Nr. 135. RlwmtiiKntS'Bedlnaviwit: NionnemenIS< Preis pränumerando i «ierleljShrl. Z.30 SRt.. monaü. 1,10 Ml. wöchcnllich 28 Pfg. frei ins Hau». Einzelne Nummer 6 Pfg. Eonnlag». Nummer mit Muftrierter Sonntags. Beilage.Die Neue Welt" tll Pfg. Pofl. Wonnemenl: l.lll Mark pro Monat, Eingetragen in die Posl-ZeUungs« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich< Ungarn � Marl, für das übrige«usland S Mark pro Monat 32, Jahrg. CrfdKljtt liglich außer ciontaai. Derltnev VolKsbl�kk. OK InIertlon$*G(bai)r beträgt für die sechSgefpastene«olonel- zeilc oder deren Raum 40 Pfg., für polilifche und gewerlfchaftliche Vereins- und Berfammiungs-ilnzeigen 25 Pfg. „Utein« Anreisen", daS erst«(fett- gedruckte) Wort to Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg Worte über IS Buchstaben zählen für zwei«orte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis K Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis S Uhr dormsttags geöflnep relegramm-Ädresse: „SszialtieutSßka» IhUb", Zentralorgan der rozialdemokrat» Tchen Partei Deutfchlands. Redaktion r 8M. 68, Lindenstraese 69. Fernsprecher: Amt IV Nr. 1S83. Die nächste Nnnnner unseres Blattes erscheint Mittwoch früh. Der Geburtstag der Kirche. ttnter allen christlichen Festen ist keins, das unverstandener und unpopulärer wäre als Pfingsten. Dennoch ist es die hohe Feier des Geburtstages der christlichen Kirche. Aber diese Feier ist, wie wenn die Familie Krupp am Geburtstag des Stifters ihres Reichtums und ihrer Macht in Glanz und Seide zu dem bescheidenen Häuschen pilgert, in dem jener einst gewohnt und das eine klug rechnende Pietät unverändert bis heute bewahrte. Ruch die Kirche von heute hat nichts mehr gemein mit dem Zu« stände, in dem sie sich bei ihrer Stiftung befand. „lind als der Tag der Pfingsten erfüllet war, waren sie alle einmütig bei einander. Und eS geschah schnell ein Brausen vom Himmel als eines gewaltigen Windes, und erfüllete das ganze Haus, da sie sahen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilet wie von Feuer. Und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und wurden alle voll des heiligen Geistes, und fingen an, zu predigen mit anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab auszusprechen... So lautet der bis heute aufbewahrte Gründungsbericht. Er deucht allerdings Ungezählten unter uns nur noch als eine sehr seltsame Geschichte in fremdesten Zungen, und auch dem religiösen Menschen, der mit seinen zwei gesunden Beinen in Bildung und Wirklichkeit der Gegenwart steht, klingt er nur noch wie ein Märchen aus lange vergangenen Tagen. Dennoch wird er in allen Kirchen heute wieder als Festbericht verlesen und alsdann als Predigt ver- arbeitet. Nicht so freilich, daß abermals ein Brausen vom Himmel hereinbricht, dah abermals feurige Zungen sich auf jeden An- dächtigen hernicdersenken, daß abermals der heilige Geist gewaltig über sie kommt und sie z» Zeugen des Glaubens hoch über sie hinaus und enrporreißt. Vielmehr überall nur noch eine EriunerungS» feier, die keine heiligen Schmier mehr wie einstmals auslöst; nur noch ein Seufzen und Rufen nach dem heiligen Geiste, der dennoch nicht kommen will; schließlich— wie zum Trost— ein beruhigender Ausblick auf die Macht der Kirche, die einst so klein, es heute so herrlich lveit gebracht. Ja, einst so klein und so ganz anders als heute. Wir wissen, daß jener Festbericht nicht als Protokoll an Ort und Stelle, sondern erst länger nachher verfaßt ist. Wir wissen, daß das meiste darin nur poetischer Schmuck ist. Trotzdem mag ein Rest und Kern bleiben, der geschichtlich scheint. Und der erzählt von einer Gemeinschaft, die mit der heutigen Kirche schlechterdings nichts gemeinsam hat. Sie war nur eine kleine Schar, wohl von ein paar hundert, später ein paar tausend Köpfen. Alle mit nur einem Gedanken: an Jesus, mit dem sie gelebt, den sie liebten, den sie sterben sahen. mn den sie schmerzliche Trauer trugen. Aber alle nun voll der Gewißheit, daß er lebe, bei Gott, im Himmel. Alle voll der Er- Wartung, daß er in Bälde, vielleicht in Wochen und Monaten schon, wieder vom Himmel henüederkäme, die Erde zu richten und sie, seine Getreuen, heimzuholen zu„seinem Vater". Vor dieser großen Hosinung alle irdischen Interessen in nichts zerronnen. Gleichgültig gegen Beruf und Besitz, Ehe. Ehre und Leben. Die Augen ganz von der Erde weg, zum Himmel hinauf gerichtet. Furchtlos, gänzlich teilnahmlos einer Welt von Feinden gegenüber. Alles eigene willig teilend mit den glanbcnSverbundeneu Brüdern und Schwestern, eine kommunistische Gemeinschaft. Erfüllt von einem ihnen selber neuen Geiste, den sie den heiligen nannten. Jeder dem ander» gleich. Zu allen Opfern und aller Erniedrigung bereit, ann und ohne Falsch: Das war die Gemeinde der ersten Christen, die Kirche bei ihrem Beginn. Aber die Kirche von heute? Wo ist ein Zug an ihr, den sie noch mit jener gemein hätte? Zwar, auch sie bekennt sich zu Jesus, als zu ihrem Herrn. Aber sie hat ihn den Augen ihrer Gläubigen weltenfern gerückt. Längst hat sie ihn, der den ersten Christen Lebens- und Sterbensgenosse war, zum unnahbaren Gott gemacht, in eine Wolke unverstandener Dogmen gehüllt. Längst auch ist ihr die zitternde Erwartung jener an seine Wiederkehr zu einer uusrucht- baren Idee verblaßt. Dafür aber hat sie sich aufs hartnäckigste ein- zurichten gewußt in diesem irdischen Jammertal. Die kommunistische Gemeinde von einst, für die ein Paulus dann noch betteln gehen mußte, ist zu einer raffiniert ausgebauten Organisation von Glanz, Reichtum und Macht geworden. Alle Mächtigen der Welt ihre Freunde und Stützen; alle Armen im Geiste, alle Harm» losen und Gläubigen der Schemel ihrer Füße; alle Weltklugcn aber und ehrgeizigen Streber ihre treueste und zäheste Anhängerschar. Keine Ungleichheit in der Welt, die sie nicht nur sanktioniert, sondern auch akzeptiert hätte. Keine Ungerechtigkeit, die nicht bei ihr Er- klärung, Entschuldigung und Nachahmung gefunden hätte. Sie ist die Erbin der Lehren eines der revolutionärsten Geister, der über die Erde gegangen, aber ihre Taten sind Taten konsequentester Reaktion. Nebensächliche Aussprüche, Gclegenheits-, ja VerlegenheitS- Worte ihres Stifters, wie jenes: Arme habt Ihr allezeit bei Euch l oder dieses: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist I— hat sie zu Haupt- und Grundsätzen ihrer Verkündigung und ihres Verhaltens gemacht; grundstürzende Reden aber, wie jene gewaltigste von allen, die Bergpredigt, deckt sie mit dem Mantel alles verwischender Um- deutung zu. Selber das Werk eines Aermsten aus dem Volke, tritt sie dennoch den Interessen, dem heiligsten Sehnen und Ringen aller Armen und Ausgebeuteten der Erde entgegen umnebelt ihr Hirn mit geistiger Befangenheit; schwächt ihr Selbstbewußtsein und ihren Willen, und ist so die Schildhalterin aller ihrer Ausbeuter. Sie hat das Intimste und Persönlichste auf den Markt des Lebens, in die rohe Oeffentlichkeit gezerrt; hat eS auch denen aufgezwungen, die weder Sehnsucht noch Anlage dafür besitzen; hat es, das nur Stimmung und Gefühl ist, zu einem Wissensstoff gemacht; hat eS mit einer Weltanschauung verknotet, die längst im Sterben liegt; klammert sich noch heute an diese und ge- fährdet so gerade auch für die religiös Ernsthaften Sinn und Kraft und Zukunft der Religion. Sie ist längst schon nicht mehr deren Hülle und Hülfe, sondern nur noch ihr Hemmnis und höchste Gefahr. „So weit", sagt der protestantische Pfarrer Kutter in seinem vielgenannten Buche„Sie müssen"—„so weit hat es die Kirche ge- bracht: sie kämpft unter dem Schilde Jesu gegen sein Evangelium; sie gebraucht das Schwert des Geistes, um allen Geist auszulöschen; sie redet vom Worte Gottes, um das Göttliche zu verfälschen. Sie ist fromm, aber ihre Frömmigkeit ist— Gottlosigkeit. Die Kirche hat keinen Gott." Gleichwohl, oder vielmehr gerade deshalb möchten auch wir dieser Kirche zu ihrem heutigen Wiegenfeste unseren Glückwunsch abstatten. Wir wünschen ihr, daß sie sich immer weiter so entwickeln möge wie bisher, wie besonders im letzten Jahr- hundert: denn dann werden auch dem Befangensten und Frömmsten unter ihren Anhängern schließlich die Augen der Erkenntnis über sie aufgehen. Wir wünschen ihr nur immer engere Verbindung mit ihrem Freunde. dem heutigen Klassen- staat, die sie selber ja immer enger ersehnt: denn dann wird sie zusammenbrechen mit diesem. Wir wünschen ihr die peinlichste Konservierung ihrer so innigst geliebten und so sorgfältigst gehüteten Dogmen: denn dann werden bald alle Denkenden ihr den Rücken für immer gekehrt haben. Wir wünschen ihr die Vermehrung ihrer Pracht, ihres Vermögens, ihres Verkehrs mit den Mächtigen: denn dann wird sie um so schneller auch den letzten Faden der Gemeinschaft mit ihrem Stifter ver- lieren. Wir wünschen ihr den Glanz aller Gnadensonnen von oben: denn dann wird um so höher und verzehrender auch die Flanime des Hasses und der Verachtung gegen sie von unten auflodern. Wir wünschen ihr für ihre Organisation, für ihre Gottesdienste, ihre Lehrbücher und ihren Unterricht immer gänzlicher die so heiß erstrebte Uniformität: denn Unisornntät ist der Tod des Lebendigen. Wir wünschen, daß es ihr immer völliger gelingen möge, auch die letzten selbständigen Regungen ihrer Geistlichen zu ersticken: denn dann werden diese die letzte Fähigkeit verlieren, gegen uns etwas auszurichten. Wir wünschen ihr— getrosten Herzens und ohne Vorbehalt—, daß alles, was sie sich selber wünscht, schnellstens in Erfüllung gehe: denn nur um so rascher wird sich ihr Geschick erfüllen. Und nun laßt uns hinausziehen in die pfingstliche Natur I Auch durch sie geht heute, uns allen spürbar, ein neuer, ein heiliger Geist. Vom Himmel blaut er hernieder; in den Strahlen der Sonne wärmt er; aus jeder Blnme duftet er; aus den Liedern der Vögel tönt er: im Geflimmer des Lichts über den Feldern zittert und glitzert er; in den Bäumen des Waldes rauscht er; aus den Augen fröhlicher Menschen blitzt er unS zu. Wohlan denn, so laßt uns alle von Herzen fröhlich sein. Saugt Euch voll mit dem heiligen Geiste der Allmutter Natur. Jubelt und springt. Wieder ist eine neue Welt geworden. Frohlockt und singt. So lasset uns Pfingsten feiernl Ein entscheidender Schritt znm Frieden. Die Ernsthaftigkeit und Eindringlichkeit der Friedens- aktion des Präsidenten Roosevclt ist jetzt, über die Gerüchte der letzten Tage hinaus, erwiesen. Der Wortlaut der Note wird bekannt, welche Roosevclt am 8. d. M. an die japanische und russische Regierung gerichtet hat. Die Note lautet: „Ich halte die Zeit für gekommen, daß ich mich im Interesse der gesamten Menschheit bemühen muß, wenn möglich, diesen schrecklichen und beklagenswerten Kamps zu Ende zu bringen. Die Vereinigten Staate» sind sowohl mit Japgn als auch mit Rußland durch Bande der Freundschaft und des gegenseitigen Wohlwollens verbunden und daher für beide interessiert. Der Fortschritt der Welt wird durch de» Krieg zwischen zwei großen Völkern gehemmt. Ich bitte die russische wie die japanische Regierung dringend, nicht nur ihrer selbst willen, sondern im Interesse der ganzen zivilisierten Welt in direkte Friedensverhandlungen mit einander einzutreten. Ich schlage vor, daß diese Friedensverhandlungen direkt und ausschließlich zwischen den kriegführenden Ländern geführt werden, mit anderen Worten, daß russische und japanische Bevollmächtigte ohne irgend welche Vermittler zusammentreten, um zu sehen, ob es nicht mög- lich ist, daß die beiden Mächte sich über Friedens- bedingungen einigen. Ich bitte die russische und die japanische Regierung ernstlich, jetzt einer solche» Zusammenkunft zuzustimmen. Jchbinbereit, alles zu tun, was ich kann, falls die beiden in Frage kommenden Mächte meine Dienste bei der Vereinbarung der Präliminarien, was Ort und Zeit bc- trifft, für nützlich halten, aber auch, wenn diese Präliminarien zwischen den beiden Mächten direkt oder auf anderem Wege ver- einbart werden, werde ich hocherfreut sein, denn mein einziger Zweck ist, diese Zusaminenkunst zustande zu bringen, welche, wie die ganze zivilisierte Welt von Herzen wünscht, den Frieden herbei- führen möge." Eine dem„Reutcrschcn Bureau" aus Tokio zugegangene Depesche bestätigt bereits, daß die japanische Regierung bereit ist, der Anregung des Präsidenten Roosevelt Folge zu leisten und Bevollmächtigte zu ernennen, die mit russischen Bevoll- mächtigtcn in Unterhandlungen treten sollen. Und die New Jorker„Associated Preß" meldet, daß auch Rußland die An- regungen RooscveltS augeilomnlen habe. Eine Konferenz von Bevollmächtigte» beider Länder fei nunmehr gesichert. Expedition: SM. 68, Lindenstrasse 69. fpentivrcrfier: Amt IV, Nr. 1084. Wenn sich, wie anzunehmen ist, diese Meldungen bc- stätigen, so ist der erste und schwierigste Schritt zur Einleitung von Friedensverhandlungen geschehen. Und solche Berhand- lungen werden nicht eingeleitet, wenn nicht für beide krieg- führenden Staaten bereits eine gewisse Sicherheit besteht, daß die Einigung über die Bedingungen des Friedens aussichtö- voll ist. Zu diesen Vorgängen liegen noch folgende Mitteilungen vor: Washington, 10. Juni.(Meldung des„Renterschen BureauS".) Die Note des Präsidenten Roosevelt an die russische und die japanische Regierung war am Donnerstag nachmittag abgesandt worden, nachdem von Tosio und Petersburg die Zusicherung gegeben war, daß ein solcher Vorschlag willkommen sei. Sie wurde ans Roosevelts Veranlassung nach Petersburg und Tokio tclegravhiert und dort durch den amerikanischen Botschafter von Lengerke-Meyer bezw. den Gesandten GriSeom überreicht. Die State wird in hiesigen diplomatischen Kreisen als erster entscheidender Schritt zum Frieden betrachtet. Tokio, 10. Juni.(Meldung des„Renterschen Bureaus".) Die hiesige Fondsbörse zeigte gestern nachmittag plötzlich leb« hafte, steigende Tendenz, die auch heute anhielt. London, 10. Juni. Dem„Renterschen Bureau" wird aus Washington gemeldet, es werde dort als wahrscheinlich angesehen, daß Washington, das Einflüssen von außen her weniger zugänglich sei, als Paris, zum Ort der Friedensverhandlungen der Bevoll- mächtigten Rußlands und Japans werde auserwählt werden. Nach Mitteilungen aus diplomatischen Kreisen werde wahrscheinlich Baron Rosen, der frühere russische Gesandte in Tokio, zum Vertreter Rußlands bei den bevorstehenden Verhandlungen ernannt werden. Die Stellung Deutschlands. Washington. 10. Juni.(Meldung des„Renterschen Bureaus".) In hiesigen diplomatischen Kreisen swird erklärt,„der deutsche Bot- schaftcr Freiherr Speck v. Sternbnrg habe dem Präsidenten Roose- velt bei de» seiner Note an Rußland und Japan vorausgegangenen Verhandlungen durchaus unterst ü tz t. Er habe den Präsidenten versichert, daß auch der deutsche Kaiser seine Bestrebungen aufs, herzlichste unterstütze. Es verlautet hier ferner, Kaiser Wilhelm habe die Bemühungen Roosevelts dadurch ergänzt, daß er sich mit dem Kaiser von Rußland zugunsten' eines Friedensschlusses in Verbindung setzte."_ poUtifcbe GebciTicbt. Berlin, den 10. Juni. Prozeß-Nachruf. Die reaktionäre Presse weicht einer Besprechung des sie über« raschenden Ausgangs des Plötzensee- Prozesses zaghaft aus. Die liberalen Blätte würdigen seinen Verlauf und sein Ergebnis mehr oder minder eindringlich als Erfolg des Kampfes gegen den gegenwärtigen Strafvollzug. Wir geben in Ergänzung der gestrigen Zitate die folgenden Aeußerungen wieder: Die„Morgcnpost" führt aus: „Und die Moral von der Geschichte?— Waren zu diesem geradezu rührend erfreulichen Ende erst neunzehn Sitzungen not- wendig? War die Anklagebehörde denn erst jetzt zur Einsicht ge» kommen, daß die Angeklagten nicht im geringsten beabsichtigt hatten, die Anstaltsärzte Dr. Baer und Dr. Pfleger zu beleidigen? Unseres Wissens haben die Angeklagten diese Erklärung bereits zu Beginn des Prozesses abgegeben. Und daß die Anstaltsärzte selbst gleich- falls gar nicht daran gedacht hatten, gegen die Angeklagten klägerisch vorzugehen, zeigt der flüchtigste Blick auf beide Herren. Geheimer Medizinalrat Dr. Bacr. ein würdiger Siebziger, der die Bürde des Dienstes längst abgelegt, bedurfte nicht erst des Zeugnisses seiner sachverständigen Kollegen, um seine ärztliche Integrität aus dieser Affäre zu retten. Das gleiche gilt auch von Medizinalrat Dr. Pfleger. Nicht die Anstaltsärzte, sondern nur das System war, wie die Angeklagten von Anfang an behaupteten, der Gegen- stand ihrer Kritik gewesen. Dah die Staatsanwaltschaft diese Sachlage anerkannt hat, muß ihr— trotzdem die Einsicht erst so spät erfolgt ist— als ein Ver- dienst angerechnet werden. Hier hat die Anklagebehörde endlich ein- mal, vielleicht daS erste Mal, die vornehmste und höchste Forderung erfüllt, die man an sie zu stellen berechtigt ist. nämlich die, eine objektive Behörde zu sein. Die Staatsanwaltschaft wird, gewitzigt durch das eigenartige Ende des Plötzensce-Prozesses, in Zukunft gut daran tun, Anklagen gegen die Presse vor der Einleitung des Strafverfahrens mit der- selben Oktzcktivität zu prüfen, die hier erst nach dem achtzehnten Sitzungstage einsetzte. Die Staatsanwaltschaft sollte endlich auf» hören, hinter jeder Kritik der Presse über öffentliche Mißstände, die stets nur das System, nie die Person treffen will, die böse Ab« ficht zu vermuten. Stellt sich die Staatsanwaltschaft endlich ein» mal auf den Standpunkt, den guten Glauben der Presse, dessen sie versichert sein darf, anzunehmen, dann werden die Pro- zesse aufhören, deren Wahrheitsbeweis selbst bei der Verurteilung der Angeklagten wegen des mangelnden i-Tüpfelchens oder wegen formaler Beleidigung fast stets die Anklagebehörde ins Unrecht setzt. Sollte der Plötzensec-Prozeß diese erfreuliche Folge haben, dann wären die neunzehn Sitzungstage nicht als verlorene Zeit anzu- sehen." Dem„Berliner Börsen-Courier" erscheint auf Grund des Prozesses„der Angriff auf das Strafvollzugswesen an sich verdienstlich". Das Blatt kritisiert dann äußerst scharf die Prozeßleitung und sagt u. a.: „Man kann aber gar nicht scharf und eindringlich genug darauf hinweisen, was für ein schrecklicher Gedanke darin liegt, daß jemand aus irgend welchen Gründen einem Gericht unterworfen werden könnte, das den Urteilsspruch sich schon gebildet hat. ehe die Ver- Handlung begann. Das heißt aus Richtern Henker machen. Daß solche Fälle möglich sind, glauben heute Unzählige und es ist not- ivendig, so schnell als möglich den leider vorhandenen Anlaß zu solchem Glauben zu beseitigen." Das„Kleine Journal" sagtt „Jeder Leser dieses Prozesses weih es, das; die Angeklagten diesen Standpunkt, der ihnen jetzt zu mehr als einem Freispruche, zu einer Zurückziehung der Anklage lierholfen hat, von allem An- fange an eingenommen haben. Jeder Leser weiß aber auch, daß die Verhandlung, die zu so überaus heftigen und peinlichen Szenen zwischen dem Prozeßleiter einerseits und den Angeklagten wie der Verteidigung andererseits geführt hat, hartnäckig in dem Sinne geführt wurde, nur die persönliche Beleidigung zur Erörterung zuzulassen und einen Beweis der allgemeinen Schäden des Strafvollzuges auszuschließen. Wenn trotz alledem das Ergebnis darin besteht, daß sehr beachtenswerte Aiißstände in Plötzen- see festgestellt wurden, die Angeklagten aber frei ausgehen, so kann dies Ergebnis, obgleich es sich formal in den Rahmen der Prozeß- sührung hineinpressen läßt, doch logischerweise nur als ein solches bezeichnet werden, das gegen den Willen des Vcrhandlungsleiters wie des Staatsanwaltes zutage gekommen ist." Die„Brcslauer Morgenzeitung" sagt: „Wir möchten der Hoffnung Ausdruck geben, daß die vielen Widerwärtigkeiten, die der Prozeß gezeitigt hat, in der Folge doch gute Früchte tragsn werden. Die Umrubrizierung der Akten, durch die eine andere Strafkammer als die urjprünglich zuständige in Tätigkeit gesetzt wird— ein Verfahren, dessen böse Folgen sich in diesem Prozeß so deutlich gezeigt haben—, dürfte künftig kaum wieder vorkommen. Sodann aber hat der Prozeß ohne Zweifel eine Reihe von Mißständen in unserem Strafvollzug aufgedeckt, Mißstände, an denen nicht sowohl einzelne Personen, wie das ganze System die Schuld trägt. Hier wird sicherlich vielfach Wandel geschassen werden. Wir haben das feste Vertrauen, daß die Zeit nahe ist, in der man sich mehr als bisher auch der Aermsten der Armen, der Gefallenen und Gefangenen und unter diesen der geistig und körperlich Kranken, menschlich er- barmen, und daß eine Strafvollzugsmethode eintreten wird, wo Er- ziehung und'Besserung und nicht, wie jetzt, die Strafsucht die Hauptrolle spielen werden. Die Angeklagten in jenem Prozesse haben sich in der Mehrzahl, wenn sie auch im einzelnen gefehlt haben mögen, zweifellos ein großes und unstreitiges Perdienst als Pioniere humanitärer Kultur erworben." Die„M ärkische Volkszeitun g", das Zentrumsblatt, schreibt vom„Schweineglück der Sozialden>okratie": „Wieder einmal zeigt sich, daß das bekannte Wort von dem „Schwcineglück" der Herren Genossen vollkommen berechtigt ist. Wenn die bürgerlichen Parteien einmal eine Pause machen in der Zufuhr von Wasser auf die Mühle der Sozialdemokratie, dann sorgen Staatsanwälte und Gerichte mit einem Eifer, der einer besseren Sache würdig wäre, dafür, daß die Sozialdemokratie ihre Anhänger über innere Schwierigkeiten(?? Red. d.„Vorw.") mit leichter Mühe hinwegtäuschen kann. Wir haben im allgemeinen nichts dagegen, wenn sensationelle Gerichtsverhandlungen durch ein„Kompromiß" abgekürzt rcsp. be- endet werden. Aber hier ist ein grober Fehler gemacht worden: Entweder mußte die Klage überhaupt nicht angestrengt werden, oder aber sie mußte zur strikten Durchführung gelangen... Es ist ganz selbstverständlich, daß die Zurücknahme der Anklage nicht erfolgt wäre, wenn die Verhandlung die Anklage nicht ig wesentlichen Punkten untergraben und die schweren Mängel unseres Strafvollzuges erwiesen hätte. Es konnten bei dem Fort- gange des Verfahrens nur noch mehr Dinge an den Tag kommen, die der Gefängnisverwaltung unangenehm waren; eine formelle Verurteilung der Angeklagten hätte demgegenüber wenig zu bedeuten gehabt. Sozialdemokraten gegenüber ist es am allerwenigsten üblich, eine Anklage, die sich nur irgendwie halten läßt, fallen zu lassen. Mögen nun auch keine sensationellen Ent- hüllungen über Mißstände in Plötzensee zu verzeichnen sein, dieser Ausgang der Sache allein ist schon ein Triumph für die Sozialdemokratie. Wie sie ihn ausbeuten werden, kann man sich lebhaft vorstellen. Es wäre wirklich an der Zeit, daß die Justiz- behörden es sich vorher gründlich überlegten, ehe fie Prozesse, die zu einer Sensation werden können, und bei denen sie des Erfolges nicht absolut sicher sind, gegen die Sozialdemokraten ein- leiten." Selbst der„Lokal-Anzeiger" zeichnet sich durch An- stand aus: „Aber während die Trompete zu neuen Attacken klang, bliesen hinter der Szene schon die Fricdensschalmeicn. Lediglich um der Angeklagten willen wurde der Fricdcnsvergleich gewiß nicht ge- schlössen. Sicherlich war man auch auf der anderen Seite der Uebcr- zeugung, daß es gut sei, Schluß zu machen, nachdem die Vcrhand- lungen nichts ergeben hatten, was den Klägern irgendwie persönlich zur Unehre gereichen konnte. Ob dies und jenes an dem Air An- Wendung kommenden System in Ordnung war, steht auf'einem anderen Blatte. Zweifellos werden die Lehren des Prozesses für die Praxis des Strafvollzuges sticht verloren sei n." Und selbst die weit rechts stehenden„Berliner Neue st en Nachrichten" sagen: „.... Immerhin wird die darauf verwendete Arbeit und Mühe nicht zwecklos gewesen sein, wenn der Prozeß möglichst lveite Kreise zum Nachdenken darüber veranlaßt hat. was mangelhaft ist an der Art, wie die Gesetzgebung unserer Tage Auswüchse am Staatskvrper zu heilen sucht." V Die„V o s s i s ch e Zeitung" ist unter den liberalen Blättern, soweit sie sich bisher ausgesprochen haben,— zur Ehre des Liberalismus sei eS gesagt— das einzige, das auch nach Abschluß deS Prozesses seine ebenso böswillige wie subalterne Behandlung der Angelegenheit fortsetzt. Durch skrupellose Verdrehung der Tat- fachen deS Prozesses und der Absichten der Angeklagten gelangt die „Voss. Ztg." zu dem Schluß, daß sich beinahe keine Uebelstände her- ausgestellt haben; daß aber einige Rcforincn im Strafvollzug nötig seien, erklärt das Blatt«von Staats- und gelehrten Sachen", habe eS längst gewußt und auch dafür fei der Prozeß„ohne Neimens- wertes Ergebnis". Es geschieht noch in vereinzelten Fällen, daß Abgeordnete der freisinnigen Volkspartei im Parlament öffentliche Mißstände rügen. Im März d. I. beispielsweise hielt der Abgeordnete Dr. Müller- Meiningen eine gute Rede über Mißstände in der Militärjustiz, über Ungerechtigkeiten des Militärstrafgesetzbuches, über die systematischen Soldatenmißhandlungen, die allzu mild bestraft werden und mit Zuchthausstrafe bestraft werden sollten, über den Ausschluß der Oeffentlichkeit bei den Militärgerichten n. s. f. Dr. Müller- Meiningen übte in seiner Rede zugleich Kritik an einzelnen Persön- lichkeiten, wie den Staatsanwalt des Dessauer Kriegsgerichts, in deren Handlungen jene schwere Uebelstände zum Ausdruck gelangten. Die„Voss. Ztg." wird solches Vorgehen ihrer Parteigenossen ebenso verurteilen müssen wie sie jetzt unser Vorgehen in der Frage des Strafvollzuges herabzuwürdigen versucht. Sie wird die von Herrn Müller-Meiningen scharf kritisierten Persönlichkeiten in den freisinnigen Schutz nehmen und gegen die Verunglimpfung der Armee, der Offiziere, der Kriegsrichter feierlich protestieren, denen zu Unrecht durch den leichtfertig hetzenden Herrn Müller nachgesagt sei, daß sie wissentlich und gewissenlos Unrecht begehen, daß sie schwere Vergehen der Offiziere mit milder Rücksicht, leichte Vergehen der Untergebenen mit drakonischer Härte bestrafen. Außerdem wird die„Voss. Ztg." erklären, die Rede des Abgeordneten sei völlig überflüssig, denn alles, was er gegen die Militärjnstiz gesagt, „wußte man längst". Sie wird triumphierend erklären:„daß die Militärjustiz der Reform bedarf, das brauchte man nicht erst ans den Anklagen des Herrn Müller zu erfahren" I Genau diese schmähliche mähr* befolgt das liberale Blatt jetzt gegen uns, da nicht Offiziere und Kriegsgerichtsräte in Frage stehen, sondern Persönlichkeiten, die ihr politisch nahe stehen und die sie, befeuert von Mugdans Drang der Sozialistenbekämpfnng, für beleidigend ausgibt. Die„Voss. Ztg." zitiert eine Stelle aus der Rede des Abg. Gradnauer vom 13. Mai 1901, in der es nach Darstellung der mannigfaltigen Gefängnis- und Zuchthausvorkommnisie— keineswegs, was die.Vossische" unterschlägt, allein der Plötzenseer Vorkommnisse— heißt: „Ich kann sagen, es fehlen mir vollständig die Worte, um diese Dinge zu charakterisieren... Auch die allerschärfste Kritik, auch das allerhärteste Wort kann nicht an die Grausamkeit dieser Vorgänge heranreichen.... Hier geschieht, was wir in der Ein- bildung, in einem erleuchteten Zeitalter zu leben, der rückständigen Zeit des Mittelalters zum Vorwurf machen. Hier geschieht, daß Geisteskranke, die ihrer Sinne nicht mächtig sind, gemartert und gefoltert werden, so daß tatsächlich Dinge vorkommen, wie sie schlimmer und furchtbarer nicht in den dunkelsten Zeiten der Ver- gangenhcit bekannt waren." Die„Voss. Ztg." erklärt dazu:„Weder hat der Prozeß ergeben, daß solche Dinge an jemand schuldhaft verübt, noch daß sie überhaupt vorgekommen sind." Die„Voss. Ztg." leistet eine doppelte Täuschung der Leser in einem Satz. Sie will einmal vortäuschen, als habe der„Vorwärts" und der genannte Abgeordnete unserer Partei behauptet, einzelne Personen hätten das schuldhaft.verübt, was aus den Gefängnisakten mitgeteilt worden ist, sie will zugleich vortäuschen, als habe der Prozeß gezeigt, es seien überhaupt fürchterliche und gransaine Vorgänge nicht geschehen. Um die erste dieser Lügen zu verbreiten, niuß die„Voss. Ztg." jenes Zitat aus dem Zusammenhang reißen und illoyal unter- schlagen, was unser Redner sogleich nach jenen Worten ausgeführt hat. Er sagte: „Wenn ich sage, es sind Verbrechen an der Mensch- licht eit begangen, so will ich damit durchaus nicht so weit gehen, etwa den einzelnen Personen— von denen ich einzelne namhaft machen niüßte— die Schuld und die ganze Verantwortlichkeit zuzu- spreche». Nein,... auch diesen Personen kommen nach meiner Auffassung mildernde Umstände zugute, weil sie unter Ein- r i ch t u n g e n und Auffassungen stehen, die sie zu solchen erschrecklichen Dingen verleiten. Der Urgrund dieser entsetzlich brutalen Vorgänge scheint mir in der falschen Grund- aujfajsung vom Wesen des Verbrechens und von der Behandlung der Verbrecher zu liegen...." Unser Parteigenosse sprach dann ausführlich über die Ursachen der schlimme» Vorkommnisse, über die Ueberbürdung der Aerzte, über unzureichende Ausbildung des Wärterpersonals usw. Das alles unterschlägt die„Königlich privilegierte Berlinische Zeitung", um zu behaupten, nichts von dem, was die Sozialdemokratie den Acrzten vorgeworfen, sei erwiesen. Einesteils soll alles als Schuld der Aerzte erklärt worden sein, wovon das Gegenteil der Fall ist. Und andererseits sollen die Tatsachen selbst überhaupt nicht vorgekommen sein! Die aktenmäßigen Tatsachen, die durch den Prozeß nur noch erheblich schlimmer und fürchterlicher erwiesen worden sind I Oder ist eS nicht mehr wahr, daß z. B. jener armselige russische Jude, der nicht ein Mordbube war, sondern eine Uhr ge« stöhlen hatte, also selbst dem Humanitätsempfinden Lesstngscher Erben würdig sein mag, daß er, kurz bevor er in die Irrenanstalt gebracht werden mußte, binnen 60 Tagen mit 72 Tagen schwerer Arreststrafe diszipliniert worden ist? Die liberale Selbstschändung der„Vossischen Zeitung" wird überdies gekennzeichnet, indem die„Nordd. Allg. Ztg." und die „Post" sich der Erfindung eigner Schinähnngen überhoben sehen und freudig die Vossijche Darstellung des Prozesses verwerten. Die Politik, das Erreichbare zu verhindern. Die bevorstehende Essener ReichStagswahl kann leicht zu einer Abrechnung der christlichen Arbeiter mit dem Zentrum führen. Die systematische Verhinderung wesentlicher Fortschritte in der Sozial- Politik, in der sich das Zentrum seit jeher belvährt, konnte bisher immer noch nach der Schablone verteidigt werden, daß man nehmen müsse, was zu bekommen sei. DaS Verhalten des Zentrums jedoch bei dem Berggesetz läßt sich auch bei dem besten Willen und bei der skrupellosesten Wahrheitsfeindschaft nicht auf diese Weise rechtfertige», Denn das Zentrum hat, wie auch die ch r i st l i ch e n Arbeiter durch ihr Organ klipp und klar ausgesprochen haben, durch ihren im Ab- geordnetenhause mit der Regierung und den äußersten Scharfmachern gemeinsam verübten Verrat an den Bergarbeiter» nicht das Erreich- bare für die Arbeiter herausgeholt, sondern tückisch das Erreichbare verhindert. Man hat für Jahre hinaus die Aktion für einen wirk- samcu Vcrgarbeiterschutz im Reiche vereitelt und es hat, wen» das Herrenhaus die nn Abgeordnetenhause angenommene Monstrosität nicht»och zum Scheitern bringt, was dem Zentrum große Sorge bereitet, die Verhinderung des Bergarbeiterschutzes für abseh- bare Zeit Gesetzeskraft erlangt. ES ist leicht möglich, daß das Zentrum, um der unangenehmen Situation tu Essen zu entgehen, auf den Einfall verfällt, einen hervor- ragenden Führer in der christlichen Arbeiterbewegung als Kandidaten aufzusteUen. Aber auch dieser Trick wird ihm nicht helfen. Denn gerade die Vorgänge bei dem Berggesetzschncher haben bewiesen, daß die in der Zentrumsfraktion vorhandenen Renommicrarbeiter nicht nur nichts zu sagen haben, sondern nur dazu dienen, uin den Verrat zu beschönigen. Anfangs, als das Zentrum noch hoffte, das Gesetz würde mit Hülfe der Konservativen zustande kommen, da schimpften die Zentrnmsarbeiter und die Sozialpolitiker des Zentrums fast sozial- demokratisch kräftig auf die Unzulänglichkeit der Regierungsvorlage und die Ruchlosigkeit der KommissionSbeschlüsse. Als eS sich dann aber herausstellte, daß nur das Zentrum die Regierung aus der Klemme befreien könnte, weil die Konservativen ehrlich genug waren, hart zu bleiben, da verschwänden Arbeiter und Sozialpolitiker von der Bildfläche, und Herr Spahn erschien mit dem Zylinderhnt, um nun als nützlich und segensreich zu beweisen, was gestern noch andere Zentrumsredner als ungeheuerlich gebrandmarkt hatten. Nachdem aber nun der Verrat vollendet, wird wieder der Renommierarbeiter hervorgeholt, und der muß jetzt in der Presse im Schweiße seines Angesichts und mit einem bejammernswürdigen Aufwand von Unwahrheiten wider bessere Ueberzeugung den christ- lichen Arbeitern vorreden, daß das Zentrum einen höchst vorteil- haften Handel abgeschlossen habe— zugunsten der Bergarbeiter. Die christlichen Arbeiter gewinnen also nichts dadurch, daß sie einen Zentrumsarbeiter in die Fraktion schicken, sondern sie ver- schlimmem ihre parlamentarische Lage noch insofern, als die Arbeiter und Sozialpolitiker dazu ausgenutzt werden, die Triumphe deS klerikalen Unternehmertums mit ihrem Namen zu decken. In der„Germania" beginnt der allerdings aus der Redaktion des christlichen Bergarbeiterorgans entfernte Bergarbeiterführer B r u st eine Artikelserie, in der er sich die Finger wund schreibt, um zu beweisen, daß durch das neue Gesetz den Bergarbeitern ein„bedeutend besserer Schutz gewährleistet" würde, als er bis- her bestand. Die Artikclreihe ist noch nicht abgeschlossen und eS wird sich noch Gelegenheit finden, im einzelnen diesen Wust von Heuchelei und Unwahrheit auseinander zu breiten. Um aber schon jetzr zu zeigen, in welcher Weise die Arbeiter iin Zentrnrn mißbraucht werden und sich miß- brauchen lassen, als Mitverschworene des Verrats den Verrat zu ver- bergen, sei einiges aus den Darlegungen des Herrn Brust toUbtf gegeben. Herr Brust erklärt munter, daß das Zentrum seine Reichstags« antrage eingebracht habe, als in der e r st e n Sitzung der zweiten Lesimg des Berggesetzes im Abgeordnetenhause„jede Hoffnung aus Zustandekommen eines annehmbaren Gesetzes für uns geschwunden war". Diese Einbringung der Reichstags-Anträge hätten„die Verhältnisse zur Schaffung des Gesetzes ganz gewaltig geändert". Den nationalliberalen und freikonservativen Scharfmachem fei vor dieser Aktion„angst und bange geworden": das Gesetz würde vom Reichstag gemacht werden, und diese Herren seien infolgedessen„vollständig umgekippt". Wtan muß das lesen, um zu glauben, daß ein Zentrumsführer den Mut hat, derartige eben erst erlebte Ereignisse auf den Kopf zu stellen. In dieser Darstellung ist alles Lüge. Das Zentrum hat seinen Antrag im Reichstag am 22. Mai nach Schluß der zweiten Lesung im Abgeordnetenhause eingebracht. Aber am 19. Mai hat es bereits den Verrat vollzogen, indem es für den nationalliberalen Antrag Dippe stimmte. Das Zentrum war also bereits im Abge- ordnetenhause„umgekippt", b e v o r es die Anträge im Reichstage ein- brachte, und diese Flucht in den Reichstag geschah nicht etwa deswegen, um die Gegner des Berggesetzes zu einem Einlenken zugunsten der Bergarbeiter zu veranlassen, sondern im Gegenteil zu dem Zweck, mir im Abgeordnetenhause eine Mehrheit für die Ver- Hinderung des Bergarbeiterschutzes zu gewinnen. In der zweiten Lesung war nämlich der Zentrumsverrat nicht gelungen, weil sich keine Mehrheit bei der Eudabstimmung über den„politischen Paragraphen" fand. Es sind dann auch nicht bei der dritten Lesung etwa die Nationalliberalen oder Freikonservativen vor dem Zentrum zitternd umgefallen, sondern das Zentrum hat seinen Verrat noch verschärft. Das Zentruum ist vollständig im Kielwasser der äußerste: Scharfmacher geschwommen. Der Antrag Dippe wurde in der dritten Lesung nur formell, nicht in irgend einem wesentlichen Punkte geändert und es gelang sogar in der dritten Lesung noch dem Herrn v. Zedlitz nicht nur gegenüber den Beschlüssen der zweiten Lesung, sondern auch gegenüber dem heutigen Rechtszustand insofern eine be- deutende Verschlechterung herbeizuführen, als durch Einführung des Verwaltungsstreitverfahreus das Unternehmertum sich gegen Anfälle sozialpolitischen Fortschritts iin Oberbergamt sicherte. Herr Brust bekommt es sogar fertig, zu behaupten, daß der mit seiner Hülfe angenommene Entwurf über die Regierungsvorlage hinausgehe und er führt als Beweis dafür an, daß die Regierungs- Vorlage das Maximum der Strafen in der Höhe von 1V Mark monatlich begrenzt habe, der vom Abgeordneten- Hanse angenommene Entwurf aber nur ein Maximum von 5 M. für das Fördern unreiner Kohlen angenommen habe. Hinsichtlich der anderen Strafen, fügt Herr Brust dann verschämt hinzu, verbleibt es beim früheren Zustande. Man kann nicht unverschämter sein, nicht ärger Wider besseres Wissen den Arbeitern etwas vorreden. Herr Brust als alter Bergarbeiter weiß sehr wohl, daß die neue Bestimmung unendlich viel schlechter ist, als die Regierungsvorlage, da sie überhaupt keine Grenzen für die Strafen festsetzt. Das Strafmaximum von 5 M. ist nur als Ersatz für das Nullen gemacht und übertrifft bereits das Maximum, das heute durch das Nullen auf die Arbeiter gewälzt wird. Sonst aber können die Unternehmer nach Herzenslust wie bisher strafen, so daß das Maximum der Gesamtstrafen weit über die 10 Mark der Re- gierungsvorlage hinaussteigen kann, und Herr Brust weiß ja auch, daß gerade die s o n st i g e n Strafen außer dem Nullen den Gegen- stand der erbittertsten Beschwerden der Bergarbeiter gebildet haben. Wir begnügen uns mit der Hervorhebung dieser beiden Punkte aus dem Plaidoyer des Herrn Brust. Alles, was er sonst in den langatmigen Artikeln sagt, steht auf derselben Höhe der Ehrlichkeit und Wahrheit. Die Arbeiterschaft aber sieht daraus, welch einen Unterschied es macht, für welche Partei Arbciterkandidaten aufgestellt werden. Die Arbeiter in der Sozialdemokratie sind die Führer und Herrscher der gesamten Politik der Sozialdemokratie. Die Arbeiter, die im Zentruni und gelegentlich auch in anderen PuUeien aus demagogischen Gründen aufgenommen werden, bewirken das Gegen- teil von dem. was angeblich durch ihre Mitwirkung erreicht werden soll. Sie üben keinerlei Einfluß auf die Fraktion, aber sie werden dann hervorgeholt und müssen mit ihrem Namen Aktionen decken, die bestimmt sind, Arbeiter über den an ihnen verübten Betrug zu täuschen. Wenn also in Essen das Zentrum statt irgend eines Advokaten oder Unternehmers einen Bergarbeiter oder anderen christlichen Arbeiterführer aufstellt, so ist das nur ein Grund mehr für die christlichen Arbeiter, da? Zentrum im Stich zu lassen.— ** • Veutlcdes Reich. Falk- Legende. „Ihr preußischen Lehrer! Wer kann Euch beklagen, daß Eure so sehr berechtigten Hoffnungen nicht in Erfüllung gegangen sind, wer Euch bedauern, wenn der Geistliche, der Landral und endlich der Gen« darin Euch plagt?" Eduard Sack. Die preußischen Volksschullehrcr haben am Sonnabend in Hamm unter Anwesenheit des Kultusministers ein Falk- Denkmal enthüllt. An tönenden Worten hat es dabei nicht gefehlt. In Wahrheit war Falk während seines sechseinhalb- jährigen knlftisministeriellen Erdenwallens> ein Meister der Phrase, ein Virtuos der großspurigen Versprechungen. Gerade durch seine schönen Worte und Versprechungen ist es ihm ge- lungen, fast die gesamte liberalisierende Lolksschullehrerschaft vom Jahre 1872 an bis auf den heutigen Tag für sich zu gewinnen. Die gründlichste und ungeschminkteste Darstellung der Tätigkeit Falks als Kultusminister hat Eduard Sack, einer der wenigen ehrlich-demokratischen Volksschullehrcr Preußens, geliefert(in den„Schlaglichtern zur Volks- bildung". Nürnberg 1886, S. 116—284). Er kam zu folgendem Resultat:„Herr Falk hat vieles begonnen, aber fast nichts vollendet, ja das Wichtigste kaum über einen armseligen An- fang hinausgebracht. Es hilft nichts, daß man ihn übereifrig gelobt und alles, was er tat, gut gefunden hat: das preußische Unterrichtswesen stand, als er abging, doch— wenn wir das Wesentlichste ins Auge fassen und sehr günstig urteilen— fast genau auf derselben Stufe, wie es Herr v. Mühler abgegeben und Herr Falk empfangen hatte. Diese unerfreuliche Tatsache hat kein Geringerer bestätigt, als der kühne Nachfolger des vielgeschmähtcn Ministers v. Mühler. Als Herr Minister Falk am 23. Mai 1873 eine Deputation des deutschen Lehrervereins empfing, sagte er unter anderem:„Für die Schule ist bis jetzt nur wenig erreicht, doch sind überall schon Anfänge gemacht." Man kann nach mehr denn sechsjähriger, mit so außerordentlichem Getöse Begonnener und allseitig unterstützter Wirksamkeit ein be- scheideneres Selbstbekenntnis nicht wohl ablegen.... Nicht leicht hat es in Preußen oder einem anderen Staate einen Unterrichtsminister gegeben, der zu seinem wichtigen Amte so geringe Fähigkeiten und so wenige feste Grundsätze, auf die sich, wenn auch nicht die Einsicht, so doch ein guter Wille zu stützen vermag, mitbrachte als Dr. Falk. Weil ihm alles fehlte, was er zu seinem Amte nötig hatte, weil er nichts verstand und nichts richtig beurteilte; weil er weder rückwärts noch vorwärts zu schanen vermochte: darum suchte er sich mit den dreistesten Versprechungen und mit geräuschvollster Vielgeschästigkeit ein Ansehen zu geben." Sack schleudert dieses vernichtende Urteil nicht beweislos in die Welt, sondern er hat zuvor für alle Arbeiten Falks auf dem Gebiete der Volksschule und ihrer Lehrer den Beweis erbracht, daß Falk wohl den Mund recht voll nahm mit guten Plänen, daß er sie aber nicht oder doch nur sehr mangelhaft zur Ausführung brachte. Es wäre natürlich töricht, wenn man dem Kultusminister Falk, dem Mitarbeiter Bismarcks, persönlich einen Vorwurf daraus machen wollte, daß er von dem Dornbusch seiner juristischen Beamtenseele nicht die Feigen echter pädagogischer Wirksamkeit zu pflücken vermochte. Falk hatte seine Karriere bis zum Kultusminister als— Staatsanwalt begonnen. Die öffentliche Aufmerksamkeit hatte er zuerst dadurch aus sich gelenkt, daß er. für Heinrich Simon, das bekannte Mit- glied des Frankfurter Parlaments, wegen Teilnahme am Rumpf- Parlament in Stuttgart Zuchthausstrafe be- antragt hatte. Er war damals der einzige Staats- anwalt in Preußen, der soviel zweifelhaften Mut besaß. Aber seine Karriere schlug von dieser Zeit an ein flottes Tempo an, so daß er schon mit 84 Jahren im Justizministerium tätig war. Nach einer mehrjährigen Unterbrechung war er von 1867 wieder im Justizministerium tätig, bis er 1872 plötzlich mit der Aufforderung, Mühlers Nachfolger zu werden, überrascht wurde.||Man wird schwerlich behaupten wollen, daß diese rein juristtsche Vergangenheit Falks ihn besonders zum Leiter des Schulwesens in Preußen qualifiziert hätte. Falk konnte unmöglich in der kapitalistischen Gesellschaft die Ideale der Lehrerschaft verwirklichen. Wohl aber muß die Lehrerschaft zur Besinnung gerufen werden, wenn sie heute noch in unberechtigter Liebedienerei vor einem Manne wie Falk auf den Knieen liegt. Durch die Lobhudeleien auf Falk, Bosse und Kügler ist die preußische Volksschule noch um keinen Schritt vorwärts gebracht worden, auf Falk folgte Puttkamer, auf Bosse Studt und auf Kügler Schwartzkopff l Die ReichstagS-Ersatzwahl in Oberbarni« ist auf Donnerstag den 13. Juli angesetzt.— Zur Stichwahl in Hanieln-Springe wird uns geschrieben: Der nationalliberale Kandidat Hausmann hat also am Donnerstag den Wahllreis für seine Partei wieder erobert. Die Stimmen der Aationalliberalen sind mit 14 361 um etwa 60(1 Stimmen hinter dem Stichwahlresultat von 1903 zurückgeblieben, während wir es nur auf 10167 Stimmen brachten und damit 1000 Stimmen weniger erhielten. Die Anstrengungen der Nationalliberalen während der Stichwahl waren ungeheuerlich. Trotzdem werden sich die National- liberalen dieses Sieges nicht lange erfreuen, da schon bei der Hanptwahl das menschenmöglichste an amtlicher Wah lbeeinflnssung geleistet ist. Mehr als 60 Gemeindevorsteher haben den nationalliberalen Wahl- aufruf unter Beifügung ihres Amtscharakters unterzeichnet. Dasselbe tat der Chef der Hamelnschen Polizei, der Stadt- syndikus Sertürner, der die oberste Leitung des Wahlkampfes für die Nationalliberple» führte. Autzerdem steht fest, daß die Nationalliberalen auf illegalem Wege den amtlichen Stich- Wahltermin schon vor der amtlichen Bekanntgabe vom Wahlkommissar erfahren und danach ihre Dispositionen getroffen haben. Diese Begünstigung dieser Partei wird den Reichstag ebenfalls beschäftigen müssen, sie ist auch unter Beweis zu ftelleu. So hatten die Bezirksverbände der Kriegervcreine an ihre Mitglieder einen Wahlaufruf gerichtet. Am Sonnabend den 3. Juni vormittags ist das amtliche Wahlresultat und der Stichwahltermin bekannt gegeben. Diese Kriegervercins- Wahl- aufrufe sind aber in Berlin gedruckt und schon am Sonntag, den 4. Juni, expediert worden, also m u tz t e n sie schon vorher gedruckt sein. Darin ist der 8. Juni als Stichwahltermin an- gegeben I Geradezu ekelhaft winselten die Nationalliberalen um die Stimmen der von ihnen sonst als„hochverräterisch" bezeichneten Welsen, die bei der Hauptlvahl 5000 Stimmen erhielten. Der elende Handel mit einem welfischen Bertrauensmann ist im„Bor- wärts' schon erwähnt. Herrn Hausmann waren zur persönlichen Verfügung im Interesse seiner Wahl etwa 1000 M. von der nationalliberalen Landtagsfraktion zur Verfügung gestellt dadurch, datz die Landtags-Abgeordneten auf die ihnen zustehenden Landtagsdiäten für einen Tag im Betrage von 1b M. zu seinen Gunsten verzichteten. Als der„Vollswille" die Affäre mit dem welfischen Vertrauensmann veröffentlichte, erklärte Herr Hausmann dem„Volköwillen". davon nichts zu wissen und anderen Tages schrieb der„Hann. Courier": „Uns hat Herr Bürgermeister Hausmann auf unsere telcphonische Erkundigung die ganze Sache mit größter Entschiedenheit als eine haltlose Ber- dächtigung bezeichnet, die in einem im Wahlkreise zu verbreitenden Flugblätte aufs schärfste zurückgewiesen werden würde. Kein Zweifel, daß man hier ein B u b e n st ü ck ausgeheckt hat. um die Stichwahlchancen des nationalliberalen Kandidaten durch schwere Verunglimpfung eines tadellosen Ehrenmannes herabzumindern." Und in einen, bald darauf verbreiteten Flugblätte steht, daß Herr HauSmaun einen welfischen Vertrauensmann gegen Geld- cntschädigung gebeten habe für seine sHauSmanuS) Wahl zu wirken, sei eine„unwahre Behauptung". Erst als das„Buben- stück" nicht mehr abgeleugnet werden konnte, schuf man in letzter Stunde ein Flugblatt, in dem der welfische Vertrauensmann als„bezahlter Bote" für die Nationalliberalen hingestellt wurde, dem die Welsen den Ehrennamen eines„Vertrauensmannes" nicht zuerkennen würden I Man drehte die Sache jetzt um und stellte sie so hin, als ob Herr Hausmann ehrenhaft gehandelt, aber die Gegner, indem sie diese ehrenhafte Handlung Haus- mannS bekannt gaben, ein Buben stück verübten I Fest steht, daß man die einfachen Tatsachen erst mit kühnem Mute glatt abgeleugnet hat. Das letzte Flugblatt ist noch am Morgen des Wahltages in den Dörfern aus Automobiilen hinausgeworfen worden! So agitierten unsere Gegner und zu alledem fügten sie noch die Schamlosigkeit, den Bergleuten durch ein Flugblatt vorzuspiegeln, daß die Nationalliberalen die Berggesetznovelle gegenüber den Kommissionsbeschlüssen(sie!) verbessert hätten I In der Stadt Hainxln sind, um die Welsen zu übertölpeln, noch am Wahltage gelb-weiße Plakate mit den unwürdigsten und heuchle- rischsten Aufforderungen zur Wahl Hausmanns angeschlagen worden. Es ist unmöglich, alle die Wahlmanöver der nationalliberalen Korruptionspartei aufzuführen. Zu überbiet e n i st diese Agitation auf keinen Fall. Trotzdem haben die Welsen doch' den Nationalliberalen gewählt, obgleich die welfische Parteileitung Stimmenthaltung empfohlen hat. Angesichts einer solchen Agitation, die auch in die übrigen Wahl- kreise, in denen unsere Partei in Frage kommt, übertragen werden wird, ist es dringend nötig, unsere Aktion lebendiger zu gestalten. Wir befinden uns nicht mehr im Angriff, sondern in der V e r- teidigung unseres Besitz st an de» an AnhängernI Darüber kann kein Zweifel obwalten, daß uns die Gegner in der Art ihrer Agitation bedeutend im voraus sind. Mehr Initiative— das ist eine der Hauptlehren, die wir au» diesem fast beispiellosen Wahlkanchfe ziehen müssen. Zur Abstimmung im Bergrevier dieses Wahlkreises wird uns noch zu den gestrigen Betrachtungen ergänzend geschrieben: Hauptwahl O r t 1903 1903 Brey Gegner Brey Gegner Hohenbostel.. 83 143 43 193 Kirchdorf... 76 90 82 91 Feggendorf. 23 99 13 73 Egestorf.... 207 161 192 191 Barsinghauscn. 389 471 323 336 Bantorf.... 36 83 30 120 Osterwald... 93 124 73 140 Wennigsen... 169 236 178 193 Wichttinqhausen. 23 60 13 76 Argestorf... 32 30 29 27 Langreder... 77_ 48_ 67_ 44 Zusammen. 1237 1547 1053 1693 Von diesen abgegebenen Stimmen in den Bergarbeiterorte» mußten wir 8/10 aller Stimmen erhallen. Wir haben noch uickit einmal die Hälfre bekommen, sind im Gegenteil diesmal um fast 200 zurückgegangen, während die Gegner trotz des Verrats der Bergarbeiterinteresjen noch obendrein 150 Arbeiterstimmen mehr erhalten haben. Das Stich Wahlresultat zeitigt dieselbe Erscheinung. Bei der Stichwahl 1903 sind in den obengenannten Vergarbeiterdörfern für unS abgegeben 1330, für die Gegner 1638 Stimmen. DieSnial brachten wir es nur auf 1340 Stimmen, die Gegner erhielten 16211 Und daS trotz der glänzenden Wahlparole!— Eine recht geheimnisvolle Sache, so berichtet man uns unterm 9. Juni aus Halle, spielte sich wieder einmal vor dem Kriegs- g e r i ch t der 8. Division ab. Die niilitärdienstlichen Interessen und nicht minder die gute Sitte waren in Gefahr in der Verhandlung gegen den Leutnant Ekkehardt Reuter vom Anhaltischen In- fanterie-Regiment Nr. 93 in Dessau. Zur Anklage stand ein Vor- gang, so erzählte man in Dessau, der sich zwischen dem Herrn Leut- naut und seinem Burschen in der Badewanne abgespielt hat. Als Zeugen waren füus Offiziere und etwa 15„Gemeine" geladen. Die Verhandlung fand„selbstverständlich" hinter verschlossenen Türen statt und die neugierigen Preßvertreter durften von früh 9 bis abends Vz8 Uhr aus dem Flur und der Treppe des Kriegsgerichts verweilen. Dann konnten sie folgendes Urteil hören:„Der Angeklagte wird wegen Mißbrauchs der Dienstgewalt über einen Untergebenen zu Privatzwecken mit drei Tagen Stubenarrest bestraft". Auch die Urteilsbegründung war geheim.— Ein nciics Ruhmesblatt deS Königsberg« Freisinns. Es wird uns geschrieben: Von seinen eigenen Genossen im Stiche gelassen wurde am Donnerstag im Köuigsberger Stadtparlament der freisinnige Stadtverordnete Griebsch, der Parade-Arbeiter des Freisinns, als er den Antrag stellte, den städtischen Arbeitern einen M i u d e st l o hn v o n 30 P f c n n i g p r o S t u n d e zu geben. Dieser Lohnsatz erschien den meisten freisinnigen Stadtvätern als zu hoch, und sie stimmten den Antrag ihres„Freundes" nieder. Im November 1903 stellten unsere Genossen in der Stadtverordneten-Versammlung den regelrechten Antrag, den städtischen Arbeitern einen Mindestlohn von 39 Pf. pro Stunde zu geben. Der Antrag war notwendig, weil viele städtische Arbeiter bedeutend unter diesem Lohnsatz besoldet werden. Der Antrag wurde dem Magistrat zur Erwägung und Rückäußerung überwiesen und schon am 8. Juni l905 erteilte der Magistrat die Antwort darauf: sie lautete selbstverständlich auf Ablehnung des Antrages, da die Stadt angeblich immer noch bessere Löhne den ungelernten Arbeitern zahle wie die größten Königsbcrger Judustriellen und die Staatsbahn. Herr Griebsch, der freisinnige Musterknabe, selber ein städtischer Arbeiter, ergriff den Moment und brachte den sozialdemokratischen Autrag wieder ein. Aber keine freisinnige„Größe" unterstützte ihn dabei. Keiner seiner Freunde öffnete den Mund, um ihin und allen städtischen Arbeitern beizustehen— nein, das überließen sie den Sozialdemokraten. Diese traten selbstverständlich für den Antrag ein, allerdings ohne Erfolg, nur etwa fünf bürgerliche Stadtverordnete stimmten siir den Antrag. Er fiel, die Liberalen bereiteten ihm ein großes Begräbnis. Das wird sie selbstverständlich nicht hindern, sich als die großen Arbeiterfreunde hinzustellen, aber wir glauben, dieser Vorgang wird auch den letzten freisinnigen Arbeiter gezeigt haben, daß er von dieser Partei nichts zu er- warten hat. Possierlich waren die Sprünge des Oberbürgermeisters Körte bei der Verteidigung des Standpunktes des Magistrats. Als ein sozial demokratischer Stadtverordneter meinte, man sollte sich schämen, einen Vergleich mit der S t a a t s b a h n zu ziehen, da diese Löhne von 1,70—1,80 M. pro Tag, also Hungerlöhne zahle, wies er das mit Enttüstung zurück. Er meinte, es müsse dagegen Protest eingelegt werden, der Staat zahle keine Hunaerlöhne. da der Eisen- bahuminister in väterlicher Weise für seine Angestellten sorge. Herr Körte ist H e r r e n h a u s m i t g l i e d und als solches fühlte er sich natürlich für verpflichtet, den preußischen Staat zu schützen, aber den Beiveis, daß der Staat keine Hungerlöhne zahle, blieb et schuldig. Herr Körte mußte ja nun zugeben, daß die jetzigen Mindestlöhne nicht zum Unterhalt einer Familie ausreichen, aber wozu haben denn die Männer— Frauen? Diese mögen nur tüchtig mitarbeiten und dann kann man sagen, so führte er an, daß der städtische Arbeiter sich nicht nur schlecht, sondern„relativ gut" stehe. Es entspräche übrigens das auch dem sozialen und nationalen Empfinden des Volkes, und„meine Herren", so rief er aus.„unsere Frauen arbeiten auch mit!" Es schadet der Arbeiterfrau gar nichts, wenn sie Aufwartestelleu und so weiter annimmt. Als er all das verzapft hatte, besaß Herr Körte doch noch den Mut zu sagen, daß die Stadt ein guter Arbeitgeber und Vorbild- l i ch sein müsse. Es dürfe ihr nie ein berechtigter Vorwurf gemacht werden köiiueu. Und zu alleden, fanden die„Leuchten" des Frei- sinnS kein Wort, ihre Arbeiterfreundlichkeit war plötzlich, wo sie notwendig gebraucht wurde, abhanden gekommen. Sie blieben stumm und stimmten den Autrag ihres eigenen Gesinnungs« genossen nieder. Glaubt der Freisinn immer noch an eine Zuknifft? Zu den bayerischen LaudtagSwahlen. Der LandeSvorstand der Sozialdemokratischen Partei Bayerns veröffentlicht, wie uns aus Nürnberg telegraphisch gemeldet wird, in der heutigen Nummer der„Fränk. Tagespost" folgenden Wahlaufruf: Landtagswähler I Die Kammer der Abgeordneten ist aufgelöst. Am 10. und 17. Juli haben die Neuwahlen zum Landtage stattzu- finden. An diesen Tagen hat das bayerische Volk, so weit ein veraltetes und ungerechtes Wahlgesetz es zuläßt, wiederum das Recht, auf die politischen Geschicke des Landes seine Einwirkung geltend zu machen. Kaum jemals aber war die Einwirkung von so außerordentlicher Tragweite, wie bei den bevorstehenden Wahlen. Wider Erwarten und durch den schnöden Verrat der Liberalen und der sogenannten Freien Vereinigung sind die Wähler gezwungen, noch einmal unter dem veralteten Wahlsystem an die Urne zu treten, unter einem rückständige» Wahlsystem. das die Meinung des Volkes unter- drückt und fälscht, anstatt sie richtig zum Ausdruck zu bringen. An de» Wählern liegt eS nun, dafür zu sorgen, daß eine volkS- feindliche Minderheit nicht mehr in die Lage versetzt wird, die Wahl- reform und damit die wirkliche Entfaltung des politischen LcbenS in Bayern hindern zu köiuicu. Auf ihrem AngSburger Parteitag von 1904 hat die Sozialdemokratie beschlossen, die Reform des Wahl- rechts zum Angelpunkte der bevorstehenden Landtagswahlen zu machen. Sie fordert gemäß dieses Beschlusses die Wähler auf, vo? allem für eine Zusammensetzung der Kammer zu Wirten, die eine schleunige Schaffung der Wahlreform gewährleistet. Und sie ver- langt, daß nach Erledigung des von der Regierung vorzulegenden Entwurfes eines neuen Wahlgesetzes die Kammer alsbald wieder ausgelöst werde, damit das bayerische Volk in die Lage komme, die neue Landesvertretung auf Grund eines besseren WahlversahrenS zu bilden. In diesem Sinne wird die Sozialdemokratie, getreu ihrer Ueberlieferung und auf dem Boden ihres bewährten Programms den Wahlkampf unabhängig von allen anderen Parteien und>n voller prinzipieller Schärfe führen, aber mit allem Nachdruck dahin wirken, eine Zweidrittelmehrheit für die Wahlreform zu sichern. Diese für die weitere politische EntWickelung Bayerns ent- scheidende Aufgabe verlangt, zumal unter der Ungunst des herrschenden Wahlverfahrens. daS namentlich die städtische Be- völkeruug fast völlig entrechtet, die äußerste Anspannung aller Kräfte, denn, nicht genug damit, daß die liberalen und konservativen Wahlrechtsseinde dem Volke das direkte Wahlrecht vor- enthalten, diese grundsatzlosen Personalienpolitiker haben es auch noch vermocht, die Regierung zum Bruche ihrcS bindenden Versprechens einer objektiven Wahlkreiseinteilung zu bewegen. Ein Blick auf die soeben nach langem Zögern veröffentlichte Wahlkreiseinteilung beweist, daß sie nicht nach sachliche» Gesichtspunkten. sondern zu dem Ziveck erfolgt ist. eme Zweidrittelmehrheit für das neue Wahlgesetz zu verhmdern. Schon jubeln die liberal- konservativen Wahlrechtsrüuber darüber, daß die verhaßte Sozialdemokratie, deren Unermüdlichkeit es gelungen war, die Wahlreforn» bis nahe ans Ziel zu bringen, die Kosten der neuen Einteilung zu tragen hat. Frohlockend stellen diese Feinde jedes wahren Fortschrittes fest, indem sie die MaSke ganz fallen lassen, daß es nun mit der Zweidrittelmehrheit vorbei und ein neues Wahl« gesetz für sie nicht mehr zu fürchten sei. Und die StaatSregierung. nicht zufrieden damit, durch ihre neue Wahlkreisgeometrie das werktäsige Volk, die Bevölkerung städtischer und industrieller Kreise noch mehr entrechtet zu haben, hat auch bereits nach Berliner Muster zum Mittel der Wahlbeeinflussung ge- griffen. Sie hat die Zugehörigkeit von Beaniten und Bediensteten zur Sozialdemokratie„als mit dem Diensteid unvereinbar" erklärt. Der„freiheitliche Liberalismus" aber hat gegen diese unerhörte und verfassungswidrige Beeinträchtigung der staatsbürgerlichen Rechte nicht nur nichts einzuwenden, sondern hat sie gleich dahin ausgelegt, daß auch die Wahl eines Sozialdemokraten eine„Verletzung des Diensteides" sei. Aber alle diese Anschläge werden die Wähler nicht davon ab- halten, ihre Pflicht zu tun.' Am festen Willen des Volkes, die Wahl- reforni endlich durchzuführen, dem Fortschritt auch in Bayern die Wege zu ebnen, werben solche Entrechtungsversuche wirkungslos ab» prallen. Im Bewußtsein erfüllter Pflicht sieht aber die Sozial» demokratie der Entscheidung entgegen. Was an ihr war, die Grund- sätze ihres Programms durchzuführen, die Interessen des werk» tätigen Volkes uiid aller Unterdrückten zu vertreteu, das zu tun, war sie redlich bestrebt. Wo immer Forderungen der Kultur und freiheitlichen Bestrebungen zu vertreten waren, hat man sie in der ersten Reihe gesehen. Und mehr lvie jemals ist auch aus anderen Gründen wie denen der Wahlreform eine Verstärkluig der sozialdemokratischen Fraktion im Land- tage nötig. Mit einer Rücksichtslosigkeit ohne gleichen geht das liberale Unternehmertum gegen die Organisation der Ar- beiter los, brutal zeigen die von, Staate alimentierten Metall- industriellen den ausgesperrten Lohiisklaven ihre Herrenfaust; toller wie je treibt der Militarismus, der Flotteuwahn seine Blüten, ver- sucht der Berliner Absolutismus seine Macht zu entfalten. Da heißt es, so viel wie möglich die schwachen Regierungen der Bundes- staaten an ihre Pflicht mahnen, dem Berliner Kurse den Widerstand selbständiger Landesvertretungen entgegenzusetzen. Da gilt eS, durch Sicherung der bayerischen Wahlreforiu' angesichts aller reaktionären Bestrebungen i», Norde» das ReichStagSwahlrecht zu schützen und die bekannten Pläne der Sckarfmacher abzuwehren. Darum ans Werk, Wählerl Sorgt für Aufklärung draußen im Lande, damit es den Wahlrechtsseinden nicht gelingt, mit gleiß- nerischen Worten auf den Lippen und Verrat im Herzen, die Auf- merksamkeit des Volkes von seinen wichtigsten Interessen abzulenken oder es durch kulturkämpferische Manöver zu verwirren. Jeder Wähler ein Kämpfer für die Wahlreform, für den Fortschritt, gegen Unterdrückung und Reaktion. Hoch das direkte Wahlrecht und nieder mit den Wahlrecht»« räubern 1 Nürnberg, 8. Juni 1905. Der Landesvorstand der soziald. Partei Bayern». Ein SittlichkeitSapostel. Die Strafkammer am Landgericht Schweinfurt verhandelte gegen den katholischen Pfarrer und Lokal schulinspektor Josef Englert von Stadel- schlvarzach wegen Sittlichkeitsverbrechens an einer seiner Obhut an« vertrauten Person. Er hatte im Nebenzimmer der Linhardschen Wirtschaft in Stadelschivarzach an der 17 jährigen WirtStochter und Sonntagsschülerin Apollonia Linhard unsittliche Handlungen vor- genommen und später im Pfarrhofe dreimal geschlechtlich mit dem Mädchen verkehrt, wobei er Gewalt angewendet haben soll. Als die Voruntersuchung gegen ihn eröffnet wurde, ließ er den Eltern sagen, sie möchten ihn bei ihrer Aussage schonen, er bot ihnen sogar Geld an. Auch der Kaplan des Englert suchte die Apollonia zu bewegen, schonende Aussagen für den Angeklagten zu machen. Er wurde zu 10 Monaten Gefängnis vernrieilt. Dieser Prediger der Gottesfurcht und frommen Sitte scheint überhaupt ein sehr galanter Herr zu sein. Bei einem jüngst verhandelten Prozeß ist erst zutage gekommen, daß er mit einem Bauernmädchen, das als Gräfin Greifenstein auftrat, sehr intime Beziehungen unterhalten hatte. Die Hochstaplerin hatte es ver- standen, dem liebedlirstigen Diener Gottes 2000 M. abzuknöpfen.— Husland. Zollpolitische Debatten in England. London, 8. Juni.chast gehört, daS heiligste und höchste Gut auf der Welt, der Inbegriff von Gott, Religion, Sitte, Ordnung. Liebe, Ehe und Familie, des Früh» und Abenvschoppens wie des Kaffeegenusses nach dem Mittagessen. Zur tatkräftigen Wahrung dieser idealen und heiligsten Güter der Menschheit ist in Zürich ein Bürgerverband gegründet worden, der zunächst und zur Erreichung jeneö hehren Zieles unter Einsetzung von bürgerlichem Gut und Blut die Sozialdemokratie bekämpfen soll. Der Bürgerverbond sollte in einer bewaffneten Bürger- wehr mit dem Motto:„Willst Du nicht mein Bruder sein, so schlage ich Dir den Schädel ein l" seine Spitze erhalten, allein der Stadtrat legte dagegen sein Veto ein, iveil es sich dabei um die „bewaffnete Organisation einer Partei handeln würde, Ivos die Behörden nicht zulassen dürfen." Der Stadtrat hat wohl daran getan, seine Wanning anzubringen. Denn auch jeder schweizerische Arbeiter- Wehrmaim hat sein Militärgewehr in der Wohnung und eS würden nicht nur Arbeiterschädel, sondern auf Bürgerschädel eingeschlagen werden, um Gegenrecht zu halten. Da» wild- und tollgewordene Auöbeutertum ist mit seinen eigenen Behörden allerhöchst unzufrieden. Es erscheint ihm lächerlich, gegen Arbeiter, welche das unverzeihliche Kardinalverbrechen begehen, einen Minimallohn von 3,60 bis 4,40 M. zu verlangen, noch vom Gesetz und Recht zu schwätzen. Massenaufgebot von Polizei und Militär, Belagerungszustand, Massenvcrhaftuiigen und MassenauSweisungeii, Gefängnis und Zuchthaus sollten ganz allein gegen so unbotmäßige und begehrliche Arveiter angewendet und so da» Recht auf Profit gesichert werden. Wie in Zürich so in Basel. Hier hat der Scharfmacher- verband der Bauunternehmer ein unverschämte», unerhört freches Schreiben, dessen Verfasser offenbar ein streberischer grüner Advokat ist, an die Regierung gerichtet und ihr in demselben die heftigsten Vorwürfe gemacht, weil sie angeblich gegen die Streikenden nicht scharf genug vorgegangen sei. Die Scharfmacher ärgern sich blau und grün darüber, daß die Regierung nicht wieder so leicht- fertig wie vor zwei Jahren Militär aufgeboten und die Streik- bcwegiing niedergeschlagen hat. Wenn sie diesmal das Militär- anfgevot unterließ, kanii man»ur annehmen, daß die Kritik und Verurteilung ihres damaligen Vorgehens nicht ohne nachhaltigen Eindruck auf sie geblieben ist. Die Scharfmacher drohen am Schlüsse ihrer Eingabe mit der BundeSinterventio», d. h. mit der Veranlassuiig von Militäraufgebot durch den Bundesrat. Die Re- gierung wies die ihr von den Scharfmachern gemachten Vorwürfe in ihrer Antwort entschieden zurück, verurteilte den gegen sie an- geschlagenen ftechen Ton und belehrte sie darüber, daß ihnen kein Recht zur Anrufung der Bundesintervention zusteht. Leider hat die Regierung der wilde» Hetze der Scharfmacher doch nachgegeben; sie hat durch die Polizeidirektion den Führern der streikendeil Gruppen mitteilen lassen, daß Streikpostengruppen nur noch aus vier Mann bestehen dürfen und gegen größere Ansannn- lunacn die Polizei und das Gericht einschreiten werden. Auch eine Klassenjustiz wird gegen a»geklagte streikende Arbeiter praktiziert, die empörend und provozierend wirkt. Der betreffende Richter, ein Dr. Hübscher, darf ftoh sein, daß er in Basel und nicht etwa in Warschau ist. hier würde ihm von den revolutionären Arbeitern das Handwerk bald gelegt werden. Tasselbe honette und hochpatriotische Bürgertum, das im In- lande die Revolution und den Hochverrat vorbereitet, verübt gleich- zeitig im Auslände gegen sein Vaterland Hoch- und Landesverrat. Mehr als 60 schweizerische Weinhändler habe» angesichts der Handels- Vertragsunterhandlungen zwischen der Schweiz und Spanien a» die spanische Regierung eine Eingabe gerichtet, um sie gegen die Schlveiz scharf z» machen zwecks Herabsetzung dcS schweizerischen WeinzollS. Spanien solle Repressalien anwenden! Und mit solchem profilwütigen, hoch- und laudcöverrätcrischen Lumpenpack muß sich die ehrliche Arbeiterschaft herumschlage»!— Verband der Porzellanarbeiter. Im Berliner Gewerkschaftshause trat am Sonnabend nach- mittag die Generalversammlung des Verbandes der Porzellanarbeiter zusammen. E« wurde zunächst eine Versammlung unter Leitimg des Verbaudsvorsitzenden Wollmann abgehalten. Dieselbe setzte eine Mandatsprüfungskommission ein, gab sich eine Geschäfts» ordnung und nahm folgende Tagesordnung an: 1. Geschäftsbericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kassierers und der Revisoren. 3. Bericht des Redakteurs. 4. Bericht der Be- schwerdekommission. 6. Obligatorische Krankenkasse. 6. Agitation, 7. Statutenberatung. 8. Wahlen. Zur Leitung der Generalversammlung werden Böhme- Eisen- berg und S c e Im a n n Kronach als Vorsitzende, Kreisch mar« Eisenbcrg und Stich- Langewiesen als Schriftführer gewählt. Die eigentlichen Verhandlungen beginnen am Sonntag und wahren voraussichtlich die ganze Woche. Der gedruckt vorliegende Geschäfts- und Kassenbericht erstreckt sich auf die drei letzten Jahre 1902,(33 und 04, Der Vorstand sagt in seinem Bericht: Eine Zeit ruhiger Entwickclung war dem Ver- band in dieser Periode nicht beschieden. Immerwährend befand er sich in der Abwehr gegenüber einem Unternehmertum, daS ständig darauf ausgeht, die Arbeit»- und Lohnbedingungen herabzudrücken und, um das möglichst erfolgreich und ungehindert tun zu können, bemüht ist, den Arbeitern da» Koalitionsrecht zu beschneiden oder völlig zu zerstören. Durch eine fast ununterbrochene Reihe von Kämpfen um das Koalitionsrecht und Streiks zur Abwehr von Verschlechterungen der Lohn- und Arbeitsbedingungen wird das be» wiesen. In nur wenigen Fällen handelte eS sich um ein Vorgehen der Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lage. Außerdem lag eine große Anzahl von Konflikten vor, die, weil sie nicht zu Streiks oder Aussperrungen führten, für die Oeffentlichkeit weniger in die Er» scheinung traten und die ebenfalls mit verschwindenden Ausnahmen auf Angriffe seitens der Unternehmer zurückzuführen waren.— Im einzelnen führt der Bericht 23 Streiks aus, von denen 8 länger al« ein Vierteljahr, einer sogar 43 und ein anderer 45 Wochen dauerten. Die Streiks erforderten eine Gesamtausgabe von 259483 M. Davon wurden 148 336 Vi. aus der Verbandskasse, 33 369 M. au» Mitgliederkretscn, 50 278 M. von anderen Organi« sationen und der Partei gedeckt. Dem Kassenbericht zufolge betrug die Einnahme in der Bericht«» Periode 601210,01 M., die Ausgabe 570 204,70 M., der Ueberschuß 31005,31 M. Am Schluß des Jahres 1904 war ein Verbands. vermögen von 99 069,33 Mark vorhanden. Für Unter- stützungszwecke wurden in der Berichtsperiode folgende Posten ausgegeben: Arbeitslosenunterstützung 104 511 M,. Streik- Unterstützung 235 861 M., Mahregelungsunterstützung 3154 M., Umzugsgeld 6806 M., Rechtsschutz 4514 M., an andere GeWerk- schaften 1150 M.— Für Agitation sind 4238 M. verwendet worden. — Die Mitgliederzahl betrug am Schluß jedes der drei Geschäfts» jähre 8081, 7952, 8592.— Um der Fluktuation zu steuern und die Mitglieder fester an den Verband zu ketten, ist im Jahre 1399 be- schlössen worden, die Arbeitslosenunterstützung nach fünfjähriger Mitgliedschaft um 2 M., nach zehnjähriger Mitgliedschaft um 3 M. zu erhöhen. Die Ausführung diese« Beschlusses hat der Verbands- lasse in Wi Jahren eine Mehrausgabe von 18 158 M. verursacht, ohne daß der erwartete Erfolg eingetreten wäre. Die Fluktuation ist nicht geringer geworden. In der Zeit vom 1. Januar 1899 bis 31. Dezember 1904 sind insgesamt 17 141 Mitglieder eingetreten und 17 024 ausgetreten, so daß die Organisation in 6 Jahren nur um 117 Mitglieder gewachsen ist. Hierzu sagt der Bericht, es sei damit bewiesen, daß Prämien auf längere Mitgliedschaft nicht geeignet seien, der Organisation Mitglieder zu erhalten. Da« könne nur durch eine gut geleitete, rege betriebene Agitation geschehen. Der Bericht des Kassierers schließt mit der Bemerkung: Der vorliegende Kassenbericht über die drei letzten Geschäftsjahre kann ein günstiger nicht genannt werden. Genau betrachtet, kann weniger von einer Emwickclung als von einem Rückgang gesprochen werden. Von den Beschlüssen der Generalversammlung wird eZ abhängen, ob die nächstjährigen Kassenberichte günstiger ausfallen werden. literarisches. Dr. Fr. W. Förster, Jugendlehre. Ein Buch für Elter», Lehrer und Geistliche. Berlin 1904.<724 Seiten. Preis: ungebunden 5 M.) Den neuen Idealen, die die moderne Jugenderziehung sucht, und den neuen Bahnen, auf denen sie ihnen nachgeht, dankt der deutsche Büchermarkt manche neue Arbeit über ErzichungSftagen. DaS Buch von Förster gehört zu denen, die auS den Anregungen der„ethischen Belvegung" hervorgegangen sind. Der Verfasser weist sogleich im ersten Satz seine» Vorworte» auf diesen Ursprung hin und kennzeichnet damit die Richtung und da» Ziel seines pädagogi« scheu WolleuS. Er hat seit einer Reihe von Jahren in Zürich ethische Kurse für Knaben und Mädchen verschiedener Altersstufen ver- anstaltet, und an« den Erfahrungen dieses Unterrichts ist allmählich da» vorliegende Buch mit seinen Beispielen und Folgerungen ent- standen. Ein theoretischer Teil sucht den Nachweis zu führen, daß ethifcke Jugendlehre notwendig ist. Eine lange Reihe von prakttschen Beispielen»ebst Erläuterungen soll zeigen, daß und wie diese Forderung sich durchführen läßt. Der ethische Jugenduuterricht muß in der Schule wie im Hause Moral nicht bloß lehren, sondern vor allem auch zur Moral helfen. Wer das Förstersche Buch hierzu benutzen will, der wird darin manchen beherzigenswerten Wink finden, der ihm gute Dienste leisten kann. Förster wendet mit glücklichem Gelingen auf den Belehrung suchenden Leser dieselbe Methode an, die er gegenüber der zu belehrenden Jugend empfiehlt. Er bemüht sich, Erziehung nicht zu lehren, sondern zur Erziehung zu helfen. Ein Kind zu rechter Sittlichkeit zu erziehen, ist nicht eme so leichte Aufgabe, wie mancher meint; da» zeigen die theoretischen Dar- legungen des Buches. Aber der praktische Teil, der da? dem Leser sozusagen vormacht, läßt den Entniutigsteii erkennen, daß diese Aufgabe doch nicht so schwer ist, an ihrer Lösung verzweifeln zu müssen. Mit dem Stock löst man sie nicht, mit dem Katechismus auch nicht— und mit beideit zusammen erst recht nicht. Auch das bloße Moral- predigen, das bei manchen Eltern so sehr beliebt ist, führt nicht zum Ziel. Förster sucht für die Aneignung der Sittenlehre die freie S e l b st t ä t i g k e i t des Kinde» zu gewinne», die ja das Wesen sittlicher Kultur ist. Er will nicht das Kind durch moralische Deduktionen zur moralischen Erfahrung leiten, sondern zu allererst im Kinde auf dem Wege natürlicher Kraftentfaltiing da» Moralische zum eigenen Erlebnr« werden lassen. In da« ansckaulich und fesselnd geschriebene Buch wird jeder sich gern hineinlesen, auch wer nicht mit allem in ihm sich ein- verstanden erklären kann. Die Beispiele sind für Knaben und Mädchen von 11--15 Jahren bestimmt. Sie sind auch als Sonder- ausgäbe erschienen.(Förster, LebenSkunde. Ein Buch für Knaben und Mädchen. 375 Seiten. Prei«: gebunden 3 M.j, die der Jugend selber in die Hände gegeben werden kann. H. B. Lrlefkaften der Redahtton. Bolljah». Roseuthalcrstrasie 57, Eine an Sie gerichtete Zulchrist kam al« uubestcllbar zur-ück. Wir bitten um genaue Adresse oder Besuch. — C. B. 34» Gegen ilmeisen in der Wohnung streut man Zucker mit Schwesel vermengt, iklnder sind sernzuhaiten, da Schwesel Glst ist.— Vi. G. 21. Blattläuse vertreibt man durch Bcsprengung mit einer Tabak» abkochung, die aber manchen Pflanzen schaden dürfte.— Streitfrage. Die Hülste ist gleich SO Prozent de« Ganzen.— H. K. Gute«, teure«(zniekten- pulver streue».— Zwei Ttreiteude. An eine deutsche Kubikmcilc bekommt man in der Tat alle Bauwerke, alle Mensche», Tiere, Pflanzen hinein:„alle Gebirge' aber nur dann, wenn man— sich mit den Äipscln begnügt. — W. Si. 120. Schöneberger Sparkasse nimmt Spargelder über 1000 M. hinaus an.— Slit-Glienicke. Kronenstraße 8/9.— Gürtelbude. 1. Erhält leine Slpaiiltge. 2. Aus den preußischen Einnahmen. S.' IS bis 17 Ml. 33. «llk Das rigorose Vorgehen der Zigaretten-Fabrikanten Dresdens hat die organisierte Arbeiterschaft aufs tiefste erregt. Laut Uersammltmgsbeschlnfl der Dresdener Arbeiter und im Einverständnis mit der Gewerkschafts-Kommission und den Rertrltnens- leuten der sozialdemohrotischen Partei Kerlins wenden wir uns an alle denkenden Arbeiter und Zigaretten-Naucher mit der Bitte, uns in diesem uns aufgezwungenen Kampfe dadurch zu unterstützen, daß sie ihren Dedarf nur bei Firmen decken» die das Koalitionsrecht und die bescheidenen Wünsche ihrer Arbeiterinnen anerkannt haben. Diese Firmen sind: Gebr. Seiowsky(Bolero u, Zeni), Casanova, Kasacky, Horner& Apfelstädt und Kosmos. Bei folgenden Firmen soll den Arbeiterinnen das Koalitionsrecht genommen werden durch „handschriftliche Uersichenrng an Gidesstatt": idler-Compagnie Älexanüm irabia Delta i. K. Eckstein& Söhne Epirus G. A. Jasmatzi A.-G. Josetti G. m. b. H. Juwel in Poppitz Kios J. Malzmann Monopol W. Alex Mililer Osmanie Persia Reunion Serail Sulima Tuma Jean Touris B. Weller Xanthi Compagnie Laferme Compagnie Macedonia Tenidze einschließlich der Firma Joseüi-Berllll, Neue Friedrichstr. 9/10. Arbeiter» Parteigenosten! An Euch liegt es nun, den ca. 4000 um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Arbeiterinnen zum Siege zu verhelfen. Hoch die Solidarität! Alle Anftagen behufs Aufklärung sind zu richten an Willi Hahn, Berlin NW.23, Klopstockstr. 6. Die Streikkommission. Zw HuMrunfl rar aiic ZiflarettendRaucber! Wir haben die Forderungen unserer Arbeiterschaft von Anfang an VOM und ganz bewilligt! Wir haben diese Bewilligung nie zurüeltgezogenl Wir haben den Austritt aus dem Tabakarbeiter- Verbände von unserer Arbeiterschaft nie verlangt! Gebr. Seiowsky, Zlgarellenfabr.» Dresden. Unsere bekannten Spezialmarken sind: = Zenith— Bolero— Häkim.= 33S0L* Dugen auf! Wir empfehlen: t Posten getragene Herren-Paletott f Posten getragene Herrcn-Anzöfe I Posten getragene Hosen 1 Posten getragene Gehröcke d. 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Glpcke,'Berlind Druck u. Verlag: Borwärt» Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co.. Berlin SW. 8t. 135. 22. Jahrgang. 2. KilU des Jjrmirts" Kerlim lolblilitt Sonntag, U. IM MS. Hus der Partei. Das Strafkonto der Arbeiterbewegung wurde im Mai mit 2 Jahren, 7 Monaten, 2 Wochen und 1 Tag Freiheitsstrafen und 1710 M. Geldstrafen belastet. Zur Frage der Fraktionsvertretuug auf dem Parteitage schreibt die„Sächsische A r b e i t e r- Z e i t u n g": . Wenn trotzdem die Frage der Vertretung der Fraktion auf dem Parteitage ernste Erwägung verdient, so deshalb, weil Gründe des Parteiwohls gegen die Beibehaltung des jetzigen Zu- standeS sprechen. Die Fraktion hat selbstverständlich auf dem Parteitage in allen den Fragen, die sie selbst, ihre Haltung, ihre Handlungen betreffen, kein Stimmrecht. Die Abgeordneten stimmen'aber gleich den von den Genossen gewählten Delegierten bei allen anderen Tagesordnungspunkten mit. Solange die Fraktion verhältnismäßig klein war, war die Möglichkeit, daß die Fraktion einen Verhältnis- mäßig bedeutenden Einfluß auf die Beschlüsse des Parteitags er- lange, geringer. Jetzt aber ist sie gegeben. Und diese Möglichkeit kann nicht als wünschenswert erachtet werden. Selbstverständlich sind die Reichstagsabgeordneten der Partei ebenso gute Genossen wie jeder nicht mit einem Mandat geschmückte Sozialdemokrat. Und niemand denkt daran, ihnen das Recht, auf dem Parteitage zu erscheinen, zu nehmen, wenn sie von einem Wahl- kreise als Delegierte gewählt sind. Es handelt sich aber hier nicht um das gleiche Recht, sondern um ein'Vorrecht. Der Parteitag soll ein möglichst getreues Spiegelbild der Stimmung, des Möllens der Partei geben. Deshalb muß die Möglichkeit bestehen, die Vertreter der Partei auf dem Parteitage jedesmal neu ,u wählen— fortdauernde Mandate wie das des Reichstags-Abgeordneten sind hier vom Uebcl. Ter Abgeordnete hat jetzt die Möglichkeit, auf dem Parteitage seinen Einfluß geltend zu machen, selbst wenn er mit seinem Wahlkreise nicht einig ist, wenn seine und der dortigen Parteigenossen Meinung sich direkt widersprechen.... � Es ist notweirdig, daß die Fraktion nicht der Partei die Richtung vorschreibt. Auch nicht mittelbar kraft ihres Einflusses im Partei- Parlament. Die Kraft der Arbeiterbewegung ruht in der Organi- sation und ihr ausführendes Instrument muß die Fraktion fein." Im sozialdemokratischen verein in Harburg wurde in der fort- gesetzten Diskussion über das Organisationsstatut der Antrag ab- ge.'-hnt. daß nur der vierte Teil der Fraktion auf dem Parteitage stimmberechtigt sein solle. Neber eine bayerische Parteikonferenz berichtet die„Münchener Post": In Nürnberg tagte Donnerstag, 8. Juni, eine Konferenz des Landesvorstandes(bisherige Landtagsfraktion), der drei Gau- vorstände(Südbahern, Nordbayern, Psalz) und der Vertreter unserer Parteiblätter zum Zwecke, die durch die neue WahlkreiSeinteilung gegebene Wahllage und die gebotene Wahltaktik zu besprechen. Es zeigte sich in der Auffassung der Situation wie über die Wahltaktik eine erfreuliche absolute Uebcreiustlmmung. Tie Wahlagitation wird im ganzen Lande auf Grund des Augsburger Parteitags- beschlusses erfolgen; es soll alle Kraft aufgeboten werden, um trotz der tendenziösen Wahlkreiseinteilung die zur Wahlreform nötige Zweidrittelmehrheit zu erzielen und die Wiederwahl der Wahlrechts- räuber zu vereiteln. polirelNesteo. SerlchtUcves ufw. Eine erfolglose Haussuchung fand in den Räumen des Bochumer„Volksblattes" statt. Der Grund des Verfahrens ist nicht angegeben._ GewerhfchaftUcbes. Zur Aussperrung der Zigarcttcn-Arbcitcrinnen. Arbeiter! Parteigenossen! Die Firmen, welche ihren Arbeiterinnen das Koalitionsrecht rauben wollen, sind folgende: Adler-Compapnie. Alexandria. Arabia, Delta. A. M. Eckstein u. Söhne, Epirus, Gg. A. Jasmatzi, N.-G., Josetti, G. m. b. H., Juwel in Poppitz, Kios, Compagnie Laferme, Compagnie Macedonia, I. Malzmann, Monopol, Werner Alex Müller, Osmaine, Pcrsia, Reunion, Serail, Sulima, Tuma, Jean Vouris, B. Weller, st'anthi, Ieindze. Hierzu kommt noch die Firma Josetti in Berlin, deren Arbeiter und Arbeiterinnen aus Solidarität mit ihren Dresdener Kolleginnen die Arbeit einmütig niederlegten, ohne besondere Forderungen zu stellen. Die Namen der fünf Dresdener Firmen, welche die Forderungen ihrer Arbeiterinnen bewilligten, sind: Gebr. Selowsky(Bolero und Zenith), Casanova, Kasaky, Körner u. Apfelstädt und Kosmos. Die Berliner Gewerkschaftskommission im Einverständnis mit den Vertrauenspersonen der sozialdemokratischen Partei Berlins be schloß am S. d. M., den Boykott über obige 25 Dresdener Firmen inklusive der Firma Josetti m Berlin zu verhängen. Während das Unternehmertum sich immer fester zusammen schließt, um seine Interessen in wirtschaftlicher Beziehung zu wahren und seine politische Macht aufrechtzuerhalten, will man hier die Arbeiter rechtlos machen und sie zu Heloten herunterdrücken. Nicht verhandeln will man mit ihnen, nicht Staatsbürger in ihnen sehen, sondern als Arbeitstiere sollen sie sich willenlos dem Macht- spruch der Unternehmer unterwerfen.„Herr im Hause" wollen die Unternehmer sein, deswegen haben sie diesen Kampf provoziert. — Handschriftlich sollen sich die Arbeiter an Eidesstatt verpflichten, daß sie ihrer Organisation entsagen! Das verlangen die Unter- nehmer, die sich selbst in festen Vereinen organisiert haben. Die �ausgesperrten Arbeiter und Arbeiterinnen appellieren nun an das Solidaritötsgcfühl ihrer Klassengcnosscnl Wir glauben die Versicherung abgeben zu können, daß sie hierin nicht getäuscht werden. Wir erlvarten nun von allen Arbeitern, daß sie die Fabrikate dieser Firmen streng meiden und überall dafür eintreten, daß niemand diese Zigaretten raucht. Unterstützt Eure kämpfenden Brüder und Schwestern in jeder Beziehung! Der AuSschusi der Berliner Gewerkschaftskommission. Die sozialdemokratischen Vertrauensleute Berlins und der Bororte. Tic sozialdemokratische» LcrtraucnSpcrsonen der Frauen. Ter Streit der Berliner Teppichweber dauert unverändert fort. Die Situation ist für die Streikenden noch sehr günstig. Bei den Finnen Baader und Benjamin ist kein Weber als Streikbrecher tätig, nur einige sind bei der Firma Feibisch. Es verdient anerkannt zn werden, daß die Noivaweser und Bernauer Hansweber mit den Berlinern einmütig im Ausstand verharren, trotzdem der Streik schon 11 Wochen dauert. Herr Fcibisch scheint sich am meisten zu sträuben, den Arbeitern entgegenzukommen, obgleich auch bei ihm die Vesiellnngcn drängen. In fast allen Jndustrieortcn hat Herr Feibisch nach Arbeitswilligen annonciert und bestellt die Weber, die sich auf solche Annoncen melden, in seinen vielversprechenden Antwortschreiben nach seiner Wohnung. Fast alle, die auf solche Annoncen aukauien, haben den Betrieb gemieden oder sind bald iviedcr abgereist. Die Stimmung ist unter den Streikenden, einschließlich der Hansweber von Verna» und NowaweS, eine äußerst gute; die Herren Fcibisch, Benjamin und Baader werden sich in ihrer Hoffnung, daß nach den Feiertagen die Streikenden wankend werden, arg täuschen. Wir appellieren an die Berliner Arbeiterschaft, uns in dieiem langen hartnäckigen Kampfe moralisch zu unterstützen und den Zuzug fern- zuhalten. Alle arbciterfreuiidlichen Blätter lvcrden um Abdruck ersucht- Die Zentral-Streikleitung. Achtung, Parkettleger! Sämtliche Parkettleger in Stuttgart be- finden sich seit DonnerSiag, den 8. Juni, im Streik um Erringung besserer Akkord- und Lohnbedingungen. Zuzug aller in der Branche Tätigen ist streng fernznhalten. Bcrband der Hafenarbeiter. Berlin II. Da in bürgerlichen Blättern fortwährend behauptet wird, daß der �trcik der Bretter- träger und Brettschneider Berlins für beendet b achtet wird, sehen wir nnS zn der Feststellung veranlaßt, daß z- i 200 Kollegen sich noch im Ausstände befinden, während 10 bis 12 Firmen bewilligt haben. Deutsches Reich. Die Aussperrung der Bauarbeiter in Rheinland-Wcstfalen tritt nun tatsächlich am Dienstag ein, nachdem ein letzter Einigung«- versuch gescheitert ist. Es kommen zunächst gegen 20 000 Arbeiter in Frage, die keine Tarifvereinbarungen haben. Die Unternehmer wollen aber auch dort Aussperrungen versuchen, wo Tarifverträge bestehen. Hiivls«». Die allgemeine Aussperrung der Eisen- und Metallarbeiter von ganz Schweden hat am Sonnabend begonnen; sie umfaßt 17 000 Arbeiter in 100 Betrieben. Älocken-8pie1plan der kerlmer Cbcatcr. Königliches Opernhaus. Sonntag: Meistersinger von Nürnberg. tAnsang 7 Uhr.) Montag: Hansel und Grete!. Coppelia. Dienstag: Der Barbier von Sevilla. Mittwoch: Tannhäuscr. Donnerstag: Geschlossen. Freitag: Romeo und Julia. Sonnabend: Carmen. Sonntag: Der Frei- schütz. Montag: Lohengrin.(Ansang 7 Uhr.) Königliches Schauspiethans. Sonntag: Im stillen Gäßchen. Montag: Wilhelm Tell. Dienstag: Götz von Bcrlichingen.(Slnsang 7 Uhr.) Mittwoch: Wilhelm Tell. Vom Donnerstag ab: Geschloffen. Neues Königl. Opcrntheater. Allabendlich: Der Schnurrbart. Deutsches Theater. Sonntag: Faust I. Teil. Montag und Dienstag: Der Viclgeprüste. Mittwoch: Don Carlos. Donnerstag: Der Privatdozcnt. Freitag, Sonnabend und Somitag: Der Viclgeprüste. Montag: Unbestimmt. Berliner Theater. Allabendlich: Llll. Lcsfing- Theater. Geschlossen. Theater des Westens. Allabendli�: Ter Strohwkktlvrk. Neues Theater. Allabendlich: Der Fami.!e..!ag. Kleines Theater. Sonntag: Nachtasyl. Montag: Abschied vom Regiment. Angele. Dienstag: Salome. Mittwoch: Nachtasyl. Tonners« tag: Abschied vom Regiment. Angele. Freitag: Salome. Sonnabend: Nachtasyl. Sonntag: Des Pastors Ricke. Montag: Salome. Schillcr-Theater O.(Wallner-Tbeater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Johannissencr. Abends: Die Logenbrüder. Montag nachmittag 3 Uhr: Die Haubenlerche. Abends: Die Grogstadtlust. Dienstag und Mittwoch: Die Logenbrüder. Donnerstag: Das Heiratsncst. Freitag: Die Logen- brüder. Sonnabend: Der polnische Jude. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Oberon. Abends: Der Trompeter von Säkkingen. Montag: Der polnische Jude. Schiller-Thenter ST.(Friedrich-Wilhelmstädtisches Theater.) Sonntag nachmittag 3 Uhr: Maria Stuart. Abends: Der arte sische Brunnen. Montag nachmittag 3 Uhr: Medca. Abends: Iphigenie aus Tauris. DienSlag und Mittwoch: Der artesische Brunnen. Donnerstag: Meine chwiegcrtochter. Freitag: Im Hafen. Sonnabend: Hosgunst. Sonntag nachmittag 3 Uhr: Die Haubenlerche. Abends: Hosgunst. Montag: Hosgunst. Belle- Alliance- Theater. Sonntag und folgende Tage: Madame Tip-Top. Stesidenz-Theater. Sonntag und Montag: Gastspiel von Zlw. Zchme, Paul Lange und Tora Parsberg. Dienstag bis Donnerstag: Die Frau vom Meere. Vom Freitag ab: Geschlossen. LustsPielhauS. Von: Sonntag bis Freitag: Biederleute. Sonnabend, Sonntag und Montag: Kyritz-Pyritz. Carl Weist, Theater. Sonntag: Wahre Liebe. Montag nachmittag " IHr: Zweimal verheiratet. Älbends: Wahre Liebe. Dienstag bis Sonn- tag: Wahre Liebe. Montag: Unbestimmt. Zentral■ Theater. Allabendlich: Alt-Heidelberg. Thalia-Thea rr. Sonntag. Montag und Dienstag: Die Bäder von Lucca. Mittwoch bis Montag: Die Pfablbaner. Steichshallcn-Theater. Allabendlich: Stcttiner Sänger. Uranta-Thearcr. Tanbcnstratze 18/19. Im Theater: 8 Uhr: Die deutsche Nordscelllste. Montag: Ticrleben in der Wildnis. Mittwoch und Freitag: Der Simplon und sein Gebiet. Apollo- Theater. Allabendlich: Am Hochzeitsabend. Ein Wend in einem amerikanischen Tingcl-Taiigel. Spezialitäten. Mctropol- Theater. Allabendlich: Die Herren von Maxim. Gebrüder Herrnfeld-Thcatrr. Allabendlich: Winler-Tymian-Sänger. Passage- Theater. Allabendlich: Generalkonlul. Jean Paul. Spczialilätcn. Wintergarten. Allabendlich: Harry Allister. Spezialitäten. Wasserstand am 9. Juni. Elbe bei Ausstg-ff 0,17 Meter Dresden— 1,29 Meter, bei Magdeburg-ff 1,02 Meter.— U n st r u r bei Straufjstlrt-ff 1,60 Meter.— Oder bei Ratibor-ff 1,75 Meter, bei Breslau Obcr-Pegel-ff 4,96 Meter, bei Breslau Unter-Pegcl— 1,10 Meter, bei Frankfurt-ff 1.72 Meter.— Weichsel bei Brahemünde-ff 2,90 Meter. — W a r t h e bei Posen-ff 0,61 Meter.— N e tz e bei Usch-ff 0,57 Meter. mm nrn für Anfänger u. Fortgeschrittene erteilt Gertrud Swienty, g°b. Liebknecht, * Sedanstr. 57, in Schönebcrg. Stillen Teilhaber mit 8000 Mark(zur Ablösung eines Liescranten) suche für mein seit Jabren bestehendes, glänzend rentierendes Restaurant und Saalgeschäst(Partei- lokal). Sewstteflcltaiiten wollen Offerten sud V. 4 Exp. d. 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Alt-Hcidelbcrg. Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Ansang S Uhr: Westen. Der Slrohwitlver. Montag und DienStag: Dteselbe "" irsk" Vorstellung. Neues. Der Familientag. Nachmittags 3>/,Uhr: DaS gesindel. Lumpen- Montag: Der gamilientag. Nachmittag» 3'/, Uhr: Da» Lumpen- gesindel. Dienstag: Der Familientag. Lesfing. Geschlossen. Dhalia. Die Bader von Lucca. Montag und Dienttag: Dieselbe Vorstellung. Residenz. Paul Lange und Tora Parsberg. Montag: Dieselbe Borstellung. DienStag: Die Frau vom Meer«. Tchlller O. I Wallner- Theater.) Die Logenbrüder. Nachmittag» 3 Uhr: JohanniSseuer. Montag: Grofistadtlust. Nachmittag» 3 Uhr: Die Hauben- lerche. Dienstag: Die Logenbrüder. EchiUer M.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). Der artesisch« Brunnen. Nachmittag» 3 Uhr: Maria Stuart. Montag: Iphigenie aus Tauri». Nachmittags 3 Uhr l Mcdea. DienStag: Der artesisch« Brunnen. Driauou. Geschlossen. Kleines. Nachtasyl. Montag: Abschied vom Regiment. Angele. Dienstag: Salome. National. Frtzzo. Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Luftspielhaus. Btederleute. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. Eari Weift. Wahre Liebe. Nachmittags 8 Uhr: Zweimal«er- heiratet. Montag: Wahre Lieb«. Nachmittags 3 Uhr: Zweimal ver- heiratet. Dienstag: Wahre Lieb«. Belle-Alltanee. Madame Tip-Top. Montag und Dienstag: Dieselbe Vorstellung. Nrichshulleii. Stettiner Sänger.— Spezialitäten. Herrnfcld-Dheater.Winter-Thmian« Sänger. «Polio. Am HochzeitSabend.— Spezialitäten. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellung. Wintergarten. Harry Allster.— Spezialitäten. Passage-Dlieater. Gencral-Konsul. Jean Paul.— Speztalttäten. vtrtropol. Die Heiren von Maxim. Montag und DienStag: Dieselbe Vorstellnng. Urania. Danbeuftrafte 48/49. Die deutsche Nordieelüste. Montag: Ticrleben in der Wildnis. Nachmittag» 4 Uhr: Der Simplon und sein Gebiet. Dienstag: Die deutsch« Nordsee« lüste. Nachmittags 4 Uhr» Tierleben tn der Wildnis. Jnbalidenftrafte 57/69. Sternwart«. Täglich gebfinet von 1 bis 1t Uhr._ Neues Theater. Ensemble-Gastspiel d. LustspielhauseS. > Sommerprelse. Täglich: Der Familientag. Ansang 8 Uhr: Kleines Theater Ansang 8 Uhr. Nachtasyl. Montag, zum 50. Mal«: Angelt. Abschied vom Regiment. Dienstag: Stlome. Mittwoch: Nachtasyl, Donnerstag: Angele. Abtehletf vom Regiment. Freitag: Salome. WOLZOGEN-OPER THALIA-THEATER, K BlDEJ M m. Anfang 8 ühr: Mittwoch, den 14. iuni, xnm erstenmal: DIE PFAHLBAUER, komische Oper in drei Aula. von Wilhelm Freudenberg. Neue freie Volksbühne. Die Kunst dem Volke. Die ordcntllchon TorelnsvorBtclinueen für das Spioljahr 1905/06 finden abwechselnd im Dentaclicn Theater, Schiller- Theater O. und Schiller- Theater ST. statt. 150/6 Als Eröanunge-Vorstellungen gelangen zur Aufführung: Schiller-Theater 0. Das Käthchen von Hellbronn. Deutsches Theater. Von W. Shakespeare. Von Heinrich v. Kleist. Schiller-Theater N. Für die folgenden Serien sind in Aussicht Von Gerhart Hauptmann. i genommen:„Oral nqneblllo", hub.»,».»•»*» v u.. Guy de Maupassant.„Egmont", historisches Trauerspiel von Goethe.„Das, T.ebcn ein Tranm", Schauspiel von Grillparzor.„Adle Welt, tn der man eich langwellt", Lustsjnel von Ed. Pailleron. Lebensbild von Anatole France.„Murotto" von .eben ein l, vri.i.paiKBr..11„....... n,»oUgWellt", LuStSpi. „Kln Volksfeind", Schauspiel von Ibsen.„Der Revisor", Komödie von N. Gogol. „Aischonbacha", ein thüringisches Bauomdrama von Armin Gimmerthol(Novität). ,Dcr Graf vonfCharolals", Trauerspiel von Bich. Beer-Hoffmann. Umtausch der Mitgliedskarten. Bio Mitglieder werden gebeten, ihre alten Karten bis spätestens 15. Juli an einer Zahlstelle abzugeben. Die Beitragsmarke für Juli und August(50 Pf.) muas in den alten Karten enthalten sein. Die neuen Karten werden vom 1. August ab ausgegeben und müssen bis spätestens 15. August von den Zahlstellen abgeholt sein. Aach dem 15. Angnst werden Mitgliedskarten auf keinen Fall mehr umgetauscht. Zwei neue Abteilungen werden mit Boginn des neuen Spieljahres eröffnet. Mitglieder-Anmeldungen werden vom 1. Juli ab an allen Zahlstellen entgegengenommen. Das dascbrclbcgold beträgt 1 JH., der Vorstellnngsboltrag 80 Pf. Opern-Extravorstellungen (Morwltx-Oper). Sonntag, den 25. Juni, nachmittags 3 Uhr, Sohiller-Theater 0., Wallnortheaterstr. 85; Der Trompeter v.Säkkiflgen Oper von V. E. Noßlor. Eintrittskarten für Mitglieder a 90 Pf., ab an allen Zahlstellen zu haben. Sonnabend, den 8. Jnli, abends 8 Uhr, Schiller-Theater 0., Wallaertheaters tr. 33: Fldelio Oper von L. v. Beethoven. Gäste a 1,10 M., sind vom 15. Juni UW- Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich Berlin KW., Brenicr- Der Schnurrbart. Oparette in 3 Akten von O. VerÖ. Morgen und folgende Tage: Dieeelbe Vorstellung. Anfang 7'/, Uhr. Im Garten täglich: Grolle« Garten-Konsert. Residenz-Theater. Dir.; Bichard Alexander. Gastspiel von Frl. Aldertine Zehma. SS"• 1 v-Ui l°M«nd "Sfc" I«er« P»r»kq. Schauspiel in 3 Alien o. B. Björnson. DienStag u. Mittwoch Ansang 8 Uhr: Die Frau»cm Meere. Carl Weiß-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Abends 8 Uhr, zum erstenmal: Alakre Liebe. Schauspiel in 6 Alten u. einem Vor- spiel(2 Bilder) nach dem gletchnam. Roman aus d.„Bert. Lokal-Anzeiger' von Marz. Stahr. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Heute: Vollständige Eröffnung beS Doinmergartens. Neues Pro- gramm. U. a.: Internationales Damen-Radrennen. Dazu: Theater und Konzert. Ansang 4 Uhr. Morgen(2. Feiertag): Srtra-Früh. Vorstellung. Ansang 5'/, Uhr._ tielich„_ Conccrt 7, Vorstell. 8''i ühr KURFÜRSTEN DAMM Preise der Plaue von 90 Pf. bis 5 Uk. Pfingstsonntag.Pfingpmontag Groste Extra- Vorstellung Am Hochzeitsabend von Paul Llncke. 10 Uhr: Gv Abend in dum amerib. Tinge!'Tangel. Dazu: Die glänzenden Juni-SpeztalitSten. Um 7 Uhr: Garten-Sunzert. ?rslor-7Ilester Baetanlen-Allee 7—0. Täglich: Zwischen Himmel nnd Erde. Gr. romanttsch. Ausstattungsstück. Neue Deforattonen und Kostüme. «ine schreckliche Nacht. Große Pantomime der Guitano Phoites Troupe. Täglich: Konzert, Spezialitäten. Ansang 4 Uhr.(Montag, 2. Feiert.) FrOhkoiizert ti. Vorst. Aus. 6 Uhr. Urania� Taubon.tr.»S/SS. 8 ühr; ite. Montag; Tierleben in der Wildnis. 4 Uhr; Der Simplon und sein Gebiet. Sternwarte W«. Z0010CISCHER GARTEN Ami., 2. u.S. Pfingstteiertag Eintritt 50 Pf. Kinder unb. 10 Jahren d. Hälfte. Am 1. nnd X. Feiertag O ühr früh Großes Militär-Früli-KoiiZErt ausgeführt von 3 Kapellen. An allen 3 Feiertagen ab 4 ühr Grolles Kilitär-Konzert ausgeführt von 8 Kapellen. NB. Die Wagen der Großen Straßenbahn verkehren bereits ab 5 Uhr früh auf allen zum Garten führend. Linien, desgl. ab 5 Uhr Züge der Stadtbahn und Hoch- u. Untergrundbahn. Friedrichsir. 165. Kronprinz Wilhelm Kronprinzessin Cccllle. Neu! Rosclidjestwensky,| der russische Admiral. Wlle. Vallde, d. 16jäbrige| annlose Fußkünstlerin. Berliner Aqnariutn Unter den linden 68a Eingang Schadow-Straße No. 14. 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Schwant in 3 Sitten von Carl Laufs und Curt Krach. Montag, nachm. 3 Uhr: Die Hanbenlercbe. Montag, abendS 8 Uhr: Dl« Grsvstacktlnft. Dienstag, abends 8 Uhr: Dl« IvOgenbrüder. Schiller-Thealer IT. h.WffheHw ..SdtlscheS Theater. Sonntag, nachm. 3 Uhr» Barla«taart. Trauerspiel In 5 Akten von griedetch Schiller. Sonntag, abends 8 Uhr: Der artealnek« Bronnen. Poffc in 3 Abteilungen und 4 Auszügen mit Gesängen und Tänzen von Gustav Raeder. Montag, nachm. 3 Uhr» Sledea. Montag, abend» 8 Uhr: Iphigenie anf Tanrls. Dienstag, abends 8 Uhr: Der artenische Bronnen. Im Garten lägll: Gr. Niiitär-Xonrert. Max Miem Zemmer-Theater Hasenheide 13-16. Artistische Leitung: Paul Mllbftx. Täglich: Gr. Konzert, Theater u. Spezialitäten-Vorstellung. Jeden Donnerstag: 8Ute-7ag. Fernsprecher IV. 8891. Max Kllcm. W. Noacks Thealer. Direktion: Rod. Dill, vrunnenslr. l6. Am 1., 2. u. 8. Pfingst-Feiertag: Grohe Fest- Vorstellungen! Konzert, Theater, Spezialitäten. Lckönröseken aus dem Scheunenvirrtel. Ansang 5 Uhr. 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Die Musik wird ausgeführt vom Neuen Berliner Konzert-Orchester unter Leitung seines Dirigenten Herrn R. Tietz.»43/ IS» Das» Komitee. o £SS Arbeiter» Sängerbund Berlins und Umgegend. Sonntags, den 18. Juni, vormittags 11 Ohr, in der Brauerei fnedrtcbsbaui: Pf Uelbtang:s*8tniule.-MZ Lieder:„Krönt den Tag"—„Saat und Ernte"—„Ich weiß, es kommt mein Stündchen Nacht"—„Weihe des Gesanges"—„Dem Lenz entgegen"—„Abends". UV- PünlllichcZ, vollzähliges Erscheinen I BundeSfarte legitimiert l Btr Im Nebensaale: Bormittags präzise 10 Uhr: Husfdniß-Sltzimg* TageS-Ordnung: 1. Ausnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten.— M/8 UV* Anngnbe der Billett« zum Büngerrest.-WM Die Vereine werden ersucht, Veränderungen im Vereinstatender sofort an Baiz SIiiii«efc«r, RIxdorf, Fuldaslr. 59, einzusenden._ Der Vorstand. O Teltow> Seeskow- Storkow- Ckarlottenbnrg. VolkssFest Sonntag, den 23. Juli er., im Birkenwäldchen ------------------- in Steglitz.' O 1 203/3 Die Vereine im Kreise werden ernncht, an diesem Tage keine Feste r.n arrangieren, sondern für zahlreichen Besuch dieses Festes zn wirken. i Anfang 5 Uhr. Hasentieide No. 108/114. Neue Welt imold Scholz. Am 1. nnd*. Pflngstfelcrtage: Entree»S Pf. Nachmittags 4 Uhr: Gala- Spexialitälen-Torstellung. 8V* Da« großartige Jnnl-Programm.~VM Bartow Mayo komische Beckturner. Carl Cords,-"zx.U'! bad. Hofoperns&nger. i Mr« Steffi mit seinem Veberzirkus. Feiertage6«; Großer MittagStlSCH,* OUage 1 Mark Qrolier Sali Am 2. und 3. Feiertag; bei stark besetztem Oroheeter. JVeu eröffnet! Vollständig renoviert 1+ fliez' Seeterrasse Sichtenberg Röderstraße 6. Di« breite RSderstrah« verbindet die Landsberger Allee mit dem Dors« Lichtenberg, ftrüftte» und schönstes BergniigungS.Lrtabltsseinent d. O.. Ii 11»öl' mit ll v»» �sm arekem Zct, ca. 25 Verbindungen: Ab Alexanderplatz Linien rgniigimgs.Vtablt m atXfl?'T 04, ÖD, oo, 07, OH, onen sassend,— fpahr- 67, 68, 69, 70, 71, 81. 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Krampenburg... Wolicrsderf. SchloB u „ Schleuse Rauchfangswerdor Wollersdorf. SchloB n. • 8oo:( ■ IlS�jk 1,- 1,50 1 |1,50 |1,50 k- |o,50j 0,50 1 Schleuse Fangschleuse Grünheide i. d. M. Alt-Buchhorst.. Hessenwinkel.. Neue Mühle... i S"| 1 11 —— Rüdersdorf. Kalkbergo C30 1,25 WMWMMW 1,50 ! 1,50 1,50 0,50 0,50 I 0,50 6» !6» i ö", 8**' 8«. 8« i Jeden iDonuers- lag gm g» ioM— 2«, 2M 3-« —| 3» Wollersdorf. SchlöB u. Schleuse Fangschleuse... Grünheide!. d. M. It-Buchhorst..■ oltersdorf SchloB u. SchleuBe iZwIebusch B.Schweiz 4' 1,00 1,50 1,50 1,50 0,50 0,50 J! 900 Jeden Freitag »10°° ij 200 2°« II 9» 10» 2» 2» 10«° 3«o Um 3» Wi oltersdorf. SchloB a. Schleuse Fangschleuse... Grünheide j. d. M.. 'Alt-Buchhorst,.. Krampenburg... Woltersdorf. SchloB n. „ Schleuse Rauchfangswerder. Jeden II 9°° 10°* 9" 1 10" j 10»!— in" 1,00 1,50 1,50 1,50 1,00 0,60 0,80 eint. Fahrt 60 Pf Woliersdorf. SchloB u. „ Schleuse Schmöckwitz... 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In der Generalversammlung, die der Berstadt- lichung zustimmte, führte der Vorsitzende des Aufsichtsrats unter anderem aus, daß an und für sich lein Anlaß für die gut pro- sperierende Gesellschaft zum Verkaufe vorläge. Lediglich äußere Umstände sprächen für diesen Schritt. Auch die bereits erfolgte Verstadtlichung der Dresdener Straßenbahn, mit der man einen Betriebsvertrag unterhalten habe, könnte nicht als ausschlaggebender Grund betrachtet werden. Nur der Umstand, daß die Stadt Dresden, die gleichzeitig Konzessionsbehörde ist, durch Ankauf der Aktienmajorität von der süddeutschen(Frankfurter) Gruppe sich den maßgebenden Einfluß aus die Gesellschaft gesichert habe, ließe den Verkauf ratsam erscheinen. Bemerkt wurde auch, daß die Vcr- waltung im Falle der Ablehnung der städtischen Ankaufsofferte eine Steigerung des Aktienkurses über das Gebot der Stadt(167 Prozent) hinaus nicht für wahrscheinlich halte Mit allen gegen nur 12 Stimmen wurden dann schließlich die verwaltungsscitigen Vorschläge genehmigt. Die Aktionäre erhalten 167 Proz. Plus 4 Proz. Stückzinsen. So übernimmt eine Kommune nach der anderen die Verkehrs- instihrte in eigene Regie. Berlin nur vermag sich dem Terrorismus der Großen Berliner nicht zu entziehen. Herabsetzung der Zinkblechpreise. Nach Meldung der„Bresl. Ztg." ermäßigten die Großhändler die Zinkblechpreise um 56 Pf. pro Doppelzentner. Das älteste deutsche Jndustriekartell. In den Jahren 1836 bis 1844 hat in Deutschland ein industrielles Kartell bestanden, das in seiner Entstehung und in seinen Einrichtungen schon große Achnlich- keit mit unseren Kartellen zeigt. Das Kartell umfaßte vier Alaun- bergwerke und bezweckte eine Erhöhung der Preise. So lange nicht ein älteres entdeckt wird, muß man, nach der„Freihandels-Corr.", dieses Kartell als das erste ansehen, das in Deutschland begründet worden ist. Die Produktion der Werke wurde kontingentiert. Die erste Folge war eine Erhöhung der Alaunpreise. Zweimal fanden noch Preiserhöhungen statt, dann aber erschien die Konkurrenz auf dem Markte. Im Jahre 1344 löste sich das Kartell auf. Es hatte unter Leitung der Staatsregierung gestanden, die sich dann mit günstigerem Erfolge erst wieder auf ein Kartell einließ, als das Kalishndikat begründet wurde. Ein neues amerikanisches Stempelgcsetz ist am I. Juni in Kraft getreten. Danach unterliegen Umsätze in Aktien einer Abgabe von 2 Dollar auf 16 666 Dollar nominal, welche Abgabe vom Ver- käufer zu tragen ist. Die Abgabe ist auch bei Uebertragungen von Aktien zu entrichten. Gekaufte Aktien können gegen Vorzeigung der mit dem Stempel versehenen Kaufnota franko Stempel über- tragen üccrden, Soziakö. Betriebsunfall im Auslände und Unfallversicherung. Eine ausländische Gesellschaft hat auf Sumatra einen Minen- betrieb, für den sie die Herstellung elektrischer Anlagen einer anderen ausländischen Firma übertrug. Diese wieder beauftragte damit die Firma Siemens- Schuckert- Werke in Charlottenburg, in deren Auf- trag unter anderem auch der Monteur Buchholz zur Ausführung der Arbeit nach Sumatra übersiedelte. B. erlitt bei der Arbeit im fremden Weltteil eine schwere Verletzung und machte demnächst bei der Berufsgenosienschafi für Feinmechanik Ansprüche auf eine Unfall- reute geltend. Die Bernfsgrnossenschaft wies indessen den Anspruch ab, weil der unfallbringendc Betrieb in Benkoelen auf Sumatra nicht als Ausstrahlung des Betriebes der Firma Siemens-Schuckert- Werke in Deutschland angesehen werden könne und der Verletzte daher nicht zu den gemäß§ 1 des Gewerbe- Unfall- Verstchemngs- Gesetzes gegen Unfall Versicherten gehöre. Auf die Berufung Buchholz, verurteilte jedoch das Schieds- gericht die Berufsgenossenschaft zur Gewährung einer Unfallrcnte und führte begründend aus: Nach dem mit dem Kläger abgeschlossenen Vertrage köime es keinem Zweifel unterliegen, daß der Kläger lediglich im Dienste dieser inländischen Firma tätig und nur vorübergehend für sie im Auslände tätig gewesen sei. Daß der Millenbetrieb auf Sumatra durch eine ausländische Gesellschaft erfolgte und daß diese Gesellschaft die Herstellung der elektrischen Anlagen für den Betrieb einer ausländischen Firma übertragen habe und sie von dieser erst wieder der Arbeitgeberin des Klägers über- tragen worden sei, berühre die Versicherung des Letzteren gegen Unfall nach dem Gesetze vom 36. Juni 1666 nicht. B. habe lediglich mit der Firma Siemens- Schuckert- Werke zu tun gehabt und es komme nur darauf an, ob er etwa in einem selbständigen Betriebe dieser Firma auf Sumatra verunglückt wäre. Das sei nicht der Fall. Die Tätigkeit der Firnra auf Sumatra bestand lediglich in der Aufstellung der von ihr gelieferten Maschinen, sei also von vornherein begrenzt gewesen. Daß diese Arbeit mehrere Jahre in Anspruch genommen habe, liege in den schwierigen örtlichen Verhältnissen und vernröge eine andere Beurteilung der Frage, ob hier ein selbständiger Betrieb vorliege, nicht zu begründen. Es liege ein nach iilländischen, Recht zu ent- schädigender Unfall vor, wenn diesen ein in einer inländischen Fabrik beschäftigter Monteur im Auslande beim Ausstellen einer von seinem Arbeitgeber gelieferten Maschine erlitten habe. Es entspreche durchaus dem Geiste der Arbeiterschutzgesctzgebung, welche dem im I n l a n d e beschäftigten Ausländer ihren Schutz angedeihen läßt, daß auch der im Auslande für eine inländische Firma tätige Inländer die Wohltaten dieser Gesetzgebung genieße. Bei der heutigen Ausdehnung der Industrie könnten der Anwendung dieser Gesetze keine zu engen örtlichen Grenzen gezogen werden, wie es die Berufs- genossenschaft wolle.. Es müsse ihr vielmehr anheimgestellt werden, die etwa vorhandene höhere Unfallgefahr in Betrieben, welche die Arbeiter im Auslande beschäftigen, bei Aufstellung der Gefahrentarife zu berücksichtigen.— ES erscheine auffallend, daß die Beklagte, nachdem sie Jahre lang die Beiträge für die im Auslande beschäftigten Arbeiter der Firma Siemens-Schuckert-Werke eingezogen und damit diese Arbeiter als Versicherte anerkannt habe, jetzt, nachdem binnen kurzem einige gleichartige Entschädigungsfälle einander gefolgt seien, die Entschädigungspflicht mit der Begründung bestreite, daß kein versicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vorgelegen habe. Die Berufsgenossenschaft legte noch Rekurs beim Reichs- VersichenrngSamt ein, das Rekursgericht bestätigte jedoch das schiedsgerichtliche Urteil, weil es seiner Auffassung entspräche._ Spiel mit Menschenleben. Aus Halle berichtet man uns unterm 6. Juni: In der heutigen Sitzung des Gewerbegerichts wurde zum Schrecken der Beisitzer in der Klage des Maschinisten K i r m s�e gegen den Dampfschiffbcsitzer S ch r ä m p l e r festgestellt, daß der Kläger am 31. Mai und am 1. Juni(Himmelfahrtstag) hinter einander eine Dienst- zeit von 40 Stunden durchgemacht hat. Dann verließ er den Maschinen- räum, in den: 46 Grad Hitze waren, um ein Glas Bier zu trinken. und wurde kündigungslos entlassen. Der Gcrichtsvorsitzende be- dauerte, daß es ein Unternehmer mit seinem Gewissen vereinbaren konnte, einen Mann 46 Stunden ununter- krochen an solchem verantwortungsvollen Posten zu beschäftigen. Da der Beklagte nicht zur Verhandlung erschienen war. erteilte der Gerichtsvorsitzendc dem Vertreter deS Beklagten den Rat, dem Kläger den Lohn zu zahlen, damit die Sache nicht noch einmal vor Gericht komme._ Berliner Marktpreise.(Ermittelt vom Polizei-Präsidium.) Roggen, gute Sorte, 1 Dz.—(—,—), mittel—(—,—), geringe—(— ,—) ab Bahn. Futtergerste, gute Sorte 1 Dz. 16,16(15,26) mittel 15,16(14,26), geringe 14,16(13,26) frei Wagen und ab Bahn. Haser, gute Sorte 16,56 (15,66), mittel 15,86(15.26), geringe 15,16(14,56) srei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 1 Dz. 5,32(5,66). He»(alt) 8,66(7,36). Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,06(30,00), Spcisebohnen, weihe 50,00(30.00), Linsen 60,00(30,00), Kartoffeln 8,00(7,00), Rindfleisch, von der Keule, 1 Kg. 1,86(1,30), Bauch- fleitch 1,46(1.66), Schweinefleisch 1,76(1.36). Kalbfleisch 2,66(1,26), Hammel- fleisch l,86(1,26), Butter 2,86(2,66). Eier. 66 Stück, 4,66(2,28). Karpfen. l Kg. 2,26(1,26).'Aale 3,66(1,66), Zander 3,26(1,26), Hecht« 2,66 (l.46). Barsche 2,66(t.66), Schleie 3,60(1,46), Bleie 1,46(6.86). Krebse 66 Stück 16,66 l3.66). W-VeHiiuilj der Maurer Deutsetilauds. Zwclgverein Berlin. Sektion der Putzer. Den Mitgliedern hiermit zur Kenntnis, daß am 8. Juni unser Kollege Awege verstorben Ist Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am zweiten Pfingstseiertage, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle der ,ions«Gemeinde in Nleder-Schön- ausen aus statt. Um rege Beteiligung der Mit- glieder ersucht 134/2 vis örtllods Verwaltung. I. A.: H. Ncumann. Verein der limmerer! Leriins n. Umgegend, i Tode«-Anzeige. Am 5. Juni verstarb unser lang- jähriges Mitglied, der Kamerad Mlicli Beilin. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, am 11. Juni, nachmittags 3 Uhr, von der Leichenhalle des Gclh- semanc- Friedhofes in Nieder- Schönhausen aus statt. 257/17 Bor Vorstnnd. Allen lieben Freunden und Be- kannten die liefbetrübende Nach- richt, dah unser lieber Bruder und Schwager, der Zimmerer Franz Galle infolge eines Unfalles am Freitag vormittag plötzlich verstorben ist. Berlin, den 10. Juni 1905. Panl Galle n. Frnn, Falckenstemstrahe 4. luvalideD-llDterstiltzuiiiskässeder Steiudrueker u. Lioppliefi. Die Beerdigung des am 16. Juni verstorbenen Steindruckcrs Hobert Weber findet statt am Dienstag, den 13. Juni, nachm. 6 Uhr, von der Leichenhalle des Weihenfecr' !s, Rölkestrahe 48. Kirch 23466 Das Komitee. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten, Ver- wandten sowie den Beamten und Meistern der A. E.-G.. Schlegelstrahe, als auch den Parteigenossen des sechsten ReichStagSwahtkretscS, insbesondere dem Gesangverein.Nordwacht' und dem Verbände der Fabrik-, Land- und Hülssarbeitcr. sage hiermit für die vielen Bctveise der Teilnahme bei der Beerdigung meine« lieben Ntanncs Angust Hlihlelter meinen herzluhften Dank. 64/ S Die trauernde Witwe Vörie Mahleittr. 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Jnni, abends V39 Uhr, in Baabes Feststtlen, Berlin SI., Kolbergerstraste 33. Herr DT, med, HirSCilfeld spricht über das Thema: Was muß jeder Man«, jede Frau öder de« Aigalismus wilirn? 2. Diskussion, 2363b Der Einbenifer. Mtwiit! Klebers fletenni Donnerstag, 15. d. M., abends 8 Uhr, bei Mendt, Bcnthftr. 36: Versammlung. T a g es- O r d n u n g: 1.„Wie wahren wir unsere tariflichen Vereinbarungen-?" Referent: Otto Wels. 2. Diskussion. Pflicht cineS jeden Kollegen, ob organisiert oder nicht, ist eS zu erscheinen. 178/9 Die Verbandsleltnng. Verband der Sattler. __ Orteverwaltung Berlin._ Donnerstag, den 15, Juni, abends SVa Uhr: AOmdkutliche(fknctnl- Nerjmiklinig in de» Arminhallen, Kommandantcnstr. 20, großer Saal. TageS-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bericht der Kommission über die eingegangene» Be- Werbungen. 3. Neuwahlen: a) des Vorsitzenden, b) des Kassierers. 4. Bericht über de» Streik der Koffermachcr. Hierzu Anträge der Daschei», Koffer- und Galanterie-Branche. 5. Bericht der Statutenberatnngs-Kommission. 6. Bericht der Delegierten der Berliner GewerlschastSkommilfion und Neuwahl derselben. 7. Verschiedenes. In dieser Versammlnng legitimiert das Kitglledshaeh. Die VertrauenSmimner find hierdurch angewiesen, den Kollegen und Kolleginnen die BervnndSbücher auszuhändigen. Wir richten an die Mitglieder das dringende Kr* suchen, diese Tersauunluug zn besachon. 156/18 Die Ortsverwaltung. Arbeiter- SamarSter-■§■ Kola sine. Eröffnung der B. Abteilung für Schöneberg und Umgegend am Donnerstag, den 15. Jnni, abends 9 Uhe, im Obst'fchen Lokal zu Schönebeeg, Meiningeestraße 8. lortrag litier iiiatoie(lau des measelilielien Körpers). Einschreibegeld 25 Pfennig. Menatsbeilrag 25 Pfonnlg. Der Besuch der ersten Stunde steht jedermann als Gast jrel. 261/15 Der Borstand. Mittwoch, bcn 14. Juni, cilcnd-Z 81/., Uhr, in„DrSsels Feflsälen"� Neue Friedrichstr. 35: Vss�sniliOks"WZ Zigaretten- Z. Referent: Tages-Ordnung 1. Der Raub des Koalitionsrechts an den Dresdener Arbeiterinnen und die Antwort des klassenbewubten Proletariats..... Karl Deichmann, Bremen, Vorsitzender des deutschen Tabatarbeiter Verbandes. 2. VerfchiedeneS. 187/ö» Die Vertraaensleate. I. A.: W. Börner. Achtung! Deatsohlaatls.— VervaItaiix««teUe Derlla I. Mglieiler aller Sranelien! Achtnug! Donnerstag, de» 15. Juni, abends 8Vz Uhr, in den„Jndnstrie-Festsälen", Beuthsttaße 19—20: �.ukerorckentlicke General-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Verhandlungen des fünften deutschen Gewerkschaftskongresses in Köln. Bericht- erstatter: A. Werner. 2. Bericht der Delegierten über die Verhandlungen der vierten Haupt-Gcneralvcrsamm- lung in Frankfurt a. M. 3. Diskussion. 4. Wahl der Beisitzer und Revisoren siir den Hauptvorstand. 5. Geschäftliches. SAT* Ohne mtgtiedsbnch kein Eintritt.-MG Bei der äußerst wichtigen Tages-Ordnung erwartet einen wirklich guten Besuch K8/lS Die Ortavervaltnnß:. Allgemeine Orts- Krankenkasse siir Rixdorf. Vom 1. Juli 1905 ab fallen die Bnreanstunden an den Sonnabendabenden fort. Rixdorf» den 6. Jmft 1905. 273/16« Der Vorstand. Zentral- Jeslsäle 180 Orallltnstraße 180 an der AdalbertstraBe. 3 Säle noch frei.—— Sonnabende und Sonntage. 3461L Jedes Wort: Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 19 Ptg, Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Kleine Anzeigen. M AJ Jttmäl w Strasse 6 Anzeigen �eroSÄ den Annahmestellen für Berlin bis I Uhr, für die Vororte bis 1 2 Uhr, der Hauptexpedition Linden' Strasse 69 bis S Uhr angenommen. Verkäufe. Steppdeden billigst Fabrik Große Frankjurtcrstraße 9, parterre. sZ7« Teppiche milFarbensehlern Fabrik- Niederlage Große Franksurlerslraße 9, parterre.-f37» Ga rd i» e» h au s Große Frankjurter. straße 9, parterre._ 137* Spart! Kauft Pfandleihhaus Weidenweg neunzehn stauneiierregend Sommerpaletots, Jackettanzüge, Da- mcnlonsektion, Aussteuerwäsche, Braut- betten, VcrmietungSbett, Fenster- vorhänge, Steppdecken, Teppiche, Bett- inlctte, Regulatoren. 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Bethanicn-Ufer 6, ist seruzuhalten, da die dortigen Arbeiter und Arbeiterinnen sich im Stteik befinden. 197/11* Tie Streikleitung. Achtang! Achtung! SEhildErinalep, LaEklerer. Vergolder, Buehslalien- Klempner! Der Stteik der Schildermaler und verwandten Berufe besteht nach wie vor und ist Arbeit nur durch den Arbeitsnachweis der Schildermaler, Alte Jakobstt. �3 bei L a d e w i g, anzunehmen. 290/3*_ Die Streikleitung. iehtung! Kerren- tnajiseinietier! Infolge der Bcrsammluugsbcschlüsse vom 2. und 4. Juni, welche die allgemeine Arbeitsniederlegung und die Unterzeichnung eines Reverses von Nichtverbaiidsmitgtiedern prokla- mierte. ist es bei der Wiederaufnahme der Arbeit bei den»Berliner Be« triedswerkslätten G. m. b. H." (A. Wcrtheim), Lelpjlgcrsttaße, zu Differenzen gekommen. Die Kol- lege» befinden sich dort noch im Ausstände! Die„Berliner Be- triebswerkstätteu* sind daher, so tauge eine Ginigniig»tcht erzielt ist, für Werkstatt- und Heim- arbeite» gesperrt. Wir ersuchen die Berliner Kollcjjcnschast, die in diesen Tagen ihre Solidarität gezeigt hat. diese auch in dem vorliegenden Falle zu üben. 163/15 Vor Arbeitsangeboten unter Chiffcrn oder Deckadressen in der.VoW- Zeitung' wird gewarnt. lZrlZvenMUimg Berlin des Verbandes der Ssbneider. _ Engel-Ufer 21, Part. Singer& Co., Berlin SW. !it.i35. 22.3»p., j KilU des JoniiW Kerlilltl Polliolilnlt partd-Hngelcgcnbcitcn. Zur Lokalliste. Im Grunewald find sämtliche Lokale für den persönlichen Verkehr frei. In Zühlsdorf steht das Lokal von Jden der Arbeiterschaft nicht mehr zur Versiigung und ist mithin gesperrt. Die Brauerei Pfefferberg, Schönhauser Allee 17g. fteht der Arbeiterschaft zur Verfügung, ebenso das Lokal von Schwarz in der Dorfstrabe zu L i ch t e n b e r g. Die Lokalkommission. berliner I�admebten. Pfingsten! Junge Maien ins Haus getragen und duftenden Flieder und Kalmus, das ist zum Pfingstfest ein lieber deutscher Brauch, und auch der Aermste versucht, durch ein Sträußchen und ein Maienzweiglein sich ein wenig Pfingststinimung herbeizuzaubern. Der Flieder hat in diesem Jahre vergeblich auf Pfingsten gewartet, aber desto voller haben sich die Birken- reifer entwickelt. Der Kalmus ist in großer Menge da und tausend Blüten des jungen Sommers sind gern bereit, den Flieder zu ersetzen. So ein bißchen würziger Waldgeruch im Hause übt auf den Stadtmenschen einen eigenen Zauber aus. Der Bedarf Berlins an Birkenzweigen für das Pfingstfest ist kein ge- ringer; viele werden aus den Wäldern von Posen und West- Preußen und anderen Provinzen im Osten geholt, aber auch die Mark ist reich an Birken, und in eineni weiten Umkreise von der Stadt wurden ungeheuere Mengen von Zweigen in den letzten Tagen geschnitten. Die Birke nimmt sich den Raub nicht so sehr zu Herzen: Mutter Natur hat ihr genügend Widerstandskraft verliehen, um bald nachwachsen zu lassen, was geraubt wurde. Es würde dem lieben Baum vielleicht ein Trost sein, zu wissen, daß durch seine grünen Reiser nianche graue Sorge verscheucht wird, wenn auch nur vorüber- gehend. Gestern sah man das Birkengrlln überall in der Stadt. Milchwagen, Sckstächter-, Brauer- und andere Fuhr- werke hatten den Pfingstschmuck angelegt: dem Pferde war ein Zweig vorgesteckt, an der Mütze des Kutschers hingen einige grüne Blätter, und die Gesichter blickten vergnügter als sonst in die Welt. Die Maien wurden gekauft wie die Weihnachtsbäume, und daß der Kalmus nicht vergessen wurde, dafür sorgten die Kinder, die ihn notwendig brauchen, weil sie„so schöne Musik" damit machen können. Und doch bleibt keiner gern zu Hause, die Sonne lockt alle hinaus! Freilich, eine große Pfingstfahrt kann man nicht machen, aber eine kleine, zum Frühkonzcrt mit der ganzen Familie, kommt wohl noch- zustande. Die Genossen des vierten und des sechsten Wahlkreises haben eine ganze Reihe Frühkonzerte arrangiert.— Was für schöne Pfingstfahrten werden an den Anschlag- säulen angepriesen, nach der See, ins Gebirge, oder auch nach dem Sprcewald, gar nicht weit und so billig, so sehr billig für den.— dcr's dazu hat, und so teuer, so sehr teuer für den, der immer mit den Groschen und Pfennigen rechnen nmß, daß es auch ausreicht für des Lebens Nahrung und Notdurft. Einmal von Bergeshöhen einen Blick in die weite, schöne Welt zu tun, einmal des Meeres Rauschen zu bören, das ist für manchen nur ein schöner Traum, der sich nie erfüllt! Merkwürdig ist es, welche Gewalt Pfingsten über ganze Familien besitzt, die sich an anderen Festtagen stets eines kräftigen, langen Schlafes erfreuen. Zum Pfingstfeste sind sie friih um 4 oder 5 Uhr allesamt auf den Beinen. Es geht zum Frühkonzert! Um 6 Uhr sitzen sie schon im grünen Garten um den Kaffeetisch, Mutter eifrig beschäftigt, den dampfenden braunen Trank aus der dickbauchigen Kanne in die Tassen zu füllen und den Kuchen gerecht zu verteilen, damit jeder glaubt, er habe das größte Stück bekommen. Die Musik spielt und alle sind lustig und guter Dinge und begrüßen fröhlich das Fest des jungen Sommers: Pfingsten. Es dehnt sich manchmal lang aus, so ein Frühkonzert, bald folgt der Frühschoppen und es wird ein Tag im Grünen daraus. Wer ober gegen 1l1 Uhr wieder nach Hause geht, der begegnet wohl hier und da einem frommen Kirchgänger. Die gläubigen Christen feiern in ihren Kirchen das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes über die Apostel. Die Glocken läuten und die Kirchgänger zeigen uns wohl ein bitterernstes Gesicht, als hielten sie es für Sünde, daß wir so vergnügt vom Früh- konzert heimkehren. Nun,„clrncull ä son goüt", sagt der Franzose, jeder nach feinem Geschmack._ Der Kaiser hat an den Oberbilrgermeister folgendes schwungvolle Dankschreiben gerichtet:„Nachdem der Festjubel verrauscht ist, der die Feierlichkeiten der Vermählung Meines Sohnes, des Kronprinzen, und insonderheit der Einzug Seiner Erlauchten Braut in Meine Haupt- und Residenzstadt Berlin begleitet hat, drängt eS Mich, Meinem aufrichtigem Danke Ausdruck zu geben für die freudige Teilnahme, welche die Stadt Berlin und ihre Bürgerschaft in den ver- flossenen Tagen in so erhabener Weise bekundet haben. Ich habe Mich außerordentlich gefreut über die ebenso großartige wie ae schmack- volle Gestaltung der historischen Einzugs- und Festftraße, die prächtige Ausschmückung der öffentlichen und privaten Gebäude. sowie die m u st e r h a s t e H a l t u n g des Publikums. Das herz- liche Willkommen, mit dem Meine geliebte Schwiegertochter begrüßt wurde, die sympathische Aufnahme Meiner hohen Festgäste in Berlin und die mannigfachen freudigen Zurufe haben Mich von neuem erkennen lassen, welch begeisterten Widerhall da« Gluck Meine« Hause« in den Herzen der Berliner Bürgerschaft findet. Ich ersuche Sie. den städtischen Behörden und der gesamten Einwohnerschaft Berlin? meinen wärmsten Dank für alle Kundgebungen treuer Anhänglichkeit bekannt zu aeben." Zu einem Dank an die gesamte Einwohnerschaft Berlins liegt nun eigentlich keine Ursache vor, da sich die Mehrzahl der Berliner schon ihrer sozialdemokraUsckien Gesinnung wegen auch die bescheidenste Beteiligung an den Festlichkeiten versagte. Immerhin werden die- jcuigen Bürger, die mit der Schutzmannschaft nicht die angenehmste Bekanntschaft gemacht haben, in dem Hinweis de» Kaisers auf die musterhafte Haltung des Publikums einen kleinen Trost siiidcn, Die Grundsteinlegung zur neuen Kaiser WilhelmS-Akadcmie ist gestern vormittag unter militärischem Gepränge erfolgt. Da? neue Institut für da» militärärztliche BildungSweten wird an der Jn- validenstraße errichtet. Nach dem„Berl. Tgbl." erkundigte der Kaiser, der der Feier beiwohnte, sich bei den anwesenden Medizinen, nach dem Stande der Genickstarre. Tie Annahme von Frachtsiückgütern wird nach einer Bekannt. machung der königlichen Eisenbahndirektion vom 10. Juli d. I. ab aus sämtlichen Berliner Jnnenbahnhöfen und Ringbahn st ationen usw. um sechs Uhr nachmittags geschlossen. Die Vorortstationen, welche von dieser Matzregel mit betroffen werden, sind die folgenden: Adlershof-Glienicke, Köpenick, Erkner, Fürstenwalde, KönigS-Wusterhmisen, Lichtenberg- Friedrichsfelde, Nauen, Niedcr-Schöneweide-Johaunisthal, Oranicn- bürg, Pankow-Schönhausen, Potsdam, Rummclsburg(Rangierbahn- Hof), Spandau, Steglitz und Tegel. Die Früherlegung des An- nahmeschlnsies ist, wie uns von zuständiger Seite milgeteili wird. notwendig geworden, Iveil ein großer Teil der Verfrachter nach alter Gewohnheit die Frachstückgüter trotz wiederholter Aufforderungen erst in letzter Stunde, vielfach noch kurz vor dem bisherige» Annahme- schlutz(abends 7 Uhr), anliefert. Hierdurch sind sowohl für die Ver- frachter selbst, wie auch für die Eisenbahuvcrwaltungen eine Reihe von Unzuträglichkeiten eingetreten. Der Magistrat hat den Ankauf von 11 Grundstücken in, sogenannten Scheune» viertel beschlossen. Der Stadlverordneten« Ver- sanimlung wird hierüber„och eine besondere Vorlage zugehen. Stimmt die Versammlung zu. dann wird der Magistrat, mit den schon augekauste» 14 Häusern, Lö Grundstücke dort besitze». Eine besondere Kominission wird dam, Wege» des freihändigen Ankaufes von Grundstücken des Scheuneuviertels mit de» Hausbesitzern unter- handeln. Erst wenn diese annehmbare Angebote dem Magistrat unterbreiten, können weitere Käufe perfekt werden. Im Interesse der Mehrzahl der Grundstücksbesitzer liegt e? deshalb, wenn weitere freihändige Käufe des Magistrats stattfinden, damit das Euteignungö- verfahren vermieden wird, da? die Bescitigung des Scheunenviertels unliebsam weiter verzögern könnte. Die Friihjahröhochstut der Zuzüge nach Berlin ist in diesem Jahre wieder großer gewesen als im Vorjahre. Für April sind diesmal 3S 59« Personen als zugezogen genieldet worden, während im vorigen Jahre derselbe Monat nur 34 911 Zuziehende nach Berlin geführt hatte. Gestiegen ist aber auch die Zahl der Wegzüge. Als von Berlin weggezogen wurden für April 20 398 Personen gemeldet, für denselben Monat des Vorjahres waren 24 599 gemeldet worden. Durch den Zuschlag, der wegxn vermutlicher Unvollsländigkeit der Meldungen zu den gemeldeten'Wegzügen gemacht wird, erhöhen sicki diese Zahlen für den diesjährigen bezw. vorjährigen April auf 3i 5SS bezw. 29 224 weggezogene Personen. Ein beträchtlicher Teil dieser Zu- und Wegzüge entfällt allerdings wieder auf den BevölkeruugS- auStausch zwischen Berlin und seinen Vororten, sodaß es sich hier eigentlich nur um Umzüge innerhalb Groß-Berlin S handelt. Im April dieses bezw. des vorige» Jahres zogen, nach den Meldungen, 19 607 bezw.»112 Perionen aus den Vororten nach Berlin z», rund 39 Proz. bezw. 27 Proz. aller als zugezogen ge- meldeten Personen. Noch den Vororten abgemeldet wurden 11714 bezw. 19 189 Personen, das sind rund 44'/, Proz. bezw. 41'/, Proz. aller gemeldeten Wegzüge aus Berlin. Zur Beouemlichkeit de» reisenden Publikums haben die VahnhosS» Wirte der größeren und der Ueb«rgangsst«tionen mit Zustimmung der Eisenbahnvcrwaltung die Einrichtung getroffen, daß die Reisenden Bier. Kaffee, Tee, Bouillon, Selterswasscr und Limonade in be- sonders hierfür bestimmten Gesäßen von der einen nach der anderen Station mitnehmen können. Für diese Ge- säße wird ein Pfandgeld erhoben, das auf einer der nächsten Stationen gegen Rückgabe des unbeschädigten Ge- fäßcs durch den Bahnhofswirt erstattet wird. Das Pfandgeld beträgt für Bicrbecher und Kaffee- usw. Becher 19 Pf., für Selters- und Limouadcnflaschcii 15 Pf. Die Bahnhofswirte der meisten kleineren Stationen haben sich dieser Einrichtung angeschlossen. Ruud 1'/, Millionen Marl Hot der Magistrat für verschiedene Bauten auf den Rieselfeldern, Viehhof, für das Rudolf Virchow- Krankenhaus, die III. städtische Irrenanstalt in Buch, daö Kaiser und Kaiserin Friedrich-Kinder-KrankenhauS und das Ävchschc Institut für Jnfektionskraiike. vorbehaltlich der Zustiminung der Stadtve, ordneten- Versammlung bewilligt, der darüber noch vesondere Vorlagen zu- gehen werden. Denken Sie sich, Sie wären solch ein Schwein! In einer nütz- liche» Broschüre:„FachivissenschastlicheS aus der Fleischerei", die vom Fleischermeister A. Maß in Kolberg verfaßt ist, steht folgende be- herzigeuswerte Abhandlmig zu lesen:„Einen weiteren schweren Fehler sehe ich noch in den Stallungen der meisten Schlachthäuser, in welchen die Schweine auf dem kalten Zcmentboden liegen müssen. Denken Sie sich mal, Sie wären solch Schwein— haben eine größere Reise gemacht— befinden sich in äußerst erregtem und erhitztem Zustande— wissen infolge der außergewöhnlichen Vorgänge gar nicht, welcher Zulunft Sie entgegengehen— werden dann auf diesem eisigen Zementboden ineist ohne jede Streu plaziert— müssen hier ein bis drei Tage lang zubringen— kriegen nach einem Tag auch ein wenig Futter— welches Sie aber, da Sie bisher anderes hatten, oder auch aus seelischer Erregung, gar nicht berühren— Sie ziehen sich eine große Erkältung, mit Sckmupfen und Fieber ver. Kunden, zu— und werden dann schließlich— geschlachtet— ja, meinen Sie, daß Sie dann noch solch gutes Fleisch liefern können wie eine Sau, die der Landwirt ohne Erregung aus dem Stall holt— im Augenblick schlachtet und für sich zur Wurst macht—? Nein— das glauben Sic selbst nicht! Darauf beruht also gerade— wie Sie jetzt einsehen dürften— das Geheimnis der früher so gelobten guten Wurst und Schinken von den Landleuten— welches noch durch die kalte Jahreszeit, wo die Schlachtung in der Regel nur geschieht, be- günstigt wird. Wie Sic sehen, ist ein so behandeltes Schwein halb- krank und kann deshalb keine haltbaren Tauerlvaren mehr liefern." Vielleicht nehme» sich die Schlachthausvcrwaltuugen die guten Ratschläge der Broschüre schon ihrer originellen Fassung wegen zu Herzen. Deutscher Dank de« deutschen Kronprinzenpaares. Im„Reichs- Anzeiger" steht zu lesen: Aus Anlaß Unserer Vermählung sind Uns aus allen Teilen deS Deutschen Vaterlandes und aus allen Kreisen der Bevvtterung eine Fülle herzlicher Glückwünsche dargebracht worden. Dieselben haben UnS wahrhast erfreut, und danken Wir hierniit aufrichtigst allen denen, welche Unser so freundlich ge- dacht haben. Wilhelm. Cccilie, Kronprinz deS Deutschen Kronprinzessin deS Deutschen Reichs und von Preußen, Reichs und von Preußen. Was wird Wustmann dazu sagen? Tic Frequenz der städtischen FortbilbnngSschnlen im Schul- jähre 1993/94. Nach dem isterwaltungsbericht des Magistrats betrug die Gcj amtzahl der Teilnehmer am Unterricht der 13 Fort- bildungSschulen für Jünglinge im Sommer 1993(die obligatorischen Fortbildungsschulen bestanden zu der Zeit bekanntlich noch nicht) 11 252, im Winter 1903/94 aber 12 070(im Vorjahre 11 239 und 12 525). An den 12 Fortbildungsschulen für Mädchen, von denen 9 ausschließlich, und 3 mit Unterstützung von Vereinen und Kura- torien aus städtischen Mitteln unterhalten werden, beteiligten sich im Sommer 1993 insgesamt 5435, im Winter 1993/94 aber 5708 Schülerinnen qn dem Unterricht(im Borjahre 5479 bezw. 5957). Zu den Kosten der 25 städtischen Fortbildungsschulen hatte die Stadt- gemeinde in, EtatSjahr 1993/94 einen Zuschuß von 474 740 M. (gegen 452 739 im Vorjahre) zu leisten. Die Fernsprech-Automaten in öffentlichen Geschäftslokalen, als Zigarren-, Kolonialwarengeschäften usw.. haben nicht den Beifall des Publikums gesunden, welctes beim Betreten derartiger Räume sich gezwungen fühlt, irgend, velche Einkäufe zu machen. Diese Tatsache hat zur Folge, daß. an derartigen Orten befindliche Fernsprech-Auto- malen nur ganz minimale Einnahmen bringen und die Betriebs- kosten nicht decken. Aus diesem Grunde wird für die Zukunft von der Aufstellung derartig.r Apparat, n Privath..-fern abg- sehen und soweit sich solche noch in Privatlokalen befinden, sollen sie allmählich aus dem Verkehr gezogen werden. Menschenleben in Gefahr. In großer Lebensgefahr schwebten gestern nuttag um 12 Uhr die Bewohner deS Hauses Madaistr. 8, gegenüber dem Schlesischen Bahnhof. Dort war ein Wohnungsbrand in, zweite» Stock des Vorderhauses ausgekommen und hatte im Umsehen eine große Ausdehnung erreicht. Als die Feuerwehr unter Leitung des Brandmeisters WiewiorowSki an der Brandstelle er« schien, herrschte eine unbeschreibliche Aufregung. Einige Personen suchten, weil die Treppen wegen der Verqualmung unpassierbar waren, aus den Fenstern zu springen: andere riefen um Hülfe und wieder andere baten um die Rettung ihrer Angehörigen. Brand- meister WiewiorowSki beorderte sofort Feuerwehrmänner in alle Wohnungei,, um die Geängsttgten von übereilten Schritten ab« zuhalten. Ein Sprungtuch wurde zur Vorsicht bereit gehalten und eine große iiiechamsckie Leiter an dem Hauje aufgerichtet. Ueber diese wurden drei Frauen und drei Kinder in Sicherheit gebracht. Die übrigen Personen blieben in den Wohnungen und wurden dann über die Treppen, von denen der Qualm sich etwas verzogen, ins Freie gebracht. Die Flammen konnten dann schnell mit mehreren Schlauchleitungen gelöscht werden, Die Entstehung des Feuers ist auf Unachtsamkeit zurückzuführen. Infolge deS niedrigen Wasserstandes darf die Tauchtiefe der die Spandauer Schleuse durchfahrenden Schiffe biö auf weiteres höchstens 1,59 Meter betragen. Der Verband für erste Hülfe, welcher nunmehr Krankentransport- wagen, sämtlich auf Glimm, laufend, und auch sogenannte Salon» wagen in ausgiebiger Zahl besitzt, nimnit Bestellungen entgegen in seiner Hauptstelle,«erlin JW.. Schiffbanerdamin 20, Telephon Amt III Nr. 2424, und durch alle Polizeireviere. Der Verband ist auch damit beschäftigt, Motorwagen in Betrieb zu setzen und später auch Krankenwagen herzustellen, die lediglich dem Transport von Kindern dienen und die er zu wohlseilen Preisen zur Verfügung stellen wird. Ter geneppte Repper. Einen unerwarteten Erfolg hatte ein Nepperpaar, welches gestern an der Pfandkammer„arbeitete" und einen„Grünen" gefunden hatte, der anscheinend bereit war, eine ihm von dem Nepper angebotene Taschenuhr zu erwerbe». Der betreffende Herr wollte jedoch den geforderten Preis nicht bezahlen, und es fanden infolgedessen Verhandlungen statt, die sich einige Zeit hinzogen. Der zweite Nepper befürchtete wohl, daß sich das Geschäft zerschlagen würde und versuchte, den Kunden„scharf" zu machen. Er trat ebenfalls als Käufer auf, entwickelte viel Sachverständnis und versuchte, den „Grünen" scheinbar zu überreden, von dem Geschäfte zurückzutreten, indem er ihm ein Fünsmarkstück überreichte. Dieser steckte die Münze ein und erklärte sich bereit, auf den Aulauf der Uhr zu verzichten. Ein derartiger Verlauf des Geschäftes ivar natürlich den beiden Neppern unangenehm, und sie versuchten nunmehr, den Fremden durch Drohungen zur Herausgabe des Fimsmarkstückes zu veranlassen. Ter Herr erklärte sich bereit, den Streit durch einen sich in diesem Augenblick nähernden Schutzmann schlichten zu lassen, doch zogen es die beiden Nepper vor, unter Zurücklassung der fünf Mark schleunigst zu verschwinden. Ueberfahren. Am Tempclhofer Ufer wurde ein Passani, der den Fahrdamm kreuzen wollte, von einem Lastwagen überfahren und schwer verletzt. Als der Kutscher sah, welches Unheil er angerichtet hatte, jagte er wie toll davon. Polizeibeamte sprangen in die nächste Droschke und verfolgten ihn. Am Blücherplatz sprang der Kutscher von seinem Wagen herab, lief„ach dem Hof des SpcditeurvereinZ und kletterte über die Mauer nach dem angrenzenden Grundstück. Hier wurde er aber ergriffen und sofort verhastet.— Fast zur gleiche» Zeit wurde der Schriftsetzer Wcrtin in der Blücherstraße durch ein in voller Fahrt heransausendcs Automobil überfahren. Mit schweren Brustquetschungen und eineni Bruch des linken Oberschenkels mußte der Verunglückte nach dem Krankenhause gebracht werden. Der Ur> Heber deS Unfalles entkam leider. Ter Kampf gegen die Erpresser. Uns wird geschrieben: Die Kriminalpolizei gebt jetzt mit Macht gegen das Erpresscrunwesen vor. Es scheint aber leider sich um eine Hydra zu handeln, der die ab- geschlagenen Köpfe immer wieder„achivachsen. Nachdem in einer Woche die Erpresser Hanne, Wolfgram und Fengel verhaftet wurden. wurde gestern ein gewisser Axel Laure festgenommen. Er hatte auf der Fricdrichstrah« einen Herrn angelockt, den, er sich als Leidens- genossen vorstellte. Dieser nahm ihn mit in seine Wohnung, nachdem der junge Mann, welcher sick, als Architekturzeichncr aus Kopenhagen ausgab, die Frage, ob er Geld beanspruche, mit schroffster Entrüstung abgewiesen hatte. In der Wohnung angelangt, verwandelte sich der Architelturzcichncr u, einen ganz gewöhnlichen Erpresser, der, wie der Berliner sagt,„aufS Ganze ging", indem er alles Geld verlangte, das der Herr besah. Dieser mußte mit seiner ganzen Barschast her- ausrücken, so daß er nicht einmal da? für seinen Lebensunterhalt Notwendige zurückbehielt. Nachdem der Prcller noch den Wäsche« schrank de» Herrn geleert, entfernte er sich mit den Worten:„Auf Wiedersehen I" Der Erpreßte zog eS vor, den unverschämte» Gast statt in seiner im Westen gelegenen Wohnung in Moabit wieder- zusehen und wandte sich an die Kriminalpolizei. Bei den Recherchen fand man den Erpresser in der von ihm angegebenen Wohnung na- türlich nicht vor. Tie Kriminalbeamten verabredeten sich nun für gestern abend 0 Uhr mit dem Erpreßten, um mit ihm gemeinsam Berlin abzustreifen. Als der Herr sich von seiner Wohnung nach dem Treffpunkt begeben wollte, fühlte er unterwegs, wie sich eine Hand auf seine Schultern legte. Es war der Erpresser, der neue Gelder verlangte. Ter Herr weigerte sicv� und in eifriger Aus- cinandersetzung, die sich ettva eine halbe Stunde lang hinzog, ge- langten beide allmählich zu der verabredeten Stelle, Hinter der katholischen Kirche(dieselbe Stelle, wo LandgerichtSrat Hasse auf seinen Erpresser den verhängnisvollen Schuh abgegeben hat). Dort warteten aber schon die Kriminalbeamten, legten dem Burschen Hand« schellen an und führten ihn ins Gefängnis. Eingestürzt ist gestern mittag 12 Uhr auf dem Grundstück Wriezenerstraße 21 der„Voss. Zeitung" zufolge ein Teil des unter- kellerten Hofes infolge fahrlässiger AusschachtnngSarbeiten auf dem Nachbargrundstücke. Dabei wurde die Arbeiterfrau Schröder an« scheinend innerlich schwer verletzt. Bauunfälle. Am Freitag vormittag 8'/, Uhr stürzte der un- verheiratete, 25 Jahre alte Zimmermann Franz Galle. Köpenicker- stroße 19 wohnhaft, auf dem Bau Gürtelstraße 21 aus dem Fenster der 4. Etage auf den Hof hinab und schlug auf eine am Erdbode» liegende Leiter. Er wurde in das Rummclsburger Krankenba,,« ge- bracht und verstarb fast nach einer halben Stunde. Da« Rückgrat war ihm mehreremale gebrochen. An demselben Tage, nachmittag« 5'/, Uhr. verunglückte der 09 Jahre alte Zimmermann Wilhelm Günther. Fruchtstt. 03 wohnhaft, auf dem Bau Simon Dachstt. 33. Gunther war beim Auffahren des Dachholzes zun, Vorderhaus an der Schwenlleine beschäftigt. Er innßte seine Notdurft verrichten und ging durch die Durchfahrt deS OuergebäudeS auf den zweiten Hof, wo sich der Abort befand. In demselben Augenblick, wo Günther den zweiten Hof bettat. wurde von dem Dachaeschoß de» OuergebäudeS, welche» schon ge- richtet war. eine Riiststange heruntergeworfen, welche sich mit dem dünnen Ende in die Erde bohtte. alsdann sofort umschlug und Günther mit dem dicken Ende im Nacken tödlich verletzte. Die Leiche wurde„ach dem Schauhause gebracht. Günther hinterläßt eine Frau mit drei schulpflichtigen Kindern. Auf jeden Fall liegt hier ein grobes Vergehen gegen die Unfallverhiituuqsvorschriftcn vor. Beide Zimmerer waren eifrige Förderer der Arbeiterbelvegung und lang- jährige Mitglieder de» Zirnmererverbandes. Arittter-Bilbungsschule Serfiir, STtit zweit«» Pfingsrfeiertag Ausflug nach Nahnsdorfer Mühle(Witwe Klemm). Abfahrt vormittags 9 Uhr 20 Minuten Bahnhof Friedrichftrage, 9 Uhr 29 Minuten Alexanderplatz, 9 Uhr 35 Minuten Schlcsischer Bahnhof. Treffpunkt für Nachzügler bis V2II Uhr im Lokal von Rogall(Gc- sellfchaftshaus), Friedrichshagen, Fricdrichstratze 69, am Bahnhof. Mitglieder und Gäste werden hierdurch nochmals freundlichst ein- --eladen. �?as Berliner Aquarium konnte infolge der jüngst eiiigelaufenen Sendungen seinen Sammlungen nicht nur an zwanzig Arten Meeres- fische, sondern auch eine ganze Anzahl wirbelloser Seetiere vielerlei Spezies einverleiben, sodast keines der marinen Becken leer aus- zugehen brauchte. Aus der Fülle der Seltenheiten vermögen wir nnr einiges herauszugreifen. Die Klasse der höchst interessanten Moostiere, deren winzig kleine, festsitzende Mitglieder zu rinden- und moosartigen Kolonien verbunden sind und ungemein zierliche Tier- stocke der verschiedensten Gestalt bilden, ist dabei vertreten durch eine sogenannte Netzkoralle, deren verkalkter Stock als ein grostes, breites, lappiges, korallenartiges, netzförmig durchbrochenes Gebilde sich dar stellt und zwar von weißer Farbe, während die Tiere rötlich er- scheinen. In demselben Basaltbecken bemerkt man mehrere Exemplare einer mit prachtvoll orangefarbenen Kiemenfäden ausgerüsteten Sergel (Röhrenwürmer) aus der Gattung Protula, während einige durch ihr regenbogenfarbiges, schimmerndes Gewand geradezu prunkende, andere freilebende Borstcuwürmer aus der Gattung der Seeraupen in einein der oberen Bocken ausgestellt sind. Das Zierlichste und Reizvollste im Bau aber bieten die in ihrer Tracht und Gliederung mehr an ei» pflanzliches als an ein tierisches Lebewesen erinnernden buntfarbigen Haar- und Schlangensterne, welche in mehrere See. Ivasserbehälter verteilt sind. Dazu gesellen sich phantastisch geformte Knlstentiere und absonderliche Blumenpolypen. Der neue Botanische Garten in Dahlem ist am ersten Pfingst- feiertage und am dritten Pfingftfeiertage von nachmittags 2 bis 7 Uhr für das Publikum geöffnet, dagegen am zweiten Pfingstfeier- tage geschlossen. Dem Berliner Zoologischen Garten ist dlirck) Herrn Kapitänleutnant Glaue eine reiche Geschenksendung chinesischer Haustiere aus T s i n g t a u zugegangen. Da ist zunächst im Einhuferhaus ein brauner junger chinesischer Hengst mit mächtig entwickelter Mähne und Schweif, ein Pferd, das durch seine geringe Größe und eigenartige Bauart jedem Besucher sofort auffällt. Ein Paar junge chinesische H a u s e s e l sind im selben Hause untergebracht. Ein Paar schivarze chinesische Masken schlveiue mit machtigen Hängeohren und eigentümlich faltigem Gesicht bewohnen eine Abteilung der Schweinegehege und je ein Paar HauSziegen und Fettschwanzschafe aus Tsingtau beleben die Äusläufe um das Rund-Ziegeu- und Schafhaus. Außerdem schenkte Herr Kapitänleutnant Glaue dem Garten einen chinesischen Igel, der sich von unserem heimischen durch seine weißliche Farbe unter- scheidet, und ein Paar chinesische Eithhörnchen. Diese erste Tiersendung aus unserer deutschen Interessensphäre in China ist mit ganz besonderer Freude zu begrüßen. Im Wissenschaftlichen Theater der Urania wird am Sonntag,- Dienstag. Tonnerstag und Sonnabend der neue Vortrag:„Die deutsche Nordsceküste", welcher uns an der Hand zahlreicher farbiger Bilder Land und Leute an den Gestaden des deutschen Meeres schildert, zur Darstellung gelangen. Am Montag wird der Vortrag: „Ticrleben in der Wildnis" mit Momentbildern des Afrikareisenden C. G. Schillings abends wiederholt und am Mittwoch und Freitag der Vortrag:„Der Simplon und sein Gebiet", welcher sich mit dem Simplondurchstich und einem Patzübcrgaug über den Simplon be- schäftigt, gehalten. Am Montag. Dienstag und Mittwoch finden der Schulferien wegen Nachmittagsvorstellungen zu kleinen Preisen um 4 Uhr statt, und zwar wird am Montag der Vortrag:„Der Simplon und sein Gebiet" und am Dienstag und Mittwoch der Vortrag: „Tierleben in der Wildnis" gegeben. „Pompeji", das SchanstellungSnnternehmen am Knrfurstendamm, nahe Halensee und gegenüber dem Stadtbahnhof Charlotttenburg, stellt für die drei P f i n g st f e i e r t a g e ein wahres Riesen- Programm in Aussicht. Die Festvorstellungen sollen dementsprechend bereits um halb sechs Uhr nachmittags ihren Anfang nehmen und zwar im ersten Teil auf einer eigens zu diesem Zwecke erbauten schwimmenden Bühne, mitten in dem großen, seeartigen Bassin. Akrobaten, Jongleure und andere ähnliche Künstler werden sich auf derselben in erstklassigen Leistungen produzieren. Um acht- cinhaib Uhr beginnt dann die Ausstattungspantomime„Die letzten Tage von Pompeji". Vorort-)N[acbrlchtcn» Aus Niederbarnim. Im Verwaltungsbericht des Kreisausschusses des Kreises Niederbarnim befindet sich unter anderem der Nachweis über die Fortbildungsschulen des größten Kreises der Monarchie. Nach dem Bericht bestehen in den Gemeinden Nummelsburg, Kalkberge, Tegel, Weißensee, Pankow, Friedrichshagen, Stralau, Tasdorf und Friedrichsfelde ge- werbliche Fortbildungsschulen. Leider inüssen wir kon- statieren, daß der Bericht insofern unrichtig ist, als in Pankow keine Fortbildungsschule e x i st i e r t. Ganze 1338,58 Mark werden für diese Schulen als Beihülfe gezahlt, fürwahr ein klägliches Resultat, wenn man in Be- tracht zieht, daß Lichtenberg, Reinickendorf, Pankow und andere große Vororte keine Fortbildungsschulen haben. Interessant sind die Steuerverhältnisse der einzelnen Gemeinden des Kreises. An Zuschlägen haben er- hoben zur Staatseinkommensteuer 3 Gemeinden bis 50 Proz., 43 Gemeinden bis 100, 51 Gemeinden bis 150, 15 Gemeinden bis 200 und 1 Gemeinde über 200 Proz. einschließlich der Kreissteuern. Zu den Realsteuern werden sogar Zuschläge in 20 Gemeinden über 200 Proz. erhoben, und von diesen 20 Gemeinden werden in 4 Gemeinden noch die Kreissteuern gesondert erhoben. Leider sind die Namen der Orte nicht genannt; man wäre versucht, sich sie herauszusuchen und sie mit Millionären zu bevölkern. Die landwirtschaftliche Un- fallvcrsicherung stellt fest, daß an Unfallentschädigung 07 540,18 Mark gezahlt sind. Von tödlich verlaufenen Un- fällen sind sieben Personen betroffen worden, unter anderen ein Dienstmädchen, das beim Fcillen eines Baumes behülflich war und durch eigene Schuld(?) vom fallenden Baum er- schlagen wurde. Hervorzuheben wäre noch die Kranken- versicherungdesKreises. Die Zahl der versicherten Personen betrug 50 712, darunter sind 10 024 weibliche. Es bestehen ini Kreise 01 Ortskrankenkassen. 28 Beirrebskranken- kassen, 9 Hiilfskassen und 1 Jnnungskasse. Der Reservefonds beträgt bei sämtlichen Kassen 941 903,74 Mark. Die Unter- suchung der Nahrungsmittel aus 120 Polizeibezirken führte zu dem unerhörten Resultat, daß von 1340 Proben 303 beanstandet werden mußten. Von den vorgenommenen 123 Milchproben sind allein 07 Milchverfälschungen festgestellt worden. Trotz dieses Resultates behauptet der Bericht,„daß ein Stillstand in den Verfälschungen der Nahrungsmittel ein- getreten ist"._ Rixdorf. Der gefährliche Sprengwagen. Am Freitag teilten wir mit. daß der siinfiäbriae Sohn des Schankwirts Platt in Rixdorf eine furcht- bare VeAetzung am Arm dadurch erlitten hat, daß er hinter einem Sprengwagen hergelaufen sei»nd in die Kurbel hineingegriffen habe. Wie uns heute gemeldet wird, liegt die Angelegenheit derart, daß die städtische Verwaltung nicht von einem indirekten Verschulden an dem Unglück freizusprechen ist. Der erwähnte Sprenglvagen ist von be- sonderer Konstruktion und findet nur in einem Exemplar in Rixdorf Verwendung. Das Wasser wird hinten durch eine Kurbel heraus- geschleudert,' die beim einmaligen Umdrehen des Wagenrades etwa dreißig Umdrehungen macht. Während der Wagen auf der Straße hielt, war ein Stock, mit dem der kleine Platt spielte, in die Kurbel gefallen. Um ihn wieder herauszuziehen, ging der Knabe an den Wagen heran; in diesem Augenblick aber zog der Kutscher an, der Ann des Kindes geriet ins Getriebe und das Unglück war geschehen. Der Kutscher hat den Auftrag, jedesmal beim Halte» des Wagens die Kurbel auszuschalten und sie einzuschalten, wenn der Wagen wieder funktionieren soll. Wäre dies geschehen, dann hätte der Vorfall wohl nicht eintreten können. Aber auch ohnedies ist leicht ein Unglück möglich, und das scheint auch die städtische Verwaltung eingesehen zu haben, da sie jetzt plötzlich noch besondere Schutzvorrichtungen am Getriebe hat anbringen lassen. Der ver- letzte Knabe liegt so schwer danieder, daß an seinem Aufkommen ge- zweifelt wird. Schöneberg. Arbcitcr-Samariter-Kolonne. Die Kolonne eröffnet am Donners tag, den 15. Juni, abends 9 Uhr, im Obstschen Lokal in S ch ö n e b e r g ihre dritte Abteilung. Der Unterricht in der ersten Hülfe leistung bei plötzlichen Unglücksfällen und Erkrankungen beginnt mit einem Vortrage über Anatomie.(Bau des menschlichen Körpers.) Alle Arbeiter und Arbeiterinnen machen wir darauf aufmerksam, auch aus der näheren Umgebung Schönebergs, sowie die Mitglieder der Radfahrer- und Turnvereine. Weiteres siehe Inserat in der heutigen Nummer. Mariendorf. Erfolgreiche Denunziation. Am 28. Januar saßen mehrere Arbeiter in einem Restaurationslokal zu M a r i e n f e l d e. Als der Kreis der Zecher schon in etwas animierter Stimmung war, machte jemand den Vorschlag, in ein anderes Lokal zu gehen und nachträglich Kaisers geburtstag zu feiern. Von anderer Seite wurde darauf erwidert, die sozialdemokratischen Arbeiter— es waren solche unter den Anwesenden— hätten keine Veranlassung, den Geburtstag des Kaisers zu begehen. Hieran knüpften sich weitere Erörterungen über die Feier und es mögen dabei unter dem Einfluß des Alkohols auch Aeußerungen gefallen sein, die besser unterblieben wären. Ein anderer Gast des Wirtshauses, der nicht zu dieser Gruppe gehörte, lauschte am Nebentisch mit Aufmerksamkeit dem Gespräch. Es war der Gärtner Kratz. Er ging sogleich hin und erstattete Anzeige gegen den Maurer Greulich, mit dem er nicht gerade in gutem Verhältnis lebt. Kratz wollte aus dem Munde GreulichS geschmacklose und verächtliche Bemerkungen über die Kaisergeburtstagsfeier gehört haben. Die Folge der Denunziation war eine Anklage wegen M a j e st ä t s- beleidigung gegen Greulich, die am Sonnabend vor dem Landgericht n verhandelt wurde. Greulich bestritt, die ihm zur Last gelegte» Bemerkungen gemacht zu haben: auch mehrere Zeugen, die in seiner Nähe weilten, hatten die Aeußerungen nicht gehört. Das Gericht stützte sich im wesentlichen auf die Bekundungen des Zeugen Kratz und verurteilte den An- geklagten nach dem Antrage des Staatsanwalts zu einer Gefängnis- strafe von drei Monaten, wobei noch als mildernd berücksichtigt wurde, daß die betreffende» Aeußerungen im Zustande der An- getrunkenheit gemacht worden sind. beschäftigt Die ver- <3encKts-Teitimg. Eine etwas eigenartige KindeSunterschiebungS-Affäre seit langer Zeit die Staatsanwaltschaft in Prenzlau. ehelichte Schneiderin Marie Hahn war im September v. I. verhastet, da sie im Verdacht stand, in betrügerischer Absicht sich der KindeSunterschiebung im Sinne des K 169 St.-G.-B. schuldig gemacht zu haben.— Im Juli 1901 lernte die Hahn, welche von ihrem Manne geschieden ist, den damaligen Oberpostpraktikanten Th. kennen. Zwischen beiden entwickelte sich ein intimes Liebes Verhältnis. Im Laufe der ab. Es kam wiederholt zu: leit kühlte sich aber die Liebe merklich wistigkeiten, die sich aber immer wieder erledigten. Anläßlich des Beginns des Krieges gegen die Hereros wurde Th. als Postdirektor für die deutsche Feldpost in Südwest- asrika nach dort versetzt. Hier erreichte ihn ein Brief der Frau Hahn, in welchem sie mitteilte, sie, fühle sich von ihm Muller. Frau Hahn will sodann am 6. Juli v. I. in einem Bahnkupee von einem Knaben entbunden sein, welchen sie am 11. Juli orduuugSnmßig auf dem Standesamt in Zehdenick anmeldete. Sie stellte nunmehr an den Postdireftor Th. als den Vater des Kindes Alimentations- ansprüche. Dieser wollte anfänglich ohne weiteres seiner Pflicht, wie er damals noch glaubte, nachkommen. Später stiegen ihn, aus verschiedenen Gründen Bedenken auf. Auf seine Veranlassung stellte die Staatsanwaltschaft Ermittelungen an. die zu der Verhaftung der H. wegen Verdachts der KindeSunterschiebung sührten. Es wurde behauptet, daß die angebliche Entbindung im Eisenbahukoupee gar nicht stattgefunden habe, die H. vielmehr aus irgend eine Weise sich von einem armen Dienstmädchen deren unehelich geborenes Kind habe schenken lassen, um es angeblich an Kindesstatt anzunehmen. Durch diese KindeSunterschiebung soll die H. beabsichtigt haben, sich in betrügerischer Weise von dem Postdirektor Th. Alimeute zu ver- schaffen. Die von der Staatsanwaltschaft in Prenzlau geführte Untersuchung gegen die im Moabiter UnterstlchungSgesäugnis befindliche Frau Hahn ist eine sehr langwierige, da es sich in erster Linie darum handelt, die richtige Mutter des Kindes zu ermitteln. Nachdem die H. aus der Haft entlassen war, ist sie am 19. Januar dieses Jahres wieder verhaftet worden, da sich neue Verdachtsgründe herausgestellt hatten. Diese scheinen indessen vorläufig unhaltbar zu fern, da die H. auf Antrag ihres Rechtsbeistandes vor einigen Tagen wieder aus fteien Fuß gesetzt worden ist. Es soll nunmehr die kommissarische Vernehmung des in Südwestafrika weilenden angeblichen Vaters eintreten, auch sind umfangreiche Ermittelungen nach der richtigen Mutter des vermutlich untergeschobenen Kindes eingeleitet worden. Der Alkohol. Im Wiederaufnahmeverfahren arif Grund des Paragraphen 51 freigesprochen wurde der Arbeiter Fritz Schimmelpfennig, welcher wegen Körperverletzung und Be- leidigung zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden war, Der völlig unbestrafte Angeklagte, welchem allerseits das beste Zeugnis ausgestellt wird, hatte sich in der Nacht zum 5. Juli 1903 zu einem schweren Exzeß gegen zwei Damen und einen Arbeiter. der diesen zu Hülfe geeilt war, insolge übermäßigen Alkoholgcnusses verleiten lassen. Schon in der ersten Verhandlung erklärte G., sich auf nichts mehr besinnen zu können. Wenn er sich tatsächlich gegen die Damen in unanständiger Weise benommen habe, so bitte er diese vielmals um Entschuldigung. da er durch kleine in einen Zustand der temporären würde. Er habe sich an jenem eines Bekannten, an dessen Geburts- nicht entziehen können und geringe _____ �___„.. � genommen. Was dann geschehe» sei, wisse er nicht. Wegen einer ähnlichen Angelegenheit sei er auch schon in Dalldorf untersucht worden.— Auf einen Wiederaufnahme-Antrag de« Rechtsanwalts Dr. Werthauer, verwies das Kammer- gericht die Sache zur nochmaligen Entscheidung an die Vorinstanz zurück. Der GerichtSarzt Dr. S t ö r m e r gab in der erneuten Ver- Handlung sein Gutachten dahin ab, daß der Angellagte. infolge erb- licher Belastung und degenerativen Schwachsinns, taffächlich, wenn er auch nnr geringe Alkoholinengen zu sich nehme, von einer akuten Geistesstörung befallen werde, die man dann allerdings als in hohem Grade gemeingefährlich bezeichnen müsse. Der Gerichtshof erkannte deshalb unter Anwendung des§ 51 aus F r e i s p r e ch u n g. Mengen Alkohol schon Geistesstörung versetzt Tage der Aufforderrmg tagsfeier teilzunehmen, Mengen Alkohol zu sich Versammlungen. Städtische Markthallen-Arbeiter. Am Dienstag wurde im Lokale von Patt in der Dragonerstraße eine Versammlung der städtischen Markthallen-Arbeiter abgehalten, die sich mit der Regelung ihrer Lohn- und Arbeitsverhältnisse beschäftigte. Nach längerer Diskussion gelangte folgender Antrag zur einstimmigen Annahme:„Der Ar- beiterausschuß wird beauftragt, der Verwaltung folgenden Antrag zu unterbreiten: Der Anfangslohn beträgt für Arbeiter 4 M., steigend von 2 zu 2 Jahren um 25 Pf., um in 8 Jahren den Höchst- satz von 5 M. zu erreichen. Für Arbeiterinnen beträgt der Anfangs- lohn 2 M., steigend von 2 zu 2 Jahren um 25 Pf., so daß in 8 Jahren der Höchstsatz von 3 M. erreicht wird." Sodann wurde eine Reihe von Beschwerden über da§ Betragen der Beamten gegen- über den Arbeiter» zur Sprache gebracht, besonders wurde kritisiert, daß jeder der Beamten ein Recht zu haben glaubt, Anordnungen zu treffen, und bei Nichtbesolgung derselben den Arbeitern mit Ent- lassung droht. Da unter diesen Verhältnissen hauptsächlich die Fahrstuhlführer leiden. wurde folgender Beschlutz gefaßt: „Die Versammlung beauftragt den Arbeiterausschluß. dahin zu wirken, daß dienstliche Mitteilungen, welche die Fahrstuhlführer betreffen, diesen schriftlich mitzuteilen find und auf Zimmer 2 aus- gelegt werden." Scharf bemängelt wurde ferner, daß für 6 bis 8 Arbeiter wöchentlich nur ein Handtuch geifert wird. Teilweise müßten sich die Arbeiter sogar mit solchen Handtüchern begnügen, die von Beamten bereits eine Woche hindurch benutzt worden seien. Dem Arbeiterausschuß wurde aufgegeben, auch in dieser Angelegen- heit ans Remedur zu dringen. Vermitckres. Schiffsuntergang. Der in Hamburg beheimatete Dampfer „Castilia", Kapitän Madsen, ist nach einer Bekanntmachung des Seeamts am 1. März d. I. von Hamburg abgedampft und am 3. März in Antwerpen eingetroffen, von wo er am 9. März die Reise nach Veracruz sortgesetzt hat, dort aber nicht eingetroffen ist. Der Dampfer ist zweifelsohne mit seiner 38 Mann starken Besatzung untergegangen. Von einem 100000 Rubel- Diebstahl in Rußland sind die deutschen Behörden in Kenntnis gesetzt worden. Der Diebstahl wurde in der Nacht zum 16. Mai d. I. in Lomza bei Nota Kosolez ausgeführt. Die eiserne Kasse der Gerichtskammerkanzlei wurde ge- waltsam erbrochen und ihres Inhaltes von etwa 100 OVO Rubel beraubt. Als mutmaßlicher Täler kommt ein Schlaffer namens Stanislaus Sobolewski in Betracht, der am 16. Mai aus Lomza nach Johannisburg oder Umgegend zu seinen Verwandten, deren Nanre nicht bekannt ist. verzog. Singegangene vrucksckriften. Wie werde ich Schriftsteller? Praktische Winke und Natschläge von Rudols Lessina. Preis 1 M. Berlin XV. 5. Verlag von H. Rau. 1905. Unsere Wohnuiigs-Enquete im Jahre 1S04. Ürn Austrage des Vorstandes der Ortskrankenkassc der Kauslcute, Handelsleute und Apotheker bearbeitet von Albert Kohn. 31 Seiten. Verlag OrtSkrankenkasse der Kaus- leute und Apotheker,©corgcnkirchstr. 40. Jahresbericht pro 1901, erstattet vom Vorstand des Verbandes deutscher Bergarbeiter. 93 Seiten. Hansmann u. Ko., Bochum. Kassenbericht des Verbandes der Porzellan- und verwandten Arbeiter beiderlei Geschlechts. Verlag O. Goerkc, Ohnrlottenburg. Wochenschrift sür Heimkullnr. m_ Hcmpelscher Verlag, 5 est 1. Serlin, DaS Deutsche Landhaus.« 1905. 32 Seiten. Vierteljahrspreis Zimmerstr. 6. Dr. I. M. Baerureithcr. vugswsüriorge und Straftecht m den Vereinigten Staaten von Amerika. 304 Seiten. Preis 7 M. Dr. Michael Dnpa»- Baranowsky- Theoretische Grundlagen deS Marxismus. 238 Seiten. 5 M. Beide zu beziehen durch den Verlag von Duncker u. Humblot, Leipzig. Ist der Krieg Gottes Wille oder Menschenwerk? Ein offenes Wort an alle Freunde und Feinde des Krieges. 16 Seiten. Preis 10 Ps. Verlag H. Hilbert. Käusmann, Pohlitz-Köstritz i. Th. Kriekkasten der Rcdahtion. Jurlktifcher Cell. N. 1000. R. N. Haben Sie die Bürgschast schristlich übernommen, so hasten Sie leider in vollem Umfange sür die vom Schwager über- nommenen Verbindlichkeiten. Ob zu diesen die Bezahlung des vollen Kaus- Preises oder nur einer Monatsrale gehört und ob Herausgabe der Maschine von der Firma verlangt, ob diese ferner Rückzahlung bereits geleisteter Zahlungen sich gcsallcn lassen muß und ob Sie ohne vorausgegangene Klage gegen den Schwager hasten, hängt von dem Wortlaut des Vertrages ab, den Sie nicht mitgeteilt haben.— A. B. 87. Ohne Einsicht in die Zuschrift ist es unmöglich zu sagen, ob ein scster Vertrag zustande gekommen ff». Ist die« der Zall. so könnten Sie aus Schadenersatz klagen. Welche» Gericht zuständig ist, ist ohne Kenntnis, um welche Art Beschäftigung und um weichem Ort es sich handelt, unmöglich. Wir können nur die ost ge st eilte Bitte wiederholen, den speziellen F a 1 1 bei Ans ragen zu schildern.— M. M. 100. l. und 2. Nein. — St. L. Sie würden je nach Art Ihres Betriebes eine Legitimationskarte oder einen Hausicrschcin notwendig haben oder nur, falls sie lediglich ein stehendes Gewerbe errichten, Ihr Gewerbe anzumelden haben. In Bctrachz kommen die ß§ 44, 44», 55 ff. der in den öffentlichen Bibliotheken aus- liegenden Gewerbeordnung.— W. 2. 33. 1. Nein. 2. Wenden Sie sich an einen Kammerjäger.— Pankow 108. Sic werden die Kaffcnvcr- waltung saffch verslandc» haben. Sie müßten, falls die Kaffenverwaltung nicht auf Ihren Antrag davon abgeht, bei Gericht ein Ausgebot der Bücher veranlassen. DaS Gericht veranlaßt dann die Veröffentlichung des Aus- gebotS. Je mehr Sachen zusammen ausgeboten werden, desto geringer werden sür den Einzelnen die Jnsertionskosten. Die übrigen Kosten be- rechnen sich nach der Höhe des Objekts.— O. F. 51. Nein.— A. W. 67. Wenn Sie Erbe Ihres Mannes geworden sind— das sind Sie, falls Sie nicht innerhalb s Wochen nach Kenntnis vom Tode durch eine gerichtlich oder notariell beglaubigte Erklärung dem Nachlaßgericht gegenüber ver- zichtct haben—, so haben Sie zu zahlen.— A. F. 00. l Ja. 2. Nein. — R. H. 14/1». Was zum Betriebe gehört. Sie müßten Ihren Fall eventuell näher darlegen.— A. W. 100. Die Versicherungsanstalt ist zur Ausnahme in eine Heilanstalt berechtigt, nicht oerpflichtet. Welche Ver- sicherungSanstalt zuständig ist, ergeben die Karten.— A. H. 78. 1. Die Witwe lonn einen von ihrem Manne geschlossenen längeren Mietsvertrag bis zum Dritten des ans das Stcrbcguartal folgenden Monats zum Schluß des solgenden Quartals kündigen. Ist der Mann in der Zeit zwischen dem 1. April und 30. Juni verstorben, so kann also die Witwe bis am 3. Juli zum 30. September kündigen, auch wenn der Vertrag noch aus längere Zeit reicht. Dies Recht hat die Witwe nicht, wen» sie selbst den Verlrag geschlossen hat. 2. Nein. 3. Ja.— 1870 E. E. Der Beginn eines stehenden Gewerbe» ist in Berlin bei der Verwaltung der direkten Steuern, außerhalb Berlins in Preußen bei dem Gcineindevorstand anzuzeigen. — 1000. Ratenzahlungen braucht der Gläubiger sich nicht gefallen zu lassen. Zu Angaben find Sie. soweit ersichtlich, nicht verpflichtet. Ohne nähere Darlegung der Aufforderung selbst ist aber Ihre Frage nicht mit Sicherheit zu beantworten.— P. Sch. 1. Nein. 2. Ja. 3. ES muß bei der Lohnbcschlagnahme sür Alimente das zum Ilandcsmäßigen Unterhalt der Familie Ersorderlichc belassen werden. Wie viel das ist, ist von Fall zu Fall gerichllich zu entscheiden.— K. F. 49. H. Fehlbcrg. Nein.— R. B. Ohne Einsicht in Jbren Vertrag ist Ihre Frage, ob Sie aus den Ver- trag ein bestimmtes Recht haben, unmöglich zu beantworten.— Emma 100. In fünf Jahren.— 8. Sie könne» freihändigen Verkauf vornehmen; eine Stille, welche die Marken zurücknehmen muß, gibt e» nicht. WllleriingsiiderNcht vom 40. Jnni>905. niorgcn» 8 tllir. Stationen LZ l2 2= S Z K« Swinemdr. 765 ONO 4 heiter Hamburg 764 ONO 4 halb bd. Berlin 763 NO 3 heiter Franks.a.R. 759 N 2 bedeckt München 759 O 3 wolkig Wie» 758 NNW I bedeckt Wetter-Prognoie für Trocken und virlsach heiter, Wetter w« Stationen : s iE J| Z- ä c - 5 S« aparanda' 763 SM cterSburg 764 NNO Scilly Aberdeen Pari« 762 NNO 767 ONO 758 ONO Wetter 2 wölken! 1 bedeckt 4 halb bd. 7 wolkig ibedeckt >�85 »n ful 11 8 18 11 18 ziemlich frischen östlichen Winden. Sonntag, den 11. Jnnt 1905. nacht» kühl, am Tage etwas wärmer de! Vcrantw. Rcdaktcur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Jns-rat-ntei! ver.ntw.: Zh. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: vorlvärt»«uchdruckerei u.««rlag-anstalt Paul Singer St Co.. Berlin SW.