Mr. 106. right side Abonnements- Bedingungen: B bonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 fg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer tt illustrierter Sonntags. Bellage, Die Neue Welt" 10 Pfg. Bost bennement: 1,10 Mart pro Monat. Gingetragen in die Post- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 3 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pre Monat. Criscint täglich außer Montags. the fisticul Inte Norwärts Berliner Dolksblatt, 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolones zeile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erfte( fettgedruckte) Bort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Mint IV, Nr. 1983. Schönstedts Revision. nir Sonntag, den 7. Mai 1905. Das Reichsgericht aber hat seine die Schönstedt- Juftig vernichtende Entscheidung wesentlich auf die Bekundung des von dem Justizminister Verdächtigten begründet. Das in der Deffentlichkeit immer mehr schwindende Vertrauen zu der Rechtsprechung des Reichsgerichtes ist durch das Urteil Die Revisionen find verworfen, aber eine Rebifton hat das im Königsberger Prozeß wieder belebt worden. Gewiß hat das Reichsgericht aufgenommen: Die Revision, die gegen die Politik des Reichsgericht teine ganze Arbeit getan. Es hat nicht die sinnlose preußischen Justizministers Schönstedt seit Jahren von der Deffent Berurteilung wegen Geheimbündelei gegen die Königsberger Hochlichkeit verlangt wird und seit dem Königsberger Prozeß mit berräter aufgehoben; es vermeinte, die tatsächlichen Feststellungen" wachsender Energie selbst in den bürgerlichen Streifen als notwendig der Königsberger Straftammer für formell forrett halten zu müssen, erachtet wird, ist vom Reichsgericht in allen Punkten aufs schärffte and Bedenken gegen die materielle Richtigkeit jener Fest für begründet erklärt worden. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Str. 1984. und wir find ficher, daß auf der anderen Seite neue Niederlagen zu erleben, höchster Ehrgeiz bleiben wird. Aber noch eine kleine Gegenrechnung bleibt zu erledigen. Nach den eigenen Geständnissen des Justizministers Schönstedt und zahlreichen dokumentarischen Beweisen, ist der Prozeß durch eine Fülle pflichtwidriger Handlungen bis zur Hauptverhandlung durchgeschleppt worden. Durch die Fahrlässigkeit oder in einem Fall- böse Боте Abficht der für die Vorbereitung des Prozesses verantwortlichen Berfonen sind die im Königsberger Prozeß Angeklagten ausnahmslos schwer geschädigt worden. Hätten die verantwortlichen Instanzen stellungen unterliegen ja nicht der Nachprüfung des Reichsgerichtes. Der Königsberger Prozeß, erwachsen aus nationaler Würdelofigs die pflichtgemäße Vorsorge getroffen, so hätte der Prozeß gar Auch die Verwerfung der fühnen Revision des Staatsanwaltes, feit, fortgeführt mit unerhörtem Leichtsinn der Bureaukratie, gestützt nicht eingeleitet werden können, es wären die Verhaftungen verdie mit einer ganz ungewöhnlichen Leidenschaft von dem Reichs- durch bewußte Fälschungen der russischen Helfershelfer und durch mieden, die schweren materiellen Kosten nicht notwendig geworden. anwalt, als dem formellen Vertreter des Staatssekretärs Nieberding, faum zählbare Rechtsbeugungen, hat nunmehr seinen Abschluß mit Unter diesen Umständen entsteht die Frage, ob nicht die Geschädigten in Wirklichkeit als dem Geschäftsträger der Schönstedt- Politit, ver- der Besiegelung der Niederlage des preußischen Justizministers ge- die Aufgabe haben, für die durch die leichtsinnige Vorbereitung, treten wurde, ist an sich selbstverständlich gewesen. Dennoch ist man funden. Aber es ist nicht Herr Schönstedt allein, es ist die ganze durch Fälschungen und Rechtsverletzungen erwachsenen Schädigungen so sehr gewöhnt, das Undenkbare für möglich zu halten, daß es bis preußisch- deutsche Politik, die damit rechtskräftig verurteilt ist. Wenn die Schuldigen haftpflichtig zu machen. Es ist kein Zweifel, daß zum letzten Augenblid Meinungen gab, es würde etwa in Barten das preußische Justizministerium mit dieser unerhörten Leichtfertigkeit vom Justizminister Schönstedt und seinem reisefertigen Dezernenten, stein, dem benachbarten Landgericht von Königsberg, vielleicht sogar in eine Aftion hineintaumelte, die in der Geschichte der Kultur- dem früheren Staatsanwalt Blaschke, von den beiden Staats. unter dem Vorsitz des zum Landgerichtsdirektor inzwischen avanzierten staaten bisher unerhört und die Aufmerksamkeit der ganzen Welt er anwälten, den Untersuchungsrichtern und der Beschlußkammer des Königsberger Staatsanwalts Schüge noch einmal gegen die Hoch- regt, fann man da erwarten, daß die Regierung auf Königsberger Landgerichts bis hinauf zu der Vorsehung des Königsberräter" berhandelt werden. Das Reichsgericht hat diese Be- irgend berger Prozesses, dem russischen Generalkonsul Wymodzeff, alle fürchtung nicht erfüllt. Auch diese Verwerfung der Revision des der äußeren Politik mit mehr Vorsicht, mehr Gewissen Beteiligten den sämtlichen Angeklagten für die ihnen zugefügten Staatsanwalts wäre an sich fein Grund, irgend welche Anerkennung haftigkeit, mehr Voraussicht ihre Attionen unternimmt? Was Nachteile schadenersatzpflichtig sind. zu zollen, weil ja das Gegenteil zu erwarten ein geradezu un- in Königsberg begann und in Leipzig sich vollendete, ist mir ein beschränktes Mißtrauen in die Rechtsprechung bewies. Wohl aber trasfer Einzelfall eines Systems politischer Verwahrlosung, die nach ift die Begründung der Verwerfung der Reviston des Staats- österreichischem Muster durch die Schlamperei nicht gemildert, sondern anwalts ganz deutlich eine unzweideutige Absage an die Schönstedtsche verschärft wird. Rechtsverderbnis, und das ist immerhin ein Verdienst. einem Gebiete der inneren und namentlich auch in dem Leipzig, den 6. Mai.( Gig. Ber.)] Die am Mittwoch vertagte Revisionsverhandlung des Königss berger Hochberrats-, Geheimbunds- und Barenbeleidigungsprozesses Aber was die Regierung und ihre Drgane im Königsberger wurde heute, am Sonnabend vormittag um 11 Uhr, fortgesetzt. Das Reichsgericht hatte die Möglichkeit gehabt, die Frage der Prozeß gefündigt, das wurde vereitelt durch die Arbeit der Sozial- Reichsanwalt Treutlein Mördes fährt in der Begründung Gegenseitigkeit, für die sich bis zuletzt Reichskanzler und Schönstedt demokratie, die die nationale Ehre, das Recht tatkräftig wahrte. der staatsanwaltlichen Revision fort: Wenn die Gegenseitigkeit als berbürgten der Justizminister hatte sogar im Abgeordnetenhause as die unübersehbare Herde der preußischen Bureaukratie nicht zu berbürgt angesehen werde, so stellten die Handlungen der An dem Reichsgericht deutliche Direktiven gegeben, was es zu denken leisten vermochte, das hat die Verteidigung, das haben unsere Freunde geklagten Hochberrat oder mindestens Vorbereitung dazu dar(§§ 85 Hatte zu umgehen, indem es sich lediglich auf die Feststellung getan, und das Urteil des Reichsgerichts bestätigt jetzt, daß ihre Arbeit und 86 des deutschen Strafgesetzbuches). Wenn auch das Ürteil beschränkte, daß die Hochverrats Paragraphen falsch angewandt auch vor der höchsten Rechtsinstanz als verdienstvoll anerkannt worden des Instanzgerichtes meine, daß es einer näheren Grörterung nicht bedürfe, ob und inwieweit die Verbreitung der hochberräterischen wurden. Das Reichsgericht aber hat festgestellt, daß eine Gegen ist. Wenn übrigens der Justizminister Schönstedt in jener Schriften dem einzelnen Angeklagten zur Last falle, so sei doch in feitigkeit mit Rußland nicht berbürgt sei, und es hat Dezemberfizung des preußischen Abgeordnetenhauses meinte, daß dem Urteil festgestellt, daß insbesondere in den Burzeffschen fich gerade auf die Autorität darin gestützt, die der Reichsanwalt zuerst irgend ein russischer Freund die Verteidigung auf die Rechts- Schriften und in dem Aufruf an die Genossen von der Gruppe mit einer berächtlichen Handbewegung beiseite schob, nämlich auf den irrtümer der Anklage aufmerksam gemacht hätte, so tann diefe der Boltsbefreier" gum Morbe des Baren und zum Umstura der Kommentator zum neuen russischen Strafgesetzbuch. Der Spruch des Meinung ergänzt werden. Die Verteidigung ist den Weg gegangen, gegenwärtig in Rußland bestehenden Staatsordnung aufgefordert Reichsgerichts hat endgültig das deutsche Ansehen von dem Bülow- den die ganze staatliche Bureaukratie nicht gefunden hat. Sie hat werde. Wenn auch das Königsberger Urteil feststellen zu können Schönstedtschen Makel befreit, daß es überhaupt für Deutsche möglich die Rechtsfragen studiert und ihre Duellen liegen zunächst nicht glaube, daß diese Aufforderungen völlig allgemein und wesentlich theoretisch gehalten seien, so lasse sich doch eine theoretische Aufsei, gegen das organisierte Verbrechen, das sich russischer Staat nennt, bet irgend einem russischen Freunde, sondern forderung zum Zarenmorde nicht denten. Wenn es in dem AufHochberrat zu begehen. Die Entscheidung des Reichsgerichts ver- Striminalisten- Seminar Berlins, dessen Bücherschäße mit Hülferuf" heiße:„ Tod Nikolaus II., Tod allen abscheulichen Subjetten neint diese abscheuliche Möglichkeit und fordert dafür moralisch russischer Freunde zu Rate gezogen wurden. Die Regierung freilich Nikolaus II.", jo liege es nicht anders als bei einer früheren den Hochberrat der russischen Agenten in Deutschland, der gegen die und der preußische Justizminister insbesondere wußten bei der Einleitung berurteilenden Entscheidung des Reichsgerichts in einem Falle, wo Sache der Freiheit und Menschlichkeit versucht wurde, vor das des Verfahrens und bei seinem Fortgang nicht, daß überhaupt die Möglich in bezug auf die Ermordung Alexanders II. der Bers gebraucht Tribunal der Geschichte. feit besteht, internationale Rechtsfragen aus wissenschaftlichen Quellen zu worden war: und wo es noch Tyrannen gibt, die laßt uns endlich Der Einfall legter Stunde, mit dem§ 49a, der Aufforderung entscheiden; zudem war ja der Dezernent für den Königsberger fassen, wir haben lang genug geliebt, wir wollen endlich haffen." zum Morde, vorzugehen, wurde ebenfalls vom Reichsgericht schroff Prozeß reisefertig" und konnte sich durch juristische Bedenken un- Seien aber die Angeklagten der Vorbereitung zum Hochberrat abgelehnt. 28as aber ein ganz besonders erfreulicher Bug ist, das möglich seinen Urlaub auch nur um eine Sefunde verkürzen lassen, schuldig, fo fielen ihre Handlungen auch gerade unter diejenigen Baragraphen des russischen Strafgesetzbuches, für welche§ 260 bie ist der anerkennende Hinweis des Reichsgerichtes auf die Zuverlässig Der Abschluß des Königsberger Prozesses wirkt nicht nur Gegenseitigkeit verbürge, nämlich unter bie§§ 241 und 249 des feit des Sachverständigen der Verteidigung im Königsberger Prozesse, reinigend, sondern er hat bereits für das Rechtsleben ganz inter russischen Strafgesetzbuches. Daß diefe Paragraphen Todesstrafe des Profeffor b. Reußner. Das Reichsgericht war nicht ge- effante Alärungen gezeitigt. Es sei in dieser Hinsicht erwähnt, schon bei der schriftlichen Aufforderung zum Barenmord und zum zwungen, sich auf Reußner zu berufen, und wenn es das dennoch daß der bekannteste Kommentator des Strafrechts Dishausen Umsturz androhten, beweift nichts gegen ihre Anwendbarkeit auf den tat, so geschah es offenbar in dem Gefühl, es habe die Pflicht, der in der neuesten Auflage seines Werkes, die nach dem vorliegenden Fall. Denn das russische Strafgesetzbuch, das hier anbom preußischen Justizminister am 12. Dezember v. J. im Königsberger Prozeß erschienen ist, ganz unzweideutig gegen zuwenden sei, fei kein Erzeugnis moderner Rechtsanschauungen oder Abgeordnetenhaufe gewagten Berunglimpfung des Mannes, der um die Ausnüßung seiner Erläuterungen durch die Königsberger Auffassungen, sondern ein nur mechanisch verbundenes Produkt feiner Ueberzeugung willen Amt und Vaterland verlassen hatte, von Staatsanwaltschaft Verwahrung einlegt, indem er die bisherigen verschiedener Geschichtsperioden. Daher sei es auch bei Verbrechen der Stelle des höchsten deutschen Gerichtes feierlich entgegenzutreten. Bemerkungen zum§ 102 des deutschen Strafgesetzbuches an einer gegen Staifer und Staat nicht sparsam mit der Todesstrafe und stelle die entfernteste Stufe der Verwirklichung der Bollendung Die Berufung auf den Professor v. Reußner ist die Antwort des entscheidenden Stelle wesentlich ändert und ganz im Sinne der gleich und strafe sie mit dem Tode. Aus der Festsetzung dieser Reichsgerichtes auf jene Ausführungen des Justizministers Schönstedt, Königsberger Verteidigung verschärft. Bisher hieß es über die Frage Strafe fönnte also auf ben Umkreis der Anwendbarkeit dieser in der er den Sachverständigen des Königsberger Prozesses verhöhnte des Verbürgtseins, es komme nur darauf an, daß die Gegenseitig Baragraphen feine einschränkende Folgerung gezogen werden. Sound die unter Eid bekundeten Aussagen als unzuverlässig zu erklären feit tatsächlich verbirgt sei, was insbesondere auch durch die Pragis mit sei auch gerade für die Delitte der Angeklagten die Gegen. sich erdreiftete: ausländischer Gerichte oder die Spezialerklärung einer zuständigen feitigkeit durch§ 260 berbürgt. ausländischen Behörde der Fall sein kann." In der neuesten Auflage aber äußert sich Dishausen und fein Königsberger Staatsanwalt wird ihn mehr zum Beugen für einen gegen Rußland begangenen Hochberrat anrufen können wie folgt: Num Handelt es sich weiter um die Auslegung, die dem Artitel 260 in seiner wirklichen Form gegeben ist und die wir be tämpfen. Diese Auslegung war, wie ich glaube, wesentlich beein flußt durch das Gutachten eines Professors b. Reußner, der früher Staatsrechtslehrer an der Universität von Tomst getvesen ist, dort seine Stelle niedergelegt hat, weil er mit dem Vorgehen der Behörden gegen Studenten nicht einverstanden war, der aber mit allen Ehren, wie er sagt, und ich nicht bezweifle, und mit dem Andreasorden oder einem anderen russischen Orden ich bin nicht genau über die russischen Orden orientiert aus seiner Stellung ausgeschieden ist und sich nach Deutschland zurückgezogen hat.... Zu den bereidigten Aussagen des Prof. v. Reußner und unseres Barteigenossen Buchholz erlaubte fich Herr Schönstedt dem Abgeordnetenhause zu erzählen: Sie haben eine Reihe von Tatsachen als notorisch oder wenigstens unwiderlegt hingestellt über barbarisches Vorgehen, über Grausamkeiten, die dort vorgekommen seien, über Willkürlich tetten usw. Sie haben es verstanden, dadurch für die Angeklagten Stimmung zu machen nicht nur in Königsberg, sondern in ganz Deutschland und vielleicht darüber hinaus. " Was die Art des Verbürgtseins betrifft, so ist nicht mehr, wie nach der ursprünglichen Fassung des§ 102, erforderlich, daß es nach veröffentlichten Staatsverträgen oder nach Gesezen" stattfinden müsse, vielmehr kommt es, falls nicht die Gesetze des auswärtigen Staates besondere Erfordernisse aufstellen, nur darauf an, daß die Gegenseitigkeit tatsächlich verbürgt sei, was insbesondere auch durch die Praxis ausländischer Gerichte der Fall sein kann. Die Frage, ob eine Spezinlerklärung einer zuständigen aus ländischen Behörde genügen fönne, um die Gegenseitigkeit zu ver bürgen, wird für die Regel schon deshalb zu verneinen sein, weil sie meist erst nach Begehung der Handlung abgegeben sein wird und deshalb ungeeignet ist, die erforderliche Bedingung der Strafbarkeit zu erfüllen. Sollte aber ein Fall Anlaß gegeben haben, für die Zukunft eine zusichernde Erklärung abzugeben, so wird es fich weiter fragen, wie weit einer solchen Erklärung nach der Geschgebung des betreffenden Staates bindende Kraft zukomme; nur falls das zu bejahen, würde eine Verbürgung der Gegenseitigkeit Wenn die Revision schließlich auch gegen Braun und Ehrenpfort bie Anklage des Hochberrats aufrecht erhalte, so sei im Urteil boch nur festgestellt, daß fie bon der Berbindung nichts gewußt, nicht aber, daß sie nicht die hochberräterischen Bestrebungen unterstüt hätten. In seiner Entgegnung führt Bert. R.-A. Heinemann zunächst aus: Wenn man in den Schriften irgendwo etwas Hochverräterisches finde, so könne das seinen Klienten Bäbel sicherlich nicht zur Last fallen, da, wie im Urteil festgestellt sei, er nur rein sosial. demokratische Schriften verbreitet habe, die jegliche Gewalts tätigkeit zurücwiesen und auf rein Marristischem Boden ständen. Sei das Gericht hierin anderer Meinung und der Anficht, daß es an einer genügenden tatsächlichen Feststellung nach dieser Richtung hin noch fehle, und sei das Gericht weiter der Ueberzeugung, daß die Gegenseitigkeit an sich verbürgt sei, so täme in Frage, ob die Artikel 241 und 249 des russischen Strafgesetzbuchs vorliegend anwendbar seien. Die Straftammer habe festgestellt, daß dies nicht der Fall sei, da die Druckschriften nirgends zum Morde des Baren und zum gewaltsamen Umsturz der russischen Regierungsform auffordern, sich vielmehr durchweg in theoretischen, völlig allgemein gehaltenen Ausführungen ergehen. Daß auf solche Fälle die ge= nannten Artikel nicht zutreffen, ergeben mit Bestimmtheit die Ich will damit weiter nicht rechten, nur das eine möchte ich doch Betonen, daß das Bild, das sich aus diesen Vernehmungen ergibt, Motive zum neuen russischen Strafgesetzbuch, welche sagen, daß zur Anwendung der in Rede stehenden Artikel des russischen Strafgefeßbuchs erforderlich sei, daß die des Aufruhrs Angeschuldigten als ein ganz ungefärbtes, ungetrübtes, unanfechtbares wohl faum angesehen werden kann. Meine Herren, denken Sie sich den um bereits zum Anschlag geschritten seien oder daß wenigstens durch gefehrten Fall: es würde einmal in Frankreich ein ähnlicher Brozeß Die Sozialdemokratie hat feinen Anlaß, übermäßig zu jubeln, ihre Tätigkeit bereits eine schädliche Folge eingetreten sei. Diesen verhandelt, in dem es sich um Angriffe gegen das Deutsche Reich daß hinsichtlich der Beschuldigung Hochberräterischer Handlungen Motiven zum neuen russischen Strafgesetzbuch muß aber der höchste oder den deutschen Kaiser handelte, und da würden als Sach gegen Rußland ihre Auffassungen von rechtlicher Vernunft und Wert beigelegt werden, fie find verfaßt vom Senator Taganzeff, verständige über unsere Zustände die Herren Bebel, Singer und nationaler Würde durch das Reichsgericht formelle Bekräftigung und einem der ersten Juristen Rußlands, und Laganzeff hat diese Arbeit im Auftrage des Gesebgebungs- Departements ausgeführt, Stadthagen vernommen( Bewegung); die würden mit dem ganzen Fanatismus ihrer Ueberzeugung ein Bild entwerfen von den Zu- Anerkennung gefunden haben. Wir stimmen nicht das Triumph- welches nach russischem Staatsrecht ein Teil ber souveränen Ber: ständen in Deutschland, vor dem auch die Welt erschreden würde. geheul an, von dem Herr Schönstedt sprach. Der Königsberger waltung des Baren ist, des einzigen gefeßgebenden Faktors in Ruß( Gehr richtig 1). Aber es würde fein Spiegelbild, sondern es würde Prozeß ist politisch erledigt und der Sieg der Sozialdemokratie und land. Endlich hat der Bar diese Motive publizieren lassen, und ein Berrbils fein und Kundige würden nicht daran glauben. Die Niederlage des Systems Schönstedt ist noch einmal bekräftigt. Damit stellen sie gemäß den Grundsäßen des russischen Staatsrechts ( Sehr richtig! rechts.) Wir wenden uns damit ruhig neuen Taten zu, neuen Siegen, ein allerhöchst bestätigtes Reichsrats Gutachten dar, haben also angenommen werden können." Ge�stzeSkrast. Es komme aber>ve!ter noch hinzu, daß der Artikel 219 des russischen Strafgesetzbuchs überhaupt nicht auf Druckschriften Anwendung finde, da für Aufforderungen durch Druckschriften be- sondere Bestimmungen, die Artikel 2S1 und 252, beständen, bezüglich welcher die Gegenseitigkeit aber nicht verbürgt sei. Man werde sich sofort darüber klar, daß für Delikte durch Druckschriften der die Todesstrafe als einzige Strafart kennende Artikel 249 nicht Anwendung finden könne, sobald man genau die Akten einsähe. Nach Berichten in unseren Akten gerade sind Russen wegen Verbreitung der hier inkriminierten Druckschriften in Rußland mit einigen Monaten Zwangsarbeit bestraft worden, was nicht möglich wäre, wenn der nur Todesstrafe aussprechende Artikel 249 zuträfe. Alle die hervorragenden Männer Rußlands, Professoren, Rechtsanwälte und Aerzte, welche in letzter Zeit zur gewaltsamen Beseitigung des Absolutismus aufgefordert haben, sind höchstens mit Zwangs- arbeit bestraft, niemals mit Todesstrafe. Und der Verfasser jener Proklamation selbst, Maxim Gorki, sei nur auf Grund des Artikels 249 airgeklagt. Durch Druckschriften könne allerdings der den Zarenmord bezw. die Aufforderung dazu betreffende Artikel 241 begangen werden, aber dieser Artikel habe es nur mit unmittel- baren, direkten Angriffen gegen die Person des Kaisers zu tun. Das russische Strafgesetzbuch mache einen scharfen Unterschied zwischen Angriffen auf die Person des Kaisers(Artikel 241) und Angriffen auf tue absolute Regierungsform(Artikel 249)— ein Unterschied, der tief in die Geschichte des russischen Strafrechts und bis auf die berühmten„Zwei Punkte" Peters des Großen zurückführe. Von unmittelbaren Angriffen gegen die Person des regierenden Kaisers aber sei, wie die Strafkammer in Königsberg mit Recht festgestellt habe, in den Druckschriften nirgends die Red«, und die' Angriffe auf die absolut« Regierungsform fielen unter den nicht auf Druckschriften anwendbaren Artikel 249. Zum Beweise hierfür nimmt der Verteidiger auf Stellen aus Schriften erster Juristen Rußlands, insbesondere der Abhandlung Foinitzkis, aus der Strafgesetzgebung der Gegenwart in rechtsvergleichender Dar- stcllung Bezug. Schließlich weist Rechtsanwalt Heinemann noch darauf hin, daß zurzeit der Fällung des Königsberger Urteils die Artikel 241 und 249 bereits aufgehoben und durch den die politischen Delikte des neuen Strafgesetzbuchs enthaltenden Abschnitt ersetzt waren. Damit sei auch der Artikel 299, der auf diese Artikel Bezug nimmt, und nunmehr daher keinen Inhalt mehr habe, gefallen. Ter die Gegenseitigkeit neu regelnde§ 185 des neuen Strafgesetzbuchs sei aber noch nicht in Kraft getreten, sodatz es zurzeit in keinem Falle einen Gegenseitigkeits-Paragraphcn im russischen Strafgesetzbuch gäbe und daher eine Verurteilung nach§ 2 unseres Strafgesetzbuchs, dem Eckstein der ganzen Strafgesetzgebung, nicht möglich sei. Aber es werde auf dies alles nicht ankommen, da durchschlagend der in der vorigen Verhandlung behandelte Ge- sichtspunkt sei, daß überhaupt niemals mit Rußland die Gegen- seitig&it verbürgt gewesen sei, da Rußland dazu ein besonderes in Rußland publiziertes Gesetz verlange, es daran aber fehle, wie die voll beweiskräftigen Motive zum neuen russischen Strafgesetz- buch ergeben. Vert. N.-A. Dr. Liebknecht: Die Verbreitung der Schriften ist die einzige denkbare konkrete Unterlage für die Anklage des Hoch- Verrats. Da festgestellt ist, daß Braun und Ehrenpfort an' der Verbreitung der Schriften nicht teilgenommen, nicht einmal um sie gewußt haben, fällt die Anklage des Hochverrats gegen sie von selbst zusammen.— Als neuen Anfechtungsgrund gegen das Königs- berger Urteil mache ich die Unzulänglichkeit des Strafantrages des russischen Botschafters geltend. Der Botschafter hat diplomatisch einen umgrenzten Kreis von Rechten, aber nicht das Recht, gleich- sam privatrechtlich obrigkeitliche Akte auszuführen und in die internationale Politik einzugreifen. Es fehlt im Urteil die not- wendige Feststellung über die Autorisation des Botschafters zur Stellung des Strafantrags.— Das Reichsgericht wird weiterhin ernsthaft zu prüfen haben, ob die im(russischen) Z 260 getroffenen Delikte sich mit den Delikten decken, für die das Deutsche Reich die Gegenseitigkeit verbürgt. Denken Sie sich genau dieselbe Tat, die gegen Rußland Hochverrat wäre, von Rußland aus gegen Deutsch- land gerichtet I Wäre sie Hochverrat gegen Deutschland? In den meisten Fällen nicht. Denn es fehlt in Deutschland das Objekt, das in Rußland geschützt werden soll: der Absoluftsmus. Deshalb fehlt es trotz der Identität der Begriffe an einer wirklichen Gleich- Wertigkeit der in Betracht kommenden Delikte.— Der§ 49 a (Duchesncparagraph) bestraft die schriftliche Aufforderung zu einem Verbrechen. Es muß sich aber um ein Verbrechen nach deutschem Rocht handeln. Nach deutschem Strafrecht werden Handlungen von Ausländern im Ausland nicht bestraft. Deshalb kann auch die Aufforderung an Rüsten, in Rußland den Zaren zu töten, in Deutschland nicht strafbar sein.— Ter Verteidiger geht dann aus- führlich auf den Nachweis ein, daß§ 260 nicht mehr rechtskräftig und die Z§ 241 und 249 nicht auf die Verbreitung dieser Schriften anivendbar seien. Besonders zeigt er an zahlreichen Beispielen die Verschiedenheit der russischen und deutschen Terminologie. Die vom Staatsanwalt zitierte französische Uebersetzung des russischen Strafgesetzbuchs sei eine durchaus ungenaue, irreführende Privat- Übersetzung. Reichsanwalt Treutlein-Mördes: Mir genügt unter der fran- zösische» Uebersetzung der Name Fürst Gortschakoff.— Der§ 102 soll nach Ansicht der Verteidigung nicht anwendbar sein, weil es sich hier um Ruhland und den Zaren handle. Aber§ 102 spricht ja nur vom Hochverrat gegen ausländische Staaten I— Ich erkenne die Notwendigkeit an, sich mit Staatsrecht zu befassen; danach ist der Botschafter der Vertreter der Regierung, die durch ihn allein Strafantrag stellen kann.— Wäre der§ 260 wirklich außer Kraft, so hätte Rußland ja den vielbesprochenen Staatsvcrtrag betr. die Gegenseitigkeit mit Oesterreich einseitig gebrochen I Und wäre die Auffassung des Verteidigers Dr. Heinemann von der Bedeutung der ZZ 241 und 249 richtig, so wären derartige Handlungen in Ruß- land gänzlich straffrei I Das entspricht vielleicht der Abneigung gegen die Todesstrafe. Aber solche Sentiments sind sehr gefährlich, besonders wenn sie sich in explosiver Weise gegen den richten, zu dessen Ermordung aufgefordert wird. Vert. R.-A. Dr. Hcincmann: Daß dadurch der Vertrag mit Oesterreich gebrochen wäre, ist ein j u r i st i s ch e s Argument gegen die Auffassung von der Rechtsunwirksainkeit des Z 260 nicht. Vert. R.-A. Dr. Liebknecht: Den Namen Gortschakoffs kann auch ein Privatübersetzer dem russischen Original entnommen haben. — Nicht den§ 102, fondern den§ 49a habe ich deshalb für un- anwendbar erklärt, weil es sich um Taten von Ausländern im Auslande handelt. Gewiß ist der Botschafter Organ zur Vcr- tretung seiner Regierung. Es fragt sich nur, ob auch das Recht, Strafanträge zu stellen, ohne weiteres zu seiner Vertretungs- bcfugnis gehört. Für mich spricht, daß der Botschafter sich aus- drücklich aus einen Auftrag berufen hat. Damit ist die Erörterung beendet. Kurz vor 1 Uhr zieht sich der Gerichtshof zur Beratung zurück. Nach etwa dreiviertelstündiger Beratung verkündigt der Vor- sitzende Senatspräsident Freiherr v. Bülow das Urteil: Auf die Revision der königlichen Staatsanwaltschaft und der Angeklagten Nowagrotzki und Genossen wird hierdurch zu Recht er- kannt: Die Revisionen gegen das Urteil der ersten Strafkammer des königlichen Landgerichts Königsberg vom 15. Juli 1904 werden verworfen. Die Staatskasse trägt die Kosten, die durch das Rechts- mittel der königlichen Staatsanwaltschaft erwachsen sind. Die An- geklagten haben die Kosten des von ihnen eingelegten Rechtsmittels zu tragen. Zur Begründung teilt der Vorsitzende folgendes mit: Voraussetzung für die Anwendung des Z 102 ist, daß schon zur Zeit der Tat die Gegenseitigkeit dem Deutschen Reiche verbürgt ge- Wesen ist. Daraus folgt ohne weiteres die Wirkungslosigkeit der Erklärung des russischen Botschafters vom 21. November 1904. Die Krage, ob gesetzlich die Gegenseitigkeit von Rußland schon vorher verbürgt wtir. ist verneint worden. Artikel 260 des russischen Strafgesetzbuches fordert als Voraussetzung hierfür„das Bestehen von Traktaten oder hierüber veröffentlichten Gesetzen". Ein Vertrag zwischen dem Deutschen Reiche und Rußland besteht nicht. Was unter„hierüber veröffentlichten Gesetzen" zu verstehen ist, besagt der Wortlaut des russischen Gesetzes nicht ohne weiteres. Prüft man die Vorgeschichte, so lassen sich gewisse Momente, die von der Staatsanwaltschaft geltend gemacht worden sind, dafür anführen, daß ein Gesetz eines fremden Staates gemeint ist. Aber anderer- seits sind andere Momente dafür vorgebracht, daß der Artikel 260 ein besonderes russisches Gesetz verlangt. Bei dieser Sachlage ist den Motiven zum neuen russischen Strafgesetzbuch ausschlag- gebendes Gewicht beigelegt Worten. Sie sind verfaßt von dem Senator Tagantzew auf Anordnung der Redaktionskommission, die durch Erlaß des Zaren eingesetzt worden ist. Seine Ausführungen sind von der Kommission nicht beanstandet worden und amtlich der- öffentlicht. In den Erläuterungen zu Z 260 wird die Verbürgung der Gegenseitigkeit durch ein in Rußland veröffentlichtes Gesetz gefordert, d. h. es wird neben dem Artikel 260 ein besonderes rufst- sches Gesetz gefordert, welches die Gegenseitigkeit gewährt. Nebenbei kann noch bemerkt werden, daß sich der Auffassung der Motive auch der frühere Professor des Staatsrechtes v. Reußncr angeschlossen hat. Es deutet nicht darauf hin, daß jemals ein russisches Gericht die Gegenseitigkeit gegen Teutschland angewandt hätte. Das ist auch gegenüber der autoritativen Veröffentlichung der Motive zum neuen russischen Strafgesetzbuch nicht anzunehmen. Damit ist die Re- Vision der Staatsamvaltschaft erledigt. Denn wenn die objektive Bedingung der Strafbarkeit, die Verbürgung der Gegenseitigkeit fehlt, so kommt es nicht mehr darauf an, unter welche Paragraphen die Handlung der Angeklagten fällt. Von der Reichsanwaltschaft ist noch der Gesichtspunkt des§ 49a in der Verhandlung geltend gemacht worden. Auch dieser Gesichts- Punkt kann nicht als durchschlagend anerkannt werden. Es mutz davon ausgegangen werden, daß es sich nur um eine materielle Rüge handeln kann. Eine formelle Rüge, daß die Richter ihrer Pflicht nicht nachgekommen seien, sich über die Anwendbarkeit des § 49a zu äußern, wäre nicht rechtzeitig eingebracht. Die materielle Rüge könnte aber als berechtigt nur anerkannt werden, wenn aus dem Urteil zu entnehmen wäre, daß der Tatbestand des§ 49a vollständig vorliegt und der Vorderrichtcr ihn gleichwohl rechts- irrtümlich nicht angewandt hätte.§ 49a setzt aber voraus, daß die Aufforderung zur Begehung des Verbrechens zur Kenntnis derer gelangt ist, an die sie gerichtet war, gleichgültig, ob diese sie der- standen haben oder nicht. Das Zurkenntnisgelangen ist aber im vorliegenden Fall nicht festgestellt, oder das Gegenteil ist fest- gestellt bezüglich aller bei den Angeklagten beschlagnahmten Schriften. Auch wenn im Eröffmmgsbcschluß die Rede davon ist, daß die An- geklagten schon seit Jahren solche Schriften befördert hätten, kann nicht angenommen werden, daß der Vorderrichter den§ 49a durch Nichtanwendung verletzt hat, weil über den Inhalt der früher ver. breiteten Schriften nichts festgestellt worden ist, weil nicht fest- gestellt worden ist, ob auch in ihnen schon, zur Ermordung des Zaren und zum Umsturz der Verfassung aufgefordert wird. Was die Revision der Angeklagten anlangt, so sind sämtliche prozessualen Rügen verfehlt. Das Gericht ist hierin wesent- lich der Auffassung der Reichsanwaltschaft beigetreten. Die Be- gründnng führt das im einzelnen aus. Auch die materiellen Rügen können nicht als durchgreifend angesehen werden. Alle Merkmale des§ 128 des Strafgesetzbuches sind im Urteil genügend festgestellt worden. Es haben sich verschiedene Personen geeinigt, ihren Willen einem Gesamtwillen zu unterwerfen. Diese Vereinigung hat eine gewisse Organisation von einer nicht nur vorübergehenden, sondern längeren Dauer ge- habt. Auch eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten sollte nach dem Willen der Teilnehmer stattfinden. Ferner ist zu b«. merken, daß die Absicht, das Dasein oder den Zweck der Verbindung vor der Staatsregierung geheim zu halten, nicht das Begehen un- lauterer Handlungen voraussetzt. Es ist deshalb unerheblich, ob die fraglichen Schriften in Deutschland verboten waren oder nicht. Das Urteil hat weder Gericht noch Polizei als Staatsbehörde angesehen und aus dem Schweigen zweier Angeklagter während des Prozeß- Verfahrens keine unzulässigen Schlüsse gezogen. Der Begriff der Teilnahme ist nicht verkannt. Der angefochtene Satz ist einem Urteil des ersten Strafsenates des Reichsgerichts vom 1. Mai 1882 entnommen. Er fiel nicht auf eine vorübergehende einmalige oder vereinzelte Tätigkeit für die Verbindung, sondern auf eine dauernde Unterordnung unter den Gcsamtwillen. Demnach ist auch ein Rechtsirrtum nicht ersichtlich, die Revision der Angeklagten also zu verwerfen. Schluß 2 Uhr._ politifche Ocbcrficht. Berlin, den 6. Mai. Eine gute Meldung. AuS Saarburg wird telegraphisch gemeldet: In dem Prozeß gegen nenn Soldaten des IS. Manen- Regiments wegen Anstiftung zum Auffuhr und tätlicher Beleidigung eines Vorgesetzten, wegen tätlichen Angriffs gegen Vorgesetzte und wegen Zusammenrottung und militärischen Auffuhr« wurden sämtliche Angeklagten in der Berufungsinstanz freigesprochen. In der ersten Instanz waren sie teilweise mit Zuchthausstrafe von über ffmf Jahren belegt worden. In der Urteilsbegründung ist an- gegeben, daß die Aussage des Hauptbelastungs- zeugen durch Vernehmung neuer Zeugen wider- legt sei. Unbeschadet der Kritik des AusschluffeS der Oeffcntlichkeit, die das Oberkriegsgericht beschlossen hat, ist der Ausgang dieses Prozesses ffeudig zu begrüßen. Von vornherein schien eS unbegreiflich, daß der Tatbestand. welcher dem Urteile der ersten Instanz zugrunde lag, eine so furchtbare Verurteilung herbeiführen konnte. Jetzt hat sich gar gezeigt, daß jener in erster Instanz angenommene Tat- bestand nicht einnial der Wirklichkeit entspricht— ein unendlich eindringlicher Beweis für die Notwendigkeit der Berufung auch im bürgerlichen Straffecht! Der Protest gegen die ungeheuerlichen Strafmaße des Militär- Strafgesetzbuchs für Vergehen Untergebener gegen Vorgesetzte wird, wie sich versteht, durch den erfreulichen Ausgang des Einzelfalles nicht im mindesten berührt. Wäre der Aufruhranklage nicht durch neue Zeugen die tatsächliche Grundlage völlig entzogen worden, so hätte da? ZuchthauS-Nrteil auf Grund des Gesetzes wiederholt werden müssen. Gut ist eS, daß jene jungen Soldaten nicht infolge eines Tanzsaalskandals der Lebenszerstörung im Zuchthaus verfallen, aber entscheidend ist allein die Beseitigung des grausamen Gesetzes.— Neue Delcasse'-Krisr wird au§ Paris berichtet: Der„Figaro", der als Organ des Ministerpräsidenten Rouvier gilt, verkündigt„nahen Rücktritt". Zwischen Rouvier und Deleasis sollen ernste Zerwürfnisse herrschen, da der Minister des Auswärtigen den Ministerpräsidenten nicht ge- nügend üben alle Vorgänge unterrichte und in der langen Gewohn- heit eigenmächtiger Politik sich gegen die Oberleitung des Minister- Präsidenten sträube. Auf Dclcassö ist jedoch eine dementierende Note der»Agence Havas" zurückzuführen, welche sagt: Ein Blatt hat heute morgen eine Note veröffentlicht, in welcher es den Rücktritt Delcaffös als bevorstehend bezeichnet, indem es als Grund hierfür Meinungsverschiedenheiten angibt, die zwischen ihm und dem Ministerpräsidenten Rouvier entstanden seien. Äir glauben versichern zu können, daß seit der vor 14 Tagen erfolgten Einreichung des Entlasiungsgcsuches durch Dilcasss und der auf Wunsch RouvierS erfolgten Zurück- nähme desselben sich nicht? ereignet hat, was daS heute btt» breitete Gerücht begründen kann. Wir können sogar hin» zufügen, daß Delcasfs sich heute vormittag in das Finanz- ministeriuin begeben und dort eine lange Unterredung mit Rouvier über die auswärtige Politik gehabt hat. Das klingt keineswegs sehr zuversichtlich.— *•* Deutrehes Reich. Der Mann mit dem Bullcngcnick. So nannte einmal Wichelm IL Freiherrn Wichelm v. Hammer- stein, den Führer der Konservativen, der von der Höhe politischer Macht dem Zuchthaus verfiel. Hans Leuß gibt soeben Briefe und Aufzeichnungen aus dem Nachlaß Hammersteins heraus. Das Material ist ihm anvertraut durch den Stiefsohn HammersteinS, Herrn v. Glöden. obfchon der Herausgeber längst nicht irgendwie den politischen Standpunkt deS einstigen Chef-Redakteurs der„Kreuz-Zeitung" vertritt. ES wird gesagt, einflußreiche Konservative haben sich eifrigst bemüht, die Veröffentlichung dieser Nachlaßpapiere ihres einstigen Oberhauptes zu hindern. Der Inhalt der Publikanon läßt die Bemühung der Kvuservativen und noch anderer Stellen wohl be« greiflich erscheinen. Die Veröffentlichung ist nur zu sehr geeignet, die Schleichwege konservativer Politik und die Er- bärmlichkeit konservativer Hofintrigen offenbar zu machen. In den Aufzeichnungen Hammersteins und in den an ihn ge- richteten Briefen, insbesondere des bekannten konserbariven Führers v. R a u ch h a u p t findet sich manch bemerkenswerter Beittag zur Erkenntnis der Zustände in den letztemJahren des Regiments Bismarck und den ersten Jahren des Regiments Wilhelm II. Im Mittelpunkt der Nachlaßpapiere steht die„Krenzzeitung" und ihr Leiter, der einflußreiche Freiherr V. Hammerstein. Wir sehen in die Zeit, da die„Kreuzzeitung" mit Stöcker' und Waldersee gegen Bismarck und die Kartellpolitik, mit Puttkamer gegen Kaiser Friedrich schüren. Wir sehen die Versuche, den neuen Herrscher in die Bahnen extrem-konservativer, antisemitischer und muckerischer Politik zu ziehen, und die skrupellosen Wahrheitswidrigkeilen zur Ereichung dieses Zieles. Em bemerkenswertes Dokument dieser Vorgänge bietet ein Brief v. Rauchhaupts an v. Hammerstein, ge- schrieben in einer Zeit, da der Kaiser sich von den Absichten der Kreuz- Zeitungspartei entschieden abkehrte. Das Dokument kenn- zeichnet gleicherweise diese Konservativen wie den Kaiser. Am 7. Ottober 1891 schrieb v. R a u ch h a u p t an Hammerstein nach zwei Unterredungen mit Bismarck in Kissingen folgenden Brief: „Mein lieber Freund! Ich freue mich, daß Sie in der letzten Wochenübersicht emmal die Trompete ziemlich deutlich gegen Caprivi blasen lassen. Ich halte den Mann für sehr kurzsichtig und eitel, zwei Eigenschaften, welche meist gepaart sind. Dabei hat er offenbar keinen eigenen Willen gegen den Kaiser, welcher immer... macht. Man muß darüber Bismarck selbst hören. Derselbe ließ mich in Kissingen zweimal kommen, und ich hatte jedesmal eine dreistündige Unterredung mit ihm. Seine Kritik der jetzigen lliegierung ist geradezu vernichtend, obwohl sich leider«in maßloser Haß gegen den Kaiser darin ab- spiegelt. Bon Interesse wird es Ihnen sein, daß er mir erklärte. die„Kreuz-Zeitung" sei die einzige anständige und selbständige Zeitung, welche man lesen könne. Ueber Helldorf, Bötticher, Herrfurth äußerte er sich in einer Weise, welche gar nicht wiederzugeben ist. Ich werde Ihnen einmal Gelegenheit geben, näheres mitzuteilen. Mit Helldorf habe ich jüngst auf dem Merseburger Feste eine sehr ernste Unterredung gehabt und ihm erklärt, daß ich nach seinem Verhalten bei der Landgemeiude-Ordnung keine Politik mehr mit ihm machen könne. Denn nachdem ich und Heydebrand mit ihm und Mantcuffel das bekannte Amendement Klinckowström in wiederholten Konferenzen verbotenus festgestellt, habe es der einfache Anstand al» Führer der Partei gefordert, daß er dafür gestimmt und nicht die konservative Partei des Abgeordneten- Hauses dem liberalen Minister Herrfurth geopfert hätte. Man- teuffel habe so gehandelt, er aber habe einfach zum Triumphe des Liberalismus über seine eigenen Freunde beigerragen. In Erfurt erhielt ich hierauf vom Kaiser, als ich mich bei ihm für den Orden bedantte, die Quittung. Se. Maj. hatte... mir im barschen Tone nur zu antworten: „Aber nun merken Sie es sich: Summa lex est regis voluntas"(das höchste Gesetz ist des Königs Wille) und sich dann kurz herumdrehte. Damit nicht genug, der hohe Herr trat nach einigen Minuten an Erffa heran und sagte zu ihm:„Dein Rauchhaupt habe ich seinen weißen Kopf gehörig eben gewaschen." Was soll man... sagen. Der erste Ausspruch ist der Widerhall deSi bekannten sie volo, sie jubeo, oder des bekannten Ausspruchs in Düsseldorf, der letzte ein Beweis, daß... ihm ein Dorn im Auge ist. Bismarck hat Recht, wir gehen einer Katastrophe entgegen. Ob ich unter diesen Ilmständen mein« Gesundheit wie seither im Dienste der Monarchie noch lpnger opfern iverde, steht dahin. Ich bin fast mutlos an der Spitze der Partei, den Kampf gegen Torheit und Servilismus zu führen. Ich hielt mich für verpflichtet. Sie darauf vorzubereiten. Ihr sehr entmutigter v. Rauchhaupt." Die Aufzeichnungen und Briefe führen denn weiter in die Zeit der wachsenden koni'ervativen Macht gegenüber der Aera Caprivi. Der Tivoli-Parteitag sah die Hnmnierstein-Partei auf der Höhe des Einflusses unter den Konservative» gelangen. Der Herausgeber Leuß unterhielt sich auf dem Tivoli-Tag persönlich mit Hammcrstein und wünschte die Streichung eine« Absätze« aus dem Programm, der die schärfsten Mittel gegen den„Umsturz" forderte. Da enthüllte v. Hammerstein in einem Worte den Kern der konservativen Arbeiterpolitik:„Was wollen Sie— so fuhr er heraus—. e s gibt kein anderes Mittel gegen die Sozial- dciiwkrntie, als daß man die Arbeiter provoziert und schießen läßt." Dann � gelang es der Fronde, Caprivi zu stürzen. Hammerstcin schien an das Ziel seiner Anstrengungen zu gelangen. In einer Sitzung der konservativen„Notabeln" konnte er erklären, daß er soeben vom Grafen E u l e n b>: r g komme, dem das Amt des Reichskanzlers angeboten worden fei; der Graf wolle nur annehmen, wenn ihm die Unterstützung aller Konservativen bei seiner Absicht gewiß sei, das allgemeine Wahlrecht aus einige Jahre zu suSpcudicren. Aber ehe es noch möglich war, eine Vereinigung aller Konservativen auf diese Pläne zu erreichen, nahte das Verhängnis: der Meister des politischen Intrigenspiels, der Intime der erlesensten Edelsten, der Mann, der ein Bullengenick gegen die Arbeiterbewegung einsetzte, vermochte die bürgerlichen Ver- brechen nicht länger zu verichleiern, denen er seit Jahren verfallen. AIS Wechselfälscher und Betrüger wandcte er nach der Flucht inS Aus- laud und ersolgter Auslieferung ins Zuchthaus I— Der Gesetzentwurf gegen daS Zechenlegen. Die Kommission des Abgeordnetenhauses zur Vorberawng der zweiten Berggesetznovelle betreffend die Stillegung von Zechen setzte Sonnabend vormittag ihre Beratungen fort und zwar unter dem Vorsitz des Abgeordneten B e u ch e l tchemlich durch ungarische, aus Brasilien ein- geloanderte Arbeiter und italienische Erdarbeiter und Bergleute in die Gruben verschleppt. In Brasilien ist der Parasit sehr weit ver- breitet. 1806 ergriff man die ersten prophylaktischen Maßnahmen zur Bekämpfung der Epidemie. Die Statistit wies 1900 275 Fälle, 1901/1902 1655 mff; 1908 wurden gelegentlich einer Interpellation im Reichstage 17 191 Fälle von Wurmlrankheit unter 188 780 Bergarbeitern ermittelt, das heißt 9 Prozent. Heute ist nicht nur Westfalen und die Rheinprobinz, sondern auch Luxemburg und Elsaß-Lothringen infiziert. Die Krankheit wird durch die im Kot des Kranken vorhandenen Eier deS Parasiten verbreitet. Diese bedürfen zu ihrer Umwandelung in Larven einer hohen Temperawr von 20—22 Grad; durch Trockenheit. Sonnenlicht und Kälte gehen sie zugrunde. Die Larven besitzen gegen äußere Einflüsse eine große Widerstandskraft. Nach angestellten Untersuchungen in Lütttch und Gelsenlircheir konnte keine eingekapselte Larve durch die bekannten Desinfektionsmittel vernichtet werden. Selbst bei vollkommener Austrocknimg kann sie durch geringste Befeuchttmg ihre Lebensfunkttonen wiedererlangen. Die einzigen sicher unschädlich machenden Mittel Alkohol und Chlorofornr sind viel zu teuer, um zur Desinfektion in den Gruben verwendet zu werden. Man hat in Deutschland im Kampfe gegen die Wurmkrankheit bereits mehr als l'/z Millionen Franks anfge« wendet. Kirchner verspricht sich einzig durch die individuelle Hygiene, die sich auf die Vernichtung des Parasiten beim Patienten richtet, Erfolg. Das Filmaron, ein' neues Heilmittel, hat sich bei vorsichtiger Anwendung bestens bewährt. Jedenfalls wird in Deutsch- land alles getan, um der Epidemie Einhalt zu gebieten. So wird bei der Rekruteneinstellung auf die aus den infizierten Gegenden stammenden Personen ein besonderes Augenmerk gerichtet. Auf diese Weise wurden 1903 40 Fälle von Wnrmkrankheit in der Armee, davon 33 innerhalb des 10. Armeekorps, festgestellt. 39 gehörten zum West- fälischen Kohlenrevier und der Rheinprobinz, nur einer stammte aus dem Elsaß. Sämtliche Leute wurden sorgfältig behandelt und 6 wegen Blutarmut entlassen. Für das Heer hat die Krankheit lange nicht die Bedeutung, wie für die Zivilbevölkerung, da die Vorbedingungen dazu fehlen. Allerdings bekundet Dr. Herer in München, daß die Wurmkrankheit nicht an die Bergwerke gebunden sei, sondern werde durch Feuchtigkeit und Mangel an Sonne begünstigt. Der Parasit sei viel häufiger als man gemeinhin annehme und kamen auch bei Soldaten und Schäfern aus Serbien und Rumänien vor, die nie- mals in Gruben arbeiteten. Auch tauche sie vielfach in Gegenden Oesterreichs, Serbiens und Bulgariens auf.— Für Deutschland steht es fest, daß die Wurmkrankheit zuerst nur bei den Feldarbeitern vor- gekommen ist und dann ihren Eingang in die Bergwerke fand. Nun- mehr hat sie bereits die belgische Grenze überschritten und bedrohe die Norddepartements Frankrerchs. Sewerkfcdaftlickes. Es lebe die Anarchie! Der Zentralverband deutscher Industrieller hat sich in seiner letzten Sitzung u. a. auch mit den T a r i s- Verträgen befaßt und dabei seine ja schon bekannte Haltung noch einmal durch folgende Resolution bekräftigt: „Der Zentralverband deutscher Industrieller betrachtet den Abschluß von Tarifverträgen zwischen den Arbeitgeber Organisationen und den Organisationen der Arbeiter als der deutschen Industrie und ihrer gedeihlichen Fortentwickelung überaus gefährlich. Die Tarifverträge nehmen ebensowohl dem einzelnen Arbeitgeber die fiir die sachgemäße Fortführimg jedes Unternehmens notwendige Freiheit der Entschließung über die Verwendung seiner Arbeiter und die Lohnfest- s e tz u n g als wie sie auch den einzelnen Arbeiter unvermeidbar unter die Herrschaft der Arbeiterorganisation bringen. Die Tarifverträge sind nach der Ueberzeugimg deS Zentralverbandes, wie auch durch die Erfahrungen in England und Amerika voll bestätigt wird, schwere Hindernisse der technischen und organisatorischen Fortschritte der deutschen In« dnstrie. Aus diesem Grunde bedauert der Zentral- verband insbesondere auch die Entschließung der königlich bayerischen Staatsregierung vom 2. März d. I., die den Abschluß von Tarif« Verträgen als eine der vornehmsten Aufgaben der Gewerbe-Aufsichtsbeamten bezeichnet." Die Entschließung der bayerischen Regierung resultiert hauptsächlich aus den Erfahrungen, die man mit dem Buch- drucker-Tarif gemacht hat. Im Buchdruckerberuf aber haben auch die N n t e r n e h m e r die meisten Erfahrungen über die Wirkung von Tarifverträgen gemacht und die gehen dahin, daß sie jetzt in ihrer großen Ueberzahl den Tarif nicht missen niögen. Möglich, daß große wirtschaftliche und technische Umwälzungen das Interesse der Buckdruckprinzipale an der Tarisgeineinschaft einmal erschüttern können, zurzeit ist gerade dies eine der Hauptstützen des Tarifs.„Die Freiheit der Entschließung über die Verwendung ihrer Arbeit"(was soll das überhaupt heißen?) und die einseitige Lohnfestsetzung, wie sie m der tartflosen Zeit auch in der Buchdruckerei herrschte, hat dort die schändlichste Schmutzkonkurrenz jezeitigt, die die anständigen Arbeitgeber nur mit Hülfe der Arbeiterschaft durch die Tarifgemeinschaft zu beseittgen ver- mochten. Wo wirkliche Erfahrungen mit Tarifverträgen vor- liegen, haben diese sich immer als segensreich, nicht als ver- derblich für das betreffende Gewerbe erwiesen. Nichtsdestoweniger schwärmen die Scharfmacher für mög- lichst anarchische Zustände auf dem Gebiete des Arbeits- Vertrages, nicht— wie sie vorgeben— weil sie durch Tarife die Existenz der Industrie gefährdet sehen, sondern aus Prinzip. Sie wollen„Herr im Hause" sein, bestreiten dem Arbeiter jedes Recht, bei der Festsetzung der Lohn- und Arbeitsbedingungen mitzuwirken. Die tarifliche Anarchie soll ihnen zur Herrschaft über die Arbeiterschaft verhelfen. Darum ihre Schwärmerei fiir dieselbe. Beettn und arngegend. Achtung, Mitglieder des Metallarbeiter- BcrbandeS! Die am Sonntag, den 30. April, stattgefundene Wahl der Delegierten zur Generalversammlung hatte folgendes Ergebnis: Gewählt sind vier Kollegen und zwar: Blume Kthal, Eohen, Handtke und Stopsack. In Stichwahl find: Bahn, B o ch.n ick.Behrend, Carl. Fellenberg, Fiedler, ickweiler, Gienke, Gurtschke, Gutsche, Habicht, etz, Hochhäusler. Jakobse it. Joseph, Karpenkiel. oblank, Loose, Lubatsch, Ludlvig Müller, Nerlich, Naether, Pagels, Philipp, Petzold. Ramsbrock, Rondtke. Roth, Scharf. Schmidt, Schulz(Dreher). Vollmer. Wolfram und Zaleiske. Die Stichwahl findet statt am 21. Mai, in der Zeit von morgen? 10 Uhr bis nachmittags 2 Uhr. Die Lokale werden noch bekannt gegeben. Die Ortsverwaltung. Achtung, Dachdecker'. Wegen Differenzen ist die Firma A. Wild, früher Hiecke, Rixdors. Jägerstr. 47. gesperrt. Die Ortsverwaltuna. Vom Berein der Berliner Hausdiener erhalten wir folgende Zuschrift: In Nr. 101, 4. Beilage, des„Vorwärts" vom Sonntag. den 30. April 1905, befindet sich eine Notiz: ZumStreikder Hausdiener, Packer usw. Nach ß 11 des Preßgesetzes er- suchen wir hiermit, folgende Berichtigung in Ihrem geschätzten Blatte aufzunehmen: Es ist nicht wahr, daß der Vorstand des Ver» eins Berliner Hausdiener gegen zwei seiner Mitglieder, welche die Arbeit bei der Teppichfirma Feibisch wieder aufgenommen, keine Schritte unternommen hat. Die wieder in Arbeit Getretenen wurden, nachdem uns eine diesbezügliche Mitteilung zuging, sofort aufgefordert, wegen ihres unsolidarischen Verhaltens umgehend im Vereinsbureau zu erscheinen, anderenfalls dieselben die Konsequenzen selbst zu tragen hätten. Da die beiden Hausdiener unserem be- rechtigten Wunsche nicht nachkamen, sind dieselben aus der Vereinsliste gestrichen- worden. Oeutldies Reich. Lohnbewegungen in Schleswig-Holsteiii. Die Bauarbeiter in Rendsburg haben nach langen Verhaijdlnngen eine Erhöhung des Lohne? um 3 Pf. die Stunde durchgesetzt. Die Flensburger Werftarbeiter haben in zwei großen Versammlungen be« schloffen, nochmals wegen des Tarifs bei der Werft vorstellig zu werden. Der von der Direktion selbst eingesetzte, bei diesen Untev Handlungen aber als„inkompetent" abgelehnte Arbeiterausschutz soll die Sache führen und zum nächsten Sonnabend den endgültigen Be- 1 scheid der Werftleitung verlangen. 1 Der Streik der Dresdener Schuhmacher ist bereits beendet. Die Ausständigen haben schon nach viertägigem Kampfe einen vollen Erfolg erzielt. Im Wege der Verhandlung ist ein Lohntarif zur Annahme gelangt, der eine Lohnerhöhung von 18— 20 Prozent gewährleistet. Der neue Tarif soll 4 Jahre Gültigkeit haben. Vereinbart ist eine gegenseitige einjährige Kündigung. Die Streikenden sind bis auf etwa 20 alle wieder in Arbeit. Wenn die Dresdener Schuhmacher nach kurzem Kampfe einen schönen Erfolg er« rungen haben, haben sie das allein ihrer guten Organisation zu danken, mit der d>e Innung rechnen mußte. D Red.: Paul Büttner, Berlin. Jnserateverantw.(mit Ausnahm? der„NeueWelt". Beilage): Th.Slocke, Berlin. Druck u. Verlag: Borwärls Buchdr. u. Verlagsanst.Paul Singer St So.. Berlin SV. Hierzu 4 Beilagen«. Unterhalt« ngSbl. Ar. 106. 22. Ichrgavs. 1. mim des Jonörts" Kerlilltt NllldsltIM s--"«. m im- Parteigenossen! lssitwoch sst �ahlabenck in Verlin unä clen Vororten! M zur Nahl für Lifte IV. In zwei imposanten Versammlungen sprach die Organisation der klassenbewußten HandlungZgehiilsen am Freitag abend noch ein- mal zu den KausmannSgerichtswählcrn. Die Genossen Bebel und Bern st ein hatten die Referate für die vom Zentralverband der Handlungsgehülfen und Gehülfinnen nach dem Feenpalast und dem Buggenhagenschen Etablissement einberufenen Versammlungen übernommen. Die Wahlbewegung hatte hiermit ihren Höhepunkt erreicht. ES haben wohl noch nie zuvor zwei so große Versammlungen von Handlungsgehülfen an einem Abend statt- gefunden. Selbst in den bewegtesten Zeiten der ReichStagSwahlen konnte der Andrang zu den Versammlungen kaum stärker sein, als es hier der Fall war. Und das trotz aller Gegenagitation der bürgerlichen Vereine, die in ihren Flugblättern mit Fälschungen operierten, gegen die WechselsSlschungen als harmloser Sport erscheinen. Tausende und Abertausende von Handlungsgehülfen waren zusammengeströmt. Auch die weiblichen Angestellten im Handelögewerbe waren ver- treten, zwar nicht im Verhältnis zu ihrer Zahl, aber doch stark genug, um durch ihre Anwesenheit gegen das Unrecht zu demonstrieren, da? ihnen durch die Verweigerung des Wahlrechtes seitens der Gesetz- gebung zugefügt worden ist. Diese Versammlungen ließen durch ihren Verlauf erkennen, daß durch die erste Kaufmannsgerichtswahl eine gewaltige Stärkung der HandlungSgehülsen-Bewegung hervorgerufen worden ist. Selbst die sonst so radaulustigen Gegner standen unter dem Eindruck dieser gewaltigen Kundgebung stir die Wahl der auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Kandidaten. Begeisterte Stimmung herrschte unter den Teil- uehmern dieser Masienversannnlungen, die ein günstiges Vorzeichen für den Ausfall der Wahlen bedeuten. »* * Im Feenpalast referierte Genosse Bebel. Schon lange vor der festgesetzten Stunde des Beginns der Versammlung war das Lokal vollständig gefüllt. Im Parterre des Saales, sowie auf beiden Galerien drängte sich eine nach Tausenden zählende Menge, die den Referenten mit lebhaften BeisallSkimdgebuiigen begrüßte. Bebel leitete seinen Vortrag mit dem Hinweis ein, daß das kaufmännische Personal angesichts der ersten Wahl zum Kaufmanns- gericht vor einem wichtigen historischen Moment stehe. Durch die Annahme des Gesetzes über die KaufmannZgerichte habe der Reichs- tag dokumentiert, daß die Verhältnisse im HandelSgewcrbe andere geworden find als fie früher waren, daß die pamarchaltichei: Zustände zu Ende gegangen sind und die Gegensätze zwischen Arbeitgeber und Arveitiiehmer im Handelsgewerbe sich in gleicher Weise zugespitzt haben, wie eS in der Industrie der Fall ist. Der Redner illustrierte diese Tatsache des näheren, indem er die Entwicklung im HandelSgewcrbe schilderte und zeigte, daß auch hier wie in der Industrie die Tendenz der Eiitwickelung zum Großbetriebe vorherrscht, daß dadurch die wirtschaftliche Lage der Angestellten i>n Handelsgewerbe sich im allgemeinen von der Lage der Arbeiter nicht unterscheidet. Eine Tatsache, die allerdings viele Handelsangcstellte noch nicht einsehen. Sie blicken immer noch auf die Jndllstrie-Arbeiter herab und glauben ettoaS Besseres zu sein wie diese, obgleich sie zum Teil schlechter gestellt sind wie die Arbeiter. (Zustimmung und Beifall.) Weiter zeigte der Redner, daß auch die zu« nehmende Beschäftigung weiblicher Arbeitskräfte im Handelögewerbe eine naturgemäße Folge der bezeichneten Eiitwirfelu»� sei, und cS des- halb ganz verlehrt wäre, wenn die Handlungsgehülfen, wie eS viele noch tun, in den weiblichen Angestellten unliebsame Konkurrentinnen erblicken, die sie aus dem Gewerbe verdrängen möchten. ES sei das größte llnrccht, daß das Gesetz den weiblichen Handels- angestellten das Wahlrecht zum KausmannSgericht versage.(Leb- habter Beifall.) Ein weiteres Unrecht sei eS, daß das aktive Wahl- recht an ein Mter von 25, daS passive aar an ein Alter von 30 Jahren geknüpft ist. In seinen weiteren Ausführungen wies der Redner darauf hin, daß der deutschnationale Handlungsgehülfenverband an diesen Mängeln des Gesetzes mitschuldig sei. denn er habe dem Reichstage ausdrücklich bekundet, daß er mit der Altersgrenze, wie sie jetzt rm Gesetz festgelegt ist, einverstanden sei. Am Schluß seines Vortrages ging Genosie Bebel auf die bevorstehende Wahl selbst ein. Es ftage sich, was man von den zu wählenden Richtern zu verlangen habe, und die Antwort darauf sei, es müßten unabhängige Männer, feste Charaktere sein, die die Ver- Hältnisse im Gewerbe kennen und von höheren sozialen Gesichts- punkten ans zu urteilen imstande wären. �Dicse Eigenschaften seien bei den klassenbewußten Kandidaten in höherem Matze vorhanden, als bei denen auS bürgerlichen Parteien. Der Redner schloß unter brausendem Beifall mit der Ausiorderung an die Anwesenden, für möglichst allgemeine Wahlbeteiligung zu sorgen und eine Wahl zu treffen, die den Interessen der HandelSangesteuten in vollem Maße entspricht. In der Diskussion sprachen zwei Redner. Der erste empfahl nach einer ebenso langweiligen wte inhaltlosen Rede die Liste der Deutschnationalen, während der zweite Redner gegen den Deutsch- nationalen Verband polemisierte. Nach einem wirkungsvollen Schlußwort Bebels ersuchte der Vorsitzende Friedländer die Anwesenden, die kurze Spanne Zeit auszunutzen mit der Agitation fiir die Liste IV, die vom Zentralverbande der Handlungsgehülfen aufgestellt ist. Dann ging die Versammlung unter lebhasten Hochrufen auf Bebel auseinander. « Die zweit- Versammlung des Mends in Buggenhagens Etablissement am Moritzplatz war ebenfalls stark besucht. DaS Referat hielt Reichstags-Abgeordneter Genosse Eduard Bern- st e i n. In seinem ausgezeichneten Lorwage beleuchtete Redner an der Hand eigener Erfahrungen die durch die wirtschaftliche EntWicke- lung herbeigeführte gründliche Veränderung in dem Arbeitsverhältnis zwischen früher und jetzt. DaS Ideal und die früher berechtigte Hoffnung auf Selbständigkeit sei fiir die meisten Handlungsgehülfen einfach zu einer Illusion geworden. Doch das Phantasma der Selbständigkeit laste gleichsam wie ein Fluch auf der Äcbülfenfchaft. denn gerade hieraus resultiere der verhängntSvolle Dünkel, als feien die HandlungS- gehülfen noch etioaS Besseres wie andere Arbeiter. Dieser m Wirklichkeit höchst fadenscheinige, durch nichts berechtigte Standesdünkel blende den Gehülfen nur die Augen, so daß sie trotz ihrer nur mük- sam übertünchten jämmerlichen sozialen Lage noch immer nicht die Notwendigkeit der Solidarität mit der übrigen organisierten Arbeiter- schast erkannt hätten. Ihre BerufSchre mögen die Handlungsgehülfen pflegen und hochhalten wie sie zeder andere Arbeiter ebenfalls hochhält, jedoch fei da« Gerede von einem besonderen Stande umso törichter, als sich die Handlungsgehülfen keineswegs mehr aus einer bestimmten in sich abgeschlossenen Gesellschaftsschicht rekrutieren, sondern jeder junge Mann mit genügender Schulbildung, ganz gleichgüliig aus welchen Kreisen er stammt, Zutritt zu diesem.Stande' habe. Besonders sei zu bedenken, daß daS bißchen Sozialreform, welche? den KaufinannSgehÜlfen und-Gehülfinnen in Gestalt der ver« kümmerten Sonntagsruhe und der noch so äußerst mangelhaften KaufinannSgerichte durch die Gesetzgebung gnädigst„gewährt' worden ist, lediglich dem Druck und dem Sinstub der zrganisierten Arbeiter- schast zu verdanken sei und der daraus resultiereuden Besorgnis der Regierung, daß die mit Recht stetig unzufriedener werdenden Kauf- mannSangestellten schließlich zur Sozialdemokratie übergehen würden. Aus all diesen Gründen empfahl Redner den Anwesenden, am Sonntag nur solche Kollegen zu Beisitzern zu wählen, die auch sozialpolitisches Verständnis genug besäßen, um bei der Rechtsprechung in den Kaufmannsgerichten die Interessen der gesamten Gehülfen und Gehülfinnen würdig und mit Nachdruck zu vertreten, und das seien einzig und allein die Kandidaten des Zentral- Verbandes, der den notwendigen Jnteresscnkampf gegen das kausmönnische Unternehmertum auf modcrn-gcwerkschaftlicher Grund lag führe. Der Vortrag wurde mit wiederholtem lebhaftem Beifall ausgenommen.— In der Diskussion gefiel sich ein Herr L i ß k c vom Leipziger Verband in allerhand mehr oder minder konfirsen Redens- arten, die von grotesken Widersprüchen wimmelten. Es war daher Fräulein Kraus und Martin Meyer ein leichtes, den braven .Leipziger' unter stürmischem Beifall der Versammelten gebührend abzufertigen. Nach einein anfeuernden Schlußwort Bernsteins er- reichte die Versammlung in bester Stimmung der Anwesenden ihr Ende. Jeder HandlungSgchiilfe wählt in dem Wahllokal des Stadtbezirkes, in welchem das Geschäfislotal liegt, in dem er beschäftigt ist. Außer der amtlichen Legitimation hat jeder Wähler noch einen Nachweis über seine Identität zur Wahl mitzubringen, als solcher gelten: Geburtsurkunde, Taufschein, Militärpnpicre, Steuer quittungen usw. Die Wahl ist geheim. Stimmzettel sind vor den Wahllokalen zu haben. Jeder HandlungSgchiilfe wählt Liste IV, die Liste des ZentralverbandcS der Handlungsgehülfen. Wirtschaftlicher Wochenbericht. Berlin, den 6. Mai ISVS. Deutsch-englische Handelsrivalität. Die englische Presie und die Marokko-Affäre.— Admiral FitzgeraldS Krieg« drohung.— Englands frühere Monopolstellung aus dem internationalen Industrie- und Handelsmarkt.— Deutschlands Konkurrenz.— Deutschlands und Englands wirtschastliche Entwicklung in den letzten drei Jahrzehnten.— Deutsch-englische Eisersüchtelet und die Arbelterklasse. Die Marokko-Affäre hat in England fast noch mehr Staub ans- gewirbelt und zu heftigeren Ausfällen gegen die offizielle deutsche AuSlandspolitik Anlaß gegeben, als an den Ufern der Seine. Mährend die sozialistischen und radikalen Blätter Frankreichs meist energisch gegen den Diplomalendünkel des Herrn Delcassö protestierten und erklärten, daß ihnen desien diplomatische Leistung eine Störung der ftiedlichen Beziehungen zwischen dem deutschen und dem ftanzöstschen Staat nicht wert sei, benutzte die englische kapitalistische Presse in ihrer Mehrheit die Gelegenheit zu langen Deklamationen gegen Deutschland, die sich um so heftiger gestalteten, je mehr die französische Regierung zur Nachgiebigkeit geneigt zu sein schien. Und diese Angriffe richteten sich charakteristischer- weise nicht nur gegen die jetzige, verspätet erfolgte Stellungnahme der deutschen Regierung zum vorjährigen englisch- französischen Marokko-Abkommen, sondern überhaupt gegen Deutschlands Be streben, seinen auswärtigen Handel auszudehnen. Zieht man in Betracht, daß noch vor zwei bis drei Jahren dieselben Blätter, die heute Frankreichs Oberhoheit in Marokko als etwas Selbstverständliches hinstellen, dessen Expansionspolitik in Aftika ssaufs schürsste bekämpften, so erscheint die von einigen radikalen ftanzöstschen Blättern angedeutete Folgerung, daß ein Teil der englischen Handelswelt eS gar zu gerne sähe, wenn Deutsche land und Frankreich sich um Marokko in die Haare gerieten, als nicht ganz unwahrscheinlich. Vielleicht rechnet man in gewissen englischen Kreisen damit, daß durch einen Krieg beide Mächte nicht nur wirtschaftlich, sondern auch in ihrer politischen Machtstellung der- artig geschwächt würden, daß Old England wieder Europa in seinen Jnteressenbann zu zwingen vermöchte und wenigstens für einige Zeit sich nicht um die wirtschaftliche Konkurrenz Deutschlands zu sorge» brauchte. Wenn auch nicht im ganzen englischen Volk, so gilt doch in einem großen Teil der englischen Geschäftswelt ein Kampf zwischen England und Deutschland für unvermeidlich, und es wäre den Herren recht angenehm, wenn zuvor Deutschlands Kraft durch einen Krieg mit Frankreich geschwächt würde. Die jüngst viel' erörterten Ausführungen des ZivillordS der britischen Admiralität, deS Herrn Lee, sprachen nur offen auS, was man in gewissen Schichten der englischen Handelswelt denkt. Wer daran zweifelt, dem zeigen eS die vorgestern von uns wiederaegebenen Ausführungen deS pensionierten britische» Adnnrals C. C. Penrosa Fitzgerald, der ohne Umschweife zugesteht,„die allgemeine Ansicht' Englands gehe dahin, daß Deutschland, wenn auch gerade nicht jetzt, so doch bestimmt in einigen Jahren einen Krieg mit England vom Zaune brechen werde, um„einige der ein st weilen bereits besetzten Plätzchen an der Sonne für sich zu gewinnen und daneben sich den großen Anteil an dem Welthandel'zu ver- schaffen, der jetzt in den Händen Englands ist'. Und da ein solcher Entscheidlingskampf um die Welthandels- und Weltmachtstelllina nach FitzgeraldS Meinung unvermeidlich ist, so er- klärt er ganz offen, daß er den Krieg„lieber morgen' aus- brechen, als auf eine Zeit verschoben sähe, wo Deutschland stärker für einen Seekrieg gerüstet sein werde. Wie immer in solchen Fällen haben einige englische Blätter bereits FitzgeraldS Auslassungen dementiert, und vielleicht werden in den nächsten Tagen noch einige weitere offizielle und inoffizielle Abschüttelungen deS allzu offenherzigen Admirals erfolgen; aber dadurch wird nichts an der Tatsache geändert, baß FitzgeraldS Auffaffnng sich mit der gewisser Kreise der englischen Fabrik- und Handelsbourgeoisie deckt. Und diese Stimmung ist durchaus erklärlich. Ihr eigentlichstes Motiv ist die Empfindung, daß Deutschlands indifftrielle und kommerzielle Bc- dentung rnis dem Weltmarkt schneller steigt Vereinigten Staaten zeigten sich kaum die allerersten industriellen Ansätze. Und noch lveiter reichte das englische Schiffahrtsmonopol. Soweit überhaupt ein Handel' der europäischen Kontinentalstaaten «nit überseeischen Ländern bestand, war er fast ausnahmslos Anschlußhandel an den englischen Ueberseehandel. Was sie nach Asien, nach Australien, Afrika, Amerika exportierten oder von dort bezogen, das ging auf englischen Schiffen und über englische Häfen nach seinem Bestimmungsort. Deshalb war England gegen den kontinentalen Handel, besonder» gegen den hanseatischen, recht tolerant: denn stieg desien Ausdehnung, so damit zugleich auch der ihm übergelagerte englische Vermittelungs- Handel. DaS änderte sich jedoch, als in den sechziger, siebziger Jahren Deutschlands industrielle Entwicklung rasch vorwärts schritt, sein Außenhandel und seine Beteiligung am internationalen Schiffs« verkehr mächtig zunahm und das neue Deutsche Reich aus einem Ab- nehmer und Handelszutröger mehr und mehr zu einem selbständigen, un- bequeme» Konkurrenten wurde. Die englische Geschästsbourgeoisie sah ihre bisherige Monopolstellung bedroht; und alsbald finden wir allerlei Pläne und Gesetze zur Niederhaltung der fremden Konkurrenz auftauchen: das Streben nach einer Zollunion mit den Kolonien, das Gesetz, das die Bezeichnung der eingeführten deutschen Industrie« artikel mit der Marke„waäs in Qsrmsn�"(in Deutschland gemacht) forderte; verstärkte Subventionierung englischer Schiffahrtslinien, die Chamberlainsche Schutzzollagitation usw. Andererseits geriet auch der am internationalen Handel beteiligte deutsche Großlaufmann immer mehr in eine oppositionelle Stellung zu England. Solange der deutsche Handel noch zum großen Teil Anschlußhandel an dem englischen Ueberseehandel war, schwärmte der hanseatische Kaufmann geradezu für englische Handelsmethoden und englisches Wesen. Tatsächlich stählte der hamburgische Reeder und Großkaufmann in den sechziger, siebziger Jahren sich in seiner ganzen Auffassung und Lebensführung weit mehr als Engländer, denn als Deutscher. Mit der Zunahme der gegenseitigen Konkurrenz hat sich auch das geändert, und es gibt heute kaum irgendwo so eingefleischte Anglophoben als unter den hanseatischen Kaufleuten. Das Verhältnis zwischen beiden hat heute viel Aehnlichkeit mit der zivischen einen: Ladeninhaber, der in einem Ort seit langem eine gesicherte, vorteilhaste Monopolstellung in seiner Branche innegehabt hat, und einem jungen Anfänger, der ihm einen Teil seiner Kunden streitig macht. Und, wie zugegeben werden muß, recht unbequem ist der englischen Industrie- und Handelsbourgeoisie die deutsche Konkurrenz geworden. Vor zwanzig Jahren betrug Deutschlands Warenhandel mit dem Auslände erst 6444 Millionen Mark, im Jahre 1663, obgleich dieses noch unter dem Einfluß der Krise stand, bereits 11017 Millionen Mark, während Großbritanniens Waren- Außenhandel im gleichen Zeitraum nur von 11443 auf 15 682 Millionen Mark gestiegen ist. Dabei kommt aber in Betracht, baß die Zunahme des großbritannischen Außenhandels in der Hauptsache auf den Import entfällt. Die Ausfuhr betrug 1303 aus Groy- britannien nur 5S32 Millionen Mark, die Ausfuhr aus Deutschland 6015 Millionen Mark. Während aber die deutsche Ausfuhr zu 64 Proz. auS Fabrikaten bestand, sind in der englischen viele Roh« stoffe, vornehmlich Kohlen enthalten. Zieht man allein die Ausfuhr von Jndustrie-Artikeln in Betracht, so war Deutschlands Ausfuhr 1903 größer als die Großbritanniens. In gleicher Weise hat sich die deutsche Produktion entwickelt. Vor dreißig Jahren stellte sich die deutsche Kohlenproduktion nur auf ein Viertel der deS Vereinigten Königreiches; in 1903 förderte Großbritannien 234, Deutschland 162 Millionen Tonnen Kohlen. Und nachdem Deutsch- land früher schon Großbritannien in der Stahlfabrikation überholt hatte, hat es jetzt auch in der Hochofenindustrie einen Vorsprung. erlangt. Die großbritanuische Noheisenproduktion betrug 1903-- 8,95, die deutsche 10,02 Millionen Tonnen. Tatsächlich liefert denn auch heute Deutschland weit mehr Eisen, Eisen- und Kurzwaren sowie Maschinen»ach England, als England nach Deutschland. Es führte z. B. nach der deutschen Statistik Deutschland 1903 nach dem Vereinigten Königreich auS: an Eisen und Eisenwaren für 102 Millionen Mark, an Kurzwaren und Ouincaillerien für 46 Millionen Mark, an Maschinen und Instrumenten für 39 Millionen Mark; dagegen erhielt Deutschland von diesen Artikeln aus England nur für 21, fiir 3 und für 22 Millionen Mark. Selbst auf Englands ureigenstem Gebiet, der Schiffahrt, macht die deutsche Konkurrenz sich fühlbar. 1871 stellte sich die Tonnen- zahl der deutschen Handelsflotte nur erst auf 982 355 Netto-Register- tonnen, davon 900 361 Segelschiffstonnen, 1904 dagegen auf 1 739 690 Netto-Registertonnen, davon nur 227 778 Segelschiffstonnen. Rechnet man die Danchfertonnage nach den: Verhältnis von 1 zu L in Seaeltonnage um, dann ergibt sich, daß in den letzten 30 Jahren die Leistungsfähigkeit verdeutschen Secflotte um über 300 Proz. gestiegen ist. Allerdings ist die Tonnage Großbritanniens und Irlands noch immer fast fünfmal so groß, wie die Deutschlands; doch Schiffahrts- gesellschasten von der Größe und Leistungsfähigkeit der Hamburg- Amerika-Ltnie und des Norddeutschen Llovd befitzt England nicht. Man kann es der englischen Bourgeoisie nicht verdenken, daß ihr die Galle über diese Erschütterung ihrer alten Position aufsteigt. Allerdings ist die industrielle EntWickelung der nordamerikanischen Union in den letzten Jahrzehnten noch schneller vor sich ge- gangen und ihre Konkurrenz in manchen Teilen des Welt- markteS nicht geringer, aber die Erbitterung der englischen Handelswelt gegen Uncle Sam, die noch vor zehn, fünfzehn Jahren vielfach höchst kuriose Blüten trieb, hat beträchtlich nachgelassen. Der amerikanische Koloß ist allzu kräftig geworden, als daß man mit ihm anbinden möchte, und so fügt man sich resigniert in dessen industriellen Mitbewerb. Hoffentlich gelangt die englische Handels- weit in bezug auf die deutsche Konkurrenz zu einem ähnlichen Standpunkt. Die Arbeiterschaft beider Länder hat jedenfalls kein Jnteresi« daran, die sich aus der wirtschaftlichen Konkurrenz ergebende Verstimmung der Bourgeoisien beider Staaten mitzumachen, wurde doch voraussichtlich ein Krieg zwischen beiden Mächten die wirtschaftliche und kulturelle EntWickelung Westeuropas auf Jahrzehnte hinaus lähmen. Noch bietet die kapitalistische Wirtschast die Möglich- keit einer weiteren enormen wirtschaftlichen Ausdehnung, und wenn diese Möglichkeit schwindet, wenn die Produktivkräfte dem heutigen Wirtschaftssystem völlig über den Kopf wachsen, dann heißt da? Rcttuiigsmittel nicht blutige Eroberung fremder �.Plätzchen an daß-»"sich anschickt, England äuS feiner Hand�l/-'� Schiffahrts �"uugemntel nicht mutige Erooerung..ttemver.Platzchen an Position zu verdrängen, die dieses seit langem inne gehabt und die I � �©fnne, sondern Uebergang zur sozialistischen Wirtschaftsform. als ein ihm naturgemäß zu- j______" «SttteriinqStiderNcht vom 6. Mai 1905, morgen« 8 Nor. S sich gewissermaßen gewöhnt Hätz kommendes Recht zu betrachten. Wer die englische Nationalökonomie an der Wende deS acht« zehnten Jahrhunderts bettachtet, sieht immer wieder in ihr den Äe- danken zum Durchbruch gelangen, daß England seiner geographischen Lage wie seiner historischen Ent- loickelung nach speziell zu in Industrie- und Handels st aat bestimmt sei. und diese Auffassung gewann noch mehr an Stärke, als in den vierziger Jahren das bis dahin zwischen England und seinen Kolonien bestehende System der gegen- .eisigen HandelSbegünstiguna durch Differenziakzölle abbröckelte, die Zollschranken vor der Agitation der erstarkenden Manchesterschule fielen und daS zumFreihandel übergegangene England alsbald eine unbesttittene Monopolstellung auf dem internationalen Industrie- und Handels- markt erlangte. DaS einzige Land, daS halbwegs als industrieller Konkurrent auf dem Weltmarkt in Bettacht kam, war Frankreich. Deutschlands Industrie steckte noch i» den Ansängen, und in de» Stationen Swlncmde. erltn ftranff.a.M München Wien Ll 'S l £ c C vi £ 5 äl 770 NO 7ööjRO 767;D 761 N 759 So 767 iSO Wetter wollig bedeckt 4 heiter halb bd. Svedeckt »heiter Wetter afs c iU 2balb bd 1, Bedeckt 6 halb bd. 2 wolklj ibeded 1 6 9 8 11 Wetter-Prognose für Sonntag, den 7. Mai IVOS. Zunächst ziemlich heiter und am Tage warm bei lebhasten südöstlich«»« Winden: später zunehmende Bewölkung und Regen. Deutscher Holzarbeiter- Verband Rummelsburg- Boxhagen! Orts- Krankenkasse für das Gewerbe Sozialdemokratischer Wahlverein. Der Verfertigung von MusikMorgen Montag, den 8. Mai, abends 8%, Uhr: Dienstag, den 9. Mai, abends 8 Uhr, bei Weigel, Türrschmidtstr. 45: Bezirks- Versammlungen. General- Versammlung. Südost: im märkischen Hof, Admiralstr. 18c. Tagesordnung: 1. Bortrag des Genossen Eugen Brückner über„ Soziale Gesetzgebung."( Alters- und Invalidenversicherung.) 2. Diskussion. 3. Bers bands- Angelegenheiten und Verschiedenes. Bezirk Friedrichsberg: bei Wildner, Starlstraße 11. Friedrich Tagesordnung: 1. Vortrag des Genoffen Liepe über:" Sibirien und die Verbannung". 2. Verbands- Angelegenheiten. 3. Verschiedenes. Nichtmitglieder und Frauen sind ganz besonders eingeladen. Der Bezirksleiter. Bezirk Friedrichsfelde: Donnerstag, den 11. Mai, abs. 8%, Uhr, bei F. Haberland, Wilhelmstr. 38. Tagesordnung: 1. Vortrag.( Referent wird in der Versammlung be Tannt gemacht.) 2. Diskussion. 3. Werkstatt- Angelegenheiten. 4. Verschiedenes. Frauen und Nichtmitglieder haben Zutritt. Bilderrahmenmacher. Montag, den 8. Mat, abends 8, hr, bei Ladewig, Alte Jakobstr. 83: Branchen- Verfammtung Der wichtigen Tagesordnung wegen ist das Erscheinen sämtlicher Kollegen notwendig. Der Obmann. Branche der Jalousien- Arbeiter. Dienstag, den 9. Mai 1905, abends pünktlich 8%, Uhr, bei Ladewig, Alte Jakobstr. 83: Tages Ordnung: inftrumenten. Sonntag, den 14. Mai 1905, vormittags 9, Uhr, im Restaurant Pfeffer, Rofenthalerstraße 57, Hof parterre: 1. Vortrag: Rezitation des Herrn R. Zollinger. 2. Bericht des Borstandes. 3. Vereinsangelegenheiten. General- Versammlung Mitgliedsbuch legitimiert. Mitglieder werden aufgenommen. Der Zahlabend fällt der Versammlung wegen aus. Die Genossen werden ersucht, ihre Beiträge in der Versammlung zu entrichten. Der Vorstand. Arbeiter Sängerbund Berlins und Umgegend. 8/5 sämtlicher Arbeitgeber- und Arbeitnehmer- Vertreter. Sonntag, den 14. Mai, vormittags 11 Uhr, in der Brauerei friedrichshain: Uebungs- Stunde. D Lieder: Abends". " " Dem Lenz entgegen". Ausgabe eines neuen Liedes. Bünktliches, vollzähliges Erscheinen! Im Nebensaale: " Saat und Ernte". Bundeskarte legitimiert! Bormittags präzise 10 Uhr: Husfchuß- Sitzung. Tages- Ordnung: 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 8. Mai, abends 84, Uhr, in Graumanns Festfälen, Naunynstr. 27: Werkstatt- Delegierten Werkstatt- Delegierten- Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Der Verlauf des 1. Mai. 2. Bericht der Delegierten. 3. WerkstattAngelegenheiten. Jede Werkstatt muß vertreten sein. Wo ein Delegierter nicht Große Versammlung. Tagesordnung: 1. Wie halten die Fabrikanten ihr Versprechen und vorhanden, muß ein Mitglied die Vertretung übernehmen. welche Stellung nehmen wir dagegen ein. 2. Verbands- und Branchen 141/13 Angelegenheiten.( Differenz bei der Firma Bockstaller.) 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Bestimmtes und pünktliches Erscheinen unbedingt notwendig. Verein Berliner Hausdiener Branche der Kistenmacher. gegründet 1883. Arbeitsnachweis und Bureau: Alte Leipzigerstr. 1, Eingang Raules Hof. Geöffnet von 8-6 Uhr. Sonntags geschlossen. Telephon: Amt I, 2632. Montag, den 8. Mai, abends 8½ Uhr, im Englischen Garten, Dienstag, den 9. Mai, abends 9 Uhr, in der Berliner Ressource, Alexanderstr. 27c: Kommandantenstr. 57: Der Vorstand. Tages Ordnung: 1. Wahl eines Arbeitgeber- Vertreters zum Vorstand. 2. Jahresbericht für 1904. 3. Bericht der Revisoren und Antrag auf Entlastung des Rendanten. 4. Antrag auf Vereinheitlichung der Krankenkontrolle. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht höflichst 273/7 Der Vorstand. Grts- Krankenkasse Weißensee. 16/6 General- Versammlung Die Revisionsverhandlungen vor dem Reichsgericht lenken von neuem die Aufmerksamkeit auf das Buch: Der Königsberger Prozeß wegen Geheimbündelei, Hochverrat gegen Rußland und Zarenbeleidigung. Preis gebunden M. 3,-. der Vertreter am Donnerstag, den 18. Mai, abends 8 Uhr, im Restaurant " Vereinshaus", Charlottenburgstraße 150. Tages Ordnung: Abänderung der§§ 10, 12, 13, 14, 16, 19, 20, 21, 22, 25, 27, 29, 30 und 57 der Kassensagungen. Bemerkung: Eventuelle Beschwerden gegen den Vorstand 2c. werden in der Generalversammlung nur beantwortet, wenn diese mindestens 3 Tage vor der Generalversammlung im Stassen lokal schriftlich abgegeben werden. Zum Eintritt berechtigt find nur die mit Einladung versehenen 15046 Der Vorstand. J. A.: W. Reske, Borsigender. Buchhandlung Vorwärts, Bertreter Berlin SW. 68, Lindenstr. 69. Dampfer für Vereine und Gesellschaften ( auch Sonntags frei) empfiehlt Robert Kieck, Dampfschiffsbefizer, Capriviſtr. 4. Branchen- Verfammlung. Mitglieder. Bersammlung. Sie werfen Geld fort! Tagesordnung: 1. Bortrag. 2. Branchen- Angelegenheiten. 3. Berschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Obmann. Den Kollegen zur Nachricht, daß vom 8. Mai an teine Marken bom alten Berein mehr geflebt werden, wer nachdem noch übertreten will, muß sich neu aufnehmen lassen und gilt somit als neues Mitglied. 75/12 für die Bezirke Osten I, Zur Beachtung Osten II. Nordosten: Die neuerrichtete Zahlstelle 44 befindet sich bei F. Wegener, Löwestr. 21. Donnerstag, den 11. Mai 1905, abends 82 Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: General- Versammlung. 1. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Mitteilungen. 3. Vortrag des Herrn J. Kaliski: 15055 Sozialpolitische Forderungen im Handelsgewerbe. Des hochintereffanten Themas wegen ist es notwendig, daß die Kollegen zahlreich und pünktlich erscheinen. Der Vorstand. Verein für Frauen u. Mädchen der Arbeiterklaffe. Montag, den 8. Mai, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20: Rauchen Sie wenn Sie Ihre Zigarren immer zu teuer eintaufen. cm lang, ff. Dede, mur meine fo ,, Havanillos", 100.7 W., 1000 St. mur 13 M. franko! Sie werden in Zukunft viel Geld sparen. 100 Broz. Verdienst f. jeden Geschäftsmann. Garantie: Umtausch od. Zurücknahme! Tausende Anerkennungsschr. aus allen Ständen! Bestellen Sie bitte sofort franko geg. Nachn. b. d. Zigarrenfabrit RUD. TRESP, Neustadt b. Danzig, D. 5. S Sie brauchen, um elegant gekleidet zu gehen, 29142 Vortrag des Herrn Stampfer a Friedrich Schiller. Statt 12 Mk. nur 3 Mk. 55/9 Gäste willkommen. Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Zentral- Kranken- und Sterbekasse der Tischler Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. und anderer gewerblicher Arbeiter. Eingeschriebene Hülfskaffe Nr. 3( Hamburg). Verwaltung Berlin G. Mitglieder- Versammlung Dienstag, den 9. Mai, abends 8, 11hr, bei Franke, Sebastianstr. 39: am 8. Mai 1905, abends 8 Uhr, in Flechs Festsäleu, Fruchtstr. 36a. Versammlung der Metalldrücker Berlins u. Umgegend. Tages Drdnung: Erledigung der Tages- Ordnung vom 11. April. Bahlreiches Erscheinen erwartet 116/13 Achtung! Die Ortsverwaltung. Achtung! Charlottenburg! Dienstag, den 9. Mai, abends 8%, Uhr, im Volkshause, Nofinenstraße 3: Volks- Versammlung für Frauen und Männer. Zages Ordnung: 202/19 1. Bortrag des Genossen Fritz Zubeil über: Welchen Anteil nehmen die Frauen an den Soldatenmishandlungen und der Militärjustiz?" 2. Diskussion. 3. Wahl einer weiblichen Vertrauensperson. Die Kreisvertrauensperson. Ulm recht rege Beteiligung bittet Achtung! Britz. Achtung! Dienstag, den 9. Mai, abends 8, Uhr, im Lokale des Gastwirts Herrn Noster( fr. Bethge), Chauffeestr. 39: Volks- Versammlung. Tagesordnung: Vortrag über: Schiller. Referent: ReichstagsAbgeordneter Molkenbuhr. Diskussion. 202/18 Der Einberufer. Bahlreiches Erscheinen, auch der Frauen, erwünscht. Zages Ordnung: 1. Kassenbericht vom 1. Duartal 1905. 2. Regelung der Gehälter für das Verwaltungsjahr 1905/06. 3. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 184/5 Die Ortsverwaltung. ArbeiterSamariter-+ Kolonne. Sommer- Kursus 1905. Der Kursus beginnt in der ersten Abteilung am Dienstag, den 9. Mai, abends 9 Uhr, Dresdenerstr. 45. 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Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 106. 22. Jahrgang. 2. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Sonntag, 7. Mai 1905. Generalversammlung des Verbandes der Zigarrenfortierer gebracht. An Orten, wo ein Berbot der Heim- und Sonntagsarbeit eine solche noch nicht gekommen. Jedoch sei ein Handinhandgehen und Kistenkleber Deutschlands. Letter Verhandlungstag. Mitglieder der Organisation durch die Gewerkschaft noch für undurch sämtlicher Gruppen der Tabalarbeiter in einen allgemeinen Industrie führbar, dagegen eine rege Agitation gegen diese Schäden für an- verband als erstrebenswertes Biel, sieht jedoch den Zeitpunkt für durchgeführt ist, anerkennt die Generalversammlung, daß das Verbot beider Gewerkschaften wünschenswert. aufrechtzu erhalten sei. Die Generalversammlung beauftragt den Vorstand des Verbandes, zwecks herbeiführung eines Des weiteren war von seiten des Vorstandes des Verbandes wirksamen Zusammenarbeitens beider Organisationen mit dem der Tabatarbeiter Deutschlands ein Antrag eingegangen, in welchem Vorstand des Tabalarbeiterverbandes in Verbindung zu treten. der Wunsch ausgedrückt ist, man möge die Verschmelzungsfrage . b. Im erhält das Wort zu seinem Referat über Haus- und Sonntagsarbeit, Hierauf erfolgte die Wahl des Vorstandes und Ausschusses. bem fich ebenfalls eine sehr rege Diskussion anschließt. Eine von Ms Vorsitzender wurde A. v. GIm einstimmig wiedergewählt, als Geschäftsführer Karl Arnhold- Hamburg, als Vorsitzender des Im eingebrachte und begründete Resolution fand allgemeine AnAusschusses wurde Bernhard Dresden gewählt. nahme. In derfelben wird darauf hingewiesen, daß die Heim- und Im nimmt hierzu das Wort und schlägt den Delegierten eine Sonntagsarbeit die größten Schäden im Gewerbe seien. Die Resolution Resolution vor, welche auch allgemeine Zustimmung findet. Durch vierzehntägig; das neue Statut soll am 1. Januar 1906 in Das Verbandsorgan" Der Drganisator" erscheint von jetzt ab hält aber ein allgemeines Verbot der Heinz- und Sonntagsarbeit für die die Resolution anerkennt die Generalversammlung die Verschmelzung Kraft treten. der beiden Verbände erörtern. 9 BAER SOHN 「 Ausverkauf Frühjahr- Paletots Restbestände mit 5.-M. Mängeln 12., 8., Chausseestrasse 24a/ 25 zwischen Invalidenstr. u. Schiller- Theater N. 11 Brückenstrasse 11 Gr. Frankfurterstr. 20 zwischen Jannowitzbrücke u, Köpenickerstr. Ecke Koppenstrasse( am Bürger- Hospital) Spezialhaus und Fabrikation grössten Massstabes. 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Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Clode, Berlin, Drudu. Berlag: Borwärta abbruderei u Berlassanstalt Bay! Singer& Co., Berlin SW Nr. 106. 22. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Frauenbewegung. Frauen und Mädchen von Charlottenburg! Sonntag, 7. Mai 1905. Aus Induftrie und Handel. Stuart. Donnerstag: Alt- Heidelberg. Freitag: Die eiserne Krone. Sonnabend und Sonntag: Tata- Toto. Montag: Die Räuber. Entwickelung der deutschen Bergwerks- und Hüttenindustrie. In Leffing Theater. Sonntag nachmittag 2%, Uhr: Die versunkene Glode. Sonntag bis Mittwoch: Allabendlich: Elga. Donnerstag: Nora. welchem Maße Deutschland sich in den letzten dreißig Jahren Dienstag, den 9. Mai, abends 8% Uhr, findet im Volkshause, Freitag: Elga. Sonnabend nachmittag 3 Uhr: Demetrius. Abends: industriell entwickelt hat, zeigt die Zunahme der Gesamtproduktion Rosinenstraße 3, eine Volksversammlung statt. Reichstagsabgeordneter Traumulus. Sonntag nachmittag 2%, Uhr: Die Weber. Abends: Elga. der deutschen Montanindustrie während dieses Zeitraumes. Im Friz Rubeil hält einen Vortrag über Soldatenmißhandlung und Montag: Elga. Jahre 1874 betrug diese Produktion 56 076 000 Tonnen, 1004: Theater des Westens. Sonntag nachmittag 8 Uhr: Stradella. 211 464 000 Tommen, d. i. um 277,1 Proz. mehr. Der Wert stellte wählt. Das Thema ist so wichtig für die Frau als Mutter, die Mittwoch nachmittag 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Schüler- Opern- AufMilitärjustiz. Sodann wird eine weibliche Vertrauensperson ge- Abends und Montag: Die neugierigen Frauen. Dienstag: Der Troubadour. fich auf 2 199 881 000 m. im Jahre 1904 gegen 793 066 000 ihre Kinder mit Schmerzen geboren und unter Sorgen erzogen hat. führung. Donnerstag: Der Bettelstudent. Freitag: Alessandro Stradella. im Jahre 1874, b. i. 177,4 Proz. mehr. Bezüglich der einzelnen Drum mögen die Frauen durch ihre Anwesenheit in der Versamm- Sonnabend nachmittag 2%, Uhr: Wilhelm Tell. Abends: Die neugierigen Zweige der Montanindustrie ergibt sich, daß: Bergwerkserzeugnisse im Quantum um 271,9% und im Wert um 169,8% lung zeigen, daß fie gegen solche schreckliche Zustände Protest erheben. Frauen. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Abends: Der Die Kreisvertrauensperson. Bettelstudent. Montag: Die Afrikanerin Salze " " 139,0 * 440,6 " " " " " # 77 # " 243,0 178,0, Hüttenerzeugnisse zugenommen haben. Der Löwenanteil an den 2,2 Milliarden Mark, welche die AusBeutung der Schäße, die im Innern der Erde in Deutschland ruhen, im Jahre 1904 brachte, entfiel auf Steinkohlen, und zwar 57,2 Proz. an Gewicht und 47 Proz. an Wert. Gegen rund 36 Millionen Tonnen im Jahre 1874 wurden 1904 120,8 Millionen Tonnen gefördert. Die Förderung von Braunkohlen hat im Verhältnis noch größere Fortschritte gemacht und zwar an Gewicht von 10,7 auf 48,6 millionen Tonnen(= 352,9 Proz.) und an Wert von 39,2 Millionen Mark auf 112 Millionen Mart( 185,5 Proz.) Von den Hüttenerzeugnissen ist Roheisen mit einem Wert von 520,5 Millionen Mark der hervorragendste Faktor. Die Produktion diefes Artikels stieg feit 1874 bon 1906 000 Tonnen auf 10 058 000 Tonnen( 429,4 Proz.) und der Wert um 223,2 roz. im National Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Fidelio. Abends: Die Fledermaus.( Anfang 7%, Uhr.) Montag: Die Jüdin. Dienstag: Das ( Blödchen des Eremiten. Mittwoch: Mastenball. Donnerstag: Die Favoritin. Freitag: Figaros Hochzeit. Sonnabend: Das Glöckchen des Eremiten. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Fidelio. Abends: Der Troubadour. Montag: Unbestimmt. Nenes Theater. Sonntag bis Dienstag: Ein Sommernachtstraum. Mittwoch bis Montag: Unbestimmt. Rigdorf. Am 3. Mai fand im Lokale des Herrn Thiel, Bergstraße 151/152, eine Generalversammlung des Vereins gewerblich tätiger Frauen und Mädchen von Rigdorf statt, welche wiederum gut besucht war. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn Dr. Blum über:" Darm- und Magenleiden." Dem sehr intereffanten Vortrage schloß sich eine kurze Diskussion an. Dann folgte Der Bericht der Vorsigenden über die Tätigkeit des Vereins Kleines Theater. Sonntag: Die Neubermählten. Abschiedssouper. verfloffenen Jahre. Die Vorsigende berichtete, daß dem Verein Montag: Nachtasyl. Bon Dienstag bis Montag: Unbestimmt. zirka 60 neue Mitglieder zugeführt worden sind. Die Kassiererin Schiller- Theater O.( Wallner- Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: erstattete den Kassenbericht, nach dem ein Sassenbestand von 87,07 M. Maria Stuart. Abends: Kabale und Liebe. Montag: Wallensteins Lager. vorhanden ist. Der Kassiererin wurde auf Antrag der Revisoren Die Piccolomini. Dienstag: Wallensteins Tod. Mittwoch: Gyges und sein Decharge erteilt. Als Vorsitzende wurde Frau Mohr, Kassiererin Ring. Donnerstag: Der Leibalte. Freitag: Die Tyrannei der Tränen. Sonnabend: Das Heiratsnest. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Frau Lehmann, Schriftführerin Frau Panse und als Beisigende Stuart Abends: Gyges und sein Ning. Montag: Meine Schwiegerrau lopsch gewählt. Da die Schriftführerin nach halbjähriger tomter. Tätigkeit ihren Bosten niederlegte, wurde beschlossen, daß die Schiller Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag Genannten nur auf ein halbes Jahr gewählt sind und die Neuwahl nachmittag 3 Uhr und abends: Wallensteins Tod. Montag und Dienstag: des Gesamtvorstandes immer im Herbst erfolgen soll. Fernerhin Maria Stuart. Mittwoch: Die Tyrannet der Tränen. Donnerstag und wurden noch als Revisoren Frau Heinrich, Frau Schreiter und Frau Freitag: Gyges und sein Ring. Sonnabend: Der Leibalte. Sonntag nachHartmann gewählt. mittag 3 Uhr: Wallensteins Tod. Abends: Das Glüd im Winkel. Montag: Gyges und sein Ring. Sonntag abend und folgende Tage: Das Liebesmanöver. Sonntag nachBelle Alliance Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. mittag 3 Uhr: Hans in der Falle. Die Brüder vom Steinhof. Der Ruhrkohlenmarkt hatte im April nach dem Situationsbericht der Essener Fachzeitung„ Glückauf" ein etwas günstigeres Aussehen als in dem Vormonat. Die schon im März festzustellende starte Beschäftigung der Eisenindustrie machte im Berichtsmonat Weißensee. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterweitere Fortschritte und die Befferung der Geschäftslage griff jetzt laffe von Weißensee feiert Sonnabend, den 13. Mai, fein zweites von den großen gemischten Werken mit eigener Kohlenförderung Stiftungsfest. Hervorzuheben aus dem Programm find Auftreten auch auf die reinen Walgiverfe über, wodurch naturgemäß der des Berliner Ult- Trio, Mitwirtung des Gesangvereins Freie Absatz von Kohlen günstig beeinflußt wurde. Bustatten kam diesem Sänger Weißenfee". Wusit ausgeführt von den Mitgliedern des auch der anhaltend gute Wasserstand des Rheines; die Versendungen Neuen Berliner Konzert- Orchesters, Dirigent Rud. Tiez. Billetts sind über die Rheinstraße und im Zusammenhang damit die Zufuhren zu haben bei Frau Demmig, Friedrichstraße 1, bei Frau Rafontaine, 7 nach den Ruhrhäfen waren zeitweise so start, daß die Kipperanlagen, Straßburgstraße 21, und in den Lokalen bei Schmug, König insbesondere in Hochfeld, mehrfach den Anforderungen nicht zu ge- Chaussee 38 und im Vereinshaus, Charlottenburgstraße, wo das nügen vermochten. Die Störung des Marktes durch immer noch in Stiftungsfest stattfindet. Der Vorstand. beträchtlicher Menge herankommende fremde Kohle hielt auch im Berichtsmonat an und hatte auf vielen Bechen die Einlegung von Feierschichten zur Folge. Doch zeigte bas lezte Drittel des Monats in dieser Hinsicht eine Besserung. Königliches Opernhaus. Die Wochen- Spielplan der Berliner Theater. Sonntag: Die Heirat wider Willen. Die Kartellenquête wird nach der Pfingstwoche wieder auf- Montag: Tannhäuser. Dienstag: Fidelio. Mittwoch: Der Roland von genommen. Zunächst werden die kontradiktorischen Verhandlungen Berlin. Donnerstag: Die Entführung aus dem Serail. Freitag: Lohengrin. über die Verhältnisse der Blechindustrie stattfinden. Im Anschluß njang 7 Uhr.) Sonnabend: Die Heirat wider Willen. Sonntag: daran sollen die Verhältnisse der Eisenindustrie, soweit sie durch die Hugenotten. Montag: Die Meistersinger von Nürnberg.( Anfang 7 Uhr.) Königliches Schauspielhaus. Sonntag: Gök von Berlichingen mit Gründung des Stahlwerksverbandes berührt werden, zur Erörterung der eisernen Hand. Montag: Im stillen Gäßchen. Dienstag und Mittgelangen. Die mündlichen Verhandlungen werden von dem Gewoch: Bilhelm Tell.( Anfang 7 Uhr.) Donnerstag: Die Verschwörung Heimen Regierungsrat im Reichsamte des Innern Delbrück geleitet, des Fiesco zu Gemua. Freitag: Iphigenie auf Tauris. Sonnabend: Wie welchem diese Aufgabe bekanntlich seit der Ernennung des Geheim- die alten sungen. Sonntag und Montag: Wilhelm Tell.( Anfang 7 Uhr) rats Dr. b. der Borght zum Präsidenten des Statistischen Amts zu Fledermaus. Bon Sonntag den 7. Mai, bis Montag, den 15. Mat, allNeues Königl. Operntheater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die abendlich: Jung- Heidelberg. fallen ist. Dresden Wasserstand am 5. Mai. Ibe bei Auffig+1,30 Meter, bei 0,18 Meter, bei Magdeburg+ 2,12 Meter. Unstrut bei Straußfurt+ 1,75 Meter.. Dber bei Ratibor+ 2,40 Meter, bei Breslau Dber Begel+5,18 Meter, bei Breslau Unter Begel+0,02 Meter, bei Frankfurt 2,88 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 3,92 Meter. Warthe bel Bosen+1,68 Meter. Verband der Schneider und Schneiderinnen, Fil. Berlin. Todes- Anzeige.- 28. Um 4. d. M. verstarb unser Mitglied Friedrich Sakowsky ( Charlottenstr. 19) im 55. Lebensjahre. 163/7 Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 7. b. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes der Jerusalems- Gemeinde in Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Deutscher Metallarbeiter- Verband Berwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Anstreicher Hermann Schulz am 5. b. Mts. gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. Mis., nach mittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Dantes- Kirchhofes, Tegeler Chaussee, aus statt." Rege Beteiligung erwartet 116/14 Die Ortsverwaltung. Deutscher Buchbinder- Verband. ( Zahlstelle Berlin.) Allen Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß unser treues Mite glieb, der Buchbinder Franz Zmich am 5. d. M. früh verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Montag, nachmittags 3 Uhr, auf dem Luther- Stirchhof in Lant wig statt. Um rege Beteiligung bittet 23/19 am Die Ortsverivaltung. Reste Damentuche, schwarz u.farb. 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Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die reichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines unvergeßlichen Mannes, unseres lieben Vaters, Schwiegervaters und Großvaters, des Gastwirts Fritz Asmus sagen wir unsern innigsten Dant. Die trauernden Hinterbliebenen. Weißensee, den 7. Mai 1905. Das älteste Rester- Geschäft des S.-O. vott Wilh. Mühlbach empfiehlt zur Frühjahrssaison Reste zu Damen- und Kindermänteln sowie für Herren, und Senaben- Konfektion zu anerkannt billigsten Preisen. Größte Auswahl in fertiger Konfektion. 10 Oppelnerstr. 10 Deutsches Theater. Sonntag nachmittag 2 Uhr: Don Carlos. Abends: Der Privatdozent. Montag und Dienstag: Wilhelm Tell. Mittwoch, Donnerstag und Freitag: Der Privatdozent. Sonnabend und Sonntag: Der Pfarrer von Stirchfeld. Montag: Unbestimmt. Berliner Theater. Sonntag: Die elferne Strone. Montag und Mittwoch: Borstellung für die Berliner Schillerfeier 1905. Dienstag: Maria RIGINA SINGER Singer Nähmaschinen. 16332* Einfache Handhabung! 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Hierauf: Herzogin Crevette.( Anfang Dienstag: Die Gustel von Blajewis. Hierauf: Herzogin Crevette.( Anfang Uhr) Bon Mittwoch bis Montag: Herzogin Crevette. Sonntag und Montag: Herzogin Crevette. Lustspielhans. Allabendlich: Der Familientag. Gamstönig. Von Sonntag bis Mittwoch: Der Schnitzer Franzl von Carl Weiß Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr( Tegernseer): Der Berchtesgaden. Ab Donnerstag: Die Goldher. Zentral- Theater. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Abends: Die Fledermaus.( Anf. 7, Uhr.) Montag: Bar und Bimmermann. Dienstag: Der Zigeunerbaron. Von Mittwoch bis Sonnabend: Die fleinen Lämmer.( Anfang 7 Uhr.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Der Bettelstudent. Abends und folgende Tage: Die kleinen Lämmer. Bäder von Lucca. Thalia Theater. Allabendlich: Gastspiel der Wolzogen- Dper. Die Kajino Theater. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Heirat auf Probe. Alabendlich: Bolos Bater. Nächsten Sonntag nachmittag 4 Uhr: Heirat auf Probe. Apollo Theater. Allabendlich: Berliner Luft. Spezialitäten. Metropol Theater. Allabendlich: Die Herren von Marim. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Bon Sonntag bis Mittwoch: Die Meherhains. Ab Donnerstag: Winter- Tymian- Sänger. Sonntag: Anfang 8 Uhr. Paffage- Theater. Allabendlich: Oriona. Emmi Kröchert. Spezialitäten. Wintergarten. Allabendlich: Otto Reutter. Spezialitäten, Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Palast Theater. Sonntag und Montag: Schiller- Feier. Urania- Theater. Taubenstraße 48/49. Sm Theater: 8 Uhr: Simplon und fein Gebiet. Montag: Dieselbe Borstellung. Mittwoch: Tierleben in der Wildnis. Ein Verfuch. Dauernde Kundschaft. Eine Mark T wöchentl. Teilzahlung liefere elegante, fertige Herren- Moden. Ersatz für Maharbeit. Anfertigung nach Maß, feinste Berarbeitung. Garantie tadelloser Sitz. Spezialgeschäft für Herren- Bekleidung. :: Kein Waren- Kredithaus.: Gegen Cassa billigste Preise. JR Der J. Baer Badstr.26, Prinz- Allee Ecke Herren- und KnabenModen. Berufskleidung. Elegante EinsegnungsAnzüge. 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Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Neues Theater.) Anfang 7 Uhr: N. Ballner- Theater. Schiller- Theater Friedrich Wilhelm- Urania, Taubenstr. 48/49. Publikum gegenüber keinerlei Ein Sommernachtstraum. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Verantwortung. Theater. Sonntag, den 7. Mai: Freie Volksbühne, nachm. 2, Uhr: Maria Stuart. Montag, Dienstag: Ein Sommer- Trauerspiel in 5 Aften von Friedrich nachtstraum. Mittwoch nachm. 2, Uhr Schillerfeier: Kabale und Liebe. Schiller. Sonntag, abends 8 Uhr: Kabale und Liebe. Abends 7 Uhr: Ein Sommer- Bürgerliches Trauerspiel in 5 Atten nachtstraum. 2. Abteilung: im Metropol- Theater, Residenz- Theater. Hedda Gabler. 4. Abteilung: im Berliner Theater, 2: Kabale und Liebe. 8. Dper im National Theater, 3 Uhr: Fidelio. Schiller Brauerei Feier, Friedrichshain, 7 Uhr. Neue freie Voltsbühne, nachm. 2 Uhr: 5. Abteilung: im Neuen Theater, Angele. Hierauf: Der grüne Kaładu. 1. Abteilung: im Schiller- Theat. N., Wallensteins Tod. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Die Heirat wider Willen. Montag: Tannhäuser. Schauspielhaus. Göz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Montag: Im stillen Gäßchen. Neues Operntheater. Jung- Heidelberg. Nachmittags 3 Uhr: Die Fledermaus. Montag: Jung- Heidelberg. Deutsches. Der Privatdozent. Nachmittags 2 Uhr: Don Carlos. Montag: Wilhelm Tell. Berliner. Die eiserne Strone. Dir.: Richard Alexander. Heute bis Montag Beginn 8 Uhr: Herzogin Crevette. Dienstag( Schillergedenktag). Beg. ausnahmsweise 7, thr: Die Gustel von Blasewitz. Dramatische Anekdote in 1 Aft von S. Schlesinger. Hierauf: Herzogin Crevette. Mittwoch und folgende Tage 8 Uhr: Herzogin Crevette. Lustspielhaus. Täglich abends 8 Uhr: Der Familientag. Sommerpreise. Neue Königl. Oper( Kroll). Heute und folgende Tage: ! Novität! Montag: Borstellung für die Berliner Jung- Heidelberg. Schillerfeier 1905. Weften. Die neugierigen Frauen. Nachmittags 3 Uhr: Alessandro Stradella. Montag: Die neugierigen Frauen. National. Die Fledermaus. Nachmittags 3 Uhr: Fidelio. Montag: Die Jüdin. Neues. Ein Sommernachtstraum. Montag: Dieselbe Vorstellung. Thalia. Die Bäder von Lucca. Montag: Dieselbe Borstellung. Bentral. Die Fledermaus. Nachmittags 3 Uhr: Der Zigeunerbaron. Montag: Bar und Zimmermann. Anfang 8 Uhr: Schiller O. Operette von Anf. 7% Uhr. Billettverk.: Kgl. Ar Opernhaus, Schalter 3, Wertheim, Invalidendank und Abendkasse. WOLZOGEN- OPER THALIA- THEATER. DIE BÄDER VON LUCCA. Bill.- Verk. Thalia- Theat. 10-12 Wertheim, Invaliden- und Künstlerdank. Anfang 8 Uhr. Dienstag, 9. Mai: Schillerfeier. Ballner Theater.) National- Theater Stabale und Liebe. Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Wallensteins Tod. Nachmittags 3 Uhr: Wallensteins Tod. Montag: Maria Stuart. Leffing. Elga. Nachmittags 2, Uhr: Die ber funkene Glode. Montag: Elga. Kleines. Die Neubermählten. Abschiedssouper. Montag: Nachtashi. Residenz. Herzogin Crevette. Montag: Herzogin Crevette. Trianon. Ihr zweiter Mann. Montag: Ihr zweiter Mann. Belle Alliance. Liebesmanöver. Nachmittags 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Liebesmanöver. Carl Weiß. Der Schniker- Franzl bon Berchtesgaden.) Nachmittags 3 Uhr: Der Gams. tönig.( Der Goldbauer. Montag: Der Schniker- Franzl von Berchtesgaden. Meichshallen. Stettiner Sänger. Montag: Dieselbe Borstellung. Kasino. Lolos Bater. Montag: Lolos Bater. Luftspielhaus. Der Familientag. Montag: Der Familientag. Weinbergsweg 19. Sonntag, den 7. Mai 1905: Die Fledermaus. Montag: Die Jüdin. Dienstag: Erstes Gastspiel v. Mme. Wyns von der großen Oper in Paris: Die Favoritin. Kasino- Theater Lothringerstraße 37. Täglich 8 Uhr: Nur noch kurze Zeit! Lolo's Vater. Volksstüd in 4 Aften b. L'Arronge. Borher das vollst. neue Mai- Programm. Probe. Sonntag nagm. 4 Uhr: Heirat auf Apollo- Theater. 218. Friedrichstraße 218. 8 Uhr: Berliner Luft. Mufit von Paul Lincke. 91, Uhr: Die neuen Mai- Spezialitäten. Robert Steidl X Martin Kettner D'Osta Trio X Geschw. Theißen. Die Wunder der drahtlosen Telegraphie von Friedrich Schiller. Montag, abends 8 Uhr: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Dienstag, abends 8 Uhr: Wallensteins Tod. städtisches Theater. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Wallensteins Tod. Sonntag, abends 8 Uhr: Wallensteins Tod. Ein Trauerspiel in 5 Aufzügen von Friedrich Schiller. Montag, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Dienstag, abends 8 Uhr: Maria Stuart. Neues Konzerthaus Grand Hotel Alexanderplatz. Inhaber: Albert Moerner, Blumengarten. Heute, sowie täglich: Gastspiel des Wiener Konzert- und Variété Ensembles Direktion: R. Sander. Anfang: 9 Uhr. Krug zum grünen Kranze am Alexanderplatz( im Keller). 8 Uhr: Der Simplon und sein Gebiet. Montag: Dieselbe Vorstellung. str. 57/62. Sternwarte InvalidenBerliner Aquarium Unter den Linden 68a Eingang Schadow- Straße No. 14. Heute Sonntag Eintrittspreis: 50 Pfg. 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Mai, abends 8>/, Uhr, findet bei Noack, Wilhelmsgarten, Berlinerstrasze S, eine Volksversammlung statt. Reichstags-Abgeordneter Genosse Z u b e i l spricht über:.Soldatenmißhandlungen und Militärjnstiz". Weiter steht auf der Tagesordnung:„Die Lokalfrage". Die Bedeutung dieser Versammlung, die in einem neugewonnenen Lokal stattfindet, macht zahlreichen Besuch zur Pflicht. Insbesondere sind die Genossen des zweiten Berliner Wahlkreises eingeladen. verlatzt Tegel. Lerimer l�sacknekten. Unser Kollege Karl Leid heute, Sonntagnachmittag 5 Uhr, das Gefängnis zu ----- seit dem 25. April vorigen Jahres, also ein volles Jahr, hat er hinter Kerkermauern zugebracht. Der Kaiserinsel Prozetz und der Prozeß, der sich an die Aufdeckung der schlesischen Wahlungeheuerlichkeiten knüpfte, trugen unseren beiden Redakteuren Leid und Kaliski Gefängnisstrafen von je fünfzehn und acht Monaten ein, die später entsprechend zu- sammengezogen wurden. Kaliski ist seit dem 8. November wieder in Freiheit, Leid wird heute aus der Redakteur-Heim stätte entlassen. Was eine Hast von so langer Dauer be deutet, wie sie selbst in einem human geleiteten Gefängnis au Körper und Geist des Menschen einwirkt, das ermißt nur der, der selber die Freuden durchkostet hat, die in unserem rück- ständigen Staatswesen jedem blühen, der als Zoitungsmensch mannhaft für Recht und Wahrheit eintritt. Uebcr das Urteil, das ehrenhafte Männer auf lange Zeit der Freiheit, ihrer Familie, ihrem Beruf entrissen hat, noch irgend ein Wort zu verlieren, ist wohl überflüssig. Das Volk selbst hat über den Spruch bürgerlicher Richter seinen höheren Gerichtsspruch gefällt, indem es bei der Stadtverordneten- Ersatzwahl am 31. Mai vorigen Jahres unserem Genossen Leid das ihm„von Rechts wegen" aberkannte Mandat ein- stimmig, ohne daß auch nur ein Gegner auf den Plan trat, mit imponierender Stimmenzahl wieder zuerkannte. Kann die gähnende Kluft deutlicher beleuchtet werden, die sich zwischen dem Rechtsbewußtsein des werktätigen Volkes und dem der im Klassenstaat fungierenden Richter aufgetan hat? Die herz- liche Begrüßung, die unserem Freund und Kollegen heute im Kreise der Parteigenossen zu teil wird, entschädigt ihn hoffent- lich für die trüben Erinnerungen, die er bei seiner Rückkehr in die Freiheit mitbringt, und im Schöße seiner Familie wird er sich, wie wir weiter hoffen, allmählich von den Schädigungen erholen, die seiner Gesundheit durch die lange Gefängnishaft zugefügt worden sind. Unser Kollege Leid sei uns von Herzen willkommen!_ Bom Schnüffeln in Privatangelegenheiten. Wenn unsere Feinde vor Langweile nichts anderes wissen, dann tüfteln sie über die Stellung der Sozialdemokratie zum Judentum. So geschieht es auch in einem Artikel„Sozial- demokratischer Antisemitismus", den der bekanntlich bis zum äußersten christliche„Reichs böte" veröffentlicht. Der Titel patzt nicht recht zum Inhalt, denn in sinniger Anlehnung an den ehrbaren Grundsatz, daß ein Blatt, das sich nicht zur Revolver. presse" rechnet, auher bei zwingender Veranlassung das Privatleben auch seiner politischen Gegner unangetastet lassen soll, werden nicht allein eine Anzahl bekannter Sozialdemokraten deshalb mit Namen aufgeführt, Iveil sie ihren Stammbaum auf die Erzväter zurückführen können, sondern es wird auch des langen und breiten nach solchen Sozialdemokraten geangelt, die in jüdische Familien hineingeheiratet haben. Da heißt es denn, daß der Sozialdemokrat A. eine jüdische Frau habe, lvas aber eigentlich nicht stimme, denn sie sei die Tochter eines evan- gelischen Rechtsanwalts. Der Sohn dieses Paares jedoch, ebenfalls cm bekannter Sozialdemokrat, habe notorisch die Tochter deS Börsen. juden B. geheiratet; ein anderer Mann in der Partei, C., sei hin- gegen mit der Tochter des BreSlaucr jüdischen Kantors D. vcr- ehelicht. Aber die Schnüffeleien erstrecken sich nicht nur auf die im öffentlichen Leben stehenden Sozialdemokraten selb st, fondern es wird ihr Privatleben mit einer gewissen alttestamen. tarischcn Konsequenz in dem christlichen Blatte heimgesucht„bis ins dritte und vierte Glied". Auch die Töchter sozialdemokra» tischer Parteiführer, die nie im öffentlichen Leben hervorgetreten sind, müssen es sich gefallen lassen, daß ihre Herzensbündnisse, die keinen Menschen außer ihnen selbst und ihren nächsten Verwandten etwas angehen, in behaglicher Breite an die Oeffentlichkeit gezerrt werden. Die einzige Tochter des RcichStagSabgeordneten F. habe, so meldet der..Reichsbote" weiter, den jüdischen Arzt G. geheiratet, wobei auf das Judentum des Gatten völlig unberechtigt nur deshalb geschlossen wird, weil der Herr einen auch in jüdischen Familien vorkommenden Namen trägt. Eine Tochter des sozial- demokratischen Abgeordneten H. aber sei mit dem jüdischen Redakteur I. verheiratet. Die im„Reichsboten" nach Namen und Beruf aufgeführten Personen können dem frommen Blatt nun zwar dankbar sein, daß cS sie der Mühe des Führens von Familien-Stammbüchern über- hebt, aber darin wird sich kaum der Zweck seines Breittretens von Privatangelegenheiten erschöpft haben. Nach Pückler- Manier spekuliert der„Neichsbote" auf alberne Vorurteile, die gegen die jüdische Abstammung zwar nickst in der nun einmal unrettbar der Sozialdemokratie verfallenen Arbeiterschaft, wohl aber im Kleinbürgertum herumspuken, das man mit mehr oder tveniger Recht ebenfalls der Sozialdemokratie nahe verfallen glaubt. Da andere Waffen im Kampf für Ordnung, Religion und Sitte sich als sehr abgenutzt erwiesen, verfällt man in der Not auf eine, die eben so grotesk wie barbarisch ist, auf das R a s s e v o r u r t e i l. wobei es denn der guten Sache halber nicht darauf ankommt, nach den Gepflogenheiten der Revolverpresse mit dieser Waffe im Familienleben der Gegner herumzustöckern. Wir schätzen alle, die aufrichtig ihrer Religion nachhängen, viel zu hoch ein, um nicht anzunehmen, daß genug gläubige Christen dem„Reichsboten" in Zuschriften klarmachen, wie sehr er durch den hier gekenn- zeichneten Brauch nicht nur sich selbst, was ziemlich gleichgültig wäre, sondern auch christliche Sitte besudelt und in Verruf gebracht hat. Aber die Annagelung in unserem Blatte ist dennoch angebracht. Ein Sozialdemokrat kennt keine Rassenvorurteile und an sich läßt ihn der Vorwurf, daß er jüdisch oder mit Juden verwandt «der befreundet sei so kalt wie nur irgend einer. Aber wenn einmal albernerweise ein Sozialdemokrat aus solchen Gründen in den Augen de« Philisters herabgesetzt werden soll, so hat kein Blatt weniger ein Recht dazu als ein konservative» vom Schlage des„Reichsboten". Im Hinblick auf das Sprichwort nämlich, daß der, der im Glashause sitzt, nicht mit Steinen werfen soll. Außer den hier aufgeführten Sozialdemokraten und Sozial- demokratinnen haben nämlich auch noch andere Leute Heiraten mit Luden und JüdinWK öüj dem gewissen. Aur mit dem Untex- �schiede, daß die uns zufällig bekannten Leute aus unserer Partei Herzensbündnisse eingegangen sind, während die Träger hochadliger Namen in neunundncunzig Fällen von hundert als verlotterte Existenzen vor der Wahl standen, entweder sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen oder sich durch eine schimpfliche Verkuppelung, die man reiche Partie nennt, vor äußerer Schande zu retten. Da der „Reichsbote" es nun einmal für christlich und ehrenvoll hält, im Privatleben anderer herumzuschnüffeln, veröffentlicht er vielleicht nächstens auch eine Liste solcher hochadliger Namen. Als einzigen plausiblen Weigerungsgrund könnten wir nur den gelten lassen, daß ihm für diese Leporelloliste kernfestester Staats stützen nicht Raum genug zur Verfügung steht._ Die Massenbettelei des Berliner KinderhülfstageS enthüllt sich immer mehr als Unfug allerbedenk- l i ch st e r Art. Wir werden— leider erst jetzt!— darauf aufmerksan: gemacht, daß am 3. Mai keineswegs nur Kinder reicher Leute dazu angehalten worden sind, für arme Kinder betteln zu gehen. Auch Kinder der unbemittelten Bevölkerung sind zur Mithülfe angeworben worden, und zwar durch Vcr- Mittelung der Schul e. So wird uns mitgeteilt, daß in der 35. Gemeinde- schule, Verna nerstr. 89, die Schüler mittlerer und oberer Klassen von Lehrern aufgefordert worden seien, sammeln zu helfen. Genaueres haben wir einstweilen nur über eine dritte Klasse feststellen können, in der der Lehrer U. die Werbe- arbeit übernommen hatte. Herr U. hat mehrere Tage vor dem 3. Mai seine Jungen wiederholt und eindringlich er- mahnt, sich für den Kinderhülfstag zur Verfügung zu stellew Er hat es getadelt, daß sich zunächst nur ganz ivenige Schüler meldeten. Erst am letzten Tage bekam er schließlich ein be- scheidenes Häuflein Jungen zusammen. Die jugendlichen Helfer mußten sich gegen 2 Uhr in der Schule einfinden und wurden dann dahin geführt, wo sie von 3 Uhr ab zu sammeln hatten. Einzelne wurden mit der Straßenbahn von der Bernauerstraße bis nach dem Potsdamer Viertel transportiert und kehrten erst nach mehreren Stunden von ihren Bettel- gängen zurück. Nicht wahr, wenn Kinder armer Leute auf eigene Faust von Haus zu Haus gehen und an die Türen klopfen, so haben sie zu gewärtigen, daß nach den Gesetzen gegen sie eingeschritten wird? Welche Verwirrung muß nun in den Köpfen solcher Kinder entstehen, wenn sie von ihrem Lehrer zu dem aufgefordert werden, was ihnen sonst verboten und mit Fürsorgeerziehung bedroht wird l Wenn schul- Pflichtige Kinder reicher Leute zu der Massenbettelei des Kinderhülfstages mit herangezogen worden sind, so kann eingewendet werden, daß sie sich bewußt waren, für andere zu betteln. Aber von den Jungen aus der Gemeindeschule, die man mit den schwarzweißroten Büchsen die Häuser abklopfen ließ, dürfte mancher die Empfindung gehabt haben, daß er genau genonimen für sich selber betteln ging. Sie wußten, daß sie für Vereine sammelten, die den Kindern der Armen helfen wollen, und mancher von ihnen ist selber auf die Unterstützung durch solche Vereine angewiesen. In der dritten Klasse hat Herr U. sich alle Mühe gegeben, die Jungen über den Zweck zu unter- richten. Einem der Jungen, der trotzdem nicht sammeln gehen wollte, hielt er sogar vor, die Schulbücher würden angenommen, aber hier werde die Mithülfe verweigert. Herr U. erzählte auch, was alles die Stadt umsonst gebe, und schloß mit der Frage, wo denn das Geld herkommen solle. Die Jungen antworteten schlagfertig:„Aus den Steuern I" aber sie wußten freilich nicht, daß die Stadt Berlin fiir Kinderhülfe aus den Steuern tatsächlich sehr wenig hergibt. Wenn man sich erinnert, welche Ansichten hierüber in freisinnig-kommunalen Kreisen herrschen, dann möchte man's fast für glaubhaft halten, daß die Anwerbung von Gemeinde- schulkinder als Helfer fiir den Kinderhülfstag offiziell erfolgt sei. Wir richten hiermit an die städtische Schulverwaltung öffent- lich die Frage, ob die Absicht, auch Gemeindeschulkinder am Kinderhülfstag betteln gehen zu lassen, ihr vorher bekannt gewesen ist; ferner, ob sie gebeten worden ist, ihre Erlaubnis dazu zu geben(denn die war vorher einzuholen), und ob sie wirklich diesen skandalösen Unfug gebilligt hat. Wenn das zutrifft, so hat sie sich ein unauslöschliches Brandmal auf- gedrückt! Wir bedauern, daß unsere Leser und Leserinnen es versäumt haben, uns rechtzeitig zu informieren. Anderenfalls hätten wir noch vor dem 3. Mai darauf hinweisen können, was da geplant wurde, und hoffentlich wäre dieses Aergste dann unterblieben. Wir bitten die Eltern, uns noch jetzt mitzuteilen, ob tatsächlich auch in anderen Klassen der 35. Schule und(wie uns gesagt wird) auch noch in anderen Schulen die 5iinder aufgefordert worden sind, am Kinder- hülfstag betteln zu gehen._ Zur Schiller-Feier. Das Programm für die Schiller-Feier Berlins wurde gestern abend in einer Sitzung des zur Gestaltung dieser Feier zusammen- getreten Ausschusses noch einmal durchgesprochen. In der Sitzung wurden authentische Mitteilungen über die Erweiterung der Berliner Schiller-Feier über den Rahmen der Festakte hinaus gemacht. Diese Eriveiterung besteht in der Beschenkung weniger bemittelter Volks- kreise mit den Werken Schillers und mit Karten zu Schiller-Auf- ühnmgen an Berliner Theatern. Auf Grund der dem Ausschuß zur Verfügung stehenden Geldmittel ist es möglich geworden. 14 000 Theaterbilletts zu Aufführungen Schillerscher Dramen in beiden Schiller-Theatern, im Deutschen und Berliner Theater unter der Berliner Bevölkerung zu verteilen. Und zwar sind dieseBillcttS lmitHülse der 400 Bczirksvorsteher) hauptsächlich verteilt an die städtischen Arbeiter, die Unterbeamten der Post, der Eisenbahn, der Polizei und des Magistrats; auch sollen, wovon uns allerdings nichts bekannt ist, Arbeiter- und Arbeiteriimenvereine und„verwandte Kreise" mit Karten bedacht worden sein. Ungefähr denselben Personen sind 15 000 Exemplare einer dreibändigen Schiller- Ausgabe(die der Cottafche Verlag dem Ausschuß zum halben Preise überlassen hat) z ugeführt worden. Die Stadt Berlin läßt 12 000 Exemplare eineö Sandes von Schillers Gedichten an Gcmeindeschüler verteilen und zwei Schiller-Bücher als Prämien in jeder Klaffe der höheren Schulen. Die Mittel, die die gesamte Schiller-Feier erfordert, belaufen sich auf rund 48 500 M. Die Sammlungen des Ausschusses haben bisher 23000 M. ergeben, wozu das KultuSministernm noch 1500 M. beigesteuert hat. Für den Rest der Unkosten hat die Stadt Berlin in dankenswerter Weis« eine Garantie bis zur Höhe von 20 000 M. übernommen. Der Ausschuß hofft jedoch, daß bei seine» Sammel- stellen gerade in diesen Tagen noch reichliche Gaben einlaufen werden. Eine merkwürdige Schiller-Feier wollen die Studenten der Technischen Hochschule in Charlottenbura veranstalten, die bekanntlich wegen der Maßregelung ihres Ausschusses mit den akademischen Be» Hörden„Schuß" sind. Sie sollen beabsichtigen, der Schiller-Feier in der großen Kuppelhalle der Hochschule demonstrativ fern zu bleiben; als Ersatz wollen sie einen Ausflug zum Spandauer Bock unter- nehmen. Das ist allerdings eine Schiller-Feier, die dem Geschmack vieler Studenten ohnedies besser entspricht, als die amtliche Veran« staltung._ Von der illustrierten Wochenschrift:„In Freien Stunden" liegt jetzt das 17. Heft vor. Es enthält die Fortsetzung der beiden Romane„Im Banne der Versuchung" und„Der Pedlar". In jeder Woche erscheint ein Heft für 10 Pf., das in allen Parteispeditionen zu haben ist. Zur Baumblüte machen wir darauf aufmerksam, daß das einzige Lokal in W e r d e r, das den Parteigenossen stets zu Versammlungen offen steht, das des Herrn Koch, Fischer- straße 98, ist. Das Kochsche Lokal liegt dicht am Wasser, ist mit einem Steg versehen und hat einen großen Saal und Garten. Die Berliner Arbeiterschaft tvird dringend gebeten, bei Ausflügen nur dies Lokal zu besuchen. Die Parteigenossen in Werder sind gern bereit, Ausflüglern als Führer zu dienen, und wolle man sich bei Bedarf daher an den Obmann der dortigen Lokalkommission, August Heimlich, Baderstr. 52 in Werder, wenden. Rechtzeitige Benachrichtigung wird erbeten. In Caputh steht den Parteigenossen, worauf ebenfalls besonders aufmerksam gemacht sei, jetzt das Lokal von Ernst L i e s ch e in der Webcrswaße zu Versammlungen w. zur Verfügung. I« diesen Maicntagcn schwitzt die deutsche Menschheit förmlich Poesie. Auch das hiesige Antisemitenblatt bringt ein Gedicht: Im Osten dämmert'S, der Tag bricht an,— Die Anker hoch und nun wohlan! Das Steuer geführt mit fester Hand: Glückauf zur Fahrt I Und Licht und Land I Ans wen sind diese Verse gemünzt? Auf Schiller? Denk' nicht daran! Ans wen denn sonst? So leicht wird es keiner erraten und daher wollen wir die Spannung lösen: Auf den preußischen Kronprinzen, weil er gestern 23 Jahre alt geworden ist. Wahrer Begeisterung fehlt es nie an einem würdigen Gegenstand. Der Kinderhülfstag hat. wie uns von der Feststellungskommission mitgeteilt wird, bis jetzt 52 000 M. eingebracht. Eine Anzahl Listen sollen noch ausstehen. Wie die Bäckermeister aus da« Gesetz pfeifen, darüber bringt ein Blatt, von dem man es am wenigsten vermuten sollte, nämlich die „Staatsb.-Zig," erbauliche Geschichten:„Bei den polizeilichen Revisionen der Bäckereibetriebe wegen der Jnnehaltung der Feiertags- ruhe sind in letzter Zeit wiederHoll Fälle festgestellt worden, wo die Meister sich in o r i g i n e l l st e r Weise mit der Verordnung,>>:- ihnen unbequem ist, abfinden. Restaurants zu bedienen hatte, Präsidenten dadurch umgangen, Bäckermeistern einen Vertrag zweiten Festtage als Kompagnons die So hat ein Großbäcker, der die Bestimmung deS Polizei- daß er mit vier anderen schloß, wonach diese am bei ihm arbeiten und am Gewinn'teilnehmen. Da der Vertrag als Scheinvertrag angesehen wird, so kann die gerichtliche Bestrafung nicht ausbleiben. Eine Reihe anderer Bäckermeister hat sich dadurch geholfen, daß sie für die Festtagszeit die Konzession als lvt i l ch h ä n d l e r nachgesucht haben. Die Bäckerläden dürfen bekanntlich an den ersten Feiertagen noch 10 Uhr vormittags nicht mehr geöffnet werden, dagegen ist den Milchhändlern der Verkauf bis 2 Uhr erlaubt. Die Bäckermeister haben nun einfach den M i l ch v erkauf übernommen und haften dadurch Gelegenheit, ihre Waren mit los zu werden." Die Bäckermeister sind streng staatserhaltend und standfeste Ordnungsstützen. Sie umgehen aber lnstig das Gesetz, wenn es ihre Profitwut an einem Festtage auch nur auf zlvei Stunden eindämmt. Unglücklich der Staat, der sich auf diese Gesellschaft angewiesen fühlt! Die Urheber tedentendcr Diebstähle, die seit einiger Zeit in der Kram-, Leber- und Zungenhandlung von Franz Schulz, Wilhelm Stolzestraße 6, verübt wurden, sind gestern, wie die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" mitteilt, in der Zentralmarkthalle IA, wo Schulz den Stand 197 einnimmt, entlarvt und verhaftet worden. Zwei qls Fleischer verkleidete Kriminalschutzleute, die mit der Ermittelimg der Diebe beauftragt waren, sahen, wie die beiden Gesellen Hans P. und Z., die bei Schulz in Arbeit standen, Lebern wegschafften. Es war ihnen also möglich, die lange gesuchten Diebe auf frischer Tat zu ertappen; beide wurden sofort verhaftet. Nun suchte man noch nach einem drillen Mitgliede der Diebesgesellschaft, das offenbar beim Verlliebe des gestohlenen Gutes seine Hand im Spiele haben mußte. Als solches wurde heute morgen der Kutscher H. ermittelt, als er in der Greifswalderstraßc im Begriff ivar, gestohlene Zungen zu der- kaufen. Auch H. wurde verhaftet. ES befinden sich also alle Mit- glieder der Diebesbande hinter Schloß und Riegel. Baunnfall. Infolge von Ueberlastung durch Mörtel brach auf dem Neubau, Kottbuser-Ufer 32, im vierten Stockwerk eine Zement- kappe durch und traf im Fallen den im nächsten Stock auf einer Zementkappe sitzenden Rohrleger Kasack, so daß er mit der gesamten Last durch die übrigen Zementkappen bis in den ersten Stock stürzte und besinnungslos liegen blieb. Zwei Arbeiter brachten ihn nach der Unfallstation, wo der Arzt Hautabschürfungen an beiden Unter- schenkeln und eine Beule am Hinterkopfe feststellte. Außerdem klagte Kasack über Schmerzen im Rücken und in der linken Schulter, doch dürften die Verletzungen nicht schwer sein. Die Schuld an dem Un- fall dürfte die den Bau ausführende Firma treffen, da die Zement- kappen noch nicht genügend getrocknet waren. In seiner Laube erschossen hat sich der 45 Jahre alte Arbeiter Wilhelm Kühne! an der Verlängerten Kaiser Friedrichstraße zu Rixdorf. Er legte sich mit entblößter Brust auf sein Feldbett und schoß sich eine Revolverkugel in das Herz. Als man ihn auffand, war er tot, die Waffe lag neben der Lerche auf einem Tische. Von einem Kohlenkastcn erschlagen wurde der 35 Jahre alte Arbeiter Max Klose aus der Markgrafenstr. 33, der in der Kohlen- großhandlung von Leist an der Ecke der Möckern- und Teltowerstratze beschäftigt war. Klose brachte am Montag einem Kleinhändler in der Teltowersllaße einen Kasten mit 200 Preßkohlen nach dem Keller. Auf der Treppe glitt er aus und fiel sechs Stufen hinab. Während er mit dem Gesicht auf dem Fußboden lag, stürzte der Kasten nach und fiel ihm auf den Hinterkopf. Der Verunglückte hatte scheinbar nur unbedeutende Hautabschürsuiigen am Gesicht erlitten und wurde in seiner Wohnung ärztlich behandelt. Am nächsten Tage jedoch traten Blutungen ans Mund und Nase ein. am folgenden Fieber- Phantasien. Jetzt wurde der Verunglückte in ein Krankenhaus gebracht, wo er aber auch nicht mehr zu retten war. Er starb wahrscheinlich an einer Gehirnblutung und hinterläßt seine Frau mit drei Kindern im Alter von 3 Jahren bis 5 Wochen. Strastcnspemmg. Da« Lützow-Ufer vom Haus Nr. 31/32 bis Nr. 33 wird behufs UmPflasterung vom 8. d. MtS. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt. Feuerbericht. Sonnabend früh wurde ein größeres Lösch- aufaebot der Feuerwehr nach dem fiskalischen Grundstück Kloster- straße 32433, Ecke der Sieberstraße, gerufen, Iveil dort auf nicht er- mittelte Weise im ersten Stock des Ouergebäudes in einem leer- stehenden Räume die Balkenlage in Brand geraten war. Die Gefahr konnte mit einer Schlauchleitung in kurzer Zeit beseitigt werden.— In der Keibclstr. 2 mußte dann ein Feuer abgelöscht werden, das in einer Leimküche ausgekommen war.— Ein zweiter Küchenbrand beschäftigte den 5. Zug m der Adalvertjtr. 50,— Die übrige« Der Sternenhimmel im Mai. Die beständig höher steigende Sonne bringt immer weitere Berlängerung der Tagespaner mit zunehmender Wärme hervor. Von 1/25 1hr des Morgens rückt die Aufgangszeit des Tagesgestirns bis vor 4 1hr, während die Untergangszeit von 28 Uhr abends sich bis auf 149 1hr verschiebt; die Tagesdauer nimmt also von 15 Stunden bis über 1614 Stunden zu. Die Mittagshöhe der Sonne wächst dabei am 31. Mai bis auf 59 Grad an. Die Nächte werden noch verkürzt durch die Dämmerung, die auch zur Zeit des Neumondes, der bereits am 4. Mai eintrat, schon beträchtlich ist. Ganz hell sind sie beim Vollmond, am 18. Mai. Erstes Mondviertel tritt am 12., Letztes am 26. Mai ein. Die Figsterne prangen nicht so herrlich wie in den dunklen Winternächten, auch sind die schönsten Sternbilder im Westen bereits unter den Horizont gesunken. Am Südhimmel steht, etwa am Meridian, das Sternbild Rabe, ein Viereck aus 3 Sternen 2. und einem 3. Größe. Westlich folgt der Löwe mit dem Hellen Regulus( 1. Größe), und noch weiter westlich nähern sich die 8 willinge Castor( 2. Gr.) und Pollux( 1. Gr.) dem Horizont. Südlich von ihnen steht noch tiefer als sie der Prokhon ( 1. Gr.) vom Kleinen Hund, nördlich der Fuhrmann mit der hellen Capella( 1. Gr.). alarmierungen, die noch aus der Kreuzbergstr. 37/38, Lychenerstr. 81 an der Richtigkeit in diesem Falle sehr erheblich zu zweifeln. Sollte und noch aus einigen anderen Orten einliefen, waren auf ganz un- es wirklich denkbar sein, daß ein Kind, das, wie unser Gewährsmann bedeutende Anlässe zurückzuführen. mitteilt, mit den Zeichen der höchsten Atemnot, taumelnd, mit weit in die Sprechstunde gebracht wurde, das Kind, das furz darauf an Erstickung verstarb, gerade in dem Moment, als es bei dem Aufnahmearzt im Krankenhause war, ohne Beschwerde atmete; wir Aber noch etwas anderes wird als zweifeln sehr start daran. Ursache für den plötzlichen Tod angegeben, nämlich daß das Kind seit frühester Jugend eine Luftröhrenverengung gehabt habe. Wie weit das zutrifft, spielt gar feine Rolle für die Sache selbst, jeden= falls hat das Kind schon einmal einen Luftröhrenschnitt durch gemacht, und wenn dieser Umstand als erschwerend angeführt wird, so wäre es um so nötiger gewesen, das Kind im Krankenhause zu behalten und schnellstens das nötige zu veranlassen. Der ganze Fall zeigt so recht deutlich, wie falsch der Standpunkt ist, den übrigens auch der Oberbürgermeister Kirschner in Berlin vertrat, jungen Aufnahmeärzten, die, wie dieser Fall lehrt, nicht immer über hervorragende Erfahrung und Beobachtung verfügen, ohne Rücksicht auf die Anordnungen des draußen stehenden Arztes, die Entscheidung über Aufnahme oder Abweisung eines Kranken( in vielen Fällen über Leben und Tod) zu überlassen. Daß der Arzt, der das Kind ins Krankenhaus schickte, gegenüber dem Aufnahmearzt durchaus im Recht war, hat ja leider des traurige Ende des Kindes bewiesen. Die ganze Erklärung im„ Riydorfer Tageblatt" ist übrigens im einem Ton abgefaßt, der so recht deutlich der Arbeiterschaft vor Augen führt, wie wenig unferen herrschenden Klassen an dem Tode eines Proletarierkindes gelegen ist. Statt zuzugeben, daß hier unbedingt Fehler der Verwaltung vorliegen, wird versucht, die ganze Sache zu vertuschen und als recht harmlos darzustellen. Versuche, die allerdings vergeblich sind. Die sieben hellsten Sterne des Großen Bären finden wir ebenfalls bereits am westlichen Himmel, im Norden jenseits des Polarsternes die W- förmige Cassiopeja in der Milchstraße, die den nördlichen Himmel vom Osten nach Westen durchzieht. In ihr steht weiter östlich der helle Deneb( 2. Größe) vom Schwant, noch weiter östlich steigt der Ataïr( 1. Größe) vom Adler über den Horizont herauf. Hoch am Osthimmel prangt die helle Wega( 1. Größe) von der Leier, im Südosten der rötliche Arktur( 1. Größe) vom Bootes, im Süden die weiße Spika( 1. Größe) von der Jungfrau. Im Südosten steigt auch der rötlich funkelnde Anteres( 1. Gr.), der zum Skorpion gehört, über den Horizont herauf. Zwischen ihm und der Spita steht der schönste Stern, der gegenwärtig unsern Nachthimmel ziert, der einzige augenblicklich sichtbare Planet, der Mars; er nähert sich der Erde noch bis zum 16. Mai. Schiller- Feier der Freien Volksbühne. Wir machen wiederholt darauf aufmerksam, daß die Schiller- Feier der Freien Volksbühne am morgigen Sonntag pünktlich um 7 Uhr beginnt. Eine kleine Anzahl aus den Zahlstellen zurückgekommener Marken für die SchillerFeier sowie für die Oper sind bei der Saalkontrolle und beim Dbmann im National- Theater zu haben. Gerichts- Zeitung. Gesellige 2c. Vereine. Vergnügungsverein Helgoland", abend 6 Uhr bei Pfeffer, Rosenthalerstr. 57.„ Rollers Humoristische Gesellschaft", abends 612 Uhr im Königstädtischen Kasino, Gr. Frankfurterstr. 76.- Guitarrengnügungsverein„ Alemania", abends 6 Uhr, Alexandrinenſtr. 37a. Sigung haben Montag: Bund der sozialdemokratischen Lese: und Diskutierklubs. Wilhelm Liebknecht", jeden Montag bei Horst, Lychenerstr. 18.„ Gesund brunnen", Montag nach dem 1. und 15. bei Globig, Koloniestr. 15. Mehr Licht", jeden Montag bei Senapp, Grünthalerstr. 5. " 1 " U Dhne Verein für Gesundheitspflege des Volkes, Berlin- Moabit. Jeden zweiten Montag bei Karl Fischer, Waldſtr. 8. Arbeiter- Nancherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen im Vereinskalender sind zu richten an Albert Liebetrau, Berlin, Blaue Butbuserstr. 15, 4 Treppen. Abguß", Rohde, Höchstestr. 30.Schleife", Bannier, Faldenſteinſtr. 7. Merikaner", Müller, Landsberger Transvaal", Radjad, Ober- Schöneweide, Edisonstr. 5. allee 144. " Brasil", Krebs, Boechstr. 21. Lustige Rehberger", Sieg, Müllerstr. 25. " Freiheit II", Midley, Zehlendorf, Potsdamerstraße 25( jeden zweiten Montag im Monat). Dallesbrüder", Freund, Schulstr. 104. ,, Henkel töppken", bei Zimmer," Lorkingſtr. 32. ,, Bolle Pfeife", bei Müller, ,, Maiblume", bei Ladenthien, Potsdam, Kaiser FriedrichWollinerstr. 7. straße 38." Kommune", Rosenfeld, Drontheimerstr. 20. Pfeifchen glüh", Buttler, Kolberger3wang I", Müller, Weberstr. 15. straße 19. Arbeiter- Radfahrerbund Freiheit". Geschäftsstelle bei Franz Liehr, Weinstr. 3 I. Freiheit"( Weißensee) bei Beifert, Mirbach- Platz 8. Arbeiter Radfahrerbund Solidarität“. Gau 9( Prov. Brandens burg). Alle Zuschriften und Anfragen, den Bund betreffend, find zu richten an den Gauvorsitzenden Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8. Erkner. Dahme. Pfeil", nach dem 1. und 15. im Kaisergarten. Arbeiter- Radfahrer- Berein", nach dem 1. und 15. in Brodt's GesellschaftsKorbistrug. Frei weg", nach dem 1. bei Kaczmared. Rottbus." Frisch Auf". nach dem 1. und 15. bei Rob. Keil. Spandau. " Frisch Auf", nach dem 1. und 15. bei Hallecker, Frobenstr. 12. Tegel. " Sette", jeden ersten und dritten Montag im Hotel Berlin. Arbeiter Turnerbund. Turnverein Fichte", Geschäftsstelle Berlin O. 17, Koppenstr. 24 II. Abends von 8-10 Uhr: 7. Lehrlings- Abteilung Wassertor straße 31. Abends 6-8 Uhr: 1. Schüler- Abt., Drachenburg, Vor dent Turns Schlesischen Tor 1. 5. Schüler- Abt., Schönhauser Allee 101/102. verein Jahn" in Treptow- Baumschulenweg. In der Turnhalle Kiesholzstraße 274 von 8-10%, Uhr: Damen- Abt. Gesellige 2c. Vereine. Arbeiter- Regelflub ,, Lustige Achte", abends Lotterieklub ,, Niete", 8 Uhr, bei Franz Nitschke, Reichenbergerstr. 86. Gubenerstr. 6. Arbeiter- Schwimmverein Nor d", Uebungsstunden täglich bon 6-8 Uhr im Seebad Reinidendorf. Sigung jeden Montag nach dem Ersten bei Milbrodt, Müllerstr. 7. Hülfskaffe der Graveure, Biseleure und verwandten Berufsgenossen Berlins. Jeden ersten Montag im Monat im Restaurant Stehmann, Luisen- User 1. haus. 1 Das Messer, welches schon manchen jähzornigen Menschen ins Verderben gestürzt hat, spielte gestern wieder einmal seine traurige Rolle in einer Verhandlung gegen den 26jährigen Dachdecker Dem völlig unbescholtenen Angeklagten Willi Wernert. wird von seinen Arbeitgebern das beste Zeugnis ausgestellt. Am 11. Februar d. J. hatte der Angeklagte seinen Lohn ausbezahlt erhalten. In einem Lokal geriet er in seiner animierten Stimmung mit einem anderen Gaste in Streit, bis ihn schließlich der Wirt gewaltsam an die frische Luft beförderte. Auf der Straße rempelte er mit oder ohne Absicht einen Arbeiter namens Kachlick an. Als dieser sich die Beleidigungen verbat, welche der Angeklagte gleichzeitig gegen ihn ausstieß, griff Wernert in die Tasche und führte Sozialdemokratischer Agitations Verein für den ReichstagsDienstag, mit dem offenen Taschenmesser einen Schlag nach der Schulter des Wahlkreis Züllichau- Schwiebus Krossen Sommerfeld. K. Da das Messer mutmaßlich umgeklappt war, so erlitt letterer den 9. Mai, abends 8 Uhr, bei Batt, Dragonerstr. 15: Bersammlung. nur eine geringfügige Fleischwunde. Vor Gericht war der An- Tagesordnung: 1. Vortrag des Genossen Silberschmidt. 2. Diskussion. Aufnahme geflagte geständig und bat um eine milde Bestrafung, da er sich 3. Vereinsangelegenheiten und Abrechnung vom Maskenball Die Internationale Ausstellung künstlerischer Photographien in nur in der Betrunkenheit zu der Tat habe hinreißen lassen. Der neuer Mitglieder. Es ist Pflicht eines jeden Genossen aus dem Wahlkreise, in dieser Versammlung zu erscheinen. der tgl. Akademie der Künste, W., Potsdamerstr. 120, wird am Gerichtshof erkannte jedoch auf 6 Monate Gefängnis, da Zentral Kranken- und Sterbekasse der Zimmerer( E. H. Nr. 32, Montag, den 8. Mai, geschlossen. Vielfachen Wünschen entsprechend allen Messerstechereien, und seien dieselben noch so harmlos ver- Hamburg), Dertliche Verwaltung Rigdorf. Dienstag, den 9. Mat, abends wird sie außer zu den gewöhnlichen Besuchsstunden auch am Sonn- laufen, mit aller Strenge entgegengetreten werden müsse. 82 Uhr, bei Gellert, Steinmetstr. 113: Mitglieder Versammlung. Tagesabend, den 6. Mai, und Montag, den 8. Mai, von 7-9 Uhr abends geöffnet sein. Der vorjährige Bäckerstreit hab eine Anklage gegen fünf Per- ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl eines Vorsitzenden. 3. Verschiedenes. Friseurgehülfen! Montag, abends 10 11hr, Kommandantenstraße 57: sonen zur Folge gehabt, die mit dem Streit an sich gar nichts zu Deffentliche Bersammlung. Tagesordnung: Unsere Forderungen. Arbeiter- Bildungsschule Berlin, Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15. tun hatten. Wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs, Frei- Arbeiter Samariter Kolonne. In unseren beiden Abteilungen be Morgen Montag beginnt der Unterricht in National- heitsberaubung, versuchter Nötigung, Beleidigung usw. wurden der ginnen jezt zwei neue Surse zur Ausbildung in der ersten Hülfeleistung bei ökonomie( Grundzüge der Finanzwissenschaft). 1. Finanzwissen Fensterputzer Ludwig Mahn und vier seiner Arbeitsgenossen gestern Unglücksfällen und plöglichen Erkrankungen. Am Dienstag, den 9. Mai, beschaft. 2. Finanzwirtschaft. 3. Staatsfinanzen. 4. Budget. vor der 1. Straffammer des Landgerichts II zur Verantwortung ginnt der Kursus in der I. Abteilung, Dresdenerstr. 45. Ueber alles Weitere 5. Staatsausgaben, Staatseinnahmen: Erwerbseinkünfte, Ab- gezogen. Zur Zeit des Bäckerstreits im Mai v. J. begab sich der siehe Inserat in der heutigen Nummer. gaben, Gebühren, Steuern. 6. Staatsschuldenwesen. 7. Ge- Angeklagte Mahn mit mehreren anderen in den Laden des meindefinanzen. 8. Die Finanzen des Deutschen Reiches und der Bäckermeisters Ulrich in Charlottenburg. Sie sollen die Bundesstaaten. Vortragender: Max Grunwald. Zu den am anwesende Verkäuferin aufgefordert haben, ein im Schaufenster Dienstag resp. Donnerstag begonnenen Kursen in Natur- hängendes Plakat zu beseitigen. Als dieses abgerissen worden war, erkenntnis und Gesezeskunde können noch Teilnehmer sollen sie noch die Herausgabe der einzelnen Stücke des Plakats aufgenommen werden. Der Unterricht in Geschichte resp. berlangt haben und dabei sollen Ausdrüde, wie:„ Wir werden Redeübung beginnt am 17. refp. 19. Mai. Ihnen die Bude schon noch zumachen" und dergleichen mehr gefallen Ein neues Musikinstrument. Vor einem geladenen Publikum sein. Als dann Käufer den Laden betraten, soll M. ihnen gesagt fand Donnerstag mittag im Warenhause A. Wertheim, Leipziger- haben: Hier dürfen Sie nicht laufen, gehen Sie zu einem anderen straße, die Vorführung des neuen Reproduktionsklaviers Mignon" Bäder!" Die Angeklagten sollen trotz wiederholter Aufforderung statt. Die anwesenden Künstler, unter denen sich Mme. Charlotte zum Weggehen über eine Stunde geblieben sein, und als die MannWiehe, Therese Beer, Professor Humperdind, Professor Pietsch, fchaft fam, um Brot abzuholen, soll man sie daran verhindert haben. Ferruccio Busoni, Professor Krause, Professor Grünfeld, Arthur Als die Verkäuferin den Schankwirt Meyer zu Hülfe rief, wurde Schnabel, Alexander Moszkowski u. a. befanden, waren von dem ihr höhnisch gesagt, daß dieser ihr auch nicht helfen könne. Jm Instrument aufs höchste überrascht und sprachen über die natur- Verlaufe dieses Vorganges sollen die Angeklagten die einzelnen getreue Wiedergabe der von Künstlerhand gespielten Tonstücke ihre im Eröffnungsbeschluß bezeichneten Straftaten begangen haben. volle Bewunderung aus. Das Klavier wird täglich von 11-1 Uhr Zu dem geftrigen Termin war eine ganze Anzahl Zeugen geladen. im dritten Stock( Fahrstuhl am Eingang Leipziger Platz) vor- Die Verhandlung mußte jedoch vertagt werden, da die Verkäuferin geführt. als Hauptbelastungszeugin durch Krankheit am Erscheinen verhindert war und die Angeklagten ihre Schuld in dem Umfange der Anklage nicht zugaben. Nixdorf. Vorort- Nachrichten. Ueber den traurigen Todesfall eines Kindes vor der Pforte des Nixdorfer Krankenhauses berichteten wir in der Donnerstagnummer unferes Blattes. Das Kind war wegen Ersti dungsgefahr zum Zweck der Ausführung des Luftröhrenschnittes dorthin geschickt und wurde vom Aufnahmearzt abgewiesen. Vermischtes. Die Affäre Montignoso hat ihre geschäftliche Erledigung ges funden. Die Gräfin Montignoso behält ihre jüngste Tochter noch einige Zeit und erhält eine erhöhte Apanage anstatt der bisher gezahlten 30 000 M. Dagegen verzichtet sie auf die sächsische Staatsangehörigkeit. Auch über den Zeitpunkt des Wiedersehens mit ihren übrigen Kindern sind Abmachungen getroffen worden. Die Arbeiten im Simplontunnel sind auf der Nordseite zur Zeit eingestellt, weil infolge eines Erdrutsches, der bei Mörel das Bett der Rhone verschüttete, die Kraftanlage unterbrochen ist. Marktpreise von Berlin am 5. Mai. Nach Ermittelungen des fgl. Polizei- Präsidiums. Für 1 Doppel- Zentner: Weizen**), gute Sorte 00,00-00,00 M., mittel 00,00-00,00 m., geringe 00,00-00,00 M. Noggen**), gute Sorte 00,00-00,00 m., mittel 00,00-00,00 m., geringe 00,00-00,00 m. Futtergerste*), gute Sorte 15,80-14,80 m., mittel 14,70 bis 13,70 M., geringe 13,60-12,60 m. afer*), gute Sorte 16,30-15,40., mittel 15,30-14,50 9., geringe 14,40-13,60 M. Erbsen, gelbe, zum Stochen 45,00-30,00 M. Speisebohnen, weiße 50,00-30,00 M. Linsen 60,00-30,00. Startoffeln 10,00-7,00 M. Nichtstroh 6,00 bis 5,00 M. Heu 9,50-7,80 m. Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,20 M. Eier per Schod 4,00-2,80 m. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. H. D. 44. Briefkaften der Redaktion. Sp. I. 9,5 Meter bis 10,0 Meter. II. Gegen 8 Meter. R. W. 100. Wenden Sie sich an eine Konser Am 13. Juni 1886. Schwarzer vierungs- Anstalt. Adreßbuch, 2. Band, Teil IV, Seite 60/61. Tangenichts. 1. Durch die Buchhandlung Vorwärts. 2. War hervors ragender Philosoph und Freidenker und deshalb begreiflicherweise auch einer seitens der Kuttenträger Bestgehaßten. Ueber die von Ihnen angeführten Einzelheiten wird sich wohl schwer etwas feststellen lassen. Alle Umstände sprechen jedoch dafür, daß derartige Behauptungen ausschließlich auf böswilliger Er findung beruhen. R. 10. Irgend welchen Wert beizumessen wäre un angebracht. P. St. Arzt fragen. W. P. Das Betreffende wurde am 3. August 1893 erlassen. M. J. Am 1. Mai 1890. Zwei Martha Wettende. In der Versammlung der Bauarbeiter bei Lips. Chauffeur. In jeder größeren KraftfahrzeugSt. 87. Klopstodſtr. 18. fabrik, fiche Adreßbuch, 2. Band, Teil IV, Seite 235. Die Bedingungen er M. N. 1d. 1. Ja. 2. Bis fahrene er i stelle, 1000 m., was darüber ist, wird nicht verzinst. 3. Schöneberg: Rathaus, Erdgeschoß, Zimmer 4. Karl Ziege. IV. Klasse nach Hamburg, von dort mit der Linie General Steam Navigation Companie, Bertreter Willem Bott, Hamburg, oder auch Reederei A. Kirsten, Hamburg. Kommunistischer 1 Arbeiter- Bildungsverein, W. London, Fibroi Square 107, Charlotte Street. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends vou 7 bis 9½ Uhr abends statt. Geöffnet: 7 1hr. Das„ Rigdorfer Tageblatt"," unparteiisches" Organ des Rigdorfer Magistrats, ein Blatt, das leider noch vielfach in Arbeiter freifen gelesen wird, bringt es fertig, folgende authentische Dars stellung zu bringen: Da der Vorwärts" schwere Vorwürfe gegen den diensttuenden Assistenzarzt des Krankenhauses wegen dieses Falles erhebt, so haben wir Erfundigungen darüber eingezogen und Ein schweres Automobilunglück hat sich gestern in Wien er- A. S. 56. Die Frau braucht sich keineswegs ständig zu Hause zu sind in der Lage, eine authentische Darstellung des Sachverhalts eignet. Der Direktor der Wiener Filiale der italienischen Automobil- halten, das kann auch nicht wohl von ihr verlangt sein. Ob die Ber zu bringen. Es ist eine jedem Arzt bekannte Tatsache, daß im werke F. J. A. T., Ingenieur Jurski aus Lemberg, fuhr im hältnisse so liegen, daß Armenunterſtügung zu zahlen ist, ist von Fall zu Laufe einer diphtheritischen Halsentzündung Zustände von Atemnot Automobil durch die Ausstellungsstraße. Im Automobil jaßen außer Fall durch die Armenkommiſſion, auf Beschwerde durch die Armendirektion, eintreten können, die plötzlich auftreten, bald aber wieder ver Ingenieur Jurski zwei Chauffeure. Bei dem Versuch, einem zu entscheiden. 2. 99. 1. und 2. Wird angenommen, der junge schwinden können, um vielleicht nach mehr oder minder langer Zeit entgegenkommenden Waggon der elektrischen Straßenbahn und einem Mensch habe das Bewußtsein der Rechtswidrigkeit nicht besessen, so fit er von neuem einzusehen, oder auch ganz fortzubleiben. Als das oben Lastwagen auszuweichen, kam das Automobil auf der glitscherigen freizusprechen. 3. und 4. Wie hoch die Strafe ausfallen wird, ob ins besondere Ueberweisung zur Fürsorge- Erziehung eintreten wird, läßt sich erwähnte Kind in das städtische Krankenhaus kam, konnte der Straße ins Gleiten. Es wurde an den Lampenmast der elektrischen ebensowenig voraussagen wie die Frage, wie lange die Haft dauern wird. Diensttuende Assistenzarzt eine Atemnot zurzeit nicht feststellen, das Beleuchtung geschleudert und durch den Anstoß zertrümmert. Der 5. und 6. Voraussichtlich befindet sich der Betreffende im Berliner UnterKind war zu Fuß, von der Mutter an der Hand geführt, hin- Benzinkessel zerplatte, ebenso die Pneumatiks. Alle drei Insassen fuchungsgefängnis, At- Moabit. Wollen Sie ihn sprechen, so müssen Sie um gekommen und sprach und lachte mit dem Arzt. Da also eine wurden hinausgeschleudert. Jurski wurde der Schädel zer- Erlaubnis beim Gericht einkommen. Sie würden gut tun, dem jungen C. N. 100. Ausführliche Darlegung bedrohliche Atemnot nicht vorlag, riet der Arzt der Mutter, mit Er starb im Spital. trümmert. Der Chauffeur Nichter ist Manne einen Verteidiger zu bestellen. dem Kinde nach dem Kreiskrankenhause zu Briz sich zu begeben, lebensgefährlich verletzt, der andere Chauffeur nur leicht. ist wiederholt gegeben und wird dieser Tage im lokalen Teil wiederholt werden. R. G. N. 20. Die Strafe fann erst mit Eintritt der Rechtskraft des weil dort entsprechende Isolierräume für Rigdorfer Kranke zur Großfeuer. In Giesebiz am Lebasee sind gestern, wie die Urteils vollstreckt werden. Köpenick. 1. Darüber, ob Sie zur Ergänzung Verfügung stehen, welche im hiesigen Krankenhause fehlen. Das Stettiner Neuesten Nachrichten" melden, 70 Gebäude ab- des Offenbarungseides verpflichtet sind( es ist das möglich), entscheidet, falls Unglüd wollte es, daß auf der Straße das Kind von einem heftigen 26 Familien find obdachlos, zwei Kinder Sie Widerspruch gegen eine dahingehende Verpflichtung erheben, das gebrannt. Husten befallen wurde und plötzlich zum Teil infolge einer seit Das Postamt Gericht. 2. Wegen der Kosten ist der Lohn nicht pfändbar. 3. Das Streit werden vermißt; viel Vieh ist umgekommen. frühester Kindheit bestehenden Luftröhrenberengung Stener. Die Hundesteuer müssen Sie sammenbrach. Es wurden im Krankenhause Wiederbelebungs- ist niedergebrannt, während Schule und Schloß erhalten werden objekt ist zutreffend berechnet. zahlen; zur Rückzahlung ist die Behörde nicht verpflichtet, weil ein Wechsel fonnten. des Eigentümers stattgefunden hat. Sie fönnen aber ein dahin bersuche gemacht, die leider erfolglos blieben. gerichtetes Gesuch( an den hiesigen Magistrat, Steuerdeputation) richten. 21. G. 149. Zurückforderung der Geschenke ist in den beiden von Ihnen A. N. Der Meister kann angeführten Fällen ohne rechtliche Wirkung. tot zus " dem Ersten. Sigung haben Sonntag: 3 Was mit dieser Erwiderung eigentlich bezwedt werden soll, ist nicht recht klar, augenscheinlich soll der Versuch gemacht werden, Agitationsverein Stralsund- Franzburg- Nügen, Sonntag nach die Verwaltung unter allen Umständen weißzuwaschen. Nun, dieser auf Ersatz des gestohlenen Geldes klagen und dann die Sachen pfänden Versuch ist wohl ohne weiteres als durchaus mißlungen zu be= Arbeiter- Radfahrerbund„ Solidarität". Gau 9( Prov. Branden lassen. Eine Einigung ist einer Klage in Ihrem Falle vorzuziehen.- M. S. 100. trachten. Die Behauptungen des„ Vorwärts", daß das Kind ab- burg). Alle Anfragen und Buſchriften sind zu richten an den Gau- Richten Sie unter Darlegung des Tatbestandes ein Gesuch an die Kreisgewiesen wurde und vor der Tür einige Minuten darauf cr- vorsitzenden Karl Fischer, Berlin NW., Waldstr. 8. Britz bei Ebers Ersatzkommission. 23. M. 200. Wir fommen nächstens darauf zurüď. Damsdorf, Frisch H. E. 1. Ja. 2. Legen Sie den Sie betreffenden Fall näher dar stickte, werden ohne weiteres zugegeben. Zwei wichtige Punkte, die walde, Frisch Auf nach dem 1. und 15. bei Weber. in diesem Punkte noch mehr belastend wirken, verschweigt der auf" nach dem 1. bei Bathe. Drebne Kreis Sorau, Wanderluft" nach( wo und wann sind die Ehen geschlossen? wer ist Schuldner? um wessen Droskau, Frisch Aus" nach dem 1. bei Müller. Sachen handelt es sich, Frau oder Mann?); die allgemeine Frage läßt authentische Bericht vollständig, nämlich, daß der dem 15. bei Jurk. Glindow, Vorwärts" sehr verschiedene Antworten zu. Schuldig. 1. In Ehescheidungssachen Arzt, der das Kind ins Krankenhaus schickte, ausdrücklich auf einem Ferch, Frisch Auf" ersten Sonntag bei Schmidt. Grebs bei Lehnin, Edel- ist innerhalb eines Monats nach Zustellung des oberlandesgerichtlichen Er. Rezeptformular vermerkte, daß das Kind an hochgradiger jeden ersten Sonntag bei Schmidt, Dorfstr. weiß" bei Fr. Lips. Gusow a. Ostbahn, Frisch Auf" nach dem Ersten im fenntnisses Revision an das Reichsgericht zulässig. 2. und 3. Nein. Atemnot leide und dringend der sofortigen Aufnahme in ein Vereinshause in Plattow. Jänickendorf, Fahr wohl". Jeschtendorf 100. E. W. Wegen Erteilung des Passes müssen Sie sich an das Be Krankenhaus bedürfte, er verschweigt ferner, daß der Chefarzt aus- Streis Sorau, Tempo" nach dem 15. bei Krauje, Neue Forst- Kolonie. zirkskommando und das Polizeipräsidium wenden. E. F. Mit dem Kanin b. Lehnin, Weiterleben liegt es so: Versicherungspflichtige müssen, um ihre An drücklich in der Krankenhausdeputation erklärt hatte, in solchen Stagel, Langsam bor" nach dent 15. bei Aug. Schulze. Manschnow, Vorwärts", Bors. Rich. sprüche aufrecht zu erhalten, mindestens 20 Marten, Selbstversicherer Fällen von Lebensgefahr würde stets der Luftröhrenschnitt aus- Frisch Auf" vor dem 15. bei Ebel. 40 Beitragsmarken innerhalb zwei Markgrafpieste," Stern" jeden ersten Sonntag bei Witwe mindestens Jahren leben. geführt werden, trotzdem keine Infektionsabteilung Rehmann. Marivit bei Belten," Frisch Auf". Schneider. Prüßte b. Brandenburg, 3. S. 112. Nicht das Gesetz aber allgemeine Anordnungen find in vorhanden wäre. Es folgen dann in der Berichtigung Bemerkungen Schenkendorf, Vorwärts" jeden 3. der Ihrem Bruder dargelegten Weife ergangen. Pahl. Der Mieter darüber, daß es jedem Arzt bekannt sei, daß im Laufe einer Freiheit" nach dem 15. bei Dähme. bei Paetsch. Spreenhagen, Frisch Auf" nach dem 1. und 15. in„ Goldenen haftet für den durch seine unvorsichtigkeit dem unter ihm wohnenden Haus. 9. H. 99. Schildern Diphtherie Atemnot entstehen und wieder verschwinden könne. Trebbin, Wanderer" nach dem 15. bei Binsch in Löwendorf. Stern". genoffen zugefügten Schaden, nicht der Wirt. Diese Bemerkungen sehen, auf diesen Fall angewendet, eine hochWannsee, Edelweiß" nach dem 15. im Boltsgarten. Zehdenick, A. N. B. Sie schriftlich der Steuerdeputation die Sachlage und beantragen Frei stellung mit Rücksicht auf die Unterstübung der Mutter. B. L. 9. Ja. gradige Leichtgläubigkeit voraus, daß man wohl ein Recht habe, bei Buchholz. Lübben," Morgenrot" Borf. H, Wagner, Steinkirchen. Berant. Redatteur; Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Qrud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW,