Nr. 129. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 MI, monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 8 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags, Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahre. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rotonel geile oder deren Raum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Bereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adresse: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Herrenschutz. Die beiden letzten Sizungen des preußischen Herrenhauses sind aufklärender über die realen Mächte, welche die preußisch- deutsche Politik bestimmen, als ganze Bände von Barlaments Stenogrammen und Jahrgänge bürgerlicher Zeitungen. Man hat nicht zum erstenmal, aber mit verstärkter Offenheit ausgesprochen, was man in der Klasse denkt, welche die gesamte Bureaukratie, die Regierung und die Krone im Deutschen Reiche beherrscht, einer Klasse, die nichts kennt, wie ihr eigenes Interesse, die sie mit allen Mitteln einer ebenso skrupellosen wie geschulten Machtpolitik verflicht, einer Klasse, deren Weltanschauung weit hinter die französische Revolution zurückführt. Der Industriefeudalismus ist nur eine matte Nachahmung des Junkersystems, dieser Anschauung, daß es zweierlei Menschen gibt, diejenigen, die von Geburt aus bestimmt sind zu herrschen und mühelos in Heppigkeit zu leben und diejenigen, die von der Natur, vom Schicksal, oder, wie unsere frommen Christen fagen würden, vom Himmel bestimmt sind, den anderen Klassen ihr privilegiertes Dasein zu erhöhen. Was man so seit einigen Jahrzehnten von den sozialen Aufgaben des Staates redet, was über christliche Sozialpolitik geschwägt wird, über die Monarchie der Armen und Schwachen gepredigt wird, das ist alles nur Aufputz, eine Modelaune, deren lästigen Zwang die ehrlichen Herrenhäusler längst ärgerlich empfinden, und die sie in dem Augenblid preisgeben, wo sie die Befürchtung haben, daß die Phrasen irgendwie Wirklichkeit werden könnten. So Das ist der Kern der Junkeranschauung: dem Bolte muß die Religion, die Arbeit, die Not, die Treue, das Rechtsbewußtsein, die Bedürfnislosigkeit usw. erhalten werden, damit die Herrschende Klasse der Uebung solcher Tugenden enthoben werden kann. forderten die Junter am Freitag im Herrenhause, daß die Regierung niemals mit Arbeitern verhandeln dürfe, die durch Kontraltbruch das Recht verlegt hätten. Dieselben Junker aber ließen furz vorherim preußischen Abgeordnetenhause erklären, daß sie über juristische Zwirnsfäden nicht stolpern, wenn sie ihre Zwecke erreichen wollen. Der Zwirnsfaden war die Reichsgesetzgebung und die Reichsverfassung. Der politische Kontrattbruch, der Staatsstreich der Aufhebung des Reichsrechts bildet für das Junkertum nicht das geringste Hemmnis, wenn es ihm gilt, mittels preußischer Partitulargeſetzgebung der proletarischen Bestie den Zaum anzulegen. Wenn nicht alle Zeichen trügen, werden die Herrenhäusler auch in diesem Sinne die vom Abgeordnetenhaus überkommene Bergnovelle verschönern. Es ist ja ausgesprochen worden, daß man den Arbeitern flar machen wolle, daß sie nicht mur Rechte, sondern auch Pflichten hätten. Kollidieren diese„ Pflichten", wie sie das Junkertum versteht, mit den Rechten, die den Arbeitern das Reich gewährt, so muß eben das Reichsrecht der höheren Einsicht der geborenen Gesetzgeber weichen! Am Freitag erschien im Herrenhaus der glückliche Arbeiter, der sein Schicksal preist, daß er sich die Beine gebrochen und nun als Krüppelrentier ein Leben in Faulheit und Freude führen dürfe. Tags darauf wurde in dürsteren Farben von einem der Edlen der trauernde Majoratsherrensohn gezeichnet, der an der Bahre seines Vaters steht und dessen tiefen Schmerz- der Erbschaftssteuerfistus mit rauher Hand anzutasten sich erfrechen könnte. Das sei eine Verlegung der heiligsten Interessen, die nicht geduldet werden dürfe! Am Freitag sprach man von den ungeheuren Löhnen der Bergarbeiter, die nur dazu benutzt werden, um durch unsittlichen Lebenswandel sich der körperlichen Tauglichkeit und somit der Militärpflicht zu entziehen. Am Sonnabend wurde das beklagenswerte Los eines Millionärserben geschildert, der von dem Vermögen, das ihm der Tod in den Schoß geworfen hat, einen unbeträchtlichen Teil an das Gemeinwesen steuern soll. Sonntag, den 4. Juni 1905. Ueber die Sonnabend- Sigung wird uns aus dem Herrenhaus geschrieben: Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. proletariat, wie durch Heßen gegen Juden, Armenier und die Intelligenz gelöst werden kann. Nachstehender Auszug aus der Proklamation Wenn alle übrigen Barlamente in die Ferien gegangen sind, des Warschauer Komitees des Bundes" dürfte geeignet sein, auf dann zerbrechen sich die geborenen Gesetzgeber Preußens noch ihre die rätselhaft scheinenden Ereignisse in Warschau Licht zu werfen: erlauchten Köpfe nicht nur über preußische Angelegenheiten, sondern Die Autokratie durchlebt ihre letzten Tage. Von allen verlassen, auch über Angelegenheiten des Reiches. Die Verhandlungen der von allen gehaßt, sucht sie Hülfe unter den niedrigsten unentwickelten Reichsinstanzen über das Projekt einer Reichserbschaftssteuer er- Schichten der Bevölkerung: unter den Hoolegans. Sie organisiert füllen die Edelsten der Nation mit banger Sorge, als Hüter und überall den Abschaum des Proletariats und heßt ihn auf die Juden, die Förderer des Kapitals fürchten sie, daß ihre Sprößlinge, wenn sie Intelligenz und die Revolutionäre. Mit seiner Hülfe hofft sie die reiche Erbinnen heimführen, im Todesfalle der Erbtanten einige Freiheitsbewegung im Blute zu ertränken. Auf ihn stützt sie sich, um hundert Mark des ihnen mühelos zufallenden Geldes an das Reich weiter zu herrschen. Nach Baku folgte Jalta, nach Tambow und abführen müssen und daß sie dann nicht mehr ganz so standesgemäß Iskow Kurst, dann Shitomir und jetzt Warschau. leben können wie bisher. Aus diesem Grunde haben sich die Vertreter der Geburtsaristokratie mit denen der Geldaristokratie unter Führung des Landesdirektors Frhrn. v. Manteuffel vereinigt, um die Regierung gegen das Projekt einer Reichserbschaftssteuer mobil zu machen. Sie fordern, daß die Regierung grundsäßlich gegen eine solche Steuer Stellung nimmt und ihren Einfluß im gebung der Einzelstaaten vorbehalten bleibt. Bundesrat dahin geltend macht, daß die Erbschaftssteuer der Gesezgebung der Einzelstaaten vorbehalten bleibt. Nach ganz unerheblicher Debatte, an der sich auch der Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben durch Abgabe einer nichtsjagenden Erklärung, die aber seine Antipathie gegen die Reichserbschaftssteuer nicht verhüllte, beteiligte, wurde der Antrag an genommen. Ein Zusazantrag des Grafen zu Stolberg Wernigerode, der im Falle der Einführung einer Reichserbschaftssteuer die Erbschaftsfälle zwischen Aszendenten und befreit wissen lassen wollte, wurde als zu sentimental" verworfen. Deszendenten sowie zwischen Ehegatten wie bisher von der Steuer Die preußische Regierung wird nun wissen, was sie zu tun hat. Das Haus erledigte sodann noch einige Positionen und kleine Vorlagen, darunter die Sekundärbahnvorlage und trat hierauf die wohlverdienten Pfingstferien an. Am 19. Juni soll die Kommission zur Vorberatung der Berggefeßnovellen zusammentreten, am 27. wird das Plenum über diese Vorlagen verhandeln, Man läßt sich Zeit. Die Revolution in Rußland. Mostau, 2. Juni.( Meldung der Petersburger Telegraphen gentur.) Im hiesigen Adelshause wird eine nichtoffizielle Bersammlung von Semstwo- Mitgliedern abgehalten werden, an der sich 30 Gouvernements beteiligen wollen. Hauptsächlich soll die Frage der Einberufung einer Boltsvertretung beraten werden. Auch Vertreter anderer Gesellschaftsklassen sollen aufgefordert werden, sich diesem Vorschlage anzuschließen. * * Die Gegen- Revolution in Warschau. Rußland stellt uns folgende Mitteilung zu: Der jüdische allgemeine Arbeiterbund in Litauen, Polen und " Am 24. Mai abends begannen die Zusammenstöße. Die Polizel hatte schon vorher die Diebe und Hoolegans bewaffnet und den Händlern gestattet, ihnen Waffen zu verkaufen. Die Diebe überfielen nun die Arbeiter, die Arbeiter die Diebe. Unaufgeklärte Arbeiter überfielen die öffentlichen Häuser und zerstörten fie. Die unglücklichen Prostituierten wurden geschlagen. Die Polizei stand abseits und mischte sich nicht hinein, im Gegenteil, sie hetzte immer drauf. Als alles bereits vernichtet war, da nahm sie erst einige Protokolle auf und arretierte ein paar Leute. An diesem Abend gab es Tote und Verwundete sowohl unter den Hoolegans als auch unter den Arbeitern. über die Stadt und legte aus eigenem Antrieb, ohne jemand zu Am Donnerstagmorgen zerstreute sich ein Haufen Arbeiter Eefragen, alle Fabriken und Werkstätten still. Sie behaupteten, daß sie im Namen der revolutionären Organisationen agieren; in Wirklichkeit aber hatte ihnen keine Organisationen ein solches Mandat Alle lärmten, schrien, und in dem allgemeinen Chaos war nicht zurecht gegeben. Auf den Straßen erschienen nur ungeheure Volksmengen. zu finden. Es verbreiteten sich unzählige Gerüchte, daß hier und einer Straße in die andere. Noch einige öffentliche Häuser wurden dort Leute geschlagen, verwundet wurden. Das Volt rannte aus demoliert, einige Diebe verwundet. Alle waren aufgeregt, alle erwarteten etwas. Die Polizei tat freundlich und einschmeichelnd zu den Arbeitern und redete ihnen zu, die Stadt von den Dieben und Prostituierten zu reinigen. Die Bourgeoisie sprach laut ihr Lob den Arbeitern für den Ueberfall der Diebe aus; es schien, als ob die Warschauer Arbeiter nur einen Feind hätten die Zumpenproletarier, und daß das Proletariat, die Polizei und die Bourgeoisie ein gemeinsames Biel hätten die Stadt von den Dieben zu reinigen. Man unterhielt sich freundlich mit der Polizei wie mit guten Freunden. Doch bald verfehlten die Behörden selbst nicht, jegliche Illusion bezüglich ihrer Freundschaft zu den Arbeitern zu zerstreuen. In der Altstadt bewaffneten die Behörden die hoolegans, postierten sie an den Pforten der Häuser und stellten auf den Straßen Polizisten auf. Wenn auf der Straße nun ein einziger Arbeiter sich zeigte, so wurde er sofort von den Hoolegans überfallen, welche ihn erschlugen oder verwundeten, ohne daß die Polizei sich einmischte. Wenn jedoch eine Arbeitergruppe herbeieilte, um das Blut ihres Kameraden zu rächen, so ließ die Polizei sie nicht passieren. Der Plan der Regierung in Warschau ist völlig klar. Sie wollte eine Schlägerei zwischen den Arbeitern und den Vagabunden hervors rufen, um sich nachher auf die Arbeiter zu werfen, sie niederzutreten die" Ordnung" wieder herzustellen. In der Stadt dann eine Schlächterei bor fich gegangen, die Die ganze ausländische Presse war voll von Telegrammen, welche die Warschauer Ereignisse vom 24., 25. und 26. Mai als einen Kreuzzug des Bundes" gegen die Warschauer Diebe und öffentlichen Häuser und schilderte. Diese Telegramme tragen teils einen offiziellen Charakter, wäre teils sind sie von der Zarenregierung inspiriert, teils gehen sie von Straßen von Warschau wären mit Blut bedeckt gewesen. Dann die Regierung über die Stadt den Kriegszustand der polnischen bürgerlichen Presse aus. Alles, was in diesen Tele- würde grammen über die Rolle des Bundes" bei der Organisation dieser verhängt und dann überall hinausgeschrien haben, daß es die blutigen Heze gesagt ist, ist eine böswillige Lüge, die zum Zwecke Juden selbst gewesen sind, welche die Schlächterei hervorgerufen hat, die Organisation des jüdischen Proletariats zu kompromittieren. Haben, daß das jüdische Proletariat wild und vertiert sei, daß es in Wirklichkeit hingegen ist diese Zerstörung der öffentlichen Häuser, raubt und plündert und die Ordnung störe und daß das Militär die von blutigen Zusammenstößen zwischen den Arbeitern und den gezwungen ist, zur Herstellung der Ordnung die äußersten Mittel Warschauer Lumpenproletariern begleitet war, von den Warschauer anzuwenden. In diesem Sinne schrieben bereits die polnischen Behörden inszeniert worden. Es ist dies einer der Afte der Zeitungen. Gegenrevolution, die von der Autokratie in ganz Rußland organisiert wird. Die Mitglieder in unserer Drganisation bemühten fich, soweit als möglich die Massen zu beruhigen, das falsche Spiel der Polizei aufzudecken und somit weiterem Blutvergießen ein Ende zu machen Politische Uebersicht. " 7 Da in Warschau eine Judenhezze unmöglich war, so griff die Polizei zu einem anderen Manöver. Sie bewaffnete den Abschaum des jüdischen Proletariats in Warschau und hezte ihn Am Freitag wurde gepredigt, daß man im Schweiße seines An- auf die jüdischen Arbeiter. An ein und demselben Tage begannen gesichts sein Brot essen solle. Am Sonnabend protestierten die in verschiedenen Teilen Warschaus blutige Zusammenstöße zwischen Junker in demselben Hause mit flammender Entrüstung gegen die Arbeitern und diesem Gesindel. Die unaufgeklärten Elemente des Berlin, den 3. Juni. entfernte Möglichkeit, daß der Junker, bei seiner Tätigkeit, im jüdischen Proletariats fielen in das Netz, das von den Warschauer Die Stimmung der christlich organisierten Berglente. Schweiße seines Angesichts zu erben, irgendwie beeinträchtigt Behörden ausgeworfen war; erbittert gegen das Gesindel durch die Rolle, welche es während der Januartage gespielt hatte, als es die Aus dem Ruhrgebiet wird uns geschrieben: werden dürfe. Am Freitag wurde das Proletariat belehrt, daß sie überhaupt plündert hatte, zudem noch wahrscheinlich von den Lockipigeln auf- gesetzt mit seinem Bergarbeiterschutz". Läden gemeinsam mit den Spionen, Bolizisten und Soldaten ge Das fluge Zentrum hat sich gründlich in die Nesseln Alles Beschwichtigen feine berechtigten Forderungen haben, daß sie ihr Schicksal schon gereizt, begannen diese unaufgeklärten jüdischen Arbeiter die Nester und Gutzureden hilft nicht, die christlich organisierten Bergpreisen dürfen, das ihnen gestattet, unter Tage für ein paar Bettel- des Warschauer hoolegans" zu demolieren. Es spielten sich wilde leute wollen von dem nationalliberal- zentrümlichen Kompromißpfennige ihre Lebenskraft zu zerstören. Und 24 Stunden später Szenen ab, die einige Tage fortdauerten, während die Polizei und „ Das Zentrum hätte zum forderten dieselben Gesetzgeber den absoluten Schutz für die Herren das Militär gänzlich untätig zusahen und die Bourgeoisie frohlockte. produkt nichts wissen. des mühelosen Besizes, dem auch nicht ein verschwindender Bruch- Heßze gegen die Diebe und Proſtituierten ben erwünschten Effett wurde", hört man die enttäuschten und sehr entrüfteten Als die Warschauer Behörden sich überzeugt hatten, daß die Reichstag gehen müssen, wie uns versprochen teil für allgemeine Interessen entzogen werden darf. Bei der Beratung des Bergarbeitergesetzes Heischten die Junker hatte da traten die Hüter der Ordnung" wieder auf, und tatholischen Arbeiter sagen. In diesen Tagen ist manchem katholiunter Berufung auf das öffentliche Wohl die Knebelung aller auf jet wurde die Stadt gänzlich der Gewalt der trunkenen Soldatesta schen Bergmann ein Licht aufgegangen über die verräterische übergeben. Das Ziel der Regierung, welche diese Heze gegen das Zentrumspolitik, das schwant auch der hiesigen ultramontanen höhere Lebenshaltung und größeren Einfluß gerichteten Bestrebungen Warschauer Lumpenproletariat hervorgerufen hat, ist flar: sie wollte Lokalpresse, die sich deshalb krampfhaft bemüht, den Arbeitern der Besizlosen und am Sonnabend, bei dem Protest gegen die der revolutionären Energie des jüdischen Proletariats eine AusReichs- Erbschaftssteuer, proklamierten die Junker das unantastbare lösung schaffen, indem sie sie gegen die unglücklichsten Opfer des borzuschwindeln, welche Vorteile" das Gesetz doch noch biete. Demgegenüber schreibt der Bergknappe", das Organ des Recht der Besitzenden, keinen Heller des von den Proletariern ihnen tapitalistischen Regimes richtete, um dadurch den schnellen AufWarschau zurück- christlichen Bergarbeiter- Gewerkvereins: erarbeiteten und erhaltenen Vermögens dem öffentlichen Wohle opfern schwung der jüdischen Arbeiterbewegung in zuhalten. Sie wollte auf das jüdische Proletariat und seine zu brauchen. Eine Mark mehr Wochenlohn für die Bergarbeiter ist den Organisation einen Schatten werfen und die wilde Bestialität, die von einigen unbewußten Elementen an den Tag gelegt wurde, Herrenhäuslern Expropriation des Unternehmertums. Ein paar ben politisch Bewußten zuschreiben. Die Regierung bezweckte, Mark von einem Millionenbesitz für die Bedürfnisse des Staates der Bourgeoisie Furcht vor einer herannahenden Revolution einhergeben, ist den Junkern Expropriation der Besitzenden. zuflößen, deren Träger ein Protetariat sei, das zu solchen Exzessen Das ist also der Unterschied der beiden Klassen, wie sie das sich hinreißen lasse, um sie in die Arme der Gegenrevolution zu Herrenhaus für alle Zeiten in schroffer Scheidung verewigen will: werfen. Sie wollte eine tiefe Kluft zwischen den jüdischen Arbeitern Der Arbeiter, der Besizlose darf nichts fordern, aber alles darf von und den Bewohnern der dunklen Winkel, um die jüdischen Lumpenihm gefordert werden! Vom Junker, vom Kapitalisten, vom Unter- proletarier als Werkzeug im Kampfe gegen die Revolution ausnehmer darf nichts gefordert werden, aber sie dürfen alles fordern zunüßen; schließlich suchten sie nach irgend einem plausiblen Vorwand, um die Kosadenherrschaft in Warschau zu stärken und zu Die Besitz- und Rechtlosigkeit des Proletariats ist ebenso ein grausamen Repressalien gegen das Warschauer Proletariat zu greifen. unveräußerliches Majorat, wie der Großgrundbesitz und die Privilegien Es unterliegt zwar feinem Zweifel, daß die schwierige Aufgabe der Ostelbier. der Zarenregierung, der in Todeszuckungen sich windenden Autokratie neue Kräfte zuzuführen, ebensowenig durch Heizen gegen das Lumpen- l Die Bergleute aber bellagen die Annahme des Gefeßes in diesem Zustande. Die christlichen Bergleute haben die Regierungsvorlage als das mindeste bezeichnet, was als Einlösung des Bersprechens der Regierung angesehen werden kann. Das Ver. sprechen ist hierdurch nicht eingelöst. Von dem vom Abgeordnetenhause angenommenen Gesez sind die Bergleute im hohen Maße unbefriedigt. Laien und Bergwerts besiger mögen es gegenüber dem heutigen Zustand als einen Gewinn für die Bergarbeiter bezeichnen. Wir können uns zu diesem Optimismus nicht aufschwingen. Was durch das Gesetz als Arbeiterausschüsse, Arbeiter Vertrauensmänner zwecks Kontrolle der beladenen Förders gefäße, sanitärer Arbeitstag usw. geboten wird, find Steine statt Brot. Von den vielen wert- und zwecklosen Bestimmungen, die allenthalben eingeschaltet sind, wollen wir heute ganz absehen." Dem Zentrumsführer Spahn, der von der Großartigkeit" der Wohlfahrtseinrichtungen" auf den Ruhrzechen Wahlrechtsreform in Hessen. Aus Hessen wird uns geschrieben: 119 Unsere Kenntnis der in der Volkswacht" abgedruckten Rede Bern steins berechtigt uns zu der Ueberzeugung, daß das Verfahren gegen Bernstein teinen anderen Ausgang nehmen dürfte. Die Breslauer Polizei ist hervorragend eifrig. Wie uns weiter telegraphisch gemeldet wird, hat nach der Haussuchung in der Redaktion der Volkswacht" auch noch eine Haussuchung in der Wohnung des Genossen Loebe, Redakteurs der„ Volkswacht", stattgefunden, wo gleichfalls nach der bisher nicht eristierenden Bernsteinschen Broschüre über den Massenstreit geforscht wurde. Natürlich wurde nichts gefunden. fann. Die Probe aufs Exempel. entzückt ist, gibt der Bergknappe" den guten Rat, einmal| Dr. Schulz schreiten, obschon im gleichen Augenblick einer der Die Breslauer Polizeibehörde, beziehentlich die Gerichtsbehörde, ,, als Arbeiter" diese ,, Großartigkeit" auf sich ein- Verteidiger das Wort erbittet. Herr Oppermann verweigert mit welche diese Aktion veranlaßt hat, dürften in der Hitze des Gefechts wirken zu lassen, das würde ihm heilsam sein. nervös lauter Stimme, das Wort zu geben. Alle Verteidiger ein Unternehmen begonnen haben, von dem sie bald zu der UeberUeber die Funktion des Wagenkontrolleurs urteilt der Berg- springen auf und bestehen darauf, das Wort zu erhalten. Herr zeugung gelangen werden, daß sie es besser nicht begonnen hätten. tnappe", er sei der Willkür des Unternehmers überantwortet Oppermann versucht den Widerspruch mit noch erhöhten Stimmmitteln Die Breslauer Polizeibehörde und die Breslauer Staatsanwaltschaft und müsse zum Betrüger an den ihn bezahlenden Kameraden" niederzufämpfen. Die Gemüter aller Anwesenden sind aufs höchste erregt. haben schon häufig sich in Aktionen gegen die Sozialdemokratie verwerden oder würde gemaßregelt. Von den in der Zentrums- Da flüstert ein Beisitzer dem Vorsitzenden leise Bemerkungen zu, er fiugt, fucht, die bald mit bösem Fiasko endigten. Vor nicht vielen Mopreffe laut gerühmten Arbeiterausschüssen" sagt das christliche die Miene der bis zur Wut gesteigerten Erregung fällt ab, er fegt naten ist, wenn wir nicht irren, gleichfalls wegen„ Aufreizung zum Blatt, nachdem das Gesez derart gefaßt, würden sich an- sich nieder, der Gerichtshof mit ihm, und es wird festgestellt, daß Klaffenhaß" ein Verfahren gegen Genoffin Betfin wegen einer Rede, ständige Charaktere" sehr überlegen, ob sie in die Schuttruppe der Verteidiger das Wort durchaus berechtigt zu ergreifen wünscht die sie in Breslau gehalten, eingeleitet worden. Bald darauf aber der Unternehmer" eintreten. Schroffer tann die soziale Erau einem Antrage, der sich gerade auf die Bernehmung des Herrn hat das Gericht die Einstellung des Verfahrens befunden, rungenschaft", der Zentrumsschacher, faum zurückgewiesen werden. Dr. Schulz bezog und gerade in diesem Augenblick zu stellen war! weil alle strafgesetzlichen Grundlagen dafür fehlten. Statt Berkürzung sieht der„ Bergknappe" eine Ver- Der sachliche Ertrag der zwei letzten Sigungstage war nach längerung der Schichtzeit voraus und kommt zu dem unserer Ueberzeugung, daß die Vermutung der Geistesgestörtheit des Ausspruch: Grosse durch die Vernehmung einer größeren Anzahl von Mit Wir müssen uns rüften, denn Abwehrstreiks sind die unaus- gefangenen zur Gewißheit geworden ist. bleiblichen Folgen. Sollte dieses Gesetz auch die Zustimmung des Herrenhauses finden, so ist dadurch ein wirksamer Bergarbeiterschutz für die nächsten Jahre vereitelt. Der Bergarbeiterorgani fation erwachsen große neue Aufgaben der Selbsthülfe und die unverminderte Fortsetzung des Kampfes, bis die Bergleute zu Die Zweite Kammer in Hessen hatte im Juni vorigen Jahres ihrem Recht gekommen sind. Die christlichen Bergarbeiter haben nach langen Kämpfen die Wahlrechtsreform, die das allerdings keine Freude an dem Gesetz und nur den dringenden Wunsch, daß mit Kautelen aller Art gespickte- gleiche und direkte Wahl das Herrenhaus das Gesetz ablehnt, um so die Bahn für die Reichsrecht an Stelle des bisherigen Wahlmännerfystems feite, gesetzgebung freizubekommen." erledigt. Jetzt, nach fast einem Jahr, hat es auch endlich den Betrogene Betrüger sind nun die Zentrumshelden zu hohen und durchlauchten Herren" des hessischen Herrenhauses ge- Ein seltsames Geschick fügt es, daß die Wirkung einer gesetznennen. Sie hofften wohl auch diesmal den hinters Licht ge- fallen, durch ihren Wahlrechtsausschuß ihre Ansicht über die Reform geberischen Aktion auf die von ihr unmittelbar Betroffenen mit der führten Arbeitern ein für ein U machen zu können. Die fund zu tun. Der Bericht ist soeben erschienen und hat zum VerSpekulanten betrogen sich. Um den Gegensatz zwischen ehrfasser den Schwager des hessisschen Großherzogs, Sicherheit eines physikalischen Experiments sofort erprobt werden licher Arbeitervertretung und Zentrumspolitik noch krasser den Fürsten von Solms- Hohensolms- Lich. Die Erste Das Essener Reichstagsmandat ist erledigt. Der bisherige hervortreten zu lassen, bringt die Zentrumspresse einen Artikel, Sammer lehnt hiernach im großen und ganzen alle Abänderungen in dem flipp und klar mitgeteilt wird, die Anträge des der zweiten Kammer an dem Regierungsentivurf ab und stellt den dem Zentrum angehörige Abgeordnete des Kreises, Stößel, ist geZentrums im Reichstag zum Bergarbeiterschutz seien durch die letteren wieder her. Ihre Zustimmung zum direkten Wahlrecht aber storben. machen die Herrenhäusler abhängig von einer Erweiterung der Der Wahlkreis ist seit 1871 im Besitz des Zentrums, Annahme des( von den christlichen Bergleuten zurückgewiesenen) Stompetenz der Ersten Kammer bezüglich des Budgetrechtes. Die und war Die und war seit 1877 1877 ununterbrochen von von Stözzel vertreten. Gesetzes im Landtage erledigt! Dadurch ist auch die letzte hessische Verfassung sieht nämlich in Differenzfällen bei der Ab- Nur 1898 gelang es Krupp, den Sentrumsgegner zu verdrängen. Hoffnung der auf die Zentrumspartei vertrauenden Bergleute ſtimmung über das Budget in letzter Linie eine gemeinsame is 1898 hatte die Sozialdemokratie keine Bedeutung in diesem zerstört. Abstimmung der beiden Kammern vor, wobei die Erste Kammer Die politischen Folgen dieses Arbeiterverrats sind unab- als die numerisch schwächere bislang natürlich den fürzeren Streife. Es war einer der überraschendsten Triumphe der Wahl von sehbar wichtig und fruchtbringend für die Sozialdemo- 30g. Die Erste Kammer verlangt nun u. a. Menderung dieser 1908, daß wir mit einem Rud in die Stichwahl vordrangen. Im kratie, darüber besteht kein Zweifel auf der Gegnerseite. Berfassungsbestimmung, um dadurch dem Einfluß des direkten Wahl- ersten Wahlgang erhielt Stözzel 35 129, unser Genosse Gräser 22 778, Symptomatisch für die politische Stimmung in der christlich heit werden würde und daher, ohne Rücksicht auf populäre Stimmungen mit 39 016 Stimmen über Gräfer, der es auf 82 632 Stimmen rechtes zu kompensieren, das vielleicht unheilvoll für die Gesamt- der Reichsparteiler 20 819 Stimmen; in der Stichwahl siegte Stözzel organisierten Bergarbeiterschaft ist ein Artikel des Bergknappen" pflichtgemäß abgelehnt werden müßte". über Konservative und Nationalliberale. Von Wan höre nun, wie des Fürst zu Solms- Hohensolms- Lich Die kommende Wahl wird zeigen, welchen Eindruck in den den ersteren wird nur geredet per" Junter"," scharfmacherische Durchlaucht" seine und seiner Standesgenossen Ansicht über das Arbeitermassen das Bergarbeitergesetz, das Verhalten der Regierung, Junker"," konservative Junkersippe", die für einen Staats- Wahlrecht im allgemeinen und über die hessische Wahlrechtsreform der Parteien und der Parlamente hinterlassen hat. Sie wird insstreich längst fähig" gehalten werden. Die Sozialdemokraten im besonderen präziſiert: geben vor", den Staatsstreich im Interesse des arbeitenden besondere die Stimmung der christlichen Arbeiter über den schmähVolkes zu wollen, die Konservativen aber wollten den Staatslichen Zentrumsverrat demonstrieren. fireich zum Nutzen der oberen Zehntausende und zur Entrechtung des arbeitenden Volkes"! Der„ Bergknappe" bedauert, daß bei der Reichstagswahl so mancher Bergmann" den nationalliberalen Abgeordneten Beumer, Hilbc und Franken die Stimme gegeben.„ Die Rolle" der Franken und Beumer im Ruhrgebiet sei ausgespielt". Wer bei diesen Leuten ,, Arbeiterinteressen vertrete", sei schon Sozialdemokrat", ,, da ja der Arbeiterstand bei diesen Leuten nur insoweit Eriftenzberechtigung hat, als er sich als Ausbeutungsobjekt gebrauchen läßt". " " Das sind Wahrheiten, die den bürgerlichen Parteien bisher in solcher Schärfe nur von sozialdemokratischen Drganen gesagt worden sind. Da nun schließlich das Zentrum den Ausschlag gegeben hat für den Verrat der Bergarbeiterintereffen, so tann man sich denken, wie die Arbeiter über diese Volkspartei" denken. War schon der Bergarbeiterstreik unmittelbar ein hervor ragendes politisches Ereignis, feine Nachwehen werden erst recht eine entscheidende Verschiebung der politischen Parteiverhältnisse im rheinisch- westfälischen Industriegebiet zuwege bringen. Das bekannte Schweineglück" der Sozialdemokraten. Plötzensee. Der Sternpunkt der Vorlage ist die Einführung des direkten, gleichen und geheimen Wahlrechts zur Zweiten Kammer der Landstände. Ihre bedingungslose Einführung in der Form der Regierungsvorlage oder gar der Beschlüsse der Zweiten Kammer fand bei der großen Mehrheit des Ausschusses feinen Anklang. Angesichts der Erfahrungen, die im Reiche nach den ersten Jahren nationalen Aufschwunges mit diesem Wahlverfahren gemacht worden sind, angesichts der Tatsache, daß bisher von einem Berlangen des hessischen Volkes nach einer Aenderung des Wahlrechtes wenig zu merken war, hätte man vielleicht besser getan, ab zuwarten, wie das einschneidende Experiment unserem Nachbarstaate Baden, der es soeben an sich ausgeführt hat, bekommen wird... werden." brachte. Wahlrechtsvernichtung mit Hindernissen. Aus Dresden wird uns vom 3. d. M. geschrieben: Seitdem in Dresden bei den Stadtverordneten wahlen die sozialdemokratischen Stimmen gestiegen sind, gehen die Reaktionäre im Stadtrat und im Stadtverordnetenkollegium mit dem Plan einer Wahlrechtsvernichtung schwanger. Jest existiert in Dresden das allgemeine direkte i stenwahlrecht, gegen das von unserem Standpunkt aus nicht viel einzuwenden ist. Bisher war es aber den Herren im Dresdener Stadtparlament noch immer gelungen, durch eine hohe Gebühr für die Erwerbung So führt der einzige wesentliche Vorteil des neuen Wahlrechts, des Bürgerrechts( 6 Mart) das Eindringen sozialdemokratischer die Erweckung größeren Interesses an der landständischen Arbeit, Bertreter in die Stadtverwaltung und ein startes Anwachsen der bei der Bevölkerung notwendigerweise wieder zu einem mindestens sozialdemokratischen Stimmen zu verhindern. Das änderte sich aber, ebenso großen Nachteil, zur Erweckung und Stärkung der egoistischen als die Dresdener Genossen unter großen Opfern energisch an die Bestrebungen der wirtschaftlichen Gruppen, die nun weit mehr als Bürgerrechtserwerbung gingen. Durch eine umfassende bisher den Abgeordneten auf ihre Sonderwünsche festlegen Sausagitation wurden jedes Jahr mehrere tausend Arbeiter zur Bürgerrechtserwerbung beranlaßt. Dadurch steigen die sozialdemo dämmen, verlangen die hessischen Herrenhäusler Erweiterung ihrer Stimmenzahl von 6000 auf 10 200. Da die Bürgerrechtserwerbung Um also befürchtete egoistische" Regungen im Volte zurückzu- fratischen Stimmen rasch und bei der legten Wahl wuchs unsere Privilegien. Das sind fast dieselben Argumente, unter welchen inzwischen mit Energie und gutem Erfolg weiterbetrieben worden die Hamburger aufherren den Minderbemittelten das ist, wäre ein bedeutender sozialdemokratischer Sieg bei den nächsten Wahlrecht zu rauben versuchen. Die hessischen Standesherren und Stadtverordnetenwahlen unter dem Wahlrecht ziemlich sicher. Um die Wahlrechtsräuber der„ Republit" Hamburg gehen einig in dem das zu verhüten, schmiedete man Wahlentrechtungsa Bestreben, die Rechte des Volkes zu schmälern zugunsten der Privile- BIäne. gierten der Geburt, des Geldsacks und der Kirche. Schon vor der letzten Wahl legte der Stadtrat auf Grund eines Die hessische Wahlrechtsreform dürfte hiermit als Kompromisses mit den Nationalliberalen eine Wahlrechtsvorlage vor, gescheitert zu betrachten sein; denn schwerlich werden die die auf ein Berufsklassen- Wahlrecht hinauslief. In vier BerufsDer Prozeß des Strafvollzuges ist nach drei Wochen noch nicht zum Boltsvertreter in der zweiten Kammer das direkte Wahlrecht er- abteilungen und zwei Klassen sollte gewählt werden. Für die Klassen Abschluß von zweien der Fälle gelangt, wegen deren Kritik die An- kaufen durch eine Vergrößerung der reaktionären Macht der Standes- follte 2500 M. steuerpflichtiges Einkommen die Steuergrenze fein. flage erhoben wurde. Es ist fast unabsehbar, wann der Prozeß zu herren. Man wird aber das Borgehen der Standesherren begreifen Die Arbeiter hätten im besten Falle sechs oder acht Mandate erEnde kommen wird, und jetzt schon erklären die Juristen, es feien so fönnen, wenn man erfährt, daß der nationalliberale Frhr. v. Hehl, langen können. Das Projekt scheiterte aus verschiedenen Gründen, zahlreiche strafprozessuale Gründe der Revision vorhanden, daß das der schon seit Jahr und Tag mit seinen Preßtulis gegen das fürzlich tauchte es aber wieder auf als Wahlrechtsvorlage des direkte Wahlrecht wiitet, in der Ersten Kammer tonangebend ist." Rechts" ausschusses der Stadtverordneten. Reichsgericht das zu erwartende Urteil des Gerichts, wenn es anGleichzeitig wurden Herr v. Heyl ist der Vater dieses Wahlrechtsvernichtungswerkes, das zivei andere Wahlentrechtungspläne vorgelegt. gefochten wird, ganz gewiß nicht bestätigen kann; dem ungeheuren fieht außer Zweifel. Seinem Einfluß in der Pairstammer ist es gerührte von dem Antisemiten Athelm, Prozeß, dessen einmalige Verhandlung ein Uebermaß von Wühsal lungen, der Vorlage eine Form zu geben, die sie in der zweiten Rechtsanwalt Krumbiegel her. Diese beiden Projekte enthielten noch für alle Beteiligten bringt, ist schon jetzt eine zweite Auflage so gut Sammer zum scheitern bringen muß. Der nationalliberale bas Pluralwahlrecht und waren noch reaktionärer wie das erste. wie gesichert. Sozialpolitiker" v. Heyl macht in idealer Konkurrenz In der gestrigen Sigung der Stadtverordneten Herr Oppermann schien offenbar, sei es aus eigenem Erkennen, mit den„ Erlauchts" und" Durchlauchts" die Wahlrechtsvorlage zu wurde num über die drei Borlagen beraten. Es gab eine lange fei es infolge der öffentlichen Kritik, wiederholt den festen Vorsatz nichte. Debatte, in der sich alle Redner einschließlich des Oberbürgermeisters Der Bericht der Ersten Kammer hat aber auch noch eine andere für eine Wahlrechtsänderung in reaktionärem gefaßt zu haben, eine geordnete Verhandlung herbeizuführen. Aber es will nicht allemal gelingen; mehr als ein Tag einer bemerkenswerte Seite. Der hessische Großherzog hat sich Sinne aussprachen, um den Sozialdemokraten einen Einfluß Berhandlung, welcher die Sache einigermaßen vorwärts führt, ist wiederholt dahin ausgesprochen, daß er es für eine Ehre halte, wenn im Stadtparlament unmöglich zu machen, aber über das wie konnte nicht erzielt worden, der zweite Tag ist bereits wieder voll Unruhe Bahlrecht einführe. Nun muß er sich von seinem„ durchlauchtigten" als die beste, und schließlich zankie man sich unter Schimpfen auf die Seffen als erster süddeutscher Staat das direkte man sich nicht einigen. Jebe der drei Gruppen pries ihre Vorlage und Tumult. Ohne Zweifel ist Herr Oppermann durchaus überzeugt, chivager sagen lassen, daß das Einbringen der Wahlrechts- Sozialdemokratie auch gegenseitig ganz weidlich, und man warf daß seine Prozeßleitung nicht nur eine objektive, sondern auch eine vorlage v oreilig gewesen set, man hätte abwarten sollen, wie einander ganz nette Sachen vor. So erklärte der Antisemit sehr geschickte ist, und daß die Schuld aller Hindernisse dies einschneidende Experiment unserem Nachbarstaate Baden, und Bizevorsteher Dr. Hädel gegen einen Hausbesitzer, der gegen bei der Verteidigung und den Angeklagten liegt. Wir sind indeß der es soeben an sich ausgeführt hat, bekommen wird". Es hat eine der Vorlagen losgegangen war, ein solches Vorgehen wäre un anderer Ansicht. In Herrn Oppermann braust ein impulsives fast den Anschein, als ob die hohen" Herren dem Großherzog auch denkbar von den Hausbesizern; sie sollten daran denken, daß die Temperament, so daß er anscheinend nicht im stande ist, die An- um deswillen einen Rasenstüber geben, weil er vor kurzem den Reformer ihren Hartwig, den Vorsigenden des Verbandes deutscher sichten und Absichten der anderen Prozeßbeteiligten genügend zu sehen. v. Heyl mit seinem„ patriotischen Empfinden" so empfindlich Hausbefizer, gehalten und gerettet hätten, als er wegen einer ablaufen ließ. bedenklichen Spekulation gesellschaftlich unmöglich würdigen. Andauernd erscheinen ihm die Maßnahmen, welche die Diese reaktionäre Kundgebung der Pairstammer hat übrigens geworden wäre. Aehnliche Anzüglichkeiten gab es noch mehr. Verteidigung im Interesse der Angeklagten für durchaus erforderlich auch ihr gutes, denn die Herren die„ bislang von einem Verlangen Der Oberbürgermeister trat für die Vorlage des Rechtsausschusses hält, wie eine ungehörige Auflehnung gegen seine Prozeßleitung. des hessischen Volkes nach Abänderung des Wahlrechtes" nichts be- ein und wetterte ebenfalls auf die bösen Sozialdemokraten. Vor Er begegnet den Wünschen und Anträgen der Verteidigung, merkt haben wollen, werden bald recht deutlich den sogar schon in allem bemühte er sich darzulegen, daß der von den Sozialdemokraten nach Versuchen milderen Gintentens, immer mehr in nervöser nationalliberalen Kreisen ertönenden Nuf des Heffischen Volkes ver- erhobene Vorwurf, man wolle in Dresden wieder auf das politische Erregung und Schärfe, so daß aus unbedeutendstem Anlaß immer nehmen: Hinweg mit der Privilegierten Kammer, hinweg mit der Niveau zurückkehren, wie es in Preußen vor der Stein- Hardenwieder langwieriger Streit und tumultuarische Szenen entstehen, mittelalterlichen Bevormundung des Bolkes". bergischen Gesezgebung geherrscht habe, nicht be mur keine Förderung des Verfahrens. Jeder, der einige Zeit diese nur dann der direkten Wahl zuzustimmen, wenn die somnoch nicht wissen können, daß so viele böse Sozialdemokraten heranAls Entgegnung auf das Anfinnen der hessischen Ersten Kammer, rechtigt sei. Schließlich, so führte er aus, hätte man damals auch Art der Verhandlungsleitung persönlich betrachtet, muß lebhaft beArt der Verhandlungsleitung persönlich betrachtet, muß lebhaft be- petenz ber Brivilegierten Kammer erweitert würde, werden unsere wachsen würden. Das Ende des Streites und gegenseitigen Bankens dauern, daß der Borsigende sein Temperament so wenig zügelt. Genossen im Landtage den formellen Antrag auf Aenderung um die Vorzüge der drei Entrechtungspläne war schließlich die Ab der Verfassungs- Urkunde einbringen betreffend Abschaffung der Erften Kammer. So führte auch am Sonnabend die Art des Herrn Oppermann Szenen herauf, die gewiß von keiner Seite, am wenigsten von Herrn Oppermann selbst, als erfreulich und würdig der Gerichtsstätte empfunden werden können. Wiederholt ließ der Vorsitzende die Ber teidiger überhaupt nicht zum Wort, das sie verlangten. Er glaubte etwa, bie Verteidiger beabsichtigten eine Angelegenheit zu berühren, die er für erledigt hielt, und verbot schroff jede weitere Bemerkung. Wiederholt führte dieses Verhalten des Herrn Oppermann zu Konflikten, um schließlich gegen Ende der Sigung einen wahrhaften Sturm im Gerichtssaal zu entfesseln. Der Vorsitzende will Herrn Dr. Schulz als Sachverständigen vernehmen. Die Verteidiger sind der Ansicht, daß die Bernehmung der Sachverständigen noch nicht beginnen tann, weil noch Beweismaterial zu erledigen ist, das die Sachverständigen in ihren Gutachten berücksichtigen müssen. Der Vorfigende besteht darauf, das Beweismaterial für spätere Zeit zurückzustellen. Die Verteidiger stellen ausdrücklichen Antrag auf Erledigung ihrer Beweisanträge, weil sie nach Vernehmung der Sachverständigen entwertet erscheinen. Der Gerichtshof lehnt ab und in impulfiver Schnelligkeit will Herr Oppermann zur Bereidigung des " Deutfches Reich. Eine Breslauer Polizeiaktion! Aus Breslau meldet uns ein Privattelegramm: Der eine von dem Iehnung der beiden legten von den Reformern eingebrachten. Der Bürgermeister und die Herren vom Rechtsausschuß schmunzelten, denn nun schien die Annahme ihres Planes sicher. Um ganz ficher zu sein, wurde namentlich abgestimmt. Und das Resultat? Auch diese Vorlage wurde mit 32 gegen 31 Stimmen abgelehnt. Damit waren alle drei Borlagen in den Papierforb gewandert, und es nützte nichts, daß der Bürgermeister mit rotem Kopfe herumlief. Vorläufig ist damit die Wahlentrechtung gescheitert, aber " Heute abend kurz vor 6 hr umstellten 6 Kriminalbeamte auch nur vorläufig. Bald wird die Arbeit hinter den Kulissen bas Lokal der Volkswacht". Sie beschlagnahmten die Exemplare einsetzen, und es wird wohl nicht allzulange währen, bis eine der Nummer des Blattes, in welcher die Rede des Genossen nene Vorlage kommt. Jedenfalls wird man alles versuchen, noch Bernstein über den politischen Massenstreit ents vor den im November b. J. stattfindenden Stadtverordnetenwahlen halten ist, sowie die bazu gehörigen Formen und Platten. Sie die Entrechtung der Dresdener Arbeiter durchzuführen oder ihr Wahlsuchten auch nach der angekündigten Broschüre über denselben recht auf ein Minimum zu reduzieren. Gegenstand, ferner suchten sie die Person Bernsteins selbst in dem Hotel, in welchem er seinen Aufenthalt gehabt hat, bevor er wieder nach Berlin zurückkehrte. Die Polizei fand 108 Eremplare und die Matrizen der betreffenden Nummer. Die Beschlagnahme ist angeordnet, weil Aufreizung zum Klaffenhaß vorliegen soll." " Herr Dr. Korn, Redakteur der Welt am Montag", wendet sich in einer Zuschrift an uns gegen die Verdächtigung seiner journalistischen Ehre, die in der gegen seinen Plögenfee- Artikel vom legten Montag gerichteten Notiz des Vorwärts"- Kapitalistische Korruption" enthalten sei. In der Notiz war u. a. als Motiv seines Artikels die Konkurrenz gegen die.Zeit am Montag' an- gegeben. Herr Dr. Korn erklärt, daß davon keine Rede sein könne. Wir haben keinen Anlaß, dieser Versicherung keinen Glauben zu schenken und nehmen deshalb diesen Vorwurf— unbeschadet der völligen Auftechterhaltung unseres Urteils über den sachlichen Inhalt des Artikels— gern zurück. Zum saarabischcn Prozeß in Trier wird die Nachricht verbreitet, Genosse Krämer habe gegen das Urteil Revision angemeldet. Die .Saarwacht' teilt demgegenüber mit. daß Krämer mit der Urteils- begründung durchaus zufriedengestellt sei und nicht daran denke, Revision einzulegen._ Hendrik Witbois Rückzug in englisches Gebiet. ! Nach amtlicher Meldung sollen sich Hendrik Witboi und einige andere Hottentottenkapitäne mit ihrem Anhang nach Lehutitu in Britisch-Betschuanaland zurückgezogen haben. Sie beabsichtigen an- geblich, von dort aus Einfälle in deutsches Gebiet zu machen. Es wird daher Aminuis sowie der Auob-Abschnitt besetzt gehalten. In der Verfolgung der aus den großen Karasbergcn flüchtigen Hottentotten stieß Hauptmann d'Arrcst mit 2 Kompagnien, 2 Ge- schützen und 2 Maschinengewehren am 24. Mai am Karib-Revier (auf der Kricgskarte als Gamtoap-Revier bezeichnet) auf ein großes, soeben erst verlassenes Lager und erbeutete von der Nachhut deS fliehenden Gegners 40 Rinder, 10 Reittiere und einige Gewehre. Hauptmann v. Erckert setzt mit frischen Truppen die Verfolgung in Richtung nach dem Oranfc-Fluß fort. Hauptmann v. Koppy griff am 27. Mai mit seiner Kompagnie und 2 Geschützen am unteren Fischfluß eine starke Stellung des bis Geious(nahe des Fischflusses, 65 Kilometer oberhalb der Ein- Mündung in den Oranje) zurückgedrängten Cornelius von Bethanien an. Nach mehrstündigem Gefecht ging der Feind in regelloser Flucht zurück und wandte sich, von unseren Truppen scharf verfolgt, dem Oranje-Fluß zu. Der Gegner verlor 8 Tote, 20 Gewehre, 50 Stück Groß-, 600 Stück Kleinvieh, Wagen und Hausgerät. Die gefangene Mutter des Cornelius sagt aus, dieser wolle auf englischesGebietflüchten. Die Verfolgung deS Cornelius wird fortgesetzt. Von Bcrseba entsandte Offizicrpatrouillen brachten aus der Gegend von Bethanien Gefangene, sowie 150 Rinder und 500 Stück Kleinvieh ein. Andauernder heftiger Sturm erschwert den Dienst der Heliographen- und Funkenstationen ungemein. Generalleutnant v. Trotha befindet sich auf dem Marsch nach Kcetmanshoop. ] Ein Telegramm aus Windhuk meldet unterm 3. Juni: Im Gefecht am Zusammenfluß des Goab- und Kuiscbflusses am 12. Mai 1005 gefallen: Sergeant Albert Schäfer, geboren am 22. 10. 77 zu Kaukehnellen; verwundet: Unteroffizier Ernst Klepsch, ge- boren am 5. 7. 81 zu Niederhätzlich, Schuß rechtes Schienbein, Gefreiter Willy Friedrich, geboren am 8. 5. 82 zu Kietz, Lungen- lappenschuß, Reiter Richard Künzel, geboren am 10. 11. 83 zu Spremberg, Lungenlappenschutz, Reiter August Nirbach, geboren am 27. 1. 82 zu Schreitlanken, Fleischschuß linken Oberschenkel, linken Unterarm, Reiter Johann Stier, geboren am 23. 12. 83 zu Thannhausen. Fleischschuß linken Unterarm, Reiter Rudolf Maurih, geboren am 20. 11. 81 zu Kelladcn, Schuß linken Unterschenkel, Reiter Johann Schlensok, geboren am 25. 3. 83 zu Oppeln, Streif- schuß rechte Kniescheibe, Reiter Wilhelm Schuhmacher, geboren am 2. 2. 80 zu Mengeringhausen, Fleischschuß linken Unterschenkel, Reiter Hermann Wickbold, geboren am 4. 4. 83 zu Rcmlin, Streif- schuß linke Schulter, Reiter Karl Roese. geboren am 16. 12. 78 zu Eutin, Fleischschuß linken Unterarm, Unteroffizier der Landwehr Paul Schulz, geboren am 5. 3. 73 zu Krcuzberg a. d. Orla, Knochen- schuß beide Unterschenkel. Die einheitliche Bierflasche. In einer Versammlung von Vcr- tretern der am Brauereiring beteiligten Berliner Brauereien ist der Beschluß gefaßt worden, eine im Flaschenbiergcschäft von allen Brauereien gleichmäßig zu verwendende einheitliche Flasche zu schaffen. Die S chn l t h e i ß° B r a u c r e i'hat sich dem Beschluß gegenüber ablehnend verhalten, weil die Konsumenten dann keine genügende Gewähr dafür haben, daß sie die verlangten Bierc wirklich erhalten. Die vernichtete Flotte und die gescheiterte Anleihe. Der Unter- gong der russischen Flotte in der Korcastraßc hat auch die Finanz- kalamttät Rußlands bedrohlich gesteigert. Man hatte in Pariser Ftnanzkreisen beharrlich in Abrede gestellt, daß in Paris wegen einer neuen russischen Anleihe während der letzten Wochen ver- handelt werde. Jetzt berichtet aber die„N. Fr. Pr.", daß der Credit LyonnaiS, die Banque de Paris und da« Comptoir d'Escomptc neuerdings Verhandlungen wegen Abschlusses einer russischen An- leihe eingeleitet hatten. Diese Verhandlungen, welche mit dem ruf- fischen Finanzminister brieflich vorbereitet wurden, waren dem Ab- schlusse nahe und es sollte Montag die Unterzeichnung des Vertrage« erfolgen. Es sollten fünfprozcntige Schatzbons mit einer Laufzeit von acht Jahren im Gesamtbetrag von 600 Millionen Frank aus- gegeben werden, wovon 400 Millionen fest, der Rest in Option über. nommen werden sollten. Die Nachrichten über die Katastrophe in der Koreastratze haben jedoch den Abschluß in letzter Stunde zum Scheitern gebracht. Die von uns mitgeteilte Nachricht, vier Reiter einer Patrouille seien wegen Ermordung einer alten Hercrofrau anfangs zum Tode und auf'ihre Berufuung zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt worden, bestätigt sich,»vie den„Hamb. Nachr." gemeldet wird.— Hudtand. Die norwegisch-schivedische Uniouskrise und die Sozialdemokratie. Bei dieser großen nationalen Streitfrage ist es wieder einmal beutlich zutage getreten, wie töricht das von den Feinden der Arbeiterbewegung so oft wiedergekäute Gerede ist, daß der intcr- nationale Charakter der Sozialdemokratie unsere Parteigenossen in den verschiedenen Ländern gegenüber großen nationalen Fragen blind mache, sie gleichsam zum Vaterlandsverrat prädestinieren. Nicht als „vaterlandslose Gesellen" haben unsere norwegischen Parteigenossen in diesem großen Konflikt gehandelt; sie haben vielmehr sobald sie sahen, daß es den herrschenden Parteien ernst war mit dem Kampf um die Selbständigkeit des Baterlandes, alle Maßnahmen unter- stützt, die dazu notwendig erschienen. „Es wäre Landesverraterei und Betrug", schreibt unser norwegisches Bruderorgan„Social-Denwkraten",„wenn wir nun nicht unsere ganze Fähigkeit und Kraft in die Politik des Tage« legen würden, wenn wir nicht mit helfen würden, die nationale Sache ihrer Lösung entgegenzuführen, wenn wir nicht an der Verantwortung und der Ehre teilhaben wollten und nicht ernstlich danach trachteten, an der endlichen Entscheidung unseren großen, wohlgemessenen Anteil zu erhalten— den Anteil der Sozialdemokratie.—" Aber die Sozialdemokraten haben in diesem Konflikt mehr ge« leistet und leiste» im gewissen Sinne mehr als die bürgerlichen Parteien. Sie konnten das und können das, weil sie nicht be- schränkt national, wie die bürgerlichen Parteien, nicht mir norwegisch, sondern auch international gesinnt sind, weil sie brüder« lich verbunden sind auch mit der Arbeiterpartei deS Nachbarlandes, das von den nur Nationalen als der Erbfeind angesehen wird. Sie haben durch ihre vielgeschmähte Jnternationalität dafür gesorgt, daß das schwedische Volk über die eigentlichen Bedingungen und Grundlagen des Streites aufgeklärt wurde, und sonnt ihr gut Teil dazu beigetragen, daß der Zwist voraus- sichtlich nicht in einen blutigen Krieg ausarten wird, der dem Sieger wie dem Besiegten gleich unheilvoll sein würde, zu unaufhörlichem kriegerischen Wettrüsten führen und de» Kultnrinteressen beider Länder nnabschbaren Schaden bringen würde.— In einem.Norwegen aus Deinen Händen, König!" überschriebenen Artikel in Stock- Holms„Sozial-Demokraten" schreibt unser schwedischer Parteiaenoste Hjalmar Brantina:.Am 27. Mai 1905 ver- schied ruhig im Alter von Rst/z Jahren die Königsunion zwischen Schweden und Norwegen. Was nun bevorsteht, ist das Begräbnis und die Verteilung des Nachlasses."— Branting kritisiert dann die herausfordernde Haltung, die „Norwegens König" gegen den einmütigen Willen des norwegi- scheu Volkes eingenommen hat.„Rücksicht auf Schweden"— „das heißt: nicht das schwedische Volk, sondern auf unsere Bundes- gefahr, unser LandSnnglück: die Erste Kammer, bindet ihn an ein Verfahren in der Behandlung der Konsulatsfrage, mit dem die Norweger selbst vorher einverstanden waren, zu dem sie aber nach den Erfahrungen mit Boström als selbständige Nation und unter Bewahrung ihrer Selbstachtung nicht zurückkehren können. Ganz Norwegen versteht das— nur der norwegische König nicht. Wir Schweden haben in diesem Konflikt, wo Norwegens König sich selbst außerhalb der Aufgaben stellt, die er in dieser seiner Eigenschaft übernommen hat, nur laut und deutlich vor aller Welt zu erklären: das schwedische Volk hat weder schuld noch teil an dieser Heraus- forderungspolitik. Wenn sie trotzdem angewandt wird, kommt eS wohl zur Scheidung; aber wir wollen in Frieden scheiden, wie Freunde und Brüder." Diese Auffassung war für die schwedische Sozialdemokratie aller- dings von vornherein selbstverständlich. Wenn sie nun auch von anderen Kreisen des schwedischen Volkes geteilt wird, wenn aus diesem Grunde ein Krieg zwischen den Brüderländern immöglich erscheint, so ist das wesentlich der Aufklärungsarbeit der norwegi- schen und schwedischen Sozialdemokraten zu danken.— Niederlande. Das VolkövcrdimimiiiigSgcsctz, das Gesetz zur Begünstigung der klerikalen Schulen, ist an» Mittwoch von der Ersten Kammer mit 27 gegen 16 Stimmen angenommen worden. Daß das„Herren- haus" diesem die allgemeine Volksbildung schwer schädigenden Gesetz seine Zustimmung nicht versagen werde, war vorauszusehen. Doch wird wohl auch der„Sieg" des iviinisteriums Kuyper in der Schul- frage dazu beitragen, daß immer größere Kreise des Volkes über die Gefahren des klerikalen Regimes aufgeklärt werden. Italien. Wesentliche Zugeständnisse an die italienischen Eisenbahner. Rom, den 30. Mai. Gestern ist in der Kammer der definitive Gesetzentwurf über die Neuordnung ocs Eisenbahnwesens verteilt worden. Der Entwurf besteht aus 86 Artikeln. Ucbcr die Arbeitsverhältnisse des Personals finden wir, neben den bereits von der Kammer angenommenen Bestimmungen, mehrere, die den Forderungen entsprechen, mit denen die Eisen- bahncr vor einem Monat in den Streik- getreten sind. Der neue Entwurf setzt die von den Eisenbahnern geforderte Gründung einer einzigen Pensionskasse fest, ferner die Regelung der Nebeneinnahmen, die im Laufe des zweiten Halbjahres 1005 zu geschehen hat und dem Personal Verbesserungen in der Höhe von 1 Million Lire jährlich bringen soll. Auch das dienstälteste Personal soll eine Aufbesserung der Löhne erhalten, die von 1 000 000 Lire auf ein Maximum von 3 Millionen jährlich aufsteigt. Schließlich wird, geinätz dem von F o r t i s den Eisenbahnern vor der Wiederaufnahme der Arbeit gegebenen Versprechen, ein Schiedsgericht eingeführt, an das Eisenbahner und Bahnvcrwaltung in allen Streitfragen appellieren können; die Anrufung des Schieds gcrichtes ist obligatorisch in allen Streitfragen, bei denen es sich um disziplinarische Dienstenthebung von mehr als 10 Tagen handelt. Das Schiedsgericht besteht aus 5 Vertretern des Personals, in all- gemeiner Wahl gewählt, und ans 5 Vertretern der Bahnverwaltung. Diese 10 wählen gemeinsam einen Präsidenten und einen Vize- Präsidenten. Kann bei deren Wahl nicht Einstimmigkeit erzielt werden, so bezeichnen die Präsidenten des Senats, der Kammer und des römischen 5lassationshofes das Präsidium. Dieses Schiedsgericht unterscheidet sich sehr wesentlich von dem von Giolitti vorgeschlagenen, das durch die Obstruktion zu Falle kam. Wenn die Eisenbahner den heutigen Entwurf mit dem damaligen vergleichen, so müssen sie sich in der Tat sagen, daß sie nicht umsonst gestreikt haben.— Arn 15. Juni tritt in Mailand der Jahreskongreß der organisierten Eisenbahner zusammen. Das Urteil im Zivilprozesi Ferri-Bettolo. Rom, den 30. Mai.(Eig. Ber.) Soeben ist das Urteil des hiesigen Zivilgerichts veröffentlicht worden in der Schadenersatzklage des Abmirals B c t t o l o gegen den Genossen Abgeordneten F e r r i und gegen den verantwortlichen Redakteur des„A V a n t i", S a l u st r i. Wie bekannt, hatte Bcttolo eine Schadencrsatzfordcrung von 200 000 Lire aufgestellt, außerdem 85 000 Lire für die Prozc�kosten. Zum Prozeß war nur Genosse Salustri erschienen, Ferri stellte sich nicht vor. Das Gericht erklärte zunächst, daß eine Haftpflicht des„Avanti" nicht besteht. Was den von Bcttolo erlittenen Schaden betrifft, so hält der Urteilsspruch dafür, daß er in 200 000 Lire zu hoch veranschlagt worden ist, einmal, weil die Anklagen nicht gegen Bettolo persönlich gerichtet waren, dann, weil bereits vor dem„Avanti" andere Blätter Anschuldigungen gegen den Admiral erhoben hatten, die sogar noch weiter gingen als die des sozialistischen Blattes. Auch der Umstand, daß die Anschuldigungen politischen Charakter hatten, mindert den vom Zivilklägcr durch sie erlittenen Schaden. Das Gericht beschließt, den Schadenersatz nur nach den erlittenen seelischen Aufregungen zu bemessen und auf 40 000 Lire anzusetzen. Auch die 85 000 Lire, die Bettolo für Prozeßkosten fordert, erachtet das Gericht als zu hoch und reduziert diese Summe auf 36 000 Lire. Ferri und Salustri werden demnach verurteilt, dem Zivilkläger Bettolo an Schadenersatz und Prozeßkostcn die Summe von 76 000 Lire zu zahlen«. Beide Angeklagte werden eine höhere Instanz anrufen. Amerika. Vom Panama-Kanal. Die Panama-Kanal-Kommission hat unter Zustimmung des Präsidenten Roosevclt beschlossen, die für den Kanalbau erforderlichen Materialien sowie alle dort benötigten Dinge auf dem Weltmarkt zu kauten, wo sie am billigsten sind, un- bekümmert um die Erwartung der amerikanischen Unternehmer, durch den Kanalbau große Geschäfte machen zu können. Dieser Beschluß hat einen Sturm in der Presse hervorgerufen und wird als ein Angriff auf die Schutzzollpolitik des Landes hingestellt. Roosevelt wird deswegen scharf angegriffen. Demokratische Blätter erklären, das Volk erhalte dadurch eine gute Lektion über Tarif- rcform. Was der Regierung recht sei. das sei dem Volke billig; es könne ebenfalls fordern, seine Einkäufe da zu machen, wo sie am billigsten sind. Die japanische Regierung hat eine Kommission nach der Land- enge von Panama gesandt, um die Arbeiterverhältnisse beim Kanal- bau zu studieren, weil Japaner in Massen für Panama angeworben werden sollen. Diese Kommission hielt sich dort zehn Tage auf und berichtete in sehr absprechender Weise über die Lage; besonders seien die sanitären Verhältnisse sehr ungünstige. Den japanischen Arbeitern wird empfohlen, nicht nach Panama zu gehen. zu gewinnen. Der Präsident konnte dem Botschastei keine Angabe über die voraussichtlichen Bedingungen Japan? machen. Graf Cassini, der keine Instruktionen seine, Regierung hatte, erwiderte, er für seine Person glaube, daß die gegenwärtige Absicht Rußlands wäre. den Krieg fortzusetzen, iveil gegenwärtig die Zeit zur Beratung nicht günstig sei und dann, weil Rußland nichts verlieren würde, wenn es wartete. Der Botschafter bemerkte sodann, daß Rußland keinen Teil seines Gebietes verloren habe und daß alles zusammengenommen nichts Rußland in die Not- wendigkeit versetze, nm Frieden zu bitten. Cassini wird die Bemerkungen Roosevelts der Regierung in Peters- bürg mitteilen und den Kaiser Nikolaus wissen lassen, daß der Präsident geneigt sei, Rußland jeden Beistand bei de« Friedensverhandlungen zu leiste». Nach Eingang der Antwort wird Graf Cassini eine zweite Zusammenkunft mit Roosevelt haben. Zugleich meldet der„Standard" aus Washington, de, Botschafter der Vereinigten Staaten in Petersburg v. Lengerke-Meyer sei beauftragt worden, der russischen Regierung die Ansichten des Präsidenten Roosevelt über die Stellung Japans zur Friedensfrage mitzuteilen. » Eine ergänzende Darstellung über die Unterredung Cassinis mit Roosevelt gibt die Londoner„Morning Post": Roosevelt habe dem Botschafter sein herzliches Verlangen kundgegeben als Freund Rußland einen Dienst zu erweisen, sobald es, den Wünschen der gesamten zivilisierten Welt entsprechend und durch Gründe der Humanität geleitet, suchen würde, Frieden zu schließen. Der Präsident habe seine Dienste in jeder Art, wie sie Rußland annehmbar sein würden, zur Verfügung gestellt, ebenso- wohl als Vernnttler wie auch als Unterhändler zwischen den Kriegführenden. In allgemeinen Umrissen habe Roosevelt dem Bot» schafter Cassini auch von den Bedingungen Kenntnis gegeben, di« Japan stellen würde, habe aber gleichzeitig erklärt, er halte es zurzeit nicht ebenso wichtig. Rußland die Ansprüche Japans zu unterbreiten, als Rußland seine Lage erkennen z» lassen und diesem Lande den Wunsch anzudeuten, auf dir Stimme« der Welt zu hören und den aussichtslose» Krieg zu beendigen. • Paris, 3. Juni. Senator Destournelles de ConstanS wird bei der parlamentarischen Gruppe für internationalen Schiedsspruch be« antragen, daß sie eine Resolution beschließe, in der die französische Regierung ersucht wird, im Einvernehmen mit der englischen Re- gierung Nußland und Japan gemäß den Bestimmungen der Haager Konvention ihre guten Dienste anzubieten. Friedeitsklänge. eme Das Gerücht, daß Präsident Roosevelt Friedensvermittelung beabsichtige, bestätigt sich. Der russische Botschafter in Washington Graf Cassini hatte ani 2. Juni eine Unterredung mit dem Präsidenten Roosevelt, dieser gab, wie gemeldet wird, der Hoffnung Ausdruck, daß Rußland deuinächst Frieden schließen werde, die Fortsetzung des Krieges hätte nur die Wirkung, die Forderungen Japans zu erhöhen; er ließ durchblicken, daß es für Rußland schwiert- sein wr,.*» Me Oberhand 6cwerkrcbaftUd)C9o Berlin und Orngegend. Aufruf an die Herrenkonfektionsschneidcr BerlinS! Kollegen! In zirka 60 Städten Deutschlands stehen 8000 Maß- schneider teils im Ausstande, teils sind sie, weil sie nicht Streik- brecher werden wollen, ausgesperrt. Die Unternehmer dieser Städte richten ihr ganzes Augenmerk auf Berlin, um Streikarbeit an- gefertigt zu erhalten. Aus diesem Grunde haben nunmehr auch die Berliner Maßschneider beschlossen, die Arbeit niederzulegen. Kollegen der Herrenkonfektion! In dieser Zeit ist es Eure solidarische Pflicht, jede Euch angebotene Maßarbeit entschieden zurück- zuweisen. Ihr wollt und könnt nicht an Euren Kollegen, den Maß- schneidern, zu Verrätern werden, die um die Gleichberechtigung der Organisation, also auch um Eure Interessen kämpfen. Die Firmen Elsbach, Spandauerstrahe, M. W. S ch n e i d e r. Spandauerstr. 7, Adalbert Stier, Wallstr. ö— 13, Ba rt- l i n g Söhne, Dessauerstr. 33, L i p p o l d, Luisenstr. 24, Brüning, Bahnhofstraßo(Am Anhalter Bahnhof), Berger, Collani u. Äo., Lindenstraße, und Eduard Kühne, Friedrichstr. 200, machen Streikarbeit für auswärtige Firmen od«, Filialen. Meidet diese Firmen und auch andere, die sogenannt« Maßkonfektion anfertigen. Geht lieber mit den Streikenden, als daß Jh« an ihnen zum Verräter werdet. Hoch die Solidarität der Arbeiter! Verband der Schneider(Filiale Berliv1< Engel-Ufer 21, Part. Aufruf. An die Mitglieder des Verbandes Deutscher Barbier-, Friseur- und Perückcnmachcrgehülfen, Zweigvercin Berlin. Werte Kollegen! In Anbetracht der Lohnbewegung ersuchen wir um Mitteilung jedes einzelnen Mitgliedes, ob der Prinzipal bewilligt hat. wo ein Mitglied arbeitet. Ferner müssen die Mitgliedskarten abgegeben werden, da eine Legitimationskarte aus- gestellt wird, daß in den Geschäften bewilligt ist. Laut Beschluß ist der Beitrag ivährend der Lohnbewegung von 40 Pf. auf 80 Pf. erhöht worden. Umtausch der Karten auf dem Arbeitsnachweis Gr. Frankfurterstrahe 65. Der Lorstand. I. A.: K. ÜB es che. Der Kampf im Schneidergewerbe. Der Beschluß, den die Berliner Schneider am Freitag gefaßt haben, ist am Sonnabend einmiitig ausgeführt worden. Soweit sich bis jetzt übersehen läßt, ist die Arbeitsniederlegung in de, Herren-Maßbranche eine vollständige. In der am Sonnabend abgehaltenen Versammlung der Wcrkstattdelegierten wurde fest- gestellt, daß etwa 1500 Berufsangehörige in 155 Geschäften sich als Streikende gemeldet hatten. Dies Resultat ist noch kein vollständiges, da am Montag voraussichtlich noch viele Meldungen folgen werden, so daß die Zahl der in Berlin Streikenden auf etwa 2000 anwachsen dürfte. Verschiedene Arbeitgeber suchten der Arbeits- niederlegung dadurch vorzubeugen, daß sie ihren Arbeitern versicherten, dem Arbeitgeber-Vcrbande nicht anzugehören. Auf derartige Ber- sicherungen wurde jedoch nichts gegeben und die Arbeit überall ohne Bedenle» eingestellt. DaS Nähere über die ferner einzuschlagende Taktik soll in der heutigen Versammlung beschlossen werden. In unsere» gestrigen Mitteilungen über die Zahl der Streikenden sind irrtümlich die Orte weggeblieben, wo schon zu Anfang wegen Verweigerung von Streikarbeit der Ausstand eintrat. ES sind dieS Hamburg mit 1100, Gtraßburg mit 200, Nürnberg mit 200 Streikenden. Demnach waren bereits in 55 Städten über 8000 Schneider aus« ständig. Unter Hinzurechnung der Berliner Streikenden erhöht sich die Gesamtzahl auf etwa 10000. Der Streik der Modelltischler währt bereits neun Wochen. Gegenwärtig befinden sich noch 478 Bcrufsangchörige im Ausstande. Die Fabrik von Freund mit 0 und die Firma Kapplcr mit 34 Modelltischlern haben eine halbstündige Verkürzung der Arbeitszeit und die meisten der anderen Forderungen bewilligt. In den beiden Betrieben ist die Arbeit aufgenommen worden. Die Firma Borsig verhandelte zwar mit den Streikenden, machte aber zu geringe Zugeständnisse, so daß die Verhandlung kein Resultat brachte.— Von den Streikenden haben 79 in anderen Branchen Arbeit gefunden. 42 sind abgereist, sie erhielten auswärts sogleich Arbeit, obwohl nach einem Beschluß der Unternehmer die aus Berlin kommenden Modell- tischler nirgends beschäftigt werden sollen. Die Versuche der Unter- nchmer. ihre Arbeiten auswärts anfertigen zu lassen, gelingen meistens nicht, da die auswärtigen Modelltischler jede Streikarbeit ablehnen. Zu Differenzen ist es auS diesem Grunde in Magdeburg. Leipzig und Dresden gekommen, die Konflikte endeten jedoch zu- gunsten der Arbeiter und mit Zurückweisung der Strcitarbeit.— Tie Streikleitung macht besonders darauf aufmerksam, daß Mdell« Hfchlerarbeiten der Fahrstuhlfabrik von Flohr in anderen Betrieben ausgegeben werden. Da diese Arbeiten ebenfalls Streifarbeiten, jedoch nicht ohne weiteres als solche zu erkennen sind, so werden bie beteiligten Arbeiter um besondere Aufmerksamkeit ersucht. Die unterzeichnete Firma wird diejenigen Arbeiter, die diese waren zu der Verhandlung geladen: Profeffor Dr. Miller, Erklärung unterzeichnen, soweit es irgendwie möglich, vom Dr. Aronsohn, Dr. Witkowsky, der Zahnarzt Karras fommenden 5. Juni morgens ab unter Anrechnung der bisherigen und der Zahnkünstler Ernst Jmming. Der Staatsanwalt glaubte Dienstzeit wieder einstellen. Sollte die Anzahl der Unterzeichner aus den Gutachten der Sachverständigen, die sich allerdings mit eineine so geringe fein, daß die gänzliche Betriebseinstellung gleich ander in Widerspruch setzten, eine Fahrlässigkeit der Angeklagten zu wohl weiter erforderlich erscheint, so trifft die Verantwortung für erblicken und beantragte gegen Blaczet 300 Mart, gegen die aus der Betriebseinstellung dem einzelnen erwachsenen Folgen Weiß 150 Mart Geldstrafe. Rechtsanw. Dingmann hielt die Organisation. Formulare zur Erklärungsabgabe werden dagegen die Freisprechung zum mindesten des Angell. Weiß für jedem Arbeiter zugestellt, liegen außerdem auch beim Portier geboten. Der Gerichtshof kam nur bezüglich des Angell. Placzek zu einer auf und sind bis 3. Juni, mittags 12 Uhr, im verschlossenen Verurteilung, sprach dagegen Weiß von Strafe und Kosten frei, Kuvert abzugeben. da bei ihm keinerlei Fahrlässigkeit nachgewiesen sei. Gegen Blaczec München, 2. Juni 1905. lautete das Urteil auf 300 Mark Geldstrafe. Der Streit der Bretterträger und Brettschneider. In der Verfammlung der Mitgliedschaft II des Hafenarbeiter- Verbandes, die am Freitag im Gewerkschaftshaus tagte, berichteten die Vertreter der Streitleitung über die Lage des Streifs und über die mit einzelnen Unternehmern gepflogenen Verhandlungen. In den letzten Tagen hat sich die Situation im allgemeinen wenig verändert. Die Verhandlungen haben ergeben, daß die meisten Unternehmer die Forderungen nicht grundsäßlich ablehnen, sie aber mit Rücksicht auf den Holzhändler- Verband nicht unterschreiben wollen. Diejenigen Firmen, die bereits bewilligt haben, wurden in der Versammlung berlesen. Nach einer Meldung bürgerlicher Blätter will der Holzhändler Verband, falls bis Montag feine Einigung mit den Streifenden erzielt wird, eine allgemeine Aussperrung tapern: durchführen. Auf die Haltung der Streifenden konnte diese Drohung feinen Einfluß ausüben. Sie sind bekanntlich stets zu verhandeln bereit, und dies hat die Streifleitung auch am Freitag noch der Holzhändler- Organisation mitgeteilt. Die Versammlung beschloß, baß der Streit fortgesetzt und über die weiteren Maßnahmen in einer auf Dienstag abend einberufenen außerordentlichen Mitgliederversammlung beraten werden soll. = ( Unterschrift der Firma.) Um 25 Uhr wurden die Arbeiterausschüsse in das Kontor be. rufen, währenddessen suchten Vorarbeiter und Werkmeister unter den Arbeitern unter Vorlage folgenden Reverses Arbeitswillige zu Ich erkläre, daß ich weder streifende noch ausgesperrte Arbeiter mit Beiträgen unterſtüßen werde und genehmige ausdrücklich diese meine Erklärung. München, 3. Juni 1905. ( Unterschrift.) Mit ganz verschwindenden Ausnahmen haben die Arbeiter diese Prostitution entrüstet zurückgewiesen. Die Polizei zeigt sich auch Die ftreifen den Zigarettenarbeiter und-Arbeiterinnen der Firma in diesem Falle wieder als willfährige dienende Magd des ProzenJosetti, Berlin, hielten am Sonnabendvormittag eine Fabrit- tums. Durch einen Kommandanturbefehl hat die gesamte besprechung ab, in welcher die Streiffommission namentlich folgendes Münchener Schußmannschaft ab heute, Freitag, in Bereitschaft zu berichtete: Die Situation des Kampfes in Dresden hat sich um stehen. Kein Schuhmann bekommt weder Urlaub noch darf er das ein kleines verändert, indem zu den drei schon früher bewilligt Weichbild der Stadt verlassen. habenden Firmen Selo to ski, Casanova, Kasadki noch Ein schwerer Kampf steht den bayerischen Metallarbeitern beRosmos im Laufe dieser Woche hinzugetreten ist. Als vor! Es handelt sich in diesem Falle um eine brutale VergewaltiBetveis, wie sehr der Firma Josetti das Feuer auf gung des Koalitionsrechtes. ben Nägeln brennt, wurde eine Annonce sowohl aus der Morgenpost" wie aus dem„ Lokal- Anzeiger" vorgelesen, in welcher bon derselben Lehrmädchen gesucht werden. Von der Kommission wurde hierzu ausgeführt, daß sie folgenden Aufruf in der Presse veröffentlichen würde: An alle Eltern, welche Kinder zur Arbeit schicken, wenden sich bie ftreifenden Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Josetti, Berlin, mit der Bitte, ihre Kinder nicht zu Streifbrechern erziehen zu lassen." Bum Beweise, welche Stimmung inter den Streifenden herrscht, yurde folgende Resolution einstimmig angenommen:" Die heute Sonnabend, den 3. Juni cr., Versammelten halten fest an dem Beschluß, welchen die öffentliche Versammlung der Zigarettenarbeiter und Arbeiterinnen am 25. Mai er. in Dräsels Saal gefaßt hat und verspricht, nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis die bescheidenen Forderungen der Dresdener Arbeiterinnen erfüllt find." Die Streifenden erwarten die energischte, moralische Unterstütung jeitens aller Zigarettenraucher. Erfolgreicher Lohnkampf Magdeburger Bootsleute in Berlin. Auf den zurzeit in Berlin liegenden Schiffen der beiden Magdeburger Firmen Wilhelm Strad und Andree haben die Bootsleute am Freitag nach kurzem Streit, der nur wenige Stunden bauerte, die auf den Elbschiffen gestellten Forderungen im wesent: lichen durchgesetzt. Der Monatslohn, bisher 83 M., wurde auf 100 m. erhöht. Die Sonntagsarbeit, die bisher unentgelt! geleistet wurde, wird nun mit 50 Pf. die Stunde bezahlt, eben, bie Ueberzeitarbeit nach 7 Uhr abends. Diese schäbenswerten Erfolge haben die Bootsleute durch ihren Anschluß an die Organisation und hr einmütiges Auftreten erzielt. Der kürzlich wegen verschleierten Wuchers mit vier Monaten Gefängnis bestrafte Pferdehändler Jsidor Levy ist nicht, auf den Agenten Noegel, welcher bei den Buchergeschäften des d wie irrtümlich mitgeteilt, vorbestraft, vielmehr galt diese Mitteilung Beihilfe geleistet hatte. Letzte Nachrichten und Depefchen. Die gemeinsame Gefahr". Paris, 3. Juni.( W. T. B.) Jm Elysée fand heute ein Frühstück zu Ehren des Königs von Spanien statt. Der König brachte einen Trinkspruch auf Präsident Loubet aus, in dem er seiner Bewunderung für die große französische Armee Ausdruck gab, auf die Frankreich mit Recht stolz sein könne. In Chalons habe er die Macht einer Artillerie bewundern können, die würdig sei, als Beispiel zu dienen, sowie den herrlichen, traditionellen Elan der Infanterie und die glänzenden Attacken der Kavallerie. Als ich heute, fuhr der König fort, die Reihe Ihrer schönen Truppen durchschritt, schlug mein bewegtes Herz höher, gemeinsam mit allen französischen Herzen. Ich werde nicht vergessen können, daß wir gemeinsam einer Gefahr entronnen sind, die in unseren Tagen das braven Kürassiere die Feuertaufe erhalten habe. Ich erhebe mein Glas auf Ihre Gesundheit, auf den Ruhm der Armee und auf das Glück Frankreichs. Wie uns ein Privattelegramm meldet, wurden Sonnabend Leben aller Staatsoberhäupter bedroht, und daß ich inmitten Ihrer abend in neun Fabriken 3000 Arbeiter ausgesperrt. Präsident Loubet erwiderte: Die Armee wird stolz auf das Lob sein, das Eure Majestät ihr gespendet. Die Armee begrüßt in Eurer Majestät den hochherzigen Chef einer unter allen anderen berühmten Armee, die Ihrer erlauchteten Fürsorge ein ihrer glänzenden Geschichte würdiges Geschick verspricht. Im Namen Frankreichs, dessen Herzen Sie sich durch Ihre Liebenswürdigkeit zunächst und dann durch Ihren Mut doppelt gewonnen haben, und dessen heiße Wünsche Ihnen übermorgen in das befreundete Land folgen werden, das sich anschickt, Sie zu feiern, trinke ich auf den Ruhm der spanischen Armee, auf eine lange und glückliche Regierung ihres Chefs und auf die Wohlfahrt Spaniens. Herr Loubet verzichtete, wie man sieht, darauf, Betrachtungen über die gemeinsame Gefahr" des Anarchismus anzustellen und begnügte sich damit, den bei einer unbeträchtlichen, aber höchst vers dächtigen Explosion bewiesenen Mut höflich zu bewundern. Die Korrumpierung des Klassenkampfes. Gine stehende Rubrik ist bekanntlich in der Unternehmerpresse dem angeblichen Terrorismus der Gewerkschaften und ihrer Mitglieder eingeräumt. Gefeßt, alle die Mordgeschichten, die unter solcher Stichmarke den düpierten bürgerlichen Lesern aufgetischt werden, entsprächen ebenso den Tatsachen und der lautersten Wahrheit, wie sie durch die Bank erfunden oder erlogen zu sein pflegen, so würde ihre moralische Verwerflichkeit doch weit in den Schatten gestellt durch folgenden Unternehmerstreich, der aus Neumünster in Schleswig- Holstein gemeldet wird. Dort stehen bekanntlich die Tischler im Streit, und es ist den Arbeitgebern bis jetzt nicht gelungen, Arbeitswillige in irgendwie nennenswerter Bahl herbeizuschaffen, oder vielmehr festzuhalten. Ist es wirklich einmal geglückt, einige Tischlergesellen von auswärts herbeizulotsen, so rücken diese in der Regel kurz darauf zum Erstaunen der Meister wieder aus. Um nun zwei Fliegen mit einer Slappe zu schlagen: den Arbeitswilligen einen lockenden Nebenverdienst" zu schaffen, der sie vielleicht am Orte hält, und zugleich an den Streifenden sein Mütchen zu fühlen, hat der Arbeitgeberverband den Beschluß gefaßt, denjenigen Arbeitswilligen, welche sich von Streikenden be= läftigt oder bedroht fühlen, für jeden Fall, den sie so zur Anzeige Brüssel, 3. Juni.( B., H.) Der Ausschuß der auswärtigen bringen, daß der Täter gerichtlich belangt werden kann, eine Be- Angelegenheiten der öffentlichen Arbeiten und Landwirtschaft hat lohnung von 25 M. auszuzahlen. Man sieht: regelrechte den Gesezentwurf betreffend die Annahme des deutsch- belgischen Schußprämien auf Streifende! Gegenüber einer solch verächtlichen Handelsvertrages einer Prüfung unterzogen und denselben unter Methode des Klassentampfes ist das Pinkerton- Unwesen in den Ver- verschiedenen Reserven, welche vom Berichterstatter aufgestellt sind, einigten Staaten gewiß noch anständig zu nennen. angenommen. Diese Reserven betreffen die Artikel 3 und 4 des Vertrages. Der Ausschuß erhob Bedenken, ob verschiedene Klauseln nicht verfassungswidrig seien. Der Gesetzentwurf wurde mit 11 Stimmen bei 4 Stimmenthaltungen angenommen. Sturmkatastropfe. Eine Gewerkschaftsversammlung in Mainz beschäftigte sich im Anschluß an den Kölner Gewerkschaftskongreß mit der Frage der Arbeiterkammern. Die Versammlung erklärte sich durch Annahme einer Resolution mit dem entsprechenden Beschluß des Gewerkschaftsfongresses einverstanden. Husland. Deutsch- belgischer Handelsvertrag. Spanischer Bombenschwindel. Reste der russischen Ostafien- Flotte. Manila, 3. Juni.( Meldung des„ Reuterschen Bureaus".) Die russischen Kreuzer" Aurora"," Oleg" und„ Schemtschug" sind unter dem Oberbefehl Enquists, der sich an Bord der" Aurora" befindet, in der Manila- Bucht eingetroffen. Die Schiffe sind be schädigt; von der Besatzung sind viele verwundet. Schildermaler. Der jetzt bereits zwölf Wochen dauernde Streit der Berliner Schildermaler, der zurzeit freilich nur noch ein partieller ist, wurde durch eine am Freitag stattgehabte Unterhandlungsanbahnung, an der Vertreter der Arbeiterorganisation und des Unternehmervereins teilnahmen, unterbrochen. Die AusLondon, 31. Juni. Nach einer Meldung der Abendblätter aus sprache wurde durch den Generalsekretär des Unternehmerverbandes, Der große Konflikt in der schwedischen Metallindustrie hat sich Durban kamen durch den Sturm, der Natal am Mittwoch heimRaffe, vermittelt und von diesem auch eingeleitet. Als jedoch in den letzten Tagen noch immer weiter ausgedehnt. Zu den alten suchte, und durch den Einsturz des Wasserreservoirs in Pineſtown der Unternehmervertreter Schmiedel erschien, wurde der Streifs sind neue hinzugekommen, und zwar in Stockholm, Göteborg fünfhundert Indier und fünfzig Europäer ums Leben. Generalsekretär zur Seite geschoben und im übrigen jeder greifbare und Eskilstuna, wo mehrere hundert Arbeiter die Arbeit eingestellt Erfolg dieser Zusammenkunft durch das ungemein, na sagen wir haben. Die große Gefahr, die für das gesamte Erwerbsleben selbstbewußte" Auftreten des Herrn Schmiedel im vornherein unMadrid, 3. Juni.( W. T. B.) Der Minister des Innern er Manne konnte schon aus dem Grunde für die Arbeitervertreter kein lange angekündigte allgemeine Aussperrung durchführen, hat nun lärt die Meldung, daß gestern vor dem Generalkapitänat in möglich gemacht. Zu fachlichen Auseinandersetzungen mit diesem Schwedens aus diesem Konflikt erwächst, wenn die Unternehmer die die Regierung veranlaßt, die Parteien zu Verhandlungen aufgeeigneter Boden vorhanden sein, als Schmiedel wiederholt erklärte, die Regierung veranlaßt, die Parteien zu Verhandlungen aufeinen von Kindern angezündeten Feuerwerkskörper gehandelt. daß von einer Gleichstellung der Arbeiter und der„ Chefs" in keiner zufordern. In dem Vorschlag, der im Auftrage des Rivil Barcelona eine Bombe geplaßt sei, für grundlos; es habe sich um Weise die Rede sein könne. Seiner Auffassung nach sei der gegen und der Landesorganisation der Gewerkschaften ministers Westring der Werkstattbereinigung" wärtige Streit eine bloße Machtfrage und die Differenzen könnten nur dadurch beseitigt werden, daß die Arbeiter bedingungslos stellt, daß die sämtlichen Streits aufgehoben werden, andererseits, Schweden 3 gemacht wurde, wird einerseits die Bedingung ge= zur Arbeit zurückehrten, eventuell könnte man dann in eine wohlwollende Prüfung einzelner Wünsche der Arbeiter ein- daß die Unternehmer darauf verzichten, daß die Verhandlungstreten! Diese Zumutung mußte von den Malervertretern mit um bedingungen" sofort in Straft treten. Die Einigungsverhandlungen so größerer Heiterkeit aufgenommen werden, als für die Arbeiter sollen dann ununterbrochen geführt werden und so, daß spätestens der bisherige Verlauf des Streits ein überaus günstiger ist. Von am 20. Juli ein beiden Parteien annehmbares Ergebnis vorliegt. Das Landessekretariat der Gewerkschaften und die Vorstände der den Malern, die bei den nichtgesperrten Berliner Firmen nicht mehr beteiligten Verbände haben bereits über den Vorschlag beschlossen, Arbeit nehmen konnten, ist der allergrößte Teil in der Provinz ihre Antwort jedoch noch nicht veröffentlicht. untergebracht, trotzdem der Generalsekretär Nasse die Schilderfabrikanten in den verschiedenen Städten mit Uriasbriefen, in denen vor der Beschäftigung Berliner Schildermaler gewarnt wurde, bedachte. Von den noch am Orte befindlichen Streifenden fanden dann wieder viele Beschäftigung in der Stubenmalerei usw. Man Ein kleiner zahnärztlicher Kongres fand gestern in dem SigungsDie Revolution in Rußland. weiß also nicht, wer von den Malern noch bedingungslos zur Arbeit faal der 9. Straffammer des Landgerichts I statt. Es handelte sich Petersburg. 31. Juni.( W. T. B.) Gestern abend 8 Uhr bei Herrn Schmiedel und Genoffen zurüdfehren müßte. Die Aus- um ein Stück des schon Jahre dauernden Kampfes, welchen die versammelten sich in der Vorstadt Ljesnoi gegen 15 000 Arbeiter sprache wurde denn auch kurzerhand abgebrochen. Die Unter- wissenschaftlich gebildeten Zahnärzte gegen die Zahntechniker, Zahnnehmer, welche den Frieden mit den Malern suchen, weil sie ihn fünstler und Dentisten führen, die in neuerer Zeit durch Provisions- an, die mit roten Fahnen, revolutionäre Lieder singend, zum brauchen, haben sich für das gänzliche Scheitern dieser Unterhandlung reisende der zahnleidenden Menschheit Heilung versprechen lassen und Gebäude des technischen Instituts marschierten, das ganz mit roten in erster Linie bei ihrem Hauptvertreter zu bedanken, der mit seinem vielfach mangels genügender Bildung das Versprechen nicht halten revolutionären Juschriften tragenden Fahnen beflaggt war. Selbstbewußtsein die Karre gründlich festfuhr. fönnen. Wegen fahrlässiger Körperverlegung waren Als die Arbeiter sich dem Justitute näherter, erschienen Kosaken Die Fensterputer der Firma Juhre, Palisadenstr. 17, haben die 8 ahntechniker Leo Placzek und Nikolaus Weiß und berittene Polizeimannschaften. In dem entsteheven Getümmel gestern die Arbeit eingestellt, nachdem ihre minimalen Forderungen, angeklagt. Beide Angeklagten sind gegen ein bestimmtes Monats hieben die Kosaken mit ihren Säbeln und Nagajken auf die Arbeiter Erhöhung des Wochenlohnes von 17,45 M. auf 19. M., abgelehnt gehalt bei einer Firma Hornig u. Co. angestellt. Diese läßt durch eine ein, die sich mit Stöcken und Steinen verteidigten. Das Getümmel wurden. Eine von seiten der Organisation angebahnte Ver- Anzahl Reisende Zahnleidende der weniger bemittelten Volksklassen dauerte etwa eine Stunde. Nachdem die Menge auseinander handlung hat Herr Juhre schroff zurückgewiesen. Wir ersuchen, Heilung des Zahnleidens bei mäßiger Anzahlung und geringen Arbeiter auf dem Plaze. Außerdem etwa 45 Leicht. aufsuchen und verspricht gänzlich schmerzlose Operationen beztv. getrieben war, blieben zwölf schwer verwundete den Zuzug streng fernzuhalten. Teilzahlungen. Dieses Geschäftsgebaren wird seit längerer Zeit Die Sektionsleitung des Zentralverbandes der Handelsund Transportarbeiter Deutfches Reich. Unternehmer- Brutalität. München, 2. Juni. Gerichts- Zeitung. Washington, 3. Juni.( W. T. B.) Nach einer Besprechung, die heute Präsident Roosevelt mit dem Marinesekretär Morton und dem Generalstaatsanwalt Moody hatte, wurden an Admiral Train nach Manila Anweisungen gesandt, daß die dort eingetroffenen russischen Kriegsschiffe zu internieren sind. von den wissenschaftlich gebildeten Aerzten bekämpft, da das zahn- verwundete. Von den Kosaken und der Polizei leidende Publikum vielfach die größten Schäden infolge unsach- wurden etwa 15 verwundet. gemäßer Behandlung erleiden müsse. Von den ärztlichen Streisen. war deshalb als Schulfall einer derartigen Behandlung der jetzige Die Gefangennahme Roschbjestwenslys. zur Auflage stehende Fall herangezogen worden. Ein Fräulein W. wurde von einem Reisenden des Instituts Hornig aufgesucht, Tokio, 2. Juni.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Nachdem die von den Maschinenmagnaten den Streikenden ge- der ihr versicherte, daß jede Operation völlig schmerzlos aus- Ueber die Gefangennahme des Admirals Roschdjestwenskys werden stellte Galgenfrist, nämlich bedingungslos die Arbeit aufzunehmen, geführt werde. Am nächsten Tage erschien der Angeklagte Placzek jept folgende Einzelheiten bekannt: Nachdem die beiden heute morgen 6 Uhr abgelaufen war und kein einziger abtrünnig mit dem Reisenden als Gehülfe in der Wohnung der W. Als diese Torpedo bootszerstörer Sadzanami" und" Kagero" während der geworden ist, ließ der Metallindustriellen- Verband heute, Freitag, sich aus Furcht weigerte, sich die Zähne ziehen zu lassen, wurde ihr Nacht des 27. Mai herumgesucht hatten, entdeckten sie zwei russische nachmittags 4 Uhr, in München und Nürnberg folgenden Utas in mitgeteilt, daß der Angeklagte nicht so viel Zeit habe, er müsse Torpedobootszerstörer, von denen der eine fortdampfte, der andere sämtlichen Maschinenfabriken anschlagen: schnell gehen. Mit ungewaschenen Händen begann die schmerzlose" manöverunfähig war. Beim Näherkommen wurde bei letzterem " Nachdem die Arbeit bei den vom Ausstand betroffenen Operation in der Weise, daß der Angeschuldigte bald anordnete, das Fahrzeuge am Fockmast die weiße Flagge und hinten die rote KreuzFirmen nicht aufgenommen wurde, wird unter Hinweis auf die Fenster zu schließen, damit die Nachbarn das Schreien nicht hören". flagge erkannt. Es war dies die" Biedovy" mit dem Admiral Bekanntmachung vom 26. Mai d. J. der Betrieb Sonnabend, den Fräulein W. hatte im Oberkiefer nur acht Zähne, von denen vier Roschdjestwensky und seinem Stabe an Bord. Die Biedoby" 3. Juni, nachmittags mit Schluß der Arbeitszeit eingestellt. Die fariös waren. Der Angeklagte brach ohne weiteres auch die signalisierte, daß ihre Maschinen unbrauchbar geworden seien und unterzeichnete Firma fordert jene Arbeiter, die in Treue zu ihrem Stronen dreier gesunder Zähne aus und zog dann, entgegen fie mit Sohlen und Wasser knapp sei. Es wurde eine bewaffnete Arbeitgeber zu halten gewillt sind, auf, dieser Gesinnung auch der sonst gebräuchlichen Weise, mit einer Nervennadel anstatt Wache behufs Entgegennahme der llebergabe an Bord geschickt. Ausdruck zu geben, und ist zu diesem Zweck eine Erklärung nach- mit mehreren, um eine Infektion zu vermeiden, den Zahnnerv Die Russen baten die Japaner, den Admiral und andere wegen stehenden Inhalts abzugeben: heraus. Ohne eine genügende Desinfektion der offenen Widen ihrer Wunden nicht weiterzutransportieren. Dieses Gesuch wurde Erklärung. vorzunehmen, ließ der Angeklagte P. die Zeugin sodann das Gebiß gewährt mit der Einschränkung, daß die Wachmannschaft Befehl Jch Unterzeichneter erkläre hiermit, daß ich nicht tragen. Die Folge war, daß Fräulein 2. eine äußerst schmerzhafte erhielt, den Admiral zu töten, wenn der Aufenthalt der Boote dazu Mitglied irgend einer Arbeiterorganisation bin und das Kieferhautentzündung davontrug. Die Schmerzen waren mitunter führen würde, daß man andere russische Schiffe träfe und dadurch Vorgehen der sogenannten Arbeiterführer auf das schärffte so arg, daß Fräulein W. ohumächtig wurde. Jetzt erst suchte sie die Gefahr der Rückeroberung des Biedovy" entstände. Die verurteile, weil beide nur Unfrieden zwischen Arbeitgebern einen ga arzt auf. Die Heilung erforderte längere Zeit; oben Biedovy" wurde dann von Sadzanami" geschleppt, wobei zweimal und Arbeitnehmern säen und gleich schädliche Folgen für drein stellte sich auch noch ein Magenleiden bei der Zeitgin die Schleppleine brach. Am Morgen traf man dann den japanischen Industrie und Arbeiterschaft hervorrufen. ein. Die Anklage behauptet, daß sich beide Angeklagten Kreuzer Afaschi", der die Boote nach Sasebo geleitete. Es stand München, 2./3. Juni 1905. durch eine durchaus unsachgemäße Behandlung der fahrlässigen eine schwere See während dieser Fahrt, so daß die Decke immer unter Störperverlegung schuldig gemacht haben. Als Sachverständige Wasser waren. ( Unterschrift.) " Berantwo. Neb.: Franz Rehbein, Berlin. Jensrate verantw.( mit Ausnahme der„ Neue Welt" Beilage): Th. Glode, Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW Hierar 5 Beilagenu Unterhaltungsbr Nr. 129. 22. Jahrgang. 1. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Derrenbaus. 43. Sigung vom 3. Juni, 10 Uhr. Am Ministertische: Freiherr v. Rheinbaben. Präsident Fürst Knyphausen teilt mit, daß die KommissionsBeratungen über die Berggesetznovellen am 19. Juni beginnen werden. Für den Beginn der Plenarverhandlungen über diese Novellen habe er den 27. Juni in Aussicht genommen. Der Schluß der Tagung könnte dann etwa am 1. Juli stattfinden. Es folgt die einmalige Schlußberatung des Antrags des Freiherrn v. Manteuffel, die Staatsregierung zu ersuchen, gegen die Einführung einer Reichs- Erbschaftssteuer grundsäglich Stellung zu nehmen und ihren Einfluß im Bundesrate dahin geltend zu machen, daß die Erbschaftssteuer der Gesetzgebung der Einzelstaaten vorbehalten bleibt. von einer Erbschaftssteuer befreit bleiben. Sonntag, 4. Juni 1905. trag anzunehmen und den des Grafen Stolberg abzulehnen. Der Emil Eichler wird einen Vortrag halten:„ Schiller als Banner sentimentale Antrag des Grafen Stolberg schwächt meinen Antrag träger unter den Dichtern und Dentern seiner Zeit." Wir erwarten ab. Wir wollen teine Reichs- Erbschaftssteuer haben aus prinzipiellen zahlreichen Besuch der Mitglieder. Gäste, Damen und Herren, find Gründen. Der Finanzminister konnte nicht gut mehr sagen, als er uns willkommen. Der Vorstand. gesagt hat, aber befriedigt haben mich seine Ausführungen nicht. Folgen Sie dem Sirenengesange des Herrn Struckmann nicht. klasse hielt am 29. Mai seine Generalversammlung ab. Die VorWeißensee. Der Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiter( Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. sigende gab den Vorstandsbericht, die Kassiererin den Kassenbericht. Der Antrag des Frhrn. v. Manteuffel wird gegen die Stimmen Die Richtigkeit des letzteren wurde von der Revisorin bestätigt, einiger Bürgermeister angenommen. worauf die Kassiererin entlastet wurde. Dann folgte Wahl des Vorstandes. Gewählt wurden als erste Vorsitzende Frau Demmig, Den Antrag Graf Stolberg erklärt Präsident Fürst als zweite Borsigende Frau Hammermann, als Kassiererin Frau Kuyphausen durch diese Abstimmung für erledigt. Das Haus vertagt sich auf den 27. Juni, 2 Uhr. Voraussichtlich sizerin Frau Albrecht, als Revisorinnen Frau Berg und Frau BarBrandenburg, als Schriftführerin Frau Dybowski, als Beikommen dann die Berggesetznovellen und Petitionen zur Beratung. leben. Unter Verschiedenem wurden dann noch die Lokale bei Schmutz Schluß 1 Uhr. und Ulrich zu Vereinsversammlungen bestimmt, sowie ein Ausflug nach Tegel festgesetzt. Aus der Partei. mitzubringen. Verfammlungen. Dr. Udo Graf zu Stolberg- Wernigerode beantragt, dem Antrage Freiherr v. Manteuffel folgenden Zusatz zu geben: Sollte dies Steglit. Dienstag, den 6. d. Mts., hält der Bildungsverein nicht ausführbar sein, dahin zu wirken, daß Erbschaftsfälle zwischen Rom, 30. Mai. Beränderungen in der Redaktion des„ Avanti". von Steglig und Umgegend seine Mitgliederversammlung bei Grube Aszendenten und Deſzendenten, sowie zwischen Ehegatten wie bisher mit dem 1. Juni treten in der Redaktion des„ Avanti" größere in Friedenau, Kaiſerallee 85, ab. Herr Schütte hält einen Vortrag Berichterstatter Dr. v. Dziembowski beantragt, dem Antrage angelegenheiten) und Castelli( politische Informationen) find im der Generalversammlung sowie Abrechnung der Kassiererin. Dritter Personalveränderungen ein. Die Redakteure de Nava( für Partei- über Karl Mary". Sodann Berichterstattung der Vorsitzenden von Freiherrn v. Manteuffel zuzustimmen. Eine Reichs- Erbschafts- Verein mit dem provisorischen Lokalredakteur Bi an chi ihrer Funk- Punkt der Tagesordnung: Verschiedenes. Es wird erwartet, daß steuer würde erheblich höhere Steuersätze feststellen müssen, tionen enthoben worden. An ihre Stelle tritt Genoffe Sgarbi, alle Mitglieder ihrer Pflicht eingedent sind und zahlreich in der als sie jetzt in den Einzelstaaten bestehen, wenn sie Erträge der bei den Personalveränderungen im Februar entlassen worden Bersammlung erscheinen. Auch wird gebeten, die Mitgliedsbücher bringen solle. Aus dem gleichen Grunde müßte sie auch die Erb- war. Diese Verfügungen der leitenden Stelle bestimmten die Geanfälle zwischen Deszenten und Aszendenten heranziehen, welche jetzt nossen Enrico Leone( erster politischer Redakteur) und da von der Steuer befreit seien. Eine hohe Erbschaftssteuer widerspricht erda Olberg( Auslandsredakteur), um ihre Entlassung einzudirekt dem deutschen Boltsbewußtsein. Es sei ein Verdienst Preußens, daß es auf dem Gebiete der Erbschaftssteuer der Familie gegenüber nur noch die im Februar und März angestellten Redakteure Es bleiben somit außer den Kunstkritikern im„ Avanti" zurückhaltend sich gezeigt habe. Durch eine hohe Erbschaftssteuer Monicelli und Orano. werde bei der Vererbung von Geschäften oder anderen Betrieben die Wurzel dieser Betriebe gelockert. Dazu komme, daß in Preußen die Einkommensteuer und die Ergänzungssteuer schon das Einkommen und das Vermögen start heranziehen. Besondere Schwierigkeiten würden der Einführung einer Reichs- Erbschaftssteuer durch die Entschädigung an diejenigen Einzelstaaten, die bereits eine Erbschaftssteuer haben, bereitet werden. Es sei auch nicht ratsam, eine Finanzreform im Reiche mit der Einführung direkter Reichssteuern zu verbinden.( Beifall.) " Aus Induftrie und Handel. Victoria. Zweiter Wahlkreis. Die am Dienstag in der Bockbrauerei abgehaltene Generalversammlung des Wahlvereins begann mit der üblichen Ehrung der in der verflossenen Geschäftsperiode ver= storbenen Mitglieder. Dann erstattete der Vorsitzende Werner den Bericht des Vorstandes für das abgelaufene Halbjahr. Er sagte unter anderem, auf die Kleinagitation in den Bezirken sei besonderes Gewicht gelegt worden, da sich dieselbe wirksamer erwiesen habe wie die Agitation durch große Versammlungen. Die Geschäfte des Vereins wurden in 3 Generalversammlungen erledigt, außerdem fanden 1 Partei-, 8 Agitations-, 2 Protest- und eine Anzahl Abteilungsversammlungen statt. In 16 Vorstandssitungen wurden die Arbeiten des Vorstandes erledigt. Unter anderem hat der Vorstand beschlossen, den Barbier Paul Strache und den Schleifer Ochs wegen Streifbrecherei auszuschließen. spedition hatte im November 5150 Abonnenten, jetzt hat sie deren Die Zeitungs5400. Weiter teilte der Redner mit, daß der Vorstand in Uebereinstimmung mit den Vertrauensleuten auf dem Standpunkt steht, diejenigen Mitglieder, welche das Schillerfest der Neuen Freien Voltsbühne in der Philharmonie besucht und dadurch gegen die beitehende Lokalsperre verstoßen haben, auszuschließen sind, denn ein Bruch der Lokalsperre sei gleichbedeutend mit einem Streifbruch. Die Allgemeine Versicherungs- Aktiengesellschaft Victoria ver sendet jezt ihren Jahresbericht pro 1904 an die Zeitungen und ihre Aktionäre, die diesmal wieder eine höhere Dividende als im Vorjahre, nämlich 285 m. gegen 270 m. pro 1903 erhalten. Dieses Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Die Frage der Reform höhere Erträgnis haben sie zum größten Teil den Mehreinnahmen der der Reichsfinanzen hat einer Beschlußfassung weder im preußischen Volksversicherung zu danken. Es sind nämlich die Gewinne in der Staatsministerium noch im Bundesrat bisher unterlegen. Es steht Lebensversicherung von 9,26 auf 10,52 Millionen Mark, also um daher völlig dahin, welche Steuerprojekte in die Reformpläne Auf- zirka 13 Proz., diejenigen in der Volksversicherung von 8,98 gegen nahme finden. Ich muß mir in diesem Stadium daher versagen, 9,81 Millionen Mart, d. h. um fast 10 Proz. gestiegen. Die meine persönliche Stellung zur Sache darzulegen. Ich will nur das übrigen Abteilungen brachten fämtlich geringere Ueberschüsse; so eine betonen: Wenn in der Begründung des Antrages der Frhr. beträgt der Gewinn der auf den Erlebensfall mit Gewinnanteil v. Manteuffel und heute in seinen Ausführungen der Herr Referent Versicherten zirka 166 000 m. gegen zirka 181 000 M. in 1903, und die die Rücksicht auf die Erhaltung der Familie, das Interesse der Kinder Transportversicherung brachte nur zirka 53 000 m. gegen zirka 70 000. und Ehegatten in den Vordergrund geschoben haben, so werde ich im Vorjahre. Die Unfallversicherung weist sogar ein bemir der Bedeutung dieser Frage voll bewußt und werde wie bisher trächtliches Minderergebnis auf, nämlich 2,02 Millionen Mark gegen auch in Zukunft bemüht sein, diesen Rücksichten Geltung zu ver- 2,299 Millionen Mark pro 1903. Es sind also zu einem beträchtHierauf erstattete der Kassierer Schmidt den Kassenbericht schaffen.( Lebhaftes Bravo!) Dr. Graf York v. Wartenburg: Im Jahre 1893 hat Miquel im wie die Direktoren und Aufsichtsratsmitglieder ihre anormalen Ein- 353,55 M. 2600 M. sind an die Parteitaffe abgeliefert worden. Der lichen Teil die Arbeiter, von denen die Aktionäre der„ Viktoria", so- für die Zeit vom 1. November 1904 bis 30. April 1905. Die Ginnahme beträgt 9243,79 M., die Ausgabe 8890,24 M., der Bestand Reichstage gesagt, daß das deutsche Recht eine Befizergreifung der nahmen beziehen. Das sollte den Herren in den Generalversamm Verein hat zurzeit 3683 Mitglieder. Erbschaft durch den Erben eigentlich gar nicht kenne, sondern mit lungen auch vor Augen gehalten und ihnen klar gemacht werden, der die Abrechnung über Sammlungen, Broschürenvertrieb usw. Der zweite Kassierer Lohse, der Theorie des Anfalles ein Zweckvermögen der Vermögen fon- daß sie schon deshalb die Pflicht haben, für eine bessere Besoldung erstattete, hatte eine Einnahme von 2980,60 m., eine Ausgabe von struiere. Daher sei die Erbschaftssteuer eine der ungerechtesten, ihrer eigenen Arbeiter und Angestellten, die starke Beschwerden 2876,50 m.( es handelt sich im wesentlichen um die Ablieferung drückendsten Steuern, zumal in 90 Proz. der Erbschaftsfälle die erheben, Sorge zu tragen. Das geringere Erträgnis bei der UnfallKinder durch den Tod der Eltern mehr verlören als gewännen. In versicherung kann nicht überraschen; dasselbe Ergebnis zeigt eine große an den ersten Kassierer), so daß ein Bestand von 104,10 m. verblieb. der Tat ist es flar, wenn wir einmal Psychologie treiben wollen, Anzahl der übrigen Gesellschaften. Die Verwaltungen führen das auf Für den Bergarbeiterstreik find im Kreise insgesamt 9606,51 M. daß man den Todesfall der Eltern nicht als einen Glückszufall die Konkurrenz zurück; und sie haben sich ja bekanntlich, damit ihr gesammelt worden. wie einen Lotteriegewinn behandeln kann; die Leute find Profit sich wieder erhöhe, zu einem Startell vereinigt. Freilich zeigt die vom Vorsitzenden erwähnte Angelegenheit Schola gefprody In der Debatte über den Geschäftsbericht wurde eingehend über schon depremiert genug wenn ihnen ein naher Anverwandter die Entwickelung dieses Kartells, das sich hauptsächlich auch auf die die bereits in der vorigen Generalversammlung behandelt worden stirbt, und dazu soll nun noch der Verkehr mit dem preußischen Feuerversicherung erstreckt, daß das beliebige Heraussetzen der ist. Die Versammlung erklärte diese Angelegenheit durch Uebergang Stempelfiskal kommen. Die Leidtragenden bei der Steuer werden Prämien doch nicht so gelingen will, wie es die Gesellschaften gern die leicht zu fassenden Vermögen in Industrie und Grundbesitz, die möchten, und aus Fachkreisen werden immer mehr Stimmen laut, zur Tagesordnung als erledigt. Einen breiten Raum in der Debatte Vermögen der eigentlichen produktiven Klassen sein. Ohne das die behaupten, daß das Kartell den Todesfeim in sich trage. nahm die Philharmonie- Angelegenheit ein. Die meisten Redner Komplement einer Schenkung müßte diese Erbschaftssteuer ganz Nicht viel weniger als die Aktionäre erhalten der Aufsichtsrat pflichteten dem Standpunkt des Vorstandes bei, bereinzelt wurde wirkungslos bleiben. Denn wenn ich kapitalist wäre, würde ich, und die Direktion als Tantièmen. Diese betragen für den Auf- ersucht, den Besuchern des Festes mildernde Umstände zuzubilligen, glaube ich fest, auch der Erbschaftssteuer umfangreiche Steuern durchsichtsrat 150 000 m., die sich auf sieben Herren ein Beschluß in dieser Hinsicht jedoch nicht gefaßt. Schenkungen hinterziehen. Selbstverständliche Voraussetzung bei der und füir die Direktion die erhebliche Summe von 335 326 W., erledigt war, erstattete Meier den Bericht der Breßkommission. Nachdem der Vorstandsbericht durch Erteilung der Decharge Einführung der Vermögenssteuer in Preußen war uns allen, daß die, soweit aus dem Geschäftsbericht ersichtlich ist, mur nie noch eine Erbschaftssteuer eingeführt würde. Will die Regierung also dem Generaldirektor Gerstenberg Er bemerkte unter anderem, es werde als ein Mißstand empfunden, zufällt. Dazu tommen eine Erbschaftssteuer, so mag fie die Aufhebung der Vermögenssteuer bean- natürlich noch die Gehälter, die ja in den Geschäftsberichten der daß der" Vorwärts" fich den Parteifrager gegenüber meist nur tragen. Ich glaube nicht, daß diesem Antrage im Abgeordnetenhauſe ſehr Aktiengesellschaften fast nie angegeben, sondern auf" Handlungs- referierend verhalte und keine eigene Stellung einnehme. Das könne erhebliche Schwierigkeiten entgegenständen.( Seiterkeit.) Wir freuen unkostenkonto" verbucht werden. Würde der Staat endlich die längst so nicht weiter gehen. Die Preßkommission werde demnächst mit den uns ja sehr darüber, daß die Partei, die nach 1893 die Matrikular- erhobene Forderung nach Verstaatlichung des privaten Ver- Vertrauensleuten beraten, was in dieser Angelegenheit zu tun sei. ' beiträge unter allen Umständen aufrecht erhalten wollte um des sicherungswesens erfüllen, könnten diese Summen den Weiter erwähnte der Redner, daß der Preßkommission eine Beföderativen Charakters des Reiches willen, jetzt fogar die lex Stengel Interessen der Versicherten dienstbar gemacht werden. Gerade schiverde vorgelegen habe betreffs des von der Firma Baer Sohn bewilligt hat. Aber so hoch wir den Reichsgedanken stellen, jetzt ist bei den Versicherungsgesellschaften zeigt sich ja, wie inserierten Preisausschreibens und der darauf vom Schneiderdie Zeit für einen gefunden preußischen Partikularismus.( Vielfaches finnig der Einwand ist, daß man nur für verband erlassenen Gegenannonce. Die Preßkommission habe keine fo Sehr wahr!). Der Kurs des Reichswagens gibt zu den ernstesten hebliche Summen solche Talente" bekomme, wie sie die Direktoren Veranlassung gehabt, das Verhalten der Expedition in dieser Hinsicht Bedenken Anlaß, umſomehr empfiehlt es sich, daß die Einzelstaaten und Aufsichtsräte darstellen. Denn wir haben bereits bei einigen 3u tadeln, namentlich habe sich herausgestellt, daß der Beschwerde= behalten, was sie haben.( Lebhafter Beifall.) Gegenseitigkeitsgesellschaften bewährte Direktoren, die erheblich punki. welcher die Aenderung des Inserates des Schneiderverbandes Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben: Aus den Worten des Vor- geringere Bezüge bekommen. Abgesehen hiervon würde natürlich bei betrifft, nicht begründet sei, da die betreffende Aenderung aus preßredners flang es heraus, als ob die lex Stengel die Interessen der einer Verstaatlichung eine erhebliche Berbilligung der Organisations gesetzlichen Gründen von der Expedition im Einverständnis mit den Bundesstaaten geschädigt hätten. Dagegen muß ich Verwahrung fosten eintreten. Namentlich von fleineren Gesellschaften werden ja Verbandsvertretern vorgenommen wurde. einlegen. Der Gedanke an eine gründliche Scheidung der Finanzen an Provisionen usw. oft Unfummen ausgegeben, die in letzter Linie des Reichs und der Einzelstaaten ist der größte und gesündeste, den die Versicherten zu tragen haben. Exzellenz v. Miquel gehabt hat. Der Reichsgedanke muß darunter leiden, wenn alljährlich mit unübersehbaren Forderungen an die Bundesstaaten herangetreten wird. Leider ist bei der augenblicklichen Lage im Reichstag an eine so grundlegende Reform nicht zu denken. Da spielen Machtfragen hinein, die mit der Sache nichts zu tun haben. Immerhin ist zu begrüßen, daß durch die verdienstvolle Thätigkeit des Frhrn. von Stengel eine kleine Reform vorgenommen ist. Die lex Stengel hat im Interesse des Reichs wie der Einzelstaaten gelegen. Dr. Graf York v. Wartenburg erklärt, daß er sich nur mißverständlich ausgedrückt habe. Er habe thatsächlich nur seine Freude über die Reichstreue des Zentrums ausdrücken wollen. " 1 fo Rheinisch- Westfälisches Kohlensyndikat. berteilen 1111= er= Mehrere Rebner behaupteten, die Breßkommission sei einseitig inwerden. Diese Angelegenheit gab Anlaß zu einer längeren Debatte. formiert worden, sie habe deshalb zu keinem richtigen Urteil kommen können. Darauf wurde von anderer Seite entgegnet, die Sache Der Bericht des Vorstandes des Kohlensyndikats für das Ge- könne hier in der Versammlung nicht aufgeklärt werden, es wäre schäftsjahr 1904 liegt jetzt auszugsweise vor. Er hebt hervor, daß Pflicht der Beschwerdeführer gewesen, der Preßkommission das eininsbesondere sich die Bereinigung des Verkaufs der drei Produkte schlägige Material zu unterbreiten oder ihre Beschwerde persönlich Kohlen, Koks und Briketts als durchaus glücklich eriviesen habe. In- zu vertreten. Ein Redner führte Klage darüber, daß seit dem günstig für die meisten Syndikatsmitglieder wirkten dagegen die Bestehen der Vorortsbeilage die Berliner Ausgabe des" Vorwärts" hohen und steigenden Beteiligungen der neu beigetretenen Bechen gar zu dürftig mit Nachrichten aus den Vororten versehen sei. und vor allem das Vorrecht der Hüttenzechen, ihren Selbstverbrauch Darauf entgegnete Rich. Fischer, es handele sich hier um eine neben ihrer Beteiligung im Syndikat aus eigener Förderung zu neue Einrichtung, an der vielleicht noch manches auszusetzen sei; es decken. In den Kreisen der alten reinen Zechen seien erhebliche, sei aber Vorsorge getroffen, daß alle Beteiligten zufriedengestellt auch rechtliche Bedenken gegen die Durchführbarkeit des neuen SynDr. Udo Graf Stolberg- Wernigerode empfiehlt seinen Antrag. difatsvertrages und der Wunsch nach einer vorzeitigen Revision desEine weitere Debatte rief ein Antrag des Vorstandes und der Falls eine Reichs- Erbschaftssteuer eingeführt werde, so sei zu selben wachgerufen worden, welcher namentlich bei zuerkennung Bezirksführer hervor. Derselbe fordert die Anstellung eines Hülfswünschen, daß die Steuer gerecht erhoben werde. Notwendig fei bes von der Deutsch- Luxemburgischen Bergwerts- und Hütten- spediteurs, der zugleich die Geschäfte des Kassierers des Wahlvereins vor allem die Schaffung einer Retursinstanz, zur endgültigen Ent- Aktiengesellschaft geltend gemachten Klageanspruches nicht übergangen zu besorgen hat. Die Versammlung nahm den Antrag mit 233 scheidung über die Heranziehung zur Erbschaftssteuer. Wenn ein werden könne. Der Bericht wendet sich dann der Frage der Zechengegen 146 Stimmen an. Die Wahl des Hülfsspediteurs erfolgte Bauer einen Bauernhof hinterläßt, so sollte der Staat eine Prämie stillegung zu und verbreitet sich über die gesetzgeberischen Maß auf Grund der eingegangenen Bewerbungen und der Vorschläge des dafür zahlen, statt von seinen Hinterbliebenen noch eine Steuer zu nahmen. Die in dem jezigen Preise keine Deckung findenden Lasten Vorstandes durch Stimmzettel. Das Resultat wird durch eine Komberlangen.( Beifall.) würden zu weiterer Berteuerung der Produkte führen, mission, bestehend aus der Zeitungskommission und vier anderen Oberbürgermeister Struckmann- Hildesheim: Ich würde es für angesichts derer die bisher durchgeführte Bindung der jeweiligen dazu ernannten Genossen festgestellt. richtiger halten, nach den Erklärungen des Finanzministers nicht dem Preise für Jahresdauer zurzeit nicht aufrecht erhalten wurde. Die Antrage des Frhrn. v. Manteuffel zuzustimmen, sondern über ihn zur Aussichten für die Zukunft ließen sich schwer beurteilen. Angesichts Tagesordnung überzugehen. Es handelt sich hier um eine Sache, der Richtung, welche unsere soziale und Wirtschaftspolitik einzudie zunächst das Reich und nicht Preußen angeht. Daß das Reich schlagen droht, könne eine befriedigende Fortentwickelung nicht vor zuständig ist für die Einführung einer Erbschaftssteuer, ist von nie- ausgesagt werden. In der Ankündigung einer Erhöhung der mand bestritten worden. Das Reich leidet darunter, daß seine Fi- Kohlenpreise in Verbindung mit Klagen über die Belastung durch nanzen auf einer sehr unsicheren Grundlage beruhen. Es wäre sehr die sozialpolitische Gesetzgebung angesichts des Bergarbeiterschutz- entscheidet. zu wünschen, daß es gelingt, den Reichsfinanzen eine feste Basis zu schwindels tritt die ganze syndizierte Unverfrorenheit zu Tage. geben. Wenn jetzt das Reichsschazamt sich bemüht, eine feste Ordnung in die Reichsfinanzen hineinzubringen, so sollte nicht das Herren- Schiffahrtsverkehr auf der Ober. Wie die Wasserbau- Inspektion haus bei der ersten Steuer, die vorgeschlagen wird, von der wir noch Oppeln der Berliner Handelskammer mitteilt, werden beim Hernicht wissen, ob sie fommen und wie sie aussehen wird, sagen: Nein, annahen niedrigeren Wasserstandes vom 5. d. M. ab bis auf weiteres die wollen wir nicht haben. Ich würde es für bedenklich halten, in Cosel- Oderhafen und Neiße- Mündung Ausgangsgenehmigungen wenn die Einzellandtage gegen die Steuern oder Steuererhöhungen nur für eine Eintauchtiefe der Schiffe bis zu 1,40 Meter erteilt. im Reich, durch welche ein Einzelstaat sich benachteiligt fühlt, Stellung nehmen wollten. Einen gefunden Partikularismus fann ich darin nicht sehen. Wir wollen es mit Freuden begrüßen, wenn es gelingt, die Reichsfinanzen auf eine festere Grundlage zu stellen. ( Beifall links.) Aus der Frauenbewegung. Nach der Feststellung der Kommission atte die Wahl des Hülfsspediteurs folgendes Ergebnis: Schmidt 120, Seifritt 115, Siegmund 37, Lehmann 6, Sarl 26, Reimann 34, Lindemann 21, Hube 3 Stimmen. Im ganzen wurden 387 Bettel, darunter 17 ungültige abgegeben. Die Kommission betrachtet den Genoffen Schmidt als gewählt, da nach dem Statut bei Wahlen die einfache Mehrheit Eingegangene Druckfchriften. " Tas Gewerbegericht", Monatsschrift des Verbandes Deutscher Gewerbegerichte. Herausgeber: Dr. J. Jastrow( Professor, Stadtrat), Charlottenburg- Berlin, Dr. K. Flesch( Stadtrat), Frankfurt a. M.( Berlag von Georg Reimer in Berlin). Die Zeitschrift enthält in Nr. 9 des 10. Jahr ganges außer der Rechtsprechung in deutschen Gewerbe- und Berufungs gerichten Artikel über: Beisiger als Prozeßbevollmächtigte und Beistände. Bon Assessor Dr. Luppe. Zuständigkeitsgrenze zwischen Gewerbegericht und ordentlichem Gericht. Von Gerichtsaffessor Lüzow, sowie Gutachten der Kaufmannsgerichte. Aus der Natur, Zeitschrift für alle Naturfreunde, 1. Jahrg., Heft 2, 3, 4. ( E. Nägele in Stuttgart.) Prof. Dr. S. Bettmann, Die ärztliche Ueberwachung Schöneberg. Der Verein für Frauen und Mädchen von SchöneFehr. v. Manteuffel: Ich bitte, sich nicht durch die Ausführungen berg und Umgegend hält Montag, den 5. Juni, abends 8 Uhr, in des Herrn Struckmann beeinflussen zu lassen, sondern meinen An- Weimanns Klubhaus, Hauptstr. 5-6, seine Versammlung ab. Herr Ider Prostitution.( Jena, Gustav Fischer.) Sozialdemokrat. Wahlverein f.d.4.Berl. Reichstagswahlkreis. Osten. Stadtbez. 179c. Todes- Anzeige. Den Genoffen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der DrahtSpinner Friedrich Eckert am 1. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. d. M., nach mittags 5 Uhr, von der Leichen halle der Auferstehungs- Gemeinde am Weißenseerweg aus ftatt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 243/17 Der Vorftand. Zentral- Verband deutscher Brauerei- Arbeiter Zweigverein Berlin, Sektion II. Todes- Anzeige. Am 2. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Flaschentellerarbeiter Ernst Stielow ( Brauerei Happoldt). Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle des Markus Kirchhofes in Wilhelmsberg Hohenschönhausen aus statt. S Um zahlreiche Beteiligung ersucht 41/12 Der Borstand. Todes- Anzeige. Am 31. Mai verstarb nach langen, schweren Leiden im Strankenhaus am Urban unser Kollege, der Tischler Oswald Jokisch. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Juni, nachm. 5 Uhr von der Leichenhalle bes Michaelis Kirchhofs am Mariendorfer Weg aus statt. 22165 Die Kolleginnen und Kollegen der Firma E. Zwietusch& Co. Deutscher Verband der baugewerblichen Hülfsarbeiter Deutschlands. Bezirk Süd- Ost. Todes- Anzeige. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege Gustav Rüstow am am 31. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag, den 4. Juni, nachmittags 22 Uhr, von der Leichen halle des Emmaus- Kirchhofes in Briz aus statt. 33/17 Um rege Beteiligung ersucht Der Zweigvereinsvorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Flechter Ludwig Michaelis Rügenerstr. 18, am Sonnabend, den 27. Mai, infolge eines Bau unfalles plöblich verstorben iſt. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Sonntag, den 4. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Friedens- Gemeinde in Nieder- Schönhausen aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 146/10 Der Sektionsvorstand. Zentral- Kranken- und SterbeKasse der Tischler u. anderer gewerblicher Arbeiter ( E. H.) in Hamburg. Verwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Bauarbeiter Gustay Rüstow am 31. Mai gestorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Juni, nachmittags 22 Uhr, von der Leichenhalle des Emmauskirchhofes( Brit) aus statt. Um rege Beteiligung wird ersucht Die Ortsverwaltung. Holzarbeiter- Verband. 29 Den Kollegen zur Nachricht, baß der Tischler Oswald Jockisch am 31. Mai verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 4. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des Michaels Kirchhofes, Mariendorfer Weg, aus statt. B Um rege Beteiligung ersucht 86/12 Die Ortsverwaltung. Allen Feunden und Bekannten bie traurige Mitteilung, daß am Donnerstag früh 5 Uhr nach furzen, aber schweren Leiden mein inniggeliebter Mann, unser treuforgender Vater, der Brauer Kaspar Knieg Gardinenhaus Ausverkauf in Samt und Seide. Wegen Umzuges nach dem Dönhoffplatz stelle die großen Samt- und Seiden- Vorräte zu beispiellos niedrigen Preisen zum Ausverkauf direkt an Private. Darunter: Reinseidene schw. Damaste, Merveilleux etc., früher bis 6,00, jetzt 1,50 bis 4,50. Reinseidene Streifen, Schotten, Chinés etc., früher bis 4,50, jetzt 1,00 bis 2,75. Reine Seiden für Braut- Roben, früher bis 7,50, jetzt 1,25 bis 5,00. Reinseidene Taffetes- Mousselines, anstatt 3,50 jetzt 2,25. Elegante Sommer- Seiden, früher bis 4,00, jetzt 1,00 bis 2,25. 120 cm breite Gloria- Seiden in allen Farben, jetzt 1,75. 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Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Nr. 129. 22. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. find. Die Solidarität der Proletarier aller Länder zwingt uns, die Beschlüsse der internationalen Arbeiterparlamente so lange zu Die Presse über den Gewerkschafts- befolgen, bis sie durch andere ersetzt worden sind." " Kongreß. Soweit abschließende Urteile vorliegen, registrieren wir noch folgende: Die Märkische Volksstimme" in Forst: " Vor allem beklagen wir, daß die Meinungsverschiedenheiten nicht durchweg in dem Tone ruhiger Sachlichkeit zum Ausdruck kamen, welche der Ernst der Beratungsgegenstände erfordert hätte. Die Mannigfaltigkeit der Ansichten hat die moderne Arbeiterbewegung niemals geschädigt; wohl aber tut es unserer Sache Abbruch, wenn Vertreter aus unseren eigenen Reihen durchblicken lassen, daß diejenigen in unserer Mitte, welche in taktischer oder theoretischer Hinsicht mit ihnen nicht übereinstimmen, es nicht ehrlich meinen oder dumme Kerls sind. Redewendungen, die sich derart ausnüßen lassen, bilden ein nicht immer unwirksames Agitationsmaterial unserer Gegner bei den Wahlen, denn angesichts der Tatsache, daß fast alle Delegierten des Gewerkschaftskongresses Mitglieder unserer Partei waren, wird mit mehr oder weniger Geschicklichkeit von den Feinden der Arbeiter bei den Wahlen aus dem Gewerkschaftskongreß nicht minder wie aus unseren Parteitagen alles zusammengetragen werden, was so aufgefaßt werden kann, als sei die moralische oder geistige Minderwertigkeit von Genossen seitens der eigenen Parteifreunde behauptet worden. Persönliche Urteile der gekennzeichneten Art sind immer verfehlt; es ist gar nicht immer der Klügere und Bessere, der die richtigeren Ansichten ausspricht, so daß es ganz verfehlt ist, vermeintlich oder wirklich falsche Meinungen auf einen Mangel an Ehrlichkeit oder Intelligenz zurückzuführen. Die Frage der Maifeier ist noch nicht endgültig entthieden. Für uns ist die jetzige Form der Maifeier kein Dogma, an dem unter allen Umständen festgehalten werden müßte. Kein Zweifel, daß Tausende von deutschen Arbeitern und Arbeiterinnen fich das ganze Jahr hindurch auf die von ihnen bereits erkämpfte Arbeitsruhe am Weltfeiertage der Arbeit freuen und daß, wo die Demonstration durch Arbeitsruhe durchgeführt ist, stets die größte Begeisterung herrschte! Anzunehmen sollte sein, daß, je mehr die Gewerkschaften an Mitgliedern wachsen, der Kampf um das Maifest der Arbeit erleichtert ist und die Macht der Gewerkschaften Maßregelungen auf Grund der Maifeier immer mehr verhindern wird. Ja, wir halten es nicht für eine Utopie, daß die Macht der Gemerkschaften einmal so groß werden kann, daß der erste Mai von dem Unternehmertum als Feiertag angesehen und der Arbeitslohn für die nichtgeleistete Arbeit an allen Feiertagen( wie er für die christlichen Feste auf Grund des Buchdruckertarifs zu entrichten ist) gezahlt werden muß. Endlich steht fest, daß man es in den Reihen unferer Gegner als eine Niederlage nicht nur der Gewerkschaften, sondern auch der Sozialdemokratie bezeichnen würde, wenn der mit so viel Begeisterung aufgenommene Kampf um die Arbeitsruhe am ersten Mai aufgegeben würde und daß dieser Triumph der Gegner unsere Agitation beeinträchtigen würde. Wenn aber die Führer der Gewerkschaften zu dem Resultat kommen, daß die Opfer der Maifeier, die Lohneinbußen, die Maßregelungen und die den Gewerkschaften dadurch erwachsenen Kosten in feinem Verhältnis zu dem Wert der Maifeier stehen, wird keine theoretische oder idealistische Erwägung die bisherige Form der Maifeier fonservieren können. Vorausseßung einer Aenderung ist aber, daß die bisherige Taktik durch einen Beschluß des internationalen Kongresses geändert wird, an dessen Weisung wir einstweilen noch gebunden Moderne Anzüge Die Magdeburger Volts stimme" schreibt: „ Wie sehr auf dem Gewerkschaftskongreß das Bestreben vorherrschte, feinerlei Differenzen mit der politischen Arbeiterbewegung zu schaffen, bewies vor allem die Art, wie die Frage der Maifeier ihre Erledigung fand. An harten, verurteilenden Worten hat es in der Diskussion nicht gefehlt, aber das Gefühl, daß es sich hier um eine Frage handelt, die nur gelöst werden kann durch die Instanz, die sie geschaffen hat, den internationalen Kongreß, überwand alle Bedenken. Bis zum nächsten Kongreß bleibt es bei der jezigen Form der Maifeier; in Stuttgart, 1907, wird man weiter fehen. Daß die Gewerkschaften mit der jezigen Art der Maifeier nicht zufrieden sind, läßt sich begreifen. Welche Opfer ihnen zugemutet werden, sehen wir ja am besten hier in Magdeburg. Abgesehen von einigen fleinen Gewerkschaften haben bisher nur die Maurer und etwa noch die Bauarbeiter die Arbeitsruhe durchgeführt. In diesem Jahre kostete sie das rund 4000 m., die aus der Lokaltasse zu zahlen sind. Zum Anschluß an das Gewerkschaftskartell haben sich die Maurer noch nicht entschließen können. Sie begründen das mit den erheblichen Opfern, die jedes Jahr die Maifeier erfordert, und wer wollte diesem Argument jede Berechtigung absprechen? Wenn sich diese Vorkommnisse an anderen Orten wiederholen und wenn man sieht, daß immer nur ganz bestimmte Gewerkschaften an einzelnen Orten die Arbeit ruhen lassen, während die große Mehrzahl sich nicht daran kehrt, dann muß notwendig eine solche Stimmung aufkommen, wie sie ihre Auslösung in den Debatten des Stölner Gewerkschaftskongresses fand.... Sonntag, 4. Juni 1905. heftig aufeinanderplatten. Aber das Ergebnis war immer der Sieg des Prinzips der Solidarität aller. Der Kongreß hat ein tüchtiges Stück wertvoller Arbeit geleistet." Der Schwäbischen Tagwa cht" entnehmen wir: ,, Können wir bis hierher uns noch mit den Ergebnissen des Rongresses zufrieden erklären, so ist das bezüglich der zwei Hauptfragen, die ihn beschäftigten, Generalstreit und Maifeier, nicht der Fall. Zum heftigsten Meinungsaustausch hat die letztere geführt. Es ist zwar ein Beschluß nicht gefaßt worden, da der Refe= rent Robert Schmidt sich zur Zurückziehung seiner Abwiegelungsresolution verstand. Aber der Maifeier ist doch ein schwerer Schlag versetzt worden, und wenn nicht die Masse der Organisationsmitglieder gegen die Strömung, die auf völlige Beseitigung der Arbeitsruhe hinausläuft, Stellung nimmt, so wird das, was auf diesem Gebiete bis jetzt bereits erobert war, in wenigen Jahren wieder preisgegeben werden. Die Maifeier hat eine unbefriedigende Entwicke lung genommen, woran unseres Erachtens aber nicht die Unmöglichteit, die Arbeitsruhe allgemein durchzuführen, die Schuld trägt, sondern die Zaghaftigkeit, mit welcher einflußreiche Gewerkschaftsführer von jeher der Maifeier gegenüber gestanden sind. Die Behauptung, die Arbeitsruhe werde nie eine allgemeine sein, schwebt völlig in der Luft, denn die heute den Gewerkschaften zu Gebote stehende Macht ist noch nie für die Erkämpfung der Arbeitsruhe eingesetzt worden. Die Unternehmer konnten seither leicht die Arbeitsruhe verweigern, denn sie wußten, daß die Zentralverwaltungen der meisten Gewerkschaften der Arbeitsruheforderung ihren Mitgliedern nicht den gebührenden Nachdruck verliehen. Ob das wieder gut zu machen ist, halten wir für zweifelhaft. Jedenfalls wird die Maifeier noch weitere lebhafte Debatten heraufbeschwören. Aehnlich steht's mit der Debatte über den Generalstreit. Wenn wirklich die Gewerkschaften, wie versichert wurde, den„ General-" oder auch den politischen Massenstreit" nicht für alle Zeiten und alle Fälle abschwören wollten, so durfte er so wie geschehen nicht be= handelt werden; dann wäre ein Schweigen zu der Frage am Ende besser gewesen als die Erledigung, die sie in Köln gefunden hat. Nein vernünftiger Mensch verlangt, daß die Gewerkschaften sich auf die Generalstreiftaktit festlegen sollen; die Art der Behandlung, die dies Problem in Köln erfahren hat, ist aber dazu angetan, die Scharfmacher zu Angriffen auf die Rechte der Arbeiterklasse zu ermutigen. Hoffen wir, daß die Gewerkschaften dennoch ihre Schuldig= feit tun, wenn Gefahr im Verzug ist." Die ganze Maifeierfrage bedarf einer gründlichen Erörterung vor dem nächsten internationalen Kongreß. Es ist erfreulich und zeigt das weiteste Entgegenkommen gegenüber der politischen Arbeiterbewegung, daß der Gewerkschaftsbewegung darauf verzichtete, irgend welche Beschlüsse zu fassen. Dafür hat er auch Anspruch darauf, daß man seine Argumente gegen die heutige Form der Maifeier beachtet und wenn nicht Gründe der Courtoisie, so müssen Klugheitsgründe dazu führen, weil kein Beschluß einer politischen Organifation eine Maifeier zustande bringt, wenn die Gewerkschaften bei seite stehen. Alles in allem dürfen Partei und Gewerkschaften mit dem Verlauf des Gewerkschaftskongresses zufrieden sein. Seine ganzen Verhandlungen waren beherrscht von dem Gedanken, dem Bömelburg Die„ Einigkeit", das Organ der lokalorganisierten Gewerkin seinem Schlußwort Ausdruck gegeben hat: Partei und Geschaftler befürchtet trop der heftigen Debatten auf dem Kongreß eine wertschaften sind eins. Das bedeute nicht, daß niemals Einigung zwischen Partei und 3entral- Verbänden. Sie schreibt: Verschiedenheiten der Auffassung über irgend eine taktische Frage zwischen beiden herrschen könnte, aber es besagt, daß die Lösung solcher Streitfragen feine Schwierigkeiten machen wird, weil das gemeinsame Interesse der fämpfenden Arbeiterschaft jeden ernsthaften Zwist im Keime erstiden müßte. Wir sind überzeugt, daß sich das bewahrheiten wird, wenn man daran geht, die geringfügigen Differenzen zu beheben, die nach der Kölner Tagung noch bestehen. * " Die„ Chemnißer Voltsstimme" beginnt ihren Artikel: „ Eine bewegte Tagung war der Kölner Kongreß der deutschen Gewerkschaften, der seine Verhandlungen nunmehr beendet hat. Fragen, die für die Arbeiter von größter Wichtigkeit sind, aber noch nicht genügend geklärt waren, wurden nach allen Richtungen hin besprochen, wobei die Geister mitunter sehr " Ist die deutsche Arbeiterschaft, soweit sie Sozialdemokraten sind, in ihrer Majorität der Ueberzeugung, daß die Arbeiterbewegung in zwei Lagern getrennt sein muß, um die heutige kapitalistische Ge= sellschaftsordnung zu bekämpfen oder gar über den Haufen zu stoßen, um an deren Stelle die sozialistische aufzubauen, dann muß sie solche rein unnüßen Reibereien mit in den Kauf nehmen. Wir können uns ganz gut einen Zustand denken, der es erübrigt, daß Partei und Gewerkschaften in zwei Richtungen neben einander marschieren, daß sie also eins sein können. Wir haben dies auch schon au anderen Stellen offen gesagt und geschrieben, wir können es uns aber nicht verhehlen, schon heute die Befüchrtung auszusprechen, daß sich diese Vereinigung der Partei und der Zentralverbände ebenfalls in nicht allzulanger Zeit vollziehen wird, aber nicht in dem Sinne, wie wir es uns bisher vorgestellt haben." Paletots- Mäntel 27.- 24.- 21.- 18.Jackett- Anzüge 50-45-40-338-15M. Rock- Anzüge 55.- 50.- 45.- 35,- 33.- 30.- 27 M. SONDER- ANGEBOT Jackett- Anzug Cheviot- Genre in aparton 18 M. I Streifen und Karos Gehrock- Anzüge 65.55. Strand- Anzüge 50.- 45. 36.- 30.- 27. 24.- 21.- 18.15.- 12.7.50 21 M. 6 M. 27.- 24.- 21, Radler- Anzüge 6. 18.- 15,- 12, Schüler- Anzüge 27. 24. 21. 18. 15. 12. 9.- 6.5. 4. 3.2.50 2 M. 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Geschmack Kinder- Segeltuch- Schnür- Schuhe bras, gras 751.95 2.50 Sonnenschirme Kinder- Segeltuch- Schnür- Stiefel mit Lederabsatz u. Ledergarnitur 2.80, 3.45, 3.80 Gürtelcorset porös Empire- Façon porös Halbhohes Façon porös Batist mit Einsatz 1.30 Halbseide gestreift, 2.50 moderne Farben 95Pf. 1.35 1.95 Crepon Batist mit Einsatz und Volant 1.90 Crepon mit farbiger Bordüre 3.25 Batist mit farbiger Bordüre 2.25 Entoutcas Halbeides mit 2.75 1.90 Entoutcas Reine Side" 3.90 Futteral Farben Berantw. Refteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Girde, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW. Nr. 129. 22. Jahrgang. 3. Beilage des Vorwärts" Berliner Volksblatt. Das Strafgefängnis Plößensee vor Gericht. ( Eigener Bericht des Vorwärts".) " 15. Verhandlungstag. Sonntag, 4. Juni 1905. nicht sehen könne. Die Flügel gingen seine Hosen entlang, an den sprechen.- Rechtsanw. Dr. Halpert bittet ums Wort. Präs. Armen habe er das Steuer. Alle diese Dinge haben bei dem Zeugen( sehr erregt): Ich bitte mir aus, ich erteile jetzt keinem der Herren die Vermutung entstehen lassen, daß Grosse nicht richtig im Kopfe Verteidiger das Wort, ich bitte mich jetzt in der weiteren Beweis sei. Er sei sehr intim mit Grosse gewesen und habe ihn nicht ge- aufnahme nicht zu unterbrechen. Rechtsanw. Dr. Halpert fürchtet, aber die Mitgefangenen hatten Angst und ließen Groffe will sprechen, alle Verteidiger haben sich erhoben und verlangen nicht aus den Augen. gleichfalls das Wort.- Präs.( den entstandenen Tumult überHierauf wird der Bruder des Grosse nochmals vorgerufen schreiend): Meine Herren! Ich habe erklärt, daß jezt keiner das Auch die heutige Sigung ist der Erörterung des Falles Grosse und sagt auf wiederholtes Befragen des Rechtsaniv. Liebknecht Wort hat. Rechtsanw. Halpert: Ich muß das Wort haben! gewidmet. folgendes aus: Als die Mordtat vollbracht war, sei bei seiner Ich muß gegen diese Beschränkung der Verteidigung auf das entDer gestern bereits vernommene Zeuge M. wird noch einmal Mutter und ihm der Gedanke gekommen, daß der Bruder dabei ge- schiedenste protestieren. Im Namen der Gesamtverteidigung bitte vom Rechtsanw. Dr. Liebknecht über den Selbstmordversuch des wesen sein müsse. Er hatte diesen bei der Polizei als vermißt an- ich gerade in diesem Stadium der Verhandlung mir das Wort zu Grosse eingehend befragt. Er wiederholt, daß Grosse ganz plöglich meldet und eine genaue Beschreibung seiner Person und seiner geben. aus dem Bett aufgesprungen sei und die schon gestern beschriebene Kleidung gegeben. Groffe hatte sich bei der Mordtat bekanntlich an verständigen protestieren? Vors: Wollen Sie gegen die Vernehmung des SachManipulation des Aufhängens an dem dicht bei dem Bett befind- der Hand verletzt und den Dr. Rubinstein auf der Unfallstation in Dann erteile ich Ihnen hierzu das Wort.- Dr. Halpert: Ich beDr. Halpert: Jawohl! Vorf.: lichen Spinde gemacht habe. Db Grosse den Boden mit den Füßen der Potsdamerstraße zum Verbinden der Hand aufgesucht. Er habe, antrage, Herrn Dr. Schulz wegen berührt hat, weiß der Zeuge nicht. Der Zeuge fagt weiter aus, daß wie der Zeuge befundet, dabei ganz ruhig seinen richtigen Namen Groffe im Lazarett vor vielen anderen Personen Unanständig und feine richtige Wohnung angegeben und gebeten, die Rechnung abzulehnen. Derselbe ist der Amtsnachfolger des Herrn Dr. Pfleger Besorgnis der Befangenheit feiten an seinem eigenen Körper vorgenommen habe. In für die Behandlung an seine Mutter zu schicken. Da auch der im Hause gewesen und hatte in Plötzensee genau nach den gleichen Anordnungen der Tobzelle habe Groffe gewütet wie wie ein wildes Tier. des Grosse wohnende Werner als der Tat verdächtig war, wurde und Anweisungen wie Herr Dr. Pfleger zu handeln. Die angeblichen, Der Zeuge hat ein solches Toben eigentlich nur ein paar das Haus polizeilich observiert und es waren schon die Anschläge zur Anklage stehenden Beleidigungen treffen mithin Herrn Dr. Schulz Mal bei Leuten wahrgenommen, die nachher nach Herzberge oder an den Säulen erschienen, als der Beuge eines Tages bei der Heim- ebenso, wie Herrn Dr. Pfleger. Herr Dr. Schulz ist außerdem nicht Dalldorf kamen. Das ganze Benehmen des Grosse, insbesondere fehr feinen Bruder vor der Haustür wartend vorfand. Er hatte schon speziell psychiatrisch vorgebildet. auch seine fortgesezte, demonstrative Auflehnung gegen die Haus- anderthalb Stunden lang dort und auf der Straße gestanden. Auf die Verteidigers spricht der Präsident mit einem Beisiger. Vert.: Ich Während der Ausführungen des ordnung haben ihn zu der Ueberzeugung gebracht, daß Grosse Frage, welche furchtbare Tat er begangen, habe der Junge ganz blöde da bitte, mich nicht zu unterbrechen.-Präs.: Wenn ich eine Bemerkung zu anormal sei. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Haben Sie auch bei gestanden und keine Spur von Neue gezeigt. Dem Zeugen blieb nichts einem der Herren Beisiger mache, die nicht stört, bitte ich fortzufahren. anderen Gefangenen ein offensichtliches Auflehnen gegen die Vor- anderes übrig, als ihn festnehmen zu lassen, er schloß ihn zunächst Jch höre trotzdem zu. gesezten beobachtet?- 8euge: Vorgekommen ist es auch. ein und überlieferte ihn dann der Polizei. Es sei ganz ruhig mit wiffen.( Heiterkeit im Zuhörerraum.)- Präsident( sehr erregt): ist Vert. Ich danke, ich konnte das nicht Beifizer Dr. Graebermacht eine leise Bemerkung. Rechtsanwv. zur Wache gegangen. Der Zeuge verweist schließlich darauf, daß er Jch bitte mir Ruhe aus, sonst räume ich sofort den Zuschauerraum. Liebknecht: Einer der Herren Beisitzer hat soeben wieder einer nicht lange Zeit nachher Veranlassung genommen habe, Herrn gewissen Freude darüber Ausdruck gegeben, daß anscheinend eine Medizinalrat Dr. Baer die Sache vorzustellen und ihn wegen der Herrn Verteidigers als unbegründet abzulehnen. Herr Dr. Schulz Erster Staatsanw. Schönian: Ich beantrage, den Antrag des Frage in einer dem Angeklagten ungünstigen Weise beantwortet ist. Gesundheit des Bruders zu befragen. Dr. Baer habe damals ge- hat leinen Strafantrag gestellt. Bum Zeugen): Ist ein solches Benehmen in so häufiger und befagt, daß der Zustand des Bruders kein normaler aber§ 51 des Instruktionen des Herrn Dr. Pfleger zu handeln hatte, begründet Der Umstand, daß er nach den harrlicher Weise auch bei anderen vorgekommen? 8euge: In Strafgesetzbuches doch nicht anwendbar fei. Der Zeuge schließt, in- nicht seine Befangenheit. Herr Dr. Schulz hat außerdem das folch' demonstrativer Weise wie bei Grosse wohl nur bei Gefangenen, dem er sagt: Ich habe mich dann erst über die Bedeutung des§ 51 Phyfitatsegamen gemacht und hat sich viel in dem hiesigen Unterdie nachher nach Herzberge oder Dalldorf kamen. unterrichtet und mir die Frage vorgelegt:" Wie viel fehlt wohl noch, fuchungsgefängnis als Arzt mit der Beobachtung Geisteskranker Der Zeuge bemerkt noch, daß die Stimmung des Grosse zwischen daß dein Bruder unter den§ 51 fällt?" tiefer Gedrücktheit und plötzlicher Erregung innerhalb weniger fizzenden, daß er sich nicht für befangen halte. beschäftigt. Dr. Schulz erklärt auf Befragen des VorStunden wechselte. Bors: Sie waren Stalefaftor im Lazarett. Haben Sie jemals Veranlassung genommen, von Ihren Wahrnehmungen den Aerzten Mitteilung zu machen? Benge: Es Rechtsanw. Dr. Liebknecht erhebt Widerspruch und beantragt mag wohl geschehen sein, ich weiß es aber nicht. Die Medizinals formell, zunächst den Antrag der Verteidigung auf Ladung des Willi räte Geheimrat Dr. Baer und Medizinalrat Dr. Pfleger wissen Groffe, als Zeugen und Augenscheinnahme des Grosse zu er ihrerseits von einer solchen Mitteilung des Zeugen nichts. ledigen und Vernehmung aйer Rechtsant. Dr. Liebknecht: Herr Geheimrat, ist denn ein Beugen ehe die Sachverständigen vernommen werden. Andernfalls im Falle Grosse benannter Lazarettfalefattor an und für sich dazu bestimmt, Beobachtungen zu würde man mit diefer Zeugenbernehmung nachhinken und der Vermachen? Geheimer Rat Dr. Baer: Nein, niemals.- teidigung würden durch eine solche Disposition ihre Beweismittel bönig Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Nun eben, das wollte ich nur wertlos gemacht werden. Er würde dies als eine erhebliche Be feststellen. Angell. Ahrens: Herr Zeuge, wurden die schränkung der Verteidigung ansehen müssen. Beobachtungen von Geisteskranken ausschließlich von Aufsehern ausgeführt? Präs.: Das ist wieder eine Frage, die sich lediglich auf das Allgemeine bezieht. 71 Ein Zeuge Kr., der seinerzeit Kalefaktor in der Anstaltsexpedition war, weiß mur, daß Grosse als„ berrückt" berrufen war. Er hat auch einen überaus tonfusen Brief gelesen, den Grosse an den Kaiser gerichtet hat. Beuge H. ist mit Grosse nicht persönlich in Berührung getommen, weiß aber vom Hörensagen, daß Grosse bei den anderen Gefangenen allgemein als verrückt galt. Der Zeuge will auch gehört haben, daß Grosse chikaniert und brutal durch schwere Arrests strafen usw. behandelt worden sei. Der Vorsitzende hält dem Zeugen die Gefängnis- Personalatten entgegen, aus denen man ersehen könne, daß Grosse recht rücksichtsvoll behandelt worden sei. ,, Dr. Unbedenklich." Da sich ergibt, daß Beugen für den Fall Grosse nicht mehr zur Stelle sind, will der Vorsitzende den Sachverständigen Dr. Arthur Schulz vernehmen. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Ich möchte unter das Zeugnis die Behauptung gestellt wissen, daß sehr häufig Aerzte, die das der anivesenden Herrn Psychiater, speziell des Herrn Dr. Placzek, Physifatsexamen gemacht haben und die als Gerichtsärzte bereits ernannt sind, nachher noch einen Kursus zu ihrer psychiatrischen Ausdas Physikatsexamen gemacht und als Gerichtsarzt angestellt ist, in gar bildung nehmen, mit anderen Worten, daß die Tatsache, daß jemand teiner Weise eine spezielle psychiatrische Ausbildung garantiert. an Herrn Dr. Placzek zu richten. Präs.: Ich stelle anheim, diese Frage zu einer späteren Zeit der Die Rechtsanwälte Dr. Halpert und Dr. Löwenstein fizende: Der Antrag der Verteidigung ist abgelehnt worden, da die Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorerinnern daran, daß auch sie noch Beweisanträge gestellt haben, die Besorgnis der Befangenheit in feiner Weise begründet ist, Dr. Schulz noch nicht erledigt seien. Erster Staatsanw. Schönian: Er würde es auch für fach- machen. auch befähigt ist, psychiatrische Beobachtungen an Geisteskranken zu gemäß halten, daß die tatsächlichen Ermittelungen zum Fall Grosse bis April 1905 Dr. Schulz bekundet: Er sei seit Oktober 1904 vor der Vernehmung der Sachverständigen zur Erledigung gebracht habe Grosse wiederholt behandelt. Hülfsarzt in Plößensee gewesen und Es sei ihm nie werden. Was die Vorführung des Grosse, beziehungsweise seine Gedanke gekommen, daß Grosse irrfinnig sei. Er brachte seine AnAugenscheinnahme betrifft, so muß ich bemerken, daß prinzipielle liegen in richtiger Gedankenfolge vor und bewies eine vollkommene Bedenken aus der bisherigen Beweisaufnahme nicht hervorgetreten Einsicht in seine Lage. Allerdings sei nicht gesagt, daß Grosse geistig find, daß aber Bedenken tatsächlicher Natur aus dem Befinden ganz gesund sei. Ein charakteristisches Symptom für eine gewisse Grosses sich jedenfalls ergeben werden, aus denen die Gefängnis- Störung des Nervensystems sei eine Verwaltung jedenfalls Beranlassung nehmen wird, der Vorführung hier und der Augenscheinnahme im Gefängnis sich zu widersetzen. Rechtsanw. Dr. Liebknecht beantragt, die Form, in welcher auf der Haut. Diese Anästhesie sei ein Kardinalsymptom der seine früheren Anträge auf Vorführung des Grosse ustv. zu Protokoll Hysterie. Der Zeuge bemerkt weiter, daß er über den Fall Groffe genommen worden, durch Verlesung der betreffenden Stelle des Groffe zeigte niemals auch nur die leiseste Neue. Er be nichts mehr zu sagen habe, wohl aber wisse er etwas über den Protokolls zur Kenntnis der Verteidigung zu bringen. trieb in exzessiver Weise Selbstbefleckung und machte dem Dr. Unbedenklich", wie er in Plötzensee genannt werde. Rechtsanw. Heinemann beantragt namens aller Verteidiger, Sachverständigen fpontan Auf Zugeständnisse hierüber. Präsidenten den Vorgang der Erteilung einer Ungebührstrafe an den be- eine Frage des Präsidenten erklärt Dr. Schulz weiter, Der Beisitzer Dr. Graeber macht den Präsidenten den Vorgang der Erteilung einer Ungebührstrafe an auf diesen Ausdruck aufmerksam.- Präs.: Wie tönnen treffenden Beugen zu protokollieren und diese Protokollaufnahme daß die Hysterie bei Grosse auf degenerativer Grundlage beruhe. Sie sich erlauben ich habe es ganz überhört hier von zur Verlesung zu bringen. Der Zeuge mußte glauben verpflichtet In seiner Verwandtschaft waren Fälle von Geisteskrankheit voreinem Herrn Dr. Unbedenklich zu sprechen. Beuge: Ich will zu sein, alles zu fagen, was er wußte. Die Verhängung der gekommen, er war also doch die Wahrheit jagen, ich kann nur sagen, was ich im Gefängnis Ordnungsstrafe kann eine Einwirkung auf die Zeugen der VerOwenſtein unempfindlichkeit für Schmerzen erblich belastet, Die Verhandlung wird hierauf auf Montag 9% Uhr vertagt. Wochen- Spielplan der Berliner Cheater. gehört habe.- Staatsanw.: Ich halte es für eine Ungebühr, teidigung ausüben und eine Beschränkung der Verteidigung befein Vater war Gewohnheitstrinker. Die erbliche Belastung zeigte wenn der Zeuge hier ganz aus freien Stücken eine herabfegende deuten. Bezeichnung für einen der Herren Nebenkläger gebraucht und be- Rechtsanw. Löwenstein beantragt die nochmalige Ver- sich in einer Assymmetrie der Gesichtshälften. antrage eine fofort zu vollstreckende Haftstrafe von 24 Stunden. nehmung des Zeugen Korrektors P. zum Beweise dafür, daß dieser Medizinalrat Dr. Pfleger: Es ist für mich entschieden schwer jener Mann ist, welcher- wie befundet worden seinerzeit an die fränkend, wenn der Zeuge hier von mir als Dr. Unbedenklich Familie Grosse herangetreten fein soll und sich angeboten habe, zuspricht. Beuge: Ich will den Herrn Arzt durchaus nicht kränken. gunsten des Grosse Schritte zu tun. -Der Gerichtshof beschließt nach dem Antrage des Staatsanwalts, Nach längerer Beratung verkündet der Vorsißende den Beschluß Königliches Opernhaus. Sonntag: Barbier von Bagdad. Slavische der Zeuge soll abgeführt werden. des Gerichts dahin: Der Gerichtshof lehnt den Antrag des Rechts- Brautwerbung. Montag: Lohengrin 1 ft. Meistersinger 3. Art.( Anfang Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Wir können auf den Zeugen anwalt Dr. Löwenstein ab, weil es die unter Beweis gestellte Tat- 8 Uhr.) Dienstag: Die lustigen Weiber von Windsor. Mittwoch: La nicht verzichten. Präs.: Er ist jetzt abzuführen, wenn Sie fache als wahr unterstellt. Was die Anträge der Verteidigung auf Traviata. Donnerstag: Die Heirat wider Willen. Freitag: Der fliegende ihn nachher weiter brauchen, kann er wieder vorgeführt werden. Bernehmung weiter zu ladender Zeugen vor dem Gutachten der berg.( Anfang 7 Uhr.) Montag: Hänsel und Gretel. Coppelia. Holländer. Sonnabend: Margarete. Sonntag: Meistersinger von NürnRechtsanw. Dr. Liebknecht: Ich bitte zu Protokoll zu nehmen, Sachverständigen betrifft, so hat das Gericht teine Veranlassung, Königliches Schauspielhaus. Sonntag: Wilhelm Tell. Montag: daß ich gegen die Abführung protestiere. Der Beuge wird abgeführt von seinen hinsichtlich der Entscheidung der Anträge früher be- Göz von Berlichingen.( Anfang 7 Uhr.) Dienstag: Prinz Friedrich von und spricht einen Augenblid mit Dr. Liebknecht.- Präs.( auf- fundeten Beschlüssen abzugehen. Der Antrag des Rechtsanwalts Homburg. Mittwoch: Die Journalisten. Donnerstag: Wilhelm Tell. fahrend): Was erlauben Sie sich, Sie haben mit der Verteidigung Dr. Liebknecht auf Verlesung der Form, in welcher feine früheren Freitag: Göz von Berlichingen.( Anfang 7 Uhr.) Sonnabend: Wie die nicht zu sprechen. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Der Zeuge hat mir Anträge aufgenommen worden sind, wird abgelehnt, da dieser Antrag Alten jungen. Sonntag: Im stillen Gäßchen. Montag: Wilhelm Tell. nur mitgeteilt, ich möge seiner Frau schreiben. Bräs.: Er nicht sofort gestellt ist. Der Antrag des Rechtsanw. Dr. Heinemann Neues Königl. Operntheater. Sonntag bis Freitag allabendlich: hat von mir feine Erlaubnis dazu erhalten. wird abgelehnt, weil die Antragsteller von dem Vorgang nicht be- Sung- Heidelberg. Sonnabend und Sonntag: Der Schnurrbart. Montag: Unbestimmt. Rechtsanw. Dr. Heinemann: Ich bitte um das Wort zu troffen werden. Deutsches Theater. Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch: zwei mit diesem Vorgange unmittelbar zusammenhängenden An- Ein Zeuge, Zuschneider W., hat sich während der Mittagspause Der Privatdozent. Donnerstag: Wilhelm Tell. Freitag: Der Privatdozent. trägen. Vors.: Ich kann Ihnen jetzt das Wort dazu nicht geben. bei der Verteidigung gemeldet. Er hat Grosse im Gefängnis Plößen- Sonnabend: Der Bielgeprüfte. Sonntag: Faust I. Teil. Montag: Der Vert.: Ich bitte um Gerichtsbeschluß, daß mir zu zwei im unmittel- fee tennen gelernt und dieser sei ihm immer sehr fomisch vor- Vielgeprüfte. baren Zusammenhang mit der Vernehmung stehenden Fragen das gekommen; er machte viel unnüße Bemerkungen und schnitt auf dem Berliner Theater. Sonntag: Alt- Heidelberg. Montag: Des Meeres Wort nicht gegeben wird. Der Gerichtshof, welcher sich zurück- Spaziergange häufig Grimassen. Einmal hörte der Zeuge, wie er und der Liebe Wellen. Dienstag: Zapfenstreich. Mittwoch: Alt- Heidelberg. gezogen hat, billigt die Anordnung des Vorsigenden. Rechtsantv. befundet, einen großen Radau und der Aufseher erzählte ihm, Grosse Donnerstag bis Montag: Unbestimmt. Dr. Heinemann: Ich beantrage die Protokollierung und Ver- habe wieder seinen schlechten Tag. Grosse benahm sich so, wie ein Abends und Montag: Elga. Von Dienstag ab: Geschlossen. Lessing Theater. Sonntag nachmittag 2%, Uhr: Rosenmontag. lefung des Vorganges. Worj.: Wird geschehen! läppischer, dummer Junge. Einen ablehnenden Bescheid auf ein Gin Zeuge St., der, wie fich ergibt, schon bernommen ist, wird Gnadengesuch hat Groffe eines Tages zerrissen und in die Suppe Der Strohwitwer. Donnerstag: tag, Montag, Dienstag und Mittwoch: borläufig bis zum 10. Juni entlassen. Beuge C. befundet, daß Grosse mitunter ohne sichtlichen Grund Wutanfälle geworfen: er solle gefocht werden. des und Montag: Der Strohwittwer. Neues Theater. Allabendlich: Der Familientag. Kleines Theater. Sonntag: Die Neuvermählten. Abschiedssouper. Angele. Sonnabend: Salome. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Abschied Montag: Nachtasyl. Dienstag: Abschied vom Regiment. Angele. Mittwoch: Salonie. Donnerstag: Nachtasyl. Freitag: Abschied vom Regiment. vom Regiment. Angele. Schiller Theater O.( Wallner- Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Abends: Die Logenbrüder. Montag: Der Leibalte. Dienstag: Die Logenbrüder. Mittwoch: Die Jüdin von Toledo. Donners Rechtsant. Dr. Liebknecht beantragt nunmehr, vor der Vernehmung der Sachverständigen einige Stellen aus den Personalakten gehabt und bei geringfügigen Meinungsverschiedenheiten zweimal seine Groffe die größte Mühe gegeben habe, sich gut zu führen und daß des Grosse zur Verlesung zu bringen, aus denen sich ergibt, daß sich Mitgefangenen und Arbeitskollegen krampfhaft angepackt und geivürgt mit Rücksicht darauf Abstand genommen ist von der Verhängung habe. Auch gebissen soll Groffe, wie Beuge glaubt, einmal haben. Bei von Disziplinarstrafen, wenn Grosse trotzdem explodierte, folchen Wutanfällen habe Grosse mit den Händen gezittert und fah im Ge- und daß ferner Grosse sehr wechselnde Stimmungen zur Schau ge- Die Haubenlerche. ficht grau aus, während die Augen hervortraten wie bei jemand, der Krämpfe hat. Hingefallen ist Grosse dabei nicht. Das Zittern tragen habe. dauerte längere Zeit an. Nach Ansicht des Zeugen habe Grosse Präs. Ich werde diese Stellen später zur Verlesung bringen, tag: Die Logenbrüder. Freitag: Die Tyrannei der Tränen. Sonnabend: auch viel unsinniges Zeug zusammengequatscht. Die Zusammenstöße jetzt nicht. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Ich stelle ausdrücklich Die Haubenlerche. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Johannisfeuer. Abends: mit den Arbeitskollegen seien vom Aufseher nicht bemerkt, da dieser den Antrag... Präf.( erregt): Ich bitte mir jegt nicht ins Wort Die Präf.( erregt): Jch bitte mir jezt nicht ins Wort Die Logenbrüder. Montag nachmittag 3 Uhr: Die Haubenlerche. Abends: Die Großstadtluft. sich im Sommer stets draußen aufhält. Erster Staatsanwalt zu fallen, oder wollen Sie meine Anordnung als ungesetzlich be- Schiller- Theater N.( Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag Schönian stellt fest, daß die hier in Frage stehende Federbarade anstanden? Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Jawohl, ich bitte ums nachmittag 3 Uhr: Wallensteins Tod. Abends: Der artefiſche Brunnen. im Sommer durch eine Gittertür abgesperrt ist, durch welche der Wort. Präs.: Wünschen Sie dazu noch das Wort? Ich erkläre Montag bis Sonnabend: Der artesische Brunnen. Sonntag nachmittag Aufseher die Federbarade überblicken fann.- Angell. Schneidt: Angell. Schneidt: Ihnen, daß ich Ihnen das Wort nur dazu gebe, anzuführen, daß die Uhr: Maria Stuart. Abends: Der artefische Brunnen. Montag nach Der Aufseher steht aber nicht fortgesetzt vor der Gittertür, sondern Anordnung unzulässig ist. mittag 3 Uhr: Medea. Abends: Die Tyrannei der Tränen. geht manchmal weg. Vert.: Bu etwas anderem habe ich das Wort auch nicht berBelle Alliance Theater. Sonntag und folgende Tage: Madame Tip- Top. Beuge M. erzählt, daß Grosse allerlei Unsinniges begangen langt. Ich muß es als eine Beschränkung der Verteidigung ansehen, Residenz- Theater. Sonntag bis Donnerstag: Herzogin Crevette. habe. Er berichtet von einem Krakehl, den Grosse mit einem Mit- daß die Vernehmung der Sachverständigen erfolgen soll, ehe die Freitag und folgende Tage: Gastspiel von Alb. Zehme, Lange, Barsberg. gefangenen gehabt habe. Abends habe er zerknirscht dagesessen und Beweisaufnahme, die dem Sachverständigengutachten eine Grundlage Lustspielhaus. Allabendlich: Biederleute. zu dem Zeugen gesagt: Wenn ich noch einmal so'n Ding mache, gibt, erschöpft ist. Ich halte es für gefeßlich unzulässig, die Sachwas friege ich dann wohl? Auf die Antwort:" 15 Jahre", habe verständigen zu vernehmen, ehe die Beweisaufnahme über den Fall Grosse gesagt: Na, dan hat es keinen Zwed." Wenn ich wieder Grosse beendet ist. Ich muß daher gegen die Anordnung des Herrn 15 Jahre triegen sollte, dann könnten sie mich lieber gleich einen aften des Groffe später verlesen zu wollen, protestieren. Ich bitte Borsigenden, die von mir bezeichneten Stellen aus den PersonalStopf fürzer machen. Als er aus dem Lazarett kam, habe er gesagt, daß man ihn dort mit Douche und Hunger habe furieren wollen. zunächst über meinen Antrag Beschluß zu fassen. Einmal habe er geweint und erzählt, daß er seinem Komplicen Das Gericht billigt die Anordnung des Präsidenten. bad- Eine erregte Szene. Werner begegnet sei. Die Flugmaschine. Rechtsanw. Dr. Liebknecht bittet um Verlesung des AnEin anderes Mal hat er behauptet, daß er eine Flugmaschine trages. Präs.: Der Antrag wird nicht verlesen. Herr erfunden habe und am Leibe versteckt trage, so daß man sie gar Dr. Schulz, ich ersuche Sie vorzutreten und mir den Eid nachzu3 = Carl Weiß Theater. Sonntag: Zweimal verheiratet. Montag bis Zentral Theater. Sonntag Gastspiel des Berliner Theaters: TataDonnerstag und folgende Tage nachmittag Dienstag und Mittwoch: Tata- Toto. Toto. Montag: Alt- Heidelberg. Thalia Theater. Sonntag nachmittag 3, Uhr: Gastspiel der Wolzogen- Oper: Die Regimentsfalle. Abends: Die Bäder von Lueca. Montag bis Freitag: Die Bäder von Lucca. Sonnabend und Sonntag: Die Pfahlbauer. Montag: Unbestimmt. Reichshallen Theater. Allabendlich: Stettiner Sänger. Urania Theater. Taubenstraße 48/49. Im Theater: 8 Uhr: Die deutsche Nordseeküste. Dienstag: Tierleben in der Wildnis. Mittwoch und Sonnabend: Der Simplon und sein Gebiet. Sonnabend: Geschlossen. Sonntag und Montag: Wahre Liebe. T WARENHAUS HERMANN TIETZ Leipzigerstrasse 46-50. Krausenstrasse 44-49. Heute ist unser Warenhaus von 1 Uhr ab geöffnet. Sonntag Montag Dienstag Mittwoch Vorzugs- Preise Damen- Konfektion Soweit der Vorrat reicht. Bluse aus kariertem Baumwollstoff mit Falten 80 Pf. Bluse aus gutem Percal, mit Falten und klarem Einsatz Bluse aus gestreiftem imit. Leinen 125 Bluse 245 Bluse aus weiss Piqué mit Paspel Bluse aus gutem Percal mit Passenstück Bluse aus gepunkt. imit. Leinen mit Kragenbesatz *| 165 65 Kleiderrock aus weissem Piqué, fussfrei Kleiderrock aus weissem imit. 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Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Konferenz der Arbeitersekretäre. ( Eigener Bericht.) Sonntag, 4. Juni 1905. wurde darauf hingewiesen, daß die Benutzung der Sekretariate für getrennt von den allgemeinen für Gewerkschaftsbeamte eingerichtet jedermann eine leberbürdung der Angestellten hervorruft, so daß werden sollten. Die Kosten soll die Generalkommission tragen, abdie Arbeiten nicht mit der nötigen Gründlichkeit erledigt werden. gesehen von den Reisekosten und Diäten der Zuhörer, die von den Einige Sekretariate erreichen einen Etat von nahezu 10 000 m., Organisationen übernommen werden müssen. Von einem Redner Im Anschluß an den Gewerkschaftskongreß tagte in Köln am andere übersteigen noch diesen Betrag. Weitere finanzielle wurde empfohlen, die Generalkommission möge im Berliner Arbeiter29. und 30. Mai eine Konferenz der Arbeitersekretäre, zu der alle Leistungen seitens der organisierten Arbeiter für diese Zwecke sekretariat einen Beamten besolden, der nur die Aufgabe hat, an Sekretariate mit Ausnahme von zweien Vertreter entsandt hatten. sind faum möglich. Zudem seien die gewerkschaftlichen Dr- der Hand der praktischen Fälle, die hier zur Erledigung kommen, Die Verhandlungen betrafen innere Verwaltungsangelegenheiten. ganisationen soweit fortgeschritten, daß, abgesehen von Anleitung und Unterricht für Sekretäre und fünftige Angestellte zu Um eine einheitliche Statistik zu erlangen, wurden bestimmte Grund- einigen Ausnahmen, für indifferente Arbeiter solche Institute nicht erteilen. Das dringende Bedürfnis für eine systematische Weitersäge aufgestellt, in welcher Weise die Zahl der Besucher, die Art der offen gehalten werden sollten. Die Erhebung einer Gebühr von bildung wurde allgemein anerkannt. Auskunfterteilung und die Zahl der Schriftsäße zu registrieren sind. Nichtorganisierten, wie es bisher 4 Sekretariate belieben, hat insofern Das Referat über Werk- oder Dienstvertrag zeitigte eine AusEine längere Besprechung über die Mängel ärztlicher Gutachten ihre Bedenken, als die Behörden auf Grund der Gewerbeordnung sich sprache über die schwankende Rechtsprechung, ob die Vergebung von in den Rentenstreitverfahren ließ wiederum die großen Schwierig- Eingriffe erlauben könnten. Von anderer Seite wurde dem entgegen- Arbeiten an Zwischenunternehmer( Affordanten) als Werkvertrag zu feiten erkennen, für Verletzte Gutachten von einem unabhängigen gehalten, daß der unentgeltliche Rechtsschutz auch eine agitatorische erachten ist, wobei für die Beteiligten die Bestimmungen der Arzt zu erlangen. Es wurde beklagt, daß selbst die Krankenkassen Wirkung ausübe und gegenwärtig noch fein dringender Anlaß vor- Gewerbe- Ordnung ausgeschaltet werden und das Bürgerliche Gesetzjede Vermittelung zugunsten der Verlegten ablehnen. Im Ruhr- läge von der bisher fait allgemein üblichen Praris, unentgeltlich für buch Anwendung findet. Die für eine Entscheidung formulierten gebiet find die Aerzte in einer Abhängigkeit von den Knappschafts- jedermann die Arbeiterfekretariate offen zu halten, abzugehen. Ver- Thesen fanden nicht allgemeine Zustimmung, zumal auch die Frage kassen und der Berufsgenossenschaft, die jede Selbständigkeit des bindliche Beschlüsse nach irgend einer Seite wurden nicht gefaßt. noch nicht genügend diskutiert ist. Ueber den Verkehr mit dem Arztes ausschließt, an eine Abgabe von Gutachten für die Arbeiter Bei dem weiteren Punkt der Verhandlung, betreffend die Zentral- Arbeiterfekretariat wurden manche Anregungen gegeben fei gar nicht zu denken. Weiterbildung und Ausbildung der Arbeitersekretäre fanden die Vor- und dürfte die Konferenz für die Sekretariate recht nugbringend geMeinungsdifferenzen bestanden darüber, ob die Sekretariate an fchläge, Unterrichtskurse in Berlin zu veranstalten, allgemeine Zu- wesen sein. Unorganisierte und gegen Entgelt Auskunft erteilen sollten. Es ſtimmung. Nur wurde gewünscht, daß die Kurse für Arbeitersekretäre Deutscher Metallarbeiter Verband. Verband der Fabrik-, Land-, Hilfsarbeiter Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3353. und Arbeiterinnen Deutschlands ( Verwaltung Berlin). Bureau: Linienstraße 215. Kaiser Wilhelmstraße 18m: Telephon: Amt III, 938. Mittwoch, 7. Juni, abends 8 Uhr, im Palast- Theater Sonntag, den 4. Juni, mittags 12 Uhr, im Lokale„ Muſikerfäle“, ( früher Feen- Palast), Burgstraße 22: General- Versammlung. Tages- Ordnung: Stellungnahme zu dem Antrage des Kollegen Paul Litfin: Warum beantragt der Vorstand, den§ 30 des Statuts zu ändern? Der Verbandsvorsitzende A. Schlicke ist anwesend. 118/6 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Bahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Achtung! Herren- Maßschneider! Achtung! Maßkonfektions- und Militär- Schneider! Hente Sonntag, 4. Juni, mittags 1 Uhr, im großen Saale des Gewerkschaftshauses, Engel- Ufer 15: Oeffentliche Versammlung. Tages Ordnung: Berichterstattung über die gegenwärtige Situation und Beschlußfassung über weiter zu ergreifende Maßnahmen. Referent: Rollege Ritter. Kollegen! In Anbetracht der wichtigen Tages- Ordnung erscheint in Massen zu dieser Versammlung! Es muß auch jedes Maßkonfektions- und Konfektionsgeschäft vertreten sein! 163/13 eine Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Schneider, Engel- Ufer 21. Stukkateure! Zum Zwecke der Tarifverteilung und zur Erläuterung desselben findet Donnerstag, den 8. Juni, abends 8 hr= Zahlstellen- Besprechung statt. Durch Abstempelung im Mitgliedsbuch und gegen Rückgabe des bisher verausgabten wird der neue und endgültig fertige Tarif den Kollegen ausgehändigt. Die Zusammenkunftslokale werden in der Mittwochnummer bekannt gegeben. Zahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. 180/1 Maitrank bester Zubereitung, kräftig und wohlschmeckend; per Flasche 60Pfg., 10 Flaschen Rmk. 5,50, Große öffentl. Versammlung 25 Flaschen Rmk.12,50, empfiehlt und versendet der Gummiarbeiter, Arbeiterinnen von Berlin u. Umg. als besondere Specialität Tages- Ordnung: 1. Der Streit in der Berlin- Frankfurter Gummiwarenfabrik und die Stellungnahme der Berliner Gummiarbeiter. Referent: C. Bruns 2. Diskussion. NB. In dieser Versammlung darf fein Gummiarbeiter u. Arbeiterin fehlen. Die Ortsverwaltung. J. A.: C. Bruns. 64/6 Georg Andree BERLIN C. Prenzlauerstr.1.2 Hüte. Verkauf zu mäßigen, streng festen Preisen Schirme. 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Bekanntgabe des Resultats der Bautenkontrolle vom 23. Mai 1905. 3. Verschiedenes. Gruppe der Zementierer. Mittwoch, den 7. Juni, abends 81%, Uhr, bei Wilke, Brunnenstr. 188: 146/9 in Lustre, Alpacca usw. von 100 M. 80242* Krawatten. Lieben Sie Ihre Wäsche? Wollen Sie Ihre Wäsche dauerhaft, Dienstag, den 6. Juni, abends 8, Uhr, im Obstschen Saale, gut und blendend weiß erhalten? Meiningerstraße Nr. 8: Dann verwenden Sie Wählerversammlung SchneewittchenZages Drdnung: 1. Die bevorstehende Stadtverordneten- Wahl. Referent Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil. 2. Diskussion. 203/2 Bu recht zahlreichem Besuch, namentlich der Wähler des vierten Bezirks, ladet ein Das Wahlkomitee. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Montag, den 5. Juni, abends 8%, 1hr, in Graumanns Festfälen, Naunynstr. 27: Mitglieder- Verfammlung. Werkstattdelegierten- Versammlung Zages Drdnung: 1. Bekanntgabe des Resultats der Bautenkontrolle. 2. Verschiedenes. Bahlreichen Besuch dieser Bersammlungen erwartet Der Vorstand. Charlottenburg! Dienstag, 6. Juni, abends 8% Uhr, bei Schulz, Kaiser Friedrichstr. 24: Volksversammlung. Tages- Ordnung: 1. Bortrag des Stadtverordneten C. Baake über: Kommunalpolitik. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 203/1 Der Einberufer. Zages Drdnung: 1. Bortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Beachtung! In der Versammlung wird eine Flugschrift der " Freien Vereinigung deutscher Gewerkschaften" ausgegeben; es ist daher notwendig, daß alle Fabriken vertreten sind. Der Vorstand. 141/16 Bleichseifenpulver! Alleiniger Fabrikant A. Grubitz, Potsdam. Bertreter für Berlin und Vororte: R. Nürnberg, Berlin 0. 34. Ein Jeder sage es dem Andern! Kaufe auf Teilzahlung!!! Wöchentlich nur 1 Mark. Herren- und Damenuhren, Standuhren, gr. Standuhren, Regulateure, Freischwinger, Broschen, Ringe, Ketten, Bithern, Phonographen, Plattensprechmaschinen, gr. Auswahl in Platten, echte Edison- u. 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Endlich, um 11 Uhr, erschien ein Friz Zubeil:„ Die bevorstehende Stadtverordnetenwahl". Pflicht Universitätsbeamter, öffnete das Auditorium, wurde von der wildder Parteigenossen ist es, für einen zahlreichen Besuch dieser Wer flutenden Menge hineingetrieben und konnte sich zunächst nur dadurch vor dem Erdrückttverden retten, daß er in eine Ecke flüchtete und seinen fammlung zu agitieren. Tisch quer vor sich in die Ecke stellte. Die erregte Menge drang trotzdem auf ihn weiter ein und dem Beamten blieb nichts anderes übrig, als aus dem Fenster zu flüchten, um sich in Sicherheit zu bringen. Kaum schien ihm dies gelungen, als die Hunderte von Studenten durch die Fenster nachdrangen. Der Beamte flüchtete auf einen Baum. Einige Studenten fletterten ihm nach und einem mächtigen Baket, daß er krampfhaft bis dahin beschützt hatte, eine Katastrophe schien unvermeidlich. Da begann der Beamte von Teile unter die Menge zu werfen. Die Wogen glätteten sich, und der Kampf beschränkte sich auf Stoßen, Balgen, wälzen, Hauen, Beißen, Schreien unter den Studenten selbst, die nun endlich zu den fo erschütternd umstrittenen Universitäts- Tribünentarten für den Einzug der Kronprinzessin tamen! Jm Berliner Kriminal- Gericht wird nun schon in der zweiten Woche jener für die Aerzte nicht gleichgültige Prozeß verhandelt, dem die hiesige Presse den Titel gegeben hat:" Plößensee vor Gericht". Gelegentlich der borjährigen Debatten im Reichstage über die vorliegende Frage hatte ich in einem Artikel in diesem Blatte hervorgehoben, daß für uns als Aerzte diese Gelegenheit benutzt werden müsse, um Aufklärung darüber zu erhalten, ob der Gefängnisarzt beim Strafvollzug diejenige Stellung einnimmt, die man vom ſanitären und humanitären Standpunkt aus verlangen Rosie, Quisenstr. 20; für Karlshorst bei Knbfch; für Kaulsdorf bei Friedrichsfelde. Montag ist Zahlabend für den 1. Bezirk bei Die wirtschaftliche und soziale Lage der preußischen Gefängnis- Bobey; für den 2. Bezirk Dienstag bei Schola, Berlinerstr. 102; ärzte ist bekanntlich in der Zwischenzeit Gegenstand der Erörterung für den 3. und 4. Bezirk bei Schulz, Wilhelmstr. 11. in der rheinischen Aerztekammer gewesen. Auch die VertragsSteglit. Die Mitglieder des Wahlvereins werden gebeten, zur kommission der Aerztekammer Berlin- Brandenburg hat sich kürzlich Vereinsversammlung am Mittwoch, den 7. Juni, abends gemäß einem Beschlusse der gesamten Kammer mit den Vorschlägen 81% Uhr, bei Schellhase, Ahornstr. 15a zahlreich zu erscheinen und der rheinischen Kammer befaßt, tam aber zu dem Resultat, sich auf Pünktlichkeit mehr zu achten. Ein Vortrag des Gen. Eichler an der Aktion nicht zu beteiligen. Hierzu wurde diese Kommission über" Schiller" bietet jedenfalls Interesse. Gäste, auch Frauen, find veranlaßt einmal dadurch, daß aus den Reihen der Gefängnis- willkommen. Der Vorstand. ärzte selbst, die meist nur im Nebenberuf diesem Amt obliegen, teinerlei Anregung zur Besserung ihrer Lage gegeben worden war; andererseits hielten wir gemäß den liberalen Grundsäßen, auf denen diefe Kammer noch basiert, es für unangebracht, bei einer sozial so wichtigen Gruppe von Aerzten nur die Lohnfrage" in den Vordergrund zu stellen, ohne zugleich eine gesetzliche Feststellung der Pflichten und Rechte dieser Aerzte zu erstreben, wie sie die moderne Auffassung vom Verbrechen, Strafe und Strafvollzug durchaus notwendig macht. Auch zu lezterem Postulat bedarf es nicht nur der Initiative, sondern auch der freudigen Mitarbeit der Gefängnis- und Strafanstaltsärzte selbst. Wir unterschäßen gerade auf Grund der aus diesem Prozesse gemachten Erfahrungen -durchaus nicht die Ueberbürdung der Gefängnisärzte mit Schreibwerk aller Art und die daraus entstehende Gefahr, über alle bureautratische Reglements und Vorschriften den Blick für das Große zu berlieren. hat Es liegt mir fern, in einer schwebenden Sache, die dem richterlichen Urteil unterliegt, hier in bezug auf die einzelnen Fälle meine persönliche Ueberzeugung festzulegen, zumal keine sachlichen Differenzen unsere Bewunderung und Hochachtung für den alt= bewährten humanen und wissenschaftlich seit Jahren tätigen Herrn Baer mindern können, und ich auch das Pflichtbewußtsein des anderen Gefängnisarztes Herrn Pfleger seit vielen Jahren aus persönlicher Anschauung kenne. Der Zwed diefer Zeilen ist daher auch nur, einige allgemeine, für alle Aerzte wichtige Gesichtspunkte hier zur Grörterung zu bringen sine ira et studio. Die Simulation refp. der Nachweis der Simulation spielt ja heutzutage bei den Tausenden von Aerzten, die bei der Ausführung der sozialpolitischen Gefeße beteiligt find, eine gewichtige Rolle. Daß Strafgefangene sicher häufiger den Verfuch zur Simulation machen als andere Menschen, liegt nahe; ebenso leicht erklärlich ist es, daß Gefängnisbeamte fast überall, wo nicht finnfällige Krankheitserscheinungen vorliegen, Simulation bei den Gefangenen wittern. Wer diesem Prozeß aufmerksam zu folgen Gelegenheit hat, muß als Arzt zu der Ueberzeugung kommen, daß die Mittel zur Erkennung und zur Befämpfung der wirklichen und der scheinbaren Simulation durchaus nicht einwandsfrei sind. Die dauernde Kostschmälerung ad minimum fann meines Erachtens den durch Einzelhaft und Arreststrafe um das psychische Gleichgewicht gebrachten Menschen, der zunächst viel leicht nur etwas übertreibt, doch zu dauernder somatischer und psychischer Schädigung gewiß gegen den Willen des Arztes bringen. Wo der Arzt trotz eingehender Untersuchung und Beobachtung feine objektiven Anhaltspunkte für die Klagen der Beobachteten findet und zu der gewissenhaften Ueberzeugung der Simulation tommt, da handle er schleunigst nach seinem pflichtgemäßen Ermessen; aber schon die Tatsache, daß nicht alle Simulationsverdächtigen fich als Simulanten erweisen, muß von dem Experiment der Unterernährung abhalten. In der„ Berl. 8tg." Iefen wir folgende begeisternde Schilderung: Die politische Polizei, der der persönliche Sicherheitsdienst für den Kaiser auch sonst obliegt, hat die sogenannte Streckenbefegung unter ihre Leitung genommen. Die Streckenbesetzung besteht darin, daß Potsdam. Mittwochabend 8 Uhr ist im Victoriagarten eine in den Straßen, die von hochgestellten Persönlichkeiten passiert Gewerkschafts- Versammlung. Berichterstattung vom deutschen Ge- werden, in bestiminten Zwischenräumen Kriminalbeamte postiert wertschaftsfongreß in Köln. Die an diesem Tage fällige Wahl- werden, die das Publikunt scharf überwachen und etwa an vereinsversammlung fällt aus. Das Gewerkschaftskartell. wesende verdächtige Individuen im Auge behalten. Außer dem bevegen sich Patrouillen von je zwei Mann durch die Menge und beobachteten mit Argusaugen alles, was vorgeht. Zu diesem Zwed ist zwischen dem Bolizeipräsidium und dem kaiserlichen Hauptquartier eine ununterbrochene telephonische Verbindung hergestellt, so daß die Polizei fortwährend auf dem Laufenden blieb, durch welche Straßen in den nächsten Minuten Fürstlichkeiten paffieren werden. Vom Präsidium aus werden die zuständigen Polizeireviere telephonisch benachrichtigt, so daß sofort die erforderlichen Absperrungen vorgenommen werden können, und wenn zehn Minuten später der abisierte Hofwagen das Schloß verläßt. fährt er schon durch einen mehr oder minder dichten Polizeifordon. Nowawes- Neuendorf. Mittwochabend 81%, Uhr findet bei Hiemke, Wallstr. 55, die Versammlung des Wahlvereins statt. Neben dem geschäftlichen Teil und der Lokalfrage steht auch ein Vortrag mit auf der Tagesordnung. Genosse Grunwald- Berlin spricht über das Thema:„ Das Muster der preußischen Reaktion". Von 8-88 Uhr werden vorn im Vereinslotal Beiträge entgegengenommen. Hohen- Neuendorf an der Nordbahn. Sonntag nachmittag präzise 3 Uhr findet im Saale des Herrn Jädicke( am Stolper Bahnhof) eine öffentliche Versammlung des Wahlvereins für Waidmannslust und Umgegend statt. Referent Genosse Maspfuhl spricht über:„ Das neue Organisationsstatut". Der Vorstand. Berliner Nachrichten. Das jubelnde Berlin. Leute glauben es, aber das sind die Einfältigen im Geiste. Wer mit Die Festesfreude ist groß in der Stadt, so heißt es, und manche offenen Augen und Ohren sich gestern unter die Menge mischte, den täuschte das aufgetragene Schaumgold nicht; er sah den unechten Glanz überall. Gedankenloses Mitläufertum, dummfragende Neugier, das findet man bei solchen Gelegenheiten massenhaft, aber wahre Begeisterung"," herzliche Freude", wie es so schön aus einem lächerlich! So unwahr offiziellen Festbericht flingt Die Selbstlosigkeit der wohlgesinnten Presse in Berlin ist nicht genug zu bewundern. Sie begeistert sich, trotzdem sie en canaille behandelt worden ist. Ein hiesiges Blatt lagt: Dent energischen Andrängen städtischer Ehrenbeamten gegenüber auf Berücksichtigung ist nachgegeben worden; zahlreiche auswärtige Zeitungen find ebenfalls berücksichtigt worden. Aber Berlin selbst scheint sehr schlecht weggekommen au sein. Korrespondenten großer Berliner Blätter und auswärtiger Zeitungen, die sich genügend auswiesen, Wegen Plazmangel unberücksichtigt geblieben". Alle mögerhielten nach langem Warten endlich den hektographierten Bescheid. lichen Personen haben Karten bekommen, für die Arbeiter der Presse hat man nichts mehr übrig gehabt. Der Cäcilientag. " So, fo! Wie soll denn Ihre Tochter heißen?" " Rosa, Berta, Frieda!" " Rofa, Berta, Frieda? Hm, hm! Ich möchte mir da einen Vorschlag erlauben!" Und der wäre?" ein Sput aus alter Der Berliner Standesbeamte scheint sich mehr und mehr für unser modernes Empfinden, wie Zeit berührt der Pomp und Brunt einer Hoffestlichkeit, bie vor der vom engen Formelzwang des Bureaukratismus befreien und höheren Menge mit großem Ernst aufgeführt wird. Bliden wir etwas ge- Bielen zustreben zu wollen. Er wächst sich sozusagen zum Familiennauer hin und bummeln wir ein wenig umher. Da muß man beirat aus und gibt, wie wir neuerdings mehrfach an allerhand natürlich nach der Friedrichstadt gehen und Unter den Linden, denn Beispielen darlegen fonnten, äußerst wohlgemeinte Ratschläge, die im übrigen ist Berlin so ruhig und gleichmütig, wie eine Weltstadt leider oft genug in der störrischen Bevölkerung auf Widerstand mur sein fann. stoßen. So geschah es gestern, am patriotischen Festtagsmorgen, daß Restaurants. Die Fremden wollen etwas gewahr werden in Berlin, denn fönigstreuen Ueberschwang seinem Bette entstieg und sich mit dem Es wimmelt von Fremden, alle Gasthöfe sind überfüllt, alle Cafés und der Beamte, der auf dem Standesamte in der Lychenerstraße wirkt, im fie haben in fast allen Zeitungen gelesen, daß es in diesen Tagen löblichen Vorsatz aufs Bureau begab, an diesem Tage mit Gott für hier großartige Dinge zu sehen gibt. Durch die vielen Fremben König und Vaterland besonders hingebungsvoll das Register zu geht auch das Feſtgeſchäft vorzüglich, und das ist eine Sache von führen. Als erstes Objekt trat ihm auf dem Standesamt ein Buch Wichtigkeit. Ein Markt in Extraartifeln hat sich entwickelt. Fenster- bruderei- Hülfsarbeiter entgegen. Zweck dieses Mannes war, die pläge stehen gut, aber nicht besonders hoch, 20, 40, 60-100 M. das glückliche Geburt eines Kindes anzumelden. Welchen Geschlechts?" Stück. Ein Baltonplay in Café Bauer ist für 100 M. zu haben; Weiblichen!" Tribünenpläge sind viel begehrt. Große städtische Tribünen sind errichtet am Bariser Plaz und am Lustgarten, aber alle Plätze sind Indem ich mir nach Abschluß des Prozesses weitere Betrach vergeben an wichtige Persönlichkeiten, z. B. an Reichstags- und Landtungen vorbehalte, möchte ich die öffentliche Kritik anregen über tagsabgeordnete, die es drängt, ihrer tiefen Untertanendemut ein Vorkommnis, das sich meines Wissens zum ersten Male vor Ausdruck zu geben. An der Universität und am Opernhause find einem deutschen Gerichtshofe abgespielt hat und doch für die Wertung ebenfalls Tribünen errichtet, aber die Not ist groß, die vielen treuen ärztlicher, in diesem speziellen Falle nervenärztlicher sachverständiger Seelen alle unterzubringen, die von Amts- und Würdewegen auf" Sehen Sie, heute ist der feierliche Einzug der Braut forensischer Tätigkeit von Belang ist. In unserer heutigen Zeit mit einen Platz Anspruch erheben. Und dann das Spalier! Vom Schloß unseres Kronprinzen. Ihr Kind ist doch heute erst geboren, nicht ihrer Hypertrophie von Gutachten kommt ja der Arzt nicht selten Bellevue bis zum Kleinen Stern, von dort bis zum Branden- t wahr? Wie wäre es nun, wenn Sie diesen Glücksumstand ge= in die Lage, lediglich auf Grund von Aften und Zeugenaussagen burger Tor, die Straße Unter den Linden, alles befezt mi bührend berücksichtigten und der erlauchten Braut zu Ehren Ihre sein sachverständiges Urteil abgeben zu müssen, 3. B. bei Erbschafts- Schulfindern, 6000 an der Zahl, Vereinen und Korporationen, Tochter Cäcilie nennten?" prozessen. Das gehört sicherlich zu den schwierigsten und verant- 26 900 Mann Mann stark, 60 Innungen stehen ba in Reih Der glückliche Vater war leider etwas steifnadig und fah zuwortungsvollsten Aufgaben des ärztlichen Berufes. Wir erstreben und Glied mit ihren alten Fahnen und Scharteken, nächst den Standesbeamten von der Seite an in der Meinung, daß alle wissenschaftliches Erkennen, wo irgend möglich, durch persönliche der Kriegerverband, der Turnerbund, Schützen, Schwimmer, der schöne Frühjahrsmorgen selbst in einem preußischen BeamtenUntersuchung des Objekts zu erlangen. In dem Fall Grosse Ruderer, die Feuerwehr, die Post, ja, wer möchte nicht alles dabei herzen die Geister des Scherzes und Humors entfesselt hätte. Als hatte von den Gutachtern nur der vom Gericht bestellte und gewiß sein! Wie haben es doch die Schlächtermeister gut, 134 Mann Hoch der Beamte aber ein zweites Mal mit durchaus ernstem in solchen Dingen( Untersuchung, ob Minderwertigkeit, Psychose au Roß an der Spize des Zuges, der nach langem Warten endlich Gefichtsausdruck seinen Vorschlag wiederholte, wurde bent oder Simulation vorliegt) ganz besonders sachverständige Kollege erscheint. An Guirlanden mit Rosen, an Fahnen und allerlei Vater erst flar, daß dem braven Herrn nichts ferner lag Medizinalrat Leppmann Gelegenheit gehabt, den G., und zwar mehr Schmud fehlt es nicht in der Feststraße, find freilich nur ein als zu ulten und fein Rat rein aus ber Flamme fach, zu untersuchen. Von der Verteidigung wurde nun der Antrag paar Hunderttausend Mark von den Berliner Stadtvätern bewilligt patriotischer Begeisterung emporsprühte. Der Berliner Arbeiter ist gestellt, auch den anderen vier Sachverständigen, darunter zwei worden. Die Hotels und Cafés, die Banken, die Geschäfts- aber mun einmal in diesem Punkte sehr verstockt und so müssen wir attiven Jrrenärzten, Gelegenheit zu geben, den Strafgefangenen häuser, ganz besonders besonders die Hoflieferten, haben glänzend denn mit Trauer vermelden, daß unser Gewährsmann es ablehnte, einmal in Blößensee zu untersuchen oder den G. vor Gericht vor- dekoriert, und abends leuchten sie weithin durch eine fich für die am Ende gar rötlich angehauchte Rosa eine patriotische führen zu lassen. Auf Veranlassung des Staatsanwalts wurde schöne Sllumination. Das ist allein für die Reklame viel wert, sonst Cäcilie eintauschen zu lassen. Vielleicht hat dem Standesbeamten im Herr Dr. L. befragt, ob dadurch eine bedenkliche Schädigung des geschieht's natürlich nur aus Patriotismus. Man verkauft Stronprinzen weiteren Verlauf des herrlichen Tages aber doch noch das Glück Gefangenen entstehen könne. Darauf sprach sich Herr Dr. L. dahin Likör und Cecilien- Torten; Massenartikel für die fliegenden Händler gelächelt. aus, daß G. bei Vorführung überschnappen" könne und er daher sind fabriziert worden, Medaillons, Krawattennadeln 2c. mit einem dringend davon abrate; auch eine Untersuchung des G. im Gefängnis ichwarzweißroten Kler oder den Porträts des Brautpaares. Ansichtsdurch die vier Sachverständigen wäre gesundheitsschädlich wirkend. farten mit ähnlichen Illustrationen finden massenhaft Abfah. Jeder Das Kaufmannsgericht. Das auf Grund des Gesetzes vont Nun war selbstverständlich von den vier anderen Sachverständigen Onkel vom Lande oder sonstwoher muß doch den Heimgebliebenen 6. Juli 1904 für die Stadt Berlin errichtete Kaufmannsgericht nimmer beabsichtigt, einen psychischer Erkrankung verdächtigen Mann ein Lebenszeichen aus Berlin geben, ein anständiges natürlich, ist mit dem 2. Juni in Tätigkeit getreten. Die Geschäftsräume etwa nacheinander zu untersuchen, sondern durch einen der Kollegen um nicht in den Verdacht zu kommen, er sei hier in einen Sünden befinden sich im zweiten und dritten Stockwerk des Gebäudes in Anwesenheit der drei anderen sollte der G. untersucht werden. pfuhl geraten. Die freudige Feststimmung" liegt überall an der Zimmerstr. 90/91. Zum ersten Vorsitzenden ist Herr v. Schulz Bieht man die Konsequenz aus der Aeußerung des Herrn Leppmann, Oberfläche, wie frisch aufgetragener Lad; man rige nur ein wenig gewählt, als Kaufmannsrichter sind bestellt die Herren so müssen Laien, und auch die Juristen unter ihnen, logisch zu der und die gemeine Antagsfarbe kommt zum Vorschein. Ueberzeugung kommen, daß sach- und fachverständige Untersuchungen Magistratsrat Techow und Gerichtsassessor Liebrecht. Vorsteher bon nervenkranken Personen durchaus geeignet sind, den Kranken der Bureaus ist der Bureauvorsteher des Gewerbegerichts, schwer zu schädigen. Dieser Ansicht hatte der Staatsanwalt schon Nachdem der Prunkzug am Bariser Blah angekommen war, trat Oberstadtsekretär Milisch. Geschäftszeit ist von 8 bis 8 Uhr. vor der gutachtlichen Aeußerung Leppmanns in der Klassischen, Oberbürgermeister Kirschner an den Wagen der Prinzessin Bemerkt sei, daß am Freitag bereits ein sehr ,, flotter später allerdings von ihm sehr eingeschränkten Wendung Ausdruck Cecilie und sprach davon, daß tief und lebhaft empfundene Wünsche Betrieb" im Kaufmannsgericht herrschte. Ein Freund unseres gegeben: Durch das Untersuchen wird mancher erst berrüdt." in dieser festlichen Stunde der Hoheit bräutliches Hera" bewegten Blattes war um 11 Uhr dort, um eine Klage zu Protokoll zu Wenn jemand, der gerade auf forensischem Gebiete und als vor- Auch meinte der Oberbürgermeister:" Daß die Bevölkerung dieser geben und zählte etwa 60 Leidensgefährten, die in der gleichen geschrittener Gefängnisarzt mit Recht soviel Autorität genießt, ivie Stadt in allen Altersstufen und Berufsschichten an diesen Leppmann, derartige folgenschwere Aeußerungen macht, dann muß Empfindungen den innigsten und wärmsten Anteil nimmt, Guerer Absicht erschienen waren. Man darf wohl annehmen, daß am er vor allem nachweisen, daß den anderen begutachtenden Aerzten Soheit Wünsche und Hoffnungen freudig bewegt teilt, das bezeugt ersten Tage schon 100 Klagen anhängig gemacht worden sind. die Fähigkeit mangelt, psychische Fälle so zu untersuchen, daß fein der laute Zuruf, mit dem sie Euere Hoheit jubelnd begrüßt," Der Gerichtsschreiber hielt eine Ansprache an die Anwesenden, Schaden für den zu Untersuchenden entsteht, oder er muß in der worin er bat, wenn irgend möglich die Klagen schriftlich einKonsequenz auch die Einschränkung des Unterrichts in Psychiatrie zureichen. verlangen, da hier Demonstrationen und Untersuchungen durch erst lernende Mediziner nicht zu umgehen sind. D. Munter. Partei- Angelegenheiten. Charlottenburg. Dienstag, abends 81%, Uhr, findet im Lokal des Herrn Schulz, Kaiser Friedrichstr. 24, eine Volksversamm Iung statt, in welcher Stadtverordneter Baate über Kommunalpolitik einen Vortrag halten wird. Zahlreiches Erscheinen ist erwünscht. Der Einberufer. Dem Ueberschwang in der Rede gleicht der lleberschwang in der wohlgefinnten Presse. Geradezu unheimlich wird der erste Hofdichter Artilleriemajor Josef Lauff im„ Lokal- Anzeiger": Willkommen sei's an jedem Herde, Wo traut die Heimatzunge flingt, No Ein Saattorn sei's der deutschen Erde, Das hundertfache Ernte bringt. Der Mangel an Lösch- und Ladestellen an den Berliner Wafferstraßen hat die Handelskammer schon wiederholt beschäftigt. Der lebhafte Schiffahrtsverkehr der letzten Wochen hat die auf diesem fammer beabsichtigt deshalb, den beteiligten Behörden die NotGebiete bestehende Kalamität außerordentlich verschärft. Die Handelswendigkeit, für den Wasserverkehr weitere Löschgelegenheiten zu fchaffen, nochmals darzulegen; im besonderen soll angeregt werden, am Nord- und Südufer neue Ladestraßen anzulegen. Gleichzeitig giveinbvierzig Grab Wärme zeigte das Thermometer im Sonnen wird beantragt werden, Maßnahmen dagegen zu treffen, daß die glanz der Feststraße. Löschpläge, wie es zuiveilen vorkommt, dem allgemeinen Verkehr Erschütternde Vorfälle spielten sich in der Berliner Uni- durch Fahrzeuge entzogen werden, deren Besfiber vom Kahn aus sait versität ab. Am frühen Vormittag versammelten sich Hunderte Kohlen, Obst, Kartoffeln und anderen Waren Handel treiben Der Altmeister des wissenschaftlichen Naturheilverfahrens, wird es sehr scharfe Kämpfe geben. Es werden immer zwei Mann- 1 auf dem Friedhofe wurden 932 m. betvilligt. Für Hohenzollern. Dr. Heinrich Lahmann, der Leiter der weltbekannten Heilschaften mit je 6 Mann gestartet und von jeder Mannschaft wird der fultus wurde eine Summe bewilligt, aus welcher den höheren Schülern anstalt„ Weißer Hirsch" bei Dresden, ist am 1. Juni auf seinem vierte Fahrer nach Beit gewertet, so daß derjenige Verein Sieger 400, den Gemeindeschülern 600 Eremplare einer von NeumannGute Friedrichsthal bei Radeberg verschieden. Ein Opfer feines Be- ist, welcher die Strede in der fürzesten Zeit zurückgelegt hat. Die Strelow verfaßten Festschrift aus Anlaß der Vermählungsfeierlichrufes, hat er sein Leben in dem rastlosen Bemühen, Tausenden die Vorkonkurrenzen für das Radballspiel beginnen vormittags 9 Uhr, feiten gekauft werden sollen. Gesundheit zu erhalten, selbst frühzeitig ist er doch nur 46 Jahre während das Entscheidungsspiel am Nachmittag stattfindet. = Vermischtes. alt geworden eingebüßt. Lahmann war einer der ersten ärzt lichen Vorkämpfer der physikalisch diätetischen Therapie( Naturs Der Zoologische Garten in Berlin hat seine Vogelsammlung heilkunde), aus der Schar seiner Assistenten und Schüler ist der wieder um einige sehr seltene Arten bereichert, von denen eine, der größte Teil der ärztlichen Anhänger dieser Richtung hervorgegangen. fogenannte Kleine Bartkata du überhaupt noch nie lebend Der Verstorbene hat auf diesem Sondergebiete der Heilkunde durch hier gezeigt werden konnte. Diese große, fast schwarze Papageien- Die Aera der Eisenbahnunfälle scheint wieder beginnen zu wollen. theoretische Forschung und praktische Betätigung praktische Betätigung bahnbrechend form stammt aus Weſtaustralien und bewohnt in einem jugendlichen Freitag gegen 1211 Uhr abends ereignete sich in Durlach ein und schöpferisch gewirkt; wenn in den letzten zehn Jahren diese Paare einen Käfig des neuen Vogelhauses. Schräg gegenüber, neben schwerer Eisenbahnunfall. Der von Heidelberg tommende Güterzug, Disziplin einen ungeahnten Aufschwung genommen hat, so ist das den Paradiesvögeln ist ein Pavao untergebracht, ein schwarzer, welcher sonst durch die Station durchfährt, mußte auf Halt gestellt Lahmann mit an erster Stelle zu danken. Durch seine vollstümlichen durch abgesetzt rote Stopfzeichnung auffallender, frähengroßer Vogel, werden, weil der Personenzug von Pforzheim Verspätung hatte. Schriften hat er in den weitesten Kreisen das Interesse für eine der Brasilien bewohnt und durch sein rinderartiges Geschrei bekannt Der Zugführer des Güterzuges übersah das Haltesignal und fuhr bernünftige vegetarische Kost, für Luft- und Sonnenbäder, für die ist. Er gehört zur Gruppe der sogenannten Schreivögel, den nächsten dem Personenzug in die Flante. Getötet wurde der Heizer des mannigfachen Wasseranwendungen mit bestem Erfolge zu wecken Verwandten der echten Singvögel. Güterzuges, schwerverletzt deffen Lokomotivführer. Der Zugführer gewußt. Gerade die Arbeiter, welche von jeher der arzneilosen Heildes Güterzuges wurde verhaftet. Leichtverlegt wurden ein Wagenweise lebhafte Sympathie entgegenbrachten, werden das Andenken wärter vom Personenzuge, sowie eine andere Person. Ein Reisender dieses trefflichen Mannes hoch in Ehren halten! Namens Holz erlitt schwere Verlegungen. Der Materialschaden ist bedeutend. " Die kleine Rohde. Der Verein zum Schutz der Kinder vor Ausnutzung und Mißhandlung" teilt mit, daß die kleine Elise BellackRhode, deren Leidensgeschichte wir seinerzeit veröffentlichten, sich jetzt in guter Pflege bei ihren Großeltern befindet. Die Waisenpflege hat fie vor drei Monaten dort untergebracht, nachdem fie acht Monate im Krankenhause verpflegt worden ist. Sie wird den unnatürlichen Eltern nicht zurückgegeben werden. Die Mißhandlungen haben vor fast einem Jahre stattgefunden, die Wunden sind geheilt, doch die großen tiefen Narben find ein beredtes Beugnis für die von dem armen Wesen erduldeten Qualen. Der oben genannte Verein ersucht bei dieser Gelegenheit das Bublikum, jeden ihm bekannten Fall von Kindermißhandlung im Bureau des Vereins( Endeplag 3) zur Anzeige zu bringen. Zum Fall Kleinert. Die„ Deutsche Tagesztg." hat, was von Zum Fall Kleinert. Die" Deutsche Tagesztg." hat, was von uns übersehen worden ist, am Mittwoch die falschen Mitteilungen über den Fall Kleinert berichtigt. Das Stöckersche„ Reich" hingegen erwähnt bis heute mit keinem Wort unsere Richtigstellungen. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. " Drei Arbeiter wurden Grubenunglück. Im ältesten Schacht der Harpener Bergbaugesellschaft, dem Schacht Jakob auf Zeche Heinrich Gustav" in Warne bei Bochum, der nach mehrjährigem Stilliegen im Herbst Die Stadtverordneten- Ersatzwahl im 4. Bezirk findet be- wieder in Betrieb genommen werden sollte, ereignete sich, wie der reits in dieser Woche, und zwar am Donnerstag, den Tgl. Ndsch." geschrieben wird, ein schweres Unglüd. Aus bisher 8. Juni, in den Stunden von 11 Uhr vormittags bis 8 1hr noch nicht bekannter Ursache stürzte der Schacht zusammen und beabends statt. Als Wahllokal ist diesmal die Turnhalle der grub sechs Arbeiter unter den Trümmern. Gemeindeschule in der Apostel Paulusstraße bestimmt. Da schwer verletzt zutage gebracht, zwei andere fonnten nur als Leichen unsere Gegner dieselben Anstrengungen machen, wie seinerzeit stückweise geborgen werden; der sechste Verschüttete, der Maschinenbei der Polenz- Wahl, so sollten unsere im 4. Bezirk wahl- meister, der mit der Maschinenanlage hinunterſtürzte und unter berechtigten Parteigenossen doppelt bemüht sein, unserem Standi Maschinenteilen begraben liegt, konnte bis Freitag früh, trotzdem die Rettungsarbeiten im vollen Gange find, noch nicht gerettet werden. daten, Maurer Fritsche, teine Stimme verloren gehen Man 3iveifelt, daß man ihn lebend ans Tageslicht bringen wird, da zu lassen. Die feit Jahren vergeblich geforderte Verlängerung man fich noch 10 Meter von ihm befindet und ihm keine Nahrung der Wahlzeit bis 8 Uhr, der diesmal der Magistrat nicht mehr zuführen kann. widersprechen konnte, muß uns ein Ansporn sein, diese kleine Verbesserung zu unserem Gunsten auszunuzen. Mit dem Bau einer Volksbadeanstalt soll nunmehr endlich der Eisenbahn- Invaliden. Zu dieser von uns in Nr. 113 gebrachten Mitteilung schreibt uns die königliche Eisenbahn- Direktion: Die Anfang gemacht werden. Einem vor einiger Zeit gefaßten Beschluffe Einnahmen aus der Benutzung der Aborte auf Bahnhof Friedrich- der Stadtverordneten- Versammlung entsprechend hat der Magistrat straße sind an die Frauen der Bahnhofspförtner verpachtet. Die eine Vorlage ausgearbeitet, nach welcher in dem auf dem Platze Bächterinnen haben das Bedienungspersonal zu stellen, unter dem an der Ebersstraße hinter der Gemeindeschule Feurigstraße 60/62 sich Eisenbahn- Invaliden nicht befinden. Sämtliche Wärterstellen zu errichtenden Rektorwohngebäude eine Wolfsbadeanstalt werden vielmehr als Nebenbeschäftigung von Rentenempfängern und die Volksbücherei untergebracht werden sollen. Die Volksversehen, die nicht bei der Eisenbahn beschäftigt gewesen sind. Die badeanstalt soll aus 6 Wannen- und 18 Brausebädern bestehen. tägliche Dienstdauer ist planmäßig für je zwei Wärter von 4% Uhr Dies entspricht selbstverständlich dem Bedürfnis der städtischen Befrüh bis 2 Uhr nachmittags und für die ablösenden zwei von 2 Uhr völkerung in feiner Weise, jedoch ist damit wenigstens ein Anfang nachmittags bis 1½ Uhr nachts festgelegt. Abweichungen hiervon gemacht. Die Volksbücherei wird in diesem Gebäude außer den haben die Wärter fürzlich aus eigenem Antriebe ohne Wissen der Nebenräumen einen 126 Quadratmeter großen Lesesaal erhalten. Eisenbahn vorgenommen, indem abwechselnd je zwei Wärter einen Die gesamten Kosten des Gebäudes find von der Hochbaudeputation ganzen Tag Dienst taten, um dadurch jeden zweiten Tag gänzlich auf 193 000 m. festgesetzt. frei zu sein. Die Abweichungen werden nicht mehr geduldet. Daß die Wärter mehrere Tage hintereinander von 4 Uhr früh bis 1½ Uhr nachts Dienst getan haben, ist unzutreffend. Der Wärter gegenüber der Zollabfertigung hat planmäßig Dienst von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends. Die Zahlung von täglich 50 Pf. an ihn gilt lediglich als Entschädigung für Vorhalten der Scheuermaterialien; als eigentlicher Verdienst fließt ihm die ganze Einnahme aus den bedienten Aborten zu. Die Wärterstellen sind sehr begehrt. Wir wollen abwarten, was unser Gewährsmann zu dieser Mitteilung fagt. Auf der 30. Versammlung des Vereins für öffentliche Gesundheitspflege in Mannheim, die vom 13. bis 16. September stattfindet, wird die Stadt Schöneberg einem Beschlusse des Magistrats entsprechend durch zwei Magistratsmitglieder und zwei Stadtverordnete vertreten sein. Nixdorf. Ein entsetzlicher Vorfall spielte sich gestern abend in der Wohnung des Arbeiters Left in der Richardstr. 11 zu Rirdorf ab. Als& nach 6 Uhr von der Arbeit zurückkam, geriet er mit seiner 32 jährigen Feuerbericht. In der Chausseestr. 87 war durch das Platen eines Ehefrau in Auseinandersetzungen, die schließlich in einen heftigen Salzsäurebehälters in einem Keller Feuer entstanden, das einen ge- Streit ausarteten. Im Laufe des Abends wurde Frau L. von einer fährlichen Charakter anzunehmen drohte. Die Wehr war aber schnell derartig starken Aufregung ergriffen, daß fie beschloß, sich das Leben zur Stelle und konnte mittels einer Schlauchleitung die Gefahr bald zu nehmen. Sie holte eine Flasche Lysol und trank das Gift bor beseitigen. Ein Posten Rüben war dann in der Fransedistr. 6 in den Augen ihres Mannes aus. Bewußtlos fiel dann die Unglüdeiner Bichorienfabrik in Brand geraten, während in der Molkenstr. 1 liche zu den Füßen ihres Ehemannes nieder. Ein sofort hinzuLumpen in Flammen standen. In der Fürstenstr. 20 brannte es in gerufener Arzt ließ die Frau nach dem Krankenhause in der Tannereiner Küche; Möbel und Kleidungsstücke wurden im wesentlichen be- ftraße bringen, wo eine Auspumpung des Magens vorgenommen schädigt. Außerdem wurde die Wehr nach der Kunkelstraße ge- wurde. Der Zustand der Arbeiterfrau ist bedenklich. rufen, weil dort eine Frau in selbstmörderischer Absicht in die Panke gesprungen war. Als der Löschzug eintraf, war die Person bereits Spandau. bon Schußleuten wieder herausgeholt und nach der Unfallstation geschafft worden. 0 Die Annehmlichkeiten der Eisenbahnzustände in Spandau bekam am Freitag Wilhelm II. au fosten. Als mehrere Hof- Automobile mit dem Kaiser an der Spitze die Stadt auf dem Wege nach dem Truppenübungsplatz Döberiz durchfuhren, fanden sie die Klosterstraße durch die geschlossene Eisenbahnbarriere versperrt. Es soll etwa eine Viertelstunde gedauert haben, ehe die Passage wieder frei wurde. Die Störung soll nach Zeitungsmeldungen den heftigen unwillen des Kaisers hervorgerufen haben. Vielleicht kommen die Spandauer jetzt etwas schneller zu verbesserten Bahnanlagen, als von Herrn v. Budde projektiert war. als von Herrn v. Budde projektiert war. munalwahlen in Stadtbezirke, welche auf Antrag unserer Genoffen fürzlich von den Stadtverordneten beschlossen worden war, hat der Magistrat als„ unzweckmäßig und undurchführbar" abgelehnt. Nunmehr hat der Regierungspräsident das Wort. Im Apollo Theater sind einige beachtensiverte Spezialitäten engagiert worden. Wir erwähnen zunächst die Indianerspiele, die von einer sehr hinterwäldlerisch gekleideten Miß Jeotha und einem Kapitän Grade ausgeführt werden. Der Kapitän versteht sich sehr aufs Jonglieren, wogegen die Miß eine unheimliche Fertigkeit im Umgang mit Pfeil und Bogen hat. Die Vorstellungen des Paares find eine nette Abwechselung in dem trotz aller Verschiedenheiten doch immer auf dieselbe Wesensart angewiesenen Variété Programm. Die Einteilung auch der zweiten Wählerklasse für die KomRecht hübsch ist auch ein Exerzitium von 36 Damen, die als Vertreterinnen der verschiedenen Nationen des Erdballes gedacht sind und eine Allianz der Völker veranschaulichen sollen. Eine wirtungsvolle Gruppierung bildet den Schluß dieses angenehmen Völfers bündnisses. Der Kosmograph bringt diesmal die Schrecken des Der Mittelstandsretterei soll offenbar die neue GewerbesteuerSeekrieges in Ostasien. Torpedoboote durchkreuzen das Wasser, große Striegsschiffe feuern Salven ab, um sich, vom feindlichen Ge- Ordnung" dienen, welche den Stadtverordneten vom Magistrat im schoß getroffen, bald auf die Seite zu neigen; es fehlen nur noch Entwurf zugegangen ist. Danach sollen gewerbesteuerpflichtige die zerstückelten Leichname derer, die die Kosten des grausigen Schau- bnd mehr als eine(!) Warengruppe führen, je nachdem Handelsbetriebe, welche einen Umsatz von über 100 000 m. erzielen spiels zu tragen haben. Doch nicht lange bleibt Zeit zur Meditation; Robert Steidl tritt auf und zeigt, daß er noch derselbe ist, wie vor mit ½ Proz. bis zu 3½ Broz. ihres Umsatzes besteuert werden. zehn Jahren. Besonders trägt aber das amerikanische Burleste- Die Steuerordnung richtet sich unverkennbar gegen Warenhäuser Ensemble zur Erheiterung bei; die Szene" Ein Abend in einem und Konsumbereine. Aber gerade dasjenige, was von seiten amerikanischen Tingeltangel" ist von einer Urwüchsfigkeit, die auch des magistratlichen Steuerreformators seinerzeit verheißen worden den Griesgrämigsten zum Lachen bringen muß. Als Operettenzugabe ist, und was auch von diesem Entwurf erwartet wurde, nämlich wird Lindes„ Hochzeitsabend" aufgeführt. Die Rolle des Bräutigams Bestimmungen über eine gerechtere Heranziehung der aus ist in andere Hände übergegangen. Nicht zum Vorteil des Stüdes. wärtigen Handelshäuser mit Filialgeschäften am Orte bringt die Vorlage nicht. Derlei mittelstandsretterische Attionen, mit untauglichen Mitteln noch dazu, finden selbstredend bei uns wenig Gegenliebe. Weißenfee. Im Innern von Japan fand ein heftiges Erdbeben statt, das sich von Hiroshima bis Schimonoseki erstreckte. Die Anzahl der ums Leben Gekommenen ist nicht bekannt; man befürchtet aber, daß ie groß ist; auch über den angerichteten Schaden liegt bisher nichts Bestimmtes vor. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Benukung für jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet werktäglich von 5-10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9-1 und 3-6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Beitungen und Zeitschriften jeder Art und Richtung aus. Sozialdemokratischer Agitations: Verein für den Reichstags: Wahlkreis Züllichau- Schwiebus- Croffen- Sommerfeld. Den Parteigenossen zur Nachricht, daß heute Sonntag, nachmittags 4 Uhr, eine Bus sammenkunft mit Familie bei dem Genossen Paul Jage in Rummelsburg, Brinz Albertstr. 13/14, stattfindet. Die Verein der Lehrlinge und jugendlichen Arbeiter Berlins und Umgegend. Heute Sonntag, den 4. Juni, nachmittags 2 Uhr: Besichtigung des Museums für Bergbau und Hüttenwesen, Invalidenstr. 44. Treffpunkt um 2 Uhr vor dem Museum. Gäste willkommen. Abteilung Weißensee des genannten Vereins hält ebenfalls am heutigen Sonntage, vormittags 10 Uhr, eine öffentliche Versammlung im Lokale des Herrn Schmuz, Weißensee, König- Chaussee 38, ab. Friseurgehülfen! Montag, den 5. d. M., abends 10 Uhr: Deffentliche Versammlung in den Arminhallen, Kommandantenstr. 20, mit folgender Tagesordnung: Antwort der Arbeitgeber auf unsere Lohnforderung. Arbeiter Samariterkolonne. Morgen Montag, abends 9 Uhr: Uebungsstunde der ersten Abteilung Dresdenerstr. 45. Bortrag des Fräulein Dr. Profé über Verlegungen, Bundbehandlung, Blutsfillung. Nachher praktische Uebungen. Gäste willkommen. Eingegangene Druckschriften. Der Arbeitsmarkt", Halbmonatsschrift der Zentralstelle für Arbeits. markt- Berichte( Herausgeber Dr. J. Jastrow, Berlin, Verlag von Georg Reimer). Die als Drgan des Verbandes deutscher Arbeitsnachweise" erscheinende Zeitschrift enthält in Nr. 17 des 8. Jahrganges unter anderm: Hüttenzechen und Sohlensyndikat. Bes Internationaler Arbeitsmarkt. teiligungsziffer und tatsächlicher Abjaz im Jahre 1904. Minderförderung der Syndilatszechen. Stahlwerksverband und reine Walzwerke. Technische Ueberlegenheit der gemischten Betriebe. Die Hochofenanlage als Straft. zentrale. Aussichten der reinen Walzwerke. Beschäftigungsgrad in der Baumwollindustrie. Rohstoffversorgung im ersten Quartal 1905 PreisLohnmachweisungen der Baugewerks- Berufsgenossensteigerung für Wolle. schaften für das Jahr 1904. Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends bon 7 bis 9½ Uhr abends statt. Geöffnet: 7 br. F. G. 1. Nein. 2. Einen Gustav K. Sie sind als Schwiegersohn zur Zahlung nicht verpflichtet. Die Gemeinde ist aber berechtigt, statt barer Almosen die Aufnahme in das Armenhaus zu gewähren. D. H. 2. Ja, sonst könnte die Frau auf Aufnahme und eventuelle Scheidung flagen. A. S. 3. Leider würde das Gericht Sie voraussichtlich zur Zahlung verurteilen. Sie sind voll schadenersazpflichtig, falls der Richter annimmt, daß infolge einer Vernach lässigung der Aufsichtspflicht das Kind die Scheibe hat einwerfen fönnen. Das Gericht neigt zur Bejahung dieser Annahme. H. Kempf 00. Wenn Sie beweisen können, daß das Weibchen Ihnen ausdrücklich als Männchen verkauft ist, so tönnen Sie mit Erfolg auf Rücknahme des Bogels C. 2. 100. Die Novelle vom 10. April 1892 zu dem Krankengegen Erstattung des Kaufgeldes und Ersatz der Kosten lagen. versicherungsgesetz vom 15. Juni 1883 führte den Kassenzwang ein. weisung, die voraussichtlich ausgesprochen werden wird, wenn Sie( z. B. Ermission. Warten Sie die Klage ab und beantragen Sie dann Abdurch Borlegung des Anmeldescheins) die Kenntnis des Wirts erweisen. . 2. 3. Beide Fragen sind zu verneinen. Vertrag mit beschränkter Haftung gibt es nicht. Die Gesellschaft m. b. H. ist eine Stapital, die Genossenschaft m. b. H. eine, Personalgesellschaft. Die persönliche Haftpflicht bei der Geſellſchaft m. b.§. beschränkt sich auf die Stammeinlage, doch kann eine Verpflichtung zu Nachschüssen bestehen; bei erftreckt sich die persönliche Haftpflicht der Genossenschaft m. b.§. auf den Geschäftsanteil und dieselbe Summe, wie dieser beträgt. Weitere Unterschiede( etwa 20) ersehen Sie aus dem Tert der beiden Gefeße, die Sie in jeder öffentlichen Bibliothek vorfinden. Dem Berliner Aquarium führten während der letzten Tage nicht A. N., Bornim. Nach den gesetzlichen Vorschriften steht Ihnen ein Anspruch auf Schadensersatz nicht zu. J. M. E. II. Das Nachlaß weniger als acht Transporte Bewohner aller Erdteile und ver gericht bestimmt, sobald es von dem Tode des Erblassers Kenntms erhält, schiedener Meeresgebiete als Gäste zu, so daß dem Besucher bei einen Termin zur Eröffnung des in seiner Verwahrung befindlichen einem Rundgang überall neue Erscheinungen begegnen werden. Verstoßen. Einen Selbstmordverfuch verübte gestern abend gegen Testaments, ladet, soweit möglich, die gefeßlichen Erben und sonstigen BeGleich linker Hand vom Eingang findet man einen der ausgedehnten 10 Uhr die sechszehnjährige Arbeiterin Martha F. aus Weißensee, teiligten zu dem Termin, eröffnet dort das Testament und setzt die BeGlaskäfige für Reptilien neu bevölkert und belebt mit indischen und südeuropäischen Eidechsen und Schlangen, unter denen namentlich welche sich von der Sprungbrücke der Badeanstalt des gleichnamigen teiligten, welche bei der Eröffnung des Teftaments nicht zugegen gewesen eine Gesellschaft Grünechsen und mehrere rot- und schwarzgefleckte Sees in das Wasser stürzte. Der Selbstmordversuch war jedoch von find, von dem fie betreffenden Inhalt des Testaments in Kenntnis. über Widerspruch erheben. Kletternattern durch ihre frischen Farben auffallen. Die anstoßenden Besuchern der in der Nähe befindlichen Vergnügungslokale beobachtet. 141. 1. Ja. 2. Nein, aber es ist sicherer, daß Sie dem Wirt gegenbrei den Anforderungen der hier haufenden Riesenschlagen ent- worden, denen es gelang, die Unglüdliche noch lebend, wenn auch besinnungslos den Fluten zu entreißen. Das Mädchen sollte nach Wasserstand am 2. Juni. Elbe bei Ausfig+0,43 Meter, bei sprechend aber zu einem Raum vereinigten Glashäuser haben der elterlichen Wohnung gebracht werden, jedoch verweigerte der Dresden 1,00 Meter, bei Magdeburg+1,40 Meter. Unstrut bei einem gewaltigen Python aus Hinterindien Herberge ge Vater dessen Aufnahme mit der Erklärung, daß er keine Tochter Straußfurt+1,00 Meter. Oder bei Ratibor+ 1,67 Meter, geben. In das Affenhaus sind nun die Genossen der kürzlich angelangten füdamerikanischen Kapuziner, einige Arten Paviane und mehr habe. Die F. wurde von ihren Rettern nach dem Amtsbureau Breslau Ober- Begel+5,12 Meter, bei Breslau Unter- Begel+ 0,06 meter, Mataten eingezogen, und in den geräumigen Flugtäfigen der fremd- und von dort nach dem Augusta- Viktoria- Krankenhaus übergeführt. bei Frankfurt+2,36 Meter. ländischen Bögel ist die Sammlung der Webervögel und Papageien Tegel. durch Angehörige der madagassischen Ornis und australische Sittiche, unter ihnen abnorm gefärbte Wellenpapageien, ergänzt worden. Die In Tegel vergiftete gestern die 32jährige Frau des Arbeiters füdeuropäischen Meeresteile aber haben durch die zoologische Station Rosenberg nach einem ehelichen Zwift sich selbst und versuchte. ihre Rovigno außer einem Dutzend verschiedener Fischspezies, darunter einjährige Tochter Meta durch Einflößen von Lysol zu töten. Zwei andere Kinder wurden behördlicherseits in Pflege gegeben, weil mehrere noch unbekannte farbenprächtige Lippfische, bielköpfige Rollektionen von Wurm, Strahl. Blumen-, Krebstieren geliefert der Vater äußerte, daß er jetzt auch sich und diese beiden Kinder und hiermit der Besatzung der Becken eine seltene Reichhaltigkeit gegeben. töten wolle. Wilmersdorf. Warthe bei Posen bei Weichsel bei Brahemünde+4,06 Meter. Meter. Nete bei Usch+0,46 Meter. Witterungsübersicht vom 3. Juni 1905, morgens 8 Uhr. Stationen Barometer stand mm Winds Bunpu Windstärke Wetter 2 bedeckt Swinemde. 765 Hamburg 765 SW 3 bedeckt 766 S 1wolkig. Berlin Franks.a.M. 767 DSD 2 heiter München 768 SD Wien Temp. n. C. 5° C. 4° R. Stationen Barometer stand mm Wind richtung Windstärke Wetter Temp. n. T. 5°.= 4° 9. 9 14336 20 Haparanda 749 S 2 Regen 17 Petersburg 757 23 2halb bb. 14 19 Scilly 764 SSW 2 wollig Auf der neuen Radrennbahn in Zehlendorf, die heute Sonntag Wilmersdorf. Zu Freitag abend 7 Uhr war eine Sigung der 21 Aberdeen 756 S 4 heiter eröffnet wird, beginnen die Nennen präzise 3 Uhr. Der Korso Gemeindevertretung einberufen worden. Sehr zum Befremden der 1 molten! 17 Paris 765 SW 1wollig 17 nimmt um 22 Uhr seinen Anfang und wird gegen 3 Uhr beendet Zuhörer wurden diese erst eine Stunde später eingelassen. Die Ver767 N 1'volfen! 19 sein. Von den 28 Fahrern, welche die Fliegerrennen bestreiten, tretung genehmigte den Vertrag mit der Englischen Gasanstalt und Wetter- Prognose für Sonntag, den 4. Juni 1905. dürften Martens, Küpferling und Göße die größten Siegeschancen gab ihre Zustimmung zu der Erbauung des Reform- Realgymnasiums, Warm und vorwiegend heiter bei mäßigen südwestlichen Winden; keine Berliner Wetterbureau haben. Im Mannschaftsfahren, für das 11 Nennungen vorliegen, bas auf 960 000 M. eingeschäßt worden ist. Für Wegeregulierungen 2c. oder unerhebliche Niederschläge. Berantw. Redakteur: Frana Rehbein, Berlin. Für den Inferatenteil berantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW