Nr. 98. Abonnements- Bedingungen: bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Big. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. BoftAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. S Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Rolonel geile oder beren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Big. Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Unter einer Decke. Zu einem gewaltigen Konflikt zwischen der Regierung und der prenßischen Landtagsmehrheit werde es tommen, so verkündeten die Herolde der sozialen Monarchie; die Regierung der christlichmonarchischen Sozialreform nehme es bitter ernst mit ihrem dem ganzen Wolfe und den Bergarbeitern insbesondere gegebenen Versprechen einer Bergreform. Der entschiedene" Liberalismus, die Zentrumspreffe, schrieb Bech und Schwefel auf die ruchlose Mehrheit herab, welche die erleuchtete Regierung der Herren Bülow- Möller hindere, ihre foziale Pflicht zu tun. Bereits stand es in diesen fozialbegeisterten Gemütern fest, daß der Ministerpräsident zum Reichskanzler, die blamierte preußische Regierung zum Bundesrat und Reichstag flüchten werde. Wer nur einige Elementarkenntnisse in den treibenden Kräften der preußisch- deutschen Politik besaß, lachte über diese Ankündigungen, bie, wenn sie ernst gemeint waren, auf hoffnungslosen Urteilsschwund hinwiesen, wahrscheinlich aber nur zur Schau getragen wurden, um die wachsende Empörung der Bergarbeiter und des noch christlich" gegängelten Proletariats zu beschwichtigen. Sie sollten bes frechen Spiels, das mit ihnen getrieben wurde, nicht allzu bewußt werden. Sie sollten von der ganzen Erkenntnis abgesperrt werden, daß es der Regierung der sozialen Monarchie niemals auch nur im Traum einfallen würde, um einer lumpigen halben Million Bergarbeiter willen es mit ber herrschenden urwüchsigen agrarischen und der angepaßten industriellen Feudalclique zu verderben. Donnerstag, den 27. April 1905. durch ein solches raditales Verbot dem Mißbrauch der Stellung Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Am: IV, Nr. 1984. zu politischer Berhegung am sichersten vorgebeugt. Ebenso ficher Vom ostasiatischen Kriegsschauplate. aber wird dadurch auch solche politische Betätigung getroffen, die an und für sich mit der irenischen Aufgabe der Ausschüsse wohl zu bereinigen ist. Daß, wer seine Stellung im Arbeiterausschusse zu politischer Berhebung der Belegschaft mißbraucht oder in seiner Eigenschaft als Mitglied eines solchen Ausschusses oder unter Berufung auf diese politisch oder sozialpolitisch agitiert, von Rechts wegen sein Vertrauensamt verwirkt hat, erkennt selbst das Zentrum an. Sein Widerspruch und ebenso der der Regierung richtet sich auch nur gegen das Verbot auch anderer politisch- agitatorischer Tätigkeit, 3. B. als Vertrauensmann der Zentrumspartei bei den Wahlen. Streng genommen, steht eine solche Tätigkeit auch an sich außer Zusammenhang mit der Stellung im Arbeiterausschusse. Die Roschdjefttensky- Flotte scheint sich noch in der Nähe der Kamranh- Bucht zu befinden. Es wird gemeldet: Tsingtau, 26. April.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Die russischen Offiziere hier haben die Nachricht erhalten, berlaffen habe, um sich mit dem dritten Geschwader au daß die russische Flotte die Kamranh- Bucht mit südlichem Kurs vereinigen. Bulo Pinang, 26. April.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Man erwartet, daß das dritte baltische Geschwader heute BuloPinang paffiere. Die Behörden lassen bei Nacht die Zugänge zur Insel überwachen. London, 26. April. Daily Mail" meldet aus Banghoi bom Wohl aber steht jede agitatorische Tätigkeit im Dienste der 24. b. Mts., daß eine Anzahl russischer Kreuzer Sozialdemokratie im unlösbaren Widerspruche mit der Aufgabe, zwei Kreuzer mit drei Schornsteinen lägen noch außerhalb der Kamranh Bucht angelommen seien; das gute Einvernehmen innerhalb der Belegschaft und zwischen innerhalb der Bucht. Es heißt, daß die Nussen ihre Basis dieser und bem Bergwerksbefizer aufrechtzuerhalten und nach ainan verlegt hätten. Kontraktsverlegungen und Vergewaltigungen vorzubeugen. Diese Herr v. Beblizz macht sich, wie man sieht, auch unbarmherzig über die Arbeiterfreundlichkeit des Zentrums Tuftig. Ein Ausnahmegefeh bloß gegen die Sozialdemokratie würden die Klerikalen schon schenken. Vom mandschurischen Kriegsschauplate. zu berbieten, ist daher der Gesetzgeber voll berechtigt, und zwar um so mehr, als die Sozialdemokratie bekanntlich planmäßig Amtlich wird gemeldet: Der Feind, welcher in Stärke von 5 Bataillonen, Tokio, 26. April.( Telegramm des„ Reuterschen Bureaus".) darauf ausgeht, alle sozialpolitischen Organisationen für ihre 16 Sotnien und 1 Batterie unsere borgerüdte Kavallerie bedrängte, politischen Bestrebungen zu mißbrauchen. Bei entsprechender Beschränkung des Berbotes, so daß also davon unter anderen die griff am 24. in der Umgegend von Sai- huan an. Unsere bort befindlichen Truppen gingen unter Deckung vor, besiegten den christlichen Bergarbeitervereine nicht berührt werden, dürften die Feind und verfolgten ihn bis nördlich von Mien. Verfassungsschmerzen des Zentrums mindestens sehr abgeschwächt huachie h. Unsere Verluste betrugen 38 Mann, der Feind ließ werden, die Regierung würde aber schwerlich ihre Unannehmbarkeits- ungefähr 200 Zote zurüd. Zwei andere Abteilungen, von Mit dem brutalen Zynismus, der diesen politischen Universalerklärung aufrechterhalten können." denen die eine aus 3 Bataillonen und 16 Sotnien, die andere aus fuppler für den Interessenausgleich" der Ausbeuter aller Richtungen 12 Sotnien und 1 Batterie bestand, griffen Tschangtu beziehentlich auszeichnet, durchkreuzt jetzt der Freiherr v. 3edlig das Spiel der Siao- tagu an, zogen sich aber zurüd, als ihre Kameraden Beschwichtiger und Ewig- Hoffnungsfeligen. In einem von ihm mit geschlagen waren. feinem Namen versehenen, von Scherl Honorierten Artikel verrät er Diese Nachricht wird von russischer Seite folgendermaßen beftätigt: unter der heiteren Ueberschrift Was mum weiter", daß die scheinbar Aber hier liegt gerade die Schwierigkeit. Wenn es sich nur um Hadernden im Grunde völlig einig sind, daß sie alle unter einer Aussperrung sozialdemokratischer Arbeiter von den Ausschüssen Agentur.) General Linewitsch telegraphiert vom 25. April: Petersburg, 26. April.( Meldung der Petersburger TelegraphenDede spielen: Die Konservativen und die Nationalliberalen nicht handelte, so würde man schnell einig werden; und auch das Unsere Vorposten zwangen am 22. April den Feind, nach und nach nur, fondern auch die Regierung und das Zentrum. Alle find Bentrum würde dann wohl das Vertrauen des Herrn v. Bedlig zu das Dorf Nanchenzou und das Dorf Bemanpaomeng, das befestigt fie einig, das Proletariat zu betrügen und zu unterdrücken. Man verdienen bestrebt sein und von den verspotteten„ Verfassungs war, zu räumen. Die Japaner besetzten eine befestigte Stellung nennt diese Solidarität der Ausbeuter wohl auch praktisches schmerzen" genesen. Aber mit vollem Bedacht wollte die Mehrheit der und das Erscheinen unserer Abteilung in der Front und auf der drei Werst südlich von Vemanpaomeng. Unfer Artilleriefeuer Christentum. Kommission jeden Arbeiter treffen, der die„ irenische" Aufgabe der linken Flante nötigten die Japaner, fich eiligst auf Kahancheng Ausschüsse store. Diese Friedens aufgabe- bie irenische Aufgabe zurüdzuziehen. ist zugleich die ironische Aufgabe Während des Rüdzuges brannten sie eine - besteht eben darin, daß der Niederlage von Mundvorräten in einem Dorfe nieder. Am Ausschuß als freiwillige Polizei für die Unternehmer gegen die 23. April näherten sich unsere Vorposten, den Feind zurüddrängend, Arbeiter dienen soll, und diese polizeiliche Mission verlegt auch jeder Chantoufou, das start befestigt und von den Japanern befest war. christliche Arbeiter, der die Interessen seiner Kameraden anstatt des Kapitals wahrnimmt. Daher die dehnbare Kommission. Herrn v. Jedlig eigentliche Kunft ist das Sududseierlegen. Dies Gewerbe betreibt er seit jeher in jeder Beziehung auf allen Gebieten des persönlichen und öffentlichen Lebens. Er läßt die Sprößlinge seiner christlich- staatserhaltenden Kraft in fremden Nestern reden und wirken; ſeine Brut macht sich überall breit. Diese Fähigkeit hat er, um von anderen Gelegenheiten zu schweigen, bei der Kanalvorlage bewiesen, die aus einem westdeutschen industriellen Verkehrswert zu einer oftelbisch- agrarischen Verkehrsstörung wurde der berühmte gegen die Sozialdemokratie richtet, so wird sie doch immer den Sinn Findet man nun aber auch eine Fassung, die sich scheinbar nur , benaturierte" Kanal. Auf die gleiche Weise wird jetzt die von und die Zendenz haben, jede ernste Agitation für die Arbeiterdie Sozialdemokratie richtet, so wird sie doch immer den Sinn Haus aus schon fümmerliche Bergarbeiterschutz- Borlage in eine interessen zu unterbinden. Die Bestimmung soll gerade in erster resolute Zuchthausvorlage verwandelt; aus dem Rest der zaghaftesten Linie als Maulforb auch für die christlichen Arbeiter wirken, Sozialreform friecht ein kleiner scharfschnäbeliger Beblitz hervor. die man einfach als berlappte Sozialdemokraten" denunziert, Toren, die da glaubten, daß nun die Regierung den Eindringling wenn sie nicht irenisch" den Profiit der Ausbeuter zu mehren aus dem Nest werfen würde, nachdem sie sein Wesen erkannt. Ganz befliffen sind. im Gegenteil: fie wird ihn wie ihr eigen Fleisch und Blut nähren. Und schließlich ist ja der Kudud von ihrer Sippe. 11 Indessen gleichviel, wie der Verrat formuliert werden wird, die Mogelei wird zu stande kommen. Die preußische Regierung wird die Bergzuchtvorlage als Gesetz verabschieden. Der Bundesrat denkt und auch das Zentrum wird sich unter einigen frommen Grimaffen des Widerspruchs drein fügen. Wenn es die Niederhaltung des Proletariats gilt, spielen alle unter einer Dede. Herr v. Zedlig versichert mit größter Gemütsruhe, daß nicht ber mindeste Anlaß" vorliege, die Sache tragisch zu nehmen": nicht daran, die Angelegenheit vor die Instanz des Reichs zu bringen. " Daß bei den Kommissionsberatungen noch weitgehende Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung und der Mehrheit unausgeglichen bleiben, ist im parlamentarischen Leben eben feine Seltenheit, und zwar auch sehr häufig ba vorgekommen, wo schließlich auf der ganzen Linie Verständigung erzielt wurde. In dem vorliegenden Falle liegt aber auch, abgesehen von den allgemein politischen Gründen, welche für die Verständigung zwischen Regierung und Mehrheit ins Gewicht fallen, bei sämtlichen Differenzpunkten von Bedeutung die Sache bei ruhiger Betrachtung für eine Berständigung geradezu günstig." Ueber die Streitfrage der öffentlichen oder geheimen Stimmen. abgabe bei den Wahlen werde man sich mit der Regierung ficher verständigen. Die Mehrheit wird hier nachgeben und auf der öffent lichen Wahl nicht bestehen. In der Tat hat fie auch keine Ursache mehr dazu. Nachdem man die Arbeiterausschüsse zuchthäuslerisch „ denaturiert hat, tamn es auch den Bebligen gleichgültig sein, auf welche Weise gewählt wird. Bleibt also im wesentlichen nur noch die Differenz wegen des Kommissionsbeschlusses, der die Mitglieder der Arbeiterausschüsse ihrer Staatsbürgerlichen Rechte berauben will. Die Regierung schützt das fleine Bedenken der Verfassungswidrigkeit vor, in der Tat nur ein Kleines Bedenken, wenn die Regierung und die Konservativen die Verfassung, also die, Grundlage des Staates" umstürzen- der selige Herr v. Hammerftein pflegte in folchen Fällen zu sagen, daß das Wohl des Staates, die Staatsraison über formale Bedenken gehe. Dagegen grenzt es natürlich an Hochberrat, wenn etwa Arbeiter durch einen Kontraktbruch" die„ Ordnung des Rechtsstaates unterminieren" I Herr b. Zedlig ist ganz sicher, daß man durch irgend einen Buchstabenschwindel auch über diesen Gegensatz hinweglommen werde. Man wird den Wortlaut ein wenig ändern, so daß die Regierung den Schein, die Mehrheit die Sache rettet. Herr v. Beblig glaubt, daß man durch die Einführung eines neuen Sozialistengefeges zur Berständigung gelangen werbe: Das Gefindel des Zaren. Maikundgebungen dadurch zu vereiteln, daß er das Gefindel, wie in Nach taukasischem Muster plant Väterchen, revolutionäre Rischine und Batu, losläßt, um die gemeinsame Aktion gegen den burch getaufte Tataren niedermegeln. In anderen Gegenden werden Barismus zu zersplittern. Im Kaukasus ließ der Bar die Armenier die dunkelsten Elemente gegen die Juden gedungen. In Petersburg will man die Rowdys, die Hooligans" gegen die Intelligenz bewaffnen, um einen Reil zwischen die Revolutionäre der Intelligenz und des Braletariats zu treiben. Es ist ein Zeichen für die wachsende Macht der revolutionären der Oppofition diefe Pläne der Regierung offen erörtert und daß Betwegung, daß selbst die in Rußland erscheinende loyale" Presse offizielle Telegramme von diesen Aeußerungen Verbreitung geben. Aus Petersburg melbet heute die offizielle TelegraphenAgentur: Birshewija Wjedomosti" bespricht hente abend an leitender Stelle die in der Stadt umlaufenden Gerüchte, wonach angeblich am 1. Mai, dem zweiten russischen Osterfeiertage, etwa 15 000 Rowdys, sogenannte Hooligans, in Korps auf die einzelnen Stadtteile verteilt, die Straßen durchziehen und die gebildete Be völkerung niedermachen wollen. Die Bewegung, fo besagen die Gerüchte weiter, sei nicht gegen die Regierung gerichtet, und die eigentliche Arbeiterbewegung sei an ihr nicht beteiligt. Auch die Zeitung Rus" nimmt von diesen Gerüchten Notiz. Auch die liberale Oppofitionspresse läßt sich also angelegen sein, Die Bestimmung, wonach der Mitgliedschaft eines Arbeiter über das Wesen dieses vom Zarismus ausgehaltenen Lumpen- und ausschusses verlustig geht, wer die ihm obliegenden Pflichten ins Berbrecherterrorismus aufzuklären, der im Solde der Regierung besondere durch agitatorische politische Tätigkeit verlegt, richtet sich beztvedt, die Arbeiterbewegung zu diskreditieren und die Revolutionäre zwar nicht notwendig nach dem Wortlaut, wohl aber nach der Begegeneinander zu hetzen. gründung des Hauptantragstellers gegen jede politisch- agitatorische Tätigkeit von Mitgliedern der Arbeiterausschüsse. Zweifellos wir Unsere Artillerie eröffnete von ber Oftſeite ein Feuer auf die Stadt. Als es fich herausstellte, daß diefe von einer bedeutenden Truppenhantoufou zerstört. menge besetzt war, zogen sich unsere Truppen zurüd. Unsere Kavallerie hat den Telegraphen zwischen Kayancheng und Politifche Ueberlicht. Berlin, den 26. April. Zum Marokko- Streit. Herr Delcassée behauptet bekanntlich, daß Deutschland, nachdem es sich erst um die französisch- englischen Abmachungen gar nicht gefümmert, urplötzlich seine Interessen gefährdet gefunden und dann den Konflikt vom Zaun gebrochen habe, wogegen die deutschen Offiziösen behaupten, Deutschland habe Frankreich von allem Anfang an nicht darüber im Zweifel gelassen, daß es seine Interessen gewahrt zu sehen wünsche. Jezt meldet der Berichterstatter der „ Times" aus Tanger, daß die deutsche Lesart die richtige sei. Er telegraphiert: Angesichts der in der Kammer gefallenen Aeußerung, daß die deutsche Marokko- Politik von der Schlacht bei Mutden herrühre, fei er bon maßgebender Seite verständigt worden, daß schon zu Anfang November die deutsche Gesandtschaft in Tanger a mtlich die Aufmertfamteit des französi schen Gesandten auf die Tatsache gelenkt hat, daß Deutschland hinsichtlich der englisch französischen Abmachungen nicht zu Rate gezogen und auch nicht von deren Bestehen verständigt worden sei, daß somit die deutsche Politit auch weiterhin unabhängig von den betreffenden Abmachungen bleiben werde. Auf diese Mitteilung erfolgte teine Antwort. Auch sonst ließ die deutsche Gesandtschaft die französische wiederholt wiffen, daß die deutsche Politit in Marotto teine enderung erfahren werde. Zudem wurden, als die britischen und französischen Staatsangehörigen in Fez von ihren Gesandtschaften aufgefordert wurden, die marokkanische Hauptstadt zu verlaffen, die dortigen deutschen Staatsangehörigen ausdrüdlich ermuntert, dort zu bleiben. Weiterhin habe Graf Bülow in seiner Antwort auf die Bittschrift der deutschen Staatsangehörigen in Tanger, worin um Reichsschutz vor drohenden Ausschreitungen der Eingeborenen ersucht wurde, flar und offen erklärt, daß Deutschland, wenn es nötig werden würde, wirksame Maßregeln ergreifen werde. Alle diese bedeutsamen Tatsachen blieben ohne Antwort von Frankreich. Deutschland ertvartete eine amtliche Berständigung über das französisch- englische Ablommen erst nach dessen Unterzeichnung, weil es anerkannte, daß Spaniens geo graphische Lage diesem Staat ein Vorzugsrecht gewähre; doch glaubte fich Deutschland zu der Erwartung berechtigt, daß es nach Unterzeichnung des Abkommens von Frankreich würde eingeladen werden, ein ähnliches Abkommen in Gemeinschaft mit allen Signatarmächten des Madrider Vertrages von 1880 abzuschließen. Die französische Regierung müsse fchon im November in Kenntnis der wichtigen Aussprache gewesen sein, die zu Anfang jenes Monats zwischen dem deutschen Geschäftsträger und dem franzö fischen Gesandten in Tanger stattgefunden hat Run werden die französischen Offiziösen wieder weit- 1 mit Parteien zu schließen, die für das gleiche und allgemeine fchiveifig das Gegenteil behaupten. Wahlrecht eintreten. Polizeiliches, Gerichtliches ufw. Ein Buhiger Fall. Es wäre wirklich an der Zeit, daß man das grausame In der Debatte über die Gewerkschaftsorganisation wird In dem Fischerdorfe Hela, auf der Spike der Puziger Nehrung Spiel endlich aufgäbe und entweder den ganzen Marokko- festgestellt, daß von 832 000 Industriearbeitern leider erst gelegen, hatten Danziger Parteigenossen im Januar d. J. den Handel bis zum Eintreten eines konkreten Konflittsfalles auf 83 000 den Gewerkschaften angehören. Die Agitation für Agitationskalender„ Westpreußischer Landbote" verbreitet. Einem der fich berufen ließe oder aber ernsthafte Schritte zur Einberufung Beitritt zu den Gewerkschaften soll möglichst energisch betrieben Genossen begegnete ein Mann und bat dringend um noch einen Kalender, da er den, den er in seiner Wohnung bekommen, an einen einer europäischen Konferenz unternähme. Die Art, wie der werden. Konflitt geschaffen und bisher diplomatisch hin- und hergezerrt Von den Beschlüssen des Parteitags sind noch zu er Freund weitergegeben habe. Der Verbreiter, Genosse Schiforr, er dürfe ihm auf der Straße keinen wurde, ist geradezu ein abschreckendes Beispiel für eine wähnen: Die Wahlkreisvereine haben die Parlaments- sagte dem Manne, Diplomatie, wie sie nicht sein sollte. kandidaten durch geheime Wahl aufzustellen. Die Demonstration Kalender geben. Dennoch drängte der Mann und darauf trat für den 1. Mai findet nach wie vor am 1. Mai statt. Die Schikorr mit ihm in und ein Haus gab ihm einen war Mitglieder der Partei sind verpflichtet, auch dem sozial- Kalender. Die Folge eine Anklage gegen Schiforr demokratischen Konsumverein des Ortes anzugehören. und einen zweiten Genossen wegen unberechtigter öffentlicher Manu, Der der den Druckschriften. Verbreitung von Amerika. ,, Wenn ich dich auch totschieße!" Ein bürgerliches Blatt bringt folgende Mitteilungen:" Am Freitagvormittag hielt die 6. Kompagnie des 22. Infanterie- Regiments auf dem Garnisonsschießplat bei Zweibrüden ein Schulschießen ab. Der Soldat Karl Hager, geb. 1884, Bergmann von Kirkel Neuhäusel, machte beim Schießen Die Wahl in St. Louis. Während in Chicago die sozialistische Genossen Schiforr verleiten wollte, auf offener Straße Druckschriften den Anschlag nicht richtig. Der aufsichthabende Leutnant Moser nahm Stimmenzahl auf die Hälfte des Votums vom letzten November zu verbreiten, war der staatliche Fischmeister, das ist ein Beamter das geladene Gewehr des Hager aus der Hand desselben und wollte zurückging, haben sich die sozialistischen Stimmen in St. Louis bei mit Polizeicharakter! Die beiden Genossen wurden vor das Schöffengericht in Bugig diesem sowie den übrigen Leuten den Anschlag vormachen. Leutnant der kürzlich stattgefundenen Wahl noch vermehrt. Unter 95753 Moser richtete dabei das Gewehr zielend gegen Hager, worauf Stimmen, die auf die verschiedenen Kandidaten für den Bürger- gestellt und dort scheint man den Fall als eine seltene aber umso Hager dem Leutnant zurief, daß das Gewehr nicht gesichert sei meisterposten fielen, erhielt der Sozialdemokrat 5305 Stimmen. willkommenere Unterbrechung in der Dede der alltäglichen Bagatellen und sofort zur Seite sprang. Leutnant Moser soll darauf ganz Für Debs wurden letzten November in St. Louis 5139 Stimmen angesehen zu haben. Er wurde zu einer Staatsaktion erster] Klasse. falt erwidert haben:„ Wenn ich dich auch totschieße!" und zielte noch abgegeben. Bei der Stadtwahl 1903 fielen 2458, bei der Stadtwah! Die„ Königsberger Volkszeitung" berichtet über die Verhandlung: gegen Hager in seiner neuen Stellung. Auf einmal ging das nicht 1901 fielen 827 fozialistische Stimmen. Somit ist ein stetiges und gesicherte Gewehr los und der Schuß ging dem bedauernswerten schnelles Wachstum der Partei zu verzeichnen. Außer den Deutsche Kriegsführung in Frankreich. „ Der noch nicht bejahrte Gerichtsvorsitzende fragte unsere GeSoldaten oberhalb des Mundes durch den Kopf, worauf Republikanern und Demokraten hatten die Sozialdemokraten in noſſen, ob sie sich schuldig erklärten, die Kalender verbreitet zu er sofort tot niederstürzte. Wäre das Geschoß losgegangen, St. Louis noch mit der Public Ownership Party( Partei für die haben und ob sie sich bewußt wären, damit eine strafbare Handals Hager noch vor einigen seiner Kameraden stand, wäre Verstadtlichung öffentlicher Einrichtungen und Betriebe) zu rechnen, lung begangen zu haben. Auch wollte er wissen, ob die Versicherlich das Unglück noch größer geworden. Als Leutnant Moser die 3139 Stimmen erhielt, während ihr im Jahre 1901 beinahe das teilung gewerbsmäßig erfolgt sei oder von welchen sonstigen Motiven den Wald, wo er von einem berittenen Offizier eingeholt und sodann St. Louis brachten das sozialistische Votum erst eine Woche nach lichen Kalenderverbreitung ein gesegliches Recht ausgeübt und keine einfah, welches Unglück er angerichtet, lief er voller Verzweiflung in Behnfache, 29 566 Stimmen, zufiel. Die kapitalistischen Zeitungen in sie sich hätten leiten lassen. Ferner fragte er, ob sie Sozialdemo fraten seien. Unsere Freunde erklärten, daß sie mit der nicht öffent von demselben in die Garnison gebracht wurde. der Wahl zur öffentlichen Kenntnis, während alle übrigen Wahlresultate, auch die der P. O. P., welche am wenigsten Stimmen strafbare Handlung begangen hatten. Die Verbreitung sei nicht geerhielt, sofort verkündet wurden. Die Partei hat in St. Louis zwei werbsmäßig, sondern ohne Entgelt aus Ueberzeugung im Dienste Von französischer Seite wird bis in die letzte Beit hinein Beitungen, eine deutsche und eine englische, zur Verfügung,„ Arbeiter der sozialdemokratischen Partei erfolgt, der sie die Ehre hätten, auzugehören. Darauf der Puziger Borsigende:„ Sie müssen aber behauptet, daß die deutschen Truppen bei der Belagerung von Paris Beitung" und" Labor", beide wöchentlich. wissen, daß die Verbreitung von Bekanntmachungen, Plakaten und das an Kunstschätzen reiche Schloß St. Cloud zerstört und ausStadtwahlen in Wisconsin. Im Staate Wisconsin fanden in Schriften au freizender Natur( 1) strafbar ist!" Die Kalender geraubt hätten. Dieser Darstellung tritt in den Berl. N. N." der Generalleutnant z. D. v. Strank entgegen," der 1870/71 als verschiedenen kleineren Städten die Wahlen statt, an denen sich sehe er als solche an, denn auf der Titelseite stehe„ kein Landrat, Hauptmann Kommandant des Schlosses St. Cloud war. auch die Sozialdemokraten mit einigem Erfolg beteiligten. Amtsvorsteher 2c. hat das Recht, Euch diesen Kalender fortzunehmen." Strang erklärt, daß ihm ausdrücklich vom König Wilhelm der Befehl gegeben So wurde in Manitowoc ein Sozialdemokrat mit über tausend Dies sei eine Bekanntmachung und bewirke eine Auflehnung worden sei, das Schloß so zu hüten, als ob es ein Potsdamer Schloß Stimmen zum Bürgermeister erwählt; ebenso gewann die Partei gegen die Obrigkeit!!! Auch im ersten Artikel sei ein Satz sei. Leider sei das Schloß aber von den Verteidigern von Paris zwei Sige im Stadtrat. In Racine standen 1700 sozialistische enthalten, der eine Aufforderung in sich berge: Schließt auch ihr fortgesezt bombardiert, und schließlich in Brand geschossen worden. Stimmen 2000 republikanischen und 1200 demokratischen gegenüber. euch der Millionenpartei an 2c. Im zweiten Artikel sei der letzte Alle Löschversuche seien mißlungen, das Feuer habe so heftig um sich Die Partei wählte drei Vertreter in den Stadtrat und drei in den Absatz ebenfalls eine Aufforderung, dort sei gesagt: Schließt euch dem Bunde an 2c. Das Wort„ Euch" besage ja auch, daß der gegriffen, daß der größte Teil der Bibliothek und der Kunstschätze Kalender öffentlich an alle Personen abgegeben werden sollte. Dabei verbrannt sei. Die geretteten Bücher seien dann der Stadt Verseien die Fischerhütten öffentlichen Verkaufsstellen gleich zu achten.(!!) failles übergeben worden, die geretteten Kunstschätze seien an die Wenn daher auch die Kalender nur in den Häusern verteilt wurden, deutschen Fürsten verteilt worden. so sei das doch öffentlich und ohne behördliche Genehmigung ge schehen. Dabei sei es ganz gleichgültig, ob der eine Kalender an den Fischmeister fortgegeben wurde. Wenn auch durch diese Darlegungen die franzöfifchen Behauptungen in der Hauptsache widerlegt werden, so wäre es doch entschieden besser gewesen, auch die geretteten Kunstschätze Frankreich zurüdzuerstatten. Privateigentum sowohl wie öffentliches Eigentum, das nicht zu Zweden der Kriegsführung dient, gilt nach dem modernen Völkerrecht als unantastbar! Countyrat. " Aus der Partei. Ultramontane Diplomatenkunststücke. ihr dieses Spiel verderben. Die Germania" scheint in sehr großer Sorge um die Die dieser Rechtsbelehrung folgende Zeugenvernehmung konnte Wirkungen der Bergarbeiterkämpfe auf den Bestand der ultra- die wirklich öffentliche Verteilung der Kalender nicht nachweisen. montanen Partei. Mit sachlichen Gründen ist es nicht gut Dafür wollte aber der Fischmeister Ruck und dessen beide Kinder, möglich, gegen unsere Kritik der hinterfälligen Zentrumspolitik ein Stnabe von elf und ein Mädchen von zwölf Jahren, sogar drei Diäten für Geschworene und Schöffen. Die württembergische anzukämpfen, deshalb versucht es die„ Germania" wieder mit Exemplare auf der Straße erhalten haben. Der Gendarm wußte Kammer der Abgeordneten nahm am Mittwoch bei Beratung des einem ihrer beliebten Korruptionsartikel. Sie widmet unserem aus eigener Stenntnis gar nichts. Er war vom Fischmeister auf die Justizetats einen Antrag Gröber betr. die Gewährung von Tage. Bericht über die Berichterstattung des liberalen Gemeinde- Berteilung aufmerksam gemacht und ging nach dem Gefängnis, geldern und Reisekostenentschädigung an die Geschworenen und Bevollmächtigten Barth in München über die Untersuchung der um zu verhüten, daß dort Kalender abgegeben würden!!! Darauf Schöffen an, um namentlich dem Arbeiterstande die Heranziehung Verhältnisse in der dortigen Ortstasse einen Leitartikel. habe er die Leute, die sich auf der Straße nicht legitimieren wollten, zu diesen Funktionen zu ermöglichen. Der Justizminister v. Breit- Damit glaubt sie die Aufmerksamkeit von den unbequemen zum Gemeindevorsteher gebracht. Nach der nicht zu langen Beratung begründete der Vorsitzende ling hatte die Ansicht vertreten, daß die Regelung dieser Frage Bergarbeiterangelegenheiten ablenken zu können. Wir werden das Urteil wie folgt: Die beiden Angeklagten haben ehrlich einSache der Neichsgesetzgebung sei. gestanden, die Kalender verbreitet zu haben und zwar in der Absicht, bie sozialdemokratischen Jdeen auszubreiten. Hätten sie gesagt, daß die Verbreitung nicht aus diesem Motiv sondern gewerbsmäßig erfolgt wäre, so wäre die Strafe milder ausgefallen! Die Angeklagten hatten versucht, Unzufriedenheit zu stiften! Sie seien in das stille, friedliche Infeldorf Hela, dessen Einwohner, wenn auch ärmlich, so doch zufrieden leben, gekommen, um Unfrieden zu stiften! Das müsse bestraft werden. Wir müssen uns dagegen wehren," rief der Mann auf dem Richterstuhle mit Betonung uns steht nur dieses Mittel zur Verfügung, um die Sozialdemokratie in ihre Schrauten zu weisen. Das Gericht habe von einer Geldftrafe Abstand genommen, weil die Angeklagten mittellos sind und angenommen werden müsse, daß die Strafe von der Partei bezahlt würde. Daher im Namen des Königs und auch von Rechts wegen: vier Wochen Haft für jeden Angeklagten." Reichsländische Gerüchte. Aus Straßburg wird offiziös telegraphiert: Die auswärts verbreiteten Blättermeldungen über angeblich bevorstehende Veränderungen in der Statthalterschaft und im Ministerium für Elfaß- Lothringen sind, wie aus bester Quelle mitgeteilt wird, bollkommen unbegründet. Die Köllerei blüht also noch I Husland. Schweiz. Kein Zweifel, wenn einmal der sozialistische Zukunftsstaat zur Wahrheit geworden, werden sich damit auch die Gegner abfinden und sich nur darüber wundern, daß diese prächtige neue Ordnung der Dinge nicht schon längst geschaffen wurde. Was die Münchener Ortskasse betrifft, so kann sich selbst die ,, Germania" dabei beruhigen, daß die Münchener Behörden gegen die Geschäftsführung dieser Kasse nicht das geringste einzuwenden haben. Dagegen hätte es die„ Germania" recht nötig, sich mit den netten Selbstbekenntnissen des Abgeordneten Fuchs zum Bergarbeiterschuh zu beschäftigen. Wir haben bis jetzt noch in feinem Zentrumsblatte einen Protest gegen die Zedlikereien des Herrn Fuchs gelesen. Auch die in unserer gestrigen Nummer mitgeteilten ultramontanen Quertreibereien gegen die christlichen Arbeiterberdienten sehr die Aufmerksamkeit der organisationen Germania". Fehlt es der„ Germania" da an Mut? " aus. Das Landgericht Danzig wird wohl nicht umhin können, eine gute Portion Wasser in den allzu stark brausenden Wein der Puziger Staatsretterei zu gießen. Den Danziger Parteigenossen aber möchten wir empfehlen, den Fall in dem nächsten Jahrgange des„ Landboten" gebührend zu würdigen, wobei vielleicht die tragische Seite der Sache hinter der anderen etwas zurücktreten könnte. Aus Induftrie und Dandel. Die Proporzliften in Basel. Basel, Ende April.( Eig. Ber.) Da nach dem neuen Wahlgefes die Parteien ihre Kandidatenlisten drei Wochen vor den Wahlen beim Polizeidepartement einreichen müssen, so ist dies im Hinblic auf den Wahltermin vom 6. und 7. Mai bereits geschehen. Auf 130 Mitglieder, die für den Großen Rat zu wählen sind, wurden Zwei Schiedsgerichte gleichzeitig hat der Genosse Albert in Breslau 257 Kandidaten, also die doppelte Zahl aufgestellt. Die Frei finnigen haben auf ihrer Liste 95, die Konservativen 68, die in seiner Angelegenheit beantragt. Er hat, wie wir aus einem H. M. Sozialdemokraten 58, die Katholiken 37, die Gemeinde gezeichneten Artikel der„ Märkischen Volksstimme"( Forst i. 2.) ersehen, Riehen präsentiert 3" Unabhängige"- es ist nicht gesagt, von was beim Parteivorstande ein Schiedsgericht beantragt mit dem Antrage, fie unabhängig sind, die Gemeinde Bettingen 1 Kandidaten. den Genossen Bader in Magdeburg wegen ehrloser Handlungen aus 127 dieser tüchtigen Männer werden leider auf der Wahlstrecke der Partei auszuschließen. Zugleich hat er den Vorstand des Vereins Arbeiterpresse ersucht, die gegen ihn selbst erhobenen Beschuldigungen bleiben müssen. Eine wunderbar rasche Wandlung haben die herrschenden Frei- zu prüfen. Der Vorstand des Vereins Arbeiterpresse hat nach der Nene 3 prozentige Reichsanleihe. Am gestrigen Tage fand die sinnigen durchgemacht. Unter den vielen faulen Gründen, mit denen zitierten Quelle die Einsetzung eines Schiedsgerichts beschlossen, Auf dieser erste Einzahlung auf die den Zeichnern zugeteilten Reichsanleihe fie jahrelang die Einführung der Proportionalwahl bekämpften, der Parteivorstand aber ein solches abgelehnt. figurierte auch die angebliche Schwerberständlichkeit der Proportional Voraussetzung polemisiert H. M. gegen das Verfahren des Partei- Beträge statt. Borgeschrieben war für die Beträge bis zu 5000 m. Wie indessen aus der weiteren Vollzahlung, für die größeren Beträge Einzahlungen in der Höhe wahl, womit sie der Intelligenz der Basler Stimmberechtigten ein vorstandes als statutenwidrig. schlechtes Beugnis ausstellten, nachdem in einem halben Dugend Darstellung des Genoffen H. M. selbst hervorgeht, hat der Partei- von 40 Proz., doch ist auch für diese sofortige Vollzahlung gestattet. anderer Kantone diese Wahlart bereits mit Erfolg eingeführt wurde. borstand die Veranstaltung des Schiedsgerichts keineswegs unbedingt Von dieser Erlaubnis ist reichlich Gebrauch gemacht worden. Es Da nun in Basel trotzdem der Proporz in der Voltsabstimmung an- abgelehnt sondern, wohl aus der Erwägung heraus, daß unmöglich sollen über 70 Proz. der Beträge voll eingezahlt worden sein. genommen wurde, die Freisinnigen also vor einer unabänderlichen zwei Instanzen gleichzeitig in derselben Sache verhandeln können, Eine internationale wirtschaftliche Konferenz zur Beratung geTatsache stehen, halten nun ihre Führer gegenwärtig in Partei- den weiteren Fortgang der Sache von dem Ergebnis der Verhandversammlungen Vorträge über die Leichtverständlichkeit lungen des vom Verein Arbeiterpresse einzusehenden Schiedsgerichts meinsamer Interessen am Warenaustausch der verschiedenen Länder der Verhältniswahl. abhängig gemacht. Es würde zu den sonderbarsten Konsequenzen und zur Beseitigung von Hemmnissen des internationalen Verkehres führen, wenn die zwei unabhängig von einander verhandelnden findet am 18. und 19. Mai in Berlin im preußischen AbgeordnetenDiese Möglichkeit haus statt. Die Veranstaltung geht aus vom Handelsvertragsverein. Gerichte zu abweichenden Ergebnissen fämen. Es beteiligen sich hervorragende Körperschaften aus Desterreich, fonnte der Parteivorstand nicht unberücksichtigt lassen. Davon, daß der Parteivorstand jedem Antrage auf Ein- Ungarn, Deutschland, Italien, Schweiz, Belgien, den Niederlanden, fegung eines Schiedsgerichtes unverzüglich stattzugeben hat, Frankreich, England, Dänemark, Schweden, Rußland, der Amerikani wie H. M. behauptet, steht übrigens nichts in unserem Parteistatut. fchen Union. Die Tagesordnung der Beratungen umfaßt: Albert hat, wie weiter mitgeteilt wird, die Kontrollkommission 1. Besteuerung von Geschäftsreisenden, Agenten und Kommissionären, Zollbehandlung von Retourtvaren, Warenproben, Reklamedrucksachen, gegen den Vorstand angerufen. Emballagen. Referate: Verband reisender Kaufleute Deutschlands, Ungarischer kaufmännischer Landesverband. RechtsIn der großen Festhalle des Brüsseler Volkshauses trat Bei der Gelegenheit fei noch eine irrige Meinung des Genossen verfolgung bei Prozessen zwischen Firmen verschiedener Nationalität. während der beiden Osterfesttage der 20. Parteitag der H. M. über den Verein Arbeiterpresse richtig gestellt. Er behauptet, Referate: Deutsche Handelskammer zu Brüssel, Ungarischer kaufbelgischen Arbeiterpartei zusammen. Vertreten waren diesem Verein könnten auch Gewerkschaftsbeamte angehören, die 401 politische und gewerkschaftliche Vereine und Genossen- nicht der Partei angehören. Das ist nicht richtig. Dem Verein männischer Landesverband. 3. Vereinheitlichung der Außenhandelsschaften durch 561 Delegierte. Arbeiterpresse können nur Parteigenossen angehören. Der von H. M. Statistit zur Erhöhung internationaler Vergleichbarkeit. Referat: In seiner Eröffnungsrede erklärte Anseele unter als Beispiel genannte Redakteur des Organs des Buchdruckerverbandes Niederösterreichischer Gewerbeverein. 4. Beziehungen zwischen Fracht5. Begründung einer periodischen tarif Politik und Zollpolitik. stürmischem Beifall, daß auch dann, wenn durch die nächsten gehört dem Verein Arbeiterpresse nicht an. internationalen Konferenz( Kongreß) zur Beratung von AngelegenWahlen die Partei in die Lage versetzt werden sollte, eine Eine Erinnerungsmedaille an die erste deutsche Voltsversammheiten des internationalen Geschäftsverkehrs. Referat: Deutscher demokratische Regierung zu unterſtügen, niemals ein Verstoß lung" ist dem Archiv des sozialdemokratischen Vereins in Bremer Handelsvertragsverein. gegen die internationale sozialistische Taktik und ein Erkalten haben überwiesen worden. Die Münze ist in der Größe eines Rußlands Gelbverlegenheit. Troß alles Renommierens mit den der proletarischen Begeisterung zu befürchten fein werde. Fünfmartftüdes aus Blei hergestellt. Auf der Vorderseite weist reichen Mitteln der Staatstaffe, sieht das russische Finanzministerium Von Interesse war eine ausgedehnte Beratung über die fie innerhalb eines zweiteiligen durch eine Schleife zusammen sich, da die franzöfifche Bankfinanz sich noch immer nicht zur Taktik für die nächsten Wahlen. Durch das eigenartige gehaltenen Lorbeerkranzes folgende Inschrift auf: Erste Deutsche Emission der geplanten 600 Millionen Frant- Anleihe verstehen will, M. Boltsversammlung Frankfurt a. am 18. Mai 1848. zu einem neuen Pump bei Mendelssohn u. Co. gezwungen. Wie Proportionalwahlsystem läuft die Partei Gefahr, trok ihrer nicht unerheblichen Stimmenzahl völlig unvertreten zu bleiben, Die Rückseite zeigt in ihrer unteren Hälfte ein Wappenbild mit dem dem„ Börsen- Courier" aus Petersburg berichtet wird, ist anläßlich Doppeladler, welches auf wolkigem oder welligem Hintergrunde ruht. des fürzlichen Petersburger Aufenthalts eines der Inhaber. des während den Klerikalen der Sieg leicht in den Schoß fällt. Zints vom Wappen erscheinen trophäenartig angeordnet Schild, hiesigen Bankhauses Mendelssohn u. Co. eine Finanztransaktion mit In diesen Distritten hat man Kartelle mit den Liberalen ge- Schwert und Fahnen, rechts auf einem Stabbündel mit durch der russischen Regierung vereinbart worden, welche die Bereitstellung schlossen, um der schwarzen Partei so viel Mandate als mög- geftedtem Beil ein Mitterhelm mit geöffnetem Vifier, dahinter eine von Mitteln bis zum Monat Februar n. I. betrifft. Wie man uns lich abzujagen. Die Delegierten des Borinage, die zum aufgehende Sonne. Aus dem Wappenschild heraus wächst ein schreibt, handelt es sich dabei um einen Zinsfuß von 5 Broz. Der linten Flügel der Partei gehören, wollten diese Kartelle Eichenbaum, der mit seinem reichbelaubten Astwerk die obere Hälfte Zweck der Transaktion ist die weitere Verstärkung der ausländischen berboten und dem nächsten Parteitag im April 1906 einen der Rüdseite ausfüllt, die von den Worten: Einigkeit! Drdnung! Guthaben der russischen Regierung. Beschluß über die einzuhaltende Taktik überlassen wissen, Freiheit! umrahmt iſt. Belgien. Parteitag der belgischen Sozialdemokratie. Brüssel, 25. April.( Eig. Ber.) 2. Der amerikanische Stahltruft hat borgestern seinen Ausweis für jedoch wurde ein derartiger Antrag abgelehnt. Dagegen Für das Arbeiterfekretariat Dresden wird ein erster Sekretär das erste Quartal des laufenden Jahres veröffentlicht, der deutlich iwurde eine Resolution Vandervelde angenommen, die den gesucht. Bewerbungen werden bis zum 10. Mai erbeten. Siehe die auf dem amerikanischen Eisenmarkt eingetretene Besserung der Absatzverhältnisse erkennen läßt. Der Nettogewinn für das ViertelKreisföderationen die Freiheit beläßt, zeitliche Wahlbündnisse auch das Inserat in der heutigen Nummer. jahr Januar Bts März beträgt 23,08 Millionen Dollar, während erschienen. Bum Vorsitzenden Ses Parteitags wurde Binisaties, abgelehnt und dafür beschlossen, daß nach Möglichkeit Beiträge an fich für den gleichen Zeitraum des vorigen Jahres nur auf toc z Berlin gewählt. diese Kasse abgeführt werden sollen. 13,21 Millionen Dollar stellte und selbst im vierten Quartal mur die Summe von 21,46 Millionen Dollar erreichte. Im Jahre 1903 Betrug allerdings der Nettogewinn 25,07 Millionen Dollar. Landesversammlung der Sächsischen Sozialdemokratie. Zu dem Bericht des Zentralfomitees ist noch nachzutragen, daß Sindermann der hervorragend tätig gewesenen verstorbenen Genossen und Genossinnen gedachte und dann zu den Vorgängen in Rußland ausführte: Gleichzeitig unseren Blick nach dem fernen Osten, in das Reich des schlimmsten Despotismus und der brutalsten Reaktion richtend, ehren wir das Andenken der gemordeten russischen Freiheitskämpfer, jener zahlreichen Opfer, die bestrebt waren, die schlimmste Autokratie durch die soziale Demokratie zu ersehen. Im Verlaufe der Debatte über den Bericht des Agitationsfomitees und die gestellten Anträge wandten sich die Genossen Geyer und Pfannkuch gegen den Antrag Seger, der die Vertretung der Reichstagsfraktion auf dem Parteitage prozentual beschränkt wissen wollte. Dieser Antrag sowie der Antrag auf Ausbezirkung des 10. Wahlkreises aus dem Chemnizer Agitationsbezirk und der Antrag auf Schaffung einer besonderen Organisation für die sozialistische Gemeinde vertreten, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. = Nach dem gedrudt vorliegenden Kassenbericht, der sich auf die Zum Punkt Presse werden die Anträge auf tägliche wie dreimal Beit vom 1. Januar 1903 bis 31. März 1905 erstrect, hatten Ver- wöchentliche Herausgabe der„ Gazeta Robotnicza" abgelehnt, mit lag und Druckerei der„ Gazeta Robotnicza" eine Einnahme von der Motivierung, daß die Erfüllung solcher Anregungen wünschens22 533,90 m., für die Verhafteten gingen ein 1032,21 m., ver- wert und notwendig, der fehlenden Mittel wegen aber nicht ausschiedene Einnahmen waren 2249,06 W., was zusammen mit am zuführen wäre, weshalb dem Vorstande die Ausführung zu ge Schluffe des Jahres vorhandenem Kassenbestand von 59,60 M. eine legener Zeit anheimgestellt bleiben müsse. Angenommen wurde ein Gesamteinnahme von 25 874,77 M. ergibt. Die Ausgaben des Antrag, der zwecks Gründung einer Genossenschaft die Ausgabe von Verlags und der Druckerei der„ Gazeta Robotnicza" betrugen in der Anteilscheinen in Höhe von mindestens 10 M. vorsieht, um auf diese gleichen Zeit 22 975,67 M., für die Unterstützung Verhafteter Weise eine Summe von 20 000 M. zu erzielen und damit die täg= 1984,66 M., an Verschiedenem 640,19 W., was eine Gesamtausgabe liche Herausgabe der„ Gazeta Robotnicza" zu ermöglichen. von 25 600,52 M. ausmacht, so daß ein Kassenbestand von 274,25 schlossen wird ferner die Herausgabe eines Arbeiterkalenders für Mark verbleibt. 1906, ebenso die Herausgabe billiger Agitationsbroschüren als AbDer von Biniszkiewicz erstattete Bericht des Vorstandes ver- druck von Artikeln aus der„ Gazeta Robotnicza". Auch der Bericht ursachte nur eine kurze Debatte, in der unter anderem von einem des Vorstandes soll als Broschüre herausgegeben werden. Nach Redner die rückhaltlose Unterstützung des Radikalpolen Korfanth einem weiteren Beschluß haben die Redakteure sich unbedingt den in der Reichstagsstichwahl getadelt wurde. Von anderer Seite wurde Beschlüssen der Preßkommission zu fügen. dieser Einwurf unter Hinweis auf die eigenartigen Verhältnisse Oberschlesiens zurückgewiesen. Per Afflamation und unter starkem Beifall wird folgende Sympathie- Erklärung beschlossen: ,, Angesichts des immer wachsenden Revolutionssturmes im russischen Neie übermittelt der achte Parteitag der polnisch- sozial demokratischen Partei des Deutschen Reiches den kämpfenden Sozialisten aller vom Zarat bedrückten Völker und in erster Linie unseren Brüdern von der polnisch- sozialdemokratischen Partei Russisch- Polens, welche den Heldenkampf um die Freiheit führen, den Ausdruck glühender Bewunderung und Verehrung. Der Parteitag spricht die sichere Ueberzeugung aus, daß der dem gesamten Proletariat berhaßte zarische Absolutismus dem Ansturm der Volksrevolution erliegen wird." Zu einer langen lebhaften Verhandlung, die sich bis in die Nachmittagssigung des zweiten Tages erstreckte, führte der zweite Punkt der Tagesordnung, die Einigungsfrage mit der sozialdemofratischen Partei Deutschlands. Das Vorgehen des bisherigen Vorstandes, der mit dem deutschen Parteivorstande eine Vereinbarung über die Einigung getroffen hatte, ohne die übrigen Parteifunktionäre davon vorher in Kenntnis zu sehen, wurde von verschiedenen Rednern scharf getadelt, von anderen verteidigt. Ebenso fand das Vorgehen Dann referierte Genosse Goldstein Zwickau über die der Preßkommission und der Redaktion der„ Gazeta Robotnicza", Gemeindesteuerreform. Redner gab einen geschichtlichen Rückblick welche den Abschluß der Einigungsvereinbarungen zu verhindern über die Finanzwirtschaft in Sachsen und wies nach, wie in den wußten, sowohl Zustimmung wie Widerspruch in der Debatte. Auch Eine lebhafte Debatte veranlaßt die Frage, ob der Siz des guten Finanzjahren durch tollste Finanzwirtschaft die Misere herauf- über die Art und Weise der Einigung wurden sehr verschiedene Parteivorstandes von Berlin nach kattowik verlegt werden soll. beschworen worden sei, und wie man in Sachsen seit Mitte der Meinungen geltend gemacht, während die Mehrheit der Redner die Schließlich wird mit erheblicher Mehrheit die Verlegung nach 90 er Jahre fortgesetzt mit Defezits zu kämpfen habe. Die Notwendigkeit völliger Selbständigkeit der Partei in allen die polnische Kattowik beschlossen. In den Parteivorstand werden alsdann geRegierung möchte gerne die direkten Steuern für den Staat Arbeiterbevölkerung betreffenden Angelegenheiten forderte, waren wählt: Adamek, Golde, Haase, Jdzinski, Morawski. Auch die reformieren und den Gemeinden nur die indirekten Steuern: andere Redner der Meinung, daß die vom bisherigen Vorstande ge- Breßkommission wird ihren Siz in Kattowiß haben. In dieselbe Verzehrsteuer, Gewerbes, Wertzuwachs-, Bier-, Hunde-, Vergnügungs- troffenen Vereinbarungen die mit unwesentlichen Alenderungen werden gewählt die Genossen: Danisch und Trabalski und Genossin steuer usw. Lassen, diese Reform aber nur auf die politischen dem schon früher zwischen beiden Organisationen vereinbarten Droszd. In die Kontrollkommission waren drei Berliner, die Gemeinden übertragen. Dadurch kennzeichne sich diese Reform Einigungsprotokoll gleich waren durchaus annehmbar seien. Genossen Biniszkiewicz, Thiel und Rybnikki, drei Oberschlefier: als eine reaktionäre Maßnahme unter Schonung der Agrarier. Zu Schließlich einigte man sich mit allen gegen eine Stimme auf die Budwig- Kattowik, Sosna- Rybnik und Kunze- Babrze und als diesen Fragen habe der sächsische Gemeindetag Stellung genommen, Annahme folgenden Einigungsvorschlages: fiebenter Ruminsti- Posen gewählt. aber es sei nur eine Komödie mit vertauschten Rollen gewesen, denn der Landtag habe bereits die Reform in dieser Form abgelehnt. Man müsse indes auf der Hut sein und die Frage bei der Landtagswahl aufrollen. Die Sozialdemokratie habe in ihrem Gemeindeprogramm für Sachsen zu den Gemeindesteuern selbst Stellung genommen. Sie verwirft die indirekte Besteuerung und hält die Wertzuwachs-, Grund- und Besizwechselsteuer für gangbare Steuersysteme. Nach dem Referat wurden die Verhandlungen des ersten Tages abgebrochen. Leipzig, 26. April. Am zweiten Verhandlungstage referierte Geyer über:„ Die Landtagswahlen". Er führte aus, daß die Landtagswahlen, die im Herbst bevorstehen, und die abweichende Meinung einzelner Genossen nötige, sich eingehender mit der Frage zu beschäftigen. Nach den Reichstagswahlen zwang der Sieg der Sozialdemokratie in Sachsen die Regierung, eine Aenderung des Dreiflassen- Wahlrechts anzuregen. Die Konservativen verschleppten im Einverständnis mit der Regierung die Wahlrechtsreform, und auch die Nationalliberalen stimmten einer eventuellen Reform nur unter der Voraussetzung der Einführung des Pluralwahlsystems zu. Inzwischen hat die Regierung ihre Abneigung gegen eine Wahlreform zum Ausbrud gebracht, weil auch das Pluralwahlsystem nicht verhindere, der Sozialdemokratie einen größeren Einfluß zu sichern. Die Regierung ist Gegnerin einer Wahlreform, weil ihre Eristenz auf dem DreiTassen- Wahlrecht beruht. Die bürgerlichen Parteien wollen keine Wahlreform, weil sie der Sozialdemokratie keinen Einfluß geben wollen. Eine Aenderung des Wahlrechts würde nur erfolgen, wenn das reaktionäre Ministerium beseitigt wird. Die Jungliberalen können nicht energisch eine Aenderung des Wahlrechts verlangen, weil sie dann die Nationalliberalen als Verräter des Wahlrechts anklagen müßten, sich dadurch aber selbst unmöglich machten. Auch die freifinnige Partei trete nur für Wiederherstellung des alten Zensuswahlrechts ein. Von den Parteien sei also eine Aenderung nicht zu erwarten, die Sozialdemokratie sei also auf sich selbst angewiesen. Man habe gegen die Beteiligung eingewendet, daß wir keine Erfolge erzielt hätten, die Wahlbeteiligung treiben wir nicht des Erfolges wegen, sondern der Agitation wegen. Man wolle durch Protestversammlungen gegen das Dreiklassen- Wahlrecht protestieren, allein der Protest reiße nicht dauernd das Volk mit und gebe den bürgerlichen Parteien nur Gelegenheit, sich der dritten Wählerklasse anzunehmen. Auch durch einen Massenstreit lasse sich nicht eine Aenderung des Wahlrechts erzielen, denn ein solcher Streit könne nicht vorbereitet werden, sondern müsse spontan entstehen, und, dies fönne nur geschehen, wenn das Volk durch Maßnahmen der Gegner aufgepeitscht würde. Es bleibe nur die Wahlbeteiligung übrig, gemäß dem Mainzer Parteitags- Beschluß. Erwägen könnten die entscheidenden Partei- Instanzen, ob hier oder da die freisinnigen Kandidaten zu unterstützen seien, wenn die freisinnigen Kandidaten sich für die Einführung des allgemeinen Wahlrechts verpflichten und sie die zweite Wählerklasse errungen haben. Ein Verhalten, wie wir es bei der Reichstagswahl üben. Redner brachte folgende Resolution ein: " Die Landesversammlung beschließt: Die Sozialdemokratie Sachfens beteiligt sich gemäß dem Beschlusse des Parteitags der deutschen Sozialdemokratie zu Mainz im Jahre 1900 trotz des Dreitlassen- Wahlsystems an den sächsischen Landtagswahlen. In Anbetracht der Tatsache, daß die sächsische Regierung in ihrer Denkschrift zu einer Wahlreform im Jahre 1903 die Entrechtung der dritten Wählerklasse durch das Dreiklassen- Wahlsystem zugestehen mußte, inzwischen jedoch in der Landtagssession 1903/04 die Verschleppung der Wahlrechtsreform zuließ und unterstützte, da ferner, aus brutalem Selassenegoismus die bürgerlichen Parteien jede Wahlrechtsreform zur Schaffung des allgemeinen, gleichen, diretten und geheimen Wahlrechts hintertrieben, " Die polnische sozialdemokratische Partei in Deutschland bildet eine selbständige Organisation der polnischen Sozialdemo traten im Deutschen Reiche, deren Aufgabe darin besteht, die Agitation und Organisation unter der polnischen Bevölkerung zu betreiben. Soziales. Gewerbliche Sonntagsarbeit. Die polnische Organisation ist ein Bestandteil der sozialDer Inhaber eines Herren- Garderobengeschäfts, der neben dem demokratischen Partei Deutschlands. Die polnische Organisation Sandel mit fertiger Herrengarderobe auch sogenannte Maßkonfektion erkennt ausdrücklich das Programm der fozialdemo- betreibt, Herr Fabisch, hatte Sonntags vertragsmäßig seinen Zufratischen Partei Deutschlands, einschließlich dessen Partei- schneider im laufmännischen Betriebe( Laden) beschäftigt, indem er tag als oberste Parteiinstanz in allen gemeinsamen politischen ihn den Kunden Stoffe vorlegen und maßnehmen ließ. Fabisch Angelegenheiten an, wogegen in den Angelegenheiten, welche aus- hielt das für eine kaufmännische Tätigkeit, zumal sie auch von seinen schließlich die polnische Arbeiterbevölkerung betreffen, der Partei- Handlungsgehülfen geübt wurde. Er wurde jedoch vom Landgericht tag der P. P. S. die höchste Instanz bildet. Berlin I wegen dieser Beschäftigung des Zuschneiders am Sonntag Die Delegierten zum Parteitag der sozialdemokratischen zu einer Geldstrafe verurteilt, weil er entgegen dem§ 105b der Partei Deutschlands erfolgt nach den Vorschriften des Organi- Gewerbe- Ordnung einen gewerblichen Arbeiter in einer Werkstatt sationsstatuts der Gesamtpartei. Insoweit in einem Wahlkreise am Sonntag beschäftigt und zugleich die Bestimmung des§ 105b polnische Parteiorganisationen bestehen, haben diese das Recht, übertreten habe, wonach die den Arbeitern zu gewährende Ruhe mindestens einen Delegierten zum Gesamtparteitag zu entfenden. mindestens für jeden Sonn- und Festtag 24 Stunden betragen Die Sektionsbildung innerhalb der einzelnen Parteiorte ist müsse. Das Kammergericht verwarf am 20. April die hiergegen zulässig. vom Angeklagten eingelegte Revision mit folgender Begründung: Die in polnischer Sprache erscheinenden Blätter unterstehen Da der Betreffende im Geschäft als Zuschneider tätig gewesen und der Kontrolle des Vorstandes und des Parteitages der polnischen somit gewerblicher Arbeiter gewesen sei, so habe er auf die Sonntags. sozialistischen Partei. Das dem Parteivorstande der sozial- ruhe Anspruch gehabt, ein Anspruch, auf den er auch vertraglich, demokratischen Partei Deutschlands zustehende Recht der Stontrolle wie geschehen, nicht verzichten fonnte. Aus demselben Grunde über die prinzipielle Haltung der Parteipresse§ 15 des Organi hätte Angeklagter ihn auch mit taufmännischer Tätig. fationsstatuts bleibt durch vorstehende Bestimmung unberührt. feit im Laden am Sontag nicht beschäftigen dürfen. Uebrigens Die in Kattowitz erscheinende„ Gazeta Robotnicza" ist offizielles sei das Maßnehmen zum Zwede der Anfertigung von HerrenOrgan für alle im Deutschen Reiche wohnenden polnischen Ge= nossen. Zur ständigen Kontrolle sowohl der Redaktion wie der garderobe ein Teil des Schneidergewerbes und schon darum am Geschäftsführung wird eine Breßkommission eingesetzt. Ein Mit Sonntag nicht statthaft gewesen. ( Wiederholt, da nur in einem Teil der Auflage.) glied der Preßkommission wird vom deutschen Parteivorstand ernannt. Konferenz des Wahltreifes vollzogen, die von den organisierten Zweite Konferenz der Freien Vereinigung der BauDie Aufstellung der Reichstagskandidaten wird auf einer Genossen des Wahlkreises oder deren Delegierten gebildet wird. In vorwiegend polnischen Wahlkreisen müssen die Kandidaten beide Sprachen beherrschen. Verständigen sich die Genossen eines Wahlkreises nicht über die Kandidatur, so haben der Vorstand der polnischen Organisation und der Vorstand der Gesamtpartei eine Verständigung herbeizuführen." " " arbeiter Deutschlands. Die Konferenz wurde am Dienstag, den 25. April, im Verkehrs. lokal der lokalistischen Gewerkschaften, bei att in der Dragoner ftraße, abgehalten. Erschienen waren 16 Delegierte aus den Orten Berlin, Bernau, Friedrichshagen, Hamburg, Küstrin, Magdeburg, Rüdersdorf und Wernigerode. Außerdem nahmen als Gäste an den Verhandlungen teil: Gehl als Vertreter der Schriftleitung von der Geschäftskommission der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften, Megte als Vertreter der lokalistischen Maurer und Fischer in Vertretung der lokalorganisierten Zimmerer. # waren Zu diesem Punkt wurde weiter folgende Resolution beschlossen: Unter Berücksichtigung der Resolution des Internationalen Kongresses in Amsterdam und des Wunsches der gesamten polnischfozialdemokratischen Partei, unsere Organisations- und Agitationsarbeit möge die allergrößten Vorteile für die polnische Arbeiterschaft in Deutschland bringen, spricht der Parteitag die Ueber- Kiekeber Berlin eröffnete die Konferenz und begrüßte die zeugung aus, daß die polnisch- sozialistische Partei mit der Delegierten. Hierauf erläuterte Baum- Berlin den gedruckt vorfozialdemokratischen Partei Deutschlands Hand in Hand gehen liegenden Geschäftsbericht. Demnach gehörten der Freien muß, zum Zwecke der gemeinsamen Unterstützung beider Organi- Vereinigung der Bauarbeiter bis zum 1. Februar d. J. in den oben sationen, sowohl des polnischen wie des deutschen Proletariats. genannten Orten insgesamt 1349 Mitglieder an, und zwar stehen Der Parteitag erkennt aber kein nationales Privileg an und verzeichnet: Berlin mit 600, Hamburg mit 490, Magdeburg mit 85, stüßt sich in dieser Beziehung auf die durch die Gesamtheit der Friedrichshagen mit 62, Wernigerode mit 35, Bernau mit 30, Stüftrin internationalen Sozialdemokratie anerkannten Grundsäße, indem mit 25 und Rüdersdorf mit 22 Mitgliedern. Wie die Delegierten in er für die polnischen Sozialdemokraten dasselbe Selbstbestimmungs- ihren Einzelberichten hervorhoben, soll sich die Mitgliederzahl während recht für ihr Volk fordert, wie es den anderen Völkern zuerkannt der letzten beiden Monate besonders in Berlin und Hamburg noch wird." um einige Hundert vermehrt haben. Die Beitragsleistung der MitZu dem Verhalten des bisherigen Vorstandes und den gegen glieder in den einzelnen Ortsvereinen schwankt zwischen 15 Pf. dasselbe unternommenen Maßnahmen der Redaktion und Preß-( Rüstrin) und 50 Pf.( Berlin) pro Woche. In den gesamten Drtskommission wurde vom Parteitag mit großer Mehrheit folgender vereinen war am 1. Februar ein Kaffenbestand von 9029 M. vorBeschluß gefaßt: handen. Für die in loser Bentralisation zusammenhängenden Drts" In Erwägung, daß die guten und anerkennenswerten Be- bereine erzielte die gemeinsame Geschäftsleitung zu Berlin eine Einstrebungen des bisherigen Vorstandes, die Mißverständnisse zwischen nahme von 2869,31 m., der eine Ausgabe von 1805,24 M. gegen An den polnischen und deutschen Genossen zu beseitigen, in ihrem übersteht; mithin verblieb ein Bestand von 1064,07 m. letzten Stadium in taktischer Beziehung schädlich, in grundsätzlicher Streits refp. Sperren die Mitglieder von Berlin, Beziehung unzulässig waren und mit dem Organisationsstatut in Bernau, Friedrichshagen, Hamburg und Wernigerode beteiligt. Widerspruch standen, erkennt der Parteitag alle Vorbeugungs- Ueber Agitation und Organisation" referierte Lüth- Hamburg. schritte an, welche von der Redaktion der Gazeta Robotnicza", Redner betonte die Schwierigkeit der Agitation, die besonders daraus der Preß- und Kontrollkommission getan worden sind. Der Parteis resultiere, daß die Lokalisten mehr an den Jdealismus der Masse tag erkennt ferner an, daß diese Mittel außerordentlicher Art appellieren, während die Zentralisten in ihrer Agitation mehr die waren, daß sie einem Anschlag gegen den Parteivorstand glichen, materielle Seite hervorkehren und dadurch größeren Erfolg bei den zieht aber in Erwägung, daß der Vorstand selbst durch die Voll- Massen erzielen. Um der Geschäftsleitung aber die Möglichkeit zu ziehung der Unterschrift unter dem Einigungsprotokoll die ganze einer intensiveren Agitation wie bisher zu geben, empfahl er, jeden Organisation mit einem Federstrich aufhob, ohne einen Ver- Drtsberein zu verpflichten, für jedes Mitglied trauensmann oder die Genossen, welche Parteiämter bekleideten, pro Quartal 10 Pf. an die Geschäftsleitung der zu fragen und dadurch die Grenzen der ihm zustehenden Befugnisse 3entralisation abzuführen. Demgemäß wurde auch beüberschritten hat. Der Parteitag zieht weiter in Erwägung, daß schlossen. Angenommen wurde außerdem ein Antrag des Magdeder Vorstand diese Schritte kurz vor dem schon einberufenen burger Delegierten, wonach der Geschäftsleiter halbjährlich einen Parteitag getan hat, der als höchste Parteiinstanz das aus Bericht von den Ortsvereinen einzufordern hat über die Mitgliederschließliche Recht hat, in einer so wichtigen Frage die Entscheidung bewegung und das jeweilige Verhalten der Zentralisten gegen die zu fällen. Angesichts also dieser durch das Organisationsstatut nicht Lokalisten, auf Grund dessen dann ein Flugblatt unter den Bauvorgesehenen Handlung des Vorstandes kann man nicht verlangen, arbeitern der verschiedenen Orte zu verbreiten ist. Die„ Tattit daß die Vorbeugungsschritte legal und organisationsmäßig nor bei Streits und Sperren" besprach Sad Berlin. Er erklärte sich miert sein sollten. Aus vorstehenden Gründen erkennt der Bartei- gleich anderen Rednern prinzipiell gegen Tarifverträge, weil sie eine tag alle Schritte zur Siftierung der Aktion des Vorstandes durch einschläfernde Wirkung hätten. Bei Streits und Sperren könne nicht Redaktion, Preß- und Kontrollfommission als unter den geschablonenmäßig berfahren, sondern es müsse von Fall zu Fall gebenen Bedingungen notwendige und konsequente an." geprüft und entschieden werden. Wie der Abschluß eines fünfDer Parteitag der polnisch- sozialdemokratischen Partei. Zum dritten Punkt:„ Organisation und Agitation" referierten fährigen Tarifvertrages in Magdeburg beweise, mache sich bei der Genosse Morawski und Genoffin Dr. Golde. Von den Beschlüssen Leitung des Zentralverbandes eine zunehmende Angst vor Streits tagte an den beiden Osterfeiertagen im Gewerkschaftslotale au zu diesem Punkte feien hier folgende erwähnt: Eine von der Re- bemerkbar. Gasse Berlin sprach sodann über die Preffe. Mit Rattowi( Oberschl.). Auf der Tagesordnung standen folgende ferentin vorgeschlagene Resolution empfiehlt den Genossen, überall der Redaktionsführung der„ Einigkeit", dem auch für die Bauarbeiter Buntte: 1. Bericht des Parteivorstandes. 2. Die Einigungsverhand- politische Organisationen zu bilden, nach Möglichkeit auch dort, wo obligatorisch eingeführten Organ der lokalistischen Gewerkschaften, Yungen zwischen der polnisch- sozialdemokratischen und der deutschen feine Lokale zur Verfügung stehen. Desgleichen wird eine ständige erklärte er sich in jeder Hinsicht einverstanden. Dagegen fritifozialdemokratischen Partei. 3. Organisation und Agitation. Agitation unter den Proletarierfrauen empfohlen. Grundsäßlich soll sierte er den Vorwärts", der seiner Auffassung nach den 4. Parteipresse. 5. Wahl des Vorstandes, der Kontroll- und Preß- nur als Genosse angesehen werden, der regelmäßig Beiträge bezahlt. Verbändlern viel mehr Entgegenkommen beweise wie den Lokalisten, fommission. Auf Antrag Berlin wird beschlossen, regelmäßige Beiträge von wenn der Vorwärts" auch nicht so einseitig fei wie das Hamburger Bum Barteltag waren 46 Delegierte, aus Berlin, Bremen, mindestens 5 Pf. pro Woche zu erheben. Der Antrag, mindestens Echo", das den Lokalisten seine Spalten einfach verschließe. Gerade Rheinland- Westfalen, der Provinz Bosen und aus Oberschlesien er- lein Drittel der Monatsbeiträge an die Haupttasse abzuführen, wird das Verhalten des Hamburger Echo" habe am meisten dazu beida endlich der auf Grund des Dreiklassen- Wahlsystems gewählte Landtag in allen das Land Sachsen betreffenden Angelegenheiten nur die Interessen der befizenden Minderheit gegen die Interessen der arbeitenden Klassen vertritt, so ist es Aufgabe der sozialdemokratischen Partei Sachsens, durch allgemeine Wahlbeteiligung energisch Protest gegen die an dauernde Entrechtung der weitaus überwiegenden Mehrheit der Wählerschaft einzulegen und das gesamte werktätige Volk zum Kampfe gegen die reaktionäre Politik der herrschenden Klassen aufzurufen." Die ergiebige Debatte förderte die Meinung von Freund und Feind der Wahlbeteiligung zutage, wurde aber dann durch einen Schlußantrag beendet. Es lagen noch Anträge vor: 1. Von der Beteiligung abzusehen, 2. an den Jenaer Parteitag das Ersuchen zu richten, den Mainzer Beschluß aufzuheben. Dieser letzte Antrag wurde in namentlicher Abstimmung mit 41 gegen 30 Stimmen abgelehnt und sodann die Resolution Geyer mit 61 gegen 9 Stimmen angenommen. ( P. P. S.) " " getragkn, daß die Hamburger Bauarbeiter lotalistischer Richtung sich jetzt wieder der Freien Vereinigung angeschlossen hätten.— Be- schlössen wurde sodann, eine bessere Regelung der Beitrags- leistung in den einzelnen Orten herbeizuführen. Zu diesem weck erhielt das Regulativ eine Ergänzung, laut deren d i e e st en Beiträge in ihrem Gesamtbeträge jährlich mindestens einen halben Wochenlohn erreichen müssen. Als halber Wochenlohn gilt die Hälfte des Lohnes, der im Sommer bei voller Wochenarbeit verdient wird. Ferner wurde beschlossen, die Kosten des Streiks durch ein Ilmlageverfahren entsprechend der Zahl und dem Verdienst der Mitglieder in den Orts- vereinen aufzubringen, damit jeder Ort seiner Solidaritätspflicht bester genüge wie bisher.— Zum Schluß entspann fich eine leb- hafte Debatte über die Maifeier. Sämtliche Teilnehmer an der Konferenz waren sich einig in ihrem absprechenden Urteil über die Haltung des diesjährigen Verbandstags der Zentralorganisation zur Maifeier, in der sie eine VerWässerung der Feier erblickten. Alle Delegierten sprachen sich für die strikte Arbeitsruhe am 1. Mai aus und stellten sichjvollständig auf den Boden der auf dem letzten Kongreß der Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften gefaßten Resolution. MS Geschäftsleiter wurde alsdann Baum-Berlin für die Dauer der nächsten zwei Jahre einstimmig gewählt. Damit war die Tages- ordnung der Konferenz erledigt. Nereiv der Zigarrensottierer Delltschlauds. Aus den Verhandlungen der Generalversammlung in Leipzig ist noch nachzutragen, daß v. E l m sich entschieden gegen die im gestrigen Bericht erwähnten Sonderwünsche der Hamburger Organisation aus- sprach. Die Berechnungen der Hamburger, wonach die im Statuten« entwurf vorgesehenen Beiträge zu hoch find, bezeichnete der Redner als falsch; durch statistische Erhebungen sei festgestellt, daß gerade die höheren Beitragsklassen mit Unterbilanz arbeiten. Schöne als Redner der Hamburger Organisation mißt nicht dieser, sondern dem Hauptvorstand die Schuld an den vorliegenden Streitigkeiten bei. Hamburg beanspruche keine Borrechte, sondern wolle nur den anderen fahlstellen gleichgestellt sein. Bei der Statutenberatung wurde dem 2 der Satz hinzugefügt, daß der Verband den Mitgliedern in Fällen, wo§ 153 der Gewerbe-Ordnung in Betracht kommt, Rechts- schütz gewährt. Abgelehnt wurde ein Antrag, der einen Absatz aus dem§ 9 des Statuts beseitigt haben will, wonach derjenige aus- geschlossen werden kann, der den Verein zu Zwecken einer religiösen oder politischen Partei mißbrauchen will oder in Versammlungen und Sitzungen für solche Zwecke Propaganda macht. Das UntcrstützungS- Wesen wurde derart geregelt, daß männliche Mitglieder sich bis zu 15 Marl wöchentlich gegen Arbeitslosigkeit versichern können; um Frauen den Eintritt in die Organisation zu erleichtern, wurden Klassen mit niedrigeren UnterstützungS- und Beitragssätzen ge- schaffen._ Der diimsche Gemrilschastskongreß. Am Gründonnerstag und Karfreitag fand zu Kopenhagen im Bolkshause am Enghavevej die Generalversammlung des Verbandes der dänischen Gewerkschaften statt. Es waren 47 Fachverbände mit im ganzen 9S4 Abteilungen und 14 direkt angeschlossene Fachvereine vertreten, die insgesamt öS 930 Mitglieder zählen. Delegierte waren 309 anwesend. Der Bericht über die seit der vorigen General- Versammlung verflossenen zwei Jahre lag gedruckt vor. Der Vor- sitzende des Gewerkschastsverbandes, Folkethingsmann Martin Olsen gab dazu mündlich einige Erläuterungen und Ergänzungen. An Lohnbewegungen waren im Jahre 1903 36 Organi- sationen mit 19 429 Mitgliedern beteiligt, an Arbeitseinstellungen jedoch nur 1215 von ihnen. Für 14 566 Mitglieder wurden Vorteile erzielt. Die Ausgaben für die Streiks beliefen sich auf 75 212 Kr. Zur Unterstützung von Streiks im Auslande wurden in demselben Jahre 60 952 5kr. ausgegeben. Im Jahre 1904 waren 42 Organisationen mit 13 633 Mitgliedern an Lohnbewegungen be- teiligt. Die Zahl der Streikenden belief sich auf 1520, die der Aus- gesperrten auf 715. Für 9086 Mitglieder wurden Vorteile erzielt, und zwar mit einem Kostenaufwande von 197H47 Kr. Für Streiks ■im Auslande wurden im Jahre 1904 nur 5639 Kr. ausgegeben. Unter den Arbeitgebern waren die Eisenindustriellcn die am meisten kampslustigen. Außerdem hatten die Tischler, die Maschincnstricker, Buchbinder, Maler und die Buchdrucker Lohnkämpfe durchzumachen. Durch Rücksprache mit der Reederei-Vereinigung wurde der Versuch gemacht, die Dampfschiffsheizer zu reorganisieren, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Die Reeder, die bekanntlich den Seeleuten vor zwei Jahren das Koalitionsrecht geraubt haben, erklärten, daß s i e jetzt mit den Verhältnissen an Bord sehr zufrieden seien. Da die Heizer und Seeleute anderer Meinung sind, wird selbstverständlich auch der Gewerkschaftsverband seine Bemühungen für sie fortsetzen. — Die Arbeitslosenunterstützung hat in den einzelnen Gewerkschaften sehr große Kosten verursacht. Im Jahre 1904 be- zahlten für diesen Zweck die Schmiede durchschnittlich 17,92 Kr. pro Mitglied, die Typographen 20,66 Kr., die Glasbläser 22,95 Kr. und die Bautischler sogar 35,29 Kr. Im ganzen wurden im Jahre 1904, soweit dem GewerkschastSverband Berichte zugingen, 411 962 Kr. für Arbeitslosenunterstützung ausgegeben.— Der Geschäftsbericht sowie die beiden Jahresabrechnungen wurden nach kurzer Diskussion ein. stimmig gutgeheißen. Die Generalversammlung befaßte sich dann zunächst mit einigen inneren Angelegenheiten der Organisation. Unter anderem wurde dem geschästsführenden Ausschutz der Auftrag erteilt, zu erwägen, wie die noch nicht angeschlossenen Gewerkschaften der Zentrale zu- geführt werden können. Hierauf wurde über eine vom Vorsitzenden vorgeschlagene Resolution zur Verkürzung der Arbeits- zeit diskutiert. Die Resolution wurde schließlich einstimmig an- genommen. Sie beginnt mit einem Hinweis darauf, daß die Ver- kürzung der jetzt durchschnittlich 10stündigcn Arbeitszeit eines der besten Mittel ist, die Arbeiterklasse geistig und sozial zu heben, und daß die Forderung aus diesem Grunde, sowie deswegen not- wendig und berechtigt ist, weil die Arbeit im allgemeinen infolge der EntWickelung der Maschinentechnik einseitiger wird, auf den Geist weniger anregend und mehr ermüdend wirkt, außerdem aber auch in den Großstädten der Weg zur Arbeitsstätte immer mehr Zeit erfordert. Die Forderung der Arbeitszeiteinschränkung durch die Gesetzgebung sollen die Gewerkschaften ihrerseits unterstützen. Wird in einem Gewerbe von den Arbeitern eine Arbeitszeit- Verkürzung verlangt, so soll diese Forderung in der Regel allein und nicht in Verbindung mit Lohnforderungen gestellt werden. Vor allem sollten für die Verkürzung der Arbeitszeit diejenigen Gewerbe in Betracht kommen, die am meisten gesundheitsschädlich sind und wo die Arbeitsteilung am weitesten vorgeschritten ist. Ueber die Gesundheitsgefahren und die Stärke der Arbeitsteilung in den ver- schiedcnen Gewerben soll, wenn nötig, mit wissenschaftlichem Bei- stand, eine Untersuchung veranstaltet werden. Der geschäftsführende Ausschuß wird aufgefordert, durch die internationale gewerkschaftliche tentralc genaue Angaben über die Arbeitszeit in den verschiedenen ändern herbeizuschaffen. Der nächste Punkt der Tagesordnung war die Frage der Arbeitslosigkeit. Hierzu wurde, ebenfalls einstimmig, eine Resolution angenommen, in der zunächst erklärt wird, daß und warum die Gesellschaft die Pflicht hat, Veranstaltungen zu treffen, um die Arbeiter vor unverschuldeter durch Arbeitslosigkeit hervor- gerufener Not zu schützen; daß das, was das Gesetz vom 29. März 1904 bietet, wonach den Kommunen das Recht zusteht, ein Drittel von für Arbeitslosenunterstützung aufgewandten Mitteln von der Staatskasse ersetzt zu erhalten, durchaus unzureichend ist, und daß schließlich auch die Unterstützung, die die Gewerkschaften ihren Arbeitslosen gewähren, sowohl was die Höhe als auch was die Dauer . anbelangt, nicht ausreichend sein kann. Hieran anschließend besagt die Resolution: „Die Generalversammlung fordert deshalb die gesetzgebende Körperschaft auf, sobald wie möglich ein Gesetz anzunehmen, durch da? von der Staatskasse eine hinreichende Summe den Arbeiter-' organisationen zur Verfügung gestellt wird, die UnterstützungSkaffen für ihre arbeitslosen Mitglieter errichtet haben oder später errichten. In Uebereinstimmung mit dem, was für andere Gesellschaftsklassen. die Staatszuschuß in ihrer Tätigkeit erhalten, geschieht, soll ein Zuschuß zu den Unterstützungskassen für Arbeitslose an die eigenen Organisationen der Arbeiter ausgezahlt und von diesen selbst verwaltet werden, da sie mit den gründlichen Kenntnissen, die in jeder Organisation von dem betreffenden Ge werbe und dcsssn Arbeitsverhältnissen vorhanden sind, besser als andere imstande sein werden, für eine ihrem Zweck entsprechende Anwendung der Mittel zu sorge». Die Generalversammlung schließt sich sowohl in diesem Punkte als auch in den übrigen Punkten, die die Grundlage des von den Sozialdemokraten im Folkething wiederholt eingebrachten Gesetz- e n t w u r f s bilden, diesem Entwurf an und spricht den Wunsch aus, daß er baldigst durchgeführt werde. Die Arbeiter sollen sich nicht damit zuftieden geben, daß die vom Folkething eingesetzte Ber sicherungskommisswn die Frage in Behandlung genommen hat. Räch der Meinung der Generalversammlung hat diese Behandlung der Frage schon viel zu lange gedauert, weshalb wir die gesetzgebende Körperschaft auffordern, nicht das Gutachten der Kommission abzu- warten, sondern so bald wie möglich den erwähnten Gesetzentwur' zu fördern. Die Generalversammlung fordert die Arbeiter auf, als Staatsbürger bei Wahlen zu beiden Häusern des Reichstages oder wo sie sonst Gelegenheit dazu haben, ihren Einfluß zur Förderung dieser wichtigen Arbeitersache geltend zu machen." Diese Resolution soll dem Reichstag und der Regierung über sandt werden. Nachdem auch dies einstimmig beschlossen war, er- folgten die Wahlen des Vorstandes und Ausschusses. Der bisherige Vorsitzende Martin Olsen wurde per Akklamation wieder- gewählt. Als Sekretär wurde K. F. M a d s e n, als Haupttassierer K. S w e n d s.e n gewählt. In den geschäftsführenden Ausschuß wurden gewählt: K. Gran, H. Rasmussen, Lyngfie, R. Paulsen, P. Arug, I. V. Olsen, Andrea Nielsen, Ferdinand Möller und Hvidtfeld._ SewerkfckaftUcdes. UnternehmerterroriSmns. Ein drastisches Schlaglicht auf die Praktiken der Unter- nehmer, mißliebig e Arbeiter brotlos zu machen, wirft folgender Vorfall: Der Ziegelstreicher B. war bei dem Ziegeleibefttzer P r o f ö zu Lehnin in Arbeit getreten und hatte ihm auf dessen Anftage auch gesagt, daß er auch den Sommer über bei ihm zu bleiben gedenke, wenn er sich nicht etwa anderwettig im Lohn verbessern könne. Nun wurde dem Arbeiter aber eine beffere Entlohnung bei dem Ziegeleibesitzer Schulze, ebenfalls zu Lehnm, geboten. B. nahm daher seine Entlassung, die ihm in voriger Woche auch ordnungs- niäßig bescheinigt wurde. Gleich darauf richtete der erste Arbeitgeber an den zweiten folgendes Schreiben: Stteicher B. iSch»iegersohn von....) ist heute abgegangen hat fich schon im Winter verpflichtet, bei mir zu stteichen. Darf nicht angenommen werden. Profö. Tatsächlich wurde der Arbeiter denn auch wieder eni lassen. Nach dem Schriftstück zu urteilen, scheint unter den Ziegeleibesitzern eine Abmachung zu bestehen, Arbeiter, die ihre Stellung eher wechseln, als es ihren Arbeitgebern lieb ist, regelrecht auszusperren. Ein solches Verhalten verstößt offen bar gegen Recht und Gesetz. Die Ziegelei-Arbeiter stehen unter der Gewerbe- und nicht unter der Gesinde-Ordnung. können mithin auch nicht angehalten werden, sich kontraktlich auf längere Zeit an einen Arbeitgeber zu binden. Für den Schaden, der dem Arbeiter durch diese völlig unberechttgte Sperre erwächst, gedenkt dieser mit Hülfe der Organisatton den Arbeitgeber zivilrechtlich haftbar zu machen. Lerlin und Qmgegcnd. Eine Lohnbewegung der Schmiede steht in Berlin bevor. In der Zeit vom 16.-20. April fanden in den verschiedenen Stadtteilen acht öffentliche Versammlungen statt, welche insgesamt von zirka 3000 Schmieden besucht waren. Es referierten Basn er, Haber- land, Kaulfuß und S i e r i n g. Die Bewegung soll sich vor- läufig nur auf Jnnungsbetriebe und Fuhrgeschäfte ersttecken, da dort die Schmiede mit wenigen Ausnahmen unter geradezu jämmerlichen Bedingungen ihr Leben fristen._ In allen anderen Werkstätten, Fabriken usw., wo dies auch noch vielfach zu trifft, soll dann im Laufe dieses Sommers Remedur geschaffen werden. Die Referenten betonten, daß es leider eine traurige Tatsache sei, daß seit dem Jahre 1888 für die Angehörigen des Schmiedeberufes eine nennenswerte Verbesserung ihrer Lebens- läge trotz rapider Steigerung der Lebensmittelpreise sowie der Wohnungsmieten nicht erreicht werden konnte. Seit zirka 2 Jahren mm habe die Organisatton rapide Fortschritte gemacht, so daß heute nur noch ein kleiner nicht ins Gewicht fallender Bruchteil der Schmiede derselben fernstehe.— An der Hand der zu Anfang dieses Jahres aufgenommenen Statistik wiesen die Referenten nach, daß die bei Kleinmeistern und in Fuhrgeschäften gezahlten Löhne auf 17, ja sogar 15 M. pro Woche(außer Kost und Logis) herabsinken. In den Vororten Berlins werden sogar teilweise bei Kost und LoaiZ nur 4 M. pro Woche gezahlt bei einer Arbeitszeit von 10 vis 15 Stunden täglich. Die Einführung der neunstündigen Arbeitszeit und Erhöhung des Lohnes sei ein Akt der Rotlvendigkeit. In einer Mitgliederversammlung sollen die Forderungen aufgestellt, dann eine Versammlung der in genannten Betrieben tätigen Kollegen zur Sanktionicrnng vorgelegt und, wenn akzepttert, den Arbeit- gebern eingereicht werden.— Die Referenten betonten jedoch schon heule sagen zu können, daß neben dem Ncunsttmden- tag für die unterste Kategorie(Stockaesellen) ein Minimallohn von 24 Mark pro Woche gefordert werden würde. Die in Fuhrgeschäften tätigen Schmiede haben das Vergnügen, täg- lich 11 Stunden und Sonntags 3—4 Stunden für geringen Lohn im Dienste der Unternehmer zu fronden. In besonders krasier Weise tteten die Mißstände in den Werkstätten des königl. Hoflieferanten T a b b e r t und des königl. Hofspediteurs Nicolai hervor, wo Ueberstunden und Sonntagsarbeit zu den Genüssen des Lebens gehören. Den Unorganisierten wurde der bereits im Jahre 1904 gefaßte Be- schluß,„bei Lohukämpfen Unorganisierte nicht mehr zu unterstützen", ins Gedächtnis gerufen. Sie werden ersucht, sofort das Ver- säumte nachzuholen, um der Gefahr zu entgehen, schließlich als Streikbrecher fungieren zu müssen. Die Referate wurden von den Anwesenden, unter denen ein guter Geist herrschte, mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Es fanden zahlreiche Neuaufuahnieu statt. Oeutlebes Reick». Ein wahrer Mustcrchrist ist Herr Franz Behrens, der zum Jubel des Stöckerschen„Reich" berufen ist, den Generalsekretärposten im christlichen Bergarbeiterverbandc zu übernehmen. Noch vor seiner Ueberfiedelung nach Essen hat Herr Behrens in Berlin eine Tat vollbracht, die ihn den christlichen Bergarbeitern vielleicht doch als eine Akquisttion von zweifelhaftem Werte erscheinen lasien dürste. Die Berliner Gärtnergehülfen stehen seit Anfang Februar in einer Tarifbewegung. Es wurde zwischen den Kommissionen des All- gemeinen deutschen Gärtnervereins und der HandelSgärtner- organisatton ein Tarif ausgearbeitet, der einen Wochenlohn von 13 Mark bestimmte, die Errichtung eines padtättfchen Arbeitsnachweises im Anschluß an die Facharbeitsnachweise de« ZenttalvereinS fiir Arbeitsnachweis regelte usw. Der Tarif sollte auf ein Jahr Gültigkeit haben, also bis 1. April 1906; eS war eineZAbwehr des von dem christlichen Verbände des Behrens beabsichtigten Tarifs mit 16.20 M. Mnimallohn, vereinbart bis zum 1. Juli 1907. Als alles soweit fertig war, erschien Herr Behren»,' stieß seine eigenen Abmachungen mit den Arbeitgebern um, nach welchen der Tarifausschuß aus Verhältniswahl mit gebundener Liste hervorgehen sollte, und forderte nunmehr paritätische Verttetung der Arbeitnehmer im Tarifausschusse, weil die Christlichen sonst keinen Kandidaten durchbringen würden. Soweit die Vorgeschichte. Am 15. April legten nun die Mitglieder des Allgemeinen deutschen GärtnervereinS die Arbeit in den Geschäften nieder, wo der tarifmäßige Lohn von 18 M. nicht gezahlt wurde. Dies wurde den christlichen Verbänden mitgeteilt, die durch den Arbeitsnachweis eines Gastwirtes, den sie nominell decken, Stteikbrecher zu stellen drohten, und zwar wurde diese Dr>..,ung von Behrens selbst in seinem Blatte ausgesprochen. Die christlichen Herren haben denn auch»n der Tat ihren Arbeitsnachweis in Berlin dazu benutzt, um die Streikbrecher zu stellen. Aber damit nicht genug. Am 13. April hatten die Arbeitgeber Versammlung, um zu dem Tarif endgülttg Stellung zu nehmen. Hier erschien auch Herr Behrens, der den Herren verständlich machte, daß sie auf keinen Fall den Tarif nur auf ein Jahr abschließen dürsten, da sie dann im nächsten Jahre wieder von der sozialdemo- kratischen Gehülfenschaft„belästigt" loerden könnten. Der Tarif müßte mindestens auf zwei Jahre abgeschloffen werden. Einen Tarif mit 18 M. Mmimallohii auf 2 Jahre abgeschlossen, das ist doch in der Tat für Berliner Verhälttttffe der schllmmste Verrat, der an der Gehülfenschaft ausgeübt loerden kann. Selbstverständlich stimmten die Arbeitgeber dem edlen Menschenfreunde zu. Da aber die Arbeit- geberkommission ihr Wort verpsä t hatte, ist die Sache so ohne weiteres noch nicht abgetan. Herr Behrens, der neue Generalsekretär des christlichen Berg- arbeiterverbandes, hat es also bei den Gärtnern noch in letzter Minute fertig gebracht, eine Stteikbrecheragentur zu organisieren, eine Aufbesserung der Löhne der Gärtnergehülfen nicht nur in diesem und im nächsten, sondern sogar noch auf ein folgendes Jahr illusorisch zu machen, bezw. hinauszuschieben. Wirtlich, zu dieser neuen Kraft kann man den Bergarbeitern gratulieren. Arbeitswillige. Eine Anzahl Musterexemplare der dem Staate so nützlichen Elemente, euphemistisch„Arbeitswillige" genannt, hatte sich am Ostersonnabend in einer Vergleichssitzung des Kölner Gewerbe- gerichtS versammelt. Sechs Schneider klagten gegen drei Kölner Schneiderfirmen auf 50 M. Kündigungsentschädigung. Die Leute stammten aus Böhmen, Mähren, Ungarn und konnten mit Aus- nähme von zweien, die sich zur Not zu verständigen vermochten, kein Wort Deuffch. Ein Hamburger Agent, der für Köln im Auf- ttage des Arbeitgebervercins und der Schneiderinnung Arbeitswillige werben sollte, hatte alle sechs in einer Art Obdachlosen-Asyl in Wien aufgegriffen und sie unter glänzenden Versprechungen bewegt, sich nach Köln ttansportteren zu lassen. Sie hatten in Wien einen deutsch geschriebenen Vertrag unterzeichnet, von dessen Inhalt sie kein Wort verstanden hatten. Die Leute sahen geradezu erbarmungswürdig aus; daß sie Schneider seien, sah man weder 'ihrer Kleidung noch ihrem sonstigen Aussehen an. vielmehr sahen sie kroattschen Erdarbeitern ähnlich. Ihre Klage begründeten sie ■damit, daß der Arbeitgeber sie tagsüber in eine Werkstelle«in- jefperrt, sie abends zum Essen in eine Wirtschaft geführt und päter nicht mehr inS Haus hineingelassen habe. Die Arbeitgeber dagegen behaupteten, die Leute seien nicht mehr zurückgekehrt, weil die streikenden Schneider sie ttotz aller VortiHts- maßregeln abgefangen hätten. Uebrigens sei bei einigen der Klager zu bezweifeln, ov sie wirklich Schneider seien; einer von ihnen habe nicht einmal einen Knopf annähen können. Den Bemühungen des Gewerbegerichtssekretärs ge- lang es schließlich, die beklagten Arbeitgeber zu bewegen, den Arbeitswilligen je 25 M. zu zahlen, damit sie nach Wien zurück- kehren könnten. Die Kläger gaben sich damit zufrieden und erhielten daS Geld sofort ausbezahlt. Die Arbeitgeber versicherten, daß ihnen ohnehin jeder dieser Arbeitswilligen schon über 100 M. gekostet habe. Eine teuere Lehre für die Herren und eine Mahnung, sich künftig den Forderungen der organisierten Arbeiter gefügiger zu zeigen. Ihre bösen Erfahrungen mit den Arbeitswilligen haben sie sowieso gezwungen, die Forderungen zu bewilligen, nachdem sie fich Wochen- lang gesttäubt haben. Hätten sie früher bewilligt, so würden sie nicht nur das Geld für die Arbeitswilligen gespart, sondern a«ch noch das Ostergeschäft gerettet haben. DaS gewissenkose Tveiben der Stteikbrecheragenten aber verdient immer wieder an den Pranger gestellt zu werden._ Die Tischler Königsbergs sind in eine Lohnbewegung gettete«. Die Lohnbewegung umfaßt die Tischler, die Drechfler und alle in hearbeitungSsabriken beschäftigten Maschinenarbeiter. ES kommen ka 130 Firmen mit fast 1000 Gesellen in Frage, in Fabriken, in Möbel- und Bauttschlereien sowie in Sarg- magazinen tätig sind. Der Tarifentwurf enthält folgende oroerungen: Die Arbeitszeit bettägt 60 Stunden pro Zoche und zwar von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abend» mit IVsstundiger Mittags- und Va stund ig er Frühstückspause. Wo chon eine kürzere Arbeitszeit besteht, soll dieselbe verbleiben. .leberstunden- und Sonntagsarbeit wird nicht ge- eistet. Der vereinbarte Akkordtarif für Bau und Möbel gilt 'ür Königsberg und Vororte. Für Werkstätten, in denen nach Zeichnung gearbeitet wird, erfolgt von Fall zu Fall die Fest- legung der Preise, doch sind dieselben so festzulegen, daß dabei der vorher verdiente Wochenlohn, im Durchschnitt gerechnet, garanttert wird. Bei Lohnarbeit bettägt der Mindestlohn 21 M. Diesem Tarifentwurf sind gleichzeittg die neuen Akkordpreise für Hand- bettieb sowie ein Akkvrotarif für Möbel hinzugefügt. Im An- chreiben werden die Meister ersucht, bis Freitag, den 28. April Antwort zu geben. Zur Aussperrung der Hamburger Holzarbeiter. Die Aussperrimg nimmt größere Dimensionen«n. Bis Mittwoch mittag waren im Städtekornplex Hamburg-Mtona- Wandsbek 640 Holzarbeiter ze. ausgesperrt. Insgesamt arbeiten im AussperrungSgebiet etwas über 6000 Holzarbeiter, die beinahe amt und sonders im Holzarbeiter-Berbande organisiert ind. Auch die Mehrzahl der Nichtorganifierten ist in den in Frage kommenden Fabriken und Werkstätten von der Aussperrung bettoffen worden oder hat fich mit den Ausgesperrten solidarisch erklärt. Eine KündigungSftist existtert im allgemeinen nicht. Die Arbeitgeber, die es auf die Zertrümmerung, mindestens aber auf die Schwächung de? ihnen verhaßten Holzarbeiter-Verbandes abgesehen haben, er- klären in der bürgerlichen Presse die Aussperrung für eine„Not- wendigkeft, um Ruhe und Frieden im Gewerbe zu erzwingen". In den Akkordwerkstätten erfolgt die Aussperrung erst nach Fertigstellung der Arbeit. Letzte Nadmcbten und Depefcben. München, 26. April.(SB. T. B.) Der Zug Nr. 2514 mit zwei Maschinen und 15 Wagen entgleiste bei der Einfahrt in die Station Jrrenlohe. Dabei wurden 1 Maschine und 10 Wagen zertrümmert und sämtliche Gleise in der Richtung Nürnberg— Schwandorf— Weiden und Schwan dorf— Weiden gesperrt. Verletzt wurde niemand. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen ans- recht erhalten. Troppau» 26. April.(W. T. B.X Die Zahl der noch in Be- Handlung befindlichen Genickstarrefälle in Oesterreich-Schlesien ist 33. Die Krankheit zeigt gegenwärtig nur geringe Neigung zur Aus» breitung. In der abgelaufenen Woche ist kein neuer Krankheitsfall vorgekommen. ' Tokio, 26. April.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Das Kriegsrecht wurde heute über die ganze Insel Formosa erklärt; die Maßnahme wurde von dem Geheimen Rat beschlossen. i.Reds PM Bllttner,Berlt«. Jnjerateverantw(mit AnZlwhme der.NeueBeft'-B5ilag-):TH. Glocke, Berlln. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr.u'VerlagZanst.PauISmgei �Co.,BtrIinLV. Hierzu Z Beilagrn u.Unterhaltnngsbl Nr. 98. 22. Jahrgang. 1. ftihp des Jotiuirts" Kerlim WsM Donverstag, 27. April MS. Der französische Einigungs-Parteitag. Paris, 23. April.(Eig. Ler.) Erst« Tag. Vormittagssitzung. 10 Uhr. DaS Präsidium wird auf den Vorschlag der Einigungs- kommisflon für die erste Sitzung zusammengesetzt wie folgt: Camölinat(?. L. F.). Vorsitzender, Sh a u ö i n(P. S. de F.) und SBillin(P. 0. S. R— Allemanisten), Beisitzer. Camslinat eröffnet den Parteitag mit einer kurzen Rede, worin er die nationale und internationale Bedeutung dieses Parteitages hervorhebt und den brüderlichen Geist der Verhandlungen in� der Einigungskommission betont, was eine Bürgschaft für den gedeihlichen Fortgang der Parteitagsarbeiten sei.(Beifall.) B e grüß un gSsch reiben sind eingegangen von � K e i r Sa r d i e(Incks�suaout Labour Party) und Troelstra(holländische ozialdemokratie). Ein Protest gegen die Arbeitermetzelei in Limoges, gegen die Haltung der Regierung und die der Kammermehrhert in oer bezüglichen Interpellation wird per Akklamation votiert. Die gegen die fortgesetzten Verhaftungen zu treffenden Maßnahmen sollen in der Nachmittags'Sitzung beraten werden auf Grund von Vor- schlägen, die die sozialistlschen Abgeordneten zusammen mit dem Präsidium ausgearbeitet haben Iverden. Die Mandatsprufung wurde schon von der Einigungs- kommission besorgt. Den einzelnen Sonderorganisationen wurden zuerkannt an Mandaten: 1. Der P. S. de F. 148 Mandate. 2. Der P. S. F. 117 Mandate. 8. Der P. 0. S. R(Allemanisten) 17 Mandate. 4. Den autonomen Föderationen 37 Mandate. Sämtliche Mandate werden vom Kongreß für gültig erklärt. Die Einigkeitserklärung. Dubreuilh erstattet den Bericht der EinigungSkommisfion. Er skizziert den Gang der Einigkeitsverhandlungen und verliest den Text der Einigkeitserklärung. Er schließt unter Beifall mit dem Hinweis auf die bindende Bedeutung der Einigkeitserklärung, die genau feststelle, was sozialistisch sei und was nicht. Der Text wird per Akklamation votiert. Hierauf tritt eine Unterbrechung der Sitzung ein zwecks Ver- teilung der Delegiertenkarten und des gedruckten Statutenentwurfs. Nach Wiederaufnahme der Sitzung verliest der Vorsitzende eine Legrüßungsdepesche der serbischen sozialistischen Partei. D e l o r y macht auf folgenden Zwischenfall aufmerksam: In Valenciennes(Nord) steht eine Kammernachwahl bevor. Der Partei- kandidat wird von der autonomen Föderation unterstützt, aber die Liller Tageszeitung„Reveil du Nord", die für das Organ jener töderation gilt, unterstützt gleichzeitig einen radikalen Kandidaten.— in Vertreter der autonomen Föderation erklärt, der„Rüveil du Nord" habe mit der Föderation nichts zu schaffen. Die Zeitung gehöre einer Finanzgel ellschaft.— Auf eine weitere Anfrage Delorys er- klärte derselbe Vertreter, daß der Redakteur des„Reveil", der einen Arttkel zugunsten des radikalen Kandidaten veröffentlicht hat, der Föderation nicht angehöre. Damit ist der Zwischenfall erledigt. Mehrere Delegierte regen an, das Kongreßlokal zu ändern. Der Saal des„Cafö du Globe", wo der Kongreß tagt, ist zu eng für die etwa 800 Delegierten. Nach kurzer Debatte wird der Vorschlag abgelehnt. Renaudel verliest unter lebhaftem Beifall einen Brief, den Bebel an ihn gerichtet hat mit der Bitte, denselben zur Kenntnis des Kongresses zu bringen. Der Brief ist au? Lugano, den 16. April 190S datiert und lautet im deutschen Originaltext: „Werter Parteigenosse Renaudel I Wie Sie aus der obigen Ortsangabe ersehen, befinde ich mich in der Südschweiz und zwar auf einer Erholungsreise mit meiner Familie. Dieser Umstand ver- hindert mich auch, der freundlichen Einladung zum Besuch des Einigungskongresses der französischen Genossen Folge zu leisten. Doch werden meine Gedanken und meine besten Wünsche die Ver- Handlungen des Kongresses begleiten. Ich kann unseren ftanzösischen Genossen die aufrichtige Ver- sicherung geben, daß in meinem langen Parteileben sich sehr wenige Ereignisse zugetragen haben, die ich mit solcher Freude und solcher Genugtuung begrüßt habe, als ich diesen Einigungskongreß begrüße. Durch denselben werden die kühnsten Erwartungen, die ich, und ich glaube sagen zu dürfen wir alle, von den Verhandlungen des internationalen Kongresses zu Amsterdam hegten, weit übertroffen. Unsere ftanzösischen Parteigenossen geben damit ein Beispiel von f ersönlicher Selbstverleugnung, von Jdealisnms und Begeisterung ür unsere große Sache, wie es glänzender und großartiger nicht gegeben werden konnte. Unser aller Dank ist ihnen sicher. Von der Stunde, von der an die französischen Sozialisten eine festgeschlossene, einheitliche Partei sind, werden sie eine Macht sein weit stärker als je zuvor, eine Macht, die noch weit mehr als bisher und in wachsendem Maße als maßgebender Faktor in die Geschicke des Lande? eingreift. Jetzt erst wird die Partei eine Macht werden, die ihre historische Mission auf nattonalem und internationalem Gebiete voll und ganz zu erfüllen vermag. Ich bin aber auch überzeugt, daß dieses große Beispiel der Einigung der französischen Sozialdemokratie von den nützlichsten Folgen auf die Sozialdemokratie derjenigen Länder sein wird, in denen bisher leider die Partei noch zersplittert ist; auch sie werden dem gegebenen Beispiel folgen müssen. Ich bitte Sie, lieber Genosse Renaudel, dem Einigungskongreß obige Zeilen mitteilen zu wollen und ihm meine herzlichsten Glück- wünsche für den Erfolg seiner Arbeiten auszusprechen. Niemals rief ich freudiger als jetzt: Hoch lebe die internationale Sozialdemokratie, welche die Zukunft der Menschheit repräsenttert. Mit partelgenössischem Gruß Ihr ergebener A. Bebel. Schluß der Sitzung 12 Uhr. NachmittagSsitzung. Der Vorsitz wechselt, wie üblich, mit jeder Sitzung, um allen Teilen die Vertretung im Präsidium zu gewähren. Vorsitzender: C a ch i n- Bordeaux. Weitere Begriißungsdepeschen sind eingelaufen, darunter von der russischen Sozialdemokratie seitens der Rebaktton der„Fskra" sowie eine Begrüßnugsdepesche von Bebel und K a u t s k y durch die Vermittelung von Jaurös.(Lebhafter Beifall.) Statutenentwurf. R e v e l i n(P. S. F.), Berichterstatter der Einigungskommission, kennzeichnet kurz die Hauptzüge des Entwurfs: Die Basis der Partei ist die Gruppe der beitragzahlenden Mitglieder und die bestimmende Bedeutung der Mitgliederzahl kommt zur Geltung in allen Teilen der Organisation einschließlich deS Nationalrates. Wenn der Entwurf von Departementalfödcrationen ausgeht, anstatt sich den Wahlkreisen anzupassen, so gerade deshalb, weil wir nicht nach den bestehenden politischen Einrichtungen unS zu richten haben, die wir vielmehr zu zerstören trachten.(Beifall.) Eine Generaldiskussion findet nicht statt. Im Laufe der Einzel«. beratung entspinnt sich zunächst eine längere Debatte über folgende Anfrage des revolutionär- sozialistischen Abg. Cadenat- Marseille: Nächstens finden in Marseille Gemeindenachwahlen statt. Wird es kraft der Statuten erlaubt sein, ein Wahlbündnis mit den Radikalen zu schließen? Berichterstatter R e v e l i n erachtet, daß die Pariser internationale Resolution von 1SOO, auf die sich der Einigkeitsvertrag beruft, die Frage bereits geregelt hätte in dem Sinne, daß die Bündnisse unter der Konttolle der Föderation und unter der Bedingung der Vermeidung von Verwirrung im Programm und in der Taktik abgeschlossen würden. Renaudel(P. S. F., Linke) spricht gegen Rebelin, deffen Antwort eine Zweideutigkeit schaffe. Jaures wendet sich gegen RenaudelS Auslegung deS Art. 11: Die Anwendung der Statuten auf lokale Fälle ist nicht Sache des Kongresses, sondern der lokalen Organisationen.(Proteste links.) Bracke spricht gegen Jaurös: Der Pariser Kongreß hat die Allianzen allerdings verboten. Was er unter gewissen Be- dingungen geduldet hat. das sind nur Koalitionen. Jaures: Ich stimme mit Bracke überein. Er hat nur in glücklicheren Ausdrücken als ich»reinen Gedanken ausgedrückt.(Heiter- keit und Beifall.) Der Artikel 16, der den W a h l st i m m e n eine Ver« tretung auf de», Parteitage zuerkennt, bildete schon in der Eii-?gmigSkommission einen wichtigen Streitpunkt. Für die mandatdildende Bedeutung der Wahlstinrmen ttaten dort nur die Vertreter der jaurösistischen Rechten ein. Die Kommission hat denn auch den Artikel nicht vottert, gleichwohl aber der RechtSminderheit das Zugeständnis genracht, den Berichterstatter zu beaufttagen, den Arttkel dem Kongreß vorzulegen. Die P. S. de F. hat ihrerseits auf ihrem Sondsrkongreß beschlossen, die Streichung des Arttkels zu beanttagen. Dieser Antrag ruft nun eine ausgedehnte und höchst bewegte Debatte hervor. Die tatsächliche Bedeutung des Artikels 16 ist zwar gering, denn die Wahlstimnrennrandate sind auf ein Fünftel der Gesamtzahl der Mandate beschränkt, die im übrigen auf der Zahl der beitragzahlenden Mitglieder beruhen: 1 Mandat für das erste 166 Mitglieder, 2 für 101 bis 800 Mitglieder, 3 für 301 bis 500 Mitglieder usf.— je ein weiteres Mandat für gebe 200 Mitglieder. Desto größer aber ist die grundsätzliche Bedeutung, die von beiden Seiten dem Artikel 16 beigemessen wird. Die P. S. de F. hatte auf ihren eigenen Kongressen den Wahlstiinnicrr einen größeren Mandats- bildenden Einfluß verstattet als der Artikel 16. Anders aber mußte sie jetzt auftreten, wo sie mit refornnstisch-parlamentarischen Elementen sich einigen soll, die nur allzu deutlich die Wählermasse über die Partei-Organisation stellen. Die jauresistische Rechte hinwiederum mußte für den Artikel 16 kämpfen als für den letzten Rest ihrer spezifischen Tendenz innerhalb der geeinigten Partei. Daher der leidenschaftliche Charakter der Debatte. O s m i n begründet kurz den Antrag der P. S. de F. auf Streichung des Artikels 16. Maurice, sonst zur Rechten der P. S. F. zählend, befürwortet doch die Streichuirg. Er erwartet davon einerr Ansporn zur Werbung von Mitgliedern für die Partei: Die Kraft der Wahlstimmen dürfe nicht die organische Kraft der Mitgliedschaft überwiegen. G r a d o s, P. S. de F., führt an das Beispiel voir Grenoble, wo infolge des Abfalls von Zövaes der Parteikandidat binnen zwei Jahren von 4000 auf einige 900 Stimmen gesunken ist. Ducos de la Haille, Linke der P. L. F., befürwortet seltsamerweife den Arttkel 16: Die Wahlstimmen find ein not- wendiges Element der Kraftschätzung und sie haben auch propagan- disttschen Wert. Doch sind DucoS und Maurice zwei Ausnahmen entgegengesetzter Hermaim liest Z, eipzi g-ers trass e 46— SO.— JSrausenstraaae 44 49, Donnerstag Freitag Sonnabend Vorzugs- Preise Soweit der Vorrat reicht Glas Römer graTiert und glatt 25 30 32 50 Pf- Römer kryslall, geschliffener Fuss u. graviert 75 85 Pf- 25 PL 25 Pf- 20 Pf. 20 Pf. 45 75 pt « ar* 32 pt 5 20 Rot- u. Rheinweingläser krystau Rheinweingläser.Maiglöckchen« Weingläser geschliffen Wassergläser geschliffen Käseglocken geschliffen Glasteller geschliffen Gambrinustulpen krystau Weinflaschen krystau, m. Henkel, graviert f50 200 Wasserflaschen krystau, mit Henkel gntvJert 225 Teebecher 10 Pf. Bierbecher 7� 7� Prima vaieska 18 pf. Vicktoria geschliffen mit Goldrand 0.2'/4I. 25 Pf Butterdosen 18 25 pf. Käseglocken 38 45 Pf Porzellan Eierbecher mit Goldrand 3 Pf. Compotieren ovai 42 pf. Teller«efundflach 15 18 Pf. Dessertteller 12 15 pf. Compotteller 10 8pf. Terrinen I25 l45 Ragoutschüssel 68 85 Pf. Saucieren 55 pf. Kaffeekannen gerippt, mit Patent-Deckel 38 45 Pf. Butterdosen mit Rosenblumen dekoriert 55 Pf. Compotieren gross, oval, fein dekoriert 65 Pf. Milchtöpfe.Streublumcn« 32 42 55 Pf. Zuckerdosen gross 12 Pf. Kaffeeservice fem dekoriert 250 2S5 375 52b 575 Tafelservice SOtemg, fein dekoriert 1650 2060 Tafelservice eoteüig, fein dekoriert 3850 4250 Tafelservice SOteUig, fein dekoriert 5750 Fischservice isteiiig I650 Emaille Wannen ovai 85 Pf. I16 l26 l55bis200 Eimer fein dekoriert mit Deckel l76 200 22Ä Wasserkessel 4 Grössen 65 80 bis 05 P5. Bchmortöpfe«Grössen 33 48 58 73 hl. 35 Pt. Kasserollen 6 Grössen 20di3 53pf. sonst 1,05 1,20 1,80 Bratpfannen viereckig"75 85 95 pt Eierpfannen 12 16 22 28 36 extra gross 65 pf. Wasserkrüge Kugelform 60Pf., conische 40 Pf. Wasser- Maasse v. uter m« komoi 35 Pf. Scheuerbürstenhalter I00 Fenstereimer 75 pt Essenträger»tatt 2.20 I50 Arbeiterkannen 29 pf. Salzmesten mit schnft 50 pf. Handleuchter 30 pf. .......... statt 2,25 2,50 2,90 Pichelsteiner Kasserollen �5 po 710"" Milchkocher-Einsätze gegen Ueberlaufen 38 Pf. Schüsseln 24 ws 60 pf. Teller stück 3 vt statt 1,60 1,80 2,00 Grosse Schmortöpfe �8(is p(so Art. Sonst gruppieren sich in der Debatte die beiden Tendenzen| Worten der Versöhnung. Er führt die beiden Standpunkte auf der Minderheit in dem Verwaltungsausschatz be folgerichtig: alles was links gegen den Artikel 16, alles was rechts sentimentale Jusionen zurück und macht diesen Vermittelungsvors antragt Delory( P. S. de F.), sofort eine Kommission zu ernennen, dafür. schlag: Die Wahlstimmen sollen nur für den nächsten Parteitag die Vorschläge auszuarbeiten hätte, auf welche Weise die Berhältnis Jaurès gibt der Debatte gleich die richtige Prägung. Er be- mandatsbildende Kraft haben. Der Artikel 16 ist also zu streichen zahl der Mehrheit und Minderheit bestimmt werden könnte, falls antragt, die Frage bis zum nächsten Kongreß zu vertagen und führt und in eine Uebergangsbestimmung zu verwandeln, die nur für den eine direkte Verständigung über die Zusammensetzung des Ausfolgendes aus: Gewiß ist dieser Kongreß souverän. Gewiß fann nächsten Parteitag zu gelten hat. Die Wahlstimmen, sagt Revelin, schusses nicht erzielt werden sollte. Delory beantragt zugleich eine jede Sonderorganisation noch als Ganzes Aenderungen beantragen. nügen in bezug auf die Kongreßvertretung doch nur den stärksten Liste von 9 Kommissionsmitgliedern. Nach einer furzen Debatte Aber ist es denn am Blaze, auf einem ersten Einigungskongreß das Föderationen, da wegen der Beschränkung der Wahlstimmenmandate wird beschlossen, in die Kommission 13 Mitglieder zu wählen: 5 für ändern zu wollen, was nach langen Debatten in der Kommission auf nur eine über 1000 hinausgehende Stimmenzahl mandats- die P. S. de F., 4 für die P. S. F., je 2 für die Allemanisten und durch ein loyales Abkommen bereits festgestellt worden ist? Wir bildend ist. Die größten Schwierigkeiten und die größten Verdienste die autonomen Föderationen. finden unsererseits in den Statuten manches, was unseren Ideen der kleinen Föderationen bei der Wahlagitation in undankbaren widerstrebt. Aber wir haben im Interesse der Einigkeit auf Aende- Gegenden gehen daher ledig aus. Möge also die P. S. F.( eigentlich rungen verzichtet. Deffnet man aber jetzt die Tür für Aenderungen, nur die Rechte der P. S. F.) auf ihre Forderung verzichten, die Die Vorgänge in Limoges füllen den Rest der Sigung aus. fo tönnten auch wir Abänderungen verlangen. Wozu eine Majorität ein ungerechtes Privilegium für die starken Föderationen schaffen. ein ergreifendrs Bild von der Brutalität der Behörden und der Truppen Pierre Bertrand- Limoges entwirft an der Hand der Tatsachen und eine Minorität schaffen in einem Kongreß, der die So wird ein einstimmiger Beschluß möglich. Einigkeit begründet, wo also nur Einstimmigkeit herrschen sollte? Revelins Vorschlag macht einen tiefen Eindrud. Chauvin und führt den bündigen Nachweis, daß die Regierung, die gegenüber ( Beifall rechts.) Uebrigens riskiert Ihr nichts, wenn der Artikel 16( P. S. de F.) stimmt ihm nantens einer Anzahl Freunde zu. Jaurès dem sozialistischen Maire fich perfid benommen hat, die Hauptschuld bis zum nächsten Kongreß stehen bleibt. Alle Parteien haben bisher zieht seinen Antrag zugunsten des Revelinschen zurüd. Lafont trägt. Hervorzuheben ist, daß der Arbeiter Vardelle nicht durch den Wahlstimmen Mandate zuerkannt. anders werden soll, so tönnte es als eine Verleugnung der Wahl der von der Seine- Föderation ausgegangen ist, aufrecht.( Große die Luft geschossen. Das Feuer wurde, entgegen der offiziellen BeWenn das jetzt plötzlich aber( vom„ Mouvement Socialiste") hält den Antrag der P. S. de F., eine Gewehrfugel, sondern durch drei Revolverkugeln, d. h. von einem Offizier ermordet wurde. Die Soldaten haben meiſt in altion mißdeutet werden. Unruhe.) Guesde erklärt sich namens einer Anzahl Freunde Lauche( Allemanist), Mitglied der Einigungskommission, für Rebelins Vorschlag.( Lebhafter Beifall.) Nur Hauptung, den Soldaten anbefohlen. Das Schießen auf die bemerkt gegen Jaurès: Es ist unrichtig, daß die Kommission den eine kleine Gruppe, die sich als die äußerste Linke der Partei Menge, bie im Drsoy- Garten sich angesammelt hat, hat nichts mit Artikel 16 botiert hat. Sie hat ihn nur deswegen in den Entwurf ankündigt, bleibt unverföhnlich. Revelins Vorschlag spaltet nicht einem Notwehratt der Soldaten zu tun. Jene Menge bestand zu aufgenommen, um der P. S. F. den Versuch zu ermöglichen, ihn nur die P. S. de F. als ganzes, sondern auch die Seine- Föderation, 99 Broz. aus Frauen und Neugierigen, fie tonnte teine Steine im Kongreß durchzusetzen. Die P. S. de F. hat einfichtig ihrer bis- die Urheberin des Antrages. Ein Delegierter der Seine- Föderation auf die Soldaten werfen, weil im Garten keine Steine zu finden herigen Praris in diesem Bunkte entsagt. Wir wollen keine Wahlen- stimmt namens der Mehrheit dieser Föderation Revelins Vorschlag waren und zudem die Soldaten 100 Meter weit vom Garten entPartei sein. Wir wollen alles, was in unserer Partei schlimmes ist, zu. 2a font protestiert heftig, da die Seine- Föderation teine Beit fernt standen. ausrotten.( Stürmischer, demonstrativer Beifall_links.) gehabt hat, eine Sonderberatung abzuhalten. Der Lärm wird immer Es folgt eine Erörterung der Mittel und Wege, das Verbrechen Journond, Saône- et- Loire, P. S. de F., verweist auf den heftiger. Delory beantragt, wegen des fortdauernden Tumults von Limoges zu ahnden. Wahlkreis von Montceau- les- Mines, wo Abg. Bouveri in den das Votum auf morgen zu vertagen. Es folgen weitere ZuHierauf votiert der Kongreß per Afflamation eine Resolution letzten Kammerwahlen 5000 Stimmen mehr erhalten hat als ein ftimmungen zum Vermittelungsvorschlag von Herbe, Renaud el, Pierre Bertrands, worin der Nationalrat und die Kammerfraktion paar Jahre vorher, und das bloß deshalb, weil die Radikalen keinen Vaillant und anderen. Die Wogen gehen noch eine Weile hoch. beauftragt werden, eine Enquete über Limoges zu berKandidaten aufgestellt haben. Diese radikalen Stimmen haben Schließlich wird Revelins Vorschlag mit allen Stimmen gegen eine anstalten und ferner die Entfaltung einer Agitation im Lande unsere Mandate auf diesem Kongreß vermehrt. Daher wollen wir fleine Minderheit, d. i. die äußerste Linke, votiert. borsieht. den Artikel 16 streichen.( Lebhafter Beifall links.) Der Artikel 17 bestimmt, daß die Vertretung auf denjenigen Weitere Begrüßungsdepeschen find eingetroffen 1. vom Kongreß Corgeron, P. S. de F., bemerkt gegen Jaurès: Es handelt Parteitagen, die in den ersten vier Monaten des Jahres stattfinden, der holländischen Sozialdemokratie, an den sofort eine Antwortsich ja nur un einen Statuten entwurf, wir haben also unbe- nach der Zahl der Mitgliedstarten zu berechnen ist, die im Laufe depesche gerichtet wird, und 2. von Roſa Luxemburg. dingt das Recht, ihn schon jetzt zu ändern. des verflossenen Jahres geliefert worden sind. Zum Artikel 24 betreffend die Proportionalvertretung Berichterstatter Revelin wendet sich an beide Seiten mit Für den Inhalt der Juserate übernimmt die Redaktion dem Urania, Taubonstr. 48/49. 8 Uhr: Publikum gegenüber teinertei Tierleben in der Wildnis. Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 27. April: Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Die Walküre. Schauspielhaus. Jm stillen Gäßchen. Deutsches. Der Privatdozent. Berliner. Zapfenstreich. Sternwarte Invalidenstr.57/ 62. CASTAN'S ANOPTICUM. PANAS Friedrichstr. 165. Das sensationelle Baffen. Die neugierigen Frauen. Riesen- Mädchen!!! Westen. National. Diavolo. Neues. Ein Sommernachtstraum. Thalia. Der Stilometerfreffer. Zentral. Der Zigeunerbaron. Anfang 8 Uhr: Schiller 0. 9 Rosa Wedsted, 2 Meter 20 cm hoch, größte lebende Riesin der Welt. ( Wallner Theater.) Neue Königl. Oper( Kroll). Meine Schwiegertocher. Schiller N.( Friedrich Wilhelm städtisches Theater). Augen rechts! Hierauf: Die sittliche Forderung. Leffing. Elga. Kleines. Die Neuvermählten. Abschiedssouper. Nesidenz. Herzogin Crevette. Trianon. Ihr Alibi. Deutsch- Amerikanisches. großen Teich. Uebern Belle: Alliance.... noch einmal so lieben! Carl Weiß. Die Kleinen Bagabunden. Reichshallen. Stettiner Sänger. Luisen. Khrik- Phriz. Kasino. Lolos Bater. 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Sinfonie von Beethoven. Festmarken und Gastkarten in beschränkter Anbei sofortiger Bestellung in allen Zahlstellen. zahl Opern- Vorstellungen im National- Theater. Anfang 3 Uhr. 7. und 14. Mai: 21. und 28. Mai: 228/18 Fidelio. Fledermaus. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Ein Sommernachtstraum. Kyritz- yrit. Neues Konzerthaus Freitag: Ein Sommernachtstraum. Sonnabend nachmittag 2, Uhr, ermäßigte Preise: Ein Sommernachtstraum. Abends 7, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater Anfang 8 Uhr. Die Neuvermählten. Hierauf: Abschiedssouper. Freitag zum erstenmal: Rosmersholm. Sonnabend und Sonntag: Rosmersholm. National- Theater Weinbergsweg 19. Donnerstag, den 27. April 1905: Fra Diavolo. Dr. Briesemeister a. G. Anfang 7, Uhr. Freitag z. erstenmal: Hans Jürge. Sonnabend: Khriz- Bhriz. Sonntag nachmittag: Der Herrgottschniger. Abends( als letzte Borstellung): Hans Jürge. Metropol- Theater Der größte Erfolg der Saison! Zum 172.Male: Die Herren von Maxim. 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Nur noch vier Aufführungen: Die kleinen Vagabunden. Sonnabend nachm.& Uhr: Leyte Kindervorstellung: Dornröschen. Sonntag nachm. 3 Uhr z. legtenmal: Die Kinder des Kapitän Grant. Montag, 1. Mai: Erftes Gastspiel des Drig. Tegernseer Bauerntheaters. 8 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Schwant in 4 Aften. Strieße: Dir. Rich. Winkler. Vorher: Das glänzende Spezialitätenprogr. Freitag, den 28. April: Leyte EliteBorstellung. Rosa und Röschen. Schausp. in 4 Aften v. Ch. Birch- Pfeiffer. Schluß der Saison am Sonntag, den 30. April. An diesem Tage ber lieren fämtliche Ehren- und Vorzugsfarten ihre Gültigkeit. Schluß der Saison Sonnt., 30. Apr. ,, Ueber'n großen Teich. Sonntagnachm. 3 Uhr( halbe Preise) ,, Ueber'n großen Teich"." Lustspielhaus. Zum 150. Male: Der Familientag. Sommerpret.Bart. Jaut. 3,10 2. Anfang 8 Uhr. Täglich: Der Familientag. Prinzeßchen. Sonnabend nahmittag: Das böse Sonntag nachmittag: Der Mann Im Schatten. Gustay Behrens Spezialitäten Theater, Frankfurter. Allee 85. Das großartige April- Programm. Die mysteriösen da. Elefanten sind Anf.Sonntags 5Uhr, Wochentags 7Uhr. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Fritz Steidl- Sänger. Nach jeder Vorstellung im Kaisersaal: Tanz. Sanssouci. Rottbuser Tor- Stat. der Hochbahu. Heute Donnerstag: Hoffmanns Nordd. Sänger u. Tanzkränzchen. Sonnabend, 29. April: Letter Theater- Abend. Ein geadelter Kaufmann. Sonntag und Montag: Soiree und Tanz. Donnerstag, den 4. Mai: Lette Vorstellung und Abschieds- Benefiz. Reichshallen. Stettiner Sänger. Unsere süßen Dienstmädel. Burleste von Mehsel. Anf. Wochent. Sonntags 8 Uhr. 7 Uhr. Achtung! Maler! Adtung! Donnerstag, den 27. April, abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: Oeffentliche Versammlung Sozialdemokratischer Verein Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe im 5. Berliner Reichstags- Wahlkreise. Hermine Lahnt Freitag, den 28. April, abends 8½ Uhr, im Alten Schützenhause, Linienstr. 5: Vereins- Versammlung. Zages Ordnung: der Maler und Anftreicher Berlins u. Umgegend. verordneter Genosse Schubert. 2. Diskussion. 3. Vereins- und ParteiZages Ordnung: 1. Berichterstattung über den neuen Lohntarif. Referent: G. Genz. 2. Diskussion. Um Frrtümer zu vermeiden, erklären wir hiermit, daß diese Versammlung nicht von der Vereinigung der Maler einberufen ist, sondern von der in öffentlicher Versammlung der Berliner Malergehülfen gewählten Siebenerkommission. Die Siebenerkommission. 155/2 J. A.: Wilhelm Berndt, Borsigender, Naunynstraße 72. Zentral- Verband deutscher Maurer. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Freitag, den 28. April, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Großer Saal): 146/1 General- Versammlung. Tages Drdnung: 1. Stellungnahme zum 1. Mai. 2. Abrechnung vom 1. Quartal 1905. 3. Verschiedenes. Die Wichtigkeit der Tages Ordnung erfordert, daß alle Mitglieder zu der Versammlung erscheinen. Mitgliedsbuch legitimiert. Der Vorstand. 1. Die Bildungsstätten des Volkes in Preußen. Referent: Stadtangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Vorstand. Die Partei- Spedition des 5. Streises befindet sich Reibelstraße 42. Es ist Pflicht aller Genoffen unseres Kreises, den„ Borwärts" und sonstige Partei- Riteratur nur durch die eigene Bartei- Spedition zu bezichen und bitten wir beim Monatswechsel hiernach zu handeln. 245/ 9* Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Donnerstag, den 27. April, abends 8%, Uhr, im Lokale des Herrn Fiebig, Ackerstr. 6-7: Branchen- Versammlung der Modell- u. Fabriktischler sowie Modelldrechsler. Tages Ordnung: 2. Diskussion. 1. Bericht über den Stand unserer Bewegung. 84/4 Donnerstag, den 27. April, abends 8, Uhr, im„ Rosenthaler 11-12: Handlungsgehülfen Weißensees. Branchen- Versammlung der Stellmacher. Heute Donnerstag, den 27. April, abends 9 Uhr, im Berliner Hof, Antonplatz: Oeffentliche Versammlung. Es spricht Kollege Guttmann über das Thema: Vor der Entscheidung. Rachher: Diskussion. Es ist Pflicht eines jeden Handlungsgehülfen, in dieser Bersammlung zu erscheinen. 288/18 g Tages Ordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Die Lohnbewegung ber aftenmacher. 3. Stellungnahme zum 1. Mai. 4. Branchenangelegen heiten. 5. Verschiedenes. Achtung! Töpfer. geb. Wojkowski am Dienstag, den 25. April, vormittags um 4 Uhr, nach kurzen Leiden am Herzschlag verstorben ist. Die Beerdigung findet am Freitag, den 28. April, nachmittags 5 1hr, von der Leichenhalle des Heiligen Kreuz Kirchhofes in Mariendorf aus statt. 12686 B Der trauernde Gatte Gustav Lahnt, Verband der Hafenarbeiter und verw. Berufsgen. Deutschlands. Berlin II. Bretterträger und Brettschneider. Nachruf! Am 22. April cr. verstarb unser Mitglied Wilhelm Senz. Ehre seinem Andenken. Der Vorstand. Danksagung. Sage allen Verwandten, Freunden und Bekannten sowie den Genoffen des 6. Kreises, des 695. Wahlbezirks, den Kollegen, den Austrägerinnen der Speditionen der Oranienburger Vorstadt, Wedding, Gesundbrunnen und Rosenthaler Vorstadt für die reichen Stranzspenden und zahlreiche Be teiligung sowie dem Gesangverein " Nordwacht" für den erhebenden Ge Achtung! ang am Sarge und Grabe meines Freitag, den 28. April, abends 6, Uhr, in Kellers großem Saal, Koppenstr. 29: lieben unvergeßlichen Mannes meinen herzlichen Dank. Die trauernde Witwe Ida Stoltzenburg. Danksagung. Für die rege Beteiligung an der Zentralverband der Handlungsgehülfen und-Gehülfinnen Deutschlands. Oeffentliche Versammlung. Berigting mees ones Bureau: Berlin C., Neue Friedrichstr. 20. WING TEARTEN Rabatt- Sparverein„ Süd- Ost Cléo de Mérode und das glänzende Laut Beschluß der Delegiertenversammlung vom 15. März d. J. werden seit 1. April neue Marken ausgegeben. Die noch im Besitz der Mitglieder befindlichen alten Marken müssen bis spätestens den 15. Mai im Bureau Kottbuser fer 44a eingetragen werden. Die Eintragung erfolgt nur den ersten 5 Wochentagen von 9 bis umzutauschen. Zages Ordnung: 195/17 Regelung unserer Arbeitsverhältnisse zwischen Zentralverband und Verein der Töpfer. Die Wichtigkeit der Tagesordnung macht es jedem ehrlich denkenden Kollegen zur Pflicht, pünktlich zu erscheinen. Der Gesellenausschuß. J. A.: H. John. Achtung! Schmiede! Achtung! Sonntag, den 30. April 1905, nachmittags 3 Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 1): 4 115r. Kleine Dratten find borger in Stebemarlen amgutenigen Oeffentliche Versammlung Auf Wunsch wird die Eintragung auch durch unser Verkaufspersonal besorgt. Unsere Geschäfte sind: April- Programm. Kolonialwarengeschäfte: Victoria- Brauerei Lützowstr. 111-112. Heute 8 Uhr: Berlin SO.: Büdlerstraße 31, " " " " " 1 " Faldensteinstraße 6, Forsterstraße 4, Sorauerstraße 10, 0.: Münchebergerstr. 32, Johannisthal: bei Senftleben, Rigdorf: Hobrechtstraße 82, W Rosenstraße 4, Bietenstraße 31, Tanzkränzchen. Bri: Berberſtraße 33, Bäckereifilialen: 126/7 Berlin SO.: Admiralstraße 37, Gräfestraße 12, Reichenbergerstr. 158, Faltstraße 1, Steinmezstraße 129, Kirchhofstraße 2. " " Rigdorf: " " Milchgeschäft: Berlin SO.: Glogauerstraße 27. der in Fuhrgeschäften etc. beschäftigten Schmiede. Zages Drdnung: 1. Wollen wir uns der Lohnbewegung der Innungsgesellen anschließen oder nicht? Referent: Kollege W. Siering. 2. Diskussion. 176/8 Kollegen! Wir erwarten, daß in dieser Versammlung sämtliche Schmiede der Fuhrgeschäfte, Abfuhrgesellschaften, Eiswerke, Mörtelwerte, Omnibusgesellschaft usw. anwesend sind. Kollegen! Agitiert für einen guten Besuch der Versammlung und erscheint zahlreich; dann werden wir auch in diesen Betrieben menschenwürdige Verhältnisse schaffen können. Der Einberufer. Mit Gruß Otto Schramm sagen wir allen Verwandten, Bes fannten und Freunden, insbesondere der Firma Karl Heine unseren auf richtigsten Dank. Die tranernden Hinterbliebenen. August Schramm nebst Familie. Marie Schramm geb. Venner, 12736 und Kind. be grobe effemfine und die Für die Teilnahme zahlreichen Kranzspenden der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes und Bruders 29392 Paul Richter sagen wir allen Bekannten sowie dem Schwimmklub„ Germania" und dem Gesangverein" Norddeutsche Schleife" unseren tiefgefühlten herzlichsten Dant. Max Richter nebst Familie, Adalbertstraße 5. Danksagung! Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Bruders, sage ich allen Freunden und Kollegen, insbesondere den Mitgliedern der Hamburger Tischlertasse meinen herzlichsten Dant. Franz Ziems. Danksagung. Witglieder aufgenommen.eutscher Metallarhelter- Veranu.iden Berg telung und pie Montag u. Freitag: Ober- Schöneweide: Edisonstraße 4, Jn jeder Verkaufsstelle werden Nordd. Sänger. Baumschulenweg: BaumschulenStraße 36. ➡Lungen-, Herz-,+ Magen-, Nieren-, Blasenleiden behandelt nach fachwissenschaftlicher Erfahrung m. vorzügl. Erfolgen Das Eintrittsgeld beträgt 25 Pt. 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Derselbe muß besonders mit den sozialpolitischen Versicherungs. Der Zuzug nach den Teppichfabriken von Feibisch, Treptom, Köpnider und den übrigen in Betracht kommenden Gesetzen vertraut sein. Landftr. 28/29, Benjamin u. Co., Bewerber wollen ihre Zuschriften bis zum 10. Mai dieses Jahres an e Melchiorstr. 23, und Rud. Baader, Gewerkschaftskartell Dresden, Volks haus, Rikenbergstr. 2, richten; ein: Bethanien- Ufer 6, ist fernzuhalten, da Bewerbungsschrift über die Aufgaben eines Arbeiterfekretärs, Angaben über die dortigen Arbeiter und Arbeite die bisherige Tätigkeit und Gehaltsansprüche sind der Bewerbung bei rinnen sich im Streit befinden. zulegen. Die Streifleitung. 197/ 11* Nr. 98. 23. IahlMg. 2. Keilllge iles„lorniürtö" lerliner Polbliltttt?««««« ws. Kongreß der Fithographen, Zteindrucker vvd Kerufs- genoffeu. Heut hielten zunächst sowohl der Senefelder-Bund wie der Wer- band der Lithographen w. getrennte Sitzungen ab, in denen jede Organisation für sich zu den bisher gefaßten Beschlüssen Stellung nahm. Die Sitzung, an der die Delegierten des Senefelder- Bundes allein teilnahmen, nahm folgenden Antrag gegen 3 Stimmen an: »Die Generalversammlung des Deutschen Senefelder-Bundes akzeptiert ausdrücklich alle in den vorangegangenen Sitzungen, denen die Delegierten der 6. Generalversammlung des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und Berufsgenossen als beratende Gäste beiwohnten, gefaßten Beschlüsse. Insbesondere erklärt die Generalversammlung das dort angenommene Stawt, durch welches der Bund sich zu einer Organisation im Sinne des§ 162 der Gewerbe-Ordnung ausbaut und damit die Rechte seiner Mit- § lieber wesentlich erweitert, für das vom 1. Juli 1906 gültige itatut des Deutschen Senefelder-BundeS." Zwei der Delegierten, die gegen den Antrag gestimmt hatten, erklärten hierzu, sie erkennen an, daß alles geschehen sei, um den Bundesmitgliedern möglichst entgegenzukommen. Da jedoch das Entgegenkommen nicht soweit gehe, wie sie, die beiden Delegierten, erwarteten, müßten sie gegen den Antrag stimmen. Damit sei aber keine böse Absicht verbunden, auch solle damit keine grundsätzliche Gegnerschaft gegen die Verschmelzung ausgesprochen werden. Inzwischen war eine aus drei Personen bestehende Abordnung der gesonderten Versammlung des Verbandes erschienen, in deren Auftrag Sillier folgenden Antrag einreichte: »Die Generalversammlung des Verbandes der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe nimmt mit Befriedigung Kenntnis von den umgeänderten Stanitenbestimmungen deS Scne- felder-Bundes. Die Generalversammlung erkeimt an, daß mit diesem Statut der wirtschaftliche Kamps in vollem Maße ver- treten wird, wie auch die bisherigen Bundeseinrichtungen in noch stärkerem Maße gesichert erscheinen, so daß damit der Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe überflüssig ist. Die Generalversammlung stellt somit an die General- Versammlung des Deutschen Senefelder-Bundes den Antrag, den Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe bei Inkrafttreten des abgeänderten Senefelder Bund-StatuteS mit Aktiven und Passiven zu übernehmen." Aus den Reihen der Delegierten des Senefelder-BundeS ging »anstehender Antrag ein. der m namentlicher Abstimmung gegen drer Stimmen angenommen wurde: »Die Generalversammlung des deutschen Senefelder-BundeS beschließt, am 1. Juli 1906 den Verband der Lithographen, Steindrucker und verwandten Berufe mit sämtlichen Aktiven und Passiven aufzunehmen. Die in der Generalversammlung des Deutschen Senefelder- Bundes angenommenen Uebergangs- bestimmungen, die hiermit ausdrücklich akzeptiert werden, finden dabei Anwendung, ebenso§ 16 des jetzigen, bezw.§ 13o des vom 1. Juli ab gültigen Statuts. Das vom genannten Verband über- gebene Vermögen wird der Kasse I des Bundes, der Gewerkschasts- käste, überwiesen." Hierauf begann wieder die gemeinsame Tagung der beiderseitigen Delegierten. Die Versammlung setzte die Snstellungsbedingungen der Bundesbeamten fest und nahm folgende Gehaltsskala an: DaS«nfangsgehalt aller von der Generalversammlung fest Angestellten beträgt jährlich 2000 M. Dasselbe steigt für den Hauptvorsitzenden und dem Hauptkassierer jährlich um 76 M. bis zum Höchstbetrage von 2800 M. Der Kassierer erhält außerdem 300 Mark Mankogeld jährlich. DaS Gehalt deS Redakteurs und der weiteren Angestellten des Hauptvorstandes steigt bis 2600 Mark im Jahre. DaS Gehalt der in Gauen oder Mit« gliedschaften Angestellten steigt jährlich um 60 Mark bi« 2400 Mark. Alle Festangestellten werden bei der Unterstützungsvereinigung "* Angestellten"' jährlich 2 Wochen Ferien. Nachdem die GehaltSftage geregelt war, wurde einstimmig und ohne Debatte Berlin alS Sitz des Hauptvorstandes bestimmt.— Die•_-_ i Wahlen zum Hauptvorstand hatten folgendes Ergebnis: Hauptvorsitzender Sillier, Haupt- kassierer Brall(beide bekleideten seither die gleichen Aemter im Verband der Lithographen usw.s, Sekretär Lange- Frankfurt a. M. (bisher 2. Vorsitzender des Senefelder-Bundes). Die Genannten sind in geheimer Abstimmung nahezu einstimmig gewählt. Der bisherige Haupt- kassierer des Senefelder-Bundes, Dietrich- Frankfurt a. M., der wegen hohen Alters und persönlicher Verhältnisse nicht nach Berlin über- siedeln kann, wird mit jährlich 2000 M. pensioniert und erklärte, daß eS ihm ein Bedürfnis sei, auch ferner noch innerhalb der Frankfurter Mitgliedschaft für die Interessen des Bundes zu arbeiten. Als Sitz der Kontrollkommission wurde Dresden, als Sitz der Preßkommission Fran kfu rt a. M. bestimmt. Ob i er. der bisherige Redakteur der„Graphischen Presse", wurde wieder mit diesem Amt betraut. Die nächste Generalversammlung findet in Hannover statt. In der Nachmittagssitzung wurde der letzte Punkt der Tages- ordnung: Tarifbewegungen behandelt. Der Referent Obier besprach eingehend die Bewegungen, Ivelche in München, Leipzig und Nürnberg stattgefunden haben, und knüpfte daran taktische Erwägungen.— Dem Referat folgte eine rege Aussprache. Vereinzelt wurde die Anschauung vertreten, daß Tarifverträge, namentlich wenn sie auf längere Zeit abgeschlossen loerden. nicht dem Interesse der Arbeitnehmer dienen. Die vorherrschende Menumg war dagegen die, daß man zunächst versuchen müsse, lokale Tarife abzuschließen, auf deren Grundlage man dann zu einer Tarifgemeinschaft für ganz Deutschland kommen müsse. Weiter wurde betont, daß bei den Bewegungen das Ziel ins Auge gefaßt werden müsse: Achtstündige ArbeitSzett für Litho- graphen, neunstündige Arbeitszeit für Steindrucker, Aufbesserung der Löhne, Regelung des Lehrlingswesens. Im Anschluß an einen in der Debatte erörterten Einzelfall fand folgender Antrag Annahme: „In Rücksicht auf die Tarifbewegung in Nürnberg beschließt die Generalversammlung, die Nürnberger Kollegen, besonders die Lohnkommission zu ersuchen, an ihrer Bewegung festzuhalten und sie energisch durchzuführen." Zur allgemeinen Frage der Tarifbewegung wurde folgende Re- solution angenommen: „Die Generalversammlung beschließt: Es ist mit aller Kraft für Durchführung unserer tariflichen Forderungen zu wirken, und es ist überall da, wo die Verhältnisse für einen Tarifabschluß günstig liegen, für den Abschluß korporativer Arbeitsverträge energisch einzutreten. Im übrigen soll an allen Plätzen für Durch- führung unserer allgemeinen Forderungen in bezug auf Lohn- und Arbeitsverhältnisse gesorgt werden." Damit ist die Tagesordnung erledigt. Siebente Generalversammlung des Jentralverbaudes der deutschen Glasarbeiter. Jena, 24. April. Zweiter Verhandlungstag. Nach Eröfsirung der Sitzung wird in der Diskussion de» Vorstands- und Ausschußbcrichte fortgefahren. D i r s ch e l- Fürth krittsiert mehrfach das Verhalten de? Vorstandes bezüglich der Agitasion. Mit der Inszenierung des Berliner Streiks sei man in Fürth nicht einverstanden. Man hätte sich selber erst verständigen müssen mit Fürth, weil dort Berliner Arbeit ver- richtet werde. Redner tadelt auch, daß man sich im Zentralvorstand häufig nicht einig gewesen sei. Ferner kritisiert Redner daS Verhalten des Abgeordneten Horn, der im Reichstage nicht auf die Zustände der Glashütten in Bayern eingegangen sei. Zum Schluß empfiehlt Dirschel die Prüfung des Zusammenschlusses mit den Organisationen der Töpfer, Porzcllanarbeiter und Glaser. Groß- Oker erkennt im allgemeinen die Tätigkeit deS Vorstandes als den Verhältnissen entsprechend an, jedoch hätte können in mancher Beziehung in der Agitation mehr geschehen. Ein großer Teil der Schuld liege an den Mitgliedern, die ihren Verpflichtungen dem Verbände gegenüber nicht gerecht würden. Das Solidaritätsgefühl fehle vielfach. Die Pflege der Statistik sei sehr notwendig, weil sich darauf die ganze Agitation aufbauen müsse. Die weitere Diskussion des ganzen Vormittags bewegt sich_ in dem Fahrwasser, daß teilweise der Vorstand scharf kritisiert wird, andererseits wird sein Verhalten als korrekt bezeichnet. Aus alledem klingt heraus, daß es an Arbeitskräften fehlt und daß das Be- dürfnis nach einer größeren Agitatton vorhanden ist. Schließlich gelangte kurz vor Mittag ein Antrag auf Schluß der Debatte zur Annahme. Nachmittagssitzung. In der Nachmittagssitzung sucht G i r b i g in seinem Schlußwort in längeren Ausführungen die gegen den Vorstand erhobenen Vor- würfe zurückzuweisen, namentlich bezüglich des Berliner Streiks. Der Vorstand habe vollkommen korrekt gehandelt. In einzelnen Fällen, in denen Irrtümer vorgekommen, liege die Schuld an un- genügender Information oder unrichttger Darstellung des Sach- Verhalts durch die Zahlstellen. Dem Vorstande bezw. dem Kassierer wird sodann einstimmig Decharge erteilt. Zum Punkt 7 der Tagesordnung„SonntagSarbeit" referiert Wußmann- Weißwaster. Die Einführung der Sonntags- ruhe fei eine der brennendsten Fragen für die Glasarbeiterschaft. Die technische EntWickelung sei heute soweit vorgeschritten, daß das Unternehmertum ohne jeden Schaden die Sonntagsarbeit abschaffen könne. Es müsse daraus gedrungen werden, daß die Ausnahme- bestimmungen in der Gewerbe-Ordnung befeitigt würden. Lange Arbeitszeit bedinge nicht nur niedere Löhne, sondem erhalte auch die indifferenten Kollegen in der Unwissenheit. Mit Petttionen sei bei der Regierung und beim Unternehmertum nichts zu erreichen. deshalb empfehle sich eine andere Taktik als bisher. Es müsse durch Flugblätter und Broschüren auf die gesundheitsschädliche Be- schäftigung in den Glashütten hingewiesen und die unbedingte Sonntagsruhe gefordert werden; auch empfehle es sich, die An- eit in öffentlichen Volksversammlungen Zzu behandeln. er bringt eine demenffprechende„Resolutton" ein. Mehrere Redner find der Ansicht, daß man doch den Weg der Petitionen wieder beschreiten müsse. Schließlich liegen drei Reso- luttonen vor: die des Referenten, des Abgeordneten Horn und des Delegierten P e s ch e l- Deuben. Da eine Einigung nicht zu er- zielen ist, so wird eine dreigliedrige Redakttonskommission gewählt, welche nach Schluß der Sitzung die drei Resolutionen in einer möglichst für alle annehmbaren Fassung vereinigen soll. Weiter wird noch eine Kommission von fünf Personen beauf« tragt, alle vom Vorstande und den Zahlstellen vorliegenden Anträge, die finanzielle Aufwendungen erfordern, zu prüfen und der General zu unterbreiten. der Prüfung in besttmmten Vorschlägen Reinen Ärger, keine Anstren- gungen wie bisher, wenn Sie bei Ihrer Wäsche und für die Haushaltung Sunlight Seife verwenden. Mit ihr verliert der Wasch- und Reinmachetag seine Schrecken. Sie löst den Schmutz, ohne Gewebe und Aarben anzu- greifen. Das Rochen und das Brühen der Wäschestücke ist nicht notwendig und das mühevolle Reiben und Rneten wird erspart. Die Wirkung beruht nur auf Wissenschaft« licher Grundlage. Sunlight Seife wäscht eben Alles, was zu waschen ist. Kreuzstern IflIIGGT* Mau verlange ausdrücklich Würze mit dem Kreuzster». stellt sich billiger, wenn Kaufmann NZchgeftllll die Originaltläscbchen werden. Nr. 0 Nr. 1 Nr. 2 Nr. 3 Nr. 4 Originalfläschchcn: 36 Pf. 65 Pf. M. 1.10 M. 1.80 M. 3.20 nachgefüllt: 26„ 45„„ 0.70„ 1.40„ 2.76 Adjtung, Gewerkschaften! Geffentliche Mai- Versammlungen am Vormittag des 1. Mai. IF Sämtliche Verfammlungen finden mit Hülfsarbeitern und Frauen statt. Die Tagesordnung in sämtlichen Versammlungen lautet: Die Bedeutung des 1. Mai. Bekleidungs- Industrie. Gruppen, Versammlung bei Ulbrich( fr. Fiebig), Putzer. Kellers Festsäle, Roppenstraße 29, vormittags 10 Uhr. Gr. Frankfurterstr. 28, vorm. 10 Uhr. Referent: W. Rössel. Stidereibranche 8-9 Uhr Treff bei Engel, Seydelstr. 30. Textilarbeiter, Wäschebranche, Bosamentiere, Referent: Waldeck Manaffe. T Sutmacher, Färber, Stürschner, Delateure usw. gehen direkt in die Gruppen- Versammlung. Nachmittags Gips- und Zementbranche. Kliem, Safenhaide 13-15, ver Anschluß an die Partei. Referent: Albrecht Fülle. mittags 10 Uhr. Königstadt- Kasino, Sols Handels-, Transport- u. Verkehrs- Gewerbe. Beuthstr. 20, Großer Saal, mittags 12 Uhr. Hafenarbeiter( Bretterträger). marktstr. 72, vormitt. 10 Uhr. Gruppen- Versammlung, Cohns Festsäle, Referent: Karl Kaßler. Die Handlungsgehülfen und Gehülfinnen, Bureau- Angestellte, Kaufleute, Handelshülfsarbeiter, Geschäfts-, Arbeits- und Droschkenkutscher, Lagerhalter, Fensterputzer kommen im Bersammlungslokal zusammen. Referent: E. Girbig. Leitergerüstbauer, Sektion d. C.-V. d. H. u. T.- Arb. Englischer Garten, Alexanderftr. 27 c, Nahrungs- und Genußmittel- Gewerbe. Holzarbeiter. Einsezer Referent: A. Werner. vormittags 10 Uhr. Gruppen Versammlung: Neue Welt, Hasenheide 106-114, vormittags 10 Uhr. Referent: Alfred Bernstein. 3usammenkünfte der einzelnen Gewerbe: vormittags 9 Uhr bei Merkowski, Andreasstr. 26. in Friedrichsberg wohn. im Gewerkschaftshaus, Saal VIII. 8 " 8 Saal III. " " " " bei Vareins, Brüdenstr. 7. im Lokal Adalbertstr. 59. " " " Tischler gehen direkt nach der Neuen Welt. Böttcher Parkettbodenleger Kammacher Stodarbeiter Rorbmacher in Berlin wohnend Drechsler.. Bürstenmacher Berlmutterarbeiter Musikinstrumentenarbeiter. Jalousie- Arbeiter Stellmacher Bauanschläger Modell- und Fabrittischler Bilderrahmenmacher. bei Handke, Lichtenberg, Dorfstr. 13. Bersammeln sich in ihren Berkehrslokalen und gehen alsdann geschloffen in bie Gruppen- Versammlung. im Märkischen Hof, Admiralstr. 18c. Gewerkschaftshaus. " " " " " " " " 17 " 8 " " " 81/2 8/2 " bei Pfeffer, Rosenthalerstr. 57. im Gewerkschaftshaus. bei Stramm, Ritterstr. 123. " C. Thomas, Gartenstr. 90. Schuhwaren- Industrie. Gruppen- Versammlung im Schweizer- Garten ( Königstor), vormittags präzise 10 Uhr. Referent: Eugen Brückner. Nach der Versammlung findet ein Ausflug nach Stralau( Alte Taverne) statt. Bauarbeiter. ,, Brauerei Friedrichshain", vormittags 10 Uhr. Referent: Adolf Ritter. Gruppen- Bersammlung bei Boeker( früher Nieft), Weberstr. 17, vormittags 10 Uhr. Referent: Hugo Pötsch. Barbiere Konditoren 8usammenkunft der einzelnen Gewerbe: . vormittags 9 Uhr bei G. Pfeffer, Rosenthalerstr. 57. 9 " Arlt, Brunnenstr. 30. Musiker, Schlächter, Bäder, Brauer und Hülfsarbeiter, Gastwirtsgehülfen, Tabatarbeiter Müller, Gärtner gehen direkt in die Gruppen- Versammlung. Bock Brauerei Gruppen. Versammlung: Graphisches Gewerbe. Saal), am Tempelhofer Berg, vorm. 10 Uhr. ( fl. Referent: A. Massini. Alle dazu gehörigen Branchen: Buchdrucker, Buchdruckerei Hülfsarbeiter und Arbeiterinnen, Schriftgießer, Stereotypeure, Lithographen und Steindrucker, Xylographen, Formstecher und Tapetendruder kommen in der Gruppen Versammlung zusammen. Metallarbeiter. Gruppen Versammlung: Palast- Theater, Ede Burg und Wolfgangstraße, vormittags 10 Uhr. Referent: Reichstags- Abgeordneter Eduard Bernstein. Sämtliche Metallarbeiter und Kupferschmiede gehen direkt in die Gruppen- Bersammlung. Außerdem treffen sich: Schmiede vormittags 9 Uhr bei Hahn, Stralauerstr. 48. Rohrleger und Helfer vormittags 8, Uhr bei Hummel, Sophienstr. 5. Lederbearbeitung. Versammlung. Gruppen Versammlung im Lotal ,, Marienbad", Badstr. 36( Gesundbrunnen), vormittags 10 Uhr. Referent: Max Kiesel. Lohgerber, Beißgerber, Lederzurichter, Lederfärber, Handschuhmacher gehen direkt in die GruppenPortefeuiller. ,, Fürstenhof", Röpenickerstr. 137/138, vormittags 10 Uhr. Referent: Redakteur Paul John. Sattler. Zentral- Festsäle, Alte Jakobftr. 32, vormittags 10 Uhr. Referent: Otto Sillier. Buchbinder und Buchbinderei- Arbeiterinnen, Etui- und LedergalanterieArbeiter und Arbeiterinnen.„ Berliner Ressource", Kommandantenstr. 57, Steinarbeiter, Granit- u. Marmorarbeiter. tier wilhelmſtr. 15m, borm. 10 lb. Referent: Paul Litfin. Glasarbeiter, Glaser, Glasschleifer. vormittags 10 Uhr. Gewerkschaftshaus, Engel fer 15, Steinsetzer. Referent: Emil Kloth. Saal 5. J Dachdecker, Asphalteure und Pappdachdecker. Feind, Weinstraße 11, Referent: Ernst Brückner. vormittags 10 Uhr. Graveure und Ziseleure. Dresdener Garten, Dresdenerstr. 45, Referent: Gustav Bauer. vormittags 10 Uhr. Holzbearbeitungsmaschinen- Arbeiter. Kussins Festsäle, Andreasftr. 21, vormittags 10 Uhr. Referent: Mündner. Luisenstädt. Konzerthaus, Rammer. Festsale des Vereins Berl. Musiker, Referentin: Frau H. Kiesel. F. Wilke, Brunnenstr. 188, vormittags 10 Uhr. Referent: A. Wuschick. Bergstraße Nr. 12, vormittags 10 Uhr. Referent: Joseph Hartmann. Uhr. Stukkateure, Gipsgießer. Frankes Festsale, Sebaftianstr. 39, Referent: Max Grunwald. vormittags 10 Uhr. Schneider u. Schneiderinnen. Arminhallen, Kommandanten Referent: Johann Saffenbach. straße 20, vorm. 10 Uhr. Referent: Otto Wels. Referent: P. M. Grempe. Tapezierer. Wendt( Cohns) Festsäle, Beuthstr. 20, vormittags 10 Uhr. Holz-, Stein- und Gips- Bildhauer und Modelleure. Alte Satobite. 37, vorm. 10 lb. Töpfer. Gewerkschaftshaus( großer Saay), Engel- lifer Nr. 15, vormittags 10 Uhr. Möbelpolierer.„ Königsbank", Große Frankfurterstr. 117, vormittage 10 Uhr. Vergolder. Alhambra, Wallner Theaterstraße Nr. 15, vormittags 10 Uhr. Referent: G. Link. Referent: Fritz Tarnow. Referent: Max Schütte. Maler und Lackierer. Drüsels Festsale, Neue Friedrichstraße 35, Zimmerer( 2 Versammlungen). 1. Buggenhagen, am Morisplas, vorm. 10 Uhr. Referent: Dr. Silberstein. vormittags 10 Uhr. Referent: Hermann Silberschmidt. Referent: Reichstags- Abg. Wolfgang Heine. 2. Ballschmieders Festsäle, Badstraße 16, vormittags 10 Uhr. Referentin: Frau Dr. Lily Braun. Maurer.„ Berliner Bock- Brauerei", Tempelhofer Berg, vormittags 9% Uhr. Städtische Arbeiter. Dräsels Festsale, Neue Friedrichſtr. 35, abd3. 8 Uhr. Porzellanarbeiter und Schildermaler. Gewerkschaftshaus, Gaal 1 Engel- llfer 15, Sekt. V Straßenreiniger. Arminhallen, Sommandantenstrake 20, Referent: Fritz Zietsch. Referent: Stadtverordneter Voigt. Charlottenburg. 9 im vormittags 10 Uhr. Referenten: Georg Bernhard, Otto Flemming. Vormittags 10 Referent: Stadtv. Rokke. nachmittags 2 Uhr. bei Verfammlungen fämtlicher Gewerkschaften Adlershof u. Umgegend. Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Schöneberg, Berfammlung fämtlicher Gewerkschaften. Friedrichsberg- Lichtenberg.mmlung fämtlicher Gewerkschaften. Vormittags 9 1hr bei Ww. Schonert, Neu- Seeland: Stralau- Rummelsburg, Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Rixdorf. Referent: W. Ramsbrock. Vormittags 10 Uhr: Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Vormittags 10 Uhr Schloß Weißenfee: Weißensee. Versammlung sämtlicher Gewerkschaften. Referent: Stadtv. Fr. Kotzke. Vormittags 10 Uhr bei Gebr. Arnold, Referentin: Frau Dr. Weyl. Nieder- Barnim. Versammlungen der Gewerkschaften. Erkner, im total von Müller, Pankow, in Rydis Gefell. " Schützenhaus". schaftshaus. Vormittags 10 Uhr in: bet Bube, Friedrichsfelde, Prinzen- Alice 30. Oranienburg, vormittags 10 Uhr. Die Gewerkschaften resp. die Einberufer der Gruppen Versammlungen haben ihre Versammlungen selbst anzumelden. Bei den vorherigen Zusammenkünften bedarf es keiner Anmeldung. Gleichzeitig werden die Bureaus der Versammlungen beauftragt, über die Anzahl der Versammlungsbesucher dem GewerkschaftsBureau, Engel- Ufer 15, Gewerkschaftshaus, 2. Flureingang, schriftlich Kenntnis zu geben. Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verontw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärta Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 98. 22. Jahrgang. 3. Wqe Ks Joroirls" KM» MMM Donnerstag, 27. April 1905. Kaufmannsgerichtswahlen. Die amtlichen Formulare für die Wahllegitimation sind unentgeltlich außer beim Magistrat, P o st st r. 16, auch an folgenden Stellen zu haben: Bureau des Zentralverbandes der Handlungsgehiilfen und-Gehulfinnen Deutschlands, Neue Friedrichstr. 26 I: Bureau der Gewerkschaftskommission, Eugel- Ufer 15; Expedition des„Vorwärts", Lindenstr. 69: Jakob Wiebe, Gr. Frankfurterstr. 38. berliner I�aclmcbtm Wider die Pfaffenherrschaft. Von diesem im Verlage der Buchhandlung Vorwärts er ichienenen Werke liegt nunmehr auch der zweite Band komplett vor. Es ist unserem am 7. Februar 1961 verstorbenen Partei genossen Emil R o s e n o w nicht vergönnt gewesen, die Arbeit zu vollenden: mitten im Schaffen riß ihn der Tod hinweg Die Kapitel XVHI bis XXVII sind von Heinrich S t r ö b e verfaßt. Der zweite Band beginnt mit der Schilderung der schwäbisch-fränkischen Bauernrevolution im zweiten Viertel des sechzehnten Jahrhunderts, geht dann zur thüringisch-sächsischen Bauernbewegung über, um hierauf den Untergang des mittel alterlichen Kommunismus zu behandeln. Im siebzehnten Kapitel des Werkes, dem letzten von Rosenow, ist eingehend die Aus richtung des„neuen Zion" in der wesffälischen Stadt Münster dargestellt und eine plastische Charakteristik der merkwürdigen Gestalt des Johann von Lehden gegeben. Der Verfasser der weilt längere Zeit bei diesem kühnen Interpreten der christ lichsn Lehre und weist mit Energie die Verleumdungen zurück, die geflissentlich über die Persönlichkeit des„Propheten" als auch über die Agitation der Wiedertäufer im allgemeinen in Umlauf gesetzt sind. Eine Wiedergabe der Darstellung des Münsterschen Rektors Kessenbrock über die grausame Marterung und Hinrichtung Johanns und seiner Gefährten bildet den Schluß dieses Kapitels. Dann führt Ströbel uns im dritten Teil des Buches in die Zeiten der Gegen reformation und in die Lächerlichkeiten des Buchstabenglaubens hinein und gibt vom Wirken des Jesuitenordens ein anschauliches Bild. Die Greuel des Hexenwahns werden geschildert und in lichtvoller Darstellung, die u. a. das landläufige Bild von Wallenstein berichtigt, ziehen in den Kapiteln XVHl bis XXVI die Schrecken des 36jährigen Religionskrieges an uns vorüber. Das Schlußkapitel zeigt, wie nach dem großen Wahne die Geisteskultur wieder einsetzte, schildert den all mählichen Sieg der Wissenschaft über das Dogma und weist auf das sozialisttsche Proletariat als den Ucberwinder der Pfaffenherrschaft hin. Wohl selten hat in neuerer Zeit ein Buch mehr Anfeindungen erlebt als die„Kulturbilder". Der Bedenken in Freundes� kreisen haben wir bei Besprechung des ersten Bandes gedacht und erwähnt, daß der Vorwurf gegen Rosenows„Pfaffen Herrschast", daß es ein Tcndenzwerk sei, mit gutem Gewissen hingenommen werden könne. Wir stehen im Kampfe rings von Feinden umgeben, und haben, wo es nur angebracht ist, auch die Geschichtswissenschaft für uns zu verwerten. In Rosenows Buch lassen wir Tatsachen, Ergebnisse geschichtlicher Forschung, lassen wir hervorragende Zeitgenossen reden, und wenn das Mitgeteilte in der Gegen wart einen guten Resonanzboden findet, wie der ungeahnte Erfolg des Buches zeigt, so spricht dies für das Bedürfnis der Bevölkerung nach einer gesunden geistigen Kost, wie sie im ersten Bande der Kulturbilder gegeben ist. Daß die Dunkelmänner und namentlich die der katholischen Kirche das Buch heftig anfeinden, ist selbstverständlich und soll ihnen nicht übel genommen werden. Die Herren kämpfen eben für ihre Interessen. Welche Furcht vor dem Buche in Zentrumskreisen herrscht, zeigt die Tatsache, daß katholischerseits eigens eine Broschüre als Warnung vor der„vergiftenden Lektüre" herausgegeben wurde. Ihr Titel schon ist bezeichnend „Die roten Pfaffentöter oder Wozu die Sozial demokraten die Kirchengeschichte fälschen". Ein unbekannter Herr I. Offenbach, dem etwas vom Esprit seines musikalischen Namensvetters zu wünschen wäre, hat die Schrift„dem christ lichen Volke zur Warnung" in Dieburg erscheinen lassen. Wes Geistes Kind der Verfasser ist, zeigt die Stelle in der Broschüre, in der er die wohl oder übel von ihm zugegebene Ver derbnis der Kirche erklärt. Schuld daran ist— das Streben nach Bildung, nach heidnischer Bildung, das im Zeitalter des Humanismus die führenden Geister betörte. Er schreibt wörtlich: „Besonders die jüngeren Humanisten förderten die religiöse Gleichgültigkeit und Frivolität. Sie untergruben durch ihre in gefälliger, ja bezaubernder Sprache geschriebenen, aber durchaus schlüpfrigen Schriften Religion und Sittlichkeit. Weite Kreise der menschlichen Gesellschaft waren von heidnischer Bildung durchseucht. Alles schwärmte für altheidnische Kunst und Wissenschast. Auch der geistliche Stand wurde von dieser Verderb lichen Zeitströmung ergriffen. Ist es da zu verwundern, daß gerade in dieser Zeit namentlich ein Mann nach einem sehr an- stößigen Vorleben durch Bestechung den Weg zum Thron fand: Ein Kind dieser traurigen Zeit und das Opfer dieser heidnischen Bildung?" So urteilt mit kirchlicher Approbation ein Zentrums- mann über eine Zeit, in der ein Hutten jubelnd ausrief: Die Geister wachen auf; es ist eine Lust zu leben l Und dieser Zentrumsschüler hat den Mut, dem sozialdemokratischen Verfasser der„Kulturbilder" Förderung der Unkultur vor- zuwerfen. Wer eine aus der Angst vor Aufklärung zutage geförderte Agitationsschrift wie„Die roten Pfaffentöter" liest, erkennt so recht die Notwendigkeit von Büchern im Sinne des Rosenowschen. An unseren Parteigenossen liegt es, dafür zu sorgen, daß überall, wo noch die Finsternis herrscht, die„Kulturbilder" Eingang finden. Berlin Saut Tempel und streut Blumen. In der gestrigen Stöung der gemischten Deputation, die zur Vorberatung der von der Stadt Berlin aus Anlaß der Vermählungsfeierlichkeiten für den Einzug des Kronprinzenpaares zu treffenden Veranstaltungen ge- wählt worden ist, legte Stadtbaurat Ludwig H o f f m a n n die Ent- würfe zur Ausschmückung der Feststraße beim Einzüge der Prinzessin Cäcilie vor. Der Grundgedanke der Dekoration ist: Berlin streut der einziehenden Prinzessin Blumen. Der Hauptschmuck wurde für den Pariser Platz vorgesehen, wo der Oberbürgermeister mit' den städtischen Behörden die Prinzessin begrüßen wird. Zwischen den ersten Lindenbäumen wird ein leichter Triumphbogen errichtet, ein oberer Abschluß ist ein offener Tempel. Vor und in dem Tenrpel sollen in drei Reihen übereinander weißgekleidete Kinder mit rosa Rosenkränzen auf den Köpfen stehen und mit Rosenzweigen der Prinzessin entgegenwinken. Auch die Ehrenjungfrauen, die vor der Tribüne die Prinzessin erwarten, werden ebenfalls rosa Rosenkränze tragen. Die Berliner Stadtvertvaltung zeigt sich also wieder einmal der großen kommu- nalen Aufgaben gewachsen. Das Konzept seiner gewiß von Bürger- demut triefenden Begrüßungsrede hat der Herr Oberbürgermeister wohl der Deputation nicht vorgelegt. Sein Name bürgt nach seinen bisherigen Leistungen für die gediegenste Ausführung. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Bersammlung am Donnerstag, den 27. April, nachmittags 6 Uhr: Die Akten betreffend die Wahl des Bankiers und Handelsrichters Richard Dyhrenfurth, Alsenstraße 7, und des Kaufmanns Ernst Gohlicke, Friedrichstratze 63, zu Stadtverordneten.— Vorlage betreffend die Aufnahme des Dienstmädchens Gaenfch in die Wunderlich- Stiftung.— Vorschläge des Ausschusses für die Wahlen von un- besoldeten Gemeindebeamten.— Wahl von drei Stadtverordneten und drei Bürgerdeputierten für das Kuratorium der technischen Mittelschule sowie je eines Mitgliedes für die Hochbaudeputation und die Tiefbaudeputatton mittels Stimmzettel.— Die ausführlichen Projekte und Kostenanschläge für Bauten auf den Rieselgütern. — Die Neuregelung des Betriebes bei den städtischen Fluß-Bade- anstalten an der Schillingsbrücke, Mühlen- und Fruchfftraße,— den Verkauf des an der Berlinerstraße, Ecke Mühlenstraße in Pankow belegenen Grundstückes,— die Festsetzung der Fluchtlinien für eine Uferstraße längs des rechten Spreeufers von der Waisenbrücke bis zum Mühlendamm und den Abschluß von Verträgen mit dem Fiskus über Herstellung dieser Straße und Verkauf des Grundstückes Mühlen- straße 3,— den Erwerb der zur Freilegung der südlichen Seite der Seestraße auf der Strecke von Müller- bis Malplaquetstraße erforder- lichen Grundflächen,— die Veräußerung eines Trennstückes des Grundstückes Brombergerstt. lt/Rüdersdorferstr. 70— und die Be- willigung eines Zuschusses zu den Kosten der von dem geschäfts- führenden Ausschusse für die Schiller-Feier in Berlin in Aussicht genommenen Festlichkeiten. In der gestrigen Sitzung der städtischen Hochbaudeputation unter dem Vorsitz des Stadtrats N a m s l a u tvurden die Entwürfe und Kostenanschläge in Höhe von 117 066 M. für die Erweiterung der Rinderställe auf dem städt. Schlachthofe, sowie die für einen Neubau einer Turnhalle auf dem Grundstück der 31. Gemeindeschule, Alt- Moabit 23, der auf 28 500 M. veranschlagt ist, und für eine Er- Weiterungsanlage zum Zweck der Kühlung der im Kücheugebäude des Rudolf Virchow-Krankenhauses liegenden Kellerräume in Höhe von 11 600 M. genehmigt. Pastorenstreik. Aus der Zionsgemeinde wird folgender Vorfall gemeldet: In der Zionsgemeinde sind im Mai 1901 von den Gemeindekörperschasten einstimmig, also auch mit Zustimmung der Geistlichen— unter denen sich auch der Superintendent der Diözese befindet— zwei liberale Prediger gewählt worden. Diese beiden Herren hatten ihren Namen mit unter die zugunsten des ge matzregelten Predigers v. Fischer von St. Marcus erlassene Er klärung gesetzt. Das Elisabeth- Siechenhaus in der Eberswalder straße wurde, da ein eigener Geistlicher dafür nicht angestellt ist, bisher durch einen Prediger der Zionsgemeinde unentgeltlich und ehrenamtlich mit geistlicher Arbeit versorgt. Im Falle der Hinderung dieses Herrn durch Amt oder Krankheit hatte derselbe die anderen Geistlichen aus Zion, in letzter Zeit auch die beiden neugewählten Herren gebeten. die geistlichen Funktionen an dem Elisabeth-Siechenhause für ihn auszuüben. Vor einigen Wochen nun ist dem ersterwähnten Geistlichen von feiten des Kuratoriums des Elisabeth-Siechenhauses, unterzeichnet F. v. Ranke, Pfarrer der Elisabeth- Gemeinde, die schriftliche Aufforderung zu gegangen, den beiden liberalen Herren von Zion die Kanzel des Elrsabeth- Siechenhauses nicht mehr zur Verfügung zu stellen. Der Adressat hat darauf dem Kuratorium mitgeteilt, daß, wenn den Herren Amtsbrüdern, die berufen sind, an der großen Zionsgemeinde das Predigeramt auszuüben, die Kanzel des Elisabeth-Siechenhauses verboten wird, er dies als einen Schimpf und als eine Beleidigung sowohl seiner Amtsbrüder als der Gemeinde-Körperschaften von Zion ansehen und auch seinerseits seine Tätigkeit im Dienste des Elisabeth Siechenhauses einstellen miisse. Es wird interessant sein zu erfahren, welche Stellung das Konsistorium zu dieser Frage einnehmen wird. Der Beschluß der lokalorganisierten Maurer, wonach die Teil nehmer an der Dombaufeier auf ein Jahr von der Mitglied� schaft ausgeschlossen sein sollen, wird natürlich von der bürger- lichen Presse wiedergegeben. Während die meisten Zeitungen sich in dieser Angelegenheit mit kurzen gehaltlosen Bemängelungsphrasen begnügen, glaubt ein Blatt, das am e h e st e n Ursache hätte, hübsch stillzuschweigen, der Angelegenheit einen Leitartikel widmen zu müssen. Die katholische„Märkische Volkszeitung" nämlich. Bei deni Organ einer Religionsrichtung, in der Intoleranz oberstes Dogma ist, und die mit einem Angehörigen, der sich für eine politisch, wisien- schaftlich oder religiös radikale Anschauung erklären würde, gewiß nicht viel Federlesens machte, ist dies allerdings ein starkes Stück. Wir begnügen uns dumit, einfach die Komik dieses Widerspruchs zu konstatieren, erstens weil das Geschrei des Zentrumsblattes an sich ohne Belang ist und zweitens weil es die Sünde seiner Heuchelei in einem Punkte selbst durch eine sattsam radikale Anschauung wieder gut zu machen sucht. Bei Erörterung der in der Maurerversammlung kundgegebenen Ansicht, daß solchen Leuten wie den Festteilnehmern auch zuzutrauen sei, daß ie bei gegebener Gelegenheit auf ihre Arbeitsbrüder, auf ater und Mutter schössen, schreibt das Blatt wörtlich: „Natürlich, wer nicht strikte so denkt, wie die Schreier zu denken wenigstens vorgeben, dem ist Dieb st ahl, Raub und Mord, kurz jede S ch l e ch ti g k e i t zuzutrauen." Wir haben es bei verschiedenen Gelegenheiten nicht an einer deutlichen Charakterisierung des Schießens auf Vater und Mutter ehlen lassen. Daß etil Zentrumsblatt diese Handlung anscheinend vorbehaltlos mit Diebstahl, Raub und Mord, kurz mit jeder Schlechtigkeit auf eine Stufe stellt, konstatteren wir neidlos und mit Genugtuung als ein fteimütiges Bekenntnis. Manche Sünde 'oll der„Märk. Volksztg." darob verziehen werden. Die Rigaerstraße beabsichtigt der Wkagistrat freizulegen. Die Verhandlungen mit den Eiaenttimern sind bis auf die mit der Firma Lange u. Gutzeit von Erfolg gewesen. Diese Firma verlangt aber einen Preis, der noch durch andere Bedingungen, Erlaß aller Anliegerbeiträge, wesentlich" erhöbt wurde. Diesen Forderungen gegenüber hat der Magistrat die Enteignung der erforderlichen Flächen beschlossen und ersucht nun die Stadtverordneten-Versamm- lung um ihre Zustimmung. Durch diese Enteignung wird die Frei- legung der Rigaerstraße wieder verzögert. Niedriger hängen. Ein Leitartikel der„ P o st" über die Aus- perrung der rheinischen Brauer beginnt: „Seit der Brauereidirektor R o e s i ck e, der später durch seinen Dauermarsch hinter der Leiche deS Sozenhäuptlings Liebknecht eine gewisse traurige Berühmtheit erlangt hat, in Berlin mit den ausständigen Arbeitern den faulen Frieden chloß-c." Dreckseele bleibt Dreckseele I Die gerichtliche Vernehmung der Witwe Krause, die gestern nach- mittag im Krankenhause am Urban stattfand, hat im wesentlichen nichts Neues zutage gefördert. Die Frau bestätigt im allgemeinen ihre früher gemachten Aussagen auch unter ihrem Eide. Einige Be- nchtigungen ihrer ersten Bekundung hatte sie schon vorher gemacht. Daß früher angegeben wurde, der vermißte und noch immer nicht gefundene Hund habe keine Marke, hat seinen besonderen Grund. Die Dogge war als Wachhund steuerfrei, durste dafür aber auch nicht auf der Straße herumlaufen, sondern mußte an der Leine geführt werden. Um darum herumzukommen, hatte man ihm eine alte Marke angehängt. Den Verdacht der Täterschaft lenkt Frau Krause jetzt auf Einbrecher, die sie öfter heimsuchten, zuletzt vor einem Jahre. Damals erbeuteten sie einige Uhren und Goldwaren. Das Befinden der Überfallenen Frau bessert sich immer weiter. Sie glaubte gestern schon das Krankenhaus verlassen zu können. Der in Treptow ge- sehene Hundekadaver wurde gestern am Engel-Ufer gelandet. Es ist nicht der der deutschen Dogge der Frau Krause, sondern hat viel länger im Wasser gelegen, als diese vermißt wird. Bei einem Fahrstuhlunfall kam in der Handelsstätte Belle- Alliance der Fahrstuhlführer Robert Kaiser schwer zu Schaden. Beim Reinigen der Seile erlitt er an der Hand eme schlimme Quetschung, sodatz er nach der Unfallstation in der Wilhelmstraße gebracht werden mutzte. Zwei internationale Taschendiebe wurden gestern auf dem Bahnhof Alexanderplatz festgenommen. Der eine nennt sich Kuropatiwa, der andere Kuscher. Dieser wurde vor einigen Tagen schon einmal ein- gesperrt unter dem dringenden Verdacht, in der Friedrichstraße einer Dame das Portemonnaie und eine Stadtbahnkarte aus dem Pompadour gestohlen zu haben. Er beteuerte seine Unschuld und da die Bestohlene nicht ermittelt wurde, so ließ der Untersuchung"- richter ihn wieder laufen. Gestern sah ein Beamter, daß er auf den: Bahnhof Alexanderplatz gemeinsam mit Kuropattwa arbeitete, und nahm beide fest. Die Ausrede, daß er soeben erst in Berlin eingetroffen und harmlos durch die Straßen gegangen sei, konnte er jetzt nicht mehr gebrauchen. Dafür behauptet er nun, er habe sich nach seiner Entlassung noch in Berlin aufgehalten, um für die gemeinsame Heimreise einen Freund zu suchen. Der>Raubanfall auf den Geldbriefträger Ulm. über den vor einiger Zeit aus der Franseckistraße berichtet wurde, ist jetzt voll« ständig aufgeklärt. Ulm wurde damals, wie wir mitteilten, auf seinem Bestellgange aus dem Hinterhalt überfallen und mit einer Feile leicht verletzt. Er verlor kein Geld und konnte seinen Dienst gleich nach der Vernehmung fortsetzen. Der Täter entfloh auf die Hülferufe des Ueberfallenen, wurde aber verfolgt und auf dem Boden eines Hauses in der Nachbarschaft ergriffen, nachdem er die Feile weggeworfen hatte. Er wurde festgestellt als ein Bäcker Karl Piper, leugnete aber hartnäckig und behauptete, er habe auf dem Boden, wo man ihn faßte, nur übernachtet. Jetzt hat er endlich vor dem Untersuchungsrichter ein Geständnis abgelegt. Er hatte Ulm drei Tage lang beobachtet, um seine Bestellgänge kennen zu lernen um» einen Hinterhalt auszukundschaften, und die Feile für den Ueberfall eigens mitgenommen. Kaninchenfleisch. Der Zentralverband deutscher Kaninchenzüchter hatte im Etablissement Buggenhagen in den Tagen vom 21. bis 25. April eine Kaniucheuausstellung veranstaltet. Die gut beschickte Aus« stellung wies zahlreichen Besuch auf. Wer zu Hause einige Kaninchen hält, der ließ sich das Vergnügen nicht nehmen als „Kaninchenzüchter" und Interessent, von noch mehr interessierten Kindern begleitet, die Kauinchenausstcllung aufzusuchen. Alle Arten und Abarten von Kaninchen wurden bewundert. Der Bund der Kaninchenzüchter beabsichtigt eine Verkaufsstelle für Kaninchenfleisch zu errichten. Bisher wird Kaninchenfleisch wohl ausschließlich von der ärmeren Bevölkerung gegessen, die den Genuß von Rinder- und Schlveinefleisch nur selten erschwingen kann. Der billigere Preis dürfte wohl der einzige Vorzug des Kaninchenfleisches sein. Die beteiligten Kaninchenzüchter beabsichtigen nun den Verkaufspreis für das Pfund Kaninchenfleisch auf 50 Pf. festzusetzen. Ob dieser nicht unerhebliche Preis einen erhöhten Kaninchenfleischkonsum herbei- führen wird, dürfte wohl sehr zweifelhaft sein. Ein dritter Fall von Genickstarre, der jetzt im Krankenhause am Friedrichshain festgestellt ist. bietet dadurch besonderes Interesse, daß das Wesen der Krankheit erst zehn Tage nach ihrem Ein- tritt mit Sicherheit von den Aerzten erkannt wurde. Es handelt sich um die 18jährige Tochter Hedwig des Gerichtskanzlisten Bunde aus der Schliemannsttaße. 3, die als Kindermädchen bei einer Familie Z. in der Lothringerstraße 38 bedienstet war. Am Palm- sonntage besuchte das junge Mädchen seine Eltern. Da es gegen Abend über Frost klagte und sich bei ihm auch Erbrechen einstellte. so verblieb es einstweilen bei den Eltern. Obgleich der Krankheits- zustand nicht besorgniserregend war, wurde am nächsten Tage doch ein Arzt zugezogen, der die Diagnose auf Magen- und Darmkatarrh stellte. Eine Besserung in dem Befinden der Kranken trat nicht ein und so wurde sie am Mittwoch vor Ostern nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Die Eltern, die dann täglich im Kranken- Hause Erkundigungen nach dem Befinden ihrer Tochter einzogen, er- hielten immer wieder den Bescheid, daß es sich um eine Gehirnhaut- entzündung handele. Erst vorgestern(Dienstag), also zehn Tage nach Beginn der Krankheit, wurde den Eltern die Mitteilung ge« macht, daß die Tochter an Genick st arre leide. Gleichzeitig wurde angeordnet, daß nicht nur ihre eigene Wohnung, sondern auch die« jenige, in der das Mädchen bisher bedienstet war, sofort zu des- infizieren sei. Dieses ist mittlerweile auch erfolgt. Das Befinden der Patientin, die nach einer Isolierbaracke deS Krankenhauses geschafft wurde, ist befriedigend, so daß die Aerzte auf einen günstigen Verlauf der Krankheit rechnen. Auch aus Neu-Ruppin wird jetzt ein Fall von Genickstarre gemeldet. Dort erkrankte an, Sonnabend das zweijährige Kind eines Arbeiters und verstarb vorgestern unter verdächtigen Er- scheinungen an den Folgen einer Gehirnhautentzündung. Die Be- Hörden trafen sofort Maßnahmen, um eine weitere Ausdehnung der Seuche zu verhindern. Der Genickstarrefall in Dallgow, Kreis Neu- Ruppin, ist vereinzelt geblieben.— Um eine Weiterverbreitung der epidemischen Genickstarre zu verhindern, haben die Militärbehörden verfügt, daß bei den jetzt stattfindenden Konttollversammlungen die zur Kontrolle Verpflichteten aus den feucheverdächttgen Orten sich nicht zu stellen haben. So sind auch die Kontrollverpflichteten aus Dallgow, die sich heute, Donnerstag, zu stellen hatten, abbeordert worden. Vergeßlichkeit. Recht unangenehm ist dem Arbetter Hermann Victor Fouquet aus der Halleschenstr. 18 seine Vergeßlichkeit ge- worden. Er geht abends mit einem Phonographen in Gastwirt- schasten und verdient sich damit einige Groschen. In der Nacht zum 16. Slpril gab er dem Wirt eines Lokales in Südosten den Apparat in Verwahrung, doch kann sich Fouquet weder auf den Namen des Wirtes, noch auf die Straße, in der das Lokal gelegen ist, be« innen. Vielleicht verhelfen diese Zeilen dem Manne wieder zu einem Eigentum. Unter den Rädern deS Autos. Der neun Jahre alte Sohn Georg des Arbeiters Stein aus der Köpenickerstraße 160 spielte am zweiten Feiertage, nachmittags um 6 Uhr, mit dem sechsjährigen Knaben Erich Stumpf aus demselben Hause auf der Straße Kriegen", als vom Schlesischen Tore her ein Automobil mit vier Insassen herangerast kam. Der Knabe kehrte dem Fahrzeuge den Rücken und wurde von ihm umgestoßen und über den Kopf gefahren. Schwerverletzt wurde er nach dem Krankenhause Bethanien gebracht, Ivo er bald nach der Aufnahme starb. DaS Publikum, das in großer Menge nach Treptow hinaus spazieren ging, wollte den Chauffeur Willy Vambernitz, den Sohn einer Witwe aus der Gneisenaustratze 84, und die Insassen durchprügeln und wurde nur durch das Einschreiten der Polizei davon abgehalten. Ein Schutz- mann brachte Bambernitz und die anderen nach der Wache deS 53. Reviers in der Wrangelstraße. In selbstmörderischer Absicht stürzte sich gestern abend gegen 9% Uhr der Leutnant a. D. v. Gracht aus einem Fenster d«S zweiten Stockes in der Schützenstratze 27. Nach Anlegung eines Notverbandes durch einen sofort herbeigerufenen Arzt wurde der Schwerverletzte von zwei Schutzleuten nach der Unfallstation gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Das Verfahren wegen Gattenmordes gegen den Arzt Dr. Brauns stein, der jüngst wegen Urkundenfälschung zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, ist, wie die Münchener Neuesten Nachrichten“ melden, eingestellt worden. g Sum Lichtenberger Morbe. Wir teilten gestern mit, daß die, mit einer Mitgift von angeblich 200 000 Aronen bis zu einer million yer stattet." Die Ultramontanen haben im gefegneten Bonnegau Untersuchung sich auch gegen den jungen Weber richtet, der, wie auftrat und alte wie junge wohlhabende Leute an sich zog. Einmal am Rhein mit ihren schwarzen Gendarmen entschieden Bech. Erst von einigen Frauen behauptet werden soll, mit der Ermordeten in mit diesen Personen bekannt geworden, trat sie bald in einen in- verstrict sich der Fuß des streitbaren Wormser Propstes Malzi freundschaftlichem Verhältnisse gestanden habe, sogar der Vater von timen Verkehr und erpreßte dann erhebliche Summen von ihren in den Nehen des Teufels Bitru, und nun treibt der ultramontane dem einen hinterlassenen Kinde der Ermordeten sei und an einem Opfern. Ihr Mann will von diesem Treiben keine Ahnung gehabt Agitator Wieland in Gundheim bei Worms allerhand Allotria. Abend mit einem Beile vor der Konradschen Stube erschienen haben. Dem steht jedoch die Tatsache entgegen, daß er sich an der sei mit der Drohung, die Stubentür einzuschlagen, wenn die sonrad Flucht der Angeklagten, die im Oftober vorigen Jahres im Anschluß Ein Brudermord ist in Lunden im Holsteinischen verübt worden. nicht öffne. Herr Weber teilt uns mit, daß diese Angaben an einen geradezu grauenhaften Mord erfolgte, beteiligt hat. Am Auf dem Hofe des Landwirtes Hans Karstens lebten seine Söhne durchaus haltlos sind. Die Untersuchung richte sich nicht gegen ihn. Tage nach dem Verschwinden des Ehepaares fand man nämlich in Maas und Stephan Karstens nebst einer taubstummen Schwester. Er habe keinen Verkehr mit der Konrad gehabt, er sei auch nicht der dessen Behausung in der Magdalenenstraße in Wien unter einer Maas Karstens sollte den Hof haben, während die Geschwister je Bater eines der Kinder der ermordeten Konrad und habe niemals Ottomane verborgen die gräßlich zugerichtete Leiche des Wiener 20 000 M. erbten. In früher Morgenstunde erschien Stephan in mit einem Beile an der Tür der Konrad gestanden. Armenvorstehers und Hausbesizers Sitora, der sich ebenfalls mit großer Aufregung bei dem Gemeindevorsteher, einem der nächsten Kindesmord. Gestern nachmittag wurde auf dem Tempel. der Angeklagten auf ein Inserat hin in einen intimen Verkehr ein- Nachbarn, und teilte ihm mit, daß sein Bruder ermordet sei. Die hofer Felde die Leiche eines mehrere Tage alten Knaben ent- gelaffen hatte und bei dieser Gelegenheit in wahrhaft bestialischer sofort vorgenommene Besichtigung bestätigte diese Angaben: Maas deckt, welche in ein Stück fariertes Betttuch gewidelt, bortselbst im Weise hingeschlachtet worden war. Die zerstückelte Beiche hatte das Karstens hatte eine tiefe Wunde an der linken Schläfe, das Blut Sande verscharrt worden war. Nach dem ersten Befunde zu urteilen, entmenschte Weib in einen Sad eingenäht und darauf noch die hatte die Wände, den Boden. Bett und Tisch besprizt! Auch Brandscheint das Kind, ein Knabe, gelebt zu haben. Die Leiche wurde Frechheit beseffen, fich tiefverschleiert in die Wohnung des Ermordeten spuren zeigten sich im Zimmer; das Bett und das Hemd des Er nach der Halle des Schöneberger Friedhofes in der Marstraße über zu begeben und dort Wertpapiere und bares Geld im Gesamtwerte mordeten waren angeſengt. Von dem Mordinstrument fand sich feine Spur. geführt. bon etwa 8000 Kronen zu entwenden. Wenige Tage später war Die erste gerichtliche Aufnahme hatte das Resultat, man dem verbrecherischen Ehepaar, das sich nach Paris gewandt daß Stephan Karstens wegen Verdachts des Brudermordes verhaftet Großfeuer tam am Mittwoch nachmittag nach 3 Uhr in der hatte, auf der Spur, doch gelang es der raffinierten Frau, fich dort und dem Gefängnis in Lunden zugeführt wurde. Petersburgerstr. 56 an der Landsberger Allee auf noch nicht ermittelte noch eine Zeitlang in einer dürftigen Dachwohnung den NachWeise zum Ausbruch. Als das Feuer bemerkt wurde, stand der spürungen der Pariser Polizei zu entziehen, bis schließlich am Dachstuhl des vierstödigen Gebäudes schon in großer Ausdehnung Mittag des 17. Oktober vorigen Jahres ihre und ihres Mannes in Flammen. Diese hatten an dem Inhalt der Bodenverschläge Verhaftung erfolgte. Vor dem Chef der Pariser Kriminalpolizei, reiche Nahrung gefunden. Als die ersten Löschzüge an der sehr ent- Hamard, legte sie alsbald das Geständnis ab, daß sie Sikora in Die Genicstarre. In Schwientochlowig, Bobre? und fernten Brandstelle antamen, war der Brand längst über seinen Herd ihre Wohnung gelockt, ihn dort während des Schlafes mit einer anderen oberschlesischen Ortschaften sind neue Erkrankungen und hinaus, die Treppen schon vollständig verqualmt und die Gefahr Sade erschlagen und dann den Körper, um ihn in dem Sade unter Todesfälle an Genidstarre vorgekommen. Aus Brieg wird gefür die unteren Geschosse und angrenzenden Gebäude sehr groß. bringen zu können, zerstüdelt habe. Sie habe zugleich aus Liebe meldet, daß dort drei Kinder an Genickstarre gestorben find. Vier Ueber zwei große 24 Meter ausgezogene mechanische Leitern, die und aus Haz" gehandelt. Bezeichnend für den Charakter der Frau an Genicstarre erkrankte Personen befinden sich noch im städtischen hier vorzügliche Dienste leisteten, wurde mit mehreren Schlauch ist es, daß fie fich für die Hauptverhandlung eine schwarzseidene Krankenhause. In Breslau sind fünf Fälle von Genicstarre leitungen vorgegangen. Nachdem der Qualm etwas abgezogen war, Robe hat anfertigen lassen und daß es während ihrer Haft ihre polizeilich gemeldet worden. Zwei Fälle nahmen einen tödlichen Berwurden auch über die Treppen mehrere Schlauchleitungen mit Erfolg einzige Sorge war, was mit ihren verschiedenen Kleidern nach ihrer lauf. In alle a. S. starb in ber medizinischen Klinik der zwölfbenutzt. Den vereinten Anstrengungen gelang es schließlich, das Hinrichtung geschehen werde. jährige Sohn des Gutsschäfers aus dem nahen Dorf Schottereh an berherende Element auf den Dachstuhl, der total ausgebrannt ist, zu Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. Genicstarre.In Rosenheim ist, wie aus München telegraphiert beschränken. Gegen 6 Uhr konnte ein Teil der erschöpften Mann schaften nach den Wachen zurückkehren. In dem Kellerwechsel- Prozeß wurde gestern das Urteil geber am Montag noch frisch und gesund schien, wurde plötzlich wird, die Genidstarre aufgetreten. Der Fabrikschlosser Hafenknopf, fällt. Staatsanwalt Reiner ergriff zur Schuldfrage das Wort Feuerbericht. Mittwoch vormittag wurde ein größeres Lösch- und schilderte in längerer Ausführung die Schäben, welche für die bon einer schweren Erkrankung befallen, die Aerzte konstatierten aufgebot der Feuerwehr nach dem Schiffbauerdamm 21 gerufen, weil Staufmannswelt durch die gewerbsmäßige Herstellung bezw. Ber- Genicstarre. dort in einem Keller der Elektromotor Gesellschaft m. 6. S. durch breitung solcher Stellerwechsel bezw. Gefälligkeitswechsel entstehen Der Herr Marine- Fähnrich. In Kiel erregte am Grünen die Explosion eines Benzinbehälters Feuer ausgekommen war. Der müffen. Zu den Aniffen, die die auf diesem Gebiete arbeitenden Donnerstag ein junger Marine Fähnrich durch sein keineswegs Schlosser E. Matthes aus der Stargarderstr. 61, der in dem kritischen Agenten anwenden, gehöre auch der, baß fie pro forma noch aus. folbatisches Auftreten Aufsehen. Auf dem Hinterteil einer elektriſchen Moment in der Nähe des Behälters stand, wurde von einer Stich funft über die Akzeptanten einzuholen pflegen. Das könne fie aber Straßenbahn begrüßte er mit einem vertraulichen„ Morjen" einen flamme erfaßt und trug, schmerzhafte Brandwunden im Gesicht und nicht schüßen, denn es gebe so mancherlei Winkel- Auskunftsbureaus, Infanterie- Offizier. Als dieser ihn nach seinem Schiff und seinem an einem Arm davon, die ihm in der Charité verbunden wurden. von denen die Agenten unschwer die Auskünfte erhalten, die sie haben Urlaub fragte, erwiderte der Fähnrich:" Von Bord aus Curhaven"; Das Feuer selbst konnte leicht unterdrückt werden. gab es dann bei einem zweiten Kellerbrande zu tun, der in der kreditunfähige Personen gewesen, und die Beweisaufnahme habe er. Haltestelle ließ ihn der Offizier von einem Schumann verhaften. Längere Zeit wollen. Die Atzeptanten der Wechsel seien völlig aahlungs- und den Namen feines Schiffes hatte er vergessen! An der nächsten Butbuferstr. 11 austam. Bei Ankunft des dritten Löschzuges stand der Keller bereits in größerer Ausdehnung in Flammen. Allerlei geben, daß sechs taufmännische Firmen durch die in Rede stehenden Jetzt gestand der Fähnrich, daß er ein durchgebrannter Wechsel geschädigt worden sind. Der Staatsanwalt hielt bei aufmannslehrling aus Berlin sei und daß er sich die alter Hausrat, Verpackungsmaterial 2c. brannte unter starker Rauch- Stephan brei selbständige Handlungen für vorliegend und be- uniform für 90 m. bei einem Althändler gekauft habe. Auf drahtentwickelung. Es mußte fräftig Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. In der Bellermannstr. 78 mußte vorher antragte gegen ihn sechs Monate, gegen Böhme wegen vier liche Anfrage nach Berlin bestätigten sich seine Angaben. Vom heiligen Bureaukratius. Der Geheime Medizinalrat Proein Schornsteinbrand beobachtet werden, während in der Neuen selbständiger Handlungen ein Jahr drei Monate, gegen Königftr. 65/66 in einer Schlächterei Feuer entstanden war. Die Göbel wegen zwei selbständiger Handlungen sechs Monate, feffor Dr. Albert Hoffa, Direktor der Universitätspoliklinik für orthoübrigen Alarmierungen, die noch in den legten 24 Stunden ein- gegen Boller wegen einer fortgefeßten Handlung sechs Mopädische Chirurgie zu Berlin, hatte sein Automobil in München als nate Gefängnis. Den der des Beihülfe und Be Frachtgut nach Ochsenfurt aufgegeben. Hier fand nun ein BahnTiefen, waren auf ganz geringfügige Anlässe zurückzuführen. truges Angeklagten Leiser hielt der Staatsanwalt für den bediensteter, daß im Behälter des Wagens sich noch etwa 15 Rilo strafwürdigsten. Während den übrigen Angeklagten der Strid am Benzin befanden. Da die Berfrachtung von Benzin dem Tarif Eine kleine nette Ausstellung hatte die Fortbildungsschule für Halse gehangen und sie noch einen rettenden Strohhalm ergriffen für feuergefährliche Gegenstände unterliegt, so witterte er Gebührendie weibliche Jugend in der Aula der 5. Gemeindeschule, Alte Jakob- haben, habe der Angeklagte Beiser aus der Kellerwechsel- Fabrikation hinterziehung, die mit dem zwölffachen Betrage der Fracht bestraft straße 127, veranstaltet. Die zahlreich ausgestellten Arbeiten zeigten ein Geschäft gemacht und erhebliche Vorteile daraus gezogen. Der wird, wobei auch die Emballage mitzuberechnen ist. davon, daß die Schule viele fleißige und strebsame Schülerinnen und Staatsanwalt beantragte deshalb gegen ihn vier Jahre Ge. Emballage betrachtet der Beamte- das Gesamttüchtige Lehrkräfte befigt. Die Zeichnungen und Malereien verdienen fängnis. Gegen diese Ausführungen wandte sich Rechtsanwalt gewicht des Automobils. Der Stationsbeamte in Ochsenfurt Lob; sie zeigen vielfach, daß mit Lust und Liebe gearbeitet wurde. Bahn: Es handle sich um keine Kellerwechsel- Fabritation, vielmehr veranlaßte daher die Anhaltung des Frachtstückes in Würzburg, da Bei den mit peinlicher Sorgfalt ausgeführten Handarbeiten kann sei die große Anklage auf ein Minimum zusammengeschmolzen. die Ware für Fracht und Strafe- im vorliegenden Falle insgesamt man sich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier viel Zeit und Mühe Leiser verdiene zwar nicht, wegen seiner Geschäftspraris in den 21 500 M. zu haften hat. Professor Dr. Hoffa bewirkte die Beauf die hübschen Stickereien, Klöppeleien und Häkeleien ver- Adelstand erhoben zu werden, er habe aber nichts Strafbares be- freiung feines Fahrzeuges, und zwar gegen Ausstellung eines biel leichter, schneller und oft viel hübscher hergestellt. Man hat Vor- gangen. Es sei doch auch zu bemängeln, daß in diesem großen Reverses, wonach der Eigentümer sich verpflichtete, für Fracht und richtungen an Nähmaschinen, wodurch alle im Hause gewünschten feien, während bei jeder kleinen Urkundenfälschung doch die VorProzeß nicht einmal die in Frage stehenden Urkunden vorgelegt Strafe den königlich bayerischen Verkehrsanstalten aufzukommen. Stidarbeiten mühelos angefertigt werden können. Freilich, die Marktpreise von Berlin am 25. April. Nach Ermittelungen des Stiderei und Häfelei gehört zum bürgerlichen Jdeal von einer egung der Urkunden berlangt werde. In längeren Ausführungen tgl. Bolizei- Bräfibiums. tüchtigen Frau. Es heißt sogar, daß Seminare eingerichtet werden beantragte der Verteidiger die Freisprechung des Angeklagten Leifer sollen zur Ausbildung von Fachlehrerinnen für den Unterricht in und stellte den Eventualantrag, die Akzeptanten vorzuladen, um Handarbeiten und in der Hauswirtschaft. Die lettere sollte dabei zu sehen, ob sie wirklich so faul" sind, wie Kriminalfommiffar Müller behaupte. Rechtsanwalt Burchardt schloß sich diesem den Vorzug erhalten. Antrage an. Die Rechtsanwälte Dr. Siegmann und Morris Theater. Die Saison des Luisen Theaters schließt wie alljährlich vertraten in eingehenden juristischen Darlegungen den Standpunkt, am 30. April. Als letzte Premiere in dieser Saison gelangt Holteis daß die Mitangeklagten durch die Hingabe der in Rede stehenden Hans Jurge" Freitag den 28. April zur Aufführung, welches Stüd Wechsel sich nicht strafbar gemacht haben. Nach mehrstündiger auch als legte Borstellung Sonntagabend gegeben wird. Als legte Beratung erkannte der Gerichshof die Angeklagten im Sinne der Sonntagnachmittags- Borstellung wird der Herrgottschniger" ge- Anklage für schuldig und verurteilte: Stephan zu vier Mogeben. Das Theater bleibt bis zum 1. September geschlossen. naten, Böhme zu einem Jahr, Göbel zu drei Mo. Die von den Besuchern des Schiller Theaters N.( Friedrich naten, Boller zu zwei Monaten Gefängnis. Der Wilhelmstädtisches Theater) mit so großem Beifall aufgenommene Gerichtshof erwog dabei die Gemeingefährlichkeit der Taten der AnKomödie Meine Schwiegertochter" bon ff. Carré und geklagten. Da Leiser als der Hauptschuldige zu betrachten fei A. Bilhaut erscheint auf dem Spielplan des O. Theaters und im ganzen 62 folcher Wechsel untergebracht habe, so habe ihn zum erstenmal heute Donnerstag. Jm N.- Hause findet die legte der Gerichtshof wegen Beihülfe zu einem Jahr sechs Mo. Aufführung von Fuhrmann Henschel" am Sonntagabend statt. naten Gefängnis und drei Jahren Ehrberlust verurteilt. Im National Theater findet heute die Aufführung von Fra Diabolo" mit Dr. Briefemeister als Gast statt. Am Freitag findet die Premiere von Verdis„ Maskenball" statt. In den Hauptpartien Frl. Astrid Lous und Herr José Classen. Sonnabend ist Lorgings melodiöse Oper„ Der Wildschütz".- Jm Carl Weiß- Theater gehen„ Die fleinen Vagabunden" nur noch bis Sonntag in Szene, Frauenftudium. Am schwarzen Brett der Technischen Hochschule während am Montag die Tegernseer ein furzes Gastspiel beginnen. in München ist folgender Anschlag angeheftet:" Durch allerhöchst Lustspielhaus. Am heutigen Donnerstag findet das Jubiläum genehmigte Entschließung des tgl. Staatsministeriums des Innern der 150. Aufführung von Kadelburgs Familientag" statt. Bemerkt für Kirchen- und Schulangelegenheiten vom 6. April d. J. iſt verfügt sei besonders, daß Herr Franz Schönfeld in sämtlichen 150 Auf- woorden, daß an der Technischen Hochschule in München Personen führungen die von ihm mit so großem Erfolge freirte Rolle des weiblichen Geschlechts, die das Reifezeugnis eines deutschen humaLudolf dargestellt hat. Apollo Theater. Am Sonntag, den nistischen oder eines deutschen Realgymnasiums befigen, nach Maß 30. April cr., findet die lezte Aufführung der Operette" Das gabe der Verfassungsbestimmungen dieser Hochschule als Studierende Beilchenmädel" statt. Am Montag, den 1. Mai, geht wieder immatrikuliert werden tönnen." Berliner Luft" von Jacobson Linde in Szene. Der Bund deutscher Frauenvereine hält seine Generalversammlung Heute beginnt das Gastspiel des Leffing Theaters im in den Tagen vom 4. bis 7. Juni in Danzig ab. Die Versamm Budapester Lustspieltheater mit einer Aufführung von" Traumulus" lung soll sich auch mit der Frage beschäftigen:„ Was kann der Bund Während dieser Gastspieltage wird im Lessing- Theater allabendlich tun, um die Frauen aller Klaffen zu einer einheitlichen „ Elga" gegeben in der unsprünglichen Besetzung der Hauptrollen.deutschen Frauenbewegung zusammenzuschließen?" Das Herrnfeld Theater schließt seine diesjährige Saison Darauf können wir schon heut antworten, daß der Bund dazu am 15. Mai. Dann beginnt die Winter- Tymian- Gesellschaft dort nichts tun fann oder auch, wie man's nimmt, alles mögliche; es ein längeres Gastspiel. wird nur nichts nügen. schwendet worden ist. Solche Sachen werden von der Maschine # Im Kunstsalon Paul Caffirer schließt die jeßige Ausstellung von Renoir am 28. d. M. Am Sonnabend findet die Eröffnung der neuen Ausstellung statt, die Kollektionen von van Gogh, Vallotton Paris, und Konrad v. Kardorff- Berlin enthält. Ferner fommen zur Ausstellung: Josef Israels bekanntes Bild:" Die Krankenpflegerin" und drei Bortraits von Francisco de Goya, sowie Einzelwerke von Claude Monet, Eduard Manet, Mag Liebermann, Ulrich Hübner und anderen. Gerichts- Zeitung. Das Wiener Mörder- Ehepaar Klein vor Gericht. Vor den Geschworenen des Wiener Landesgerichts begann gestern die Verhandlung des Mordprozesses gegen das Ehepaar klein, dem die Ermordung des Wiener Armenvorstehers und Hausbefizers Johann Sikora zur Last liegt. Aus der Frauenbewegung. Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen Deutschlands. Bezirk Berlin. Heute, Donnerstag, abends 9 Uhr: Sigung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20. Gäfte willkommen. Vermischtes. Die Drtsverwaltung. Als Für 1 Doppel- Bentner: Weizen**), gute Sorte 17,25-17,22 92. mittel 17,19-17,10., geringe 17,18-17,10. Roggen), gute Sorte 14,10-14,08 m., mittel 14,04-14,00 9., geringe Futtergerste*), gute Sorte 15,80-14,70., mittel 14,60 14,02-14,00 m. bis 13,60 M., geringe 13,50-12,50. Hafer*), gute Sorte 16,20-15,40 m., mittel 15,30-14,50 M., geringe 14,40-13,70 M. Erbfen, gelbe, zum Kochen 45,00-30,00 m. Speiſebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linjen 60,00-30,00 Kartoffeln 10,00-6,50 2. Richtstroh 4,50-0,00 2. Seu 9,00-7,60 m. Für ein stilogramm Butter 2,80-2,20 m. Gier per od 4,00-2,80 92 *) Frei Bagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. 48 Briefkaften der Redaktion. R. H. 96. Die beschriebene Münze ist ein tunesischer Piafter. Bert f. J. W. Wenn es sich um ein altes Fahrrad handelt und Sie nachweisen können, daß es Ihnen vorher gehörte, zahlen Sie feinen Boll. S. 25. Nein, der englische Zentner hat nicht 100, fondern 112 Pfund. Gewicht 50,8 kg. Auguft. Nicht verwendbar. Juristischer Ceil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends bon 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Ubr. Unwiffend, Ober- Schöneweide. 1. Der Ehemann haftet nicht führ Ihre Kosten. Die Möbel gehören ihm. 2. Nein. W. 5. 1. Sie fönnen das Inventar felbft einreichen; an eine bestimmte Frist ist die Einreichung nicht gebunden. 2. Nein. 3. Ja, fofern Sie nicht entweder der Erbschaft innerhalb sechs Wochen entfagt ober Sicherheitsmaßregeln( Zuventarerrichtung, Aufgebot der Gläubiger usw.) ergriffen haben. H. M. Der Wirt ist durchaus im Recht. 2. W. 15. Die herrschende strengere Aus. legung rechnet zu den baren Auslagen nicht den entgangenen Arbeitsverdienſt. N. 33. Das Gesuch eines Deutschen zur Naturalisation iſt an die höhere Berwaltungsbehörde zu richten. Welche Behörde das in den einzelnen Staaten ist sowie welche Behörde für die Erteilung des Staatsangehörigkeits- Ausweises zuständig ist, ist von uns wiederholt vor den Landtagswahlen dargelegt. Eine Zusammenstellung der zuständigen Behörden finden Sie Seite 1 bis 3 des dem Arbeiterrecht, 4. Aufl., beigefügten Führers durch das B. G.-B. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. F. B. 2. Errichten Sie ein gemeinschaftliches Testament. Andeutung hierzu finden Sie S. 92, 94, 238 des bem Arbeiterrecht" beigefügten führer durch das Bürgerliche Gesetzbuch. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. G. 2. 59. Sie müssen beim Prozeßgericht das Armenrecht für Ihr Mündel erwirten. Haben Sie es erwirkt( es ist wohl schon im Verfahren erteilt), so richten Sie den Auftrag zur Zwangsvollstreďung an das Gerichtsvollzieheramt in Hamburg. Michel 6. Ihre Anfrage ist ohne Einsicht in den gerichtlich abgeschloffenen Bertrag und ohne Darlegung, welchen Zustand Ihre Mutter herbeiführen will, nicht zu beantworten. 6. A. 1. 1. Das von Ihnen Borgetragene stellt durchaus teinen Enterbungsgrund dar. Die Enterbungsgründe finden Sie S. 95 des dem„ Arbeiterrecht" beigefügten Führers zusammengestellt. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. 2. Eine derartige Berfügung wäre nulos, da die Schenkungen, auch wenn sie nicht zum Schein erfolgen, bei der Erbauseinandersehung in Anrechnung fommen. fönnten die Ehefrau auf das Pflichtteil setzen: dies betrüge in Ihrem Falle ein Achte! des Nachlasses; für das Verhältnis unter den Hinterbliebenen ist solche Beschränkung nicht zwedmäßig. 3. Der Austritt aus der Kirche er folgt nur persönlich, also nicht für die Ehefrau oder die Kinder. Diese haben selbst( Stinder nach dem 14. Jahre) ihren Austritt zu erklären. 99. Ja. Witterungsübersicht vom 26. April 1905, morgens 8 1hr. Barometerfland mm Wind richtung Windstärke A.. 39. Ja. Wetter Temp. n. 6. 5° 4° R. Stationen Barometer ftand mm richtung Wind Windstärke 2Better Der schießluftige Pfarrer. Der katholische Pfarrer Wieland in Gundheim bei Worms, der durch seine ungenierte politische Agitation auf der Kanzel und im Beichtstuhl in letzter Zeit zu einer gewissen Berühmtheit gelangt ist, und der erst vor kurzem so plötzlich eine Klage wegen Beleidigung gegen unser Mainzer Partei- Organ bedingungslos zurückzog, scheint sich jetzt ein neues Agitations- nstrument zugelegt zu haben einen Revolver. Der Wormser Stationen Voltsztg." wird nämlich aus Gundheim gemeldet: Pfarrer Joseph Wieland bemüht sich schon wieder, die öffentliche Aufmerksamkeit Aus den seinerzeit veröffentlichten Schilderungen der Mordtat auf sich zu ziehen und sich in seiner feelsorgerischen Eigenart zu ist noch bekannt, daß die angeklagte Ehefrau Klein die Täterin fennzeichen. Als vergangenen Sonnabend abend 10% Uhr einige Swinemde. 762 WSW 3halb bd. gewesen zu sein scheint, während ihr Mann, ein Deutscher und Hesse, junge Leute am Pfarrhause vorbeigingen und sich dabei, wie nun- Hamburg 762 aus der Gegend von Hanau gebürtig, nur der Beihülfe beschuldigt mehr festgestellt, in ruhiger, feinerlei Störung verursachenden Weise Berlin Frankf.a.M. 765 5 wird. Frau Klein war schon in ihren Mädchenjahren tros ihrer unter sich unterhielten, feuerte Pfarrer Wieland zwei München 767 B vorzüglichen Bildung( sie hatte das Lehrerinnenegamen bestanden scharfe Schüsse aus dem Fenster seines Schlafzimmers mit dem Wien und war Novizin der Kongregation der Schulschwestern in Wien) Rufe:" Ich will meine Ruhe haben!" Da die Schüsse an der das eine raffinierte Diebin und Heiratsschwindlerin. Das letztere Ge- Pfarrhaus umgebenden drei Meter hohen Mauer unten auftrafen, werbe setzte sie nach ihrer Verheiratung mit dem jest 32jährigen handelt es sich wohl um Schreckschüsse. Es ist gegen den südwestlichen Binden. um itens anzeige Klein fort, indem sie in Zeitungsinseraten als" Millionenbraut" Pfarrer wegen berbotenen Schieß Verantwo. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Qrud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. 2 bedeckt 763 2 2 bedeckt 2 bedeckt 6 Haparanda 756 G 5 Betersburg 762 SSD Scilly 764 23 7 Aberdeen 761 29 Sie Temp. n. C. SONN 5° E= 4° R. 2halb bb. 2 heiter 2wollig 2 10 1bebedt 2 bedeckt 5 Paris 765 SS 1voltig 10 767 Still bedeckt Wetter- Prognose für Donnerstag, den 27. April 1905. Biemlich mild, vorherrschend wolkig mit etwas Regen und mäßigen Berliner Wetterburea tt.