Mr. 100. Abonnements- Bedingtingen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monail. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage, Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Boil- Zeitungs Preisliste. Unter Kreusband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mark, für das übrige: Ausland 3 Mart pro Monett. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebrudte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ..Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Die Reform des Strafgerichts. Sonnabend, den 29. April 1905. Preßerzeugnisses bewußt mitgearbeitet hat, bis zum 6 Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. 11 " Aber die Berufung würde geradezu ein Danaergeschent Da wegen des Maifesttages unser Blatt am Morgen Segerlehrling und der Zeitungsausträgerin das Zeugnis für die Angeklagten werden, wenn der weitere Vorschlag der des Dienstag nicht erscheint, wird am Nachmittag des: berweigern. Was aber die Presse fordern muß, ist, daß Kommission Gesetz werden sollte, wonach der Staatsanwalt, fte als Gewissensvertraute des Publikums gerade wenn der Angeklagte Berufung eingelegt hat, auch noch nach selben Tages eine Condernummer herausgegeben werden. denselben Schutz genieße, wie Geistliche, Rechtsanwälte und Ablauf der Frist Anschlußberufung" zwecks Erhöhung Aerzte, und daß deshalb jedes Mitglied eines Verlags- oder der Strafe einlegen darf. Man will eingestandenermaßen daDruckunternehmens auch ohne die Gefahr eigener strafrecht- durch die Angeklagten von der Berufung abschrecken, und die licher Verfolgung ein volles Zeugnisverweigerungsrecht er- früher übliche Strafe für frivoles Appellieren" wieder einhalte. Was die Kommissionsbeschlüsse bieten, genügt in feiner führen. Daß dies als eine Reform" ausgegeben wird, Weise. charakterisiert den Geist, der in der Kommission die Oberhand Die geplanten Strafprozeßreformen, die wir gestern nach Der Angelpunkt der Reformbewegung war von Anfang erlangt hat. Ebenso steht es übrigens mit der Verschlechterung der Veröffentlichung des Kammergerichtsrats Dr. Kroneder an das öffentliche Verlangen nach Wiedereinführung der Be des Wiederaufnahmeberfahrens, einigen Fällen des geplanten unseren Lesern mitgeteilt haben, entsprechen im ganzen dem, rufung gegen die Urteile der Straftammer abgekürzten Verfahrens und anderem. Am deutlichsten aber kommt dieser Geist mutlosen Zurüdwas man von der Reichskommission erwarten konnte. Um in erster Instanz. Die Regierungen hatten sich bereit erIrrtümer zu vermeiden, sei vorausgeschickt, daß diese Kom- Klärt, dieser populären Forderung nachzukommen, dafür aber weichens und absoluter Unfähigkeit zu wirklich durchgreifenden mission nicht vom Reichstage gewählt worden war. wollten sie der Kosten wegen die Strafkammern in erster In- Besserungen zum Ausdruck in dem, was die Kommission Unter allen Sachverständigen Mehrfach im Laufe der letzten Jahrzehnte hatten stanz nur mit drei statt wie bisher mit fünf Richtern besetzen. nicht beschlossen hat. daß bor allem daß bor allem eine dem Reichstage Gefeßentwürfe zur Reform des Straf- Es würde eine erhebliche Verschlechterung der Stellung des herrscht Einstimmigkeit darüber, prozesses vorgelegen, aber dabei hatte sich immer deut- Angeklagten bedeuten, wenn zu seiner Verurteilung nicht Reform des Vorverfahrens angestrebt werden muß, licher herausgestellt, welche inneren Schwierigkeiten einer mehr vier von fünf Stimmen erforderlich sein würden, sondern weil es mehr Wert hat, daß unrichtige Verurteilungen solchen Gesetzgebung entgegenstehen. Was die Kenner der nur zwei von dreien; namentlich würde dies den Einfluß des gar nicht erst ausgesprochen werden, als daß sie nachträglich aus des Berichterstatters, die Schäden unseres Streifprozesses fordern müssen, ist ziemlich Vorsitzenden und den durch Berufung beseitigt werden können. Die Kommission flar, aber ebenso flar, daß die verbündeten Regierungen diese das Atten vorbereitet sind, ausschlaggebend machen und aber hat die Vorschläge auf Verbesserung des Vorverfahrens abWesen der Sache ergreifenden Reformen nicht wollen, sondern die Bedeutung der mündlichen Verhandlung schwächen. gelehnt. Ebenso ist sie der brennenden Frage der Reform fich nur zu gewissen Konzessionen an die öffentliche Meinung Deshalb erhob sich gerade hiergegen im Reichstag ein Wider- der Strafvollstreckung aus dem Wege gegangen, und bequemen möchten. Diese sollen ihnen möglichst wenig spruch, an dem die ganze Berufung scheitern zu wollen schien. hat sich nicht entschließen können, die bedingte Begnadigung Geld und nicht ein Gran Einfluß auf die Rechts. Die Kommission hat sich nun dafür entschieden, statt der in eine bedingte Verurteilung zu verwandeln, pflege fosten, ja fie verlangen dafür noch Rom- Straftammern Schöffengerichte einzuführen, mittlere was dem Institut erst gesetzliche Sicherung geben und seinen pensationen", worunter man Verschlechterungen der aus 3 Landrichtern und 4 Schöffen, und große aus 3 Land. Wert erhöhen würde. Garantien der Rechtssicherheit zu verstehen hat, richtern und 6 bezw. 8 Schöffen. Ueber die zur Verurteilung So zeigt sich auch bei diesem Reformwert die absolute die unsere bisherige Prozeßordnung wahrlich nicht im Ueber- erforderliche Stimmenzahl teilt Kronecker nichts mit. Bei an Unfruchtbarkeit und Unfähigkeit des heutigen Staates und der flusse bietet. gemessener Regelung dieser Frage wäre der Verschlechterung sogenannten staatserhaltenden Faktoren. In den Verhandlungen der Reichstagskommissionen der Lage des Angeklagten vorgebeugt. tamen vor allem die Stimmen von Sozialdemokraten Durch die Einrichtung der Schöffengerichte bei den Landzu Gehör, von Männern, die nicht vom Statheder oder grünem gerichten würde nun die ganze Reform ein neues Gesicht beTische her urteilten, sondern die vielfach Gelegenheit gehabt kommen. Die Frage stand schon bei der Justizgesetzgebung hatten, am eigenen Leibe die Vortrefflichkeiten des heutigen der Siebziger Jahre zur Diskussion und hat eine sehr reichStrafprozesses zu fühlen. Aber auch dem Auftreten mancher haltige Literatur erzeugt; es ist hier nicht möglich, auch nur bürgerlicher Mitglieder kam die Deffentlichkeit dieser Ver- das Wesentlichste von dem Für und Wider dieser Debatten zu handlungen zustatten, insofern fie träftigere Töne anschlugen, erörtern. Damals wurden nur die kleinen Schöffengerichte als sie vielleicht im Dunkel einer bei verschloffenen Türen tagenden Kommission gebraucht hätten. So kam man trot des gut gemeinten Vermittlungseifers des Abgeordneten Dr. Rintelen nicht vom Fleck. " Politische Ueberficht. Berlin, den 28. April. Sozialdemokraten haben keine Rechtsansprüche. Zum zweitenmal hat ein ostelbischer Amtsrichter es fertig be tommen, in einem Urteil festzustellen, daß zivilrechtliche Verträge mit Sozialdemokraten nicht gehalten zu werden brauchen. Der Kläger wird mit der Klage abgewiesen und berurteilt, die Kosten des Rechtsstreites zu tragen. Das Urteil ist vorläufig vollstreckbar. bei den Amtsgerichten eingeführt, und über sie liegt jetzt die Erfahrung eines Vierteljahrhunderts vor. Man muß anerkennen, Der Schöpfer dieses tollen Urteils ist ein Amtsrichter daß sie nicht übel ist. Für die große Mehrzahl der Fälle, Dr. Reine de in Nagnit, das Opfer unser Barteigenosse Mideleit. in denen ja Schwierigkeiten rechtlicher oder tatsächlicher Natur Es handelt sich um eine Schadenersagtlage Miceleits gegen den Endlich entschloß man sich, wie anzunehmen auf Grund nicht vorliegen, ist das selbstverständlich, aber auch in kom Befizer Krafft. Der Sachverhalt geht aus folgendem am 6. Dezember von Verständigungen des Zentrums mit den Regierungen plizierteren Fällen kann man über die Rechtsprechung der 1904 berkündeten Urteil herbor: zu einem anderen Verfahren. Die Reichsregierung ernannte Schöffengerichte nicht flagen. Selbst wo politische Vorurteile eine Kommission, in die sie außer etlichen Professoren und mitsprechen, die Aufgabe des Richters also am schwersten ist, Beamten auch einige Parlamentarier berief, natürlich nicht haben sie sich mindestens so gut bewährt, wie die StrafWas einen einzigen Sozialdemokraten, obgleich fammern. am meisten Entrüstung gegen unsere gerade die sozialdemokratischen Abgeordneten immer mit Eifer Rechtsprechung erregt hat, die Künstlichkeit der an diesen Arbeiten teilgenommen hatten. Die Kommission legung beim groben Unfug",„ Eventualdolus", der tagte höchst sekret im Reichs- Justizamt und war sicher sehr Zuständigkeit in Preßsachen usw., stammt alles nicht von den fleißig. Was aber jetzt nach zwei Jahren als Frucht ihrer Schöffengerichten her, sondern fällt der Rechtsprechung der aus Arbeit vorliegt, müßte uns als Freunde einer energischen Juristen bestehenden höheren und höchsten Gerichtshöfe zur Reform enttäuschen, wenn wir von dieser Kommission mehr Last. Mag bei den Schöffengerichten vielfach der Einfluß des erwartet hätten. borsigenden Richters überwiegen, und hie und da der Beisiger AusKroneder äußert sich nicht darüber, welche Stellung die zur Dekoration herabsinken, so ereignen sich solche Fälle be verbündeten Regierungen zu den Kommissionsbeschlüssen ein- tanntlich auch bei ,, energischen" Straffammervorsigenden. Wenn genommen haben; anscheinend haben sie sich noch nicht ver- der Schöffe nur will, ist er leichter imstande, einem Vor. pflichtet, das, was die Kommission an wirtlichen Ver- figenden, der seine Grenzen überschreitet, Widerstand zu leisten, Sefferungen botiert hat und es sind einige ganz gute als ein Assessor, auf deffen Karriere der Direktor Einfluß hat. Kleinigkeiten darunter auch zu bewilligen. Diefe Reformen Dft genug erlebt man auch, daß der Richter von den Schöffen erscheinen also noch nicht einmal gesichert. Sicher überstimmt wird. -dagegen ist, daß die Beschlüsse, in denen die Kommission den So könnte man von der Verallgemeinerung des Prinzips Regierungswünschen auf Rückwärtsrevidierung ent- der Schöffengerichte wohl jagen, daß es ein Versuch wäre, gegenkommt, den Regierungen mun als gesicherte Position den man nicht von der Hand zu weisen brauchte, und der dienen werden, die sie unter Berufung auf die Meinung der mindestens keine Verschlechterung wäre. Indessen gibt es Kommission verteidigen werden. gegen die Kommissionsvorschläge auch in dieser Beziehung Wir sagten, daß gewisse Besserungen gewährt werden noch eine Menge Bedenken. Das wichtigste ist, daß man der sollen; freilich nicht alles, was der Form nach eine ist, hat politisch- juristischen Reaktion ihren Herzenswunsch erfüllen und fachliche Bedeutung. Wenn z. B. für die Verhängung der die Schwurgerichte beseitigen will. Das darf nun Untersuchungshaft wegen Fluchtverdachts und nimmermehr geschehen! derselbe Zwang genauerer Begründung eingeführt werden soll, Trok des Geschreis der Philister, die sich über die verder jetzt für den Haftbefehl wegen Verdachts der Ver- schwindenden Fälle entsegen, in denen Schwurgerichte in an dunkelung besteht, so wissen wir, daß damit gar nichts erreicht scheinend nicht sachgemäßer Weise geurteilt, ja wohl auch werden würde. Man würde geradeso wie heut in den Beschluß offenbare Fehlsprüche gefällt haben, bleiben wir dabei: Das formularmäßig als„ attenkundige Tatsache" irgend etwas Schwurgericht, das den Schuldspruch einem nur aus Nichtrichtern hineinschreiben, je nach Bedarf, daß der Angeklagte flucht- bestehenden Kollegium anvertraut, enthält das einzig berdächtig wäre, weil er mittellos wäre, oder weil er Geld richtige Prinzip des Strafprozesses, und die und demgemäß die Mittel zur Flucht hätte, oder weil die Schwurgerichte sind auszudehnen, mindestens aber zu erhalten Grenze nah oder weil ein hohe Strafe zu erwarten wäre 2c. als Rern für jede wahre und ernsthafte und damit wäre der Vorschrift Genüge geleistet. Solchen Reform. Es genügt wohl darauf hinzuweisen, daß da, wo Schaum soll man uns nicht als Reform anpreisen. Geschworene in Preßsachen entscheiden, die politisch en Zu diesen fiktiven Reformen gehört anscheinend auch die Preßprozesse, die unser öffentliches Leben vergiften, Erweiterung des Zeugnisverweigerungsrechtes. unbekannt sind und daß die Versuche, sie dorthin zu ber Dr. Kroneder berichtet, daß durch eine Aenderung der Fassung pflanzen, zu scheitern pflegen. des§ 54 der Strafprozeßordnung der verantwortliche Redakteur Die Kommission hat aber noch in anderen Punkten er von der Zeugnispflicht befreit würde, wenn er gemäß§ 20, heblichen Verschlechterungen des heutigen Zustandes Absatz 2 des Preßgefeges als Täter hafte"; was aber jedoch zugestimmt. Die wichtigste davon ist, daß fünftig das Gericht von dieser Aenderung der Fassung mitgeteilt wird, recht- befugt sein soll, allerdings durch einstimmigen Beschluß, Befertigt in feiner Weise die Annahme, daß die Presse danach weisanträge als unerheblich abzulehnen, was jetzt in Straf günstiger dastehen würde als heute. Auf bestimmte Fragen, fammersachen und vor den Schwurgerichten nicht zulässig, ist. die ihn in Gefahr bringen würden, selbst als Täter oder Damit würde dem Angeklagten die wirksamste Garantie feiner Teilnehmer bestraft zu werden, kann auch nach dem jetzt Verteidigung genommen sein. Was nügt die Berufung, wenn geltenden Gesetz nicht nur der verantwortliche Redakteur, der Angeklagte es nicht erzwingen kann, daß das Gericht sondern jeder der an der Herstellung und Verbreitung eines seine Beweismittel zur Kenntnis nimmt? Tatbestand: Der Kläger hatte vom Beklagten vom 1. Oftober 1904 ab eine Wohnung gemietet. Legterer hatte dem Kläger jedoch mit geteilt, daß er die Wohnung nicht beziehen könne, weil die Polizei bies nicht gestatte. Der Kläger hat sich daher eine andere Wohnung gemietet, für die er angeblich 14 m. jährlich mehr bezahlen muß. Als er die Nachricht vom Beklagten erhielt, stand er in Coadjuthen in Arbeit. Er ist von dort angeblich nach Nagnit gefahren und hat acht Tage Zeit gebraucht, um die andere Wohnung zu bekommen. Für die Reise beansprucht er 3,40 M., für versäumten Arbeitslohn 23 M. und für Aufwand auf der Reise 2 M. Dem nach berechnet er seinen Schaden auf 42,40 M. und beantragt, den Beklagten fostenpflichtig und vorläufig vollstreckbar zur Zahlung bon 42,40 M. zu verurteilen. Der Beklagte hat um Klageabweisung gebeten, indem er be hauptet, der Kläger sei Führer und Agitator der sozialdemo fratischen Partei in Ragnit. Dies ist vom Kläger, der zugibt, dieser Partei anzugehören, bestritten. Gründe. Es ist ganz allgemein stadt- und gerichtsbekannt, daß der Kläger nicht nur Mitglied der sozialdemokratischen Partei ist, sondern auch deren Führer in Ragnit und Agitator. Aus diesem Grunde kann der Beklagte den mit ihm abgeschlossenen Mietsvertrag anfechten gemäß§ 119 des B. G.-B., denn es ist sehr wohl anzunehmen, daß er, wenn er bei Abschluß des Vertrages mit dem Kläger dessen Eigenschaft als sozialdemo fratischer Führer und Agitator gekannt hätte, den Vertrag nicht abgeschlossen hätte. Daß aber die genannte Eigenschaft des Klägers, welche dem Beklagten als Anfechtungsgrund dient, im Verkehr als eine sehr wesentliche angesehen wird, geht schon daraus hervor, daß es dem Kläger erst nach acht Tagen, wie er selbst angibt, gelungen ist, eine andere Wohnung und diese auch nur zu einem höheren Preise, zu bekommen. Durch die erfolgte Anfechtung wird der Mietsvertrag als bon Anfang an nichtig angesehen.(§ 142 B. G.-B.)" Dieser Dr. Reinede hat das Mittel gefunden, um endlich die Sozialdemokraten auszurotten. Wenn der Grundsaz konsequent durchgeführt wird, daß mit Sozialdemokraten abgeschlossene Verträge -sofern der Kontrahent den sozialdemokratischen Charakter bei Abschluß des Vertrages nicht gekannt hat ungültig find, so find diefe Unglückseligen vogelfrei. Jeder Arbeitgeber kann ihnen den Lohn berweigern mit der Begründung, daß er nicht gewußt habe, der Arbeiter fei sozialdemokratisch. Jeder Hauswirt kann Sozialdemokraten beliebig auf die Straße werfen. Und fährt ein Sozialdemokrat Eisenbahn, so wird er unterwegs herausgeholt, weil er bei Erwerbung der Fahrkarte hinterlistig seine sozialdemokratische Gesinnung verschwiegen. Freilich hat diese Konstruktion einen Halen. Erster Grundsatz allen Rechtes ist die Rechts gleichheit. Wenn also bei einem Rechtsgeschäft die Kenntnis der politischen Gesinnung diese Rolle spielen darf, wenn der angezogene§ 119 des B. G.- B.: »Wer Sei der Mgab« einer WillenZerNarung üver deren Anhalt im Irrtums war oder eine Erklärung dieses Inhalts überhaupt nicht abgeben wollte, kann die Erklärung anfechten, wenn anzunehmen ist, daß er sie bei Kenntnis der Sachlage und bei ver- ständiger Wiirdigung des Falles nicht abgegeben haben würde. Als Irrtum über den Inhalt der Erklärung gilt auch der Irrtum über solche Eigenschaften der Person oder der Sache, die im Berkehr als wesentlich angesehen werden" wenn der Paragraph in dieser besonderen Anwendung bedeuten soll: „Verträge mit Personen, über deren politische Gesinnung man in Unkenntnis bei Abschluß des Vertrages gewesen, können angefochten werden", so muß das allen politischen Parteien und Richtungen gegenüber gelten, und auch Sozialdemokraten brauchen konservativen Bäcker- meistern, wenn sie über deren politische Anschauung bei Entnahme der Ware im unklaren gewesen sind, die Schulden nicht bezahlen. Kein Arbeiter braucht dann irgend einen Vertrag innezuhalten, sofern er seine Unkenntnis über die politische Anschauung des Kontrahenten glaubhaft machen kann. Damit ist dann das Recht überhaupt beseitigt, und jene absolute Anarchie erreicht, die nach einigen Verrückten die Sozialdemokratie für ihr Ideal halten soll.— Die Einigung des französischen Sozialismus ist eine erfreuliche Tatsache geworden. Unsere französischen Genossen haben damit das Versprechen, das sie der inter- nationalen Sozialdemokratie in Amsterdam gegeben haben, ehrlich eingelöst. Die Genossen aller Länder werden für diese Handlung persönlicher Entsagung und proletarischer Soli- darität den französischen Genossen den wärmsten Dank wissen. Die Verhandlungen des Einigungskongresses durchwehte don Anfang bis zu Ende der wohltuende Geist strenger Sach- lichkeit und politischer Einsicht. Wenn auch niehr als einmal die Auffassuogsverschiedenheiten der verschiedenen Mchtungen hervortraten und die Meinungen lebhaft mit einander kämpften, so kam es doch nicht ein einziges Mal zu einer turbulenten Szene, nicht einmal zu tieferer, andauernderer Erregung. Sofort fanden auf beiden Seiten in solchen Fällen die geistig führenden Personen die rechten Worte und die geeigneten Mittel, um die Gegensätze auszusöhnen. So kamen schließlich alle wichtigeren Beschlüsse mit großer Mehrheit der beiden Hauptrichtungen zustande, weshalb kein Stachel bei den Ueber- stimmten zurückbleibt und kein Anlaß zu späteren Reibungen gegeben ist, sofern die verschiedenen Teile der neugeeinten Partei nur ehrlich gewillt sind, die Einigungsbeschlüsse auch loyal innezuhalten. Nach dem Verlauf des Kongresses kann aber an solch ernstlichem guten Willen nicht gezweifelt werden. Die Einigung der französischen Genossen ist deshalb keine illusionäre, weil sich die neue Gesamtpartei eine straffe Orga- nisation gegeben hat, die das Respektieren der festgelegten Parteigrundsätze durchzusetzen verpflichtet und auch imstande ist. So haben sowohl die Lokalorganisationen, denen ein Abgeordneter angehört, wie auch der Nationalrat, die höchste organisatorische Instanz der Partei, das Recht und die Pflicht, die politische Haltung der einzelnen Abgeordneten zu über- wachen und sie zur Rechenschaft zu ziehen. Ebenso ist die Parteipresse der Aufsicht des Nationalrats unterstellt, der auch die Redakteure anstellt. Die Diskussionsfreiheit soll nicht unterdrückt werden, wohl aber haben sich die Parteiblätter in der Aktion strikt� nach den Beschlüssen der Parteitage und internationalen Kongresse zu richten. Hoffentlich nimmt nun- mehr auch die bislang sehr kümmerliche französische Partei- presse einen kräftigen Aufschwung, damit sie im Dienste ziel- klarer sozialistischer Aufklärung wirken kann. Dann wird sich auch der bedauerliche Uebelstand vermindern, daß die franzö- fischen Journalisten gezwungen sind, ihrer Existenzfristung wegen für die bürgerliche Presse zu arbeiten. ) Hoffentlich dient endlich auch die Einigung der Partei dazu, die französischen Gewerkschaftsorganisationen geistig der Partei anzugliedern. Durch die Spaltung und Zersplitterung »er Partei einerseits und den zu weit getriebenen Parlamen- carismus andererseits war manchen Gewerkschaftskreisen die Partei überhaupt entfremdet worden. Diese Kreise, die nun ihrerseits in das umgekehrte Extrem verfielen, die parlamen- tarische, tagespolitische Wirksamkeit ungebührlich mißachteten und alles Heil von der Nurgewerkschaftelerei und allenfalls dem Generalstreik erwarteten, werden für die Partei, leicht zurück- Zugewinnen sein, wenn die Parteigenossen die nötige Fühlung mit ihnen suchen, sich ihrer Beschwerden nach besten Kräften annehmen und durch ihre ganze politische Tätigkeit beweisen, daß sie sich als Klassenpartei, als Vertreterin des organisierten Proletariats fühlen. Möge die geeinte Partei rüstig an die Arbeit gehen. Möge sie ihre Organisation nach innen ausbauen, möge sie zu einem immer homogeneren Ganzen verschmelzen, dann wird auch ihre Werbekraft nach außen sich immer gewaltiger entfalten I � � Deutfcbca Reich. Die Marokko-Reibung zu veseitigen, zeigen sich die Diplomaten in Frankreich wie in Deutsch- land unfähig. Frankreich hatte nach langem Zögern die Aussprache über Marokko durch den Boffchafter in Berlin begonnen, aber Deutsch- land hält die Mitteilungen des französischen Botschafters nicht für hinreichend,, um die Angelegenheit weiterzufiihren und zu ordnen. Die deutsche Oeffentlichkeit erhält aber auch keinerlei Aufklärung durch seine auswärtigen Regierer, weder über den Stand der Dinge, noch über das, was werden soll. Die Diplomatie sichert sich den Schein der Weisheit, indem sie sich geheimnisvoll einmummt. Unsere Diplomaten halten geheim, lvelche positiven Handlungen Frank- reich vollführt hat, durch die deS Sultans Sonveränetät verletzt oder die deutschen Interessen geschädigt sein sollen, Sie halten ebenso geheim, was sie positiv fordern zu müssen glauben, um den Konflitt zu beseitigen. Jede der beiden streitenden Mächte wendet sich vielmehr unmittelbar an den Sultan in Fez, bedrängt ihn durch Gesandtschaften, deren eine nicht weiß, was die andere tut. Solches Verfahren muß notwendig den Reizungszustand erhalten und verschärfen. Ein neues Moment in diesem diplomatischen Ränkespiel bringt die Meldung, daß nun auch England in Aktion tritt. Der eng- lische Gesandte in Tanger, Herr B o w a t h e r, ist beaustragt, sich nach Fez zu begeben. In Frankreich wird diese Sendung als wert- vollste nioralische Unterstützung der französischen Stellung in Marokko aufgefaßt werden. Auch zwischen Italien und Frankreich ist eine Mittelmeer- Erregung entstanden. Der ehemalige Minister des Auswärtigen, Prinetti, brachte, wie aus Rom gemeldet wird, in der Kammer folgende Anftage ein:„Ich wünsche vom Minister des Auswärtigen -zu wissen, zum Zwecke der Beruhigung der öffentlichen Meinung, ob er versichern kann, daß die 1896 und 1902 mit Frankreich und Eng- land bezüglich der aftikanischen Mittelmeerküste getroffenen Ab- machungen noch ihre volle Wirffamkeit haben? Eine ähnliche Au- frage ist im Senat gestellt worden. Diese Anfragen sind aus der Meldung hervorgegangen, daß der Sultan in Konstaittinopel einer französischen Gesellschaft den Bau eines Hafens in Tripolis gestattet habe.—_ Ein interessanter Kommunal-Wahlstreit wurde ain 28. April vom preußischen Oberverwaltungsgericht erledigt. Unsere Parteigenossen in Rathenolv hatten die vier Ergänzungs- Wahlen zur Stadtverordneten-Versammlung der genannten Stadt, welche am 27. November 1903 in der dritten Abteilung erfolgt waren und mit der Proklamierung der bürgerlichen Kandidaten als Stadtverordnete geendet hatten, angefochten. Es wurde geltend gemacht, daß es einen groben Mangel des Verfahrens bedeute, wenn bei 2479 eingeschriebenen Wählern nur e i n Wahllokal genommen und die Wahlzeit auf zehn Stunden festgesetzt wurde, zumal vier Stadtverordnete zu wählen waren. Außerdem sei die Stimmenzahl erst am nächsten Tage genau festgestellt worden. Ferner habe der Wahlvorstand eine Anzahl Wähler der besseren Stände v o r viel länger wartenden Arbeitern zur Stimmabgabe zugelassen, insbesondere den Pastor Ebel und zwei Bahubeamte. Der Bezirksausschuß zu Potsdam erklärte auch die Wahlen für ungültig, ging aber nur auf die Lokal- und Zeitftage ein. Dazu führte er aus: Eine erhebliche Unregelmäßigkeit des Wahl- Verfahrens, die schon die Ungültigkeit nach sich ziehe, liege hier in der Bestimmung eines unzulänglichen Lokals und einer ungenügenden Wahlzeit. Bei den 2479 Stimmberechtigten der 3. Wählerabteilung habe mit der Möglichkeit gerechnet werden müssen, daß bei einer nur einigermaßen lebhaften Wahlbeteiligung zeitweise eine große Personen- zahl gleichzeitig zur Abstimmung sich drängen würde. Eine starke Be- teiligung sei aber bei der Rührigkeit, welche die Arbeiterpartei (Sozialdemokratie) in Rathenow entfaltete, überhaupt zu erwarten gewesen. Namentlich hätte in der Mittagszeit der Arbeiter und nach Schluß der Arbeitszeit auf ein besonders starkes Erscheinen der Wähler gerechnet werden müssen. Unter diesen Umständen erscheine es gänzlich unzulänglich, wenn den 2479 Wahlberechtigten nur ein Wahllokal und ein Zeitraum von 10 Stunden(9 Uhr ftiih bis 7 Uhr abends) zur Verfügung stand, da für das Herantreten des einzelnen Wählers, die Nennung seines Namens, das Aufsuchen in der umfangreichen, auch init einem Nachtrag versehenen Liste, die Be- nennung von vier Kandidaten nach Stand und Namen und die Unter- schrift von vier Namen nur etwa 14 Sekunden verfügbar gewesen seien. Es sei selbstverständlich, daß bei der Unzulänglichkeit dieses Zeitraumes erhebliche Störungen in der Erledigung des Wahlgeschäfts eintreten hätten müssen, wie die beklagte Stadtverordneten- Versammlung denn auch zugebe, daß einzelne Wähler bis zur Ab- fertigung 20 bis 30 Minuten hätten warten müssen. Daß diese Zeitangabe zu niedrig sei, ergebe sich daraus, daß von den vor 7 Uhr abends erschienenen Wählern einzelne unbestritten ihre Stimme erst um 73/4 Uhr hätten abgeben können, wo der Wahlatt geschlossen wurde. Die Stadtverordneten-Versammlung legte Berufung ein. In der Verhandlung vor dem Oberverwaltungsgericht am 23. April wurden die Kläger(Lagerhalter Weber und zwei Streitgenossep durch Rechtsanwalt Dr. Karl Liebknecht vertreten, der in ihrem Sinne die Rechtsfrage näher erörterte. Das Ober-Verwaltungsgericht gab der Berufung der Stadt- berordneten-Versammlung statt und erklärte unter Aufhebung der Vorentscheidung die Wahlen für gültig. In der Begründung wurde unter anderem ausgeführt: Die Bedenken gegen die genaue Feststellung der Wahlziffern durch ein Nachtragsprotokoll vom nächsten Tage entfielen dadurch, daß das Resultat bezüglich des Wahlergebnisses dasselbe blieb. Die Bevorzugung des Pastors und der beiden Bahnbeamten, die feststehe, habe an dem Wahlergebnis nichts ändern können: dieser Einwand müsse deshalb auch ausscheiden. Und auch die Auffassung des Bezirksausschusses sei verfehlt. Nicht ankommen könne es darauf, daß etwa Wähler von vornherein in ihrem Willen sich durch den Gedanken beeinflussen ließen: Du wirst Ivarten müssen, wähle darum nicht. Dadurch dürfe sich niemand abhalten lassen. Wer zur Wahl gehe, müsse sich Un- annehmlichkeiten aussetzen. Hier habe sich das Warten allerhöchstens auf dreiviertel Stunden erstreckt. Jeder, der das Wahlrecht ausüben wolle, müsse sich das gefallen lassen. Und daß Wähler gefährdet gewesen oder an der Abgabe ihrer Stimme verhindert worden wären, sei nicht anzunehmen. Danach seien die Wahlen als gültig zu erachten.—_ Ballin-Opfer. Aus Ostrowo wird im Polizeijargon genieldet: Selbstmord bezw. Selbstmordversuch beging auf der Kontroll- station Ostrowo ein aus Rußland stammendes Ehepaar, welches nach Amerika auswandern wollte. Grund zu der Tat Ivar, daß die Leute wieder nach Rußland zurückgeschickt werden sollte«, weil ihnen die erforderlichen Mittel zur Ueberfahrt nach Ainerika fehlten. Aus Verzweiflung haben sie sich die Pulsadern geöffnet. Der Mann ist tot, die Frau gab noch Lebenszeichen, doch ist wenig Hoffnung zur Erhaltung ihres Lebens vorhanden. Was liegt daran! Die Firma Ballin u. Bülow gerät deshalb nicht in Konkurs. Die Schnorrer, die so arm sind, daß sie nicht einmal von Ballin ausgebeutet werden können, verdienen kein anderes Schicksal. Das Ganze gehört in den vermischten Teil der christlichen Preußenkultur!— Soziale Majestätswirkungen. Eine Berliner Gerichtskorrespondenz berichtet: Weil es ihm im Arbeitshause nicht mehr gefiel, und er ins Gefängnis kommen wollte, machte sich der 34jährige„ Ar b e i te r" Arthur Kro ner einer Majestätsbeleidigung schuldig. Aus dem Moabiter Untersuchungsgefängnis wurde K. gestern der 4. Strafkammer des Landgerichts II vorgeführt. Der Augeklagte ist ein von Jugend auf total verlodderter Mensch. Bald nachdem er das straftniindige Alter erreicht hatte, erfolgte die erste gericht- liche Bestrafung. Eine förmliche Scheu vor jeder ehrlichen Arbeit führte den Angeklagten immer wieder ins Gefängnis zurück. Schließlich vagabondierte er umher und erlitt eine Haftstrafe wegen Bettelus und Arbeitsscheu. Gleichzeitig ivurde aber noch die schlimmste Strafe, welche einen derartig arbeitsscheuen und ver- kommenen Menschen treffen kann, über ihn verhängt, nämlich die Ueberweisung an das Arbeitshaus. Hier paßte es dem Angeklagten ganz und gar nicht, da es entweder schwer arbeiten oder schmale Kost hieß. Verschiedene Versuche, dem lästigen Arbcitshause zu entschlüpfen, mißlangen. Schließlich kam der'Angeklagte zu einem Mittel, welches von Arbcitshänsleru schon wiederholt gebraucht wurde, um der strengen Zucht und geringen Kost im Arbeitshanse zu entgehen und bessere Kost und iveniger Arbeit im Gefängnis zu erlangen. Eines Tages ließ der Augeklagte in Gegen- wart anderer Arbeitshäusler und des Aufsehers einige Aeußerungen fallen, welche schwere Majestätsbeleidigungen enthielten. Hiermit erreichte er auch seinen Zweck, in daS Gefängnis zu kommen. Der Gerichtshof erkannte auf drei Monate zwei Wochen Gefängnis. So bewährt sich die soziale Monarchie gerade in dem Majestäts- beleidigungs-Paragraphen. Er bietet ein Mittel, auf anständige Weise, ohne daß irgend ein Mitmensch geschädigt wird, die Wohl- taten des— Gefängnisses zn genießen. Welch' eine Kultur, in der das Gefängnis als ein Paradies erscheint, dessen man teilhaftig wird, wenn man vom Baum der Erkenntnis der heiligen Majestät etwas gierig ißt— ein Gegensatz zu der altbiblischcn Legende.— Die büßende Magdalena des großen Malers Corregio ist, wie uns aus Kassel geschrieben wird, auf Veranlassung der dortigen Zolizei in Dunkelarrest gesperrt worden. Eine Kopie des berühmten Malerbildes— das Original ist in Dresden— war dem„Kasseler Volksblatt" zufolge in einer Buch- und Kunsthandlung in Kassel am Friedrichs-Platz ausgestellt worden. Auf Veranlassung der Polizei mußte das Bild aus dem Fenster entfernt werden. Da zwei Damen Eigentümerinnen des betreffenden Ladens sind, so ist bedauerlicher- weise nicht zu erwarte», daß gegen die Polizeizeusur Einspruch erhoben wird.— Schüffendiateit— GewerSeinfpektton— Seuoffetffchaft««. Stuttgart, den 28. April 4906.(Privatdepesche-) Gleich die erste Landtagssitzung, die auf dem sozialistischen Landesparteitag folgte, benutzte die süddeutsche Volkspartei dazu, hier Iviederum ihre Entfremdung vom Volksempfinden zu zeigen. Sie stimmte gegeii den vom Zeittrum eingebrachten Antrag auf Ge- Währung von Taggeldern an Schöffen und Geschworenen. Mag auch das Zeiltrum diesen Anttag nur mit dem inneren Vorbehalt eingebracht haben, daß die Regierung ihn doch nicht ausführen werde, so war es doch nicht Sache einer angeblich demokratischen Partei aus staatsrechtlichen Gründen, deren Fadenscheiuigkeit im Laufe der Debatte übrigens nachgewiesen wurde, gegen einen solchen Anttag zil stimmen. Wenn der auf Verschleppung der Sache gerichtete Volks- parteiliche Vermittelnngsantrag, in dem die Sache an den Bundes« rat gezogen wird, abgelehnt und der Zentrumsantrag angenommen wurde, so war dies den Nationalliberalen zu danken, die sich demo- krattscher zeigten als die Volkspartei. Auch in der heute fortgeführten Debatte über die Zentralstellen für Gewerbe vermochte die Volkspartei ihre Verknöcherung nicht zu verbergen. Als Genosse Keil mit Nachdruck auf die Unzulänglichkeit der im Etat vorgesehenen Vermehrung der Gewerbe-Jnspektion um einen Inspektor und einen Gehülfen hinwies und von der Regierung die Durchführung des vorjährigen Landtagsbeschlusses forderte, der der Regierung auftrug dafür zusorgen, daßjederinspektionspflichttge Bettieb zum mindestens einmal im Jahre inspiziert werden könne, sprang ein Volksparteiler den: Minister hülfreich bei und legte Verwahrung ein gegen die unausgesetzte Vermehrung der Beamten. Der Etatsposten von 16000 M. für gewerbliche Genossenschaften veranlaßte eine ausgebreitete Konsumvereins- und Mittelstandsdebatte, die bei den bürgerlichen Parteien und bei der Regierung einen erschreckenden Tiefftand sozialer Ansichten bloßlegte. Den Bauernbündlern, die wenige Tage vorher die große Summe für ihre landwirtschaftlichen Genossenschaften hatten bewilligen lasten, nun aber das bekannte Klagelied über die Warenhäuser und Konsum- vereine anstimmten, diente Genosse T a u s ch e r mit einer kräftigen Abfuhr. Dieselben Agrarier, die in Württemberg mit staatlicher Unterstützung agrarische Genossenschaften aller Art gründen und eigene staatliche Beamte für deren Verwaltnng erhalten, verlangen, daß den Beamten der Beitritt zu den Konsumvereinen verboten werde. Auch Genosse H i l d e n b r a n d griff wirksam in die Debatte ein und betonte, wie die kapitalisttsche Gesellschaftsordnung in jeder Genossenschaft ihr eigenes Prinzip negiert. Die Volkspartei ließ auch in dieser Frage an Entschiedenheit zu wünschen übrig. Ihr Redner machte mehr dem Konsumverein eine platonische Verbeugung, verwahrte sich aber gegen eine Entwicklung des Genossenschaftswesens im Sinne der Sozialdemokratie. Am vernünftigsten unter den Rednern der bürgerlichen Partei verhielt sich der Konservative Frei- Herr v. Geisburg, der erklärte, zwar Mitglied des Bundes der Land« Wirte zu sein, aber in der Geiwssenschaftsftage den Standpunkt hvt Sozialdemokratie teile._ Südwestafrikanische Verluste. Berlin, 23. April. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Im Gefecht bei Narudas am 7. April 1906 gefallen: Sergeant Franz Berghammer, geboren am 21. Oktober 1878 zu Schönberg: Sanitäts-Sergeant Ernst Jürgens, geboren am 9. Februar 1882 zu Osnabrück: Gefreiter Albert Wehle, geboren am 16. August 1382 zu Grünmetstetten: Reiter HeinrichFriedel, geboren am 28. Juli 1883 zu Bielefeld: Reiter Johann Kaffenberger, geboren am 18. Oktober 1883 zu Dachsbach; Reiter A u g u st Marx. geboren am 8. Februar 1883 zu Buchwalde; Reiter Christian Reinecke, geboren am 23. August 1833 zu Altenhagen II. Verwundet: Reiter Gustav Küster, geboren am 29. Juni 1883 zu Hillerse, leicht, Stteifschuß am Halse: Reiter Hsrnzann Schäfer, geboren am 23. März 1884 zu Niederdodeleben, leicht, Schuß rechte Wade: Reiter Heinrich Schäfer, geboren am 27. Januar 1883 zu Stieghorst, leicht, Fleffchschuß linken Oberarm; Reiter Oskar Kahl, geboren am 2. Mai 1884 zu Görlitz, leicht, Fleischschuß rechter Brustmuskel. Gefreiter Karl Dießner, geboren am 20. Februar 1879 zu Ostrau, am 20. April 1906 im Lazarett Warmbad an TyphuS gestorben. Gestiinduiffe einer schönen Kriegerseele. Der„Schwanheimer Anzeiger" veröffentlicht zwei Briefe eines Schwanheimers, Andreas Hochhermer, der als Mitglied der Schutz- ttuppe in Südwestafrika ist. Der erste, aus Omtujowahuama vom 2 0. Februar datterte Brief schildert die Schwierigkeiten de< Geländes und enthält dann folgende Stellen: In der Neujahrsnacht haben wir zwanzig Herero totgeschlagen. Das waren die ganzen Feiertage, die wir hatten. Am 27. Fe- bruar wird die Hauptschlacht gegen die Hottentotten geschlagen werden. Sonst noch alles beim alten. Ich bin immer noch gesund. aber nicht mehr so lustig wie früher. Hier wird man ganz menschenscheu und grob. Wir schlagen die schwarzen Hallunken tot, fällt uns darüber gar nichts ein— es macht»ns sogar noch Spaß. Wenn wir einmal 14 Tage kein Gefecht gehabt haben, sind wir wie toll, alles lüftet nach Rache und Blut. Das bringt halt alles der Krieg mit. Dem Briefe ist folgendes Schreiben von einem Gefecht am Omotako beigegeben. „Der Gegner eröffnet das Feuer mit Pabionsbautzen(?•), aus denen er Schrauben und Eisenstücke schießt. ES hörte sich toll an, als unsere Schnellfeuergeschiitze anfingen zu donnern, und dazu noch das Brüllen der Herero- Weiber und-Männer. Die Weiber treiben ihre Männer an mit den Worten: Cheida osongombe, urere, urere, auf deutsch los, los. Als die Maschinengewehre ihre Musik be« zäunen, konnten die Weiber ihre Männer nur dadurch zum Stand« !alten bewegen, daß sie den Widerhall nachmachten und back-back« >ack brüllten. Ein Hereroweib brüllte zu uns herüber: omewa eta otjewombu nu ku nana kak, das heißt auf deutsch:„das ist unser Wasser, das kriegt ihr nicht." Sie wurden aber alle nieder» geschmettert." gusiancl. Schweiz., Wahlen im Kanto» Zürich. Zürich, 27. April.(Eig. Ber.) Im Kanton Zürich finden am nächsten Sonntag, den 30. April, die Erneucrungswahlen für den Regierungs- und Kantonsrat, ferner die Volksabstimmung über ein Jnitiativbegehren statt. Die Regierungsratswahlen 'cheincn sich infolge der Machtstellung der sozialdemokratischen Partei glatt vollziehen zu wollen. Die Liberalen hätten gar zu gern den alten Demokraten Dr. Stößel gesprengt und den Sitz mit einem ihrer Reaktionäre besetzt. Die Sozialdemokraten aber be» chkosseN, an Stößel trotz der Vorgänge auf dem Gebiete der poli» tischen Polizei festzuhalten, weil nichts besseres nachkommt, und so mutzten auch die Liberalen von ihrem Eroberungsplan Umgang nehmen. Unser Genosse E r n st, der sich als Finanzdirektor gut bewährte, war überhaupt nicht angefochten, und so werden die bisherigen sieben Minister— ein Sozialdemokrat, drei Demokraten und drei Liberal-— glatt wiedergewählt werden. Dagegen haben die Kanton sratswahlen in zahlreichen Wahlkreisen eine» lebhaften Kampf entfesselt. Schon der Beschluß unseres Parteitages, in möglichst vielen von den 53 Wahlkreisen bzialdemokratische Kandidaten aufzustellen und selbständig den Wahlkampf aufzunehmen, rüttelte die Geister auf und rief die Gegner in die Schranken. Bisher hatten sechs Wahlkreise sozial» demokratische Vertreter in den Kantonsrat entsandt, und zwar inS» gesamt 39. Soweit bis jetzt zu übersehen, haben unsere Genossen in 18 Wahlkreisen sozialdemokratische Kandidaten aufgestellt, und zwar insgesamt 98, wovon«ine Anzahl jedoch Doppelkandidaturen sind. Ueber die Wahlaussichten unserer Partei läßt sich chwer etwas sagen. Sicher erscheint die Wahl der 27 Sozialdemo- traten im Kreise Außersihl, in dem bei ihrer völligen Aussichts-z losigkeit die Bürgerlichen gar keinen Kandidaten mehr aufstellen. ES ist ttn großer, prinzipieller, klassenbewußter WaMampf, den in solcher Ausdehnung, mit solcher Schärfe, Rücksichtslosigkeit und Begeisterung die Sozialdemokratie des Kantons Zürich zum ersten- mal führt. Norwegen. Das Fiasko des Kronprinzen. Das abermalige ungeschickte Eingreifen des Kronprinzen in die Unionsfrage mutzte selbst- verständlich zu einem gründlichen Fiasko führen. Die VerHand- lungen über die ganze Unionsfrage, die er anzubahnen trachtete, sind nun von der norwegischen Regierung einfach abgelehnt worden. Sie ist nur dann zu verhandeln bereit, wenn Norwegen vorher sein eigenes Konsulatswesen erhält. In der Tlnt- wort der norwegischen Regierung auf den Vorschlag des Kronprinzen wird darauf hingewiesen, daß bereits seit dem Jahre 1347 immer und immer wieder über Unionsfragen zwischen den beiden Ländern verhandelt worden ist, ohne daß irgend welche befriedigenden Re- sultate erzielt worden wären.„Nicht eine Zwangsunion", heißt es am Schlüsse des Dokuments,„sondern allein gegenseitiges Vertrauen und Zusammengehörigkeitsgefühl freier und selbständiger Nationen kann die Zukunft und das Glück der beiden Völker, sowie die Un- abhängigkeit und Integrität der Reiche sichern." In einer gemein- samen schwedisch-norwegischen Staatsratssitzung, die am 25. April stattfand, wurde von den Vertretern beider Länder das Scheitern des kronprinzlichen Vorschlages konstatiert. Der Kronprinz wußte schließlich nichts anderes zu tun, als über die Ablehnung seines Vor- schlages sein Bedauern auszusprechen. Den Schmerz hätte er sich wohl ersparen können, wenn er sich von vornherein etwas besser über die Stimmung der Norweger unterrichtet hätte oder wenigstens dem guten Rat der norwegischen Staatsräte, seinen unmöglichen Vorschlag nicht zu veröffentlichen, gefolgt wäre.— Vom ostasiatischen Kriegsschauplätze. Das russische Geschwader. Penang, 28. April.(Meldung des Reuterschen Bureaus.) Der Dampfer„Catherine Apear" berichtet, er habe gestern nacht 60 Meilen südlich von hier ein aus acht und ein aus sieben Schiffen bestehendes Geschwader passiert, die beide in der Richtung auf Singapur fuhren. Saigon, 28. April.(Meldung der Agence HavaS.) Das Geschwader und die russischen Transportschiffe gingen am Mittwoch abend mit unbekannter Bestimmung von der Kainranh-Bucht ab. Vier Kohlenschiffe kamen zu spät in der Bucht an und gingen in derselben Richtung wie die Flotte weiter. Die Russen hatten Lebensmittel auf sechs Monate bei sich. Man glaubt, das Ziel der Flotte sei Wladiwostok. Admiral Nebogatow wurde gestern in den indo- chinesischen Gewässern erwartet, wo, wie man glaubt, er Nachrichten vorfinden wird, um sich mit dem Geschwader RoschdjestwenskhS zu vereinigen. Dieses besteht aus 25 Kriegsschiffen, einem See- schlepper, einem Werkstattschiff und einem Tankdampfer, früher für Petroleum, jetzt zum Wasserdestillieren eingerichtet.— Der Aufent- halt des Geschwaders in der Kamranh-Bucht, wo 52 Schiffe manövrierten ohne die geringste Havarie bei den regelmäßigen Aus- und Einfahrten, erregte die Bewunderung der Zuschauer.— Admiral Roschdjestwensky ist erstaunt, daß man aus der Kamranh-Bucht nicht ein französisches Hongkong gemacht hat. Russische Flottenrüstungen. London, 28. April. Ein Telegramm der„Daily Mail" aus New Jork besagt: Laut Drahtberichten aus Petersburg haben die Ber- Handlungen des Großindustriellen Schwab mit der russischen Admi- ralität zu einem Abkommen über den Bau einer Anzahl von Schlacht- schiffen von 16 006 Tonnen und von besonderem Typ geführt, die, wie gesagt wird, die Welt in Staunen versetzen werden. Die meisten dieser Schiffe würden in den Vereinigten Maaten gebaut werden. der Rest wahrscheinlich auf einer Werft, die in einem Ostseehafen errichtet werden soll init russischen Arbeitern, unter Oberaufsicht amerikanischer Ingenieure. Schwab, so heißt es, verbürge sieb dafür, daß die Schiffe eine um 20 Pröz. höhere Gefechtskraft haben würden, als irgend welche der jetzt vorhandenen Kriegs- schiffe. y/f Deutsche Neutralität. Wie man der„Schlesw.-Holst. Volksztg." mitteilt, befinden sich auf der Kruppschen G e r m a n i a w e r f t in Gaarden vier von der russischen Regierung bestellte Torpedo- boote in Arbeit. Die Fertigstellnug der Boote soll bis zum 15. Mai erfolgen, widrigenfalls eine hohe Konventionalstrafe verfällt. Zwei Boote werden vollständig fertig genietet; sie sollen ans dem Seewege nach Rußland übergeführt werden. Die Mannschaft für die Ueberführung ist bereits bestimmt. Die anderen beiden Torpedoboote werden so eingerichtet, daß man die einzelnen Teile verladen und am Bestimmungsorte zusammensetzen kann. Bekanntlich sind in England ähnliche Aufträge für Japan von der Regierung sisüert worden. Sind etwaBulows„freundnachbarliche Beziehungen" zwischen Deutschland und Rußland so verfilzt, daß von deutscher Seite ein solcher Einspruch nicht erfolgt? Das Los der russische» Verwundeten. Ein russischer Militärarzt, der die S ch l a ch t bei Mulden mitgemacht hat, schildert in ergreifender Weise in einem Briefe an„ S Y n O t e t s ch e st w a" die verzweifelte Lage der Verwundeten. Er gibt mehrere Beispiele an, wie Soldaten mit schweren Kopf- und Bauchwunden mehrere Tage in ungeheizten Waggons zugebracht haben.„Dort, wo sie notwendig sind", schreibt er,„sind sie nicht da, aber wo man sie nicht braucht, sind sie in großer Zahl vor- Händen. So geschieht bei uns alles. Wenn ein Hospital in diesem Moment am rechten Flügel sein muß, wird es unbedingt am linken sich befinden, und umgekehrt. Nach Mulden wurden mehrere Hospitäler entsandt. Man sprach, daß diese Maßregeln getroffen wurden in Voraussetzung, daß die Japaner zum Rückzüge gezwungen würden. Und wenn das auch passiert wäre. wäre es dennoch ver- nünftiger die Hospitäler in Charbin zu lassen. Denn jetzt nach unserem Rückzüge kommen wir m Charbin ohne diese Hospitäler ge- radezu um. Verwundete gibt es hunderttausend, und Plätze in Charbin gibt es für 46666, von welchen 15 066 noch vor der Mutdcner Schlacht besetzt worden sind.„Weiter gibt der Autor dieses Briefes einige Details darüber, was im Rücken unserer Armee während ihres Rückzuges vorging". Gestern kam ein Zug mit 360 Verwundeten an. 60 von ihnen starben auf dem Wege von Mulden nach Charbin. Augenzeugen erzählen, daß der Rückzug unserer Truppen so ordnungslos vollzogen wurde, daß gesunde Menschen auf die Dächer der Waggons der Sanitätszüge hinauf- kletterten und sich an die Puffer anklammerten.— Ein Zug überfuhr mehrere Personen, welche infolge Ermüdung von den Dächern, Puffern und von den Stufen der Waggons herunterstürzten." Eue der Partei. polizeiliches, Gerichtliches ufo. Ein Land- und ein Rechtsidyll. In Merseburg wurde an, Donnerstag der von dem lvohlhabenden Agrarier Burckhardt gegen den Redakteur Genossen Weiß- mann vom„Volksblatt" anhängig gemachte Preßprozeß in Halle zu Ende geführt. Weißmann hatte den, Agrarier, der Kreisvor- sitzender des Bundes der Landwirte gewesen ist, in einen, Artikel borgeworfen, er habe mit seinen, Dienstmädchen in, Konkubinat ge- lebt. Der Beweis der Wahrheit wurde erbracht. Burckhardt wollte aber nur einige Male, so behauptete sein Verteidiger, in der„Be- stürzung" mit seinem Dienstmädchen Klara Starke intim verkehrt haben. In der Neuzeit soll die„Eheirrung" nicht passiert sein, ob- wohl das Mädchen bor einiger Zeit geboren hat. Klara Starke machte von dem Recht der Zeugnisverweigerung Gebrauch und Genosse Weißmann wurde zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. Der fungierende Amtsrichter v. Borcke verkündete sogar das Urteil hinter verschlossenen Türen, obwohl 8 174 der Strafprozeßordnung deutlich sagt: Die Verkündung des Urteils erfolgt in zedem Falle öffentlich._ Die Maifurcht des Zarismus. Petersburg ist in fieberhafter Spannung. In der„Gesellschaft" werden Gerüchte verbreitet, daß Entsetzliches bevorsteht. Die liberale Presse gibt zu verstehen, daß, wenn es Entsetzen geben wird, es nicht von den Arbeitern ausgehen wird. Die„Nowosti" schreibt:„Da wir den politischen Sinn, den Takt, die Korrektheit unserer Arbeiter kennen, können wir überzeugt sein, daß, wenn irgend welche Meetings, Prozessionen, Demonstrationen stattfinden, es unbedingt friedliche sein iverden. Ich erinnere an den 21. und 22. Januar. Petersburg war wie neu geboren an diesen Tagen. Es gab weder Betrunkene, noch Skandalmacher, noch Schimpfreden, noch die sonst üblichen häß- lichen Auftritte. Die Polizei und die Dworniks waren an diesen Tagen untätig und trugen dadurch sehr zur Auftecht- erhaltuug der Ordnung bei. Das Fenstereinschlagen, die Plünderung der Läden begannen erst später als Folge davon, daß die ganz disziplinierten Arbeiter nicht in die Stadt gelassen wurden, die ge- wiß die Ausschreitungen der„Chuligans" und des„Schwarzen Hunderts" verhindert hätten." Die älteren Schülerinnen des Nikolaischen Waiseninstituts sind angesichts der„unruhigen Stimmung unter den Arbeitern" vom 26. April ab in die Ferien entlassen, die jüngeren werden aus dem Jnstitutgebäude, das sich am Schlüsselburgertrakt, in einer Fabrik- gegend befindet, in das Zentrum der Stadt überführt werden. *« * Die Finanznot. Petersburg, 26. April.(„Laffan"-Meldung.) Ueber eine Weigerung einer Staatsbank-Filiale, Banknoten mit Gold ein- zulösen, berichtet das Blatt„Syn Otetschestwa", das regel- mäßig konfisziert wird, sobald es unzutreffende Mitteilungen beunruhigender Natur bringt. Da eine Konfiskation in diesem Falle nicht stattgefunden hat. haben die Angaben des Blattes um so höhere Bedeutung.„Syn Otetschestwa" teilt mit, daß vor einiger Zeit Gerüchte, damals nur Gerüchte, im Umlauf waren, die Reichsbank-Filiale in Witewsk habe die Einlösung von Banknoten mit Gold eingestellt.„Und in der Tat," sagt das Blatt weiter,„hat die Bank vor einigen Tagen die Ein- lösung von 4000 Rubeln in Banknoten, für welche ein Kauftnann Gold haben wollte, verweigert. Als der Kaufmann auf der Einlösung bestand, drohte ihm der Bankkassierer mit der Polizei. Schließlich mußte der Leiter der Filiale ein- schreiten und nach langem Hin und Her bewilligte er die AuszahlungZvon 2000 Rubeln. Ebenso erging es am selben Tage einem Studenten, der die Einlösung von Banknoten im Betrage von 500 Rubeln verlangte, und wenige Tage später einer Frau F. Nach langen Auseinandersetzungen mit dem Kassierer und dem Vorsteher der Filiale erhielt der Student 200 und die Dame 300 Rubel anstatt der 800, die sie verlangt hatte. Die Beamten erklären, sie hätten bestimmte Weisungen." Die russische Situation vom Standpunkt der Handelsklasse. Der Börsenverein in Borissoglebsk hat an den Minister des Innern die folgende Depesche gerichtet:„Durch den Allerhöchsten Ukas vom 3. Februar ward die Absicht des Kaisers verkündet, zur Teilnahme an der gesetzgeberischen Arbeit Vertreter des Landes zu berufen, die das Vertrauen der Bevölkerung besitzen. Seitdem sind nahezu zwei Monate verflossen, jedoch ist die Frage, wann und wie die Volksvertreter einberufen werden, noch nicht geklärt. Indem befindet sich das Land im Zustande der äußersten Spannung. Der Zwiespalt zwischen den einzelnen Schichten der Bevölkerung wächst und wird akuter, und jeder Tag der Berzögcning in der Verwirk- lichung des Allerhöchsten Willens droht mit den entsetzlichsten Folgen. Der Handel und die Industrie, diese empfindlichsten Messer des Zustandes des Staats- und Volkslebens, stehen ganz still, unvermeidlich drohen ihnen aber neue enorme Lasten von den geplanten Steuern. Der Börsenverein in Borissoglebsk, der durch das Gesetz benifen ist, für die Bedürfnisse des Handels und der Industrie am Orte zu sorgen, erachtet es für seine Pflicht, zur Kenntnis Euerer Exzellenz zu bringen, daß die sofortige Einberufung der mit allgemeiner, gleicher und direkter Stimmabgabe gewählten Vertreter aller Teile der Bevölkerung erforderlich ist und daß zur Teilnahme an der unter dem Vorsitz Euerer Exzellenz arbeitenden Kommission neben den Vertretern der anderen Teile der Bevölkerung auch Vertreter der Börsenvereine einzuladen find." Der Richter des Sergius. Der Verteidiger Kolajcws, des Richters des Großfürsten Sergius, hat die Kassationsklage gegen das Todesurteil eingereicht. Er stützt sich formell darauf— laut„Tag"—, daß das Urteil zwar laut Gesetz bei offenen Türen verkündet, dem Publikum jedoch der Ein- tritt in den Gerichtssaal verwehrt wurde. »»» Für Finnlands Verfassung. Der finnische Landtag, dessen Session bereits beendet ist, hat sich nicht dazu mißbrauchen lassen, die von der russischen Regierung verübten Verfassungsbrüche und Rechtskränkungen zu sanktionieren, son- dern vielmehr gegen diese versuchten Gewalttaten enffchiedenen Protest eingelegt und damit in Uebereinstimmung mit dem finnischen Volk gehandelt. Die Volksbewegung für die Anerkennung und Aufrecht- erhaltung der vom Zaren beschworenen Verfassung ist über das ganze Land verbreitet und tvird immer stärker. Wie aus Wiborg vom 25. April gemeldet wird, hat dort eine große Volksversammlung stattgefunden, an der Repräsentanten für das ganze Gouvernement Wiborg teilnahmen, und in der beschloffen wurde, die Forderung zu stellen, daß jeder russische und finnische Beamte, der die finnischen Staats- Grundgesetze nicht befolgt, seines Amtes entsetzt werden soll. Es wurde in der Versammlung ausgesprochen, daß auch der Gouverneur von Wiborg Mjasojedow von seinem Amte zurücktreten müßte. Ferner lvird aus Kurzio vom 24. April gemeldet, daß eine Deputation von Bürgern bei den, Gouverneur Bergh vorstellig wurde und ihn aufforderte, sein Abschiedsgesuch einzureichen, weil er Gesetzeskränkungen zugelassen habe. Als er sich dessen weigerte, sammelte sich eine große Volksmenge vor seinem Hause und demonstrierte gegen ihn._ Soziales. Bauarbeiterlöhue und Wohnungsmieten. Man schreibt uns: Der Berliner Spar- und Bauverein hat am Nordufer einen neuen Häuserblock fertiggestellt. DieBaukosten der Ansiedelung belaufen sich auf 1100000 M. Dazu bemerkt der Vorstand in seinem soeben versendeten Jahresbericht:„Abgesehen von den zum Teil teureren Materialpreisen, sind es besonders die erheblich hBhere« Löhne der Bauarbeiter, welche den Neubau so wesentlich verteuern. Die Baukosten unserer Ansiedelung Nordufer stellen sich um 100 M. für den Quadrat- meter teurer, als die Baukosten unserer vor 10 Jahren vollendeten Ansiedelung Sickingenstraße, d. h. wir zahlen heute an Bau- kosten für die Ansiedelung Nordufer mindestens 300000 M. mehr, als die Baukosten vor 10 Jahren betragen hätten. Diese Differenz in den Baukosten ist fast gleich der Summe, welche wir für den gesamten Grund und Boden am Nordufer zahlten. So sehr wir den Bauarbeitern die höheren Löhne gönnen, so wenig ist mit dieser Tatsache unser Wunsch vereinbar, unseren Genossen billige Wohnungen herzustellen. Schon heute müssen wir uns mit dem Gedanken vertraut machen, daß wir eine einzimmerige Wohnung nicht mehr unter 300 Mark und eine zweizimmerige nicht mehr unter 400 Mark vermieten können." Daran sind also die Löhne der Bauarbeiter schuld? Es ist außerordentlich zu bedauern, daß eine derartige Angabe von der Leitung einer Genossenschaft ausgeht, unter deren 3080 Genossen 1830— also 60 Proz.— Arbeiter sind; denn diese Angabe trifft durchaus nicht zu. Es sind nicht„besonders die erheblich höheren Löhne der Bauarbeiter", welche die neue Ansiedelung so wesentlich ver- teuern. Warum sind gerade die Lohnverbesserungen heraus- gegriffen, um die höheren Mietpreise zu erklären? Die Kosten einer Wohnung setzen sich zusammen aus Bodenrente, Materialkosten und Lohn. Warum wird denn abgesehen „von den zum Teil teureren Materialpreisen"? Als die Vereinsleitung vor fünf Jahren, in ihrem Jahresbericht über 1899, einen ähnlichen Vergleich anstellte, sagte sie selber, daß ihr im Jahre 1893 das Tausend Mauersteine frei Baustelle Sickingenstraße 19,50 M. kostete, 1899 bereits 29,50— das sind 52 Proz. mehr—, 100 Kilogramm eiserne Träger 1895 11 M.. 1899 bereits 18 M.- das sind 64 Proz. mehr—; und diese„Unternehmerlöhne" sind in den letzten Jahren noch höher gesttegen, z. T. bis 70 Proz. gegen das Baujahr Sickingenstraße, 1895. Und die arbeitslose Bodenrente? Vor zehn Jahren zahlte die Genossenschaft für die Ouadratrute 580 M.. heute 850 M., das sind 45 Proz. mehr gegen früher. Gleichfalls arbeitslose Bodenrente ist es, die der arbeitslose Ziegelei- besitzer aus seinem Ziegeltonboden zieht, indem er den Preis der Mauersteine ohne eigene Arbeit und ohne Arbeiterlohn- Verbesserung um 60 Proz. erhöhte. Die werktätige Arbeit dagegen hat von der Wohn- Verteuerung gerade den allergeringsten Teil erhalten: Die Löhne der Bauarbeiter und Bauhülssarbeiter sind in dem eitraum von zehn Jahren zum Teil ganz unbedeutend, zum eil um 40 Proz. gestiegen. Gegenüber diesen Zahlen ist es denn doch eine recht ober- flächliche Behauptung, daß„besonders die erheblich höheren Löhne der Bauarbeiter" die Arbeiterwohnungen verteuerten. Es würde der Vorstandsleitung(wenn sie auch zur Zeit immer noch ehrenamtlich wirkt), jedenfalls unmöglich sein, eine der- artige Behauptung als Meinung der Genossenschaft in die Welt zu setzen, wenn die Arbeiter, die mit 60 Proz. die anderen Mitglieder überwiegen, in demselben Verhältnis im Aufsichtsrat vertreten wären, was sie ja durch die General- Versammlung selbst in der Hand haben. Es ist Pflicht der Arbeitermitglieder, als Gewerkschaftler dafür zu sorgen, daß die gewerkschaftliche Kulturarbeit in der Genossenschast die Behandlung erfährt, die sie zu beanspruchen hat. Agrarische Währung. Jüngst schon wurde mitgeteilt, daß der Großagrarier Graf Görtz im Schlitzer Lande(Oberhessen) seine Arbeitsleute mit Blech- geld auszahlt. Die„Mitteldeutsche Sonntagszeitung" hat sich der Sache angenommen und festgestellt, daß im Machtbereiche des Grafen Görtz das Blechgeld noch heute allgemein kursiert. Es existieren Stücke von 1 Pf., 6, 10, 26, 56 Pf. und 1 M. Diese Marken aus Messingblech tragen auf der einen Seite den Wertaufdruck mit der Umschrift„Lohnmarke" und auf der anderen Seite den Aufdruck:„Burggiiter- Verwaltung Schlitz". Mit diesen Marken werden die Arbeiter abgelohnt, während der Herr Graf das gute Reichsgeld nützlicher anlegt. Die Arbeiter sind mit ihren Einkäufen auf die Geschäftsleute angewiesen, die zur gräflichen Gutsverwaltting in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis stehen. Für den Grafen Görtz springt dabei noch der Extravorteil heraus, daß er für jede verlorene Blechmarke, da sie nun nicht mehr zur Einlösung präsentiert werden kann, das bare Geld behält. Da auf den Gütern dieses Musteragrariers auch viele gewerb« liche Arbeiter beschäfttgt werden, so ist vielleicht die Gewerbe» Inspektion in der Lage, das Einschreiten des Staatsanwalts auf Grund der Gewerbe-Ordiuing zu veranlassen. Lehrlingsverhältnis ohne Bertrag und Fortbildnngsschnlpflicht. Der Bäckermeister Hoffmann aus Werl war in zweiter Instanz zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er seinen, nach Ansicht des Gerichts bei ihm in einem Lehrverhältnis befindlichen Sohn nicht in die Fortbildungsschule geschickt hatte. Das Kammergericht verwarf seine Revision am 27. April, indem es gleich dem Landgericht für unerheblich erklärte, daß ein Lehrvertrag mit dem Sohn nicht abgeschlossen worden war. ES wurde dazu ausgeführt: Die Gewerbe» Ordnung wolle allerdings in verschiedenen Bestimmungen darauf hin» wirken, daß ein schriftlicher Lehrvertrag abgeschlossen werde. Sie sage aber dabei, daß ein Lehrverhältnis 4 Wochen bestehen könne ohne Lehrvertrag, und drohe weiter den,, der dann, nach vier Wochen, einen Lehrvertrag nicht abschließe, allerlei Nachteile an.— Daraus schließe das Kammergericht, daß ohne einen Lehr vertrag im Sinne der einschlägigen Bestimmungen der Gewerbeordnung ein Lehrverhältnis bestehen könne auch über jene vier Wochen hinaus, bis es irgendwie sein Ende erreiche, und daß es nicht schon dadurch beendet werde, daß nach vier Wochen kein Bertrag abgeschlossen worden sei. Demnach entbinde auch ein Lehrverhältnis ohne Vertrag nicht den Lehrherrn von der Verpflichtung, den betreffenden Lehrling an den für Lehr- linge bestimmten Vorteilen, hier dem Fortbildungsschulunterricht, teil- nehmen zu lassen. Da ein berufsmäßiges Lehrverhältnis festgestellt sei, wenn auch ohne Lehrvertrag, so sei Angeklagter mit Recht wegen der Fortbildungs-Schulversäumnis des Sohnes besttast worden. Se�erkfcbaftlicbes. Berlin und tlmgegencl. Polizei und Streikposten. Entgegen den gesetzlichen Bestimmungen, welche das Streikposten- stehen als ein aus dem Koalitionsrecht sich zweifellos ergebendes Recht der Arbeiter festsetzen, machen die' Beamten des 66. Polizei» Reviers den streikenden Modelltischlern der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft die Ausübung dieses Rechtes völlig unmöglich. Sobald sich nur ein Streikender in der Nähe des Werkes in der Brunnen- und Voltastraße sehen läßt, kommt ein Schutzmann auf ihn zu mit Achtung, Leiftenvergolder! In der Gotbleisten- Fabrik von Baate in Brandenburg a.§. ist Streit ausgebrochen. Zuzug von Leisten vergoldern resp. Politurarbeitern ist streng fernzuhalten. Der Hauptvorstand des Verbandes der Vergolder Deutschlands. Deutfches Reich. Von den übrigen Beschlüssen der Konferenz tönnen noch folgende veröffentlicht werden: verpflichten sich alle beteiligten Parteien, alles aufzubieten, um die Im Falle, die Regierung würde eine neue Mobilisierung wagen, Mobilisierung zu verhindern. Vorläufig wird ein entsprechender gemeinsamer Aufruf erscheinen. Aufrufe wurden beschlossen: um das Volk vor der zarischen Demagogie im sozialen Gewande und vor der Verhehung der Nationen gegen einander zu warnen, um ihm zu erklären, daß es keine Regierung mehr gäbe, sondern zwei friegführende Parteien: das Volf und die zarische Bande. Worten: Sie sind Streifposten, Sie dürfen sich im Bereiche der Izeit bis zum 1. April 1906. In folgenden Drtent dieses Korporation auf ffreng demokratischer Grundlage fördernde Sosial Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft nicht aufhalten." Bahlreiche Bezirks steigt der Sohn von 32 auf 35 f. pro Stunde: Cammer, und Munisipalpolitik." Siftierungen find schon während des Streits erfolgt, die Damelang, Freienthal, Golzow, Grüneiche, Ludsfleis, Obergrün, teine andere Ursache hatten als die, daß die Beamten jeden Bernis und Nagusen; von 35 auf 38 Pf. steigt der Lohn in den Ortschaften Krahne, Reckahn, Göttin, Greps, Prüßte, Riez und Streifposten, selbst in der durchaus nicht belebten Volta- und der Schmerzte. Die zunehmende Stärke der Organisation läßt es stillen Wattstraße, als ein Verkehrshindernis betrachten. Aus Haus- die Unternehmer offenbar bedeutend ratsamer erscheinen, auf friedfluren, Schank- und Zigarrengeschäften find Arbeiter, die Streitposten lichem Wege den Wünschen der Arbeiter entgegenzukommen, als sich standen, von Schuhleuten herausgeholt worden!! Allerdings gelangen erst durch schädigende Streiks dazu zwingen zu lassen. Wenn sie solche Versuche nicht immer, denn manche Geschäftsleute und Haus- die Organisation der Arbeiter nicht respektieren gelernt hätten, dann berwalter ver baten sich derartige Eingriffe der Polizei mit Recht würden sie jetzt ebensowenig wie früher daran denken, mit ihren" ganz entschieden. In anderen Fällen konnten die Beamten dagegen ihr Arbeitern ein Vertragsverhältnis einzugehen. unberechtigtes Vorgehen, ohne einen anderen Widerspruch als den der Streifenden zu finden, ausführen. Unter diesen Umständen ist den Streifenden der A. E.-G. die Ausübung ihres gesetzlichen Rechtes in der Tat unmöglich gemacht. Eine Anzahl von Strafmandaten ist bereits an Streifende erlassen worden. In all diesen Strafmandaten kehren Wendungen wieder wie:„ Sie haben als Streitposten auf dem Bürgersteig gestanden."" Sie haben vor dem Grundstück der Allgemeinen Elektrizitäts- Gesellschaft, wo zurzeit gestreift wird, gestanden." Wenn auch die Strafen wegen angeblicher Verkehrsstörung verhängt werden, so zeigen doch diese Wendungen, daß weniger das angebliche Verkehrshindernis als der Streitposten getroffen werden soll. In einem sonderbaren Gegensatz zu Gesetz und Rechtsprechung steht die Anschauung des dem 60. Revier vorstehenden Polizeileutnants, der wegen des Verhaltens feiner Beamten von einem Streifenden zur Rede gestellt wurde und ihm zur Antwort gab, er, der Leutnant, wisse wohl, daß die Arbeiter das Recht haben, Streitposten zu stehen, er werde aber jeden Streit poften wegweisen lassen und nicht dulden, daß sich dieselben vor dem Grundstück der A. E.-G. aufhalten. Dieser Anschauung gemäß wird denn auch seitens der Beamten gehandelt. Natürlich werden die polizeilichen Strafverfügungen zur gerichtlichen Entscheidung gebracht und das Verhalten der Polizei wird als nicht gerechtfertigt hingestellt werden. Vielleicht aber erst zu einer Zeit, wo der Streit längst vorbei ist. Inzwischen hat die Polizei die Macht, durch das Recht der Streilposten mit starter Hand einen Strich zu machen und so zu zeigen, was ihr Arbeiter rechte wert sind. Zum Streit der Modelltischler wurde in der am Donnerstag abgehaltenen Branchenversammlung mitgeteilt, daß bis jetzt 43 Berufsangehörige in zehn Betrieben zu den geforderten Bedingungen arbeiten. Die Betriebe der Metallindustrie verhalten sich nach wie bor ablehnend, jedoch erwartet man mit Sicherheit, daß auch sie über furz oder lang nachgeben müssen, da es ihnen nicht möglich ist, ihre Arbeiten fertiggestellt zu bekommen. Nur einzelne Streifbrecher arbeiten in einigen Betrieben. Von den Streitenden selbst ist auch nicht einer abtrünnig geworden. Die Unternehmer versuchen zwar, ihre Arbeiten auswärts anfertigen zu lassen, aber die Streifleitung hat hat mit den auswärtigen Kollegen so gute Verbindungen, daß sie jeden derartigen Verfuch vereiteln fonnte. Die Streifenden, welche Berlin verlassen haben, fanden in anderen Orten sogleich wieder Arbeit. Die Versammlung beschloß, an der bisherigen Tattit festzuhalten, bis die Unternehmer mit an nehmbaren Zugeständnissen an die Arbeiter Herantreten. " " M wurden als erster Schritt ein gemeinsames auswärtiges Gefretariat Um das Zusammenwirken der Parteien dauernd zu erhalten, der sozialistischen und revolutionären Parteien Rußlands gegründet, welches bald in einer westeuropäischen Stadt eröffnet werden wird, und der Beschluß gefaßt, daß sich die lokalen, in einer Stadt oder Lohnbewegung und Tarifvertrag auf der Flensburger Schiffswerft. Gegend wirkenden Komitees der Parteien und besonders die der verAuf der Flensburger Schiffswerft, die ungefähr 2500 Arbeiter be- fchiedenen Nationen in ständiges Einvernehmen sehen sollen.( Dieser schäftigt, herrscht seit geraumer Zeit unter den Arbeitern Unzufrieden Beschluß wird besonders für Litauen und den Kaukasus wichtig sein.) Dies sind die Resultate der Konferenz. Ueber das Fernbleiben heit mit den immer schlechter werdenden Lohn- und Arbeitsverhält nissen. Besonders wird über das anhaltende Zurückgehen der Atford- der anderen Parteien wird uns folgendes berichtet: Die russischen Liberalen und die polnische Nationalliga, welche löhne geklagt. Um eine Einigung im guten herbeizuführen, haben die einzelnen Werkstätten einen Tarifvertrag zusammengestellt weder sozialistisch noch revolutionär sind, wurden nicht eingeladen. Die finnländische Arbeiterpartei ist eine in ihrer ganzen Tätig gende find: die regelmäßige Arbeitszeit soll 92 Stunden, der feit durchwegs auf legalem Boden ſtehende Partei, welche, wie fich und der Direktion unterbreitet, dessen wesentliche Bestimmungen folMindestlohn für ungelernte Arbeiter 32 Pf., für gelernte Arbeiter, herausgestellt hat, trotzdem fie eben eine Aktion für das allgemeine einschließlich Buzzer, Schmelzer, Eisenleute, Dampfhammerführer, Stimmrecht begonnen hat, sich solchen verschwörerischen Aktionen und Krahnführer und Galvaniseure 35 Pf., für Nieter 37 Pf., für Bündnissen nicht anschließen fann. Schiffszimmerer 45 Pf. die Stunde betragen; die Seizer Sozialistenpartei waren nur aus technischen Gründen verhindert, an Die litauische Sozialdemokratie und die ukrainische( ruthenische)! einen Wochenlohn von 24 Mark erhalten. Mehr Mehr sollen als 18 Stunden( 1) darf hintereinander nicht gearbeitet werden. der Konferenz teilzunehmen; ihre Uebereinstimmung mit den BeEbenso bescheiden sind die Forderungen betreffs ueberarbeit, Afford- schlüssen im allgemeinen scheint sicher zu sein. zuschlag und sonstigen Arbeitsbedingungen. Trotzdem scheint die Die russische Sozialdemokratie ist gegenwärtig, wie bekannt, in Direktion sich auf einen Konflitt vorzubereiten. Sie hat, wie die zwei Lager gespalten. Die" skra" Fraktion, die sogenannte Schleswig- Holst. Volksztg." in der Lage ist mitzuteilen, an den Minderheit", welche unter der Führung von Plechanow steht, lehnte rbeitgeberverband in Dänemark das Ersuchen ge- im vorhinein ab; aus dem Grunde, weil die Konferenz von einer richtet, Arbeiter. die aus Flensburg kommen, nicht einzustellen. Zu Person( Gapon), nicht von einer organisierten Partei einberufen Gegendiensten sei man gern bereit. Diese Zusicherung ist übrigens wurde. Die„ Wserod"-Fraktion( die Mehrheit", die„ Leninschen") überflüssig, denn solche, Gegendienste" sind von deutscher Arbeitgeber entfendete dagegen zuerst ihre Vertreter. seite der dänischen Scharfmacherorganisation bereits in reichem Maße Der Allgemeine jüdische Arbeiterbund, die Lettische sozialdemos geleistet worden, zur Zeit der großen Aussperrung der dänischen Metall- fratische Partei und die sogenannte„ Armenische sozialdemokratische arbeiter, in der nach demselben Schema, das heute die Flensburger Organisation" stellten zuerst gemeinsam als Bedingungen ihrer Teil Werft benußt, die dänischen Arbeitgeber die deutschen baten, ausnahme auf: daß der Grundsatz des allgemeinen, geheimen, gleichen gesperrten dänischen Metallarbeitern keine Arbeit zu geben. Auch und direkten Wahlrechts im voraus anerkannt werde und daß die bamals war man dänischerseits zu Gegendiensten bereit. Und diese Konferenz außerdem nur über praktische Fragen des Kampfes be Gesellschaft wagt, dem Proletariat feine Internationalität vorzu- rate. Darauf wurde geantwortet: 1. Daß diefer Grundsatz für alle beteiligten Parteien als selbstverständlich gelte; 2. die Konferenz halten! ihre Tagesordnung selbst feststellen werde und daß übrigens feine Majoritäts, sondern nur einstimmige Beschlüffe verpflichtend sein fönnen. Nun erschienen die Vertreter diefer drei Parteien in der Konferenz, verlangten aber vor allem, daß der" Lettische sozialdemokratische Verband"( eine mit der" Lettischen sozialdemokratischen Bartei" rivalisierende Gruppe) ausgeschlossen werden solle, da diese Gruppe schwach und unbedeutend sei. Diesem Verlangen schloß sich auch die russische sozialdemokratische„ Wserod"-Fraktion an. anderen Parteien schlugen vor, ins Protokoll die Verwahrung ein zutragen, daß die Teilnahme der protestierenden Parteien an der Stonferenz nicht die Anerkennung der Bedeutung des Lettischen Verbandes" in sich schließe; auf die Ausschließung, erklärten fic. nicht eingehen zu können, weil die Aufgabe der Konferenz überhaupt nicht darin bestehe, über die relative Bedeutung und Stärke der Parteien zu Gericht zu sißen und zum Beispiel eine der protestierenden Bar feien( die armenische Organisation") gewiß noch viel schwächer sei als der inkriminierte Lettische sozialdemokratische Verband" Daraufhin erklärten die Vertreter des jüdischen Arbeiterbundes, der„ Wserod"-Fraktion der russischen Sozialdemokratie, der„ Lettischen fozialdemokratischen Partei" und der Armenischen Sozialdemo tratischen Organisation", die Konferenz noch vor dem Eintritt in die Tagesordnung zu verlassen, und es blieben die oben angegebenen sieben Parteien. Zur Aussperrung der Hamburger Holzarbeiter. Seit gestern hat sich die Situation nur wenig geändert; hinzugekommen sind nur fünf Betriebe mit 14 Gesellen, während die größeren und größten Möbel- und Spezialfabriken sich an der Aus Die Zahl der Ausgesperrten und sperrung nicht beteiligen. Streifenden beträgt etwas über 1000. Die Innungsvorstände und der Arbeitgeber- Schutzverband der Holzindustrie schwindeln in der bürgerlichen Presse dem Publikum bor, es handele sich um einen Gewaltstreich des Holzarbeiter- Ber Bur Lohnbewegung der Schmiede. Am Donnerstag befaßte fich bandes, der sich zum Ziel gesetzt habe, unfrieden zu stiften, damit eine ungewöhnlich stark besuchte Versammlung der organisierten Schmiede in Dräsels Saal mit der Formulierung der die Holzindustriellen nicht zur Ruhe kommen. Die Aussperrung Forderungen an die Innungsmeister und Fuhrgeschäfte. Nach aller dem Verbande angehörenden Tischlergesellen wird als eine eingehender Erörterung der Materie wurde einmütig beschlossen, den notwendige Abwehr gegen den" Terrorismus" der Arbeiter in Betracht kommenden Arbeitgebern durch die Ortsverwaltung der bezeichnet. Mit der Aussperrung aller Tischlergesellen Hapert es, wie Drganisation unter Hinzuziehung des Gesellenausschusses folgende die mitgeteilten Zahlen beweisen. Der Wunsch ist hier der Vater Forderungen zu übermitteln: des Gedankens. Einführung der neunstündigen Arbeitszeit an Stelle der bisherigen zehnstündigen, und zwar darf nicht vor 7 Uhr morgens angefangen und nach 6 Uhr abends aufgehört werden. Tags vor den hohen Festen muß die Arbeitszeit um 2 Uhr nachmittags beendet sein. Ueberstunden dürfen nur in den bringendsten Fällen gemacht werden; Sonntagsarbeit darf nicht stattfinden. Der Dresdener Bäckerstreit beendet. Verfammlungen. " Die Eine von 300 Personen besuchte Bäderversammlung, die Donnerstag nachmittag im Trianon" tagte, beschloß mit großer Mehrheit, den Bäderstreit in Dresden und Umgegend für beendet Der Minimallohn pro Stunde soll betragen: für Schirr zu erklären, weil vorläufig feine Aussicht vorhanden sei, durch den meister 62% Pf., Feuer und Beschlag 571/ Pf., Beschlag oder Feil- Streit mehr zu erzielen als bereits erreicht worden ist. Der Boykott bant 52 f., Stod und Beschlag 50 Pf. und für Stodgefellen 45 f. soll aber aufrecht erhalten werden. Es wurde ausgesprochen, von Ueberstunden werden mit 10 Pf. Aufschlag pro Stunde vergütet. den Dresdener Arbeitern erwarte man, daß sie ihren Bedarf an Höhere Löhne, als die hier festgelegten, bleiben bestehen, und zwar Badwaren nur von Bäckermeistern beziehen, die bewilligt haben. Eine öffentliche Malerversammlung, einberufen von der bor Arbeitszeit der gleiche bleibt wie zuvor bei der zehnstündigen arbeiten. 150 Bäcker stehen noch im Ausstande. Mit den Bäder- 14 Tagen gewählten Siebenerkommission, fand am Donnerstag im dergestalt, daß der Verdienst pro Woche bei täglich neunstündiger Bis jetzt haben 116 Betriebe bewilligt, in denen 270 Gehülfen Arbeitszeit. Die wöchentliche Lohnzahlung hat sofort nach beendeter meistern im Plauenschen Grunde werden Verhandlungen über einen unteren Saale von Feuerstein in der Alten Jakobstraße statt und Arbeitszeit in der Werkstatt zu erfolgen. Alle Allgemein- Tarif geführt, die trotz der Beendigung des Streiks einen befriedi- war dazu bestimmt, über den neuen, von jener Kommission aus. bestimmungen werden dann noch gefordert: In Kost und Logis darf genden Erfolg versprechen. nicht gearbeitet werden. In jeder Werkstatt müssen brauchbare Ausland. gearbeiteten Lohntarif zu beraten. Der Referent Gustav Genz bemerkte zunächst, daß in der Presse teilweise ganz berkehrte Be Verbandstäften, genügende Waschgelegenheit und Ventilation, eine Eine Massenaussperrung in der schwedischen Eisenindustrie. Die richte über die vorige Versammlung erschienen feien. Es wäre nicht Uhr und genügend große verschließbare Kleiderschränke vorhanden Eisen- und Metallarbeiter der Helsingborger mechanischen Werkstatt beabsichtigt, den jekt geltenden Lohntarif zu brechen. Vom„ Vorfein. Das Aufräumen der Werkstatt darf nur während der Arbeits- sowie die Maschinenarbeiter und Selempner der Helsingborger Schiffs wärts" bemerkte der Redner, daß er die Gelegenheit benugt habe, zeit erfolgen. Sämtliche vorstehende Bestimmungen sollen grund- werft, im ganzen 275 Mann, haben am Mittwoch die Arbeit nieder die Lokalorganisierten anzurempeln; doch sei man das von jener legend sein für den Arbeitsnachweis, mit der Maßgabe, gelegt. Es besteht, wie der skandinavischen Bresse gemeldet wird, Seite gewöhnt. Der Tarifentwurf, der dann verlesen und zur Dis. daß nur zu diesen Bedingungen Arbeitskräfte bermittelt die Gefahr einer allgemeinen Aussperrung in der Eisenindustrie fussion gestellt wurde, enthält als Hauptforderung die achtstündige werden. Arbeitgeber, vorstehende Bestimmungen nicht Schwedens, die ungefähr 50 000 Arbeiter beschäftigt. Der Haupt- Arbeitszeit und den 70 Bf.- Stundenlohn; für Ueberstunden bis innehalten, sollen teine Arbeitskräfte zugewiesen bekommen. vorstand der schwedischen Werkstattvereinigung hält am Montag in 9 Uhr follen 90 Bf., für Nachtarbeit 1,05 M., für Sonntagsarbeit Sodann beschloß die Versammlung, den 1. Mai in der bisher Stockholm eine Sigung ab und wird dort wahrscheinlich über die 1.40 M. gezahlt werden. Für Fassadenarbeit foll 10 Bf. mehr für üblichen Weise zu feiern. Am Vormittag follen sich die Schmiede geplante Aussperrung beschließen. Daß die schwedischen Metall- die Stunde bezahlt werden. Affordarbeit soll berboten werden, der Festversammlung der Metallarbeiter im Feenpalast anschließen. industriellen friegslistern sind, fonnte man schon daraus ersehen, ebenso die Verarbeitung von Bleiweiß. Der erfte Mai foll frei Ein Antrag auf Einführung eines Extrabeitrages von daß sie die feit 1908 geführten Verhandlungen zur Schaffung eines gegeben werden. In der Diskussion protestierten die Redner der wöchentlich 30 Bf. zur Stärkung des Streiffonds wurde in geheimer bauernden Friedens plöglich unter einem nichtigen Bortvand ab- in einer Minderheit anwesenden zentralorganisierten Maler da Abstimmung mit geringer Mehrheit abgelehnt. Die Ver- gebrochen haben. Uebrigens ist dieser Tage noch ein anderer größerer gegen, daß eine von ungefähr 120 Personen besuchte Versammlung sammlung genehmigte außerdem noch die Abrechnung vom ersten Streit bei einem Mitgliede der Werkstattvereinigung ausgebrochen. über einen Tarifentwurf für die über 5000 Maler Berlins und Um Quartal d. J. Einnahmen und Ausgaben der Hauptkaffe bilanzieren 60 Hülfsarbeiter von odums mechanischer Wertstatt in gegend beschließen sollten und nannten das Ganze eine Spielerei, in der Summe von 8896,71 M. Für die Lokalfasse wurden ver- Malmö haben am Dienstag die Arbeit niedergelegt, wodurch auch Frivolität usw. Als es endlich gegen 12 Uhr zur Abstimmung fam, berließ ein großer Teil der Anwesenden den Saal. Es blieben uneinnahmt 7449,90 M., berausgabt 2493,98 M. Das Gesamtvermögen die Gießer gezwungen sind zu feiern. gefähr 70 Mann übrig, die den Tarifentwurf einstimmig annahmen. der Lokaltasse beträgt 12 555,97 M. Gegenwärtig gehören der Zahl Schließlich wandten sich der Referent sowie der Vorsitzende Berndt stelle 2400 Mitglieder an. nochmals gegen den Vorwärts", weil er feinen eigenen Bericht über die erste Versammlung brachte und dann in der Polemik mit der Staatsbürger- Zeitung" von 100" lokalorganisierten Malern schrieb. Es müsse bemgegenüber festgestellt werden, daß die Ges wertschaft der Maler 220 Maler zahlende Mitglieder habe. In Limoges ist ein neuer Streit ausgebrochen. Die Steinträger haben wegen nicht bewilligter Lohnforderungen die Arbeit nieder gelegt. Sie zogen nach den Steinbrüchen, um dort die Förderung von Steinen zu verhindern. Beschlüsse der russischen Konferenz. ( Siehe 1. Beilage.) Letzte Nachrichten und Depefchen. Zentralverband der Zimmerer.( Gau Brandenburg.) unter Mitwirkung der Gauleitung wurden während der letzten Wochen mit den Unternehmern neue Tarifberträge in folgenden Orten abgeschlossen: In Bernau find erreicht eine 2ohnerhöhung von 45 auf 50 Pf. pro Stunde und eine Verkürzung der Arbeitszeit bon 10 auf 9%, Stunden täglich. Bertragsdauer bis 1. April 1907. In Jüterbog eine Lohnerhöhung von 36 auf 40 f. pro Stunde. Die 10 stündige Arbeitszeit bleibt be= stehen. Vertragsdauer bis 1. April 1906.- In Nanen wurde " Die unterzeichneten Parteien fonstatieren ebenfalls, daß sie unter Beibehaltung der 10stündigen Arbeitszeit eine Lohnerhöhung von 40 auf 45 Pf. gefordert. Die Unternehmer in der Anerkennung folgender unmittelbaren sozialökonomischen Beilegung der Lohnbewegung im Schuckertwerk. bewilligten bei zweijähriger Vertragsdauer( bis 1. April 1907) Forderungen übereinstimmen: gesetzlicher Achtstundentag, MinimalNürnberg, 28. April.( Privatdepesche des Vorwärts".) im ersten Vertragsjahre 212 Pf. und im zweiten Jahre ebenfalls löhne für verschiedene Berufe in der Stadt und auf dem Lande, 21 Bf. Bulage. Für Schwiebus steigt der Lohn bon 30 auf staatliche Unfall, Kranken-, Alters- und Arbeitslosenversicherung Die Lohnbewegung im Schuckertwert wurde heute auf fried. Die Firma bewilligte eine zehn32 Pf. pro Stunde unter Beibehaltung der 10 stündigen Arbeitszeit. mit Beiträgen des Staates und der Unternehmer, auf der Grund- lichem Wege beigelegt. Ueberstunden werden mit 5 Pf., Nacht- und Sonntagsarbeit mit lage der Selbstverwaltung der Versicherten, Arbeiterschutzgesetzgebung prozentige Lohnerhöhung und Einführung von Affordbüchern. Vertragsdauer bis gemäß den Forderungen der wissenschaftlichen Hygiene und unter 10 Pf. Buschlag pro Stunde vergütet. 1. April 1906. In Soran ist für die dort bestehenden Klaffen der Garantie iner durch die Arbeiter gewählten Fabritinspektion, Die Arbeitszeit( 57 Stunden pro Woche) bleibt bestehen. Die Löhne von 28 bis 30 Pf. eine Lohnerhöhung von je 3 Bf. berufliche Organisation der Arbeiter mit fortschreitender Teilnahme Arbeiter des Betriebes nahmen gegen wenige Stimmen die pro Stunde vereinbart worden. Die Arbeitszeit wurde von 11 auf an der Bestimmung der inneren Ordnung der Industrie- Unter- Abmachungen an. 10 Stunden verkürzt. Vertragsdauer 1 Jahr.- Für nehmungen, Arbeitsbörsen mit Teilnahme an der Ausarbeitung der Wannsee wurde der bisherige Vertrag auf 1 Jahr verlängert unter Arbeiterschutz- Gesetzgebung, Abschaffung der indirekten Steuer, mit Petersburg, 28. April.( Meldung der Petersburger Telegraphen Beibehaltung der 9stündigen Arbeitszeit und einer Lohn Ausnahme der auf Lurusgegenstände, progressive Einkommen- und erhöhung von 62 auf 65 Pf. pro Stunde. In Kaltberge fam Erbschaftssteuer unter voller Entlastung eines Minimaleinkommens, Agentur.) Aus Anlaß der im Umlauf befindlichen Gerüchte, wonach es erst nach achttägigem Streit zu einem 2jährigen Sozialisierung, das heißt lebernahme durch die Gesellschaft zum für das Osterfest Unruhen zu erwarten feien, hat die Mehrzahl der Vertragsabschluß. Der Stundenlohn wurde sofort von 50 auf Zwecke der Benußung durch die ländliche arbeitende Bevölkerung, Gouverneure Bekanntmachungen erlassen des Inhalts, daß man keine 53 Pf. erhöht und beträgt vom 1. Juli d. J. ab aller Grundstücke, deren Bearbeitung auf der Ausbeutung fremder Unruhen befürchten solle. Jeder Versuch, die öffentliche Ordnung bis zum 1. April 1907 der ursprünglichen Forderung gemäß 55 Pf. Arbeit beruht, wobei die Bestimmung der konkreten Formen, des zu stören, werde auf das strengste unterdrückt werden. Aus vielen Die Für den Durchführungsmodus und der Ausdehnung dieser Reform der Städten ist telegraphisch mitgeteilt worden, daß diese Bekannt. 10stündige Arbeitszeit bleibt bestehen. rein ländlichen Lohnbezirk Cammer bei Potsdam gilt der Kompetenz der einzelnen Parteien, den besonderen Bedingungen machungen auf die Bevölkerung eine beruhigende(?), Wirkung aus. neue Vertrag unter Beibehaltung der 10stündigen Arbeits- jedes Landes gemäß, vorbehalten bleibt, eine die Entwickelung der geübt haben. Beschwichtigungsversuche. Berantw. Red.: Paul Büttner, Berlin. Inserate verantw.( mit Ausnahme der NeueWelt" Beilage): Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Vorwärts Buchdr. u. Berlagsanft. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen. Nr. 100. 22. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonnabend, 29. Apeit 1905. Arbeiter, Parteigenoffen! Rüftet Euch zur würdigen, imponierenden Feier des 1. Mai Der französische Einigungs- Parteitag. jeglicher Beziehungen zwischen diesen Organen und der Partei zu arbeiten) an die bereits seit 1888 von der Sozialistischen Partei Paris, 25. April.( Eig. Ber.) Dritter Tag. Vormittagssigung. Die Debatte über den Statutenentwurf wird fortgefekt. Berichterstatter Rebelin erläutert die VII. Abteilung der Statuten betreffend Barteikontrolle und Schiedsgericht: Jeder Kandidat muß sich schriftlich verpflichten, die Grundsäge der Partei und die Beschlüsse der nationalen und internationalen Kongresse zu befolgen. Die Kontrolle über das einzelne Barteimitglied wird ausgeübt zunächst durch die Föderation. Die Disziplinar maßnahmen sind: eine private oder öffentliche Verwarnung, ein Tabel und der Ausschluß aus der Partei. Ueber jede Be schwerde, die vom Komitee der Föderation als berechtigt anerkannt wird, entscheidet ein Schiedsgericht. Diese Entscheidung kann binnen 60 Tagen vor dem Kongreß der Föderation beziehungsweise vor dem Nationalrat und in letzter Instanz vor dem Parteitag angefochten werden. Zum Artifel 44 wird Renaudels Zusatzantrag vottert, der von jedem Kandidaten zum Parlament eine dreijährige Bugehörigkeit zur Partei verlangt. Die Disziplinarmaßnahmen können bis zum öffentlichen Bruch zu bestimmen, bom 1. Mai 1906 ab nicht länger als acht Stunden gehen. Artikel 61 stellt jeden Journalisten unter die Kontrolle seiner Föderation. Dsmin( P. S. de F.) beantragt einen Zusatz, der jeden Journalisten auch unter die Kontrolle des Nationalrats und des Parteitages stellt und dafür die weiteren Teil des Art. 61, der die Mitarbeit an der bürgerlichen Preise im Sinne der bezüglichen Resolution des Dresdener Parteitages regelt, zu streichen. Dieser Antrag wird angenommen. Damit ist die Beratung über die Statuten erledigt. Vor Schluß der Sigung wird auf Delorys Antrag beschlossen, namens des Barteitages eine Adresse an die Parteigenoffen des Wahlkreises von Valencennes zugunsten der Kandidatur des Genoffen Mélin in der am nächsten Sonutag stattfindenden Kammernachwahl zu richten. Nachmittagssigung. Borsitzender Sembat. Im Anschluß an die Statuten bleibt noch zu erledigen eine Uebergangsbestimmung und eine Anzahl organisatorischer Maßnahmen zur sofortigen Sicherung der Einigkeit". erhobene Achtstundenforderung erinnert: Diese Art Prioritätserinnerung wäre geeignet, auf die Konföderation verlegend zu wirken. Die sozialistische Einigkeit wird und muß auch dazu dienen, die Bande zwischen der Partei und der Arbeiterklasse, die schlaff zu werden anfingen, wieder fest zu knüpfen. Hüten wir uns, mit der Arbeiterklasse zu brechen! Lafargue erinnert, daß die Achtstundenforderung ja zuerst von der alten Internationale, Genf 1866, erhoben wurde. Daher müsse in der Resolution auf dieses Datum zurückgegriffen werden. Lagardelle stimmt Lafargue zu, dessen Anregung um so zwedmäßiger fei, als die Konföderation selbst sich auf die alte Internationale mit ihrer Devise: Die Befreiung der Arbeiter muß das Werk der Arbeiter selbst sein" beruft. Coppigneaug( P. S. F.), Gewerkschafter, spricht im Sinne Renaudels: In der Konföderation gibt es schon ohnehin gewisse Elemente, die der sozialistischen Einigkeit mißtrauisch gegenüber stehen, weil sie von ihr eine Beeinflussung der Gewerkschaften durch die Partei befürchten. Jaurès wendet sich gegen Erhebung von Prioritätsansprüchen: Die Uebergangsbestimmung betrifft den nächsten Unsere Einigkeit hat keineswegs zum Zwed, die gewerkschaftliche BeParteitag: Falls dieser im Laufe des Jahres 1905 oder in den wegung der politischen unterordnen zu wollen. Er beantragt folDie Artikel 45 und 46, welche von den Disziplinmaßnahmen ersten vier Monaten des Jahres 1906 einberufen werden würde, so gende Resolution: In Erwägung, daß die Erringung des handeln, werden von Charnay namens der Föderationen des Cher bleibt seine Vertretungsbasis dieselbe wie die des Einigungs- Achtstundentages die politische und ökonomische Befreiung des Pro( P. S. F.) und des Nord( autonom) bekämpft. Nach kurzer Debatte, parteitages in bezug sowohl auf die Vertretung der Parteimitglieber letariats im höchsten Grade interessiert, beschließt der Kongreß, in der Revelin sich u. a. auf die Praxis der deutschen Sozialdemo- wie auf die Vertretung der Wahlstimmen. parallel mit der allgemeinen Konföderation der Arbeit und gemäß Iratie, auf die Verwarnung, die in Lübeck dem Genossen Bernstein Rebelin erinnert, daß die Vertretung der Wahlstimmen nur den Beschlüssen der nationalen und internationalen Kongresse der erteilt wurde, beruft, werden die Artikel aufrecht erhalten. für den nächsten Parteitag zugelassen werde gemäß einem früheren sozialistischen Partei eine energische Aktion zugunsten des AchtZum Art. 47 wird ein Zusatz votiert, der gestattet, die Ent- Kongreßbeschluß, der damit zugleich die Uebergangsbestimmung bereits fcheidung des Föderalkomitees über die Berechtigung einer Beschwerde votiert hat. bor dem Kongreß der Föderation anzufechten. stundentages zu entfalten."( Beifall.) Lauche, Allemanist, Mechaniter- Gewerkschaftsmitglied, tritt in einer neuen Tatsache zu rechnen, mit einer erstartten Gewerkschaftsbewegung. Unsere Partei hat sich in den Dienst der Arbeiterklasse zu stellen und daher auch der von der Arbeiterklasse gewählten ftionsweise sich anzuschließen.( Lebhafter Beifall.) Ueber die Maßnahmen zur sofortigen Sicherung der Einigkeit" leidenschaftlicher Rede für eine flare Entscheidung im Sinne der Zum Artikel 53 beantragt Dsmin( P. S. de F.) einen Zusatz, berichtet Brace. Die wichtigsten Maßnahmen sind: 1. Die Konföderation ein: Der Parteitag soll Klar aussprechen, ob er sich der neben der Gesamtheit der Fraktion auch den einzelnen Depu- Föderationen oder Gruppen eines und desselben Departements, die dem Spezialzweck der gewerkschaftlichen Achtstundenkampagne an tierten der Kontrolle des Nationalrates unterstellt. In der Debatte verschiedenen Sonderorganisationen angehört haben, sind eingeladen, schließt oder nicht. Im Interesse einer intimen Annäherung zwischen bemerken mehrere Delegierte der P. S. de F., daß die von den binnen den nächsten zwei Monaten sich auf dem Wege eines Partei und Gewerkschaften bekämpft er die Resolution Jaurès, die Statuten vorgesehene Kontrolle der Föderation über den ein- Rongreffes oder einer Delegiertenversammlung zu verständigen zum in ihrer Unbestimmtheit den springenden Punkt verschweige, so daß zelnen Deputierten unzureichend fei. Das könnte zu Spaltungen in Swede, sich zu einer einzigen Föderation zusammenzuschließen. Auf die Partei jede Verantwortlichkeit für einen etwaigen Mißerfolg der der Haltung der Fraktion führen. Nur der Nationalrat wäre im- Wunsch wird der Nationalrat ben Föderationen seine Vermittelungs- gewerkschaftlichen Kampagne abwälzen fönnte. Die Ausführungen stande, die Einheitlichkeit der parlamentarischen Aktion zu sichern. dienste leihen, um von Lauche werden mehrfach mit lebhaftem Beifall aufgenommen. die Einigung zu erleichtern. 2. Die Lagardelle bedauert, daß diese wichtige Debatte, die dem Rechtsbelegierte bekämpfen den Antrag, besonders Moutet- Lyon, Föderationen sollen binnen zwei Monaten ihre Delegierten ganzen Barteitage zugrunde liege, so spät angeschnitten worden der die Kontrolle des Parteitages vorzieht, da der Nationalrat nicht in den Nationalrat wählen. Bis zur Konstituierung des immer die getreue Emanation der Föderationen sei.( Proteste lints.) Nationalrates ernennt der ständige Partei- Ausschuß aus seiner Mitte sei. Er spricht für die Vervollständigung der sonst glücklich gefaßten Moutet warnt ferner vor den trüben Erfahrungen der Ver- ein provisorisches Bureau. 3. Üm der Verwischung der Grenzen Resolution Jaurès im Sinne von Lauche: Die Partei hat mit gangenheit. zwischen den sozialistischen und nichtsozialistischen( freidenkerischen, Renaudel bekämpft seinerseits den Antrag gerade im Interesse freimaurerischen und dergleichen) Veranstaltungen einen Riegel vorder Wirksamkeit der Parteikontrolle; Das fofortige Eingreifen des zuschieben, wird bestimmt: Keine Partei- Organisation darf Vorträge, Nationalrates fönnte dazu führen, daß die betreffende Föderation Bersammlungen oder Festlichkeiten unter Mitwirkung von außerhalb Jaurès erwidert den beiden Borrebnern, die seiner Resolution ohne weiteres fich mit ihren Deputierten solidarisch erklärt. Findet der Partei stehenden Rednern veranstalten, ohne daß mindestens ein dagegen zunächst eine Auseinanderseßung über die Haltung des Parteimitglied, das von der Organisation dazu beauftragt wird, an angel an Klarheit vorgeworfen: Der Beschluß der Konföderation Deputierten innerhalb der Föderation statt, so kann man mindestens jenen Veranstaltungen als Redner beteiligt ist. Ferner dürfen die betreffs des Datums des 1. Mai 1906 ist eine Einzelheit, die nicht darauf rechnen, daß ein Teil der Gruppen dem Deputierten die Ge- Redner und Agitatoren der Partei an öffentlichen Veranstaltungen, unsere Sache ist. Die Arbeiterklasse selbst kann das Datum noch folgschaft versagt und so den organisatorischen Kern bildet, um den die nicht von der Partei ausgehen, nur dann mitwirken, wenn sie ändern. Selbst Pouget( einer der Führer der Konföderation) hat fich die treuen Parteigenossen gegen den Verräter und dessen Anhang dazu die vorherige Zustimmung der lokalen Organisationen und im Mouvement Socialiste" geschrieben, fenes Datum habe nur eine eventuell des Nationalrats eingeholt haben. symbolische Bedeutung. Es wäre eine Kinderei, im voraus ein gruppieren. Gerade meine Resolution entspricht Im Laufe der weiteren Debatte beantragt Vaillandet 4. Die Partei entschädigt aus eine Spezialtasse die Föderationen bestimmtes Datum festzusetzen. Redner schließt unter ( P. S. de F.), das Kontrollrecht des Nationalrates über den einzelnen für die Reisekosten ihrer Delegierten zu den Sigungen des National- dem tiefinnerlichen Willen der Arbeiterklasse. Deputierten genau dahin zu bestimmen, daß es sich nur auf die politische rates. Auf diese Weise soll die Vertretung der Föderationen durch lebhaftem Beifall mit der Anregung, die so wichtige Debatte jetzt Attion" erstrect. Jaurès stellt den vermittelnden Antrag, daß der ihre eigenen Leute( anstatt durch die Pariser Stellvertreter) gesichert vor Toresschluß abzubrechen und dem nächsten Parteifag Nationalrat zunächst die Entscheidung der Föderation des betreffenden werden. Wegen der vorläufigen schwierigen Finanzlage der Partei vorzubehalten. Guesde: Es ist unmöglich, vor Schluß des Kongresses die Deputierten anzurufen hat. wird beschlossen, den Artikel dem Nationalrat zur günstigen Be Frage des Verhältnisses zwischen Partei und Gewerkschaft zu lösen, rücksichtigung zu überweisen. 5. Bum 8entralorgan der Partei wird oder auch nur zu diskutieren. Ich glaube, daß wir der Einigkeit Socialiste erklärt, das bisherige Wochenblatt der P. S. de F., der beiden Formen der proletarischen Klaffenbewegung entgegengehen. bas von der lekteren an die geeinigte Partei abgetreten wird. Heute aber fönnen wir einfach nur fonstatieren, daß beide Organi In der hierüber entstehenden Debatte bekämpft Abg. Poulain fationsformen des Proletariats die gleiche Forderung anstreben. ( P. S. F.) den Artikel: Es geht nicht an, das Organ einer alten und wenn wir am Beginn der Einigkeit das Proletariat daran erSonderorganisation zu übernehmen. Falls die Einigkeit in die innern, daß der Achtstundentag eine alte Forderung der sozialistischen Brüche gehen sollte, tönnte die gewesene P. S. de F. bas Drgan Partei ist, so kann das niemand verlegen.( Lebhafter Beifall.) wieder zurücknehmen.( Unruhe.) Die neue Partei muß ein neues Datum des 1. Mai 1906 hinweist, zurück. Lafont zieht den Zusatz zur Resolution Jaurès, der auf das Organ schaffen. Osmin( P. S. de F.) zieht seinen Antrag zugunsten der Re solution Jaurès zurück, worauf diese einstimmig votiert wird. entscheiden. Abg. Vaillant spricht für den Antrag Vaillandet: Bis die Einigkeit sich eingelebt haben wird, muß der Nationalrat unbedingt die politische Aktion der Kammerfraktion und des einzelnen Depu tierten leiten. Nur so könnte die Einheitlichkeit der Abstimmungen der Kammerfrattion angebahnt werden. Abg. Poulain( P. S. F.): Die Einheitlichkeit der Abstimmungen ist zunächst nicht zu erwarten. Die ständige Einmischung bes Nationalrates könnte zu Reibungen führen. Er darf nicht die einzelnen Abstimmungen unter die Lupe nehmen. " " ber Guesde wundert sich, daß man das Kontrollrecht des Nationalrates auch gegenüber dem einzelnen Deputierten noch in Hervé, Sekretär der autonomen Föderationen, spricht gegen Frage stellen fönne: Dieses Recht ist bereits im Artikel 31 aus- Poulain: Der Artifel 5. rührt nicht von der P. S. de F. her, brücklich festgelegt und botiert worden. Die Kontrolle sondern von mir. Niemand hegt irgendwelche Hintergedanken. Die Ueber die Art und Weise der Achtstunden- Agitation soll der Nationalüber die Erwählten ist das allerwichtigste. Andernfalls würdet Partei braucht dringend ein eigenes Organ, und das sofort. Nur rat Ihr die Vernichtung Es werden noch einige Anträge und Wünsche erledigt. der Partei herbeiführen. Guesde der Socialiste" steht uns sofort zur Verfügung. Bor Schluß des Kongresses erteilt der Vorsitzende das Wort empfiehlt die Annahme des Antrages Baillandet nebst Groussier erklärt Boulains Befürchtungen für grundlos: bem Antrag Jaurès.( Beifall.) Der Socialiste" wird ja sofort in die Verwaltung der neuen Partei dem Delegierten des Internationalen Sozialistischen Bureaus. Bandervelde, mit lebhaftem Beifall begrüßt: Ich bin vom Jaurès akzeptiert ben von Guesde kombinierten Antrag: übergehen. Falls der Nationalrat nur die Gesamtheit der Fraktion als Lafont stellt noch fest, daß bis zur Konstituierung des Internationalen Sozialistischen Bureau hierher delegiert worden, folche"( Ausdruck der Statuten) kontrollieren könnte, so würde das Nationalrates der Socialiste" vom ständigen Parteiausschuß ver- um das neugeborene Kind der sozialistischen Einigkeit zu begrüßen. Indem Ihr Euch geeinigt, habt Ihr einen größeren Sieg dabonheißen, daß er nur die Mehrheit der Fraktion kontrollieren darf. waltet und mit Redakteuren besetzt werden solle. Man würde also mur sich in die Minderheit zu flüchten brauchen, Abg. Poulain erklärt fich für befriedigt und verlangt nur, getragen, als der größte Wahlsieg einen Sieg über Euch selbst. um der Kontrolle zu entgehen.( Heiterkeit und Beifall.) in den Artikel 5 einzuschalten, daß das Eigentumsrecht von der Ich danke denen, die durch ihre Selbstverleugnung und OpferBracke bemerkt noch, daß es seltsam sei, den Nationalrat den P. S. de F. auf die geeinigte Partei übergeht. Dies geschieht ein- willigkeit die Einigkeit möglich gemacht haben. haben den Eindruck, daß die Einigkeit nicht von oben, Föderationen als etwas Fremdes gegenüberzustellen, während er stimmig und ohne Debatte. doch aus den Delegierten der Föderationen zusammengesetzt ist. Artikel 6: Die P. S. de F. tritt gleichfalls ihren Buchverlag an Hierauf wird der Artikel 53 mit den Abänderungen von die Partei ab.- Angenommen. Vaillandet und Jaurès einstimmig votiert. Er lautet: Renaudel erklärt, daß auch die Witwe J. B. Clément ihre Buchhandlung der Partei überweist.( Beifall.) Jeder der parlamentarischen Erwählten als Erwählter und die Gesamtheit der Fraktion als Fraktion unterstehen der Kontrolle des Nationalrates. Nachdem der Nationalrat die beteiligten Barteien angehört und sich an die Föderation, von welcher die betreffenden Erwählten abhängen, gewendet hat, kann er dem Parteitag die im Artikel 39 vorgesehene Maßnahme vorschlagen." ( Das ist eine der bereits erwähnten Disziplinarmaßnahmen.) Die Abteilung VIII der Statuten handelt von der Kontrolle über die Presse. Die wichtigsten Bestimmungen sind: Die Diskussionsfreiheit in der Presse ist vollständig gewährt in allen prinzipiellen und tattischen Fragen, aber in bezug auf die Aktion haben sich alle fozialistischen Zeitungen und Zeitschriften nach den Beschlüssen der nationalen und internationalen Kongreffe zu richten, wie sie vom Nationalrat aus gelegt werden. Auf eine Anfrage von Jaurès erklärt Revelin, Saß den Betreffenden selbstverständlich das Berufungsrecht gegen die Abg. Pressensé, Chefredakteur der Vie Socialiste", erklärt, daß diefe Revue fich sofort unter die Kontrolle der Partei stelle und zum Eigentum der Partei werden folle, sobald sie zu einem guten finanziellen Stand gelangt sei.( Lebhafter Beifall.) In der Gefamtabstimmung werden die Statuten und die Maßnahmen zur sofortigen Verwirklichung der Einigkeit einstimmig votiert unter lebhaftem, anhaltendem Beifall des Kongresses. Wir alle Kongreß, sondern von unten gekommen bom Amsterdamer Kongreß, sondern von ist, daß fie dem Willen der Arbeiterklasse entspricht. Die große historische Bedeutung der französischen Einigkeit liegt namentlich auch darin, daß sie den noch gespaltenen sozialistischen Parteien ein eklatantes Beispiel gibt. Russische und polnische Kameraden, die Ihr das bewunderungswürdigste Beispiel von Heroismus gebet, ahmet dem Beispiel der franzöfifchen Kameraden nach.( Starter, anhaltender Beifall.) Bureaus, begrüßt auch seinerseits die französische Einigkeit als die Huysmans, Sekretär des Internationalen sozialistischen Bürgschaft des allgemeinen Sieges des Einigungsgedankens.( Beifall.) Vorsitzender Sembat erinnert an die morgen, Mittwoch, statt findende öffentliche Massenversammlung zur Feier der sozialistischen Die Wahl des Tagungsortes bes nächsten Partei. Einigkeit und schließt den Kongreß unter lebhaftem Beifall mit den Partei- Worten:„ Ich erkläre die sozialistische Partei für geeinigt!" tages gibt Anlaß zu einer ausgedehnten Debatte. Schluß des Kongresses 7 Uhr. Schließlich erfolgt die Wahl des Tagungsortes durch das Los, das für Chalons- sur- Saone entscheidet. Es folgen verschiedene Anträge. Auf den Antrag von Hervé wird eine Resolution anläßlich Parteitag Auslegung des Nationalrates an den Parteitag zustehe, wobei die des bevorstehenden Besuches des Königs von Spanien der niederländischen Sozialdemokratie. Entscheidung des Nationalrats bis zur Entscheidung des Parteitages einstimmig votiert. Es heißt in der Resolution:" Im Augenblick, Die weiteren Artikel bestimmen des Näheren das Kontroll wo die offiziellen Vertreter der herrschenden Klasse Frankreichs sich In den Ostertagen fand im Lokal" Tivoli" zu Haag der elfte recht: Die Drgane, die Eigentum der Partei sind oder sein beisen Person übrigens nicht in Frage steht feierlich zu empfangen, Aufforderung des Vorsitzenden Henri Bolaf entsprechend, ehrte anfchicken, den offiziellen Vertreter der herrschenden Klaffe Spaniens- Kongreß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands statt. Einer werden, stehen unter der politischen und administrativen Kontrolle des Nationalrates, der auch das Redaktionskomitee ernennt. Das fendet die Sozialistische Partei, französische Sektion der Internationale der Kongreß vor Eintritt in die Verhandlungen das Andenken der gleiche Recht bejizen der Kongreß der Föderation und das Föderal Sympathie dem spanischen Proletariat und allen Revolutionären, die der geschäftlichen Angelegenheiten wurde zunächst Utrecht als Ort für der Arbeiter, ihren brüderlichen Gruß und den Ausdruck ihrer tiefen am 22. Januar gefallenen russischen Freiheitskämpfer. Nach Erledigung fomitee gegenüber den Organen, die Eigentum der Föderation find. in Spanien für den Triumph der sozialen Republik kämpfen." den nächsten Kongreß im Jahre 1906 bestimmt. Daran schloß sich Die Drgane, die, ohne Eigentum der Partei zu sein, sich zum die Debatte über den Jahresbericht des Parteisekretärs und Sozialismus bekennen, sowie diejenigen, deren politische Zeitung Partei und Gewerkschaften. Barteimitgliedern gehört, müssen sich in bezug auf die Aktion nach ben Kassenbericht. Es wurde hierbei neben mehreren immeren An den Beschlüssen der nationalen und internationalen Kongreffe richten, Diefes für Frankreich besonders wichtige Thema wird angelegenheiten auch die Haltung des Parteivorstandes bei den wie fie vom Nationalrat ausgelegt werden. Diese Drgane find ge- geschnitten anläßlich des bereits gemeldeten Antrages betreffend die Wahlen zu den Provinzialstaaten im vorigen Jahre besprochen auf dem halten, die offiziellen Mitteilungen der Partei zu veröffentlichen.chtstundenagitation, der auf dem legten Sonderkongreß sowie die Haltung der holländischen Delegation Zum legten Punkt wird ein Zusatz votiert, der die Veröffentlichung der P. S. de F. beschlossen wurde. Internationalen Kongreß in Amsterdam. Die Debatten, die der Parteimitteilungen an gutem Plaz" vorschreibt. Die Renaudel wendet sich gegen die Fassung des Antrages, in- durchaus fachlich verliefen, endeten damit, daß dem Partei Kontrolle bes Nationalrates über die nicht der Partei eigentümlich sofern sie anläßlich der von der Konföderation der Arbeit" be- fekretär und Raffierer Ban Kuijthoff einstimmig Decharge gehörenden Drgane betrifft mur deren allgemeine politische Haltung. schlossenen Achtstundenagitation( deren Bived es ist, die Arbeitermajie erteilt wurde. Ein Borschlag der Kontrollfommission, diejenigen Wohlhabenden Parteigenossen, die die Partei bisher durch beliebig hohe freiwillige Beiträge unterstützten, zu veranlassen, sich zu der artigen Beiträgen in bestimmter Höhe zu verpflichten, wurde in der Form gutgeheißen, daß der Kongreß dem Parteivorstand den Ans- trag erteilte, Maßregeln zur Errichtung eines Parteifonds auf dieser Grundlage zu ergreifen.— Der Bericht über den Broschürenhandel der Partei wurde ebenfalls gutgeheißen. Sodann kam eine Angelegenheit zur Verhandlung, die eigentlich interner Natur ist, die jedoch bereits zu langen Auseinandersetzungen in der Presse geführt hatte und nun auch einen erheblichen Teil des Kongresses in Anspruch nahm. Die Parteiföderation m Utrecht hatte den Genossen O u d e g e e st als Kandidaten für die bevorstehenden Kammerwahlen aufgestellt, wozu sie nach dem Parteistatut vollkommen berechtigt war. In Utrecht II, wo Oudegeest kandidieren sollte, machte sich jedoch eine starke Strömung gegen ihn geltend und man begnügte sich nicht damit, unter den Parteigenossen gegen ihn ?u agitieren, sondern ließ sogar eine dementsprechende Resolution n einem bürgerlichen Blatt erscheinen. Danach fühlte sich der Parteivorstand veranlaßt, die Partei- Abteilung Utrecht II zu suspendieren. Den Vertretern der Abteilung wurde im weitesten Matze Gelegenheit gegeben, ihren Standpunkt zu verteidigen. Der Kongreß beichloß jedocb mit 152 gegen 9 Stimmen bei 42 Stimmenthaltungen, die AbteiMng Utrecht II auszuschließen, und konstatierte damit, daß nicht ein einziger der gegen Oudegeest gerichteten per- sönlichen Vorwürfe gerechtfertigt war. Seine Kandidatur wird aufrechterhalten und mit aller Kraft von der Partei unterstützt werden. Es sollen sofort Maßregeln getroffen werden, um die Partei- genossen in Utrecht II zu organisieren. Am Sonntag war eine Abendsitzung anberaumt worden, in der Troelstra den einleitenden Vortrag zu der Debatte über die Taktik bei den bevor st ehe» de»Wahlen zurZweiten Kammer hielt. In zweistündiger Rede schilderte er die gegen- wärtige Parteikonstellation und hob scharf hervor, daß die Sozial- demokratie in einem prinzipiellen Gegensatz zu allen bürger- lichen Parteien steht. Namentlich kritisierte der Redner die verlogene Politik der christlichen Parteien, die einen Gegensatz zwischen Gläubigen und Ungläubigen an Stelle des Klassengegensatzes konstruieren sowie die Unzuverlässig- keit der Liberalen.„Dieser Wahlkampf," bemerkte er zum Schluß, „ist ein Schritt auf dem Wege zu unserem herrlichen Endziel. Wer da meint, in diesen, Kampfe den Sozialismus verstecken zu müssen, ist dumm. Der Sozialismus ist gerade der Magnet, das Feuer- zeichen, das den leidenden und unterdrückten Teil der Menschheit rn Bewegung bringt. Die große Masse unseres Volkes hat Bedürfnis nach einem Ideal, Bedürfnis, die reine, ftische Luft der Menschlichkeit einzuatinen. Unsere Partei kann mit Ruhe dem Kampf entgegengehen. Die Gegner sind verurteilt, in der Lüge unterzugehen. Auf denn Freunde! Viel wird von Euch verlangt. Ihr müßt in die Mietskasernen der großen Städte und auf die Landwege der Dörfer gehen; ich sage Euch: immer als Sozialisten I"— Die taktischen Vorschläge des Redners sind in der folgenden Re- solution Troelstra-Pannekoek niedergelegt, die nach einer längeren Debatte, welche die Sitzung vom Montagnachmittag ausfüllte, per Akklamation angenommen wurde: „Der Kongreß, erwägend, daß die Arbeiterklasse den politischen Kampf ihrer gesellschaftlichen Interessen wegen führt und dabei einmütig auftreten mutz: und daß darum dem von den christlichen Parteien formulierten Gegensatze, der von den Freisinnigen aller Richtungen anerkannt wird, der Gegensatz von Kapital und Arbeit gegenüber gestellt werden muß; erklärt, daß die Sozialdemokratie sich nicht in die antiklerikale Parteigruppierung einfügen läßt, sondern ihren eigenen Standpunkt, den des Klassenkampfes ungeschwächt aufrecht erhält und den Kampf gegen alle bürger- lichen Parteien führen wird; und erklärt ferner, daß bei Stichwahlen nur die Kandidaten unterstützt werden sollen, die sich für die Dringlichkeit(urgentie) des allgemeinen Wahlrechts erklären." Die Debatte, die diesem Beschluß vorausging, bezog sich fast ausschließlich auf die Taktik bei den Stichwahlen. Von einigen Rednern wurden weitergehende Verpflichtungen der bürgerlichen Kandidaten verlangt, namentlich hinsichtlich der Zwangsgesetze, für die bekanntlich alle bürgerlichen Parteien seinerzeit gestinimt haben. Am dritten Verhandlungstage stand zunächst die Agrarfrage zur Diskusston. Bereits vor zwei Jahren verlangten einige Partei- genossen eine Aenderung des Parteiprogramms hinsichtlich dieser Frage. Die Kommission, die sich nun mit der Sache befaßt hat, schlug jedoch dem Kongreß vor, an dem prinzipiellen Programm keine Aenderung vornehmen zu wollen. In diesem Sinne beschloß dann auch der Kongreß nach kurzer Debatte durch Annahme der folgenden vom Genossen Vlieg en vorgeschlagenen Resolution: „Der Kongreß, in der Meinung, daß das prinzipielle Pro- gramm der Partei in einzelnen Punkten der Revision edarf, geht über den ersten Punkt der Vorschläge der agrarischen Kommission zur Tagesordnung über." Einige Aenderungsvorschläge der agrarischen Kommission zum Wahlprogran, m der Partei wurden angenommen, darunter der, die Forderung„Ausgabe von Grund an Landarbeiter" aus dem Programm zu streichen, und der, als einen neuen Punkt„Abschaffung aller Zehnten und Herren- rechte, Zuerkennung desJagdrechts an den Boden" einzufügen. Eine ausgedehnte Debatte entspann sich sodann über die Redaktion des Zentralorgans„Het Volk". Es handelte sich hierbei hauptsächlich um den Einwand, daß das Organ nicht in genügender Weise prinzipiell agitatorisch wirksam sei. Der bisherige Redakteur Genosse Tak verzichtete auf die Wiederwahl. Nachdem jedoch die für diesen Posten vorgeschlagenen Genossen Mandels und Troelstra abgelehnt hatten, erklärte er sich auf Drängen vieler Partei- genossen bereit, die Redaktion weiterzuführen. In geschlossener Sitzung wurde dann der Beschluß gefaßt, daß das Gehalt des Parteisekretärs mindestens IoOV Gulden jährlich bettagen soll, ferner daß der Parteivorstand Maßregeln treffen soll, um den Broschürenhandel der Partei gesondert vom Parteisekretariat zu organisieren.— Der Antrag, ein besonderes Blatt zur Propa- ganda unter den Arbeiterinnen und Arbeiterftauen zu begründen, konnte aus finanziellen Rücksichten nicht angenommen werden. Der Kongreß sagte jedoch einem solchen Unternehmen seine volle mora- lische Unterstützung zu. Der Kongreß wurde am Dienstag nachmittag 4'/» Uhr nnt einer Ansprache des Parteivorsitzenden P o l a k geschlossen, der dieses Amt in Zukunft nicht mehr bekleiden wird, da er beabsichttgt, seine Kraft der neuen Föderation der Gewerkschaftsbewegung zu widmen. Konferenz russischer Revolutionäre. Eine neueKonferenz russischer revolutionärer Par- t e i e n hat vor kurzer Zeit aus Initiative des G. Gapon stattgefunden. Es haben an ihr teilgenommen: die Partei der Sozialisten-Revoluttonäre, die polnische Sozialistenpartei, die arme- nische revolutionäre Föderation, die kleinrussische revolutionäre Hromada, der lettische sozialdemokrattsche Verein, die georgischen Sozialisten-Föderalisten-Revoluttonäre und die finnländische Partei des aktiven Widerstandes. Nach der Mitteilung, die uns seitens der Partei der Sozialisten-Revoluttonäre zugegangen ist, hatte die Jskra Richtung der sozialdemokrattschen Arbeiterpartei Rußlands eine Be teiligung an der Konferenz abgelehnt mit der Begründung, daß die Initiative zu einer solchen Zusaminenkunft nicht von einer Einzel- Person ausgehen könne. Die Delegierten der Wperjod-Richtung der sozialdemokratischen Arbeiterpartei, des Jüdischen Arbeiter- bundes und der lettischen sozialdemokratischen Partei er« schienen zwar auf der Konferenz, stellten aber sofort den An- trag, der„Lettische Sozialdemokratische Verein" solle nicht zugelassen werden, da diese Organisation keine Verbindungen mit Rußland habe. Als die Majorität sich dahin aussprach, daß die Konferenz nicht in der Lage sei, die Stärke der einzelnen Organisattonen zu prüfen, verließen die Antragsteller die Konferenz. Die Konferenz beschloß, zwei Deklarationen zu veröffentlichen, von denen die eine, welche lediglich politische Fragen berührt, von allen sieben teilnehmenden Organisationen unterzeichnet worden ist, die zweite, welche die Stellung der Konferenz zur sozialen Frage behandelt, ist von sechs Organisattonen unterzeichnet— die finnländische Partei des aktiven Widerstandes, als nichtsozialisttsche Partei, hat zu dieser ihre Unterschrift nicht gegeben. Die politische Deklaration spricht die Ueberzeugung aus, daß die Bewegung sich unaufhaltsam ihrem Abschluß— dem allgemeinen bewaffnete» Aufstände nähere. „Dieser Aufftand muß zur Absetzung der Dynastie führen und die Entscheidung über die Zukunft des Landes in dessen eigene Hände, in die der bewaffneten Bürger und der von ihnen ftei gewählten konstituierenden Versammlungen legen, die das große Prinzip der Selbstbestimmung der Nationalitäten zu verwirklichen haben werden." Angesichts der außerordentlichen Mannigfaltigkeit der örtlichen, nationalen, kulturellen, sozialen und geschichtlichen Verhältnisse hält die Konferenz nur solche konstituierende Versammlungen für kompetent, die mit Sachkeimtnis die gegenwärttgen Zustände Rußlands auf demokratisch-republikanischer Grundlage umgestalten. Als nächste politische Zwecke, die„den Minimalforderuugen der Programme aller vertretenen Parteien entsprechen oder sich gegen- über diesen Forderungen wie ein Teil zum Ganzen verhalten", wurden die folgenden bezeichnet: „1. Die vollständige Umgestaltung des gegenwärttgen russischen Reiches auf demokrattsch-republikanischer Grundlage auf Grund des allgemeinen, direkten, gleichen und geheime» Stimmrechts. Als Mittel dazu: 2. Einberufung unter Bedingungen, die eine vollkommen freie Aeußerung des Bolkswillens sichern(Rede- und Pretzfteiheit, Ber- sammluugs- und Vereinsrecht, Garantten der Uuverletzlichkeit der Person, Befreiung aller, die für ihre politischen und religiösen Ueberzeugungen gelitten haben) auf Grundlage des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts einer konstituierenden Versammlung aus Vertretern von allen Orten Rußlands mit der Ausnahme Polens und Finnlands. 3. Was Finnland anlangt, das seine Stellung als ein kon- stttutioneller autonomer Staat behält und daher nicht an der zentralen konstitutterenden Versammlung teilnimmt, so schließen sich alle Parteien, die an der Konferenz beteiligt sind, dem Bestreben des finnländischen Volkes und vor allem seines Proletariats, an, mit den Mitteln, die ihm zugänglich sind, die Einberufung einer konstituierenden Versammlung auf Grundlage des allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlrechts zu erreichen. 4. Die Einberufung neben der konstituierenden Versammlung in Petersburg eines ähnlichen konstituierenden polnischen Semstwo in Warschau; die Aufhebung der alten und die Regelung der neuen Beziehungen zwischen beiden Parteien auf dem Wege einer freien Vereinbarung dieser konstituierenden Organe als souveräner Vertteter der respektiven Nationalitäten. 6. Einberufung für den Kaukasus, als einen autonomen, föderativ mit Rußland verbundenen Teil, einer konstituierenden Versammlung zum Zwecke der Umgestaltung der gesamten polittschen Zustände dieses Landes auf demokratisch-föderativer Grundlage und zur Teilnahme an der Ausarbeitung von Garantien für die Autonomie des Kaukasus auf dieser Grundlage." Die Konferenz spricht zugleich auch den Wunsch aus, daß es noch rechtzeitig möglich werde, eine Verständigung auch mit den anderen Parieren zu erzielen, die andere Nationalitäten und in kulwrell-nationaler Hinsicht eigenartige Gebiete vertreten, betreffend die konstitutionellen Garantien, die für ihre freie Entwicklung er- forderlich sind. „Die unterzeichneten Parteien, heißt es iveiter in der Dekla- ration, sind der Ansicht, daß, indem eine jede von ihnen ihr Pro- gramm vollständig beibehält und keinen Augenblick den Kampf um alle seine Puntte einstellt, sie alle ihre Aktton in jedem akuten Moment vereinigen können und müssen, der einen gleichzeitigen An- stürm gegen den gemeinsamen Feind erfordert, im Interesse und in oen Grenzen der Aufgaben, die ihnen allen gemeinsam sind." »« » Was das soziale Programm anlangt, so wird in der zweiten Deklaratton die Uebereinsliinmung der Parteien in den folgenden Forderungen festgestellt: Gesetzlich gesicherten Arbeiterschutz; Festietzung von Minimallöhnen für verschiedene Berufsarten in Stadt und Land; staatliche Versicherung gegen Unfälle, Krankheit, Alter und Arbeitslosigkeit ans Kosten des Staates und der Unternehmer auf Grundlage der Selbstverwaltung der Versicherten; gesetzlicher Arbeiter- schütz entsprechend den Forderungen einer wissenschaftlichen Hygiene. der gesichert ist durch Inspektoren, die von den Arbeitern gewählt werden; Gewerkschastsorganisattonen der Arbeiter mit zunehmend sich erweiternder Teilnahme an der Festsetzung der inneren Ordnung in den gewerblichen Betrieben; Arbeitsbörsen und ihre Teilnahme on der Ausarbeitmig der Arbeiterschutzgesetzgebung; Abschaffung der indirekten Steuern mit Ausnahme der Luxussteuern; progressive Be- steueruug der Einkommen und Erbschaften bei vollständiger Steuer- fteiheit der kleinen Einkommen unter einer bestimmten Norm; Sozialisierung, das heißt Ueberführung in öffentliche Verwaltung und in Benutzung der arbeitenden ackerbautreibenden Bevölkerung des gesamten Landes, dessen Bearbeitung gegenwärtig auf die Ausbeutung der Arbeiter anderer gegründet ist, wobei die Bestimmung der konkreten Formen, der Aufeinanderfolge in der Durchführung dieser Maßnahmen und ihren Uinfanges der Kompetenz der Parteien der einzelnen Nationalitäten entsprechend der Eigenart der örtlichen Verhältnisse ihres Landes überlassen bleibt; Entwickelung der gesell- schaftlichen, munizipalen und Gemeindewirtschaft; eine die Eni- Wickelung des Genossenschaftswesens auf streng demokratischer Grund- jage begünstigende Staats- und Munizipalpolittk." Zum Schluffe wird auch in dieser Deklaratton bemerkt, daß keine der Parteien auf ihre eigenen Programmforderungen verzichtet, es wird aber betont, daß allen gemeinsam ist daS Bestreben, di« bevorstehende polittsche Umwälzung auszunutzen, um„für daS Proletariat und die gesamte arbeitende Masse" eine möglichst günstige Position zu erobern für weitere Kämpfe für ihre endgültige Be- fteiung von der bürgerlich-kapitalistischen Ausbeutung. Siebente Generalversammlung des Jentralverbandes der deuWen Glasarbeiter. Jena, 27. April. In der heutigen Schlußsitzung drehen sich die Verhandlungen vorwiegend um die inneren Verbandsangelegenhciten. Bezüglich der Anstellung der Gauleiter wird beschlossen, daß die beiden Stellungen öffentlich ausgeschrieben werden sollen. Die Anstellung ist vom Vorstande vorzunehmen. Das Gehalt wird auf 1800 M. festgesetzt, Ferner wird beschlossen, den Hauptkassierer Hamann als voll- besoldeten Beamten auf 2000 M. fest anzustellen. Eine lebhafte Erörterung ruft der Antrag auf Verlegung des Sitzes des Ver- bandes nach Dresden hervor. Nachdem jedoch G i r b i g erklärt, daß er den Posten des Geschäftsführers niederlegen werde, wenn man ihn zwingen wolle, nach Dresden zu übersiedeln, werden alle diesbezüglichen Anträge abgelehnt bezw. zurückgezogen. Sodann wird eingetreten in die Beratung der von den einzelnen Zahlstellen vorliegenden Anträge. Die Anträge, welche sich auf Kranken-, Sterbekassen- und Jnvalidenunterstützungen beziehen, werden sämtlich auf Grund eines Kompromitzantrages G e b e l- Umbreit-Glös dem Vorstande überwiesen mit der Maßgabe, daß der Vorstand auf Grund des vorliegenden Materials unter Vermeidung einer Beitragserhöhung eine Vorlage auszuarbeiten und hierüber eine Urabstimmung herbeizuführen hat Eine mehrstündige Debatte ruft dann noch die Uebernahme des„Fachgenossen" hervor. Da eine Einigung hierüber mit dem Genossen Horn nicht zustande kommt und die Reihen der Delegierten sich schon sehr gelichtet haben, so wird schließlich ein Antrag Wilhelm» H a i n h o l z mit 16 gegen 14 Stimmen angenommen, der besagt, daß die Angelegenheit bis zum nächsten Verbandstage zu vertagen ist. Bis dahin soll sich der Vorstand mit genügend vorbereiteten Vorlagen versehen und diese dann der Generalversammlung unter- breiten. Als Ort des nächsten Verbandstages wird P e n z i g bestimmt. Als Delegierte für den nächsten Gewerkschaftskongreß werden G i r b i g und Leute! bestimmt. Der letzte Punkt der Tagesordnung betrifft: Stellungnahme zur Einberufung eines inter» nationalenKongresses. Hierzu liegt eine Resolution vor, die von Thielhorn- Duisburg begründet wird. Die Resolutton gelangt e i n st i m m i g zur Annahme und hat folgenden Wortlaut: „Die siebente Generalversammlung des Zentralverbandes der deutschen Glasarbeiter mißbilligt es aufs schärfste, daß das inter- nationale Sekretariat der Glasarbeiter in Castleford das ihm auf dem internationalen Glasarbeiter-Kongreß in Hannover übertragene Ehrenamt— im August oder September einen Kongreß nach Wien einzuberufen— mißachtet hat, indem sich das Sekretariat um die Einberufung des Kongresses nicht kümmerte und später, nach ergangener Aufforderung, die Ein- berufung des Kongresses unter dem nichtigen Einwände, daß sich zur Einberufung des Kongresses„kein Weg finden lasse", ganz ablehnte. Wenn das internationale Sekretariat zur Einberufung des Kongresses keinen Weg finden konnte, so hätte sich bei gutem Willen die Einberufung durch die deutschen Kollegen ermöglichen lassen. Da nun die Generalversammlung im Interesse der gesamten Kollegenschaft die Pflege der internationalen Solidarität für sehr nötig hält, so beauftragt die Generalversammlung den inter- nationalen Vertrauensmann, den Reichstags-Abgeordneten Kollegen Horn, unter Hinzuziehung des Verbandsvorstandes die Ein» berufung des Kongresses nach Wien im August oder September 1905 in die Wege zu leiten. Die Generalversammlung verpflichtet ihre demnächstigen Delegierten, dafür einzutreten, daß die Kompromißresolution Völkel-Wheater-Preußler-Horn vom 23. August 1901 aufgehoben und an deren Stelle Bestimmungen geschaffen werden, welche die Kollegialität und Solidarität wahren und befestigen." Dirscherl. Thielhorn. Horm Höckel. Nach Erledigung noch einiger geschäftlicher Angelegenheiten wird sodann die Generalversammlung mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung geschlossen. Versammlungen. Generalversammlung de« Fachvereins der Musikinstrumenten- Arbeiter. Die Abrechnung vom ersten Quartal gab der Kassierer H e n s e l. Einer Gesamteiimahme von 6288,31 M. steht eine Ausgabe von 5166,25 M. gegenüber, so daß für das zweite Quartal ein Bestand von 1122,06 M. verbleibt.— Neu aufgenommen wurden im ersten Quartal dieses Jahres 51 Mitglieder.— Bei der Stellung- nähme zum 1. Mai wird vom Vorstande empfohlen, dem Beschluß, der in den Vorjahren gefaßt, nachzukommen. Von den Fachvereius- kollegen wird erwartet, daß dieselben die Arbeit ruhen lassen und an der Feier recht zahlreich teilnehmen.— Unter Vereinsangelegen« heiten wird den Mitgliedern der Beschluß sKoutrollstempel). ivelcher in der außerordentlichen Generalversammlung vom 6. März gefaßt wurde, in Erinnerung gebracht. Den Kontrollstempcl erhalten nur diejenigen Mitglieder, die ihre Beittäge pünktlich entrichten. Der Kontrollstempel wird von der 16. bis 18. Woche in das Mitgliedsbuch eingedrückt. Im Interesse der Mitglieder selber ist es nötig, den Stempel zu haben.— Ferner wurde mitgeteilt, daß zwei Kollegen, die anläßlich des letzten Streiks vom Verein Rechtsschutz erhielten, zu 6 M. Strafe und Tragung der Kosten verurteilt wurden. Auf Anttag ist daS Mit- glied I a n k e auf weitere drei Wochen zu unterstützen.— Anläßlich des allgemeinen Streiks wurden auf Anttag des Vorstandes aus dem Verein ausgeschlossen: Herrmann, E. Zeidler, Well, Wischne- rosky, Rummert, Schley, Zhrus, Beier, F. Schulz. Hamel, Lehmann. Bubat, Romminger, Sperber. Schluricke und Schulz.— Notwendig ist es, dem Vorstand die Namen aller derjenigen mitzuteilen, die während der Lohnbewegung gegen die Interessen der Organisationen gehandelt haben, da die beteiligten Organisattonen eine gemeinsame Liste herausgeben werden. lWiederholt, weil nur in einem Teil der Auflage.)_ Seefische Volksnahrung! Nach wie vor trefien täglich große Zufuhren frischer Seeflsehe hei uns ein. 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April 190S. Lieh- und Fleischteuerung. DaS Steigen der Viehpreise.— Berliner Marktnoticrungen.— Die Marli« läge im vorigen Jahr.— Vieheinfuhrverbote.— Die Zunahme des deutschen Viehbestandes in ihrem Verhällnis zur Bevölkerungszunahme.— Preis gestaltung des Berliner Viehmarktcs seit 1893.— Der Wiener und Kopenhagen«: Viehmarkt.— Preisunterschiede.— Der Tribut cm die Landwirtschast. Fast scheint es, als ständen wir vor einer ähnlichen Vieh- und Fleischteuerung, wie sie im Herbst des Jahres 1902 hervortrat und damals zu einem Sturmlauf gegen die Abschneidung der deutschen Viehmärkte von der fremden Einfuhr führte. Damals erreichten die Rinderpreise ihren höchsten Stand im Oktober 1902. Sie stellten sich im Durchschnitt dieses Monats am Berliner Schlachtviehmarkt nach den offiziellen Notierungen für vollfleischige, ausgemästete Ochsen auf 141 M., für jüngere, nicht ausgemästete Ochsen cur 129,5 M., für vollfleischige Kühe auf 120,8 M. pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht(d. h. nach Abzug des Kopfes, der Haut, Fütze sowie der Organe der Brust-, Bauch- und Beckenhöhle). Die Schwemm preise erreichten ihren Höhepunkt schon zwei Monate früher, im August 1902. Die durchschnittliche Notierung in diesem Monat war 129,6 M. für bollfleischige, 126,6 M. für mittelgnte Schweine pro 100 Kilogramm Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara. Dieses Niveau haben die Preise für Rindvieh bereits wieder erreicht und die Schweinepreise sind nicht mehr weit davon entfernt, denn nach dem offiziellen Bericht der Direktion des Schlachtviehmarktes wurden in letzter Woche für vollfleischige Ochsen 133—146 M., für jüngere nicht ausgemästete Ochsen 128-136 M.. für vollfleischige Kühe 112—118 M. pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht gezahlt, während die Preise für Schweine bester Qualität sich auf 126 M., für Mittel Ware auf 120—124 M. pro Doppelzentner Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara stellten. Und doch scheint es, als wenn die Steigerung der Vrehpreise noch keineswegs ihren Höhepunkt erreicht hätte. Von Ende März ab stellt die Preiszunahme bei Ochsen sich ungefähr auf 3— 4 M., bei Schweinen auf 2 M. pro Doppelzentner. Die Hauptursache liegt an der unzureichenden Futtermittelernte rm letzten Jahr. Im April vorigen Jahres betrugen die Durch- schnittspreise am Berliner Schlachtviehmarkt für Ochsen erster Qualität 138. zweiter Qualität 127,4 M., für vollfleischige Kühe 120,6 M. und fielen dann im Mai um 1—2 M. pro Doppelzentner. Stach dem trocknen Wetter im Juli trat aber alsbald eine starke Steigerung ein. Schon im August-September stellten sich die Preise für Ochsen um 8 bis 9 M. höher. Und eine noch stärkere Aufwärts- richtung nahmen die Schweinepreise. Im April betrug in Berlin der Preis für Schweine erster Qualität 95,8 M., für zweite Qua lität 92,4 M. pro Doppelzentner(mit 20 Prozent Tara). Im August stieg der Durchschnittspreis auf 109,8 bezw. 106,5 M., der bis Anfang Oktober anhielt; dann aber langsam fiel, da die hohen Marktpreise und der Futtermangel vielfach die Viehhalter zu starken Verkäufen verlockten und der bettächtliche Antrieb, der infolgedessen auf den großen Viehmärkten stattfand, die Marktpreise herunter- drückte. Im laufenden Jahre trat jedoch wieder eine Erhöhung ein, die sich, wie vorhin schon erwähnt wurde, in den letzten beiden Monaten fortgesetzt hat, obgleich erfahrungsgemäß gewöhnlich im Marz/April mit dem Beginn milderen Wetters sich ein Rückgang der Preise einstellt. Da aber die deutschen Landwirte im Oktober/Dezember beträchtliche Teile ihres Viehbestandes abgestoßen haben— die Zahl der Schweine, an denen die Schlachtvieh- und Fleischbeschau vor- genommen worden ist. war im vierten Quartal 1904 um zirka 900 000 Stück größer als im gleichen Quartal des Jahres 1903— so ist der Antrieb zu den großen Viehmärkten ein relativ schwacher. Beständen die Grenzabsperrungen gegen die Vieheinfuhr aus den Nachbarstaaten nicht, so könnte die ungenügende inländische Zufuhr durch Bezug aus dem Auslande ergänzt werden. Durch die an- geblich aus sanitären Gründen, in Wirklichkeit aber zur Abwehr der fremden Konkurrenz durch die Regierung erlassenen Einfuhrverbote ist dieser Ausweg aber fast völlig versperrt. Die Einfuhr von Rindvieh ist nur aus Oesterreich-Ungarn, aus der Schweiz und Dänemark gestattet, und aus diesen auch nur über bestimmte Grenzstationen unter bestimmten Ouarantäncvorschriften und zur sofortigen Abschlachtung in öffentlichen Schlachthöfen. Und die Einfuhr von Schweinen ist gänzlich verboten bis auf zirka 70 000 Sttick, die unter gewissen Kautelen zur Abschlachtung in Schlesien eingeführt werden dürfen. Nach der Behauptung der landwirtschaftlichen Presse vermag allerdings die deutsche Landwirtschaft der Nachfrage nach Schlachtvieh völlig zu genügen und zum Beweis wird auf die durch die deutschen Viehzählungen festgestellte Zunahme des deutschen Viehbestandes hin- gewiesen, die in schnellerem Maße erfolgt sei, als die Bevölkerungs- zunähme. Das ist im ganzen richtig. Die Zunahme des Rindvieh- bestandes bleibt allerdings, wenn man die Zählungsergebnisse von 1873 mit denen von 1904 vergleicht, hinter der Bevölkerungs- Vermehrung zurück, und der Schafbestand hat gar im Durchschnitt der letzten drei Jahrzehnte alljährlich um beinahe 460 000 Stück abgenommen, dafür aber ,st die Anzahl der Schweine im Durchschnitt jährlich um rund 280000 Stück gestiegen, so daß, wenn man das vermehrte Schlacht- gewicht bei den meisten Vieharten mit in Rechnung zieht, tatsächlich die zur Verfügung stehende Fleischnahrung etwas stärker zugenommen hat, als die Bevölkerung. Vergessen wird bei dieser Rechnung nur, daß seit 1873 auch unser Wirtschaftsleben sich total verändert hat, daß Deutschland nach England zun» bedeutendsten Industriestaat der Welt geworden ist und die städtische Bevölkerung im Verhältnis zur ländlichen immer mehr anschwillt. Es ist aber eine Erfahrung, die bisher in allen Kulturländern gemacht ist, daß mit der kapitalistischen EntWickelung, mit dem Anwachsen der städtischen Be- völkerung der Fleischbedarf zunim in t. Es ist keines- wegs richttg, wie man so oft hört, daß die ländliche Bevölkerung mehr Fleisch konsumiert, als die städttsche. Der Fleischkonsum der Städte, pro Kopf der Einwohner berechnet, ist, loie die Statistik nachweist, weit stärker, und zwar in, allgemeinen, wenn auch lokale Verhältnisse in Einzelfällen beträchtlich mitsprechen, in den Groß- städten stärker als m den Kleinstädten. Damit ist natürlich nickt gesagt, daß der einzelne städttsche Arbeiter mehr Fleisch ißt, als der ländliche Arbeiter oder gar der Bauer, Wohl aber ist die Durch- schnittsziffer in der Stadt eine höhere. Stellt man aber diese Steigerung des Verbrauchs mit in Rechnung, dann fällt die Behauptung der agrarischen Wortführer, daß die deutsche Landwirtschast den Markt überreichlich mit dem nöttgen Schlachtvieh zu versorgen vermag, sofort zusammen, wie schon die steigende Tendenz der Preise auf den hauptsächlichsten Biehmärtten beweist. Für Berlin ergaben sich seit 1898 folgende Jahresdurchschnitts- preise: Ochsen Ochsen Kälber Schweine Schweine I. Qualität IL Qualität II. Qualität I. Qualität II. Qualität pro 100 kg Schlachtgewicht pro l 00 kg Lebendgewicht 123,9 M. 113,3 M. 124,3 M. 114.4 M. 111,3 M. I damer, Kopenhagener und selbst des Pariser Viehmarktes relativ �niedrig. Leider lassen die Notierungen, da sie meist nach der- schiedenen Grundsätzen erfolgen, keinen genauen Vergleich zu, nur in Wien und Kopenhagen ist die sog. Anschreibungsweise eine ähnliche wie hier. In Wien notierten: Deutsche Mastochsen Schweine l. Qualität II. Qualität I. Qualität II Qualität pro 100 Kilogramm Lebendgewicht 1898 1899 1900 1901 1902 1903 1904 126,3 129,1 127,9 131,7 138,9 141,5 115,9 119,1 117,3 121,4 129,0 131,5 136,3 132,5 127,1 134,8 144,1 144,3 97,9 99,7 116,1 122,8 103,7 102,0 94,8 95,5 112,0 118,8 99,7 98,0 Allerdings sind auch in den Nachbarländern die Preise gestiegen, aber durchaus nicht in gleichem Maße. Gegenüber den Berliner Biehmarktpreisen sind jedenfalls die des Wiener, Budapester, Rotter- 1898.. 67,0 M. 59.7 M.' 84,3 M.~' 80,5 M. 1899. 65,2„ 57,4„ 69,6„ 66,4 1900..*67,6„ 59,9„ 75,8„ 70,4 1901.. 67,4„ 59,9„ 70,5„ 65,5 1902.. 68,5„ 62,0„ 84,0„ 78,8 1903.. 69,9„ 62,8„ 92,7„ 88,2 1904.. 70,7„ 63,4„ 89,2„ 85,8 In Kopenhagen notierten: Ochsen Schweine L Qualität n. Qualität I. Qualität II. Qualität Pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht 1898.. 93,9 M. 82,1 M. 83,8 M. 78,8 M. 1899.. 90,5„ 78,3„ 68,2„ 65,1„ 1900.. 99,7„ 87,1„ 85,6„ 82,9„ 1901.. 09,7„ 87,9„ 92,8„ 90,2„ 1902.. 105,0„ 89,0„ 96,6„ 92,2„ 1903.. 112,2„ 91,2„ 90,9„ 86,4„ 1904.. 108,6„ 90,7„ 80,0„ 75,5„ Der Durchschnittspreis für beste Mastochsen stellte sich also in Wien im vorigen Jahre nur auf 70,7 M. pro Doppelzentner Lebend- gewicht. Rechnet man diesen Satz nach der von der Preußischen Landlvirtschastskammer festgestellten Verhältnisziffer(1 Zentner Lebendgewicht— 61 Pfund Schlachtgewicht) in Schlachtgewicht um, so ergibt sich ein Preis von 115,9 M. pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht; während in Berlin im vorigen Jahre sich der Durchschnitts- preis auf 141,5 M. stellte. Noch größer ist die Differenz zum Kopenhagener Viehmarkte, auf dem im vorigen Jahre beste jütische Ochsen im Durchschnitt nur 108,6 M. pro 100 Kilogramm Schlachtgewicht kosteten und beste Schweine 80 M. gegen 102 M. in Berlin. Diese Ziffern veranschaulichen deutlich, um wie viel teurer der deuffche Arbeiter das Fleisch bezahlen muß als sein österreichischer und dänischer Arbeitsgenosse— dank der von der Regierung in zärtlicher Sorgfalt zum sanitären Schutz der agrarischen Geldbeutel erlassenen Vieheinfuhrverbote. Wie im Brochreise hat auch im Flcischpreise der Arbeiter seinen Tribut an die Herren vom Adel und ländlichen Besitz zu entrichten, die, wie die Beratungen der Kommission des preußischen Abgeordnetenhauses über die Berggesetz- Novellen be- weisen, sich zum Ausgleich dafür eistigst bemühen, jegliches Streben der Arbeiter nach einer Hebung ihrer Lebenslage brutal zu unter- drücken._ Tat. Hus Induftne und Handel. Der Trotztrust, die Vereinigung von Hibernia-Aktionären, die sich vor längerer Zeit als Gesellschaft mit beschräntter Haftung konstituiert und den Namen„Herne" angenommen hat, schreitet jetzt zu der geplanten Ausgabe von Obligationen. Zweck dieser Gesell- schaft, die außer aus dem Kohlensyndikat aus dem Bankhause S. Bleichröder, der Berliner Handelsgefellschaft, der Bank für Handel und Industrie, der Deutschen Bank und der Diskonto- Gesellschaft besteht, ist es bekanntlich, die erworbenen Hibernia- Aktien fest- zuhalten, um deren Ankauf durch den Fiskus zu der- hüten, andererseits aber einen Weg auszufinden, um sich der finanziellen Belastung durch diese Aktien möglichst zu ent- ziehen. Als Mittel hierzu gibt man jetzt für 30 Millionen Mark 4prozentige Obligattonen aus, die von einem Finanzkonsorttum bereits übernommen sind und zum Kurse von 100,50 Proz. zus Aus- gäbe gelangen sollen. Wie die Gesellschaft offiziell ankündigt, ist der Ertrag der Emission dieser Obligationen zunächst zum Ankauf von 15 Millionen Mark Hibernia aus den Händen der Gesellschafter bestimmt, und zwar ist die Transaktion derart geplant, daß der Kaufpreis für die 15 Millionen Mark Hibernia- Aktten, der auf 37>/z Millionen Mark veranschlagt wird, durch eine Bar- Zahlung von 7V« Millionen Mark und durch die Hergabe von 30 Millionen Marl Obligationen an die Verkäufer von Hibernia- Aktien gedeckt wird. Diese Verkäufer von Hibernia- Attien sind natürlich uicht identisch mit dem Konsortium, das die Obligationen freihändig weiter begibt. Sind die 30 Millionen Mark Obligationen erst einmal placiert, so dürfte die Herne-Gesellschast durch fernere Begebung von Obligationen auch weitere Hibernia-Aktien von ihren Gesellschaftern erwerben. Das Statut der Herne-Gesellschaft gestattet, daß Obligattonen bis zu vier Fünfteln des Ankaufspreises der Hibernia-Aktien ausgegeben werden. Da die Herne-Gesellschaft auf Grund von 15 Millionen Hibernia-Aktien 30 Millionen Mark Obligattonen ausgibt, so resultiert ' ieraus. daß der Ankaufspreis dieser 15 Millionen Hibenna-Attien 7'/« Millionen Mark, d. h. gleich 250 Proz., beträgt. Die Obligationen sollen also freihändig begeben, nicht zum Handel an der Börse eingeführt werden— aus guten Gründen, nämlich weil die Zulassung der Obligationen zum Börsenhandel bei der Zulassungsstelle auf Bedenken gestoßen sein soll. Das rheinisch- westfälische Kohlensyndikat hielt vorgestern seine Beiratssitzung ab, in der die Umlage für April und Mai, aus der Ausftihrvergütungen bestritten werden, auf 6 Proz. für Kohlen, 8 Proz. für Koks und 3 Proz. für Briketts, also auf die bisherigen Sätze festgesetzt wurde. Für den Monat April ist nach Mitteilung des Vorstandes eine Besserung des Absatzes, soweit Kohlen fiir Jndustriezwecke in Frage kommen, festzustellen! ganz besonders war infolge der Feiertage die Nachfrage nach Kokskohlen so groß, daß der Bedarf darin zeitweise nicht voll gedeckt werden konnte, und mehrfach Nuß III und IV, aber auch, wenn diese mangelten, Nuß I und II zur Koksherstellung ge- schleudert und verwendet worden sind. Die günstige BeschäftigungS- läge, in der sich die Eisenindustrie befindet, ist, wie der Vorsitzende ausführte, allmählich auch den reinen Walzwerken zugute gekomnien, o daß auch diese mit Käufen von Zusatzmengen hervorgetreten sind und die Abrufe flott erfolgten. Differenzeinwand. Von einem argen Mißbrauch des Börsengesetzes weiß die„Voss. Ztg." zu berichten. Bekanntlich sprach der preußische Handelsminister bei der Beratung über die Börsengesetz- Novelle von einem„schmählichen Mißbrauch", welcher mit den Bestimmungen des bestehenden Gesetzes getrieben worden ei. Eine neue Bestättgung hat diese Aeußerung durch einen jüngst aus Hamburg gemeldeten besonders krassen Fall erfahren. Der Inhaber einer angesehenen hamburgischen Bankfirma machte bei einem Sommeraufenthalt die Bekanntschaft eines ebenfalls in Hamburg wohnhaften Herrn Fl. und trat mit diesem, welcher als österreichischer Reserve-Offizier, Ingenieur und persönlich wohlhabender Mann in den ersten Hamburger Kreisen ver- kehrte, in gesellschaftliche Beziehungen, die auch in Hamburg fort- gefetzt wurden. Im Laufe dieses Verkehrs erbat Fl. den Rat des befreundeten Bankiers für seine Kapitalanlagen und äußerte ge- legentlich den Wunsch, etwas in Fonds zu unternehmen. Der Bankier riet dem Fl. zunächst dringend von derartigen Geschäften ab. ließ sich jedoch durch die Versicherung des FL, daß ihm seine Vermögens- Verhälttuffe derartige Umsätze erlaubten und daß er auch schon früher derartige Geschäfte mit anderen gemacht habe, bewegen, dem Wunsche Fl.s zu willfahren. Die Aufttäge, welche Fl. der Firma trotz deren beständiger Mahnung zur Vorsicht erteilte, waren für FL verttlfchringend. Fl. erhob nunmehr den Differenzeinwand, und die Klage der Firma wurde in zwei Instanzen abgewiesen. Während der Prozeß schwebte, knüpfte Fl. mit zwei anderen Firmen von neuem Verbindungen zum Abschluß gleichartiger Geschäfte an l Der Fall spricht allerdings recht deutlich gegen den Differenz« einwand. Von einer Verleitung zum Börsenspiel durch den Bankier kann sicherlich nicht gesprochen werden. Der Herr Fl. dürfte schon vorher die Absicht gefaßt haben, im Falle eines Verlustes diesen nicht zu tragen, sondern den Differenzeinwand zu erheben. 12. Deutschlands. Dresden, 27. April. Nach Wahl einer Statutenberattmgs-Kommission wird in die Beratung des Punktes U nter st ützungs wesen eingetreten. Hierzu referierte Verbandskassierer Bock. Es sei selbst« verständlich, daß in erster Linie der Kampf für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen als Aufgabe des Verbandes zu betrachten ist. Daß daneben auch das Unterstützungswesen zu pflegen ist, wird nicht besttitten, doch haben wir mit unseren letzten Beschlüssen etwa? zu viel auf die Unterstützungen Bedacht genommen. Der Referent streift weiter auch die angeregte Einführung einer Kranken- Unterstützung. Hierzu ist er der Meinung, daß die beste Lösung dieser Frage die Verschmelzung der noch bestehenden Krankenzuschuß« lasse mit dem Verband sei. Sollte diese Vereinigung nicht zustande kommen, dann müsse man unbedingt zur Einführung einer solchen Unterstützung innerhalb des Verbandes gelangen, ohne Rücksicht darauf, daß dadurch die Krankenzuschußkasse geschädigt werde. Bei der Diskussion möchten die Kollegen sich vor Augen halten, daß der Ver- band in nächster Zeit daran gehen müsse, eine Verkürzung der Arbeits- zeit zu erstreben, welches Ziel für die Weiterentwickelung des Ge- werbes geradezu eine Lebensfrage geworden sei. Dazu gehörten er- hebliche Mittel, was man bei dem Bestreben, ohne Erhöhung der Beiträge die Unterstützungen zu erweitern, beachten möge. Die folgende Debatte zeigt über die Erweiterung der Unter« stlltzung wie' Erhöhung der Beiträge starke Meinungsverschiedenheiten. Verschiedene Redner befürchten bei Erhöhung der Beittäge Mit- gliederverlust durch den Hülfsarbeiterverband, der bei seinen niedrigen Beiträgen ein starker Konkurrent sei. Hiergegen machen jedoch Redner, die für die Erhöhung der Beiträge eintreten, geltend, daß auch der Hülfsarbeiterverband in nächster Zeit sich gezwungen sähe, feine Beittäge zu erhöhen. Zur Frage der Einführung der Kranken- Unterstützung oder der eventuellen Verschmelzung der Kranken« znschußkasse nimmt man noch eine unbestimmte Haltung ein, da in dieser Richtung noch keine vorbereitenden Schritte unternommen worden sind. In der Nach mittagSsitzung wird die Debatte über das Unterstützungswesen fortgesetzt. Gebhardt (Vorsitzender der Lederarbeiter-Krankenkasse) warnt vor einer Erwerbs- losen-Unterftützung. Es würde dadurch bei den Mitgliedern der Krankenkasse, unter denen doch auch gute Verbandsmitglieder sich befinden, schwerer Unwille entstehen. Es könne höchstens eine Kranken-Zuschußkasse in Frage kommen. Er empfiehlt eine Resolution, die sich vorläufig gegen die Einführung einer Krankenunterstützung ausspttcht. Valtzenlogel-Straßburg wünscht wegen der traurigen Verhältnisse im Elsaß eine Extraklasse für Hülfsarbeiter und spricht sich gegen eine Erhöhung der Beiträge aus. Aehnlich spricht sich Morsen-Kirchhain aus. Aus der Debatte ist noch zu entnehmen, daß einige Delegierte von ihren Mandanten den Auftrag haben, für den Ausbau der Unterstützung zu wirken, aber für Erhöhung der Beiträge nicht zu haben sind, ein gewerkschaftliches Problem, das wohl nicht so leicht zu lösen ist. Darauf weist auch der Berliner Delegierte Runge hin, spricht aber für eine Verlängerung der Reise- und der Ortsunterstützung und für eine Erhöhung der Beiträge auf 40 Pf. Gegen die Krankenversicherung im Verband ist er entschieden; er will der Lederarbeiter-Krankenkasse uicht den Boden entziehen. Kästner-Dresden ist in Hinsicht auf die Verschmelzung flir Zwei- klassen-Beiträge. Wer über 16 M. verdient, soll unter allen Um- ständen den höheren Beitrag zahlen. Er empsiehlt statt der Sterbe- eine Hinterbliebenen-Unterstützung. Der Kassierer Bock stellt in seineni Schlußwort fest, daß immerhin mir wenige Delegierte für höhere Unterstützung und gegen Erhöhung der Beiträge gesprochen haben. Er wendet sich gegen die Ansicht, daß etwa durch eine BeittagSerhöhung ein Mitgliederschwund eintreten könne. Alle Er- fahrungen sprächen dagegen. Es wird dann zur Festsetzung der Beiträge geschritten. Der Beitrag für weibliche Mitglieder tvird auf 20 Pf. bemessen. Der Beittag für männliche Mitglieder bleibt, nachdem höhere Beittäge mit mehr oder minder größerer Majorität abgelehnt sind, wie bisher 35 Pf. Ueber die zukünftige TaktikbeiLohnvewegungen und die Stellung zu Tarifverträgen spricht Kuntzsch-Bürgel« Offcnbach. Es sei eine beschämende Tatsache, daß mit Rücksicht auf die schlechten finanziellen Verhältnisse der Verband in keine Kämpfe fiir Verbesserung der Lage der Lederarbeiter eintreten konnte. Es sei dringend notwendig, daß darin mehr als bisher getan wird. Es sei nicht an- gängig, zugunsten der Erhaltung des Kleinmeistertums uns aufS äußerrste ausbeuten zu lassen. Die Taktik müsse nach den jeweiligen Verhältnissen eingerichtet werden. Sie könne nicht überall die gleiche sein. Die Organisation müsse damit rechnen, daß infolge des Zusammen« schlusses der Lederindustriellen ernste Kämpfe bevorstehen. Es muß aber auch gerade deshalb dahin gewirkt werden, kopflose Kämpfe zu vermeiden. Kämpfe um einzelner Personen ivillen müssen vermieden werden. Wenn in einen Kampf eingetteten werden soll, müssen mindestens"U der Kollegen organisiert und V# für den Streik sein. Wenn irgend möglich, solle versucht toerden, auf friedlichen: Wege etwas zu erreichen; denn ein schwerer Kampf habe stets schlimme Folgen. Bei Sperren müsse ebenfalls vorsichttg vorgegangen werden, besonders dort, wojeder ungelernte Arbeiter in den Betrieb geholt werden kann. Tarif« Verträge sind nicht zu verwerfen, es kommt nur darauf an, wie sie abgeschlossen werden. Ihr Abschluß ist einpfehlenSwert. Die Kü'ndigungsftist muß aber eine kurze sein und ihr Ablauf darf nicht in eine ungün st ige Zeit fallen, vor allem nicht in den Winter. Empfehlenswert, aber bei der geringen Zahl der organisierten Lederarbeiter vorläufig noch nicht erreichbar, sind Tarifverträge für ganz Deutschland. Von der Ver« letzung irgend eines Prinzips kann bei Abschluß eines Tarifs Ivohl nicht die Rede ernsthaft sein. Kämpfe seien allerdings dadurch nicht aus- geschlossen. Die Schmutzkonkurrenz könne durch Tarifverträge wesentlich eingeschränkt werden. Bei Abschluß von Tanfen müsse vor allem auch auf Einschränkung der Akkordarbeit das Augenmerk gerichtet werden. Vorbedingung für den Abschluß von Tanfverttägen sei eine starke Organifation. Die Agitation zur Gewinnung neuer Mitglieder dürfe nicht erlahmen. Eine diesen Ausführungen entsprechende Resolution wird vom Redner eingebracht. In der Debatte weist Schnelle, der sich als Freund von Tarifverträgen bekennt, darauf hin, daß zur Führung von Lohn- kämpfen Geld gehört und daß die Mehrheit der Generalverfamm- lung durch ihre Beschlüsse nicht dafür gesorgt hat. daß Bttttel vor- Händen sind. In der weiteren Debatte wird fast allgemein Uebereinsttmmung mit den Ausführungen des Referenten ausgesprochen, aber über die geringe Tariftreue der Unternehmer geklagt. Die Berliner Dele« gierten allerdings denken sehr skeptisch darüber, Iveil nach ihrer Meinung nur die Unternehmer Vorteil davon haben. Nach einem kurzen Schlußwort des Referenten wird die Sitzung geschlossen. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Urania, Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Bublikum gegenüber teinertei Tlerleben in der Wildnis. Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 29. April: Anfang 7 Uhr: Schauspielhaus. Semele. Demetrius. Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Manon. Deutsches. Der Privatdozent. Berliner. Der Vater. Besten. Le je ne sais quoi und La main. Nachm. 3 Uhr: Maria Stuart. National. Der Wildschüß. Neues. Ein Sommernachtstraum. Nachm. 2, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Thalia. Der Kilometerfreffer. Zentral. Die neugierigen Frauen. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Ghges und sein Ring. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Augen rechts. Hierauf: Die fittliche Forderung. Leffing. Elga. Kleines. Rosmersholm. Residenz. Herzogin Crevette. Trianon. Ihr Alibi. Deutsch- Amerikanisches. großen Teich. Uebern Belle- Alliance.... noch einmal so lieben! Carl Weiß. Die Kleinen Bagabunden. Reichshallen. Stettiner Sänger. Luisen. Khrik- Phrik. Nachm. 3 Uhr: Lorbeerbaum und Bettelstab. Kasino. Lolos Bater. Luftspielhaus. Der Familientag. Nachm. 3 Uhr: Das böse Prinzeßchen. Metropol. Die Herren von Magim. Apollo. Das Veilchenmädchen. Spezialitäten. Herrnfeld Theater. hains. Die Meher Paffage- Theater. Emmi Kröchert. Die 7 Allisons. Spezialitäten. Cleo de Merode. Entergarten. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Nachmittags 22 Uhr bei ermäßigten Preisen: Ein Sommernachtstraum. Abends 7, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Sonntag: Ein Sommernachtstraum. Montag: Ein Sommernachtstraum. Kleines Theater Anfang 8 Uhr. Rosmersholm. Sonntag: Rosmersholm. Montag: Angele. Abschied vom Regiment. National- Theater Weinbergsweg 19. Sonnabend, den 29. Apr 1905: Der Wildschütz. Anfang 72 Uhr. Sonntag: Der Freischütz. Luisen- Theater. Abends 8 Uhr: InvalidenSternwarte str. 57/62. CASTAN'S ANOPTICUM. PASA Friedrichstr. 165. Das sensationelle Riesen- Mädchen!!! Rosa Wedsted, 2 Meter 20 cm hoch, größte lebende Riesin der Welt. Neue Königl. Oper( Kroll). Montag, den 1. Mai 1905: ! Novität! Jung- Heidelberg. Anf. 7%, Uhr. Billettverk.: Kgl. Operette von Millöcker. Opernhaus, Schalter 3, Wertheim, Invalidendank und Abendkasse. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Ihr Alibi. Anfang 8 Uhr. Passage- Theater. Anf. d. Abendvorstellungen 8 Uhr. Anf.nachm.Sonnt.3, Wochent.5Uhr. Emmi Kröchert dem Berliner sein Fall. Die 7 Allisons Afrobaten. Lotte Sebus Vortragskünstlerin. Losoros, Roloratur- Sängerin. 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Abends( als lekte Borstellung): Hans Jürge. Schwant in 1 Vorspiel u. 3 Atten von Georges Feydeau, in Deutsch von Benno Jacobson. Sonntag, den 30. April, nach mittags 3 Uhr: Der Hüttenbesitzer. Apollo- Theater. Lustspielhaus. 218. Friedrichstraße 218. Rachmittags 3 Uhr: Gesundbrunnen, Badstraße 58. Große Extra- Vorstellung: WINE BARTEN Cléo de Mérode und das glänzende Arbeits- Anzüge. W. Pahr. Brunnenstr. 116. 20092* Wohin gehen wir Sonntags, und wohin machen wir unsere Land Pichelswerder zum und Wasser- Partie? Rad alten Freund. Nach Es ladet ein Da ist es gemütlich und schön, und Wir sind immer gern geseh'n. [ 29582*] Der alte Freund. Einige Sonnabende im Juli noch frei. Größter Tanzsaal in der Umgebung. I. Geschäft: II. Butfabrik ff. 2,80, 3,- und 4,50 M. Herrenfilzhute, uneneste Moden, 1,90, 2,40 Zylinder ut. Chapeau claques 6,-, 8,-, 10,-, 12,- M. Mützen für Herren und Knaben von 35 Pf. an. Meine Hüte sind durch die billigen Preise und den guten Filz seit langen Jahren bekannt. 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Mitglieder Versammlungen 288/20 Sitzung 11hr Bezirk A: Sonntag, den 30. April, vorm. 10 Uhr, im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. bei H. Thiel, Bergstr. 151/2. Gäste stets willkommen. Am 30. April nach Kaputh früh 10 Uhr. Am 7. Mai nach Werder früh 5 Uhr. Start: Hermannplay. Am 14. Mai nach Drewiß früh 8 Uhr. Am 21. Mai nach Pferdebucht nachmittags 1 Uhr. Am 28. Mai nach Trebbin früh 8 Uhr. Zu dieser Tour ist es Pflicht, daß sämtliche Mitglieder am Start sind. 12/11 Am 4. Juni nach Finkenkrug nachmittags 1 Uhr. Am 2. Mai: Außerordentliche Ge neralversammlung. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es zu erscheinen. Der Vorstand. * Tränen* loftet Kuchenbaden, wenn es nicht gelingt. Stets tadellosen Kuchen erhält man mit der eihaltigen Kuchenmaffe Fix u. Famos" als: Königskuchen, Napffuchen, Vanillekuchen, Sandtorte, Stolle, Pfannkuchen. Mit Butter und Milch in 5 Minuten backfertig, in jedem Bratofen zu backen. Ueberall erhält lich. Fabrit Max Arnold Nachf., Charlottenburg, Galvaniſtraße 6. 99 99 B: Sonntag, 30. April, vorm. 10%, Uhr, im Neftaur. ,, Zur Hütte", Stalikerftr. 30/31. C: Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Schulz, Alte Jakobstr. 18/19. D: Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, bei Pfeffer, Rosenthalerstr. 57. Tages- Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Kassenbericht pro erstes Quartal 1905. 3. Verschiedenes; in Bezirk A findet eine Ersazwahl des Borstandes statt. 99 Die Zahlstellen, in denen an jedem Sonnabend abend von 8-10 Uhr neue Mitglieder( bis 45 Jahre) aufgenommen werden, befinden sich: Naunynstr. 78 bei Krüger, Kl. Andreasstr. 15 bei Rollbrand, Reichen bergerstr. 29 bei Schmidt, Stalizerstr. 69 bei Graßmann, Boffenerstr. 45 bei Städler, Alte Jakobstr. 69 bei Lenz, Neue Königstr. 7 bei Müller, Elsasserstr. 11 bei Raddat. Die Ortsverwaltungen. Deutscher Buchbinder- Verband. Zablftelle Berlin. Morgen Sonntag, den 30. April, vormittags 10 Uhr, im großen Saale von Buggenhagen am Morigplay: Ordentliche General- Verfammlung. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Kommission betr. Regelung der Anstellung sbedingungen unserer Angestellten. 2. Geschäfts- und Kassenbericht. 3. Verbandsangelegenheiten. 23/18 Wir ersuchen alle Mitglieder, in dieser Versammlung pünktlich und recht zahlreich zu erscheinen. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Die Versammlung wird Punkt 10 Uhr eröffnet. Die Ortsverwaltung. Neu erschlossenes Bau- Terrain, Deutscher Holzarbeiter- Verband. guter Boden, herrliche Lage, soll in einzelnen Barzellen von 1.25 M. an pro Quadratmeter Möbelpolierer! im Gutshof, verkauft werden. Näheres Bergstr. 1 in Alt- Glienice( Station Mittwoch, den 3. Mai, abends 8 Uhr, in den bekannten Lokalen: Adlershof oder Grünau). 26212* Auch einige baufreie Baustellen an gepflasterter Straße sehr preistvert, eventuell mit Prioritäts- Einräumung, verkäuflich. S. Piket jetzt nur: 44 Prinzenstraße 44 Laden u. I. 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Kollegen, welche noch Beiträge in ihrem alten Mitgliedsbuch restieren, haben dieselben, um ihre Mitgliederrechte zu wahren, spätestens am 13. Mai zu entrichten. Nach diesem Datum werden Marten des Verbandes der Möbelpolierer nicht mehr geklebt. Diejenigen, welche noch aus der Bibliothek entliehene Bücher in Händen haben, werden ersucht, dieselben bei Nitschke, Kopernikusstr. 5 oder bei Su B, Lorkingstr. 26, abzugeben. 84/10 Achtung! Vergolder! Filiale Berlin. Todes- Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Zimmerer Heinrich Leder in der Nacht vom Mittwoch zum Donnerstag nach langem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. d. Mts., nachmittags 312 Uhr, von der Charité aus nach dem Charité- Kirchhof, Müller13166 straße statt. Um stille Teilnahme bitten Die trauende Witwe Anna Leder nebst Kindern. Zentral- Verband d. Bimmerer Deutschlands Zahlstelle Berlin u.Umgegend. ( Bezirk 11.) Allen Kameraden zur Nachricht, daß unser Mitglied Heinrich Leder am am 27. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. d. M., nach mittags 3, Uhr, von der Charité aus nach dem Charité- Kirchhof in der: Müllerstraße statt. Um rege Beteiligung bittet 254/14 Der Vorstand. Allen Kollegen und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann der Vergolder Alexander Fuge nach langen Leiden sanft entfchlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag nachmittag 3 Uhr auf dem Thomas- Kirchhof statt. Um stilles Beileid bittet Amunde Fuge nebst Kindern. Danksagung. Für die rege Teilnahme und die vielen Stranzspenden bei der Beerdigung meiner unvergeßlichen Frau Anna Günterberg geb. Kühling sage ich allen Freunden und Betannten meinen herzlichsten Dank. Gustav Günterberg. Danksagung. Für die rege Teilnahme an dem des Kellners Morgen, Sonutag, den 30. April cr., vormittags 11, Uhr, in der Begräbnis meines lieben Vaters, ,, Alhambra", Wallnertheaterstr. 15: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Tages Ordnung: 1. Unsere Maifeier. -225/10 2. Berschiedenes. Jedes Mitglied hat die Pflicht, in dieser Versammlung pünktlich zu erscheinen. Der Vorstand. Die Maifeier findet Montag vormittag 10 Uhr in demselben Lokale statt. D. O. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter. E. H. 29. Hamburg. Filiale Berlin 4. Sonnabend, den 29. d. Mts., abends von 8-11 Uhr, findet bei Merkowski, Andreasstr. 26, die Wahl der Delegierten zur außerordentlichen Generalversammlung statt. Es ist Pflicht unserer Mitglieder von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu 116/7 machen. Das Mitgliedsbuch legitimiert. Beiträge werden daselbst entgegengenommen und die Zahlstellen bleiben an diesem Abend geschlossen. Die Ortsverwaltung. J. A.: Max Mäcker. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zablftelle Rixdorf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Stimmzettel zur Urabstimmung wegen Einführung der Krankenunterstügung vom 29. April bis 10. Mai in den Zahlstellen in Empfang genommen werden können und müssen die Stimmzettel am 11. Mai in Händen der Ortsverwaltung sein. 84/9 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Wahltableau für die am 30. April d. J. borzunehmende Wahl von 37 Delegierten zur Generalversammlung in Leipzig. Die Wahlzeit ist von vormittags 10 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Gewählt wird in folgenden Lokalen: 1. Raabes Salon, Kolbergerstr. 23. Wahlleiter Menz. 2. Bernhard Rofe Theater, Badstr. 58. Wahlleiter Wegener. 3. Wernaus Festfäle, Schwedterstr. 23. Wahlleiter Denk. . 4. Boekers Festfäle, Weberstr. 17. Wahlleiter Buse. 5. Graumanns Festsäle, Naunynstr. 27. Wahlleiter Gunther, Liesack. 6. Thiel, Nigdorf, Bergstr. 152. Wahlleiter Schneller. 7. Kumke, Bülowstr. 59. Wahlleiter Ficius. 8. Kronenbrauerei, Mt- Moabit 47/48. Wahlleiter Hartmann. 9. Volkshaus Charlottenburg, Rosinenstr. 3. Wahlleiter Wuschick. 10. Steglit, Schellhafe, Ahornstr. 15a. Wahlleiter Loos. 11. Böhle, Spandau, Neumeisterstr. 5. Wahlleiter Wücke. 12. Oberschöneweide, Kaufhold, Wilhelminenhofstr. 18. Wahlleiter Ballach. 13. Rummelsburg, Tempel, Mt- Borhagen 56. Wahlleiter Brühl. 14. Köpenick, Helling, Schönerlinderstr. 5. Wahlleiter Gühne. 15. Reinickendorf, Muster, Berlinerstr. 29. Wahlleiter Püschel. 16. Weißensee, Schmut, König- Chauffee 38. Wahlleiter Frahm. Bentralwahlbureau ist Engel- Ufer 15. Obmann des Gesamtwahl Karl Wodtke sage ich allen den daran Beteiligten sowie den Bezirken 711 und 715 des Wahlbereins dem Verband der deutschen Gastwirtsgehülfen( Berlin) und dem Gastwirt Rudolph für die Kranzspenden meinen verbindlichsten Dant. Die trauernde Tochter Elisabeth Wodtke. Ein gutes Patent der Möbelbranche Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 2. Berliner Reichstagswahlkreis. Am Mittwoch, den 26. April, verschied unser treues Mitglied, der Gastwirt Paul Weist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. April, nachmittag 4 Uhr, von der Halle des Luther- Kirchhofes( Lankwitz) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er sucht 238/13 Der Vorstand. Verband der Freien Gast- und Schankwirte Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin. Todes: Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gastwirt Paul Weist Bülowstr. 67 am 26. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 30. d. M., nachm. 4 Uhr, auf dem Friedhofe der Luthergemeinde in Lantwit statt. Um rege Beteiligung ersucht 69/6 Die Ortsverwaltung. Gesangverein „ Gerechtigkeit W." Todesanzeige. Am 26. d. M. verstarb unser Sangesbruder, der Restaurateur Paul Weist am Bülowstr. 67. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. April, nachm. 4 Uhr, bon der Kapelle der Luthergemeinde in Lantiviz aus statt. 13306 Der Vorstand. Stukkateure. Am Mittwoch, den 26. April, abends 8 Uhr verstarb unser Kollege 173/15 Ernst Kleber Steglik im 49. Lebensjahre nach kurzer Strankheitsdauer. am Der Zentralverband der Stukkateure, Fil. Berlin, wird ihm ein dauerndes Andenken bewahren. Die Beerdigung findet 13286 Sonntag, den 30. d. M., nach mittags 5 Uhr von der Leichen halle des Gemeindefriedhofes Stegliz, Bergstr. 11 aus statt. Fahrverbindung Linien D, E, F, Straßenbahn vom Zool. Garten und Linkstraße bis Rielerstraße oder mit Wannseebahn bis Steglit. Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 106/9 zu taufen gesucht. Dffert. unt. J. N. 9731 befördert Rudolf Mosse, Berlin SW. Nur noch wenige Tage! Verband der Kupferschmiede Deutschlands. Filiale Berlin. Am 27. d. Mts. verstarb nach furzem Krankenlager unser Kollege und langjähriges Verbandsmitglied Inventur- Robert Radau Räumungs- Preise! ardinen G abgepaßte Fenster, weiß und crême Shawllänge pro M. 250 3 Mtr. Fstr. Shawllänge pro 3,20 Mtr. Fstr. M. 335 Imit. Point- laceGardinen, pr. Fstr. M. 585 Eleg. SezessionsTüll- Stores Gestickte echte Spachtel- Stores Goldfarb. reichM. 165 M. 565 gestickte M. 435 Band- Stores Tüllbettdecken 180/220 cm M. 235 Reichgest. ErbsM. 535 tüllbettdecken Teppich- Spezial- Haus Emil Lefèvre Berlin Oranien- Straße 158. S. Nach auswärts per Nachnahme. fomitees ist der Kollege Hermann Henning. Die Stimmlisten werden an Inventur- Extraliste( gratis u. Katalog illustrat. den Eingängen zu den Wahllokalen verteilt. Dhne Mitgliedsbuch kann niemand wählen. Bahlreiche Beteiligung wird erwartet. Die Ortsverwaltung. 116/6 mit ca. 600 und franko im 57. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. d. Mts., nachmittags 126 Uhr von der Leichenhalle des Friedhofes in Stegliz, Bergstraße aus statt. Fahrgelegenheit vom Potsdamer Bahnhof( WannseeBahnhof), Zehnpfennigtour. Um rege Beteiligung bittet 100/2 Der Vorstand. -O Zentralverband der Töpfer Filiale Deutschlands. Berlin. Am Freitag, den 21. April, verstarb infolge eines Unfalles unser Mitglied 195/18 Oskar Schütz ant im Alter von 57 Jahren. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet Sonntag, den 30. April, nach mittags 32 Uhr, von der Leichenhalle des St. Markus- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung er sucht Der Vorstand. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Wilhelm Götting am 23. April an der Proletarierfrankheit verstorben ist und am 26. April zur letzten Ruhe ge bettet wurde. Ehre seinem Andenken! 84/11 Die Ortsverwaltung. Von den in unserem Verlage unter dem zusammenfassenden Titel ,, Kulturbilder" herausgegebenen wichtigen Abschnitten aus der Kulturgeschichte beginnt soeben ber zweite Band zu erscheinen. Dieser Band behandelt: Die Hohenzollern- Legende Vom Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffaffung aus wird hier ein Bild des brandenburg- preußischen Staates gezeichnet. Wir sehen ihn entstehen aus der großen Wanderung heimatlos gewordener deutscher Bauern, und wir erfassen die Notwendigkeit, warum in diesem Staatswesen der ritterliche Adel die führende Klasse wurde. Wir sehen, wie die Hohenzollern als Fremdlinge ins Land kommen; wie der Adel aus dem Raubritter zum Getreideverkäufer ward. Wir sehen die Knechtung und Aus. beutung der Bauern und die rücksichtslose Niederwerfung der Städte. Wir werden allen Nachdruck darauf legen, bei jedem einzelnen Punkte die Nebel zu zerstören, die der Boltsschulunterricht, nicht nur in Preußen, sondern auch im übrigen Deutschland über die Hohenzollerngeschichte gelagert hat. Wir fragen bei allen Fürsten zuerst: was hat er als Vertreter der Monarchie für die Kultur, für die Leistungsfähigkeit und das Vorwärtskommen seiner ,, Untertanen" geleistet? Welchen Klassen und welchen Interessen hat seine Politit gedient? Dabei wird es unser Hauptbestreben fein, zu zeigen, was die unteren Klassen an diesem Fürstengeschlechte gehabt haben. Das Märchen vom sozialen Königtum der Hohenzollern zu zerpflücken und zu zerzausen, die Tatsachen der Wirklichkeit, die aktenmäßig feststehen, diesem Märchen entgegenzustellen, das ist unsere Absicht. 019 Staatswang Von Max Maurenbrecher Wir rechnen auf Leser aus allen Kreisen der Arbeiterschaft, die gewillt sind, die geschichtliche Wirklichkeit zu erfahren. Aber wir denken noch ganz besonders an die schulentlassene Jugend, die anfängt, ins Leben zu treten. Ihnen hat die Schule noch eben den Kopf voll Dunst und Weihrauch geblasen; ihnen in erster Linie soll dieses Werk Befreiung, Klärung, wissenschaftliche Kenntnisse bringen. Es will an seinem Teile helfen, fie in die Reihen des kämpfenden Proletariats zu führen. Auch dieser Band wird gegen 400 Abbildungen und Dokumente aus der Zeit bringen, mit deren Silfe die Darlegungen des Verfaffers anschaulich gemacht, das Interesse für vergangene Zeiten angeregt werden soll. Der Band erfcheint in 50 Lieferungen à 20 Pf.; wöchentlich erfcheint ein Heft. Jeder Band unserer Kulturbilder ist für sich abgeschlossen, so daß der Bezug dieses Werkes nicht das Abonnement auf die folgende Bände notwendig macht. Bestellungen nehmen alle Partei- Buchhandlungen, die Kolporteure und Austräger unserer Parteizeitungen oder der Verlag entgegen. Buchhandlung Vorwärts, Berlin SW. 68 Linden- Strafse 69 Jedes Wort: 5 Pfennig. Das erste fettgedruckte. Wort 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Spottbilligster Ausverkauf verfallener neunzehn. Pfandstücke. Weidenweg +22 Empfehlenswerte Betten, Aus steuerwäsche, Gardinenverkauf, Bettinlette, Steppdecken. Pfandleihhaus Weidenweg neunzehn. + 22* Jackettanzüge, Sommerpaletots, Regulatoren, Freischwinger, Taschen uhren, Herrenketten, Damentetten Spottbilligst Pfandleibhaus Weidenweg +22 neunzehn, rechts. Tüll bunte Gardinen Bettdecken Stores Pointlaces Stongreßftoffe Madrasstores Enorme Preisermäßigung. Einzelne Baare spottbillig! Gardinen- Versand hans Jeruſalemerstraße 11, nahe Dönhoffplay. Fahrräder, Teilzahlungen. 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Wenn man in Berlin ein Asyl vollkommener Ruhe und andächtigen Friedens sucht, so gibt es keine Stätten, die in so hohem Maße selbst dem ausschweifendsten Ruhebedürfnis ge nügen, als die Museen der Prinz Albrechtstraße. Daß man nebstbei in solcher Zurückgezogenheit noch einen reichen An schauungsunterricht von der EntWickelung des Menschen geschlechts, seit den Dämmerzuständen erster ftutturregungen bis zu den reifsten Zeiten edler Kunstfertigkeit beqilem und kostenlos gewinnen kann, ist für den einsamen Pilger, der sich in diese Gebäude verirrt, gewiß keine unerwünschte Beigabe. An diesem Freitag aber, so schreibt uns unser Spezial Berichterstatter für die Prinz Albrechtstraße, hatte sich das Bild dieser stillen Gegend vollständig geändert. In ununteo brochenem Strome flutete in Doppelreihen auf und ab eine dicht gedrängte Menschenmenge, deren gespannte Züge auf dem Hinweg flammende Sehnsucht, bei der Rückkehr gesättigte Begeisterung durchglühte und vergeistigte: Männer und Frauen, von der humpelnden Greisin bis zu dem noch müh selig wankenden Baby, Zivil und Militär, alles gut gekleidet und ohne grammatikalische Fehler beim Austausch ihrer Er Wartungen und Erinnerungen— so stürmte die gewaltige Menschenwoge dahin. Auch ich war entzückt. Herrlich Endlich erwacht Berlins Interesse für Kunst und Wissenschaft. Welch eine Höhe der Kultur, wenn man sich um den Zulaß der Museen drängt wie bei einem Banksturm oder bei Prcisringkämpfen. Der Strom führt mich mit. Ohne eigene Willenstätigkeit, halb getragen, passiere ich die Pforte des Kunstgewerbemuseums. Die Garderobe ist umlagert von Personen, die die Zeit nicht abwarten können, bis sie ihre Schirme und Stöcke los go worden sind. Jetzt stehe ich im weiten Lichthof.„Rechts gehen!" mahnt ein Plakat. Hier drängt sich die Wißbegier. Der ganze Raum wimmelt von Menschen. Und alles starrt nach irgend einem in der Mitte aufgebauten Gegenstande. Mütter und Väter heben ihre Kinder empor, damit sie besser schauen können und sich den Anblick als bleibende Erinnerung fürs Leben scharf einprägen. Offiziere opfern die Falten ihrer Beinkleider und das Kunstwerk Habys, um möglichst nahe heran zu kommen. Auch ich fühle die Weihe des großen Augenblicks. Welch un sterbliche Schöpfung der Kunst bietet sich da unseren Augen? Zunächst seh ich nur einen großen Glaskasten, der sich hoch über den Häuptern der Menschheit erhebt. Ich recke mich auf den Fußspitzen empor. Und nun gewahre ich ein unförmliches, ein paar Meter langes rosaschimmerndes Stück Zeug, das an den Rändern silbern berankt ist.... Sonst nichts.... Und alles starrt auf diesen Stofffetzen, tief ergriffen, und kann sich nicht satt sehen. Und erst nach längerem Verweilen entschließt man sich, unter dem Ansturm der Nachdrängenden, zu weichen. Und linksumkehrt geht es hinaus. Niemand entweiht seine Augen, nach so göttlichem Anblick, mit der Betrachtung irgend eines anderen in dem Museum aufgestellten Schatzes. Ratlos verfolge ich das Spektakel. Wie? Ist da am Ende ein neuer heiliger Rock ausgestellt, der die Krüppel gerade und die Kranken gesund machen soll? Aber die Wallfahrer sehen ganz gesund aus, besitzend und— gebildet. Ich vermag nicht zu ergründen, welch magische Gewalt dieses Stück Zeug in dem großen Glaskasten auf die Menschheit ausübt. Bescheiden wende ich mich an einen Museumsdiener: „Sagen Sie, was ist denn das?" Der Mann gerät außer sich vor Staunen, und erst als er an meinem— intelligenten Gesicht merkt, daß ich ihn nicht foppen will, verkündet er feierlich:„Das ist doch unserer zukünftigen Kronprinzessin— Brautschlepp e"._ Die Maizeitung 1905 ist heute im Verlag der Buchhandlung„Vorwärts" erschienen. Sie schließt sich in Text und Illustrationen ihren Vorgängerinnen würdig an. Besser als das von Fidus gezeichnete Titelbild gefällt uns das doppelseitige Bild von Brandenburg„Der Mai-Triumph". Von den schriftstellerischen Beiträgen nennen wir den Einleitungsartikel von Georg Ledebour„Zum Maifest ISOS", worin ans die Bedeutung der russischen Jauuar-Revolution dieses Jahres und auf den russisch- japanischen Krieg hingewiesen wird. Ledebour ruft das Proletariat auf, feine Stimme zu erheben gegen den Rassenhaß und die Politik des Massenmordes. Auf die russische Bewegung weist ferner ein Artikel von Klara Zetkin hin, der„Die russischen Revolu- tionärinnen" betitelt ist und in packender Sprache Beispiele des selbstlosen Heroismus der russischen Freiheitskänrpferinnen gibt. Es versteht sich, daß ein so bedeutsames Er- eignis. wie die russische Erhebung, auch in dem von Karl Kautsky verfaßten Beitrag„1789— 1889— 1905" gewürdigt wird. Die Revolution des Bürgertums in Frankreich, das Erwachen des Proletariats in den europäischen Kulturländern, das im internationalen Kongreß von 1889 zu Paris sich bedeutsam dokumentiert, und die diesjährigen Ereignisse im Osten Europas ziehen an uns vorüber. Kautsky spricht die Erwartung aus, daß der Zusammenbruch auf Rußland nicht beschränkt bleiben, sondern zu einer europäischen Erschütterung führen werde, deren Folgen sich heute noch nicht faffen lassen. Von Karl Legten wird das für Deutschland bedeutsamste Er- eigniS der jüngftverfloffenen Zeit behandelt: der Bergarbeiter» streik.„Wir können," so schreibt Legten,„auf diesen Streik mit Genugtuung zurückblicken, weil er uns zeigt, daß der Bergmann des Ruhrreviers erwacht ist, beginnt, sich seiner Menschenwürde bewußt zu werden und in der Organisation seinen Halt zu erkennen. Der Kampf ist abgebrochen und die Rüstung beginnt zu neuem, hoffentlich loirkungSvollerem Schlagen. Ein liebliches Gedicht von Klara Müller:„Maienfest" füllt die letzte Seite des Festblattes aus. Der billige Preis von 10 Pf. ist auch diesmal beibehalten worden. Wir erwarten, daß die Maizeittmg 1905 in der deutschen Arbeiterschaft dieselbe Anerkennung findet wie ihre Vorgängerinnen. Eine verhängnisvolle Zelluloidexplosion fand gestern vormittag gegen 9 Uhr in dem Hause Greisswalder- straße 217 statt, woselbst sich seit dem 1. April die Zelluloidwaren- fabrik von Bacharak befindet. Im Erdgeschoß hat die Firma einen Laden inne, während sich in der ersten Etage über demselben eine aus drei Zimmern bestehende Wohnung befindet. Das eine große Zimmer dient als Wertstatt und Lagerraum, die beiden anderen Zimmer werden von Bacharak und seiner Schwester bewohnt. Gestern morgen gegen 9 Uhr ertönte plötzlich eine gewaltige Deto- nation, und im nächsten Augenblick bildete das ganze Lager ein ge» waltiges Feuermeer. Die Flammen loderten aus den Fenstern bis zum Dachfirst empor und setzten die oberen Etagen in Brand. Durch die Gewalt des Luftdrucks wurde der Laden zerstört und die dort befindliche Verkäuferin durch das Fenster auf den Straßen- dämm geschleudert. Die in den Fabrik- und oberen Wohnräumen befindlichen Personen gerieten in ernste Gefahr, weil die Flammen mit ungeheuerer Schnelligkeit um sich griffen. Das Fabrikpersonal erlitt durchweg Brandwunden. Eine Frau lief mit brennenden Kleidern auf die Straße, wo die Flammen von Passanten gelöscht wurden. Die mit einem Zuge anrückende Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, gefährdete Personen zu retten. Sie holte nach und nach die Mitglieder der Familie Bacharak sowie drei Ar beiterinnen, die sämtlich schwere Brandwunden erlitten hatten, aus den Flammen. Die Verunglückten erhielten an Ort und Stelle Notverbände und wurden mittels Krankenwagen und Droschken nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Die inzwischen in großer Stärke eingetroffenen Feuerwehrzüge retteten zunächst mittels einer mechanischen Leiter die in der dritten und vierten Etage bedrohten Personen und gaben so energisch Wasser, daß der Brand in einer halben Stunde gelöscht wurde. Die Aufräumungs- arbeiten zogen sich bis 12 Uhr mittags hin. Durch den Druck der Explosion wurden zahlreiche Schaufenster in der GreifSwalder- und Jmmanuelkirchstraße zertrümmert. Von anderer Seite wird hierzu noch berichtet: Unter den ge- retteten Personen fand sich eine Frau Cohn mit ihrem Kinde, die aus 4 Personen bestehende Familie Papke, ferner Ernst, Fritz und Erna Hartwig, Frau Lehmann und Frau Pohle, Frau Gebhardt, Helene und Luise Zetsche, die Portierftau Buchs und die Hauswirtin Ehrmann. Eine Anzahl dieser Personen hatte durch den Qualm, die Aufregung und vor Schrecken die Besinnung verloren. Doch scheint niemand ernstlich verletzt worden zu sein, nur einige hatten Verwundungen durch Glassplitter im Gesicht erhalten. Andere klagten über Brustschmerzen. Im Erdgeschoß waren die Schau- fenstec in dem Modemagazin von Max Kohle in tausend Trümmer gegangen. Auch im Nebenhause, GrcifSwalderstr. 17, waren die Schaufenster des Blumengeschäfts von Karl Abraham und des Milch- gcschäfts von Zajak vollständig zertrümmert, während merkwürdiger- weise das dazwischenliegende Geschäft, eine Annahmestelle von Spindler, gänzlich verschont geblieben war. Am auffallendsten ist aber, daß um die Ecke, niehrere Häuser weiter, das Restaurations- lokal von Adolf Scholz schwer beschädigt worden ist. Die Unglücksstätte in der Greifswalderstraße war gestern den ganzen Tag über von vielen Hunderten von Menschen um- lagert. Das vierstöckige neue Haus, das noch nicht ganz fertig war, ist stark verwüstet. Tie Mauern sind an mehreren Stellen geborsten und der Putz ist von Wänden und Decken wie weggefegt. In ein- zelnen Räumen sind die Decken von Stichflammen bis zum Dach- geschoß durchgebrannt. Bis gestern Abend waren von den Glasern, die zur Ausbesserung kamen, 132 zertrümmerte Fensterscheiben ge- zählt. Der einzige Seitenflügel, den das Grundstück hat, könnte nach der Ausbesserung bewohnt bleiben, das Vorderhaus aber ist ganz unbewohnbar geworden. Die nicht hinausgeflogenen Fensterrahmen sind verhrannt, die Treppengeländer verkohlt. Bier Mietern hat der Hauswirt bei ihm bekannten Hauseigentümern andere Wohnungen verschafft. Die Leute aus dem Seitenflügel, die wohnen bleiben könnten, wollen es nicht; sie haben sich vom Mietsvertrag entbinden lassen. Versichert ist nur die Hälfte der Mieter. Der Qualm bei der Explosion und dem Brande war so stark, daß im ganzen Hause alles, was nicht verwüstet wurde, tief geschwärzt ist. Gestern nachmittag erschien auf der Unglücksstätte ein Vertreter der Baukommission des Polizeipräsidiums, um den Befund so weit als möglich festzustellen. Sieben Schutzmänner vom 80. Revier halten das Haus abgesperrt. Das Publikum, das zu Tausenden zu- sammenströmte, wollte gern helfen. Beherzte Männer zeigten Mut und Entschlossenheit genug, aber gegen die Macht der Elemente konnten sie doch nicht ankämpfen. Auch an unzweckmäßigen Ver- suchen fehlte es nicht. Einige Männer spannten ein Tuch aus, das aber für ein Sprungtuch viel zu klein war. Es fehlte nicht viel, daß einige der Hausbewohner, die, um Hülfe flehend, an den Fenstern standen, den Sprung gewagt hätten. Es wäre ihnen ohne Zweifel verhängnisvoll geworden. Zum Glück ließen sie sich durch die energischen Mahnungen der Polizei im letzten Augenblick noch zurückhalten. Die Feuerwehr, die bei der Anfahrt von der Menge mit Hurra begrüßt wurde, ging mit gewohnter Tapferkeit vor, zuerst mit Hakenleitern und dann mit der mechanischen Leiter, die etwas später eintraf. Was die Verletzten betrifft, so liegt die 72 Jahre alte Mutter des Hauseigentümers Ehr mann in ihrer Wohnung, die Pförtnerfrau Fuchs, die bei der Treppenreinigung von der Explosion überrascht wurde, im Krankenhause schwer darnieder. Frau Ehrmann wurde besonders durch Glassplitter verwundet. Von Glück sagen können vier Steinsetzer, die den Hof pflasterten. Sie waren gerade in ein benachbartes Lokal zum Frühstück gegangen, als die Katastrophe hereinbrach. Erwähnt sei noch, daß die Polizei erst vor einiger Zeit, nach deni großen Brande in der Ritterstratze, verschärfte Vorschriften über die Aufbewahrung und Verarbeitung von Celluloid erlassen hat. Ob Bacharak, der die Räume erst im April bezog, dagegen verstoßen hat, wird noch untersucht. Auf die Gefährlichkeit der Cclluloidfabrikation haben wir schon mehrfach hingewiesen. So machten wir am 2l. Dezember vorigen Jahres darauf aufmerksam, daß vor allen Dingen in der Hausindustrie mit einer Leichtfertigkeit gearbeitet wird, die cS als ein Wunder erscheinen läßt, daß hier noch nicht ein größeres Unglück geschehen ist. Die enge Räumlichkeit der Heimarbeiter macht Vorsichtsmaßregeln geradezu unmöglich, und dringend notwendig ist es, daß die polizeiliche Kontrolle in den eigentlichen Fabriken auch auf die Hausindustrie hinübergreift. Ueber das Verfahren bei Todesfällen, in denen die schleunige Fortschaffung der Leichen erfor- derlich ist, sprach Herr Magistratsassessor Dr. Licht in einer Ver- sammlung der Armen- Kommissionsvorsteher. Er hob hervor, daß dieser Gegenstand der Tagesordnung durch eine Notiz in den Zeitungen veranlaßt worden sei. Diese Notiz besagte, daß eine Leiche tagelang in einem ungeeigneten Räume habe liegen müssen, ehe sie abgeholt worden sei. Die Zeitungsberichte seien übertrieben gewesen und der betreffende Armen-Kommissionsvorsteher habe seine Pflicht getan. Er habe, wie das bereits 1899 in einer Ber- sammlung der Armen-Kommissionsvorsteher empfohlen worden sei, nicht die Eintragung deS Todesfalles beim Standesamt abgewartet, sondern schon vorher die Abholnng der Leiche nach der Leichensannnelstelle veranlaßt. Die Leiche habe von Sonntag bis Dienstag in der Wohnung gelegen. Die Eintragung des Sterbefalles beim Standesamt bewirke allerdings oft einen Aufschub der Beerdigung. Die beschränkte Dienstzeit der Standesämter und die Unkenntnis der Meldenden über die genauen Personalien des Verstorbenen seien daran schuld. Andererseits verlangen die Gründe der Gesundheitspflege eine möglichst schleunige Entfernung der Leiche aus den beschränkten Wohnräumen der Armen. Die Annendirektion erwäge daher, ob sie die alsbaldige Abholnng der Leiche zur Leichensammelstelle nach Ausstellung des Totenscheines zur Regel machen solle.— In dringenden Fällen, wo die Ansteckungsgefahr und die Wohnungsverhältniffe die schleunige Entfernung der Leiche erheischen, sei jedenfalls schon jetzt sofort nach Ausstellung des Totenscheines der Auftrag zur Abholung der Leiche zu geben. Aus der Versammlung wurde der Wunsch laut, dieses Verfahren zur Regel zu machen. Zu der Aeußerung des Herrn Dr. Licht,„die beschränkte Dienst- zeit der Standesämter" betreffend, bemerken wir. daß dem Reichstage eine Petition der Standesbeamten zugegangen ist, welche die völlige Sonntagsruhe für das Personal der Standesämter, das heißt dle Schließung der StandeSamtSbureaus fordert. Auf ein Merkblatt über die epidemische,(übertragbare) Genick« starre und ihre Bekämpfung weist der Dezernent für das Gesund. heitswesen beim königl. Polizeipräsidium. RegierungS» und Medr» zinalrat Dr. Nesenxann, hin, das unter Mitwirkung des Geheimen Ober-Medizinalrats Prof. Dr. Kirchner für den Regierungsbezirk Oppeln soeben ausgestellt worden ist und zur allgemeinen Verbreitung sehr empfohlen werden kann. 1. Die epidemische Genickstarre ist eine ansteckende Krankheit, welche durch das Eindringen eines belebten, unsichtbaren KraiikheitS- keimes, des sogenannten dleninxocciccus intracellularis entsteht. 2. Die Krankheit beginnt iii der Regel plötzlich mit Fieber (meist Schüttelfrost), wütenden Kopfschmerzen, Unbesinnlichkelt und häufig mit Erbrechen. Hierzu tritt in der Regel eine eigentümliche Starre in der Muskulatur des Nackens, des Rückens, der Beine und der Arme. In einer nicht geringen Zahl von Fällen tritt schon nach wenigen Tagen der Tod ein. 3. Die Ansteckung wird in der Regel durch den Nasen- oder Rachenschleim der an Genickstarre erkrankten Personen bewirkt. Auch gesunde Personen aus der nächsten Umgebung der Kranken und solche, welche mit diesen Personen in Berührung kommen, können die Erreger der Krankheit im Nasen- oder Rachcnschleim mit sich führen und hierdurch zur Weitcrverbreitung der Krankheit beitragen. 4. Enge, überfüllte und schlecht gelüftete Wohnungen begüiistigen die Verbreitung der Krankheit. 5. Die Schutzmaßregeln zu ihrer Verhütung sind: s) Schleunige Anzeige jedes Falles von Genick- starre und jeder verdächtigen Erkrankung bei der Polizeibehörde. b) Strenge Absonderung der Erkrankten und der der Genickstarre verdächtigen Personen bezw. ihre Ucberführung in ein geeignetes Krankenhaus, falls eine genügende Absonderung in ihrer Wohnung nicht möglich oder für ausreichende Pflege daselbst nicht gesorgt ist.— Der Transport der Kranken zum Krankenhaus darf in Drosckffen oder anderen, öffentlichen Fuhrwerk nicht erfolgen. Läßt sich dies in Notfällen nicht vermeiden, so find die benutzten Fuhrwerke nach dem Gebrauch nach Anlveisung des Kreisarztes zu desinfizieren.— Die Entlassung der Kranken aus dem Krankenhause soll nur nach Ablauf der Ansteckungsgesahr erfolgen.— Vor der Entlassung sind ihre Kleider zu desinfizieren und die Kranken durch Bäder zu reinigen. c) Die Desinfektion der Wohnung sofort nach Ueberführung der Kranken in ein Krankenhaus bezw. nach Ablauf der Krankheit. 6) Gesunde Schulkinder, welche mit den Erkrankten in demselben Hause wohnen, sind von der Schule fernzuhalten, bis der Kreisarzt den Schulbesuch wieder für zulässig erklärt. e) Die Angehörigen der Erkrankten verringern die Gefahr der Erkrankung für sich und die mit ihnen in Berührung kommenden Personen durch peinlichste Sauberkeit, namentlich der Hände, und durch desinfizierende Ausspülungen des Halses und der Nase. Hierzu eignen sich zum Beispiel schwache Lösungen von Menthol, Wasserstofffu peroxyd und dergl. Für die Pflege Genickstarrekranker sind folgende Vorschriften zu beachten: 1. Die mit der Pflege der Kranken betrauten Personen haben sich der Pflege anderer Kranker tunlichst zu enthalten. 2. Das Pflegepersonal soll waschbare Uebcrkleider bezw. möglichst große Schürzen tragen.— Das Pflegepersonal soll behufs Ver- meidung der Ansteckung sich bei der Krankenpflege so stellen, daß es von den Schleimbläschen, die die Kranken beim Sprechen, Husten und Niesen von sich verbreiten, nicht getroffen werde. 3. Im Krankenzimmer soll das zum Reinigen der Hände Erforderliche(Waschschüssel, Lysollösung, Handtücher) stets bereit stehen. 4. Die Abgänge der Kranken(Speichel, Auswurf, Gurgelwasser) sind sofort zu desinfizieren. 5. Es ist für regelmäßige Desinfektion der von den Kranken benutzten Taschentücher, sowie Leib- und Bettwäsche zu sorgen. 6. Dasselbe gilt von den Etz- und Trinkgeräten, bevor sie aus dem Krankenzimmer entfernt werden. 7. Nahrungs- und Genußmittel, welche für andere bestimmt sind, dürfen im Krankenzimmer nicht aufbewahrt werden. 8. Vor dem jedesmaligen Verlassen der Krankenzimmer sollen die Pfleger sich Gesicht und Hände sorgfältig desinfizieren und Hals und Nase mit einem desinfizierenden Mundwasser ausspülen. Im stäbtischen Arbeitshause zu Rummelsburg befanden sich am 31. März d. I. 1906 Korrigenden(1767 männliche, 139 weibliche), gegen 1899 am 31. Dezember 1904.— Im Hospital des Arbeits- Hauses waren Ende März 448 männliche und 138 weibliche Hospi- taliten untergebracht.— Im Filialhospital zu Reinickendorf wurden 195 männliche Hospitaliten verpflegt.— Die Gesamtzahl der von der Verwaltung des Arbeitshauses verpflegten Personen betrug mithin am 31. März er. 2687 Personen(gegen 2586 am 31. De- zember 1904).— Als Kranke befanden sich am 31. März in dem Lazarett der Anstalt und in den Lazarettstationen des Hospitals 64 männliche und 23 weibliche Korrigenden und 271 männliche und 92 weibliche Hospitaliten, zusammen 450 Personen.— In dem Vierteljahr vom 1. Januar bis 31. März befanden sich im Arbeits- hause durchschnittlich täglich 1879 Korrigenden, im Hospital und dessen Filiale 753 Hospitaliten. Im Durchschnitt waren demnach täglich 2632 Personen von der Arbeitshaus-Verivaltuna»u ver- pflegen. Die Schröpfung der auswärtigen Kranken, denen der freisinnig- hausagrarische Stadtverordnete Wallach die Verpflegung in den städtischen Krankenhäusern Berlins zum„Selbstkostenpreis" berechnet sehen möchte, hat bisher, wie wir hören, nicht den Beifall der Krankenhaus-Deputation gefunden. Dieser Vorschlag des Herrn Wallach ist ja kein neuer; sein diesbezüglicher Antrag wurde schon bei der vorjährigen Etatsbcratung gestellt, und bei der Vorlegung des diesjährigen Etats hat der Magistrat zu der damals beschlossenen Resolution die Mitteilung gemacht, daß die Angelegenheit an die Krankenhaus-Deputation„zur anderweiten Berichterstattung zurück- gegeben" worden sei. Aber da die Erinnerung an den Wallachschcn ,.Selbstkosten"-Antrag aus nicht ganz klaren Gründen kürzlich in der bürgerlichen Presse wieder aufgefrischt wurde, so hatten auch w i r erneut dazu Stellung zu nehmen. Man kann nur wünschen, daß die Krankenhaus-Deputation an ihrem ablehnenden Standpunkt sesthält, so daß dem Magistrat kein Anlaß gegeben wird, die in jener Resolution aufgestellte Forderung zu erfüllen. In der 54. Mädchen-Gemeindeschule, Schlesischestraße 4, ist am Freitag früh der Unterricht zunächst voll wieder aufgenommen worden. Die Kinder derjenigen Klassen, in denen am Donnerstag die Vergiftungserscheinungen aufgetteten waren, wurden während der ersten Stunde anfangs noch auf dem Hofe zurückbehalten. Erst nachdem ein Heizingenieur noch einmal alle Räume untersucht hatte, wurden um§18 Uhr die Klassen betreten. Manche Eltern hatten ihre Kinder nicht zur Schule geschickt, teils aus Besorgnis, teils deshalb, tvcil das Unwohlsein sich noch nicht völlig gelegt hatte. Auch drei Lehrerinnen waren ausgeblieben. Vor und in dem Schul- Hause waren zahlreiche besorgte Mütter erschienen, die die weitere EntWickelung der Sache abwarteten. Als in der 9 Uhr-Paufe die Nachricht verbreitet wurde, daß man wiederum eine Klaffe nach Haufe geschickt habe, weil einige Kinder über Unwohlsein geklagt hätten, entstand neue Beunruhigung. Hartnäckig wurde auch das Gerücht aufrecht erhalten, daß ein Kind seit Donnerstag ganz ver- schwunden sei. Es handelt sich offenbar um das Mädchen einer Frau Schmidt, die die Kleine am Donnerstag aus dem Schulhause abholen wollte, sie aber nicht vorfand und dann in ihrer Aufregung sofort zur Polizei lief. Das Kind war aus der Schule am Görlitzer Ufer ausgeschult und derjenige» in der Köpnickerstraße zugewiesen k�-dsn, hatte aber ver Mutter gesagt, es besuche jetzt die Schule xn der Schlesxschenstrahe. Am Donnerstag mittag hat die Kleine sich, wie immer, zu Hause eingefunden, Frau Sch. hat es aber unterlassen, die Polizei hiervon zu benachrichtigen. Wortungetüme. Kürzlich wiesen wir darauf hin, daß bei allem krampfhaften Streben, das Hohenzollerntum usw. dem Volke schmackhaft zu machen, die Behörden nicht einmal die Kunst ver- stehen, Straßen und öffentliche Gebäude, die das Andenken an gleichgültige Prinzen verewigen sollen, so zu benennen, daß ihr Name der Bevölkerung mundgerecht ist. Die Prinz Eugen von Württembergstraße und andere Wortungetüme führten wir als Bei spiel an. Die Sucht nach möglichst langen Nameir grassiert jetzt aber so sehr, daß auch wirklich bedeutende Männer darunter leiden müssen. Unsere Nachbarstadt S ch ö n e b e r g hat sich eine neue höhere Schule zugelegt. Ihr offizieller Name lautet:„Werner Siemens-Realgymnasium". Wer kann diesen gräulichen Namen ohne Mißbehagen aussprechen? Was hätte die Behörde sich ver- geben, wenn sie die neue Schule einfach Sicmens-Schule benannt hätte? Der Bund der Pflanzervereine Berlins wird wahrscheinlich Ende Mai die neu angelegte Kolonie in der Koloniestraße einweihen. Es ist dem Verein gelungen, hier ein größeres Terrain zu pachten und die Hälfte wurde bereits in diesem Frühjahr an Kolonisten ver- pachtet. Die andere Hälfte, welche mit Obstbäumen reich besetzt ist, soll im nächsten Jahre hinzugenommen werden. Es ist allerdings Spekulationsterrain, aber hoffentlich können die Kolonisten hier einige Zeit sitzen bleiben. Die Kolonie wird jedenfalls die schönste Berlins sein, besonders während der Baumblüte. Der Name„Klein- Werder", welcher in Vorschlag gebracht, sagt es ja auch. Das Auftreten der Genickstarre in Berlin hat die Behörde ver- anlaßt, Ermittelungen nach einem etwaigen Seuchenherde anzu- stellen. Die Nachforschungen haben ergeben, daß bei den Erkrankungen in den ersten drei Fällen ein Zusammenhang nicht vorhanden ist. Weder die drei erkrankten Personen, noch deren Angehörige standen uxiteinander in Verkehr xmd somit ist eine Uebertragung der Genick« starre ausgeschlossen. In allen drei Fällen handelt es sich um lokale Erkrankungen, die keinerlei Veranlassung zu Bexmruhigung geben. Ueber eine weitere Verbreitung der Genickstarre bringt ein hiesiges Blatt unrichtige Mitteilungen. Hiernach soll bei dem Post- schaffner Paul Kork aus der Tegelerstr. 4, der zunächst unter Erscheinungen einer schweren Influenza nach der Charitö gebracht wurde, und bei dem siebzehnjährigen Laufburschen der Schering- schen Fabrik Oskar Kruppe aus der Antonstr. 17 im Krankenhause die Genickstarre festgestellt worden sein. Wir sind von der Charite- direktion ermächtigt, zu erflären, daß das nicht der Fall ist. Keiner der beiden Kranken leidet an der Genickstarre. Bei dem Post- schaffner ist eine Lungenentzündung festgestellt. Der Hausdiener hat ein rheumatisches Halsleiden, ein steifes Genick, aber nicht die Genickstarre. Der einzige Patient, der an der Genickstarre in der Eharite liegt, ist der Monteur Richard Misch aus der Blücherstraße. Diesem geht es sehr gut. Er ist seit vorgestern abend außer jeder Lebensgefahr. Wahrscheinlich wird dieser zunächst sehr schwere Fall auch ohne ungünstige Nachwirkungen verlaufen.— Nach den Fest- stellungen der Untersuchungsstation in Potsdam ist ein in Neu- Ruppin unter verdächtigen Umständen verstorbener Sohn des Arbeiters Schulz der Genickstarre erlegen. In den benachbarten Kreisen Ruppm und Ostpriegnitz(Regierungsbezirk Potsdam) sind damit drei Todesfälle an Genickstarre ermittelt. Ein Opfer des Straßenverkehrs wurde gestern der 8g Jahre alte Handelsmann August Zabel beim Ueberschreiten des Fahrdammes vor dem Hause Alte Schönhauserstraßc SV. Der Greis wollte einem Omnibus ausweichen, beachtete aber nicht, daß neben demselben ein Straßenbahnzug der Linie 43(Rixdorf— Schönhauser Allee) in gleicher Richtung fuhr. Z. lief gegen die Seitenwand der Vorder- Plattform des Motorwagens, wurde umgerissen und fiel so un- glücklich daß er eine schwere Gehirnerschütterung sowie eine Quetschung der linken Kopfseite erlitt. Der Verunglückte wurde nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht. Ein umfangreicher Dachstuhlvrand kam gestern vormittag gegen 10 Uhr, während ein großer Teil der Feuerwehr von dem Brand- unglück in der Greifswalderstr. 217 in Anspruch genommen wurde. in der Mirbachstr. 8 zum Ausbruch. Bei Ankunft der ersten Löschzüge stand der gesamte Dachstuhl des Seitenflügels mit seinen Bodenkammern in Flammen, die auch schon auf den Dachstuhl des Vorderhauses übergesprungen waren. Es wurden daher sofort mehrere Schlauchleitungen in Tätigkeit gesetzt und von verschiedenen Seiten aus gegen den Brandherd vorgegangen. In erster Linie galt eS. den bereits ergriffenen Dachswhl des Vorderhauses zu halten, was auch nach angestrengter Arbeit gelang. Der Dachstuhl des Seiten- flügels brannte aber total nieder. Ueber die Entstehung des Feuers ist nichts ermittelt. Die Aufräumungsarbeiten zogen sich bis Mittag hin. Ein- Erpressungsaffäre, wie sie seit dem Fall des Breslauer Landgerichtsdirektors Hasse wiederholt die Oeffentlichkeit beschäftigt hat, hat jetzt zur Verhaftung eines erst neunzehnjährigen jungen Mannes namens HanS Schwaiger geführt. Ein den„höheren" Kreisen angehöriger adliger Herr hatte im Herbst vorigen Jahres in der Friedrichstraße den Schwaiger kennen gelernt und trat zu ihm später in Beziehungen. Im Verlaufe der Bekannt- schast zahlte der Herr an Schwaiger in verhältnismäßig kurzer Zeit weit über 2000 Mark. Da der junge Mann seine Ansprüche immer mehr steigerte, reiste der Herr schließlich auf sein am Rhein gelegenes Gut. Schwaiger gelang es zedoch sehr bald, die Adresse zu erfahren, und er fuhr mit einem Komplizen namens Giesecke seinem Opfer nach. Dort drohten die beiden sauberen Burschen mit Skandal und Anzeige, falls sie nicht sofort 800 Mark erhalten würden. Der Herr gab schließlich die geforderte Summe, zumal Schwaiger die Versicherung gab, er wolle damit ins Aus- land gehen und ihn serner unbehelligt lassen. Allein bereits nach einigen Tagen erhielt der Herr von Schwaiger einen in Hannover aufgegebenen Brief, in dem er unter den gemeinsten Drohungen lveitere 600 Mark forderte. Er wolle sich das Geld postlagernd in Hannover abholen. Dem Herrn riß schließlich die Geduld, er wandte sich an das wissenschastlich-humanitäre Komitee xn Char- lottenburg, das sich sofort mit der Kriminalpolizei in Verbindung setzte, um den Erpresser unschädlich zu machen. Kriminal- kommissar v. Tresckow veranlaßte darauf sofort die Festnahme des Erpressers._ Die Internationale Ausstellung künstlerischer Photographien in der Königlichen Akademie der Künste. Potsdamerstraße 120, wird Ende nächster Woche geschlossen, da ein Teil der Bilder nach Paris geht. Russische Studierende veranstalten heute abend 7>/z Uhr eine sehr beachtenswerte Theater-Aufführung. Im jüdischen Jargon wird im„Moabiter Stadt- Theater", Ali- Moabit 47— 49, das vieraktige Drama von David Pinsky„Die Familie Zwi" (25 vi) zum zweitenmale gegeben. Der Schriftsteller gehört dem Gorkischen Kreise an? er spricht als starkes Talent zu seinen jüdischen Landsleuten und gibt ein Spiegelbild der Kämpfe und Leiden, die sein Volk heute erschüttern. Einlaßkarten zu 6, 3. 2 und 1 M. sind an der Abendkasse zu haben. Im wissenschaftlichen Theater der Urania wird der Vortrag„Der Simplon und sein Gebiet" am Sonntag, Montag. Mittwoch, Donnerstag und Sonnabend zur Darstellung gelangen. Am Dienstag und Freitag wird der mit Momentbildern beS_ Afrikareisenden G. C. Schillmgs ausgestattete Vortrag„Tierleben in der Wildnis" wiederholt._ Wasserstand am 27. April. Elbe bei Aussig 4- 1,25 Meter, bei Dresden— 0,13 Meter, bei Magdeburg+ 2,21 Meter.— U n st r u I bei Gencbts-�eitung. Eine Spekulantin auf den Respekt von Schutzleuten vor adligen Namen ist die 20jährige Martha Tegge, die gestern unter der Anklage des wiederholten vollendeten und versuchten Betruges vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I. stand. Die Angeklagte ist offenbar eine gewandte Person, die äußerlich einen recht gewinnenden Eindruck macht und den Gedanken, daß sie eine raffinierte Schwindlerin ist, überhaupt nicht auftommen läßt. Und doch ist sie trotz ihres jugendlichen Alters schon wiederholt wegen Betruges vorbestraft. Ihre Spezialität ist das Brandschatzen von Schutzleuten. Obgleich sie ein Kind des Teltower Kreises ist— sie ist als Tochter Lichtenrade geboren— liebt sie es, dadurch Eindruck zu machen, daß Namen beilegt und gebrochenes ihre Behauptung, daß sie eine Aus- in Konstantinopel gelebt habe, zu be- v. I. hatte sie eine sechsmonatige eines Eisenbahnschaffners in auf leichtgläubige Menschen sie sich einen adligen Deutsch spricht, um dadurch länderin sei und lange Zeit kräftigen. Am 11. Dezember StrauRurt+ 1,55 Meter.- O d e r bei Natibor+ 2,77 Meter, bei Breslau Ober. Pegel+ 5,46 Meter, bei Breslau Unter- Pegel 4- 1,46 Meter, bei Fmnllurt 4- 2,30 Meter.— Weichsel bei Brahemünde— Meter.— Wartbe bei Posen 4- 1.60 Meter._____ - hStront», Redakteur: Paus»Sltow, Berlm. giir den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke.«Zerlxn. Strafe verbüßt. Zwei Tage darauf trat sie auf dem Spittelmarkt an einen Schutzmann heran, der sich mit einer ihm bekannten Frau unterhielt. In gebrochenem Deutsch brachte sie eine wehleidige Klage darüber vor, daß sie angeblich IIS M. verloren habe. Als_ sie hörte, daß das Fundbureau bereits ge schloffen sei, weinte sie heftig und bedauerte, nun ihren wertvollen Ring versetzen zu müssen. Sie erzählte von ihren. Bater, der Arzt in Konstantinopel sei, stellte sich selbst als Studentin der Zahnheilkunde Jenny von Dettow vor und wußte das Herz des Schutzmanns so zu rühren, daß auf dessen Zureden die ihm bekannte Frau der bedauernswerten Aus- länderin für die Nacht Quartier in ihrer eigenen Wohnung anbot. Da hat sie dann zu Abend gegessen, den Frühkaffee eingenommen, sich mit einem reinen Taschentuch versehen und auch noch 2 M. bar in Empfang genommen, da sie angeblich an ihre Verwandten ihr Malheur telegraphieren wollte. Gleichzeitig wollte sie das Fund bureau aufsuchen, hat aber das Wiederkommen vergessen.— Zwei Tage darauf erschien sie mit der höchsten Dreistigkeit ün Bureau des 3. Polizeireviers und gab dort zu Protokoll, daß sie, Frl. Jenny v. Dettow, auf dem Wege vom Hotel Bristol bis zur Friedrichstraße eine Brieftasche mit 800 M, verloren habe. Sie dachte auch wohl hier wieder unter den Schutzleuten eine mitleidige Seele zu finden, die etwas Kleingeld opfern würde, hatte sich aber in ihren Erwartungen getäuscht. Nunmehr ging sie in das Bureau des Deutschen Theaters und teilte hier unter denselben lügenhaften Angaben über ihre Persönlichkeit und ihre Herkunst mit, daß sie tags vorher iin Theater einen Pompadour mit 300 M. Inhalt verloren habe. Ihr Talent zum Märchenerzählen hatte hier den Erfolg, daß ihr 3 M. zum An- stellen weiterer Recherchen beziehungsweise zum Telegraphieren an ihre Angehörigen geliehen wurden.— Noch erfolgreicher war sie am 27. Dezember v. I. An diesem Tage trat sie an einen Ecke der Friedrich- und Zimmerstratze postierten Schutzmann heran und ließ sich den Weg nach dem Apollo-Theater beschreiben. Nach einiger Zeit kehrte sie von dort zurück und antwortete dem Schutzmann auf.dessen Frage, daß sie den Weg zwar gefunden. aber das Gewünschte nicht erreicht habe. Nun wurde der Schutzmann neugierig und erfuhr, daß die bedauernswerte fremde Dame eine„Frau Amanda von Velten", Tochter eines Pra fessors in Kreuz, sei. die sich lange Zeit in Konstantinopel auf gehalten und nun hier in Berlin das Pech gehabt habe, im Apollw Theater einen Pompadour mit einer größeren Geldsumme, ihrem Rundreisebillet und ihren gesamten Papieren zu verlieren. Die traurige Geschichte rührte den Schutzmann so, daß er es sich zur Ehre schätzte, der sehr vertrauenswürdig aussehenden und sehr sicher auftretenden jungen Dame mit 20 Mark aus der ersten Verlegenheit zu helfen. Am 28. Dezember betörte sie in ganz ähnlicher Weise einen Schutzmann am Luisenplatz, der seine Hülfsbereitschaft da- durch bekundete, daß er dem„Fräulein von Velten" ein Nacht- quartier mit der dazu gehörigen Atzung und kleinem metallenem Zubehör bei seiner Schwester vermittelte.— Am nächsten Tage erschien sie im Theater des Westens und behauptete, daß sie am Abende vorher in einer Loge des ersten Ranges ein Täschchen mit 600 M. verloren habe. Der Theaterkassierer Gaßner war schon auf dem besten Wege, ihr die Geschichte zu glauben, er wurde aber stutzig, als die Angeklagte ihm vnrerzählen wollte, daß sie, aller Mittel entblößt, die Nacht auf dem Polizeibureau in der Mittelstraße habe zubringen müssen. Er machte sich sofort mit ihr dorthin auf den Weg. Auf dem Polizeirevier er- kannte sie der Polizeileutnant sofort als die Dame wieder, die wenige Tage vorher ihren Pompadour Unter den Linden verloren haben wollte. Die Angeklagte zog es vor, sich schleunigst zu ent- fernen, sie wurde aber von einem Schutzmann eingeholt und trotz ihres lebhasten Protestes gegen„solche Behandlung einer vornehmen Dame" aufs Bureau zurückgebracht. Nun gab es kein Leugnen mehr, sie gestand ihre Schwindeleien unumwunden ein. Der Ge- richtshof verurteilte sie gestern zu einem Jahre Gefängnis. Schlimme Erfahrungen mit den Männern hat die Wirffchafterin U. gemacht, welche gestern als Zeugin in einer Strafsache gegen den G a st w i r t I o s e f P l i ch t a vor der 6. Strafkammer des Land- gerichts I erschien. Frau U. hatte sich sehr ftüh verheiratet, bald aber verstarb ihr Mann und hinterließ ihr nur eine Tochter. Sie ..... bald über den Verlust ihres Mannes. Die junge Witwe lernte ann T. kennen, mit dem sie bald ein intimes Verhältnis ein- ging. Zu ihrem größten Leidwesen erfuhr sie jedoch, daß T. schon verheiratet war. Das Verhältnis ging deshalb bald in die Brüche. Sie lernte nach und nach mehrere heiratslustige Männer kennen, mußte aber jedesmal eine neue traurige Erfahrung machen. Endlich griff sie zu dem nicht mehr ungewöhnlichen Mittel einer Heirats- annonce. Durch eine Annonce, in welcher der G a st w i r t Josef Plichta eine Wirtschafterin mit der Aussicht auf eine spätere Heirat suchte, wurde sie mit diesem bekannt. Schon nach wenigen Tagen entwickelte sich ein intimes Verhältnis zwischen beiden und alles war in schönster Harmonie. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel traf deshalb Frau U. die Nachricht, Plichta sei schon verheiratet und lebe nur von seiner Frau getrennt. Sie hatte nichts Eiligeres zu tun, als zur Polizei zu laufen und Anzeige gegen P. wegen Heiratsschwindels zu erstatten, da sie ihm angeblich nur auf die Versicherung hin, er wäre unverheiratet, den Betrag von 200 Mark geliehen habe. Auf Grund dieser Bekundung erfolgte auch eine Verurteilung des P. durch das Schöffengericht I zu zwei Monaten Gefängnis. In der Berufungsinstanz führte Rechtsanwalt Dr. Schwindt den Nachweis, daß die Hergabe des Geldes gar nicht von der Zusicherung, daß P. unverheiratet sei, abhängig gemacht worden war: aus diesem Grunde müsse die Freisprechung erfolgen. Die Berufungsstrafkammer gelangte zu der gleichen Ansicht und erkannte unter Aufhebung des ersten Urteils auf Freisprechung. Vemiifckres. Die Genickstarre. In Lauf bei Nürnberg sind zwei Kinder an Genickstarre erkrankt.— In L o t t r a y bei Essen wurden drei Fälle konstatiert, von denen einer tödlich verlief.— In U n n e r s- dorf bei Staffelstein ist die Tochter des dortigen Bürgermeisters der Krankheit zum Opfer gefallen.— Der an Genickstarre erkrankte Stellmacher Fritsche in Lautitz bei Löbau ist gestorben.— In Groß-Jselde starb der Sljährige Lokomotivheizer Schierding an der Genickstarre.— In I a r o s l a u in Galizien kamen vom 18. bis 23. d. M. vierzehn Fälle von Genickstarre vor: neun davon ver- iefen tödlich. l Eine ungesunde Woche. Die Sterblichkeit in den größeren deutschen Orten betrug in der Woche vom S. bis 15. April auf 1000 Einloohner und aufs Jahr: Berlin 14. Bonn 20, Braunschweig 17, Bremen 14, Breslau 21, Charlottenburg 13, Chemnitz 21, Köln 19, Danzig 24. Deutsch-Wilmersdorf 12, Dresden 20, Frankfurt a. M. 18. Hamburg 17. Kiel 15. Leipzig 17, Magdeburg 16. Oberhausen 14. Posen 24. Potsdam 11, Rirdorf 19, Schöncberg 11, Spandau 11 Stettin 20, Stuttgart 18. Trier 16. Die Zahlen sind Verhältnis« mäßig hoch und erreichen in sehr vielen Städten den ftüheren Durchschnitt der Jahre 1836-1395. so in Dresden. Frankfurt. Stuttgart usw. Muttermord. In Wien ermordete die 36 jährige Wäscherin Emilie Scheller ihre 72 jährige Mutter, während diese schlief, durch Hackenschläge auf den Kopf. Die Mörderin wurde verhaftet, sie scheint geistesgestört zu sein. Für verschollen erklärt wurde vom Seeamt in Bremerhaben die deutsche Bark„Pionier". Heimatshafen Bremen. Das Schiff ging im April 1904 mit voller Ladung von Buenos-Ayres ab und ist seit dieser Zeit verschwunden. Die Verhandlung ergab. daß sich die Bark in seetüchtigem Zustande befunden hatte. Der Kapitän H. Krüger war als bewährter Seemann bekannt. Er hat durch seine zuverlässigen ständigen Wetterbeobachtungen der Deutschen Seewarte verschiedentlich gute Dienste geleistet. Mit dem Kapitän find sechzehn Mann als Opfer ihres Berufes auf See geblieben. Ein Burcnführer. In Plettenberg wurde der angebliche Burenfeldkornett Berger, der sich auf einer Vortrags- tournee befand, verhastet. Es hat sich herausgestellt, daß seine Vor- träge freie Erfindung sind. Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den 30. April, vorm. 8'/4 Uhr, im Bürgersaale des Rathauses, Eingang Königstr. 15—18: Versammlung. „Freireligiöse Vorlesung".— Um 10»/. Uhr vormittags in der Schulaula. Kleine Frantfurterstr. 6: Vortrag des Herrn E. Vogtherr-Stettw„Häckel und Goethe". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Allgemeine Kranken- und Sterbekasse der Metallarbeiter (E. H. 29, Hamburg), Filiale Berlin 1. Sonntag, 30. April, von 10—4 Uhr, bei Thomsen, Gneisenaustr. 30: Wahl der Abgeordneten zur Generalversammlung.— Filiale Berlins. Sonnabend abends 8 Uhr: Mitgliederversammlung bei Merlowski, Andreasstr. 26. Wahl der Delegierten zur außerordentlichen Generalversammlung.— Filiale Berlins. Sonn« abend von 6 bis 11 Uhr: Wahl der Delegierten zur außerordentlichen Generalversammlung bei Gundlach, Waldenserstr. 24.— Filiale Char- I o t t e n b u r g. Am Sonnabend, den 23. April, abends 8'/, Uhr: Mit- gliederversammlung im Volkshause, Rosinenstr. 3. Wahl der Delegierlen. KnefKsTten der Redabtion« �funftifcher Cexl.> Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahm« de> SonuabendS vo»?-/, bis«>/- Uhr abend« statt. Geöffnet:? Uhr. K. W. Das Mädchen ist zur Einhaltung der Kündigungsfrist verpflichtet.— Alter Abonnent IVO. Der Standesbeamte hat recht: ein männlicher Heiratslustiger dars vor erreichter Voll- jährigkeit(seit dem 31. Dezember 1893) nicht heiraten. Volljährig wird er mit zurückgelegtem LI. Lebensjahr, auch kann schon früher aus Antrag VolljährigkeitScrklärung durch das Amtsgericht crsolgen, wenn der Betreffende das 18. Lebensjahr vollendet hat und seine Voll- jährigkeitserklärung in seinem Interesse liegt.— K. L. 1. Die Art der Regulierung hängt vom Wortlaut des Testaments ab. In der Regel sällt das Legat des Vorverstorbenen an die Erben der Testamentserrichterin, also nicht an seine Erben.— Anhalt 38, Ja.— E. K. Bezirks« kommando und in Ihrem Falle die zur Paßertcilung zuständigen Behörde». — Willy Max. Sie find zum Dienst mit der Waffe geeignet, haben unerhebliche Augensehler und Blutadernerweiterung.— Gn. 44. Nein: Sie könnten nur aus Herstellung der häuslichen Gemeinschaft klagen.— Stammtisch 4. Ja, aber es gibt Gerichte, welche in dem, waS da weiter vorgeht, einen Mißbrauch des Mietsrechts erblicken, der den Vermieter zur sosortige» Kündigung berechligt.— Naunynstrafte 8S. Vertretung durch einen Anwalt entbindet in Privatbeleidigungssachen nur dann den Bellagten vom Erscheinen, wenn daS Gericht das persönliche Erscheinen nicht sordert. Für die Vertretung werden Gebühren nach Vereinbarung erhoben.— I. L. 44. Im Fall einer Klage würden Sie voraussichtlich zum vollen Schadenersatz verurteilt werden.— A. C., Charlottenburg. Beide Gut- haben sind durch das Amtsgericht aus Grund eines vollstreckbaren Titels (Urteil, Vergleich u. dgl.) psändbar.— O. W. 13. Der von Ihnen be- abstchttgte Zweck kann in der von Ihnen gemeinten Weise nicht erreicht werden. Die geringsten Förmlichkeiten bei Trauungen hat England. Weitere Auskunst kann nicht erteilt werden, weil die Beantwortung als Begünstigung einer strafbaren Handlung erachtet werden kann. — P. Sch. 100. Ja.— H.E. 74. IDreij Vierundsechszigstel des Nachlasses. — S. 798. H 323 B. G.-B. Sie sindenknähere Darlegungen S. 166 des in, den öffentlichen Bibliotheken ausliegenden.Arbeiterrechts", 4. Auslage. 2. Die sünfte Klaffe(36 Ps.)— R. H. Das Verhältnis, in dem Ihre Tochter sich befindet, ist nicht das eines Gesindes, sondern das einer Aus- Wärterin oder Reinemachemädchens oder dgk. Demnach finden die Regeln der Gefindeordnlmg keine Anwendung aus sie. Die gesetzliche Kündigungs- frist, das heißt die bei dem Mangel einer besonderen Vereinbarung vor- liegende, richtet sich nach der Bemessung des Lohnes. Ist der Lohn nach Tagen bemessen, so ist die Kündigung an jedem Tage für den folgenden Tag zulässig. Ist der Lohn nach Wochen bemessen, so ist die Kündigung nur sür den Schluß einer Kalenderwoche zuläsfig und muß spätestens am ersten Werktag der Woche ersolgen. Ist der Lohn nach Monaten bemessen, so ist die Kündigung nm sür den Schluß eines Kalendermonats zuläsfig und muß spätestens am Ersten deS Monats ersolgen. Ist der Lob» nach Vierteljahren oder nach noch längeren Zeiträumen bemessen, so ist die Kündigung nur für den Schluß eines Kalendervierteljahres und nur unter Einhaltung einer sechswöchent- lichen Kündigungssrist zulälsig. Ohne Einhalrung der Kündigungsfrist kann das Arbeitsverhältnis in solchem Auswartesrauoerhälwis dann gelöst werden, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Jede Gesährdung der Ge- simdheit oder Sittlichkeit ist ein wichtiger Grund, ebenfalls ist ein wichtiger, vom Vater oder Vormund geltend zu machender Grund der, daß Ihre Tochter krank ist, Schonung bedarf und dergleichen. Ihre Tochter könnte auch nicht vorher vereinbarte, über 10 Uhr abends buiausgreisende Arbeiten ablehnen. Richtiger dürste es sein, daß Sie im Jntereffe Ihrer Tochter die Stellung ohne Einhaltung einer Kündigungssrist ausheben.—®. 923. 8. Ein«trasantrag ist an die StaatSanwaÜschast zu richten. In Ihrem Falle dürste er kaum Erfolg haben. Soweit in der Handlung eme tätliche Be- eidtgung erblickt werden kann, ist die dreimonatliche Antragsfristverstrichen. Für baS eventuell vorliegende Verbrechen dürsten hinreichende Beweismittel schien. — O. B. 400. DaS preußische Einkommensteuergesetz kennt keine Selbst- einschätzung. Unter Selbsteinschatzung versteht man die Schätzung, der die Veranlagungsbehörden folgen müssen. Das Einkommensteuergesetz kennt nur eine Verpflichtung zur Steuererklärung. Zur Abgabe einer Steuererklärung ver- pflichtet ist jeder bereits mit einem Einkommen von mehr als 3000 M. zur Einkommensteuer veranlagte Steuerpflichtige aus die jährlich durch öffentliche Bekanntmachung ergehende Aufforderung hin. Andere Steuerpflichtige sind zur Abgabe einer Steuererklärung nur verpflichtet, sobald eine besondere Aufforderung des Vorsitzenden der Beranlagungskommission an sie ergeht. Berechtigt zur Steuererklärung ist jeder Sleuerpfltchtige.— E. K. 34. Der von Ihnen eingeschlagene Weg ist der richtige. Noch einsacher wäre der Weg, Sie beantragten die Mutter zur Vormünderm zu bestellen oder sie zur Pflegerin zwecks Genehmigung eines Arbeitsverhältnisses zu bestellen. — 33 Norde». Einen Paß gebrauchen Sie für eine Reise nach England nicht, lieber die Besörderungsmittel, Preise usw. gibt Ihnen daS Reichs- Kursbuch und die amtliche Eisenbahn- Äuskunstsstelle Anskunst. Ueber die Ihre BcschSsttgungsmöglichkeit angehenden Fragen erhalten Sie am besten durch Ihre Gewerkschaft Auskunft.— 44. 340. Der Kaus ist nicht perffelt geworden, Ihnen steht deshalb ein Anspruch aus Slbnahme oder Zahlung oder Entschädigung nicht zu.— K. M. 43. Die Eingabe ist an daS Polizetprasidwm zu richten.— M. V. 114. Falls nicht etwa der Vertrag daS Gegenteil besagt, sieht Ihrem Schlasvater das Recht auf Einbehaltung der Sachen nicht zu, sür deren Zahlung er gebürgt hat.— H. K. i. Ja. 2. Rein.— 38 B. Ihre Frau könnte mit Erfolg Jnteroentionsklage erheben. Sie könnten überdies gegen die etwaige Verurteilung zur Zahlung klagen. ßnefkaften der Expedition. A. V. B. Wenden Sie sich unter Angabe Ihrer Adresse an die Buch- Handlung Vorwärts. . Ermittelungen Weizen'»), gufe Sorte de« Marktpreise von Berlin am 27. April. Räch kgl. Polizei-Präsidiums. Für I Doppel-Zentner: 17.25-17,22 M.. mittel 17,19-17,16 M.. geringe 17,13-17,10 M. Roggen"), gute Sorte 14,10-14,08 M., mittel 14,06-14,04 M., germge 14,02—14,00 M. Futtergerste'), gute Sorte 15,80—14,70 M., mittel 14,60 bis 13,60 M.. geringe 13,50-12.50 M. Hafer»), gute Sorte 16,20-15,40 M.. mittel 15,30— 14,50»i., geringe 14,40—13,70 M. Erbsen, gelbe, zum Kochen 45.00- 30,00 M. Speisebohnen, weiße 50.00-30,00 M. Linsen 60.0<1-30.«> M Kartoffeln 10.00-6.50 M. Richtstroh— bis— M. Heu— M. Für ein Kilogramm Butter 2,80—2,20 M. Eier per Schock 4.00— SM) M. •) Frei Wage» und ab Bahn.") Ab Bahn. Wetter-Prognose für Sonnabend, de» LS. April 4S0S. Ziemlich warm, zeitweise heiter, aber veränderlich mit leichten Regen- sälle» und müßigen südwestlichen Winden. B e r I i n e r W e t I e'r b u r e au. Druck». Verlag: Vorwärts BuWrucktttzi u. BerlagSansialt Paul Singer& Co., Berlin SW,