Nr. 134. BbonnementS'Bedingungen; ■Sonnetnenlä> Preis pränumerando: Werteljährl. Z.30 Md. monatd l.lv Md. wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer S Pfg. Sonntags. miinmer mit Mustricrter Sonntags- DeUage.Die Neue Welt- 10 Pfg. Post. Monnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen in die Posl-ZeitungZ. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn % Marl, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. kkschtlol»glich auBtr Dlontag«. Devlinev Volksblstt. SS. Jahrg. vle snlettlonz-Sebilhr beträgt sür die scchsgespaltene Nolonel- zeile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewerlschastliche Bereini- und Bersamnilungs.Anzeigen 26 Psg. „Ulelne Snretgen", das erste ssett- gedruckte) Wort 10 Psg., jed-S weitere Wort 6 Pfg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Ruminer müssen bis 6 Uhr nachniitlags in der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festlagen bis 8 Uhr vormiUagS geöffnet. Zelegramm-Adreffe: „SozlaiacmoKnt BerHo". Zcntralorgan der foztaldemokratifcber» parte» Deutschlands. Redaktton: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Am» IV. Nr.>»«». Sonnabend, den 40. Juni 1905. Expedition: SCQ. 68, binden Strasse 69. Fernsprecher: Am» IV. Nr. Erklärung. Im Plötzensee-Prozeß wurde am Freitag durch den Rechtsanwalt Dr. Löwenstein im Namen aller Angeklagten folgende Erklärung abgegeben: „Wir, die vier Angeklagten, haben durch die den Gegenstand der Anklage bildenden Zeitungsartikel lediglich die öffentliche Auf- merksamkeit auf die Reformbcdürftigkeit des Strafvollzuges richten wollen, dagegen hat uns jede Absicht ferngelegen, die beim Strafvollzug beteiligten Behörden und Beamten, insbesondere die Herren Nebenkläger, Geheimen Medizinalrat Dr. Baer und Medizinalrat Dr. Pfleger zu beleidigen oder ihnen oder der Justizverwaltung ein gesetz- oder vorschrifts- widriges Verhalten zum Vorwurf zu machen. Wir erkennen an, daß, soweit in den Artikeln ein solcher Vorwurf gefunden werden könnte, wir ihn nicht aufrechterhalten, und datz die Beweis- aufnähme nichts ergeben hat, was diese Vorwürfe zu begründen geeignet wäre. Wir erklären ferner, das; wir auch von einer weiteren Beweisaufnahme ein anderes Ergebnis nicht erwarten. Die angeklagten Redakteure Kaliski, Büttner und Schneidt verpflichten sich, nachdem auf Grund vorstehender Erklärung der gegen sie gestellte Strafantrag rechtswirksam zurückgenommen ist. diese Erklärung in den von ihnen redigierten Zeitungen„Vorwärts" und„Zeit am Montag" an leitender Stelle baldtunlichst zu ver- öffentlichen und die gesamte» Kosten des Strafverfahrens zu tragen." Das Ende des Plötzensee-Prozesfes! Der an Ueberraschungen und Seltsamkeiten überreiche Plötzensee« Prozeß hat ein höchst überraschendes und seltsames Ende genommen. In der Freitagsfitzung gab einer der Verteidiger im Namen der Angeklagten die oben wiedergegebene Erklärung ab, auf Grund deren der Oberstaatsanwalt beim Kammergericht den von ihm gestellten Strafantrag zurücknahm. Damit gelangte das ge- samte Strafverfahren zur Einstellung. Wir können unsere Befriedigung darüber aussprechen, daß die Justizbehörde den Entschluß der Zurücknahme des Strafantrages gefaßt hat. Die Justizbehörde hat damit eine Anschauung für richtig anerkannt, die wir von Anfang an, als der Prozeß an- gekündigt wurde, vertraten. Der„Vorwärts" hat stets aufs nach- drücklichste erklärt, daß es weder seine Absicht ist. noch ihm irgendwie daran gelegen sein könne, einzelne Gesetzwidrigkeiten oder Verstöße gegen Vorschriften durch die Aerzte und Beamten eines einzelnen Gefängnisses zu behaupten, daß die Veröffentlichung der Plötzensee- alten neben den Akten aus anderen Gefängnissen und Strafanstalten vielmehr ausschließlich den Zweck verfolgt, allgemeine Miß- st ä n d e des Strafvollzuges zur Kenntnis der Oeffentlichkeit zu bringen und auf ihre Beseitigung zu dringen. Unsere angeklagten Redaktionskollegen haben bei Beginn des Prozesses die- selbe Erklärung abgegeben und es konnte sie keinerlei Ueber- Windung kosten, sie jetzt nochmals ausdrücklich abzugeben. Die Frage des Verstoßes gegen das Gesetz oder gegen Vorschriften des Gefängnisses sollte nicht von uns aufgeworfen werden, sie ist von der Aiillagebehörde aufgeworfen worden. Wenn nunmehr auf Grund der Erklärung der Angeklagten auf die Strafverfolgung verzichtet wird, so ist darin vielleicht die erfreuliche Erkenntnis auch bei der Justizbehörde zu erblicken, daß große Probleme des sozialen Lebens nicht in Bcleidignngsprozcssen abgehandelt werden können. Jene Veröffentlichungen des„Vorwärts' und der„Zeit am Montag" hätten dem Parlament Veranlassung geben sollen, eine Untersuchungskommission einzusetzen und der Regierung, sofern diese nicht selbst vorgeht. Vorschläge zu Reformen zu unterbreiten. Indem aber eines der bedeutsamsten Probleme der Strafrechtspflege zu einem Beleidigungsprozeß herabgedrückl wurde, war von vornherein die Angelegenheit auf die falsche Bahn geleitet, und aus diesem falschen Verfahren erwuchsen alle die unsäglichen Schwierigkeiten und Konflikte des Prozesses. Auch mußte ein solcher Prozeß einen Umfang annehmen, der schließlich für alle Beteiligten unerträglich erschien. Am 2. März begann der Prozeß. Am dritten Tage wurde er bereits vertagt, weil das Gericht noch nicht in der Lage war. das Beweismaterial zu überschauen. Am 15. Mai wurde der Prozeß wiederaufgenommen und erreichte am Freitag den neunzehnten Ver- Handlungstag. Und doch sind erst zwei der Fälle behandelt, deren mehr als ein Dutzend vorliegen, wozu dann die Beweisaufnahme über allgemeine Verhältnisse in Plötzensee kommen sollte; das Ende dieses Prozesses war geradezu unabsehbar. Eine große An- zahl von Männern der Wissenschast und der Publizistik wurden auf viele Wochen und Monate ihrem Beruf entrissen. Eine ungeheure Mühewaltung wurde aufgeboten nur zu dem sinnwidrigen Zweck des Nachweises, daß die Aerzte und Beamten nicht Verstöße be- gangen haben, welche die Angeklagten überhaupt nicht behauptet haben. Der Prozeß hat sich selb st ack absurclum ge« führt. Eine seiner wichtigsten Lehren muß die sein, daß die Regierung und die Behörden künftig sich gründlich bedenken, ob eS ihrer Würde entspricht, Bcleidigungsprozesse zu inszenieren, wenn die Presse Mißstände auf irgend einem Gebiete des öffentlichen Lebens aufdeckt. Daö Ende dieses Prozeffe» erregt um so größeres Auffehen in der Oeffentlichkeit nach den zahlreichen Außergewöhn- l i ch k e i t e n, welche die Einleitung und den Verlauf des Prozesses kennzeichneten. Da ivar die U m n e n n n n g des Anklage- r u b r u in s aus Schneidt und Genossen in Kaliski und Genossen, wodurch der Prozeß vor eine Strafkammer ge- langte, die den Ruf besonderer Härte in politischen Prozessen hat. Da ereigneten sich die mannigfachsten bis zum Tumult sich steigernden Szenen vor der Strafkammer, die erregtesten Zu- sammenstöße zwischen dem Vorsitzenden und den Verteidigern. Da erlebte man die Ablehnung eines Sachverständigen der Verteidigung aus Gründen, die weit intensiver gegen den Sachverständigen der Anklagebehörde vorlagen, dessen Befangenheit das Gericht jedoch nicht erkennen zu können erkärte. Nie wohl ist ein Prozeß mit so gewaltigem Aufwand von Energie eingeleitet und geführt worden! Wenn dieser Prozeß jetzt mitten in der Beweisaufnahme abgebrochen wird und die Angeklagten von der ihnen zugedachten Strafe befreit werden, so wird die öffentliche Meinung das jetzige Verhalten der Justizbehörde ebenso sehr billigen, wie die Mißbilligung ihres früheren Verhaltens durch die jetzige Wendung der Dinge noch mehr bekräftigt wird. Unter den Gründen, welche die Neigung, den Prozeß zu be- enden, bei allen Beteiligten, insbesondere bei den Angeklagten steigerte, ist die Rücksichtnahme auf den Geh. Medizinalrat Dr. Baer besonders zu betonen. Wir haben wiederholt die Verdienste an- erkannt, die sich Dr. Baer in seinen gefängniswissenschaftlichen Ar- beiten erworben hat. Es lag uns fern, ihm in seinem praktischen Wirken Pflichtwidrigkeiten, geschweige Gesetzwidrigkeiten, wovon die Erklärung spricht, vorzuwerfen; daß er bei den heutigen Zu- ständen des Gefängniswesens nicht imstande war, den Anforderungen nachzukommen, deren Erfüllung er s e l b st in seinen Schriften für wünschenswert erklärt hat, ist nicht persönliche Schuld. sondern Sckuld eines mangelhaften Systems. Da aber für den in höherem Alter stehenden und gesundheitlich bedrohten Arzt die end- lose Verhandlung mit ihren Aufregungen geradezu eine Gefahr bedeutete, so hat diese Rücksicht die Geneigtheit, den Prozeß zu be- seitigen, verniehrt. Von den Eindrücken der plötzlichen Beendigung des Prozesses ist es vor allem nötig, sich seinem sachlichen Ertrag zuzuwenden. Wir haben bereits m unseren fortlaufenden Betrachtungen über die einzelnen Abschnitte des Prozeffe? die wichtigsten Ergebnisse behandelt und wir meinen, daß dieser Prozeß, so sehr bei seiner Einleitung anderes beabsichtigt worden ist. ein überaus denkwürdiges Ereignis in der Geschichte der Bestrebungen der StrafvoUzugsreform bleiben wird. Ausgemerzt ist die verhältnismäßig gleichgültige Frage nach Gesetzwidrigkeiten und Verstößen gegen Vorschriften. Auf die Tagesordnung gestellt sind durch den Prozeß in aller Schärfe und Eindringlichkeit die Gesetze und die Vorschriften selbst. WaS hätte es bedeutet, wenn durch den Prozeß erwiesen worden wäre, daß dieser oder jener Arzt oder Beamte in diesem oder jenem Falle, trotz guter Gesetze und Vorschriften, durch persönliches Verschulden Unheil angerichtet hat? Was bewiesen wurde, ist unvergleichlich bedeutsamer! Von Gesetz und Gesetzwidrigkeit sollte allerdings überhaupt nicht gesprochen werden. Ist es doch des Uebels Urgrund, daß ein Strafvollzugsgesetz überhaupt nicht existiert, obgleich die Wissenschaft sowie das Reichsparlament es seit Jahrzehnten fordern. Der Straf- Vollzug beruht lediglich auf jenen höchst unzureichenden Grund- sätzen, welche die Regierungen im Jahre 1897 einseitig vereinbart haben, und auf höchst buntscheckigen Vorschriften der einzelnen Ver- waltungen. Der Prozeß hat von neuem und eindrucksvoller denn je ein Vorgang bewiesen, datz die ebenso anarchische wie unzulängliche StrafvollzngSpflege u n h a l t b a r ist. In besonderem Maße ist dies völlige Versagen deS Strafvollzugs in der Behandlung geistig Erkrankender und Geisteskranker dargetan. Es fehlt an geeignetem und genügend vorgebildetem Aerztepersonal, um geistige Erkrankungen rechtzeitig festzustellen; es fehlt den Aerzten an Zeit und Einrichtungen, um die Heilung geistig Gefährdeter zu ver- suchen; es fehlt an geschultem Aufseherpersonal; eS fehlt an gesetzlichen Bestimmungen, um Geisteskranke in Anstalten zu bringen, die ihrem Zustande entsprechen. Ueber diese wichtige Einzelfrage hinaus stellt der Prozeß das gesamte heutige S t r a f s y st e m in Frage. Er mahnt ein- drucksvollst an die totale Wirkungslosigkeit der gegenwärtigen Straf- Methode. Die Entgleisenden werden nicht auf den Weg des Rechtes geleitet, sie werden gerade im Strafvollzug und durch den Strafvollzug körperlich und geistig so herabgedrückt, daß sie nach Wiedererlangung der Freiheit doppelt unfähig sind, den Lebenskamps zu führen, und stets von neuem in Gesetzesübertretung und Strafe zurückfallen. Der Kampf für die Humanisierung des Strafvollzuges hat das tief- wurzelnde Vorurteil der Zahllosen zu überwinden, die da sagen: Was sorgt Ihr Euch um die Auswürflinge der Gesellschaft, um Bösewichte und Unholde? Doch nicht nur daß die Gesellschaft selbst die Mitschuld der Schuldigwerdenden trägt und deshalb aus Menschen Pflicht die Rettung der Gefallenen versuchen muß, Staat und Gesellschaft haben im eigensten Interesse zu sorgen, daß das furcht- bare Uebel des Verbrechens durch Einrichtungen bekämpft wird, die geeignet sind, es zu vermindern und zu besetttgen. Der Plötzensee- Prozeß hat das große Verdienst, daß die gesamte Oeffentlichkeit das dunkle Gebiet der Gesängnisnot erkennt, daß weiten Kreisen der heilige Ernst der hier erwachsenden sozialen Aufgabe bewußt wird I— ' Aeusterungen der Presse. Die„Berliner VolkS-Zeitung" schreibt: „Das Ende des Plötzensee-Prozesses ist heut unerwartet und plötzlich eingetreten. Der Strafantrag ist zurückgezogen worden. Der Prozeß war für die Ankläger von dem Moment an im wesent- lichen aussichtslos, wo von mehreren Sachverständigen Grosse als geisteskrank bezeichnet worden ist. Rechtskraft hätte eine Ver- urteilung wahrscheinlich niemals erlangt, weil infolge der eigen- artigen Führung der Prozeßverhandlungen der Verteidigung soviele forniale Revisionsgründe in die Hände gespielt worden waren, daß das Reichsgericht sicherlich die Sache an eine andere Kammer zur abermaligen Verhandlung verwiesen hätte. Werden die staatlichen Behörden, insonderheit die Staatsanwalt- schaftcn, aus dem Gange und dem Ergebnis dieses Prozesses nun endlich begreifen lernen, was schon vor Jahrzehnten von einem weisen Manne ausgesprochen worden ist: Von zwei Preßprozessen ist einer immer überflüssig, der andere schädlich. Der jetzt eben beendete Prozeß hat nicht dazu beigetragen, den Ruhm der preußischen Rechtspflege zu mehren. Wider die Absicht der beteiligten Behörden aber hat er einige der schlimmsten Gebrechen bloßgestellt, an denen die preußische Justiz und der preußische Strafvollzug kranken. Das mag denen, die durch den Prozeß eine große staats- retterische Aktion zu vollziehen gedachten, zum Tröste gereichen." DaS„Berliner Tageblatt" führt aus: „... Die Verteidigung wollte den Strafvollzug in Plötzensee als reformbedürftig erweisen, während der Vorsitzende des Gerichts- Hofes immer wieder bemüht war, die Verhandlung auf die Be- leidigungen zu beschränken, die in den einzelnen zur Anklage stehenden Artikeln enthalten waren. Das war ein unmögliches Be- ginnen. Es konnte auch durch die schärfste Handhabung aller Disziplinarmittcl nicht gelingen. Allzu scharf machte auch diesmal schartig. Ueber die Einzelheiten der Prozeßführung und besonders über die eigenartige Behandlung der einzelnen Zeugen und Sachverständigen wird sich vielleicht später noch etwas Näheres sagen lassen. Heute sei nur soviel hervorgehoben, daß sich aus den Verhandlungen die Mängel der Sttafrechtspflege in Plötzensee mit schreiender Deutlich- keit ergeben haben. Die Sache hatte sich schließlich zu der Frage zu- gespitzt: Ist Grosse, der Mörder des Justizrats Levy, heute irrsinnig? Ist er es schon bei Begehung der Tal gewesen? Mit einem fast an Verzweiflung grenzenden Mute ist»im diese Frage gestritten worden. Aber es half zuletzt alles nichts; nach den Aussagen der Sachverständigen Dr. Koenig und Dr. Mönckemöller, denen schließlich auch Dr. Leppmann halb und halb zustimmen mußte, konnte kaum noch ein Zweifel bestehen, daß Grosse ins Irrenhaus gehörte. Mit diesem Nachweise waren aber der Anklage die Flügel gebrochen. Es hätte sich nur noch um belanglose formelle Beleidigungen handeln können. So zogen es die Kläger vor, ein Ende des grausamen Spiels zu machen, das ja zweifellos mit dem Urteil der vierten Strafkammer nicht zu Ende gewesen wäre, sondern sicher zu einer Wiederholung geführt hätte. Der Prozeß ist niedergeschlagen, die Angeklagten gehen frei aus. Und doch gibt es einen Ver- urteilten, und das ist der Strafvollzug in P l ö tz e n s e e. Dieser Ausgang ist für die preußische Gefängnis- Verwaltung sehr schmerzlich, aber er kann nützlich werden, wenn er endlich dazu mithilft, eine Reform des Strafvollzugs im modernen Sinne herbeizuführen."_ Das unabhängige Norwegen. Der Widerstand Schwedens gegen die Selbständigkeits-Erklärung■ Norwegens erschöpft sich in papierenen Protesten und in schwulstigen Ovationen für den gekündigten König. An Gewalt denkt niemand, und das schwedische Volk sympathisiert sogar durchaus mit dem Schritt Norwegens. Norwegen selbst geht energisch daran, olle Konsequenzen zu ziehen; es trennt gewissermaßen alle monarchischen Wäschezeichen aus. Um die Beschaffung eines neuen Königs scheint man sich durchaus nicht zu bemühen. Aber die bürgerliche Preffe außerhalb Norwegens ist so liebenswürdig, dem„verwaisten" Lande alle möglichen Offerten zu unterbreiten. Wie der große norwegische Dichter B j ö r n s 0 n einem Wiener Blatte telegraphierte, ist die „Adresse an den König der Ausdruck des ganzen norwegischen Volkes, die Auflösung der Union ein Segen für den ganzen Norden." Die neue Flagge. Kristiania, 9. Juni. Die Unionsflagge wurde heute auf der Festung Akershus unter großen Feierlichkeiten gegen die dreifarbige norwegische Flagge ausgewechselt. Gegen 19 Uhr hatten sich auf dem Festungsplatze gegen 30 009 Menschen versammelt. Vor der Wohnung des Kommandanten war die Garnison der Stadt unter dem Kommando de? Platzmajors zur Parade aufgestellt. Die norwegische Garde, welche zurzeit Feldübungen vornimmt, war aus diesem Anlaß in die Stadt kommandiert. Anwesend waren auch die Mitglieder des Storthing. Kurz vor 10 Uhr verlas der Kommandant den Be- schluß des Storkhing. Als die Uhr des FestungSturmes den ersten Schlag der zehnten Stunde schlug, begann die Unionsflagge sich zu senken. Die Truppen präsentierten. Die Musik intonierte da? Vaterlandölicd„Norwegens Söhne". Während des Kanonendonners begann die Menge die Häupter zu entblößen. Dann wurde die neue Flagge gehißt. Die Truppen präsentierten wiederum, die Musik spielte d,e Nationalhymne:„Ja, wir lieben dieses Land". in die viele einstimmten. Die Kanonen donnerten aufs neue. AIS die Flagge gehißt war, erschollen laute Hurrarufe. Der Kom- Mandant brachte ein Hoch auf das Vaterland aus, daS mit be« geisterten Hurrarufen aufgenommen wurde. Die Nationalhymne wurde abermals gesungen. Damit war der feierliche Akt beendet. Die Stimmung in Norwegen. Kristiania, 9. Juni. Aus allen Gegenden des Landes gehen Dank- und Zustinimungstelegramme bei der Regierung und dem Storthing ein. Die Gemeindeverwaltungen beschließen überall Znstimmungsadresfen. Eine solche Adresse ist gestern abend vom Gemeinderat zu Kristiania beschlossen worden, woraus sämtliche Anwesenden stehend das Lied„Gott schirme das Vaterland" an- stimniten. Das akademische Kollegium stellte der Regierung ein Schreiben zu, worin ihr Dank dafür ausgesprochen ist, daß sie die Ehre des Landes gerettet habe, ferner der Wunsch, daß die gefaßten Beschlüffe dem Vaterlande Glück und Segen bringen mögen, und die Hoffnung, daß die Regierung, gestützt auf das einige Volk, imstande sei« werde, das Land glücklich aus allen Schwierigkeiten zu führen. * Die Einberufung des schwedischen' Reichstags. Stockholm, 9. Juli. Die Einberufung des Reichstags auf ten 20. d, M. wurde heute in einer Sitzung des Staatsrats beschlossen. ,, Und die Zweidrittelmehrheit! Das ist die große Sehnsucht. Aber selbst wenn es der schwarz- roten Allianz gelänge, diesem heißesten ihrer Wünsche Erfüllung zu verschaffen, so ist es doch noch sehr fraglich, ob sie damit dem angestrebten Ziele näher fäme. Denn ob Reichsratskammer und Krone heute noch ein vom Zentrum und Sozialdemokratie präsentiertes Wahlgesetz akzeptieren würden, scheint uns durchaus nicht außer jedem Zweifel zu stehen." bte unter dem Vorfiße des Königs und in Gegenwart des Kron- tigen, so werden diese dafür sorgen, aus dem Entwurf des reform zustande zu bringen. Aber das ziemlich eindeutige Ber prinzen abgehalten wurde. Der Präsident des Ministerrats machte Abgeordnetenhauses eine Zuchthausvorlage gegen die Ar- halten des Kabinetts Bodewils- Feiligsch ist deshalb bemerkenswert, Mitteilung von dem Beschlusse des norwegischen Storthing vom beiter und ein Gesetz zur Beschränkung der Freizügigkeit zu weil es das Gegenstück bildet zu einer etwas unvorsichtigen liberalen 7. d. M. und erklärte dann folgendes: Durch dieses revolutionäre Vorgehen hat das Storthing nicht nur ohne Mitwirkung des Königs, gestalten. Preßäußerung. Kürzlich schrieb nämlich die dem Grafen Feiligsch sondern auch ohne jede Rücksichtnahme auf Schweden aus eigener Heute tritt nun allein der Verband der deutschen Berg- nahestehende Augsburger Abendzeitung" in einer Bolemik gegen die Machtvollkommenheit über das Aufhören einer Union Beschluß ge- arbeiter in die Beratung der gegenwärtigen Situation des Bentrumspresse: faßt, die auf Grund gegenseitigen, durch Gesez festgelegten Ab- Bergarbeiterschutzes. Aber er kann kaum andere Beschlüsse tommens besteht und die ohne Zustimmung beider Bänder nicht fassen und kann kaum die Situation anders kennzeichnen, als aufgehoben werden kann. Dieser Beschluß des Storthing ist eine es eine neue Konferenz aller Bergarbeiter tun würde. Die schwere Verlegung der Rechte Schwedens und es ist unbedingt nötig, freien Gewerkschaftler sind mit den christlichen Arbeitern auch daß der Reichstag unverzüglich zu einer außerordentlichen Tagung einberufen werde, um über die Schritte zu beraten, die von seiten jetzt noch einer Meinung über das verräterische Spiel, das Schwedens in betreff beffen, was sich ereignet hat, zu ergreifen find. Regierung und Zentrum mit den Bergarbeitern getrieben hat, Ginzelne Blätter sind auf den komischen Gedanken verfallen, und ein Unterschied würde nur insofern denkbar sein, als die nach dieser endgültigen Beendigung der Unionstreitigkeit fie christlichen Bergarbeiter vielleicht größere Hoffnungen gezur Schlichtung der Haager Friedenskonferenz zu überweisen. hegt und deswegen härtere Enttäuschungen erlitten haben, als Im übrigen berichten ſelbſt offiziöse Telegramme aus Stod die Verbändler, die politisch aufgeklärt genug sind, um im holm: Die politische Krise hat in feiner Hinsicht das Aussehen voraus zu wissen, was man von dem Staat des DreiklaffenStockholms geändert. Alles geht seinen gewöhnlichen, ruhigen Gang. Die große Masse ist ziemlich gleichgültig gegenüber der Auf- wahlsystems zu erwarten hat. Töfung der Union, da die Länge des Friedens bewirkte, daß man nur verhältnismäßig wenig den Wert der Vereinigung schäßt, da diese biele Unannehmlichkeiten mit sich führte. Dies bewirkte bei der Mehrzahl der Schweden, daß sie der Union wirklich müde wurden. * Das ist doch einmal hübsch deutlich gesagt, was man hinter den Sutliffen plant und deshalb lautet die Wahlparole nicht mehr allein: Für das Wahlrecht, sondern auch: Gegen das Ministerium BodeweilsFeiligich, das die Geschäfte der Wahlrechtsräuber besorgt. Welch unhaltbare Zustände das jetzige Wahlgesetz zeitigt, zeigt Der Verbandstag hat eine große Reihe von Fragen zu die Tatsache, daß trotz der Bekanntgabe der Wahlkreiseinteilung mit erledigen. Zunächst sind die inneren gewerkschaftlichen An- der eigentlichen Wahlarbeit noch immer nicht begonnen werden kann, gelegenheiten zu erörtern, u. a. wird eine Abänderung des weil man erst noch die Einteilung der Urwahlkreise abwarten muß. Statuts beantragt, die eine Erhöhung der Beiträge vorsieht. Auch in dieser Beziehung haben bisher schreiende ungerechtigkeiten Den Hauptgegenstand aber wird die Kritik der Berggesetz- bestanden; werden hier, wie es die Regierung versprochen hat, gebung bilden, über die Sachse referieren wird, und in gewissem Aenderungen vorgenommen, so wird das ebenfalls nicht ohne Einfluß Sinne wird in der Erörterung der gegenwärtigen Situation auf das Wahlresultat sein. auch schon eine Entscheidung über jene Grenzfragen zwischen Was die Wahlaussichten speziell in Südbayern betrifft, so wird Partei und Gewerkschaft enthalten sein, über die der Verbands- fich in Oberbayern voraussichtlich nichts ändern. Lediglich in München tag auch diskutieren wird. Leimpeters wird über den deutschen ist es nicht ausgeschlossen, daß unsere Partei diesmal auch den ersten Gewerkschaftskongreß in Köln referieren und damit auch die Kreis mit fünf Abgeordneten ganz aus eigener Kraft holt. In Generalstreit und die Maifeier zum Ausdruck bringen. besondere Auffassung der Bergarbeiterorganisation über den Niederbayern wird der Streit Hauptsächlich um Straubing entbrennen. In diesem dreimännigen Wahlkreise haben im Jahre 1899 die 0 0 : 9 Die norwegische Sozialdemokratie. Daß unsere norwegischen Parteigenossen nicht mit dem Plan einverstanden sind, nach Absetzung Dstars II. einen anderen König, sei es ein Nachkomme des französischen Marschalls Bernadotte oder einer aus einem anderen ahnenreicherem Hause, anja auch bei der Abstimmung über die Adresse an den König a. D. bewiesen, zulocken, ist selbstverständlich und ihre Vertreter im Storthing haben daß sie nicht damit einverstanden sind. Was alle die übrigen Abgeordneten veranlaßt hat, die erledigte Stelle irgend einem Bernadotte- Gerade die Vorgänge, welche die Berggesezaktion gezeitigt Liberalen und die Bündler gemeinsam mit Inapper Mehrheit das prinzen anzubieten, ist nicht ohne weiteres llar. Haßt man auch den hat, beweisen aber auch dem Befangensten, wie selbstverständlich Bentrum geschlagen. Es ist ziemlich sicher, daß ihnen der Kreis König nicht persönlich, so ist doch auch keineswegs die Liebe so groß. für die Arbeiterbewegung die Verbindung von gewerkschaftlicher wieder abgenommen wird. In Schwaben ist das Allgäu, das bisher daß man eine unüberwindliche Sehnsucht nach einem neuen König Tätigkeit und politischer Aktion ist. Der Streit selbst, die ge- einen Wahlkreis bildete, in zwei zweimännige Kreise zerlegt worden, aus seinem Geschlechte empfinden sollte. Wahrscheinlich glaubte die Mehrwerkschaftliche Aftion, mußte abgebrochen werden. Das Par- nämlich in einen Kreis Kempten Memmingen und in einen Das Allgäu heit, daß jenes Angebot zur Sicherung der friedlichen Entwickelung der Lament nahm die Forderungen auf, und das Ergebnis war die Kreis Immenstadt Sonthofen Weiler Lindau. Berhältnisse notwendig fei. Das norwegische Bolt ist aufgeklärt genug, um zu wissen, daß eine demokratische Regierung ganz gut und sogar beffer völlige Preisgabe des Bergarbeiterschutzes. Der ganze Zu- galt bisher als liberale Hochburg, hier ist bisher auch der liberale ohne als mit einem König auskommen kann.„ Social- Demokraten" fammenhang, das innerste Wesen der preußisch- deutschen Fraktionschef Abg. Wagner gewählt worden. Die Liberalen rechnen nennt dieses Ausbieten der Königsstelle einen Schritt, den die Ge- Politik, entblößt sich in diesem Schicksal des verheißenen Berg- bereits damit, daß sie den Kreis Immenstadt- Lindau verlieren. Aber schichte verurteilen wird und von dem die wache Gegenwart bestimmt arbeiterschutes. Weil es dem in der Sozialdemokratie organi- auch Kempten- Memmingen ist für sie gefährdet. Sie hatten hier Wir sind überzeugt," schreibt unser fierten Proletariat noch nicht gelungen ist, das preußische Drei- 1899 zwar 77 und das Zentrum nur 50 Wahlmänner; aber die Bruderorgan weiter, daß hier gegen des norwegischen Voltes Klassensystem zu stürzen, darum war es möglich, daß die ganze liberalen Majoritäten in einzelnen Urwahlbezirken waren sehr knapp, Willen gehandelt worden ist. Die Republit als Ergebnis parlamentarische Aktion des Landtages zu einer frechen Ver- und es erscheint nicht ausgeschlossen, daß man ihnen die zur dieses Konflikts war des norwegischen Volkes Wunsch. Höhnung der Bergproletarier ausartete. Majorität nötigen 14 Wahlmänner diesmal abnimmt. Ebenso ist Daß nun dieser Wunsch zurückgedrängt wird, das wird Und noch ein zweites zeigen diese Vorgänge, daß nur die der zweimännige Wahlkreis Neu- Ulm- Günzburg start gefährdet, fich in einem langen Kampf rächen, der sonst nicht nötig sein würde. Ein norwegisches Königshaus wird natürlich nur eine kleine Detoration Sozialdemokratie gewillt ist, auch die gewerkschaftlichen An- in den sich bisher Liberale und Bauernbündler auf Grund einer auf dem Gipfel unserer Gesellschaft sein. Es wird feine praktische fprüche der Arbeiter politisch durchzusetzen. Noch niemals hat gemeinsamen Majorität von sieben Wahlmännern geteilt haben. Bedeutung erhalten; es wird verhältnismäßig unbemerkt vegetieren; sich so fraß gezeigt, daß selbst gegenüber einer maßvollen Sozial- In Nordbayern wie in der Pfalz hat man sich bemüht, die Sozialaber daß man nur in einem Lande wie unserem sich herbeiläßt und politit alle Parteien versagen, mit Ausnahme der Sozial- demokratie wieder totzuteilen. einer modernen und verfallenden Institution, wie es das König- demokratie. Das ist die Erkenntnis, zu der auch selbst die christBemerkenswert sind die Aeußerungen der liberalen Bresse über tum ist, neues Leben einflößen will das wird den Fortschritt lichen Arbeiter erwachen dürften. die Neueinteilung. Als vor einigen Tagen einige Nachrichten über die start beeinträchtigen, der eine Folge des im übrigen männlichen Bes Nachrichten Der Gewerkschaftler soll als Gewerkschaftler feine neue Wahlkreiseinteilung durchgefickert waren da fingen schlusses des Storthings sein wird. So gewiß es ist, daß die Politik treiben; aber sein Interesse darf sich nicht in den Ge- übrigens, die der Wahrheit ziemlich nahe kamen Demokratie eines Tages ihre Pflüge über die Königsburgen gehen Tassen wird, so sicher ist es auch, daß das Storthing mit seiner werkschaftskämpfen erschöpfen, er muß auch Politiker sein. Er die liberalen Gazetten schon an zu jubeln, daß die Bäume doch nicht in muß den Kampf um die politische Macht aufnehmen, die allein der ,, ultramontan sozialistischen Koalition" Adresse an den König dem Fortschritt einen Stein in den Weg ge- ihm ermöglicht, auch seine rein wirtschaftlichen Forderungen an den Himmel wachsen würden und dergleichen mehr. Inzwischen hat Legt hat." man es aber für gut und nüßlich befunden, die Taktik zu ändern. und nun stellt man sich plötzlich, als bedeute die Neueinteilung ein Entgegenkommen gegen das Zentrum und eine Schädigung der Liberalen. Das ist aber nichts, als eine gewöhnliche Flunkerei. Die Regierung hat für den Liberalismus getan, was ihr nur irgend möglich war. Wenn er was wir ja bestimmt hoffen bei den Wahlen trotzdem schlecht abschneidet, so möge er dies sich selbst, seinem erzreaktionären und volksverräterischen Treiben zuschreiben.Die Reichstags- Ersaywahl in Hameln- Springe das Die Sozialdemokratie Schwedens. " den Gegenwartsstaat durchzusetzen. Diese Generalversammlung tritt gerade in einem Augenblick zusammen, da die Erkenntnis von der Notwendigkeit des gewerkschaftlichen und des politischen Kampfes nicht als bloße theoretische Forderung, sondern als unmittelbar eindringende Lebensnot erscheint. Er betrug. Es ist leicht verständlich, daß es in Schweden Leute gibt, die sich aufregen und entrüften über die Vorgänge in Nors wegen. Aber die große Masse des schwedischen Voltes teilt diese Gefühle nicht, und soweit ein tieferes Verständnis für die Ereignisse vorhanden ist, wird man vielmehr dem norwegischen Volk Glück wünschen zu dem Fortschritt auf dem Wege zur Freiheit und Der Vorstandsbericht liegt in einem Bändchen von bor. Was uns anbetrifft", 95 Seiten gedruckt Unabhängigkeit seines Vaterlandes." weist für das Jahr 1904 schreibt Branting in Stockholms Social- Demokraten", so einen Mitgliederzuwachs von 11 654 auf, fo baß die Mitam Jahresende 180 682 heißen wir, getreu unserem Programm und dem Grundsay, gliederzahl des Verbandes freie Selbstbestimmungsrecht aller Völker anzuerkennen, Das Verbandsvermögen ist in diesem Jahre von 438 952 auf hat, wie schon telegraphisch berichtet, das Ergebnis gehabt, daß der die bon den Banden der Vereinigung befreite Bruder 734 901 M. gestiegen. Der Generalstreit im Ruhrrevier, der be- nationalliberale Kandidat Hausmann mit 14 361 Stimmen über nation willkommen zu guter gemeinsamer Arbeit für die fort- fanntlich in den Januar und Februar dieses Jahres fiel, hat in den Sozialdemokraten Brey siegte, der 10 167 Stimmen erhielt. Die dauernde Entwickelung des ganzen Nordens zu Freiheit und diesen Zahlen feine Wirkung noch nicht ausgedrückt. Nur in großen Welfen haben trop der gegenteiligen Wahlparole überwiegend für Glück der Völfer. Und wenn dieser unser ohne alle Ueberhebung Umrissen ist sein Verlauf noch in dem Jahresbericht dargestellt und den nationalliberalen„ Revolutionär" gestimmt. ausgesprochene Glückwunsch vielleicht der einzige sein sollte, der hinzugefügt, daß seitdem die Mitgliederzahl um 64 000 gewachsen ist. heute dem norwegischen Volke aus Schweden mit Herzlichkeit, Verständnis und Sympathie entgegengebracht wird, so wollen wir es uns umsomehr angelegen sein lassen, ihn auszusprechen. Denn wir wissen, daß in dieser Sache hinter uns große Maffen des schwedischen Boltes stehen, dessen alte Unionsliebe niemals mit Oberhoheitsgedanken vermengt war, und das niemals irgendwelchen Anteil an der systematischen Unverstandspolitit seiner Herrschenden gegen Norwegen genommen hat." Politifche Ueberficht. Der Kampf um die Wahlreform in Bayern. Aus München wird uns geschrieben: Bei der Hauptwahl am 30. Mai hatte Hausmann 8166, Breh 8662, der Welfe v. Lenthe 4932 und der Kandidat des Bundes der Landwirte Rehren 3697 Stimmen erhalten. Gegen 1903 hat die Sozialdemokratie bei der Stichwahl 1100, der Nationalliberale 600 Stimmen verloren. Noch ungünstiger ist der Vergleich der Biffern der Hauptwahlen, wo wir gegen 1903 1500 Stimmen verloren, während die Gegner fast 600 Stimmen gewannen. Bei der Verhinderung der Wahlrechtsreform durch die Liberalen und Bauernbündler hat die bayerische Regierung den anderen Parteien versprochen, daß bei den bevorstehenden Neuwahlen eine Ueber die Gründe dieses Mißerfolges hat uns ein Neueinteilung der Wahlkreise vorgenommen werden solle. Die Regierung hat ihr Wort gehalten. Nach langem Zögern ist nun in der dortigen Wahlbewegung hervorragend tätiger Parteigenoffe endlich, nur 4 Wochen vor der Wahl, die neue Wahlkreis- Ein- nach der Hauptwahl Betrachtungen gesandt, deren Ver teilung veröffentlicht worden. Wenn man das Aftenstück näher ansieht, öffentlichung wir zurückgestellt haben, bis die Stichwahl vorüber, Berlin, den 9. Juni. dann begreift man freilich, weshalb das Ministerium Podewils die die wir aber nunmehr uns für verpflichtet halten, bekannt zu geben. Die Generalversammlung des Bergarbeiter- Verbandes. Bekanntgabe so lange als nur irgend möglich hinausgeschoben hat. Der Parteigenosse schrieb uns: Denn wenn schon die bisherige Wahlkreis- Einteilung mit dem Die Reichstags- Erfahwahl in Hameln- Springe hat unserer Partei An diesem Sonnabend tritt in dem Gewerkschaftshause äußersten Raffinement für den Liberalismus zurechtgemacht war, so einen Stimmenrüdgang von 1486 Stimmen gebracht. Wir erhielten zu Berlin der Verband deutscher Bergarbeiter bedeutet die Neueinteilung die Krönung dieser tendenziöfen Wahl- 8712 Stimmen gegen 10 198 im Jahre 1903; ein Resultat, das gegen zu feiner 16. Generalversammlung zusammen. Die mache. Ganz offenkundig haben sich die t. b. Wahlkreisgeometer nur 1898 nur eine Zunahme von rund 800 Stimmen bedeutet. Berhandlungen werden über die Pfingstfeiertage, voraus- von dem Bestreben leiten lassen, ben abgehausten Liberalismus für dieser Nachwahl hat sich wie bei fast allen Nachwahlen feit dem fichtlich bis zum 14. Juni, dauern. etwaige Mandatsverluste in einzelnen Landesteilen in anderen Dreimillionensieg die allgemeine Erscheinung, daß unsere Partei Vor wenigen Wochen, vom 28. bis zum 30. März, tagte Streifen wieder schadlos zu halten. fchlechter abschneidet, wieder bestätigt. Dieses Wahlergebnis in demselben Saale jene denkwürdige Konferenz der Berg- Durch den Regierungserlaß sind insgesamt 14 Wahlkreise, dar- bedeutet besonders für Hannoverschen Genossen eine arbeiterdelegierten aller Richtungen und aller Organisationen, unter 8 bisher viermännige, aufgeteilt worden, und nach der Zahl Enttäuschung, da der Wahlkreis Hameln Springe die sich unter den aufklärenden Lehren des großen Ruhrstreiks der zu wählenden Abgeordneten gruppieren sich die Wahlkreise wie bei den allgemeinen Wahlen als derjenige betrachtet ist, der uns auf einmütig zusammengefunden hatten, um ihre Forderungen an folgt: die Gesetzgebung zu richten. Diese Forderungen wurden ohne Unterschied der besonderen Organisationen in voller Uebereinstimmung gefaßt. Die Ansprüche, die jene Konferenz an den Bergarbeiterschutz stellte, gingen weit hinaus über das Maß, mit dem die Regierungsvorlage des Berggesezes das Versprechen der Regierung einlösen zu fönnen geglaubt hat. Und es waren die christlichen Arbeiter nicht weniger als die den freien Gewerkschaften anhängenden, die das, was sie beschlossen haben, als das Mindeste aber auch als das Erreichbare ansahen. einmännige Kreise: bisher 8 jetzt 16 ztveimännige breimännige viermännige fünfmännige " " 25 26 17 43 16 " " 11 9 17 17 17 1( Nürnberg) 1 " " bie Bei jeden Fall gehören sollte, besonders, da uns 1898 bei der Stichtvahl nur 829 Stimmen fehlten. Das Stichwahlresultat von 1908, das den Sieg des Nationalliberalen mit 14 989 gegen 11 257 fozial demokratische Stimmen brachte, zeigte mun, daß die Welfen famt und fonders für den Nationalliberalen stimmten. Wir nahmen des halb nur um 900 Stimmen zu, während uns die 1898 er Stichwahl 2400 Stimmen Zuwachs brachte, worunter im Gegenfas zu 1908 ein erheblicher Teil welfische Stimmen sich befanden. 1( München 1) Die Art, wie man die viermännigen Kreise aufgeteilt hat, tennzeichnet deutlich das Vorgehen der Regierung. Einige dieser Kreise sind nämlich gleichmäßig in zweimännige zerlegt worden, andere Bei dieser Nachwahl hat es nun gar feinen Sinn, den Stimmen dagegen in dreis und einmännige, wo das nämlich für die Liberalen rüdgang mit den anderwärts vielleicht zu treffenden Argumenten au von Vorteil ist. Nach der Kaltulation der Regierung, die sich dabei erklären, wie Abzug der Wähler und dergleichen. Dagegen spricht auf die Ergebnisse der letzten Wahl stügt, würde der Liberalismus das ganze Wahlergebnis. Zunächst ist nahezu um dieselbe JahresInzwischen ist aus der Regierungsvorlage, welche die vielleicht gar noch einen Siz gewinnen und unsere Partei zwei ver- zeit gewählt worden wie 1903; der Mangel an Lokalen war 1908 Bergarbeiter übereinstimmend für durchaus ungenügend er- lieren. In der Pfalz sind nämlich, die bisherigen Wahlkreise Lud- auch vorhanden, viel schlechter war es diesmal auch nicht. Unter flärten, nichts übrig geblieben. Unter Führung des Ben- wigshafen und Pirmasens so geteilt, daß uns dort je ein Sig ber diesen gleichbleibenden Verhältnissen sind im ganzen 933 Stimmen trums, das vorgibt, die christliche Arbeiterbewegung zu Loren geht. weniger abgegeben, nämlich 25 604 gegen 26 537 und trotzdem haben fördern, im Verein mit den nationalliberalen und freikonser- Alle diese Berechnungen stüßen sich natürlich nur auf den Ausfall die Gegner zusammen 550 Stimmen gewonnen; wir tragen den vativen Vertretern des rückständigsten und rücksichtslosesten der letzten Wahlen, und schon durch den Umstand, daß in einer ganzen Verlust dieser Stimmen nicht nur, sondern auch die weniger ab Grubenkapitals, hat das preußische Abgeordnetenhaus ein Steihe von Wahlkreisen unsere Partei zum ersten Male in die Wahl gegebenen Stimmen in vollem Umfange. Man kann also auch nicht Gesetz zustande gebracht, das nicht nur feinerlei Schuß den eintritt, wird sich die Konstellation erheblich ändern. Außerdem wird einmal sagen, daß die Stimmen allgemein zurüdgegangen find, Arbeitern gewährt, sondern das auch selbst den bestehenden auch die gemeinschaftliche Parole der Sozialdemokraten und des denn die Gegner haben ja die Stimmen gewonnen! Und das Bustand insofern verschlechtert, als es das heute noch mögliche Bentrums: Gegen die Wahlrechtsdiebe! ihre Wirkung nicht verfehlen. Biel aller Gegner war 1908 auch, uns auf alle Fälle niederzu Wohlwollen der staatlichen Bureaukratie durch Einführung aber bei Beurteilung der Sachlage muß zunächst berücksichtigt stimmen. des Verwaltungsstreitverfahrens wieder unter die Ober- werden, daß sich die Regierung in tendenziöser Weise auf die Seite des herrschaft. des Unternehmertums duckt. Endlich hat auch das elenden Bersonalienliberalismus gestellt hat, daß sie sich bemüht, den Herrenhaus seine Finger nach dem Entwurf des Abgeordneten- Ausdruck der Volksmeinung zu fälschen und zu beeinflussen. hauses ausgestreckt und wenn es dem Fürsten Bülow nicht Man darf hoffen, daß es trotz aller dieser Bemühungen doch noch gelingt, die anderen fürstlichen Hände sanft zu beschwich- noch gelingt, eine sichere Rweidrittelmehrheit für die WahlrechtsNun wird man vielleicht einwenden: Ja, wir hatten diesmal leine rechte Wahlparole! Auch dieses ist grundfalsch. Eine bessere Wahlparole zur Aufklärung der Maffen, zur Anspornung der Wähler und zur Vernichtung unserer Gegner haben wir noch nie ge habt, nämlich die Berggesegnovelle und der Silgers Vrozeß in Trier! Gerade die königlichen Bergleute am Deister und die Bergleute der berühmten Firma Siemens in Dresden mußten, wenn überhaupt, doch sicher angesichts dieser un- geheuerlichen Verhöhnung der Arbeiter zur Vernunft kommen und, bekennen wir es ruhig, wir setzten darauf große Hoff- n u n g e n. Die Bergleute waren bisher die rückständigsten Wähler und sie find es leider geblieben trotz der glänzendsten Wahlparole! Wir wollen an einigen Orten zeigen wie die Bergleute gewählt haben: Soz. Gegner Barsinghausen 323 317 Egestorf... 192 192 tohenbostel.. 43 195 irchdorf. 82 91 Wennigsen 178 198 Osterwald.... 78 140 In diesen Hauptorten, wo uns 9/io der Stimmen zufallen mußten, haben wir von den 2334 Stimmen statt mehr als 2(XX> nur 900 bekommen. Auch andere Orte mit Fabrikbevölkerung haben ent- täuscht— in der Stadt Hameln büßten wir 300 Stimmen ein. Gehen wir nun den Ursachen unserer Niederlage etwas nach, so ist zu konstatieren, daß der Kampf der Gegner gegen uns ungleich heftiger geworden ist durch das Eingreifen deS Reichs- verbandes zur Bekämpfungder Sozialdemokratie. Das heißt nicht heftiger in sachlicher Beziehung, da schneiden die gewerbsmäßigen Verdächtiger der Sozialdemokratie regelmäßig schlecht ab. Man hat nur halbwegs der deutschenSprache mächtige sog.„Arbeiter- sekretäre" wochenlang im Kreise herumgeschickt, die in Berlin gegen die Sozialdemokratie abgerichtet worden sind und außer ihrem Memorierstoff von den politischen Verhältnissen keine blasse Ahnung hatten. Traten ihnen geschulte Redner unserer Partei entgegen, dann kamen sie mit sorgsam zusammengetragenen Zitaten aus allen möglichen und unmöglichen Reden und Büchern und briisteten sich obendrein mit großer Literaturkenntnis innerhalb der Sozialdemo« kratte, die ihnen völlig mangelte. Unaufhaltsam schöpften diese Gegner mit unreinen Gefäßen aus den Dresdener Wässern, verfälschten dann mit Lüge, Verleumdung, Verdrehung und allem anderen diesen Trank und gössen den so gemischten Unrat gleich kübelweise auf die Arbeiterbevölkerung mit der Er- klärung, das sei das kristallene Wasser des Jungbrunnens l 18 ver- schiedene Sorten Flugblätter, lediglich gegen die Sozialdemokratie gerichtet, hat man verteilt, und mangels von Lokalen war es nicht möglich, alles zu widerlege». Unter solchen Umständen ist uns die Agitation ganz bedeutend erschwert, denn— wir wollen einen Ausdruck der hannoverschen Landbevölkerung gebrauchen— gegen ein Fuder Mist läßt sich nicht anstinken. Die Verleumdungen gegen die Sozialdemokratie können die Gegner nicht weiter übertreffen. Daß der positive Erfolg für sie trotzdem nur 500 Stimmen bettägt und dieser Erfolg obendrein noch den Welsen zugefallen ist, während Bündler und National- liberale zusammen auf gleicher Höhe blieben, beweist, daß trotz der ungeheueren gegnerischen Krastentfaltung für die„nationale" Sache auch nichts erreicht ist. Das alle? kann und darf uns aber nicht darüber hinweg- täuschen. daß wir nichts erreicht haben, und Stillstand ist, namentlich bei unserer Partei— Rückgang I Unsere Agitation muß systematisch betrieben werden, aber nicht schematisch. Wir versäumen zu oft die besten Gelegenheiten zur Agitatton, und es würde gar nichts schaden, wenn d i e Genossen, die es so meisterhaft verstehen, durch ihre Bekämpfung der eigenen Partei- genossen den Gegnern Material an die Hand zu geben, einmal selbst in der Kleinagitation nicht durch überlegene Witze, sondern durch überzeugende Beweisführung Parteigenossen werben würden. Daß das letztere viel weniger geschieht als das erstere, ist nun einmal Tatsache und wir muffen diesem Zustande ein gut Teil unseres Mißerfolges zuschreiben. Wo sind denn die Broschüren, mit denen man früher aufs Land hinauszog und Erfolge erntete. geblieben? Uns geht es in der Partei so wie es in der Gewerk- schastsbewegung gegangen ist. Einst waren wir am besten, mustcr- gültig organisiert. Dabei sind wir stehen geblieben. Als in der Gewerkschaftsbewegung die Arbeitgeber uns in der Organisation überflügelten, geschah die Wendung zum bessere», und aus den Niederlagen bei den Nachwahlen ist dieselbe Lehre fiir die Partei zu ziehen. Wir können nur an unserer eigenen Partei ermessen, worum der hoffnungsreichste hannoversche Wahlkreis mit einer solchen Niederlage enttäuschte. Die Parteiorganisation auszu- bauen ist dringend notwendig, aber dazu gehören Leute, die nicht im Nebenamt diese wichtigsten Aufgaben der Partei ausführen. Schulverschlcchterung in Württemberg. Man schreibt uns aus Stuttgart: Ohne alles Aufsehen hat sich in den letzten Tagen in Württemberg ein schulpolitisches Er- eignis vollzogen, daß in seiner Tragweite den vielbesprochenen preußischen Schulkompromitz weit hinter sich läßt. Mit Hülfe der Nattonalliberalen nnd der süddeutschen Volkspartei hat die in Schul- fragen vollständig unter kirchlichem Einfluß handelnde württem- bergische Regierung die Schulnovelle unverändert unter Dach gebracht, die, wie sich immer deutlicher herausstellt, in jesuitischer Weise die Konfessionsschulen beseitigen hilft. Das Gesetz sollte in der Hauptsache ein Besoldungsgesetz sein und den Lehren: die Erfüllung eines Teiles ihrer berechtigten Wünsche nach besserer Bezahlung bringen; die Frage der Schulaufsicht sowie andere prinzipielle Fragen erklärte die Regierung mit Rücksicht aus die großen Schwierigkeiten zunächst ausscheiden zu müssen. Damit konnte man sich, wie die Dinge nun einmal liegen, zufrieden geben. Aber schon bei der Spezialdebatte über den Artikel 8 des Gesetzes trat hervor, daß es keineswegs so harmlos ist, wie die Regierung es hinstellte. Der volksparteiliche Abgeordnete Betz wandte sich gegen die Fassung dieses Artikels, der SO Familien, die eine direkte Staats- steuer bezahlen, das Recht aus eine konfessionelle Minderheitsschule aus gemeindlichen Mitteln gibt, und beantragte einen Zusatz, der wenigstens msofern einen Ausgleich schafft, als bei Vorhandensein von sechzig konfessionslosen Familien auf Mehrheitsbeschluß derselben eine konfessionslose Minderheitsschule aus Gemeindemitteln er- richtet werden muß. Ferner solle den Eltern in Orten mit Schulen verschiedenen Glaubensbekenntnisses freigestellt werden, ihre Kinder in die eine oder die andere Schule zu schicken. Wie bereits berichtet. fanden diese Anträge nur bei den Sozialdemokraten Unterstützung, während die Fraktionskollcgen des Antrag- stellers im Verein mit den anderen bürgerlichen Ab- geordneten sie niederstimmen halfen. Ja. das volkspartciliche Hauptorgan, der„Beobachter", kanzelte Herrn Betz tüchtig ab für I9'ven„unzweckmäßigen und undurchführbaren" Antrag, der nicht an der Zeit gewesen sei, weil es sich in der RegierungS- Vorlage nur um eine formelle Anpassung an daS seit April dieses Jahres geänderte Steucrrecht handele. Das ist aber mit Nichten der Fall. Nach dem b e st e h e n d e n Recht hatten nur 00 Familien von Grundbesitzern oder Gewerbetreibenden An- spruch auf Errichtung einer konfessionellen Minderheitsschule: da aber die konfessionellen Minderheiten in Württemberg bei der strengen räumlichen Scheidung zwischen katholischen und protestantischen Landes- teilen in der Regel den besitzlosen Klassen angehören, konnten die klerikalen Katnpfhähne beider Konfessionen in den meisten kleinen Gemeinden die tatsächliche Simultanisierung der Volksschule nicht hindern. Gröber beantragte deshalb bei der vor einigen Jahren angebahnten Versassungsrevision eine Erweiterung des'Recht? der konfessionellen Minderheiten. waS damals mit dazu beitrug, daS Kesormwerk zum Scheitern zu bringen; die Regierung wagte nicht, diese Forderung offen zu vertreten. Mit der von ihr seit Jahren gehandhabten Umgehung des Schulgesetzes durch Subventionierung konfessioneller Privatschulen in Orten, wo die gesetzlichen Voraussetzungen für öffentliche konfessionelle Minderheitsschulen nicht gegeben sind, war der kleri- kalen Herrschsucht nicht Genüge getan. Deshalb wurde nun unter dem Mantel„formaler Anpassung" die tatsächliche Aenderung des materiellen Rechts in die Schulnovelle hineingeschmuggelt. Die Folge dieser Gesetzesverschlechterung wird sein, daß in den nächsten Jahren die konfessionellen Zwangschulen wie Pilze aus dem Boden schießen werden. Wenn von 60 berechtigten Eltern die Mehrheit, also nur 31, eine solche Zwangschule verlangt, so müssen die anderen 29 Familien sich dem fügen, ob sie wollen oder nicht. Sie werden gesetzlich gezwungen, ihre Kinder aus gutgeleiteten achtklassigen Schulen herauszunehmen und in einklassige Zwergschulen zu schicken. Vermehrte Ausgaben bei gleichzeitiger Verschlechterung der Schule sind der Effekt der württcmbergischen Schulnovelle. Die Annahme des unveränderten Artikels 8 bedeutet aber zugleich die g r u n d- sätzliche Anerkennung der kirchlichen Schule und die Verwerfung des Prinzips der konfessionslosen Staatsschule. Für die rückschrittliche Entwickclung der politischen Verhältnisse in Württemberg ist bezeichnend, daß bei der Beratung des Volksschulgesetzes im Jahre 1830 selbst der Bischof von Rottenburg und die Prälaten sich dagegen verwahrten, konfessionellen Zwang ausüben zu wollen. Nur vier Abgeordnete stimmten damals dafür, daß Eltern in der Wahl der Schule behindert werden, in die sie ihre Kinder schicken wollen; heute stimmen außer den sechs Sozial- demokraten nur fünf Abgeordnete gegen einen solchen Zwang! Auch in dieser Frage zeigte sich wieder, wie berechtigt die gegen die derzeitige Führung der Volkspartei gerichtete Spitze der sozialdemo- kratischen Ostcrrcsolution war. Der Anhang der Volkspartei im Lande und die volksparteiliche Provinzpresse sind empört über die Hallung der volksparteilichen Generale und ihres Stuttgarter Organs in der Schul- frage. So schreibt der volksparteiliche„Hohenstaufen":„In den Fragen des Militarismus und Imperialismus Konzessionen nach rechts, in Volksbildungsfragen auf der Seite der Ultramon- tanen— wer hat den Mut, das Liberalismus zu nennen!" Aber die Herren Haußmann und Konsorten, die die VolkSpartci dirigieren, werden über diese Warnungs- rufe ehrlicher Demokraten ebenso zur Tagesordnung übergehen, wie sie es im Vorjahre gelegentlich der Prorestbcloegung gegen die Erste Kammer geran haben. Genau so wie damals werden im Zentralorgan der Partei die diffentierenden Sttmmen totgeschwiegen. In dieser unehrlichen und terroristischen Art werden die Meinungsverschiedenheiten im volksparteilichen Lager ausgeglichen! Hueland. Zur Marokko-�rage. Paris, 9. Juni. Die dem Ministerpräsidenten R o u v i e r während deS diplomatischen Empfanges durch den deutschen Ge- schäftsträger Botschafsrat von Flotow überreichte Note ist eine Zirknlarnote, die von der deutschen Regierung an alle Mächte gerichtet ist. Die Note umfaßt nur etwa zwanzig Zeilen. Die deutsche Regierung erklärt, sie stininie dem Borschlage der marokkanischen Regierung zu, die Reformfrage einer internationalen Konferenz zu unterbreiten. Deutschland stützt sich dabei auf Artikel 17 der Madrider Konvention, welcher in Marokko allen Vertrag- schließenden Mächten das MeistbegünstiguugSrecht zusichert. Rouvier beschränkte sich darauf, die Note zur Kenntnis zu nehmen. Man glaubt, daß die Mächte, denen die Note zugestellt worden ist, bis jetzt ihre Antwort noch nicht erteilt haben. » Paris, 9. Juni. In parlamentarischen Kreisen hält man eS nunmehr für ziemlich sicher, daß Rouvier das Finanz- Ministerium abgeben und sich ausschließlich der Leitung der arlswärrigenAngelegenheiten widmen w e r d e. Als künftiger Finanzminister wird vielfach der gegen- wärttge Kolonialminister Clsmentel genannt, der entweder durch den früheren Kolonialminister Doumergue oder durch den Deputierten Hubert ersetzt werden soll. Von Blättern wird gerüchtweise gemeldet, daß Ministerpräsident Rouvier beabsichtige, den französischen Gesandten in Marokko T a i l l a n d i e r wegen des Mißerfolges seiner Sendung ab- zuberufen und an seiner Stelle de» früheren Generalgouverneur von Algerien Revoil ziz ernennen, welcher den Gesandtenposten in Tanger bereits vor mehreren Jahren innehatte. Frankreich. Vom„Anarchismus" der Streikbrecher. Die nationale Ver- einigung der„Gelben"(daS sind nach dem„Wolffschen Tele- araphen-Bureau" die Arbeiter, welche für persönliche Freiheit bezüglich der Arbeit sind, während es sich in Wirklichkeit um die vom Unternehmertum und der Reaktion gegründeten Streikbrecher- organisationen handelt) hat an den Minister des Innern ein Schreiben gerichtet, in welchem sie gegen die Hinderniffe protestieren, welche der Freiheit bei der Arbeit durch die Gewalttätigkeit der den roten Syndikaten angehörenden Arbeiter in den Weg gelegt werden. t„Die roten Syndikate zwingen ihren Anhängern ihre Entscheidung in be- zug auf Ausstände auf", erläutert Wolffs Bureau höchst naiv). Sie erklärt, sie habe 400 000 Mitglieder, die in allen Fällen gerecht- ferttgter Notwehr von den Waffen Gebrauch machen würden. Das Protestschreiben weist besonders auf die Anariffe hin, unter denen die Gelben bei den Zusammenkünften der gelben Syndikate in Nantes und Havre zu leiden hatten. ES ist nett, daß das offiziöse deutsche Telegraphen- Bureau für eine Streikbrecherorganisation Sympathien äußert, die offen droht, daß sie unter der Freiheit der Arbeit die Freiheit des Schießens auf ausständige Arbeiter versteht, die ihre Brüder nicht ver- raten.— Belgien. Militärjustiz. Der Militarismus zeigt überall dieselben Blüten: Kadavergehorsam, Mißhandlung der Untergebenen, strengste Be- strafung der geringsten Vergehen der Mannschaften und äußerste Milde bei Beurteilung der oft scheußlichen Mißhandlungen, die sich Vorgesetzte zuschulden kommen lassen. So hatte kürzlich das Kriegs- gericht von Brabant über zwei Fälle zu entfcheideu. Der 22jährige Soldat Bouchar, der schon mit ftinf Monaten vorbesttaft ist, war angeklagt, einem Unteroffizier mit den: Stocke einen leichten Schlag versetzt zu haben. DaS Gericht zweifelte an seiner Zurechnungs- fähigkeit und überwies ihn zur Beobachtung dem Milttär-Lazarett. Die Militärärzte erklärten ihn aber für vollkommen gesund und Bouchar wurde, obwohl die Verletzung des Unteroffiziers vom Gerichtshöfe selbst als eine leichte anerkannt wurde, zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Dasselbe Gericht erkannte gegen einen Sergeanten, der einen Soldaten, ohne hierzu provoziert gewesen zu sein, dermaßen an der Hand verletzt hatte, daß dieser lange dienst- unfähig blieb, auf eine Geldstrafe von 20 Frank.— Der Protest der Semftwos. Der von Trepow„verbotene" Moskauer Kongreß der Semstwos und Stadträte hat eine Adresse an den Zaren ge- richtet, so schroff und schneidend, daß man davon reden kann, wie selbst in diese aus Konservativen und Liberalen bestehenden Körperschaften die Sprache der Revolution eingedrungen ist. Die Adresse lautet: In Anbetracht unseres großen Unglücks und der große» Gefahr, in der Rußland und Ihr eigener Thron schweben, habe» wir uns, unter Beiseitesetzung aller uns trennenden Meinung«» Verschiedenheiten und einzig und allein geleitet von heißer Lieb« zu unserem Vaterlande, entschloffen, uns direkt an Sie zu wenden. Majestät I Rußland ist durch die verbrecherischen Fehler und die Nachlässigkeit Ihrer Ratgeber in einen unheilvollen Krieg getrieben worden. Unserer Armee ist es nicht gelungen, den Feind zu besiegen, unsere Flotte ist vernichtet, und drohender als die Gefahren von außen beginnt der Bürgerkrieg. Mit Ihrem ganzen Volke haben Sie alle Fehler der unwiffcuden und gefahrbringenden bureaukratischen Organisationen gesehen und beschlossen, diese Organisation zu ändern, und eine Reihe von Maßregeln vorgeschrieben, die eine Reorganisation be- zwecken. Diese Vorschriften sind entstellt worden und auf keinem Gebiete zu der gewollten Ausführung gelangt. Unter- drllckung der Person und der Gesellschaft, Unterdrückung des Wortes und Willkürlichkeiten aller Art nehmen zu. anstatt daß, wie von Ihnen vorgeschrieben, der Zustand des verstärkten Schutzes aufgehoben und die Willkür der Verwaltung beschränkt wird. Die Gewalt der Polizei wird ver- stärkt nnd die Polizei erhält unbeschränkte Vollmachten. Man ver- sperrt Ihren Untertanen den von Ihnen zu dem Zwecke geöffneten Weg. daß die Wahrheit zu Ihnen gelangen könne. Sie haben sich entschlossen, Vertreter des Volkes zusammenzurufen, um gemeinsam mit ihnen eine Reorganisation unseres Landes durchzuführen, aber Ihrem Worte ist bisher die Ausführung nicht gefolgt, trotz der drohenden Größe der Ereignisse, die sich abgespielt haben. Die Gesellschaft wird beunruhigt durch Projekte, welche eine Klasscnkonscrenz an die Stelle einer nationalen Vertretung setzen, welche die bureaukratische Organisation beseitigen soll. Majestät I Befehlen Sie unverzüglich, und ehe eS zu spät wird für das Heil Rußlands, daß zur Festigung der Ruhe und des Friedens im Innern von allen Ihren Untertanen ohne Unterschied und mit gleichem Recht zu wählende Vertreter des Volles einberufen werden, die im Einvernehmen mit Ihnen die Lebensfrage entscheiden, ob Krieg oder Frieden, die über die Friedensbedingungen entscheiden. oder den Frieden ablehnen und damit den gegenwärtigen Krieg in einen nationalen Krieg umwandeln, und die allen Völkern ein Rußland zeigen, das aufgehört hat, von inneren Kämpfen zerrissen und erschöpft zu sein, das im Gegenteil, geheilt und mächttg in seiner Wiedergeburt, um eine einzige nationale Fahne geschart ist, und die im Einvernehmen mit Ihnen eine neue Organisatton des Staates herbeiführen. Majestät! In Ihren Händen liegen die Ehre und die Macht Rußlands und sein innerer Friede, von dem der äußere Friede abhängt. In Ihren Händen liegt das Reich, das Sie von Ihren Vorfahren ererbt haben. Zögern Sie nicht, Majestät, denn groß ist in dieser Stunde furchtbarer nationaler Prüfung Ihre Verantwortung vor Gott und vor Rußland. Auf diese Forderungen antwortet der Zarismus vorläufig mit nebelhaften„Beratungen".: So wird ans Petersbura offiziell telearavkiiert: Die gestern stattgeh Gte erste Sitzung des Ministerrats zur Beratung der Einbe.ufung einer Votlsvertretirng wurde mit einer Rede des Vorsitzenden eröffnet, in welcher derselbe, wie „Ruß" erfährt, darauf hinwies, daß die schwierige Aufgabe noch durch die Notwendigkeit lompliziert sei, die Frage gemäß dem Willen des Kaisers und der gegenwärtigen Sachlage möglichst schnell zu entscheiden. Die dem P-ojekte Bulhgins zugrunde liegenden Prinzipien sowie andere Einzelheiten und der Vor- schlag, eine beständige Gosudar Awennaja Duma aus beti gewählten Volksvertretern zu bilden, wurden als geeignet anerkannt, die Bedürfnisse zu befriedigen. Die Artikel, welche die Wahlen betreffen, die mit Hülfe der bestehenden SelbstverwaltungS- und der kommunalen Institutionen vorzunehmen find, wurden beraten und mit einigen redaktionellen Acnderungen angenommen. Das ist weniger als nichts. * Neue Judenhesien., Minsk, 9. Jurn.(Offizielle Meldung.) Gestern abend durch» schwirrten Gerüchte von Unruhen die Stadt. Sofort wurden die Läden und die Haustüren geschlossen. Wie sich ergab, hatten Mann- schaften der 40. Division Fenster eingeworfen und Israeliten miß- handelt, weil ein Israelit einem Soldaten einen Geldbeutel ge- stöhlen hatte.(??) Die angesammelten Israeliten gaben einige Revolverschüsse auf die Soldaten ab, die sich dann nach dem Kathedralplatz begaben, wo Soldaten der 55. Brigade sich ihnen an- schlössen. In die anliegenden Häuser flogen nun Steine. Die Polizei erwiderte(?) die Schüsse der Israeliten, wobei viele ver» wundet und einer getötet wurde. Kosaken und Dragoner zerstreuten alsdann die Menge. Einige Schutzleute wurden verwundet, mehrere Soldaten verhaftet. Patrouillen durchziehen die Straßen. Der Krieg. Tokio, 9. Juni. Amtlich wird gemeldet: Nachdem die Japaner am Morgen des 7. Juni den aus mehr als einer Kompagnie In- fanterie bestehenden Feind aus seiner Stellimg auf den Hügeln nördlich von Lianschuichnan Vertrieben hatten, besetzten sie eine An- höhe östlich von dem vier Meilen nordöstlich von Chengchengtsu ge« legenen Ort Chapengan. An demselben Tage wiesen die Japaner russische Angriffe auf Soupangtai nördlich von Changw sowie auch Taotun und Schistiuti zurück. Die russischen Schiffe vor Manila. Der Gouverneur der Philippinen machte dem Kriegssekretär Tost in Washington telegraphisch davon Mitteilung, daß die russischen Schiffe der Aufforderung, den Hafen innerhalb 24 Stunden zu ver- lassen, nicht Folge geleistet hätten und daß sie infolgedessen der Bewachung deS Admirals Train unterstellt worden seien. Dieser habe die erforderlichen Schritte getan, um die Schiffe zu internieren; dieselben befinden sich gegenwärtig hinter dem Wellenbrecher im Bereich der Geschütze der amerikanischen Kriegsschiffe„Ohio" und„Monadnock". Admiral Train werde die Maschinen der russischen Schiffe gebrauchsunfähig machen und von den Geschützen die Verschlußstiicke entfernen lassen. Offiziere und Mannschaften sind gegen ehrenwortliche Zusage, nicht mehr am Kriege teilzunehmen, freigelassen worden.— „Nach dem Willen des Höchsten". Petersburg, 9. Jmn.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur".) Kaiser Nikolaus telegraphierte an Admiral RoschdjestwenSky: Von Herzen danke ich Ihnen und allen den Offizieren deS Geschwaders, welche im Kampfe ihre Pflicht ehrenvoll erfüllten, für Ihre Aufopferung in Rußlands und meinem Dienste. Nach dem Willen deS Höchsten war eS Ihnen nicht be- schieden, daß Ihre Heldentat durch Erfolg gekrönt wurde, aber auf Ihren unbegrenzten Heldenmut wird das Baterland immer stolz sein. Ich wünsche Ihnen baldige Genesung, auch daß Gott Sie alle tröste. Znr FriedcnSfrage. Washington, 9. Juni.(Meldung dcS„Reuterschen VureauS".) Den: Vernehmen nach hat keiner der Besuche, die dem Präsidenten Roosevelt von hiesigen Diplomaten abgestattet worden sind, besondere Bedeutiing gehabt, mit Ausnahme deS Besuches des japanischen Gesandten Takahira, bei dem zweifellos von der AudienzMitteilung gemacht wurde, welche der amerikanische Botschafter in Petersburg beim Kaiser Nikolaus gehabt hat. Daß die Verhandlungen noch iii ihrem Anfangs st adium sind, erhellt aus der von zuständiger Stelle gemachten Mitteilung, daß der Gesandte Tahahira nicht in der Lage war. dem Präsidenten Roosebelt auch nur die leiseste An- deutung über die Bedingungen zu machen, unter denen Japan ge- neigt sein würde. Frieden zu schließen. Der russische Botschafter Graf Cassini hatte gestern eine längere Unterredung mit dem französischen Botschafter Jusserand. Washington, 9. Juni. sMeldung des„Reuterschen Bureaus". Bei der kürzlich dem amerikanischen Botschafter in Petersburgs v. Lengerke- Meyer gewährten Audienz deutete der Kaiser seine Bereitwilligkeit an, den Friedensschluß in Betracht zu ziehen, und sprach seine warme Anerkennung der freundlichen Worte v. Lengerke- Meyers als persönlichen Ab- gesandten Roosevelts aus. v. Lengerke-Meyer sagt, die Audienz habe sich durch sehr große Herzlichkeit und Freundlichkeit aus- gezeichnet, und hält die Aussichten auf Annahme der von Amerika angebotenen guten Dienste für günstig. London, 9. Juni.(W. T. B.) Die„Morning Post" meldet aus Washington unterm 8. d. M.: Japan will unter keinen Umständen die Bedingungen, unter denen es Frieden schließen würde, bekannt geben, ehe die Bevollmächtigten zusammengetreten sind. Viele Einzelheiten müssen noch geordnet werden; aber der Präsident glaubt so zuversichtlich, daß ein Ucbcr- cinkommen zustande kommen wird, daß man in Washington allgemein hofft, die amtliche Bekanntmachung desselben könne in kurzer Zeit erfolgen._ 6ewcrhrchaftUcbc9. Berttn und Omgegend. Die streikenden Cigarettenarbcitrr und Arbeiterinnen der Firma Josetti, Berlin, hielten am 8. d. M. eine Fabrikbesprechimg ab, m welcher berichtet wurde, daß der Stand des Streiks noch ebenso ist. wie am Anfang. Die Versuche der Firma Josetti, durch Annoncen im„Lokal-Anzeiger" und der„Morgenpost" Lehrmädchen als Streikbrecher zu bekommen. sind dank der vorhandenen Solidarität der stellungsuchenden Arbeiterinnen gänzlich mißlungen. Ebenso begibt sich die Firma durch Annoncen wie persönliche Zuschriften auf die Suche nach Cigarettenarbeitern, welche bei hohem Lohn Mädchen anlernen sollen. Auch die? ist miß- lungen. Nachrichten vieler Ladeninhaber zufolge. welche der Vertrauensmann der Berliner Tabakarbeiter, Kollege Börner, mitteilte, werden die Fabrikate der boykottierten Firmen von der organisierten Arbeiterschaft streng gemieden. Das wurde freudig begrüßt, ebenso die Aufforderung: die gesamten organisierten Arbeiter mögen festhalten an dem Boykottbeichlusse und die Aus- ständigen in diesem Kampfe nach besten Kräften unterstützen. Am Schluß der Fabrilbesprechung wurde folgende Resolution einstimmig angenommen: In der am 8. Juni 1995 abgehaltenen Fabrikbesprechung er- klären die streikenden Arbeiter und Arbeiterinnen der Zigaretten« fabrik Josetti, Berlin, ihre Solidarität mit den Dresdener Kolleginnen, da die Verhältnisse jetzt noch ebenso liegen wie am ersten Tage der Aussperrung und versprechen, an den früheren Beschlüssen festzuhalten. welche dahin gehen, daß die Arbeit nicht eher aufgenommen wird, bis die Forderungen der Dresdener Kolleginnen beivilligt sind. Die Lohnbewegung der»arbiergehülfen wurde am Freitag vor dem Eiuigungsamt unter dem Vorsitz deS Gewerbegerichtsdirektors v. Schulz verhandelt. Vertreten waren auf der einen Seite die Freie Vereinigung selbständiger Barbiere, auf der anderen Seite der Zentralverband und die Lokalorganisation der Barbiergehülfen. Die Arbeitgeber erklärten sich mit den hauptsächlichsten Forde- rungen der Gehülfen ohne weiteres einverstanden, nur in einigen Punkten wünschten sie eine Herabminderung der aufgestellten Forderungen. So wollen sie die Aushülfe am Sonnabend und Sonntag, wofür 7 M. mit Kost gefordert werden, im Winter, wo das Geschäft schlechter geht, nur mit 9 M. bezahlen: ferner wünschen die Arbeitgeber, daß die Arbeitszeit, die nach den Forderungen im Sommer von 7 Uhr früh bis 9 Uhr abends und im Winter von VU bis 9 Uhr mit einstündiger Mittagspause währen soll, eine halbe Stunde früher beginnen soll. Der geforderten Freigabe des zweiten Feiertags an den drei hohen Festen wollen die Arbeitgeber zustimmen mit der Einschränkung, daß davon abgesehen wird in solchen Fällen, wo der Feiertag des Gehülfen den Schluß des Ge- schästs zur Folge haben müßte. Die Vertreter der Gehülfen erklärten, daß sie den Lohn für Aushülfe um deswillen möglichst hoch halten müßten, damit mehr Gehülfen in feste Stellen kämen und die Arbeitgeber sich nicht, wie das jetzt geschehe, mit Aushülfen begnügen. Einer Verlängerung der Arbeitszeit könnten sie nicht zustimmen. da die geforderte bereits 14 Stunden betrage. Mit den, Verzicht auf den zweiten Feiertag in dringenden Fällen könne man ein- verstanden sein, wenn dem Gehülfen dafür ein freier Wochentag ge- währt werde.— Wie seitens der Gehülfen bemerkt wurde, gibt es in Berlin etwa 1299 Arbeitgeber, die Gehiilfen beschäftigen, 399 derselben mit 499 Gehlllfen kämen für die Bewegung nicht in Frage, weil die Forderungen dort erfüllt seien, 469 mit 339 Ge- hülfen haben die Forderungen beivilligt. Der Wortführer der Freien Vereinigung selbständiger Barbiere betonte, daß seine Organisation den dringenden Wunsch habe, einen Tarifvertrag mit den Gehülfen-Organisationen abzuschließen, und wenn sie die Forderungen in einigen Punkten herabgemindert wissen wolle, so sei sie durch die Lage der Verhältnisse dazu gezwungen, denn die Innungen verhalten sich zu den Forderungen völlig ab- lehnend und die Freie Vereinigung mit etwa 259 Mitgliedern könne deshalb nicht alles bewilligen, so gern sie auch möchte. Das Einigungsamt machte den Parteien einen Vergleichs- Vorschlag, der den von den Arbeitgebern ausgesprochenen Wünschen nur zum Teil entgegenkommt, und zwar darin, daß die Arbeitszeit am Sonnabend, nicht wie gefordert um 19, sondern um 19V, Uhr abends endet, und daß der zweite Feiertag freizugeben ist mit Ausnahme von unvorhergesehenen Fällen, wo aber dann ein freier Wochentag gewährt werden mutz. Im übrigen sind die Einigungs- Vorschläge gleichbedeutend mit den Forderungen: Wochenlohn ohne Kost und Logis 29 M, mit halber Kost und Logis 12 M.. für Aushülfe am Sonnabend von 2—19�/, und am Sonntag von 7 bis 2 Uhr 7 M. mit, 8,59 M. ohne Kost: für Aushülfe an Wochentagen 4 M. ohne 3 M. mit Kost, für halbe Wochentage mit Kost 2 M.— Die Arbeitszeit währt in den Monaten April— September von 7— 9 Uhr, Oktober— März von 77z— 9 Uhr mit einstündiger Mittagspause. Ferner besagt der Vergleichsvorschlag, daß den Gehülfen nicht der Laden als Schlaf« stelle gegeben werden soll, daß beide Parteien ihre Organisationen gegenseitig anerkennen, daß eine Schlichtungskommission aus je vier Mitgliedern beider Parteien einzusetzen ist, die auch die Frage des Arbeitsnachweises, die zwischen den Parteien strittig ist, zu er- ledigen hat. Der Vertrag soll vom 9. Juni 1995 bis 1. Mai 1996 gelten und wenn er nicht drei Monate vorher gekündigt wird, ein Jahr weiter laufen. Im Laufe der nächsten Woche werden die Versammlungen beider Parteien über den Vergleichsvorschlag Beschluß fassen. Wird er auch nur von einer Partei abgelehnt, dann fällt das Einigungs- amt einen Schiedsspruch. Di« Lohnbewegung der K-ffermacher. Am Donnerstagvormittag waren die streikenden Koffermacher m Gewerkschaftshause versammelt, um zu dem Resultat der letzten Einigungsverhandlungen Stellung zu nehmen. Von feiten der Lohnkommission wurde der Versammlung folgender vom Einigungs- amt formulierter Tarifvertrag zur Annahme vorgelegt: 1. Die Arbeitszeit beträgt� 53 Stunden pro Woche. 2. Für gelernte Arbeiter, die im Lohn beschäftigt werden, darf der Durchschnittslohn einer Werkstelle nicht unter 59 Pfennig pro Stunde betragen. Bei Neu- einstcllungen soll der Stundenlohn in der Regel nicht unter 45 Pfennig betragen. 3. Für Akkordarbeiter tritt sofort eine Lohnerhöhung von 3 Prozent, vom 1. Oktober 1996 eine weitere von 2 Proz. ein. Für Papphandkoffer-Arbeitcr tritt sofort eine Lohnerhöhung von 6 Proz. ein, vom 1. Oktober 1996 tritt auch hier eine weitere Erhöhung von 1>/, Proz. ein. 4. Ge- lernte Arbeiter, die in Lohn beschäftigt werden, erhalten eine Lohn- zutage von 5 Proz. 5. Die Löhne derjenigen Hülfsarbeiter, welche mindestens ein Jahr in der Branche beschäftigt sind, werden eben- falls um 5 Proz. aufgebessert. 6. Ucberstunden werden bis 8 Uhr abends mit 25 Proz., nach 8 Uhr sowie Sonntagsarbeit mit 337z Proz. Zuschlag entlohnt. 7. Die Heimarbeit wird in der Weise eingeschränkt, daß neue Heimarbeiter in Zukunft nicht eingestellt lverden dürfen. 8. Entlassungen wegen Mangel an Arbeit sollen in der Regel erst dann stattfinden, wenn die Arbeitszeit auf 7 Stunden täglich vcr- kürzt ist. 9. Maßregelungen aus Anlaß der Lohnbewegung dürfen nicht stattfinden: sämtliche Streikende müssen wieder eingestellt werden, soweit Arbeit und Platz vorhanden ist, bevor fremde Arbeitskräfte angenommen werden. 19. Sämtliche in diesem Ver- trage nicht berührten Bestimmungen des alten Vertrages behalten weitere Gültigkeit.� 11. Die Parteien werden eine paritätische Schlichtungskommission bilden. Diese Schlichtungskommission hat neben der Beilegung von Differenzen auch die Pflicht, vier Wochen vor Ablauf des Vertrages einen neuen Entwurf vorzulegen. 12. Der Vertrag tritt, vorbehaltlich der Genehmigung der beiderseitigen Generalversammlungen am 13. Juni dieses Jahres in Kraft. In der Diskussion vertraten fast sänitliche Redner den Stand- Punkt, daß es den Fabrikanten wohl möglich ge- Wesen wäre, ein größeres Entgegenkommen zu zeigen. Als� Resultat eines sechswöchentlichen Streiks wären die Zu- Geständnisse gegenüber unseren berechtigten Forderungen als ziemlich gering zu bezeichnen. In Anbetracht der schon ziemlich weit vorgeschrittenen Saison wurde es jedoch für zweckmäßig gehalten, den Kampf nicht weiter auszudehnen, sondern aus Grund des vorgelegten Tarifes die Arbeit wieder aufzunehmen. Der Lohn- kommission wurde die Vollmacht erteilt, den Vertrag zu unter- zeichnen._ Die Gips- und Zcmentbranche(Sektion des Maurerverbandes) hat am 23. Mai eine Bautenkomrolle vorgenommen, deren Ergebnis jetzt festgellt worden ist. Kontrolliert sind 446 Bauten, auf denen 2749 Angehörige der Branche arbeiten. Am Tage der Kontrolle waren 198 Arbeitslose eingetragen, 139 arbeiteten außerhalb des Kontrollgebietes. Die Organisation zählt 3954 Mitglieder.— Von den Kontrollierten waren 519 Rabitzputzer, von denen 452 den Vertragslohn von 85 Pf. pro Stunde erhielten. 56 erhielten höheren, 2 niedrigeren Lohn, 9 arbeiteten in Akkord.— Von 114 Lugino- Wandputzern arbeiteten 54 in Akkord, 69 zu dem Stundenlohn von 35 Pf.— Bon 43 Plattensetzern erhielten 23 den Vcr- tragslohn von 85 Pf., 4 einen geringeren Lohn, 11 arbeiteten in Akkord.— 257 Rabitzspanner wurden kontrolliert. Davon er- hielten 212 den vertragsmäßigen Stundenlohn von 677z Pf. 34 ar- betteten zu einem höheren. 6 zu einem niedrigeren Lohn, 5 in Akkord.— Von 233 Zementierern erhielten 125 den Verwags- lohn von 677z Pf-. 38 einen höheren, 75 einen niedrigeren Lohn.— 26 Flechter wurden festgestellt, davon arbeiteten 21 zu dem Ver- tragslohn von 677, Pf-. 3 zu einem geringeren Lohn.— Von 186 Einschalern erhielten 169 den vertragsmäßigen Lohn von 577z Pf-, 13 erhielten höheren, 13 niedrigeren Lohn.— 315' Putzerträger arbeiteten bei einem Putzer. 236 er- hielten den vertragsmäßigen, 73 einen höheren, 6 einen geringeren Lohn.— 161 Putzerträger arbeiteten für zwei Putzer, 141 er- hielten den vertragsmäßigen Lohn von 677° Pf-. 9 einen höheren, 11 einen niedrigeren Lohn.— Von 897 HulfSarbeitern be- kanten 627 den Vertragslohn von 59 Pf., 279 arbeiteten zu einem geringeren Lohn.— Auf 419 von den kontrollierten Bauten wurde 9 Stunden, auf 3 Bauten 37z Stunden, auf 8 Bauten 9—19 Stunden, auf 25 Bauten 19 Stunden gearbeitet.— Ein Baudepntierter war auf 78 Bauten vorhanden, aus 368 Bauten fehlte ein solcher.— Auf 362 Bauten war eine Baubude vorhanden, auf 39 Bauten war die Bude mangelhaft, auf 84 fehlte sie ganz.— Ein Abort fand sich auf 423 Bauten, in 5 Fällen war er sehr mangelhaft, auf 18 Bauten war kein Abort vorhanden._ Schutzmann und Streikposten. Die Tischler Bloch und Döring, welche in der Wienerstraße zu Berlin nahe ein« Tischlerei Streikposten standen, waren einer polizeilichen Aufforderung, weiter zu gehen, nicht gefolgt. Sie wurden deshalb in zweiter Instanz vom Landgericht wegen Uebertretung der Berliner Straßenpolizeiverordnung zu Geldstrafen von je 39 M. ver- urteilt, weil sie einer zur Auftechlerhaltung der Sicherheit. Ordnung und Leichtigkeit der Verkehrs auf der öffentlichen Straße ergangenen Anordnung eines Sicherheitsbeamten nicht gefolgt seien. Allerdings habe der Schutzmann von dem ihm vorgesetzten Polizeileutnant die allgemeine Anweisung gehabt, im fraglichen Teile der Wienerstraße keine Streikposten zu dulden. Indessen habe er selber gewußt, daß Ruhestörungen in der Wienerstraße vorgekomnien gewesen seien, und es sei anzunehmen, daß ihn auch dies bestimmt habe, die An- geklagten wegzuweisen, und daß somit seine Aufforderung zur Aufrechterhaltung der Ordnung. Leichtigkeit und Sicherheit des Verkehrs ergangen sei. Gleichgültig sei, ob das, was er über Störungen gehört hatte, sich in Wirklichkeit auf diesen Streik oder auf einen anderen bezog.— Das Kammergericht verwarf die hier- gegen eingelegte Revision mit der Begründung, daß die Feststellung entscheidend sei, die Aufforderung des Schutzmanns sei zur Aufrecht- erhaltung der Ordnung, Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs er- gangen. Einer solchen Aufforderung hätten die Angeflagten folgen müssen. Ob die Maßnahme zweckmäßig oder notwendig war, könne vom Richter nicht geprüft werden. Damit sind die Streikposten und somit die Ausübung des KoalitionSrcchtes in die Hände des Schutzmanns gegeben. Oeutkck,«» Reich. Znm Gewerkschaftskongreß nahmen ain 6. Juni in Leipzig die Holzarbeiter Stellung. Nach lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution gegen drei Stimmen angenommen: „Die heute am 6. Juni im VolkshauS tagende Versammlung, in der die Holzarbeiter Leipzigs den Bericht über den Gewerkschafts- kongreß entgegengenommen haben, bedauert lebhaft die Haltung des Kongresses»n den zwei Punkten der Tagesordnung: Generalstreik und Maifeier und spricht ihre schärfste Mißbilligung über den resultat- losen Verlauf der Debatte aus. Insbesondere bedauert die Ver- 'ammlung die Zurückziehung sämtlicher Resolutionen in Sache» Mai- 'eier, da eS dadurch vereitelt wurde, eine bestimmte Parole für die zukünftigen Maifeiern auszugeben. Da die Holzarbeiter Leipzigs n der ArbeitSruhe die einzige und wirksamste Demonstration für die auf dem internatiottalcn Arbcitcrkongrcß in Paris 1889 auf- gestellten Forderungen erblicken, beschließt die Versammlung, für ürikte Durchführung der Arbeitsruhe am 1. Mai Sorge zu tragen." Auch die Metallarbeiter haben sich mit dem Kongreß beschäftigt. Der Referent Hank erklärte, daß die Führer des Metall- arbeitör-Verbandes bezüglich der Maifeier auf dem Boden der Pariser Nesolulin, von 1889 ständen. Beschlüsse wurden in der Versammlung nicht gefaßt. Achtung Z Metallarbeiter. Darmstadt, S. Juni. Im Laufe des letzten Frühjahrs reichten die Former der Herd« fabrik von Gebrüder Röder dahier einen Lohntarif ein, in welchem neunstündige Arbeitszeit und 3.69 M. bis 4,59 M. Taglohn gefordert wurden. Bewilligt wurden 97°stündige Arbeitszeit und 5 Proz. Lohn- erhöhung für Former, während für alle übrigen Arbeiter nichts bewilligt wurde. Daraufhin reichten am 29. Mai die Former und Hülssarbeiter dre Kündigung ein. Infolgedessen kündigte die Firma ihren sämtlichen übrigen Arbeitern, 499 an der Zahl. Von dieser Aussperrung wurden eine große Anzahl Unorganisierter mitbctroffen, die es nun am eigenen Leibe verspüren müssen, was es heißt, der Organisation feindlich gegenüber zu stehen. Die streikenden Former sind bis auf den letzten Maim organisiert und sind fest entschlossen, so lange auszuhalten, bis ihre Forderungen bewilligt find. Die Firma versucht von auswärts Arbeitskräfte heranzuziehen und verspricht den- selben 7—3 M. Taglohn. Wenn es der Firma ernst wäre, der- artige Löhne zu zahlen, so fiele es den hiesigen Kollegen gar nicht ein zu streiken.' Wir bauen auf die Solidarität der übrigen Former Deutsch- lands und hoffen, daß die Anwerbungsversuche der Firma richttg beantwortet werden. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Die Ortsverwaltung Darinstadt des deutschen Metallarbeiter« Verbandes. Hustand. Der Belagerungszustand in Bern. Bern, 5. Juni.(Eig. Ber.) Die Verhängung des BelagerungS- znstandes durch die KantonSregiernng über die Stadt Bern anläßlich des Schreinerstreiks hat in den Kreisen der Arbeiterschaft berechtigte Empörung hervorgerufen, der in einer von zirka 6999 Personen ab- gehaltenen Protestversammlung Ausdruck gegeben wurde. Nach Reden der Genossen Mar, Schneeberger, Zgraggen, Grimm und Salva- terra(italienisch) stimmte die Versammlung einmütig einer Protest- resolution zu. in der die Streikverordnung als ein zaristischer Streik- ukas gebrandmarkt und die Exzesse der Polizei wie der Klassenjustiz gegen die Arbeiter verdammt wurden. Gleichzeitig erging an die Regierung die Aufforderung, ihren Streikukas wieder zurück- zunehmen. Den seit 12 Wochen streikenden Schreinern zollte die Versammlung ihre Anerkennung für ihre tapfere Ausdauer und die belviesene Disziplin. Nim wollten unsere Genossen die Parteinahme der Behörden zu gunsten der Unternehmer und zum Nachteil der Arbeiter auch im Stadtrat zur Sprache bringen, und die sozialdemokratische Fraktton brachte deshalb eine Interpellation ein, in der die Unterlassung der polizeilichen Rücksichtslosigkeit, Brutalität und Gesetzwidrigkeiten ge- fordert lvnrde. Der Polizeidirektor Guggisberg bekämpfte namens des Gemeinderates(Magistrats) die Behandlung der Jnterpellatton im Stadtrat, weil die Kantonspolizei in Bettacht komme, und die kompakte bürgerliche Majorität beschloß wie aus Kommando nach dem Wunsche des Gemeinderates. Nur einige wenige Konservative stimmten mit den Sozialdemokraten für die Besprechung, alle übrigen Bürgerlichen stimmten dagegen. Daraufhin verließen unsere Genossen demonstrativ den Sitzungssaal, um so gegen die elende Vergewalttgung durch den Mißbrauch der Mehrheit zu protestieren._ Mit einem glänzenden Sieg für die Ardeiter ist soeben die von den Unternehmern hervorgerufene Aussperrung der Wiener Zimmerer beendet worden. Die Unternehmer waren einsichtsvoll genug, den zwecklosen Kampf aufzugeben und die Aussperrung mit einem vollständigen Kollektivvertrag ordnungsgemäß abzuschtteßen. Danach bekommen die Gehülfen von der ersten Augustwoche an den Minimallohn von 4,25 M.; bis dahin werden 4 M. bezahlt statt der bisherigen 3,49 M. Es ist also ein glänzender Erfolg, den die Arbeiter aus der Aussperrung heimbringen. Er erstreckt sich auf den Lohn nicht allein: auch die übrigen Punkte des Vertrages bringen ihnen mancherlei Zugeständnisse, deren Wert erhöht wird, daß nicht der einzelne Unternehmer die Abmachungen jederzeit wieder durchbrechen kann._ Sozialcö« Auf Bestellung. Wer„auf Bestellung" im Umherziehen Warenbestellungen auf- sucht, bedarf nach§ 55 der Gewerbe-Ordnung keines Wander- gewerbescheines. In dem Falle ist auch keine Hausiersteuer zu ent- richten. Hierauf beriefen sich der Kolonialwarenhändler Bunge und sein Angestellter Marens, nachdem eine Anklage wegen Uebertretung des HansiersteuergesetzeS in Verbindung mit z 55 der Gewerbe-Ordnung gegen sie erhoben war. Marcus hatte, ohne im Besitze eines Wander- gewerbescheines zu sein und ohne daß Hausiersteuer gezahlt worden war. für Bunge auf dem Lande bei dessen Kundschaft Waren- bestellungen ausgesucht. In zweiter Instanz wurde festgestellt, daß der Vorgänger von Marcus. Benz, die ländlichen Kunden des Händlers Bunge aus Altkloster veranlaßt hatte, ihn ein für allemal aufzufordern, immer zu ihnen zu konimen, um Warenbestellungen entgegen zu nehmen. Als die Funktion auf Marcus übergehen sollte, nahm Benz ihn mit zu den Kunden und ftagte, ob sie damit einverstanden seien, daß jetzt immer Marens wegen der Warenbestellungen für Bunge komme. Sie er- klärten sich alle damit einverstanden. Auf Grund dieser Fest- stellungen wurden die Angeklagten freigesprochen und das Kammer- gericht bestätigte am 8. Juni das Urteil mit der Begründung: Der Begriff der„vorherigen Bestellung" zum Aufsuchen von Waren» bestellungen im Sinne des§ 55 der Gewerbeordnung sei richttg ge» würdigt worden.„Bestellung" heiße an jener Stelle des§ 56 nicht, daß Waren bestellt werden, fondern daß man den Hausierer bestelle zur Entgegennahme von Warenbestellungen. Und zwar sei der Hausierer in diese, n Sinne„bestellt", wenn man zu ihm sage: Kommen Sie zu uns wieder. Auch könne sich die Bestellung wie hier auf alle zukünftigen Fälle erstrecken. ES sei nicht erforderlich die Bestellung für jeden einzelnen Fall. DaS Gcwerkschaftskartell Nürnberg hat in seiner letzten Sitzung auf Vorschlag der Auffichtsstelle des Arbeiter-SekretariatS einstimmig beschlossen, Fräulein Helene G r ü n b e r g- Berlin als Arbeiter- Sekretärin anzustelleu. Eingelaufen waren sieben Bewerbungen. Letzte Nachrichten und Depcfchen. Prozeß gegen die„Banca Ludowy". Breslau, 9. Juni.(W. T. B.) In dem Prozeß gegen die Mt- glieder der„Banca Ludowy" wegen Bilanzverschleierung wurde der Bankdircktor Szafflik zu sechs Wochen Gesängiiis und 399 M. Geld» strafe, der Banlkajsierer Skowschonski zu 399 M. Geldsttafe, Bank« bnchhalter Rrtzlaff zu 1999 M. Geldstrafe, von den AufsichtSratS- Mitgliedern Nagiepalski zu 1299 M.. Dr. Hanke zu 699 M. und Rechtsanwalt Szapla zu 1199 M. Geldstrafe verurteilt. Staat und Kirche. Paris, 9. Juni.(W. T. B.) Die Deputiertenkammer nahm heute die Artikel 19 und 11 des Gesetzentwurfs betteffend die Trennung von Kirche und Staat an, welche bestimmen, daß den Kultusgesellschaften Kirchen, Pfarrhäuser. sowie deren Neben« gebände ohne Entgelt zur Berftignng überlassen bleiben. Paris, 9. Juni.(W. T. B.) Die sozialistische Parlament»- gruppe beschloß, das Vorgehen der Regierung bezüglich der aus» wältigen Politik durch keincrlei Interpellation zu behindern, in d» Uebcrzeugung, daß dieses Vorgehen sich so leichter im Interesse der Verständigung und des Friedens gellend machen könne. Auch die nationalistische Gruppe beschloß, jede Interpellation über die auS» wärtig: Politik zu vertagen, um die gegenwärtig schwebenden Ver- Handlungen nicht zu erschweren. Berantw.Red.: FranzRehbein, verlin. Jnlerateverantw.(mitAuSnahmeder,Ne»eWeIt'-Btilag«):TH-Glockc, verlin. Druck».Verlag: VorwörtSBuchdr.u.Verlag»anst.PaulSwgerLdEo.,BerIinLV. Hierzu S-veila»e»» Hr. 134. 22. 1. SkilM dks JntritT ßttlintt ßolMloft Sonnabend, 10. Inn! 1905. Das Strafgefängnis Plötzenfee vor Gericht. (Eigener Bericht des„Vorwärts".) 19. V e r h a n d l u n g S t a g. Nach Eröffnung der Sitzung um 93/4 Uhr stellt der Vorsitzende Landgerichtsdirektor Dr. Oppermann fest, daß der Angeklagte Ahrens nicht erschienen ist. Rechtsanw. Dr. L ö w e n st e i n teilt mit. daß AhrenS, trotzdem er noch immer unwohl fei, erschienen war mit dem festen Willen, der Verhandlung beizuwohnen- aber vor wenigen Minuten sei er von so heftiger Uebelkeit befallen worden, daß ihm ein längeres Verweilen unmöglich wurde, doch hoffe er bestimmt, noch im Laufe des Tages wieder an Gerichtsstelle erscheinen zu können. Der Vorsitzende erklärt, daß auch er Ahrens vorher auf dem Korridor gesehen habe, und schlägt vor, unter diesen Umständen, um nicht wieder den ganzen Tag zu verlieren, die Verhandlung bis 1 Uhr auszusetzen. Es wird nach diesem Vorschlag verfahren. Als um 1 Uhr die Sitzung wieder eröffnet wird, erscheint auch der Oberstaatsanwalt Herr Jsenbiel. Ums Wort bittet zunächst Staatsanw. S ch ö n i a n: Seitens der Herren Verteidiger ist der Staatsanwaltschaft die Nachricht zugegangen, daß die Angeklagten eine Erklärung abgeben möchten. Erklärung der Angeklagten. Rechtsanw. Dr. L ö w e n st e i n: Im Namen aller Angeklagten und im Einverständnis mit ihren Verteidigern habe ich folgendes zu erklären: „Wir, die vier Angeklagten, haben durch die den Gegenstand der Anklage bildenden Zeitungsartikel lediglich die öffentliche Aufmerksam- keit auf die Rcformbedürftigkcit des Strafvollzuges richten wollen, dagegen hat uns jede Abficht ferngelegen, die beim Strafvollzug be- teiligten Behörden und Beamten, insbesondere die Herren Neben- kläger. Geheimen Medizinalrat Dr. Baer und Medizinalrat Dr. Pfleger zu beleidigen oder ihnen oder der Justizverwaltung ein gesetz- oder verschriftswidriges Verhalten zum Vorwurf zu machen. Wir erkennen air, daß, soweit in den Artikeln ein solcher Vorwurf gesunden werden könnte, wir ihn nicht aufrechterhalten, und daß die Beweisaufnahme nichts ergeben hat, was diese Vorwürfe zu begründen geeignet wäre. Wir erklären ferner, daß wir ai ch von einer weiteren Beweisaufnahme ein anderes Ergebnis nicht erwarten._ Die Angeklagten Redakteure Kaliski, Büttner und Schneidt ver pflichten sich, nachdem auf Grund vorstehender Erklärung der gegen sie gestellte Strafantrag rechtswirksam zurückgenommen ist, diese Er- klärung in den von ihnen redigierten Zeitungen„Vorwärts" und „Zeit am Montag" an leitender Stelle baldtunlichst zu ver- öffentlichen und die gesamten Kosten des Strafverfahrens zu tragen." Vors.: Herr Geheimrat Dr. Baer, geben Sie sich mit dieser Erklärung zufrieden? Dr. Baer: Ja, ich gebe mich damit zufrieden. Vors.: Herr Medizinalrat Dr. Pfleger, würden Sie auch Ihrer- seits sich damit befriedigt erklären? Dr. Pfleger: Jawohl. Zurücknahme des StrafantragrS. Staatsanw. S ch ö n i a n: Nachdem seitens der Angeklagten diese Erklärung abgegeben worden ist, nimmt der Herr Ober- staatsanwalt beim Kammergericht den von ihm gestellten Straf- antrag zurück. Ich bin durch Schreiben vom Heutigen ermächtigt, diese Erklärung abzugeben. Ich komme dem nach und beantrage das Verfahren einzustellen. Justizrat Ä r o n k e r: NamenS der Nebenkläger ziehe auch ich den Strafantrag zurück. Einstellung deS Verfahrens. Nach kurzer Beratung verkündet der Vorsitzende folgenden Beschluß des Gerichts: „Nachdem aus die von den Angeklagten abgegebene Erklärung sowohl von den Nebenklägern als von der Obcrstaatsanwaltschaft die Strafanträge zurückgenommen sind, wird das Verfahren ein- gestellt; die Kosten desselben fallen den Antragstellern Dr. Baer und Dr. Pfleger, bezüglich, sofern aus Z 190 des Strafgesetzbuches Straiantrag gestellt war. der Staatskasse zur Last. Die Entscheidung hinsichtlich der Kosten beruht auf 8 692 der Strafprozeßordnung." Selbstverständlich ist durch diese Entscheidung die von den An- abgegebene Erklärung, die Kosten zu übernehmen, nicht geklagten alteriert. Die Sitzung ist geschloffen. Ein Gerichtsberichterstatter meldet: Ueber die Vorgänge, welche zu dem für alle Außenstehenden so unerwartet plötzlichen Abschluß des Plötzensee-Prozesscs führten, deffcn Dauer ohne die Zirrücknahme des Strafantrages unzweifelhaft noch Monate gewährt haben würde, können wir folgendes mitteilen: Während am Mittwoch im Gerichtssaal der Fall Grosse abgeschlossen imd mit der Verhandlung des Falles Schirmer begonnen wurde, hatte sich Rechtsanwalt Dr. L ö w e n st e i ii(der Verteidiger des Angeklagten Ahrens) in das Justizministerium begeben und dort eine persönliche Audienz bcini Justizminister nachgesucht. Obgleich der Minister keinen Empfangstag hatte, wurde Dr. Löwenstein dennoch sofort empfangen, nachdem der Justizminister von dem Zweck der nachgesuchten Audienz unterrichtet worden war. Die Besprechung der beiden Herren dauerte über eine halbe Stunde. Zum Schlüsse derselben erklärte der Minister, daß er für seine Person jede Einmischung an den schwebenden Prozeß und jede unmittelbare Ein- Wirkung auf die Behörden, die den Strafantrag gestellt haben, ablehnen müsse, andererseits lverde er es nicht verhindern, wenn auf der vom Rechtsanwalt Dr. Löwcnstem vorgeschlagenen Basis Verhandlungen mit der Oberstaatsanwaltschaft geführt wurden und diese daraufhin den Strafantrag zurücknehme. Auf Grund dieser Unterredung begab sich nunmehr Rechtsanwalt Dr. L. zu dem Land- gerichtsdirektor Dr. Oppermann und bat ihn, die Gerichtsverhandlung bis zum Abschluß der einzuleitenden Vergleichsverhandlungen zu unterbrechen. Der Vorsitzende konnte diesem Ersuchen um so leichter entsprechen, da eine Indisposition des Angeklagten Ahrens sowie des Geheimrats Dr. Baer eine sofortige Weiterverhandlung unmöglich machte. Der Verteidiger als Diplomat gab nunmehr auch seinen Mit- Verteidigern und den Angeklagten von dem Resultat seines aus eigener Initiative imternommeneu Schrittes Kenntnis und wurde von allen gemeinschaftlich bevollmächtigt, in ihrer Vertretung die Vergleichs- Verhandlungen zu führen. Diese waren sehr langwierig und schwer, da nicht nur ein Einverständnis zwischen allen Angeklagten, ihren Verteidigern und der matzgebenden Behörde, sondern auch mit den beiden Nebenklägern und ihren Vertretern erzielt werden mußte. An beiden Tagen wurde bis in die späten Abendstunden verhandelt, aber noch bis gestern abend war noch kein endgültiges Resultat erzielt. Freitag früh fand dann noch eine letzte mehr- stündige Unterhandlung des Rechtsanwalts Dr. Löwenstein mit dem Oberstaatsanwalt W a ch l e r persönlich statt, deren Ergebnis die von den Anaeklagrcn und ihren Verteidigern in der gestrigen Verhandlung abgegebene Erklärung und die demnächst erfolgte Zurücknahme des Strafantrages gewesen ist. gso M. 90 M. Auffallender Beliebtheit erfreuen sich: Damen Zugstiefel, aus gutem Lasting, mit Lackzierkappen M. 4.90 Damen Schnürstiefel, beige Drell, mit Leder- oder Lackgarnitur, leichteste Sommerstiefel..... Damen Schnürstiefel, la grau und beige Segeltuch, mit feiner R80 Ledergarnitur, Neuheit 1905... Damen Hausschuhe, modefarbig Segeltuch, mit Lederspitze Damen Hausschuhe, Lasting, bequeme Fagons M. 3.—, 2.50, 1.80 Mädchen Schnürstiefel, grau Segeltuch, mit schwarzer odej roter g70 320 M. 420 ■M. M. 4.90 bis M. 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Rosenthaler Vorstadt und Gesundbrunnen: Montag, den 12. Juni 1905( 2. Ptingstfeiertag), in Ballschmieders Kastanien- Wäldchen, Badstr. 16. Anfang 5 Uhr. Billett 25 Pf. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen zur Verfügung. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Das Komitee. & Arbeiter- Turnerbund VII. Bundes- Curntag Pfingsten im festlich dekorierten großen Saal der 1905 " Neuen Welt", Hasenheide 114. FEST- PROGRAMM: Sonnabend, den 10. Juni, abends 8 Uhr: Großer Kommers zu Ehren der auswärtigen Delegierten.( Begrüßung, Konzert, turner. Aufführungen.) Eintritt 10 Pf. Sonntag, den 11. Juni( 1. Pfingstfeiertag), abends 8 Uhr: KünstlerKonzert im großen Saal.( Mitwirkende: Berliner Sinfonie- Orchester Kapellmeister M. Fischer, Frau Klara Urlau, Konzertsängerin, Herr Joh. Cotta, Rezitator.) Sommerbühne: Turnerische Massen- Aufführungen. Nachher TANZ. Eintritt 50 Pf. Zu recht zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein Turnverein ,, Fichte" 289/ 20* Am Königstor. Geschäftsstelle O. 17, Koppenstr. 24 II. Brauerei Friedrichshain. Am Friedrichshain. Morgen Sonntag, den 11. Juni d. J.( 1. Pfingstfeiertag): Gr. Früh- Konzert. Die Konzert- Mufit wird von der 80 Mann starten Kapelle des Neuen KonzertOrchesters( Mitglied des Zentral- Verbandes der Bibil- Berufsmufifer) unter Leitung des Heren Rudolf Ties ausgeführt. Die Gefang& aufführungen werben vom Gesangverein ,, Männer- Chor der Berliner Handels- und Transportarbeiter"( Mitgl. des Arb.-S.-B.) ausgeführt. Bei ungünstiger Witterung finden das Konzert und die Gesangs. Aufführungen im Riefensaale ftatt. Die Kaffeeküche ist geöffnet. 1 Liter 80 Pf., 1 Liter 40 Bf. Kassen- Eröffnung 4 Uhr. Anfang 5 Uhr. find haben im Burean, Gewerkschaftshaus, Engel. Billetts a 20 Pf. fer 15, 11, 3immer 13-17, und in allen Rahlstellen sowie bei sämtlichen Beitragstaffierern. An der Kaffe 25 Pf., Kinder frei. Programm und Liederterte am Eingang gratis. 68/19 Einen zahlreichen Besuch erwartet Die Ortsverwaltung des Zentral- Verbandes der Handels, Transports und Verkehrsarbeiter Deutschlands. Verwaltungsstelle Berlin. Schmöckwitz Gasthaus zur Palme am Seddinsee. ( Endstation der ,, Stern"-Dampfer.) Hermann Peter. Telephon: Grünau No. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Waffer belegenes Lotal den geehrten Bereinen und Gesellschaften zu Ausflügen. Ausspannung und Dampferstege, Regelbahnen, große Kaffeeküche. Säle, Hallen, großer schattiger Garten, 2000 Personen fassend. Wohin gehen wir Sonntags, und wohin machen wir unsere Land Pichelswerder zum und Waffer- Partie? Rad alten Freund. Da ist es gemütlich und schön, und Wir find immer gern geseh'n. [ 29582 Der alte Freund. Einige Sonnabende im Jult noch fret. Größter Tanzsaal in ber Umgebung. Es ladet ein Hüte. Verkauf zu mäßigen, streng festen Preisen Schirme. Gegr. 1875 Gegr. 1875 Max Kaplan 1 Friedrichstraße 1. 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Für den Inferatenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts bigbrukerei u. Verlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW Mr. 134. 22. Jahrgang. 2. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt. Aus der Partei. Die Kölnische Zeitung" schreibt: offo Das Blatt Mehrings und Jaeckhs, die„ Leipz. Volfsztg." gibt einem Artikel, in dem sie gegen den erkrankten freisinnigen Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 10. Juni. Anfang 7 Uhr: Opernhaus. Margarete. Schauspielhaus. Wie die Alten fungen. Neues Operntheater. Der Schnurr bart. Berliner. Lili. Deutsches. Der Bielgeprüfte. Anfang 8 Uhr: Weften. Der Strohwitwer. Neues. Der Familientag. Leffing. Geschlossen. Thalia. Reflame. von Lucca. Die Bäder Residenz. Hans Lange und Zora Parsberg. Schiller 0.( Wallner Theater.) Die Haubenlerche. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Der artesische Brunnen. Trianon. Gefchloffen. Kleines. Salome. 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Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. Sonnabend, 10. Juni 1905. Abg. Eugen Richter polemisiert, die Ueberschrift„ Ein Strolch noch im Wasserstand am 8. Juni. Ibe bei Aussig+0,10 Meter, bei Sterben". Von einem Einspruch der anderen sozialdemokratischen Dresden 1,17 Meter, bei Magdeburg+ 1,07 Meter. Unstrut bei Dder bei Ratibor+ 1,24 Meter, bei Bresse gegen diese unsägliche Noheit ist uns noch nichts bekannt Straußfurt+1,80 Meter. Breslau Ober- Begel+4,96 Meter, bei Breslau Unter- Begel- 1,02 Meter, geworden. Weichsel bei Brahemünde+2,98 Meter. bei Frankfurt+1,71 Meter. Barthe bei Posen Meter. Neze bei Usch+0,40 Meter. Wir weisen zurück, daß eine nicht ausdrücklich erfolgte Mißbilligung irgendwie auf Zustimmung schließen läßt. 0. Wallner- Theater. N. Schiller- Theater Friedrich WilhelmSonnabend, abends 8 Uhr: Die Haubenlerche. Schausp. i. 4 Att. v. E. v. Wildenbruch. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Johannisfeuer. Sonntag abends 8 Uhr: Die Logenbrüder. Montag, nach m. 3 Uhr: Die Haubenlerche. Montag, abends 8 Uhr: Die Großstadtluft. Am 1. und 2. Pfingstfeiertag, g ab 6 Uhr morgens: Gr. Militär- Frühkonzert ausgeführt von 3 Kapellen Eintritt 50 Pf. Kinder unt. 10 Jahren d. Hälfte. NB. Die Wagen der Großen Straßenbahn verkehren bereits ab 5 Uhr früh auf allen zum Garten führend. Linien, desgl. ab 5 Uhr Züge der Stadtbahn und Hoch- u. Untergrundbahn. POMPEJ täglich Concert 7, Vorstell. 8% Uhr KURFÜRSTENDAMM Preise der Plätze von 50 Pf. bis 5 Mk. Der Familientag. Metropol- Theater Anfang 8 Uhr: Sonntag, Montag, nachm. 3%, us: Der größte Erfolg der Saison! Das Lumpengesindel. Kleines Theater Anfang 8 Uhr. Salome. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Angele. Abschied vom Regiment. Neue Königl. Oper( Kroll). Zum erstenmal: Der Schnurrbart. Zum 216. Male: Die Herren von Maxim. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Ballett in 5 Bildern. Anf. 8 Uhr. Rauchen gestattet. Carl städtisches Theater, Sonnabend, abends 8 Uhr: Der artesische Brunnen. Posse in 3 Abteilungen und 4 Aufzügen mit Gesängen und Tänzen von Gustav Raeder. Sonntag, nach m. 3 Uhr: Maria Stuart. Sonntag, abends 8 11 hr: Der artesische Brunnen. Montag, nach m. 3 Uhr: Medea. Montag, abends 8 Uhr: Iphigenie auf Tauris. Im Garten tägl.: Gr. Militär- Konzert. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater u. Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Montag: Sommerfest. Jeden Mittwoch: Die beliebten Kinderfeste. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Die Kaffeeküche ist täglich von 2 Ühr ab geöffnet. 2 hochelegante Kegelbahnen, Würfelbuden, Konditorei, Blumenstand 2c. In den Sälen: Großer Ball. DampferExtrafahrten., Am I. Feiertage: 1. Promenadenfahrten nach dem Müggel- und Langen See. Abfahrt 5%, Uhr morgens. Hin und zurück 50 Pf. 2. Nach Nene Mühle und Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 9 Uhr vormittags. Hin und zurück 1 M. 3. Nach Grünau und Hankels Ablage. Abfahrt 9, Uhr nachmittags. Einfache Fahrt 50 Pf. Am II. Feiertage: 1. Nach Teupitz. Abfahrt 7 Uhr morgens. Hin u. zurück 2 M. 2. Nach Neue Mühle und Woltersdorfer Schleuse. Abfahrt 9 Uhr vormittags. Hin und zurück 1 M. F Am III. Feiertage: Nach Woltersdorfer Schleuse. 99 99 " 50 27 97 Abfahrt 8 Uhr morgens. Hin und zurück 75 Pf. 2 u. 22" nachmitt. Abfahrt in Berlin an der Stralauerbrücke, Ecke Waisenbrücke. H. Hertzer- Berlin, Schlesischestr. 10/11. L. Kahnt- Stralau, Tel. IV. 6718. Tel. VII. 580. Fichtenau R. R. Höhnes Gesellschaftshaus 8 Min. v. Rahnsdorf. Bahnhof Empfehle den geehrten Bereinen und Gesellschaften beg Bohu, Kremser oder Rad mein herrlich im Walde gelegenes Lokal. Am 1. Feiertag von 4 Uhr nachmittags: Gr. Frei- Konzert 33202* verbunden mit Preistegeln. Am 2. Feiertag: Früh- Konzert. Nachmitt. 4 Uhr: Gr. Ball. Vorzügliche Küche. Die Kaffeeküche ist von 2 Uhr geöffnet. Ausspannung. Sommerwohnung. J. V.: Kunibert Ullrich. Weiß- Theater. Reederei Nobiling. A Gr. Frankfurterstr. 132. Bis inkl. Sonnabend geschlossen. 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Rettel durch den Tod erlöst ist. Die Beerdigung findet am Montag nachmittag 4, Uhr, bon der Leichenhalle des neuen JakobiKirchhofes aus statt. Otto Klamni. Nachruf! Am 4. d. m. verschied nach langem, schwerem Leiden unser hochverehrter Chef, der Fabrikbefizer Hugo Dudeck im 48. Lebensjahre. Wir verlieren in dem Ent schlafenen einen jederzeit gütigen Arbeitgeber, der es verstanden hat, fich die Sympathie seiner Untergebenen zu erwerben! Sein Andenten wird uns nie erlöschen. 22985 Rigdorf, den 9. Juni 1905. Peas Perfonal der Firma Hugo Dudeck. Hiermit die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser guter Vater, der Stuttateur Oskar Baar nach dreijährigem Krantenlager am 8. Juni entschlafen ist. Die Beerdigung findet am ersten Feiertag, 2, Uhr, auf dem DantesStirchhof statt. 23126 Um stilles Beileid bitten Die Hinterbliebenen. Kleine Anzeigen. 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Die Beerdigung findet Sonnabend nachmittag 5 Uhr von der Leichenhalle des EmmausKirchhofes aus statt. 232/15 Der Vorstand. Stukkateure. Am Donnerstag, den 8. Juni, verstarb nach langer, schwerer Krankheit unser langjähriges Mitglied, der Kollege Oskar Baar im Alter von 48 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Sonntag, 11. Juni( 1. Pfingsttag), nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Dantes- Kirchhofs, Reinickendorf, Blankestr. 11, aus statt. Fahrverbindungen mit den Linien 25-28 ut. 81 der Straßenb. Bahlreiche Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung des Zentral- Verbandes d. Stukkateure Deutschlands( Fil. Berlin). für die nächste Anzeigen Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bist Uhr, für die Vororte bis 12Uhr, in der Hauptexpedition Lindenstrasse 69 bis 5 Uhr angenommen. Pfandleihe, Prinzenstraße 63, Größerer Arbeiter Gesangverein täglich 8-8, Sonntags bis 2. 612* im Westen sucht Donnerstag, abends Restaurateur Hermann Dahms, 9-11, tüchtigen Dirigenten. 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Mai cr. für den Eishandel und die Eisversorgung Wehrlagen. an Sonn- und Festtagen im Landespolizeibezirk Berlin diejenigen Nixdorf. Stunden freigegeben worden sind, bezüglich deren die beDie schlechte Behandlung der Bresse an den patriotischen teiligten Kreise, dies für nötig erklärt und beantragt hatten. tragödie hat sich jegt wiederum in Nixdorf im Hause SteinmetzEine Familientragödie in Rigdorf. Eine furchtbare FamilienFesttagen wird immer noch in einigen Blättern erörtert. Dabei Dies sind für die erforderlichen Arbeiten in den Eisfabriken und straße 97 abgespielt. Dort tötete die 25jährige Ehefrau Marie des tragödie hat sich jetzt wiederum in Nixdorf im Hause Steinmetztritt eine tiefe Melancholie zutage, die bor allem in der Soffnungslosigkeit auf einheitliches Handeln der Presse Handelsdepots die Stunden von 4-10 Uhr, in Schöneberg bon Gürtlers Bibulta ihren zweijährigen Sohn Grich, indem sie ihn an thren Grund hat. Die Tgl. Rosch." flagt wehmütig: 4-9 Uhr morgens, für den Handel selbst bezw. das AusIn jeder anderen europäischen Hauptstadt wäre auf das Vor- fahren des Eises die Stunden von 6-10, in Schöneberg von einem Nagel an der Wand fhrer Küche auffnüpfte; dann erhängte geben des Magistrats und der Behörden ein einmütiger Protest 6-9 Uhr morgens, jedoch mit der Maßgabe, daß die Nück- sie sich selbst. Ueber die Einzelheiten des Dramas wird uns ge= meldet: Die Familie gibulfa, bestehend aus dem Ehepaar, einer erfolgt, wäre die Berichterstattung fofort eingestellt worden; in und das Abrechnen der Stutscher auch nach 10( in Schöneberg feit längerer Beit in dem Haufe Steinmegstr. 97 zu Rigdorf im Erdbeförderung ber iswagen nach der Arbeitsſtäin neben fünfjährigen Tochter und einem zweijährigen Sohn Erich, wohnte Berlin ist an so etwas gar nicht zu denken. Die Berliner Preffe Berlin ist an so etwas gar nicht zu denken. Die Berliner Presse 91/9) Uhr morgens erfolgen darf. Es dürfte hiernach zu Slagen geschoß des Quergebäudes. Die Leute lebten ganz für sich und galten befizt feine einheitliche Bertretung. Ihr bedeutendster Berufsverein, über ungenügende Zeit für die Gisversorgung an Sonntagen fein als sehr ordentlich und fleißig. Eigentliche eheliche Streitigkeiten scheinen geschoß des Quergebäudes. Die Leute lebten ganz für sich und galten der Verein Berliner Presse", der aber auch nur einen Teil der Bresse umfaßt, rüstet zwar mit Eifer alljährlich seinen Anlaß vorliegen. zwischen den Beiden nicht vorgekommen zu sein. Dagegen soll, wie ertragreichen Ball, geht aber über derartige Mißstände ohne Sang Keine Fahrpreisermäßigung. Auf die Eingabe des Deutschen Nachbarn wissen wollen, der Umstand, daß der Ehemann Bibulka und Klang zur Tagesordnung über. Und zur Besichtigung solcher Lehrervereins wegen Ermäßigung der Fahrpreise bei Schülerfahrten streng katholisch ist, während Frau und Kinder im evangelischen Brezmisere follen wir die ausländischen Kollegen nach Berlin ein- find von den Eisenbahnverwaltungen ablehnende Antworten ein Glauben lebten, einen starken Wigton in das Familienleben gebracht laden! Die Tagespresse ist in der Verurteilung der verächtlichen gegangen. Der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten gab haben. Der kleine Erich kränkelte dauernd; er litt beständig an Behandlung der Bresse ziemlich einmütig nur die National- folgenden Bescheid: Die bei Schülerfahrten Schülerfahrten zur Erhebung einem beängstigenden Stichusten. Gestern begab sich gibulka wie Beitung" macht eine beschämende Ausnahme aber was wird tommenden Fahrpreise des Fernverkehrs beruhen auf einem gemein- gewöhnlich an seine Arbeit außer dem Hause. Als er sich von seiner bas nügen? Ohne einmütiges Vorgehen der Presse ist nichts zu ſamen Beschlusse aller deutschen Eisenbahnen, von dem die preußisch- Frau verabschiedete, nahm er nichts ungewöhnliches an ihr wahr; erreichen, und diese Einmütigkeit scheitert an dem mangelnden hessischen Staatsbahnen allein nicht abweichen können. Ebenso fie zeigte ein ruhiges, gelassenes Wesen. Als er abends zurückkehrte Standesbewußtsein der Berliner Presse, ihrer Un wenig fann ich Ihrem weiterem Antrage, im Berliner Ortsverkehr und die Küche betrat, sah er seine Frau und den kleinen Erich beide freiheit und dem Gebote mancher Verleger. allen Schülern der Volksschule bei gemeinsamen Ausflügen die Fahrt entfeelt an der Wand hängen. Die ganze Sachlage ergab, daß Entschieden deutlicher drückt sich die Staatsb. 8tg." aus: zum halben Preise zu gestatten, näher treten. Bei aller Anerkennung zweifellos ein Kindesmord und Selbstmord der Frau Bibulka vorlag. „ Wenn man sich bei einer solchen Gelegenheit, wie sie sich hier der Bestrebungen des Deutschen Lehrervereins muß doch auch Irgend welche Aufzeichnungen über die Betveggründe zu der graufigen geboten hat, einfach zusammenschlösse; wenn sämtliche Beitungen erwogen werden, daß die zurzeit bestehenden Fahrpreise recht mäßig Tat hat die Frau nicht hinterlassen. Man mutmaßt, daß Verzweiflung Berlins dem so humoristisch veranlagten Herrn Namslau ein sind und zur Förderung von Ausflügen der Schiller wesentlich bei- über die dauernde Krankheit ihres Sohnes sie zu dem schrecklichen trodenes Striptum übersandt hätten, oder besser noch wenn in getragen haben." Der geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Schritt getrieben hat. Um neun Uhr vormittags war die Frau fämtlichen Zeitungen Berlins einen Tag vor der Hochzeit die Lehrervereins behält sich weitere Schrifte in der Angelegenheit vor. noch im Hause gesehen worden. Merkwürdig war es, daß das fünfnüchterne Bemerkung gestanden hätte: Bei der unwürdigen Be- Die gemeinnütige Stellenvermittelung für weibliche Dienstboten jährige Töchterchen der Eheleute den ganzen Tag über in der anhandlung, die der Presse seitens des Berliner Magistrates, der des Zentralvereins für Arbeitsnachweis wird am Montag, den stoßenden unverschlossenen Stube im Bett gelegen hat, ohne etwas immer den Weg zu den Zeitungen zu finden weiß, wenn es sich 19. Juni, im Oberlichtsaal des Zentral- Arbeitsnachweisgebäudes, von den graufigen Vorgängen in der Küche zu merken. Vormittags darum handelt, ihm Gefälligkeiten zu erweisen, zuteil ge- Gormannstr. 13, eröffnet. Zur unmittelbaren Beaufsichtigung der hatte die Wutter ihr warm die Hand gedrickt und gesagt: Ich worden ist, haben sich die sämtlichen Tageszeitungen Ber- Stellenbermittelung hat sich ein Kuratorium von 18 Damen unter tomme nicht wieder." Eine Kommission der Niedorfer Polizei nahm lins entschlossen, nut bon der vollzogenen Vermäh- dem Vorsitz des Vorsitzenden des Zentralvereins für Arbeitsnachweis den Tatbestand in der Wohnung auf; die Zeichen wurden nach dem lung des Kronpringen furz Notiz zu nehmen, ohne die Dr. Freund gebildet. Die Vermittelung findet in den Wochen- Berliner Schauhause gebracht. Einzugs- und anderen Festlichkeiten im geringsten zu erwähnen," tagen von 5-7 Uhr nachmittags statt und wird an jedem Tage von dann würde der Sühneprinz mit seinem Kotau ein Waisen zwei Domen des Kuratoriums beaufsichtigt. Von den Dienstboten Freitag morgen, die 21 Jahre alte Tochter Marguerita des KonzertDurch einen Sturz aus dem Fenster tödlich verunglückt ist gestern, Inabe gewesen sein gegen die gnadewinselnden Mandarinen, und werden teinerlei Gebühren erhoben, ebenso von den Hausfrauen, meisters Lejeune, der Direktor einer Stapelle ist und in der BerlinerKarten hätte es gegeben, so viel die Presse nur hätte haben die Mitglieder des Kuratoriums find. Bis jetzt haben sich schon straße 90 zu Rigdorf in seinem eigenen Hause wohnt. Das wollen; noch am Vormittage des Einzuges hätte man die schönste nahezu 1000 Hausfrauen in die Mitgliederlisten eintragen lassen. Mädchen, das seit seinem zehnten Lebensjahre an Strämpfen litt, Tribüne für sie reserviert. Man hat ja das ähnliche Theater in einer ganzen Reihe von deutschen Provingstädten erlebt, Hamover, Großer Seidendiebstahl. Im Seiden- Engroshaufe von Alexander war um 6 Uhr aufgestanden und befand sich um 7 1hr allein im Stuttgart usw. Aber was sich die Brovinz erlauben famn, ist Rosenau in der Jerusalemerstraße 17 ist ein Seidendiebstahl fest- Berliner Zimmer im dritten Stock, während sich die Eltern mit den leider in Berlin nicht möglich. Wenn wirklich sämtliche übrigen gestellt worden, bei dem Stoffe im Werte von etwa 40 000. er anderen Kindern im Wohnzimmer aufhielten. ells es im offenen Beitungen unter einen Hut zu bringen wären, der Leiter der beutet wurden. Einige Verbrecher, die mit dem Diebstahle in Ver Fenster lag, um auf den Hof hinabzusehen, bekam es wieder einen Waschtiche, der jedes Jahr feinen Orden bekommt, wäre bindung zu stehen scheinen, ebenso ein als Hehler fungierender Strampfanfall, stürzte auf das Pflaster hinab und blieb mit schweren nicht dafür zu haben, so lange sich noch Reporter- Partiewarenhändler find bereits durch die Kriminalpolizei verhaftet inneren und äußeren Verlegungen tot liegen. feelen finden, die im Schweiße ihres Angesichts zeilenDie bestohlene Firma machte seit längerer Zeit die Potsdam. schindend durchs Land ziehen und August der Große nicht höchst unliebſame Entdeckung, daß trog aller Vorsichtsmaßregeln Bum Polizeipräsidenten von Potsdam ist der Landrat des felbst gezwungen ist, sich im Menscheninäuel seine töftlichen Gilhner- the Seidenlager von unbekannten Personen geplündert wurde. augen massieren zu lassen. Besonders interessant aber wäre man konnte sich den Abgang verschiedener wertvollen Stilde Streifes Hörde in Westfalen, Herr v. Starck, nach einem Telegramm und schritt deshalb es nach diesen Erfahrungen, die Meinung des Herrn Dr. Ludwig nicht erklären der Köln. 3tg." ernannt worden. Bisher war dieser als Kandidat bor einigen Tagen Fulda und seiner Leute darüber zu hören, wie sie sich unter solchen zur Inventuraufnahme. So wurde ermittelt, daß waren im für den Posten in der Deffentlichkeit noch nie bezeichnet worden. Umständen den geplanten internationalen Pressekongreß in Berlin Werte von 30-40 000 M. fehlten. Während der Geschäftsinhaber und die Angestellten sich noch die Köpfe über die mutmaßlichen Diebe denken." Gerichts- Zeitung. Kohlenkönig Thyßen und seine Söhne. Ein Bruderzivist in der Familie des Stahl- und Kohlenkönigs" " Bedeutung haben diese Ausfälle natürlich nicht. Auch wenn zerbrachen, tam ihnen der Zufall auf eigentümliche Weise zu Hülfe. „ August der Große" nicht eriſtierte, würde die bürgers Gin türkischer Geschäftsmann, der schon seit Jahren mit der beliche Presse aus Angit bor der Konturreng nicht stohlenen Firma in lebhaftem Geschäftsverkehr steht, erschien, um wagen, in der Festberichterstattung zu streiten. Welcher neue Einkäufe zu machen. Bei der Auswahl der Stoffe nahm so etwas duiden, würde die Wahrheit ver- der Türke Anstoß an den Verkaufspreisen und behauptete, daß Thyßen zu Mülheim a. Ruhr hat eine Privatklage veranlaßt, zu Verleger würde leugnen und sich stellen als ob sein Blatt nicht zum Geldverdienen er diefelben Dessins, die mit 2,75 W. pro Meter und zur Befriedigung seines Publikums sondern zur Vertretung gezeichnet waren, in einem Partiewarenladen der Kaiser welcher gestern Termin zur Hauptverhandlung vor dem hiesigen Kläger war der Jugenieur idealer Interessen auf der Welt wäre? Und anderseits, wo wäre Wilhelmstraße für die Hälfte dieses Preises erstanden habe. Schöffengericht anberaumt war. der Leser bürgerlicher Blätter, der für einen Berichterstatterstreit Dhne über den Diebstahl etwas verlauten zu laffen, erfuchte in esti unter Beistand des Rechtsanwalts eine, angeklagt Verständnis hätte und nicht heillos auf sein Leiborgan schimpfte, der Bestohlene den Türken, Proben der so billig getauften Seiben- ris Thyßen jun., Direktor der Firina Thyßen u. Co., Mitweil es ihm die füßefte Speise vorenthält? Bu einer felbststoffe mitzubringen, um durch einen Bergleich der Qualität festglied des Aufsichtsrats Schalke Grubent- und Hüttenverein und bewußten Preise gehört auch ein selbstbewußte s zustellen, ob die vom Partiewarenlager bezogenen Stoffe wirklich so Mitglied des Vorstandes der Gewerkschaft Deutscher Kaiser". Der Lefepublikum und dieses fehlt im heutigen bürgerlichen preiswürdig seien. Der ausländische Geschäftsfreund erschien auch Angeklagte wurde durch Rechtsanwalt Dr. Marwit verteidigt. Berlin, würde auch fehlen, wenn nicht Herr Schert sich unter dem bald wieder mit den Proben, und nun stellte Rosenau an der Hand August Thyßen sen. versuchte vor einiger Beit seinen zweiten Sohn freundwilligen Lächeln der Regierung bemühte, den Sinn für das feines Musterbuches mit Leichtigkeit fest, daß er hier Teile seiner August Thyßen jun. in eine Jrrenanstalt zu bringen. Die Anöffentliche Leben, für das, was man ideale Güter nennt, noch töter gestohlenen Waren vor sich habe. Er benachrichtigte sofort die gelegenheit hat seinerzeit in weiten Streifen Aufsehen erregt. zu machen als er so schon ist. Seriminalpolizei, die bei dem Händler in der Kaiser Wilhelmstraße August Thyßen sen. behauptete, daß bei seinem jezt in Brüssel Was im heutigen Deutschland ideale Gesinnung hat, kämpft eine Haussuchung vornahm und dort noch Neste der gestohlenen behauptet dagegen, daß August Thyßen sen., unter Beihülfe sei, August Thyßen jun. unter der Fahne der Sozialdemokratie. Deren Breffe hat Seibenwaren im Werte von 15 000 m. beschlagnahmte. feines ältesten Sohnes Frizz, ihn nur aus der Mitverwaltung feine Sorge um Berichterstatterpläge zu offiziellen Festlichkeiten Wegen Sittlichkeitsverbrechens wurde gestern ein 70 Jahre alter der Werke verdrängen wolle. und deren Leserschaft ist sich mit ihrer Presse einig darin, daß Invalide Sch. aus Reinickendorf- West und ein Hausdiener Johann feit Jahren mit Aug. Thyssen jun. befreundet und behauptet in der Der jezige Brivatkläger ist patriotischer Trubel entweder gar nicht oder höchstens in seinen Aus Köpfe festgenommen. Der Greis verging sich an dem neunjährigen Privattlage, daß Frizz Thyssen, der wohl glaube, daß der Privatwüchsen beachtet werden soll. Töchterchen eines Bekannten, das er zu sich in eine Laube locte, fläger dem Bruder August Th. in dem Entmündigungsverfahren 2c. Röpfe an der Tochter eines Restaurateurs, bei dem er beschäftigt Beihülfe leiste, Fremben gegenüber beleidigende Bemerkungen über war. Beide sind geständig und wurden nach Moabit in Unter ihn gemacht habe. Als Zeugen waren zum gestrigen Termin gefuchungshaft gebracht. Der Petitionsausschuß der Berliner Stadtverordneten- Versamm lung hat sich in seiner legten Sigung nochmals mit dem Antrage laben: Medizinalrat Dr. Zeppmann, Kommerzienrat se I önne wegen der Errichtung eines städtischen Lufts, Licht und Sportbades beschäftigt. Nach kurzer Erörterung wurde der Stadtverordnete Diebstahls eines Fuhrwerks. Am Friedrich Karl- Ufer wurde von der Deutschen Bank, Dr. Quieliz, Dr. Nagelschmidt Dr. Ritter zum Referenten gewählt, der in der nächsten Sigung der gestern, mittags gegen 12 Uhr, ein mit Zucker beladenes Fuhrwert und August Thyssen jun. Der Gerichtshof befchloß, die Sache Stadtverordneten- Versammlung die Sache dem Plenum vor- von der Straße weg gestohlen. Der Kutscher, von der Firma Otto u bertagen und dem Privatkläger aufzugeben, zunächst genau zu tragen wird. Durch Uebergang zur Tagesordnung wurde eine Ein Schoening am Alexanderplatz, hatte am Friedrich Karl- Ufer zwanzig substantiieren, welche Aeußerungen und zu welcher Zeit und welchen gabe des Grundbesizervereins am Friedrichshain wegen schleuniger Säde Zucker geladen und fuhr dann an einer oben an der Straße Perfonen fie der Angeklagte gemacht haben soll. Der Gerichtshof, Errichtung des sogenannten Märchenbrunnens im Friedrichshain gelegenen Gastwirtschaft vor. Als er nach etwa zehn Minuten bas fo erklärte der Borsigende, fönne in eine Voruntersuchung nicht einerledigt. Lotal verließ, tar fein Wagen, der mit einem Rotschimmel bespannt treten und da es im Privatklageverfahren eine Voruntersuchung nicht Die Magistratsvorlage über die Aenderung in der Bennzung gewesen, verschwunden. Dem Vernehmen nach hat das Fuhrwert gibt, haben die Parteien die Pflicht, das nötige Material in ihren der Waisenanstalt zu Rummelsburg- Einrichtung derselben in einen Weg durch die Invaliden- und Heidestraße genommen und die Schriftfägen selbst zu beschaffen. abladung des Zuckers wird vermutlich bei einem Hehler zwischen Hofpital für Krante und sieche Waijenknaben wurde von dem zur 12 und 1 Uhr erfolgt sein. Nachmittage wurde das leere Gespann Borberatung dieser Vorlage eingesetzten Stadtverordneten Ausschuß in der Schönhauser Allee, Ede Eberswalder Straße, gefunden. Die mit großer Mehrheit angenommen. Dem Plenum soll Donnerstag, geschädigte Firma hat für die Ermittelung des Täters eine Beden 22. b. M., Bericht erstattet werden. 0 In der nächsten Woche findet eine Sigung der Stadtverord neten Bersammlung nicht statt. lohnung von 100 m. ausgesetzt. Münster i. W. gestern gefällt. In der Nacht auf den 15. März wurden Mensch und Bild. Bezeichnende Urteile hat die Straffammer zu an der Chauffee von Herbern nach Werne mehrere Kruzifire und Heiligenhäuschen mit dem Muttergottesbilde von zwei jungen Bergleuten, Brit men und Reisberger, mutwilligerweise durch Feuerbericht. In der Nacht zum Freitag wurde die Wehr nach Revolverschüsse zertrümmert. Ginigen vorbeiradelnden Bergleuten der Zimmerstr. 49 gerufen, weil dort im dritten Stod des linken fandte Reisberger ebenfalls zwei Schüsse nach, ohne zu treffen. Geschäftszeit zu Pfingsten. Am Sonntag, 11. d. M., dem ersten Seitenflügels in einer Wohnung durch Umfallen einer Petroleum- Ein anderer Bergmann, Eibeder, entrüstete sich über das Pfingstfeiertage, ist der Gewerbebetrieb in offenen Verkaufsstellen lampe Feuer ausgefommen war, das Decken, Wäschestücke 2c. ergriffen Treiben der jungen Leute, holte holte von Hanse sein Gewehr folgendermaßen geregelt: Gestattet ist der Handel mit Milch in hatte. Der 17. Löschzug konnte die Flammen leicht ersticken. Ein herbei und forderte sie auf, mit ihm zur Polizei zu gehen, widrigenBerlin, Charlottenburg und Nirdorf während der Zeit von 5 bis zweiter Wohnungsbrand mußte in der Kazbachstr. 13 abgelöscht falls er schießen würde. Ats Reisberger trotzdem ausrückte, feuerte 10 Uhr bormittags und von 12 bis 2 Uhr nachmittags, in Schönes werden. Längere Zeit gab es dann in der Wilhelmshavenerstr. 30 Eidecker zwei Schüsse auf ihn ab, durch welche Reisberger außerberg von 5 bis 9 Uhr vormittags und von 11%, bis 2 Uhr nach zu tun, wo es in dem Keller der Drogerie von Karl Brandt brannte. ordentlich schwer verlegt wurde. Alle drei wurden nun mittags; der Handel mit Brot und Konditorwaren einschließlich Das Feuer war durch unvorsichtigkeit entstanden und hatte einen unter Auflage gestellt. Die Urteile lauteten folgendermaßen: ReisKonfitüren und mit Fleischwaren in Berlin, Charlottenburg und größeren Posten Holzwolle, Farben zc. erfaßt, sodaß der 16. Bug berger erhielt wegen unbefugten Waffentragens 30 M. Geldstrafe, Rigdorf von 5 bis 10 Uhr vormittags, in Schöneberg von fräftig Wasser zu geben hatte, um die Gefahr zu beseitigen. Nach wegen Bedrohung 6 Wochen Gefängnis und wegen der Zer5 bis 9 Uhr vormittags; der Handel mit Kolonial der Turmstr. 21 wurde die Wehr gerufen, weil vor dem Moabiter trümmerung der Heiligenbilder ein Jahr Gewaren, mit Bortoftwaren, mit Blumen, mit Bier und Wein, mit Krankenhause ein mit Heu beladener Wagen umgestürzt war und fängnis; Brümen wurde wegen des letzteren Verbrechens gleichTabat und Zigarren in Berlin, Charlottenburg und Nixdorf von 8 bis den Verkehr hemmte. Der 15. Zug beseitigte das Hindernis. falls zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Ei de der, der wegen 10 Uhr vormittags, in Schöneberg von 7-9 Uhr vormittags; Ein Küchenbrand wurde aus der Pflugftr. 3 gemeldet. Wegen gefährlicher Körperverlegung angeflagt war, fam in ferner der Handel mit Noheis in Berlin, Charlottenburg und Air- einer ellerüberschwemmung erfolgte dann Alarm nach der Stein- Anbetracht der Umstände" mit einer Geldstrafe von 30 Mark dorf von 6-10 Uhr vormittags, in Schöneberg von 6-9 Uhr megstr. 49. Weiter liefen in den letzten 24 Stunden noch aus der davon. bormittags. Die Zeitungsspeditionen dürfen geöffnet sein in Berlin, Friedrichstr. 250, Matthieustr. 8 und noch aus einigen anderen Orten bis und you Charlottenburg, Rigdorf und Schöneberg während der Zeit von 4 Alarmierungen ein, die indes auf ganz geringfügige Anlässe zurüd- gefängnis in Haft befindliche Hausdiener und Kellner Der wegen Totschlags und Einbruchdiebstahls im Untersuchungsbis 9 Uhr bormittags. Die Versorgung der Kundschaft mit Milch. zuführen waren. Alfred Ramm wurde gestern unter besonderen Vorsichtsmaßregeln der zehnten Straffammer des Landgerichts I vorgeführt, um ficj sich wegen Sittlichkeitsverbrechens im Sinne des§ 176, 3 Str.- G.-. qu verantworten. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Deffentlichkeit statt. Am 15. Februar d. J. mietete sich der Angeklagte bei einer mit ihrer Mutter allein wohnenden Dame in der Bernauerstraße ein Zimmer und bezahlte den halben Mietspreis fofort. er feinerlei Kleidungsstücke und Gepäck mitbrachte, kam er der Vermieterin verdächtig vor. Am 17. Februar beobachtete ihre alte Mutter, die den neuen Mieter noch gar nicht kannte, den Angeffagten, wie er sich mit einem kleinen etwa achtjährigen Mädchen, dem er vordem eine Tite mit Aepfeln geschenkt hatte, Bier und Roheis ist während derselben Stunden gestattet, während deren ein Handel mit diesen Produkten in offenen Verfanfsstellen Theater. Renes tgl. Opern Theater( rol L.) Außer zugelassen ist. Um zweiten Bingftfeiertag, Montag, den 12. 6. M., der Operette„ Der Schmurrbart", deren Erstaufführung heute stattfinden lediglich die allgemeinen Vorschriften über die Sonntagsruhe findet, wird in der zweiten Hälfte d. M. noch die Operette„ Das im Handelsgewerbe Anwendung. Garnisonsmädel" von Raoul Mader dem Direktor der fgl. Oper in Budapest erstmalig aufgeführt werden. Jm Schiller Eisversorgung. Der Polizeipräsident teilt mit: Gegenüber den Theater O.( Wallner- Theater) ist für Sonntag, den ersten wiederholten, auch in der Presse wiederkehrenden Beschwerden über Pfingstfeiertag, nachmittags eine Aufführung von Maria Stuart" die noch immer nicht aufgehobene Einstellung der Eisversorgung an angesetzt. Den Mortimer spielt Georg Paeschke. den Sonntagen feitens der Eiswerkbefizer, insbesondere gegenüber den bei dieser Gelegenheit erhobenen Klagen über Unzulänglichkeit der an Sonntagen für den Eishandel und die Vorbereitungen dazu Da auf»er Treppe zu schaffen machte. Zum größten Erstaunen der alten Frau betrat er mit dem Mädchen die Wohnung ihrer Tochter. Als sie diese davon benachrichtigte, wurde ihr mitgeteilt,� daß das wahrscheinlich der neue Mieter sei. Beide Frauen begaben sich voll Angst in ihre Wohnung und verlangten Einlaß in das Zimmer des Angeklagten. Dies wurde ihnen verweigert mit dem Bemerken, er sei müde und wolle schlafen gehen. Erst als die Frauen energisch die Herausgabe des Kindes verlangten, öffnete Ramm und erklärte, das Mädchen sei seine Schwester. DaS Kind war ganz verschüchtert und gab keinerlei Auskunft über daS, was mit ihm geschehen war. Diese Zeit benutzte Ramm, um schleunigst die Flucht zu ergreifen. Wäre es gelungen, ihn sofort festzunehmen, so hatte er nicht zwei Wochen später die scheußliche Bluttat in der Wohnung des Gastwirts Grabow in der Schönhauser Allee 03 ver- üben können. Anfang März drang Ramm in die Wohnung des Gast- Wirts G. in diebischer Absicht ein und wurde hier in der Küche von den dort schlafenden Kindern, die erwachten, gestört. Der Angeklagte ergriff ein auf dem Küchcntisch liegende? Messer und stach blindlings auf die Kinder ein. Der Knabe war sofort tot, das Mädchen war so schwer verletzt, daß anfänglich gezweifelt wurde an einer Wieder- Herstellung. Wegen dieser Tat wird sich Ramm demnächst vor dem SchwnrgeriiZht verantworten.— In der gestrigen Verhandlung war Ramm des ihm zur Last gelegten Sittlichkeitsverbrechens geständig. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht darauf, daß der An- geklagte in gemeingefährlichster Weise ein Kind verschleppt und miß- braucht hat, eine Zuchthausstrafe von sechs Jahren. Der Gerichtshof erkannte auf eine Zuchthaus st rafe von zwei Jahren. Wegen mehrfacher Sittlichkcitsvcrgchcn hatte sich der Haupt- mann z. D. Schlott vor dem Kriegsgericht in Magilno(Posen) zu verantworten. Zu der Verhandlung, die bei verschlossenen Türen stattfand, waren 27 Zeugen geladen. Der Angeklagte wurde zu einem Jahr sechs Monaten Gefängnis verurteilt! zugleich wurde auf Verlust des Rechtes zum Tragen der Offiziersunifornr erkannt. „Erstklassige Menschen". Das Reichsgericht hat die Revision des Grafen Baudissin und des Verlagsbuchhändlers Janke, welche vom Landgericht I Berlin wegen Beleidigung der preußischen Offiziere, begangen durch die Veröffentlichung des Romans„ E r st k l a s s i g e Menschen", zu Geldswafen verurteilt sind, verworfen. Ebenso die Revision des Staatsanwalts bezüglich dieser beiden Angeklagten und der freigesprochenen Augeklagten Witwe Janke. )Ziis Induftrle und Handel. Eine„geheime" Berliner Schisfnhrtskoufcrenz. Gestern ist die Ende Mai nicht zustande gekommene Konferenz der Vertreter der fünf kontinentalen Schiffahrtsgesellschaften, näm- lich der Hamburg- Amerika- Linie(vertreten durch Generaldirektor Ballin), des Norddeutschen Lloyd(Generaldirektor Wiegand), der Holland-Amerika-Linie(v. Reuchlin), der Red Star Linie(Strasser) und der französischen Compagnie Transatlantiquc zusammengetreten. Im Diplomatenstil meldet die„Voss. Ztg".: Während man in außenstehenden Kreisen der Meinung ist, daß diese Kon- ferenz der Beilegung der neu entstandenen Differenzen mit der Cunard- Linie gewidmet ist, erfahren wir, daß eS sich lediglich um eine der gewohnten Schiffahrtskonferenzen handelt. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, daß auch die Cunard- Angelegenheit erörtert werden wird. Beachtenswert aber ist der Umstand, daß die Cunard-Linie bei den heutigen Verhandlungen überhaupt nicht vertreten ist. Sollten also die Beteiligten zu einer Abmachung in der beregten Angelegenheit kommen, so dürften sie kaum Veranlassung nehmen, der Oeffentlichkeit das Resultat ihrer Verhandlungen bekannt zu geben. Dieselben werden wohl einen streng internen Charakter tragen. Weiter wird berichtet, daß keine Veränderung der Passageraten vorgenommen würde.— Die Ballin- leute werden wohl alle Veranlassung haben, ihre Maßnahmen vor der Kritik zu behüten. Wieder eine neue Terraingesellschaft. Unter der Firma „Jndustriegelände Schöneberg Akt.- Ges." wurde gestern ein Bodenspekulationsunternehmen mit einem Kapital von £>000 000 M. gegründet. Die Gesellschaft hat den in der Ge- markung Schöneberg zwischen dem Rangier- und Werkstättenbahnhof an der Tempelhofer Grenze belegenen Grundbesitz, der sich bisher im Besitz der v. K r a m s t a s ch e n Erben befunden hat, nebst dem zur Abrundung benötigten Nachbargrundstück jenseits der Tempelhofer Grenze erworben. Zu Mitgliedern des ersten Anfsichts- rats sind zwei Geschäftsinhaber der Berliner Handelsgesellschaft gewählt worden. Kartoffeln. Die schwache Kartoffelernte im vorigen Jahre hat zur Folge gehabt, daß wir in den Nachbarländern sehr große Mengen Kartoffeln für den deutschen Konsum aufkaufen müssen. In größeren Quantitäten beziehen wir frische Kartoffeln namentlich au» Belgien. Holland und Rußland. Insgesamt führten wir in den ersten vier Monaten des laufenden Jahres 1 439 935 Doppelzentner ein gegen 370 182 in den Parallelmonaten des Vorjahres. Gegenüber dieser gesteigerten Einfuhr ist die Kartoffclausfuhr bis auf ein Minimum zurückgegangen. In den Monaten Januar bis April 1904 expor- tierten wir 1490114 Doppelzentner, dagegen im laufenden Jahre nur 188 547. Zum Teil bezog Deutschland aus solchen Ländern, nach denen eS m anderen Jahren ziemlich erheblich exportiert, seinen diesjährigen Mehrbedarf. Die Kartoffeleinfuhr in diesem Jahre ist ebenso stark wie in anderen Jahren die Kartoffelausfuhr. Die Erinnerung an die GründungSschwindclperiodc wird durch eine Einladung zur Generalversammlung der Westend- Gesellschaft H. Ouistorp u. Co. in Liquidation Ivach- gerufen, welche die Liquidatoren an die Kommanditisten zwecks Rechnungslegung und Dechargeerteilung erlassen. Ouistorp gehörte in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu den gefähr- lichsten.Gründern". Eine seiner bekanntesten Griindungen war die Westend-Gesellschaft, aus der die heutige Kolonie Westend entstanden ist. Diese Gesellschaft gehörte zu den ersten Opfern deS Kraches. Die Liquidation der zusammengebrochenen Gründung schleppt sich aber nun länger als 30 Jahre hm. Hud der frauenbewecjung. Die sechste Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauen- vereine beschäftigte sich mit der seltsamen Frage, wie der Klassen- gegensatz aus der Frauenbewegung entfernt werden kann. Fräulein Elie. Lüders begründete eine entsprechende Anfrage nach dem offiziellen Bericht folgendermaßen: Der Bund Deutscher Frauenvereine umfaßt nur eine gewisse Mittelschicht von Frauen. Es haben fich besonders konfessionelle Gruppen gebildet, trotzdein niemals konfessionelle Streitfragen im Bunde aufgetaucht sind, es fehlen fast ganz die sogenannten höheren Stände, eS fehlen ganz und gar die Arbeiterinnen. Die fort- schrittliche, sozialpolitische Richtung im Bunde beklagt namentlich das Fehlen der Arbeiterinnen. In keinem der mit Deutschland auf gleicher Kulturstufe stehenden Länder besteht eine so tiefe Spannung zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft wie bei uns und dies Bild der inneren Politik spiegelt sich auch in der Frauenbewegung wieder. ES gibt aber eine Reche von Fragen, welche die Frauen aller Klaffen, aller Richtungen, aller Parteien als Frauen angehen, un- geachtet aller Differenzen, die sonst bestehen mögen. So wird durch die Bildungsfrage, die Sittlichkeitsfrage, das herrschende Familien- recht, den Alkoholismus usw. usw. das Leben der Arbeiterin oft noch enger berührt als das Leben der befitzenden Frau? namentlich aber sins die Frauen aller Klaffen in vieler Hinsicht„Rechtlose" und haben daher einheitlich einen Kampf umS Recht zu führen. Das beste Mittel, um das Mißtrauen der Arbeiterin gegen die sog.„bürgerliche Frau" zu überwinden, ist das Miteinanderarbeiten; aber man muß mit dem früher herrschenden System des Patroni- sierenS brechen und man muß die Arbeiterin als volle, gleichberech- tigte Mtarbeiterin respektieren. Ans dem Gebiete der Gewerkschafts- und der Genoffenschastsbewegung kann die bürgerliche Frau der Arbeiterinnensache wertvolle Dienste leisten, so wie z. V. in England schon geschieht. Will man die Frauen aller Klassen für die Frauenbewegung gewinnen, so ist ferner eine lebhaftere Propagandatätigkeit von »eilen der Bundesvereine Vonnöten. Nicht nur VereinSversamm- lungen, in denen nur Freunde der Sache zusammenkommen, sondern öffentliche Versammlungen, wo die Geister oft heftig aufeinander- platzen, sind für die Propaganda wichtiger. Die Bundesvereine mülsen eS sich ferner angelegen sein lassen. Rednerinnen zu schulen; Vorträge über Frauenftage müssen auch gegnerischen Gruppen, den Arbeiterinnenvereinen, den kleinbürgerlichen Vereinen usw. an- geboten, ja förmlich aufgedrängt werden, denn nur so können Männer und Frauen aller Klassen für die Ideen der Frauenbewegung gewonnen werden. Die Organisationen, welche der Frauenbewegung dienen wollen, wie der Bund Deutscher Frauenvereine, wären für ein Zusammen- arbeiten von Frauen aller Klassen ein geeigneter Boden, da der Kampf um ihr Recht alle Frauen angeht. Dies Zusammenarbeiten würde nicht nur der Frauensache dienen, sondern zugleich ein Mittel sein, um die traurige innerpolitische Kluft zwischen Bürgertum und Arbeiterschaft zu überwinden. Die sozial aufgeklärten Elemente, Männer wie Frauen, ob sie aus der Steche des Bürgertums, ob aus der Arbeiterschaft stammen, müssen zusammenstehen, um gegen die Reaktion und für den sozialen Fortschritt zu wirken. Dazu wlirde dann von Frl. Roy- Königsberg folgende Re- solution vorgeschlagen: „Die 0. Generalversammlung des Bundes Deutscher Frauen- vereine steht auf dem Standpunkt, daß die Frauenbewegung die Frauen aller Klaffen angeht und beklagt daher, daß die Partei- politische Kluft, die in Deutschland zwischen Arbeiterschaft und Bürgertum besteht, schädigend auf die deutsche Frauenbewegung ein- wirkt. In der Ueberzeugung, daß zur Erreichung der Ziele der Frauenbewegung ein Zusammenarbeiten von Frauen aller Klassen stattfinden mutz, verpflichten sich die Delegierten ihrerseits nach Kräften dahin zu wirken, daß diese Kluft überivunden wird, indem sie die Mitglieder ihrer Vereine über die Lage und Kämpfe der Arbeiterinnen aufklären und zum Zusammen- arbeiten mit den Arbeiterinnen anregen. Ferner ist durch lebhaste Propagandatätigkeit, durch Veranstaltung von öffentlichen Versamm- lungen für die Verbreitung der Ideen der Frauenbeivegung in den breitesten Volksschichten Sorge zu tragen." Angenommen wurde aber schließlich nur dieser Vorschlag: „Der Bund macht es seinen Mitgliedern zur Pflicht, die Ideen der Frauenbewegung in alle Kreise und Klassen der Bevölkerung hineinzuwagen und für den Gedanken der Jntereffcnsolidarität aller Frauen Propaganda zu machen." Versammlungen. Metallarbeiter-Berband. Am Mittwoch fand im Palast-Theater eine sehr stark besuchte außerordentliche Generalversammlung der Berliner Mitglieder statt. Sie war die Folge eines Beschlusses der vorigen Generalversammlung und sollte dem VerbandZvorstand Gelegenheit geben, einen die Interessen der Berliner Mitglieder be- rührenden Antrag zu begründen, den er— der Verbandsvorstand— zum bevorstehenden VerbandStag gestellt hat. Es handelt sich um eine Bestimmung deS Statuts, wonach den Zahlstellen mit mehr als 3000 Mitgliedern das Recht gewährt werden kann, über Lohn» bcwegungen und Streiks selbständig zu entscheiden und hierzu auch einen größeren Teil der Einnahmen für sich zu verwenden als andere Zahlstellen. Der Hauptvorstand beantragt die Streichung dieser Be stimmung. Bei Annahme dieses Antrages würde also der in den Zentralverbänden allgemein übliche Zustand eintreten, daß der Hauptvorstand die Entscheidung über Lohnbewegungen und Streiks hat. Die Berliner Mitglieder haben an der Beibehaltung des Selbstbestimmungsrechtes, oder wie es genmmt wird, ihres Reservat- rechtes, um deswillen ein ganz besonderes Interesse, weil eS ihnen seinerzeit als Bedingung des UebertritteS des damaligen Berliner Metallarbeiter-VerbandeZ in den Deutschen Metallarbeiter-Verband zugestanden und im Statut festgelegt worden ist. In der Versammlung war der Verbandsvorsitzende Schlicke aus Stuttgart anwesend, um die Gründe darzulegen, welche den Vorstand zur Stellung seines Antrages bewogen haben. Er führte unter anderem aus: Anfangs sei das Reservatrecht eigentlich nur für Berlin in Frage gekommen, dem man eS mit Rücksicht auf die hier herrschenden Verhältniffe zugestehen konnte. Inzwischen hätten aber auch andere Verwaltungsstellen die Mitgliederzahl von 3000 überschritten. Diese erheben ebenfalls Anspruch auf daS Reservat- recht, und so würde die Zentralisation des Verbandes mehr und mehr durchbrochen und zu einer Föderation auf unsicherer Grundlage gemacht werden. DaS könne zu einer Gefahr für den Verband werden, denn nicht jede große Zahlstelle sei ohne Iveiteres in der Lage, über Lohnbewegungen von weittragender Bedeutung zu ent- scheiden. Namentlich jetzt, wo die Unternehmerorganisation stärker und rücksichtsloser geworden sei als sie früher war, sei ein enger Zu- sammenschluß der Arbeiterorganisation notwendig. Nach Annahme des Vorstandsantrages werde das Verhältnis der Berliner Mitglied- schast zum Hauptvorstand nur der Form nach geändert. In der Sache selbst würde alles beim alten bleiben. Das Selbswestimmungs- recht der Berliner solle aufrecht erhalten und durch besondere Ab- machungen außerhalb des Statuts gesichert werden. Gegen den Antrag des Vorstandes sprachen Litfin, Wiesenthal. Eggert und B ü s e. Sie sagten unter anderem. sie schenken der Versicherung deS Vorsitzenden, daß der Antrag kein« Spitze gegen Berlin habe, vollen Glauben, aber sie müßten doch fordern, daß das Reservatrecht als statutarische Bestimmung erhalten bleibe. Wenn Berlin sein Recht nicht mehr anS dem Statut herleiten könne, werde eS in völlig« Abhängigkeit vom Hauptvorftand kommen, selbst bei den kleinsten Streiks. Besondere Abmachungen neben dem Statut böten keine Sicherheit, da man nicht wissen könne, ob sie, wenn einmal die leitenden Personen wechseln sollten, noch beachtet werden. Wenn der Vorstand den Berlinern das Reservatrecht lassen wolle und nur hinsichtlich anderer Verwaltungsstellen Bedenken habe, so gebe ihm ja das gegenwärtige Statut schon eine Handhabe, solchen Zahlstellen das Reservatrecht zu versagen. Jedenfalls stehe der An- trag des Vorstandes in Beziehung zu den beiden großen Streiks in Berlin. Vielleicht gehe der Vorstand davon aus, daß, wenn die Ber- liner Mitglieder Streikgelder aus der Hauptkaffe erfordern, der Hauptvorstand bei solchen Streiks auch ein Mitbestimmungsrecht haben müsse. Wenn der Vorstand mit der Streiktaktik der Berliner nicht einverstanden sei, dann solle er sagen, was er daran auSzu- setzen habe und man könne darüber diskutieren._ Schlicke bemerkte hierzu, die Streiks seien nicht die Ver- anlaffimg zu dem Antrage. Die beiden großen Streiks der Gürtler und Drücker hätten die Zustimmung deS Hauptvorstandes gehabt. Der Hauptvorstand habe diese Kämpfe für unvermeidlich und ihre Unterstützung für selbstberständlick gehalten. Die Versammlung nahm fast einstimmig«ine Resolution an, welche gegen den Antrag des Vorstandes protestiert und den Berliner VerbandStag-Delegierten aufgibt, alle Hebel in Bewegung zu setzen um den Antrag zu Falle zu bringen._ Freireligiöse Gemeinde. Sonntag, den II. Juni, vonn. 10'/, Uhr, in der großen Turnhalle KI. Frankfurterstr. 6: Festvortraz de« Herrn Pros. Dr. Awert Gehrke.— Montag, den IL. Juni, vormittags 10'/, Uhr, ebendaselbst: Feswortrag des Herrn Waldeck Manasse. Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen Der Friedrichs- Verein(ehemalige Zöglinge des Rummel»- burger Waisenhauses) begeht am dritten Pfingstseiertage in den Park- anlagen der Rummclsburgcr Anstatt sein diesjähriges FruhlingSsest, DaS Fest beginnt nachmittags 3 Uhr und sind Freunde und Gönner dieser Ber- einigunq dort gern gesehen..... � Oesfentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be- Nutzung für jedermann, SW., Mexandrinenstr. LS. Geöffnet werltaglich von ö1/»— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—0 Uhr. In den L-sesSlen liegen zurzeit SIS Zeitungen und Zeitjchnsten jeder Art und Richtung aus. Vermilcbtes. Unglücksfall bei einer Militärübung. AuS München wird ge- meldet: Am Mittwochabend kippte bei einer Uebung des Eisenbahn- bataillonS auf dem Uebungsplatz unterhalb der Bogenhausener Brücke ein Ponton um. Vier Mann stürzten inS Waffer. drei konnten sofort gerettet werden, aber der vierte verschwand in den Wellen und ertrank. Es ist dies der Pionier Rudolf Henke. Essen a. R., 9. Juni. Durch verkehrte Drehung einer Schmelz- kanne verunglückten auf dem Thomaswerk der Kruppschen Friedrich Alfredhütte 7 Arbeiter. 4 wurden durch ausströmendes glühendes Eisen sofort getötet. 3 liegen hoffnungslos darnieder. Die reichsten Leute der Welt. Der Tod des Barons Rothschild veranlaßt den„Figaro", eine Liste der hundert reichsten Personen der Welt nach den Ermittelungen und Berechnungen des Englanders James Burnley zu veröffentlichen. Die Vermögenszahlen sind natürlich nur schätzungsweise wiedergegeben. Es besitzen oder be- saßen nach dieser Berechnung: I. Bett. Südafrika. 2 Milliarden Mark; Lihungtschang 2 Milliarden Mark; I. B. Robinson. Süd- afrika, 1.6 Milliarden Mark; I. S. Rockefeller 1 Milliarde; Waldorf Astor 800 Millionen; Fürst Demidow, Rußland, ebensoviel; Andrew Carnegie 500 Millionen; W. K. Vanderbilt 400 Millionen; deSgl. W. Rockefeller; Jakob Astor 300 Millionen; Lord Rothschild und der Herzog von Westminfter, W. C. Whitney. New York, Plerpont Morgan 300 Millionen. Dann kommen noch eine ganze Anzahl Millionäre, die auch noch einige hundert Millionen besitzen: wir wollen aus der Liste, die doch auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen kann, nur noch einige Personen nennen, die allgemein be- kannt siiid. So soll besitzen: Erzherzog Friedrich, Wien, und Georg Gould 275 Millionen: Mendelssohn. Berlin 250 Millionen; Fürst Lichtenstein, Oesterreich, ebensoviel; A. Dreher, Oesterreich, 200 Millionen; Krupp. Essen. Fürst Pietz. Graf Henckel-DonnerSmarck. A. G. Vanderbilt 180 Millionen. Erzbischof Kohn 160 Millionen. Auch ein Nachfolger des ManneS, dessen Reich nicht von dieser Welt war. Hinterpommerscher PetriotismuS. In der zu Rügenwalde er- scheinenden„Neuen hinterpommerschen Zeitung" stand am 80. Mar folgende Anzeige:„Wegen der feierlichen Einholung Sr. Kaiserl. und Kömgl. Hoheit de» Kronprinzen nehmen wir Freitag, den 2. Zum, morgens 5 bis 0 Uhr Vieh ab. Otto u. Ernst Rudolph.— Em Patriotismus, der selbst dem Viehzug das rechtzeitige Eintreffen zu den Festlichkeiten ermöglichen will, darf als kernfest gelten. Die Tat rineS Betrogene». Aus Rom wird gemeldet: Der Generalstabshauptmann Durando von der Garnison Aleffandria überraschte seine angeblich aus Besuch nach Florenz gereiste Gattin in einem Hotel zu Novi Ligure, wo sie ihren Geliebten, einen Offizier derselben Garnison Aleffandria, erwartete. Der Hauptmann feuerte einen Revolverschutz ab. Die Kugel drang der Frau in den Unterleib und verletzte sie tödlich. Mailand, 9. Juni. Professor Tizzoni von der Universität Bologna teilte der dortigen Akademie mit, es sei ihm gelungen, die Tollivut durch Radiumstrahlen zu heilem Die bisherigen Ergebnisse der Experimente mit Kaninchen seien sämtlich erfolgreich gewesen, was weder bei der Pastcurschen Kur, noch bei der Serumbehandlung der Fall sei. Versuche mit Menschen will der Erfinder noch machen. Briefkasten der Redaktion. �urlftifther Deik. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit AuSuahm« de» Sounadend» von?/, biS»'/> Uhr«dend» statt.(Seäftnet! 7 Uhr. Hoppe. Wenden Sie sich zunächst bcschwcrdcsührend an den Magistrat. EvenNicll müßte auf HerailSaabe gegen den Magistrat geklagt werden. — Piosel 100. Lehnen Sie, falls nicht etwa Anerkennung erfolgt ist, die Zahlung ab. Die Schuld liegt nicht vor. well Sie damals minderjährig waren und weil überdies Verjährung vorliegt.—®. B. 07. Wenden Sie sich direkt an die Reichsbank. Diese kann emen Erbschein verlangen. Der Antrag aus Erteilung eines ErbscheinS ist an das Amtsgericht zu richten. Ein Beispiel hierfür finden Sie Seite 237 Nr. S3a des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegcndcn Arbeiterrechts.— Termin 8. Ehebruch ist strasbar, wenn wegen des Ehebruchs die Ehe geschieden ist und nach der Scheidung der beleidigte Gatte Strafantrag stellt.— W. W. Leider nicht. - A. K. 100. Arbeiterinnen dürfen in Fabriken sowie am Vorabend der Festtage nur bis 5'/, Uhr nachmiltagS befchästigt werden.— Zl. D. 80. Um den Zweck(Sicherung) zu erreichen, ist die Austuhrung und Signierung der etnzelnen Stücke erforderlich. Die Form des Vertrages ist dieselbe vor wie in der Ehe. Ein Beispiel finden Sic S. 22o Nr. 22 de» dem„Arbeiter. recht" beigefügten Führers. Das Buch liegt m den öffentlichen Bibliotheken aus.- W. 10. 1. Anspruch aus Rückzahlung steht Ihnen zu. L. Ja. Beispiele für eigenhändig geschriebene Testamente imd Anleitung zu solche» sin den Sie S. 23«, 239 des dem„Arbeiter-recht" beigesugten Führers. DaS Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— H. K. 1. Nein. 2. Ja. 3. Ja. Zunächst haben Sic den Austritt schriftlich zu beantragen. Formu» lare hierzu erhalten Sie in der Vorwärts-Buchhandlung ober bei Hoffmann, Psnmenstr. 14. Dann haben Sie ohne Ladung zu erhalten innerhalb vier bis sechs Wochen nach Eingang diese» Antrage« vor Gericht Ihren Austritt zu Protokoll zu erklären. Unter Juristerei-Rixdors ist daS im Brieskafte» am 4. Juni ausführlich dargelegt.— Z.13Z. Wir kommen daraus zurück, — Wotkowiak. 1. Wenn der Wirt es duldet: Ja. 2. Nein.— G. 20. Der schlechte Geschäftsgang gibt Ihnen kein Recht zum emseitigen Rücktritt vom Mictsvcrtrage. Gelangen Sie nicht zu einer Einigung mit dem Wirt, s» sind Sie an den Vertrag in vollem Umfange gebunden.— Bondrille. Sie haben Recht, es sei denn, daß in der«teuerordnung abweichende Br« stimmungcn getroffen sind und diese Steuerordnung genehmigt ist. De« Eingang des§ 38 läßt für solchen Fall Abweichungen zu. Die Sachlage könnten Sie durch eine Beschwerde klarstellen. Möglich ist auch, daß 10 Pfennig als Holgeld in Ansatz gebracht find.— R. O. 100. Nein. Berliner Markipreis«.(Ermittelt vom Polizei.Prästdtum.) Rvgsen, gut- Sorte, 1 Dz.—(—/—•)- mittel—(—,—), geringe—(— ,—) ab Bahn. Futtergerste, gute Sorte 1 Dz. 16,10(1S.10) mittel 151)0(14,10), geringe 14,00(13,10) frei Wagen und ab«ab». Haser, gute Sorte 16,51 (15,90), mittel IS, 80(15,20). geringe 15,10(14,50) frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 1 Dz.—(—,—)■ Heu—(—,—). Erbsen, gelbe, zum Koche» 45,00(30,00), Sp-isebohnen. weiße 50,00(30,00), Linsen 60,00(30,00), Kar- toffeln 9.00(7,00), Rindfleisch, von der Keule, 1 Kg. 1.80(1.30). Bauch. fleisch 1,40(1,00), Schweinefleisch 1,70(1,30), Kalbfleisch 2,00(1,20), Hammel- fleisch 1.80(1,20). Butter 2.80(2.00). Eier, 60 Stück. 4.00(2.80). Karpfen. 1 Kg. 2,20(1,20), Aale 3,00(1,60), Zander 3,20(1,20), Hechte 2,60 (1,40), Barsch- 2,00(1,00), Schlei- 3,60(1.40). Bleie 1,40(0,80), Krebse 60 Stück 16,00(3,00). «vttterungsllderNcht vom 9. Juni 1905, morgen»»»st». Scheiter 3 wolkig tzheiter 3 wolkig 1 bedeckt 'bedeckt Haparanda Petersburg Scilly Aberdeen Pari» 768 N 763 NO 763 NO 769 N 7S9S SbedeiL «halb bd. 2 oedeckt l'Regen ,»»» s»»»••••»• neu xu« xwo» Etwas wärmer, vorwiegend heiter und trocken bei ziemlich srffche» nordöstlichen Winden. Ber liner Wetterbure a berührt als das Leben der besitzenden Frau; namentlich sehr willkommen._■______ Berlin- r W e t t erb u r« Verantto. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil oerantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck».Verlag: Vorwärt» BuHdruckerei u. VerlagSanftatt Paul Sitig«!-£c„ Berlin SW,