Nr. 107. Abonnements- Bedingungen: 6 Abonnements Breis pranumerando: Bierteljährl. 3,30 mt., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Bfg. PostAbonnement: 1,10 Mart pro Monat, Eingetragen in die Post- Beitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 3 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Erideint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr Beträgt für die fechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. Kleine Anzeigen", das erste( fettgebrudte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. in Dienstag, den 9. Mai 1905. sid leng Schiller. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Was er Die Viereinhalbjahrzehnte, die, feit Deutschland den hundert- Unter den Jugenddramen ist das erste und genialste„ Die Mit der Beendigung des Don Carlos" trat eine vieljährige jährigen Geburtstag Schillers feierte, vergangen find, waren eine Stäuber" noch in der Karlsschule entstanden. Heimlich in Stunden, Baufe in Schillers dramatischem Schaffen ein; historische und philo Beit der größten sozialen, politischen, geistigen Umwälzungen. Natur- die der Arbeit oder der nächtlichen Ruhe abgestohlen, wurden die fophifche Arbeiten füllen sie aus. Bon Dresden siedelte er nach wissenschaft und Technik haben seither eine ungeahnte Vervollkommnung Szenen in fiebernder Haft aufs Papier geworfen, heimlich dem Weimar, von dort nach dem nahen Jena über. Lange dauerte es, erhalten; Deutschland, damals ein Bündel Staaten von vorwiegend noch durch teine Lebenserfahrung genährt, hat hier rein heraus aus Genie des Jahrhunderts verehrte, fand; aber um so schöner, fruchterhalten; Deutschland, damals ein Bündel Staaten von vorwiegend reise begeisterter Kameraden vorgelesen. Die Jünglingsphantasie, bis er den Weg zu Goethe, in dem er neiblos das größte poetische agrarischem Charakter, hat, politisch geeinigt, im Sturmmarsch die der eigenen Fülle Kontraste, Schicksale und Gestalten von einer Wucht barer gestaltete fich dann der weltberühmte Bund. Die Wendung tapitalistische Entwickelung nachgeholt, und Hand in Hand damit er- geschaffen, die heute noch die Gemüter fortreißt, wieviel Fehler und zum ästhetischen Idealismus, die 88-89 in den Göttern Griechen wuchs in seinem industriellen Proletariat mit neuen realistisch Bedenklichkeiten immer die Stritit dem Stüde nachrechnen mag. Auch in lands" und in den Künstlern" in der Form eines poetischen fundierten Idealen die fämpfende Kulturmacht der Sozial- das Lächeln, welches das verstiegene Bathos fo mancher Stellen Bekenntnisses fich ankündigte, und fortwirkend, erweitert durch die demokratie. Weltauffassung, Literatur und Kunst, alles ist hervorruft, mischt sich noch immer etwas wie Bewunderung, Freude Ideen der Kantischen Philosophie, Schillers Denten die bestimmende in dem Strudel der Veränderungen mit hineingeriffen. am Ueberschlagen, Ueberschäumen der Kraft. Richtung gab, hat der Annäherung der beiden, so durchaus ver Nicht nur zeitlich, auch seiner äußeren wie inneren Wenige Monate, nachdem der Dichter die Karls- Akademie verschiedenen Naturen vorgearbeitet. Jene Harmonie der seelischen geistigen Eristenz steht steht das Geschlecht, das heute den laffen und zum Range eines Stuttgarter Regimentsmeditus mit Kräfte, die Schillers Schönheitskultus pries, schien ihm verwirklicht hundertjährigen Todestag Schillers festlich begeht, dem Dichter und Buchhandel und wurde dann im Januar 1782 von Dalberg im 20 Gulden Monatsgehalt avanciert war, erschien das Drama im im Bilde von Goethes dichterischer Persönlichkeit. Wie Rousseau das von der Zivilisation vernichtete MenschenDenter ferner. Es wäre beispielsweise heute unmöglich, daß sein Mannheimer Theater unter brausendem Beifall zur Aufführung ge- glüd in der Utopie eines idyllischen Naturzustandes gesucht, so besingt Name wie damals als Losungswort im politischen Kampfe erschallen bracht. Mit einem Schlage war Schillers Name berühmt. Die zweite Schiller in seinen Göttern Griechenlands dies neue ihn machtkönnte, unmöglich, weil der altersschwach gewordene Liberalismus Auflage führte als Symbol des revolutionären Inhalts das berühmte voll ergreifende Jdeal harmonischer Schönheit als ein unwiderbon Jdealen überhaupt nichts mehr wissen will und der Jdealismus Motto- den drohenden Löwen mit der Unterschrift wider die bringlich verlorenes Gut der fernen Vergangenheit. fozialistischer Gesinnung in so ganz anderen Gedankenschichten und Tyrannen", auf dem Titelblatt. Der Konflikt mit dem Herzoge war in Mannheim, in Dresden von griechischer Blaftit tennen gelernt, Gefühlen wurzelt als Schillers unbestimmter Freiheitsenthusiasmus. unvermeidlich. Eine lächerlich geringfügige Beschwerde zum Anlaß die stille Einfalt und Größe der Bildwerke, der jugendfrische Neiz Er steht uns ferner, wir fühlen schärfer das historisch Bedingte seiner nehmend, beorderte Karl Eugen den mißratenen Sprossen seiner der hellenischen Göttersagen, die überall die äußere Natur als ein Akademie vor sich, ließ ihn höchst ungnädig an und verbot ihm Beseeltes darstellen, die homerischen Mythen Gestalt. Aber doch nur der Schwärmerei, nicht der Achtung, der Liebe turzer Hand, je wieder etwas Dichterisches bruden zu lassen. Die in ihm entzündet, das rüdstrahlend ihn das Volk der Griechen selbst und Bewunderung kann dies Bewußtsein, daß er als Bürger anderer Richtung paßte ihm nicht. So floh Schiller, mußte er, wenn er in verklärtem Glanze als Erfüllung seiner eigenen Sehnsucht schauen Beiten zu uns redet, gefährlich werden. Nichts ist gewöhnlicher als nicht selbst Berrat an sich begehen wollte, fliehen. ließ; wie denn das ganze Zeitalter, unter dem Eindruck der die Erfahrung, daß solche, die als Knaben für ihn geschwärmt, im In Mannheim erwartete ihn schwere Enttäuschung. Dalberg enthusiastischen Schriften Winkelmanns, einer idealisierenden Be unduldsamen Jünglingsalter schnell fertig ist die Jugend mit lehnte den inzwischen fertig gewordenen Fiesco" ab und verweigerte trachtung des griechischen Lebens das doch durch Klaffendem Wort", weil er irgend welchen„ modernen" Kunstformeln auch sonst jeden Beistand. Bon Hause, vom Vater, dem schmal befoldeten gegensäge und Kämpfe, durch Not und Elend nicht weniger und Jbeen nicht entsprach, sich naserümpfend von ihm abgewandt, herzoglichen Barkaufseher in Ludwigsburg, der die Flucht nicht anders als die Gegenwart zerrüttet war- zuneigte. Hier herrschte, als Männer wieder zurückkehren zu ihrem Schiller. Einmal zur durfte Schiller erst recht auf eine Unterstützung hoffen. So war einem engen, aber schönen Kreis der Anschauung, durch keine denn als einen unüberlegten abenteuerlichen Jugendstreich ansah, fingt Schiller, noch Einklang des Menschen mit der Natur; in Klarheit über jenen Abstand gelangt, läßt sich der eigenartige Bauber bas Asyl, das ihm Frau v. Wolzogen auf ihrem Gutshofe in einem christlichen Jenseitsgebauten noch durch faltsinnige Bergliederung der der großen Schillerschen Persönlichkeit um fo freier, unbefangener abgelegenen Thüringer Dörfchen anbot, Rettung aus dringendster Erscheinungen aufgeschredt, ward dies Geschlecht von seinen Göttern genießen. Der Neiz, in seinen Worten den Widerhall einer ber- Not. Hier entstand Kabale und Liebe", wurde der„ Don Carlos" in an der Freude leichtem Gängelband" gelenkt: gangenen, so niemals wiederkehrenden Epoche menschlichen Seelen- Angriff genommen. Doch nicht lange duldete es ihn in der Einsamlebens zu vernehmen, ersetzt, was da und dort der unmittelbare Einbruck an Stärke und Lebendigkeit verloren. teit. Auf das Anerbieten eines Dramaturgenpostens nach Mannheim zurüdfehrend, war er der Augenzeuge feines zweiten großen Theatersieges. Kabale und Liebe", das" bürgerliche" zu flammender In Schillers ersten Dichtungen weht der Sturm revolutionärer Em Anflage sich erhebende Trauerspiel, wirfte mit zündender Kraft von pörung. Der Jüngling schleudert seinen Fluch gegen die„ schlimmen der Bühne, wühlte im Innersten die Seelen auf. Der Mannheimer Monarchen", die dereinst vor Gottes Thron für ihre Frevel an der Premiere folgten es ist merkwürdig, wie paffib sich vielfach die Menschheit werden Rechnung ablegen müssen, er abelt in den außere Lage des Dichters wurde darum nicht gesicherter. Er verlor Benfur berhielt Aufführungen in anderen Städten. Aber die Räubern" die zügellofe Kraftnatur Karl Moors, indem er ihn audie mäßig befoldete Anstellung und die" Rheinische Thalia", ein gleich als Rächer der Unterdrückten handeln läßt, er verherrlicht im " Fiesco" den Republikanismus und richtet, zur Gegenwart des Beit- Blatt, in dem er als" Weltbürger" vor dem Publitum seine Ideen alters fich wendend, in Kabale und Liebe" den tühnsten Angriff brängten die Gläubiger. Da frat Störner, der wadere Mann, von entwideln wollte, fand wenig Subskribenten. Von allen Seiten gegen den höfifchen Despotismus der deutschen Kleinstaaten. Der Drud der militärisch organisierten Starlsschule, in die der nun an bis zum Tode Schiller in innigfter Freundschaft verbunden, Württemberger Herzog Karl Eugen im Jahre 1773 den vierzehn- ihm helfend zur Seite. jährigen Knaben gegen den Willen der Eltern gesteckt, hatte den angeborenen Freiheitsdrang nicht knicken tönnen, im Gegenteil den " Jahre biele ein bon dem und Aber hatte ein Gefühl Da der Dichtung zauberische Hülle Sich noch lieblich um die Wahrheit wand, Durch die Schöpfung floß da Lebensfülle, Und was nie empfinden wird, empfand. An der Liebe Busen sie zu drücken, Gab man höheren Adel der Natur, Alles wies den eingeweihten Blicken Alles eines Gottes Spur. o Heiter menschlich empfanden die Himmlischen; lein trauriges Entsagen" verlangte ihr Dienst; und milder Sinn umgab sogar den Tod mit freundlichen Symbolen: ,, Damals trat tein schreckliches Gerippe Bor das Bett des Sterbenden. Ein Kuß Nahm das letzte Leben von der Lippe, Seine Fackel fenkt der Genius. - Die Blüten mußten fallen, vor dem Chriftengotte flohen die „ Knechtisch dient sie dem Gesetz der Schwere, Die entgötterte Natur!" Widerwillen gegen jede Art von Tyrannei dem jugendlichen Herzen Die Jahre 1785-1787, bie Schiller in täglichem Berkehr mit Götter und die anmutsvolle Belebung der Natur wich einem Einblic um so tiefer eingeprägt. Typisch trat ihm das absolutistische Willtür- Körner und seinem Kreise in Leipzig und Dresden berlebte, find in den Weltenmechanismus, der seltsam klingt hier Schillers regiment in der Person des Herzogs, der Landeskinder als Soldaten zum größten Teil der Arbeit am" Don Carlos" gewidmet. Die Brosa Klage- die Herzen ohne Poesie läßt: ins Ausland verschachert hatte, der den Dichter Schubart wegen des ursprünglichen Entwurfes weicht der Versform, die Schiller eines Spottverses, den tapferen Mofer wegen feines Ein- dann in seiner ganzen späteren dramatischen Produktion nicht mehr für tretens die ständische Opposition berlassen hat. Damit ist auch das Streben nach Schönheit der gefertert hielt Dieser Ton elegischer Klage, das sich Anklammern an eine „ Untertanen" für seine Sprache ein idealisierender Stil des Ausdrucks, der in scharfem beschränkte Epoche und deren notwendig beschränkter Schönheitsstil und den getreuen Brunfbauten und schwelgerifchen Festen ungeheuere Summen Kontraste zur Art seiner ersten Werte steht, gegeben. bie ist in den„ Künstlern" völlig überwunden. Da vermählt sich in dem innere Struktur der Tragödie, abpreßte, entgegen. Acht Jahre hat Schiller in den engen Mauern auch die ursprünglich Geist des Dichters das Schönheitsideal mit dem großen Gedanken dieser Kampfe zwischen Bater Sohn be Stlabenschule", wie Schubart fie nannte, zugebracht, ganz Aber dennoch die gefährlichen Bücher, die von der Bewegung der sollte, wird eine andere. Die lichte Gestalt des Marquis Bosa tritt Sklavenbanden blinder Sinnlichkeit befreiend, sich herrlich entfaltet, abgeschlossen von fast jedem lebendigen Verkehr mit der Außenwelt. herrscht sein und die Greuel der Inquifition brandmarken aufstrebender Kulturbewegung. Im Keime schon den Wilden eigen, hat die Kunst im Griechentum, das menschliche Empfinden aus den Geister draußen Kunde gaben, brangen trotz eifrigfter Kontrolle der in den Vordergrund, des Edelfinnigen, der für den Freund und für doch nicht, um mit dem Griechentume unterzugehen. Eine unsterbAufseher zu ihm und seinen Freunden. Da las man und begeisterte die Menschheit beide Jdeale durchdringen und ergänzen sich in fich an des jungen Goethe Göz" und Werther", an Lessings Emilia der Vorstellung des Dichters hier ähnlich wie in dem Liede an die liche Gefährtin, begleitet sie tröstend, erhebend, den Umkreis ihrer Harmonien fieghaft weiter dehnend, das menschliche Geschlecht Galotti", an Klopstods überschwänglichen Dden, an den Dramen der Freude" willig sein Leben hingibt. Mitten aus dem verschlungenen auf seiner Wallfahrt durch die Jahrhunderte. Der Hymnus an die Stürmer und Dränger und Shakespeares gewaltigen Gemälden Intriguenspiel, dem Widerstreit der Leidenschaften, ertönt die Stimme, Freude wird zum Hymnus auf die Kunst als Freude spendende, menschlicher Leidenschaft.- Aus der antiken Literatur scheinen die von dem frohen Zukunftsglauben an die Völkerfreiheit in läuternde, Seelen vereinigende Macht. Wie dort verschwimmen und damals die Heldenerzählungen des Blutarch, biel zitiert und ge- feurigen, in unvergessenen Worten Beugnis ablegt. priefen in der großen französischen Revolution als Denkmal aller„ Kabale und Liebe" wandelt sich. Hinausspähend über das wirrfalicher Wirklichkeit. Der Enthusiasmus schafft die Dinge nach seinem Das Weltbild Schillers, so düster in den„ Räubern", in" Fiesco", verschwinden hier in einer Flut des Lichtes die Grenzen fümmerRepublikanertugend, den stärksten Eindruck auf Schiller ge= macht zu haben. Von der verächtlichen Gegenwart, diesem tinten und die Berriffenheit des wirklichen Lebens, sucht er, dem ein eigenen innersten Verlangen um: flefsenden Sätulum" appelliert Karl Moor an die großen Menschen gepflanzten Triebe des Herzens folgend, nach höheren Harmonien, des Plutarch", die erhabenen Bilder der Kraft. Unter den Franzosen in denen alle Dissonanz des Einzelnen sich auflöst. Brausend, eine war es Rousseau, zu dem der Jüngling fich durch einen Zug tiefer Vision glühender Begeisterung, stürmt der Symnus an die Freude" Wahlverwandtschaft bingezogen fühlte. Die Entgegenfegung von auf geflügelten Rythmen daher: Freude heißt die starke Feder In der ewigen Natur. Freude, Freude treibt die Stäber In der großen Weltenuhr.. Aus der Wahrheit Feuerspiegel Lächelt ste den Forscher an; Zu der Tugend steilem Hügel Leitet sie des Dulders Bahn. Auf des Glaubens Sonnenberge Sieht man ihre Fahnen wehn, Durch den Riß gesprengter Särge Sie im Chor der Engel stehn. „ Natur" und" Zivilisation", die Rousseau zum Ausgangs puntt seiner radikalen Gesellschaftskritik nahm, geht freilich anders gewendet, auch durch Schillers eigene spätere Gedanken entwidelung als eines der Teitenden Probleme hindurch. Dann aber hatte Rousseau gegenüber der berstandesmäßigen AufKlärungstendenz der französischen Encyklopädisten, Natur Menschenwelt in einen einzigen großen Mechanismus aufzulösen, alles Handeln als ein notwendiges Produkt der Triebe und der Umstände zu erklären, Protest erhoben im Namen des Herzens und des Gefühls. In dem Gefühle verehrte er die Quelle eines Glaubens, der losgebunden von dem pofitiven Dogma, unbeweisbar aber auch unwiderlegbar durch die Wissenschaft, dem Menschen eine höhere Bestimmung offenbare. Und in dieser Ueberzeugung traf Schiller, dessen Vernunft die christlichen Dogmen eben so entschieden weitverbreiteten freigläubig- optimistischen Philosophie berührt, wie Es sind Gedankenkreise, in denen sich Schiller mit einer damals aurüdwies, wie andererseits die Vorstellung einer blind waltenden bernunftlofen Notwendigkeit dem innersten innersten Beer denn in einem eigenen philosophischen Versuche aus jener Beit dürfnis seiner Seele widerstrebte, unmittelbar mit ihm zusammen. an der Vorstellung eines persönlichen Gottes, der die Menschen zur In der Sehnsucht des Herzens, in dem gegen alle Verstandesstepsis Liebe und Glückseligkeit gefchaffen, durchaus festhält. Aber die sich behauptenden Vertrauen:" Was schöne Seelen schön empfunden, strömende Wärme des Gefühls, der Schwung der dichterischen muß trefflich und vollkommen sein", wurzelt schließlich wie der Phantasie in jenen Versen läßt alles Trennende vergessen. Rousseausche Glaube, so auch der ethisch- ästhetische Idealismus, der Triumphgesang befreiter Menschheit, so flingt uns heute noch das das Bekenntnis Schillers wurde, welche Kluft sie im übrigen scheide. Lied, getragen von den jubelnden Attorden Beethovens. * Ein Wie schön, o Mensch, mit deinem Balmenzweige Stehst du an des Jahrhunderts Neige In edler, stolzer Männlichkeit, Mit aufgeschlossenem Sinn, mit Geistesfülle, Voll milden Ernsts und tatenreicher Stille, Der reichste Sohn der Zeit, Frei durch Vernunft, stark durch Gesetze, Durch Sanftmut groß und reich durch Schäße, Die lange Zeit dein Busen bir verschwieg, Herr der Natur, die deine Fesseln liebet, Die deine Kraft in tausend Kämpfen übet Und prangend unter dir aus der Verwilderung ftieg! Stolzer ist der Ruhm dieses Zeitalters nie gefeiert worden, als in dieser hell schmetternden Ouvertüre des Gedichts. In berauschender Bilderpracht, fühn hinschweifend über das Ganze der menschlichen Geschichte ergießt sich der Gedanke: Nur durch das Morgentor des Schönen Drangst du in der Erkenntnis Land. An höheren Glanz fich zu gewöhnen, Uebt sich am Reize der Verstand. Was bei dem Saitenklang der Musen Mit füßem Beben dich durchdrang, Erzog die Kraft in deinem Busen, Die sich dereinst zum Weltgeist schwang. In dem Einheitsstreben der Wissenschaft, der Rätsel lösenben, die von der Kunst sich trennt, lebt nur in anderer Form der gleiche Trieb nach Schönheit und nach Harmonie, die Quelle aller freien N«chhlichkett. Zu einem Bunde werden Schönheit und Wahrheit einst zuftrmmenfließen. ■:' v■.*&>'» In seinen historischen Untersuchungen hat Schiller den hier auf- tauchenden, und später von ihm philosophisch formulierten Gedanken einer ästhetischen Erziehung deö Menschengeschlechts nicht verfolgt. Auch hätte ein solcher Plan, Von allem anderen abgesehen, an den Tatsachen des sozialen Lebens, die uns die Kunst wesentlich als ein d«rch andere Zusammenhänge bedingtes, kaum irgendwo als leitendes bestimmendes Moment in der EntWickelung zeigen, notwendig scheitern müssen. Sein erstes und bedeutendstes Geschichtswerk, das ihm auch eine freilich unbesoldete Professur in. Jena einbrachte, eine Position, die ihm den lang gehegten Wunsch einer Vermählung endlich zu reali- sieren erlaubte, schildert den„Abfall der Niederlande". Nicht das „Heroische und Außerordentliche. der Begebenheit"— das, was ihn ein paar Jahre später zur Beschreibung des dreißigjährigen Krieges reizte— hat ihn zu diesem Gegenstande hingezogen, sondern die Bedeutsamkeit desselben für die bürgerliche Freiheit. Ein politischer Idealismus edelster Art spricht aus den Worten der Einleitung: „Groß und beruhigend ist der Gedanke, daß gegen die trotzigen Anmaßungen der Fürstengewalt endlich noch eine Hülfe vorhanden ist, daß ihre berechnetsten Plane an der menschlichen Freiheit zuschanden werden, daß ein herzhafter Wider- stand auch den gestreckten Arm eines Despoten beugen, heldenmütige Beharrung seine schrecklichen Hülfsquellen endlich erschöpfen kann. Nirgends durchdrang mich diese Wahrheit so lebhaft als bei der Geschichte jenes denkwürdigen Aufruhrs, der die vereinigten Nieder- lande auf immer von der spanischen Krone trennte— und darum achtete ich es des Versuches nicht uuwert, dieses schöne Denkmal bürgerlicher Stärke vor der Welt aufzustellen, in der Brust meines Lesers ein fröhliches Gefühl seiner selbst zu wecken und ein neues unverwerfliches Beispiel zu geben, was Menschen wagen dürfen für die gute Sache und ausrichten mögen durch Vereinigung." Der groge Sinn, mit dem er an die allgemeinen Probleme des Bölkerlebens herantrat, prägt sich in seiner Antrittsvorlesung, die vom Begriffe einer Weltgeschichte handelt, leuchtend aus. Das Bild, daS er hier von seinem eigenen Jahrhundert, dem der Aufklärung, entwirst, gemahnt in der überoptimistischen Färbung an die Eingangsstrophe der„Künstler." Aber sonst, soweit nach allen Seiten der Gedanke ausgreift, herrscht eine klare, jede Ueberschwänglichkeit ablehnende Denkart. Dem Chaos historischer Gelehrsamkeit stellt er das Ringen nach einer Erkenntnis des Wesentlichen und Gesetzmäßigen in der Geschichte, die ihm vor allem Kulturgeschichte ist. entgegen und deutet auf das hohe Ziel, in dem unendlich komplizierten Ablauf zugleich die Spuren einer fort- schreitenden, die Menschheit aufivärts führenden EntWickelung zu entdecken. In der Art, wie er diese Idee, die geschichtlichen Ver- äuderungen zugleich als Momente einer fortschreitenden Entwickelung zu erfassen, als ein notwendiges Streben der menschlichen Vernunft begründet, wie er,— der eben noch so völlig frei in den Phantasien der„Künstler" geschlvelgt— auf strengste wissenschaftliche Untersuchung bei einem solchen Unternehmen dringt, macht sich bereits der Einfluß Kanftscher Philosophie bemerkbar. Schiller kannte damals bereits die genialen, aus wenige Blätter zusammen- gedrängten Reflexionen des Königsberger Denkers über die„Idee einer Philosophie der'Geschichte in weltbürgerlicher Absicht"— Reflexionen, die, indem sie den Fortschritt zum Widerstteit und Kampf der Interessen in ursächliche Beziehung setzen, ihn nicht idealistisch aus der Güte menschlicher Natur, sondern naturalistisch aus dem Mechanismus dieses Widerstreites selbst erklären wollen, in vielem sich dem Geist der Marxschen Geschichtsauffassung nähern. Während Schiller im stillen Jena sich in das Sttidium lang »ergangener Zeiten versenkte, donnerte jenseits des Rheines die Brandung der französischen Revolutton. Doch der Dichter, der so oft die Freiheit besungen, der Geschichtsschreiber der Niederländer Revolution, ging an dem gewaltigsten Ereignis der neueren Ge- schichte mit halbgeschlossenem Blick vorüber/ Ueber die Zukunsts- fernen, die ihn begeisterten, verlor er das sichere Augenmaß für die Bedeutung der lebendigen Gegenwart. Er, der Schlachtenschilderer des dreißigjährigen Krieges, scheute vor dem Blut, das nun nicht mehr im Kampf der Fürsten, sondern des Volks vergossen wurde, zurück i eine Episode, wie die Hinrichtung des Königs, genügte, um die anfängliche Sympathie, mit der er wie so viele andere in Deutschland der Bewegung gefolgt war, in Abscheu zu verkehren. Davon in Kenntnis gesetzt, daß die Nationalversammlung ihm als Verfasser der„Räuber" das französische Bürgerrecht etteilt habe, Schiller von Georg Hcrwegh.*) Vor hundert Jahren kam ein Schwan gezoge» Vom Geisterland, ein wunderbarer Schwan. Nach kurzer Rast heimwärts ist er geflogen� Wir rufep ihm auf seine Sternenbahn Hinauf den Gruß vom niederen Gestade, Und denken heut' der sonnenhellen Pfade, Die er dahinzog, und der lichten Spur, In deren Schein verklärt ward die Natur. Licht floß ihm von der reinen Schwinge nieder, Licht strahlt' er in des Schicksals dunkeln Gang, Bom Glanz der Wahrheit blitzte sein Gefieder, Und der Gedanke ward bei ihm Gesang, Der ihn entzückt in trunknem Flug Bis vor den Thron der Schönheit trug. Ein Alexander barg in goldnem Schrein Das hohe Lied von Jlium. Doch unfern Dichter in dem Heiligtum Des Herzeus schloß ein ganzes Voll ihn ein. Und trennt uns groß und kleine Leidenschaft Und gegenseitig bitteres Verneinen— Dem Genius verbleibt die Kraft, Uns alle um sich zu vereinen. Wir grüßen Ihn, den Herrscher unsrer Seelen, Als gälfs in dieser trüben Zeit In Ihm den Führer uns zu wählen, An seinem Wort das Schwert zu stählen, Bis wir's gebrauchen in dem Streit. Wir wissen nicht, was uns beschieden, Es waltet heut ein böser Stern: Wir hatten Krieg und haben keinen Frieden, Und donnern hör' ich schon von fern. Doch seh'n wir auch, wie trotz dem Bleigewichte Der Finsternis ein Volk jetzt aufwärts strebt; Di« Freiheit ist die Flut der Weltgeschichte, Und manche Woge sehn wir, die sich hebt, Wir sehen auch, es schwindet das Vertrauen Auf jeden ird'schen Herrscherstab; Drum wollen wir auf jene Krone bauen, Die Er der Menschheit wiedergab. Von draußen kommt kein Brecher ihrer Ketten? Der eig'ne Adel in ihr wird sie retten. Dar Menschheit Bild in herrlichster Vollendung. Wie sich's in tiefem Schauen ihm enthüllt, Zu offenbaren— das war seine Sendung; Er hat sie treu erfüllt. Und sehnend wenden Millionen heut' Den Blick zu Ihm, den Blick nach innen; Und wi» uns auch der Lärm der Welt zerstreuk. Wir sammeln uns zu weihevollem Sinnen.--— ») Die große Schillerseier des Jahres 1859 hat keine schönere und wahrhastigere Huldigung geboren als diesen Prolog, den Georg Herwegh gedichtet und am 19. November 1859 im Theater zu Zürich vortrug. In oer letzten Nummer unserer Sonntagsbeilage, der„Neuen Welt", ist über den„Baalsdienst" des Jahres 1859 einiges erzählt worden.'Als Baalsdienst rmpsand der spätere Wilhelm I., damaliger Prinzrcgcnt, die Feier, in der das deutsche Bürgertum auf seine Art sür politische und religiöse Freiheit, m Äe deutsche Einheit demooflrterte. wollte er im Winter 1732 eine öffentliche Verteidigungsschrift zugunsten des angeklagten Monarchen an den Konvent richten. Die Arbeit wurde begonnen; da traf ihn die Botschaft, daß Ludwigs Haupt ge- fallen sei.„Ich kann seit vierzehn Tagen keine ftanzösische Zeitung mehr lesen, so ekeln mich die Schinderknechte an", schrieb er im Februar 1733 an Kömer; und in den Grimm mischte sich eine Stimmung weltflüchtiger Resignation:„Man kommt mit jedem Tage mehr", heißt es mit offenbarer Anspielung auf diese Dinge in einen, anderen Schiller-Briefe aus jener Zeit,„von dem jugendlichen Kitzel zurück, den Menschen das Bessere aufzudringen, weil unvorbereitete Köpfe auch das Reinste und Beste nicht zu gebrauchen wissen." Er hat den Bruch auch später nicht verwunden. Seine philosophischen Gedichte und Epi- gramme schweigen fast völlig von der Revolution, und wo noch einmal die Erinnerung an sie lebendiger auftaucht, im„Lied von der Glocke", muß ihr gewaltiges Bild es sich gefallen lassen, zum Popanz und Philisterschrecken herzuhalten. . Von der wirklichen bewegten Menschengeschichte wendet Schiller sich zu allgemeinen Spekulationen über— die menschliche Natur. Das Thema von der veredelnden Wirkung der Schönheit, in den „Künstlern" angeschlagen, nimmt er. um es in anderer Weise durchzuführen, von neuem auf. Die Kantische Vernunstkritik, Ethil und Aefthettk, die er erst in Jena las, hatten seine Anschauungen von Grund aus aufgewühlt, und ein tief empfundenes Bedürfnis trieb ihn, sich kritisch darüber klar zu werden, wie er seinen Schönheitsglauben in den Rahmen dieses philosophischen Systems hinüber retten, ihn in diesem Rahmen weiter entwickeln könne. Ein Ehrensold, den der Augustenburger Erbprinz dem Dichter nach schwerer Krankheit für einige Jahre aussetzte, gab ihm die Muße, sich auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Der zenttale Gedanke der Kantischen Ethik, daß der wahrhaft gute Wille seinen Anttieb nicht aus irgend welchen Neigungen und Interessen des Individuums, sondern aus der reinen Vorstellung der Pflicht schöpfe, daß in diesem Sinne dem Menschen, der als Sinnen- Ivesen restlos den Naturgesetzen unterworfen erscheint, im Moralischen die Macht einer völlig freien Selbstbestimmung verliehen sei, wirkte zwiespältig auf Schiller. Das Erhabene dieser moralischen Freiheits- idee begeistette ihn, aber der unversöhnte Gegensatz, in den die Kanttsche Dokttin das menschliche Wesen auseinanderreißt, mußte 'einem ästhettsch-künstlerischen Empfinden im tiefsten widerstteben. Wie sollte Harmonie, wie freie Schönheit in dem Menschen möglich lein, wenn er, um gut zu handeln, seine Neigung gewaltsam aus- 'chatten, in stetem Kampfe mit ihr leben mußte?! Aus diesem Zwiespalt sucht Schiller einen Ausweg. Er sagt sich von dem Ideal des Kantischen Pflichtmenschen nicht loS, aber er stellt daneben — bald in Unterordnung unter jenes, bald als ein GleichberechttgteS oder Höheres, seine Schätzung scheint hier zu schwanken— das Ideal der„schönen Seele" auf, in der durch Veredelung der natürlichen Triebe jener Widerspruch, der Kampf von Neigung und Pflicht ge- ichlichtet ist. Spielend, ohne den Gedanken, daß man auch anders handeln und empfinden könne, übt sie in freier Anmut die Tugenden, die der„Zögling der Sittenregel" erst in saurer Selbstüberwindung sich abttotzen muß. Nicht in dem bewußten Tun, im Sein und Wesen, aus dem das Handeln unwillkürlich fließt, be- gründet sich ihr Wert. Der Weg aber zur Annäherung an einen solchen Zustand der Harmonie des Sinnlich-Natürlichen mit dem Sittlich-Vernünftigen geht nach Schiller— und damit knüpft er an den Gedankenkreis der„Künstler" wieder an— durch das läuternde Feuer der Kunst und des ästhetischen Empfinden? hindurch. Diese Auffassung hat er vor allem in seinen„Briefen zur ästhetischen Erziehung des Menschengeschlechts", eine Art ideologischer GeschichtsphUofophie, ausführlich zu entwickeln gesucht. Nicht nur einzelnen Individuen soll die Kunst Erböhung und Veredelung des Charakters bringen; Schiller tteibt den Gedanken so sehr ins Extrem, daß er die durch Kunst vermittelte Seelenkultur geradezu als eine Vor- bedindung auch der politischen Völkerfreiheit erklärt.„Um das polittsche Problem eines Vernunftstaates— und als solches erschien ihm das in der französischen Revolutton aufgerollte Problem— in der Erfahrung zu lösen, dazu, heißt es m den Briefen, müsse man den Weg durch das ästhetische Problem nehmen,„weil es die Schönheit ist, durch welche man zur Freiheit wandert". Was denn, an den Bedingungen der Wirklichkeit gemessen, so ziemlich auf eine endgültige Resignatton, auf das Bekenntnis:„Freiheit ist nur in dem Reich der Träume" hinauslaufen würde. Auch die letzte Erinnerung an den wirklichen Bewcgungsmechanismus des Fortschritts, wie ihn doch Kant bis zu gewissem Grade schon durch- Tief in dem Schönen wurzelte sein Glaube: Durch's Schöne führt der Weg aus niedrer Qual, Durch jene Kunst, die einst zum zweitenmal Den Menschen schuf— aus der Hellenen Stgubc. Und solcher ew'gen Schönheit Zauber wüßt' Zu legen Er in jenen letzten Klang, Als, mit dem Todespfeil in seiner Brust, Den Pfeil, den rettenden, Er für Euch sang.— O sprecht, von allen, welche Schätz' um Schätze Turmhoch auf dieser Erde aufgespeichert— Hat einer so wie' Er die Welt bereichert?— Der von der Glocke uns da? Lied erfand, Hat Er nicht selbst, wie sie, in Freud und Leid, In kummer- wie in hoffnungsvoller Zeit In unserm ganzen Leben mitgeklungen? Seit jenem Tag, da mit ureigen neuer Gewalt des Worts Er Rechnung abgefordert Der alten Welt und seines Zornes Feuer Erschreckend wie entzückend hat gelodert! Die Lava war es himmlischen Genies, Der später jener edle Wein entsprossen, An die ein volles Dichterparadies Der schönsten Schöpfungen sich angeschlossen. Es sorgt das Leben schon uns abzukühlen: Mit zwanzig Jahren wird man stets so fühlen. Ihr, junge Herzen, haltet fest das Echte In Eures Dichters erstem Jugendschwung— Ach nur zu frühe vor dem Rausch der Knechte Lernt in uns schweigen die Begeisterung. Blecht jungt Bleibt jung! Bleibt jung! Blickt auf den Tell und jene Hirten hin! Auf Frankreichs Retter, auf die Schäferin! Vorahnend wollt' Er uns die Quellen zeigen, Daraus die Geister der Erlösung steigen. Die Zeit, die wir gcsehn im Wallenstein: „Wo nichts der Bürger galt, der Krieger allcS!' Bald sollt' sie brechen über uns herein, Die schwere Stunde unsres tiefsten Falles. Wir lagen da zertrümmert und vernichtet! Der Geist, der-in ihm lebt, der hat uns aufgerichte. Und wenn wir gut, und wenn wir groß gehandelt. So war's, weil Er den Menschen umgewandelt, Und wenn die Kraft des Volkes Wunder tat, So war's, weil in Ihm aufging Seine Saat. Mächtig, wie Deiner Wogen Schwall, o Meer, Prächtig, wie Deiner Lieder Schall, Homer, So in die Seelen sang er feurigen Mut, So in die Seelen schwang er himmlische Glut, In Not und Drängen wuchs an Ihm empor, An seinen Gesängen Ein Heldcnchor. Und als der Kampf entbrannt war ohnegleichen „Um Herrschaft und Freiheit" in der Welt, Da standen unsres Schillers Zeichen Mit uns im Feld. Und als geschlagen ward die letzte Schlacht, Hat WJß zum Sieg geführt guch<5£jne„ MgK. schaute, ist hier geschwunden, der Idealismus losgevst von jeder realistischen Bettachtungsweise, die ihm als Basis allein Halt geben kann.— Die Arbeitsteilung, die Alle an einen kleinen Kreis monoton sich immer wiederholender Tätigkeiten schmiedet, hat, nach Schiller, für die Entwickelung der Fertigkeiten und der Kenntnisse Unendliches geleistet, aber was die Gattung als Ganzes so gewonnen, sei bezahlt worden mit der Verkümmerung der Individuen zu trauriger Einseitigkeit. Selbst nur ein Rädchen in dem ungeheuren gesellschaftlichen Mechanismus, verhärtet sich der Mensch, unempfindlich für die Idee der Menschheit, des Volles, des Staates, in einem dumpfen, eng umschränkten Egoismus der privaten Interessen und Begierden.. Um sich zur Freiheit des Sittlichen zu erheben. muß er dieser Verstümmlung, diesem lähmenden Druck vorerst entflohen sein, mutz ein unmittelbar anlockender Reiz ihn an? seiner Lethargie und Isolierung herausgelockt, das Auge ihm geöffnet haben. Und dies Erlöseramt versieht die Kunst. Sie ruft zu einem Spiel, in dem sich alle Seelenkräste frei entfalten, in dem der Mensch das uninteressierte Wohlgefallen am Schönen lernt und so Distanz gewinnt den Trieben gegenüber, deren blind gehorchender Knecht er war. Der Sinn eriveitert, die Neigung adelt sich, und aus der Blüte harmonischen Empfindens reist als Frucht ein schönes Gleich- maß des Handelns, dem der Stempel zwangloser Sittlichkeit auf- geprägt sein wird. Stteicht man die Ideologie, die, was in einzelnen Individuen ge« schehen kann, zu einem Entwickelungsgang, ja zum notwendigen Eut- Wickelungsgang der Menschheit umdichtet, so bleibt als Kern ein durchaus aristokratisches Bildungsideal des ästhettschen Menschen. Nur in auserwählten Günstlingen der Natur kann der Genuß deS Schönen solche Wunder wirken. Der Kultus der Humanität in dieser Form mündet so— schon in manchen Schillerschen Gedichten, noch mehr aber bei den Romantikern mit ihrer gleichfalls an Schiller anknüpfenden Verherrlichung des ästhetischen„Spieltriebs" tritt das hervor— in einen Kultus der künstlerisch Begnadeten, des Genies.— Wie in den„Briefen" geht Schiller auch in seinen anderen Aufsätzen über das Tragische, über„Anmut und Würde", über„naive und senttmentalische Dichtung überall auf jene Kantische Entgegensetzung von sinnlicher Natur und sittlichem Wollen zurück. Sie bildet den Angelpunkt, um den sein Denken, beistimmend und zugleich ästhetisch modifizierend, sich bewegt. « �» In der Mitte der neunziger Jahre, als die Gründung der „Hören" ihn mit Goethe zusammengeführt hatte, beginnt der Trieb poetischen Schaffens in Schillers Brust sich wieder lebendiger zu regen. Zuerst erschien in der neuen Zeitschrift eine reiche Ernte philosophischer Gedichte, danmter das unbeichreiblich schöne„Ideal und Leben". Platonische Ideen und Symbole aus der griechischen Mythologie in sich verwebend, spiegeln diese Sttophen wundersam mit einer bildnerischen Kraft der Sprache sondergleichen das Innerste: das Herz, Gefühl und Stimmung deS Schillerschen Idealismus wieder. Im Jahre 1737 entstand dann die Mehrzahl jener großzügigen Balladen, die ebenso volkstümlich wie seine besten Dramen werden sollten. Langsam, in vielfachen Umgestaltungen wuchs während jener Zeit die Wallenstcin-Tragödie, an die er bei seinen historischen Studien zum dreißigjährigen Kriege wohl schon flüchtig gedacht haben mochte, heran; im März 1783 war das dreigliedrige Riesenwerk, mit dem die letzte ruhmgekrönte Epoche Schillers anhebt, vollendet. Die Lufsührung erweckte staunende Bewunderung. Der Emdruck überttaf noch die hochgespannten Erwartungen der Freunde. Das Stück, schrieb Goethe,„hat alle Stimmen vereinigt". Meisterhaft ist die Gestalt des großen Feldhcrrn und ehrgeizigen Politikers, des „Realisten", den„die Begierde zu der Erde zieht" und der phan- tasttsch dennoch von den Sternen Auskunft hofft, entworfen. Der Gegensatz zum jungen Piccolomim, tu dem der Dichter ftei ideali« jierend des„Herzens Stimme" sprechen läßt, gibt Wallenstein selbst durch den Konttast noch eine tiefere gesättigtere Farbe und fügt fich so bei aller Idealisierung doch wiederum organisch dem Zusammenhange dieser Charakterttagödie, wohl der machtvollsten Schillers, ein. Damals nahm der Dichter, um Goethe und dem Theater näher zu sein, in Weimar leinen Wohnfitz. Nur noch sechs Jahre waren ihm, nachdem er mtt dem .Wallenstein" den Weg zur Bühne zurückgefunden, vergönnt. Im Kampfe mit seiner alten Brustkrankheit, die schleichend die Körper- kräfte unterhöhlte, den Tod vor Augen, hat er schaffensftoh bis zum letzten Atemzuge der neugewonnenen Kunst gelebt. In rascher Folge entstand„Maria Stuart", die„Jungfrau von Orleans", eine „romantische Tragödie", die ihre Symbolik dem Katholizismus ent- nimmt, die„Braut von Messina", in der er die Form« des Er war im Bild vergangner Zeiten Der bessern künftigen Prophet, Und wird ein Freund das deutsche Volk begleite», So lang ein deutsches Voll besteht. Im Schmuck der Jugend, wie in grauer LoA«, Wir sind ihm alle, alle treu verblieben— Er selbst ist heute jene reine Glocke, Draus Vivo; voco deutlich steht geschrieben Sie kommen all' die Lebenden, die Seinen Bezwungen von des Rufes Hoclwewatt,' Und wenn sie einst als Wetterbrecher schallk, Sie werden alle wiederum erscheinen.—- Ihr aber bleibt von seinem Feste fern, Die ihr Ihm den Tribut der Liebe stahltl Der Fackeln, die zu löschen ihr befahlt, Bedarf kein Stern. Doch wißt! Ihm, dem aufs Haupt der Musto Gung Ausgoß jedweder Himmelsschöne Tau— Ihm war der Gipfel aller Menschenkunst Der Freiheit Bau. Ihr habt an I h m auch Euren Witz geübt,� Auch Seines Wortes klarsten Sinn getrübt. Des Volles Augen aber werden hell; Es ruft: I ch bin Johanna, I ch bin Tcll; Und„wenn kein Meister will die Form zerbrechen, „Mit weiser Hand, zu rechter Zeit", Tells Dichter wird ein Volk nicht schuldig sprechen Das endlich„selber sich befreit". „DaS Reich der Freiheit hat Dir Gott gegründet� O Schweiz, nur Dir allein? Sein Wort hat überall gezündet; Das Reich der Freien, es muß größer seht* Deutschland und Schweiz t Wie unS Ein StrgM der Rhein,''' So hält Ein Geistesstrom uns heut' zusammea» Und wie wir glühen von denselben Flammen»' Sei unser Gruß Dem, der sie angefacht, Demselben Genius von uns gebracht! Erhebt Euch! nicht bor einem Meister, Der vor sein Volk im Purpur tritt; Erhebt vor einem Fürsten Euch der Geister, Der nur für Menschenwürde stritt! Erhebt Euch heute dem zur Ehre, Der Euch so oft»er dumpfen Schwere, Der Angst des Irdischen enthob! Er ist zu groß für unser Lob; Nur Liebe dringt in Seine Sphäre. Nur Liebe werd' Ihm d'rum zuteil; Heil, Schiller. Heil/ AZechffchm Trauerspiels zu emeuern sucht, und endlich das gtofee Drama des gegen tyrannische Bedrückung fich erhebenden Schweizer- volles— der.Teil". Sprudelnd brausend brechen unaufhaltsam die Quellen jugendlicher Freiheitsbegeisterung, lange Aeit gleichsam verschüttet, hier noch einmal in des Dichters letzter Schöpfung hervor. Das Ende knüpft fich an den Anfang und so hat die dankbare Erinnerung des Volkes, aus den vielfach verschlungenen � Zügen einen herauslösend, den liebsten� teuersten, sein Bild als das des Freiheitsdichters im Herzen festgehalten. Mitten in den Arbeiten au einem neuen ßroß gedachten dramatischen Entwurf schlug ihm, dessen heroische Willenskraft keine Krankheit hat zermürben können, der Tod die Feder aus der Hand. � In der Blüte der Mannesjahre ging er dahin. Herrlichen Lorbeer hat Goethes.Epilog" auf das ftische Grab des Freundes gelegt; unvergänglich find die schlichten Strophen, die uns Schiller m der Begeisterung seines Ringens schauen lassen, wie der Kranke, gleichsam entkörpert, nur noch schaffender Geist, dem Sonnenaufgange entgegensinnt: Nun glühte seine Wange rot und röter Von jener Jugend, die uns nie entfliegt, Von jenem Mut, der ftüher oder später Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt. Von jenem Glauben, der sich stets erhöhter, Bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt; Damit das Gute wirke, wachse, fromme, Damit der Tag dem Edlen endlich komme. Schiller, der Mensch, so angeschaut in seines Wesens tiefftem Kerne, weckt in den Herzen jenes hinreißende triumphierende Gefühl menschlicher Kraft und Größe, das uns aus seinen Dichtungen ent« gegenweht..Nur der Körper eignet jenen Mächten, die das dunkle Schicksal flechten...." Nach ihrem Ratschluß früh schon quälendem Leiden verfallen, hat er dennoch, die Blicke kühn aus alles Höchste richtend,.freudig, wie ein Held zum Siegen", seine Bahn vollendet, in edlem Selbstvergessen wirkend, bis ihn die Nacht umfing, da nie- wand schaffen kann. Conrad Schmidt. Die Mlerweltsfeier eines Utopisten. Am heutigen Tage trägt die bürgerliche Welt Deutschlands den Genius auch geistig zu Grabe, dessen Leib man vor einem Jahr hundert bestattete. Ein lärmender, leerer Leichenschmaus— nichts anderes ist diese Schiller-Feier des Jahres 1905. Daß alle dabei sein wollen und dabei sind, das ist ein Zeichen, daß die Gedankenarbeit Schillers nicht mehr Taten zu erwecken ver- mag. Daß ihn alle zu lieben vorgeben, beweist, daß man ihn nicht mehr fürchtet. Kein Ausdruck ehrenden Hasses wird heute mehr für notwendig gehalten; noch 1839 stand die wie immer philiströs umspielte Schiller-Feier dennoch im Sturme bewegter Kämpfe. Eine tote Feier, nicht eine Totenfeier ist dieser 9. Mai. Was hätte auch Schiller heute dieser satten Festgesellschaft zu sagen, in der sich die ganze Nation— der Ausbeuter und Unter- drücker vergnüglich gedankenlos sammelt, deren Gemeinschaft nur eine Klasse verweigert hat: das sozialistische Proletariat l Im günstigsten Falle heben ein paar ernster und aufrichtiger strebende ästhetische Bolkserzieher Schiller als den Meister und Prediger künstlerischer Bildung empor. Selbst diese Bemühung ist vergeblich Schon die Sinnsprüche, welche die Jmmer-dazu-Geistreichen über Schiller in den Zeitschriften und Zeitungen publizieren, beweisen, daß kaum einer einen Hauch Schillerschen Geistes in sich spürt. Da? meiste steht auf der Höhe der Kotillonverse in den Damenspeuden des Vereins Berliner Presse. In den Theatern versteht man Schiller gar nicht mehr zu spielen. Was innerste Wärme und heißeste Leidenschaft war. wird heute mit mühselig anempfundener Routine wie eine Kunst von vorgestern fast schon als Kuriosität dargeboten. An der Spitze der Feiernden marschiert der Reichskanzler selbst. Er hätte gern die Leichenpredigt bei dieser, um mit dem jungen Schiller zu reden, Lumpenföte gehalten. Leider hinderte ihn an dem löblichen Plane ein wichtige? Geschäft: er muß just an diesem Tage bei dem Kaiser einen Vortrag halten. UebrigenS haben die Hohenzolleru immer einiges Verständnis- für Schiller. den unausrottbaren Revolutionär gehabt. Sie haben ihm stets jede aufrichtig empfundene Ehrung versagt und nur gelegentlich sich zu äußerlichen Konzessionen der Volks ttvnlichkeit verstanden. Derselbe oberste deutsche Reichsbeamte aber, der die Schillerrede halten wollte, ist der platteste Verkünder jener Diplomatenlveisheit, deren Bekämpfung und Ueberwindung recht eigentkich Schillers Lebensgedanke war. Graf Bülow schenkt.bei jeder Gelegenheit der deutschen Sozialdemokratie die Mahnung, sich nicht nur von revolutionären Gelüsten, sondern von allen Utopien überhaupt ftei zu halten. Utopie ist für den.realpolitischen" Swatslepker dieser Schiller-Feier so ziemlich das Albernste, was sich denken läßt und nebstdem insoweit auch eine gemeingefährliche Unter- nehmung, als es die Masse gegen das Bestehende aufreizt. Nun aber wurzelte Schillers Weltanschauung in solch' einer Utopie. Er glaubte und verkündete in schroffer Borneinung des Gewaltstaates der Gegenwart emen Vernunftstaat der Zukunft, in dem eine Gesell- schast von Freien und Gleichen, unabhängig von Zwang und erhaben über die ewige Sorge um die ekle Notdurst des bürgerlichen Daseins, endlich es vermöchte Mensch e n zu bilden. Wie immer man über Schillers Verhältnis zur französischen Revolution urteilen mag, sicher ist es. daß er den ganzen Gcdankeninhalt dieses größten wclt< geschichtlichen Ereignisses grundsätzlich anerkannte; nur meinte er eben, daß die französische Revolution die in ihr lebenden Gedanken nicht erfüllt, sondern vernichtet hat. Darüber ist" kein Zweifeh daß Schiller niemals revolutionäre Mittel zur Erreichung jenes höchsten revolutionären Zieles verworfen hat. Der Dichter war so ungefähr das krasseste Gegenteil jener Flach- köpfe, die in der Maxime der mittleren Linie den Inbegriff politischer Betätigung anbeten. Und daß der Schöpfer des einzigen Klassenkampfdramas großen Stils, das unsere Literatur hervor- gebracht, daß der Dichter von.Kabale und Liebe" kein Anhänger eines betrügerischen.Interessenausgleichs' oder einer sentimental verzückten Versöhnung auf Kosten der Bedrückten war, bedarf kemer Erörterung. Und nicht nur der Reichskanzler, der die Fertigkeit, seine Diplomatenpolittk von allen lächerlichen Gefühlsregungen und uto« pistischen Forderungen zu trennen, als seinen eigentlichen Be- fähig ungSnachweis betrachtet, und der niemals das sein will, was alle unsere Klassiker in erster Linie zu werden strebten: ein Konsequenzcnmacher— ja selbst die alleinseligmachende Kirche ist Heuer dabei. Im Zentralausschuß der Feier fitzen hervorragende ZentrumSmänner und während man früher über die Weimaraner in diesen Kreisen nichts anderes zu sagen wußte, als daß ein laster- hasteS Leben geführt und daß insbesondere Schiller bigamischer Ver- irrungen dringend verdächtig gewesen, sie geben plötzlich nicht nur stamme kastrierte Zölibatsausgaben seiner Werke heraus, sondern legen auch.Schillernummern" ihrer Presse bei. Schiller hat niemals etwas mit der protestantischen Kirche zu tun gehabt, geschweige denn nnt der katholischen. Verhielt er sich zum Protestantismus neutral, so bekämpfte er, übrigens ganz im Geiste seiner Zeit, den Katholizismus. Im Don CharloS verfolgte er, wie er in einem Briefe schrieb, die Aufgabe,.in Darstellung der Inquisition der prostituierte Menschheit zu rächen und -ihre Schandflecke fürchterlich an den Ptanger zu stellen. Ich will— und sollte mein Carlos dadurch auch für das Theater verloren gehen— einer Menschenart, welche der Dolch der Tragödie bis jetzt nur gestreist hat, auf die Seele stoßen." Heute -ist die Menschenart dabei, den gründlich eingesargten Schiller auch mit zu feiern. Was aber wollen die Großgrundbesitzer, deren Ideal immer noch die Leibeigenschaft ist, was sucht die solide Bourgeoisie bei Schiller, der doch allezeit ein Schuldenmacher gewesen ist und es niemals recht zur bürgerlichen Zuverlässigkeit gebracht hat? Mit ein paar Zitaten aus seinen späteren Dramen, deren strenge Objektivität eS verbietet, die den Personen untergelegten Sentenzen für die Anschauung des Dichters ans zugeben, umklingelt man das Gedächtnis des großen Menschen. Man gebärdet sich wohl auch national, obwohl die vaterländische Ge sinnung Schillers, die auf eine Erziehung der vom Staate und den herrschenden Klassen Geknechteten zu fteien Menschen revolutionär abzielt, nichts gemein hat mit jener nationalen Auffassung unserer Tage, welche in dem Profitinteresse einiger.nationaler" Kapitalisten mobiler und immobiler Art besteht. Welches ihrer„Ideale" finden sie bei Schiller? Freilich, es gibt kein Gesetz, das die Mißhandlung toter Geister verwehrt. Und so wird' denn auch diese Schiller- schändung, die Lorbeerkränze schwingt, ungehemmt vorübergehen. Dennoch zeigt ein Geschehnis, daß trotz aller Schillerphrasen in dem herrschenden Staate immer noch ein Rest von Bewußtsein für den wirklichen Charakter des Dichters übrig geblieben ist. Während die bürgerliche Schillerfeier von den Gendarmen aller Rangstufen m i t begangen wird, hat man die proletarische Schillerfeier in Berlin unter Polizeiaufsicht gestellt. Hier fürchtete man offenbar, daß Schiller, der wahre Schiller reden könnte. So ist Schiller doch noch schließlich zu seinem Rechte gekommen Graf Bülow zwar war verhindert, vor den Spitzen der Behörden, vor der Hof- oder wenigstens salonfähigen Gesellschaft das Gedächtnis des Mannes zu verschleiern, dafür aber schuf der Sozialdemo k r a t Pernerstorfer vor Arbeitern die lebendige Gestalt des unsterb- lichen Kämpfers für die höchsten Ziele der Menschheit, dem Dichten Handeln war... Der klassische Idealismus und der historische Materialismus. Das stolze Wort Friedrich Engels', das die Arbeiterklasse als die Erbin der deutschen klassischen Philosophie bezeichnet, scheint ohne weiteres geeignet, das Verhältnis des aufgeklärten Proletariats zu Friedrich Schiller zu kennzeichnen, der ja der dichterische Herold und damit der unvergleichliche Popularisator der deutschen klassischen Philosophie gewesen ist. Aber ein Bedenken liegt doch am Wege: war nicht Schiller der Verkünder des Idealismus, und ist nicht die klassenbewußte Arbeiterschaft die eingeschworene Anhängerin des historischeu Materialismus? Schiller glaubte an den Sieg des Guten und der Idee; die Sozialdemokratie aber, hören wir uiisere Gegner sagen, rechnet nur mit den Kräften des Eigennutzes flies auch: rohen Instinkten der Masse) und den allmächtigen wirtschafte lichen Verhältnissen flies auch: dem blinden Mechanismus der Ge sellschast), woraus denn ohne Mühe zu folgern ist, daß die Welt- anschaüung der Sozialdemokratie im geraden Gegensatz stehe zu der Höhe und idealen Geistesreinheit des gefeierten Poeten. Wie weit es unseren Gegnern mit solchen phrasenhaft aus geblähten Vorhaltungen ernst ist,.vermögen wir im allgemeinen nicht zu beurteilen. Nur so viel scheint sicher zu sein, daß auch im Lager der Sozialdemokratie selbst über das Verhältnis des klassischen Idealismus zur sozialistischen Weltauffassung sehr verschiedene Meinungen vorhanden sind und sich öfter ein seltsamer Gegensatz bemerkbar macht. Einer fast instinktiven Zuneigung zum Geiste des achtzehnten Jahrhunderts und einer ungekünstewen urwüchsigen Be geisterung für Schiller begegnet eine kühle, verstandesmäßige Zurück� Haltung, die säst zu befürchten scheint, daß eine engere Verständigung mir dem Geiste des klassischen Jahrhunderts nur durch Aufgabe eines wichtigen Fortschrittes menschlicher Erkenntnis erkauft werden könnte. Die deutsche Arbeiterklasse ist nicht nur die Erbin der klassischen Philosophie, sondern in noch weit höherem Grade die Hüterin marxistischen Erbes. Und hat nicht das Leben von Marx und Engels zum guten Teile dem Kampfe wider einen verschrobenen Idealismus gegolten? Gegen ihn traten sie schon in den vierziger Jahren auf den Plan..Der reale Humanismus," heißt es in der Vorrede zur Heiligen Familie,.hat in Deutschland keinen gefährlicheren Feind als den Spiritualismus oder den spekulativen Idealismus, der an die Stelle des wirklichen individuellen Menschen das.Selbstbewußtsein" oder den.Geist setzt." Diese Kriegserklärung richtet sich gegen die letzten Mohikaner einer absterbenden Philosophieperiode, dre Brüder Bauer, die durch ihre Wirksamkeit reichlich genug bewiesen hatten, wie eine be- deutende und heilsame Lehre durch mißverständliche Uebertreibung in ihr Gegenteil verkehrt werden kann. Die Entartung der klassischen Philosophie aber ist daran schuld gewesen, daß mitunter jede Brücke der Verständigung zwischen der großen Idee des achtzehnten und jener des neunzehnten Jahrhunderts abgebrochen zu sein schien, wiewohl es klar ist, daß der Befteiergedanke des Sozialismus un- möglich wie Pallas Athene gleich fertig aus dem Haupt des VaterS Zeus entsprungen sein konnte und das Wort Engels vom Erbe der klassischen Philosophie nie eigentlich bestritten worden ist. Der junge Marx hat indes zwischen dem Baum selbst und seinen verfaulten letzten Früchten wohl zu unterscheiden gewußt. Der klassische Idealismus des achtzehnten Jahrhunderts hatte sich in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts so völlig zersetzt, haß ein ätherischer Mystifizismus, eben jener„spekulative Idealismus", zum Hinmiel dampfte, während die Lehre von der Vernünstigkeit alles Bestehenden, der Grundsatz der historischen Rechtsschule und der historffchen Schule der Nationalökonomie, als ekler Bodensatz zurück- blieb. Im Interesse des„realen Humanismus" kämpfte Marx gegen beide ungleiche Brüder mit gleicher Schärfe an. Er wendet sich unter anderem auch gegen den Meister des Mystizismus Hugo, legen dessen angemaßte Schülerschaft er Kant in Schutz nimmt.„Ist", o schreibt er,„Kants Philosophie mit Recht als die deutsche Theorie der französischen Revolution zu betrachten, so Hugos Naturrecht als die deutsche Theorie der ftanzösischen aueisu rögirne." Hugos Theorie sei nichts weiter als die Proklamation des„Rechts der willkürlichen Gewalt". In strengstem Gegensatze hierzu betrachtete Marx den Staat„als den großen Organismus, in welchem die rechtliche, sittliche und politische Freiheit ihre Verwirklichung zu erhalten hat und der einzelne Staatsbürger in den Staatsgesetzen nur den Naturgesetzen seiner eigenen Vernunft, der menschlichen Vernunft gehorcht." Die Ueberciustimmung dieser Ausführungen mit dem Geiste des achtzehnten Jahrhunderts zumal mit Kant-Schillerschen Auffassungen tritt hier klar zutage. Jener Satz des jungen Marx ließe sich ohne weiteres in Schillers„Buch über die ästhetische Erziehung des Menschen" einschieben, ohne durch Inhalt und Stil aus dem all- gemeinen Rahmen zu fallen. Demi die Worte, in denen Marx seine Forderungen an den Staat formMert, stimmen fast wörtlich mit jenen Schillers überein. .... Das Werk blinder Kräfte, heißt es bei Schiller, besitzt keine Autorität, vor welcher sich die Freiheit zu beugen braucht, und alles mutz sich dem höchsten Endzweck fügen, den die Vernunft in einer Persönlichkeit aufftellt. Auf diese Weise rechtfertigt sich der Versuch eines mündigen Volkes, seinen Naturstaat in einen sittlichen umzuformen."> Und die enttäuschten Hoffnungen der ftanzösischen Revolution schildert Schiller also: „Wahr ist es... die Willkür ist entlarvt, und. obgleich noch mit Macht bewaffnet, erschleicht sie doch keine Würde mehr; der Mensch ist aus seiner langen Indolenz und Selbsttäuschung aufgewacht, und mit nachdrücklicher Stimmennuhrhest fotSefl a die Wiederherstellung seiner unverlierbaren Rechte. Ab«« ordert fie nicht bloß; jenseits und diesseiks steht er«ms, sich. gewaltig zu nehmen, was ihm nach seiner Meinung zu unrecht verweigert wird. Das Gebäude des Naturstaates wank, seine mürbe» Fundamente weichen, und eine physische Möglichkeit scheint gegeben, das Gesetz auf den Thron zu stellen, den Menschen endlich als. Selbstzweck zu ehren und wahre Freiheit zur Grundlage der politi-. 'chcn Verbindung zu machen." Der eigentliche genetische Zusammenhang zwischen dem klassischen i Idealismus und dem historischen Materialismus wird von, Max 'elbst in unendlich klarer Weise aufgezeigt in seinem Aussatze:„Zur Kritik der Hegelschen- Rechtsphilosophie."„Die Waffe der Kritik,"- heißt es da,„kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß geschützt werden durch materielle Ge- walt; allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald ie die Massen ergreist.... Der evidente B.weis für den Radikalismus der deutschen Theorie... ist ihr Ausgang von der entschiedenen positiven Aufhebung der Religion. Die Kritik der � Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist." Aber auch hier schon verbindet sich bei Marx der Schwung deS idealen Gedankens mit realpolitischer Einsicht und er gesteht:„Die Theorie wird in einem Volke immer nur so weit verwirklicht, als sie die Verwirklichung seiner Bedürfnisse ist." Als die einzige Klasse aber, der die Verwirklichung der humanistischen Theorie die Verwirklichung ihrer Bedürfnisse ist, erkennt er das Proletariat.„Die einzig praktisch mögliche Befreiung Deutschlands", schreibt er,„ist die Be- freiung auf dem Standpunkte der Theorie, welche den Menschen für das höchste Wesen des Menschen erklärt... Die Emanzipation der Deutschen ist die Emanzipation des Menschen. Der Kopf dieser Emanzipation ist die Philosophie, ihr Herz das Proletariat. Die Philosophie kann nicht verwirklicht werden ohne die Aufhebung deS Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Ver« Ivirllichung der Philosophie." Die Verwandlung des Naturstaats in einen sittlichen, die An» erkennung des Menschen als Selbstzweck, die Erhebung der Freiheit zur Grundlage der politischen Verbindung— alles was Schiller von der französischen Revolntton, von der er sich bald enttauscht ab» wandte, ursprünglich erwartet hatte, kann also nur erreicht werden durch eine Klasse, die Schiller noch nicht in den Kreis seiner Er- wägungen miteinbeziehen konnte, aus dem einfachen Grunde, weil sie zu seiner Zeit noch nicht bestand. Das Proletariat übernimmt aber seine gewaltige historische Mission nicht wie. die mittelalterlichen- Kreuzzügler mit dein Rufe„Gott will es", es bildet sich nicht ein, zu seiner großen Aufgabe durch eingeborene Tugend und göttliche Gnade berufen zu sein, sondern es leitet seinen Beruf aus dem Zwange seiner Klassenlaae ab. Die Verwirklichung des. klassischen Menschheitsideals ist eine kassenpolittsche Notwendigkeit. Hatte der klassische Idealismus die„ewige Wahrheit" als eine allgemeine menschliche Denknotwciidigkeir erkannt, die ihre reale Existenz nicht irgendwo über den Wolken, sondern im menschlichen Geiste führte, so erkannte hinwiederum der historische Materialismus die besondere Wahrheit einer Zeit als die Denknotwendigkeit einer be» stimmten Klasse. Schiller ging noch von der einfachen und nahe- liegenden Erwägung aus. daß Volksschichten, die durch Unterdrückung in ewiger Unwissenheit gehalten werden, auch am wenigsten imstande seien, verwickelte philosophische Theorien zu begreifen.„Der zahl« reichere Teil der Menschen", klagt er,„wird durch den Kampf mit der Not viel zu sehr ermüdet und abgespannt, als daß er sich z» einem neuen härteren Kampfe mit dem Irrtum auftaffen sollte. Zufrieden, wenn er selbst der sauren Mühe des Denkens entgeht, läßt er andere gern über seine Begriffe die Vormundschaft führen, und geschieht es, daß sich höhere Bedürfnisse in ihm regen,, so ergreift er mit durstigem Glauben die Formeln, welche der Start und das Priestertum für diesen Fall in Bereitschaft halte»." Das Geheimnis der wirkenden Kräfte des Klassengegensatzes, das erst durch die fortschreitende EntWickelung der kapitalistischen Ge« sellschaftsordnung enthüllt wurde und fich erst vierzig Jahre nach seinem Tode fortgeschrittenen Geistern mählich zu entschleiern be» gann, muß ihm noch verborgen bleiben. Er hat es nicht mehr er« lebt, daß der zahlreichere Teil der Menschen sich zum Kämpft mit dem Irrtum auftaffte und die Formeln des Staates und der Kirche zu kritisieren begann. So schien ihm damals, als ob Verminst und Wirklichkeit für uimbsehbare Zeiten verschiedene Wege gehen müßten, wenn er auch nicht die Hoffnung aufgab, daß sie irgendwo und irgendwann einander begegnen müßten. Der historische Materialismus hat jene scheinbare llnabhaugig» keit der voraneilendcn Wahrheit van der ttägen Materie der mensch» lichen Gesellschaft als nur scheinbar erkannt, den engen Zusammen» hang, zwischen der geistigen Entwickelung der Menschheit und ihr« zesellschaftlichen nachgewiesen; er hat der Wucht in das Reich der Träume Einhalt geboten und das flüchttge Ideal mit den Ketten der Erfahrungswijsenschast ans der sicheren Erde verankert. Der Geist verlor seine eingebildete Ungebundenheit und die scheinbare Unendlichkeit seines Reiches, er fand sich nicht mehr nur durch die allgemeinen Gesetze seiner Organisation, sondern auch durch die Verhältnisse seiner Zeit beschränkt.' Der Idealismus wurde praktisch,- der Humanismus real, In diesem Sinne ist nicht nur im allgemeinen der Sozialismus der Erbe der deutschen klassischen Philosophie, sondern auch im besonderen der historische Materialismus der Erb« des klassischen Idealismus. Die Ueberzeugung, in idealem Sinne recht zu baben, hat er vermehrt durch die Zuversicht, auch in der., Welt >er Wirklichkeit recht zu behalten. Solche„grob materialistische" Auffassung will freilich regierenden Klassen Ivenig behagen, die sich.' das Ideal als das Gute definieren, das man nicht haben kann und an dem das Beste ist, daß man es nicht hat. sintemal eS sich ja so auch ganz gut leben läßt und die Menschheit noch lange nicht reif ei. Das allerdings ist ein„Idealismus", und wahrlich kein klassischer, )er keinen schlimmeren Feind hat als den historischen Materialismus. Friedrich Stampfer. Der Geschichtsschreiber Schiller. Niemand wird heute zu Schillers Werken greifen, wenn er die wirkliche Geschichte des dreißigjährigen Krieges oder des Abfalls der Niederlande oder gar den mutmaßlichen Anfang des Menschen» geschlechts erfahren möchte. In keinem anderen Punkte ist unsere heutige Methode, die Dinge zu sehen und zu beschreiben, so unermeßlich weit über das achtzehnte Jahrhundert hinausgekommen. als gerade in der Geschichte. In den Tagen Schillers war es, für Deutschland wenigstens, schon ein ziemlicher Fortschritt, daß man anfing, die Tagebücher der handelnden Personen zu lesen; Schiller selbst hat einen Teil seines Lebensunterhalts damit verdient, daß er eine solche Memoirensammlung herausgab. Das war damals die beste Quelle, die man hatte, die Tatsachen der Vergangenheit zu kennen. Heute ist die Zeit ziem- lich vorbei, wo man aus Geschichtsschreibern und Selbstbiographien eine Kenntnisse nimmt; heute hat die Urkunde, das Aktenstück, der leichzeitige Brief schon seit einem halben Jahrhundert die erste Stelle in den historischen Quellen erhalten. Wer wird heute noch etwa Goethes Leben nur nach Dichtimg und Wahrheit erzählen I Such wir aber schon in der Kenntnis der Tatsachen der Schiller» chen Zeit gewaltig überlegen, so noch viel mehr in der Art und Weise, fie zu verknüpfen und zu verstehen. So gut es Schiller ge» legcntlich verstand, Massenbewegungen zu beschreiben, so wenig hat er je daran gedacht, sie bis auf ihre letzten Ursachen hm au be- gründen. Ein Satz wie der, daß der Katholizismus mehr für ein Künstlervolk, der Protestantismus mehr für ein Kaufmannsvolk passe, ist ja loie eine gelegenttiche Ahnung kommender Erkenntnisse, wie ein erstes, unbewußtes Dämmern neuen Verständnisses. Ab«p er ist auch das Fortgeschrittenste, was Schiller in dieser Bezü''-■ gelegentlich hingeworfen, nicht zur Grundlage der El.kl Zeitalters der Neiigjonskampft gemacht. t_' Eo ist der Geschichtsschreiber Schiller heute nur noch historisch M verstehen, nicht praktisch und aktuell zu geniehen. Seine Dramen, seine Balladen sprechen noch heute fast immer unmittelbar zu unserem Gemüt. Seine philosophisch-ästthetischen Schriften find wenigstens immer noch starker Anregungen voll. Seine geschichtlichen Werke, so sehr sie eine Zeitlang für den Haushalt ihres Berfassers die wichtigsten waren, find für uns heute mehr oder weniger tot. iü&er vielleicht doch nicht so ganz? Vielleicht helfen sie uns nicht, Bestimmte Geschichtsperioden wirklich zu verstehen und zu er- gründen, aber sie sind doch ein Dokument dafür, was für des Dichters Zeit das Wesentliche an der Geschichte war. Vielleicht, daß es unrecht ist, die Geschichtsauffassung seiner Zeit so unbesehen zum alten Eisen zu werfen. Die Geschichtsdarstellung Schillers wurzelt ganz in den Ideen deS„Rationalismus", der Aufklärung, des Zeitalters der Vernunft, wie viel eine bestimmte Periode ftir die Beförderung der Aufklärung getan hat, ob sie der Durchdringung der Vernunft hinderlich oder förderlich war, ob sie die einzelnen Nationen sich gegenseitig genähert, sie zu höherer Kultur, zu einem neuen Weltbürgertum zu- sammengeschweißt hat oder sie abgesondert von einander in ihren eigenen Dunstkreisen erhielt, ob sie Völkerfriede und Untertanenglück zu schaffen versuchte: das sind die Matzstäbe seines Urteils, �n diesem Sinne kennt er keine Objektivität, sondern ist Partei, teilweise leidenschaftliche Partei. Der Zustand des Kämpfens und Rinkens, in dem seine eigene Zeit sich befand, tritt auch in dieser Parteilich- keit seiner Geschichtsschreibung zutage. Ist das ein Vorwurf? In unserem Sinne sicherlich nicht. Die Idee der parteilosen, objektiven, leidenschaftslosen Geschichtsbetrachtung haben wir immer denen überlassen, die selbst nichts mehr zu hoffen oder zu fürchten haben. Solange das Bürgertum aufftrebende Klasse war, so lange es gegen Konfessionalismus und Fürstenrecht kämpfte, so lange war auch seine Geschichtsschreibung em Kampf um die Macht; so lange sah es auch in der Vergangenheit seine Ideale ringen und leiden, kämpfen und siegen. Natürlich soll der Historiker ein wahrhastiger Mensch sein, der nichts frisiert, verschweigt, be- schönigt oder unnötig schlechtmacht; natürlich soll er auch gegen Grötze und Heldenmut bei seinen Gegnern nicht blind sein. Aber darum soll er doch den Kampf seiner Gegenwart nicht verleugnen, wenn anders er selbst überhaupt noch in einem Kampfe steht. Die bürgerliche Geschichtswissenschaft ist im neunzehnten Jahr hundert meist wieder hinter die Aufklärung des achtzehnten zurückl gesunken. Schiller und seine Zeit haben sehr wohl gewutzt, datz die Entstehung der protestantischen Konfessionen an sich noch nicht die Ueberwindung der christlich-gern, anischen Kultur des Mittelalters war Erst die Ueberwindung alles Kirchentums überhaupt ist der Anfang des modernen Bewutztseins; erst die.Aufklärung" macht den Anfang der neueren Zeit. Man mutz heute schon ein Lehrbuch der Geschichte der Philosophie in die Hand nehmen, um die Periodeneinteilung zu finden, datz die„neuere" oder„moderne" Philosophie mit dem siebzehnten Jahrhundert beginnt. Alle polittschen Geschichts- bücher beginnen die neuere Zeit mit Luther und der Reformation. Weil unser Bürgertum von Ranke und Dropsen an selbst wieder „gläubig" lutherisch wurde, ist auch seine Periodisierung der Geschichte wieder hinter die Historiker der Aufklärung zurückgesunken._ Hier ist ein Pnntt, an dem wir noch heute von Schiller und seiner Zeit lernen dürften, konfessionslos zu schreiben. In gewisser Weise kann einen der Historiker Schiller für die Schwächen des Dichters Schiller entschädigen. Als Dichter hat er dem großen bürgerlichen Befreiungskampf, den er erlebte, Verständnis- los gegenübergestanden. Die Hyänenweiber und„alle Laster", die„frei" geworden sind, sind ihm das Markanteste an der ftan- zöfischen Resolution gewesen. Als Geschichtenschreiber brachten ihm Krieg und Gewalttat an sich keine Schrecken, wenn ihre Wirkungen nur grotz und fortschrittlich waren. Er hatte Metall genug in sich. über der Schrecklichkeit der Mittel nicht die Grötze der Folgen zu übersehen. So beschrieb er die Empörung der Niederländer gegen Spanien:„Grotz und beruhigend ist der Gedanke, datz gegen die trotzigen Anmaßungen der Fürstengewalt endlich noch eine Hülfe vorhanden ist, datz ihre berechnetsten Pläne an der menschlichen Freiheit zuschanden werden, datz ein herzhafter Widerstand auch den gestreckten Arm eines Despoten beugen, heldenmütige Be- harrung seine schrecklichen Hülfsquellen endlich erschöpfen kann." Darum erachtet er es„des Versuches nicht unwert, dieses schöne Bild bürger- licher Stärke vor der Welt aufzustellen, in der Brust meines LeserS ein fröhliches Gefühl seiner selbst zu erwecken und ein neues, un- verwerfliches Beispiel zu geben, was Menschen wagen dürfen für die gute Sache und ausrichten mögen durch Vereinigung".— So Hat er auch im dreißigjährigen Kriege sich einen Fortschritt durch- fetzen sehen:„Die Terlnehmung der Staaten an einander, welche sich in diesem Kriege eigentlich erst bildete, wäre allem schon Gewinn genug, den Weltbürger mit seinen Schrecken zu versöhnen. Die Hand des Fleißes hat unvermerkt alle verderblichen Spuren dieses Krieges wieder ausgelöscht; aber die wohltätigen Folgen, von denen er begleitet war, sind geblieben." So wenig sentimental, so mannlich und fest vermag der Historiker selbst über die Schrecken deS dreißigjährigen Krieges zu urteilen, und noch dazu in einem.Damenkalender", in dem bekanntlich diese Darstellung zuerst erschien. Es hätte dem Dichter nicht geschadet, wenn er so männlich auch die Schrecknisse des ftanzösischen RevoluttonskampfeS beurteilt hätte! Freilich gilt diese Anerkennung nur der Methode des Urteils, nicht dem Urteil als solchen. In der Auffassung des dreitzigjährigen Krieges wenigstens hat Schiller arg gefehlt. Er sah in ihm den Kampf der Freiheit der deutschen Stände gegen den österreichischen Kaiser; er wandte seine alten Begriffe Freiheit gegen Despotismus! unbesehen auch auf diese Kämpfe an. Aber die„Freiheit", um die man im dreitzigjährigen Kriege kämpfte, war nur der Anfang der ekel« Hastesten und ödesten Art von Despotismus, die es jemals gegeben: der Kleinstaaterei der SlXZ souveränen deutschen Fürsten und Fürstchen I Erst aus dem Siege der Fürsteiipartei im Westfälischen Frieden ist die absolute Zerrissenheit und Verödung in unserem Vaterlande heimisch, ist die despotische Aussaugung des Volkes durch die schrullen- haste Laune seiner Herren deutsches Staatsrecht geworden. Die Flüchtigkeit der Arbeit, die notlvendige Folge der Brotschreiberei. hat da dem Dichter von„Kabale und Liebe' doch einen argen Streich gespielt. Dann hat freilich der Dichter wieder gut gemacht, was der Historiker verfehlte. Dem Geschichtschreiber war Wallenstein der böse Ränkeschmied und Verschwörer, der Treue und Dankbarkeit vergatz. Erst am Ende seiner Erzählung, als alle nur denkbare Schande auf dem Haupte dieses Mannes gesammelt war. bricht eine andere Er« kenntnis durch:„So fiel Wallenstein nicht weil er Rebell war, sondem er rebellierte, weil er fiel. Ein Unglück für den Lebenden, datz er eine siegende Partei sich zum Feinde gemacht hatte— ein Unglück für den Toten, datz ihn dieser Feind überlebte und seine Geschichte schrieb." Vielleicht, datz in der plötzlichen Wendung diese» Urteils der Keim des Gedankens entstand, der dann zum Drama Wallen- stein geführt hat. Jedenfalls hat der Dichter den tieferen historischen Instinkt bewiesen, da er den kaiserlichen Feldherrn Wallenstein als die tragische Figur des dreitzigjährigen Krieges erfaßte, als der Geschichtschreiber, der die Wilhelm von Hessen-Kaffel oder Bernhard von Weimar oder gar den Schwedenkönig Gustav Adolf bis in den Himmel erhob. Darin liegt das letzte Urteil beschloffen, das man über den Geschichtschreiber Schiller äutzern kann. Der beste Wert seiner ge- schichtlichen Studien liegt in den historischen Dramen, die er in seinem letzten Jahrzehnt geschaffen hat. Für die deutsche Bühne war es eine Erlösung, daß das historische Drama kam. um den Klatsch abzulösen, in den die bürgerliche Dichtung versunken war. mit der ausdrücklichen Erklärung kam: in dieser Zeit, da„Um der Menschheit große Gegenstände. Um Herrschaft und um Freiheit wird gerungen, Jetzt darf die Kunst auf ihrer Schattenbiihne, Auch höhern Flug versuchen, ja sie mutz, Soll nicht deS Lebens Bühne sie be« schämen". Und für das deutsche Volk war eS ein bleibender Ge- ttinn, daß nun Wallenstein, Maria Stuart, Jungfrau von Orleans. Tell rasch auf einander folgten. In ihnen hat der Dichter der Nach- weit aeschenft. waS der Historiler nie zu leisten vermocht hätte. ° Max Maurenbrecher. Worte Schillers. Ein großer Herre, wie man weist, Ist nicht wie unser einer— Wenn unsre Seele weiter reist, D'rob kümmert sich wohl keiner Ein Schnuppen, den ein Großer klagt, Wird in der Welt herumgesagt. (Aus Hugo Sanherib, 1733.) M Wenn jeder von uns zum Besten des Vaterlandes diejenige Krone hinivegwerfen lernt, die er fähig ist zu erringen, so ist die Moral des Fiesko die größte des Lebens. (Erinnerung an das Publikum, 1734.) Die Schaubühne ist die Stiftung, wo sich Vergnügen mit Unter- richt, Ruhe mit Anstrengung, Kurzweil mit Bildung galtet.... Welch ein Triumph für dich, Natur— so oft zu Boden getretene, so oft wieder auferstehende Nawr—, wenn Menschen aus allen Kreisen und Zonen und Ständen, abgeworfen jede Fessel der Künstelei und der Mode, herausgerissen aus jedem Drange des Schicksals, durch eine allwebende Sympathie verbrüdert, in Ein Geschlecht wieder aufgelöst ihrer selbst und der Welt vergessen und ihrem himmlischen Urfprung sich nähern. Jeder Einzelne genietzt die Entzückung Aller. die verstärkt und verschönert aus hundert Augen auf ihn zurückfallen. und seine Brust gibt jetzt nur Einer Empfindung Raum— es ist diese: ein Mensch zu seyn. (Einladung zur Rheinischen Thalia, 1734.) Die Gerichtsbarkeit der Bühne fängt an, so das Gebiet der weltlichen Gesetze sich endigt. Wenn die Gerechtigkeit ftir Gold ver- blindet, und im Solde der Laster schwelgt, wenn die Frevel der Mächtigen ihrer Ohnmacht spotten, und Menschenfurcht den Arm der Obrigkeit bindet, übernimmt die Schaubühne Schwert und Wage, und reißt die Laster vor einen schrecklichen Richterstuhl. Das ganze Reich der Phantasie und Geschichte. Vergangenheil und Zukunft stehen ihrem Wink zu Gebote. Kühne Verbrecher, die längst im Staub vermodern, werden durch den allmächtigen Ruf der Dicht- kunst jetzt vorgeladen und wiederholen zum schauervollcn Unterricht der Nachwelt ein schändliches Leben. Ohnmächtig, gleich den Schatten in einem Hohlspiegel wandeln die Schrecken ihres Jahrhunderts vor unseren Augen vorbei und mit wollüstigem Entsetzen verfluchen wir ihr Gedächtnis. Wenn keine Moral mehr gelehrt wird, keine Religion mehr Glauben findet, wenn kein Gesetz mehr vorhanden ist, wird uns Medea noch anschauern, wenn sie die Treppen des Palastes herunterwankt, und der Kindermord jetzt geschehen ist. (Was wirkt die Bühne, 173S.) Die Schaubühne ist der gemeinschaftliche Kanal, m welchen von dem denkenden, besseren Teile des Volkes das Licht der Weisheit herunterströmt, und von da aus in milderen Strahlen durch den ganzen Staat sich verbreitet.(Was wirkt die Bühne, 1782.) Eine merkwürdige Klaffe von Menschen hat Ursache, dankbarer als alle übrigen gegen die Bühne zu seyn. Hier nur hören die Großen der Welt, was sie nie oder selten hören— Wahrheit; was sie nie oder selten sehen, sehen sie hier— den Menschen. (Was wirkt die Bühne. 1786.) Wenn wir es erlebten, eine Nationalbühne zu haben, so würden wir auch eine Nation.(Was wirft die Bühne.) * Begeisterung brennt mächtiger m Menschenherzen, als alle Feuer Ihrer Henkerl (Don Carlos, Theaterbearbeitung in Prosa.) * Datz er für die Träume seiner Jugend soll Achtung tragen, wenn er Mann seyn wird, nicht öfnen soll dem tödtenden Insekte gerühmter besserer Vernunft das Herz der zarten Götterblume; datz er nicht soll irre werden, wenn des Staubes Weisheit Begeisterung, die Humnelstochter, lästert. (Don Carlos.) Spricht so der große Mensch— vielleicht der einzige, den die Geisterseuche seiner Zeit verschonte? Der bei Europas allgemeinem Taumel noch auftecht stand— den gift'gen Schierlingstrank des Pfaffentums, von welchem schon das zweite Jahrtaufend sich im Schwindel dreht, beherzt vom Munde stietz, der gegen Priesterblitze und eines Königs schlaue Heiligkeit und eines Volkes andächt'gen Rausch die Rechte der unterdrückten Menschheit gelten machte, der zu Madrid für Ketzer bat, am Turme der Santa Kasa für die Duldung stimmte?—— So fliehe denn aus dem Gebiet der Christen Gedankenfreiheit! Sünderin Vernunft bekehre dich zu frommer Tollheit wieder l zerbrich dem Wappen, ewige Natur! Geh' unter freies Flandern I— Dein Erretter verlor den Mut, den Wahnwitz zu bekriegen. (Don Carlos. Rheinische Thalia, 1782.) » Die Errichtung des GueusenbundeS hatte den Dingen eine ganz andere Gestalt gegeben. Das Murren der Unterthanen, ohnmächtig und verächtlich bis jetzt, weil es nur Geschrei der Einzelnen war, hatte sich nunmehr m einen Körper furchtbar zusammengezogen und durch Vereinigung Kraft. Richtung und Stetigkeit gewonnen. Jeder aufrührerische Kopf sah sich jetzt als das Glied eines ehrwürdigen und furchtbaren Ganzen an und glaubte, seine Verwegenheit zu sichern, indem er sie in diesen Versammlungsplatz des allgemeinen Unwillens niederlegte. Ein wichttger Gewinn für den Bund zu heißen, schmeichelte dem Eitlen; sich unbeobachtet und ungestraft m diesem großen Strom zu verlieren, lockte den Feigen.(Ge>chichts des Abfalls der Verewigten Niederlande.) » Die Geistlichkeit war von jeher eine Stütze der königlichen Macht. Ihre goldene Zeit führt immer in die Gefangenschaft des mensch- lichen Geistes und wie jene sehen wir sie vom Blödsinn und von der Sinnlichkeit leben. (Der Abfall der Niederlande.) » ''. Mönche, eine Abart des menschlichen Namens, die die heiligen Triebe der Nawr abgeschworen, dienstbare Kreaturen des römtfchen SwhleS. (Der Abfall der Niederlande.) Groß und beruhigend ist der Gedanke, daß gegen die trotzigen Anmatzungen der Fürstengewalt endlich noch eine Hülfe vorhaudeil ist. datz ihre berechnetsten Plane an der menschlichen Freiheit zu fchanden werden, datz ein herzhafter Widerstand auch den gestreckten Arm eines Despoten beugen, heldenmütige Beharrung seine schreck- lichen Hülfsquellen erschöpfen kann. (Geschichte deS Abfalls der vereinigten Niederlande, 1788.) « Und dann(um doch recht ins Gelag hinein zu Philosophiren I). dann glaube ich, daß jede einzelne ihre Kraft entwickelnde Menschen- seele mehr ist als die größte Menschengesellschaft, wenn ich diese als ein Ganzes bettachte. Der größte Staat ist ein Menschenwerk, der Mensch ist ein Werk der unerreichbaren großen Nawr. Der Staat ist ein Geschöpf des Zufalls, aber der Mensch ist ein not« wendiges Wesen, und durch was sonst ist ein Staat grotz und ehr« würdig, als durch die Kräfte seiner Individuen? Der Staat ist nur eine Wirkung der Menschenkraft, nur ein Gedankenwcrk, aber der Mensch ist die Quelle der Kraft selbst, und der Schöpfer des Ge- danlens.(An Lotte 27. Nov. 1788.) ES ist ein armseliges kleinliches Ideal, ftir eine Natton zu schreiben; einem philosophischen Geiste ist diese Grenze durchaus un« erttäglich. Dieser kann bey einer so wandelbaren zufälligen und willkürlichen Form der Menschheit, bey einem Fragmente(und was ist die wichtigste Natton anders?) nicht stillestehen. Er kann sich nicht weiter dafür erwärmen, als soweit ihm diese Natton oder Nattonalbegebenheit als Bedingung für den Fortschritt der Gattung wichtig ist.(An Körner, 13. 8. 89.) Wofür anders könnt ihr mir denn danken, als für Geld? Ich wüßte nicht, daß ich einem von euch etwas Besseres gegeben. Wahr ist's, eh ich Besitz von dieser Grafschaft nahm, kämpftet ihr mit dem Mangel und ein Unmensch häufte alle Lasten der Leibeigenschaft auf euch. Euer Fleiß war nicht euer, mit uugerühttem Auge saht ihr die Saaten grünen und die Halme sich vergolden, und der Vater verbat sich jede Regung der Freude, wenn ihm ein Sohn geboren war. Ich zerbrach diese Festeln, schenkte dem Vater seinen Sohn und dem Sämann seine Aernte. Der Segen steig herab auf eure Fluren, weil die Freihett und die Hoffnung den Pflug regierten. (Der Menschenfeind. 1737]1790}). Sie verlangten zu wissen, wie weit sich das Jnterdiet«r- strecke, das wir auf politische Gegenstände gelegt haben. Ihre Frage wird durch den Jnnhalt dieses ersten Stückes(der Hören) hm» reichend beantwortet seyn. Sie finden, datz wir den philosophischen Geist keineswegs verbieten, diese Materie zu berühren: nur soll er in den jetzigen Welthändeln nicht Parthey nehmen, und sich jede be- stimmte Beziehung auf irgend einen particulären Staat und eine be- stimmte Zeitbegebenheit enthalten. Wir wollen, dem Leibe nach, Bürger unserer Zeit sein und bleiben, weil es nicht anders sein kann; sonst aber und dem Geiste nach ist es das Vorrecht uud die Pflicht des Philosophen und des Dichters, zu keinem Volk und zu keiner Zeit zu gehören, sondern im eigewlichen Sinne des Wortes der Zeitgenosse aller Zeiten zu sein. (An Friedrich Jakobi, den 22. Ja». 1732.) Glühend für die I d e e der Menschheit, güttg und menschlich gegen den einzelnen Menschen, und gleichgültig gegen das ganze Geschlecht, wie es wirklich vorhanden ist— das ist mein Wahlspruch. (An Benjamin von Erhard, den 2. Mai 1792.) Dich zu beglücken ist der Kranz, um den alle Wesen buhlen, wonach alle Schönheit ringt— deine wilde Begierde strebt diesem güttgen Willen entgegen, gewaltsam verkehrst du die wohltätigen ? wecke der Natur— Fülle des Lebens hat die Freundliche um dich er gebreitet und Tod nöttgst du ihr ab. Dein Haß schärfte das friedliche Eisen zum Schwerte, mit Verbrechen und Flüchen belastet deine Habsucht das schuldlose Gold, an deiner unmäßigen Lippe wird das Leben des Weinstocks zum Gifte. (Der Menschenfeind.) Diese Genügsamkeit beweist mir. daß meine Arbeit an euch verloren ist. Hätte: ihr etwas an eurer Glückseligkett vermißt— es hätte euch zum erstenmal meine Achtung erworben. (Der Menschenfeind.) „Was? Es dürste kein Caesar auf Euren Bühnen sich zeige», Kein Achill, kein Orest, keine Andromacha mehr?" Nichts! Man stehet bei uns nur Pfarrer, Kommerzienräthe, Fähndriche, Sekretärs oder Husarenmajors. „Aber ich bitte Dich, Freund, was kann denn dieser Misere Großes begegnen, was kann Großes denn durch sie aeschehn?" Was? Sie machen Kabale, sie leihen auf Pfänder, sie stecken Silberne Löffel ein, wagen den Pranger und mehr. „Woher nehmt Ihr denn aber das große, gigantische Schicksal, Welches den Menschen erhebt, ivenn es den Menschen zermalmt?* Das sind Grillen! Uns selbst und unsre guten Bekannten, Unsern Jammer und Roth suchen und finden wir hier. „Aber das habt Ihr ja Alles bequemer und besser zu Hause; Warum entfliehet Ihr Euch, wenn Ihr Euch selber nur sucht?" Nimms nicht übel, mein HeroS, DaS ist ein verschiedener Kasus! Das Geschick. daS ist blind; und der Poet ist gerecht. „Also Eure Nawr, die erbärmliche, trifft man auf Euren Bühnen, die große nur nicht, nicht die unendliche an?" Der Poet ist der Wirth und der letzte AktuS die Zeche; Wemr sich das Laster erbricht, setzt sich die Tugend zu Tlfch. (Shakespeares Schatten? » Schwere Ketten drückten all« Völker auf dem Erdenballe, Fehde bot dem Vattkane, Krieg ankündigte dem Wahne, Der die ganze Welt bestach. Der der Wahrheit Blitz geschwunge». Der die Geister selbst berreit. Freiheit der Vernunft erfechte», Heiß: für alle Völker rechten Sieg für alle ew'ge Zeit. (Nachlatz.) „Der zahlreichere Teil der Menschen wird durch den harten Kampf mit dem physischen Bedürfnis viel zu sehr ermüdet und ab- gespannt, als datz er sich zu einem neuen und mneren Kampfe mit Wahnbegriffen und Vorurteilen austasten sollte. DaS ganze Matz seiner Kraft erschöpft die Sorge für das Notwendige, und hat er dieses mühsam errungen, so ,st Ruhe und nicht neue Geistes- arbeit sein Bedürfnis. Zufrieden. datz er selbst nur nicht denken darf, läßt er andere gern über seine Begriffe die Vormundschaft führen und erspart sich durch eine blinde Resianatton in stemde Weisheit die saure Notwendigkeit der eigenen Prüfung. Geschieht eS. datz in seinem Kopf und Herzen sich höhere Bedürsiliffe regen, so ergreist er mit hungrigem Glauben die Formeln. welche der Staat und das Priestertum für diesen Fall in Bereitschaft halten und womit es ihnen von jeher gelungen ist, das erwachte Freiheitsgefühl ihrer Mündel abzufinden. Man wird daher immer finden, datz die gedrücktesten Völker auch die borniertesten sind; daher mutz man das Aufklärungswerk bey einer Nation mit Verbesserung rhres physischen Zustande» beginnen. Erst mutz der Geist vom Joch der Notwendigkeit losgespannt werden, ehe man ihn zur Vernunftfrciheit führen kann. Und auch nur in diesem Sinne hat man Recht, die Sorge für das physische Wohl der Bürger als die erste Pflicht des Staates zu bettachten. Wäre das physische Wohl nicht die Bedingung, unter welcher allein der Mensch zur Mündigkeit seines Geistes erwachen kann; um seiner selbst willen würde es bey weitem nicht so viel Aufmerksamkeit und Achtung verdienen. Der Mensch ist noch sehr wenig, wenn er warm wohnt und sich satt gegessen hat, aber er mutz warm wohnen und satt zu essen haben, wenn sich die bessere Natur in ihm regen soll." (Brief an den Herzog von Augustenburg. 11 November 1793.) LerimtW.Ned.! Paul Bütwer, Berlin. Jnferaleoerantw.(mit Ausnahme der.NeueWell'-Bellage)-Th.ÄIocke,«erün. Druck u. V-rlaq: Vorwärts Lubdc. u. VerlagSauft.Paul Singer äi Co.. BerUn 3 W. Hierzu 4-veilage«. Nr. 107. 22. l. KkilAt Ks Jmrb" Kcrlim lolUlatt. DiensKg, S. Mai IM. Eine Schillerfeier der Berliner Arbeiter. In der Freien Volksbühne haben fich die Berliner Arbeiter eine vorzügliche Organisation geschaffen, durch welche sie ihre Sehnsucht nach edlen Kunstgenüssen zu befriedigen wissen. In der Volksseele schlummert das lebhaste Verlangen nach Schönheit und Lust, nach dem Dust der Poesie, nach der stoh erlösenden Musik; es besteht ein Hunger nach feineren Genüssen, der nach Sättigung schreit, und da hat die Freie Volksbühne es verstanden, dieser Not des Arbeiters in etwas zu begegnen. Daß Schiller, dem grotzen Lehrer von der „Kunst als Erzieherin des Menschengeschlechts', eine würdige Feier zu seinem Gedenktage bereitet werde, erwartete man von der Freien Volksbühne und sie hat sich dieser Aufgabe mit Eifer angenommen. Die Schillerfeier am letzten Sonntag war ein glänzendes Zeugnis sür die hohe Auffassung des Schillertages m Arbeiterkreisen. für die Liebe und Verehrung, die dort aus ehrlichem Herzen dem großen Dichter entgegengebracht werden. Der geräumige Saal der Brauerei Friedrichshain war dicht gefüllt von einer festlich gestimmten Menge. Schillers Büste blickte aus dunklem Blättergrün unter der großen Orgel auf die leise sich bewegende Menschenmasse, die in weihevoller Stille den Klängen des Trauermarsches aus der 3. Sinfonie„Eroica", von Beethoven, womit das Programm eröffnet wurde, lauschte. Schillers„Hymnus" für Bariton-Solo mit Orchesterbegleitung, von Richard Strauß, gesungen von Herrn F. Lederer-Prina, folgte. Dann ging eine Welle der Bewegung durch die Menge; eS wurde laut, jeder schaute erwartungsvoll empor. Der alte bekannte Genosse Perner st orfer aus Oesterreich schritt nach der Redner- tribüne und wurde von der Versammlung aufs Herzlichste begrüßt. Er hielt die Festrede und verstand es, die Hörer über eine Stunde lang gefangen zu nehmen mit einer Rede, so fein gesponnen, so warm vorgetragen und innig empfunden, daß sie in jedem Herzen, wo Liebe für Schiller wohnt, einen schönen Widerhall finden mußte. Es berührte eigentümlich, häßlich und die Feier störend, als mit dem Genossen Pernerstorfer zugleich zwei Polizeibeamte in Uniform auftraten, zur Ueberwachung der Rede oder des Redners. Eine Schillerfeier der Arbeiter unter Polizeiaufsicht zu stellen, das ist wie eine Selbstverhöhnung der offiziellen Schillerfeiern l— „Allüberall in deutschen Landen", so begann der Redner,.wird das Andenken Schillers gefeiert; da scheint es keinen Unterschied in den Parteien zu geben. Niemand schließt sich von der Feier aus, selbst diejenigen, die nur widerwillig mitfeiern, ziehen es vor, ihre toahre Gesinnung zu verschweigen. Es wäre aber eine Täuschung zu glauben, daß mit der politischen Einheit des deutschen Volkes eine geistige gewonnen sei. Das scheint einmal an einem Festtage so; wenn der Alltag wiederkehrt, ist die Illusion vorüber. Die harte Wirklichkeit zeigt uns, daß das deutsche Volk weit davon entfernt ist, eine organische Einheit zu bilden. Blicken wir genauer auf die Feste zu Ehren Schillers, fo finden wir, daß jeder seinen eigenen Schiller feiert, daß viele sich nicht scheuen, das Andenken des großen Dichters zu fälschen und ihn zum Fahnenträger ihrer eigenen'Philisterhaftig- keit zu machen.— Wie alle wahrhaft Großen hat Schiller an die Menjchheit unerschütterlich geglaubt und das ist es, was ihn uns Sozialisten so nahe bringt. Uns ist er der große Rufer im Streit, der große Dichter und der geliebte Mensch. Er war ein Sohn des Volkes, ist in Enge und Dürftigkeit aufgewachsen und hatte den Kampf gegen ein schweres Schicksal zu führen. Der Redner verbreitet sich über den Lebenslauf Schiller? und verweilt bei seinen Dramen. Von den„Räubern" sagt er:.Hier sprang fast unvermittelt der dramatische Genius des jungen Schiller in die Erscheinung und zeigt uns deutlich, wie das Genie geboren und nicht erzogen wird. Etwas prächtig Brausendes und Ueber- schäumendes liegt in diesem Werke; es brachte ihm viel Ehre und Ruhm, aber kein Geld." .Kabale und Liebe" nennt Redner das beste soziale Drama bis auf den heutigen Tag, in welchem die Menschlichkeit den Kampf gegen die Knechtschaft führt.— Dem Verhältnis zwischen Schiller und Goethe wird in der Rede eingehend gedacht und die große Be- deutung dieser Freundschaft für beide Männer besonders gewürdigt, die wie ein warmer befruchtender Regen auf das Feld ihrer dichterischen Tätigkeit fiel. Es bestehen tiefe Unterschiede zwischen beiden, Goethes Sinn war mehr auf das Anschauliche gerichtet, Schillers Sinn mehr auf das Begriffliche, so wurde in der Rede weiter ausgeführt. Goethe hielt sich an die Erscheinung. Schiller an die Idee. Könnten wir uns beide ineinander verschmolzen vor- stellen, dann hätten wir einen wirklichen Uebermenschen vor uns. Jeder von beiden hatte eine hohe Achtung vor der Persönlichkeit des anderen. Redner schildert mit großer Wärme Schiller als edlen Menschen, von dem Goethe sagte:.Und hinter ihm, in wesenlosem Scheine, lag, was uns alle bändigt, das Gemeine."— Von Schiller und seinem Verhältnis zur französischen Revolution kommt Redner auf die ökonomische Struktur der Gesellschaft, auf die heutigen Ver« Hältnisse und auf den Sozialismus zu sprechen, den er als den Er- löser der geknechteten Menschheit feiert. .Es sind der Menschheit große Dmge, die Schiller in all seinen Werken immer wieder in den Vordergrund gebracht hat. Sein Genius ließ ihn eine große Zukunft der Menschheit ahnen, die unsere heutige Erkenntnis schon m,t klareren Blicken zu umspannen vermag. Schiller träumte von einem Reich der Schönheit, von einem ösihetiichen Ideal, und da kommt er uns Sozialisten so nahe, daß wir von ihm begeistert werden, wenn er uns seinen ästhetischen Menschen zeigt. Wir werfen dazu die Frage auf: Wie und wo ist dieser Jdealmensch möglich? Man könnte lächeln und sagen: Das ist eben nur eine Traumgestalt. ES ist aber nicht wahr, daß diese Gestalt nur geträumt werden kann. Schillers ästhetischer Mensch ist nichts weiter als die geschlossene, harmomiche. selbstbewußte Per- sönlichkeit. Dies Ideal nehmen wir Sozialisten auf: für feine Verwirklichung wollen wir die Bedingungen ,n e,ner entsprechend organisierten Gesellschaft schaffen. Der moderne Mensch»st zum Werk- zeug deS Staates herabgesunken. Wenn eS heute noch Individualitäten gibt, so sind sie da trotz des Staates und sie müssen ihm Trotz bieten, um sich zu behaupten. Es ist grotesk, sich Schiller vorzu- stellen im Bunde und im Einverständnis mit den herrschenden Ge- walten. Von Schillers Geist ist dort nichts zu spüren, von einer Nacheiferung Schillerscher Ideale ist keine Rede. Schillers Ideal- mensch hat heute nirgends Raum; trostlos sieht es aus ringsum. Wir Sozialisten find an der Arbeit, ihm eine Stätte zu bereiten; wir wirken, damit eine Menschheit erwachse, zu der endlich durchs weit geöffnete Tor die Freude einziehe." � � Genosse Pernerstorfer schloß seine wirkungsvolle Festrede mit dem hohen Lied Schillers„An die Freude." Rauschender, langanhaltender Beifall belohnte den Redner. Den Schluß der schönen Feier bildete Beethovens neunte Sinfonie, deren Schlußchor über Schillers Ode„An die Freude" ursprünglich mit einer Widmung an den.unsterblichen Schiller" einsetzte.. Es war eine Schillerfeier, dre den Berliner Arbeitern Ehre macht.—__ An der Schwelle der industriellen Revolution. Zu Schillers Zeiten vollzog sich nicht allein in Frankreich. sondern auch in England eine große Revolution:„Während m Frankreich," sagt Engels in seiner Schrift gegen Dühring,„der Orkan der Revolution das Land ausfegte, ging in England eine stillere, aber darum nicht minder gewaltige Umwälzung vor sich. Der Dampf und die neue Wcrlzeugmaschinerie verwandelten die Manufaktur in die moderne große Industrie und revolutionierten fcftroit die ganze Grundlage der bürgerlichen Gesellschaft., Die große Bedeutung der französischen Revolution für Schillers Ent- wickelungsgang ist so unverkennbar, daß kein Schiller-Biograph davon schweigen kann. Nicht so naheliegend scheint die Frage, ob die industrielle Revolution des 18. Jahrhunderts schon in Schillers Vorstellungskreis eingegangen ist. Wenigstens Pflegen sich die zünftigen Literarhistoriker mit dieser für die Beurteilung Schillers gewiß sehr erheblichen Frage nicht zu befassen. Aber diese Herren geben sich durchweg überhaupt nicht mit Schillers ökonomischen Vorstellungen des näheren ab: sonst müßten sie ja auch auf die eben aufgeworfene Frage kommen. Und doch drängt sich die Notwendig- keit, auch das Verhältnis Schillers zum Wirtschaftsleben seiner Zeit zu erörtern, förmlich auf. Denn der Dichter selbst war bei allem hochfliegenden Idealismus weit davon entfernt, etwa achtlos oder gar mit Verachtung an den ökonomischen Tatsachen vorbeizugehen, die ihn umgaben. Im Gegenteil hat er diese Tatsachen sogar poetischer Verarbeitung würdig befunden. Eine Reihe von Ge- dichten, insbesondere aber„Der Spaziergang" und„Das Lied von der Glocke", legen Zeugnis dafür ab, daß Schiller für das Wirt- schaftsleben lebhaftes Interesse und ein offenes Auge hatte. Als er sich mit der„Glocke" trug, ist er während eines Auf- enthalts in Rudolstadt oft nach einer Glockengießerei vor der Stadt spaziert, um die nötige Vorstellung von den Vorgängen zu gewinnen. So hat er auch zweifellos mindestens einen„Gang nach dem Eisen- Hammer" selber unternommen, ehe er im gleichnamigen Gedicht beschrieb, wie dem Grafen von Savern „in hoher Ocfen Glut �)ie Eisenstufe schmolz. Hier nährten früh und spat den Brand Die Knechte mit geschäft'ger Hand; Der Funke sprüht, die Bälge blasen, Als gält' es, Felsen zu verglasen. Des Wassers und des Feuers Kraft Verbündet sieht man hier; Das Mühlrad, von der Flut gerafft, Umwälzt sich für und für; Die Werke klappern Nacht und Tag, Im Takte pocht der Hämmer Schlag. Und bildsam von den mächt'gen Streichen Muß selbst das Eisen sich erweichen.——" Das Hammerwerk mit dem Wasserrad wird der größte Fort- schritt der Technik gewesen sein, den Schiller gesehen hat. Den Dampf als mechanische Triebkraft hat er sicher nicht kennen gelernt. Wahr ist, daß schon 1786 auf den Hettstädter Kupferbergwerken der Grafschaft Mannsfeld, also gar nicht weit von Schillers Wohn- ort, die erste deutsche Dampfmaschine in Betrieb gesetzt worden ist. Hinzuzufügen ist aber gleich, daß noch ein Dutzend Jahre nach Schillers Tod im ganzen Königreich Hannover nicht eine einzige Dampfmaschine anzutreffen war. Wenn Schiller je Gelegenheit gehabt hätte, die Magie der Dampfkraft, also etiva an jenem Hettstädter Unikum zu bewundern, so wäre ihm sicher ein Gedicht oder doch eine Strophe daraus geworden. Indes, er singt zwar im „Spaziergang" und anderswo auch vom Bergbau, hat ihn aber jedenfalls nur im weimarischen Gebiet und ohne Dampfbetrieb kennen lernen. Bergbau und Metallindustrie stehen heutzutage im Mittel- punkte des gewerblichen Lebens. Das war nun zu Schillers Zeiten noch keineswegs der Fall. Damals stellte für den Politiker, der ein Land gewerblich voranbringen wollte, A und O des ökonomischen Denkens die Textilindustrie dar; ihr emporzuhelfen waren die deutschen Potentaten, soweit sie nicht ganz versumpft waren, im Interesse des eigenen Geldbeutels eifrigst bemüht— durchweg freilich mit mehr Eifer als Geschick. Welch ausschlaggebende Rolle zu Schillers Zeiten die Textilindustrie im gewerblichen Leben spielte, wird am besten eine preußische Statistik aus dem Todesjahr Friedrichs II.(1786) zeigen. Da wird die Gesamtzahl der im preußischen Staat für die Industrie im Hauptberuf tätigen Per- sonen auf 136 333 angegeben— bei einer Gesamtbevölkerung von fünfeinhalb Millionen. Von diesen 136 333 entfallen auf die Metallindustrie bloß 3333; der Bergbau ist gar nicht besonders auf geführt. Dagegen beschäftigt die Textilindustrie allein insgesamt über 163 333 Arbeiter unl lieferte jährlich für stark 21 Millionen Taler Waren, über zwei Drittel vom Gesamtwert der industriellen Produktion Preußens. Unter den 163 333 Textilarbeitern ver. arbeiten Seide nur 3333, Baumwolle 7333, Wolle 68 333 und der Löwenanteil von 83 333 entfällt auf die Leincnindustrie, die damals in Deutschland die führende Industrie war. Daher auch wohl ge- denkt bloß ihrer Schiller im„Spaziergang": „Glänzend umwindet der goldene Lein die tanzende Spindel, Durch die Saiten des GarnS sauset das webende Schiff." In diesem Distichon wird auch vom Spinnen gesprochen. Da- gegen ist in der mitgeteilten Statistik die Spinnerei nicht berück- sichtigt. Das Spinnen war zu Schillers Zeiten noch kein besonderer Beruf, sondern wurde allenthalben auf dem Lande, aber auch viel- fach in den Städten von jung und alt, insbesondere aber von den Frauen als häusliche Nebenbeschäftigung getrieben. Im preußischen Staate arbeiteten sogar die Soldaten in den Kasernen während ihrer Mußestunden massenhaft am Spinnrocken. Während für Schlesien eine Statistik aus Schillers Todesjahr die Zahl der Weber auf 33 333 angibt, wird die Zahl der Spinner und Spinnerinnen in dieser Provinz auf nicht weniger als 633 333 geschätzt. Das erscheint nicht erheblich übertrieben; rechnete man doch in jenen Zeiten auf einen Weber mindestens ein Dutzend Spinner, wenn er in Tätigkeit gehalten werden sollte. Schiller hat in der „Glocke" das typische Bild der deutschen Häuslichkeit jener Tage ge- zeichnet, wo die Hausfrau in ihren nicht anderweitig beanspruchten Stunden am Spinnrocken sitzt: „Und dreht um die schnurrende Spindel den Faden Und sammelt im reinlich geglätteten Schrein Die schimmernde Wolle, den schnseigten Lein, Und füget zum Guten den Glanz und den-Schimmer, Und ruhet nimmer." Die Weberei war zwar im Gegensatz zur Spinnerei ein bc- sondcrer Beruf, aber gleich ihr in der großen Mehrzahl der Fälle Hausarbeit. Die deutsche Textilindustrie vor hundert Jahren war im großen und ganzen Hausindustrie— kapitalistische Hausindustrie; denn die Weber waren meistenteils in völliger Ab- hängigkeit vom Verleger, von Geldlcuten, die das Rohmaterial lieferten und die fertige Ware absetzten. Deutsche Schriftsteller der Schillerschen Zeit, z. B. Georg Forster in seinen„Ansichten vom Niederrhein" und Jung-Stilling in seiner Autobiographie', sprechen oftmals von Fabriken und Fabrikanten. Man darf aber nicht den heutigen Wortsinn damit verbinden. Die meisten dieser Fabrikanten sind nichts als kapitalistische Verleger. Wenn sie aber etwas anderes sind, dann stellen ihre Betriebe noch lange keine Fabriken in der heutigen Bedeutung des Wortes dar, sondern Manufakturen. Wenn in solchen Manufakturen nicht nur Woll- kämmer, Schcrer, Färber usw., sondern auch Weber in größerer Zahl sich vereinigt fanden, so waren sie doch nur an den alten Hand- Webstühlen der Hausindustrie tätig; denn etwas anderes hat es noch Jahrzehnte nach Schillers Tode in Deutschland nicht gegeben. Indes allzu zahlreich waren derartige Manufakturen nicht; denn einmal wehrten ihnen lange die Zunftbcstimmungen, die der Zahl der in einem Betriebe zu beschäftigenden Personen enge Grenzen setzten, und die z. B. in Preußen erst 1782, anderswo noch später fielen. Andererseits waren sich die Kapitalisten selbst nicht darüber einig, ob die Manufaktur profitabler als die Hausindustrie sei. Georg Förster in seinem schon genannten Werk hält das für sicher und fände es auch wirtschaftlich zweckmäßig, wenn die Spinnerei zu einer Manufaktur und zu einem Beruf würde. Er schreibt:„Unstreitig würde man es im Spinnen weiterbringen, wenn es durch fabrikmäßige Anstalten, wo die Spinner einerlei Licht, Wärme und Obdach genössen, so vorteilhaft eingrichtet würde, daß eine eigene, arbeitsame Klasse von Menschen sich bloß diesem Gewerbe ergeben und davon subsistieren könne..." Aus dem Wort- laut dieses Satzes, der als Forsters ökonomisches non pllis ultra die Manufaktur auch in der Spinnerei hinstellt, geht aufs un- zweideutigste hervor, daß dem weitgereisten Gelehrten, der auch lange in England gelebt hatte, noch 1793 nichts von der Erfindung der Spinnmaschine bekannt geworden war, obwohl es im eben genannten Jahre auf englischem Boden bereits 163 mechanische Spinnereien gab. Ja, eine solche Spinnerei, obschon gewiß von kleinen Dimensionen, hätte Forster möglicherweise sogar auf deutschem Boden kennen lernen können, wenn er außer dem Aachener Textil- gebiet auch das Wupperthaler besucht hätte: 1783 setzte ein Elber- selber Fabrikant die erste Spinnmaschine mit Wasserkmft in Be- trieb; wahrscheinlich allerdings wird dieser Bevorzugte aus Furcht vor Konkurrenz sein Geschäftsgeheimnis sorgfältig gehütet haben. Von dem nicht einmal in Deutschland überall herumgekommenen Schiller ist billigerweise nicht zu verlangen, wovon der weltkundige Forster nichts gewußt hat. Aber auch über Försters Unbekanntschaft mit den Anfängen der Großindustrie kann man sich füglich nicht wundern. Die ersten englischen Spinnereien befanden sich nicht in den großen Städten, sondern in ländlicher Abgeschiedenheit, wo Wasserkraft verfügbar war. Und die Fabrikanten werden geringes Bedürfnis gehabt haben, ihre Geschäftsgeheimnisse, vor allem auch die schaudervolle Ausbeutung von Kindern, an die Oeffentlichkeit zu bringen. Bei dem größten englischen Nationalökonomen zu Schillers Zeit, in Adam Smiths„Nationalreichtum", findet sich nicht ein Wort über die in Lancashire begonnene industrielle Re- Volution. Smith spricht überhaupt gar nicht von der Baumwoll- industrie, obwohl sie im Erscheinungsjahr des Originals(1773)) bereits höchst bedeutend war. Die deutsche Uebcrsetzung von Garbe erschien gar erst 1794, also zu einer Zeit, wo die wirtschaftliche Umwälzung bereits große Fortschritte gemacht hatte, wo bereits die Dampfmaschine in den Dienst der Textilindustrie gestellt wurde, wo schon der mechanische Webstuhl erfunden, wenn auch noch nicht verwertbar gemacht war. Auch dies geschah noch vor Schillers Tode: 1333. Sogar die Umwälzung des Transportwesens durch den Dampf stand bereits vor der Türe, ehe Schiller starb. Im Jahre 1832 fuhr ein Dampfschiff auf dem Clyde, und im folgenden Jahre führte Trevethick in London seinen Tampswagen auf Schienen einem erstaunten Publikum bor. Aber von diesen Dingen, die auch den denkenden Augenzeugen gewiß bloß als Spielereien erschienen sind, konnte Schiller natürlich noch weniger etwas bekannt werden, als von den schon bei seinen Lebzeiten zur praktischen Verwertung gediehenen großen Erfindungen der Spinnmaschine, des mechani» schen Webstuhls, der Dampfmaschine. So hat Schiller zwar zur Zeit der industriellen Revolution ge- lebt, ist aber nicht von ihr berührt worden: sie ging außerhalb seines Gesichtskreises vor sich. Er ist bis an sein Ende ein Sohn des Zeitalters der Hausindustrie und der Manufaktur geblieben. Wo er von britischen Verhältnissen spricht, da denkt er an das Eng- land vor der Jndustrierevolution. Dieses England meint er, wenn er in seinem Gedicht„An die Freunde" singt: „Wohl von größerm Leben mag es rauschen, Wo vier Welten ihre Schätze wuschen, An der Themse, auf dem Markt der Welt. Tausend Schiffe landen an und gehen; �' Da ist jedes Köstliche zu schen, Und es herrscht der Erde Gott, das Geld." Denn sonst wäre die Schlußstrophe unbegreiflich, wo eS heißt: „Größres mag sich anderswo begeben, Als bei uns in unserm kleinen Leben; Neues— hat die Sonne nie gesehn." Diese Ben Akiba-Weishcit hätte er gewiß nicht geäußert, wenn er von her gewaltigen Revolution gewußt hätte, die eben in Eng» land gerade Neues schuf, was die Sonne noch nie gesehen. Unsäglich komisch aber ist es, wenn man gar heute den Sozialismus mit Schillerschen Aussprüchen aus dem Felde schlagen will; denn der große Dichter hat die ökonomischen Voraussetzungen unseres politi» schen Denkens nie gekannt. A. Conradtz Das Ange des Gesetzes. Der Begeisterungssturm, den in der bürgerlichen Welt die Schiller-Feier entfesselt haben soll, hat uns folgenden Brief auf den Redaktionstisch geschleudert: Mein lieber Freund und Kollegal Die in Deinem letzten Brief ausgesprochene Ansicht, daß die. Beteiligung Staatsbeamter an der Schiller-Feier nicht unbedenklich� sei, entspricht durchaus meiner eigenen Meinung. Schiller mag vom rein künstlerischen Standpunkt aus meinetwegen ein bedeutender Dichter sein, aber er hat, obgleich Universitätsprofessor, ent- schieden desirnktiven Tendenzen gehuldigt. Wenn man Schillers Werke durchgeht, so fällt dem Beobachter, der aus dem Boden des monarchischen Prinzips steht, höchst unliebsam ins Auge. daß der Dichter die meisten seiner Gestalten, die er als mehr oder ininder große Verbrecher darstellt, dem Adel angehören läßt. Er hat selbst davor nicht zurückgeschreckt. Hochgeborne. die auf Thronen saßen, in einer das monarchische Gefühl gefährdenden Weise zn zeigen. Alles dies genügt mir, um die Frage, ob die Anwesenheit der Staatsbeamten an der Feier des 9. Mai mit den guten Grund- sätzen, von denen sie Gottlob durchdrungen sind, zu vereinbaren ist. mindestens halb zu verneinen. Ziehe ich noch das Schauspiel „Tell" in Betracht, so komme ich zu einem ganzen Nein! Lieber Freund I Was hat hier Schiller denn getan? Er hat— es wird mir nicht leicht, die Worte hinzuschreiben— das Recht auf Revolution, ja sogar jenes auf den Mord einer hohen obrigkeitlichen Person, die dem Volk unbequem ist, anerkannt. Ich habe mich speziell mit diesem Schillerschen Werk des öfteren be- schäftigt, weil ich eine längere Abhandlung, die die Notwendigkeit eines Verbotes seiner Aufführung und die Konfiskation der Buch- ausgäbe unwiderleglich beweisen soll, in nicht zu ferner Zeit ver- öffentlichen zu können hoffe. Und darum wird es Dir, lieber Freund und Kollega, vielleicht nicht uninteressant sein, wenn ich einige besonders gravierende Punkte heraushebe. Wie leicht hätte Schiller namentlich der Ermordung des Reichsvogts Geßler einen weniger aufreizenden Charakter geben können. Er hätte die Szene mit dem Apfelschuß nur an den Schluß setzen und dahin abändern müssen, daß Tell seinen Sohn trifft und hierauf aus Ver- zweiflung den Vogt erschießt. Es läge zwar auch dann noch eine sehr bedenkliche. nach gerichtlicher Aburteilung verlangende Tat vor, aber in Erwägung, daß Tell vom Reichsvogt schwer gereizt worden ivar und sich im Moment der Ausführung seines Verbrechens durch die vorhergegangene vom ReichSvogt indirekt veranlaßte Tötung seines Sohnes in höchster Erregung befand, wäre gar nur ein Totschlag, dem sogar mildernde Umstände zuzubilligen wären, in Betracht gekommen. Aber Schiller wollte gar keinen Totschlag, sondern die ruhig und wohlüberlegt� Ermordung des Vogts. Die Beobachtung Tells ergibt, daß er 1. dem Vogt auflauert, 2. sich einen besonders bequemen Platz, zum Schießen aussucht, 3. daß er die Bogensehne anfleht heute ja ihre Schuldigkeit zu tun, und 4. den Vogt aus der Ferne auffordert, seine Rechnung mit dem Himmel zu machen. In Er- wägung, daß hiernnt die Ueberlegung, mit der Tell den höchsten Beamten der Schweiz tötet, erwtesen tst, kann kein Zweifel sei», daß hier alle Merkmale des Mordes vorliegen. Trotzdem lZßt Schiller den Täter gar keine Neue empfinden und macht ihn zum berühmten und gefeierten Mann. Ich glaube, lieber Freund und Kollcga, daß ein Dichter, der ein solches Stuck unter das Volk geworfen hat, eine Glorifikation durch Staatsbeamte nicht verdient, za, daß eine Feier für ihn gerade an- gesichts der dermaligen Anstände in Rußland überhaupt unstatthaft tst. Leider wird dies höheren Ortes nicht erkannt und daher bin ich ebenso wie Du gezwungen, daran teilzunehmen. Indem ich Dich herzlich grüße, Dein treuer Freund und Kollega (Name unleserlich) » Staatsanwalt. Die Revolution in Rußland. Ueber das Verhalten der Polizei und des Militärs bei der Mai-Metzelei in Warschau schreibt man uns noch folgendes: Warschau, 4. Mai.(Eig. Ber.) Das Verhalten der Polizei und des Militärs vor dem meuchlerischen Ueberfall am 1. Mai war so merkwürdig, daß man allmählich ans den Gedanken kommt, daß die Massen mit vorgefaßtem Plan in zuversichtlichste Stimmung ge- wiegt worden waren, um desto sicherer zum Schluß an's Messer ge- liefert zu werden. Die erste Begegnung des sozialdemokratischen Zuges mit einer berittenen Militärpatrouille fand statt am Witkowski-Platz. Die Demonstranten, die damals erst einige Tausend zählten, rollten die Fahnen zusammen und machten Halt. Die Patrouille ritt ruhig vorüber, ohne irgendwie den Zug zu belästigen. Die zweite Begegnung fand statt Ecke Panska- und Wroniastraße. Der hier schon mächtig gewachsene Zug teilte sich und trat auseinander, um die Patrouille in seiner Mitte durchzulassen. Die Soldaten ritten mit leichenblassen Mienen und dem Lächeln des Schreckes auf den Ge- sichtern durch die dichte Menge. Die Arbeiter riefen ihnen zu: Geht nur ruhig weiter I Wir tun Euch nichts I Worauf die Soldaten mit den Köpfen nickten und achselzuckend bedeuteten, daß sie ja nur dem Befehl ihrer Vorgesetzten gehorchen. Nach der Begegnung schlofien sich die Reihen, und mit Gesang marschierte man vorwärts. Zum drittenmal begegneten wir dem Militär Ecke Zelazna und Twarda. Die Arbeiter bemerkten von weitem die Patrouille und gingen direkt auf sie zu. Die Soldaten schlugen sich dann auf die Seite und machten uns freie Bahn, was enormen Enthusiasmus bei der Menge entfesselte. Man wurde immer zuversichtlicher. Die letzte Begegnung mit den Schergen harrte unserer noch in der Aleje Jerozoliinskie— und sie sollte für manchen von uns die letzte auf Erden sein I Ueber die Zelaznastraße kamen wir au dem Eisenbahndamm vorbei. Die Bahnwärter und Beamten schwenkten rote Signalfähnlein zu unserer Begrüßung. Und nun mündete der Zug in die breite prächttge Jerusalem-Allee. Die Freude, welche sich der ungeheuren Menschenmenge bemächtigte angesichts dieser breiten Straße, auf der sich der Demonstrattonszug frei entfalten konnte, war unbeschreiblich. Leider wurde uns gerade diese Breite verhängnisvoll; da boten wir endlich den Schergen eine ausreichende Angriffsfläche. Wir fomierten uns also von neuem in breite Kadres und setzten uns in Be- wegung. Bald wurde man eine Abteilung Kavallerie gewahr, die mit der Polizei in einem Seitengätzchen im Hinterhalt stand. Die Arbeiter, im Vertrauen auf ihre früheren Begegnungen mit den Pattouillen, riefen: Platz machen für daSMilitärl Die Kavallerie stand unbeweglich. Wir gingen auf das rechte Trottoir über, das hier sehr breit ist. Die Soldaten setzten sich langsam in Bewegung und richteten sich auf das linke Trottoir. Und wie wir so ruhig und ahnungslos gehen, plötzlich sehen wir die Pferde der Kavallerie im wahnsinnigen Galopp direkt auf uns zureiten. Eine unbeschreibliche Verwirrung entstand. Die Kugeln fielen hageldicht auf uns. Ich lief mit anderen fast besinnungslos, hinter nur Hülfe- rufe und gräßliches Geschrei hörend. Die Soldaten verfolgten uns und schössen von hinten. Von anderer Seite hieben Jufantere und Polizisten mit dem Säbel ein. Ich rettete mich in eine mechanische Werkstatt, wo ich die Attacke abwartete. Später, als die Schergen fort waren, versammelten wir uns wieder und zwei Arbeiter hielten an derselben Stelle angesichts der blutigen Opfer Reden an die Tausende, die mtt wütenden Rufen antworteten: Rache den Schergen I Am selben Abend hielten wir noch eine Volksversammlung in der Wronia- straße ab, in der viele mit verbundenen Köpfen und Armen standen, wo wir die Vorgänge schilderten und zum Kampfe aufforderten. Alle unsere Fahnen— unser Stolz— sind gerettetl Der erste Fahnenträger war unter dem ersten Kugel- regen tot zusammengebrochen, aber die Fahne wurde sofort von einen: Nebenmanne ergriffen. Man fand unter den Ermordeten einen Jungen, der noch im Tode den Stock mit einem kleinen roten Fähnlein krampfhaft in der Hand preßte.... Die leitenden Genossen hatten trotz der furchtbaren Metzelei nicht für einen Augenblick den Kopf verloren und entwickelten eine bewundernswerte Tatkraft. Eine weitere Korrespondenz berichtet darüber: Warscha», 3. Mai.(Eig. Ber.) Gestern am 2. Mai wurde von der Sozialdemokratte am Orte des blutigen Verbrechens der Zaren- schergen in der Aleje Jerozolimslie eine Demonstration veranstaltet. Mehr als 2000 Arbeiter ivaren anwesend, unsere Redner hielten Ansprachen. Man fand einige blutgetränkte Taschentücher, die Arbeiter erhoben sie auf Stangen als Fahnen. Die Menge schwur den Schergen stürmische Rache. Heute ist gleich hergestellt und in einer koloffalen Masse verbreitet worden die folgende sozialdemokratische Proklamation: Arbeiter und Arbeiterinnen l Nach der zweistündigen sozialdemokratischen Maidemonstration der 20 ovo Arbeiter, im' Augenblick, wo unser Zug in die Uliza JerozolimSkie einbog, gab irgend eine Polizeibestie durch Revolver- schuß das offenbar verabredete Zeichen und die Ulanen, gehorchend dem Polizeibefehl, gaben mehrere Salven auf das wehrlose Volk, ohne jede Warnung. Hunderte Verwundeter, viele Tote waren das Ergebnis des verbrecherischen Ueberfalls. In das Jesuskind- Spital allein sind vom Mordplatz 2S Leichen und 2S Verwundere gebracht worden. Unter den Getöteten befinden sich Kinder, Frauen und Greise. Die blutdürstige Re- gierung, nicht zufrieden mit diesem glorreichen Siege ihrer Ulanen über Kinder und Weiber, suchte noch weitere Triumphe im Blut- vergießen. Brüder I Mag dieses vergossene Blut unserer Genossen der Arbeiterklasse noch größeren Heldenmut, noch größere Kampfenergie einflößen 1 Nach dieser neuen Greueltat der Zarenregierung dürfen wir nicht unsere Arbeitsruhe jetzt beenden. Nein, wir müssen jetzt den Generalstreik weiter führen, zum Zeichen, daß diese Metzelei die Kraft des Warschauer Proletariats nicht gebrochen, sondern umgekehrt in uns den revolutionären Geist gestärkt hat. Vor- wärts denn zuin Generalstreik! Brüder I Es lebe die Rcvolutton I Das Warschauer Komitee der Sozialdemokratte russisch Polens und Littauens. Warschau, 2. Mai 1905. Dem Rufe ist die Arbeiterschaft fteudig gefolgt. Schon gestern, am 2. Mai, begann der emuerte Generalstreik. Heute wurde ein zweiter Aufruf der Sozialdemokratie verbreitet: „Arbeiterl Die Leichen unserer von den Zarenschergen meuchlerisch gemordeten Genossen sollen heiinlich beerdigt werden. So will es die Regierung,. d:e die Opfer ihres Per- brecheus vor den Augen ehrlicher Leute verbergen will. Aber das revolutionäre Warschau darf den gemordeten Genossen den letzten Liebesdienst nicht versagen. Die Regierung verhindert uns, den Leichen zum Grabe zu folgen, nun wird Warschau ihnen einen Liebesdien st erweisen, wie ihn noch kein König, kein Herrscher hatte. Dieser letzte Liebesdienst, den wir den Opfern der Zarenschergen erweisen und zugleich unser Protest gegen dieses Verbrechen soll ein neuer allgemeiner Generalstreik am Donnerstag, den 4. Mai, sein. Brüder! Am Donnerstag, zum Zeichen der Trauer und des Protestes soll in Warschau eine vollkommene Arbeitsruhe herrschen. Jegliche Arbeit in Fabriken, Werkstätten, Läden, Bureaus, Banken soll ruhen, die Konditoreien und Restaurants bleiben geschlossen, auf den Straßen hört jeder Wageiwerkehr auf. Nieder mit der Mörderregicrung l Ehre ihren Opfern I Warschau, den 3. Mai 1905." Wie die Telegramme bereits meldeten, ist der Aufforderung der Sozialdemokratie Folge geleistet worden in einem Umfange, der den Bluthunden der Regierung wohl gezeigt hat, wer Ifchlietzlich den wirklichen Sieg davonttagen wird: die Sozialdemokratie oder die Knute. Am Donnerstag, am Tage des Begräbnisses der Mai-Opfer, war in Warschau der General st reik ein absoluter. Noch nie hat eine Millionenstadt dem Worte der Arbeiterpartei so un- bedingten Gehorsam geleistet.... * Das geheime Semstwo-Parlament in Moskau. Dem Moskauer Korrespondenten des„Daily Telegraph' ist es gelungen, einer Sitzung des geheimen Kongresses der SemstwoS in Moskau beizuwohnen, der am Freitag eröffnet wurde. Zu dem Kongreß haben auf Einladung alle Semstwos des Reiches be- vollmächtigte Vertreter entsandt, die zun: letzten Male den Bedürfnissen und Forderungen des russischen Volkes autori- tativ Ausdruck geben sollen. Die Regierung, die davon er- fuhr, erließ ein formelles Verbot des Kongresses, um das sich jedoch niemand ki�nmerte, und an: Freitag versammelten sich 128 Vertreter der Semstwos, um zun: letzten Mal im Namen des russischen Volkes, wenn auch ohne formelles Mandat, ihre Stimme zu erheben. Daß der Kongreß stattfinden würde, war all- gemein bekannt, der Ort der Zusammenkunft jedoch wurde streng geheim gehalten. In fünf Häusern waren Nä:m:lich leiten für die Sitzung des Semstwo-Parlaments bereit, so daß, wenn man den einen Ver- sammlungSpIatz nicht benutzen konnte, andere zur Verfügung standen. Vorsitzender des Kongresses ivar Graf Heymen aus Pskow. Ihn: standen als Vizepräsidenten zur Seite Fürst Jivolv aus Tula, der Präsident des Moskauer SemstwoS Golowin und der bekannte Jlvan Petrunke witsch. Die Präsidenten sämtlicher Semstwo-Vcrwalttingen hatten von den Gouverneuren ihrer Provinzen schriftlich das Verbot erhalten, den: Kongreß beizuwohnen und ebenso war den: Organisationsausschuß in Moskau ein Einberufungsverbot zugegangen, doch wurde der Kongreß trotzdem abgehalten. Er ist keine Parteiversammlung, sondern ttägt den Charakter einer Volksvertretung. Eine„ernannte" Volksvertretung. Petersbnrg, 8. M. Der vom Grafen Schereinetjew in Moskau gegründete Verband russischer Männer ließ den Minister de? Innern durch eine Anordnung ersuchen, die Mitglieder der Konserenz be- treffend die Volksvertretung sel b st zu ernennen und sie nicht von den Selbstverwaltungs-Jnstitutionen wählen zu lassen, weil dabei zu befürchten sei, daß manche Stände übergangen würden. Der Minister des Innern erklärte, er behalte sich die Ernennung der Mitglieder schon deshalb vor, weil bei einer Wahl die Zahl derselben zu groß werden würde.— Vereiteltes Attentat! Petersburg, 7. Mai. Während des gesttigen Tedeums in der St. Jsaakkirche bemerkte der diensttuende Offizier einen Gläubigen, der O f fi z i e r s un if o rm trug und entgegen den Vorschriften seinen Mantel nicht abgelegt hatte. Aufgefordert dies zu tun, weigerte er sich. Der diensttuende Offizier ließ ihn hierauf einer Leibesvisitation unterziehen, wobei man eine mit Nitro- glhcerin gefüllte Bombe entdeckte. politileke Clebersickt. Berlin, den 8. Mai. Der Nentralitätsbruch sanktioniert! Die zerlegten Torpedoboote, deren Beförderung nach Rußland durch die Lübecker Polizeibehörde inhibiert worden war, werden nun doch nach Rußland gehen! Man hat sie einfach für— Lustjachten erklärt! Der„Lübecker Anzeiger" berichtet: „Der finnische Dampfer„Aegier", dessen weitere Beladung mit dem in seine einzelnen Teile zerlegten russischen Torpedoboote vorgestern abend polizeilich verboten wurde, ist gestern abend 7 Uhr wieder freigegeben worden. Vorausgegangen waren Verhandlungen der gestern nachmittag hier eingetroffenen Vertreter der German iawerft in Kiel mit den: Polizei- amte. Die Beladung des Dampfers, der gestern abend da? Ziel zahlreicher Spaziergänger war, ist heute früh wieder abgenommen worden und wird der Dampfer voraussichtlich morgen früh in See gehen." Von anderer Seite wird berichtet: Der zur Begutachtung der „Aegir'-Ladung herangezogene Admiral Barandow- Kiel erllarte die für Torpedoboote gehaltenen Boote für Lustfahrzcugc. Der vorläufige Arrest ist deshalb wieder aufgehoben worden. Hierzu meldet uns eine Privatdepesche aus Kiel: In den Berichten bürgerlicher Blätter über die Stoppung des„Acgir" figuriert der Admiral a. D. Barandow als Sach- verständiger des Reichs- Marine- Amtes. Seinem Gutachten wird in erster Linie die Freigabe der Torpedo-Lustjachten zu- geschrieben. Mit dieser Meldung wird das gieichs- Marine- Sllint geradezu der Teilnahme an einer skandalösen Posse bezichtigt, denn Admiral Barandow ist seit Jahren erster Direktor der Germaniawcrft und speziell oberster Leiter des Torpedo- Wesens der Werft. Es ist also gänzlich ausgeschlossen, daß Barandow als einer der ersten Arrangeure und Interessenten der Werst Bertraucnsmann der Regierung gewesen sein könnte! In diesem Falle war also die Reichsregierung bei der von ihr veranlaßten Untersuchung überhaupt nicht vertreten. E s »v a r e n keine uninteressierten Fachleute zugezogen. Außer dem Admiral Barandow und einem Ingenieur derGermaniawerftwar bloßderrusfischeGeucralkonsnl 'in Lübeck und Vertreter der Lübecker Polizei bei der Untersuchung beteiligt. Man geht Wohl nicht fehl, wenn man den ganzen Neutralitätsretttmgsversnch für eine lokale Aktion der Lübecker Behörden hält, die von Berlin eher gehemmt und gestoppt, als gefördert worden ist. Unter den Arbeitern der hiesigen Germaniawerft herrscht über den Ausgang der Affäre große Heiterkeit. Ein paar Hundert von ihnen haben wochenlang an diesen„Lustjachten" gearbeitet, die ganz nach den: modernsten Typ der auf der Germaniawerft für die deutsche Marine er- bauten L-Torpcdoboote konstruiert sind! Man fragt lachend, was das fiir Lustjachten sind, die drei Kessel mit 16 oder 17 Atmosphärendruck erhalten. Die ganze Affäre wär in der Tat die tristeste Poffe, wenn der neue Rnssendienst nicht gar zu beschämend wäre I Unmöglich. Eine Ansprache, die der Kaiser bei der Vereidigung von Rekruten in Wilhelmshaven Anfang März d. I. hielt, wird jetzt m der«Evangel. Kirchenztg.' ausführlicher wiedergegeben. Doch er» scheint der dem Kaiser zugemutete Text durchaus unmöglich. Da? sirchliche Blatt berichtet auf Grund eines Briefes aus Wilhelms« Häven: „In der vergangenen Woche hatten wir den Kaiser einige Tage hier. Bei der Rekrutenvereidigung sprach er vorzüglich. Er spielte auf die Heldentaten der Japaner an und führte aus, daß sie geboren seien aus der japanischen Vaterlands- liebe und Kindesliebe, die wieder eine herrliche Manneszucht zur Folge hätten in Heer und Marine. Man dürfe aber aus den japanischen Siegen— den Siegen des heidnischen über ein christliches Volk— nicht den Schluß ziehen, daß Buddha unseren: Herrn Christus über sei. Wenn Rußland geschlagen wurde, so liege das zum großen Teile seiner Ansicht nach daran, daß eS mit dem russischen Christentum sehr traurig bestellt sein müsse, die Japaner aber viele christlichen Tugenden auf- zuweisen hätten. Ein guter Christ, ein guter Soldat! Aber auch im deutschen Volke sei es schlimm bestellt mit dem Christcutum, und er— der Kaiser— bezweifle, ob wir Deutsche im Falle eines Krieges überhaupt noch das Recht hätten, Gott um den Sieg zu bitten, ihm denselben im Gebete abzuringen wie Jakob im Sieg mit dem Engel. Die Japaner wären eine Gottes» geißel wie einst Attila und Napoleon. An uns sei es, dafür zu sorgen, daß Gott uns nicht einmal auch mit einer solchen Geißel züchtigen müsse usiv. Der Kaiser sprach sehr ernst und vor allem sehr eindringlich und einfach, für alle verständlich." Des Kaisers Reden sind ja meist gar eigenartig. Doch was ihm da unterstellt wird, kann er gewiß nicht gesagt haben. Entweder hat ein Zuhörer den Redner mißverstanden oder ein anderer hat Erinnerungen an kaiserliche Rcdeart zu einer phantastischen Erfindung mißbraucht. Dem: fast jeder Satz dieser angeblichen Aeußerungen des Kaisers ist platterdings eine Unmöglichkeit. Die Heldentaten der Japaner, ihre Vaterlandsliebe, Kindesliebe, herrliche ManneSzucht werden ge- feiert, zugleich aber wird ein Volk von so großen Eigenschaften als „Gottesgeißel' in Anspruch genommen. Diese heidnische„GotteS- geißel' soll auch„viele christliche Tugenden' besitzen. ivährend es mit dem russischen Christentum sehr traurig bestellt sein müsse; die Heiden wären danach eigentlich die guten Christen und die Russen, daS kirchengetteueste Volk Europas, wären schlimmer als die Heiden. Weiter aber: wenn Sieg und Niederlage schließlich doch vom Christentun: und eifrigem Beten abhängig sein soll, so müßten gerade die russischen Heer- führer und die Petersburger Leitung und der Zar selbst, dieses Ober- hrncht der russischen Christenheit, diejenigen sein, mit deren Christen« tum es also traurig bestellt wäre. Eine solche Herabsetzung des Ruffentums, wie sie selbst die An» geklagten des Königsberger Prozesses nicht schärfer gewagt haben, kann der Kaiser natürlich nicht unternommen haben. Was der Kaiser über Deutschland gesagt haben soll, ist nicht minder unmöglich. Die Deutschen sollen nicht einmal daS Recht haben, Gott um Sieg zu bitten. Es ist aber gewiß nicht zu glauben, daß der Kaiser das deutsche Christentum als so unwahr und traurig bestellt ansehen möchte wie beispielsweise wir Sozialdemokraten es ansehen. Und schließlich kann den Kaiser auch die Sorge nicht belasten, daß Gott uns auch einmal mit einer solchen japanischen Geißel züchtigen müffe. Denn die Russen werden bekanntlich ge« züchtigt, weil sie, wenn schon unter eifrigster Beteuerung friedlicher Absichten, eine landgierige Eroberungspolittk übten. Der Kaiser aber hat erst neuerdings weltpolitische Eroberungspolitik eifrig ab- gelehnt und seine Ablehnung ist sicherlich genau so aufrichttg gedacht wie die russische Friedensliebe unehrlich. Dann braucht uns aber vor einer heidnischen Gottesgeißel mit vielen christlichen Tugenden nicht zu bangen I_ Kohlenpreise und Bergardeiterstreik. Die Kohlenmonopolisten des Ruhrreviers haben die jüngste Erhöhung der Kohlenpreise um 50 Pf. per Tonne damit begründet, daß der Bergarbeiterstreik und die in Ans- ficht stehende Berggesetznovelle die Selbstkosten erhöhen werden, ffo daß die Preiserhöhung unvermeidlich sei. Wir haben mehrfach festgestellt, daß diese Begründung ganz hinfällig ist. Einen sicheren Beweis dafür, daß die Unternehmer init ihrer Begründung die Oeffentlichkeit dreist anlügen, erbringt eine Schrift über den Streik, die vom Vorstande des Ausbreitungs- Verbandes der deutschen Gewerkvereine in Düsseldorf heraus- gegeben worden ist. Die Schrift stellt fest, daß die neuen Preislisten mit der Preiserhöhung um 50 Pf. die Tonne schon Ende Dezember vorigen Jahres fertiggestellt waren, während der Streik bekanntlich erst am 7. Januar begonnen hat. Der Plan zu der Preiserhöhung muß also schon festgestanden haben, lange bevor an einen Streik zu denken war.— Rette Polizeizustände. Aus Halle berichtet man uns unterm 4. Mai: Mit sehr gemischten Gefühlen nahm die Hallesche Bürger» schaft ein Strafkammer-Urteil auf, daß heute in der BeleidigungS« klagesache des Polizeilornmissars K r i e b e l gegen seinen Vorgesetzten, Ober-Polizei-Jnfpektor, kgl. Amtsanwalt und Hauptmann der Land« wehr Weydemann gefällt wurde. Der Ober-Jnspeltor, der den Kommissar eine geraume Zeit schikaniert hatte, nieste den Mann eines Tages gelegentlich einer Anzeige i» seinem Bureau mit den Worten an:„Pfui Teufel, so eine Anzeige erstatten Sie.' Dann spuckte er vor dem.Untergebenen' zweimal ans und brüllte, als dieser erklärte:„Ich bin doch nicht Ihr Sklave'—„halten Sie den Mund und seien Sie nicht so stech.' Schsießlich forderte er den im Bureau anwesenden Wachtmeister auf, den Kommiffar hinauszuschmeiße». Das Schöffengericht hatte den schneidigen Oberinspektor dieserhalb mit 30 M. Geldstrafe belegt. Die Strafkammer sprach ihn aber auf eingelegte Berufung frei, da— die Absicht der Beleidigung fehle. In der Urteilsbegründung sagte man, die Ausdrücke seien gewiß nicht angebracht, aber bei der Erregung des Bcllagten erklärlich. Die Verhandlung bot eine Menge erheiternder Momente. So warf der Kommiffar u. a. dem Oberinspektor vor, dieser habe sich mit dem Inspektor v. Dossow im Polizeibureau herumgeprügelt. Herr Weydemann entgegnete, daß die Sache durch den Ehrcnrat ge« regelt sei. Unser in manchen Punkten sehr bescheidener Magistrat blickt aber immer noch mit Stolz und Bewunderung auf unsere nmsterhafte Polizeiverwaltung.— Ter Scheindesitz deS Wohnhaus»». Bei den Gemeindeverttetcr-Wahlen zu RoSdzin(Kreis Katto» Witz) wurden am 4. März 1994 der Hüttenmeister Götz und der Major a. D. von der Oelsmtz, dieser ein Beamter der Bergwerks- Gesellschaft von Gicsches Erben, in der 1. Abteilung mit je einer Stimme gewählt. Es war ein Nichtangeseffener und ein Angesessener zu wählen. Der Angesessene soltte der Major v. d. Oelsnitz sein. Gegen seine Angeseffenheit mit' einem Wohnhause wurden aber schwer« Bedenken laut. Der Gemeindevorsteher selber focht deshalb die Wahlen der ersten Abteilung an, indem er geltend machte, es sei überhaupt kein Angesessener in der Abteilung gewählt worden, und deshalb beide Wahlen ungültig, da ja jeder nur eine Stimme erhalten habe und es sich nilht ohne weiteres ergebe, welcher von beiden als Nichtangeseffener gewählt sei. Auf den Namen des Majors sei zwar ein Wohnhaus der' Gesellschaft Giesches Erben grundbuchlich übertragen, worden. aber, wie ein Protokoll ergebe, lediglich zu dem Zwecke, dem Major a. D. v. d. Oelsnitz als„Angesessenen' die Wahl in die Ge- meindcvertretung zu ermöglichen und durch ihn zugunsten der ge- nannten Bergwerks-Gesellschaft in der Gemeinde Einfluß zu ge- Winnen. Ein Kaufgcld sei gar nicht gezahlt, und der Major sei verpflichtet worden, der Gesellschaft auf Verlangen das Grundstück jederzeit wieder grundbuchlich aufzulassen. So handele eS sich nur um eine Scheinübertragung des Besitze?, die den Major nicht zum Eigentümer mach� Bfct KresSauSschvH zv Kattowitz rmd«et BezirkSavSschutz zu Oppeln erklärten jedoch die Wahlen für gültig. Entscheidend sei allein die Eintragung des Majors als Eigentümer jenes Hauses in das Grundbuch. Das Grundbuch habe kraft Gesetzes öffentlichen Glauben. Am 6. Mai beschäftigte sich das Ober-V«rlvaltungS- ?1 e t i ch t als Revisionsinstanz mit der Sache. Der persönlich er- chienene Major erklärte unumwunden, daß die grundbuchliche Uebertragung des Grundstücks auf seinen Namen nur den Zweck gehabt habe, seine Wahl zu ermöglichen und der Bergwerks-Gesell- schast Einfluß zu verschaffen.— Das Ober.Verwaltungsgericht erklärte jedoch beide Wahlen der ersten Abteilung für ungültig, indem es unter Aufhebung der Vorentscheidung dem Antrage des Gemeinde. Vorstehers folgte. Rekrutcnidyll an Bord eines Torpedobootes. Aus Kiel wird UNS vom B. Mai berichtet: Auch bei der Marine sind seit einiger Zeit die Misthandlungsprozesse an der Tagesordnung. So hatte sich gestern Nsieder vor dem Kriegsgericht der ersten Marine- Inspektion der Bootsmannsmaat Langenau vom Torpedoboot.8. 32' wegen Misthandlung und vorschriftswidriger Behandlung Untergebener zu verantworten. Dem Angeklagten wurden eine ganze Reihe von Fällen zur Last gelegt, in denen er Rekruten, wenn sie bei der Instruktion mit der Antwort nicht schnell genug waren oder wenn bei Uebungen die Ausführung des Befehls zu langsam erfolgte, mit Püffen und Ohrfeigen regalierte. Den Matrosen Stoll hat er mindestens zehnmal mit der Faust unters Kinn(je schlagen. Einmal versetzte er ihm beim Springen über das Brertseitrohr,„um ihm etwas nachzuhelfen', einen Stost in den Rücken, dast jener zu Boden stürzte. Darauf rist er noch sein Opfer mehrere Male am Ohr und liest den Mann, trotzdem er über heftige Schmerzen klagte, die Uebung noch zweimal wiederholen. Austerdem pflegte dieser Rekruten- Pädagoge seine Untergebenen mit Stiefeln zuwerfen und fein Schimpfwörterlexikon stand an Ausgiebigkeit dem Kasernenhof- sprachschatz seiner Kollegen von der Landarmee kaum nach. Ein beliebtes Spästchen des Angeklagten war eS, dast er seinen Mann- schaften die Uniformstücke auf das Deck warf, damit sie bei den beschränkten Raumverhältnissen des Bootes über Bord,«in die große Kiste", wie er sich ausdrückte, kollern mußten. Die Zeugen konnten sich der einzelnen Vorfälle nicht mehr recht entsinnen— auch bei den Marincrekruten scheint sich vor dem Kriegsbericht, wenn sie Vorgesetzte belasten sollen, leicht Gedächtinsschwäche einznstellen. Schlietzlich erkannte das Gericht, trotzdem zwei Fälle vorschrists- widriger Behandlung und fünf Fälle von Misthandlung als erwiesen erachtet wurden, auf ganze sechs Wochen Mittelarrest. Weitere gerichtliche Verfolgung von Misthandlungen, die in der Ab- teilung des Angeklagten vorgefallen sein sollen, wurde in Aussicht gestellt. Solche milden Urteile werden den Torpedomatrosen das ohne- hin schwere Leben an Bord der Boote kaum erträglicher gestalten.— Kasernennot. Aus Metz wird vom RuBfond. Die Eisenformrr des Seine- Gebietes, die drei Monate lang im Streik gestanden, haben beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Unternehmerverband, in dem die Scharfmacher die Herrschaft ausüben, lehnte jede Unterhandlung mit den Arbeitern ab. Nichts- destoweniger haben eine ganze Reihe mittlerer und auch größerer Betriebe, gewissermaßen heimlich, die Forderungen der Arbeiter an- erkannt. Mindestens also kann ein teilweiser Sieg der Arbeiter konstatiert werden, auch die übrigen Betriebe hofft man bald zur Anerkennung der Forderungen zu zwingen, dies umsomehr, als die �Organisation durch den Streik wesentlich gekräftigt worden ist. Soziales. Der Böckertarif. Der Däckerwerkmeister N. verlangte, durch Klage beim Berliner Gewerbegericht vom Bäckereibesitzer Blöttner eine emtägige Lohn- entschädigung und außerdem Bezahlung von Ucberstundcn mit 1,25 M., im ganzen 8,50 M. Der Vertreter des Beklagten wandte Kündigungsausschluß ein und erkannte den Väckertarif, wonach Ucberstunden zu bezahlen sind, nicht an. Der Herr wurde darauf aufmerksam gemacht, daß hier nicht Kündigungsausschluß, sondern mÄMge Stmbmna verewbgkt gewesen sei. Das bedeute, daß VW einem Tage x"m anderen gekündigt werden müsse. Kläger hätte deshalb nicht ohne weiteres entlassen werden dürfen. Kläger berief sich auf das Zeugnis des Verbandsfunktionärs Hetzschold darüber, daß im Betriebe des Beklagten der Tarif gelte, der Ue verstunden vorsehe. Um aber Zeit zu sparen, verzichtete er auf Zureden des Gerichtshofes(Kammer 6) auf die Ueberstundenbezahlung, als sich der Vertreter des Beklagten, demselben Einflüsse folgend, zur frei. willigen Zahlung der Lohnentschädigung für einen Tag bereit fand. Für den 7. internationalen ArbeiterversicherungS-Kongreß, der vom 17. bis 23. September 1905 zu Wien abgehalten werden wird, sind als Hauptverhandlungsgegenstände die Alters- und Invaliden- Versicherung, die Arbeiterversichernngs-Statistik und die Ber- cinfachung der Arbeitervcrsicherung bestimmt. Ueber den ersten Gegenstand hat für Frankreich der vormalige Minister Millerand auf Einladung des Ehrenpräsidenten des Ständigen Kongreß-Aus- schusses, Dr. Bödiler, ein Referat übernommen, Hud Induftne und ftandeU Zur Lage des Kohlen-Klcinhandels. Die Lobredner der Kartelle und ihrer Absatzpolitik behaupten, daß durch die Kartelle der Zwischenhandel naturgemäß mehr und mehr ausgeschaltet werde und dadurch selbst dann, wenn die industriellen Kartelle ihre Absatzpreise hinaufsetzten, ihre Erzeugnisse zu niedrigeren Preisen an die Konsumenten gelangten, als unter dem System der freien Konkurrenz. Daß diese'Behauptung unrichtig ist, lehrt schon ein flüchtiger Blick auf die Detail- preise der meisten syndizierten Artikel vor und nach der Kartellierung. Erst kürzlich haben wir in einer Ueber- ficht über die Bewegung der Kohlenpreise nachgewiesen, wie alsbald nach der Gründung des Rheinffch-westfälischen Kohlensyndikats im Jahre 1893 ein Aufsteigen der Kohlenpreise im Großhandel erfolgte. dem sich natürlicherweise gleichartige Erhöhungen im Kleinhandel anschloffen. Aber nicht nur dieser Teil der Behauptung ist falsch, auch von einer Ausschaltung des Zwischenhandels durch die Syndikate ist bisher nichts zu spüren gewesen; im Gegenteil hat die Kartellierung der Produzenten einer Branche vielfach eine Kartellierung der deren Erzeugnisse vertreibenden Großhändler zur Folge gehabt. Das beste Beispiel bietet auch hierfür die Kohlenindustrie, in der, meist durch die Syndikate und Braunkohlen-Vereine selbst angeregt, eine Reihe von lokalen Kohlenhandels-Gesell- schaften und-Verkaufsvereinigungen entstanden sind, die in manchen Gegenden den Markt völlig monopolistisch beherrschen, da die Syndikate, Brikettvereinigungen zc. nur an sie verkaufen und in- folgedesien die Kleinhändler gezwungen sind, von ihnen ihren Bedarf zu beziehen und sich alle, auch die drückendsten Bedingungen gefallen- zu lassen. In welcher Weise die in solchen Kartellen oder Ringen ver- einigten Kohlen-Großhändler ihre wirtschaftliche Ueberlegenheit geltend zu machen wissen, zeigt ein uns von einem Kohlen- Kleinhändler zugesandter Vertrag über eine Brikettlieferung, die er mit der hiesigen Firma Louis Schulze, Gesellschaft mit be- schränkter Haftung abgeschlossen hat. Die Firma bedingt sich in dem Vertrag strengste Jnnehaltung der Zahlungsfristen und Abnahmetermine aus.„Di« Lieferung", heißt es in dem betreffenden Schriftstück,„erfolgt auf Ihren Abruf in gleichmäßigen monatlichen Raten unter möglichst gleichmäßiger Verteilung innerhalb jeden Lieserungsmonats. Für diejenigen Mengen, welche der Käufer bis zum' Schluß eines jeden Liefer- monats nicht abgerufen hat, besteht für den Verkäufer keine Verpflichtung zur Nachlieferung; wohl aber hat der Verkäufer das Recht: entweder nach seiner Wahl die gänzliche oder teilweise Abnahme der nicht abgelieferten Mengen mnerhalb zweier Monate nach Ablauf des Lieferungsmonats zu ver- langen; oder aber die rückständigen Mengen, ohne die Dispositionen der Käufer abzulo arten, an dessen Adresse nach der Station Berlin im Laufe her beiden nächsten Monate zur Verladung zu bringen. Außerdem steht ihm das Recht zu, die Lieferung während der Wintermonate, September bis Februar einschließlich, in demselben Verhältnis zu vermindern, in welchem der Käufer während der Sommermonate April bis August einschließlich bis zum Beginn der Wintermonate mit der Abnahme im Rückstände ge- blieben ist." Der Kleinhändler ist also unbedingt, mag eintreten, was will, zur regelmäßigen Abnahme der gekauften Mengen verpflichtet; da- gegen steht es völlig im Belieben der Firma Schulze, ob sie den übernommenen Anstrag ausführen will, denn in bezug hierauf heißt es im Vertrag:„Höhere Gewalt, Gruben-, Fabriken- und Eisenbahn« Betriebsstörungen, Arbeiterausstand, Arbeiter- und Waggonmangel, Mobilmachung, Krieg, Verfügung der Staatsbehörden, Unter- brechung, Einstellung und Einschränkung des Be- t r i e b e s in den Gruben und Fabriken entbinden während deren Dauer und je nach Verhältnis zu ihrem Umfange von der Lieferung. Zur Nachlieferung der durch solche Hindernisse ausgefallenen Mengen ist der Verkäufer nicht verpflichtet." Aber die Firma Schulze ist nicht' mir nicht an die Ausführung der mit ihr abgeschlossenen Lieferungen gebunden; sie hat auch das Rechte, andere, minderwertigere Qualitäten als die bestellten zu liefern, ohne daß der Kleinhändler sich deren Abnahme weigern darf. „Eine Garantie", so heißt es gegen Schluß des Vertrages, „für die Qualität und den Ausfall der verkauften Waren übernehmen wir nicht; wir leisten nur dafür Gewähr, daß die Waren aus der vereinbarten Fabrik stammen." Auch statt der bestellten sechszölligen siebenzöllige Briketts zu liefern, ist die Firma berechtigt. Und ferner schreibt sie dem Kleinhändler genau den Detailverkaufspreis vor, unter den dieser in keinem Fall herabgehen darf, wenn er sich nicht der Gefahr aussetzen will, daß er von leder Lieferung ausgeschlossen wird. Selbst die Gewährung eines mäßigen Rabatts ist dem Kleinhändler verboten. Er wird also direkt zur Hochhaltung der Preise ge- zwungen._ Die Großeinkaufs- Gesellschaft deutscher Konsumvcreiue, Ges. m. beschr. Hastung, Hamburg, hat nach ihrem soeben veröffent- lichten Geschäftsbericht im letzten Jahre einen Warenumsatz von 33 929105 M. erzielt, 7 183 517 M. oder 28 Proz. mehr als im Jahr 1 903. Der Reingewinn bettägt 200 313 M. Er soll nach dem Vorschlag der Leitung folgendermaßen verteilt werden: 5 Proz. Kapitaldividende auf eingezahlte Stammanlagen(gleich 21 368 M.), ferner 5 Proz. Zuschreibung zum Reservefonds(8798 M.) und 35 Proz. zum Dispositionsfonds(61 591 M.). Die von der Gesellschaft beziehenden Konsumvereine erhalten insgesamt 92133 M. Der dann noch verbleibende Rest von 13116 M. soll zur Dotation verschiedener Fonds verwendet werden. Kursbewegung im April. Die Abschwächung der Kurse, die 'chon während des Monats März festzustellen war, hat auch im April weitere Fortschritte gemacht. Für die an der Berlmer Börse gehandellen Wertpapiere stellte sich der Mtinwkurs im Januar auf 101,31 und stieg dann im Februar um nicht weniger als 1 Proz. auf 105,32. Ende März war der Gcsamtdurchschnittskurs 101,59, Ultimo April 101,33. Der Kursrückgang war im April für die fest- verzinslichen Werte wie für die Dibidendenwerte gleich groß. Der Kurs der feswerzinslichen Werte ermäßigte sich von 96.65 auf 96,11. Von den verschiedenen Gruppen der feswerzinslichen Werte sind die deuffchen Staats- und Kommunalanleihen, die ausländischen Anleihen, die in- und ausländischen. Eisenbahn-Prioritäts-Obliga- tionen, sowie ganz besonders auch die Obligationen von industtiellen und Bergwerksgesellschaften im Kurse gesunken. Steigerungen weisen dagegen die deuffchen Provinzial- und Kreisanleihen, die Renten- und Pfandbriefe, die Klein- und Straßenbahn-Obligationen sowie die Lospapiere auf. � Bei den Divldenbenßapiet�n ist der Kursrückgang insofern bemerkenswert, als durch ihn die seit Mai 19.01 unausgesetzt von Monat K Monat steigende Kursrichtung unterbrochen wurv«, Der Kursrist nämlich von 166,10 Ende März auf 165,83 im April, oder um 0,27, zurückgegangen. Die Annahme, als ob während des Monats April auf dem Jndustrie-Aktienmarkt eine Abschwächung eingetreten sei, trifft jedoch nicht zu. Denn die Kurseinbuße bei den „Dividendenwerten ist einzig und allein nur dadurch veranlaßt, daß 'die Barckattien eine Entwertung erfahren haben. Die deuffchen Banlattien gingen um 1,72, die ausländischen sogar um 3,27 Proz. deZ Nominalkapitals zurück. Auch die Transportwerte weisen eine 'Abschwächung auf. Sieht man indes von diesen Gruppen und den Aktiengesellschaften, die nicht rein gewerblichen'Charakters sin?, ab und beschränkt seinen Blick nur auf den Jndustrie-Attienmartt, so ergibt sich, daß in sämtlichen Gewerbegruppen, mit Ausnahme der chemischen Industrie, auch im April die Kursbewegung steigend war. Die Oberschlesischen Kokswerke und Chemischen Fabriken, Aktiengesellschaft, Berlin, hielten gestern ihre General- Versammlung ab, in der die Dividende für das letzte Geschäftsjahr auf 9 Proz. festgesetzt und beschlossen wurde, das Grundkapital um 3.5 Millionen Mark auf 13,5 Millionen Mark zu erhöhen und die Verwaltung zur Aufnahme einer Obligationsanleihe im Betrage, von 3 Millionen Mark zu ermächtigen. Aus den neuen Mitteln sollen der auf„Friedensschacht" aufgenommene Kredit von 6 000 000 M. und das Restkaufgeld zu der„Redenhütte" im Betrage von 1 265 000 Marl abgetragen werden. Hua der frauenben»egung. Sorsigwalde-Tegcl. Der Frauen- und Mädchenbildungs-Verein hält Mittwoch, den 10. Mai, abends 8� Uhr, im Lokale von Robert Schmidt in Tegel, Schlicperstr. 61, seine Mitgliederversammlung ab. — Schiller-Rezitation von Herrn W a l t h e r. Gäste willkommen. C3erLd)t9-Leitung. Auf Leben und Tod Ein blutiges Rencontre zwischen drei Wilderern und einem Gendarm, bei welchem es auf Leben und Tod ging, beschäftigte gestern das Schwurgericht des Landgerichts II. Wegen versuchten Tot- schlages und Jagdvergehens waren der Bauarbeiter Albert I u p p e und der Gürtler August Scholz angeklagt, während der auf freiem Fuß befindliche Eisendreher Paul Feind sich nur wegen Jagdvergehens verantworten mußte.— Am Vormittag des 21. April v. I., einem Sonntag, fand auf der Lichtenrader Feldmark ein blutiger Zusammenswß zwischen dem in Lichtenrade stationierten Gendarm Schneider IV und drei Wilderern statt. Der Beamte war durch einen Dienstknecht darauf aufmerksam gemacht worden, daß m der Nähe des Lichtenrader Feldweges drei Personen aus Stockflinten auf die in den Roggenfeldern zahlreich wechselnden Hasen schössen. Als der Beamte hinzukmn, ergriffen die drei Personen die Flucht. Der Gendarm lies hinterher und stellte die Wilderer. Es kam zu einem scharfen Zusammenstoß. Einer der Wilderer. welcher auf den Gendarm geschossen hatte, erhielt von diesem einen Schutz in den Oberschenkel, ein zweiter Wildschütze, der ebenfalls aus den Beamten anschlug, wurde von ihm in dem gleichen Augenblick angeschossen. Der Gendarm hatte zwei Schüsse in die rechte Hand und den rechten Unterarm erhalten. Der in den Unterschenkel ge- troffene Wilderer blieb bewußtlos am Boden liegen. Während Schneider in das nächste Dorf ging, um einen Wagen zum Transport des Schwerverletzten zu holen, hatte diesei�das Bewußtsein wieder- erlangt und sich trotz seiner Verletzung fortgeschleppt.— Trotz eifrigster Ermittelungen gelang es längere Zeit nicht, die Täter fest- zunehmen. Erst am 6. Dezember v. I. kam durch eine Denunziation Licht in die ganze Sache. In der gestrigen Verhandlung vor den Geschworenen führte Landgerichtsdirektor v. Haugsdorf den Vorsitz, die Anklagebehörde vertrat Assessor Dr. Stelzner, di« Verteidigung der Angeklagten lag in den Händen der Rechtsanwälte Dr. Wexthauer und Dr. Karl Löwe wthal. In der Ver» nehmung der Angeschuldigten bestritten diese, sich irgend einer straf» baren Handlung schuldig gemacht zu haben. Der Angeklagte I u p p e erklärt folgendes: Am 21. April v. I. habe er mit Scholz und Feind, mit denen er näher befreundet sei, eine Fußpartie verabredet. Ein besonderes Vergnügen sei es für sie gewesen, mit Stockflinten, di« sie stets bei ihren Ausflügen bei sich führen, nach Steinen uns Bäumen zu schießen. Während sich Feind gerade lagerte, um sein Frühstück zu verzehren, sei plötzlich der in Zivilkleidung befindlich gewesene Gendarm Schneider IV an F. herangetreten und habe ihm die Stockflinte fortgenommen. Es wäre zu einem Handgemenge gekommen, da er(Juppe) und Scholz keine Ahnung davon gehabt hätten, daß der Zivilist em Gendarm sei. Im Laufe des Hand- gemenges habe Scholz einen Schreckschuß abgegeben, worauf ihn der Gendarm sofort niedergeschossen habe. Als der Beamte seinen Revolver auch auf ihn anschlug, habe er in der Notwehr geschossen. Erst nach dem Vorfall habe er durch die Zeitungen erfahren, daß jener Mann ein Gendarm gewesen sei.— Der Angeklagte Scholz erklärte bei seiner Vernehmung, daß bei dem Handgemenge sich seine Flinte entladen habe und durch einen unglücklichen Zufall den Beamten verletzt habe. Er habe sich mit einem Schuß durch beide Oberschenkel, nachdem er das Bewußffein wiedererlangt hatte, nach Klein-Ziethcn geschleppt und sei von dort erst mühsam nach Hause gekommen.— Der Angeklagte Feind bestreitet, sich des Jagd. Vergehens schuldig gemacht zu haben. Zu der Verhandlung waren als Sachverständige der Hofbüchsenmachermeister Barella, der Gerichtsarzt Dr. Hoffmann und die prakttschen Aerzte Dr. Kretschmar und Dr. K a st n e r geladen. Berittener Gendarm S ch n e i d e r IV gibt die der Anklage zugrunde gelegte Schilderung von den Vorgängen.— Daß Juppe ein gewerbsmäßiger Wilderer ist, glaubt die Anklage aus der Bekundung des Zeugen Rosenthal zu entnehmen. Dieser bekundet«, daß I. schon einmal zwischen Karlshorst und Sadowa ein Rencontre mit einem Förster gehabt 'habe, wobei ihm die Stockflinte fortgenommen sei, auch habe Juppe einen angeblich von- ihm geschossenen Fasan mit Scholz verzehrt.— Staatsanwalt Stelzner trat siir Bejahung der Schuldfragen im Sinne der Anklage ein. Die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr. Löwenthal traten für Bejahung der von der Vertet- digung gestellten Nebensragen nach Körperverletzung und Widerstand gegen die Staatsgewalt ein.— Die Geschworenen bejahten nach längerer Beratung bezüglich der Ange- klagten Juppe und Scholz die Schuldfragen wegen versuchten Totschlages und Jagdvergehens, bei Feind die Frage nach Jagdvergehen. Der Antrag des Vertreters der Anklagebehörde lautete gegen Juppe und Scholz auf je zwei Jahre und einen Monat Gefängnis, sowie drei Jahre Ehr. v e r l u st. Die Rechtsanwälte Dr. Werthauer und Dr. Löwenthal baten um eine möglichst milde Strafe, da sich die Angeklagten Wohl nur in ihrer augenblicklichen Erregung zu der Tat hatten hinreißen lassen. Der Gerichtshof erkannte gegen Juppe und S ch o l z aus je zwei Jahre einen Monat Gefängnis unter An- rechnung von zwei Monaten der erltttenen Untersuchungshast. Gegen Feind lautete das Urteil wegen Jagdvergehens auf 5 0 M. Geld- strafe. Juppe und Scholz erklärten die Strafe annehmen zu wollen. Der deutsche Redakteurtag will sich rehabilitieren. In der Privatklagesache der Redakteure Dr. Richard Wrede und 7 Genossen in ihrer Eigenschaft als Teilnehmer des dritten deutschen Redakteurtages in Magdeburg gegen den Redakteur Hugo R o e s ch stand gestern Termin in der Berufungsinstanz vor der fünften Strafkammer des Landgerichts II cm. Die Kläger wurden durch Rechtsanwalt R i e s e n f e l d, der Angeklagte durch Rechts. anwalt Viktor F r ä n k l vertreten. Der Angeklagte, welcher Heraus. geber der„Literarischen Praxis" ist, hat in einem Flugblatt eine Reihe von Preßstimtnen wiedergegeben, die sich mit dem gm erste» A Verfammlungen. Der THING 1 Sigung haben Dienstag: " 11 # " Cfterfeiertage des vergangenen Jahres in Magdeburg stattgefundenen geber berpflichtet ist, den Arbeitern auf ihr Verlangen eine Aufbrechung von Fall zu Fall. Die durchaus ungenügende Novelle und die britten deutschen Redakteurtag beschäftigten. Diese einzelnen Preß- rechnung über die von ihnen beförderten Steine zu geben. Es Möglichkeit ortsstatutarischer Versicherungspflicht aller Heimarbeiter hat diese stimmen enthalten scharfe Angriffe der Mitglieder jenes Tages", entspann sich eine lebhafte Debatte über die Bedeutung einzelner welche in der Rechtsprechung wert gelegt wird, sind in der Anm. 87, S. 13, Rechtsunsicherheit nicht verringert, sondern vergrößert. Die Momente, auf Sprachen von schäbiger Schmocgesinnung"," Schnorrerei" und Bestimmungen des Vertrages. Der Druck des vollständigen Ver- des von Ihnen angeführten Buches dargelegt. Wird in Ihrem Falle er" Bettelei" und erklärten das ganze Reden und Gebahren auf diesem trages wird wahrscheinlich Sonnabend soweit gefördert sein, daß der tannt, Ihre Frau sei nicht versicherungspflichtig, so hat die Kasse die Beiträge Redakteurtage für einen unerhörten Standal". In einer An- gedruckte Vertrag in den Verkehrslokalen an die Mitglieder verteilt zurüdzuerstatten. Es liegt im Interesse der Arbeiterinnen, derartige merkung des Flugblattes besprach der Angeklagte auch noch die so- werden kann. Magen auf Anerkennung der Versicherungspflicht durch ihre Ge genannte Altersheim Affäre in dem Sinne, daß Dr. Wrede In den Besitz der Maimarke haben sich am 1. Mai über 4000 werkschaft führen zu lassen. An diese wende sich Ihre Frau. hierbei nicht ganz uneigennütig gehandelt habe. Die von den feiernde Bauarbeiter gefekt. Eine Anzahl mehrere hundert A.. 59. 1. Ist das Kind zu schwächlich, so könnten Sie um Dispens Privatflägern wegen der in dem Flugblatt enthaltenen Beleidigungen die auch feierten, haben dies indessen aus verschiedenen Gründen bei der Schuldeputation einkommen. 2. Ihre Frau, nicht Sie, wären unter angestrengte Privatklage endete vor dem Schöffengericht mit einer verfäumt. Es wurde deshalb beschlossen, daß die noch keine Mai- Reisegeld abzuziehen. Das Mädchen soll auf Bahlung ihres Lohnes beim stüßungsverpflichtet. A. A. Keineswegs ist die Herrschaft berechtigt, das Berurteilung des Angeklagten zu 30 M. Geldstrafe. Auf die bon marte besibenden Kollegen berechtigt seien, sich bis zum 19. Mai Amtsgericht flagen. G. F. 37. Das Urteil fann durch den Vertreter den Privatklägern hiergegen eingelegte Berufung bob die fünfte wegen unentgeltlicher Nachlieferung der Maimarte bei den Bezirks- des Kindes vollstreckt werden, selbstverständlich auch wegen der Raten für Strafkammer nach längerer Verhandlung gestern das erste Urteil tassierern zu melden. Nach dem 19. Mai werden Maimarken nicht die Monate, in denen der Vater stellungslos gewesen sein soll. Zulässig ist auf und verurteilte den Angeklagten zu 800 Mart Geldstrafe mehr unentgeltlich abgegeben. Nach den eingelaufenen Meldungen Offenbarungseidesabnahme und Lohnbeschlagnahme. Kann der Vertreter event. 30 Tagen Gefängnis und Tragung der Kosten. Die Be- wurden wegen der Maifeier ausgesperrt, meist nur für einen Tag, Armenrecht und Bestellung eines Anwalts erwirten oder einen Anwalt, zu des Kindes diese Schritte nicht selbst bewirken, so muß er für das Kind rufungstammer hielt die in erster Instanz erkannte Strafe mit 269 Kollegen 43 davon sind noch als weiter ausgesperrt zu be- bem er Butrauen hat, bestellen. Vor Inanspruchnahme des von Ihnen geRücksicht auf die Schwere der Beleidigung für viel zu gering. Den trachten. Außerdem sind einige 20 entlassen, weil sie die Vertrags- nannten Vereins oder anderer Rechtskonsulenten ist zu warnen. Privatflägern wurde die Publikationsbefugnis in der Literarischen löhne forderten. Die Verwaltung beantragt, den Kollegen, welche D. F. 5. Vornahme unzüchtiger Handlungen mit Bersonen unter Bearis" zugesprochen. nuram zweiten Mai ausgesperrt waren, teine Gemaßregelten- bierzehn Jahren oder die Verleitung derselben zur Verübung oder Duldung Unterstützung zu zahlen. Hierüber diskutierte man eine Zeitlang. folcher Handlungen ist mit Zuchthausstrafe bis zu zehn Jahren und bei Der Vorschlag der Verwaltung wurde angenommen. Danach er- Borhandensein mildernder Umstände mit Gefängnisstrafe nicht unter sechs Monaten bedroht. halten also nur diejenigen Unterstützung, die wegen der Maifeier verliert deshalb, weil sie heiratet, feineswegs ihren Unfallrentenanspruch: fie 100. 1. Das ist zulässig. 2. Eine Unfallverlette und wegen der Forderungen über den 2. Mai hinaus noch aus- bleibt nach wie vor erwerbsunfähig oder vermindert erwerbsunfähig. Eine öffentliche Versammlung der Bäckereiarbeiter und aller in gesperrt waren.-In die Schlichtungskommission wurden 422. Lassen Sie sich Abschrift des Protokolls, eventuell des Urteils diesem Berufe tätigen und beschäftigten Personen: wie Verkäufe-. Heidemann, Kriebo, Dräger, Georg Heine geben. Ist der Eid durch Urteil auferlegt, so ist der Eid nach Rechtskraft rinnen, Hausdiener, Kutscher und Lehrlinge, tagte am Sonntag in mann, Gröber, Beier und Rennthaler gewählt. des Urteils zu leisten. Die Partei, die will, daß der Eid geleistet wird, hat der Kaiser Wilhelmstr. 18m. hehschold referierte über den Zuzur Eidesleistung zu laden.- B. W. 34. Der Arzt ist im Unrecht. Die sammenschluß aller dieser Kategorien in eine Organisation. An der nukung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet werktäglich von sein. Daß eine Veranlagung dazu bestanden haben müsse, ist selbstverständ Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be: Sach- und Rechtslage ist folgende: Ein Bruch kann Folge eines Unfalles Hand zahlreichen Materials führte er den Beweis, daß die in den 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. lich. Diese Veranlagung hat jeder Mensch der Heraustritt eines Teiles Bäckereien und den damit verbundenen Verkaufsstellen und Läden be- In den Lesesälen liegen zur Zeit 515 Beitungen und Zeitschriften jeder Art der Eingeweide aus der Bruchpforte ist der Bruch. Ist der Austritt wie bei schäftigten Personen dieselben schlechten Löhne, dieselbe Behandlung, und Richtung aus. Ihnen durch Heben einer Last eingetreten, so liegt ein Unfall vor. Wegen ja noch weit schlechter, wie die Bäckergesellen haben. Löhne für der Häufigkeit des Bruches haben die Berufsgenossenschaften in wachsendem Berkäuferinnen bon monatlich 18 bis 25 M. sind gang und gäbe. Eifer darauf gedrungen, Bruchschäden nicht als Unfallfolgen zu bezeichnen. Für Hausdiener betragen die Löhne ebenfalls 20-30 m. monat- Sozialdemokratischer Agitations. Verein für den Reichstags- Soweit ist das Reichsversicherungsamt nicht gegangen. Aber es ist wie in lich, und alles dies bei einer Arbeitszeit von 15-20 Stunden. Wahlkreis Züllichau- Schwiebus- Kroffen- Sommerfeld. Bersammlung allen Fragen der Berufsgenossenschaft weit entgegengekommen. Es nimmt Das menschenunwürdige System des Essens und Schlafens bei dem jeden Dienstag nach dem 8. im Monat bei Batt, Dragonerstr. 15. an, die Beranlagung zum Bruch ohne Unfall sei so start, daß der Beweis Meister laste auch auf diesen. Er stellte fest, daß in einer Bäckerei im Bereinskalender find zu richten an Albert Liebetrau, Berlin, Putbuser- müsse. Arbeiter- Raucherbund Berlins und der Umgegend. Aenderungen des Unfalls und der Unfallfolgen besonders strikt geführt werden Ferner hat die brüchige Rechtsprechung, im Widerspruch in der Brunnenstraße sogar die Dienstmädchen, Verkäuferinnen, Ge- ftraße 15, IV. Gemütlichkeit IV", Friedrich, Frankfurter Allee 198. mit den tatsächlichen Verhältnissen, die Folgen der Bruchschäden sellen und Lehrlinge eine Stube als Schlafraum benutzen müssen! Ambalema", Udel, Forsterstraße 19." Eldorado", Schiefte, Grüner außerordentlich niedrig tariert. Nicht die ärztliche Wissenschaft, wie Ihr Hinter einer Gardine müssen sich die weiblichen Personen beim Weg 120. Feste Brüder Moabit", Schöz, Bremerstraße 71. Arzt behauptet, hat eine Wandlung auf diesem Gebiete durchgemacht, Schlafengehen entfleiden. Der dort beschäftigte Lehrling schläft Beilchenblau", Loppow, Prenzlauer Allee 206." Dewets Eiserne Pfeife", neue Ergebnisse der Anatomie auf diesem Gebiete gezeitigt, sondern die fogar noch 2 Stunden( von 10-12) mit den weiblichen Personen Engler, Schulstr. 5." Butunst", Neuendorf, Neu- Weißensee, Friedrich- Rechtsprechung hat, lebhaft von ärztlichen Handwerkern unterstützt und durch Neuer Berliner", Steffan, Wienerstr. 31. Gesundbrunnen", die Klagen der Berufsgenossenschaften gedrängt, sich dem Geldbehaltungszu gleicher Zeit im Zimmer. Ferner erwähnte der Referent, daß straße 5. Mädel, Ackerstraße 68. interesse der Genossenschaften gebeugt und diese Unterwerfung mit all" Bolldampf", Wachs, Münchebergerstraße 8. auch die Lehrlinge von uns laut Beschluß der 10. Generalversamm " Domingo", Rohloff, Waldemarstr. 16. Victoria", Heider, Borhagenerstr. 21. gemeinen Redewendungen über Bruchanlagen verbrämt. Einige Schiedslung in Hamburg in den Verband aufgenommen werden, und daß" Rauchlos", " Rauchlos", Stein, Rirdorf, Ziethenstr. 3.- Unverzagt", Gruber, Friedenstraße, gerichte und das Reichs- Versicherungsamt benußen auf diese Unterwerfung biese als die jüngeren Arbeiter mit uns gemeinsame Sache machen Gde Stoppenstraße.-Neuer Hain", Techtmeier, Langenbedstr. 7.- Excelsior", abgestimmte Formulare zur Abweisung des Klägers. Ist demnach es auch müssen. Bei einem Beitrag von wöchentlich 25 Pf. für weibliche Eiffert, Lübbenerstr. 23. Ruhiga", Herzog, Brizerstr. 46. Weichsel- außerordentlich erschwert, einen Anspruch auf Rente durchzusehen, so sollten Mitglieder und Lehrlinge erhalten dieselben nach einem Jahre bei duft III", Meyenberg, Weißensee, König Chaussee 39.- Gemütlichkeit I". Sie nicht unterlassen, Ihren Anspruch anzumelden und zu verfolgen. Das Arbeitslosigkeit 50 Pf., nach 3 Jahren 60 Pf., nach 5 Jahren Gläser, Manteuffelstr. 101." Gefnidte Rippe"," Wagner, Andreasstr. 34. ist auch für den Fall einer Abweisung nötig, weil es Ihnen jett leichter ist, " Freie den Zusammenhang zwischen Unfall und Bruch zu erweisen und Sie trok 75 Pf. pro Tag Unterstützung. Rechtsschutz und alle anderen Ver- Labat zur Asche", Jäckel, Charlottenburg, Osnabrüderstraße 27. Stunde", Grundmann, Bücklerstr. 18. günstigungen sind dieselben, wie bei den älteren Kollegen. Stein Streit", Haseloff, Weiden- rechtsträftiger Abweisung wegen vorläufiger unerheblichkeit der Bruchfolgen weg 66. Blaue Wolfe IV", Schuldt, Putbuserstr. 25. Einfach", leicht in die Lage kommen könnten, nach Jahren weit erheblichere wirtschaftBortrag wurde von allen mit reichem Beifall aufgenommen und Bolad, Faldensteinstr. 19." Granium", Heine, Littauerstr. 12. Blane liche Folgen Ihres Unfalls darzutun und dann Ihren Rentenanspruch durchschlossen sich die Diskussionsredner den Ausführungen des Referenten Bolte II", stöbler, Borndorferstraße 44. Bulgarien", Marth, Frucht zuschen. Stammtisch rotes Meer. Die Voraussetzungen für die an. Schneider schilderte die Lohnbewegungen und Streits und bat straße 69.„ Osten", Schade, Proskauerstraße 27." Frohfinns Schöffenqualität bei Strafsachen finden Sie im Gerichtsverfassungsgeseh, die die Kollegen, den Zuzug nach allen bekannt gegebenen Orten fern- Heimat", Hentschke, Wicleffstraße 15. Columbus SO.", Hecke, für Schöffen als Gemeindeschöffen in der Landgemeinde- Ordnung. Beide zuhalten und dafür zu sorgen, daß niemand zum Streifbrecher werde. Oppelnerstr. 19. Wiedersehen", Weber, Neu- Weißensee, Friedrich- Bücher liegen in den öffentlichen Bibliotheken zur Benutzung aus. Bum straße 35." Hand in Hand", Ewald, Wienerstr. 41." Graue Asche", wiederholten Abdrud fehlt uns der Raum... 134. 1. Ja. 2. Nein. Verband der Zimmerer. In der am Sonntag im Neuen Klub- Brandt, Graudenzerstr. 2. Alter Berliner", Bedmann, ReichenbergerOsnabrück. Es unterliegt nicht dem geringsten Zweifel, daß gegen die Gemütlichkeit II", auf Grund des§ 58 K.-B.-G. Abs. 1 getroffene Entscheidung der AufsichtsHaus" abgehaltenen Bahlstellenversammlung erstattete Witt den straße 46/47.-Eintracht", Bleier, Straßmannstr. 41." Grüner Hain", Drömer, Ebelingstr. 4. Freie behörde in Preußen der Rechtsweg zulässig ist. Legen Sie gegen den Bericht von der 16. Generalversammlung des Verbandes in Dresden. Grazig, Wrangelstr. 21. " Kairo", Dunaisti, Beschluß des Amtsgerichts Beschwerde ein und weisen Sie in dieser beim Außer anderen Fragen war es insbesondere die Einführung der Ar- Männer I" Friedenau, Grube, Kaiser- Alee 85. Röslinerstr. 16. Freie Männer", Lassoger, Groß- Lichterfelde, Chauffee- Amtsgericht einzureichenden Beschwerde darauf hin, daß weder§ 1 oder beitslosenunterstützung, mit der man sich nach Beendigung des Be- ftraße 54." Fidelitas", Luning, Hussitenstr. 34. Frei weg", Hoppe, Biffer 1 der Ministerialverordnung vom 9. August 1892 noch irgend eine richts beschäftigte. Während einige Redner auch jetzt noch ihren Schöneberg, Merseburgerstr. 7. Korea", Stellas, Frankfurter Allee 107. andere preußische Ausführungsbestimmung die durch§ 58 Abs. 1 K.-B.-G. ablehnenden Standpunkt vertraten, waren die meisten Redner der Virginia", Schnieber, Admiralstr. 21. den Gerichten übertragene Aufgabe dem Berwaltungsstreitverfahren zuschiebt. Ansicht, daß die Einführung sehr wohl geeignet sei, den Verband vorwärts zu bringen, und begrüßten sie deshalb den Beschluß der Generalversammlung mit Genugtuung. Einstimmig jedoch war man der Meinung, daß jest, nachdem die Einführung einmal beschlossen, jeder nach besten Kräften dafür Sorge zu tragen habe, daß den Beschlüssen der Generalversammlung auch Rechnung getragen wird. Weiter wurde in der Diskussion noch die Resolution bezüglich des Kartellvertrages mit den Maurern von Hinz einer Kritik unterzogen. Er bemerkte, daß die Resolution geeignet sei, das gute Einbernehmen mit den Maurern zu stören und sprach weiter seine Verwunderung darüber aus, daß, wie Bömelburg auf der Generalversammlung des Maurerverbandes mitteilte, der Zentralvorstand des Zimmererverbandes dem der Maurer in einer 14 Tage Arbeiter Turnerbund. Turnverein Fichte", Berlin, Geschäftsstelle vor der Generalversammlung stattgefundenen Konferenz beider Berlin O. 17, Stoppenstr. 24 II, abends 8 bis 10 Uhr: 2. Männerabteilung: Zentralvorstände von den auf der Generalversammlung geschilderten Stalizerjtr. 55/56; 4. Männerabt.: Moabit, Siemensstr. 20; 5. MännerMighelligkeiten feine Mitteilung machte. Das könnten die Maurer abteilung: Wattstr. 16; 6. Männerabt.: Stallschreiberstr. 54; 7. Männerabteilung: Reichenbergerstr. 131; mit Recht als einen Bruch des Kartellvertrages betrachten. Dieser straße 36/37. 9. 8. Männer- Abteilung: Höchste Männer- Abteilung:( Wedding) Müllerstraße Standpunkt wurde von der Versammlung nicht geteilt. Berge- 10. Männerabt.: Petersburgerstraße 4; 11. Männerabt.: Fürbringerstr. 33; mann als Delegierter bemerkte demgegenüber, daß die Resolution 12. Männerabt.: Kastanien- Allee 82/83; 13. Männerabt.: Görligerstr. 52; spontan aus der Erregung über die geschilderten Mißhelligkeiten ent- 1. Lehrlingsabt.: Friedenstraße 37; 3. Lehrlingsabt.: Boechstraße 17/20; standen sei; es haben sogar Anträge auf Aufhebung des Kartell- 8. Lehrlingsabteilung: Höchſteſtr. 36/37; 12. Lehrlings abt.:. Eberswalder2. Damenabteilung: bertrages borgelegen. Was die in der oben angeführten Konferenz straße 10; 1. Damenabteilung: Mariannen- Ufer 1a. unterlassene Mitteilung anbetreffe, die von Bömelburg schon fast Aderstraße 67. Abends 6-8 Uhr: 2. Schülerabt., Graumanns Festsäle, als ein Bruh des Kartellvertrages aufgefaßt wird, so sei hier zu Naunynftr. 27. 3. Schülerabteilung: Moabiter Kafino, Bisnaderſtr. 63. Arbeiter- Turnverein Neu- Weißensee" im Prälaten, Lehderstr. 122. Freie bemerken, daß die Bimmerer dann schon viel eher Anlaß gehabt Zurnerschaft Stralau- Rummelsburg", in der Turnhalle zu Borhagen, 8 hätten, dasselbe von den Maurern zu behaupten. Die Maurer bis 10%, Uhr: Damenabt." Freie Turnerschaft", Stegliz, Birkenwäldchen, hätten z. B. im vorigen Jahre nach Beendigung einiger auf Grund Schüßenstraße." Freie Turnerschaft Johannisthal", 82-10 Uhr bei des Martellvertrages gemeinsam geführten Lohnbewegungen in ihrer Senfileben, Friedrichstr. 48." Freie Turnerschaft Tempelhof- Mariendorf". Breffe, dem„ Grundstein", die schärfsten Angriffe gegen die Zimmerer 8-10 Uhr: Männer- und Lehrlingsabt. im Tempelhofer Tivoli. gerichtet, ohne ebenfalls dem Zentralvorstand derselben vorher Mitteilung zu machen. Es hätten also danach die Maurer keinen AnLaß, die gekränfte Unschuld zu spielen. Schließlich wurde eine von Wassoi gestellte Resolution einstimmig angenommen, in welcher ausgesprochen wird, daß die Berliner Delegierten zum Wohle der Organisation auf der Generalversammlung gewirkt hätten. Es folgt hierauf die Wahl des Ausschusses des Zentralverbandes und werden außer Kube, welcher bereits als Vorsitzender desfelben auf der Generalversammlung gewählt ist, weiß, Schrö der, K. Schulz, Licht, Engelhardt und Bergemann gewählt. Außerdem wurde die Unterstüßung für die Maigemaßregelten auf 2,75 M. pro Tag festgesetzt. " n Arbeiter- Radfahrerbund Solidarität". Gau 9( Prov. Branden burg.) Alle Buschriften und Anfragen sind zu richten an den Gau porfizenden Karl Fischer, Waldstr. 8. Adlershof, Borwärts" jeden 1. und Hermann, Ballſtr. 2. 3. Dienstag, bei Wölstein. Bernau, A. R. V. nach dem 1. und 15. 5ei Luckenwalde, Stern" nach dem 1.' und 15. bei helau, Friedrichstraße 29. Rüdersdorf, Bliz" nach dem 1. und 15. bei Bademad. Vetschau, Freie Radler" nach dem 1. bei Seidel, Bahnhofstraße.— Stolpbrück- Woltersdorf," Germania" nach dem 1. und 15. bei Lehmann. Arbeiter- Radfahrerbund Freiheit". Geschäftsstelle bei F. Liehr, " Norden", Löhrich, Pankstr. 32d. Boran I", jeden einstr. 3, I. Dienstag nach dem 15. in Scheruchs Festfälen, Rüdersdorferstraße 45. Somet", Rirdorf, im Restaurant Fahr wohl", Schumann, Bankſtr. 47. " Kartsgarten", Karlsgartenstraße 6/10. Arbeiter- Radfahrerverein„ Stöpenick 1902", jeden Dienstag nach dem 1. und 15. bei Schmidt, Rudowerstr. 15. 158; Gefellige zc. Vereine. Zitherverein„ Einigkeit", Reichenbergerstr. 19. Spar- und Lotterieverein Hertha I", im Liegnißer Garten, Liegnizerstraße 30. Lotterieverein Fortuna", bei Bernhard Raabe, Kolbergerstraße 23. Lotterieklub Vorwärts", Dornbusch, Prinz Eugenſtr. 8. Musikverein Künstlerheim"," Ihlow, Naunynstr. 37. Theater und Ver gnügungsverein„ Orpheus", Boschmann, Dunckerstr. 22. Familien- Birkel Hypnos", Matternſtr. 19. Privat- Theater- Gesellschaft Brandenburgia", Reue Roßftr. 3.- Kartenflub Wedding I", Spahn, weddingstr. 8. " Nachruf! Freitag früh 7, Uhr verstarb plötzlich unser Dirigent 1599b Herr Fr. Apel Frankfurterstr. 127. Ehre seinem.Andenken! Gesangverein ,, Einigkeit", Rummelsburg. Am 7. Mai, morgens 6, Uhr, entschlief sanft nach langem schweren Leiden unser lieber Bruder und Schwager, der Lackierer Heinrich Rautenhaus im 43. Lebensjahre. Dies teilen hiermit allen seinen Freunden und Bekannten tiefbetrübt mit Georg Rantenhausu. Frau geb. Dühring. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. Mai, nachmittags 5, Uhr, von der Leichenhalle des St. Thomas- Kirchhofes, Rigdorf, Hermannstraße, aus statt. Allen Verwandten, Bekannten und Genossen hierdurch die traurige Nachricht, daß meine innig geliebte Frau, unsere gute Mutter, Schwester und Schwägerin Auguste Beutel nach kurzem, aber schweren Leiden am Sonntag, den 7. d. M., vormittags 11, Uhr, sanft entschlafen Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 10. d. M., nachmittags 3 Uhr, von der Halle in Friedrichsfelde aus statt. 16006 ift. Der trauernde Gatte nebst Kindern. Briefkaften der Redaktion. präsidium, Abteilung Feuerwehr. Stralau. Meldungen find zu richten an das königliche PolizeiVon dort erhalten Sie auch jede gewünschte Auskunft. A. K. 18. Ein solcher mit dem Vornamen Der Berband der baugewerblichen Hülfsarbeiter hielt am Ferdinand wohnt Wilhelmstraße 66, ein anderer mit dem Vornamen Anton Donnerstag bei Buggenhagen eine außergewöhnliche Mitglieder. Barijer Platz 3. P. K., Dresdenerstraße. Benden Sie sich unter Berufung auf uns an die Breslauer Volkswacht", Neue Graupenstr. 6. bersammlung ab. Bunächst beschäftigte man sich mit dem neuen. 3. Jeder Arbeitstag rechnet mit, auch wenn die Fahrkarte nicht benutt Vertragsverhältnis, dem die Mehrheit der Mitglieder in wird. Der Beamte war somit im Recht. F. W. 20. 1. Mein. der Urabstimmung zugestimmt hat. A. Heidemann ermahnte 2. Lassen Sie sich in der öffentlichen Bibliothek Alexandrinenstr. 26 das Buch die Kollegen, nun auch auf die Innehaltung des neuen Vertrages von H. B. Lind Die Nähmaschine", Leipzig 1900, vorzeigen. 3. Deutsche auf allen Bauten zu achten. Die wesentlichsten Neuerungen find: Nähmaschinen- Zeitung", Bielefeld, E. Gundlach. Der Stundenlohn beträgt in der Zeit vom 1. Mai 1905 bis zum 31. März 1906 48 Pf., für Kalfschläger, für Arbeiter bei Mischung Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von hydraulischem Kalt, für Wasserträger, für beim Rüsten sowie an von 7%, biz 9%, Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Hebevorrichtungen beschäftigte Arbeiter 53 Pf., für ausschließliches Heimarbeiter. Klagen Sie gegen die Kasse auf Anerkennung, daß Sie Teilnahme Tragen von Steinen und Kalt 68 Pf. Am 1. April 1906 tritt eine Mitglied der Kasse sind. Es ist zunächst die Gewerbedeputation anzurufen. Stranzspenden bei der Beerdigung weitere Erhöhung um 2 Pf. ein. Der Lohn ist nunmehr auch der Die in den letzten Jahren insbesondere in Großstädten aufgetretene Neigung, meines lieben Mannes, unseres gleiche im ganzen Vertragsgebiet; es sind nicht mehr eine Anzahl Heimarbeiter als nicht versicherungspflichtig hinzustellen, beruht auf fistalischen, guten Baters sagen wir allen Freunden Bororte benachteiligt. dem Geset widersprechenden Auffassungen. Heimarbeiter, die nur bei einem und Verwandten, insbesondere den Für Affordarbeiter find zwar Lohn- Arbeitgeber arbeiten, sind in der Regel versicherungspflichtig; fie sind Arbeitern der Maschinenfabrik von änderungen nicht erzielt. Eine Verbesserung für sie ist jedoch, daß Gewerbegehülfen wie die Arbeiter, welche in dem Betriebe beschäftigt werden. Struck unsern herzlichsten Dank. der Benachteiligung durch unredliche Kolonnenführer jetzt bor- Arbeiten fie für mehrere Arbeitgeber oder beschäftigen sie noch andere Ar gebeugt werden kann, indem nach dem neuen Vertrag jeder Arbeit- beiter zur Herstellung der übernommenen Arbeit, so schwankt die Recht- 15935 Juriftifcher Teil. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher und die zahlreichen Witwe Enderlein. nebst Kindern. Todes- Anzeige. Am 2. Mai verstarb mein lieber Mann, unser guter Vater, Schwieger und Großvater, der Arbeiter 30862 August Blankenburg infolge eines Bauunfalls. Die Beerdigung findet heute, Dienstag, den 9. Mai, von der Halle des Gethsemane- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen aus statt. Im Namen der Hinterbliebenen Karl Aarbeck. Verband der Bau-, Erd- und gewerbl. Hilifsarbeiter Deutschl. Bezirk Schönhauser Vorstadt. Den Mitgliedern zur Kenntnis, daß unser bisheriger Bezirksleiter, der Kollege Friedrich Brauer am 7. b. M. nach längerem Kranten lager verstorben ist. am Die Beerdigung findet Mittwoch, den 10. Mai, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Gethsemane- Kirchhofes in Nieder- Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. ranz- u. Blumenbinderei pranzbon H. Eckert, 98. Rottbuser Damm 98. Köpenick. Echten alten Kottbuser Korn zu haben bei Aug. Tauchert, Gastwirt, Müggel heimerftr. 4. 25810* Die Ueberlegenheit Knorrs Hafermehl anderen Kindernährmitteln gegenüber wird am schlagendsten dadurch bewiesen, daß es als Nährmittel die führende Stellung einnimmt, welche ihm gebührt! Besonders geht dies aus dem Umstand hervor, daß der Verbrauch von Knorrs Hafermehl von Jahr zu Jahr ganz erhebliche Steigerungen aufweist. Knorrs Hafermehl, sowie sämtliche weiteren Knorrs Präparate sind in allen Kolonialwarengeschäften, Drogenhandlungen 2c. erhältlich. Die Firma C. H. Knorr A.-G. in Heilbronn a. N. ist auch jederzeit gern bereit, außer ihren beiden Filialen in St. Margrethen( Kanton St. GallenSchweiz) und Bregenz( Desterreich) die Adressen der nächstgelegenen Bezugsquellen anzugeben. Deutscher Holzarbeiter- Verband. General- Versammlung. Donnerstag, den 11. Mai, abends 8%, 1hr, bei Keller, Koppenftr.29: Zages Drdnung: 1. Staffenbericht vom ersten Duartal, Bericht des Vorstandes, des Db. mannes der Schlichtungskommission, des Arbeitsvermittlers, Bibliothekars und der Werkstatt- Stontrollkommission. 2. Wahl eines Bureau- Hülfsarbeiters. 3. Anträge, Berbandsangelegenheiten. Eintritt nur mit Mitgliedsbuch. Bahlreiches Erscheinen erwartet: 85/ 1* Die Ortsverwaltung. Achtung! Achtung! Donnerstag, den 11. Mai, abends 8 Uhr, im Lokal ,, Königsbank", Große Frankfurterstr. 117: Volks- Versammlung. Der Zages Drdnung: Teppichweber- Streik. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Diskussion. Branche der Jalousien- Arbeiter. Arbeiter- Sekretariat Nürnberg. Heute, Dienstag, abends 8%, Uhr pünktlich: Versammlung Der Streit bei der Firma Bocksstaller und andere Differenzen. In dieser Versammlung werden nur gegen Vorzeigung des Verbands buches und Zurückgabe der alten Arbeits- Kontroйtarten nene blaue Karten ausgegeben. Die Kommission. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Bimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 10. Mai, abends 6 Uhr, im Lokal von Staffeld, Marienfelde: Versammlung aller in Marienfelde u. Umgegend beschäft. Metallarbeiter. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Kollegen Gaida: Der Untergang des Kleinhandwerks und die Bildung unserer Kampfesorganisationen. 2. Diskussion. Bahlreichen Besuch erwartet 116/15 Die Ortsverwaltung. Reederei Nobiling. Billige Dampferfahrten mit Musik. Heute, Dienstag, sowie Mittwoch und Freitag Berliner Ferner: nach Zwiebusch, Danach Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt ( Jannowitzmittags Uhr Restaurant Schultheiß Brücke). } 15975 Preis hin und zurück 50 Pf., Kinder die Hälfte. Dampfer zu Ausflügen sind billigst bei der Reederei zu haben. Das Gewerkschaftskartell hat beschlossen, für das Arbeiter- Sekretariat eine weibliche Hülfstraft anzustellen. Der Sekretärin werden zunächst vorzugsweise Bureauarbeiten und Verwaltungsgeschäfte zufallen, außer bem hat sie agitatorisch und rednerisch für die Arbeiterinnenbewegung tätig zu sein. 289/8 Bewerbungen nebst Angabe der bisherigen Tätigkeit und Gehalts: ansprüche sind bis 1. Juni an die Adresse: Georg Bohl, Egidienplatz 22, Nürnberg zu richten. Fordern Sie beim Einkauf ausdrücklich.. Dänischen Kapitän- Kautabak früher Anker- Kantabak und Sie werden überzeugt sein, daß derselbe entschieden am besten schmedt. Nur echt, wenn jedes Stück den Bettel enthält mit Aufschrift: Dänischer Kapitän- Kantabak" == gefeßlich geschützt 75 658== Alleinverkauf: C. Röcker, Berlin, Grüner Weg 112. Größtes Lager aller gangbaren Zigaretten- Marken. Nordhäuser Kantabak. Schnupf- und Rauchtabak engros. 1. Bichung 5. Klasse 212. Kgl. Preuß. Lotterie. 724 828 35 75 904 24 95 118025 75 87[ 5001 171[ 1000] Ziehung vom 8. Mai 1905, vormittags. Tus ble Gewinne über 240 Mt. find den betreffenden Nummern in Slammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) Nachbruck verboten: 234 676 095 1135 59 224 360 460[ 500] 86 810 43 84 964[ 5001 2003 177 79 333 76 478 511 3000] 77 88 679 729 3071 135 71 246 581[ 1000] 639 54[ 500] 708 884 150 000] 4044 262 394[ 30001 499 518 634 5104 12 281 83 302 69 496 504 68 810 24 5001 51 70 921[ 500] 65 6002 8[ 10001 136 252 95 400 7 501[ 1000] 5 87 99 607 88 853 7032 42 193 201 44 89 363 418 567 783 954 96 8024 115 205 473 746 800 58 9125 77 272 420 87 [ 500] 682 10181 283 98 433 56 892[ 500] 922 30 58 11110 12 69 223 328 413 30 550 783 846 908 16[ 500] 12146[ 500] 273 362[ 5001 88 459 78 556[ 1000] 658[ 10001 94 786 94 889 90 953 13155 320 460 93 769 892 14097 563 667 891 924 15355[ 500] 58 70 479 89 16387 675 977 17001 4 11 30 31 204 444 70 584 695 711 67 18022 74 83 271 378 501 632 69[ 1000] 702 915 19070 199 275 716 52 814 20131[ 1000] 370[ 3000] 407 528 663 21193 250 317 15001 465 546 653 997 22038 320 73 459 79 791 23147 347 725 32 24002 106[ 500] 66 204 402[ 1000] 577 664 74[ 3000] 760 804 960 63[ 1000] 25037 205 19 63 403 52 510 39 665 857 902 22 26119 263 94 304 32 404 575 861 925 27137[ 1000] 560 71 709 85 807 10 922 81 28120 28 82 202 37[ 500] 624 72 718 29018 112 265 453 630 727 826 37[ 500 933 30106 304 64 441 78 586 624 711 839 31030 65 126 74 T5001 88 205 48 86[ 500] 330 459 595 767 803 32210 29 384 787 65 33550 82 712 865 82 34062 150 53 13000] 209 52 445 89 94 593 602 906 33 35000[ 500] 122 352 510 867[ 500] 904 84 36136 218 444 525 665 700 62 ( 3000] 980 37210 35 409 531 93 628 52 950 38126 289 337 512 828 39086 362 423 530 80, 639 72[ 5000] 711 801[ 10001 8 40562 711 841 41003 28 196 275 600 802 42151.95 202[ 30 000] 8 326 46 412 769 872[ 500] 43039 120 ( 500) 49 297 500] 317 455 526 648 755 826 48 999 44036 [ 500] 131 47 471[ 1000] 500 61 751 79 908 37 47 80 130001 45033 38 63 127 39 60 323 63[ 10001 546 86 621 65[ 500] 79[ 3000] 738 51 810 952 76 46038[ 500] 83 183 90 91 5001 221 416 575,[ 3000] 694 835 47259 74 1000] 321[ 5001 32 430 924 82 48113 29 260 303 45 407 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Nachbrud verboten. 12 186 285 340 74 542 672 825 29 32 33 89 902 49 1170 77 454 655 791 819 83 2012 137 323 62[ 500] 431 704 9[ 3000] 3088 134 48 64 351 455 501 53 608 890 990 4041 239 63 79 373 403 562[ 3000] 603 97 722 985 5029 425 892 952 74 6024 122[ 1000] 33 452 516 82 84[ 3000] 857 924[ 1000] 32[ 3000] 7040 294 449 15001 987 8307 26 71 423[ 5001 51 83 511 618 97 709 83 805[ 500] 80 913 93 9066 70 219 335 491 583 755 10213 316 424 30 648 56 833 976 11108 706 55 836 78 12414 25 626 48 700 4 876 130001 963 13140 878 86 470 537 788 933 74 14016 101 466 85 556 722 F1000] 15040 241 88 302 42[ 500] 400 709 42 68 826 16022 121 219 55 415 32 35 608[ 5001 62 816 49 59 964 96 17055 82 158 308 13 46 429 541 620 13000] 81 774 806 99[ 5001 18390[ 5001 95 435[ 5001 86 98 529 656 83 849 916 19188[ 500] 90 354 76 442 54 61 551 15 0001 20181 205 73 331 57 432 654 970 21155 399. 518 603 763 937 58 1000] 88 93 22043 130001 52 99 104 227 828 23065 91 199 202 341[ 30001 410 59 911 24074 114[ 3000] 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130001 83. 438 531 619 886 92 920 [ 3000] 91 221134 225[ 5001 414 96 531 605 775 99 222087 424 28 87 110001 539 223005 17 116 41 410 93 543 671 75 792 833 999 Jm Gewinntade verblieben: I Prämie zu 300 000 Gewing a 500 000, 34 200 000, 1 3 150 000, 2 3 100 000 23 75 000, 2 A 60 000, 2 3 40 000, au 30 000, 17 3 15 000 50 a 10 000, 97 3 5000, 1636 x 3000, 2410 x 1000, 8969 110006[ 5001 29[ 500] 229 324 25 490 704 45 111253[ 500] 83 357 91 451 675 743 53 948 112115 20 214 400 741 73 113016 22) 562( 5001 609 975 130001 114065 247 50[ 500] 301 15001 56 515 94 727 895 939 94 115029 44 71 90[ 500] 583 97 415 500 21 116034 159 au 500 erant. Reballeur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantiv.: Th. Blode, Berlin Drud u. Berlag: Berwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW s». 107. 32. Illhrgaag. rilMt Ks Jormärls" Krim llolUliitl Dienstag, 9. W 1905. msssm Berliner f�acbrlcbten. Schillerfeier. TaS feiernde Berlin. Berlin ist begeistert, feierlich gestimmt; offiziell wie inoffiziell wird das Andenken Schillers gefeiert. Vor dem Schauspielhause, wo sein marmornes Denkmal steht, wie vor dem Opernhause wird sich ein Festgepränge entfalten. Hofmarschall von Kalb macht sein Honneur und bemüht sich, die schwere Kränkung zu vergessen, die ihm angetan wurde. Frommgläubige Seelen, die sonst jede Toleranz für sündhafte Schwäche halten, verehren heute Schiller, der sich zu keiner Religion bekennen wollte. Bezopfte Ge- lehrte, Bändiger der freien Kunst, Spießbürger aller Art, orden- behängte und-besternte Beamte mit wichtiger Bureaumiene schwärmen für Schiller; sogar hohe Militärs sind nicht abgeneigt,— war ja von Adel, versteht ficht— Berlin ist aus Rand und Band seit Wochen schon. Keine Zeitung, keine Schrift ohne Schiller-Artikel, fast keine Rede ohne Schiller-Erinnerungen, keine Bühne ohne Schiller-Dramen, keine Stammtischrunde ohne Schiller-Zitate.— Und da gibt es Menschen, die auf all die Aufregung spöttisch blicken und von einem Schiller- Rummel reden. Unglaublich.— Auf dem Gendarmenmarkte, der noch immer nicht Schiller-Platz heißen soll, da steht er, der Gefeierte, von Begas' Künstlerhand ge- bildet und blickt mit hoheitsvoller Miene auf das begeisterte Berlin. Haben sich doch wohl etwas gebestert, die lieben Berliner, seit den verflossenen hundert Jahren, als sie den lebendigen Schiller manch- mal recht unfreundlich behandelten. Die gefühlvollen Schiller- Artikel z. B. in der.Vossischen Zeitung" gegen die bösartige, keifende Kritik seiner Dramen in derselben„Vossischen Zeitung" von damals zeugen sicherlich von einem guten Fortschritt. Und Tante Voß war zu jener Zeit viel bedeutender und angesehener als heute, obgleich' sie nur dreimal in der Woche erschien und keine Leitartikel brachte. Manchmal wurde sie überschattet von der Wichtigkeit des„Intelligenz- blattes". welches nur Anzeigen enthielt. Schwer fiel es den Berlinern, Geschmack an Schillerscher Dramatik zu gewinnen; sie amüsierten sich viel besser bei Kotzebues Theaterstücken, der damals die Bühne beherrschte. Der Berliner war ncch etwas ungehobelt; seine ästhetische Erziehung wollte keine rechten Fortschritte machen. Er nahm z. B. seinen Teckel, Mops oder Spitz mit in die Oper und freute sich, wenn das liebe Hundevieh mitheulte. Er liebte den Radau im Theater so sehr, daß die hohe Obrigkeit strenge Verbote gegen Pfeifen, Klappern, Trampeln und andere Störungen erlast'en mußte. Dabei träumt« der arme Schiller von dem Ideal der Schaubühne als einer moralischen Anstalt. Und nicht nur die guten Berliner, auch die höchsten Negierungs- kreise Preußens wußten Schiller nicht nach Gebühr zu schätzen. Als der Dichter, durch Bemerkungen des Kabinettsrats Beyme angeregt, durch diesen dem König Friedrich Wilhelm III. das Angebot machen ließ, gegen ein Jahresgehalt von 2000 Talern nach Berlin über- zusiedeln, um dort an der Hebung dcS Theaters zu arbeiten, da wurde Schiller nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Und es war nicht einmal der junge Anfänger Schiller, sondern der Dichter auf der Höhe seines Ruhmes, der so behandelt wurde, denn Schillers Brief wurde im Juni 1804 geschrieben. Heutzutage freilich sind die Hohenzollern ttinstfreundiicher geworden. Hat doch Herr von Wild«nbruch sogar den Roten Adlerorden lV. Klasse erhalten. Die Begründung Schlllerß für seine verhältnismäßig hohe Forderung wird den heutigen Berlinern komisch vorkommen. Er meinte nämlich, daß man bei den großen Entfernungen in einer Stadt wie Berlin sich doch wohl eine Kutsche halten mühte. Man muß dabei bedenken, daß Schiller kränklich war und daß die„Große Berliner" ihren Betrieb noch nicht eingerichtet hatte. Nach heuttgen Begriffen war Berlin freilich ein kleines Nest. Die Stadt hatte im Jahre 1300 nicht mehr als 172 000 Einwohner, darunter 133,700 Zivilpersonen. Im Jahre 1304 wurden 132 107 gezählt, darunter 156 661 Zivilpersonen. Berlin ist groß geworden und die Berliner wurden gescheidter und reifer. Die Hunderttausend hat sich in die Million umgewandelt, und in der Million ist eine geistige Massenbewegung entstanden. die lebhaft kontrastiert mit der Dumpfheit und Stumpfheit der Masse von ehemals. Es strebt und drängt auS den Tiefen nach den Höhen des Lebens, nach Schönheit und Freude, nach Lebensglück und Lebens- genuß; es» gärt in den Massen. Eine neue Kulturbewcgung ist ent- standen, getragen von den Massen. Da wird Schiller geliebt, ge- würdigt und hochgeschätzt, und er gilt akS Mitstreiter und Mithelfer in den Kämpfen gegen Unterdrücker und Unterdrückung. In dieser Bewegung werden ihm Denkmäler gesetzt unid Feiern bereitet. weniger laut und nicht offiziell anberaumt, aber weit mehr seinen Idealen entsprechend._ Siegesfest. Vor Jahren kam eines TageS der Redakteur eines bürgerlichen Blattes zu uns, um geknickt, in tiefer Niedergeschlagen- heit uns zu bitten, doch in Rücksicht auf ihn und seine Familie nichts darüber zu berichten, daß er wegen Preßvergehens zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden sei. Es war, wie wir zur Ehre der bürgerlichen Presse ausdrücklich er- klären wollen, der Redakteur eines unparteiischen Blattes; aber selten ist uns der Unterschied zwischen dem. was Männer und Eunuchenseelen unter Wohlanständigkeit ver- stehen, klarer geworden als in diesem Augenblick. Auch in der bürgerlichen Welt sollte der Redakteur einer noch nicht ganz der unparteiischen Charakterlosigkeit verfallenen Zeitung es als Auszeichnung einschätzen, wenn er mit feiner Person für seine Ueberzeugung eintreten darf; was Sozialdemokraten über eine Verurteilung in politischen Prozessen denken, das spiegelte sich humorvoll in einer Ansprache wieder, die unser Genosse Gradnauer vorgestern hielt, als zu Ehren unseres aus dem Gefängnis entlassenen Kollegen Karl Leid sich eine größere Anzahl Parteigenossen mit ihren Familien im Norden Berlins versammelt hatten. Gradnauer erinnerte an den Kongreß von St. Gallen, wo unser der- storbener Kokosky eine Liste herumgehen ließ, in der alle An- wesenden ihre Gefängnisstrafen registrieren sollten. Man kann sich denken, welch eine stattliche Zahl von Monaten da schließlich zusammengerechnet wurde; als aber einige wenige der Kongreßteilnehmer mangels einer Bestrafung die Rubrik unansgcfüllt lassen mußten, ergoß sich voller Entrüstung ein allgemeines Pfui über sie. Der Sozialdemokrat ist stolz auf seine Gefängnishaft, wie der 5kriegcr auf seine Verwundungen; man sucht sie nicht mutwillig, hat einen aber die Kugel getroffen, dann hat man alle Ursache, sein Haupt höher zu erheben. Unser Kollege Leid hat die Haftstrafe von der Dauer eines vollen Jahres, die er in Tegel erlitten, dem Anschein nach ohne allzu schwere Schädigung überstanden. Ohne Zweifel ist die Wahrscheinlichkeit, daß er sich vielleicht in ebensoviel Wochen erholen wird, wie andere vor ihm in Monaten, der humaneren Behandlung zuzuschreiben, die infolge unserer zahllosen Schilderungen früherer Quälereien selbst im rückständigen Preußen in Uebung zu kommen scheint. Trotz der Selbstbeköstigung und einiger anderer kleinerer Vergünstigungen, die nach den preußischen Gefängnisordnungen zwar schon jeit je zuläKg waren, die aber den politischen Verbrechern früher konsequent versagt wurden, trotz dieser Milderung des Loses politischer Gefangenen bleibt im Gefängnis noch genug übrig, was Körper und Seele an- greift. Wie beschämend ist es schon, wenn ein anständiger Mensch sich Beschränkungen in seiner Arbeit gefallen lassen muß, wenn er dulden muß, daß alle Briefe, die er schreibt, von Beamten gelesen werden, wenn die Annahme von Besuchen seiner Angehörigen und Freunde nicht in sein Belieben, sondern in das der Gefängnisdirektton gestellt ist. Ferner ist es be- fremdlich, daß Leid bei seiner einjährigen Haft sich täglich nur eine Stunde in freier Lust bewegen durfte, während nach der Gefängnisordnung eine längere„Freizeit" zulässig ist und in früheren Fällen auch gewährt wurde. Genug, wenn auch Besserung erreicht ist, so bleibt doch, so lange überhaupt in Deutschland noch der traurige Zustand besteht, daß Leute für Handlungen bestraft werden, die zu verfolgen in freien Ländern keinem Staatsanwalt einfällt, noch sehr, sehr viel zu tun übrig, um den Opfern polittscher Prozesse das Dasein im Gefängnis erträglicher zu gestalten. Als eine Anzahl Parteigenossen sich am Sonntag aus gemacht hatten, um Leid in Tegel abzuholen, erlebten sie eine Enttäuschung. Auf höhere Anweisung hin war er in der Frühe nach dem Polizeipräsidium in Berlin gebracht worden, um von dort entlassen zu werden. Eine Vorsichtsmaßregel, deren Zweck unerfichtlich ist, die aber die gute Sttmmung nicht sonderlich beeinträchtigte. Nicht lange dauerte es, und unser Kollege erschien mit Frau und Kindern im Festsaale, der sich inzwischen dicht gefüllt hatte. Gesangsvorträge, An sprachen im Namen des Parteivorstandes und der Redaktton und humoristische Danksagungen des gefeierten Verbrechers wechselten mit einander ab. Vor allen Dingen gingen die Worte, mit denen Bebel unseren Kollegen begrüßte, den Hörern zu Herzen. Auch die Poesie trat in ihre Rechte; in einem hübschen Begrüßungsgedicht unseres Parteigenossen Max Eichlcr, das von Massiisi vorgetragen wurde, hieß es: Bedenke, die Stunden, die Du gelitten, Sie waren Tage für uns gestritten, Und sie find Jahre, die zum Gelingen Unö alle, zum Teufel, vorwärts bringen I Der Vogel aber wurde abgeschossen, als der„Wiener Franzi" auftrat und ein lusttgeS Lied von der Kaiserinsel vortrug, dessen Refrain von den Versammelten im Chorus mitgesungen wurde. Man sieht, Senttmentalität ist nicht unsere Sache, selbst nicht bei einem Anlaß wie dem vorgestrigen. Warum auch den Kopf hängen lassen, wo alles, was unsere Gegner gegen uns unternehmen, für uns zum Guten ausschlagen muß, wo gerade aus den Wunden, die dem Einzelnen ge schlagen werden, unsere Partei, unsere Ideen sich Kraft und Stärke holen! Weil dem so ist, feiern wir den Tag, wo einer unserer Mitkämpfer aus dem Gefängnis in die Freiheit zurück� kehrt, nicht mit wehleidigen Vettachtungen, selbst nicht einmal in der Sttmmung des Ingrimms über die Rückständigkeit unserer polittschen Zustände, sondern vergnügt, ftoh erhobenen Hauptes als S i e g e s f e st. Ein Heißhunger nach frischer, strier Luft, nach Wald und See. nach dem ersten zarten Grün der Bäume hatte am ersten Maien sonntag die Berliner Bevölkerung befallen. Wohl nirgendwo trat dieser Heißhunger so stürmisch zutage, als— inmitten der Weltstadt, in der Charlottenstraße. Selten konnten den Menschensteund wohl auch unsere verkehrspolizeilichen Zustände trauriger stimmen als bei diesem Anlaß. An der Endstation der Berlin— Tegeler Straßenbahn hatten sich wohl einige hundert Menschen versammelt. Männer, Frauen und Kinder, alle festlich gekleidet, harrten in Kampfstimmung der ankommenden Straßenbahnzüge. Sobald ein solcher Zug, der gewöhnlich aus einem Motor- und zwei Anhängewagen bestand, die Haltestelle erreicht hatte, nahm ihn das Publikum im Sturm. Oft wurde.mörderisch" gekämpft, und dem Schaffner war es unmöglich. Ordnung zu halten. Natürlich waren die Wagen im Augenblick überfüllt, und die Mahnungen des Beamten an die überzähligen Fahrgäste, den Wagen zu verlassen, blieben erfolglos. Es Ware ungerecht, wollte man gegen die Sttaßenbahndirettion besondere Borwürfe erheben; sie iieß in ganz kurzen Abständen Züge los und tat, soweit wir beurteilen konnten, was in ihren Kräften stand. Daß diese Kräfte durchaus nicht ausreichten, lag au der Unzuläng« lichkeit der Berliner Verhältnisse an sich, die allerdings nach dem Willen der„Großen", wie ihr Prozeß mit der Stadt zeigt, dauernd konserviert bleiben soll. Was war zu tun? Der Schaffner schwitzte, die Zeit der Abfahrt war da und ohnmächttg gegen die überzähligen Passagiere mußte er mit ihnen die Wagen laufen lassen. So wurde denn gefahren bis zur ersten oder zweiten Haltestelle. Hier bot sich ein echt Berlinisches Schauspiel. Ein Schutzmann stand dort in klassischer Strammheit, mit dem Notizbuch in der Hand. Gemessenen Schrittes betrat er den Wagen, um sich zu überzeugen, daß zu viel Passagiere drinnen waren.„Wieder ein Taler Strafe," erklärte jammernd der Schaffner, „und was soll ich machen"?„Lassen Sie doch ruhig den Wagen an der Station halten, bis die Ueberzähligen wieder draußen sind, und wenn es bis morgen früh dauert!" Dieser un- glaubliche Rat ist bezeichnend für den Vuchstabengeist, für die Ver- ständnislosigkeit, die Hülflosigkeit, mit der die Polizei fungiert, so- bald Ereignisse eintreten, dre von den alltäglichen, sozusagen be- hördlich zulässigen, irgendwie abweichen. Auf Auffordern des Schutz- nianneS Verlasien einige Fahrgäste unter Protest den Wagen, die Mehrzahl bleibt auf gut Glück drinnen. Hierauf verläßt auch der Schutzmann den Schauplatz, klappt sein Notizbuch auf, notiert den „Straffall' des Schaffners zwecks ordnungsgemäßer Anzeige und stellt sich von neuem stramm auf seinen Posten, um den nächsten Wagen abzuwarten, bei dem sich dasselbe verkehrshindernde Schauspiel wiederholt. Der Schaffner ist ohne Schuld, und wir können daher nicht gut annehmen, daß die Polizei unter diesen außerordentlichen Umständen wirklich den Mut haben wird, von dem armen Mann den Straftaler zu erheben. Auch dem Publikum sind keine großen Vor- würfe zu machen. So polizeifromm der Berliner ist, er ist aber immer noch nicht soweit, um vor Antritt seines Sonntagsausflugs sich die Straßenbahn« Fahrordnung buchstäblich einzuprägen; und darauf sollte auch die Polizeibehörde Rücksicht nehmen. So an- gebracht diese Ordnung an gewöhnlichen Tagen ist, unter außer- ordentlichen Verhältnissen verkehrt sich ihre Wohltat in Plage. Und darauf kann auch die Polizei, ohne sich etwas zu vergeben, Bedacht nehmen, wie sie ja tagtäglich vor den Ueberfüllungen der Stadtbahn und der Hochbahn ein Auge zudrückt. Das Publikum, auf das die Fahrordnung ja wohl berechnet ist, will immer noch lieber unter Gedränge als gar nicht befördert sein. Schiller- Feiern sind in diesen Tagen die schwere Menge ab- gehalten worden. Hübsch war die Feier der Berliner Arbeiterinnenheime in der Berliner Ressource. Eingeleitet wurde sie allerdings mit einem Musikstück, das zwar sehr hübsch ist, aber nicht sonderlich Schillerschen Geist atmer, mit Rossinis Tell- Ouvertüre nämlich. Hieran schloß sich ein Prolog in Stanzen; der Genius der Arbeit, von zwei Kranzbinderinnen geleitet, betätigte sich. Der Hauptteil der Feier war eine Darstellung der„Glocke"; die Verse wurden vom Meister und drei Genien gesprochen, neun lebende Bilder hierzu bildeten eine hübsche Beigabe, Chorgesang und sogar ein Erntetanz begleiteten den Vortrag. Sehr hübsch wurde" im zweiten Teil Turandot dargestellt. Zum Schluß wurde der Chor aus dem„Lied an die Freude" gesungen und Schiller? Büste be« kränzt. Bemerkt sei, daß die Darstellung in den Händen von Berliner Fabrikarbeiterinnen lag, die mit Verständnis und selbst« verständlich unter reichem Beifall ihrer Aufgabe gerecht wurden. terner hielten außer der Freien Volksbühne, deren wir an anderer telle gedenken, die Berliner Lehrerschaft eine Feier ab, ebenso die akadennsche Hochschule fiir die bildenden Künste. Einen Schiller« Kommers beging die Berliner Studentenschaft. Ob ein Umzug, den die Charlottenburger Studenten von der Hütte in der Verliuerstraße aus bis zum Spandauer Bock veranstaltete, auch mit der Schiller- begeisteruug etwas zu tun hat, wissen wir nicht. Aus Oesterreich und ebenso aus Amerika wird ebenfalls von zahlreichen Veran- staltungen zu Ehren Schillers berichtet. Ein Volks- Schiller« preis ist, wie aus Bremen berichtet wird, in der Höhe von je tausend Mark verteilt worden, und zwar an Gerhart Hauptmann(für„Rose Berndt"), Karl Haupttnann(für das Drama„Die Bergschmiede") und Richard Beer-Hofmann(für die Tragödie„Der Graf von CharolaiS"). Diesem Resultat, das vorgestern nachmittag in einer Sitzung der Preisrichter und der Goethe-Bund- Delegierten verkündet wurde, sind lange Beratungen voraus« gegangen. Zweihundertfünfzig Stücke waren eingereicht: von diesen Ichlug der Ausschuß— die Herren Dr. Ludwig Fulda, Dr. Erich Freund(Breslau), Baron zu Pullitz(Stuttgart), Dr. Gerh. Hellmers Bremen)— eine Auswahl von achtundfünfzig Werken vor(in Paranthese: eine sehr gute Auswahl!), und ans diesen blieben bei einer weiteren Siebung außer den schließlich preisgekrönten Dramen noch fünf andere übrig, die für die Ehrung in Betracht kamen: Halbes„Sttom", Gerhart Hauptmanns„Die versunkene Glocke" und„Der arme Heinrich". HofmannSthals„Elettra" und Karl Voll« möllers als Manuskript eingereichtes Schauspiel„Der deutsche Graf". Gerhart Hauptmann will seinen Anteil wieder dem Stiftungsfond einverleiben. Der Magistrat hat beschlossen:„bei der Beratung des nächsten Etats nur diejenigen Anträge auf Anwendung der Gehalts- und Anstellungsverhältnisse der städtischen Beamten und Angestellten zu berücksichtigen, die bei ihm bis zum 15. August 1905 eingegangen sind; ferner: künftig nur alle drei Jahre, vom nächsten Jahre ab gerechnet, die Gehalts- und Anstellungsverhälwisse von Amtswegen einer Prüfung zu unterziehen und alle m der Zwischenzeit ein« gehenden, auf diese Verhältnisse bezüglichen Anträge regelmäßig bis zu dieser Prüfung zurückzustellen. Eingegangen sind inzwischen schon 14 verschiedene Anträge auf Gehaltserhöhungen. Bon der 228 Millionen-Anleihe der Stadt Berlin sind nach dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht des Magistrats im letzten Etatsjahr 48 448 300 M. für folgende Zwecke verwendet worden: für die städtischen Gasanstalten nahezu 10 Millionen, für die Kanalisationswerke rund 7 Millionen. Zur Erhöhung des Betriebsfonds 5, für die Martthallenverwaltung 3,18 Millionen usw. Es verblieb ein Bestand von nahezu 20 Millionen, der beim Depositenkonto asserviert wird. Die Gcsamtschuld der Stadtgemeinde betrug am Ende de? Berichtsjahres SoQll3 Millionen Mark; beteiligt hieran sind die Kanalisattonswerke mit 100,6 Millionen, die Wasserwerke mit 50, die Gaswerke mit 42>/z, die Markthallen mit 27 Millionen Mark usw. Die Zuzüge nach Berlin sind im ersten Viertel des JahreS 1905 sehr viel zahlreicher gewesen als in demselben Zeitraum von 1904. Diesmal sind im ersten Vierteljahr bereits 56 825 Per« sonen zugezogen, dagegen hatte das echte Viertel des vorigen JahreS nur 61 449 Zuzüge gebracht. Auch die Wegzüge von Berlin haben sich gegenüber dem Vorjahr vennehrt, aber bei weitem nicht so stark, wie die Zuzüge. Für das erste Viertel dieses Jahres wurden 46 530 Personen als von hier weggezogen gemeldet, während fiir denselben Zeitraum deS Vorjahres 45 301 Wegzugsmeldungen gezählt worden waren. Durch die Zuschläge, die wegen vermutlicherUnvollständigkeitder Meldungen zu den gemeldeten Wegzügen gemacht werden, erhöhen sich diese für das erste Vierteljahr 1905 auf 56 027, für daS erste Vierteljahr 1904 auf 54095. Hiernach wäre das Mehr an Weg« zügen auf knapp 2000 anzunehmen, während das Mehr an Zuzügen, wie oben ersichtlich ist, weit über 5000 beträgt. Diesmal ist übrigens der nicht häufige Fall zu verzeichnen, daß schon daS erste Viertel- jähr einen Keinen ZuzugS-Ueberschuß. rund 800 Personen, ergeben hat. Im vorigen Jahr dagegen hatte daS erste Viertel mit einem sehr bettächtlichen Wegzugsüberschuß abgeschlossen, der sich auf rund 3600 belief. Der Alkohol. Der 35 Jahre alte Straßenbahnfahrer Joseph Spill aus der Großen Frankfurterstr. 62 war in den ersten nenn Jahren seiner zehnjährigen Ehe ein nüchterner und ordentlicher Mensch. DaS letzte Jahr aber trank er immer mehr. Vor vierzehn Tagen wurde er deshalb entlassen und fand nun keine Stellung mehr. Vergeblich bereute er seinen Lebenswandel und gab sich alle Mühe, Arbeit zu finden. Gestern erhängte er sich auf dem Trocken- boden. Er hinterläßt seine Frau mit drei Kindern von zwei bis acht Jahren. Ein bedauerlicher Unglücksfall ereignete sich Sonntag auf dein Müggelsee. Die beiden aus Berlin stammenden Lackierer Garlet und Paul Stock, die mit der 17jährigen Arbeiterin Meta Kein eine Bootsfahrt unternommen hatten, brachten durch absichtlich herbei- geführtes Schaukeln das Boot zum Kentern, wobei sämtliche Insassen ins Wasser fielen. Die beiden Lackierer erttanken, während das Mädchen gerettet wurde. Einige Mitglieder des RudervcreinS .Friedrichshagen" hatten den Vorgang ans der Ferne bemerkt und fuhren in scharfem Tempo heran. Zwei von den Mitgliedern, den Lehrern Holmund Baß, gelang eS, die mit den Wellen ringende Meta Kein zu retten. Dagegen waren die Versuche, die beiden männlichen Insassen aus dem Wasser zu ziehen, trotz aller Anstrengung vergeblich. Erst gegen Abend konnte die Leiche des einen der beiden Ertrunkenen geborgen werden. DaS junge Mädchen, das sich bald erholt hatte, konnte später den Heimweg nach der elterlichen Wohnung antreten. Dienstmädchen und Herrschaft. Angeblich aus Verzweiflung über schlechte Behandlung sprang gestern nachmittag das 19 Jahre alte Dienstmädchen Martha K., das in Halensee in Dienst gestanden hatte, an der Charlottenburger Schleuse in die Spree. Man warf dem Mädchen einen Rettungsring zu, den es aber von sich wies. Dann sprang ein Schiffer ins Waffer und brachte die bereits Unter- gegangene mit eigener Lebensgefahr ans Land. In einem Restaurant am Nonnendamm kam das Mädchen wieder zu sich und wurde den Angehörigen zugefiihrt.— Das Dienstmädchen ValeSka Sch. vergiftete sich infolge Streitigkeiten mit ihrem Dienstherrn in der Wohnung ihrer Eltern in der Köslinerstraße mit Lysol und starb bald daraus.— Das 15jährige Dienstmädchen Anna B. trank am Sonntag abend um 0ll2 Uhr in der Oranienburgerstraße Essigsäure, um sich das Leben zu nehmen. Es war von seiner Herrschaft wegen Unzuverlässigkeit entlassen worden und hatte Furcht, zum Vater zurückzukehren. Als der Bruder das Mädchen nach Hause bringen wollte, trank es das Gift. Der Bruder riß ihm jedoch das Fläschchen aus der Hand, so daß nur eine geringe Ouantttät m den Manzen gelangte. Ein Schutzmann geleitete das Mädchen nach der Königlichen Klinik in der Ziegelstraße, wo diesem der Magen ausgepumpt wurde. Auf Anordnung des Arztes erfolgte sodann die Ueberführung nach der Charit». Ein neuer Schwindel. Durch einen neuen und eigenartigen Trick sind von einem Hotelschwindler einige hiesige Hotels gebrandschatzt ivorden. Vor einigen Tagen kam ein Herr mit einem langen Ulster und einer Reisetasche in ein erstes Hotel und ließ sich ein Zimmer geben. Am anderen Morgen wurden die Hoielbedienjtete« durch lautes, anhalteudes Klutgol« fe..| bas Bimmer des Meisenden gerufen. Seine Hosen, die er zur| geraten war. In der Liebenwalderstr. 43 hatte ein Bauzaun Feuer, Nieder- Schöneweide. Reinigung herausgehängt hatte, war verschwunden. Das ganze Hotel gefangen.-Nach der Urbanstr. 120/23 wurde die dritte Kompagnie Wasserleitungsbrunnen an Stelle von Straßenbrunnen hat wurde aufrührerisch gemacht und durchsucht die Hosen fanden sich nachmittags gerufen, weil dort das Dach eines Schuppens in Nieder Schöneweide anzulegen beschlossen. Die Herstellung eines nicht. Der Besizer ließ schließlich in irgend einem in der Nähe Flammen stand- Zwischen der Köpenider- und Mühlenstraße brannte folchen Brunnens kostet 400 M. Die Berliner Wasserverte verlangen liegenden Geschäft ein Paar Hosen kaufen, vergütete dem Gast die dann die Eisenbahnbrücke; der 5. Löschzug beseitigte die Gefahr. 15 Pf. für den Kubikmeter Wasser. 90 Mart, die angeblich in der Hose sich befunden hatten, und war Allerlei Verpackungsmaterial wurde in der Dragonerstr. 17 einfroh, daß die Sache sich noch so erledigte. An einem der nächsten geäschert, während in der Nitterstr. 44 im dritten Stock des rechten Reinickendorf- Oft. Tage traf der Befizer dieses Hotels einen Kollegen, den Inhaber Seitenflügels ein Feuer unterdrückt werden mußte, das den Fuß- Ueber eine stürmische Hochzeitsfeier berichteten wir in der eines fehr bekannten Hotels Unter den Linden, und erzählte diesem boden und die Balkenlage ergriffen hatte.- Einen Küchenbrand Sonntags- Nummer unseres Blattes. Zu diesem Vorfall wird uns | den Vorfall. Darauf wurde ihm nun laut Konf." die überraschende hatte der 7. Löschzug in der Weberstr. 62 zu beseitigen. Unfug geschrieben: Unfug geſchrieben: eier Fomben fich abends Awet Mau Mitteilung, daß der Gast in diesem Hotel den gleichen Trick inszeniert am öffentlichen Feuermelder lag einer Alarmierung zu Grunde, die Während der Feier fanden sich abends zwei Maurer als uns hatte, nur mit dem Unterschiede, daß er sich hier nicht 90, fondern nachts gegen 4 Uhr nach der Königgrägerstr. 40 erfolgte. Der Täter geladene Gäste ein. In ihrer Trunkenheit versuchten sie vergeblich 120 Mart hatte vergüten lassen. Die Hotels feien also vor diesem ist leider entkommen. Die übrigen Alarmierungen führten die mit der Hochzeitsgesellschaft Streit anzufangen. Hierauf begaben fie Schwindler gewarnt. Wehr nach der Dresdenerstr. 53, Lindenstr. 101/103( Handelsstätte sich in die Küche des Restaurants und verlangten Kaffee und und noch nach einigen anderen Stellen. In allen diesen Fällen lagen gerieten mit dem Wirt und untereinander in Streit, der in Tätlich. Belle- Alliance, Schönebergerstr. 16a, Linienstr. 65, Stettinerstr. 45 Hochzeitskuchen. Beides wurde ihnen vom Wirt verweigert. Sie aber ganz unbedeutende Anlässe vor. feiten ausartete. Schließlich wurden beide Ruhestörer hinausbefördert. Verlegungen find dabei aber nicht vorgekommen. Teilnehmer der Hochzeitsgesellschaft waren an den Auftritten in keiner Weise beteiligt. 36 and guten London Vermischtes. dr sig misd Schiller und die Rekruten. Wann lebte Ein Einbrecherpärchen, das im Februar dieses Jahres in Breslau eine Gastrolle gab, wurde von der hiesigen Kriminalpolizei ermittelt und verhaftet. Am 11. Februar stahlen Einbrecher bei einem Uhrmacher und Goldschmied in Breslau für 8000 M. Waren. Der Ver-. bacht der Täterschaft fiel auf den gewerbsmäßigen Einbrecher Georg Radrennen zu Treptow am 7. Mai. Die Kleine, im Frühjahr Milow und seine Geliebte, eine Frau Auguste Sturm aus der Gubener- wieder umgebaute Bahn hatte am Sonntag den größten bisher erStraße. Milow hatte alle Sachen, deren Nummern und Zeichen bekannt zielten Besuch aufzuweisen. Das Fahren des bekannten Engländers geworden waren, sorgfältig verborgen gehalten, auch bei einer Haus- Tommy Hall, der mit zu den besten internationalen Dauerfuchung wurde nichts entdeckt. Eine Unvorsichtigkeit seiner Geliebten aber fahrern zählt, gegen die Treptower. Przyrembel und verriet ihn. Diese bersetzte eine der in Breslau gestohlenen Uhren bei. Stellbrink hatte nicht verfehlt, auf die Freunde des Radeinem Pfandleiher, der zugleich Hansbefizer ist, und mietete bei sports eine rege Anziehungskraft auszuüben. Hall zeigte sich seinen diefer Gelegenheit von ihm eine Wohming. Als Milot von dem Gegnern, trotzdem diese mit der schiver zu zu befahrenden Aus Dr. Rudenwaldts„ Aufnahmen des geistigen Inventars dank Geschäft hörte, war er wenig erbaut. Er wußte, daß die Nummer Bahn besser vertraut waren, überlegen, der Gefunder als Maßstab für Defettprüfungen Stranfer" gibt das dieser ihr bekannt war und schaffte sofort Geld heran, um sie noch Führung bon Willy Wolf, der für seinen in Literarische Echo" einen Auszug. Dr. Rudentvaldt legte 174 Rte. am felben Tage wieder auszulösen. Aber es müßte nichts mehr. Es bor turzem verunglückten Schrittmann Franz Hofmann ein- fruten, unter denen 134 Deutsche, 39 Polen, 1 Tscheche waren, tam Nachfrage nach der Nummer, und mun wußte der Pfandleiher, gesprungen. Bis zum 20. Kilometer verlief das Rennen äußerst eine Anzahl von leichten Fragen vor, darunter auch zivei, die Die weiteren Beobachtungen und Nach- spannend, denn Hall, der beim Ablassen gleich die Spige genommen Schiller? Darauf nannten 13 Rekruten ein Jahr, das in Schiller betrafen. Die erste Tautete: toer die Uhr versezt hatte. forschungen ergaben, daß das Bärchen am 27. Januar von Berlin hat, wurde von den beiden andern, die in kurzen Abständen folgten, Schillers Lebenszeit fällt, 64 gaben eine falsche Antwort und abgereist und erst nach dem 11. Februar zurückgekehrt war. hart bedrängt, Stellbrink, der sehr gut aufholte, komite sogar in der 97 blieben innerhalb giveier Minuten jede Antwort schuldig. Von Bon einer Leiter erschlagen. Gestern früh gegen 10 Uhr sollte dem Engländer wieder überlassen mußte. Mit dem Widerstande 9 in die Befreiungstriege, 2 ins Jahr 1500, 2 in die Zeit des großen 25. Runde die Führung übernehmen, die er aber nach drei Stunden Schiller hatten 20 nie gehört; 22 fetten ihn ins 16. Jahrhundert, in der Reichenbergerstraße Ede Grünauerstraße bei der Beseitigung Brgyrembels, der bei 20 Kilometer die erste Runde verlor, war es num Sturfürsten, 2 in den dreißigjährigen Strieg, 4 um 1700, 2 zur Beit eines Gerüftes eine schwere Leiter abgenommen werden. Sie stürzte vorbei; er blieb immer mehr zurück, da sein Motor wiederholt versagte. aber und schlug in vier Personen hinein, von denen drei Personen Stellbrint wehrte sich bis zum 50. Kilometer tapfer; bis dahin war Luthers. Andere Antworten lauteten: vor 200 Jahren, vor 500 leicht und eine, ein alter Mann sehr schwer getroffen wurden. Der er nur um brei Runden zurückgeblieben. Doch nun war es auch mit Jahren, im 14. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert, gestorben 1888, Es ist kein Wunder, daß derartige Unglücksfälle möglich sind, denn seiner Kraft zu Ende, beim Schluß der Stunde war er mit neun, 1812, 1840, im Mittelalter;„ der hat auch beim Militär gedient"; im Rückstande. das Aufstellen und Herabnehmen der Gerüste, mitten im Straßengetriebe hat für jeden Unbeteiligten etwas Atembeklemmendes und Kampf der ersten drei, die dicht zusammen die 16 Runden zurüd Nennen Sie mir Werke von Schiller! führte zu 21 richtigen, Das Motorrennen über 5 Stilometer war ein beständiger Schiller war ein Offizier, war ein Buchbrucker. Die zweite Frage: geschieht auch durchaus nicht unter ausreichenden Vorsichtsmaßregeln. legten. Einige Fliegerrennen, die sehr stark bestritten wurden, 30 falschen Antworten, während 128 nichts zu sagen wußten. Richtig Berkehrsstörungen. Auf dem Nordring der Stadt- und Ringbahn vervollständigten das Programm, dessen Resultate hier furz auf genannt wurden u. a." Die Glocke"( 20), Braut von Messina" Bürgschaft", Kampf mit dem Drachen"; fälschlich: firchliche entgleiste gestern nachmittag aus noch nicht aufgellärter Ursache ein geführt seien: da pasien Wagen zwischen den Stationen Wedding und Gesundbrunnen. Die Erstfahren. 1500 Meter. 3 Preise: 25, 15, 10 m. Lieder( 5), Lefebücher( 5)," Es brauft ein Ruf"." Tannhäuser", Folge war eine Sperrung des südlichen Gleises, die von 3 bis 5 1hr 1. limpte, 2. F. Krüger, 3. Flehe. In den Vorläufen 31 Fahrer. Fabeln, Heiß war der Tag"," Dort unten in der Mühle"," Heit „ Der Glockenguß zu dauerte. Der Betrieb wurde so weit als möglich aufrechterhalten, ohne be- Prämienfahrer. 10 Stilometer. 3 Preise: 30, 20, 10 m. bir im Siegertrang", patriotische Lieber, Breslau"," Ein' feste Burg ist unser Gott", Volkslieder, Lesestücke, trächtliche Verspätungen ging es aber nicht ab, da nur ein Gleis zur Ver- 1. M. Hansen, 2. A. Müller, 3. Genz. 22 Fahrer im Rennen. fügung stand. Die Störung wirkte bei dem Massenverkehr an dem schönen Stundenrennen mit Motorführung. 3 Preise: 1000, 400, Jch hab mich ergeben"," leber allen Wipfeln ist Ruh"," Freiheit Maisonntag doppelt empfindlich. Auf der Straßenbahn fiel gestern 800 m. 1. Tommy Hall 61,800 Rilometer; 2. A. Stenbrint die ich meine"," Schwäbische Stunde"," Jefus meine Bubersicht", ,, Großer Gott, wir loben dich"," Gebet während der Schlacht"," Geh bormittag um 114 Uhr vor dem Hause Lothringerstraße 112 ein 59,100 Kilometer; 3. H. Przyrembel 57 Kilometer. schiefgeladener Heuwagen des Futterhändlers Damm um. Die aus mein Herz und suche Freud". Diese Ergebnisse sind um so beLadung sperrte beide Gleise eine Stunde lang. Unterdeffen mußten zeichnender, als die geprüften jungen Leute noch bis gegen Ende der 90er Jahre die Schule besucht haben. Die einleitend gestellte die Wagen des Stadt, des Außen- und des Innenrings, die durch die Lothringer, Frieden und Straußbergerstraße fahren, einen Frage darf man also ohne Uebertreibung mit einem verzagten: Faft Umweg durch die Alte Schönhauser, Münz-, Alexander-, Kaiser- und so gut wie nichts! beantworten, soweit dieses Volt" sich sein Wissen Frankfurterstraße machen. hatte. Diese Tatsache fällt ein vernichtenbes Urteil über die" natiovon Schiller nicht außerhalb der Volksschule zu erwerben Gelegenheit nale Kultur", die der Klassenstaat verbreitet. Rod End Tandemfahren. 1800 Meter. 3 Preise: 75, 50, 30 m. 1. A. Müller- M. Jansen; 2. Gorl- W. Müller; 3. Kelbel Kadajies. In den Vorläufen weitere 4 Baare ausgeschieden. Motorrennen. 5 Kilometer. 3 Preise: 50, 30, 20 M. 1. Josef Käfer, 4 Minuten 10%, Sekunden; 2. Bajorath, 10 Meter zurüd; 3. 2. Wolf, 10 Meter. Nicht placiert: Stiploschet. W. " " Ueber nervöse Störungen bet Telephonistinnen macht in der Theater. Die Direktion des Schiller Theaters hat sich Deutschen Medizinischen Wochenschrift" der Nervenarzt Dr. Wall- beranlaßt gefehen, für Mittwoch, den 10. Mai, im Schiller- Theater N. baum in Berlin wichtige Mitteilungen. Die Erkrankung hat, wie( Friedrich- Wilhelmstädt. Theater)( anstatt der bereits angekündigten Wer bietet? Bös hereingefallen find die Kriegervereinler bon man weiß, folgende Ursachen: Die Telephonistin wird von einem Vorstellung von" Tyrannei der Tränen") noch eine Aufführung von Bantoch. Der alte Kriegerverein von Bantoch war im vorigen man weiß, folgende Ursachen: Die Telephonistin wird von einem Maria Stuart"" anzusetzen. Denn die Billettbestellungen für die Jahre aufgelöst worden, weil die Mehrheit der Mitglieder nicht für Teilnehmer angerufen; dies macht sich im Auut durch Herabfallen einer Klappe oder durch Aufglühen eines Lämpchens bemerkbar. am Montag und Dienstag veranstalteten Borstellungen von Maria den Ausschluß der organisierten Flößer zu haben war.( Die KriegerDarauf schaltet sich die Telephonistin, die den Hörer auf dem Stopf Stuart" find so zahlreich eingelaufen, daß nicht alle Gesuche berück- vereine dulden bekanntlich weder Sozialdemokraten noch Gewerk hat, in die Zeitung ein; dann meldet fie sich bei dem Anrufenden sichtigt werden konnten. Deutsches Theater. Es wird schaftler in ihren Reihen.) Das Vereinsvermögen wurde geteilt, wonochmals darauf aufmerksam gemacht, daß Abonnements- bei auf den Mann 50 Pf. tamen. Es blieb aber noch die Fahne und verbindet diesen mit einem anderen Amt oder Teilnehmer; hierauf schaltet sie sich aus. Gehr häufig tommt es nun vor, daß anmeldungen für die Anzengruber- Spiele nur noch bis 10. d. M. übrig, die 800 M. gekostet hatte. Um dieſe tam es zur Klage der Angerufene ungeduldig wird und antlingelt, bevor sich die Vorverkauf. Dienstag findet die Aufführung der Favoritin" Landgericht hat dahin entschieden, daß die Fahne durch den abends entgegengenommen werden. Am 11. beginnt der allgemeine zwischen dem neugegründeten Kriegerverein und den Flößern. Das Telephonistin ausgeschaltet hat. Lettere bekommt dann den somit Mme. Charlotte Wyns von der Bariser Großen Oper und Herrn Gerichtsvollzieher zum öffentlichen Verlauf gebracht und der Erlös genannten Kurbel- oder Teilnehmerstrom". Es gibt kaum eine, bie noch nicht solchen Strom erhalten hat; doch wird dieser im all- Rammersänger Werner Alberti und Herrn Juan Luria statt. Die unter die ehemaligen Mitglieder verteilt werden soll. gemeinen als etwas absolut unangenehmes gar nicht empfunden. Vorstellung beginnt um 8 Uhr. Die für Sonnabend gelösten Dieser Strom hat eine Spannung von etwa 5 bis 10 Bolt. Billetts werden an der Kasse umgetauscht. " Vorort- Nachrichten. 119 Die Genickstarre. In der legten Woche erkrankten im Stadtund Baubleife statt op i§ 31 Gerſonen an Genidſtarre, 19 starben. Seit dem Auftreten der Krankheit tamen 429 Fälle zur amtlichen Meldung, von denen 246 tödlich verliefen. In Oberfüll. bach bei Koburg ist ein Kind an der Genickstarre ertrantt. In Triest sind vier Fälle von epidemischer Genidstarre festgestellt. Zwei Erkrankte sind gestorben. Nun tommt es aber vor, daß der„ Kurbelstrom" des öfteren äußerst start ist und sich in erschütternder Weise dem ganzen Körper mitteilt. Zur Erklärung für diesen stärkeren Strom wurde die Vermutung ausgesprochen, daß in solchen Momenten die Telephone, also Schwachstromleitungen mit Starkstrom- Nixdorf. Leitungen auf irgend eine Weise in Verbindung getreten fein müßten. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete fich gestern in der Die Telephonistinnen erkranken dann unter schweren Erscheinungen, Hermannstraße. Der 30 Jahre alte Klempner Friedrich künze, Lähmung, gestörte Herztätigkeit uſtv. Diese Fälle weisen nach Dr. Kopfstr. 43 wohnhaft, wurde beim Ueberschreiten des StraßenWallbaums Ansicht darauf hin, daß bei der Auswahl des Personals dammes von einem Motorwagen der Straßenbahn erfaßt und auf dem dortigen Bahnhofe die Entdeckung, daß das älteste Kind fehlte. für den Telephondienst eine bessere Sichtung vorgenommen werden das Pflaster geschleudert, wobei der Unglückliche mit der linken Hand muß. Fernerhin warnt Dr. Wallbaum davor, eine einmal Verlegte unter die Räder der Straßenbahn geriet, die ihm das Glied vom nach einer Erholung von wenigen Tagen sofort wieder in den Dienst Arme trennten. Außerdem erlitt. noch erhebliche Kopfverlegungen zu schicken oder sogar im Dienst zu belassen. Auch gegen ihren und eine schwere Quetschung des Unterleibes. Der Verunglückte Willen sollte man Berunglückte auf längere Zeit dem Dienst ent- wurde zunächst nach der Unfallstation XII geschafft und nach Angieben, fie in geeignete Behandlung geben, um so dem alterierten legung von Notverbänden nach dem städtischen Krankenhauſe überNervensystem die zur Erholung absolut notwendige Ruhepause zu führt. gewähren. Potsdam.sid gibi is no Aus dem Zuge gestürzt. Eine Familie, die mit drei Kindern mit der Bahn nach Bechta gereist kam, machte bei der Ankunft auf Da sie in einem Durchgangswagen fuhren, hatten fie eben nichts Arges vermutet, als sie das Kind, das in seiner Unruhe im Wagen hin- und herlief, nicht fahen. Als man es aber dann nirgends finden fonnte, wurde es zur Gewißheit, daß es unterwegs abgestürzt sei. Sogleich fuhr eine Lokomotive von hier aus zurück und bald entbedte man das Kind am Bahndamm, das wunderbarerweise außer einigen Hautabschürfungen teine Verlegungen davongetragen hatte. Bermutlich war die Wagentür nicht gut verschlossen gewesen. Rennbahn in Braunschweig verunglückten zwei Radfahrer. Der Opfer des Sports. Bei dem Radrennen am Sonntag auf der Radfahrer Hubert Sebenich aus Aachen war fofort tot. Der Radfahrer Schröder aus Hamburg wurde schwer verletzt; es mußten ihm beide Beine abgenommen werden. Keine Genicstarre. In der Charité find, wie wir mitteilten, in Geine eigene Todesanzeige geschrieben hat der dieser Tage in ben letzten Tagen zwei Personen eingeliefert worden, die anscheinend Potsdam verstorbene Landgerichtsrat Weisser. Er war längere Zeit an Genickstarre erfrankt waren. Die ärztliche Untersuchung hat leidend und ließ sich, als er sein Ende herannahen fühlte, Bapier jedoch ergeben, daß in beiden Fällen Genickstarre nicht vorliegt. und Feder bringen, um in amtlicher Form seiner vorgeseßten Dienst Die Patienten befinden sich auf dem Wege der Besserung. Gestern bormittag ist der 61jährige Arbeiter Ernst Franke, Manteuffelste. 27 behörde feinen Tod anzuzeigen. Seine Witwe hatte nur nötig, die Drei junge Lente ertrunken. Aus Köln wird gemeldet: in Schlafstelle wohnhaft, ebenfalls in die Charité gebracht worden. Beit des Todes einzuschalten und ihren Namen unter die Anzeige Sonntag nachmittag stieß ein mit drei jungen Leuten besetzter Kahn weil bei ihm Krankheitserscheinungen beobachtet wurden, die auf zu fetzen. gegen ein Floß, wodurch das Boot zum Kentern tam. Die drei Genidftarre hinweisen. Vielleicht ist aber auch dieser Fall wieder Friedrichsfelde. Infassen ertranfen. harmloser, als angenommen wird. Klarheit über den wirklichen Ein Unglücksfall, der nur durch einen glücklichen Zufall ohne Charakter der Krankheit kann erst eine eingehende ärztliche Unter- schwere Folgen verlief, ereignete fich hier am Sonntagnachmittag. Igl. Bolizei- Präsidiums. Marktpreise von Berlin am 6. Mai. Nach Ermittelungen des fuchung liefern. Der podenverdächtige Russe, der vorgeftern in der Von den Holzmaften, die die elektrische Lichtleitung tragen, waren 00,00-00,00 9, Für 1 Doppel- Rentner: Weizen**), gute Sorte mitfel 00,00-00,00., geringe 00,00-00,00 m. Charité Aufnahme fand, leidet lediglich an einer ungefährlichen einige morsch geworden und sollten durch neue ersetzt werden. Als Roggen**), gute Sorte 00,00-00,00-9., mittel 00,00-00,00 M., geringe Hautkrankheit. Er ist fieberfrei und dürfte bereits in einigen Tagen Arbeiter des Elektrizitätswertes„ Oberfpree" diese Arbeiten ausführten, 00,00-00,00. Futtergerste*), gute Sorte 15,80-14,80 2., mittel 14,70 wieder entlassen werden können. tam einer derselben bei der Befestigung einer Sicherung der Leitung, bis 13,70 m., geringe 13,60-12,60 M. Safer*), gute Sorte 16,30-15,40 m., Erbsen, gelbe, zum Kochen Von Kießlings Berliner Verkehr, dem bekannten roten Westen- welche Hochspannung befizt, zu nahe. Plößlich schoß eine Feuersäule mittel 15,30-14,50., geringe 14,40-13,60 M. taschen Kursbuch, erschien soeben die Sommer- Ausgabe in einem empor und im gleichen Augenblick hing der Verunglückte wie leblos 45,00-30,00 M. Speisebohnen, meiße 50,00-30,00. infen 60,00-30,00 m. Umfange von 300 Seiten zum Preise von 40 Pf. Das Buch hat in der Leiter. Seine Kameraden befreiten ihn nach längerer Kartoffeln 10,00-7,00 M. Richtftroh 6,16 bis 5,16 M. Heu 9,60-7,60 Mr. wesentliche Verbesserungen erfahren. Die Eisenbahn- Fahrpläne find Rettungsarbeit aus dieser entsetzlichen Lage und trugen ihn wie Für ein Kilogramm Butter 2,80-2,20. Gier per Schod 4,00-2,28 m. *) Frei Wagen und ab Bahn.**) Ab Bahn. bedeutend erweitert worden, Straßenbahnen und Omnibusse weisen leblos die Leiter hinab. Der Verunglückte erholte sich jedoch bald vielfache Aenderungen älterer und eine größere Bahl neuer Linien wieder. Der unter vielen Umständlichkeiten zur Stelle gebrachte Arzt Wasserstand am 6. Mai. Elbe bei ufig+1,29 Meter, bet auf. Neu ist die Aufnahme eines Verzeichnisses der Straßen und konnte konstatieren, daß Gefahr nicht mehr vorliegt. Es war, wie Dresden 0,22 Meter, bei Magdeburg+2,11 Meter. Unstrut bet Bläge Berlins und der Vororte, die von Straßenbahnen und Om- erwähnt, sehr schwierig, ärztliche Hülfe herbeizuschaffen. Der Kaffen- Straußfurt+ 1,75 Meter.- Oder bei Ratibor+ 2,45 Meter, bei Breslau nibussen durchfahren werden, mit Angabe der Linien. Alles in allem arzt war nicht zu Hause. Ein zweiter, telephonisch angerufener Arzt Dber Begel+5,20 Meter, bei Breslau Unter Begel+0,10 Meter, bei verdient der praktisch und gewissenhaft wie immer bearbeitete Kleine erschien nicht, obwohl er zu Hause war. Er erklärte, daß er nicht Frankfurt+2,32 Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 6,82 Meter. Kießling" nebst seiner Ergänzung Kießlings Taschenplan von Berlin" zuständiger Kassenarzt sei. Der dritte Arzt kam erst nach längeren Bart he bei Posen+ 0,82 Meter. ( Kleine Ausgabe 20 Pfg., Große Ausgabe 30 Bfg.) die beste Auseinandersetzungen. Empfehlung. Pankow. " Witterungsübersicht vom 8. Mai 1905, morgens 8 Uhr. Better Stationen Better 2bedeat Temp. n. E. Fenerbericht. Die Brandchronit der letzten 48 Stunden ist eine Mutter und Kind. Ein schreckliches Doppelunglüd ereignete fich ungewöhnlich reichhaltige, denn sie weist über 20 Alarmierungen auf. gestern in der Familie K. in Bankow, Parkstr. 22. Frau K. beschäftigte Sonntag abend gegen 9 Uhr wurde die Wehr nach der Blumenthal- fich in der Küche mit der Wäsche, während ihr einjähriges Söhnchen neben Stationen ftraße 17 gerufen, weil dort auf nicht ermittelte Weise in dem im ihr auf der Diele spielte. Als die Frau für eine halbe Stunde die Küche ersten Stock des Borderhauses belegenen Lagerraum des Lurus- berließ, fand sie bei ihrer Rückkehr ihr Kind leblos bor; es war in papierwaren Exportgeschäfts von S. Jacobowizz Feuer entstanden einen mit Wasser gefüllten Kübel gestürzt und ertrunken. Auf die mit oftarten it enter tem em gerast sedule, in denen es in der Zat gelang, ben Stleinen ins Zeben zurüidzurufen, gambu war. Bei Ankunft des ersten Löschzuges standen große Regale, die Hülferufe der Verzweifelten eilten Leute aus der Nachbarschaft herbei, Svinemde. 759 SW1wolkig Hamburg 761 29 5 bedeckt 760 S Flammen. Es mußte tüchtig Wasser gegeben werden, um die Gefahr aber nur für ganz furze Zeit, denn wenige Minuten darauf starb Frankf.a. M. 762 23 Bwei das Kind. Die unglückliche Mutter machte einen Selbstmordversuch, München zu beseitigen. Der Lagerraum brannte größtenteils aus. weitere größere Feuer mußten dann in der Fruchtstr. 1 und in der indem sie sich mit einem Küchenmesser die Pulsadern aufschnitt. Bien Blumenstr. 70 abgelöscht werden. Sier brannte es ebenfalls in Rasch herbeigeholte Aerzte legten der bemitleidenswerten Frau, deren Wetter- Prognose für Dienstag, den 9. Mai 1905. einem Lager, dort in einem Fabritraum. Möbel, Decken und Verletzungen schwer, aber nicht lebensgefährlich sind, einen Not- Bunächst etwas fühler, ziemlich trübe mit leichten Regenfällen unb Kleidungsstüde gingen später in der Lippehnerstr. 29 in einer Wohnung verband an. Die Leiche des Kindes wurde von der Kriminalpolizei mäßigen nordwestlichen Winden; später aufflarend. in Flammen auf, während in der Voltastr. 7 Schwefel in Brand beschlagnahmt. 764 Still 764 Still 2 bededt 3 wollent 14 Aberdeen wolfig 12 Paris heiter 16 16 Haparanda 754 S 10 Betersburg 765 SS 15 Scilly 767 N 763 N 763 Still 1wolten! 12 4 moltig 5beiter 11 8 bedeat 10 Berliner Wetterbureau. Berantw. Redakteur: Paul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verenti.: Zh. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Nr. 107. 22. Jahrgang. 4. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Bierstag, 9. Mai 1905. sonstige Vorteile erreichte. Im Jahre 1904 wurden 90 Angriffs bevorstehenden Generalversammlung werden deshalb in dieser Hinfonſtige Borteile erreichteil es zur bewegungen geführt, bei denen es nicht zur Arbeitsniederlegung tam. ficht Abänderungsvorschläge unterbreitet werden. Der Zentralverband der Handels-, Transport- und Dieselben exfiredten af den Bewegungen beteiligten. Greigt wurde: unterfiigung 35 485 M., and Krantenunterfilzung 83 688, 12, fu erstreckten fich auf 200 Betriebe mit 7992 Beschäftigten, In der Berichtszeit zahlte die Hauptkaffe an Arbeitslosen Verkehrsarbeiter = = = Ueber die Tätigkeit der Organisation fagt der Bericht unter anderem, daß zunächst an dem inneren Ausbau des Verbandes mit Erfolg gearbeitet wurde, ferner sei die Vertretung der Interessen der Mitglieder in rechtlicher Hinsicht sowie den Behörden gegenüber eine den der von sich 3638 an Erreicht M., für Verkürzung der Arbeitszeit in 25, Lohnerhöhung in 85, sonstige Rechtsschutz 14 248 M., sonstige Unterstügungen( Reise-, Notfall- usiv.) hält vom 9. Mai ab in Frankfurt a. M. seinen Verbandstag. Der Zugeständnisse in 63 Fällen. In 37 Fällen tam es zum Abschluß 29 649 M. Die Gesamtsumme aller in der verflossenen Geschäfts Bericht des Borstandes umfaßt einen Zeitraum von zwei Jahren bon Berträgen auf 1 bis 3 Jahre. Ueber die Lohnbewegungen ohne periode gezahlten Unterstüßungen beträgt 163 041.30,5 Proz ( 1. Januar 1903 bis 81. Dezember 1904.) Es iſt ein ſtatlicher Urbeitsniederlegung, welche im Jahre 1903 geführt wurden, Liegen aller Ausgaben. Dazu kommen für Streit- und Gemaßregelten Band von 191 Seiten, der nicht nur über die Tätigkeit des Bor- teine genauen Angaben vor. Abwehrbewegungen ohne Streit gab unterstüßung 215 094 m., so daß in der Geschäftsperiode insgesamt standes, sondern auch über die Bewegung und Leistungen der es 17 mit 352 Beteiligten. 11 diefer Bewegungen hatten Erfolg, 378 185 M. an Unterstützungen gezahlt wurden. Organisation erschöpfende Auskunft gibt. 6 blieben erfolglos. Außer den vorstehend genannten Lohn19 M 00002 Am 31. Dezember 1902 zählte der Verband 20 912 Mitglieder, bewegungen wurden in den beiden Berichtsjahren 62 Angriffs- und Eingegangene Druckfchriften. am 31. Dezember 1904 dagegen 40 405, er hat also in zwei Jahren 20 Abwehrstreits geführt. An denselben waren 6056 Berufsgenossen 19 443 Mitglieder Von der„ Neuen Zeit"( Stuttgart, Baul Singer) ift foeben das Die Mitglieder ver- beteiligt. Erfolgreich verliefen 31, teilweise erfolgreich 27, erfolglos 32. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wie 93,2 Proz. gewonnen. 19 been hier beseichneten Streits. In 65 gäller mit 4530 Beteiligten 32. 23. teilen fich auf 194 Verwaltungsstellen in 191 Orten. Zum Jubiläum des Don Quirote. Bon einzelnen Berufsgruppen der Mitglieder iſt die der Kutscher und wurden Berträge abgeſchloſſen. Die gesamten Kosten der Streits be- H. Ströbel. Eine wissenschaftliche Musterleistung des Zentrums. Von Fuhrleute am zahlreichsten vertreten, nämlich mit 18 087-32,8 Proz. trugen 153 519 M. Davon zahlte die Hauptkasse 139 371 M., die Drts- Gustav Hoch- Hanau a. M. Die Gewerbe Aufsicht in Desterreich. Bon Dann folgen die Hausdiener, Packer 2c. mit 10 580 26,2 Broz, faffen 6679 M., durch freiwillige Beiträge und Sammlungen wurden Dr. Frik Winter( Wien). Die Entwickelung der Parteipreffe in Schlesien. Hülfsarbeiter verschiedener Art 5096 12,6 Proz., Speditions- 7469 M. gedeckt. Durch die im Jahre 1904 geführten Streits Bon Franz Klühs. Säuglingsschutz und städtische Verwaltung. Bon Literarische Rundschau: Dr. Bernhard Rost, arbeiter mit 31847,9 Proz., Straßenbahn- und Omnibusangestellte erlangten 2213 Berufsangehörige Verkürzungen der Arbeitszeit von Dr. Hermann Weyl- Berlin. 2305- 5,7 Bro3., Bierfahrer 2104-- 5,2 Bros., Roblenarbeiter 2 bis 13 Stumben mögentlich, oder durchschnittlich gerechnet Ueber das Wesen und die Ursachen unserer heutigen Wirtschaftskrisis. Bon D. Bauer. Ergänzungshefte der Zeitschrift für die gesamte Staatswissen 1304-3,2 Proz, auf verschiedene Kleine Gruppen einschließlich 6,8 Stunden in der Woche für jeden einzelnen 6729 Berufsgenossenschaft. Bon Ludwig Dueffel. François Cofentini, La sociologie génétique. 787 weiblicher Mitglieder kommen 27956,9 Proz. erlangten Lohnerhöhungen von 0,50 bis 9 M. pro Woche. Außer Bon E. Szabó. diesen Errungenschaften ist noch erreicht worden die Gewährung Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Bucheines Sommerurlaubs ohne Lohnabzug in 22 Fällen für 963 Berufs- handlungen, Bostanstalten und Stolporteure zum Preise von 3,25 M. pro genossen. min3209002 abonniert Derbeth. Das einzelne geft loftet 26 Bf. Poft nur pro Duartal Wie die Löhne und Arbeitszeiten im Handels, Transport- und abonniert werden. Das einzelne Heft Erfolg verſucht worden, die durch die eingia gembelen, auch fet mit Berkehrsgewerbe in allgemeinen fing, bos geht aus einer Auf- Probemunter's ſtehen jederzeit zur Berfügung, Erfolg versucht worden, die durch die Sozialgesetzgebung geschaffenen ſtellung hervor, welche der Berichtszeit neueingetretenen Mitglieder Berlin. Die Nr. 9 des laufenden Jahrganges bringt eine Besprechung die Angaben die stützt, in den Aufs Einrichtungen den Mitgliedern nutzbar zu machen. Ferner heißt es nahmefcheinen der in in dem Bericht, ein besonders unangenehmes Kapitel set das der gemacht worden sind. 548, meist in der Zeitungsspedition und im des großen Mannheimer Verwaltungsberichts über die letzten Jahre des Verhandlungen über den Abschluß eines Tarifvertrages mit dem Kolportagebuchhandel beschäftigte Personen hatten eine Arbeitszeit tommunalen Lebens dieser Stadt. Den bekannten Konflikt des Hessischen Bentralverband der Konsum- und Produttivgenossenschaften Deutsch bis zu 8 Stunden. 3882 arbeiteten 8-10 Stunden, 16 119 Ministeriums mit der sozialdemokratischen Wehrheit der Offenbacher Stadt ftit 8-10 Stunden, 16119 intenten Berjamming in Gagen ber stufhebung des Dftrois behandelt Lands, beziehungsweise den einzelnen Genossenschaften. Mit Bedauern 10-12 Stunden, 10 269 12-14 Stunden, 5970 141-16 Stunden, berordneten- Versammlung in Sachen der Aufhebung des Detrois behandelt 10%-12 Stumben, 10 269 müsse festgestellt werden, daß dem Bestreben, das Arbeitsverhältnis 1852 mehr als 16 Stunden. Der Wochenlohn betrug bis 12 M. Sarl Ulrich. Ueber Steuerreform in Anhalt schreibt. Beus, während ein der in diesen Betrieben tätigen Berufsangehörigen tariflich zu regeln, bei 1900 Aufgenommenen, 12,50-15 m. bei 4232, 15,50-18 M. bei anderer eine Uebersicht über das Gesamtgebiet des tommunalen Steuer. vielfach nicht das richtige Verständnis entgegengebracht wurde. 9676. 18,50-21 m. bei 11 410, 21,50-24 m. bei 8232, 24,50 bis wesens gibt. Die Kommunale Bragis" foftet im Vierteljahre nur 2 M.; Probe Hoffentlich werde hierin in Zukunft eine Kenderung zum beſſeren 27 202, bei 8740, 28-30 m. bei 982, mehr als 80 M. bei 335. nummern fönnen fostenlos vom Berlage der Kommunalen Praxis", eintreten. Der Arbeitsvermittelung widmete der Verband stete Das Verbandsorgan Courier" erscheint in einer Auflage von Berlin W. 15, jederzeit bezogen werden. Aufmerksamkeit. Die Mitgliederzunahme in Verbindung mit der 50 000 Exemplaren. günstigen Gestaltung des Arbeitsmarktes veranlaßte den Verband, überall, wo die Vorbedingungen dazu vorhanden waren, Lohnförde rungen zu stellen sowie Berkürzung der Arbeitszeiten zu verlangen. Wenn auch die hierfür aufgewandten Mittel den Etat des Verbandes sehr start belasteten und auch mancher Mißgriff zu verzeichnen war, so sei doch der allgemeine Erfolg der Lohnbewegungen durchaus befriedigend. Bei den Lohnbewegungen ist das Hauptaugenmerk auf hen übschluß von Tarifverträgen gerichtet worden, um so die er zu machen. gielten Erfolge ber bie Aus den Nachweisungen über die einzelnen während der Geschäftsperiode geführten Lohnbewegungen und Streits geht hervor, daß an denselben 11 500 Berufsangehörige beteiligt waren, von denen der größte Teil Verkürzung der Arbeitszeit, Erhöhung der Löhne und mscerat odbinsino madan " im und " Kommunale Praxis", Zeitschrift für Kommunalpolitit Gemeinde- Sozialismus. Herausgeber Dr. Albert Süberum Der„ Süddeutsche Postillon Nr. 10 ist soeben erschienen und bringt Die Kassenabrechnung für beide Berichtsjahre zeigt in Einnahme in seinem" Titelbild die deutsche Arbeiterschutzgesetzgebung zum Ausdrud, die 661 802,68 m., in Ausgabe 668 938,86 M., demnach übersteigen die durch den Zufakparagraph zum Sinten gebracht wird. Das Schlußbild Ausgaben die Einnahmen um 7136,18 M. Am Beginn der Berichts-( Marottanisches) zeigt uns Delcaffé, dem sein Sekretär über die Stärke der periode war ein Kassenbestand von 40 536,56 M. vorhanden, somit deutschen Armee berichtet. Das Mittelbild stellt den Herrn Leutnant in betrug das Verbandsvermögen am Schluß der Berichtsperiode seiner Entrüftnng über die Bigblätter dar. Aus dem tertlichen Teil heben 33 400,38 m. Während sich der Bestand der Hauptkasse verringerte, wir hervor: Das Leitgedicht Patriotisches Marokkolted, Briefe aus Sachje, stiegen die Bestände in den Ortstassen von 27 908,16 M. am Elegie auf den Tod des Erfinders der Schnurrbartbinde, die Kazenfrau, der Jubilar, Türkische Wirtschaft, Im Bayerischen Wald, Aus dem Tagebuch 1. Januar 1908 auf 70 137,57 to 3 Deute unb bem ber Die summer loftet 10%). und ist überall erhältlich. Dies des Admirals Mißverhältnis zwischen dem Stande der HauptOrtstassen wird darauf zurückgeführt, daß die letzte General Verwaltungsbericht der Drts Krankenkasse der Gastwirte und ver versammlung den Ortsverwaltungen, welche mehr als 1000 Mitwandten Gewerbe zu Berlin für das Jahr 1904. 16 Seiten. Vorwärts glieder haben( bas find zwei Drittel der Gesamtmitgliedschaft), Buchdruckerei und Verlagsanstalt Paul Singer u. Ko., Berlin SW. 68, 50 Broz, der Einnahmen zur örtlichen Verwendung zuvies. Der Lindenstr. 69. ine Infel nist un statsio Sunlight sher maint deland) I paarth 10 115) erjat gajdon dis 70191 38 netotsin Seife mid 19 in 09alodi 90 lsdm dus abine midis Ganz unbesorgt kann jetzt die für forgliche Hausfrau bei Derwen dung von Sunlight Seife sein, während sie sonst die teuren Bierm ftücke aus koftbarer Seide, die feinen und empfindlichen Flanell- und Wollstoffe mit bangem Gefühl in die Wäsche geben mußte. 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