich diesen Vorstellungen gegenüber benehmen wirb bleibt abzuwarten. Jgpan hat ja bereits, wie eine gestrige Depesche bewies, erklärt, daß es im äußersten Falle nicht da vor zurückschrecken werde, die russischen Schiffe auch innerhalb der französchen Gewässer anzugreifen. Immerhin bleibt es fraglich, ob Japan diesen letzten gefährlichen Schritt wagen wird. Von dem Ver halte« Frankreichs hängt also jedenfalls die Gestaltung der materiellen Lage in Ostasien ab! Jedenfalls beweist die Diskussion über das, was unter Neutralität zu verstehen ist, daß es im Kriege überhaupt ein Völkerrecht nicht gibt, sondern daß nicht das Recht, sondern einfach die Macht entscheidet. Japan hat ja gegen über China seine Rechte energisch gewahrt, ohne selbst vor einem Völkerrechtsbruch zurückzuschrecken. Genau so würde jede andere Nation verfahren, sofern sie über die entsprechende Macht verfügt. Das Recht ist nicht nur innerhalb des gesell schaftlichen Lebens eines einzelnen Staates ein überaus schwankender Begriff, eine„wächserne Nase", sondern erst recht im Völkerleben l poUtifcde Geberfiebt. Berlin, den 18. April. Zentrum und Bergarbeiterschutz. Niemals hat das Zentnim so kläglich über seine eigene Macht stellung geurteilt wie jetzt. Die uktramontane Presse fällt aus einer Ohmnacht in die andere, um nachzuweisen, daß das Zentrum sich gänzlich versagen müsse, trotz aller herzlichen Wünsche, der preußischen Verhöhnung der Bergarbeiter eine kräftige Aktion im Reiche ent gezeuzustellen. Die„Kölnische Volkszeitung" versucht sich sogar andauernd in dem plumpen Germaniastil, den sie sonst ab- zulehnen pflegt. Der„Vorwärts" wiederholt, meint sie, noch immer sein hinterlistiges Sprüchlein, das Zentrum solle die Regierung zwingen, an den Reichstag zu gehen. Wie es das machen soll, vergißt das sozialdemokratische Blatt noch immer zu sagen. Voraussichtlich würde das Zentrum sofort das Rezept benutzen, um die Beseitigung des Jesuitengesetzes und noch einiges andere durchzusetzen. Diese stets wiederholten Versuche, dem Zentrum eine Verantwortlichkeit aufzubürden, die es nicht hat und nicht haben kann, sind der reine Mumpitz, um einmal berlinisch zu reden, mff die ganz Dummen berechneter Mumpitz. Der„Vor- wärts" sollte sich doch endlich die Mühe sparen. DaS Zentrum stellt sich in seinen Preßäutzerungen nicht nur ohnmächtig, sondem yuch dumm. Es tut so, als ob es etwas nicht nur Unmögliches, sondern auch ganz Geheimnisvollss wäre, was wir ihm zumuten. Werselbstdie„DeutscheTageszeitung"weiß, was daS Zentrum «michen kann und was es zu erreichen hat, wenn ihm sein Eintreten für die Bergarbeiter denn Ernst ist. Das Zentrum braucht nichts weiter zu tun, als unmittelbar nach Wiedereröffnung des Reichstags ein aus- gearbeitetes Bergarbeiters chutz«Ge setz— etwa unter Zugrundelegung der preußischen Vorlage und natürlich mit den vom Zentrum selbst in der Kommission gewünschten Ber- b�sserungey— im Reichstag einzubringen. Eine Mehrheit würde der Gesetzentwurf, unbeschadet unserer Verbesserungsbemühungen, im Reichstag finden. Die Sozialdemokratie stellt also gar keine aus- schweifenden Forderungen an das Zentrum. Sie mutet nur dem Zentrum zu, daß es seine eigenen Wünsche und seine eigene Neberzeugung formuliert. Die„Deutsche Tageszeitung" sieht denn auch die Möglichkeit einer solchen Zentrumsaktion durchaus ein. nur tröstet sie sich, daß das nicht sogleich geschehen könne. Das Organ des Bundes der Landwirte meint, daß das Zentrum selbstverständlich nichts anderes tun könnte, als einen Antrag im Reichstag einzubringen:„Ver- nünftigerweise könnte der Antrag nicht eher eingebracht werden, ehe die gesetzgeberische Aktion im Landtage vollständig gescheitert wäre. Der Antrag würde dann in der Reihenfolge der Initiativanträge beraten werden und bestenfalls im Herbst zur Erörterung kommen." Die„Deutsche Tageszeitung." befindet sich mit diesem geschästs- ordnungsmäßigen Verschleppungsvorschlag in esnem starken Irrtum. Zunächst ist es gar nicht„vernünftig", daß das Zentrum im Reichs- tage etwa darmif Rücksicht nehmen müßte, wenn im Abgeordneten- hause die Angelegenheit verschleppt werden sollte.— Wozu warten? Preußische Aktionen können vom Reichstag nicht als entscheidend be- trachtet werden! Sodann braucht der den Gesetzentwurf ent- haltende Antrag durchaus nicht in der Reihenfolge der Initiativ- antrüge beraten werden. Es ist gelegentlich der Zolldebatten beim Antrag Aichbichler ausdrücklich von der Mehrheit des Reichs- tages festgestellt worden, daß die Reihenfolge der Initiativanträge nur an den S ch w e r i n s t a g e n innegehalten werden müffe, daß dagegen an jedem anderen Tage jeder beliebige Antrag sofort auf die Tagesordnung gesetzt werden kann. Demgemäß besteht nicht diirmindeste geschäftsordnungsmäßige Schwierigkeit, den Antrag unmittelbar nach Wiedereröffnung des Reichstages auf die Tages« ordnung zu setzen. Ist aber der Antrag einmal vom Reichstag angenommen worden, so hat das Zentrum zahlreiche Mittel in der Hand, um in diesem Falle den Bundesrat zur Annahme deS Gesetzes zu zwingen, da nichts ohne daS Zentrum im Reiche geschehen kann. Wie immer man über die Wichtigkeit des jetzt noch bestehenden kleinen Restes des Jesuitengesetzes denken mag, das Zentrum wird darin mit uns übereinstimmen, daß die halbe Million Bergarbeiter und die prinzipielle Frage des Arbeiterschutzes denn doch wichtiger ist und durchaus es rechtfertigen würde, alle parlamentarischen Mittel zur Erzwingung der Reform anzuwenden. Im übrigen kommt es also zunächst nur auf einen ReichStagSbeschluß an. Aber das Zentrum will aus der Bergarbeiterftage keinen Konflikt machen.' Mit Recht deutet die„Deutsche Tageszeitung' eine Rede des Zentrums-Abgeordneten T r i m b o r n, die er in Köln ge- halten, in der Weise, daß das Zentrum sich auS der Front zurück- ziehen möchte. Herr Trimborn hielt es„nicht für unmöglich, daß schließlich die beiden konservativen Parteien die Vorlage besser I leute aufzufordern und anders gestalten werden. Ob sie so gestaltet wird, daß«nehmen, da war wir zustimmen können, fährt er fort, ist eine andere Frage. Wir haben im Landtage nicht die Mehrheit, gegen uns sind die Konservativen und Nattonalliberalen. Daß eine Vorlage zu stände kommt, der wir zustimmen können, halte ich nicht für gut möglich, dagegen halte ich es nicht für ausgeschlossen, daß etwas zustande kommt, dem die Regierung zustimmt". Mit anderen Worten: das Zentrum hofft, daß sich die Mehr- heit des Abgeordnetenhauses mit der Regierung auf irgend eine Mißgeburt einigt und daß dann das Zentrum behaupten kann, nachdem die preußische Gesetzgebung eine vollendete Tatsache geworden, nicht mehr den Reichstag bemühen zu dürfen. Ganz zutreffend erläutert die„D. T.-Z." diese Zentrumstaktik, indem sie die Trimbornschen Aeuße- rungen dahin auslegt, daß das Zentrum vielleichtgegen dasGesetz stimmen werde, wenn die Regierung die Beschlüsse zweiter Lesung als an- nehmbar erklärt, aber darauf verzichten werde, die Sache an den Reichstag zu bringen. Auf die Absicht, durch irgend welche belanglosen„Konzessionen" die Arbeitertrutz-Vorlage in Preußen zu fixieren, weist auch die folgende Aeußernng der„Kreuz-Zeitung" hin: „Man hat fast den Eindruck als habe die Kommissions- Minderheit den Wunsch, daß die Parteien der Kommissions- Mehrheit auf ihrem Schein bestehen und daß sie der Reichs- tagSmehrheit die Gelegenheit geben möchte, eine ihrer größeren sozialpolitischen Mtionen mit stark demokratischer Färbung in Szene zu setzen." Für uns scheint in der Tat kaum zweifelhast, daß die„Kreuz- Zeitung" recht behalten wird. Man wird auf ein paar Bestimmungen in der zweiten Lesung wieder Verzicht leisten, andere so fassen, daß sie äußerlich als mit der Verfassung übereinstimmend behauptet werden können— preußffche Minister Pflegen ja, man braucht nur an die Ansiedelungs- Novelle zu denken, die Verfassungs- Be- stimmungen ganz nach Wnnsch zu recken—. im übrigen aber wird man diese Zuchthausvorlage gegen die Bergarbeiter gesetz- geberisch in Preußen verabschieden und damit dem Zentrum den erwünschten Vorwand geben, daß es nicht mehr möglich sei, den Reichstag mit der Bergarbeiterschutzfrage zu beschäftigen. Die christlichen Arbeiter werden selbstverständlich auf diesen grotesken Schwindel nicht hineinfallen, sie werden vielmehr gerade in dem Umstand, daß in Preußen ein derartiges Gesetz zustande käme, einen verstärkten Anlaß für das Zentrum erblicken, durch Reichsgesetzgebung diese Monstrosität wieder zu beseitigen.-» herfiel, ja man behauptete sogar, daß es unwahr fei, daß Kon- missionsmitglieder und Zeugen gcmaßregelt worden wären. Das „Rheinisch-Westfälische Tageblatt" in Bochum behauptete sogar, daß die Beamten das Gegenteil bezeugen könnten. All dies Geschreibsel ist aber nicht imstande, die Tatsache aus der Welt zu schaffen, daß die Inhaber der Statistenrollen bei der Untersuchungskomödie von den Zechenverwaltungen dem Hungertode überliefert werden sollen. Einen neuen Beweis, wie human unsere Grubenverwaltungen sind, lieferte wieder der 1ö. April. Trotz der Erregung unter den Bergarbeitern über die Behandlung der Bergarbeiter-Forderungen durch die Regierung, den Landtag und vor allen Dingen durch die Landtagskommission haben die Zechen- gelvaltigen auf einer' ganzen Reihe von Zechen bedeutende Kündigungen von Arbeitern vorgenommen. So find auf der Zeche„Borussia", einer wahren„Musterzeche", 20 Mann gekündigt, auf„Dahlbusch" sind es ebenfalls zirka 40 Mann, „General Llumenthal" 22 Mann, darunter zwei Vertrauensleute des Bergarbeiter-Verbandes,„Friedrich der Große" kündigte zirka 70 Mann, „Germania" I und ll kündigte 5 Mann, Zeche„Dorstfeld" I und II sollen ebenfalls Kündigungen vorgenommen haben, das Gerücht spricht von 30—40 Mann. Auf„Dahlhauser Tiefbau" sind eben- falls Arbeiter gekündigt. Unter den Gekündigten befinden sich bor allem die Kommissionsmitglieder, Zeugen, Vertrauens- l e u t e und alle diejenigen Kameraden, welche sich während des Streik� hervorgetan haben. Auf der Zeche„Ewald" Fortsetzung wurden 88 Mann gekündigt, diese Zeche soll vorläufig stillgelegt werden. Der aufblühende Ort „Erkenschwick", wird damit schwer getroffen.- Dies ist erst die Nachricht von einzelnen Zechen, wie wird es im ganzen Ruhrrevier stehen? Glauben unsere Grubenbesitzer mit solchen Maßnahmen Frieden unter den Arbeitern zu stiften? Denken sie nicht an das Wort:„Wer Wind säet wird Sturm ernten?"— Zum Eisenbahnerstreik in Italien. Die Lage ist einstweilen unverändert. Nach den Depeschen des„Wolffschen Telegraphenbureaus" ist der Streik nur ein mrtieller, und selbst da, wo die Eisenbahner geschlossen in den Streik eingetreten sind, soll infolge des Militärs und der Streikbrecher der Dienst im notwendigsten Umfange aufrechterhalten werden können. Die bürgerlichen Morgen blätter in Rom stellen denn auch bereits einen voll- tändigen Mißerfolg der ausständigen Eisen b a h n e r fest und triumphieren über den Sieg der„guten Sache". Möglicherweise ist dieser Siegesjubel etwas verfrüht Nach einem Bericht des„Berliner Tageblatt" sah es um den Verkehr von Rom aus gestern sehr trübselig aus Ferner meldet uns ein in den ersten Morgenstunden auf gegebenes Telegramm unseres römischen Korrespondenten das Folgende: Rom, 18. April. Hier sind gestern nur 4 Züge ausgelaufen. Die Verkehrt Hemmung ist bereits eine vollständige. In der gestrigen Kammer fitzung fand eine lebhafte Diskussion über den durch die Kommissions- beraüing veränderten Gesetzentwurf statt. Dieser modifizierte Entwurf enthält ökonomische Verbesserungen der Lage der Arbeiter. Er sieht auch ein obligatorisches Schiedsgericht mit gleicher Ver tretung beider Teile vor. Er behält jedoch den berüchtigten Arttkel 17, der das Streikrecht aufhebt, bei. Die Sozialisten beabsichtigen eine Obstruktton. Sie haben drei Tagesordnungen eingebracht. Es verlautet, daß mehrere Minister Maffenverhastungen vor- schlugen. Fortts widersetzte sich jedoch energisch diesem Vorschlag- Ein Teil des Marinegefchwaders wurde nach Genua entsandt. Ueber den weiteren Verlauf der Verhandlung in der Deputtertenkammer meldet noch das Wolffsche Bureau: Rom, 17. April. Deputtertenkammer. Nach Wieder aufnähme der Sitzung erklärt S o n n i n o, es sei die Pflicht aller, darauf hinzuarbeiten, die schädlichen Folgen des gegen- wärttgen Zustandes zu verringern. Er, Redner, und seine Freunde würden, obwohl sie nicht gewohnt seien, das höchste Staatsinteresse Erwägungen des Opportunismus oder der parlamentarischen Taktik unterzuordnen, trotz seiner Mängel für den Gesetzentwurf stimmen. Damit beabsichtigten sie nicht etwa dem Ministerium das Ver- trauen zu volleren, sondern es geschehe lediglich, um die Autorität des Staates zu stützen.(Lebhafter Beifall!) Prinetti spricht sich für den Privatbetrieb der Eisenbahnen aus. F e r r i(Sozialist) erkennt die Schwierigkeit der Lage an. Er ist für die Ueber- nähme des Eisenbahnbetriebes durch den Staat. Redner spricht längere Zeit unter großer Unruhe des Hauses zugunsten der Forderungen der Ausständigen, deren Rechte mißkannt würden. Der Minister der öffentlichen Arbeiten, Ferraris, hebt hervor, daß alle Redner die Notwendigkeit an- erkannt hätten, daß der Eisenbahnbetrieb vom Staate übernommen würde und weist auf die sehr bemerkenswerten Borteile hin, welche das Gesetz von 1902 den Angestellten der Bahnen gebracht habe unter erheblicher Vermehrung der Aufwendungen, die von 8 bis auf 20 Millionen steigen werde. Sodann setzt der Minister die weiteren Verbesserungen auseinander, die in der gegenwärtigen Vorlage enthalten seien. Die Angestellten der Eisenbahnen beklagten sich mit Unrecht darüber, daß ihre berechtigten Forderungen verkannt würden. Wenn sie der Regierung keine Ungelegenheiten ver- ursachten, würde es dieser leichter sein, ihre Wünsche in der nächsten Zukunft zu erfüllen.(Beifall.) Er freue sich, daß Sonnino versprochen habe, bei diesem Anlasse die Regierung zu unterstützen, denn nur das einmüttge Zusammenhalten aller könne die Eisenbahnftage einer Lösung entgegenführen, ivelche den höchsten Interessen des Landes wirklich entspreche.(Lebh. Zustimmung, Beifall.) Die Generaldebatte wird hierauf geschloffen. Die Besprechung der einzelnen Artikel wird auf morgen vertagt. Auch dieser Teil der Debatte beweist, daß es nur die Sozialisten sind, welche auf der Seite der Eisenbahner stehen. Sämtliche bürgerlichen Parteien sind mit der Knebelung der Eisenbahner und der Eskamotterung des Koalittonsrechts der- selben einverstanden! Man bemäntelt diese Entrechtung einer großen Arbeiterkategorie damit, daß der letzte Streik eine Auflehnung gegen das Parlament d. h. den V o l k s- willen überhaupt sei. Als ob nicht dies Parlament die schlimmste Vertretung der herrschenden Klassen wäre, gegen die die Arbeiter eben ihren ökonomischen Kampf zu führen gezwungen sind!— » veutlckes Reich. Die Rache der Grubenbesitzer. Man schreibt uns aus dem Ruhrrevier: Als der preußische Bergmaimstag in Berlin beschloß, die Berg- nicht mehr an den Zechenuntersuchungen teilzu- s die Zechenpresse, welche über diesen Beschluß Bom evangelischen Arbeiterbundr. Der Bergarbeiterstreik hat auf dieses schnurrige Gebilde, das von Schildknappen der rheinisch-westfälischen Großindustrie als eine Art Schafhürde geschaffen wurde, wie Sprengpulver gewirtt. Die Macher des Bundes haben bekanntlich gegen den Streik Stellung genommen. Damit beschäftigte sich dann eine Versammlung des Bundes in Bochum, die den Erfolg hatte, daß die Mitglieder, meist Bergarbeiter, den Saal verließen und den Vorstand allein ließen. Jetzt hat sich wieder der weitere Vorstand des Bundes, fast ausnahms- loS Vertreter von Unternehmerinteresien, mit den Stteillgkeiten befaßt. Es soll versucht werden, den Abg. Franken, der Gegner der Berggesetz« Novelle ist und deshalb auS der Leitung des Bundes ausgetreten war, zum Wiedereintritt zu veranlassen. Der Lorstand sprach sich gegen die Regierungsvorschläge über die Arbeiterausschüsse aus; sie würden nur den Sozialdemokraten und Ultramontanen zugute kommen. Hoffentlich gefallen diesem Bunde, der mit dem Namen Arbeiter nur unlauteren Wettbewerb treibt, die Beschlüste der Kommission bester. Jedenfalls würden„Arbeiterausschüsse" nach den Kommissions- befchlüssen den, Vorstande des evangelischen Arbeiterbundes aus ein Haar ähneln.—_ Die Finanzgebarung der Sozialdemokratie. Die Sozialdemo- kratie ist die einzige Partei, die vor der ganzen Oeffentlichkeit über ihre Finanzverhältnisse in allen Einzelheiten Rechenschast ablegt. Sämtliche anderen Partei-Organisationen verschleiern ihre gefchäst- .licheu Angelegenheiten undurchdringlich. Unser öffentliches Verfahren hat auch den Borzug, daß über unsere Finanzen und die Ehrlichkeit unserer Rechnungsführung auch die bürgerlichen Parteien mit rührender Sorgfalt wachen. Selbst die Herrschasten, die den Arbeitern jeden Pfennig Lohn mehr miß- gönnen, sind unendlich besorgt, daß die Beiträge der Parteigenossen für die Sozialdemokratie ja nicht in unrechte Hände gelangt, oder zu unrechten Zwecken verwendet wird. Es ist ganz merkwürdig, wie sehr unsere Gegner auf die Rechtschaffenheit in der Sozialdemokratie hinzuwirken suchen. Man müßte denken, es könnte ihnen nichts lieber sein, als wenn bei uns alles drunter und drüber geht und niemand mehr Vertrauen zu der Partei hat. Allerdings läuft unseren Superrevisoren manche sonderbare Bor- stellung unter, weil sie naturgemäß niemals aus ihrem eigenen Anschauungskreise sich völlig loszulösen vermögen. Die„Kon- servative Korrespondenz" findet z. B., daß der sozial- demokrattsche Parteikassierer über Beträge, die ihm behufs Unterstützung der Bergarbeiter zugegangen find„souverän verftigt". Es werde in der letzten im„Vorwärts" Nr. 89 veröffentlichten Quittung mitgeteilt, daß 6353,65 M. dem Unter- stützungsfonds der sozialdemokratischen Partei und 110,25 M. dem Verband deuffcher Berg- und Hüttenarbeiter überwiesen worden seien.„Mit welchem Rechte?" fragt die„Konservative Korrespondenz" sorgenvoll. Wir können die Sorge m, serer Freund» beheben. Das Recht leitet sich aus der Veröffentlichung des Parteikassierers vom 2. März 1906, abgedruckt im Vorwärts" vom 3. März. ab.„Indem wir hiermit", heißl es in dieser Veröffentlichung,„im Einverständnis mit der Leitung des deutschen Bergarbeiterverbandes die Sammlung schließen, sagen wir namens der Bergleute des Ruhrgebietes allen Gebern für die bewiesene Opferwilligkeit herzlichen Dank. Etwaige weitere Ein- gänge werden wir, sofern die Geber nicht andere Verfügung treffen, dem Nnterstnvungsfonds der sozialdemokratischen Partei Deutschlands überweffen." Damit war bereits das Recht für die von der„Konservativen Korrespondenz" bedenklich gefundene Verwendung erwirkt. Zum Ueberfluß hat aber der Parteikassierer noch bei allen später ein- eaangenen größeren Beiträgen die Spender in besonderen Briefen efragt, ob sie gegen die Üeberweisung an die Partei etwas ein« zuwenden hätten. Es ist auch in der Tat in einzelnen Fällen daraufhin die eingesandte Summe zurückgezogen worden. Nun kennt also die„Konservative Korrespondenz" den Rechts- titel und sie kann beruhigt fein,_ daß wir in der Anwendung von Gepflogenheiten der Souveränität ihren Kreisen keine Kon- iurreuz machen.—__ Bom Polizcikampf gegen die Polen. Vor einigen Tagen wurde vor dem Schöffengericht Charlotten- bürg eine Anklage gegen die zehn Vorstandsmitglieder des„Sokol" verhandelt, deren Einleitung und Verlauf in hohem Maße charakte- ristisch ist für jene Politik der Nadelsttche, in der sich das mächtige Preußen gegenüber unseren polnischen Mitbürgern nicht genug tun kann und deren naturgemäße Folge eine fortgesetzte verstärkte Aufhetzung des polnischen Teils unserer Bevölkerung ist. Die Angeklagten waren bezichtigt, am 29. Oktober 1904 in einer Ver- 'ammlung des Turnvereins„Sokol", in welcher öffentliche An- gelegenheiten erörtert werden sollten, und in welcher sie in ihrer Eigenschaft als Borstandsmitglieder des Vereins als Vorsteher, Ordner und Leiter aufgetreten sind, einem Abgeordneten der Polizeibehörde den Zutritt und die Einräumung eines angemessenen Platzes verweigert zu haben. Einige von den Angeichuldigten ollten außerdem dem Abgeordneten der Polizei in rechtmäßiger Aus- Übung seines Amtes durch Bedrohung Widerstand geleistet haben. Ein großes Aufgebot von Zeugen war zur Stelle, ebenso ein Sachverständiger der polnischen Sprache. Die Angeklagten wandten ein>md hatten von vornherein eingewendet, daß es sich um ein harmloses Stiftungsfest des Vereins gehandelt habe, an dem sie zu- meist überhaupt nicht als Ordner oder in irgend einer anderen Funktion teilgenommen hätten, daß von einer Bedrohung mit Ge- walt gegenüber dem Polizeibeamten gar nicht die Rede geloefen sei. Die Beweisaufnahme verlief überraschend. Die von dem Sachverständigen gelieferte Uebersetzuna einiger Annoncen bestätigte, daß diese Annoncen sich auf die Veranstaltung vom 29. Oktober 1904 gar nicht bezogen und für einen politischen Charakter der Veranstaltung durchaus nicht zu verwerten waren, selbst nicht einmal dafür, daß. woran sich die Anklage schließlich auch noch klammerte, eine öffent- liche Lustbapkit oh,» polizeiliche GeueHrniguug veranstaltet gewesen fei Die Vernehmung des einzigen Belastungszeugen, des durch die angeblichen Delikte der Angeklagten betroffenen Polizei- Wachtmeisters Balzerzak, aber bestätigte Wort für Wort die Angaben der Angeklagten. Der Beamte bezeugte, daß offenbar eine geschlossene Lustbarkeit vorgelegen hat, daß alle Vorgänge, die er beobachten konnte, gänzlich harmloser und unpolitischer Natur ge- Wesen seien, daß überhaupt das fragliche Stiftungsfest des.Sokol" sich in nichts von der üblichen Art harmloser Stiftungsfeste unter- schieden habe und schließlich, daß keine Rede von einer Bedrohung mit Gewalt gewesen sei, man ihm vielmehr nur höflich, aber be- stimmt erklärt habe, daß man ihn mit Rücksicht auf den unpolitischen Charakter der Veranstaltung nicht im Lokal dulden könne. Es ergab sich des weiteren, daß die Angeklagten einfach, weil sie die Mtglieder des Vereinsvorstandes bildeten, angeklagt worden waren, ohne daß irgend welche Feststellungen über die Funktionen der Einzelnen bei der Veranstaltung stattgefunden hatten. Der Amtsanwalt selbst gelangte zum Antrag auf Frei- sprechmig, nachdem von der Vernehmung der zahlreichen sonst vor- handenen Zeugen Abstand genommen war. Der Verteidiger der Angeklagten, Rechtsantvalt Dr. K. Liebknecht, beantragte nicht nur die Freisprechung, sondern auch die Uebernahme der notwendigen Aus- lagen der Angeklagten einschließlich der Verteidigungskosten auf die Staatskasse, indem er darauf hinwies, daß die Anklage in selten oberflächlicher Weise vorbereitet und geradezu unerklärlich sei, da ja die Bekundungen des Wachtmeisters Balzerzak der Polizei wohl bekannt sein mußten, und bei einem auch nur einigermaßen den Anforderungen der Strafprozeßordnung entsprechenden Vor- bereitungsverfahren die Anklage nicht hätte erhobeii werden können; es habe sich nicht nur die Schuld der Angeklagten nicht erweisen lassen, sondern geradezu die Unschuld der Angeklagten positiv ergeben. Der Gerichtshof schloß sich dem an und legte unter Freisprechung der Angeklagten auch die notwendigen Auslagen der Angeklagten einschließlich der Berteidigungskosten der Staatskasse auf. Wer aber denkt, daß damit die.Kaninchenjagd" beendet fei, kennt die Beharrlichkeit nicht, mit der die preußische Anklagebehörde politische Prozesie bis aufs Messer durchzukämpfen pflegt. Der Amts- anwalt selbst hat Freisprechung beantragt— tut nichts I Auf höhere Anordnung ist Berufung eingelegt und die Staatsanwaltschaft wird den Siegeslorbeer zu pflücken suchen, den die Amtsanwaltschast selbst preisgegeben hat.—_ Nrunkirchen, 15. April. sEig. Ber.) Vor dem Kriegsgericht Saarbrnckei» kam am 13. d. M. das Verfahren gegen den Gendarm W a l l i c z e k zum Abschluß, nachdem die erste Verhandlung vom 22. Dezember 1904 zu einer Vertagung geführt hatte. Die Ver- Handlung geschah, wie damals, jetzt wiederum unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wegen Gefährdung von Staatsinteressen; auch dieselben Zeugen waren erschienen, nämlich Landrat Frhr. v. Laur sOttweiler), Landgerichtsdirektor Heidermannsund ein Beamter, derimProzeßHilger- Krämer, woselbst Geydarm Walliczek als Zeuge die für die Berg- behörde so unangenehmen Enthüllungen machte, die Aussagen steno- graphisch ausgenommen hatte. Bcrgrat Wiggert hatte vom Landrat von Ottweiler die Versetzung des Gendarm verlangt, weil dieser.parteiisch" sei; er sollte unter anderem über den Durchfall des Bergbeamten-Kandidaten bei der Reichstagswahl 1903 große Freude an den Tag gelegt haben. Die Versetzung ist auch erfolgt. Daß Walliczek. dem natürlichen Gefühl für Recht und Wahrheit folgend, die Wahlmachenschaften des Bergrats Wiggert von Heinitz(jetzt Oberbergrat in Breslau) bekannt gab, anstatt nach berühmten Mustern die Aussage zu verweigern und das ungeheuer dehnbare Amtsgeheimnis vorzuschützen, brachte ihn vor das Kriegs« gericht wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses. Das Kriegsgericht muß indes zu der Ueberzeugung ge« kommen fem. daß in dem eigenartig gelagerten Fall keine strafbare Handlung vorgelegen hat, denn es sprach Walliczek ftei. Auch die Urteilsbegründung erfolgte unter Ausschluß der Oeffentlichkeit. Inzwischen ist Walllczek ab 1. Mai von Thörnich(Mosel), wohin er von Neimkirchen-Elbersberg aus versetzt worden war, wieder ins Saar-Revier nach Wehrden bei Völklingen versetzt worden.— Ein königstreuer Arbeiter als MnjestätSbeletdiger. Aus München, 17. April, wird uns geschrieben: Mit einem Majestätsbeleidigungs-Prozeß, der schon deshalb eines komischen Anstriches nicht entbehrt, weil der Angeklagte sowohl als der Denunziant Ausschußmitglieder des ultramontanen Schirmer- schen Verbandes der Post- und Telegraphenbedienfleten sind, der sich bisher auf seine Königstreue nicht wenig einbildete, hatte sich heute die erste Straftammer bei Ausschluß der Oeffentlichkeit zu beschäftigen. Wegen je eines Vergehens der Be- leibigung des deutschen Kaisers, des Kronprinzen, des Prinzen Ruprecht und der Prinzessin Ludwig Ferdinand von Bayern hatte sich der 51 Jahre alte Vorarbeiter im Telepbonamte Wilhelm Flechse! zu verantworten. Er wuroe be- schuldigt, daß er anläßlich der kronprinzlichen.Elenden"-Aeuberung in der Werkstätte gegenüber den Telephonarbeitern Johann Haller und Joseph Springer Beleidigungen in bezug auf den Kronprinzen und seinen kaiserlichen Vater ausgestoßen habe. Ferner habe er die Orientreise des Prinzen Ruprecht von Bayern zum Gegenstand be- leidigend kritischer Betrachtungen gemacht. Endlich gab ihm die Kritik, die die liberale Presse im Herbste 1904 an das Erscheinen der Prinzessin Ludwig Ferdinand auf dem deutschen Katholikentag knüpfte, Veranlassung, Angriffe auf die Frauenehre der Prinzessin zu machen. Der Angeklagte Flechse! versuchte die ihm zur Last gelegten Aeußerungen eine andere Deutung zu geben. Die ganze Anzeige sei ein Racheakt des ihm unterstellten Ardeiters Haller, den er wegen seiner aufrührerischen Reden und eines von ihm verfaßten Zeiwngs- artikels im Verbandsorgan der vorgesetzten Behörde gemeldet habe. Die Feindschaft zwischen ihm und Hallcr habe außerdem darin ihre Ursache, daß Haller, der das Amt eines Obmannes bekleidete, auf seine Veranlassung wegen Unterschlagung von Ver- bandSgeldern aus dem Postverbande ausgeschlossen worden(ei. Der Staatsanwalt beantragte in Rücksicht auf die Schwere und die Roheit der Beleidigungen eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten. Das Urteil gegen den königstreuen Majestätsbekeidiger lautete auf vier Monate GefängnisI Die Mitglieder des ultramontanen Postverbandes werden schon mit ihrem Eintritt in den Verband auf ihre königstreue Gesinnung geaicht.—_ Grsamtverluste in Dentsch-Südwefiafrika. Unsere Gesamtverluste im südwestafrikanischen Aufftande haben von Beginn der Unruhen bis Ende März 1905 betragen 1396 Köpfe, davon entfallen auf die Schutztruppe 1030, auf die Marine 116, auf Farmer. Reservisten, Ermordete 250, farbige Soldaten sind nicht mitgerechnet. Die Summe der Toten beträgt 957, die der Verwundeten 439. Gefallen'sind 367, den Wunden erlegen 24, an Krankheiten gestorben 352, vermißt werden 95, ermordet sind 93, tödlich verunglückt 24, verunglückt aber lebend sind 12, verwundet wurden 427. » SiegeStrophSe aus Siidwestafrika. Man schreibt uns aus Kiel:_ Auf die sittliche Schulung, die unsere Kolonialtruppen im Hererokriege durchmachen, wirft folgender Vorgang, der der.Schlesw.-Holst. Volksztg." berichtet wird, ein grelles Licht. In einer Gaardener Gastwirtschaft saßen zwei Seesoldaten, die mit dem Transport am Montag aus Südwestasrika zurückgekehrt waren und erzählten den aufhorchenden Spießbürgern von ihrem Soldatenleben im Kaffernkriege. Sie rühmten sich, daß sie eine ganze Anzahl Hereros niedergeknallt hätten,„ohne sich dabei etwas zu denken". Der eine erzählte:.Ich hatte eine Menge Vieh zu bewachen, als mir ein Herero zirka 50 Stück stahl. Wenige Tage daraus wurde der Dieb gefangen und mir ausgeliefert. Als er sich widersätzlich zeigte, habe ich ihn aufgehängt. Zum Andenken schnitt ich ihm ein Ohr ab und trocknete es in der Sonne." Und in der Tat: der Mann hätte das Ohr in einer kleinen Schachtel bei sich und zeigte es im Gastzimmer herum.— Hueland. Ein Btutbad in Limoges. In Limoges ist es gestern zu einem Blutbad gekommen. Von den ausgesperrten Porzellanarbeitern waren mehrere ver- hastet worden, da sie m der Erregung über die brutale Aus- sperrung durch die Porzellanfabrikanten und weitere Pro- vokationen einige Ausschreitungen begangen hatten. Die Ursache dieser nur zu begreiflichen Erregung der Arbeiter bestand in dem frivolen Willkürakt der Unternehmer, 15 000 Porzellanarbeiter auf das Straßeupflaster zn werfen und sie und ihre Familien dem Hunger zu überantworten, wobei noch zu bemerken ist, daß die Löhne der Porzellanarbeiter in Limoges außerordentlich niedrige waren. Die Ausschreitungen bestanden in dem Einschlagen einer Tür, dem Umwerfen eines Automobiles und dem Absingen der Internationale, in Pfeifen, Schreien, Veranstalten eines Zuges w. Gegen diese Demonstranten ging die Polizei und das von auswärts herbeigerufene Militär sehr rigoros vor. Sechs der Arbeiter wurden inhaftiert. Gestern nun zogen mehrere tausend Arbeiter vor das Ge- fängnis, um die Auslieferung der Gefangenen zu verlangen. Als sie ihnen verweigert wurden, begannen die Arbeiter nach den offiziellen Telegrammen gegen das Gefängnis vorzugehen und den Versuch zu machen, die Türen zu erbrechen. Hierauf ging die Kavallerie zum Angriff gegen die Arbeiter vor. Die Menge soll alsdann die Truppen mit Steinen beworfen haben, worauf die Soldaten wider de« Befehl ihrer Borgesetzten eine Reihe scharfer Schliffe aus die dicht gedrängte Masse abgaben. Zwei Arbeiter wurde« ge- tötet, mehrere andere wnrde» verwundet. Außerdem wurden 30 Personen verhastet. Ueber die Aussperrung der Arbeiter wird uns berichtet: Aus Limoges berichtet man von einer neuen Gewalttat der großen Porzellanfabrikanten. Mit brutaler Rücksichtslosigkeit haben diese Fabrikprotzen den größten Teil der bei ihnen beschäftigten Arbeiter aufs Pflaster geworfen. Es handelt sich für die Unter- nehmer um Vernichtung der Arbeiterorganisation, die in jüngster Zeit mehrere Erfolge zu verzeichnen hatte. In der Fabrik von Theodore Haviland, der größten am Orte, kam der Kampf zum Ausbruch. Fortgesetzte Lohnreduzierungen, niederträchtige Be- Handlung durch die Meister trieben die dort beschäftigten 1200 Arbeiter in den Ausstand. Den Unternehmern kam das zur rechten Zeit. Kurz erklärten sie: Entweder sind innerhalb acht Tagen alle Arbeiter wieder zur Arbeit zurückgekehrt oder wir schließen auch unsere Betriebe. Die sofort eingeleiteten Verhandlungen wurden von den Unternehmern in die Länge ge- zogen und ihr Erfolg vereitelt. Am 12. und 13. April begann die Aussperrung. 24 Fabriken mit 95 Oefen feiern, in 7 Betrieben mit nur 20 Oefen wird weiter gearbeitet. Gegen 15 000 Arbeiter find durch diesen Willkürakt der Unternehmer ohne Arbeit.— Die Erregung der Bevölkerung gegen die Fabrikfcudalen ist allgemein und äußert sich in Demonstrationen. Auch die Händler befinden sich auf feiten der Arbeiter. Die Ausständigen veranstalteten am letzten Freitag einen Massenumzug durch die Stadt. Vor jeder geschlosienen Porzellanfabrik wurde Halt gemacht, die wenigen noch Arbeitenden wurden herausgeholt und unter dem Singen der Internationale ging der Zug weiter. Unruhen und Tumulte fanden nicht statt. Doch trotz alledem riefen die Unternehmer und die reaktionären bürger- lichen Blätter nach Militär und Gendarmerie. Wer weiß wie es gekommen wäre; denn schon verbreitete sich das Gerücht von dem Anrücken des Militärs. Da setzte sich der Bürgermeister Labussiere sofort in der Nacht telephonisch mit dem Minister des Innern in Verbindung und verlangte stritte Fernhaltung der Truppen und der Gendarmerie. Der Minister gab nach. Die Truppen blieben fort. Am anderen Tage richtete der Bürgermeister jedoch noch ein Telegramm an den Mnister, in dem er die Schuld für die statt- gehabten Manifestationen den Fabrikanten und deren provo- zierenden Verhalten zuschob und betonte, daß die Demonstrattonen in völlig ruhiger Weise verlaufen seien. Der Anblick des Militärs würde nur zu neuen Ruhestörungen Anlaß geben. Und im Schluß- satze des Telegramms heißt es dann:„Ich bestehe mit Nachdruck darauf: Herr Minister, daß das Versprechen, welches gestern abend Sie mir zu aeben die Güte hatten, gehalten und auch der Präsekt von Ihrer Entscheidung unterrichtet wird." Diese ruhige, ver- ständige, imponierende Haltung des Bürgermeisters hatte den ge- wünschten Erfolg. Wohl grisf man von reaktionärer Seite den einsichttgen Beamten in schmutzigster Weise an, aber es blieb bei der Ruhe. Der Präfekt leitete die Zusammenberufung eines Schiedsgerichts ein und forderte die Fabrikanten wie die Arbeiter- organisation zur Ernennung von Beisitzern auf. Viel verspricht man sich in Arbeitertteisen nicht von dem Schiedsgericht; denn die brutale Herrschsucht der Unternehmer ist bekannt. Sie werden den Kampf noch nicht abbrechen wollen. Und die Arbeiter find fest entschlossen, an ihrem Koalittonsrecht festzuhalten, koste es, was es wolle. Nach dieser Schilderung wäre also daS Blutbad unzweifelhaft vermieden worden, wenn man nicht trotz des Protestes des sozialisttschen Bürgermeisters dann später doch fremdes Militär requiriert hätte. Nach all dem Vorhergegangenen konnte dies Heranziehen der bewaffneten Macht die bis dahin ruhig gebliebene Bevölkerung nur noch mehr erbittern. Die Antwort auf die Heranberufung des Militärs waren die er- wähnten Ausschreitungen und Demonstrationen. Als man daraufhin durch die Verhaftung der wirklichen oder angeblichen Exzedenten noch Oel in das Feuer goß, kam es zu deni traurigen Zusammenstoß. Die übergroße Schneidigkeit der Behörden, die über den Kopf des Bürgermeisters hinweg dem Unternehmertum Liebesdienste leisten zu müssen glaubten, hat unzweifelhaft das beklagenswerte Blutbad ver- ffchuldet I Limogrs, 18. April.(W. T. B.) Berittene Gendarmerie bewacht daS Gefängnis, dessen Türen eingeschlagen wurden. Die Zahl der Toten beträgt zwei; nur drei Verwundete blieben im Krankenhause, die meisten konnten ihre Wohnungen erreichen. 22 Verhaftungen wurden vorgenommen. Sechs Offiziere und 63 Soldaten wurden durch Eisenstangen, Pflastersteine und Flaschenscherben, mit welchen die Ausständigen warfen, mehr oder weniger schwer"getroffen. Die von den Behörden angestellten Ermittelungen ergaben, daß einzelne Schüsse von den Manifestanten auf die Truppen ab- gegeben wurden.(?) Eine Verstärkung der Truppen wird heute hier erwartet. Die Flagge aus dem Rathause ist auf Halbmast gehißt und mit einer Trauerschleise versehen. Ein Erlaß des MunizipalratS erhebt Einspruch gegen die Anwesenheit des Militärs in den Straßen und sagt, die Soldaten hätten auf eine harmlose Menschenmenge ge- schössen. Der Erlaß ermahnt die Bevölkerung, ihren Zorn zu be- meistern, um eine Wiederholung der traurigen Vorkommnisse zu verhüten. m Paris, 18. April. Deputiertenkammer. Reille(konservativ) interpelliert wegen der Vorgänge in Limoges und erhebt gegen die Regierung den Vorwurf, daß diese sie ganz unvorbereitet getroffen hätten. Ministerpräsident R o u v i e r unterbricht den Redner und sagt, übertriebene Maßnahmen hätten noch viel schwerere Störungen herbeiführen können.(Beifall.) G a u t h i e r(Natto- nalist) wirft der Regierung vor, den Arbeitern nichts als leere Versprechen gegeben zu haben, man müsse sich also nicht wundern, wenn sie sich zu Gewaltmitteln hinreißen ließen. Der Redner verlangt, daß eine Untersuchung eingeleitetlwerde, um festzustellen, wer verantwortlich zu machen sei. Vaillant(Soz.) sogt, daß die Verant- Wartung dem Ministerium zugeschrieben werden müsse, welches den Arbeitgeber gegen den Arbeiter in Schutz nehme. Vaillant tadelt das Verhalten der Arbeitgeber, deren einer, wie er sagt. die Schamlosigkeit gehabt habe, eine fremde Fahne zu hissen, in der Hoffnung, daß man diese nicht beleidigen würde. Niederlande. veber den Gesetzentwurf zur Bolksverdiimmung, wie„Het Volk" die von der Regierung vorgeschlagene Novelle zum Unterrichtsgesetz nennt, wird seit einigen Wochen in der Zweiten Kammer verhandelt. Unsere Parteigenossen und ihr Wortführer Ter L a a n haben alles aufgeboten, um dieses Attentat auf die EntWickelung des öffentlichen Volksschulwefens abzuwehren, das durch die Erhöhung der Subsidien für die klerikalen„besonderen" Schulen um 2 Millionen Gulden begangen werden soll. Er wolle nun nicht mehr als versuchen zu retten, was noch gerettet werden könne, erklärte Van der Zwaag am Mittwoch bei Begründung eines von ihm und unseren Parteigenossen eingebrachten Amendements, das eine Her- absetzung der Schüler, die als Maximalzahl auf einen Lehrer kommen sollen, bezweckt. Das Amendement wurde jedoch mit 53 gegen 28 Stimmen abgelehnt und ebenso zwei minder weitgehende, von bürgerlicher Seite eingebrachte Anträge dieser Art. Die sozial- demokratische Fraktion und Van der Zwaag haben am Donnerstag zu den weiteren Verhandlungen eine Reihe Amendements ein- gebracht, die hauptsächlich darauf gerichtet sind, Garantien für einen einigermaßen ausreichenden Unterricht zu erlangen.— Asien. Von den Philippinen. Die Regierung ist bemüht, überall auf den Inseln Schulen nach amerikanischem Muster einzurichten. Vor kurzem wurde in Manilla die zweite Jahreskonvention der Schul- vorstände auf den Philippinen abgehalten und über die Bestrebungen zur Volksbildung manches Interessante berichtet. Man legt großen Wert darauf, außer den amerikanischen Lehrkräften viele Ein- geborene als Lehrer zu gewinnen. Man hat schon 4000 eingeborene Personen angestellt, braucht aber wenigstens 6500. Die Zahl der Kinder zwischen 6 und 15 Jahren wird auf 1200 000 berechnet. Vorläufig ist die Einrichtung getroffen, jedem Kinde drei Jahre lang Unterricht zu erteilen. Gewöhnlich müssen die Kinder für den Unterricht immer erst eingefangen werden; sie kommen aber bald freiwillig und lernen gut. Gegenwärtig werden 342 000 Kinder unterrichtet; im März 1904 waren es 227 000 und im September 1903 nur 182 000. Es wird beabsichtigt, in jeder Provinz eine Hoch- schule und drei technische Schulen zu errichten, darunter eine Kunst- und eine Schiffahrtsschule. Auch der Bau einer großen Universität ist geplant. Es kommt darauf an, wie die Gelder einlausen. Fünf Prozent der Zolleinnahmen fließen in den SchulfondS. Die Filipinos entwickeln große Fähigkeiten und sind ehrgeizig wie die Japaner. Von den Amerikanern werden sie noch in jeder Weise bevormundet und als unreif zur Selbstverwaltung ihres Landes erklärt.— ?Zus der Partei. Ein Provinzial-Parteitng für Hessen-Nassau fand am Sonntag in Frankfurt a. M. statt. Dem Bericht des Agitationskomitees ist zu entnehmen, daß in dem Bezirk in 11 Vereinen 6672 organisierte Parteigenossen sind, wozu noch 838 Genossen kommen, die regel- mäßig Beiträge zahlen, ohne einem Verein anzugehören. Die Zahl unserer ReichstagSwählerstimmcn in den Wahlkreisen des Bezirks betrug bei der letzten Wahl 74 374. Am günstigsten steht die Zahl der Organisierten zur Zahl der Wähler mit etwa 15 Proz. im Wahl- kreise Hanau— Gelnhausen. Der Parteitag beschäftigte sich nach Erledigung geschäftlicher Fragen mit der L a n d g e m e i n d e- O r d n u n g für Hessen- Nassau. Auf Vorschlag des Referenten Hoch- Hanau wurde be- schloffen: a) die AgitatiouSkommission zu beauftragen, 1. einen Führer durch die Landgemeinde-Ordnung für die Provinz Hessen- Nassau herauszugeben. 2. eine Konferenz der sozialdemottatischen Gemeindevertreter in der Provinz Hessen-Nassau einzuberufen; d) den einzelnen Parteiorten zu empfehlen, für ihre sozialdemokratischen Ge- meindevertreter die„Kommunale Praxis" zu halten. Sodann referierte Lehmann- Mannheim über die preußisch- süddeutsche Eisenbahngemeinschaft. Dazu wurde folgende Resolution angenommen: „Der sozialdemottattsche Parteitag für die Provinz Hessen-Nassau hält die allgemein durchgeführte Zentralisation im Eiseitbahnbau und Eisenbahnbetrieb für die betriebstechnisch und wirtschaftlich höher stehende und deshalb anzustrebende Organisationsform. Und er fordert deshalb entsprechend des Artikels 4. Ziffer S der Reichs- Verfassung, wonach das Eisenbahnwesen der Gesetzgebung des Reiches unterliegt, die Ueberführung des bundesstaatlichen Eisenbahnwesens in die Verwaltung des Reichs unter Beseitigung des preußischen Uebergewichts im Reiche. Der' Parteitag erklärt sich gegen eine Regelung dieser Materie zwischen den einzelnen Bundesstaaten durch Staatsverträge, namentlich auch gegen die beabsichtigte Bildung einer Bettiebsmittel-Gemeinschaft, weil dadurch 1. die Entscheidung über den Betrieb, die Neuanlagen, die Personen- und Gütertarife in das preußische Klassenparlament verlegt wird, in welchem— gehindert durch ein ungerechtes Wahlgesetz— die breite Masse des werktätigen Volkes esne Vertretung nicht hat, und in welchem infolge seiner Zusammensetzung die Verkehrs- und arbetterfeindlichen Tendenzen überwiegen; 2. der bisherige verkehrshemmende Zustand nur eine geringe Milderung erfahren würde, indem der Grund zu den von den preußischen Eisenbahnverwaltungen praktizierten volkswirtschaftlich widersinnigen und moralisch im höchsten Grade verwerflichen Umleitungen der Frachtgüter auch ferner bestehen bleibt und 3. die menschenunwürdige 4. Wagenklasse, deren Beseitigung der frühere preußische Eisenbahnminister von Maybach schon nn Jahre 1891 in Aussicht gestellt hatte, auch für die süddeutschen Staaten eingeführt werden soll, ohne eine andere Tarifermäßigung zu bringen, als die, ftir welche ohnehin eine zwingende Notwendigkeit besteht." In Württemberg gibt es jetzt 11 839. organisierte Parteigenossen gegen 10 479 im vorigen Jahre. Die Zahl unserer Reichstagswahl- stimmen 1903 betrug 99 743. Die Einnahmen auS Mitgliederbeiträgen beliefen sich 1904 auf 11 505 M. Zn 95 Orten hat die Partei 108 Gemeinderäte und 176 BürgerauSschußmitglieder. Eine Konferenz sozialdemokratischer Gemeindevertrcter für Elsaß- Lothringen, die am Sonntag in Colmar tagte, beschloß, durch Petitionen an den Landesausschuß für die Einführung einer Wert- zuwachssteuer zu wirken. Es gibt gegenwärtig in Elsaß-Lothringen 57 sozialdemokratische Gemeindevertteter. Nämlich: in St. Ludwig 1, in Mülhausen 19, in Rixheim 2, in Gebweiler 2. in Bühl 2, in Gllnsbach 2, in Colmar 1, in Straßburg 16, in Grafenstaden 1, in Ostwald 2, in Schiltigheim 3, in Markirch 3, in Bischweiler 1, in Wölferdingen (Lothr.) 1 und in Metzingen(Lothr.) 1. Soziales* Die Intelligenz und Tüchtigkeit im Zuchthause. Die Wiener«Fackel" teilt einen Erlaß einer österreichischen Strafanstalt vom 10. März 1905 mit, womit diese sich an Unter« nehmer wendet und ihre.Sträflingskräfte" zur Herstellung von Exportwaren empfiehlt. In dieser amtlichen GeschästSempfehlung findet sich folgende Stelle: «Insbesondere wolle sich die geehrte Firma äußern, ob— im bejahenden Falle— dieselbe geneigt wäre, solche Artikel dänn hier anferttgen zu lassen, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, daß gerade die k. k. Strafanstalt Stein— welche ihren Belag- räum aus der Residenz füllt— über tüchtige, geschulte, zum Teile selbst hochintelligente, alle Industriezweige umfassende Arbeitskräste verfügt...." Diese tüchtigen Hochmtelligenten Arkeit-krästS vermochte die bürgerliche Gesellschaft nicht nutzbar zu machen; sie mutzten erst straucheln und ins Zuchthaus gesteckt werden, dann werden sie für den Unternehmer billiger; können außerdem geknutet werden, wenn sie nicht willig sind. Wunderbare Gesellschaftsordnung, die das Zuchthaus braucht, um der Intelligenz und Tüchtigkeit zur An- erkennung zu verhelfen!__ Eine Konferenz der Arveitersekretariate wird im Anschluß an den Gewerkschaftskongreß in Köln auf Veranlassung der Generalkommission der Gewerkschaften tagen. Sie soll verhandeln über Statistik, Aus- kunfts-Erteilung an Unorganisierte und Gebührenerhebung, AuS- bildung und Weiterbildung der Sekretäre und über ärztliche Gutachten._ Die kapitalistische Freiheit in Amerika. Aus Washington wird vom 17. April gemeldet: Heute wurde eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofes veröffentlicht, durch welche das New-Iorker Gesetz, das die Arbeitszeit in'den Bäckereien auf 10 Stunden täglich und auf 60 Stunden wöchentlich festsetzt, für verfassungswidrig erklärt wird, weil es der freien Aus- Übung von Vertragsrechten widerstreite. Diese sogenannte Vertragsfteiheit ist natürlich nichts weiter als die Ausbeutungsfreiheit des Unternehmertums gegenüber dem Arbeiter, und die Feststellung, daß ein solches Gesetz verfassungs- widrig sei, ist nur möglich, weil die amerikanischen Gerichte auch nur im Dienste des herrschenden Kapitalismus stehen. SetverKlcKaftlicKes. Auf dem Kriegspfade gegen die Solidarität. Der Hirsch- Dunckersche Gewerkverein der Metallarbeiter hat sich wieder einmal ein Stücklein geleistet. In Dort- mund befinden sich die Kesselschmiede seit drei Wochen im Ausstande. Nicht alle: Sämtliche Mitglieder des G e w e r k v e r ei n s setzen die Arbeit fort! Die Angelegenheit beschäftigte dieser Tage eine öffentliche Versammlung der Former und Gießereiarbeiter, in welcher das unsolidarische Verhalten der Hirsch-Dunckerschen Kessel- schmiede einer scharfen Kritik unterzogen und die Frage auf- geworfen wurde, ob die Former und Gießereiarbeiter es mit ihrer Ehre und ihrem Gewissen vereinbaren könnten, länger einer Organisation anzugehören, die der Arbeiter- solidarftät geradezu den Krieg erklärt hat. Wir glauben, der systematische Streikbruch der Hirsch- Dunckerschen Metallarbeiter wird so lange dauern, wie diese angeblich Arbeiterinteressen vertretende Organisation selbst noch existiert. Völlig marode und unfähig zum Kampfe mit dem Kapital, ist dieselbe auf den Streikbruch geradezu an gewiesen; irgend ein ernsthafter Konflikt mit dem Unter- nehmertum, der dasselbe aus einem Beschützer zum Gegner des Gewerkvereins machen könnte, würde denselben einfach fortblasen. Der Gewerkverein der Metallarbeiter lebt vom Verrat an der Arbeiterklasse. Berlin und Clmgegend. Die Tarifbewcgmig der Stukkateure wurde am Montag wieder kn einer Generalversammlung des Stukkateur-Verbandes besprochen. Krebs erstattete Bericht über die am 11. April abgehaltene Sitzung der Schlichwngskommisston, wo auf Grund des alten Tarifs ver» handelt wurde. In den meisten Punkten ist eine Verständigung erzielt worden, jedoch bestehen noch m verschiedenen anderen Punkten Differenzen, unter anderem darin, daß die Unternehmer Wartezeit wegen Mangel an Material nicht mehr bis zu vier, sondern nur bis zu zwei Stunden bezahlen wollen, und daß sie den Ausschluß der 14 tägigen Kündigung in den Vertrag aufnehmen wollen. Die Ver- sammlung sollte darüber entscheiden, ob und wie weit man in dieser Sinsicht dem Verlangen der Unternehmer entgegenkommen dürfe. s kam aber zu keinem Beschluß, weil die vorhergehenden Punkte der Tagesordnung: Kassenbericht und Vertrieb des Verbandsorgans sehr viel Zeit in Anspruch genommen hatten. Die Tarifangelegenheit soll in der nächsten Versammlung, die am 23. April stattfindet, er- ledigt werden. Die Bäcker Berlins haben gestern in einer stark besuchten Mt« gliedervers ammlung zu den Lohnbewegungen der deutschen Kollegen Stellung genommen und die Machinationen der Innungen und des hiesigen Streikbrecher- Versandbureaus einer scharfen Kritik unter zogen. Nach dem Referat HetzscholdS wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: «Die heutige Mitgliederversammlung erklärt den in Lohn- vewegungen stehenden deutschen Kollegen ihre wärmste, ungeteilte Sympathie und sichert den kämpfenden Brüdern ihre weitgehendste moralische und finanzielle Unterstützung zu. Die Mitgliedschaft Berlin erklärt zugleich, daß, wenn die Berliner Jnnungsscharfmacher versuchen sollten, die arbeitslosen sowie die arbeitenden Kol- legen durch allerhand terroristische Kniffe zu Streikbrechern zu pressen, oder daß durch andere dema- gogische Machinationen die Bewegung einzelner Städte in Frage gestellt werden sollte, die Berliner Bäckergesellen zur wirksamen Abwendung solcher Scharftnacherstückchen bereit sind, sofort in einen neuen Kampf eintreten zu wollen." Schneider gab den Bericht vom VerbandStag, und wurde in geheimer Abstimmung gegen nur 25 Stimmen die Erhöhung des Wöchentlichen Beitrages von 40 auf 50 Pf. beschloffen. veutkede» Rclch. Bäckerstreik in Dresden. Ein Privattelegramm meldet uns aus Dresden: Der Bäckerstreik ist heute mit 760 Stimmen beschlossen.— Zuzug ist fernzuhalten. Auf Veranlassung des GewerberichterS Stübing und unter seinem Vorsitz fanden am Montag vormittag Einigungsverhandlungen zwischen der Lohnkommission der Bäckergehülfen und Vertretern der Innung statt. Die Er- örterungen drehten sich um die Frage: Abschaffung des Kost- und Logiswesens beim Meister. Die Gehülfen fordern bekanntlich Ab- schaffung desselben, während die letzte JnnungSversammlung darauf nur bei verheirateten Gehlllfen bezw. solchen im Alter von mindestens 28 Jahren eingehen will. Bei der Verhandlung gingen die Meister nach und nach auf 24 Jahre herab. Da eS aber wenig mehr als 100 Gehülfen in Dresden in diesem Alter gibt, war für die Gehülfenvertreter dieser Vorschlag völlig unannehmbar. Sie taten das äußerste, indem sie auf 22 Jahre hinaufgingen. Die Meister- Vertreter lehnten das ab und so scheiterten die Einigungs- -Verhandlungen. _ Eine weitere Privatdepesche aus Dresden meldet, daß die Sacker den Generalstreik proklamiert haben; sie fordern Beseittgung des Logiszwanges und 21 M. Miuimallohn. Die Zahl der Aus- ständigen beträgt 700._ Die Schuhmacher in Köln haben am Montag in den Maß- geschäften die Arbeit niedergelegt, nachdem Verständigungsversuche an dem Verhalten des ArbeitgeberverbandeS scheiterten. Die Arbeiter in den Schuhfabriken und oen Sohlereien sind an dem Ausstand nicht beteiligt. Die Zement-, Beton- und Asphaltardeiter in Köln haben ihre Lohnbewegung erfolgreich beendet. Durch Tarifabschluß mit den Unternehmern wurde die Arbeitszeit von lo'/z auf 10 Stunden verkürzt, der Mindeststundenlohn an den Hochbauten von 50 au. S5 Pf., für Hülfsarbeiter von 40 auf 45 Pf., für Straßenarbeiter auf 52 bezw. 42 Pf. erhöht. Der Erfolg war möglich durch die vorzügliche Organisation. Bei Cudell u. Ko., Motorwagenfabrik in Aachen, haben die Schlosser und Dreher erneut die Arbeit niedergelegt, nachdem sich zeigte, daß die von der Betriebsleitung gemachten Zugeständnisse nicht erfüllt wurden. In der chemischen Fabrik von Moritz Honignrann in Würselen bei Aachen sind die meist dem christlichen Metallarbeiter- Verbände angehörigen Arbeiter gekündigt worden, nachdem sie eine Eingabe um Beseitigung von Mißständen gemacht hatten. Ver- ständigungsversuche des Leiters der christlichen Organisation lehnte der Direktor ab. Zu dem neuen Konflikt bei der Firma Benz in Mannheim wird gemeldet: Am Sonnabendnachmittag ging ein Mitglied des Arbeiterausschusses in eine andere Abteilung und unter- schrieb dort beim Vorsitzenden des ArbeiterauSschusses eine Anweisung auf eine von der Fabrikunterstützungskasse zu erhebende Unterstützung. Allerdings hat die Direktion durch Anschlag bekannt gegeben, daß das Betteten fremder Abteilungen verboten sei; in diesem Falle handelte der betreffende Arbeiter jedoch als Arbeiterausschuß Mitglied, um dem hülfesuchendcn Kollegen aus der von der Fabrikleitung selb st ins Leben gerufenen Unter- stützungskasse die erbetene Unterstützung zukommen zu lassen. Der Arbeiter hielt sich deshalb zu seiner Handlungsweise vollkommen berechtigt.— Der Herr Portier meldete einem Meister, daß der Arbeiter einen Bau betteten habe, in dem er nicht beschäfttgt sei Herr Benz kam dazu und bedeutete dem Arbeiter, daß er sofort aufzuhören habe. Ein Vorstelligwerden seinerseits in Gemein- schast mit dem Vorsitzenden des Arbeiterausschusses bei der Direktion blieb resultatlos; die Entlassung bleibe bestehen, erklärte man da. man wolle«Herr im Hause sein". Der eMlassene Arbeiter war 6 Jahre bei der Firma beschäfttgt.— In einer nach Arbeits schluß abgehaltenen Fabrikversammlung wurde gegen die unberech- tigte Entlassung des Kollegen scharfer Protest erhoben und der ein- stimmige Beschluß gefaßt, daß der Arbeiterausschuß im Austrage der Versammlung die Direktton ersuchen möge, die zu Unrecht erfolgte Entlassung rückgängig zu machen. Im Falle dies verweigert würde, wollte die Arbeiterschaft mit der Arbeitsniederlegung antworten. Suolaud. Bäckerstreik in Dänemark. Die Bäckergesellen von Aarhus be finden sich seit Anfang dieses Monats im Streik, um eine tarifliche Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu erreichen. Ein Meister hatte ihre Forderungen sogleich bewilligt, wurde aber von der Meisterorganisation gezwungen, seine Zusage wieder zurück zuziehen. Eine große Streikbewegung fft in Ungarn im Gange. In Großwardein stehen die Arbeiter im Generalstreik; die Zeitungen mußten ihr Erscheinen einstellen und die übrigen Branchen folgten. — In Budapest und in zahlreichen anderen Orten des Landes streiken die Bauarbeiter. In Arad streiken die Schlosser. Schon seit mehreren Wochen befinden sich in Budapest die Schäftemacher im Ausstand. Im Laufe der letzten Tage hat eine große Anzahl der Meister die Forderungen der Streikenden bewilligt, so daß die Zahl der Ausständigen von 1000 auf 600 gesunken isll Konflikt in der schwedische» Metallindustrie. Nach der großen Aussperrung in der schwedischen Metallindustrie im Sommer 190L wurden bekanntlich aus Veranlassung von«Schwedens Werkstätten. Vereinigung" Verhandlungen angeknüpft, die ein allgemeines, dau- ernden Frieden sicherndes Uebereinkommen zum Ziele hatten. Ende vorigen Jahres war man nun endlich soweit gekommen, daß sich die Vertreter der Unternehmer und der Arbeiter fast in allen Punkten über ein Uebereinkommen, die Verhandlungsformen bei Streitigkeiten zwischen Arbeitgeber und Arbeiter betreffend, ge einigt hatten, und es wurde dann ein besonderes Komitee eingesetzt, das Vorschläge zu den Bestimmungen über die LehrlingSaus- bildung und über die Höhe der Minimallöhne für die verschiedenen Arbeitergruppen ausarbeiten sollte. Nun hat jedoch die Werkstättenvereinigung in einer kürzlich abgehaltenen Ver- sammlung einen Beschluß gefaßt, durch den die V e r h a n d l u n g e a über die Minimallohne und die Lehrlings- bestimmungen für abgebrochen erklärt werden. Die Unternehmer machen die Vertreter der Arbeiter für den Abbruch der Verhandlungen verantwortlich. Wie jedoch deutlich aus einer Erklärung hervorgeht, die die in Betracht kommenden Gewerkschaften, nämlich der Eisen- und Metallarbeiter-, der Gießer-, der Holz- arbeiter- und der Grob- und Fabrikarbeiter-Verband in der vorigen Woche veröffentlichten, haben die Vertreter der Arbeitgeber einen leeren Vorwand benutzt, um die Verhandlungen zum Scheitern zu bringen. Da die Arbeitgeber, die der Werkstättenvereinigung an- gehören, mit Rücksicht auf das geplant« allgemeine Uebereinkommen die bisherigen Tarifgemeinschaften gekündigt haben, erscheint die durch den Bruch der Verhandlungen entstandene Lage besonders ernst. Sämtliche Arbeiter des Baugewerbes. 2000 an der Zahl, sind in M a l m ö ausgesperrt. Die Landesorganisation der norwegischen Gewerkschaften hat mit dem 1. April einen bedeutenden Zuwachs erhalten, indem sich ihr der Norwegische Eisen- und Metallarbetter-Verband angeschlossen hat. Der Hanptvorstand der Norwegischen Zenttalvereinigung der Buch- drucker hat einstimmig beschlossen, der ttn Juli stattfindenden Landesversammlung der Vereinigung den Anschluß an die Landesorganisatton zu empfehlen. Maurcrstreik in Aalesund. In der vorigen Woche haben die Maurer in der Anfang des Jahres 1904 abgebrannten norwegischen Stadt Aalesund die Arbeit niedergelegt. Es war bereits ein Tarif- vertrag sowohl für die Maurer wie für die Arbeitsleute zustande gekommen, als die Meister plötzlich, bevor sie den Vertrag unter- zeichneten, verlangten, daß die GipS- und Zementarbeit aus« geschaltet werden sollte. Das gab Veranlaffung zur Arbeitsnieder- legung. Das Blutbad von Limoges. PariS, 18. April.(W. T. B.) Bei der weiteren Verhandlung der Kammer über den Ausstand in Limoges verlangt Poulain sSoz.) die Einleitung einer Untersuchung über die Ursachen des AuS- standeS und wirft den Arbeitgebern bor, auf die gerechtfertigten Beschwerden der Arbeiter gegen einen Werkmeister nicht eingegangen zu sein und dadurch den Ausstand veranlaßt zu haben. Jaorisn Alter von IVa und 2 Jahren. Der in demselben Hause wohnende Schneider Joseph Eichemann stieg zur Rettung der Kinder über daS Dach in die Mansardenwohnung ein, verletzte sich aber beim Einschlagen eines Fensters an der rechten Hand, sodaß er durch Samariter der inzwischen eingetroffenen teuerwehr verbunden werden mußte. Die Kinder haben keinen chaden genommen. Bon der vierten Etage in einen Fahrstuhlschacht hinabgestürzt ist gestern abend der 38 jährige Arbeiter Richard Specha. Er war auf dein Grundstück Neue Friedrichsttahe 9/10 als Fabrikarbeiter be- schäftigt. Trotzdem eS ihm untersagt war, sich am Fahrstuhl in der vierten Etage aufzuhalten, begab er sich gestern abend dorthin. Der Arbeiter kam dabei der Oeffnung des Fahrstuhls zu nahe, trat fehl und stürzte die vier Etagen hinab in den Schacht. Mit zer- schmetterten Beinen blieb der Verunglückte besinnungslos liegen. In einem Krankenwagen wurde SP. nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Feuerbericht. Gestern abend wurde die Wehr nach der Rüders- dorferstt. 71 gerufen, weil dort in dem Vergnügungslokale„Der Ostbahnpark" eine Schießbude Feuer gefangen hatte. Die Gefahr konnte leicht beseittgt werden.— Längere Zeit gab es dann in der Plantagenstr. 13 zu tun. Allerlei Verpackungsmaterialien, Lumpen w. brannten hier in einem Keller unter starker Rauchentwickelung.— Im Luisen-Theater, Reichenbergcrstr. 34. entstand während der Abendvorstellung plötzlich Kurzschluß in der elektrischen Leitung. Die anwesende Theatcrwache beseittqte die Gefahr. Das Publikum ver- hielt sich während des Zwischenfalles ruhig.— Außerdem liefen in den letzten 24 Stunden noch aus der Stargardcrstr. 73, Neuen Schön- hauserstr. 2 und noch aus einigen anderen Stellen Alarmierungen ein, doch handelte es sich in allen diesen Fällen um ganz unbedeutende Brände, die teils vor Ankunft des ersten Löschzuges bereits von Hausbewohnern unterdrückt waren, teils die Wehr nur kurze Zeit beschäfttgten.—_ Die Große Berliner Kunstausstellung 1905 wird in einigen Tagen fertig sein und schon am Donnerstag soll eine Borbesichtigung stattfinden. Am Ostersonntag steht dann die feierliche Eröffnung bevor. Der Prozentsatz der angenommenen Werke ist größer als im vergangenen Jahre: er beträgt 24 Prozent gegen 22 im Jahre 1904. Für die Menzel-Ausstcllung waren noch bis zuletzt vier Säle vor- behalten worden, und es wurden lebhafte Anstrengungen gemacht, das Werk des Meisters für Moabit zu gewinnen: die Hoffnung scheiterte der.Volks-Ztg." zufolge einmal an dem Wunsche deS Kaisers, der die Sammlung nach seiner Heimkehr in der National- galerie vereinigt sehen will, ferner an dem Willen der Besitzer zahl- reicher Werke, die sich nicht so lange von ihren Schätzen trennen wollen. Die für Nfeuzel vorbehaltenen Räume werden einstweilen leer stehen, aber in vier Wochen mit der rettospektiven Ausstellung von Landschaftsbildern gefüllt werden. Eine Zeichenausstcllnng findet in den Tagen vom 22. bis 26. April er. in der Aula der 151. Genieindeschule, Reichenberger- straße 131/132, statt. Durch dieselbe wird der Lehrgang der neuen Zeichcumethode, nach welcher seit einige» Jahren in Berlin unter- richtet wird, klar und übersichtlich zur Darstellung gelangen. Außer« dem werden Musterleistungeu besonders befähigter Schüler in sehr reicher Auswahl ausgelegt. Die Ausstellung ist für jedermann unentgeltlich zugängig in den Stunden von 11—2 Uhr mittags und wird sicher für Fachleute wie für Laien viel Interessantes bieten. Die Freie Volksbühne, Berlin bringt zur Schillerfeier am 7. Mai die neunte Beethoven-Sinfoni'e zur Aufführung mit dem Schlußchor über Schillers Lied„An die Freude" und einer Festrede PernerstorferS aus Wien. Gleichzeittg wird eine achtmal wieder- holte Aufführung von Schillers Traueripiel„Kabale und Liebe" im Berliner Theater veranstaltet.— Für die 10. Serie der Vorstellungen ist Henrik JbsenS„Hedda Gabler" mit Frau Gertrud Arnold vom Deutschen Theater in der Titelrolle auf den Spielplan gesetzt. Theater. Im Deutschen Theater wird Sonnabend zum erstenmal „Der Privatdozent", ein Stück aus dem akademischen Leben von Ferd. Wittenbauer, aufgeführt.— National-Theater. Am Mittwoch:„Barbier von Sevilla", Donnerstag abend singt Josephine Heinze a. G. den Fidelio. Am Karfreitag die Bachsche„Johannis Passion" unter Leitung von Prof. Rennann. Sonnabend vor Ostern findet eine Wiederholung statt. Die Premiere von Verdis„Maskenball" ist bis auf weiteres hmauSgeschoben. — Im Belle-Alliance-Theater findet am Donnerstag abends 7>/z Uhr die Erstaufführung deS dreiakttgen sozialen Dramas „Die Furcht vor der Armut" von Leonor Goldschmied statt. Borher wird Wolzogens Lustspiel„Ein unbeschriebenes Blatt" mit Eva Schuhr in der Haupttolle gegeben.— Im Thalia-Theater geht heute Mittwoch„Der Kilometerfresser" in Szene, morgen Donnerstag bleibt der Karwoche wegen das Theater geschlossen. Am Karfreitag findet das bereits angekündigte Konzert statt, in welchem der Hof-Cellist Professor Grünseld, die Hof- Opernsängerin Marie Götze und Hof- Opernsänger Berger sowie die Konzert- sängerin Meta Schönfeld mit einem auserlesenen Programm mit- wirken.— Im Schiller-TheaterO.(Wallner-Theater) gelangt heute, Mittwoch, die Tragödie„Gyges und sein Ring" von Friedrich Hebbel zum erstenmal zur Darstellung. Die Haupttollen sind wie folgt besetzt: Kandaules: Erich Ziegel; Rhodope: Anna Feldhammer: GygeS: Georg Päschke; Lesbia; Annie Blaha; Hero: Martha Hart- mann; ThoaS: Max Reimer; Karno: Hermann Wlach. Vorort- Nachrichten. Charlottenburg. Eine Agitationstour unternahmen die Parteigenossen des Reichstags- Wahlkreises Teltow Beeskow am vergangenen Sonntag nach den ländlichen Ortschaften ihres Kreises. Bur Berbreitung fam ein Flugblatt und Heft 2 der vom Zentralwahlverein herausgegebenen„ Bibliothek der Aufklärung und des Wissens", in einer Auflage von je 32 000 Exemplaren. Als eine nachahmenswerte Einrichtung kann die ständige Verbreitung derartiger Broschüren bezeichnet werden. Die zuletzt verteilte Broschüre enthält auf 32 Seiten furze, leicht verständliche Artikel über die wichtigsten Tagesfragen. Aus ihrem Inhalt heben wir herbor: Die neuen Handelsverträge. Die Blutsteuer der Völker. Muß der Arbeiter fich organisieren? Ein Klassenkampf. Die Revolution in Rußland. Beteiligt waren an der Tour insgesamt 420 Genoffen, die über 400 Drtschaften zu belegen hatten. Im allgemeinen ging alles glatt von statten. Wundern muß man sich nur über die emfige Tätigkeit, die von den Gendarmen an diesem Tage entfaltet wurde. Teilweise in Sträuchern oder hinter Ge bäuden versteckt, Harrten sie, ob sie nicht einen von diesen Roten faffen fönnten, der auf offener Straße oder während der Kirchzeit feine staatsumstürzenden Schriften verteilte. Der Aufwand an Zeit und Mühe diefer Herren wäre sicherlich an anderer Stelle bedeutend beffer angebracht. Bei der Buntschedigkeit und dem Wechsel der Kirchzeiten in den einzelnen Ortschaften ist es denn auch leicht erflärlich, daß mehrere Genossen wegen angeblicher Uebertretung der Sonntagsruhebestimmungen notiert wurden. Diese Nadelstichpolitit der Polizei wird unsere Parteigenossen aber nur noch mehr anspornen, im Interesse der Partei ihre Pflicht zu erfüllen. Schöneberg. Es wird sodann zur Abstimmung über die ausführlich begründeten Braak gegenüber. Um seine Wahl zu sichern, verlas Daehn nach Anträge geschritten. Beendigung der Wahlhandlung einige Wahlzettel für Braag auf feinen Namen lautend. Für diese Wahlfälschung erkannte nun der Gerichtshof auf sechs Wochen Gefängnis. " Die bezüglich der Ausgestaltung des Seemann" gestellten Anträge werden dem Zentralvorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Dem Antrage auf Herausgabe eines Kommentars zur SeemannsOrdnung soll sobald als möglich entsprochen werden. Die Spargelder des ehemaligen Füsiliers Wilhelm Langisch, Der Antrag auf Anstellung eines Beamten für die östlichen welcher vor mehr als 30 Jahren in Brandenburg a. H. bei der 4. KomHäfen wird abgelehnt, weil man sich davon keinen Nugen für den pagnie des 35. Füfilier- Regiments gedient hat, machen der Branden burger städtischen Sparkasse viele Mühe. Langisch hatte damals seine Berband verspricht. nach bei der Sparkasse eins Drescher Bremerhaven begründet eingehend folgende Ne- Muttergroschen nach und gezahlt, aber über dreißig Jahre lang nichts mehr von solution: so daß jetzt sich hören lassen, die Summe mit den „ Die vierte Generalversammlung des Verbandes der Seeleute Binsen auf 741 m. 34 Bf. angetvachfen ist. Eine öffentliche AufM. legt" dagegen Proteſt ein, daß auf deutschen, vom Reiche forderung der Sparkasse an Langisch, das Geld abzuheben, hat keinen fubventionierten Schiffen Chinesen als Lohnbrücker an gestellt und dadurch die deutschen Seeleute, die Steuerzahler sind, Erfolg gehabt, denn der ehemalige Füsilier ist anscheinend schon zur von der Arbeit auf diesen Schiffen immer mehr verdrängt werden. großen Armee abgegangen. Seit dem 1. April hat nun die VerDer Verbandstag beauftragt den Zentralvorstand, bei der Reichs- infung des Geldes aufgehört und soll später das Sparkassenregierung dahin vorstellig zu werden, daß die Verwendung von guthaben einer wohltätigen Stiftung überwiesen werden, falls sich farbiger Mannschaft auf subventionierten Schiffen verboten nicht andere Berechtigte melden. Die Resolution wird einstimmig angenommen. wird." Gerichts- Zeitung. " Großfeuer in Chile. Bei einem Brande in Bisagua find fünf zehn Häuferblocks zerstört worden, in denen sich. mehrere Banken und das Rathaus befanden. Eingegangene Druckschriften. Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ift foeben das 29. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Das Eine und das Andere. Die Differenzen unter den russischen Sozialisten. Von N. Kautsky. Aus der neueren ethnologisch- SozialBürgerliche geschichtlichen Literatur. Von Heinrich Cunow.( Schluß.) oder proletarische Verstaatlichung der Kohlenbergwerke. Von Pius Julmann. Literarische Rundschau: Freese, Heinrich, Die Gewinnbeteiligung der Angestellten. Bon ad. br. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch. handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Bi. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. des Landgerichts I in der Person des Ein alter Abhängedieb wurde gestern der vierten Straffammer Arbeiters" Karl a czow aus dem Moabiter Untersuchungsgefängnis vorgeführt. Der erst 27 jährige Angeklagte hat bereits über acht Jahre seines Lebens im Zuchthause und Gefängnis zugebracht. Seine sämtlichen Diebstahlsvorstrafen liegen auf dem Gebiet der Abhängediebstähle. Am 5. November v. J. ging der Angeklagte mit Klage der Schöneberger Feuerwehrmänner gegen die Stadt- zwei anderen zweifelhaften Gestalten durch die Mariannenstraße. gemeinde. Die Mannschaften der Feuerwehr haben bisher keine Vor dem Hause Nummer 17 hielten sich alle drei längere Zeit Beamteneigenschaft; fie fönnen, obwohl sie nach Erreichung eines in berdächtiger Weise an dem Konfektionsgeschäft von Karbe Nachdem der Angeklagte Kaczow furze Zeit in den Von der Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen gewissen Dienstalters pensionsberecht sind, jederzeit entlassen werden. auf. Alle Bemühungen, die Qualität von städtischen Beamten zu erlangen, Laden hineingesehen hatte, riß er ein im Eingang hängendes( Stuttgart, Verlag von Baul Singer) ist uns soeben die Nr. 8 des find bisher ergebnislos verlaufen. Nunmehr haben die sämtlichen Damencapes ab und ergriff damit die Flucht.. Seine Komplizen 15. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir Woher kommt der Wert? II. Bon Julian Feuerwehrmänner der Stadt Schöneberg beschlossen, Klage zu er hatten inzwischen nach der anderen Richtung hin Fersengeld gegeben. hervor: In Tyrannos. Borchardt. Die weibliche Gewerbe- Aufsicht im Deutschen Reich. IV. Bon Der zweite heben, und zwar auf Anerkennung ihrer Beamteneigenschaft. Sie Der Diebstahl wurde jedoch sofort bemerkt und der Angeklagte ver- Emanuel Burm. Nach dem Kampfe. Von Luise gieß. Auf der Kongreß der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrantgehen dabei bon denselben Grundsägen aus, die seinerzeit auch für folgt. Es gelang, ihn bald zu stellen und festzunehmen. Aus der Bewegung: Von der Agitation. Politische Rundschau. die sogenannten städtischen Hülfsarbeiter von Berlin maßgebend für Polizeiwache änderte der Angeklagte plöglich sein Wesen. Während heiten. die Erreichung desselben Zieles waren. er bisher ganz vernünftig gewesen war, führte er mit einem Male Bon G. L. Notizenteil: Gewerkschaftliche Arbeiterinnenorganisation. Quittung. Frauenbewegung. Feuilleton: wirre Reden, nannte sich Reichstags- Abgeordneter Singer, der vom Soziale Gefeßgebung. Fahrlässige Brandstiftung wurde gestern der 18 jährigen Helene Kaiser zum Abgeordneten ernannt worden sei usw. Der Angeklagte Die Hospitalpatientin. Aus Londoner Stizzen von Charles Didens. Das Märchen vom Geift. Plath vor der ersten Straftammer des Landgerichts II zur Last fand sich bald in die Rolle eines wilden Mannes". Diese spielte Frauenbewegung. Von Lu Märten.( Gedicht.) Bon Adolf Glaßbrenner.( Gedicht.) gelegt. Am 5. Januar fand in der Luipoldstraße in Schöneberg ein er auch in dem vorigen Termine weiter, der deswegen vertagt Für unsere Kinder: Aus Schillers Lied An die Freude". Brand statt, der das Dachgeschoß eines Hauses faft ganz zerstörte werden mußte. Eine Untersuchung seines Geisteszustandes durch den Schiller. Von Ernst Almsloh, Der Alpenjäger. Von Friedrich Schiller. und einen Schaden von etwa 6000 m. verursachte. Das Feuer kam leitenden Arzt der fönigl. Charité Prof. Dr. Köppen ergab jedoch,( Gedicht.) In Marbach. Von Anton Fendrich. Das Mädchen aus der auf dem Boden neben der Waschküche zum Ausbruch. Die Ange- daß von einer Geisteskrankheit, die eine Anwendung des§ 51 er der Fremde. Von Friedrich Schiller.( Gedicht.) Das Märchen von der flagte hat das Feuer durch unvorsichtiges Umgehen mit Streich forderlich mache, feine Rede sein könne. Der Staatsanwalt be- Arbeit. Bon Ida Heijermans.( Schluß.) Aus der Kindheit. Bon hölzern verursacht. Sie war von ihrer Mutter in die Waschküche antragte mit Rücksicht auf die vielen Vorstrafen des Angeklagten Friedrich Hebbel.( Gedicht.) hinaufgeschickt worden, um Feuer unter dem Waschkessel anzumachen. eine Buchthausstrafe von einem Jahre drei Monaten. Die Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer Dabei hatte sie einen zur Waschküche führenden dunklen Bodengang Der Gerichtshof erkannte demgemäß. ohne Bestellgeld 55 Pf., unter Kreuzband 85 Pf. Jahresabonnement zu passieren und mit Streichhölzern geleuchtet. Eins der letzteren, welches noch glimmte, war ihr entfallen und die unmittelbare Ur2,60 m. fache des Brandes geworden. Der Verteidiger fuchte geltend zu machen, daß die noch jugendliche Angeklagte die Erkenntnis von der Strafbarkeit ihrer Handlungsweise nicht besessen habe. Der Gerichtshof trat dieser Meinung jedoch nicht bei, sondern verurteilte die Angeklagte zu 30 M. Geldstrafe event. sechs Tagen Gefängnis. Friedrichsfelde. " 10 Pf., durch die Post bezogen beträgt der Abonnementspreis vierteljährlich Der Kautionsschwindel ist sonst gewöhnlich eine Spezialität Die Mainummer des Wahren Jakob" ist soeben erschienen. männlicher Verbrecher, er wird aber auch manchmal mit Geschick und Erfolg von Frauen betrieben, wie gestern eine Verhandlung vor der Eine stimmungsvolle Einführung in den Inhalt ist das farbige Titelbild Maimorgen" nach einem Aquarell des Malers Herdtle. Das farbige 7. Strafkammer des Landgerichts I lehrte. Wegen wiederholten Be Doppelbild„ Maien- Kehraus", von Rata Langa gezeichnet, zeigt die truges war die Sarghändlerin Ida Pauline Schulz angeklagt. Bertreter des Gottesgnadentums auf der Flucht vor dem„ roten Mai" des Sie betrieb in der Boechstraße ein Sarggeschäft und hatte eine für ihr Prestige ungünstigen Jahres 1905. Außerdem erwähnen wir das Filiale in der Luisenstraße. Sie verkaufte Särge teils auf eigene farbige Bild Aus Bayern" und die Jülustrationen Der Rummel in Rechnung, teils hielt sie ein Kommissionslager, doch war der Um- Zanger"," Russische Unterhaltungsspiele"," Russische Ideale sind deutsche Die Auffindung eines Vermißten. In einem Pfuhl bei Friedrichs- fang ihres Geschäftes nur ein geringer. Dennoch suchte sie durch Ideale, Verlängerte Dienstzeit"," Die Raben" und" Ruſſenturs". Der felde wurde halb entkräftet ein gutgekleideter, wirre Neden führender Zeitungsannoncen Geschäftsführer" und es gelang ihr in ver- tertliche Teil bringt die Gedichte" Hüben und Drüben"," Frühlingswehen", " Deutsche Diplomatie"," Das Fest der Blüte" von Mann in mittlecen Jahren aufgefunden. Aus einem bei dem Geistes- im stande waren, eine Kaution von 500 Mart zu stellen. Auf diese und außer zahlreichen kleineren Beiträgen noch die größeren Feuilletons hältnismäßig furzer Zeit drei Männer als solche zu engagieren, die Prioritätsrechte", Klara Müller, Unsere Fahne"," Elende!"" Der Sämann"( illustriert) franken gefundenen Bettel ergab sich seine Identität mit dem Gelder fam es ihr ausschließlich an; sie hat sie in Verwahrung ge- Das kommt davon, wenn man auf Reisen geht!" Maienzauber" und Rentier Robert Schüler aus Berlin, der seit einigen Tagen polizeilich als bermißt gemeldet war. Wie Sch., der bei nommen, aber niemals zurückgezahlt. Da sie schon vorbestraft ist," Beiträge zur Tierkunde". Der Preis der 14 Seiten starken Nummer ist wurde sie vom Gericht zu einem Jahr Gefängnis ver- 10 Pfennig. seinem Bruder in Berlin in Pflege war, nach Friedrichsfelde geurteilt. kommen und in den Pfuhl geraten ist, war nicht zu ermitteln. Seine Angabe, daß er überfallen und ausgeplündert worden sei, scheint jedoch unrichtig zu sein, da man wohl kein Geld, aber eine wertvolle ühr in seinem Besize fand, die Diebe dem wehrlosen Jrren wohl Laum gelassen hätten. Die Gemeindevertretung Ruhlsdorf bei Teltow beschloß aus Gemeindemitteln 20 000 M. zu den Kosten des Bahnbaues für den Vorortverkehr zu bewilligen. Vierte Generalversammlung des Seemannsverbandes in Deutschland. Hamburg, 17. April. Die Debatte über den Geschäftsbericht füllt die ganze Nachmittagssigung aus. Gellagt wird über Schwierigkeit der Agitation in den östlichen Häfen. Hoffmann- Hamburg behandelt eingehend an der Hand eines reichhaltigen Materials die die Seeleute betreffende Gesetzgebung und Rechtsprechung. worden. Die rückwirkende Straft Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch, abends 8, Uhr, in Feuersteins Festsälen, Alte Jakobstraße 75: Generalversammlung. Geschäfts- und Kaffenbericht. Abrechnung. Anträge. Auf nahme neuer Mitglieder. Verschiedenes.- Landsleute, Damen und Herren, find willkommen. Deutscher Arbeiter Abstinentenbund.( Ortsgruppe Berlin). Mittwoch, den 19. April cr., präzise 8, Uhr, Bersammlung im„ Englischen Garten", Alexanderstr. 27c. Vortrag der Genossin Jda Altmann über: „ Gerechtigkeit". Diskussion. Gruppenangelegenheiten. Wahl des Delegierteu zur Generalversammlung. Vermischtes. " " Kommunale Praris", Zeitschrift für Kommunalpolitit und Gemeinde Sozialismus. Herausgeber Dr. Albert Südekum. Berlin W. 15. In der neuesten Nummer schildert A. Hauerkamp in einem lehrreichen Artikel die absonderlichen kommunalen Berhältnisse in den drei Nachbargemeinden Bremerhaven, Leche und Geeſtemünde, die eine scharfe Kritik geradezu herausfordern. Die Notwendigkeit einer großzügigen, bon aller partikularistischen Rückständigkeit befreiten Kommunalpolitik fann nicht überzeugender dargelegt werden, als es hier geschicht. Da wir an vielen Stellen Deutschlands auf ähnliche Verhältnisse stoßen, so sei die Abhandlung allgemeiner Beachtung empfohlen. Seine umfassende Kritik der geplanten heffischen Verwaltungsreform führt Dr. Lindemann in dieser Nummer fort; für die in ländlichen Drten tätigen Genossen bietet ein Artikel über die nassauischen Gemeinden Anregungen. Wir verweisen ferner auf eine Darstellung der Ortsbürgernugungen in Hessen von dem Genossen Ulrich. Probenummern der Zeitschrift find jederzeit völlig kostenlos durch den Berlag( Berlin W. 15) zu beziehen. Den Abonnenten steht die Benuzung des juristischen Briefkastens kostenlos ebenfalls frei. Die Genickstarre. Nach amtlicher Meldung erkrankten im Kreise Kattowiz in der letzten Woche 43 Personen an der Genicstarre; 23 starben. Auf die Stadt. Kattowig entfallen 7 Neuerkrankungen 57 Seiten. Verlagsbuchhandlung Seiß u. Schauer, München. und 8 Todesfälle. Seit dem ersten Auftreten der Seuche erkrankten 351 Personen, von denen 205 gestorben sind. wurden. Er, F. Karich- Haad. Beruht gleichgeschlechtliche Liebe auf Soziabilität? Graf v. Wilamowitz- Moellendorff. Besteht eine gelbe Gefahr? In Alt- Löbau 85 Seiten. Preis 1,50 M. A. Steins Verlag, Potsdam. Briefkaften der Redaktion. ist ein Gutsbefizer an Genicstarre gestorben, in dem Dorfe Lautiz bei Löbau ein Stellmacher an Genicstarre erkrankt. Bei einem verheirateten Arbeiter aus Horst wurde in Steele durch den zuständigen Kreisarzt Genickstarre festgestellt. Die notwendigen Vors Roter Stammtisch. Es waren lediglich Rücksichten auf den knappen sichtsmaßregeln sind getroffen worden. In Wien sind im Raum des Blattes, dem das Ausbleiben des Theaterspielplanes zuzuschreiben Von der in Diensten der Schiffahrtsinteressenten stehenden Presse Karolinen- Kinderhospital im 9. Bezirke gegenwärtig zwei von Genid- 5. 2. Benden Sie sich an den Vorsitzenden der Offenbacher Frauenist. Wir hoffen, hinfort den Spielplan regelmäßig bringen zu können. werde oft auf die angeblich enormen Kosten hingewiesen, welche die starre befallene Kinder in Behandlung. Das eine, ein Säugling, Strantentasse, W. Hinz, Prinzenstraße 66 IV. F. W. 16. Letzteres ist Reeder infolge der sozialpolitischen Gesetzgebung zu tragen hätten, tam vor fünf Tagen, das zweite, ein dreizehnjähriger Knabe, vor richtig. Werner 20. Nerthus", Wochenschrift für Tier- und Pflanzen und hervorgehoben, daß dem Drängen der organisierten Seefreunde. Altona- Ottensen, Chr. Adolf, Arnoldstr. 6. Erscheint wöchentlich. H. 53. Wenden Sie sich an den Vorsitzenden der Leute nicht weiter nachgegeben werden dürfe, wodurch zugestanden acht Tagen zur Aufnahme. Preis jährlich 6 M. Ein Geständnis des Mörders Büther. Aus Hannover wird städtischen Armendeputation, Herrn Stadtrat Hoffmann, in Rigdorf, Rathaus, werde, daß das Bißchen seemännischer Arbeiterschutz lediglich dem Wirken des Seemannsverbandes zu danken sei. Auf dem Papier uns geschrieben: Der Mörder der Erna Schaare, Postschaffner Berlinerstr. 62. M. P. 24. Ob die Krankenfasse eingegangen ist, nehme sich die neue Seemannsordnung besser aus, als die von 1872; Büther, verlangte seine Vernehmung zur Abgabe eines Geständnisses. wissen wir nicht, wohl aber raten wir dringend vom Beitritt ab. aber im Praktischen sieht das ganz anders aus ja es sei zum Teil Staatsanwalt strause begab sich sofort mit einem Protokollführer Debeczi. Benden Sie sich an die Charité oder an die Königliche Klinik ein Rückschritt gegen früher zu verzeichnen. Durch die weitestgehende ins Gerichtsgefängnis, wo ihm Büther erklärte, der mitverhaftete in der Biegelstraße, wenn Sie feine Gelegenheit haben, vorher mit einem H. B. Eigentlich dasselbe. Legteres in neuerer Zeit Interpretation des Begriffs Notarbeit" stehe die Bezahlung der Schuhmacher Paul sei der Mörder der im August 1901 verschwundenen Arzt zu sprechen. Ueberstunden lediglich auf dem Papier. Von 20 auf Bezahlung Else Kaffel, deren Gebeine bekanntlich vorige Woche nach der Auf- mehr auf sportliche Bereinigungen angewandt. bon Ueberstunden eingereichten Klagen feien 18 zuungunsten der deckung des Mordes an der Erna Schaare im Keller des Büther Marktpreise von Berlin am 17. April. Nach Ermittelungen des Seeleute entschieden der bergraben aufgefunden Büther habe zwar tgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte auf die vor dem 1. April 1903 ein- die Ermordung der Else Kaffel durch Paul feinerzeit 17,30-17,28 M., mittel 17,26-17,24 90., neuen Seemannsordnung geringe 17,22-17,20. gegangenen Heuerverträge sei von fast allen Gerichten verneint nicht gesehen, wohl aber, wie Paul die Ermordete im Keller ver- Roggen**), gute Sorte 14,00-13,97 m., mittel 13,94-13,91 M., geringe worden, trotz der Erklärung des Staatssekretärs v. Posadowsky; graben habe. Paul habe ihn damals und fortgesetzt zu bestimmen 13,88-13,85 M. Futtergerfte*), gute Sorte 15,80-14,70 m., mittel 14,60 während dagegen die Truzbestimmungen, die höheren Strafen nach gewußt, zu schweigen, und dann weiter stets versucht, ihn zu Sitt- bis 13,60 m., geringe 13,50-12,50 M. Hafer*), gute Sorte 16,20-15,40 m., der neuen Seemannsordnung, von den Gerichten rückwirkend in An- lichkeitsverbrechen an Kindern zu verleiten, vermutlich, um durch mittel 15,30-14,60 m., geringe 14,50-13,80 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen wendung gebracht würden. Redner behandelt sodann noch die vielen Herbeiführung einer eigenen Schuld des Büther dessen Schweigens 45,00-30,00 Mr. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linsen 60,00-30,00 2. Kartoffeln 10,00-6,50. Richtstroh 0,00-0,00. Hent 0,00-0,00 3. Halbheiten der Seemansordnung und die bei Beratung derselben ficher zu sein. Paul habe ihm denn schließlich auch jetzt die Erna Für ein stilogramm Butter 2,80-2,20 9. Cier per Schod 4,00-2,80 92. begangenen Unterlassungsfünden, am Schluß seiner instruktiven Aus- Schaare zugeführt, die er nach ihrer unfittlichen Vergewaltigung am *) Frei Bagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. führungen auf den zum Herbst in Berlin stattfindenden Schußkongreß Halse gewürgt und getötet habe. Die Berstückelung der Leiche habe berweisend, auf dem laut und unzweideutig die Forderungen der von dann Paul vorgenommen und beide gemeinschaftlich die Bergrabung. rücksichtslosen Seekapitalisten ausgebeuteten und von deren Hand- Db das Geständnis des Büther auf Wahrheit beruht, das dürfte Langern entrechteten Seeproletarier erhoben werden müßten. noch weiterer Untersuchung unterliegen. Paul felbft bestreitet nach Reichstags- Abgeordneter Schmalfeldt- Bremerhaven ver- wie vor jede Täterschaft oder Beihülfe. weist auf einige Praktiken des Bremer Lloyd, der sich um die Die Ehe der Schriftstellerin Helene Boehlau ist vom OberKrantenfürsorgepflicht herumzudrücken suche und diese für seine landesgericht in München für ungültig erklärt worden, da die 1500 Lösch- und Ladearbeiter überhaupt nicht anerkenne, indem er, erste The ihres Mannes zu Recht bestehe. Die„ Münchener um nicht/ der Beiträge zahlen zu müssen, nur solche Arbeiter an- Allg. 8tg." berichtet: Frau Therese Arndt al Naschid geb. Hauz, stellt, die einer freien Hülfstasse als Mitglieder angehören. hatte gegen ihren Ehemann Omar al Raschid Bey Klage erhoben Geklagt wird ferner über die zum Himmel schreienden sanitären und den Antrag gestellt, es möge gerichtlich festgestellt werden, daß Mißstände auf den großen Dampfern der Amerika- Linie und des ihre mit dem Antlagten im Jahre 1863 auf Helgoland gefchloffene Bremer Lloyd, wo, wie namentlich auf dem Schnelldampfer Ehe heute noch fortbesteht, demnach die im Jahre 1886 von dem " Deutschland"( A.-L.) die Seeleute in einem engen Raum zusammen mittlerweile zum Islam übergetretenen Verklagten in Konftantinopel Swinemde. 763 gepfercht logieren müssen. Ein Hamburger Delegierter beleuchtet, mit der Schriftstellerin Helene Boehlau ge- Hamburg 763 D das Treiben der Seemanns- Mission, die völlig im Dienste der Needer stehe, von diesen viel Geld zur„ Bekehrung" der Seeleute erhalte loffene zweite Ghe rechtsungültig fei. Das Ober- Berlin München 757 RD und diese auch recht eindringlichst vor dem Beitritt zur Organi- landesgericht München hat am Sonnabend in feinem Urteil diesem Frantj.a. M. 758 ND Wien fation warne! Stelle sich die S.-M. den Seeleuten in ihren Be- lageantrag entsprochen. strebungen auf Besserstellung ihrer Lage hindernd in den Weg, so sei es Pflicht der organisierten Seefahrer, dies gebührend zurüdzutveisen. Wahlfälschung. In Ludwigshorst war Gemeindeborstandswahl. Ms Kandidaten standen sich, nach einer Meldung der„ Stett. Abendp. der frühere Gemeindevorsteher August Daehn und der Eigentümer Berantwo. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.; Zh. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Wasserstand am 17. April. Elbe bei Auffig+1,47 Meter, bel Dresden+0,01 Meter, bei Magdeburg+2,68 Meter.- un strut bei Dber bei Ratibor 2,17 Meter, bei Breslau Straußfurt+1,90 Meter. Ober Bege!+ 5,18 Meter, bei Breslau Unter Begel 0,02 Meter, bei Frankfurt+2,00 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 2,36 Meter. Witterungsübersicht vom 18. April 1905, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Wind. richtung Windstärke D 761 MD Better 5 bededt 3 Regen 2Regen Temp. n. C. 5°. 4° N. Stationen BarometerWind. richtung Windstärke Better Temp. n. G. 1 5 Haparanda 778 N 2wollenl-2 3 Petersburg 773 DGD 2 mollig 762 ND 3 Scilly 2halb bd. 8 772 DND 4 wolfig 757 ND 3bedeat 4 Aberdeen 3 Paris 5 6 4 Regen 4 bedeckt 753 WNW 4 Regen Wetter- Prognose für Mittwoch, den 19. April 1905. Kühl und vorwiegend trübe mit Niederschlägen und ziemlich frischen nordöstlichen Winden. Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW.