Nr. 119. Abonnements- Bedingungen: S Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 8,30 m, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage ,, Die Neue Welt" 10 Pig. Post Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Zeitungs Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn a Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Erfcheint täglich außer Montags. F841290 Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Solonel. geile oder deren Raum 40 fg., für politische und gewerkschaftliche Vereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebruďte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 11hr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1983. Ein Prozeß gegen die Aufklärung. Die preußischen Gerichte werden immer mehr zu Hülfsorganifationen für die Regierung gegen das Parlament, gegen die Presse, gegen die Deffentlichkeit. Insbesondere üben die Gerichte die Funktion aus, das einzige wirkliche Recht, das unsere Scheinverfassung dem Parlament läßt, das Recht der Kritik auf dem Umwege über Breßprozesse zu entfräften vereiteln. Ein Minister wird im Reichstage durch ein wuchtiges Anklage material bedrängt, das sich auf Beröffentlichungen der Presse stügt. Statt der Widerlegung komunt vom Bundesratstische die Ankündigung einer gegen ein paar- in der Regel sozialdemokratische- Blätter anhängig gemachten Klage, die Aufklärung bringen und zeigen würde, daß alle Behauptungen falsch oder mindestens maßlos übertrieben seien. Die parlamentarische Kritik wird durch eine derartige Ankündigung borläufig entwaffnet, zum Stillstand gebracht. Dienstag, den 23. Mai 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Iderart, daß selbst Gesunde trant werden können. Noch niemals Staatsgebiet zu Gericht zu fizzen über die Dunkelmänner, die aus Hat man in der gesundheitsschädlichen Wirkung gerichtlicher Ver- dem Hinterhalt ihre gemeingefährlichen Anschläge gegen die politischen nehmungen ein Argument des Verzichts auf Zeugen gesehen. Hier Rechte der arbeitenden Bevölkerung gerichtet haben. aber haben wir es mit einem Menschen zu tun, der wegen Raub- Bu vielen Tausenden erschien die Hamburger Arbeiterschaft, um mordes zur höchstzulässigen Strafe verurteilt ist, der nach den ihr Verdammungsurteil über die Wahlrechtsräuber auszusprechen. eidlichen Bekundungen der Beamtenschaft besonders zielbewußt" ist, Jm ersten Hamburger Wahlkreise, wo die Versammlung in intelligent ist, höchst logisch spricht, und dabei gewalttätig, frech, faul den Hammonia- Bierhallen stattfand, sprach Redakteur Emil und zu alledem ein unverschämter Simulant, und von einem der Krause in den bis auf den letzten Platz gefüllten weiten Räumen, artig geschilderten Verbrecher redet plötzlich selbst ein Staatsantvalt im zweiten Wahlkreise im vollbesetzten Tütgeschen Etablissement mit überschwänglichem Mitleid als von einem„ armen Menschen", Redakteur Emil Fischer, Mitglied der Bürgerschaft, und in der Dis den man doch unmöglich durch eine Zeugenvernehmung gesundheit fuffion Reichstags- Abgeordneter Moltenbuhr, in den Versammlungen lich schädigen dürfe. Noch niemals sicher hat ein Staatsanwalt so des dritten Wahlkreises in den Stadtteilen Eimsbüttel, Harvesteviel Rücksicht auf arme Menschen" genommen, die bei gesundem hude, Eppendorf, Uhlenhorst, Barmbeck, Gilbeck, Hohenfelde, Hamm, Geist furchtbare Verbrechen begangen haben, überdies verstockte Rotenburgsort und Veddel die Genossen Röste( Mitglied der BürgerSünder sein sollen! schaft), Bartels( M. d. B.), Weinheber, Zaffte( M. d. B.), Stubbe ( m. d. B.), Blume( M. d. B.), Ehlers( M. d. B.), Birner, Schaumdorf, Geesthacht, Kirchwärder, Ochfenwärder und Moorwärder, Finkenwärder, Kughaven, Groß- Borstel und Moorburg die Genossen Koenen, Stengele, Spliedt, Schulz, Kemmel, Löth, Groffe, Meyer( M. d. B.) und Lemenzow. " burg( M. d. B.) und Bullmer, im Landgebiet in Billwärder, Bergedes Groffe. Die Sachverständigen möchten ihr Urteil nur auf eine Aber zunächst handelt es sich ja nicht einmal um Vorführung Und dann, nach Jahr und Tag, beginnen die Prozesse der Untersuchung in Plößensee bilden. Und diesem selbstverständlichen „ Aufklärung". Wir haben es bei dem Hunnenbriefprozeß erlebt, Anspruch wird mit einem Grund begegnet, so seltsam phantastisch, wie diese Aufklärung bewirkt wurde. Zuerst wurden alle Briefe wie er noch niemals selbst an Gerichtsstätte gehört ist. Ein Arzt als Fälschungen oder phantastische Uebertreibungen entwertet. Dann zwar, und das ist der Sachverständige der Anklage, Dr. Lepptourden aus Hunderten von Dokumenten ein paar Briefe, ein paar mann hat ihn beobachtet, ohne daß offenbar diese Untersuchung Die Redner geißelten die Heuchelei, die sich darin gezeigt, Telegramme herausgesucht, von Hunderten von Blättern, die der Geistesstörungen bewirkt hat, sonst könnte er ja nicht bisher als daß man, während man Schiller als Dichter der Freiheit Wenn aber meinte Herr gefeiert, schon die Vorlage in Bereitschaft hatte, mit der der ham artige Zeugnisse veröffentlicht hatten, ein sozialdemokratisches Organ geistig gesund bezeichnet werden. vor Gericht gezogen und schließlich, als ein umfangreicher Wahrheits- Leppmann in Uebereinstimmung wahrscheinlich mit dem Gericht und burgischen Bevölkerung ein Schlag ins Gesicht versezt werden sollte. beweis angeboten, wurde er rundweg unter der seltsamsten Be Staatsanwalt die vier anderen Sachverständigen den Grosse Während der( Staat in den Theatern Wilhelm Tell" und armen Menschen Die Räuber" in Voltsvorstellungen aufführen ließ, spielte man gründung abgelehnt. So wurde nichts aufgeklärt, die Aufklärung beobachten würden, dann wäre es um des im Gegenteil tatsächlich hintertrieben. Klar wurdenur, daß wieder geistige Gesundheit geschehen: Psychiater, die einen geistig selbst heimlich hinter den Koulissen den Geßler und inszenierte das einige sozialdemokratische Redakteure für viele Monate ins Gefängnis Gesunden verrückt machen, das ist die einzige von seiten der Intrigantenstück„ Die Wahlrechtsräuber". geschickt wurden. Aus dieser Tatsache der Verurteilung, der kein Anklage bisher erzielte, allerdings höchst sensationelle„ Auf- Erinnerungen wachgerufen an die Mißwirtschaft, die über Wahrheitsbeweis zugrunde lag, berbreitete dann eine feile und lärung"! Und, um das Wunderbare noch zu überbieten, einem Hamburg das Cholera- Unglück gebracht, an die Ausreißerei des honetten verlogene Preffe immer faufs neue die Mär, daß die Fälschungen von den anderen, nicht auserwählten Sachverständigen, dem Arzt Bürgertums, an die musterhafte Haltung der sozialdemokratischen und unwahrheiten der Hunnenbriefe gerichtlich festgestellt seien. So der Dalldorfer Frrenanstalt, Medizinalrat Koenig, wird allenfalls Arbeiterschaft, an die unter dem Druck der Angst gegebenen schönen schloß die dem Parlament versprochene Aktion der Aufklärung mit bon dem Sachverständigen Dr. Zeppmann zugetraut, daß der Grosse Bersprechungen, die man alsbald, nachdem die Gefahr geschwunden, bollkommener Verdunkelung ab. bessen Untersuchung noch vielleicht ohne üble Wirkungen ertragen wieder bereute, sodaß bei der verheißenen Verfassungsreform nur " " Dann wurden die In dem Strafvollzugsprozeß, der gegenwärtig in Moabit ver- tönnte. Eine Vorführung aber gar des geistig so hervorragend blutwenig herauskam. Und nun soll dieses Wenige durch ein handelt wird, wiederholt sich der gleiche Borgang, aber unter noch gefunden Groffe an Gerichtsstelle würde wie Herr Leppmann infames Attentat wieder geraubt werden. Man ist frech genug, der aufreizenderen Umständen. Diese Verhandlung zeitigt eine Verwörtlich ausführte mit Gewißheit dazu führen, daß der Arbeiterschaft ins Geficht zu sagen, eine Vertretung von etwa handlungspraxis, wie sie selbst bei preußischen Gerichten wohl in Mann Groffe überschnappt und dann haben Sie einen 20 Sigen unter 160, die man ihr zubilligen will, sei eine der der Arbeiterbevölkerung im Staatswesen andieser Art bisher noch nicht erlebt worden ist. Der Prozeß des verwirrten Geisteskranken vor sich ein unerhörter Erfolg, der Bedeutung übrigens für die Frage der unbedingten Notwendigkeit der gemessene Vertretung", wie es in den Motiven der Strafvollzugs wird zu einem Strafvollzug des Rechts. Senatsvorlage heißt. Eine solche Geringschätzung der Arbeiterschaft Für das große Kulturproblem der Kriminalität und ihrer Be- Borführung eines Beugen gänzlich belanglos ist. Unter dem Eindruck offenbar dieser Leppmannschen Auffassung sei geradezu eine Beschimgfung. Dem Versuch, die Rechte der strafung wird dieser Prozeß von geschichtlicher Bedeutung werden. Wie immer der Ausgang für die persönlich Betroffenen sein mag, für einer Gerichtsverhandlung als Herd geistiger Erkrankung, lehnte am arbeitenden Bevölkerung durch die Einführung des Dreillaffenzut beschneiden, müsse Die Forderung nach die Sache werden wenn auch noch so schüchterne Reformvorschläge als Montag die Kammer Oppermann nach anderthalbstündiger Be- Wahlrechts Erweiterung dieser Rechte entgegengestellt werden, Ertrag gewonnen werden. Schon jetzt bietet jeder Verhandlungstag ratung ab, den anderen Gutachtern dasselbe Recht zu gewähren einer Abschaffung der privilegierten eine Fülle von Anregungen und ernſten Betrachtungen auf diesem wie Herrn Leppmann, mit einer übrigens unverständlichen Be- die Forderung: düstersten Gebiete der bürgerlichen Gesellschaft. Wir bliden in ein gründung. Wahlen, allgemeines, gleiches und direktes Chaos von Verblendung und Verwirrung, und es sind durchaus Die Beschlußfaffung über weitere Anträge der Verteidigung, Wahlrecht für alle Staatsangehörigen! nicht immer die bestraften Verbrecher, die am sozial schädlichsten erscheinen. Wie tragisch ergreifend wirkte, um ein Moment aus der Verhandlung am Montag Herauszugreifen, die schlichte Schilderung des Bruders Karl Grosse, wie die erregte Boltsstimmung" die Familie des Mörders" ächtete, während man gerade bei diesem von einem unseligen Schicksal betroffenen Angehörigen sofort den Eindruck ungewöhnlicher menschlicher Tüchtigkeit gewann. Indessen die sachlich wichtigste Erörterung der Ergebnisse des Prozesses für das kriminalistische Problem in seinem ganzen Umfang muß einstweilen zurüdtreten vor der aufgezwungenen Kritik der Verhandlungsmethode dieses Prozesses, die nicht ihresgleichen hat. " Am 13. Mai 1904 erklärte der Staatssekretär Nieberding im Reichstage, als er den Prozeß gegen den Vorwärts" und andere Blätter ankündigte: Die Stellung des Strafantrages sei der einzige Weg, um zur Wahrheit zu kommen, wie Sie( links) doch auch wünschen". Und Herr Nieberding fuhr fort: „ Sie sehen, es ist uns ernstlich darum zu tun, den Blättern und deren Redakteuren ausgiebige Gelegenheit zu geben, die Wahrheit über die erörterten Zustände zu bekunden, über die Sie soviel Klagen laut werden lassen... Also, Sie ersehen aus dieser Mitteilung den Ernst der Verwaltung es ist im allgemeinen der Verwaltung nicht angenehm, daß solche Sachen, unter denen es natürlich auch schmutzige Wäsche gibt, in die Deffentlichkeit gebracht werden, die Berwaltung hat es aber bor gezogen, in diesem Falle den Weg der gerichtlichen Ermittelungen zu wählen, um vollständig die Wahrheit ans Licht zu bringen." Ein Jahr später findet dieser Prozeß des Lichts statt, und jetzt wird ein Verfahren angewendet, das sich nur deshalb ins Unendliche ausdehnt, weil der einfachste, natürlichste, schnellste Weg der Aufklärung versperrt wird. Schon beim ersten Fall wird der ganze, vom Staatssekretär angegebene Zwed der Aufklärung, auf die seltsamste Weise, bereitelt. Groffe als Beugen zu laden und dem Gerichtshof eine Inaugenschein- Die Debatten in den Versammlungen boten ein Bild der Entnahme in Blögensee aufzugeben, wurden bis nach dem Gutachten rüstung und Empörung, die in den Massen der Bevölkerung durch das Wahlrechtsattentat entflammt worden sind. Leppmanis vertagt". Damit ist der Prozeß der Aufklärung zu einem Prozeß gegen die Aufklärung geworden. Aber die Verteidigung faßt ihre Aufgabe ganz wie Herr Nieberding auf, sie will aufklären, fie will die Wahrheit ans Licht bringen. Und deshalb haben die Verteidiger der beiden Vorwärts"-Redakteure zunächst das folgende Telegramm an den Justizminister und den Oberstaatsanwalt gerichtet: Unterzeichnete beantragen zur Straffache Kaliski und Genossen die Erlaubnis für geladene Sachverständige Psychiater Medizinalrat Koenig, Mitglied des Medizinalkollegiums, Dr. Mönkemöller, Blaczet und Munter zum Besuch des in Plöhensee internierten Strafgefangenen Willi Grosse zu erteilen. Die Sachverständigen haben dies selbst bei der Direktion beantragt. Der Zweck des§. 244 der Strafprozeßordnung wird vereitelt, wenn der zufällige Umstand, daß das Objekt der Begutachtung in staatlicher Gewalt ist, dazu führt, das Material zur Begutachtung den Sachverständigen zu entziehen. Der Herr Staatssekretär des Reichsjustizamts hat im Reichstage als Zweck des Prozesses volle Aufflärung des Tatbestandes und Ermittelung der Wahrheit bezeichnet. Dieser Zweck wird völlig illusorisch gemacht, wenn nicht allen Sachverständigen die oben bezeichnete Erlaubnis erteilt wird, welche ein einziger, von der Anklage dazu Auserwählter, Medizinalrat Leppmann, bereits hatte. Das Hamburger Wahlrechts- Attentat. Ueberall wurde einmütig folgende Resolution beschlossen: In Anbetracht, 1. daß die Wahlrechtsvorlage des Senats nicht nur die bisher bestehenden Privilegiertenwahlen aufrecht erhält, sondern auch für die sogenannten allgemeinen Wahlen neue Privilegien des Besizes schafft 2. daß die Klasseneinteilung der Wähler geradezu eine Verhöhnung der Gerechtigkeit und die offen ausgesprochene Verachtung aller minderbemittelten Bürger bedeutet 3. daß die Einführung des an sich berechtigten und erstrebenswerten Verhältniswahlsystems unter Beibehaltung der Privilegiertenwahlen und Einführung des Dreiklassensystems nur den Zweck haben kann, die Vertretung der großen Masse der Bevölkerung auf ein Minimum zu reduzieren und ihr jeden wirklichen Einfluß zu rauben erklärt die Versammlung: Die Wahlrechtsänderung in der geplanten Form ist lediglich darauf berechnet, den plutokratischen Charakter unserer Gesetzgebungs- und Verwaltungskörperschaften zu verschärfen; sie wird, wenn durchgeführt, dazu dienen, die Herrschaft kleiner Kliquen zu befestigen und auszudehnen; fie wird die Kontrolle der Verwaltung durch unabhängige, bom Vertrauen des Voltes getragene Vertreter unmöglich machen und der Betternwirtschaft und Korruption Tür und Tor öffnen; fie wird unser öffentliches Leben wieder zu jener Stagnation bringen, die jeden Fortschritt ausschließt; fie wird den Boden schaffen für jene eigennützige, nur auf ben Vorteil eines fleinen Streises bedachte rücksichtslose Interessenpolitit, die schon einmal eine furchtbare Katastrophe über unsere Stadt gebracht und ungeheueres Unglück verursacht hat. -r. Hamburg, 21. Mai 1905. Die Wahlrechtsräuber haben es eilig, ihr reaktionäres Werk Am Mittwoch soll schon die unter Dach und Fach zu bringen. Durchpeitschung der Wahlrechtsraub- Vorlage in der Bürgerschaft beginnen. Da galt es, den Widerstand gegen die Pläne der ScharfDer Vorwurf im Falle Groffe besteht darin, daß man einen macher schnell organisieren, die Bevölkerung zum Protest gegen die offenbar Geiftestranten mit schweren Disziplinarstrafen von seiner Berlimmerung ihrer winzigen politischen Rechte aufrufen. Nachdem Geisteskrankheit zu heilen versucht hat. Das ist die Behauptung der am Sonnabend der Liberale Verein gemeinsam mit dem Angeklagten und darin soll die Beleidigung der Plötzenfeer Bureau- Verein der Freisinnigen Volkspartei in Sagebiels fratie liegen. Angeklagte und Verteidigung halten es für zweifellos, Etablissement eine große Versammlung abgehalten, in der der freidafs Grosse geiftestrant ist, die Ankläger erklären ihn für völlig ge- finnige Kandidat bei der legten Reichstagsivahl im zweiten Hamsured. Es find fünf Sachverständige zur Stelle, ztvei vom Gericht burger Wahlkreise, Herr v. Rappard, ferner die Rechtsbreil von der Verteidigung geladen, darunter Spezialisten gerade anwälte Dr. Heckscher und Dr. Türckheim, Oberlehrer Berg Es ift bemerkenswert, bak" bie Polizeibehörde, entgegen der auf dem Gebiet geistestranter Berbrecher. Es ist selbstverständlich, und andere Redner fich in entschiedener Weise gegen daß sich die Sachverständigen ein Urteil über den Groffe aus persön- den ungeheuerlichen Wechselbalg von Gesegesvorlage gewendet und sonstigen Gepflogenheit, in diese Versammlungen teine Beamten zur lichem Augenschein bilden wollen; es wird beantragt, daß sie diese nur ein sich„ liberal" nennender Rechtsanwalt Dr. Goldfeld das Beamte waren nicht erschienen. Zwar war es bisher Brauch, offiziellen Ueberwachung gesandt hatte. Uniformierte Untersuchung in Plößensee vornehmen. Vorgehen des Senats verteidigt, worauf zum Schluß eine gegen die Bürgerschaftswähler Versammlungen nicht polizeilich zu überwachen, Aus allen diesen Gründen erheben die versammelten Einwohner und Bürger Hamburgs den schärfsten Protest gegen diese verderb liche Vorlage, fordern von der Bürgerschaft die Ablehnung der selben und erklären, mit allen Mitteln die Durchführung des Planes verhindern zu wollen. Nun aber begibt sich etwas tatsächlich Beispielloses. Vei den Wahlrechtsvorlage gerichtete Resolution Annahme fand, trat am aber Volksversammlungen, auch wenn sie sich nur mit fommunalen gleichgültigsten Bagatellsachen zitiert man schwerkrante Beugen vor Sonntagmittag die Sozialdemokratie auf den Blan, um Angelegenheiten beschäftigten, wurden stets durch zwei uniformierte Gericht, und die gerichtliche Beugenbehandlung ist nicht selten in 24 Boltsversammlungen im gesamten Hamburgischen Beamte überwacht. Nachdem öffentlich darauf hingewiesen worden daß die Urheber des WahlrechtZattentatS in geheimen Ver- sammlungen ihre dunklen Pläne geschmiedet, ohne daß die Polizei sie irgendwie behindert hat, obwohl die Behörden darum wußten, will man wohl jedem Angriff auf die Polizei die Spitze abbrechen' indem man auch in den Protestversammlungen auf die offizielle polizeiliche Uebcrwachung verzichtet. poUtilcbe Geberficbt. Berlin, den 22. Mai.. Im Handelshause. Im preußischen Abgcordnetenhause wurde am Montag die zweite Lesung der Novelle zum Berggesetz über die Arbeiter- Verhältnisse beendet. Es war noch die Regelung der Arbeitszeit zu erledigen. Wir wünschten den Bergarbeitern, daß sie in Massen dieser Verhandlung hätten beiwohnen können. Die etwa noch Optimisten genug sind, von der preußischen Regierung und den herrschenden Parteien irgend etwas zur Förderung der Arbeiter- interessen zu erwarten, würden nach dem Genuß eines solchen Schau- . spiels wohl alle Hoffnung fahren lassen. In der„Deutschen Tageszeitung" heißt es in einer„Zuschrift aus parlamentarischen Kreisen", daß das Gebiet der sozialen Gesetz- gebung ein dem Landtage weniger geläufiges Gebiet sei. Ob das Ironie sein soll, ist aus der Zuschrift nicht recht ersichtlich; jedoch wenn es ernst gemeint wäre, so müßte es als ein unverdientes Kompliment bezeichnet werden. Nicht Mangel an Erfahrung, sondern böser Wille ist die Ursache der geradezu unwürdigen Behandlung, die dieses Parlament den Bcrgarbeiterangelegenhciten angedeihcn läßt. Die Verkürzung der Arbeitszeit, ihre gesetzliche Festlegung berührt die Lebensinteressen der Arbeiter im Innersten. Es steht die Frage auf der Tagesordnung, ob dem Bergmaune Zeit gewährt werden solle, Mensch zu sein, ob er bloßes Arbeitstier oder auch noch Staatsbürger und Familienvater sein soll. Das preußische Abgeord- netenhaus steht dieser Frage mit einer empörenden Gleichgültigkeit gegenüber. Als Vertreter der Regierung redete der Oberberghauptmann von Velsen im gleichgültigsten Tone irgend etwas zugunsten der Regierungsvorschläge: kein Mensch hört ihm zu, alles schwatzt und lärmt durcheinander, so daß auch die Tribünenbesucher, die gern wissen möchten, was die Regierung zur Verteidigung ihrer wahr- haftig mangelhasten Vorschläge noch zu sagen hat. nichts zu hören oermögen. Nach dem Negierungsvertreter sprach Brust, der Schimpf« gewaltige, der so kräftige Töne im Kampfe gegen Arbeiter- organisationen finden kann. Er trägt ein paar Zahlen vor, die jedermann kennt, die aber niemand in diesem edlen Handelshause interessieren. Selbst seine eigenen Fraktionsgenossen kümmern sich nicht um das, waS der christliche Bergarbeiterführer zu sagen hat. Das stört den aber nicht; gemütsruhig sagt er sein Sprüchlein her: hilft's nichts, so schadet's auch nichts. Ein einziger Zeutruins- geistlicher lauschte ihm unterhalb des Rednerpultes einige Minuten, dann ging auch er, und Brust redete weiter Wind in den Wind. So redet einer nach dem anderen, als ob es sich um die gleich-, gültigste Sache von der Welt handelt. Zwischendrei» einige Male' Herr Möller, der müde eine Amtspflicht erfüllt, mit dem Herzen aber auf der Seite der Unternehmer steht. Nur als er sich als entschiedener Gegner des allgemeinen Maximal-Arbeitstages bekennt, hebt sich seine Stimme etwas. Ein Bravo der Konservativen unter- streicht die einzige Stelle, in der die Meinung des Ministers zum Ausdruck kommt. Erst als nach mehr als dreistündiger Langeweile der konservative Korpsstudent v. Branden st ein eine schneidige Scharfmacherrede hielt, änderte sich das Biid. Das waren Töne, die man in diesem Hause gern hört, da ist man aufmerksam, da hat man Interesse, da ruft man Bravo. Arbeiterinteressen jedoch bewegen den Ausschuß nicht, der sich Volksvertretung neimt. Die Abstimmung ergab die Auftechterhalwng der Kommission- beschlüsse in allen wesentlichen Punkten und damit die Ablehnung jeder Art der Regelung der Arbeitszeit. Nun soll nächsten Freitag die dritte Lesung vorgenommen werden. Donnerstag soll keine Plenarsitzung sein, um den Fraktionen Gelegenheit zu nochmaligen Handelsgeschästen zu geben. Man redet noch immer von Verständigung in dpr dritten Lesung. Diese Wer- ständigung kann nur Zustandekommen, indem die Regierung alle ihre wesentlichen Forderungen aufgibt. Der sanitäre Arbeitstag wird auf keinen Fall beschlossen werden. In welcher Form am Ende die ArbeiterauSschüsse aus der dritten Lesung hervorgehen, läßt sich nicht vorausseh en.da einzig dieKonservativen konsequent blieben, während Zentrum und Nationalliberale hinter den Konlissen arbeiten mit dem Ziele, der Regierung aus der Patsche zu helfen. Daß dem Zentrum gerade dies besonders am Herzen liegt, die Regierung vor dem Konflikt zu bewahren, verrät die Zentrums- Korrespondenz ganz deutlich. Sie schreibt(wir zitieren die Stelle mit den von der Zentrumspresse gemachten Unterstreichungen): Die„Nordd. Allg. Ztg" bemerkt in ihren„Rückblicken", die zweite Beratung der Novelle habe„bisher die erwartete Klärung der Lage nicht gebracht"; die Hoffnung auf eine Verständigung in dritter Lesung iverde hauptsächlich darauf be« ruhen müssen.daß sich doch noch eine Mehrheit für die g e h e i in e S t i m m- abgäbe finden werde. Indes, das sind unverbindliche Wendungen ohne eigentlich offiziösen Charakter. Jeden- falls verraten sie nichts davon, daß die Regierung mit aller Energie ihre Vorlage vertreten werde, geschweige denn davon, daß sie sich an den Reichstag zu wenden gedenke. Die Freunde der Regierungsvorlage werden also selbst im Reichstage die Initiative ergreifen müssen, so unsicher auch der Erfolg erscheinen mag. Wenn die ganze Aktion zum Schaden der Regierung ausschlägt, so ist jedenfalls das Zentrum nicht daran schuld. Der Handel zwischen den Fraktionen wird sich in der Richtung bewegen, die geheime Wahl wieder herzustellen und dann wird man wahrscheinlich eine kleine Mehrheit für die durch den national- liberalen Antrag verschönten Arbeiterausschüsse zusammen bekommen und dann wird auch die Regierung„schweren Herzens" sich mit der Mehrheit„verständigen". Die Zentrumspresse behauptet heute, die Zustimmung des Jen- trums zu dem nationalliberalen Antrage sei nur eine vorläufige gewesen, es habe vor allen Dingen die nationalliberale Ver- besserung der Kommissionsbeschlüsse retten wollen, könne aber der dreijährigen Suspendieruug der Ausschüsse bei Zuwiderhandlungen nicht zustimmen. ES hat ihnen aber zugestimmt ohne jeden Borbehalt. Die Erleuchtung, daß die Abstimmung nur vorläufig sei, kommt der Zcntrumspresse sehr spät. Unmittelbar nach der Abstimmung ist das der Zcntrumspresse so auf die Nerven gefallen, daß sie diese Tat der Fraktion gänzlich niit Schweigen umgab. Warum haben denn die Zentrumsführer nichts davon gesagt, daß sie nur der„Verbesserung". um diese zu retten, zustimmen, die Auflösung und Suspendierung der Ausschüsse aber trotzdem ablehnen? Sie konnten das ruhig, ohne damit die Annahme der„Verbesserung" zu ge- fährden. Wenn die Sache so läge, wie es die Zentrums- presse nachträglich hinzustellen versucht, dann hätten ja gar die Freisinnigen recht arbeiterfeindlich gehandelt, indem sie mit den Konservativen gegen den nationalliberalen„VerbesserungS- antrag" stimmten. Das werden diese sicher nicht zugeben. Uebrigens erklärt auch Herr v. Zedlitz in:„Tag", daß zwischen dem national- liberalen Antrage und der Kommissiousfassung nur ein ganz ge- ringer Unterschied besteht. Wozu also die Zustimmung des Zentrums zu diesem Autrage? Die Zentrunisfraktion des Reichstages hat soeben die vom Abgeordneten Erzberger angekündigten Anträge zum Schutze der Bergarbeiter in Form einer Novelle zur Gewcrbe-Ordnung ein- gebracht. Sic gehen über die Regierungsvorlage hinaus, sind also nach der kürzlich von uns angenagelten Auslassung der Zentrums- presse unvernünftig und unbesonnen und haben nach derselben Presse nicht auf Annahme seitens des Bundesrats zu rechnen. Zu welchem Zwecke sind sie also gestellt? Solleu sie die„Verständigung" im Landtage fördern helfen oder ist es dem Zentrum ernst nnt dem Schutze der Bergarbeiter? Wenn das Zentrum damit keine Flunkerei treibt, dann müßte es dafür sorgen, daß die Materie im Reichstag sofort auf die Tagesordnung gesetzt wird. Die Früchte der Diätenlosigkeit. Bekanntlich gönnen die glänzend besoldeten Junker nnd Geheimräte, die den Bundesrat, diesen würdigen Nachfolger des Bundestags Frankfurter Angedenkens, bilden, den Er- korenen des allgemeinen Wahlrechts keine Entschädigung für ihre Mühewaltung. Die Folgen dieser hartnäckigen Weigerung des Bundesrats, dem Reichstage Diäten zu gewähren, treten mit immer greifbarerer Deutlichkeit zutage. Die deutsche Volks- Vertretung krankt an chronischer Beschlußunfähig- keit, und das regierende Zentrum sieht sich außerstande, der Regierung die gewünschten Vorlagen mit der gewünschten Schnelligkeit zu apportieren. Schon am Sonnabend flog be- kanntlich das Haus auf, weil die reaktionäre Mehrheit, die sich für die E r h ö h u n g d e r R c v i s i o n s s u m m e, d. h. für die plutokratische Verschlechterung unserer Rechtsprechung zusammengefunden hat, ihre Mannen nicht zur Stelle hatte. Dasselbe Schauspiel wiederholte sich am Montag. Zwar waren 20 Mann Reserve zum Verschlcchtcrungsaufgebot gestoßen, aber noch immer blieb die Präsenzstärke der Rechts- verschlcchterer unter 100. Selbstredend hatte unsere Fraktion keine Veranlassung, ihrerseits fiir ein volles Haus zu sorgen, um dem Geldsack ein neues Privilegium zuzuschanzen. So flog bereits um 2 Uhr die Sitzung auf.— Vorher waren mehrere kleinere Vorlagen und Rechnungssachen fast debattclos erledigt worden. Erzberger vom Zentrum be- nutzte eine wenig passende Gelegenheit, um eine Kolonialrede vom Zaune zu brechen. Ein Antrag B l e l l, den auch unsere Fraktion unterstiitzte und der eine kleine Verbesserung des Gewerberechts der Handlungsagenten enthält, wurde in erster und zweiter Lesung angenommen. Am Dienstag beabsichtigt man Straf- und Zivil-Prozcßordnung zu„reformieren", Bauknoten zu 20 und 50 M. auszugeben usw.— wenn ein beschlußfähiges Haus zur Stelle ist.— Veutkckes l�elck. Der nationalliberale Parteitag in Dresden ist so öde verlaufen, wie es der Partei entspricht. Herr Bassermann hielt einen Vortrag über die politische Lage im Reiche, in dem er sich gegen das Zentrum und besonders gegen die Sozialdemokreatie wendete, für neue Flottenvorlagen eintrat und eine gemäßigte Sozialpolitik forderte. Bei der Besprechung des Bergarbeiterschutzes wurde der Redner, der etwa im Sinne der preußischen Regierungsvorlage gestimmt ist, vielfach durch Widerspruch unterbrochen. Die Nationalliberalen des preußischen Abgeordnetenhauses, welche das geheime Wahlrecht be- kämpfen, brauchen nicht zu fürchten, auf dem Parteitage irgendwie zur Rechenschaft gezogen zu werden. Herr Bassennann hatte eine„recht gründliche Aussprache" an- gekündigt. In knapp vier Stunden wurden sämtliche Fragen der deutschen und preußischen Politik„erledigt", man nahm einige Ne- solutionen zur Schnlfrage nnd zur Frage der„akademischen Freiheit" an. Und der Schluß des Parteitages war gekommen.— Zur Krise im Flottenvereiu. Der Rücktritt der Generale M e n g e s und Keim vom Vor- stand des Flottenvereins sei, so meldet die„Rh.-Wests. Ztg.", tat« sächlich auf einen Brief des Kaisers zurückzuführen. Was in dem Briefe stand, wird nicht mitgeteilt. Als eine Folge des kaiser- lichen Briefes darf es aber wohl angesehen werden, daß die Delegiertenversan, mlung der Provinziatgruppe Berlin- Mark Brandenburg des Flottenvereins an, Sonntag nach längerer Debatte folgende Resolution angenommen hat: „Der Deutsche Flottenverein erachtet es für unbedingt er- forderlich, seine Aufklärungstätigkeit in verstärktem Matze fort- zusetzen, um im ganzen deutschen Volke die Ueberzeugung von der Notwendigkeit einer starken Wehr zur See zu festigen und zu ver- mehren. Er erklärt, mit allen Kräften dahin wirken zu wollen, daß die Forderungen, welche die verbündeten Regierungen im Interesse der Landes- Verteidigung zur See den gesetzgebenden Faktoren vorlegen werden, volles Verständnis und wirk- same Unterstützung im deutschen Volke finden." ES fragt sich, ob sich auch die Generalversammlung des Flotten« Vereins auf diesen Standpunkt stellen wird, oder den Flottenverein zu einer offiziösen Agitativns- und Einpeitscher-Truppe der Re- gierung machen würde. Ob übrigens der Regierung gerade damit gedient wäre, jederzeit mit der Agitation des Flottenvereins identifiziert zu werden, ist sehr die Frage. Vermutlich würden ihr daraus noch weit größere Unannehmlichkeiten erwachsen, als aus der bisherigen halboffiziösen Agitation der Panzerplottenpatrioten.— Zur Vereins- und Bersammlungs„freiheit" in Preußen berichtet man uns unterm 22. Mai aus Halle: Der Geschäftsführer Julius M o e w e s von der Filiale des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands war heute vor der Strafkammer wegen Vergehens gegen§ 8a des Preußischen Vereinsgesetzes vom 11. März 1850 angeklagt, weil er, obwohl in Verbands- Versammlungen der Halleichen Filiale politische Gegen st än de erörtert worden sind, Frauen und Mädchen als Mitglieder aufgenommen hatte. In einigen Ver- sammlungen— es sollen dies aber öffentliche, nicht von der Verbandsorganisation einberufene Versammlungen gewesen sein— war über den Zolltarif, die Maifeier, den Generalstreik geredet worden. Der Angeklagte und sein Verteidiger wiesen darauf hin, daß dies nur wirtschaftliche, aber nicht politische Themen wären; nnt dem Zolltarif hätten sich auch Stadtverwaltungen, nicht politische kommunale Vereinigungen, Handwerker« und Handelskammern k. beschäftigt. Das Gericht kam aber in Uebereinstimmung mit dem Staatsanwalt zu einer entgegengesetzten Ansicht, es verurteilte Moelves zur Zahlung einer Geldstrafe von 30 M. und sprach zu- gleich auf anind des§ 16 des Vereinsgesetzes die Schließung der Halleschc» Filiale aus. In der Begründung hieß es. der Verein habe mit„Hartnäckigkeit" Politik getrieben und die Ten- denz gehabt, gegen das Gesetz zu fehlen. Die„hartnäckigen Politiker" werden gegen das Urteil Revision einlegen.— Der Universitätsstreit, der seit Monaten tobt, als gehe es ernsthaft um Güter der Freiheit, während in Wahrheit nur kon- fessionelle Streitigkeiten auf dem Spiele standen, ist nun zum Friedensschluß zwischen Kultusminister und Rektoren gediehen. Ueber das Ergebnis der Rettorenkonferenz, welche vom 16. bis 13. d. M. im Kultusministerium stattgefunden hat, wird mitgeteilt: „Es sind verschiedene Organisationsfragen zu befriedigender Erledigung gelangt. Auch über die A u s l ä n d e r f r a g e hat sich nach näherer Besprechung eine allseitige Verständigung ergeben. Des- gleichen über die Behandlung der Stipendien für Privatdozenten. Ferner bildete die Frage des Frauen st»diu m s einen Gegenstand der Besprechung. Die am meisten aktuelle Angelegenheit die der Studentenausschüsse, fand ihre Erledigung durch eine Ansprache des Ministers, der folgendes erklärte: „Meine Herren l Ich habe aus den Verhandlungen unserer Konferenz die vertrauensvolle Zuversicht gewonnen, daß es den akademischen Behörden gelingen wird, in der Angelegenheit der Studentenousschüsse auch ohne allgemeine F e st s e tz u n g e n die Ordnung und den Frieden auftechtzuerhalten und insbesondere die konfessionellen Verbindungen und Vereine gegen jede Beeinträchtigung ihrer vollen Gleich- vere chtigung zu schützen sowie auch die Ansprüche der nicht- inkorporierten Studierenden zur gebührenden Geltung zu bringen. In der Voraussetzung, daß sich diese Erwartung erfüllen wird, will ich, um den Wünschen der Rektoren möglichst entgegenzukommen, von einer Ergänzung der Statuten in der bezeichneten Richtung absehen. Hiermit kommt denn auch der vielfach mißverstandene Erlaß vom 16. März dieses Jahres, der nur darauf berechnet war, präjudizierliche Maßnahmen zu verhindern, von selb st in Weg all."— Zum Präsidenten des Reichsgerichts ist nunmehr der Unter« staatssekretär im preußischen Staatsministerium, Freiherr V. S e ck e n- d or ff ernannt worden. Hueland. Zum Spallungsversuch der Deputierten. Paris, 21. Mai.(Eig. Ber.) Es ist noch keine Spaltung der Kammerfraktion, geschweige denn der Partei, es ist nur ein Spal- tungsvcrsuch. Die Urheber dieses Versuches mit untauglichen Mitteln haben sich gleichzeitig mit der parteitreuen Fraktion zu einer„un- abhängigen" Fraktion anfgctan, die sich den alten ftei gewordenen jaurssislischen Namen„Parlamentarisch- Sozialistische Gruppe" bei- legte. Die konstituierende Sitzung der„Unabhängigen" aber war für sie eine herbe Enttäuschung. Während der Parteifrattion gleich 28 Mitglieder beitraten, konnte die neue Gruppe das für sie schlagende Herz der bürgerlichen Kreise bloß mit 14 Deputtcrtennamen erfreuen. Und einen Tag darauf ging die Zahl auf 12 Mann zurück. Der Abg. A l d y läßt nämlich in der heutigen„Humanitö" erklären, er behalte seine Entscheidung vor bis zur Willensäußerung der Organisatton des Aude-Departements. Der Pariser Abg. Bagnol aber hat von der Organisation seines Wahlkreises die trockene An- Weisung bekommen, der geeinigten Parteifraktion beizutreten, und heute teilt die„Humanito" mit, daß er noch keiner der beiden Frakttonen beigetteten sei. Zu alledem wird der wirkliche Umfang der Spaltung durch die Zahl 12 genau verdoppelt. Denn unter den Zwölf befinden sich nur sechs Abgespaltete. Die übrigen sechs Dcputterten waren schon vorher von jeder Parteiorganisatton unabhängig. Der LerwaltungsauSschuß der Partei war übrigens rechtzeittg den Spaltungsfreunden durch die Parade gefahren. Er veröffentlichte nämlich eine Resolutton zum Falle Hervö, die einerseits die Aenßerungen Herdas als die persönliche Meinung eines einzelnen Genossen erklärt, über die der Ausschuß nicht zu richten hat, da die Statuten ausdrücklich die Diskussionsfreiheit sichern und zweitens die für die Partei einzig maßgebende Meinung feststellt durch die Anftihrung des Wortlautes der Resolution des Brüsseler Jnter« nationalen Kongresses<1831) über Militarismus und Krieg, jener Resolution, die im ausdrücklichen Gegensatz gegen den Armeestreik« Vorschlag von Domela Nü-euwenhuiS mit sechzehn Nationalitätensttmmen bei der Enthaltung Hollands vottert wurde. Die spaltungslusttgen Elemente sind noch nicht so unabhängig vom— Sozialismus, um das Gewicht und die Tragweite der Kund- gebung des Ausschusses zu verkennen. Und das umsowenig« als der Ausschuß gleichzeitig in einer weiteren Resolutton die be« treffenden Föderationen eingeladen hat,„ihre Erwählten freundlich zur Erfüllung der Verpflichtungen zurückzurufen, die sie (die Föderattonen) selbst auf dem Einigungskongreß übernommen haben". Da liegt der Hase im Pfeffer. Der Ausgang d«e SpaltungS- Versuchs hängt von den Organisationen ab. Diese aber werden— wenigstens in der Regel— die Spaltungsgelüst« der Deputierten zurückweisen. Ueberhaupt kann nur die Erstarkung der Parteiorgani- s a t i o n das chronische Parlamentsübel des ftanzöstschen Sozialismus dauernd und gründlich heilen. Und erstarken kann die Organisatton imr in dem Maße, wie die E i n h e i t der Partei zu einem korrelattven Begriff des Sozialismus werden, jedem ftanzöfischen Sozialisten in Fleisch und Blut übergehen wird. Man begreift nun auch unter diesem Gesichtspuntte, daß der parlamentarische und Wahlmacherische Mandatssozialismus sich beizeiten, in den ersten Lebens« stunden der Einheitspartei gegen diese als eine besondere auch sozia- listtsche Richtung zu behaupten sucht. Die Führer des Bloc- und Mandatssozialismus, Augagneur, Deville und Z ä v a ö s. versuchen bereits, die Spaltung ins Land hinauszutragen, um ihre Deputiertenherrlichkeit durch Talmi« Organisattonen zu kräftigen. Vom Geist ihrer Agitation gibt einen Begriff ein Ausfall DevillcS in einer in ZSvaös Wahlkreis abgehaltenen Versammlung. Deville beschuldigte Jaurös des„Verrates an seiner Partei", an der ehemaligen?. L.?. Das bedeutet einen reformi st i scheu Dogmenfanatismus, der über Verrat schreit, wenn die refornnsttsche Minderheit im Interesse des P a r t e i g a n z e n sich der Mehrheit unterordnet. Und das bedeutet ferner, daß Deville und Genossen daran denken, ihre neue Organi- sation unter dem Aushängeschild der aufgelösten P. 8. ,¥. zu gründen, trotzdem Deville persönlich aus eben derselben Partei, auf die er sich beruft, ausgeschlossen wurde und trotzdem, seine Gesinnungsgenossen in eben derselben Partei eine Minder heit bildeten! Wie dem auch sei, mag der ftattionelle Spaltungsversuch so oder anders enden, in den Augen der internationalen SoFial- demokratie gibt es in Frankreich fortan nur eine sozial isttsche Partei, die auf dem Pariser Einigungskongreß auf Grundlmze der Amsterdamer Resolution durch den einmütigen Willen der regel« rechten Vertreter der sozialistischen Organisationen Frankreichs ge- gründete Partei. Der Deputterten-Sozialismus wird gut tun, sich diese unabänderliche Tatsache zu merken, anstatt mit dem Abgeorltneten Pascha! Grousset bereits an seine Verttetung auf i re. t e r- nationalen Kongressen zu denken. Und" mag er dann sehen, wie er es ferttg bekommt, 40 Jahre nach der Gründung der ersten Jnternattonale abseits vom internationalen Sozialismus und gegen dessen Willen eine lebensfähige Organisation zu. schaffen:.— Die Revolution in Rußland. Moskau, 21. Mai. Ein russischer Frauenkongrcß, der zwei Tage dauerte, und an dem 500 Frauen aller Stände teilgenommen h oben, hat eine Resolutton angenommen, in der die Notwendigkeit einer politischen Befreiung Rußlands betont wird und Forderungen erlsoben werden bezüglich Gleichheit der Rechte von Frauen und Mäiu icm Beendigung des Krieges, Einsetzung einer Volksvertretung usw. Frankreich. Gemeindewahlen in Marseille. Am Sonntag fanden in Marseille die Ersatzwahlen für den Gemeinderat statt auf Grund eines Beschlusses des Staatsrates, welcher die Wahl von 24 Gemeinderäten anordnete. Der Wahlkampf war ein äußerst heftiger. Um 1 Uhr ergab sich auf den 31 Wahlbureaus folgendes Resultat: 38 676 Stimmen für die kollektivistischen und 38 646 für die antikollektivistischen Gemeinderäte. Es ist also nur ein Unterschied von 30 Stimmen zu verzeichnen. Paris, 22. Mai. Montfort bringt heute in der Kammer einen Gesezentwurf ein, welcher die Bildung einer permanenten Polizeibrigade bezweckt, um nach denjenigen Orten entfandt zu werden, wo Ausstände ausbrechen. Die Brigade soll unter dem Befehl des Ministers des Innern stehen und das Militär, welches bisher zur Unterdrückung der Ausstände nötig war, erseyen. plein Lyon, 22. Mai. Die ausständigen Polizei- Agenten beschlossen Fortsetzung des Ausstandes. Italien. Die Parteifraktion über ihr Verhalten während des Eisenbahner- Streifs. Amerika. Der neue Vertrag mit China. und einem Indier bei der Van Nhn- Mine am 14. Mai ergab, daß Konzentriert hatte, versuchte am Mittag des 19. d. M. unsere Lager 1000 Chinesen die eingeborenen Arbeiter über- von hinten zu bedrohen, indem sie eine Umgebung in südden Kaffern, ihre Angreifer abzuwehren, die Chinesen fingen jedoch der Japaner entmutigten sie und sie zog sich auf be fielen. Der Angriff erfolgte ohne jede Veranlassung. Es gelang westlicher Richtung machte; aber die starken Wachtkommandos toe i harmlose affern und töteten sie in der deutende Entfernung in nordwestlicher Richgrausamsten Weise; dann ermordeten sie einen tung zurück, ohne ihren Zweck erreicht zu haben. unbeteiligten Judier. Tokio, 22. Mai. Amtlich wird gemeldet: Am 20. Mai machte der Feind, bestehend aus über 1 Bataillon Infanterie, 1 Regiment Kavallerie und 2 Geschützen, eine Umgehung von der Nachbarschaft eines 10 Meilen östlich von Changtu gelegenen KohlenVon den Vereinigten Staaten ist der Regierung in Peking ein bergwerks nach der 8 Meilen östlich von Changtu gelegenen Höhe von neuer Vertrag zur Regelung der Einwanderungsfrage vorgelegt Santaokov und eröffnete um 11 Uhr morgens das Feuer. Später worden. Der alte Vertrag war schon am 7. Dezember 1904 ab- erschienen 4 feindliche Geschüße auf der nördlichen Höhe von Chinyangpao. gelaufen, aber in Washington erklärt man, daß die Bestimmungen Um 4 Uhr nachmittags gingen 2 russische Bataillone von der desselben in Kraft bleiben sollten bis zur Neuregelung der Frage. östlichen Seite des Dorfes vor, wurden aber zurückgeschlagen. Eine China verlangt eine größere Berücksichtigung seiner Interessen durch weitere gemischte Truppenabteilung rückte in Ersilipao ein, setzte eine engere Begrenzung des Einwanderungsverbots, aber die gesamte das Dorf in Brand und zog sich zurück. Abgesessene feindliche ist in erster Linie daran interessiert, wie der neue Vertrag ausfällt. 13 Meilen südwestlich Fatumen, am Morgen des 20. Mai an. Nach amerikanische Arbeiterschaft erhob ihre Stimme dagegen, und sie Kavallerie griff Tangshed auf dem rechten Ufer des Liaoho. Die Chinesen sind durchaus nicht erbaut davon. Ihr Gesandter in zweistündigem Kampfe zog sich der Feind in Unordnung Washington behauptet, daß die neuen Vorschläge für China nicht nach Südwesten zurück und ließ 300 Tote und Vergünstiger seien und daß sogar Studenten und Kaufleuten der Eintritt wundete zurüd. Außer fleineren Zusammenstößen ist die Lage ins Land verwehrt sei. In China droht man, die amerikanischen unverändert. Waren zu boykottieren; die Kaufleute und andere angesehene Bürger Auf dem Seekriegsschauplate Rom, den 20. Mai.( Eig. Ber.) bon Shanghai haben die Regierung in Pefing aufgefordert, den hat sich noch immer nichts Bedeutsames ereignet. Es wird ges Die italienische Parteifraktion hat soeben den Bericht über ihr neuen Vertrag nicht zu unterzeichnen. Die Chinesen in den Ver- meldet: Verhalten während des Eisenbahner- Streits veröffentlicht, den sie in einigten Staaten, in Hawaii und den Philippinen haben Protest Erwiderung der ihr gemachten Vorwürfe in Aussicht gestellt hatte. erhoben dagegen, daß ihre Nation durch das Vervot behandelt wird, Diese Vorwüfe bezogen sich im großen ganzen auf ihr energie- als wäre sie mit einer Seuche behaftet. Mancher amerikanische Loses Verhalten im Parlament während des Streiks und besonders Kapitalist würde es auch gern sehen, wenn den Chinesen mehr Einauf die schwache Beteiligung der Fraktion an den entscheidenden Ab- wanderungsfreiheit gegönnt würde, im allgemeinen fürchtet man stimmungen, bei deneu weniger als die Hälfte der sozialistischen aber doch die schlimmen Folgen einer gelben Ueberflutung, die sicher Abgeordneten zugegen war. Vereinzelt hat man auch, wie das nicht ausbleiben würde, sobald die Schranken dagegen fallen. Der nach Niederlagen leider so oft geschieht, vom Verrat der sozialisti- Wunsch, daß Studenten und Kaufleute, die man in europäischen schen Fraktion" gesprochen, aber nicht nur ohne jede objektive Grund- Staaten sehr gern aufnimmt, auch in Amerika ungehindert Ginlaß lage, sondern auch ohne jede subjektive Ueberzeugung. finden sollten, ist scheinbar sehr berechtigt. Nun haben aber die In ihrem Bericht beschäftigt sich die Fraktion in keiner Weise Amerikaner ihre bösen Erfahrungen mit den Chinesen gemacht; sie mit der schwachen Beteiligung der Fraktion an den entscheidenden wissen, daß es sich nur darum handelt, ein Loch in das Gesetz Sigungen. Sie führt lediglich aus, daß die Parteifraktion 1902 den zu bohren, durch welches die Zopfträger als Studenten und KaufEisenbahnern zur Seite gestanden hätte, als man ihre Mitarbeit ge- leute zu vielen Tausenden schlüpfen würden. Gelingt es doch heute wünscht hätte; dies Jahr hätten die Eisenbahner aber erklärt, allein den schlauen Cinesen oft genug, trotz aller Aufsicht und der strengsten vorgehen zu wollen. Die Fraktion hätte trotzdem auch in diesem Verbote sich ins Land zu schmuggeln, wie fürzlich eine Verbindung Jahre, dem Entwurf Giolitti gegenüber, im Parlament im Chinesenviertel von New York offen zugestand, freilich mit dem Obstruktion getrieben, falls die Eisenbahner ihre wirtschaftliche For- Bemerken, daß ebenso oft Chinesen ungerechterweise ausgewiesen derungen in zweite Linie gestellt und nur ihr Streifrecht verteidigt werden..- Es sind besonders die Staaten an der Küste des Pacifichätten. Das wollten aber die Eisenbahner nicht. Dem Ptojekte Ozeans, die schwer darunter leiden würden, wenn den Chinesen auch Fortis gegenüber hätte die Fraktion einstimmig be= nur ein wenig die Tür aufgemacht würde, und von dort aus würde schlossen, teine Obstruktion zu treiben, weil damals der Streik be- bald die gelbe Flut das Land überschwemmen.- Die Gewerkschaften reits proklamiert war, weil der Kampf einen vorwiegend wirtschaft- verfolgen den Lauf der Verhandlungen mit gespannter Aufmerklichen und nicht politischen Charakter hatte, für den unter samkeit, denn sie sehen in den Chinesen gefährliche Lohndrücker und den anderen parlamentarischen Parteien jede Sympathie fehlte, man hat gegenwärtig kein besseres Mittel, als ihnen den Eintritt und weil die revolutionäre obstruktionistische Taftit im ins Land zu wehren. Die American Federation of Labor betont Parlament nur dann eine Berechtigung hätte, ein bei jeder Gelegenheit die Notwendigkeit, das Einwanderungsverbot revolutionärer Kampf auf den Straßen möglich und durchführbar aufrechtzuerhalten. gewesen wäre. " weitit Die Fraktion glaubte die Stunde für einen solchen Kampf nicht günstig und widerriet daher auch sehr energisch dem Generalstreik. Ein friedlicher Generalstreit, wie der des September, wäre damals nicht möglich gewesen. Auf Grund dieser ihrer Anschaumgen habe die Fraktion gehandelt und habe das Vewußtsein, ihre Pflicht erfüllt zu haben. Der„ Avanti" bemerkt in seiner Besprechung des Berichts, daß sich in ihm die verschiedene Auffassung über die Stellung der Fraktion gegenüber den Gewerkschaften widerspiegelt; die Abgeordneten glauben, die Gewerkschaften führen zu müssen, während die Gewerkschaften auf dem Standpunkte stehen, daß jede von ihnen aus gehende Massenaktion von den sozialistischen Abgeordneten Vertretung im Parlament verlangen kann. Der Bericht bewiese ferner, daß die Fraktion subjektiv der Ueberzeugung sei, die Eisenbahner sache wirksam vertreten zu haben, objektiv aber jene Kampfmethoden vernachlässigt habe, die das organisierte Proletariat von einer revolutionären Fraktion verlangen kann. Dieser Tage wird auch der Bericht der Gewerkschaftskommission über den Streit erscheinen. Madrid, 21. Mai. Ciudad Real) kam es Not zu Aufläufen. Mühlen Angriffe. Spanien. Hungerrevolten. In Alcazar und San Juan( Provinz infolge der dort herrschenden Die Bevölkerung machte auf mehrere England. Aus der Partei. Saigon, 22. Mai.( Meldung der„ Agence Havas".) Admiral Jonquières hatte den Auftrag, die ganze Küste von Annam zu besuchen und festzustellen, ob seit dem 14. d. Mts. irgend ein friegführendes Schiff zurückgekehrt sei. Der Admiral führte den Auftrag aus und gab Nachricht, daß seit dem angeführten Datum sich nichts derartiges zugetragen habe. London, 22. Mai.„ Daily Chronicle" meldet aus Hongkong von heute: Das Schiff„ Arabia", welches gestern dort ankam, berichtet, es habe bei Pedro Blanco Kanonendonner gehört und die baltische Flotte sei durch den Baschikanal ges gangen. Der Dampfer Changsha" sei am 10. d. Mts. bier russischen Transportdampfern begegnet, die südwärts vom Baschikanal gedampft seien; die„ Changsha" habe einen Apparat für drahtlose Telegraphie an Bord gehabt. " Saarabien vor Gericht. ( Privattelegramm des Vorwärts".) " Trier, den 22. Mai 1905. Die Vormittagssigung eröffnete der Präsident mit folgender Busammenstoß" zwischen ihm und Geheimrat Hilger die Nede. Erklärung: Im Bericht des, Vorwärts" sei von einem Der Vorsitzende habe Hilger angeblich als Sachverständigen zurückgewiesen und ihm bedeutet, er solle sich sezen. Der Vorfall sei aber ganz harmlos gewesen und nicht objektiv dargestellt. Vorsitzender habe nur sein Bedenken gegen die Ausführungen Hilgers geäußert, weil er Zeuge sei und nicht Sachverständiger. Dies einen Zusammens stoß zu nennen, sei zu mißbilligen, und er erwarte eine Richtig stellung. Wenn wieder nicht objektiv berichtet würde, so müßte das Gericht event. vom Hausrecht Gebrauch machen.( Anmerkung des Kandidatenaufstellung im 20. fächsischen Reichstags- Wahlkreise. Berichterstatters: Wir geben zu, daß der Ausdruck Zusammenstoß" zu stark gewesen sein mag, aber es handelt sich nicht um einen ges Am Sonntag versammelten sich die Genossen des 20. Reichstags- wöhnlichen Bericht, sondern um eine telegraphisch erteilte Nachricht, Wahlkreises in Königs Gasthof in Gelenau, um den Bericht der die eher als Stimmungsbild zu bezeichnen wäre. Da werden Delegierten von der Landeskonferenz entgegenzunehmen und einen prägnante Bezeichnungen gewählt, die dem Empfinden des BerichtReichstagskandidaten aufzustellen. erstatters entsprechen. Wir hatten im ersten Prozeß in Saarbrücken Nach dem Bericht des Genossen Reichel- Olbernhau über die stets das Gefühl, als ob Geheimrat Hilger die Verhandlung leite. sächsische Landeskonferenz referierte Genosse Niegel- Bichopau übern Trier aber leitet der Gerichtsvorsitzende stets die Verhandlung die Aufstellung eines Reichstagskandidaten. Er bemerkte zunächst, und zwar streng unparteiisch. In Saarbrücken empfanden wir das daß es, um nicht alte Wunden wieder aufzureißen, nicht an- nicht, darum markierten wir den fraglichen Zwischenfall wohl so gängig gewesen sei, sofort nach der Beendigung der Nachwahl charakteristisch, ohne deshalb unobjektiv zu sein. Am Pressetisch teilte in die Frage der Reichstagskandidatur einzutreten. Der Wahl man unsere Auffassung, Hilger habe sich eine verdiente Brechtprotest sei seinerzeit gegen die Hauptwahl gerichtet worden. Nach weisung zugezogen. Unobjektiv berichten über den Prozeß nur jene feiner Erkundigung sei es leicht möglich, daß schon in den nächsten nationalliberalen Blätter, die aus ihren Berichten streichen, was der Zagen das Schicksal des Kreises entschieden werden könne. Wenn Korrespondent ungünstiges über die Hilgerpartei berichtet.) Der aber auch die Wahlprüfungsfommission zu einer Kassierung des Staatsanwalt schloß sich dem Vorsitzenden an. Mandats Zimmermanns komme, sei es doch noch nicht bestimmit, ob auch das Plenum den Protest anerkenne. Daß Zimmermann, wenn er merke, daß die Stimmung in der Kommission gegen ihn sei, das Mandat niederlege, glaube er nicht. Der Referent bemerkte, daß man Bimmermann gegenüber in die Agitation doch etwas zu lag gewesen sei. Der ungünstige Ausfall der Wahl habe nicht nur in den Umständen gelegen. Die Agitation müsse also besser werden. Ein weiterer Bunft, jetzt schon in der Agitation einzutreten, sei der Lokalmangel im Streife. Man sei in der Hauptsache doch nur auf Wiesen und Felder angewiesen. Auch mit einer Hausagitation müsse eingesetzt werden. Hierauf wurde Genoffe Paul Göhre einstimmig als Kandidat für den 20. Reichstags- Wahlkreis Kandidat aufgestellt. Mit der Agitation soll, auch wenn sich die Erledigung des Protestes im Reichstage bis zum Herbst hinausschiebe, sofort energisch begonnen werden. Rechtsanwalt anser erklärte, vorgestern habe Rechtsanwalt Heine beim Fall David eine Aeußerung getan, die eine Beleidigung Hilgers einschlösse, da Heine behauptete, Hilger hätte im ersten Prozeß ohne Vereidigung nicht die volle Wahrheit gesagt, das werde entschieden zurückgewiesen. Rechtsanwalt Heine: Ich habe gesagt, Hilger hätte damals, so viel mir erinnerlich, nicht bestimmt gesagt, daß der Gesinnungswechsel des Fahrsteigers David unvermittelt geschah, obgleich Hilger den betreffenden Brief kannte. Hilger( erregt): Ich muß mir diese Unterstellung sehr energisch verbitten und behalte mir weiteres vor. Heine: Ich kann nur wiederholen, daß ich dabei bleibe, was ich zur Sache gesagt habe. Aus den Monatsschriften. Genosse Landgraf Chemnig verlas eine Erklärung des London, 18. Mai. Die Nevuen für den laufenden Monat enthalten mehrere Artikel, die auch den deutschen Leser interessieren Genossen Bintau, daß es ihm lieber sei, wenn der 20. Wahlkreis dürften. Die erste Stelle verdienen Mr. Steads Erinnerungen von seiner Person bei einer Neuwahl absehen möge wegen seines an den unlängst in Peking verstorbenen russischen Botschafter Lessar. Gesundheitszustandes. Genosse Spindler schlug namens des Gesamtvorstandes als Ueber das Verhältnis zwischen England, Rußland und TentschVorsitzender ruft 25 Zeugen auf. Als erster Zeuge wird land" sagte der russische Diplomat:" Ich wünsche nicht, daß Eng- Neichstags- Kandidaten den Genossen Paul Göhre vor. land vernichtet wird. Dieses Land ist uns ja unangenehm und es In der weiteren Debatte, in der alle Redner für die Kandidatur vernommen en appschaftsarzt Dr. Sprecht aus Dudweiler. Göhre eintraten, erklärte Genosse Landgraf- Chemnitz als Ver- Er findet die Wohnungs- und Ernährungsverhältnisse der Bergleute wird immer so handeln, um uns Verlegenheiten zu bereiten, dennoch treter des Chemnizer Agitationskomitees, daß die Agitationskomitees gut, der nicht auskomme, der möchte wohl eine unordentliche Hausfrau liegt es nicht in unserem Interesse, daß es zerstört wird. Wie die Dinge jetzt liegen, betrachten wir England als eine schlecht ge- in Sachsen gegen eine Kandidatur Göhre nichts einzuwenden haben, haben. Der Gesundheitszustand sei ein guter, die Kinder sähen Taunte Stage, aber Deutschland als einen gut gelaunten Tiger. Ihr auch der Parteivorstand habe keine Einwendungen gegen die Stan- recht gesund aus. Rechtsanwalt Heine stellt fest, daß in der didatur gemacht. Snappschaftskaffe von 100 Bergfeuten 60 erkranken. Auf Grube könnt uns zuweilen sehr unangenehm werden, aber ernst schaden fönnt Ihr uns nicht. Mit Deutschland steht es anders. Dieses Dudweiler speziell aber 80 bis 90 pro 100. Zeugen Specht und Hilger erklären, auf der Grube Dudweiler arbeiten sehr viel Land benimmt sich uns gegenüber stets ungemein wohlwollend. auswärtige Bergleute, die schwer zu kontrollieren sind, daher Seine eigenen Interessen wird es uns zwar nicht opfern, aber die piele simulieren. Rechtsanwalt Heine sagt: Simulanten Interessen seiner Verbündeten und Freunde wird es opfern, um uns nicht zu ärgern. In allen unseren Unternehmungen, im nahen seien wohl überall zu finden, auffällig aber sei, warum gerade in Dudweiler so sehr viele sich befinden sollen. und fernen Osten, können wir auf Deutschlands Unterstübung ebenso Zeuge Pfarrer Royer aus Sulzbach gibt an, in seinem sicher rechnen wie auf Englands Opposition. Aber Deutschland Berichtigung. In der Notiz zur Umsatzsteuer in der Sonntag- Orte gebe es viele minderwertige Wohnungen, für fönnte uns einen Stich ins Herz versetzen. Deshalb muß Rußland nummer( 1. Beilage, 2. Seite) ist der letzte Saz unserer Bemerkungen gewöhnlich seien zwei bis drei Räume, worin häufig 6 bis 8 Perimmer mit der Tatsache rechnen, daß ihm die Gefahr nicht von Eng- gegen Peus durch einen Druckfehler vollkommen verstümmelt worden. ionen wohnen. Ein Lohn von 4,50 Mt. sei unzureichend für starfe land, sondern von Deutschland droht. Es ist deshalb unser Der Satz muß richtig lauten:„ Wenn darauf Peus antwortet: Na Familien, doch sei das Einkommen oft viel niedriger und dementIntereffe, daß Englands maritime Macht nicht geschwächt wird, um ja, das kann man ja auch machen, so möchten wir fast bedauern, sprechend schlecht sei daher die Lebenshaltung. Der Zeuge teilt Hausein Gegengewicht gegen Deutschland zu haben. Ginge die britische daß er nicht lieber seinen Standpunkt festgehalten hat. haltungsrechnungen mit. Zum Beispiel kommen in einem Falle auf Flotte zugrunde, dann wäre ein Faktor vernichtet, der auf die Beeine neuntöpfige Familie monatlich nur 7 bis 8 Pfund Fleisch.( Große strebungen Deutschlands zurückhaltend wirkt." Lessar machte sich Bewegung.) Zeuge weiß 223 Hauer, die im März und April 3,50 bis sodann über den Weltmarschall Grafen Waldersee lustig, der sich 4,30 Mt. Lohn erhielten, davon gehen noch die Abzüge ab. Solche im chinesischen Feldzuge den Spott der Welt zugezogen hätte. Löhne find nicht auskömmlich, die Berglente sind damit nicht in der In der National Review" schreibt der holländische Genosse Petersburg, 22. Mai.( Meldung der Petersburger Telegraphen Lage, in eine höhere soziale Stufe zu kommen. Wenn gesagt wird, Troelstra über die Frage: Wird Holland germanisiert Agentur.) General Linewitsch telegraphiert unter dem gestrigen die Mädchen trügen weiße Handschuhe, so müsse auch bemerkt Er antwortet:„ Trotz der Schwierigkeiten, der Frr- Datum, daß als am 18. Mai östlich der Eisenbahn eine durch werden, daß dieser Lurus" 20 und 30 Pfennig kostet. Frisches tümer und Mizwirtschaft, gegen die unser Wolf zu kämpfen hat, Stavallerie verstärkte russische Abteilung sich dem Dorfe Shahotse und teures Gemüse kaufen die Bergarbeiterfrauen nur sehr ansbleibt Holland eine Nation, die die Freiheit liebt, republikanisch und näherte, sie von Japanern in beträchtlicher Stärke angegriffen wurde, nahmsweise.( Ueber die weißen Handschuhe und die frischen und antimilitaristisch gesinnt ist, dem Freihandelsystem anhängt, mit die von den Kohlengruben her, die südlich Shahotse liegen, zur teueren Gemüse der Bergarbeiterdamen hatte im vorigen Prozeß einem Worte: wir sind zu sehr holländisch, um sich mit dem Deutschen Offensive übergingen. Auf der Mandarinenstraße gingen zwei der Zeuge Fabrikbefizer Bopelius ausgesprochen.) Auf Befragen Reiche vereinigen zu können. Unser altes Motto" Je maintiendrai" russische Abteilungen, ohne miteinander in Verbindung zu stehen, sagt der Beuge, ihm sei bekannt, daß eine Bergarbeiterfamilie ( Ich behaupte mich) bleibt auch fernerhin in Kraft." bor. Die eine stieß auf Widerstand von japanischer Infanterie und mit sieben Köpfen nur zwet Betten und eine Wiege besitzt. Es In der„ Fortnightly Review" schreibt Sir Rowland Blenner- Kavallerie, warf sie der Reihe nach aus ihren Stellungen und besetzte schlafen also fünf Personen in zwei Betten. haffett über Deutschland. Er sagt:" Es gibt in Deutschland kaum das Flußtal des Kaathe und das Flußtal des Khanda, westlich von eine Zeitung, die selbständig dächte. Der sozialdemokratische Vor- Nanchentse. Die andere Abteilung trieb die feindlichen Kavalleriewärts" ist eine Ausnahme. Dieses Blatt ist ehrlich im Interesse vorposten von Tadlou zurück. feiner Partei geleitet. Die Kölnische Volkszeitung", ein tatholisches Tokio, 21. Mai.( Meldung des Reuterschen Bureaus.) Folgender Blatt, das viel am Rhein und in Mitteldeutschland gelesen wird, ist amtlicher Bericht wird heute hier veröffentlicht: Am Morgen des ebenfalls selbständig; und es gibt noch ein oder zwei Blätter, die 19 d s. griffen die Russen in Stärke von zwei Kompagnien und zwei selbständig denken, aber feinen so weiten Leserkreis haben. Sie Eskadrons aus der Richtung von Weiyuanpaomen her wiederum der Befehl käme von der Juspektion. haben keinen Einfluß auf die Gesamtheit. Die öffentliche Meinung Chiengzu an, wurden aber um 1 Uhr nachmittags zurückgeschlagen. Zeuge Krümmer, der Nachfolger Hilgers als Direktor Deutschlands wird gemacht vom Ministerium des Aeußeren und Gleichzeitig griffen ein russisches Regiment und fünf Eskadrons der Saargruben, war damals Bergtnspektor und sagt aus, der von der jüdischen Finanz." Chingyangpao äußerst heftig an, waren aber um 6uhr abends Befehl an Pauli tönne nicht von der Inspektion gekommen sein, vollständig geschlagen.- Die Lage bei Tschangtu hat sich seit dem er habe ihn jedenfalls nicht gegeben, er habe sich wohl für die 18. d. M., wo die Russen auf dem rechten Ufer des Liau zurück- Wahl interessiert, aber nicht als Bergbeamter. werden?" " Afrika. " Kämpfe in der Mandschurei. Der frühere Steiger Pauli bekundet, ihm sei vom Obersteiger der Befehl erteilt worden, die wählenden Bergleute zu kontrollieren und Bericht darüber zu erstatten. Pauli hat dies getait. Er ist den Bergleuten nachgefolgt und vermochte deshalb zu beobachten, welche Bettel abgegeben wurden. Wem er Bericht cr= stattet, weiß er nicht mehr. Der Obersteiger habe aber gejagt, Zu den Chinesen- Nuruhen in Südafrika.„ Daily Chronicle" gedrängt waren, mit Ausnahme von einigen Patrouillezuſammen- Zeuge Bergmann Arz hat vom Obersteiger Jakob deutliche wird unter dem 21. d. M. aus Südafrika gemeldet: Die amtliche stößen nicht wesentlich geändert. Die feindliche Kavallerie, die ihre Anregung erhalten, vom Zentrum zu lassen und nationalliberal Untersuchung wegen der Ermordung von zwei Kafferni Hauptkräfte bei Kingchuljang, acht Meilen westlich von Fakumen, zu wählen, dann würde er auch befördert. Die, Schwarzen" können Ihnen doch kein Brot geben, habe Jakob gesagt. Da Zeuge sich sträubte, nmimt er an, seine darauffolgende Verlegung an schlechte Arbeit und ebenso unbegründete Geldstrafen wären die Folge seiner politischen Gesinnung. H i l g e r bemerkt hierzu. Obersteiger Jakob habe das gcivih nur scherzhaft gesagt, Jakob sei aufgelegt zu Scherzen gewesen, daher auch der Beiname.billiger Jakob". Darauf be- merkt Angeklagter Krämer, Obersteiger Jakob habe den Bei- namcn.billiger Jakob" gehabt, weil er stets niedrige Gedinge mache. Zeuge Didier: 1898 bei der Reichstagswahl habe eine Kontrolle der Bergleute durch Beamte stattgefunden. Als er des- halb den Bergrat Huek interpellierte, entgegnete dieser, meine Beamte» wissen, was ihres Amtes ist. Die Kontrolle sei dann fortgesetzt worden. Um die Zentrumswähler zu kennzeichnen, hatten die nationalliberalen Beamten an dem Tage wiederholt die Faltung des Stimmzettels s eh �auffallend geändert. Unter allgemeiner Heiterkeit legt Zeuge die betreffenden Zettel vor, deren Faltung so charakteristisch ist, dast sie un- bedingt von den andern zu unterscheiden sein mußten. Bcrgbeamte hatten im Wahllokal gesessen und machten hinter dem Name» des Wählers entweder ei» Kreuz oder einen Strich. 1903 sei es besser gewesen. Vom R.-A. Lanser befragt, wie es denn komme, daß 1903 die Zentrums stimmen doch nicht steigen wollten, will Zeuge das erklären, er dann aber seine Seelsorgerpflicht verletzen und es dürfte den betreffenden Bergleuten nichts geschehen, wenn er sie namhaft mache. Schließlich erzählt der Pfarrer, die Bergleute hätten ihm gesagt, trotz der Isolierzelle sei die Ueberwachung möglich gewesen, dadurch wären die Leute ängstlich geworden. Bcrgrat Huek. in Charlottenburg kommissarisch vernonuneir. entsinnt sich der Vorfälle nicht genau, bestreitet aber bestimmt eine Verletzung der Beamtenpflicht. Er deutet an, der Pfarrer Didier habe mit Androhung kirchlicher Strafen für das Zentrum agitiert. * Die Nach mittagSsitzung war reich an charakteristischen Zeugnissen. Eine Reihe Bergarbeiter, teils pensioniert, traten auf und bekundeten, sie seien nach der ReichStagswahl an schlechte Arbeit oder in die sogenannte Rotte oder auf eine entferntere Grube verlegt worden. Ausnahmslos sind die so Behandelten katholisch und gehören dem Zentrum an. Da sie sich fast alle bei Wahlagitationen passiv verhielten, ist ihre spätere ivkaßregclung als Beweis dafür anzusehen, daß der „geheime" Wahlakt erfolgreich kontrolliert werden konnte, während vor der Wahl die betreffenden Beamten mit Drohungen zur guten Wahl aufforderten. Auch hat der schlechte Wahlausfall in Püttlingen die Beamten zu WutauSbrüchen hingerissen.„Lnmpenzeug, Pfaffen, Schwarzkittel, die nur Gcldrrprcsser sind,"— solche Ausdrücke habe der Obersteiger gebraucht. Die Leute sind finanziell schwer ge- schädigt worden. Dem einen der Geschädigten hat der Steiger Bach gesagt, er solle sich an Hilger wenden, der könne ihm das Geld ersetzen. Zeuge Steiger Bach bestreitet entschieden, solche Aeußerung getan zu haben, andererseits kann er sich nicht entsinnen, daß er gesagt habe, die Verlegung der Schwarzen als der Sünder geschähe auf Befehl von der Jnfpektion. Zeuge Steiger Hasse verwickelt sich infolge eingehender Frage- stellung des Borsitzenden und Rechtsanwalts Heine derartig in Wider- sprächen, daß der Zeuge schließlich gar nicht mehr antwortet. Geheimrat Hilger wies aus Akten vor, daß die fraglichen Ver- legungen entweder auf Wunsch des Verlegten oder wegen seiner Unfähigkeit geschehen sei. Politische Maßnahmen lägen keines- wegs vor. Es folgt der Fall Speicher-Weißgerbcr. Dieser Zeuge ist 1891 wegen Agitation für den Reichsschutzverein von der Grube entlassen worden. Er fing eine Gastwirtschaft an. Die Bergverwaltung erließ ein Verbot an die Bergleute, die Wirtschaft zu besuchen. Da- durch wurde Speicher fast ruiniert, so daß er Bauarbeiter werden mutzte. Aber auch hier war seines Bleibens nicht, er mutzte wieder gehen, weil die Bergbeamten auch dem Bauunternehmer zu Leibe ginge». Speicher ist dann zu den Steinarbeitern gegangen. Heute ist er unbehelligt. Wenn man die Wahlvorgänge in Püttlingen ver- handeln wolle, brauche man mehrere Tage.(Große Heiterkeit.) Eine Reihe Zentrumswähler hatte auf der Grube ihre bis dahin innegehabten Vertrauensstellungen verloren. Nach seiner Ansicht kämen nur Nationalliberale auf solche Posten. Als damals der Boykott über seine Wirtschaft verhängt worden sei, sei er zu Hilger gegangen und habe uni Abhülfe gebeten. Hilger habe ihn schroff abgewiesen. Dann sei ihm auch mitgeteilt worden, es wären Spitzel bestellt zur Ueberwachung seiner Wirtschaft. Einer dieser Spitzel habe sich gerühmt, er habe von Hilger 20 Mark Entschädigung für die Spitzelei erhalten.(Große Bewegung.) Hilger erklärt die Angaben des Zeugen für unrichtig. Von der Spitzelei wäre ihm nichts bekannt. In Püttlingen sei der Herd der Agitation gegen die Bcrgwerksverwaltung, daraus erklärt sich alles. Zeuge Bergmann Schneider gibt an, Obersteiger Schmidt habe ihn zu Spitzeldiensten der Speicherschen Wirtschaft mieten wollen, er habe aber abgelehnt. Der Bergmann Blum habe den Posten übernommen und dieser wolle auch die 20 M. erhalten haben. Jetzt ereignet sich etwas Außergewöhnliches. Rechtsanwalt Heine fragte den Zeugen Speicher-Weißgerber, ob er Sozialdemokrat sei; Hilger habe dies auf Grund seines Vor- gehens gegen Vorkommnisse in Püttlingen angegeben. Zeuge Speicher erklärte mit erhöhter Stimme, niemals sei er Sozialdemokrat ge- Wesen, er müsse sich entschieden gegen die Verdächtigung, er sei Sozial- demokrat, verwahren. Hilger erwidert, in der Wirtschaft Speichers sei ein sozial» demokratischer Verkehr gewesen, dort sei auch Streikagitation getrieben worden. Da erhebt sich Angeklagter Krämer und sagt: Herr Geheim- rat, ich wundere mich, daß Sie so gegen die Streikagitatoren und Sozialdemokraten eingenommen sind. Als wir auf Grube„Sulzbach" . 1889 nicht einfahren wollten und am Schacht standen, sind Sie, Herr Geheimrat, zu den Gruppen der Arbeiter gegangen und haben ge- fagt, Leute haltet nur fest zusammen. Und als wir Streikenden dann in einer Kolonne nach Snlzbach marschierten, sind Sie, Herr Ge- heimrat Hilger, mit unS gezogen und haben mitgesungen das Lied: „Nun legen wir die Arbeit nieder".(Große Sensation. Das Publikum bricht in lautes Bravorufen aus. Der Vorsitzende stellt energisch die Ruhe wieder her.) Die Wirkung dieser Episode war unbeschreiblich. Hilger war ganz verblüfft und suchte nach Worten:„Was Krämer sagt, ist nur t e i l w e i s« richtig. Ich habe nicht mitgesungen, wohl aber kann sein, daß ich die Lente zum Festhalten ermunterte; denn einige Forderungen, z. B. die Schichtvrrkürznng waren berechtigt." Allgemeine Verblüffung, daß ein Hilger einen Streik für be- rechtigt anerkennt! Krämer wiederholt, daß Hilger auch das Streiklied kräftig mit- gesungen hat. Damals war Hilger königlicher Bergassessorl Die Verhandlung dauert fort. Bus Indurtric und Handel LohnanSfall der Ruhrbergleute während des letzten AusstandeS. Die Frage, welche Summe die Bergarbeiter des RuhrrevierS durch den Streik„verloren" haben, hat schon, mehrfach die gegnerische Preffe beschäftigt; doch beruhten alle bisherigen Angaben auf reckst oberflächlichen Schätzungen.� Genauer ffl die Berechnung, welche die für die bergbaulichen Jntereffen im Ober-BergamtSbezirk Dortmund, aufgestellt hat. Danach sind am 19. Jan., der den Höhepunkt der Be- wegung bezeichnet, 205 000 Bergarbeiter im Ausstande gewesen. Die unterirdische Belegschaft war stärker an dem Ausstande beteiligt als die Arbeiter über Tage; am 19. Januar befanden sich von ersterer 37,43 Proz. und von letzterer dagegen nur 41,60 Proz. im Ausstand. An der Spitze der Ausstandsbewegung stand mit annähernd 95 Proz. das Revier West-Essen, das auch der Beendigung des Ausstandes am hartnäckigsten widerstrebte. Während des Ausstandes betrug der Schichtenausfall für die unterirdische Belegschaft rund 4 136 000 und für die über Tage beschäftigten Arbeiter rund 485 060. Legt man bezüglich der Zusammensetzung der Gesamtbelegschaft des Ober- bergamts Dortmund die amtlichen Ermittelungen für das vierte Quartal 1904 zugrunde, so ergibt sich für die unterirdisch be-> schäftigten Arbeiter, die eigentlichen Bergarbeiter, ein Lohnausfall von 12 617 000 M., für die sonstigen unterirdischen Arbeiter ein solcher von 5 062 060 M., für die über Tage beschäftigten erwachsenen Arbeiter von 1 385 066 M. und für die jugendlichen Arbeiter von 89 666 M. Der Gesamtlohnausfall stellt sich demnach auf rund 19 Millionen Mark. Nach der Ansicht der Unternehmerpreffe sind die 19 Millionen Mark den Arbeitern rein, verloren gegangen; die Rechnung stimmt jedoch nicht ganz, denn einen Teil des Ausfalls haben nach Beendigung des Streiks die Arbeiter durch vermehrte Arbeitsschichten wieder ein- gebracht. Der Salitcnstand in Preußen hat sich seit dem Aprilbericht etwas günstiger gestaltet, so daß er sich für Mitte Mai nur wenig schlechter stellt, als für Mai vorigen Jahres. Nach dem soeben veröffentlichten amtlichen Saatenstandsberichte findet er folgende Beurteilung (1— sehr gut, 2--- gut, 3— mittel, 4= gering): Mai 1905 Winterweizen... 2,6 Sommerweizen.. 2,6 Winterroggen... 2,7 Sommerroggen.. 2,7 Sommergerste.. 2,5 Hafer..... 2,5 Kartoffeln.... 2,8 Klee..... 3.1 Luzerne..... 2,7 Bewässerungswiesen 2,4 Andere Wiesen.. 2,3 April 1905 2.6 2.6 3.2 2.8 2.5 3.0 Mai 1904 2.4 2.6 2.6 2.7 2.6 2,6 2.8 2.6 2.6 2.« 2.6 Nach den von der„Statist. Korrespondenz" den obigen Ziffern hinzugestigten Erläuterungen verhinderte die ungünstige April- Witterung, daß die Sommerbestellung der Aecker rechtzeitig in dem erwünschten Umfange gefördert wurde. Besonders sind Kartoffeln noch vielerorten zu legen. Soweit die Bestellung zeitig erfolgte. waren die Saaten schon gut aufgelaufen. Vielfach wird über Ver- unkrautung und tierische Schädlinge geklagt, von denen meist Draht- Würmer, Maden und Fritfliegcn, selten aber Mäuse erwähnt werden. Die eigentliche Auswinterung ist in bedeutenderem Umfange nur bei englischen Weizensaaten vorgekommen. Das späte Frühjahr ver- zögerte die vergebliche Erwartung der Wiederbelebung der nicht auf- gegangenen beziehungsweise verdorrten Pflanzen. Der Stand der Winterfrüchte entspricht zwar nicht überall den nach günstigerer Durchwinterung im April gehegten Erwartungen, ist aber größten- teils doch zufriedenstellend; bei Futterpflanzen zeigt sich durchweg ein geringer Fortschritt. Die Prtrolenmfclderpachtung der Deutschen Bank in Rumänien. Wie ans Bukarest gemeldet wird, hat der rumänische Ministerrat die Verpachtung des staatlichen PetrolcumterrainS im Umfange von 30600 Hektar a» die Deutsche Bank im Prinzip genehmigt. Die Pachtzeit erstteckt sich angeblich auf 50 Jahre. Der Staat erhält nach einer Meldung de?„Berliner Tageblatts" vom Netto« gewinn einen Anteil von 25 Prozent gewährleistet und außerdem eine Extravergütung von 10 Prozent, falls die Produktion ein gewisses Quantum erreicht hat. Die Pächterin wird Dreiviertel ver roduttion raffinieren und davon an den Staat proportionell einen Gewinnanteil abgeben. Die Pächterin kann das Petroleum aber auch im Rohzustand exportieren. Sie ist verpflichtet, innerhalb zehn Jahren 150 Sonden 350 Meter ttef anzustellen; nach zehn Jahren nicht behaltene und nicht angebohrte Terrains sollen wieder dem Staat gehören. DaS Unternehmen genießt fünfzig Jahre hindurch Zollbefreiung. Deutschlands Stahlproduktton im Jahre 1904. Noch schneller als die deutsche Roheisenproduktion steigt die deutsche Stahlproduktion. in der die deutsche Eisenindustrie die englische schon seit Jahren über- kugelt hat. Nach den Ermittelungen des Vereins deutscher Eisen» md Stahlindustrieller betrug die Erzeugung von Flußeisen(Roh. tahl) im Jahre 1904 in Deutschland und Luxemburg insgesamt 8 930 291 Tonnen gegen 3 861 515 Tonnen im Jahre 1963, 7 736 682 Tonnen im Jahre 1962 und 6 645 369 Tonnen im Jahre 1966. Nach saurem Verfahren wurden im Jahre 1964 zusammen 616 697 Tonnen, und zwar 423 742 Tonnen Rohblöcke im Kon- verter, 136 546 Tonnen Rohblöcke im SiemenZ-Martinofen und 56 469 Tonnen Stahlformguh erzeugt. Die Hauptmaste— 8 319 594 Tonnen— wurde jedoch im basischen Verfahren hergestellt, und zwar 5 525 429 Tonnen Rohblöcke im Konverter, 2 697 766 Tonnen Roh- blocke im offenen Herd(M�rtin-SiemenSofen) und 96 465 Tonnen Stahlformguß. Die industrielle EntWickelung Sachsen? hat in der Aera der ogenannten Caprivischcn Handelsverträge gewalttge Fortschritte ge- macht. Nach dem neuesten Hefte deS kgl. sachs. statistischen Bureaus hat sich in dem zwölfjährigen Zeitabschnitte von 1892 bis 1964 die Zahl der in Sachsen bestehenden Fabriken von 13 866 aus 19 328 und die Zahl der in diesen Fabriken beschäftigten Arbeiter von 364 636 auf 588 332 erhöht. Das steuerpflichttge Einkommen in Sachsen ist während dieses Zeitraumes ebenfalls gewaltig gewachsen, nämlich von rund 1585 Mllionen auf 2359,6 Millionen Mark' auch der Ertrag der staatlichen Einkommensteuer von 21,65 auf 45,25 Mllionen Mark. Beschädigte oder zerrissen« Reichskassenscheine. Aus Anlaß eines besttmmten Falles hat die Reichsschuldenverwaltung neuerdings über die staatliche Ersatzleistung für beschädigte und für den Verkehr un- brauchbar gewordene Reichskasserffcheine und Banknoten bestimmte Grundsätze aufgestellt. Beim großen Publikum begegnet man fast durchweg der Meinung, daß für zerrissene oder sonst beschädigte Reichskassenscheine zu 5. 26 und 56 M. von den Staatskassen Ersatz geleistet werde, falls noch die Nummer des betreffenden Scheins auf einem Stück erhalten ist. Diese Ansicht ist jedoch irrig; nach den Be- timmungen der Reichsschuldenverwaltung wird nämlich für solche beschädigte oder unbrauchbar gewordene Exemplare nur dann Ersatz zeleiftet, wenn das vorgelegte Stück mehr als die Hälfte beträgt. Also nicht dem Besitzer der etwa auf einem Stück noch erhaltenen Nummer, sondern lediglich dem Einreicher der größeren Hälfte des beschädigten Stückes wird Ersatz geleistet. Auf Grund dieser Besttmmungen sprach dieser Tage, wie die „Köln. Volkszäg." berichtet, die Reichsschuldenvarwaltung einer Frau in Münster i. W. da» Recht aus Ersatzanspruch zu für das größere Stück eines Fünfmarkscheines, während der eigentliche Inhaber dieses Scheines, der diesen verloren und nur noch ein kleines Stück desselben mit der Nummer wiedergefunden hatte, leer ausging. und bertrat einmütig die Ansicht, daß von einem Tarifbruch der Streikenden keine Rede sein könne. Hinsichtlich der ferner einzu- schlagenden Taktik herrschte Meinungsverschiedenheit darüber, ob ferner Unterschriften von den Unternehmern entgegengxnomm-u werden sollen oder nicht. Die Versammlung beschloß fast einstimmig. daß Vertragsunterschriften nicht angenommen werden, die Streikenden aber bereit sind, dem Rufe des EinigungsamteS zu folgen. Ueber den Stand des Streiks wurde mitgeteilt, daß sich an demselben 1159 Arbeiter beteiligt haben. 579 arbeiten zu dem neuen Tarif, 566 haben sich regelmäßig zur Kontrolle gemeldet. Von den Streikenden ist noch keiner abtrünnig geworden. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigarettenfabrik Jofettt, G. m. b. H., Berlin, Neue Friedrichstr. 9/16. in deren Filial- fabrik in Dresden die Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen sich infolge von Lohndiffercnzen im A u s st a n d befinden, nahmen in einer gestern abcni» abgehaltenen Fabrikbesprechung insofern Stellung dazu, daß sie eine fünfgliedrige Kommission aus ihrer Mitte wählten, welche bei der hiesigen Geschästleittmg heute vormittag vorstellig wird. Es wurde ein dahingehender Beschluß gefaßt, d a ß. w e n n von derselben keine befriedigenden Erklärun- gen abgegeben werden, die Arbeitsein st ellung sofort zu erfolgen hat. Ordentliche Generalversammlung des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und BcrkehrSarbeitcr. Vor Eintritt in die Tagesordnung ehrte die Versammlung das Andenken von 15 Kollegen, welche im Laufe des Quartals gestorben sind. Sodann machst« der Bevollmächtigte Werner verschiedene geschäftliche Mit- teilungen. Die Zunahme von neuen Mitgliedern im 1. Quartal dieses Jahres betrug die stattliche Zahl von 2232. Auch auf Wirt- schaftlichem Gebiete seien verschiedene Erfolge für die Mitglieder zu verzeichnen. Die Lohnbewegungen der Kornträger sowie der Kutscher und Mitfahrer und Kellerarbeiter in drei Brauereibetricben sei ohne Streik verlaufen und habe in allen Fällen mit einem günstigen Tarif- abschlug für die Beteiligten geendigt. Der Redner teilte ferner mit. daß das Anwachsen der Organisation die Anstellung eines weiteren Bureaubeamten notwendig gemacht habe. Als solcher sei der Kollege Franke angestellt worden. Der Kassenbericht, welcher der Ver- sammlung vervielfältigt vorlag, ergiebt folgendes Resultat: Die Einnahme im ersten Quartal betrug 43 423,36 M., die Ausgabe 43 289,05 M."'......... Bestand von 26 u dem Ueberschuß von 134,31 M. kommt ein alter 63,93 M., so daß am Schlüsse des Quartals ein u verzeichnen ist. Unter auptkasse abgeliefert ver- Versammlungen. Die Versammlung der Stukkatcnre, welche gestern abend unter sehr starker Beteiligung abgehalten wurde, erklärte sich mit dem| örtlicher Kassenbestand von 26 493,29 M. den Ausgaben sind 23 266 M. als an die rechnet, ferner 5724,45 M. für Krankenunterstützung und 1695 M. für Beerdigungsbeihülfe. Es ist noch hervorzuheben, daß für die Kranken- und Stcrbebeihülfe in diesem Quartal 2189,76 M. mehr verausgabt wurden wie im vierten Quartal 1964. Die Mitglieder- zahl betrug am 1. April 13 643, darunter 344 weibliche Mitglieder, Nach dem Arbeitsnachweisbericht waren arbeitslos am Schlüsse des vierten Quartals 1964 159 Kollegen. Im Laufe des ersten Quartals meldeten sich neu 1643, zusammen 1267 Kollegen. Gemeldet wurden 1368 Stellen, besetzt 844 Stellen. Am Schlüsse des ersten Quartals 1965 blieben arbeitslos 85 Kollegen. An diesen Bericht knüpfte sich eine längere Diskussion über die jetzige geschäft- liche Handhabung des Arbeitsnachweises. Ferner wurde noch be- kanntgegeben, daß die Verwaltung in Rixdoxf für die dortige:.' Mitglieder einen neuen Arbeitsnachweis eingerichtet habe, derselbe befindet sich Richardstr. 112 und steht unter der Leitung des Genossen Grunewaldt. Sodann wurde das von der Berliner Gewerkschafts. kommission herausgegebene Flugblatt in Sachen A. Wertheim in längerer Diskussion in abfälliger Weise besprochen. Die hierzu eingereichten Anträge wurden jedoch abgelehnt unter dem Hinweis, daß die Angelegenheit in der Delegiertenversammlung der Gewerk- schaftskommffsion zum ÄuStrag kommt. Der Arbeiter-Sängerbund hielt ckm 14. Mai feine letzte Aus- schußfitzung ab. Aufgenommen wurden die Bereme: Morgenrot (Friedenau) und Bruderherz(Berlin). Von den vier Luckenwalder Vereinen ist eine Resolution eingegangen, die sich mit der Geschäfts» führung des Vorstandes nicht einverstanden erklärt und gegen die- selbe Protest erhebt. Zugleich machen die Vereine darauf auf- merksam, daß dieselben in diesem Jahre auf ein Provinzial-Sänger- fest verzichten. Diese Resolution wurde zur Diskussion gestellt und vom Vertreter Luckenwaldes betont, daß er seinerseits einen Bericht der letzten Ausschußsitzung nicht gegeben habe, jedoch die Resolution nur dadurch entstanden sein wird, daß ein Antrag, das Provinzial- Sängerfest betreffend, nicht zur Abstimmung gelaugt ist. Meyer weist darauf hin, daß betreffender Antrag in der Diskussion in der ausgiebigsten Weise besprochen ist und es deshalb überflüssig wurde, besoners darüber abstimmen zu lassen. Alle anderen Redner weisen ebenfalls die Berechtigung der Resolution zurück. Ein Antrag auf Uebergang zur Tagesordnung wurde gegen eine Stimme an- genommen. Dem Vorstand wurden Vorschläge gemacht, sich mit dein nächsten Provinzial-Sängerfeste zu befassen. Der Vorstand unter- breitet dem Ausschuß ein neues Lied, welches nicht von der Lieder- gemeinschast herausgegeben, zum Sängerfest zu beschaffen. Als Vorschlag brachte der Vorstand daS Lied:„Weihe des Gesanges", von Mozart. Der Vorschlag fand allseitigen Beifall und wurde vom Ausschuß angenommen. Der Verein„Weiße 9kofc"_ hat sich dem jetzt zu einem großen Chor vereinigten„Rixdorfer Männerchor" an- geschlossen. Da im Norde:: eine Verschmelzung der Vereine geplant ist, so werden die Bereme auf dieselbe auftnerksam gemacht. Ver- treter Linde l bespricht eine Angelegenheit einer Ausschußsitzung vom Februar und betont, daß er seinerseits nicht nur den Vorwurf, sein Verein wäre nicht leistungsfähig, sondern auch derselbe hätte sich bei Parteifestlichkeiten angeboten, zurückgewiesen hat. Eine Bekannt- gäbe, den Fragebogen betreffend, kann erst in der nächsten Ausschuß- sitzung erfolgen, ba die Vereine sehr säumig waren und daS Resultat noch nicht zusammengestellt werden konnte. Letzte JSaebnehten und Depefeben. Ungeheuere Pestopfer in Brittsch-Jndien! London, 22. Mai.(W. T. B.) Unterhaus. Staats- sekretär für Indien Brodrick teilt mit, daß die Zahl der in Indien, an der Pest gestorbenen Personen vom 1. Januar bis 1. April 471 744 und der vom 1. bis 29. April gestorbenen 215 361 beträgt. Wien, 22. Mai.(W. T. B.) Die gemeldete Explosion von Gasen im BoSrucktunnel erfolgte in dem Sohlswllen auf der Süd- scite. Im Tunnel befanden sich 17 Arbeiter, die. wie man annimmt. sämtlich getötet wurden. Zwei eingeleitete Versuche, sie zu retten. waren vergeblich, da die ausströmenden Gase das Bordringen zu der Unglücksstelle unmöglich machten. Vier an den Rettungsversuchen Beteiligte mußten ohnmächtig aus dem Tunnel befördert werden. Die fertige Tunnelröhre ist durch die Explosion nicht beschädigt worden. New Aork, 22. Mai.(W. T. B.) In der dritten Avenue er- eignete sich heute ein Zusammenstoß zwischen zwei Zügen der Hoch- bahn. Infolge Kurzschlusses geriet das Hohnbahngerüst in Brand. Die Reisenden, welche von panischem Schrecken ergriffen wurden, suchten sich dadurch zu retten, daß sie aus den Fenstern kletterten. Eine Anzahl von ihnen kletterten die Pfeiler hinunter, durch welch: die Bahnlinie gestützt wird. Bei dem Zusammenstoß sind zwanzig Essener Fachzeituug„Glückauf", das Organ des bekannten Vereine I Verhalten ihrer Vertreter vor dem EinigungSamte einverstanden I Personen verletzt worden. Berantw.Rod» Franz Rehbein, Bertin. Jnlerateverantw.(mit Ausnahme dcr,NmkWtlt"-Leilag-):Th.Vlocke, Berit». Druck u.Berl-g:BorivärttSuchdr.u.B-rIagSanit.PaiUSü:gerchEo.,v»rlm 8 W.$ terzn 3 Beilagen u.«ttterbattunLStt Nr. 119. 22. Jahrgang. 3. Mißt i>es Jotmätte" Kcrlim lolMUtt SiMstnj, 23. fflni 1905. partci-Hngelcgcnhcitcn. Dritter Wahlkreis. Dienstag, den 23. Mai. abends S'/« Uhr, Versammlung des Wahlvcreins in MöhringS Salon, Admiralstr. 18 o. Tagesordnung: Vortrag des Genossen Georg David söhn über- .Der moderne Krieg". Diskussion. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Gerlmer I�achricKtm Zur Heimstiittennot. Die Berliner Heimstätten für Genesende sind nun schon längst wieder auf dem Punkte angelangt, wo sie jedem Aufnahmesuchenden eme Wartezeit zumuten müssen, weil alle Betten belegt und bereits zahlreiche Bewerber vornotiert sind. In der Heimstätte Gütergotz(für lungenleidende Männer) kann ja überhaupt niemand ohne Warteizeit Aufnahme finden, auch mitten im Winter nicht. Diese Heimstätte ist ständig voll, und zu jeder Zeit sind, auf Wochen. ja auf Monate hinaus alle Plätze im voraus besetzt. Wer sich dort im letzten Winter Ende Dezember oder Anfang Januar zur Auf- nähme meldete, der hatte sich schoir damals von vornherein auf eine Wartezeit von sieben Wochen einzurichten. Inzwischen ist natürlich die Zahl der vornotierten Bewerber bedeutend gestiegen und die Wartezeit ist heute schon wieder viel länger. Am 20. Mai waren 1,84 Bewerber notiert und die Wartezeit betrug öS Tage. Auch in den anderen Heimstätten, wo man wenigstens im Winter sehr bald oder sofort aufgenommen werden konnte, mutz jetzt überall mehr oder weniger lange gewartet werden, ehe die Aufnahme er- folgt. Für die Heimstätten Blankenfelde und Malchow(beide für lungenleidende Frauen) begann das schon Ende Januar, für die Heimstätte Blankenburg(genesende Frauen) Anfang Februar, und seit Anfang April ist auch für Heimstätte Heinersdorf(genesende Männer) wieder dieser alte leidige Zustand eingetreten. Am L0. Mai hatten Blankenfelde und Malchow zusammen 103 Vor- Meldungen und 24 Tage Wartezeit, Blankenburg 34 und 27. Heinersdorf 47 und 8. Dabei haben Blankenfelde, Malchow und Blankenburg ihre„Sommerbaracken", die sonst immer erst im Mai oder Juni in Benutzung genommen wur?cn, diesmal schon im März und April mit zu belegen angefangen.(Gütergotz hat eine Baracke, die das ganze Jahr hindurch belegt wird.). Trotzdem kann man den Andrang schon jetzt nickst bewältigen. So rächen sich alte Unterlassungssünden, die der Berliner Kommunalfreisinn auf dem Gebiete des Heim- stättenwesens begangen hat— begangen trotz aller Warnungen und Mahnungen, mit denen die sozialdemokratische Fraktion der Stadt- verordneten auf eine raschere Vermehrung der Heimstätten hinzu- wirken suchte. Die neue Heimstätte Buch, deren endlich« Eröffnung zum 1. Mai versprochen war, aber bis heute noch immer nicht er- folgt ist, hat bereits eine Geschichte von sechs, ja genau genommen von acht Jahren. Im September 1837 verhandelte die Stadt- verordneten- Versammlung über den sozialdemokratischen Antrag, der die schleunigste Errichtung von zwei neuen Heimstätten für Lungen- leidende forderte. Die eine ist die Heimstätte Gütergotz: sie konnte erst im Juli ISOS in Benutzung genommen werden. Die andere Heimstätte wurde in Buch errichtet. Die erst« Vorlage hierüber kam im März 1899 an die Stadtvcrordneten-Versämmlung->- und auf die Eröffnupg wird noch heute gewartet. Der Lebensweg eines Waisenjungen hak wkeber einmal ein vorzeitiges und jähes Ende genommen. Der Buchbinder Max v. F c t e b e n, ein ehemaliger Zögling deS Berliner Waisenhauses zu Rummel so urg hat in der Nacht vom Sonnabend zum Sonntag in einem hiesigen Hotel sich mit Lysol vergiftet. Als man am Sonntag früh den Lebensmüden in seinem Zimmer entseelt auffand, sorgte der Besitzer des Hotels schnellstens für Herbei- holung eines Arztes. Dieser konnte nur noch feststellen, daß der Tod bereits eingetreten war. Die Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt». Welches sind die Beweggründe zu diesem verzweifelten Schritt? Max v. Frieden hat, bevor er Gift nahm, einen Brief an dieRedaktton bes..Vorwärts" gerichtet, der den Poststempel vom Sonntag 4—5 Uhr früh aufweist und am Montag in unsere Hände gelangt ist. Eine sofortige Nachfrage in dem Hotel ergab, daß der Unglückliche seine Verzweiflungstat bereits in der Nacht zum Sonntag ausgeführt hatte. Die Gründe hat Frieden in seinem Brief, dem seine Photographie beigelegt war, nicht angegeben. Er schildert darin nur seinen Lebensweg und wünscht, daß wir ihn veröffentlichen. Was er da erzählt, ist die alte Geschichte, die doch ewig neu bleibt. Tod der Eltern, Ueberiveisung an die Waisenpflege und nachher Unterbringung in einer Lehre. DerLehrherr, ein Buchbtndermeister in einem Provinzort, habe ihn, behauptet Frieden, so behandelt, wie— nun, wie Waisen jungen leider recht oft behandelt werden. Da entlief der Junge aus der Lehre und wanderte zu Fuß Nach Berlin zurück. Er suchte Zuflucht in dem Waisenhause, das ihn er- zogen hatte, kam dann in eine andere Lehre, erkrankte aber nachher und mußte von neuem aussetzen. Im Krankenhause scheinen den Aerzten Bedenken über seinen Geisteszustand auf- gestiegen zu sein. Er sollte, so meinte er, beobachtet werden. machte deshalb einen Selbstmordversuch und wurde nun nach der Irrenanstalt Herzberge gebracht. Gegen die Aerzte und Pfleger dieser Anstalt erhebt er schwere Vorwürfe. deren Berechtigung wir nicht prüfen können. Manches in dem Brief deutet darauf hin, daß Frieden in der Tat geistig wohlnicht mehr intakt war. Frieden wurde später nach Dr. Oesterreichs Anstalt in Nieder-Schönhausen überwiesen und von da entlassen. Damit bricht die Schilderung seines Lebenslaufes ab, und Frieden sagt dann nur noch, daß er »heute Abend" sich das Leben nehmen werde. Offenbar hat dem jungen Mann nirgends ein rechter Berater zur Seite gestanden, der ihn geleitet hätte und ihn vor dem_ Aeußersten hätte bewahren können. Dem Anschein nach ist ihm ein einziges Mal wenig- ftenS in seinem Leben das Glück doch holder gewesen, als ein Waisenjunge es erwarten darf. Dieser Max v. Frieden ist vermutlich derselbe ehemalige Waisenzögling und Buchbinder- lehrling Max v. Frieden, dem im Jahre 1901 der Berliner Magisttat eine Erbschaft kürzte, um aus ihr teilweise die Kosten der Waisenerziehung zu decken. Jenem Max v. Frieben, der 1883 zu Berlin als Sohn deS Technikers Franz v. Frieben geboren. 1888 als Vollwaise in die Berliner Waisenpflege ge- kommen war und 1898 in die Lehre gebracht wurde, war 1896 durch Auflösung des Graf Dyhrnsckcn FideikonnnisseS eine unverhoffte Erbschaft von 5626 M. zugefallen. Der Magisttat beanspruchte die seit 1896 für chn aufgewendeten Kosten mit 1062 M., und die Mehrheit der Stadtverordneten- Versammlung erklärte durch Herrn Cassels Mund das für recht und billig und stimmte dem Magistratsantrage zu. unter Ablehnung eines sozialdemokratischen Anttages, der ungekürzte Auszahlung empfahl, damit dem Fr. sein Fortkommen möglichst erleichtert werde. Fr. bekam 4564 M. ausgezahlt. Das Scheinglück hat ihn nicht vor einem traurigen Ende bewahrt. Kein Fcstzng zur Kronprinzen- Hochzeit. Ein Berichterstatter meldet schmerzbewegt:„Nach einer neuen Verfügung des Polizei- Präsidenten wird der geplante Jnnungsfestzug am 3. Juni nicht statt- finden. Die Veranlassung zu dem Verbote ist auf Verkehrs- r ü ck s i ch t e n zurückzuführen und ans Grund von Erfahrungen, die bei ähnlichen Anlässen in frühere» Jahren gemacht worden sind, ge- boten. Bei der Einholungsfeicr der Prinzessin Wilhelm, unserer gegenwärtigen Kaiserin, führte der Festzug zu einer mehrstündigen Unterbindung jeglichen Verkehrs sowie in der Breitestratze, am Schlotz- platz und in der Königstratze zu Menschenansarnmlungen und Ge- dränge, bei welchem mehrere Personen verletzt wurden. Auch wurde die Rückfahrt der Hofgäste vom Schlosse aus dadurch behindert. Aus diesen Gründen hat der Polizeipräsident den Festausschutz davon verständigt, datz der Jnnungszug unterbleiben müsse und die Spalier bildenden Innungen und Vereine durch die ihrem Standplatz nächst- belegenen Nebenstratzen abzumarsckieren haben." Vielleicht wird Wandel geschaffen, wenn die Innungen sich mili- täusch organisieren. Denn nur das Militär genietzt nach preußischen Verwaltungsgrundsätzcn das Vorrecht, stundenlang den Berliner Ver- kehr behindern zu dürfen. Sehr wirkungsvoll müssen die Bäckermeister sich bei der Einzugsfeierlichkeit macheu. Es wird berichtet: „Die Bäckerinnuug„Germania" wird sich, laut Beschlutz des Jnnlmgsvorstandes, an der Einholungsfeier beteiligen.„Ilm dem Zuge ein gutes Gepräge zu geben", schreibt die Innung für Meister den Frackzwang, Zylinder, weitze Binde, Handschuhe, blaue Schärpe und Degen vor. Die Gesellen haben in schwarzem Rock und schwarzer Binde, übrigens gleichfalls mit Schärpe und Degen zu erscheinen, für Lehrlinge sind weitze Jacke und weitze Mütze vorgeschrieben. Nach dem Festzuge findet ein Festessen im JnirnngsHause statt. Bei der gewerkschaftlichen Rückständigleit der Bäcker ist es immerhin möglich, daß auch Gesellen an der hübschen Verkleidung teilnehmen. Ein Staatsgeheimnis. Die„Verl. N. Nachr." schreiben unter Sperrdruck:„Tie Beschreibung der Toiletten der Braut unseres Kronprinzen, der Herzogin Cecilie zu Mecklenburg, fand sich in diesen Tagen in den Zeitungen. Aber das war nur das Vorspiel. Die zu- künftige deutsche Kronprinzessin wird eine Toilettenpracht entfalten, wie man sie am preußischen Hofe, wo es"in dieser Beziehung ver- hältnismätzig einfach zugeht, kaum je gesehen hat. Die schönsten Toiletten, wahre Wunderwerke der Schnetderkunst, sind erst jetzt fertig geworden. Sie sind, wie der„Confektionair" mitteilt, im Atelier der alten renommierten Pariser Firma Morin-Blossier hergestellt, die schon seit vielen Jahren Lieferantin des englischen nnd preutzischen Hofes ist. Die Firma hütet aber die Toiletten sehr streng, es ist ausserordentlich schwer, irgend etwas Näheres über sie zu erfahren, da die wenigen Bevorzugten, die sie sehen dürfen, sich durch einen Revers schriftlich verpflichten müssen, nicht eher als in det Hochzeits- Woche etwas in die Zeitungen zu bringen." Als Beitrag zur Naturgeschichte heutiger Hof-, Staats- und Zeitungskunst mögen auch diese Zeilen dienen, deren Wdruck hoffentlich nicht zu einem Hochverratsprozetz führt. Die städttschen Heimstätte» für Genesende hatten Ende April dieses Jahres insgesamt 424 Betten zur Aufnahme von Pfleglingen zur Verfügung(gegen 374 im Vorjahre); davon kamen auf oie Heimstätte Blankenburg: für genesende Frauen 71(54); Heinersdorf: für genesende Männer wie im Vorjahre 72: Blankenfelde: für brüst- kranke Frauen 73(62); Malchow: ebenfalls für brustkranke Frauen 104(88), und Gütergotz: für brustkranke Männer 99(93) Betten. Unbelegt waren Ende April insgesamt nur 7 Betten, und zwar in Heinersdorf 2, in Blankenfelde 6. In den übrigen Heimstätten waren sämtliche Betten belegt.— Die durchschnittliche TageLbelegung im Monat April betrug für Blankenburg 69, Heinersdorf 71, Blankenfelde 76, Malchow 103 und Gütergotz 93; zusammen 417 Betten, oder 61 mehr als im April 1904. Der Zugang betrug im April d. I. 283, im Vorjahre 261, der Abgang 282(2öv) Personen. Ende April d. I. hatten alle ö Heimstätten einen Bestand an 417 verpflegten Personen, das waren 51 mehr als im Vorjahre. Die Summe der Verpflcgungstage betrug im Monat April d. I. 12 496 (gegen 10 388 im gleichen Monat des Vorjahres). Eine Selbstmordwoche, wie sie in Berlin noch nicht dagewesen ist, war die vom 30. April bis zum 6. Mai, über deren Bevölkerung� bewegung das Berliner Statistische Amt jetzt die übliche Wochen tabelle veröffentlicht. Es find aus dieser Woche nicht iveniger als 27 Selbstinorde gemeldet worden, während die bisher höchste Zahl, die in einer Woche„streicht" wurde, 22 war. Aus solcher Häufung der Selbstmorde darf indes nicht der Schlutz gezogen werden, daß sie die Regel bildet. Meist folgen auf diese von Zeit zu Zeit auftretenden Selbstmordepidemien ein paar Wochen mit einer um so geringeren Zahl von Selbstmorden. Beispielsweise wurden gemeldet auS den drei Wochen vom 2. April bis zum 22. April 21, 15, 10 Fälle, aus den drei Wochen vom 29. Januar bis zum 18. Februar 22, 13, 4 Fälle, Immerhin aber hat das bisher abgelaufene erste Drittel des JahreS 1905 auch in der Gesamtzahl der Selbstmorde noch eine weitere Zunahme gegenüber dSmsellen Zeitraum von 1904 gehabt. Gemeldet sind aus den vier Monaten Januar. Februar. März. April des laufenden JahreS 60, 4«. 65, 64, zusammen 229 Selbstmorde, aus denselben vier Monaten des vorhergehenden Jahres 38, 49. 71. 59. zusammen 217 Selbstmorde. Die Wahlen im Jahre 1903 haben der Stadtgememde Berlin an Kosten die respektable Summe von 187 722,63 M. verursacht. Davon entfielen auf die Reichstagswahlen 67 506,11 M.. einschlietzlich der einmaligen Kosten für die Anschaffung der Wahlzellen von 20 013,35 M. und der neuen Wahlumen von 3080 M. Die neuen Urnen waren nöttg, weil sich infolge der grotzen. zum erstenmal in Anwendung gekommenen Wahlkouverts die alten Urnen als zu klein erwiesen. Weit höher als für die Reichstagswahlen waren die Kosten, welche die Landtagswahlen verursachten, sie betrugen 85 300.36 M. Die Stadtverordnetenwahlen endlich erleichterten den Stadtsäckel um die Summe von 34 916,16 M. Bei den Reichstagswahlen waren in Berlin als Wahlvorsteher. Stellvertreter. Protokollführer und Beisitzer rund 4006, bei den Land- tagswahlen 7000 und bei den Stadtverordnetenwahten 20V Personen in Tätigkeit. Grotze Schwierigkeiten bot die Beschaffung der Wahllokale. Gebraucht wurden für die Reichstagswahl 724, für die Landtags- wähl gar 1291 Räume. Namentlich die Auswahl der Wahllokale zu den Landtagswahlen mutzt» mit Rücksicht auf die zu erwartende starke Teilnahme der Arbeiter— da sich ja die Sozialdemokratie zum erstenmal an dem Wahlkampfe beteiligte— besonders sorgfältig erwogen werden im Hinblick auf die Bestimmung, datz die Urwähler nicht»ach und nach, wie bei der Reichstags- und Stadtverordneten« wähl, sondern fast gleichzeittg antreten und solange im Wahllokale sich aufhalten, bis die Wahl ihrer Ableilung vollständig durchgeführt ist, d. h. bis auch etwa nötig gewordene Stichwahlen vollzogen sind. Uebcr die Erfolge der LnngcnljeilstSttenbe&andlnng gibt der ärztlich« Bericht des Berlin-Brandenburgischen HeilstättenvereinS für Lungenkranke«in übersichtlicbcs Bild, den Professor Dr. Möller in der Generalversammlung dieses Vereins erstattete, die gestern unter dem Vorsitz des GcheimratS Professor v. Lehden imProvinzialland- tagShause, Matthäikirchstratz« 20/21. stattfand. Nach diesem Bericht wurden Von 297 entlassenen Kranken, die die Anstalt länger al» einen Wmat besucht Hatten, als gcheilt eist laßen:& oder 14.1 Proz., wesentlich gebeffert waren 70 oder 23,5 Proz., gebessert 93 oder 32,9 Proz. Bei 64 Patienten war der KrankheitSzustand unverändert geblieben, das sind 21,6 Proz.; bei 21 oder 7,2 Proz. war eine Verschlechterung eingetreten und 2 Patienten starben in der Heil- statte. Von 53 ans den Kinderheilstätten entlassenen Kindern wurden v geheilt, gleich 16,1 Proz., wesentlich gebessert 16 oder 26,7 Proz., gebessert 16 gleich 28,6 Proz. Unverändert blieb der Krankheitszustand hier bei 10 gleich 17,9 Proz.; bei 6 Patienten, 10,7 Prvz., hat sich das Leiden verschlechtert. Das Allgemeinbefinden hat sich bei allen Heilstättenbesuchern gehoben, auch bei denen, deren Krankheit sich verschlechterte. Die Männer nahmen an Gewicht durchschnittlich 3,1 Kilogramm, Frauen 3,3, Knaben 3,6 und Mädchen 4,3 Kilogramm an Gewicht zu, bei einem Mann betrug die Gewichtszunahme sogar 18,2 Kilogramm. Von den 297 ent- lassenen Kranken Ivaren 159 männliche und 133 weibliche, zur Heilung war im Durchschnitt eine Kur von 110 bis 120 Tagen er- forderlich. Wie sehr für solche Heilstätten ein Bedürfnis besteht, ging aus dem starken Andrang zur Aufnahme während des ganzen Berichtsjahres hervor; oft mutzten Kranke monatelang warten, bis für sie ein Platz frei wurde. Die Besucher setzten sich aus allen Be- völkerungsschichten zusammen. Der beritchtigte Gauner MnnoleSco, dessen Memoiren wir kürzlich erwähnten, soll vor kurzem in Berlin«inen seiner bekannten Streiche verübt haben. Im März dieses Jahres erschien bei einem der ersten hiesigen Juweliere ein Ausländer, der der deutschen Sprache ziemlich mächtig war und dessen tadellose Umgangsformen kaum Argwohn aufkommen liehen. Er überreichte seine Karte mit dem Namen Dottore Casanova Luigi und bezeichnete als seine Wohnung das Zimmer 27 eines vornehmen Hotels Unter den Linden. Der Herr erzählte, datz er am nächsten Tage abzureisen gedenke und aus Berlin einige Schmucksachen mitnehmen wolle. Er war sehr wählerisch, Uetz sich so viel vorlegen, datz er für seine Person allein einige junge Leute beschäftigte und kaufte endlich einen silbernen Becher, Dosen für Zigarren und Zigaretten, eine Brosche und andere Schmucksachen. Da er vorgab, auch sonst noch allerhand Besorgungen zu haben, so nahm er die Waren nicht mit, sondern ordnete an, datz sie ihm Abends mit quittierter Rechnung ins Hotel gebracht werden sollten. Dort war aber det Käufer nicht anzutteffen, als ein Ab- gesandter des Juweliers die Schmucksachen und die Rechnung über- brachte. Weder im Zimmer 27 noch sonst irgendwo im ganzen Hotel wohnte ein Mann, auf den die Beschreibung des Kunden, der das Deutsche mit rumänischem Dialekt sprach, gepatzt hätte. Als der Bote mit dieser Meldung zurückkam, wurde der Juwelier stutzig. Jetzt wurden alle Vorlagen noch einmal herausgesucht und jeder Be- hälter mit dem ihn betteffenden Inhaltsverzeichnis verglichen. Da ergab sich denn, datz der Herr Dottore eine Brillantbrosche für 6000 Mark und eine silberne, mit einem Saphirstreifen gescbmückke Zigarrendose heimlich mitgenommen hatte. Die Verkäuferin, oie ihn bediente, und die jungen Leute, die dem Fremden die Waren vor- gelegt, hatte er so?u beschäftigen gewußt, datz sie nichts merkten, Die Kriminalpolizei, der unverzüglich Anzeige gemacht wurde, setzte sich sofott mit den auswätttgen Behörden in Verbindung, weil man es augenscheinlich mit einem internationalen Diebe zu tun hatte, Unterdessen wurde den Angestellten des Juiveliers das Verbrecher- album vorgelegt und alle zeigten auf das Bild Manolescos, ohne zu wissen, wen es darstellte. Einer der Angestellten entwarf aus dem Kopfe ein Bild des Diebes in Mantel und Hut, und auch diese Zeichnung traf durchaus auf Manolesco zu. Die Nachforschungen. die nun mit Hülfe vieler Behörden angestellt wurden, bestätigen nicht minder den Verdacht, datz ManoleSco der Juwelendieb gewesen sei, In der rumänischen Heimat des„Fürsten der Diebe" fand man nocb einen Manolesco, aber einen harmlosen jungen GutSeleven, der mit jenem nichts zu tun hat. Der„Fürst" war vier Tage vor dem Juwelendiebstahl aus Rumänien abgereist und soll jetzt in Amerika sich aufhalten. Da« Automobil. Durch die Unvorsichtigkeit eine» Automobil« führers entstand in der Nacht zum Sonntag in der Anhaltstratze S ein Feuer, das die Wehr zwei Stunden beschäftigte. Der Chauffeur Karl Behrens fuhr mit dem Auto unter den Durchgang des ersten Ouergebäudes und machte sich hier daran, aus einem grotzen Benzinballon seinem Gefährt neues Benzin zuzuführen. Auf noch nicht aufgeklärte Weise fing nun der Ballon Feuer und explodierte, so datz die brennende Flüssigkeit auf den Hof lief und dabei hohe Flammen entwickelte. Diese ergriffen im Nu einen über der Durch- fahrt eingebauten Futterstall, der mit Heu und Stroh angefüllt war. Verschieden« Kellerfenster zersprangen von der Hitze, so daß das brennende Benzin sich auch in die Keller ergoß. Die Gefahr für die Hausbewohner war um so größer, als man anfänglich versuchte, die Flammen durch die Hausleitung selbst zu ersticken und daher die Feuerwehr nicht rechtzeitig benachrichtigte. Als diese dann erschien. bedurste es großer Anstrengungen, um des Feuers Herr zu werden. Der Chauffeur hatte bei den Löschungsversuchen starke Brandwunden erlitten und mutzte von den Samaritern der Feuerwehr verbunden werden. Sein Automobil war von den Flammen stark beschädigt.—» Von einem Automobff überfahren wurde gestern abend gegen 10 Uhr am Reichstags-Ufer die 22jährige Buchhalterin Erna Reuter aus der Goethestratze 9. Als die Dame in, der Nähe der Neuen Wilhelmstratze den Fahrdamm überschreiten wollte, wurde sie von einem in voller Fahrt dahersausenden Automobil umgerissen und überfahren. Die Räder gingen der Bedauernswerten über beide Beine, wodurch sie einen Bruch des linken Oberschenkels sowie schwere Quetschungen davontrug. Der Führer des Kraftwagens fuhr, ohne sich um das angerichtete Unheil zu kümmern, im schnellsten Tempo davon. Da die Kontrollnummcr, entgegen der polizeilichen Vor- schrist, nickst erleuchtet war, konnte der Uebeltäter nicht festgestellt iverden. Die Verunglückte wurde mit einer Droschke nach dem städtischen Krankenhause überführt. Die sonntäglichen BootSunfiille. Zwei Boote kenterten gestern auf dem Müggelsee. Gegen 3 Uhr nachmittags schlug in der Nähe des Rahnsdorfer Gemiindes ein Boot um, in dem sich ein Herr und eine Dame befanden. Die Jnsaffen konnten von den Mannschaften der Rettungsstation in Sicherheit gebracht werden. Gegen 6 Uhr nachinittags kenterte gegenüber von Friedrichshagen in der Nähe der Spreemündung ein Segelboot, in dem sich drei Personen befanden, infolge plötzlichen Umspringen des Windes. Das von Augenzeugen des Vorfalls unternommene Rettungswerk war glücklicherweise von Erfolg. Dir drei Verunglückten konnten, ohne Schaden genoinmen zu haben, ans Ufer gebracht werden. Nachklänge zu der Explosion tu der Greifswalderftrasie. Bei der bot einigen Wochen erfolgten Brandkatastrophe in der GreifS- waldcrsttatze 217 rettete, wie wir berichteten, die Feuerwehr unter Lebensgefahr etwa ein Dutzend Personen über mechanische Leitern Und die Treppen. In Berücksichtigung des umsichtigen Vorgehens der Offiziere und Löschmannschaften bei den Rettungsarbeiten hat jetzt das Polizeipräsidium der Feuerwehr seine besondere Anerkennung ausgesprochen. Ebenso haben die Mieter des von der Explosion heimgesuchten Hauseö der Feuerwehr ein Dankschreiben zugehen lassen. Gestern vormittag wurde auf den verschiedenen Feuerwehrdepots den Mannschaften in einem Abteilungsbefehl Mitteilung von dieser Be- lobigung gemacht. Vermißt wird seit Freitag voriger Woche der 15»/, Jahre alte Sohn Willy des Dekorateur» Billing au» der Braubenburgstr. 65. � rt Tan« rv v v>.. fS*>•«*/« Tn«-* W—— Ä\--.- M... Pi... ji Y" 4 i» uci«;ajmio)iraBc ou an. ein uno kehrte weoer m vus i-iqajiiil noch zu seinen Eltern, bei denen er wohnte, zurück. Ob er das Geld verloren hat oder in schlechte Gesellschaft geraten ist, steht dahin. " Der berühmte Mann. " Vorort- Nachrichten. wählte man einstimmig durch Zuruf Hoher- Köln, Herfs- Gladbach und Strate- Dftende. Die nächste Generalversammlung wird nach einstimmigem Beschluß in Köln Mitte September 1906 stattfinden. Vermischtes. Wenn er mit schlanken Schritten ins Orchester tritt, wird das Fluidum des Ruhmes wie Kölnisches Wasser versprengt. Ein Ah!" Rixdorf. pflanzt fich von der ersten Sizreihe im Fluge durch das Haus und In Rigdorf ging am Sonntag die Beerdigung unseres Parteidann braust der Beifall los, daß der selige Waldersee ob solchen vor genossen August Dohrmann unter einer Beteiligung vor sich, vollbrachter Tat eingeheimsten Ruhmes grün anlaufen tönnte. wie sie der Ort seit langem nicht gesehen hat. An dem Trauerzuge, Lächelnd verbeugt Paul Linde sich und mit vornehmer Gelassen- der sich Uhr drei in Bewegung setzte, nahmen an die 1500 Personen heit erträgt er die glühenden Blicke, die wirkungsvoll gefärbte teil und herrliche Kränze mit roten Schleifen gaben von der VerAugen ihm aus den Logen zuwerfen. Jetzt erhebt er den Tattstock, ehrung Zeugnis, die der Verstorbene in der Arbeiterschaft genossen. Maienwonne. Aus Torfhaus wird gemeldet: Seit heute um zu dem neuesten Kind seiner Muse, das heute zum erstenmal der Die Stadtverordneten- Fraktion, der Wahlverein, der Holzarbeiter- früh herrscht im Oberharz ununterbrochen starkes Schneetreiben. In Welt vorgeführt werden soll, die Ouverture zu dirigieren. Wenige verband, der Wahlkreis Teltow- Charlottenburg 2c. ehrten den Toten der letzten Nacht sank die Temperatur auf minus drei Grad. Tafte genügen, um das Publikum des Apollo Theaters durch solche Spenden. Am Grabe sang der Verein„ Männerchor" völlig in den Zustand seligen Entzückens hinüber zu leiten. ftimmungsvolle Lieder. Eine verheerende Feuersbrunst. In der Nacht zum Montag find Bemerkt sei, daß dem Trauerzuge feine in Schwaigern( Württemberg) an 30 Gebäude, darunter etwa 12-14 Empfänglichkeit beseelt dies Publikum heute wie immerdar, und der Störung bereitet wurde. Unser Genosse Dohrmann hinterläßt seine Wohngebäude und das Rathaus, niedergebrannt, wodurch ungefähr Romponist fühlt sich so sicher, daß ihm der Gedanke an eine nicht Frau und zwei Kinder. Die Rixdorfer Parteigenossen werden ihm 35 Familien obdachlos geworden sind. Bei den Löscharbeiten ist ein beifällige Aufnahme seines neuesten Werkes ebenso fern liegt, wie ein ehrendes Andenken bewahren. dem Garde Offizier die Idee, er könnte eines Tages Feuerwehrmann verunglückt und inzwischen gestorben. im Omnibus fahren müssen, dem konservativen Barlamentarier die, er Ein Eisenbahnunfall ereignete fich in der vorlegten Nacht auf Strandung eines schwedischen Seglers. Bei Ahrenshoop ist der müsse feine Standesehre durch Bergmannsschutz beflecken. Zum der Rigdorf- Mittenwalder Eisenbahn. Zwischen den Stationen Ueberfluß hat Paul Linde schwarz auf weiß die Gewißheit, daß er Rudow und Buckow war an dem Zug Nr. 11 die Achse des ersten schwedische Segler„ Umea" gestrandet. Vier Mann von der Bea Das Schiff ist der populärste aller Komponisten ist, denn bei einer Rundfrage, die Personenwagen aus bisher noch unaufgeklärter Ursache entgleist. Da fazung sowie Kapitän Stubbe ſind ertrunken. verloren. ein weitverbreitetes Blatt vor kurzem losgelassen hat, ist mit die Entgleisung von dem Lokomotivführer nicht sofort bemerkt wurde, Räuber in Steiermark. Dem Gericht in Rann wurde, wie aus erdrückender Stimmenmehrheit das Resultat herausgekommen, daß fetten noch zwei weitere Personenwagen aus. Die Fahrgäste des der Komponist der Berliner Luft" in der Gunst der musikalisch verunglückten Zuges mußten durch Lokomotive und Wagen des ent- Graz gemeldet wird, eine Verbrecherbande von 21 Köpfen überempfindenden Deffentlichkeit am höchsten dasteht. So spricht das gegenkommenden Zuges Nr. 10 nach Mittenwalde befördert werden, liefert. Das Haupt der Bande ist ein altes Weib, das sich gerade Von den Verbrechen Bolt! Aber Paul Linde versteht sich auch auf die Kunst, seinem während die Insassen des Zuges Nr. 10 durch einen sofort requirierten noch auf Krücken fortzuschleppen vermag. Volf ein guter Herrscher zu sein. Bisher schon zeichneten die von Sonderzug mit etwa zweistündiger Verspätung nach Rigdorf gebracht dieser Räuber und Mörder gibt die letzte Tat eine Probe. Zwei ihm besorgten Melodien sich vor denen der Konkurrenz durch Faßlich wurden. Das Gleis ist auf eine Strecke von zirka 50 Meter be- Frauen wurden in ihrer Behausung beraubt, eingeschlossen und feit aus; weder Richard Wagner noch Richard Strauß wagen in schädigt. Personen wurden bei dem Unfall glücklicherweise nicht verbrannt. ihrer himmlischen und irdischen Glorie auch nur daran zu denken, verlegt. Die Untersuchung über die Ursache der Entgleisung ist eindaß jemals eine ihrer Kompofitionen so in aller Munde kommen geleitet. könnte, wie der Luna- Walzer und das schöne Lied Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe!" Jetzt aber ist Lincke in seinem Schaffen noch einen Schritt weiter gegangen; um auch der musikalischen Menschheit die Aneignung immer mehr zu erleichtern, hat er seine neueste Operette aus bereits einmal von ihm komponierten Melodien zusammengesetzt, und so hören wir denn als Duverture zu der Baudeville Am Hochzeitsabend" die Duverture zu„ Nafiris Hochzeit“ und im weiteren Verlauf des Singspiels noch andere Melodien, die ebenfalls Ein schwerer Bauunfall ereignete sich auf dem Neubau Weserbereits in aller Mund und Ohren sind. Es ist eine großherzige, straße 165. Der Maurerlehrling Wildgrube aus der Reichenberger edle Kunst, aus der Fülle bereits früher selbsterworbener Reichtümer straße 120 in Berlin stürzte aus der Höhe der 4. Etage in den Hof den Armen im Geiste von neuem mitzuteilen! Und dem Komponisten hinab, wo er auf einem Schutzdach besinnungslos liegen blieb. Wit ist der Tertdichter nachgefolgt. Er hat die Spiegel- und Entkleidungs- schweren inneren und äußeren Verlegungen wurde der Verunglückte fzenen in„ Natiris Hochzeit aus dem Siamesischen ins Berlinische nach der Rettungswache am Görliger Bahnhof und von dort nach übersetzt, und eine ihrer Verantwortung bewußte Regie hat dafür einem Krankenhause geschafft. gesorgt, daß die Reize der Künstlerin Carola wenn nicht ganz, fo doch sehr annähernd durch die des Fräulein Spaar vom föniglichen Spandan. Schauspielhause ersetzt werden. So verlief denn auch der letzte Ein Revolverattentat auf seine Geliebte, eine Sängerin, unterPremieren- Abend nach Wunsch; Applausstürme mitten im Stücke und nahm der 21 jährige Maurer Otto Krusius hierselbst; er versuchte ein Drkan von Beifall, untermischt mit Blumenspenden, am Ende. das Mädchen, das nichts mehr von ihm wissen wollte, mit einem Es wäre dem Komponisten nicht genug getan, wenn nur Revolver zu erschießen, verlegte sie aber nur durch einen Schuß in der neueste Einafter Zeuge seines künstlerischen Schaffens wäre. Der den rechten Oberschenkel. K. wurde von anderen Personen enterste, der zweite und auch der dritte Teil des Programms ist Paul waffnet und von der Polizei in Haft genommen. Linde, nur zeitweilig durch Afrobaten an fliegenden Ringen und Von der Militärverwaltung sind weitgehende Vorsichtsmaßregeln andere Artisten unterbrochen. Ein Herr Fred Carlo singt das Lied getroffen, um das Weitergreifen der Genic starre, die nun doch " Es war einmal" aus der von Paul Lincke komponierten Operette bei dem Bahnwärter Klempin in Staaten festgestellt worden ist, " Im Reiche des Indra!" Das Orchester spielt als Einleitung zu verhüten. So ist das Dorf Staaken für Militär vollkommen geParis über alles", Marsch, komponiert von Paul Linde, Ida sperrt; Truppenteile, die nach Döberitz marschieren wollen, müssen Berry singt mit ihrem Straßenfeger- Chor das schon erwähnte Lied den Umweg über Seeburg machen. Auch die Kartoffelschälfrauen Schenke mir doch ein fleines bißchen Liebe" aus Berliner Luft" aus Staaten, welche auf dem Truppenübungsplatz Döberitz tätig von Baul Linde, und Robert Steidl übt, wenn wir nicht irren, waren, sind anderweitig ersetzt worden. seine Kunst ebenfalls mit Linckeschen Melodien. So weiß die edelste der Künste, die Musik, alle Kräfte an ihren holden Dunstkreis zu fesseln. Es wirkt mit Macht der edle Mann... Von der Genickstarre. Im Dorfe Annen bei Witten a. Ruhr ist ein Schlosser aus Böhmen an der Genickstarre erkrankt und ge händler Klahn, Kaiser Friedrichstr. 57, in Stellung befindliche Mit Lysol vergiftet hat sich Montag früh die bei dem Drogen- storben. Er war vor einigen Tagen aus Dortmund zugewandert. in Stellung befindliche Erkrankungen und Todesfälle an Genicstarre werden heute wieder 23jährige Wirtschafterin Helene Batschewsky. Die Leiche wurde von aus verschiedenen Ortschaften Oberschlesiens gemeldet; die von der Revierpolizei beschlagnahmt. Wie verlautet, hat die 3. den der Genickstarre im Kreise Kattowitz am härtesten betroffenen Orte Selbstmord aus Furcht vor Strafe begangen, die sie wegen Un- sind Laurahütte und Siemianowik, wo die Seuche wahrhaft erschreckend Hauft. Das Laurahütter geräumige Knappschafts- Lazarett ist mit redlichkeiten erwarten zu müssen glaubte. Genicstarre- Erkrankten derart überfüllt, daß feine einzige Person mehr aufgenommen werden kann. In vergangener Woche erkrankten im Stadt- und Landkreise Kattowig 46 Personen an der Genicstarre, während 37 starben. Von insgesamt 580 Erkrankten starben dort bis jetzt 351. Im Vorort Wilkau bei Zwickau ist Genickstarre bei einem zugereisten Manne festgestellt worden. Desgleichen auch bei zwei Husaren des Grimmaer Husarenregiments. Von einem schweren Schicksalsschlage ist die Familie eines Ziegelmeisters zu Sersno bei Peistretscham betroffen worden. Dort find innerhalb drei Tagen vier Kinder der Genickstarre zum Opfer gefallen. Das fünfte Kind wurde noch zur rechten Zeit bei Verwandten untergebracht und wohl dadurch gerettet. Stralau. Eingegangene Druckfchriften. wirtschaftsgeschichtliche Studie. Eine Von der„ Nenen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 34. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben Von Heinrich Beer( Wien). wir hervor: Gewerkschaft und Partei. das französische Zunstwesen am Vorabend der großen Revolution. Eine Von Ludwig Duessel.( Schluß.) Revision der gewerkschaftlichen Lattik. Von St. Kautsky. der Gewerkschaften zur Partei in Holland. Von Henriette Roland- Holst. Partei und Gewerkschaft in Dänemark. Von Gustav Bang. Die Konsums vereinsbewegung in Defterreich. Bon Sigmund Kaff. Konservierte Gesindesklaverei. Von Emil Fischer. Die Stellung Die„ Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. " Aus In ihrer letzten Sikung beschäftigte sich die Gemeindevertretung zu Stralau mit der Kunstasphaltfabrik von Kerting u. Co. in Stralau. Diese Firma hat am 2. August 1899 die Asphaltierung der Feuerbericht. Ueber ein Dugend Brände hatte die Wehr in den Straße Alt- Stralau für den Betrag von zirka 64 000 M. Ed. Bernstein( Stuttgart, Diet' Verlag), ist soeben das fünfte Heft des Von den„ Dokumenten des Sozialismus", herausgegeben von etzten 48 Stunden abzulöschen. Montag früh gegen 2 Uhr wurde übernommen und ausgeführt. Sie verpflichtete sich später, da der V. Bandes erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: fie nach der Alexanderstr. 34 gerufen, weil dort auf nicht ermittelte Kunstasphalt sich als sehr mangelhaft erwies, das Pflaster bis zum Allerhand Werttheoretisches. Zu Proudhons Lebensgeschichte. Weise im Erdgeschoß in einer Goldschmiedewerkstatt Feuer aus- 1. April 1907 unentgeltlich zu reparieren. Vom 1. April 1907 bis Harringtons Oceana.( Fortsetzung.) Die Resolutionen des Parteitages gekommen war. Der erste Löschzug hatte kräftig Wasser zu geben, 1919 hat die genannte Firma laut Vertrag gegen eine jährliche der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. um die Gefahr zu beseitigen. Zwei Kellerbrände mußten dann Bauschalsumme von zirka 2000 M.( 50 Pf. pro Quadratmeter) die Die Dokumente des Sozialismus" erscheinen monatlich einmal und in der Hussitenstr. 10 und in der Blumenstr. 29 unterdrückt werden. Straße, soweit Asphalt liegt, zu unterhalten. Die Firma Kerting find durch alle Buchhandlungen, Bostanstalten und Stolporteure zum Preiſe Allerlei alter Hausrat und Verpackungsmaterial wurde in beiden u. Co. wird nunmehr mit sämtlichen Verpflichtungen von der Ber- Abonnement zulässig. Das einzelne Heft kostet 75 Pf. von 2,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch ist bei der Post nur Quartal Fällen im wesentlichen eingeäschert. Wegen einer kleinen Gas- liner Firma Reh u. Co. übernommen. Zeptere Firma ſtellte jetzt explosion erfolgte später ein Alarm nach der Mendelssohnstr. 16. an die Gemeinde Stralau den Antrag, ihr die Verpflichtung der Die Gefahr konnte leicht abgewendet werden. Lumpen waren in Firma Kerting u. Co. gegen die Gemeinde Stralau zu übertragen. der Fischerstr. 29 und Fette in der Melchiorstr. 18 in Brand geraten. Diesem Antrage gab die Gemeindevertretung mit der Bedingung In der Dranienstr. 32 ging der Inhalt eines Schaufensters in statt, daß die Reparaturen nur mit Naturasphalt, wie ihn die Firma Flammen auf, während in der Kruppstr. 11 eine Räucherkammer Neh u. Co. führt, ausgeführt werden. Es ist dadurch die Möglichkeit brannte. In der Königsbergerstr. 5/6 hatte dann der 7. Bug mit geboten, daß der Ort ein haltbares Pflaster bekommt. der Ablöschung eines Küchenbrandes zu tun. Die übrigen Alarmierungen, die noch aus der Schwedterstr. 256 und noch aus Adlershof. einigen anderen Orten eintiefen, waren auf„ blinden Lärm" zurückzuführen. Berlin. Herausgegeben vom Vorstand des Deutschen Protestantenvereins. Attenstücke zum Fall Fischer, Pfarrer an der Markusgemeinde in Breis brosch. 1 M. Verlag von C. A. Schwetschke u. Sohn, Berlin W. 35, Schöneberger Ufer 43. Schiller- Gedenkmarke. dem Bilde Schillers erschienen. Zur Erinnerung an den Todestag von Fr. Schiller ist im Verlage von Georg Bud in ilm eine Gedentmarke mit Der Preis beträgt per Stüd 1 Reichs- Pfg. Konni Zilliacus, Das revolutionäre Rußland. Eine Schilderung der Entstehung und Entwicklung der revolutionären Bewegung in Rußland. Autor. u. im Auftr. d. finnischen Verf. veranst. Uebersehung a. d. Schwedischen von Friedr. v. Känel. Gr. 8°. XIV, 390 S. Preis: Geheftet M. 5,-, in Leinwand gebunden M. 6,50. Inhalt: 1. Der erste revolutionäre Ausbruch in Rußland. 2. Die Opposition unter Nikolaus I. 3. Die Regierung Die Entstehung des Christentums von Prof. Dr. Pfleiderer in " In Adlershof hatte der Wahlverein dieser Tage eine Voltsversammlung nach dem Meißnerschen Saale einberufen. Auf der Tagesordnung stand neben einem Vortrag des Genossen M. Kiesel Radrennen zu Treptow. Das erste diesjährige Zusammentreffen Schiller, ein Dichter der Freiheit", der Stand der Feuerwehrder besten Treptower Dauerfahrer Heiny, Schulze und Stell- angelegenheit am Drte. Vor Eintritt in die Tagesordnung Meranders II. 4. Die Regierung Alexanders III. 5. Die neueſte Zeit. brink hatte nicht verfehlt, der Bahn wieder einen guten Besuch zu- hatte der Vorsitzende, Genosse To st, wieder einmal Gelegenheit, zuführen. Heinh, der heute überaus leicht und sicher fuhr, zeigte sich den Beweis zu führen, daß, wenn zwei dasselbe tun, es in Adlers- Berlin. Preis geb. M. 5,-. München, J. F. Lehmanns Berlag. feinen beiden Gegnern überlegen. Schon zu Anfang die Spize hof noch immer nicht dasselbe ist. Alls kürzlich die Feuerwehr Fleischertraft, Suppenwürze und Saucen. Ein Wort zur Aufklärung nehmend, ließ er sich die Führung nicht mehr entreißen. Stellbrink eine öffentliche Versammlung einberufen hatte, wurde ihr die für jedermann. Von Dr. St. Corstiaens, Arzt, und Dr. Dieke, Chemiker, Veiftete ihm anfangs noch etwas Widerstand, da er jedoch einmal Polizeistunde bis 1 Uhr nachts verlängert. Unserem Antrage auf Mitarbeiter hervorragender medizinischer Fachzeitschriften des In- und Aus. den Anschluß an seinen Motor verlor, blieb er bis auf 2800 Meter Verlängerung der Polizeistunde zu dieser Versammlung wurde aber landes. Stuttgart 1905. A. Zimmers Berlag( E. Mohrmann). zurück; zum Ueberfluß hatte er noch das Mißgeschick, daß an nicht stattgegeben. Jedoch läßt sich die Arbeiterschaft Adlershofs 42 G. Breis 0,80 M. Berlag Bodenreform" NW. Leſſingſtr. 11. Ludwig Eschwege. Zum Kampf um die deutschen Kohlenschäze. feiner Führungsmaschine ein Reifen plagte, wodurch diese auch durch solche Maßnahmen nicht aus dem Gleichgewicht bringen. famt ihrem Fahrer Käfer, ebenso wie Stellbrink selbst zum In der Feuerwehr- Debatte unterzog Genosse Tost das Verhalten handlungen, die als„ Moderne Zeitfragen" im Ban- Verlag, BelleallianceModerne Zeitfragen. Die Sammlung populär- wissenschaftlicher AbDie Verletzungen waren zwar nicht bedeutend, aber des Feuerwehrkorps, welches mit seinem Oberführer steigen und traße 3( Berlin SW.), erscheinen, bringen in ihrem 5. Heft eine Studie von Stellbrink gab das Rennen auf. Schulze, dessen Verluft sich bis auf fallen wollte, und ihn jetzt, nach gutem Zureden von„ oben" in die Dr. phil. et med. Willi Hellpach in Karlsruhe über Prostitution und 1300 Meter ausdehnte, holte in der zweiten Hälfte des Rennens Versenkung verschwinden läßt, einer eingehenden Kritit. Der an- Prostituierte. Heft 6 ist den„ Berversen" gewidmet. Dr. Jwan Bloch be erfolgreich auf und konnte zwei Runden wieder einbringen. Durch wesende nichtbestätigte Oberführer Herr Luke versuchte noch sein handelt das wichtige sexualpsychologische Thema. Preis a Heft M. 1, fe inen Sieg ist Heinh berechtigt, am Himmelfahrtstag gegen Contenes Feuerwehrkorps zu entschuldigen, trozdem er nachher ihm zur Ver- Dritter Jahresbericht des Arbeiter- Sekretariats zu Gotha auf die und einen noch nicht bestimmten anderen ausländischen Fahrer zufügung gestellte schriftliche, eidesstattliche Erklärungen Beit vom 1. Januar 1904 bis 31. Dezember 1904. starten. Ein Dauerrennen über 10 Kilometer gewann ein anderer ompromittierenden Inhalts verlas. Treptower Przyrembel sehr sicher, nachdem Heiny aufgegeben Hatte. An den Fliegerrennen war die Beteiligung eine sehr große, sie wurden von 24- bezw. 45 Fahrern in mehreren Borläufen bestritten ,. in beiden zeigte sich der Holländer Stol fiegreich. Sturz kamen. Brandenburg a. H. Deutsch Südwestafrika. Ein offenes Wort von Eugen Wolf, München. 32 S. Kempten und München. Verlag der Jos. Köselschen Buchhandlung. 1905. Wasserstand am 20. Mai. Elbe bei Aussig,+1,11 Meter, bei Dresden 0,34 Meter, bei Magdeburg+2,08 Meter. Unstrut bei Straußfurt+2,10 Meter. Dder bei Ratibor- Meter, bei Meter, bei Breslau Frankfurt+2,35 Meter, bei Breslau Ober- Begel Meter. Weichsel bei Brahemünde+ 3,23 Meter. Unter- Begel Meter. Barthe bei Posen-Nete bei ltsch+ 0,65 Meter. 1 Das Kind der in Wien zum Tode verurteilten Frau Klein, soll nach einer Mitteilung aus Brandenburg in Gr.- Kreuz ermittelt Hauptfahren. 1500 Meter. 50, 25, 20, 15 Mart. worden sein. Es ist ein 6jähriges Mädchen Jlonka, das vor 4 Jahren 1. J. Stol; 2. M. Hansen, 2 L.; 3. Eddy; 4. Mensing. In den von einer Frau der genannten Klein der kinderlosen ArbeiterBorläufen 20 Fahrer ausgeschieden. 50 kilometer- Rennen familie Bendig übergeben worden ist. Das Kind soll in Preßburg 1. Max Heiny in 47( Ungarn) geboren sein. mit Motorführung. 800, 400, 200 Mart. Die Pflegeeltern haben bis vor etwa Minuten 20 Sekunden; 2. A. Schulze, 680 Meter. N. pl.: A. Stell- 11 Jahren aus Budapest Geld erhalten. brint( gefallen).- Vorgabefahren. 1530 Meter. 50, 25, 15, 10 Mart. 1. J. Stol( 0); 2. Kelbel( 70 Meter Vorgabe); 3. Weber Ein Familiendrama in Brandenburg a. H. Der Bankier Theodor ( 80); 4. H. Rabe( 100). N. pl.: 8 Fahrer. In den Vorläufen außer Börner und dessen Frau erschossen sich letzte Nacht, nachdem sie dem 33 Fahrer ausgeschieden. 10 Kilometer- Rennen mit zuvor ihr vierjähriges Kind erschossen hatten. Die Ursache der Tat Motorführung. 200, 100 Mart. 1. 5. Przyrembel in 9 Minuten ist, dem„ Brandenburger Anzeiger" zufolge, in dem Zusammenbruchir bitten bei jeder Anfrage eine Chiffre( zwei Buchstaben oder eine Baby 43 Setunden; 2. A. Schulze, 570 Meter. N. pl.: M. Heiny( auf- des von Börner geführten Bantgeschäfts zu suchen. gegeben). Motorennen 5 Kilometer. 1. 2. 28o If in 3 Minuten 57 Sekunden. 2. Viverall 400 Meter; 3. Bajorath, 560 Meter zurüd. Soziales. Briefkaften der Redaktion. anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die lette Abonnementsquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant wortet und schriftliche Antwort wird nicht erteilt. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends bon 7 bis 9% Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. Der Berliner Zoologische Garten hat dieser Tage einen BrüIIF. 1. 1000, Veist. Nein.- 100. 1. Nein. 2. Wenn nicht etwa affen erworben, der eine große Abteilung des neuen Affenhauses bewohnt. Das Tier, welches der schwarzen Art angehört, ist ein Die 34. Generalversammlung des Internationalen Gasthofbesiker- mündlich oder in Ihrem sog. Lotterieverein entgegenstehende Vereinbarungen getroffen sind, so spielen Sie weiter mit. M. M. 52. Legten oder ausgewachsenes, fräftiges Stück, das, mit dem Greifschwanz und den vereins fand am Sonnabend in Riva statt. Zur Trinkgelderfrage legen Sie Wert darauf, Ihre Anzeige weiter zu verfolgen, ſo ſteht Ihnen Beinen gleich gewandt, fich munter umherbewegt. Diese Affen, die wurde beschlossen, den Hotelgästen anheimzugeben, 15 Proz. von eine dirette Strafanzeige an die Staatsanwaltschaft frei. Aussicht auf Erfolg und 10 Proz. von höheren dürfte dieselbe, zumal Sie durch falsche Wege inzwischen viel Zeit verloren nur selten lebend in unsere Käfige gelangen, erweisen sich hier meist Rechnungsbeträgen bis 20 Mart als stille, langweilige Gesellen, und gelangen fie gewöhnlich als Rechnungen bei der Hotelverwaltung zu entrichten. Betreffs der haben, nicht haben. Für die Deffentlichkeit hat der Fall fein Interesse. fleine, fümmerliche Exemplare zu uns. Die Brüllaffen bewohnen Ruhezeiten für die Hotelangestellten soll in Erwiderung auf frühere. B., Lichtenberg. Der Eintritt in Rußland ist vom Besitz eines Passes die Wälder Brasiliens in großen Trupps und pflegen ihre absonder- Anträge bei der Reichsregierung eine wöchentliche umunterbrochene abhängig. Den Baß erhalten Sie durch die Polizeibehörde. Stehen Sie lichen Brüllfonzerte gemeinsam abzuhalten; eine trommelartige Ruhezeit von 18 Stunden, ferner für die anderen Tage ohne diese im militärischen Verhältnis, so müssen Sie sich zuvor an das Bezirkskommando wenden. G. R. 100. Wir lehnen grundsätzlich die Empfeh Umbildung des Zungenbeins befähigt sie, überraschend laute Töne eine zweistündige Ruhezeit empfohlen werden. Bewilligt wurden für lung bestimmter Aerzte oder Rechtsanwälte ab. In Ihrem Fall dürfte es hervorzubringen. Stipendien für Hotelfachschüler 6000 M., für anderweitige UnterR. R. 1. Falls sich empfehlen, sich an Ihre Gewerkschaft zu wenden. stügungen 3500 M. In den Aufsichtsrat neugewählt wurde Holl- Polizeiverordnungen nicht entgegenstehen, ja. 2. Nicht an das Gefundheitsstein- Berlin, wiedergewählt Hoyer Köln, Hoffmeister- Hamburg, amt, sondern an den Landrat müssen Sie sich wenden. 3. Kaiserliches Müller- Frankfurt a. M. und Sendig- Dresden. Ins Präsidium Gesundheitsamt Berlin genügt. M. W. 1000. Sie sind im Unrecht, Berantw. Redakteur: Frana Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil berantip.; Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärta Buchdruderei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Br. 119. 22. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Reichstag. 189. Sigung vom Montag, den 22. Mai 1905, nachmittags 1 Uhr. Am Bundesratstische: Stuebel. Auf der Tagesordnung steht zunächst ein Antrag des Abg. BIell( frs. p.), der bezweckt, die Handlungsagenten bezüglich der Gewerbelegitimation den ordentlichen Kaufleuten gleichzustellen, so daß sie in dieser Beziehung nicht mehr wie jetzt als Haufierer behandelt werden. Der Antrag wird nach einer kurzen Begründung durch den Antragsteller ohne Debatte in erster Beratung erledigt und darauf in zweiter Beratung debattelos angenommen. Zur dritten Beratung der Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben der Schuhgebiete tabelt Abg. Storz( südd. Bp.) verschiedene Unterlassungsfünden in den deutschen Kolonien. Auch fehle es an der nötigen Fühlung der Kolonialbeamten mit den Einwanderern. Unsere Kolonien seien noch weit entfernt von einer rationellen Bewirtschaftung.( Im einzelnen bleiben die Ausführungen wegen der im Hause herrschenden Unruhe auf der Tribüne unverständlich.) Abg. Erzberger( 8.) bezeichnet die Ausführungen des Vorredners als beherzigenswert und hofft, daß dessen Wünsche auf rationelle Bewirtschaftung der Kolonien bei der füddeutschen Volkspartei auf guten Boden fallen und diese zur Bewilligung der Kamerun- Eisenbahn bestimmen möge.( Beifall beim Zentrum und den Nationalliberalen.) Abg. Storz( füdd. Volksp.) bezeichnet die Auslegung seiner Worte durch den Abg. Erzberger als unrichtig. Dienstag, 23. Mai 1905. Abg. v. Brandenstein( f.) beantragt Artikel IIb zu streichen. Provinzialausschuß zu ernennenden Mitgliedern. Diesen Vorschlag Die Abgg. Fischbeck( frs. Bp.) und Gen. beantragen für den Fall bitte er das Haus zu erwägen. der Wiederherstellung der Regierungsvorlage in§ 93b( Magimal- Abg. Dr. Geisler( 3) empfiehlt warm die Anträge des Arbeitstag) für Gruben von mehr 22 Grad C. eine dadurch gebotene Bentrums. Die Annahme dieser Anträge werde den Frieden unter redaktionelle Aenderung in Art. IIb. den Bergarbeitern wieder herbeiführen. : Abg. Frhr. v. Willisen( f.) wendet sich in fast unverständlicher Rede gegen den sanitären Maximal- Arbeitstag. Die Beratung der Art. I, IIa, IIb mit sämtlichen Anträgen wird Abg. v. Brandenstein( fons.): Ich bin der Meinung, daß die verbunden. Vorlage ab irato gemacht ist, man soll aber Gesetze nicht ab irato Ober Berghauptmann v. Velsen befürwortet unter großer machen. In diesem Sinne hat der Minister sich auch am 21. Januar Unruhe des Hauses die Wiederherstellung der Regierungsvorlage. ausgesprochen, aber wenige Tage nachher fonnte das Wolfffche TeleDie Einzelheiten seiner Ausführungen bleiben vollkommen un- graphenbureau melden, daß das Staatsministerium beschlossen habe, verständlich. diese Vorlage einzubringen. Dann war also der Beschluß des StaatsAbg. Bruft( 3.): Wir stehen auf dem Standpunkte, daß nicht ministeriums ein Beschluß ab irato.( Sehr richtig! rechts.) Die nur in Steinkohlenbergwerken, sondern in allen Bergwerken eine Staatsregierung war erzürnt über die Befizer und Leiter der Bergwerke, gesetzliche Regelung der Arbeitszeit stattfinden muß. Die die sich nicht durch die sogenannte öffentliche Meinung und auch nicht Bergarbeit ist im allgemeinen sehr gesundheitsschädlich. Das durch die Einwirkungsversuche der Regierung haben bestimmen lassen, ergibt die die Statistit über Erkrankungen der Berg von ihrer ursprünglichen Ansicht abzugehen, daß von den behaupteten eine Daß arbeiter. der Berkürzung Arbeitszeit feine Mißständen keine Rede war.( Sehr richtig! rechts.) Man hat den Verminderung der Leistung herbeiführt, zeigen die Erfahrungen auf Eindruck bekommen, daß, nachdem die Bemühungen der Regierung, der Vereinigten oberschlesischen Konkordia- und Michaelgrube, wo auf einem anderen Wege den Bergarbeiterstreit zu beenden, nicht 1889 noch die zwölfstündige Schicht bestand, während jetzt die acht zum Ziele geführt haben, fie mit den streifenden, fontrattbrüchigen stündige Schicht besteht. Wir verlangen in unseren Anträgen die Bergarbeitern sich gewissermaßen arrangiert hat, indem sie Einführung der achtstündigen Schicht, eventuell die Wiederherstellung ihnen versprach, dasjenige auf dem Wege der Gesetzgebung was die Arbeiter mittels des Streits nicht der Regierungsvorlage. Sollten diese Anträge abgelehnt werden, so durchzubringen, bitten wir, der Kommissionsfassung des§ 93 b die Bestimmung erreichen konnten.( Buruf links: Zur Sache!) Das gehört zur Sache! hinzuzufügen, daß eine Verlängerung der in den Arbeitsordnungen Zu den Forderungen der Bergarbeiter gehörte auch die Bewilligung jetzt bestehenden Arbeitszeit unzulässig ist.( Beifall.) des Maximal- Arbeitstages, und diese Forderung ist von der Staatsregierung als berechtigt anerkannt worden. Wenn die Kommissionsfaffung angenommen wird, so ist der Minister in der Lage, alles Abg. Fischbeck( frs. Vp.): Meine Freunde haben einen Marimal- das, was die Regierungsvorlage enthält, auf dem Wege der VerArbeitstag als solchen von jeher aus wirtschaftlichen Rücksichten nicht fügung in Kraft zu sehen.( Hört! hört! links.) In meinen Abg. Erzberger( 8.) polemifiert gegen Abg. Storz. für richtig gehalten; ganz anders aber stellen wir uns zu dem politischen Anschauungen hat sich ein Umschwung vollzogen. Ich bin Hiermit schließt die Debatte. Die llebersichten werden genehmigt. speziellen sanitären Marimal- Arbeitstage. Es läßt sich nicht ver- bisher stets dafür eingetreten, daß die Autorität der Regierung geDer Gesetzentwurf über die Bildung deutscher Kommunal- fennen, daß es Pflicht des Staates ist, für die Erhaltung der stärkt werden muß; aber in Zukunft werde ich mir doch noch sehr verbände in den Konsulargerichtsbezirken wird in dritter Lesung Gesundheit unserer Arbeiter Vorsorge zu treffen; und wenn dazu überlegen müssen, ob nicht die Bewilligung von Wachtmitteln an die ohne Debatte genehmigt. die Einführung eines sanitären Maximalarbeitstages sich als not- Regierung zur Förderung der sozialdemokratischen Bestrebungen beHierauf folgte die in der Sonnabendfizung wegen Beschluß- wendig erwiesen hat, so müssen wir ihr auch zustimmen. Deshalb nutzt werden könnte. In bezug auf die Fürsorge für die Gesundheit der Bevölkerung unfähigkeit nicht zustande gekommene namentliche Abstimmung über beantragen wir die Wiederherstellung der Regierungsvorlage, und den Artikel I( Erhöhung der Revisionssumme) des aus diesem Grunde auch stimmen wir für den Antrag Brust auf lasse ich mir von feinem den Rang ablaufen. Die Krankheitsstatistit zeigt aber nicht, daß jemand trant geworden ist, sondern Gesetzentwurfs, betreffend Aenderungen der 8ivilprozeß Einschränkung der Ueberschichten. ordnung. Für die Erhöhung stimmen 95, dagegen 48 bei fiinf feit in den Gruben abnimmt und außerdem dort regelmäßig zu bekommen. Der Minifter weiß besser als ich, daß es gesundheitsschäd Abg. Hilbek( natl.): Da bei zunehmender Temperatur die Feuchtig nur, daß er sich frant gemeldet hat.( Heiterkeit.) Krankenscheine sind leicht Enthaltungen. Das Haus ist also beschlußunfähig. Nächste Sigung: Dienstag, 1 Uhr. Tagesordnung: Ne st ausreichende Luftbewegung vorhanden ist, so ist eine Temperatur lichere Betriebe gibt als den Bergbau, in denen die Arbeitszeit zwölf der heutigen und zweite Beratung des Gesegentwurfs betreffend von 22 Grad Celsius dort durchaus behaglich. Sie wird nicht Stunden beträgt.( Sehr richtig! rechts.) Bei einem Besuch der Grube Ausgabe von Banknoten zu 20 und 50 m. als warm, sondern geradezu noch als fühl empfunden. Das werden seitens unserer Kommission habe ich mich an einer der heißesten alle bestätigen, die jemals in solchen Gruben gewesen sind. Auch Stellen dreiviertel Stunden lang mit dem Abg. Trimborn unterder Abg. Trimborn hat seine Verwunderung darüber ausgesprochen, halten, ohne daß dabei etwas herausgekommen ist.( Große Heiterwie hohe Temperaturen man in den Gruben verhältnismäßig gut feit.) Es ist unglaublich, wie viele Krankheitsfälle auf den Montag ertragen könne. Die vom Abg. Brust gegebene Krankheitsstatistik fallen, namentlich wenn kurz vorher ein Zahlungstag gewesen ist. halte ich nicht für einwandsfrei. Gegen die Regierungsvorlage Die Lust zur Arbeit hat im deutschen Arbeiterstande abgenommen. haben sich auch die Bergarbeiter selbst auf ihrem hiesigen( Sehr richtig! rechts.) Eines der Ziele der Arbeiterbewegung ist der Stongreffe ausgesprochen. Da wurde ausdrücklich gefagt, daß man 3wang zur Faulheit. Ich bitte Sie, meinen Antrag auf Streichung das Thermometer nicht zum Maßstab für einen sanitären des§ 197 anzunehmen.( Beifall rechts.) Marimal- Arbeitstag nehmen dürfe; das würde zu fortwährenden Minister Möller: Ich möchte dringend bitten, dem Antrag partiellen Streits führen.( Hört! hört!) Wenn nun die Regierungs- v. Brandenstein nicht Folge zu geben. Die Belastung der Wagschale vorlage mit ihren 22 Grad C Gesetz würde, was wäre die Folge? für die Unannehmbarkeit der Vorlage ist schon so schwer geworden, Die Bergwerksbefizer wären gezwungen, durch Vergrößerung der daß ich dringend bitten möchte, fein weiteres Belastungsgewicht Ventilatoren noch mehr Zugluft in die Schächte einzuführen, um darauf zu setzen. Ich habe mich gewundert, daß das Vertrauen des dadurch die Temperatur zu vermindern. Diese vermehrte Zugluft Abg. v. Brandenstein au einer tgl. preußischen Behörde so tief finken würde aber viel gesundheitsschädlicher sein als die jetzige Temperatur konnte, wie es aus seinen Ausführungen hervorgegangen ist. Der höhe. Ich kann Sie also nur bitten, den Kommissionsbeschlüssen§ 197 der Kommissionsbeschlüsse ist als eine Kompensation dafür zuzustimmen; außerdem bitte ich um Annahme des Antrages angenommen worden, daß der sanitäre Arbeitstag in der ReDr. Friedberg u. Gen. in betreff des Gesundheitsbeirats. gierungsvorlage gestrichen wurde. Wenn Sie diese Kompensation auch noch streichen, so bleibt allerdings vom sanitären Arbeitstag nichts übrig. Ein Schlußantrag wird angenommen. Schluß 2 Uhr. Abgeordnetenbaus. 186. Sizung vom Montag, den 22. Mai, bormittags 11 Uhr. Am Ministertische: Möller u. a. Das Haus nimmt zunächst in dritter Lesung den Gefeßentwurf an betreffend die weitere Bewilligung von Staatsmitteln zur Verbefferung der der Wohnungsverhältnisse der staatlichen Arbeiter und Kleinen Beamten. Sodann wird die zweite Beratung der Berggefez novelle betreffend die Arbeiterverhältnisse fortgesetzt beim Artikel II. Dieser Artikel handelt von der Arbeitszeit( fanitäre Arbeitszeit, Ueberschichten 2c.). 4 Nach§ 93b der Regierungsvorlage darf in Gruben, in denen mehr als die Hälfte der belegten Betriebspunkte eine gewöhnliche Temperatur pon mehr als 22 Grad Celsius hat, die regelmäßige tägliche Arbeitszeit vom 1. Oftober 1905 ab 81%, Stunden nicht übersteigen.( Sanitärer Maximal- Arbeitstag.) Bei der Abstimmung werden unter Ablehnung aller halten. Nur die Bestimmung der Regierungsvorlage, wonach bei Temperaturen von über 28 Grad Ueber- und Nebenschichten nicht berfahren werden dürfen, wird auf Antrag Brust wiederhergestellt. Handelsminister Möller: Der Vorredner hat vergessen, die Motive anzugeben, aus denen heraus die von ihm erwähnten Aeußerungen des hiesigen Bergarbeiter- Kongresses gefallen sind. Diese Aeußerungen sind doch nur deshalb gefallen, weil die Bergarbeiter umzufrieden darüber waren, daß wir nur den sanitären und nicht Abänderungsanträge die Kommissionsbeschlüsse aufrecht erDie Kommission hat diese Bestimmung gestrichen und nur den allgemeinen Marimalarbeitstag einführen wollten, wie ihn ja bestimmt, daß die regelmäßige Arbeitszeit durch die Ein- und Aus- auch der Antrag Brust verlangt. Gegen den allgemeinen Maximal fahrt nicht um mehr als 12 Stunde verlängert iverden darf. arbeitstag habe ich dieselben Bedenken wie der Abg. Fischbeck: ich will Die Abgg. Fischbeck( frf. Vp.) und Genossen beantragen die Freiheit der Arbeit dem erwachsenen Mann nicht verkümmern, Wiederherstellung der Regierungsvorlage. weil ich es für eine soziale Pflicht halte, dem dem Arbeiter Der nationalliberale Antrag betreffend den GesundheitsDie Abgg. Brust( Str.) und Genossen beantragen ganz allgemein die Möglichkeit zu geben, sich durch größtmögliche Leistung beirat wird ebenfalls angenommen. die Einführung einer täglichen Arbeitszeit von 8 Stunden bom in die Höhe zu arbeiten. Ich lehne den allgemeinen Der Rest des Gesetzes wird debattelos unverändert an so prinzipiell 1. Oftober 1905 ab und von 8 Stunden vom 1. Oftober 1908 ab, wobei Magimal- Arbeitstag ab, daß nie ich die genommen. als Arbeitszeit gelten soll die Zeit vom Beginn der Seilfahrt bis zu ihrem Hand zu seiner Einführung bieten werde, so lange ich an dieser Damit ist die Tagesordnung erledigt. Nächste Sigung: Dienstag Wiederbeginn. Außerdem sollen die Oberbergämter berechtigt sein, die Stelle stehe.( Beifall rechts.) Dagegen halte ich den sanitären 1 Uhr.( Anträge, Petitionen.) Anfangstermine für den Maximalarbeitstag zur Verhütung eines Marimal- Arbeitstag für durchaus nötig. Wir haben ihn mit gutem Schluß 3 Uhr. unverhältnismäßig großen Schadens" für einzelne Gruben um Vorbedacht in die Vorlage aufgenommen. Nun gebe ich ja zu, die höchstens zwei Jahre hinauszuschieben. Grenze für ihn zu finden, ist außerordentlich schwierig. Wir sind aber nach langen Ueberlegungen dahin gekommen, daß man als einzig greifbare Grenze nur die Temperatur hinstellen kann. Wir haben 22 Grad festgelegt; ich gebe aber zu, daß sich speziell über diese Zahl noch reden läßt, und daß eine Bereinbarung auf einer Grundlage von 24 Grad vielleicht möglich wäre, daß es wohl auch angängig sein würde, in der Arbeitszeit neben der vom Zentrum ge wünschten 7stündigen noch eine 71/ stündige Zwischenstufe einzuführen. Wenn durch Verstärkung der Ventilation die Temperatur vermindert öffnet. wird, so kann man dagegen doch nichts einwenden. Das Vedenken, Bor Eintritt in die Verhandlung stellt Rechtsanwalt Liebdas Herr Hilbeck anführte, die verstärkte Ventilation würde schädlicher sein als die jetzige Temperatur; trifft schwerlich zu; denn ein guter Knecht den Antrag, den Sachverständigen Gelegenheit zu geben, Luftzug wird doch in jedem Bergwerk als ein Vorteil erkannt, und den Grosse zu sehen, bevor der Sachverständige Dr. Leppmann sein er trifft auch nicht so direkt die Arbeitspunkte, daß er gesundheits- Gutachten abgegeben hat. Die Sachverständigen werden nur dann schädigend wirken könnte. An den Arbeitspunkten selbst äußert er doch in der Lage sein, ein flares Bild zu bekommen, das Gutfast immer nur eine die Temperatur abkühlende Wirkung. Für sehr achten des Dr. Leppmann verfolgen und eventuell kritisieren fönnen, bedauerlich halte ich es, daß die Kommission alle Bestimmungen zu wenn sie den Grosse vorher gesehen haben. Eventuell beantragen sie Wiederherstellung der Regierungsvorlage, und wenn auch das abgelehnt werden sollte, folgenden Zu fatz zur Kommissionsfassung: Eine Verlängerung der in den am 1. Januar 1905 bestehenden Arbeitsordnungen festgesetzten Arbeitszeit ist unzulässig." Nach§ 93c der Kommissionsfaffung dürfen Arbeiter, welche an Betriebspunkten, an denen die gewöhnliche Temperatur mehr als 28 Grad Celsius beträgt, falls ihre Beschäftigung nicht bloß eine vorübergehende ist, nicht länger als 6 Stunden täglich arbeiten. Die Abgg. Bruft( 3.) und Genossen beantragen diese Bestimmung auch auf„ naffe Arbeiten" auszudehnen; ferner beantragen fie Einführung der siebenstündigen Arbeitszeit für Berg werte mit einer gewöhnlichen Tagestemperatur von mehr als 26 Grad Celsius. § 93f handelt von den Ueberschichten. Hierzu beantragen die Abgeordneten Brust( 8.) und Genossen, daß nicht gestattet werden soll: a) wöchentlich mehr als eine achtstündige Ueberschicht oder mehr als zwei Ueberschichten bis zur Gesamtdauer von 4 Stunden zu verfahren; Die Abgg. Bruft( 3.) und Genoffen beantragen auch hier Wiederherftellung der Regierungsvorlage, nach der u. a. aus überwiegenden Gründen des öffentlichen Interesses auf Anordnung der Bergbehörden solche Ausnahmen gemacht werden können. Allgemein beantragen die Abg. Bruft und Genossen die Be stimmung des Art. II nicht auf Sohlenbergwerke zu beschränken, sondern auf alle Bergwerke auszudehnen. Die Das Strafgefängnis Plötzenfee vor Gericht. ( Eigener Bericht des Borwärts".) Sechster Verhandlungstag. Sigung wird um 10 Uhr mit dem Zeugenaufruf er Soll Willi Grosse beobachtet werden? er= über die Ueberschichten hat fallen lassen. Was die Regierungsvorlage Da wir sämtlich den Zweck der Aufklärung verfolgen, an Ueberschichten gestattet, ist das Dreifache von dem, was in den übrigt es sich wohl, zu prüfen, ob das Gericht die formale letzten drei Jahren im Durchschnitt, an Ueberschichten verfahren Möglichkeit hat, die Erfüllung dieses von den Sachverständigen selbst worden ist. Worauf es der Regierung anfam, war nur, daß der geäußerten Wunsches zu verhindern. Sollte der Gerichtshof das tun, einzelne Arbeiter nicht übermäßig durch Ueberschichten in Anspruch so stelle ich den formellen Antrag, den Groffe hier als Zeugen zu genommen wird. Die Bestimmungen der Regierungsvorlage find vernehmen, und zwar bebor Dr. Lippmann fich geäußert hat. auch nach dieser Richtung hin wohl erwogen und das Ergebnis langwieriger Beratungen. die b) an Betriebspunkten mit mehr als 28 Grad Celsius gewöhnlicher Temperatur Ueber- und Nebenschichten zu verfahren. Staatsanwalt Schönian bittet diesen Antrag abzulehnen, nicht um Aufklärung zu verhindern, sondern im Interesse des Grosse, § 93h der Regierungsvorlage handelt von den Ausnahmen des in§ 93b der Regierungsvorlage festgesetzten Marimal- Arbeitstages Geh. Oberbergrat Meißner führt aus, daß die Verbindung von dessen Gesundheitszustand durch Vorführung und Beobachtung seitens für Gruben mit mehr als 22 Grad Celsius. hohen Wärmegraden mit hohen Feuchtigkeitsgraden für die Berg- mehrerer ihm noch unbekannter Aerzte im höchsten Maße gefährdet Da die Kommission§93b gestrichen hat, hat sie konfequenter- arbeiter besonders gesundheitsschädlich sei, und wendet sich gegen die sein würde. weise dasselbe mit§ 93h getan. Ausführungen des Abg. Hilbek. Weiter bittet Redner um Ablehnung Vorsitzender( zu Dr. Leppmann): Halten Sie es für gesundheitschädlich für Grosse, wenn er hier vor Gericht erscheinen des Antrages v. Brandenstein auf Streichung des Artikels IIb. Abg. Freiherr v. Zedlik( ft.): Trotz der Beredsamkeit der muß? S.-W. Dr. Leppmann: Ja so sehr, daß ich mit einer Regierungsvertreter bitte ich Sie, die Kommissionsvorschläge in allen ihren Teilen und dazu vielleicht den nationalliberalen Antrag an Gewißheit grenzenden Wahrscheinlichkeit sagen kann, sobald der über Berufung der Beisiger des Gesundheitsrats an- Mann hier in den Gerichtssaal kommt, schnappt er über, und dann zunehmen. In einem Punkte von grundsätzlicher Bedeutung haben Sie einen verwirrten Geistestranten vor sich. stimme ich dem Minister zu, das ist die entschiedene Rechtsanwalt Heinemann: Halten Sie es auch für Grosse Art. IIa( von der Kommiffion hinzugefügt) will das Ver Ablehnung des Marimal- Arbeitstages für erwachsene Arbeiter. Ich für gefährlich, wenn die Aerzte ihn im Gefängnis fehen? Dr. Leppmann: Selbstverständlich halte ich die Beobachtung waltungsstreitberfahren in Beziehung auf die( abge- glaube, damit hat er weite Kreise des Hauses sympathisch berührt, lehnten) Arbeiterausschüsse sowie für die Anordnungen der Ober- und ich will nur hoffen, daß der Minister mit derselben Entschieden des Grosse durch Sachverständige stets für zulässig; aber ich halte bergämter über die Arbeitszeit einführen. heit jedem Verfuch, einen Marimal- Arbeitstag einzuführen, entgegen es nicht für bedenkenfrei, weil mit diesem Prozeß ein neues Moment Art. IIb( gleichfalls von der Kommission eingefügt) handelt vom treten wird.( Beifall rechts.) Wir lehnen grundsäglich diese Be- in das Leben des Groffe getreten ist, an welches er besondere Gesundheitsbeirat. stimmungen der Regierungsvorlage und die Anträge, die zur Herbei- Hoffnungen knüpft. Diese werden durch die Erörterung der diesDieser soll nach den kommissionsbeschlüssen für den führung des Maximal- Arbeitstages dienen sollen, ab. Zu derartigen bezüglichen Angelegenheiten seitens ihm noch unbekannter Aerzte Umfang des Oberbergamtsbezirks gebildet werden und bestehen aus Bestimmungen liegt feine zwingende Veranlassung, vor, denn das im gegenwärtigen Augenblicke verstärkt, und das halte ich für ihn dem Berghauptmann als Vorsitzenden sowie aus vier vom Ober- Oberbergamt ist vollkommen in der Lage, wenn eine Beschränkung gefährlich. Rechtsanwalt Heinemann: Ist dies auch der Fall, wenn bergamte berufenen Mitgliedern, die zu gleichen Teilen aus Bertretern der Arbeitszeit aus sanitären Gründen notwendig ist, die erforderlichen nur der Sachverständige Medizinalrat Dr. Koenig den Groffe unterder Arbeitgeber und Arbeitnehmer bestehen soll. An den Ver- Maßnahmen zu treffen.( Beifall rechts.) handlungen des Gesundheitsbeirats soll ein vom Oberbergamte Minister Möller wendet sich gegen die Einfügung des Ver- fucht? waltungsstreitverfahrens in diese Novelle. Er habe bereits in der Sachverständ. Dr. Leppmann: Jedenfalls halte ich es für notzu berufender Knappschaftsarzt mit beratender Stimme teilnehmen. Die Abgg. Dr. Friedberg( natl.) u. Gen. beantragen den Zusatz, Kommission den Vorschlag gemacht, als Instanz gegen Anordnungen wendig, daß er nicht von mehreren Aerzten untersucht wird. Daß daß die Auswahl der Beisiger der Arbeitgeber und Arbeitnehmer des Oberbergamts einen Bergausschuß einzurichten mit einem Ober- Dr. Koenig allein ihn sehen würde, würde ich nicht für bedenklich durch den Provinzial- Ausschuß derjenigen Proving erfolgen berghauptmann als Vorsitzenden und mit technischen Beisitzern aus halten. Grosse ist mir gegenüber aufrichtig, weil ich als Arzt der soll, in der sich der Siß des Oberbergamts befindet. den Oberbergämtern, einem unparteiischen Richter und drei vom Irrenabteilung ihm wie den anderen Gefangenen bekannt bin. Dr. Koenig ist Ärzt in Dalldorf, und Dalldorf steht bei den Ge fangenen auch in guter Meinung. Rechtsanwalt Liebknecht besteht auf den Antrag, da selbst. wenn die von Dr. Leppmann geäußerte Ansicht zuträfe, derartige Rücksichten nicht genommen werden durften, wenn Beobachtung oder Vernehmung des Grosse als Beweisobjekt notwendig sei. Rechtsanwalt Heinemann erinnert daran, daß bei erkrankten Zeugen die Strafprozeßordnung vorschreibt, wie zu verfahren ist. Die Deduktion des Staatsanwalts findet in der Straf-Prozeß ordnung also keine Basis. Nach sehr langer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende, daß die Anträge auf Beobachtung des Grosse ab gelehnt sind in Erwägung, daß der Sachverständige Dr. Placzek seitens des Gerichts nicht zwecks Untersuchung des Geisteszustandes des Grosse geladen ist, sondern gemäß dem seitens der Verteidigung gestellten Antrage zu dem Zweck, auf grund des durch den Gan der Verhandlung erbrachten Stoffes ein Gutachten abzugeben. Aui sind die Anwäge nicht Beweisanträge, sondern sollen zur Vorbereitung von Gutachten dienen. Die ganze Sachlage gibt dem Gericht keine Veranlassung, auf grund des§ 73 der Strafprozeß- ordnung weitere Sachverständige zuzuziehen. R.-A. H a l p e r t bittet um eine Pause von fünf Minuten, damit die Verteidiger sich über die diesem Beschlutz gegenüber zu er- greifenden Maßnahmen verständigen können. Der Vorsitzende bittet, dies doch bis zum Ende der heutigen Verhandlung zu lassen. Die Verhandlung wird ja noch viele Tage dauern, so daß dadurch nichts verloren ist. Soll Grosse zeugen? Rechtsanwalt Liebknecht stellt nunmehr den Beweisantrag, den Grosse als Zeugen über folgende Tatsachen zu vernehmen: Erstens, daß er die fraglichen Eingaben, die hier zur Verlesung ge- bracht sind und die einen logischen, korrekten Eindruck machen, nicht selbst verfaßt und geschrieben hat; zweitens, daß er die Krampf- anfälle im Gefängnis noch bis in die neueste Zeit gehabt hat; dritten?, daß der mehrfach erwähnte Selbstmordversuch ernstlich von ihm unternommen ist; viertens, daß es nicht richtig ist, daß seine Verwandten bei ihren Besuchen jenials verhetzend auf ihn eingewirkt haben. Staatsanwalt S ch ö n i a n bittet den Antrag abzulehnen. Punkt 1 könne man annehmen, die übrigen Punkte seien für die Frage der Geisteswankheit unerheblich. R.-A. Dr. Liebknecht: Diese Fragen haben bei unseren Verhandlungen bisher einen sehr breiten Raum eingenommen. Man kann doch wohl nicht sagen, daß alles, was bis jetzt verhandelt worden ist, unerheblich war. Der Gerichtshof beschließt, den Beschluß über den Antrag bis nach der Vernehmung der Herren Sachverständigen auszusetzen. R.-A. Dr. Liebknecht: Dann beantrage ich die in Augen- scheinnahme Grosses durch das Gericht zum Velveise dafür, daß er geisteskrank ist und zwar in einem Maße und einer Art und Weise, die erkennen lassen, daß er es auch schon bor zwei bis drei Jahren gewesen ist. Staatsanwalt Schönian beanwagt die Ablehnung des An- wages, weil dies kein geeignetes Mittel zur Feststellung des Geistes- zustandes ist. Auch über diesen Anwag wird das Gericht erst beschließen, wenn die Sachverständigen vernommen sind. Der nunmehr wieder vorgerufene Zeuge Karl Grosse antwortet auf Befragen des R.-A. H a l p e r t, weswegen er wohl von Herrn v. Maltzan als verbissener Sozialdemokrat bezeichnet wurde, daß ihm das unerklärlich sei. Seines Wissens habe er sich auch in keiner Weise unverschämt betragen, auch sei seiner vor- gesetzten Behörde etwas derartiges nicht gemeldet worden, wohl aber sei er, als er mit seiner Mutter im Januar 1900 seinen Bruder besuchen wollte und wegen der Besuchs« Verweigerung bei dem Polizei- Inspektor vorstellig wurde, von diesem sehr unfreundlich empfangen worden. Auf weitere Fragen des Verteidigers Halpert und des Vorsitzenden sagt er, er habe bis zum heutigen Tage die Ueberzengung, daß sein Bruder Strafe verdient habe, aber nicht eine so harte. Durch Fragen der Verteidiger Halpert, Liebknecht und Heinemann wird weiter festgestellt, daß zur Zeit der Hauptverhaudlung gegen Wlli Grosse die. Erregung in der Bevölkerung gegen den Mörder und seine Familie eine so ungeheuere war, daß es wohl begreiflich ist, daß Karl Grosse in der Verhandlung auS Aufregung und Scham nicht hervorgetreten ist. Auch hatte vor der Pause Rechtsanwalt Hofstedt seine Verteidigungsrede noch nicht gehalten und das Urteil war noch nicht gesprochen. Als Beispiel für die Erregung der Bevölkerung führt der Zeuge an, daß der Pastor seiner Mutter den Vorwurf gemacht habe: Sie haben Ihren Sohn nicht zu einem Mensche» erzogen, sondern zu einer Bestie. R.-A. Chodziesner, Vertteter der Nebenkläger, bittet den R.-A. Hofftedt als Zeugen darüber zu laden, daß er in jener Ver- Handlung zur Verteidigung seines Klienten alles vorgebracht habe, was ihm unterbreitet war. Der Gerichtshof lehnt dieses ab, da es für die Entscheidung des vorliegenden Falles ohne jeden Einfluß ist. Auf Frage des R.-A. Dr. Liebknecht bekundet der Zeuge, daß die von seinem Bruder aus dem Gefängnis an die Familie ge- richteten Briefe manchmal ganz vernünftig, manchmal aber auch ganz konfus waren. Leider hat er sie sämtlich beim Aufräumen im Jahre 1902 vernichtet, da er nicht ahnte, daß sie einmal eine wichtige Rolle spielen könnten. Ein Spion bei Karl Grosse? Anaekl. Schneidt: Ist der als Zeuge vernommene frühere Strafgefangene P. nicht in Ihrer Wohnung gewesen und hat dort versucht zu spionieren? Zeuge: Das kann ich direkt nicht sagen; ich weiß nur, daß im Dezember 1904 ein Mann zu uns kam, der sich Krebs nannte und sagte, er sei aus der Strafanstalt entlassen und werde von Willi zu uns geschickt. Dieser habe die Eingaben nicht selbst gemacht, sondern in Plötzensee sitze jemand, der das für ihn tue. Er riet uns, Sorge dafiir zu tragen, daß Willi sich zur Schutztruppe melde, dann würde er leichter entlassen werden. Ms ich hier den sah, glaubte ich ihn als diesen Krebs zu erkenneu, ging auf ihn zu und begrüßte ihn als Herr Krebs. Er erwiderte: nein, nein, der bin ich nicht, der hat ja einen ganz anderen Bart. Es wird festgestellt, daß P. am 3. Dezember 1904 aus Plötzensee entlassen ist. R.-A. Löwen st ein beantragt, den Zeugen P. nochmals zu laden und darüber zu vernehmen, daß er derjenige ist, der bei Grosse in dieser Weise tätig gewesen ist, da das für seine Glaub- Würdigkeit wichtig sei. Auf Befragen des Staatsanwalts Schönian erklärt der Zeuge V. M a I tz a n es für unwahrscheinlich, daß er im Januar 1900 gegen'Karl Grosse, den er ja gar nicht kannte, von vornherein nnfrenndlich gewesen sei. Bei jener Unterredung sei der Aufseher Hirschinger zugegen gewesen. Einen Antrag, diesen zu laden, behält sich der Staatsanwalt vor. R.-A. Halpert stellt den Antrag formell und es wird ihm auch stattgegeben. Der nächste Zeuge ist Herr D., der 1899 mit Grosse einen Monat lang in der Federbaracke als Strafgefangener gearbeitet hat. Er hat bei Grosse ein sehr eigentümliches Betragen bemerkt. Als seine Verwandten bei'ihm gelvesen waren, war er einmal so auf- geregt, daß er seinen Kopf 10 bis IS Minuten lang unter die Wasserleitung gehalten habe. Einmal wollte der Zeuge, der neben Grosse arbeitete, einige Federn von dessen Platz nehmen. Da fuhr er ihn mit den Worten an:„Du gottloser Mensch, siehst du nicht, daß da ein Toter drunter liegt." Den anderen Gefangenen hielt er oft Moralpredigten. Er sagte auch, er sei unschuldig bestraft worden, nicht er, sondern Werner hätte den Mord verübt. Zeuge hielt den Grosse, wie er auf die Frage des Vorsitzenden bekundet, für etwas idiotenhaft ver- anlagt, wenn er wohl auch wisse, was er spricht. Oesters lachte er ohne ersichtliche Veranlassung plötzlich laut auf, es war das kein fröhliches, sondern ein schreckliches, geradezu tierisches Lachen. Auch hat Zeuge öfter bemerkt, daß er Fliegen in den Mund steckte. Bei jenein Vorfall mit den Federn zeigte er sich sehr aufgeregt, hat infolgedessen einen halben Tag nicht gearbeitet, sondern ist ganz rot gewesen und hin und her gelaufen. Zu anderen Zeiten war er ganz vernünftig und ließ auch ruhig von den Federn fortnehmen, aber manchmal war er geradezu furchtbar, so daß der Zeuge direkte Furcht hatte. Als Grosse bei den Tischlern war, soll er einmal— dies weiß Zeuge nicht aus eigener Anschauung— als er einen Sarg gemacht hatte, sich in diesen hineingelegt und gesagt haben, nun sei er tot. Die anderen Gefangenen haben darüber gelacht und Allotria mit ihm gettieben so wie eben, wie auf Befragen des R.-A. Liebknecht be- kündet wird, rohe Menschen einen Geisteskranken veralbern. Der Zenge Oberinspektor Sommerfeld sagt aus, daß Grosse, wenn er eine Arbeit bekam, zunächst fleißig arbeitete, aber er blieb nicht lange bei einer Arbeit, und wenn er seinen Willen nicht bekam, wurde er faul und großmäulig gegen die Aufseher. Für geistes- gestört habe ich ihn nie gehalten: sein Verfahren war logisch und klar. Er stellte sich manchmal dumm, wenn man aber nicht darauf einging, schlug er um. Gefangener und Arzt. Weiter erzählt Zeuge, vom Vorsitzenden befragt, ob der An- geklagte Ahrens einen Haß gegen Dr. Pfleger habe, davon sei ihn, nichts bekannt, er entsinne sich nur, wie sich der Angeklagte Ahrens einmal über Dr. Pfleger bei ihm beschwert habe und eine Be- schwerde bei der Oberstaatsanwaltschaft habe einreichen wollen. Es handelte sich um eine Kostveränderung. Er habe es ihm als zwecklos ausgeredet, da darüber schließlich doch der Arzt zu ent- scheiden habe. Angekl. A h r e n s: Wissen Sie, daß das 14 Tage vor meiner Entlassung war und daß ich damals körperlich sehr heruntergekommen war? Zeuge: O ja, Sie waren wohl heruntergekommen. Angekl. A h r e n s: Entsinnen Sie sich nicht, daß Sie, als ich mich beklagte, daß Dr. Pfleger mich nicht untersucht habe, nur ant- warteten: Behrendsen seien Sie doch froh darüber, daß er Sie nicht behandelt hat. Zeuge: DaS ist nicht wahr. Angekl. A h r e n s: Herr Oberinspektor I Zeuge: Das habe ich entschieden nicht gesagt. Dr. Pfleger ist ja seit Jahren mein Arzt. Angekl. A h r e n S: Dann wußten Sie es wohl aus diesem Grunde?(Heiterkeit.) Vors.: Ich muß bitten, das Fragerecht nicht zu mißbrauchen. Ich wäre sonst genötigt, einzuschreiten. Der nächste Zeuge S. war in den Jahren 1901 und 1902 als Strafgefangener mehrfach mit Grosse zusammen, sowohl in der Gemeinschaftshaft, als auch auf Spaziergängen während der Einzel- hast. Bei diesen Unterhaltungen machte Grosse einen verwirrten Eindruck, er war kaum fähig, einen klaren Satz zu sprechen. Er klagte viel über seine Behandlung, und daß er unschuldig so hart bestraft sei, denn er habe nur Beihülfe geleistet. Er bat mich auch »in Abfassung eines Gnadengesuches, was ich mit Hülfe eines ziemlich konfusen Zettels tat, den er nur dazu übergab. Früher, sagte er, hätten ihm andere Gefangene solche Gesuche gemacht, mit denen er aber damals nicht zusammen kommen konnte. Zeuge Aufseher Böhlke soll über den Angriff bekunden, den Grosse im Januar 1900 gegen den Arbeitgeber Lesch� gerichtet hat. Er schildert, wie Grosse, wegen Faulheit getadelt, räsonnierte und sein Arbeitszeug herumwarf und als Lesch kam ausrief:„Das ist ja derjenige, mein Fleisch hat er schon, die Knochen will er auch noch haben." Er griff nach einer Feile und wollte auf Lesch losgehen. Ich brachte ihn mit Gewalt hinaus auf den Hof und hier sagte Grosse:„Lieber Herr Aufseher, Sie sind doch der beste, den es gibt." Ich brachte ihn nach der AnfbewahrnngSzelle und erstattete Meldung. Später machte ich ihm Vorhaltungen und er sagte, er wolle so etwas nicht wieder tun. Ich glaube, er hat damals gewußt, was er tat, er ist ein großer Simulant. g Andere Fälle, wo ein Gefangener tätlich gegen einen Arbeit- geber vorging, sind dem Zeugen nicht bekannt. Zeuge Gerichtsschreiber Gaul hat Grosse am 16. Juni 1902 ver» nonnnen, als er ein Wiederaufnahme-Verfahren beanttagen wollte. Dabei machte Grosse einen klaren Eindruck. Ob er Nottzen dazu bei sich hatte, weiß Zeuge nicht mehr. Zeuge Gerichtsschrcibcr Langner hat am 27. Februar 1903 mit Grosse in der gleichen Weise ein Protokoll aufgenommen. Auch auf ihn hat Grosse den Eindruck eines durchaus klaren Menschen gemacht. Daß er Notizen benutzt hat, hält Zeuge fast ftir ausgeschlossen. Als der Angeklagte Schneidt den Zeugen näher über seine Ein» drücke besingt, weist der Borsitzende diese Frage als unzulässig zurück. Angekl. Schneidt: Diese Art der Befragung habe ich von de» Herrn Vorsitzenden gelernt. Zeuge Aktuar Eggert hat den Grosse zweimal vernommen, am 10. Juni und 9. Dezember 1903, auch bei Anträgen auf Wieder« ausimhme des Verfahrens. Bei der ersten dieser Vernehmungen machte Grosse einen durchaus klaren Eindruck. Bei der zweiten Vernehmung hatte er ein Schriftslück bei sich, das seine Gründe ent« hielt und das dem Protokoll beigeschlossen wurde. Grosse machte damals überhaupt einen ganz konfusen Eindruck auf den Zeugen und hat über diesen Eindruck einen Aktenvermerk gemacht. Er sprach von Erscheinungen, die er des Nachts habe, so er« scheine ihm Frau Levy. Ob Grosse simulierte, weiß Zeuge nichl, diese Frage hat er sich damals nicht vorgelegt. Die Ernährung der Gefangenen. Der nächste Zeuge, Oekonomie-Jnspektor M a y w a l d, der in Plötzensee die Kostverhältnisse unter sich hat, bekundet, daß Grosse gut behandelt wurde und vielfach Mittelkost erhielt. Die Mittelkost 10 bestand des Mittags auS Suppe, Braten und Sauce, in zwei Schüsseln dargereicht. Die Suppe besteht aus Bouillon mit Nudeln, Graupen. Gries, als Fleisch gibt es Deutsches Beefsteak. Rinder« braten, falschen Haien, Heringsfleisch und zwar so reichlich, daß sich jederniann satt essen kann. Zu einer Portion Braten gehören 12ö Gramm rohes Fleisch, die Suppe wird in einer Portton von Vv Liter verabfolgt. Grosse hat sich über Qualität und Quantität der Kost nie beschwert. Bei ber_ Gesundenkost gibt'S morgens Kaffee, mittags einen Liter Mittagessen, d. h. Suppe mit Erbsen, Linsen, Bohnen, Rumfutsch; abends verschiedene Suppen. Dazu 500 Gramm Brot pro Tag.— Auf Fragen des Angeklagten Kaliski und der Rechtsanwälte Dr. Liebknecht und Dr. Löwen» stein werden die verschiedenen Kostarten sowie die Frage erörtert, wie hoch sich die Verpflegungskosten für den einzelnen pro Tag stellen.— Zeuge M a y w a l d erklärt hierzu. daß sich die Gesundenkost auf 2S bis 23 Pf. pro Tag stellt, je nachdem die Nahrungsmittelpreise sind. Hinsichtlich der Mittelkost seien seineS Wissens solche Berechnungen nicht aufgestellt. Bezüglich der Mittel« kost 10 bekundet Direktor D e n z n e r auf Befragen: Die Zutaten zur Suppe und die Kartoffeln. Gewürz, Suppengrün ec. dürfen nicht den Satz des Speisematerials � zu der Gesundenkost überschreiten. aber es kommen ganz selbstverständlich die Kosten für das Fleisch hinzu; diese liegen nicht in den 27 Pf. Auf weitere Fragen gibt der Zeuge die Auskunft, daß bei der Gesundenkost auf das Mittag» brot im Durchschnitt etwa 12 Pf. kommen, wobei aber zu be« rücksichtigen sei, daß die Verwalttmg natürlich viel billigere Einkäufe mache als der Privatmann und andere Unkosten, wie Beamtengehälter, Dampf zc. hierbei nicht mit einrechne. Durch einige Fragen, die sich auf die dem Grosse vom Staatsanwalt ge« währte Schmalzzulage beziehen, will Angekl. Schneidt beweisen, daß der von ihm in einem Artikel gebrauchte Ausdruck„Schlendrian" gerechtferttgt sei. Der Gerichtshof lehnt die Stellung dieser Fragen, als nicht zur Sache gehörig, ab, da jetzt nur der Geisteszustand des Grosse in Frage stehe. Hierauf ivird die Verhandlung um 4'/z Uhr abgebrochen. Der Vorsitzende teilt mit, daß er morgen den Fall Grosse wegen amt« sicher Behinderung des Geh. Medizinalrats Leppmann nicht weiter verhandeln, die Fortsetzung vielmehr auf einen späteren Tag ver- schieben müsse. Morgen solle daher in die Verhandlung deS Falles Skläroff eingetreten werden. R.-A. Dr. Liebknecht erhebt Einspruch gegen die Beur- laubung des Geh. Rats Dr. Leppmann für morgen, da die Ver- teidigung dessen Anwesenheit auch während der Verhandlung deZ Falles Skläroff für notwendig erachtet. Der Gerichtshof billigt die Dispositton des Vorsitzenden. Nächste Sitzung Dienstag 9% Uhr. Berliner Marktpreise.(Ermittelt vom Polizei-Präsidlum.) Roggen, gute Sorte, 1 Dz.— mittel— geringe—(— ,—) ab Bah». Fnttergcrstc, gute Sorte 1 Dz. 16,19(13,19) mittel 15,99(14,99), geringe 13,99(12,99) sre! Wagen und ab Bahn. Haser, gute Sorte 16,59 05,79), mittel 15,69(14,89), geringe 14,79(14,99) frei Wagen und ab Bahn. Richtswoh 1 Dz. 5,32(4,82). Heu 9,29(7,69). Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,99(39,99), Speisebohnen, weiße 59,99(39,99), Linsen 69,99(39,99), Kar- tossein 9.99(7,99), Rindfleisch, von der Keule. 1 Kg. 1,89(1,39), Bauch- fleisch 1,49(1,99), Schweinefleisch 1,79(1,29), Kalbfleisch 1,99(1,29), Hammel» fleisch 1,79(1,19), Butter 2,89(2,99), Eier, 69 Stück. 4,99(2.28). Karpsen. 1 Kg. 2,29(1,29), Aale 3,99(1,69), Zander 3,29(1,29), Hechte 2,69(1,29), Barsche 2,89(9,89), Schleie 3,69(1,49), Bleie 1,49(9,89), Krebse 16,99(3,99). «vttternngSiiberstcht vom LS. Mai lg0S, morgens» Uhr. Stationen swinemde. Hamburg Berlin Franks.a.M München Wien 752 WSW 752 WNW 754 W 758 NW 758 NW 755 Still Wetter 3 wolkig 2 bedeckt 3 wolkig 3 wollig 4bedeckt — bedeckt HS » II Stationen Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Paris 754'N 753 NNW 763 ONO 766 N 769 NNO Wetter öS C t* W E> 2 bedeckt 2 halb bd. Scholl) bd. Swolkig 3, wölken! 5 a 4 6 7 Zvetter-Prognose für Dienstag, de» SZ. Mai 1905. Kühl und vorwiegend trübe mit leichten Regenschauern und mäßigen nordwestlichen Winden. Berliner Wetterbureau. wird in allen einschlägigen Geschäften in folgenden populären For- maten undpreisen abgegeben: das elegante handliche Doppelstück im Uarton kostet 25 pf: das große mächtige Gktogonstück Achteck- format), zwei Stück im Karton, kostet 35 Pf und das kleine vor- nehme Gktog0nstück(5lchtecksormat) kostet l 0 Pf. Man bestehe dar- auf, die Stücke in Originalverpackung zu erhalten, da unzählige minderwertige Nachahmungen in den Handel gebracht sind. S&5ZS bietet die neu begründete Sunlight� Roman-Bibliothek mit ihren Verlags- erzeugnissen. Die in diesem Unternehmen erscheinenden Romane sind Originalwerke erster deutscher Autoren(Maximilian Böttcher. Ernst Georgy. Carola von Eynatten. Otto Höcker:c.). Im Buchhandel kosten die blau-gelben Bändchen der Bibliothek 25 Pf., komplette Romane 1,25 M. bis 1.50 M. 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Lager: Königgrätzerstr.84 Kinderwagen, KinderSportwagen, Kinder- Bettstellen. Riesen- Auswahl. Spottbillige Preise, Die Kinder gedeihen vorzüglich dabei und leiden nicht an Verdauungsstörung. Hervorragend bewährt bei Brechdurchfall, Darmkatarrh, Diarrhöe etc. 13, Ziehung 5. Kl.212. Agi. Prss. Lotterie. Ziehung vora 22. Mai 1905, nachmittags. Nur Gewinne über 240 Mr. sind den betreffenden Nummern in Klammern beigefügt. ( Ohne Gewähr.) Nachdruck verboten. 315 36 613 33 726[ 1000] 69 849 63 98[ 3000] 1049 141 407 78 702 811 2047 175 210 64 475 615 715 91 966 80 3227 50 312 415 39 54[ 3000] 578 690 962 4014[ 500] 47 65[ 500] 74 421 717 967 95 5075 129 417 571 72 728 94 888 93 922 97 6027 70 202 47 364 456 533 60 605 78 15001 98 724 68 806 975 7090 501 27 725 816 8047 53 57[ 30001 93 210 79 479 614 36 793 901 9179 380 610 66 68 75 746 83[ 500] 945 60 92 51 115073 82 244 87 396 618 968 116032[ 1000] 69 367 434 50 62 544 67 700 117055 64 73 168 84 208 620 808 954 118057 58 127[ 10001 33 1500] 280 464 99 524 701 14 826[ 5001 970 119122 53 341 91 443 56 61 527 852 53 120071 100[ 500] 215 85 433 535 88 629 58 715 944 121133 81 210 81[ 1000] 545 81 10001 722 60 90 868 122088 137 339 568[ 3000] 708 890 123340 478 574 95 618[ 3000] 82[ 10001 717 55 124126 314 78 624 891[ 500] 943 125129 342 400 23 95 538 39 70 644 746 855 126005 77 154 243 351 82 471 709 845 979 127006[ 5001 126 35 210 305 13 68 517 610 848 60 63 128008 216 498 542 78[ 5001 636 733 34 958 129194 316 536[ 1000] 713[ 500] 88 882 04130198 320. 431 522 624 81 701 16[ 1000] 63 807 10034 41 167 82 226 351 417 652 700 98 856 90411113[ 1000] 244 687 757[ 500] 67[ 10001 929 12053 266 97 466 501 61 767 848 941 13046 134 92 233 84 429 639[ 500] 89 986[ 500] 14184 324 515 47 713 60 881 905 20 15064 228[ 1000] 739 851 13000] 16024 190 220 326 78 684 901 10 17026[ 30001 110 287 557 87 782 902 48 18087 119 60 267 99[ 3000] 346 440 580 640 893 19001 14 107 18 44 292 301 23 714 912 20045 101 68 527 66 85 691 97 920 21118 422 843 66[ 500] 67 70 76 984 22021 97[ 1000] 165[ 3000] 237 78 323 95 449 50 780 23109 211[ 30001 46 437 58 523 13000] 724 88 844 24298 405 563 631 742 25090 108 58 312 487 553[ 500] 85 732 59 878 971 26045 164 72 398 412[ 1000] 45[ 1000] 561[ 500] 69 83 682 804 27023 91[ 500] 270 72 394 628 30 63 740 43 49 813 78 28088 [ 500] 302 21 32 66 443[ 30001 597 751 939 84 29090 108 324 82 722 832 927 2 30044 188 383 91 466 547 60 76 646 31031 107 64 259[ 500] 331 66 97 686 938 39 32291 324 43 522 649 [ 3000] 723[ 500] 856 948 33008 76 134 90 233 441 620 706 69 999 34093 201 326 467 76 530 84 720 842 35055 169[ 500] 93 252 76 393 508 687 784 815 910 36084 104 32 83 271 304 401 22 62[ 500] 72 508[ 500] 623 79 842 928 88[ 500] 37125 286 95 303 53 74 419 667 758 944 38021[ 5001 52 185 316[ 3000] 67 85[ 500] 532 858 980 89 39141 55 329[ 500] 47[ 3000] 54 763 [ 10001 937[ 1000] 40025 89[ 5001 114 489 636 769 858 71 914[ 1000] 31 41023[ 500] 263[ 500] 303 575 831 904 9 65 42005 245 303 81 806 12[ 500] 13 960 43158 307 425 551 603 86 702[ 10001 85 15001 862[ 3000] 909[ 500] 44213 38 348[ 500] 430 861[ 5001 961 45003 17 52 234 316 [ 1000] 512 666 68 883 949 64 71 46058 419 84 556 94 752 90 862[ 1000] 971 47006 175 405 23[ 500] 53 779 865 953 48174 415[ 500] 568[ 500] 612 58 907 49016 516 86 667 978 50043 69 195 202 73 423 53 64 98 502 734 850[ 5001 53 51018 260 368 461 525 634 946 52065 108 255 [ 1000] 338 82 453 546 79 861[ 500] 91 955 58019 189 393 512 59 665 836 41 63 54067 92 205 10 36 61 35.373 528[ 1000] 860 961 82 55452[ 1000] 86 550[ 500] 600 9 69 80 704[ 500] 904 80 56101[ 3000] 18-298 307 25 57 430 36 15001 43 744 93[ 500] 832 70 84[ 500] 01 57204 50 59 81 387[ 5001 58011 10 000] 186 495 515 50 607 809 28 91 59048 163 72 645 999 60016 30 103 384 709 61000 29 53 165 391 552 [ 500] 73 74 680[ 1000] 744 947 62114 37 52 98[ 3000] 279 86 363 92 98[ 10001 416 552[ 1000] 85 908 51 63043 137 362 511 636 748 847[ 1000] 95 915 64028 35 78[ 3000 221[ 500] 307 516 39 42 65 951[ 500] 66 65003 292 377 416[ 3000] 43 664 66098 193 370[ 500] 416 44 742 97 926 89 67190 297[ 500] 575 92 619 58. 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Die Fabrik ist gesperrt. 124/16 Die Ortsverwaltung der Vereinigung der Maler. Nr. M. 22. IahtMg. 2. Sn>U Ks„ " Alllim NsIllsdIM Zieastag, 23. Mai IM. Gewerkschaftskongreß. Köln, 22. Mai 1905.(Privatdepesche des„Vorwärts'.) Der fünfte Kongreß der Gewerkschaften Deutschlands trat heute im Gürzenich-Saal zusammen. ES sind 213 Delegierte und eine große Anzahl von Gästen zusammengekommen, darunter Greulich- Zürich vom Schweizerischen Arbeiterbund, Maß von der belgischen Arbeiter- Partei und Fräulein B o s ch e ck- Wien von der österreichischen Gewerkschaftskommission. Den Zentralverband deutscher Konsum- bereine vertritt Kaufmann- Hamburg. Gegen S V« Uhr eröffnete Legieu im Auftrage der Gensraikommission als der Einveruferin den Gewerkschaftskongroß, indem er sagte: WaS vor einem Fahrzehnt auch nicht der größte Optimist erwartet hat, ist eingetroffen: auf diesem Kongreß sind l1/. Millionen organisierter Arbeiter und Arbeite- rinnen vertreten. In Halberstadt vertraten auf dem ersten Gcwerk- schaftskongreß 203 Delegierte 300 000, auch auf dem nächsten Kongreß, wo zum erstenmal nur Vertreter der Verbände zugelassen wurden, vertraten 130 Delegierte nur 271 000 Organisierte. In Frankfurt a. M. waren 490 000 Organisierte durch 130 Delegierte vertreten, in Stuttgart 681 000 Organisierte durch 156 Delegierte, und hier schließlich vertreten 213 Delegierte 1 252 000 Organiftcrte. Das ist ein gewaltiger Fortschritt. Ganz anders haben sich die Organi- sationen entwickelt, als die Kleingläubigen annahmen und an der Zukunft der Gewerkschaftsbewegung verzweifelten, ganz anders haben sich die Dinge entwickelt, als vor 12 Jahren auf dem Parteitage der sozialdemokratischen Partei hier in Köln vorausgesagt worden rst. Viele Genossen sind hier, die an den damaligen Ver- Handlungen teilgenommen haben, sie werden damals dieselbe Empfindung gehabt haben wie ich. Eö schien, als ob wenig Sympathie für die Gewerkschaften vorhanden ist. Bei objektiver Beurteilung der damaligen Vorgänge kommt man aber doch zu dem Resultat, daß zwar nach außen die Verhandlungen des Kölner Partei- tageS über die Gewerkschastsftage keinen sehr günstigen Eindruck gemacht haben, daß sie aber nach innen reinigend auf die Gewerlschaftsbewegung gewirkt haben. Deshalb blicke ich nicht ungünstig auf sie zurück, beginnt doch der Aufschwung der Gewerlschaftsbewegung mit dem Jahre 1803, hatten doch gerade diese Verhandlungen der Ueberzeugung in den Kreisen der Genossen Bahn gebrochen, daß die Gewerkschaftsbewegung gefördert werden müsse. Ueber die innere Ausgestaltung der Gewerkschaften will ich nur anführen: 1801 hatten die Gewerkschaften eine Einnahme von 4,02 M. auf den Kopf, 1003 eine Einnahme von 18,50 M. Der Kassenbestand betrug 1391 425 000 M.» pro Kopf 1,53 M., 1903 aber 16 109 000 M., pro Kopf 14,59 M. Auch die innere Festigkeit hat gewonnen. Zwar kommen zwischen einzelnen Gewerkschaften Grenz- streitigkeiten vor, aber das ist ja nur ein Familieustreil und nach außen stehen die Gewerkschaften in vollster Einmütigkeit und Ge- schlossenheit da. So können wir mit Genugtuung auf diese EntWickelung zurück- blicken, aber zufrieden sind wir bei alledem nicht.(Zustimmung.) Zufrieden sind wir nicht, denn noch stehen Millionen der B e- wegung fern, die herangezogen und organisiert werden müssen.(Lebhaste Zustimmung.) Wir wissen, wieviel noch zu wn ist, bis wir uns Anerkennung an allen Stellen verschafft haben. Jedes Recht reicht nur so weit, als Macht dahinter steht, und diese Macht wollen wir uns erobem. Es ist vorausgesagt worden, es würde hier, ich weiß nicht aus welchem Grunde, zu Reibungen zwischen den Gewerkschaften und der anderen Seite der Bewegung, der politisch organisierten Arbeiter- schaft kommen. Wenn auch einige Punkte der Tagesordnung den Anschein erwecken könnten, als ob es zu solchen Auseinandersctztlngeii kommen könnte, so glaube ich doch nicht, daß es der Fall sein wird. Bei dem innigen Zusammenhang, der zwischen den beiden Richtungen der Arbeiterbewegung besteht und angesichts der Tatsache, daß die Personen ja vielfach dieselben find, die in der gewerkschaftlichen und politischen Bewegung arbeiten, werden sich diejenigen täuschen, die da hoffen oder fürchten, daß sich Gegensätze zwischen der politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung ergeben werden. Einladungen sind ergangen zunächst und selbstverständlich an den Oberbürgermeister von Köln, an das Oberhaupt der städtischen Ver- waltung, die uns diesen schönen Saal zur Verfügung gestellt hat, und weiter auf Wunsch des Lokalkomitees auch an die Gewerbe- Inspektoren des Bezirks. Ich weiß nicht, ob die Herren der Ein- ladung gefolgt find. Zum Stuttgarter Kongreß hatten wir das Reichsamt des Innern eingeladen, diesmal aber haben ivir von der Einladung abgesehen.(Lebhafte Zustimmung.) Graf Posadowsky hat im vorigen Jahr unsere Einladung zum Heim» arbeiterschutz-Kongreß wegen„Zeitmangel" abgelehnt, dagegen ist er im April 1905 persönlich auf der Generalversammlung der christ- lichen Heimarbeiterinnen erschienen, der 3100 Mitglieder zählt. Au- gesichtS dieser Tatsache sind wir der Ueberzeugung geworden, es widerspricht der Ehre der deutschen Gewerkschaften, an diese Stelle noch einmal eine Einladung zu schicken.(Lebhafte Zustimmung.) Das Fehlen eines Vertreters der Regierung wird unseren Verhand- lungen keinen Abbruch tun. Ich denke, daß sie uns ein gutes Stück weiter bringen werden.(Bravo I) Im Namen des L o k a l k o m i t e e S begrüßt BartelS-Köln die Delegierten: Auch hier in der Hochburg des Klerikalismus haben sich die Gewerkschaften eine Achtung gebietende Stellung erworben. Wir haben die Gewerkschaften des Zentrums erheblich eingeschränkt und wir haben die Hoffnung, daß wir auch noch weitere Eroberungen machen werden. Hat doch der große Kampf im Ruhrrevier gezeigt. wie weit bei dem christlichen Arbeiter der Gedanke gedrungen ist. daß eS nur eine Arbeiterorganisation geben darf. In dieser Hoffnung heiße ich Sie herzlich willkommen. Nach diesen Begrüßungsreden konstituiert sich der Kongreß. Cr wählt neben L e g i e n und Bömelburg zu Vorsitzenden: Cohen- Berlin(Metallarbeiter), Meinhard- Stuttgart(Holz- arbeiter), Winkelmann- Bremen, Bauer- Berlin(Bureau- angestellte). Reichel(Textilarbeiter) und Dreher- Berlin (Transportarbeiter). Für die Tagung wird die Zeit von 8—12 und von 3—6 Uhr festgestellt. Es wird eine MandatsprüfungS- und eine Redaktionskommission gewählt. In die Redaktionskommission wurden gewählt: Knoll, Sabath und Umbreit-Berlin, Tubelow und Hamann. Vorfitzender Bömelburg begrüßt die ausländischen Gaste. Bußer den genannten sind noch Tirba-Prag für die tschechischen, Olsen für die dänischen, A n d u t h- Amsterdam für die holländischen Gewerkschaften zu nennen. Bömelburg meint, durch Zusammenwirken der Gewerkschaften aller Länder werde die Arbeiterbewegung umso rascher ihr Ziel erreichen.(Beifall.) Der Kongreß tritt in die Tagesordnung ein, die unter Ablehnung einiger Umänderunasanträge nach dem Vorschlage der General- kommission genehmigt wird. Nur wird für Punkt 9 die Frage des Uebertritts aus einer Gewerkschaft in die andere infolge Berufs- Wechsels eingeschoben. Die Tagesordnung lautet also: 1. Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten(Wahl der Kom- Missionen, Prüfung der Mandate usw.). 2. Rechenschaftsbericht der Generalkommission(Berichterstatter: ReichstagS-Abgeordneter C. Legten- Berlin). Beratung der Anträge betreffend: a) Allgemeine Agitation; d) Agitatton unter den Arbeiterinnen; c) Agitation unter den fremdsprachlichen Arbeitern; S) Streikunterstützung und Streikstatistik; «) Heimarbeit; f) Beseitigung des Kost- und Logiszwanges beim Arbeitgeber; g) Korrespondenzblatt. 3. Bericht über das Arbeitersekretariat(Berichterstatter: Reichs- tagsabgeordneter Robert Schmidt-Berlin). 4. Die Stellung der Gewerkschaften zum Generalstreik(Referent: ReichstagS-Abgeordneter Th. Bömelburg-Hamburg). S. Die Geiverkschasten und die Maifeier(Referent: Reichstags- Abgeordneter Robert Schmidt-Berlin). 6. Gewerkschaften und Genossenschaften(Referent: Reichstags- Abgeordneter A. v. Elm-Hamburg). 7. Die Aufgaben der Gewerlschastskartclle in der Gewerkschasts- organisatton.(Referent: P. Umbreit-Berlin.) 8. Die gesetzliche Vertretung der Arbeiterschaft in Arbeitskammern oder Arbeiterkannnern.(Referenten: A. Schlicke-Swttgart und Reichs- tags-Abgeordneter O. Hue-Essen.) 9. Uebertritt aus einer Gewerkschaft in die andere infolge Berufswechsels. » Den Bericht der Generalkommission erstattet Legten. Er beschränkt sich auf die Hervorhebung folgender Punkte, die er zur Berücksichtigung in der Diskussion empfiehlt. Da ist zunächst die Frage der gewerkschaftlichen Unter- richtslurse. Der letzte Gewerkschaftskongreß hat eine Resolution zu ihren Gunsten angenommen. Aber weder das Projett Rühle. der von vornherein die Kenntnis der deutschen Sprache fördern will, noch das Projekt Sassenbachs, der die Gewerkschastsbeamten in vier- bis sechswöcheutlicheu wissenschaftlichen Kursen in Berlin aus- bilden will, hat die Generalkommission befriedigt. Sie er- wartet prattische Vorschläge von diesem Kongreß, denn das Ziel ist wünschenswert. Es beginnt in den Gewerkschaften an der not- wendigen großen Zahl von brauchbaren VcrwaltungSbeamten zu fehlen. Ein Frauen- Agitationskomits hat sich mit Zu- stimmung der Kommission gebildet. Auf dem letzten Kongreß ist ein dahin gehender Antrag nicht einmal genügend unterstützt worden. aber das Bedürfnis nach einer Zenttal-VermittelungSstelle ftir Re- ferentinnen war zu stark. Eine Konferenz der gewerkschaftlichen Frauenbewegung war nicht beabsichtigt. Die GewerkschaftSvorstände sind in dem letzten Jahre zu stark in Anspruch genommen vom R e i ch s st a t i st r s ch e n Amt. Es verbreitet sich die berechtigte Meinung, es habe doch keinen Zweck, eine Regierung bei ihre» Arbeiten zu unterstützen, die auf der anderen Seite die Gewerkschastsorgani- tattonen doch nicht anerkenne. Aber erst, wenn das Reichsstattstische Amt keine Arbciterstatistik mehr machen kann ohne Beihülfe der Ge- werkschasten ist es an der Zeit, die Behörden zur Beachtung der Ge- werkschasten auch auf anderen Gebieten zu zwingen. Die Menge der statistischen Arbeiten der Generalkommission darf die Verbände nicht reuen; nicht die einzelnen Ziffern, sondern die ganzen Zahlen sind notwendig für die Arbeiterbewegung. Ein italienischer Konsul in Saarbrücken warb italienische Streikbrecher an. Auf die offizielle Beschwerde der Generalkommission, die von dem Führer der italienischen Gewerkschaften, dem Abgeordneten Cabrini, unter- stützt wurde, hat der italienische Minister des AuSwärttgen an- erkannt, daß dies unzulässig sei. Bitten um Spenden zum Bau eigener Lokale lehnt die Generalkommission grundsätzlich ab. Wo man kein Lokal zu Arbeiterversammlungen erobern kaim, wird man am allerwenigsten imstande sein, ein eigenes Lokal zu halten. Arbeiten doch selbst in den größten organisationsreichsten Städten die Gewerkschaftshäuser nicht mit Ueberschüssen, und wollte die Generalkommission alle Anträge auf Bau eigener Gewerkschaftshäuser annehmen, so müßte sie eben so viel Millionen in der Kasse haben, wie jetzt Hunderttausende. Die Kommission ist aber bereit, einzelnen Organisationen einen lokalen MietSzuschnß zu geben. Nack, dem Beschlüsse des Frankfurter Kongreffes auf Unterstützung von Arbeitersekretariaten kamen sehr viele derartige Anträge an die Generalkommission heran. Aber wenn die Arbeiter RechtsanSkünste und Rechts- hülse haben wollen, sollen sie dafür bezahlen und nicht die Gesamtheit der Arbeiter belasten. Nur wo die Arbcitersekretariate Mittel zum Zweck der Agitatton sind, wo die Aussicht besteht, daß die wachsende Organisation die Kosten bald selbst bezahlen kann, ist die Generalkommission bereit, Arbeitersekrctariate einzurichten. Legten schließt mit der Bitte um strenge Kritik und um Anregung für die weiteren Aktionen der Generalkommission.(Beifall.) In der Diskussion über den Rechenschaftsbericht der General- kommission wird zunächst der Punkt Agitation behandelt. Von den 18 hierzu vorliegenden Anträgen findet der der Graveure, den Beitrag an die Generalkommission pro Mitglied auf 8 Pf. zu erhöhen, nicht die genügende Unterstützung, ebenso ein Antrag Duisburg auf sorgfältigere Pflege der nationalen Beziehungen, ein Antrag auf Errichtung von Arbeitersekretariaten in den Haupttndustriebezirken Elsaß-Lothringens, ein Anttag auf Herausgabe sranzösisch-deutscher und frauzösisch-italienischer Broschüren und ein Antrag der rheinisch-westfälischen Gauleiter auf Ausbau des„Operajo Jtaliano". Zur Begründung der sonst eingebrachten Anträge erhielten die Antragsteller das Wort. Legten begründet den Borschlag der General- kommission, die Zahl ihrer Mitglieder von neun auf elf zu erhöhen. Die Zahl der besoldeten Beamten darf nicht die der übrigen Mitglieder der Generalkonimission übersteigen, sonst kömtte man jede Frage gleich im Bureau entscheiden. Auch sei es besser, die Vertretung und sonstigen Pflichten der Generalkommission auf mehr Mitglieder zu verteilen, da jeden schon seine Gewerk- schaft stark in Anspruch nimmt. G a u d e- Berlin, Tabakarbeiter, bittet um Erneuerung eines früheren Kongreßbeschlusses, der die Gewerkschaftsmitglieder ver- pflichtet, ihre gewerblich tättgen Frauen und Töchter den Organisattonen zuzufiihren. R ei ch e l t- Chemnitz, Texttlarbeiter, empfiehlt den Antrag Annaberg auf Förderung der Arbeiter- bewegung im sächsischen Erzgebirge. Martens- Warburg, Fabrik- arbeiter, tritt für den Antrag Delmenhorst auf Herausgabe von Broschüren mit Material gegen die christliche» und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften ein. S t e i m e r- München, Fabrikarbeiter, Witt flir einen Antrag auf bessere Agitatton unter den italienischen Arbeitern ein. Reimes, Textilarbeiter, fordert Anstellung eines Gewerkschafts- beamten für München-Gladbach und Reydt. Dietrich- Breslau, Holzarbeiter, wünscht von der Generalkommission Mittel für Arbeiter- lokale in Beuthen und Königshütte. M u t h« Köln. Maurer, be- gründet den Anttag ans Anstellung eines Gewerkschasts- sekretärS für das Rheinisch-Wesifälische Revier. München-Gladbach führe einen systeinattschen Kampf gegen die fteien Gewerkschaften, nicht für christliche Gewerkschaften, sondern im Dienst deS Zentrum? gegen die Sozialdemokratie. Die Gewerkschaften brauchten deshalb in Rheinland-Wcstfalen einen Mann, der sie geistig unterstützen kann und nicht durch Keine Arbeiten überlastet sei. Frau Thiede- Berlin betont, daß das gewerkschast- liche Frauenkomitee auch durch die Veranstaltting von Versamm- lungen nützliche Arbeit geleistet hätte. Sie empfiehlt eine Resolutton. in der gefordert wird, nach Möglichkeit Frauenagitatton durch öffentliche Versammlungen zu treiben und in allen Organisationen weibliche Vertrauensperfonen zu wählen. Die Beiträge sollen nicht niedriger sein, als der Mindestbeitrag der männlichen Arbeiter. (Schluß der Bormittagssitzung 1 Uhr.) GeiverKfcdaft'icKes. Der Stukkateurstreik vor dem EinigungSamt. Auf Anrufung der Arbeitgeber trat gestern nachmittag das Eimgungsamt zusammen, bestehend aus dem Gewerberichter Le Vijeur als Vorsitzenden, den Arbeitgebern Bernhard und Lucht, den Arbeitnehmern Koblenzer und Fritzsch«AS Beisitzer. Die Arbeitgeber beantragten, das Einigungsamt möge durch Schiedsspruch entscheiden, ob die Behauptung der Arbeitnehmer, ein rechtsverbindlicher Tarifvertrag sei vor dem 15. Mai nicht zu- stände gekommen, zutrifft, und, falls diese Frage im Sinne der Arbeitnehmer entschieden wird, möge das Einigungsamt feststellen, ob die Arbeitnehmer die Bestimmung des alten Tarifvertrages von 1903 erfüllt haben, wonach das Einigungsamt sofort angerufen werden soll, wenn nach Kündigung des Vertrages in den VerHand- lungen der Schlichtungskommission ein neuer Vertrag nicht zustande gekommen ist. Die Vertreter der Arbeitgeber bemerkten, sie würden sich dem Schiedsspruch, wie er auch aussalle, unterwerfen. Wie aus ihren sonstigen Ausführungen hervorging, sind sie der Ansicht, daß in der Schlichtungskommission ein für beide Teile rechtsverbindlicher Tarif abgeschlossen worden ist, und daß deshalb die Arbeitsniederlegung der Stukkateure als ein Bruch des Tarifs angesehen werden müsse. Krebs als Vertreter der Arbeitnehmer vertrat den entgegen- gesetzten Standpunkt. Am 15. Mai habe kein rechtsverbindlicher Vertrag bestanden, er könne also auch nicht durch die am 16. Mai erfolgte Arbeitsniederlegung gebrochen sein. Zur Begründung dieses Standpunktes führte der Redner aus: In der Sitzung der Schlichtungskommission am 3. Mai sei man über den materiellen Inhalt des Tarifs einig geworden, es habe nur noch der redaktionellen Formulierung desselben bedurft. Zu diesem Zweck habe der Vor» sitzende der Schlichtungskommission, Gcwerberichtcr Wölbling, eine Sitzung der Redaktionskommission zum 9. Mai angesetzt. In dieser Sitzung habe aber Herr Wölbling der redaktionellen Feststellung des Tarifes widersprochen und gesagt, es solle nur die Position:„Kom- plizierte Andrückarbeiten" definiert werden. Er, Krebs, habe gegen diese Anordnung protestiert und darauf verwiesen, daß, wenn der Tarif jetzt nicht redigiert werde, die Stukkateure am 15. Mai ohne Tarif daständen. Er beantrage deshalb eine nochmalige Einberufung der gesamten Schlichtungskommission, damit noch vor dem 15. Mai ein endgültiger Tarif zustande komme. Gewerberichter Wölbling habe darauf entgegnet, er habe vor dem 15. Mai keine Zeit mehr, wenn Krebs etwas wolle, möge er das Einigungsamt anrufen.— Hierauf habe die Verbwndsleittmg ihren/ Mitgliedern durch Auftuf bekannt gegeben, daß ein gültiger Tarif noch nicht zustande ge. kommen sei.— Am 11. Mai habe Krebs vom Gewerbegerichts» Vorsitzenden v. Schulz eine nichtamtliche Einladung zu einer Be- sprechung erhalten, der er jedoch nicht Folge leisten konnte, einesteils wegen Mangel an Zeit, anderenteils auch, weil seine Kollegen sich von derartigen privaten Unterredungen nichts versprachen.— Am 14. Mai sei der Tarif, wie er aus den Verhandlungen der Schlichtungskommission hervorgegangen, jedoch nicht in allen Punkten zutreffend, veröffentlicht worden mit der Bemerkung: Dieser Ver- trag sei am 3. Mai rechtsverbindlich beschlossen worden. Der Redner betont, diese Bemerkung sei nicht zutreffend, denn den Ergebnissen der Beratung vom 3. Mai fehlte die endgültige Formulierung, es fehlten die Unterschristen der Parteien, es fehlte auch die Zustimmung der Versammlung.— Nach alledem habe am 15. Mai kein rechtsverbindlicher Tarif bestanden, es könne deshalb auch kein Tarifbruch begangen sein. Auf eine Frage des Vorsitzenden, warum d-ie Arbeitnehmer nicht vor dem 15. Mai das Einigungsamt angerufen haben, antwortete Krebs: Wir hatten ja keinen Grund dazu, denn über den materiellen Inhalt des Tarifs waren wir ja in der Schlichtungs- kommission einig geworden es fehlte nur die endgültige Formu- lierung. Unzufrieden mit dem Ergebnis der Verhandlungen waren die Arbeitgeber, sie hätten also das Einigungsamt anrufen müssen. Arbeitgeber K a s p a r i bemerkte: Eben, weil über die materiellen Bedingungen Einigkeit herrschte, hätten die Arbeitnehmer keine Ursache zum Streik gehabt. Am 18. Mai habe wieder eine Ver- Handlung stattgefunden, die aber deshalb kein Resultat Hatte, weil die Arbeitnehmer mit neuen materiellen Anträgen kamen, während die Arbeitgeber nur die redaktionelle Formulierung des Tarifes wollten. -Der Vorsitzende stellte aus den Akten fest, daß das Protokoll über die Sitzung vom 3. Mai eine Bemerkung von der Hand des Gewerbe- richters Wölbling enthält, des Inhalts, die Vertreter beider Parteien hätten den Tarif als rechtsverbindlich anerkannt. Krebs und andere Arbeitervertreter bezeichneten diese Be- merkung als nicht den Tatsachen entsprechend. Hätte ihnen das Protokoll vorgelegen, sie würden gegen diese Bemerkung sofort Ein» spruch erhoben haben. Ferner wollte der Vorsitzende feststellen, ob die Arbeitnehmer am 3. Mai den Vorbehalt gemacht haben, daß sie die endgültige An- nähme des Tarifs von der Zustimmung ihrer Versammlung ab- hängig machen.— Die Vertreter der Arbeitnehmer behaupten, daß das geschehen sei, die Arbeitgeber bestritten eS.— In einem vom Vorsitzenden verlesenen amtlichen Schreiben de» GewerberichterS Wölbling sagt dieser, er habe in der Sitzung von einem solchen Vor- behalt nichts gehört, er nehme aber an, daß die Arbeiter im guten Glauben handeln, wenn sie der Ansicht sind, ein rechtsgültiger Vor- trag sei nicht abgeschlossen worden. Das Einigungsamt fällte folgenden Schiedsspruch: Am 3. Mai 1905 ist ein neuer Tarifvertrag für die Zeit vom 16. Mai 1905 bis 15. Mai 1907 rechtsverbindlich zustande ge- kommen. Wenn die Arbeitnehmer glaubten, daß der neue Tarif nicht formgerecht beschlossen worden sei, so hätten sie auf Grund des Tarifvertrages vom 16. Mai 1903 unverzüglich das EinigungS- amt anrufen müssen. In der Begründung des Schiedsspruches sagte der Vorsitzende unter anderem: Für Tarifverträge sei keine bestimmte Form vor. geschrieben, auch die mündliche Vereinbarung sei bindend, eine solche fei auch am 3. Mai zustande gekommen. Die Vertteter der Arbeitgeber erkannten den Schiedsspruch an, die Arbeitnehmer dagegen erklärten, daß sie sich demselben nicht unterwerfen. Der Vorsitzende sprach den Wunsch aus, daß die Parteien weiter verhandeln möchten, um dem Streik ein Ende zu machen. Die Ver- treter beider Seiten erklärten sich auch dazu bereit, die Arbeiter jedoch unter der Voraussetzung, daß unter Berücksichtigung der Tat- fache, daß bereits 91 Firmen den von den Arbeitern eingereichten Tarif anerkannt haben, nicht nur über die redaktionelle Fassung, sondern auch über den materiellen Inhalt des Tarifes verhandelt werden solle._ Berlin und dmgegend. Der Streik der Schmiede Berlins und der Bororte ist am Sonntag von der Mitgliederversammlung der Filiale des Schmiede- Verbandes mit 1254 gegen nur 3 Stimmen beschlossen worden und die darauf folgende öffentliche Versammlung der Schmiede bestätigte diesen Befchluß einstimmig. Beide Versammlungen waren zahlreich besucht. Der geräumige Saal des PalasttheaterS vermochte die Er- fchienenen kaum zu fassen. Den Bericht über den Stand der Be- wegung gab in beiden Versammlungen der Filialvorsitzende Siering. Die Innung hatte noch immer keinerlei Antwort auf die Forderungen erteilt.— In der öffentlichen Versainmlung waren einige Jnnungsmeister anwesend, jedoch nicht als offizielle Vertteter der Innung. Der Schmiedemeister W e tz e l erklärte, daß alle Forde- rungen von den Meisten: belvilligt seien; eS handle sich allein um die Unterschrift und die wollten die Meister nicht geben.(Weshalb nicht?) Das Ehrenwort der Meister müsse genügen. Der Redner war seinerseits damit einverstanden, daß die Forderungen gedruckt und als Werkstattordnung in allen Werkstätten ausgehängt werden. DaS wolle er in der am Montag stattfindenden JnnunaSversammlung empfehlen. In ähnlichem Smne äußerten sich die Jnnungsineister Langer und Jöhler. Ihre Worte und die Mahnung, vom Streik- beschluß abzmehen, blieben jedoch wirkungslos. Obgleich, wie Siering bemerkte, auf der angegebenen Grundlage wohl eine ver- stSndigung möglich gewesen wäre, wenn die Innung rechtzeitig mit dem Verband Verhandlungen angeknüpft hätte, wäre der Streik jetzt unvermeidlich.— Uebrigens war bis Sonnabend die Arbeit schon in 10 Betrieben, darunter die Vereinigten Mörtelwerke am Salzufer in Charlottenburg, niedergelegt worden. Bewilligt und zwar durch Unter- schrift hatten bis Sonnabend schon ca.90 Arbeitgeber, unterihnen auch viele JnmmgSmeister.— Gestern vormittag fand bei Boeker in der Weberstraße die erste Streikversammlung der Schmiede statt. Schon um 8 Uhr hatten sich Hunderte von Streikenden dort eingefunden und als um 10 Uhr die Versanimlung begann, konnte nach der vor- läufigen Zählung festgestellt werden, daß mindestens 920 Schmiede- gesellen dre Arbeit eingestellt hatten. Unterschristlich bewilligt hatten, wie der Referent Siering mitteilte, 99 Firmen, die ungefähr 300 Mann beschästigen. Inzwischen sind jedoch noch weitere Be- willigungen erfolgt. Im Arbeitsnachweis in der Mulackstratze wird der Gesellenausschuß nach wie vor die einlaufenden Stellen ver- geben, jedoch ist dafür gesorgt, daß die Reflektanten stets auf die Firmen, wo gestreikt wird, aufmerksam gemacht iverden.— Am Dienstagabend findet im Palasttheater wiederum eine öffentliche Schmiedeversammlung statt, die über die weiteren Maß- nahmen beschließen soll. Die Innung der Schmiedemeister hat gestern abend beschlossen, mit der Streikleitung zu verhandeln, einzelne Unterschriften aber nicht zu geben und einen Vertrag nur mit dem Gesellenausschuß abzuschließen. Der Tarif der Dachdecker ist nunmehr nach boraufgegangenen Verhandlungen vor dem Gewerbegericht durch Unterschrift der beider- seitigen Vertreter festgelegt. Wie in der am Sonntag abgehaltenen Mitgliederversammlung des Dachdeckerverbandes berichtet wurde, waren weitere Zugeständnisse der Arbeitgeber nicht zu erlangen, hauptsächlich deshalb, weil die christliche Organisation bereits einen Tarif mit der Innung abgeschlossen hatte. Der jetzt auch für den Verband geltende Tarif läuft bis zum 1. April 1907. Der Stunden- lohn beträgt 73 Pf. und erhöht sich vom 1. April 1906 ab auf 76 Pf. Die Arbeitszeit ist eine neunstündige. Das Arbeits- Verhältnis kann jederzeit ohne Kündigung gelöst werden, jedoch soll der Arbeitgeber den Arbeitern ihre Entlassung so zeitig mitteilen, daß für die letzteren kein Zeitverlust entsteht, anderenfalls muß der- selbe vergütet werden. Neben deni Tarifoertrage ist ein Protokoll abgefaßt worden, welches unter anderem die Akkordarbeit als un- statthast erklärt.— Der Vertrag ist zwischen dem Verbände und der Innung abgeschlossen. Es soll versucht werden, auch die Arbeitgeber, welche der Innung nicht angehören, zur Anerkennung des Tarifs zu bewegen. Zur TarifSewegnng der Bretterträger und Brettschneidcr. Eine außerordentliche Mitgliederversammlung des Verbandes der Hafen- arbeiter(Sektion II: Bretterträger und Brettschneider) tagte am Sonntag im„Königstadt- Kasino", um zunächst zu der Aus- sperrung beim Unternehmer Poßling(Firma Sauer- land Nachfolger) Stellung zu nehmen. Es sind noch 40 Kollegen aus- gesperrt. Man diskutierte lebhaft darüber, welches Mittel das ge- eignetste sei, die Angelegenheit erfolgreich durchzuführen. Dabei wurde auch die Frage aufgeworfen, ob es nicht gerade jetzt angebracht wäre, auf allen Plätzen bei den Unternehmern vorstellig zu werden, sie möchten sagen, wie sie sich denn zu dem Tarifentwurf stellten, der ihnen von der Vertretung der Ar- beiter zugegangen sei und auf den sie sich bisher noch nicht geäußert hätten. Andererseits wurde speziell zum Fall Poßling angeregt, an die Solidarität der Zimmerleute zentraler und lokaler Richtung zu appellieren. Die Versammlung beschloß schließlich, daß beides zu tun sei. Montag oder Dienstag, je nachdem sie des Chefs habhaft werden können, sollen die Kollegen bei sämtlichen Holzhändlern darum nachsuchen, daß sie nunmehr ihre Stellungnahme zu dem erhaltenen Tarifentwurf bekannt gäben. Ferner wird in zweckentsprechender Weise die Solidarität der für den Platz Poßling in Betracht kommenden Znnmerleute angerufen werden. Man wird sich auch mit der Leitung des Zentralverbandes und der der Lokalorganisation der Zimmerer in Verbindung setzen. Zur Frage der Aufbringung der Unterstützung für die Aus- gesperrten wurde beschlossen, daß die Erhebung von 2 M. wöchentlich pro arbeitenden Kollegen aufhören und anstatt dessen vorläufig ein fester Extrabeitrag von 60 Pf. wöchentlich erhoben werden soll. Er ist in den Zahlstellen zu entrichten und wird im Mitgliedsbuche durch Kleben von Marken quittiert. Donnerstag, abends 8 Uhr, wird im„König- stadt-Kasino" wieder eine außerordentliche Mitglieder- Versammlung der Sektion II(Bretterträger und Brettschneider) statt- finden, um weitere Schritte zu beraten�ind zu beschließen. Herr im eigenen Hause will der Inhaber der Chemischen Fabrik von Dr. Hugo Remmler in der Anklamerstraße sein und deshalb nicht dulden, daß seine ungefähr 120 Arbeiter und Arbeiterinnen sich einer Organisation anschließen. Zu den chemischen Präparaten, die dort hergestellt werden, werden sehr gesundheits- schädliche Stoffe verwandt, namentlich auch Quecksilber, worunter be- fonders die Arbeiterinnen schwer zu leiden haben. Man sollte nun meinen, daß mit Rücksicht darauf die Arbeitszeit recht kurz, die Löhne recht hoch bemessen wären und auch sonst alles andere getan würde, um die nun einmal mit derartigen Arbeiten verbundenen Gefahren soweit wie möglich einzuschränken. Dem ist aber, wie uns von ver- trauenswllrdiger Seite mitgeteilt wird, nicht so. Die Arbeitszeit ist Tag für Tag 10 Stunden und selbst an den Sonnabenden, wo man sich allerdings ja genötigt sieht, die Arbeite- rinnen um Va6 Uhr Feierabend machen zu lassen, müssen die Arbeiter bis Vz7 Uhr, wie gewöhnlich, arbeiten. Die Arbeiterinnen erhalten als Anfangslohn 3 M.; davon die Kafsenbeiträge abgezogep, bleiben ihnen 7,68 M.; solche, die schon jahrelang in der Fabrik tätig waren, erhalten 10 M. die Woche. Der Fabrik-, Land- und Hülssarbeiterverband hat nun in letzter Zeit versucht, einige bescheidene Verbesserungen in der Fabrik zu erzielen, und zu dem Zweck Werkstubenversammlungen einberufen, um zunächst emmal die Mißstände zu besprechen. Da aber fanden sich Vertreter der Firma vor der Tür des Lokals ein, um die Arbeiter von der Teilnahme abzuhalten. Anderen Tags wurde in der Fabrik erklärt, wenn Wünsche und Beschwerden vorhanden wären, möchte man sie nur vorbringen. Die Aeltesten wurden vorstellig. Die Antwort war, daß diejenigen, die es gewagt hatten, vorstellig zu werden, entlassen wurden. Der Abteilungschef erklärte, daß er nicht mit organisierten Arbeitern zusammenarbeiten wollte. Daraufhin ging Bruns. der Vertreter des Fabrikarbeiterverbandes, zu Dr. Remmler, um sich persönlich nach dem Grund der Entlassungen zu erkundigen. Er wurde fchroff abgewiesen. Er wolleHerr im Hause sein, erklärte der Herr Doktor. Mit Hetzern und Wühlern wolle er nichts zu tun haben. Es folgten noch einige Entlassungen und den Betreffenden wurde geradezu gesagt:„Wenn Sie im Verbände sind, so sind Sie entlassen." Am 16. Mai war wiederum eine Werkftubenbesprechung veranstaltet worden. Die Firma war brieflich und. telephonisch ersucht worden, Vertreter zu senden, um ihnen Gelegenheit zu geben, etwaige irrtümliche oder unwahre Behauptungen zu widerlegen. Die Firma hatte auch Ver- treter gesandt, aber nur zlim Aufpassen vor der Türe. Metallarbeiter! Trotzdem durch die Notiz„Metallindustriellen und Tarife" öffentlich festgestellt ist, daß Mitglieder des Verbandes Berliner Metallindustrieller unter stillschweigender Zustimmung der Vertrauenskommission selbstgeschaffene Vereinbarungen durchbrochen haben, ist es wegen der sich zur Verfügung stellenden„Arbeits- willigen" nicht angebracht, den Betrieb von Sponholz u. Wrede, Exerzierstraße 6, weiter zu sperren. Indem wir diesen Betrieb öffentlich freigeben, ersuchen wir die organisierten Metallarbeiter, wenn sie bei obiger Firma Arbeit nehmen, recht vorsichtig zu sein. Deutscher Metallarbeiter-Verband, Ortsverwaltung Berlin. Lohnbewegung der Berliner Koffermacher. Die streikenden Koffer- macher Berlins waren am Sonnabendvormittag sämtlich im Gewerkjchastshause versammelt. Kollege Wehher erstattete den Bericht von den Einigungsverhandlungen, welche bor dem Einigungs- amt des Berliner Gewerbegerichts stattgefunden haben. Zu einem Resultat haben diese Verhandlungen wiederum nicht geführt. Während von feiten der Arbeitnehmer die ursprünglichen Forderungen im Interesse einer Verständigung bedeutend reduziert worden sind, waren die Zugeständnisse der Arbeitgeber derartig geringe, daß es nicht möglich war, zu einer Einigung zu gelangen. Die Arbeitszeit, welche zurzeit 64 Stunden pro Woche beträgt, sollte auf 62 Stunden verkürzt werden; zugestanden wurde eine Verkürzung auf 53 Stunden pro Woche. Auf eine Festlegung des Durcbschnittsverdienstes von 52 Pf. pro Stunde wollten die Arbeitgeber ebenfalls nicht eingehen. Die Festlegung auf 50 Pf. war das äußerste, was sie zugestehen könnten. Für Lohnarbeiter sowie für solche Hülfsarbeiter, die ein Jahr in der Branche tätig sind, wurde eine Lohnerhöhung von 8 Proz. ge- fordert. Während der Verhandlungen find die Arbeitnehmer bis auf 6 Proz. herabgegangen. Bewilligt wurden 5 Proz., aber nur für solche Arbeiter, welche noch nicht den Lohn von 20,50 M. hatten, sowie für Hülfsarbeiter, welche mindestens zwei Jahre in der Branche tätig sind. Für Akkordarbeiter der Rohr- und Holzkofferbranche forderten die Arbeiter einen Lohnzuschlag von 6 Proz,, während von feiten der Arbeitgeber 2'�'Proz. geboten wurden. Die Akkordsätze der Handkoffermacher, die gedrückteste Branche des ganzen Berufs, sollten eine Steigerung von IL'/z Proz. erfahren. Ganze 5 Proz. boten die Arbeitgeber. So schwer es der Kommission auch wurde, war man auch hier, um ein Scheitern der Verhandlung zn verhüten. bis auf 8 Proz. heruntergegangen. Trotzdem ist kein Resultat zustande gekommen. Die Versammlung erklärte sich mit der Haltung ihrer Kommission einverstanden. Sämtliche Redner bezeichneten diese Zugeständnisse für zu gering. Ilm die Stimmung der Versammelten festzustellen, ließ die Streik- leitung eine geheime Abstimmung darüber vornehmen, ob der Streik weiter geführt werden solle oder nicht. 151 streikende Kollegen sind vorhanden, davon stimmten 149 für und nur 1 gegen die Weiter- führung. Die Partei- und Gewerkschaftspresse wird um Abdruck gebeten. Metallarbeiter! Bei der am Sonntag, den 21. Mai, vor- genonmrenen Ssichwahl der Delegierten zur Generalversaminlung in Leipzig wurden folgende 33 Kollegen gewählt: Robert Bahn, Dreher; Franz Bochnick, Schlosser; Fritz Carl, Schlosser; Hugo Fellenberg, Schraubendreher; Bruno Fiedler, Metalldrücker; Oswald Fickweiler, Gürtler; Max Gienke, Hobler; Wilhelm Gurtschke, Rohr- leger; Max Gutsche, Mechaniker; Otto Habicht, Dreher; Paul Hetz, Metalldrücker; Ernst Hochhäusler, Bauanschläger; Max Jacobsen, Schlosser: Karl Joseph, Schlosser; Ernst Karpenkiel, Rohrleger; Karl Koblonk, Dreher; Paul Loose. Giirtler; Gustav Lubatsch, Schlosser; Ludwig Müller, Former; Robert Nerlich, Schlosser; Paul Näther, Klempner; Alex Pagets, Werkzeugmacher; Gottfried Philipp, Gürtler; Reinhold Petzold, Schlosser; Willy Ramsbrock, Metall- drücker z Oskar Rondtke, Schlosser; Franz Roth, Gürtler; Gustav Scharf, Schlosser; Karl Schmidt, Mechaniker; Hermann Schulz, Dreher; Otto Vollmer, Dreher; Paul Wolfram, Dreher; Karl Zalejski, Schlosser. In der Vereinigten Berlin-Frankfurter Gummiwarenfabrik ist der Streik ausgebrochen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Zentralverband der Töpfer. Bei der Firma Putzte, Char- lottenburg, sind Lohndifferenzen ausgebrochen: Die Kollegen haben auf den Bauten: Brauhofstraße, Charlottenburg, Wilmersdorf, Berlinerstraße, Ecke Uhlandstraße, Bismarckstraße, Charlottenbnrg, die Arbeit eingestellt. DeutlcKes Reich. Achtung, Schuhmacher! Wegen Maßregelungen in der Filzschuh- fabrik von Schliewe, Storkow i. d. M., sind Differenzen ausgebrochen und ist Zuzug nach Storkow und dem Hauptbetrieb in Berlin, Brunnenstr. 24, fernzuhalten. Lohnbewegung der Zigarcttenarveiterinnen in Dresden. Eine am Donnerstag, den 13.. Mai, im Dresdener Trianon abgehaltene und überfüllte Zigarettenärbcflerinnen-Versammlung nahm Stellung zu den Zugeständnissen des Arbeitgeberverbandes der Zigaretten- Fabrikanten von Dresden und Umgegend. Nach den Darlegungen des Vertrauensmannes Uhlig und des Verbandsvorsitzenden Deich- mann wurde folgende Resolution angenommen: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von dem Schreiben des Arbeitgeberverbandes vom 16. Mai, in dem er es ablehnt(unter der ausdrücklichen Hervorhebung, eine Tgrifgemeinschaft mit uns nicht eingehen zu wollen), weitere Verhandlungen in gemischter Kom- Mission zu pflegen, und es jedem Arbeitgeber anheim gibt, mit „seinen" Arbeitern zu verhandeln. Angesichts dieses Beschlusses konstatiert die Versammlung, daß nunmehr auch die Arbeitgeher unseren in der Versammlung vom 7. Mai gefaßten Beschlutz, wonach die Arbeiterkommissionen in den einzelnen Betrieben mit ihren Be- triebsleitern in Unterhandlung treten sollen, akzeptiert hahen, und beschließt deshalb, diesen Beschluß zur Ausführung zu bringen unter der ausdrücklichen Betonung, daß überall dort, wo die Arbeitgeber insofern kein Entgegenkommen zeigen, als sie sich weigern, das anzu- erkennen, was ein Teil der Firmen bereits anerkannt hat, in den Ausstand getreten werden kann. Jeder Betriebsausstgnd jedoch kann nur mit der Zustimmung der Lohnkommission proklamiert werden. Im übrigen verurteilt die Versammlung in schärfster Weise das provozierende und arbeiterfeindliche Gebaren einzelner Betriebs- leiter und Beamten, besonders das der Firma Jasmatzi, und hofft, wenn dort keine Einigung erzielt wird, daß nicht allein die Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Jasmatzi, sondern auch die der Firma Josetti in Dresden und Berlin, die dem Trust angeschlossen sind, vereint in den Ausstand treten werden." Weiter wird von der Lohnkommission berichtet, daß 14 Firmen mit 2543 beschäftigten Personen im wesentlichen die Forderungen anerkannt haben. Die Firmen heißen: Gebr. Selowski, Casanova, Alexandria, H. Malzmann, Adler-Komp., Jean Vouris, Eckstein u. Söhne, Kasaki, Delta, Xanthi, Sulima, Aenidze, Tuma und Laferme. Der Ausstand in den Werken der Maschinenbau-Aktiengesellschaft in Nürnberg ist, wie bereits berichtet, am Sonnabend proklamiert worden, nachdem die Direktion auf den nochmaligen Unterhandlungs- versuch des Arbeiterausschusses brüsk erklärt hatte, daß sie es auf eine Machtprobe ankommen lassen wolle. Die Arbeiter der von der Versammlung bezeichneten Werkstätten verließen einmütig die Fabrik, darunter alte Leute, die Jahrzehnte in dem Etablissement beschäftigt sind. Die drohende Gefahr des Verlustes ihrer Anrechte an die Pensionskasse, die von jeher bei allen Ansätzen zu einer Be- wegung der Direktion ein wirksames Mittel zu dem Zweck bot, die Arbeiter von ernsteren Schritten abzuhalten, konnte diese Veteranen der Arbeit nicht dqvon abschrecken, sich ihren übrigen Kollegen anzu- schließen. Es streiken ungefähr 2000 Mann, davon sind zirka 600 Holzarbeiter, die übrigen Metallarbeiter aller Branchen. Eine Befürchtung, daß Zuzug aus der Stadt selbst oder von auswärts stattfindet, besteht zurzeit nicht. Die Arbeiter in den Augsburger Werken der Gesellschaft sind entschlossen, ihren Nürnberger Kollegen unter keinen Umständen in den. Rücken zu fallen und nötigenfalls selbst in den Streik einzutreten. Ebensowenig hat das Unternehmen von seinem Gustavsburger Werke Hülfe zu erwarten. Die Arbeiter der nicht vom Streik betroffenen Werkstätten zahlen bis zu 13 M. Lohn 60 Pf., üher 18 M. Lohn 1 M. pro Woche in die Streikkasse. Metallarbeiter, Darmstadt! Der Zuzug von Metallarbeitern aller Art nach Darmstadt ist streng fernzuhalten. Bei der Firma Gebrüder Röder, erste Darmstädter Herdfabrik und Eisengießerei, hatten die Gießereillrbeiter am 8. Mai folgende Forderungen ein- gereicht: 9 stündige Arbeitszeit, Minimallöhne von 40, 50 und 6V Pf. die Stunde, Garantie des Stundenlohnes bei Akkordarbeiten, 25 Proz. bezw. 5V Proz. Zuschlag bei Ueberzeit- und Sonn- und Feiertagsarbeit, Einrichtung guter Ventilation, Anschluß der Wasch- und Baderäume an die Arbeitsräume und Einsetzung eines Arbeiter- ausschnsses. Die Abmachungen sollten bis zum 1. April 1907 gelten. Die Verhandlungen mit dem Vertreter der Organisation wurden strikte abgelehnt, dagegen dem Arbeiterausschuß nachstehende Versprechungen gemacht: 9 Hz stündige Arbeits- zeit, für Hülfsarbeiter der gleiche Lohn wie seither, den Hand« formern sollten 6 Proz. Zulage gewährt werden, allen andern Arbeitern gar nichts. Ventilation sollte eingerichtet und die Wasch- und Baderäume an die Arbeitsräume angeschlossen werden. Die schriftliche Anerkennung dieser Versprechungen wurde jedoch abgelehnt. und haben sich deshalb die Gietzerei-Arbeiter am 19. Mai mit 83 gegen 4 Stimmen für Einreichung der Kündigung entschieden, was am 20. Mai geschah. Als Antwort erhielten am 20. Mai sämtliche Arbeiter der Firma gekündigt und wurde durch Anschlag bekannt gemacht, daß ab 27. Mai der Betrieb still steht. Wie ver« lautet, besteht auch bei anderen Darmstädter Unternehmern(welche voll« zählig dem Metallindustriellen-Verband angehören) die Absicht, einen Teil'ihrer Arbeiter auszusperren, und dürften uns schon die nächsten Tage Ueberraschungen bringen. Arbeiterfteundliche Blätter werden um Abdruck gebeten. Aussperrung der Fliesenleger in München. Seit dem 16. Mai sind in München die Fliesenleger von den Unternehmern aus- gesperrt. Nachdem am 1. Mai der Tarifvertrag abgelaufen war, fanden Verhandlungen wegen Abschluß eines neuen statt, bei denen die Unternehmer einen Vertragsentwurf vorlegten, der bedeutende Verschlechterungen gegen den vorjährigen enthielt. Z. B. sollten sich von jetzt ab die Fliesenleger ihre Hülfsarbeiter selber halten, außer« dem aber sollte jede Firma künftig mit jedem Leger für sich ab- schließen, also die Organisation umgangen werden. Diese Zu- mutungen lehnten die Leger ab und wurden deshalb am 15. aus« gesperrt. Die Unternehmer suchen nun Arbeitswillige im Inlands, sowie in Ungarn und Böhmen, wohin sich ein Agent begeben hat. Wir bitten deshalb den Zuzug von Fliesenlegern nach München streng fernzuhalten und ersuchen gleichzeitig alle arbeiterfteundliche« Blätter um Abdruck dieser Notiz. Der Vorstand der Fliesenleger Deutschlands. Lohnerhöhungen ohne Kampf. Dem Bremer Baugewerbe scheint der in Aussicht stehende Kampf in diesem Jahre erspart zu werden. Ein 18 Wochen langer Kampf hatte im vorigen Sommer bekanntlich den Arbeitern den erwünschten Erfolg nicht ge« bracht. Die Arbeiter stellten den Kampf rechtzeitig em, um nicht die Kraft der Organisationen zu erschöpfen. Die gestellten Forderungen waren aber nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Ansang dieser Woche unterbreiteten die Maurer und Zimmerer den Unternehmern die Forderung eines Stundenlohnes von 65 Pfennig statt bisher 60 Pfennig, die Bauarbeiter forderten 55 Pfennig pro Stunde. Zugleich setzten die Zimmerer niit Platzstreiks auf einer Anzahl geeigneter Bauplätze ein. Die Unternehmer fanden sich daraufhin zu Ver- Handlungen bereit. Es kam ein Vertrag zustande, der die Lohn- frage regelt. Vom 13. Juni ab sollen L'/z Pf., vom 1. Januar 1907 ab weitere 2'/, Pf. bewilligt werden. Der Vertrag soll mindestens bis 1. Juli 1908 Gültigkeit haben. Gekündigt werden kann er am 1. Januar auf den 1. Juli, so daß er stets in der günsttgsten Bauperiode abläuft. Die Schärfe des vorjährigen Kampfes war wesentlich darauf zurückzuführen, daß die Unternehmer auf Vertragsbestimmungen bestanden, wonach die Teilnahme an der Maifeier sowie das Agitieren für den Verband auf den Baustellen, auch das Baudelegiertensystem verboten sein sollte. Auf so schimpfliche Zumutungen konnten die Arbeiter nicht eingehen. Die Unternehmer haben jetzt diese Be st immun gen fallen gelassen. Die Zimmerer haben Freitagabend den Vertrag mit 293 gegen 109 Stimmen angenommen. Auch die Baugewerks« meister stimmten in einer zahlreich besuchten Versammlung am Freitag dem Vertragsentwurf zu. Die Entscheidung der Maurer und Bauarbeiter steht noch aus. Die Steinsetzer und Rammer bei der Hamburger Straffenbahn- Gesellschaft hatten vor kurzem einen neuen Lohntarif bei der Direktion eingereicht. Es ist eine Vereinbarung zu stände gekommen, wonach der Lohn für Steinsetzer 60 und für Rammer 55 Pf. pro Stunde beträgt. Alle Arbeiter erhalten freie Fahrt auf sämtlichen Linien. Die Datier des Tarifvertrags währt bis zum 1. Mai 1903. Ter Streik der Bauschlosser von Hamburg-Alkona hat seit Sonnabend größere Dimensionen angenommen; am Montag mittag befanden sich gegen 600 Gesellen im Ausstande. 20 Firmen haben die Forderungen bewilligt; mit mehreren größeres Geschäfteo find die Verhandlungen noch nicht abgeschlossen. Die 9. Generalversammlnng des Jentralverbaudes der Schiffszimmerer Deutschlands fand dieser Tage im„Krhstallpalast" zu Rathenow statt. Dem gedruckten Vorstandsbericht für 1903/04 entnehmen wir, daß trotz der äußerst ungünstigen Geschäftslage des Schiffsbaues der Verband um sechs Zahlstellen zunahm und die Mitgliederzahl von 2057 auf 2463 sich steigerte. Das Verbandsvermögen beträgt einschließlich der Bestände in den Lokalkassen 62 823,16 M. Die Einnahmen betrugen in der Berichtszeit 46 666,23 M., die Ausgaben 26 641,40 Mark. Die Lohnbewegungen und Streiks bezw. Aussperrungen verliefen durchweg günstig. Die in der Urabstimmung abgelehnte Arbeitslosen-Unterstützung beschäftigt, vom Hauptvorftande und mehreren Zahlstellen beantragt, den Verbandstag abermals. Am Montag nachmittag reftrierte M ü ll e r- Hamburg über: „Lohnbewegungen und Streiks"; ferner wurde über „Agitation" verhandelt. Neues wurde nicht zutage gefördert und Beschlüsse nicht gefaßt.— Am Dienstag vormittag hielt A l l e r s- Hamburg ein vorzügliches Referat über:„Arbeitslosen- Unterstützung", an das sich eine lange lebhafte Debatte knüpfte, in der namentlich die Frage:„Urabstimmung oder end- gültiger Beschluß durch die Generalversammlung?" eingehend erörtert wurde. Schließlich wurde die Einführung der Arbeitslosen- Unterstützung im Prinzip mit 27 gegen 1 Stimme beschlossen; mit derselben Stimmenzahl Vornahme einer Urabstimmung. beiwelcherdieeinfacheMehrheitentscheidet. Die Abstimmung soll bis 10. Juni erledigt sein, die eventuelle Bei». tragserhöhung am 1. Juli d. F. in Kraft treten. Die Einzelheiten unterliegen der Kommissionsberatung. Es folgte eine rege Aussprache über die demnächst in Berlin stattfindende„A r b e i t e r s ch u tz k o n f e r e n z", bei der die ge- waltige Unfallgefahr der im Schiffbau tätigen Ackeiter gründlich erläutert wurde. Gefordert wurden von Arbeitern gewählte fach- kundige Kontrolleure. Bis zum Stattfinden des Kongresses soll das gesamte Material gesammelt und für den Kongreß bearbeitet werden. dessen Notwendigkeit anerkannt wurde. Entsandt werden als Del«- gierte Deichsel- Breslau, U r b a h n- Wellingdorf und Müller- Hamburg. Zum Punkt„Maifeier" empfahl M ü ll e r- Hamburg An- nähme der Amsterdamer Resolution; von einer Unterstützung Ge- maßregelter aus Verbandsmitteln könne nicht die Rede sein. B u r» m e st e r und Kahl- Hamburg befürworteten, auf dem Gewerk- fchaftskongretz Abschaffung der Maifeier zu beantragen. Unhaltbare Beschlüsse beseitigen sei ehrlicher und männlicher, als an etwas festhalten, das nichts Halbes und Ganzes sei. Von anderer Seite wurde für Beibehaltung der jetzigen Form plädiert. Der Antrag Burmester wurde gegen wenige Stimmen ab- gelehnt, der Amsterdamer Resolution mit großer Mehrheit zu- gestimmt. Der Rest der Dienstagssitzung war der Statuten- beratung gewidmet, die am Mittwoch fortgesetzt und beendet wurde. Streikunterstützung soll künftig statt vom achten vom vierten Tage an gewährt werden, in dringenden Fällen sofort. Das Bezirks- leitersystem wird durch Wahl von Stellvertretern ausgebaut, der Vorstand zur Absetzung pflichtvergessener Bczirksleiter ermächtigt. Gemaßregclte erhalten vier Fünftel ihres Tagelohnes. Es folgte sodann eine lebhafte Diskussion über die Form der Arbeitslosen-Unterstützung. Es wurde schließlich be, schlössen� zu können, und das weibliche Proletariat den Sozialismus zuzu führen. Deshalb, Ihr Frauen und Mädchen, besucht in Massen diese Versammlung. Auch zahlreichen Besuch der Männer erwartet Die Kreisbertrauensperson Frau Thiel, Tempelhof. Verfammlungen. Falls Sie Urabstimmung die Annahme der Arbeitslosen- Unter-| auf den Zeitraum von einem Kündigungstermin auf den andern ftübung ergibt, so wird Arbeitslosen-, Reise- oder Krankenunter- entfallenden Lohn, höchstens aber einen Monatslohn beträgt. stützung gewährt bei Beitragserhöhung von 25 auf 40 Pf. wöchentlich nach Ablauf der ersten Woche der Arbeitslosigkeit usw. im Betrage berechtigten allen Verrigtungen, die dem Dienstverhältnis entsprechen, Die Dienstverpflichteten haben sich nach Anordnung der Dienstbon 1,10 M. pro Tag, und zivar: Nach 52 Beitragswochen auf die zu unterziehen und sich der Ordnung des Hauses zu fügen. Sie Dauer von 40 Tagen, steigend bis zu 310 Tagen nach 520 Wochen. dürfen sich in den ihnen aufgetragenen Verpflichtungen ohne ZuJedes Mitglied kann mit Ausnahme des ersten Jahres, wo 40 Unter- stimmung der Dienstberechtigten nicht vertreten lassen. Sind sie nur stützungstage vorgesehen sind, 30 Tage im Jahre entweder Arbeits- zu Diensten einer bestimmten Gattung angenommen, so müssen sie Tosen- oder Reise- oder Krankenunterstützung beziehen. Wer die trotzdem nötigenfalls und vorübergehend auch anderweitige, ihren selbe nicht bezieht, dem summieren diese 30 Tage alljährlich bis zur Fähigkeiten und Verhältnissen angemessene Verrichtungen nach AnPauschale von 310 Tagen. Wer im zehnten Jahre seiner Mitglied- ordmung der Dienstberechtigten übernehmen, wenn nicht ein anderes schaft die ihm gebührenden 310 Tage Unterstützung bezieht, einerlei, vereinbart ist. ob als Arbeitsloser oder Kranker, hat im elften Jahre wieder, An- Der Dienstverpflichtete haftet dem Dienstberechtigten für Ver- nahme von 394,28 M. spruch auf 40 Tage Unterstüßung. Ohne weitere Beitragserhöhung fehen, jedoch nur, wenn die Haftung der Billigkeit entspricht. wird Sterbe- Unterstüßung in Höhe von 30 M. gewährt; Bedingung ift mindestens zweijährige ununterbrochene Mitgliedschaft des Ver- wöchentlich, der jede zweite Woche auf einen Sonntag zu legen ist. Der Dienstverpflichtete hat Anspruch auf einen freien Nachmittag storbenen. Diese Bestimmung tritt sofort in Kraft. Die Ruhezeit für Minderjährige unter 18 Jahren muß mindestens neun aufeinanderfolgende Stunden umfassen. Den unter 18 Jahre alten Dienstverpflichteten ist freie Zeit zum Besuche der Fortbildungsſchule zu geben. Ferner bringen die Betenten noch die Aufnahme folgender gefezlicher Bestimmungen in Vorschlag: Dienstberechtigte, die wegen Sittlichkeitsverbrechen oder Vergehen bestraft sind, dürfen keinen minderjährigen Dienstverpflichteten in die häusliche Gemeinschaft aufnehmen, und diesem ist, wenn er von einem solchen Arbeitgeber gemietet ist, ein Schadenersatz zu gewähren, wie er ihm bei sofortiger Kündigung seinerseits, veranlaßt durch schuldhaftes Verhalten des anderen Teiles, zusteht. Durch entsprechende Gesetzesänderungen soll weiter die Krankenund Unfallversicherungspflicht ausgedehnt werden auf alle Dienst berpflichteten, welche gegen Gehalt oder Lohn- als welche auch Naturalbezüge gelten beschäftigt werden, wenn ihre Beschäftigung nicht im voraus durch den Dienstvertrag auf einen Zeitraum von weniger als einer Woche beschränkt ist. Alle weitergehenden Anträge wurden abgelehnt. Der Sitz des Verbandes bleibt in Hamburg, wo auch die nächste Generalversammlung abgehalten werden soll. Als besoldeter Vorsitzender dessen Gehalt von 1800 m. auf 2000 M. pro Jahr erhöht wurde- wurde Müller-, als weitere Vorstandsmitglieder Allers- und Wichers Hamburg per Afflamation einstimmig wiedergewählt. Die Kontrollfommission( Ausschuß) wird fünftig von den Zahlstellen Hamburg, Veddel, Reiherstieg, Bergedorf und Harburg gestellt. Die übrigen Erörterungen und Beschlüsse waren untergeordneter Natur. Aus der frauenbewegung. Reichsgefehliche Bestimmungen für die ,, Dienstboten". Dem Reichstage ist eine Petition des Bundes deutscher Frauen bereine zugegangen, welche für eine einheitliche Regelung der Rechtsverhältnisse der in die häusliche Gemeinschaft aufgenommenen Dienstberpflichteten durch reichsgesetzliche Bestimmungen unter Berücksichtigung folgender Gefichtspunkte eintritt: Der§ 614 des Bürgerlichen Gesetzbuches foll dahin ergänzt werden, daß der Lohn nach der Leistung der Dienste und, wenn er nach Zeitabschnitten bemessen ist, nach dem Ablauf der einzelnen Beitabschnitte zu entrichten ist. Ist der Lohn nach längeren Zeit abschnitten als nach Vierteljahren bemessen, so soll er in vierteljährlichen Raten entrichtet werden. Wo Gewerbe- oder Gemeindegerichte vorhanden sind, soll die Entscheidung von Streitigkeiten zwischen Dienstberechtigten und Dienstverpflichteten diesen Gerichten übertragen werden. " ordentlichen Generalversammlung gab der Kassierer Paschen den Zentralverband der Maschinisten und Heizer. In der außervierteljährlichen Kaffenbericht. Derselbe ergab bei einer Einnahme von 5255 M. und einer Ausgabe von 4860,72 M. eine MehreinAn die Zentralkasse wurden 3095,15 M. abgegeben, an die Lokalkasse fielen 1765,57 M. An Arbeitslosenund Gemaßregelte 766,35 W., Sterbeunterſtüßung inkl. Orts unterstützung wurde vom Verband gezahlt 1790,15 M., für Streits zuschlag 430 M., außerordentliche Unterstüßung 110 Mr. Beſtand der Lokaltasse am 31. März 8993,12 M. Hierauf gelangten nach folgende, von der Ortsverwaltung eingebrachte Anträge zur An nahme: 1. Alle Bekanntmachungen, Versammlungsberichte inkl. Be tanntmachungen des Vergnügungskomitees werden im Vorwärts" veröffentlicht. Der Vorwärts" ist Publikationsorgan der Zahl ftelle Berlin. 2. Wegen der jeßigen mangelhaften Bestellung der Fachzeitschrift und der hohen Bortokosten, werden 3 ahla bende in Lokalen eingerichtet, in denen die Bahlstellenkassierer die Zeits schrift mit zu verteilen haben. Zu diesem Zweck werden Bezirke abgeteilt, auch in den Vororten. Die jetzigen Zahlstellen bleiben be stehen, wenn sich die Inhaber derselben bereit erklären, die Zeitfchrift mit zu verteilen. Als Entschädigung erhalten die Bahlstellenfassierer pro Bahlabend 50 Pf. und 2 Proz. der einkassierten Bei träge. Die Mitglieder haben nur in dem Bezirk zu zahlen und die Beitschrift abzuholen, welchem sie zugeteilt sin.aschen bes richtete ferner über Differenzen, welche bei der Tiefbaugesellschaft ausgebrochen sind. Die Schmiede und Metallarbeiter haben die Seite find 5 Stollegen beteiligt. Denselben wird aufgegeben, sich Forderung der neunstündigen Arbeitszeit gestellt. Von unserer daran zu beteiligen und dieselbe Forderung zu stellen, aber nur unter verpflichten, nicht eher die Arbeit aufzumehmen, bis die Forderung der der Bedingung, daß die beiden maßgebenden Organisationen sich Maschinisten und Heizer auch bewilligt ist. ein Arbeitsbuch für die in häusliche Gemeinschaft aufgenommenen Das bisher übliche Dienstbuch soll abgeschafft und statt dessen freilich nur für minderjährige gewerbliche Arbeiter, vorschreibt. Dienstverpflichteten eingeführt werden, wie es die Gewerbe- Ordnung, Die Bezeichnungen Gesinde“ und„ Dienstbote" sollen durch Eine außerordentliche Generalversammlung des Verbanbes eine zeitgemäße Benennung, etwa„ häusliche Angestellte" oder„ Haus- deutscher Gastwirtsgehülfen beschäftigte sich mit der Anstellung des angestellte" ersetzt werden. zweiten Beamten und Ersatzwahlen zum Vorstand. Vor Eintritt Endlich foll in größeren Städten" eine Wohnungs- Inspektion in die Tagesordnung ersuchte der Vorsitzende um die übliche Ehrung eingerichtet werden, die auf die Schlafräume der„ Hausangestellten" des verstorbenen Kollegen Wodke; diesem wurde entsprochen. Die ihr Augenmerk zu richten hat, und den Bestimmungen des Anstellung eines zweiten Beamten wurde nach detaillierter Aussprache $ 618 Abs. 3 des Bürgerlichen Gesetzbuches durch Strasbestimmungen über Notivendigkeit, pekuniäre Anforderungen, sowie über Zunahme Nachdruck verliehen werden. der Mitglieder mit großer Majorität von der Versammlung abs gelehnt. Von der Erkrankung des Kollegen 3eiste wird Kenntnis genommen und die Vertreterwahl von der Versammlung dem Vors stand übertragen. Die Kollegen Heilmann, Gedice, Kloß. Sch to ope, Jütlich und Lützow werden in den Vorstand delegiert. Hinsichtlich der Agitation für den Pfingsttarif in Verbindung mit dem in der Versammlung vom 14. April angenommen Antrag Großer wird beschlossen, von einer öffentlichen Versammlung vor Pfingsten Abstand zu nehmen. Sohn berichtete über die Lohns bewegung der Barbiere und ersuchte die Kollegen, auf das Bes willigungsschild zu achten. Durch neue gesetzliche Vorschriften soll weiter etwa folgendes bestimmt werden: Wird nach dem Beginn der Dienstleistung das Dienstberhältnis ohne Frist gekündigt, weil ein wichtiger Grund vorliegt, so kann der Verpflichtete einen seinen bisherigen Leistungen entsprechenden Teil der Vergütung verlangen. Wenn die außerordent- Groß- Lichterfelde. Mittwoch, den 24. d. M.,( nicht Montag, liche Kündigung erfolgt ohne wichtigen Grund, oder wennt sie durch wie ursprünglich geplant), abends 8% Uhr, findet in Groß- Lichterschuldhaftes Verhalten des anderen Teils veranlaßt ist, ferner, wenn felde im Lokale des Herrn Reisen, Chausseestraße 104, eine Wolfsder Dienstverpflichtete sich ohne wichtigen Grund weigert, den Dienst versammlung für Frauen und Männer statt. Tagesordnung: Voranzutreten oder der Dienstberechtigte sich ohne wichtigen Grund trag des Genossen Otto Krille über:" Die Teilnahme der Frauen weigert, die Dienste anzunehmen, soll es den Geschädigten freistehen, an der russischen Arbeiterbewegung". 2. Diskussion. 3. Wahl einer die geforderte Entschädigung, ohne daß das Vorhandensein oder der weiblichen Vertrauensperson. Es soll in dieser Versammlung eine Betrag eines Schadens nachzuweisen wäre, nach Höhe des verein- Frauenbewegung für Groß- Lichterfelde ins Leben gerufen werden, barten Lohnes in der Weise zu bemessen, daß die Entschädigung den um den Kampf der Befreiung mit den Männern gemeinsam führen Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Urania, Taubenstr. 48/49 8 Uhr: Bublikum gegenüber feinerlei Tierleben in der Wildnis. Verantwortung. Theater. Dienstag, den 23. mai: Anfang 72 Uhr: Opernhaus. La Traviata. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Neues Operntheater. Jung- Heidelberg. Berliner. La Dame aux Camélias. Westen. Hans Heiling. Deutsches. Die Kreuzelschreiber. Anfang 8 Uhr: Leffing. Ein Volksfeind. Neues. Ledige Leute. Thalia. Reflame. Hierauf: Die Bäder von Lucca. Residenz. Herzogin Crevette. 0. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. 0. Wallner- Theater. Schiller- Theater Dienstag, abends 8 Uhr: Der artesische Brunnen. Märchenposse in 3 Abteilungen und 4. Aufzügen mit Gesängen u. Tänzen von Gustav Raeder. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der artesische Brunnen. CASTAN'S Donnerstag, abends 8 Uhr: ANOPTICUM. PANOP Friedrichstr. 165. Mlle. Vallée aus Paris, armlose Fußkünstlerin! Sig. Garcia, phänomenaler Schatten- Silhouettist! Lebende Photographien. Italien. Damenkapelle ,, Revelli". Schiller( Ballner Theater.) WOLZOGEN- OPER Der artesische Brunnen. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Die Herren Söhne. Kleines. Salome. National. Der Troubadour. Zentral. Alt- Heidelberg. Trianon. Ihr zweiter Mann. Luftspielhaus. Der Familientag. Belle- Alliance. Liebesmanöver. Carl Weiß. Der Sonnenwendhof. Reichshallen. Stettiner Sänger. Kasino. Hotel Klingebusch. Herrnfeld Theater Winter- ymian Sänger. THALIA- THEATER. REKLAME. Hierauf: DIE BADER VON LUCCA. Anfang 8 Uhr. Oper( Kroll). Neue Königl. Jung- Heidelberg. Apollo. Am Hochzeitsabend. Nona Anf. 7, Uhr. Billettverk.: Kgl. Sperr. Spezialitäten. Wintergarten. Spezialitäten. Otto Reutter. Passage Theater. Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Marim. Urania. Taubenstraße 48/49. Abends 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Opernhaus, Schalter 2, Wertheim, Invalidendank und Abendkasse. Sonntag, den 28. Mai, nachm. 3 Uhr zu halben Preisen: Frühlingsluft. Im Garten täglich: Großes Militär- Konzert. Apollo- Theater. Neues Theater. 8 Uhr: Die Mai- Spezialitäten. Anfang 8 Uhr: Ledige Leute. 9 Uhr: Am Hochzeitsabend Mufit von Paul Lincke spielhause in Berlin a. G. Mittwoch u. folgende Lage: Künstler. mit Jona Sperr vom fönigl. SchauEin Stüd aus der Wiener Bohème in drei Akten von Josef Holzinger. Kleines Theater Metropol- Theater Anfang 8 Uhr. Salome. Mittwoch: Die Neuvermählten. Der Bär. Donnerstag: Angele. Abschied vom Regiment. Freitag: Nachtasyl. Sonnabend: Salome. Der größte Erfolg der Saison! Zum 198. Male: Die Herren von Maxim. Große Ausstattungsposse mit GeSonntag: Angele. Abschied vom sang und Ballett in 5 Bildern. Regiment. Der artesische Brunnen. N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Dienstag, abends 8 Uhr: Die Herren Söhne. Boltsstück in 3 Aften von Ostar Walther und Leo Stein. Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Tyrannei der Tränen. Donnerstag, abends 8 11 hr: Familie Schierke. Im Garten: Gr. Militär- Konzert. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater u. Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 Hochelegante Seegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Großer Ball. POMPEJI KURFÜRSTENDAMM Osten Osten Memelerstraße. Zirkus Henry. Heute Dienstag, den 23. Mai, abends 8 Uhr: Unwiederruflich lehte Dank- u. AbschiedsVorstellung. Lettes Auftreten des gesamten Künstlerpersonals. 18 erstklassig. Piecen 18 Die besten Schul- u. Freiheitspferde, feenhafte Tanzeinlagen vom Corps de Ballet, sowie letztes Debüt des großer Programms. Nollendorfplatz. Zirkus Maximilian Brose Dienstag abends 8 Uhr: Amüsante Vorstellung. Zum 1. Male: Amateur Reiten. 50 Mark Brämie dem, der 3 mal stehend die Manege umreitet, ohne zu fallen. 1, 2, 3, 4, 5, 6, Freiheitspferde, vorgeführt von Herrn Bono. Direktor Marimilian mit seinen 5 Wunderelefanten. Auftreten sämtlicher Clowns und Auguste. Morgen Mittwoch 2 Borstellungen. Passage- Theater. Aufg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Anf. nahm.Sonnt.3, Wochentg.5Uhr. Auftreten der liebreizenden phänomenalen 4½ jährigen Sängerin und Schauspielerin Angelika Walter. Bernhard Rose- Theater Emmi Kröchert Gesundbrunnen, Badstraße 58. Voranzeige! Donnerstag, den 25. Mai 1905: Eröffnung der Sommer Saison. = Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Lustige Friesacker. National- Theater Residenz- Theater. Weinbergsweg 19. Dienstag, den 23. Mai 1905: Der Troubadour. Anfang 8 Uhr. Morgen: Die Hugenotten. Dir.: Richard Alexander. Heute und folgende Tage 8 Uhr: Herzogin Crevette. Schwant in 1 Vorspiel u. 3 Atten von Georges Feydeau, Deutsch von Benno Jacobson. Große Bosse mit Gesang in 3 Aften von W. Richter. Gastspiel des Direktors Wilh. Richter bom Gebr. Richter- Theater. Außerdem das großartige Spezialitäten Programm. prolongiert. Oriona k und das glänzende Mai- Progr. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Borlettes Gastspiel der Tegernseer. Auf'm Sunnwendhof. Anfang 8 Uhr. Morgen legtes Gastspiel: Dieselbe Borstellung. Donnerstag: Gastspiel des NationalTheaters: Die lustigen Weiber von Jm Saale: Gr. Elite- Ball. Anfang 4%, Uhr. Entree 30 P1, Pla 50 Pf. I Windsor. ONKEL BRÄSIG ermahnt jede Hausfrau: ,, Daß Du die Nafe ins Geficht behältst!" ,, alche modern!" ,, Schone die Wäsche!" Spare Zeit und Geld!" " Verwende nur die Schnell- Dampf- Marchmafchine ,, Marke Walchfrau"! 29 Kyffhäuserhütte" Berlin C., Spandauerstraße 49. Jeden Montag nachmittag 4 Uhr wird hier ein hochinteressantes Probe- Schauwaschen veranstaltet. Alle Hausfrauen und Interessenten werden hierzu freundlichst eingeladen. Prospekte gratis. Kasino- Theater Otto Pritzkows Lothringerstr. 37. Anf. täglich 8 Uhr. Schlußvorstellung Sonntag, den 28. Mai. Sozialdemokratischer Wahlverein Orts- Krankenkasse ☐ Abnormitäten- Ausstellung f. d. 4. Berliner Reichstagswahlkreis( 6st). der Humacher, fourniturenBis dahin auf Wunsch: Neu einstudiert Hotel Klingebusch. Vorher das brillante Maiprogramm. Sonntag nachmittag 4 Uhr: Graphologie. Trianon- Theater. Heute und folgende Tage: Ihr zweiter Mann. Anfang 8 Uhr. Lustspielhaus. Der Familientag. Anfang 8 Uhr. Mittwoch: Der Familientag. Sommerpreise. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Heute: Geschlossen. Die Spieltage find bis auf weiteres: Sonnabend, Sonntag und Montag. Anfang 8 Uhr. Entree 30 Pf. Sonnabend zum erstenmal: Nora. WINSTARTEN 165 Münzstr. 16. Täglich: Das neue Riesen- Progr. Der 18jährige Musteltönig Fred Rollon. Das größte Wunder der Muskulatur, zum erstenmal in Berlin. MiB Anita, total tätowierte Schönheit. Mister Kaplano, der berühmte taubstumme Schnell zeichner. Erich v. Daenzer, der amusante Bauberkünstl. m. neueft. Dienstag, den 23. Mai, abends 8 Uhr, in ,, Boekers Gesellschaftshaus", Weberstr. 17: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Stadtverordneten Genoffen Borgmann über: Die preußische Trids. Riefin Ilona, 485% funGesetzgebungsmaschine und die befiklose Klaffe." schwer, schwerste Dame, die je Entree 20 Pf. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Aufnahme neuer Mitglieder. Zahlreichen Besuch erwartet -UPO 2. Diskussion. 243/ 14* Der Vorstand. Victoria- Brauerei Verein zur Wahrung der Interessen der Maurer Täglich: Horst's Sänger. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Reichshallen. Stettiner Sänger. Unsere süßen Dienstmädel. Burleske von Mehsel. Anf. Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Otto Reutter. Spezial- Kinderwagen- Haus Das Liserl vom Schliersee. The Griks, Akrobaten. La Wima, Sandmalerin. Woodbee Wonders, komische Akrobaten. O'Neil und Torp, amerikanische Excentrics. Leslie Bros, musikalische Excentrics. La belle Davies mit 2 Negerjungen. The Hartleys, Springer. The Meers, Drahtseilkünstl. Mlle. Lo, lebende Bilder. Romain Noiset, Kunstradfahrer. Biograph, Serienbilder. Gebrüder Herrnfeld- Theater. Täglich Berlins und Umgegend. Bureau: Hirtenstraße 20. Telephon: Amt VII, Nr. 4999. Mittwoch, den 24. Mai, abends 82 Uhr, bei Dräsels, Neue Friedrichstr. 35 Mitglieder- Versammlung. Zages Drdnung: 1. Vortrag des Genoffen M. H. Baege über: Entstehung und Abstammung des Menschen. 2. Diskussion.- 3. Berichterstattung des Delegierten vom Gewerkschaftskartell, Wahl desselben.- 4. Anträge des Ausschusses und Vereins- Angelegenheiten. 129/19 Pünktliches und vollzähliges Erscheinen erwartet Achtung! Der Vorstand. Achtung! Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Freitag, den 26. Mai, abends 8%, Uhr, bei Keller, Koppenstraße 29 Filzwaren- Verfertiger zu Berlin. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges Vorstandsmitglied, Herr Hutfournituren Fabrilant 19316 Ferdinand Fechtner am 20. Mai cr. am Herzschlage gestorben ist. Die Beerdigung findet Dienstag, den 23. d. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des neuen Luisen- Kirchhofs in Nigdorf, Her mannstraße, aus statt. Wir werden dem Verstorbenen stets ein ehrendes Andenken bewahren. Der Vorstand und das Bureaupersonal der Orts- Krankenkasse der Hutmacher etc. Berlin. Allen Verwandten und Befannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater und Bruder, der Zimmerer August Haseley am Sonnabend infolge Herzschlag plöglich verstorben ist. Die Beerdigung findet heute nachmittag 4 Uhr, auf dem Fried hof der Luthergemeinde in Lantwik ftatt. 1921b Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Zentral- Verband d. Zimmerer Deutschlands Bahlstelle Berlin u. Umgegend. ( Bezirk 8.) Allen Kameraden zur Nachricht, daß unser Mitglied Gustav Linke, General- Versammlung uguſt Hafelet 1. Prinzenstraße 55. 2. Geschäft: Rosenthalerst.57. Kinderwagen aller zum Zweigverein Berlin gehörigen Zahlstellen und Sektionen. Zages Ordnung: 146/ 6* 7, 11, 15-60 M. 1. Abrechnung vom 1. Duartal. Kinderbettstellen 2. Beratung respektive Beschlußfassung über das neue Ortsstatut. 6, 10, 20 M. usw. Kindersportwagen 3,75, 6, 10 M. usw. Mitgliedsbuch ist mitzubringen, ohne dasselbe kein Eintritt. Um zahlreiches und pünktliches Niesenauswahl! Allerbill. Preise! Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 2. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 30. Mai, abends 8½ Uhr: General- Versammlung in der Bock- Brauerei, Tempelhofer Berg. Zages Drdnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Bericht der Kommissionen. 3. Anträge. die weltberühmten, einzig dastehenden 4. Wahl des Kassierers resp. Hülfsspediteurs. 5. Ersatzwahl eines Revisors 15 WinterTymians 15 Enormer Erfolg. Riesenbeifall. Anfang 8 Uhr. Borverkauf 11-2 Uhr. Bedeutend ermäßigte SommerEintrittspreise. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich von 12-4 Uhr: Mittagstisch. Der große Naturgarten ist geöffnet. Täglich: Streich- Konzert. Ricardo Munez. und zweier Mitglieder zur Vergnügungs- Kommission. Bu Punkt 3 Antrag der Bezirksführer- Versammlung: daß der zu wählende Hülfsspediteur gleichzeitig den Kassierer- Posten des Wahlvereins übernimmt. 238/16 Mitgliedsbuch legitimiert, ohne dieses kein Einlak. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Dienstag, den 23. Mai, abends 81 Uhr, in Möhrings Salon. Admiralstr. 18c: Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Georg Davidsohn:" Der moderne Krieg". 2. Diskussion. Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 240/ 16* Der Vorstand. Verband der Hafenarbeiter Gustav und verwandten Berufsgenossen Deutschlands. itgliebichaft Behrens SpezialitätenTheater, FrankfurterAllee 85. Das großartige neue Mai- Programm. Berlin 2. Bretterträger und Brettschneider! Donnerstag, den 25. b. Mts., abends 8 Uhr: Augen auf! Wir empfehlen: 1 Posten getragene Herren- Paletots 1 Posten getragene Herren- Anzüge 1 Posten getragene Hosen 1 Posten getragene Gehröcke u. Rockanzüge von den feinsten Herrschaften und Kavalieren. Nur kurze Zeit getragene Monatssachen spottbillig. Zugleich machen wir auf unsere Abteilung neuer Garderobe aufmerksam. J. Wand, Herren u. 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Um rege Beteiligung ersucht 85/13 Die Ortsverwaltung. Am Freitag, den 19. Mai, ber 19346 starb unser Kollege Gustav Barnack. Ehre seinem Andenken! Die Kollegen der Pianofabrik A. Grand. Predit. Kre Monatlich 10 Mark liefere Anzüge, Paletots nach Maß. Per Kaffe auch billigste Breise. Schneidermeifter, J. Tomporowski, Brinzenstr. 55. Achtung! Bauarbeiter! Für das Baugewerbe resp. das Maurer- und Zimmergewerbe Berlins finden Außerordentliche General- Versammlung Donnerstag, den 25. Mai, die Wahlen zum Gefellen- Ausschuß im Königstadt- Kafino, Holzmarktstr. 72. Zages Drdnung: Berichterstattung sämtlicher Plakdeputierten über den erhaltenen Bescheid der Firmen betr. des neuen Lohn tarifs, und welche Maßnahmen treffen wir? Kollegen, ein jeder muß zu dieser Bersammlung erscheinen; es hängt bon Euch ab, was aus unserer Lohnbewegung in diesem Jahre wird! Der Vorstand. 20 erstklassige Nummern. 19/14 Allabendlich: Großer Ringkampf Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der Zimmerer Parodie. Schweizer- Garten. Am Königstor. Am Friedrichshain. Straßenbahn Nr. 1, 2, 4, 17, 62, 63, 74. Von Sonntag, den 21. Mai, ab bis Pfingsten: Jeden Sonntag, Montag, Mittwoch und Donnerstag Konzert, Theater n. Spezialitäten- Vorstellungen fowie Ball und Volksbe luftigungen. Anfang 5 Uhr. Entree 30 Pf. sowie zum Innungs- Schiedsgericht statt. Im Jahre 1902 haben fich unsere Organisationen zum erstenmal mit gutem Erfolge an den Wahlen zum Innungs- Schiedsgericht beteiligt. Wir halten es für dringend notwendig, daß wir uns auch hinfort an den Wahlen beteiligen, damit unsere Organisationen ihre Stimme auch in diesen hochwichtigen, weil staatlich anerkannten Inftitutionen, zum Wohle unferer Berufsgenossen erheben können. Wahlberechtigt find alle diejenigen, welche das 25. Lebensjahr vollendet, Eingeschr. Hülfskaffe Nr. 2( Hamburg). Dertliche Verwaltung Berlin. bei einem Mitgliede der Innung beschäftigt sind und sich im Mittwoch, den 24. Mai, abends 8%, Uhr Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15, Saal V. Zages Ordnung: Der Vorstand. 259/ 5* 1. Abrechnung vom 1. Quartal 1905. 2. Berschiebene KaffenAngelegenheiten. J. A.: Richard Schröder, Tilsiterstraße 82. W. Zapel Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131. Größtes Spezial- Geschäft für Seiden- und Filz- Hüte. Lager in Schirmen und Mützen. 34[ 31942* Besitze der bürgerlichen Ehrenrechte befinden. Wir fordern alle wahlberechtigten Maurer und Zimmerer auf, am Donnerstag, den 25. Mai, abends 6%, Uhr, im Lokal Köpenickerstr. 96/97 zu erscheinen, um dort ihr Wahlrecht zum Gefellen- Ausschuß auszuüben. Abends 7% Uhr präzise beginnt der Wahlakt zum Innungs- Schiedsgericht, woran auch die Bauarbeiter teilnehmen. Als Legitimation für den Eintritt in das Wahllokal und für die Ausübung des Wahlrechts dient das Orts- Krankenkassenbuch mit dem Stempel des Arbeitgebers oder für Mitglieder der Freien Hülfskaffe eine Bescheinigung vom Arbeitgeber, daß der Betreffende bei einem Innungsmitglied in Arbeit steht. Wir ersuchen die 146/ 7* Witglieber, fich rechtzeitig diefe Legitimation austellen zu laffen. Die Berliner Vorstände der Verbands- Organisation der Maurer, Bimmerer und Bauarbeiter. Chöns. Witt. Heidemann. Verantw, Redakteur: Frans Rehbein, Berlin. Für den Inseratente verartw. Thde, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlaysanialt Raul Eiger& Galia SVE