Nr. 131. HbonnementS'Bedlngumien: Abonnements> Preis pränumerando: Bierteljährl. 330 MI, monatl. 1,10 SPH, wöchentlich 28 Pfg, frei ins Haus. Einzelne Rümmer B Pfg. Sonntags- nummcr mit illustrierter Sonntags- Beilage.Die Reue Welt' 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Post-Zeitungs- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn t Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 22. Jahrg. Die Inlertions- Gebühr beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum«0 Psg, sür politische und gewerlschastliche Vereins- und Bersammlungs-Anzeigen 25 Psg. „Kleine Anreigen", daS erste(sctt- gedruckte) Wort 10 Psg, jedes weitere Wort 5 Psg. Wort- über 1b Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Rummer müssen biS 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormsttagS geöffnet. ClldKlnt tlgllch-Ml tücntagi. Derlinev VolksblÄkk. irclegramm- Adresse: ..SdalöllttiilSlint»elllll". Tentralorgan dar fozialdemokrati leben parte» Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68» Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Mittwoch, den 7. Juni 1905. Expedition: SCCl. 68, Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV Nr. 1981. Finanzen und Steuern im Deutschen Reiche. In den„Merteljahrsheften zur Statistik des Deutschen Reiches" veröffentlicht soeben Rcgierungsrat Prof. Zahn einen instruktiven Aufsatz über die Finanzen des Deutschen Reiches und der deutschen Bundesstaaten, in dessen Zahlen sich ein gut Stück der deutschen Kulturbilanz abspiegelt. Boll- ständig kann dies Bild schon deshalb nicht sein, weil nur die Finanzen des Staates und des Reiches berücksichtigt werden, aber nicht die von Gemeinde, Kreis, Provinz und sonstigen öffentlichen(Schul-, Kirchen-, Wege-)Verbänden. Aber über das Endergebnis der Finanzgebarung in unserem kapitalistisch- reaktionären Staatswesen gewinnt man genügende Klarheit. Wenn wir auch nur erfahren, was wir bereits wissen, so reden die dürren Ziffern doch eine ebenso eindringliche wie unwider- legliche Sprache. Wir sehen in dem Spiegel dieser Statistik mit fast unheimlicher Klarheit den Grundzug unseres Staats- Wesens: Eine unter ungeheuerer Schuldenwirtschaft aufrecht erhaltene Vergeudung der öffentlichen Mittel an unproduktive, kulturfeindliche Zwecke, auf der anderen Seite eine brutal ungerechte Aufbringung der Mittel aus der Be- steuerung der Arbeit der Besitzlosen, auf die das indirekte Steuersystem letzten Endes hinausläuft. Für die nicht mehr aus der Diskussion verschwindenden Erörterungen über die Reichs-Finanzreform ist dieser Auffatz von erheblicher Wichtigkeit. Die Nachweise der Zahnschen Arbeit beziehen sich für die Voranschläge auf das Jahr 1904, für die Staatsrechnungen auf das Jahr 1902. Insgesamt betragen nach den Voranschlägen der Bundes- staaten von 1901 die Staatsausgaben: 4351 Millionen Mark (darunter 135 Millionen Mark' außerordentliche), für Reich und Bundesstaaten 6795 Millionen Mark(darunter 401 Millionen Mark außerordentliche). Die Staatseinnahmen belaufen sich bei den Bundesstaaten auf 4537 Millionen MaK, bei Reich und Bundesstaaten auf 6781 Millionen Mark; davon sind außerordentliche Einnahmen (aus Grundstock, Anlehen und sonsügen Staatsfonds) 128 bezw. 399 Millionen Mark. Es handelt sich also um einen Betrag von je 6,8 Milliarden Einnahmen und Ausgaben, wobei der Etat der Bundes- staaten insgesamt ziemlich genau doppelt so groß ist, wie der des Reiches. Die Schuldenlast betrug nach dem Voranschlag von 1904 bei den Bundesstaaten 1 1 903 Millionen, im Reich 3103 Millionen, insgesamt 15 Milliarden. Den Hauptantcil an dem Gesamtbedarf hat Preußen mit 2,8 Milliarden, dann folgt das Reich mit 2,2 Milliarden. Von den Gesamtausgaben entfallen in Reich und Bundes- staaten 2502 304000 M. für die Ausgaben auf Erwerbs- einkünfte(Eisenbahn, Post, Domänen, Bergwerke usw.); die Eisenbahnen im ganzen Reich beanspruchen Ausgaben in der Höhe von rund l|/, Milliarden. Ungefähr 598 Millionen erfordert der Bedarf für die Schuld, davon kommen auf die Bundesstaaten 493 Millionen. Auf den„sonstigen Bedarf für die Staatsverwaltung" entfallen in den Bundesstaaten 1890 Millionen, in Reich und Bundesstaaten zusammen 2752 Millionen. Endlich befinden sich unter den Ausgaben noch 539 Millionen Leistungen der Einzelstaaten an das Reich. In dem Posten„sonsttger Bedarf" sind vereinigt die Aus- aben für Heer und Marine sowie der Aufwand für die Monarchen, für Auswärtiges. Justiz, Kirche, Unterricht, Kunst, Landwirtschaft, Gewerbe, Handel und Verkehr, für die gesamte übrige innere Verwaltung und die Finanzverwaltung. Diese den eigentlichen Etat charakterisierenden Ausgaben gliedern sich jn Reich und Bundesstaaten wie folgt: ordentliche außerordentliche Ausgaben(in Millionen) Aeußere Angelegenheiten... 85 103 Innere Verwaltung..... 541 44 Kultus, Wissenschaft, Schule:c.. 342 4 Justizverwaltung..... 229 6 Finanzverwaltung..... 754 7 Reichsheer......... 618 13 Marine...... 182 49 2751 258 Ein Blick auf diese grobe Scheidung der Ausgaben ge- nügt, um zu zeigen, wie sehr die kulturellen Ausgaben in dem Gesamtetat verschwinden. Eine gesonderte Aufstellung, in der die speziellen Ausgaben für Schulen, Wissenschaft und Kunst, für die Sozialpolitik berücksichtigt werden, würden den Eindruck noch vertiefen. Aus welchen Quellen fließen nun die Einnahmen? Die ordentlichen Einnahmen— 6383 Millionen— im Reich und Bundesstaaten setzen sich folgendermaßen zusammen: Erwerbseinkünste..... 3411 Millionen— 53,45 Proz. Steuern und Zölle. �.. 1678„--- 26,29 Gebühren, Sporteln usw.... 206— 3,23 Vergütungen aus der Reichskasse 64— 1,00 Sonstige Einnahmen.... 485— 7,59 Ueberschuß aus früheren Jahren 31— 0,48 Ueberweisungen aus der Reichskasse 503„— 7,96 Dazu kommen noch 399 Millionen außerordentliche Ein- nahmen. Die für die soziale Beurteilung des Staatssystems wichtigsten Einnahmequellen sind die Steuern und Zölle, die in Reich und Einzelstaaten den Betrag von 1678 Millionen (1901 1632 Millionen) erreichen. Die Reichssteuern, die durchweg indirekter Natur sind, betrugen 1046 Millionen, die Steuern in den Bundesstaaten 632 Millionen. Letztere zerfallen in: Direkte Steuern. 438 Millionen— 72,42 Proz. Aufwandsteuern.81„= 12,85„ Verkehrssteuern.93„---- 14,73„ Von den indirekten Reichssteuern entfällt mehr als die Hälfte— 53,38 Proz.— auf die Zölle; das Verhältnis wird sich in der Aera des neuen Zelltarifs noch erheblich unsozialer entwickeln. Die Steuerbelastung auf den Kopf ergibt in Reich und Bundesstaaten zusammen: Indirekte Reichssteuern... 18,56 M. Direkte Staatssieuern... 8,12„ Indirekte Staatssteuern... 3,10„ Die Gesamtbelastung an Reichs- und Landessteuern be- trägt demnach auf den Kopf 29,78 M., wovon nur 8,12 M. direkte Steuern sind, während die indirekte Steuerbelastung mit 21,66 M. auf jeden Einwohner des Deutschen Reiches drückt.. Geht man die direkten Steuern im einzelnen durch, so entfallen in den Bundesstaaten 5,22 M. pro Kopf oder 46,56 Prozent des Gesamtsteuerertrages auf die Einkommensteuer; 0,76 M.(6,77 Proz.) Vermögenssteuer; 0,77 M.(6,84 Proz.) Grundsteuer; 0,22 M.(1,92 Proz.) Gebäudesteuer; 0,39 M. (3,48 Proz.) Gewerbesteuer; 0,32 M.(2,82 Proz.) Kapital- rentenstcuer; 0,51 M.(4,56 Proz.) auf die Erbschafts- und Schcnkungssteuer. Die indirekten Kopfsteuern an Staat und Reich er- fordern also von jedem Einwohner 21,66 M. Dagegen ist das Vermögen nur mit 0,76 M., die Erbschaft mit 0,51 M. besteuert. Der notwendige Konsum der Besitzlosen ist rund 40 Mal so hoch besteuert, wie das mühelose Erbe. Wäre unser Steuersystem nur von einem Hauche sozialen Geistes berührt, so müßte das Verhältnis umgekehrt sein; in einem von sozialer Erkenntnis erfüllten Gemeinwesen aber würde die ganze indirekte Steuerwtrtschaft beseitigt werden. Die Gegenüberstellung der indirekten Steuerquote auf der einen, der Erbschafts- und Vermögenssteuer auf der anderen Seite genügt, um den brutal kapitalistischen Charakter unserer Gesellschaft zu illustrieren. Aber die Zahlen beweisen auch, wie leicht es möglich ist, nun endlich auch Vermögen und Erbe im Reich angemessen zu besteuern. DaS muß geschehen, mögen auch die Besitzenden über Konfiskation des Eigentums schreien, wenn die Kopfbelastung der Erbschaft von 50 Pfennigen auch nur auf 5 M. gesteigert wird, dieselben Besitzenden, die es als gelinde Steuer- belastuna preisen, daß jedem ärmsten Teufel auf seinen müh- seligen Lebensunterhalt nur wenig mehr als 20 M. gewälzt werden. Der Wahlrechtskampf in Hamburg. — r. Hamburg, 6. Juni.(Eig. Ber.) Der gestrige vierte Tag des Kampfes brachte, wie schon telegraphisch berichtet, die vorläufige Entscheidung. Die Anhänger der Senatsvorlage waren von vornherein gewillt, der Sache ein Ende zu machen. Ihre Redner verzichteten größtenteils auf das Wort, so daß die Rednerliste schnell ein Ende erreichte. Der Stuhlrohrfabrikant Ru d. Sieverts, einer der ärgsten Scharfmacher, der Gründer des„Wirtschaft- lichen Schutzverbandes" zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, Mitglied des„Reichsverbandes zur Bekämpfung der Sozialdemo« kratie" und Reichstagskandidat des reaktionären ReichStags-Wahl- Vereins von 1884 im dritten Hamburger Wahlkreise bei der letzten ReichStagswahl, hielt eine wirre Rede Über Kollektivismus und Kapitalismus, um zu zeigen, wie notwendig es sei, den Kapitalismus, ohne den Hamburg zugrunde gehen würde, durch eine Eindämmung der kollektivistischen Sozialdemokratie zu schätzen. Was von den Anhängern der Senatsvorlage dann noch folgte, plätscherte gleich dem Vorredner im seichten, versandeten Gewässer. Der Hauptpastor Dr. R 0 d e führte einen Eiertanz auf für und gegen die Senatsvorlage. aber:„es muß etwas geschehen gegen die Alleinherrschaft der Sozialdemokratie". Unser Genosse Bömelburg nahm nunmehr die Wahlrechts- rnnber tüchtig beim Schopf and legte die Grundmotive ihrer Aktion bloß: Sie wollen sich in ihrer egoistischen Jnteressenwirtschaft durch die Sozialdemokratie nicht stören lassen! In der Bevölkerung fei die Ansicht allgemein, daß die bürgerlichen Vertreter in den Ver- waltungen hauptsächlich ihre eigenen Geschäfte und die ihrer Sippe be- sorgen. Wenn man jetzt ausgesprochen habe, durch die Klassenwahl sollten die Sozialdemokraten grundsätzlich aus der Verwaltung fern- gehalten werden, so nähre man damit die Anschauimg, daß man die Kontrolle durch die Sozialdemokratie zu fürchten habe, weil man nicht das Gesamtinteresse wahre, sondern private Sonderinteressen verfolge. Die Arbeiterklasse werde sich aber ihr Recht zu erkämpfen wissen trotz aller Unterdrückungsversuche, trotz dieses Versuchs der Wahlentrechtung, der eine Schmach für Hamburg sei So wie der dritte Stand alle Hindernisse überwunden habe, um sich seine politische Machtstellung zu sichern, so werde auch der vierte Stand den Kamps um die politische Macht siegreich durchführen und zu dem Ziele gelangen. BömelburgS Rede rief den HanSmakler R 0 h d e auf den Plan, der seinem Herzen in einem wütenden Gepolter gegen die Sozial- demokratie Luft machte und die unangenehmen Erinnerungen an die Cholerazeit, die Bömelburg in einigen Bemerkungen wachgerufen, zu verwischen suchte. Der Naumannianer Dr. W e n tz e I erklärte sich zwar gegen die Senatsvorlage, gab aber kund, daß er, wenn die Ausschußprüfung abgelehnt wird, in erster Lesung für die Verfassungsänderung stimmen werde, sich aber sür die zweite Lesung seine Stellungnahme vorbehalte und diese abhängig inache von der Form des Wahlgesetzes, wie sie im Ausschuß festgestellt würde. Der Kaufmann Beil, ein volksparteilicher Liberaler, ging scharf gegen die Senatsvorlage vor, war aber, wie vorweg bemerkt werden mag, bei der entscheidenden Abstimmung nicht im Saale an» wesend. Nach einigen nichtssagenden Bemerkungen des Senators Dr. v. Melle kam es um 10 Uhr abends zur ersten Abstimmung und zwar darüber, ob die vom Senat beantragte Verfassungs« Änderung, wonach bei den allgemeinen Wahlen eine Einteilung der Wähler nach Gruppen auf Grund des versteuerten Einkommens vor- genommen werden kann, erst in einem Ausschuß geprüft werden soll. Der Antrag auf Ausschutzprüfung wurde mit nicht sehr großer Mehrheit abgelehnt. Jn der nun folgenden Einzelberatung begründete Stalten den sozialdemokratischen Antrag auf Abschaffung der Grundeigentümer- und Notabelnwahlen, Wahl der gesamten Bürgerschaft in allgemeinen Wahlen auf Grund des gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer Stimmabgabe unter Anwendung des Verhältnis« s y st e m s. indem er die völlige Ungerechtigkeit der privilegierten Wahlen nachwies. Vor zehn Jahren, gleich nach der Cholera, wurde diese Forderung anck aus den bürgerlichen Kreisen heraus erhoben, gestern abend fand der Antrag nicht eine Stimme auf bürgerlicher Seite, er wurde gegen die Stimmen der Sozial- demokraten abgelehnt. Die vom Senat beantragte Verfassungsänderung, die neben dem Klassenwahlrecht auch das passive Wahl- recht für die Beamten vorsieht. wurde in er st er Lesung mit 125 gegen 30 Stimmen angenommen. Die Präsenz war eine bisher nie dagewesene. Von den 160 Bürgerschaftsmitgliedern sind zwei verstorben; nur ein Mit- glied fehlte, während zwei anwesend gewesene Mitglieder bei der Abstimmung sich außerhalb des Sitzungssaales befanden, also an der Abstimmung nicht teilnahmen, so daß 155 Mitglieder für die Ab- stimmung in Frage kamen. Mindestens 120 müssen bei Verfassungs- Snderungen anwesend sein und mindestens drei Viertel der An- wesenden müssen sich für die Verfassungsänderung entscheiden, wenn diese als genehmigt gelten soll. ES waren also 117 Stimmen für die VerfastungSänderung erforderlich, so daß bei den 125 Stimmen f ü r den Senatsantrag eine Mehrheit von 8 Stimmen zu verzeichnen ist. Gegen den Senatsantrag stimmten außer den 13 Sozial- demokraten 17 Abgeordnete aus allen drei bürgerlichen Fraktionen, hauptsächlich von der Rechten und Linken. DaS Wahlgesetz, welches u. a. die Bildung von drei Wählerklassen bei den allgemeinen Wahlen vorschreibt: 1. Klasse mit einem Einkommen über 6000 M.(etwa 8000 Wähler), 2. Klasse mit einem Einkommen von 3000—6000 M.(etwa 10 000 Wähler), 3. Klasse mit einem Einkommen unter 3000 M.(etwa 40 000 Wähler), von denen jede Klasse 24 Abgeordnete zu wählen hat und zwar unter Anwendung des V e r h ä l t n i s s y st e m§(das Land- gebiet wählt 8 Abgeordnete nach dem bisherigen System), wurde einem Ausschuß von 13 Personen zur Prüfung überwiesen. Die zweite Lesung der Verfassungsänderung darf nach Borschrist der Verfassung nicht vor Ablauf von 21 Tagen stattfinden, sie soll nunmehr erst stattfinden, wenn der Ausschuß über das Wahlgesetz Bericht erstattet hat. Man vermutet, daß die WahlrechtSräuber mit Volldampf im Ausschuß arbeiten werden, um die ganze Aktion noch vor den Ferien derBürger« sch a st(15. Juli) beenden z u können. Bezüglich des Wahlgesetzes bestehen in bürgerlichen Kreisen erhebliche Meinungsdifferenzen. Es muß abgewartet werden, was im Ausschuß zusammengebraut wird. In dein einen Punkt ist man sich einig, die Sozialdemokratte„einzudämmen". Die sozialdemokratische Arbeiterschaft Hamburgs wird alle Kraft einsetzen, um zu zeigen, daß man der Sozialdemokratie mit Ausnahme- gesetzen und Unterdrückungsmaßregeln nicht beikommen kann. politifcke(leberfiekt. Berlin, den 6. Juni. Geisteskranke im Gefängnis. Am Dienstag wurde im Plötzensee-Prozeß der Fall Grosse bis auf die Entscheidung über Grosses Untersuchung durch die Sach- verständigen und seine Augenscheinnahme durch daS Gericht zu Ende geführt. Das Ergebnis des vorigen Verhandlungstages wurde durch die Gutachten der Herren Dr. Möncke möller und Dr. Plaezek bestättgt und bekräfttgt. Auch diese beiden hervor- ragenden Fachleute sind auf Grund des ihnen vorgelegten Materials zu der unzweifelhaften Gewißheit gelangt, daß Willi Grosse wahr- scheinlich schon bei Begehung der Tat im Sinne des Gesetzes un- zurechnungsfähig war, daß er jedenfalls im Verlaufe der Straf- verbüßung ein epileptischer Degenerierter, ein Geisteskranker ge« worden ist, der nicht dem Sttafvollzuge des Gefängnisses unterliegen darf. Geradezu hülflos versuchten Staats- anwalt und» Gerichtsvorsitzender die fast einmütigen, über- wältigenden� Feststellungen der vier Sachverständigen— der junge Hülfsarzt, den die Staatsanwaltschaft sich gerufen hatte, kann außer Betracht bleiben— zu mildern. Dr. Mönckemöller würdigte gründlich die Mtteilungen der Mitgefangenen, die auf Grund bestimmter Vorgänge Grosse für anormal gehalten haben. Der Staatsanwalt und mit ihm Herr Oppermann führten dagegen eilig ins Feld, daß Pfarrer und Lehrer umgekehrt den Grosse für völlig geistesgesund ansehen, woraus sie die geistvolle Vorhaltung an den Sachverständigen gewannen, ob er denn wirklich die Auf- fassung von Gefangenen höher stelle als die MenschenkeimtniS gebildeter Männer. Der Vorgang zeigte nur, gleich zahlreichen früheren in diesem Prozeß, wie unendlich schwer es dem Gericht ist, sich in die Verhältnisse des Gefängnisses zu versetzen. Dr. Möncke- möller konnte die Fragesteller leicht aufklären, daß der Gefangene sich gegenüber deirMitgefangenen natürlicher gebe als gegen die Vorgesetzten. Dr. Placzek vernichtete vollends den Versuch, die Aussagen der Mit- gefangenen abzuschwächen, durch die Erklärung, daß gerade die Aussage des Geistlichen ein klassisches Zeugnis für den Zustand GrosieS bildet, nur daß der Geistliche zwar die Symptome der Krankheit getreu vermeldet, aber nicht erkannt hat, daß es Krankheitssymptome sind l Der Fall Grosse, wie er sich nun gestaltet hat, wird notwendig die bedeutsamsten Erörterungen nach sich ziehen. In der Ueber- Mittelung aus den Grosse-Akten an die Oeffentlichkeit wurde Leicht- fertigkeit der inkriminierten Zeitungen und die Absicht der Aerzte- beleidigung entdeckt, doch die darob erhobene Anklage hat sich in die denkbar schwerste Anklage gegen die Justiz- Verwaltung verwandelt, gegen die völlige Unzu- reichendheit der gegen tvärtigen Einrichtungen des Strafvollzuges. Es ist erwiesen, daß Menschen im Strafvollzug gehalten werden, welche geisteskrank sind, daß die Aerzte aus Zeitmangel und infolge nicht hinreichender psychiatrischer Ausbildung denZustand der Geisteskrankheit nicht festzustellen vermögen, daß das Aufsichtspersonal sowie Geistliche und Lehrer völlig unerfahren sind in der Beurteilung schwerer Geisteserkranknng, daß Geisteskranke durch den Strafvollzug loeiter und bis zur UnHeilbarkeit zerrüttet werden. Von vier hervorragenden Sachkennern erklärt der eine den Gefangenen für»noch nicht verrückt", aber für eine Zwischenanstalt reif, die der Staat trotz aller Forderungen der Wissenschaft bisher verweigert, und drei erNären ihn für völlig geisteskrank, so daß er der Irrenanstalt zugeführt werden muß. Die Wissenschaft hat der Gefängnisroutine schwerste Schläge versetzt und sie hat zugleich das Vorgehen der Kritiker des Strafvollzuges auf das glänzendste gerechtfertigt. Unsere Rechtsprechung freilich verfolgt beharrlich die intelligente Aufgabe, ob nicht derjenige, der einen öffentlichen Mißstand verdienst voll aufgedeckt hat, irgend eine Privatperson»beleidigt" habe. Herr Oppermann besteht, ivie seine Fragen zeigen, auf der Ansicht, daß den Aerzten Pflichtverletzung nachgesagt sei und jetzt er- wiesen werden soll. Einen solchen Beweis zu erbringen ist für die Angeklagten die peinlichste Aufgabe, die sie durchaus ablehnen würden, wenn die unsinnige Methode des heutigen Be- leidigungsverfahrens sie nicht zwingen Iviirde. Wir ver- stehen vollkommen die Erregung, die den in höherem Alter stehenden Dr. Baer erfaßt, da er dieser mühevollen Verhandlung beiwohnen und sich über alle Einzelheiten seiner ärzt- lichen Tätigkeit befragen lassen muß. Doch es ist wahrlich nicht die Schuld der Verteidigung und der Angeklagten, welche geradezu genötigt werden, sachwidrige Matznahmen einzelner Beamte» zu beweisen, während es ihnen allein daran liegt, die Neformbedürftigkeit der Einrichtungen zu beweisen, unter deren Mangelhaftigkeit gerade auch die angeblich beleidigten Aerzte und Beamten leiden. Delcass�s Abschied. Seit die Marokkofrage durch das deutsche Eingreifen eine plötzliche Wendung nahm, ist die Ministerschaft des Herrn Delcasss erschüttert. Mühselig versuchte sich der französische Minister des Auswärtigen auf dem Posten, den er ungcwöhn- lich lange Zeit inne hatte und den er sich ohne seine eigene Person nicht wohl vorzustellen vermochte, zu halten. Nun ist das Ende gekommen, Herr Thöophile Delcasss verläßt den Platz, auf dem er seit Juni 1898 durch den Wechsel mehrerer Ministerien die auswärtige Politik Frankreichs überaus eigen- mächtig geleitet. Delcasso ist ein Opfer der japanischen Kriegskunst nicht minder als des starken Verlangens der französischen Nation, mit Deutschland in guten Beziehungen zu leben. Als im April 1904 das französisch- englische Abkommen zu stände kam, schien Delcasss einen großen diplomatischen Erfolg erzielt zu haben z insbesondere schien der vorwaltende Einfluß Frankreichs auf Marokko gesichert. Als jedoch des verbündeten Rußlands Heer und Marine in Ostasien den Schlägen Japans erlagen, brach Deutschland hervor, erklärte fein Mißfallen, daß ihm jenes Abkommen überhaupt nicht offiziell mitgeteilt war, und betonte die Unabhängigkeit des Sultans von Marokko. Es folgte die Landung des deutschen Kaisers in Tanger und jüngst die Ablchmnig der französischen Refsrmvorschläge durch den Sultan, der vielmehr eine inter- nationale Konferenz zur Regelung der marokkanischen An- gelegenheiten vorschlägt. Wir haben gegen die deutsche Politik des plötzlichen und schroffen Eingreifens in eine Angelegenheit, die vor JahreS- frist durch den Grafen Bülow als in keiner Weise bedenklich für beutsch� Interessen bezeichnet worden war, Protest er- hoben. Wir erachten diesen Protest heute nicht weniger berechtigt. wenn auch die zu befürchtenden üblen Folgen, wenigstens ftr die nächste Zeit,� dnrch die außerordentlich vernünftige Stellung- nähme der großen Mehrheit des französischen Volkes erfreulich gemildert worden sind. Unter Borantritt der französischen Sozialdemokratie wendete sich die französische Oeffentlichkeit ein- dringlich gegen DelcassS, der sich durch die frühere vorzügliche inter« nationale Situation Frankreichs hatte verleiten lassen, Deutsch- land in der Marokkofrage zu übersehen. Delcasss aber verbiß sich in seinem Fehler. Anstatt schnell und loyal den be- gangenen Fehler zu beseitigen, ließ er die Dinge weiter laufen, bis schließlich durch die letzten Erklärungen des Sultans sein Fiasko endgültig geworden ist. Delcasses Stellung war aber auch aus anderen Gründen bereits schwer erschüttert. Die heiße Russenfreundschaft, die er als erste Bedingung der französischen auswärtigen Politik pflegte, hatte seit langem die Feindschaft der freiheitlichen- Parteien, insbesondere der Sozialisten gegen ihn erregt. Schließlich kam noch der vielfache Protest Japans gegen die Duldung der russischen Flotte in den Gewässern von Französisch- Hinterindten dazu, um die Beunruhigung in Frankreich zu steigern und daö Mißtrauen gegen den Minister allgemein zu machen. So gleichgülttg die Persönlichkeit DetcassöS, so bedeutsam ist sein Sturz für die Beurteilung der französischen Volks- sttmmung. Das französische Volk, die deinvkratischcn und republikanischen Parteien der Kammer entledigen sich des übereifrigen Förderers der Russenfreundschaft und sie be- künden zugleich den ernsten Willen, mit Deutschland sich wegen einer für Frankreich nicht unerheblichen FMe. wie eS die Marokkofrage ist. keinesfalls in Verärgerung und Ver- feindung stürzen zu lassen. Leider werden wir in Deutsch- land unserer Delcassss keineswegs so leicht ledig wie Frankreich des seinigen! » Ueber die Vorgänge beim Abschied Delcasss» und die An- schauungen der Panier Presse berichten folgende Telegramme: Paris, 6. Juni. Bei Beginn der heutigen Sitzung de« Minister- rateö gab Delcasss eine ausführliche Darlegung der von ihm in der letzten Zeit befolgten auswärtigen Politil und Kündigte die Stellung an, welche er ihr bewahrt wissen wollte, sämtliche Minister äußerten dann nacheinander ihre Ansichten und die beiden Thesen der allgemeinen auswärtigen Politik, die gegenwärtig befolgt würde, wurden einer eingehende» Prüfung unterzogen. Delcasss stillte alsdann fest, daß die bereit« in den früheren Sitzungen de« KabmettSrats bekundeten Meinungsverschiedenheiten sich verschärft hätten und er einmütig seine Kollegen gegen sich habe. Er sei daher der Ansicht, daß er unter diesen Umständen das Portefeuille nicht weiter behalten könne und gebe seine Demission, die angenommen wurde. Rouvier lvird heute abend die Leitung des Ministeriums des Auswärtigen übernehmen, er soll die Absicht haben, die Berhandlungen bezüglich Marokkos direkt zu führen, be- vor die Nachfolge Delcassss einer politischen Persönlichkeit an- geboten werde. Paris, S. Juni. Die gesamte Presse beschäftigt sich mit der Angelegenheit des Rücktritts Delcassss, dessen Politik fast ein- mütig verurteilt wird.„F i g a r o" schreibt: Das Land wird mit furchtbarem Erstaunen erfahren, daß der äußere Friede infolge der maßlos lärmenden fast beleidigenden Triumphe, mit denen Delcasss seine eigene Politik aufzubauschen suchte, während einiger Tage stark gefährdet war. s??) Die niarokkanischen Ereignisse habe» in einer einzigen Stunde seine Triumphe unter so grausamen Um- ständen zu Nichte gemacht, daß es unmenschlich wäre, darüber noch viele Worte zu verlieren. Man muß aber betonen, daß Delcasss ohne Wissen seiner Minister- Kollegen von gestern und heute im Gegensatz zu ihrem Programm des Friedens und des Zuwartens eine persönliche und kriegerische Politik verfolgt hatte, durch welche für das friedliebende Frankreich plötzlich eine schwere Gefahr erwuchs. „H u m a n i t s" schreibt: In den Gruppen der Kammer gibt man einmütig die Ansicht kund, daß Delcasss absolut nicht der Mann sei, um die Angelegenheiten, welche er mit beklagenswerter«tarr- löpfigleit gründlich verfahren hat, wieder in Ordnung zu bringe». Die Regierung weiß, mit welcher einmütigen Strenge daö Parlament die Politik Delcassss verurteilt. Nach einem Telegramm der„Voss. Ztg." herrschte am Montag in den Kammerwandelgängen eine geradezu panikartige Stimmung. Vicle�Abgeordnete schienen zu glauben, daß man am Vorabend eines Krieges mit Deutschland siebe. Man erzählte sich aufgeregt, die' französis che HochzeitS- Abordnung sei in Berlin eisig a u f g e n o m m e it worden, man habe ihr einen Platz neben der siamesischen Abordnung an- gewiesen, General Lacroix habe in einer Ehiffredrahtnng angefragt, ob er unter solchen Verhältnissen bleiben solle, Ronvicr nahm sich selbst die Mühe, diese Gerüchte für erstiiiden zu erklären, das dämpfte aber die Erbitterung gegen Delcasss nicht, der für die Lage allein verantwo.rtllch gemacht wurde. Veutlckes Reich. Gehobener Fackeltanz. Am DienStag abend exekutiert der Reichskanzler Bülow im königlichen Schlosse zu Berlin den hochzeitlichen Iackeltanz. Der Glanz dieser Veranstaltung ist gemehrt: Graf Bülow ist am Morgen deSselbigen Tages F ü r ft Bülow geworden. Mit dieser Rangerhöhung beginnt Fürst Bülow allmählich in das Herrenhaus hineinzuwachsen; in dem Kreise dieser erlauchten Gesetzgeber war er bisher als gewöhnlicher Graf einer der Geringsten, 5Die unzufriedenen Bergarbeiter werden nun völlig getröstet sein, daß„ihr" vielversprechender Reichskanzler für seine Bemühungen gefürstet worden ist. Auch die südwestafrikanische Milliardenversenkung wird man gern vergessen. Der Wnchertarif der neuen Handelsverträge er- scheint jetzt in strahlendem Heiligenschein. Der„denaturierte" Kanal wächst sich wunderbar zum Mittellandkanal aus. Der Zusammen- bruch des russischen Absolutismus wird sicher durch die Krönung seines treuesten Schützers aufgehalten werden. Kurz, wohin man auch blickt, überall sieht man Erfolge und Verdienste, die bald zun, Herzog führen müssen.— Ein neues Aufrnhr-Nrteil. Blomberg, S. Juni. sPnvatdepesche des„Vorwärts".) Das Kriegsgericht verurteilte die Kanoniere Friedrich Voth und Heinrich Wellner wegen militärischen Aufruhrs, tätlichen Angriffs auf Vorgesetzte, Gehorsamsverweigerung. Achtungsverletzung und Beleidigung von Vorgesetzten ersteren zu sechs Zahrrn Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heer, letzteren zu fünf Jahren Gefängnis. Die Soldaten haben auf dem Marsche in einem Torfgasthause einem Sergeanten, der ihnen Schnapstnnken verbot und sie aus dem Lokal wies, den Gehorsam verweigert und zuletzt sich tätlich vergangen. Zentrum und Bergarbeiterschutz. In Köln und Vororten fanden am Montag acht große Volksversammlungen statt, uni gegen die Haltung der Zentrumspartei in Sachen des Berg- arbeiterschntzeS Protest zu erheben. In allen Versammlungen wurde folgende Resolution beschlossen: „Die am S. Juni abgehaltene zahlreich besuchte Volks- Versammlung erklärt: Die Bergarbeiterschutz-Novelle der preu- ßischen Regierung wurde selbst den bescheidensten Anforderungen eines wirksamen BergarbeiterschntzeS nicht gerecht. Im preußischen Abgeordnetcnhause ist die Novelle unter Zustimmung und tätiger Mithülse des Zentrum« noch außerordentlich verschlechtert und derart umgestaltet worden, daß sie eher bis Bezeichnung eines BergwerkSbesitzerschutzgesetzeS al« eines solchen zum Schutze der Bergarbeiter verdient. Diese Haltung des Zentrums muß als arbeiterfeindlich bezeichnet werden, und dieser Verrat der Berg- arbeiter durch das doppelzüngige Zentrum ist ein erneuter Beweis dafür, wie diese Partei unter dem Vorgeben, die Interessen aller Klassen, namentlich auch der Arbeiterklasse, Ivahrzunehmeu, die Arbeiterinteressen verrät und die Arbeiter betrügt. Die Versammlung ist überzeugt, daß nur von der sozialdemokratischen Partei eine zuverlässige Berttetung der Arbeiterintcressen zu erwarten ist," Ultramontanr Kiuderucrgiftnng. Aus dem Rheinland wird uns geschrieben: In der stocklatholischen Stadt Aachen, die dem Zentrum die treuesten Wähler und den westdeutschen Großstädten die meist« Zuhälter und Dirnen liefert, verfaßte in der Schule des Bczirls St. Joseph ein zchujähriger Knabe den folgenden Aufsatz: „Ein Sozialdemokrat saß in der Schenke und sprach:„Nun bin ich froh, daß meine Frau nicht mehr nach der Kirche geht. Als der besoffene Mann später nach Hanse kam. lagen seine Frau und seine Kinder mit durchschnittene», Halse in, Zimmer. Auf dem Tische lag cin Brief, worin es hieß: Bis jetzt konnten wir eS noch aushalten, so lange er das Geld verlrank und uns hungern ließ, jetzt, wo sie noch gezwungen würden, den Glauben zu ver- lieren, könnten sie nicht mehr lebe» und ginge» in den Tod." Dieser Aussatz ist. wie ftstgestellt werden tonnte, daö Ergebnis des von einem Kaplan vorher erteilten Religionsunterrichts. So vergiftet man die Seeleu schuldloser Kinder, und so beginnt daS Zentrum schon kurz nach Abschluß des SäuglingsalterS die politische Agitation. Die Anhänger der Sozialdemokratie werde» als Säufer, Faulenzer und Mordbuben hingestellt. Dabei aber gibt es in der ganzen Welt leine Stadt, die so viele fromme und zugleich ultramontane Ehebrecher, Kassenränber, Tolschläger usw. hergebracht hat, wie das katholische Aachen.— Der Lavdtaz«- Wahltanipf in Baden. Man schreibt un«: Am Sonntag fand in O f f e n b u r g die Landesversammlung der natton alliberalen Partei statt, nachdem daselbst vor acht .Tagen der Parteitag der demokratischen BolkSparteiler vor sich ge- gangen war. Der nationnlliberale Fraktionsches Oberbürgermeister Dr. WilckenS begründete die Vereinbarung der bürgerlichen Linke», des sogenannten„Blocks", gegen Z entrinn und Sozialdemokratie; die Versammlung segnete den Pakt und nahm an dem KriegSruf einige redaktionelle Aendernngen vor. In diesem Wahl- aufruf an die naffonalliberalen Wähler interessiert uns folgender Passus: „Klar ist unsere Stellung zur Sozialdemokratie. Allen berechtigten Interessen und Wünschen der Arbeiterschaft, in der wir einen wichtigen Teil unserer Äolksftast schätzen, unsere warme Unterstützung! Der Haltung der Sozialdemokratie aber, der monarchischen Verfassung und den nattonalen Fragen gegenüber, wie ihrem Streben, die Klassengegensätze zu verschärfen, unsere entschiedene Gegnerschaft! Wir sind grund- sätzliche Gegner des Ultramontan ismus: Neue kirchen- politische Zugeständnisse bekämpfen wir: Vor allem würde die Wiedereinführung von Männerklöstern, welche unser Land seit IlX) Jahren nicht mehr kennt, die Begehrlichkeit deS Ulttamon- taniSmuS nicht befriedigen und das friedliche Zusammenleben unserer konfessionell gemischten Bevölkerung schwer gefährden; wir sind daher entschiedene Gegner einer solchen Politik. Die öffentlichen Schulen unseres Landes stehen für die Angehöngen aller Konfessionen offen. An dieser bewährten Einnchtung halten »wir unbedingt fest. Die Leistungen unserer Volksschule genügen den heutigen Anforderungen nicht mehr; sie bedürfen der Ver- besscrung. Für eine gesunde Entwickelung unseres Volkes ist ein kräftiger und rühriger Handwerker- und Kaufmanns- st a n d m, entbehrlich. Auf dem Boden der Gewerbesteiheit sind wir bestrebt, den erwerbstätigen Mittelstand nach Kräften zu stärken. An Stelle der Grund-, Häuser- und Gewerbesteuer soll die Vermögenssteuer treten; sie ist auf den Grund- sähen der ausgleichenden Gerechtigkeit aufzubauen und auf die leistungsfähigen Schultern zu legen. Die Selbständigkeit unseres Bahn Wesens wollen wir auch in Zukunft erhalten wissen. Eine Vereinfachung des Betriebes durch Errichtung einer Betriebs mittelgemcinschaft unter den deutschen Bahn- Verwaltungen könnten wir nur willkommen heißen. Eine Personen- tarifteforn, hängt„ich, notwendig damit zusammen. Allein auch diese ist dringend erwünscht. Aver ihr Ziel darf nicht eine Er- höhung der bestehenden Taxen sein, vielmehr muß zunächst die Verallgemeinerung der Sätze unseres Kilometerheftes unter Weg- fall der Schnellzugszuschläge und Rückfahrkarten erstrebt werden. Als eine Woche zuvor der linke Flügel des Blocks in demselben Lokal tagte, war es der Abgeordnete Hei in burger, welcher daS demokratische Gewissen dadurch salvierte, daß er den liberalen Block gegen den Vorwurf verwahrte,„ein Kartell gegen die Sozial- demokratie zu sein". Darauf machte der Abgeordnete M u s e r die Verneigung gegen das Zentrum und betonte, daß die Demokratie mit de», Abschwenken vom Zentrum zu den Nationalliberalen nicht die Kulturkümpferei begünstige, sondern nur„die Pflicht aller liberalen und demokratischen Parteien im Kampf gegen die Ge- fährdung unserer kulturellen Güter" erfülle. Zugleich sprach der demokratische Parteitag seine Entrüstung darüber aus, daß die Nationalliberalen bei der Karlsruher Stadtratswahl ihre verbündeten Demokraten»den gegebenen Zusagen widersprechend" übers Ohr gehauen haben und dadurch das Vertrauen auf em er- folgreichcs Zusammenwirken erschütterten. Zweifellos belehrt auch das Resultat des LandtagSwahlkampfes diese demokratischen Steigbügelhalter der Bassermannschen Gestalten, daß man wiederholt übers Ohr gehauen werden kann und die letzten Dinge ärger denn die ersten sein werden.-> Die Beleidigung cincS toten Königs ist grober Unfug. Au« Nürnberg wird uns geschrieben: Bei einem politischen Disput in einer Wirtschast zu Nürnberg kam man lange nach Mitternacht auch auf die Revolution von 1848 zu sprechen. Einer der Be- teiligten, der Bildhauer Körber, fällte eine scharfe Kritik über das bekannte Verhältnis des bayerischen Königs Ludwig I. zu der spanischen Tänzerin Lola Montez. Später geriet Körber mit dem Monteur Winter in Streit und warf ihn, eine Beleidigung an den Kopf. Winter rächte sich nun an seinem Beleidiger dadurch, daß er schnurstracks aus die Polizeiwache rannte und Körber wegen „Majestälsbeleidiguna" denunzierte. Da Ludwig 1. längst vermodert ist, konnte der Majestätsbeleidigungsparagraph nicht in Anwendung gebracht werden, und es mußte deshalb der— Grobe Unfugparagraph aus der Not helfen. K. wurde zu 7 Tagen Gefängnis verurteilt, weil der Denunziant an der historischen Betrachtung Aergernis genommen, aber erst nachdem er sich durch K. gelränkt gefühlt hatte.» Aus erhobenen Einspruch hin wurde die Gefängnisstrafe ,n 2v M- Geldstrafe umgewandelt.— HuoUikL Oesterreich-Ungar«. Tie ungarische Auswandernngssrage. Budapest, 6. Juni. Ministerpräsident Graf Tisza erklärte im parlamentarischen Aus- wanderungsausschusse, es sei eine Verleumdung, daß amtliche Aus- wandcrungSbevollmächtigte in Ungarn zur Auswanderung ver- lockten. Im ganzen Lande gebe es nur Lb Bevollmächtigte, gegen deren Wirksamkeit geringe Klagen einliefen. Die deutschen Gesell- schaften, die mit der Cunardlinie konkurrieren, hätte» 500 geHeimo Agenten unterhalten, deren Tätigkeit es zumeist zuzuschreiben ist, daß im Jahre 1004 03 000 Personen ohne Paß ausgewandert seien. Zurzeit bestehe zwischen der Cunardlinie und den deutschen Gesell- schaften ein von der Regierung genehmigtes Ucbereinkommen. dem- zufolge ein Teil der ungarischen Auswanderung statt über Fiume über deutsche Häfen befördert werde, wodurch die Umtriebe der ge- Heimen Agenten zum Teil neutralisiert würden. Der Minister- Präsident erklärte serner, daß aus dem Vertrage mit der Cunard« linie die Festsetzung einer Mindestzahl der ungarischen Auswanderer ausgeschieden worden sei. Diese Zahl habe jedoch niemals die ihr von der feindselig gesinnten Presse zugeschriebenen Bedeutung ge» habt, daß die Regierung verpflichtet sei, den Schiffsgesellschaften ein gewisses Quantum von Auswanderern zu liefern. Belgien. Das belgische NnsalloerslchcrungS-Gesetz. Mit dem 1. Juli ttitt in Belgien em neues Gesetz, betreffend die Versicherung der Arbeiter Segen Ilnfälle, ins Leben, das bereits am 24. Dezember 1903 in der ammer beschlossen worden ist. Dieses Gesetz erstreckt sich auf die industriellen Arbeiter, im allgemeinen auf die Lehrlinge und Angestellten, welche direkt oder indireft an derselben Arbelt beteiligt sind, wie die versicherungspflichtigen Arbeiter. Im Falle eines Unfalles, der den Arbeiter länger als eine Woche arbeitsunfähig macht, hat dieser da? Recht, auf eine Entschädigung in der Höhe von 50 Proz. seines durchschnittlichen Wochenlohnes. Ist die Arbeitsunfähig- keit eine teilweise, d. h. kann der Verunglückte noch etwas ver- dienen, so hat er Anspruch ebenfalls auf die Hälfte des ihm entgehenden Lohnes. Die Kosten für Arzt und Apotheke hat während der ersten 0 Monate nach den, Unfall der Unternehmer zu tragen. Bei einem tödlichen Unfall hat der Unternehmer an die Familie des Verunglückten 75 Fr. für die Kosten der Beerdigung zu zahlen. Ferner ist er zur Zahlung einer lebenslänglichen Rente an die Witwe von 30 Proz. deö Lohnes verpflichtet; um diese Rente für die Hinter- blieben«, de« Verunglückten zu sichern, hat der Unten, ehmer ein Kapital in entsprechender Höhe zu hinterlegen. Alle diese oben bezeichneten Entschädigungen an den Verunglückten oder dessen Familie hat der Unternehmer zu leisten, aber er kann sich gegen dieses Risiko bei einer von der Regierung konzessionierten Versicherungs- gcsellschast versilbern. Hat sich der Unternehmer nicht in dieser Weise versichert, so ist er verpflichtet, bei jedem Unglücksfall, der einen seiner Arbeiter betrifft, eine entsprechende Summe zu hinterlegen, durch welche der Verunglückte, beziehentlich dessen Angehörige, gedeckt sind. Als die vom Staate anerkannten Versicherungsgesellschaften im Sinne dieses Gesetzes haben in erster Linie die von den Unternehmern silbst zu dicseni Zweck gebildeten Ge- sellschasten jähnlich nnseren deutschen BerufSgenossenschasten) zu gelten, ferner die privaten Versicherunasgesellschafteii. die sich dem Gesetze an- pyssen. DicS in großen Umrissen die wichtigsten Bestimmungen des belgi- scheu Gesetzes. Ein großer Fehler scheint uns zu sein, daß der Unter- »ehmer nur einer bedingten Versicherungspflicht unterworfen ist. Wie, wenn der Unternehmer im Falle eines Unfalles sich nun als zahlungsunfähig erweist? Ein weiterer Mangel des Gefeßes ist der, daß der Unternehmer Eintritt reformerischer Elemente für unbedenklich ansieht oder in gegen deren illegitimen", parteiſchädlichen" Einfluß man nur seinen eigenen Arbeitern gegenüber bedingungslos haftpflichtig Hinblick auf die beständige Abwesenheit Ferris und seiner notorischen auf der Hut fein müsse, dann geht das auf Kosten des Ana ift. Kommt hingegen irgend jemand etwa durch den Laftfutscher Geneigtheit, mit den Reformisten zu pattieren, Wert legt auf das sehens der Ehre und der Wachterweiterung der Partei selbst. eines Unternehmers zu Schaden, so muß derselbe auf dem Wege Vorhandensein links stehender Genoffen in der Nedaktion. Wer von der Notwendigkeit der parlamentarischen Betätigung durch der Bivilflage seine Rechte geltend machen. Immerhin bedeutet das Gesez gegenüber den bisherigen in Belgien geltenden Zuständen einen wesentlichen Fortschritt. Amerika. Die Friedensfrage. " Die ausscheidenden Genossen werden in der Zeitschrift drungen ist, wer die Eroberung weiterer Mandate und die Erhöhung Devenire Sociale" die Gründe der heutigen Krise darlegen. unseres Einflusses in den gesetzgebenden Körperschaften anstrebt, muß Wie wir aus guter Quelle erfahren, haben auch die Reformisten die barum mit aller Entschiedenheit Front machen gegen solche HerabEinberufung des Parteitages gefordert, da sie die Hoffnung haben, würdigungen unserer Reichstagsfraktion. das Zentralorgan zurückzuerobern. Es gibt freilich auch einen Barlamentarismus" im üblen Sinne. Einstweilen wird der„ Avanti" redigiert von den provisorisch Man versteht darunter den Mißbrauch des parlamentarischen Mandats auf ihren Boften gebliebenen Genossen Drano und Monicelli, im Berein au privaten Zweden, mögen es materielle Vorteile oder sonstige permit dem Genossen Sgarbi, dessen Eintritt den Austritt der anderen fönliche Strebereien sein. Daß in der sozialdemokratischen Fraktion verursacht hat. Ferri selbst ist durch seine Berufspflicht als Ber- ein Barlamentarismus" dieser Art zu Hause sei, wird ſelbſt ber teidiger im Prozeß Murri bis zum 18. in Turin festgehalten. erbittertſte Gegner nicht zu behaupten wagen. Ein sozialdemo In der heutigen Nummer des Avanti" erklärt Ferri, daß ihm fratisches Mandat ist auch der denkbar ungeeignetste Schlüssel, um jede politische Abficht bei der Entlassung der drei Redakteure fern die Pforten zu Ehr und Herrlichkeit der Welt zu öffnen. Wenn aber gelegen habe und daß Leone und Dda Serda aus freien Stüden aus überhaupt die Gefahr vorhanden wäre, daß unsere Abgeordneten getreten sind. Ueber Monicelli und Dranos Demission werde der daran dächten, die Wege persönlicher Absichten zu wandeln, so wäre Parteivorstand am 18. d. entscheiden. nichts geeigneter, eine solche Entwickelung zu fördern, als die Lockerung des Verhältnisses des einzelnen Abgeordneten zur Gesamt partei. Auf eine folche Lockerung aber läuft das Fern halten der Mandatsträger von den Parteitagen hinaus. innt G Fraktion und Parteitag. s Eduard David. Gewerkschaftliches. Die Korruption in den Stadtverwaltungen. Jede große ameri Tanische Stadt hat schon mit ihrem Stadtrat mehr oder weniger schlimme Erfahrungen gemacht. Ob die Bürger Republikaner oder Demokraten wählen, es ist sicher, daß sie alle beide stehlen. Boodle ist Trumpf bei den Stadtvätern, und sie spielen ihre Trümpfe immer unverschämter aus; sie verkaufen ihren Einfluß und ihre Stimmen, to fich Gelegenheit bietet. Am meisten Geld wird verdient, wenn es große Kontrakte, Rechte und Privilegien der Stadtgemeinde an Privatgesellschaften zu verschachern gibt. Dann blüht der Boodleweizen. Tammany Hall, die starke demokratische Organisation in New York, war lange Zeit am berüchtigsten als Boodlegesellschaft, aber eine ganze Reihe anderer Städte stehen jetzt mit New York in gleicher Reihe. In St. Louis ist ein furchtbarer Sumpf von Kor ruption aufgedeckt worden. Der jebige Gouverneur Folt hat sich als Ich meine natürlich nicht, daß etwa die Entziehung des Rechtes, Staatsantvalt um die Verfolgung der Boodler verdient gemacht, inIn der Diskussion über die Vertretung der Fraktion auf dem die Parteitage als vollwertiges Mitglied zu besuchen, die Abgeorddem er die Anklage( gegen starken Widerstand) aufrecht erhielt und Parteitage ist immer nur für oder gegen das Recht der Reichstags- neten persönlich verstimmen und der Partei innerlich entfremden alle Bestechungen zurücwies. Er brachte einige Stadtväter ins abgeordneten, am Barteitage teilzunehmen, gesprochen worden. Ich fönnte. Das wäre lächerlich. Wohl kein Abgeordneter würde fich Zuchthaus, andere flüchteten nach Megiko und einige blieben in Amt hatte das Erscheinen der Abgeordneten auf dem Barteitage immer auch nur einen Augenblick darüber grämen, und die Sache, der er und Würden, trotzdem sie als schuldig galten, aber ihr Einfluß war als eine Pflicht angesehen, von der nur triftige Gründe entbinden dient, ist zu groß, als daß sein Verhältnis zu ihr durch solche stärker als alle Anklagen. Folt wurde zur Belohnung vom Bolt tönnten. Diese Auffaffung scheint wenig Anhänger und somit auch Dinge erschüttert werden könnte, was ich meine, ist der Wegfall der als Gouverneur gewählt. St. Louis bildet keine Ausnahme; ähn wenig Aussicht auf Sanktionierung durch den Parteitag zu haben. unmittelbaren geistigen und persönlichen Beziehungen zum Leben den liche Enthüllungen find in Chicago, Milwaukee, Boston, Cincinnati Damit tönnte man sich persönlich wohl abfinden. Allein Gesamtpartei, wie es in den Parteitagen fulminiert. Der Abund anderen Städten vorgekommen. Der neueste Skandal iſt in vom Standpunkt des Parteiinteresses möchte ich doch nicht auf den geordnete, der die Beschlüsse des Parteitages zur Richtschnur Philadelphia ausgebrochen und hat die gesamte Bürgerschaft in Versuch verzichten, die Barteitagsmehrheit zugunsten diefer Auffassung seines Handelns im Parlament machen soll, muß auch mit große Erregung gebracht. Die Gasiperke sollten verpachtet werden, zu beeinflussen. dabei sein, wo diese Beschlüsse diskutiert und gefaßt werden. und es wurde bekannt, daß der Stadtrat sich hatte kaufen lassen, um ein für die Stadt höchst ungünstiges Angebot anzunehmen. Kon- Manche scheinen anzunehmen zum Vergnügen. Dem mit feinem führt, die andere gefaßt haben. Aus welchen Gründen geht der Abgeordnete zum Parteitag? Er darf und soll kein Parteiautomat fein, der nur Beschlüsse ausNur wenn er mit im Rat sitzt, kurrenzgesellschaften boten der Stadtgemeinde viel mehr, und man parlamentarischen Mandat beglückten" Barteigenossen, der das Jahr fühlt er sich auch innerlich mit zur Tat engagiert. Nur so können hielt es für ausgeschlossen, daß der Stadtrat offen gegen die über an feinen Wohnort und an eine wenig abwechselungsreiche Meinungsverschiedenheiten rechtzeitig zur Geltung gebracht und Interessen der Bürger handeln würde, umſomehr, als der Boodle Berufsarbeit gefesselt ist, mag es anziehend erscheinen, mal für acht mancher drohende Parteistreit schon im Entstehen verhütet werden. plan allgemein bekannt geworden war. Troßdem erhielt das un- Tage aus der Tretmühle herauszukommen, eine frembe Stadt zu Borbeugung ist auch hier die beste Methode. günstige Angebot eine Mehrheit im Stadtrat; die Stadtväter hatten sehen, mit den Größen" der Partei bekannt zu werden, Wer also wünscht, daß das Verhältnis der einzelnen Abgeordneten ihre Stimmen verkauft und wollten ihr Geld verdienen. Ein großer bie Sturm brach los und der Bürgermeister mußte den Stampf gegen Referaten geistigen Anregungen des Parteiparlaments mit seinen aur organisierten Gesamtpartei ein möglichst enges und ungetrübtes und vielseitigen Diskussionen mitzuerleben. ist, der wird ihnen das Recht auf Sig und Stimme im Parteidie Boodler aufnehmen, die in der Presse und in Versammlungen Für den Abgeordneten können diese Dinge aber doch nicht den parlament nicht nur nicht nehmen, sondern ihnen die Ausübung als Diebe und Gauner gebrandmarkt wurden. Er legte sein Beto gleichen Neiz haben. Er muß das Jahr über genug reifen, viel besfelben zu einer Pflicht machen, von der nur gewichtige ein und die Bürger drohten, jeden Stadtrat aufzuhängen, der das mehr als ihm lieb ist. Die Berührung mit den Barteigenoffen weit- Gründe entbinden dürfen. Veto überstimmen würde. Der Abschluß des Geschäftes wurde vor- befannten Namens hat er Monate hindurch tagtäglich. Die Gegens Täufig hinausgeschoben. Der Gelante der Berstadtlichung öffent- ftände und Fragen, die auf den Parteitagen diskutiert werden, sind Ticher Betriebe und Einrichtungen gewinnt durch solche Vorkommnisse in der Regel die gleichen, mit denen er im Parlament, in Zeitungen start an Popularität. und Versammlungen das ganze Jahr über zu tun hat. Wenn er rfich ein Bergnügen, eine Erholung vorstellt, so gipfelt sie immer Berlin und Amgegend. barin, einmal ein paar Wochen den Geist ausspannen zu dürfen Achtung, Bauarbeiter aller Branchen! Der Streit der Schmiede, Es ist noch immer völlig unflar, ob eine Friedensvermittelungfern von alledem. Es ist schlechterdings nicht anzunehmen, daß Fahrstuhlführer usw. bei der Firma Held u. Frante ist ergebnislos irgend einer unserer Abgeordneten noch nicht genug Parlament beendet worden. Zentralverband der Schmiede. ernsthaft beabsichtigt wird und wie sich Nußland dazu stellen dürfte. habe. Und überdies muß das nicht geringe Maß von Arbeit, das Bahlstelle Berlin. Die widersprechendsten Mitteilungen gehen um, unfer Parteiparlament den Teilnehmern zumutet, meist unter fo Die Lohnbewegung der Schmiede ist größtenteils erledigt, da auch Einer Meldung der Köln. 8tg." aufolge hat die franzöfifche gesundheitswidrigen Bedingungen geleistet werden, daß schon das die Schmiede in den Fuhrgeschäften die Arbeit wieder aufgenommen Regierung tatsächlich ihren Botschafter in Petersburg ein start abschredendes Moment bildet. haben. In diesen Betrieben mußte der Kampf ergebnislos beendigt beauftragt. Rußland zu verstehen zu geben, daß Frankreich bereit Oder ist man der Meinung, der Abgeordnete könnte von dem werden, da hier ein größerer Teil Streifbrecher vorhanden war, so sei, als Friedensvermittler zu dienen, falls die russische Re- Wunsche geleitet sein, mal mit ben weiteren Kreifen" der Partei namentlich in der Schmiede der Vereinigten Berliner Mörtelwerke" gierung zu erkennen gäbe, daß ihr Schritte Frankreichs in auch außerhalb seines Wahlbezirks in unmittelbare Berührung in Charlottenburg. Die Polizei war hier ganz besonders eifrig, Siefer Nichtung willkommen feien. Die ruffische Regierung au fommen? Dazu bietet sich ihm aber reichlich genug Ge- indem sie die Streitpoften gleich en gros fiftierte, wozu allerdings habe auf diese französische Andeutung bis jetzt aus Mangel eines Legenheit, wenn er den zahlreichen Nufen nach Agitationsverfamm- nicht der geringste Anlaß vorlag, ja in den letzten Tagen leitete der Entschlusses des Baren noch feine Antwort gegeben. Die franzöfifche Diplomatie möchte, daß Frankreich als dem Berbündeten ungen nachkommt, die im Laufe des Jahres an ihn ergehen. Da Serr Polizeileutnant persönlich die Ueberwachung des Betriebes. die Rolle der Friedensvermittelung zufiele und Amerika ihm nicht befriedigen in nur einen fleinen Teil dieser Wünsche um Referate zu Alle Abende wurden die lieben Arbeitswilligen mit einem Leiterder Lage ist, so fann fann sich schwerlich wagen aus dem Betrieb nach Hause gefahren, um sie von jedweder zuvorkomme, abgesehen von dem politischen Interesse, das auch in seiner Seele noch ein ungeftilltes Sehnen dieser Art finden. Berührung mit den Streifenden fernzuhalten. Ja sogar ein Beamter Frankreich, wie man oft genug französischerfeits äußerte, an der Ich kann mir also keine anderen Motive denken, die den Ab in Zivil mußte persönlich mit auf dem Wagen Plaz nehmen und Wiederherstellung des Friedens hat. Angeblich wäre die franzöfifche geordneten zum Parteitag führen, als Pflicht motive. Welches dann ging es unter Bedeckung von berittenen Schuyleuten los. Diplomatie deshalb auch mit den Bereinigten Staaten in Ve- find diese? sprechungen eingetreten. Die Abgeordneten sind dem Parteitag Stechenschaft schuldig Dagegen wird dem.-." aus Petersburg gemeldet: über ihre parlamentarische Tätigkeit. Der dem Parteitag vorgelegte Eine hohe Persönlichkeit, die dieser Tage am Barenhofe in Barstoje gebrudte Bericht ersetzt in strittigen Punkten bie mündliche Recht Sielo weilte, erklärt, die dortige Stimmung anläßlich des furchtfertigung nicht. Diese Auseinandersetzungen und die von den Dele baren Unglüds in der Koreastraße sei naturgemäß tieftraurig, boch gierten geübte Kritik haben nicht den halben Wert, wenn der größte Zentral- Verband der Schmiede. Bahlstelle Berlin. herrschte nicht einen Moment Zweifel darüber, was nun zu tun fei. Teil der Abgeordneten durch Abwesenheit glänzt. Man kain ble gliederversammlung, die gestern abend im Königstadt- Kasino statt Der Krieg wird unter allen Umständen fortgefest abwesenden Abgeordneten eventuell mit" rüffeln"; aber man fann Irgendwelche Friedensgebanken sind auch nicht einen Moment auf fie auf diese Art nicht eines Befieren überzeugen und fand, berichtete die Streilleitung, daß sich am Stand des Streiks gekommen, im Gegenteil. Der Bar hofft fest auf den Sieg auf legteres allein fann es doch nur ankommen. nicht viel geändert hat. Die Lage ist jedoch keineswegs ungünstig zu Lande, sollten auch noch Jahre dazu erforderlich sein. Der Krieg Neben der Kritik an der geleisteten oder nichtgeleisteten weiter im Kampfe ausharren, so kann bei der Masse Arbeit, die sich für die Streifenden. Wenn sie mit der bisherigen Ausdauer noch beansprucht jährlich 300 bis 350 Millionen Rubel, die allemal noch Barlamentsarbeit steht dem Parteitag das Recht zu, neue An angehäuft hat, dem allgemein günstigen Geschäftsgange der Erfolg zu beschaffen sind. Selbst von der Volksvertretung, die vor dem regungen für die Thätigkeit der Abgeordneten zu geben. Wollen Herbſt wohl taum einberufen werden dürfte, wird ant Barenhofe ein bie Delegierten damit Erfolg haben, so müssen sie möglichst viele nicht ausbleiben. Mit Rücksicht darauf, daß bie Streikenden Botum für die Fortsetzung des Krieges mit aller Bestimmtheit er Abgeordneten für ihre Ideen und Vorschläge gewinnen. Solange bas Ginigungsamt des Gemerbegerichts ange. wartet. Ein Friedensschluß dürfte nach Ansicht der leitenden Streise die Mehrheit der Fraktion nicht von einer Sache überzeugt ist, bleibt rufen haben, wurde in der gestrigen Versammlung von weit auf die inneren Zustände des Landes viel verheerender und demo sie unberüdsichtigt. Die gedruckten Parteitagsberichte sind aber ganz unzu gehenden Beschlüssen Abstand genommen und folgende Resolution ralifierender wirken als die Fortsetzung des Krieges, der zu Lande reichend, um die abwesenden Abgeordneten über die neuen Vorschläge und angenommen:" Die Versammlung beschließt, den am 2. Juni geabsolut nicht aussichtslos sei. Anregungen, die aus den Streifen der Parteidelegierten kommen, aus faßten Beschluß strikte hochzuhalten: mindestens 55 Bf. Stundenreichend zu unterrichten. Die Berichterstattung über die Reden der John und alles andere laut Tarif. Um dieses zu erreichen, ist es " gewöhnlichen" Delegierten ist meist sehr dürftig und lückenhaft. Pflicht eines jeden organisierten Kollegen, sich mit den Streifenden aber selbst wenn die Begründungen und Diskussionen mit steno- solidarisch zu erklären und unter Umständen gweds Erreichung graphischer Ausführlichkeit wiedergegeben würden, lönnte das doch des gesetzten Bieles die Arbeit mit einzustellen. Ein diesbezüglicher nicht den unmittelbaren Eindruck, der oft noch durch private AusSprache gefördert wird, erseßen. * In Russische Verluste. Totio, 6. Juni. Man schäßt die Zahl der Toten der ruffifchen Flotte auf 14 000, einschließlich der Ertrunkenen, die Zahl der Gefangenen auf 4600 Mann. Seit Ausbruch des Krieges sind von den russischen Gefangenen 120 in Hoſpitälern Japans und 1400 in denen Port Arthurs und Dalnys gestorben. dondo Aus and Aus der Partei. " er " " Auch in Charlottenburg und Nigdorf ist der Kampf größtenteils erledigt, da der größere Teil der Arbeitgeber die Forderungen bewilligt hat, ganz abgeschlossen ist derselbe in diesen Orten jedoch noch nicht und ist deshalb der Zuzug noch streng fernzuhalten. Der Streit der Bretterträger und Brettschneider. In der MitBeschluß fann jedoch nach Lage der Sache erst in einer späteren Versammlung gefaßt werden." Der Umstand, daß sich ungeübte funden Gliedmaßen, einem fogar das Leben gekostet. Bei der Girma Leute als Streitbrecher versuchen, hat bereits mehreren ihre ge oẞling find in ben lebten Tagen nicht weniger als fünf schwere Unfälle vorgekommen, bei der Firma Krakauer einer und bei ich alsti u. ab ebenfalls einer, wobei der betreffende Arbeiter sein Leben verlor. Die tarismus" gesprochen. Wenn man darunter die wachsende AusMan hat von der Gefahr des, ueberwucherns des Parlamendehnung des parlamentarischen Arbeitsbereiches versteht, so weiß jeder über die Verhältnisse Unterrichtete, daß die treibende Kraft zu dieser Entiidelung feineswegs innerhalb der Fraftion liegt. Sie liegt vielmehr in der breiten Masse der Parteigenossen, Jahr für Jahr Der Redaktionswechsel im Avanti" und der revolutionäre Flügel wächst die Menge der parlamentarischen Wünsche und Anregungen, Der Streit der Fensterputzer bei der Firma Juhre ist beendet. der Partei. die zum Parteitag eingebracht und den Abgeordneten ans Herz ge- Die Ausständigen haben eine Lohnaufbesserung von 1,50 m. pro Woche Nom, den 4. Juni. legt werden, Wiederholt wurde bereits aus der Mitte der Dele- erreicht. Die Sektionsleitung der Fensterputzer Da der Redaktionswechsel des Avanti, von dem wir be- gierten bittere lage darüber geführt, daß durch allgemeine und des Zentralverbandes der Handels- und Transportarbeiter. richtet haben, sich nicht auf das Ausscheiden der Genossen Leone, theoretische Auseinanderfegungen das Intereffe und die Zeit für alle Achtung! Sattler aller Branchen, Eisenmöbelpolsterer. Lerba, Bianeti, de Nava und Castellt beschränkt, sondern jenen pofitiven Anregungen der parlamentarischen Aktion ungebührlich Eisenmöbelfabriken von J. Schöngraff, Neu- Weißensee, Heinersdorfer aus Solidarität mit ben Ausscheidenden auch die jüngst eingetretenen verkürzt würden. Die Fraftion hat dieser wachsenden Fülle von Anträgen Weg 55, und M. Mendelsohn sind wegen Nichteinhaltens des Tarifs Genossen Drano und Monicelli um ihre Entlaffung gebeten und Refolutionen gegenüber eher eine abwehrende als eine er gesperrt. Wir ersuchen bringend die Sperre zu beachten. haben, verbleiben in der Redaktion nur noch der Chefredakteur munternde Haltung eingenommen. Aus gutem Grunde. Die im gesperrt. Wir ersuchen dringend die Sperre zu beachten. Die Ortsverwaltung. Enrico Ferri und der soeben angestellte Redakteur Paolo Parlament Arbeitenden kennen am besten die jeweiligen Grenzen des dort Möglichen, die durch die Gesamtarbeitslast, die Geschäftshause Sgarbi. Der Mühlenarbeiter- Berband hielt am 4. Juni im GewerkschaftsUeber die hierdurch geschaffene neue Situation läßt sich bie ordnung, die Parteiverhältnisse und die Regierung gezogen werden. bauſe ſeine vierte Gaukonferenz für Brandenburg und Pommern ab. Die Konferenz war von 14 Vertretern befchickt. heute erschienene vanguardia" in einem Leitartikel aus und Damit will ich gegen den Eifer der Parteigenossen allerwärts, Nach den gegebenen Berichten ist gute Aussicht vorhanden, daß kommt zu dem Schluß, daß die schleunige Ginberufung neue Anregungen für die Tätigkeit der Fraktion zu geben, nicht im es an verschiedenen Orten mit der Organisationsarbeit rüstig vordes Parteitages unerläßlich fet. geringsten polemisieren. Im Gegenteil, ich halte ihn für etwas fehr Bekanntlich wird in der italienischen Partei der Herausgeber Gutes. Er bietet die beste Garantie dafür, daß die parlamentarische wärts geht. Der Mitgliederbestand ist am Ende des 1. Duartals b. J. 457. des„ Avanti" vom Parteitage bezeichnet oder bedarf doch wenigstens Aktion nicht erstarrt oder erlahmt. Der Kassenbericht schließt mit 411,58 M. ab und bleibt ein seiner Bestätigung. Die Avanguardia" sagt nun, daß die Und dieser Eifer forgt auch dafür, daß die Tiraden gewisser prinzipielle Saltung des Avanti" mehr durch den Redakteur Leone Mur- Literaten in der Leipziger Parteirebattion, die es sich offenbar Staffenbestand von 170,50 M. Die Decharge wird erteilt. Lebhafte Klagen werden geführt über mangelnde Aufsicht der als durch den beständig abwesenden Chefredakteur Ferri be- zum Ziel gesezt haben, die Partei von der parlamentarischen Tätig Gewerbe- Inspektion. Sonntagsarbeit ist in den größeren Städten stimmt worden set. Durch den Austritt Leones, der nach der feit wieder zur wahrhaft revolutionären" Lattit zurückzuführen, in unb erst recht in den entlegenen Gegenden durchaus üblich; bie Avanguardia" absichtlich von Ferri provoziert worden wäre, der Maffe der Parteigenoffen ohne jeden Einfluß bleiben. So lange bestehenden gesetzlichen Vorschriften finden mangels genügender fehlte nunmehr die Garantie für ein Fortführen der politischen aus der Tiefe der Partei den Abgeordneten immer neue, um Kontrolle herzlich wenig Beachtung. Hier wie im Punkte Agitation Saltung des Blattes, die auf dem letzten Barteitag die Billigung faffendere Aufgaben gestellt werden, ist keine Gefahr vorhanden, daß ist noch ein weites Tätigkeitsfeld. der Mehrheit erhielt. Es sei daher nötig, den Parteitag, der erst der Parlamentsarbeit nicht die nötige Achtung und Beachtung zu leber Lohnbewegungen berichtet Sauer. Es sind tarifliche Ab1906 stattfinden sollte, in diesem Herbst einzuberufen. Eine Tages- teil wird. ordnung in diesem Sinne liegt bereits dem Parteivorstand vor und Die Fraktion wird dafür freilich auch von dem Parteitag er gewesen, neuerdings ist noch Wendisch Buchholz hinzugekommen. machungen bislang nur für den Verwaltungsbezirk Berlin möglich kann auf die Mehrheit zählen. warten fönnen, baß jenen Herren, die es sich zur Aufgabe fegen, die Dabei sind zum Teil erhebliche Werbefferungen ohne Streits erzielt Ohne hier prüfen zu können, ob die„ Avanguardia" recht unter- 78 Genossen" systematisch in den Augen von Freund und Feind worden. Es werden wohl Wünsche laut, auch in anderen Drten richtet ist, wenn sie bon der Absicht Ferris spricht, sich der am herabzufegen, endlich die Zust an diesem Handwerk verleidet wird. meisten links stehenden Elemente feiner Redaktion zu entledigen, müssen Denn es laun der Partei nicht einerlei sein, ob die Männer, die sie borzugehen, jedoch muß zunächst die Drganisation weiter gefestigt wir doch feststellen, daß es dem Chefredakteur sehr schwer fallen mit der Aufgabe betraut hat, die Sache des werftätigen Volfes in Den einzelnen Bahlstellen werden Geldmittel in Aussicht gestellt, bürfte, unter den Anhängern der in Bologna fiegreichen Richtung der gefeggebenden Körperschaft zu vertreten, vor der Deffentlichkeit um auch ihrerseits eine regere Tätigkeit entfalten zu können. eine neue Redaktion zu bilden, weil diese sich jedenfalls mit den diskreditiert und beschimpft werben. Die Organisationen der Partei um auch ihrerseits eine regere Tätigkeit entfalten zu können. ausgefchiedenen Genossen solidarisch fühlen und daher ihre Mit haben diese Genossen auserlesen und sie der Wählerschaft in Wort arbeit ablehnen werden. Es handelt sich nun darum, ob die Partei und Schrift als befähigte, des allgemeinen Bertrauens würdige die theoretische Haltung des Avanti" durch das Berbleiben Ferris Kandidaten empfohlen. Wenn die Gewählten nun als eine als Chefredakteur für hinreichend gewährleistet hält und auch den buntscheckige" Gesellschaft bon Leuten hingestellt werden, der werden. Husland. Der Weltverband der Diamantarbeiter. Bom 22. bis zum 26. Mai tagte in der Arbeitsbörse zu Paris sechste internationale Diamantarbeiter Kongreß. Vertreten waren: der Allgemeine Niederländische Diamantarbeiter-Verband sowie Betsalel, Patrimonium und St. Eduardus aus Niederland, femer der Antwerpener Diamantarbeiter- Verband, zwei amerikanische Diamantarbeiter-Organisationen sowie Frankreich und die Schweiz, zusammen 12 410 organisierte Diamant- arbeiter. Der erste Punkt der Tagesordnung war die definitive Gründung des Weltverbandes und die Beratung der Statuten. Der erste Artikel wurde in folgender Form angenommen:„Die internationale Organisation der Diamantarbeiter, die mit dem 23. Mai 100S definitiv gegründet ist und den Namen Welt- verband der Diamantarbeiter fuhrt, hat ihren Sitz dort, wo der internationale Sekretär seinen Sitz Hot.* In den beiden folgenden Artikeln wird ausgesprochen, daß der Weltverband aus den Fachorganisationen der Diamant arbeiter besteht und daß über die Aufnahme der Kongreß oder der Vorstand(mit Berufungsrecht der betreffenden Oraani- sationen an den nächstfolgenden Kongreß) entscheidet. Der Vorstand des Weltverbandes soll aus sieben Mitgliedern bestehen: drei in Amsterdam, zwei in Belgien, eins in Paris und eins in der Jura. In den Vorstand wurden gewählt als: Vorsitzender HenriPolak, Sekretär Je f. Groesser, Kassierer D. P. de Vries und als Beisitzer: Jan van Zutphen, Bartels, Bepon und LZe G u v r y. Die Aufnahme einer der vertretenen Organisationen, der Maschinenschneider von New Jork, wurde vom Kongreß ab- gelehnt, in der Ueberzeugung, daß diese Vereinigung im Gegensatz zur allgemeinen Organisation der amerikanischen Diamautarbeiter desorganisierend gewirkt hat. Nach Festsetzung der Statuten und Erledigung der damit zu- sammenhängenden Angelegenheiten wurde über allgemeine Anträge der verschiedenen Organisationen beraten. Es wurde unter anderem beschlossen, in allen Ländern für ein gesetzliches Verbot der Anwendung von Blei in der Diamantindustrie zu wirken, und auch direkt sollen die Arbeiter Schritte zur Durch führung dieser Forderung tun. Dem Vorstand wurde der Auftrag erteilt, in allen Ländern, wo die Diamantindustrie vertreten ist, eine Untersuchung über den Umfang, die Zweckmäßigkeit und Durchführung der Arveiterschutzgesetze zu veranstalten. Ferner beschloß der Kongreß, daß in allen Ländern auf die Einführung des achtstündigen Arbeitstag es oder der 48 stündigen Arbeitswoche hingewirkt werden soll. Um eine internationale Regelung des Lehrlingswesens sobald wie möglich herbeizuführen, beschloß der Kongreß, daß in allen Zentren der Diamantindustrie, wo noch keine Regelung durch- geführt ist, die Anzahl der Lehrlinge 10 Prozent der Zahl der Arbeiter nicht übersteigen darf. Außerdem tvnrde eine Resolution für die Abschaffung der Heimarbeit angenommen. Ueber die allge- meinen Verhältnisse in der Diamantindustrie: Anzahl der Arbeits- kräfte und der Arbeitgeber, Lohnverhältnisse, Arbeltszeit, Stärke der Organisationen, Streiks usw., soll eine umfassende Statistik auf- genommen tverden. Schließlich wurde noch eine Resolution an- genommen, wonach es den Diamantarbeitern möglich sein soll, jederzeit ihre Branche innerhalb des Berufes zu wechseln, und eine andere, welche es den durch Einführung der maschinellen Vor- richtung arbeitslos werdenden Verstellern möglich machen will, bei denselben Arbeitgebern in eine andere Branche überzutreten, und den noch in der Lehre befindlichen Verstellern in deinselben Fall einen Schadenersatz zusichern soll. Soziales. Der Criiiimitschaucr Bierboykott vor dem Reichsgericht. Im März 1903 hatte der Tischler Köhler zu Crimmitschau als Vorsitzender des Gewerkschastskartells Kundgebungen an die ge- samte organisierte Arbeiterschaft erlassen, das Bier der Mumm er t- scheu Brauerei zu boykottieren, da dieselbe die tarifmäßigen Bedingungen nicht eingehalten und zwei Brauer unrechtmäßig ent- lassen habe. Diese Kundgebungen bestanden u. a. auch in Inseraten, welche in dem„Sächsischen Volksblatt" in Zwickau er- schienen und die Arbeiterschaft zum Bierboykott aufforderte. Der Be- fitzer der Brauerei erwirkte beim Amtsgericht Crimmitschau eine einstweilige Verfügung, wonach Köhler und dem„Volksblatt" die Unterlassungen solcher Kundgebungen auferlegt wurden; zugleich erhob der Brauereibesitzer auch Klage in demselben Sinne beim Landgericht Zwickau. Dieses Gerücht hat nun die einstweilige Verfügung aufgehoben und der Bierstreit begann wieder von neuem, bis durch daS Berufungsurteil Ober-Landesgerichts Dresden die erst erlassene Verfügung wieder als zu Recht bestehend anerkannt und das lmidgerichtliche Urteil somit aufgehoben wurde. Nun- mehr legten die Beklagten Revision beim Reichsgericht ein, die das Interesse derOrganisation an dem Bestehen eines solchen Boykotts betonte. Der 6. Zivilsenat des Reichsgerichts trat in die direkte Prüfung der Sache aber nicht ein, sondern hat die Revision als unzulässig zurückgewiesen, da das vermögensrechtliche Interesse des Klägers nicht die Höhe der Revisionssumme(1500 M.j erreiche. Die Höhe des etwa entstandenen Schadens wurde auf 300—400 M. geschätzt. Arbeiter-Massenqimrtiere. Polizeiverordnungen, die aus hygienischen und sittenpolizeilichen Gründen die Unterbringung von Menschen in Massenguartieren regeln, sind auch dann gültig, wenn sie sich nur auf bestimmte Klassen von Arbeitern beschränken. So hat das Kammergericht am 5. Juni entschieden, indem es eine Polizeiverordnung für gültig er- klärte, die der Regierungspräsident zu Münster unter dem 29. Februar 1904 erlassen hat und welche nach ihrer Ein« leitung und Ueberschrist betrifft: Die Unterbringung der in gewerblichen oder landwirtschaftlichen Betrieben, beim Bergbau oder auf Bauten beschäftigten Arbeiter in Massen- quartieren. Ein Zicgeleibesitzer Liepmann hatte in mehrfacher Hin- ficht die Vorschriften über die Beschaffenheit von Massenguartieren nicht beachtet und war in zweiter Instanz verurteilt lvorden. Ent- gegen den RevisionSeinwendunoen und zur Begründung der An- nähme der Gültigkeit der Verordming führte das Kammergericht am 5. Juni aus: Allerdings habe der Strafsenat des Kammergerichts in einem Urteil vom 17. April 1902 ausgesprochen, daß eine derarttge Ver- ordnung über die Beschaffenheit von Massenguartieren nur gülttg sei, wenn sie sich nicht beschränke auf einzelne Arten von Arbeitern, fondern sich erstrecke auf alle Massenquartiere im VerwaltungS- bezirk der Behörde, die die Verordnung erläßt. An dieser Auf- fassung halte der Strafsenat aber jetzt n i ch t m e h r fest. Denn es sei sehr wohl denkbar, daß imJnteresse derAll gemein- h e i t Bestimmungen erlassen würden, die sich direkt auf besondere Arten von Arbeitern bezögen, indem das gesundheitliche und sittliche Interesse dieser Arbeiter hinüber- greife in das gleicharttge Interesse der Allgemeinheit. Natürlich sei es unzulässig, solche Bestimmungen nur gegen eine bestimmte Fabrik zu richten; dagegen könne sie die Polizei sehr Wohl mit Bezug auf den größeren Kreis bestimmter Arbeiterklassen erlassen. Im besonderen Falle handele es sich um Vorschriften hygienischer und sittlicher Natur, die zugleich die allgemeine Gesundheit schützen und die allgemeine Sittlichkeit förderten. In der Sache selbst mußte das Kammergericht wegen ungenügender Würdigung der einzelnen Tatumstände auf Zurückverweisung an die Borinstanz erkennen._ Der Hausierparagraph. Ungefaßte Perlen und ungefaßte Edelsteine, geschliffene wie ungeschliffene, sind nach einer Entscheidung des Kammergerichts vom 6. Juni sStrafsache Goldschmidt) keine Schmucksachen oder Bijouterien im Sinne des§ 56 der Gewerbe-Ordnung, welcher u. a. Schmuck- fachen und Bijouterien vom An- und Verkauf im Umherziehen auS- fchließt. Damit seien, wie der Senat annehme, nur fertige Gebrauchsgegenstände gemeint. Der Zweck des§ 56 der Gewerbe-Ordnung sei ja. das Publikum vor der Uebervorteilung durch betrügerifche reisende Händler zu schützen; die Gefahr, daß jemand Perlen oder Brillanten, die er weder anstecken noch umhängen könne, von solchen Händlern kaufe, liege aber nicht nahe. gearbeitet hatten, arbeitslos wurden. In der Sache selbst hi«U zwar der angeblich in erster Linie Verletzte, der Arbeiter Schüller. die Angaben der Anklage in vollem Umfang aufrecht; eine Reihe von anderen an der Sache völlig unbeteiligten Zeugen stellte die Vorgänge jedoch wesentlich anders dar, was Schüller zu dem vom Gerichtshof scharf zurückgewiesenen Ausruf veranlatzte: Das sind alles gekaufte Zeugen. Der Staatsanwalt, der dem Schüller vollen Glauben beimaß, beantragte gegen Blumenthal sechs Wochen, gegen Apfclmann und Hoene je einen Monat Ge- fängnis. Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. He ine mann be- antragte die Freisprechung des Apfelmann, dem gar nichts zur Last falle, gegen Blumenthal und Hoene kleine Geldstrafen wegen ein- facher Beleidigung. Strafmildernd muffe in Betracht kommen, daß der Verband der Mctallindustriellen in rigorosester Weise zu dem Mittel der Aussperrung gegriffen, im Betrieb ergraute Arbeiter auf die Straße gesetzt und die Aussperrung in einer Weise durch- geführt habe, die sich nicht sehr von demjenigen Tatbestande unter- scheide, den das Reichsgericht oft als Erpressung angesehen habe. Dem Schüller fei kein Glauben zu schenken, denn wer so leicht mit der Ehre seiner Mitmenschen umgehe, daß er an Gerichtsstelle eine Reihe unbescholtener Menfchen des Meineids bezichtige, auf dessen AuS- sage könne man niemand inS Gefängnis stecken. Der Gerichts- Hof schloß sich im wesentlichen diefen Ausführungen an. Er s p r a ch Apfelmann frei und verurteilte Blumenthal zu 40 M., Hoene zu 30 M. G e l d st r a f e. Das Vorliegen des§ 153 wurde nicht angenommen, da es sich um keinen Streik, sondern eine Aussperrung handelt. Von der Anklage der Körperverletzung wurde Blumenthal für straffrei erklärt, da er eine ihm von Schüller zuerst zugefügte Körperverletzung nur ebenfalls mit einer solchen erwidert hatte. Wegen der übrig bleibenden Beleidigungen wurde wie angegeben erkannt._ „Nikolaus der Letzte", S5nn! das russische Volk den Zaren, der in zitternder Ge- tgenschaft den Untergang des Absolutismus mit Heiligen- er ein Bergwerk erwerben soll, so musthf bildern und kindischem Starrsinn aufzuhalten sucht. Und weil alle Welt dies Gefühl hat, daß Zar Nikolaus bestimmt fei, der letzte zu sein, darum wird fast täglich das Gerücht verbreitet und geglaubt, daß ein Attentat das Wort zur Wirklichkeit gemacht hat. Auch heute waren wieder dunkle Meldungen dieser Art verbreitet, denen durch folgendes offizielle Telegramm ent- gegengetreten wird: Petersburg, 6. Juni. Auf eine Anfrage betreffend die in Berlin verbreitete» Gerüchte von der Ermordung des Kaisers Nikolans telegraphiert die Petersburger Telegraphen- Agentur. daß die Gerüchte völlig aus der Lust gegriffen sind. * Die Demonstration der Semstwos. Moskau, 6. Juni. Die allgemeine auf den 6. Juni fest- gesetzte Konferenz der Semstwomitglieder und der Bürger- meister ist verboten worden. Trotz des Verbots findet aber der Kongreß der Stadt- Häupter und aller Vertreter der Semstwos in einem Privat- Hause statt. Es wird die Frage beraten, welche Maßregeln im Hin- blick auf die Niederlage RoschdjestwenSkys zu ergreifen sind. So berichten offizielle Telegramme. Neue Gelder für Spitzel. Petersburg, 6. Juni. Ein kaiserlicher Erlaß ordnet die Schaffung des Postens eines Polizeichefs im Kaukasus an und weist dem Statthalter für geheime Ausgaben für das Polizeiwesen im Kaukasus 100 000 Rubel jährlich an« Eine Polizeiverordnung über Kost- und Quartiergänger ist in Aachen erlassen worden. Sie bestimmt, daß die Schlafräume von Kost- und Ouartiergängern mit der Wohnung des QuartiergeberS und seiner Familie nicht in offener Verbindung stehen dürfen; vor- handene BerbindungStüren müssen stets geschloffen sein. Zwischen den von Personen verschiedenen Geschlechts bewohnten Schlasräumen dürfen solche Türen überhaupt nicht bestehen. Jeder Schlafraum mutz gedielt, mit einer Tür verschließbar sein und mindestens ein zu öffnendes Fenster haben; ferner darf er mit keinem Abort in Verbindung stehen. Die Räume müssen siir jeden Schlafgast mindestens 10 Kubikmeter Luftraum enthalten. Jeder Schlafgast muß ein besonderes Bett und ein b e- sondereS Waschgeschirr haben; auch abwechselnde Be- Nutzung durch Tag- und Nachtschichtarbeiter ist v e r b o t e n. Es besteht die polizeiliche Anmeldepflicht bezüglich der Räume und Personen. Hiid Industrie und Handel Die bayerische Staatsregierung auf Bergwerksuche. Die bayerische Staatsregierung ist allem Anscheine nach auf der Suche nach einem Kohlenbergwerke zum Erwerb für den Staat. Wie weit sie dabei geschickter verfährt als Herr Möller, läßt sich im Moment noch nicht völlig übersehen. Vorläufig hat das Suchen und das Geschreibe darüber nur die gleiche Wirkung wie seinerzeit in Preußen gehabt: eine enorme Hausse in Bergwcrksaktien, und was nun schließlich auch dabei herauskommen mag, die Spekulation hat ihren Profit bereits eingeheimst, und den letzten Spekulanten werden auch in diesem Falle die Hunde fressen; ob dieser letzte der bayerische Staat sein wird, ist, wie gesagt, noch nicht abzusehen. Vorläufig läßt die bayerische Regierung energisch abwinken. Die„Münchcner Zeitung", die wohlunterrichtet tut. sagt, die bayerische Regierung hat, wie die Verhältnisse zurzeit gestaltet sind, recht wenig Luft, ein Bergwerk zu kaufen. Der Mann, dessen Entscheidung hierfür. zunächst maßgebend ist, besitze einen viel zu scharfen praktischen Blict und sei ein viel zu guter Geschäftsmann, als daß er sich in eine Idee verrennen könnte, deren Verwirklichung für ihn keinen realen Erfolg bedeutet. Wenn dieser Kauf für ihn ein Geschäft bedeuten, sagt er, und kein schlechtes. Als Dekoration braucht er keine Zeche. Man kann sicher beurteilen, wie weit auch hinter dieser Abschwächungsnotiz nur die Spekulation steckt. Sicher ist jedenfalls, und von der offiziösen bayerischen Presse auch zugegeben, daß die bayerische Staatsregierung bereits Sachverständige in das rheinisch-westfälische Kohlenrevier geschickt hat, und daß sie selbst gewillt ist, wenn auch nicht sofort ein Kohlenbergwerk ganz zu kaufen, so doch 51 oder 75 Proz. der Kuxe oder Aktien zu erwerben, um maßgebenden Einfluß auf Verwaltung und Betrieb solchen Werkes zu erlangen. In Bayern scheint hinter der ganzen Sache weniger. das Handelsministerium als das Ver- kehrsministerium zu stehen, und das aus guten Gründen. Bayern verfügt bekanntlich im Gegensatz zu Preußen über keine auch nur halbwegs nennenswerten fiskalischen Gruben, und die bayerischen Eisenbahnen sind daher völlig abhängig von der Preis- und Vcrkaufsdiktatur des rheinisch-westfälischen KohlensyndikatZ. Daß sie von dieser loskommen, liegt ebenso in ihrem wie in des bayerischen Volkes Interesse, und wenn die bayerische Regierung deshalb auf vernünftige Weise zum Ankauf eines Kohlenbergwerks kommen sollte, Wied kein Verständiger etwas dagegen sagen können. Zu solcher vernünftigen Art und Weise gehört aber möglichste Aus- schaltung der Preistreiberei und Spekulation durch sofortiges öffentliches und limitiertes Gebot. Laurahütte. In der gestern abgehaltenen Sitzung des Aufsichtsrates der Vereinigten Königs- und Laurahütte erstattete der Vor- stand über die Ergebnisse des dritten Vierteljahres de? Geschäfts- jahreS 1904/05 folgenden Bericht: Die Steinkohlenförderung wies gegen das dritte Vierteljahr des Vorjahres eine Erhöhung um 64 900 Tonnen, d. i. um 10% Proz., der Verkauf an Fremde eine solche um 19,2 Proz. auf. Der Grund hierfür lag einmal in dem außerordentlichen Kohlenbedarf, den der fünfwöchige Streik im Ruhrrevier hervorgerufen hatte, und dann auch in der F u r ch t vor einem Uebergreifen des Ansstandes aus Oberschlesien, die den Handel und die Verbraucher zur schleunigen Verstärkung der Läger veranlatzte. Die Bilanzziffern der Kohlengruben waren in diesem Vierteljahre außergewöhnlich günstig und vermochten den eicheblichen Gewinnriickgang der Hütten, namentlich der russischen, größtenteils wieder auszugleichen. Der Versand der schlesi scheu Hütten der Gesell- schaft an Walzeisen aller Art betrug im letzten Vierteljahre 34117 Tonnen, das ist 1971 Donnen mehr als im Vorjahre. Erheblich niedrigere Ziffern zeigen die Betriebsergebnisse der beiden russischen Hütten infolge des im russisch- polnischenJndustriebezirkausgebrochenen Streiks, der die„Katharinahütte" zu einem fünfwöchigen und das Hütten- werk„Blachownia" zu einem noch längeren Stillstand zwangen. Dadurch sind nicht allein sehr erhebliche Produktionsausfälle und besondere Ausgaben und somit Bilanzverlnste entstanden, sondern es haben auch der Belegschaft gegenüber Zugeständnisse gemacht werden müssen, die nach Lage der Verhältnisse unvermeidlich waren und die die Werke dauernd belasten und die ohnehin seit längerer Zeit unbe- riedigenden Ergebnisse der russischen Hütten weiter verschlechtern. Der Gesamtgewinn betrug im dritten Vierteljahr d. I. abzüglich aller Unkosten und Verzinsung der beiden Obligations- anleihen 1 521 613 M. und blieb gegen den gleichen Zeitraum de? Vorjahres um 161 143 M. zurück,— ein Resultat, das immerhin nicht ungünstig genannt werden kann, wenn man den hohen Ausfall der russischen Hütten während des AuSstandeS in Bettacht zieht. Die Laurahütte vereinigt in sich die verschiedenartigsten montan- industtiellen Bettiebe. So war es durch diese Vielseitigkeit des Riescnunternehmens möglich, daß die Mindcrergebnisie der schlesischen Eisenwerke und der russischen Hütten durch den infolge des Berg- arbeiterstreiks im Ruhrgebiet hervorgerufenen gewaltigen Aufschwung des Kohlengeschäfts zum Teil ausgeglichen wurden. 2663 neue Konkurse gelaugten nach der vorläufigen Mitteilung des Kaiserl. Statistischen Amtes im ersten Vierteljahr 1905 in Deutschland zur Zählung, gegen 2555 im ersten Vierteljahr 1904. Es wurden 461 Anträge aus Konkurseröffnung wegen Mangeis eines auch nur die Kosten des Verfahrens deckenden Maffebetrages ab- gewiesen und 2202 Konkursversahren eröffnet; von letzteren hatte )et Gemeinschuldner in 1400 Fällen ausschließlich die Konkurs- eröffnung beanttagt. Beendet wurden im ersten Vierteljahr 1905 1670 sl. Vierteljahr 1904 1943) Konkursverfahren, und zwar durch Schlußverteilung 1166, durch Zwangsvergleich 373, infolge all- gemeiner Einwilligung 22 und wegen MasiemangelS 109. In 684 beendeten Konkursverfahren war ein Gläubigerausschuß bestellt. SericKts-Leitung. Streikvergehen. Die Klempner Blumenthal. Apfel- mann und der Tischler Hoene standen vor dem Landgericht II unter der Anklage, bei Gelegenheit dcS großen Metallarbeiterstreiks im vorigen Jahre Arbeitswillige der Krügerschen Fabrik in Köpenick in einer Reihe von Fällen beleidigt, bedroht und mißhandelt zu haben. Insbesondere sollte Blumenthal, der der Vertrauensmann der streikenden Arbeiter der Krügerschen Fabrik war, sich in der angegebenen Richtung vergangen haben. In der mündlichen Ver- Handlung blieb jedoch von der ganzen Anklage fast nicht» übrig. Zunächst ergab die Beweisaufnahme, daß in der Krügerschen Fabrik kein Streik zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen bestand, vielmehr sperrte die Krügersche Fabrik, ohne daß an sie irgend eine Forderung gestellt wurde, lediglich auf Beschluß de? Verbandes der Mctallindustriellen 70 Proz. ihrer Arbeiter auS. Nunmehr erst veranlatzte der Mctallarbciter-Nerband seine Mit- glicder zur Nicderlegung der Arbeit. So kam cS, daß Leute wie Blumenthal, die länger als ein Jahrzehnt in der Krügerschen Fabrik �et2te I�acbrickten und Depelchen« England, Frankreich und die Flottenrüstungen. London, 6. Juni.(W. T. 89.) Unterhaus. Cremer(lib.) richtet an den Premierminister Balfour die Anfrage, ob zwischen Frankreich und England noch irgend welche Streitfragen schwebten, und ob er mit Rücksicht auf die in Frankreich vorhandene Sttömung zugunsten einer Einschränkung der Flotten-» rüstungen und unter Berücksichtigung des Umstandes, daß die russische Flotte zerstört worden sei, beabsichtige, mit der französischen Regierung in Verhandlungen hinsichtlich der Möglichkeit einer Bee» ständigung bezüglich Einschränkung der Flottenrüstungen einzutreten. Premierminister Balfour erwiedert hierauf: Zwischen Frankreich und England schweben keinerlei Streftfragen, die noch ihrer Erledigung harren und die geeignet wären, eine Störung der zwischen beiden Mächten bestehenden einträchtigen Beziehungen zu verursachen.(Beifall.) Ich habe schon betont, daß die Stellung Englands in der Frage der Flottenausrüstungen von der anderer Mächte verschieden ist. Unsere Flottenrüstungen sind der wesentliche und unbedingt notwendige Teil unserer Landes» Verteidigung. Ich glaube deshalb, daß es eher Sache der andere« Länder, deren Flotten nicht den wesentlichen Teil ihrer Landes» Verteidigung bilden, als unsere Sache ist, Verhandlungen hierüber zu beginnen._ Wird Norwegen Republik? Kopenhagen, 6. Juni.(28. T. B.)„Nationaltidende" meldet aus Kristiania: Hier herrscht die bestimmte Auffassung, daß die Auflösung der Union jetzt eine unumgängliche Not» wendigkeit ist. Dies kann mcht geschehen, ohne daß die jetzige norwegische Königsmacht beseitigt oder suspendiert wird. Bor Ende dieser Woche wird daS Storthing Beschlüsse gefaßt habe», welche bei ihren in Kraft ttete« tatsächlich die Absetzung deS Königs bedeuten. Die Norweger behaupten, daß der König teils durch seine, ohne Gegenzeichnung in Stockholm vor» genommene SankttonSverweigerung. teils durch seine Ab« Wesenheit vom Reiche, welche die Ursache davon sei, daß er keinen Versuch gemacht hat, eine Regierung zu bilde«, selbst seine Rechte und Pflichten als König Norwegens suspendiert habe. DaS Storting wird gemäß den,§ 13 der Berfassimg eine verantwortliche Regierung einzusetzen, welche in Abwesenheit und Verhinderung de« Königs, imNamen des Königs die Regierung führen soll. Die Rotrfikation der eventuellen Veränderungen in der staatsrechtliche» Stellung Norwegens wird im Auslande nach der vorherrschenden Anschauung durch Gesandte ack ftoo erfolgen, welche eine ähnliche Missio« wie Washington für die amerikanischen Freistaaten und Thier« 1870 für Frankreich haben werden._ Zolländerungen. Rom, 6. Juni.(28. T. B.) Finanzmmister Maiorana hat der Kammer emen Gesetzentwurf vorgelegt, nach dem der Einfuhrzoll auf Mehle von 12 30 Lire auf 11,50 Lire herabgesetzt und der Einfuhrzoll auf Karroben von 1.75 auf 3 Lire erhöht wird. Auf Automobile werden in dem Entwurf folgende Zollsätze vorgeschlagen: 200 Lire auf Automobile bis zu 500 Kilogramm Gewicht, 400 Lire auf solche bis zu 1000 Kilogramm und 600 Lire auf Automobile von mehr als 1000 Kilogramm Gewicht.. Tie kretische Frage. Konstantinopel, 6. Juni.(Meldung des Wiener k. k. Tele» graphen-Kvrrespondenz-Bureaus.) Die von der kretensischen Kammer beschlossene Antwort auf die letzte Proklamation der Garantiemächte besagt, daß die Union mit Griechenland die einzige Lösung sei. Die Kammer bittet die Mächte, derselben zuzustimmen, dankt für die zugesagten Reformen, gibt bekannt, daß sie die Kreter auf» fordere, die Waffen niederzulegen und sich vorbehalte, nach Wied«» Herstellung der Ordnung die Nationalversammlung einzuberufen. verantw.Red.i Franz Rehbew, Berlin. Jnjcrateverantw,(mitAusnahme der,NeueWeIt'.v«tlage):TH-Glocke, verlin. Druck u.Vnlag: Vorwärts Buchdr.u.BerlagZanft.Paul Singer Sd Co.. BerlwSV. Hier»«» v«Na««« u.Unterhattnn»»«, st. 131. 22. i Ktilllge des„Mmarts" Kllilltt DsIIigdllltt.»»>««' � wi MS. Das Strafgefängnis Plötzensee vor Gericht. (Eigener Bericht des„Vorwärts".) 17. Verhandlungstag. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Landgerichtsdireltor Oppermann wird die Zeugin Frau Grosse vom Rechtsanw. Dr. Liebknecht noch befragt, wann sie ihre Mitteilungen über den Gesundheitszustand des Willi dem Geheimrat Dr. Baer zuerst gemacht habe. Es ist dies einige Wochen nach der Unterredung mit dem Freiherrn v. Maitz an geschehen, also nach dem 22. Januar 1900. Als Zeuge wird dann vernommen der von der Verteidigung ge- ladene Rechtsanwalt Feilchenfeld, bei dem Willi Grosse kurz vor seiner Tat als Schreiber beschäftigt war. Derselbe kann sich nur noch an sehr wenige Einzelheiten des Wesens von Grosse er- innern, aber insgesamt hatte er damals den Eindruck, daß Grosse nicht ganz normal war; als er wegen einer anderen Sache bald nach der Tat bei dem Untersuchunasrichicr war. der die Sache Grosse zu behandeln hatte, sagte ihm dieser:„Sie können froh sei», der Grosse hat gestanden, daß er auch bei Ihnen einbrechen wollte." Damals sagte ich zu dem Herrn Untersuchungsrichter:„Ich glaube, ich könnte manches Material angeben, das den Grosse als un- zurechnungsfähig erscheinen läßt." Der Herr Landrichter lehnte das damals ab, etwa mit den Worten:„Ach, das brauchen wir nicht." Wie auf eine Frage des RechtSanw. Dr. Liebknecht festgestellt wird, befindet sich in den Akten des Untersuchungsrichters Telle über die Andeutung des Rechtsanw. Feilchenfeld nichts, sie ist ganz unter den Tisch gefallen. Rechtsanw. Dr. Liebknecht(zum Medizinalrat Dr. Koenig): Wie denken Sie über den Geisteszustand des Grosse bei Begehung seiner Straftat? Sachverst. Dr. Koenig: Ich habe schon gestern angedeutet, und wiederhole: Aus dem Tatsachenmaterial, das uns vorgeführt wurde, nehme ich mit großer Wahrscheinlichkeit an, daß er schon zur Zeit der Begehung der Tat in einem Geisteszustand sich befand, der unter K 51 des Strafgesetzbuches fällt. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Hierbei tangiert es Sie auch nicht, daß die Tat mit Ueberlegung ausgeführt ist, weil eine gewisse Ueberlegung mit dieser Art Psychose vereinbar ist? Sachverst. Dr. Koenig: Gewiß. Staatsanw. Schönian: Können Sie das auch begutachten, ohne die Einzelheiten der Tat zu kennen? Sachverst. Dr. Koenig: Eben deshalb habe ich gesagt„mit hoher Wahrscheinlichkeit". Bei Kenntnis der Einzelheiten würde meine Aussage vielleicht schärfer ausfallen. RechtSanw. Chodziesne r(Vertreter der Nebenkläger): Ist Ihnen ein in der Literatur besprochener Fall bekannt, wo ein Mann inner- halb 6 Jahre von 21 Irrenanstalten und 29 Krankenhäusern be- urteilt wurde, und der von den einen für einen gefährlichen Gauner. einen geriebenen Simulanten und Trunkenbold erklärt wurde, von anderen Psychiatern dagegen für geisteskrank? Sachverst. Dr. Koenig: Solche Sachen kommen vor; das zeigt, wie schwierig manchmal der Geisteszustand zu erkennen ist. Geisteskranke simulieren häufig, die Tatsache der Geisteskrankheit schließt die Simulation gar nicht aus. Rechtsanw. Chodziesner: Man kann also ein guter Psychiater und doch sehr zweifelhaft über den Geisteszustand jemandes sein? Sachverst. Dr. Koenig: Gewiß; aber das gilt nicht für den Fall des Grosse, dieser liegt klar. Der Vorsitzende stellt noch weitere Fragen bezüglich der lichten Momente und zeitweisen Besserung bei Geisteskranken. hierbei erwähnt Rechtsanw. Liebknecht auch die ziemlich leicht fest- zustellende Anästhesie, auf welche Geheimrat Baer nicht untersucht habe. Dieser sagt, er könne das nicht bestimmt versichern, aber die Anästhesie könne auch verschiedentlich pausieren, was Dr. Koenig be- stätigt. Sachverst. Dr. Schulz betont, daß auch er die Anästhesie mcht immer festgestellt habe, namentlich nicht bei den ersten Untersuchungen des Grosse. Dr. Baer bemerkt, daß er bei seinen Untersuchungen die ge- wöhnlichen Methoden angewendet habe, die ihm geläufig seien, die feineren subtilen Methoden habe er nicht angewendet, die würden von vielen anderen ebenfalls nicht angewendet, er werde wohl auch auf Anästhesie untersucht haben, wisse aber nicht, wann, und könne das nicht beschwören. Da Dr. Baer sich hierbei stark auftegt, bemerkt Rechtsanwalt Dr. Liebknecht: Sie dürfen mir die Frage nicht übelnehmen, sie cnt- hält durchaus keinen persönlichen Vorwurf. Dr. Baer: Ich nehme sie aber übel. Ich kann es nicht mehr ertragen, ich bin ein alter kranker Mann. Es folgt nun das Gutachten des Sachverständige» Dr. Mönckcmöller. Im großen und ganzen schließe ich mich unter Berücksichtigung der in der Verhandlung hervorgetretenen Moniente dem Gutachten des Medizinalrats Dr. Koenig an. nur will ich noch einige Momente hervorheben, die nr. E. gestern nicht genügend erwähnt sind. Da find zunächst die Tatsachen, die schon im frühesten Lebens- alter hervorgetreten sind. Grosse hatte damals die englische Krank- heit gehabt. Das ist von Bedeutung, weil davon besonders der Schädel ergriffen wird und lange abnorm weich bleibt. Man kann jetzt noch die Spuren davon nachweisen, daß der rachitische Prozeß sich dort abgespielt hat. Eine Folge der Erkrankung ist, daß die Gehirnhäute und das Gehirn dauernd in einen Schwächeznftand versetzt werden und das Gehirn dadurch geschädigt wird. Dazu kommt noch die Angabe, daß er mehrere Male in der Jugend gefallen ist. DaS wird bei einem rachitischen Schädel besonders üble Folgen haben, der ja weich ist und weniger aushalten kann. Weiter soll er im 14. Jahre einen Unfall erlitten haben, indem er in eine Grube fiel. Der«orfall ist nicht genügend klar geschildert, um eine positive Schlußfolgerung daraus zu ziehen, aber er ist von Interesse, weil der Vorfall kurz vor der Tat stattgefunden haben soll. Als gewiß kann man ansehen, daß er bis zur Aufnahme im Gefängnis an Krämpfen gelitten hat. Ob das hysterische oder epileptische waren, läßt sich jetzt wohl schwer feststellen. Ich nehme an, sie waren epileptischer Natur. Wie weit auch die Hysterie in das Krank- heitsbild hineinspielt, vermag ich mangels einer Untersuchung nicht zu sagen. UcbrigenS sind Hysterie und Epilepsie so nahe verwandt, daß die Grenze oft nicht zu ziehen ist. Nachdem die Krämpfe zurückgetreten sind, traten psychische Degenerationen aus. Wie das oft bei Hysterikern und Epileptikern der Fall ist, und zwar oft so stark, daß man von einer Seelen- störung reden kann. Syniptome derselben liegen so reichlich vor, daß, wen» man von dem Vorleben des Grosse gar nichts wüßte, man unwillkürlich nachforscheu würde, ob er nicht in der Jugend Krämpfe gehabt hat. Sehr wesentlich für mich ist der eigentümliche Wechsel in fernem Verhalten. Er ist bemerkenswert, weil er dazu geführt hat, daß man ihn für einen Simulanten gehalten hat, andererseits ist aber gerade dieser Wechsel bei Epileptikern die Regel. Der Sachverständige führt nun die Aussagen verschiedener Zeugen für diesen Wechsel an, der so auffällig war. daß die anderen Gefangenen zuweilen sagten: „Heute hat er mal wieder einen schlechten Tag". Um aus konstante Symptome in seinen: Wesen zu kommen, so ist zunächst die Intelligenz hervorzuheben. Das ist eine sehr sub- jektive Sache. Ich glaube, er ist kein besonderes Lumen, aber die Trübung des Intellekts ist doch nicht so ausgebildet, daß sie in die Wagschale fällt. Der Schwerpunkt liegt bei ihm in anderen Momenten, zunächst in seinem ethischen Verhalten. Bei meiner psychiatrischen Ausbildung kam es mir nur sehr schwer in den Sinn, daß diese Symptome KrankhcitSsymptome sein sollen, Erscheinungen, die man im gewöhnlichen Leben als Frechheit und Ungezogenheit bezeichnet. Wenn man aber jahrelang sieht, wie sie immer mit der Krankheit verbunden sind und sich mit ihr ausbilden, kann man nicht umhin, sie als Krankheitssymptome anzuerkennen. Von Bedeutung ist in dieser Beziehung die Aussage deS Pfarrers Kottmeier, der Grosse als einen verkommenen Menschen ohne Gewissen und ohne Spur von Reue bezeichnet. Pfarrer Peters hat diese ethische Degeneration so klassisch geschildert, daß man sie in ein Lehrbuch der Psychiatric aufnehmen könnte. Treffend ist auch seine Aussage, daß sein ethisches Empfinden gegen seine Verwandten nur in dem Maße besteht, wie er Vorteil von ihnen erwartet. In der Weise prägt sich ichrankenloser Egoismus aus, wie er eben bei Epileptikern hervortritt. Auch der Lehrer Erfurth hebt diesen Egoismus hervor. Ein weiteres Symptom, das bei Epileptikern und ebenso bei Grosse hervortritt, ist die Reizbarkeit. Auch hier führt der Sach- verständige die Aussagen des Pfarrers Peters und des Lehrers Erfurth an, z. B. die des letzteren, daß er empört ist, wenn man auf seine Gedanken nicht eingeht. Aehnlich war es mit seiner Stimmung: Er war ein Choleriker und seine Handlungen der Aus- fluß des cholerischen Temperaments. Auch in den Zensuralten findet sich:„Stimmung unberechenbar." Auf dieser Grundlage treten wie immer bei Epileptikern einzelne vorübergehende Verschärfungen dieses Zustandes auf. Bei den Epileptikern sind die Krämpfe Entladungen des kranken Gehirns. Wo nun die Krämpfe zurücktreten, finden ivir ein Aequivalent dafür in einzelnen akuten Störungen. Bei Grosse sind zunächst Er- regungszustände aufgetreten, und zwar glaube ich über das Matz dessen hinaus, was einem normalen Menschen passiert. So schlug er in diesem Zustand Fenster ein, wurde grob gegen die Aufseher, griff andere Gefangene und auch den Arbeitgeber Lasch an. Er hatte Zustände, die ihn in die Tobzelle führten. Dort benahm er sich nach Aussage eines Zeugen wie ein wildes Tier. Gcheimrat Baer sprach von periodischen AufregungSzuständen, Pfarrer PeterS schilderte Aufkitte, die er mit ihm hatte, ivobci Grosse ohne ersichtlichen Grund in solche Wut geriet, daß Pfarrer Peters sehr erstaunt darüber war. Die Schwere des Zustandes geht daraus hervor, daß Peters ihn 20 Minuten bei sich behielt und ihn durch Zureden beruhigte. Nach sollbcn Vorfällen hat er ihn auch nicht zu einer Disziplinarstrafe empfohlen, um ihn nicht noch mehr zu verbittern und aus der Hand zu verlieren. Eine zweite Art solcher akuten und psychischen Erscheinungen sind die Dämmer- und Verwirrtheitzustände, auf die gestern schon auf- merksam gemacht ist. Dieselben gehen oft schnell vorbei und sind sehr schwer zu erkennen, manchmal selbst für den Arzt nicht er- kemrbar. Ich nehme als sicher an. daß außer den vorgeführten Fällen noch andere vorhanden gewesen sein werden. Der Sachverständige schildert die Zustände nach den verschiedenen Zeugenaussagen. In- wieweit diese Zustände zu den Dämmerzustanden gehören, kann man jetzt nach so langer Zeit nicht mehr sagen, jedoch besteht der Verdacht hierfür jedenfalls. Ein anderes Symptom ist, daß er Fliegen fing und mit den: Kopf gegen die Blauer rannte. Einen sicheren Schluß darüber kann man nach dieser Zeft sich auch nicht mehr erlauben. Nun kommen die Sinnestäuschungen und die Erscheinung der Frau Levy. Mit Sicherheit wird man sich auch darüber nicht aussprechen können. Auch die Erklärung, die Medizinalrat Dr. Lepp- mann gegeben hat, widerspricht, glaube ich, nicht der Tatsache, daß Sinnestäuschungen vorhanden waren. Dieselben keten ja nicht von außen heran, sondern werden im Gehirn gebildet, nur daß der Be- treffende glaubt, sie kommen von außen. Bei Verrückten findet man, daß sie sich zuweilen äußern, man werfe ihnen das und da» vor. Wenn man sie dann näher fragt, sagen sie wohl, es ist eine innere Stimme. es ist mein Gewissen, mein Herz, aber bei solchen Kranken findet man später, daß sie nicht mehr von einer inneren Stimme sprechen, sondern davon, daß von außen zu ihnen gesprochen wird. Ich glaube nicht, daß die Sinnestäuschungen immer bestanden haben, sie sind wohl nur ab und zu aufgetreten, vielleicht auch öfter, ohne daß sie ermittelt worden sind. Solche vorübergehenden Sinnes- täuschungen finden wir gerade bei Epileptikern. Weiterhin gehört hierher alles, was einen wahnhasten Anstrich hat. Die Bemerkinigen auf der Schiefertafel sind möglicherweise ein Palimpsest, wie sie häufig bei Kranken vorkommen, möglicherweise stand er aber auch unter krankhaften Vorstellungen. Dasselbe gilt auch von den Vorgängen, von dem Dolch und dem Sarg. Auch die Aeußerung an den Zeugen D.: Du gottloser Mensch, siehst Du nicht, daß ein Toter darunter(unter den Feder») liegt?, kann verschieden gedeutet werden, aber der Gedanke an Wahnideen ist auch hier nicht zurückzuweisen, gab der Zeuge D. doch an. Grosse: habe deshalb einen halben Tag nicht gearbeitet, sondern sei herumgelaufen, war also sehr aufgeregt. Verdächtig sind die Aeußerungen von ihm, die Pfarrer PeterS bekundet: Er sehe alle für seine Feinde an, er habe bei seiner Tat daS Recht gewahrt, andere feien noch schlimmer als er, ohne nach Plötzensee zu kommen. Auch in dem Kassiber kommt! ein nicht unverdächtiger Ausdruck vor: Es seien Ränke gegen ihn geschmiedet worden und Direktor Sauer lasse sich von dem Zeugen P. leiten. Auch die Größenideen gehören hierher; der Stolz auf seine Leistungen in Stenographie, Moralpredigten an die anderen Gefangenen. Merkwürdig ist auch sein Verhalten gegen PeterS als er ihm vorwarf, er fei kein anständiger Mensch. Der Lehrer Erfurth sagte aus. Grosse hatte bei den Unterredungen stets Unrecht und ließ sich absolut nicht belehren, auch dies deutet daraus hin, ebenso die Aeußerung, er gehöre zu den Männern und müsse in ihre Fuß- stapfen keten und viele andere. Diese Größenideen liegen zum Teil zeitlich auseinander und es kommt daraus an, wie er sie gesagt hat. ob sie unmittelbar als Grötzcnideen vorhanden sind, darüber kann man verschiedener Meinung sein, aber sie sind in beachtenswerter Weise vorhanden. Gerade bei Epileptikern haben wir manchmal einzelne Ideen der Paranoia entsprechend, manchmal zu einem geschlossenen Bilde ge- hörend. Inwieweit das Verhalten des Grosse bei den vielen Ein- gaben von dem der übrigen Gefangenen abweicht, will ich nicht be- urteilen. Jedenfalls besteht der Verdacht, daß eine schwere Psychose in der Entwickelung begriffen ist. In bezug auf die Simulatton halte ich bei vielen Aeußerungen es für selbstverständlich, daß er sie zu simulieren sucht, aber manches, was er simuliert haben soll, ist auch ein Symptom der Epilepsie. und an dieser leidet er ja. Auffällig ist, daß er nur solche Symptome simuliert, aber die von anderen Krankheiten nicht. Auch ist es so ungeschickt simuliert, daß es keinen Schluß erlaubt, daß er davon abgesehen ein gesunder Mensch ist. Dazu gehört auch daS Kopieren von Geisteskranken. Ein zielbewußter Simulant fällt darauf nicht hinein. Warum setzt er, wenn er simuliert, eS nicht einmal 4 Wochen durch. Wenn' wir alles abziehen, was simuliert ist, bleibt noch mehr als genug übrig, was ihn als kranken Menschen erscheinen läßt. Ich wende mich nun zur Frage der SkafvollzugSfähigkeit. Das ist eine sehr diffizile schwierige Sache. Der Irrenarzt wird hier vielleicht geneigt sein mehr die eine Seite zu betonen, der GcfängniSarzt mehr die andere. Selbstverständlich kann nicht jede Form von Geistesstörung in die Irren- anstalt übergeführt werden. Nach Kräften mutz dafür gesorgt werden, daß er möglichst lange in Strafvollzug bleiben kann, und die ganze Zeit der Irrenanstalt ihm erspart bleibt. Ist er dahin gekommen und dann wieder besser geworden, so daß er wieder für strafvollzngSfähig gehalten wird, dann mißglücken die Versuche, ihn wieder ins GesängniS zurückzubringen, innner, er ist. wie man sich ausdrückt, für' den Skafvolljiig verdorben. Andererseits hat die Irrenanstalt ein Interesse, daß Verbrecher, wenn sie überhaupt zu ihnen kommen, möglichst bald zu ihnen kommen. Sind sie längere Zeit in Strafvollzug gewesen, so erwerben sie eine Reihe von Eigenschaften, die sie für die Irren- anstalt wenig geeignet erscheinen lassen. Dr. Leppmann sagte, er ist noch nicht reif für die Irrenanstalt, weil er durch das Verbringen in sie doppelt gestraft werde. Praktisch könnte ihm dies erspart werden, indem man ihm den Aufenthalt in der Krankenanstalt anrechnet. Aber auch wenn es sich nur um Strafaufschub handelt, wird es für Grosse besser sein, in die Irrenanstalt zu kommen. Er wird dort für einige Zeit aufatmen und sich ruhiger fühlen. Bald aber wird es dasselbe sein wie im Gefängnis. Er wird die Irrenanstalt ebenso ansehen wie dieses und kaum wieder strafvollzugsfähig werden. Es fragt sich nur, ob es jetzt schon so weit ist, daß er in die Irren- anstalt überführt werden kann. Meiner Ansicht nach ist es der Fall. Er ist ethisch nicht in der Lage, daß er noch ein Verständnis für die Strafe hat. Das Verständnis hierfür ist nach den Aussagen der Geistlichen, glaube ich, nur noch minimal. Die zweite Frage ist, ob es möglich ist, ihn durch den Straf- Vollzug so durchzuschleppen, daß er keinen Schaden erleide. Auch das ist schwer zu sagen. Ich habe bei 300 Züchtlingen, als ich an der Zwangs- erziehungsanstalt tätig war, das Verhalten gegenüber Disziplinar- strafen untersucht. Gerade Epileptiker vertrage» sie am schwersten. Sie werden durch sie verbittert und doch nicht gebessert. Nimmt man sie aber nicht in Disziplinarstrafe, so verstanden das die anderen Züchtlinge nicht. Das kommt auch für die Strafanstalt in Betracht und ein Zeuge hat ja ausgesagt, daß die anderen Gefangenen es nicht verstanden, warum gerade Grosse nicht diszipliniert wurde. Ob die Aussetzung der Disziplinierung mit dem Krankheitsbild im Zusammenhang stand, kann ich nicht beurteilen, aber die Gefahr besteht- jedenfalls, daß er mit der Hausordnung stets kollidieren wird. Daher ist eS wohl besser, daß er in die Irrenanstalt kommt. Vors.: Können Sie Tatsachen angeben, aus denen hervorgeht, daß während der Behandlung Fehler begangen wurden? Sachverst. Dr. Möncke möller: Ein Psychiater würde bei der Aufnahme wohl einen genauen Bestand von einer solchen Sache aufgenommen haben. Gezwungen war Dr. Baer dazu nicht, da er nach den Zeitungsberichten wohl annahm, daß Grosse während des Prozesses untersucht wurde und das wohl für genügend hielt. Aus die Frage, ob Geheimrat Baer, als er vom Gehennrat Wirth aufgefordert wurde, Grosse zu beobachten, ihn in eine Irrenanstalt oder in die Bcobachtungsstation nach Moabit hätte bringen müssen, meint der Sachverständige, daß Dr. Baer nach der Ansicht, die er von seinem Lazarett hatte, sich für berechtigt halten konnte, ihn dort zu beobachten. Weiter meint der Sach- verständige, als Grosse von Wirth für krank gehalten wurde und der Verdacht der Simulation auftauchte, hätte er sich wohl die Straf- akten kommen lassen, da gerade bei Epilektikern das Vorleben sehr wichtig ist. Die Anamnese hält der Sachverständige für noch wich- tiger als die Strafakten. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob Dr. Baer ein Vorwurf zu machen ist, erwidert der Sachverständige. es fragt sich eben, wie weit man die Anamnese für wichtig hält, denn schließlich erhielte man doch dabei nur unbeeidigte Angaben. Daß ein direkter Knnstfehler mit der Unterlassung begangen sei. könne er nicht sagen. Auf die Fraik des Staatsanwalts Schönian, ob man gegen die Angaben der Angehörigen nicht erheb- liches MißKanen haben müsse, meint der Sachverständige, sie seinen mit Reserve auszunehmen und es sei aus ihnen das ins Auge zu fassen, was klinisch zusammengehört. Das Fehlen der Merkmale von Zungenbissen bezeichnet der Sachverständige auf Frage des Staatsanwalts für unerheblich; auch daß der Geist- liche und die Lehrer, überhaupt die höher gebildeten Personen, die mit Grosse zusammen waren, den Grosse nicht für geisteskrank, sondern nur für minderwertig gehalten haben, worauf der Staats- anwalt und der Vorsitzende eindringlich hinweisen, kann daS Urteil des Sachverständigen nicht beeinflussen, da man tagtäglich erlebt, wie die schwersten Symptome von gebildeten Leuten verkannt werden, von denen man eine bessere Einsicht annehmen sollte. Staatsanw. Schönian: Aber auch Psychiater können sich irren? Sachverst.: Das gebe ich ohne weiteres zu. Vors.: Halten Sie Beobachtungen von weniger erfahrenen Leuten für schwerwiegender? S a ch v e r st.: Selbstverständlich nicht. Ich habe diese Aeiißc- rungen ja nur erwähnt, weil sie klinisch mit dem ganzen Bilde übereinstimmen. � Die Frage nach der Heilbarkeit der Epilepsie be- antwortet der Sachverständige dahin, daß zuweilen die Krämpfe zurücktreten und die epileptischen Degenerationen nur noch leicht an- gedeutet bleiben. Namentlich in den Entwickelungsjahren treten die Anfälle öfter zurück, an ihre Stelle treten aber psychische Ent- ladungen, die sogenannte psychische Epilepsie, deren Prognose viel ungünstiger sei. Staatsanw. Schönian weist darauf hin, daß Geheimrat Hildebrand bei der Verhandlung über Grosse gesagt habe, er habe von Krämpfen an ihm nichts bemerkt. Grosse habe, als er fünf Jahre alt war, an einem entzündlichen Zustaird des Gehirns gelitten. Der ! S a ch v e r st ä n d i g e meint, daß das ein sehr unverständlicher Aus- druck sei, der jedoch nicht ohne weiteres auf Epilepsie zu deuten brauche. Häufig ist allerdings der Anfang einer Epilepsie oder einer anderen Nervenstörung die sogenannte Gehirnentzündung bei Kindern. RechtSanw. ChodzieSner meint, der schon erwähnte Fall. wo ein Kranker durch 60 Irrenanstalten und Krankenhäuser geschleppt wurde, und über den gerade dieser Sachverständige in der„Viertel- jahrsschrift für gerichtliche Medizin" berichtet habe, sei wohl mit dem des Grosse ähnlich. Der Sachverständige erklärt, daß es selbst- verständlich viele Fälle gibt, bei denen man verschiedener Meinung sein kann. Namentlich gilt das für die Grenzfälle, die vor Gericht kommen. Jener Fall aber war so exorbitant, daß man ihn mit dem Fall Grosse gar nicht vergleichen kann. Sein Urteil über jenen Mann war damals, daß er geisteskrank war, und jetzt wird er auch allgemein dafür gehalten. Auf Frage von Rechtsanwalt Liebknecht bemerkt er, daß in jenem Falle über die ersten 16 Lebensjahre des Kranken überhaupt nichts zu ermitteln war. Rechtsanw. Liebknecht: Sie halten den Fall Grosse für ganz klar? Sachverst.: Wie er sich jetzt gestaltet hat, ist er mir nicht unklar. Weiter betont der Sachverständige auf die Frage des Rechts- anwaltS Liebknecht, daß Grosse sich seinen Mitgefangenen gegenüber mehr gehen ließ, seine Empfindungen wohl uneingeschränkter zum Ausdruck brachte, als den Beamten und Aerzten gegenüber. Außer- dem passen die Mitteilungen der Gefangenen in das klinische Bild hinein und wurden ohne bestimmten Zweck abgegeben, während bei den Beamten und Aerzten damit gerechnet werden muß, daß Grosse fie in simulatorischer Absicht vorbrachte, während daS Simulieren bor den Gefangenen wohl keinen Zweck gehabt hätte. Vors.: Es hat doch einen erheblichen Zweck, wie ja Ihr Gut« achten zeigt. Auch Karl Groffe und Frau Grosse haben ja bekundet, daß der Mitgefangene Ahrens sich an sie mit der Mitteilung ge» wendet hat, er könne für sie wirken. Man könnte also wohl auf die Idee eines planmäßigen Vorgehens auch den Mitgefangenen gegenüber kommen. Sachv.: Man muß doch wohl annehmen, daß, wenn er simulierte, er es den Stellen gegenüber tat, die befugt waren, ihn in die Irrenanstalt zu bringen. Rechtsanw. Liebknecht: Sie meinen, er konnte keine Ahnung davon haben, daß Artikel über, ihn in der„Zeit am Montag" und im„Vorwärts" erscheinen würden, daß dadurch der Stein ins Rollen käme und die viele» Zeugen uns zulaufen würden, von denen wir doch alle auch nicht die geringste Ahnung gehabt haben. S a ch v e r st.: Gewiß! Rechtsanw. Liebknecht: Fällt Ihrer Meinung nach Grosse jetzt unter den§ 61 des Strafgesetzbuches? Sachverst.: Gegenwärtig halte ich ihn für unzurechnungs-| erkennbare Merkmale, fleine Ohren und Ohrmuscheln, prognatischen| Fachmann gegenüber wirklich fertig bringt, und es durchzuhalten ist fähig. Das gesamte psychische Bild ist ein solches, daß ich glaube, Obertiefer, asymetrisches Gesicht 2c. Einzeln genommen haben alle so schwer, das manche Psychiater die Ansicht haben, daß eine solche er besitzt nicht das Maß von Willensfreiheit, das der§ 51 verlangt. Diese Degenerationsmerkmale feinen Wert. Der Laie glaubt oft, wir fortdauernde Simulation wirklich zur Geisteskrankheit führen kann. Rechtsanwv. Liebknecht: Und wie urteilen Sie über seine schließen aus solchen Merkmalen auf eine Geisteskrankheit. Das Man kann wohl Symptome vortäuschen, aber diese täuschen den Burechnungsfähigkeit zur Zeit der Eat? Sachverst: Ich habe sehr schwere Bedenken an derselben. fie, das ist geradezu ein Glaubensfag in der Psychiatrie fällt uns gar nicht ein, aber wenn fie so gehäuft auftreten, so find Fachmann nicht. Das Stammeln in den Briefen und dergleichen Mehr kann ich nicht sagen. ein scheinen mir Versuche, einem Fachmann etwas vorzumachen. Er Alarmfignal, daß man darauf achten soll. tam ja auch gleich davon zurück. Der größte Teil der Simulanten Das Bild, das Herr Dr. Baer von Grosse entworfen hat, würde find tranke, die zu simulieren suchen. Die anderen Briefe, in denen für mich ein solches Alarmsignal sein. Mit fünf Jahren lernte er er die Eingaben macht, zeigen in ihrer Art ein frankhaftes erst gehen, mit sieben erst sprechen, schon daraus sieht man die Vorgehen, wenigstens legt die schwülstige Art die Vermutung nahe, Entwickelungshemmung. Ueber die Weiterentwickelung haben wir doch will ich Bestimmtes darüber nicht sagen, zumal ja auch nicht wenig gehört. Ich verwerte daher nur die Schilderung der epilep- feststeht, wieweit sie von ihm herrühren. tischen Krämpfe, die so klassisch gewesen ist, daß ich mir nicht vorstellen kann, daß Menschen ohne psychiatrische Vorkenntnisse eine folche Schilderimg geben können. Wir haben dann noch von schweren epileptoiden Anfällen, langem Bettnäffen 2c. gehört. Rechtsanw. Liebknecht: Mehr will ich auch nicht wissen. Rechtsanw. Dr. Löwenstein: Spricht nicht auch die Art der Schilderung, die Frau Grosse von den Krämpfen gegeben hat, für die Tatsächlichkeit derfelben? Angefl. Schneidt: Wenn Frau Grosse ihre von Ihnen für laffisch erflärten Angaben gemacht hätte, ohne die bekundeten Tatfachen selbst erlebt zu haben, würden Sie dann nicht auf ein hohes Maß medizinischer Kenntnisse bei dieser Frau schließen? beDaß aussehen? Bors.: Wie würden die Schriftstücke eines gesunden Simulanten Sachverst.: Sie würden kaum solche Größenideen, z. B. daß er ein stenographisches Genie sei, enthalten. Ich urteile über seinen Zustand: Es liegt eine epileptisch degenerative Seelenstörung von Geburt an vor. Wie sie jetzt ist, ent spricht sie zweifellos dem§ 51 des Strafgesetzbuches. Sachverst.: Die Schilderung war eine flaffische. Vorf.: Ist eine solche Schilderung über Vorgänge, die 10 bis 25 Jahre zurückliegen, nicht sehr eigentümlich bei einer Frau, die im übrigen Gedächtnis schwach ist? Der Sachverständige und Rechtsanwalt Dr. Löwenst ein weisen dem gegenüber darauf hin, daß die Tatsache der Krämpfe unzweifelhaft vorliege und daß In der Schule ist Grosse bis zur ersten Stlasse gelangt. Darauf im übrigen gerade Mütter über die ersten derartigen Borkommnisse lege ich jedoch wenig Wert. Haben wir es ja erlebt, daß ein Geistes- sechs Jahren soviel Erhängte gesehen, daß ich glauben darf, ein Bezüglich des Selbstmordberfuches bemerke ich, ich habe seit bei ihren Kindern, die sich ihnen sehr lebhaft einprägen, außerordentlich franker aus Dalldorf entlassen wurde und für einen anderen das Urteil darüber zu haben, daß ein solcher Versuch im Gefängnis mög tren zu berichten vermögen, selbst wenn sie in anderen Dingen nicht einjährige Eramen machte. Auch bei einem Dr. jur., der eine lich ist. Wenn die Schilderung des einen Zeugen wahr ist, daß das ausgezeichnetste Gedächtnis befizen. wissenschaftliche Arbeit machte, Geisteskrankheit As Rechtsanwalt Dr. Löwenstein fragt, ob der Sach gestellt. fest Groffe zu ihm sagte, ich will mich aufhängen und er ihm dann Die Schulleistungen find sehr gering verständige, nachdem im Lazarett der Verdacht der Simulation werten, namentlich soweit fie Memorierleistungen find. sagte, hängen Sie sich nur auf, worauf er dann den Versuch machte, entstanden war, die Weiterbeobachtung im Gefängnis für ausreichend hochgradige Begabung in bestimmter Richtung speziell gerade künft die Tat umgesetzt wurde, ohne Rücksicht darauf, daß so viele Leute so spricht das dafür, daß hier ohne jede Hemmung der Versuch in hielt, um Klarheit über den Zustand zu schaffen, meint diefer: ich ferische Begabung an geistig defekten Menschen vorhanden sein kann, zugegen waren. Es gibt überhaupt feine Situtation, in der nicht würde damit nicht ausgekommen fein. Auch auf die Frage, ob er ist eine psychiatrisch bekannte Tatsache. ein Selbstmord möglich wäre, in ein Dezimeter Entfernung vom die Verhängung disziplinarischer Strafen zur Ermittelung des Geisteszustandes für zweckmäßig hält, erwidert der Sachverständige, feinem Berhalten nach der Straftat hebe ich eine Tatsache hervor, glaube nicht, daß er so viel Kritik hat, um zu wissen, eine solche Die Straftat des Grosse ist mir zu wenig bekannt, aber aus Erdboden ist auch die Möglichkeit des Aufhängens gegeben. Ich dadurch würde man der Aufflärung nicht näher kommen. die mir persönlich von Dr. Rubinstein mitgeteilt wurde, daß näm- Tat wird höchstwahrscheinlich verhindert werden. lich Grosse ihm sofort nach der Tat seinen Namen und seine ohnung genannt und gesagt habe, er soll die Liquidation dorthin schicken. Auch daß er vor dem Hause stundenlang auf und ab gegangen ist, zeugt nicht von hoch entwickeltem Intellekt. Bezüglich des Verhaltens im Gefängnis genügt mir die eine Aeußerung des Pfarrer Peters, der eine geradezu klassische Schilderung von ihm eutworfen hat:" Er steht moralisch sehr tief, zeigt feine Spur von Neue und Dankbarkeit, ist freundlich, folange er eine Vergünstigung erstrebt, sobald er sie erhalten, roh." Auch seine Erzählung der Konflitte mit ihm ist charakteristisch. Wenn man bedenkt, wie liebevoll ein Seelsorger mit den Gefangenen umgeht, und speziell Pfarrer Peters, und dann das Resultat sieht, so muß man sagen, hier ist auch nicht eine Spur von ethischem Empfinden zum Ausdruck gekommen. Wenn ich vor ein paar Jahren hätte urteilen müssen, fo hätte ich bon moral insanity gesprochen, als wir diesen Begriff noch als befondere Krankheit rubrizierten. Jetzt nehmen wir nicht an, daß dieselbe als besondere Krankheit besteht, sondern sprechen davon, wenn vorwiegend die Gemütssphäre betroffen wird, wo aber die intellektuellen Affekte sehr gering sich definiert finden. Nun haben wir gehört, wie das Gemütsleben des Grosse schwankt, wie er einerseits scheu und ängstlich ist, andererseits aufbrausend und roh. Hört man Schilderungen, so ist eine flare Interpretation eines epileptisch degenerierten Charakters. Sachverst.: Jawohl! Staatsanwalt Schönian erklärt, daß er noch den jezigen stellvertretenden Gefängnisarzt, General- Oberarzt Rd als Beugen und Sachverständigen vorzuladen gedenke. Dann tritt die Mittagspause ein. Bei Wiedereröffnung der Verhandlung bemerkt der Vorsitzende, daß dem Antrage der Verteidigung, auf Aushändigung von Abschriften der Gerichtsbeschlüsse stattgegeben sei. Dann folgt das Gutachten des Sachverständigen Dr. Placzek: Wenn ich den Entwickelungsgang des Groffe, wie er hier borgeführt wurde, betrachte, so fällt mir zunächst aus seinen Familiendaten das eine Faktum als sehr gewichtig auf, daß Kinder einer Schwester des Baters geistestrant gewesen sind, von denen das eine auch in der Hallenser Frrentlinit gestorben ist. Was sonst an Daten beigebracht wurde, daß viele Fälle von Mitrozephali in der Familie vorgekommen sind, ist zu unbestimmt, als daß ich es verwerten möchte. Wichtiger ist die Tatsache, daß er von väterlicher und mütterlicher Seite eine schwere erbliche Belastung bekommen hat. Der Vater war zur Zeit der Schwangerschaft schon trunksüchtig, und bei der Feststellung solchen Faktums taucht all das Elend auf, das damit immer im Zusammenhang steht. innere nur an Napoleon und Rousseau, die Epileptiker waren. Hier Ein Epileptiker braucht nicht immer degeneriert zu sein, ich erBerhalten. Solche Leute ärgern fich zuweilen über jebe Fliege an aber entspringt der epileptischen Basis das mißmutige mürrische der Wand. Ein Psychiater verglich sie treffend mit einem explosiblen Gemisch. Bors.: Glauben Sie, daß das auch früher schon der Fall war? Sachverst. Ich kann nicht wissen, wie die Entwickelung des Leidens vor sich gegangen ist; darüber kann ich mich nicht äußern. Bors: Wie urteilen Sie über das Verhalten von Dr. Baer? Sachverst.: Mir speziell fällt es sehr schwer, darauf zu antworten, denn ich kenne Dr. Baer seit vielen Jahren und schäze ihn sehr hoch. Vors. Ich bitte doch, die Frage zu beantworten. Sachverst.: Dann schließe ich mich den Ausführungen des Dr. Möncemöller an. Rechtsanw. Liebknecht: Jst nicht auch die Art, wie er seine jogenannten revolutionären Jdeen zum Ausdruck brachte, ein Zeichen des Schwachsinns? Sachverst.: So dumm zu demonstrieren, ist Schwachfinn. Rechtsant. Liebknecht: Der Lehrer Erfurth hat ja auch ers flärt, daß er nicht Kenner der Sozialdemokratie ist. Ist Ihnen erinnerlich, daß Erfurth auch der Ansicht war, daß der Kaffiber ein Bild der geistigen Frische abgebe, während er Ihnen den Schwachfinn bezeugt. Sachverst.: Jch muß den Kasfiber als Zeichen der Schwach Sauer, was denn jegt mit Grosse im Gefängnis geschieht? Die finnigteit betrachten. Hierauf fragt Rechtsanw. Dr. Halpert den Zeugen Direktor Antwort geht dahin, daß Grosse seit dem Beginn des Prozesses sowohl bei Tage wie bei Nacht in Einzelhaft untergebracht ist. Diese Trunksucht brachte eine förperliche und feelische Degeneration mit sich, so daß schon die Zeugung des Grosse unter bedrohlichen Auspizien stattfand, und man die Vermutung aussprechen kann, daß schon eine Vergiftung des Reimes stattgefunden hat. Die Mutter ist der Typus einer Proletarierin, die während der Schwangerschaft von dem Pfarrer Peters schildert, wie eine einfache Mitteilung über Zeuge Direktor Sauer demonstriert alsdann an einem kleinen Manne mishandelt wurde, und viele seelische Erregungen durch einen anderen Gefangenen genügt, um ihn in einen schiveren Modell die Konstruktion des sogenannten Krampftastens. machte. Kurz nach der Geburt wurde sie von dem Manne ver- Erregungszustand zu bringen. Sehr flar wird auch der Vorfall mit Medizinalrat Dr. Koenig erklärt hierzu, daß dies ein vollständig lassen. Daß die feelischen Erregungen während der Schwangerschaft dem Arbeitgeber Lasch geschildert, wo er erſt ſtarke Unluft zur humanes Mittel fei und in vielen Anstalten angewendet werde. auf das Kind einwirken, weiß jeder Laie, und auch die Erregungen, Arbeit hatte und dann mit totschlagen drohte und den Mann mit Bors.: Also es ist nicht ein Marterwerkzeug aus mittelalterlicher die gerade Alkoholisten ihren Frauen zuzufügen pflegen, find in einer Feile bedrohte. In anderen Fällen drohte er mit den Beit, so nach der Art der mittelalterlichen Wartern, wie sie in der dieser Richtung zu werten. Bier Monate lang hat die Frau dann Schemein. Sein Affettleben stellt also ein solches explofibles Burg zu Nürnberg aufbewahrt find?- Rechtsantv. Dr. Lieb das Kind selbst genährt, also gerade in der Zeit, in der sie verlassen Gemisch dar, wo bei dem geringsten Anlaß ein Ausbruch erfolgt. Inecht: Die Verteidigung hat dies auch noch niemals behauptet. wurde. Auch diese Erregung muß das sind schwer geschädigt Daß er im Gefängnis teine Anfälle gehabt hat, ist ganz be- Wir alle haben ihn nicht gekannt. haben. Dann blieb sie verlassen zurück und die schädigenden langlos. Manchmal bleiben sie jahrelang weg und mich würde es Faktoren wurden durch die ungünstigen Verhältnisse noch gesteigert. gar nicht in Erstaunen setzen, wenn er einmal kleine Anfälle oder Wir haben also schwere erbliche Belastung Don feiten Anfälle in der Nacht gehabt hätte, die nicht beobachtet wurden. Mit bes Vaters und der Mutter und schtvere Schädigungen Dr. Möndemöller würde ich diese Vorgänge als Aequivalent für vom Gerichtshofe gefaßt werden. beim Aufwachsen. Auf einem solchen Boden kann nicht die fehlenden Anfälle ansehen. viel Gesundes erwachsen. Es ist also nicht verwunderlich, daß Rachitis fich einstellte und die weiteren Schädigungen begannen. Ueber den Vorgang im sechsten Monat sind wir nur unvollfommen unterrichtet. Nach der Schilderung von Dr. Baprosch scheint eine Gehirnentzündung vorgelegen zu haben. Jedenfalls steht fest, daß im sechsten Monat schon eine schiere materielle Schädigung des Gehirns stattgefunden hat, und gleichzeitig Krämpfe aufgetreten find. Man mag mun Strämpfe bewerten wie man will es gibt Merate, welche jeden Strampf als epileptisch betrachten, ich tue das nicht so ist doch mit jedem Krampf eine Birkulationsstörung im ganzen Organismus und im Gehirn verbunden, die natürlich um so nachhaltiger wirken, je öfter die Krämpfe einfegen. Für alle die Schädlichkeiten, die auf Groffe einwirkten, haben wir auch andere 0. Für den Inhalt der Inserate Wallner- Theater. übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Berantwortung. Theater. Mittwoch, den 7. Juni Anfang 7%, Uhr: Opernhaus. La Traviata. Schauspielhaus. Die Journalisten, Nenes Operntheater. Jung- Heidel berg. Berliner. Alt- Heidelberg. Deutsches. Der Privatdozent. Leffing. Geschloffen. Anfang 8 Uhr: Weften. Der Strohwitwer. Nenes. Der Familientag. Thalia. Reklame. bon Lucca. Die Bäder Nefidenz. Herzogin Crevette. Schiller 0.( 28allner Theater.) Die Jüdin von Toledo. Zu dem Fall Grosse steht nunmehr noch der Beschluß des Gerichtshofes über die Anträge der Verteidigung auf Vorführung des Groffe als Beugen aus. Dieser Beschluß soll nach der Sizung Der Vorsigende teilt den Verteidigern mit, daß ein von ihnen Köln am Rhein ermittelt sei, die Militärverwaltung die Vorführung des Zeugen ablehne und seine kommissarische Bernehmung anheimgebe. Ob man das Onanieren, das Herauszerren der Genitalien, bas au einem späteren Fall benannter Beuge im Militärgefängnis zu Schimpfen und dergleichen als Bimallanfälle ansehen muß, ist zweifelhaft, über Vermutungen kommt man da nicht hinaus. Bezüglich der Intelligenz fann ich das Urteil nicht akzeptieren, das die Zeugen zu haben scheinen. Der Lehrer Erfurth gab an, daß er die Stenographie rasch gelernt, fich mit ihm unterhalten und gute Urteile gefällt habe. Das ist nicht viel für einen mehr als zwanzig jährigen Menschen, von einem abgeflärten Urteilsvermögen eines gwanzigjährigen habe ich nichts vernommen, und auch der Kaffiber zeigt bie typischen Größenideen des degenerierten Epileptikers, daß ich von einem normalen Urteil da nicht sprechen kann. Es ist dann die Frage aufgetaucht, ob Groffe fimuliert. Das Simulieren ist so schtver, daß von tausend wohl nur einer es dem Schiller- Theater Mittwoch, abends 8 Uhr: Die Jüdin von Toledo. Historisches Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Donnerstag, abends 8Uhr: Die Logenbrüder. Freitag, abends 8 Uhr: Die Tyrannei der Tränen. N. Friedrich- Wilhelmstädtisches Theater. Mittwoch, abends 8 Uhr: Der artesische Brunnen. Poffe in 3 Abteilungen und 4 Aufzügen mit Gesängen und Tänzen von Gustav Raeder. Donnerstag, abends8Uhr Der arte sische Brunnen. Freitag, abends 8 Uhr: Der artesische Brunnen. 3m Garten tägl.: Gr. Militär- Konzert: Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater u. Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 Hodjelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Großer Ball. Schiller N. Friedrich Wilhelm- Urania, Taubenstr. 48/49. städtisches Theater). Der artesische Brunnen. Kleines. Salome. National. Frizzo. Zentral. Zata- Toto. Trianon. Geschlossen. Luftspielhaus. Bieberleute. Belle- Alliance. Madame Tip- Top. Carl Weiß. Geschlossen. Reichshallen. Stettiner Sänger. Spezialitäten. Herrnfeld Theater.Winter- TymianSänger. Apollo. Am Hochzeitsabend. Spezialitäten. Wintergarten. Harry Allister. Spezialitäten. -Paffage Theater. Jean Paul, The Passparts. Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Marim. raula. Taubenstraße 48/49. Der Simplon und sein Gebiet. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. 8 Uhr: Der Simplon und sein Gebiet. Sternwarte Invalidenstr.57/ 62. CASTAN'S Z OOLOGISCHER CARTEN Täglich nachmittags 5 Uhr: Rechtsant. Dr. Liebknecht bezweifelt, daß die Ablehnung der Vorführung eine gefeßliche Bafis habe. Staatsanw. Schönian Nun, der Beuge tommt im Auguft aus dem Gefängnis heraus und da wir dann vielleicht noch hier figen, fann er ja persönlich er scheinen. Hierauf wird die Sigung auf Mittwoch um 9 Uhr bertagt. Zu Engrospreisen von 100 Stück an ( von 1 Mille an 5% Rabatt, auch verschiedener Sorten). Für Wiederverkäufer billigste Offerte. Für tadellose, gute und reelle Ware, vorzüglichen Brand wird garantiert. Felix Brasil 100 Stück 3,50 Mk. Gelegenheitkauf sehr preiswert. NF Versand gegen Nachnahme von 100 Stück an( 500 Stück portofrei). Cordelia, Reg., Sum., sehr billig. Mk. 2.25 Amerika, Vorstenland, Regal., extra gr. Mk. 4.30 Hamb. Mischung, Sum., Torp.- Form Bremer Konsum, fein u. mild. 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WOLZOGEN- OPER THALIA- THEATER. DIE BÅDER VON LUCCA. Anfang 8 Uhr: In Vorbereitung: Die Pfahlbauer, komische Oper in drei Akten. Apollo- Theater. Deutscher Metallarbeiter Verband. Täglich 10-10%, Uhr: Ununterbrochenes, stürmisch. Lachen während der Aufführung von Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher Amt IV, 9679, Amt Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3853. Mittwoch, 7. Juni, abends 8% Uhr, im Palast- Theater Ein Abend in einem amerik.no( früher Feen- Palast), Burgstraße 22): // Tingel- Tangel. Ausgeführt von der berühmten amerit. Burlest- Compagnie. Dazu: Am Hochzeitsabend bon Paul Lincke mit Jlona Sperr v. Hofth. Berlin a. G. und die neuen Juni- Spezialitäten. Bernhard Rose- Theater Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich Berlin, wie es weint und lacht, Außerdem das Sensations- Programm. The Hilgerts, Gentlemen- Afrobaten. Rheingold- Trio, Transformat. Terzett. Olga Verdi, Rostüm- Soubrette. Deux Milani, Rational Tänzerinnen. General- Versammlung. nanosepa in Zages.Drbnung: noded j Stellungnahme zum Antrag des Vorstandes betreffend Abänderung des§ 30 des Verbands. Ohue Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreicher Besuch wird erwartet. Die Ortsverwaltung. Statuts. 118/8 Stukkateure! nie Die Zahlstellen- Besprechungen am Deutscher Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Tischler Wilhelm Haffner am 3. Jaxi verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 7. Juni, nachmittags 5 11hr, von der Zeichenhalle des städtischen Friedhofes in der Gerichtstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 86/16 Die Ortsverwaltung. Dantjagung. Allen Freunden und Bekannten, die mir an ber Gruft meiner lieben Frau so zahlreiche Teilnahme bewiesen habent, sage ich hiermit meinen herzlichsten Dant. 34112 Ernst Strecker. Danksagung. Für die Teilnahme am Grabe meines Donnerstag, den 8. Juni, abends 8 Uhr lieben Mannes, unferes Baters, bes finden statt um Tariferläuterungen und sonstige wichtige Verbandsmöbelpolierers Hermann Schneider, Ernst Franzen, Balzer- u.Lieberfänger mitteilungen entgegen zu nehmen. Jm Saale: Ball. Unf. 5 Uhr. Entree 30, Sperrfiz 50 Pf. Saisonkarten haben Gültigkeit. Passage- Theater. Anfg. d. Abendvorstellung 8 Uhr. Anf.nhm. Bochentg.5, Sonnt.3Uhr. General- Consul der berühmte Bunderaffe. Jean Paul, stomiter. Vitoskope: Die feierliche Einholung. und das glänzende Juni- Programm. 1. N.: Dunckerstr. 83 bei Grobler. 2. NW.: Stephanftr. 30 bei Schade. 3. W.: Bülowftr. 37, Königshof. 4. Charlottenburg: Rosinenstr. 3, Boltshaus. 5. Rixdorf: Prinz Handjerystr. 66/67 bei Stühl. 6. SO.: Manteuffelstr. 101 bei Gläser. 7. Wilmersdorf: Brandenburgischestr. 100. bei Selle. Die Lokale sind: 8. N.: Gerichtstr. 39 bei Schulze. 9. Steglitz: Schlofftr 117 bei Wahrendorf. 11. O.: Weidenweg 64 bet Biecens. 10. SW.: Markgrafenstr. 25 bei Krebs. 12. Weißensee: Sebauftr. 33c bei Auch. 13. S.: Bergmannstr. 97 bet Maaß. fage Freunden, Bekannten und Kollegen unferen tiefgefühltesten Dant. Frau Bwve. Schneider und Kinder. Geschäfts- Bericht der Genossenschafts- Tischlerei PHONIX" " eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht. 180/12 Bilanz v.1. März bis 31. Dezhr. 1904. Durch Abstempelung im Mitgliedsbuch und gegen Rückgabe des bisher verausgabten wird der neue und endgültig fertige Tarif den Kollegen eingehändigt. Bahlreiche Beteiligung erwartet W. Noacks Theater. Direttion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Beute geschlossen! Am 1. Pfingstfeiertag: Eröffnung d. Sommersaison. Täglich Theater u. Spezialitäten. Die Ortsverwaltung.. Deutscher Holzarbeiter- Verband Hente, Mittwoch, abends 82 Uhr bei Keller, Koppenstr. 29: Vertrauensmänner- Versammlung Kaffenbestand Warenbestände Aktiva. 348,30 12 341,02 Inventur- Konto 6 819,51 Debitoren- Konto 5 700,72 Rautions- Stonto E. Gef Bant- Stonto. Passiva. Anteil- Konto Darlehn- Stonto Reserve- Fonds. reditoren- Stonto Darlehn- Konto, noch zu Prater- Theater Fröbels Allerlei- Theater für sämtliche Bezirke und Branchen. editoren tonto. Kastanien- Allee 7-9. Bom 1. Pfingstfeiertag täglich: Zwischen Himmel und Erde. ( früher Buhlmann) Schönhauser Allee Nr. 148. Am 1. u. 2. Pfingstfeiertag: zahlende e Rohne • 244,15 250, 25 703,70 450, 11 10 425, 7,50 6 576,20 8 245, 25 708,70 Tages Ordnung: Beratung des Regulativos für Unterstübung in Krankheitsfällen, Werkstattstreit und Differenzen. 86/ 13* Vertrauensmännerkarte nebst Mitgliedsbuch legitimiert. Großes Früh Konzert. Die für heute angezeigten Branchen- Bertrauensmännerversammlungen Mitglieber am 1. März Neue Dekorationen und Stoſtume. Theater und Spezialitäten. der Möbelpolierer und Stiftenmacher fallen der Bentrums.Bertrauens ingestants Laufe des Gr. romantisch. Ausstattungsstück. schreckliche Nacht. Große Pantomime der Guitano Phoites Troupe. Im Saale: Großer Ball. Täglich: Konzert, Spezialitäten. Anfang 4 Uhr.( Montag, 2. Feiert.) Frühkonzert u. Vorst. Anf. 5 Uhr. Diez' Spezialitäten- Theater. Landsberger Allee 76/79, männerversammlung wegen Desgleichen Anfang 5 Uhr. Kaffeeküche ist geöffnet. Korbmacher am Donnerstag. Radim. Große Fest- Vorstellung. 4 Uhr: Am 2. Feiertag: Gr. Schweizer- Garten. Steinarbeiter Am Königstor. Am Friedrichshain. birekt an der Ringbahnstation, bequeme Mittwoch, d. 7., Donnerstag, d. 8., Fahrgelegenheit n. all. Stabtrichtungen von Pfingsten ab täglich: Db schön! Db Regen! Ab 1. Juni täglich: 3m herrlichen Garten oder Saal: Konzert u. Vorstellung. Das größte und befte Programm Berlins. 40 erstklassige Nummern. Bleckwenn- Truppe. Kunstfahrer, 5 Personen. Sy?? Sy?? Die Entstehung zweier Damen aus Hängematte. Theater- Vorstellung Berlin I. Mittwoch, den 7. Juni, abends 8, hr, im Englischen Garten, Aleganberstr. 27 c: 172/ 18* Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gegeben. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung. Nene Spezialitäten. Fachverein der Musikinstrumenten- Arbeiter. Täglich sin 22625 6 12 3 Mithin 15 Geschäftsjahres Saftfumme u. Genossenschafts anteile am 1. März 360, Dieselben vermehrten sich um je 90, Haftfumme u. Genossenschafts anteile am 31. Dezember 450, Der Vorstand. Karl Bartsch. Theodor Friederici. Bilanz der Möbelfabrik„ Eiche" Genossenschaft mit beschränkter haltpflicht für das Geschäftsjahr 1904. A. Aktiva. Waren- Konto Raffa- Konto 29 791,05 58,37 3 246,60 3 524, 5316, Ball u. Volksbeluftigungen. Die Delegierten fämtlicher Fabriken werden ersucht, Ban Ronto bem Nichts sowie neu bie myfteriöfe Pingsten- Früh- Konzerte bente, Mittwoch abend 7% Uhr, im Arbeitsnachweis Inventur- Stonto nach e. Naunynfte. 78 zwecks Entgegennahme der Flugschriften schreibung von 10 Proz. und Vorstellungen. zu erscheinen. 141/17 Der Vorstand. Debitoren- Konto. Reichshallen. Orts- Krankenkasse serebitoren tonto 12 079,84 The Noranas mit 40 Kalabus, Papageien 2c. Original Molly Verch, Lilly Duran. Original Robert u. Bertram. Original Rennert- Stange und viele Kunsttapazitäten. Im Saal: Großer Ball. Raffeeküche. Boltsbeluftigung. aller Art. Entree 30 Bf. Jeder Erwachsene hat das Recht ein Kind unter 10 Jahren frei einzuführen, ältere Kinder zahlen halben Eintrittspreis. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag 5 Uhr: Großes Frühkonzert. Vorstellung und Ball. Diez Seeterrasse Lichtenberg, Röderstr. 6. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: Großes Militär- Konzert. Turmsellkünstler. Landund Wasser- Feuerwerk. Otto Pritzkows 17 014,75 otion art 58 950,77 B. Passiva. Atzepten- Konto Stettiner Sänger. Abnormitäten- Ausstellung für das Gewerbe der Tischler und Benfiensgafts niet Unsere süßen Dienstmädel. Burleste von Meyfel. Ostbahn- Park. Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71. Erstkl. Spezialitäten Vorstellung Hermann Imbs. und Ball. Um 1. und 2. Bfingfifeiertag, früb Täglich: u. nachmittags, diefelben Darbietungen. Gr. Konzert, Theater Aegidius Diez. WINEBARTEN 765 Neues Programm. Harry Allister, Mimiker. und SpezialitätenVorstellung. Entree 15 Pf., wofür ein Glas Bier verabreicht wird, also kein Entree. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Konto Pianoforte- Arbeiter zu Berlin. Darlens- Stonto Münzstr. 16. Täglich: Das neue Riesen- Progr. Der 18jährige Mustelfönig Fred Rollon. Das größte under der Mustulatur, zum erstenmal in Berlin. Mis Anita, total tätowierte Außerordenti. General- Versammlung Donnerstag, den 15. Juni 1905. Referbefonds- Konto abends 8 Uhr, im Gewerkschaftss Lohn- Konto. haus, Engel- Ufer 15( Saal VII): Gewinne und Berlust Konto Schönheit. Mister Kaplano, ber berühmte taubstumme Schnellzeichner. Erich v. Daenzer, der amusante Bauberkünstl. m. neueft. Trids. Riefin Ilona, 485 Pfund schwer, schwerste Dame, die je gelebt. Entree 20 Pf. Original Reichel Essig. der Vertreter der Kassenmit glieder und der Arbeitgeber. Zages Drdnung: Erlaß des Herrn Oberpräsidenten § 29 bes Statuts folgende Fassung zu geben: Die wöchentlichen Staffenbeiträge betragen: 1. für erwachsene männliche Staffenmitglieder ausschließlich der Lehra linge. 72$ 1. 2. für erwachsene weibliche Staffen mitglieder 86$ 1. 3. für männliche Staffenmitglieber unter 16 Jahren und für Lehr linge 27$ 1. 4. für weibliche Staffenmitglieder unter 16 Jahven, 21 f 22586 Der Vorstand. Hohlweins Essenz Kegler- Schlößchen. Kegler- Schlößchen. Täglich bon 12-4 1hr: Mittagstisch. 416t feinsten und milden, feimfreten Damm Bros., komische Akrobaten. Der große Naturgarten ist Speise- u. Einmache- Essig. Lucy Nanon, französische Sängerin. Alexandroff, russische Tanz- und Gesangstruppe. geöffnet. Täglich: Bon ärztlichen Autoritäten als gefandefter fig anerkannt. Original. M. 1.- and 55 fg. Für Icere l. 10 best. 3 Bf. sitrüd Gera Mason u. Forbes, kom. Excnterin. 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Juni, nachmittags 6 Uhr, von der Leichenhalle des Apostel Paulus- Kirchhofes, Schöneberg, Marstraße aus ftatt. Um zahlreiches Erscheinen erDer Vorstand. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zahlstelle Charlottenburg. Am Sonnabend, den 8. Juni, verstarb plöglich der Stollege Johann Hermann am im Mter von 41 Jahren. Die Beerdigung findet Mittwoch, den 7. 5. Mts., nachmittags 5 Uhr, von der Leichen halle des Friedhofes in Reinidendorf aus statt. 146/11 Um rege Beteiligung ersucht Der Vorstand. Allen Freunden, Bekannten und Berwandten die traurige Nachricht, daß am Sonntag, den 4. Juni, mein lieber Mann August Mühleiter nach langen Leiden an der Lungenschwindsucht verstorben ist. am Die Beerdigung findet Donnerstag, den 8. Juni, nach mittags 5 Uhr, von der Charité aus nach dem Charitékirchhof in ber Müllerstraße, Ecke der Seeftraße, ftatt. 64/8 Die trauernde Witwe Doris Mühleiter. Verband der Fabrik-, Land-, Buffsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands Zahlstene Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß am Sonntag, ben 4. Juni 1905, unser langjähriges Mitglied, der Kollege August Mühleiter an der Proletarierkrankheit ver fchieben ist. Die Beerdigung findet am Donnerstag, den 8. Juni, nachmittags 5 Uhr, von der Charifé nach dem Charité- Stirchhof in der Müller- Ede Seestraße statt. Bahlreiche Beteiligung erwartet 64/7 Die Ortsverwaltung. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß meine 22545 liebe Fratt Ida Dammaschke geb. Siewert im ter bon 35 Jahren, infolge ihres schweren Nervenleldens, am Sonntagabend plöglich verschieden ift. Die Zeit der Beerdigung wird noch bekannt gegeben. Der trauernde Batte Ernst Dammaschke. Montag, den 5. b. M., verstarb im 81. Lebensjahr nach kurzent Strantenlager meine liebe Mutter und Schwiegermutter Ww.Laufs geb. Fritsche Die Beerdigung findet Donners tag nachmittags 6 Uhr von der Leichenhalle des Simeons- Kirchhofes aus statt. 22575 Oskar Laufs und Frau. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und für die vielen Kranza ( penben bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten Vaters, bes Brauers 22606 Kaspar Knieg fagen wir allen Berwandten, Freun ben und Bekannten, sowie der Diret tion des Böhmischen Brauhauses, dem Bentralverband deutscher Brauerei arbeiter, den Verbandskollegen von Babenhofer, dem Stadtbezirk 190b, den Stollegen vom Böhmischen Braufiefftgefühlten Dant. Dr. Simmel, Prinzen- baus und dem Gefangverein unseren Str. 41, 9/12 Spezialarzt für Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntage 10-12, 2-4. Die trauernde Witwe Auguste Knieg geb. Brandenburg nebst Kindern. Katalog gratis. Metzner bandus- plier Metzner Zur Aufklärung für alle Zigaretten- Raucher! Korbwaren. Kinderwagen Bettstellen. • Berlin O., Andreasstrasse 23, gegenüber Andreasplatz. 11. Brunnenstrasse 95, gegenüber dem Humboldhain. III. Beusselstrasse 67, Moabit, Hausnummer achten. IV. Leipzigerstrasse 54-55, unter den Kolonnaden. 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Der Bau Zimmermann in Rig dorf, Knesebecstr. 64, ist gesperrt, da sich die Firma Karl und Emil Schneider weigert, den bisher ge zahlten Tarif einzuhalten. Jalousie- Arbeiter. Die Kollegen der Firma Bock staller befinden sich im Streit. Zuzug ist fernzuhalten. 10 Da bei mehreren Firmen noch Differenzen bestehen, bitten wir, sich auf den Bauten 2c. die blaue ge Stempelte Arbeits Kontrolltarte zeigen zu lassen, nur diese ist gültig. Andersfarbige Karten find zu vers nichten. 83/ 8* Korbmacher. Die Kollegen von Franke, Waldemar ftraße 18, befinden sich im Streit. Bürstenmacher. Die Bürstenfabrit Schächter, Barschauerstraße 88. ist gesperrt. Zuzug ist fernzuhalten. Teppichweber! Der Zuzug nach den Teppichfabriken von Feibisch, Treptow, Köpnider Landstr. 28/29, Benjamin u. Co., Melchiorstr. 23, und Nud. Baader, Bethanien- Ulfer 6, ist fernzuhalten, da die dortigen Arbeiter und Arbeite rinnen sich im Streit befinden. 197/ 11* Die Streitleitung. Verantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 01 Casino 1-08-01 .eotha. it. 131. 22. Jahrgang. 2. WIM des LsmSrls" Wlinn WldsdlM Witwoch. 7.1«*! 1905. Berliner JSaebriebten. Die j«ristische Sprechstunde wird von heute ab nicht mehr in der Redaktion, sonder« in unserem Geschäftshanse, Linden- straße 69, dritter Hof, parterre, abgehalten. Epilog. Gestern mit der eigentlichen Hochzeitsfeier des Krön- Prinzenpaares sind die patriotischen Festtage zu Ende ge- gangen. Daß sie reich an unerfreulichen Erscheinungen waren, zeigen die Berichte der Blätter. Die alte Erfahrung trat von neuem zutage, daß ein von der Schutzmannschaft auf Schritt und Tritt in Zaum gehaltenes Publikum, unter welchem die Radaubrüderschaft nicht das kleinste Kontingent bildet, noch immer kein Volk darstellt. Auch die Sozialdemokratie fesselt die Massen an sich und naturgemäß in weit höherem Grade als der Patriotismus. So geschmacklos es nun wäre, unsere Anhänger samt und sonders als Leute von Schliff und die Patrioten durch die Bank als Raufbolde hinzustellen, so ist doch ein sehr merkbarer Unterschied zu unseren Gunsten vorhanden. Unsere großen Sommcrfeste sind von vielen Zehntausenden besucht, die sich ebenfalls auf verhältnismäßig engem Raum zusammendrängen. Auch die Straße haben wir schon in Anspruch genommen, so bei der Beerdigung unseres Liebknecht, wo Hunderttausende auf den Beinen waren. Immer aber hat sich bei diesen Gelegenheiten gezeigt, daß die Masse trotz mancher Unbequemlichkeiten, die sie in den Kauf nehmen mußte, strenge Disziplin hielt, daß unsere ernsten wie unsere heiteren Feiern würdevoll verliefen. Unannehmlichkeiten ergaben sich nur dann, wenn die P o l i z e i in bekannter Manier zu Werke ging. Und dies ist der springende Punkt. Die patriotischen Feste der letzten Tage, die Schillerfeier vor einem Monat, und so ziemlich alle anderen offiziellen Veranstaltungen bewiesen, daß Volk und Polizei sich nicht miteinander verständigen können, daß der Anblick der großen Menschenmassen die Polizei, der Anblick zahlreicher Schutzmannshelme das Publikum nervös macht. Mischen sich dann noch die eigentlichen Radaubrüder unter die Masse, dann ist der Skandal fertig. Nach unserer Meinung gibt es gegen diese Fatalitäten nur eine Abhülfe. Man versuche, was die Sozialdemokratie unter ihren Anhängern mit Erfolg durchgeführt hat, was sich in freien Ländern von selbst versteht, man lasse das Publikum selb st Polizei spielen und halte die Schutzmannschaft nach Möglichkeit von den Massen fern. Wie heutzutage selten ein Berliner die Hand rührt, wenn die Polizei im Kampf mit Strolchen in Not ist, so fällt es auch so leicht keinem ein, auf eigene Hand einem öffentlichen Un fug zu wehren. Dafür ist die Polizei da, möge die sehen, wie sie mit dem Gesindel fertig wird. Würde das Publikum sich selbst überlassen sein, würde es, was allerdings nicht von heute auf morgen geschehen kann, gewohnt werden, allein für seine eigene Ordnung zu sorgen, dann kämen Roheiten, wie sie Sonnabend abend auf dem Pariser Platz sich ereignet haben, nicht vor. Dann hielten sich die Radaubrüder respekt voll im Zaum. Einmal muß aber der Anfang gemacht werden und je eher die Behörde mit der unwürdigen Am schauung bricht, daß eine große Masse nur beim unaus- gesetzten Anblick der staatlichen Gewalt Ordnung parieren kann, je besser ist es für Polizei und Publikum. Man hat schon, wenn auch widerwillig, so manche gute Lehre von der Sozialdemokratie annehmen müssen, lerne man auch von uns, wie man Selbstdisziplin übt. »» « Einige Preßsttmmen lassen wir noch folgen: Im„Verl. Tagevl." urteilt ein Einsender über die Schutzmannschast zu Pferde:„Immer wieder ritten sie drauf loS, nachdem der Vorderreihe— in der auch ich jetzt stand— jedes Zurückweichen durch eine zwanzigfache Menschen- mauer unmöglich gemacht war. Die Hufe und Leiber der Pferde gefährdeten Männer. Frauen und Kinder, die sich trotz allem „Zurück, zurück T einfach nicht von der Stelle rühren konnten. Die Kinder scbrieen, wahnsinnig vor Angst; Frauen wurden von Uebelleit und Weinkrampf befallen. Kein Wunder, daß da die SanitätSmänner Hunderte von Malen zu tun bekamen! Ich betone, daß alles ruhig und ordentlich zuging, bis die Schutzleute heranritten, und daß der Zug der Krön- !>rinzesfin in der nächsten Viertelstunde noch nicht kam. Es ist haar- träilbend, daß man als steuerzahlender Staatsbürger sich gefallen lassen soll, bei einem friedlichen Spaziergang seine Knochen den Husen der Polizeipferde darbieten zu müssen I Als ich dicht neben mir drei kleine Kinder im Alter von etwa fünf bis zwölf Jahren bedrängt sah, rief ich dem Berittenen zu:„Aber Mann, seien Sie doch vernünftig! Sie begehen ja geradezu Mord I* Kühl rief er mir von oben herab zu:„Na. vorläufig sind Sie ja noch nicht tot!' Die„Deutsche Tageszeitung':„Die Konzentration der Berliner Schutzmannschast auf die Feststraße Unter den Linden und ihre Rebenstraßen hat in den ü b r i g e n S t a d t t e i l e n einen recht fühlbaren Mangel an Sicherheitsorganen zur Folge gehabt. Aus allen Gegenden kommen Klagen über die Schwierigkeit, den Frech- heiten radaulustiger Elemente entgegenzutreten. So konnten es gestern abend zwei halbwüchsige Burschen ungestraft wagen, mit einem offenen Jauchewagen die Müller-, Chaussee- imd Friedrich- straße zu verpesten. Die Burschen fuhren mit dem Wagen, der einem Reinickendorfer Abfuhrunternehmer K. gehört, absichtlich von Reinickendorf bis zur Ziegelstraße immer dicht neben dem offenen Sommerwagen eines von Tegel kommenden Straßenbahn- waaens her. so daß die Insassen dieses Wagens den entsetzlichen Gestank über sich ergehen lassen mußten, was bei verschieden«! Damen Uebelkeit zur Folge hatte. Die Lümmel verhöhnten dabei die Straßenbahnpassagiere imd machten sich darüber lustig, daß einzelne Herren sich vergeblich bemühten, einen Schutzmann auf- zutreiben, der dem Unfug ein Ende mache. Auf der ganzen langen Strecke von Reinickendorf, Müllerstratze, Chausseestraße, Friedrich- straße bis Ziegelstraßen-Ecke war nicht ein einziger Schutzmann zu sehen.' Eine Lokalkorrespondenz:„Nachdem den Hausbesitzern Unter den Linden durch Vermieten von in den Haustüren errichteten Tribünen goldener Lohn geworden war— auch die Geschäftsinhaber hatten durch Umgestaltung ihrer Schaufenster zu Tribünen Tausende eingeheimst— kommt jetzt das dicke Ende nach. Die Herren hatten nämlich die Rechnung ohne die Portiers und sonstige Straßen- anwohner gemacht. Am Nachmittag des Einzugstages erschienen diese aus der Bildfläche und vermieteten Tische, Stühle und Holzkasten zu horrenden Preisen. Als nun der Zug nahte, wurden diese „fliegenden' Tribünen lebendig und bildeten vor den Schaufenstern und den HauSeingängen eine dichte Mauer. Im Nu waren aber auch die vor den Schaufenstern angebrachten Mesfingstangen von Neugierigen besetzt. Daß den Schausenste'c- und Hausflur- „Tribünern' dadurch jeder Ausblick auf den Feftzug unmöglich war. ist wohl selbstvechändlich. Zwar tobten sie in ihren Glaskästen, aber die Menschenwand rückte und rührte sich nicht! Erst nach Passieren des Festzuges war der Ausblick wieder frei. Die so un! einen Genuß Gekommenen, denen der Platz vielfach Hunderte von Mark gekostet hatte, wollen nun gegen die Vermieter klagbar vorgehen."_ Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetcn-Versammlung am Donnerstag, den 8. Juni d. I., nachmittags 6 Uhr. Vor- schlüge des AuchchusseS für die Wahlen von unbesoldeten Gemeinde- beamten.— Zwei Naturalisätionsgesuche.— Vorlagen, betreffend die Verlängerung des Vergleichs mit dem Kreise Niederbarnim über die Veranlagung der in dem Kreise belegenen städtischen Rieselgüter zur Kreis-Einkommensteuer,— die Annahme der Schenkung dcr ver- witweten Frau Grünert, geb. Bothe, zugunsten des von der städti- schen Blindenanstalt herausgegebenen„Blindenheim",— die Her- ftellung eines elektrischen Speisenaufzuges und Verlegung der Fest- küche im Ratskeller,— den Verkauf mehrerer der fiskalisch-ftädtstchen Bergwerkssozietät gehörigen Wiesen,— die Erweiterung der Be- wässerungSanlagen für das Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinder- krankenhaus,— den Verkauf einer städtischen Baumas kein der Box- Hagenerstraße,— die Teilung des Bezirks der 163a. Armenkommission. — die Hinzumietung von Räumlichkeiten im Hause Koloniestr. 3/4 für das Armenamt XHI,— die erfolgte Bauabnahme der II. Hand- Werkerschule am Stralauer Platz— und die Bewilligung einer Spende an den deutschen Schulverein in Wien.— Berichterstattung betreffend die Wahl eines zweiten stellvertretenden bürgerlichen Mit- gliedes der Hülfs-Ober-Ersatzkonimission II, und eines Taxators für die Pferde-Aushebungskommission X.— Drei Unterstützungssachcn. — Zwei Gnadenbewilligungen. Mit der Annahme der Magistratsvorlage über die Anlage einer rechten Spreeufcrstraße zwischen Mühlendamm und Waisenbrücke durch den Stadtverordneten-Ausschuß ist die Regulierung der dortigen Gegend, des noch erhaltenen Restes von Alt-Berlin und Kölln, grundsätzlich entschieden. Zunächst werden die Hallen am Mühlendamm, die alte Stadtvogtei am Molkenmarkt mit dem Kröge! verschwinden. Der Fiskus beabsichtigt, dort Neubauten zu errichten. Ferner wird d!e alte Waisenkirche an der Ecke der Stralnuer Straße und Neuen Friedrichstraße abgebrochen; wahr- scheinlich ersteht dort ein städtischer Neubau. Die Kleine Stralauer Straße bleibt bestehen, wird aber wegen der Kanalisation angehöht werden müssen. Von der Umänderung der Gegend bleibt auch der Molkenmarkt nicht unberührt. Neue Fluchtlinien sind für den Teil zwischen Mühlendamm und Kröge! festgesetzt worden. Vom Insel Ipcichcr werden zu der Regulierung 726 Meter zu der Ufer regulierung gebraucht und der Jnselspeicher selbst muß verschwinden. Falls eine gütliche Einigung niit dem Besitzer über die Abtretung dieser Fläche oder des ganzen Grundstücks nicht zu erzielen ist, bleibt nichts übrig, als das Grundstück zu enteignen oder die Regulierung des linken Spreeufers noch hinauszuschieben. Unter den Taschendieben, die aus Anlaß der Hoffestlichkeiten nach Berlin gekommen sind, haben die Sonderpatrouillen der Kriminal- Polizei Iveiter aufgeräumt. Fünfzehn der Langfinger, darunter mehrere der internationalen Diebe, sind bis jetzt hinter Schloß und Riegel gebracht worden. Zwei Russinnen, eine 25 jährige Antonie Nichalska und ihre 42 Jahre alte Anweiserin Ukaszewska, tvurden bei der„Arbeit" am Kastanienwäldchen ergriffen. Beide hatten eine große Zahl Portemonnaies, Beutel mit Geld usw. in den Strümpfen und Röcken und auf dem bloßen Leibe unter dem Korsett versteckt. Sie hatten ineist deutsches Gold und Silber erbeutet, aber auch österreichische Goldmünzen fanden sich darunter. Außer dem wurde bei ihnen eine goldene Herrenuhr gesiinden. Als ein„Spezialist" entpuppte sich ein Mann, der sich Alfred Klein nennt, der wegen Taschendiebstahls in der Provinz schon öfter besttaft ist. Er wurde vor dem Zeughause gefaßt, als ihm ein Portemonnaie wieder entglitt und in die Tasche seines Eigentümers zurückfiel. Klein, bei dem man Portemonnaies, Uhren und Uhrketten fand, besaß als Werkzeug zwei einen halben Meter lange Pinzetten, mit denen er in die fremden Taschen hineinlangte, und eine neue Zange zum Durchschneiden von Uhrketten. Die größte Beute hatte der Ungar Ehrlich gemacht, ein alter Bekannter der Kriminalpolizei. Bei ihm fand man Portemonnaies, Uhren und andere Wertsachen in den Stiefeln und Strümpfen und an allen möglichen anderen Stellen. Selbst in seine Locken hatte er ge- stohleneS Geld gedreht. Er räumte alle Diebstähle ein. Ein tödlicher Straßenbahmmfall ereignete sich gestern morgen gegen'/z7 Uhr in der Frankfurter Allee. Dort wollte vor dem Hause Nr. 46 ein unbekannter Arbeiter unmittelbar vor dem heran- brausenden Motorwagen 1755 der Straßenbahnlinie 70(Richtung Spittelmarkt) das Gleis überschreiten. Obwohl der Führer des Motorwagens, der die Gefahr erkannte, sofort die Gesahrbremse an- wandte und Gegcnstrom gab, konnte er nicht verhindern, daß der Arbeiter umgestoßen wurde. Der Unbekannte erlitt schwere Kopf- Verletzungen imd wurde nach Anlegung eines Notverbandes auf der Unfallstation in der Warschauerstraße nach dein Krankenhause Friedrichshain gebracht. Hier erlag er kurz nach der Einlieferung seinen Verletzungen. Fünf Millionen Zahlmarken sind vom Finanzministeriu»! an ein hiesiges Konsortium verkauft worden. Es handelt sich um die- jenigen Marken, die im Jahre 1903 als sogenannte AblösungSmarken von der Post ausgegeben und an die preußischen Behörden zum Zwecke der Festlegung einer neuen Pauschalsumme für den Versand poriopflichtiger Dienstfachen verteilt wurden. Der nicht aufgebrauchte Restbestand der in acht Werten bestehenden fünf Millionen Marken wird jetzt im Briefmarkenhandel erscheinen. Wichtig für Kraftfahrzeuge ist folgende, soeben erlassene Polizei- Verordnung für den Amtsbezirk Ruhleben: In der Zeit vom 1. April bis zum 30. September haben Kraftfahrzeuge sowie Radfahrer. Reiter und Fuhrwerke die zwischen den Warnungstafeln bei Pichels- berg liegende Chausseestrecke im Schritttempo zu pasfiren. Zuwider- handelnde werden mit Geldstrafe bis zu 9 Mark bezw. mit Haft bestraft. Auf der Fledderfahrt wurden gestern abend der Kupferschmied Paul Schubert, der Hausdiener Wilhelm Hinz und ein gewisser Gotthard Schneider abgefaßt. Schubert und Hinz, junge Menschen von 20 und 25 Jahren, holten einem Manne, der auf dem Garten- platz eingeschlafen lvar, die Uhr aus der Tasche. Ein Privat- nrann weckte den Bestohlenen und holte einen Schutzmann. Alle drei verfolgten die Diebe, holten sie an der Ecke der Garten- und Jnvalidenstraße ein und nahmen sie fest. Die Ergriffenen leisteten heftigen Widerstand und inußten gefesselt nach der Wache gebracht werden. Schneider holte auf dem Andreasplatz einem Schlafenden das Portemonnaie mit 40 M. aus der Tasche, indem er ihm erst das Messer stahl und dann mit diesem die Tasche kreuz und quer aufschnitt. Ein Radfahrer, der sein Treiben gesehen hatte, während er zur Erholung auf einer Ruhebank saß, verfolgte ihn, stellte ihn uno übergab ihn der Polizei. Die Dampferkollision auf der Spree. Zur Erflärung des jüngsten Dampferunfallcs schreibt uns die Stern-Gcsellschaft: Unser Dampfer „Graf H. Moltke" war im Begriff, die Statton Tabberts Waldschloß stromabwärts zu verlassen, als der Führer hinter sich den ebenfalls nach Berlin zu fahrenden Danipfer„Borussia" des Herrn Kahnt be- merkte; seiner Order gemäß, sich auf keine Wettfahrten einzulassen, ließ er sofort stoppen und beide Maschinen rückwärts arbeiten, nm die„Borussia" passieren zu lassen. Diese war jedoch nicht nach rechts ausgewichen und so streiften sich beide Schiffe an der Bordseite. ES hat also weder der Dampfer„Graf H. Moltke" noch die„Borussia" irgend welchen Schaden genommen, auch wurde niemand von den Passagieren verletzt. Herr Robert T i s m e r teilt uns mit, daß er keinen Dampfer „Borussia" besitzt und seine Schiffe am Sonntag auch gar nicht ge- fahren sind. Elendsstatistik. Im Männerasyl des Berliner AsylverernS für Obdachlose nächtigten im Mai 21 597 Personen, im Frauenasyl 4707 Personen. Arbeitsnachweis erbittet der Verein für Männer, Wiesenstraße 55/59, für Frauen, Füsilierstraße 5. Ein Schwindler, der eine Zeitlang Zimmervermieterinnen mit Spielmarken betrog, wurde gestern festgenommen. ES ist ein Kutscher August Sprübing. Der schlanke, große Mann von statt- lichem Aussehen mietete immer während der Abenddämmerung, gab bei der Anzahlung stets ein„Zwanzigmarkstück" und bekam darauf 15 M. heraus. Erst später, nachdeni sie vergeblich auf den Zuzug des Mieters gewartet hatten, erkannten die Vermieterinnen den Schwindel. Gestern ließ ihn eine Frau, die ihn auf der Straße wiedererkannte, obwohl er sich' den blonden Schnurrbart hatte ab- nehmen lassen, festnehmen. Sttaßonsperrung. Die Crefeldcrstraße von der Essenerstraße bis Bundesrnts-Ufer wird behufs Asphaltierung vom 6. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter gesperrt, ebenso die Grenzstraße von Gcrichtstraße bis Hussitenstraße behufs UmPflasterung vom 13. d. M. ab. - Ein großer Fabrikbrand, bei dem 3 Personen sehr gefährdet waren, kam gestern(Dienstag) mittag in der Z o s s e n e r st r. 31 zum AuS« bruch und befchäfttgte die Feuerwehr über drei Stunden. Im vierten Stock des OuergebäudeS befindet sich dorl die Spitzenfabrik von Gustav D e m m l e r, und zwar liegt im linken Flügel ein großer Arbeitssaal, in dem Palmenwedel hergestellt werden. In diesem Räume erfolgte kurz nach Mittag plötzlich eine heftige Explo» s i o n. Die ÄusgangStür wurde aus den Angeln gerissen und weg- geschleudert und sämtliche Fensterscheiben flogen klirrend auf den Hof. In dem Augenblick der Explosion befanden sich in dem Saal drei Personen— zwei junge Mädchen und ein Mann.— Allen war der Hauptausgang durch die Flammen abgeschnitten. Sic flüchteten in ihrer Angst in einen kleinen Nebenraum, und während der Arbeiter lveiterlief, um einen hinter«! Ausgang zu gewinnen, ließen die Mädchen ein großes Fahrstuhlsell, das in dem Raum auf- gerollt war, hinunter und wollten sich aus den zweiten Hof hinab- lassen. In diesem Augenblick kam aber der Arbeiter zurück und zog sie hinter sich her ins Freie. Die in den übrigen Räumen beichäftigten Personen waren schon, durch den Knall aufgeschreckt, auf den Hof hinabgceilt. Als die sofort benachrichtigte Feuerwehr eintraf. stand bereits der ganze Raum und der darüber liegende Dachstuhl in hellen Flammen. Es wurden daher unverzüglich mehrere Rohre in Tättgkeft gefetzt und sowahl über eine auf dem ersten Hofe errichtete mechanische Leiter, wie auch! über die Treppen hinweg vorgedrungen. Trotzdem dauerte es doch fast zwei Stunden, bevor die Gefahr beseitigt war. Der große Ar- beitssaal ist mit seinen Tischen, Rohmaterialien 2C. gänzlich ausgebrannt und da auch der Dachstuhl total vernichtet wurde, so ist der entstandene Schaden ganz bedeutend. Wie heftig die Detonation war, geht aus der Tatfache hervor, daß eine etwa 20 Meter von dem Raum entfernt gelegene Wand eingedrückt wurde. Um was für eine Explosion es sich handelt, konnte bisher nicht festgestellt werden, doch vermutet man, daß eine Gas- e x p l o s i o n vorliegt, da der Brandherd in der Nähe der GaS- leitung sich befand. Feuerbericht. Dienstag vorinittag gegen 9 Uhr wurde die Wehr nach der Kürassierstr. 13 gerufen, weil dort aus nicht ermitteltet Ursache in dem Eierlagerkeller von M. Fertig Feuer entstanden war. Bei Ankunft deS 17. Löschzuges aus der nahen Hauptwache standen dort große Posten Holzwolle, Stroh und andere VerpackungS« materialen in Flammen. Es wurde daher sofort vom Hofe, wie auch von der Straße aus vorgegangen und kräftig Wasser gegeben. Immerhin dauerte es doch fast eine Stunde, bevor die Gefahr be- seitigt war. Die Löschmannschaften hatten bei ihrem Vordringen schwer unter Rauch zu leiden. Große Posten Eier, die in Kisten verpackt waren, tvurden durch das Feuer unbrauchbar. Derselbe Keller wurde übrigens in den letzten Jahren wiederholt von Bränden heimgesucht.— In der Neuen Königstr. 31 brannte es dann in einer Bäckerei und in der Dorkstr. 44-! in einer Küche.— Nach der Prinzen- Allee 27 wurde die Wehr geholt, um hier ein in ein« Grube ge- stürztes Pferd herauszuholen.— Die übrigen Alarmierungen, die in der Zwischenzeit noch aus der Lictzmannstr. 10, Prenzlauerstr. 19a und noch ans einigen anderen Stellen eintiefen, waren auf„blinden Lärm" zurückzuführen.—_ Arbeiter- Bildungsschule Berlin. Pfingstmontag, den 12. Juni. Ausflug nach Rahnsdorfer Mühle(Wwe. Klemin). Abfahrt Bahnhof Friedrichstraße 9�, Alexanderplatz 929, Schlesischer Bahnhof 9'5. Für Nachzügler bis'/„II Uhr in Friedrichshagen, Friedrich- straße 69(Rogall), am Bahnhof. Zahlreiche Beteiligung der Mit- glieder und Gäste wird erwartet. In der Großen Berliner KunstmiSstrllung wird am kommenden Pfingstsonntag eine neue Abteilung, nämlich die Ausstellung deutscher Landschafter des 19. Jahrhunderts eröffnet. Die Bilder werden ihren Platz in dem bisher leer stehenden großen Mittelfaal und in den anschließenden, ebenfalls reservierten Räumen finden. Die AuS- stellung ist unter ziemlich schwierigen Umständen zustande gekommen und soll vor allen Dingen zeigen, daß die Landschaftsmalerei auch n Deutschland ihre gute Tradition hat. Vorort- l�aekrickten. Der Ehemann der Frau Dammaschke, Berlinerstraße 86 in Rix- dorf, die sich, wie wir meldeten, Sonntag aus dem Fenster gestürzt hat, teilt uns mit, daß die Verstorbene nervenleidend war, aber nicht am Säuferwahnsinn gelitten hat. Weißensee. Der Appetit kommt beim Essen. Als man vor einiger Leit�in Weißensee versuchte, die Debatten in den Gemeindevertreter-Sitzungen dadurch abzukürzen, daß man das Protokoll der Verhandlungen gleich nach Erledigung der TageSordmmg vorzulesen anordnete. kam von unseren Vertretern der Antrag, dann in jede Tagesordnung als letzten Punkt„Verschiedenes" aufzunehmen. Da man aber mit der ganzen Sache nur bezivecken wollte, den Reden und Beschwerden unserer Vertreter über Mißstände in unserein Ort Einhalt zu tun. so war die Annahme dieses Antrages gleichbedeutend mit Fest- fctzung der alten Zustände, und diese sollten doch beseitigt werden. Nach langem hin und her wurde diese ganze Angelegenheit vertagt bis zu einer der nächsten Sitzungen. Die vorige Sitzung sollte sich auch mit dieser Sache beschäftigen, jedoch der Vater des Gedankens ge- hörte zur„Fraktton der Obstruktionäre" und die Anwesenden waren verständnisvoll genug, über die Sache zur Tagesordnung überzugehen. Die Ausführungen unserer Vertreter, daß sie sich durch nichts ver- hindern ließen, ihre Beschwerden bei jeder Gelegenheit öffentlich an- zubringen, haben wohl dazu geführt, daß die nächste Gemeinde- vertret'ersitzung sich mit der„Beschlußfassuna über den Erlaß eines O r t s st a t u t s betreffend die Zusammensetzung und die Geschäftsordnung der Gemeindevertretung" zu beschäf- tigen hat. Die Vorlage ist unseren Genossen noch nicht zu Gesicht gekommen, aber vermutlich sollen die bisherigen Rechte der Gemcindcvertreter arg beschnitten werden, nicht zun! Schaden unserer Vertreter und ihrer Wähler, denn diese werden schon Mittel und Wege finden, Mißstände öffentlich zu beleuchten. Aber das eine steht schon jetzt fest, daß unsere Vertreter auch Hüter der Geschäfts- ordnung werden und diejenigen vielleicht den Schaden davon tragp«. welche sich ihre eigenen Rechte beschneiden lassen wollen, indem/sie sich Gesetze schaffe», welche ihnen und nicht uW-Htnbeqilyn sind. Treptow. alls im Wie aus Cetinje gemeldet wird, wurden gestern nacht in Skutari wiederum etwa zehn Erdstöße verspürt, von denen drei stark und von Getöse begleitet waren. Fabrikate aller Berliner Firmen sind frei mit Aus- 1 Zu dem Erdbeben in Dalmatien und Montenegro, über bas Wegen Betruges und Unterschlagung war gestern der Amts- nahme von Josetti. Diese Firma hat in Berlin nur eine wir vor kurzem berichteten, wird aus Skutari gemeldet: Der durch und Gemeindesekretär Hermann Kuhagen vor der Filiale des Dresdener Hauptgeschäfts, die Arbeiter und Arbeiterinnen das Erdbeben angerichtete Schaden ist noch nicht zu übersehen, kein bierten Straffammer des Landgerichts II angeklagt. Der Ange- des Berliner Geschäfts bon Josetti befinden sich ebenfalls im Aus- Haus ist unbeschädigt geblieben, so daß gegenwärtig alles im Freien Ange- bes nächtigen muß. Bisher sind etiva 170 Tote unter den Trümmern schuldigte wurde im Jahre 1900 als Gemeindesekretär von der Ge- stande. meinde Treptow angestellt. Er geriet trop feiner gut dotierten Maaß teilte mit, daß sich der Ausschuß mit den Berliner Ver- hervorgezogen worden. Die Zahl der Verwundeten wird auf 400 bis Stellung durch leichtsinniges Geldausgeben allmählich in zerrüttete trauensleuten, der Partei in Verbindung gesezt habe. Dieselben 500 geschätzt. Die Panik hält noch immer, an. Vermögensverhältnisse und bildete sich nach und nach zu einem hätten anerkannt, daß hier die Voraussetzungen des Boykotts zu Pumpgenie aus. Unter Mißbrauch des Ansehens als Beamter borgte träfen. In Uebereinstimmung mit den Vertrauensleuten empfehle St. in etwa zehn Fällen kleine Leute an, wobei er sich mehrfach falscher der Ausschuß den Boykott. Vorspiegelungen bediente, um die Geldgeber recht sicher zu machen. Die Versammlung stimmte dem zu durch einstimmige Annahme Grubenunglück. Aus Essen( Ruhr) wird gemeldet: Auf Schacht Robert" der Zeche de Wendel bei Hamm brach Feuer aus, durch Ein Kaufmann B. wurde von dem Angeklagten um ein Darlehen der folgenden Resolution: Die Versammlung der Berliner Gewerkschaftskommission schließt das das Schachtgebäude zerstört ward. Die Maschinen stürzten in bon 5000 M. angegangen, wobei dieser erklärte, er brauche das Geld zum Ausbau seines Hauses, er habe auch größere Summen von sich voll und ganz dem von den Dresdener Arbeitern und Arbeiterinnen den Schacht. Mehrere Arbeiter wurden tödlich verwundet. Verwandten in Aussicht. Als der Rückzahlungstermin herankam, gefaßten Beschluß auf Boykott der in Frage kommenden Dresdener Von den Opfern der Wasserkatastrophe in Durban, über die fonnte Suhagen nicht zahlen. B. rettete den größten Teil seines Bigarettenfabriken sowie der Zigarettenfabrik Josetti- Berlin an und Geldes dadurch, daß er das Grundstück des Angeklagten zur Zwangs- berpflichtet sich, die Ausgesperrten moralisch und finanziell zu unter- wir vor einigen Tagen berichteten, sind bis jetzt 440 Leichen geborgen worden. Zahlreiche Personen werden noch vermißt, die Nachversteigerung brachte. Unter gleichen falschen Vorspiegelungen füßen. wurde ein Kaufmann 3. um 1300 M. geschädigt. Eine Frau M. Damit war die Tagesordnung der Versammlung erledigt. Als forschungen werden eifrigst fortgesetzt. tourde um 100 M. geschädigt. Der Angeklagte hatte ihr vorgeredet, fehlend wurden festgestellt die Vertreter der Stereotypeure, Bucher müsse dringend einen Wechsel bezahlen, am nächsten Tage be- bruckereihülfsarbeiter und Arbeiterinnen, Gärtner, Maschinisten und tomme er indeffen schon von dem Amtsvorsteher einen Gehalts- Heizer, Tapezierer, Bühnenarbeiter, Xylographen. Der Delegierte der Formstecher ersucht uns, mitzuteilen, daß er Eingegangene Druckfchriften. vorschuß. Eines Tages im Mai v. J. trat Kuhagen an den ihm un im vorigen Versammlungsbericht irrtümlich als fehlend angegeben ist. wir hervor: Barlamentarismus und Proletariat. Die sozialdemokratische 7. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch, Juni, abends 8%, Uhr: Bersammlung in Feuersteins Festsälen, Alte Jakobstr. 75. Geschäftliches, Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Feiertag: Pfingst Tour nach Restaurant Seeschloß in Friedrichshagen. Treffpunkt in Hirschgarten, Restaurant am Weinberg, früh 8 Uhr. Aus der Frauenbewegung. 1 Der Bon der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 36. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben Bewegung in Belgien vor 1848. Von Louis Bertrand.( Schluß.) Kongreß von Köln. Von K. Kautsky. Partei und Einigkeit in England. Bon Th. Rothstein. Der geplante Bahlrechtsumsturz in Hamburg. Literarische Rundschau: Stefan Großmann, Desterreichische Strafanstalten. Bon Therese Schlesinger- Edstein. Die„ Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch handlungen, Postanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Poft nur pro Duartal abonniert werden. Das einzelne Heft tostet 25 Pf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Bom Süddeutschen Postillou erschien eine Spezialnummer: Epilog bekannten Stationsassistenten Dalchow auf dem Bahnhof Friedrichstraße heran und bat ihn um ein Darlehen von 1,50 M., da er sich in Verlegenheit befinde. Er legitimierte sich durch eine VereinsMitgliedskarte und erhielt auch den geringen Betrag. Trop wiederHolter Mahnungen ließ er nichts mehr von sich hören. Vor Gericht bestritt der Angeklagte, trotzdem er bestimmt identifiziert wurde, sich von D. überhaupt Geld geborgt zu haben. Schließlich machte sich K. auch noch durch die fälschliche Bession seiner Gehaltsforderung an seinen Hauswirt in Berlin eines Betruges schuldig. Außer dem Strafverfahren schwebt gegen Suhagen noch ein Disziplinarverfahren. Die Generalversammlung des Bundes deutscher Frauenvereine, Er hatte unter Mißbrauch seines Ansehens als Gemeindebeamter die jetzt in Danzig tagt, beschäftigte sich unter anderm mit der Be- zur Schillerfeier. verschiedene fleine Leute, zum Teil Gastwirte, in Treptow angeborgt teiligung der Frauen an der Verwaltung der Arbeiter- tor und das Geld auch erhalten, da die Betreffenden aus Furcht vor versicherung. Der Verein weiblicher Angestellten in Köln hatte Schikanen sich nicht weigerten. Ferner foll St. auch noch den Betrag beantragt: bon 20 M., den er in seiner Eigenschaft als Beamter zur Abführung Der Bund deutscher Frauenvereine wolle dahin wirken, daß für an die Gemeindekaffe von einem Bauunternehmer erhalten hatte, die Wahlen der Vertreter der Arbeitgeber und der Versicherten bei unterschlagen haben. Er ist wegen seiner Verfehlungen vom Amte den unteren Verwaltungsbehörden der Versicherungsanstalten sowie fuspendiert worden. im Sinne der Anklage für überführt und beantragte mit Rücksicht liche Personen wählbar werden." Der Staatsanwalt hielt den Angeklagten für die Wahlen der Beisiger der Rentenstellen derselben auch weibdarauf, daß er als Beamter in unehrenhafter Weise gehandelt habe, eine Gefängnisstrafe von einem Jahr e. Rechtsanwalt Während der Behandlung des Antrages wurde ein erweiterter Bahn beantragte aus rechtlichen Gründen einige der Fälle zur Aus- Antrag eingebracht und schließlich angenommen, welcher lautet: scheidung zu bringen, da dem Angeklagten in diesen jede betrügerische den maßgebenden Stellen dahin wirken, daß für die Wahlen als Der Bund deutscher Frauenvereine wolle durch Eingaben an Absicht gefehlt habe, im übrigen erscheine eine möglichst milde Strafe Beisiger bei den unteren Verwaltungsbehörden, als Vertreter der am Plaze. Der Gerichtshof erkannte in drei Fällen auf Frei- Arbeitgeber und der Versicherten im Vorstand und Ausschuß der sprechung, einige andere verfielen einer Vertagung. Wegen Betruges Versicherungsanstalten, als Beifizer bei den Schiedsgerichten für in einem Falle wurde K. zu zwei Monaten Gefängnis ver- Arbeiterversicherung und als Beijißer in dem Kreise der Versicherten und der Arbeitgeber beim Reichsversicherungsamt auch weibliche Mariendorf. Personen wählbar find." urteilt. Auf der Straßenbahn wurde der in Mariendorf sehr bekannte Töpfermeister W. aus Berlin vom Schlage ereilt. Nachdem er im Restaurant zum Schwarzen Adler" die erste Hülfe erhalten hatte, wurde er nach Berlin in ein Krankenhaus gebracht. Verfammlungen. Berliner Gewerkschaftskommission. In der am Montag abgehaltenen Delegiertenversammlung teilte Ritter mit, daß gegen die in der vorigen Versammlung vorgenommene Ausschußwahl Protest eingelegt worden sei, weil nicht alle Gewählten die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten hatten. Aus diesem Grunde wurde zwischen den Kandidaten, welche die unterdrücken. absolute Mehrheit nicht erreichten, eine Stichwahl vorgenommen, aus der Fabritarbeiter Bruns als gewählt hervorging. Hierauf wurde die in der vorigen Versammlung vertagte Debatte über den Bericht der Sekretäre fortgefeßt. Die Grörterung drehte sich hauptsächlich um die bom Ausschuß empfohlene Anstellung eines vierten Sekretärs und die aus Rücksicht auf den beschränkten Raum vorgeschlagene Trennung des Bureaus der Gewertschaftskommission von dem des Arbeitersekretariats. Bu dem Bericht selbst bemerkte unter anderem der Vertreter der Holzbearbeitungsmaschinenarbeiter, daß seine Kollegen nicht zu 66 Broz, wie es nach den Angaben des Berichts sich ergibt, sondern zu 84,11 Broz. organisiert sind, denn aus dem Bericht sei nicht ersicht lich, daß ein Teil der Maschinenarbeiter dem Holzarbeiter- Verbande und anderen Drganisationen angehören. Nach Schluß der Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: Die Delegierten zur Berliner Gewerkschaftskommission haben von dem Bericht des Ausschusses und der Sekretäre Kenntnis geUnter Bezugnahme auf die ihnen vom Ausschuß gewordenen Informationen beschließen die Delegierten, daß die Bureaus der beiden Abteilungen, Gewerkschaftliches und Sekretariat, räumlich zu trennen sind und dem Sekretariat besondere Räume zur Verfügung gestellt werden. nommen. Vermischtes. D gute Sorte, 1 Dz.--(--), mittel--(--), geringe Berliner Marktpreise.( Ermittelt vom Polizei- Präsidium.) Roggen T ab Bahn. Futtergerfte, gute Sorte 1 Dz. 16,10( 15,10) mittel 15,00( 14,10), geringe 14,00( 13,10) frei Wagen und ab Bahn. Hafer, gute Sorte 16,50 ( 15,80), mittel 15,70( 15,10), geringe 15,00( 14,40) frei Wagen und ab Bahn. Richtſtroh 1 Dz. (--). Heu--(--). Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,00( 30,00), Speifebohnen, weiße 50,00( 30,00), injen 60,00( 30,00), Startoffeln 9,00( 7,00), Rindfleisch, von der Keule, 1 g. 1,80( 1,30), Bauchfleisch 1,40( 1,00), Schweinefleisch 1,70( 1,20), Stalbfleisch 2,00( 1,20), Hammelfleisch 1,70( 1,20), Butter 2,80( 2,00), Gier, 60 Stüd, 4,00( 2,28). Starpfen, Bander 3,20( 1,20), echte 2,60 1 Stg. 2,20( 1,20), Male 3,00( 1,60), 60 Stüd 16,00( 3,00). ( 1,40), Barsche 2,00( 1,00), Schleie 3,60( 1,40), Bleie 1,40( 0,80), Streble Kreises. Juriftifcher Teil. lundos A. 3. 23. Das Beugnis, daß kein Ehehindernis zwischen den Beiden nach ungarischem Recht besteht, ist für Deutschland erforderlich( Art. 3 u. 4 des Bertrages vom 12, Junt 1902). Die Ehelustigen könnten in England eine gültige Ehe schließen oder müßten bis zur Erreichung des ungarischen Bolljährigkeitsalters( 24 Jahre) warten. 3. 75. 1. Der Antrag auf Ersatz für die abbanden gekommenen Bescheinigungen ist an das Polizeirevier zu richten. 2. Der Antrag auf Rückzahlung ist innerhalb eines Jahres nach Cheschluß bei der unteren Verwaltungsbehörde des Wohnortes ( b. t. für Berlin der Magiftrat, für die Landgemeinden der Landrat) zu richten. Geduldfaden. 1. Kreis Lebus. 2. Sie müssen den Bescheid abwarten. War Ihr Bruder nicht für das Gewerbe des D. G. Nein. B Wafferstand am 5. Junt. Elbe bei Auffig+0,18 Meter, bei Dresden-1,18 Meter, bei Magdeburg+1,20 meter. Unstrut bei Breslau Ober- Begel+5,01 Meter, bei Breslau Unter- Begel+0,02 meter, Dder bei Ratibor+1,38 Meter, bei Straußfurt+1,10 Meter. bei Frankfurt+1,95 meter. Weichsel bei Brahemünde+3,37 Meter. Nese bei Usch+0,42 Meter. Barthe bei Posen+ 1,16 Meter. Briefkasten der Redaktion. G. B. 10. Ueber den Brand der Fuldaer Domtürme wird der„ Tgl. Ndsch." P. S. Reichsbant, staatlich. 1. Gebirgstouren in noch mitgeteilt: Gegen Ende des Feuerwerks rieselte von der Höhe Reifehandbüchern über das betreffende Gebirgsland. Käuflich in jeder BuchE. L. Nieder Schönder Domtürme ein dichter, leuchtender Funkenregen herab; aber handlung, z. B. Vorwärts. 2. Ja. unglücklicherweise setzte das früher war auf ähnliche Weise schon hausen zum Kreis Niederbarnim. Beschwerde an das Landratsamt des A. S. 1. O. A. 100. Darüber sind wir nicht unterrichtet einmal die Turmfahne des einen Turmes in Brand geraten dies1. Hygiene- Ausstellung in Berlin. 2. 1882 abgebrannt, furz vor Eröffnung. mal die Verschaalbretter eines Turmes in Brand, der weiter schlängelte 3. Gewerbe- Ausstellung in Berlin. 4. 1879 abgehalten, nicht abgebrannt. bis in das Innere, wo leichtbrennbare Stoffe, Holz und Krähen- 5. Frage unklar, daher nicht zu beantworten. 6. Auskunft in Treptow nester, für reichliche Nahrung sorgten. Die Steiger der Feuerwehr selber.. Kr. 26. Die Freibant verkauft Fleisch, das von kranken machten sich schleunigst ans Löschen; sie trugen das Wasser in Lieren herrührt, aber noch nicht der Gesundheit des Menschen schadet. ihren Helmen auf die dunklen, gangunsicheren Türme, und es ge- Weniger nahrhaft braucht dieses Fleisch deshalb nicht zu sein, aber es wird lang ihnen auch, die Flammen nach gewaltiger Anstrengung zu dem, der die Herkunft kennt, doch als minderwertig gelten. Man hatte sich bereits wieder beruhigt, da eine sichtbare Gefahr nicht mehr vorzuliegen schien; doch wurden Wachen auf dem Turme ausgestellt und er genau auf Brandgefahr unterfucht. Allein um Mitternacht stand die Laterne des nördlichen Domturmes in lodernder Flamme; der Turm glich einem riesigen Feuerzeichen, das schauerlich schön in die Nacht hineinleuchtete und den Widerschein weit auf die Giebel der Häuser warf. Die Stadt wurde alarmiert; später, als das Feuer immer stärker und graufiger wurde und fast alle Aussicht auf Bezwingung geschwunden war, ließ der Landrat nach Schlüchtern, Frankfurt, Hünfeld, Gersfeld und Kassel um Hülfe drahten, da man glaubte, daß die Domkirche selbst der höchsten Gefahr mit jeder Minute näher rüde. Doch erging tätig, fo lag keine Strankenversicherungspflicht bor. 3. 2. 18. Die Frage ob Invalidenversicherungspflicht vorliegt, ist von wieder Gegenbefehl, der die Hersfelder Feuerwehr bereits reise- der unteren Verwaltungsbehörde( in Berlin: Magistrat, Abteilung für fertig antraf. Die städtische Feuerwehr von Fulda erhielt Ver- Invalidenversicherung, Stöllnischer Bart) zu entscheiden. Gegen deren stärkung durch die Bahnhofsfeuerwehr, durch Löschmannschaften zum Entscheid ist innerhalb eines Monats nach zugestelltem Bescheid Beschwerde Teil mit Sprigen aus Horas, Oberbimbach, Bödels, Dipperz, an die höhere Berwaltungsbehörde( bas ist für Berlin der Oberpräsident) Lüdermünd u. a. m.; allein diese Unterstügung hatte nur geringen zulässig. Deffen Entscheid ist endgültig. Ist in Ihrem Fall bereits rechts. Wert, weil dem hochlodernden Feuer schlecht beizukommen war. fräftig in bejahendem Sinne entschieden( die Entscheidung wäre irrig, falls Mit zehn Schlauchlinien wurde der Kampf aufgenommen. Auf Ihre Tochter minderjährig ist), so haben Sie für zwei Jahre nachzuzahlen. Juristerei Rigdorf. Das preußische Gesek über Austritt aus der gefährlichen, halsbrecherischen Wegen suchte die Feuerwehr dem Landeskirche datiert vom 14. Mai 1873. Danach hat in Preußen, wer aus Brandherde vom südlichen Turme aus über den Mittelbau und über der Kirche austreten will, einen hierauf gerichteten Antrag( Formulare in dem Gewölbe im Dachraum der Kathedrale beizukommen; aber der der Vorwärts Buchhandlung und Blumenstr. 14 bei Hoffmann erhältlich) Druck des Wassers war zu gering. Erst nach mehrstündiger mühe- an das Amtsgericht seines Wohnsizes zu richten. Der Antrag fann auch voller Arbeit konnte dem Feuer Einhalt geboten werden, nachdem der zu gerichtlichem Protokoll erklärt werden. Diesen Antrag übermittelt das brennende Turmhelm sich zum Einsturz geneigt und teilweise auf Gericht abschriftlich dem Vorstand der Kirchengemeinde, der der Antrag steller angehört. Der Austritt selbst erfolgt dann durch das Dach der Kirche gestürzt war. Nun hatte man große Sorge, persönliche Erflärung des Austretenden vor dem daß der Dachstuhl des Domes auch noch in Brand geraten könnte sichter. Ohne eine Ladung abzuwarten( in der Regel erfolgt eine wieder wurden äußerste Anstrengungen gemacht. Aus dem. Dom Ladung nicht) hat der Austrittswillige diesen Austritt nicht vor Ablauf waren bereits die Bänke und die Kostbarkeiten zum Teil heraus- von vier Wochen und spätestens innerhalb sechs Wochen nach Eingang geschafft worden. Dabei half eine Abteilung des Feldartillerie- feines Antrages( frühestens also am 29., spätestens am 42. Tage) fich Die Durchführung der durch diese Beschlüsse erforderlichen Maß- Regiments. So hat der Dom selbst weiter keine Beschädigung er- persönlich bei Gericht zur Abgabe seiner Austrittserklärung zu melden. nahmen bleibt dem neugewählten Ausschuß überlassen. dhalten als auf der nördlichen Dachseite seines Mittelschiffes und der Dort wird innerhalb dieser vierzehn Tage seine Austrittserklärung zu Protokoll genommen. Kostenpunkt: Drei Mark und Auslagen. Ferner wurde ein von the ß gestellter Antrag angenommen, Tauffapelle. G. R. 1901. Für den Fall einer Klage würden Sie den Einwand der welcher den Ausschuß beauftragt, ein Verzeichnis aller Arbeiter Die„ Diamma"-Glocke des Domes ist, wie schon gemeldet, ge- arglift erheben und beantragen können, daß ein Teil des Gezahlten für den vertreter beim Gewerbegericht, der Landesversicherungsanstalt, den schmolzen. Die Glocke„ Bonifatius" ist tief herabgefunken und Fall Ihrer Berurteilung zur Herausgabe des Instruments Ihnen zurüdUnfall- Schiedsgerichten, dem Reichsversicherungsamt usw. mit An- liegt jetzt in einem Mauerabfaz eingeztvängt. Die geschmolzene gezahlt wird. Die Bestellung eines Anwalts ist nicht erforderlich, aber gabe der Gewerkschaft, welcher die betreffenden angehören, an-" Dianna"-Glocke war sehr alt( 1415 gegossen, 1648 umgegoffen); fie zweckmäßig. Die Rechtslage ist für Sie eine ungünstige. fertigen zu lassen und es jeder Gewerkschaft unentgeltlich zu- wiegt über 100 Bentner. Die Bonifatius Glocke, schwerlich wieder 1. und 2. Ja. 3. Durch die Weiterzahlung hält Ihre Frau ihre Ansprüche K. 2. Nein. S. O. 42. zustellen. brauchbar, wiegt 35 Zentner. Der Dom wurde schon 937 und 1286 aufrecht, die sonst verjähren würden. Zur Lohnbewegung der Barbiere nahm die Ver- durch Brand zerstört; 1398 entstand durch Blisstrahl ein abermaliger Wegen des 1500 m. übersteigenden Gesamtjahresbetrages ist Lohnarreft zuläffig. W. L. 9. Wenn der Loshändler Ihre Rate vor dem 23. Mai sammlung, nachdem Körsten namens des Ausschusses sowie der Ver- Brand; in 1712 wurde der heutige Dom eingeweiht und Sonntag widerspruchslos annahm, aber das Los verfallen ließ, so ist er schadentreter der Barbiere kurz über den bekannten Verlauf der Bewegung wurde er vom vierten Brandunglück betroffen. erjakpflichtig. Proletarier Südost. 1. und 2. Selbstversicherer haben berichtet hatten, folgende Resolution an: Sehr sinnig meldet die katholische Germania": graue( nicht gelbe) Duittungskarten anzuwenden und mindestens 40 BeiD. 26. Nein. Die Delegierten der Berliner Gewerkschaftskommission nehmen Der Brand kann als ein Zwischenfall betrachtet werden, der fragsmarken innerhalb zwei Jahren zu leben. 3. Nein. Kenntnis von dem Bericht über die Lohnbewegung im Barbier und der Jubelfeier keinen Abbruch fut, der vielmehr geeignet ist, M. F. 62. 1. Vor 14 Jahren bestand noch kein einheitliches Erbrecht Friseurgewerbe. Sie erkennen an, daß die Lage der Gehülfen die Teilnahme und Andacht, wenn sie überhaupt einer Steigerung für Deutschland. Sie müßten Ihre Frage unter Darlegung, wo und wann der Erbfall stattfand, ob es sich um ein verwaistes Enkelfind handelte, wo traurig und daher aufbesserungsbedürftig ist. Die Delegierten ver- noch fähig war, zu erhöhen." die Verstorbene nach Ihrer Heirat Wohnsiz genommen hatte und ob ein pflichten sich, in ihren Gewerkschaften dafür zu sorgen, daß die Mit- Umfang der Genickstarre. An Genicstarre sind seit dem Beginn Testament vorlag, wiederholen. 2. Nein. 3. Wenn kein wechselseitiges glieder derselben prüfen, ob die sie barbierenden Gehülfen der der Epidemie bis zum 15. Mai nach amtlicher Aufstellung in Preußen Testament kinderloser Eheleute vorliegt, so erben neben dem überlebenden Organisation angehören und ob der Arbeitgeber die Forderungen 2413 Erfrankungen und 1227 Todesfälle zur Anzeige gebracht Gatten die Verwandten des Verstorbenen. Ein Beispiel für solches Teftaanerkannt hat. Wo dies nicht der Fall sein sollte, ist das worden. Von diesen entfallen nur 189 Erkrankungen und 92 Todes- ment finden Sie S. 238 des dem" Arbeiterrecht" angehängten Führers. betreffende Geschäft folche Geſchäfte in Anspruch fälle auf die Monarchie außer Schlesien, alle anderen fallen auf diese Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus. nehmen, wo die zu Forderungen anerkannt Provinz. Die Sterblichkeit berechnet sich hiernach in Schlesien auf Gewerbetreibender, auch ein Restaurateur, ist nicht verpflichtet, seine Waren find. Der Verband der Friseurgehülfen leidigung liegen. M. M. Stalizerstraße. 1. Ja. 2. Leider nicht. appelliert an die Solidarität der organisterten Arbeiter, um mit 51,1, außerhalb Schlesiens auf 48,7, im ganzen Staat auf 50,9 au verkaufen. In der Art der Ablehnung zu verkaufen kann eine Be Prozent der Erkrankten. In der Zeit vom 1. bis 15. Mai sind 459 beren moralischer Unterstüßung den Sieg zu erringen. Erkrankungen und 225 Todesfälle an epidemischer Genicstarre an Witterungsübersicht vom 6. Juni 1905, morgens 8 Uhr. Die Vertreter der Tabatarbeiter beantragten den gezeigt worden. Davon entfallen auf die Provinz Brandenburg 8 Erkrankungen( 4 Todesfälle), nämlich in Groß- Berlin 5( 1), mit Ausnahme derjenigen, welche die Forderungen der Arbeitnehmer und zwar in den Stadtkreisen 4( 1), Charlottenburg 1; im Re- Stationen bewilligt haben. Die Bertreter begründeten ihren Antrag damit, gierungsbezirk Potsdam 3( 3), Schlesien hatte in demselben Zeitdaß die Lohnbewegung in Dresden sich jetzt zugespigt habe zu einem raum 411( 203 Fälle), davon allein 374( 187) im RegierungsStampfe der im Ringe vereinigten Fabrikanten gegen das Koalitions- bezirk Oppeln. Dieser Regierungsbezirk hatte bis 21. Mai ins recht der Arbeiter und Arbeiterinnen. Durch Unterschrift an Eidesstatt gesamt 2299( 1302) Fälle und am 21. Mai einen Krankenbestand 2 halb bd. werde der Austritt aus dem Verbande verlangt. Es handele sich um etwa bon 717. Einzelne Fälle sind auch in der Zeit vom 1. bis 15. Mai 1halb bd. 4000 Berfonen, meist Arbeiterinnen, denen das Roalitionsrecht ge in allen Provinzen vorgekommen, so in Ostpreußen 3, Bommern 2, 3 halb bd. 759 4 halb bd. raubt werden soll. Durch den Boykott der betreffenden Fabriken Posen 2, Sachsen 9, Schleswig- Holstein 3, Hannover 2, Westfalen 6, 7588 1 wolfenl müsse die gesamte Arbeiterschaft diesen Kampf zugunsten der Zigaretten- Seffen- Nassau 2, Rheinproving 7. Ganz frei blieben in derselben Bien Zeit nur Westpreußen und Hohenzollern. Von größeren Städten arbeiter unterstützen. Wetter- Prognose für Mittwoch, den 7. Juni 1905. Bu meiden sind die Fabrikate aller Dresdener Firmen, mit famen Erkrankungen in dieser Zeit vor in Breslau 2, Düsseldorf 2, Etwas ähler, zeitweise heiter, aber sehr veränderlich mit Gewitterregen Ausnahme der folgenden: Gebr. Salowsky( Benith), Casa Essen 1, Bonn 2. Von diesen Erkrankungen ist je 1 in Breslau und und meist schwachen Binden aus wechselnder Richtung. Berliner Betterbureau nova, Rafati, Kosmos, Körner u. Apfelstädt. Die Essen tödlich verlaufen. Verantw. Rebatteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Norwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Mit den vom Ausschuß gemachten weiteren Vorschlägen: 1. die weitere Anstellung eines Sekretärs für den gewerkschaftlichen Teil und 2. der Vermehrung der Zahl der Ausschußmitglieder unter Berücksichtigung der vom Ausschuß gemachten Vorschläge, erklären fich die Delegierten einverstanden. zu meiden und nur Boykott ber Dresdener Zigarettenfabriken " V Swinemde. 757 N Hamburg 756 Berlin 756 DSD Frantj.a.M. 757 23 München Wetter Stationen $. D. 11. Wette 99. Ein Wetter 3'halb bd. 17 Haparanda 758 19 Petersburg 755 21 Scilly 21 Aberdeen 19 Paris 21 2bebedt 28 1mollig 10 15 761 NNW 765 NND 4 mollig 758 SS28 3toltig 4 moltig 13 10 15