Kr. 97. RboniKKwntS'Redingungen: Abonnements- Preis pränumerando i Pierteljährl. 3,30 SKI, monatl. 1,10 TOf., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags- nmnmer mit illustrierter SonntagZ- Bcilage.Die Neue Welt" 10 Pfg, Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, Eingetragen in die Post. Zeitung»- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn S Marl, für da» übrige Ausland S Marl pro Monat. SÄ. Jahrg. vie Tit{ertlonS'6(b&l)r beträgt für die sechsgespaltene koloned zeile oder deren Raum 40 Psg. für politische und gewerlschastliche Verein». und Bersammlungs-Anzeigen 25 Pfg. »Kleine Hnzcigcn". das erste(fettgedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Crfchclot tlglld) auCer Moblagt. Derlinev Volks�lÄkk. Telegramm- Adreffe: ..Soalaldtnokrat B«rli»M Zentralorgan der fozialdeniokrati f chen Partei Deutfchlands. Redaktton t 8M. 68, Lindenstrasse 69. Sernfprecher- Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, de« 26. April 1905. Expedition: 8M. 68, Lindenstraeee 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1981. Baku. Man schreibt unS: Die Schrecken von Baku, welche durch ihre Ungeheuerlichkeit selbst das Gemetzel von Kischineff übertreffen, erfuhr die zivilisierte Welt in erster Linie aus den Depeschen der Agenwren, welche aus Grund der offiziellen russischen Mitteilungen zusammengestellt wurden. Jetzt, da wir genügendes, an Ort und Stelle gesammeltes Material über diese Ereignisse besitzen, da die kaukasischen Zeitungen sie in umfangreichen Artikeln besprochen haben, jetzt können wir diese Ereignisse, wie sie wirklich waren, beschreiben, ihre tatsächlichen Ursachen klarlegen, daß die Kulturwelt den Verantwortlichen daS Schandmal aufdrücke. Als Erklärung für die zwischen den Armeniern und Tataren erfolgte Metzelei werden als Ursache angegeben: der religiöse Fanatismus, der nationale Gegensatz, die ökonomischen Verhältnisse. Betrachten wir, inwieweit diese Erklärung der brudermörderischen Metzelei richtig ist. Von einer religiösen und nationalen Feindschaft zwischen Armeniern und Tataren kann keinerlei Rede sein. Diese beiden Nationalitäten leben ja schon mehrere Jahrhunderte neben- einander; ja, zur Zeit der Perscrherrschaft, als die christlichen Nationalitäten inmitten der mohamedanischen Bevölkerung eine unbedeutende Minorität bildeten, und als diese mit einem Schlage die ganze armenische Bevölkerung vernichten konnte, selbst um diese Zeit fanden keinerlei Ausbrüche des nationalen Fanatismus statt. Auch während des letzten russisch-türkischen Krieges, als die Muselmänner des Kaukasus, begeistert durch das Erscheinen der türkischen Heere im Kaukasus. schon die Hoffnung auf die Herrschaft des Islams in diesem Gebiet hegten, auch da fanden derartige Eruptionen nicht statt. Sollte jetzt, da die muselmännische Gesellschaft vorwärts ge« gangen ist, in ihrer Mitte schon eine ziemlich bedeutende Menge von Vertretern der Intelligenz besitzt, eine eigene Presse hat, welche die Solidarität aller im Kaukasus lebenden Nationalitäten vertritt, von einem religiösen oder nationalen Antagonismus im Ernst ge- redet werden dürfen I Das sind alles Lügen,»eiche die wirklichen Anstifter dieser Metzelei zur Bemäntelung ihrer Schandtaten erfunden haben. Gerade die Muhamedaner und ihre Geistlichkeft hat das unzweideutig bewiesen, die doch wohl am ehesten fanatisch gestimmt sein müßte. So versteckten während der Metzelei viele Muselmänner Armenier bei sich, und die Geistlichkeit küßte vor den Augen aller die Vertreter der armenischen Geistlichkeit. Ja noch mehr— das geistliche Haupt der Muselmänner erklärte vor allen, daß zwischen den Tataren und Armeniern keinerlei Feindschaft de- steht und daß»dunkle Mächte", der Teufel f.Teitau") die Ursachen dieser Ereignisse seien. Eine deutliche Anspielung I— Was einen ökonomischen Gegensatz anbetrifft, so kann auch davon keine Rede sein, da das ökonomische Leben des Landes überhaupt unter dem ungeheuerlichen Regime der staatlichen Bureaukratie leidet, das Proletariat aber, das armenische wie auch das tatarische in gleichem Maße durch die Bourgeoisie derselben Nationen aus> gebeutet wird. Man kann nicht von der ökonomischen Unterjochung des einen Volkes durch das andere reden, da die beiden Völker sich in einem Zustande gleichmäßiger Unterjochung befinden. Was sind also die wirklichen Ursachen? Ein paar Tage vor der Metzelei berief der Gouverneur von Baku einflußreiche Tataren zu sich und machte ihnen den Vorschlag, sich mit Lebensmitteln und»allem Notwendigen" für einige Tage zu versehen, da. wie er meinte, die Armenier die Absicht hätten, am 20. Februar(es war dies der Vorabend der Metzelei) eine bewaffnete Kundgebung gegen die Regierung zu veranstalten. Was aber die unteren Berwalwngsbeamten anbetrifft, so haben diese, wie sich später herausgestellt hat, die Tataren gegen die Armenier aufgehetzt, indem sie sagten, die Armenier hätten die Absicht, die Tataren während der Kundgebung abzuschlachten. Diese und noch andere Machinationen der staatlichen Agenten traten während der Metzelei klar zutage: es ergab sich, daß die Tataren mit Revolvern und Flinten bewaffnet waren; sie ergänzten ihren Vorrat an Waffen und Patronen täglich in den Polizeirevieren: die Soldaten und die Polizei griffen gar nicht ein, als die Tataren vor ihren Augen mordeten, raubten und sengten. Wenn die Behörden hin und wieder zur Waffe griffen, so geschah das nur, wenn bewaffnete Armenier erschienen: man nahm ihnen dann die Waffen ab und gab sie den Tataren. Auf alle Bitten hin, sich inS Mittel zu legen, erwiderte der Gouverneur, daß er keine Soldaten habe, dabei war die ganze Stadt einige Tage vor der Metzelei, während des Streiks der Arbeiter, ein wahres Kriegslager: wenn die Kosaken und die Polizei auf den Straßen um Hülfe ersucht wurden, er- widerten sie:»Wir haben keinen Befehl erhalten." Welchen Zweck verfolgte die Regierung? Die revolutionäre Bewegung unter den kaukasischen Armeniern hat in den letzten zwei Jahren einen derartigen Umfang erreicht, daß sie die Regierung sehr ernstlich ängssigte. Dazu kamen noch die Gerüchte über eine unmittelbar nach dem Streik stattzufindende bewaffnete Kundgebung und über einen Aufftand während der erwarteten Mobilisation der armenischen Reservisten. In dieser Lage faßte die Regierung, um die angesammelte revolutionäre Energie zu entladen und mn der Sache der armenischen Revolution einen empfindlichen Schlag zu versetzen, ihren höllischen Plan. ES war für die Regierung unbequem, direkt eine Schlächterei unter den Armeniern zu beginnen, um so mehr, als das eine gewisse Kraft- anstrengung von ihr verlangt hätte, zu der sie nicht fähig war. Ueber- nahmen die Tataren diese Aufgabe, so kostete das der Regierung nichts und ersparte ihr außerdem Vorwürfe. Sie bediente sich für ihren Plan der Hefe der Gesellschaft. Sie gab diesen Elementen Waffen, begeisterte sie durch die Hoffnung auf einen leichten«vtr. reichen Gewinn, versprach ihnen vollständige Gefahrlosigkeit und ließ sie auf die Armenier los. Daß dies Gesindel des Zaren keinerlei bestimmten Vorstellungen»geistiger Art", religiösen oder nationalen folgte, sondern daß es nur das Verlangen nach Beute antrieb, erkennt man auch daraus, daß die zahlreichen bewaffneten Haufen sofort beim Herannahen einiger bewaffneten Ärinenier nach allen Seiten auseinanderstoben: warum sollten sie auch ihr Leben riskieren! Die armenischen Revolutionäre griffen nicht sogleich zu den Waffen gegen die Tataren, da sie die treibenden Kräfte nur zu gut kannten und es vermeiden wollten, durch einen bewaffneten Zusammenstoß zwischen Tataren und Armeniern die Sache der Solidarität zwischen den beiden Völkern zu schädigen. DaS lokale Komitee richtete daher zunächst einen Brief an den Gouverneur Nakaschidse, in dem es den Treiber des Krawalls erblickte, forderte die Einstellung der Metzelei durch alle ihm zu Gebote stehenden Mittel und drohte ihn zu bestrafen. Andererseits versuchte man beruhigend einzuwirken. Als die revolutionären Armenier aber sahen, daß die Tataren, trunken durch den Erfolg, auch unterstützt durch die Polizei, die Stimme der /Lernunft und Menschlichkeit nicht beachteten, da mobi- lisierten sie ihre bewaffneten Reihen und in weniger als in zwei Stunden säuberten sie das Zentrum der Stadt von Tataren. Während die an die Behörden gerichteten Bitten zu nichts führten, machte das Erscheinen der bewaffneten Kämpfer binnen kurzer Zeit dem Schrecken ein Ende. Darauf erklärten sich die Tataren bald geneigt zum»Friedens� schluß". Wir wiederholen, die Armenier hatten eine Gegenwehr organisiert und sie machten nur in den äußersten Fällen und auch nur, um die eine oder andere Raub- und Mordbande zu zerstreuen, von ihr Gebrauch. Das nannte die Regierung eine„gegen- seitige Schlächterei". Und sie besitzt noch die Schamlosigkeit zu behaupten, daß die armenischen Revolutionäre die Ursache der»Un- ruhen" von Baku seien. Obwohl die Armenier einerseits die Tataren, andererseits die Regierung gegen sich hatten, haben sie es verstanden, in jenen Tagen des Schreckens nicht nur Heldenmut sondern auch Zurückhaltung zu bewahren. Im Interesse der Solidarität der beiden Völker übten die Armenier die äußerste Schonung. Die Erfolge, welche die Regierung schließlich erreicht hat, waren den Erwartungen entgegengesetzt. Die Ereignisse von Baku stjaben zwischen den Armeniern und Tataren keinen Wgrund geschaffen Im Gegenteil, sie haben sie näher geführt. Auch die anderen zahlreichen Nationalitäten im Kaukasus wurden zum Be- wußtsein ihrer Solidarität gebracht. Sie erkannten, daß sie alle nur einen gemeinsamen Feind besitzen— die russische Regierung. Und in den zahlreichen Versammlungen in allen Städten des Kaukasus, in denen Zehntausende von Vertretern verschiedener Nationalitäten anwesend sind, an Gräbern der dem Moloch der Selbstherrschast dargebrachten Opfer, überall vereinigen sich die Stimmen in dem einen Ruf:»Nieder mit der Selbstherrschaft, es lebe die Ver- brüderung der Nationen. Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Die russische Flotte hat nun wirklich die Kamranh-Bucht verlassen. Es wird gemeldet: Saigon, 24. April. Der Berichterstatter der» A g e n c e HavaS", der die Kamranh-Bucht besucht hat, telegraphiert 52 rusfische Schiffe, einschließlich Transportschiffen, find in der Kamranh-Bucht gewesen; am Sonnabendmittag ist das ganze Geschwader in nördlicher Richtung fortgefahren nur in Sicht der Bucht den Kreuzer.Swetlana", das Hospital schiff»Drei" und 14 Transportschiffe lassend. Ein russischer Torpedobooisjäger überwacht die Küsten. Der ftanzösische Kreuzer .DeScartes" ist am Sonnabend um 2 Uhr nachmittag nach der Rha» Trang- Bucht, ungefähr 25 Seemeilen nördlich von der Kamranh- Bucht. gegangen. Ein Fisch.er meldet, er habe in der Rähe der Rha- Trang- Bucht 20 Kriegsschiffe gesehen, aber er hätte ihre Nationalität nicht ausmachen können. Fischer sowohl wie auch Europäer sagen übereinstimmend aus, sie hätten gestern abend ein lebhafte« Gcfchühfeuer in Höhe der Kamranh-Bucht gehört; möglicherweise handelt es sich um ein UrbungSfchirßen, wie es Admiral Roschdjestwensky oft während der Ueberfahrt abgehalten hat. Personen, die an- geblich den Admiral gesehen haben, erklärten, er habe einen sehr beschäftigten Eindruck gemacht, obwohl er sehr unter Leib- schmerzen zu leiden hatte. Man glaubt, daß er alle Mttel versuchen wird, um sich mit dem Geschwader des Admirals Nebogatow zu vereinigen, ehe er seine Fahrt zu einem ent- scheidenden Schlag fortsetzt. Alle diejenigen, die Gelegenheit ge- habt haben, mit den russischen Schiffen in Berührung zu kommen, bestättgen, daß den Offizieren und Mannschaften volles Vertrauen durch ihren Admiral eingeflößt sei, aber der Eindruck, den die Kriegsschiffe gemacht hätten, sei kein überaus günstiger gewesen. Shanghai, 24. April,(lieber Hongkong.)(„Laffan"-Meldung.) Der nach der Kamranh-Bucht entsandte Korrespondent des Bureau Lassan" kabelt: Ich traf heute, Sonntag, in der Kamranh-Bucht ein. Das russische Geschwader hat die Bucht Sonn- abend mittag verlassen, doch liegen noch achtzehn russische Schiffe, darunter„Swetlana" und .Orel" sowie fünf deutsche und andere Transport» dampferin der Bucht. Ein Torpedojäger, der nicht zusammen mit dem Geschwader abgefahren war, ging heute in See. Sonntag morgen 10 Uhr fuhr ich in meinem Boot 30 englische Meilen südlich von der Kamranh-Bucht an neun großen Schiffen vorbei, unter denen ich ein Schlachtschiff und einen Kreuzer unterschied, die in nordnordöstlicher Richtung fuhren. Es war wahrscheinlich das Geschwader des Admirals Nebogatow. Admiral Roschdjestwensky leidet an Dysenterie; doch soll sich sein Zustand bereits gebessert haben. Tokio, 24. April. Der Gouverneur der Insel Hainau tele« graphierte nach Peking, daß Roschdjestwenskys Geschwader vor der Küste von Hainan Kohlen einnehme. Aus Hongkong wird gemeldet, Admiral Nebogatows Geschwader werde sich mit dem Geschwader Roschdjestwenskys ungefähr am 28. April vereinigen, und die ganze Flotte werde sich dann längere Zeit bei Hainan auf« halten. Ein russisches Hospitalschisf ist am Sonntag in Batawia eingettoffen. Ueber de» Anfenthalt der japanischen Flotte liegen zuverlässige Nachrichten nicht vor. Nach einer Meldung soll sich die Flotte Togos südlich von Formosa sammeln. Nach anderen Meldungen soll die Flotte Kami- muras bei Manila kreuzen. Endlich geht das Ge« rücht, daß eine starke japanische Flotte auf der Höhe der Kamranh-Bucht gesehen worden sei: Saigon, 23. April. Der Korrespondent der„Agence Havas" in Kamranh telegraphiert: Es verlautet, daß etwa 20 japanische Kriegsschiffe am Sonntag abend zwischen 8 und 9 Uhr die Kamranh-Bucht passiert haben. Zwei von Saigon kommende, mit Reis beladene Frachtdampfer, mit der Bestimmung nach Japan, sind von dem Russen ausgebracht worden.— Russische Offiziere erklären, daß das Geschwader Roschdje st wenskys zu einer Schlacht entschlossen sei. Jedes Schiff habe seinen besonderen Auftrag; das japanische Admiralschiff werde jedoch das Ziel des ganzen Geschwaders sein.— Sonntag vor« inittaa wurde von neueni Kanonendonner gehört; die einzelnen Schüsse erfolgten in Zwischenräumen. Wo und wann es zum ersten Zusammenstoß kommen wird, läßt sich also durchaus noch nicht sagen. Politische deb er sieht. Berkin. den 25. Aprll. Gefängnisfreuden eines sozialdemokratischen Redakteurs. In Königsberg stellte der Freisinn im Verein mit der Freisinnigen Vereinigung und den Nationalliberalen gegen eine Anzahl Genossen Strafantrag wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs, weil diese in eine von den„Vereinigten Liberalen" einberufene Versammlung gegangen waren, in der Hoffnung, sich dort an der Diskussion be« teiligcn zu können. Sie wurden aber vor Beginn der Versammlung hinausgewiesen und acht Ge- nossen brachte darauf der Liberalismus ins Gefängnis. Darunter befand sich auch der Redakteur deS Königsberger Parteiblattes, Genosse M a r ch i 0 n i n i. der als Berichterstatter in die Versammlung gegangen war. Die Ausübung seiner journalistischen Pflicht wurde als ge- meinschaftlichcr Hausfriedensbruch angesehen und mit 14 Tagen Gefängnis geahndet, obwohl er nicht vor- bestraft war. Mit noch drei anderen Genossen hat er diese Strafe kürzlich verbüßt. Vor Antritt der Gefängnishast hatte er Selbst- beschäftigung und das Lesen der„Hartungschen Zeitung" beantragt. Da er noch vor den Osterfciertagen aus dem Ge- fängnis kommen wollte, wartete er den Bescheid wegen der Selbstbeschäftigung nicht ab. Dieser wurde ihm, als er schon einige Tage Haft verbüßt hatte, mitgeteilt. Er lautete aus Ablehnung der Selbstbesch äftignng mit Rücksicht auf die Kürzel! der Gefängnishaft. Vorher hatte man aber den Genossen schon, wie uns aus Königsberg geschrieben wird, mit Werkzupfen beschäfttgt. Von einer Beschwerde nahm Genosse Machionini Abstand, da er nicht Lust hatte, in einsamer Zelle 14 Tage hindurch diese geisttötende Arbeit zu verrichten. Er beantragte deshalb mit den anderen drei Genossen, die man zusammen in einer Zelle untergebracht hatte, zusammen- arbeiten zu dürfen. Das wurde ihm gewährt, dafür aber mußte er auf das Lesen der Zeitung verzichten. Auf feinen Gesundheitszustand hat man keinerlei Rücksicht genommen. Als er zum Arzt geführt wurde, klagte er. daß er vom Essen des groben Brotes heftige Leibschmerzen bekommen hat. Der Genosse leidet am Unterleib und hat im vergangenen Jahre zu wiederholten Malen in ärztlicher Behandlung gestanden. Hier hatte ihm der Arzt so- gar das Essen des feinen Brotes verboten. Er bat deshalb den Gefängnisarzt, ihm wenigstens feines Brot zu verordnen. Der Herr, ein Professor namens Puppe, lachte laut auf. Nachdem sich sein Lachen gelegt hatte, erklärte er, daß er den Genossen untersuchen werde. Ein Blick auf die Zunge, ein zwei- maliger Händedruck auf den Leib genügte dem Professor, um zu er- klären, daß er dem Genossen kein anderes Brot verordnen könne. Also selbst diese kleine Bitte wurde ihm abgeschlagen und da- ür mußte er 14 Tage lang hefttge Leibschmerzen erdulden, sie sich jetzt auch in der Freiheit nicht legen wollen. Das sind die Freuden eines sozialdemokratischen Redakteurs in einem preußischen Gefängnis. Der Vorsteher dieses Ge- ängnisseS ist der Erste Staatsanwalt Schütze, der durch )en Russenprozetz eine Weltberühmtheit erlangt hat.— Die Entscheidung des amerikanischen Oberbundesgerichts. Die kürzlich erfolgte Entscheidung des amerikanischen Oberbundesgerichts(Luxremo Court oi tiie United States) gegen dke gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit durch die Einzelstaaten hat in manchen deutschen Arbeiterkreiscn Ver- wunderung hervorgerufen. Es liegt in dieser Entscheidung so viel dreiste Anmaßung gegen mäßige und gerechte Forde- rungen der Arbeiter, daß man sich Wohl wundern muß, wie dem amerikanischen Arbeiter so etwas geboten werden darf. Man fragt sich: Wie kann das höchste Gericht in Amerika die von den Volksvertretungen beschlossenen Gesetze für ungültig erklären? Welche Chancen hat dann eine sozialistische Partei, Maßnahmen zugunsten der Arbeiter durchzusetzen?— Demgegenüber niuß darauf hingewiesen werden, daß wir es hier mit einem charakteristischen Merkmal zu tun haben, wie alle Institutionen des modernen Staates — und mögen sie die feierlichsten Namen tragen—, es als ihre Aufgabe betrachten, dem Interesse der Kapitalisten zu dienen, solange und soweit sie nicht den Widerstand der Arbeiterklasse zu fürchten haben. Charakteristisch ist dies Merkmal ferner für die Geringschätzung der politischen Macht der Arbeiterklasse, eine Geringschätzung, die sich deutlich in diesem Urteil kundgibt. Würde man eine politische Machtent- faltung der Arbeiter fürchten, hätte man ein solches Urteil nie gewagt. Die Berufung auf die Verfassung ist eine beliebte, weil immer wirkungsvolle Täuschung. Man kann einer Sache die verschiedenste Auslegung geben; auch die Verfassung ist eine wächserne Nase, man kann sie drehen wie man will. Der Luprems Court hat die Jurisdiktion über alle Verfassungs- fragen und kann ein Staatsgesetz, ja, sogar eine Kongreßakte für ungültig erklären. Die Verfassung kann dann freilich amendiert, also entsprechend verändert werden, um den juristischen Forderungen Rechnung zu tragen. Der Kongreß oder zwei Drittel der Einzelstaaten können Amendements vorschlagen, die aber von drei Vierteln aller Staatslegislaturen angenommen werden müssen, um rechtskräftig zu sein. Die Mitglieder des Louxrsms Court(9) werden vom Präsidenten auf Lebenszeit ernannt oder dem Senat vorgeschlagen, der seine Bestätigung geben muß.— In der fraglichen Angelegenheit— es handelte sich um die gesetzliche Begrenzung der Arbeitszeit für Bäcker im Staate New Jork auf 60 Stunden pro Woche— stimmte das oberste Gericht nnt fünf gegen vier Stimmen, daß die Verfassung verletzt sei. Die neun obersten Staatsweisen waren also geteilter Meinung über diese wichtigee wurde durch die Fabrikanten in der Lokalpresse bekannt gegeben, daß die Gewerkvereinsleitung brieflich gebeten habe, die durch die Verbändler frei- gewordenen Plätze durch Gewerkvereini er be- setzen zu lassen. Dies n, achte zunächst stutzig, und in der Voraussetzung, daß dies von den Fabrikanten nur behaupte, würde, um einen Keil zwischen beide Organisationen zu treiben. blieb diese Notiz vorläufig von Verbandsseite unbeachtet. Auf Ausrage stellte die Ge- werkvereinsleitung dies auch als eine ganz harmlose Sache hin. Mittlerweile gingen dem Gewerkverein aber auch die Streik- gelber aus und, jedenfalls um diese Blöße zu verdecken, kam noch vom Hauptvorstand in Berlin dem Herrn Winter ein Signal. Es wurde zum Rückzug geblasen, in ganz heimtückischer Weise, ohne vorher der Tarifkom Mission etwas zu sagen! Im Organ des Gewerkvereins„Der Lederarbeiter" wurde in Nr. 6 über die Schuhmacherbewegung in Weißeufels folgendes geschrieben: In der Hauptvorstandssitzung des Gewcrkvereins zu Berlin be- richtete der Hauptschristführer Winter über die Lage der Weißenfelser Tarifbewegung, daß der Fabrikantenverein hartnäckig jede Verhandlung mit der Tarifkommission ablehne, auch die wohlgemeinte Vermittlung hochstehender Persönlichkeiten zurück- gewiesen habe. Falls nicht ein Wendepunkt eintrete und die Ver- stockten nicht zur Einsicht gelangten, werde wohl auf die Forderung des schriftlichen Arbeitsvertrages vorläufig verzichtet und als Ab- schlagSzahlung eine Lohnaufbesserung unter anderer Garantie vor- genommen werden müssen. Geregelte und gerechte Zustände durch Tarif- Verträge herbeizuführen, dazu sei der Fabrikantenverein noch nicht reif. Daß dieses Schreiben geeignet und berechnet war, den Wider- stand der Fabrikanten zu verschärfen und Wankelmütigkeit in die Arbeiterreihen zu bringen, lag klar auf"der Hand. Die Tarkß»' kommission hatte beschlossen, eine Aenderung der Taftik nicht vor« zunehmen. Trotzdem erklärte die Gewerkschaftsleitung am Orte. mit dem Verband Deutscher Schuhmacher weiterkämpfen zu wollen, und scheinbar waren die Herren mit der Schreibweise ihres Hauptvorstandes nicht einverstanden. Doch- wußten sie wohl und gaben auch zu, daß es sich bei diesem Coup an der Zentral- stelle um die fehlenden Mittel zum Weiterstreiken handelte. Von dieser Zeit an nahmen auch die Streikbrecher aus den Reihen der Gewerkvereine in auffälliger Weise zu. In der Fabrik von Kühn, Ivo der Gewerkverein stark vertreten ist, wurde 5 Streikbrechern gekündigt, weil sich die alten Arbeiter, die GeWerk- Vereinsmitglieder, zur Arbeit gemeldet hatten. Selbst Haupt- Vorstandsmitglieder des Gewerkvereins machten den Fabrikanten Mitteilung von dem finanziellen Bankrott, der ein sehr baldiges Ende, des Streiks zur Folge haben müsse. Von Tag zu Tag trat der geübte, Verrat immer klarer zutage. Ganz sicher wäre der Streik gewonnen worden, wenn die Gewerkvereinler, und in erster Linie ihre Hauptverwaltung, nicht als Verräter, sondern als auftichtige Vertreter für Arbeiterinteressen eingetreten wären.„Der Lederarbeiter" als Organ des Gewerkvereins brachte z. B. in Nr. 7 pon Berlin aus Versammlungsberichte in so unrichtiger und entstellter Weise, daß selbst unsere konservativen Blätter zum Schaden der Arbeiter es nicht besser fertig zu bringen vermögen. In jenem Blatt wird das Verhalten der Streikenden einem offenen Aufruhr gleichgestellt und an einer Stelle heißt eS dann:„Denn nach diesen Ereignissen ist eine gütliche Vermittelung ausgeschlossen." Diese Schreibweise war nur darauf berechnet, ein gewaltsames Ende des Streiks herbeizuführen, um noch rechtzeittg die finanzielle Blöße verdecken zu können. Daß die Hirsch-Dunckerschen Gewcrkvereine nicht kräfttg und lebensfähig genug sind, wirtschaftliche Kämpfe von längerer Dauer mit dem organisierten Unternehmertum führen zu können, bedarf wohl keiner weiteren Erörterung. Ernsthafte Kämpfe, wie sie den Arbeitern aufgezwungen find, durchzuführen, dazu fehlen ihnen die Energie, die Mittel und der Wille. So auch hier. Noch am 14. April wurde in öffentlicher Schuhmacher- Ver- sammlung durch den Weißenfelser Vorsitzenden des Gewerkvereins, Herrn König, erklärt, daß das Gerücht, der Gewerkverein habe kein Geld mehr, unwahr sei und die Waffenbrüderschaft mit dem Zentralverbande bis zum letzten Augenblick aufrechterhalten würde. Der Kassierer sei dagewesen und habe sich von der Situation überzeugt. Jawohl, dagewesen war der Herr Kehl, er hatte aber den Fabrikanten Mitteilung gemacht, daß er kein Geld mehr sende und dem Streik dadurch ein Ende mache. Am 20. April, zwei Tage vor dem Osterfest, als die Mitglied er kamen, um ihre Streikunterstützung abzuheben. wurde ihnen bedeutet, d a ß S t r e i k u n t e r st ü tz u n gnichtmehr ausgezahlt werden könne. Der Hauptvorstand hatte seine Mitglieder imStich gelassen. Alte Mitglieder des Gewerk- Vereins, die fünf und sechs Kinder hatten, erhielten zum Osterfeste statt der Unterstützung eine solche Antwort von einer angeblichen Arbeiterorganisation. Angesichts eines solchen Verrates dürste Wohl für alle Arbeiter die Frage entschieden sein, ob sie in Zukunft noch den Hirsch-Dunckerschen über den Weg trauen dürfen. Die richtige Wahl der Organisation wird unter solchen Umständen ehrlichen Arbeitern nicht schwer fallen._ Berlin und dnigegend. Die Rohrleger und Helfer befaßten sich am Montag in eine» bei Keller abgehaltenen, stark besuchten Versammlung mit der Frage der Verbesserung ihres Tarifs. Der jetzt geltende Tarif wurde inr Jahre 1902 mit den Arbeitgebern abgeschlossen und läuft am 1. September d. I. ab. Wie Wiesenthal der Versammlung berichtete, sind während der bisherigen Vertragsdauer eine große Zahl von Differenzfällen, die aus dem Arbeitsverhältnis resultterten, durch die Schlichtungskommission erledigt worden. Auch hat die Kommission eine Reihe von Beschlüssen gefaßt, auf Grund deren die ursprünglichen Tarifbestimmungen wesentlich ergänzt worden sind. So wie sich der Tarif jetzt aber präsenttere, sei er nur ein Flickwerk, das einer erheblichen Verbesserung bedürfe, auch besonders im Hinblick auf den Minimallohn, der den Berliner Ver- Hältnissen nicht mehr angepaßt sei. Redner empfahl den Tarif recht« zeittg zu kündigen, damit derselbe einer zeitgemäßen Modifikation unter- worfen werden kann. Nach reger Diskussion, die sich durchweg im Sinne des Referats bewegte, wurde folgende Resolutton einsttmmig angenommen: „Die Versammlung beauftragt die Ortsverwaltung des Metall- arbetter-Verbandes, den bestehenden, mit dem Verband der Heizungs- industriellen, der Vereinigung Berliner Gas- und Wasserinstallateure. der Innung Berliner Gas-, Wasser- und Heizungsfachmänner, der Charlottenburger Innung sowie einer Anzahl Einzelfirmen ab- geschlossenen Tarif zu kündigen und geeignete Schritte zu Vor- bereitungen fiir den Abschluß eines neuen Vertrages zu unter- nehmen. Die Versammelten erklären, die diesjährige Tarifbewegung durch rege Agitation und treues Festhalten an der Organisation nach besten Kräften zu fördern." Um eine zweckmäßige Formulierung der Forderungen zu ermög- lichen, soll in allcrnächsterZeit eine Statistik über die Lohn- und Arbeits- bedingunqen der Berliner Rohrleger und Helfer aufgenommen werden, die als Grundlage für die Verhandlungen mit den Unternehmern dienen soll. Mitgeteilt wurde auch, daß die Unternehmer im Rohr- legergewerbe sich in einem neuen Arbeitgeber-Verbande zusammen- gefunden haben, dessen Arbeitsnachweis dem Nachweis der Ab- leilung II des Kühnemänner-Verbandes in der Dresdenerstraße angegliedert ist. Die Stellmacher in den LuxnSwagrnfabriken haben mit Hülfe des Holzarbeiter-Bcrbandes eine Lohnbewegung mit Erfolg durch« geführt. Sie forderten Verkürzung der M— 57 stündigen wöchentlichen Arbeitszeit auf 52 Stunden und einen einheitlichen Akkord- tarif. Bisher gab eS für jeden Wagen, ohne Berücksichtigung der Einzclarbeiten, bestimmte Preise. Gefordert wurde die Festsetzung und gleichzeitige Aufbesserung eines Grundpreises und besondere Bezahlung der Extraarbeiten. Es kommen 7 Betriebe mit etwa 100 Stellmachern in Frage. Am Mittwoch und Donnerstag fanden längere Verhandlungen mit den Arbeitgebern statt. Es kan, eine Vereinbarung zustande, wonach den Stellmachern eine Erhöhung des Grundpreises um 10 Proz. und besondere Bezahlung der Extra- arbeiten zugestanden wurde. Das bedeutet eine Aufbesserung des Lohnes um etwa 20—25 Proz. Ferner wurde die 53 stündige Arbeitszeit bewilligt. Glcichzeittg verpflichteten sich die Arbeitgeber, auf 52 Stunden herabzugehen, sobald diese Arbeitszeit in den ge- mischten Betrieben eingeführt wird. Hiermit sind die Wagen« fabriken von Leuschner, Neuß und Kühlstein gemeint, die neben Stellmachern auch Schnnede, Lackierer, Sattler ec. beschäftigen. Da sich die Bewegung nur auf die Stellmacher erstreckt, nicht aber auf die übrigen Arbeiter im Wagcnbau, so fühlten sich die genannten drei Fabriken nicht veranlaßt, von der 53stündigen Arbeitszeit allzu- gehen, da ja nur die Stellmacher eine Verkürzung gefordert hatten. In diesen Betrieben erfährt auch der festgesetzte Akkordtarif einige Abänderungen, weil daselbst manche Arbeiten mit Hülfe von Maschinen hergestellt werden. In der Fabrik von Leuschner befinden sich die Stellmacher wegen der Forderung der 52 stündigen Arbeits« zeit im Streik. �Zm Betriebe von Kohlhardt wird noch über ein- zelne Punkte des Tarifs verhandelt. Im übrigen ist. wie gesagt. eine Einigung erzielt worden. veutfebes Reich. Die Zimmerer von Frankfurt a. O. sind in eine Loh» bewegung eingetreten. Bei sämtlichen Bangeschäften, mit Ausnahme einiger kleinerer Geschäfte mit 2—3 Mann, ruht seit Dienstag früh Me Arvelt bollständig. Zwei Geschäfte Hoven die Forderung bon 4ö Ps. Stundenlohn anerkannt.— Zuzug ist fernzuhalten. Vom Bäckcrstrcik in Dresden ist zu berichten, daß dort bereits 183 Gehülfen in 60 Bäckereien zu den neuen Bedingungen arbeiten. Die Streikenden stehen fest.— Zuzug ist fernzuhalten. Die Schneider in Aachen haben mit 10 von 27 Geschäften einen bis zum 1. März 1307 geltenden Lohntarif abgeschlossen, der die Löhne für Stückarbeit in einigen Fällen etwas erhöht, in einem anderen Falle aber gekürzt hat. Ist auch vorderhand nicht viel er- reicht worden, so kann man den Tarifabschluß doch als den Anfang einer Besserung in den sehr ungünstigen Arbeitsverhältnissen der Aachener Schneider betrachten. Von den 17 Geschäften, die den Tari nicht bewilligt haben. gehören zwei der ersten, sechs der zweiten und neun der dritten Klasse an. Tapezierer-Aussperrung. In Heidelberg befinden sich die Tapezierer in einer Lohn- bewegung. Die dortige Tapezierer- Innung hat nun. wie uns ein Privattelegramm meldet, beschlossen, bor dem 1. Oktober keinen der streikenden Tapezierer wieder einzustellen. Scharfmacher-Brutalität. Am Sonnabend, dem Vorabend des Festes der Liebe und der Freude, hat die Direktion der M a f s e i scheu Maschinenfabrik in München 10 Proz. ihrer Arbeiter ausgesperrt. Nicht nach dem A-B-C, sondern Werkstättenweise ist die Direktion verfahren und hat die ihr mißliebigen Arbeiter auf das Pflaster geworfen. Von dieser Maßregel wurden Leute betroffen, die Jahrzehnte in der Fabrik frondeten— einer der Ausgesperrten, der in diesem reichSrätlichen Betriebe seine gesunden Glieder einbüßte, blickt sogar auf eine 33'/, jährige Tätigkeit zurück I— Daß auch die Mitglieder der Lohnkommission entlassen wurden, zeigt, wie.unparteiisch" die Direktion versuhr. Begründet wurden die Entlassungen damit, daß durch die derzeitige Lohnbewegung eine Reduktion der Arbeiter notwendig sei. Und was verlangten denn die Arbeiter? Nichts weiter als eine 10 prozentige Stundenlohn-Erhöhung und die Lohn- und Arbeitsverhältnisse durch Tarifvereinbarungen festzulegen, eine„Forderung", die bekanntlich erst unlängst die bayrische Regierung in einem Erlaß als Wünschens- und erstrebenswert bezeichnete! Am Ostermontag früh wurde eine überaus starkbesuchte Fabrikversamm- lung abgehalten, in der einstimmig der Beschluß gefaßt wurde, daß die� Arbeiter der Dreherei und derWerkzeugmacherei vom Dienstag ab die Arbeit ruhen lassen. In Anbetracht der verschärften Situation hat die Hirsch-Dunckersche Gewerkschaft, die einen gesonderten Tarif eingereicht hatte, diesen zurück- gezogen und macht nun mit dem Deutschen Metallarbeiter- Verband gemeinsame Sache. Zuzug von Metallarbeitern nach München ist strenge fernhalten. Husfonck. Die Papierarbeiter in Südböhmen und Oberö st erreich find in einer Lohnbewegung begriffen. Vor Zuzug wird ge- warnt. Die Streik- und Lohnbewegungen in der Schweiz nehmen mit jedem Tage mehr an Ausdehnung zu. Jetzt haben auch die Schlosser in Basel und die Friseurgehülfen in Chaux- de- Fonds die Arbeit eingestellt. In Zürich hat das wild- gewordene Spißbürgertum eine Protestversammlung gegen die streikenden Maurer abgehalten, in der es von„Ausschreitungen" der Streikenden schwindelte, von den Behörden den Schutz aller Ausbeuter und Streikbrecher forderte und endlich dagegen protestierte. daß die städtischen Behörden jenen Unter- nehmern, welche die Ausführung städtischer Arbeiten über- nommen haben, diese nun aber wegen der Verweigerung des Minimallohnes stocken, wieder entziehen wollen. Das honette Bürgertum, daS hier in gewissenlosester und ödester Scharf- macherei machte, mißhandelte einen in der Versammlung an- wesenden organisierten Arbeiter derart, daß ihm die Kleider zum Teil vom Leibe gerissen, über und über mit Blut bedeckt waren, so daß er sofort von der Sanitätspolizei in Pflege genommen werden mußte. Und dieses gewaltätige Ausbeutertum schwindelt von Terrorismus und Ausschreitungen der Arbeiter!— Die Züricher Arbeiterschaft antlvortete mit einer von 10000 Personen besuchten, unter freiem Himmel abgehaltenen Protestversanimlung, in der unsere Genossen Dr. Tobler, Redakteur, Bettmann, Arbeitersekretär, Dr. Kraft, Stadtarzt, Terba(italienisch) und Arbeitersekretär Greulich kurze, kernige und begeisterte Ansprachen hielten. In einer längeren Resolution werden die Scharfmachereien der verkommenen Ausbeuter zurückgewiesen, gegen die Beschimpfungen und Mißhandlungen von Arbeitern in jener Versammlung protestiert, den Streikenden die tatkräftigste weitere Unter- stützung zugesichert und endlich die städtischen Behörden aufgefordert, die städtischen Arbeiten in Regie ausführen zu lassen. Bei den be- vorstehenden Wahlen soll die Arbeiterschaft gründliche Abrechnung mit dem Ausbeutertum auf politischem Gebiete halten. 12. Eeaeralvttsmmlung des Verbandes der Federarbeiter Deutschlands. Dresden, 24. April. Heute vormittag 11 Uhr wurde im Volkshaus die General- Versammlung eröffnet. Als Vertreter der Generalkommission ist Sabbath- Berlin an- wesend. Als Vertreter des Schuhmacher-Verbandes wird der Sekretär desselben, Kölle, noch erscheinen. Auf der Tagesordnung stehen u. a.: Taktik bei Lohnbewegungen, Unterstützungswesen, Stellungnahme zum Gewerkschaftskongreß usw. Der Vorsitzende M a h l e r verweist auf den gedruckt vorliegenden Rechenschaftsbericht, dem er nichts hinzuzufügen hat. Nach diesem hatte der Verband am Schlüsse des vierten Quartals 1904 eine Mit- gliederzahl von 6778, gegenüber 4949 am gleichen Zeitpunkte des Vorjahres. Ein nicht unwesentliches Hindernis für die schnellere Ausbreitung der Organisation war die Affäre Beiswenger, früheren Vorsitzenden des Verbandes, der 23 557 M. unterschlug und nach Amerika durchging. Die Gesamteinnahmen betrugen in den letzten vier Berichts. jähren 300 931,40 M., die Gesamtausgaben 253 073,77 Mk., so daß am 1. Januar 1905 ein Kassenbestand von 80 415,75 M. vorhanden war. An Reiseunterstützung wurden in dem gleichen Zeitraum (1901 bis 1904) 57 758 M., an Ortsunterstützung 25 900 M., an Familienunterstützung 10 709 M., an Umzugsentschädigung 13 763 Mark, an Streikunterstützung 30 850 M. ausgezahlt, für Agitation zirka 11000 M. verwendet. Der Kassierer Bock- Berlin macht einige Bemerkungen zum Kaffenbericht und bemerkt zur Affäre Beiswenger, daß diese der übergroßen Vertrauensseligkeit der Kollegen zuzuschreiben sei. Nur sie habe sie ermöglicht. Auch jetzt noch werde an vielen Orten in ähnlicher Weise fortgewurstelt. Die Erledigung der Verbands- geschäfte müsse in den einzelnen Zahlstellen eine exaktere werden. Es wird in die Debatte über den Geschäftsbericht eingetreten. In derselben nimmt die Affäre Beiswenger einen breiten Raum ein. Bon verschiedenen Delegierten wird darauf hingewiesen, daß an dem traurigen Vorkommnis zum Teil auch di» Sparsamkeit am unrechten Orte mit schuld sei. Beiswenger sei mit Arbeit überlastet gewesen und schlecht bezahlt worden. Er habe nur ein Gehalt von 1500 M. und 3 M. Diäten gehabt bei Reisen. Alles hätte auf ihm geruht. Wiederholt wird die frühere Verwaltung angegriffen, die unbedingt hätte die Unterschlagungen eher bemerken müssen. Auch über den Mangel an geeigneten Kräften in den Ortsverwal» tungen wird geklagt. Die intelligenten Kollegen nehmen vielfach keine Aemter an und es werden infolgedessen vielfach Kollegen mit Aemtern betraut, die gar nicht fähig seien, sie auszufüllen. Die Folge sei eine Reihe kleinerer Unterschlagungen an anderen Orten. Bot» BaüNgärtel-Neustadt und Schnelle-Brandenburg wird der Zentralborstand wegen seines Verhaltens bei Lohnbewegungen an- gegriffen. Nach mehrstündiger Debatte nimmt der Vorsitzende M a h l e r das Wort und weist die gegen den Vorstand erhobenen Angriffe zurück. Er betont besonders, daß bei Lohnbewegungen vor allem auch auf die tatsächlichen Machtverhältnisse Rücksicht genommen werden müsse und weist auf die Notwendigkeit anständiger Bezahlung der Gewerkschaftsbeamten hin., Soziales. Ein Glaubensbekenntnis des badischen Fabrikinspektors. Der bis zum Erscheinen seines letzten Jahresberichts mit Recht scharf angegriffene Nachfolger Wörishoffers, der jetzige Leiter der badischen Fabrikinspektion, Dr. Bittmann, hat tn dem soeben er- schienenen Buche„Die badische Fabrikinspektion im ersten Viertel- jahrhundert ihrer Tätigkeit" ein Glaubensbekenntnis abgelegt. Er kommt auf die Angriffe zu sprechen, die ihm geworden und sucht sie sich zu erklären aus der eigentümlichen Stellung, welche der Fabrikinspektion, als einer Aufsichtsbehörde ohne Strafrecht, durch die bundesrätliche Dienstanweisung vom 13. Dezember 1878 an- gewiesen sei. Gegen diese Stellung rege sich das Rechtsbewußtsein weiter Kreise auf und man male sich den Fabrikinspektor dann gern als einen Mann aus, der, sein Gleichgewicht suchend, zwischen Arbeiterschaft und Industrie hin und her pendelt, bis er schließlich, um zur Ruhe zu kommen, bei der einen oder der anderen seinen Unterstand findet als Arbeiterfreund oder als Jndustriefreund. Er fährt dann fort: „Nach meiner Auffassung ist System, Geist, Kurs— man möge es nennen wie man will— durch§ 133b der Gewerbeordnung, der den Beamten zum Hüter der Arbeiter-Schutzgesetze beruft, in unantastbarer Weise festgelegt. Die ihm anvertraute Position gegen Jedermann zu halten, ist des Beamten Aufgabe. Sie zu verlassen oder nur lau zu verteidigen, hieße nicht nur gegen Diensteid, Pflicht und Gewissen handeln, sondern auch den inneren Beruf, ohne den ein solches Amt gar nicht denkbar erscheint, völlig verleugnen. Dies war, wie allgemein bekannt ist, der Standpunft Wörishoffers. Dies war und ist auch der meine und wird eS bleiben, so lange ich die Ehre habe, an der Spitze der badischen Fabrikinspektion zu stehen." Man muß sagen, daß Herr Bittmann sich bisher keine große Mühe gegeben hat, diesen seinen Standpunkt durch Taten zu manifestieren. Aber das liegt vielleicht daran, daß dieser Standpunkt noch nicht sehr alt ist. Bei seinem Dienstantritt vor 2% Jahren wollte er versöhnen, wollte Unternehmer und Arbeiter mit gleicher Liebe umspannen, und daß bei solcher Auffassung sein Hüteramt für den Arbeiterschutz ein recht probleiNatisches werden mußte, wird er wohl nun bald eingesehen haben. Ganz hat er allerdings den Optimismus noch nicht verloren, er geizt noch nach dem Vertrauen der Unternehmer, das er gebrauchen will, um Reformen durchzu- setzen, die über den gesetzlichen Zwang hinausgehen. Er wird auch von diesem Optimismus noch geheilt werden. Schwere sanitäre und moralische Mißstände des Kost- und LogiszwangeS ergaben sich anläßlich der Behandlung eines Gesuchs, das der Zentralverband der Fleischergesellen an den Magistrat der Stadt Fürth i. B. gerichtet hat und in dem darum nachgesucht wurde, eine besondere Inspektion der Schlafräume der in Fürth beschäftigten Fleischergesellen vornehmen zu lassen. Es wurde be- hauptet, daß die Schlafräume in den meisten Fällen kleine finstere Kammern sind, die vielfach nicht heizbar sind und direkt neben un- verschließbaren Mägdekammern liegen, ein regelmäßiger Wechsel der Bettwäsche finde nicht statt usw. Nachdem erst kürzlich eine all. genreine Wohnungserhebung stattgefunden hat, wurde eine besondere Enquete nicht für nötig gehalten, sondern es wurde einfach das auf die Schlafräume der Fleischergesellen bezügliche Material aus- geschieden und besonders verarbeitet. Das dabei gewonnene Resultat deckt sich vollkommen mit den Behauptungen des Zentralverbandes. An Personal sind vorhanden 125 Gehülfen und Verkäuferinnen. 33 Gesellen haben ihre Schlafstätte auf demselben Flur wie der Meister, 18 in anderen Stockwerken, 27 unter dem Dach, 1 im Keller, 46 in Seiten- oder Hintergebäuden. 43 Gesellen schlafen allein, 38 zu Zweien, 18 zu Dreien, 8 zu Vieren in einem Raum, 7 Ge- ellen teilen die Schlafräume mit Meisterkindern. 80 Gesellen oder zwei Drittel aller Gehülfen haben in den Schlafräumen weniger als das Normalmatz von 15 Kubikmeter Luftraum zur Verfügung. Die Beleuchtung der Schlafräume ist meist düster und erfolgt vielfach von engen Höfen: heizbar sind nur 9 Kammern für 18 Gesellen. In sieben Fällen schlafen männliches und weibliches Dienstpersonal nebeneinander. Es wurde beschlossen, eine Kontrolle der Mißstände vorzunehmen und Abhülfe auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen zu veranlassen: sollten diese nicht ausreichen, so werden besondere ortspolizeiliche Vorschriften erlassen. Genossenschaftliches. Alle gegnerischen Zeitungen haben den Fall„Connewitz" in einer Weise gegen die KonsumvereinS-Bewegung, aber mehr noch gegen die Sozialdemokratte ausgeschlachtet, daß uns niemand ver- Übeln kann, nun auf die Liquidatton, vielleicht gar den Konkurs einer„Prvdukttvgenossenschaft mit Staatshülfe" hinzuweisen, von der die bürgerlichen Zeitungen ihren Lesern so wenig mitteilen. Die Palmkorb-Genossenschaft Steinachgrund, die Mitte vorigen Jahrzehnts von der bayerischen und Koburger Regierung mit je 10 000 M. Darlehn unterstützt worden ist, steht vor dem Zusammen- bruch. Auf Anttag der Regierung hat der Landtag beschlossen, von dem noch 5000 M. betragenden Darlehn so viel nachzulassen, als zur Abwendung des Konkurses nötig sei. In der Verhandlung mutzten die Regierungsvertreter zugeben, daß es noch nicht sicher sei, ob mit den 5000 M. Nachlatz der Konkurs abgewendet werden kann. Der Landtags-Referent Abg. Schumann tat bei Besprechung der Vorlage alles, um über die Einzelheiten des Geschäftsgebarens der von freisinnigen Lehrern und nationalliberalen Mittelstandsrettern, also nicht von Sozialdemokraten, geleiteten Genossenschaft den Mantel der christlichen Nächstenliebe zu decken. Nur einmal platzte er her- aus. indem er die Akten eine Fundgrube der Korruption nannte und erklärte, daß jedem privaten Geschäftsmann, der solches sich zuschulden kommen lasse, gehörig aufs Dach gestiegen würde. Nach dem Urteil des Verbandsrevisors Kukuk haben die Borstands» Mitglieder ihre Pflichten aufs gröblichste vernachlässig' Aerztliche Kampfmethoden. In unserer Nr. 94 hatten wir mitgeteilt, daß das„offizielle Organ des Leipziger wirtschaftlichen Verbandes" einen verleum» derischen Artikel gegen die Münchener Ortskasse enthalten habe. Aus dem Weiteren Inhalt der Notiz ging hervor, daß damit die „Korrespondenz des Verbandes der Aerzte Deutschlands" gemeint war. Trotzdem erhalten wir heute von einem Herrn W. Back in Straßburg folgende Berichtigung: „DaS offizielle Organ des Leipziger wirtschaftlichen Verbandes ist das von mir herausgegebene Blatt„Aerztliche Mitteilungen nebst Anzeiger". In diesem ist der von Ihnen als verleumderisch be» zeichnete Artikel nicht erschienen." Nach Lage der Sache wären wir zur Aufnahme der Berichtigung nicht verpflichtet gewesen; der genannte Verband hat, wie ersichtlich, mehrere offizielle Organe. Wir tun es aber, weil es interessant ist, aus der Berichtigung zu ersehen, daß das eine der offiziellen Organe dieses VerbgndeS sich scheut, mit dem anderen verwechselt zu werden. Versammlungen. Zentralverband der Maurer. Eine Generalversammlung aller zum Zweigverein Berlin gehörenden Zahlstellen und Sektionen tagte am Mittwoch bei Keller in der Koppenstraße und nahm zunächst die Berichts üöR VerbakidZtag entgsgen. Die Defc� gierten Wilhelm Schulz, Wolf, Stegemann, Raab«,' Grundmann und W i t t i g berichteten nacheinander über die verschiedenen Beschlüsse des Verbandstages, worauf F r i t s ch dessen allgemeine Bedeutung hervorhob und in anerkennenden Worten den Gastfreundschaft gedachte, die die Kollegen und die Arbeiterschaft Braunschweigs den Delegierten erwiesen haben. Es folgte eine kurzs Diskussion. Der nächste Punkt der Tagesordnung war dis Stellungnahme zum 1. Mai. Hierzu wurde einstimmig eine Resolution angenommen, welche besagt, daß der 1. Mai als Feiertag begangen werden soll und die Mitglieder verpflichtet sein, in der Versammlung, die in der Bockbrauerei stattfindet, zu erscheinen, wo jedem gegen Vorzeigung des Verbandsbuches eine Maikarte aus- gehändigt wird. Ferner enthält die Resolution Vorschriften über die Haltung der Zahlstellen in den Orten, wo die Gewerkschasts- kartelle Maiversammlungen veranstalten, sowie über Meldung der Gematzregelten am 2. Mai._(i Die dieser Tage vorgenommene Wahl des ZweigvereinS» Vorstandes hat, wie in der Versammlung bekannt gegeben wurde, folgendes Ergebnis gehabt: 1. Vorsitzender Emil Thöns, 2. K. H a a s e; 1. Kassierer August Wartenberg, 2. E. Leh« mann; 1. Schriftführer August B l ä s i n g; Beisitzer W- Schreiber. In die Achtzehner-Äommission wurden Silber. s ch m i d t, A. Wulf und L. K i n z e l gewählt, als Stellvertreter Bömelburg, Woitschack und O. König. Als Revisoren wurden Für st er, Graul und W i t t k o p gewählt und in dis Beschlverdekommission Leonhardt, Griese, Ewert, R a a b e und E. Schulz. Verband der Töpfer. Die Filiale Berlin hielt am Donnerstag im Gewerkschaftshause ihre Generalversammlung ab. Der Kassen- bericht vom ersten Quartal lag gedruckt vor. Die Abrechnung mit der Zentralkasse schließt mit der Bilanzsumme von 11 700,34 M. Für Krankenunterstützung wurden 4960,10 M. ausgegeben. Die Einnahmen der Lokalkasse beliefen sich auf 10 536,57 M., die Ausgaben auf 9145,78 M., so daß ein Barbestand von 1390,79 M. übrig blieb. Das Vermögen der Lokalkasse ist auf 36 908,49 M. angewachsen.— Die Generalversammlung erteilte dem Kassierer Kundi einstimmig Decharge. Darauf hielt Reichstags-Abge- ordneter RobertSchmidt einen Vortrag über:„Arbeitskammera oder Arbeiterkammern?", der lebhaften Beifall fand..' Zu Delegierten der Gewerkschaftskommission wurden Hagen unö Forster gewählt, in die Vergnügungskommission Huhn. Donner, Froberg und Weinert. Ter Zcntralvcrband der Fleischer hielt am Freitag eine gut besuchte Versammlung im„Englischen Garten" ab, woselbst der Genosse H e tz s ch o l d unter lebhaftem Beifall der Anwesenden über: „Soziale Gesetzgebung und Feiertagsheiligung" sprach. Während der Diskussion wurde vom Vorsitzenden K e s l i n k e festgestellt, daß entgegen den gesetzlichen Vorschriften ungefähr die Hälfte der erschienenen Gesellen am Karfreitag über drei Stunden hatte ar- beitcn müssen. Nur 16 Gesellen meldeten sich, um auf Anfrage mit. zuteilen, daß bei ihren Meistern am Karfreitag wegen der Be- schäftigungsdauer von Polizeibeamten eine Revision vorgenommen worden war. Im Anschluß an diese Feststellungen ermahnte Keslinke zur Stärkung der Organisation und Füllung der Kasse� damit es im laufenden Jahre möglich sei, die im Vorfahre ver- schobene Lohnbewegung wirksam durchzuführen. Zur Ansspttttlllg der Hamburger HoHarbetter. Wie in unserer vorigen Nummer berichtet, haben die Hamburger Holzindustriellen beschlossen, eine allgemeine Aus- sperrung ihrer Arbeiter vorzunehmen. Der diesbezügliche Be- schluß ist mit 212 gegen 42 Stimmen zustande gekommen. In der Versammlung fehlten aber hauptsächlich die großen Ar- beitgeber, so daß das Scharfmachertum sich aus mittleren und sog. Dalles-Krautern zusammensetzte. Die Herren setzten ein aus 60 Personen bestehendes Exekutivkomitee ein, das die in der Versammlung nicht anwesenden Arbeitgeber von dem Aus- sperrungsbeschluß in Kenntnis setzen sollte. Dies ist in den letzten Tagen auch geschehen, doch sollen mehrere große Fabri- kanten es abgelehnt haben, sich an einer allgemeinen Aus- sperrung zu beteiligen. Die Arbeitgeber erlassen in der bürger- lichen Presse eine„offizielle Darstellung der tatsächlichen Be- gebenheiten", in der sie sich als den angegriffenen Teil be- zeichnen, obwohl sie es gerade waren, die durch Aufstellung von Gegenforderungen einen Gegenschlag provozierten. Bis Dienstag mittag hatten, soweit bekannt, etlva 20 Ar- beitgeber 150 Mann ausgesperrt. Ein großer Teil der Holz- arbeiter steht in einem kurzen Kündigungs- oder Akkordver- hältnis. Inwieweit dem Aussperrungsbeschluß Rechnung ge- tragen werden wird, läßt sich zurzeit noch nicht sagen. Im Streik befinden sich die 150 Holzarbeiter der Straßen- bahnwerkstatt in Hamburg, die vor etwa 14 Tagen die Arbeit niederlegten wegen Nichtanerkennung einer geringen Lohn- forderung._ Letzte Nacbnchten und Depefchen. Erneute Verhandlungen zur Beilegung des Boykott? ergebnislos. Köln. 25. April.(28. T. B.) Die heute Mittag gepflogenen abermaligen Verhandlungen über die Beilegung des Boykotts d«S rheinisch-westfälischen Brauereigewerbes verliefen nach mehrstündiger Dauer wiederum ergebnislos, weil die Vertreter der Arbeiterschaft daran festhielten, daß sämtliche streikenden and ausgesperrten Brauereiarbciter wieder eingestellt werden müßten. Die Vertreter der Brauereien erklärten, sie körO.ten die Leute, die in der gegen» wältigen Zeit der Not bei ihnen eingestellt wurden, teilweise unter der ausdrücklichen Zusicherung dauernder Arbeit, nicht wieder ent» lassen. Die Folge des heutigen ergebnislosen Verlaufes der Ver- Handlung wird sein, daß die von den rheinisch- westfälischen Brauereien für den 28. April angekündigte Aussperrung von 50 Proz. aller sozialdemokratisch organisierten Brauereiarbeiter zur Tat wird. Eiseubahn-Uugluck. München, 25. April.(W. T. B.) Amtlich wird gemeldet: Zug 104 der Lokalbahn Breitengüßbach— Maroldsweisach überfuhr bei Breitengüßbach in Oberftanken vier Eisenbahnarbeiter, Weichs sämtlich getötet wurden. Entwurf einer Verfassung für TranSvaal. London, 25. April.(W. T. B.) Die neue Verfassung für Transvaal sieht eine gesetzgebende Versammlung vor, welche auS dem Gouverneur-Stellvertreter, 6 bis 9 von der Regierung ernannten und 30 bis 35 gewählten Mitgliedern bestehen soll. Jedermann, der Burgher der früheren Republik und für den Ersten Volksraad Wahl» berechtigt war, ebenso jeder weiße englische Untertan, welcher Grund- stücke im Werte von 10 Pfund jährlicher Rente oder Kapital im Werte von 100 Pfund besitzt, ist zur Stimmabgabe berechtigt. DaS Wahlrecht ist also nur den Weißen gewährt, doch muß der Gou- verneur für jeden Gesetzentwurf, der die Rechte der Schwarzen ein- schränkt, die Genehmigung der Reichsregierung vorbehalten. Die Verehandlungen sollen englisch geführt werden, der Präsident jedoch befugt sein, den einzelnen Rednern den Gebrauch der holländischen Sprache zu gestatten._ Petersburg, 25. April.(SS. T. B.)' Einer Blättermeldung zufolge sind unter der Garnison von Minsk mehrere Fälle von Genickstarre vorgekommen. Ver«lt». Red.: Paul Büttner, Berlin. Jnserateverantw(mit Ausnahme der.NeueWelt-.Beilage)- Th. Glocke, Berlin. Druck U. Berlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagZanft-Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltnugsb s- 9' 22. zchMg. 1. Dtilsge des ,Hmarts" Kerlitter Wllisdlatt.»»wch.2kMlM. Der erste Mai rückt heran! Sorgt für eine würdige Feier, Parteigenossen! Landes-Parteitag der württembergischen Sozialdemokratie. Der Parteitag, der am Ostersonntag in Stuttgart tagte, ge- staltete sich zu einer nachdrücklichen Kundgebung gegen den dema- gogischen Volksbetrug der bürgerlichen Linken. Der Parteitag war überaus stark beschickt; 143 Organisationen waren durch etwa 300 Delegierte vertreten. Außerdem waren anwesend die Landtags- abgeordneten Keil, Tauscher, Kloß und Schäffler, die Reichstags- abgeordneten Hildenbrand, Sperka, Lindemann, Singer, Frohme, Dietz, Eichhorn. Der von Sperka erstattete Tätigkeitsbericht des Landesvorstandes und der von W a s n e r erstatteie Kassenbericht konstatierten die erfreulichen Fortschritte der Partei im Berichtsjahre. Genosse Sperka nahm auch Veranlassung, sestzustellen, daß die prinzipielle und taktische Haltung der„Tagwacht" bei der erdrückenden Mehrheit der Parteigenossen vollste Zustimmung finde, und die vereinzelten dissentierenden Stimmen nicht auf eine angebliche, von der„Tagwacht"-Redaktion vom Zaun gebrochene Verschärfung des Tons gegen die Volkspartei zurückzuführen seien, sondern darauf, daß einzelne Parteigenossen, die in früheren Jahren ebenfalls auf dem Boden standen, den die„Tag- wacht" nie verlassen hat, seither geglaubt haben, ihre Anschauungen revidieren zu müssen. In der kurzen Diskussion, die sich an die Referate knüpfte, protestierte Hildenbrand unter Verwahrung gegen diesen Vorwurf, den er auf sich bezog, gegen die Haltung der „Tagwacht", die zur vollständigen Isolierung der Partei treibe und die fteie Entschließung der Partei über die Taktik des Wahl- kampfes bei den im Herbst 190S stattfindenden Landtagswahlen vorwegnehme und beeinträchtige. Keil wies den Vorwurf einseitiger Bekämpfung der Volkspartei als ungerecht zurück, betonte die Not- wendigkeit einer scharfen Abwehr gegen die schamlose und perfide Art. in der das führende Blatt der württembergischen Demokratie die Sozialdemokratie bekämpfe, und forderte die Genossen, die seit Monaten von dem volksparteilichen Blatt gegen die„Tagwacht" und gegen die Partei ausgespielt werden, aus, diesem Treiben durch eine öffentliche Verwahrung ein Ende zu machen. Nachdem noch zwei Genossen sich im Sinne Keils geäußert, und Hilden- b r a n d und ein zweiter Redner gegen Keil polemisiert hatten, wurde die Debatte geschlossen, um Wiederholungen bei der Debatte über das für die Nachmittags- Sitzung anberaunite Referat Keils über die Landespolitik zu vermeiden. Diesem Referat ging ein weit ausholendes, großzügiges Referat des Genossen Singer über die Reichspolitik voraus. Von stürmischen Zustimmungskundgebungen des Parteitages wiederholt unterbrochen, zeichnete er ein anschauliches Bild der gegen- wärtigen politischen Lage des Reiches und erörterte klar und unzweideutig die Stellung der Sozialdemokratie und der bürgerlichen Parteien zu den Fragen der inneren und äußeren Politik des Reiches. Scharf pointiert waren seine Ausführungen gegen die beiden Parteien der bürgerlichen Linken— die Richterschen Freisinnigen im Norden und die Volksparteiler im Süden Deutschlands—, die während der sozialdemokratischen Obstruktion gegen den Zolltarif den Brotwuchereru passive Assistenz geleistet haben und so die Probe aufs Exempel ihrer Volksfeindlichkeit ablegten. Niemals, so schloß Singer unter rauschendem Beifall seine markige Rede, kann die Verbindung oder Verbrüderung der Sozialdemokratie mit irgend einer bürgerlichen Partei in Betracht kommen; bei allem, was die Sozial- demokratie tut, hat sie bloß eins zu erwägen: ob es dem Ziel der Befreiung des arbeitenden Volkes aus ökononüscher Sklaverei und politischer Knechtschaft dienlich ist. Eine im Anschluß an Singers Ausführungen von Genossin Zetkin beantragte Sympathie- kundgebung für die russischen Revolutionäre fand einstimmige Annahme. Hierauf erstattete Keil das Referat über die l a n d e s- politischen Fragen. Es war eine schonungslose Bios stellung deS durch sckiöne Worte und eine gewisse äußere Bonhommie nur notdürftig markierten reattionären Grundzuges der württembergischen Regierungspolitik und eine vernichtende Ab» rechnung mit den bürgerlichen Parteien— vom Zentrum bis zur Volkspartei. An dem württembergischen Landesetat wies Keil mit leichter Mühe dieselbe Kulturfeindlichkeit nach, die dem Reichsetat sein Gepräge gibt. Auch die württembergische Regierung fühlt sich mir als der Vollzugsausschuß der herrschenden Klassen, und deshalb ist eS der sozialdemokratischen LandtagSftaktion nicht möglich, das Budget zu bewilligen. Die verschiedenen gesetzlichen Reforniwerke der letzten Jahre— Steuerreform, Gemerndereform, Schulreform— zeigte Keil in ihrer Unzulänglichkeit und Halbheit; und unter steigender Erregung der Versammlung wies er unwiderleglich nach, wie bei jeder Schädigung des Volkswohles durch Verpfuschung oder Vereitelung eines gesetzgeberischen Fortschritts die süddeutsche Volkspartei ihre Hand im Spiele hatte— erst zuletzt wieder im Borjahre bei der großen Protest- bewegung gegen die Erste Kammer. Da war eS die Volkspartci, die, statt mit den Sozialdemokraten vereint gegen das Adelsprivileg Sturm zu laufen, lieber Anschluß an die Nationalliberalen suchte, uin mit diesen vereint die Empörung des Volkes zu dämpfen und den Kampf gegen die Adelskammer zu einer konfessionellen Frage herabzudrücken. Angesichts solch volksverräterischen Treibens besteht für die Sozialdemokratie umso weniger ein Anlaß, die Volks- Partei zu schonen, als gerade in den für die Sozialdemokratie aussichtsreichen, industriell entwickelten 12 Landtagswahlkreisen die Volkspartei aus dem Sattel gehoben werden müsse. An das mit lebhaftem Beifall aufgenommene Referat Keils knüpfte sich keine Diskussion. Genosse K e l l e r- Heilbronn beantragte nachstehende Resolution, die n a h e z u e i n st i m m i g Annahme fand: „Die württembergische Sozialdemokratie erkennt die bisher ein- gehaltene Taktik der Bekämpfung aller bürgerlichen Parteien als richtig an und sieht keine Veranlassung, von diesem Wege abzuweichen. Ohne der eventuellen, von wahltaktischen Rücksichten zu bestimmenden Stichwahlparole bei den nächsten Landtagswahlen vorzugreifen, macht die Landesversammlung es allen in der Organisation tätigen Go nassen und der Parteipresse zur Pflicht, über dem not wendigen Kampf gegen die unverhüllt reaktionären Parteien der Rechten, nicht die Aufklärung des Volkes über die nur schlecht verhüllte V o l ks f e i n d li ch k ei t der bürgerlichen P s e u d o d e m o k r a t i e zu unterlassen, vielmehr alles zu tun, um die Erkenntnis der von den Führern der Volkspartei getriebenen unehrlichen Demagogie in den weitesten Schichten des Volkes zu verbreiten. Die eventuelle Wahltaktik des„kleineren Hebels" darf nicht dazu führen, die fundamentalen Gegensätze zu verhüllen und zu vertuschen, die zwischen der Sozialdemokratie und allen bürgerlichen Parteien, auch den scheinbar radikalsten, bestehen; vielmehr ist gerade dem bürgerlichen Scheinradikalisinus gegenüber die Slufzeigung des Gegensatzes zwischen seinen Worten und seinen Taten eine Lebens» Notwendigkeit der Sozialdemokratie und eine Pflicht gegenüber den noch im Banne des trügerischen bürgerlichen Radlkalismus stehenden Arbeitern, Handiverkern und Bauern." Nach Erledigung einer Reihe von Anträgen schloß der Vor- sitzende. Genosse Dietz, die Landesversammlung mit einer Mahnung zur Einigkeit und Kampfbereitschaft. Abends fand im Anschluß an die Landesversammlung die von etwa 3000 Personen besuchte Schillerfeier der württeinbergischen Sozialdemokratie statt. Genosse Frohme hielt die Festrede. Der TV, Kongreß der Sozialistischen Partei Frankreichs. Paris, 22. April.(Eig. Ber.) Der Kongreß der?. 3. cks F. ist hier außerordentlich zusammen- getreten am Vorabend des allgemeinen Einigungsparteitages, um die letztwilligen Verfügungen der revolutionär-sozialistischen Sonder- organisation zu treffen. Er ist der vierte und letzte Kongreß dieser Organisation. Der außerordentliche Kongreß der?. 3. F.(Jaurssisten) in Rouen wurde veranlaßt durch den Konflikt zwischen Fraktion und Parteileitung über die Bloc-Frage und folglich über die Einigkeit. Der Pariser Kongreß der F. 8. cks F. hat seinerseits zur Aufgabe nicht die Schlichtung eines inneren Konflikts, sondern eine gemein- same Vorberatung zur Feststellung einer einträchtigen Haltung der Partei auf dem Einigungspartcitag. Die Notwendigkeit einer solchen Vorberatung liegt auf der Hand. Gilt es doch, in einem neuen Parteiganzcn aufzugehen, das aus sehr verschiedenartigen, bisher einander icharf bekäinpfenden Elementen zusammengesetzt sein wird. Die tätsächlich tiefen prinzipiell- taktischen Gegensätze zwischen der F. 3. cks F. und dem rechten Flügel der F. 8. F. werden ja in keiner Weise berührt durch die Zu- stimmung der letzteren Partei zum Einigkeitsvertrag. Bedürfte eS dafür eines besonderen Beweises, so hätte ihn der Kongreß von Rouen geliefert, wo die Rechte der F. 8. F. ihren alten Standpunkt ausdrücklich aufrecht erhielt und wo auch Jaurös, trotz oder viel- mehr wegen seines Standpunktes der mittleren Linie, den Einigkeits- vertrag in einem für die revolutionären Sozialisten unannehmbaren Geiste auslegte. Zudem war die unerwartet rasche, mit einer gewissen Plötzlichkeit vollendete Arbeit der Einigungkonnnission nicht geeignet, die Befürchtungen eines sehr großen Teiles der F. 3. cks F. in bezug auf die kommende Einigkeit zu zerstreuen. Gibt es in der revolutionär- sozialistischen Partei keine gegensätzlichen Tendenzen, wie innerhalb der F. 3. F., so wirken in ihr doch die alten Unterschiede zwischen den ursprünglich guesdistischen und ursprünglich blanquistischen Elementen noch fort. Diese Unterschiede bedingen auch eine verschiedene Stimmung gegenüber der Einigkeit. Die ehemals blanguistischen Elemente sind aber geneigt, die lichten Seiten der kommenden Einigkeit ins Auge zu fassen. Ihre Stimmung ist in dieser Beziehung nicht wesentlich anders wie die des linken Flügels der Jaurssisten. Dagegen bringt die große Mehrheit der ehemaligen Guesdisten der Einigkeit dieselben Befürchtungen, das- selbe Mißtrauen entgegen, wie die jauresistische Rechte— natürlich aus diametral entgegengesetzten Gründen. Und mit diesem pessi- mistischen Teil der revolutionären Sozialisten fühlt und denkt in bezug auf die Einigkeit eine dritte, eine neue Gruppe der F. 8. cks F. Es sind die um die Zeitschrift„Mouvcment Socinliste"(Lagardelle und Genossen) sich gruppierenden Elemente, die der Richtung der revolutionären Gewerkschaften sehr nahe stehen und demgemäß dem parlamentarischen Reformismus der Jaurssisten am feindlichsten ge- sinnt sind. Daß die Einigkeit an sich wünschenswert, notwendig und un- vermeidlich ist, darüber gibt es in der F. 3. cks F.— mit Ausnahme von drei kleinen Föderationen— nur eine Meinung. Die Mcinungs- oder vielmehr Stimmungsunterschiede beginnen in der Abschätzung der Vorteile und Nachteile der Einigkeit und somit auch in dem verschiedenen Nachdruck, mit dem die Bürgschaften für eine revolutionär-sozialistische Haltung der Einheitspartei verlangt werden. Soviel zur Beleuchtung der besonderen Bedeutung dieses Kon- gresses. Im folgenden eine gedrängte Zusammenfassung der Vcrhand- lungen und Beschlüsse. Erste Sitzung. Abend 21. April. Zunächst entspinnt sich eine längere Debatte über den Antrag von vier Föderationen Hand arbeiten zu wollen. Es sei deshalb gewiß zweckmäßig, daß die Generalversammlung zu der schon mehrfach angeregten Ein- berufung eines internationalen GlaSarbeiter-Kongresses Stellung nehme, und werde dieserhalb die Tagesordnung um diesen Punkt erweitert werden müssen. In der Nachmittagssitzung erstattet zunächst der Verbandsvorsitzende Girbig den Geschäftsbericht. Der Vorstand habe in der Agitation geleistet, was möglich war, doch hätten die Erfolge nicht der Arbeit und den Erwartungen ent« sprachen. Es fehle an Arbeitskräften überall. Andererseits würden soviel Nebenforderungen an den Verband gestellt, die unmöglich alle zu befticdiaen seien. Die Hauptsache müsse die Verbesserung der Lohn- und Arbeitsbedingungen bleiben. Neben dem Jndiffercntismus wirke auch die ungünstige GeschäftskonjunkMr lähmend auf die Organisafion ein. Die Fluftuation sei eine außerordentlich große. Seit der letzten Generalversammlung in Dresden hat sich die Zahl der Verbandsmitglieder um rund 2999 gehoben. Eine oberflächliche Prnsimg beim letzten Ouartalsabschluß zeigt, daß der Mitgliederbestand zurzeit rund 8999 beträgt. Redner geht dann auf die einzelnen Lohnkämpfe ein. legt deren Ursachen und den Verlauf klar, sowie die dabei ent- wickelte Tätigkeit des Vorstandes und kommt zu dem Schlüsse, daß die vielerlei Arbeiten, welche der Erledigung harren, namentlich die Pflege der Statistik mit den jetzigen Arbeitskräften nicht mehr be- wälfigt werden kann. Die Generalversammlung möge Mittel und Wege suchen, mehr wie bisher vorwärts zu kommen. Anschließend an diesen Bericht erstattete der Kassierer Hamann den Kassenbericht. Die Gesamteinnahme im Jahre 1993 betrug 99 885,55 M, 1904 129 994 M.. zusammen 219 889,55 M. Die Gesamtausgabe 199 239,67 M. Auch der Kassierer verweist auf die Unbeständigkeit in der Mitgliedschaft, betont, daß wir finanziell wohl gekräftigt da ständen, daß jedoch noch viel zu tun übrig bleibe. Bei der Berichterstattung der MandatsprüfnngSkommisfion be- antragt die Konnnission. die Mandate von Ander?« Oberhausen und Breitholz- Westerhüsen für ungültig zu erklären, weil die beiden Delegierten keine Verbandsmitglieder seien. Ebenso wird beantragt, das Mandat von Urban- Radeberg für ungültig zu er- klären, weil die Wahl nicht ordnungsgemäß zu stände gekommen sei. Nach einer lebhaften Debatte wird schließlich beschlossen, in An- betracht der Umstände und Erwägung der aus der Ungülfigkeits- erklärung eventuell entstehenden Folgen die Gülfigkeit der Mandate auszusprechen. P e s ch e l- Deuben erstattet alsdann den Bericht deS Ausschusses. Kassenführung und Bücher ist bei jeder Einsichwahme in Ordnung befunden, die vorgelegenen Beschwerden haben im Sinne deS Vor- standes entschieden werden müssen. Dasselbe bestäfigt im Namen der Revisoren D ö r r w a l d- Berlin, indem er beanttagt, den Vor- stand zu entlasten und dem Kassierer Decharge zu erteilen. Alsdann wird in die Diskussion der Vorstands- und Ausschußberichte eingetreten.(Wilhelm- Hainholz pflichtet dem Vorstand bei, daß die Arbeit zu viel werde mit den jetzigen Kräften, im übrigen jedoch kritisiert Wilhelm das Verhalten des Vorstandes sowohl bezüglich seines Verhaltens zur Agilatton als auch bei ver- schiedenen Streiks. B ulke- Ilmenau, R a u t h e- Penzig und F e g h e i m- Erlangen verteidigen das Verhalten ihrer Zahlstellen gegen einige Vorwürfe des Vorstandes. Die Diskusston wird hierauf bis morgen vertagt. BSasierstand am 22. Aprll. Elbe bei Aussig+ 1,26 Meter, bei Dresden— 6,24 Meter, bei Magdeburg-f 2,38 Meter.— U n st r u t bei Straußlurt-f 0,00 Meter.— Öder bei Ratibor 3,33 Meter, bei Breslau Ober. Pegel+ 5,61 Meter, bei Breslau Unter» Pegel-f 0,88 Meter, bei Franssurt-j- 1,91 Meter.— Weichsel bei Brahemünde ff- 4,68 Meter.— Warthe bei Posen ff- 1,42 Meter. Nicht Senuss-. sondern Nahrungsmittel braucht der menschliche Organismus, wenn er den großen Arbeitsanforderungen auf die Dauer erfolgreich widerstehen soll! Die geforderten Eigenschaften solcher Nahrungsmittel heißen immer wieder großer Nährwert und leichte Verdaulichkeit. In KnorrS Haferpräparaten und Suppenmehlcn besitzen wir vorzügliche Fabrikate, die nicht nur wohl- schmeckend sind, sondern denen nährende und gesundheitsfördernde Bestandteile in reichem Maße innewohnen. Niemand darf dcsha.!) unterlassen, Änorrs Haferpräparate weitgehendst zu verwenden; dieselben sind in allen einschlägigen Verkaufsgeschäften erhältlich.* Myfseiieii erregen unsere Preise. 256 SL* Eeltt englische Herren-AnzugsloUe früh« 10,50 m*. � um 6.50 m. 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Wahlkreis: Neue Welt, Hasenheide 108/116. 004 Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. 4. Wahlkreis Joels Victoria- Park, Treptow, Köpenicker Landstraße. ( Süd- Ost): Ludwigs Park- Restaurant, Treptow, Köpenicker Landstr. VI one Konzerthaus Sanssouci, Kottbuserstr. 4a. 4. Wahlkreis Kellers Fettsäle, Koppenstr. 29. ( Ost): Branerei Friedrichshain, Am Königstor. ned hebnubriu netsid tabsi H. Mentes Volksgarten, Lichtenberg, Röderstr. 35/36. 5. Wahlkreis: Brauerei Böhow, Prenzlauer Allee. 6. Wahlkreis: Berliner Prater, Kastanien- Allee 7. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10. Bernhard Rose- Theater, Badstr. 58. Marienbad, Badstr. 36. I gautistatisk doll ** Ballschmieder, Badstr. 16. 200 to deb Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 58. Feldschlöschen, Müllerstr. 142. Kronen- Brauerei, Alt- Moabit 47/49. จอ ห Pakenhofer Brauerei( früher Ahrens), Turmstr. 25/26. Erkner: Schütenhaus( Lokal von Müller). Abends 8 Uhr. Pankow: Restaurant zum Kurfürften( Ebersbach), Berlinerstr. 102. 2 Friedrichsfelde: Restaurant F. Bube, Prinzen- Allee 30. Reinickendorf- Ost: Restaur. Sens, Nordbahnstr. 22. Abends 8 Uhr. West: Restaur. Franke, Eichbornstr. 18. Wilhelmsruh: Rest. Feldschläfchen, Kronprinzenstr. 15. Weißensee: Schloß Weißensee. Stralau- Rummelsburg: Restaurant Neu- Seeland( Ww. Schonert). Tegel: Trapps Festfäle. " " " azuen.H Waidmannslust: Restaurant Schweizerhäuschen. Ein reichhaltiges Brogramm, bestehend in: Konzert, Festrede, Gesang, eraften und 19 Vorträgen hiter hats, turnerischen Aufführungen, boj prigod st Spezialitäten- Vorstellungen, .. 111 modr Marionetten- Theater, Brillant- Feuerwerk, Fackel- Polonaise, Kinderbeluftigungen wird die Mai- Feier zu einem wahren Voltsfeft machen. ustisdale Tanz Der Festgesang wird von den Gesangvereinen des Arbeiter- Sängerbundes ausgeführt. Anfang 4 Uhr. ang si al Herren, die am Tanz teilnehmen, zahlen 50 Bf. nach. lub Alles Nähere die Platate der einzelnen Wahltreise. jaldse durada de Entree 20 P. 209/5 Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr an geöffnet. cilitension och omniplie Vertrauenslente Berlins und Umgegend. Zentral- Verband deutscher Maurer. op Zweigverein Berlin.de Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag, den 28. April, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Großer Saal): 146/1 1. General- Versammlung. Zages Ordnung: Stellungnahme zum 1. Mai.s 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1905. 3. Berschiedenes. Die Wichtigkeit der Tages Ordnung erfordert, dak alle Mitglieder zu der Versammlung erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. e Sozialdemokratischer Verein im 5. Berliner Reichstags- Wahlkreise. Freitag, den 28. April, abends 8% Uhr, im Alten Schützenhaufe, Linienftr. 5: Vereins- Versammlung. Zages Ordnung: 1. Die Bildungsstätten des Voltes in Preußen. Referent: Stadtberordneter Genoffe Schubert. 2. Diskussion. 3. Vereins- und Parteis Legenheiten. Berſchiebenes. AM Der Vorstand. Bahlreiches Erscheinen erwartet Die Partei- Spedition des 5. Streifes befindet sich IF Keibelstraße 42. Es ist Pflicht aller Genossen unseres Streifes, den„ Vorwärts" und sonstige Partei- Literatur nur durch die eigene Partei- Spedition zu be ziehen und bitten wir beim Monatswechsel hiernach zu handeln. 245/ 9* Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Donnerstag, den 27. April, abends 8%, Uhr, im Lokale des Herrn Fiebig, Ackerstr. 6-7: Branchen- Versammlung der Modell- u. Fabriktischler sowie Modelldrechsler. Tages Ordnung: 1. Bericht über den Stand unserer Bewegung. 84/4 2. Diskussion. Donnerstag, den 27. April, abends 8, 1hr, im„ Rosenthaler Hof", Rosenthalerstr. 11-12: Branchen- Versammlung der Stellmacher. Tages Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Die Lohnbewegung der Kastenmacher. 3. Stellungnahme zum 1. Mat. 4. Branchenangelegen heiten. 5. Verschiedenes.. Möbelpolierer! Donnerstag, den 27. April, abends 8 Uhr, im Rotal Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117: Branchen- Verfammlung an Stelle der ordentlichen General- Versammlung. Zages Ordnung 1. Bericht des Vorstandes. 2. Kaffenbericht. 3. Wahl der Branchenleitung und Kommissionen. 4. Berschiedenes. Das alte sowie das neue Mitgliedsbuch gilt als Legitimation. Um recht zahlreiches Erscheinen wird gebeten. .eila Rosenthaler u. Schönhauser Vorstadt. Versammlung sämtlicher Holzarbeiter am Donnerstag, den 27. April, abends 6, Uhr, bet Wernau, des Bezirks Schwedterstraße 23/24. Zu dieser Versammlung sind auch die Kollegen von Pankow und Nieder- Schönhausen eingeladen. Die Kommiffion. Zentralverband der Schmiede. Zahlstelle Berlin. Bureau: Stralatterstr. 48. Geöffnet von 8-1 und von 4-8 Uhr. Telephon: Amf I, 7779. Donnerstag, den 27. April 1905, abends 8% Uhr: Allgemeine Mitglieder- Versammlung SUB in Dräsele in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35. Tages Ordnung: 176/7 1. Abrechnung vom 1. Duartal 1905. 2. Beratung der Forderungen für die Lohnbewegung. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Verschiedenes. Kollegen! Wir erwarten zahlreichen Besuch, tein Kollege barf fehlen. Die Bersammlung wird durchaus pünktlich eröffnet. Ohne Mit gliedsbuch kein Zutritt.) Die Ortsverwaltung. 3. 2.: W. Siering. #opnutism Berlin C. 2, Stralauerstr. 48. Verein der Töpfer Berlins und Umgegend. Auf Grund der in den lekten Bezirksversammlungen gepflogenen AusSprachen und gefaßten Beschlüsse ersuchen wir unsere Mitglieder, öffentliche Verfammlungen, welche für unseren Beruf ohne Mitwirkung des Vereinsvorstandes einberufen werden, nicht zu besuchen. 288/16 Orts Krankenkasse für die Wäschefabrikation. Der unterzeichnete Vorstand macht hierdurch bekannt, daß am Donnerstag, den 27. April, abends 7, Uhr, in den Armin ballen, Kommandantenstr. 20, die 41. ordentliche General- Versammlung ftattfindet. Zages Ordnung: 273/3 1. Erstattung des Jahresberichts pro 1904. 2. Beschlußfassung über die Abnahme der Rechnung des Jahres 1904. 3. Abänderung der§§ 19 und 60 des Statuts. 4. Beantwortung aller derjenigen Anfragen, die im allDer Vorstand. Nächste Ziehung. Schneidemüber am unwiderruffic Pferdotterie 84000 4.Mai. 3086 darunter 6 Equipagen und 57 Reit- u.Wagenpferde M 60000 sofort verkäuflich gegen einen Intereffe der Raffe legen Bar Geld und bis zum 25. b. Mits. mündlich oder schriftlich an den unterzeichneten Borfizenden gerichtet werden. 5. Verschiedenes. Eintritt zur Generalversammlung haben nur die für 1905/07 gewählten Bertreter. Dieselben erhalten beson teppdeden bere Einladungskarten, welche bei ber fanft man am pretswertesten nur dirett in der Fabrit, 72 Wall ftraße 72, wo auch alte Steppdecken aufgearbeitet werden. 8. Strohmandel, Berlin 14 Jllustrierter Bretstatalog gratis. H ygienische Artikel, Sanitäre Bedarfsartikel, Gummiwaren etc. v. Prof. und Aerzten vielfach empfohlen. Apotheker S. Schweitzer's Fabrik hygienischer Präparate. 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Von den in unserem Verlage unter dem zusammenfassenden Titel ,, Kulturbilder herausgegebenen wichtigen Abschnitten aus der Kulturgeschichte beginnt soeben der zweite Band zu erscheinen. Dieser Band behandelt: Die Hohenzollern- Legende Vom Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffaffung aus wird hier ein Bild des brandenburg- preußischen Staates gezeichnet. Wir sehen ihn entstehen aus der großen Wanderung heimatlos gewordener deutscher Bauern, und wir erfaffen die Notwendigkeit, warum in diesem Staatswesen der ritterliche Adel die führende Klaffe wurde. Wir sehen, wie die Sohenzollern als Fremdlinge ins Land tommen; wie der Adel aus dem Raubritter zum Getreideverkäufer ward. Wir sehen die Knechtung und Aus. beutung der Bauern und die rücksichtslose Niederwerfung der Städte. Wir werden allen Nachdruck darauf legen, bei jedem einzelnen Punkte die Nebel zu zerstören, die der Boltsschulunter richt, nicht nur in Preußen, sondern auch im übrigen Deutschland über die Hohenzollerngeschichte gelagert hat. Wir fragen bei allen Fürsten zuerst: was hat er als Vertreter der Monarchie für die Kultur, für die Leistungsfähigkeit und das Vorwärtskommen seiner Entertanen" geleistet? Welchen Klaffen und welchen Intereffen hat seine Politit gedient? Dabei wird es unser Sauptbestreben fein, zu zeigen, was die unteren Klaffen an diesem Fürstengeschlechte gehabt haben. Das Märchen vom sozialen Königtum der Hohenzollern zu zerpflücken und zu zerzausen, die Tatsachen der Wirk lichkeit, die aftenmäßig feststehen, diesem Märchen entgegenzustellen, das ist unsere Absicht. 1 gu Von Max Maurenbrecher Wir rechnen auf Lefer aus allen Kreisen der Arbeiter. schaft, die gewillt sind, die geschichtliche Wirklichkeit zu erfahren. Aber wir denten noch ganz besonders an die schulentlaffene Jugend, die anfängt, ins Leben zu treten. Ihnen hat die Schule die stalnoch eben den Kopf voll Dunst und Weihrauch geblasen; ihnen in erster Linie soll dieses Werk Befreiung, Klärung, wissenschaftliche Renntnisse bringen. Es will an seinem Teile helfen, fie in die Reihen des kämpfenden Proletariats zu führen. H Auch dieser Band wird gegen 400 Abbildungen und Dokumente aus der Zeit bringen, mit deren Silfe die Darlegungen des Verfassers anschaulich gemacht, das Intereffe für vergangene Seiten angeregt werden soll. Der Band erscheint in 50 Lieferungen à 20 Pf.; wöchentlich erfcheint ein Heft. Jeder Band unserer Kulturbilder ist für sich abgeschlossen, so daß der Bezug dieses Werkes nicht das Abonnement auf die folgende Bände notwendig macht. Bestellungen nehmen alle Partei- Buchhandlungen, die Kolporteure und Austräger unserer Parteizeitungen oder der Verlag entgegen. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW.68 Linden- Strafse 69 Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inferatenteil verantiv.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Ar. 97. 22. Jahrgang. 2. Iriligc des Joraärts" Kerlim UslksM Mitwoch, 36. April IM. Gemraioersammimlg des Verbandes der Lithographen, Steindrvcker und verviaudten Kerufe. Berlin, 22. April. Die Verhandlungen nahmen vormittags 9 Uhr ihren Fortgang in der am vorigen Tage abgebrochenen Diskussion zur Nürnberger Tarifbewegung und wurde schließlich der Redakteur des Verbands- organs.Graphische Presse" angewiesen, daß er für die Folge bei Lohnbewegungen nur Artikel mit Zustimmung der in Betracht kommenden Lohnkommission bringen dürfe. Zur Diskussion kamen hierauf die Rechenschaftsberichte des Vorstandes, des Ausschusses und der Preßkommisfion. Einen breiten Raum in der Diskussion nimmt eine im Verband eingeführte Auskunftskarte bei Stellungswechsel ein, nach dieser hat sich jedes, nachs einer anderen Stadt arbeitsuchende Mitglied vorher bei der Ortsverwaltung über die Lohn- und Arbeitsbedingungen zu er- kundigen. Allgemein wurde anerkannt, daß diese Einrichtung eine Soße Wirkung gegen durch die Arbeitgeber geplante Ver- lechterungen ausübt; doch haften dieser Einrichtung noch große Mängel an. Dem Vorstand wurde es schließlich nahe gelegt, für strengere Durchführung dieser Einrichtung Sorge zu tragen. Bemängelt wurde, daß der Vorstand der Berichterstattung bei Lohnbewegungen zu wenig Beachtung beimesse. Ebenso seien die Informationen durch die Tagespresse bei Lohnbewegungen höchst un- genügend. Ein in Leipzig in letzter Stunde abgeschlossener allgemeiner Tarsi dürfe keineswegs als Vorbild dienen. Der in diesem Tarif abgeschlossene Mindestlohn von 21 M. für im ersten Jahre nach der Lehrzeit beschäftigte Gehülfen und 18 M.. wenn solche beim Lehr- prinzipal bleiben, wurde alS äußerst minimal bezeichnet, ebenso wurde die Dauer des Tarifs mit fünfjährigem Abschluß als viel zu lang bezeichnet. Besonders durch die Münchener Delegation wird darauf hingewiesen, daß in Minchen die Zl/�slündige Arbeitszeit für Steindrucker leicht möglich ist, während im Leipziger Tarif neun Stunden festgelegt sind. Der Verbandsvorsitzende Sillier geht des näheren auf die Tarifsache ein und betont, daß wohl selten eine allgemeine Be- friedigung bei einem Tarifabschluß zu finden ist; stets wurde, zumeist von den nicht an den Tarifverhandlungen Beteiligten, mehr erwartet. Doch scheine auch ihm das Mögliche im Leipziger Tarif erreicht zu sein, obwohl er keineswegs den fünfjährigen Abschluß und den sehr niedrig bemessenen Mndestlohn als Borbild gelten lassen könne. Durch die Berliner Delegation wurde scharfe Kritik an der Haltung deS VcrbandSorgans geübt. Zu den wichtigsten Tages- und Berufsfragen wurde keine Stellung genommen, so daß jede geistige Führung der Mitglieder von dieser Stelle fehlte. Eine Reihe Delegierter stimmten dem zu, doch sei Kritik in dieser scharfen Weise nicht am Platze. Der Redakteur O b i e r gibt eine teilweise Be- rechtigung der Kritik zu, doch sei nicht zu vergessen, daß er noch immer in Leipzig stark in Anspruch genommen wurde. Einige Redner üben Kritik am Vorstandsbericht und der Tätig- keit des Vorstandes. So wird auch durch den Verbandsausschuß ge- klagt, daß der Vorstand sich über die Verbandsstatuten oft hinweg gesetzt und den Ausschuß ignoriert habe. Der Vorsitzende Sillier geht des näheren auf alle diese Einwürfe ein und erklärt gegenüber dem Ausschuß, daß dieser da, wo er als Beschwerde-Jnstanz mit- zureden habe, stets beachtet sei; der Ausschuß habe aber mehr Rechte, als ihm zustehen, verlangt. Der Ausschußvorsitzend» R i e s- Nürnberg bleibt jedoch bei seiner Behauptung. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird über den nächsten Punkt: Anschluß der Strinschleifrr an den Verband verhandelt. Als Referent hierfür spricht der Steinschleifer Rose Berlin. welcher die Notwendigkeit des Anschlusses der Steinschleifer hervorhebt. Die Steinschleifer, welche eng mit den Steindruckern zusammen arbeiten, gehören mit den Steindruckern in einen Verband, weil dort deren Lohn- und Arbeitsbedingungen am besten vertreten werden können. Der in Dresden gefaßie Beschluß, keine Steinschleifer mehr auf zunehmen, sei deshalb falsch und zu korrigieren. Die Vorsitzende des Buch- und SteindruckereihüIfSarbeiter> Verbandes, Frau P. Thiede, plädiert ftir Anschluß der Stein schleifer an ihren Verband. Die Steinschleifer sind HülfSarbeiter und gehören so gut wie die übrigen HülfSarbeiter und-Arbeiterinnen der Buch- und Stemdruckereiberufe in den Verband der Buch- und Steindruckereihülfsarbeiter. In der sich anschließenden Diskussion stellten sich die meisten Delegierten auf den Standpunkt der Frau Thiede. Ein Antrag aus Wiederausnahme der Steinschleifer wird gegen 7 Stimmen ab- gelehnt. Dagegen wurde ein Antrag, alle im Verband vorhandenen Steinschleifer dem Hülfsarbeiter-Verband für Buch- und Steindrucker zu überweisen, mit 10 gegen 42 Stimmen angenommen. Der Vor- stand soll die UebertritrSbedinaungen mit dem Buch- und Stein- druckerei-HülfSarbeiterverband festlegen. Nachschrift: Im Bericht vom 21. April muß eS am Schlüsse nicht heißen:„Daß ein Kollege gegen die Taktik der Bewegung Artikel geschrieben habe", sondern.gegen die Taktik der Unternehmer, welch« die Tarifbewegung zu verzögern suchten." Ktneralvkrsammlllng des Deutscht« Senefelder-Knndes. Berlin, 21. April. Zur Tagesordnung lag ein Antrag von Bremen vor, den vor- geschlagenen Punkt„Stellungnahme zur Verschmelzung" erst nach der Tagung der kombinierten Generalversammlung zu verhandeln. Die Berichte des Hauptvorstandes und der KonlrollkoMmisston lagen gedruckt vor und umfassen die Tätigkeit während der Zeit vom August 1904 bis April 190S. Hieraus ist folgendes bemerkenswert: Bezüglich des BeschlufieS der Kasseler Generalversammlung, ein Normalstawt zur Verschmelzung auszuarbeiten, setzte sich der Haup:- vorstand mit dem deS Verbandes in Verbindung, und beide kamen dahin überein, daß jede Körperschaft für die dazu bestimmte Kom- Mission einen Entwurf ausarbeiten sollte.— Die Beratungen dieser 19gliedrigen Kommission fanden vom 27.-29. November 1904 in Berlin statt. Der von dieser Kommission beschlossene Entwurf wurde allen Mitgliedern des Bundes und deS Verbandes eingehändigt und soll nunmehr als Grundlage dienen für die endgültigen Be- schlüsse der Generalversammlungen. Die Depotscheine über das Ver- mögen im Gesamtbetrage von 340 000 M. wurden Anfang d. I. der neuen Kontrollkommission übergeben. Der Mtgliederbestand betrug im August 1904 9353, eingetreten find 505, ausgeschieden 543, so daß der gegenwärtige Mtglieder- bestand 9320 beträgt, darunter 157 zu unterstützende Invaliden; außerdem sind zurzeit 113 Witwen zu unterstützen. Die Gesamt- einnähme im Jahre 1904 beträgt in der UnterstützungSkasse 163 221,65 M., die Gesamtausgabe 163 206,16 M. DaS Vermögen beträgt hiernach 126 635,14 M. Die Gesamteinnahme der Jnvalidenkasie beträgt 86 667,90 M., die Gesamtausgabe 81397,30 M. und das Vermögen somit 254 429,60 M. Im werteren berichtet der Hauptvorstand über die vorgenomn,ene Urabstimmung, die viel Staub aufgewirbelt hat. Dieselbe ist zugunsten der VcrschmelzungSfteunde ausgefallen, und haben sich infolge davon 31 Frankfurter und Offenbacher Mitglieder veranlaßt gefühlt, den Deutschen Senefelder-Bund zu verklagen. Der Bericht der Kontrollkommission bespricht aus- führlich die Urabstimmung und den gegensätzlichen Standpunkt zwischen Hauptvorstand und Kontrollkommission. Ferner berichtet die Kontrollkommission über die Verhandlungen der Neunzehner- Kommission. ES wird beschlossen, über beide Berichte eine General- diskussion zu eröffnen, vorher jedoch berichtet die MandatSprüfungS- Kommission, daß 45 Delegierte anwesend seien und alle Mandate für gültig angesehe» wurden. Zweiter Tag. Die Diskussion über die Rechenschaftsberichte wird fortgesetzt. In erster Linie wurde der Hauptvorstand von vielen Seiten scharf angegriffen, daß er eine Urabstimmung über die Form der Verschmelzung zugelassen habe, trotzdem die Kasseler General- Versammlung einen Antrag auf Urabstimmung über die Ver- schmelzung selbst abgelehnt hatte. Außerdem befand sich der Haupt- vorstand nicht im Einverständnis mit der Kontrollkommission über die Formulierung der gestellten Fragen. Daß der langjährige Rechtsbeistand des Bundes, der Justizrat Karl W e r t h e i m in Frankfurt a. M., die Vertretung der Klage gegen den Bund über- nommen habe und in der Klageschrift teilweise Argumente anführt, die denen in der seinerzeitigen Klage Herbst und Genossen gegen die Gebietsabgrenzung diametral gegenüberstehen, wird von der Generalversammlung tief bedauert. Es wird mehrfach noch hervorgehoben, daß die Klage nur ein Schreckschuß zu sein scheine, und daß man sich dadurch nicht einschüchtern lassen solle, sondern den Prozeß eventuell bis zur höchsten Instanz ausfechten müsse. Es wird schließlich ein Antrag einstimmig angenommen, dahingehend, gemäß§ 57 des Bundesstatnts die Hauptvorstandsmitglieder Amier, Dietrich, Lange und Müller zur Vertretung der Klage zu bestimmen; außerdem sollen noch die Kollegen Haß- Berlin und Werner- Frankfurt dem Rechtsanwalt als Zeugen zur Seite gestellt werden. Unter Hinweis auf den Beginn der morgigen gemeinschaftlichen Beratung wurden die Verhandlungen geschlossen. Kougreß der Lithographen, Steiudrucker und Kernfs- Berlin, 23. April 1905. Diese Ueberschrift, die wir der Kürze halber wählten, ist nicht korrekt; sie müßte heißen: Gemeinsame Beratung des Deutschen Senefelder-Bundes und desVerbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe.— Diese beiden Organisationen tagen gemeinsam im Gewerkschaftzhause, um hauptsächlich über ihre Verschmelzung zu beraten und zu beschließen. Um etwaigen rechtlichen Einwänden zu begegnen, die von den im Senefelder-Bund vorhandenen Gegnern der Verschmelzung erhoben werden könnten, tagt die gemeinsame Versammlung in der Form einer Generalversammlung des Seneselder- Bundes, an der die Delegierten deS Verbandes der Lithographen jc. als Gäste ohne Stimmrecht teilnehmen. Der Senefelder-Bund ist im Jahre 1873 als eine gewerkschaft- liche Organisation gegründet worden, er hat aber später, besonders au« Gründen der Anpassung an das Sozialistengesetz, die geWerk- schaftlichen Bestrebungen vollständig fallen lassen und ist seitdem eine reine Unterstützungsorganisation ohne jede weitere Tendenz. Der Bund hat zurzeit etwa 9000 Mitglieder, von denen ungefähr die Hälfte gleichzeitig dem Verbände der Lithographen«., der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Gewerkschaft, an- gehören. Der Bund hat jetzt em Vermögen von 385 000 M., er gewährt seinen Mitgliedern Kranken-, Invaliden- und Witwen-Unter- stützung, sowie Sterbegeld.— Der Wunsch nach einer Verschmelzung der beiden Organisationen ist schon seit Jahren auf beiden Seiten vorhanden. Im Jahre 1900 haben beide Organisationen, um die unliebsamen Erscheinungen eines Konkurrenzkampfes zu vermeiden, eine Vereinbarung abgeschlossen, ivelche das Tätigkeitsgebiet jeder Organi- sation abgrenzte. In der Hauptsache handelte eS sich darum, daß dem Bunde die seither von ihm gepflegten UnterstützungSzweige verbleiben, dem Verbände aber das Gebiet der Arbeitslosen- und Reise-Unterstützung, alS mit den gewerkschaftlichen Bestrebungen zusammenhängend, zugewiesen wurde.— Aber auch nach dieser Gebietsabgrenzung machte sich der Verschmelzungsgedanke in alter Lebhaftigkeit be- merkbar. Die vorige, in Kassel abgehaltene Generalversammlung de« Bundes hat fast einstimmig beschlossen, die Verschmelzung mit dem Verbände herbeizuführen und der Verband hat sich damit ein- verstanden erklärt. Infolgedessen ist eine Kommission eingesetzt worden, welche die Vorarbeiten zur Verschmelzung zu machen und ein Statut für die gemeinsame Organisation zu entwerfe» hatte. Das ist geschehen, der Statutenentwurf liegt der gegenwärtigen Tagung vor und bildet die Grundlage der Beratung. Eine Ur- abstimmung, die unter den Mitgliedern des Bundes vorgenommen worden ist, hatte das Ergebnis, daß sich 4141 Stimmen für und 3478 gegen die Verschmelzung erklärten, die Entscheidung ist also für die Verschmelzung ausgefallen. Die Bundesmitalieder. welche gegen die Verschmelzung sind, ver- suchen auf jede Weil« dieselbe zu hintertreiben. So ist von 31 Ver> schmelzungsgegnern eine Feststellungsklage bei der Zivilabteilung des Landgerichts Frankfurt a. M., dem Sitz des Bundes, eingereicht. Die Klage wird am 9. Mai verhandelt werden. Der Klage-Antrag geht dahin, gerichtlich festzustellen, daß nicht durch Mehrheitsbeschluß. sondern nur durch einstimmigen Beschluß aller Mitglieder eine An- aliederung des Bundes an den Verband vollzogen werden könne. Die Kläger machen geltend, daß denen, welche an den gewerk schaftlichen Bestrebungen des Verbandes beziehungsweise der neuen Organisation nicht teilnehmen wollen, die Möglichkeit gegeben werden müsse, nach wie vor in den Genuß der vom Bunde geivährten Unter- stützungen zu kommen, auf die fie durch Beitragszahlung ein Recht erworben hätten. Gegen diesen Standpunkt machte der Referent geltend, daß von „erworbenen Rechten" im Sinne der Kläger keine Rede sein könne, da der Bund seinen Mitgliedern kein klagbares Recht auf Unter- stützungen gewährt, und da auch der Bund, wenn er in der bis- herigen Weise fortbestehen bleibt, seinen Verpflichtungen ohne be- deutende Erhöhung der Beiträge auf die Dauer nicht gerecht werden könnte. Weiter wandte sich der Referent gegen einen von Tischen- d ö r f e r verfaßten, in der„Soz. Praxis" vom 13. April veröffentlichten Artikel, der in der beabsichtigten Verschmelzung einen Koalition«- zwang für die Verbandsgegner erblickt und von diesem Standpunkt au« gegen die Verschmelzung in der vorgeschlagenen Form polemisiert.— Der Referent schloß mit einer warmen Empfehlung der Verschmelzung auf der Grundlage deS vorliegenden Statutenentwurfs. Die Versammlung trat nunmehr in die Beratung deS Entwurfs em. zu dem eine Reihe von AbänderungSanträgen vorlagen.—- Während der Debatte ging ein Antrag von christlichen Gewerkschaftsmitgliedern im Senefelder-Bund ein, der sich gegen die vorgeschlagene Verschmelzung wendet. Der Antrag fand keine Unter- stützung. Nachdem die Versammlung über einige der vorliegenden An- träge zum Statutenentwurf beraten und abgestimmt hatte, wurde der Entwurf samt den AbänderungSanträgen einer besonderen Kommission zur Durchberatung überwiesen.— Unterdessen wurden die anderen Punkte der Tagesordnung beraten. Nach einer Diskussion über die Beschickung deS nächsten im Jahre 1907 in Wien stattfindenden internationalen Berufskongresse» beschloß die Versammlung, denselben durch je ein Mitglied des Hauptvorstandes, der Kontrollkommission und der Redaktion der Graphischen Preffe" zu beschicken und das Wesentlichste aus den Verhandlungen des Kongresses in einer besonderen Beilage der .Graphischen Presse" zu veröffentlichen. Hierauf referierte Sillier über den deutschen Gewerkschaftskongreß. Hinsichtlich der M a i f e i e r ist der Redner der Meinung, daß man sich selbstverständlich nach dem Amsterdamer Beschluß richten müsie. Da aber die Arbeitsruhe bisher nicht in imposantem Um- fange durchgeführt worden sei und dieS auch vorläufig nicht der Fall' fein werde, so sei er persönlich der Meinung, es müsse dahin gewirkt werden, daß in allen Industrieländern eine einheitliche, wirkungs- volle Demonstration am Abend des I.Mai veranstaltet werden möge. Eine Delegation zum Gewerkschaftskongreß ist bereits durch die vorige Generalversammlung des Verbandes bestimmt, dieselbe wurde durch die gegenivärtige Versammlung bestätigt. Die Feststellung der Präsenz ergab, daß der Senefelder-Bund durch 45, der Verband der Lithographen zc. durch 52 Delegierte vertreten fiud. Ferner sind anwesend Vertretungen der beiden Vor- stände, der„Graphischen Presse", des Buch- und Steindruckerei- Hülfsarbeiter-Verbandes, des Buchbinder-Verbandes, der Lithographen und Steindrucker Oesterreichs sowie der Generalkommission der Ge- werkschaften Deutschlands. Berlin. 24. April 1905. Die gestern abgebrochene Statutenberatung wurde heute auf der Grundlage der Arbeiten der gestern eingesetzten Kommission fortgesetzt.— Aus dem durch Beschluß der Generalversammlung zustande gekommenen Statut für die neue gemeinsame Organisation führen wir hier die wesentlichsten Bestimmungen an. Der Name der Organisation lautet:„Deutscher S e n e» selber Bund(Verband der Lithographen, Stein« drucker und verwandten Berufe)". Ueber den Zweck des Bundes sagt§ 1:„Der Deutsche Sene« selber Bund bezweckt die Vertretung der gewerblichen, sowie die Förderung der geistigen und materiellen Interessen seiner Mitglieder. Derselbe besteht aus folgenden drei Kassen: l. GewerkschaftSkasso mit Reise-, Arbeitslosen- und Umzugsunterstützung: ll. Kranken- unterstützungS- und Sterbekasse; III. Invaliden- und Witwenkasse." Die Trennung in drei Kassen ist erfolgt mit Rücksicht auf die Verschmelzungsgegner, welche sagten:„Ihr wollt die Verschmelzung nur deshalb, um unser Geld zu verstreiken." Um diesem Einwand zu begegnen, hat man die Kasse für reine Unterstützungszwecke von der Kasse, die den gewerkschaftlichen Aufgaben dient, völlig getrennt, jedoch gehört jedes Mitglied des neuen Bundes allen drei Kassen an.— Als Aufgaben, welche durch die Gewerkschaftskasse erfüllt werden sollen, nennt der zweite Teil des Z 1:„Erzielung möglichst günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen auf gesetzlichem Wege„ach Maßgabe des§ 152 der Gewerbe-Ordnung; Erringung em-ö Maximal-Arbeitstages und Minimallohnes; Abschaffung der Sonntagsarbeit, der Ueberzeit-, Akkord-, Tantieme- und Hausarbeit; Beseitigung der Uebelstände im Lehrlingswesen und solcher Fabrikordnungen, welche der Ehre und den Interessen bu Mtglieder zuwiderlaufen; Gewährung von unentgeltlichem Rechte- schütz; Unterstützung an Arbeitslose am Ort und auf der Reise de-- findliche Mitglieder sowie an solche, deren Arbeitslosigkeit infolge einer Maßregelung, eines Streiks oder einer Aussperrung entstanden ist; Unterstützung an Mitglieder, welche zu Reserve- oder Landwehr- Übungen eingezogen werden; Umzugskosten- Unterstützung an Mit-' glieder, welche einen eigenen Hausstand führen, bei Ortswechsel, de» dingt durch Arbeitswechsel; Pflege des Arbeitsnachweises und Ver- kehrswesenS, Veranstaltung von Berufsstatistiken; soziale, technische und wissenschaftliche Belehrung in Wort und Schrift, durch Versamm- lungen und das Fachorgan; Pflege internationaler Solidarität." Zum Eintritt berechtigt ist nach§ 2 jeder im Berufe täfige Lithograph und Steindrucker sowie die in diesen Berufen tättgen Zeichner und Maler, ferner die Reproduktions-Photographen, Licht- drucker, Chemigraphen, Zinkdrucker, Kupferstecher, Kupferdrucker. Notenstecher, Notendrucker und Tapetendrucker.— Jeder Neueintretenbe hat allen drei Kassen zugleich beizutreten. Nach ß 14 beträgt der wöchentliche Beitrag 1,20 M. Hiervon werden 60 Pf. der GewcrkschastS-, 35 Pf. der Kranken- und Sterbe- lasse, 25 Pf. der Invaliden« und Witwenkaffe überwiesen. Für lokale Zwecke können besondere Beiträge erhoben werden.— In den§§ 17—21 werden die durch die Gewerkschaftskasie zu leistenden Unterstützungen festgesetzt. Danach gelten für die Arbeits- losenunterstützung am Ort folgende Sätze: Bei mindestens 26 Wochenbeiträgen 4 Wochen a 9 M. 62„ 8„ n 9, 156 260 520 8 10 15 a 12 a 12 a 12 36 M. 72. 96. 120, 180„ Die gleiche Staffel gilt auch für die Reiseunterstützung, mit der Maßgabe, daß dieselbe mit 4 Pf. pro Kilometer bis zur Höhe der angegebenen Sätze gewährt wird. Umzugsunterstützung wird gewährt bei einer Entfernung von 10—24 Kilometer pro Kilometer 1 M., bei 25 Kilometer und darüber nach Leistung von 52 Wochenbeiträgen 72 M., 156 Bei« trägen 96 M.. 260 Beiträgen 120 M.. 520 Beiträgen 180 M. Mitglieder, die wegen Eintretens für die Interessen deZ Bunde? gemaßregelt worden sind, erhalten eine Unterstützung von slt deZ von ihnen verdienten Lohnes, Verheiratete für jedes Kind 1 M. extra. Die Gemahregeltei, Unterstützung wird so lange gezahlt, bis den Betreffenden eine gleichwertige Arbeit nachgewiesen ist. Die Kranken- und Sterbekasse gewährt an Krankenunterstützung nach 26 wöchentlicher Mitgliedschaft auf die Dauer von 13 Wochen, nach 52 wöchentlicher Mitgliedschaft auf die Dauer von 26 Wochen, nach 104ivöchentlicher Mitgliedschaft auf die Dauer von 52 Wochen für jeden Wochentag 2 M. Nachdem die Beratung des Unterstützungswesens soweit ge« diehen war, wurde über die Frage der Gaueinteilung mit an« gestellten Gauleitern verhandelt. Hierüber entstand eine längere Debatte. Vorherrschend war die Meinung, daß die Gaueinteilung eine erstrebenswerte Einrichtung fei, auf deren Verwirklichung hin- gearbeitet werden müsse, aber der gegenwärtige Zeitpunkt ser nicht geeignet zur Durchführung derselben.— Durch Annahme einer Resolution erklärte die Versammlung, die praktische Durchführung der Gaueinteilung ist zurzeit verfrüht, und mit Rucksicht auf die Ver« schmelzung ist diese Frage bis zur nächsten Generalversammlung zu vertagen. Berlin. 26. April. In der heutigen Sitzung wurde die Statutenberatung bei dem Bestimmungen über das Unterstützungswesen wieder aufgenommen. Nach den gefaßten Beschlüssen wird ein Sterbegeld gewährt von 50 M. nach 26 wöchentlicher, 100 M. nach 62 wöchentlicher Mitglied- schast. Verheiratete Mitglieder, die wenigstens 4 Jahre dem Bunde angehören, erhalten beim Tode ihrer Frau einen Betrag zu den Beerdigungskosten von 50 M.— Die Jnvalidenunterstützung beträgt wöchentlich 7 M.— An Witwcnunterstützung werden wöchentlich 3,50 M. gewährt. Der Statutenentwurfenthälthierzudie Bestimmung:„Bei einem dem allgemeinen Sittlichkeitsgefühl zuwiderlaufenden Lebenswandel kommt die Unterstützung in Wegfall." Hierüber entstand eine Debatte, die mit der Streichung der angeführten Bestimmung und der Annahme eines Antrages, welcher besagt, daß die nichtangetraute Lebensgefährtin eines Mitgliedes zum Bezüge der Witwenunter- 'tützung berechtigt ist, falls gesetzliche Gründe die Eheschließung hindern.— Damit sind die Besttmmungen über das Unterstützungs« Wesen erledigt. ES folgt die Beratung derjenigen Paragraphen. welch« über Organisatton und Verwaltung des Bundes handeln. Die hierher gehörenden Einrichtungen entsprechen im wesentlichen denen aller gewerkschaftlichen Zentralverbände.— Hinsichtlich des Arbeits« Nachweises beffimmt das Statut, daß jede Mitgliedschaft, wenn irgend möglich, einen örtlichen Arbeitsnachweis einzurichten hat. Für jeden Agitationsbezirk ist ein zentralisierter Arbeitsnachweis zu errichten. der einerseits mit den örtlichen, andererseits nnt dem vom Haupt« vorstände einzurichtenden Zentral-ArbeitSnachweis in Verbindung teht, zu dem Zwecke, Arbeitslose solchen Orten zuzuweisen, wo Mangel an Arbeitskräften besteht.— Ein hierzu vorliegender An- trag, in allen Zahlstellen die Errichtung paritättscher Arbeits« nachweise anzustreben, wurde dem Hauptvorstande zur Berücksichtigung überwiesen. Als Organ des Bundes, welches jedem Mitglied unentgeltlich zu liefern ist, bestimmt doS Statut die.Graphische Presse". Barometer stand mm Windrichtung Windstärke Wetter Swinemde. 758 SW 760 S 5 bebedt 765 S 6 Regen 767 23 761 8 Temp. n. C. 5°.= 4° N. Stationen Barometerstand mm Windrichtung Windstärke Wetter 2Schnee 4 Haparanda 749 M 5 Petersburg 752 WSW 1Schnee 5 Scilly 5halb bd. 5 Aberdeen 4 Paris 763 SW 758 2N2 766 SSW 4 bedeckt 1 bedeckt Temp. n. C. || 5° C. 4° R. 52964 Bei der Beratung des Streifreglements entstand eine längere günstige Stand der Beschäftigung in der chemischen Industrie, in der sind vor das Gericht geladen. Viel zu Leide wird den Schwindleru Debatte darüber, ob Angriffstreifs, wie es der Entwurf vorsicht, Textilindustrie und in der elektrischen Industrie auf seiner Höhe. In jedoch faum getan werden; die Herren haben, unter den Vertreters nicht nur vom Hauptvorstande, sondern bon der der Konfektion brachte der Beginn der Saison reichliche Arbeit. der göttlichen tapitalistischen Weltordnung zu gute Freunde. Kontrollkommission genehmigt werden müssen. Diese Befugnis der Andererseits fehlte es auch nicht an Gewerben, in welchen die BeKontrollkommission wurde schließlich gestrichen, so daß Angriff- wie schäftigungsverhältnisse zu wünschen übrig ließen, insbesondere find Abwehrstreits nur die Zustimmung des Hauptvorstandes bedürfen. hervorzuheben die Gewerbe der Glaser, Bäcker, Friseure, Bergolder, Stationen Hinsichtlich der Streitunterstützung wurde beschlossen, daß sich die Steindrucker, in welchen viele Arbeitskräfte außer Stellung waren. Höhe derselben nach den örtlichen Verhältnissen und den vorhandenen Mitteln richtet, aber nicht höher sein darf als 14 M. für Ledige, des rheinisch- westfälischen zurzeit als recht günstig gelten. Die DeDie Lage des oberschlesischen Eisenmarktes fann ebenso wie die 17 M. für Verheiratete und 1 M. für jedes Kind. Die Streit unterſtüßung darf drei Viertel des Verdienstes des Streitenden schäftigung der im oberschlesischen Stahlwverksverbande vereinigten Hamburg 3 Regen nicht übersteigen. Höhere Unterstützungen können aus örtlichen Balzwerke ist nach der Schles. 3tg." seit Beginn des Monats April Berlin 3 wolkig Extrafammlungen gewährt werden. Ferner wurde beschlossen, daß ausreichend, so daß die Werke sämtlich einen regelmäßigen Betrieb Frantj.a.m. Ferner wurde beschlossen, daß aufrecht erhalten konnten. Wenn auch im allgemeinen die Folgen München 4 wollig Sperren den Abwehrstreits gleichzuachten find. 764 23 2 bedeckt Als wesentlichste Uebergangsbestimmung gilt nach einem in des im rheinisch- westfälischen Bezirk zu Beginn des Jahres aus Bien Wetter- Prognose für Mittwoch, den 26. April 1905. namentlicher Abstimmung gefaßten Beschluß folgende: Alle bisher gebrochenen Arbeiterstreits sich keineswegs in einem erkennbar starken Ein wenig wärmer, zeitweise aufklarend, vorwiegend noch trübe mit ges dem Bunde oder dem Verbande allein angehörenden Mitglieder sind Bufluß von Aufträgen an die östlichen Werke bemerkbar gemacht von einem noch zu bestimmenden Termin an verpflichtet, allen drei haben, so hat doch die lebhaft einfegende Bautätigkeit Hand in ringen Niederschlägen und ziemlich lebhaften westlichen Winden. Kaffen zugleich anzugehören. Ausgenommen von dieser Pflicht, der Hand mit dem Bedürfnis, die vorhandenen Lücken in den Provinz Gewerkschaftstaffe beitreten zu müssen, find Mitglieder, die in Staats- übten Zurückhaltung hervorzutreten. Die Werke waren auf diefe vielen Kränze bei der Beerdigung lagern auszufüllen, den Handel veranlaßt, aus der eine Zeitlang ge- Für die rege Teilnahme und die betrieben beschäftigt sind, sowie Prinzipale, Betriebsleiter, Oberlithographen, Oberdrucker und Fattore, sowie alle über 60 Jahre alten Weise in der Lage, nicht nur sämtliche Walzenstraßen ununterbrochen meines Herzensguten Mannes, des und solche Mitglieder, welche nur der allgemeinen Unterstützungskasse zu betreiben, sondern nebenher auch die Magazinbestände in Anspruch Tapezierers des Bundes allein angehören oder nicht in einem der zum Beitritt zu nehmen. berechtigten Berufe arbeiten. Als Betriebsleiter usw. gelten nur die, deren Anstellungsbedingungen den gesetzlichen Bestimmungen für Betriebsleiter entsprechen. Hierzu wurde noch eine Resolution angenommen, welche den Hauptvorstand beauftragt, zu versuchen, solche Vereinsmitglieder, welche anderen Versicherungstassen angehören, durch weitestgehende Vereinbarungen von diefen zu übernehmen. Die Statutenberatung ist damit beendet. In namentlicher Abstimmung wurde das ganze Statut mit 42 gegen 3 Stimmen an genommen und das Abstimmungsergebnis mit lebhaftem Beifall begrüßt. Hierauf folgte die Erledigung einer Reihe allgemeiner Anträge. Beschlossen wurde unter anderem: Die Zusammenlegung beider Drganifationen hat am 1. Juli 1905 ftattzufinden. Wilhelm Venzke Die Berliner Maschinenbauanstalt vorm. 2. Schwarzkopff hat, sage ich allen werten Freunden und wie dem Börsen- Courier" telegraphisch aus Hamburg gemeldet Bekannten nur hierdurch meinen wird, bei Sonderburg große Ländereien für die Anlage einer herzlichsten Dank, besonders der Tapezierer- Innung. Torpedofabrik und eines Schießstandes angekauft. Die trauernde Witwe Deutsches Genossenschaftswesen. Die Preußische Zentral- Genossenschaftskasse hat von dem Leiter ihrer statistischen Abteilung, dem Geh. Regierungsrat Dr. Petersilie, eine Zusammenstellung der im Deutschen Reich vorhandenen Genossenschaften, ihrer Verteilung auf die verschiedenen Landesteile, ihrer Mitgliederzahl usw. machen lassen, die als Ergänzungsheft XXII zur Zeitschrift des Preußischen Statistischen Bureaus" erschienen ist. Nach dieser Aufstellung gab es Anfang 1903 im Reiche 20 755 Genossenschaften mit 3139 519 Mitgliedern. Die durchschnittliche Mitgliederzahl einer Genossenschaft betrug im Reiche 151, in Preußen 145, in Bayern 102, in Sachsen 484, in Württemberg 157, in Baden 221, in Hessen 138, in Mecklenburg- Schwerin 86, in Sachsen- Weimar 180, in Der Verein der Zigarrenfortierer Deutschlands. Mecklenburg- Strelit 97, in Oldenburg 146, in Braunschweig 141, hält gegenwärtig im Voltshause zu Leipzig feine General- in Sachsen- Meiningen 258, in Elsaß- Lothringen 181 usw. bersammlung ab. Es ist dies die erste seit neun Jahren, wo große Verschiedenheit in der Stärke der Genossenschaften, die sich in der Verein unter der Leitung des vor zwei Jahren verstorbenen diesen Zahlen zeigt, beruht in der Hauptsache auf dem Vorwiegen Peter Wiesener in Halberstadt tagte. Der Verein entwickelte sich zu gewisser Gegenstände des genossenschaftlichen Unternehmens: Die Beginn der achtziger Jahre aus einzelnen Lokalorganisationen, von Stonjumvereine haben meist sehr große Mitgliederzahlen und, wo sie denen der bereits 1856 gegründete Freundschaftsklub der Bigarren- stark verbreitet sind, wie in Sachsen, Thüringen und anderen gesortierer in Hamburg wohl die älteste war. Ein Vernichtungs- werblichen Gegenden, ist die durchschnittliche Genossenzahl hoch. Die Gruppierung der Genossenschaften nach dem Gegenstande feldzug, den die Hamburger Zigarrenfabrikanten 1885 gegen diesen rührigen Verein einleiteten, führte auf der damals des Unternehmens wird von der amtlichen Statistik in folgender Hamburg abgehaltenen Generalversammlung zur Zen- Weise vorgenommen, wobei gleichzeitig das Stärkeverhältnis der tralisation, die sich im Verlaufe von zwanzig Jahren Gruppen durch die Zahl der Genossenschaften und der Mitglieder vortrefflich entwickelt hat. Zu damaliger Zeit bereits hatte der veranschaulicht wird. Anfang 1903 waren im Deutschen Reiche vorVerein in Hamburg wenigstens den Arbeitsnachweis völlig in handen: Händen, ebenso war von ihm für seine Mitglieder die damals gang in und gäbe Hausarbeit sowie die Sonntagsarbeit abgeschafft worden; durch eine Arbeitslosen- Unterstüßung von ansehnlicher Höhe, durch Kreditgenossenschaften Reise- Unterstüßung und durch Gründung einer Krantentasse suchte er Rohstoffgenossenschaften, gewerbliche. feine Mitglieder mit Erfolg enger an sich zu fesseln. Auf dieser 0 landwirtschaftliche Werkgenossenschaften, gewerbliche landwirtschaftliche Genoffenschaften zur gemeinsamen Beschaffung von Maschinen und Geräten Magazingenossenschaften, gewerbliche , landwirtschaftliche Rohstoff- und Magazingenossenschaften, gewerbl 5 674 116 085 Johanna Venzke. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei dem so frühen Heimgange unseres geliebten Sohnes und Bruders 29232 Max Mäcke fagen wir allen Bekannten und Freun ben sowie dem Gesangverein Rote Melte I" unseren innigsten Dank. Die tieftrauernden Hinterbliebenen. Köpenick. Für die vielen Beweise der Liebe und Teilnahme bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Baters Ernst Schäfer sagen allen, insbesondere seinen Vereinsfollegen und Mitarbeitern unseren verbindlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. 29242 PrinzenS., Dr. Simmel, Str. 41, Spezialarzt für 98/ 10* Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4 Bruch- Pollmann empfiehlt fein Lager in Bruchbandagen, Leibbinden, Geradehaltern, Spritzen, 2149 Suspensors, sowie sämtliche Artikel 16 221 zur Krankenpflege. 4835 Eigne Werkstatt. Liefer. f. Drts- u. Hülfs- Krankenkassen Berlin C., GenossenMits schaften glieder 12 994 1792 330 145 1 330 43 157 199 3 314 45 1 617 190 22 931 95 landw.. 17 ' 160 20 452 2 851 200 970 178 12 552 1606 800 051 491 102 870 47 5 004 204 29 781 30. Linien- Straße 30. NB. Alle Bruchbänder mit elastch 3540 schen Belotten, angenehm und weii2 143 am Körper. Straffen Organisation hat der Zentralverein sich unter steten Kämpfen Wareneinkaufsvereine im Laufe der verflossenen zwanzig Jahre weiter entwickelt. Die am Sonnabend von dem Hamburger Aug. v. S ch a d als dem ältesten Mitgliede eröffnete Generalversammlung wählte den Reichstags- Abgeordneten A. v. Elm zum Vorsitzenden und Kurt Schwinger- Dresden zum Stellvertreter. Die Verlesung der Präsenz liste ergab die Anwesenheit von 56 Delegierten. Der vom Geschäftsführer des Vereins, Arnhold Hamburg, erstattete Geschäftsbericht fonstatierte, daß der größte Teil der in den letzten Jahren unternommenen Lohnfämpfe erfolgreich war; die Zahl der Mitglieder hat Produktivgenossenschaften, gewerbliche erheblich zugenommen. Der Redner erwähnte ebenfalls des Um standes, daß der Verband deutscher Tabatarbeiter die bedingungslose Aufgabe der Sortiererorganisation und den Uebertritt dieses Vereins Konsumbereine in den Tabalarbeiter- Verband verlangt und, als diefer Forderung nicht stattgegeben wurde, das Verbandsorgan, den" Tabatarbeiter", für die Sortierer gesperrt hat. Von diesen ist darauf ein eigenes Organ, der" Drganisator", gegründet worden, der sich nach 20 755 3 139 519 dem Bericht des Geschäftsführers vortrefflich entwickelt. Der Vor- Die Konsumvereine sind also dem Durchschnitt ihrer Mitgliederſizende des Ausschusses fonstatierte noch, daß auch die geringfügige zahl nach( 498) die größten, und sie würden noch größer erscheinen, Bahl der eingegangenen Beschwerden darauf schließen lasse, daß die wenn die Vereinsgebilde mit ähnlicher Tätigkeit, die ihrer VerMitglieder im allgemeinen mit der Leitung des Vereins zufrieden sind. fassung nach nicht unter das Genossenschaftsgesetz fallen und somit Aus dem Bericht des Geschäftsführers sei noch erwähnt, daß in der amtlichen Genossenschaftsstatistik nicht enthalten sind, mit einin Hamburg Differenzen zwischen Zahlstelle und Zentralverwaltung begriffen werden könnten( z. B. der Breslauer Konsumverein mit landwirtschaftliche. Genossenschaften z. Beschaffung usw. von Zuchtvieh Wohnungs- und Baugenossenschaften, eigentliche Sonstige Genossenschaften Vereinshäufer zusammen 25722* Humboldt- Akademie Lehrstätte NO.( Königstadt). Beginn der 4 volkstümlichen Vortragsreihen am Donnerstag, 27. und Freitag, 28. April. Programm gratis u. Reihenkarten à 50 Pf. bezw. 1 Mk. nur beim Schuldiener Voigt, Elisabethstraße 57/58. 2927L Tod und Teufel allem Ungeziefer! Reichels Spezial- Mittel töten sicher Wanzen, Schwaben, Motten und jede Brut! 50 Pf., 1,-, 2, 2c. Anerkennungen aus aller Welt. Zerstäuber 50 Pf. Echt u. garantiert wirksam nur, wenn in Originalpackungen mit dieser Marke verschlossen. Erhältlich in Drogerien, too Plakate mit Tod und Teufel, und bei insoweit bestehen, als der dortige an die Zentralisation angeschlossene 87 000 Mitgliedern, die Neue Geſellſchaft zur Verteilung von Lebens Lokalverein noch eine Anzahl Zuschußkassen hat, aus deren Mitteln mitteln in Hamburg mit 17 000 Mitgliedern u. a. m.). Nächst jenen feine Mitglieder, die auch Mitglieder der Zahlstelle sein müffen, Zu- erscheinen im Durchschnitt als Genossenschaften großen Umfanges schüsse zu den Leistungen des Zentralvereins erhalten, wofür dieser die eigentlichen Wohnungs- und Baugenossenschaften( 210). Unter Lokalverein verhältnismäßig hohe Extrabeiträge erhebt. Der Zentral- dem Gesamtdurchschnitt( 151) bleiben: die sonstigen Genossenschaften verband hat nun für die gegenwärtige Generalversammlung einen( 146), die Kreditgenossenschaften( 138), die gewerblichen Produktivneuen Statutenentwurf ausgearbeitet, der schon seit Monaten Gegen- genossenschaften( 128), die landwirtschaftlichen Rohstoff- und Magazinstand der heftigsten Kritik durch die Hamburger Zahlstellenleitung genossenschaften( 126), die landwirtschaftlichen Magazingenossenschaften getvesen ist, besonders weil darin die Bestimmung enthalten( 121), die Vereinshäuser( 106), die gewerblichen Werkgenossenschaften ist, daß neben den Vereins Beiträgen andere Beiträge( 103), die landwirtschaftlichen Rohstoffgenossenschaften( 87) usw. zu Unterstützungszwecken nicht mehr erhoben werden dürfen. Der Weizen- Corner, der seit einiger Zeit unter der Führung des Würde diese Bestimmung von der Generalversammlung fanktioniert, Großspekulanten Gates die Chikagoer Getreidebörse beherrschte, dann wäre die Existenz des Lokalvereins fernerhin in Frage gestellt, scheint vorgestern zusammengebrochen zu sein. Aus Chikago wird was aber die Zentralleitung damit gerade bezweckt, um endgültig telegraphiert: die seit Jahren bestehenden Mißhelligkeiten zwischen ihr und der telegraphiert:" Der hiesige Weizenmarkt eröffnete in schwacher Infolge des durch weitere Liquidationen von Mais Bahlstellenleitung in Hamburg auszurotten. Wie sehr sich aber die Haltung. entstandenen allgemeinen Abgabedruces schwankte der Leitung der Hamburger Bahlstelle, die, wie gesagt auch die Leitung 4 des dortigen Lokalvereins ist, dagegen sträubt, beweist eine auf der Julitermin anfangs zwischen 86 und 8634, das heißt um 3 bis Generalversammlung verteilte umfängliche Rechtfertigungsschrift, die 4 Cent niedriger gegen den legten Schlußturs. Verkäufe der bei; in den Sonnabendverhandlungen im Laufe der Diskussion über den Kommissionsfirmen trugen ebenfalls zur Abschwächung Geschäftsbericht eine Rolle spielte, wie auch die Differenzen zwischen schließlich nahm der Markt jedoch eine ruhigere Tendenz an, da die geringen Weltberschiffungen der letzten Woche und Käufe Armours beiden Körperschaften selbst. Nach Beendigung der Debatte über den Geschäftsbericht wurden per Mai das Angebot zurückhaltender machten und einige Deckungsdie Diäten und Reisegelder für die Delegierten festgesetzt; fie be- nachfrage hervorriefen. Während der zweiten Börsenstunde waren die Preise abermals starken Fluktuationen unterworfen. Der Eintritt antragten 10 M. und freie Fahrt in dritter Klasse. Sodann wurde günstiger Witterung im Westen und die Prognosen, daß für die gein die Statutenberatung eingetreten. Beschlossen wurde, daß fünftig famten Weizengebiete schönes Wetter zu erwarten sei, günstige die Organisation den Namen führt:„ Verband der Zigarrensortierer Saatenstandsmeldungen aus dem Südwesten und matte Berichte und Ristenbekleber Deutschlands". den den übrigen Weizenmärkten gaben Anlaß Auf der Tagesordnung der Generalversammlung stehen noch neuerlichen Verkäufen, die zum Teil auch für Rechnung mehrere wichtige Punkte, so die Haus- und Sonntagsarbeit, worüber neuerlichen Verkäufen, Wallstreets erfolgten. Das niedrige Kursniveau regte zwar Abg. v. Elm referiert; das Lehrlingswesen; der bevorstehende die lokale Spekulation und Armour zu Deckungen und Käufen Gewerkschaftstongreß und Wahl eines Delegierten zu demselben; per Mai und Juli an, die Wirkung dieser ging aber verloren Organisation und Agitation. und machte einer weiteren Verflauung Plazz, als sich im Hinblick auf die umfangreichen Ankünfte im Innern und auf die Fläue der Lotomärkte neuerlicher allgemeiner Verkaufsdrang einstellte. Schluß flau und um 7 Cents niedriger für Mai, 2 bis 14 Cents niedriger für die Termine neuer Ernte. In Uebereinstimmig mit der unregelmäßigen Tendenz des Weizenmarktes lag Mais per Juli anfangs Riesen- Auswahl. Spottbillige Preise, Der Arbeitsmarkt gewinnt fast regelmäßig im März ein anderes schwächer und um 38-5/ 8 Cents niedriger. Abgaben der Kom Ansehen, da für eine ganze Reihe von Gewerbezweigen, in denen missionäre und die umfangreichen Weltverschiffungen während der während des Winters wenig zu tun ist, der volle Betrieb wieder be- letzten Woche verstärkten den Rückgang, der noch weitere Fortschritte ginnt. Im laufenden Jahre hat, wie das Reichsarbeitsblatt fon- machte, als startes Angebot von Hausseware zum Vorschein fam, statiert die sogenannte Frühjahrsbelebung, anscheinend" noch träftiger welches jedoch kaum nennenswerter Nachfrage begegnete. Schluß eingesetzt, als in den letzten Jahren. Einen wesentlichen Anteil an flau und um 15-1 Cent. niedriger." Bis Donnerstag glaubt die Generalversammlung mit ihren Arbeiten zu Ende zu sein. Hus Induftrie und Handel. von zu der Hebung der Beschäftigung im März hatte, wie immer in diesem Ueber die Stellung der Parteien zu einander und die Höhe der Monat, einerseits das Baugewerbe, in welchem die Bautätigkeit im Engagements ist zurzeit noch nichts bekannt, doch scheint es sich zu Freien im vollen Umfange wieder aufgenommen wurde, bestätigen, daß der bekannte Getreidespetulant Armour, der zuerst andererseits die Landwirtschaft, welche zu der Frühjahrs- als Gegner, dann als Komplice Gates fungierte, sich jetzt wieder auf Bestellung Arbeitskräfte in größerem Maßstabe an sich zieht. die Seite der Baissepartei geschlagen hat. Im Steinkohlenbergbau bot sich im März das Bild einer Die Niederlage Gates dürfte voraussichtlich noch den Fall einiger etwas rückläufigen Bewegung, verursacht zum Teil dadurch, daß auch weiterer Spekulanten nach sich ziehen. Der Präsident der First im März noch ausländische Kohle in größerem Umfang infolge des Nationalbank" in Milwaukee, Bigelow, ist nach telegraphischer Ruhrstreits nach Deutſchland kam und auf den Markt drückte. Die Meldung wegen Unterschlagung von 1/2 Willionen Dollar berhaftet Verhältnisse im Eisengewerbe und in der Maschinenindustrie haben sich worden. Zugleich ist gegen den Kassierer Goll der Bank ein Verand im März weiter günstig entwidelt, und ebenso hielt sich auch der haftsbefehl erlassen. Auch die anderen vier Direktoren der Bantl BERLIN SO., Otto Reichel, Eisenbahnstr. 4. Fernspr.: IV, 646, 3190, 4562. Kinderwagen-- Kuhlicke Berlins größtes Spezial- Geschäft Hauptlager: Neue Königstr. 43 2. Lager: Königgrätzerstr.84 Kinderwagen, KinderSportwagen, Kinder- Bettstellen. 2535L* Sofastoffe Riesenauswahl aller Qualitäten. olle Reste! Mocquettes. PlüschSatteltaschen. Muster b. näher.Angabe franko. Emil Lefèvre, Berlin, 158. Oranienstr. Sozialdemokratisch. Wahlverein für den Berliner Reichstagswahlkreis. Todes- Anzeigen. Am Sonnabend verstarb unser Mitglied der Kellner Karl Wodke, Grünthalerstr. 34. Am Sonntag verstarb unser Mitglied der Tischler Wilhelm Götting, Schliemannstr. 11. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung des Genossen Wodke findet heute nachmittag 4 Uhr von der Halle des neuen Paulskirchhofes bei Plögensee, Die Beerdigung des Genossen Götting findet heute nachmittag 3/4 Uhr von dem Krankenhaus Friedrichshain aus nach Wilhelmsberg statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 247/10 Der Vorstand. Nachruf. Am 18. d. Mts. verstarb unser Mitglied der Schleifer Karl Riebke, Neue Hochstr. 38, plöglich und wurde am Montag, den 24. d. M., auf dem Dankeskirchhof beerdigt. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Emilie Mende geb. Schwarz am Sonntag, den 23. April, abends 8 Uhr nach schweren 29282 Leiden entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 27. d. M., nach mittag 5 Uhr von der Leichenhalle des Emmauskirchhofes aus statt. Der trauernde Gatte Karl Mende, Wienerstr. 50. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Bauanschläger August Ziems gestorben ist. Ehre seinem Andenken! 115/20 Die Ortsverwaltung. Verband deutscher Gastwirtsgehülfen ( Ortsverwaltung Berlin). Den Mitgliedern zur Nachricht, daß Kollege Karl Wodtke nach längerem Leiden verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Mittwoch, nachmittags 4 Uhr, auf dem St. Pauls Kirchhof zu Plößensee statt. Um rege Beteiligung ersucht 288/17 Der Vorstand. Am 23. April abends 9 Uhr verschied nach kurzem Leiden mein lieber Mann, unser guter Vater, der Restaurateur Theodor Seume im 44. Lebensjahre. Die Beerdigung findet am 27. d. M. nachmittags 3 Uhr bom Trauerhause, Frankfurter Allee 18, aus statt. 12346 Die tranernde Witwe Karoline Seume nebst Kindern. Nachruf. Nach langen schweren Leiden verstarb am 17. April unser Mitglied Herr 1231b Karl Gosselmann. Ein ehrendes Andenken als Sänger und Freund wird ihm dauernd bewahren Männer- Gesang- Verein Echo( 1869). Kranz- und Blumenbinderei von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. Bereins- Stränge, Balmen. u. Blumen. Arrangements, Bouquets, Guirlanden usw. werden sein u. breiswert geliefert Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Nedaktion dem Urania, Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Der Simplon und sein Gebiet. Publikum gegenüber keinerlei Der Simplon Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 26. April: Anfang 742 Uhr: Opernhaus. Die Heirat wider Willen. Schauspielhaus. Prinz Friedrich von Homburg. Deutsches. Wilhelm Tell. Berliner. Die eiserne Krone. Westen. Die Fledermaus." National. Zar und Zimmermann. Neues. Ein Sommernachtstraum. Thalia. Der Kilometerfresser. Zentral. Don Juan. Anfang& Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Augen rechts! Hierauf: Die fittliche Forderung. Schiller N. 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Die Stimmlisten werden an den Eingängen zu den Wahllokalen verteilt. 116/1 Ohne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Bahlreiche Beteiligung wird erwartet. Monat aus. Vertrauensmänner- Konferenz der Schlosser fällt diesen Mittwoch, den 26. April 1905, abends 8, 1hr, bei Schade, Birkenwäldchen, Groß- Lichterfelde: Bezirks- Versammlung für Steglitz und Umgegend. Tages Ordnung: 1. Bortrag über:" Die fommenden Aufgaben des Verbandes". 2. Dis fuffion. 3. Wahl eines Kaffierers. 4. Verbandsangelegenheiten. Die Ortsverwaltung. Die Ernährung der Kinder durch Ammen beraubt Tausende von Kindern ihrer mütterlichen Nahrung und Pflege. 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Wie die Kosten des Berliner Armenwcsens gestiegen sind, darüber bringt die bürgerliche Presse eine Notiz, die ihren Zweck, Aufsehen zu erregen und auf die Steuerzahler höherer Stufen Eindruck zu machen, gewiß erfüllen wird. Da wird vorgerechnet, daß von 1893 bis 1900 die Gesamtkosten des Armenwesens von 14V, Millionen auf 18V, Millionen an- geschwollen seien. Das bedeute eine Zunahme um 27V« Proz., während die Bevölkerung in demselben Zeitraum nur um 12'/, Proz. gewachsen sei. Für 1903 seien nun die Gesamt- kosten gar schon auf 26 Millionen veranschlagt. Hinzu- gefügt wird, daß für Irrenanstalten und Hospitäler die Aus- gaben am stärksten gestiegen seien, in fünf Jahren um 45V- Proz. und 52'/- Proz. Daß in den angegebenen 26 Millionen dieAusgaben für das Gesundheitswesen mit enthalten sind, das könnte aus dem die Jrrenpflege erwähnenden Zu- satz auch derjenige entnehmen, der es nicht selber weiß. Wir vermuten aber, daß nicht viele Leser der bürgerlichen Blätter sich recht darüber klar geworden sein werden, was ihnen da vorerzählt worden ist. Auf 26 Millionen belaufen sich die Ausgaben, die in den Etat von 1905 für das Armenwesen und für das Gesundheitswesen eingestellt sind. Für das Armen- Wesen sind 15'/« Millionen Ausgabe vorgesehen, während nur IV. Millionen Einnahmen erwartet werden, so daß 14 Mil- lionen durch Zuschuß zu decken sind. Für das Gesundheits- Wesen sollen 10'/. Millionen ausgegeben werden, wovon 3'/« Millionen durch Einnahmen gedeckt werden sollen, so daß ein Zuschuß von 7 Millionen zu leisten ist. Bon den 26 Mil- lionen. den angeblichen„Gesamtkosten des Berliner Armen- Wesens", wären 21 Millionen dem Stadtsäckel zu entnehmen. Das Gesundheitswesen, das hier nach„guter alter Sitte" seelen- ruhig noch immer mit dem Armenwesen zusammengeworfen worden ist, umfaßt nicht nur die Kranken- und Armenpflege, sondern auch das Heimstättenwesen, Badewesen, Rettungs- Wesen usw. Wer also z. B. in einer der städtischen Bade- anstalten ein Bad nimmt, der hat sich hiernach als eine Art Almosenempfänger zu betrachten. Begrenzt man den Begriff„Armenwesen" so, wie der Etat selber es längst tut, so ergibt sich, daß von 1895 bis 1905 die Gesamtkosten nicht von 14'/- Millionen auf 26 Millionen gestiegen sind, sondern von 9V« Millionen auf 15'/. Mil- lionen. Dabei find selbst dem Armenwesen in dieser Be- grenzung immer noch verschiedene kommunale Aufgaben zu- gerechnet, die eine moderne Auffassung der Pflichten einer Kommune nicht mehr als Teil des Armenwesens ansieht, die Siechenpflege, die Waisenpflege, die Unterbringung verwahr- loster 5linder. das Obdach, das Arbeitshaus. Die von austerhalb kommenden Kranken, die von den städtischen Krankenhäusern Berlins aufgenommen werden, sind dem freisinnigen Stadtverordneten Wallach und seinen haus- agrarischen Freunden seit langem ein Dorn im Auge. Man findet, daß sie in den Berliner Anstalten, die ohnedies keinen Ueberfluß an Betten haben, den Berlinern den Platz wegnehmen. Berlin muß für diese unwillkommenen Gäste sogar noch Geld zugeben. Denn das Verpflegungsgeld reicht selbst zu dem erhöhten Satz nicht aus, die Selbstkosten zu decken. Herr W a l l a ch hat den Antrag gestellt. Auswärtige nur dann in städtische Krankenhäuser aufzunehmen, wenn ein wirk- liches Bedürfnis vorliegt. Das brauchte nicht erst beantragt zu werden. Die Berliner Krankenhäuser verfahren gegenüber den auswärtigen Kranken längst nach dem Grundsatz, sie nur in dringendsten Fällen aufzunehmen. Wallach hat aber weiter beantragt, für Auswärtige d i e vollen Ver- pflegungskosten zu berechnen. Das geschieht heute noch nicht. Geschähe es, so hätten die Auswärtigen aller- dings beträchtliche Kosten zu zahlen, vollends dann, wenn die von Wallach gewünschten Sätze gefordert würden. Der Antragsteller meint, im letzten Jahre hätten in den Anstalten Friedrichshain, Moabit, Urban, Gitschinerstraße und im Kinderkrankenhaus die Selbstkosten 4,23 M., 4,30 M., 4,13 M., 3,77 M. und 5,02 M. betragen. Das sind die An- gaben des letzten Jahresberichtes, der, wie immer, auch die Verzinsung der Grundstücke usw. den Selbstkosten zurechnet. In diese Rechnung ist aber der Grundstückswert mit einem im Laufe der Jahre gestiegenen Betrag eingestellt worden. Daß die Berücksichtigung des unverdienten Wertzuwachses den Bei- fall eines Wallach findet, versteht sich von selber. Aber eine Dreistigkeit ist die Zumutung, daß der Magistrat den Boden- wucher, den er mtt seinen Krankenhäusern bisher nur auf dem Papier trieb, gegenüber den auswärtigen Kranken in die Tat umsetzen soll, wie wenn er ihr„Hauswirt" wäre. Herr Wallach läßt sich auch nicht dadurch stören, daß vieledieser„Auswärtigen" in Berlin arbei- ten und Berliner Krankenkassen ange- hören. Die in den Vororten wohnenden Arbeiter sind gut genug dazu, den Berliner Unternehmern die Geldsäcke zu füllen und dadurch auch dem Stadtsäckel Berlins einen höheren Steuerertrag zuzuführen. Ist es da mehr als recht und billig, sie auch in Krankheitsfällen als Berliner anzusehen und sie in den Krankenhäusern Berlins dementsprechend zu behandeln? Nun beruft sich der Antragsteller darauf, daß ja auch d i e Vororte Zuschüsse zu ihren Schullasten von Berlin fordern. Gewiß, der Vorortspartikularismus, der in diesem Vorgehen einzelner Nachbargemeinden sich be- tätigt, ist keineswegs einwandsfrei. Aber die Vororte sorde.rn die Zuschüsse deshalb, weil ihre Schulen die Kinder von Är- beitern aufnehmen müssen, die in Berlin arbeiten und somit eigentlich Berliner Arbeiter sind. Und da werden diese Ge- meinden schwerlich geneigt sein, die Gegenrechnung gelten zu lassen, die man ihnen aufmachen will. Sie lassen sich von Berlin einm Teil ihrer KWakmhflsgelosien abnehmen a uckl genau demselben Grunde, aus dem sie Ersatz eines Teiles ihrer Schullasten von Berlin fordern. Denn der Arbeiter zahlt seine Steuern haupffächlich in der Form, daß er, wie gesagt, anderen die Gcldsäcke füllt und den Wohlstand der Gemeinde mehrt. Diese Theorie wird sonst allerdings nur von Sozialdemokraten verfochten, aber wenn sie den bürgerlichen Kommunalpolitikern mal in ihren Kram Paßt, so erkennen auch sie sie als richtig an. Und so rechnen die Vororte: Wenn unsere Einwohner als Arbeiter euch reich machen, also den größten Teil ihrer Steuern an eure Gemeinde zahlen, so könnt ihr auch aufbringen helfen, was wir für sie ausgeben müssen oder müßten. Bei Lichte besehen, gründet diese Argumentation sich durchaus auf das vom Freisinn hochgehaltene Prinzip „Leistung und Gegenleistung". Aber diesmal wollen Herr Wallach und seine freisinnig-hausagrarischen Freunde das nicht kapieren. Zur Eröffnung der Pflicht-FortbildungSschnlen in Berlin. Montag, den 1. Mai, beginnt der Unterricht für die nach dem 1. Oktober 1890 geborene, schulentlassene männliche Jugend in der Pflicht-Fort- bildungsschule. Berlin ist in vier Fortbildungsschulkreise eingeteilt worden mit je einem Direktor an der Spitze. Der erste Kreis, Direktor Dagebörde, umfaßt Verlin W, SW und NW. Das ständige Bureau dieses Kreises befindet sich Wartenburgstr. 12, dorthin sind alle Meldungen und Anflogen für die Schule zu richten. Unterricht findet dort nicht statt, da die Räume vorläufig noch vom Friedrich- Realgymnasium benutzt werden. Er wird abgehalten in den Räumen der ersten Handwerkerschule Lindenstr. 97/98 und im Schulgebäude Fürbringerstr. 33/34. Der zweite Kreis, Direktor Kandier, umfaßt Berlin L, 80 und O, Bureau Wassertorstr. 4. Der Unterricht findet in demselben Hause und außerdem in der zweiten Handwerkerschule, Andreasstr. 1/2, statt. Der dritte Kreis, Direktor Drehmann, umfaßt Berlin 0 und N0. Bureau: Hinter der Garnisonkirche 2. Der Unterricht findet hier und in einer noch näher zu bestimmenden Schule im NO. statt. Der vierte Kreis, Direktor Langkohl, umfaßt Berlin N. Bureau und Unterrichtsräume befinden sich Strelitzerstr. 42. Um die berufliche Gliederung des Schülermaterials durchzu- führen, sind acht Gewerbegruppen gebildet worden: Bauhandwerker, Metallarbeiter, Kunstgewerbe, Bekleidungsgewerbe. Nahrungs- und Genußmittelgewerbe, Barbiere, sonstige gewerbliche Arbeiter(d. h. die Angehörigen der sogenannten„ungelernten Berufe"), Kaufleute. Nur junge Leute, die zu derselben Gewerbegruppe gehören, werden in einer Klaffe vereinigt. Ist die Schülerzahl eines einzelnen Berufes ausreichend(z. B. Schlosser, Tischler), so werden reine Fachklassen gebildet. An der Zentralstelle sind die Fortbildungs- schulpflichtigen auf Grund der in den Schulen veranstalteten Berufs- statistik bereits nach Berufen und nach Qualitäten gegliedert. Für den letzteren Gesichtspunkt ist die Klaffenstufe beim Abgang au§ der Schule entscheidend gewesen. In diesen Tagen erhält jeder Schüler vom Magistrat eine Benachrichtigung zur Einschulung und zugleich einen Abdruck des Ortsstatuts zugesandt. Die Benachrichtigungs- karte, auf der über den Empfang des Ortsstatuts seitens des Arbeits- gebers oder Baters und Schülers quittiert werden muß, dient als Legitimation: sie enthält genaue Angaben über Ort und Zeit des Unterrichts, über Lage und Nummer des Klassenzimmers und über die notwendigen Lehrmittel in den ersten Unterrichtsstunden. Der Unterricht selbst wird sofort am ersten Tage beginnen. Welcher Klasse der Schüler endgültig angehören soll, wird nach etwa vierzehn- tägigcm Unterricht entschieden werden. Die von außerhalb zu- ziehenden Lehrlinge werden durch Säulcnanschlag zur Anmeldung aufgefordert werden._ Ein zweiter Fall von Genickstarre ist hier vorgekommen. Es ist davon der Monteur Richard Misch, Blücherstt. 55, befallen worden. Der Kranke hat sich am Sonnabend- abend in die Charit« aufnehmen lassen, wo er in einer Isolierbaracke untergebracht ist. Für die Desinfektion der Wohnung-c. ist Sorge getragen. Da es sich als notwendig gezeigt hat, diejenigen, die mit einem Genickstarrekranken zu tun hatten, eine Zeitlang ärztlich zu beobachten, ist die Eheflau des Kranken davon verständigt worden, daß sie ärztlich überwacht wird. Wie schon früher hier vennerkt wurde, gibt das Auftreten vereinzelter Fälle von Genickstarre zu einer Beunruhigung nicht Anlaß. Es kommt nur darauf an, daß die Erkrankungen an Genickstarre möglichst frühzeitig erkannt werden. Dies wird am ehesten dann möglich sein, lvenn bei fieberhaften Er- krankungen, zumal solchen mit Beeinträchtigung der nervösen Funktionen, ärzliche Hülfe unverzüglich in Anspruch genommen wird. Monteur Misch befindet sich heute besser. Die Besinnung hat er wiedererlangt. Die Aerzte hoffen, ihn am Leben erhalten zu können. Bon auswärts liegen über die Genickstarre folgende Meldungen vor: In vergangener Woche erkrankten im Kreise Kattowitz 47 Personen an Genickstarre, wovon 27 starben. Seit dem ersten Auftreten der Epidemie erkrankten 358 Personen und kamen 293 Todesfälle vor.— Neue Fälle von Genickstarre werden aus Laurah iitte, Pleß, Agneshütte und anderen Ortschaften gemeldet. Im Stadtbezirk B e u t h e n und im Stadtteil Friedenshütte sind nach amtlicher Feststellung vom 11. bis 22. April 31 Personen an Genickstarre erkrankt, 17 gestorben. Auch aus M.-Gladbach wirdein Fall von Genickstarre mit tödlichem Ausgang gemeldet. In Gera ist ein an Genickstarre erkrankter Soldat gestorben.— Der an Genickstarre erkrankte Kanonier Eltcr in Halle ist gestorben. In Groß- salze erkrankte ein 17 jähriger Jüngling an Genickstarre.— n mehreren Städten des R u h r b e z i r k S ist den Soldaten der sterurlaub wegen Genickstarre gekürzt worden, teilweise siud sie auch telegraphisch zurückgerufen worden.— Infolge einer Aufforderung des Regierungspräsidenten in Arnsberg begab sich ein Arzt des bakteriologischen Instituts Gelsenkirchen nach Lüdenscheid, um bei einem dort aufgetretenen Falle von Genickstarre bakteriologische Untersuchungen vorzunehmen.— An einem in Königslutter erkrankten zehnjährigen Knaben ist die Genickstarre festgestellt worden.— In Innsbruck starb gestern das Töchterchen des Bezirkssekretärs Colli an Genickstarre. Es ist dies der erste Fall dieser Krankheit in Tirol._ „Rheinlands Eiche", eine erst im September 1993 gegründete Kranken- und Sterbekasse seingeschriebene Hülfskasse) mit dem Sitz zu Hochheide im Rheinland, ist nun auch„alle geworden". Sie hatte es, ivie die meisten Kassen ihrer Art, rasch zn einer großen Mitgliederzahl gebracht, und auch in Berlin war für sie mit Erfolg die Werbetrommel gerührt worden. Ebenso rasch ist jetzt der Zusammen- bruch erfolgt, und„Rheinlands Eiche" muß nun das Schickial so vieler Borgängerinnen teilen. Sie muß liquidieren, da sie nicht leisten konnte, was fie versprach. Alle Mitglieder, die nicht vor dem 1. November 1994 schriftlich ihren Austritt erklärt haben, werden vom Liquidator aufgefordert, noch ihre Beiträge bis 31. März 1995 nach- zuzahlen, bei Vermeidung der Klage. Als im Sommer 1994 die famose Krankenkasse„Regina". die ihren Sitz in Schwerin hatte, vom Pleitegeier ereilt wurde, über- nahm ihr bisheriger Berliner Filialdirektor als Ersatz die Berliner Vertretung der Kasse„Rheinlands Eiche". Der„Vorwärts" hat damals sofort auf diesen Tausch aufmerksam gemacht. Hoffentlich ist niemand, der unseren damaligen Hinweis gelesen hatte, noch Mit- glied von„Rheinlands Eiche" geworden. Andenifalls darf er sich nicht beklagen, daß er jetzt leer ausgeht und noch zuzahlen muß. Romane und Erzählungen ffir das arbeitende Boll bringt die illustrierte Wochenschrift„In Freien Stunden", von der soeben dos Ib. Heft ausgegeben ist. Es enthält die Fortsetzung des Aonuulö „Im Banne der Versuchung", von Hector Malot und der spannenden Erzählung„Der Pedlar", von Otto Ruppius. Im Feuilleton finden wir eine kulturhistorische Skizze„Die Zahl Sieben",„Dies und, Jenes" und„Witz und Scherz". In jeder Woche erscheint ein Heft,' 24 Seiten stark, das in allen Parteibuchhandlungen, in Berlin in allen Parteispeditionen sowie bei den Zeitungsspediteuren zu haben ist. Der Gemeindeschullehrer a. D. Franz Groppler ist nach langem Leiden im Alter von erst 47 Jahren gestorben. Herr Groppler war weiteren Kreisen bekannt geworden durch die eifrige Tätigkeit, die er zur Förderung des Knabenhandarbeits-Unterrichts viele Jahre hindurch als Vorsitzender der bei dem Berliner Lehrer- verein bestehenden„Vereinigung für Knabenhandarbeit" entfaltete. Mehrere Jahre hindurch bekleidete er auch das Amt eines Vor- sitzenden des Berliner Lehrervereins, und in dieser Eigenschaft ge- hörte er in der G e h a l t s b e w e g u n g von 1897 zu der Lehrer- deputation, die dem damaligen Bürgermeister Kirschner die Wünsche der Lehrerschaft vorzutragen hatte. Groppler tat jene Aeutzerung, auf die Herr Kirschner kürzlich in der Stadtverordneten-Versammlung sich berief:„Dann lieber die alte Skala!" Später legte Groppler krankheitshalber den Vorsitz im Lehrerverein nieder. Ein schweres Nervenleiden, das sich als unheilbar erwies, nötigte ihn im vorigen Herbst, sich pensionieren zu lassen. Den Museen ist die Unsicherheit des Wetters, das den Oster» feiertagen beschieden war, sehr zu statten gekommen. Am Ostcrsonntag blieben die meisten Museen geschloffen, am Ostermontag aber wurden sie, wie alljährlich, von mittags 12 Uhr ab offen ge- halten. Da hatte mancher, der bei zuverlässigerem Wetter wohl mit ins Freie hinausgewandert wäre, es vorgezogen, sich ei» wenig in diesen: oder jenem unserer Museen umzuschauen. Die Zahl der Besucher war besonders in deir in der Nachbarschaft des Lustgartens gelegenen— im alten und neuen Museum, in der National-Galerie, dem Pergamon- und dem Kaiser Friedrich-Museum— so groß, daß zeitweise in den Sälen und Gängen ein dichtes Gewühl herrschte. „Die Hohenzollern-Lcgende", Kulturbilder aus der preußischen Geschichte vom 12. bis zum 29. Jahrhundert, von Max Mauren- brecher. Reich illustriert mit Bildern und Dokumenten aus der Zeit. Von diesem neuen Lieferungswerk, das im Verlage der Buch- Handlung Vorwärts in Berlin erscheint, liegen die beiden ersten Hefte vor. Die ersten 27 Seiten enthalten die Einleitung, in der der Verfasser die Gesichtspunkte niederlegt, die für ihn bei der Abfassung deZ Berichtes maßgebend waren. Im zweiten Hefte beginnt dann die eigentliche Darstellung mit dem ersten Kapitel: Adelsmonarchie, iii dem der Verfasser u. a. behandelt: Monarchischer und kultureller Anfang Brandenburgs.— Günsttge Anfänge der Bauern.— Die Ritter als führende Klasse.— Die Gründung von Städten.— Die Ritter bewilligen. Bürger und Bauern bezahlen.— Der Prunk am Vorabend des Bankrotts.— „Rauben und Stehlen" als adeliges Handwerk.— Das Empor- kommen der Ouitzotvs.— Der Burggraf von Nürnberg als fahrender Ritter.— Begnadigung der Junker, Besteuerung der Städte usw. Von deii zahlreichen Illustrationen heben wir eine sehr gut gelungene Wiedergabe einer Szene aus den Krönungstagen deS ersten preußischen Königs hervor: Die Preisgabe des gebratenen Ochsen und der Weinfontänen an das Volk von Königsberg. In jeder Woche erscheint ein Heft für 29 Pf., das in allen Partei- buchhandlungen, in Berlin in allen Parteispeditionen zu haben ist. Zu dem Raubanfall auf die Pfandleiherin Witwe Krause in der Wilhelmstraße ist mitzuteilen, daß die Nachforschungen der Kriminal- Polizei auch während der Feiertage noch zu keinem greifbaren Er- gebnis führten. Frau Krause geht es andauernd bester. Sie ist gestern nachmittag 2 Uhr gerichtlich vernommen worden. Der vermißte Hund trug eine Marke mit der Nummer 46 224 vom Jahre 1994/95. Er hat, wie sich jetzt herausgestellt hat, keine gestutzten Ohren. Zu dem Einbruch und Toffchlag in der Schönhausee Allee wird gemeldet, daß der Kellner Ramm, der unter dem Verdacht, bei dem Einbruch bei dem Schankwirt Grabow dessen elfjährigen Sohn erstochen und eine Tochter durch Messerstiche verletzt zu haben, festgenommen wurde, endlich ein Geständnis abgelegt hat. Wie wir schon mitteilten, wurden bei ihm das Portemonnaie der Frau Grabow und eine Gedichtsammlung gefunden, aus der die Kinder noch am Abend vor dem Einbruch gelernt hatten. Dieser Belastung gegenüber sah er schließlich doch keinen Ausweg mehr und legte schließlich ein Geständnis ab, so hartnäckig er auch lange Zeit die Tat geleugnet hatte. Er ärgerte sich sehr, daß er diese Sachen nicht beseitigt habe, und meinte, ohne sie hätte man ihm nichts anhaben können. Wie er sagt, war er in jener Nacht mehrmals in der Grabolvschen Küche, in der die Kinder schliefen. Als er endlich die Kasse genommen habe, sei gerade von einem gegenüberliegenden Bau ein Maurer gekommen und habe ans Fenster geklopft, um Schnaps zu holen. Als er gesehen habe, daß dadurch die Kinder erwachten und ihn erkannten, fei er wütend geworden und habe mit dem Messer auf sie eingestochen. Der Maurer hat Ramm auf der Flucht gesehen und ihn wiedererkannt. Die Opfer eines Buben. Das 18 Jahre alte Dienstmädchen Martha Mertens, das in Schöneberg in Stellung war, lernte im Dezember v. I. beim Tanz im Lindenpark einen Wjährigen Mann keimen, der sich als Ingenieur Walter Holtenberg, den Sohn einer vennögenden Witwe, vorstellte und erzählte, daß er als Einjähriger bei den Eisenbahnern gedient habe und jetzt als Volontär in einer Maschinenfabrik beschäfttgt sei. Aus der Bekanntschaft entspann sich ein Liebesverhältnis. Nach fünf Wochen berichtete der junge Mann, seine Mutter habe von dein Verhältnis erfahren und ihn deshalb den Monatswechsel vorenthalten. Das Mädchen ließ fich überreden, ihin ihr Spargeld zil geben. Als das ihr Vater erfuhr. schrieb er an das Kommando der Eisenbahiibrigade, um sich nach dem Freier, der sich seit 14 Tagen nicht mehr hatte sehen lassen, zu erkundigen. Jetzt erhielt er die Gewißheit, daß seine Tochter einem Schwindler in die Hände gefallen war. Das Kommando kannte den Mann gar nicht. Das Mädchen wurde tieffinnig und nahm sich vor sechs Wochen im Tiergarten durch Sublimat das Leben. Seitdem war auch Frau Mertens, die 62jährige Mutter schwermütig. Am ersten Feiertag besuchte sie nachmittags das Grab ihrer Tochter auf dem Friedhof der Markusgemeinde in Wilhelms- berg. In der folgenden Nacht, als ihr Mann, der Weichensteller ist. dienstlich seine Wohnung in der Proskauerstr. 36 verlassen hatte, schnitt sie sich, im Bette liegend, mit einer scharfen Schere den Hals durch. Ihre 17 jährige Tochter, die mit ihr in einem Zimmer schlief. wurde durch ihr Röcheln geweckt und rief die Hausgenossen zu Hülse. Diese holten einen Arzt, aber schon nach einer Viertelstunde starb die Frau. Auf einer Reise von Vromberg nach Berlin ist der zehn Jahre alte Wilhelm Graudenz, der in Hamburg zu Hause ist, seit dem 31. März verschwunden. Der in Hamburg am 13. Mai 1895 geborene Knabe war mit grauer Kleidung angetan und trug schwarze Strümpfe und Schnürstiesel. Er hatte ein Paket mit Kleidungsstticken und Ham- burger Schulsachen bei sich. Wer über den Verbleib des Knaben Auskunft geben kann, wird gebeten, Herrn A. I. Malinowski, Ham- bürg, Springeltwiete 49, Hinterhaus parterre, zu benachrichttgen. Ein Familicndrama hat sich am zweiten Feiertag, abends, in der Tanbenstraße ab- gespielt. In dem Hause Nr. 5 wohnt seit dem 1. Januar d. I. der von der Friedrichstr. 236 zugezogene, 35 Jahre alte Kontordiener Wilhelm Kaufmann mit seiner ebenso alten Frau Rosa, einer neunjährigen Tochter Martha und einem 7 Jahre alten Sohne Willy im Kellergeschoß. Kaufmann ist seit sieben Jahren bei der Lebens- Versicherung. Deutscher Anker", die in demselben Hause ihre Räum«' Rente. A biers und suchte mit ihnen das Haus ab. Endlich fand er feine instimmung der Eisenbahn- Verwaltung hat zu einem Rechtsstreitaftsbewegung von Gertrud David. Frauenbewegung von Henriette -― Hat, Beschäftigt und versieht auch die Stelle eines Pförtners. Die Recht auf Entfernung der Schilder, noch auf Verbot der Aufnahme von 2,25 M. pro Duartal zu beziehen; jedoch ist bei der Post nur Duartat Leute waren seit zehn Jahres 2 verheiratet. Ihr Ruf ist gut, von Aftermietern zu. Die Wohnung war dem Mieter zu dem ver- Abonnement zulässig. Das einzelne Heft toftet 75 f. auch dem Manne wird nichts Nachteiliges nachgesagt. Frau einbarten Zweck des Weitervermietens vermietet worden. Dieser Die Sozialistischen Monatshefte"( Administration: Berlin SW. 19, Kaufmann machte nach der Geburt ihres Sohnes Willh ein schweres vereinbarte Zweck des Mietsvertrages kann aber nicht dadurch Beuthstraße 2) haben soeben das Mai Heft ihres 11. Jahrganges erKindbettfieber durch, unter dem ihre Nerven sehr litten. Diese illusorisch gemacht werden, daß nach einer gedruckten Bestimmung scheinen lassen. Dasselbe ist dem im Mai fagenden 5. Rongreß der Gewerk Nachwirkung hat auf die Herbeiführung der Katastrophe wohl Einfluß des vom Kläger unterschriebenen Mietsvertrages Vermieter sich das schaften Deutschlands in Köln gewidmet. Aus seinem Inhalt heben wir gehabt. Am Sonntag abend ging Kaufmann um 7 Uhr von Hause Recht vorbehalten hat, die erteilte Erlaubnis zum After- und hervor: Start Regien: In Köln am Rhein.- Adolf v. Elm: Gewerk schaften und Genossenschaften. Otto Hue: Zur Geschichte der christlichen weg. Erst am Montag morgen fehrte er zurück. Er behauptete, Chambregarni- Vermieten zu widerrufen und daß er jetzt von diesem Gewerkvereine. Mar Schippel: Bergarbeiter und preußischer Landtag. daß er bei seinem Schwager in Groß- Lichterfelde gewesen sei und Rechte Gebrauch macht. Eine solche in das Belieben des Vermieters Eduard Bernstein: Gewerkschaftswesen und soziale Auslese. Theodor den letzten Zug versäumt habe. Das glaubte ihm aber seine Frau gestellte und den Zweck des Vertrages aufhebende Bestimmung wider. Leipart: Die Gewerkschaften und die Maifeier. Johannes Timm: Bur nicht. Hierüber gab es Streit. Daß er dabei gegen seine Frau spricht dem erklärten Vertragswillen der Parteien, ihr kann daher Konferenz der Arbeitersekretäre.- Robert Schmidt: Der Streit um die Der kleine Willy eine rechtliche Geltung nicht eingeräumt werden. Da aljo Kläger Gustav Lint: Die Aufgaben der Gewerkschaftskartelle und ihre Begrenzung. tätlich geworden sei, bestreitet Kaufmann. Alwin Körsten: Ist Affordarbeit Dienst- oder Werkvertrag? aber erzählte nachmittags um 2 Uhr dem siebenjährigen vereinbartermaßen die Wohnung zum Zwede der Weitervermietung Ernst Deinhardt: Gewerkschaftliche Unterrichtsturse. Emma Jhrer: Bförtnersjohne Frizz Kaiser aus der Taubenstraße 47, Vater habe gemietet hatte, mußte ihm der Vermieter auch gestatten, die zur Die proletarische Frau und die Berufstätigkeit. Johannes Schlaf: Die der Mutter Beulen geschlagen". Mutter, Martha und er würden Erfüllung dieses Zweckes notwendigen Mittel zu gebrauchen, nämlich Feldarbeiter. Eduard Reynolds Pjase: Henry Broadhurst. Das Leben sich deshalb vergiften. Abends um 8 Uhr ging Kaufmann ein Glas die Anbringung von Schildern mit der Aufschrift, daß Zimmer zu eines Gewerkschaftsführers. Wirtschaft von May Schippel. Politik von Bier trinken. Als er um 10% Uhr wieder nach Hause kam, fand vermieten seien, weil ohne eine solche Ankündigung der Zweck der Richard Calwer. Sozialpolitik von Paul Kampffmeyer. Soziale Kom er Frau und Kinder nicht vor. Nichts Gutes ahnend, holte er den Weitervermietung gar nicht erreicht werden konnte. munalpolitik von Dr. Hugo Lindemann. Sozialistische Bewegung von Hugo Pözsch.. GenossenNachtpförtner vom Nebenhause 4 und einen Schutzmann des 87. ReGewerkschaftsbewegung von Ernst Deinhardt. Unfreiwillige Passagiere der Eisenbahn. Eine rigorose Be- schaftsbewegung von Gertrud David. Bildende Kunst von Anna Plehn. Dichtkunst von May Hochgehörigen Als Beigabe bringt das Heft ein Porträt des englischen Gewerkküche liegen. Alle drei waren angekleidet. In der Mitte lag auf geführt, der in zwei Instanzen erfreulicherweise zuungunsten des dorf. dem Fußboden Frau Kaufmann, rechts neben ihr ihr Sohn, links Eisenbahnfiskus entschieden wurde. Eine vom Bahnhof Alexander- schaftsführers Henry Broadhurst, gezeichnet von Otto Delh. Der Preis des Heftes beträgt 50 Pf.; vierteljährlich 1,50 M. Bu ihre Tochter. In der Nähe stand eine Flasche mit Lysol, das bis play abreisende Dame wurde von ihrem mit einer Bahnsteigkarte beziehen durch alle Buchhandlungen, Stolporteure und durch jede Bost auf den vierten Teil ausgetrunken war. Mutter und Kinder wurden versehenen Sohne auf den Bahnhof begleitet. Er bestieg den Zug, anstalt. Ferner direkt durch den Verlag der„ Sozialistischen Monatshefte", mit einer Droschte nach der Unfallstation in der Kronenstraße und um seiner Mutter beim Unterbringen ihres Reisegepäcks behülflich Beuthstr. 2, Berlin SW.( Busendung unter Kreuzband oder in geschlossenem von dort nach der Charité gebracht. Hier starb der Knabe heute zu fein. Der Zug, insbesondere der Seitengang des D- Wagens Stuvert). Brobehefte stehen auf Verlangen jederzeit fostenfrei zur Verfügung. morgen um 5 Uhr. Seine Mutter und Schwester liegen ebenfalls Schwierigkeiten verknüpft war. Der Zug fuhr schon nach kurzem zwölffeitige Mai- Nummer und Schiller- Nummer. Ein Schillerporträt ziert Die Nummer 9 des„ Süddeutschen Postillon" erschien heuer als war überfüllt, so daß schon das Auffinden eines Blazes mit großen Hoffnungslos danieder. Aufenthalt ab, dem Sohn gelang es nicht mehr, den Zug rechtzeitig die Titelseite. Ernst Klaar's Maienschwur" eröffnet den Tert. Ein Boll Einbrecher und Brandstifter haben in der Nacht zum Dienstag zu verlassen, er fonnte vielmehr erst auf dem Schlesischen Bahnhof bild verhöhnt das Bergarbeiterschutz- Gejes. Die nächsten Seiten bringen eine Würdigung Schillers mit 5 eingestreuten Bildern. Im Mittelbilde, das in dem Zigarrengeschäft von Karl Eichler in der Fennstr. 16 arg aussteigen. Dort machte er sofort dem diensttuenden Stations fich fiber zwei Seiten erstreckt, sehen wir den Stier von Uri das Schweizer gehaust. Gegen 2 Uhr früh wurde die Feuerwehr nach dort alarmiert, assistenten Mitteilung von der Sachlage. Der Eisenbahnfistus Bolt aufrufen. Ein anderes Seitenpaar enthält einen Nachruf an Konstantin weil dichter Rauch aus dem Laden drang. Sie fand bei ihrem Vor- beanspruchte von dem unfreiwillig Mitfahrenden auf Grund des§ 21 Meunier †, des unvergleichlichen Meisters des Dentmal der Arbeit". bringen verschiedene Brandherde vor und stellte sofort vorfäß der Eisenbahn- Verkehrsordnung das dort angedrohte Strafgeld, Dabei sehen wir eine Reihe seiner besten, kernigen Arbeiten vor uns. Die liche Brandstiftung fest. Im ersten Augenblick lenkte sich der welches derjenige zu entrichten hat, der ohne gültige Fahrkarte im Kreidezeichnung F. Jagemanns Schiller auf dem Totenbette" umrahmen Verdacht auf den Geschäftsinhaber, der noch nicht von einem Aus- Buge Plaz nimmt". Darüber ist es zum Rechtsstreit gekommen. Schillerzitate mit modernen Nuganwendungen. Robert Seidel stiftete ein fluge zurückgekehrt war. Man unterwarf ihn bei seiner alsbald er- Der Eisenbahnfiskus ist mit seinem Anspruch in zwei Instanzen ab- Maisestlied für Stinder Kinder der Freiheit." Adolf Lepp fingt„ Das Lied vom ersten Mai". Kleinerem folgt eine fativische Buschrift von okr. Den folgten Heimtehr auch einem strengen Verhör, doch konnte er gewiesen worden. In dem von den Bl. f. Rechtspfl." mitgeteilten Schluß bildet eine bayerische Bauernidylle im farbigen Hochbild: Er feine Unschuld nachweisen. Ale man die Räume hierauf nochmals Erkenntnis des Landgerichts heißt es u. a.: Durch§ 21 Abs. 2 tennt ihn". sorgfältig durchsuchte, konnte festgestellt werden, daß Einbrecher vom und Abs. 5 der Eisenbahn- Verkehrsordnung ist nicht jeder AufDeutscher Sport. Kalender 1905. Preis 1 M. Verlag, Deutscher Keller aus durch eine Falltür nach dem Laden vorgedrungen waren enthalt im Zuge untersagt worden. Wer den Bug zu einem Sport, Berlin NW. Georgenstr. 23. und hier außer Waren auch noch einen Geldbetrag von einigen berechtigten 3wede betritt, z. B. um einem Angehörigen bei Gugen Wolf. Deutsch Südwest- Afrika. 33 Seiten. Preis 50 Pi. hundert Mark gestohlen hatten. Um den Diebstahl zu verdecken, der Unterbringung des Gepäcks Hülfe zu leisten, handelt nicht gegen Jos. Köselsche Buchhandlung, Kempten und München. dro hatten sie dann das Feuer angelegt. Der 16. Löschzug konnte es die Vorschrift. Der flagende Eisenbahnfiskus irrt, wenn er ausJahresbericht des Gewerkschaftskartells für Dresden und Umgegend innerhalb einer halben Stunde ablöschen, noch bevor es großen führt, daß jedes Betreten eines Buges ohne Fahrkarte verboten fei pro 1904. 88 Seiten. Kaden u. Co., Dresden, Swingerstr. 22. Schaden angerichtet hatte. Auf die Täter wird gefahndet. und daß dies Verbot durch die Faffung der neuen Eisenbahn- C. Promus. Die Entstehung des Christentums. 69 Seiten. Preis Die Berhaftung zweier Bankrotteure ist durch die Berliner Verkehrsordnung authentisch deklariert sei. Auch die lettere spricht 1 m. E. Diederichs Verlag Jena. Kriminalpolizei erfolgt. In dem ersten Fall handelt es sich um den nur von einem" Plaz nehmen", wie die bisherige, läßt aber ebenso früheren Direktor der in Konkurs geratenen Salchendorfer Eisen- wie die frühere Fassung offen, was darunter zu verstehen sei. Daß werfe, G. m. b. H. zu Salchendorf, Kreis Siegen, der des Konkurs- auch schon das Betreten eines Buges und ein kurzes Verweilen in vergehens für schuldig befunden und deshalb steckbrieflich verfolgt diesem zu einem berechtigten Zwecke als ein„ Blak nehmen" zu wurde. Der Verhaftete ist bereits von Berlin aus. in das Amts- erachten ist, läßt sich aus dem Wortlaut nicht entnehmen. Wäre ein Einsteigeverbot beabsichtigt gewesen, so wäre dies jedenfalls mit ungerichtsgefängnis zu Siegen eingeliefert worden. betrifft den Bigarrenfabrikanten S. jr. aus Kiel, der seit längerer ständen kann die Bestimmung sinngemäß nur dahin ausgelegt Der zweite Fall zweideutigen Worten gesagt worden. Unter den vorliegenden Ulm. Zeit von der dortigen Staatsanwaltschaft wegen betrügerischen Bankrotts steckbrieflich verfolgt wurde. K. hatte sich seinerzeit von werden, daß ein unbefugtes Verweilen in dem Zuge, sowohl Kiel nach Amerita geflichtet, war dann aber nach Deutschland zurück- während des Aufenthaltes auf der Station, als auch während der Fahrt untersagt ist. Nur ein beabsichtigter. unbefugter Aufgekehrt und hielt sich seit einigen Tagen unangemeldet in Berlin auf enthalt und nur eine freiwillige widerrechtliche Benukung Landrat v. Stubenrauch verunglückt. Der Landrat des Kreifes des Buges fann unter die Vorschriften des§ 21 fallen. In dem vorTeltow, v. Stubenrauch, ist von einem Unfall betroffen worden. Er liegenden Falle hat aber der Beklagte befugterweise und zu einem befindet sich auf einer Ferienfahrt im Süden und verunglückte in berechtigten Zwecke den Bug betreten und die Fahrt bis zum Neapel, wobei er sich einen komplizierten Beinbruch zuzog. Der Schlesischen Bahnhof unfreiwillig mitgemacht. Deshalb war Landrat wurde sofort in das internationale Hospital in Neapel über der Fiskus mit seiner Klage abzuweisen." mapidusoon as führt. Die Heilung wird nach den Aussagen der Aerate lange Zeit ged to] driut ridis) in in Anspruch nehmen. Migons rallib3 196 affol outts de da Vermischtes. " Veröffentlichung der Deutschen Gesellschaft für Boltsbäder. Heraus. gegeben von dem geschäftsführenden Ausschuß. III. Band, 2. H. Berlin 1905. 234 Seiten. Verlag A. Hirschwald, NW. Unter den Linden 68. J. B. Séverac. Le socialisme moderne. 83 Seiten. Aristide Briand, Deputé. La Separation des Eglises et de l'Etat. 448 Seiten. Béatrice Potter- Webb. La coopération en GrandeRue de Vaugirard, 101. Bretagne. 335 Geiten. Editeurs Edonard Cornely et Cie., Paris 101, Wissenschaft und Sittlichkeit. Erfahrungen und Untersuchungen einer deutschen Aerztin von Dr. Mathilde Sola. Preis 2 M. Hamburger Verlagsanstalt( M. Strüger) Hamburg. Neuliberale Zukunft, liberale Einheit. Grundlagen einer neuen liberalen Barteianschauung von May Heinrich Krause. Preis 1,25 M. Nationaler Berlag Sturt Ehold, Stuttgart. Georges Manolesen( Fürst Lahovary). Ein Fürst der Diebe. Memoiren. Breis geh. 3 M. Verlag Dr. P. Langenscheidt, Berlin- GroßLichterfelde- Dft. Die Hygiene des Geistes. Wertvolle Winke für die Geistesarbeiter. Bon Dr. Paul Maré, pratt. Arzt. Leipzig, Verlag von Krüger u. Go. Preis geh. 1,50 M. sid Lefe und Diskutierklub Süd- Ost. Heute abend 8 Uhr bei Tolts. dorf, Görligerstr. 58. Vortrag und Distuffton über: Kapitalsburgen. Gäſte willkommen. 1939 Der Verband für erste Hülfe teilt uns mit: Die Krankenvagen tönnen bei der Hauptstelle des Verbandes, Berlin NW., Schiffbauern Zu einer Menschenjagd, wie man sie sich kaum schlimmer zu damm 20- Fernsprech- Anschluß III Nr. 2424- und in sämtlichen denken vermag, artete ein Gefangenentransport von Berlin nach Polizeibureaus bestellt werden. Der Normalpreis beträgt für einen Hagen i. W. aus. Der Polizeiwachtmeister Lübke aus Hagen sollte ilmo Transport 10 M.; weniger bemittelten Personen werden niedrigere einen in Berlin verhafteten schweren Verbrecher namens Bastian dem Preise in Anrechnung gebracht. alte den did 28 Untersuchungsgefängnis in Hagen zuführen. Zwischen den Stationen dioma Wiescherhöfen und Hamm bat der Gefangene seinen Transporteur, ihm die Fesseln zu lösen, um den Abort aufsuchen zu können. Sobald Bastian den Raum betreten hatte, schwang er sich bei voller Fahrgeschwindigkeit des Buges dem Fenster hinaus. Der Wachtmeister versuchte dem Flüchtigen nachzus aufgeben, da ein Güterzug das Nebengeleife R Ende in num, Briefkaften der Redaktion.se Glashütte. Wenden Sie sich an die städtische Armenverwaltung, Abteilung für Baisenpflege, Alte Jatobftr. 33, Berlin SW. 68. Ob Sie Erfolg haben werden, fönnen wir nicht sagen. Schulz. Die alte deutsche Kaiserkrone ist im Besitz des Kaisers von Desterreich in Wien. The B. und Gen. Die Antwort auf Ihre Frage gibt der entsprechende Artikel im politischen Teil der heutigen Nummer. Juriftifcher Teil. Die Unterrichtskurse für Arbeiter, veranstaltet von der freien Studentenschaft der Stadt Berlin, treten nächstens in ihr zweites Halbjahr. Gelehrt wird Deutsch in fünf Kursen und Rechnen in drei Kursen. Außer den Elementarkursen finden gelegentlich an den Sonntagen Museumsführungen und gemeinsame Theaterbefuche springen; er mußte jedoch diese Absicht statt. Jeder Kursus findet wöchentlich einmal statt in den Abend passierte. Der Beamte hatte aber schon das Trittbrett seines Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends Stunden von 8-10. Beginn des Unterrichts am 2. Mai. Anfang Auguft. Zur Deckung der Kosten wird für jeden Kursus agens erreicht und wurde von einem Güterwagen verletzt. Er zog von 7 bis 9 lbr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Erbe 101. Pflichtteilserben sind nur Ehegatte, Eltern, Kinder. Werden ein einmaliger Beitrag von 50 Pf. erhoben. Die Kurse finden statt gebracht wurde. Bei der Suche nach dem flüchtigen Verbrecher fand Das Pflichtteil beträgt die Hälfte der gesetzlichen Portion. Die Höhe der die Notleine, worauf der Zug auf freier Strecke sofort zum Stehen diese im Testament übergangen, so fällt ihnen dennoch das Pflichtteil zu. in dem Gebäude des Zentral- Arbeitsnachweises, Gormannstr. 13 der Wachtmeister ihn bis zur Schulter in einem Sumpfe stecken. gejeklichen Portion richtet sich nach der Anzahl und dem Grade der gefez( 5 Minuten vom Bahnhof Börse) und in der Friedrich- Werderschen In dem Bestreben, den Verunglückten zu retten, versant der pflichtlichen Erben, das sind diejenigen, welche Erben werden, wenn fein Oberrealschule, Niederwallstr. 12. Die Anmeldungen zu den Kursen treue Beamte aber selbst fast bis zum Halse im Morast. Auf seine Testament vorliegt. Die Erbordnungen finden Sie S. 82, 83 des dem werden am 26., 27., 28., 29. April, allabendlich von 8-9 Uhr, Hülferufe kamen Leute herbeigeeilt, die ihn befreiten. Der Ver- Arbeiterrecht beigefügten Führers durch das Bürgerliche Geſchbuch. Gormannstr. 18, Seitenaufgang II, entgegengenommen. Dort werden brecher floh in der Todesangst nach Hamm zu. Als der Wacht- 104 B. H. Auf Antrag wird in Ihrem Falle Ihrem Mann ein Ber auch die Wochentage für die einzelnen Kurse bekannt gegeben und meister in Hamm eintraf, um den Vorfall zu melden, wurde sofort sich mit einem Anwalt in Berbindung, zu dem Sie zutrauen haben. teidiger bestellt. Wollen Sie einen solchen bestellen, so sehen Sie alle gewünschten Auskünfte erteilt. eine Streife vorgenommen. Man fand Bastian besinnungslos auf der Straße liegen und brachte ihn nach dem städtischen Krankenhause, von wo aus er am anderen Tage dem Hagener Gerichtsgefängnis zugeführt wurde. Die Lehrstätte NO.( Königstadt) der Volkshochschule Humboldt Akademie eröffnet morgen Donnerstag, 27. April, abends 7 Uhr, im Königstädtischen Realgymnasium, Elisabethstr. 57/58, ihr Früh jahrsquartal. Es beginnen an diesem Abend drei volkstümliche Vortragsreihen, um 7% und 8 Uhr Dr. M. Runze über Kantiche Philosophie bezw. Schillers Religionsphilosophie, um 94 Uhr Dr. L. Hirschberg, Franz Schubert( mit gesanglichen Erläuterungen), Am Freitag, 28. April, beginnt Dr. Wurm, Das Auge und jeine Pflege. Der erste Vortrag jeder Reihe ist für jedermann, Männer und Frauen, frei zugänglich. Programm unentgeltlich; Reihenfarten ( je sechs Vorträge) für 50 Pf., zu der Reihe über Mufit für 1 M., nur bei dem Schuldiener Voigt, Elisabethstr. 57/58. ad Erdbeben in England. Ein heftiger Erdstoß ist, wie aus London telegraphiert wird, am Ostersonntag in Yorkshire, Nottingham shire, Derbyshire und Lincolnshire wahrgenommen worden. In einigen Städten wedte die Erschütterung fast alle Einwohner aus 23. dem Schlafe. Wiele liefen hinaus auf die Straßen. Das Erdbeben hat keinen Schaden angerichtet. Eine Falschmünzerwerkstatt entdeckte die Polizei in Dahl hausen. Sie beschlagnahmte die Gerätschaften und verhaftete drei Bergleute. Die Frau eines der Verhafteten wurde bei der Ausgabe falscher Zweimarfstüde in Bochum festgenommen. O. 2. 65. 1. Auszahlung an einen gehörig Bevollmächtigten erfolgt, sofern nicht die Forderung mit Beschlag belegt wird. 2. Lediglich durch Bereinbarungen mit dem wirte tönnten Sie den von Ihnen beflagten Mißstand beseitigen. Schult. Die Marken der Versicherungsanstalt Brandenburg find zu leben. Die Marken erhalten Sie an vielen Stellen des Beschäftigungsortes. A. Sch. 100. Berujung gegen ein Urteil des Gewerbegerichts ist nur zulässig, wenn der Streitgegenstand 100 M. übersteigt. Die Berufung ist( durch einen Rechtsanwalt) beim Landgericht einzulegen. Ein Antrag auf Hinterlegung der Entbindungskosten und eines Alimentenquartals vor der Geburt ist zulässig. Ein Beispiel finden Sie S. 219 Nr. 10 des dem Arbeiterrecht" beigefügten Führers, Unter weisung über Erwirtung des Armenrechts S. 524 und 592 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiterrechts".- Richter 13. Soweit Ihre Darstellung erkennen läßt, steht Ihnen ein Recht gegen die auswärtige Raise überhaupt nicht zu. Dhne Einsicht in die Stassenstatuten und Ihr Mitgliedsbuch läßt sich die Frage, ob und inwieweit Ihnen dennoch ein Recht zusteht, nicht beantworten. 2. 9. M. W. 243. Das nachträgliche gee. V. 1. Ja. 2. Nein. richtigen Marken können Sie durch Anträge erreichen, die an die untere Verwaltungsbehörde( in Berlin an den Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung Köllnischer Part) zu richten sind. Welche Marke zu verwenden war, ersehen Sie aus den Darlegungen S. 479, 480 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden Arbeiterrecht". D. B. 1. 1. Ja: auch Arbeitslofe haben Anspruch auf Beugengebühren.( S. 528 Arbeiterrecht".) 2. Will ein Zeuge über Bor tid ftrafen nicht befragt werden, jo genügt in der Regel das vor dem Termin an das Gericht von ihm gerichtete Ersuchen, ihm die Strafen nicht vorhalten zu wollen. M. P. Für die Erbteilung hinter dem Nachlaß der Mutter war Bon der" Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ift foeben das art. 51§§ 4 und 5 des preußischen Ausführungsgeseges zum Bürgerlichen 30. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir Gesetzbuch sowie die Bommersche Bauernordnung vom 16. Mai 1616, hervor: Maifeier und Berggesegnonelle. Die Frauenarbeit in Frankreich. Titel X, Patent vom 12. November 1804§§ 5, 6 und das Neuvorpommersche Bon Paul Louis( Paris). Das Entstehen des neuen Rußland. Von Brovinzialrecht maßgebend. Danach hörte die allgemeine Gütergemeinschaft Th. Dahn. Der belgische Staat und die Stohlengruben. Ein neues mit dem Tode auf. Der überlebende Gatte nahm sein Bermögen( zu diesem Bergwerksgefes. Bon Augufte Dewinne. Stant und Diezgen. Bon Otto gehörte das in der Ehe Erworbene), soweit es nicht zur Bezahlung der Ehrlich. Religion und Bolksschule. Von Heinrich Schulz. Literarische Schulden angegriffen werden mußte, vorweg und hatte mit seinen Kindern Rundschau: Le Charbon dans le Nord de la Belgique. Bon ad. br. ben so verbliebenen Nachlaß zu gleichen Zeilen zu teilen. Sit so verfahren, Die Maschine in der Rohproduktion. Von J. G. so ist damit die mütterliche Erbschaft erledigt: dasselbe ist der Fall, wenn die Erbinteressenten mit einer etwa anders vorgenommenen Erbteilung einverstanden waren, sonst kann Aufteilung des Restes zu gleichen Teilen be gehrt werden. In Ihrem Falle dürfte die mütterliche Erbschaft definitiv reguliert fein. Heiratet der Witmer wieder, so wird er, wenn er fein Testament hinterläßt, nach dem Recht des Bürgerlichen Gesetzbuches beerbt, seine Witwe erhält ein Viertel, feine ehelichen Kinder zu gleichen Teilen das reftliche Dreiviertel. x. 9. 8. 1000. Bitte zu wiederholen Theater. Liebesmanöver", eine Novität von Frhrn. v. Schlicht und Curt Kraatz ist die nächste Novität, die am Montag, den 1. Mai Religiöser Wahnsinn. Während der Ostermeffe schnitt fich am ( Anfang 8 Uhr), im Belle- Alliance- Theater in Szene geht. Der Sonntag in der Redemptoristen- Kirche zu Roulerz( Belgien) der Kilometerfresser" geht am Donnerstag, den 27. April, im Thalia- 80jährige Priester Borremans in einem Anfalle von religiösem Theater zum 100. Mal in Szene. Am 30. April findet die Ab- Wahnsinn vor dem Altare den Hals mit einem Rasiermesser durch, schiedsvorstellung des Ensembles statt, da dasselbe nach der fo daß das Blut weit über den Altar und die Menge sprigte. Borstellung sich auf eine zweimonatliche Tourné begibt. Dr. Otto Briefemeister gastiert wiederum im National Theater und desi di zwar am Donnerstag, den 27. 5. M., auf vielseitiges Verlangen im Fra Diavolo". Die aufgeschoben gewesene Première von Verdis Mastenball" im National Theater soll nunmehr am Freitag, den 28. d. M., stattfinden. " Gerichts- Zeitung.ed Eingegangene Druckfchriften. 1 Die" Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch handlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Heft loftet 25 Bf. Brobenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Der Aushang von Mietszetteln für möblierte Zimmer. Für Wirte und Mieter gleich wichtig ist ein Urteil des Kammergerichts, welches sich mit der Frage beschäftigt, ob der Play, an welchem ein Mieter Mietszettel für möblierte Wohnungen aushängt, in dem Mitbesitz des Mieters stehen. Ein Mieter hatte die von ihm ge. mietete Wohnung mit Bewilligung des Wirtes zum Untervermieten benußt und seit drei Jahren, jedesmal wenn er ein Zimmer zu vermieten hatte, eine darauf bezügliche Holztafel an dem Nebeneingange und" ürtunden des Sozialismus, herausgegeben von Eduard Bernstein des Hauses und ein Emailleschild an dem Haupteingange angebracht, ohne daß der Wirt jemals Einspruch dagegen erhoben hatte. Das Kammergericht hat in Uebereinstimmung mit dem Vorderrichter dahin entschieden, daß bei dieser Sachlage der Mieter nicht nur im Besiz der von ihm gemieteten Räume, sondern auch der erwähnten Stellen war, die er benutzte und benußen mußte, um die Vermiet. barkeit seiner Bimmer kenntlich zu machen, und daß der Wirt fein Recht hatte, dem Mieter die Benutzung der qu. Stellen in der an gegebenen Weise plöblich zu untersagen. Dem Vermieter stand, wie das Kammergericht nach den„ BI. f. Rechtspfl." ausführt, weder ein Beranim, Bebatteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Dokumente des Sozialismus", Sefte für Bibliographie, Geschichte ( Stuttgart, J. H. B. Diek Nachfolger.) Das foeben erschienene vierte Heft ( April 1905) enthält vier ungedruckte Briefe des ersten deutschen Kommunisten Wilhelm Weitling, einen Auffah über das neue Wert des geistigen Haupts der Neufantianer, Prof. Hermann Cohen Ethit des reinen Willens", fowie einen Artikel über das Verhältnis Garibaldis zum Sozialismus. Ferner Bibliographie des Sozialismus und der Sozialwissenschaften( 34 Bes prechungen), Berzeichnis der Neuerscheinungen und Aufsäße in sozialistischen und anderen Zeitschriften, Urtunden des Sozialismus und Notizen über den Sozialismus in den Zeitschriften. Briefkaften der Expedition. Patienten in Beelit, Grabowfee ze. Diejenigen unserer Abonnenten, bie noch während des ganzen nächsten Monats in der Heilstätte bleiben, wollen uns wegen der Üleberweisung von Frei- Eremplaren sofort thre Adresse einsenden. 19 hit Deming nondi nom sido Die Dokumente des Sozialismus erscheinen monatlich einmal und o mondo mtale di linomis mili sind durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW