Kr. 103. IlbonnemtntS'Rtdlngungen: Wonnement?■ Preis pränumerando S «ierteljährl. 3P0 Ml. monaU. 1,10 Mk.. wöchentlich 23 Psg. frei WS HauS. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags» Bellage.Di« Reue Welt' 10 Pfg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. «ingetragen w die Post.ZetwngS. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich. Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland S Marl pro Monat. SS. Jahrg. CrtAttat UgtlA süßer Blonüai. Verliner Volksblstki DK Tnlerttons-Gfbübr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- zcile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschastliche Vereins» und BersammlungS-Anzeigen 26 Psg. „Aleln« Hnrcigcn", das erste(fett* gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weiter« Wort 6 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sü, die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Sxpeditionabgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 V'; abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geösfnet. relegiamm- Adresse: „Soslaldeoitknt«er»»". Zentralorgan der sozialdemokratischen parte» Deutschlands. Redaktion: SM. 68. Llndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT, Nr. 1983. Donnerstag, den 4. Mai 1903. Expedition: SM. 68, lUndenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IT Nr. 1984._ Königsberg vor dem Reichsgericht. Der außerordentliche Charakter des Königsberger Prozesses, den er in jedem Stadium des Vorverfahrens und der Verhandlungen gezeigt hat, übertrug sich selbst auf die Revisionsberatung des Reichs gerichtS, die am Mittwoch in Leipzig begann. An einer Stätte, in der der Rechtskampf nur mit formalen Deduktionen geführt wird, ertönte unvermutet und überraschend die politische Fanfare. Der Reichsanwalt Treutlein- MördeS, der die ernste Absicht äußerte, ein Königsberg benachbartes Landgericht mit der erneuten Aufgabe zu belasten, daß es untersuche, ob die„Hochverräter' des Königsberger Prozesses nicht dennoch Hochverrat gegen Rußland begangen hätten, leitete sein sehr gründlich ausgesponnenes Referat mit einigen Sätzen ein, bei denen noch mehr der Ton, als der Inhalt unwillkürlich an parlamentarische Reden des preußischen Justizministers erinnerte. Der Reichsanwalt sprach mit lebhaftem Ausdruck seine Abneigung gegen die agitatorische Ausbeutung des Königsberger Prozesses aus und deutete an, daß diese Agitation selbst einen ängstlich ans objektive Rechtsprechung bedachten Richter in die Versuchung führen könnte,.Gegengewichte' zu schaffen; mit anderen Worten. der Reichsanwalt spielte mit der Möglichkeit, es könnten sich Richter finden, die fich zuungunsten der Königsberger Angeklagten als Gegen- Wirkung gegen die Agitation zu der Tendenz hergeben könnten: .Nun erst recht I' Verstärkt wurde die politische Färbung des Plaidoyers des Reichsanwaltes noch durch ein plötzlich wie ein Rcichskanzler-Zitat emporgeschwungener Satz aus einem Artikel Kautskys in der Maifestschrift der Buchhandlung Vorwärts. Daß Kautsky in diesem Artikel auf die notwendigen Rückwirkungen eines rnssischen Zusammenbruches auf die europäischen Verhältnisse hinwies, das verwandte der Reichsanwalt als Argument für die Notwendigkeit, daß die Staaten sich gegen Unitriebe der eigenen Staatsbürger Fegen andere Länder schützten. Wieder war es der Minister Schönstedt, der in der Erinnerung auf« tauchte mit seinem berühmt gewordenen Wort im Reichstag, als der Russenfanatismus der Regierung den Höhepunkt erreicht hatte: Du» res agitur, um deine eigene Sache handelt es sich I Der Präsident des zweiten ReichSgerichts-SenateS Freiherr V. B ü l o w hatte zur Abkürzung der Verhandlung das komplizierte weitschichtige Material zunächst auf die Entscheidung der Frage konzentriert, ob in Rußland die Gegenseitigkeit überhaupt dem Deutschen Reich verbürgt sei. Würde diese Frage verneint, so fielen zugleich die Verhandlungen über die Frage, ob die Hochverrats« Paragraphen richtig angewandt seien. Der Reichsanwalt bewies in seinem sorgfältig ausgearbeiteten Vortrag, daß er sich den Prozeß hatte angelegen sein lassen und sorgfältig die Rechtsmaterie durchgeackert hatte. Er war sogar so glücklich, noch bisher unbekanntes Material für die RechtSstage der Gegenseitigkeit beizubringen, nämlich eine Kammergerichts« Entscheidung aus dem Jahre 1364. Ter Vertreter der Revision der Königsberger Staatsanwaltschaft virtieste sich in den Ursprung des russisch-österreichischen Gegen« s>:itigkeitS-Verhältnisses, das durch einen besonderen Vertrag Ende der Sller Jahre gewährleistet wurde. Er zitierte Bismarcks Gedanken und Erinnerungen und schilderte die russischen Verhältnisse am Aus« gang der bOer Jahre des 19. Jahrhunderts auf Grundlage der für ockle höheren Lehranstalten klassischen Autorität der Weberschen Welt- g«schichte. Es bewegte sein juristisches Gewissen das Problem, warum denn Preußen nicht zu jener Zeit ebenfalls wie Oesterreich aus« drücklich die Gegenseitigkeit durch einen Vertrag mit Rußland fest« gelegt hätte, da doch Preußen gleichen Anlaß hatte. Rußland gegen die Polenausstände zu schützen wie Oesterreich und durch die sin der Swnfliktszeit von der LandtagSmehrheit gebührend gebrandmarkte) SMitärkonventton mit Rußland doch seine Solidarität bewiesen habe. Der Reichsanwalt wußte keine andere Erklärung für diese unbegreifliche Unterlassungssünde des preußischen RusseutumS wie die Vermutung, daß eben die Gegenseitigkeitsparagraphen des russischen und preußischen Strafgesetzbuches, die doch für sich allein wir leere, erst durch besondere Gesetze oder Verträge in Wirk« ftnnkeit tretende Formulare darstellen, die Gegenseitigkeit durch sich selbst genügend begründen. Die bündige Aus- fuhrung in dem amtlichen Kommentar zu dem neuen russischen Strafgesetzbuch, die ein besonderes in Rußland publiziertes Gesetz zur Voraussetzung verbürgter Gegenseitigkeit macht, schob der Reichsanwalt mit der Behauptung beiseite, daß das nur Borarbeiten seien, die keine Autorität beanspruchen könnten. Die Verteidiger der Angeklagten, die Rechtsanwälte H a a s e, Heinemann und Liebknecht, die auch im Königsberger Prozeß verteidigt haben, legten die Gründe dar, aus denen mit Evidenz hervorgehe, daß Rußland die Gegenseisigkeit im Deutschen Reiche nicht verbürgt. Rechtsanwalt Heinemann nahm am Begimi seiner Ausführungen auch Anlaß, die politischen Streifzüge -des Reichsanwalts abzulehnen und weigerte sich. Dokumente zu erörtern, die wie Kautskys diesjähriger Malartikel nicht Gegen« stand der Verhandlung im Königsberger Prozesse gewesen; das sei strafprozessual nicht zulässig. Selbst wenn alle übrigen Argumente »licht zugegeben werden, so ist, so führten die Verteidiger aus, durch« schlagend doch allein die Tatsache, daß zur Zeit des Itönigsb«rger Prozesses tatsächlich im russischen Rechte ein hilegenseitigkeitsparagraph überhaupt nicht existiert hat. lllnfang Juli 1904 sind von dem neuen russischen Strafgesetzbuch die politischen Delikte in krast gesetzt worden mit Ausnahme gerade des neuen Gegenseitigkeitsparagraphen. Es ist somit der alte Gegen« seitigkeitsparagraph noch in Kraft, aber er bezieht sich auf Para- epaphen, die nicht mehr exissieren; und der neue Gegen« �Mgkeitsgaragraph gilt zwar für Paragraphen, die jetzt in befindlich find, aber er selbst ist noch nicht wirksam. So hat also damals ein Rechtsvakuum bestanden und schon aus diesem Grunde mußte Freisprechung beim Hochverrat gegen Rußland erfolgen. ES war nicht verständlich, was der Reichsanwalt gegen dieses Argument einzuwenden versuchte. Nachdem nun dergestalt die Gegenseitigkeitsstage diskutiert, wurde die Verhandlung über die Revision des Staatsanwalts— es war noch die Anwendbarkeit der Hochverratsparagraphen selbst zu er- örtern— abgebrochen und man wandte sich der Revision der An- geklagten gegen die Vernrteilung wegen Geheimbündelei zu. Nach den Erörterungen über die Geheimbündelei kehrte die Beratung noch einmal zur Revision des Staatsanwalts zurück, da der Reichsanwalt bereits vorher angekündigt hatte, er hätte noch unabhängig von der Frage der Gegenseitigkeit ein neues Argument auf der Pfanne. Und nun rückte der Reichsanwalt zur allgemeinen Verblüffung mit der Entdeckung heraus, daß, selbst wenn der Hoch Verratsparagraph wegen des Mangels verbürgter Gegenseitigkeit nicht anwendbar sei, die Königsberger Verbrecher dennoch eine Untat begangen hätten, allerdings nur diejenigen, die zarenmörderische Schriften verbreitet hätten. Es käme nämlich der 8 49» in Frage, der lautet: .Wer einen anderen zur Begehung eine« Verbrechens foder zur Teilnahme an emem Verbrechen auffordert, oder wer eine solche Aufforderung annimmt, wird, soweit nicht das Gesetz eine andere Strafe androht, wenn das Verbrechen mit dem Tode oder lebenslänglicher Zuchthausstrafe bedroht ist, mit Gefängnis nicht unter 3 Monaten, wenn das Verbrechen mit einer geringeren Strafe bedroht ist. mit Gefängnis bis zu zwei Jahren oder mit Festungshast von gleicher Dauer bestraft. Die gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher fich zur Begehung eines Verbrechens oder zur Teilnahme an einem Verbrechen erbietet, sowie denjenigen, welcher ein solches Erbieten annimmt. Es wird jedoch das lediglich mündlich ansgedrückte Auffordern oder Erbieten sowie die Annahme eines solchen nur dann bestrast, wenn die Aufforderuag oder das Erbieten an die Gewährung von Vorteilen irgend welcher Art geknüpft worden ist. Neben der Gefängnisstrafe kann auch Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte und auf Zulässigkeit von Polizei- aussicht erkannt werden.' Die Königsberger Unholde können fich also nun darauf gefaßt machen, wegen Suffordernng zum Morde mit Gefängnis nicht unter drei Monaten(bis zu fünf Jahren) bestrast zu werden. Der angezogene Paragraph ist der sogenannte Duchesne-Paragraph, einen der Gelegenheitsbestimmungen des deutschen Strafgesetz- bucheS, der entstanden ist, weil ein Mann namens Duchesne dem Jesuitenprovinzial in Belgien zur Ermordung des Fürsten Bismarck sich anbot. Die KönigSberger wissen nun also, was sie durch Eni- gegennahme von Schriften, von denen sie kein Wort verstanden und die im schlimmsten Falle nur theoretische Erörterungen über die Berechtigung einer Zarentötung enthielten, gesündigt haben. Ueber diese neueste Entdeckung zur Königsberger Justiz wurde naturgemäß nicht mehr viel verhandelt. Der Senat zog sich zur Beratung zurück und kehrte daraus mit der abermals über« raschenden und kaum jemals schon in die Erscheinung getretenen Mitteilung zurück, daß er die Verhandlung unterbreche und Sonnabend fortsetzen wolle. Es ist nmßig, Vermutungen über den Grund dieser Vertagung auszusprechen; vielleicht sind es nur formale Gründe, die statt der üblichen Aussetzung der Publikation für einen bestimmten Termin die Form der Unterbrechung der VerHand- lung wählen ließen. Zu den Kuriositäten des Königsberger Verfahrens hat übrigens, so sei schließlich noch bemerkt, die Königsberger Staatsanwaltschaft für die Revisionsberatung eine weitere Bereicherung geleistet. Der Staatsanwalt hat nämlich auch gegen die gesetzlich freigesprochenen Braun und Ehrenpfort die Aufhebung des Urteils wegen Freisprechung aus dem Hochverratsparagraph beantragt, es aber unterlassen, auch die Aufhebung wegen Freisprechung aus den Geheimbundsparagraphen zu verlangen. So ist also die Urteilsfeststellung rechtskräftig geworden, daß Braun und Ehrenpfort mit der ganzen Angelegenheit der Verbreiwng der Schriften nichts zu tun haben. Trotzdem aber sollen sie nach der Königsberger'Staats- anwalsschast immer noch verdächtig sein, Hochverrat gegen Rußland begangen zu haben. Wodurch, da sie das mit der ganzen Ver- bindung nichts zu tun haben? Wir lassen nachstehend nunmehr den Verhandlungsbericht unseres Korrespondenten folgen. »„« Leipzig, den 3. Mai.(Eig. Ber.) Heute vormittags 9 Uhr begann vor dem 2. Senat des Reichs« gerichtS unter dem Vorsitz deS Reichsgerichtssenats-Präsidenten Frhr. v. B ü l o w die Revisionsverhandlung des Königsberger Prozesses wegen Hochverrats gegen Rußland und Geheimbündelei. Eür die Verteidigung find die Rechtsanwälte ReichStagS-Abgeordneter aase- Königsberg, Dr. Heinemann und Dr. Liebknecht erschienen. Verteidiger Haase vertritt sämtliche Angeklagten. Vert. Heinemann den Angeklagten P ä tz e l« Berlin und Vert. Lieb- knecht die Angeklagten Ehrenpfort« Charlottenburg und Klein« Memel. Die Revision der Staatsanwaltschaft vertritt der Reichsanwalt Treutlein-Moerdes. Der Referent Reichsgerichtsrat S a b a r t h verzichtet mit Rücksicht darauf, daß die Prozeßakten einschließlich des Urteils sämt- lichen Reichsrichtern vorgelegen haben, auf eine ausftihrliche Wiedergabe des bekanntlich 240 Seiten umfassenden Urteils. Er hebt nur kurz die Punkte hervor, die für die Revisionsverhandlung von besonderer Wichtigkeit sind. Er schildert die Prozeßvorgänge. die der Verteidigung Anlaß zu ihren Prozetzriiaen gegeben haben, und teilt die juristftche Beweisführung mit, auf Grund deren das KönigSberger Landgericht zu der Ueberzeugung gekommen ist, daß objektiv eine Borbereitung zum Hochverrat gegen Rußland vorliege, der Strafantrag richtig und rechtzeitig gestellt fei, aber die Ver- bürgung der Gegenseitigkeit fehle, daß ferner ein Geheim- bund, eine geheim gehaltene staatsgefährliche Organisatio» zur Verbreitung russisch- revolutionärer Literatur bestanden habe, an der die sechs verurteilten Angeklagten bewußt teil- genommen hätten. Der Referent gibt weiter eine Inhaltsangabe der Revisionsschriften der Verteidiger, deren Hauptgesichtspunkte schon auS dem Vorbericht im wesentlichen bekannt sind. Die Verhandlung beschränkte sich auf Wunsch deS Vorsitzenden zunächst auf die Frage der Berbürgnng der Gegenseitigkeit durch Rußland, da sie eine prinzipielle Vorftage ist. Der Reichsanwalt schickt seinen Ausführungen folgende Ein» leitung voraus: Es ist nicht meine Aufgabe, hier zu unter« suchen. ob dieser Prozeß, der mit Recht oder Unrecht so großes Aussehen und so lebhafte Bewegung in Presse und Parlament hervorgerufen hat, notwendig oder angezeigt war, und ob in seiner Durchführung Fehler vorgekommen sind. Ich habe mich hier lediglich über die formalen und materiellen Rügen auszusprechen,_ die in vielen Punkten erhoben worden sind. Aber die Art und Weise, wie dieser Prozeß agitatorisch ausgenützt und ausgebeutet worden ist, hat den Richtern ihre Aufgabe nicht erleichtert. Gewiß werden die Strömungen in Parlament und Presse sie nicht beirren. aber die Mißstimmung über die agitatorische Ausnutzung dieses Prozesses kann bei dem gewissenhasten und besonnenen Richter,_ der nur nach Gerechsigkeit und Unparteilichkeit strebt, Gegengewichte schaffen, die auch geeignet sind, daS seelische Gleichgewicht der Richter zu stören, aus dem allein die Erkenntnis des Wahren und Rechte« erwachsen kann.... Zur Sache beanttage ich, das Urteil de? Landgerichts Königsberg insoweit aufzuheben, als es die Angeklagten Nowagrotzky, Braun, Kugel, Klein, Treptan, Merlins, Ehrenpfort nnd Pätzel von der Anklage deS Vergehens gegen den§ 102 des Strafgesetzbuches, Hochverrat gegen befreundete Staaten, freispricht und die Sache in diesem Umfange zu ander« weitiger Entscheidung an ein benachbartes Landgericht zu verweisen. § 102 hat bekanntlich zur Voraussetzung seiner Anwendung die Stellung des Strafantrages und die Verbürgung der Gegenseittgkeit durch den auswärtigen Staat. Leider ist die in der Novelle zum Strafgesetzbuche von 1875 von der Regierung beanttagte Streichung dieser Voraussetzungen vom Reichstage abgelehnt worden, obwohl die jetzige Bestimmung den polittschen Bedürfnissen nicht mehr ensspricht und die Sonne edlerer Sorge für den Weltfrieden diesen Fortschritt längst hat keimen lassen und er vorgeschrittenen Juristen längst als notwendig erscheint. Wie notwendig er ist, mag der Artikel Karl Kautskys in der Maizritung des„Vorwärts" beweisen, in dem eS heißt: „Kaum läßt fich noch ahnen, welche Formen dieser unerhörte riesenhafte Zusammenbruch annehmen, welche Kräfte er entfesseln, welche Ergebnisse er reifen wird. Aber eines ist heute schon sicher: Er wird auf Rußland nicht beschränkt bleiben, er führt zu einer europäischen Erschütterung. Der ökonomische Zusanimen- bruch deS russischen Staates wird den Kapitalismus Europas aufs schwerste verwunden, namentlich den Frankreichs und Deutsch- landS, der fich drängte, die Milliarden, die er aus den heimischen Proletariern herausgeschunden, zur Stützung des russischen Mord« regimeS zu verwenden; er wird das politische Gefüge der Nachbar« staaten Rußlands erschüttern, die Stücke von Nationen umfassen. welche auch im russischen Reiche vertreten sind; er w«d das. Proletariat der ganzen Welt aus? tiefste aufwühlen und«S zum Sturme aufrufen gegen alle Hemmnisse, die gegen fein Fort« schreiten aufgerichtet worden.' Nach dem jetzt geltenden deutschen Gefetz muh aber die Gegen« seittgkeit„verbürgt' sein. Es wird also ein Bürgschastsvertrag vor« ausgesetzt; es genügt aber auch ein vertragSähnlicheS Verhältnis, wenn z. B. in beiden Ländern Zustände geschaffen werden, die gegen« seitige Hülfe in Aussicht stellen. Für die russische Strafgesetzgebung kommt in der Frage der Gegenseittgkeit nur Arttkel 260 in Frage. Gewiß ist durch Erlaß vom 7. Juni 1904 ein Teil deS neuen russischen Strafgesetzbuches in Kraft gesetzt worden. Aber die neuen Arttkel 235—239 über Gegenseitigkeit sind noch nicht in Kraft gesetzt worden. Gehen wir nun zur Auslegung deS Art. 260 über, so ist zunächst festzustellen, daß er geschaffen wurde, um Rußland gegen die pol- nischen Unabhängigkeitsbestrebungen mit Hülfe Oesterreichs und Preußens zu schützen. Mit Oesterreich wurde zwecks Herstellung der Gegenseittgkeit 18ö9 ein Vertrag geschlossen, der übrigens nicht in der russischen Gesetzessammlung, sondern in den W ar s ch aue r Regierungsverordnungen publiziert worden ist. Damit war daS im österreichiichen Gesetzbuch geforderte Moment der „Kundmachung" erfüllt. Wenn mit Preußen ein solcher Verttag trotz gleicher politischer Verhältnisse und trotz der auS- gesprochenen Neigung Bismarcks, Rußland zu helfen, nicht abgeschlossen wurde, so konnte eS nur deshalb sein, weil eS nicht für notwendig gehalten wurde, weil die§§ 102 deS deutschen und 260 deS russischen beziehungsweise damals der 8 78 deS preußischen Strafgesetzbuchs, die Gegenseitigkeit genügend zu verbürgen schienen. Auch der Wortlaut deS russischen Strafgesetzbuchs spricht für die Auffassung, daß nur ein ausländisches Gesetz die Gegenseittgkeit zu verbürgen brauche. Sonst würde nicht von„Trattaten oder hierüber veröffentlichten Gesetzen", sondern müßte von Traktaten und hierüber veröffentlichten Gesetzen die Rede sein. — Der Reichsanwalt führt eine Reihe weiterer grammattschee Gründe für seine Auffassung an.— Gegen diese Auslegung könnten auch die Mottve des neuen russischen Strafgesetzbuches nicht angeführt werden. Diese seien nur gesetzgeberische Vorarbeiten ohne lede Autorität, enthielten in ihrer Berufung auf Prof. Lammasch und auf besondere, Gegenseittgkeit verbürgende Verttäge, die mit nur wenigen Staaten abgeschlossen seien, � offenbare Irrtümer. Der Reichs- anwalt kommt also zu dem Schluß, daß die Voraussetzungen des russischen Arttkel 260 der deutsche§ 102 erfüllt, daß dieser letztere als das im russischen Recht verlangte,„hierüber veröffentlichte Gesetz' an- zusehen sei, das Rußland die Gegenseittgkeit verbürge. Auf Aufforderung deS Vorsitzenden erklärt der ReichSanwalt noch, daß nach seiner Auffassung die Strafbarkeit schon zur Zeit der Tat verbürgt sein muß und daß demnach der Erklärung des russischen Botschafters über die Verbürgung der Gegenseitigkeit durch ihn keinerlei Wert beigelegt werden könne. Nach dieser einstündigen Darlegung erhält das Wort: Veteidiger Rechtsanwalt Heinemann: Ich werde auf de« zitterten Artikel KautÄyS und die ähnlichen Susführungen nicht ein' gehen: Ich halte eS strafprozessualisch nicht für möglich, hier Urkunden zu erörtern, die nicht zum Gegenstande der Verhandlung gemacht worden sind. Ich glaube auch nicht, dah die Erörterung der nüchternen Rechtsfrage de lege lata durch Hereinziehung politischer Schriftstücke gefördert wird.— Zur Sache scheint mir die Entstehung des russischen Strafgesetzbuches die Auffassung des Reichs- anwalts ohne weiteres entscheidend zu widerlegen. Bis zum Jahre 1853 strafte Rußland Vergehen gegen auswärtige Staaten überhaupt nicht. Als es aber daran ging, erklärte Fürst Gortschakoff an Oesterreich, er verspreche im Namen seines Staates ein dem österreichischen Gesetz entsprechendes Gesetz zur Verbürgung der Gegenseitigkeit zu schaffen. Nach den Ausführungen des Reichs- kanzlers würde es sich nicht um ein entsprechendes, sondern um ein dem österreichischen Recht widersprechendes Gesetz handeln. Der Vorsitzende macht unterbrechend darauf aufmerksam, daß der Art. 260 aus dem Jahre 1858, die Erklärung Gortschakoffs, er .oerde..., erst aus dem Jahre 1359 stammt. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Heinemann sieht gerade in dieser Tatsache den besten Beweis dafür, daß der Z 260 zwecks Vereinbarung der Gegenseitigkeit noch ein anderes publiziertes russisches Gesetz voraussetze. Die Redaktionskommission für das neue russische Straf- gesetzbnch ist, so fährt der Verteidiger fort, nicht eine gleichgültige, private Kommission, Amdern ein Teil der souveränen Gesetzgebongs» gewalt des Zaren. Ihre Motive zum neuen Strafgesetzbuch sind ein von allerhöchster Stelle bestätigtes Rcichsrats- gutachten. Ihre Erklärung, der sich Taganzeff und alle hervorragenden russischen StaatsrcchtSlchrer anschließen, daß die Gegenseitigkeit nicht nur verbürgt, sondern auch in Rußland be- zeugt sein müsse durch einen Staatsvertrag oder ein publiziertes Gesetz, läßt nicht den mindesten Zweifel. Diesen Autoritäten gegen- über muß die rein grammatische Interpretation, die sich obendrein nur auf eine Uebersetzung stützt, verstummen. Aber auch sie spricht nicht für, sondern gegen die Auffassung des Staatsanwalts. Schließlich ist für die politischen Delikte zurzeit des ersten Urteils das neue russische Strafgesetzbuch bereits in Kraft gewesen, nur nicht der Gcgenseitigkeitsparagraph. Aber da- durch, daß die Paragraphen, auf die§ 260 Bezug nimmt, aufgehoben sind, ist in bezug auf die Gegenseitigkeit ein Vakuum entstanden. Den geschilderten Gesetzeszustand hat eine bei den Akten befindliche amtliche Auskunft bestätigt. Infolgedessen ist das den Angeklagten günstige Recht— sei es das alte oder das neue— an- zuwenden. Vert. Rechtsanw. Dr. Liebknecht hebt besonders hervor, daß die zwischen dem Fürsten Gortschakoff und der österreichischen Regierung ausgetauschte Deklaration durchaus Vertragscharakter trägt, und daß gerade deshalb die Motive des neuen russischen Strafgesetzbuches auch Oesterreich als einziges Beispiel der Verbürgung der Gegen- seitigkeit anführe. An diesen Motiven hätten die hervorragendsten Juristen und Staatsmänner Rußlands im amtlichen Auftrage mit- gearbeitet; ihr Werk sei also nicht zu unterschätzen. Uebrigens er- gebe auch der Wortlaut des russischen§ 260, daß ein in Rußland publiziertes russisches Gesetz dort zur Voraussetzung der Gegen- seitigkeitsverbürgung gemacht werde. Denn das Wort„publizieren" sei dort ein spezifisch technisches für die russische Art der Publikation. Auch das Wort„publizieren" an sich beweise schon, daß an Rußland gedacht sei; denn nur in Rußland gebe es auch nicht publizierte Gesetze. Der Reichsanwalt meint gegenüber der wiederholten Berufung auf die Redaktionskommission des neuen Strafgesetzbuches, daß dieses selbst die entgegengesetzte Auffaffung der russischen Regierung wiedergebe, die Verbürgung der Gegenseitigkeit möglichst zu erleichtern. Vert. Rechtsanw. Haasc: Das neue russische Strafgesetzbuch hat den Kreis der Delikte, für die Gegenseitigkeit verbürgt wird, sehr eingeengt. Nur ftir den einen Fall des bewaffneten Anftuhrs sieht das neue Strafgesetzbuch die Gegenseitigkeit noch vor, verzichtet da- bei allerdings auf die Publikation eines besonderen Gesetzes oder Vertrages. Aber gerade diese Aenderung beweist, daß der bisherige Rcchtszustand unserer Auffassung entspricht. Uebrigens ist in Ruß- land noch nie ein Russe wegen feindlicher Handlungen gegen den deutschen Kaiser oder den König von Preußen, das Deutsche Reich oder einen deutschen Bundesstaat zur Verantwortung gezogen worden. Damit wird die Erörterung der Revision der Staatsanwaltschaft abgebrochen. Nach einer einviertelstündigen Pause tritt das Gericht in die Er- örterung der Revision der Angeklagten ein. Vert. Rechtsanw. Haase: Die Strafkammer hat zwar für den Begriff des Geheimbundes überall Reichsgerichtsentscheidungen zitiert, sie aber nirgends zur Anwendung gebracht. Das Dasein einer Verbindung ist schon nicht genügend bewiesen, die von einem Organisasionswillen gehaltene Tätigkeit einer Verbindung nicht genügend geschieden von der Wirksamkeit der einzelnen. Unklar und widerspruchsvoll verwischt das Urteil durch seine Defitionen mit„usw. usw." die Grenzen des Verbindungs- bcgriffs. Entgegen aller bisherigen Auffassung genügt der Königs- berger Strafkammer für die Feststellung einer Organisation die Tätigkeit einer Mehrzahl von Personen in gleicher Richtung. Die Strafkammer hat ferner den Begriff der Mitgliedschaft verkannt. Von ab- gegrenzten Rechten und Pflichten der Mitglieder gar nicht zu reden, ist sie auch über die verschwommensten Grenzen weit hinausgegangen, in- dem sie als Mitglied ansieht, wer sich auch nur einmal bei einer Handlung als im Dienst der Organisation stehend gefühlt hat. Bei Nowagrotzky liegt nicht einmal das vor; denn er hat die Pakete, die er einmal empfangen hatte, nie weiter gegeben. Trotzdem wurde auch ihm die Mitgliedschaft bei einer geheimen Verbindung zuerkannt. Auch er soll„seinen Willen dem Gesamtwillen der Organisatton untergeordnet" haben. Als ob man wirklich bei jeder Gefälligkeit seinen selbständigen Willen opferte. Die Absicht der Geheimhaltung hat die Strafkammer überhaupt nicht festgestellt. Sie hat sich mit der Aufzählung der rein theoretischem Möglichkeiten begnügt:„Jedes Mitglied der Verbindung sei durch ausdrückliche Mitteilung oder konkludente Handlungen von der Geheimhaltung unterrichtet worden und habe auf Grund ausdrücklicher Verabredung oder stillschweigender Uebereinkunft ihr zugestimmt." Welche der Alternativen zutrifft, wird nirgends im Urteil gesagt. Schließlich muß eine geheime Verbindung. um straffällig zu sein, eine Einwirkung auf die öffentlichen Angelegenheiten deS Deutschen Reiches beabsichtigen. Nun nimmt das Königsberger Urteil an, der Gesamtwille, der Verbindungswille fei dokumenttert ivorden durch die leitenden Russen, die in der Schweiz oder in London wohnen. Die Absicht dieser Russen aber war es sicherlich nicht, auf Deutschlands Polittk einzuwirken. Für das Urteil darf nur dieser Verbindungszweck, nicht irgend- welche etwaige Nebenabsicht eines oder des anderen Mitgliedes der Verbindung matzgebend sein. Schon deshalb rechtfertigt sich die Aufhebung des Urteils und die sofortige Freisprechung der Angeklagten. Der Reichsanwalt beantragt, die Revision der Angeklagten ab- zuweisen. Die formellen Rügen der RevisionSschristen seien nicht durchschlagend. Was materiell die Frage des Geheimbundes an- gehe, so sei unter öffentlichen Angelegenheiten alles zu verstehen, was nicht ausschließlich Privatinteresse einzelner Personen sei. Die gemeinsame Idee der ganzen Organisation, das verbindende Band unter den Mitgliedern sei die Internat! onalität der Sozialdemokratie gewesen, die gemeinsame Absicht, auch in Rußland für den gemein- samen Gedanken Propaganda zu machen. Die Teilnahme der einzelnen, die sie durch ihre Tättgkeit genügend bekundet hätten. sei in der Vorinstanz hinreichend festgestellt worden. ES entspinnt sich noch eine Diskussion zwischen dem Reichs- anwalt und dem Verteidiger Rechtsanwalt Haase darüber, ob§ 123 nur den Schutz des Staates gegen geheime Gesellschaften betreffe. für den er gegeben sei, oder ob der Staat sich ein Kontrollrecht über alle Verbindungen mit öffentlich-rechtlichen Zwecken habe sichern wollen. Damit ist die Verhandlung der Revision der Angeklagten erschöpft. Der ReichSanwalt fordert noch eine Prüfung der Frage, ob im Falle der Nichtanwendung des§ 102(Hochverrat) nicht § 49a platzgreife. In den inkriminierten Schriften sei„nicht nur mündlich" aufgefordert, den Zaren zu ermorden. Daß die Aufforderung an bestimmte Personen gerichtet werde, sei nicht erforderlich. Verteidiger Rechtsanwalt Haase weist darauf hin, daß die Schriften schlimmstenfalls nur rein akademische Erörterungen über die Zulässigkeit und Zweckmäßigkeit des Zarenmordcs enthielten. Vert. Dr. Liebknecht: Vom Versprechen von Vorteilen sei nicht die Rede. Der Reichsanwalt: Es ist ftir die Anwendung des§ 19a ganz gleichgültig, wo und von wem das Verbrechen begangen werden soll. In den Schriften wird ganz direkt zum Zarenmorde auf- gefordert. Vert. Rechtsanw. Heinemann: Das Gegenteil ist im Urteil fest- gestellt. Borsitzender: Es bliebe noch die Frage zu erörtern, ob hier Handlungen vorliegen, die unter dem H 21 fabrikcn Kopenhagens auszudehnen. Danach würden nicht weniger als 12 000 Mann aus der Arbeit gedrängt werden. Die Fabrikanten behaupten, eine Einladung zur Verhandlung an den ArbeitSmoni'S Verband gesandt zu haben. Sie wünschten, behaupten sie, ein über das ganze Land geltendes Ucbereinkommen mit dem Verband zu schließen. Tatsächlich ist jedoch keinerlei Verhandlungsangebot an den Verband gelangt.— Der Streik der Schmiede von„Det forenede Dampskibselskab' dauert jetzt bereits drei Monate, ohne daß von der Direktton irgend ein Versuch zur Einigung gemacht worden wäre. Streikbrecher sind nur einzelne vorhanden und zwar Leute, die wenig zu leisten imstande sind. Die Direktion gibt sich vergeblich die größte Mühe, brauchbare Arbeitskräste heranzuziehen. )Ziis Induftric und HandcU Besteuerung der Hamburgischen Aktiengesellschaften. Nach der kürzlich vom statisttschen Bureau der Han, burger Steuerdeputatton veröffentlichten Uebersicht über das Ergebnis der Einkommensteuer für 1902 hatte Hamburg in jenem Jahre 374 Akttengesellschaften mit einem Gesamteinkommen von 48,1 Millionen Mark. Davon gehörten 72 Gesellschaften zur unteren Steuerklaffe, d. h. sie hatten in dem betreffenden Jahre ein Einkommen von weniger als 3000 M.. 92 hatten ein Einkommen zwischen 3000— 10 000 M., 210, also mehr als die Hälfte, bezifferten ihr Einkommen über 10 000 M. Darunter hatten ein Einkoinmen von über 100 000 Mark 70 Gesell� schaften. An dem von den Akttengesellschaften erhobenen Gesamt- fteuerertrage von 3.3 Millionen Mark war die letzte Gruppe mit rund 3 Millionen Mark, also mit 90 Proz. beteiligt. Hamburgs größte Aktiengesellschaft, die Hamburg-Amerika Linie, zahlte allem über eine halbe Million Mark oder 15 Proz. der Gesamtsteuersumme der unpersönlichen Steuerzahler. Stahlwerkverband. Die„Rheinisch-Westfälische Zeitung" be- richtet: Die heutige Beiratssitzung des Stahlwcrkverbandes, die über die Erhöhung der Beteiligungsziffer für Walzdraht und Röhren beschließen sollte, wurde mit Rückficht auf die schwebenden Ver- Handlungen in der Drahtinduftrie vertagt; ebenso wurde die Be- schluhfassung über die Erhöhung der Beteiligungsziffer für Röhren zwecks Beschaffung weiterer Grundlagen ausgesetzt. Die nächste Sitzung findet Ende Mai statt. In den Verhandlungen wurde darauf hingewiesen, daß, falls das Walzdrahtsyndikat nicht zu- stände kommt, der Stahlwerkverband den nichtsyndizierten Werken die Ausfuhrbonifikation entziehen würde. Rnsfische Kriegsbrstcllungcn in Oberschlefien. Die offiziöse Presse verfickert zwar jede Woche mindestens ein paar mal, daß von der deutschen Regierung strenge auf Neutralität gegenüber den beiden in Ostasien kriegführenden Mächten gehalten wird; tatsächlich aber liefert die Hambnrg-Ammka-Linie nicht nur der russischen Flotte Kohlen- und Proviantschiffe— natürlich gegen gute Bezahlung—, sondern die deutsche Eisen- und Stahlindustrie versorgt auch un- gehindert den guten östlichen Nachbarn mit Kriegsmaterialien. So erzählt z. B. der„Bresl. Generalanz.": „In der vergangenen Woche sind wieder umfangreiche Be- stellungen für Kriegszwecke von der russischen Regierung nach Ober- schlesien vergeben worden, da die russische Industrie nicht in der Lage ist, den ganzen Bedarf so prompt und schnell zu liefern, wie die Situatton dies erheischt. Oberschlesien hat die Bestellungen über- nommen und das Bedeutsamste dabei ist, daß Preise gar keine Rolle spielen, wenn nur schnell und gut geliefert wird. So sind große Orders auf Hufeisen an die Bethlen- Falvahütte gekommen, ewehrläufe und Qualitätsbleche sind in große« Ouantttäten der Bismarckhütte überwiesen worden, während große Posten Zündglöckchen von der Herminenhütte in Laband her- gestellt werden."_ Hud der frauenbewegung. Der Berrin für Frauen und Mädchen der Ardeiterklasse hält am Montag, den 8. Mai, seine BereinSversammlung in den Srminhallen, Kommandantenftt. 20, ab. Herr Schriftsteller Stampfer spricht über Friedrich Schiller. Gäste willkommen. auch dann, wenn im fraglichen Betriebe einer Kleider« oder Wäschekonfektion im in Betracht kommenden Jahr die zulässigen Ausnahmen noch nicht erreicht feien. Demnach wäre Angeklagter nicht bloß wegen der Unterlassung der Eintragung, sondern überhaupt wegen unbefugter Längerbeschäftigung von Arbeiterinnen zu verurteilen, wenn eS sich um eine KonsekttonS» werkstätte im Sinne der kaiserlichen Verordnung handle. Letzteres sei noch nicht genügend festgestellt. Die Nachprüfung sei Sache des Landgerichts. Hervorgehoben wurde noch, daß die vorherige Eintragung in daS Ueberstuiidenregister einen guten Sinn habe. Im anderen Falle könnten ja Leute, die ihre Arbeiterinnen ausnützten und nichts ein- trügen, beim Ertapptwerden sagen: Was wollt Ihr, die 60 Tage sind noch nicht überschritten. Kapitalsdespote». Sozialed. vom Konfektionsarbriterinncn- Schutz. Wegen Uebertretung der BundeSratsverordiumg vom 17. Fe- bruar 1904 war der Unternehmer Großmann vom Landgericht zu Berlin zu einer Geldstrafe verurteilt worden, weil er in einer Kon- fektionSwerkstatt Arbeiterinnen länger als 11 Stunden und über SV, Uhr abends hinaus beschäftigt habe, ohne dies in das vorschrifts- mätzige Ueberstunden-Verzeichnis eiilzutragen. Nur letzteres Vergehen wurde bestraft, da das Landgericht davon ausging, daß eine lieber- -schreituu� der an 60 Tagen im Jahr zulässigen Ausnahme von Ueberzeit- arbeit nicht nachweisbar sei.— Das Kammergericht hob am 1. Mai das Urteil wieder auf und verwies die Sache noch einmal an das Landgericht zurück. Begründend wurde ausgeführt: Wenn der Be- triebsnnternehmer von oen Arbeiterinnen Uebcistuuden machen lassen wolle, dann müsse er dies vorher in das gesetzmäßige Verzeichnis eintragen. Die Eintragung sei die Voraussetzung der a u S- nahmsweise an 60 Tagen gestatteten Ueberzeltarbeit. Die Längerarbeit ohne die Eintragung sei somit direkt eine verbotswidrige Ausnutzung der Arbeitskraft,!( Welches Maß von Terrorismus Unternehmer leisten, zeigt«in Rundschreiben, das der Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller von Berlin auS erlassen hat. TaS Schreiben hat folgenden Wortlaut: Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. Berlin. 22. April ISl». (Rundschreiben Nr. 27 pro 1905. Bei der Aktiengesellschaft„Weser" in Bremen haben die in ber Anlage verzeichneten Dreher, Maschinenarbeiter und Arbeits» leutc gemeinschaftlich ihr» Beschäftigung heute niedergelegt. Da mit der eintretenden Notwendigkeit der vollständigen Schließung sowohl der genannten wie der übrigen Werften, beb Bremer Vulkan in Vegesack, G. Seebeck, A.-G. in Bremerhaven, NickmerS Reismühlen», Reederei-, Schiffsbau-A.-G, Bremerhaven, sowie von Joh. C. Tecklenborg, A.-G. in Geestemünde zu rechnen ist, so beantragt unser Bezirksverband Bremen, bis auf weiteres alle von obigen Firmen kommenden Arbeiter, welche mit einem Entlassungsschein vom 22. April er. oder später ver- sehen sind, gemäß§ 25 der Satzungen im vereich de» Gesamtderbaude» von der Einstellung auszuschließen. Hochachtungsvoll Gesamtverband Deutscher Metallindustrieller. In der Anlage, einer vollständigen„schwarzen Liste", sind die 105 Arbeiter der Akttengesellschaft Weser in Bremen, die als Dreher kündigten, genau aufgeführt. Weil 105 Arbeiter es wagten, zur Verbesserung ihrer Wirtschaft- lichen Lage zu kündigen und die Arbeit niederzulegen, werden sie der gesamten Metallindustrie zur Aushungerung überliefert l Aber nicht genug damit. Man sperrt auch Tausende Arbeiter derselben Werst aus und stellt die Aussperrung von weiteren Tausenden anderer ganz unbeteiligter Wersten in AuSficht, um die 105 Streikenden zum Verzicht auf ihr gutes Recht zu zwingen. Und auch diese Tausenden von Ausgesperrten überweist man gewissenlos der Aushungerungsmethode durch das vereinigte deutsche Scharfmarchertum. Dies gemein- gefährliche Treiben darf im deutschen Reiche der glorreichen Sozial- reform das Unternehmertum wagen l Im gleichen Deutschland aber braucht ein streikender Arbeiter einen„Arbeitswilligen" nur eimna' schief anzusehen, um emer Gefängnisstrafe gewiß zu sein!— Letzte JVaebnebten und Depefeben. Russische Revolution. Warschau, 3. Mai.(Offizielle Meldung.) Wegen der Feier des Jahres- tages der am 3. Mai 1721 erfolgten Proklamierung der polnischen Konstttutton sind die Kirchen heute dicht gefüllt. Da Demonsttattoucn und Unruhen befürchtet werden, halten Truppen die Straßen besetzt. Heute vormittag wurde ein Polizeiunteroffizier von einem unbekannten Täter erschossen. Zeitungen erscheinen nicht, da in den Druckereien nicht gearbeitet wird. Die Führer der Sozialisten fordern die Be- völkerung auf, wie ein Mann gegen die Regierung und das ganze russische Regime sich zu erheben, da nur gewaltsamerweise mit der ungewöhnlichen Brutalität der russischen Regierungsorgane gebrochen werden könne. Die Bürgerkreise sehen mit großer Besorgnis der weiteren Entwickelung der Dinge entgegen. Kalisch, 3. Mai.(Offizielle Meldung.)' Hier wurden heute ''mittag drei Israeliten verhastet, bei denen Proklamationen, Schuß- wafftn, Patronen und rote Fahnen gefunden wurden. Die Stadt- tore sind geschlossen, die Patrouillen, welche die Stadt durchziehen, werden mit Steinen geworfen._ Das Scharfmachertum in Schweden. Stockholm, 3. Mai. Der zentrale Arbeitergebcrverband be- schloß, die Aussperrung der organisierten Flessprenger, Zement- arbeite! und Klempner, beginnend mit dem 4. Mai, zu erklären. Die Aussperrung umfaßt in erster Linie die Mitglieder der ge» nannten Gewerkschaften, wird aber wahrscheinlich auf mehrere andere Gruppen des Baugewerbes ausgedehnt werden. Schiffsunglück. Calais, 3. Mai.(B. H.) Der englische Dampfer„Torrington" ans Cardisf stieß in der vergangenen Nacht mit einem spanischen Dampfer aus Bilbao zusammen. Letzterer sank innerhalb weniger Minuten. Der„Torrington" setzte sofort Boote aus, eS gelang ihm jedoch nur 5 Mann zu retten.— Der heftige Sturm, welcher in den letzten 24 Stunden im Aermelkcmal wütete, hat zahlreiche Schiffsunfälle verursacht._ Aachen, 3. Mai.(B. H.) Wegen Bilanzverschleierung ver- urteilte die hiesige Strafkammer den Direktor Jndcrfurth von den Jülicher Ledcrwcrken zu 6 Monaten Gefängnis und 1300 M. Geld- strafe.(„Frkf. Ztg.") Wien. 3. Mai.(B. H.) Der„Allgemeinen Zeitung" zufolge wurde die Aufführung von Felix DoermannS Komödie„Zimmer- Herren" und Hermann EtehreS Drama„Meta Konegen" behördlich verboten. Trieft. 3. Mai.(B. H.) Wie man dem„Secolo" aus Rom meldet, lassen die Nachrichten auS Kreta ein« Intervention der Mächte unvermeidlich erscheinen, um der gefahrvollen Lage«in Ende zu setzen. Man hält die Entsendung eines internationalen Ge- 'chwaders mit Landungstruppen, um die Insurrektion zu unter- »rücken, für bevorstehend. TifliS, 3. Mai.(Meldung der„Petersburger Telegraphen. Agentur".) Als Kosaken, die in dem Dorfe Saraconi einen gewissen Dmitri Ghetia, einen bekannten Agitator, verhaften wollten, sich dem Hause näherten, in welchem sich Ghetia mit mehreren Be- glcitern aufhielt, wurden sie, wie der Gouverneur von KutaiS meldet, mit Gewehrschüssen empfangen. Die Kosaken machten eben- alls von der Waffe Gebrauch; Ghetia wurde getötet, seine Be- gleiter entkamen. Sidncy, 3. Mai.(B. H.) Mit Bezug auf das zwischen dem Norddeutschen Lloyd und den Pflanzern des BiSmarck-Archipcls ab- geschlossene Abkommen deutet die hiesige Presse an, daß die australische Bundesregierung intervenieren und unter Umständen Maßnahmen gegen eine unbillige Konkurrenz ergreifen werde. Frkf. Ztg.") Verautw. Sisd. Paul Büttner, Berlin. Jnjerateo-rautw.(mit Ausnahme der.NeueWelt'-Beilage): Th. Glocke, verlin. Druck u. Verlag: Vorwärts vuchdr.«. BerlagSanstPaul Singer& Co., Berlin 3 V. Hierzu 2 Beilagen u.UuterhaltnugSbl r. 103. 22. Jahrgang. 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Die Maifeier. Fortgefeht gehen uns noch richte über den Verlauf der Maifeler zu, die 8eugnis ablegen von der tiefen Wirkung, die der Gebante der gemeinsamen Demonstration für die Forderungen des Proletariats am 1. Mai auf alle tlassenbewußten Arbeiter gewonnen hat. gir müßten Seite um Seite unseres Blattes füllen, wollten tvir alte uns zugehenden Einzelmeldungen verzeichnen. Wir müssen une Damit begnügen, noch einige zusammenfassende Meldungen aus größeren Bezirken zu registrieren. Donnerstag, 4. Mai 1905. Posen. glaubte die Polizei schon vor der Versammlung einen Beweis staatsAm 1. Mai fand ein gut gelungener Ausflug der Posener retterischen Ordnungseifers liefern zu müssen. Der Polizeikommissar Genossen nach dem Eichwalde statt. erklärte, die Versammlung dürfe nur stattfinden, menn die rote Des Abends referierten in einer gut besuchten Versammlung die foration des Saales entfernt werde. Als ihm kategorisch erklärt Genossen Schulz, Gauleiter der Maurer in deutscher und der Dswiata wurde, das werde nicht geschehen, er fönne, wenn er wolle, die Redakteur Sremski in polnischer Sprache. Fahnen 2c. gewaltsam entfernen, lenkte er ein. Er redete zwar noch Zum Schluß wurde folgende Resolution angenommen: davon, daß er aus anderen Städten aus eigener Erfahrung wisse, Die im Sommerschen Saal zahlreich versammelten Genoffen daß bei der Maifeier die Säle nicht rot deforiert würden. Die und Genossinnen erklären sich mit den Forderungen, die die Sozial Bersammlung durfte jedoch gnädigst tagen, nachdem dem Herrn verdemokratie der ganzen Welt am 1. Mai aufstellt, einverstanden und sichert war, daß die roten Fahnen die Polizei auch am Vormittag Aus der Provinz Brandenburg liegen noch Einzelmeldungen vor versprechen zu jeder Zeit dafür einzutreten, daß diese Forderungen nicht geniert hatten. aus bielen fleinen Orten, von denen wir nur nennen Büllichau, auch zur Tat werden. Ferner sprechen die Versammelten ihre volle Norddeutschland. Bernsdorf bei Königs- Wusterhausen, Nauen, Neu- Ruppin, Gransee, Sympathie den kämpfenden Brüdern jenseits der Grenze in Rußland Lögow, Lüdersdorf, Sommerfeld, Schwiebus, Driesen. In Bernau aus und verurteilen die Hülfe, die die deutsche Regierung den russischen etwa 2500 Genoffen, am deftzug selbst etwa 6000 personen, Lübeck. In der Morgenversammlung im Bereinshause" waren toar die Beteiligung noch nie so start wie in diesem Jahre. An Schergen leistet." dem Morgenspaziergange beteiligten sich gegen 700 Mann, die dann Ein brausend aufgenommenes Hoch auf die internationale auf dem Festplatz zirka 11 000 Personen anwesend. zur Versammlung im Schüzenhause zusammentraten. Nach dem Sozialdemokratie schloß die Versammlung, nachdem vorher noch Referate des Genoffen Hammacher wurde die Resolution der Bergmann Bielinski aus Oberhausen zur einmütigen Arbeit zwischen Berliner Gewerkschaftskommission angenommen. den deutschen und polnischen Genossen aufgefordert hatte. Aus den übrigen Reichsgebieten verzeichnen wir noch: Schlesien. Oft und Westpreußen. D Die Maifeier nahm in den Unterweserorten trotz der wirtschaft. lichen Kämpfe des letzten Jahres einen imposanten Verlauf. An der Vormittagsversammlung in Bremerhaven, in der Genosse awer. tamp über die Bedeutung des 1. Mai referierte, waren etwa 500 Personen anwesend. Eine auf den Tag und die politischen Beitereignisse bezügliche Resolution wurde einstimmig angenommen. Rachmittags fand unter Beteiligung einer vielhunderttöpfigen Menge ein Ausflug statt. Die Abendfestlichkeiten in fünf großen Sälen, Bälle und Kommerse waren überfüllt. " In Königsberg war die Maifeier eine glänzende. Sie fand bei Die Maifeier in Schlesien wies allerwärts eine äußerst zahlreiche schönem, warmem Wetter statt. Seit langen Jahren zum erstenmal Beteiligung auf. In Breslau referierte Genosse lüh 3 am Sonn- war es dem Königsberger Proletariat vergönnt, das Weltfest der tag in einer von etwa 2000 Personen besuchten Bersammlung. Das Arbeit so zu feiern, wie es seinem Herzen entsprach. Es war ihm im Anschluß hieran veranstaltete Boltsfest wies eine noch bei weitem bisher nicht gelungen, einen größeren Saal für die Feier zu erhalten. Ju Harburg verlief die Maifeier programmemäßig. Zu der Vorstärkere Beteiligung auf. Alle Näume des Gewerkschaftshauses wie Das liberale" Bürgertum hatte es bisher ausgezeichnet verstanden, mittags- Bersammlung waren rund 400 Feiernde, darunter einige die beiden Gärten waren überfüllt. Die Veranstaltung eines Um- der größten Partei in Königsberg, der Sozialdemokratie, die größeren Frauen, erschienen. Noch nie war die Versammlung so gut besucht, zuges durch die Stadt war vom Polizeipräsidium untersagt worden. Säle abzutreiben, so daß sie viele Jahre hindurch fast obdachlos wie in diesem Jahre. Trotzdem die Innung Baubütte" angekündigt Wundern braucht man sich freilich nicht, daß in der Stadt der war. Das Maifest mußte weit draußen im Stadtwalde gefeiert hatte, jeden Feiernden zehn Tage auszusperren, konnte der MaurerTerroristenprozesse die Arbeiter auch von den polizeilichen Organen werden; Reben konnten da nicht gehalten werden und in der Stadt Gesangverein Harmonia" bei guter Besetzung einige stimmungsvolle als minderwertige Menschen betrachtet werden, für die der Grundsatz verfügte die Partei nur über ein bis zwei fleine Lokale. Nach der Lieder vortragen. An dem Nachmittagsausfluge durch die Haake des gleichen Rechtes für alle nicht gilt, denen man auch nicht er- Eingemeindung ist es aber den Gewerkschaften und der Partei ge- beteiligten fich 300 erwachsene Personen, in deren Begleitung sich Lauben darf, was Innungsbrüdern, Kriegervereinlern ze. ohne weiteres lungen, dicht vor den Toren der Stadt ein vorzügliches Garten- eine Anzahl Kinder befanden. Am Abend fanden in drei Lokalen mit Bergnügen gestattet wird. Am ersten Mai selbst wurde früh ein etablissement nebst Versammlungssaal zu erhalten. Am 1. Mai große start besuchte Versammlungen statt, in denen entsprechende Ausflug unternommen. Die Beteiligung betrug etwa 1000 Genossen wurde das Lokal zum erstenmal von der Partei benutzt. Um Resolutionen angenommen wurden. und Genoffinnen, während eine große Bahl erst am Nachmittage 9 Uhr vormittags fand eine Volksversammlung statt, Lauenburg, Elbe. Heute morgen Spaziergang nach Stötebrüd. die Arbeit ruhen ließen und sich im Gewerkschaftshause ein Stell- in der Genosse Saase, der Reichstags Abgeordnete für Nachmittags Konzert und Festrede. Letztere gehalten vom Abpichein gaben. Königsberg den Vortrag über die Bedeutung des 1. Mai hielt. Der geordneten unseres Kreises, Genoffen F. 2esche. Die Maurer, In Goldberg hatten sich am Sonntag etwa zweihundert Ge- Saal war gedrängt voll. 800 Personen hatten in ihm Plaz ge- Böttcher, Holzarbeiter und einige Arbeiter anderer Branchen ließen noffen und Genossinnen zu der Versammlung eingefunden, die zum funden. Leider faßte er auch nicht im entferntesten alle Maifeiernden. die Arbeit den ganzen Tag ruhen. Metallarbeiter, Zimmerer, Tertil Teil aus weiter Umgebung per Bahn und Fahrrad herbeigeeilt Hunderte und hunderte mußten im Garten bleiben. Haase feierte arbeiter und einige andere Arbeiter einen halben Tag die Arbeit waren. Hier referierte Genosse Darf- Breslau. Seine Aus- in seiner glänzenden Rede besonders das Andenken Johann Jakobys, ruhen. Die Zahl der Beteiligten an der Festlichkeit nachmittags führungen fanden aber bei den zwei überwachenden Beamten wenig des großen Königsberger Demokraten, der an diesem Tage gerade betrug über 200. Gegenliebe und wurde mit der Auflösung der Versammlung gedroht, feinen 100. Geburtstag feierte. Auf sein Grab, das sich auf dem Lüneburg. Hier war die Beteiligung an der Maifeier eine rege. vas sehr dazu beitrug, die Begeisterung der Landarbeiter hell zu jüdischen Kirchhof in Königsberg befindet, hatte die Partei einen Die Holzarbeiter sowie die Bauhandwerker ließen mittags die Arbeit entfachen. In Mittelsteine bei Glaz, so ziemlich der schwärzeste prächtigen Lorbeerkranz, geschmückt mit frischen Blumen und roten ruhen, trotzdem die Arbeitgeber angekündigt haben, daß auch für Wintel in Schlesien, fand Genoffe Radloff Breslau in der Ver- Schleifen, niedergelegt. Folgende Inschriften zierten die Schleifen: den Dienstag die Arbeit nicht aufgenommen werden soll. Die Fest Sammlung am Sonntag etwa sechzig Personen bor. Am 1. Mai" Dem Vater der preußischen Demokratie. Unserem Vortämpfer rede, nachmittags, hielt der Genosse Baerer Harburg. Die Feier Sprach derselbe Genoffe, der nach vierzehnmonatlicher Gefängnisstrafe Dr. Johann Jakoby zu feinem 100 jährigen Geburtstage verlief ohne jegliche Störung. man wieder die erste Maifeier mitmachte, in Landeshut. Hier betrug die 1. Mai 1905. Die fozialdemokratische Partei Königsbergs. Winsen a. d. Luhe. Auch hier fand abends in der Herberge eine Zahl der Versammlungsbesucher etwa zweihundert. Wie sonst an Freiheit, gegründet auf Gleichheit alles dessen, was wienschen- Maiversammlung statt, welche ebenfalls gut besucht war. Genosse allen Orten wurde auch diese Versammlung von Arbeiterfängern angesicht trägt. J. G. Fichte. Johann Jakoby." Am Nachmittage Graeger- Lüneburg hielt die Festrede. burch vorgetragene Lieder verschönt. In Jauer sprach Genosse Sch hatten sich tausende Genossen mit ihren Familien in dem Eta Rüftringen- Wilhelmshaven. Maifeier gut verlaufen. Festzug am Breslau vor dreihundert Personen und erntete brausenden Beifall. blissement Ludwigshof" eingefunden. Sie vergnügten sich hier bei Vormittag über 2000 Personen mit 4 Musikkapellen. Abends sprachen In Striegau referierte Genoffe Feldmann Langenbielau vor Konzert, Gesangsvorträgen und Beluftigungen. Genosse Gott in drei Lokalen Ebert- Bremen, Baul- hannover und Wagneretwa zweihundert Bersonen, und auch ein am frühen Morgen schalt hielt die Festrede. Bis spät abends tamen Festteilnehmer Bant. Vormittags Aufenthalt und Ansprachen in drei Gartenlotalen. bereits unternommener Spaziergang ties eine eine befriedigende hinzu und überall wurde erklärt: So großartig ist noch kein Mai- In Itzehoe( Holstein) wurde die Maifeier früh durch einen Beteiligung auf. In Ohlau sprach Genosse Darf Breslau vor fest gewesen!" Morgenausflug begangen, woran fich 180 Mann beteiligten, am Nachawweihundert Bersonen. In Neisse, dem schlesischen Rom, wo Genosse In der Provinz fand in zwei Städten, in Raftenburg und Gum- mittagsausflug nahmen 220 Mann teil; die Abendversammlung war Mehrlein Breslau referierte, betrug die Zahl der Versammlungs- binnen, schon am Sonntag, den 30. April, die Maifeier statt. Die von 300 Personen besucht. Besucher etwa einhundertfünfzig. In Freiburg sprach Reichstags- Genossen Merchionini und Crifpien aus Königsberg referierten hier. Abgeordneter Hermann Sadie. Die Versammlung wies etwa 2 andarbeiter nahmen an beiden Versammlungen teil. Auch bierhundert Besucher auf. In Neustadt D.-S. sprach Genoffe Gott- im dunklen Dften unter den gedrücktesten Broletariern gewinnt die Flensburg. Die Arbeitsruhe war in diesem Jahre bedeutend. hard Hanisch vor etwa hundert Personen. Unser Bericht fann Maifeier immer mehr an Boden. Es mögen gegen 2500 Arbeiter gefeiert haben. Die Versammlung auch nicht annähernd einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Danzig. Am Vormittag fand eine recht start befuchte Ver- vormittags war drückend voll. Ein großer Teil VersammlungsIn den meisten Städten Schlesiens leidet die Maifeier unter Lotal- fammlung statt, in der Genosse Bartel über die Kulturforderungen besucher mußte wieder umkehren, da das Lokal zu klein war, um alle mangel, so daß weder Versammlungen abgehalten, noch Ausflüge des Arbeiter- Weltfeiertages" referierte. Nach Schluß der Versamm zu fassen. Der Ausflug des Nachmittags berregnete. Die Stimmung beranſtaltet werden können. Umzüge sind überall verboten. Die lung drohte der überwachende Polizeikommissar mit der Räumung war trotzdem ausgezeichnet. tommenden Reichstagswahlen erst werden wieder genau zeigen, in des Saales, wenn die Marseillaise gesungen werde. Er beließ es Braunschweig. Die Gewerkschaften der Metallarbeiter, Bauwelchem Maße der Sozialismus unter der schlesischen Arbeiter- jedoch bei der Aufforderung, als ihn mehrere Genoffen nach dem Handwerker, Holzarbeiter veranstalteten heute früh einen Ausflug nach Bevölkerung angewachsen ist. Gesez fragten, auf Grund dessen man singende Arbeiter so rücksichts- dem Auerumer Holz. Birka 500 Genossen und Genossinnen nahmen Aus Reimswaldau schicken uns sechs Berliner Parteigenossen los hinauswerfen dürfe. teil. Die Vormittags- Boltsversammlung in beiden Sälen des Geeinen Maigruß, die als Patienten der Heilstätte Görbersdorf zu Am Abend tagte eine vollständig überfüllte Maffenversammlung, wertschaftshauses war äußerst start besucht. Genosse Aßmann Ehren der Maifeier einen Spaziergang machten. in der ebenfalls Genosse Bartel über das gleiche Thema sprach. Hier referierte. Die Versammlung nahm die Berliner Resolution ein= SUNLIGHT SEIFE Neumünster. Feier großartiger Verlauf. Morgenversammlung 550 Personen. 1903 345. 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Die großen Die Maifeier in Krefeld nahm einen ausgezeichneten Berlauf. Maschinenfabriken von G. Luther, M. Jüdel, Grimme u. Natalis war allgemein doppelt so start wie früher. Im ganzen waren im Agitationsbezirk über 60 Redner zu stellen, An der in der Stadthalle, dem größten Lofale Strefelds arrangierten u. a. m. feiern von mittag an, eine Reihe Fabriken schon vormittags. von denen die Genoffen Schippel, Grenz, Noste, festlichkeit nahmen zirka 2000 Personen teil. Die Festrede hielt der Die Nachmittagsfeiern in den gewaltigen Sälen des" Hofjäger", des Schneider, Göhre und Frau wad w'i je dreimal, Gold Genoffe May- Solingen. Weißen Nosses" und des" Gewerkschaftshauses" find überfüllt. Im stein, Klees, Stüdlen und Müller je zweimal referierten. Die Maifeier verlief im Kreise Solingen glänzend. Die TeilHerzogtum fanden Maifeiern statt in Helmstedt, Blankenburg a. H. Außerdem haben auch noch eine große Anzahl Veranstaltungen in nehmerzahl an Ausflügen und Versammlungen ist gegen die VorWolfenbüttel, Borge, Holzminden. fleineren Orten stattgefunden, die ihre Redner aus den Lokalorgani- jahre gestiegen. In Solingen, Mald, Ohligs, Gräftat, Höchscheid, Wiesdorf, Leichlingen und Burscheid fanden Versammlungen statt, fationen zur Maifestrede herangezogen hatten. Wie in früheren Jahren so flatterten auch diesmal am 1. Mai in denen über die Bedeutung des internationalen Weltbiertags ges Bramsche. Die hiesigen Genossen feierten das Maifest der Arbeit am Sonntag. Nachmittags 3 Uhr formierten sie sich zu einem eine Anzahl roter Fahnen, so z. B. in Mtmittweida, Oberlungwig, sprochen wurde. Annähernd 5000 Arbeiter feierten; einzelaje Betriebe ließen von vornherein ihren Betrieb ruhen. Bernsdorf, Bichorlau. stattlichen Zuge, der von Bramsche über Pente nach der Schlatsburg In Chemnitz selbst waren in der Vormittagsversammlung 2000 Bentralhalle versammelt, wo Genosse Severin referierte. Am ahend In Bielefeld waren am Nachmittag etwa 1000 Personen in der in Schlepptrug seinen Weg nahm. Der Landrat hatte den Zug ge- Mann anwesend. nehmigt, aber die Musit durfte in Bramsche nicht spielen, wohl aber Im Herzogtum Altenburg ist die Maifeier in der üblichen Weise waren dann noch sechs Versammlungen, die sämtlich überfüllt waren in dem seinem Machtbereich unterstellten Bente! Das tat der Feier begangen worden. feinen Abbruch, agitierte im Gegenteil. Im Festlokale hielt Genosse( Referent Metschke) und Eisenberg( Neferent Stüd len) waren Die Maifeier in Straßburg im Elsaß gestaltete sich in diesem Schrader Hannover die Festrede. In geschlossenem Zuge ging's fehr start besucht. Das gleiche fann von den abendlichen Ver- Jahre zu einer besonders eindringlichen Demonstration. Am Sonntag dann wieder, voran die Proletarierkinder mit roten Lampions, nach anstaltungen in diesen beiden Drten, ferner von Gößnik, fand eine von etwa 4000 Personen besuchte Vorfeier ſtatt, auf der Bramsche zurück. Die Feier war vom herrlichsten Wetter be- Schmölln, Ronneburg, Hermsdorf und Kahla gesagt werden. Ueberal Genosse Boehle die Festrede hielt. Am Montagvormittag fand günstigt. herrschte hohe Begeisterung. In Eisenberg hatte man im eine große Versammlung statt, in der Geilers referierte. An der Osnabrüd. Bu der am Abend des 1. Mai nach dem Venne- vorigen Jahre einen Auszug mit Musit gestattet. Heuer hat ihn Nachmittagsfeier beteiligten sich über 1000 Bersonen. Beirotes mannschen Lokale einberufenen Festversammlung hatten fich 350 der Geh. Staatsrat Dr. Stöhr verboten, weil der Umzug in die hielt die Ansprache. Die Arbeitsruhe war in diesem Jahre beBarteigenoffen eingefunden. Der leider nicht sehr geräumige Saal Arbeitsstunden fällt und weil die Maifeier eine Demonstration gegen trächtlich stärker als in den früheren Jahren. vermochte alle zur Feier Erschienenen nicht zu fassen und viele die bestehende Ordnung ist. Dieser sonderbare Regierungsmann fanden keinen Blazz mehr. Liedervorträge des Arbeiter- Gefang- scheint der Ansicht zu sein, daß eine Art gefeßlicher 8wangsbereins und gemeinschaftliche Gesänge trugen zum ftimmungsvollen arbeitstag besteht. Verlauf der Feier, die durch den Vortrag des Genossen SchraderHannover auf eine würdige Höhe gebracht war, bei. In Lehrte fand am Sonntag die Maifeier in würdigster Weise ftatt. 200 Personen nahmen daran teil. Aus stundenweit entfernten Drten waren Genossen erschienen. Die Festrede hielt Genosse Meißner Hannover. Nach dieser vereinigte ein Kommers mit anschließendem Tanz die Festteilnehmer noch lange Stunden. 20 neue Mitglieder für den Wahlverein sind gewonnen. Vormittags wurde ein gemeinschaftlicher Ausflug gemacht. Hameln. Die am Abend des 1. Mai abgehaltene Versammlung zählte mehr als 400 Teilnehmer. Namentlich waren die Frauen so zahlreich erschienen, wie zu feiner Maifest- Versammlung zuvor. Referent war Genosse Striefler- Hannover, der reichen Beifall erntete. Einmütig beschloß man eine Resolution, in der sich die Genossen besonders zu tätiger Mitarbeit bei der bevorstehenden Nachwahl zum Reichstage verpflichteten. Auf diese Wahl wies der Vertrauensmann Genosse Müller besonders hin. Im 5. Hannoverschen Reichstags- Wahlkreise wurden zwei Verfammlungen in Melle und Rotenfelde abgehalten. An ihnen nahmen je etwa 100 Personen teil. Die Festrede hielt der Kandidat des Kreises Genosse Vesper Dsnabrid. Die Vormittagsversammlungen in Altenburg Rheinland- Westfalen. = * Ausland. Schweiz. Wie in der Schweiz die Maifeier tiefe Wurzeln geschlagen, beweist die zunehmende Feier des ganzen Tages. Die Orte, an denen ganztägige Feiern stattfinden, bermehren sich und Die Maifeier im Wahlkreise Dortmund Hörde wurde Sonntag damit auch die Zahl der Arbeiter. Sie hat sich in der demokratischen eingeleitet durch 22 in der Mehrheit gut besuchte Versammlungen. Republit das Bürgerrecht erworben und sie erscheint immer weiteren Montag demonstrierten in der Stadt Dortmund etwa 2500 Genoffen. Streifen ebenso selbstverständlich wie die Feier des Dfter-, PfingstDer Festzug war verboten, doch bewegten sich die Genossen in zwang- und Weihnachtsfestes. Es sind schöne Erfolge, die zähe Ausdauer und un losen Gruppen durch die Straßen der Stadt zu den Festlokalen hin. erschütterliches Zielbewußtsein der Arbeiterorganisationen hier erreichit Die Polizei zeigte sich äußerst nervös und hätten die Genossen nicht hat. Von Jahr zu Jahr wächst auch die Beteiligung der Frauen und Kinder mehr Ruhe besessen wie die Polizei, so wäre ein Zusammenstoß sicher an den Festzügen und Versammlungen, was beweist, wie unsere Bewegung gewesen. Die Polizei sperrte einmal die Straße, dennoch forderte immer mehr in die Breite geht und die Frauen als Genossinnen und der leitende Kommissar die Demonstranten fortgesetzt im Leutnants- Mitkämpferinnen umfaßt und wie der sozialistische Gedanke in imme ton auf, die Straßen zu räumen. Die Genossen gingen aber ruhig zahlreicheren Familien Eingang findet. Am Züricher Festzug Inahmert ihres Weges und fümmerten sich nicht um den nervösen Herrn Bolizei- diesmal zirka 1000 Rinder teil, die Eroberer und Träger der kommissar. In den Festlokalen wurden zwei große Versammlungen sozialistischen Zukunft; weiter auch hunderte von Frauen. An aller abgehalten und entsprechende Resolutionen beschlossen, die übrigens Drten to Italiener find, nahmen sie an der Maifeier teil und auch in den 22 Versammlungen am Sonntag überall einstimmig zur italienische Festredner traten neben deutschsprachigen Festrednern auf, Annahme gelangt waren. so die internationale Arbeiterverbrüderung befundend. So ist die Aplerbeck. Versammlung mäßig. Referent Arbeiterfekretär Maifeier zu einem ausgezeichneten Agitationsmittel für die Förderung König aus Dortmund. der Arbeiterbewegung in jeder Beziehung geworden. Holzwickede. Versammlung von 1000 Mann besucht. Referent Genosse M. König- Dortmund. Einstimmige Annahme einer Reſo lution zugunsten der Maiforderungen, russischen Revolutionäre und Aussperrung der Bierbrauer. Celle. Eine imposante Feier des Maifestes war am 1. Mai hier Bochum. Die Maifeiern in den Kreisen Bochum- Gelsenkirchen abgehalten. Der Andrang war so start, daß der geräumige Saal des Stadttheaters, 500 Personen faffend, überfüllt war. Hier sprach Witten und Recklinghausen- Borken verliefen erfreulich. Trotz der Genosse Barnstorf Hannover. Der Arbeiter- Gesangberein trug Maßregelungsmanie der Bechenherren wurde vielfach durch Arbeitsbiel zur würdigen Ausgestaltung des Festes bei. ruhe gefeiert. Ausflüge und Versammlungen hatten durchweg gute, Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 4. Mai: Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Der Freischüz. Schauspielhaus. Gyges und sein Ring. Neues Operntheater. Jung- Heidelberg. Deutsches. Der Privatdozent. Berliner. Der G'wissenswurm. eften. La petite déserteuse. La main. National. Die luftigen Weiber von Windsor. Neues. Ein Sommernachtstraum. Thalia. Das Urteil des Midas. Die Bäder von Lucca. Sentral. Der Zigeunerbaron. Anfang 8 Uhr: • Schiller 0.( Wallner Theater.) Die Herren Söhne. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Gyges und fein Ring. Leffing. Elga. Kleines. Rosmersholm. Residenz. Herzogin Crevette. Trianon. Ihr zweiter Mann. Belle Alliance. Liebesmanöver. Carl Weiß. Der Schniker- Franzl von Berchtesgaden. Reichshallen. Stettiner Sänger. Kasino. Lolos Bater. Lustspielhaus. Der Familientag. Apollo. Berliner Luft. Speziali täten. Metropol. Die Herren von Marim. Cleo de Merode. Wintergarten. Spezialitäten. Deutsch- Amerikanisches. großen Teich. Herrufeld Theater. hains. Uebern Die Meyer Passage Theater. Spezialitäten. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Der Simplon und fein Gebiet. Jnvalidenstraße 57/62. Stern tarte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Neues Theater. Anfang 7%, Uhr: Ein Sommernachtstraum. Dresden Wafferftand am 2. Mai. Elbe bei Auffig+1,18 Meter, bei Unstrut bei 0,33 Meter, bei Magdeburg+ 1,98 Meter. Straußfurt+ 1,60 Meter. Dder bei Ratibor+ 2,31 Meter, bei Bresleut Ober- Begel+5,18 Meter, bei Breslau Unter Begel+0,04 Meter, bei Frankfurt+2,72 Meter. Weichsel bei Brahemünde 4,28 Meter. art he bei Bosen+ 1,78 Meter. Freie Volksbühne. Sonntag, den 7. Mai, in der Brauerei Friedrichshain: Schiller- Feier Anfang 7 Uhr. feftrede und 9. Sinfonie von Beethoven. Schiller- Programm unentgeltlich. Festmarken und Gastkarten in beschränkter Anzahl bei sofortiger Bestellung in allen Zahlstellen. Opern- Vorstellungen im National- Theater. Anfang 3 Uhr. 7. und 14. Mai: Fidelio. 21. und 28. Mai: Fledermaus. Sonntag, den 7. Mai, 2% Uhr: Metropol- Theater. 2. Abteilung: Berliner Theater. 4. Abteilung: National- Th. 3. Opernvorstellung: Hedda Gabler. Kabale und Liebe. Fidelio.( 3 Uhr.) im Rathause Mittwoch, 17. Mai. Dr. Leopold Hirschberg, Dozent der 8. Kunstabend umboldt- Akademie, über: Die deutsche Ballade und Carl Löwe, mit Erläuterungen am Klavier.- Einlaßkarten in den bekannten neun Zahlstellen. Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. 88 P Urania, Taubenstr. 48/49 8 Uhr: Freitag, Sonnabend, Sonntag: Ein Der Simplon und sein Gebiet. Sommernachtstraum. Kleines Theater Anfang 7, Uhr. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. Rosmersholm. Trianon- Theater. Freitag, zum 500. Male: Nachtasyl. ( Anfang 8 Uhr.) Sonnabend: Rosmersholm. ( Anfang 72 Uhr.) Sonntag: Die Neuvermählten. Abschiedssouper.( Anf. 8 Uhr.) WOLZOGEN- OPER. THALIA- THEATER. DAS URTEIL DES MIDAS. DIE BÄDER VON LUCCA. Heute und folgende Tage: Ihr zweiter Mann. Anfang 8 Uhr. Residenz- Theater. Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Bill.- Verk. Thalia- Theat. 10-1 Herzogin Crevette. Wertheim, Invaliden- und Künstlerdank. Anfang 8 Uhr. Schwant in 1 Vorspiel u. 3 Alten von Georges Feydeau, Deutsch von Benno Jacobson. 888 8 8 CASTAN'S National- Theater Metropol- Theater ANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Das sensationelle Riesen- Mädchen!!! Rosa Wedsted, 2 Meter 20 cm hoch, größte lebende Riesin der Welt. Kasino- Theater Lothringerstraße 37. 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Driginal- Schauspiel in fünf Atten bon Dstar Balther. Anfang 8 Uhr. Nach der Vorstellung: Gr. Ball. Boranzeige! Dienstag, den 9. Mat: Große Schiller Feier zum Zum 179. Male: 100 jährigen Todestag Friedrich v. Schillers: Die Räuber. Die Herren von Maxim. Palast- Theater Oper in Paris und des königlichen Große Ausstattungsposse mit GeRammerfängers Werner Alberti und sang und Ballett in 5 Bildern. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Juan Lucia. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. afpiel der Original Tegernseer. Neu! Zum erstenmal: Neu! Der Schnitzer- Franzl von Berchtesgaden. Oberbayerisches Volfsstüd mit Gesang und Tanz in 4 Akten v. Franz Seifert. Anfang 8 Uhr. Morgen: Dieselbe Borstellung. Sonntag nachm. 3 Uhr feine Preise: Der Gamskönia. Neue Königl. Oper( Kroll). Heute und folgende Tage: ! Novität! Jung- Heidelberg. Operette von Millöcker. Anf. 7%, Uhr. Billettverk.: Kgl. Opernhaus, Schalter 3, Wertheim, Invalidendank und Abendkasse. Sonntag, 7. Mai, nachm. 3 Uhr: Die Fledermaus Burgstr. 22, früher Feen- Palast. Eingang Wolfgangstraße. 2 Min. v. Bhf. Börse. Vis- a- vis d. Börse. Sonnabend, den 6. Mai 1905 Sonntag, den 7. Mai 1905 Montag, den 8. Mai 1905 Schiller- Feier. An allen drei Abenden werden aufgeführt: Maria Stuart 3. und 5. Art. Kabale und Liebe 3. u. 5. ft. Wilhelm Tell 3. und 4. Aft. Gastspiel erster Bühnen Künstler. Meine Breije. Anf. präzise 8 Uhr. Ehren und Vorzugskarten haben an allen drei Tageu Gültigkeit. Beter Schiller- Theater Ballner- Theater. Donnerstag, abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. Boltsstüd in 3 Atten von Ostar Walther und Leo Stein. Freitag, abends 8 Uhr: Augen rechts. Hierauf: Die sittliche Forderung. Sonnabend, abends 8 Uhr: Maria Stuart. N. Friedrich Wilhelmstädtisches Theater. Donnerstag, abend 3811 hr: Gyges und sein Ring. Eine Tragödie in 5 Aften von Friedrich Hebbel. Freitag, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Sonnabend, abends 8 Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Neues Konzerthaus Grand Hotel Alexanderplatz. Inhaber: Albert Moerner, Blumengarten. Heute, sowie täglich: Gastspiel des Wiener Konzert- und Variété Ensembles Direktion: R. Sander. Anfang: 9 Uhr. Bauarbeiter! Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschl. Zweigverein Berlin und Umgegend. Donnerstag, den 4. Mai, abds. 8 Uhr, im Etablissement Buggenhagen, Morikplay: Außerordentliche General- Versammlung. 2. Die MaiZages Drdnung: 1. Ist unser Vertrag und die Lohnerhöhung innegehalten? Aussperrung in diesem Jahre. 3. Verbandsangelegenheiten. Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller Mitglieder erforderlich. Die Ortsverwaltung. J. A.: Karl Heidemann. 33/ 15* Achtung! Achtung! Sozialdemokratischer Wahlverein für Weißensee und Umgegend. Todes- Anzeige. Am Dienstag, den 2. Mai, berstarb unser Mitglied, der Restaurateur Fritz Asmus. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitag, den 5. Mai, nachmittags 5 Uhr, bom Weißenseer Gemeinde- Friedhof aus statt. Rege Beteiligung erwartet 18/5 Der Vorstand. Verband der Freien Gast- und? Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Schankwirte Deutschlands. Zweigverein Berlin. Donnerstag, den 4. Mai, abends 8% Uhr, bri Keller, Koppenstraße 29: Orientalisches Ballhaus General- Versammlung aller zum Neue Königstr. 45( Grand Hotel) Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Sektionen. Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag: Réunion Anfang 10%, Uhr. Tages- Ordnung: 1. Wahl des Verbandsausschusses. 2. Verbandsangelegenheiten. ist mitzubringen, ohne dasselbe fein Eintritt. Regen Besuch erwartet Passage- Theater. O. Memeler- Straße. O.Nur noch wenige Tage! Anfg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Anf. nahm.Sonnt.3, Wochentg.5Uhr. Oriona akrobatische Tänzerin. Hinode Truppe japanische Gymnaftiler. Emmi Kröchert mit neuem Repertoire und das glänzende Mai- Brogramm. Victoria- Brauerei. Lützowstr. 111/112. Montags, Donnerstags, Freitags u. Sonntags: Horst's ● 0. Memeler Eisbahnpl. 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Partei- Speditionen: • Berlin Zweiter Wahlkreis: Hermann Werner, Mittenwalderstraße 30, b. part. Dritter Wahlkreis: St. Friz, Prinzenstr. 31, Hof rechts part. Vierter Wahlkreis 0.: Robert Wengels, Frankfurter Allee 79. SO.: Paul Böhm, Laufizerplag 14/15 ( Laden). Fünfter Wahlkreis: Leo 8ucht, Seibelstraße 42 ( Laden). Sechster Wahlkreis( Moabit): Starl Anders, Salzwedelerstr. 8, im Laden.- Wedding und Oranienburger RosenVorstadt: Emil Stoltenburg, Wiesenstr. 41/42. thaler Vorstadt, Gesundbrunnen: Hermann Raschte, Rügenerstr. 24, vorn part. lints. Schönhauser Vorstadt: Starl Mars, Kastanien Allee 95/96. Alt Glienicke: Reinhold Schulz, Rudowerftr. 72.- Charlottenburg: Gustav Scharnberg, Deutsch- WilmersSesenheimerstr. 1, Ede Goethestraße, vorn I. dorf: Lichtenberg, W. Nidel, Berlinerstr. 130, III. Friedrichsfelde, Wilhelmsberg, Boxhagen, Stralau, und Rummelsburg: Otto Seitel, O. 112, Stronprinzenstr. 50, I. Grünau: H. Bluhme, Viktoriaftr. 2. Heinrich, Prinz Handjerystraße 7, im Laden. dorf: Guftab Saminsky, Cunostraße 2. Wilhelm Bäumler, Martin Lutherstr. 51, im Laden. Schöneweide: Otto Münzer, Deulstraße 4, II. Schöneweide: Bonatowsky, Hasselwerderstr. 1 d. JohannisRixdorf: M. SchmargenSchöneberg: 1 Ober NiederRauehklub, Veilchenblau" M. d. A.-R.-B. Am Dienstag, den 2. Mai, verstarb unser Mitglied Gustav Anders im 47. Lebensjahre. 14816 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Freitagnachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des St. GeorgenKirchhofes, Weißensee, aus statt. Der Vorstand. Am 25. April verstarb in Be thanien der Steindruder thal: B. Mann, Bismarditr. 7.- Adlershof: B. Smidt, Bismard Erich Lopszat im 22. Lebensjahre. Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachmittags Uhr, von der Leichenhalle des Schöne berger Kirchhofes, Marstraße, aus statt. 14836 Die Hinterbliebenen. straße 32, I. Königs- Wusterhausen: örle, Berlinerstr. 19. Köpenick: Friedrich Woid, Grünftr. 29. FriedenanSteglitz: H. Bernsee, Schloßstraße 115, Gartenhaus I, in Steglik. Bestellungen nehmen entgegen in Steglitz:. Mohr, MarienDüppelstraße 8, und Fr. Schell hase, Ahornstraße 15 a. Baumschulendorf: Hermann Reichardt, Chauffeestraße 16. weg: Stod, Ernststr. 2, II. Treptow: N. Voigt, Elsenstr. 37, born III I. Neu- Weißensee:. Reste, Sedanstr. 53, part. Reinickendorf- West: Emil Neuhoff, Eichbornstr. 54. Wilhelmsruh Reinickendorf- Ost, und Schönholz: Schüler, Provinzstraße 108. Tegel, BorsigWaidmannslust: Baul Kienast, walde, Dalldorf und Für die herzliche Teilnahme bei der Pankow- Niederschönhausen: Beerdigung meines lieben Mannes, Borsigwalde, Schubartstr. 43. G. Freiwaldt, Floraftr. 66. Eichwalde, Zeuthen, Miers- unferes guten Vaters und Schwieger. dorf und Hankels Ablage: Alfons Grät, Eichwalde, baters sagen wir allen, insbesondere Stronprinzenftr. 82, I. Nowawes: Wilhelm Jappe, Friedrich den Kollegen von Nietschel und Hennestraße 1.- Spandan: öppen, Jagowftr. 9. Außerdem ist sämtliche Parteiliteratur sowie alle wissenschaftlichen Danksagung. berg und Hartmann unsern innigsten Dank. 30212 Berte bort zu haben. Auch werden Inserate für Ernestine Wittig nebst Kindern. en Vorwärts" entgegengenommen. " Bitte ausschneiden. Nur 5 Tage: Donnerstag, den 4. Mai Freitag, den 5. Mai Sonnabend, den 6. Mai Sonntag, den 7. Mai Montag, den 8. Mai stellen wir mehrere Posten vorjähriger oder nicht ganz moderner, wie auch mit kleinen Mängeln behafteter Herren- und Knabenkleidungsstücke zu stark herabgesetzten Preisen, teilweise für die Hälfte, teilweise für den dritten Teil des bisherigen Preises zum Verkauf, selbstredend nur so lange der Vorrat reicht, da die Ausverkaufspiècen nicht ergänzt werden können. darunter welche, Ein Posten Sommerpaletots, die 80 M. ge- 6, 9, 12 M kostet hahen, jetzt Ein Posten Jackettanzüge unter Prachtexempl. 9 u. 12 M. Ein Posten Rockanzüge, schwarz u. farbig, dar- 15 u. 18 M. Ein Posten Radfahreranzüge.. 8 M. 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Wahltr., dem Lotterieberein Lekte Hoffnung", dem Verband der freien Gast- u. Schankwirte Deutschlands, der Firma Mix u. Geneft sowie feinen ehemaligen Kollegen obiger Firma spreche ich hiermit für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme wie für die reichen Kranzspenden bei der Be erdigung meines lieben Mannes, des Schankwirts Paul Weist meinen herzlichsten Dant aus. 14775 Witwe Auguste Weist nebst Kindern. Hygienische Bedarfsartikel. Neuest. Katalog m. Empf. viel. Aerzteu. Prof. grat. u. fr. H. Unger, Gummiwarenfabrik, Berlin NW., Friedrichstr. 91/92. Ein Versuch. Danerude Kundschaft. Eine Mark T wöchentl. Teilzahlung liefere elegante, fertige a Herren- Moden. Ersatz für Makarbeit. Anfertigung nach Maß, feinste Verarbeitung. Garantie tadelloser Sitz. Spezialgeschäft für Herren- Bekleidung. :: Kein Waren- Kredithaus. J. Kurzberg An der Jannowitzbrücke 1, I. Bahnhof Jannowitbrüde. Gegen Caffa billigste Preise. Achtung! Achtung! Fliesenleger- Hülfsarbeiter Berlins und Umgegend. 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Für den Inseratenteil verantwo.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Zimmer. Hannover find gesperrt. Arbeiterin zum Falzen und leben von Pergamentpapier, nur perfette, Dresdenerstraße 48 III links. 2/9 aus Tüchtige Kartonnagen- Arbeiterin Die Bauten sind in Pankom, verlangen A. Engelbach u. Co., Binzstraße, Parzelle 76 bis 79, llegandrinenstraße 58. 535 Baumeister Kurt Berndt. Nr. 103. 22. Ichrgaag. 2. Irilmt ki jOTirts" Knlim Donnerstag. 4. Mai 1905. Kaufmannsgerichtswahlen. HandlungSgehülfen! Die Kaufmannsgerichtswahlen finden statt: Sonntag, dm 7. Mai, V»» 10 Uhr vormittags bis 3 Uhr nachmittags. Gewählt wird in folgenden 24 Wahllokalen: 1.2.7U.8 3, 4 u. 201 S u. S 9-11 12-14 u. 19 15 u. 16 17 182021 22—25 26-30 U. 117—118 10 31-42 u. 50 43-49 u. 51—62 63—80, 114-116 u. 123-125 13 81— 113u. 138—139 119-122 u. 126—127 128—135 136-137 u. 140-144 .145—162 163—186 187-200 u. 202-204 205-215 218—260 216-217 u. 261—278 279—295 296— 326 11 12 14 16 16 17 18 19 20 21 22 23 24 Rathaus, Eing. Jüdenstrafie, 3 Treppen, Zimmer 109. Turnhalle des Berlinischen Gymnasiums zum Grauen Kloster, Neue Friedrichstr. 86. Turnhalle d. 21./24. Gem.-S., Hint. d. Garnisonkirche 2. Turnhalle d. 61./130. Gem.-Schule, Niederwallstr. 6/7. Turnh. d. Friedrich-Werder-Gynr, Dorotheenstr. 13/14. Turnh. d.Friedr.-Werder-Oberrealsch., Niederwallstr. 12. Turnhalle der 27./44. Gem.-Schule, Wilhelmstr. 117. Turnhalle der 4./5. Geni.-Schule, Alte Jakobstr. 127. Turnhalle der 131./169. Gemeindeschule, Tempelhofer Ufer 2. Turnhalle der 107. Gemeindeschule, Genthinerstr. 4. Turnhalle der 103./116. Gemeindeschule, Hagelsberger- straße 34. Turnhalle der 28./217. Gemeindeschule, WilmSstr. 10. Turnhalle der 20. Gemeindeschule, Waldemarstr. 77. Turnhalle der 112./129. Gemeindeschule, Wassertor stratze 31. Turnhalle der 47. Gemeindeschule, Stallschreiberstt. 64. Turnhalle der 62. Genieindeschule. Schmidstr. 88. Turnhalle der 49. Gemeindeschule, Blumenstt. 63a.| Turnhalle der 23. Gemeindeschule, Strautzbergerstr. 9. Turnhalle der 139/161. Gemeindeschule. Georgen kirchstr. 2. Turnhalle der 8./63. Gemeindeschule, GipSstt. 23a. Turnhalle d. 15./171. Gemeindesch., Kastanienallee 81/82. Turnhalle der 17. Gemeindeschule, Sckerstr. 67. Turnhalle der 113./128. Gemeindeschule, Turmstr. 86. Turnhalle der 70./202. Gemeindeschule, Ravensstr. 12. Wahlb erechtigt find alle HandlungSgehülfen. welche daS 25. Lebensjahr vollendet haben und im Bezirke des Kaufmanns- gerichteS beschäftigt sind, sofern ihr JahreSarbeitSverdienst den Betrag von 5000 M. nicht übersteigt. Auch jene HandlungSgehülfen, die in verlin beschäftigt sind, aber in den Bororten wohnen, find in Berlin wahlberechtigt. Jeder Handlungsgehulfe wählt in dem Wahllokal des Stadt- bezirkes, in welchem das Geschästslokal liegt, in dem er beschäftigt ist. Die Wahl ist geheim. Stimmzettel sind vor den Wahllokalen zu haben. Jeder Handlungögehülfe wählt List« lV, die Liste des Zentral- Verbandes der HandlungSgehülfen. Berliner JVaebriebten* Der„ÄiuderhülfStag" für Berlin, oer in Len letzten Monaten und Wochen so viel von sich reden gemacht hatte, ehe er zustande kam, hat nun endlich am gestrigen Mittwoch in Szene gehen können.„In Szene gehen" — das ist der Ausdruck, den auf diese neuartige Veranstaltung ein Pastor angewandt hat, aber keiner von denen, die der Sache feindlich gegenüber stellen, sondern einer ihrer eifrigsten Förderer, der in einer Vorbesprechung den Arrangeuren seinen Segen gab. Der Mann hat mit diesem ungewollt treffenden Wort den Kinderhülfstag besser gekennzeichnet, als es irgend ein Gegner solches Wohltätigkeitsrummels ge- tonnt hätte. Ter Gedanke, daß man die Kinder der Reichen betteln gehe» läßt für die Kinder der Armen, hat von vornherein etwas an sich, was stark an Theater und Komödie erinnert. Herr Herman Abraham, der sich von jeher auf das Geschäft des Klingelbeutelschwingens verstand, hat als Hauptarrangeur dafür gesorgt, daß auch bei der UmseDung des Gedankens in die Tat der theatralische Aufputz nicht fehlte. Die weiß- gekleideten Töchter der Reichen, die gestern nachmittag unter dem Schutze von„Patronessen" durch die Straßen Berlins zogen und mit ihren schwarz-weiß-rot angestrichenen Sammel- büchsen die Häuser abklopften, erregten allenthalben die er- wartete und gewünschte Sensation, mehr noch in den Arbeiter- vierteln des Nordens, Südostens usw. als in dem vornehmen Westen, wo die jungen Damen sich von dem eleganten Straßen- Publikum wenig abhoben. Ob auch der klingende Erfolg den sErwartuirgen entsprochen hat, entzieht sich vorläufig unserer Kenntnis. Herr Abraham wird aber gewiß nicht versäumen, die von ihm heim- gesuchte Bevölkerung Berlins pflichtgemäß durch öffentliche Ab-. rechnung darüber zu unterrichten, was sein Klappern denn nun an Barem eingebracht hat und wieviel nach Abzug der Unkosten übrig geblieben ist. Diese Unkosten können gar nicht gering gewesen sein. Denn in den letzten Tagen vor dem großen Sammelfest und noch am Mittwoch selber waren alle Mittel der Reklame angewandt worden, um die Aufmerk- somkeit der Bevölkerung auf den Kinderhülfstag zu lenken, und den auch in bürgerlichen Kreisen immer lauter gewordenen Widerspruch niederzuschlagen. In den Zeitungen war annon- eiert worden, auf den Straßen hatte man Flugblätter verteilt, an den Säulen prangte ein„Protest gegen die Störungen der Arbeit des Kinderhülfstages". und so weiter. Tie Freunde des Kinderhülfstages haben erzählt, in einigen anderen Städten sei bei einer gleichen Veranstaltung die ganze Bevölkerung in einen„f e st l i ch e n R a u s ch" geraten. In Berlin ist. trotz aller vorangegangenen Reklamen nichts hiervon zu merken gewesen. Der„Rausch" dürfte sich be- schränkt haben auf diejenigen, die den Kinderhülfstag arrangierten oder bei seiner Ausführung mithalfen. Den werdendm Damen, unter denen übrigens selbst die noch schul- Pflichtige Jugend nicht unvcrtrcten war, mag die n e u e A r t von Sport, die sie da probieren durften, nicht geringen Spaß gemacht haben. Für sie hatte die Sache weiter keinen �"��Das halbe hundert Vereine, die sich an der Veranstaltung beteiligten und den etwaigen Gewinn einzuheimsen hofften, hat natürlich andere Zwecke verfolgt. Ihnen war es darum zu tun. durch ein drastisch wirkendes Mittel die Besitzenden frei- gebiger zu machen und die Besitzlosen versöhn- l lkder»» ttiwwea. Die bMetlde Llgsse licht aber, wie die Haltung vieler ihrer Preßorgane beweist, in dem Kinder- hulfstag eine aufdringliche Bettelei. Und die besitzlose Klasfc nntjj diese theatralische Veranstaltung als Hohn empfinden, wenn sie sich vor Augen hält, wie wenig.Ernsthaftes von dort aus zur wirksamen Bekämpfung sozialen Elends geschieht. Proletarier-Los. Die Mitglieder des zweiten Berliner Reichs- tags- Wahlvereins geleiteten gestern in zahlreichem Gefolge ihren Genossen Karl Matz zu Grabe, der am Sonntag im Alter von 68 Jahren freiwillig aus dem Leben geschieden war. Nahezu 22 Jahre hatte er in der Metall- waren-Fabrik von Bernhard Josef, Ritter- st r a ß e, als Gürtler gearbeitet, sieben Monate war er infolge der Lohnbewegung ausgesperrt. Seine Hoffnung, wieder Arbeit zu erhalten, erfüllte sich nicht; er soll das große Verbrechen begangen haben, vor einigen Wochen seinem Chef auf der Sttaße begegnet zu sein, ohne demütig vor ihm den Hut gezogen zu haben. Und als ihm im Kontor nahegelegt wurde„Abbitte zu leisten"— da zog es der alte brave Genosse vor, lieber aus dem Leben zu scheiden, als den Mann wie ein Hund um Arbeit zu betteln, an dessen Reichtums- Vermehrung er 22 Jahre lang gearbeitet hatte. Ehre dem Andenken des braven Genossen, der seine Ehre höher schätzte als sein Leben._ Allerhand Dunkelmänner. Eine landeskirchliche Versammlung, in der gegen den liberalen Pastor Dr. Fischer losgezogen wurde und ebenso gegen Ungläubigkeft. Sozialdemokratie und Juden, gab es gestern in Berlin. Ein Pastor Dr. Burckhardt-Steglitz sprach über das Thema: „Das Evangelium und die Reichshauptltadt." Ein Bericht der „Staatsb.-Ztg." darüber ist recht lebendig: „Woher diese Zustände? Einmal weil wir so abhängig sind von einer jüdisch-freisinnigen Stadtleitnng, die der Patron ist über evangelische Kirchen. Von dieser Stadtleitnng geht eine große Maschinerie ans, die die Mannschaft liefert für die Kämpfe gegen uns. Der andere Grund dieser Zustände ist die Presse. Wer redet uns denn da in unsere kirchlichen Anaelegcnheiten hinein? sLaute Zurufe: Juden, Juden I) Heute wird es vielleicht nicht mehr gewagt werden, daß, wie einst in Moabit, ein Israelit evangelische Kirchcnwahlen macht. Aber heute tut es die jüdische Presse.«S. mit leichten Regen- . Verantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gsecke. Berlin. Druck u. Verlag: Vorwart» Buchdruckerei«. Perlagsanstalt Paul Ginger& Co., Berlin SW.