Nr. 139. Abonnements- Bedingungen: Abonnements Breis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 r., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Ginzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Post. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Post- Beitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 3 Mart, für das übrige Ausland 8 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. als and 18 20 y Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg weled to mud Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel geile oder deren Raum 40 Pfg., füh politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Bort 10 Pfg., jedes weitere Wort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr siteto nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. 1100 Telegramm- Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Frieden und Krieg. In Washington, von wo die Friedensvermittelung aus ging, follen also die russischen und japanischen Unterhändler zu sammentreffen. Von russischer Seite wird der Botschafter in Paris, Nelidow, alsbald die Dzeanreise antreten, ein Militärbevollmächtigter und ein Jurist des Militärrechts, wahrscheinlich der bekannte Professor b. Martens, sollen ihn begleiten. Die eigentlichen Unterhandlungen werden infolge der weiten Reisen erst nach Wochen beginnen können. Es ist je doch wahrscheinlich, daß schon zubor über die entscheidenden Grundfragen des Friedens durch die Telegraphie Beratung und Verständigung erfolgt. In den Verhandlungen in Washington werden dann die Einzelheiten festgesetzt werden. Bereits wird dem„,.- A." aus Washington gemeldet, daß ein Austausch über die Friedensbedingungen zwischen den beiden friegführenden Mächten stattgefunden hat und daß Rußland die japanischen Bedingungen als annehmbar erachtet. Die Bedingungen, die Japan stellt, lauten nach dieser Meldung: „ Kriegsentschädigung von 2 bis 4 Milliarden Mark, Erwerb von Korea und Liaotung mit Port Arthur, Rückgabe der Mandschurei an China und eine japanische oder internationale Kontrolle der mandschurischen Bahn." Bestätigt sich diese Meldung, so zeigt sich, daß Japan sich äußerst maßvoll auf diejenigen Forderungen beschränkt, die es erheben muß, um den iezt abzuschließenden Frieden auf längere Dauer einigermaßen zu sichern. Nach den glänzenden Siegen Japans sind diese Bedingungen äußerst mild, und vor allem können sie unmöglich Anlaß geben, daß andere Mächte, ähnlich wie 1895, Japan in den Arm fallen. Es ist eher anzunehmen, daß die Bedingungen schon die Zustimmung der anderen entscheidend in Betracht kommenden Mächte gefunden haben. Schwierig ist dagegen zunächst die Frage des Waffenstill standes. Ohne völlig sichere Aussicht auf das Zustandekommen des Friedens kann Japan einen Waffenstillstand in der Mandschurei unmöglich zulassen. Japan kann auf keinen Waffenstilstand eingehen, solange die russische Diplomatie nicht die in den letzten 16 Monaten geschaffene Lage loyal anerkennt. Kommt erst ein Waffenstillstand zustande, so ist der Frieden als gesichert anzusehen. Solange der Frieden aber nicht absolut gesichert ist, werden die japanischen Armeen die energische Borwärtsbewegung, die fie feit mehreren Tagen betreiben, nicht einstellen. Andererseits wird diese bedrohliche Vorwärtsbewegung die ruffische Regierung dazu drängen, möglichst schnell den Frieden zu schließen.. Ende März dieses Jahres waren die Ruffen weit nordwärts über Zieling hinausgeworfen, wo die Japaner in ihrer Verfolgung nach der furchtbaren Schlacht von Mukden Halt machten, um sich zur letzten großen Schlacht zu rüsten, in der über die legte Proving der Mandschurei entschieden werden wird, wenn sie noch stattfindet. Freilich, jeder russische Soldat, der von jetzt an noch geopfert wird, wäre ein absolut zwedloses Opfer der russischen Absolutismus. Tatsächlich ist eine gewaltige Vorwärtsbewegung der japanischen Heeressäulen in vollem Gange. Es ist ein seltsames Zusammens treffen, so wird in einem uns aus London übermittelten Artikel des " Standard" ausgeführt, daß Marfchall Dhama gerade den ZeitSonnabend, den 17. Juni 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. bedroht ist. Der Ausgang der Schlacht kann kaum zweifelhaft sein, blinden Kadavergehorsam von seinen Rekruten fordert, darf wenn man die Stärke der Heere vergleicht, die einander nicht das Recht haben, einen Eingriff in das- Kapital zu gegenüber stehen. Linewitsch hat im ganzen gegen 360 000 Mann machen. Deswegen ist die Reichs- Erbschaftssteuer der Freien zur Verfügung, während Dhama einschließlich der sechsten Armee unter Hasegawa eine weitaus stärkere Streitkraft befehligt. Politische Ueberficht. Berlin, den 16. Juni. Deutschen Presse" verwerflich, ein höchst bedenklicher Angriff des Staates auf die persönliche Freiheit, Millionen zu erben. Wir erwarten demnächst von der Freien Deutschen Presse", daß sie für die Beseitigung sämtlicher Steuern eintritt; denn was von der Reichs- Erbschaftssteuer gesagt wird, gilt für jede Steuer, es gilt namentlich auch für die indirekten Steuern, wo der Staat sogar meuchlerisch die unmittelbare Arbeit der Massen preßt, von ihrem färglichen Ertrag einen beträchtlichen Teil an den Staat und in noch höherem Maße an private Kapitalisten abzuliefern. Marokko und die internationale Lage. In Paris ist man recht nervös. Die dauernde Unsicherheit der Maroffofrage nicht nur erzeugt immer wieder Beunruhigung, es werden auch äußerst weitgehende Kombinationen über eine kritische Zu- Das Aufgebot St. Manchesters gegen die Reichs- Erbschaftsspigung des Verhältnisses zwischen Deutschland und Frankreich gemacht. steuer beweist die ungeheuere Angst dieser kapitalistischen Partei, Die Pariser Börse hatte am Donnerstag einen bedeutenden Kurssturz eine Angst, die zur völligen geistigen Verwirrung führt. Bisund Ministerpräsident Rouvier mußte zur Beruhigung der Ge- her hat das Recht auf Steuern dem Staate selbst der müter erklären, der Kursrückgang würde durch keine mit der aus- begeistertste Anhänger des Nachtwächterberufes des Staates wärtigen Politik zusammenhängende Tatsache zu rechtfertigen sein. nicht verweigert. Jezt erfahren wir, daß in dem Steuerrecht Er ersuchte, in Ruhe das Ergebnis der schwebenden Verhandlungen des Staates der verderblichste„ Sozialismus" wuchert. Zu abzuwarten; diese würden nur in einem auf das Bestehen guter allem darf der Staat den einzelnen zwingen, nur darf er auswärtiger Beziehungen gerichteten Geiste geführt. nicht den reichen Erben dadurch kränken, daß er die ungeheure Arbeit und Mühe des Erbens noch fiskalisch verschärft. Noch mehr wird der Spannungszustand durch die folgende Pariser Meldung vom 16. Juni gekennzeichnei: Ein Abendblatt hatte behauptet, Delcassé habe heimlich einen Offensiv- und Defensivvertrag mit England abgeschlossen gehabt und Rouvier hätte von diesem Vertrage nur durch eine halbamtliche Mitteilung des deutschen Kaisers Kenntnis erhalten. Eine Note der„ Agence Havas" dementiert in formellster Weise diese durchaus phantastische Erzählung von den Gründen, die das Entlassungsgesuch Delcassés herbeigeführt hätten. Wann werden die Leute von der Freien Deutschen Presse" ins Herrenhaus berufen? Die Armenierschlachten des Zaren. Die Massenabschlachtungen der Juden und die Maffenabschlachtungen der Armenier bilden zwei charakteristische Er Nach dem Wortlaut dieser Meldung ist der Offensiv- und fcheinungen in der gegenwärtigen russischen Situation. Die Juden und die Armenier gehören zu denjenigen Voltselementen im ZarenDebenjivvertrag selbst, der mit England abgeschlossen sein foll, nicht dementiert. Und würde er auch dementiert, so ist ohne- reich, die mit den herrschenden Zuständen unzufrieden sind, gegen die daher das Zarentum alle Minen springen läßt, um sie zu dem anzunehmen, daß die Beziehungen zwischen Frankreich und dezimieren, womöglich zu vernichten. England, einerseits infolge des russischen Zusammenbruchs, andererGegen die Juden werden die rüdständigsten und rohesten feits infolge der französischen Marokkoſchwierigkeit, feftere geworden Elemente der orthodoxen Kirche gehegt und die Massenschlächtereien, find, als sie es bereits waren. In deutschen Blättern, welche die brüste Maroffopolitik des bei denen Polizei- und Militärgewalt ruhig zusehen, sind die Folgen. In deutschen Blättern, welche die brüste Marokkopolitik des Gegen die„ christlichen" Armenier verfährt das Barentum wieder Grafen Bülow blind gebilligt hatten, glaubt man, Frankreich warnen anders und doch ähnlich. Gegen diese werden die noch in der Halbzu sollen, daß es sich nicht durch Englands trügerische Freundschaft barbarei lebenden Tatarenstämme, die sich zum Jalam bekennen, in Krieg mit Deutschland stürzen soll. Die Franzosen werden wie wilde Tiere losgelassen; sengend, mordend und brennend fallen diese billigen Ratschläge nicht benötigen, sie wissen selbst, wie diese Horden in die armenischen Städte und Dörfer ein und machen weit die Befestigung ihrer Beziehungen mit England ihre durch alles nieder was ihnen in den Weg kommt. Wiederholt haben wir Rußlands Niedergang und Deutschlands Blöblichkeit erschwerte in den letzten Monaten über diese Gewalttaten berichtet, und aberSituation verbessern kann. In jedem Falle sind Kriegs= gerüchte durchaus unsinnig. Dieselben Parteien in mals scheint für die armenische Bevölkerung eine neue SchreckensFrankreich voran die Sozialisten, welche Herrn Delcassé den und Leidenszeit hereingebrochen zu sein. Abschied gaben, werden niemmermehr dulden, daß wegen Marokko die Kriegsfurie entfesselt wird. Und in Deutschland ist ebensowenig irgendwelche Stimmung, wegen einer unbedeutenden Kolonialaffäre in den Krieg zu gehen. Schlimm genug, daß die Herren Diplomaten andauernde Beunruhigungen bewirken, die Nationen wollen den Frieden, und werden ihn erhalten! St. Manchesters Auferstehung! " Ein uns heute zugegangenes Telegramm lautet: Taufendtöpfige tatarische Banden überfielen armenische Dörfer und zerstören und verbrennen alles. Die Lage der armenischen Be völkerung ist äußerst kritisch. Die Landesverwaltung steht untätig diesen Greueln gegenüber. So läßt die orthodoxe, chriftliche Regierung des Baren eine christliche" Bevölkerung von heidnischen" Barbaren abschlachten, alles zu Ehren des heiligen Absolutismus. Und das christliche Europa, die christlichen Regierungen dieses christlichen Europas legen die Hände in den Schoß, als ginge fie dieses Massenmorden nichts an. # 1280 Deutfches Reich. Ein kaiserlicher Zehumillionenfonds für Offizierszulagen. Eine erstaunliche Mitteilung, die dringend amtlicher Aufklärung bedarf, macht die Zukunft": ,, Leidige Wahrheit aber ganz sicher die Geschichte vom neuesten Wirken des Fürsten Guido Hendel v. Donnersmart. Der hat, im Einvernehmen mit dem Reichsbank- Präsidenten Dr. Koch, neulich die Leiter großer Bankfirmen und andere No. table zusammengerufen und ihnen allen Ernstes zugemutet, einen Fonds von zehn Millionen Reichsmark zu stiften, aus dem der Kaiser und König seinen Offizieren Zulagen gewähren kann. Damit soll dem Offiziertorps die alte Lebensfreude wiedergewonnen und verhütet werden, daß in die Kom mandostellen, weil den zur Lieferung des Offiziererfages geeignetsten Familien das nötige Kleingeld fehlt, minderwertige Ele. mente aufrücken. Daß man zur Sicherung dieses feinen Plänchens gerade die Finanzmannschaft aufrief, ist allerliebst. Die Juden( die in ihr ja nicht ganz vereinsamt sind) wissen nun wenigstens, daß sie selbst zwar des Porteepees unwürdig, dafür aber auserwählt sind, den besser Qualifizierten das Offiziersleben zu erleichtern. Wahrscheinlich sollen die zehn Millionen dem Kaiser zur Silbernen hochzeit überreicht werden. Wenn der Mann im Sachsenwald noch lebte, würde er mit dem Fürsten Guido jetzt wohl ein ernstes Wort über Staatspflichten sprechen." Der heilige Manchester ist längst tot, er ist selbst als punkt der Vorbereitungen für die Friedensverhandlungen gewählt Leichnam noch in solchen Verruf gekommen, daß seine intimsten hat, um eine neue große Schlacht in der Mandschurei einzuleiten. Anhänger sich nicht mehr zu diesem Satanstult zu bekennen Er hat seine Operationen zweifellos bereits begonnen, und wagen. Sogar die Freie Deutsche Presse", welche die Fahne ob er sie einstellt, bevor den General Linewitsch das Schicksal der Freisinnigen Zeitung" unentwegt hoch hält, pflegt sich Kuropatkins ereilt, das wird davon abhängen, ob der Zar rechtzeitig auf dieses Gespenst nicht mehr zu berufen. Ueber Nacht aber zu einer Verständigung mit Japan kommt. Während der ist der verleugnete und verstorbene Heilige aus dem Grabe lezten zehn Tage hat sich die militärische Lage auferstanden und grinst mit den wunderlichsten Grimassen in Und erheblich geändert. Die russischen Flügel, die südwärts diese Welt, die von ihm gar nichts mehr wissen will. gingen, sind soweit zurückgedrängt worden, daß die Hörner der solches Auferstehungswunder hat die Angst der Freisinnigen bor der japanischen Bogenstellung jetzt nordwärts weisen. Der japanische Volkspartei Reichs Erbschaftssteuer linke Flügel ist von seiner vorgeschobenen Basis Tatumen etwa bewirkt, die zwar in ihrem Programm ausdrücklich verlangt 40 englische Meilen vorgerüdt und bedroht bereits Chengchiatun, wird, die aber gleichwohl für dieses führende Drgan der Freidas große russische Vorratsdepot jenseits der mongolischen Grenze, finnigen Volkspartei den Schrecken der Schrecken bedeutet. das fast genau der Bedeutung Sinmingtings in der Schlacht bei Mukden Die Freie Deutsche Presse" nennt die Reichs- Erbschaftsentspricht. Auf der östlichen Flanke haben sich die Ruffen anscheinend steuer falschen Sozialismus". Darin hat das Blatt unstreitig vor dem Anmarsch der Armee des Generals Kawamura von Hailungcheng recht. Es ist nicht nur falscher Sozialismus, sondern es in die Gegend von Kirin zurückgezogen, und die japanischen Heere ist überhaupt kein Sozialismus, daß Steuern erhoben werden. in der Mitte drängen jetzt längs der Eisenbahn und auf der Man- Die Herrenhäusler freilich haben feierlich das Verlangen darinenstraße vorwärts und sind bereits ziemlich weit nördlich von einer Reichs- Erbschaftssteuer für richtigen Sozialismus erChangtufu gelangt. Es handelt sich jetzt darum, flärt, und man sollte nun hoffen, daß die Freie Deutsche wie weit die Russen bereits tatsächlich eingeschlossen find. So weit Presse" auf ihre alten Tage, nach 21 verständnislofen Jahrman weiß. halten die Ruffen gegenwärtig eine Stellung an der gängen, plöglich begreift, was der richtige Sozialismus Eisenbahn bei Kunschuling, die etwa 140 englische Meilen in An- fei. Aber diese Hoffnung ist irrig. Auch die Freie Deutsche spruch nimmt und mit dem äußersten rechten Flügel nach Presse" hält nämlich mit dem Herrenhaus eine ReichsChenchiatung in der Mongolei und mit dem linten Flügel Erbschaftssteuer für richtigen Sozialismus, sogar für eine bis ungefähr ungefähr nach Kirin am oberen Sungari reicht. sozialistische Schwärmerei und sie spricht nur von falschem Die japanischen Heere stehen, soviel bekannt ist, alle füdlich Sozialismus aus logischer und grammatikalischer Verwirrung. diefer Linie. General Nogi führt gegenwärtig zweifellos im Westen Sie ist nämlich auch im 21. Jahrgang noch der Meinung, Die Notlage der Offiziere wird neuerdings ein ebenso brennendes eine umgehungsbewegung aus, wie sie ihm bei Mukden daß der Sozialismus überhaupt falsch" sei, und in diesem Thema wie die Notlage der Junker und der Landwirtschaft. Auch das gelang, und kann jeden Augenblick im Rüden des Generals Sinne philosophiert sie über die Reichs- Erbschaftssteuer als neue Militärpensions- Gesetz, das die Reichsregierung dem Reichstag Miftschento erscheinen. Auf der östlichen Flante steht Kawamuras falschen Sozialismus". vorgelegt hatte, forderte Pensionserhöhung für die Offiziere, die Armee noch füdlich von Kirin, und die sechste Armee unter Allerdings ist die Freie Deutsche Presse" nicht mehr. bereits 10 000 und 15 000 m. Pension beziehen, unter der BeHasegawa, die von der Nordostküste Koreas aus vorrückt, fann wie es der heilige Manchester ursprünglich befahl, gegen gründung, daß die Offizierskarriere anziehender gemacht werden nicht leicht mit den fünf angreifenden Armeen tooperieren, jeden staatlichen Eingriff. Sie hat nichts dagegen, daß alle müsse. Die alte Lebensfreude" entweicht, nach Ansicht da Gebirge sie von ihnen trennen. Es klingt viel wahr Kinder gezwungen werden, in die Schule zu gehen, daß alle des Fürsten Guido Henckel v. Donnersmart, aus dem Offizierkorps, scheinlicher, daß Hasegawas Armee bestimmt ist, Wladiwostok jungen Leute militärpflichtig sind, auch den Impfzwvang recht der erhabene Beruf bringt den Patriotischsten der Patrioten nicht zu überwachen, und eventuell die Verbindungen zwischen Wladitvostok fertigt sie. Schließlich findet sie sich auch mit den obliga- genug flingenden Lohn! und Charbin abzuschneiden. Auf jeden Fall liegt noch kein Anzeichen torischen Versicherungsgesehen ab. Aber darüber hinaus hat dafür vor, daß der russische linke Flügel bei Kirin bereits ernstlich der Staat kein Recht des Eingriffs. Der Staat, der zwar " " Es ist höchst kennzeichnend, daß der bei Hofe sehr einflußreiche Fürst Henckel v. Donnersmart es wagen kann, einen solchen ver fnffnitglttibrigett Plan anzuregen. Es versteht siK, daß ein aus Privatmitteln aufgebrachter Fonds für Ofstzierszulagen durchaus etatswidrig wäre. Es bedarf keiner Ausführungen, wohin ein Offizierkorps gelangen würde, wenn seine Mitglieder nach Gunst des Monarchen verteilte Zuwendungen erhalten dürften. Und das auffälligste ist, daß nach der Darstellung der„Zukunft" ein hoher Reichsbeamter, Rcichsbankdirektor Dr. Koch, an den tollen Plan beteiligt ist, der zugleich die schwere Verunglimpfung des Offizier- korpS enthält, daß es ohne gehörige Gcldzulage auf die minder- wertige Laufbahn verzichtet. Herr Dr. Koch wird über das neue Finanzkunststüek der Oeffentlichkeit Rede stehen müssen.— Gegen das Bergarbeitergcsetz opponiert nach wie vor der»Berg- knappe", das Organ der christlichen Bergleute. lieber den„Fortschritt", daß das Nullen durch Geldstrafen er- setzt wird, bemerkt das Blatt sehr zutreffend: Es fehle an einer Be- stimmung, ob die Strafe von 5 M. für einmaliges oder mehr- inaliges ungenügendes oder vorschriftwidrigcs Beladen der Förder- gefäße festgesetzt werden könne. Dadurch sei der Bcamtenwillkür Tür und Tor geöffnet. Man könne z. B. einem unbeliebten Arbeiter am Ende des Monats gleich die monatliche Maximalstrafe von 5 M. für einen einzigen Wagen unreiner Kohle zudiktieren. Sehr scharf gehl das Blatt auch mir Herrn Brust ins Gericht. Es wird ihm gegenüber nochmals festgestellt, daß die christlichen Arbeiter die Annahme des Gewtzes beklagen, und es wird dem Ver- leidiger der Zentrumspolitik ans der Generalversammlung des christlichen Verbandes gründliche Abrechnung in Aussicht gestellt.— Verwandtschaft. Der in dem letzten Prozeß so arg bloßgestellte Bergmeister Engel, der Geschäftsführer des bergbaulichen Vereins, soll nach unserem Dortmunder Parteiorgan der Schwiegersohn des Oberberghauptmanns v. Velsen sein, also dcS eigentlichen Regierungschefs der Bcrgverwaltung. Das eröffnet wieder liebliche Ausblicke auf die Wege, die von der Regierung zu dem Privatkapital führen. Wie konnte man aber nur gerade diesen ministeriellen Schwiegervater des Sachwalters des Unternehmertums mit den Verhandlungen im Ruhrrevier be- trauen?— Hermann v. Wißmann, der frühere Gouverneur, dem nach- gerühmt worden ist, daß er so ziemlich der einzige Afrikaner mit „weißer Weste" sei, ist auf geheimnisvolle Weise ums Leben ge- kommen. Wie aus Liezen in Steiermark gemeldet wird, hat sich Wißmann Donnerstag abend N Uhr bei einer in Gesellschaft eines Iagdfreundes und des Revierjägers unternommenen Rehpürsche in Fischern aus eigener Unvorsichtigkeit durch einen Schuß in den Kopf getötet. Wie der„Neuen Freien Presse" auS Liezen telegraphiert wird, ist bei Wißmann, dem bei dem Jagdunfall(!) die Kugel ins linke Auge drang, der Tod sofort eingetreten. Eine Gewalltat von dritter Hand sei ausgeschloffen.— Heizerfreuden bei der Marine. Aus Kiel wird uns geschrieben: Auch bei der Marine verstehen es Vorgesetzte, die wegen Soldaten- schinderei angeklagt sind, vor dem Kriegsgericht das Motiv be- sonderen Diensteifers für eine milde Aufsagung ihrer Vergehen mit Erfolg geltend zu machen. So hatte sich am Mittwoch vor dem Kriegsgericht der Aufklärungsschiffe in Kiel der Oberfeuermeisters- maa't Hoffmann vom Kreuzer„Friedrich Karl" wegen Mißhandlung Untergebener in sechs Fällen zu verantworten. Er hatte, wie das Gericht als erwiesen erachtete, die ihm unterstellten Heizer wieder- holt mit Stößen, Fußtritten und Ohrfeigen regaliert, wenn er annahm, daß sie seine Befehle nicht mit dem nötigen Eifer ausführten. Dem Heizer H. versetzte er wegen eines unverschuldeten Versehens einen Fußtritt ins Gesäß, so daß er gegen den Kessel flog und würgte ihn an derKehle, bisihmder Atem ausging. Den Heizer I. beförderte er durch einen Faustschlag ins Genick bis in den dritten Heizraum. Die übrigen Fälle lagen ähnlich. Das Gericht billigte dem Angeklagten trotzdem mildernde Umstände zu, da er die Mißhandlungen in der Aufregung über lässige Befehlsausführung begangen habe; eS erkannte auf ganze drei Wochen Mittelarrest. Wenn man berücksichtigt, daß im Heizraum eines Kriegsschiffe? der Dienst der schwerste, der sich denken läßt, sind solche Zugaben eines liebenswürdigen Vor- gesetzten um so schärfer zu verurteilen, und sie werden durch der- artig milde Strafen gewiß nicht abgeschafft.— Aus dem Wahlkreise Kattowitz-Zabrze wird uns geschrieben: Der Kampf um das durch die Ungültigkeitserklärung der Wahl des radikal-polnischen Korfanty wieder frei gewordene Reichstagsmandat wird sich sehr heftig gestalten. ES gilt sowohl für das Zentrum. wie für die fanatischen Hakatisten, die Wiederwahl deS Polen jeden- falls zu verhüten. Leicht dürfte das den Herren allerdings nicht werden. Vom polnischen Zentral-Wahlkomitee ist Korfanty wieder aufgestellt worden. Diesem Komitee gehört jetzt auch die sogenannte„Katolik"-Gruppe an, die bei den letzten Hauptwahlen noch für den Zentrumskandidaten Letocha stimmten, der infolgedessen rund 20 c>(X> Stimmen erhielt. Der Leiter de?„Katolik", Napieralski, will sich allerdings auch jetzt nicht bereit erklären, für Korfanty einzutreten, den er als glücklicheren Nebenbuhler in der Gunst des polnischen Volkes persön- iich haßt. Aber er will nach seiner öffentlichen Erklärung auch nicht mehr gegen Korfanty auftreten, vor allem aber nicht mehr für den Ientrumsmann, und das dürfte genügen, Korfanty einige tausend neuer Stimmen zuzuführen zu den 11 600 Stimmen, die er am 16. Juni 1903 erhielt. Jeder Zuwachs aus jenem Lager für Korfanty bedeutet aber einen gleich großen Verlust für das Zentrum. Um diesem drohenden Verluste zu entgehen, hat das Zentrum an Stelle des ablehnenden bisherigen Kandidaten Letocha einen auch in polnischen Kreisen angesehenen Mann, den Pfarrer K a p i tz a in Tichau, zum Kandidaten nominiert. Und der ober- schlesische Klerus wird nicht ermangeln, seine ganze Kraft für den Sieg des Herrn Amtsbruders einzusetzen. Wie man daS in Ober- schlesien macht, hat ja der berühmte Kardinal Kopp-Prozeß aller Welt offenbart. Herr Kapitza hat allerdings eine Eigenschaft, die, an sich sehr lobenswert, ihm in Oberschlesien in besonderem Maße schadet: Er ist eiftiger Förderer der Alkoholabstinenz. Das bringt vor allem die Wirte gegen ihn auf, die sehr erbittert sind über den famosen, nur gegen die Arbeiter gerichteten Schluß der Schankstätten um 4 Uhr nachmittags an Lohn- und Vorschußtagen wie über andere chikanöse polizeiliche Mittel zur Förderung der Abstinenz. Wie weit das verräterische Verhalten des Zentrums in der Frage des Berg- arbeiterschutzes hier seine Wirkung übe» ivird, ist bei der immer noch sehr großen politischen Rückständigkeit� des oberschlesischen Gruben- Proletariers schwer zu bestimmen. Gewiß werden eS weder die Polen noch die Sozialdemokreten im Wahlkampfe an Aufklärung der Berg- arbeiter über diesen Punkt fehlen lassen, so schwer diese Aufgabe beiden Parteien auch durch da» fehlen von Versammlungslokalen und besonders durch den TerroriSmuS der WerkSleiwngen und ihrer Beamten gemacht wird. Die Liberalen sind mit ihrer Kandidatenfrage noch nicht im Reinen, nachdem Pfarrer Naumann die ihm angetragene Kandi- datur abgelehnt hat. Und ebenso geht es den Hakatisten, die kürzlich in einer Versammlung des OstmarkenvereinS beschlossen, zwecks Auf- stellung eines unzweifelhaft patriotischen Kandidaten sich mit den Vertretern des berg- und hüttenmännischen Vereins, der Organi- sation des GrubenkapitalS, in Verbindung zu setzen. Man hat allen Ernstes im Sinne, den jetzt wieder nach Oberschlesien übergesiedelten ehemaligen Saar- Gewaltigen, Hilger, als Kandidaten aufzustellen. Der als jetziger Generaldirektor der Königs- und Laurahütte über mehr wie 20 000 Berg- und Hüttenleute die Fuchtel schwingt und daher am Ende kein gering an- zuschlagender Faktor Lei der Berechnung des Wahlergebnisses sein dürfte. Die Sozialdemokraten, polnische wie deutsche, haben einhellig wieder den bisherigen Kandidaten, den alten Genossen Franz Morawski aufgestellt, der erst zum Beginn dieses Jahre» nach Verbüßung einer dreijährigen Gefängnishast der oberschlefischen Strafanstalt Beuthen den Rücken kehren konnte. Ein von beiden Gruppen gemeinsam gebildetes Wahlkomitee führt die Agitation. Es ist nicht möglich, mit einiger Sicherheit voraus zu sagen, wie sich das Wahlresultat für die Sozial- demokratie gestalten wird, die am 16. Juni 1303 rund 10 000 Stimmen erzielte und �in der Stichwahl zwischen Zentrum und Polen dem letzteren den Sieg erringen half. Vielleicht wird der Radikalpole den Voripruiig, den er vor uns hatte, noch behaupten oder aus oben genannten Gründen gar noch vergrößern. In dieser Richtung wirkt aiich die von Korfanty in demagogisch geschickter Weise zur Schau gestellte„Arbeiterfreundlichkeit" aui die politisch noch sehr unreife Masse, ebenso wie die brutale Unterdrückung der nationalen Rechte der Polen durch die Herrschenden, Behörden wie Unter- nehmer, die Sympathie der Masse für den„nationalen Vor- känipser" steigerl. Aber unverdrossen hat die Sozialdemokratie hier seit den letzten allgemeineu Wahlen an der Erziehung der Arbeiter zu klassenbewußten Kämpfern gearbeitet, wie die gewerk- schaftliche ist auch die politische Organisation in Kattowitz selbst, wo wir seit 18 Monaten im Besitze eines Versammlungslokales sind, erheblich verstärkt und ein Stamm tüchtiger kampfesfreudiger Ge- nassen gebildet worden, so daß wir trotz der gewaltigen Schwierig- leiten init Eifer und Zubersicht in den harten, aber deshalb um so ehrenvolleren Kampf gehen. Zur Naturgeschichte eines Scharfmacherorgans. Aus München wird uns berichtet: Anläßlich seiner Stellungnahme für die russischen FreihcitS- kämpfer wurde im Anfange dieses Jahres der Münchener Professor Dr. Liijo Brentano von der„Allg. Zg." auf das schwerste an- gegriffen und förmlich denunziert. Unser Parteiorgan nagelte dieses Gebaren eines Blattes, das sich liberal nennt, entsprechend fest und gebrauchte dabei die Wendungen„bübische Angriffe",„Dirnenkunst niedrigster Angeberei",„eine von den BueckleutenÄusgehaltene",„ganze Hingabe an ihr feines Metier",„ein gefälliges Dämchen, das seinem Handwerk nachgeht". Durch diesen Artikel fühlte sich der Ehef- redakreur und zugleich Geschäftsführer(!) der„Allg. Ztg." Dr. Martin Mohr beleidigt und stellte Klage gegen den veraut- wortlichen Redakteur der„Miinchnet Post", Genossen G r u b e r. Diese Klage kam am 1ö. Juni vor dem Schöffengericht in München zur Verhandlung. Redakteur G r u b e r erklärte zunächst, der Artikel sei entstanden unter dem Einfluß der Tonart, die die„Allg. Ztg." gegen die Sozial- demokratie angeschlagen habe, seitdem sich Dr. v. Bürklin wieder in der Pfalz befinde(wo er sich als Retter des Liberalismus ausrufen ließ. D. B.). Zur Zeit der Arbeitsloseiidemonstrationeii, während der die„M. Post" die Arbeiter vor Ausschreitungen warnte, habe die„Allg. Ztg." eine Haltung eingenommen, die den Anschein er- weckte, als sähe man in München gerne einen Putsch. Gelegentlich des Bergarbeiterstreiks, als die ganze gesittete Welt mit den Ar- beitern sympathisierte, habe die„Allg. Ztg." den Chefredakleur der „M. Post", Ad. Müller, mit einem Verbrecher verglichen. Da sei es Zeit gewesen, mit dem Blatt Abrechnung zu halten. Dr. v. Bürklin, der eigentliche Besitzer der„Allg. Ztg.", erklärt. daß er dem Blatt auch laufende Zuschüsse gewähre. Dabei werde er von wohlhabenden Gesinnungsgenosieit unierstützt, deren Namen er aber nicht neimen werde. Ob diese mit dem Zentralverband deutscher Industrieller in Verbindung stehen, wisse er nicht. Die Möglichkeit bestreite er nicht. In dem Dienstvertrage mit Dr. Mohr sei fest- gelegt, daß die«Allg. Ztg." den Standpunkt der Mittelparteicii teilen, aber den Anschluß an eine politische Partei vermeiden solle. Sie habe alle Umsturztendenzen zu bekämpfen, maßvollen sozial- politischen Forderungen dagegen Uiiterstütznng zu verleihen. Eine andere Direktive habe Dr. Mohr nicht erhalten. Die Namen seiner Freunde zu nenne», die sich an der Sub- vention der„Allg. Ztg." beteiligen, weigert sich Dr. v. Bürklin ent< schieden, ebenso verweigert er die Auskunft auf die Frage, an welchen industriellen Unternehmungen er selbst beteiligt ist. Der Verteidiger des Beklagten spricht seine Verwundernng aus, daß man sich gegen diese Frage sperre. Wenn das unangenehm sei, hätte man eben nicht klagen sollen. Redakteur Gruber erbietet sich zu beweisen, daß der Feuilletonredakteur der„Allg. Ztg." die Rezension eines Konzertes von der Aufgabe eines Inserates abhängig gemacht habe. Der hierfür geladene Zeuge kann jedoch eines Krankheitsfalles wegen nicht erscheinen. Feuilletonredakteur der„Allg. Ztg.", Frhr. v. M e n s i, kann sich an den in Rede stehenden Fall nicht erinnern, gibt aber der merkwürdigen Ansicht Ausdruck, daß die„Allg. Ztg." nicht ein Konzert besprechen könne, wrn» es nicht zuvor den Lesern des Blattes durch ein Inserat angekündigt worden sei! Daß sich die„Allg. Ztg." der bayerischen Regierung gegen eine Jahressubvention von 30 000 Mark angeboten habe. wird von dem Kläger entschieden bestritten. Dr. v. Bürklin erklärt, erwürbe dazu nie seine Genehmigung geben. Ans die Frage, ob es richtig sei, daß die„Allg. Ztg." am 1. Juni l. I. eingehen sollte und daß ihr Bestand zur Zeit nur bis 1. Jnnnar 1906 gesichert sei, verweigert Bürklin die Auskunft, da dies eine intern» Geschäfts- angelegenheit des Blattes sei. Abg. Dr. Heim: In dem Finanzausschuß der Abgeordneten- kammer sei jetzt darüber verhandelt worden, daß die„Allg. Ztg." den Bahnhofsrestaurateuren und den äußeren Staatsbehörden amtlich zum Abonnemeiit empfohlen würde. Daraus könne man auf ein besonderes Verhältnis zur Regierung schließen, denn eine ähnliche Bevorzugung sei sonst keinem anderen Blatt zuteil geworden. Daß die„Allgemeine" Organ des Grafen Crailsheim sei, sei all- gemeine Auffassung. In Ärbeiterftagen treibe sie. daS sage er als konservativer Politiker, Scharfmacherei der ärgsten Art. Professor Brentano habe sie in verwerflicher Art denimzicrt. Als bezahltes und miSgehattenes Organ habe man sie in politischen Kreisen immer angesehen. Chefredakteur Sieberz des(uktr.)„Bayr. Kurier' hat erfahren, daß die„Allg. Ztg." au das Ministerium PodevilS wirdelholt Annäherungsversuche machte und der Regierung gegen einen jährlichen Zuschuß von 125 000 M. ihre Spalten zur Verfügung stellte. Podewils soll sich dazu geäußert haben, mit einem solche» Hetzblatt wolle er nichts zu tun haben. Der Kläger bestreitet die Richtigkeit dieser Behauptungen und bittet um Vorladung des Miiiisterpräsideiiten. Chefredakteur Scheel der„Freistatt" findet, die schroffe Haltung der„Allg. Ztg." gegenüber den Arbeitern sei mit einem liberalen Standpunkt nicht vereinbar. Diese Anficht werde von liberalen Berufspolittkern geteill. Die Anariffe auf Brentano hätten in den Kreisen, in denen Zeuge verkehre, Entrüstung erregt, ebenso bei auS» wärttgen Hochschulprofessoren. Ein Müiichener Korrespondenzbureau hatte s. Zt. der„Allg. Ztg." eine Nachricht über einen Streik in Nürnberg geliefert, in der die Zahl der Streikenden zu hoch angegeben war. Außerdem war darin behauptet, die betreffende Firma suche Streikbrecher anzu- werken. Dem Inhaber dieser Korrespondenz ist vom Handels- redatteur der„Allg. Ztg." geschrieben worden, nach erhaltenen Mit- teilungen sei die Nachricht nicht richtig und es sei gar nicht abzusehen, welcher geschäftliche Schaden der. Allg. Ztg."da- durch entstehen könne! Handelsredakteur Barth will eine Schadenersatzklage der Nümberger Firma beflirchtet haben! Die Rücksicht aus Inserate habe ihn nicht veranlaßt, den Brief zu schreiben. Bei der Beweisaufnahme kam es nun zu der Frage, wie hoch die Auflage der„Allg. Zeitung" ist und ob Dr. v. Bürklin ver« Pflichtet ist, anzugeben, wer seine Freunde sind, die mit ihm die Subvention für das Blatt aufbringen. Redakteur Grub er tellte speziell die Frage, ob eS richtig sei, daß die Auflage nur 3000 betrage, wovon kaum die Hälfte an zahlende Aboiiiieiiten gehe. Gegen diese Fragestellung wehrte» sich Dr. Mohr und insbesondere Dr.». Bürklin mit verdächtigem Eifer. Auf wiederholte Anregung des Vorsitzenden, der die Verhandlung übrigens mit musterhafter Objekttvität leitete, kam schließlich nach längeren Verhandlungen folgender Vergleich zustande: I. Auf Grund der Beweiserhebung werden die aus der finanziellen Fundierung der„A. G." gegen den Privatkläger und das genannte Blatt abgeleiteten Beleidiglmgen als unbegründet zurück- genommen. Insbesondere gilt das von jenen Beleidigungen, in denen der Vorwurf der Abhängigkeit gegen die„Allg. Ztg." erhoben wurde. 2. Der Privatbeklagte trägt die Kosten des Verfahrens und die dem Kläger erwachsenen notwendigen Auslagen. 3. Der Vergleich wird auf Kosten des Beklagten in der„Allg. Ztg.", dein„Bayer. Kurier", der„M. Post" und dem„Vorwärts" bekannt- gegeben. 4. Privatflage und Strafantrag werden zurückgezogen. Verfassiingsrcvision in Württemberg. Sttittgart, 16. Juni 1303.(Privatdepesche des„Vorwärts"). Der heute veröffeiitlichte Motivenbericht zur Verfassungsreform läßt keinen Zweifel daran, daß der Entwurf nicht von der Absicht der Demokratisierung der Verfassung, sondern, wie es in den Mottven wörtlich heißt, von der Sorge um die Wahrung der berechtigten konservativen Interessen diktiert wurde. Die Motive verweisen darauf, daß die Erste Kammer im Aussterben begriffen sei. Von 55 Milaliedern bei ihrer Schaffung ist die Zahl heute auf 23 herab- gesliiiken und allein seit 1837 sind drei zur Gesetzgebung berufene Geschlechter ausgestorben.„Je mehr nun", so heißt es weiter,„den breiten Volksmässen die Möglichkeit gegeben wird, bei den Wahlen ihren Einfluß zur Geltting zu bringen, desto wichtiger ist es, daß das mäßigende Element der Ersten Kammer einen lebendigen Körper bildet." Die liberale württembergische Presse äußert sich durchaus günstig über den Entwurf, abgesehen von kleinen Ausstellungen. Am begeistertsten sind natürlich die Nationalliberalen, während der volksparteiliche„Beobachter" sich noch verschämt ziert. Scharfe Kampfstellling gegen den Entwurf nimmt mir die„Schwäbische Tagwacht" ein. die mit Recht den liberalen Parteien die Schuld gibt, daß die Vorlage eine solche Gestalt erhalten hat. Das Zentrumsblatt schweigt. Herr Gröber will seine Karten nicht vorzeitig aufdecken. Ebenso schiveigsam ist das Zentrumsblatt über den peiullcheii Ausfall der Laudtags-Ersatzwahl in Wangen, eiuem durchweg sicheren ZentrumSbezirk, wo der offizielle Kandidat des Zentrums gegen einen wilden Kandidaten, der ebenfalls auf das Programm des Zentrums gestellt wurde, durchgefallen ist. Dafür höhnt Herrn Gröbers Organ weidlich über den liberalen Zusaminenbnich in Eßlingen. Für die Vorarbeiten zur Herstellung eines Großschiffahrtsweges auf dem Neckar bewilligte der Landtag heute 50 000 Mark. In der ailsgedehnsen Debatte sprach sich Genosse Kloß für die Be- williguna ans, äußerte aber Bedenken wegen der Möglichkeit der Schiffbarinachnng des Neckars, die auch von anderer Seite geteilt wurden. Von mehreren Rednern wurde scharf gegen die von Preußen beabsichtigte, der Reichsverfassimg widersprechende Einführung von Schiffahrtsnbgabcn auf dem Rhein Stellung ge- nommen. Der Minister des Innern wiederholte seine bereits ftüher einmal abgegebene Erklärung, daß er die Auffassung dieser Redner teile. Für eine Resolution, die der Regierung aufttägt, gegen diese Bestrebungen Stellung zu nehmen, stimmten sämtliche anwesende» 56 Abgeordneten, doch muß die Abstimmung morgen wiederholt werden, da sechzig Sttmmen zur Beschlußfähigkeit erforderlich sind.— Sndwestafrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: An Typhus gestorben: Gefreiter Ernst Tieg, geboren 17. 1. 73 zu Altenburg, früher im Dragoncr-Regimcnt Nr. 18, am 12. Juni dieses Jahres in der Krankensammelstelle Narudas, Reiter Wilhelm Mainz, geboren 2. 2. 82 zu Fördcrstedt. früher im Infanterie- Regiment Nr. 49, am 11. Juni dieses Jahres im Lazarett Kall- fontein. Hueland. Generalstreik der Ingenieure. Moskau, 13. Juni. Hier fand heute eine von 200 Personen be- suchte Jiigenieurkonferenz statt. Die Teilnehmer an derselben be« schlössen, sich auf das erste Signal dem zu politischem Zwecke zu veranstaltenden allgemeine» Ausstände anzuschließen, durch den daS wirtschaftliche und insbesondere das industrielle Leben des LaudeS znm gänzliche» Stocken gebracht werden soll. Schweiz. AuS der Bundesversammlung. Bern, 13. Juni.(Eig. Ber.) Ter Nationalrat widmete die erste Sitzuugswoche der Beratung des neuen schweizeri» scheu Zivilgesetzbuches, dessen Schaffung durch diesbezüg- liche Revision der Bundesverfassung im Jahre 1398 vorbereitet wurde. Der Entwurf ist vom Bundesrat in zwei umfangreichen Teilen bor- gelegt worden. Der erste umfaßt das Personen-, Familien-, Erb- und Sachenrecht, das in 1015 Artikeln geregelt ist; der zweite Teil umfaßt das Obligationenrecht und die Uebergangsbestimmungen mit weiteren 812 Artikeln, so daß das ganze Gesetz nach der Borlage 1827 Artikel umfassen wird. Beiden Teilen ist eine umfangreiche Begründung beigegeben. Die Kommission des Nationalrats hat die Abschnitte betreffend das Personen-, Familien- und Erbrecht vor» beraten und darüber ist in der verflossenen Sitzungswoche beraten worden; in der dritten Woche sollen die bezüglichen Beratungen fortgesetzt werden. Durch das neue Gesetz sollen die 25 Privatrechte der Kantone kodifiziert, also ein einheitliches schweizerisches Zivilrecht geschaffen werden. Der Verfasser des Entwurfes, der Berner Universitäts- Professor Dr. Huber, der dem Nationalrat als Mitglied angehört, beleuchtete in der ersten Sitzung die Vorlage durch eine längere Rede. Aus den weitschichtigen Verhandlungen und Beschlüssen seien nur einige beachtenswerte Einzelheirsii hervorgehoben. Zum„Schutze der Persönlichkeit" ist auS dem Obligationenrecht der berüchtigte Artikel 55 hsrübcrgeiiominen worden, der sich bisher als der Galgen für die Preßfreiheit erwiesen hat. Jeder Lump, cm dem die Presse Kritik übt, machte sich diesen Arikel zunutze und klagte auf Schaden- ersatz von 500, 1000, 2000, 20 000 Fr. usw. Darunter litt am meisten die sozialdemokrattsche Presse. Hat doch vom Züricher„Volksrecht" ein Gastwirt, der verdorbene Würste verwertete, was unser Partei- blatt an die Oessenlichkeit brachte, nicht weniger als 20 000 Fr. Schadenersatz verlangt. Die Sachlage war aber so, daß er abge- wiesen werden mußte; in vielen anderen Fällen erfolgten jedoch Ver- urteilungen. Der konservative Abgeordnete Dürenmatt versuchte, den Artikel zugunsten der Preßfrciheit abzuschwächen, aber leider ohne Erfolg. Nach dem bestehenden Recht ist das heiratsfähige Alter auf das 18. Lebensjahr für das männliche und auf das 16. für das weibliche Geschlecht festgesetzt; der Nationalrat bestimmte nun das 20. rcsp. das 18. Lebensjahr, während der ursprüngliche Entwurf das 17. vorgesehen hatte. Daftir trat auch unser Genosse Greulich ein, allein die„alten Herren", die die Gesetze machen, drückten das 13. Lebensjahr durch. Als Konzession an die Ultramontanen wird neben der Ehescheidung auch die Trennung eingeführt. Erfolglos blieb der ultramontane Versuch, die Ehe der des Ehebruchs schuldigen und deshalb von ihren Hintergangenen Ehegatten geschiedenen Per- onen zu verbieten. Der Ständcrat behandelte die Geschäftsberichte der bundeS» rätlichen Departemente. Bundesrat Deucher gab dabei in Sachen der Revision drö Fabrikgesetzes die Erklärung ab, daß der von den Fabrikinspektoren ausgearbeitete Nevtsionsentwurf erst noch von einer Expertenkommission, die der Bundesrat ernennt, borberaten und dann veröffentlicht werden wird. Diese Kommission wird im September oder Oktober ihre Sitzungen abhalten. Ferner ist auf Ende dieses Jahres die Einbringung eines KrankenversichernuAS» gesetzcntwurfes in der Bundesversammlung in Aussicht gestsift. Die Union der Sozialdemokratie. Der BollziehungSausschuß des schwedischen sozialdemokratischen Parteivorstandcs hat folgenden Aufruf erlassen, der bereits in unseren Privattelegrammen erwähnt worden ist: An das arbeitende Volk Schwedens! In den kritischen Zeiten, die wir nun erleben, ist es mehr als je notwendig, daß die schwedische Arbeiterklasse sich der Situation gewachsen zeigt. Von ihrer zugleich ruhigen und festen Haltung kann die Ge- staltung des Schicksals unseres Volkes auf Jahrzehnte hinaus ab- hängen. Das norwegische Volk, dessen Wille in einem einheitlichen auf Grund des allgemeinen Wahlrechts gewähltem Storthing zu- sammengefaßt ist, hat vor kurzem beschlossen, aus der Union aus- zutreten und im Zusammenhange dann: einen neuen Stnatschef an die Stelle des schwedischen Königs zu setzen. Der schwedische König und seine Regierung haben sich geweigert, die Maßnahmen des norwegischen Volkes anzuerkennen und übereilt einen autzerordent- lichen Reichstag einberusen. Das arbeitende Volk Schwedens hat bis hierher einmütig zu der Losung: Gerechtigkeit für Norwegen! Friede mit Norwegen! ge- standen. Norwegen hat nun selbst das Band der Vereinigung zerschnitten. Gegen Norwegens Willen eigensinnig aus eine Zwangsuuion zu be- harren, wäre ebenso töricht und unrechtmäßig. Unsere alte Forde- rung, Gerechtigkeit für Norwegen führt unter dieser neuen Situation ganz einfach hierzu: Erkennen wir ohne Vorbehalt das Selbst- oestimmnilgsrrcht des uonucgische» Volkes über sein eigenes Schicksal an! Keine Einmischung, keine Bevormundung, nur eine ehrliche und ruhige Scheidung dessen, was bisher gemeinsam war. Erst weiln_ wir ohne Umschweife unseres früheren Unions- bruders volle Selbständigkeit anerkannt haben, haben wir auch volle Sicherheit für die Erfüllung unserer anderen großen Forderung, die nun mehr als je aktuell ist: Friede mit Norwegen! Schon haben sich öffentlich Stimmen zu erheben gewagt für eines Bruderkriegs verbrecherische Schändlichkeit und Torheit. Der Schwindel des Nationalismus hat tatsächlich größere Teile der schwedischen Oberklasse ergriffen. Aufhetzende und herausfordernde Stimmen sprechen einem einigen Volk sein Recht zu freier nationaler Existenz ab die Unionsauflösung wird als eine Beschimpfung Schwedens hingestellt und großschwedifche Hurrapatrioten miß- brauchen zu ihren Zlvecken das natürliche Mitgefühl mit dem alten Monarchen. Man sucht den Schein zu wahren, daß ein einiges Schweden hinter seinen und seiner Ratgeber Protesten gegen die neue Ordnung der Dinge in Norwegen stehe. Gegen diesen neuau'fflammenden Königsgesangspatriotismus, der selbst nicht weiß, was er will, aber mit seinen unberechenbaren Aus- wüchsen den Frieden auf unserer Halbinsel aufs Spiel setzen oder zu ausländischer Emmiscknmg verlocken kann, ist es an der Zeit, daß das schwedische Volk seine eigene Stimme erhebt. Wohl versammelt sich in einigen Tagen per Reichstag, aber nicht wie in Norwegen eine auf das allgemeine Wahlrecht gegründete Nationalversammlung, sondern in, Gegenteil zwei privilegierte Kammern, die beide neuerdings dem schwedischen Volke ein ehrliches. allgemeines Wahlrecht verweigert haben. Es ist mehr zu wünschen als zu erwarten, daß des schwedischen Volkes wirkliche Meinung über die Staatsumwälzung in Norivegcn und ihre Konseguenzen in den Aeußerungcn und Beschlüssen des kommenden außerordentlichen Reichstages volltönend zum Ausdruck kommt. Aber das Volk, dessen große Mehrheit in unserem Lande als noch nicht reif zum Wählen erachtet wird, hat doch noch das Recht, in Versammlungen und bei Demonstrationen frei und klar seine Meinung zu sagen. Gegen die Auslassungen der Arbeiterpresse hat man seitens der Oberklasse bereits an die Meinung der tiefen Volks- schichten appelliert. Möge diese also frei und deutlich und ohne Um- schweife hervortreten! Wir schlagen keine Resolution vor; jede Ver- sammlung möge selbst sagen, was sie für gut befindet: ob Schwedens Staatsmächte nun ein freies Norwegen anerkennen sollen oder nicht, ob wir den Frieden erhalten und ein Einvernehmen suchen sollen oder nicht. Mögen nun so schnell wie möglich die Volksversammlungen das Wort nehmen und Zeugnis ablegen von der wirklichen Volks- Meinung in unserem Lande. Doch— gerade in diesen Tagen haben diejenigen, die die Macht in Händen haben, uns von neuem ein- geprägt, daß wir nicht ein Volk sind, sondern„zwei Nationen": die Welt der Neichen und die der Armen, die feindlichen Heerlager deS Kapitals und der Arbeit. Mit verachtungsvoller Zurückweisung jedes Bermittelungsvorschlages hat Schwedens Werkstattvereinigung unsere größte Industrie lahmgelegt, ein ganzes Arbeiterheer von 18 000 Mann in Arbeitslosigkeit geschleudert, weil diese Arbeiter sich nicht auf Gnade und Ungnade ergeben und nicht anerkennen wollte», daß das Kapital allein die Arbeitsbedingungen diktiert. Diese Kapitalistenklasse, die so wirtschaftet, kommt nicht zu unseren Volksversammlungen! ihre Gefühle und Meinungen werden wohl treu wiedergegeben von den servilen Lakaien, die sich in diesen Tagen so bemerkbar machen. Aber an Schwedens arbeitendes Volk ergeht unser Ruf: Vor- «oärts, um Euer freies Wort in die Wagschale zu werfen, nun zum außerordentlichen Reichstag, zu den vielleicht wichtigsten Beschlüssen. die seit Generationen gefaßt worden sind— das kann not- wendig sein! Mögen die Versammlungen, die, wie wir erwarten, die Arbeiter- komnnmen überall veranstalten, geprägt sein von dem Ernst, dem Verantwortlichkeitsgefühl, das der Bedeutung der Sache entspricht. Möge der feste Tritt der Arbeitcrbataillone im ganzen Lande den verantwortungslosen Schreihälsen der herrschenden Klasse zeigen, daß die ungeheure Mehrheit des schwedischen Volkes von seiner Staatsmacht eine aufgeklärte und versöhnliche Politik verlangt in Uebereinstimmnug mit der allen Völker« gleich verbindlichen Forderung der Gerechtigkeit und Freiheit, und daß das schwedische Volk unter keinen Umständen, noch unter irgend welchen Vorwänden von seiner Losung: Gerechtigkeit und Friede lassen wird. Eue der Partei. Mit dem Organisationsstatut beschäftigte sich eine Partei- Versammlung für Dresden-Altstadt. Die Debatte, aus der keine Einzelheiten mitgeteilt werden, ergab prinzipielles Einverständnis mit dem vorgelegten Entwurf. Beschlüsse wurden nicht gefaßt. Die Agitationskommission für den Wahlkreis Luckenwalde- Jüter- bog unterbreitet auf Grund eines ihr von einer Kreiskonferenz er- teilten Auftrages den Parteigenossen des Kreises den Entwurf zum Organisatiousstatut für einen Kreis-Wahlverein zur Diskussion. Der Genosse Leonhard Tauscher in Stuttgart feierte das Jubiläum ftinfzigjähriger Berufstätigkeit. Die Parteigenossen ver- anstaltetcn aus diesem Anlaß eine Ehrung des Jubilars durch Ständchen und Ansprachen, wobei ihm Geschenke überreicht wurden. Außerdem wird noch eine allgemeine Feier im Gewerkschaftshause abgehalten werden. poUreliicKes. Öenchtlichea üb». Je 120 M. Geldstrafe verhängte das Schöffengericht in Neustadt �Herzogtum Koburg) über zwei Redakteure. Die«Brauerzeitung�, das Organ des Deutschen BrauerverbaudeS, hatte in einem Artikel die Arbeitsverhältnisse in einer Brauerei besprochen, und das.Volks- blast" für Koburg-Gotha hatte diesen Artikel abgedruckt. Trotzdem bis auf wenige Kleinigkeiten der Wahrheitsbeweis erbracht wurde, wurde der Redakteur der.Brauer-Zeitung", Genosse Krieg-Haunover und der das„Volksblatt" verantwortlich zeichnende Genosse Spengler- Gotha zu der genannten Strafe verurteilt. Den Prozeß führte ein junger Assessor, der allem Anschein nach preußische Auffassung von der Preßfreiheit besitzt. Eue Industrie und f)andel. Die Härte» des Eiuwanderuugsgesetzeö in— Australien miß- billigt der„Hamburgische Correspondent", das Organ der Groß- reedcr, aus Anlaß eines Falles, der aus Hobart in Tasmania ge- meldet wird. Ein Fabrikant aus Glasgow, der als Salonpassagier mit seiner Tochter auf einer Weltreise begriffen ist und bei dieser Gelegenheit auch Australien besuchen wollte, wurde in Hobart von dem Zollbeamten am Landen verhindert, weil er blind ist. Daß der Fabrikant gar nicht die Absicht hatte, einzuwandern, ging daraus hervor, daß er ein durchgehendes Billetts über Australien nach Amerika besaß. Die abgewiesenen Reisenden setzten ihre Reise nach Melbourne fort, ohne sich auf weitere Verhandlungen einzulassen. Mr. R e i d, der Premier- minister des föderierten Australien, soll über das Verhalten des Beamten äußerst empört sein. Er bezeichnete den Beamten als „riesigen Esel", der seinen Dienst nicht verstehe. Der Beamte stützt sich seinerseits darauf, daß ein Blinder nicht zugelassen werden dürfe, „weil er dem Staat zur Last fallen könnte". Die bürgerliche Presse verpufft ihre Energie gern in der Kritik von Schäden und Mängeln, die sie im Ausland zu erblicken ver- meint, sie bleibt aber stumm und taub gegenüber den schwersten Gebrechen und Mißständen im eigenen Lande. Das Hamburger Blatt für Recderintcressen hat geschwiegen gegenüber der schmach- vollen Behandlung und Ausbeutung der russischen Auswanderer in Preußen, die sich nicht auf Gesetze, sondern auf„sanitätspolizeiliche" Verfügungen und Dividendenverlangen der Hamburg-Amerika-Linie stützten. Man ist freinnitig und kritikgeschwätzig gegen Australien. nmn schlveigt in allen Sprachen— für Ballin. In der Seifenindustrie war im Jahre 1904 der Konkurrenzkampf womöglich noch schärfer als ftüher. Die unlohnenden Preis- verhälnstsse führten in erhöhtem Matze dazu, die Fabrikations- Methoden zum Zwecke der Herabminderung der Produktionskosten gänzlich umzugestalten. Man lernte einerseits den einen Kom- ponenten der Fette, das Glycerin, in reiner Qualität abscheiden, andererseits aber auch den anderen dabei erhaltenen Bestandteil, die Fettsäure statt nnt Aetznatron mit dem billigeren kohlensauren Natron verseifen. Die Fabrikaisten nun, die Fettspaltung und Karbonatsverseifung in ihren Betrieben einführten, waren m der Lage, ihre Fabrikate zu Preisen anzubieten, die für andere Bettiebe geradezu verlustbringend gewesen wären. Die Seifenpreise gingen im Großhandel um etwa 2 M. pro Zentner zurück. Eine allgemeine Verbreitling der Fettspaltung in der Seifenindustrie wird einstweilen noch durch die hohen Anschaffungskosten und die überaus rasche Ab- Nutzung der zu dem neuen Verfahren nötigen Apparate gehemmt. Auch in der Seifenindustrie führt der Kleinbetrieb einen schweren aber aussichtslosen Kampf gegen den überlegenen Großbetrieb. Der Drahtstifwerband aufgelöst. Wie die„Köln. Ztg." meldet, ist der Drahtstiftverbaud zum 1. Juli d. I. aufgelöst worden. Die Ursache des Scheitern der Erneuerung war die Sonderforderung eines siidwestdeutschen Walzwerkes, das mit mehreren Stiftfabriken eine Interessengemeinschaft geschlossen und dafür erhöhte Be- teiligungSmengen gefordert hatte. Der„Rh.-Wests. Ztg." zufolge bleiben trotz der Auflösung die größeren Werke Rheinlands, West- falens und Oberschlesiens fOberschlesische Eisenindustrie) zusammen. Dies war bereits vorgesehen, falls der Zusammenschluß aller Werke scheitern sollte. Die beabsichtigte Neugründung deS Verbandes scheiterte an den Mehr- und Sonderfordernngen der Firma Gebr. Stumm zugunsten ihrer Interessengemeinschaft mit den Firmen Fricdr. BoeSner in Augustenthal und Roth, Heck und Schwinn in Ixheim. Das Kapital nistet für den Feiedrn. Einer Brüsseler Meldung zufolge stellte das belgisch-französische Russenkonsortium der russischen lliegierung für den Fall des Friedensschlusses die nötigen Kapitalien zur Zahlung einer Kriegsentschädigung sowie zur Errichtung einer neuen Flotte zur Verfügung. Dagegen habe es jeden Beistand zur Fortführung des Krieges entschieden abgelehnt. Sehr erhebliche Aufträge an deutsche Lokomotivsabrike» sind in den letzten Tagen, wie das„B. T." mitteilt, aus Südamerika und Asien erteilt worden. Es handelt sich um Objekte im Werte von ca. 12 Millionen Mark. Beteiligt sind daran die Firmen Hcntschel u. Sohn, Egestorff in Hannover, Borsig und Schwartzkopff in Berlin. Die Ablieferungen haben bis Ende des Jahres zu er- folgen._ Huö der Frauenbewegung. Die deutschen Lehrerinnen waren in den Pfingsttagen zu einem Berufskongreß in Bremen ver- sammelt. Auch diesmal ist wieder wie schon öfter die Erscheinung zutage getreten, daß die weibliche Lehrerschaft Deutschlands in mancher"Hinsicht fortschrittlicher und radikaler veranlagt ist, als ihre männliche Kollegenschaft. Das rührt daher, daß die Lehrerinnen außer mit der mangelhaften Besoldung, in der sie noch weit hinter den Lehrern zurückstehen, auch noch mit dem alten Vorurteil gegen die Gleichberechtigung der Frau zu kämpfen haben. Gerade gegen- wärtig befinden sich die Lehrerinnen in einer gewissen Kampsposilion gegenüber den Volksschullehrern, weil diese auf der im nächsten Jahrs in München stattfindenden deutschen Lehrerversammlung die Lehrerinnenftage erörtern wollen. Die Lehrerinnen vermuten dahinter Konkurrenzneid der männlichen Kollegen. Man war in Bremen darum hoch erfreut— und mit Recht—, als der Vorsitzende des bremischen Lehrervereins in einer Be- grüßungSansprache seine persönliche Auffassung dahin formulierte, daß Lehrer und Lehrerinnen bei gleicher Vorbildung auch gleiche Rechte, gleiche Pflichten und gleiches Entgelt haben müßten. Gerade die letztere Forderung ist von Bedeutung. Wenn heute manchem Lehrer ein banges Herzklopfen befällt angesichts des rapiden An- ivachsens des weiblichen Elements in der Lehrerschaft, so ist diese Erscheinung in erster Linie auch hier auf die größere Billigkeit der Iveiblichen Arbeitskraft zurückzuführen. Der Lehrerinnentag behandelte in den drei öffentlichen Ver- fammlungen zunächst die Gründe, auS denen für Mädchenschulen weibliche Leitung vorzuziehen ist, ferner die Notwendigkeit sozial- wissenschaftlicher Bildung für Lehrerinnen und endlich die Stellung und die Aufgaben der Naturwissenschaften nn Unterricht der Mädchen. Alle drei Referate legten von dem wissenschaftlichen Eifer und dem Berufsernst der Lehrerinnen beredtes Zeugnis ab, und in den anregend und lebhaft geführten Diskussionen kam gleichfalls das rege Interesse der Lehrerinnen am Ausbau der Schule und an der eigenen geistigen Hebung zum Ausdruck. Es ist natürlich, daß die Lehrerinnen mit Entschiedenheit weibliche Leitung für Mädchenschulen verlangten, aber man ging doch nicht so weit, männliche Leitung überhaupt zu verneinen. Nur bei gleicher pädagogischer Tüchtigkeit eines männlichen und eines weiblichen Bewerbers soll der weibliche bevorzugt werden. In bezug auf den uaturwissenschaftlichen Unter- richt wurde verlangt, daß er sowohl in höheren Mädchenschulen als auch besonder? in den Volksschulen eine wesentliche Ausgestaltung erfahren müsse. Scharf wurde der»praktische" Zweck der Natur- Wissenschaften abgelehnt, soweit er u. a. nur als Vorstufe für Koch- und Haushaltungskunst dienen soll. Natürlich har man nichts da- gegen, daß die naturwissenschaftlichen Kenntnisse später im praktischen Leben Verwendung finden sollen. nicht aber soll der Unterricht von vornherein auf diesen engen Zweck zu- geschnitten werden, eine Forderung, der man nur zustimmen kann. Auch die Forderung, daß die biologischen Gesichtspunkte im naturwissenschaftlichen Unterricht ihre hinreichende Berücksichtigung finden sollen, daß ferner der Unterricht so gestaltet werden müsse. daß er das Verständnis der Naturgesetze ermögliche, kann man nur billigen. Am interessantesten war die Frage der sozialwisscuschaftlichen Bildung der Lehrerin. Die Refereuttn wies auf die enge Zu- sammengehöeigkeit von Bildung und Gemeinschaft hin, sie betonte die hohe Bedeutung der Sozialwijsenschaften, insbesondere der Nationalökonomie für das Verständnis des sozialen ZusantnrenleöenS. sie stizzierte in kurzen prägnanten Strichen das Wesen der modernen Sozialpädagogik und leitete aus alledem die Forderung ab, daß Lehrer und Lebrerinuen im Interesse ihres Berufs eine gründ» liche sozialwissenschaftliche Bildung haben müssen. Auch die Diskussion bewegte sich in demselben Rahmen. Eine Rednerin loollte sogar die Leitsätze der Referentin noch erweitern durch Hin« zufügung der Forderung, daß die Lehrerinnen neben� der theore« tischen sozialwissenschaftlichen Bildung sich auch prakttsch betätigen möchten, und zwar durch Anschluß an die Arbeiterorganisationen. Die Forderung fand lebhaften Beifall, wenn sie auch aus formellen Gründen in der Resolution keinen Platz finden konnte. Es würde sich übrigens empfehlen, wenn die betreffende Lehrerin, die diese Forderung aufstellte, das bekannte Frl. Lischnewska-Spandau, erst selbst einmal engeren geisttgen Anschluß an die eigentlichen Arbeiter- organisationen suchte. Denn charakteristischerweise war eS dasselbe Frl. Lischnewska. das bei einer Lloydfahrt nach Beendigung deS Kongresses ein Hoch auf die deutsche Flotte ausbrachte und die Lehrerinnen aufforderte, den Kindern Sinn für die Flotte ins Herz zu pflanzen. Das ist gerade der richtige Weg. um Fühlung mit den Arbeitern zu gewinnen!— SewerK lebaftlickes. Militär gegen Ausgesperrte. Unsere Gegner besitzen in allen die Arbeiterbewegung be- treffenden Angelegenheiten eine köstliche Naivität, die selbst in ernsthaften Situationen den Arbeitern noch manchmal eine fröhliche Stunde zu bereiten geeignet ist. So tolle Phantasien, wie die jüngst der Lächerlichkeit preisgegebene, daß der sozial- demokratische Parteivorstand in Berlin die Bergarbeiter kommandiere, daß er Streiks befehle ic., würden nie das Licht der Oeffentlichkeit erblicken, wenn die Urheber solcher Ideen nicht auf andächtige Gläubige in bürgerlichen Kreisen rechnen könnten. Wie über die Ursachen der wirtschaftlichen Kämpfe die wunderlichsten Ansichten in den Köpfen der Arbeitergegner herrschen, so greift man auch zu den sonderbarsten Kampf- Mitteln. Wie wunderbar sich in den Köpfen der Herrschenden die proletarische Welt malt, geht aus dem Vorgehen der Militärkommandostellen in Nürnberg hervor, die angesichts der bevorstehenden und teilweise schon durchgeführten all- gemeinen Metallarbeiter-Aussperrungen den hauenden Säbel und die schießende Flinte glauben mobil machen zu müssen, wahrscheinlich auf Betreiben der Oberscharfmacher des Metall- industriellen-Verbandes. Man befürchtet anscheinend, daß durch die Aussperrung Unruhen entstehen, deshalb wurde das Militär für den„Ernstfall" eingehend instruiert und ein detaillierter„Feldzugsplan" aufgestellt. Jeder Mann und jede Kompagnie weiß bereits, wo sie sich als Retter des Vaterlandes zu betätigen haben. Dabei hat das bisherige Verhalten der Streikenden und Ausgesperrten noch nicht den leisesten Anlaß zu einer solchen Maßregel gegeben; die' bisher bei jeder Gelegenheit beobachtete musterhafte Ordnung nötigt selbst den Gegnern Achtung ab. Der Vorfall illustriert aber auch neu die alte Erfahrung. daß im Kampfe gegen die Arbeiterschaft dem Unternehmer- tum auch alle Machtmittel des Klassenstaates zur Verfügung stehen I_ Berlin und Umhegend. Tariftreue der Unternehmer. Die Kleber(Tapezierer) hatten am 15. Juni bei Mendt, Beuthstr. 19, eine gutbesuchte Branchen- Versammlung, um sich mit der Frage zu beschäftigen, mit welchen Mitteln den Versuchen zum Durchbruch deS Tarifs entgegen zu arbeiten sei. Wels referierte. Eine Reihe von Arbeit- gebern der Klebebrauche versuchen, Gehülfen zu niedrigeren Löhnen zu bekommen, als sie der Tarif vorsieht und nicht alle Kollegen haben soviel Rückgrat gehabt, dies abzulehnen.— Die Versammlung stimmte dem zu. daß eine Konttolle auszuüben sei, um Tarifdurchbrüchen zu begegnen. Es sollen, wie während des Streiks, Arbeitsberechttgungskarten ausgegeben werden. in die für den Zeittaum von je 14 Tagen eine Marke als Ausweis dafür eingeklebt wird, daß der Betreffende zu tariflichen Bedingungen bei einer Tariffirma arbeitet. Es wurde auch beschlossen, bis auf weiteres zwei Baukonttolleure einzustellen. Und schließlich wird man noch an die während des StteikS so gut betätigte Solidarität der übrigen Bauarbeiter appellieren, um die Kontrolle zu einer vollkommenen zu machen. Ein Streik von Anwalts-Angestcllten. Im Bettiebe deö Rechts- anwalts Dr. Lippelt zu Pankow. Breitestr. g9b, haben die sämt- lichen Bureauangestellten wegen unwürdiger Behandlung und sonstiger Differenzen die Arbeit niedergelegt. Der Betrieb des Rechtsanwalts Dr. Lippett ist für die Bureauangestellten gesperrt. Die Ausständigen der Bcrlin-Frankfurter Gummiwerke, Mühlen- straße 70/7 l, versammelten sich am Mittwochvormittag vollzählig, um den Situationsbericht, den Bruns gab, entgegen zu nehmen. Die Haltung der Stteikenden ist eine mustergültige. Seitens der Streikposten ist der Anstand in kemer Weise ver- letzt worden. Die Firma läßt die acht ihr tteu- gebliebenen„Damen" jeden Morgen von einem bestimmten Sammelplatz abholen, was aber die Streikposten kalt läßt. Es ist bisher recht minimal, was von den Posten gemeldet wird betreffs des Andranges Arbeitswilliger. Tausende haben im Laufe der Jahre teils persönlich, teils von Bekannten erfahren, welches Eldorado in der Mühlenstrache sich bietet. Selbst wirklich Bedürftige haben verzichtet auf das„Recht auf Arbeit", als sie hörten, daß sie ganze 30 Pf. pro Stunde erhalten sollen. Auch die Sattler, Tapezierer, Schneid« und Schuhmacher, an die man sich jetzt per Inserat verblümt wendet, werden sich versagen, ihre ge- sundcn Glieder dem bestteikten Betriebe zu opfern; zu irgendwelcher Handwerker-Berufsbetätigung ist außerdem da keine Gelegenheit. Es handelt sich nur um Heranbildung von Streik« blechern. Bedauerlich ist nur, daß die in Geleuhausen beschäftigten Gummiarbeiter sich herbeigelassen haben, durch Ueberstunden einen Teil der Ware für das Berliner Werk fertigzustellen; andernfalls hätten die Stteikenden längst als Sieger ihren Einzug ins Werk gehalten._ Zur Lohndewegung der Friscurgchülfen. Die Lohukommissiou hat mit den Vertretern der Freien Ver- einigung selbständiger Barbiere zc. beschlossen, daß sämtlichen Mit- gliedern der Vereinigung nach Vorlegung ihres Mitgliedsbuches Plakate ausgehändigt werden. Die Aushändigung erfolgt täglich außer Sonnabends und Sonntags in der Zeit von 9—12 Uhr und 2—4 Uhr, Rosenthalerstr. 57. Die Lohnkommission. I. A.: P. Lier. Für die Freie Vereinigung selbstäiidiger Barbiere ec. Fritz Deichsel, Beauftragter der Fr. V. s- B. u. F. Für die Mitglieder der Freien Vereinigung werden ausnahms- weise am 17. d. M. in der Zeit von 8—10 Uhr vormittags die Plakate verausgabt. Dem Vernehmen nach ist in verschiedenen Bezirksversammlungen der Innung beschlossen worden, diejenigen Mitglieder, welche die Forderungen der Gehülfen bewilligen, auszuschlieben.— Die von Herrn Schulz, Zossenerstt. 29, an seinem Geschäftslokal an« gebrachten Plakate, daß die Forderungen der Gehülfen bewilligt seien, rühren nicht von der Lohnkommission her. Auch ist dieser bisher nichts von einer Bewilligung bekannt. Auf viele Anfragen hin teilt die Lohnkommission mit, daß Herr Nowatzki, Langeitt. 8, die Forderungen der Gehülfen bewilligt hat. Der Streik der Brettertrngcr und Brettschueider Berlins ist beendet. Die Plätze der Firma Poßling u. C. W. Eger bleiben vorläufig für Organisierte gesperrt. veutlcves Ketek,. Der Zentralveriand der Zimmerer Deutschlands, der rund SV OVO Mitglieder in 603 Zahlstellen uinfafzt, hat auch in diesem Jahre au-Zgedehnte Lohnbewegungen zu führen. Im ersten Halbjahre 1005 hatten 227 Zahlstellen mit zusammen 21 361 Mitgliedern bei dem Zentralvorstande Lohnbewegungen gemeldet. In 131 Zahl- stellen mit zusammen 16 164 Mitgliedern sind sie geregelt, und zwar in 121 Zahlstellen mit IS 021 Mitgliedern erfolgreich. In 36 Zahl- stellen mit 1665 Mitgliedern ist eine Verkürzung der Arbeitszeit nebst Lohnerhöhung erzielt worden und in 85 Zahlstellen mit 13 356 Mit- gliedern eine Lohnerhöhung. In 3 Zahlstellen mit 838 Mitgliedern wurde vereinbart, daß die geregelten Lohn- und Arbeitsbedingungen weiter bestehen bleiben, und in einer Zahlstelle mit 68 Mitgliedern tritt im nächsten Jahre eine Lohnerhöhung ein. In 6 Zahlstellen mit 237 Mitgliedern verzichtet man auf die Durchführung der ge- stellten Forderungen. Für 88 Zahlstellen mit 12 666 Mitgliedern sind die Lohn- und Arbeitsbedingungen vertraglich festgelegt: davon enthalten 26 Ver- träge Bestimmungen, wonach auch im nächsten Jahre der Lohn er- höht bezw. die Arbeitszeit verkürzt wird. In 96 Zahlstellen mit S197 Mitgliedern haben die Lohn- vewegungen ihren Abschluß noch nicht gefunden. In 53 Zahlstellen mit 5198 Mitgliedern ist eS zu Lohnkämpfen gekommen. und zwar in 39 Zahlstellen mit 4099 Mitgliedern zu Streiks und in 14 Zählstellen mit 1099 Mitgliedern zu Aus- sperrungen. Die Verbandshauptkasse zahlte im ersten Halbjahre 1905 (bis zum IS. Juni) 98 7S0 M. an Streikunterstützung aus. In. der Eisengießerei W. Nauek zu Neu-Ruppin hat am 10. Juni eine Maßregelung stattgefunden und haben sämtliche Former die Arbeit niedergelegt. Es wird ersucht, Zuzug fern- zuhalten. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Zum Streik der Zigarettrnarbeiter. In der am Dienstag im Trianon zu Dresden abgehaltenen Versammlung lvurde be- schlössen, den Streik mit allen Mitteln bis zum günstigen Ende zu führen. Dem Arbeitgeberverband gehören an Jasmatzi, Tuma, KioS, Alcrandria, Persia, Arabia, Delta, Laferme usw. Mit be- sonderer Freude wurde Kenntnis davon genommen, daß die B e r- liner, Förster und Kasseler Arbeiter durch Nichtkaufen dieser Marken sich mit den Streikenden solidarisch erklärten. Unter den bekannten großen Fabriken hat die Firma KoSmoS die Löhne bewilligt und die Organisationsfreiheit genehmigt. Dies wurde mit Genugtuung zur Bekanntgabe ge- bracht.— Jasmatzi hat einige Hundert Lehrmädchen eingestellt und gewährt diesen freies Essen, Kaffee usw., nur damit diese nicht in den Verband gehen. Diese Firma hat laut General- Bersammlungsbericht allein in Sachsen l'/g Millionen Mark umge- setzt und sind davon mindestens llU Millionen Mark von den Arbeitern gekauft worden.„Arbeiter, raucht keine Jasmatzi!" heißt in Dresden die Parole. In Forst werden Eckstein 5 und Atika-Zigaretten boykottiert und durch die„Märkische Vollsstimme" bekannt gemacht. Auch viele Händler haben sich mit den Streikenden solidarisch erklärt und führen nur„streikfreie" Marken. Die bekannten Marken Atika, Eckstem 5 kosten den Händlern 1—2 Mark mehr wie bei anderen Fabriken, und konnten diese Firmen leicht den neuen Lohntarif bewilligen. Noch rrnr Masscuausspcrrung in Sicht. München, 15. Juni.(Eig. Ber.) Nun haben auch die Scharfmacher im München er Baugewerbe, wie schon telegraphisch gemeldet, für Freitag, den 26. Juni, eine allgemeine Aussperrung aller im Baugelverbe beschäftigten Arbeiter angedroht, sie wollen sich offenbar würdig an die Seite des bayrischen Metallindustriellen-Verbandes stellen, der bekanntlich schon seit zwei Wochen in München allein nahezu an 3000 Metall- arbeiter an ihrer freiwilligen Arbeit hindert nnd weitere 10 000 Metallarbeiter in Nürnberg und Augsburg auf das Straßenpflaster werfen will, wenn nicht die Münchener Metallarbeiter in Bälde zu den Fleischtöpfen der Schleifsteindreher zurückkehren. Die Scharfmacher samt und sonders arbeiten offenbar nach einer Schablone und steuern scheinbar einem gleichen Ziele zu: der ertrümmerung der stets vorwärts schreitenden rbeiterorganisationenl Der Arbeitgeberverband im Bau- gewerbe für München und Umgebung gibt heute in der bürgerlichen Presse folgenden Beschluß seiner„Vollversammlung bekannt: „Die fortgesetzten absichtlich direkt und indirekt gegen ihre Mit- glieder gerichteten Streiks im eigentlichen Baugewerbe sowie in dessen Hülfsgewerben machen es den im Verbände der Arbeitgeber des Baugcloerbes für München und Umgebung vereinigten Gruppen der Architekten, Bau-, Maurermeister, Tiefbaugeschäfte nnd Zimmemreister unmöglich, einen geordneten Arbeitsbetrieb ausrecht zu erhalten. Die wohlgemeinten Verstiche, mit den Maurern, Zimmerleuten und Bauhulfsarbeitern zu einem Tarifvertrage zu gelangen, ziehen sich in die Länge, ohne daß diese Zeit als eine Art Waffenstillstand betrachtet wird. Diese Verhandlungen müssen auch scheitern, da die Arbeitnehmer ebenso entschloffen scheinen, ans dem sogenannten Minimallohn zu bestehen, wie die Arbeitgeber, ihn abzulehnen. Die genannten Gruppen von Arbeitgebern erklären deshalb, daß sämtliche ihnen angehörenden Firnren am Freitag, 23. Juni 1905, abends 6 Uhr, ihre Baustelle» und Werkstätte» schließen uierden. Leute, welche die Arbeit unter der bestehenden Arbeitsordnung fortsetzen wollen und schriftlich erklären, daß sie den das Gewerbe so unzeitgemäß beunruhigenden Organisaftonen nicht angehören, sie auch aus ihrem Verdienste nicht unterstützen wollen, werden auch nach der genannten Frist nach Möglichkeit Arbeitsgelegenheit erhalten." Was die Scharfmacher hier zur Begründung ihrer Gewalt- maßregeln ausführen, sind nichts weiter als Vor- Spiegelungen falscher Tatsachen. Im vorigen Jahre hak der Arbeitgeberverband für das Baugewerbe mit dem Zentral- verband der Maurer einen Vertrag abgeschlossen, in dem ein Mindeststundenlohn von 50. Pf. für vollwertige Maurer festgelegt war. Schon damals wurde seitens des Gewerbenchters Dr. Preucr den beiden Parteien nahegelegt, noch vor Jahresschluß in Tarif- Verhandlungen einzutreten, unr in friedlicher Weise zum Abschluß eines förmlichen Tarifvertrages zu kommen. Die Organisafton der Maurer hat dem Arbeitgeberverband alsbald einen Eirtwurf vor- gelegt, in dem lls/zstündige Arbeitszeit, ein Stunden- lohn von öS Pfennige' für Maurer und Zimmerer und 45 Pfeimige für Bauarbeiter verlangt wurden. Die Scharfmacher lehnten es aber entgegen den Vereinbarungen vor dem G e- Werbegerichte ab, mit der Organisation zu ver- h a n d e l n I Schließlich legte der Arbeitgeberverband den beteiligten Organisationen doch einen Entwurf vor, in dem das, was die Arbeiter im vorigen Jahre vertragsmäßig schon hatten, so ziemlich alles ausgemerzt war. Zugleich stellten die Herrschaften das Verlangen, daß bei Differenzen in Zukunft nicht mehr das Ge- Werbegericht, sondern das Jnnungsschiedsgericht als Einigungsamt zu fungieren habe, womit also das unparteiische Gewerbe- Sericht ausgeschaltet werden sollte. In den folgenden Verhandlungen ellten sich die Arbeitgeber auf den Herrenstandpunkt und erklärten kategorisch, daß unter keinen Umständen Minde st löhne zugebilligt würden. Um einen folgenschweren Kampf zu vermeiden, erklarte sich die Organisation bereit, die g'/.-, stündige Arbeitszeit für diesmal fallen zu lassen, wenn die Mindeststnndenlöhne von 52, 50 und 38 Pf. akzeptiert würden. Auch dieses Entgegenkommen wurde schroff zurückgewiesen. Die Scharfmacher wollen also eine Verschlechterung der schon im vorigen Jahre Vertrags- mäßig festgelegten Lohn- und Arbeitsverhältnisse. Sie wollen eS offenbar ans esne Machtprobe mit der Organisafton der Arbeiter ankommen lassen. Die hiesigen Maurer fühlen sich stark genug, um die dreiste Provokatton mit Erfolg zunickzuweisen. fluetand. Ein vollständiger Plan zur Bekämpfung ber Streiks ist auf der Jahresversammlung des schweizerischen Gewerbevereins aufgestellt worden. Der Plan ist in die Form eines Reglements gebracht, dem das Streikreglement einer gewerkschaftlichen Organisation als Vorbild gedient hat, nur ist das, was hier über die Organisation und Durchführung von Streiks gesagt ist, dort auf den Kopf gestellt, um den Streik zu verunmöglichen bezw. seinen Erfolg zu ver- eitel». Es sind zu diesem Zwecke Streikunterstützung der von der Arbeitseinstellung betroffenen Unternehmer und auch Aussperrung vorgesehen. Darüber hinaus wird ein eidgenössisches Gewerbegesetz angestrebt, das die Erwerbs- und Arbeitsbedingungen regeln soll. Wie das geschehen soll, wurde nicht gesagt. Der schweizerische Ge- werbeverein ist der Zentralverband der Unternehmerorganisationen und er zählt 30 000 Mitglieder. Sein Vorgehen wird nicht ohne be- lebende Rückwirkung auf die Arbeiterschaft bleiben, Die ortsüblichen Tagelöhne geivöhnlicher Tagearbeiter in Preußen l893 und IM. In der Zeitschrift des königlich preußischen Statistischen Bureaus 1904, lV veröffentlicht Herr Dr. NeuhauS umfangreiches Material unter obigem Titel. Leider sind die Ergebnisse äußerst minimal. Daß die von einer amtlichen Stelle ausgehende Arbeit einige statistische Fehler enthält, sei nur nebenher bemerkt.— In Er- mangelung besseren Materials seien jedoch einige Daten mitgeteilt, die ein überaus charakteristisches Streiflicht auf die Lohnverhältnisse ungelernter Arbeiter werfen. Für den Staat betrugen die durch- schnittlichen ortsüblichen Tagelöhne gewerblicher Tagearbeiter in Mark bei Personen im Alter von nach dem über 16 Jahren unter 16 Jahren ®*aig1*j)g0n männlich weiblich männlich weiblich Dezember Stadt Land Stadt Land Stadt Land Stadt Land 1392 1,71 1,49 1,08 0,97 0,89 0,78 0.69 0,63 1901 1,99 1,74 1,26 1,13 1,03 0,96 0,82 0,74 Diese Zahlen enthüllen schon das ganze Elend der ungelernten Arbeiter. Es wird kaum eine Gegend in Preußen geben, wo ein verheirateter Arbeiter'mit Angehörigen mit einem Tagesverdienste von 1,99 M. einen geordneten Haushalt zu führen imstande sein wird. Da mm die wenigsten ungelernten Arbeiter das ganze Jahr hindurch beschäftigt sind, ja ein großer Teil überhaupt nur während gewisser Saisonzeiteu voll beschäftigt ist. ergibt sich, daß die durch- schnittlichen nach obigen Zahlen berechneten Jahresverdienste nur in wenigen Fällen erreicht werden. Bei 295 Arbeitstagen im Jahre würden sie betragen 1901 rund 537, 513, 372, 334, 319, 284, 242, 213 M. Das sind i m g ü n st i g st e n F a l l e die durchschnittlichen Jahresverdienste! Dabei sind die höheren nur wenig größer und auch weniger zahlreich, weil ihr Einfluß bei der Bildung des Durchschnitts- satzes verhälttnsmäßig stärker in die Wagschale fällt als das Manko der niedrigeren bis zum Durchschnitt.— Die Unterschiede der Lohn- sätze nach Stadt und Land sind bei den einzelnen unterschiedenen Klassen erheblich verschieden. So ist derjenige der Männer be- ziehungsweise Frauen in den ländlichen Gemeinden um 12,6 bezw. 10,3 Proz. niedriger als in den städtischen. Der Lohn der weiblichen Arbeiter ist natürlich in den beiden Altersstufen geringer als der der männlichen, und zwar bei den Erwackisenen in den Städten um 36,7 Proz., auf dem Lande um 35,1 Proz., bei den Jugendlichen um 24,1 beziehungslveise 22,9 Projj. Die Löhne der männlichen Jugendlichen sind irni 45,8 Prozent m den städtischen, um 44,8 Proz. in den ländlichen Ge- meinden niedriger als die der Männer, die der Mädchen um 34,9 bezw. 34,5 Proz. geringer als die Frauenlöhne. Es ist beachtens- wert, daß der Lohnsatz der jugendlichen männlichen Arbefter im Ver- hältnis zu dem der Erwachsenen erheblich niedriger ist als der Lohn der Mädchen im Vergleich zu dem der Frauen. Das dürste seinen Grund in dem Umstände haben, daß von den Frauen nicht viel höhere Arbeitsleistungen erwartet werden als von den Mädchen, während das Maß der Anforderungen an die Arbeitskraft nnd-Leistung der Männer doch ein bei weitem größeres ist als an die der Knaben, Zudem erreicht das weibliche Geschlecht viel eher seine Reise als das männliche. In dem großen Staatsdurchschnitt verschwinde» natürlich alle Verschiedenheiten in den einzelnen Landesteilen. Geht man aber darauf ein, so zeigen sich bedeutende Gegensätze zwischen dem Osten und dem Westen des Staates. In den West- lichen Bezirken findet man höhere Männerlöhne, die höchsten, 2,50 M., in den Städten des Regierungsbezirks Düsseldorf, sodann folgen die von Arnsberg(2,45 M.), Schleswig(2,40 M.), Stade<2,32 M.), Sigmaringen(2,30 M.) und Münster(2,21 M.). Am niedrigsten ist der Lohnsatz für Männer in den Stadtbezirken des Gnmbinner (1,31 M.), dann des Breslauer<1,36 M.), Liegnitzer(1,44 M.) und Posener(1,44 M.) Bezirks. In den Landbezirken ist das Einkommen der erwachsenen männlichen Arbeiter dort am besten, wo sich die Großindnsttie auch über das Land ausgebreitet hat, wie zum Beispiel in dem Regierungsbezirke Arnsberg<2,35 M.) Auch die Franenlöhne sind im Westen höher. Die höchsten werden in den Hohenzollernschen Städten gezahlt, auf dem Lande im Düsseldorfer Bezirk, die geringsten im Bezirk Gumbinnen. serner wieder wie bei den Männern in Breslau und Liegnitz. Die städtischen Löhne sind bis auf den Bezirk Köslin überall höher als die ländlichen, Bei den jugendlichen Arbeitern finden wir in den städftschen Bezirken bei Hohenzollcrn, in den länd- lichen bei Wiesbaden die höchsten, in den Bezirken Gumbinnen und Stralsund die niedrigsten Beträge, Die überhaupt besten Männerlöhne weist die Insel Helgoland auf, obwohl dort die übrigen Löhne nicht eine ähnliche verhältnismäßige bedeutende Höhe erreichen; so beträgt der Tagelohn der erwachsenen Arbeiterinnen 1,75 M., derjenige der jugendlichen Arbeiter 1,40 M. bezw. 90 Pf. Den höchsten Lohnsatz in den Städten finden wir mit 3,20 in Frankfurt a. M., den für Arbeiterinnen der gleichen Stufe mit 2,30 M. in der stadt Sonderburg in Schleswig, aut dem Lande mit 2,10 M. im Kreise Blumenthal(Stabe). Die beträchtlichsten Knaben- löhne werden mit 1,80 M. auf Norderney, die höchsten Mädchenlöhne mit 1,36 M. in dem Flecken Lehe(Stade) gezahlt. Die niedrigsten Männerlöhne mir 1,00 M.(!) weist der BreSlauer Bezirk auf und zwar beim Kreise N i m p t s ch, den geringsten Lohnsatz für Frauen mit 55 Pf. sänttliche städtischen und ländlichen Orte des Kreises L n b e n(Liegnitz): der geringste Lohnsatz von 50 Pf. für Knaben und 40 Pf. für Mädchen findet sich mehrfach in den östlichen Landes- teilen. Bolle Beschäftigung während des ganzen Jahres voraus- gesetzt, wagt man die volle männliche Arbeitskraft mit 295 Mark zu entlohnen; Franc« und jugendliche Arbeiter werden von ihren Ausbeutern mit 162 M. bezw. 148 M.»der 118 M. abgespeist. Diesen Einkommen in voller Arbeitskraft steht das be- rühmte gesicherte Einkommen bis ins höchste Alter hinein noch gegenüber! Die Steigerung der Löhne von 1892 auf 1901 betrug bei den ._ Erwachsenen Jugendlichen männlich weiblich männlich weiblich Stadt 16.4 16.7 21,3 18,8 Prozent Land 16.8 16.9 23,1 17,5 Die Zunahme ist außer bei dem Lohne der Mädchen in den ländlichen Bezirken etwas größer als in den städtischen. Am höchsten ist sie bei den Knaben aus dem Lande, am niedrigsten bei den Mänuern in der Stadt. Danach kann man sich einen Begriff von dem Stand der 1392er Löhne machen. Hier eine kleine Blütenlese dafür. Auf dem Lande kamen folgende Löhne vor: Für Männer 1 M. und 95 Pf., in sehr vielen Kreisen Ostpreußens und Schlesiens, 90 Pf. sehr oft in Schlesien, im Kreise M i e l i tz (Breslau) sogar 85 Pf.! für Frauen 50 Pf. mehrfach in den Bezirken Breslau und Liegnitz, für Knaben 40 Pf. mehrfach in den Bezirken Königsberg und Liegnitz sowie im Kreise Züllichan-Schwiebn?(Mark), für Mädchen in den Bezirken Breslau nnd Liegnitz oft 35 Pf., im Kreise Karthaus(Danzig) 31 Pf., im Kreise Heilsberg(Köniasber») 30 Pf. und im Kreise Allensteiii(Königsberg) gar nur 25 Pf. Dabei i st jedoch zu bedenken, daß das noch Durch- schnittslöhne fürganzeKreise sind, die in ein- zelnen Gemeinden noch unterschritten werden könne«! In Berlin. Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf sind die Löhne fast gleich. Für Berlin betrugen sie 1901 für Männer 2,90, für Frauen 1,60 M., für Jugendliche 1,40 M. bezw. 1,10 M. In der Neuhausschen Arbeit ist versucht worden, die Ursachen der Lohnhöhen mit dem Stande und der Bewegung der Lebens- mittel- und Mietspreise in Einklang zu bringen. Positives hat sich dabei nicht ergeben. Derartige Feststellungen sind wegen der Mangelhaftigkeit der statistischen Unterlagen immer schwer. Die Hauptergebnisse des Ganzen sind die Feststellungen der Tagelohn- sätze, die allerdings auch noch beträchtlich zu wünschen übrig lassen. Für die Arbeiterschaft ergibt sich daraus nur wieder in aller Augen- sälligkeit, welch' reiches Feld der Betätigung ihr noch offen steht zur Er- langung einigermaßen menschenwürdiger Arbeitsverhältnisse. F. W. Versammlungen. Der Verband der Sattler hielt am Donnerstag in den Armin- hallen eine außerordentliche Generalversammlung ab. Nach einer Anzahl geschäftlicher Mitteilungen erstattete Schulz Bericht über den Streik der Koffer macher. Beteiligt ivaren an dieser Be- weguna über 200 Kollegen, von denen fast alle organisiert waren, Über die Hälfte dem Verbände schon Über drei Jahre an- gehörten. Diese feste Organisation und das sichere Ab- passen der Saison nnd guten Konjunktur bürgten für einen schnellen Sieg.— Die ersten Verhandlungen zerschlugen sich zwar wegen der zu geringen Zugeständnisse der Arbeitgeber. Nach drei Wochen fanden jedoch unter Vorsitz des Gewerberichters v. Schulz Verhandlungen statt, die annehmbare Resultate zeiftgten. Es kam ein Vertrag zustande, dessen Lauf auf drei Jahre bemessen wurde und der den meisten Forderungen gleich, allen nach fünfviertel Jahren genügt.— Wie immer versuchten die Arbeitgeber auch bei diesem Streik„Arbeitswillige" durch irreführende Inserate in der„Volks-Ztg." zu kapern. Sie hatten jedoch keinen Erfolg. Der Verlauf des Stterks beweist schlagend den Nutzen festgefügter Organisaftonen.— Es entspann sich eine lebhafte Diskussion um die Regelung der Unterstützung der 20 auf der Strecke gebliebenen Kollegen. Be- schloffen wurde ein von allen Mitgliedern zu zahlender Extra- beitrag,— Bei den darauffolgenden Wahlen wurden mit großer Mehrheit Schulz als Vorsitzender. Weher als Kassierer gewählt. Schulz ttitt sein Amt am 1. Juli an,— Der vorgerückten Zeit wegen mußte von der Weiterberatung der Statutenänderung ab- gesehen werden._ Letzte Nachrichten und Depelchen. Aus Siidwcstafrika. Berlin, 16. Juni.(Amtliche Meldung.) Der Hererokapitän Andreas ist am 12. Mai von Etappentruppen bei Hudaob geschlagen worden. Als er sich dann nach Norden wandte, warf ihn Hauptmann Blume am 27. Mai im Gefecht bei Goagas nach Süden zurück. Voraussichtlich in dem Bestreben, sich mit Hendrik Witboi zu vereinigen, wich Andreas jetzt nach Hoornkrans(70 Kilometer westlich Rehoboth) aus. Als am 7. Juni seine Leute bei Chamassis (25 Kilometer südwestlich Rehoboth) Vieh raubten, gingen von den Etappentruppen sofort 3 Offizierspatrouillen zur Verfolgung vor, und am 9. Juni griffen die vereinigten dre' Patrouillen, zusammen etwa 100 Gewehre, bei Atis, 45 Kilometer nordwestlich Kub(südlich Rehoboth) den stark überlegenen Feind an. Nach dreistündigem Ge- fecht floh Andreas in größter Panik nach Westen zu, er verlor im ganzen 14 Mann, darunter seinen Sohn, 250 Stück Großvieh, 800 Stück Kleinvieh sowie Hausgerät aller Art. Es ist anzunehmen, daß er nunmehr den größten Teil seines Viehs eingebüßt hat. Dies- scits fiel Leutnant v. Versen, früher im Grenadier-Regiment Nr. 4. Oberleutnant Kröger wurde leicht verwundet. Die unter Haupt- mann Wunsch vereinigten Patrouillen verfolgten den Feind in Zu- sanimenwirken mit Etappentruppen, die über Nauchas rund 30 Kilo- meter südlich Hoornkrans im Vormarsche sind. Gärung unter den Bergarbeitern im Elsah. Köln, 16. Juni.(Privat-Depesche des„Vorwärts".) Unt« hn Belegschaft der zum Eschweiler Bergwerksverein gehörenden Grube „Nothberg" hat eine Gärung Platz gegriffen, weil die Direktton zwei Schreiben der Lohnkommission auf Besserstellung der Belegschaft ab- lehnend beantwortete. In dieser Angelegenheit geht der Verein der christlichen Bergarbeiter mit dem Deutschen Bergarbeiter-Berband zusammen. Sonntag findet in Eschweiler eine Versammlung statt, in welcher nach einem Referat der Führer beider Verbände Beschluß gefaßt werden soll, ob durch einen Ausstand Forderungen erzwungen werden sollen. Meldungen aus dem rheinisch-westfälischen Kohlen- revier zufolge fanden in den letzten Tagen wiederum zahlreiche von beiden Organisattonen einberufene Versammlungen statt, m welchen Maßregelungen sowie sonstige ungerechtferftgte Maßnahmen der Zechenbesitzer lebhaft besprochen wurde«: auch hier wird mit der Möglichkeit neuer wirtschaftlicher Kämpfe gerechnet. Die italienische Marine. Rom. 15. Juni.(W. T. B.) Deputiertenkammer. In fort- gesetzter Beratung der Borlage über die Erhöhung der Ausgaben für die Kriegsmarine erklärt Franchetti als Berichterstatter der parlamentarischen Marine-Untersuchungs-Kommission, die Kom- Mission habe nichts entdeckt, was Anlaß zu einem Argwohn geben könnte, nicht einmal den Anschein einer Inkorrektheit. Diese Erklärung gelte für alle Ministerien, die in der Leiwng der Marine aufeinander gefolgt seien.(Lebhafter Beifall.) Marineminister Mirabello führt aus: Die zur Beratung stehende Vorlage ist notwendig für die Verwirklichung unseres Marineprogramms. Ich werde jedem Antrage zustimmen, der zur Verbefferung der Organi- sation und der administrativen Kontrolle in unserer Marine dient. Aber ich nnitz mich gegen die beständige systematische Beargwöhnung der Verwaltungsmaßnahmen, gegen die nicht immer unparteiische und aufrichtige Kritik wenden, die schließlich entmutigend auf alle diejenigen wirkt, die mit aufopfernder Selbstverleugnung' an der Verbesserung der Organisation der Marine arbeiten. Redner er- klärt alsdann mit tiefer Erregung, dieses System der Verächtlich» machung könne nur das Ansehen der italienischen Marine anderen Nationen gegenüber herabmindern. Die erhobenen Anschuldi- gungen sind ungerecht.(Lebhafter Beifall.) Sodann entwickelt der Minister das Programm der Schiffs- bauten, in welchem Torpedoboote, Torpedobootszerstörer und ein gepanzerter Kreuzer einbegriffen seien. Darauf wird die Sitzung geschloffen._ Der Zar überleat. Petersburg, 16. Juni.(W. T. B.) Die Deputation de» Semstwokougrcffes in Moskau erhielt die Benachrichftgung, daß die endgülftgc Antwort, ob sie durch den Kaiser empfangen wird oder nicht, ihr am 19. d. M. erteilt werden wird. Die Benachrichtigung ist mit der bevorstehenden Abreise des Kaisers pon ZarSkojc Sselo nach Gatschina begründet. Auffälliger Brand. Moskau. 16. Juni.(W. T. B.) In der Fabrik für künstliche Mineralwässer von Banin brach heute Feuer aus, welches sich auf mehrere Warenlager ausdehnte und unter anderem vier Waren- lager der Militär-Jntendantur vernichtete, in denen Sendungen für die Truppen in Ostasien lagerten. Hierzu 2 Beilagen. Verantw.Red.: Franz Rehbein, Berlin. Jnserateverantw.(mit Ausnahme der.NeueWeit'-Beilage): Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts Bltchdr. u. Berlagsanst.Paul Singer& Co., Berlin 3 W. Ar. 139. 22. 22. Jahrgang. Arbeiter! 1. Beilage des„ Vorwärts" Berliner Volksblatt Sonnabend, 17. Juni 1905. Gedenkt der um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Zigarettenarbeiter! Siebente Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes. Leipzig, Donnerstag, 15. Juni. In der heutigen Vormittags- Sizung wird die Debatte über die Erwerbslosen Unterstützung im Verbande fort gefeßt. Die als Gegner der Vorlage auftretenden Redner sind durch gehends Berliner Delegierte. Sie befürchten, daß durch die Einführung die bevorstehenden Kämpfe, denen die Organisation zweifellos entgegengeht, gehindert werden könnten. Wenn durch den Ausbau des Unterstützungswesens auch der Klassenkampfcharakter des Verbandes nicht ganz aufgehoben zu werden braucht abgeschwächt würde er dadurch auf alle Fälle. Wir bekommen ein Mitgliedermaterial in den Verband hinein, welches denselben als Versicherungsanstalt betrachtet und die prinzipielle Haltung verwässert. Uebrigens sei die jetzt bes antragte Erwerbslosen- Unterstützung weiter nichts, als ein Versuch, die von der Berliner Generalversammlung abgelehnte Krantenunterftügung auf anderem Wege durchzudrüden. Ebenso wird bezweifelt, daß der in der Vorlage erstrebte 3wed mit einer Beitragserhöhung von 10 Pfg. für männliche und 5 ẞfg. für weibliche Mitglieder auch wirklich erreicht werden kann. Desgleichen wird die durch die VorTage vorgeschlagene Reduzierung der Reise- Unterstützung als ungerecht bemängelt. hoffentlich belehren. Den Zahlstellen verbleiben 12 Broz.( bisher 8 Proz.) der Ein nahmen zur freien Verfügung. in zwei Hauptgruppen, die teils zum Zeitlohn, teils zum Werklohn Unorganisierte find bei Streiks nur dann zu unterstützen, wenn gehören und ihrerseits wiederum in verschiedene Systeme zerfallen. fie sich in den Verband aufnehmen lassen. Man kann daher nicht von vornherein sagen, das eine oder andere Der bisher für das Verbandsorgan erhobene besondere Beitrag System sei verwerflich. Kein System ist an sich gut oder schlecht von 50 Bf. vierteljährlich fällt fort, dafür wird der Wochenbeitrag das wird es erst durch die Verhältnisse und Begleitumstände. An um 5 Pf. erhöht mit Ausnahme der beiden niedrigsten Beitragseiner Wandtafel erläutert Redner nun den Unterschied der einzelnen lassen, die nur für Lehrlinge und Arbeiterinnen sind. Systeme und macht die Anwesenden mit der mathematischen Unterlage seiner Anschauungen bekannt. Weiter führt er Beispiele an, nach Ein Antrag des Verbandsvorsitzenden Wollmann, den strei. welchen die Arbeiter sich nach Einführung des Prämiensystems wirtschaftlich besser standen als vorher. Warum sie sich also dabei mehr fenden Zigarettenarbeitern 1000 M. aus der Verbandsanstrengen follten, ist nicht recht erfindlich. Bedingung bei Ein- taffe zu überweisen, fand einstimmige Annahme. Eine längere Aussprache rief der Antrag einer Bahlstelle hers führung von Prämien ist allerdings, daß dadurch die Lohnhöhe nicht finten darf. Redner bejizt noch den Optimismus, daß doch zu einer vor, der für die Errichtung eines Genossenschaftsbetriebes eine Bei Nachdem der Delegierte Frist die Zeit kommt, in welcher die Unternehmer aufhören werden, hülfe aus Verbandsmitteln fordert. ihre Arbeiter lediglich als Arbeitsmaschinen zu betrachten. Man der betreffenden Zahlstelle den Antrag befürwortet hatte, trat möge nicht unter dem Eindruck der Quistschen Ausführungen die von 8ietsch namens des Verbandsvorstandes gegen denselben auf mit ihm empfohlene Resolution annehmen, sondern, wenn man glaube, der Begründung, daß die Unterstützung von Produktivgenossen ohne eine solche nicht auskommen zu können, dann eine von ihm verfaßte, schaften, wie sie hier in Frage kommen, nicht Aufgabe der Gewerkwelche sich zu dem Prämienlohnsystem sehr gelinde urteilend verhält. fchaft sei. Es handele sich um ein privates Unternehmen der daran Cohen- Berlin erklärt, daß sich in dieser Frage Theorie und beteiligten Kollegen, dem man Erfolg wünschen, aber keine Ver Praris schroff gegenüberstehen. Da nun einmal die Unternehmer bandsmittel gewähren fönne.- Der Antrag wurde gegen die jenes System zur Auspowerung bennzen, erklärt er fich als prinzipieller Stimmen des Antragstellers abgelehnt. Gegner desselben. Die Verhältnisse zwingen die Arbeiter zur mög lichsten Schonung der Arbeitskraft und die Unternehmer drängen auf vollste Ausnutzung derselben. Das ist die Situation und da die Arbeiter möglichst lange ihre Arbeitskraft erhalten wollen und müssen, so ist unser Standpunkt von vornherein gegeben. Unsere Arbeitgeber, speziell die Berliner Kühnemänner, werden die Vorbedingungen niemals anerkennen, auf denen die Hahnsche Resolution aufgebaut ist, sondern uns auslachen, wenn wir ihnen diese Zumutungen stellen wollten. Das Morgenrot der sozialen Kultur wird dann am besten erstrahlen, je größer und stärker unsere Organisation wird!( Sehr richtig!) Soziales. Das Berliner Kaufmannsgericht. er Die Befürworter der Vorlage weisen darauf hin, daß genau dieselben Gründe, die heute gegen die Einführung der ErwerbsTosen- Unterſtügung ins Feld geführt werden, feinerzeit auch Gestern vormittag hat das Berliner Kaufmannsgericht seine gegen die Arbeitslosen- Unterstützung herhalten mußten und darin Sie tatsächlichen Verhältnisse als vollkommen unzutreffend sich ereigentliche Tätigkeit begonnen, nachdem innerhalb der letzten acht wiesen haben. Auch sei die Behauptung unzutreffend, daß wir groß Tage schon eine große Anzahl von Vergleichsfizungen stattgefunden geworden sind ohne materielle Vorteilebietung. Genau das Gegenhatten, zu denen bekanntlich keine Beisiger zugezogen werden. Es waren im ganzen 11 Klagen zu erledigen. Den gesetzlichen teil sei der Fall! Der materielle Zug der Zeit muß auch unsererseits Vorschriften entsprechend versuchte das Gericht nochmals bei jedem berücksichtigt werden und gerade weil wir schweren Zeiten entgegengehen, müssen wir versuchen, dem Verbande möglichst alle MetallAuch die nachfolgenden Diskussionsredner stellen sich auf den einzelnen Fall einen Vergleich zustande zu bringen, was jedoch bei arbeiter zuzuführen, damit uns teine Streitbrecher in den Rücken gleichen Standpunkt, trogdem anerkennen sie vollauf die gute Absicht der ersten Klage nicht gelang. Es handelte sich hier, wie übrigens fallen. Wir werden mit der Annahme der Vorlage den Hirsch- des Herrn Hahn, meinen aber, daß bei dem Zeißwerk eigentliche in den meisten anderen Fällen, um eine Gehaltsforderung wegen Der Kläger war in einem NebenDunderschen das Wasser abgraben, und nicht nur unseren Ronkurrenzrüdjichten nicht maßgebend sind, wie sie bei der gesamten fündigungslofer Entlassung. Mitgliedern ettvas bieten sondern auch viele uns noch Privatindustrie vorherrschen. Eine Reihe von Beispielen illustrieren geschäft tätig gewesen und forderte für einen halben Monat 55 M. Der Beklagte behauptete ordnungsgemäß gekündigt zu Fernstehende veranlassen, sich der Organisation anzuschließen, die Tatsache, daß durch dies System die niedrigsten Instinkte wach Gehalt. haben. Da ein Vergleich zwischen den Parteien nicht zu erzielen die erst als Mitglieder zu Klassentämpfern erzogen werden gerufen und die Schutzvorrichtungen außer Acht gelassen werden. tönnen. Es ist gleichgültig, ob jemand aus Jdealismus oder Mister Barnes- London, der Vertreter der englischen Maschinen- war, zog sich das Gericht zur Beratung zurück. Der Kläger wurde Egoismus fich organisiert, die Schule der Organisation tut dann schon bauer, will nicht in die Debatte eingreifen, um sich ein Urteil über abgewiesen. Das Gericht erklärte sich für unzuständig. Die bas übrige. Die jeßige Vorstandsvorlage geht viel weiter, als die die Ansicht des Verbandstages bezüglich des Prämiensystems zu lage gehöre vor das Gewerbegericht, denn der Kläger habe feinerzeit in Berlin abgelehnte Strantenunterstügung, fie bezwedt vor bilden oder ihm eine andere Anschauung beizubringen, sondern eine mechanische, gewerbliche Tätigkeit ausgeübt. Die einen nach nach seiner Meinung in Deutschland verbreiteten Tätigkeit bestand hauptsächlich in der Ausgabe von Spizen. allen Dingen eine gerechtere Verteilung der Rechte und Pflichten der nur Keineswegs haben die englischen Kollegen Hierauf kam der bereits in unserem Berichte über die ersten Mitglieder. Auch ein Teil der Berliner, welche als Gegner der Irrtum aufflären. in Gemeinschaft mit den Unternehmern und leber Bergleichsverhandlungen erwähnte Fall zur Entscheidung, wo der Vorlage bergelommen sind, werden sich angesichts der Diskussion einstimmung mit denselben das System eingeführt, wie man glaubt, Chef eines Konfektionsgeschäftes seine Angestellten mit allerlei Ein Schlußantrag wird, obwohl noch außerordentlich viele Redner fondern sie wurden von den Unternehmern einfach vor die voll Schmeichelnamen aus dem Tierreiche belegt hatte, wozu er sich eingezeichnet sind, mit überwältigender Majorität angenommen. Da 30gene Tatsache gestellt und mußten sich darauf beschränken, falls dadurch veranlaßt fühlte, daß der Kläger die Eintragung von aus der Berlesung der Rednerliste hervorging, daß beinahe nur noch man nicht einen allgemeinen Streit von unberechenbaren Folgen Materiallieferung an Schneider teilweise verabsäumt hatte. Das Freunde der Borlage eingezeichnet waren, verzichteten Referent und herbeiführen wollte, die schlechten Eigenschaften dieses Systems Gericht verurteilte den Beklagten zur Zahlung des rückständigen Rorreferent auf das Schlußwort. Die Abstimmung ist eine möglichst zu beseitigen. Es basiert auf dem Zeitlohnprinzip und der 450,40 M. betragenden Gehalts und der Gerichtskosten, mit der Benamentlich e. Es stimmen für die prinzipielle Ein- Bohnsatz, der bisher gezahlt wurde, muß garantiert werden, auch gründung, daß er nicht berechtigt gewesen sei, in der führung der Eriverbslosen Unterstützung 121 Delegierte, gegen darf die bei einer Arbeit verdiente Prämie( der Bonus) nicht auf wähnten Weise gegen den Kläger vorzugehen. In dem nächsten Des Falle, wo givei ehemalige Duzfreunde, ein Antiquitäten dieselbe 41. Das Resultat wird mit lebhaftem Händeflatschen den Verlust bei anderer Arbeit aufgerechnet werden. zu erhöhten Säßen ge- händler und sein früherer Geschäftsführer einander gegenüberstanden, begrüßt. Von der Berliner Delegation haben 10 dafür, 27 dagegen, weiteren darf Ueberzeitarbeit nur das System nicht als Experiment oder zu tam es zu einem Vergleich. Statt der geforderten 172,50 M. erhielt von der Leipziger 2 dafür, 4 dagegen, von der Dresdener 5 dafür, leistet und eingeführt werden, um einiger Beit der Kläger sofort einen Hundertmartschein ausbezahlt. Die nächste 1 dagegen, von der Hamburger 6 dafür, 1 dagegen gestimmt, die dem Zwede Nürnberger und Münchener stimmten geschlossen dafür, auch die und nach geschehener Feststellung der Arbeitsleistungsfähigkeit wieder Selage, die des ehemaligen Geschäftsführers einer Nutzholzhandlung, dem alten Lohnsystem Platz zu machen. Aufgehoben darf das wurde abgewiesen. Der Kläger, der wegen schwerer Krankheit Magdeburger. Bezüglich der Beitragsfäße, die heute für männliche Mitglieder System, nachdem es einmal eingeführt ist, nur mit Zustimmung der entlassen worden war, behauptete, bis August 1906 fest angestellt 40 und für weibliche 15 Bf. pro Woche betragen, einigt man sich Organisation werden. Darüber allein hat man sich mit den englischen gewesen zu sein, und beabsichtigte nun, so lange er stellungslos auf 50 bezt. 20 Pf. Weitergehende Hamburger Anträge auf 60 Unternehmern geeinigt. Das englische Prämienlohnsystem ist das blieb, die Monatsgehälter a 300 M. nach und nach einzuflagen. Er und 30 Pf. werden mit großer Majorität abgelehnt. Mit der Er- beste in dieser Gruppe, aber nur bei starken Organisationen ratsam, hatte jedoch, vordem das Kaufmannsgericht eröffnet wurde, schon eine Rate beim Amtsgericht eingeklagt, und weil dieselbe Sache weiterung der Arbeitslosen- Unterstützung zur Erwerbslosen- Unter- schwache werden dadurch ein für allemal vernichtet.( Bravo!) Nach den Schlußworten der beiden Referenten, die neue Momente nun nicht vor zwei Gerichten zur Verhandlung stützung( aus Anlaß vorübergehender Erwerbsunfähigkeit und vorübers gehender Erwerbslosigkeit aus anderen Gründen) ist auch die Ein- nicht bringen, wird die Resolution Quist in ihren ersten beiden Ab- tommen tann, erfolgte die Abweisung der Klage. Ein gewisses soziales Interesse bot die Klage eines Handlungsführung eines Sterbegeldes verbunden. Das erhobene Reisegeld fäßen einstimmig, in ihrem dritten mit großer Majorität angehülfen, der als Reisender in Honig und Pflaumenmus wird in die Erwerbslosen- Unterstüßung eingerechnet. tätig gewesen war und auf Grund einer Annonce des„ Berl. Tageblatts", in der gutes festes Gehalt" versprochen wurde, Das Prämien- Lohnsystem ist eines der raffiniertesten Mittel zu feiner Stellung gelangt war. Der Beklagte meinte, der Kläger zur Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft. Es jetzt den Unter- hätte nur Tagesspesen und Provision zu verlangen gehabt. nehmer in den Stand, den Arbeiter unter dem Schein höherer Da jedoch die Annonce und außerdem noch ein Schriftstück borlag, Bezahlung anzuspornen, anhaltend feine Sträfte bis zur äußersten worin von Salair" die Rede war, wurde er berurteilt, Erschöpfung anzustrengen, ohne Rücksicht darauf, daß er sich dadurch dem Kläger die geforderten 51,20 Mart zu zahlen. früh ruiniert. Ferner entfesselt es alle selbstsüchtigen Leiden- Eine eigenartige Klage war die, die als legte zur Entscheidung schaften, führt dadurch zu schwerer moralischer Schädigung der kam. Hier war der Kläger der Chef einer Weinhandlung, Arbeiterschaft und beeinträchtigt den Einfluß der Organisation auf die Beklagten sein Lehrling und dessen Mutter, die ihren die Besserung der Arbeitsverhältnisse. Sohn veranlaßt hatte, die Lehrstelle zu verlassen. Der Kläger wollte den Lehrling durch einen Gerichtsbeschluß zwingen, zu ihm zurückzukehren. Er wurde jedoch mit seiner Klage abgewiesen und zwar weil erstens tein förmlicher, bon beiden Teilen unterzeichneter Vertrag borlag und zweitens, weil er den Lehrling trop Protestes der Mutter in einem anderen Weingeschäft als dem, für das er angestellt war, beschäftigt hatte. Dazu kam noch, daß der Lehrling in diesem zweiten Geschäft den Auftrag erhielt, auf das Kommen und Gehen des Gerichtsvollziehers achtzugeben. Der Vorschlag Heilbronn, zur llebung eingezogenen Reservisten und Landwehrmännern die Erwerbslosen- Unterstüßung zu zahlen, wird unter Hinweis auf die damit für die Soldaten verbundene Gefahr einstimmig abgelehnt. Sie hören auf, Mitglieder zu sein, wenn ihr Militärverhältnis beginnt und treten nach Beendigung desselben wieder in ihre alten Rechte ein. Nach sehr eingehender Diskussion wird sodann ein Antrag auf endgültigen Entscheid über die Einführung der Erwerbslosen Unterstützung durch Urabstimmung in namentlicher Abstimmung mit 114 gegen 46 Stimmen abgelehnt. Damit ist die Sache definitiv erledigt. Der Vorsitzende Schlide protestiert sodann feierlich unter Zustimmung der Generalversammlung gegen den auf dem Verbandstag der Werftarbeiter erhobenen Vorwurf, daß der Metallarbeiter- Verband Lohnstreitigkeiten hervorrufe, um Gelegenheit zu haben, die Werftarbeiter überzuschlucken. Eher könne vom gegen teiligen Versuch gegenüber den auf Werften arbeitenden Metallarbeitern gesprochen werden. Nachdem in der Vormittagssigung alles weitere Material zur Statutenberatung der diesbezüglichen Kommission zur weiteren Bearbeitung überantwortet worden war, erfolgte in der Nachmittags figung zunächst die Behandlung des Punttes: und dient den genommen. Sie lautet: nach Die 7. Generalversammlung des Deutschen MetallarbeiterVerbandes erklärt: Aus diesen Gründen liegt es nicht im Interesse der Arbeiter, der Weiterverbreitung dieses Systems Vorschub zu leisten, zumal die Erfahrungen gezeigt haben, daß es von den Unternehmern in der Hauptsache auch dazu benutzt wird, einen Maßstab zu gewinnen zur weiteren Herabsetzung der Affordpreise oder zur Erhöhung des Arbeitspensums bei Lohnarbeit. Verband der Porzellan- Arbeiter. wozu eine große Zahl von Anträgen vorlagen. Von den beschlossenen Aenderungen des Status seien folgende erwähnt: Die Bestimmung, daß der Eintritt in den Verband erst nach dem vollendeten 16. Lebensjahre erfolgen kann, wird gestrichen. Die Mitgliedschaft in anderen Berufsverbänden ist nur mit besonderer Genehmigung des Vorstandes gestattet. " Reichsverband und Krankenkassen. --Ueber die Arbeitsmethode des Reichsverbandes gegen die Sozialdemokratie" unterrichtet folgendes Zirkular, das die Erfurter Tribüne" mitteilt: Reichsverband gegen die Sozialdemokratie. Ortsgruppe Erfurt. Erfurt, Johannesstr. 152, den 18. Mai 1905. Hochgeehrter Herr! Krankenkassen. A. 3. 8. Birt.-Nr. Die Korrespondenz des Reichsverbandes" berichtet folgendes: Der Reichsverband hat in einer thüringischen Fabrikstadt( Greiz D. V.) den Wahlkampf bei den Wahlen zur Krankenkasse tatkräftig unterstützt. Dort war der gesamte Vorstand der Strantenkassen in den Händen der Sozialdemokraten. Jeder Versuch, die Sozialdemokratie aus dem Kassenvorstand herauszubringen, schien erfolglos. Gleichwohl wurde unter Aufbietung aller Kräfte und unter mühseliger Arbeit der Versuch gemacht, und der Versuch war, allen bee teiligten nationalen Kreisen selbst zur Ueberraschung, geradezu glänzend. Von den 20 sozialdemokratischen Mitgliedern des Kassenborstandes wurden 12 nicht wiedergewählt, sodaß der Vorstand der Krantentasse dort jegt aus 12 nationalen und nur 8 sozialdemoDie 7. Generalversammlung erklärt sich deswegen grundsäßlich gegen das Prämien- Lohnsystem, hält es jedoch nicht für an gebracht den Verband auf eine in allen Fällen zu befolgende Taftit festzulegen, will diese vielmehr in jedem einzelnen Fall den maßgebenden Verbandsinstanzen zur Entscheidung überlassen. Alsdann bittet die Statutenberatungsfommission aus praktischen „ Das Prämiensystem und seine Wirkungen", wozu A. Quist- Miel referierte. Er wies darauf hin, daß dieses Ertvägungen den Vormittagsbeschluß, nach welchem die Aufrechnung System lediglich dazu diene, ein größtmöglichstes Arbeitsquantum des Reisegeldes auf die Erwerbslosen- Unterstützung vorgenommen aus dem einzelnen Arbeiter herauszuschlagen. Erreicht der Arbeits- werden soll, wieder aufzuheben. Nach lebhafter Debatte, die erst verdienst infolge alleräußerster Anspannung der Kräfte eine gewiffe durch einen Schlußantrag beendet wird, erfolgt die Abstimmung, die Höhe, die dem Unternehmer als zu hoch erscheint, so liegt die ergibt, daß der Antrag der Statutenberatungskommission mit 74 dringende Gefahr der Herabsetzung der Affordlöhne vor. Zudem gegen 67 Stimmen angenommen wird. bietet das System Gelegenheit zu den schäbigsten Betrugspraktiken dem Unternehmer dazu, bisher mit der Peitsche drangfalierten Arbeiter versuchsweise mit dem Buderbrot zu födern. Berteilte Tabellen und Diagramme veranschaulichen Am Freitag trat die Versammlung in die Statutenberatung ein, die Tatsache, daß die beiden Prämienlohnsysteme nach Rowan und Halsey in raffinierter Weise die Ausbeutung der Arbeitskraft ermöglichen. Es erscheint notwendig, dieser Berechnungssysteme in den Kreisen der Arbeiterschaft nach allen Seiten hin zu beleuchten, um fie rechtzeitig über dieselben aufzuklären und sie vor Trugschlüssen zu warnen. Die Gefahr liegt ziemlich nahe, da die Firma Ludwig Löwe in Berlin bereits nach dem Prämiensystem arbeiten läßt und darauf sieht, daß auch jeder Arbeiter Prämien erzielt, da er sonst Gefahr läuft, als minderwertig betrachtet und aufs Pflaster geworfen wird. Hier Im Anschluß an obige Notiz gestatten wir uns, Ihnen die bei kamen die schlechten Seiten des Systems ans helste Licht. Ein Artikel höfliche Mitteilung zu machen, daß auch der Vorstand der Drtsder Sächsischen Arbeiter- 8tg." berbreitet sich über das amerikanische gruppe Erfurt beschlossen hat, bei den hiesigen KrankenkassenvorstandsBrämiensystem unter den englischen Metallarbeitern und beweist wahlen tatkräftig einzugreifen; denn warum sollte in Erfurt, wo basselbe. Rach all der Fülle des beigebrachten Materials fann die die Verhältnisse ja ähnlich liegen, unmöglich sein, was in Greiz Arbeiterschaft den Prämiensystemen gar nicht skeptisch genug gegen Am Schluß der Vormittagssigung verabschiedete fich der Vor- bereits so überaus glüdlich gelungen ist. überstehen. Wo das System eingeführt wird, hat die Arbeiterschaft Die Ortsgruppe Greiz hat uns mun mitgeteilt, daß ihre dafür zu sorgen, daß die schädlichen Folgen desselben nach Möglich fizende der Zuschußlasse der Porzellanmaler, die nur Mitglieder hauptsächlich der Unterstützung der Herren Chefs feit paralysiert werden. Er empfiehlt die Annahme einer längeren des Porzellanarbeiter- Verbandes aufnimmt und deshalb an dem An Erfolge Refolution, die auf dem vorstehenden Gedankengange aufgebaut if trage auf Einführung der obligatorischen Kranfenunterstügung im der Betriebstrantenfaffen zuzuschreiben wären; denn dadurch, daß Direttor Hahn- Jena, Chef der Personalabteilung des Beiß- Verbande Interesse hatte. Der Borsigende der Zuschußtaffe, Rose diese Herren der Ortsgruppe die Statuten und Mitgliederlisten ihrer Wertes, dankt zunächst für die Liebenswürdigkeit, ihn zum Borte Altwasser, gab bei seinem Abschiede die Zusicherung, daß er wie Staffen bereitwilligst zur Verfügung gestellt hätten, wären zuerst die einen Weg zur Betriebskrankenkassen in die Leitung von nationalen Männern tommen zu laffen. Mit theoretischen Ausführungen von den Verbandsvertretern gewünscht wird gelangt, und nachdem diese Arbeit gelungen sei, wäre es verhältnis. seines Borreduers tann er sich einverstanden erklären und sich Verschmelzung seiner Stasse mit dem Verbande suchen werde. darauf beschränken, von einem unparteiischen Gesichtspunkte Bei der Statutenberatung, die in der Nachmittagsfigung fort- mäßig leicht gewesen, die nötige Mannschaft zu den Ortstrankentan- Vorstandswahlen zu beschaffen. die Frage zu beleuchten. Das Prämienlohnsystem zerfällt zunächst gesetzt wurde, fanden unter anderen folgende Anträge Annahme: den Mitglieder des Fabrik- und Hülfsarbeiter- Verbandes, die in Betrieben der Porzellanindustrie arbeiten, kann der Vorstand unter Anrechnung der in jenem Verbande zurüdgelegten Karenzzeit auftratischen Mitgliedern besteht". nehmen. Arbeiterinnen, Lehrlinge und nichtgelernte Arbeiter unter 18 Jahren zahlen nur 25 Pf. Eintrittsgeld. In namentlicher Abstimmung wurde sodann beschlossen, daß die sogenannte 3wangsversicherung bestehen bleibt. Wir erlauben uns daher die höfliche Bitte an Sie zu richten,| Notiz, worin behauptet wurde, daß Pache und sein Geschäfts- in zweiter Instanz wegen Billettsteuerhinterziehung verurteilt, well ms gütigst die Mitgliederliste und das Statut Ihrer Betriebs- nachfolger Schelshorn ſeit Jahren die für die Volksspeise er Galleriepläge nicht versteue hatte. Er legte Revision ein und frankenkaffe auf einige Tage zur Verfügung zu stellen. hallen I und III III bestimmte Vollmilch von durchschnittlich machte geltend, die Billettsteuerordnung sei ungültig, weil sie das Die Arbeit des Reichsverbandes besteht also in der Ausnutzung des so verpönten Terrorismus, der wirtschaftlichen Uebermacht der Unternehmer zur Terrorisierung der Arbeiter. Sollten Sie geneigt sein, unsere Bitte zu erfüllen, so ersuchen 150 Liter täglich mit 1, Magermilch gemischt und dafür Stadttheater in Dortmund hinsichtlich der Billettsteuer günstiger stelle, wir höflichst um recht baldige Einsendung beiliegender Karte. Wir den Preis für Vollmilch berechnet haben, daß die Geschäfts- als die anderen Dortmunder Bühnen. Damit werde gegen den werden dann das Genannte durch einen zuverlässigen Boten abholen inhaber um Klagen über schlechte Qualität der Milch zu unter- Grundfaz der gleichmäßigen Besteuerung gleicher Steuerobjekte berlaffen und Ihnen dasselbe prompt, unter Garantie einer tadellosen drücken, die Wirtschafterinnen und den Inspektor der Speisehallen stoßen, der im§ 20 des Kommunalabgabengesetzes ausgesprochen Haltung der Schriftstücke wieder zustellen." mit Geld schmierten. Auf Grund dieser Mitteilung wurde gegen sei. Das Kammergericht verwarf indessen am 15. Juni die Revision die vier Angeklagten Untersuchung eingeleitet, die dazu führte, daß mit folgender Begründung: Die Gültigkeit der Steuerordnung sich die Angeklagten wegen Betruges und Nahrungsmittelfälschung unterliege feinem Bedenken. Eine gleichmäßige steuerliche Behand zu verantworten hatten. Durch die eintägige Verhandlung wurden lung sei nur vorgeschrieben bei diretten Kommunalabgaben, die seinerzeitigen Behauptungen der Münchner Post" in allen während die Billettftener eine indirekte Steuer sei. Aber es könne Punkten bestätigt. Der durch die betrügerischen Manipulationen auch dahingestellt bleiben, ob es zulässig wäre, bei in direkten München, 14. Juni. Wie strupellos und infam profitgierige erzielte Gewinn betrug bei den Eheleuten Bache 3500-4500 M., Gemeindeſteuern eine verschiedene Bemessung gleichen Steuerobjekten Händler das wichtigste aller Boltsnahrungsmittel, die Wiilch, bei den Eheleuten Schelshorn 1600-2000 m. Berurteilt wurden zuteil werden zu lassen. Es handele sich hier garnicht um gleiche fälschen, das bewies wieder eine heute vor dem hiesigen Landgericht Franz Bache zu 4 Monaten Gefängnis, Therese Pache zu Objekte, denn ein Spezialitäten- Theater, in dem Bier getrunken durchgeführte Verhandlung. Auf der Anklagebant mußten Plaz 6 Monaten Gefängnis und je 600 M. Geldstrafe eventuell werde und wo man schon für 30 Pf. einen Plaz haben könne, sei nehmen der ehemalige Milchhändler und jetzige Privatier Franz weitere 40 Tage Gefängnis, Josef Schelshorn zu 2 Monaten ein ganz anderes Steuerobjekt, als ein Theater, welches höheren Pache, Hoflieferant des Prinzregenten, Anna Pache, dessen Gefängnis und 300 W. Geldstrafe, seine Ehefrau zu 6 Wochen Intereffen der Kunst diene, einer edleren Kunst gewidmet ſei. Schon Ehefrau, deren Geschäftsnachfolger, die Milchhändlerseheleute Josef Gefängnis und die gleiche Geldstrafe. Nahrungsmittelfälscher. und Anna Schelshorn, um sich wegen eines fortgesetten Ver gehens der Nahrungsmittelfälschung und eines fortgesezten Bergehens des Betruges zu verantworten. In unserem Parteiorgan, der ,, Münchener Post", erschien im August vorigen Jahres eine Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Sonnabend, den 17. Juni. Anfang 7, Uhr: Opernhaus. Carmen. Neues Operutheater. Jung- Heidel berg. Berliner. Lili. Deutsches. Der Bielgeprüfte. Anfang 8 Uhr: Westen. Der Strohwitwer. Neues. Der Familientag. Thalia. Die Pfahlbauer. Residenz. Geschlossen. Schiller 0.( Wallner Theater.) Der polnische Jude. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Hofgunst. Zentral. Alt- Heidelberg. Kleines. Nachtashl National. Frizzo. Luftspielhaus. Khriz- Pyrik. Carl Weiß. Wahre Liebe. Belle Alliance. Madame Tip- Top. Reichshallen. Stettiner Sänger. Spezialitäten. Herrnfeld Theater.Winter- TymianSänger. Apollo. 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Diese Vereinigung der Zimmerer Deutschlands Woche täglich bis 9 Uhr abends, Sonntags 8-10 und 12-2 Uhr gelangen wieder zum Verkau Hunderte elegante enormi billige ans feinsten Massstoffen gefertigte, moderne letzte Saison zurückgesetzte nurhoohvornehme HerrenAnzüge Paletots deren sonstiger Masspreis 40-70 M. ist, jetzt 18-38 M. Gehrockanzüge jetzt 21-40M Herren- Hosen jetzt 7-12 M. Deutsches Versandhaus Jägerstr. 63, 1 Treppe. Firma und Nummer achten. Potsdam und Umgegend. 75 f. Botsdam und Werder. Rüdersdorfer von Woltersdorfu. Eriner 75 Pf. Spreewald mit praktischem Touristen führer 75 Bf. Strausberg u. der Blumental 1 M. Tegel und Umgegend 75 Bf. Stattberge, umgegen Elegante Ges Elegante Geschäftswagen Ferner empfehlen wir: Wanderbuch für die Mark Brandenburg. 3 Bände. Bu fammen 6,00. I. Teil: Nähere Umgebung Ber lins, umfaßt die Gegend von Potsdam, Spandau, Oranienburg, Königswusterhausen 1,50 W. II. Teil: Westliche Hälfte der Um gebung Berlins bis Branden burg a. 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Telephon: Amt III Nr. 5028. Sonntag, den 18. Juni 1905, vormittags 10 Uhr, in den Industriesälen, Beuthstr. 20: Versammlung des Vereins der Zimmerer Berlins und Umgegend. Zages Ordnung: 1. Vereinsangelegenheiten. 2. Bortrag über„ Die Entwickelung der Krankenfürsorge in Deutschland und die Mißstände in den Strantenkaffen des Zimmerergetverbes". Referent: Kamerad Th. Fischer. 3. Verschiedenes. 257/18 Der Vorstand. J. 2.: A. Juppenlatz. Hüte. Verkauf zu mäßigen, streng festen Preisen Schirme. Gegr. 1875 Gegr. 1875 Max Kaplan 1 Friedrichstraße 1. Maß- Anfertigung in allen Preislagen und bekannter Güte. Nur moderne Stoffe Sommer- Paletots, M. 15, 16, 18, 20, 24. neueste Muster Seidenfutter, hervorragend M. 42 Sommer- Paletots, elegante Ausführung Jackett- Anzüge in allen Farben, neueste Fassons usw. M. 20, 21, 22.50,24,25,26 usw. Entzückende Neuheiten in Knaben- Garderobe. Leichte Sommer- Jacketts an Wäsche. in Lustre, Alpacca usw. von Buchhandlung Vorwärts. 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Die Beerdigung findet am Sonnabend, 17. d. Mts., nachmittags 4 Uhr von der Leichenhalle des städtischen ZentralFriedhofes aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 244/1 Der Vorstand. Verband d. an HolzbearbeitungsMaschinen beschäftigt. Arbeiter Berlins und Umgegend. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Kollege am Wilhelm Boeck 13. d. M. nach schwerem Leiden verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 18. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Leichen halle des Auferstehungs- Kirchhofes am Weißenseerweg aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 75/14 Der Vorstand. Zentralverband der Handels-, Transport- u. Verkehrsarbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. Ortsverwaltung Grünau. Am Mittwoch verstarb nach langem Krantenlager unser lang jähriges Mitglied Emil VOB im 63. Lebensjahre. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag nachmittag 1 Uhr von der LeichenHalle des Gemeinde Friedhofes Grünau aus statt. Recht rege Beteiligung erwartet 68/16 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meiner geliebten Frau, unferer guten Mutter und Schwiegermutter Berta Eckert fagen wir allen unseren tiefgefühlten Dant. 24456 Fritz Eckert nebit Kindern. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse der Tischler und anderer gewerbl. Arbeiter. ( Eingeschriebene Hülfskaffe Nr. 8, Hamburg.) Dertliche Verwaltung Berlin F. Sonntag, den 18. Juni 1905, vormittags 10 Uhr, im Swinemünder Gesellschaftshaus, Swinemünderstr. 42: Mitglieder- Versammlung. Tages Drdnung: B 1. Wahl der gesamten Drts Ver waltung, der Beitragssammler und des Vertrauensarztes. 2. Verschiedene Kaffenangelegenheiten. Jedes Mitglied ist verpflichtet, in dieser Versammlung zu erscheinen. NB. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Sommerfest zum Besten unserer Invaliden am Sonnabend, den 15. Juli 1905, in Fröbels AllerleiTheater, Schönhauser Allee Nr. 148, stattfindet. Die Ortsverwaltung. 183/3 Avanti- Zigaretten METZNER hat einen geradezu beispiellosen Erfolg gehabt! Warum? Weil wir unser Versprechen einlösen und durch die Tatsache beweisen, daß es sehr wohl möglich ist, auch in Deutschland Zigaretten für 1, 2 and 3 Pf. aus reinem türkischen Tabak herzustellen, deron außergewöhnliche, gute und hervorragende Qualität jeden Raucher überrascht, der feinen Tabak und nicht bloß Marke rauchen will. Ueberzeugen Sie sich einmal selbst durch eine kleine Probe( das ist ja weiter nicht schlimm) und Sie sollen selbst entscheiden, ob das hier Gesagte ehrliche 3502L* Wahrheit oder unlautere Reklame ist! Frey& Co. G. m. b. H. Spandauerstr. 33/35. Avanti- Zigaretten. W. Zapel Hut- Fabrik, Skalitzerstr. 131. 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Laut Versammlungsbeschluß der Dresdener Arbeiter und im Einverständnis mit der Gewerkschafts- Kommission und den Vertrauensleuten der sozialdemokratischen Partei Berlins wenden wir uns an alle denkenden Arbeiter und Zigaretten- Raucher mit der Bitte, uns in dieſem uns aufgezwungenen Kampfe dadurch zu unterstützen, daß sie ihren Bedarf nur bei Firmen decken, die das Koalitionsrecht und die bescheidenen Wünsche ihrer Arbeiterinnen anerkannt haben. Diese Firmen sind: Gebr. Selowsky( Bolero u. Zenith), Casanova, Kasacky, Körner& Apfelstädt und Kosmos. Bei folgenden Firmen soll den Arbeiterinnen das Koalitionsrecht genommen werden durch „ handschriftliche Versicherung an Eidesstatt“: Adler- Compagnie Alexandria Arabia Delta G. A. Jasmatzi A.-G. Josetti G. m. b. H. Juwel in Poppitz Kios J. Malzmann Monopol W. Alex Müller Osmanie Serail Sulima Tuma Jean Vouris Persia B. Weller Compagnie Macedonia Reunion Xanthi A. M. Eckstein& Söhne Compagnie Laferme Epirus Yenidze einschließlich der Firma Josetti- Berlin, Neue Friedrichstr. 9/10. Arbeiter, Parteigenossen! An Euch liegt es nun, den ca. 4000 um ihr Koalitionsrecht kämpfenden Arbeiterinnen zum Siege zu verhelfen. Hoch die Solidarität! Alle Anfragen behufs Aufklärung sind zu richten an Willi Hahn, Berlin NW.23, Klopstockstr. 6. Die Streikkommission. Jedes 5 Pfennig. Wort: Das erste fettgedruckte Wort 10 Pfg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. Inventur- Ausverkauf. GardinenVersandhaus Jerusalemerstraße 12.* Fahrräder, Zeilzahlungen. In validenstraße 148( Eingang Bergstraße), Große Frankfurterstraße 56, Stalizerstraße 40. 606* Klavier, neues, verkauft billig Rohl, Rigdorf, Kaiser Friedrich ftraße 244. Steppdecken billigst Febril Große Frankfurterstraße 9, parterre.+ 37* 554b Teppiche mit Farbenfehlern Fabril. niederlage Große Frankfurterstraße 9, +37 parterre. Kleine Anzeigen. 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Der Streit der Schildermaler und verwandten Berufe besteht nach wie bor und ist Arbeit nur durch den Arbeitsnachweis der Schildermaler, Die Ortsverwaltung Berlin Alte Jakobstr. 83 bei Lad ewig, des Zentral- Verbandes d. Stukkateure Deutschlands. anzunehmen. 290/ 3* Die Streikleitung. 00000000000000000000 Ar. 139. 22. Jahrgang. 2. KtilU ürs ,|oriüiitl6" Kerlim üoltolilatl Sonnabend, 17. Ivni IM. öerlmer �acdrickten. Wider den Alkohol hatte eine bürgerliche Abstinentenvereinigung, eine der hiesigen ,.G u t t e m p l e r l o g e n", für Donnerstag nach dem Wedding. stadtteil(Kolbergerstrahe, bei Raabe) eine V o l k s v e r s a m m. l u n g einberufen, mit der sie sich an die Arbeiterbevölke- r n n g Berlins wenden wollte. Diese Veranstaltung bildete, ent- gegen" den Erwartungen ihrer Arrangeure, einen nicht üblen Ab- schlutz des— Deutschen Arbeiter-Abstinententages, den Berlin zu Pfingsten gehabt hat. Denn zu der gut besuchten Versammlung hatten sich neben Guttemplern auch Mitglieder des Deutschen Arbeiter-Abstinenten bundes eingefunden, und der Er- folg dieses Abends wurde ihnen zuteil. Durch Bureauwahl, gegen die man zunächst auf guttemplerischcr Seite sich sträubte, weil man dort nicht weiß, was bei Einberufung von„Volksversammlungen" Brauch ist, wurde die Leitung mit sehr großer Mehrheit unserem Parteigenossen Otto, dem Vorsitzenden der Ortsgruppe Berlin des D. A.-A.-B., übertragen. Ein Referat des Arztes Dr. Magnus Hirschfeld über die Frage„W a s m u ß jeder Mann und jede Frau über den Alkohol wissen?" suchte den Nachweis zu führen, daß gewohnheitsmäßiger Genuß von Bier, Schnaps usw. keineswegs den ihm nachgesagten Nutzen bringe, sondern allmählich zu schweren Schädigungen des Körpers und des Geistes führe, die Irrenhäuser und die Gefäng- nisse fülle, das werdende Kind schon im Mutterleibe mit Gebrechen belaste usw. Die Insassen der deutschen Jdiotenanstalten seien zu 60 Proz. Kinder von Trinkern. Bon 32 837 Insassen 120 derartiger Gefängnisse und Zuchthäuser gaben 70— 80 Proz. an, unter dem Einfluß des Alkohols gestanden zu haben. Englische Versicherungs- gesellschaften haben die Schädigung der Gesundheit durch Alkohol längst erkannt und den Abstinenten Prämienermätzigung gewährt. Alkohol nährt nicht; für 3 Pf. Semmel enthält selbst vom Malzstosf mehr als ein Glas Bier zu fünf- oder gar zehnfachem Preise. Alkohol stärkt auch nicht; den Soldaten ist längst der Schnaps entzogen, den man ihnen früher auf den Marsch mitgab. Hirschfeld, der selber Abstinent ist, steht auf dem Standpunkt, daß nicht nur Un- Mäßigkeit, sondern auch die sogenannte„Mäßig- keit" vom Uebel sei. Die Mäßigkeit des einzelnen sei eine Gefahr für diesen einzelnen, weil sie ihn leickt zur Unmätzigkeit führe, aber mehr noch für die Gesamtheit, weil gerade diese un- gefährlich scheinende Mäßigkeit ein Borbild abgebe, da? den Nicht- trinker zur Nachahmung reize. Ueberhaupt habe der einzelne für feine Stellung zur Alkoholfrage da s zu bedenken, daß es nicht darauf ankomme, ob er selber vom Alkohol Schaden habe oder nicht. Die Gesamtheit müsse vor Schaden bewahrt werden, und dazu könne der einzelne am besten dadurch beitragen, daß er das Beispiel völliger Alkoholenthaltung gebe. Die Diskussion brachte eine Ilussprache zwischen Vertretern der bürgerlichen und der sozialdemokratischen Abstinenten sowie andererseits Vertretern der Abstinenten und sozialdemokratischer Nichtabstinenten. Von sozialdemokratischen Abstinenten beteiligten sich besonders Berg(Vorsitzender des D. A.-A.-B.) und Miethke (Berliner Delegierter zum Arbeiter-Abstinententag). Ter Streit drehte sich darum, ob die Welt besser wird, wenn jeder einzelne durch Alkoholenthaltung sich zu innerlicher Besserung vorbereitet und hin- überleitet, oder wenn die Arbeiterklasse durch Alkoholent- Haltung sich stählt, um noch wirksamer ihren Befrciungs- kämpf führen zu können, von dessen Entscheidung die Gescllschafts- Umgestaltung erwartet wird. Nebenher ging die andere Frage, ob die Ausrottung der Alkoholpest, die die Arbeiter-Abstinenten zu den Vorbedingungen des Kampfes der Arbeiterklasse zählen, nicht viel- mehr erst als Folge einer siegreichen Durchführung dieses Kampfes zu erhoffen sei. Die Mehrheit der Zuhörer stimmte der Ansicht bei, daß der Kampf gegen den Alkohol allein noch nicht das Elend der Arbeiterklasse beseitigt, aber mithelfen kann im Kampf gegen das Kapital._ Selbstmord eines Geistesgestörten. Im VerfolgiingSwahnsinn hat sich der Porträtmaler Julius Inning in der vergangenen Nacht durch einen Sturz vom Dache das Leben genommen. Jmmig kam vor einiger Zeit von Pforzheim hierher und wohnte in der Karl- straße 40 im vierten Stock. Seit zwei Tagen fiel seinen Freunden ein verändertes Wesen an ihm auf. Jmmig bildete sich ein, daß er von Detektivs beobachtet und verfolgt werde. Gestern abend war einer seiner Freunde bei ihm und verließ ihn erst spät. Der Kranke war beim Abschied ganz ruhig. In einem Anfalle, der etwas später wieder ein- getreten sein muß, kletterte Jnunig aus einem Fenster des vierten Stockwerks auf das Dach und von hier aus auf das Neben- Haus Nr. 41, wo er sich erst am First und dann an der Dachrinne zu schaffen machte._ Privatleute und Schutzleute sahen von der Straße aus das seltsame Treiben. Sie benachrichtigten die Feuer- wehr. Aber bevor diese oder sonst jemand Hülfe bringen konnte, stürzte sich der Unglückliche vom Dach auf das Straßenpflaster hinab, wo er mit zerschmetterten Gliedmaßen liegen blieb. Man brachte ihn nach der nahe gelegenen Charitö, hier starb er jedoch schon während der Aufnahme. Früh verdorben. Die 18 Jahre alte Else Ziegert hat sich im Untersuchungsgefängnis erhängt. Sie war feit ihrem fünfzehnten Lebensjahre eine unverbesserliche Diebin. Zuerst stahl sie einem Hausgenossen, dem Molkereibesitzer Gericke, bei dem sie damals Auf- wartedienfte leistete, einen Tausendmarkschein aus dem Wäschespind. Mit der Beute in der Tasche lief sie ihrer Mutter davon, kaufte sich eine goldene Uhr, Putz- und Schmucksachen und trieb sich mit jungen Burschen, die � auf ihre Kosten lebten, umher, bis sie in einer Konditorei entdeckt und festgenommen wurde. Von dem gestohlenen Gelde hatte sie noch 720 Mark. Gericke bekam außer diesen die goldene Uhr. Die Diebin wurde zu acht Wochen Gefängnis verurteilt, die Vollstreckung der Strafe aber wurde mit Rücksicht auf ihr Alter ausgesetzt. Statt sich zu bessern aber setzte die Verurteilte ihre Diebereten fort, bis sie kürzlich wieder abgefaßt wurde. In den Geschäften, in denen sie Arbeit fand, be« stahl sie sowohl ihre Mitarbeiterinnen als auch die Arbeitgeber. Endlich wurde sie in der Neanderstraße ertappt, nachdem sie nach und nach eine Menge Blusen, Tücher und Bänder entwendet hatte. Im Untersuchungsgefängnis machte sie jetzt ihrem Leben durch Er« hängen ein Ende. Die Selbstmörderin hatte bereits mehrere Liebes- Verhältnisse und war Mutter eines jetzt ein Jahr alten Kindes. Doppeltes Pech bei« Fleddern hatte ein„Arbeiter" Max Rösch. der Donnerstagabend auf dem Garteuplatz eine geeignete„Leiche" fand. Ein Arbeiter war dort eingeschlafen. Um eine Probe auf feine„Zuverlässigkeit" zu machen, trat Rösch, ein gewerbsmäßiger Fledderer, an ihn heran und gab ihm ein paar sanfte Rippenstöße. Als der Schlafende auch hiervon nicht erwachte, nahm er ihm in aller Rrihe Uhr und Kette ab und ging von dannen. Ein Lehrling aber, der zu seiner Erfrischung noch etwas nach dem Gartenplatz ge- gangen war. hatte sein Beginnen heimlich beobachtet. Er folgte dem Fledderer und ließ ihn am Stettiner Bahnhof von einem Schutzmann festnahmen. Auf der Wache des 7. Reviers bestritt Rösch nicht, daß oie Uhr nicht sein Eigentum sei, aber er behauptete. daß ein Unbekannter sie ihm zum Verkauf übergeben habe. Zu seinem Unglück kam noch während seine« Verhör« der Bestohlene, der zufällig im 7. Revier wohnt, um den Diebstahl anzuzeigen, sonst hätte man ihn nicht so leicht überführen können. Der Fledderer gab sich jetzt verloren und wurde in Untersuchungshaft genommen. der Bestohlene aber erhielt sein Eigentum gleich zurück. Wegen Baudendiebstahls wurden drei 10 und 17 Jahre alte Burschen, Max und Albert Härtel und Konrad Schulz, festgenommen. Sie hatten sich zusammengetan, um Ladenkassen zu plündern. Sie trieben hauptsächlich in der Turm-, Gneisenau- und Stendalerstraße ihr Wesen, wo sie die Kassen von Butter- und Zigarrengeschäften erbrachen und beraubten. Schulz wurde endlich in der Havelberger- straße 13/14 abgefaßt, als er zur Nachtzeit in einen Laden ein- gedrungen war. Der Geschäftsmann erwachte durch das Geräusch; er überraschte den Einbrecher bei der Arbeit und übergab ihn der Polizei. Dort legte der Dieb ein umfassendes Geständnis ab und nannte auch seine Helfershelfer. Auf die Rechnung dieser bisher unbescholtenen Burschen sind viele Ladeneinbrüche in Moabit zu setzen. Oft richteten die jungen Einbrecher durch Verwüstungen unter den Waren mehr Schaden an als durch den Diebstahl selbst. Borsicht bei Benutzung des Fernsprechers.„Achtun gl Kurbel nur einnial drehen I" Die Nichtbeachtung dieser Weisung hat dem Kommis Hugo Heinrich in Ripdorf eine Anklage wegen fahr- lässiger Körperverletzung eingetragen. Um im Aufttage seines Chefs eine eilige Bestellung zu bewirken, hatte H. den Fernsprecher eines benachbarten Kaffeehauses, der zwei Nebenanschlüsse besaß, mit Erlaubnis eines Kellners benutzt. Da er nicht sofort Verbindung erhielt, wurde er ungeduldig und drehte trotz der an jeder Fernsprech- stelle angeschlagenen Warnung dieKurbel mehrmals hintereiuder herum. Leider hatte die Nichtbeachtung der Vorschrift in diesem Falle sehr beklagenswerte Folgen: durch die schnelle, mehrmalige Umdrehung der Kurbel entstand Starkstrom in der Leitung, die Telephonistin Frl. Theuerkauf. welche die Verbindung vermittelte, erhielt einen elektrischen Schlag, dessen Folgen sie für längere Zeit aufs Kranken- lager fesselten und arbeitsunfähig machten. Es gelang, den Kommis als Urheber des Unfalls zu ermitteln. H. gab zu, die Kurbel in seiner Ungeduld, ohne sich etwas Böses dabei zu denken, mehr- mals herumgedreht zu haben. Nur der Umstand, daß der betreffende Fernsprecher zwei Nebenanschlüsse hat, H. also nicht mit Sicherheit der Tat überführt werden koimte, führte seine Freisprechung herbei. Aus der MagistratSsitzung vom Freitag. Der Oberpräsident der Provinz Brandenburg v. Trott zu Soltz hat gestern dem Magistrat von Berlin einen Besuch abgestattet. Vom Oberbürgermeister Kirschner in seinem Amtszimmer empfangen, wurde der Ober Präsident in den Magistratssitzungssaal geleitet und dort den ver- sammelten MagislralSmitgliedern vorgestellt. Der Oberpräsident äußerte sich recht anerkennend über die Selbstvenvaltung des großen Gemeinwesens Berlin mit seinen vielen Tausenden im Ehrenamt tätigen Bürgern. Er werde bemüht sein, die persönlichen und amtlichen Beziehungen zwischen Staat und Stadt zu fördern, auch die Selbstverwaltung im Rohmen der gegebenen Gesetze gern unterstützen. Mit allen Magistratsmitgliedern wechselte der Ober Präsident einige verbindliche' Worte und verabschiedete sich dann von dem Kollegium. Mitgeteilt wurde, daß seitens des Ministers fiir Handel und Gewerbe der Stadtschulrat Dr. Gerstenberg auf fünf Jahre zum Mitgliede der allgemeinen Abteilung des ständigen Beirates für das allgemeine Uuterrichtswesen und die Gewerbe-Ordnung ernannt worden ist. Zum Besuch der englischen GrafschaftsrSte. Die englische Kommission— 60 Teilnehmer—, die zum Zwecke des Studiums städtischer Einrichtungen nach Berlin kommt, wird am Montag vom Oberbürgermeister im Rathause begrüßt iverden. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag werden städtische Anstalten, wie Krankenhäuser, Irrenanstalten, Schulen, städtische Werke usw. besichttgt werden. Pfingstverkehr auf der Eisenbahn. Der Verkehr auf den Bahn strecken des Eiienbahn-Direktions-BezirkS Berlin lvährend des diesjährigen Psingstsestes weift gegenüber dem des Vorjahres eine sehr erhebliche Steigerung auf, im Gegensatz zu einer Lokalnotiz, die am Tage nach den Pfingstseiertagen den Blättern übermittelt worden war. Der Fahrkarlenverkauf auf den hiesigen Bahnhöfen ist um 1ö Prozent gestiegen. Hierbei steht an erster Stelle der Schlesische Bahnhof mit 144 3Sö Fahrkarten, ihm folgen der P o ts d a m e r Bahnhof mit 112 593. Bahnhof Friedrich st ratze mit 82 266 und der G ö r l i tz e r Bahnhof mit 73 703 verkauften Fahrkarten. Für die Vorort- Strecken ist gegenüber dem Vorjahre eine durchschnittliche VerkehrSsteigerung um 22 P r o z. zu verzeichnen, auf der Wannseebalm betrug sie sogar 47 Prozent! Zur Be- wältigung des Verkehrs wurden sämtliche verfügbaren Lokomotiven und Wagen in Betrieb gesetzt und im Fernverkehr 261 Sonder züge abgefertigt, während 253 Sonderzüge von außerhalb in Berlin eintrafen. Der Stadt-, Ring- und Vorortverkehr erforderte während der verkehrsreichen Stunden die Einstellung von Zügen bis zur Grenze der Leistungsfähigkeit der einzelnen Strecken. Ungeachtet des unerwartet starken Andranges der Reisenden konnte der Verkehr ohne Unfälle und Störungen abgewickelt werden, doch lvar eine Ueberfüllnng der Abteile in den Morgen- und Abend- stunden begreiflicherweise nicht immer zu vermeiden. Der Rückgang des Wasserstandes der Spree und Havel scheint auch in diesem Jahre zu einer Kalamität für die Schifferbevölkerung zu führen. Der Rückgang des Wasserstandes erfolgt zwar langsam, aber stetig und ist auch durch die letzten Regentage nicht unter. Ibrochen worden. Es hat infolgedessen bereits eine Beschränkung des Tiefganges der die Havelschleuse passierenden Fahrzeuge auf 1,50 Meter zugeordnet werden müssen und leider ist zu befürchten, daß bald weitere Beschränkungen für die Beladung der Zillen ein- treten. Es erscheint dies um so wahrscheinlicher, als auch von der Oberelbe ein fortgesetzter Fall des Wassers gemeldet wird. Der gegenwärtige Wasserstand ist unter Mittel, und die- letzten Berichte brachten von den meisten Beobachtungsstationen Minus. Meldungen. Allerdings ist für die Elbschiffahrt zurzeit eine Gefährdung noch nicht vorhanden. Kaustnannsgericht und Oberbürgermeister. Der Oberbürgermeister K i r s ch n e r hat gestern früh um 10 Uhr aus Anlaß der ersten Plenarsitzung des Berliner Kaufmanns- gerichts der Eröffnung beigewohnt. In seiner Begleitung befanden sich der Dezernent Böhm und Stadtrat Maas. Zu seiner Begrüßung waren erschienen der Vorsitzende, MagistratSrat v. Schulz, die Magistratsräte Techow, Dr. Leo und Schallhorn, die Richter Assessor Liebrecht, Wölbling u. a., sowie der Ingenieur Bernhard, der Reichs- tagsabgeordnete Gewerkschaftsksekretär Körsten mit anderen Bei- sitzern des Kaufmanns, und Gewcrbegerichts. Oberbürgermeister Kirschner hielt im Sitzungszimmer eine kurze Ansprache. � Er führte ungefähr folgendes aus:„Heute ist die erste öffentliche Sitzung des Berliner Kaufmannsgerichts. Das Kausmannsgericht ist hervor- gegangen aus demselben Gedanken, dem auch das Gewerbegericht seine Entstehung verdankt. Abgesehen von dem Wunsche der Schnelligkeit in der Rechtsprechung ist eS besonders der Wunsch ge. wesen, die Judikatur mit den Kreisen, die hier ihr Recht suchen, in nähere Berührung zu bringen, wie eS schon beim Gewerbcgericht seit Jahren der Fall ist. Man kann wohl sagen, daß sich das G e- Werbegericht die Hochachtung aller Kreise erworben hat. Es hat sich eingelebt und bahnbrechend gewirkt. Der Gesetzgeber hat dies anerkannt durch die Schaffung der Kaufmannsgerichte. Meine Herren, die KaufmannSgerichte werden ihre Aufgaben am besten und sichersten erfüllen, wenn sie sich auf den alten preutzi. scheu Grundsatz des Rechts stellen, wonach die richterliche Gewalt im Namen des Königs unabhängig von allen Partei- und Berufs- einflüssen auszuüben ist. Sie haben Recht zu sprechen im Namen des Königs auf Grund der gegebenen Gesetze; sie stehen unab- h ä n g i g da und haben niemand Rechenschaft zu geben. Nur unter Anwendung der Gesetze haben sie Recht zu sprechen und sich der Autorität der Gesetze unterzuordnen, und keine andere Autorität anzuerkennen, als die des Gewissens. Das Amt des Richters steht neben dem des Königs. Der Richter joll sich von keinem anderen beeinflussen lassen und stets ohne Rücksicht auf die Partei- und Berufsinteressen entscheiden; selbst dann, wenn es seinem Herzen wehe tut, soll er nur nach dem Gesetz urteilen. Wenn Sie in diesem Sinne Ihre Autorität ausüben, werden Sie das Kaufmanns- gericht zu demselben Ansehen verhelfen, wie das Gewcrbegericht es schon besitzt und damit der Allgemeinheit dienen. Ueber die Interessen der Partei, des Berufs und des Standes steht das ? Interesse für Gerechtigkeit."— Der Magistratsrat v. Schulz dankte, ierauf im Namen seiner Kollegen, in seinem Namen und im Namen der Beisitzer dem Oberbürgermeister für sein Erscheinen und dem Magistrat, sowie den Stadtverordneten für die Bewilligung so über- aus prächtiger Räume mit schöner Einrichtung. Die Wünsche nicht nur des Kaufmanns- sondern auch des Gewerbegerichts seien somit in Erfüllung gegangen. Trotz oft sehr schwieriger Verhältnisse, trotz des Zwiespalts, der oft zwischen Arbeitern und Ar- beitgebern herrsche, habe das Gewerbegericht anerkannte Er- gcbnisse gezeitigt. Im Kaufmannsgewerbe sollen die Verhältnisse nicht so schwierig sein, und seien die Hoffnungen berechtigt, daß auch das Kausmannsgericht die Zufriedenheit aller erlange, v. Schulz schloß mit den Worten:„Im Namen der Kollegen und im Namen der Beisitzer gelobe ich, daß diese Stätte eine Stätte des Friedens und der Gerechtigkeit sein soll!"— An die Eröffnung schloß sich eine Besichtigung der Räume, die auf alle einen vorzüglichen Eindruck machten. Besonders der große Sitzungssaal im ersten Stock gefiel den Anwesenden. Der Oberbürgermeister muß ob der Qualität der Beisitzer seine Befürchtungen haben, wenn er den in ihrer erdrückenden Mehrheit sozialistenfeindlichen Herren das Gcwerbegericht als Muster vor- hält, die Person des Königs so ostentativ hervorkehrt und sie an die selbstverständliche Pflicht der Unparteilichkeit erinnert. Nach unserer Meinung wären solche Befürchtungen nicht am Platze. Die starke Inanspruchnahme des Kaufmannsgerichts, die Klagen haben sich bereits vor seiner Eröffnung gehäuft, werden auch Herrn von Schulz bald zur Erkenntnis verhelfen, daß die Gegensätze zwischen Kapital und Arbeit im Handelsgewerbe genau so schroffe sind wie in der Industrie._ Branddirektor Reichel hat gestern früh die Berliner Feuerwehr übernommen. Nachdem er sich die Bureaubeamten durch den Vor- steher SenS hatte vorstellen lassen, wobei er eine Ansprache hielt und dabei betonte, daher kein Freund von V i e l s ch r e i b e r ei sei, begrüßte er das erschienene Offizierkorps. So meldet der Magistrats- offiziosuS. Wir dachten bisher, daß Vielschreiberei wenigstens bei der Feuerwehr ausgeschlossen wäre. Eine deutsche Mädchenhändlerin ist bei ihrer Ankunft in New Dork durch die dortige Behörde abgefangen worden. Im März d. I. erhielt die Kriminalpolizei in Altona die Nachricht, daß die 55 Jahre alle Marie Delfs, gebürtig aus Albersdorf in Dithmarschen, mit einem Mädchentransport nach Des Motens im Staate Iowa(Nord- amerika) abzureisen gedenke. Bevor zur Verhaftung der D. ge- schritten werden konnte, hatte diese sich bereits in Hamburg auf dem Dampfer„Prätoria" eingeschifft. Zwei der zu verkaufenden Mädchen konnten noch von der Abreise zurückgehalten werden, während ein drittes Opfer die Fahrt nach Amerika antrat. Die Polizeibehörde in Altona benachrichtigte die hiesige Polizei-Zentralstelle zur Be. kämpfung des Mädchenhandels, durch welche das Deutsche Nattonal- komitee, Lützowplatz 14, von der Mädchenentführung Kenntnis er- hielt. Da die„Prätoria" bereits an dem darauf folgenden Tage an ihrem Bestimmungsorte eintreffen sollte, so sandte das Komitee eine Kabeldepesche an das deutsche Konsulat in New Dork, welches wiederum die dortige Polizeibehörde verständigte. Die Delfs wurde sofort bei der Ankunft des Schiffes verhaftet und auf Grund des Artikels 3 des Einwanderungsgesetzes(Mädchenhandel) unter An- klage gestellt. Wie das deutsche Konsulat in New Dork nunmehr mitteilt, ist die Mädchcnhändlerin mit zwei Jahren Zuchthaus be straft worden. Das bei ihr befindliche Mädchen wurde cm der Landung verhindert und mit dem nächstfälligen Hamburger Dampfer „Patrizia" nach Deutschland zurückgeschickt. Vom Hitzschlag getroffen wurde gestern nachmittag w der Brunnenstratzc die 27 Jahre alte, unverehelichte Berta Berger. Ein Schutzmann nahm sich der Erkrankten an und veranlaßte ihre Ueber- führung nach dem Hedwigs-Krankenhause, wo sich die B. soweit er- holte, daß eine Lebensgefahr für sie nicht mehr besteht. Ein schreckliches Brandungliick. Lebensgefährliche Brandwunden erlitt am Freitag nachmittag die 30jährige Ehefrau des Fabrikbesitzers Ernst Mosel in der Mariannensttaße 31. Die an Krämpfen leidende Frau war damit beschäftigt, in ihrer im ersten Stock des linken Seitenflügels belegenen Küche Fett auszulassen. Durch Ueberkochen der Masse fingen die Kleider der Frau Feuer. Lichterloh brennend und hülferufend eilte die Un- glückliche die Treppe hinab über die beiden Höfe nach den Geschäftsräumen ihres Mannes. Da sie diesen nicht vor- fand, stürmte sie, rasend vor Schmerz, nochmals nach dem ersten Hofe, wo sie erschöpft zusammenbrach. Nachbarn fanden nun erst Gelegenheit, durch Aufwerfen von Decken und Tüchern die Flammen zu ersticken. Die mittlerweile benachrichttgte Feuerwehr fand die bedauernswerte Frau über und über mit schweren Brandwunden bedeckt vor und schaffte sie sofort nach dem Kranlenhause Am Urban, wo sie hoffnungslos daniederliegt. Feuerbericht. Wegen eines Brandes, der im Zoologischen Garten in einem Holzschuppen ausgekommen war, wurden mehrere Züge gestern abend alarmiert. ES brannten dort Balken der Deckenverschalung u. a. Die Gefahr konnte schnell beseittgt werden. Ferner hatte die Feuerwehr in der Frankfurter Allee zu tun, wo in einem Maschinen« räum Feuer ausgekommen war und an Spänen reiche Nahrung gefunden hatte. Am Tenzpelhofer Ufer 6 brannte Teer u. a. auf dem Dache. Außerdem wurden noch Brände aus der Sparrstr. 1, der Lübeckerstr. 32 und anderen Stellen gemeldet. Theater. Im Schiller-Theater dl(Friedrich Wilhelm- städttscheS Theater) findet heute Sonnabend die erste Aufführung des vieraktigen Lustspiels„Hofgunst" von Thilo v. Trotha statt! Die Hauptrollen sind wie folgt besetzt: Der Fürst: Viktor Senger, die Fürstin Mutter: Meta Bänger, Prinzetz Elisabeth: Charlotte Frey, Exzellenz v. Malten: Albert Hübener, Exzellenz V Eschen: Betty Ullerich, Kammerherr v. Roden: Friedrich Holthaus, Exzellenz v. Buchen: Erich Ziegel, Hofjagdjunker v. Hellmuth; Reinhold Köstlin. Gräfin Birkenfeld: Agnes Werner, Baron Hohenstein: Max Kirschner, Bickh: Elly Oser, Baroneß Wallbera: Hermme SchumowSka, Premier» leutnant v. Halden: Kurt Keller, Stabel: Oskar Wagner. Neues kgl. Operntheater(Kroll). Um den Spielplan vor Beendigung des Gastspiels der Wiener Operette unter Direktion de« Herr Hch. Zeller möglichst interessant zu gestalten, wird neben „Jung-Heidelberg" noch die Operette„Das Garnisonmädel' von Raoul Mader gegeben werden und abwechselnd mit„Jung-Heidel- berg" bis Ende d. M. das Repertoir beherrschen.— Lustspiel- haus. Die fiir Sonnabend angesetzte Premiere von„Kyritz-Pyritz" wird auf Mittwoch, den 21. d. M., verschoben. Die bereits gelösten Billetts behalten für Mittwoch ihre Gültigkeit.. Vorort- l�ackricbten. Charlottenburg. Der Charlottenburger Allgemeinen OrtSkasse wird von Zett zu Zeit in bürgerlichen Blättern die Ehre zuteil, als„s o z i a l d e m o» kratischcr Korruptionsherd" verschrien zu werden. Gut acht Tage sind verflossen, daß ein Charlottenburger Lokalblatt gegen den BgrUlld die Anschuldigung erW, dgtz er versucht hghe, sich auf Kosten der Kassenmiiglieder erhebliche Vorteile zu sichern, indem er das Gehalt des Vorsitzenden auf das Doppelte erhöht und jedem seiner Mitglieder als Entschädigung für eine Vorstandssitzung drei Mark zugebilligt habe. Weiter wurde dem Vorstand nachgesagt, daß er in den Leistungen für die Kassennütglieder ungerecht spare, und schließlich teilte das Blatt mit, daß die Aufsichtsbehörde dem Beschluß des Vorstandes die Genehmigung versagt habe. Diese Mit- teilung ist natürlich mit Feuereifer von der bürgerlichen Presse übernommen worden; zunächst von der kapitalistisch-katholischen „G e r m a n i a", die diverse Lügen älterer Art der Neuigkeit eben deswegen anhängte, weit sie vom Vorstand der Ortskasse längst widerlegt sind. Selbstverständlich nutzt die arbeiterfeindliche Presse auch die unbesehens hingenommenen Nachrichten weidlich aus, um gegen die dem Unternehmertum verhaßte Selbstverwal- t u n g der Krankenkassen Sturm zu laufen. Run ist. es zwar eine Unverschämtheit, selbst in dem Falle von ..sozialdemokratischer Mißwirtschaft" zu reden, daß die von dem Charlottenburger Lokalblatt aufgetischten Neuigkeiten ebenso wahr wären, wie die früheren Geschichten aus der Charlottenburger Orts- krankenkasse durch amtliches Zeugnis als unwahr erwiesen worden sind. Aber das gehört einmal zum guten Ton der arbciterfeind- lichen Presse, unter der d?e vom Reichsverband gegen die Sozial- demokratie benutzte„Germania" als so ziemlich am skrupellosesten erprobt ist. Es sind einige Leute im Vorstand einer neutralen, unter amtlicher Aufsicht stehenden Organisation, die im Verdacht sozial- demokratischer Gesinnung stehen, und nun ist es in dem Fall, daß irgendwer dieser Organisation oder deren Leitung etwas am Zeuge zu flicken weiß, sozusagen Ehrenpflicht, ohne Prüfung der Sachlage darauflos zu trommeln und die Sozialdemokratie für alles was geschehen sein soll, verantwortlich zu machen. Solche Verleumdermanier läßt sich bei unseren Gegnern nur mit der Verlegenheit um reale Angriffspunkte entschuldigen. Wir haben uns erkundigt, ob der Vorstand der Allgemeinen Ortskasse zu Charlottenburg sich mit den Angriffen der bürgerlichen Presse befassen werde. Darauf ist uns erwidert worden, daß der Vorstand von einer Erklärung in der Presse absehen wolle; vielmehr werde er die Kassenmitglieder zu einer Versammlung einladen, die am Montag, abends Uhr, im Volkshause, Rosinenstr. 3, statt- finden soll. Die Tagesordnung dieser Versammlung lautet:„Die Angriffe verschiedener Preßorgane gegen den Vorstand und die Ver- waltung der Kasse." „Freie Volksbühne", Charlottenburg. Freitag, den 23. Juni, findet abends SMs Uhr im Volkshause, Rosinenstr. 3, als offizielle Darbietung des Vereins ein„B r e t t l- A b e n d" statt. Aus dem reichhaltigen Programm heben wir hervor:„Ein Heiratsantrag", Einakter von Anton Tschechow, Gesänge, Rezitationen(Peter Schle- mihi, Rideamus, Ewers), Lieder zur Laute, Traumtänzerin.— Neuanmeldungen für diese Vorstellung werden nur bis Dienstag, den 20. Juni, an den Zahlstellen des Vereins angenommen. Die städtischen Gasarbeiter hatten bekanntlich vor einigen Wochen eine öffentliche Versammlung einberufen, in welcher ihre Empörung darüber zum Ausdruck kam, daß ihre Löhne bei der all gemeinen Revision des Normal-Etats nicht gleichzeitig einer Re Vision unterzogen wurden. Die Versammlung sandte damals an den bei der Gasanstalt bestehenden Arbeiter-Ausschuß eine Resolution, in welcher derselbe aufgefordert wurde, Anträge auf Lohnaufbesse: rung bei der Verwaltung zu stellen. Der Ausschuß ist dieser Aufforderung nachgekommen. Er hat eine durchgängige Erhöhung der Minimallöhne beantragt, durch welche dieselben den Anfangslöhnen der entsprechenden Arbeiter- gruppen in Berlin vielfach erst gleichkommen würden; die damit verbundene Erhöhung der Maximallöhne würde die Berliner Maxi- malsätze allerdings meist übersteigen. Weiter hat der Ausschuß noch beantragt, die Lohnskala so ein- zurichten, daß die Höchstsätze in 10 Jahren, nicht wie jetzt, erst in 16 Jahren erreicht werden. Schließlich hat er noch den Antrag gestellt, denjenigen Arbeitern, die nach dem Streik im Jahre 1000 mit den Anfangslöhnen wieder eingestellt wurden, die Zeit, die sie vor dem Streik auf der Gas- anstatt tätig waren, in ihre Dienstzeit einzurechnen. Diesen letzten Antrag begründete der Arbeiterausschuß damit, daß den betreffenden Arbeitern bei der Wiedereinstcllung versprochen wurde, bei guter Führung würde ihnen nach 2 Jahren die frühere Dienstzeit wieder eingerechnet werden. Aber auch abgesehen von einem solchen Versprechen meint der Ausschuß, daß die große Festes- freude, die bei der 200-Jahrfeier der Stadt entfaltet wurde, wohl eine passende Gelegenheit sei, die Folgen eines um Jahre zurück- liegenden Streiks auszulöschen. Die Deputation für das Beleuchtungswesen hat zur Beratung der Anträge einen Ausschuß eingesetzt, in den sie auch unseren Ge- nassen Dr. Borchardt entsendet hat. Die Gasarbeiter werden gut tun, unserem Genossen etwaiges auf die Anträge bezügliches Material zur Verfügung zu stellen. Rixdorf. Herr Pastor Bodelschwingh, der bekanntlich Groß-Berlin mit ähnlichen„Wohlfahrts"-Einrichtungen beglücken will, wie solche schon in Bethel bei Bielefeld bestehen, hat sich nun auch an die Vororte um finanzielle Unterstützung gewandt. Nachdem ihm die Stadt Berlin ein Rieselgut zur Verfügung gestellt und sonst weitmöglichste Unterstützung zugesagt hat, ist er nun— wie bei den anderen zu Groß-Berlin zählenden Vororten— auch an Nixdorf mit einem Gesuch um einen laufenden Kostenbeitrag Herangetreten, der auf zirka 10 000 M. im Jahre berechnet ist. Die letzte Sitzung der Armendeputation beschäftigte sich mit diesem Gesuch, kam aber zu einer einstimmigen Ablehnung desselben. Den Grund zu derselben gab in erster Reihe die Tatsache, daß Rixdorf eine ganz verschwindend geringe Zahl von Obdachlosen aufweise, somit kein direktes Interesse an den vom Pastor Bodelschwingh geplanten Hülfsstationen und Arbeitskolonien habe. Ein weiterer Ablehnungsgrund war, daß die Vororte der Stadt Berlin schon genügend Lasten(beispielsweise für Schulen usw.) abnehmen müssen, ohne auch noch für die Berliner Obdachlosen in Anspruch genommen zu werden.— Eine lebhafte Debatte rief in derselben Sitzung eine Anfrage des Ncgierungs- Präsidenten hervor, der einem alten Veteranen von 1870/71 einen Ehrensold geben, zuvor aber wissen möchte, wieviel bei den Rixdorfer Verhältnissen Einkommen für eine fünfköpfige Familie nötig ist, um diese vor der Armenpflege zu bewahren. Die in Frage stehende Familie besteht aus dem invaliden Vater,, der schwerkranken Mutter — die also beide absolut erwerbsunfähig sind, ja sogar der Pflege und Aufwartung bedürfen—, dann aus drei Töchtern und einem Sohn(dem Jüngsten), die im Alter von 13— 11 Jahren stehen. Und für eine solche Familie wurde seitens eines Deputationsmit- gliedes im Ernste 000 M. im Jahre als vollkoinmen ausreichend ge- halten. Wie mag sich in dem Kopfe dieses Herrn— der übrigens auch noch Bezirks- und Armenvorsteher ist— die Existenzmöglich- keit einer Arbeiterfamilie malen? Die Deputation war vernünftig genug, diesen von Sachkenntnis ungetrübten Vorschlag abzulehnen und hielt zirka 1200 M. im vorliegenden Falle für notwendig. Auch hierbei wird der alte Vaterlandsverteidiger mit seiner Familie kein Schlemmerleben führen können; aber das„dankbare" Vaterland hat nun mal nicht mehr für ihn übrig. Neben einigen kleineren Vorlagen beschloß die Deputation schließ- lich noch eine„Lohn"erhöhung für die auf Anweisung der Armen- Verwaltung zu Wöchnerinnen gerufenen Hebammen. Der bis- herige Satz von 8 M. wurde auf 10 M. erhöht. Schöneberg. Die Einführung unseres letzthin zum Stadtverordneten gewählten Genossen Wilhelm F r i tz s ch wird bereits in der am Montagabend stattfindenden Stadtverordneten-Versammlung erfolgen. Die Sozial- demokratie ist dann durch sieben Stadtverordnete im städtischen Parlament vertreten. Lichtenberg. Der geplante Kanalisationszweckvervand zwischen den östlichen ?rortsgemeinden Lichtenberg, Borhage»- Rumntelsbnrg und .ciedrichsfelde erscheint, soweit die beide» ersteren Gemeinden in s Frage kommen, gesichert. Die Gemeindevertreter der beiden Ge- meinden mit ihren Gemeindevorsiänden und zwei Gemeinde- Vertreter(Soz.) von Friedrichsfelde traten am 15. Juni zu einer Besprechung des den einzelnen Gemeinden gleichlautend vorliegenden Statutenentwurfs fiir den zu gründenden Zweckvcrband zusammen. Die über drei Stunden dauernde Sitzung zeitigte nach einer lebhaften Auseinandersetzung, deren Kosten in der Hauptsache von unseren fast vollzählig erschienenen Genossen getragen wurde, die Gewißheit, daß das Statut nnt geringen Abänderungen in den dazu berufenen Gemeindevertretersitzungen Annahme finden wird. Das Bestreben unserer Redner ging im wesentlichen dahin, den angeschlossenen Gemeinden durch ihre resp. Gemeindevertretungen auch in Zukunft die Möglichkeit zu sichern, zu dem Tun und Lassen des Zweck- Verbandes, der ja eine Körperschaft öffentlich-rechtlichen Charakters für sich ist, Stellung nehmen zu können. Groß-Lichterfelde. Kein Bedürfnis. Die Parteigenossen von Groß-Lichterfelde bc- absichtigten am 1. Mai ein Tanzvergnügen. Der Amtsvorsteher ver- sagte jedoch, wie in früheren Jahren, die Erlaubnis ohne Angabe von Gründen. Mit Rücksicht auf das zweifellos gesetzwidrige Ver- bot wurde Beschwerde beim Landrat des Kreises erhoben. Darauf traf folgender Bescheid ein: „Die Abhaltung von öffentlichen Tanzlustbarkeitcn ist gemäß der Ober-Präsidialverordnung vom 7. März 1004 nach dem Be- dürfnis zu bemessen. Ein solches vermag ich für den 1. Mai nicht anzuerkennen, da bereits an den Sonntagen in Groß-Lichterfelde an zahlreichen Stellen regelmäßig öffentlicher Tanz stattfindet. Die von Ihnen beantragte Erlaubnis ist daher mit Recht abgelehnt worden. I. V.: Achenbach." Es ist recht merkwürdig, daß der Herr Landrat des Kreises oder dessen Stellvertreter just am 1. Mai das„Bedürfnis" zum Tanzen nicht anerkennen will, während er an allen übrigen Tagen des Jahres ein solches als offenbar selbstverständlich vorauszusetzen scheint. Es handelt sich natürlich nur um eine jener kleinen Maß- nahmen gegenüber der Sozialdemokratie/ mit denen speziell die preußische Verwaltungstechnik so vorzüglich ausgerüstet ist. Alljährlich wird hier ein Fest der sogenannten„Schützengilde" abgehalten, die sich aus ehrsamen und selbstverständlich staatser- haltenden Spießbürgern rekrutiert. Dieser Rummel dauert nun schon vier Tage und der„Ball"— das ist wahrscheinlich keine Tanz- lustbarkeit— ist nicht verboten worden, obwohl„an den Sonntagen in Groß-Lichterfelde an zahlreichen Stellen regelmäßig öffentlicher Tanz stattfindet". Der Landrat beruft sich in seiner Begründung auf eine Ober-Präsidialverordnung vom 7. März 1904. Wir fragen ihn sowie den Amts- und Gemeindevorsteher von Groß-Lichterfelde, aus welchen Gründen und auf Grund welcher Bestimmungen die Tanzvergnügen aus den Jahren vor 1 004 verboten worden sind? Nm Antwort wird gebeten. Mahlsdorf. Der besonderen Fürsorge der Polizei scheint sich der Gastwirt W e r n e ck e zu erfreuen, allerdings erst, nachdem vor einiger Zeit bei ihm eine sozialdemokratische Versammlung stattgefunden hat. Der Amtsvorsteher setzte am 31. Mai die Polizeistunde auf 10 Uhr herab, um„das sittlickie Niveau der Gäste zu bessern". Die Arbeiter hielten es für ihre Pflicht, den Mann zu unterstützen, und so hatten sich am zweiten Feiertage einige hundert Arbeiter eingefunden, um sich nach Herzenslust zu vergnügen. Da, um 10 Uhr abends, erschienen zwei Gendarnien auf dem Plane und forderten die Anwesenden zum sofortigen Verlassen des Lokals auf. Dieser Aufforderung muß wohl nach Ansicht der Gesetzes- Wächter nicht schnell genug entsprochen worden sein, denn sie be- gannen die Gäste nach den Ausgängen hinauszudrängen. Nur der Besonnenheit einiger Genossen ist es zu danken, daß nicht ernstere Zusammenstöße mit der Polizei vorkamen. Während sich dieser Vor- gang abspielte, störten vor dem etwa 100 Meter entfernt liegenden Lokale von Anders eine Rotte Rowdies die öffentliche Ordnung. Schon ans mehreren Lokalen hinausgeworfen, ereilte sie in dem ge- nannten Lokale das gleiche Schicksal. Auf der Straße rempelten die Burschen die Passanten an, der Sattler Klingbein aus Mahlsdorf wurde sogar durch Messerstiche derart verletzt, daß er schwer krank liegt. Hier wäre die Polizei viel notwendiger gewesen, als aus dem Werneckeschen Lokal harmlose Gäste hinauszuweisen. Plan darf wohl annehmen, daß die Arbeiterschaft den wegen seiner Toleranz gegen anständige Arbeitervereine gemaßregelten Wirt weiter nach Kräften unterstützen wird. In der Großstadt denkt die Polizei heute nur noch selten an solche Praktiken, und so ist zu erwarten, daß unsere Parteigenossen auch an kleinen Orten den Amtsgewaltigen das Be- Hägen an derartigen Maßregelungen verleiden werden. Gerichts-Leitung. Ein Ausbruch aus Plöticnscc beschäftigte gestern unter dem Ge- sichtSpnnktc der Meuterei die II. Strafkammer des Landgerichts II. Die Anklage richtete sich gegen den jetzt 27jährigen Arbeiter August Breche! und den 24jährigen Arbeiter Theodor P o h l m a n n. Breche! ist seinerzeit in dem jugendlichen Alter von 16 Jahren wegen Mordes zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Er hat vier Jahre dieser Strafe im Gefängnis zu Naumburg n. S. verbüßt und ist dann wegen Ueberfüllung in das Gefängnis Plötzensee übergeführt worden. Hier sitzt er nun schon wieder sieben Jahre, so daß er von seiner Strafe nur noch vier Jahre zu verbüßen hat. Pohlmann ist wegen Körperverletzung zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden und hat die Strafe bis auf einen Rest von neun Monaten abgebüßt. Beide arbeiteten in einer Baracke, in welcher Stöcke und Peitschen fabriziert werden und in Beiden scheint die Sehnsucht nach der Freiheit in gleichem Maße rege geworden zu sein. Bei der Baracke befindet sich' ein Motorraum, dessen nur durch dünne Eisenstäbe ver- gittertes Fenster ins Freie führte. Nach diesem Fenster richteten sich oft die Blicke der beiden Angeklagten und sie sprachen wohl gelegent- lich über die Möglichkeit, auf diesem Wege aus dem Gemäuer der Strafanstalt heraus zu koininen. Breche! konnte den Ge- danken, durchzubrennen nicht mehr los werden. Um diesem Gedankens zu entgehen, meldete er sich, wie er vor Gericht behauptete, zur Jsolierhaft, es wurde jedoch zu einer solchen ein Grund nicht erkannt, sein Gesuch wurde abgeschlagen und nun hat er seiner„Sehnsucht nach draußen" nicht mehr wider- stehen können. Nachdem er schon vorher sich ans dem Material für die Peitschenfabrikation ein fünf Meter langes Seil zusammen- gedreht hatte, ging er am 10. Dezember ans Werk. Während der Mittagspause, als die Insassen der Arbeitsbaracke zum Mittag- essen geführt worden waren, hatte er Gelegenheit gefunden, in den Motorraum zu schlüpfen und in ganz kurzer Zeit mit einer Feile einen Stab des Fenstergitters durch- gefeilt, so daß er sich hindurchquetschcn konnte. Dies tat er denn auch schleunigst und Pohlmann, der ihn bei dieser kühnen Arbeit be- troffen hatte, folgte seinen Spuren. Sie nahmen noch einen Stock, sogenannten Totschläger, der später wieder vorgefunden worden ist, zur Sicherheit auf ihrer Flucht mit. Sie kamen zuerst auf einen kleinen Hof, krochen auf einen dort stehenden Schuppen hinauf, kletterten auf das Dach und ließen sich dann mittels des Seile» außerhalb der Gefängnismauern zur Erde nieder. Sie fanden dann_ auch durch hiilfsbereite Personen Ge- legenheit. die Anstaltskleider mit anderen Kleidern zu vertauschen. Lange haben sie sich übrigens ihrer Freiheit nicht erfreuen können; sie sind au» Berlin überhaupt nicht heraus- gekomme» und am 28. Dezember wieder festgenommen worden.— Der Staatsanwalt hielt beide der Meuterei, der Sachbeschädigung und der Unterschlagung an den Anstaltskleidern fiir schuldig und beantragte je z eh n Monate Gefängnis. Der Gerichtshof sprach P o h l m a n n frei, da er nicht als erwiesen annahm, daß sich die beiden Gefangenen„zusammengerottet hatten, um mit ver- einten Kräften einen gewaltsamen Ausbruch zu unternehmen". (Z 122 Str.-G.B.) Der Angeklagte Breche! wurde nur wegen ' ackbeschädigung zu einer Woche Gefängnis verurteilt. „Berechtigtes" Interesse in Deutfchlaiti. Eine für unsere Richter charakteristische Urteilsbegründung sprach dieser Tage der Vorsitzende der Berufungs-Strafkammer des Land- gerichts II in einer Beleidigungssache aus. Die Gastwirtsftau B. hatte den Maurer K. wegen Beleidigung verklagt, weil er ihrem Ehemanne— seinem Vereinsbruder— unter vier Augen warnungs- halber mitgeteilt hatte, daß er sie eines Abends mit einem fremden Manne habe spazieren gehen sehen. Vor dem Schöffengericht trat K. jedoch den Wahrheitsbeweis an und Ivurde freigesprochen. Die Berufungs- Strafkammer hob das Urteil auf und verurteilte K. zu 10 M. Geldstrafe, da er und seine Zeugen sich in der Person der betreffenden Spaziergängerin nach Ansicht des Gericht» geirrt haben könnten. Der Verteidiger des K., Rechtsanwalt Dr. Broh, legte nunmehr Revision beim Kammer- g e r i ch t ein, weil infolge der Vereinsbrüderschaf«die fragliche Mitteilung auf alle Fälle wegen des berechtigten Interesses gemäß Z 103 des Strafgesetzbuches straflos bleiben müsse. Das Kammergericht trat dieser Auffassung bei und wies die Sache noch- mals an die Strafkammer zurück. Nach abermaliger stundenlanger Beweisaufilahme wurde nunmehr K. freigesprochen mit folgender eigentümlichen Begründung: Auch diesmal habe die Kammer die Auffassung gewonnen, daß ein Irrtum in der Person vorliegen könne, trotzdem habe K. fteigesprochen werden müssen, weil nun einmal bedauerlicherweise das berechtigte Interesse aus K 103 nach der höchst- richterlichen Rechtsprechung in so ausgedehntem Sinne auf- gefaßt werden müsse, daß tatsächlich die Ehre der Privatpersonen und der Beamten fast völlig vogelfrei geworden sei.— Mit Verlaub I Davon, daß die Beamtenehre, vor allem in Preußen, zu wenig geschützt werde, hat das Volk bisher nichts gemerkt. Die krampfhaften Bemühungen der Strnfbehörden in politischen Prozessen beweisen gerade das Gegenteil, zumal die Beamtenehre fast nur mit Gefängnisstrafen reingewaschen zu werden pflegt. Wenn freilich irgend em egoistisches Interesse nachgewiesen werden kann oder irgendwelche noch so kleinlichen i�rivaten Topfgucker-Beziehungen zu der betreffenden Sache existieren— dann hat man ein in unserem lieben Deutsch- land anerkanntes berechtigtes Interesse. Kämpft jemand aber„nur" aus idealen Gründen für eine große Sache, ist er so demokratisch, sich als Staatsbürger für einen öffentlichen Mißstand, für öffentliche Reformen ins Zeug zu legen, und wagt er es, seine Meinung hierbei ohne ängstliche Rücksichten ungeschminkt zu sagen: dann schickt ihn die höchstrichterliche deutsche Rechtsprechung inS Gefängnis. Wenn er nicht etwa eine behördliche Legitimation— als Beamter besitzt. Dann fehlt eben nach Ansicht unserer richterlichen Kreise das„berechtigte" Interesse. Der an der Witwe Auguste Sinnig in der WilhelmShavener- straße begangene Mord, der dem Arbeiter Karl Tfchirner zur Last gelegt wird, wird nunmehr am 29. und 30. Juni sowie am 1. Juli das Schwurgericht am Landgericht I unter Vorsitz des Landgerichts- rats M a t h n e r beschäftigen. Durch die Ladung einer Reihe� von Zeugen durch den Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Schwingt ist die Zahl der letzteren auf 85 angewachsen und es ist noch fraglich, ob die Verhandlung in drei Sitzungstagen sich wird erledigen lassen. Als medizinische Sachverständige sind Medizinalrat Dr. Leppmann und Dr. Arthur Schulz geladen. Vermifcbtes. Entgleist. Stendal, 16. Juni. Heute vormittag 12'/z Uhl ist der Ortsgiiterzug 8880 Magdeburg— Buckau— Oebisfelde bei der Einfahrt in Gleis 1 auf Bahnhof Oebisfelde auf dort stehende Wagen gefahren und entgleist. Die Lokoinotive und 14 Waggons sind schwer beschädigt. Mehrere Wagen sind vollständig zer- trllmmert. Der Lokomotivführer, der Zugführer und zwei Schaffner des Zuges sind leicht verletzt. Die Aufräumungsarbeiten dürften etwa 20 Stunden in Anspruch nehmen. Der Betrieb ist nicht gestört. DaS Erdbeben in Skutari(Montenegro) nimmt kein Ende. Seit dem 1. Juni werden die Stadt und ihre Umgegend täglich von zehn bis zwölf Stößen heimgesucht, die, wenn auch nicht stark, das Werk der Zerstörung immer vergrößern. In Skutari ist die Mehrzahl der Häuser eingestürzt, andere sind so mit Rissen bedeckt, daß sie ab- getragen werden müssen. Im Christenviertel, das noch am wenigsten gelitten hat, fanden 19 Personen den Tod. In einem Vororte am Drinafluß sieht kein einziges Haus, die ganze Ortschaft ist ein großer Trümmerhaufen. Dort sind 54 Menschen umgekommen, die Zahl der Verwundeten ist weit größer. Außerhalb der Stadt hat sich der Boden geöffnet und speit Rauch und erstickende Gase aus. Auch in den umliegenden Dörfern ist alles zerstört. Es gibt viele Tote, noch mehr Verwundete. Zu Scheldig löste sich ein Teil des Berges und begrub Häuser, Menschen und Vieh. Die armen Obdach- losen sind dern Regen und den räuberischen Gelüsten der Montene- griner ausgesetzt. Die Pest. Aus London wird gemeldet: In Manchester ist ein Pestfall vorgekommen, der tödlich verlaufen ist. Der Erkrankte war Hülfskoch an Bord eines von Buenos Aires über Hamburg am 8. Juni in Middlesborough angekommenen Dampfers. Professor Wernicke, Vorsteher der königlichen psychiatrischen und Nervenklinik zu Halle a. S.. der vorgestern im Geratal auf einer Radfahrt verunglückte, ist gestern abend seinen Verletzungen erlegen. Oesscntliche Bibliotvek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be. Nutzung sür jedermann, SW., Alexandrinenstr. 26. Geöffnet werktäglich von 5'/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zeitungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung aus. Berein ehemaliger Giitergotzer zur Bekämpfung der Tuber- kulose. Sonnabend, den 17. d. M., abends 9 Uhr im Mustkerhause, Kaiser Wilhelmstr. 18m: Sitzung. Gäste willkommen. Der Vorstand. Berliner Marktpreise.(Ermittelt vom Polizel-Präfidtum.) Futter- gerste, gute Sorte 1 Dz. 16,10(15,20), mittel 15,10(14,20), geringe 14,10(13,20). Hascr, gute Sorte 16.50(15,80), mittel 15,70(15,10), geringe 15,00(14,40) fiel Wagen und ab Bahn. Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,00(30,00), Spcisebohnen, weiße 50,00(30,00), Linsen 60.00(30,00), Kartoffeln 9,00(7,00), Rindfleisch, von der Keule. 1 Kg. 1,80(1,30), Bauchfleisch 1,40(1,00). Schweinefleisch 1,80(1,30), Kalbfleisch 2,20(1,20), Hammelfleisch 1,80(1,30), Butter 2,80(2,00), Eier, 60 Stück. 4,00(2,28), Knipsen, 1 Kg. 2,20(1,20), Aale 3,00(1,60), Zander 3,20 (1,20), Hechte 2,80(1,40), Barsche 2,00(1,00), Schlei- 3,60(1,40), Bleie 1,40 (0,80), Krebse 16,00(3,00.)__ Wasserstand am 15. Juni. Elbe bei Aussig+ 0,08 Meter, bei Dresden—1,41 Meier, bei Magdeburg+ 1,10 Meter.— Unstrut bei Straußsurt+ 1,05 Meter.— Oder bei Ratibor fi- 1,15 Meter. bei Breslau Öbcr-Vcgel-ft 4,90 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 1,20 Meter, bei Frankfurt 4- 1,41 Meter.— Weichsel bei Brahemünde-s- 2,72 Meter. — Warthe bei Posen-ff 0,46 Meter. WltierniigSübersicht vom 16. Juni 1»03. utorgtuB 8»hr. Stationen wincmde Hamburg Bertin Franks.a.M. München Wien 9>- ll a« Wetter 762 SSO 761 0 761!so 761 SW 761:23 760 31 3 wölken! 2 heiter 2woitcnl 3 wolkig 4 wölken! 1 wölken! c» rf. II H Mfo Stationen SS S!— Wetter )aparandc>!764 O zet crSburg 765� OSO cilly Aberdeen Pari» 754 SO 761 OSO 759. S 2�cdcckt 1 Nebel 2wolstg Iwollenl 2 wollen! i»« ä% fi" s? W io IS 17 14 13 13 Wetter.Prognose fiir Sonnabend, den 17. Juni IVOS. Warm und schwül, vielfach heiter, aber veränderlich, bei meist schwachen südöstlichen Winden und fortdauernder Gewitterneigung. Berliner Welterbureau. '�erantw. Redgkteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: PgrtrSrt» Ku�druklerei u. Ve.rlagsanstqlt Paul Singer Li$9., Verl« SW,