Nr. 138. HbonnementS'Bedingnnsen: NtonnementS- Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 ÜKf., monatl. 1,10 Ml, wöchentlich 28 Pfg. frei WS Haus. Sinzeine Nummer S Pfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags» Beilage»Die Neue Welt' 10 Psg, Post- «donnement: 1,10 Mark pro Monat. Kwgetragen in die Post-Zeitungs» Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn i Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. SÄ. Jahrg. vle Tnftrtlons'GtbQbr beträgt für die sechsgespaltene Kolonet- seile oder deren Raum 40 Psg., für politische und gewertschastliche BcreinS- und BersammlungS-Anzeigen 26 Psg. „KUtnc Mnztigtn", das erste tsett- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Psg. Worte über 15 Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn, und Festlagen bis L Uhr vornitttags geöffnet. Vichts»!»glich Hlkk moitsot. Devlinev Volkskrlskk» Telegramm-Adresse: ..;»>slittt»s>i»l Bttlln", Zentralorgan der rozialdemohratifchen Partei Deutfchlands. Redaktion: 603. 68» Lindcnstrassc 69 Fernsprecher: Zimt IY, Nr. 1983. Expedition: 8M. 68» Lindenstrasae 69. Fernsprecher: Amt IY. Nr. 1984. Herrn v. Trothas Erlaß. Nachdem Genosse Ledebour an der Hand der„Windhoeker Nachrichten" bewiesen hat, daß General v. Trotha wirklich Prämien auf die Einliescrung von Hottentottenführern— gleich ob tot oder lebendig— aussetzte, kann man ge- trost einige Betrachtungen an das Verhalten des Generals knüpfen. Vor allem hängt solchen Ausschreibungen das B e- kenntnis der eigenen Schwäche. d.as Eingeständnis, daß man mit normalen Mitteln nicht Herr der Situation werden kann, an. Und ein derartiges Be- kenntnis hätte der General v. Trotha sich eigentlich sparen können, denn er verfügt jetzt, da der Widerstand der Hereros so ziemlich gebrochen ist und nur mehr die Hottentotten in Betracht kommen, über eine mehrfache Uebermacht. Das deutsche Expeditionskorps dürfte nunmehr mindestens viermal so stark sein als seine Gegner, die noch dazu über keine Geschütze verfügen. Unter solchen Umständen könnte man die Unterwerfung der Hereros doch mit einlvandsfreien Mitteln erreichen und Schleich- Wege, die an Gist und Dolch erinnern, vernieiden. Der ritterliche Soldat soll auch einen gewandten Feind mit den Waffen zu besiegen und ihn nicht durch indirektes Anwerben von Verrätern und Mördern im feindlichen Lager unschädlich zu machen suchen. Die Preise, die Trotha ausgesetzt hat, können ja nur für die Hottentotten be- rechnet sein, denn die deutschen Soldaten werden hoffentlich keine Geldbelohnungen brauchen, damit sie die Führer des Feindes nach Straften verfolgen. Man bedenke, wie es sich in der Geschichte des Deutschen Reiches ausnähme, wenn einmal darin ungefähr zu lesen wäre:„Da der preußische Generalleutnant v. Trotha den Aufstand nicht so schnell wie gewünscht niederschlagen konnte, setzte er auf die Auslieferung der Führer, gleich ob tot oder lebendig, Preise aus. Angelockt durch die Prämie von 5000 M. fanden sich unter den Hottentotten zwei Verräter, die Hendrik Witboi überfielen, ermordeten und seinen Leichnam den Deutschen übergaben." Vor einer solchen Aufzeichnung bewahre ein gütiges Geschick das Reich. Und auch vor einer solchen Tat. Ganz Europa würde auf Deutschland mit den Fingern deuten und speziell die Engländer, denen im Deutschen Reiche so viele Vorlvürfe wegen ihres Verhaltens im Burenkricge ge macht wurden, kämen mit dem schwersten Geschütz. Mit Fug und Recht könnten sie sagen, daß sie sich zur indirekten An Werbung von Mördern im Lager des Gegners doch nicht „aufgeschwungen" haben. Zur Beurteilung des Erlasses wäre es auch noch inter cssant zu erfahren, ob speziell Witboi's Kriegführung nicht mehr so human ist wie früher. Hat sie sich nicht geändert, so ist die Erklärung Trothas noch mehr zu verurteilen. L e u t w e i n besprach in einem 1898 in der militärischen Gesellschaft zu Berlin gehaltenen Vortrag auch die Kämpfe, die er mit Witboi hatte. Ueber die Unterwerfung Witbois sagte Leutwein:„Die Witboi gestellten Bedingungen waren durchaus milde. � Einerseits hatte ich denselben«IS achtungSwerteu und anständigen Gegner kennen gelernt, dessen Freundschaft zn gewinnen lohnend erschien und andererseits war das Bauen einer goldenen Brücke vorliegend so notwendig wie wohl selten." Leutwein rühmte auch die großen Verdienste, die Witboi sich von da an um die Sache der Deutschen erwarb.„Wie," sprach Leutwein,„Witboi sein Wort seitdem gehalten hat, ist den Herren wohlbekannt und darf ich hier nur die Antwort erwähnen, die ich Seiner Majestät vor einiger Zeit auf die Frage nach dem Kapitän gegeben habe:«Er ist jetzt Euer Majestät getreuester Untertan." Sie werden im Verlaufe meines Vortrages noch sehen, daß derselbe in schwierigen Lagen stets treu zu uns gestanden hat." Und gegen eben diesen Witboi wird jetzt von deutscher Seite in der bewußten Manier verfahren. Das ganze„Vcr- brechen", das man ihm vorwerfen kann, besteht darin. daß er der seinem Stamm drohenden Entwaffnung durch bewaffneten Widerstand zuvorkam. Er und seine Leute fechten für ihre Freihett genau so wie zum Beispiel die Deutschen in den Befreiungskämpfen für die ihrige oder die Boeren für ihre Unabhängigkeit gestritten haben. Daß die Unterdrücker im konkreten Fall Deuts che sind, ändert daran g a r n i ch t s Die Hottentotten sichren einen Freiheitskampf, und alle Versuche, sie zu Rebellen stempeln zu wollen, sind vergeblich. Kein vernünfttger Mensch wird verlangen, daß ein unterjochtes Volk für immer daraus der- zichtet, seine Freiheit wieder zu erobern. Ein mit Gewalt er- zwungener Eid ist bekanntlich nichtig. Kann dann ein mit den Waffen erzwungener Vertrag gültig sein?? Das ist eben der Fluch der rohen Gewalt, daß sie neue Ge- walt heraufbeschwört, die die Erfolge der ersten Gewalt wieder zu zerstören sucht. Der Erlaß Trothas ist auch von symptomatischer Bedeutung. Er ist tatsächlich nur ein Glied in einer Reihe von charakteristtschen Tatsachen. Die Anschauungen in der Armee werden immer„schneidiger", d. h. sie geraten immer mehr mit dem in Widerspruch, was man Humanität nennt. Verschiedene mündliche Aeußerungen und leider auch nicht wenige Taten beweisen es. Wir nennen z. B. die Namen Lück, Brüsewitz. Hüssener,»vir erinnern an den alten harmlosen Rentier, der in Devant les Ponts bei Metz von einem Posten einen Schuß in die Lunge erhielt und dem trotz seinem Stöhnen und Jammern von dem Soldaten keine tiilfe wurde, wir weisen endlich auf die Absicht des Generals rotha, die Hereros einfach auszurotten, hin. Warum man eine solche„Schneidigkeit" anerzieht, ist nicht einzusehen. denn im Kriege ist sie nicht viel wert. Man kann ein tapferer Soldat und doch sehr human sein. Die Japaner sind ein Beweis dafür; man kann ihnen nichts vorwerfen, was über die Grenze der Kriegsnotwendigkeit hinausgeht. Und wenn man recht zusieht, so fordert die„Schneidigkeit" gar keinen besonderen Mut. Ist es denn eine große Tat, wenn ein mit einem Säbel oder gar mit einem Gewehr Bewaffneter einen Unbewaffneten tötet? Ist es wirklich tapfer, wenn ein Vorgesetzter einem davonlaufenden Untergebenen den Dolch in den Körper stößt? Ist es bewundernswert, wenn eine mit allem europäischen Raffinement ausgerüstete Truppe einen nur schlecht bewaffneten afrikanischen Eingeborenenstamm aus- rottet? Trothas Erlaß ist übrigens nicht einmal klug. Gelangt er wirklich zur Kenntnis der kämpfenden Hottentotten, so wird er ihren Führern einen großen Stimbus verleihen und von diesen sehr leicht zur Belebung des Widerstandes benutzt werden können. Sie können mit Fug und Recht sagen:„Da seht Ihr, daß es mit der Sache der Deutschen doch nicht so gut steht, denn sonst würden sie nicht zu solchen Mitteln greifen." Sehr interessant ist das Faktuni, daß der Kolonialdirektor Stübel über die am 1. Mai veröffentlichte Proklamatton am 25. Mai noch gar keine amtliche Auskunft geben konnte. Er hatte nur durch die Privatnachrichten aus Kapstadt von dem Erlaß Kenntnis erhalten. Und so etwas im Zeit- alter des Telegraphen. Welches Hallo würde die deutsche „nattonale" Presse über einen französischen oder englischen Kolonialminister anschlagen, der eine solche Unkenntnis zeigen würde. Wenn aber dcrarttges im Deutschen Reich geschieht, dann schweigt die Krittk der„Patrioten", die. eben weil sie kein Wort des Tadels gegen die Regierung finden, in Wahr- heil die gefährlich st en Feinde des Reiches sind. politifcke(leberlickt. Berlin, den 15. Juni. Plötzenfee- Inspirationen. Auf Grund eines Artikels der„Leipziger Volkszeitung' haben einige freisinnige Blätter jetzt plötzlich die Möglichkeit entdeckt, den Plötzensee-Prozeß gegen den.Vorwärts' auszubeuten. Das„Berk. Tageblatt" empfindet anscheinend Reue über seine stühere fach» liche und anständige Haltnng in dieser Frage. Es schreibt in enger Anlehnung an den von ihr nicht genannten Inspirator: .Nach dem Verlaufe der Verhandlungen konnte an der mora- tischen Niederlage unserer Justizverwaltung kaum noch ein leiser Zweifel austommen. Und in dieser Situation, der moralisch denkbar günstigsten für die Angeklagten sowohl wie für die Verteidigung. gibt die von Sieg zu Sieg vorschreitende Verteidigung das Signal: »Das Ganze halt!" Begreife das, wer kann unv mag. War es nicht einfache Pflicht, den Prozeß zu Ende zu führen und den gefällten Spruch einfach über sich ergehen zu lassen? Wer, wie der.Vorwärts", erklärt, den ganzen Handel nur um der Sache willen eingeleitet hat, der mußte auch alle Kon- sequenzen auf sich nehmen. Fiel der Richterspruch, woran kaum zu zweifeln war, gegen die Angeklagten aus— nun so mußten sie alle sich darbietenden Rechtsmittel erschöpfen und schließlich sich in das Unvermeidliche mit Würde fügen. Aber ein sehr bedenkliches Handelsangebot sozusagen bei der Staatsanwaltschaft machen, vorher noch einen Versuch beim Justizminister zur Herbeiführung einerArt vonKabinetts- justiz wagen, reumüttg ein Geständnis ablegen, daß man die vetresscnden Anstaltsbeamten und Aerzte nicht habe beleidigen wollen, und schließlich, um der sicher bevorstehenden Verurteilung zu entgehen, die Prozeßkosten steiwillig auf sich zu nehmen, das sind lauter Beweise für eine an moralische Feigheit grenzende Charakterschwäche. In dem Bewußtsein ihres Rcchttuns waren die Angeklagten verpflichtet, die ungerechte Strafe selbst zu erdulden. anstatt sich mit einer Geldbuße loszukaufen." Diese? Interesse an der Aufklärung über die Zustände in Plötzensee ist recht rührend bei Leuten, die an der sachlichen Grund- läge des Prozesses anfangs recht wenig Interesse gezeigt haben. Die Artikel des.Vorwärt»" über die Zustände in Plötzensee und anderen Strafanstalten sind gerade von den jetzt eistigsten Kritikern des Vorwärts" totgeschwiegen worden. Ein Kapitalstück der neuen Erleuchtung ist die Behauptung, die Verteidigung hätte den Justizminister zu einer Art Kabinettsjustiz veranlassen wollen. Das„Tageblatt" sollte doch den Versuch machen, ein wenig nachzudenken, anstatt ein- fach nachzuschreiben, was trotz seiner Dummheit schwerlich aus Dummheit geboren ist. Bekanntlich war Klage erhoben wegen Be- leidigung von Beamten der Justizverwaltung— Plötzensee gehört in das Ressort deS Justizministers— und der Justizminister als Chef der Verwaltung war auch Chef der Straf- antragsteller; ohne seine Zustimmung konnte daher für die Beamten seines Ressorts das Verfahren weder eingeleitet noch eingestellt werden I Die. V 0 s s i s ch e Zeitung" hat sich gar inspirieren lassen. daß wir.unechte Siegesschreie" ausstießen. In Wahrheit ist es uns in keiner Weise eingefallen, den Abschluß des Prozesses zu Sieges- lärm gegenüber der Justizverwaltung auszunutzen. Wir haben ganz einfach konstatiert, daß der Prozeß bestätigt hat, wa» wir von Anfang an durch unsere Artikel über den Strafvollzug beabsichtigt haben und was unsere angeklagten Redakteure seit dem ersten Tage des Prozesses vor Gericht erklärt haben. So sagte unser Kollege Kaliski am ersten Tage: „Ich betone nochmals, daß im„Vorwärts" keine Angriffe gegen die Herren Nebenkläger gerichtet sind, sondern dieselben sind in Schutz genommen gegen die Instruktion, die sie zwingt, so zu handeln, wie sie gehandelt haben. Wenn wir. wie der Herr Vor- sitzende andeutet, den Herren die Arttkel vorgelegt hätten, so hätten sie ja gegen die Behörde, der sie unterstellt sind, Stellung nehmen müssen, denn sie sind selbst nur untergeordnete Beamte in der GefängniSverwaltung. Die Beamten sind selbst Opfer einen Systems, die nicht die Möglichkeit haben, sich dagegen zu schützen." Unter diesen Umständen dursten unsere RedaktionSkollegen, da die Zurückziehung des Strafantrages in Aussicht gestellt wurde, mit ruhigem Gewissen dieselben Erklärungen wiederholen. Es ist allzu grotesk, wenn steisinnige Blätter jetzt von„Feigheit" reden, stei- sinnige Blätter, die vor jeder ernstlichen Krittk staatlicher Einrich« tungen jämmerlich schauern. Daß selbst der beste Wille der steisinnigen Blätter nicht aus- gereicht hat, diese Entrüstung über unsere.moralische Feigheit" mid über die Korrumpierung der Justiz durch unsere Versuche zur Etablierung einer Kabinettsjustiz aus den eignen Fingern zu saugen, ist ein Beweis dafür, daß sie selbst zu originaler Bös- Willigkeit nicht mehr befähigt sind. Die„Vossische Zeitung" hat, nebenbei bemerkt, eine perverse Neigung, die Frage deS Strafvollzuges, die im Plötzensee-Prozeß ausgerollt worden ist, auf die Frage oer besonderen Qualifikation der in Plötzensee angestellten Aerzte, vornehmlich des Dr. Pfleger, ab- zulenken. Wir haben an dieser Frage gar kein Interesse. Wie die„Vossische Zeitung" die in den Aktenstücken und in der Gerichts- Verhandlung festgestellten Tatsachen in bezug auf Personen werten will, ist die Sache ihrer Auffassung. Wir unterlassen es, trug aller Provokationen, auf diese persönliche Frage der Qualifikation einzugehen. Die Oeffentlichkeit ist durch die Gutachten der Sach- verständigen hinreichend unterrichtet. Der jetzige Angriff des„Berk. Ta gebl." zeigt sich in seiner totalen Lächerlicksteit. iveun wir an die Ausführnngen erinnern, die das Blatt am Tage des Prozeßabschlusses gemacht hat: .. Mit diesem Nachweise sGrosse geisteskrank) waren aber der Anklage die Flügel gebrochen. Es hätte sich nur noch um belanglose formelle Beleidigungen handeln können. So zogen eS die Kläger vor. ein Ende deS grausamen Spiel« zu machen. das ja zweifellos mit dem Urteil der vierten Straf- kammer nicht zu Ende gewesen wäre, sondern sicher zu einer Wiederholung geführt hätte. Der Prozeß ist niedergeschlagen, die Angeklagten gehen stei aus. Und doch gibt es einen Verurteilten. und das ist der Strafvollzug in Plötzensee. Dieser Ausgang ist für die preußische Gefängnisverwaltung sehr schmerzlich, aber er kann nützlich werden, wenn er endlich dazu mithilft, eine Reform des Strafvollzugs im modernen Sinne herbeizuführen." Jetzt: Feigheit und Charakterschwäche, nicht weiter zu prozessieren und sich nicht zwecklos von der Strafkammer des Herrn Oppermann verurteilen zu lassen. Damals: Der Anklage sind die Flügel gebrochen, der Strafvollzug ist der Verurteilte,„es hätte sich nur noch um belanglose formelle Beleidigungen handeln können I" Eine unübertreffliche Leistung! »»• Die„Gerichtskorrespondenz", welche am Tage des Abschlusses des Plötzensee-Prozesses die auch von uns wiedergegebenen Mit- teilungen über die Vorgänge gemacht hat, die zur Beendigung des Prozesses führten, schreibt: „Bei Betrachtung der Ergebnisse deS Plötzensee-ProzesseS hatte der Mitangeklagte in diesem Prozesse, Schriftsteller Karl Schneid!, folgendes geschrieben:„Die Einstellung des Ver- fahrenS hat allgemein überrascht. Zwar wurde in einem Teile der Presse der Versuch unternommen, eine möglichst ungezwungen klingende Erklärung zu geben für daS, was so sehr auffällig erschien, dennoch aber gibt cS nach wie bor recht viele Leute, die diesem offiziösen Erklärungsversuch keinen rechten Glauben schenken. Von uns Angeklagten vermag keiner diese von einem Gerichtsberichterstatter gemachten Angaben über die Vorgeschichte der Einstellung des Ver- fahrenS durch eigene genaue Angaben richtig zu stellen. Soviel kann und muß aber gesagt werden, daß Herr Rechtsanwalt Dr. Löwen- stein von keinem der Angeschuldigten Auftrag hatte, wegen Zurück- nähme de§ Strafantrages Fühlung mit den Behörden und Neben- klägern zu nehmen. Das beweist allerdings noch keineswegs. iLssfc.°us völlig freiem Antrieb gehandelt hat. Die Möglichkeit, daß er erst auf eine von anderer Seite an ihn herangetretene Anregung hin die einleitenden Schritte in der Richtung des Ausgleiches tat. erscheint nicht ausgeschlossen. Ein Vorwurf würde ihm aber hieraus nicht zu machen fein."— Dem gegenüber ist als durchaus authenttfch austecht zu er- halten, daß Rechtsanwalt Dr. Löwenstein aus völlig freiem An- triebe, also weder beeinflußt von den Angeklagten und seinen Mit- Verteidigern, noch auch von irgend einer Behörde oder den Neben- klägern beim Justizminister die einleitenden Schritte wegen der Zurücknahme des Strafantrages getan, daß er aber demnächst mit dem Vertreter der OberstaatSanwalffchaft im ausdrücklichen Austrage aller Verteidiger und Angeklagten, einschließlich deS Herrn Schneid!, die Verhandlungen über Zurücknahme des Strafantrages geführt hat. Die von Herrn Schneid! ausgesprochene Vermutung, daß Rechtsanwalt Dr. L. auf eine von irgend einer Seite an ihn heran- gettetene Anregung hin die einleitenden Schritte in der Richtung de» Ausgleichs getan habe, entbehrt jeder tatsächlichen Grundlage." Wir können die Richttgkeit dieser Darstellung bestättgen. Verbandstag des Bergarbeitcr-st�erbandeS. Die gestern geschlossene Generalversammlung des Deutschen Bergarbeiter-Verbandes hat einen erfteulichen Verlauf ge- nommen. Sie hat wichtige Beschlüsse gefaßt, die der weiteren Entwickelung der Organisation förderlich sein und ihre Stellung gegenüber dem Unternehmertum wesentlich stärken werden. Sie hat insbesondere eine erfreuliche Einmütigkeit innerhalb des Verbandes gezeigt. Daß das nicht etwa auf Gleichgültig- kcit zurückzuführen ist, sondern daß vielmehr gerade in diesen: Verbände ein reges geistiges Leben herrscht und die An- gclcgcnheiten der Organisationen die Masse der Mitglieder bewegt, zeigt die ungewöhnlich große, mehrere hundert be- tragende Zahl von Anträgen, die der Generalversammlung aus den Reihen der Mitglieder borlagen. In der Frage der Bcrggesetzgebung hat die Vertretung der mehr als 1(X> 000 organisierten Bergarbeiter keinen Zweifel darüber gelassen, daß sie mit der sozialdemokratischen Kritik an der Karikatur eines Arbeiterschutzes, die der preußische Landtag geschaffen hat, durchaus übereinstimmen. Die Berg- arbeiter haben ausgesprochen, daß, ganz abgesehen von der Dürftigkeit der Ncgierungsversprcchungen, auch diese nicht ein- mal eingelöst worden sind. Wenn Erwartungen bestanden haben, daß es zu Diffe- renzen und lebhaften Auseinandersetzungen über die Taktsk der Verbandsvertretcr beim Streik kommen werde: Diese Erwartungen sind nicht erfüllt worden. Von vereinzelten kleinen Ausstellungen abgesehen, herrschte volles Einverständnis darüber, daß die Verbandsvertreter in der Streikleitung nicht nur nach bestem Wissen�und Gewissen gehandelt, sondern auch das getan, was die Situation erforderte. Sie haben den Streik so geführt, wie es nach den gegebenen Verhältnissen notwendig war. Erfreulich war es, daß einer der Delegierten aus dem Revier, das nach dem Streikabbruch als das auf- geregteste erschien, die Erklärung abgab, er sei aus einem Saulus ein Paulus geworden und daß nach ihm der Vorsitzende Sachse, ohne Widerspruch zu finden, feststellen konnte, daß dies noch bei manchem der Fall sei und daß allgemein bessere Einsicht eingekehrt sei. Auch die Erklärung des als Gast an- Ivesenden Vorsitzenden der österreichischen Bergarbeiter- Organisation, daß auch die österreichischen Bergarbeiter die Taktik des Verbandes im Streik vollkommen billigen, ist wertvoll. Diese Uebereinstinimung der Bergarbeiter ist um so erfreulicher, als die übereifrige Kritik, die nach dem Abbruch des Streiks mit großem Kraftaufwande geführt wurde, Wohl geeignet war, die ruhige Ueberlcgung auch bei den unmittelbar Beteiligten über den Haufen zu rennen. Deshalb konstatieren wir mit Genugtuung die gegen nur zwei Stimmen erfolgte Annahme der vom Referenten vor- gelegtan Resolution. Diese Resolution läßt übrigens auch keinen Zweifel darüber, daß die Arbeiter auf dem Wege des bloßen gewerkschaftlichen Kampfes und durch das Mittel der bloßen gewerkschaftlichen Organisation die Befreiung aus den Fesseln des kapitalistischen Ausbeutcrtums nicht erreichen können. Ebenso befriedigt sind wir von dem Verlaufe der Be- Handlung der Maifeierfrage. Die Diskussion hat ergeben, daß sich die Bergarbeiter des Wertes der Maifeier und des Kampfes für höhere Ziele bewußt sind, daß sie keineswegs in Gefahr sind, in gewerkschaftliche Genügsamkeit zu verfallen, ihr Ziel in ein wenig Lohnerhöhung zu sehen und den Kampf der Arbeiterklasse vom Standpunkt des Rechenmeisters auf- zufassen. Die deutschen Bergarbeiter lassen sich ihre Ideale nicht um einen Ouark abkaufen. Ihr Ideal ist die Befreiung der Arbeiterklasse aus den Fesseln der Lohnknechtschaft, und sie sind gewillt, dafür zu kämpfen und dafür Opfer zu bringen._ Keine Marokko-Konferenz! Aus Fez wird gemeldet: Der britische Gesandte L o w t h e r stattete am Donnerstag dem Minister des Aus- wärtigen Abdelkrim ben Sliman einen Besuch ab und über- reichte ihm die Antwort Großbritanniens auf die Einladung zur Teilnahme an einer Konferenz. Die Antwort enthält eine Ablehnung. Graf T a t t e n b a ch hat in Fez die Annahme- Erklärung Deutschlands überreicht. Oesterreich-Ungarn und Italien haben den Vorschlag des Sultans betreffend Ein- berufung einer Marokko-Konferenz angenommen, und zwar Italien ohne Vorbehalt, Oesterrcich-Ungarn, wie schon mit- geteilt, unter der Bedingung, daß alle interessierten Mächte dem Vorschlage zustimmen. Auch die Vereinigten Staaten haben unter demselben Vorbehalt zugestimmt. Mit Englands Ablehnung ist die Konferenz als g e- scheitert anzusehen. England hat offenbar auf Wunsch der französischen Regierung den Konferenzplan durchkreuzt, um so Frankreich jedes Entschlusses für oder wider die Konferenz zu überheben. Es bleibt nun nichts übrig, als daß die Regierungen Deutschlands und Frankreichs sich untereinander zu ver- ständigen versuchen. Ferner' wird aus Fez gemeldet: In seiner doppelten Eigen- schaft als englischer Gesandter und dänischer Geschäftsträger machte Lowther dem Minister der auswärtigen Angelegen- heiten Abdelkrim ben Sliman am 12. Juni Vorhaltungen und verlangte die Festnahme und Bestrafung der Mörder Maddens, des dänischen und österreichisch- ungarischen Vizekonsuls in Mazagan, soivie Maßnahmen, welche die Sicher- heit der fremden Untertanen in Mazagan gewährleisten. Die Frage einer Entschädigung soll später erörtert werden. Loivther wird mit den: Sultan per- sönlich die Angelegenheit besprechen.— Die Vertreter von französischen Banken und industriellen Unternehmungen sind nach der Küste wieder abgereist, da ihre Mission er- f o l g l o s geblieben war. Paris, IS. Juni. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Mini st erpräsident Rouvier sich nun doch entschlwßen dürste, die Leitung des Ministeriums des Aeutzern zu behalten. Hierzu schreibt der„Figaro": Aus der gestrigen Unterredung, welche Rouvier mit dem deutschen Botschafter Fürsten Radolin hatte, hat man hier einen besseren Eindruck gewonnen, und in Berlin scheinen die Erklärungen, die Rouvier in der ersten Unterredung mit dem Fürsten Radolin abgab, freundliche Aufnahme gefirnden zu haben. Deutfehee Reich. Konservative Aufreizung der Postbeamten z» umstürzlerischen Gesinnungen! In der„Deutschen Tagcsztg." ist heute zu lesen: Sozialdemokratie in der Rcichsposwerwaltung Gegen die Behauptung des Abg. v. Bodelschwingh im Land- !age. daß ziemlich sämtliche kleine Postbeamte Berlins der Sozialdemokratie angehörten, hatte der Berliner Bezirksverein der Postbeamten Einspruch erhoben. Pastor o. Bodelschwingh hält aber jetzt im Stöckerschen„Reich" seine Behauptung im großen und ganzen aufrecht. Er schreibt: „Wenn von dem 600l) Mitglieder zählenden Bezirks- vcrein 1000 Mitglieder in den Germaniasälen diese- Er- tlärung abgegeben haben, so ist zwar klar, daß diese 1000 nicht die einzigen sind, die treu zu Kaiser und Reich stehet», dennoch bleibt fiic Milien Gewährsmann, der ein timt Freund der kleinen, unter der Wohnungsnot leidenden Be- amtenfamilien ist, Raum genug, um nachzuweisen, daß er nicht ganz unrecht hat." Auch nach unseren Erkundigungen an wohlunterrichteten Stellen hat leider Herr Pastor v. Bodelschwingh mit seiner Be- Häuptling nicht ganz unrecht. Die Tatsache wird auch dadurch nicht erschüttert, daß der Landtags-Abgeordnete Geh. Oberpostrat Dr. König die niederen Postbeamten im Abgeordnetenhause gegen die Bodelschwinghschen Anschuldigungen in Schutz nahm. Die Beamten befinden sich— namentlich soweit sie genötigt sind, in Großstädten zu leben— tatsächlich in einer gedrückten Lage. Sie sind deshalb vielfach Mitläufer der Sozialdemokratie geworden, würden aber der Nmsturzpartei ihre Unterstübilng in dem Augenblicke wieder entziehen, wo sie sehen, daß die Verwaltung ihnen hülfreicki unter die Arme greift. Bei den bedeutenden Ueberschüssen, welche das Reich aus der Post- und Telegraphenverloaltung erzielt, wäre es ein leichtes, den berechtigten Beschwerden abzuhelfen." Wir sagen der„Deutschen Tagesztg." tiefgefühlten Dank für die offene Aussprache. Die Postbeamten erfahren daraus mit ab- soluter Gewißheit, daß sie Verbesserung ihrer jämmerlichen Lage erlvarten dürfen, wenn sie durch Eintreten für die„Umsturzpartei" der Verwaltung ihre Mißstimmung deutlichst bekunden. Je mehr die Posibeamten sozialdemokratisch wählen, je besser ihre Aussichten auf Abstellung ihrer Beschwerden! Uebrigens ist die Erkenntnis der„Deutschen Tagesztg." auf alle Beamten und alle Arbeiter zu erweitern: Wer nicht mit der Umsturzpartei geht, dessen Not und dessen Beschwerden bleiben unbeachtet. Tie„TeutjcheTageszeitung" weift Beamten und Arbeitern den rechten Weg!_ Christliche„Br>lst"töne. Wer lügt, muß ein-gutes Gedächtnis haben, und Herr Brust, der christliche Advokat des Berggesetzes von Zentrums Gnaden, hat kein gutes Gedächtnis. Er erzählte neulich den Gläubigen der „Germama" und der„Märkischen Volkszeitung" ein wundersames Märchen, wie das Zentrum dazu gekommen sei, einer Vorlage zuzu- stimmen, deren Hauptbestimmungen kurz vorher der Zentrumsredner Trimborn als Ungeheuerlichkeit bezeichnet, die mit parlamentarischen Ausdrücken gar nicht richtig charakterisiert werden könnte. Herr Brust hat gefabelt, das Zentrum habe am ersten Tage der zweiten Lesung der Berggesetz-Novelle im Abgeordnetenhause ein- gesehen, daß jede Hoffnung auf Zustandekommen eines annehmbaren Gesetzes geschwunden sei, es sei dann in den Reichstag mit seinen Anträgen gegangen und nun seien infolge dieser Reichstagsaktion Nationalliberale und Freikonservative in heillosem Schreck völlig „umgekippt". Wir haben darauf höchst nüchtern bemerkt, daß die Erzählung des Herrn Brust dem im Deutschen Reiche und auch sonst in der Welt geltenden Kalender widerspricht, und wir hoffen auch heute noch, daß das Zentrum nickt das Maß von Unschlbarkeit be- ansprucht, um sich sogar über den Kalender hinwegzusetzen. Die einfachen Daten der einzelnen Verhandlungssituationen ergaben, daß das Zentrum schon völlig„umgekippt" war, bevor es die Anträge im Reichstag einbrachte, da es bereits am zweiten Tage der zweiten Lesung der Berggesetznovelle für den entscheidenden nationalliberalen Antrag D i p p e gestimmt hatte. Herr Brust erklärt auch jetzt seine Datierung für einen Irr- tum, und begründet nun, ivaruin man für den Antrag Dippe ge- stimmt hätte, wie folgt:„Um diese völlig unhaltbaren Bestimmungen (den 8 80k in der Kommisstonsfassung) fernzuhalten, falls, was ja zu befürchten war, gegen das Zentrum das Gesetz schließlich zu- stände kommen sollte, stimmten wir bei der Einzelabstimmung für den Abändcrungsantrag Dippe." Herr Brust erzählt wiederum Märchen oder er besitzt ein Maß von politischer Urteilslosigkeit, daß man fast wünschen möchte, es gebe in der Zentrumsfraktion ein Reglement nach der Art des vom Ab- geordnetenhansbeschlossenen880k, wonach Zentrumsabgeordnete.dieihre Pflichten nicht wahrzunehmen verstehen, auf einige Jahre suspendiert werden dürfen. Nach den Erklärungen der Konservativen war es nämlich gar nicht mehr zu befürchten, daß gegen dasZentrnmein Gesetz schließlich zustande kommen könnte. Das Zentrum hat vielmehr den Verrat verübt, weil eben ohne seine Hülfe das Gesetz gescheitert wäre. Insbesondere war auch der Antrag Dippe von den Konservativen abgelehnt worden, und er gelangte in der zweiten Lesung zur An- nahine, weil das Zentrum sich plötzlich für diesen Antrag zustimmend erhob. Ohne diese klerikale Zustimmung wäre der Antrag Dippe gefallen und damit das ganze Gesetz vereitelt worden, da die Regierung sich außerstande erklärt hatte, die Kommissions- f a s s u n g zu akzeptieren. Es bleibt also dabei, daß das Zentrum umgekippt war, bevor es an den Reichstag ging, daß mithin die ganze Geschichtsgliederung des Herrn Brust auf einen Schwindel beruht! Es bleibt ebenso dabei, daß das Zentrum, um die Regierung aus einer unangenehmen Situation zu retten und um das in seiner Partei herrschende Unternehmertum vor den Gefahren eines durchgreifenden, vom Reichstage zustande zu bringenden Arbeiterschutzes zu bewahren, Gesetzesbestimmungen akzepttert hat, die unmittelbar vorher als völlig unannehmbar und als ungeheuerlich erklärt worden waren. Es bleibt endlich dabei, daß in der dritten Lesung der Antrag Dippe nur formell ge- ändert worden ist. Herr Brust freilich behauptet, daß der Antrag Dippe„tief einschneidende Aenderungen" erfahren habe zwischen der zweiten und dritten Lesung. Das SuspensioiiSrecht fei nämlich erst nach wiederholter Auflösung des Ausschusses und die Auflösung nach fruchtloser Verwarnung nicht auf drei, sondern bloß auf ein Jahr beschlossen worden. Dabei interpretiert der geistreiche Herr Brust übrigens das Wort„ f r u ch t- lose" Verwarnung als„mehrmalige" Verwarnung. Jeder christ- liche Arbeiter wird natürlich über diese„tief einschneidenden Ab- änderungen" ein Hohngelächter anstimmen. Die von Herrn Triinboni in solcher Schärfe gekennzeichnete unerhörte Bestimmung, Arbeiterausschüsse suspendieren zu dürfen d.h. organische gesetzliche Körperschaften für einige Zeit auslöschen zu können, das ist das tief ein- schneidende, die ganze Auffassung des DreiklassciiparlamentS von dem Rechte der Arbeiter charakterisierende Prinzip, an dem gar nichts geändert wird, ob nun die Suspension sofort ausgesprochen wird oder auf drei oder auf ein Jahr. Anstatt zu verlangen, die Mitglieder der ArbeiterauSschüsse seien dagegen zu sichern, daß sie durch Willkür- liche Entlassungen geniaßregel: und somit ihrer Funktionen enthoben werden können, hat das Zentrum seine Hand dazu gereicht, daß die von ihm weit mehr als von der Sozialdemolrane, die solchen Aus- schüssen ziemlich kühl gegenübersteht, propagierte Einführung von ArbeiterauSschüssen zu einer ganz unverschämten Ausnahme- b e st i m m u ii g gegen die Arbeiter geworden ist. Schließlich wagt Herr Brust es auch„aufrecht" zu erhalten, daß die Strafbestininiungcii gegenüber der Regierungsvorlage nicht ver- schlechtert worden seien. Wir behaupten sogar, und alle Fach- Männer werden darin mit uns übereinstimmen, daß das Gesetz in dieser Hinsicht nicht nur schlechter ist als die Regierungsvorlage, sondern sogar als der heutige Zustand. DaS Strafmaximum für das Fördern unreiner Kohlen, der Ersatz also für das Nullen, in der Höhe von 5 M., übersteigt weit die Strafe, die bisher durch das Nullen den Arbeitern zugefügt wurde. Ob man hohe Geldstrafen verhängt oder unreine Kohle nullt, ist an sich so ziemlich dasselbe, und die Reform wird zur Verschlechterung, wenn die Ersatzgeldstrafe so hoch angesetzt wird. Daß im übrigen die Geldstrafen bestehen bleiben, welche die Regierung einschließlich des Nullens auf 10 Mark im Monat kontingeittierte, macht diesem ehemaligen Bergarbeiter gar keine Sorge.„Wenn erbitterte Klagen von Bergleuten über sonstige Strafen außer dem Nullen laut geworden sind," so schreibt er,„dann sind das meines ErachtenS eben auch keine allgemeinen, sondern nur v: reinzelte Klagen gewesen." Herr Brust hat sich damit vollkommen die Auffassung der Zechenlapitalisten angeeignet, die ja auch nur immer höchstens einzelne Mißstände zugeben wollen. Auf dem allgemeinen Bekgarbeiter-Delegiertentag. Ende März dieses Jahres, waren es gerade die christlichen Arbeiter, die mit besonderer Schärfe über die hohen ungerechten Strafen Beschwerde führten. So verwies z. B. ein christlicher Arbeiter aus Gelsenkirchen darauf hin, daß ans seiner Zeche Strafen von 10 bis 15 M. monatlich festgesetzt seien und die Fälle, wo ungerechtfertigte Bestrafungen vorgekommen, zahlreich seien, Will Herr Brust aber durchaus glauben machen, daß der Antrag Dippe, bei dem das Zentrum bereits in der zweiten Lesung„um- gekippt" ist, in der dritten Lesung tief einschneidend verändert worden sei, so hätte er nicht vergessen sollen, daß die Beschlüsse der dritten Lesung insofern die der zweiten noch verschlechtern, als, wie wir wiederholt betont haben, die Einführung des Verwaltungsstreit- Verfahrens eine starke neue Schutzwehr des Unternehmertums gegen sozialpolitische Anwandlungen der Bureaukratie bedeutet. Es ist ja auch, und das entlarvt den ganzen Bruft-Schwiudel,� die Tatsache durch tausend Artikel nicht aus der Welt zu schaffen, daß das Zenirum mit den Parteien die Vorlage zustande gebracht hat, welche in höherem Maße noch als die Konservativen ausschließlich die Interessen des Grubenkapitals und der politischen Scharf- macherei vertreten. Die Konservativen haben die Berggesetznovelle aus prinzipiellen Auffassungen abgelehnt. Die Nationalliberalen aber und die Freikonservativen, die eigentlichen Parteien der Groß- industrie, haben die Vorlage zustande gebracht, einmal um der Re- gicrung zu helfen und zweitens, weil sie genau wußten, daß die Vorlage in einer solchen Form den Unternehmern� Vorteile bietet. Die Einführung des Vcrwaltungsstreitverfahrens ist ein außerordentlicher Fortschritt im Sinne des Unternehmertums gegen. über dem heutigen Zustand. Insofern ist die vom Zentrum durch- gedrückte Vorlage eine Liebesgabe an das Unternehmertum, während das, was die Arbeiter erhalten haben, Schein und Hohn ist; es ist weniger als nichts. Die Vcrteidigungsaktion des Herrn Brust beweist an einem höchst tehrreichen Beispiel, welche Gefahr es für die christlichen Ar- beiter ist, wenn Arbeiter in die Zentrumsfraktion gewählt wer- den. Die Zentrumsadvokaten sind schließlich noch unabhängiger und können mehr in sozialpolitischer Hinsicht durchsetzen. Die Zentrums- arbeiter in der Fraktion aber werden lediglich vorgeschoben, wo es gilt, einen Verrat an den Arbeitern zu verhüllen und, wie man sieht, weiß die Zentrumsfraktion die in ihr tätigen Renommier- arbeiter so charakterlos zu machen, daß sie sich zu diesem Handwerk auch bereitwillig hergeben. Die Machinationen dieser parlamentarifichen Zentrumsarbeiter von der Brustsorte straften selbst die evangelischen Arbeitervereine Lügen, die sicherlich nicht des Radikalismus verdächtig sind. Die Dclegiertenversammlung des Perbandes der evangelischen Arbeiter- vereine, die in Breslau tagte, nahm dieser Tage folgende Reso- lution an: „Die Versammlung bedauert aufs tiefste, daß die wohlwollen- den und in der Sache durchaus begründeten Vorschläge der prcutzi- scheu Regierung in der Vergarbeiterschubnovelle durch das Abge- ordnctenhaus eine Verslümmeliing erfahren haben, welche den Interessen des Arbcitcrstandes durchaus widerstreitet." Die„Germania" ist schamlos genug, der Mitteilung dieser Re- solution hinzuzufügen, daß die Konservativen aus dieser Resolution eine Lehre und Warnung ziehen möchten. Die Konservativen trifft ja gar nicht diese Resolution der evangelischen Arbeitervereine, denn die haben gegen die Vorlage gestimmt. Die Resolution richtet sich vielmehr gegen das Zentrum, das die den Interessen des Ar- beiterstandes durchaus widerstreitende Verstümmelung durchgesetzt hat. Freilich, da wir jetzt aktenmäßig wissen, daß die Zentrums- blätter aus eine sozialpolitisch fortgeschrittene Haltung sofort ver- zichten, sobald die katholischen Unternehmer mit einem Inseraten- boykott antworten, so wundert man sich auch nicht mehr, daß das Zentrum bereit ist, um seines Regierungseinsiusses willen und aus Rücksicht auf die in der Partei zahlreich vorhandenen Kohlen- Magnaten im perfiden Arbeiterverrat den Triumph des Arbeiter- schutzes zu verteidigen.—_ Zum Prozeß Engel wünscht der Redakteur der„Müncheuer Neuesten Nachrichten", Dr. Paul Busching, die folgende Erklärung: „Ich habe in der Verhandlung zu Essen ausdrücklich erklärt, daß ich die fragliche Aeußerung dem Herrn Bergmeister Engel gegenüber nicht getan habe; vielmehr scheine es mir ganz ausgeschlossen, daß ich Herrn Effert als Quelle genannt haben sollte. Tatsächlich habe ich mit Herrn Effert, wie ich mich deutlich erinnere, über den Brief des Bergbaulichen Vereins an die Sicbener- Kommission niemals gesprochen. Ferner ist es unrichtig, daß ich mit Herrn Bergineister Engel jemals„konferiert" hätte. Ich habe ihn ebenso um Aufklärung ersucht, wie ich das,, meiner journalisttschen Pflicht entsprechend, bei den Führern und Preßvertretern der Bergarbeiter getan habe. Daß ich dabei niemals eine irgendwie„vertrauliche" Aeußerung verwertet habe, ist doch selbstverständlich."— Cvangtlisch-sozialer Kongreß. Hannover, 15, Juni.'(Eig. Ber.) Die Beratungen des Kongresses wurden am Mittwoch zu Ende geführt. Professor Dr. S i e v e k i n g- Marburg sprach über:„Die Be- deutung der Arbeiterorganisationen für Wirtschast und Kultur". Der Redner trat mit Objektivität für die Gewerkschaftsbewegung und den Bergarbeiterstreik ein. Nach einigen Ausfuhrungen des Herrn Tischendörfer erörterte Herr W. Zimmermann, vom Verein für Sozialreform, die Rechtlosigkeit der Arbeiter. Das heutige Streikrecht ist ein Messer ohne Klinge. Der unorganisierte arbeitswillige Arbeiter wird höher gewürdigt als der organisierte, das war auch das Motto der Zuchthausvorlage. Wie anders be- handelte man die streikenden Aerzte, die die Arbeitswilligen mit schlimmen Ehrverletzungen schmutzigster Art belasten, wofür Arbeiter jahrelang ins Gefängnis kommen würden.(Schlußrufell) Die rücksichtsvolle Behandlung der Studenten bei Ausschreitungen gegen die Polizei, die gelinde Bestrafung der Unternehmer bei Uebertretung der Arbeiterschutzvorschriften, die Erpressungstaktik der Unternehmer- organisationen müssen den Arbeiter an der göttlichen Rechtsordnung des Staates verzweifeln lassen. Ten Juristen fehle das Verständnis für die Arbeiterorganisationen. Das Unrecht gegen die Arbeiter schreit zum Himmel. Landgerichtsrat Kuhlemann. Braunschweig hegt die törichte Hoffnung, daß sich die Sozialdemokratie zu einer„reinen Arbeiter- Partei" entwickelt und das sozialdemokratische ausscheidet. Dann liege keine Ursache mehr vor, die politische Betätigung der Gewerk» schaften zu hindern. Prof. Ad. Wagner sieht die Gefahr in dem Ausspruch: Ich kann mit meinem Eigentum machen, was ich will. Er unternimmt eine Ehrenrettung des Berg- Engel, dessen Acußerungen das Ge- richt maßvoll(II) und berechtigt(II) bezeichnet habe! Man sollte so klug und weise handeln, wie die Katholiken deS Zentrums. Zwei katholische Vorstandsmitglieder hiesiger christlicher Gewerkschaften, W i n d o l p h und Zimmermann forderten auf zur Unterstützung der christlichen Gewerkschaften. In den freien Gewerkschaften könne ein christlicher Arbeiter nicht sein, weil sie sozialdemokratisch und antireligiös seien. Ucber dir Be- strasungen der freien Gewerkschaftler könne man verschiedener Mei- nunfl sein. Anders sei der Terrorismus dieser Gewerkschaftler nicht zu beseitigen unter dem auch die Cliristlicheu zu leiden hätten! Pastor C laßen-Hamburg erklärt, daß die besten Familien- vätcr dir organisierten Arbeiter seien. Pastor T r a u p» Dortmund sieht nicht die Christenpflicht darin, sich als C h r i st zu organisieren, sondern an bestehenden Organisationen mitzuwirken. Gegen die christlichen Gewerkschaften spricht sehr entschieden Pastor Schmal» st u g- Stederdorf. Sie seien die Schutztruppe des Zentrums, dessen Presse ihn selbst denunziert habe, weil er nur die Frage aufgeworfen habe, ob die konfessionelle und patriotische Arbeiterorganisation im Hinblick aus die interkonfessionelle Organisation der Unternehmer berechtigt seil In seinem Schlußwort sagte der Referent, daß man auf dem Kongreß einig sei, aber draußen arbeiteten dem Kongreß nahestehende Elemente gegenteilig, wie die Eingabe des Hannoverschen Fabri, lantenvereins beweise. Den letzten Vortrag hielt Prof. Otto Bau in garten- Kiel über„Kirchliche Einrichtungen, die antisozial wirken." Er führte aus, dah die Kirche viele Einrichtungen habe, die auf plutokratischcr Grundlage beruhen und den Charakter einer Klassenkirche haben. Antisozial wirke das Staatskirchentum an sich, besonders aber, wenn das unüberwindliche Mißtrauen durch die sehr wenig wählerische Weise, wie Mirbach die Kassen der Kirchen fülle durch Jnaussichtstellen von Orden und Titeln gesteigert wird. Ich will nicht gegen D o m k i r ch e und Kaiser Wilhelm- Gedächtniskirche reden. Ich habe selbst der Grundstein- legung einer solchen Kirche in Berlin mit beigewohnt. Ich sah die Spitzenreiter, die Schwadronen und hörte die Gebete und sprach dann mit Arbeitern und hatte den Eindruck: Hier wird dem Volke etwas geboten, das ihm fremd ist! Wir können nicht durch den Hof- und Prunkstil, der auch zu Prunkbauten der Pfarr- Häuser auf dem Laude führt, die evangelische Kirche auf die Höhe der katholischen Dome heben. Dazu komme die Bureaukratie, die einen Geistlichen, der einmal etwas sage, das einem Krieger- vereinsmitgliede nicht passe, mit Auflagen aufwarte, in denen es heißt: Sie wollen--- Sie wollen--- 1 Es habe sich da eine Sprache herausgebildet, die man in der königlichen Re- sidenzstadt, nicht aber in der Provinz verstehe. Die Bevormundung des Volkes in kirchlichen Dingen sei eine Verleugnung des Pro- tcstantismus. Man beschloß diese Resolution: „Der evangelisch-scziale Kongreß erklärt, daß unter den kirchlichen Einrichtungen die antisozial wirken, jenes Filtriersystem besonders schädlich ist, welches die Provinzial- und Generalsynoden ganz wesentlich zu Versammlungen staatlicher und kirchlicher Würdenträger bezw. der Geburts- und Geldaristokratie macht. Der Kongreß erkennt an, daß die Vertretung der Kirche nicht von den Mächten ihrer geschichtlichen EntWickelung getrennt werden darf, aber er verlangt, daß sich in dieser Vertretung auch der soziale Aufbau der Kirche widerspiegelt." Mit einem Schlußwort des Professors Harnack wurde die Tagung geschlossen.— Bei der Buntscheckigkeit der im evangelisch-sozialen Kongreß wirkenden Elemente vermögen auch die Einsichtigeren und Radi- kalcren keinen größeren Einfluß zu gewinnen. Eine Rede hebt die andere auf. Immerhin ist es bemerkenswert, daß die politische Reaktion und kirchliche Orthodoxie den Kongreß recht übelwollend betrachtet und ihn nach Möglichkeit zu verkleinern versucht. Die„Kreuz-Ztg.", die jede orthodoxe Kirchenkonferenz in ausführlichen Berichten' ivürdigt, geht überaus kurz über die Beratungen des Kongresses fort und erklärt: „Diese Streiflichter werden genügen, um dem Leser ein Bild zu geben von dem Geiste, der'im evangelisch- sozialen Kongreß herrscht. Im übrigen zeigt ein Blick in die ausführlichen Berichte über die diesjährigen Verhandlungen, daß diese sich Hinsicht- lich der Gediegenheit nicht entfernt init denjenigen messen können, durch die der Kongreß in der ersten Zeit die all- gemeine Teilnahme� auf sich zu ziehen wußte. Jedenfalls bildet er heute keinen bedeutsamen Faktor mehr in unserem kirchlichen Leben, und man ist im allgemeinen wenig geneigt, seinen Beratungen be- sondere Aufmerksamkeit zu schenken." Berfassungsrevision in Württemberg. Stuttgart,!6. Juni. Zu Beginn der heutigen Sitzung der Kammer der Abgeordneten brachte Ministerpräsident Dr. v. Breitling den Entwurf einer Versassiingsänderuiig ein. Zur Einführung der Vorlage hielt der Ministerpräsident eine längere Ansprache, in der er erklärte: Die Grundlinien des Eni- Wurfes bestehen in der Beibehaltung des Ziveikammer- s y st e m s, in der Umwandlung der Zweiten Kaminer in eine ausschließlich aus Erwählten des allgemeinen Stimmrechts zusammengesetzte Volkskammer sowie in der zeit- gemäßen Erneuerung und Verstärkuitg der Ersten Kammer. Das Festhalten an dem Zweikammersystem ist für die Regierung ein unerläßliches Erfordernis für das Zustandekommen der Reform. Ein Ersatz für die ans der Zweiten Kammer ausscheidenden Privilegierten ist nur insofern vorgesehen, als die Zahl der Abgeordneten der Stadt Stuttgart auf sechs vermehrt wird, welche durch Proportionalwahl gewählt werden sollen. Damit wird die Abgeordnetenkammer künftig aus zusammen 7SjAb- geordneten gegen bisher 93 bestehen. Was den Wahlmodus betrifft, so soll das bisherige System der Stichwahlen beseitigt und für den zweiten Wahlgang das System der verhältnismäßigen Mehrheit eingeführt werden. In die Erste Kammer solle» neu ein- treten: 6 Mitglieder der Ritterschaft, 4 Vertreter der evangelischen Geistlichkeit, zwei Vertreter der katholischen Geistlichkeit, ferner je ein Vertreter der Universität Tübingen und der Technischen Hochschule Stuttgart und schließlich je zwei Vertreter deS Handels- und Gc- werbestandes und der Landwirtschaft. Die letzteren vier sollen vom Könige ernannt werden. Die Vorlage soll in aller Beschleunigung in der Kammer zur Erledigung gebracht werden.— Südwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: An Typhus sind gestorben: Reiter August Seidel, geboren 24. 7. 34 zu Kohlsdorf, am 8. Juni im Lazarett Kalkfontein; Reiter Gustav Loyda, geboren 17. 8. 83 zu Krnklinnen, am 12. Juni im Lazarett 51eetmannshoop.— Htieland. Die Kongogrcucl vor dem italienischen Parlament. Rom, den 13. Juni.(Eig. Ber.) Die gestrige Diskussion in der Kammer, die sich an die Jntcr- pellation S a n t i n i über die Zustände im Kongo-Freistaat anschloß, hat all die Schandtaten bestätigt, über die wir bereits vor einigen Tagen berichtet haben. Den mit Erlaubnis des italienischen Kriegsministers angeworbenen italienischen Offizieren im Kongo wurden in der Tat Funktionen zugemutet, die nichts mit militärischen Verrichtungen zu tun haben und die überhaupt derartig sind, daß kein Mann von Rechtschaffenheit und Ehrgefühl sie übernehmen kann. Die Offiziere sollten einfach die Handlanger der brutalsten Ausbeutung der Eingeborenen sein, sie zu tätlichen Aufregungen anhalten und als Schergen und Aufseher eines durch und durch korrupten Kapitalistensystems dienen. Aber außer diesen durch die unabhängige Presse bereits ver- breiteten Tatsachen, sind noch andere schwere Anklagen gegen den Kongo-Freistaat erhoben worden. Die Verwaltung dieser großen Aktiengesellschaft hat von vornherein eine ganz klare Vorstellung von dem Verbrecherische» in ihrem Getriebe, denn sie ließ alle italienischen Offiziere einen Revers unterzeichnen, in dem sie sich ver- pflichteten, über ihre Erlebnisse im Kongo die allcrstrcngste Ver- schwicgenhcit, besonders ihrer Regierung gegenüber zu bewahren. Ferner ist im Parlament gesagt worden, daß der Kongo-Freistaat in Italien eine ausgiebige Prcssebcstcchiing trieb, wobei ihm die internationale Schlafwagen- Gesellschaft als Ver- mittler diente. Ohne Bestechung ist in der Tat die Haltung einiger italienischer Blätter gegenüber dem Kongo — namentlich die Lobhudelei einer römischen Abendzeitung mini- sterieller Färbung— unverständlich. Auch hat der Mailänder „Corriere della Sera" erklärt, daß ihm für die Vertretrmg der Interessen des Kongo Geld angeboten worden ist. Ferner hat Santini die allerschwcrstcn Anschuldigungen gegen den Generalkonsul des Kongo-Freistaates in Genua, einen ge- wissen Elia erhoben, der die Anwerbung italienischer Offiziere sehr eifrig betrieben hat und dafür, wie es scheint, 1000 Lire pro Kopf erhielt, und dem außerdem eine grobe Täuschung zur Last gelegt' wird, durch die er das Bekanntwerden der schmachvollen Zustände im Kongo zu verhindern gesucht hat. Im Jahre 1903 hatte nämlich die Kongo- Regierung den Versuch gemacht, um die Auswanderung italienischer Landarbeiter in die sogenannte Kolonie anzubahnen. Das italienische Auswanderungsamt sandte darauf den Marine- Arzt B a c c a r i, den, wie wir bereits berichteten, die Regierung des Freistaates zu vergiften suchte. Das mißlang, und Baccari schiffte sich nach Italien ein. Der Generalkonsul Elia mietete daraus ein Dampfboot und ließ sich, unweit der italienischen Küste, an Bord deS Schiffes führen, in dem Baccari zurückkehrte. Er gab sich für den italienischen Gesandten der b e l- gischen Regierung aus rmd bot Baccari eine bedeutende Summe, wenn er sich verpflichtete, über seine Erlebnisse am Kongo zu schweigen! Wenn überhaupt die nationale Ehre ein Begriff und nicht eine hohle Phrase sein soll, so mutz inan sagen, daß die italienische Nationalehre schwer verletzt wird, solange das Ministerium italienische Offiziere im Dienst einer solchen Räuberbande läßt. Natürlich empfand das der Minister T i t t o n i, der dem Interpellanten ant- wartete, nicht im geringsten. Er faselte von genauen Enqueten über die noch nicht hinreichend geklärte Sache und erklärte sich für stark genug, den Pressionen derer zu widerstehen, die die Regierung zu extremen Maßnahmen treiben wollten. Um den läppischsten Konflikt an den Grenzen, um ein schief angesehenes italienisches Wappen macht die italienische Regierung große Worte: wo das Dekorum des Staates wirklich bedroht ist, verhält sie sich mäuschenstill. Einstweilen haben die konservativen Abgeordneten S antin i und P i n ch i a der Kammer folgende Tagesordnung unterbreitet, die dieser Tage diskutiert werden wird: „Die Kammer fordert die Regierung auf, die in aktivem Dienst stehenden italienischen Offiziere sofort ans dem Kongo zurückzurufen und dem Vertreter der Kongogescllschaft bei der italienischen Regierung das Exequatur zu entziehen." Hoffentlich fehlt bei der Abstimnmng der konstitutionellen Oppo- sition der Zuzug der äußersten Linken nicht.— Ocsterreich-Ungarn. Der„gute Magen" der Kirche. In Oesterreich wird zurzeit wieder einmal das Lied von den armen Landpfarrern und der armen Kirche gesungen. Das läuft auf eine weitere Schröpfung der Steuerzahler für die Bedürfnisse der Kirche hinaus, und da ist es nicht uninteressant, auch für andere Länder.nicht, einmal festzustellen, über welch' riesiges Vermögen die Kirche in dem armen Oesterreich verfügt. Die katholische Kirche in Oesterreich hat über ihr Vermögen dein Staate alljährlich Rechnung zu legen und ihre eigenen Angaben erbringen den Beweis ihres ungeheuren Neichtuins. Ans diesen Ergebnissen der amtlichen Statistik seien in folgendem die wichtigsten Zahlen angeführt: Im Jahre 1900 betrug das gesamte Vermögen bereits 813 Will. Krone»; davon entfielen auf Grundstücke 301 Millionen Kronen, an Wertpapieren waren vorhanden 387 Millionen Kronen. DaS letztere ist insofern interessant, als ja der Katholizismus das Zinsnehmen für eine der größten Sünden erklärt, und es ist nach unzähligen Konzilbeschlüssen und Päpstcn-Bullen verboten, Geld gegen Zins zu verleihen. Der Reichtum der Kirche wächst von Jahr zu Jahr; betrugen doch im Jahre 1900 die gesamten Einnahmen der Kirche 00 Millionen Kronen, die Ausgaben aber nur rund 35 Millionen. Es verblieben mithin 25 Millionen Kronen Ueberschuß. Von 1890— 1900 ist das Vermögen um 110 Millionen Kronen gestiegen. Selbst die Stifte und Klöster, deren Mitglieder außer dem Gelübde der Keuschheit, auch das der Armut abgelegt haben, sammeln von Jahr zu Jahr mehr Schätze an. Von 1890—1900 ist ihr Vermögen lim 20 Millionen gestiegen. Bei allen diesen Berechnungen mittz aber beachtet werden, daß diese nicht die volle Wahrheit bringen, sondern»nr einen Teil der Wahrheit, weil der Staat die An- gaben der Kirche nicht nachprüft, sondern sie im wesent- lichen gläubig hinnimmt, so oft er auch schon erfahren mußte, daß er hintergangen wurde. Die Kirchenorgane mußten früher den Staatsbehörden Duplikate der Jahresrechnungen ein- senden. DaS wurde infolge Widerspruches der Bischöfe im Jahre 1803 abgestellt und es wurde bestimmt, daß fortan Auszüge aus diesen Jahresrechnnngen genügen sollten. Wie wenig die Angaben der Kirche niit der Wirklichkeit übereinstimmt, sei an einem Beispiel nachgewiesen. Das Erz-Bistnm Olmütz nimmt 509 000 Kronen ein und gibt 410 304 Kronen aus. Es hat angeblich ein Vermögen von 14 133 834 Kronen. Davon 13 910 520 Kronen in Grimdstücken. Nun ist durch Berichte der Domänendirektion und der Bezirks- hauptmannschaften festgestellt, daß das Bistum Olmütz mit dem Domkapital und der Dompropstei zusammen 55 051 Hektar oder 2,5 Proz. des gesamten Flächeninhalts von Mähren umfaßt; außerdem befinden sich in seinem Besitz: 1 Fabrik, 11 Bierbrauereien, 8 Spiritus- und Branntweinbrennereien, 10 Mühlen, 17 Brettsägen, 10 Ziegeleien, 1 Eisenwerk und 23 Schlösser. Und alles daS zusaminen soll nur ein Vermögen von 14 Millionen Kronen repräsentieren, und daraus sollen insgesamt nur Ve Million Kronen vereinnahmt werden. Das glaubt in ganz Oesterreich kein Mensch und außerhalb Oesterreichs wohl niemand. AuS diesen Zahlen ergibt sich von neuem, daß die Forderung, die Kirche möge ihre Diener selbst bezahlen und überhaupt für ihre Erhaltung allein aufkommen, durchaus gerechtfertigt ist. Wie kommt der Staat beziehentlich die Steuerzahler dazu, für die religiösen Be- dürfnisse anderer aufzukommen.— Ei» neues Ministerium in Ungarn. Endlich ist es gelungen, ein Ministerium mit Fejervary als Ministerpräsidenten zusammenzubringen. Die �übrigen Minister sind unbedeutende Beamte, frühere Ober- gespäne, Ministerialbcamte usw. Dieses Kabinett dürfte nur von kurzer Dauer sein, wahrscheinlich wird es durch die erste Sitzung des Parlaments, das zurzeit vertagt ist, gestürzt werden.— Italien. Die zweijährige Dienstzeit. Bei der Beratung des Militärctats teilte der Kriegsminister Pcdorti mit, daß eine Vorlage über die Einführung der zweijährigen Dienstzeit bereits ausgearbeitet sei und demnächst der Kammer zugehen werde.— Spanien. Tepiitiertenkammer. Das vom Finanzminister vorgelegte Budget schließt in Ausgabe mit 1 010 733 344, in Einnahme mit 1 031 091 890 Pesetas ab. Die Ausgabe lveist eine Echöhnng von 51 882 002 Pesetas gegenüber dem Vorjahre auf, davon entfallen 13 321212 Pesetas auf das Kriegsministerium, 10 209 122 auf das Marine- Ministerium und 10 303 121 auf das Unterrichtsministerium. Die Mehransgaben für das Kricgsministerium werden durch die Kosten für Umbildung der Artillerie und für Befestigungsarbeiten begründet. Romanones bringt eine Interpellation ein über die Mcinungs- Verschiedenheit der Regierung und der Opposition bezüglich der Be- ratung des Budgets für 1905, daS vom Ministerium Maura ein- gebracht wurde und von dem drei Kapitel seit der Ministerkrisis im Dezember bewilligt wurden. Ministerpräsident Villaverde nimmt die Interpellation an und erklärt, das Budget für 1900 müsse ohne Ver- zögerung beraten werden. Salmeron rmd andere Republikaner beantragten Besprechung des Briefes des Königs an den Bischof von Barcelona. Der Präsident erklärt sich einverstanden mit dem Vor- behalt, daß die Begründung des Antrages abgeändert werde, welche die zu nehmenden Rücksichten verletze.— Jlipan. Die Sozialdemokraten von Tokio haben bei einer nötig ge- wordenen Ergänzungswahl einen Kandidaten aufgestellt. Bei dem herrschenden reaktionären Wahlrecht sin Tokio kommen auf 1 800 000 Einwohner nur 10 500 Wähler) haben unsere Genoffen natürlich gar keine Aussicht, ihren Kandidaten dnrchzubringen, sie benutzen aber die Wahlagitation, um eine intensive Propaganda für den Sozia- lismus zu entfalten. Der Genosse Kinoshita spricht jeden Abend in großen öffentlichen Versammlungen, wo er vor allem die Frage des allgemeinen Wahlrechts behandelt.— Die Friedensvorbereitttttg rückt nur langsam vor. Noch steht die Antwort Japans auf die hochmütige Note Rußlands aus und noch ist der Ort der Verhandlungen nicht bekannt geworden. Nach einer Petersburger„Laffan"-Meldung erklärte Witte in einer Unterredimg mit einem Vertreter des Blattes „Slowo":„Er lehne es ab. an den Besprechungen über den Frieden teilzunehmen. Er� sehe nicht, daß die Hauptströmung in Rußland auf den Frieden gerichtet sei, oder daß das Haupt der Regierung diese Strömung zu ändern wünsche. Dte� Ereignisse ge- stalteten sich nicht derartig, daß er selbst eine nützliche Tätigkeit entfalten könnte. Rußland könnte den Krieg noch fünf Jahre fortsetzen, wenn die Lage im Innern nicht so wäre, wie sie jetzt ist, was die Regierung jedoch nicht sehen wolle, und unbeachtet lasse." Witte schloß seine Bemerkung mit den Worten:„Darin liegen alle Schrecken der augenblicklichen Lage Rußlands. Jede Stnnde bringt das Land mehr und mehr herunter." Ein Schlachtbericht Togos. Tokio, 15. Juni. In dem heute vom Marinedepartement ver- öffentlichten Bericht Togos über die Seeschlacht bei Tschuschrma heißt es: Der japanische Schlachtbefehl wurde am 27. Mai um 1 Uhr 55 Minuten nachmittags gegeben. Nachdem die japanischen Schiffsdivisionen ihre Manöver begonnen hatten, er- öffneten die Russen um 2 Uhr 3 Minuten das Feuer. Die Japaner erwiderten es erst, als sie ans 5000 Jards an die russische Flotte herangekommen waren; dann konzentrierten sie ihr Feuer ans die beiden führenden russischen Schiffe mit solchem Erfolge, daß die Schlacht um 2 Uhr 45 Minuten nachmittags entschieden lvar. In der Schilderung der Ereignisse vom 28. Mai sagt Togo, seine Schlachtschiffe, Kamimuras Panzer- kreuzer und Urins Schiffsdivision sowie diejenige des jüngeren Togo hätten Nebogatows Geschwader völlig umzingelt und jeden Wider- stand nutzlos gemacht. Er, Togo, habe dann, nachdem sich Nebogatow ergeben, diesem und seinen Offizieren gestattet, ihre Säbel zu be- halten. m Russische Heldentaten. Nach einem bei der Flensburger Dampfschiffahrts-Gesellschaft von 1309 eingegangenen Telegramm ist der eiserne Schrauben- dampfer„Tetart os", 1812 Registertons groß, am 30. Mai von dem russischen Hülfskreuzer„Don" auf der Reise von Japan nach Tientsin in der nordchinesischen See in Grund gebohrt worden. Die Mannschaft ist gerettet und in Batavia gelandet worden. Das Schiff hatte, wie die Gesellschaft dazu erklärt, keine Kriegs« konterbande an Bord, sondern war mit Holz und Schwellen beladen und nach einem neutralen chinesischen Hafen bestimmt. Die Reichsregierung wird die erforderlichen Vorstellungen in Petersburg erheben müssen. Der englische Minister des Aeußeren, Lord Lansdowne, wurde von der Admiralität über die Vernichtung des englischen Schiffes„St. Kilda" informiert. Lansdowne erhob sofort beim rnssischcn Botschafter Einspruch und forderte nähere Aufklärung. Die Jttdenschlachten des Zaren. Wir erhalten aus guter Quelle die folgenden Mitteilungen: Die letzten Bluttaten in Minsk und Warschau, wo in der Rolle der Krawallhelden die Soldaten der örtlichen Regimenter hervor- getreten sind, bilden die allerneneste Taktik der selbstherrschenden Clique. Die Banditen des Zarismus, mit Trepow an der Spitze, bereiten allem Anschein nach eine neue Reihe von Judenkrawallen mit Hülfe der Soldaten und Reservisten vor. Der dazu organisierte städtische Mob und die„schwarze Bande" haben, wie es scheint, die auf sie gesetzten Hoffnungen nicht erfüllt. Tatsachen, die wir aus Lodz erfahren, verbreiten über die letzten Mordtaten in Minsk und Warschau ein neues Licht. Nach unseren Informationen hat am Mittwoch, den 31./18. Mai, um 10 Uhr abends, beim Friedensrichter des nennten Bezirkes in seiner Wohnung sKonstantinowskaja 31) eine Versammlung der bürgerlichen und militärischen Beamten stattgefunden, auf der be- schloffen wurde, den Versuch zu machen, mit Hülfe der örtlichen Reservisten einen Judcnkrawall zu veranstalten. Minsk und Warschan sind wohl die ersten Schritte in dieser Richtung. » Streikbewegung in Rnssisch-Polen. In Sosnowice traten die Arbeiter der Hultschinsky-Werke, der Katharina-Hütte und von Fitzner u. Camper wieder in den Ausstand. Kosaken durchziehen die Straßen, da weitere Unruhen befürchtet werden. Heute sind die drei großen Werke geschlossen.(„Tag".)) *»» Der zitternde Zar. Petersburg, 14. Juni.(Laffan-Meldung.) Im Bezirke von Petcrhof finden zahlreiche Haussuchungen statt, das Vorleben und die Pässe der Einwohner werden geprüft, und alle Bettler werden von den Straßen entfernt, die von dort nach Zarskoe Sselo führen. Auf dem Fluß wurden alle Fahrzeuge von der Front des Palastes weggewiesen, und es liegen dort nur noch Regierungswachtboote. Diese Maßnahmen sind die Einleitung zur Uebersiedelung des Zaren von Zarskoe Sselo nach Peterhof während des Sommers. Der Tag der Abreise wird geheim gehalten. )Ziis der Partei. Die sozialdemokratische Partei Nordbayerns hat mitten km Land- tags-Wahlkampfe einen schweren Verlust erlitten. Am 14. Juni, abends 1/i9 Uhr, ist Genosse Anton 91 a dl, Gauvorstand der Partei für Nordbayern und Parteisekretär für den Sozial- demokratischen Verein Nürnberg, nach mehrmonatigem Leiden gestorben. Nackt war von" Beruf Lackierer und arbeitete früher an versckiedenen Orten Südbaherns, wie Tölz, München, Landshut, Straubing ufiv. Ueberall trat er unter den schwierigsten Verhältnissen mit der größten Opferwilligkeit für Partei und Gewerk- schaft ein, iveShalb ihm auch Maßregelungen und Anfeindungen nicht erspart blieben. 1897 siedelte er von Straubing nach Nürnberg über, wo seiner eifrigen Tätigkeit für die Arbcitersache iveniger Schranken gesetzt wurden. Hier betrauten ihn seine Berufskollegen bald mit dem Amte des Vorsitzenden ihrer Zahl- stelle der Vereinigung der Maler. Auch für die Partei entfaltete er eine rege Tätigkeit mid im März 1902 wurde er auf dem Gautage zu Bayreuth als Vorsitzender der Partei-Organisation für Nord- bayern gewählt. In diesem Amte war er erst so recht in seinem Element. Seine agitatorische und organisatorische Tätigkeit in den Landbezirken der drei fränkischen Kreise und der Oberpfa'lz trug reiche Früchte. Wenn heute über die ländlichen Bezirke Frankens ein Netz von sozial- demokratischen Organisationen ausgebreitet ist und die Partei in manchen entlegenen, ganz schwarzen Bezirken angefangen hat, Wurzel zu fassen, so hat Nack! darum ein nicht geringes Verdienst. In, Februar 1003, als der damalige Parteisekretär Genosse Leist verunglückte, wurde Rackl auch dieses Amt über- tragen, das er mit der ihm eigenen Gcwissenhaftig- leit und großem Eifer ausfüllte. Im vergangenen Winter ergriff ihn ein tückisches Halsleiden, das in Kehlkopftuberkulose ausartete und schließlich zum Tode führte. Ein alter tapferer Kämpfer ist in S t ö t t e r i tz bei Leipzig in der Person des Zigarrenmachers Hermann Werner gestorben. Seine wertvollste Tätigkeit entfaltete er als Schriftenvertreiber für den Leipziger Agitationsbezirk unter dem Sozialistengesetz. Er nahm 1881 an dem Kongreß in Wyden als Vertreter der Leipziger Ge- Nossen teil._ Ob Königreich oder Republik, sas ist noch immer eine der ungelösten Zukunftsfragen des neuen unabhängigen Norwegens. Wird sich ein Bernadotte bereit finden, für einen mäßigen Königslohn die überflüssige Dekorationsfigur auf dem norwegischen Thron vorzustellen? Der norwegische Staats- m i n i st e r Lövland hat sich darüber einem Korrespondenten dcS Kopenhagener Blattes„Bort Land" gegenüber wie folgt geäußert: „Es ist mir unmöglich zu sagen, ob der König unser Angebot. einen jüngeren Bernadotte auf Norwegens Thron zusetzen, annehmen wird. Wenn König OSkar unser Angebot abschlägt, gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder muß der Storthing einen anderen Prinzen suchen oder Anstalten zu einer Verfassungsänderung treffen. In diesem Fall müssen wir eine konstituierende Nationalversammlung einberufen. Ob die neue Verfassung dann auf eine Republik oder Monarchie hinauslaufen wird, kann nicht vorausgesagt werden. Die Stimmung hierüber ist nämlich sehr geteilt. Man nimmt a», daß die ausländischen Mächte der Frage, ob Monarchie oder Republik indifferent gegenüberstehen. Wir erwarten überhaupt keine Schwierigkeiten von feiten des Auslandes. Der Vorschlag, daß man die Sache dem Schiedsgericht in Haag über- weisen sollte, ist ganz unverständlich und wohl auch nicht gut durch- dacht. Ich bin von einer friedlichen Lösung der ganzen Sache durch- aus überzeugt." Ueber die neue Gestaltung der Verlvaltung der äußeren An» gelegenheiten bemerkte der Staatsminister: „Wir haben bisher ein Departement gehabt, das sogenannte Handelsdcpartement, das alle ausländischen Angelegenheiten verwaltete, auch die diplomatischen mit Ausnahme derjenigen, die nach Norwegens Grundgesetz geheim gehalten werden sollen. Unser Gedanke ist nun, daß dieses Departement ausgedehnt und ein vollständiges norwegisches Ministerium des Aeußern werden soll, das aus zwei Departements bestehen würde, nämlich: eins für Industrie und Seeschiffahrt und ein anderes fiir die diplomatischen, konsulären und kommerziellen Angelegenheiten.— Am Donnerstag nächster Woche wird das neue Departement des Aeußern eröffnet und wir werden versuchen, so schnell wie möglich in regelmäßige Verbindung mit dem Auslände zu kommen, doch kann ich nichts Näheres über den Zeitpunkt hierfür sagen." � � Nichts für ungut! Die Norweger fahren fort zu beweisen, daß sie ihrem ge- wefencii König nicht das mindeste nachtragen, daß sie ihm alles Gute wünschen, seitdein sie ihm den Dienst aufgesagt haben, l Sö hat man Oskar jetzt mit folgendem Telegramm er- freut: „Das norwegische Volk sendet Eurer Majestät durch uns herz- lichste Glückwünsche aus Anlaß des für das HauS Eurer Majestät so freudigen und bedeutsamen Hochzeitsfestes, das heute gefeiert wird. Carl Berner, Storthingspräsident. Mchelsen, Staats- minister." Dieser Glückwunsch an einen entfernten König stammt sicher aus ehrlichem Herzen. » �« Norwegen? 40 Millionen-Anleihe. Entgegen den Gerüchten, daß dem norwegischen Staat die kürz- lich aufgenommene Anleihe von 40 Millionen Kronen noch nicht voll zur Verfügung stehen sollte, hat„Polttikens" Korrespondent von dem Manne, der die Anleihe abgeschlossen hat, folgende Mitteilung er- halten: Schon vor Ende Mai war die Anleihe, die im April durch „Credit Lyonnais" in Paris abgeschlossen wurde, in vollem Umfange an den norwegischen Staat ausbezahlt und von diesem in englischen, französischen und deutschen Staatspapieren angelegt worden, die im Ausland verbleiben, bis man in Norwegen das bare Geld braucht. Von den früher aufgenommenen Anleihen soll außerdem eine be- deutende Summe in der Staatskasse sein. Ein Telegramm Wilhelms II. Kristiania, 15. Juni. Auf das Glückwunschtelegramm des kommandierenden Admirals Sparre zur Hochzeit des deutschen Kronprinzen hat Kaiser Wilhelm folgendes Antworttelegramm gesandt: Ich habe Ihre Glückwünsche zur Hochzeitsfeier des Kronprinzen mit Freude entgegengenommen und spreche Ihnen und dem Offizierkorps der königlich norwegischen Marine meinen besten Dank dafür aus. Das Telegramm ist insofern antiquiert, als es eine königlich norwegische Marine gegenwärtig nicht gibt. Keine Mobilmachung. Kristiania, 15. Juni. Das Verteidigungsdepartement teilt amt- lich mit, daß alle Gerüchte über eine Mobilisierung des Heeres und der Flotte Norwegens jeder Begründung entbehren. GeiiverKIcbaftttcKes. Berlin und Qmgegend. An die organisierte Arbeiterschaft Deutschlands! Der Verband der Tabakarbeiter ist durch rücksichtsloses Vor- gehen der Zigarettenfabrikanten in Dresden in einen Kanipf ge- drängt worden, der ihn veranlaßte, die Hülfe der gesamten organi- sierten Arbeiterschaft in Anspruch zu nehmen. Die Lohnbewegung der Zigarettenarbeiterinnen in Dresden schien anfänglich einen ruhigen Verlauf zu nehmen. Plötzlich brachen die Fabrikanten die Unterhandlungen ab, vereinigten sich zu gemeinsamem Vorgehen gegen die Arbeiterinnen und forderten von diesen die schriftliche Er- klärung, daß sie aus dem Tabakarbeiterverband ausgetreten seien. Als die Arbeiterinnen eine solche Zumutung zurückwiesen, wurden sie am 27. Mai in einer Anzahl von rund 4000 ausgesperrt. Es handelt sich hier um einen regelrechten Angriff der Unter- nehmer gegen da? Koalitionsrecht der Arbeiterinnen, der von der ge- samten organisierten Arbeiterschaft einmütig zurückgewiesen werden mutz. Auf Antrag des Vorstandes des Tabakarbeiter-Verbandes nahm die Generalkommisston deshalb Veranlassung, gemäß den auf dem Gewerkschaftskongreß in Köln a. Rh. bezüglich der Streikunter- ftützung gefaßten Beschlüssen die Vorstände der Verbände zu befragen, ob zur Unterstützung der ausgesperrten eine allgemeine Sammlung veranstaltet werden solle. Die Vorstände stimmten dem Vorschlage zu, und wir richten nunmehr an die organisierte Arbeiter- schaft die Bitte, Beiträge zur Unterstützung der ausgesperrten Zigarettenarbeiterinnen in Dresden zu leisten. Die Unterstützungs- beittäge find gemäß den in Köln gettoffenen Bestimmungen nicht an die im Kampfe befindliche Organisation, sondern an die General konnnission zu senden, und wir bitten, fiir die Sendung folgende Adresse zu benutzen: H. Kube, Engel-Ufer 15, Berlin LO. 16. Ueber die eingehenden Beträge wird im„Korrespondenzblatt" quittiert. Besondere Quittungen werden den Einsendern nicht zu- gestellt. Mit Gruß Die Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands. C. Legten. Die Aussperrung der Zigarettenarbeiterinnen in Dresden und die Berliner Tabakarbeiter. Am Mittwoch tagte in Dräsels Festsälen eine zahlreich besuchte Zigarren- und Zigarettenarbeiter-Versammluna, in der Karl Deich- mann, der Vorsitzende des Deutschen Tabakarbeiter- Verbandes. über das Thema:„Der Raub des Koalitionsrechts an den Dresdener Zigarettenarbeiterinnen und die Antwort des klassenbewußten Proletariats" sprach. In treffenden Worten geißelte der Redner das Verhalten der Dresdener Zigarettenfabri'kanten, die, selbst gut organisiert, sich nicht scheuen, von ihren Arbeiterinnen und Arbeitern Austritt aus dem Tabakarbeiter-Verbande zu fordern. Als Ersatz dafür soll wohl die BeihülfSkasse gelte», die die Herren als eine„Wohlfahrtseinrichtung" den Arbeitern anpreisen. Erst wurde der Oeffentlichkeit weißgemacht. die Fabrikanten hätten in ihrer edlen Großmut bereits 60 000 Mark für die Kasse gestiftet. Nun aber haben sie dieser Tage vor den Fabriken Plakate anbringe» lassen, auf denen, neben der Aufforderung zum Beitritt zu der Kasse, in mehr bescheidener Weise bemerkt wird, daß von Fabrikanten für die Kasse„große Summen in Aussicht g e st e l l t sind". Die GründungSgeschichte dieser Kasse schließt sich würdig der„Aufklärung für die Ein- Wohnerschaft Dresdens" an, die von dem Redner wie auch in einer als Flugblatt herausgegebenen„Aufklärung u n d A n t w o r t" als univahr und als Lug und Trug bezeichnet wird. Der Arbeitgeberverband der Zigarettcnindustcie„klärt auf", daß in den Fabriken des Verbandes verdient werden: von aus- gelernten Sorttererinneu bis 18 M. wöchentlich, von Tabakarbeiten: bis 30 M., Packerinnen bis 20 M. und niehr, Zigarettenarbeiterinnen bis 22 M. und mehr. Der Redner stellte dagegen unter andern: fest, wie auch im Flugblatt der Lohnkommission ausgeführt wird: Die Firma„G. A. Jasmatzi" zahlt den an den Hülsen- und Zigarettenmaschinen beschäftigten Arbeiterinnen einen Stundenlohn von 14_ bis 20 Pf. Die Firma„Josetti" zahlt den an den Hülsenmaschinen beschäftigten Arbeiterinnen Wochenlöhne von 7 bis 10 M., den Zigarettenpackerinnen Wochenlöhne in: Betrage von 8 bis 11,50 M. Die Firma„Arabia" zahlt den Zigaretteupacke- rinnen Wochenlöhne von 8,50 bis 10 M. Die Firma„Werner Alexander Müller" zahlt ihren Arbeiterinnen Wochenlöhne von 6 bis 11 M. Die Firma„D. Weller" zahlt den Arbeiterinnen Wochen- löhne von 7 bis 11 M. Die Firma„Persia" zahlt den Arbeite- rinnen Wochenlöhne von 7,50 bis 8 M. Viele Arbeiter, darunter Familienväter, erhalten Wochenlöhne von 13 bis 18 M.— Eben- falls widerlegte der Redner die Behauptung, die Ausgesperrten hätten durch die Forderung, Unorganisierte sollten entlassen werden, die Fabrikanten zu ihrem Vorgehen genötigt. Tatsache sei vielmehr, daß die Verbandsmitglieder durch die Unorganisierten provoziert und in gröblicher Weise beschimeft wurden und dann verlangten, daß das aufhören sollte. Uebrigens scheinen die Fabrikantenfrauen und ihre Söhne auch nicht die feinsten Leute zu sein. Hat doch, wie der Redner bemerkte, eine Fabrikantenfrau von ihren: Fenster aus streikpostenstehenden Arbeiterinnen aus den Kopf gespuckt, während sich ihr Junge mit Schimpfereien wie„Streik- luders",„Streikbienen" und dergleichen mehr amüsierte, wovon aber die Polizei, die in den Wanderungen einer streikenden Arbeiterin aus menschenleerer Straße Verkehrsstörungen entdeckt und deswegen Verhaftung über Verhaftung vornimmt, nichts be- merkte. Sonderbar ist es, wie die Fabrikanten, die sich kürzlich noch gegenseitig als amerikanische Truftler und als Antittustler be- kämpften, plötzlich ein Herz und eine Seele geworden sind, wo eS gilt, das KoalitiouSrecht der Arbeiter zu vernichten. Hat doch bis vor kurzem der Tru st- Abwehrausschuß einen vom Deutschen Tabakverein, den: Verband der Zigarettenfabriken, dem Verein Bremer Rohtabakhändler uitb den: Zenttalverband der Zigarren- und Tabakladeninhaber unterzeichneten Zettel den Zigaretten beigelegt, der bestimmt ist, die Raucher vor den Trust- fabrikaten gntzelig zu inachen und ihnen einzureden, daß Publikum, Arbeitgeberschaft wie Arbeiter ein gleich hohes Interesse an der Be- kämpfung des Trusts hätten. Aber Antttrustler und Trustler zahlen gleich schlechte Löhne und kämpfen nun gemeinsam»nit den gleichen verwerflichen Mitteln gegen die Arbeiter. Der Redner wies auch die in reaktionären Blättern aufgestellte Behauptung zurück, der Tabakarbeiter-Berband habe die Nachricht verbreitet, es wären 8000 bis 10 000 Personen im Ausstand. Von Anfang an hat der Verband die Zahl auf zirka 2400 angegeben! nun bettägt sie samt den bei der Firma Josettt in Berlin Streikenden 3443. Am Schluß seines Vortrages, der stürmischen Beifall fand, forderte der Redner zu eifriger moralischer und finanzieller Unter- stützung der Ausgesperrten auf. Dann gab der Vertrauensmann der Streikenden von Josettt einen kurzen Bericht über den Stand dieses Streiks, der lediglich aus Sympathie für die Dresdener Aus- gesperrten der Firma geführt wird. 115 Arbeiterinnen und Arbeiter sind daran beteiligt, und sie halten alle einmütig im Kampfe aus. In der weiteren Diskussion wurde noch auf den Schwindel hin- gewiesen, der in den, L e h r a n st a l t e n" getrieben wird, wo man innerhalb 14 Tagen im Zigarettenmachen ausgebildet oder vielmehr ausgebeutet werden kann. Wie mitgeteilt wurde, beschränkt sich dieser Unterricht sogar auf nur zwei Stunden täglich. Daß dies nur auf Gimpelfang berechnet ist, versteht sich von selbst. Der Vorsitzende Börner teilte noch mit, daß der Boykott. der über die Fabrikate der Aussperrungsfirmen verhängt ist, bereits sehr gut gewirkt hat. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die versammelten Tabakarbeiter und Arbeiterinnen nehmen Kenntnis von dem Bericht über die ausgesperrten, um ihr Koalittons- recht kämpfenden Dresdener Zigarettenarbeiter und Arbeiterinnen nnd protestieren gegen das schamlose Vorgehen der Dresdener Zigarettenfabrikanten. Sie bringen den kämpfenden Kollegen und Kolleginnen ihre vollste Sympa'bir. entgegen und verpflichten sich. solange der Kanipf auch daueri-nag, sie nicht allein moralisch, sondern auch finanziell, soweit es in ihren Kräften steht, zu unter- stützen." Ferner lvurde ein Beschluß gefaßt, der die Tabakarbetter Berlins verpflichtet, wöchentlich mindestens eine Mark für die Unter- stützung der Dresdener Ausgesperrten und der Streikenden in Berlin zu opfern._ Der Gewerkvrrein der Maschinenbauer(H.-D.) hat die gestern mitgeteilte Resolution mit der Aenderung angenommen, daß verlangt wird, der Gewerkverein soll von vornherein von anderen Organi- sationen zu Verhandlungen hinzugezogen werden. Oeutkdieo Reich. Kämpfe der Bauarbeiter. Zur Bauarbeiter- Aussperrung in Rheinland-Westfalen beschloß eine Bauarbeiter-Versammlung in Unna folgende Resolution: Die Versaminlung beschließt: 1. Den Kampf, den der Arbeitgeber- Verband für daS Bau- ewerbe im rheinisch- westfälischen Jndustriebezirk den Bauarbeitern immerer, Maurer. Hülfsarbeiter) aufgedrungen hat, mit allen gesetz- lich erlaubten Mitteln so lange zu führen, bis die Aussperrung ausgehoben und eine Einigung über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse herbeigeführt ist. 2. Um den Kampf wirksamer zu gestalten, haben bei allen an der Aussperrung beteiligten Unternehmern auch diejenigen die Arbeit nach erfolgter Kündigung einzustellen, welche bisher nicht gekündigt oder entlassen sind. Die örtlichen Vorstände der Organisationen werden beauftragt, sofort die erforderlichen Maßnahmen zur Durchführung der Kündi- gung zu ergreifen. 3. Die Versammlung begrüßt mit Freuden, daß die Zentral- vorstände der Verbände der Manrer, Zimmerer und Bauarbeiter und des Verbandes christlicher Bauarbeiter vereinbart haben: a) den Kampf gemeinsam zu flihren und b) bei allen Fragen, welche den gemeinsamen Kampf berühren, besonders bei' Einleitung und Führung von Unterhandlungen. Abschließung von Verträgen ec. nur nach gegenseitigem Ueber- einkommen zu handeln. Inden: die Versammlung sich diesem Abkommen anschließt, er- klärt sie sich auch damit einverstanden, daß mit der Leitung der Be- wegung die Gauvorsitzenden der vier beteiligten Organisationen be- traut werden. 4. Orte, fiir welche ein Tarifvertrag besteht, sind von der Be- wegung vollständig ausgeschlossen. Sollten die Unternehmer in Tarifgebieten sich Verstöße gegen die Vertragsbestimmungen zuschulden kommen lassen, dann sind Gegenmaßnahmen nur nach vorgängiger Vereinbarung mit den Zentralvorständen zulässig. Aus München meldet uns ein Privattelegramm: Die Scharf- macher im Baugewerbe beschlossen, sämtliche Maurer(Hoch- und Tiefbau), Zimmerer und Hülfsarbeiter Freitag, den 16. Juni, aus- zusperren. Weiter beschäftigt sollen solche werden, die sich unter- schriftlich verpflichten, aus ihrer Organisatton auszutreten und Streikende nicht zu unterstützen. Solche„Stützen der Gesellschaft" werden die Unternehmer hoffentlich nicht finden. Die Bauarbeiter in Dessau haben den allgemeinen Ausstand für den ganzen Ort beschlossen._ Ueber den Kampf der Metallardeiter in Bayern um das KoalitionS- recht wird uns aus München telegraphiert: Die Industriellen sind mit dem Metallarbeiter-Verband in Unterhandlung getreten, eine Einigung ist aber noch nicht erzielt. Es wurde vereinbart, die ge- plante Aussperrung in Nürnberg und Augsburg bis Mittwoch zu verschiebeu. Rusland. Der Kampf der ungarischen Metallarbeiter. Seit zwei Wochen stehen in Budapest 25 000 Eisen- und Metallarbeiter im Kampfe mit einer Anzahl von organisierten Scharfmachern. Der Streik begann, wie wir seinerzeit mitgeteilt haben, mir dem Ausstand der Metallgießer in der Oetlschen Maschinenfabrik. Dort verlangten die Arbeiter die Entlassung eines brutalen Werfführers. Der Fabrikant lehnte ab und steckte sich hinter den Fabrikanteuverband, der seiner- seits jede Unterhandlung mit den Arbeitern ablehnte. Es ist das der Landesverband der ungarischen Fabrikindustriellen, derselbe Verband, der vor einem Jahre die Anwendung von Gewaltmaßrcgcln gegen die Arbeiterorganisationen verlangte. Die Organisation der Eisen- und Metallarbeiter, die jetzt mehr als 10 000 Mitglieder zählt, beschloß, zur Unterstützung der Streikenden einen allgemeinen Ausstand der Eisen- und Metallarbeiter zu proklamieren. Und so beträgt die gegenwärtige Zahl der am Kampfe beteiligten Arbeiter 25 000. Es sind jetzt folgende Forderungen aufgestellt worden: Neunstündige Arbeitszeit, Festlegung von Minimallöhnen, Arbeitsvermittelung durch den Verband der Metallarbeiter, Anerkennung des 1. Mai als Ruhetag, wegen Angehörigkeit zum Verbände darf niemand gemäß- regelt werden. Die dem Unternehmerverbandc fernstehenden Firmen haben bewilligt. Außerdem auch eine Anzahl Verbandsfirmem Soziales. DaS alte Lied! Der Zenttalverein zur Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschiffahrt hat in einer in Oramenburg statt- gefundenen Versammlung zu der Frage der Sonntagsruhe in der Binnenschiffahrt Stellung genommen. Die anwesenden großen Reedereibesitzer äußerten die Anschauung, daß die Einführung der obligatorischen Sonntagsruhe das Schiffergewerbe vollständig zu- runde richten würde. Die Versammlung beschloß eine ausführliche tesolution. in der gegen die Einführung der obligatorischen Sonntagsruhe Einspruch erhoben und eine eingehende Nachweisung der tatsächlichen Vettiebsverhältniffe in der Fracht- und Binnen- schiffahrt in Aussicht gestellt wird. kommunales. Der neue städtische Hafen. Der Stadtverordnetcn-Ausschuß zur Vorberatung der Magistratsvorlage über die Errichtung von Hafen-, Bahn- und Speicheranlagen am Stralauer Anger hat mn Donnerstag seine Beratungen beendet. Der Antrag des Magistrats wurde mit folgender Aenderung angenommen: 1. Die Versammlung nimmt die Vorlage mit der Modifikation an, daß die Genehmigung des Abschlusses des der Vorlage beigefügten Vertrags- entwurfs mit der Korporation der Kaufmannschaft von Berlin und der Handelskammer zu Berlin vorbehalten bleibt. 2. Die Ver- sammlunq ersucht den Magistrat, mit der Korporation der Kauf. mannschaft von Berlin und der Handelskammer zu Berlin dahin in Verhandlungen zu treten, daß in dem abzuschließenden Vertrage a) die Verzinsung des Wertes der seitens der Stadtgemeinde ein- zubringenden Grundstück« bei der Gewinnberechnung berücksichtigt wird, d) daß bei Rückzahlung der für die Deckung der Fehlbeträge von den Kontrahenten erforberlich gewordenen Zuschüsse die von der Stadtgemeinde geleisteten im gleichen Verhältnis wi- die von den Gegenkontrahenten gewährten zu tilgen sind, c) daß die Garantieverpflichtung mit dem ersten Tage des Kalenderquartals beginnt, welches auf die Eröffnung des Betriebes der zurzeit geplanten Speicheranlagen folgt. 3. Die Versammlung ersucht den Magistvat ferner, mit den Staatsbehörden über Herabsetzung des Preises für die von dem Fiskus zur Herstellung der Hafenanlaße der Stadt- geureinde zu übereignenden Wasserflächen in Verhandlung zu treten. Letzte I�achricbten und Depelcbea Die Friedensfrage. Washington, 15. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureau»".), Amtlich wird erklärt, daß Washington als Ort für die Friedens- kvnfecenz gewählt sei._ Die Semstwo-Delegation. Petersburg. 15. Juni.(W. T. B.) In einer heute statt. gehabten Beratung sänttlicher von der Moskauer Semstwo- Per» samnflung gewählten Deputierten wurde im Hinblick darauf, dah nur einige Mitglieder de- Deputation durch den Kaiser empfange» werden sollen, folgende Resolution gefaßt: „Die Deputation erachtet die Erfüllung der ihr von der Semstwo-Bersammlung übertragenen Pflichten nur dann für möglich, wenn in der Zahl der vorgelassenen Deputierten sich Mitgleder aller Fraktionen der Moskauer Semstwo- Per- sammlung befinden." Berantw.Red.: FranzRehbein, Berlin. Jnserateverantw.(mit Ausnahmeder.NeueWelt"-Beilage):Th.Gl0lle, Berlin. Druck u.Te-iag- BorwärtSBuchdr.u. Beriagsanst-Paul Singer s- Co., BerimSV?. Hierzu»Beilagen».»nterhaltnngSbl Nr. 138. 22. Jahrgang. 16. Generalversammlung des Uerbaudes deutscher! Kergarbeiter. Berlin, 15. Juni. Sechster Verhandlungstag. Kurz nach 8'/, Uhr eröffnet der Vorfitzende Sachse die Sitzung. Er teilt mit, das; am 13. d. M. in Harpke bei Helmstedt fünf Kameraden verschüttet und nur als Leichen geborgen worden find. Die Delegierten erheben sich zu Ehren der verunglückten Kameraden von ihren Plätzen. Dann wird in die Debatte über Die internationale Arbeiterbewegung eingetreten. Vorsitzender Schröder bekämpft den Schluffpassus der vor- gelegten Resolution, die für den Fall, daß bei dem nächsten internationalen Kongreff kein internationales Sekretariat eingerichtet wird, die internationalen Kongresse nicht mehr beschickt sehen will. Die Zwisligkeiten in der internationalen Arbeiterbewegung seien meist nur Mißverständnisse und Deutschland hätte vor allem Grund, den Engländern für manche Unterstützung dankbar zu sein. Hue schließt sich diesen Ausführungen an und beantragt, es dem Vorstand zu überlassen, ob er, falls auf dem nächsten internationalen Kongreß das Sekretariat nicht geschaffen wird, die weiteren Kongresse beschicken will oder nicht. Ebert-Oesterreich erklärt, daß die Oesterrcicher die alljährlichen internationalen Kongresse wegen der Kosten nicht mehr beschickem Sie würden sich aber gern beteiligen, wenn ein Beamter zur Er- ledigung der internationalen Korrespondenz eingesetzt würde. Dölle-Zeitz hat die Hoffnung auf eine Verständigung mit den Engländern aufgegeben, da diese stets ihre besonderen Interessen über die der Allgemeinheit stellen. Sie fürchteten offenbar, daß bei einer Stärkung der internationalen Organisation die Leitung auf die Deutschen übergehe und würden ihr deshalb nie zu- stimmen. Peter MeiS- Gelsenkirchen und Scholthssck. Beuthen protestieren gegen die Verletzung des Majoritätsprinzips, das in der Zurück- ziehung von den internationalen Kongreffen liegen würde. In der Abstimmung wird der Antrag Hue mit großer Mehrheit angenommen. Fast einstimmig beschließt die Generalversammlung, auch den internationalen A r b e iter k o ng r e ß zu Stuttgart zu beschicken und zwar durch drei Delegierte. Zum isiternationalen Bergarbeiterkongreß werden 10 Delegierte gesandt. Hierauf hält Sachse sein Referat über de» Stand der deutschen Berggesetzgebung. Er geht auf die von der Regierung eingebrachte Vorlage zur Regelung der Bergarbeiterverhältnisse und den Verlauf der ganzen Gesetzgebungsaltton im preußischen Landtage ein, und geißelt dabei das Doppelspiel der Regierung und des Zentrums, die beide die den Arbeitern gemachten Versprechungen nicht gehalten haben. Er fährt dann fort: Wir haben von Anfang an den Standpunkt ein- genommen, daß die Gesetzgebungsmaschine im Reich in Bewegung zu setzen sei, daß wir vom Landtage nichts zu erwarten haben. Am liebsten hätte die Majorität des Abgeordnetenhauses aus der Vorlage ein Knebelgesetz gemacht, eine ZnchthauSvorlage zum Schutze der Arbeitswilligen. Dabei hat die Regierung selbst zugegeben, daß in der Vorlage nichts enthalten sei, was nicht schon im Jahre 1889, also vor lö Jahren, sogar von Männern, wie dem nationalliberalen Abgeordneten Dr. Hammacher als berechtigte Forderungen der Bergarbeiter anerkannt worden sei. Die Landtags- Majorität hat die Regierungsvorlage derart verstümmelt, daß die Bergherren jetzt selbst den Kampf gegen das Gesetz aufgegeben haben, weil sie wissen, daß eS ihnen nichts mehr schaden kann. ,dsbeamtei,*beim Verein.Arbeiterpresse" empfehle sich schon wegen der Einheitlichkeit mit allen anderen Gewerkschaften. Es wird nunmehr dem Kassierer der Hauptkasse. Werner, einstimmig Decharge erteilt.— ReichStagS-Abgeordneter Geyer-Leipzig wohntden Verhandlungen als Gast bei.— Bei der Abstimmung über die Anträge werden jene, welche die Anstellung weiterer Bezirksleiter wünschen, dem Vorstande zur Erledigung überwiesen. Einstimmige Annahme findet ein Antrag München, wonach eine Statlstik über die EntWickelung der Tarifverträge aufgenommen und zum Selbstkostenpreise an die MitgUeder abgegeben werden soll. Der bereits skizzierte Solinger Antrag bezüglich der weiblichen Mit- glieder wird in der Weise erledigt, oaß überall dort, wo ein Be- dürfniS wirklich vorliegt, der Vorstand selbstverständlich im Sinne des dortigen Antrages handeln wird, die schematische Erledigung aber wird vom Vorsitzenden des Verbandstages für untunlich erklärt. In der BerschmelzungSftage der Sektionen wird dem Vorstande der paffende Zeitpunkt überlassen. Dann tritt die Mittagspause ein. In der NachmittagSsitzung wird die Beschluhfaffung über die Anträge zum Vorstandsbericht fortgesetzt. Eine Reihe von Anträgen werden den Kommissionen überwiesen mid zu anderen Tagesordnungspunkten zurückgestellt, werden daher nochmals den Verbandstag beschästigen. Andere werden dem Vorstande zur Er- ledigung überwiesen, darunter ein solcher, der sich mit der Wahlkreis- Einteilung befaßt. In bezug auf das Verhältnis des Metallarbeiter- Verbandes zu anderen Verbänden wird dem Borsrande empfohlen, mit den in der Metallbrauche in Frage kommenden Zentralvorständen zwecks der Anmeldefrist bei Streiks und Lohnbewegungen in Verbindung zu treten, um Einheitlichkeit in dieser An- gelegenheit zu schaffen. Betreffs der VerschmelzungS- frage mit anderen Verbänden wird darauf hingewiesen. daß beispielsweise der Verband der Werstarbeiter mit seien etwa 3000 Mitgliedern dem Metallarbeiter-Verband wie ein Bleigewicht an den Füßen hänge. So hat man bei dem vorjährigen großen Werstarbeiterstreik mit 21 verschiedenen Organisationen zu rechnen gehabt. Eine derartige Zersplitterung kann der Arbeiterschaft unmöglich zum Segen gereichen. Dein Vorstande wird daher anheimgegeben, mit dem Vorstande der Schmiede, Werstarbeiter jc. zwecks Verschmelzung der Verbände in Verbindung zu treten. Das Generalversammlung-:- Protokoll wird unter Ablehnung eines An- träges auf Verbilligung nach wie vor entsprechend dem Vorschlage des Vorsitzenden zum Selbstkostenpreise herausgegeben. Da es sich herausgestellt hat, daß der Zentral-Arbeitsnachweis der Feilenhauer seine Aufgabe als Organisationswaffe nicht erfüllt hat. wird derselbe eingehen. m- Die Antrage, das VerdandSorgan betreffend, welche vorher von oer Beratung getrennt wurden, zeitigte nunmehr eine lebhafte Dis- kussion.� Redakteur Sch e r m- Stuttgart verbreitet sich in eingehender Weise über die Aufgaben des Fachorgans und die Schwierigkeit, den > in den Anträgen niedergelegten verschiedenartigen Wünschen m gleicher Weise gerecht zu werden. In der Diskussion wird allgemein der hohe geistige Stand des FachorganS anerkannt, doch wünscht man eine Verringerung der Diskussion mit den Hirsch- Dunckerschen, welche sich dadurch nur sehr wichtig vorkommen. Ebenso möge man private Inserate einschränken oder gar nicht mehr aufnehmen, dafür aber wissenschaftliche oder fachtechnische Artikel bringen. Andere Anträge bezw. Diskussionsredner ver- langen die Herausgabe fachtechnischer Monatsbeilagen. Sämtliche zu diesem Teil des zweiten Punktes der Tagesordnung vorliegenden Anträge werden einer zu diesem Zwecke gewählten fünfgliederigen Kommission überwiesen. Damit ist der zweite Punkt der Tages- ordnung erledigt. Der dritte Punkt betrifft die Revision des Verbands- statuts, wobei die Frage des Ausbaues des Unterstützungswesens, vor allem die geplante Einführung der Erwerbslosen- Unterstützung an Stelle der bisherigen Arbeitslosen- Unter- stützung die Hauptrolle spielt. Da der hierzu vorgesehene Referent. das Vorstandsmitglied G. Reichel- Stuttgart, telegravhijch von der Generalversammlung abberufen wurde, übernimmt das Referat das Vorstandsmitglied R. M a s s a t s ch-Stuttgart, welcher in ausführlichen Darlegungen die Porlage des Vor- stanöes dem Verbaudstage zur Annahme empfiehlt, nachdem er kurz die Geschichte der EntWickelung des Verbands-Unterstützungs- Wesens skizziert und gegenwärtig vorhandene Ungleichheiten des Unterstützungswesens zwischen Verheirateten und Ledigen erwiesen. Die alte Mär, daß durch den Ausbau des Unterstlltzungswesens der Kampfescharakter der Organisation verloren ginge, ist längst alS un- zutreffend erkannt. Die Vorlage des Vorstandes basiert aus einer Wahrscheinlichkeitsberechnung, wie sie auch zu anderen Zwecken auf- gestellt und sich gut bewährt habe und empfiehlt: 1. Trennung des Reisegeldes von der Arbeitslosen-Unterstiitzung und Vereinigung desselben mit der UnizugS-Unterstützung, so daß beide Unterstützungen gegen einander aufgerechnet werden können. Festsetzung der Jahressumme für Reisegeld und Umzugsuiitcr- stützung auf 30 M. nach einjähriger, 35 M.»ach zwei-, 40 M. nach drei-, 45 M. nach vier- und 50 M.»ach fünfjähriger Mit- gliedschaftsdauer. Festsetzung der Mindestentfernung bei Reisegeld und UmzugSunterstützung auf 25 Kilometer. Gewährung von Reisegeld in gleicher Weise wie die Umzugskosten in den Fällen, in denen ein nicht ortsansässiges Mitglied außerhalb Arbeit an- genommen hat, ihm aber die Mittel zur Reise fehlen, um die Arbeit rechtzeitig annehmen zu können. 2. Erweiterung der Arbeitslosenunterstützung zur Unterstützung bei vorübergehender Erwerbslosigkeit und Verlängerung der Bezugszeit derselben von zehn auf zwanzig Wochen im Jahre unter Beibehaltung der bisherigen Sätze. 3. Einführung eines Sterbegeldes an die Hinterbliebenen eines Mitgliedes. 4. Zur Durchführung dieser Erweiterung eine Erhöhung der Blei träge um 10 Pfennig für männliche und b Pfennig für weibliche Mitglieder. Der Korreferent Otto H a n d t k e- Berlin beleuchtet die Frage von einer anderen Seite an der Hand eines reichhaltigen Materials, welches nach seiner Ansicht gegen die Einführung der Erwerbslosen- Unterstützung spricht. Er empfiehlt in Anbetracht der Tatsache, daß die Frage noch nicht spruchreif erscheint, die glatte Ablehnung der Borstandsvorlage. Der Andrang zur Wortmeldung ist bei der nunmehr erfolgenden Eröffnung der Diskussion ein außerordentlich starker, und wird die Debatte so geführt, daß je ein Befürworter und dann ein Bckämpser der Vorlage zum Worte gelangt. Wir werden niorgen die leitenden Gesiichtspunkte der Gegner und Freunde der Erwerbslosen-Unter- stützu.rg in gleicher Weise summarifch zur Kenntnis bringen. Schluß der Nachmittags-Sitzung ö�Uhr abends. � Leitzzig, 15. Juni.(Privatdepesche.) Die Einführung der Er- werbslosen- Unterstützung wurde am Donnerstag nach lebhafter Debatte laut Vorstandsantrag in namentlicher Abstimmung mit 121 gegen 4i Stimmen beschlossen. Von den Berliner Delegierten stimmten 10 für, 27 gegen den Antrag. Die beantragte Ur- abstimnucng wurde mit 114 gegen 46 Stimmen abgelehnt. Gtumlvttlalnlllluug des Deutschen Wersturbeiter- Verbundes. Dritte und vierte Sitzung. Kiel, den 11. Juni. Als Gäste nahmen an den Verhandlungen die Genossen Schumann, als Vertreterl der Generalkommission, und Paul Müller, Vorsitzender des SeemannS-Verbandes, teil. Kassenbericht. Der Kassie rer des Verbandes, Genosse H e i n r i ch s e n, erläutert den gedruckt vorliegenden Kassenbericht, den wir am Ein- gange unseres Berichts iiber diese Generalversammlung aus- zugsweise mitteilten. Von feiten des Vorstandes wird leb- Haft Klage geftihrt, daß einzelne Verwaltungsstellen in statutwidriger Weise Verbandsgelder verwenden. Die General- Versammlung kommt einmütig zu der Ueberzeugung, daß diesem in Zukunft vorgebeugt werden muß. Betont wird im Verlauf der Debatte, daß der Verband im Binnenlaude, speziell im Elbgebiet, in der Berichtsperiode erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Bei Beratung des Berichts über die Presse wird allgemein gewünscht, daß das Organ deS Verbandes.„Der Werftarbeiter", einen etwas frischeren Ton anschlagen möge. Ge- trennt war die Meinung darüber, ob im„Werftarbeiter" mehr der berufliche oder der wirtschaftspolitische Stoff hervortreten soll. All- gemein gab man aber zu, daß bei dem geringen Umfange und der Utägigen Erscheinungsweise die Erwartungen nicht allzu hoch ge- spannt werden dürfen. Beschlüsse wurden hierüber nicht gefaßt. Damit war der Bericht des Vorstandes erledigt. Dem Vorstand und Ausschuß wird Decharge erteilt. Taktik bei Streiks. Der Referent Genosse O e l l e r i ch, Vorsitzender deS Verbandes, »äßt noch einmal alles, was wir schon gestern über die„wilden Be- wegungen", hervorgerufen durch das statutwidrige Verhalten einiger Zahlstellen, berichtet haben, Revue passieren. Er verlangt kategorisch. daß man bei beabsichtigten Lohnbewegungen sich zunächst an den Vorstand wendet, diesen mit Material versieht, damit er in der Lage ist. die Forderungen zu präzisieren. Redner verurteilt eS auf das schärfste, daß man dies bisher so oft uitterließ. Mau glaubte genug getan zu haben, wenn nian mit den auf der Werft in Frage kommenden anderen Gewerk- schaften die Sache beraten hatte und nachträglich dem Vorstand Mitteilung machte und zwar so spät, daß ein erfolgreiches Vorgehen geradezu unmöglich gemacht worden war. Kartellvorsitzende. Bericht- erstatter der Presse und Gewerkschastsvorstände ladet man zu Be- sprechungen ein, der Vorstand erfährt von der Sache erst, wenn es ält I n d er Debatte wird betont, daß nicht i» allen Fällen so. wie es der Referent gewünscht hat, gehandelt werden kann. Die Kartelle, das müsse zugegeben werden, hätten bei Lohn- bewegungen nichts dreinzureden. Aber der Erfolg sei noch nicht gesichert, wenn der Zeitpunkt vom Vorstand für gekommen er- achtet werde. Eine rechtzeitige Verständigung mit den in Betracht kommenden Geiverkschaften sei in den meisten Fällen unumgänglich notwendig Die Debatte endet mit der Annahme einer Resolution, in der das Verhalten der betreffenden Zahlstellen aufs schärfste verurteilt und die Erwartung ausgesprochen wird, daß an maßgebender Stelle in Zukunft aus solchem Verhalten die Konsequenzen gezogen iverden. Im übrigen wird das Verhalten des Vorstandes als korrekt bezeichnet. Schntzkongreß der Werft-, Hafen- und seemännischen Arbeiter. Infolge Heiserkeit deS zu diesem Punkte bestimmten Referenten Genossen O e l I e r i ch hatte Genosse Paul Müller, Vorsitzender des Seemaimsverbaudes, das Referat übernommen. Er betonte mit Nachdruck die Notwendigkeit solcher Kongresse. In einem Klassenstaate, wie es das„verrussle" Preußen-Deutschland ist, haben die Be- Hörden, die zur Anwendung der sozialen Gesetze eingesetzt sind, ihre vornehmste Aufgabe in der Wahrung der Interessen der Unternehmer erblickt. Die Arbeiter haben die Pflicht und Schuldigkeit, Einfluß auf die Aulvendung der sozialen Gesetze zu gewinnen und zu pro- testieren. ES muß alles daran gesetzt werden, die elenden Verhältnisse, unter denen die in der Schiffahrt sowie beim Schiffsbau beschäftigten Arbeiter leiden, der breitesten Oeffentlichkeit bekannt zu geben. Regierung und Gesetzgebung können nicht umhin, solchen Demonstrationen Beachtung zu zollen.— Zweckmäßig sei. einen solchen Kongreß nicht von einem einzelnen, sondern von allen in Schiffahrt und im Schiffsbau beschäfiigten Bcriifsgrnppen einzuberufen. Hierzu gehören die Werftarbeiter, Hafenarbeiter, Seeleute und zum nicht geringen Teil auch die Metallarbeiter. Es sei in Aussicht genommen, diesen Kongreß schon im Monat Dezember nach Berlin einzuberufen. Die Generalversammlung beschließt nach etwa eiustündiger Be� ratuug, den Vorstand mit den nötigen Vollmachten zur Einberufung eines solchen Schntzkougresses auszustatten. Im Anschluß hieran wird ein Antrag des Verbandskassierers, Genossen Heinrichsen angenommen, dahingehend, die aus der Lübecker Generalversammlung eingeführte llnfallstatistik wieder aufzuheben, da sie brauchbares Material bislang nicht ge liefert habe und der Vorstand gleichzeitig zu beauftragen, perio- d i s ch e Erhebungen zu veranstalten. Gewerkschaftskongreß. Für diesen Bericht war ebenfalls der Genosse Oellerich bestimmt. Unter den mitgeteilten Umständen hatte sich Genosse Schumann, Vertreter den Generalkommission, bcreiterklärt, den Bericht zu erstatten. Der Referent stellt sich in allen Punkten auf den Boden der gefaßten Beschlüsse. Der Kongreß habe auch wohl die berechtigterweise an ihn zu stellenden Erwartungen erfüllt. Verbünd der Vorzellnn-Arbeiter. Der größte Teil der DonnerStag-Sitzung wurde mit der Debatte über die Frage der Anstellung von besoldeten Gauleitern ausgefüllt.— Beschlossen wurde, daß für Thüringen ein Gauleiter probeweise anzustellen ist. Zum Punkt„Agitation" wurde ferner beschlossen: Die Generalversammlung beauftragt den Vorstand, die gewerkschaftlichen Institutionen: Sekretariate, Kartelle usw. für die Agitation in unserem Berufe in Anspruch zu nehmen. Die dadurch entstehenden Kosten sind dem Borstand von vornherein bewilligt. Der Vorstand wird ermächtigt, etwa innerhalb Jahressrist eine weibliche Hiilfskraft im Bureau anzustellen, sofern eine solche unter den Verufsgenossinnen gefunden wird, welche die nötigen Fähigkeiten besitzt oder erwerben kann, um später agitatorisch zu wirken.— Die sonst noch zu diesem Punkte angenommenen Anträge beziehen sich auf innere Verwaltungsangelegenheiten. Nachdem dieser Punkt der Tagesordnung erledigt war, legte die Kommission, Ivelche die Anträge zur obligatorischen K r a n k e n u n t e rst ü tz u n g beraten hat, einen neuen Antrag vor. Derselbe setzt für die Untersttitzungen sechs Beitragsstufen fest, zu 5, 10, 15, 20, 30, 40 Pfennig und gewährt da- für an Krankengeldzuschuß pro Woche: 1,25, 2,50, 3,75, 5,00, 7,50, 10,00 M. Der Zuschuß wird gewährt nach einer Beitrags« leistung von 52 Wochen bis zu 6 Wochen, nach 104 Wochen bis zu 10 Wochen, nach 156 Wochen bis zu 15 Wochen, nach 208 Wochen bis zu 20 Wochen, nach 260 Wochen bis zu 26 Wochen. Der Zuschuß wird vom vierten KrankheitStage an gezahlt. Die Wahl der Beitragsstufe ist allen Mitgliedern freigestellt.— An Sterbeuntersttitzung wird in den sechs Klassen gewährt: Nach einer Mitgliedschaft von 52 Wochen 5, 10, 15, 20, 30. 40 M.: nach einer Mitgliedschaft von 260 Wochen 7,50, 15. 22,50, 30. 45. 60 M.— Wöchnerinnenunterstütznng wird gezahlt: In den ersten drei Beitrags- klaffen 10 M., in den drei höheren Bcitragsklassen 15 M.— Dieser Antrag der Kommission wurde in namentlicher Ab- stimmung mit 31 gegen 12 Stimmen angenommen und der Porstand ermächtigt, den Zeitpunkt zu bestimmen, an dem die UnterstützungS- einrichtung in Kraft treten soll. Eins der frauenbewegung. In Teltow wurde am 13. Juni nach einem Referat der Frau Bäumler-Schöneberg ein Bildungsvercin für Frauen und Mädchen gegründet und der provisorische Vorstand mit der Ausarbeitung der Statuten beauftragt._ Huö Industrie und Handel. Der Zentralverband deutscher Konsumvereine im Jahre 1SV4. Der nach dem bekannten Krach auf dem Genossenschaftstag in Kreuznach im Jahre 1003 in Dresden gegründete Zentral- verband deutscher Konsumvereine hat sich während der kurzen Zeit seines Bestehens rapid entwickelt. Er repräsentiert in Deutschland die eigentliche systematische Konsumvereins- b e w e g u n g. Das Sekretariat des Zentralverbandes hat soeben einen Rechenschaftsbericht auf das verflossene Jahr herausgegeben. Demnach gehörten Ende 1904 dem Zentralverband 760 einzelne Ver- eine an(die Zahl ist unterdessen auf 800 gestiegen), die insgesamt 610 588 Mitglieder hatten. Das ist eine Steige- rung der Mitgliedcrzahl de« Zenttalverbandes um 74 130 gegen das Vorjahr. Die Zahl der beschäftigten Per- , o n e n ist von 7021 auf 8281 gestiegen. Der Gesamtumsatz erhöhte sich von 176456 540 aus 202 646 180 M. In eigener Produktion wurden für 17 002 086 M. Waren hergestellt. Das eigene Kapital erfuhr einen Zuwachs von 17l/3 Millionen auf lO'/i Millionen Mark. Der Reingewinn betrug 16� Millionen Mark,'wovon 14 014 000 M. an die Mitglieder zurückvergütet wurden. � Interessant ist eine Statt st ik über die Berufe der Mitglieder, die sich auf rund fünfhundert- tausend Personen erstreckt. Danach entfallen auf: selbständige Gewerbetreibende 44 263, selbständige Landwirte 10 289, freie Berufe, Staats- und Gemeindebeamte 30 122, ohne bestimmten Beruf 36 376, Lohnarbeiter aller Art rund 374000, weib- liche Mitglieder 67 285. Bemerkenswert ist, daß die Zahl der letzteren um weit über das Doppelte stieg, während die Zahl der männlichen Mitglieder in der Gruppe der gegen Lohn und Gehalt beschäftigten sich entsprechend verringert. Diese Tatsache er- klärt sich daraus, daß vielfach in Staats- und Ge- meindebetrieben den Angestellten die Mitglied- schaft in einem Konsumverein verwehrt wird und an ihrer Stelle die Frauen Mitglieder werden. So zeigt sich auch diese Gewaltmaßregel gegen die Konsum- vereine im wesentlichen als ein Schlag ins Wasser. DaS Rückgrat der Konsumvereinsbewegung bilden die Lohnarbeiter, in dem einen Bezirk mehr, in dem anderen weniger. Der Zentralverband teilt sich in sieben sogenannte Unterverbände, von denen der sächsische der weitaus stärkste ist. Er umfaßt nahezu ein Drittel aller Mitglieder des Zenttalverbandes allein und der Umsatz seiner Vereine beträgt noch mehr als ein Drittel. Außer- dem ist auch die G r o ß e i n k a u f s g e s e l l s ch a f t in Hamkmrg Mitglied des Zenttalverbandes. ProduktivgenvsjeN' schaften gehören ihm 14 mit 3413 Mitgliede'-n an. Der Miglicderzahl nach umfaßt der Zentralberband deutscher Konsumvereine mehr als dreiviertel aller Mitglieder der eingetragenen Konsumvereine überhaupt. Die nächst größte Gruppe gehört dem Dr. Crügerschen Allgemeinen Verbände an, und zwar 272 Vereine mit 248 000 Mitgliedern. Den größten Teil und auch den besten. hat der Allgemeine Verband seit Kreuznach verloren und an den neuen Zentralverband abgeben müssen.— Im Durchschnitt entfiel auf jedes Mitglied im letzten Jahre 25,35 M. Reingewinn, neben guten, preiswerten Waren der direkte materielle Vorteil der Mit- glieder. Um der vielfach verbreiteten irrtümlichen Auf- faffung zu begegnen, daß die Konsumvereine keine Steuern zu zahlen brauchen, sei erwähnt, daß die Vereine des Zentralverbandes 1004 nicht weniger wie 1 330 000 M. Steuern an Staat und Gemeinde zu zahlen hatten. Zu Umsatz- oder anderen Sondersteuern liegt also wirklich kein Anlaß vor. Bemerkenswert ist auch, daß von dem erzielten Reingewinn 300 457 Mark zu gemeinnützigen und wohltätigen Zwecken gegeben wurden; das dürfte Material für den konsumvereinstötenden Professor Suchsland in Halle sein. Im übrigen gibt der Bericht bis ins kleinste zahlenmäßige und andere Auskunft über die Enttvickelung und den Stand der Konsum« vereine des Zenttalverbandes. Zahlreiche Tabellen geben besonders wertvolle geschäftliche Ueberblicke. Schließlich sei noch erwähnt, daß der Zenttalverband deutscher Konsumvereine eine eigene Verlagsanstalt betreibt. Dort er- scheint das Fach- und Publikationsorgan, die„ K o n s u m g e n. Rundschau" in einer Auflage von zirka 6400. Das Blatt wird hauptsächlich von den Verwaltungen gelesen, teilweise auch den Angestellten geliefert. Außerdem erscheint ein Frauen- g e n o s s e n s ch a f t s b l a t t von Zeit zu Zeit in zirka 146 000 Auf- läge. Das Blatt soll in Zukunft einen mehr genossenschaftlichen Charakter annehmen. Das erscheint allerdings sehr Wünschens- wert. Außerdem erscheint das Jahrbuch des Zenttalverbandes in diesem Verlag, und von Zeit zu Zeit werden Propagandaschriften in Form sogenannter genoffenschaftlicher Volksbücher herausgegeben; bisher erschienen deren sieben. Im übrigen ist dieser Verlag eine Zentralstelle für alle möglichen Drucksachen der Konsumvereine. Der Bericht zeigt, daß in der Konsumvereinsbewegung reges Leben herrscht, und wenn sie sich in den gegebenen Grenzen hält, kann sie sicher noch recht Ersprießliches für die deutsche Arbeiterschaft neben der politischen und gewerkschaftlichen Organisatton leisten._ Der schweizerische Außenhandel betrug im 1. Quartal 1905 299,06 gegen 207,41 Millionen Frank in der gleichen Zeit des Vor- jahres in der Einfuhr und 229,20 bezw. 222,10 Millionen Frank in der Ausfuhr. ES sind demnach Einfuhr und Ausfuhr gestiegen. Eingegangene DpucfcfcKntten. Zur Geschichte der deutsche» Fabrikgesetzgebung. Der erste sozialpolitische Versuch in einem deutschen Parlament. Von F. I. Buh, badischer Landtags- Abgeordneter. 1837. Kammerverhandlung zu seiner Motion bettcffend die Fabrikgesetzgebung. Vorwort von Ad. Geck, Geleits- wort von A. Bebel. 41 Seiten. Preis 40 Ps. Verlag A. Geck in Offen- bürg(Baden). Frib ReiningbauS. Gerechtigkeit und wirksamen Rechtsschutz schaffe das schweizerische Zivilgefetz für die außereheliche Mutter und ihr Kind. Zürich. Kommissionsverlag Orell Füßli. Zidouie Grünwald- Zerkowin. Wie verheiratet man mitgistlose Mädchen? Wien. K. K. UnivcrsitätS- Buchhandlung Georg Szelinski. (f. Fink. Touristen- Wademekum. Wien. K. K. Unwersitäts. Buch- Handlung Georg Szelinski. Grotzstadtdokiinieute. Awert Weidner: Aus den Tiefen der Berliner Slrbciterbewcgung. Berlin und Leipzig. Herm. Seemann Nachfl., G. m. b. H. A. Wirth. Die gelbe und die slawische Gesahr. 34 Seiten. Preis 1 M. Verlag Gose u. Tetzlaff. Berlin, Bclle-Allianeestt. 3. Rechenschaftsbericht über die Tätigkeit der VerbandSorgane nebst Rechnung pro 1904 der schweizerischen Konsumvereine. 38 Seiten. Buch- druckerci G. Krebs, Basel, Fischmarkt 1. Was mutz der Arzt von der Raturheilmrthode wiffe»? Von Dr. med. Ziegelroth. Berlin 3. 59. Verlag des.Naturarzt". 50 Pf. „Die Nene Grsellschast." Lest 11. Verlag der.Neuen Gesellschast", Berlin W. 35. Einzelhest 10 Ps. Vierteljährlich 1,20 M. 91. Maas?. Fachwissenschastliches aus der Fleischerei. 40 Seiten. Preis 50 Ps. Verlag A. Maas;, Kolberg. Münderstr. 19. Ter Zcntralverbaud deutscher Konsumvereine im Jahre 1904 136 Seiten. Preis 1 M. Verlag Zentralverband deutscher Konsumvereine, Heinrich Kaufmann u. Co., Hamburg. Monatsschrift des Deutsch- Brasilianischen Vereins. Heft 5. Geschästsstelle Wilmersdors-Berlin, Kaiser-Allee 180. Dr. G. Liebe.„Werde gesund!" Zeitschrift für VolkSgesundheits- pflege und KrankbeitSvcrhütung. Hcst 6. Monatlich ein Hest. Preis vierteljährlich 75 Ps. Verlag Th. Krische, UniverjitätS- Buchhandlung, Erlangen. Lösung der sozialen Frage. Rus an die Arbeiter. Von I. W. Lcipzig-Berlin. Modernes Verlagsbureau C. Wigand. .Mutterschutz», Zeitschrist zur Resorm der sexuellen Ethik. Heraus- gegeben von Dr. Phil. Helene Stöcker. SauerländcrS Verlag, Frank. fürt a. Main.„„.. Hermann Henbncr. Ferdinand Lassalle. Leipzig. H. A. Ludwig �enencir. F. I. Ritter v. Buk. Zur Geschichte der deutschen Fabrikgesetz. gebung. Erste sozialpolitische Rede in einem deutschen Parlament im Jahre 1837. 47 Seiten. Preis 40 Ps. Verlag Adolf Geck, Offenburg. 9l. Pctrowtc. Der russische Umsturz und die Sozialdemokratie. 84 Seiten. Preis 2 M. Verlag Hermann Walther, G. m. b. H., Berlin. Kommandantenstr. 14._. Grnst Höckel. Der Kamps um den Entwlckelungsgedanken. Drei Vorträge. 112 Seiten. Broschiert 2 M., gebunden 2,50 M. Verlag Georg Reimer, Berlin, Lützowstr. 107/108. Friedtjof Nansen. Norwegen und die Union mit Schweden. 71 Seiten. Verlag F. A. BrockhauS, Leipzig. Vierter Jahresbericht der Kartcllkommisfion der Gewerkschasten In Köln a. Rh. über das Jahr 1904 nebst Bericht des Zlrbeitcrsettetariats In Köln 1904. 96 Seiten. Preis 20 Ps. Verlag.Rheinische Zeitung», Köln. Mazedonien. Eine militärpolitische Swdie. 29 Seiten. Preis 1 K. Verlag L. W. Seidel u. Sohn, Wien 1905. Zentral-Waiiil der Maurer Deutselilauds. Zweigverein Berlin. Sektion d.Gips-u.Zenientbranehe. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Nabitzspanner Karl Brackraek am 9. Juni am Herzschlag ver- starben ist und am 12. Juni er. zur letzten Ruhe gebettet wurde. Ehre seinem Andenken: Der Sektionsvorftand. Allen lieben Freunden und Be. kannten die ttaurige Nachricht, dasi mein lieber Mann, unser Vater, Bruder, Onkel und Schwager, der Fräser Wkk Boeck nach kurzem aber schwerem Leiden sanst entschlajen ist. 2404b Die Beerdigung findet Sonn- tag, den 18. Juni 1905, nach- mittags 3'/, Uhr, von der Leichen- halle des ZlufcrstehungS-KirchhoseS in Wcißensce aus statt. Wittve Boeck nebst Kindern und Geschwistern. Für die so überaus zahlreiche Be« teitigung und die schönen Blumen- spenden bei der Beerdigung unseres guten Sohnes, Bruders und Schwagers Franz Galle sage ich allen lieben Freunden und Bekannten meinen liesgesühltesten Dank. Herzlichen Dank auch seinen Kol- legen vom Bau, dem Verband deutscher Zimmerer, dem Sparvcrcin.Vor- wärtS", den Kolonisten deS„Para- dieses", sowie auch dem Gesangverein „Podestta" sür seinen erhellenden Gesang. 2412b Pnnl«alle im Namen der trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere der Vereinigung der Maler-c. und dem 708. Bezirk des Wahlvcreins des 6. Kreises sür die rege Beteiligung und den zahlreichen Kranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes meinen herz- lichsten Dank. 35032 Die ttauernde Witwe Scholl!, _ Gropiusstr. 4._ K ranz- u. Blumenbinderei von H. Eckert, J>8. Kottbnser Damm 98.• Roh-Tabnk ENailDII Dempltnerstr. 3. • naUvD) a. d. Schwehterskatze Kür de» Inhalt der Inserate »berniinint die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung. UKeater. Freitag, den 16. Juni. Ansang 71/, Uhr: cpcrnhaus. Romeo und Julia. RcneS Operntheater. Jung-Hcidcl- berg. Berliner. Lili. Deutsches. Der Vielgeprüfte. Anfang 8 Uhr: Westen. Der Strohwitwer. NeucS. Der Familicntag. Thalia. Die Pfahwauer. Residenz. Die Frau im Fenster. Itodorsmus. Schiller O.«Wallner- Theater.) Die Logenbrüder. Schiller»l.(Friedrich Wilhelm- städtisches Theater). DaZ Heirats- nest. Zentral. AU-Heidelberg. Kleines. Salome. National. Frizzo. Lustspielhans. Biederleute. Carl Weis?. Wahre Liebe. Bellc-Zllliance. Madame Tip-Top. Rcichshallcn. Stettiner Sänger.— Spezialitäten. Herrn fcld-Thcater.Winter-Tymian- Sänger. Apollo. Am Hochzeitsabcnd.— Spezialitäten. Wintergarten. Harry Allister.— Spezialitäten. Passage. Theater. General-Konsul. Jean Paul.— Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Maxim. llrania. Tandenstraste 48/40. 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Aga die schwebende Jungfrau. ________ Max Ktiems Sommer-Theater| Hasenheide 13—15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. � Täglich: Gr. Konzert, Theater und' SpeziahtätensVorstellung. Jeden Donnerstag: Llite-7sg. Fenisprecher IV. 8891. Max Klicm. Am Sonnabend, den 17. Juni 1005: Gr. JVIondfchcinfabrt mit JVIufih» nach dem romantischen„MiftslTAlIS Loi'clcy". Nach der Ankunft Garten-Konzert und Hall. M«?"T Restaur. z. Sctoltheip,JÄT".'- r 50 Pf. Rückfahrt ev. 1 Uhr nachts. Hin und zurück nur 50 Pf. Nücksahrt de??8?Ju ni' er.: I'ron,eiva«Ienfahrt aus dem stltiggetTee mit Kaffeepause im 8eetcl?töl!ct?en. _ Abfahrt um 2'/, Uhr mittaas. Hill und zurück 75 Ps. DM- Tägliche billige Sonderfahrten Oberiprec. Abfahrt S>/. Uhr. Tägliche billige Sonderfahrten nach verschiedenen Orten der -----"' Preis 50 Pf.. Kinder 25 Pf. 2403b Fröbels Allerlei-Theater < früher Puhlmann) Schönhauser Allee Rr. 148. DM- Täglich-ma Großes Garten-Konzert. Theater, Spezialitäten. 20 erstklassige Nninincrn 20. 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Dortrag des Kollegen It. I,«opoI«t über:.Gewerkschastsvewegung." 2. Dislussion. 3. Stellungnahme zur Gesellenausschutzwahl. 4. Branchen- Angelegenheiten. Die Branchcukommission. iciltu»»! tebloiiil Sonntag, den 18. Juni, vormittags präz. 10 Uhr, finden in den bekannten Lokalen die mr SezirUs-SUzimgen"WU statt. Montag, de« 10. Juni, abends 8 Uhr, bei Schräge, Engel-Nfer Nr. 16: Xommissions- Sitzung. Kollegen I Laut Beschlust der Versammlung vom 28. Mal d. I. werden die Versammlungen wie BezirkS-Sitzungen von jetzt ab wochentags ab- gehalten und mögen die Bezirksleiter die Lokale überall zu Montag vor dem 15. des Monats sestmachen. Des weiteren werden die Kollegen aus die am 10. Juli stattfindende Dampferpartie nach Neuer Krug(Oberspree) aufmerksam gemacht und ersucht, rege für den Vertrieb der Billetts Sorge zu tragen. Der Obmann. fslirBMArdeiter. Ä Verband der baugewerbl. Pfsarbeiter Deutschlands. Sonntag, den 18. Jnnt 1905, vormittags 10 Uhr, bei Jannaschk, Jnselftr. 10: Große außerordenti. Mitglieder- Versaminlung alier an Fahrstühlen und Hebevorrichtungen beschätt. Arbeiter, TageS-Ordnung: 1. Die Vorkommnisse bei der Firma fiiotsed S 0». und unsere weitere Stellungnahme dazu. 2. VerbandSangelegenhetten und Verschiedenes. Die Arbeiter der Firma filsteed& Co. sind hierzu besonders eingeladen. Kollegen I Die Machinationen des Unternehmertums zwingen uns zu ernsthajtem Zusammenhalten, darum erscheint alle in der Versammlung. 33/8_ Die Sektionsleitung. Achtung: l 3182L* Achtung:! Deutsches Wirtshaus Empfehle meine sämtlichen Lokalitäten den Parteigenossen, Gcwerkschastcn und Vereinen zur geneigten Benutzung bei Versammlungen und Ausflügen Angenehmer Familienaufenthalt.— Jeden Sonntag: Großer Ball. Verband des technischen Bühnen-Personals Sitz Berlin. Sonnabend, den 17. Juni 1905, abends 11 Uhr, im Gewerkschaftshanse, Engel-Ufer 15: Mitglieder-Versammlung. TageS-Ordnung: 1. Verbandsangelegenheiten. 2. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht. Der Vorstand. Verband der Hafenarbeiter u. verw. Berufsg. Dentschlands. Mitgliedschaft Berlin II. Bretterträger u. Brettschneider! Sonntag, den 18. d. Mts., vormittags 101/, Uhr, tm Königstadt- Kasino, Holzmarktstrafte 7S: Mitglieder• Uerjannnlung. TageS-Ordnung: 1. Diskussion über die gegenwärtige Lage nach Abbruch der Streiks. 2. Verbandsangclegenheiten und Verschiedenes. 19/16 Her Vorstand. Aehtung:! Achtnng! Bauhandwerker! Für die in der Vreppengeisnäer- Branche beschäftigten Arbeiter sind neue xraue Bercchtlgnngskartcn herausgegeben. Diese Karten sind nur dann gültig, wenn sie regelmässig jeden Monat aus der Rückseite abgestempelt sind. Da häusig versucht wird, die getroffenen Vereinbarungen zu durchbrechen, bitten wir die in Frage kommenden Bauhandwerker, überall die Vorzeigung dieser BerechtigungS- karten zu verlangen. 87/1 Die Kranchtudounmsjilm des Hslmbklttr-Verlmndks. Filiale Berlin. Sonntag, de» 18. Juni 1905, vormittags 10 Uhr, bei Feind, Weinstrasse 11: Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcS Genossen Brli elmer: Die nächsten Ausgaben der Gewerkschasten. 2. Verbandsangelegenheiten. 54/11 Zahlreiches Erscheinen erwartet Die Ortsverwaltung. BaiigöM5se»8{Mt „Freie Scholle" zu Berlin. Einladung zur Außerordentlichen General-Versammlung am Sonnabend, den 17. Juni 1305, abends 8 Uhr, im GewerkschasiShauS, Engel-Ufer 15. TageS-Ordnung: 1. Statutenänderung. 2. Erledigung cingelausencr Anträge. 3. Verschiedenes. 127/2 BsttpiCTSlM„Freie Scholle" zu Berlin.(E. G. m. b. H.) Gustav Gebauer. Carl Fleischer. Hochwaldparzellen, 60jähr. Bäume, direkt Bahn, idyllisch, Angclgelcgcnheit, verk. bei kleiner An- imd Älbzahlung. Äluslassung sosort. Aug:. Fächert imVorort Taben- darf(Potsd. Bahn)._ 3263S* Dr. Slmmel, ITH Spezinlarzt sür 9/12* Baut- und Harnleiden. 10— 2,5—7. sonntags 10— 12, 2— 4. Hüte. 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Abt.: 4'/, Uhr früh nach Reu- Ruppin. 1 Uhr Velesanz. Start: Vinetaplatz. 13/3 7. Abt.: 1Uhr mittags nach Birken« werder, Vereinsgründung. Start: Bad- und Schwedenstrassen-Ecke. 8. Abt.: 1>/, Uhr mittags nach Rudow. Start: Kriminalgericht. 3. Abt.: 1'/, Uhr nach Birkenwerder (Paradiesgarlen). Start: Gipsstr. 2. Anärsss-gsrtsn Andrensstr. SO. Empfehle der geehrten Rachbarfchast, Freunden und Vereinen meine Lokali» täten zu Versammlungen und Fest- lichkeiten. Fremdenzimmer mit guten Betten, Garten, Kegelbahn. Best- gepflegte Biere, guter Mittags- tisch von 00 Pf. an. Kalte und warme Speise» in bekannter Güte. Jeden Sonntag AW- Tnnz bei freiem En tritt. 3501L* ES ladet ergebenst ein Franz Morbotvskl. porti eren Spezialität! (ca. 200 Genre.) Einzelne Garnituren spottbillig. 3351L« (ca. eOOIllustr.) grat. u. franko. �pezial-Ratalog SÄ«. Emil Leftwe Oranienstrasse 188 Berlin 8. [deine /Inzeigen. 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Vom deutsche» Arbeiter-Abstinententag In der Sitzung vom Dienstag, die früh um 8 Uhr begann, wurden zunächst ein paar Resolutionen der Ortsgruppe Wiesbaden borgelegt. Debattelos wurde angenommen: „In Anbetracht, daß der Alkoholgenuß während der Arbeit als Mißbrauch aufzufassen ist