Nr. 132. Abonnements- Bedingungen: S Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 I., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage Die Neue Welt" 10 Pfg. Post. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Preisliste. Unter Kreuzband Deutschland und Desterreich Ungarn Mark, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. für Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel. geile oder deren Raum 40 Pig., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Bersammlungs- Anzeigen 25 Big. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgebruckte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wocheno tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm- Adreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Gewerkschaft und Partei. Donnerstag, den 8. Juni 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. Ein gekündigter König. nur durch Gewalt und Blutvergießen herbeigeführt werden können, hat sich in Skandinavien ereignet. Es ist gewissermaßen eine Revolution durch eingeschriebenen Brief! Das norwegische Volt teilt seinem bisherigen König auf die liebenswürdigste und verbindlichste, aber auch auf die entschiedenste Weise mit, daß es sich leider genötigt sehe, die bisherige Geschäftsverbindung mit ihm zu lösen. Vernicht, daß die politischen Aufgaben der organisierten Arbeiterklasse nicht genügendes Interesse erweckt, da steht die Diskussion der I von den Gewerkschaften übernommen werden. Wir würden darin eine Kampfformen in zweiter Linie. Man hat gespottet, daß die Gefahr für die deutsche Arbeiterklasse sehen. Die politische Gewerk- große deutsche Partei mit ihren drei Millionen Reichstagswählern Die Diskussion über die Verhandlungen des Gewerkschafts- schaft: das bedeutete die reine Gewerkschaftspolitit mit ihrer Gefahr noch nicht imstande ist, den Fortschritt in Deutschland entfongresses ist in der Parteipreffe sehr lebhaft. Sie knüpft insbesondere der Bersumpfung in die zünftlerische Politik der Verfechtung bloßer schiedener zu fördern als bisher. Mit Recht ist darauf hingewiesen an die beiden Punkte der Verhandlungen an, in denen politische und Berufsinteressen. Zwar darf man sich zu dem Gewerkschafter, der worden, drei Millionen seien in Deutschland noch viel zu wenig, gewerkschaftliche Arbeiterbewegung am nächsten zusammentreffen: in seiner Organisation die reine Demokratie durchgeführt hat, soviel das Doppelte und Dreifache sei nötig. Ja, diese drei Millionen find Generalstreit und Maifeier. Während die Urteile über die übrigen demokratischen Bewußtseins versehen, daß er auch für demokratische zwar eine große Bahl, aber dennoch ist es richtig, daß leider noch Fragen und insbesondere die rein gewerkschaftlichen Angelegenheiten Gestaltung der öffentlichen Einrichtungen eintreten werde, wie das Millionen Proletarier ihre politischen Rechte so gering schäzen, daß zumeist günstig lauten, erfährt die Behandlung der beiden genannten beispielsweise die Gewerkschaften Australiens tun. Aber in der sie entweder gar keinen Gebrauch davon machen oder die offenen Fragen eine ziemlich einmütige Verurteilung. Wenn wir im Nach- Demokratie erschöpfen sich ja die Ziele der proletarischen Feinde der Arbeiter wählen. Da ist allerdings, so wertvoll die Erstehenden noch einige Bemerkungen zu der Behandlung des General- Bewegung nicht. Es ist ein Vorteil der deutschen Arbeiter- örterung der Kampfformen ist, die Propaganda für die Erwedung streits und ihrer Beurteilung in der Parteipreffe machen, so flaffe, daß sie ihre selbständige politische Organisation hat des Klassenbewußtseins noch erheblich wichtiger. Die Klarste Ergeschieht das aus der Erwägung, daß unseres Erachtens ein wesent- mit einem sozialistischen Ziele. Hätte der Gewerkschaftskongreß fenntnis von der Richtigkeit dieses oder jenes Kampfmittels licher Gesichtspunkt dabei zu kurz gekommen ist. Wohl hat man erklärt, wir haben lediglich gewerkschaftliche Aufgaben, in diesen und von den Formen seiner Anwendung bleibt wirkungsvon einem Gegensatz zwischen Gewerkschaft und Partei gesprochen Rahmen gehört der politische Massenstreit zur Erkämpfung politischer los, wenn in großen Massen noch jedes Klassenbewußtund hat den Gegensatz von den verschiedensten Seiten beleuchtet. Rechte oder zur Verhinderung politischer Entrechtung nicht hinein, fein überhaupt mangelt. Solche Erwägungen find auch Vielfach ist er persönlich gefaßt worden. Indes hat schon Kautsky das überlassen wir der politischen Organisation der Arbeiter, dann für Gewerkschaften im allgemeinen mit in Frage gekommen. Was in seinem von uns zitierten Artikel in der Neuen Zeit" bemerkt, hätte faum jemand etwas dagegen eingewendet. sind am Ende die fünfviertel Millionen gewerkschaftlich organisierter daß man gut tue, bei der Würdigung des Gegensages das persön Nun ist es ja richtig, daß am Ende die Personen zum größten Arbeiter gegen die Masse des deutschen Proletariats? Da kann man liche Moment nach Möglichkeit auszuschalten, da er im Wesen der Teil dieselben find. Wenn sozialdemokratische Arbeiter zu politischen es wohl begreifen, daß sie den Wunsch haben, zunächst einmal die Gewerkschaften begründet liege. Auch die Fränkische Tagespost" Aktionen auf den Plan treten, so werden das auch zumeist Mit- Masse des Proletariats zu gewinnen und die Diskussion von Kampfschrieb: glieder gewerkschaftlicher Organisationen sein, und so könnte mitteln, die ihnen bei Betrachtung ihrer relativ geringen Zahl noch ausWir sind überzeugt, daß die Reibungsflächen zwischen Partei es scheinen, daß die gewerkschaftlichen Organisationen es find, fichtslos erscheinen, borläufig ablehnen. Sieht man die Dinge von diesem und Gewerkschaft nicht entstehen durch diesen oder jenen Vorschlag die die Grundlage für für das planmäßige Handeln der Gefichtspuntte an, so ist zu pessimistischen Auffassungen über die Beoder Artikel oder Rede, sondern daß sie in der unvermeidlichen sozialdemokratischen Arbeiter zu politischen Zwecken schaffen und handlung der Frage auf dem Gewerkschaftskongreffe kein Grund und Tatsache begründet sind, daß die klassenbewußte Arbeiterschaft ge barum, so könnte man weiter schließen, organisieren eigentlich die vor allem kein Grund zu pessimistischer Betrachtung des Gegensatzes, wertschaftliche und politische Biele verfolgen muß, daß sie aus inneren und äußeren Gründen nicht eine Zeitung für die beiden Gewerkschaften die Arbeiter für den politischen Massenstreit. Das der zwischen Partei und Gewerkschaft zu bestehen scheint. Es besteht Zweige der Betvegung haben kann, daß sie deren zwei haben ist indessen ein Trugschluß, verursacht durch bloßen Gleichklang der nur ein Unterschied der Aufgaben, und ein Gegensaz entsteht nur, muß. Hieraus ergeben fich, selbst den besten Willen der Beteiligten Worte. Weil man sich gewöhnt hat, in der Arbeitseinstellung, im wenn man diese Unterscheidung unterläßt. vorausgesetzt, Reibungsflächen. Diese stets geölt zu halten, nie Streit, ein gewerkschaftliches Kampfmittel zu sehen und weil er das rauh werden zu lassen, ist eine Aufgabe, die um so dringender bisher in der Hauptsache auch war und weil zum Streit die regelwird, je mehr sich die beiden Zweige der Arbeiterbewegung ent- mäßige wöchentliche Streitunterstützung gehört, zu der die Gewerkwideln. Diese Notwendigkeit jedermann enthüllt zu haben, ist die schaften die Fonds sammeln, deshalb meint man, hätten nun auch Hauptleistung des Kongresses. Wenn mancher über seinen Berlauf die Gewerkschaftsorganisationen mit dem politischen Maffen- Die seltsamste Revolution, die man jemals erlebt, eine Recharf urteilte, so glauben wir, daß das nicht unbedingt notwendig streif etwas zu tun. Der politische Massenstre ist aber eben volution, die alle Behauptungen Lügen straft, daß Umwälzungen ist. Man kann auch ohne Beschlüsse feststellen das, was ist und streit etwas zu tun. damit neue Aufgaben zeigen, die der Lösung harren, die aber in ein politisches Kampfmittel und deshalb haben nach unserer Köln noch nicht gelöst werden konnten." Auffassung die Gewerkschaften nichts mit ihm zu tun. Man über Das beste Mittel, Neibungen zu vermeiden, sehen wir in der laffe es ruhig den Gewerkschaften, die Arbeiter überhaupt zu Klärung des Bewußtseins von der Verschiedenartigkeit der Aufgaben organisieren und zu gemeinsamem Handeln zu erziehen. Auch die der gewerkschaftlichen und der politischen Organisation. Einen Mangel Bartei schafft doch Organisationen und wirkt erzieherisch zu plan an dieser Klarheit, mindestens den Mangel des ausdrücklichen Herbor- mäßigem handeln. Wenn davon die Rede war, daß die Gewerkhebens der Verschiedenartigkeit der Aufgaben bemerkt man allerdings schaften dazu neigen, die Arbeiter an den Gedanken des Ausruhens auch an dem Gewerkschaftskongresse selbst und daraus dürften sich auf dem Gewonnenen zu gewöhnen, ja wozu haben wir denn dann Seit dem 7. Juni 1905 ist Norwegen ein selbständiges Reich viele der übertrieben scharfen Urteile erklären, die über die Verhand- die sozialdemokratische Propaganda? Deren Aufgabe ist es, die und Schwedens König hat aufgehört, auch in Norwegen angestammt lungen gefällt worden sind. Köpfe zu revolutionieren und die Arbeiter reif zu machen für die zu sein. Der Bruch der norwegisch- schwedischen Union ist eine Tat, sie dahin zu bringen, daß sie für die Erkämpfung politischer vollendete Tatsache, wenigstens für die Norweger. Nach den nun Nechte und Freiheiten im Notfalle das letzte wagen und sie mit gefaßten Storthingsbeschlüssen ist es auf friedlichem Wege ganz unstaatsrechtlichen möglich, Norwegen länger in der sozialistischem Geiste zu erfüllen. Da sagt man:„ Die Aufgabe, deren Lösung man von Bömel- einigung mit Schweden zu erhalten, die in ihrem neunzigbon den Norwegern nur burg erwarten mußte, war die, die Stellung der Gewerkschaften zu jährigen Bestehen zu oft als jener Form des Generalstreits zu bestimmen, der als legtes Ver- Bwang empfunden worden ist. Die Angelegenheit, die nun Unbestritten ist, daß nach der Entwickelung der beiden Organi- teidigungsmittel im Augenblick höchster Not gegen rechtlose Gewalt zuguterlegt zum Bruch geführt hat, der Kampf um die Konsulate, fationsformen in Deutschland die Aufgabe der Gewerkschaften die anzuwenden ist." scheint auf den ersten Blick nicht so außerordentlich wichtig, um folche Regelung der unmittelbaren Beziehungen zwischen Arbeitern und Freilich wird hinzugefügt:" Nun ist es klar, daß die Aktion Wirkungen herbeizuführen. Aber die Norweger haben es seit JahrUnternehmern ist. Nun hat man zwar auf den Bergarbeiter gegen die Gewaltstreiche der Neaktion in erster Linie eine Sache der zehnten bereits als ein unleidliches Verhältnis empfunden, ihre streit verwiesen zum Beweise dafür, daß ein Streit auch politische Partei ist, daß es ihr zusteht, darüber zu beraten, welche Mittel Interessen im Auslande von Konsuln vertreten zu lassen, die sich Wirkungen haben kann. Man hat aus dem Umstande, daß dieser man im entscheidenden Augenblick anzuwenden hat. Es wäre daher doch naturgemäß vor allem als Schweden fühlen. Durch ein rechtStreit seine Absichten nicht unmittelbar durch Einwirkung auf die wohl besser gewesen, wenn der Gewerkschaftstongreß zu der Frage zeitiges Entgegenkommen der schwedischen Regierung hätten die Unternehmer, sondern durch Einwirkung auf die Gesetzgebung teil- des Generalstreits erst Stellung genommen, nachdem die Haltung Norweger ihr eigenes Konsulatswesen schon lange erhalten und offenbar ohne tatsächliche weise durchzusetzen vermochte und dies auch von vornherein beab- der Partei schon feststand. Dann wäre die Frage wohl auch schärfer fönnen tatsächliche Schädigung der Als fich aber die Verhandlungen fichtigt habe, den Schluß gezogen, daß der Streik kein rein wirt- dahin formuliert worden, inwieweit die Gewerkschaften eine solche schwedischen Interessen. und als fie endlich schaftlicher, sondern ein politischer Kampf war. Wir können das in Aftion, die der Arbeiterschaft durch die Umstände aufgezwungen mit Schweden jahrelang hinzogen, dieser Form nicht zugeben. Auch die Gesetzgebung sollte in diefem werden könnte, moralisch und finanziell unterstützen würden." Erfolg zu verfprechen schienen und bei den letzten Storthingswahlen Falle nur zur Regelung unmittelbarer Beziehungen zwischen Arbeitern Also, wenn schon zugegeben wird, daß hier Fragen zur Er- die in den Unionsfragen gemäßigte Sammlungspartei ans Ruder und Unternehmern in Bewegung gesegt werden. Infoweit ist der Streit örterung stehen, deren Lösung der politischen Organisation zufällt, fam, aber das schwedische Ministerium Boström plößlich durch seine dennoch ein rein wirtschaftlicher Kampf geblieben. Das Entscheidende ist wozu verlangt man dann von den Gewerkschaften, sie sollten er- Herausfordernde Haltung einen Sturm der Entrüstung in Norwegen nicht die Einwirkung auf die Gesetzgebung, das Entscheidende sind die klären, wie sie sich die Lösung denken? Man muß sich immer ver- heraufbeschwor, da schien hier kein anderer Ausweg mehr möglich, Forderungen, die von den Streifenden gestellt wurden, und das gegenwärtigen, daß es Vertreter der Gewerkschaften waren, die in als selbständig und ohne weitere Verhandlung das Verlangte durchwaren wirtschaftliche Forderungen. Unnötig zu sagen, daß die Köln verhandelt und beschlossen haben, daß für sie also der gewert zuführen. Man wählte den Weg, durch Beschluß eines Gesetzes und Unterscheidung zwischen wirtschaftlichen und politischen Forderungen schaftliche Standpunkt allein maßgebend war, gleichviel ob das offen Kündigung des gemeinsamen Konsulatswesens auf den 1. April 1906 natürlich nur mehr methodologisch ist; quantitativ sind sie natürlich ausgesprochen oder auch nur überhaupt flar erkannt worden ist oder die Angelegenheit so schnell wie möglich zu regeln. Nachdem dann am letzten Ende so wenig zu trennen wie die Aufgaben der gewerk- nicht. Von diesem Gesichtspunkt aus muß man die Vorgänge würdigen. aber der König dem Gesetz seine Zustimmung versagte, es war schaftlichen und der politischen Organisationen. Und daß der Berg- Dann kann man nicht zu den pessimistischen Urteilen kommen, die dies, wie Social- Demokraten" seinerzeit treffend bemerkte, das erstemal, wo die Norweger ihren König hätten arbeiterstreik dennoch auch weiter politische Bedeutung und Wirkungen vielfach gefällt worden sind. hat, ändert an dieser Würdigung nichts. Diese Wirkungen sind erst Es ist dann erhebliches Gewicht darauf gelegt worden, daß den brauchen können hat nun auch er seine Kündigung erdurch das Verhalten der politischen Parteien entstanden. Gewerkschaften empfohlen wird, den politischen Massenstreit( eigenthalten. lich anarchistisch- Generalstreit) nicht zu diskutieren. Es ist ja Was wird nun Nortvegen staatsrechtlich werden? Einstweilen nun dadurch die Partei nicht verhindert, dieses wie irgend ein anderes ist es eine Republik. Die Regierung hat die Gewalt übernommen, Kampfmittel zu diskutieren. Wenn aber von derfelben Seite aus ohne über sich einen König zu haben. Wird es eine Republik bleiben In gewissen Gewerkschaftskreisen, und zwar in solchen, die die gleichzeitig für die Bedeutung des Streits als politisches Kampf- oder ist dieser Zustand nur als Provisorium gedacht? Nach der parteipolitische Neutralität der Gewerkschaften stärker betonen als mittel auf die Vorgänge in Rußland, auf die glänzende Anwendung eigenartigen Adresse, die das Parlament an den gekündigten König andere, wird ja der Gedanke propagiert, die Politit überhaupt von des politischen Massenstreits in Rußland verwiesen wird, so möchten gerichtet hat, tönnte man meinen, daß das Volt ohne einen Throngewerkschaftswegen zu betreiben, reine Gewerkschaftskandidaten für wir doch darauf aufmerksam machen, daß gerade die russischen inhaber nicht auskommen könne. Die Adresse teilt dem bisherigen politische Wahlen aufzustellen und folgerichtig auch den Gewerk- Arbeiter am allerwenigsten Gelegenheit zur Diskussion dieses Kampf- Stönig nicht nur seine Kündigung mit, sondern gibt ihm auch anheim, aus seiner Familie einen Geschäftsnachfolger zu schaften die Wahrung der politischen Rechte der Arbeiter mittels hatten. überlassen. Noch einen Umstand möchten wir hervorheben, der uns in diesem stellen. Dieses ehrenbolle Anerbieten aber ausdrückWie nahe sich doch oft die Gegensäge damit motiviert, daß man dem Könige beweisen berühren! Gerade solche Stritifer des Gewerkschaftstongresses, Busammenhange bedeutungsvoll scheint und die Beurteilung der lich die den borerwähnten Gedanken mit größter Entschieden- Aeußerungen Bömelburgs beeinflussen sollte. In Anknüpfung an wolle, wie das norwegische Volt gegen ihn persönlich heit ablehnen würden, tadeln den Kongreß am schärfften, die Vorgänge in Hamburg wies er darauf hin, was man denn gar nichts habe. Vielleicht entspringt also dieses Anerbieten, der daß er sich zu der rein politischen Aufgabe: der Erörterung und machen solle, wenn schon die Versammlungen nur halb ge- abgesetzte König solle einen neuen stellen, nicht sowohl einem un Propagierung des politischen Massenstreits, ablehnend vechielt. Wir füllt gewesen seien. Das ist in der Zat wichtiger als ausrottbaren monarchistischen Hang als vielmehr der Abficht, die hätten an der Art der Verhandlungen in Köln manches anders ge- die Diskussion neuer Kampfmittel, ohne daß wir natürlich Angelegenheit so ruhig und höflich wie möglich zu erledigen. Da Wenn sich ein auf diese Weise ausgeschiffter König schwerlich dazu ver wünscht; wir haben bereits gesagt, daß wir die Ursache dafür in eine solche Diskussion für unnütz erklären wollen. einem Mangel an Klarheit über das Unterscheidende finden. Aber das Interesse der Massen für die Sache, für ihr politisches Recht stehen wird, einen Ersatzmann zu beschaffen, so stellte man verdaß die Gewerkschaftsorganisation mit dem politischen Maffenstreit nicht ausreichend ist, dann hat die Propaganda auf diesem Ge- mutlich das Angebot in der sicheren Erwartung der Ablehnung. nichts zu tun haben will, halten wir für ganz richtig. Wir wünschen biete noch reichliche Arbeit. Solange das Kampf objekt noch und lehnt es der bisherige König wirklich ab, dann hat Norwegen Wenn bei der Konstatierung des gefundenen Gegensatzes zwischen Gewerkschaft und Partei so häufig das Wort angewendet wurde: „ Aussprechen was ist", so find wir überzeugt, daß es auch bei der Feststellung der Verschiedenartigkeit der Aufgaben beider Organisationen nur darauf ankommt, es auszusprechen, um gerade dadurch der Beurteilung der Vorgänge die störende Härte zu nehmen. In seinen unmittelbaren Absichten und Wirkungen ist also der Bergarbeiterstreit im Rahmen der Aufgaben geblieben, die den Gewerkschaften unbestritten zufallen. ชน " wird alles getan, was in seinen Kräften stand, um einen neuen König zu kriegen, und es ist nicht sein böser Wille, wenn es nun mangels eines geeigneten Angebots sich dauernd ohne Monarchen behilft. Auf jeden Fall beweist das Vorgehen, daß der monarchistische Aberglaube nicht allzu tief in Norwegen mehr wurzelt. Europa be- ginnt tatsächlich republikanisch zu werden, nachdem es vor dem Kosakischwerden noch in letzter Stunde durch den Zusammenbruch des russischen Absolutismus bewahrt worden ist. Der König von Schweden hat einstweilen gegen das Verfahren protestiert und nicht seine Neigung kundgetan, aus seinem Hause Norwegen mit einem neuen König zu versorgen. Die norwegische Presse verrät ruhige Sicherheit, die schwedische lärmt über„Nevo- lution". Eine auffällige Wirkung scheint die politische Umwälzung auf den Reiz der norwegischen Naturschönheiten zu haben. Wilhelm II. hat plötzlich seine übliche Nordlandsfahrt abbestellt! *»* lieber die Vorgänge berichten die folgenden Telegramme: Nachdem die Regierung Mittwochvormittag in der Sitzung des Storthing die Erklärung abgegeben hatte, daß sie heute von ihren Aemtern zurückgetreten sei, faßte das Storthing einstimmig und ohne Debatte folgenden Beschluß: Da sämtliche Mitglieder des Staatsrates ihre Aemter nieder- gelegt haben, da Se. Majestät der König sich außerstande erklärt hat, dem Lande eine neue Regierung zu verschaffen, und da die konstitutionelle Kömgsmacht somit außer Wirksamkeit getreten ist, ermächtigt das Storthing die Mitglieder des heute abgetretenen Staatsrates, bis aus weiteres als die norwegische Regierung die dem König zustehende Macht auszuüben in llebcrcinstimmung mit der Verfassung Norwegens und den geltenden Gesetzen, mit den Acnderuugen, die dadurch notwendig werde«, daß die Vereinigung mit Schweden unter einem König als Folge davon aufgelöst ist, daß der König aufgehört hat» als norwegischer König zu fungieren. Staatsminister Michelsen nahm im Namen der Negierung die ehrenvolle, aber schwierige Aufgabe an, die das Storthing ihm über- tragen hat. Ferner wurde gegen die fünf Stimmen der Sozialisten folgende Adresse an den König angenommen: Majestät, da sämtliche Mitglieder des Staatsrats heute im Storthing ihre Aemter niedergelegt haben, und da Ew. Majestät im Protokoll vom 27. Mai offiziell erklärt haben, daß Ew. Majestät sich nicht imstande� sehen, dem Lande eine neue Regierung zu ver- schaffen, ist die konstitutionelle Königsmacht in Norwegen somit außer Wirksamkeit getreten. Es ist daher eine Pflicht für den Storthing als Vertreter des norwegischen Volkes gewesen, unverzüglich die Mitglieder des bisherigen Staatsrats zu er- mächtigen, als norwegische Regierung bis auf weiteres die dem Könige zustehende Macht auszuüben in Uebereinstimmung mit der Verfassung des Königreichs Norwegen und den geltenden Gesetzen mit den Aenderungen, welche dadurch notwendig werden, daß die Vereinigung mit Schweden, welche einen gemeinsamen König vor- aussetzt, als Folge davon aufgelöst ist, daß der König aufgehört hat, als norwegischer König zu fungieren. Der Gang der Ent- Wickelung, der mächtiger gewesen ist als der Wunsch und der Wille des Einzelnen, hat zu diesem Resultat geführt. Die 1814 ein« gegangene Union ist bereits von der ersten Stunde an in ihrem Wesen und Jnhalr von beiden Völkern verschieden aufgefaßt worden. Von schwedischer Seite sind Bestrebungen ausgegangen, die Gemeinschaft auszudehnen, von norwegischer Seite Bestrebungen, sie auf die in der Reichsakte vorgeschriebene Gemeinschaft zu beschränken und im übrigen die Alleingewalt beider Reiche in allen Angelegenheiten geltend zu machen, welche nicht in der Reichsakte als unionelle bezeichnet sind. Der prinzipielle Gegensatz in der Auffassung über den Charakter der Union hat viel Mißverständnis zwischen den Völkern hervorgerufen und manche Reibungen veranlaßt. In der Auffassung, welche während der letzten Verhandlungen zwischen beiden Reichen von der schwedischen Regierung gegenüber Norwegen geltend gemacht ist, hat das norwegische Volk eine Kränkung seines verfassungsmäßigen Rechts, seiner Selbständigkeit und seiner nationalen Ehre sehen müssen. Die Union hatte ihre Berechtigung, solange sie dazu bei- tragen konnte, die Wohlfahrt und das Glück beider Völker zu fördern unter Wahrung ihrer Selbständigkeit als souveräne Staaten. Aber über der Union steht für uns Norweger unser norwegisches, für die Schweden das schwedische Vaterland, und wertvoller als eine politische Verbindung sind das Solidaritätsgefühl und ein freiwilliges Znsammenhalten beider Völker. Für dieses Solidaritätsgesiihl zwischen dem norwegischen und schwedi- scheu Volke, welches das Glück beider Völker sichern und ihre Stärke nach außen sein sollte, ist die Union eine Gefahr geworden. Wenn die Vereinigung jetzt gelöst wird, hat das norwegische Volk keinen höheren Wunsch, als in gutem Verständnis mit allen und nicht zum wenigsten mit dem Volk Schwedens und der Dvnastie zu leben, unter deren Leitung unser Land trotz vieler und bitterer Unionsstreitigkeiten ein so bedeutendes geistiges und materielles Wachstum erfahren hat. Als Zeugnis dafür, daß die Arbeit und der Kampf des nor- wegischen Volkes für die volle Selbständigkeit des Vaterlandes nicht in irgend welcher Mißstimmung gegen das Königshaus oder das schwedische Volk begründet gewesen und keine Bitterkeit gegen einen von diesen hinterlassen hat, ersucht das Storthing ehrerbietigst um Ew. Majestät Mitwirkung, daß einem Prinzen aus Ew. Majestät Hause gestattet wird, unter Aufgabe seines Erbrechts an de» Thron Schwedens die Wahl zum König von Norwegen anzunehmen. Der Tag, an dem das norwegische Volk seinen eigenen König erhält, um den alten Thron Norwegens zu besteigen, wird eine Aera ruhigerer Arbeitsbedingungen für Norwegen, eines guten, herzlichen Verhältnisses zum schwedischen Volke und des Friedens, der Eintracht und treuen Zusainmenhaltens ini Norden zun, Schutz der Kultur der Völker, ihrer Freiheit und ihrer Selbständigkeit einleiten. Hiervon überzeugt, wagt das Storthing die sichere Hoffnung auszusprechen, daß das, was jetzt geschehen ist, sich zum Guten für alle wenden wird, auch für Ew. Majestät, für dessen Person das norwegische Volk Hochachtung und Ergebenheit bewahren wird. *** Nachdem das Storthing seinen Beschluß gefaßt hatte, hielt Präsident Berner eine kurze Rede, in der er die ernste Be- deutung des heute getanen Schrittes hervorhob. Er schloß mit dem Wunsche: Gott bewahre das Vaterland, in den die ganze Versammlung einstimmte. Eine neue Staatsrats- Sitzung wird heute nachmittag 5Vg Uhr abgehalten werden. Der Staatsrat wird in dieser Sitzung die Verteilung der einzelnen Ressorts vornehmen. Es verlautet. Handelsminister Arctander werde die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten, Hagerup-Bull das Justiz- und Bothner das Revisionsdepartement übernehmen. «» Der Protest des gekündigten Königs. Stockholm, 7. Juni. Der König sandte heute folgendes Telegramm an den StaatSministcr Michelsen nach Kristiania: Ich habe die Mitteilung des Staatsrats empfangen und lege bestimmtesten Protest gegen die Handlungsweise der Regierung ein. *..» Der schwedische König sandte auch ein Telegramm an den Präsidenten des Storthings, Berner, in dem er ihm mitteilt, daß er an den Staatsrat Michelsen telegraphisch bestimmtesten Protest gegen die Handlungsweise des Staatsrats gerichtet hat. »* « Die Stimmung in Norwegen. Kristiania, 7. Juni. In der Stadt herrscht ruhige Stimniung. Vor dem Storthingsgebäude war den ganzen Tag eine große Menschenmenge angesammelt, welche die Mitglieder der Regierung und den Präsidenten des Storthing Berner beim Verlassen des Gebäudes mit Hurrarufen be- grüßte. Als Präsident Berner die Johannesstraße passierte, wo eine Militärkapelle spielte, wurde die Nationalhymne intoniert. Die Menge bildete, die Häupter entblößend. Spalier und grüßte den Präsidenten. » � Schwedischer Preßlärm. Stockholm, 7. Juni. Die hiesigen Blätter, welche noch in der Lage waren, Besprechungen über die heutige Begebenheit in Norwegen zu bringen, stellen fest, daß eine Revolution ans- gebrochen sei, und behaupten, daß die Union nicht allein durch den Beschluß Norwegens aufgelöst werden könne. Dazu ge- höre auch die Zusümmung Schwedens. politifcbe(lebersicdt. Berlin, den 7. Juni. Die Geschäftsordnung des Gestlerhutes! Die jüngsten Veröffentlichungen von Hans Leuß aus dem Nachlaß des ehemaligen Kreuzzeitungsredakteurs Freiherrn v. Haminerstein haben der Oeffentlichkeit wieder einmal gezeigt, wie im Grunde unsere konservativen Royalisten, wenn sie unter sich sind, ihre Königs- treue betätigen. Die Ausdrücke über die Person des heute regie- renden Königs, die in einzelnen Briefen von den hochkonservattven Monarchisten angewendet worden sind, waren derart, daß sie der Heransgeber nur mit Punkten anzudeuten gewagt hat. Im Geiste des seligen Herrn v. Hammerstein scheint nun die „Kreuzzeitung" diesen Eindruck wieder verwischen zu wollen, indem sie ihr monarchistisches Paradepferd zu besonders tollen Sprüngen aufpeitscht. Von einem angeblich preußischen Juristen, der freilich nach seiner juristischen Logik schon durch das erste Examen gefallen sein müßte, läßt sich das Hauptorgan des preußischen Junkertums eine Betrachtung über das Un° erhörte schreiben, daß die Sozialdemokraten vor höfischen Ovationen, die der Reichstag für notwendig hält, den Saal verlassen. Der Kreuzzeitungsjurist entdeckt, daß durch dieses Verhalten die Verfassung zweifellos verletzt werde. Die sozial- demokratische Partei, so schreibt der Jurist,„hetzt das deutsche Volk gegen die Führer des deutschen Heeres auf durch Chinabricfe und andere Erzählungen von Untaten deutscher Truppen, durch Auf- bauschung von Soldatenmißhandlungen; das Vertrauen zu den deutschen Gerichten, welches mit Recht in den weitesten Kreisen lebt, wird von ihr durch Schmähungen und advokatorische Zungendrescherei erschüttert; der preußische Landtag wird höhnisch und unwahr als Klassenparlament diskreditiert; vor allem aber suchtz man die Ehr- furcht vor den Trägern der Krone auszurotten, soweit man glaubt nicht mit den Strafgesetzen in Konflikt zu kommen. Denn die Parole ist, solange wie möglich auf gesetzlichem Wege das Bestehende zu unterwühlen..." Wie beweist nun der Jurist nach solcher Anerkennung der sozialdemokratischen Gesetzlichkeit, daß trotzdem die Nicht- teilnähme an ekfier höfischen Demonstrasion verfassungswidrig sei? Natürlich kann er keine Bestimmung in der Verfassung, noch in den Gesetzen angeben, die den Staatsbürger, geschweige den immunen Reichstags-Abgeordneten verpflichtet, höfische Ehrenbezeugungen zu exekutieren. Er begnügt sich zunächst mit der Feststellung, daß das „Verbrechen" der sozialdemokratischen Fraktion vorbedacht sei, und wenn es„gerechte Strafe" finden würde, so werde sich die Oeffent- lichkeit nicht dagegen aufbäumen. Der Jurist beruft sich darauf, daß auch in der Unterlassung der üblichen Ehrfurchts- bezeugung eine Majestätsbeleidigung liegen könnte. Das ist nun freilich eine ganz absurde Auffassung, wenn auch schon zuweilen der Versuch gemacht worden ist, die Unterlassung eines Hurrarufes in einer Versammlung oder das Sitzenbleiben als Majestätsbcleidigung zu denunzieren. Diese Auffassung führt geraden Weges zu der Schamlosigkeit äußerster Tyrannei, die sich nicht damit begnügt, Angriffe wörtlicher oder tätlicher Natur gegen die Majestät zu verfolgen, sondern die auch nach dein Vorbilde des Salutierens vor dem Geßlerhut positive Ehrturchtsbezeugungen zu erpressen be- müht ist. Immerhin ist noch keine staatsanwaltliche Phantasie auf den Gedanken gekoinmen, daß jemand sich strafbar machen könnte, der an einer monarchistisch demonstrierenden Versammlung nicht teil- nimmt, oder vor Ausbrüchen der monarchistischen Gesinnung das Lokal verläßt. Man könnte auch sonst nach dieser Methode jeden Staatsbürger wegen Majestätsbeleidigung verfolgen, der es etwa unterläßt, bei höfischen Festen Spalier zu bilden, oder der vor Ankunft der Hofequipagen sich zurückzieht. Um nichts anderes handelt es sich ja bei der sozialdemokratischen Fraktion. Sie unterläßt gar keine Ehrfurchtsbezeugung, zu der sie ohnehin nicht verpflichtet ist, sondern sie nimmt überhaupt nicht an der höfischen Demonstration teil. Zudem aber ist der Reichstags-Abgeordnete ja immun. Der Jurist fteilich meint, es geschähe nicht in Ausübung ihres Berufes, daß Abgeordnete den Saal in einem Augenblick verlassen, der ihnen gefällt.„Ist alles frei," fragt er,„tvas subjektiv ein hirnwütiger Abgeordneter, welcher die Zerstörung des Staates und der Ver- fassung als Ziel setzt, als Ausübung seines Berufes ansieht?" Es handele sich nur um Ausübung des Berufes im Sinne der Verfassung, und danach würden Majestätsbeleidigungen, wie sie die Gruppe der sozialdemokratischen Abgeordneten geübt bat. nicht immun sein. In der Tat ein wahrhaft hirnwüttger Jurist I Erst behauptet er, daß durch die Verfassung geboten sei, Hurra zu rufen und nach- dem er diese blöde Behguptung vorausgesetzt hat, folgert er daraus, daß die Immunität sich nur beschränkt aus Handlungen, welche nach der Geistesverfassung eines.Kreuz-Zeitungs"-Juristen zOässig sind. Immerhin hat der preußische Jurist der„Kreuz-Zeitung" noch Bedenken, ob man wohl sozialdemokratische Abgeordnete wegen Majestätsbeleidigung verfolgen könne, weil sie den Saal in einem ihnen geeignet erscheinenden Moment verlassen, und darum fordert er nun, daß der Reichstag von„allen das Vaterland und die Gerechtigkeit liebenden Männern dahin gedrängt werden" soll� „daß sich der Reichstag eine Ordnung gibt, mittels deren er Ver- gehen in seinem Schöße, soweit sie von gerichtlicher Ahndung befreit sind, selbst mit geeigneten Strafen belegt". Diese Strafen könnten hinsichtlich der Ehrfurchtsycrlctzuugcn gegen den Kaiser nur die Suspension des Rechtes der Teilnahme an den Verhandlungen und Beschlüssen des Reichstages sein. Der verfassungsschützende Jurist kommt also zu dem Ergebnis, daß die Grundrechte der Verfassung durch eine im Stil des Geßler- Hutes komponierte Geschäftsordnung außer Kurs gesetzt werden müsse. So toll diese juristischen Ausführungen sind, so lohnt es sich doch festzustellen, daß ein politisches Organ, das den Anspruch macht, ernst genommen zu werden, an leitender Stelle Betrach- dingen veröffentlicht, die für den Reichstags-Abgeordneten nicht nur einen Hurrazwang konstttuieren— der von Sozialdemokraten aufgenommen, doch nur Verhöhnung und tatsächliche Majcstäts- beleidigung sein könnte—, sondern die auch fordern, daß die Weigerung, dem Geßlerhut zu saluderen, mit der Aberkennung des Reichstagsmandats oder, was dasselbe ist, mit der Ausschließung von der Teilnahme an den Reichstagsverhandlungen bestrast werden soll. Sollte in der„Kreuzzeiding" noch ein Redakteur sitzen, der trotz der heißen Hoffesttage noch nicht den Verstand völlig verloren hat, so möchten wir an ihn die Frage richten: Wenn im Laufe der Ent- Wickelung das Deutsche Reich eine Republik werden würde und die bisherigen preußischen Monarchisten, wie wir annehmen, selbst« verständlich in ihrer Königstreue beharren, was würden sie von einem sozialdemokratischen Juristen dann halten, der verlangen würde, daß jeder Abgeordnete auszuschließen sei von den parlamen- tarischen Verhandlungen, der nicht an republikanischen antimonarchi- schen Kundgebungen sich aktiv beteiligt? Die„Kreuzzeitung" hat schon einen ausgedienten General, der von Zeit zu Zeit die Sozialdemokratte tot betet— auf die Wunder« lichste Weise. Nun hat sie sich auch einen Juristen zugelegt, der in demselben Stil Rechtsbetrachtungen anstellt. Rechnet denn das Blatt nur noch auf verrückte Leser?— Die Marokkofrage. Die„Times" ist in der Lage, den Wortlaut der marokkanischen Antwort auf die Vorschläge des französischen Gesandten Taillandier mitzuteilen. Die Note, die den Abschied des Ministers Delcasss besiegelt hat, lautet: „Die marokkanische Regierung hat Euerer Exzellenz bereits mitgeteilt, daß die Bevölkerung von Marokko die Annahme von Militärreformen davon abhängig macht, daß alle S i g- natar-Mächte der Madrider Konvention an den Beratungen darüber teilnehmen. Wir haben seiner Scherifischen Majestät die von der französischen Regierung ergangene Antwort unterbreitet, und an? unserer Erwiderung sollte diese ersehen haben, daß sie mit Unrecht behauptete, wir hätten bei Anregung des Gedankens, eine dritte Macht solle bei Durchführung der Reformen als V e r m i t t l e r fungieren, eine Veränderung der freundnachbarlichen Beziehungen zwischen Marokko und Frankreich bezweckt. Wir haben trotzdem seiner Scherifischen Majestät Euerer Exzellenz Forderung einer Revision der angeblich von einem Mangel an Vertrauen zu der französischen Regierung diksiert gewesenen Entscheidung des Maghzen vorgelegt. Nach reiflicher Ueberlegung befiehlt mir der Sultan, darauf zu erwidern: Er habe nie vergesse», daß zum Beispiel auch Algier ein Nachbarland ist, daß er jedoch wie seine Vorfahren in Frieden und Freundschaft mit den Franzosen zu leben und ihre Rechte zu respektteren wünscht. Als indessen Euerer Exzellenz Vorschläge der maurischen Notablen-Versammlung vorgc- legt wurden, erklärte diese mit aller Entschiedenheit, sie würde ohne vorgängige Erörterung auf einer internationalen Konferenz unter Teilnahme sämtlicher Madrider Signatarmächte keine zivile oder militärische Reform seitens irgend einer einzelnen Macht durch- gehen lassen. Die Konferenz solle auch Mittel und Wege der Reform-Einführung in bindender Weise festlegen, und zwar mittels einstimmiger Beschlüsse. Der Sultan ist nicht in der Lage, gegen den Willen seines Volkes zu handeln, zumal iu Fragen von so vitaler Bedeutung. Der Wunsch nach Reformen in Marokko, womit die Bertragsrechte so eng verbunden sind, ist auf feiten fremder Mächte oft zutage getreten. Der Beschluß der Notabeln braucht die französisch-marokkanische Freundschaft mitnichten zu stören. Der Sultan hat deshalb am die Signatarmächte eine Ein- ladmig zu einer Konferenz mit dem Maghzen ergehen lassen. Abdul Karim ben Sliman." Man kann mmehmen, daß zunächst Ministerpräsident R o u v i e r, nachdem er das Portefeuille des Aeußeren übernommen hat, eine Verständigung mit Deutschland versuchen wird. Unter anderen Aenderungen des französischen Botschafterpersonals wird die baldige Abberufung des Herrn B i h o u r d in Berlin angekündigt, ein neuer Botschafter soll für die neue Situation bestellt loerden. Uebrigens soll Rouvier der Behandlung derMarokkoftage auf einer internationalen Konferenz geneigt fein. lieber die letzten Gründe, die zur Demission Delcassös führten, laufen mannigfache, zum Teil tolle Gerüchte. Der„Gaulois" erklärt. Kaiser Wilhelm habe einen Brief Delcassüs in Händen gehabt. in dem D e l c a s s ä sich rühmte, Deutschland isoliert zu haben. Infolgedessen hätte die deutsche Regierung mit Delcasss nicht mehr verhandeln wollen. Das klingt sehr unwahrscheinlich, richtig dagegen dürfte sein, daß Delcasss nicht allein wegen der Marokkofrage an sich fiel, sondern weil seine antideuffche, ins« besondere von den französischen Sozialdemokraten stets aufs nach« drücklichste bekämpfte Politik in der jetzigen Situation vollends uii- möglich geworden ist. Unter Hinweis auf diese allgemeinen Fragen der französischen auswärsigen Politik spricht sich in der„Humanits" I a u r s s dagegen auS, daß Rouvier das Portefeuille des Aeußeren nurinterimistisch behalten wolle. Er fchreibt:„Es hieße das Land einer gefährlichen Enttäuschung aussetzen, wenn man ihm durch ein diplomatisches Interregnum, das auf der Regelung eines Zivischenfalles beschränkt bliebe, die falsche Idee gäbe, daß die Schwierigkeit ganz vorübergehender und spezieller Natur sei. Ob Herr Rouvier selbst das Portefeuille behalten und persönlich das Werk mutiger Klugheit zu Ende führen will, das er mit seinem Kampf gegen die unklugen Wahnideen des Herrn Delcasss begonnen, oder ob er Herrn Bourgeois oder Freycinet berufen will, darein haben wiruns nicht zu mischen." In der Tat ist es die große Aufgabe der französischen aus- wärttgen Politik, Frankreich durch die Schwierigkeiten zu leiten, welche die Entwertung der russifcheu Allianz ver- ursacht.— ■■ Deutfcbca Reich. Der Bergarbeiter-Streik vor Gericht. Essen a. d. Ruhr, 7. Juni. sPrivatdepesche des„Vorwärts".) Der Bergmeistcr Engel, der Geschäftsführer des Bergbaulichen Vereins, ist heute vor Gericht fürchterlich bloßgestellt worden. In einem Preß- Prozeß gegen den„Allgemeinen Beobachter" hatte Bergmeister Engel den Strafantrag gestellt. Das Gericht verurteilte den Redakteur Ballen wegen formaler Beleidigung zu SO M. Der Wahrheitsbeweis sei völlig erbracht. Engel habe in seiner Strcikbroschiire Unwahrheiten in„höchst leicht- fertiger Weise" behauptet. Der Beweis, daß die sozialdemokratische Parteileitung in die Bcrgarbeiterbewcgung eingriff, sei absolut miß- lungen. Die Arbeiterpresse und die Streikleitung haben nicht in frivoler Weise gehetzt.— Das Urteil ist eine große Blamage für Engel und für alle diejenigen, die, wie noch dieser Tage im Herrenhause geschah, die Lüge verbreitet haben, daß der Streik von der sozialdemokratischen Parteileitung angezettelt sei. Mitglieder des sozialdemokratischen Partcivorstnndes waren als Zeugen geladen.— Preußen in Deutschland voran! Die„Bcrl. Pol. Nachr." sprechen davon, daß mehrfach die Behauptung aufgestellt werde, diejenigen Bestimmungen seien wertlos, welche das Abgeordnetenhaus der Bergarbeiter Novelle zu dem Zwecke eingefügt hat, um die gegen die allgemeine Einführung von Arbeiterausschüssen bestehenden Bedenken zu beseitigen. Denn im Reichstage werde alsbald sicher eine Novelle zur Gewerbe-Ordnuug durch- gesetzt werden, durch die für den ganzen Umfang der Industrie Arbeiterausschüsse un t er B es e iti g un g der von dem Ab- geordnetenhause verlangten Sicherungen eingeführt werden würden; es würden alsdann auch die abweichenden preutzi- schen Bestimmungen für die Arbeiterausschüsse im Bergbau fort- fallen müssen. Lächerliche Torheit, solches zu glauben, erklären die„Verl. Pol. Nachr.". Wie sollte das Reich die preußische Reaktion korrigieren dürfen I Umgekehrt liegt die Sache: Wenn das Reich nun Arbeiterausschüsse einführen will, so ist Preußen entscheidend, so werden die Ausschüsse gegen Bergarbeiter, wie sie das famose Berggesetz schafft,„einer etwaigen Gesetzgebung des Reiches zum V o r b i I d e d i e n e n." Die„Verl. Pol. Nachr." rufen triumphierend: „Die Zustimmung zu der Bergarbeiternovelle in der von der Regierung für annehmbar erklärten Fassung des Abgeordneten- Hauses ist daher weit davon entfernt, ohne den praktischen Wert für den Bergbau und für die Einrichtung der Bergarbeiterausschüsse zu sein. Sie eröffnet auch die sichere Aussicht, daß die zum Schutze der Bergbautreibenden gegen Mißbrauch der Arbeiter- ausschüsse vorgesehenen Sicherungsmaßregeln bei einer Verall- gemeinerung der Einrichtung der gesamten Industrie zu gute kommen." Die Ausschüsse für Bcrgbautreibende gegen Bergarbeiter nach preußischem System haben den über den Bergbau hinausreichenden allgemeinen Vorzug, vernünftige Arbeiterausschüsse für das ganze Reich zu verhindern. Preußen in Deutschland voran!— Der Wahlrechtskampf in Hamburg. Hamburg. 7. Juni. (Eig. Ber.) Das vorläufige Resultat des Wahl- rechtskampfes in der Bürgerschaft läßt noch kein Urteil über das endgültige Ergebnis zu. Zwar wurde für die beantragte Verfassungsänderung, welche die Einführung der Klassen wähl ermöglichen soll, eine Mehrheit von 8 Stimmen erzielt, aber schon erklärt der nationalsoziale Dr. W e n tz e l, daß er und 9 glcichgesinnte Freunde nur deshalb für die Verfassungs- änderung gestimmt haben, um nicht durch Ablehnung der Verfassungs- änderung die ganze Senatsvorlage zu Falle zu bringen, da sie, nach- dem die Wahlrechtsfrage einmal so weit aufgerollt sei, eine gründ- liche Prüfung derselben für notwendig und nützlich halten. Er und seine Freunde seien aber für das Klassenwahlrecht nie zuhaben. Deshalb sei die Abstimmung in erster Lesung keines- wegs ein Sieg der Anhänger des Klassenwahlrechts. In der Debatte in der Bürgerschaft trat Dr. Wcntzcl für die Abschaffung der Grundeigentümer- und Notabelnwahlen ein, stimmte aber nicht für den diesbezüglichen sozialdemokratischen Antrag. Die Taktik dieser nationalsozialen Gruppe ist jedenfalls recht sonderbar. Eine glatte Ablehnung der Senatsvorlage wäre jedenfalls er- freulicher gewesen als das Hinauszerren der Entscheidung. Es er- scheint übrigens immer unwahrscheinlicher, daß die Erledigung der Wahlrechtsfrage noch vor den Ferien erfolgt. Erst gegen Ende dieses Jahres dürfte es zur zweiten Lesung kommen. Wie dann die Stimmung sein wird, ist vorläufig ganz unberechenbar.— Nationalliberale Wahlkorruption. Aus Hannover wird uns berichtet: Einen für die nationalliberale Partei recht un- angenehmen Zwischenfall hat die Wahlbewegung im Reichstags- Wahlkreise Hameln gezeitigt. Am Montagabend gab der sozial- demokratische„Volkswillc" ein Gerücht wieder, wonach der in die Stichwahl gekommene nationalliberale Kandidat Hausmann einem weifischen Vertrauensmann in Coppenbrügge 60 Mar! angeboten habe, damit dieser die welfischen Wähler ver- anlasse, in der Stichwahl für Hausmann zu stimmen. M M. habe er ihm sofort ausgehändigt, den Rest sollte er nach der Stichwahl erhalten. Die Redaktion des„Volkswille" fügte hinzu, sie habe bei Herrn Hausmann telephonisch angefragt, ob das Gerücht auf Wahrheit beruhe; Herr Hausmann habe zuerst mit der Antwort g e- zögert und schließlich abgestritten, daß er zugedachtem Zwecke Geld hergegeben habe. Dem nationalliberalen„Hann. Courier" gegenüber hat darauf Herr Hausmann, wie dieses Blatt am Dienstagmorgen mitteilte, die ganze Sache mit größter Entschiedenheit als haltlose Ver- d ä ch t i g u n g bezeichnet. Nun aber greift auch das hiesige Welfenblatt.die„Deutsche Volkszeitung", in dieDebatte ein; es nennt den N a m e n des welfischen Vertrauensmannes, Sattlermeister H o h n r o t h- Coppenbriigge, und läßt ihn selbst den Hergang ausführlich erzählen. Danach sei er auf Bitten des Herrn Hausmann am Freitag in dessen Wohnung ge- kommen Herr Hausmann habe sofort von der Stichwahl gesprochen und ihn aufgefordert, bei den Welsen zu seinen Gunsten zu agitieren. Die nationalliberale Fraktion des Abgeordnetenhauses habe, wie Herr Hausmann ihm mitteilte, aus freien Stücken s ü r einen Tag auf die ihr zustehenden Diäten verzichtet. die sich insgesamt auf über 1900 M. beliefen. Diese Summe sei ihm. Hausmann, zwecks Förderung seiner Wahl zur persönlichen Verfügung gestellt und davon wolle er ihm für jeden Tag bis zur Stichwahl 10 M. geben; 30 M. habe er ihm sofort ausgezahlt, die anderen 30 M. sollte er nach der Stichwahl empfangen. Er. Hohnroth, habe das Geld einstweilen angenommen, um einen Be- weis dafür in der Hand zu haben, mit welchen Mitteln die national- liberale Partei arbeite.. Wie weiterhin aus den Mitteilungen des sozialdemokratischen und des welfischen Blattes hervorgeht, hat Hohnroth am Sonntag den Vorfall den welfischen Parteiführern unterbreitet und ihnen die 30 M. übergeben.__ Die neue Wahlkreiseinteilung in Bayern. Durch die heute amtlich veröffentlichte neue Wahlkreis- einteilung werden im ganzen 8 bisher durch 4 Abgeordnete und g bisher durch 3 Abgeordnete vertretene Wahlkreise, zusammen somit 14 Wahlkreise, geteilt, während die übrigen unverändert bleiben. Die Gesamtzahl der Wahlkreise steigt von 63 auf 77. die Zahl der Abgeordneten bleibt wie bisher 159. Die von der Teilung betroffenen Wahlkreise sind die bisherigen Wahlkreise Rosenheim, Pfarrkirchen, Speyer, Neustadt a. H., Zweibrücken, Kaiserslautern, Bayreuth, Hof. Kulmbach. Ansbach,' Neustadt a. 0. Aisch, Weißen- bürg, Würzburg 2, Kempten. Wie uns ein Privattelegramm aus München meldet, äußert sich bis jetzt nur die Zentrums- und die sozialdemokratische Presse zu der Reform. Der„Bayer. K u r." meint eingangs seiner Be- trachtung, es sei sonnenklar, daß die neue Wahlkreiseinteilung nur zugunsten der Liberalen geschaffen worden sei. Das Blatt schließt folgendermaßen: Insgesamt ist die neue Einteilung nicht gemacht nach Grundsätzen, sondern nach dem Motto, das ein Minister aus- gesprochen hat: die Wahlkreiseinteilung ist einfach ein politisches Geschäft! Man wird es dann auch nicht den betreffenden Parteien verübeln können, wenn sie mit einem solchen Geschäftsmann(ge- meint ist Graf Feilitzsch!). welcher Regierungs», atznahmen als Geschäft betrachtet und an Stelle von Gerechtigkeitssinn Geschäfts- sinn setzt, in entsprechender Weise verfahren. Unbekümmert um den gegenwärtigen Stand der Vcrsorgungsfrage! Die ganze Rc- gierungskunst soll aber dann nichts helfen, wenn die Wähler bis zum letzten Mann ihre Pflicht tun, und wir hoffen, daß das bayerische Volk keinen Abgeordneten von Regierungsgnaden will. Die Antwort geben wir der Regierung an der Wahlurne. Die„Münchner Post" sagt folgendes: Bei dieser Wahl- kreiseinteilung ist nicht die Einlösung eines gegebenen Wortes er- folgt. Hier hat man nicht das Ergebnis gerechter Mühe einer möglichst objektiven Einteilung vor sich, sondern die reaktionäre Tendenz, eine Zweidrittelmehrheit für die Wahlreform zu ver- hindern. So skandalös, wie es von einer Klassenregierung nur er- wartet werden kann, ist in den industriellen Teilen der Pfalz und der drei Franken die Sozialdemokratie„totgcteilt" worden. Den Arbeitern ihr Wahlrecht noch mehr einzuengen, wie es die bisherige Einteilung und das versumpfte Wahlrecht getan, das ist in der Tat dem Ministerium Podewils-Feilitzsch tapfer gelungen.„Für die Wahlreform und gegen Podewils-Feilitzsch!"— mit dieser Parole werden wir den Kampf pflichtbewußt und siegreich führen.— Hueland. Jnvaliditäts- und Altersversicherung i« Holland. Aus Amsterdam wird uns geschrieben: Die Regierung hat noch einen Monat vor den allgemeinen Wahlen eine Gesetzesvorlage zur Einführung einer Jnvaliditäts- und Altersversicherung eingebracht. Die Regierung Dr. Kuhpers macht sich einfach lächerlich mit ihren Vorlagen. In den vier Jahren, seitdem sie auf den Minister- fesseln gethront hat, ist auch nicht das kleinste Stückchen sozial- reformatorischer Arbeit zustande gekommen. Wir haben eine Zeit des gesetzgeberischen Stillstandes hinter uns wie nie zuvor, und jetzt am Ende dieser vierjährigen Periode kommt auf einmal die Re- gierung und legt uns einen ganzen Haufen Gesetzesvorlagen vor, deren Beratung allein eine ganze Reihe von Jahren erfordert. An„Sozialreformen" liegen jetzt vor: ein Gesetz zur Regelung des Arbeitsvertrages, ein neues Arbeitsgesetz im Umfange von 444 Artikeln, eine Vorlage zur Unfallversicherung der Landarbeiter, eine gleiche hinsichtlich der Seefifcher, ein Krankenversicherungs- Gesetz und endlich jetzt die Jnvaliditäts- und Altersversicherung. An anderen Vorlagen ist u. a. da: die Tarifvorlage, welche die Einleitung einer völlig neuen Handelspolitik bedeutet, die Re- gelung der administrativen Rechtsfrage<6 große Entwürfe), einige Schulgesetze und eine ganze Menge Kleinigkeiten nebenher. Arbeit also für eine Reihe von Jahren, selbst vorausgesetzt, daß die Regierung eine einheitliche sozialpolitisch vorgeschrittene Mehr heit hinter sich hätte, geschweige denn, daß sie versuchen wollte, sie mit der jetzigen Mehrheit zustande zu bringen, die fast alle agrari scheu und feudalen Elemente, die in Holland noch übrig sind, um- faßt. Die Jnvaliditäts- und AlterSversicherungs-Vorlage ist im großen und ganzen eine Nachahmung des deutschen Gesetzes, nur ist eine Art Witwenversicherung eingefügt, wofür dann freilich auch die Beiträge höher sind als in Deutschland. Lohnklassen und Beiträge sind: Jahresverdienst: Wochcnbeittag: I. Klasse bis 400 M. 20 Cts. l33 Pf.) IL„ 400— 665„ 24„(40„) III.„ 665—1000„ 32„(53„) IV.„ 1000—1330„ 40,(66„) V.„ 1330 u. m.., 48(80 ,.) Die Hälfte der Beiträge muß vom Unternehmer gezahlt werden. Das Recht auf Altersrente haben die 70 jährigen. Die Wartezeit der Invalidität ist auf 150, für das Alter auf 1248 Wochen festgesetzt. Staatsbeittäge sind nur bestimmt für die Uebergangsperiode, für die sogenannte„Brücke". Der Staatsbeittag beträgt 6 Millionen Gulden jährlich. Die Vorlage hat in den breiten Arbeiterkreisen große Un- Zufriedenheit erregt; denn die niederländische Arbeiterbewegung hat von Anfang an die Forderung der Staatspensionen aufgestellt und propagiert. In einem Lande, in dem vielleicht vier Fünftel des Gesamt- kapitals in kolonialen oder ausländischen Unternehmungen oder Staatspapieren festgelegt ist, ist es ein Unsinn, die Lasten für solche Versicherung ausschließlich auf die Arbeiter und Unternehmer zu legen und den übergroßen Teil des Kapitals nicht mit heran- zuziehen. Auch unter den christlichen Arbeitern hat diese Vorlage böses Blut gemacht, und die Wahlaussichten der Klerikalen haben sich durch diese Vorlage sicherlich nicht gebessert.— Belgien. Deutsch-belgischer Handelsvertrag. Brüssel. 7. Juni. Der Senat hat den dcutsch-belgischen Handelsvertrag mit 48 Sttmmen bei 29 Stimmenthaltungen angenommen.— Serbien. Wahlen und prügelnde Minister. Das Amtsblatt veröffentlicht Zirkulare des Ministers des Innern betreffend die bevorstehenden Skuptschinawahlen.�in denen erklärt wird, der Minister sei ent- schloffen, die im Sinken begriffene Autorität der Polizeiorgane, die dadurch verschuldet sei, daß früher oft ein Mißbrauch der�fcnts- gewalt höheren Ortes angeordnet wurde, dadurch wiederherzustellen, daß die Polizeiorgane die Gesetzesvorschriften genau anwenden und ohne Rücksicht au' Parteien und soziale Stellung ihre Pflicht er- füllen, namentlich sich jeder Wahlbeeinflussung enthalten. Dienstag abend fand vor dem National-Theater zwischen dem Justizminister Nikolitsch und dem früheren Ministerpräsidenten Pafitsch ein Renkontre statt, das in Tätlichkeiten ausartete. Die Ursache hierzu war eine Polemik in der Samoouprawa über Privat- Verhältnisse des Justizministers. Es verlautet, daß Nikolitsch seine Eitrigssupg eingereicht hat.—_ Hu9 der partei. Mit dem Organisationsstatnt beschäftigte sich eine Parteivcr- sammlung in Stuttgart. Genosse W a s n e r referierte. Er tvar der Meinung, daß das neue Statut auf eine straffe Zentrali- sation hinauslaufe und erklärte sich als Gegner einer solchen. Der Mindestbeitrag von 25 Proz. an die Zentralkasse ist ihm zu hoch, weil nach seiner Meinung die Selbständigkeit der Landesorgani- sationen unterbunden werde, dadurch würde die lokale Agitation leiden. Auch die Berichterstattung der Wahlkreise an den Partei- vorstand hält er für unzweckmäßig, da der Parteivorstand nicht in der Lage fein werde, die Berichte zu bearbeiten. In der Diskussion wurden gleichfalls Einwände gegen die Beitragshohe erhoben. Auch rm sozialdemokratischen Verein in Lübeck wurde über das Statut verhandelt. Auch hier wurden Einwendungen gegen die 25 Proz. erhoben. Von einigen wurde auch gewünscht, daß die Reichstagsfraktion nur durch eine Delegation auf dem Parteitage vertreten sein sollte. Beschlüsse wurden an beiden Orten nicht gefaßt. Soziales. Die zweite Konferenz der Freien Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg findet Sonntag, den 16. Juli 1905. vor- mittags O'/z Uhr, in Berlin. Arminhallen. Kommandantenstr. 20, statt. Die vorläufige Tagesordnung lautet: Geschäftsbericht der Verwaltung. Die deutsche Reichs-Arzneitaxe. Referent: Herr Apo- theker O. Skaller. Der Ausbau unserer Organisation bezüglich des Vorgehens der Aerzte und Apotheker. Referent: Herr E. Sima- nowski. Beratung der eingegangenen Anträge. Nculvahl der Ver- waltung. Verschiedenes._ Eine eigenartige Arbeitslosen-Statistik. In D r e s d e n hat das statistische Amt dieser Stadt eine Auf- stellung veröffentlicht, die deshalb eine gewisse Beachttma verdient, weil sie ohne sonstige Vorbereitungen und Erhebungen a u f G r u n d der H a u s l i st e n angefertigt worden ist, die jedes Jahr behufs Steuereinschätzung an die Hausbesitzer ausgegeben und unter deren Verantwortlichkeit von den Mietern ausgefüllt werden müssen. Diese Listen enthalten neuerdings auch eine Rubrik, in der jeder Arbeiter entweder den Namen seines Arbeitsplatzes oder seine Arbeits- losigkeit eintragen muß. Auf Grund der Eintragung sind Zählkarten angefertigt worden, die nötigenfalls auf be- sondere Weisung in einzelnen Fällen von Wohlfahrts- beamten durch Umfragen ergänzt werden. Würde die erwähnte Rubrik mit der erforderlichen Sorgfalt ausgefüllt, könnte eine solche Erhebung wohl umfassend sein. Es ist aber zu bezweifeln, daß unter zahlreichen Fragen der Hauslisten dieser einen Frage eine besondere Aufnrerksamkeit geschenkt wird; es wird häufig vorkommen, daß der Arbeitslose seinen letzten Arbeitgeber einfetzt und dadurch immer den Statistiker irreführt. Würde dieses System aber jins- gebaut, könnte wohl bei der nötigen Sorgfalt eine regelmäßige Arbeitslosenzählung ohne kostspieligen Apparat erzielt werden. Jedenfalls verdient das Versahren bemerkt zu ivcrden, ohne daß man seine Mängel zu übersehen braucht.— Die auf die geschilderte Art ermittelte Zahl der Arbeitslosen betrug Mitte Oktober 1904, also in einer Zeit, wo alle Geschäfte in der Regel noch gut gehen, im der Stadt Dresden 5402, darunter 1408 weibliche Personen; gegen das Vorjahr, wo auf dieselbe Art ein Ermittelungsverfahren durchgeführt wurde, ist eine Besserung um 18 Proz. eingetreten. Berücksichtigt man die Familienangehörigen der Statistik mit, so er- gibt sich, daß 1904 10 740 Personen— im Oftober— von der Not der Arbeitslosigkeit heimgesucht wurden, doch ist auch hier eine Besserung gegen die Vorjahre eingetreten: 1902 betrug diese Zahl 15 348(von je 1000 Einwohnern 32), 1903 12 464(auf 1000 26) und 1904 die schon erwähnte Gesamtzahl, die 22 auf 1000 Ein- wohncr ergibt. Natürlich hätte eine im Februar aufgenommene Statistik viel höhere Zahlen ergeben; aber eine Besserung auf dem Arbeitsmarkte in den letzten drei Jahren wiesen die auf gleiche Weise festgestellten Ziffern jedenfalls nach.— Das statistische Amt in Dresden will jedes Jahr auf die oben geschilderte Art die Zahl der Arbeitslosen und die näheren Umstände, unter denen die Arbeits- losigkeit entstanden ist, feststellen. Hus der Frauenbewegung. Fraucnagitation zu den niederländischen Kammcrwahlen. Der sozialdemokrattsche Frauen-Propagandaklub Hollands hat dieser Tage zu den bevorstehenden Kammerwahlen einen Auftuf an die Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse veröffentlicht, der teils durch die Parteipresse, teils als Flugblatt verbreitet wird. In kurzen treffenden Worten werden darin die Sünden des Kapitalismus und der herrschenden Reaktion geschildert, und demgegenüber das Streben der Sozialdemokratie, hauptsächlich hinsichtlich der den Frauen am nächsten liegenden Forderungen.„Für die Frau", sagt der Aufruf,„ist von der christlichen Regierung nichts zu ertvarten als Widerstand gegen ihr mühevolles Streben nach Selbständigkeit und Unabhängigleir. Wohl mag die Frau die schwere und schlecht bezahlte Arbeit verrichten, aber von den besser bezahlten Stellungen wird sie so viel wie möglich ferngehalten. Die Lehrerinnen, die Mütter sind, können von jedem Gemeinde- rat entlassen werden. Den weiblichen Postbeamten hat der Mnister die Ehe verboten. Frauen und Mädchen, seht Ihr nun, daß der Wahlkampf auch Euch etwas angeht?„Ja," sagt Ihr,„aber was können wir tun? Wir haben ja kein Wahlrecht." Ein Grund mehr, um Euch mit diesem Wahlkampf zu befassen. Die Sozialdemokraten wollen das Wahlrecht auch Euch möglich machen. Zeigt nun, daß Ihr reif dafür seid. Wirkt mit; gebraucht Euren Einfluß auf Euren Mann oder Sohn, Vater oder Bruder; überzeugt sie von ihrer Pflicht, für den Sozialdemokraten zu stimmen.— Seht, Ihr Frauen, Mütter, Arbeiterinnen, Eure Sorgen sind schwer. Aber bedenkt es wohl: noch schwerer sollen sie werden."--„Kämpft mit uns," so schließt der Aufruf,„für den Sozialdemokraten, den Verteidiger Eurer Familie und der Arbeiterkinder."— GewerKscbaftlicbe9. Berlin und CXmgcgcnd. An sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Am 27. Mai dieses Jahres hat es ein übermütiges Unter- nehmertum fertiggebracht, zirka 3000 Zigarettenarbeiterinnen des- halb aufs Stratzcnpflaster zu werfen, weil sie es ablehnten, ihrem gesetzlich gewährleisteten Koalitionsrecht zu entsagen, und zwar da- durch, daß sie eine handschriftliche Versicherung an Eidesstatt ab- .geben sollten, ans dem Deutschen Tabakarbeiter-Verband auszu- treten. Nachdem die Arbeiterinnen der Dresdener Zigarettenindustrie sich seit zirka 2 Jahren zum größten Teil organisiert hatten, suchten sie dadurch ihre miserable wirtschaftliche Lage zu verbessern, daß sie gemeinsam einen Lohntarif ausarbeiteten, den sie am Anfang dieses Jahres den Fabrikanten vorlegten. Diese hielten es jedoch nicht der Mühe wert, darauf zu antworten. Im Mai reichten die Arbeiterinnen zum zweiten Male ihren revidierten Lohntarif ein, worauf der Fabrikantenverein, dem zu dieser Zeit 14 Firmen an- gehörten, antwortete,„er lehne jede Verhandlung mit der von den Arbeiterinnen gewählten Kommission ab, da derselben Personen angehörten, die nicht in der Zigarcttcnbranche tätig sind. Sie wollten nur mit Kommissionen, gewählt von den Arbeiterinnen jeder ein- zclncn Fabrik, verhandeln." Auch darein willigten die Arbeiterinnen. In zwei längeren gemeinsamen Sitzungen einigte man sich dahin, daß den Zigarettenarbeiterinnen sowie einem Teil der Hülfskräfte eine Lohnzulage zuerkannt wurde. Als jedoch auch für andere Hülfskräfte Lohnzulagen gefordert wurden, brachen die Fabri- kanten die Verhandlungen kurzerhand ab und erklärten, nur mit den Arbeiterinnen ihrer Firmen einzeln verhandeln zu wollen. Des lieben Friedens willen willigten die Arbeiterinnen auch in dieses Verlangen, und es kam in 11 Betrieben zu einer Einigung. Außerdem hatten schon drei Fabrikanten, die dem Verein nicht an- gehörten, die Forderungen bewilligt. Wogegen bei den 8 Fabri- kanten, die sich jeder Lohnausbesserung widersetzten und zu keinem Zugeständnis zu bewegen waren, die Arbeitsniederlegung erfolgte. Die letzteren 8 Fabrikanten(die eigentlichen Scharfmacher) suchten jetzt, sämtliche Fabrikanten der Zigarettenindustrie Dresdens zu einem Verbände zu vereinigen, was auch gelang, mit Ausnahme der oben angeführten drei. In dem Verbände wurde der Beschluß her- beigeführt, durch Anschläge in sämtlichen Fabriken bekanntzugeben, daß, wer nicht bis zum 27. Mai cr. seinen Austritt ans dem Deut- schen Tabakarbeiter-Verband durch Unterschrift erklärt, entlassen respektive gekündigt ist. Die Firmen, welche ihren Arbeiterinnen das Koalitionsrecht rauben wollen, sind folgende: Adler-Compagnie, Alexandria, Arabia, Delta, A. M. Eckstein u. Söhne, Epirus, Gg. A. Jasmatzi, A.-G., Josetti, G. m. b. H., Juwel in Poppitz, Kios, Compagnie Laferme, Compagnie Macedonia, I. Malzmann, Monopol, Werner Alex Müller, Osmanie, Persia, Rennion, Serail, Sulima, Tuma, Jean Vouris, B. Weller, Zlanthi, Denidze. Hierzu kommt noch die Firma Josetti in Berlin, deren Arbeiter und Arbeiterinnen aus Solidarität mit ihren Dresdener Kolle- ginnen die Arbeit einmütig niederlegten, ohne besondere Forde- rungen zu stellen. Die Namen der 5 Dresdener Firmen, welche die Forderungen ihrer Arbeiterinnen bewilligten, sind: Gebr. Selowsky(Bolero und Zenith), Casanova, Kasaky, Körner u. Apfelstädt und Kosmos. Die Berliner Gewerkschaftskommission im Einverständnis mit den Vertrauenspersonen der sozialdemokratischen Partei Berlins beschloß am 5. dieses Monats, den Boykott über obige 25 Dresdener Firmen inklusive der Firma Josetti in Berlin zu verhängen. Arbeiter! Konsumenten! Wir fordern Euch auf, diesen Be- schluß in die Tat umzusetzen, unterstützt uns dadurch in unserem so schweren Kampfe gegen die Beraubung des Koalitionsrechtes. Die Streikkommission. Arbeiter! Parteigenossen! Während das llnternehmcrtum sich immer fester zusammen- schließt, um seine Interessen in wirtschaftlicher Beziehung zu wahren und seine politische Macht aufrechtzuerhalten, will man hihr die Arbeiter rechtlos machen und sie zu Heloten herunterdrücken. Nicht verhandeln will man mit ihnen, nicht Staatsbürger in ihnen schen, sondern als Arbeitstiere sollen sie sich willenlos dem Macht- jpruch der Unternehmer unterwerfen.«Heu im Hüufe" wollen werden. Die ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen appellieren nun an das Solidaritätsgefühl ihrer Klaffengenoffen! Wir glauben die Bersicherung abgeben zu können, daß sie hierin nicht getäuscht Wir erwarten nun von allen Arbeitern, daß sie die Fabrikate dieser Firmen streng meiden und überall dafür eintreten, daß niemand diese Zigaretten raucht. Unterstüßt Eure fämpfenden Brüder und Schwestern in jeder Beziehung! Der Ausschuß der Berliner Gewerkschaftskommission. Die sozialdemokratischen Vertrauensleute Berlins und der Vororte. Die fozialdemokratischen Vertrauenspersonen der Frauen. Schließlich bringen die Minister ihren Dank dar für das persönliche Wohlwollen, das der König ihnen habe zuteil werden lassen. * Kristiania, 7. Juni.( W. T. B.) Das Storthing hat in der heutigen Abendfihung eine Proklamation an das norwegische Bolk beschlossen, in der es nach einem historischen Ueberblick über die bisherigen Vorgänge heißt: Wenn der Gang der Entwickelung, der mächtiger war als die Wünsche und der Wille der Einzelnen, die Schritte gefordert hat, die das Storthing getan hat, so ist es unsere bie Unternehmer fein, beswegen haben sie diesen Kampf provoziert. I mann nach einiger Zeit mit einem uniformierten Schuhmann den lichen Gewalt bei der Frage der Sanktionierung des -Handschriftlich sollen sich die Arbeiter an Eidesstatt verpflichten, Laden betrat, wechselte der junge Mensch die Farbe und wurde Konsulatsgesetzes mit der Verfassung nicht vereinbar ist, daß sie ihrer Organisation entfagen! Das verlangen die Unter- leichenblaß. Er wurde nach der Wache transportiert; furz vorher und da eine neue Regierung die Verantwortung für diese nehmer, die sich selbst in festen Vereinen organisiert haben. unternahm er einen Fluchtversuch, der jedoch an den schnelleren Füßen der Beamten scheiterte. Auf der Wache wurde er als der Politik nicht übernehmen will, ebensowenig wie die gegenwärtige 23jährige Arbeiter Karl Zichirner aus der Jagow- sich daran beteiligen will, indem sie im Amte verbleibt, straße 17 festgestellt. Er gab an, die Uhr getauft zu haben, wie er halten die Minister es für ihre Pflicht, zurückzutreten und sofestgestelbeiter suchung förderte indessen eine ganze Anzahl goldener und silberner dasselbe schon vorher dem Uhrmacher erzählt hatte. Eine Durchfort dem Storthing Mitteilung davon zu machen. Weiterhin heißt es in dem Schreiben: Der Rahmen Schmudsachen zutage, welche hinzugezogene Verwandte der er des konstitutionellen norwegischen Königstums sei gesprengt mordeten Frau Sinnig als deren Eigentum wiederkannten. Nun- und die Lösung des Unionsverhältnisses durch de Beschluß mehr gab Tschirner an, die sämtlichen Gegenstände in einem Batet des Königs eingeleitet worden, hoffentlich zum Glück und an der Ede der Turm- und Wilhelmshavenerstraße am 6. Juni ge- Frommen der beiden bisher vereinigten Völker. funden zu haben. Die weiteren Ermittelungen durch die Kriminalkommissare Vonhof und Schnellrath förderten dringende Verdachtsgründe dafür zutage, daß Tschirner der Mörder der Frau Sinnig fei. Die Voruntersuchung gegen Tschirner ist nunmehr Mit der Lohnbewegung der Barbiergehülfen beschäftigte sich am abgeschlossen und die auf Mord und schweren Diebstahl im Dienstag eine Nachtversammlung der Freien Vereinigung felb- tüdfalle lautende Anklage erhoben worden. Der Beschuldigte ständiger Barbiere. Auch die Lohnkommission der Gehülfen war zu hat aus dem Untersuchungsgefängnis heraus die Rechtsanwälte der Versammlung eingeladen und erschienen. Die Grundlage der Dr. Schwindt und Arndt mit seiner Verteidigung beauftragt Erörterungen bildeten die von den beiderseitigen Vertretern in den und durch diese einen umfangreichen Entlastungsbeweis in Form legten Nummern des Vorwärts" ausgetragenen Meinungsverschieden- eines Alibibeweises antreten lassen. Die Berhandlung gegen heiten. Die Debatten trugen einen vorwiegend persönlichen, oft schirner dürfte schon in der nächsten Schwurgerichtsperiode stattrecht kleinlichen Charakter und wurden von einzelnen Stednern auf finden. beiden Seiten mit einer unferes Erachtens ganz unangebrachten Schärfe geführt. Zur Sache selbst führten die Vertreter der Noch ein Kwileda- Prozeß. Ein Nachspiel zur Kwileda- Affäre, sichere Hoffnung, daß das norwegische Volt das Glück haben werde. Freien Vereinigung aus, daß sie eine Verbesserung der Lage die feinerzeit, wie berichtet, so großes Aufsehen erregt hat, begann in Frieden und in gutem Einbernehmen mit allen Völkern, und nicht der Gehülfen für durchaus notwendig erachten und daß gestern das Landgericht in Posen zu beschäftigen. Wie gemeldet die Freie Vereinigung Deshalb einen Tarifvertrag mit wird, klagt die Weichenstellersfrau Meher gegen den Grafen um wenigsten mit dem schwedischen, zu leben, mit welchem wir den organisierten Gehülfen abschließen möchte. Sie hat aus diesem Kwiledi und dessen Ehefrau auf Herausgabe des fleinen Grafen. durch so viele natürliche Bande verbunden sind. In der sicheren Grunde das Einigungsamt angerufen, die Lohnkommission der Ge- Frau Meyer flagt im Armenrecht. Als Hauptzeugin ist die aus Ueberzeugung, daß das norwegische Volt sich mit der Storthing und hülfen hat sich bereit erklärt, an den Verhandlungen, die am Freitag dem Berliner Prozeß bekannte Maria Andruszewska geladen. Die der Regierung vereinigen wird zur Festhaltung der vollen Selbstattfinden, teilzunehmen. Der Lohnkommission wurde unter anderm bor kurzem aus Montreur nach Bosen zurückgekehrte Beklagte hat ständigkeit des Reiches unter Bewahrung derselben Festigkeit, B2auch der Vorwurf gemacht, daß sie sich in dieser Bewegung gegen sich bereit erklärt, einen ihr eventuell vom Gericht zuzuschiebenden die Freie Vereinigung wende, anstatt sich mit derselben zu ver- Gid über die Echtheit des Kindes abzulegen. Nach dem Berlaufe sonnenheit und würdigen Ruhe, welche bisher unser Auftreten gcständigen und so der arbeiterfeindlichen Innung Abbruch zu tun. der bisherigen Verhandlungen dürfte es zu dieser Eidesleistung kennzeichnet hat, und daß es willig Opfer tragen wird, die verlangt Als die Versammlung beim Morgengrauen des neuen Tages ge- fommen. Die Verhandlung wurde auf Antrag beider Parteien werden sollten, erwartet das Storthing, daß jeder Untertan sich vollschlossen wurde, waren sich die Bertreter der Parteien noch nicht vertagt und zwar auf den 20. September. ständig nach den Anordnungen und Vorschriften richten wird, ebenso um einen Schritt näher gekommen, auch hatte die LohnTommission teine Erklärung abgegeben, ob sie willens sei, vor dem daß alle Beamten, zivile, militärische und geistliche, in jeder Hinsicht Einigungsamt einen Tarif mit der Freien Vereinigung abzuschließen. der Regierung den Gehorsam zeigen, den zu verlangen sie auf Grund Die Versammlung stimmte schließlich den Ausführungen Schrolles der Gewalt, welche ihr das Storthing im Namen des norwegischen zu, welcher sagte, man folle alles dem Einigungsamt überlassen, Volkes übertragen hat, ein Recht hat. und wenn dort feine Einigung zustande käme, dann möge jeder Arbeitgeber so handeln, wie es den Interessen seines Geschäfts Trotz des Verbotes und der Trepotschen Diktatur haben die entspricht.- Ein Antrag wurde eingebracht, welcher besagt, Semstwos in Moskau getagt. Ein Privattelegramm unseres daß bor dem Abschluß der Einigungsverhandlungen teine Mostauer Korrespondenten berichtet uns: weitere Bolemit zwischen der Lohnkommission und der Freien Vereinigung im Borwärts" geführt werden soll. Die an wesenden Mitglieder der Lohnkommission meinten, fie fönnten eine Erklärung im Sinne des Antrages nicht abgeben, ehe nicht ihre gesamte Kommission dazu Stellung genommen habe. Darauf nahm " die Versammlung den Antrag in der Form an, daß die Freie Vereinigung vor den Einigungsverhandlungen nicht weiter im Vorwärts" polemisieren werde, falls nicht seitens der Gehülfen die Polemit wieder begonnen wird. Die Unternehmer des Baugewerbes in Berlin haben an die Behörden eine Eingabe gerichtet, worin fie unter Berufung auf die zut stande gekommene Verlängerung des Tarifvertrages mit den Arbeitern unter Erhöhung der Stundenlöhne auf 73 Pf. für Maurer und Zimmerer und 48 Pf. für Bauarbeiter um Berücksichtigung dieser Veränderungen ersuchen und bei der Berechnung der Preise folgende Stundenlöhne anzusetzen bitten: Für Maurer " Zimmerer Bauarbeiter " " Bostengesellen 90 f. 90 60 " 1,05 M. Deutfches Reich. mit 25 Proz. Aufschlag für Nachts arbeit und Ueberstunden. Die Lohnbewegung der Hamburger Maurer und Zimmerer hat mit einem glänzenden Erfolge geendet. Wie schon mitgeteilt, ging die Altonaer Innung mit der Bewilligung voran, während der Borstand der Hamburger Innung, bestehend aus Arbeitgebern, die es nicht sehr„ eilig" haben, die Sache auf die lange Bank zu schieben fuchte. Entgegen dem Willen der sonst tonangebenden Herren, beschloß die Hamburger Inmung mit großer Mehrheit( mur 18 Meister nahmen einen ablehnenden Staudpunkt ein), die Lohnforderung zu bewilligen. Obwohl der Vorstand sich mit großer Energie dagegen wehrte, wurde diefer beauftragt, Tarifverhandlungen anzubahnen. Auch die Wandsbecker Jnnung hat den neuen Tarif anerkannt. Die Erfahrungen bei den bor drei Jahren mit großen Opfern geführten Lohnbewegungen im Baugewerbe haben den Maurer- und Zimmermeistern die Erkenntnis beigebracht, daß es besser ist, sich mit den Arbeitern gütlich auseinanderzusehen. Husland. Der Konflikt in der schwedischen Metallindustrie. Entsprechend ihrem Aussperrungsbeschluß hat die Unternehmerorganisation nun auch den im Auftrage der Regierung vom Generaldirektor Bayerheim gemachten Verhandlungsvorschlag rundweg abgelehnt, und zwar unter dem Vorgeben, daß man aus Erfahrung wisse, daß Verhandlungen mit den Fachbereinen jegt keine Aussicht auf Erfolg hätten. Die Unternehmer haben damit von neuem bewiesen, daß fie unter allen Umständen einen gewaltigen Kampf heraufbeschwören wollen, selbst dann, wenn sich die Arbeiter bereit erklären würden, die verschiedenen Streits aufzuheben. Man kann also nun mit Sicherheit darauf rechnen, daß zu Pfingsten zirka 17 000 Arbeiter Schwedens auf unbestimmte Zeit aus der Arbeit geworfen werden. Die Tarifverhandlungen im Buchdruckgewerbe in Desterreich find abgebrochen worden. Die Differenzen drehten sich um die Tarife an den Schmaschinen. Die Unternehmer wollen das Recht haben, ungelernte Arbeiter an die Maschinen zu sehen, während die Gehülfen diese Tätigkeit nur den bisherigen Handsetern vorbehalten wiffen wollen. Ferner wollen die Unternehmer an den Maschinen 11 Stunden arbeiten lassen, während der bisherige Tarif die achtstündige Arbeitszeit festsetzt und in der Woche nur eine Ueberstunde zuläßt. Eine Einigung fonnte nicht erzielt werden und jo wurden die Verhandlungen abgebrochen. Es wird nun wahrscheinlich zu partiellen Kämpfen lommen. Die Revolution in Rußland. Sämtliche Blätter stellen die Ruhe und Würde fest, mit der der Storthing und die Regierung heute den wichtigen Schritt unternommen haben, und sprechen ihre Freude darüber aus, daß der Gestern versammelte sich in Moskau der Kongreß der Vertreter Beschluß des Storthings einstimmig erfolgt sei, sie erkennen die aller Semstwos und Stadträte. Ueber 300 Bertreter waren an- Loyalität des Storthings gegenüber dem König durch das Anwesend. Der Zweck ist, den Kaiser zum letzten Male zu bitten, erbieten des norwegischen Thrones an einen Prinzen aus dem Haufe sofort eine Nationalversammlung einzuberufen. Hinsichtlich dieser Bernadotte an und hoffen, daß diese loyale Rücksichtnahme berfundamentalen Frage herrscht völlige Einheit. Meinungsverschiedenheiten herrschen vorläufig fast ausschließlich nur bezüglich Termin standen und gewürdigt werden wird. Die Blätter geben sodann der und Methode. Freude und Genugtuung darüber Ausdruck, daß Norwegen von heute an ein völlig unabhängiger und souveräner Staat sei. Ein offizielles russisches Telegramm besagt: Trotz des Verbotes des Generalgouverneurs besprach der Stadtrat eine Erklärung von 90 Stadtverordneten über eine fofortige Zuſammenberufung von Bollsvertretern und beschloß, fe Letzte Nachrichten und Depefchen. dem Ministerrate zur Kenntnis zu bringen. Die sofortige Einberufung der Vertreter sei notwendig, um in erster Reihe die Frage der Kriegseinstellung zu erörtern. An der Sigung der Stadthäupter nahmen auch die Landstandsmitglieder, im ganzen 250 Personen teil. Es wurde hauptsächlich die Frage erörtert, in welcher Form die Regierung benachrichtigt werden soll über die Notwendigkeit der sofortigen Zusammenberufung der Voltsvertreter. Der tolle Rat des Zaren. Nach der„ Europa" soll der Kronrat des Baren, mit Ausnahme Wittes, sich in seiner letzten Sigung über folgende Punkte verständigt haben: 1. Rußland ist weder geschlagen noch besiegt. Die Mißerfolge haben nichts zu bedeuten, denn Teile des heiligen russischen Reiches find weder betreten noch erobert. Die Kämpfe haben sich in einer chinesischen Provinz abgespielt. 2. Es ist unter der Würde des großen Rußland, den Frieden anzubahnen, vielmehr muß Japan um Frieden bitten". Tritt dieser Fall ein, so ist von einer Abtretung wichtiger Geländeabschnitte ebensowenig die Stede, wie von der Zahlung einer Striegsentschädigung, weil eben Rußland nicht besiegt ist. Nene Verlustliste aus Südwest- Afrika. Berlin, 7. Juni. Amtliche Meldung. Ein Telegramm aus indhut meldet: Am 23. Mai 1905 beim Ueberfall einer Karre östlich der Karrasberge: Gefallen: Unteroffizier Heinrich Zupp, geboren am 5. 10. 79 zu Hersfeld; Gefreiter Paul Kadoch, geboren am 30. 3. 83 zu FrauStadt; Reiter Richard Kersten, geboren am 5. 5. 83 zu Wusterhausen; Reiter Edmund Schneider, geboren am 12. 10. 83 zu Altenseelbach; Reiter Otto Schöps, geboren am 13. 6. 83 zu Eisenberg. Am 27. Mai 1905 im Gefecht füdwestlich Goagas. verwundet: Hauptmann Georg Blume, geboren am 17. 1. 66 zu Berlin, Streifschuß linte Hand; Leutnant Martin Schmidt, geboren am 29. 9. 78 zu Neu- Ruppin, Schrammschuß Hals; Reiter Johann Leschner, geboren am 8. 2. 85 zu Bertelschüß, Schuß linke Hand. An Typhus gestorben: Gefreiter Friedrich Füllbier, geboren am 14. 9. 78 zu Gleiwib, am 31. Mai 1905 im Lazarett KalkfonteinSüd; Reiter Gustav Schütt, geboren am 17. 4. 83 zu Rödinis, am 30. Mai 1905 im Lazarett Kaltfontein- Süd; Reiter Joseph Pokohn, geboren am 2. 2. 80 zu Willims, am 3. Juni 1905 im Lazarett Windhuk; Reiter Leo Pieper, geboren am 25. 8. 81 zu Bocholt, ani 3. Juni 1905 in der Krankenſammelstelle Kubub. Außerdem: Gefreiter Fritz Leiftriß, geboren am 17. 4. 84 zu Gottesberg, am 2. Juni 1905 im Lazarett Bethanien an Lungenentzündung gestorben. 3. Der Krieg wird„ paffib" fortgesetzt, d. h. Truppenentfendungen finden nur insofern statt, als es sich um Ersaz von Abgängen handelt. Auch die Einnahme von Wladivostok und Charbin Nachträglich gemeldet: Unteroffizier Wilhelm Weiser, geboren wären teine Gründe, das System der Ermattungsstrategie auf- am 6. 5. 77 zu Grassowa, wurde am 19. Mai 1905 im Gefecht bei zugeben. General Linewitsch hat in der von Kuropatkin vor- Bisseport verwundet, Schuß rechten Oberarm; Reiter Martin Schau, gezeichneten Kampftveise des Zurüdweichens" fortzufahren, bis geboren am 1. 9. 81 zu Steudten, am 21. November 1904 im Japan im Laufe von Jahren petuniär wie wirtschaftlich vollkommen Lazarett Eputiro an Typhus gestorben. ruiniert ist. 4. Gin Friede, der etwa von Japan unter Bedingungen erbeten wird, die die Würde Rußlands nicht berühren, fann nur in der Um den Kaiferpreis. Erwägung angenommen werden, daß es einer Großmacht wie vom Kriegsgericht zu sechs Monaten Festung verurteilt, weil er beim Posen, 7. Juni.( B. H.) Hauptmann Zimmermann wurde Rußland unwürdig ist, sich länger mit einem kleinen, beutegierigen Rotieren der Schießresultate Unredlichkeiten fich zu schulden kommen Staate herumzuschlagen. 5. Von Rußland könnte ein Friedensangebot nur dann aus- ließ, um den Kaiferpreis zum zweiten Male zu erhalten. In erster gehen, wenn etwa das von Aufwieglern irregeführte russische Bolt Instanz war er zu drei Monaten Festung verurteilt worden, gegen in einmütiger Weigerung die Fortführung des Strieges unmöglich dies Urteil wurde aber vom Gerichtsherrn Revision eingelegt. Punkt 5 fönnte schließlich allein nur ernsthaft in Betracht Gasexplosion. kommen. Er würde gewissermaßen den lichten Augenblick in dem russischen Regierungswahnsinn bedeuten. macht. Jm direkten Widerspruch mit diesem Bericht steht jedoch folgende Meldung des Wollffchen Telegraphen- Bureaus: London, 7. Junt. Das„ Reutersche Bureau" meldet aus Petersburg: Jm Verfolg der gestrigen Beratung des Ministerkomitees in Barskoje Selo wurden heute nachmittag an die russischen Botschafter in Washington und Paris Justruktionen Der Kongreß der französischen Post- und Telegraphenarbeiter des Juhalts telegraphiert: Rußland wünsche die und Angestellten, der zurzeit in Paris tagt, hat den Beschluß ge= faßt, die allgemeine Vereinigung in eine Gewerkschaft umzuwandeln, Friedensbedingungen Japans zu erfahren. die dann dem Allgemeinen Gewerkschaftsbunde angeschlossen wird. Gerichts- Zeitung. Die Umwälzung in Norwegen. Bürmoos fand eine heftige Gasexplosion statt. Acht Arbeiter wurden Salzburg, 7. Juni.( B. H.) In der Glaswarenfabrik von tödlich verlegt. 29. von Eine geheime Kohlenstation Deutschlands? Ju einer Mitteilung des New York Herald" aus Jamaita vom Mai wird behauptet, die Kohlenstation St. Lucia, die der dänisch asiatischen Gesellschaft auf St. Thomas errichtet worden ist, sei tatsächlich eine deutsche Unternehmung. mart einen Stützpunkt auf St. Thomas erlangt, wonach es schon Deutschland habe dadurch anscheinend hinter dem Rücken von Danc lange gestrebt hat. " Erdbeben. Wolffs Bureau" dementiert diefe Nachricht. Kopenhagen, 7. Juni. Die Meldung des New York Herald", daß die Kohlenstation der dänischen ostasiatischen Kompagnie auf St. Thomas ein deutsches Unternehmen sei, ist, wie Rigaus Bureau" von maßgebender Seite erfährt, bollkommen unrichtig. Die Hamburg- Amerika- Linie hat nichts mit dieser Kristiania, 7. Juni. In ihrem Schreiben an König Oskar Kohlenstation zu tun. Beide Linien haben nur eine Uebereinkunft Die Bluttat in der Wilhelmshavenerstraße, welcher am betonen die Mitglieder der Regierung unter Hinweis auf den über die Regelung der Fahrt ihrer Schiffe im westindischen Verkehr 5. Januar d. J. die Witwe Auguste Sinnig zum Opfer fiel, wird im Staatsrate am 27. Mai ausgesprochenen Beschluß des Königs, getroffen. demnächst das Schwurgericht des Landgerichts I beschäftigen. Frau die Abschiedsgesuche der Staatsräte nicht zu bewilligen, daß Sinnig, die ein Zigarrengeschäft betrieb, ist in der Nacht vom es dem Grundgesetz gemäß der königlichen Gewalt obliege, dem 5. zum 6. Januar mittels eines scharffantigen Instrumentes er- Lande eine konstitutionelle Regierung zu geben. mordet worden, und zwar lag Raub vor. Bekanntlich wirkte der Dann heißt es weiter: In demselben Augenblid, wo die Zufall bei der Ermittelung des vermeintlichen Wörders in erheb- Politit des Stönigs die Bildung eines verantwortlichen Rates lichem Maße mit. In dem Uhrengeschäft von Kurtius u. Mildt in hindert, ist die norwegische Königsgewalt außer Funktion der Straße Alt- Moabit erschien am 11. Januar cr. ein junger Mensch und bot eine goldene Uhr zum Staufe an. Dem Geschäftsinhaber getreten. Das hierdurch etablierte Verhältnis läßt sich nicht fam die Sache verdächtig vor, da die Uhr genau der Beschreibung aufrechterhalten. Gegen ihren Willen kann die Regierung Die englischen Schlachtschiffe„ Canopus" und„ Goliath", nach China entsprach, welche das Polizeipräsidium von einer der Frau Sinnig nicht gezwungen werden, auf ihrem Posten zu bleiben. Eine bestimmt, sind zurückberufen und der Atlantischen beziv. der Mittelgeraubten Uhr gegeben hatte. Er hielt den Verkäufer einige Zeit andere Regierung zustande zu bringen, hat Seine Majestät meerflotte zugewiesen worden. Man erwartet, daß die hauptsäch hin und schiďte zur Polizei. Als der Kriminalwachtmeister Hoff- nicht einmal den Versuch gemacht. Da die Politik der fönig- lichen Schiffe von den chinesischen Stationen abberufen werden. Verantw. Ned.: Franz Reybein, Berlin. Inserate verantwo.( mit Ausnahme der„ Neue Welt"-Beilage): Th. Glode, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Buchdr. u Berlagsanft.Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 3 Beilagen u.Unterhaltu Cetinje, 7. Juni.( W. T. B.) Gestern wurde in der Nähe von Stutari ein neuerliches stärkeres, von einem Gewitter begleitetes Erdbeben verspürt. Auch in der Nacht wurden mehrere Erdstöße, wovon zwei stärker, aber nur von kurzer Dauer waren, wahr. genommen. Colombo, 7. Juni.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Nr. 132. 22. Jahrgang. 1. KW te Jotiuiitls" Krlintt NcksM Doimerstag, 8. Inm 1905. Das Strafgefängnis Plötzensee vor Gericht. (Eigener Bericht des.Vorwärts'.) IS. Verhandlungstag. In der heutigen Sitzung ist der Reichstags-Abgeordnete Rechts- anwalt Wolfgang Heine als Verteidiger neben Dr. Liebknecht und Heinemann fiir die Angeklagten Bütwer und Kaliski zur Stelle. ferner sind als Sachverständige noch geladen und anwesend Sanitätsrat Rosinski-Wronke und Dr. Hausburg-Brandenburg. Sanitätsrat Rosinski. der Anstaltsarzt am Wronker Gefängnis ist, trat auch im Kwilecki-Prozetz als Sachverständiger auf. Dr. Haus- bürg war früher Arzt in der Strafanstalt zu Brandenburg. Die Vorführung Grosses abgelehnt. Nach Eröffnung der Sitzung verkündet der Vorsitzende, Land- gerichtsdirektor Oppernrann, folgende Gerichtsbeschlüsse: 1. Der Antrag auf Vernehmung des Willi Grosse als Zeugen wird abgelehnt; G. hat an dem Ergebnis der Beweisaufnahme das erheblichste Interesse, weil davon der Erfolg seiner Bemühungen, aus dem Gefängnis herauszukommen, abhängt, und deshalb würde feine Aussage nicht geeignet sein, das bereits vorliegende Beweisergebnis zu erschüttern, vielmehr würde dieser Umstand seiner Aussage jeden Wert entziehen. 2. Der Antrag auf richterliche Inaugenscheinnahme des Willi Grosse wird abgelehnt, weil das Gericht dieselbe gegenüber den sonstigen Beweisergebnissen als bedeutungslos erachtet. Der Antrag auf Vorführung des Willi Grosse ist damit erledigt. RechtSanw. Dr. Liebknecht beantragt protokollarische Fest- stellung seines am S. Juni gestellten Antrages auf Verlesung der in den Strafakten gegen Grosse befindlichen Bescheinigung des Sanitäts- rats Dr. Hildebrand. Ferner beantragen die Rechtsanwälte Dr. Liebknecht und Heinemann, in den durch Gerichtsbeschluß der Verteidigung übergebenen Abschriften der Gerichtsbeschlüsse auch diejenigen Bc- schlüsse mitzuteilen, auf die im Tenor Bezug genommen ist, da sonst die Mitteilungen ganz unverständlich sind. Rechtsanw. Heine- mann weist darauf hin, daß in den mitgeteilten Beschlüssen sogar daS Datum fehlt. Dies würde ein schwacher Notbehelf sein, indem man daraus wenigstens ahnen könnte, worauf sich die Beschlüsse beziehen; wie es jetzt ist, kann man es auch nicht einmal ahnen. Ferner beantragen die Verteidiger, einen in Köln im Festungs- gefängniS befindlichen Zeugen zur mündlichen Vernehmung zu laden. Ueber diesen Anttag behält sich das Gericht die Beschlußfassung bor. Die beiden anderen Anträge werden abgelehnt, doch soll dem Wunsch auf Zufügung der Daten bei den Abschriften der Beschlüsse Rechnung getragen werden. RechtSanw. Dr. Liebknecht(zum Sachverst. Dr. Placzek): Wie stellen Sie sich zur Frage der Strafvollzugsfähigkeit des Grosse? Sachverst. Dr. Placzek: Mit dem Augenblick, wo ich ihn für geisteskrank erkläre, ist die Anschauung ausgesprochen, daß er nicht tnS Gefängnis gehört. Wohin er gehört, ob in eine Irren- oder eine Zwischenanstalt zwischen Gefängnis und Irrenhaus, habe ich hier nicht zu erörtern. Hinzufügen will ich aber noch, daß der Standpunkt des Nervenarztes und des StrasanstaltSarztes ein ver- schiedener ist. Der elftere kann nur sagen, er findet im Gefängnis nicht die Bedingungen, die erforderlich find, um einen Geisteskranken zu behandeln; deshalb soll ein solcher sobald als möglich aus dem Gefängnis heraus, derselbe muß im Milieu des Gefängnisses leiden, wie auch seine Behandlung dort aus die Disziplin störend wirken muß. Unmöglich können auch die Bedingungen zum Schutz der Geisteskranken im Gefängnis derartige sein, wie in der Irrenanstalt. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: War bei Grosse bei Begehung der Tai die freie Willensbestimmung ausgeschlossen? Sachverst. Dr. Placzek: Die Anlage seiner Krankheit hatte er von Geburt an; um zu beurteilen, ob die Bedingungen des§ 61 zutrafen, müßte ich die Einzelheiten der Tat kennen. Geisteskranke im Strafvollzug. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Halten Sie eS für denkbar daß G. die Krankheit willkürlich herbeigeführt hat. um fein Heraus- kommen aus dem Gefängnis zu ermöglichen? Nach§ 493 der Strafprozeßordnung ist nämlich, wenn dies nicht geschehen ist, der Aufenthalt in einer von der Strafanstalt getrennten Krankenanstalt in die Strafzeit einzurechnen. Sachverst. Dr. P l a c z e k: Die Krankheit bei G. besteht von Geburt an, vorgetäuscht scheint er mir ein Symptom zu haben. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Herr Medizinalrat Dr. Lepp- mann meinte, daß der Aufenthalt m einer Irrenanstalt die Strafe unterbrechen würde. Es ist dies aber eine bloße Vcrlvaltungs- Maßnahme und durchaus nicht notwendig, wenn nicht die Bedingung des§ 493(daS Selbstherbeiführen der Krankheit) zutrifft. Sachverst. Dr. L e p p m a n»: Bei der Unterbrechung des Straf- Vollzuges durch Aufnahme in eine Irrenanstalt handelt es sich keines- Wegs um eine bloße Verwaltungsmaßregel, sondern es ist das aus- gesprochen durch obergerichtliche Entlcheldungen gegenüber dem Be- gehren, solchen Kranken die in der Jrrelianstalt verbrachte Zeit an- zurechnen. Vors.: Gegen einen Geisteskranken laßt sich überhaupt eine Strafe nicht vollstrecken. Infolgedessen bleibt ja nichts übrig, als die Strafe zu unterbrechen, und gegen die Nebenkläger ist ja auch der schwere Borwurf erhoben, daß sie Geisteskranke im Gefängnis belassen haben. Sachverst. Dr. Leppmann: Man muß im einzelnen Fall unterscheiden, ob das Verständnis fiir Strafe und Schuld völlig ausgeschlossen oder nur vermindert ist. Die ersteren halte ich nicht für strafvollzugsfähig, und ivenn solche Leute zu uns kommen, so wird das Verfahren als ein endgültiges Feststellungsverfahren bezeichnet, um über den Gegensatz hinweg- zukommen, daß von einem beamteten Arzt als geisteskrank erllärte Leute im Strafvollzug bleiben. Der 8 493 ist„ach obergerichtlichen Entscheidungen bei Geisteskrankheiten überhaupt nicht heranzuziehen, da bei diesen die Fähigkeit des Strafvollzuges ohne weiteres wegfällt. Staatsanw. S ch ö n i a n: Es ist der Staatsanwaltschaft nach ihren, pflichtmäßigen Ermessen überlassen, einen Gefangenen aus dem Strafvollzug zu entlassen oder nicht. Der Staatsanwalt. welcher einen Geisteskranken im Strafvollzug behalten würde, würde seine Pflicht verletzen und sich strafbar machen. Rechtsanw. Heinemann(zu Dr. Leppmann): Nach den gegen- wältigen Bestimmungen dürfen doch Geisteskranke im Strafvollzug bleiben? Sachverst. Dr. L e p p m a n n: Bei solchen Leuten, die von den Anstaltsärzten nicht zur Feststellung, sondern als geisteskrank zu uns gesandt werden und denen die Zeit als Strafzeit gerechnet werden soll, sagt man. es handelt sich um ein definitives Fcstslcllungs- verfahren. Rechtsanw. Heinemann: Gibt es Gesetze und Verordnungen, wonach der Strafvollzug gegen Geisteskranke ausgeschlossen ist? Sachverst. Dr. Leppmann: Ich kenne keine. Rechtsanw. Heinemann: Wenn also der Vorsitzende davon sprach, eS liegt ein schwerer Vorwurf in der Behauptung, ein Geistes- kranker sei im Gefängnis belassen worden, so entspricht das nicht der gesetzlichen Lage. Sachverst. Dr. Leppmann: Um diese Frage nicht auf- kommen zu lassen, haben wir eben unsere StrasanstaltS-Jrren- abteilung. RechtSanw. Dr. Liebknecht: Diese enthält also geisteskranke Gefangene, deren Strafvollzug nicht unterbrochen ist? Sachverst. Dr. Leppmann: Sie sind aus dem geordneten Strafvollzüge m Berhältsisje gefirnch*, wie sie die Irrenanstalten bieten. Die Behörde hat sich dahin entschieden, ihnen die hier ver- brachte Zeit voll auf die Strafzeit anzurechnen, und um keinen Gegensatz zu schaffen, wird sie zu einer Art definittvem Feststellungs- verfahren gestempelt. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Es sind also tatsächlich Geistes- kranke, die im Strafvollzug verblieben sind, und zwar in einem nach den Grundsätzen der Jrrenpflege gegenüber den, Gesängnislazarett verbesserten Strafvollzug. Von einem beamteten Arzt als geisteS- krank erllärte Verbrecher bleiben formell im Strafvollzug? Sachverst. Dr. Leppmann: Jalvohl, sie bleiben formell im Rahmen des Strafvollzuges. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Damit ist also die Tatsache des Strafvollzuges gegen Geisteskranke festgestellt. StaatSanw. S ch ö n i a n: Es kommt für die Sttafunter- brechung nicht darauf an, ob jemand geisteskrank ist, sondern ob er strafvollzugSunfähig ist. Hierüber sagt Krahne:.Strafvollzugs- unfähig ivird der Verurteilte, wenn er entweder so verblödet ist, daß er kein Verständnis mehr hat für die Strafe und den Straf- Vollzug, oder so verrückt ist, daß er durch sein Gebaren die Ruhe und Ordnung der Strafanstalt stört. Das ist nicht dasselbe, als wenn jemand schlechtweg als geisteskrank erklärt wird. Der Nachtaufseher des Lazaretts. Sachverst. Dr. Placzek weist gegenüber einer Frage des Staatsanwalts, woher er denn wisse, daß, die Schutzvorrichtungen einer Irrenanstalt bessere seien als die des Plötzenseer Gefängnis- Lazaretts, aus den allgemeinen Unterschied beider Arten von An- stalten hin, auf die Verschiedenheit des Ausseherpersonals, auf das verschiedene Verhalten eines Aufsehers, je nachdem er glaubt, einen Krauken oder einen Gefangenen vor sich zu haben. Hierbei wird auf Anregung des Angeklagten S ch n e i d t und des Rechtsanw. Dr. Liebknecht durch Vernehmung des Zeugen Direktor Denzner, daß der Nachtdienst dem äu jour habenoen Lazarettaufscher überttaaen war, daß aber daneben noch ein ständiger Sicherheitsaufseher für die Nachtzeit vorhanden war, der die Ausbildung der Lazarettauffeher nicht hatte. Dieser Nachtauffeher hatte während der Nacht auch die Be- obachtungen an den verdächtigen Kranken anzustellen, wenn nicht etwa der Lazarettaufseher einen besonderen Auftrag vom Arzte hatte. Rechtsanw. Dr. Chodziesner(Vertreter der Nebenkläger.); Geheimrat Dr. Baer vertritt alle Wünsche, die über die Versorgung von Geisteskranken im Gefängnis hier zum Ausdruck gebracht sind, schon seit mehr als 30 Jahren. Wen» sich alle diese Ideale noch nicht haben erreichen lassen, trifft ihn da ein Vorwurf? Sachverst. Dr. Placzek: Keineswegs. Geheimrat Dr. Baer ist der unennüdlichste Vorkämpfer für eine Reform im Strafvollzug, und wenn er sie nicht hat verwirklichen können, liegt das nicht an seiner Persönlichkeit, soudern an den Verhältnissen. Rechtsanw. Dr. Liebknecht: Ganz unsere Ansicht. Vors.: Wir konimen nun zu dem Fall Schirmer. ES erfolgt zunächst die Verlesung deS Artikels„Erfolge des Strafvollzuges" aus Rr. 87 des„Vorwärts" vom 14. April 1904. Der Artikel bespricht den Fall des Strafgefangenen Willi Schirmer, der wegen Diebstahls 1896 bis 1991 in Strafhaft war. ES wurden in dem Artikel Auszüge aus den Personalakten, die ssch Ahrens auf die schon früher erörterte Weise verschafft hatte, zum Abdruck gebracht. und zwar: 1. ein Brief des Schirmer aus dem königlichen Zentralgefängnis Wronke an seine Eltern vom 1. Oktober 1899, in welchem Schirmer Betrachtungen über die Ungerechtigkeiten dieser Welt anstellt, mitteilt, daß er sich mit Selbstmordgedanken trägt, und über die Höhe seiner Strafe klagt. Dieser nicht an den Adressaten beförderte, sondern„zu den Alten" gegebene Brief Schirmers war, so hieß es in dem Artikel, das letzte Produkt seiner klaren Vernunft. Nachdem Schirmer 3Vz Jahre in Wronke eingesperrt war, habe e§ sich er- wiesen, daß er an Halluzinationen und Bewußtseinsstörungen litt. Dem Anstaltsarzte sei gelegentlich einer Disziplinierung das seit- same Benehmen aufgefallen. Schirmer sei dann nach Plötzensee übergeführt und hier nach kurzer Beobachtung im Lazarett in Gemein, schaftshaft verlegt worden. Als nach sechs Monaten in Plötzensee Platz geschafft werden mußte, sei Schinner in das Gerichtsgefängnis Lübben übergeführt worden. Dann folgt in dem Artikel 2. eine Aw zeige eines Aufsehers im Gefängnis in Lübben über einen tödlichen Angriff des Schirmer auf ihn. 3. DaS Protokoll über die Ver nehmung des Schirmer nebst Verfügung eines zweiwöchigen Arrestes durch den Gcfängnisvorsteher. 4. Eine Verfügung des Kceisphysikus Dr. Annasle vom 16. Februar 1901, wonach Schirmer. der schon in Wronke an Halluzinationen und Schlaflosigkeit gelitten, sich wahr, scheinlich in cinemZZnstande krankhafter Geistesstörung befinde.— Am 16. Februar 1991 wurde auf dies Gutachten hin die Arreststrafe unterbrochen. An demselben Tage berichtete 6. der AmtsgerichtSrat Gefängnisvorstcher N i e h o f f an den Oberstaatsanwalt, wobei er sagt: es erscheine ihm sehr zweifelhast, ob Schirmer etwas an Geistesstörung leidet oder ob er nur simuliert. Letzteres scheine das Wahrscheinlichere. Schirmer scheine gern nach Plötzensee zurück zu wollen, und simuliere wahrscheinlich die Geisteskrnukheit, weil er weiß, daß er dann der Lazarettstation überwiesen wird, Ivelche in Lübben fehlt. Eine Aussetzung der Verbüßung der Disziplinar strafe erscheine durchaus unaugängig. Dem Oberstaatsanwalt erschien es. wie es im Artikel heißt, geboten, den Rück transport des Schirmer nach Plötzensee anzuweisen. Anfang März 1991 sei er daselbst wieder eingeliefert worden. Am 17. April 1991 habe daS Amtsgericht zu Lübben bei der Direktton in Plötzensee angefragt, ob die gegen Schirmer erkannte Disziplinarstrafe nunmehr vollstreckt sei. ES folgt dann in dem Artikel 6 die Perfügung des Direktors Wirth vom Strafgefängnis Plötzensee vom 19. April 1991, daß SanitätSrat Dr. Pfleger sich gutachtlich darüber äußern möge, ob an J dem Schirmer zurzett die ihm in Lübbe» zuerkannte Arreststrafe(noch 11 Tage geschärfter Dunkelarrest) vollstreckt werden kann. Dieser Verfügung lag 7. bei_ einer der von Schirmer ge- schriebenen konfusen Briefe. Dieser ist ans Plötzcnsee vom 19. April 1991 datiert und an die„Hochwohllöbliche Majestät des Kaisers" gerichtet. Der Kaiser wird gebeten, Schirmer von dem Rest der Strafe zu entbinden, da er sich nicht halb, sondern ganz gebessert ftihle. Wenn er von der Anstalt entlassen werde, wolle er ein nützliches Glied der menschlichen Gesellschaft werden. Er habe bereits Auftrag gegeben. einen größeren Wald- komplex einzufriedigen, in welchem er eine Dressur- anstatt für allerlei wildes Getier einrichten lassen wolle, wobei ihm eine 699 Mann starke Mannschaft von der Leibwache beistehen soll. Nachdem diese Dressur dann vollendet ist, werde er einen Zirkus, in welchem diese Tiere in Freiheit dressiert vorgeführt werden, ein- richten"; 8. äußerte sich Dr. Pfleger am 23. April 1991 dahin. daß die Strafe vollstreckt werden könne, aber von der Verdunkelung der Zelle abzusehen sei; 9. folgt eine Verftigung des Direktors Wirth vom 29. April 1991, wonach Schirmer am 23. April tob- süchtig geworden sei. nebst der Anfrage, ob er geisteskrank sei oder nicht. Schließlich wird 19. eine Erklärung der Herren Dr. Baer und Dr. Pfleger vom 23. Mai 1991 veröffentlicht, wonach Schirnier geistig'beschränkt und zu krankhaften Affekte» geneigt und eS dringend wünschenswert sei. ihn während der letzten wenigen Sttafzeit in freier Luft zu befchästigen. ES wird in dem Artikel dann noch ausgeführt, daß Direktor Wirth zweifellos den Erlaß der Sttafe beabsichtigt habe, die beiden Anstaltsärzte zur Abfassung des„klassischen Attestes" aber 4 Wochen Zeit sich nehmen mußten. So sei es gekommen, daß der Fall Schirmer in Vergessenheit geriet. Schirmer sei in Arrest geblieben. nicht in freier Luft beschäftigt worden und acht Wochen später, als seine Strafzeit beendet, mittellos auf die Straße gesetzt worden. Die Angeklagten Büttner und A h r e n s bestreiten, durch den Lrtilel über den Fall Schirmer eine Beleidigung der beiden Sieben- kläger beabsichtigt zu haben. Auch enthalte der Artikel objektiv keine Beleidigung. Der Angeklagte Ahrens giebt zu, daß in den Abschristen aus den Personalatten einige kleine Auslassungen vorgekommen sein mögen, die ihm nicht wesentlich erschienen. Der erste Zeuge ist Sanitätsrat Dr. R o s i n s k i, seit 1894 Gefängnisarzt in Wronke. Derselbe bekundet: Schirmer ist in der Zeit von 1896—1999 in Wronke interniert gewesen. Ich erinnere mich seiner Person nicht mehr, kann aber auf Grund der Notizen im Krankenbuche folgendes aussagen: Schirmer hat sich 1397 und 1893 mehrere Male wegen kleiner körperlicher Beschwerden zur ärztlichen Sprechstunde vorführen lassen. Im Jahre 1899 klagte er über Kopfschmerzen, Kopfschwindel und Schlaflosigkeit. Er wurde ins Lazarett übergeführt, blieb jedoch nur zwei Tage dort und ließ sich sofort gesund schreiben. 1999 kam er mit denselben Beschwerden ins Lazarett, verweilte aber nur zehn Tage dort und meldete sich gesund. Nach sechs Tagen kam er wieder und fügte den früheren Beschwerden die Behauptung hinzu, daß er an Halluzinationen leide. Ich trat nun seiner Persönlichkeit näher, und bei dem Examen, das ich mit ihm anstellte, hat Schirmer selbst ausgesagt: er habe gesunde Elten: und vier gesunde Geschwister. Im Alter zwischen fünf und acht Jahren habe er schon verschiedene Dummheiten ge- macht. Mit dem neunten Lebensjahre sei er in die Erziehungs- anstatt Rummelsburg gebracht worden, nach seiner Einsegnung sei er bei einem Schonffteinfegermeister in Stralsund in die Lehre ge- kommen, entlief aber ans der Lehre und wurde wieder nach Rummels- bürg gebracht. Das Spiel wiederholte sich mehrmals, einmal entlief er auch aus Rummelsburg. Im 16. Lebensjahre kam er zum ersten- mal in Kollision mit dem Strafgesetz, indem er Tauben stahl, „weil er keine Arbeit hatte". In der Strafanstalt nahm er sich vor, sich zu bessern. Kaum aus der Anstalt entlassen, habe er sich an dem Bandendiebstahl beteiligt, der mit mehreren Jahren Gefängnis geahndet ivorden sei. Er hat nach seinen eigenen Angaben eine schwere Krankheit nie durchgemacht, auch einen schweren Unfall nie erlitten, ist aber geschlechtlich sehr er- regt gewesen und hat in diesen: Punkte gesundheitsschädlichen Ge- wohnheiten gefröhnt, die sein Nervensystem schwächten. Er erzählte, daß er Selb)tmordgedanken gehabt habe; eine Stimme habe ihm gesagt, er solle sich aufhängen, er habe aber nicht darauf gehört, Venn er glaube nicht an Stimmen, das seien nur Träume. Im allgemeinen verhielt sich Schirmer geordnet, aber auf dem Gebiete des' Trieblebens zeigte er erhebliche Lücken. Schon vom fünften Jahre an ließ er sich ohne Widerstand ver- locken; auch die Schlußfolgerung, er habe Tauben gestohlen, weil er keine Arbeit hatte, zeigt, daß er in den ethischen Empfindungen und Vorstellungen wesentlich gestört war. Ich hielt ihn für eme geistig minderwertige Persönlichkeit voll Willensschwäche und Halt- losigkeit. Ob eine epileptische Veranlagung vorhanden war, will ich dahingestellt sein lassen. Das Leiden ist jedenfalls nicht durch die Einzelhaft in Wronke cutstanden, sondern die geistige Minderwertig- keit bestand seit dem fünften Jahre, wo er anfing, Dummheiten zu machen. Da solche minderwertigen Personen die Einzelhaft schlecht vertragen und zu Halluzinattonen neigen, so habe ich seine Ver- setzung in die Gemeinschaftshaft beantragt, und er ist dann nach Plötzensce übergeführt worden. Was Wetter mit ihm geschehen ist, weiß ich nicht. Aus den Akten erkennt der Zeuge seine Verfügungen, nach denen er den Schirmer als geheilt, nämlich von der Schlaflosigkeit und den Halluzinationen, aus dem Lazarett entlassen und seine Ueber- führung in dauernde Gen:einschaftshaft beantragt hat. S. ist am 13. April 1999 in Plötzensee eingeliefert worden. Auf Veranlassung des Rechtsanw. Heine wird aus den Akten ein Vermerk vom 3. Februar 1999 verlesen des Inhalts:„S. hat heute ein Arbeitsmesser aus der Formerei in die Zelle genommen, um sich zu entleiben. Auf Beftagen erklärte er, er hätte die Nach- richt erhalten, seine Elten: seien schwer krank und deshalb wollte er sich töten, da er doch nicht mehr lebendig herauskomme. Es wurden ihm leichte Handfesseln angelegt und nach einiger Zeit erklärte er: Jetzt bin ich wieder zur Besinnung gekommen und mein Vorhaben tut mir leid." Rechtsanw. Dr. Liebknecht: In Ihrem Attest sagen Sie: „Mit dem Ersuchen, den S. zur Verhütung von Rückfällen dauernd in Gemcinschaftshaft zu überführen. Was verstehen Sie unter dauernd? Zeuge: Tag und Nacht. Darauf tritt eine Pause von 29 Minuten ein. Bei Wiedereröffnung der Sitzung erklärt Rechtsanw. H a l p e r t, daß der Angekl. Ahrens durch die wochenlange Verhandlung so er- mattet ist, daß er die für seine Verteidigung uorwcndige Aufmerk- samkeit der heutigen Verhandlung nicht mehr zuwenden kam: und um Abbruch derselben bittet. Auch Geheimrat Barr bittet angesichts seiner angegriffenen Ge- sundheit um eine, wenn möglich, mehrtägige Pause. Die Verhandlung wird daher um l1/« Uhr auf Freitag ü'/z Uhr vertagt. Wasserstand am 6. Junt. Elbe bei Aussig 4- 9,18 Meter, bei Dresden— 1,25 Meter, bei Magdeburg+ 1,13 Meter.— U» st r u t bei Straußsnrt+ 1,05 Meter.— Oder bei Ratibor+ 1,40 Meter, bei Breslau Ober-Pegel-f 5,00 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 0,98 Meter, bei Franlturt-j- 1,85 Meter.— Weichsel bei Brnhemimde-si 3,18 Meter. — Warthe bei Posen ff- 0,94 Meter.— N e tz e bei Usch 4- 0,41 Meter. ßriefhaften der Redabtion. Wir bitten bei jeber Auflage eine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte AbonnementSquittung beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beaut- wortet und schrittliche Antwort wird nicht erteilt Jurittlkcber Cell. Die juristische Sprechstnudr stndet läglich mit SliiSiiahme de««omiabend» vo» 71, bi»»>/, Ndr abend» statt. Geostnet: 7 Ubr. ft. 100. Sie können nach Ihrer Wahl den Schuldner an seinem Wohnort oder an: ErsüllungSori(dem Ort der Hingabe des DarlehuS und dem damaligen Wohnort des Schuldners) verklagen. Da aber angenommen werden kann, dag Umstände vorliegen, welche einen anderen als den gcsctz- lichcn Ersüllungsort als vereinbart erscheinen lassen, wird es sich eiupsehlcir, den Wohnort ocS Schuldners zu wählen.—(f. K. 100. Da die ausschlaggebende Zeit in die Zeit vor tSOO(also vor Jnkrasttreten deS B. G.-B.) fällt, so würde eine Klage mit Erfolg nur aus Zahlung von Alimenten ge- richtet werden können, eS sei denn, die solgenichwere Begegnung sand in einem gemeinrechtlichen Orte Mitteldeutschlands statt.— C. M. Ja.— 21. T. 100. Ist der Inhalt des Testaments In Ihrer Anfrage zutreffend wiedergegeben, so würde Frau S. eventuell mit Erfolg llageu können.— R. 14. Ihr Vater würde mit Erfolg gegen die Psänduug klagen können. — jt. P. S8. Können Sie die von Ihnen behauptete Abrede beweisen, so würde eure Klage aus Zahlung der vollen Provision Aussicht aus Erfolg haben.— R. Nagel. Nachdem Sie rechtskräftig abgewiesen sind, würden weitere Schritte ersolglo« sein und Ihnen lediglich Scherereien, Zeitverlust und Kosten verursachen. — Dorf 10. Die Beantwortung Ihrer Fragen hängt von den: nicht mit. geteilten Wortlaut deS Testament» und davon ab, wo Ihr erster Wohnsitz nach Eheschluß war.— Steuer 1004. Sie sind zur Zahlung verpflichtet; erst nach vier Jahren würde eine Verjährung eingetreten sein.— O. Kürner. Sluch für Sparkassenbücher kann Finderlohi: beansprucht werden. Bei der Bemessung deS Finderlohnes, der bei Sachen bis 300 Mark 6, darüber 1 Prozent beträgt, ist nicht die Sparsumme zugrunde zu legen, sondern der Finderlohn nach billigem Ermessen zu bestimmen. Etwa 3 bis 5 Mark würden in Ihrem Falle als billig erachtet werden.— N. R. Ueber das Ihnen durch Erbschast ansallende Geld können Sie zu Ihren Lebzeiten srei verfügen. Zweckdienlich wäre eS, daß Ihr Bater Ihren Mann ausdrücklich von der Verwaltung deS Vermögens ausschließt. In dem Testament, da» Sie errichten wollen, können Sie Ihren Mann aus Pflichtteil setzen und von der Verwaltung des au Ihre Kinder fallenden Nachlasses ausschließen.— Alter junger Abonnent. In Ihrem Falle wäre Lohn für die Feiertage nicht zu zahlen. Die gesetzliche Lage finden Sie S. 166, 167 de» in den öffentliche» Bibliotheken ausiiegenbm MbeiterrechtS" geschildert. No. 10137. Fort mit unechten Stöcken! Wir liefern diesen echt silbernen Griff 800/1000 gesetzl. gestempelt, komplett mit Stock für nur Mk. 3.-. Diese Form ist chick und auch bequem über dem Arm zu tragen. Griff 3 M. Silberner Stock mit Silberne Zigaretten- Etuis 800/1000 gesetzlich gestempelt von M. 9.- an. ca. 1500 Spazierstöcke mit echt silbernen Griffen schon von 2,50 M. an. 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Die alten Mitgliedskarten müssen in der bisherigen Zahlstelle abgegeben und dort gegen eine neue Karte eingetauscht werden. Der Termin der Kartenausgabe wird noch im Vorwärts" bekannt gemacht. " 229/4 Der Vorstand. I. A.: G. Winkler. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater u. Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Uhr ab geöffnet. 2 Hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Großer Ball. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brummenftr. 16. Heute geschlossen! Am 1. Pfingstfeiertag: Eröffnung d. Sommersaison. Im Sommergarten: Eröffnung am Täglich Theater u. Spezialitäten. Sonntag( 1. Feiertag) mit vollständig neuem Programm. Am 2. Feiertag: Freitag: Angele. Abschied vom Extra- Früh- Borstellung. Anf. 51, Uhr. Regiment. Sonnabend: Salome. Sonntag: Nachtasyl. 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Diese Firmen sind: Gebr. Selowsky( Bolero u. Zenith), Casanova, Kasacky, alap Körner& Apfelstädt und Kosmos. Bei folgenden Firmen soll den Arbeiterinnen das Koalitionsrecht genommen werden durch handschriftliche Versicherung an Eidesstatt": Adler- Compagnie Alexandria Arabia Delta G. A. Jasmatzi A.-G. Josetti G. m. b. H. Juwel in Poppitz Kios J. Malzmann Monopol Serail Sulima W. Alex Müller Osmanie Tuma Persia Reunion Jean Vouris B. Weller Xanthi AATES A. M. Eckstein& Söhne Compagnie Laferme Epirus Compagnie Macedonia Yenidze einschließlich der Firma Josetti- Berlin, Neue Friedrichstr. 9/10. Siege zu verhelfen. Hoch die Solidarität! Arbeiter, Parteigenossen! An Euch liegt es nun, den ca. 4000 um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Arbeiterinnen zum Alle Anfragen behufs Aufklärung sind zu richten an Willi Hahn, Berlin NW.23, Klopstockstr. 6. Die Streikkommission. A. 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Die Aufsichtsbehörde erkennung der Tatsache, daß die Verbrauchsvereine und die Genossenhat ebenfalls eine Untersuchung eingeleitet, die aber ihren Bericht schaftsbewegung im allgemeinen nun von oben herab mit noch nicht erstattet hat. etwas anderen Augen angesehen werden als Wir wissen, daß sich die Verbrauchsvereine unter dem Der Equitable- Schwindel. Die kapitalistische Presse bemüht sich natürlich, darauf hin- früher. Sie können zuweisen, der Vorfall zeige, daß man bei einer amerikanischen Ver- Widerstand der Behörden vorwärts gekämpft haben. Unsere deutschen Gründungsschwindler können können von ihren sicherungsgesellschaft sein Leben nicht versichern dürfe. Das ent- meine Anwesenheit als ein Zeugnis dafür ansehen, daß diese Zeit amerikanischen Brüdern immer noch recht viel lernen. All die Be- springt natürlich nichts anderem, als den Konkurrenzmanövern der vorbei ist. Die Verbrauchsorganisationen werden nun bon seiten trügereien, die die letzte deutsche Wirtschaftskrise auch dem in solchen deutschen Gesellschaften. Was da vorgebracht wird, ist auch ganz der höchsten Behörden als ein natürliches und Finanzprattiken nicht Eingeweihten enthüllt hat, glichen sich fast unlogisch. Denn gleichzeitig wird hervorgehoben, daß die Equitable" berechtigtes Glied in der Entwickelung unserer Gesellschaft fämtlich bis aufs Haar. Man mußte über den Mangel an Er- seit dem neuen Versicherungsgesetz vom Jahre 1901 in Deutschland betrachtet." findungsgabe staunen, den unsere Finanzleute damals an den Tag gar nicht mehr fonzessioniert ist, also, wenn ein Schaden für die Mit dieser vernünftigen Auffassung steht es in scharfem Wider gelegt haben. Die Handlungen der Sanden und Pommernleute, Bersicherten überhaupt eintreten sollte, was vorläufig bestritten wird, spruch, daß der Kollege Högsbros, der Justizminister Alberti und Ser Erner, Treberschmidt, Terlinden und Konsorten gediehen nicht nur die früheren Abschlüsse in Betracht kämen. feine Leute ihre Agitation gegen die Sozialdemo bloß auf demselben morschen Sumpfboden des Kapitalismus, sondern In der Tat gibt es nur zwei Möglichkeiten: bieten tratie bei den Kommunalwahlen im März dieses Jahres fie wiesen auch, rein oberflächlich betrachtet, immer dasselbe Bild die amerikanischen Gesellschaften nicht genügend Sicherheit, wesentlich darauf stützten, daß sie das Kleinbürgertum mit dem Hinauf. Um so interessanter ist es daher, zu beobachten, welche neuen so muß ihre Tätigkeit überhaupt in Deutschland verboten werden. weis auf die Genossenschaftsunternehmungen der Schliche jene" Finanzgrößen" auszuhecken verstehen, vielleicht weil Ist das aber nicht der Fall, so liegt kein Grund vor, dieses Arbeiter zu schreden suchten. die alten etwas abgebraucht erscheinen. Der Standal, der in den Ereignis zu gunsten der deutschen Gesellschaften auszuschlachten. Der preußische Kollege des dänischen Verkehrsministers hält Tezten Wochen um die New Yorker Equitable Versicherungs- Das neue Versicherungsgesetz bestimmt, daß ausländische Gesell- die Konsumvereinstöterei für seine Spezialaufgabe. Im Mittelstandsgesellschaft entbrannt ist und der der bürgerlichen Presse fort schaften Sicherheiten in Höhe der Prämienreserve( etwa drei Viertel rettungsunfug marschiert Breußen in der Welt voran. gefegt zum Gegenstand aller möglichen Betrachtungen herhalten muß, der eingezahlten Prämien) von den in Deutschland abgeschlossenen berdient nach dieser Richtung allgemeine Beachtung. Sicherlich wird Versicherungen zur Verfügung des Aufsichtsamtes zu hinterlegen Die Bank- Konzentration in Amerika macht gleichfalls dauernb auch nicht allzu lange Zeit verstreichen, bis man irgend einem haben. Die„ Equitable" hat, da sie diesen Bedingungen für die früher weitere Fortschritte. Zurzeit werden, wie die" Frankf. 3tg." be= deutschen Finanzmanöber das„ made in America" auf meilenweite in Deutschland abgeschlossenen Bolicen nicht unterworfen war, nur richtet, nicht weniger als drei bedeutende Vereinigungen geplant. Entfernung wird ansehen können. etwa ein Siebentel der notwendigen Summe hinterlegt. Dennoch Die North American Trust Company, die sich erst vor Die persönlichen Kämpfe um die Herrschaft in den Ver- begnügt sich der größte Teil der bürgerlichen Bresse mit der einiger Zeit mit der Trust Company of America vereinigte, be= waltungen der Attiengesellschaften oder wie es, nicht ohne eine Beruhigungsepistel, daß die Versicherten für ihr Kapital nichts zu absichtigt nunmehr, sich mit einem anderen bedeutenden New Yorker gewisse Ironie so schön heißt, um die Kontrolle" find bekannt. fürchten hätten, da die„ Equitable" hohe Gewinne erzielt und Institut der City Trust Company, zu verschmelzen. Das Kapital Man bemüht sich ja bei uns ähnliche Zustände zu importieren. Die Direttoren nut einen Teil dieser Gewinne vergendet wird sich auf 2 Millionen Dollar belaufen, bei 9,60 Millionen Dollar Bei der Equitablegesellschaft handelt es sich, soweit sich über- hätten. Selbst wenn das richtig wäre, muß der Vorfall Reserven und 50 Millionen Dollar Depositen. bliden läßt, um feinen 8ant zwischen zwei Börsenmagnaten, nach anderer Richtung hin Veranlassung " Eine andere Er change National und der Mechanics National geplant; die Kombination wird dann über 2 Mill. Dollar Kapital und 2½ Mill. Dollar Reserven verfügen. Wie aus diesen Ziffern ersichtlich, fönnen die Banken einen Bergleich mit deutschen und englischen Großbanken nicht aushalten, da sich deren Wirkungskreis immer nur auf eine bestimmte Stadt erstredt. Filialen dürfen amerika. nische Banken in anderen Städten nicht unterhalten. gehülfen. 8weigverein Berlin. Verband deutscher Barbier, Friseur und Perückenmacher Nachdenken Bantamalgamation wird aus Chicago berichtet; hierbei handelt sondern der Streit ist im häuslichen Lager selbst ausgebrochen. geben. Zunächst taucht die Frage auf, warum die New Yorker es sich um eine Fusion der American Trust and Savings Zwei Direktoren verfuchen der Deffentlichkeit zu zeigen, was sie beide Aufsichtsbehörde von den Machenschaften nichts gemerkt hat. Hier Bank und der Federal Trust and Savings Bank of Chicago, durch auf dem Kerbholz haben, und der Erfolg dieser Uebung wird, nach zeigt sich eben wieder, wie die Kontrolle über Aktiengesellschaften die das Aktienkapital mit den Reserven auf 5 Millionen Dollar den neuesten Berichten, offenbar sein, daß fie beide sich ausgeübt wird. Weiterhin aber bleibt doch, selbst wenn die Aktionäre und die Depositeneinlage auf 32 Millionen Dollar gebracht wird. zu gemeinsamem Tun versöhnt die Hände reichen. Zuerst hatte der keinen Schaden erleiden und den Versicherten die versicherte Summe In St. Louis wird die Vereinigung der American Generaldirektor, Mr. Alexander, seinem Mitdirektor Hyde den Fehde- ohne Kürzung ausgezahlt wird, eine andere wichtige Frage bestehen. handschuh zugeworfen. Welche Absichten er dabei berfolgte, ist vor Ein großer Teil der Versicherungen wird nämlich nicht bloß bei der läufig noch nicht recht flar; daß solche bestehen, ist aber mit Sicher Equitable", sondern auch bei fast allen deutschen Gesellschaften mit heit anzunehmen. Hyde ist der 30jährige Sohn des Begründers der fogenanntem Dividendenanteil abgeschlossen. Der Versicherte hat nach Gesellschaft und hat von seinem Vater ein Riefenvermögen geerbt, das er, einigen Jahren vom Abschluß des Vertrages ab Anspruch an dem erwie es heißt, recht schnell zu vergeuden trachtete. Das hätte nun in feiner zielten Reingewinn, dessen Höhe auf die zu zahlenden Prämien verrechnet Weise den Stein des Anstoßes gegeben, wenn nicht dieser Herr Hyde wird. Vergenden nun die Direktoren Gesellschaftsvermögen, so sinkt gleichzeitig die Majorität der Equitable- Aktien geerbt, dadurch immer dieser Dividendenanspruch der Versicherten zu deren Ungunsten. die Macht über das Unternehmen behalten und dessen Interessen mit Wenn also auch die Versicherten einmal die Vesicherungssumme voll Ein neuer Ausnahmetarif für Reihenpflastersteine nach den Ber den eigenen in allzu sinniger Weise in Verbindung zu bringen ge- ausgezahlt erhalten, so haben sie doch eine Schädigung erlitten. Bei liner Bahnhöfen, Ringbahn und einigen Borortstationen wird vom Der neue Tarif enthält wußt hätte. So wird ihm nachgesagt, daß er die Kosten für Bälle, der Equitable" liegt der Fall in der Tat so, daß hauptsächlich die 10. Juni dieses Jahres ab eingeführt. Schaustellungen und Liebesabenteuer aus der Gesellschaftskasse Versicherten geschädigt sind; die Aktionäre, nur minimal, da sich ja gegenüber den jezigen Frachtfäßen größtenteils Ermäßigungen. bezahlt hat, indem er die verschwendeten Summen einfach als der größte Teil des Aktienkapitals in Händen der Direktoren be- lleber die Höhe der Frachtfäße gibt das Verkehrsbureau der „ Reklamekosten" zu verbuchen wußte. Der erste Direktor, findet. Da die Konzentrierung der Aktienkapitalien in wenigen Handelskammer, Dorotheenstraße 7/8, nähere Auskunft. Mr. Alexander, war aber der Meinung, daß dies keine Reklame für Händen immer weitere Fortschritte macht, so werden die Fälle, wo die Gesellschaft sei und flüchtete in die Deffentlichkeit. Den Versicherten schien der gangbarste Weg der zu sein, die Gesellschaft in eine Gegenseitigkeitsgesellschaft umzuwandeln. Dem widerfeste fich aber Mr. Hyde als Hauptaktionär und zurzeit steht noch nicht fest, wie sich die Angelegenheit entwickeln wird. Das Direktorium hat vorläufig eine Kommission eingesetzt, die unter Leitung des Stahlindustriellen Frick getagt und einen Bericht veröffentlicht hat, der die unglaublichen Mißstände der Hydeschen Wirtschaft bestätigt hat. Hyde hat danach nicht nur die Kosten seiner Diners durch die Gefellschaft bezahlen lassen, sondern auch Zwischengeschäfte" gemacht, indem er die flüssigen Gelder der Equitable" in von ihm begründete Bantinstitute stedte, dort natürlich mit dem Gelde andere Geschäfte machen konnte, die ihm mehr eintrugen, während die Equitable" nur geringen Bins erhielt. Solche Geschäfte" sollen aber, wie von Kennern versichert wird, bei amerikanischen Gesellschaften durchaus nichts Seltenes sein und gar zu fremd sind sie auch nicht bei uns. Als Antwort auf das Borgehen Alexanders wandte Hyde das probate Mittel an zu erklären, daß Alexander ähnlich gewirtschaftet und von seinen Machenschaften Kenntnis gehabt habe. Das hat auch der Bericht der Unterdirektoren bestätigt und darauf stützt sich auch die Annahme, daß Hyde und Alexander Arm in Arm gegen die Beachtenswert ist die Stellung, die die gegenwärtige Regierung Berichterstatter Stellung nehmen werden. Wie es einmal in diesen dieser sich wesentlich auf den Bauernstand stüßenden GenossenschaftsKreisen üblich ist, rechnet man natürlich von vornherein damit, daß bewegung gegenüber einnimmt. Der Verkehrsminister Högsbro die Revisoren zu den Feststellungen nur aus dem egoistischen erklärte nämlich bei dem Bankett, das der Generalversammlung mäßigen nördlichen Winden. Interesse gekommen seien, die beiden Direktoren von ihren Posten zu folgte:" Darin, daß ich heute hier anwesend bin, liegt eine AnSozialdemokratischer Wahlverein für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Todes- Anzeigen. Am Sonntag, den 4. d. M., verstarb unser Mitglied August Mühleiter Anklamerstr. 16. Am Dienstag, den 6. b. M., verstarb unser Mitglied, der Ladierer Reinhold Schulz Gropiusstr. 4. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung des Genoffen Mühleiter findet heute Donners tag, nachmittags 5 Uhr, von der Charité aus nach dem Charité: Friedhof, Müllerstraße( Eingang Seestraße) statt. Die Beerdigung des Genossen Schulz findet morgen Freitag, nachmittags 4 Uhr, vom Krankenhause Moabit aus nach dem neuen Pauls- Kirchhof in Plößensee statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Der Vorstand. 248b Zentral- Verband deutscher Brauerei- Arbeiter Zweigverein Berlin, Sektion II. Todes Anzeige. Am 6. d. Mts. verstarb unfer Mitglied, der Flaschentellerarbeiter Otto Rosin ( Schultheiß I) an der Proletarierkrankheit. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Freitag, den 9. d. M., nachmittags 5 Uhr, von der Leichenhalle des GolgathaKirchhofes, Barfusstraße, aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 41/13 Der Vorstand. " Verband der Hafenarbeiter und verw. Berufsgen. Deutschlands. Mitgliedschaft Berlin II. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege 19/15 Ferdinand Nix am 6. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet Freitag, den 9, Juni, nachmittags am 4 Uhr, Mariendorfer Weg( Nig dorfer Kirchhof) statt. Um rege Beteiligung bittet Der Vorstand. Die Beerdigung meiner Frau Ida Dammaschke findet am Freitag nachmittag 3, Uhr von der Leichenhalle des Rirdorfer Stirchhofes, Mariendorfer Weg, aus ſtatt. Ernst Dammaschke. Danksagung. 22815 Für die mir erwiesene Teilnahme und reichen Kranzspenden, welche mir beim Hinscheiden meines lieben Mannes und Baters von allen Seiten zu Teil wurden, sage ich allen meinen herzlichen Dank. Herzlichen Dank auch dem hochverehrten Chef sowie den Arbeitern der Firma Höschen u. Beschte für die mir erwiesene Unterftügung. Dank auch den Verbandsfollegen für das ehrenbolle Geleit. Wwe. Marie Michaelis nebst Kind. 22776 Rügenerstr. 18. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel vollständig vertilgt. Fl. 50 Pf. u. 1,00. Ebenso Schwaben, Russen, Franzosen, Blattläufe 2c. 30 Pf., 60 Pf. u. 1,00. Schachtel 33282* Zahlreiche Anerkennungen. 1000 Mark Belohnung zahle demjenigen, der mir einen Richterfolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jekt Brunnenstr. 14, früher Nr. 18. die Hauptaktionäre sich Brivatvorteile verschaffen können, ohne sich gleichzeitig als Aktionäre zu schädigen, sicherlich noch zunehmen. In dieser Methode liegt ein neuer Finanztrick, der wiederum die Verstaatlichung des privaten Versicherungswesens zu einer dringenden Forderung erhebt. lischen Garten", Alexanderstr. 270: Versammlung. Heute abend 10 Uhr im„ Eng Verband der Friseurgehülfen Deutschlands. Beigberein Berlin. Heute abend 10 Uhr Rosenthalerstr. 57: Versammlung Erscheinen notwendig. 8 weigberein Rigdorf. Heute abend 10 Uhr bei Hoppe, Berlinerstr. 14: Außerordentliche Generalversammlung. Wichtige Tagesordnung. Witterungsübersicht vom 7. Juni 1905, morgens 8 Uhr. Barometerstand mm Wind richtung Windstärke Die gemeinsame Organisation der dänischen Konsumvereine hat am 31. Mai in Aarhus ihre Generalversammlung abgehalten, an der gegen 1100 Personen teilnahmen. Zum Leiter der Verhandlungen wurde der Verkehrsminister Högsbro gewählt. Der Rechenschaftsbericht über das letzte Geschäftsjahr schließt mit der Bilanzsumme von 25 Millionen Kronen. Der Warenumjazz erreichte die Summe von 22 584 473 Str. gegen 19 765 557 Str. im Stationen vorigen Jahre. Der Netto- lleberschuß betrug 1081 732 Kr. Neben den bestehenden Produktionsunternehmungen wird die Errichtung einer Seilfabrit, einer Seifenfabrit, Trifotagefabriken fowie einer Genoffenfchafts- Schaffchlächterei auf Jsland. gemeinsam mit der Swinembe. 755 MND Der Wert der Hamburg 756 NND isländischen Landhaushalts- Gesellschaft geplant. Berlin 754 NND Grundstücke, die Eigentum der Drganisation sind, beläuft sich auf Frankf.a.M. 753 9 1 128 160 Sr. München 754 S28 Bien 752 Still Better 3bebedt 2 bedeckt 3wolfig 3bebedt Temp. n. T. 5° T.= 4° N. Stationen BarometerWind richtung Windstärke Wetter 1bedeckt 14 aparanda 762 N 2wollig 16 Petersburg 756 NND 17 Scilly 760 NO 17 Aberdeen 766 N 14 Paris 5 bebedt halb bd. 201 Temp. n. C. FOR 5° E.= 4° N. 8 12 1 bedeckt 12 3 bedeckt 9 756 S 2 bedeckt 11 Wetter- Prognose für Donnerstag, den 8. Juni 1905. Etwas fühler, vorherrschend wolkig mit leichten Regenfällen und Berliner Betterbureau. Gardinen und Stores Eine Mark weiß, crême u. ockerfarben Echt engl. u. BrüsselTüll m. Band eingef, 12 bis 2 M. Prima Spachtel- Tüll 950 m. Batist- Auflage 18 bis M. Echt Erbstüll, reich m. 875 Bändchen, Handarb. 25 bis M. abgep. Fenster= 2 Shawls Relief- Tüll- Stores, neue Sezess.- Muster 5 bis M. Echte Spachtel- Stores, 525 Applik. m. Spinnen 12 bis Point lace-, Stella- und M. Lacet- Stores a. 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Da fönnen wir unseren Genossen gemeinschaft der Friede im Berliner Baugewerbe nicht gestört in den Vororten nur den Rat geben, in ihren Gemeinde worden ist und auch genügend Garantien für die weitere Aufbertretungen dahin zu virken, daß auch bei ihnen derartige rechterhaltung eines friedlichen Verhältnisses in unserem Gewerbe Einrichtungen getroffen werden. geboten waren, erklärten wir uns bereit, eine Lohnerhöhung von Berliner Nachrichten. Materialien zur Wohnungsreform Ehedem tönte eine andere Sprache aus dem Munde des Verbandes. Hoffentlich nehmen sich die Scharfmacher im Lande an der Bejonnenheit der Berliner ein Beispiel. Berlin verpflegt jetzt zirka 400 Kinder in den vier Fürsorgestellen 3 Pf. zu bewilligen. Dieser Vermittlungsvorschlag wurde von den Nachdem wir zu wiederholten Malen den Lefern des Vorwärts" und es ist anzunehmen, daß in den heißen Monaten die Inanspruch- Arbeitnehmern angenommen. Demgemäß beträgt vom 1. April 1905 Kenntnis gegeben haben von den Einrichtungen, welche die Stadt nahme erheblich it eigt. Unseren Genossinnen möchten, wir wieder- bis zum 31. März 1906 der Stundenlohn auf sämtlichen Bauten Berlin getroffen hat, um die Sterblichfeit der Kinder unter holt die Bitte ans Herz legen, in ihren Kreisen für die Säuglings- von Berlin und den Vororten für Maurer und Zimmerer 73, für Der Verband der Baugeschäfte sieht seine einem Jahr herabzumindern, wird es gewiß interessieren, näheres fürsorge Propaganda zu machen. damit am Jahresschluß Bauarbeiter 48 Pf. über die Art, wie die Fürsorgestellen arbeiten, zu hören. Hat die Verwaltung den sozialdemokratischen Stadtverordneten nicht Hauptaufgabe darin, unter pflichtmäßiger Wahrnehmung der Inter doch die Arbeiterschaft das größte Interesse an dieser Einrichtung. damit kommen kann, es wäre fein so großes Bedürfnis vorhanden effen der Allgemeinheit und feiner Mitglieder sowie unter gerechter Ein Gang durch die vier Fürsorgestellen lohnte sich der Mühe. wie sie behaupteten. Wir müssen ihnen den Beweis erbringen, daß Würdigung der Forderungen der Arbeitnehmer, den Frieden im Wohl dürfen wir nicht verschweigen, daß es noch in zweien an der voll- die jetzigen Einrichtungen noch lange nicht genügen. Baugewerbe nach Möglichkeit zu fördern und zu erhalten. Diese erst ein auf zaghafter Anfang dem Gebiete Aufgabe fann er mur erfüllen, wenn ständigen Einrichtung mangelt. Auch bedauern wir im Interesse der sondern wenn er seine Mitglieder, find. Den vier Stellen wird man wie bisher. zur Beteiligten, daß die Juanspruchnahme noch feine so lebhafte der Säuglingsfürsorge genauen Innehaltung der Vertragsbestim weitere hinzufügen. und die zur Verfügung stehenden Mittel mugen und Durchführung ist, als zu wünschen wäre. seiner Beschlüsse anzuhalten berDie Durchführung unserer Beschlüsse, insbesondere In der von Privatdozent Dr. Neumann geleiteten Poliklinik werden von Jahr zu Jahr steigen müssen. Diese Gelder werden der mag. in der Blumenstraße strömen täglich zirka 200 Mütter aus allen Allgemeinheit großen Nutzen bringen, im Gegensatz zu den Un- aber die Einhaltung der tariflich festgelegten Lohnfäße zur Ver Stadtteilen zusammen, um für ihre franken Kinder ärztliche Hülfe fummen, welche bei höfischen Festen für Ausschmückungen hinaus- meidung von Streiks und Sperren, ist aber nur mit Hülfe und unentgeltlich in Anspruch zu nehmen. Da ist dann auch der Zu- geworfen werden und deren papierne Bracht in wenigen Tagen ver- Unterstügung der hohen bauenden Behörden möglich. Die vom spruch von Säuglingen ein sehr großer und so kommt es, geht. Während die Fürstengunst den Berliner Stadtvätern genau fo 1. April cr. ab eingetretene Lohnerhöhung hat notgedrungen zu daß die dortige Fürsorgestelle recht rege besucht wird. Dort lange lächelt, wie die Rosenketten der Feststraße frisch bleiben, einer Erhöhung der in Ansatz zu bringenden Stundenlohnsätze wie sahen wir auch das größte Elend. Den meisten Kindern, können sie sich durch den Ausbau gemeinnügiger Einrichtungen wie folgt geführt: Für Maurer 90 Pf., für Zimmerer 90 Pf., für Bauwelche wir fahen, war das Kainzeichen der Enterbten die besprochenen ein Denkmal beim Volke sezen dauerhafter arbeiter 60 Pf., für Poftengesellen 1,05 W., mit 25 Prozent Aufschlag für Nachtarbeit und Ueberstunden. Einer hohen Behörde aufgeprägt. Schwere Brechdurchfälle, angeborene Lebensschwäche, als die ganze Sieges allee. geben wir hiervon nach einem Beschluß unserer Generalversammlung Körperverfall, Stropheln am ganzen Körper, furz alle Gebrechen der Kenntnis und bitten gehorsamst, in Würdigung der angeführten Menschheit waren dort vertreten. Auf die bei jeder Mutter wiederGründe um Anerkennung und Berücksichtigung der vorstehenden in fehrende Frage, ob das Kind Muttermilch erhält, fast immer die Ansatz zu bringenden Stundenlohnsäge. gleiche Antwort: Bin selbst frank, oder: konnte mich nicht pflegen, um Nahrung zu geben. Und doch konnte man dort sehen, wie Muttermilch als wahrer Lebensborn wirkt. Durch das Die juristische Sprechstunde wird nicht mehr in der Wöchnerinnenheim, welches Dr. Neumann im Hause leitet, Redaktion, sondern in unserem Geschäftshause, Lindenstr. 69, ist es ihm möglich, von den dort untergebrachten jungen dritter Hof, parterre, abgehalten. Die Witterungsverhältnisse des ersten Quartals 1905 waren nach Müttern täglich bis 112 Liter Ammenmilch zur Verden Mitteilungen des Statistischen Amites der Stadt Berlin ziemlich fügung zu haben. Hiervon bekommen nun die elendesten abnorme. Die mittlere Temperatur des Jantar blieb normal, Kinder der Fürsorge täglich bis 200 Gramm; daneben läßt Doktor Februar und März dagegen übertrafen das 50jährige Mittel um Neumann noch Buttermilch reichen und erzielt damit die dent sind die Ergebnisse der Ermittelungen, die seit einigen Jahren 2,1 Grad und der April blieb um 2 Grad hinter demselben zurück. bar besten Erfolge. Für die franken Säuglinge ist außerdem eine die Berliner Orts- Krankenkasse der Kaufleute,( Der Mai und Juni dürften nach trasfere Resultate liefern, der vorzügliche Mi Icht it che eingerichtet, in der die Milch gleich in Handelsleute usw. über den Zustand der Wohnungen erste wegen seiner Stälte, der letztere ob feiner Size, Temperaturen Portionsflaschen, nach ärztlicher Verordnung zubereitet und von den ihrer erkrankten Mitglieder vornimmt. Von den Haupt- bis zu 25 Grad im Schatten 38 Grad in der Sonne waren in Müttern täglich abgeholt wird. Im Haushalt ist die Milch dann resultaten dieser ebenso verdienstlichen, wie mühevollen Arbeit den letzten Tagen nichts Seltenes!) Die Höhe der Niederschläge nur anzuwärmen und der Saugpfropfen aufzusetzen. Für harmlosere haben wir mehrfach Mitteilung gemacht. Ein zusammen- übertraf im ersten Quartal 1905( mit 134 Millimeter) das Vorjahr Fälle, sowie auch für gesunde Kinder, deren Mütter sich aber Ser Kontrolle unterstellen, wird die Milch je nach Bedürftigkeit fassender Bericht, der das letzte Jahr behandelt, wird jcht um 28,4 millimeter, stand aber doch 19 Millimeter niedriger als zu billigen Preisen oder zum Selbstkostenpreis von 25 Pf. als Druckheft der Deffentlichkeit übergeben.( Unsere Woh- das 50 jährige Mittel. Was die Wind verhältnisse anbetrifft, so wurde im Januar ein West von der Stärke 7 und im April ein West- Nordim Jahre 1904". Im Auftrage des pro Liter durch die Liferanten der Fürsorgestellen ins Haus gebracht. nungsenquete West von der Stärke 8 beobachtet, während sonst in den entsprechenden der Orts Krankenkasse = für den GewerbeAuch erhalten die Frauen hier wie in den anderen Fürsorgestellen Vorstandes Monaten des Vorjahres die Stärke 6 nicht überschritten wurde. bearbeitet Kaufleute usw. von gedruckte Verhaltungsmaßregeln und werden von den Aerzten auf- betrieb Albert Der lezte Frost( 12 Grad) trat am 17. März 04, in diesem gefordert, schon bei einer fünftigen Schwangerschaft ihren Rat Kohn. Berlin 1905. Verlag der Orts- Krankenkasse, Georgen Jahre am 20. April(- 1 Grad) ein. zu suchen, um frühzeitig Vorbereitungen zu treffen, das Kind selbst Kirchstraße 40.) Der Bericht bringt, wie die früheren, eine Der Verband der Gemeinde- Arbeiter schreibt uns: Wie die zu stillen. In der von Sanitätsrat Dr. Cassel geleiteten Fürsorgeſtelle lange Reihe von Tabellen, in denen die in Groß Berlin Stadt Berlin bei einer patriotischen Kundgebung verfährt, zeigt so von den trafen wir dasselbe Elend. Auch hier ist die Milchküche eingerichtet, und gerade hiermit erzielt der Herr nach seinem Ausspruch die ſichtspunkten aus beleuchtet werden. Die kritische Würdigung reiniger ihren, in die verschiedensten Lohntlassen eingeteilten, wohlüberraschendsten Erfolge. Wenn wir sehen, mit des Zahlenmaterials, die der erläuternde Tert gibt, ist scharf verdienten Lohn. Bei der gewaltigen Höhe dieser Summe ist welch peinlicher Sauberkeit hier die Säuglingsnahrung her- und eindringend. Hinzugefügt sind eine Anzahl ausführlicher das Geld schon immer im voraus eingeteilt. Da ist die Miete zu gestellt wird, kann es uns gar nicht wundernehmen, daß so un- Einzelschilderungen schlimmster Wohnungen, die durch bildliche bezahlen, die Pfingstfeiertage stehen auch vor der Tür, so daß die zählige Proletarierkinder an Verdauungsstörungen zu Grunde gehen; Darstellung in Photographien unterstützt werden. Der besondere 14 Tage Lohn auf Heller und Pfennig berechnet sind. Doch was denn wie sollte es der armen Mutter bei ihren elenden Wohnungs- Zweck dieser systematischen Wohnungskontrolle ist mußte man hören, als man an der Reihe war, das Geld zu verhältnissen, mit ihrem mangelhaften Geschirr auch nur möglich der, zu zeigen, welche Bedeutung die Wohnungsfrage für die empfangen? Es gibt nur 13 Tage ausbezahlt. Die städtischen sein, den zehnten Teil der Sorgfalt auf die Säuglingsnahrung zu Krankenkassen hat, weil elende Wohnungsverhältnisse die Ent. Straßenreiniger müssen sich also mit der Aussicht trösten, daß es Kassen sind aus Anlaß der patriotischen Feiertage geschlossen. verwenden, die hier darauf verwandt wird? Ganz abgesehen davon, daß sie, die meist noch für's Brot mitarbeiten muß, gar nicht stehung und Weiterverbreitung von Krankheiten begünstigen und dafür am nächsten Lohntage für 15 Tage Lohn gibt. Wir sind der die Zeit dazu hat. Welche Fülle von Elend spricht aus den An- ihre Bekämpfung erschweren. Aber auch darüber hinaus sind die Meinung, daß bei einigermaßen gutem Willen es trop des hohen gaben einer Frau, die bei sechs Kindern noch mit verdienen Ergebnisse der Enquete von großem Wert. Sie geben einen Feiertages so einzurichten gewesen wäre, daß die Arbeiter ihren Entweder hat man es bei dieser muß! Wie wäre es ihr möglich, bei aller Mutterliebe ausreichend Einblick in Zustände, die die Notwendigkeit einer gründlichen vollen Lohn erhalten konnten. für den Säugling zu sorgen? Und dieser armen Frau traf noch Wohnungsreform schlagend erweisen. Der Bericht über 1904 großen Aufregung bergessen, oder man will die Straßenreiniger während der Krankheit des Kindes das Unglück, sich beim Waschen fann in mancher Hinsicht einen Fortschritt zum Besseren fest- davor bewahren, daß sie die Feiertage zu übermütig werden. an beiden Däumen eine Blutvergiftung zuzuziehen. An dieser Stelle stellen, der gegenüber den Vorjahren zu bemerken ist. Aber Den Automobile ,, Kilometerfressern" tritt auch die Zeitschrift des erhalten schon etwa zehn stillende Mütter die vorgesehene Unter der Mängel und Schäden, die weiter bestehen, sind Mitteleuropäischen Motorwagen- Vereins" scharf entgegen. Bei einer stügung, um den Ausfall an Lohn einigermaßen wett zu machen. viele und sie sind so schwer, daß man Besprechung der Probefahrt, auf welcher die neue BeleuchtungsDie Einrichtungen in den beiden anderen Fürsorgestellen sind noch so noch nicht so vollkommen eingerichtet, auch ist hier der Zu- dem Verfasser nur recht geben kann, wenn er das Bild, einrichtung für die Erkennungszeichen der Automobile( durch spruch geringer. Bei Herrn Dr. Ballin, Luisen- llfer, sowie bei das auch dieser neueste Bericht bietet, noch immer erschütternd scheinende Buchstaben und Nummern) geprüft wurden, bemerkt das Fachblatt u. a.: Heun Dr. Salge, Arminiusplay, zeigte sich uns derselbe Anblick. nennt. In solchen Räumen, die so eng, so elend sind und Erkenntnis entziehen, daß noch mit Ausschreitungen, mit FahrläſſigVorläufig fann sich aber niemand der Schlecht genährte, leibende Mütter, frante, lebensschwache Kinder. so vielen Bewohnern als„ Heim" dienen müssen, sollen Strante feit und ungeschicklichkeit auf dem Entwickelungsgange des MotorBie gut die Aerzte auf die Frauen einwirken, sieht man an einem genesen, sollen die anderen, die noch gesund sind, nicht mit- wagenwesens gerechnet werden muß. Gerade die lezte Zeit hat in Falle, wo sich eine Frau mit reichlicher Nahrung entschloß, erkranken! Dabei gehören die Mitglieder dieser Krankenkasse dieser Beziehung eine Sachlage geschaffen, welche geeignet ist, die anderes scheinbar dem Tode geweihtes Proletarierkind noch nicht zu den schlechtestbezahlten Schichten des Proletariats. öffentliche Meinung ungünstig zu beeinflussen. Es muß zu einer die Brust Hoffen wir, der Aufopferung der fremden Frau sowie der Sorgfalt Es ist zu bedauern, daß die Zahl der Krankenkassen, die in Ausmerzung der Elemente fommen, welche durch Fahr der Mutter gelingt, ihr den franken Liebling zu erhalten. Wollten gleicher Weise die Wohnungsuntersuchung in den Streis ihrer lässigkeit oder gar Rücksichtslosigkeit eine Sache wir auch nur die trasfesten Momente festhalten, so reichte der uns Tätigkeit gezogen haben, noch gering ist. Das Bild würde bon so eminenter Wichtigkeit wie das Motorwagenwesen schädigen. zur Verfügung stehende Naum nicht aus. Lassen wir diese Beispiele bei mancher Strankenkasse noch sehr viel trüber ausfallen. Darum erscheint vorläufig der Nummernzwang, besonders für Die größeren Fahrzeuge, unumgänglich". Zu der durchgreifenden Wohnungsreform, ein mit an genügen! Auch zu nehmen. daß daß es der " Die Bir kommen ja leider nur selten in die angenehme Lage, Ein- deren Notwendigkeit aus solchen Enqueten hervorgeht, Vom Kaufmannsgericht. Heute( Donnerstag) beginnt das richtungen der Stadt Berlin zu loben. In diesem Falle können wir wird es freilich trotz aller noch so traurigen Ergebnisse Berliner Kaufmannsgericht in der Zimmerstraße seine Tätigkeit. Es so zollen, als sie in der Art der Einrichtung wie in der Wahl der 10 bald noch nicht kommen. Die Hausagrarier dürfen ruhig weiblichen Personal vor, daß die zwei Kammern, die zuerst gebildet weiter die Volksgesundheit verwüften und den voll und freundlich die Aerzte mit den Frauen verkehren, dann ge- streichen. Aber aus Enqueten, wie die Orts- Krankenkasse der folgt, faum genügen werden. Die Bildung von zwei weiteren winnt man die Ueberzeugung, daß die armen Mütter den Staufleute usw. sie veranstaltet, könnte mindestens die Berliner Kammern ist schon vorgesehen worden. Die Misere, die sich hier Rat und die Sülfe, die ihnen hier zu teil werden, nicht als Gemeindeverwaltung schon längst die Einsicht geschöpft haben, bei der Klageaufnahme der Handlungsgehülfinnen offenbart, läßt Gnade empfinden. Die Kontrolle der Wohnungen wird vorläufig wie notwendig eine raschere Vermehrung der besser als alles andere erkennen, daß die Wünsche nach einem schnell von den amtierenden Schwestern ausgeführt, doch lassen es sich in Strantenhäuser ist, weil ein großer Teil der in den und billig urteilenden Kaufmannsgericht berechtigt waren. einigen Bezirken die Bezirksvorsteher nicht nehmen, auch zu Mietskasernen hausenden unbemittelten Bevölkerung Berlins Edle Ziele hat sich das Stöckersche Reich" gesteckt. In der recherchieren. Nun soll es vorgekommen sein, daß in solchen Fällen der Strantenpflege in Anstalten bedarf. Angelegenheit Kleinert müht das Blatt sich mit Eifer, den Rekord dann die Frauen die Fürsorgestellen nicht wieder aufsuchten. Es ist der Unanständigkeit zu erreichen. Das gelingt ihm glänzend. Es dies sehr töricht. Die Arbeiter sollten sich dadurch nicht In der gestrigen Sitzung der städtischen Hochbaudeputation wurde schmückt uns mit dem Titel„ Redaktionsjuden" und tramt die stärkste, abhalten lassen, ihr gutes Recht in Anspruch zu nehmen. der Stadtverordnete Runge durch den Vorsitzenden, Stadtrat aber auch abgebrauchteste Beschwörungsformel heraus, nämlich Wohl wissen wir, sich niemand den der Stempel Namslau, als Mitglied der Deputation eingeführt. Hierauf Rosenthals Worte, daß die Mädchen auf den Strich gehen sollen. Armut gern aufdrücken läßt, die muß Kontrolle wurde der Entwurf und Kostenanschlag in Höhe von 194 000 m. für Und das alles im Aerger darüber, daß Frau Kleinert von der jedoch geübt werden, da ja sonst Unfug mit den Einrichtungen getrieben werden könnte. Unsere Genossen im roten die Umwährungsmauer des Rudolf Virchow- Krankenhauses beraten Sozialdemokratie nicht herzlos, sondern anständig behandelt worden Hause haben dafür gesorgt, daß der Säuglingsfürsorge auch nicht und genehmigt. Angenommen wurde dann u. a. noch der Kosten- ist. Früher war eine solche Manier, gegen uns zu fämpfen, auch der Schein einer Armenunterſtüßung anhaftet. Eine Recherche wird anschlag über die Herstellung des Wege-, Straßen- und Bürgersteig in der Reichshauptstadt nichts Ungewöhnliches; allmählich hat aber stets läftig empfunden werden, doch muß man diese fleine Un- pflasters für das Rudolf Virchow Krankenhaus in Höhe von die Sozialdemokratie selbst ihre Gegner zu besseren Gitten erzogen, 640000 Mart. Ferner wurden genehmigt der Kostenanschlag so daß höchstens noch die provinziale Amtspresse in dem Frrwahn bequemlichkeit mit in den Kauf nehmen, wenn es sich um eine für die Ausstattung von 21 Baraden des Rudolf Virchow- Kranken- lebt, mit dem Böbelton irgendwelche Wirkung erzielen zu können. wichtige Sache wie die Gesundheit der Kinder ist. handelt. Wir ſehen dabei natürlich voraus, daß die Bezirksvorsteher ihre Befug- houses mit dem erforderlichen Mobiliar und festen Betriebsinventar in Auch das„ Reich" wird sich die Hörner ablaufen, wenn es nicht, nisse nicht überschreiten. Sollte solches aber der Fall sein, so werden Höhe von 313 000 m., sowie der Kostenüberschlag für den Bau einer was wohl wahrscheinlicher ist, bereits im Zeitalter des zartesten die Berliner Arbeiter gewiß nicht versäumen, an geeigneter Stelle Dbduktionshalle für das ſtaatliche Institut für Infektionskrankheiten Dummejungentums eines seligen Todes sterben sollte. auf dem Gelände des Rudolf Virchow- Krankenhauses in Höhe von Beschwerde zu führen. Auch wollen wir an dieser Stelle Noch einmal die Kollision auf der Spree. Man schreibt uns von 90 500 M. Außerdem wurde der Kostenanschlag für die Umwährungseiner mit den Verhältnissen vertrauten Seite: Die gestrige Ernicht versäumen, der Verwaltung anheim zu geben, fich mauer der dritten städtischen Jrrenanstalt in Buch mit 126 000 m. auch ferner für zu interessieren. Soweit wir davon unterrichtet sind, haben entwürfe mit den Kostenanschlägen in Höhe von 798 000. bezw. schweigt sich die Erklärung vollständig aus: Hat der Kapitän des das Gedeihen der Fürsorgeſtellen rege erörtert und gebilligt. Vorgelegt wurden schließlich noch zwei Vor- lärung der Sterngesellschaft hat den Führer ihres Dampfers " Moltke" nicht zu entlasten vermocht; im Gegenteil. Ueber eins sich die Mitglieder der Waisenverwaltung überhaupt noch nicht davon 830 000 M. für die Erweiterung des Kaifer und Kaiserin Friedrich-" Moltke", ehe er die Maschinen rückwärts arbeiten ließ, dies vorüberzeugt wie die neue Einrichtung arbeitet. Ferner ist es gewiß Kinder- Krankenhauses in der Seestraße. Mit diesem Erweiterungsbau fchriftsmäßig der hinter ihm laufenden Borussia" durch traurig, daß die Aerzte Arbeiterfrauen, deren Männer zu viel ver- soll sobald als möglich begonnen werden. drei furze Töne mit der Dampfpfeife angezeigt? wäre vielleicht zweckmäßig, nachzuforschen, wie lange im Jahre Es geht auch auf friedliche Weise. Der Verband der Bau- Wenn nicht, wie sollte die" Borussia" die Kollision mit dem vor der Verdienst ein so hoher ist, ob er nicht durch lange Arbeitsgeschäfte von Berlin und den Vororten hat an die bauenden Be- ihr fahrenden, ur plöglich abstoppen den(!) fremden Dampfer - Aber selbst, wenn der„ Moltke" sein Manöver vorlosigkeit erheblich herabgedrückt wird; oder ob bei einer großen hörden von Berlin und den Vororten folgende Eingabe gerichtet: vermeiden? Kinderschar und Krankheiten die Familie sich dennoch sehr ein- Wir gestatten uns, die hohen bauenden Behörden ergebenst davon her angezeigt hätte, war es immer noch die denkbar schlechteste schränken muß. Es tut uns sehr weh, wenn Frauen in Kenntnis zu setzen, daß es der durch unseren Verband vertretenen Manier, eine Wettfahrt zu vermeiden. Zu dem Zwecke hält man den Vororten abgewiesen werden weil Arbeitgeberschaft von Berlin und den Vororten gelungen ist, die nicht plöglich dem überlegenen Gegner das Heck zum Aufrennen hin, sie nicht zur Stadt gehören. So fam int einem Falle Tarifverträge mit den Maurern, Zimmerern und Bauarbeitern fondern der„ Moltke" hätte mit langsam voraus" arbeitenden eine Frau aus Rigdorf mit acht Wochen alten Zwillingen nach langwierigen Verhandlungen wiederum auf zwei Jahre Maschinen weiter gehen und durch zwei turze Töne in die Fürsorgestelle. Die Frau mußte nach Erteilung des ersten zu verlängern. Die Arbeitnehmer forderten bei dieser Gelegen andenten sollen, daß er dem aufkommenden Dampfer die rechte Kam es dann trozdem zur Rates abgewiesen werden, und doch hätte sie eine Unterſtügung heit eine Lohnerhöhung von 5 Pfennig, welche sie in sozialer Seite des Fahrwassers freigibt. wirtschaftlicher Beziehung eingehend begründeten. Mit Kollision, dann traf die volle Schuld die Kahntsche Borussia". gewiß sehr nötig gehabt. Die Frau machte einen sehr bedürftigen und Eindruck, dafür verfügte sie über einen um so größeren Kinderfegen: Rücksicht darauf, daß während der seit 1899 bestehenden Tarif- Wenn diese links vorbeizufahren versuchte, handelte sie durchaus dienen" 3. B. Maurer mit 40 M. Lohn aus ablehnen müssen. Es müssen, nach der üblichen Regel: rechts ausweichen, links überholen.- Jm elektrischen Schlag getroffen und sant bewußtlos zu Boden. Ein vorgestern in Hennigsdorf aufgegriffen, als er sich dort von einem übrigen gehören doch zum Wettfahren zwei, und soweit wir den Schußmann brachte ihn nach der Unfallstation in der Brüderstraße Eisenbahnzuge überfahren lassen wollte. Kurz zuvor war R., der Führer der Boruffia" kennen, mußt dieser auf offener Strede und dann in seine Wohnung. Ein gleicher Unfall dürfte sich bisher geistestrant ist, in die Havel gesprungen, wurde aber von Augenzwar die überlegene Geschwindigkeit feines Schiffes gern und in Berlin noch nicht ereignet haben. Ferner wurde in der Frank- zeugen des Vorfalls gerettet. R. wurde dem Gemeindevorstand in mit Recht voll aus, ist aber auf schwierigem und engem furter Allee ein unbekannter, etwa 35 Jahre alter, anscheinend dem Hennigsdorf zugeführt, der denselben gestern nach Rirdorf zurüdFahrivasser auch um so vorsichtiger. Es ist ganz mert- Arbeiterstande angehöriger Mann von einem Straßenbahnwagen schaffen ließ. Jezt soll N. einer Heilanstalt überwiesen werden. würdig, daß gerade die beiden schnellsten Schiffe der Oberspree angefahren, so daß er teilweise unter diesen geriet und zwei Wegen Verkaufs einer tuberkulösen Rinderlunge verurteilte das Flotte, die Nobilingsche„ Europa" und die Kahntsche Borussia", Meter weit mitgeschleift wurde. Baffanten befreiten ihn aus hiesige Schöffengericht den Kaufmann Hauschild zu 30 M. Geld fo oft Sterndampfer vor ihren Steven bekommen. Auch im Vor- feiner bedenklichen Lage, worauf ein Schußmann den jahre lief die Borussia" eine Zeitlang mit eingedrückter Nase umber, Bewußtlosen nach der Unfallstation in der Warschauerstraße " " strafe. die sie sich ebenfalls an einem Sterndampfer eingerannt hatte. Dabei schaffte, wo der Arzt einen Schädel- und Armbruch feststellte und Mit Schießübungen auf offener Straße vergnügten sich am sind die Führer der genannten beiden Dampfer anerkannt tüchtige die fofortige Ueberführung nach dem Krankenhause am Friedrichshain 19. April d. I. mehrere junge Burschen. Ein vorübergehendes Leute, die sich nicht bloß auf Spree und Havel versucht haben. anordnete. Dort ist der Bedauernswerte bald nach seiner Ein- Mädchen erhielt dabei einen Schuß in den Kopf und wurde erhebVielleicht gewöhnen sich die Herren Kapitäne der Sterngesellschaft lieferung gestorben, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. lich verletzt. Als Täter wurde der 15jährige Arbeitsbursche Mag etwas an den Gedanken, daß doch Spree und Havel der Großen Nach Zeugenaussagen soll den Verunglückten die Schuld treffen, da Gallasch aus Berlin ermittelt, welcher sich gestern wegen fahrlässiger Berliner auf dem Wasser" noch nicht ganz ausschließlich gehören! er, ohne auf das wiederholte Glockenzeichen zu achten, direkt gegen Körperverlegung vor dem hiesigen Schöffengericht zu verantworten Große Terraingeschäfte sind dieser Tage in den Berliner Vor- den Straßenbahnwagen lief. Der dritte Unfall ereignete fich in hatte. Mit Rücksicht auf die große Jugend des Angeklagten erkannte orten abgeschlossen worden. Unter dem Namen„ Teltow- Kanal- der Alten Schönhauserstraße. Ein junger Handlungsgehülfe Schulz das Gericht nur auf 20 M. Geldbuße. Terraingesellschaft" ist ein neues Unternehmen mit einem Aftien aus Bankow fuhr auf seinem Zweirad hinter einem Motorwagen tapital von 6 900 000 m. begründet worden. Diese Gesellschaft hat der Linie 49, der plöglich halten mußte. Der Radler versuchte nach Spandau. am Teltowkanal 500 Morgen Land erworben. Fabrikanlagen der linken Seite des Wagens auszuweichen und sauste dabei mit Mord und Selbstmord ist in Seegefeld bei Spandau berübt und Wohnhäuser sollen gebaut werden. In den nördlichen kommenden Straßenbahnwagen der Linie 48. Er wurde umgeworfen, Technikers Hoffmann mit ihrem vierjährigen Sohne; fie war aus In den nördlichen voller Gewalt gegen einen aus der entgegengesetzten Richtung worden. Dort wohnte seit einiger Zeit die junge Frau des Vororten sind ebenfalls große Abschlüsse zustande ge fommen. Hier hat sich eine Boden Attien Gesellschaft erlitt einen schweren Schädelbruch und mußte nach dem Krankenhause Spandau, wo die Familie früher ansässig war, nach dem Dorfe Berlin Nord" gebildet. Das am Friedrichshain gebracht werden. Aktienkapital beträgt zehn übergesiedelt, nachdem ihr Ehemann durch einen Sturz von der Millionen Mark. Die Stadt Köpenid steht mit einer Von einem Dampfer überfahren und getötet wurde, wie nach Treppe verunglückt war; er befindet sich zurzeit in einer HeilGesellschaft wegen des Verkaufs eines großen Geländes an der träglich gemeldet wird, am Sonntag der Maurer Krüger aus Berlin, anstalt bei Berlin. Die Leute betrieben in der Stadt ein kleines sogenannten Toten Ecke in Unterhandlung. Der Abschluß erscheint welcher mit mehreren Bekannten einen Ausflug nach Oranienburg Geschäft, das sie nach dem Unfall des Mannes verkauften. Gestern zweifellos. Das Objekt beträgt 8 Millionen Mark. Auch in unternommen hatte. St. badete in der Havel und versuchte, diese zu wurde die Frau mit ihrem Kleinen Kinde in der Wohnung in SeegeGlienice( Nordbahn) und ber- Schöne weide find große durchschwimmen, wobei er in das Fahrwasser eines sich nähernden feld tot aufgefunden; der Tod beider ist allem Anschein nach infolge Berläufe zu verzeichnen, welche den Gemeinden beträchtliche Summen Schleppdampfers geriet. Die am Ufer stehenden Freunde riefen dem von Vergiftung eingetreten. Auf einem Tisch stand ein Glas, in an Umfassteuern einbringen. Die Terraingesellschaft Nieder- R. warnend zu, was jedoch von dem Maurer anscheinend nicht ge- Frau hatte am Montag von ihrem Manne einen Brief erhalten dem sich noch leberreste einer giftigen Flüssigkeit befanden. Die Schönhausen hat 12 beträchtliche Baupläge verkauft. hört wurde, während der Führer des Dampfers den im Wasser beStipendien für Handwerksgesellen. Aus dem Gewerksausstellungs- findlichen Mann nicht bemerkte. Der Dampfer fuhr über den und der Inhalt des Schreibens hat vermutlich den Anlaß zu dem fonds find alljährlich im Monat Januar zehn Stipendien zu je Schwimmenden hinweg, der sofort in den Fluten verschwand. Der erschütternden Drama gegeben. 0 M " D = Kapitän ließ zwar sofort stoppen, um zu verhindern, daß Krüger zwischen die Schraube gerate, und unternahm mit der Bemannung Rettungsversuche, die jedoch vergeblich blieben. Die Leiche des Ertrunkenen konnte bisher nicht aufgefunden werden. Pankow. 60 M. an Handwerksgesellen und Gewerbegehülfen behufs ihrer weiteren gewerblichen Ausbildung zu verteilen. Einen Anspruch darauf haben nur Gesellen, die Inländer sind und Zeugnisse ihres Im Wahlverein zu Bankowo sprach Genosse Wollheim über guten Verhaltens und über erworbene Geschicklichkeit vorlegen können. Volksbäder. In der Diskussion, an der sich Römer, Eichler, Rubig, Die betreffenden müssen ferner mindestens zwei Jahre lang in Freiwald, Witte, Müller und Berger beteiligten, wurde allseitig die Feuerbericht. In der Laubenkolonie am Habsburger Ufer war Notwendigkeit der Errichtung eines Bolts babes in Pankow hiesigen Werkstellen als Gesellen gearbeitet haben. Berücksichtigt gestern abend aus nicht ermittelter Ursache ein Brand ausgekommen, betont. werden in erster Linie solche Gesellen, die in Berlin geboren sind. Eichler gab bekannt, daß der Antrag unserer Vertreter im Ser rasch um sich griff, so daß bei Ankunft der Feuerwehr schon Gemeinderat, eine Badeanstalt zu errichten, von den bürgerlichen Bewerber haben ihre selbstgeschriebenen Gesuche, falls sie vor mehrere Lauben in hellen Flammen standen. Es mußte längere Bertretern abgelehnt worden ist, weil dazu vorläufig ein Geld stehende Bedingungen erfüllen, unter Beifügung eines Lebenslaufes, Beit Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. Noch vorhanden wäre. der Geburtsurkunde und der Originale oder beglaubigten Abschriften mehr Arbeit gab es in der Linienftr. 222. Dort brannte der Dach- find so mangelhaft, daß sie nicht benutzt werden können. Bes Die in einer Schule eingerichteten Brausebäder ihrer Lehrzeugnisse, sowie der Führungs- und Geschicklichkeitsatteste stuhl des großen Eckhauses in seiner ganzen Ausdehnung. Trotzdem fonders würde darüber geklagt, daß, nachdem im Vorjahre ihrer Arbeitgeber bei dem Kuratorium des Gewerksausstellungs- fofort mehrere Rohre in Tätigkeit traten und von verschiedenen 70 000 M. zur Verbesserung des Wasserwerts ausgegeben sind, gleich fonds, Stralauerstr. 3-6, 1 Treppe, bis spätestens Ende Seiten aus über Treppen und mechanische Leitern hinweg der An- am ersten warmen Tage dieses Jahres die Wasserversorgung un September d. J. einzureichen. Gesuche, bei denen auch nur griff vorgenommen wurde, dauerte es doch fast eine Stunde, bebor genügend, das Waffer selbst zum Teil auch schmutzig und deshalb eins der vorstehend bezeichneten Beweisstüde mangelhaft ist oder das Feuer unterdrückt war und mit den Aufräumungsarbeiten be- unbrauchbar war. Da Straßen- und Hausbrunnen nur selten au fehlt, werden nicht berücksichtigt. gonnen werden konnte. Der Dachstuhl ist vernichtet.-8wei finden sind, so trat Wassermangel ein, auch die Straßen wurden W " " Vermischtes. Unwetter in Schlesien. Die tropische Hise, welche seit einiger Zeit in Berlin herrscht, Wohnungsbrände mußten dann in der Wollinerstr. 68 und in der nicht mehr besprengt. Eine öffentliche Versammlung soll sich macht sich in ganz besonders verstärktem Maße auch in dem Borsigstr. 31 b abgelöscht werden. In der Greifswalderstr. 225 eventuell mit diesen Angelegenheiten beschäftigen. Eine Statistič Moabiter Kriminalgerichtsgebäude bemerfbar. Wer hatte gegen Abend ein Faß mit Rienruß Feuer gefangen, das aber über die vorhandenen Wohnungen mit Badegelegenheit wurde dem das„ Vergnügen" hat um die jeßige Zeit auf den verhältnismäßig leicht erstickt werden konnte. Unfug am öffentlichen Feuermelder Vorstand zur Ausführung überwiesen. Eine anderweitige Regelung engen und schlecht ventilierten Korridoren mehrere Stunden warten lag einer Alarmierung zu grunde, die dann die Wehr noch nach der Zahlabende soll in einer Versammlung der beteiligten Bezirke zu müssen, spart die Soften eines Dampfbades. Für besonders der Soldinerstraße führte. Leider gelang es nicht, den Täter abborgenommen werden. empfindliche Personen, besonders Frauen, ist der längere Aufenthalt zufaffen. in den glühendheißen und staubigen Fluren des Gerichtsgebäudes eine wahre Tortur. Die an und für sich mit dem Erscheinen vor Theater. In beiden Schiller Theatern gestaltet sich der Gericht verknüpfte Aufregung wird infolge der hinzukommenden Size Pfingstfeiertags- Spielplan folgendermaßen: Jm Schiller= zu einem krankhaften Erregungszustand gesteigert, der mitunter Theater O.( Wallner- Theater) am Sonntag, den ersten Feiertag, Ein wolkenbruchartiger Regen rief schlimme Folgen nach sich ziehen fann. An einem Sigfchlag in nachmittags Johannisfeuer", abends„ Die Logenbrüder"; Montag, gestern, wie aus Grünberg in Schlesien gemeldet wird, große Verbindung mit trampfartigen Erscheinungen erkrankte gestern auf den zweiten Feiertag, nachmittags Die Haubenlerche", abends Verkehrsstörungen hervor. Auf der Hauptbahn wurde eine Unterdem Korrider des Gerichtsgebäudes eine Frau Antonie Schuster, Großstadtluft". Im Schiller Theater N.( Friedrich Wilhelm- führung weggespült, durch die Umsicht des Bahnwärters wurde Schiller- Theater tvelche nach dem Sigungszimmer der 7. Straffammer geladen war. städtisches Theater) wird am Sonntagnachmittag Maria Stuart", großes Unglück verhütet. 20 Meter vor der weggerissenen Brücke Die Bewußtlofe wurde nach telephonischer Benachrichtigung der abends, Der artesische Brunnen", Montagnachmittag Medea", abends wurde der Schnellzug zum Halten gebracht! Für den Bahnnächsten Unfallstation mittels einer Tragbahre aus dem Gerichts- Iphigenie auf Tauris" gegeben. Im Neuen tgl. Opernwärter fammelte man im Zuge eine namhafte Summe. Auf der gebäude getragen und in das Moabiter Krankenhaus geschafft. Theater( roll) finden heute und morgen, Freitag, die beiden Nebenbahn Christianstadt- Grünberg wurde an drei Stellen der Eine Warnung vor Zusätzen zur Milch erläßt der Polizei- letzten Aufführungen von Millöckers erfolgreichem Jung Heidel Bahukörper filometerlang fortgeriffen und unterspült. Der Personens Eine Warnung vor Zusätzen zur Milch erläßt der Polizei präsident: Beim Beginn der heißen Jahreszeit pflegen allerlei berg" statt. Am Sonnabend, den 10. b. W., tritt zum erstenmal verkehr wird auf der Haupt- und Nebenbahn durch Umsteigen chemische Präparate, meist unter Phantasienamen und ohne Angabe der bekannte und beliebte ungarische Komponist Georg Verö mit aufrechterhalten, der Güterverkehr wird über Glogau geleitet. Der Schnurrbart" vor das Berliner während des Unwetters traten auch Gewitter auf. Wie berichtet der Zusammensetzung, als Zufäge zur Milch, um deren Gerinnung einer Operette Publikum.- Jm Deutschen Theater wird am Donnerstag, wird, find mehrere Menschen vom Blig erschlagen worden. Im zu verzögern, empfohlen zu werden. Vor dem Ankauf und der Ver wendung dieser Mittel wird dringend gewarnt. Es ist feine chemische den 8. d. M., in der Vorstellung von„ Wilhelm Tell", worin Hirschberger Tal schlug der Blizz in ein Bauerngehöft; es wurde Otto Sommerstorff zum legtenmal legtenmal vor seinem Scheiden eine Scheune und ein Schuppen eingeäschert. In Lomnig wurde Substanz bekannt, die imftande wäre, die Milch frisch zu erhalten bon der Bühne den„ Tell" spielt, Adolf Klein den ein Mann, der unter einem Baume Schuß gesucht hatte, vom Blizz und vor dem Gerinnen zu bewahren, ohne ihr gleichzeitig gesund Geßler" darstellen, die übrige Besetzung ist die alte. erschlagen. heitsschädliche Eigenschaften zu verleihen. Das einzige empfehlensDas Erdbeben in Stutari. Wie telegraphisch gemeldet wird, werte Verfahren, um im Haushalte die Milch vor dem Sauer- Das Residenz- Theater beendet am Donnerstag mit der 59. Aufwerden möglichst lange zu schützen, ist: die Milch so frisch wie führung von Herzogin Crevette" seine Spielzeit. Als erste der sich dauert die Panik der Bevölkerung fort, da die Erdstöße nicht aufmöglich kaufen, sofort bis zum Aufwallen aufkochen und ab Freitag anschließenden sieben Gastvorstellungen von Albertine hören. Die große Kathedrale sowie die Franziskaner- Kirche drohen sie dann schnell abgefühlt an fühlem Drte in einem Gefäße Behme geht Baul Lange" und" Tora Barsberg" in Szene. Im einzustürzen. Unter der im Freien tampierenden Bevölkerung herrscht sie dann schnell abgekühlt an fühlem Orte in einem Gefäße Apollo Theater erringt die Burleste„ Ein Abend in einem Nahrungsmangel. Der bisherige Schaden beläuft sich auf ungefähr mit überfassendem Deckel, und zwar am besten ohne Umgießen in dem Gefäße, das zum Aufkochen diente, aufzubewahren. Milch, die amerikanischen Tingeltangel" weitere Erfolge. Die Lezten Tage 50 Millionen Frank. Räuberbanden beginnen bereits die verlassenen fleineren Kindern gegeben wird, sollte bor Verabfolgung an fie on Pompeji", das Feuerwerksschauspiel am Kurfürstendamm, jedesmal erst von einem Erwachsenen gekostet werden, um feststellen, foll für die Feiertage mit besonderen Ueberraschungen ausgestattet ob sie auch nicht sauer oder bitter schmeckt. Wer Milch, die mit chemischen Konservierungsmitteln versetzt ist, einführt oder verkauft, hat Bestrafung auf Grund von§ 3f der Polizeiverordnung vom 15. März 1902 und Verfolgung auf Grund des NahrungsmittelGesetzes zu gewärtigen. Das in Produzenten- und Händlerkreisen Schöneberg. hier und da noch übliche Verfahren, Brennesseln in die Milch zu legen, um sie zu konservieren, fördert die Gerinnung der Milch viel mehr, als sie es berhütet. Dies Verfahren ist schon aus Reinlichkeitsgründen zu verwerfen und ist außerdem geeignet, die Milch gefundheitsschädlich zu machen. " " werden. = " Vorort- Nachrichten. In letter Stande richten wir an unsere Parteigenossen im besonderen und an die Arbeiter im allgemeinen, soweit sie Wähler des vierten Bezirkes sind, das dringende Ersuchen, bei der heutigen Stadtverordnetenwahl in der Turnhalle der Apostel Baulusschule vollzählig zu erscheinen und ihre Stimme abzugeben für unseren Standidaten Maurer Wilhelm Fritsch. Häuser zu plündern. Ein polizeiliches Schleppenverbot findet wie selten eine polizeiliche Verordnung in der Bürgerschaft von Nordhausen allgemeinen Beifall und verdient Nachahmung in anderen Städten. Bei Strafe bis zu 30 M. wird darin untersagt, auf mehreren namentlich aufgeführten Promenadenwegen die Kleider schleppen zu lassen, damit die gesundheitschädliche Staubentwickelung vermieden wird. -Berliner Marktpreise.( Ermittelt vom Polizei- Präsidium.) Roggen gute Sorte, 1 Dz. 16,10( 15,10), mittel 15,00( 14,10), geringe 14,00( 13,10) ab Bahn. Futtergerste, gute Sorte 1 Dz.(-) mittel geringe ( 1) (--) frei Bagen und ab Bahn. Hafer, gute Sorte 16,50 ( 15,80), mittel 15,70( 15,10), geringe 15,00( 14,40) frei Wagen und ab Bahn. Richtſtroh 1 Dz. 5,32( 5,00). Seu 8,80( 7,40). Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,00( 30,00), Speisebohnen, weiße 50,00( 30,00), Linfen 60,00( 30,00), Sar toffeln 9,00( 7,00), Rindfleisch, von der Keule, 1 Kg. 1,80( 1,30), Bauch fleisch 1,40( 1,00), Schweinefleisch 1,70( 1,20), Stalbfleisch 2,00( 1,20), Hammel fleisch 1,70( 1,20), Butter 2,80( 2,00), Eier, 60 Stüd, 4,00( 2,80). Starpfen, 1 Stg. 2,20( 1,20), Male 3,00( 1,60), Bander 3,20( 1,20), echte 2,60 ( 1,40), Barsche 2,00( 1,00), Slcie 3,60( 1,40), Bleie 1,40( 0,80), Strebse 60 Stüd 16,00( 3,00). Briefkaften der Redaktion. Versäume daher niemand, fich mit genügender Legiti- Regiment. tönnen wir nicht berücksichtigen. Der 21. Januar im Bilde. Aus Wien wird der Bolts- 3tg." gemeldet: Das Kolossalgemälde von A. v. Kossat und Hans Temple, das die Vorgänge vom 21. Januar vor dem Winterpalais in Betere burg schildert, geht nun seiner Vollendung entgegen. An den letzten Tagen wurde es von der Jury der Künstlergenossenschaft besichtigt, Wenn jedermann seine Pflicht tut, wird es uns möglich die sich einmütig dafür entschied, das Gemälde in einer Separat sein, den schon einmal durch einen Sozialdemokraten vertretenen ausstellung im Künstlerhause zur Ausstellung zu bringen. Diese Ausstellung dürfte in acht bis zehn Tagen erfolgen. Das Wert hat Bezirk wieder in unseren Besitz zu bringen. Da die Wahlzeit feine Bedeutung nicht bloß als historisches Gemälde, sondern es ist bis um 8 Uhr abends verlängert ist, dürfte das zu auch, wofür übrigens die Namen der beiden Maler bürgen, die sich bringende Opfer jedenfalls nicht zu groß sein. ihm gewidmet, in künstlerischer Hinsicht eine bemerkenswerte Mit allen Mitteln versuchen die bürgerlichen Gegner Lokalverband der Stukkateure Verlins und chriftliche Schneider Schöpfung. Der Vorgang ist ergreifend dargestellt, und die beiden uns den Sieg streitig zu machen. München. Gewerkschaftliche Mitteilungen ohne Drganisationsstempel Künstler haben sich sichtlich bemüht, jeder wohlfeilen Effekthascherei R. 100. 1. Nein. 2. Auskunft beim Otto, Wollin. Haben Sie sich schon an das Bureau der aus dem Wege zu gehen. Dabei ist keine Gestalt auf diesem Bilde mation zu versehen( wenn keine Wahlkarte, dann Steuer- Staffe gewendet? Offenbar liegt ein Berfehen vor. Lenau 100. ohne Ausdruck und Bewegung. Die Attacke der Garde- Dragoner zettel, Militärpaß). Universitäts- Boliklinik für orthopädische Chirurgie, Am Birkus 9, 2-3 Uhr. auf die Volksmenge erinnert in ihrer Wucht an ein älteres Werk Die bis zum Juli vorigen Jahres im vierten Bezirke Böchnerinnenheim, Urbanstr. 38. 3. Antwort erfolgt im juristischen Teil des A. F. 50. 1. und 2. Unbemittelte Wöchnerinnen unentgeltlich im Kossats, an das Gemälde„ Aus meinen Jugendtagen", das die Säuberung einer Straße in Warschau durch Kosaken während des wohnhaft gewesenen und am Orte berzogenen, in der Wähler- Briefkastens. K. B. in A. Auskunft im Gewerkschaftshause, EngelUfer 15." Wette". Auskunft bei Püdler selber in Klein- Tschirne, Aufstandes im Jahre 1863 schilderte und durch Reproduktionen aller liste verzeichneten Personen sind wahlberechtigt. Schlesien. Der beste Tenorist. Darüber entscheiden wir nicht. Art sehr bekannt geworden ist. Die Hauptsache bildet aber diesmal die bestürzte und verzweifelte Menge mit ihren Helden und MärA.. 400. Preußische Staatspapiere, zu deponieren auf der Deutschen Eine Untergrundbahn wird auch Schöneberg in nicht allzu ferner Bant. Greiffenberg, Schlesien. Senden Sie Duittung, wiederholen thrern, die den Schnee mit ihrem Blute färben. Noch sieht man an Zeit erhalten. In nichtöffentlicher Sigung hat die StadtverordnetenSie Anfrage mit Chiffre. C. 49. Machen wir nicht. 4 i. Spandan. der Spitze der Menge den Priester Gapon mit hocherhobenem Kreuze. Bersammlung am letzten Montag zu einer Vorlage des Magistrats Db nach dem Tode eines Menschen ein Wachstum der Haare oder FingerDas Roß eines Dragoners scheut vor der schwarzen Gestalt, aber Stellung genommen. Diese städtische Untergrundbahn ist im An- nägel eintritt? Nein! Mit dem Tode hört jedes Wachstum auf. Es ist der Reiter holt schon mit dem Säbel aus, um den Führer der Ar- schluß an die Hochbahn auf dem Nollendorfplatz gedacht, so daß ein freilich weit verbreiteter Aberglaube, daß Haare und Nägel Begrabener Wo aber wirklich man, ohne eine nochmalige Billettkontrolle zu passieren, die Fahrt wachsen. beiter niederzuhauen. ein verändertes Aussehen des Haar. Nagelwuchses tonstatiert wide, beruht es darauf, daß Das Gemälde wird nach der Ausstellung in Wien nach Berlin nach beiden Richtungen fortsetzen tann. Ausgehend vom Rollendorf- und das Schrumpfen der Haut und Busammenfinten des gebracht werden, wo es in einem besonderen Saale zur Schau ge- plaz durchläuft die Bahn die Moßstraße und geht durch das durch 23. Nein. stellt werden soll. größtenteils noch unbebaute Westgelände nach dem Bahnhof Ebers- Fleisches Haare und Nägel scheinbar mehr hervortreten. Kunstmann. Einen Bußtag für das Deutsche Reich gibt es nicht, Es gibt noch Patrioten in Berlin. Zur Vermählung des Kron- Vittoria Luiseplay, den Plaz Y, wo das neue Theater errichtet Bußtag durch Gesetz vom 12. März 1893 auf den Mittwoch vor dem letzten straße, wo vorläufig die Endhaltestelle gedacht ist. Sie passiert den sondern nur einen für die einzelnen deutschen Staaten. In Preußen ist der prinzen hat der Geheime Kommerzienrat Hugo Oppenheim dem werden soll, und den Stadtpark. Die Bahn soll hauptsächlich auch Trinitatissonntag angesetzt worden, am selben Tage haben die kleinen hiesigen Polizeipräsidium für die in diesen Tagen start in Anspruch genommene Schutzmannschaft 2000 M. zur Verfügung gestellt. Der schnelleren Bebauung des Weſtgeländes beitragen und später sächsischen Herzogtümer sowie Braunschweig, Anhalt, beide Schwarzburg, Kommerzienrat Troitsch stiftete aus demselben Anlasse für sämtliche nach dem Südgelände weitergeführt werden. Zur Vorberatung und beide Reuß, Balded, Schaumburg- Lippe, Oldenburg, Lippe- Detmold und hiesigen Polizeirebiere und einzelne Feuerwachen eingerahmte mischte Deputation, bestehend aus 4 Magistratsmitgliedern und Königreich Sachſen, das außerdem noch am Mittwoch bor Oculi einen weiteren Förderung der Angelegenheit wurde zunächst eine ge- die drei Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen Bußtag, ebenso bas fünstlerisch ausgeführte Bilder des Raisers. Bußtag hat. Mecklenburg hat vier Bußtage, nämlich Freitag nach Invocavit, 9 Stadtverordneten eingesetzt. Starfreitag, 5. Sonntag nach Trinitatis, Freitag vor dem 1. Advent. Buyern Unfallchronit. Drei schwere Unfälle werden vom gestrigen Tage und Württemberg haben den Sonntag Invocavit, das Großherzogtum gemeldet. Der eine ist höchst eigenartig. In einem Straßenbahn. Nixdorf. Heffen hat den Balmsonntag, Baden den letzten Sonntag Trinitatis als wagen der Linie 62 entstand Kurzschluß. Der auf der vorderen Spurlos verfchwunden war seit kurzem der 38 Jahre alte Butter Bußtag. Ohne solchen ist unseres Wissens kein deutscher Bundesstaat. In Plattform stehende Schuhmachergeselle Karl Krause wurde durch einen Händler Wilhelm Reimann, Hermannstr. 174 wohnhaft. Er wurde allen deutschen Staaten ist der Bußtag gefeßlicher Feiertag. Verantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin, Für den Inseratenteil verantwo.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW.