Kr. m HboimemenfS'Bedingungcn: «SoimemeniS> Preis prünumerand»! BierteljShrl. S£0 SRI, monatl. UO<00, WÜÄ entlich 28 Psg. frei ins Hau». Einzelne Nummer S Psg. Sonntags, nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage.Die Neue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 1 Marl, für da» übrige Ausland 8 Mark pro Monat. ST. Jahrs» Cittclo, tZgll» inBer Dlontagi. Verlinev VolksblÄkk» Die Inltrflons'Grtüljr Beträgt für die s-chsgefp-ltene Kolonel- zeile oder deren Raum so Pfg.. für politische und«ewerlschasMche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 28 Pfg. „Meine Hnzelgtn", daS erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 8 Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abend», an Eonn> und gesUagen bi» s Uhr vormMag» geöffnet. ltelegramm- Adresse: uSMiaMtnsknt BmU#". Zentralorgan der fozialdcmohrattrchen Partei Dcutfchlands. Redaktion t SRI. 68» Lindendtrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Mittwoch, den 3. Mai 1903. Expedition t SM. 68» Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1984. Die Einigung des französischen Sozialismus. Heber die Bedeutung des Einigungskongresses, die wir bereits gewürdigt haben, schreibt uns noch unser Pariser Korrespondent: Der Verlauf und die Ergebnisse des französischen Einigung? Parteitages berechtigen zu den besten Hoffnungen. In den drei Kongresttagen wurde der neue gemeinsame Parteibau mit einem offenkundigen kameradschaftlichen Eifer, mit einem allseitigen auf> richtigen Willen zur Einigkeit aufgerichtet. Der Inhalt der Beschlüsse war ja in allem wesentlichen von vornherein gegeben— nicht nur in bezug auf die unabänderliche prinzipielle Einigkeitserklärung, der m der Einigungskommission der bindende Charakter eines der Obhut des Internationalen Sozia listischen Bureaus anvertrauten Vertrages verliehen worden war, sondern auch in bezug auf den von derselben Einigungskommission ausgearbeiteten Statutenentwurf. Daher beruht der eigene Wert dieses Parteitages nicht in den Beschlüssen, sondern darin, w i e die Beschlüffe gefaßt wurden, mit welchem gegenseitigen guten Willen, mit welcher Einstimmigkeit oder au Einstimmigkeit grenzenden Mehrheit. Die Furcht hat große Augen. Die bitteren Erfahrungen des Einigungskongresses von 1899 legten naturgemäß allerhand Zweifel an der Dauerhaftigkeit der jetzigen Einigung nahe. Der Verlauf des letzten Parteitages hat aber die Grundverschiedenheit zwischen der Situation von 1899 und der heutigen handgreiflich gezeigt. Damals zwei bis aufs Messer feindselige Kampflager, deren Gegen- sätze in einem fort sich in dramatisch-leidenschastlichen Ausbrüchen entluden. Heute zwei vertragschließende Parteien, die in kamerad» schastlicher Zusammenkunft den grundlegenden Verttag rattfizieren und sich über die Einzelheiten des künstigen'Zusammenwirkens fchiedlich-friedlich verständigen. Die Grundverschiedenheiten der beiden Situationen, die sich so scharf im entgegengesetzten Verlauf« der beiden Einigungskongresse widerspiegelt, läßt sich kurz wie folgt zusammenfassen. 1899 stand der franzöfische Sozialismus erst im Beginn der m i n i st e r i a listischen Methode. Unter den gegebenen Umständen, die hier nicht des näheren erörtert werden können, konnte jene Methode durch keinen Kongreßbeschluß in ihrem Drange nach praktischer Selbst Bejahung aufgehalten werden. Man hat ja gesehen: nicht nur der ftanzöstsche Kongreßbeschluß von 1399, auch die ihm verwandte Resolution Kautsky lJnternationaler Pariser Kongreß 1900) war nicht imstande, die praktische Fortführung des Ministe rialiSmuS bezw. der Bloc- Taktik einzudämmen. Wenn die Amsterdamer� Dresdener Resolution glücklicher war, so deshalb, weil sie zur rechten Zeit kam, nachdem sich die antiproletarische Methode ausgetobt und ausgelebt hatte, nachdem sie an ihren abschreckenden Früchten von den proletarischen Elementen aller Richtungen und Organisattonen als ein Gistbaum erkannt worden war. Der Einigungsparteitag von 1905 steht nun am Schlüsse der ministerialistischen Methode. Ihm blieb eS nur noch übrig, ihrem Leichnam den Totenschein aus- zustellen, genauer— den ihr von der Einigungskommission aus- gestellten Totenschein zu Protokoll zu nehmen. Deshalb wäre nichts oberflächlicher, als von den schlimmen Folgen der Einigung des Jahres 1899 auf die Folgen der Einigung von 190S schließen zu wollen. Von nun an gibt eS in Frankreich nur einen Sozialismus, nur eine sozialistische Partei. Diese hier so neue. schier fremdartig anmutende Tatsache wird sich schon bald genug in das Bewußtsein und daS Gewissen aller sozialisttschen Arbeiter hineinbohren, da sie ja den, tiefen und stetigen Drang deS proletarischen Instinkts nach Klasseneinheit entspricht. DaS Einigungswerk von 1905 ist das notwendige Ergebnis langjähriger, allseitiger Spaltungskrisen. Man kann sagen, daß in der langen Spaltungsperiode alle über Einheit und Spaltung einer sozialistischen Partei entscheidenden Gegensätze bereits ausgefochten worden sind. Die prakttsche Ueberwindung des Ministerialismus hat sich in der fortgesetzten Stärkung des linken Flügels der F. S. F. selbst geäußert, der schließlich die Mehrheit deS Rationalrates dieser Partei gewann. Dieser Umstand war der wichtigste Faktor der Einigung und ist die sicherste Bürgschaft für ihre Dauer- hastigkeit. Daher vor allem die erfreuliche Erscheinung, daß die rigorosen Statutenbestimmungen in bezug auf die Parteikonttolle über die Frattion und die Presse, Bestimmungen, wie man sie in dieser Strenge anderwärts nicht findet, in der Einigungskommission nicht etwa zwischen den zwei großen Sonderorganisationen, der P. 3. do P. und der P. 3. P. debattiert wurden, sondern nur zwischen der Rechtsminderheit der P. 3. P. und allen übrigen Ber- tretern. In jenen Statutenbestimmungen, die dann auf dem Partei- wg ohne nennenswerten Mderstand vottert wurden, verkörpert sich eben nicht nur der Standpunkt der P. 3. de P. und der Allemanisten, sie bedeuten auch den siegreichen Abschluß der mehrjährigen Kämpfe deS linken Flügels der P. S. P. selbst Wider die Selbstherrlichkeit der Frattion. Den rigorosen Statuten fehlt somit jener gefährliche Stachel, der injeinem Siege der einen Sonderorgantsation über die andere enthalten wäre. Zudem find die alten Sonderorganisattonen. die nach der Einigung von 1899 unmöglich ausgelöst werden konnten, nunmehr nicht nur statutenmäßig beseitigt worden. Ihre formelle Auflösung ist vielmehr der Ausdruck der Ueberwindung derjenigen entscheidenden Gegensätze, die sich in den Sonder- organisationeneinseitigkristallisiert haben. Es wäre kindisch-naiv zu meinen, daß in ber neuen Partei fortan das reine Schäferidyll herrschen werde. Da« wäre ein Traum und nicht eium.al ein schöner. Der Partei sagt, — Partei und nicht Sekte I— der sagt damit zugleich, daß im Rahmen des Parteiganzen verschiedene Auffaffungen, ver- schiedene Strömungen und Untersttömungen wirken und im Kampf der Meinungen sich messen. Diesem unvermeidlichen und Wünschens- werten Meinungskamps tragen die Statuten der Einheitspartei ein- fichtig Rechnung, indem sie»die vollständige DiSkussionsfteiheit in der Presse in bezug auf alle theorettschen und takttschen Fragen" aus» drücklich proklamieren. Mt einem Wort, eS stände um die Einigung sehr schlimm, wenn sie an daS Verschwinden jeglicher Gegensätze geknüpft wäre. WaS vielmehr in Wirklichkeit ihre normale Fort« entwickelung. ihre Dauerhaftigkeit verbürgt, das ist die Auflösung der alten Gegensätze, die durch die Scheidungslinie der alten Sonderorganisationen von einander abgegrenzt waren. Und die Verwischung der alten Scheidungslinie konnte man schon deutlich an den drei Kongreßtagen wahrnehmen. Endlich ist unter den dauernden Einigungsfaktoren nicht an letzter Stelle das ftanzösische Gewerkschaftsproblem hervorzuheben. Die Erstarkung der revoluttonär-nurgewerkschaft- lichen Sttämung, eine Folge des Ministerialismus, geschah auf Kosten aller sozialistischen Richtungen. Rur die auf proletarischer Grundlage geeinigte Partei kann gegen diese bedrohliche Entwickelung ankämpfen. Dieses Moment ist allen Teilen der Einheitspartei zu einer klaren Bewußtseinstatsache geworden. Alle Teile streben nach einer intimen Annäherung mit der.Konföderation der Arbeit", der gewerkschaftlichen Einheitsorganisatton des Proletariats. Dieses gemeinsame Sweben bildet aber ein neues Bindungsmittel für die verschiedenarttgen Bestandteile der Partei. Anderer« seitS aber gehen die Meinungen über das Verhältnis zwischen Partei und Gewerkschaft auseinander. Und dieser neue Gegensatz wird in derselben parteieinigenden Richtung wirken wie jenes gemeinsame Sweben. Denn eS wird innerhalb der Partei ganz neue Gruppierungen schaffen, WaS die alten organisatorisch spaltenden Gruppierungen desto rascher und desto gründlicher in die Vergangenheit verweisen muß. Zum Schluß muß freudig hervorgehoben werden, daß die Maffe der Parteitagsdelegierten wie ganz besonders die führenden Persönlichkeiten aller Richtungen sich auf der Höhe ihrer großen Aufgabe gezeigt haben. In demselben Einigkeitsgeist wird ohne Zweifel auch der ständige Parteiausschuß nebst dem Rattonalrat(dem großen Parteivorstand, der aus den Delegierten der Föderationen und der Kammerftattion besteht) die ver» antwortungSvolle Leitung deS neuen Parteiganzen auffassen. Die Einigung deS französischen Sozialismus, wie sie sich in den Ostertagen 1905 verwirklicht hat, wägt an sich alle Zeichen einer ge- schichtlichen Notwendigkeit. Dinge und Personen stellen sich willig und wirksam in ihren Dienst. » Druckfehler-Bcrichtigung. In dem Bericht über den IV. Kongreß der P. S. de P. ist zu berichtigen: Unter den drei kleinen Föderattonen ist zu lesen: diejenige des Loiret(nicht: der Loire). Die L o i r e- Föderation zählt 2iO Mitglieder, nicht 58. potltircbe deberfiebt. Berlin, den 2. Mai. Leichtfinnige Schuldenmacher. Ihre eigene Maifeier leistet sich die.Post". Sie schreibt unter dem Dawm des 1. Mai der Regierung einen Festartikel zur Plenar» Beratung der Berggesetznovelle mit so kräftigen Tönen, daß die süße Beschwichtigungsmusik, die den Bergarbeitern von der Regierung im Verein mit dem Zentrum vorgemacht wird, erbarmungslos toi geschrien wird. Daß die Regierung verlangt, der Landtag solle sie mit ihren den Bergarbeitern gegebenen Versprechungen.nicht sitzen lasten das erinnere lebhaft an den leichtsinnigen Schuldenmacher, der von der Hand in den Mund lebe und hoffe, gute Freunde würden seine Schulden schon bezahlen. Wenn man das interessante Bild vollenden soll, dann muß man freilich sagen, daß die guten Freunde, an die sich die.leichtsinnige" Regierung gewandt hat, schwerlich fiir solche bei Arbeitern gemachte Schulden eintreten werden. Wir denken jedoch, die Regierung kennt ihre guten Freunde genau genug, und wenn sie Arbeitergläubiger an das Bankhaus Zedlitz u. Co. verweist, so hat sie von vornherein gewußt, daß sie den Arbeitern einen Keller- Wechsel ausstellt. Die Aeußerungen der.Post" sind auch sonst wert, festgehalten zu werden. Sie sind ein gutes Beispiel dafür, wie die Zedlitzmänner mit der Regierung umspringen, wenn sie.soziales Königtum" mimen will. So schreibt die»Post": In ihrer Wochenrückschau vom letzten Sonntage sucht die.Nord- deutsche Allgemeine Zeitung" seltsamerweise Stimmung für den Gedanken zu machen, daß die Berggesetznovelle, welche sich mit den Arbeiterausschüssen und der Regelung der Arbeitszeit befaßt, in ber Form der Regierungsvorlage wiederhergestellt und somit durch die ganze mühsame Arbeit der Kommission in zwei Lesungen ein Sttich gemacht werde. Daß die Regierung ernstlich auf solch ein Ziel hin- streben sollte, kann man doch nur schwerlich glauben, denn sie würde damit die ganze bisherige Arbeit des Abgeordneteichauses Über dm Jansen werfen und dadurch beweisen, daß sie mit dem Parlamente omödir spielte, daß sie gewissermaßen die ernstenBedenken imParlamente sich erst in Abänderungsbemühunaen austoben lasten wollte, um dann später doch wieder, im Bunde mit Zentrum, Freisinn. Polen und einem Häuflein etwa abschwenkender Nattonalliberaler und Konscrvattver. mit ihren, den Bergbau aufs schwerste schädigenden Borschlägm zu kommen. In der Auslastung der.Rordd. Alla. Ztg." wird in höchst ungeschickter Weise erklärt, durch die KommissionS« beschlüffe würden die Versprechungen der Regierung nicht sinngemäß eingelöst. Damit wird doch gerade den.Genossen" der denkbar ausgiebigste Agitutionsstost geliefert, den die«Rordd. Allg. Ztg." mit Bedauern durch die Kommisstonsbeschlüste gegeben sieht. Nach den Ausführungen dieses höchst ungeschickten Arttkels mutz eS gerade so scheinen, als habe das Abgeordnetenhaus die moralische 8er- pslichtung, unkluge und übereilte Versprechungen der Regierung einzu- lösen. WaS dir Regierung verspricht, dafür möge sie selbst einstehen. Ihr zuliebe können die Volksvertreter nicht die Rücksichten auf einen der allerbedeutsamsteil Produktionszweige des Landes außer acht lassen. Glaubt sie sich so sehr engagiert zu haben, daß fie sich nicht mehr ander? aus der Affäre ziehen kann, als wenn ihre Borlage unverändert angenommen wird, dann mögen die, welche die Schuld dafür ttifst, die Konsequenzen tragen und nicht auf Kostm der Bergwerksindusttie Entlastung suchen, um ftch womöglich noch nachher als sozialpolittsche Bahnbrecher feiern zu lassen. Neue Miaister lau» «an alle Tage haben, aber eine Großindusttie läßt sich nicht wieder aus der Erde stampfen, wenn sie durch eine törichte Gesetzmacherei aus dem Lande gettieben oder ruiniert wird. Die Regierung wird natürlich einsichtig genug sein, den Emst dieser Drohungen zu erkennen. ES fällt ihr gar nicht ein. daS Abgeordnetenhaus zu reizen. Um den Preis der Verständigung mit diesem wird sie herzlich gern ihre leichtsinnig gemachten Schulden bei den Bergarbeitem unbezahlt lassen.-- Der.Post" gesellt sich die«Kreuz-Zeitung", die gleichfalls erttärt, daß das Abgeordnetenhaus sich nicht um die Wünsche der Bergleute zu kümmern brauche. Der Marokko. Streit wird zwischen Diplomaten und Offiziösen fortbettieben. Von fach» licher Erheblichkeit erscheint aus dem streitbaren Gerede allein ein Bericht des.Temps"« Korrespondenten in Tanger über eine Unter« redung mit dem britischen Gesandten in Tanger Lowther, in welcher dieser unter anderem folgende» erklärt haben soll: Ich habe geglaubt, daß ich mein Beglaubigungsschreiben dem Sultan in Fez erst im Herbste einreichen werde. Infolge der mir vor wenigen Tagen erteilten ausdrücklichen Weisung meiner Regierung unternehme ich jedoch diese Reise schon in drei Wochen sofort nach Ankunft der vom Maghzen bereitzustellenden Beglett« Mannschaften. Meine Sendung hat unter den gegenwärtigen Um« ständen nicht bloß die Erfüllung einer Etiketten« Vorschrift zum Zwecke; fie ist auch durch jene Klausel des englisch» französischen Abkommens veranlaßt» durch welche sich die beiden verttagschließenden Regierungen verpflichtet haben, sich gegenseitig diplomatische Unterstützung zur Durchführung dieses Abkommens zu leiste«. Meine Regierung beeilt sich umso» mehr, diese Pflicht zu erfüllen, als die dem Sultan unterbreiteten Borschläge der franzSfische» Regierung» die durchaus im Geiste des Abkommen« vom 8. April 1904 gehalten find, die Interessen dritter nicht verletzen, die Sicherhett Marokkos gewähr» leisten und diesem Lande helfen können, sich stufenweise ohne Er» schütterung zu entwickeln. Wenn der Inhalt dieser Korrespondenz wahres berichtet— und die Mitteilungen haben die Vermutung der Glaubwürdigkeit für sich—. so tritt England nicht nur, wie da» Abkommen es erfordert, in der Marokkofrage an die Seite Frankreichs, sondern widerspricht auch ausdrücklich der Behauptung, durch welch« die deutsche Regierung ihre jähe und schroffe Stellungnahme begründet. Auch die deutsche Regierung hat noch immer mit keinem Wort verraten, welche be- stimmten Vorgänge ihre Anficht stützen, daß Frankeichs Vorgehen in Fez deutsche Jntereffen verletzt. Und nun erttärt der englische Vertteter in Tanger ausdrücklich, daß auch nach englischer Ansicht die durch Herrn Taillandier dem Sultan vorgelegten Reformpläne die Interessen anderer Mächte nicht verletzen. Das bedeutet: England will der ftanzöfifchen Marottopolittk nicht allein die diplomatische Unter- stützung geben, zu der es sich verpflichtet hat, sondern erttärt die deutsche Beschwerde überhaupt als völlig unberechttgt. Die»Rordd. Allg. Ztg." gibt die Mitteilung de»«TempS"« Korrespondenten wieder, ohne ein Wort dazu zu sagen.— Blutiger Mai. Wiederum hat in Warschau die zarische Alleinherrschaft des VolksmordeS blutige Greuel vollbracht. Hekatomben von Menschenleben wurden hingeschlachtet durch eine zur Blutgier gestachelte Soldateska. Hekatomben von Menschen, die keinerlei Gewalttätigkeit verübt, die lediglich sich in den Straßen bewegten, um für ihre freiheitlichen Ideale zu demonstrieren. Frauen und Kinder sind gemordet worden, waffenlose Arbeiter. die vor dem unerwarteten sinnlosen Salvenfeuer der Soldaten flüchteten, brachen zusammen, den tödlichen Schutz im Rücken; das sind die neuen Heldentaten der zarischen Schergen. Wohl allzusehr mögen die Arbeiter in Warschau vertraut haben, daß unmöglich die Schlächterei des Petersburger Blut- fonntages vom 22. Januar wiederholt versucht werden könne. '"riedlich zogen sie durch die Sttatzen, die Reiterei ließ die rbciter zunächst ruhig vorbeiziehen, dann plötzlich sahen sich die Wehrlosen von vorn und hinten eingekeilt, Kosakensäbel und Gewehrsalven richteten das furchtbare Blutbad an. Weit über hundert Menschen sind getötet und noch unbekannt ist die große Zahl Verwundeter. Selbst die offiziellen Berichte aus Warschau bekunden die feige Brutalität der Mordbuben; wird gemeldet, daß Soldaten bis w die Höfe drangen und Personen, die sich dort zu verbergen suchten, miß» handelten und totschlugen, aber nur in einem Falle wird be- richtet, daß Polizisten durch eine in der Abwehr geworfene Bombe getätet sind. Entsetzensvolle Szenen trugen sich zu. Vor dem Polizei- Bezirksamte der Krakowskie Przedmiescie neben der 5lreuz- kirche versammelte sich am Dienstag eine große Volksmenge. die Angehörigen wollten die Leichen ihrer getöteten Vitter. Söhne und Kinder rekognoszieren, die aus der ganzen Stadt dorthin in die Leichenkammer gebracht worden sind. In- fanteristen und Polizeimannschaften verweigerten aber jedem den Zutritt. Die Erregung unter der Arbeiterschaft ist ungeheuer. In dielen Fabriken ruht die Arbeit vollständig. Am Dienstag- morgen erschienen nur zwei Zeitungen, auch am Mittwoch werden zum Zeichen der Trauer die Zeitungen nicht erscheinen. Militärpatrouillen durchziehen die Stadt. DeutfcKes Reich. Der Königsberger Prozeh vor dem Reichsgericht. Am Mittwoch, den 3. Mai. findet vor dem zweiten Senat des Reichsgerichts die Revisionsverhandlung des Königsberger Hochverrats- und Geheimbundprozesses statt. Durch das Urteil der Strafkammer des Landgerichts Königsberg vom 25. Juli vorigen Jahres waren drei der neun Angeklagten, nämlich Braun. Kögst und Ehrenpfort gänzlich, die anderen sechs von dem Vergehen des Hochverrats gegen Rußland und der Zaren- belcidigung fteigesprochen, dagegen wegen Geheimbündelei zu Gefängnisstrafen von acht Wochen bis zu drei Monaten ver- urteilt worden. Gegen dieses Urteil ist von beiden Parteien, den An- geklagten wie der Staatsanwaltschaft. Revision eingelegt worden. Die Revisionsschrift der Verteidiger rügt formelle Mängel des Verfahrens und materiell falsche Auslegung des 8 123 des Geheimbundparagraphen. Voraussetzung des Geheimbundes sei das Vorhandensein einer Organisation, das Urteil stelle aber überall nur Handlungen der einzelnen Angeklagten zur Verbreitung der russischen revolutionären Schriften fest. Voraussetzung der Strafbarkeit eines Geheim- bundes sei seine Absicht, auf öffentliche Angelegenheiten des Deutschen Reiches einzuwirken, und seine Gefährlichkeit; beide Voraussetzungen seien im vorliegenden Falle nicht erfüllt. Schließlich sei auch aus dem ganzen Verhalten der Ange- klagten die Absicht der Geheimhaltung ihrer Tätigkeit vor den deutschen Behörden keineswegs zu folgern, zumal die Ange- klagten nicht den mindesten Grund gehabt hätten, die Ver- breitung der in Deutschland durchweg erlaubten Schriften zu verheimlichen.— Formell rügen die Verteidiger die Nicht- Vereidigung der Zeugen Redakteur Dr. Ouessel- Stettin und der Stadtverordneten Linde-Königsberg und Glocke-Berlin, die Vereidigung des Litauers Perkams in deutscher, statt in litauischer Sprache, die Vorlegung von Briefen und Schrift- stücken an Stelle von Zeugenvernehmungen über den gleichen Gegenstand, die Verwendung von Schriften und Briefen als Beweismaterial, die nur vorgelegt, aber nicht verlesen worden sind, kurz eine Reihe von Verstößen gegen die gesetzlichen Vorschriften über Eidesleistung(§ 190 des Gerichtsverfassungs-Gesetzes,§§ 56 Nr. 3, 59 und 60 der Strafprozeß-Ordnung) und die Mündlichkeit der Verhandlung (§§ 248, 249, 253 und 260 der Strafprozeß-Ordnung). Die Revision der Staatsanwaltschaft griff ursprünglich den ganzen freisprechenden Teil des Urteils an; inzwischen hat jedoch die Staatsanwaltschaft die Revision gänzlich zurückgenommen, soweit sie sich gegen die Frei- sprechung des Angeklagten Kögst-Bajoren richtet, und teilweise gegenüber dem Angeklagten Braun-Königsbcrg. gegen den die Anklage der Geheimbündelei nicht mehr aufrechterhalten wird. Die Anklage wegen Zarenbeleidigung ist gänzlich fallen gelassen; die Revision der Staatsanwaltschaft wendet sich also vor- nehmlich gegen die Freisprechung der Angeklagten Nowagrotzky- Königsberg, Braun-Königsberg, Kugel-Memel, Klein-Memel, Treptau- Memel, M e r t i n s- Tilsit, Ehrenpfort- Char- lottenburg und Pätzel-Berlin von der Anklage deS Hochverrats. Das Gericht hatte angenommen, daß die Gegenseitig- keit, die im§ 102 des deutschen Strafgesetzbuches zu einer Verurteilung wegen Hochverrats gegen ein anderes Land erfordert wird, von Rußland nicht verbürgt sei. Dieser Auffassung tritt die Revision der Staats- anwaltschaft entgegen. Die Gegenseitigkeit brauche nicht schon bei Begehung der Tat verbürgt zu sein, sie sei nicht Äatbcstandsmcrkmal, sondern nur Voraussetzung der Strafbamcit; es genüge daher, wenn, wie in diesem Falle Rußland getan, der auswärtige Staat bei Stellung des Straf- antrages die Gegenseitigkeit zusichere. Aber hier sei die Gegenseitigkeit auch schon bei Begehung der hoch- verräterischen Handlungen gesetzlich verbürgt gewesen: Ein- mal durch das neue russische Strafgesetzbuch, das zwar noch nicht in Kraft getreten, aber schon vom Zaren bestätigt sei. also für die Zukunft eine Gewähr biete. Wenn es aber nach Ansicht des Reichsgerichts nur auf das in Kraft befindliche Gesetz ankommen sollte, so verbürge auch das alte russische Strafgesetzbuch die Gegenseitigkeit. Artikel 260 des russischen Strafgesetzbuches, dessen gefälschte Uebersetzung im Prozeß bekanntlich eine große Rolle gespielt hat, verlangt, daß die Gegenseitigkeit auf Grund von Traktaten oder hierüber veröffentlichten Gesetzen vereinbart sei. Unter „veröffentlichten Gesetzen" ist nach den Ausführungen der Staatsanwaltschaft, die die Auffassung des russischen Rechts als entscheidend zu Grunde legt, ein Gesetz des auswärtigen Staates, in diesem Falle also der die Gegenseitigkeit verbürgende§ 102 des deutschen Straf- gesetzbuches zu verstehen. Indem die Staatsanwaltschaft schließlich den Beweis dafür antritt, daß die Verbreitung der inkriminierten Schriften. insbesondere der Burzefffchen Broschüren Vorbereitung zum Hochverrat gegen Rußland dar- stelle, daß also, wenn die Gegenseitigkeit verbürgt sei, Bestrafung auf Grund des§ 102 eintreten müsse, beantragt sie, den von der Anklage des Hochverrats freisprechenden Teil des Urteils aufzuheben und die Sache zu anderer Ent- scheidung an ein benachbartes Landgericht zu verweisen. Das Landgericht Königsberg bittet die Staatsanwaltschaft mit Rück- ficht auf das große Aufsehe« und die tiefe Erregung, die dieser Prozeß in Königsberg hervorgerufen habe, nicht wieder mit der Entscheidung z« betrauen. Die Revisionsbegründungen haben beiden Parteien Anlaß zu weiteren umfangreichen Gcgen-Schriftsätzen gegeben. Auch die mündliche Verhandlung vor dem Reichsgericht, die schon um 9 Uhr beginnt, dürfte verhältnismäßig lange Zeit in An- spruch nehmen. « �» Aeußerst intereffant ist die Forderung der staatsanwaltlichen Revision, daß der Prozeß an ein anderes Gericht als das Königsberger verwiesen werden möge. Und noch interessanter ist die Begründung dieser Forderung. Der Königsberger Gerichtshof trug, wie man weiß, keines- Wegs Schuld an dem Zusammenbruch des Prozesses. Der Vor- sitzende, unmittelbar aus der Staatsanwaltschaft in die Führung diese? R'-oze"es berufet' bewies allen Eifer und allen Schneid, den der Justizminister und der Königsberger Staatsanwalt wünschen konnten. Und gleichwohl soll dieser Gerichtshof jetzt nicht geeignet sein, die Verhandlung nochmals zu führen, wenn das Reichsgericht die Zurückverweisung beschließt! Es soll nicht geeignet sein, weil der Prozeß in Königsberg außerordentliche Erregung hervorgerufen habe. Die Tatsache der Erregung ist richtig; doch seit wann ist es nicht Beleidigung eines preußischen Gerichtshofes, daß Erregung der Bevölkerung seine Bestätigung irgendwie beeinflussen könne? Diese überaus eigenartige Begründung des Königsberger Zaren- Staatsanwalts reiht eine neue, fast unerklärliche Selt- samkeit an alle die früheren Seltsamkeiten dieses Prozesses.— Reichs-Finanzreform. Die„Nordd. Allg. Ztg." erklärt: „In der Morgenausgabe des„Verl. Lokal-Anzeiger" und des „Tag" vom 2. d. M. werden Einzelheiten über die angeblich in Aussicht genommene Reichs-Erbschaftssteuer mitgeteilt. Wir bemerken demgegenüber, daß die Reichs-Finanzreform bisher nur in vorläufigen Grundzügen erörtert ist und weder über die Reform im ganzen noch über einzelne Steuerprojekte Beschlüsse gefaßt sind." Diese Erklärung lehnt jede positive Angabe über die wirklichen „vorläufigen Grundzüge" der geplanten Reichs-Finanzreform ab. Besonders auffällig aber ist. daß das offiziöse Organ von einer „angeblich" in Aussicht genommenen ReichS-Erbschaftssteuer spricht. Bisher wurde angenommen, daß diese Steuer tatsächlich in Aussicht genommen ist.— Polen-Wehr. Nach Art des deutschen OstmarkenvereinS wurde in Posen, wie verschiedene Blätter melden, ein polnischer Ostmarkcn- verein zum Schutze der wirtschaftlichen und bürgerlichen Interessen der Polen neugegründet. Zum Vorsitzenden wurde das Herrenhaus- Mitglied v. Koscielski gewählt.— Ei» Nnveriesserlichcr. Aus Augsburg wird der„Fr. Ztg." berichtet: Der Unteroffizier Kreuzmann von Pfersee trat 1838 als Unteroffizierschüler in das 20. Regiment ein. Jin Mai 1301 wurde er wegen schwerer Mißhandlung und Be- drohung von Rekruten zu zwei Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt. Nachdem er im Herbst 1304 wieder rehabilitiert worden war und eine Rekrutenkorporal schaft zugewiesen erhalten hatte, trieb er es ärger als zuvor. Diesmal verurteilte ihn das Kriegsgericht zu 10 Monaten Gefängnis und abermaliger Degradation.— Ordensschacher in Württemberg. Man schreibt ur.S aus Stuttgart: Seitdem in lvllrttembergischen Blättern gegen ein angesehenes Mitglied der Stuttgarter Hof- gesellschaft, den Grafen von Linden, unverblümt die Beschuldigung des Ordensschachers erhoben wurde, sind mehrere Wochen verflossen, ohne daß der Angegriffene sich geäußert hatte. Die Stuttgarter bürgerliche Presse hilft an ihrem Teile mit, die Sache totzuschweigen; außer der„Schwäb. Tagwacht" hat keine der Stuttgarter Zeitungen— auch nicht das volksvarteiliche Blatt— den Fall auch nur mit einer Silbe erwähnt. Wenn nun auch gern zugestanden sei, daß der Bau eines Museums für Völkerkunde, für den Graf Linden das Geld durch Ordensverinittelung aufzubringen suchte, ein löblicher Zweck ist, und schließlich die Well der Scheine, in der Sterne, Kreuze und Bänder die Stelle wirklicher Werte ver- treten, ruhig sich selbst überlassen werden mag. so ist es doch nützlich, wenn vor aller Welt klargestellt wird, in welcher Weise solche„Auszeichnungen" erworben werden. Die Ver- treter des monarchischen Prinzips aber hatten erst recht Grund, gegen solche zweideutige Ordensgeschäste Stellung zu nehmen. Die „Neckarzeitung" sucht nun den schweigsamen Herrn zum Reden zu zwingen, indem sie heute die Nanicn der Empfänger der fraglichen Orden veröffentlicht, unter genauer Angabe der von ihnen bezahlten Kaufpreise. Diese variieren zwischen 100 000 und 250 000 M. Ein Preisverderber war Herr Graf v. Linden nicht,— das muß man ihm lassen.—_ Südwestafrika. Berlin, 1. Mai. Nach Meldung des Generalleutnants v. Trotha aus G i b e o n ließ Hauptmann Frhr. v. Welck, Kommandeur der Stationsbesatzung am W a t e r b e r g, am 17. April eine große H e r e r o w e r f t, die die freiwillige Uebergabe verweigerte, am Osondjache-Berg aufheben. Eine von Major von der Hehde von GobabiS aus bis Riet- fontein N. ausgedehnte Erkundung bestätigte erneut, daß das G e- lände bis zur englischen Grenze vom Feinde ge« räumt ist. Major Täubler, dem die Abteilung Zwehl unterstellt worden ist, hat den Auftrag mit im ganzen 3 Kompagnien, 2 Gc- schützen und 2 Maschinenkanonen den bei G r o o t f o n t e i n s e st- ge st eilten Bethan ier-Häuptling Cornelius Fre- derik anzugreifen. Der Bandenführer M o r e n g a hat in der Nacht vom 24. zum 25. April die Karas-Berge geräumt und ist in östlicher, mit einem Teil seiner Leute auch in westlicher Richtung ausgewichen. Major v. Kamptz hat die Verfolgung aufgenommen. Aus der letzten Meldung geht hervor, daß die Annahme, Morenga sei auf englisches Gebiet geflüchtet und seine Bande völlig zersprengt, durchaus unrichtig war. ES ist ihm vielmehr gelungen, bis jetzt den Verfolgern„auszuweichen". Die Vernichtung seiner Bande wird also noch manchen Mann kosten! » Berlin, 1. Mai. Ein Telegramm auS Windhuk meldet: Nach- träglich gemeldet: Im Gefecht bei Sandmund am 2. April 1905 gefallen: Reiter Ferdinand Nietzke, geb. am 1.3.77 zu Angerapp. Im Gefecht an einer Vleh östlich des Elefantenflusses südlich Kowise-Kolk am 7. April 1305 gefallen: Gefteiter Gustav K ö n n e ck e, geb. an» 4. 2. 84 zu Kerstlingerode. Gefreiter Alois Rieger, geb. am 7. 5. 84 zu Neisse, am 21. April 1905 im Lazarett KoeS an Typhus gestorben. Berlin. 2. Mai. Amtliche Meldung. Ein Telegramm au? Windhuk meldet: Zahlmeistcr-Aspirant Bernhard Boll» mann, geboren am 16. 12. 71 zu Benzingerode, am 28. April 1905 auf dem Dcpeschenboot Manilla-Rccde Swakopmund plötzlich ver» storben. Reiter Hugo Werner, geboren am 9. 4. 33 zu Elster- berg, am 23. April 1305 im Lazarett Swalopnmnd an Typhus gestorben. Hueland« Schweiz. Zürich, 1. Mai. Die gesainte Regierung wurde mit 37 000 bis 40 000 Stimmen wiedergewählt. Die Steucrfuß-Jnitiative wurde mit 42 000 gegen 24 000� Stimmen abgelehnt. Die Kantonrats» Wahlen ergaben in der Stadt Zürich 12 Demokraten wie bisher, 32 Freisinnige, 2 niehr, 28 Sozialdemokraten, 2 weniger. Die Sozialdemokraten verloren auch in Wintcrthur 2 Sitze, wo die bürgerliche Liste durchging, gewannen aber im Wahlkreise Wül» fingen-Toeß, wo außerdem zwei Stichwahlen notwendig sind. In den übrigen Wahlkreisen fielen die Sozialdemokraten durch, die neu vorgeschlagen waren. Frankreich. Zur Berschwörungs-Affäre. Ter Untersuchungsrichter Cheue- benoit hat die Untersuchung in der Verschwörungsangelegenheit Tamburini endgültig geschloffen. Die Angeschuldigten sind dem Zuchtpolizeigericht überwiesen worden und werden sich wegen Ver» chwörungsumtrieben und Wege AufspeichernS von Kriegsmaterial zu vkranwortro Wen. Eine Kundgebung Eombe». Bei der Emwekhimg einer Brücke über die Charente hielt der frühere Ministerpräsident Cornbes heute eine politische Rede, in der er erklärte, er werde das jetzige Kabinett unterstützen, solange es mit den Parteien der Linken regiere und sein Programm einhalte. Er sei aber der Ansicht, daß die Regierung und die Kommission der Kammer bei der Behandlung der Frage der Trennung von Staat und Kirche mit übergroßem Wohlwollen bor- gegangen seien. Zwischen dem Ministerium und der Majorität der Linken müsse Einvernehmen herrschen, damit ihr gemeinsames Programm demokratischer Reformen zur Durchführung gelangen könne. Die Flotte Roschdjeftwenskys befindet sich nach den neuesten Meldungen noch immer in der Nähe der K a m r a n h- B u ch t. Die Transportschiffe liegen ganz ungeniert in den französischen Häfen. Da diese Transport- schiffe Kohlen für die Kriegsflotte und wahrscheinlich auch Munitionsvorräte nnt sich führen, bilden sie unbedingt einen Bestandteil der russischen Kriegsflotte. Mit der Wahrung der französischen Neutralität sieht es also noch immer höchst frag- würdig aus I Die Telegramme lauten: Hongkong, 30. April.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Der Dampfer„Stettin" sichtete am Dienstag nachmittag in der Honkoe-Bai(Annan») dreißig bis vierzig Schiffe d es baltischen Geschwaders. Zwei Kreuzer, auf deren Verdeck Kohlen aufgestapelt waren, befahlen der„Stettin" durch Signale zu halten und befragten sie. Das Geschwader war bereit in See zu gehen. I Saigon, 1. Mai.(Meldung der„Agence Havas".) Ein russisches Geschwader ist in Port Dayot, 40 Meilen nördlich der Kamranh-Bucht und m der Binkhoi-Bucht außerhalb der terri- torialen Gewässer» stationiert. Eine Anzahl Transportschiffe liegen unbeweglich am Kap Saint Jaques und im Saigonfluß. Die Flotten- division von Cochinchina ist mobilisiert loordei», um die Achtung vor der Neutralität der französischen Gewässer aufrecht zu erhalten.(??) Saigon, 29. April.(„Laffan"-Meldung.) Der von der Kamrai»h- Bucht hierher z»lrückgekehrte Berichterstatter des«Bureau L a f f a n" kabelt: Ich traf heute abend von der Kamranh-Bucht hier ein. Das ganze Geschwader RoschdjestwenskyS hat die Kamranh-Bucht am 25. d. M. verlassen, ohne daß sich daS dritte Geschwader deS AdmiralS Nebogatow ihm angeschlossen hatte. Ich kann aus bester Quelle mitteilen, daß das Ostsee-Geschwader nach den Philippinen fährt, wo daS dritte Gc-. schwader und die Schiffe Admiral Skrhdlows zu ihm stoßen werden. Die vereinigten Geschwader werden dann auf Umwegen über den Stillen Ozean Wladiwostok zu erreichen suchen. Viele russische Matrosen desertierten in der Kamranh-Bucht von ihren Schiffen Drei Deserteure kehrten auf»»einem Dampfer mit mir nach Saigon zurück, ein vierter ertrank bei dem Versuch, sich schwimmend von dein Geschwader zu entfernen. Die Deserteure beklagen sich über harte Behandlung. Wir passierten folgende Transportschiffe aus der Kam- rai»h-Bucht, die heute vor Kap Saint JameS vor Anker liegen: „Maeedonia",„Allemania", Westminster Bridge".„Gaarden". „Jsimo",„Artenia".„Helen Zorn",„Bethania"..Batavia". „Seripnos" und„Badenia". Die Maifeier. Ueber den Verlauf der Maifeier liegen uns noch eine große Zahl Berichte vor, die in» Verein mit den bereits mitgeteilten er» kelriiell lassen, daß die Bcdenllichkeiten, die sich vereinzelt gegen die, bisherige Forin der Maifeier gelte>»d gemacht haben, keinen Bode»» gefunden haben in der Masse des klassenbewußten Proletariats. Jc» »nehr noch: wenn etwas geeignet ist zu zeigen, wie man die Mai» feier nicht behandeln darf,»vill man überhairpt eine Maifeier und überhaupt begeisterten Kampf für Ideale haben, so ist es der Verlauf der Maifeier in Stuttgart, Ivo man ans die Arbeits» ruhe verzichtet hatte. Der vollständige freiwillige Verzicht auf die Arbeitsruhe kommt dem Verzicht ans die Maifeier überhaupt bedenklich nahe. Demonstrationen kann»nan»»icht als Rechenexempcl be» handeln. Von diese»» Stuttgarter Mißerfolg abgesehen, war die Maifeier»m Deutschen Reiche eine mächtige eindrucksvolle Kund- gebung für die Forderungen des Proletariats. Wir lassen hierunter die noch vorliegenden Meldungen folgen. Brandenburg. In Tegel nahm die Maifeier einen prächtigen Verlauf. Die Nachmittagsveranstaltung war von 800 Personen besucht. Die Fest» rede hatte Gei»osse Fritz T a r n o Iv- Berlin übernommen. Waidmannslnst. Die Abendfeier war von etwa 800 Personen besucht. Die Festrede hielt Genosse M a s p h u l. Es herrschte eine erhebende Begeisterung unter den Festteilnehmern. In Strausberg unternahmen die Genossen und Genossinnen. irka 300, einen Frühjahrsausflug„ach der Schlagmühle, der vom errlichsten Wetter begünstigt war. Um 11 Uhr vormittags fanden sich die Genossen zu der anberaumten Versammlung ein und folgten init lebhaftem Interesse den Ausführungen des Gcnvffen Th. G l o ck e. Unter Absingen der Marseillaise fand die Versammlung ihren Ab- schluß. In den Nachmittags- und Abendstunden vereinigten sich die Genossen bei Candert zu einer festlichen Veranstaltung. Grünau. DaS Maifest wurde von der Grünauer Arbeiterschaft abends in dem Lokale des Herrn Duchauffour gefeiert; der Besuch war ein sehr reger. Die Feier wurde mit einem Prolog eröffner. die Festrede über die Bedeutung des 1. Mai wurde von dem Ge- »»osscn B ö S k e- Rixdorf gehalten; daran reihten sich Gesangs- und andere Vorträge. Die Sttmmung war eine sehr gute.— Eine VormittagSversannnlung konnte am Orte nicht stattfinden, deshalb schlössen sich unsere feiernden Grünauer Genossen den Versammlungen und Umzügen von Adlershof und Köpenick an. Treptow- Baumschulenwcg. Die Maifest- Versammlung, welche von den Parteigenossen abends in Speers Festsälen einberufen war. nahm einen guten Verlauf. Genosse Maurenbrecher hielt den wirkungsvollen Bortrag vor über 250 Teilnehmern. Nach Annahme einer Resolution schlotz'die Versammlung mit einem begeisternden Hoch auf die Sozialdemokratte. In Geselligkeit blieben die Festteilnehmer bis in später Stunde zusammen. Mariendorf. Hier herrschte am I.Mai fast vollständige Arbeits- ruhe.— Am Abend fand im Lokale von Reichardt eine Versammlung statt. Die Resolution der Gewerkschastskonmiission fand einstimmige Annahme. Nach dieser unterhielten die Arttstenvereine„Ster,»"- Mariendorf und Gesangverein. SangeSlust Ill"-Ten»pelhof die zirka 300 Teilnehmenden auss beste. Reinickendorf- West. Die Volksversammlung war von zirka 200 Personen besucht. H o r w i tz hielt daS Referat. Der Gesang- verein„Einigkeit II" verschönte den Abend durch stimmungsvolle Lieder. Steglitz. Die Arbeitsruhe hat gegen das Vorjahr abermals zu» genommen. In den beiden Bormittagsversammlungen im„Birken- Wäldchen" und„Gambrinus" passierten rund 850 organisierte Ar- beiter die Kontrolle. Genosse Maurenbrecher sprach im „Birkenwäldchen" unter begeistertem Beifall.— WendS faird die Hauptfeier im„Birkenwäldchen" statt. In Caputh ist die Maifeier befriedigend verlaufen. Am Sonntagnachmittag bereits sprach in einer Versammlung Genosse B e h r e n d- Berlin über die Bedeutung des 1. Mai. Die Reso» lution der Berlmer Gewerkschaftskommission wurde einstimmig an» genommen. Oranienburg. In der Abendbersammlung, die einen sehr starken Besuch aufwies, sprach Genosse Grauer- Lichtenberg. Tanz uud künstlerische Beranstaltungen waren verboten. Krankfurt a. O. In der BormittagSversammlung referierte im überfüllten Saal des Vorwärts Genosse Hugo Methner unter lebhaftem Beifall. Nachmittags zogen die Genossen in langem Zuge durch die Stadt zum Maifest im Eldorado. Um 5 Uhr hielt im großen Saal des Eldorado unter einer außerordentlichen Beteiligung der Genossen und Genossinnen, wie sie bisher niemals stattgefunden hatte, Genossin L i l h B r a u n die Festrede und fand lebhasten Beifall. Fnrsteuwalde a. d. Spree. Die Beteiligung an den beiden Ver- sammlungen, in denen am Vormittag wie am Abend Genosse Heinrich Braun unter starlem Beifall referierte, war sehr groß, viel stärker als im Vorjahr, die Stimmung ausgezeichnet. Neu-Hardenbcrg. Hier feierten die Genossen, um auch den ländlichen Arbeitern die Beteiligung zu ermöglichen, das Maifest am Sonntagnachmittag. Die Versammlung war überfüllt. Genosse Heinrich Braun hielt die Festrede, die mit Beifall aufgenommen wurde und der eine angeregte Diskussion folgte, in der ein Gegner, der Referent und Genosse Riechert sprachen. Platkow. In dem von den Bauhandwerkern des Oderbruchs ohne jede Entschädigung für ihre Arbeit erbauten Gewerkschastshaus fand die Maiversammlung Sonntag nachmittags statt. Genossin Lily Braun referierte und fand lebhaften Beifall. Die Stimmung war vortrefflich, der Besuch der Versammlung sehr stark. Prenzlau. Am Abend des 1. Mai fand eine gut besuchte Ver- sammlung im Lokale des Herrn Trebesch statt, in welcher der Genosse W u s ch i ck- Berlin über:„Die Bedeutung des 1. Mai" referierte. Hierauf wurde die Berliner Resolution verlesen und einstimmig an- genommen. Spremicrg. Am NachmittagSausfluge nach Pumpe nahmen 300 Personen teil. Abends hielt vor 600 Personen Alfted Bern- stein aus Berlin die Festrede. Die Versammlung war von großer Begeisterung erfüllt, die nicht getrübt wurde durch eine polizeiliche Schikane. Man hatte uns gezwungen, die roten Fahnen aus dem Versammlungslokal zu entfernen. Forst. Am ftühen Morgen untemahmen kleinere Gewerkschaften. die durch Arbeitsruhe feiern, Ausflüge in die Umgebung. In der von rund 300 Personen besuchten BormittagSversammlung referierte Arbeitersekretär Kunkel über die Maiforderungen; eine Resolution, die unbedingtes Festhalten am Gedanken der Maifeier ausspricht, Ivurde einstimmig angenommen. Nachmittags bei köstlichem Maien- Wetter ging eS in losem Zuge durch die Stadt, durch Feld und Heide nach Dorf Eulo, wo Räume und Garten des Parteilokals die Menge kaum fassen konnten. Die Familienfeier dauerte bis zum Abend, wo Euloer Genossen eine eigene Versammlung abhielten, während die Städter im Zuge nach der Stadt zurückkehrten. Im größten Saale der Stadt und in Forst-Neustadt war Abendunter- Haltung mit Festreden der Genossen Markw ald und Kunkel. Beide Säle waren total überfüllt, da nun erst Tausende der Tuch- fabrikarbeiter und Arbeiterinnen an der Feier teilnehmen konnten.— In S o r a u begingen die Genossen das Maifest am Sonntag- nachmittag durch eine starkbesuchte Familienfeier, in der Genosse P e r n e r- Forst die Festrede hielt. Montagabend war Nachfeier im Seifersdorfer Arbeiter-Gesangverein. Die Arbeiterschaft Wittenberges beging unter starker Beteiligung den Maitag in Form eines Ausfluges bereits am Sonntag; Montag abends Versammlung in der überfüllten Konzerthalle. Die Berliner Resolutton wurde nach begeisterndem Vortrage unseres Reichstags- Kandidaten Stadtv. Dr. Weyl-Berlin einmütig angenommen. Kirchhain N.-L. Früh 8 Uhr Ausflug. 200 Personen. Die Versammlung für den Abend in dem Wildeschen Lokale war verboten, an Stelle dessen war eine Versammlung nachmittags 3>/z Uhr im Schützenhause. Referentin Ottilie Baader. Anwesend 300 Per- sonen. Landsberg a. d. Warthe. Die Parteigenossen Landsbergs feierten den 1. Mai abends durch Konzert und Vorttäge. Festtede hielt Ge- nosse P ä tz e l- Berlin. Schwedt a. O. Das Maifest verlief hier großartig. Die Vor- mittagSversammlung sReferentin Frau M e s ch- Berlin) war von über 200 Genossen und Genossinnen besucht. Nachmittags Konzert von den Sängern des Wahlvereins und der hiesigen Musikkapelle aus- geführt. An der Abendfeier nahmen etwa 600 Personen teil. In Grüneberg in der Mark sollte am Sonntag, den 30. April, eine Versammlung stattfinden mit der Tagesordnung:„Die Be- deutung des 1. Mar". Als Referent war Genosse Z e g l i n- Berlin erschienen. Der Gastwirt Dittmer, der sein Lokal sonst zu gewerkschast« lichen Versammlungen herzugeben pflegte, weigerte sich entschieden, diese Versammlung mit diesem Thema in seinem Lokal tagen zu lassen. Jedenfalls fürchtet er den Verlust des„KriegervercinS", unter dessen Einfluß anscheinend Herr Dittmer handelte. Der Zlveck der Versammlung wurde dennoch erreicht, indem alle anwesenden Genossen einmüttg das Lokal verließen und anderweittg sich über die Bedeutung des 1. Mai unterhielten. Mögen jetzt die Arbeiter Grünebergs bald einsehen, daß es ihre Pflicht ist, Herrn Dittmer ferner nicht zu belästigen. Pommern. Im Wahlkreise Randow-Grcifenhagen nahm die Maifeier einen prächtigen Verlauf. In Bredow, wo der Abgeordnete des Kreises, Genosse Körsten, referierte, waren 600 Personen in der Ver- sammlung aiiwesend. In I e s e r i tz demonsttierten 200 Personen. Referent war Genosse Müller. In Pommerenzdorf referierte Genosse H a n i s ch vor 300 und in P o d e j u ch Genosse F a b e r vor 460 Personen.— Stettin. Morgens Versammlung vor zirka 1000 Personen. Herbert Referent.— Randow- Greifcnhagcn. Abends zirka 2000 Personen in Versammlung im Bredowcr Schützen- Hause. Körsten Referent.— Kösliiu Vormittags Versammlung im Kaisergarten, ca. 400 Personen. Ref. Horn.— Stargard. Ver- sammlung gut besucht. Ref. Qu an dt.— Wolgast. Ausflug.— Am StettinerHafen fast sonntäglich still, weil Hafenarbeiter strikte Arbeitsruhe durchgeführt. Töpfer auch allgemeine Arbeitsruhe. Außerdem Holz- arbeiter, Schneider, Metallarbeiter und diverse andere Gewerbe in vielen Beftieben Arbeitsruhe. Schlesien. In Görlitz fand das Maivergnüge» de? sozialdemokratischen WahlvereinS bei freundlichem Wetter am Sonntagnachmittag in der „Stadt Prag" statt. 3000 Personen nahmen an dem Fest teil. Am Montagabend sprach Genosse Sindermann- Dresden im Konzerthause vor 900 Personen. Für MuSkau und Umgegend war in dem Witzmannschen Saale zu Lucknitz am Sonntag eme Maifeier vom Glasarbeiterverband arrangiert worden; über 600 Personen hatten sich zu dem Feste eingefunden. Genosse Müller- Görlitz hielt eine emstündige Festrede. Zu Rackwitz bei Löwenberg sprach Genosse Stolpe am Sonntag vor 300 Personen. Die Stein- metz-Feier war am Montag, trotzdem ihnen für diesen Fall eine zweitägige Aussperrung angekündigt wurde. In Löwenberg zog der Wirt des Schützenhauses, kotz vereinbarter Konventtonalskafe, seinen Saal zurück. In Seidenberg sprach am Montagabend Genosse Stolpe vor 400 Personen. In Rausch» referierte Genosse Keller im Schmidtschen Saale am Sonntagnachmittag vor 100 Personen. Liegnitz. Die Versammlung, die im neuen eigenen Heim der Arbeiter stattfand, war von über 400 Personen besucht, eine noch nie dagewesene Beteiligung. Die Gedenkrede hielt unter jubelndem Beifall Redakteur Rob. Albert aus Breslau. Hirschbcrg i. Schl. An der Maifeier beteiligten sich weit über 400 Personen. Die Festtede, zugleich dem Fest der Arbeit wie dem Andenken Schillers gewidmet, hielt Redatteur R. Albert aus Breslau. An dem FrühauSflug beteiligten sich zirka 200 Per- sonen. Festzug und Musik waren von der Behörde verboten worden. Um so anregender verlief der Tag, der zur Förderung deS Mai- gedankenS im Riesengebirge sehr viel beigetragen hat. Bunzlau. Die beiden Säle„Drei Kronen" und Gasthof„Zur Stadt Bunzlau" waren überfüllt. Gesangsvorttäge, Instrumental- konzert, ein flott gespielter Dreiakter„Maifest" und lebende Bilder trugen zur Verschönerung des Festes bei. Unter großem Beifall hielten die Stadtverordneten Genossen S ch e b S und N i t s ch k e die �-streben. Mittelstei» v. Glatz. Volksversammlung. Ueber den 1. Mai sprach Genosse R a d l o f aus Breslau. Gut verlaufen. 60 Personen anwesend. Kattowitz. Während am Vormittag des 30. April im Gewerkschaftshause eine polnische Volksversammlung für die in der weiteren Umgegend wohnenden Arbeiter tagte, fand am Abend des 1. Mai eine stark besuchte allgemeine Maiversammlung statt, in der Genosse M o r a w S k i polnisch, Genosse B r u h n s deutsch referierte. Am vorhergegangenen Sonntagnachmittag fand in einen: Garten- lokal in der Umgegend eine Maivorfeier statt unter stärkster Be- teiligung der Arbeiter und ihrer Familien, wie natürlich unter sorg- samster Ueberwachung oberschlesischer Polizisten und Gendarmen. Prpvinz Sachsen. Magdeburg, dessen Polizeiverwaltung in diesem Jahre wieder auf den Anttag, einen Festzug zu genehmigen, ein„Nein" als Ant- wort hatte, hat eine Beteiligung zu verzeichnen, wie in keinem Jahre zuvor, in denen die Maifeier an einem Werktage begangen wurde. Sieben überfüllte Morgenversammlungen und vier gleichfalls über- füllte Abendversammlungen für die Parteigenossen, denen ein Ruhen- lassen der Arbeit unmöglich war, vereinigten die Demonstranten. Stach Schluß der Morgenversammlungen gab es wieder, wie alljähr- lich, einen Spaziergang durch die Stadt nach den,„Luisenpark" in Wilhelmstadt, den die fürsorgliche Polizei aber möglichst durch enge Nebenstraßen dirigierte. Die Zahl der Spaziergänger wurde auf etwa 6000 geschätzt. Herrliches Maiwetter erhöhte die Fest- sttmnmng. Bei allen Veranstalttingen konnte eine lebhafte Beteili- gung der Frauen festgestellt werden. In Craceau war eine Abendversammlung von etwa 160 Per- sonen. zum dritten Teil Frauen, besucht. In Gr.-Otterslcbcn war ebenfalls eine zahlreiche Beteiligung zu konstatieren. Den Parteigenossen in Burg war die Genehmigung eines Umzuges auch versagt worden. An dem Morgenausflug nahmen etwa 360 Personen teil. Am Nach- mittag und Abend belief sich die Zahl der Beteiligten auf über 1000. Die Genossen in Staßfurt unternahmen einen Ausflug nach Förder- stedt, der lebhafte Beteiligung fand, wie sie auch für die Abend- Versammlung zu verzeichnen war. Die Verhältnisse in Ascherölcben gestatten den Genossen nicht, den 1. Mai durch Arbeitsruhe zu be gehen. Sie veranstalteten deshalb am vorhergehenden Sonntag morgen einen Ausflug und abends eine Versammlung, die beide mehrere hundert Teilnehmer zählten. In Thale a. H. war die Mai- feier infolge des Einflusses des Hüttenwerkes nie von großer Be- deutung. infolge dessen auch am 1. Mai von einer Feier wieder nicht viel zu bemerken. Sonntag gab es einen Ausflug nach Gernerode, an dem etwa 100 Genossen teilnahmen. Am 1. Mai fand abends eine mäßig besuchte Versammlung statt. Nur wenige Genossen feierten in Oschcrsleben den Tag durch Arbeits ruhe, obgleich im Tarif der Brauereiarbeiter die Freigabe des 1. Mai vorgesehen ist. In Fermersleben hatten sich zu einer Abend versannnlung etwa 200 Männer und Frauen eingefunden. Eine Maiversammlung von etwa 260 Personen tagte in Gommern. Am 7. Mai sollen noch besondere Maifestlichkeiten veranstaltet werden. Auch in Aken a. E. fand eine überfüllte Versammlung statt, der sich Gesangsvorttäge und ein Ball anschlössen. Hundisburg und Alb Haldensleben hatten gut besuchte Versammlungen. 400 Teilnehmer hatte ein Spaziergang in Olvenstedt und über 600 Personen hatten sich zu einer Abcudversammlung eingefunden. In Gcnthin- Altinplathow beteiligten sich an einem Ausflug etwa 86 und an einer Abend Versammlung etwa 160 Personen. Eine Versammlung von etwa 360 Personen tagte in Ncuhaldcnslcbcn. Die gleiche Zahl Teil nehmer zeigte die Versammlung in Wernigerode. An dem AuSfluge nahmen gegen 180 Personen teil. Auch aus Tangermünde und Kl. Otterslebcn wird uns lebhafte Beteiligung gemeldet. Die Genossen in Stendal veranstalteten unter reger Beteiligung einen Morgenausflug. Zu einer Versammlung am Abend waren gegen 600 Personen erschienen. In Halberstadt waren Morgen- und Abend- Versammlung überfüllt. 600—600 Männer und Frauen hatten sich eingestellt. Unter den Arbeitern, die den Tag durch Arbeitsruhe be- gingen, waren die verschiedenen Kategorien der Bauarbeiter am stärksten vertreten.— Erfurt. Die Feier verlief überaus würdig. Am Morgen- auöfluge nach Roda beteiligten sich rund 700 Genossen. Eine be- sondere Sensation bot dann am Nachmittage 6 Uhr 10 Minuten(die Justiz arbeitet genau!) die Abholung des Genossen Paul Hennig, Redakteurs der„Tribüne" aus dem Gefängnis, allwo er zur höheren Ehre der preußischen Justiz acht Monate wegen Polizei- und Majestäts-„Beleidigung" hatte„brnmmcn" müssen. Da man Hennig die Selbstbeschäftigung verweigert hatte, angeblich weil er schon„vor- bestraft" ist, so hatte die Tatsache, daß der Pretzsünder 3 Monate hatte Korbdeckel flechten müssen, eine solche Anteilnahme erweckt, daß eine vielhundertköpfige Menschenmenge das Gefängnis umlagerte. Um die Demonstration zu vereiteln, wurde H. durch die Wohnung des Gefängnisinspektors entlassen und auf der Straße sofort von einem großen Polizci-Aufgebot in Zivil empfangen. das H. veranlasse» wollte, seinen Weg durch stille Gassen zu nehmen, um die Masse zu täuschen. Ein Polizeikommissar erklärte H., eS sei„Widerstand gegen die Staatsgewalt", wenn er nun seine Freiheit dazu benutze, um nach seinem Willen die breite, von Massen von Genossen und vielen Helmttäaern idarunter der höchste Gewalthaber der Polizei) belebte Andreasstraße rechts hinunterzuschlendern. Als die Drohung nicht ftuchten wollte, nahm man seine Zuflucht zum Bitten, aber dem befreiten Opfer der Justiz war auch um diesen Preis die wiedergewonnene Freiheit nicht feil. Endlich aber sahen einige Genossen den„Sträfling" an dem so ganz ungewohnten Ausgange und nun strömte die vielhundertköpfige Menge auf ihn zu und begrüßte ihn. Jetzt konnte H.„nachgeben", und der imposante Zug setzte sich nach dem„Tivoli" in Bewegung. Der Zweck der Demonstratton war erreicht. Ein Tusch und Hoch empfing den„Verbrecher" im Garten des Parteilokals, so demonstrierend gegen die herrliche bürgerliche„Meinungsfreiheit" und zeigend, daß der „Sträfling" nicht geächtet ist.— Die abendliche Festversammlung vereinigte gegen 3000 Menschen, die die Fenster und Türen des Saales noch dicht belagetten. Zunächst sprach Abgeordneter Genosse R e i ß h a u S in zündenden Worten über die Bedeutung des Tages. Dann begrüßte der Gesangverein„Morgenstern" und großer Will- kommensbeifall den„befteiten" Genossen H e n n i g. der m drastischen Worten Bilder aus dem Gefängnis zeichnete und unsere herrliche „Freiheit" gebührend beleuchtete. Halle, 1. Mai. Morgens ließen die Arbeit etwa 2000 Personen ruhen, Bauarbeiter, Tischler, Metallarbeiter zc. Die Frühversammlung in Bellevuc, in der Genosse Dr. L e n s ch- Leipzig unter starkem Beifall referierte, war überfüllt. An der Nachmittagsfeier be« teiligten sich etwa 4000 erwachsene Personen. Zwei heftige Unwetter mit anhaltenden Regengüssen beeinträchttgten die Feier auf dein Festplatze recht erheblich. Zu Massenversammlungen gibt eS hier leider keine ausreichenden Lokalitäten. Sonst verlief die Feier dies- mal ohne besondere Zwischenfälle. Die Polizei scheint sich nun doch nach und nach daran zu gewöhnen und hielt sich in angemessener Entfernung, so daß man, wenn nicht alle Zeichen trügen, annehmen darf, es geht diesmal ohne Prozeß ab. In Sangerhauscn beteiligten sich an der Abendversammlung, in der Genoffe Schumann-Halle sprach, 160 Personen. Königreich Sachsen. Die Maifeier in Leipzig wurde dieses Jahr anders abgehalten als sonst. Die ftüher üblichen Abendversammlungen waren für Leipzig fallen gelassen und nur die Orte der weiteren Umgebung hielten Abendversammlungen ab. Dafür waren für Leipzig und Vororte in fünf Sälen— darunter zwei der größten— am Vor- mittag 11 Uhr Versammlungen arrangiert worden, die sämtlich stark besucht, zum Teil überfüllt waren. Jeder Versammlungsbesucher erhielt eine Karte ausgehändigt, auf der er seinen Namen und die Gewerkschaft, der er angehört, schreiben mußte. Diese Karten wurden dann wieder eingesammelt und jeder Gewerkschaft zur Konttolle zugestellt. Insgesamt mochten an den Versaminlungen 6000 Menschen teilgenommen haben. Die Versammlungsteilnehmer zogen dann in zwanglosem Zuge nach dem im Westen Leipzig» �ge- legenen Albertpark, vereinigten sich hier am Bismarck« Denkmal und zogen durch die ganze Stadt nach dem im Osten, in Stötteritz, gelegenen Brauereigarten. Vorn prächtigsten Wetter begünstigt, vergrößerte sich der Zug beständig, die über- füllten Straßenbahnwagen brachten fortgesetzt Nachzügler, so daß im Garten und in der großen Festhalle zirka 16 000 Menschen versammelt sein konnten. Hier sprach um 4 Uhr Reichstags-Abgeordneter Gold- st ein-Zwickau. Nach dem mißglückten Versuch der Polizei vor drei Jahren, den Maiausflüglern ihren Spaziergang unmöglich zu machen. hält sich die Polizei reserviert und stört den Spaziergang nicht inehr. Der geplante Maifestzug war wie immer polizeilich nicht genehmigt worden, aber die gewaltige Masse der Spaziergänger verfehlte nicht, die allgemeine Aufmerksamkeit auf die Mai« denionstranten zu richten; der beabsichtigte Zweck wurde auch ohne Festzug erreicht. Mittwcida. Die Maifeier fand abends 8 Uhr im großen Saale des Schiitzenhauses statt und war von ungefähr 1000 Personen be« sucht. Die Feier nahm in allen Teilen einen guten Verlauf. Crimmitschau. Der Verlauf der Maifeier war großartig. In zwei Sälen Kommers mit Festrede. Ueber 3000 Personen beteiligten sich am Feste. Festtedner Reichstagsabgeordneter Wilh. Stolle und Redakteur Schubert- Zwickau. 300 Personen begingen das Fest durch allgemeine Arbeitsruhe. Thüringen. Ueber die Stellungnahme der Arbeiter der Zeißwerke zur Mai- feier, deren Beschluß wir schon telegraphisch gemeldet haben, wird uns noch berichtet: Der Vorsitzende des Arbeiter-AuSschusses H. Leber erinnerte in seiner Eröffnungsansprache in der Ver» sammlung daran, daß Professor! Abbe, um den früher üblichen „Lichtbummel" zu beseitigen, einen freien Nachmittag gewährt und diesen auf den 1. Mai verlegt habe. Damit war die Arbeiterschaft einverstanden, umsomehr, als es jedem freigestellt war. den ganzen Tag zu feiern; lver bis Mittag arbeitete, bekam allerdings den ganzen Tag bezahlt. In diesem Jahre hat die Geschästsleitung in einem Anschlag bekannt gegeben, daß sie sich wegci, der Dringlichkeit vorliegender Arbeiten genötigt sieht, die Werkstätten am 1. Mai auch nachmittags offen zu halten. Es bleibt jedermann freigestellt, zur Arbeit zu kommen, doch soll jedem, der auch am Nachmittag arbeitet, ein Lohnzuschlag von 60 Prozent wie an Feiertagen gezahlt werden. Nach weiteren Verhandlungen mit der Geschäfts- leitung hat diese erklärt, daß sie in dem Fernbleiben von der Arbeit, ohne Urlaub seitens des zuständigen Werkmeisters, eine Verletzung deS Arbeitsverttages erblicken müsse und die Betreffenden die Konsequenzen zu tragen hätten. Es frage sich nun, was man unter diesen„Konsequenzen" zu verstehen habe. Nach Ansicht des Redners könne dies nur der Verlust eines täglichen Arbeitsverdienstes sein; weitergehende Konsequenzen, Maßregelung oder dergleichen, seien gleichbedeutend init einer Schmälerung der Rechte der Angestellten. Ueberhaupt gewinne das Verhalten der Geschäftsleitung, die auf die Arbeit am 1. Mai noch eine Prämie setzt, den Anschein, als ob den Arbeitern die Maifeier illusorisch gemacht werden solle. Die Arbeiter hätten sich bisher im Interesse des Geschäfts und des guten Einvernehmens mit der Geschäftsleitung nicht geweigert, auf längere Zeit regelmäßig Uebcrstunden zu machen. Zeige aber die Geschäfts. leitung keine Gegenliebe mehr, dann könne einmal von dem statutarischen Recht der Ueberstunden-Verweigerung Gebrauch gc. macht werden. In der Diskussion wurde bittere Klage geführt über die mehr juristische als soziale Auffassung des gegenseitigen Ver- hältnisses; der Geist AbbeS sei nicht mehr lebendig. Nach Schluß der Diskussion gelangte eine Resolution zur Abstimmung, die allen Geschäftsangehörigen, die nicht ganz dringende Arbeiten zu ver- richten haben, empfiehlt, am 1. Mai die Arbeit für den ganzen Tag ruhen zu lassen. Alle Konsequenzen, die den einzelnen Arbeitern daraus eventuell entstehen sollten, werden auf alle Fälle von den gewerkschaftlichen Verbänden abgewehrt werden. Diese Resolution wurde einstimmig angenommen. Nachträglich meldet uns unser Korrespondent noch, daß die Vorsteher einzelner Werkstattsabteilungen der Firma Carl Zeiß den nachgesuchten Urlaub direkt verweigert haben. Wie sich diese Heraus- forderung der Arbeiterschaft in dein sozialen Musterbetriebe weiter gestaltet und welche Folgen sie zeitigen wird, muß sich bald heraus. stellen. Die Maifeier in Jena wurde in der ersten Stunde des an« brechenden Tages mit einem Umzug der Studenten eröffnet Was bei den Arbeitern das öffentliche Wohl gefährdete, war bei den Studenten eme löbliche Tat. ja sogar ein patriotisches Verdienst Denn den harmlosen Liedern„Der Mai ist gekommen" und„Stoßt an, Jena soll leben." folgte auch die Nationalhymne„Deutschland, Deutschland über alles". Keinem der maifeiernden Musensöhne sind die Worte„Einigkeit und Recht und Freiheit" im Halse stecken geblieben— was kümmert sie die gemeine Freiheit, lvenn ihnen nur die privilegierte akademische Freiheit gewahrt bleibt! Natürlich ,st durch den nächtlichen Singsang, durch das Klappern mit den Bier« glaiern und Holzkannen das öffentliche Wohl nicht gefährdet worden Aufgefallen ist das starke Polizeiaufgebot, init dem der Zug beschützt Schutzleute eröffneten und schlössen den Zug. Schutzleute schafften Platz und Schutzleute sorgten dafür, daß die Arbeiter sich nicht etwa dem Zuge anschlössen. Die Sorge war unnöttg. Die Ar- better begnügten sich mit der vor aller Welt erfolgten Feststellung. daß sie minderen Rechtes sind. Als im Morgengrauen die ersten Ausflügler da» Freie be- traten, da wehte vom Forst hoch auf dem Gerüst, das den zukünftigen Blsmarckturm markiert, eine große rote Fahne; nach einigen Stunden wurde sie von ihrem weithin sichtbaren Standpunkt herab« geholt. Die V o r mittagsv ersammljutty im Ratskeller'.zi» Wenigenjeiia war von ungefähr 200 Personen besucht Abends folgte ein Kommers im großen Saal des Volkshauses mit einer Festrede und Gesangsvorträgen. Weimar. Die Maifeier verlief in bester Weise; zirka 260 Per« sonen feierten durch Arbeitsruhe. Die F e st r e d e hielt der Reichs« tags-Abgeordnete A. Ba Udert bei Lberfülltem Saale Die Nachmittagsfeier wurde durch ein Gewitter stark becinttächttgt. In KönigSsee, Thüringen, hielt Reichstags-Abgeordneter Hoff« m a n n- Saalfeld am Sonntag vor einer von 300 Personen be« suchten Volksversammlung die Festtede. • 8?eu! ä* Die Maifeier gestaltete sich in unserem Wahlkreise. tote m den früheren Jahren, zu einer imposanten Demonstration. Die Fraureuther Genossen hielten die Feier bereits am Sonntag in, dortigen„SchützenhauS" ab. Der Besuch war sehr stark. Genosse Loms Eck st ein-Zwickau hielt ein ausgezeichnetes Referat. Die Genossen in Zeulenroda, die die Feier ftüher in zwei Sälen ab- hielten, hatten sie diesmal auf einen Saal konzentriert. Dafür hielten sie bereits am Sonntag eine Volksversammlung ab in welcher Genosse Schubert- Zwickau referierte. Arn Montag früh fand ein zwangloser Spaziergang und nachmittags em Umzug durch die Stadt nach dem Schießhause statt.— Für Greiz war ein Spaziergang nach dem Knottengrund veran« staltet worden. An dem Spaziergang, der durch prächttges Wetter begünstigt wurde, beteiligten sich zirka 70 Personen. Die Abendfeier fand in Grimms Sälen statt.— Aehnliche Arrangements hatten die Genossen in Jrchwitz-Aubachthal, Pohlitz-Raasdorf, HerrmannSgrün- Reudnitz, Kurtschau-Naitschau-Gommla, Rotenthal-Diilau-Sachswitz und Caselwitz-Grochlih getroffen. Wir können auch auf diese Maifeier mit Beftiedigung zurückblicken. Hannover. Die Maifeier in Hannover-Linden nahm emen über alle Er- Wartungen imposanten Verlauf. Die kühnsten Hoffnungen sind weit übertroffen worden. Schon die vormittags um 9 Uhr angesetzte Ver- sammlung für die Genossen, die den 1. Mai durch Arbeitsruhe feierten. setzte in Erstaunen. Zählte man in ftüheren Jahren die Besucher der Vormittags- Versammlung nach Hunderten, so ist diesmal die Zahl mit 2000 noch zu gering bemessen. Dre Räume des Ballhofes waren überfüllt. Genosse Lein er t sprach hier über die Bedeutung des Weltfeiertages. Räch« «IftaflS 5 Uhr Ocgatmen fn oen großen Gartenlokalen«Bella Vista", Vahrenwalder Turm" und«Lindenhof" die Nachmittagsfeiern. Der ein enormer. Hatten doch viele nicht möglich war, schon am nicht nehmen lassen, wenigstens der Arbeit abzuschütteln, un- des Unternehmertums. Nach den Fabriken und Werkstätten Festlokalen ein ungeheuerer. den Festversammlungen teil und aser und L e i n e r t jubelnde Besuch war schon zu Beginn Tausend Arbeiter, denen es Vormittag zu feiern, es sich am Nachmittag das Joch bekümmert um die Rache Schluß der LlrbeitSzeit in war der Andrang zu den 36—40 000 Personen nahmen an zollten den Rednern B r e y, T h o m Zustimmung. Eine solch' herrliche Demonstration hat Hannover noch nie gesehen. In früheren Jahren reichte das Lokal„Bella-Vista" zur Not aus, um die Demonstranten zu fassen und in diesem Jahre war nicht nur dieses überfüllt, sondern auch das gleich große Etablissement in Vahrentoald und der zu dreiviertel so große «Lindenhof" boten nicht genügend Raum. An dieser Tatsache ist zu ermessen, wie gewaltig die diesjährige Maifeier sich gestaltete und imponierend wirkte. Sie war vom prächtigsten Wetter begünstigt und wird eine nachhaltige Wirkung ausüben, nicht nur bei den Genossen, diese zu emsiger Tätigkeit anspornend, sondern auch bei den Gegnern. Am Sonntag fanden Maifeiern statt in den Vororten Limmer und Baden st edt, in dem vor einer Nachwahl stehenden neunten hannoverschen Wahlkreise. Beide sehr gut besuchten Feiern sind eine gute Vorbedeutung für die am 30. Mai stattfindende Reichstags« Wahl. Es nahmen in jedem Ort 300 Personen daran teil. In Peine war die Maiversammlung auf vormittags 11 Uhr am Sonntag anberaumt. Die Arbeiter des größten, 60 Prozent Dividende zahlenden industriellen Werkes in dieser Gegend, des zur „Jlseder Hütte" gehörigen. Peiner Walzwerkes' hielten sich aus Furcht vor Maßregelungen von der Feier fern. Dennoch war die zu ungeeigneter Zeit festgesetzte Versammlung gut besucht. Etwa 300 Arbeiter waren erschienen. In Hildesheim machten die Genossen morgens einen Spazieo gang, an dem hundert Personen teilnahmen: abends fand eine groß artig verlaufene Festversammlung im Gewerkschastshause statt, in der Genosse Rauch- Hannover sprach. Die Teilnehmerzahl betrug 700. Die Feier in Sarstedt wurde am Sonntag abgehalten, 200 Per« sonen erschienen in der Versammlung. Bayern. München, 1. Mai. In der bayerischen Hauptstadt herrscht jetzt ein ungemein reges politisches Leben. Die LandtagSwahlen, die die Entscheidung über das Schicksal des Wahlrechtes bringen sollen, stehen vor der Tür und die einzelnen Parteien machen die größten Anstrengungen, um ihre Wählertruppen zu vermehren. Namentlich aber in unserer Partei wird mit einem Eifer gearbeitet, der zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. Als erster Erfolg zeigt sich eine stetige, erhebliche Zunahme der Mitglicderzahl der politischen Organisation und der Abonnenten unseres Parteiorgans. Diesem regen Leben entspricht auch die Beteiligung an der diesjährigen Maifeier. Die beiden Vormittagsversammlungen, die in dem riesigen Saale des Münchener Kindl-Kellers und in der Schwa- binger Brauerei stattfanden, waren total überfüllt und die Reden der Genossen Ad. Müller und Ed. Schmid wurden mit großer Begeisterung aufgenommen. Die Schneider hielten, wie all» jährlich, am Vormittag eine eigene, sehr zahlreich besuchte Ver- fammlung ab, in der Genosse Timm referierte. Nachmittags fand ein Ausflug nach Holzapfelkreuth statt, der vom herrlichsten Sommer» Wetter begünstig» war und an dem eine sehr zahlreiche, festlich ge» stimmte Menge teilnahm. Für die Arbeiter, die nicht den ganzen Tag feiern konnten sin zahlreichen Betrieben ist nur der Nachmittag frei), waren in den verschieoenen Stadtteilen S gleichfalls sehr stark besuchte Versammlungen arrangiert. In Nürnberg fanden abends fünf Versammlungen in großen Lokalen statt, die zum Teil überfüllt waren. Der Gesamteindruck der Versammlungen war noch nie so mächtig wie diesmal. Tie Polizei wies die Frauen aus.— In Fürth war vormittags eine stark besuchte Versammlung. Nachmittags zogen trotz des Verbotes 2000 Mann in geschlossenem Zuge zum Zestplatz«. Die Polizei stellte zwar 20 Mann bor der Stadt auf, um den Zug zu zerstreuen, dieser nahm jedoch einen anderen Weg.— In Bayreuth, Würzburg, Schwcinfurt, Erlangen und Schwabach feierten viele Arbeiter. In Augsburg war die ArbeitSruhe größer als bisher. Vor- mittags wurde die Maifeier durch einen Waldausflug begangen: die Abendversammlung war sehr stark besucht. Ein Fortschritt zeigt sich auch in L e ch h a u f e n: die Frühversammlung war dort gut, die Abendversammlung stark besucht. Württemberg. Jjn Württemberg zeigte die Maifeier, soweit die Arbeits» ruhe in Bettacht kommt, gegenüber der Feier im Jahre 1003 einen nicht unerheblichen Rückgang. In Stuttgart insbesondere hatte die Arbettsruhe einen kaum nennenswerten Umfang. In fast allen größeren Bettieben wurde gearbeitet, wid die etwa 600 Arbeiter, die sich zu dem vom Eewerlschafts kartell und Partei gemeinsam ver« anstalteten Frühschoppen mit ftonzert zusammengefunden hatten, waren in ihrer Mehrzahl kleingewerbliche Arbeiter. Besser besucht war das Nachmittagskonzert im Dinckelacker'schen Saale. Die eigent- liche Feier war auf den Abend verlegt; doch ließ auch der Besuch der fünf Abend- Versammlungen zu wünsche» übrig. Sticht ohne Einfluß auf dieses Abflauen war der im Januar dieses JahreS gefaßte Beschluß des Stuttgarter GeWerk- schaftslartells, aus die seither üblich gewesenen VormtttagSversamm- lungen und auf den festlichen Straßeimmzug fortan zu verzichten. Der Beschluß, den auch die städtische Parteileitung stillschweigend anerkannte, war nicht dazu angetan, die Arbeiter zur Arbeitsruhe aufzumuntern. Dazu kam noch, daß zur Vergrößerung des Schiller- rummels fast alle Betriebe am 9. Mai feiern werden; die Fabri» kanten aber die Kosten ihrer Schillerbegeisterung von den Arbeitern tragen lassen, denen sie den Lohn für den freien Tag abziehen. Der Ausfall zweier Taglöhne aber innerhalb einer Woche ist für die Arbeiter ein so schweres materielles Opfer, daß sie uni den aufgezwungenen freien Tages willen den eigenen Feiertag fahren ließen. Bemerkenswert ist, daß auch der Stuttgarter Konsumverein, dessen Mit» glieder in der Mehrzahl Arbeiter sind, seine Verlaufsläden am 1. Mai offen hielt. Etwas besser war das Bild in der Provinz. Dort zeigte sich wenigstens das Bestteben, das Errungene nicht fahren zu lassen. und das größere Gewicht, das dort aus die Feier gelegt wurde, trat auch in der Auswahl der Festredner hervor. Von den württem- bergischen Reichstags- und LandtagS-Abgeordneten sprach kein einziger in Stuttgart; Keil referierte in Ludwigsburg. Dietz in Göppingen, Hildenbrand in der Schweiz, Klara Zetkin in Heidelberg. Ta us ch e r in Cannstatt ,c. In Cannstatt wie auch in den anderen großen Stuttgarter industriellen Nachbargemeinden Feuerbach und Zuffenhausen ging überhaupt ein frischerer Zug durch die Feier. Die Cannstatter Genossen ließen sich ihren gewohnten fest» lichen Umzug am Nachmittag nicht nehmen, ebenso veranstalteten die Zuffenhausener Arbeiter einen Demonstrationsumzug und hielten ihre Versammlung am Nachmittag ab. Je mehr Nachrichten aus der württembergischen Provinz em- laufen, desto deutlicher stellt sich das Fiasko der Maifeier in Stuttgart als das rein lokale Ergebnis einer Kette von Fehlern und lokaler Zufälligkeiten in der ganzen Veranstaltung heraus. In den Industriezentren außerhalb Stuttgart» hat die Arbeitsruhe, soweit bis jetzt Meldungen vorliegen, an Umfang gewonnen, so in Eßlingen, in Zuffenhausen, Cannstatt, tzeilbronn, Ulm usw. Uebcrall, wo Tagesfeier in würdiger Form veranstaltet wurden, wiesen nicht nur diese, sondern auch die Abendversammlungen starten Besuch auf. So z. B. beteiligten sich an dem Nachmittags- umzug in Cannstatt weit über 1200 Personen, also fast mehr, als w allen fünf Stuttgarter Abendversammlungen zusammen gezählt werden können. Bezeichnend ist, daß nicht nur der Stuttgarter Kanfumbverein, entgegen der bisherigen Gepflogenheit, seinen An gestellten keine Arbeitsruhe am 1. Mai gewährte, sondern auch die Qrts-Krankenkassc, die dafür am 8. und 9. Mai, also an zwei Tagen, aus Anlaß der städtischen Schiller-Feier ihre Bureaus ge schlaffen halten wird. Die JVIaifcler im Husland. Schweiz. (Privatdepesche des„Vorwärts".) Maifeier bei prächtigstem Wetter in der ganzen Schweiz großartig verlaufen. An allen Orten starke Beteiligung an den Festzügen, insbesondere auch Frauen und Kinder »ach Tausenden. Züricher Festzug 10 000 Teilnehmer, 1000 Kinder. Festplatz 16 000 Personen. Im ganzen eine eindrucksvolle Kundgebung der Arbeiterschaft im ganzen Lande. Die Maifeier in Italien ist, so wird rntS von unserem römischen Korrespondenten telegraphisch gemeldet, ohne Zwischenfall verlaufen Die Arbeitsruhe war eine allgemeine, auch in den Staatswerkstätten, speziell den Eisenbahnwerkstätten. Der Straßenbahnverkehr ruhte. In den Gemeinden mit sozialistischer Gemeindevertretung waren die Schulen geschlossen. Ein gewaltiger Umzug wurde in Turin ver» anstaltet; in den anderen großen Städten waren die Festzüge ver boten worden. Ueberall wurde ein nie gesehenes Militäraufgebot bereit gehalten. Die Festnummer des.Avanti', die in vergrößertem Format erschien, wurde in einer Auflage von 80 000 abgesetzt. Die Mai- Demonstration der Londoner Arbeiter fand im Hhde> Park statt. Ueber 8000 Arbeiter nahmen daran teil und erklärten sich für den Achtstundentag und die Demokratisierung der Verfassung AnS Paris berichtet das offiziöse«Wolffsche Bureau": Eine heute von dem Allgemeinen Arbeiterverbande aus Anlaß der Maifeier in der Arbeitsbörse veranstaltete Versammlung nahm einen stürmischen Verlauf. Nach Schluß der Versammlung kam eS zu einem Zusammenstoß mit der Polizei, wobei etwa 12 Ver- hastungen vorgenommen wurden. Ferner wird offiziös gemeldet aus: St. Etienne, 1. Mai. Bei Kundgebungen, die hier anläßlich der Maifeier stattfanden, kam eS zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und der Menge. Hierbei lvurden zwei Polizeibeamte und drei Arbeiter verletzt. Mehrere Personen lvurden verhastet. Toulon, 1. Mai. Trupps von Sozialisten durchzogen heute die Sttaßen und veranlatzten die Schließung der Geschäfte. Die Manifestanten zogen dann zum Arsenal und mißhandelten dort die Arbeiter, die sich nicht an der Maifeier beteiligt hatten. Toulon, 2. Mai. Ruhestörer belästigten die Offiziere und Unter Offiziere, welche ihnen begegneten, und zwangen sie, ihre roten und schwarzen Fahnen zu grüßen. Sie sangen revolutionäre Lieder und verhöhnten die Armee, die Bürgerschaft und das Kapital. Ein Matrose wurde durch Messerstiche verletzt. Mai-Anssperrnngen. Me Berichte stimmen darüber überein, daß heuer die Maifeier durch ArbettSruhe einen Umfang angenommen hat, wie nie vorher. Im diretten Gegensatze zu diesem Umfang der Feier steht das Er- gebnis der von den Unternehmen! angedrohten Aussperrungen. Welch' ein Geivühl herrschte gestern in der«Neuen Welt' zu Rixdorf, wo die Berliner Holzarbeiter die Maidemonstration begingen. Alle Teile des riesenhaften Lokales waren bis auf den letzten Platz gefüllt; an 20000 Menschen drängten sich im Riesen saal und in den Garten des mächttgen Etablissements. Der Zustrom und Absttom dieser Menschenmassen verursachte eine wahre Völker Wanderung und eS gab Augenblicke, wo die nach Rixdorf verkehren den Sttaßenbahnen derart von Holzarbeitern überfüllt waren, daß sie für den übrigen Verkehr nicht mehr in Bettacht kamen. Wie ist demgegenüber die Aussperrung der Tischler aus- gefallen? Einen Tag ausgesperrt hatten bis gestern mittag die Finnen Pribbenow, Küster(Baugefchäst), Sommerlatte, Hoff mann und Bremer mit zusammen 130 Tischlergesellen. Für zwei Tage ausgesperrt sind die Arbeiter bei Hundt, Treppen. geländerfabrik, Höhneu. Seil, Pianinofabrik, E r d m a n n, Kisten. fabrik, und Bröseu. Klingmüller. Möbeltischlerei. In diesen vier Betrieben sind 61 Arbeiter ausgesperrt, davon 34 Mitglieder des Verbandes. Bis Sonnabend, den ü. Mai ausgesperrt sind 18 Ge- sellen der Bautischlerei Holstein. Völlig entlassen find 37 Mann, davon allein 24 in der Fabrik von Schiemann u. M a d s e n; die übrigen verteilen sich auf die Werkstätten Schröder, Schlüter, Messinger u. Groß, Groh, Bendlin. S teen n. Rostet, Müller, Prinzessinneustraße, und Brauer(Stell macherei). Auch die Aussperrung im Baugewerbe hat in keiner Weise dem entsprochen, was den Arbeitern angedroht wurde. Wer am 1. Mai selbst die verlassenen Bauten sah und mm der Meinung war, daß dieselben am Dienstag der Androhung der Unternehmer entsprechend dasselbe öde Bild bieten würden, war angenehm ent- täuscht, auf fast allen Bauten emsige Tättgkeit beobachten zu dürfen. Von 6000 maifeiernden Maurern find in Berlin allerhöchstenS 1600 auf einen Tag ausgesperrt worden. Bei den Zimmerem ist der Prozentsatz ungefähr derselbe. Ausgesperrt sind sonst noch die Bretterträger und Brettschneider, die im Hafenarbeiter-Verbande organisiert sind. Teilweise wurden diese auch völlig entlassen. So entließ die Firma Sauerland Nächst. Peßnick in der Lohmühlenstraße zirka 40 Mann, weiter die Firma Welke u. Elbe ebenda 12 Mann. Schwarz u. Bollmann in Stralau haben 18 Mann entlassen. Eine Reihe anderer Firmen haben ihre Leute nur vorübergehend ans- gesperrt. Die Aussperrung resp. Entlassung scheint schon längere Zeit vorbereitet zu sein. So hatte die Firma Sauerland Nächst, sich schon vorher aus der Gegend von Lübben 20.Arbeitswillige' ver» schrieben, mit denen sie auch der Firma Welke u. Elbe auszuhelfen versuchte. Die Millionen-Firma David Franke u. Söhne sperrte sämtliche Maschinenarbeiter, Bretterträger und HülfSarbeiter aus. Originell wußte sich die Finna Kaiser u. Schmidt in der JohanniSstraße mit der unangenehmen Sache abzufinden. Sie nahin am 1. und 2. Mai ihre diesjährige Inventur vor. So kam die ziel- bewußte Arbeiterschaft zu ihrer Maifeier und die über Ideen wie die Maifeier sich erhaben dünkenden.besseren' Angestellten der Firma konnten sich mit eifriger Arbeit die dumme Sehnsucht nach draußen vertreiben, welche die blinkende Sonne am 1. Mai wohl in jedem geweckt hat. Im ganzen hat gerade die letzte Maifeier gezeigt, daß der Widerstand de» Unternehmertums um so viel schwächer wird, als das Proletariat energischer für dieselbe eintritt.-». Auch eine gut« Lehre für die Zukunft!______ Hub Induftne und rtandcU Vom rheinisch-westfälischen Eisenmarkt. Gegenüber den stoh» lockenden, übertrieben-optimistischen Berichten vom rheinischen Eisen- markt, die in den letzten Wochen durch die Presse liefen, haben wir wiederholt hervorgehoben, daß zwar eine Besserung in der Lage der deutschen Eisenindustrie unverkennbar sei, daß aber ein Teil d« Aufträge ziemlich deutlich einen Saisoncharakter trage und deshalb vielleicht schon im Mai eine zeitloeilige Ermattung des Marktes ein- treten werde. Mit dieser Wahrscheinlichkeit rechnen, wie es scheint, auch die Eisenindustriellen selbst, denn in einem Uebersichtsartikel, in welchem die augenblickliche gute Geschäftslage des Eisenmarktes hervorgehoben wird, schreibt die meist aus diesen Kreisen inspirierte „Rhein.-Westf. Ztg.": «Entsprechend dem Beschäftigungsgrade sind die Lieferstisten schon mehrfach recht ausgedehnt und betragen durchschnittlich sechs bis acht Wochen. Hin und wieder geben sich auch schon Besorgnisse kund, daß mit dem Eintritt der wärmeren Jahreszeit die Liefer- fristen noch weiter ausgedehnt und der Ansturm so stark werden möchte, daß Verlegenheiten in Halbzeug und Rohstoffen eintreten könnten. Die Befürchtung dürfte indessen nach unserer Ansicht vor- läufig noch verfrüht sein, denn nach Deckung des Bedarfs ist eine weitere Zunahme des Auftragsbestandes für die nächsten Monate noch nicht zu erwarten. Die Nachftage hat sich im letzten Monat bereits entsprechend verringert und während im März bei einzelnen_ der größerey Stahlwerken noch 60—60 000 Tonnen an Neu-Aufträgen eingingen, betragen dieselben im April nur noch 16—20000 Tonnen bei einem gegen die Bormonate erheblich gesteigerten Absatz. In der Verkaufstätigkeit wird notgedrungen in den Sommermonaten eine ruhigere Tendenz Platz greifen, sodaß die Werke zur Abwicklung ihrer angesammelten starken Lieferungsverpflichtungen etwas Luft bekommen.' Indes wird eS sich voraussichtlich nur um eine relativ kurze Abflauung handeln: im ganzen hat der Eisenmartt sich entschieden gekräftigt. Eiue neue Konzentration im Bankgewerbe wird aus Köln ge- meldet, nämlich die Angliederung der schon bisher der Dresdener Bank nahestehenden Rheinischen Bank an den A. Schaaffhausenschen Bankverein. Zu diesem Zweck wird die Rheinische Bank, wie der Schaaffhausensche Bankverein offiziell ankündigt, ihr jetzt 10 Millionen Mark betragendes Aktienkapital um 11 Millionen Mark, somit auf 21 Millionen Mark, erhöhen und ihren Hauptsitz von Mühlheim a. d. R. nach Essen verlegen. Von den neu auszugebenden, ab 1. Juli 1906 dividendeberechtigten Aktien der Rheinischen Bank wird der A. Schaaff- hausensche Bankverein 6 Millionen Mark auf Namen lautende Aktien al pari als dauernden Besitz übernehmen und dagegen die Geschäfte seiner Zweigniederlassung in Essen vom I.Juli 1906 ab auf dieRhei- nische Bank übergehen lassen. Gleichzeitig wird Herr Direktor Franz Woltze in Essen aus der Direktion des A. Schaaffhausenschen Bank- Vereins ausscheiden und als leitender Direktor zur Rheinischen Bank übertreten; letztere wird zwei Mitglieder des Vorstandes des Bank- Vereins in ihren Aufsichtsrat zuwählen, dem gegenwärtig u. a. Herr August Thyssen als Vorsitzender. Herr Hugo Stinnes als stell- vertretender Vorsitzender und Herr Geheimrat Müller(Dresdner Bank) angehören. Die weiterhin mit gleicher Dividendenberechtigung auszugebenden 6 Millionen Mark neue Aktien der Rheinischen Bank übernimmt ein aus Mitgliedern des AnffichtSratS der Rheinischen Bank und aus der Interessengemeinschaft Schaaffhausenscher Bankverein— Dresdner Bank bestehendes Konsortium zum Kurse von 103 Prozent PluS Stempel, mit der Maßgabe, daß davon die Hälfte mit 2'/a Millionen Mark Aktien zum Kurse von 112>/z Prozent den bisherigen Aktionären der Rheinischen Bank zum Bezüge angeboten werden sollen. KurSmakkcr. Der Vorstand der Berliner Börse hat gestern beschlossen. entsprechend der Anregung der Maklerkammer, eine Ver- mehrung der Kursmallerstellen bei der Handelskammer zu be- autragen. Amerikanische Großschlächtereien. Wie in manchen anderen amerikanischen Gewerben, so ist auch im Schlächtergewerbe der Bereinigten Staaten der Großbetrieb zu einer in Europa volltg unbekannten Ausdehnung gelangt. Die Schlächterei wird dort viel- fach von großen Aktiengesellschaften betrieben, unter denen vor- »ehmlich die Firmen Swift u. Company, die National Pöcking Company und Armour u. Company hervorragen und fast einen Welttuf erlangt haben. Die größte dieser Gesellschaften ist die in Illinois begründete Firma Swift u. Company mit einem Kapital von 36 Millionen Dollar. Sie zählt über 6000 Aktionäre und be- treibt Packhäuser in Chicago. Kansas City, South Omaha. East St. Louis, South St. Joseph. Fort Worth und South St. Paul. Sie schlachtete im Jahre 1903 insgesamt 1678216 Rinder, 4079 766 Schweine und 2 334 261 Schafe.> An zweiter Stelle steht die Firma Armour and Company mit einem Kapital von 20 Millionen Dollar, die nur von Mitgliedern der Familie Armour gebildet wird. Die Gesellschaft mit der Tochter- firma Armour Pöcking Company(Kapital 7.6 Millionen Dollar) beweibt Packhäuser in Chicago, Kansas City, South Omaha, East St. LouiS und Fort Worth, errichtet jetzt auch eine Anlage in Sioux City. In den Schlachthäusern der Gesellschaft wurden im Jahre 1903 zusammen 1266 366 Rinder, 3 461 892 Schweine und 1496 984 Schafe geschlachtet. Die National Packing Company, die dritte der ganz großen Ge- sellschasten, ist erst 1900 in New Jersey mit einem Kapital von 16 Millionen Dollar gegründet. Ste übernahm die Aktien einer Anzahl kleinerer Packhausgesellschasten. Der National Packing Company gehören drei Packhäuser in Chicago, zwei in Kansas City und je eines in St. Louis, Omaha. New g)orl und Hutchinson (Kansas). Sie schlachteten zusammen 848 884 Rinder, 3 101 426 Schweine und 736 434 Schafe im Jahre 1903. Letzte IVachncbtcn und Depefcben- Stadtverordneten-Wahlsieg. Karlsruhe(Baden), 2. Mai.(Prwatdepesche des„Vor- tvärts".) Bei der heuttgen Stadtverordneten-Wahl eroberte die Sozialdemokratie sämtliche 16 Mandate mit 1200 Stimmen Mehrheit gegen die vereinigten bürgerlichen Parteien. Zum TranSportarbeiter-Ausstand in Wien. Wien, 2. Mai. W. T. B.) Im Zusammenhang mlt dem AuS- stand der Transportarbeiter kam es auch heute mehrfach zu Zu- sammenstößen. Am Nachmittag begannen Verhandlungen zwischen den ausständigen Transportarbeitern und den Unternehmern, die zu Konzessionen bereit ivaren. Nach langen Bemühungen gelang eS, die Führer der AusstandSbewegnng und die Arbeiter zur An- nähme von Konzessionen zu bewegen. Es besteht daher die Hoff- nung, daß die Arbeit morgen in allen Betrieben wieder aus- genommen wird.___ Beratung bcS Einwanderungsgesetzes. London, 2. Mai.(W.T.B.) TaS U n te rha u s trat heute nach den Osterferien wieder zusammen. Im Laufe der Beratung der am 18. April eingebrachten Bill betreffend die Einwanderung sprechen fich Sir Charles Dilke und andere Liberale gegen den Gesetzentwurf aus unter Hinweis darauf, daß er keine Vor- sorge treffe in Fällen, wo es sich um Opfer politischer oder religiöser Verfolgung handle. Trevetyan(lib.) sagt, wahre und all. genteine Sympathie bestehe für das unterdrückte russische Volk. Nicht nur russische Juden, sondern Nationalrussen flüchteten aus Rußland, um der Konskription zu entgehen. Diese Leute würden von England ferngehalten werden und würden noch größere Schwierigkeit haben, Amerika zu erreichen, wenn die Bill an- genommen würde. Evans Gordon(kons.) befürwortet den Gesetzentwurf und sagt, dieser verstoße nicht gegen das feit alter Zeit bestehende englische Asylrecht für politische Gesetzesübertreter. Wenn der Priester Gapon oder Maxim Gorii nach England kämen, würden sie auf Grund der Bestimmungen der Vorlage nicht vom englischen Boden ausgeschlossen werden. verantw. Red.! Paul Büttner, Berlin. Lnlerale veranlw.(mit Ausnahme der.NeueWelt'-Betlage)! Th.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u. BerlagSanst.Paul Singer& Ts., Berlin SW. Hierzu» Beilagenn.Unterhabemtgsvt' Nr. 102. 22. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Mittwoch, 3. Mai 1905. Generalversammlung des Verbandes der Zigarrenfortierer geschäften, abfuhrgeſellſchaften, Giswerken, Mörteliverken, Omnibus von ihr selbst vom Baume gebrochenen Kampfe das ganze Scharfund Kiftenkleber. Zur Lohnbewegung der Schmiede. Sämtliche in den Fuhr- Der mächtigen Aktiengesellschaft„ Weser" steht natürlich in dem gesellschaften 2c. beschäftigten Schmiede waren am Sonntagnachmittag machertum zur Seite. Arbeitgeberberband, Berein bremischer Bau im Gewerkschaftshause versammelt, um ihrerseits Stellung zu der gewerksmeister und selbst die Innungen üben den schlimmsten 4. Verhandlungstag. geplanten Lohnbewegung zu nehmen. Nach einem Referat des Ver- Terrorismus, um den Arbeitern der Werft jede irgendwie sonstige Im neuen Statutenentwurf ist ein Baffus geschaffen worden, der bandsvertreters Stering erklärten sich die gesamten Distuffions- Unterkunft abzuschneiden. Die Baugewerksmeister sind dabei wieder rebner mit den von der Ortsverwaltung aufgestellten, bereits be- die unverfrorenften, sie reden strupellos davon, daß die Arbeiter, pie folgt lautet: Ertrabeiträge für Zuschüsse zu den festgesetzten Vereinsunter- tannt gegebenen Forderungen durchaus einverstanden und bezeichneten um einen Streit vorzubereiten, ihre Entlassung genommen stützungen dürfen in feiner Bahlstelle erhoben werden. Dagegen die Aufbefferung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse als eine bringende haben, während sie genau wissen, was alle Welt weiß, daß es fteht es jeder Bahlstelle frei, Extrabeiträge für das örtliche Gemert- Notwendigkeit. Einmütig beschloß die Bersammlung abgesehen von 100 Arbeiternum Aussperrung sich handelt. fchaftstartell, Arbeiterfetretariat, sowie zur Unterstützung wirtschaft fodann, fich der Lohnbewegung der Innungsgefellen anzuschließen. licher Stämpfe zu beschließen. Deutfches Reich. Der Vorstand erklärt, daß man etwas schaffen müßte, um mit den Lokalvereinen aufzuräumen. Schöne und wittrotHamburg sowie Henschel- Berlin verwahren sich gegen den Steinfetzer. In Lippehne, Kreis Soldin, find Differenzen Antrag des Vorstandes. Wenn es den Mitgliedern erlaubt fei, Ver- ausgebrochen wegen Nichtanerkennung des aufgestellten Tarifs. Buzug gnügungsvereinen oder gar Kriegervereinen anzugehören, fönne man ist fernzuhalten. Die Pflasterer in Frankfurt a. M. find ihnen doch unmöglich berbieten, fich am Drte noch einen Verein zu am 1. Mai in den Ausstand getreten, da trop wiederholten Entgründen, der ihnen bei Arbeitslosigkeit oder Krankheitsfällen einen gegenkommens bon seiten der Arbeiter eine Verständigung über den fleinen Zuschuß gewährt. Der Berliner Sortiererverein habe aufgestellten Lohntarif nicht zu erzielen tvar. Buzug ist fern noch nie den Verband bekämpft, er sei immer bei Kämpfen zuhalten. an erster Stelle gewesen und habe den Berliner Kollegen und zugleich dem Verband große Dienste geleistet. Arnhold erklärt sich mit einer Abänderung einverstanden. um in den Ausstand zu treten. Die beiden Gehülfenverbände, so Nach dieser ist es den Mitgliedern gestattet, freiwillige Beiträge zur Unterstügung hilfsbedürftiger Kollegen zu erheben. Falls sich aber diese Einrichtung als eine ständige erweist, dürfe der Beitrag 10 Bf. nicht übersteigen. Der Antrag wurde mit dieser Aenderung angenommen. Nunmehr erhält Arnhold Hamburg das Wort zu seinem Referat: Drganisation und Agitation. Zu diesem Punkte sprechen eine ganze Reihe Redner aus allen Gegenden des Landes. Bestimmte Beschlüsse wurden jedoch nicht gefaßt. Gewerkschaftliches. SC Berlin und amgegend. Streit der Koffermacher. Die Sattler in Köln haben am 1. Mai die Kündigung eingereicht, wohl der beutsche Sattlerberband als auch die christliche Gewertschaft, hatten u. a. gefordert: Für Ausgelernte im ersten Jahr 3 M., dann 3,50 M., für ältere Gehülfen 4 M., die diesen Lohn schon haben erhalten 10 roz. Aufschlag, bei Affordarbeit 27 M. garantierten Sohn. Die Jnnung antwortete u. a.: Die Gehülfen sollten froh sein, daß sie so hohe Löhne" wie heute Mitglieder beider Berbände entschieden gegen die Antwort der Ju einer gemeinschaftlichen Versammlung protestierten die Innung und bezeichneten in einer einstimmig angenommenen Reso lution das Antwortschreiben als hohnsprechend. Ferner beschlossen fie einmütig zu fündigen, um die Arbeit niederzulegen. Weberaussperrung in Euskirchen bei Köln. Am Sonnabend haben die Tuchfabrikanten in Euskirchen, mit Ausnahme von drei Firmen, sämtlichen Webern, so wohl den im deutschen als Sen im christlichen Textilarbeiterverband organi fierten, gekündigt, sofern die bei den Firmen G. Weber Söhne und S. u. H. Weber streitenden Arbeiter nicht unter den von den genommen haben. Die Aussperrung würde sich auf etwa 450 Textilarbeiter erstreden. Die Bauarbeiteraussperrung in Düren bei Köln umfaßt 250 Maurer und Hülfsarbeiter. Das organisierte Unternehmertum hat die Arbeiter ausgesperrt, weil sie für Maurer 45 Pf., für Hülfsarbeiter 35 Pf. Mindeſtſtundenlohn gefordert haben. In der Tariffrage der Stoffermacher verhandelten am lebten Donnerstag Bertreter der Arbeitnehmer und des Arbeitgeber Ber- Fabrikanten angebotenen Bedingungen die Arbeit wieder aufbandes vor dem Gewerberichter Dr. Leo in einer internen Sigung Da die Arbeitgeber erklärten, von ihrem Tarifentwurf nicht ab zugehen, so blieben auch die Arbeitervertreter dabei, von den Forderungen nichts nachzulassen. Damit war diese Sigung, die eine solche des Einigungsamtes nicht war, erledigt. Zu der Angelegenheit nahm Sonntag eine zahlreich zahlreich besuchte Branchen bersammlung der Kofferma cher( Sattlerverband) Stellung. Der Referent Schulze tam in seinen Ausführungen zu dem Schluß, daß die gegebene Situation zum Kampfe dränge. Die von Dr. Leo Die Dresdener Schuhmacher haben am Sonntag in einer start angeregte borläufige Verlängerung des bisherigen Tarifs auf 14 Tage, besuchten Versammlung befchloffen, in den Streit einzutreten, um bis eine offizielle Berhandlung vor dem Einigungsamt unter dem ihrer Forderung, Einführung eines erhöhten Minimaltarifs, größeren Vorfts des Magistratsrats v. Schulz möglich sei, wäre abzulehnen Nachdruck zu verleihen. Etwa 400 bei Kleinmeistern arbeitende angesichts der bestimmten Erklärung der Herren bom Fabrikanten Gehülfen befinden sich im Ausstand. Es sind jedoch Verhandlungen berein, nichts mehr zuzugestehen. Die sogenannten Zugeständnisse mit der Innung im Gange, die eine baldige Beilegung der Diffe stellten sich dar als eine gefchidte Mastierung von bem, was man renzen erwarten lassen. Eine Anzahl Meister haben die Forderungen, Verschlechterungen nemnt. Da sei der zugestandene Durchschnittslohn bereits bewilligt. bon 48 Pf. pro Stunde für jeden gelernten offer arbeiter", während bisher der Durchschnittslohn für jeden gelernten Arbeiter der Branche 45 f. betrug. Durch die Differenz von 3 Pf. dürfe Zur Aussperrung der Hamburger Holzarbeiter.. man fich nicht irreführen lassen. Ausschlaggebend sei hierbei, daß Wie schon telegraphisch mitgeteilt, haben auch die Bautischlermur bielleicht 10 Broz. der Arbeiter der Branche dirett meister, aufgeftachelt durch die Scharfmacherfippe, die Aussperrung Roffermacher gelernt hätten. Es handele sich eben um einen der Gesellen beschlossen. Bis Dienstag mittag find rund 200 Bau Spezialberuf, beffen Arbeiter sich aus Kollegen aller Branchen des tischlervon der Aussperrung betroffen worden, außerdem sind 70 MöbelSattlergewerbes zusammensetzten. Weiter solle nach dem Entwurf tischler hinzugekommen, so daß die Gesamtzahl der Ausgesperrten und der Fabrikanten aus dem Tarif die Freigabe des 1. Mai, die man Streifenden zurzeit etwa 1100 beträgt. Biele unverheiratete Tischler bisher darin hatte, wieder verschwinden. Und den neuen Vertrag find abgereist oder anderweitig in Arbeit getreten. Die größeren wollten die Unternehmer bis zum 1. Juli 1907 gelten lassen. Unmöglich Baugefchäfte haben sich bislang nicht an der Aussperrung beteiligt. tönne man ben 1. Juli als Ablaufstag anerkennen, einen Zeitpunkt, Auch haben mehrere Möbelfabrikanten sich mit ihren Arbeitern to die Saison ihr Ende erreiche. Die Diskussion erstredte sich in vereinbart. Ob die Bautischleraussperrung eine allgemeine werden der Hauptsache auf die Berichterstattung aus den einzelnen Wert- wird, läßt sich noch nicht sagen, da viele Arbeiter im Affordvers stätten. Einzelne Unternehmer haben die Bewilligung in Aussicht hältnis stehen. geftellt. Die beiden Firmen Zimmermann u. Peters und Horsch haben der Lohntommission direkt die Bewilligung der Forderungen Die Werftarbeiter- Aussperrung an der Weser. zugestanden. Bremen, 30. April.( Eig. Ber.) Es scheint jetzt kein Zweifel Die Versammlung beschloß einstimmig, daß sämtliche in der mehr, daß die Direktion der Attiengesellschaft Wefer" geglaubt hat, Kofferbranche beschäftigten Kollegen am Dienstag, den 2. Mai mit der Massenaussperrung sich sofort zu Herren der Situation aufbie Arbeit einzustellen haben. Wo die Forderungen zuwerfen. Den Uebermut" der nach Lohnaufbesserungen aus unterschriftlich bewilligt find, wird indeffen nicht gestreift. Am blickenden Arbeiter würde man brechen und die auf die Straße 1. Mai ruhte die Arbeit sowieso.- Die Streitenden haben sich am Gefeßten werden schleunigst zu den Fleischtöpfen" der Werft zurüc Dienstag von 10 Uhr an im Saal I des Gewerkschaftshauses, wo zukehren versuchen, so dachte man wohl. Nichts davon traf bislang die Streitleitung ihr Bureau aufschlägt, einzufinden, um Berichte ein, mit musterhafter Einigkeit stehen Unorganisierte und Organisierte abzugeben, Streiftarten in Empfang zu nehmen usw. Auf jeden zusammen. Die Werftdirektion hat die Rechnung ohne das auch bei Fall ist die Unterschrift des Unternehmers bei dem Rückständigsten erwachende Solidaritätsgefühl der Arbeiter ge Bewilligungen zu berlangen. Ohne Unterschrift macht. Und nun pendelt sie hin und her. Als die ersten Verhand Teine Arbeitsaufnahme. Gilt auch für Zimmermann Gilt auch für Zimmermann und Peters. Mit einem begeisternden Hoch auf die Bewegung und lungen eingeleitet waren, tat ber Direttor Unger bie Aeußerung: Hätte ich einen Tarif und einen gut funktionierenden Ausschuß, dann würde manche Streitigkeit bermieden werden." Dann mitten in den Verhandlungen plöglich ganz unDie Tarifbewegung der Dachdecker ist durch den Beschluß der motiviertes Abbrechen derselben: Die Forderungen bes von den am Sonntag abgehaltenen Bersammlung des Zentralverbandes der Arbeitern vorgelegten Tarifs waren wirklich bescheidene: BehnDachdecker nunmehr erledigt. Gemäß dem Auftrage, der ihr in stündige Arbeitszeit, 35 Pf. Anfangslohn für gelernte, 33 Bf. boriger Versammlung erteilt worden ist, trat die Zariffommission für Hülfsarbeiter, 40 Bf. für Former und Schiffszimmerer( Hola), noch einmal mit den Arbeitgebern in Verbindung, um die Forderung: 38 Pf. für Kolonnenführer und Feuerschmiede, 36 P. für Schmelzer, Bahlung eines Stundenlohnes von 75 Pf. vom 1. Mai ab zu ber Sternmacher und Schiffstischler; 2 Bf. Lohnzulage für Arbeiter, die treten. Die Jnnung antwortete aber, daß fie auf ihrem Standpunkt bereits diesen Anfangslohn, aber unter 40 Bf. die Stunde ver berharre, wonach vom 1. Juli ab 73 Bf. und vom 1. April nächsten dienen, 1 Bf. Bulage für die über 40 Pf. Verdienenden; leberJahres 75 Pf. gezahlt werden sollen. Weiter teilte die Innung mit, stunden bis 8 Uhr 30 Proz., nach 8 Uhr und Sonntagsarbeit 50 Broz.; daß fie einen Vertrag auf dieser Grundlage bereits mit dem christ 10 Pf. Aufschlag für Dodarbeit. Die Direktion stieß sich an den lichen Dachdeckerverbande abgeschlossen habe und daß sie bereit sei, Bestimmungen wegen Sicherung des Affordüberschusses. Und das, einen solchen auch mit dem Zentralverbande auf zwei Jahre abzu obwohl Direttor linger selbst einen Affordüberschuß von 30 Proz schließen. Hiernach war der Zentralverband vor die Frage gestellt, als angemessen erklärt hatte! Die Arbeiter verlangten aber gar entweder die genannten Bedingungen anzunehmen oder in den nicht einmal so viel, sie forderten nur, daß Erhöhung der Affordsäge Streit einzutreten, um die sofortige Belvilligung des Stundenlohnes eintrete, wenn nachweislich mehr wie einmal bei bestimmten Alfordvon 75 f. zu erlangen. Die Versammlung diskutierte eingehend jäzen 25 Broz. Ueberschuß nicht erreicht wurde. Kam es der über diese Frage. Viele Nebner befürworteten den Streit, weil er Direktion ernstlich auf den Frieden mit ihren Arbeitern an, was die Konsequenz des bisherigen Verhaltens des Verbandes sei. Andere lag im Wege, auf diese Forderung oder wenigstens auf Verhand Redner wiesen dagegen rechnungsmäßig nach, daß es vorteilhafter lungen darüber, zu denen die Arbeiter bereit waren, einzugehen? fei, das Gebotene anzunehmen, als die Opfer des Streits für die Aber gerade dieser Bereitschaft gegenüber erklärte die Direktion höhere Forderung zu bringen. Schließlich erfolgte eine geheime plöglich ihr Festhalten an dem Aussperrungstermin. ScharfmacherAbstimmung, die das Ergebnis hatte, daß 132 Stimmen für den einfluß und Aktionärprofit scheinen die beiden Bole, zwischen denen Streit und 144 gegen denselben abgegeben wurden. Damit ist das die Werftabteilung ihren Weg wandelt. Neuerdings hört man wieder Angebot der Meister mit einer Mehrheit von 12 Stimmen an bon Verhandlungslust der Direktion. Das Resultat muß abgewartet genommen. Die Versammlung erteilte der Tariffommiffion den werden. Die Ausgesperrten hielten am Sonnabend eine Versamm Auftrag, einen Vertrag mit den Arbeitgebern auf Grund der von lung ab, die von einem Geiste befeelt war, aus dem Zuversicht und ihnen gebotenen Bedingungen abzuschließen. Stampfesmut sprach. den Verband der Sattler schloß die Versammlung. Ein allgemeiner Streit der Maler, Anstreicher 2c. ist am 1. Mai in Nürnberg ausgebrochen, nachdem die Unternehmer die von der Lohntommission der Arbeiter eingereichten Tarifforderungen maht anerkannt haben, resp. Zugeständnisse machen wollten, die die Arbeiter nicht befriedigten und von einer Versammlung abgelehnt wurden. An dem Streit sind zirka 1000 Mann beteiligt, mur gegen 40 Mann Von sämtlichen Malerfind als Arbeitswillige stehen geblieben. gehülfen am Orte find 800 organisiert. Todes- Anzeige. Am 29. April verstarb nach längerem Leiden Hermann Brunzel Rotations- Hülfsarbeiter. Der Berstorbene war feit Gründung unseres Geschäfts ein fleißiger und treuer Mitarbeiter. Wir werden ihm ein dauerndes Andenken bewahren! Vorwärts- Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer& Co. Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 29. April, verstarb nach längerer Krankheit unser Mitarbeiter, der Notations Hülfsarbeiter Hermann Brunzel im 44. Lebensjahre. Wir werden sein Andenken stets in Ehren halten. Das Personal der Buchdruckerei Vorwärts Paul Singer& Co. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Schöneberger Kirchhofes ( Marstraße) aus statt. Verband der Buch- und Steindruckerei- Hülfsarbeiter u. Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwalt. Berlin: Zahlstelle II, ( Hülfsarbeiter). Todes- Anzeige. Am Sonnabend, den 29. April starb nach langem Leiden unser langjähriges Mitglied Hermann Brunzel im noch nicht vollendeten 44.Lebens jahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. Mai, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Schöneberger Stirchhojes ( Marstraße) aus statt. Der Vorstand. 36/6 Sozialdemokratisch. Wahlverein Friedenau. Am Sonnabend verstarb unser Mitglied 202/17 Hermann Brunzel, früher im Wahlverein Süd- Ost Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittags 3 Uhr von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofs in der Marstraße aus statt. Die Parteigenoffen treffen sich uni 2 Uhr im Gesellschaftshause. Bahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Allen Verwandten und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine liebe Frau Emma Kahl geb. Bredernitz nach langen schweren Leiben ber storben ist. 30042 Der tiefbetrübte Gatte. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr auf dem Kirch hof in Pencun Pommern staff. Sozialdemokratischer Wahlverein für den zweiten Berliner Reichstags- Wahlkreis. Hierdurch den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Karl Matz freiwillig aus dem Leben geschieben ist. Chre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch nachmittags 6 Uhr von der Halle des Simeons- GemeindeStirchhofs, Mariendorfer Weg, aus statt. 238/14 Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeigen. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Schraubens dreher Paul Krock am 30. April gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 8. Mail, nach mittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Pius- Kirchhofes in Wilhelmsberg aus statf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Gürtler Karl Matz geftorben ist. Ehre feinem Anbenten! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3. Mai, nachmittags 6 1hr von der Leichenhalle des Simeon- Kirchhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. Rege Beteiligung erwartet 116/9 Die Ortsverwaltung. Statt besonderer Meldung. Gestern früh entschlief sanft nach furzem, aber schmerzreichen Stran tenlager meine innig geliebte Frau Bertha Adam geb. Lüdtke. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Hugo Adam. Lankwiz, den 2. Mai 1905. Deffauerstr. 18. Bahnstation: Lichterfelde- Dft. Die Gedächtnisfeier findet am Freitag 3 Uhr im Trauerhaufe statt, die Beerdigung um 4 1hr Dom Sterbehause aus auf dem Lankwizer Friedhofe, Marienfelderstraße. 14405 Todes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß am 80. April, morgens 68, Uhr, mein inniggeliebter Mann, unser guter Vater und braver Sohn, der Gürtler Johannes Hempe nach längerem Leiden sanft entschlummert ist. Dies zeigen tiefbetrübt an Helene Hempe. Willy Hempe. W. Marten und Frau. Die Beerdigung findet heute, den 3. Mai, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des HedwigsStirchhofes in Reinickendorf aus ftatt. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranz ranz- u. Blumenbinderei penben bei der Beerdigung meines Kranzbon H. Eckert, 98. Rottbuser Damm 98. lieben Mannes sage ich allen Teilnehmern meinen Hefgefühlten Dant. Witwe Hedwig Nicks. 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Sonntag: Die Neuvermählten. Abschiedssouper. National-Theater Weinbergsweg 19. Mittwoch, den 3. Mai 1905: Allabendlich: Der Familientag. Sommerpreise. Gebrüder 0. Wallner- Theater. N. Schiller- Theater Friedrich- Wilhelm Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Schausp. i. 4 Att. v. E. v. Wildenbruch. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. Freitag, abends 8 Uhr: Augen rechts. Hierauf: Die sittliche Forderung. städtisches Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr: Gyges und sein Ring. Eine Tragödie in 5 Atten von Friedrich Hebbel. Donnerstag, abends8Uhr: Gyges und sein Ring. Freitag, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Neues Konzerthaus Grand Hotel Alexanderplatz. Inhaber: Albert Moerner, Blumengarten. Heute, sowie täglich: B Gastspiel des Wiener Konzert- und Variété Ensembles Direktion: R. Sander. Anfang: 9 Uhr. Orientalisches Ballhaus Neue Königstr. 45( Grand Hotel) Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Réunion Anfang 10% Uhr. 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Jacketts 2.2 Havelocks Capes Staub 이 2975L* Zages Ordnung: 1. Ist unser Vertrag und die Lohnerhöhung innegehalten? 2. Die. Mais Aussperrung in diesem Jahre. 3. Verbandsangelegenheiten. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. 33/ 15* Die Ortsverwaltung. J. A.: Karl Heidemann. Achtung! Achtung! Mittwoch, den 3. Mai, abends 8 Uhr, bei P. Litfin( Gesellschaftshaus Ostend), Memelerstr. 67. 3. Tagesordnung: 1. Bericht der Obleute. 2. Werkstattangelegenheiten Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. NB. Adressen der Obleute: Bezirk Osten I, alter Stadtteil: Stoll. Jakob Wenzel, Strautstr. 3, born IV, bei Praffe. Bezirk Dsten II, neuer Stadtteil: Stoll. Joseph Brunnecker, Gubenerstr. 40, Hof part. 3. Reise- Mantel Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Nordosten: bt Mann, Strausbergerfir. 2 Kostüm- Röcke Zweigverein Berlin. Victor Joseph, Donnerstag, den 4. Mai, abends 8½ hr, bei Keller, Koppenstraße 29: Alte Leipziger- Straße 7/9, 2. Etage. Am Spittelmarkt. Bei Vorzeigung dieses Inserates an der Kasse werden 4 Proz. Rabatt gewährt. Reste Damentuche, schwarz u.farb. Costumes- Stoffe, neueste Kammgarne [ Muster Staubmäntel- Stoffe Corkskrew Sammet, Plüsch Besatzartikel. 2265L* Confection Jaquetts, Dollmann Staubmäntel, Costumes Costum- Röcke, Blousen. Kottbuser C. Pelz, Straße 4. General- Versammlung aller zum Tagesordnung: 1. Bericht des Dbmannes. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. NB. Adresse des Obmannes: Stoll. Wilh. Bock, Weidenweg 22, Hof I. Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt: bei Wernau, Schwedterstr. 23-24. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauens. männer. 2. Verbandsangelegenheiten. bei Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Sektionen. Wedding und Gesundbrunnen: De Bernh. Haabe, Tages- Ordnung: Kolbergerstr. 23. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission und der Vertrauensmänner. 2. Verbands- und Werkstatt- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. 1. Wahl des Verbandsausschusses. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbu Moabit: bei Nagel, Butlinstr. 10. ist mitzubringen, ohne dasselbe kein Eintritt. Regen Besuch erwartet Der Zweigvereins- Vorstand. Tagesordnung: 1. Bericht der Vertrauensmänner. 2. Verbands. und Werkstatt- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Achtung! Maurer. Achtung! Westen und Süd- Westen: a Mabel, Bergmannir. 5-7Donnerstag, den 4. Mai, abends 8 Uhr, Kaiser Wilhelmstr. 18m: Mitglieder- Versammlung des Vereins zur Wahrung der Intereffen der Maurer Berlins und Umgegend. Tages Drdnung: 1. Stellungnahme zur Mai- Aussperrung. 2. Vereinsangelegenheiten. Die Versammlung wird pünktlich eröffnet. Vollzähliges Erscheinen erwartet 129/18 Der Vorstand. bei Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt- Kontrollkommission. 2. Bericht der Werkstatt- Vertrauensleute. 3. Verschiedenes. Süden: bei Gliesing, Waffertorftr. 68. Tagesordnung: 1. Bericht der Werkstatt- Kontrollfommission. 2 Berbands- und Werkstatt- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Südosten: bei Muss, Manteuffelstr. 95. att ingelegenheiten. 8. Berſgiebenes. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbands- und Wert3. Bezirk Friedrichsberg: bei Wildner, Friedrich Karlstraße 11. Tagesordnung: 1. Bericht des Obmanns. 2. Verbandss und WerkstattAngelegenheiten. 3. Verschiedenes. Drechsler. Arbeitervertreter- Verein Berlin. Arbeiter- Bildungs- Schule. Osten: Krause, Roppenkrabe dt. B Donnerstag, den 4. Mai, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel- Ufer 15: Versammlung. Zages Drdnung: 1. Bericht aus den amtlichen Nachrichten( Nekurs und RevisionsEntscheidungen). 2. Distusfion. 3. Verschiedenes. Gäste will tommen! 53/5 Der Vorstand. Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Partei- Speditionen: Berlin Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalder Straße 30, b. part.- Dritter Wahlkreis: St. Friz, Brinzenstr. 31, Hof rechts part. Vierter Wahlkreis O.: Robert Wengels, Frankfurter Allee 79. SO.: Baul Böhm, Laufiberplak 14/15 ( Laden). Fünfter Wahlkreis: Leo 8ucht, Steibelstraße 42 ( Laden). Sechster Wahlkreis( Moabit): Rarl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden. Wedding und Oranienburger Vorstadt: Emil Stoltenburg, Wiesenstr. 41/42. Rosenthaler Vorstadt, Gesundbrunnen: Hermann Raschte, Rügenerstr. 24, born part. links. Schönhauser Vorstadt: Starl Mars, Kastanien Allee 95/96. Alt Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerstr. 72.- Charlottenburg: Gustav Sharnberg, Sefenheimerstr. 1, Ede Goethestraße, born I. Deutsch- Wilmersdorf: B. Nickel, Berlinerstr. 130, III. Lichtenberg, Friedrichsfelde, Wilhelmsberg, Boxhagen, Stralau, und Rummelsburg: Otto Seitel, O. 112, Stronprinzenstr. 50, I. Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. bei 41. Norden: bei Bergmann, Brunnenstr. 79. 84/13 Lehrplan für das 2. Quartal 1905. Südosten und Westen: bei Stramm, Ritterstrake 123. Montag: Max Grunwald, Nationalökonomie. Grundzüge der Finanzwissenschaft. 1. Finanzwissenschaft.- 2. Finanzwirtschaft. 3. Staatsfinanzen. 4. Budget. 5. Staatsausgaben, Staatseinnahmen: Erwerbseinkünfte, Abgaben, Gebühren, Steuern. 6. Staatsschuldenwesen. 7. Gemeindefinanzen. 8. Die Finanzen des Deutschen Reiches und der Bundesstaaten. -WWW Dienstag: M. H. Baege, Naturerkenntnis. Die Abstammungslehre und die Lehre Darwins. 1. Der Grundgedanke der Abstammungslehre. 2. Die Zuchtwahllehre Darwins, die künstliche Züchtung von Haustieren und Kulturpflanzen. 3. Natürliche Zuchtwahl, Gesetz der übermäßigen Vermehrung. Individuelle Unterschiede. Kampf ums Dasein. Selektion( Auswahl). Anpassungen.( Schutzfärbung, Nachahmung usw.) 4. Die Bedeutung der vergleichenden Anatomie für die Abstammungslehre. 5. Wechselwirkung der Teile ( Korrelation). Rückbildung und rudimentäre Organe. Entwickelungsgeschichte und Stammesgeschichte. Biogenetisches Grundgesetz. 6. Geschlechtliche Zuchtwahl. Verschiedenheit der Geschlechter. Sekundäre Geschlechts charaktere. Schmuckfarben, Bewerbungskünste, Waffen und Kämpfe der Männchen. 7. Die paläontologische Urkunde( Bedeutung der Versteinerungen). 8. Verschiedenheit der Tierwelt in den Perioden der Erdgeschichte. Stammbaum der Tierwelt. 9. und 10. Abstammung des Menschen. Mittwoch: Max Maurenbrecher, Geschichte. 1. Das deutsche Bürgertum um 1750. 2. Fortschritte des nächsten Menschenalters. 3. Schillers Jugendjahre und Jugenddramen. 4. Das Ideal der Menschlichkeit. 5. Der Geschichtsschreiber Schiller. 6. Wendung zum Idealismus: Einfluß Kants.- 7. Einfluß der griechischen Dichter. 8. Das Ideal der Freiheit. 9. Die großen Dichtungen des letzten Jahr10. Schicksale des Idealismus im neunzehnten JahrTagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 3. Verbands- Angelegenheiten. 2. Werkstattdifferenzen. Jede Werkstatt muß vertreten sein, auch die in Tischlereien beschäftigten Drechsler haben einen Delegierten zu entsenden. Stellmacher: bei Pfeffer, Rosenthalerftr. 57. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Vertrauens. leute. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Bilderrahmenmacher abends 8 Uhr bei Ladewig, Alte Jakobstr. 83. Tagesordnung: 1. Bericht der Kontrollkommission. 2. Verbands angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Stock- und Zelluloid- Arbeiter abends 8 Uhr bei Bareinz, Brückenstr. 7. Mufikinftrumenten- Arbeiter im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer Nr. 15, Saal V. Tagesordnung: 1. Der Verlauf der Maifeier in unserem Berufe. 2. Bericht der Branchenkommission. 3. Verbandsangelegenheiten und Verzu dieser Versammlung einen Vertreter zu entfenden. Die Verbandsmitglieder jeder einzelnen Fabrik haben die Pflicht, Grünau: 5.3 lume, Viktoriaftr. 2.- Rixdorf: M. Heinrich Schiller und die deutsche Kultur des achtzehnten Jahrhunderts. fchiedenes. Prinz Handjernstraße 7, im Laden. Schmargendorf: Gustav Kaminsky, Cunostraße 2. Schöneberg: Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Ober- Schöneweide: Otto Münzer, Edisonstraße 31, 2 Treppen. NiederSchöneweide Bonatowsky, Hasselwerderstr. 1 d.- Johannisthal: B. Mann, Bismardstr. 7.- Adlershof: P. Schmidt, Bismarc straße 32, I. Königs- Wusterhausen: Körle, Berlinerstr. 19. Köpenick: Friedrich Woid, Grünstr. 29. FriedenauSteglitz: H. Bernsee, Schloßstraße 115, Gartenhaus I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz:. Mohr, Düppelstraße 8, und Fr. Schell hase, Ahornstraße 15 a. Mariendorf: Hermann Reichardt, Chauffeestraße 16. Baumschulenweg: Stod, Ernststr. 2, II.- Treptow: N. Voigt, Elsenstr. 37, Neu- Weißensee:. teste, Gedanstr. 53, part. born III I. Reinickendorf- West: Emil Neuhoff, Birkenstraße 69. -Reinickendorf- Ost, Wilhelmsruh und Schönholz: Schüler, Provinzstraße 108. Tegel, Borsigwalde, Dalldorf und Waidmannslust: Paul Kienast, Borsigwalde, Schubartstr.43. Pankow- Niederschönhausen: G. Freiwaldt, Floraftr. 66. Eichwalde, Zeuthen, Miersdorf und Hankels Ablage: Alfons Gräz, Eichwalde, Kronprinzenstr. 82, I. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrich. ftraße 1. Spandau: öppen, Jagowstr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den ,, Vorwärts" entgegengenommen. Bitte ausschneiden. SPREEHAVEL Stern BROCHEA BERLIN SO, STO DAMPFSCHIFFFAHRTGESELLSCHAFT POTSDAM Zur Baumblüte nach Werder verkehren vom 4. Mai ab folgende Sonderdampfer: 26 Berlin, Weidendammer Brüde( Friedrichstraße) do. Moabiter Brüde( Café Gärtner) 25 Charlottenburg, Schloßbrüde 26 Spandau, Charlottenbrüde 900 Uhr 925 n 950 " 1100 25 Potsdam, Lange Brücke( Eisenbahnhotel) 1000, 1200, 155, 255, 355, 455 Uhr. Rückfahrt von Werder( Reft. Ueberfahrt") 11,45, 145, 380, 515, 615, 715 Uhr. 515 Uhr bis Spandau und Berlin. Fahrpreise: Berlin- Werder, hin und zurüd M. 1,50, einfache Fahrt M. 1,00. Spandau- Werder, hin und zurüd M. 1,20, einfach: M. 0,80, Kinder die Hälfte. Täglich regelmäßiger Dampfschiffsverkehr auf der Oberspree und Havel, nach dem Frühjahrs- Fahrplan. Dampfer für Vereine und Gesellschaften find billight bei uns zu haben. Die Direktion. zehnts. hundert. Donnerstag: Simon Katzenstein, Gesetzeskunde. Preußische Verfassung und Verwaltung. 1. Die Entwickelung der deutschen Einzelstaaten. 2. Die Bildung des preußischen Staates, seine Stellung im Deutschen Reich. 3. Die Rechtsstellung des Königs und seiner Familie. 4. Die Zentralverwaltung. Die Ministerien. 5. Verwaltung und Polizei. Die Verwaltungsgerichtsbarkeit. 6. Der Landtag. 7. Provinzial-, Bezirks- und Kreisverwaltung. 8. Gemeindeverwaltung. 9. Finanzwesen und Steuern. 10. Schule und Kirche.- 11. Die Staatsbürgerrechte. 12. Die Arbeiterschaft und der preußische Staat. Freitag: Max Grunwald, Fortschritts- Kursus in Nationalökonomie. Arbeiten über Probleme aus der theoretischen Nationalökonomie. Freitag: Max Maurenbrecher, Redeübung. Uebungen in mündlicher Rede und im schriftlichen Aufsatz. Branche der Modell- und Fabriktischler bei Dieke, sowie Modelldrechsler Ackerstraße 123. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Bericht der Bertrauens. männer. 3. Berschiedenes. Aching Schmiede! Donnerstag, 4. Mai, abends pünktlich 8 Uhr: Oeffentliche Versammlung Der Unterricht beginnt in Nationalökonomie Montag, den der bei Innungsmeistern und in Fuhrgeschäften usw. beschäft. 8. Mai; Natur- Erkenntnis Dienstag, den 2. Mai; Geschichte Mittwoch, den 17. Mai; Gesetzeskunde Donnerstag, den 4. Mai; Schmiede Berlins und Umgegend Rede- Uebung Freitag, den 19. Mai; Fortschrittskursus in im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( großer Saal). Nationalökonomie Freitag, den 5. Mai. Jeder Kursus erstreckt sich auf zehn Abende und beginnt pünktlich um 9 Uhr und endet pünktlich um 4,11 Uhr. 9 Uhr geöffnet. Tages Drdnung: Die reichhaltige Bibliothek ist an diesen Abenden von 8 bis 1. Welche Forderungen wollen wir stellen? Der Mitgliedsbeitrag beträgt pro Monat 25 Pf.; das Unterrichts- Referent: Stoffege W. Siering. 2. Distuffion. geld für jedes Fach beträgt pro Kursus 1 Mark und ist spätestens Kollegen! Wenn es Euch ernst ist mit der Verbesserung Eurer Lage, Der erste Abend jedes Kursus steht jedermann zum unent- lo muß auch der letzte Kollege in der Versammlung erscheinen. Jede geltlichen Besuche frei. Werkstatt muß vertreten sein. Kollegen, erscheint in Massen! Mit kollegialischem Gruß! am zweiten Abend zu zahlen. Die Aufnahme neuer Mitglieder und Schüler erfolgt am besten bei Beginn jedes Kursus im Schullokal Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15, Hot links 2 Tr., und in nachstehenden Zahlstellen: Gottfr. Schulz, Admiralstraße 40a; Reul, Barnimstraße 42; Vogel, Demminerstraße 32; Krause, Müllerstraße 7a Horsch, Engel- Ufer 15. Alle Zuschriften sind an den Vorsitzenden Hermann Lammé, Berlin S. 59, Freiligrathstraße 3, 1. Querg. IV, Geldsendungen an den Kassierer H. Königs, Berlin S. 59, Hasenheide 56, zu senden. 4/ 19* Der Vorstand. Leihhaus Berlin, Anttamerstr. 2. Charlottenburg, Friedrich Karlpl. 12. Beleihung von Brillanten, Gold- und Silbersachen, Uhren, Bücher, Wäsche, Kleidungsstücke etc. 25202* 176/ 9* Der Einberufer. Achtung! Moabit! Achtung! Heute, Mittwoch, den 3. Mai 1905, abends 8%, Uhr: Volks- Versammlung im Moabiter Gesellschaftshause, Wiclefftr. 24. Tages Ordnung: Der Wert der Konsumgenossenschaft für die Arbeiter. 26/10 Referentin: Frau Dr. David. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen, namentlich auch der Frauen, ersucht Der Ein berufer. Aufsehen erregen unsere Preise. schafts- Anzüge. 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Die Kommission Granitschrifthauer verlangt der Jalousiearbeiter. A. Babel, Schönhauser Allee 167a. Farbigmacher, Farbigmacherin, Ginbalierer. Glischke, Weißensee, Lang+138 hansstraße 5. Selterabzieher verlangt Birkens straße 56. +72 Teppichweber! Der Zuzug nach den Teppichfabriken von Feibisch, Treptow, Stöpnider Deckenrohrer auf Eisenarbeit ver- Landftr. 28/29, Benjamin u. Co., Melchiorstr. 23, und Rud. Baader, langt sofort Holthaus, Halensee. Bethanien- Ufer 6, ist fernzuhalten, da Einen tüchtigen Granit Schrift die dortigen Arbeiter und Arbeite hauer, der auch Sandstein arbeitet, rinnen sich im Streit befinden. tauft Schloß verlangt Julius Adam, Stönigsberger 197/11 Die Streifleitung. 2/4 ftraße 18. Wäsche wird sauber gewaschen, im Freten getrodnet. Laten, Leibwäsche 0,10. Abholung Sonnabends. Emil Bantrath, Köpenid, Müggelheimerstraße 40. Kanarienvögel play 2 II. 14306 Vermietungen. Wohnungen. 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Zwei Schiffer schafften die Frau in einem Tagen hierher fam. Der Ursprung ist also, wie auch Geheimrat Rettungstahn ans Ufer. Der Täter wurde ergriffen, während die Zur Herabminderung der Säuglingssterblichkeit Straus gestern abend im Verein für innere Medizin ausführte, hier Frau, nachdem sie sich erholt hatte, fich allein in ihre Wohnung be suchen in neuerer Zeit eine Reihe von Vereinen dadurch beizutragen, ber Grenadierstr. 26 wurde der 20 Jahre alte Goldschmied Jakob festgestellt. Drei weitere Verdachtsfälle werden gemeldet. Aus geben fonnte. daß sie die Mütter der unbemittelten Bevölkerungsschichten über die weißmann nach der Charité gebracht. Er kam schon vor längerer Frau, geb. König, verhaftet. Das Ehepaar wohnte zuletzt in der Wegen Doppelche wurden ein Hundehändler Braez und feine Vorzüge der Ernährung mit der Brust belehren und andererseits bei Beit aus Galizien hierher. Auf dem Lehrter Bahnhof wurde Gartenstraße. Wenn sie in Streit gerieten, warfen sich die Leute etwaigem lubermögen zu stillen, ihnen eine gute Milch zu billigem in der vergangenen Nacht eine unbekannte Frau verdächtig krank gegenseitig alles mögliche vor; auch die Doppelehe benutte Frau Preise oder ganz umsonst liefern. Auch die Fürsorgestellen für Säuglinge, die von der Stadt Berlin eingerichtet und jetzt eröffnet worden auf Veranlassung von Bahnbeamten durch die Polizei des vierten Liebe und auf ihre Veranlassung eingegangen war. Als sich näm aufgefunden. Sie hatte das Bewußtsein berloren und wurde Praetz zu Drohungen gegen ihren Mann, obwohl er sie nur ihr zu find, werden mit nach dieser Richtung hin ihre Tätigkeit er Reviers ebenfalls unter Genicstarreverdacht nach der Charité gebracht. lich jetzt auf Anzeige von Nachbarn die Polizei mit der Angelegen Auch diese Frau scheint eingewandert zu sein. Sie soll Klara Stein heit befaßte, ergab sich, daß Praez seine Frau auf deren Betreiben Eine dieser Vereinigungen, die vor Jahresfrist in Berlin ge heißen. Wegen Verdachts der Genicstarre wurde vormittags auch geheiratet hatte, um sie vor der ihr drohenden Ausweisung zu be gründete Gesellschaft zur Bekämpfung der Säug die 1% Jahre alte Tochter Erna des Kutschers Otto Oft, Pappel wahren. Er war von seiner ersten Frau gefchieden und lag mit der lingssterblichte it", bittet uns nun, darauf hinzuweisen, daß allee 39 wohnhaft, auf Veranlassung des behandelnden Arztes mittels zweiten in Scheidungsklage. Das Standesamt täuschte er, um die fie in ihrem ersten Jahr bereits manches an praktischer Tätigkeit ge Transportwagens der Charité zugeführt. Die Patienten, die an britte zu bekommen, indem er das Urteil, das die erste Ehe schied, leistet habe, daß aber noch sehr viel mehr geleistet werden müsse, der Genickstarre in den hiesigen Krankenhäusern liegen, sind alle vorlegte, die zweite Ghe aber verschwieg. wenn ,, dem nach Hunderttausenden zählenden frühzeitigen außer Lebensgefahr. Ein Grund zu irgend einer Besorgnis liegt Hinsterben des jungen Nachwuchses in Deutschland mit Aus auch nach dem neuen Todesfalle nicht vor. Berlin hat in den letzten ficht auf Erfolg entgegengearbeitet werden soll". Die Vereinigung Jahren durchschnittlich 18 Erkrankungen und 9 Todesfälle an Genic 40 Pf.) ist soeben erschienen. Dieses handliche Taschenbuch enthält Das Berliner Verkehrslexikon( Berlag von Mar Schildberger, betrachtet es als eine ihrer wichtigsten Aufgaben"," das Gewissen starre gehabt. Alle fielen in die Frühjahrsmonate. Die Berhält eine Fülle von Nachrichten über die gesamten öffentlichen Einrichdes deutschen Volles aufzurütteln und die Behörden, großen Wohl- starre gehabt. Alle fielen in die Frühjahrsmonate. Die Berhält 40 f.) ist soeben erschienen. Dieses handliche Taschenbuch enthält tätigkeitsvereine, insbesondere aber die großen Vollsmassen auf die niffe find also bei uns in diesem Jahre noch günstig. tungen und den Verkehr in Berlin. Der Lokalverkehr der EisenSchäden unermüdlich hinzuweisen". Der Grundgedanke, von dem Eine Gasexplosion bildet nach feuerpolizeilicher Feststellung die bahnen, der Elektrischen, der Dampfer 2c. ist sehr übersichtlich und sie sich in ihrer praktischen Arbeit leiten läßt, ist der oben an- Ursache der Katastrophe auf dem Grundstück Greifswalderstr. 217. genau behandelt und der Fernverkehr weist auf einen Blick die gedeutete:" Ernährung mit der Mutterbrust und Ernährung mit Nicht weniger als 600 Fensterscheiben mußten in dem Haufe erneuert kompliziertesten Eisenbahnverbindungen durch ganz Deutschland nach. forgfältig gewonnener und behandelter Kuhmilch hält die Säuglings werden und ebenso find fast sämtliche Flurtüren zertrümmert oder Arbeiter- Bildungsschule Berlin, Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. Sterblichkeit niedrig; Darreichung von schlechter Milch, besonders beschädigt. Von den Verunglückten wurde am schwersten verlegt die wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß der Geschichtswenn diese im Hause durch unerfahrene Mütter unter ungünstigen Mutter des Hausbesitzers, Frau Glasermeister Ehrmann, die durch fozialen Verhältnissen noch mehr verdorben wird, läßt die Sterbe- den Luftdruck zu Boden geschleudert wurde und einen Knöchelbruch unterricht nicht heute beginnt, sondern am 17. Mai, ebenso die ziffern der Säuglinge zu den erschreckend hohen Zahlen hinauf erlitt. Ihr Sohn, der Eigentümer, Kaufmann Simon Ehrmann, der tedeübung am 19. Mai. hnellen". Die Vereinigung sucht die Mütter durch mündliche im Moment der Explosion nach dem Treppenflur hinausflüchtete, turse für Arbeiter veranstalten in diesem Semester außer den übWildenschaft der Technischen Hochschule. Die freien Fortbildungsund schriftliche Belehrung sowie durch Stillprämien zum bernahm noch das Schreien seiner hülflos in der Küche liegenden Selbststillen zu veranlassen. Andererseits sorgt sie dafür, Mutter und lief in die bereits durch Stichflammen in Brand gesetzte lichen Surfen einen unentgeltlichen Schiller Kursus, daß wie die uns vom Vorstand übersandte Zuschrift Wohnung zurüd. Seine Mutter auf die Arme nehmend, brang er um ein tieferes Verständnis des Lebens und der Werke Schillers in, des Vorstandes meint billige, hygienisch einwandfreie durch das Flanmenmeer über die brennende Treppe hinweg ins weiteren Kreifen der Arbeiterschaft anzubahnen. Der Kurfus findet und frische Milch für alle Bevölkerungsklassen vorhanden ist". Freie, wobei er sich ebenfalls Brandwunden zuzog. Die städtische Donnerstags 8-10 Uhr abends in der Gemeindeschule III, CharZahlreiche Kuhstallbesizer Berlins haben sich den Unternehmern an- Feuersozietät hat für Mittwoch einen Termin zur Feststellung des lottenburg, Schloßstraße 2, statt. geschlossen. Sie sind über die beste Art der Milchgewinnung durch durch die Explosion verursachten Schadens anberaumt und wird dem Theater. Im Schiller Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädt. Borträge belehrt worden, und ihre Ställe werden von einer Eigentümer vollen Schadenersatz leisten, so daß er nur durch den Theater) gelangt heute, Mittwoch, Hebbels Tragödie Gyges und Beaufsichtigungskommiffion regelmäßig kontrolliert. Die Liste dieser allerdings nicht unbeträchtlichen Mietsausfall Verlust erleidet. sein Ring" in ursprünglicher Besetzung zur Aufführung. Substallbefizer wird von der Vereinigung unter den Müttern ver- Ein schwerer Bauunfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel, zeit am 16. Juni. Am 17. Juni eröffnet Direttor Heinrich Morwis Schiller- Theater O.( Wallner- Theater) schließt seine diesjährige Spielteilt, auch erhalten die Befizer nächstens ein Schild Lieferant der ereignete fich gestern vormittag in der Kleinen Auguststr. 10. Dort Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit". Aermeren ist das bisherige Gebäude niedergelegt, um einem Neubau für eine feine Sommer- Oper auf der Bühne des O.- Hauses. Als erste dieser Müttern wird die frische, gekühlte Milch der kontrollierten Molkereien Synagoge Blaz zu machen. Das Baugeschäft von Bruno Hansen, pervorstellungen ist in Aussicht genommen" Der polnische Jude" zu billigerem Preise gegeben. Das Bureau der Gesellschaft, Froben Braunschweigerstr. 10, führt den Bau auf. Schon bei den Abbruchs- fänger Werner Alberti beginnt heute( Mittwoch) sein Gastspiel als von Weiß( Prag). Rational Theater. Kammerstraße 85, verteilt durch Aerzte, Polikliniken usw. Milchmarken, auf arbeiten scheint nicht die erforderliche Vorsicht beobachtet worden zu Chapelou im Postillon von Lonjumeau". Am Donnerstag tritt die eine Preisermäßigung gewährt wird. Die Zuſchrift schließt: Es ist zu wünschen, daß die relativ Nr. 9 und 11 zu stützen. Diese Unterlassung schien für das Haus von Windsor" auf; Frau Wellig- Bertram fingt die Rolle der Frau fein, denn es wurde völlig unterlassen, die benachbarten Häuser der Bassist Karl Röseling als Falstaff in den Lustigen Weibern günstigen Sterblichkeitsverhältnisse, wie sie troß der sige im letzten Nr. 11 verhängnisboll werden zu wollen, weshalb noch nachträglich Reich. Theater des Westens. Gastspiel Charlotte Biebé. Sommer in Berlin dank der energischen Tätigkeit der obigen Gesell an mehreren Stellen gestützt wurde. Gestern vormittag waren mehrere Mittwoch findet die Erstaufführung von Michel Carres weltberühmter. schaft erreicht worden sind, in diesem Jahre noch erheblich günstiger Arbeiter damit beschäftigt, unmittelbar an einer zum Haufe Nr. 9 werden mögen." Ja, das ist in der Tat zu wünschen! Aber um ber gehörigen 1% Meter hohen Grenzmauer einen Graben für die neuen Wormser statt. Wad. Wiché spielt die Rolle des jungen Pierrot. Bantomime" Der verlorene Sohn" mit der Musik von Andrée Wahrheit die Ehre zu geben, müssen wir feststellen, daß die Säuglingssterblichkeit Berlins im legten Sommer feineswegs so fundamente auszuheben. Auch hierbei hatte man davon abgesehen, jene gering war, daß schon behauptet werden könnte, die Tätigkeit der Mauer zu stützen. Blöglich kam diese ins Wanken und stürzte auf die Gesellschaft habe sich bereits bewährt. Die Säuglingssterblichkeit Arbeiter noch glückte, sich durch einen Seitensprung zu retten, gelang Fundamentierungsgräben. Während es einem in der Nähe stehenden war hier im Jahre 1904 geringer als in den sehr ungünstigen Jahren dieses dem im Graben arbeitenden 59jährigen Arbeiter August 1900 und 1901, aber gegenüber den günstigen Jahren 1902 und Blankenburg aus der Eberswalderstraße nicht mehr. Er wurde von 1903 war schon wieder eine Zunahme zu bemerken, absolut und den Steinmassen derart überschüttet, daß nur noch ein Arm von ihm Der Mord im Sendlinger Walde. relativ. Das diese gemeinnüßigen und wohltätigen Vereine der Ein Gegenstück zu dem am Sonnabend beendeten Mordprozeß bürgerlichen Klasse es sich doch nie verkneifen können, ihre ver- zu sehen war. Die alarmierte Feuerwehr zog den Verschütteten zwar meintlichen Verdienste sofort in das Rosa eines bengalischen Lichtes noch lebend hervor, doch starb er unmittelbar darauf. Er hinterläßt gegen das Ehepaar klein in Wien bildete die RaubmordFrau und mehrere Kinder. Der Polier, der sonst täglich die affäre des Ehepaares uber in München, das sich seit Montag Ein Wort schließlich noch über die Aufrüttelung des Gewissens". Arbeiten auf dem Bau leitet, war gestern nicht dort. Der Bauunter der Anklage der gemeinschaftlichen Tötung und Beraubung der Münchener Kellnerin Kreszens( genannt„ Centa") I a I ch Gewiß, es ist sehr wünschenswert, daß gegen die Säuglingssterblich das freble Spiel mit Menschenleben an dem Schuldigen zu fühnen. lichkeit der beiden Prozesse ist frappant. Auch im vorliegenden teit mit solchen Mitteln angekämpft wird; und ein Erfolg wird ficherlich nicht ausbleiben, wenn er auch nicht sofort zu merten fein Rotwendiger ist allerdings, daß endlich den Arbeitern felbst Gelegen Falle ist das Weib offenbar das treibende Moment zu der grauens heit wird, eine wirksame Baukontrolle derartigen Un Milchmarken und Stillprämien wird die Sache denn doch nicht zu glücksfällen wirksam vorzubeugen. Nirgends zeigt sich deutlicher als haften Tat gewesen, auch hier wurde eine Schäferstunde vorges Milchmarken und Stillprämien wird die Sache benn doch nicht zu machen sein. Eine große soziale Aufgabe, wie die Bekämpfung der im Baugewerbe, daß dem Unternehmer gar oft schon die moralische spiegelt, um das Opfer desto sicherer ins Verderben zu locken, und schließlich wurde die Beiseiteschaffung des Leichnams in derselben Säuglingssterblichkeit es ist, erfordert große Mittel. Ohne eine Fähigkeit gebricht, den Herrn im Hause zu spielen. Weise vorgenommen, indem man durch seine Verpackung in eine bollige Umgestaltung der Gesellschaftsordnung, Tot aufgefunden wurde gestern in der fünften Morgenstunde der Siste die Spuren des Verbrechens nach Möglichkeit zu verwischen wie die Sozialdemokratie fie anstrebt, ist auf eine durch fuchte. Und hier wie dort entfloh das Mörderpaar, von Grauen greifende Besserung nicht zu rechnen. Von solchem Mittel aber wollen gepackt, um am Ende durch einen Zufall, im vorliegenden Falle unsere bürgerlichen Bollsfreunde" natürlich nichts hören. Sie beburch ein aus dem Eisenbahnzuge geworfenes Zeitungsblatt, der mühen sich, die kapitalistische Gesellschaftsordnung auf alle Weise zu Gerechtigkeit in die Arme geliefert zu werden. Nur in einem Buntte schüßen und zu stügen. Und ihre Unternehmungen zur Heilung" unterscheidet sich dieser Prozeß von der Wiener Affäre. Im Kleinfozialer Schäden dienen dazu, das Gewissen der bürgerlichen Klasse Prozeß lag ein den Sachverhalt einigermaßen klärendes Eingenicht aufzurütteln, sondern noch vollends einzuschläfern. ständnis der Tat vor, während die Angeklagten in dem vorliegenden Prozeß bisher hartnädig geleugnet haben, und die Geschworenen es daher mit einem reinen In dizienprozeß zu tun haben Beschädigung der Alsenbrücke. Gestern mittag bemerkte ein Schutz mann, daß von der Sandsteinbekleidung des Geländers an berwerden, wenn die Angeklagten sich nicht noch während der VerAlfenbrüde am Wilhelm- Ufer ein ungefähr ein Quadratmeter großes handlung zu einem Geständnis herbeilassen. Stück herausgebrochen und zertrümmert war. Die Zerstörung scheint durch Anfahren eines Fuhriverts, deffen Pferde durchgegangen waren, verursacht worden zu sein. Möglich ist aber auch eine mutwillige Beschädigung. zu rücken! 44 Jahre alte Liförfabrikant W. Richter, der als Junggeselle für sich allein in der Höchstestr. 49 wohnte. Der Mann war seit sechs Wochen frant. In der Nacht zu gestern hörten ihn Hausgenossen öfter in seiner Wohnung stöhnen. Wahrscheinlich ging er dann von Schmerzen gequält auf den Haf hinaus, wo ihn der Tod ereilte. Als zwischen 4 und 5 Uhr der Wächter Radmann nach Hauſe tam, fand er Richter mit dem Gesicht an der Erde regungslos auf dem Hofe liegen. Ein Arzt konnte mir noch feststellen, daß er tot war. Zum Direktor des Rauchmuseums in Berlin ist als Nachfolger des verstorbenen Professor Siemering der Bildhauer Profeffor Emil Hundrieser ernannt worden. Der Künstler steht im 59. Lebens jahre und ist durch eine Reihe monumentaler Schöpfungen bekannt geworden. Am Balais Borsig befinden sich feine Figuren James Batt und Stephenson. Für den Anhalter Bahnhof schuf er die Be frömungsgruppe und die Statue Stephensons im Bestibül. Seine Schlüterfigur schmückt die Fassade und seine Statue Raiser Wilhelms I. die Aula der Technischen Hochschule. In der Ruhmeshalle befindet Der Vertrauensmann des vierten Wahlkreises( Südost) teilt uns fich seine Figur König Friedrich Wilhelms III., und am Alexander- mit: Gefunden wurde bei der Maifeier in Treptow eine Monatsplaz grüßt den Vorübergehenden seine Berolina, die aus einer farte auf den Namen Vannede, ein Spazierstod und ein Schlüssel Gelegenheitsarbeit vom Einzuge König Humberts in Berlin hervor für ein Kastenschloß. Verloren: ein dunkelblaues Kinderjadett. Die gegangen ist. Sundrieser gehört seit 1892 der Akademie der Künste gefundenen wie die verlorenen Gegenstände wolle man in der als ordentliches Mitglied an. Spedition Lausitzerplaz 14-15 abholen resp. abliefern. Carl Gerichts- Zeitung. 36. Lebensjahre steht, ist ein großer, sehr fräftig gebauter, hübscher, Der Ehemann Johann Huber, der gegenwärtig im blondhaariger Mann. Er spricht ebenso wie feine Gattin den ober. österreichischen Dialekt. Frau Huber steht im 32. Lebensjahre. Johann Huber gibt an, daß er in Weilbach im Salzburgischen ge= boren fei. Er ist der Reihe nach Tagelöhner, Korbflechter, Rohrdeckenmacher, Gastwirt und Braumeister gewesen. Seine Frau ist in Sanft Stephan bei Cilli in Steiermark als Tochter eines Sägemühlenbefibers geboren. Solange ihr Mann teine Arbeit hatte, war sie als Aushilfstellnerin tätig, zuleht in der Waldrestauration Holzapfelfreut bei München, in der auch die ermordete Kellnerin Centa Falch bedienstet war. Die Gewerbesteuerrolle für das Steuerjahr vom 1. April 1905 Ein Portemonnaie mit 98,35 m. hat ein Vertrauensmann des Nach dem zur Verlesung gelangenden Eröffnungsbis 31. März 1906 liegt bis einschließlich 7. Maicr. täglich von Metallarbeiter- Verbandes am 1. Mai gegen 6 1hr in einem Eisen- beschluß werden die beiden Eheleute beschuldigt, am 1. September 9 Uhr vormittags bis 1 Uhr nachmittags in dem Bureau der Steuer- bahnkupee auf der Fahrt vom tiger Bahnhof nach Nieder vorigen Jahres die 25jährige Kellnerin Genta Falch in ihrer Wohdeputation des Magistrats, Abteilung I, Poststr. 16, 1 Treppe, unter schönewveide verloren. Der Finder mit gebeten, das Portemonnaie nung in der Forstenriederstr. 12a in Solln bei München ermordet, der Aufsicht der dazu bestellten Beamten öffentlich aus. Die Ein- in der Partei- Expedition, Laufigerplag14/ 15, abzugeben. beraubt und dann den Leichnam in eine Kiste verpadt zu haben, ficht in die Rolle ist nur den Steuerpflichtigen des Veranlagungs- Tödlicher Absturz von der Treppe Wannseebahn. Von einem die der Ehemann Huber in den Sendlinger Wald getragen haben bezirks gestattet. bedauerlichen Unfall wurde ber Beguilener Dau betroffen, der seit soll, wo der Leichnam später in einer Lage, die ursprünglich den Gegen das Arrangement der Berliner Schillerfeier legen die breißig Jahren bei der Großen Berpier Straßenbahn angestellt war. Berdacht eines Lustmordes erweckte, am 3. September aufgefunden Berliner Musiker Protest ein, weil ihre berechtigten Interessen an- Er war am Sonntag bei Verwandten in Berlin gewesen und kehrte gegen wurde. geblich nicht berüdsichtigt find. Einige Mitglieder des Berliner 12 Uhr abends nach feiner in Friedenau belegenen Wohnung Gelde, einem Sparkassenbuch der Münchener Sparkasse über 500 M. Das Ergebnis des Raubes bestand in etwa 400 Mr. barem Philharmonischen Blasorchesters, das bekanntlich in St. Louis große zurück. Als er den Bahnhof verlassen wollte, glitt er aus und Gelde, einem Sparkassenbuch der Münchener Sparkasse über 500 M. tünstlerische Erfolge erzielte, hatten sich an den Ausschuß gewandt, stürzte die Treppe nach dem Tunnel himmter. Der Berunglückte und der eleganten Kleidung sowie den Reise- und Toilettenutensilien um Beschäftigung für die Schillertage zu erlangen. Darauf ist vermochte fich noch allein zu erheben und begab sich zu einem in der Ermordeten. Nach der Annahme der Anklagebehörde hat Frau mufilern besetzt seien. Man hat es beshalb in ben Streifen der konnte. Dau suchte fodann seine Wohnung auf, wo er furz nach mit ihr den Mord und den Raub auszuführen. Man vermutet, daß ihnen der Bescheid geworden, daß die Stellen bereits mit Militär- der Nähe wohnenden Arzt, der äußere Verlegungen nicht feststellen Huber zufällig einen Einblick in die Vermögensverhältnisse des Mädchens erhalten und daraufhin ihren Mann angestiftet, gemeinsam Mufifer ganz eigenartig empfunden, daß das Schillerkomitee fich mit feiner Ankunft anscheinend an innerer Berblutung starb. Aehnliche der Bitte um Spenden an den Verein der Berliner Mufifer wendete. Unglidsfälle sind auf der Wannseebahn schon mehrfach vorgekommen uber derjenige unbekannte Wann gewesen ist, der die Falch mehrDie Beteiligung an der Schillerfeier ist deshalb abgelehnt worden. und werden zum nicht geringen Teile durch die mangelhafte Anlage fach, so auch für den Abend des 31. August, brieflich zu einem Deutsche Geistesfreiheit. Auf Anordnung des Staatsanwalts der Treppen der Bahnhöfe verschuldet. Die sämtlichen Treppen- Rendezvous bestellt und sie dann in seine Wohnung gelockt hat, wurde die im Verlage von Joh. Holzmann( Senna Hoy) erschienene zugänge bei der Wannseebahn find breit angelegt, haben jedoch nicht, wo das anscheinend eingeschlafene Mädchen zunächst mit einer Broschüre von Leo Tolstoi An die Soldaten und jungen Leute wie es bei der Stadtbahn der Fall ist, in der Mitte ein Trennungs Wangen und Hals getötet wurde. Als nach Auffindung der Leiche Serviette gewürgt und dann durch zahlreiche Messerstiche in Ohr, ( überfest von Dr. Otto Buel) gestern beschlagnahmt. Gestern nach- geländer. Personen, wnlche auf der Treppe ausgleiten, fönnen in im Sendlinger Walde die Angeklagte hierüber vernommen wurde, mittag erschienen brei Kriminalbeamte mit einem Kriminalkommissar folge deſſen feinen Salt finden und stürzen unfehlbar die Stufen verdächtigte sie den Zigarrenhändler Konrad Engel, ben fie mehrin der zu Charlottenburg, Goethestr. 7, gelegenen Wohnung Holz- hinunter. Hoffentlich dürfte das traurige Vorkommunis dazu Ber- fach in Geſellſchaft der Ermordeten gesehen hatte, in jo schwerer manns und beschlagnahmten dort die von der in 10 000 Exemplaren anlaffung geben, daß dieser gefährliche Uebelstand beseitigt wird. Weise, daß dieser in Haft genommen wurde. Diese auffällige Ge erschienenen Auflage noch vorhandenen 2000 Broschüren. Die Schrift, Mordversuch. In der Nacht zum 2. Mai gegen 1%, Uhr hob in der auch Tolstois bekannter Soldaten- Aufruf enthalten ist, war der 38 Jahre alte Schlächter Dito Schirmann nach voraufgegangener antimilitaristischer Tendenz. Büchtigung seiner Ehefrau diese vor dem Hause Maybach- jer An der Genicstarre ist gestern morgen der Bädergefelle Sichel plöglich hoch und warf sie über das Geländer in den Landwehr geftorben, ber in der Nacht zum Sonntag in Schöneberg ertranfte Kanal. Als Schirmann einen herbeieilenden Schugmann fab, prang schäftigkeit der Huber fiel dann in der Folge dem Verteidiger des Engel, dem Münchener Rechtsanwalt Göß, dermaßen auf, daß er genauere Nachforschungen in bezug auf die Angeklagte anstellte, die im Verein mit den Ermittelungen der Münchener Polizeibehörde zu bem Sesultat führten, daß man den Eheleuten Huber den Mord aur Vermischtes. Last legte und Engel aus der Haft entließ. Inzwischen hatte Johann kommen genügend in den Vormittags- Versammlungen der GewerkHuber München verlassen und eine Stellung als Braumeister in schaften zum Ausdruck, deshalb könne des Abends unbeschadet der Woldenberg in der Mark angenommen. Als seine Frau von Würde der Feier dann auch die Fidelitas in ihr Recht treten. Der Der Entdecker des Fäkalien- Alkohols vor Gericht. Ein Auf der Wendung der Dinge Kenntnis erhielt, floh fie ebenfalls, und zwar Tanz entweihe die Feier keineswegs, denn die Liebe zum Tanz liege sehen erregender Erfindungsschwindelprozeß be nach Berlin, wohin sie ihren Mann telegraphisch bestellte. Das nun einmal feit Alters her im Volkscharakter und brauche auch bei schäftigte gestern die zweite Straffammer des Dresdener LandEhepaar arbeitete hier zunächst einige Tage in einer Fabrik und diesem wirklichen Volksfeste nicht Künstlich zurückgedämmt gerichts. Im Jahre 1901 bis 1904 erregten riesenhafte Reklame3og dann nach Charlottenburg. Hicr trennte es sich, und werden. Uebrigens spiele auch der Geldpunkt bei der Annoncen in allen bedeutenden Zeitungen des In- und Auslandes nun begann ein unruhiges Wanderleben der beiden durch Steg- Feier seine nicht zu übersehende Rolle. Aehnlich äußerten die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Der„ Chemiter" lik, Schmargendorf, Groß- Lichterfelde und andere fich sodann noch die Genossen Liepmann und Jakobi Johann Gotthelf Dornig, feines Zeichens gelernter Vororte Berlins. Bulegt mieteten sie wieder eine gemeinschaftliche Robert Schmidt entgegnete: Es sei charakteristisch, Müller und später Lokomotivheizer, teilte der erstaunten Mitwelt mit, Wohnung bei einem Steinträger in der Spandauerstraße 2 in daß die beiden Vertrauensleute die ganze Frage fast Schmargendorf. Doch auch hier fühlten sich die Angeklagten schon lediglich vom fistalischen Standpunkt aus behandelt daß es ihm nach jahrelanger Arbeit geglückt sei, eine epochemachende Erfindung zu machen und aus menschlichen Erkrementen nach einigen Tagen nicht mehr sicher, sondern fuhren nach Witten- hätten. Seiner Auffassung nach sei die Maifeier nicht als ein all- 90prozentigen Spiritus zu gewinnen. Er bot seine Entdeckung feil berg, von wo aus sie zu Fuß nach Pratau a. E. marschierten. gemeines Volksvergnügen, sondern als eine durchaus ernste und bald strömten unternehmungslustige Leute aus England, FrankBeim Passieren des Bahndammes fielen sie einem Bahnwärter auf, Demonstration gedacht. Auch er, Redner, sei kein Griesgram. Jedoch, reich, Rußland und anderen Ländern nach Dresden, um sich die neueste der kurz zuvor in einem Zeitungsblatt, das aus einem vorüber- das Vergnügen zu seiner Zeit; hier sei es nicht angebracht. Tief Erfindung vorführen zu lassen. Der„ Entdecker des Fäkalienfahrenden Schnellzug Berlin- München geworfen worden war, ihren bedauerlich sei es, daß die Abhaltung der Feier von der Partei in Spiritus" hatte in einer Vorstadt Dresdens ein Laboratorium einSteckbrief sowie ihre Bilder gesehen hatte. Er veranlaßte daraufhin ein derartiges Fahrwaffer geleitet worden ist. Die Partei hätte die gerichtet, dort Fäkalien- Vorräte aufgestapelt und zeigte nun im ihre Festnahme, bei der sich herausstellte, daß beide unter falschem Pflicht, die Maifeier ebenso ernst zu arrangieren wie die Gewerk folgenden den Spiritus- Gewinnungsprozeß. Die Erkremente wurden Gewerk- gerichtet, dort Fäkalien- Vorräte aufgestapelt und zeigte nun im Namen reisten und eine Ledertasche der Ermordeten mit sich führten. schaften. Schrolle ersucht hierauf die Genossen, am 1. Mai erhibt,„ Fäkaliengas" wurde erzeugt und lehteres durch einen -Ueber den Ausgang des Prozesses werden wir berichten. sein Barbiergeschäft zu besuchen, damit auch die Barbiergehülfen an Destillierapparat geleitet. Dann blieb bis zu 53 Proz. der Feier teilnehmen können. Spiritus zurück. Man war ob dieser Leistung erstaunt, ja Wie die bürgerliche Gesellschaft ihre Verbrecher beffert. Als Eine öffentliche Töpferversammlung tagte am Freitag in Kellers aufs höchste überrascht, und in den Zeitungen erfolgte eine ausVerstoßener und Geächteter hatte der Holzbildhauer Karl Saal. Sie war vom Zentralverband der Töper einberufen, um führliche Darlegung des neuen Verfahrens. Diesen Augenblick beSchwebs den Aufenthalt hinter Gefängnismauern der" goldenen gemeinsam mit den lokalorganisierten Töpfern über die Regelung nußte der" Erfinder". Er gründete geschavind die Spiritus Freiheit" vorgezogen. Wegen schweren Diebstahls war Schwebs des Arbeitsnachweises zu beraten. Als der Vorfißende zu Beginn Gesellschaft System Dornig", taufte seinen Fäkalienfpiritus gestern vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I angeklagt. Im der Versammlung feststellen wollte, wie viele Mitglieder des Lotal Dorniol" und gab zahlreiche Anteilscheine aus. Da Dornig es Jahre 1899 wurde der Angeklagte wegen eines Einbruchsdiebstahls vereins erschienen waren, meldete sich nur einer. Es wurde deshalb verstanden hatte, auch angesehene Gelehrte, wie Geh. Hofrat Brof. zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt. Diese Strafe ver- die Frage aufgeworfen, ob man, da unter diesen Umständen von Dr. v. Meyer, Chemiker Dr. Kayser- Berlin, Apotheker Dr. Schanze büßte er bis Mitte des vorigen Jahres. Er ging zu seinen Eltern einer gemeinsamen Beratung beider Richtungen teine Rede sei, und andere für sein Dorniol" zu interessieren, die zum Teil recht zurück und versuchte, sich von nun an durch ehrliche Arbeit recht überhaupt in die Erörterung der Tagesordnung eintreten solle. Die günstige Gutachten erstatteten und die Erfindung als„ phänomenal" und schlecht durch das Leben zu schlagen. Dies sollte ihm aber in Versammlung entschied sich jedoch für die Besprechung des Gegen- bezeichneten, so stürzten zahlreiche Kapitalisten über die Dornig folge seiner Vorstrafen nicht gelingen. Ueberall, wo er um Arbeit standes. Fast alle Redner beklagten das Fernbleiben der schen Anteilscheine a 500 M. her. Jeder wollte an einem mühe- und anklopfte, wurde er gefragt, weshalb er für die lebten fünf Jahre Lokalisten und betonten, daß eine Verständigung über fostenlos zu erwerbenden Gewinn teilnehmen, und in ganz kurzer Zeit teinerlei Zeugnisse oder Arbeitsatteste aufzuweisen habe. Sagte er den Arbeitsnachweis mit denselben notwendig fei. Der erreichten die 500 M.- Anteilscheine einen enormen Wert. Einige die Wahrheit, so wollte man mit einem Zuchthäusler nichts zu tun Lokalverein habe 500-600 Mitglieder. Daß er so start werden wurden taum glaubhaft mit 32 000 M., andere mit 25 000 haben. Da es dem Angeklagten auf keine Weise gelang, Arbeit fonnte, sei wohl hauptsächlich darauf zurückzuführen, daß der Ver- Mart, 12 500 m. bezahlt und ein Charlottenburger Hausbesitzer zu finden, glaubte sein Vater schließlich, er habe überhaupt gar nicht band in der Frage der Arbeitsvermittelung taftifche Fehler gemacht zahlte sogar 66 000 M. Zwei Engländer boten dem Erfinder sogar die Absicht, zu arbeiten. Er meldete ihn deshalb ab und wies ihm habe. Eine so starte Minderheit, wie sie der Lokalverein darstelle, für Abtretung der Entdeckung 2 Millionen Mark. Sie waren die Tür. Nunmehr erfaßte den Angeklagten die Verzweiflung, fönne man nicht unbeachtet lassen, man müsse sich mit ihr über die aber vorsichtig genug, sich zunächst an das kaiserliche Patentamt zu Er ging zu der nächsten Polizeiwache und bat, ihn zu verhaften, Arbeitsvermittelung verständigen. Auf sonstige Organisations wenden und dieses beauftragte mehrere Professoren der Technischen da er im Jahre 1899 wegen eines Einbruchsdiebstahls nicht mit- angelegenheiten solle sich die gemeinsame Beratung nicht erstrecken. Hochschule zu Dresden mit einer eingehenden Untersuchung des berurteilt worden sei. Er habe seinerzeit mit einem gewissen Das wurde ausdrücklich betont, weil man annahm, die Lokalisten Dornigschen Verfahrens. In Dornigs Laboratorium wurten er Mathias", welcher sich jetzt in der Jrrenanstalt befinde, bei einem feien der Versammlung deshalb ferngeblieben, weil sie glauben, neut Versuche angestellt, und wiederum wurde aus den Fäkalien Kaufmann Arnheim in der Brunnenstraße einen Einbruchs- durch die Frage des Arbeitsnachweises solle eine Einigung, be- ein mehrprozentiger Spiritus gewonnen. Die Gelehrten wurden Diebstahl verübt. Sie hätten damals außer 700 m. bar noch ziehungsweise Verschmelzung beider Organisationen zugunsten nunmehr stubig. Sie beobachteten den„ Erfinder" und stellten fest, mehrere Dokumente und eine mit Silbergeld gefüllte Sparbüchse er- des Verbandes beabsichtigt werden. Weiter wurde hervorgehoben, daß er in Augenblicken, in welchen er sich unbeobachtet glaubte, in beutet. Die von der Polizeibehörde über die Richtigkeit dieser An- daß die vor zwei Jahren vom Verband angenommene Resolution, die Behälter reinen Alkohol goß. Nunmehr war das Rätsel ge= gaben eingezogenen Erfundigungen ergaben, daß seinerzeit tatsächlich welche die Verbandsmitglieder verpflichtet, mit Lokalisten nicht zu löst. Der Erfinder hatte aber durch den Verkauf der Anteilscheine in der geschilderten Weise bei dem Kaufmann Arnheim ein Ein- sammen zu arbeiten, ein Hindernis der Verständigung sei und daß annähernd 200 000 m. eingeheimst, von welchem Gelde der Be bruchsdiebstahl berübt worden war. Der Angeklagte erklärte, er diese Resolution deshalb aufgehoben werden müsse. Schließlich trüger mehrere Jahre hindurch herrlich und in Freuden lebte. In habe keinen Gefallen mehr an der Welt draußen", er werde überall sezte die Versammlung eine aus 6 Mitgliedern bestehende Kom- der Hauptverhandlung beharrte er dabei, daß seine Erfindung" herumgestoßen, tein Mensch wolle mit ihm, dem Zuchthäusler, etwas mission ein und erteilte ihr den Auftrag, mit dem Vorstand des echt sei und das negative Resultat sei lediglich auf falsche Anzu tun haben. Um nicht zu verhungern, müsse er möglicherweise Vereins der Töpfer über die Regelung des Arbeitsnachweises in wendung des Systems seitens der Chemiker zurückzuführen. Der wieder vom Wege des Rechten abweichen. In dieser Zwangslage Verhandlung zu treten. Alle Anträge, welche sonst noch zu dieser Erfinder" wurde zu 2 Jahren Gefängnis, 1500 M. Geldstrafe oder 150 Tagen Gefängnis und 5 Jahren Ehrenrechtsverlust ver= ziehe er das Gefängnis der Freiheit vor. Der Staatsanwalt be- Angelegenheit vorlagen, wurden der Kommission überwiesen. antragte wiederum eine Zuchthausstrafe von zwei In einer sehr gut besuchten Bersammlung des Zentralverbandes urteilt. Jahren. Der Angeklagte bat, ihn nicht wieder ins Zuchthaus deutscher Brauereiarbeiter( Sektion I) hielt Sassenbach einen zu schicken. Der Gerichtshof folgte diesem Wunsche und erkannte mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag über:„ Neue Der tragische Tod eines Weichenstellers erregte am Sonnabend auf ein Jahr sechs Monate Gefängnis und drei Jahre Probleme in der Gewerkschaftsbewegung". Redner erläuterte in in Ratheno to allgemeines Mitgefühl. Seit 30 Jahren tat auf Ehrverlust. leicht verständlicher Weise die Fragen, mit denen sich der nächste dem dortigen Güterbahnhofe der Weichensteller Wilhelm Rante Gewerkschaftsfongreß zu beschäftigen haben wird. In der Diskussion genannt Gottschalt Rangierdienst. Er war Junggeselle und stand im sprach sich Richter für die Gründung eines Generalstreit 59. Lebensjahre, ohne daß ihm bei seinem verantwortungsvollen Vor der ersten Strafkammer des Landgerichts in Breslau fonds der Gewerkschaften aus und verurteilte die Gepflogenheit, beim Rangieren auf einem Nebengeleise, wurde von einer Lokomotive Dienst bisher ein Unfall zugestoßen wäre. Nunmehr stolperte er ⚫ hatten sich der Direktor der bereinigten Stadt- Theater Dr. bei Beitragserhöhungen zugleich auch immer die Verbandsleistungen Theodor Löwe sowie der bei den Theatern angestellte Be- zu erhöhen. Die Folge davon sei, daß bei größeren Kämpfen immer überfahren und sofort getötet. leuchtungsinspektor Karl Munder wegen fahrlässiger gleich an die Freigebigkeit der Mitglieder appelliert werden müsse. Tötung und fahrlässiger Körperverletzung zu verantworten. Es bey der wünscht Begleichung der sogenannten Grenzstreitigkeiten handelt sich bei diesem eigenartigen Prozeß um das bekannte Brand- zwischen den einzelnen Gewerkschaften durch den Gewerkschaftsunglück, das sich vor nunmehr drei Jahren, am 13. Januar 1902, fongreß. Für die Bergarbeiter wurden von der Sektion aufgebracht auf der Bühne des Stadt- Theaters in Breslau zugetragen hat. 2522,24 M. Betreffs der Maifeier, die im Berufe bisher, je nach schwere Verlegungen. Zur Aufführung gelangte das Weihnachtsmärchen Der Kinder den einzelnen Betrieben, sehr verschieden zur Durchführung tam, Einbruch in ein Poftamt. In das Triester Poftamt 3 Weihnachtstraum". Durch einen Kurzschluß einer elektrischen ist, wie alljährlich, an die Brauereien resp. an den Vorstand des Leitung, die dazu diente, einen Weihnachtsbaum auf der Bühne Brauereiringes das Ersuchen gestellt, denjenigen der Mitglieder, die brachen Diebe ein. Den Tätern fielen zirka 30 000 kronen Barzu beleuchten, gerieten die Kleider der um den Weihnachtsbaum den ersten Mai durch Arbeitsruhe feiern wollen und darum recht- geld und Postwertzeichen in die Hände. Bisher fehlt von ihnen herumtanzenden Balletttänzerinnen in Brand und die Balletteusen, zeitig nachsuchen, dies zu geftatten. Zum Schluß teilte der Vor- jede Spur. sieben an der Zahl, erhielten sämtlich mehr oder minder schwere sigende noch mit, daß die Brauerei Julius Böhow am 1. April d. J. Bei einem Tornado in Teras sind über 100 Personen getötet Brandwunden. Eine der Tänzerinnen erlag den erlittenen Ver- dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend beigetreten fei, und mehrere hundert verletzt worden. legungen. Der Direktor der vereinigten Theater in Breslau, aber schon am 13. April einen Brauer auf Prozentsaz eingestellt Dr, Löwe, wurde sowohl auf dem Wege der Zivilflage wie auch habe. Diese Angelegenheit wird weiter verfolgt werden. strafrechtlich für das Brandunglück verantwortlich gemacht. In Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch dem von den Hinterbliebenen des Fräulein Hübner, so hieß die verstorbene Tänzerin, angestrengten Zivilprozeß wurde Herr Dr. Löwe, wurde sowohl auf dem Wege der Zivilflage wie auch summe, deren Höhe einem späteren Termin vorbehalten blieb, berpflichtet. Dr. Löwe legte gegen dieses Urteil Berufung ein und in der höheren Instanz kam ein Vergleich zustande. Die Ansehung eines Termins für den gegen Dr. Löwe im Anschluß an den Zivilprozeß anhängig gemachten Strafprozeß zog sich deshalb so in die Länge, weil eine große Anzahl Breslauer und auswärtiger elektrotechnischer Sachverständiger vernommen wurden. Der BeLeuchtungsinspektor Munder ist mit angeklagt, weil man ihm eine Fahrlässigkeit in der elektrischen Anlage auf der Bühne zur Last legt. Das Brandunglück im Breslauer Stadt- Theater vor Gericht. Gestern wurde das Urteil gefällt. Beide Angeklagte wurden dem Antrage des Stagtsanwalts entsprechend freigesprochen. Verfammlungen. 314 abend 8, Uhr: Außerordentliche Generalversammlung in Feuer steins Festfälen, Alte Jakobstr. 75. Geschäfts- und Kassenbericht, Abrechnung, Anträge, Aufnahme neuer Mitglieder. Landslüd'( Jungs und Deerns) find willkommen. " Deutscher Arbeiter: Abstinentenbund.( Ortsgruppe Berlin). Mittwoch, den 3. Mai, präzise abends 8 Uhr: Versammlung im Englischen Garten", Alexanderstr. 27c. Gruppenangelegenheiten. Bei der wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen jedes Mitgliedes Ehrenpflicht. Eingegangene Druckfchriften. Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Baul Singer) ift foeben das 31. Heft des 23." Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Schiller und die Gegenwart. Die Rebellionen in Schillers Schiller und die großen Sozialisten. Von Dramen. Von K. Kautsky. Franz Mehring. Ehret die Frauen!" Das Scheitern des BehnstundenLiterarische Rundschau: gesetzes für Arbeiterinnen. Bon Emanuel Wurm. Franz Mehring, Schiller, ein Lebensbild für deutsche Arbeiter. Von Rosa Luxemburg. Beiträge zur Geschichte der Bevölkerung in Deutschland seit dem Anfang des neunzehnten Jahrhunderts. Bon gj. Die„ Neue Beit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post mur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Unglück auf der Drahtseilbahn. Aus Lyon wird gemeldet: Infolge Reißens des Seiles auf der Drahtseilbahn nach Fourvières fuhr ein dichtbesetzter Waggon mit rasender Geschwindigkeit zu Tal; derfelbe wurde teilweise zertrümmert. 17 Bersonen erlitten meist Briefkaften der Redaktion. A. B. 10. Ueber den Verein Volkswohl" haben wir unsere Leser so oft unterrichtet, daß nun endlich jeder Bescheid wissen könnte. Beitritts erklärungen müssen eigenhändig unterzeichnet sein. Ist Ihr Name von einer anderen Berson und ohne Ihr Wissen darunter gesezt worden, so find Sie nicht Mitglied und waren es nie. Ob Sie das Geld zurüdbekommen können? Da wird wenig zu holen sein. 111. Vereine usw. mit diesem speziellen Zmed gibt es nicht; doch könnte es Erfolg haben, wenn in Gesuchen an Vereine auf den hier vorliegenden speziellen Anlaß hingewiesen würde. G. G. 20. Für Militärwitwen bestehen hier keine besonderen Siechenanstalten, sondern nur Vereine, die mit Geld unterstützen. Wenn Ihre Mutter von der städtischen Armenpflege eine Unterstützung erwirkt hat, so können Sie erstattungspflichtig gemacht werden, auch wenn Sie um das Unterstüßungsgesuch nicht wußten. H. 35. Wenden Sie sich an die Geschäftsstelle der Schillerfeier, LützowJuriftifcher Teil. straße 62. von 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Ubr. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends Versicherung. Personen, welche eine Rente in Höhe von mindestens Fünfter Wahlkreis. Der sozialdemokratische Wahlverein hielt 116 M. jährlich beziehen, sind auf ihren Antrag von der Klebepflicht zu beam Freitag him" Alten Schüßenhaus" eine Mitgliederversammlung freien. Der Antrag ist an die untere Berwaltungsbehörde( in Berlin: Magistrat, Abteilung für Invalidenversicherung, Am Köllnischen Bart) zu ab, Zunächst verlas der Kassierer Liepmann eine Liste von 57 richten. Wollen Sie nicht befreit sein, so muß auf Ihren Antrag das neuen resp. übergetretenen Mitgliedern, die sich zur Aufnahme ge Bon der ,, Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen Bolizeirevier Ihnen eine Karte ausstellen. Gegen die Weigerung ist Bemeldet hatten; Widerspruch gegen die Aufgenommenen erfolgte nicht.( Stuttgart, Berlag von Baul Singer) ist uns soeben die Nr. 9 des schwerde zulässig. Sie werden wohl den Beamten falsch verstanden haben: Hierauf hielt der Stadtverordnete Genosse Schubert einen sehr 15. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir er mag Sie( mit Recht) darauf aufmerksam gemacht haben, daß Ihr VerR. 100. 1. und 2. Für die Kinder ist so interessanten Vortrag über Die Bildungsstätten des Volkes in hervor: Roter Mai. Der Weltfeiertag der Arbeit und unsere Hausfrauen. zicht nicht erforderlich ist. Die lange zu sorgen, als sie unterstützungsbedürftig sind. Das Scheidungsurteil Schiller und die Frauen. Von Franz Mehring. Preußen". Die zirka 1/4 stündigen Ausführungen des Redners Bon Luije Ziek. gipfelten in einer äußerst wirkungsvollen Kritit unserer Volksschul- Proletarierin als Kämpferin gegen den Militarismus. Von Ottilie Baader. fezt über die Höhe nichts fest. Entsteht darüber Streit, so ist in einem $. S. 77. Ste Der Wert der Berkürzung der Arbeitszeit für die Arbeiterinnen. Von anderen Prozeß zu entscheiden. 3. Das ist möglich. 4. Ja. zustände und wurden von den Anwesenden mit wiederholtem, Paula Thiede. Politische müssen Widerspruch erheben und im Prozeß dann Abweisung der Klage begehren. Aus der Bewegung: Von der Agitation. Die Versammlung bestätigte Rundschau. Von G. L. stürmischem Beifall aufgenommen. Geertschaftliche Rundschau. 2. P. L. 9. 1. und 3. Armenunterstüßung ist nur im Falle der UnterNotizenteil: alsdann die Genossen Funt, Wirt und Stobbe als Abteilungs- Gewertschaftliche Arbeiterinfefforganisation. Frauenstimmrecht. Aus- stügungsbedürftigkeit zu zahlen. Es steht der Gemeinde frei, an Stelle von führer der vierten, fünften und sechsten Abteilung. stellung von Erzeugnissen bettentätigkeit in Gent. Feuilleton: Die Barmitteln. Aufnahme in ein Armenhaus zu verfügen. Beschwerden find in Bei der Erörterung von Parteiangelegenheiten bemängelte der Weihe. Eine Szene von Otto trille Ein Festlied. Bon Georg Weerth. Ihrem Falle an den Kreisausschuß zu richten. 2. Die Kinder sind rechtlich Mutterschaft. on Negri.( Gedicht.) soweit unterstüßungsverpflichtet, als dies ohne Beeinträchtigung ihrer selbst Abgeordnete des Kreises, Genosse Robert Schmidt, lebhaft( Gedicht.) Schaudt. das Arrangement der Maifeier. Er müsse offen gestehen: Frauen- Beilage: Die Größe der Welt. Von Friedrich Schiller.( Ge- und ihrer Familie möglich ist. 4. Nein. P. S. 20. Nein. dicht.) Unsere Gesundheit ueber Bewegung. Von Dr. Adams. Die von Ihnen beschriebene Schenkung ist rechtmäßig und nicht widerrufbar Die Form und Art der Maifeier sei ihm durchaus unsympathisch. Lehmann. Die Worte des Glaubens. Von Friedrich Schiller.( Gedicht.) erfolgt. Der Vater der Beschenkten ist als ihr gefeßlicher Vertreter berechtigt, über das Geld zu verfügen. Sie nehme zu sehr den Charakter einer ordinären Fidelitas an und 250. Die früheren Borfälle würden aus Bon Friedrich Ich bekenne. Von W. Z. Die Teilung der Erde. M. K. 100. Die Anlaß der Prüfung des Antrages bekannt werden. zeige zu wenig Ernst. Schon im Vorjahre habe es einen deprimierenden Schiller.( Gedicht.) Die Mutter als Erzieherin. Bon h. sch. Eindruck auf ihn gemacht, als er des Abends die Festrede vor einer Hygiene. Für die Hausfrau. Breite und Tiefe. Bon Friedrich Wiederholung eines Offenbarungseides kann in der Regel nach Ablauf von fünf Jahren verlangt werden. Zuhörerschaft halten mußte, die sich unmittelbar vorher am Tanz Schiller.( Gedicht.) bergnügt hatte und nach Beendigung der Nede sofort wieder lustig Die Schiller- Nummer des„ Wahren Jacob" ist soeben erschienen. weiter tanzte. Seiner Ansicht nach könnte die Arbeiterschaft den Der umfangreiche, Schiller als Dichter und Philosophen würdigende Fest1. Mai auch in würdigerer Art feiern als mit Tanz und Ult- Trio. artikel ist aus der Feder des Stuttgarter Literaturhistorikers Profeffor May Als er, Redner, auch auf dem Amsterdamer Kongreß einen ähn Diez. In schwungvollen Versen feiert das Leitgedicht" Friedrich Schiller" lichen Standpunkt vertreten habe, da sei ja beabsichtigt worden, ihn das Andenken des großen Dichters. Aus dem reichen Bilderschmud der Nummer erwähnen wir zunächst die beiden farbigen Bilder, von denen das deshalb vor ein„ Tribunal" zu ziehen. Er bedauere, daß dies nicht vordere die Huldigung einer Arbeiterfamilie am Thorwaldsenschen Schiller geschehen sei; es wäre sonst wohl zu einer deutlichen Aus- Denkmal, das hintere die Geburtsstadt Schillers, Marbach a. N., darstellt. Sprache über die jetzige Form der Maifeier gekommen. Da Neben weiteren Bildern von Schiller und seiner Frau bietet sich uns eine nun für diesmal an dem getroffenen Arrangement nichts mehr Abbildung des Geburtshauses, des Schiller- Museums in Marbach, zweier geändert werden könne, so möchte er die Vertrauensleute doch Silhouetten, Schiller als Karlsschüler und Schiller in Weimar darstellend, Bitten, wenigstens vom nächsten Jahre ab für eine würdigere, dem ferner Schiller auf dem Totenbette, Schiller die Räuber" vorlesend, Schiller Ernst und der Bedeutung der Maifeier beffer angemessene Art der auf einem Efel reitend, Schiller als Kind usw. Auch eine zeitgenössische Feier zu sorgen. Zucht erwiderte hierauf: Er wolle nicht be- tarifatur auf Schiller und Goethe ist wiedergegeben und an der Hand der Anti- Xenien erläutert. Einige satirische Beiträge in Poesie und Prosa streiten, daß dieses oder jenes bei der Feier vielleicht besser unter- glossieren dann noch besonders bemerkenswerte Begleiterscheinungen der bleiben könne, jedoch halte er die Maifeier nicht für eine Trauer, diesjährigen Schillerehrungen. Der Preis der 16 Seiten starten Nummer sondern für eine Freudenfeier. Der Ernst des Tages fomme bollit 10 Pfennig. Berantm. Rebatteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Rivertenteil verantw.: Th. Glede, Berlin. Drud u. Verlaa; Borwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Marktpreise von Berlin am 1. Mai. Nach Ermittelungen des Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte Igl. Polizei- Präsidiums. mittel 00,00-00,00 2. geringe 00,00-00,00 m. 00,00-00,00 m., Roggen**), gute Sorte 14,05-14,04 m., mittel 14,03-14,02 M., geringe 14,01-14,00. Futtergerste*), gute Sorte 15,80-14,80., mittel 14,70 bis 13,70 M., geringe 13,60-12,60 m. Safer*), gute Sorte 16,20-15,40., mittel 15,30-14,50 M., geringe 14,40-13,60 M. Erbsen, gelbe, zum Stochen 45,00-30,00 M. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linfen 60,00-30,00 r. Kartoffeln 10,00-7,00 M. Nichtstrob 0,00 bis 0,00 m. Sen 0,00-0,00 m. Für ein Silogramm Butter 2,80-2,20 M. Eier per Shod 4,00-2,28 M. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. Wetter- Prognose für Mittwoch, den 3. Mai 1905. Kühler, vorherrschend wolkig mit leichten Regenfällen und mäßigen westlichen Winden. Berliner Wetterbureau