Nr. 145. RtonnementS'Redlngiingen; BBonnemcntä- Preis pränumerando: «ierteljähri. Z,Z0 monatl. I,l0 MI.. wöchentlich 28 Pfg, frei WS HduZ. einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagS- nummer mit Illustrierter Sonntags- Vellage.Die Neue Welt» 10 Psg. Post. Ldonnemenl: 1,10 Marl pro Monat. Eingetragen w die Posi-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn > Mark, für das übrige RuSIand 8 Mark pro Monat. ÄS. Jahrg. «»««1« tZg«« ilulltt lllSlilZg«. Verliner Volksblertt. Die Infcrtions'Gebülir velrägt für die sechSgespaltenc Kolonel- geile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaslliche BcreinS» und VersammIungS-Anzeigen 26 Psg. „Uleine Snreigen", das erste(seit- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 6 Pfg. Worte über IS Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags tn der Expedition abgegeben werden Die Expedition ist an Wochen- tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis s Uhr vormittags geöllnet. Telegramm-Adresse: „SslilüItliliioliNt Berlin". Zcntralorgan der fosialdcmokrati fchen parte» Deutfchlande. Rcdahtion: 831. 68, Lindenatrasac 69. Fernsprcckicr: Amt IV, Nr. 1983. Expedition: 831. 68, Lindcnstrasse 69. Fernsprecher: Slint IV, Nr. 1984. Der Zehnmillionenfonds für bedürftige Offiziere. Wie Freiherr v. M i r b a ch bei den Neichen im Lande den Klingelbeutel schwang, um der Religion der Armut prunkvolle Kirchen zu bauen, so schwingen ihn nun Fürst Guido Henckel v. DonnerSmark und RcichSbnnkpräsident Koch, um O f f i- zieren, den Leuten von der„guten alten Tradition preußischer Einfachheit" Liebesgaben zuzustecken. Wie Freiherr v. Mirbach sich die kleinen Gaben nntcr 26 M. als nicht gern gesehen verbat, so fordern auch die neuen Sammelpolitiker Zehntausende, Hunderttausende auf ein Brett. Wie Freiherr v. Mirbach für evangelische Kirchen die Mannen der Juden heranzog, so sollen auch notleidende Edelste aus den Tresors derer gespeist werden, deren Söhne man kaum für wert hält, den Gefreitcnknopf zu erwerben, geschweige Offiziere zu werden. Die Geschichte vom Zehnmillionenfonds für Offiziere zeigt jene sehr erlauchten Kreise in einer Verwirrung der Anschauungen lind Sittenbegriffe, wie sie selbst derjenige als unmöglich gehalten hätte, der weit entfernt ist. die Herrschenden mit Aristokraten iin wahren Wortsinn, mit den Besten zu verwechseln. Die kühnste Phantasie eines Sozialdemokraten hätte solch groteske Geschichte nicht ersinnen können, wie sie hier als Wahrheit enthüllt wird. Die„Zukunft" vermag ihre früheren Mitteilungen über die Geheimkonventikel der Berliner Finanzmänner, die nicht abgeleugnet werden konnten, zu ergänzen. Jeder Strich, um den das Bild ver- vollständigt wird, zeigt neue Wunder der Sphäre, da„Religion, Ordnung und Sitte" sich im Stelldichein mit den Krösussen der Hoch« finanz liebevoll finden. Also begab sich der LiebeSgabenbettel für die Edelsten der Nation:, „Wenn der R e i ch s b a n k p r ä s i d e n t daS onus(Last) der ersten„Anregung" auf sich nehmcii tvill, darf niemand ihn hindern; daß sie wirklich von ilsiit' ausging, ist mir anS mancherlei Gründen zweifelhast. Eingeladen aber hat er.: die Leiter großer Dank« firmen und Jndustriegesellschaften(nicht nnr„hiesiger") und andere reiche Herren ins ReichSbankgebände gerufen. Fast alle ahnten, daß es sich diesmal nicht um Diskontfragen, überhaupt nicht um Geschäftsangelegenheiten handeln werde, sondern um die silberne Hochzeit des Kaisers. Fast alle pfiffen auf dem Weg aus der Behren- in die Jägerstraße, laut oder leise, die Melodie auS dem Bettelstudenten:„Element! DaS kostet Geld!" Fürst Guido v. DonnerSmarck, der Urenkel des 1624 gestorbenen kaiserlichen HofdienerS, Handelsmannes und Hoflieferanten Lazarus Henckel, der in allen kaiserlichen Erblanden die Bergwerke geleitet hatte und für seine einträgliche Arbeits- leistung in den RcichSfreiherrnstand erhoben worden war, sprach daS erste Wort. Richtig: die silberne Hochzeit. Aber nichts von den Häusern am Pariser Platz(der Plan, sie dem Kaiser zu schenken, damit daS Brandenburger Tor„ftei stehen" könne, war ja auch einmal aufgetaucht), sondern vom Offizier- korps. Dem müsse die alte Lebensfreudigkeit(nach der schon Oswald Alving sich sehnte) wiedergewonnen werden. Um den Offiziercrsatz sei es schlimm bestellt und man dürfe, im Angesicht äußerer und innerer Schwierigkeiten, nicht warten, bis die Rot- wendigkeit zwinge, die Söhne wohlhabender, doch im Staatsdienst noch nicht bewährter Familien in die Kommando st ellen aufrücken zu lassen. Der Fonds, aus dem jetzt die Königszulage bewilligt wird, reiche für das Bedürfnis einer veränderten Zeit nicht mehr auS; ihn zu stärken, sei darum ein nobilo oküoium der besten Bürger. Mit zehn Millionen Mark sei die Sache zu machen. Man habe den Appell zunächst auf einen kleinen Personenkreis beschränkt, weil ein Teil der westlichen Großindustrie leider durch politische Vorgänge verstimmt sei... Auf- merkend lauschte alles dem klugen Fürsten, den jeder Geschäfts- mann als eine intellektuelle und finanzielle Großmacht schätzt; im füllen fragte sich mancher, warum dieser vornehme Herr, der am zehnten August fünfundsiebzig Jahre alt wird und mindestens fünfnndachtzig Millionen besitzt, nicht mit den Pleß, Ujest, Schaff- gotsch und anderen schkestschen Granden allein die Last der neuen Stiftung auf sich nehme. Warum die Lieferung der zehn Millionen einer Gesellschaftschicht zugemutet werde, deren zahlungsfähigste Mitglieder Juden sind und deshalb nicht hoffen dürfen, ihre Söhne im OffizierSrock vor der Front des Heeres zu sehen. Einer hatte den Mut, diesen Bedenken Worte zu leihen; natürlich warS kein Kind Israels. Ein urgennanischer Bankier sagte, die jüdischen Berufsgenossen müßten die Aufforderung zu solchem Geschenk als ein seltsames Ansinnen empfinden; denn im Grunde werde ihnen damit daS offene BekennwiS zugemutet, daß sie zur Stellung brauchbaren Offizierersatzes noch immer nicht geeignet und nur gerade gut genug seien, den nach der herrschenden Meinung bester Qualifizierten mit ihrem Gelde das Offiziersleben zu erleichtern. Diesen Einwand schien Fürst DonnerSmarck nicht erwartet zu haben; seine Antwort klang ein bißchen gereizt. Er habe sich in seinem Leben oft um den Ausgleich sozialer Gegensätze bemüht und hoffe, auch hier nicht auf unüberwindliche Schwierigkeiten zu stoßen; ganz leise und unverbindlich, doch laut genug für feine Ohren wurde die Möglichkeit angedeutet, gerade ein Zeichen patriotischen Gemeinsinns, wie es jetzt erbeten werde, könn e v i e l l e i ch t H in d er- nisse beseitigen, die heute noch berechtigten Ansprüchen den Weg sperren. Der Chef der Firma Delbrück, Leo u. Co., die zu den mannichfachen großen Unternehmungen des Geschäfts- magnatenhauseS Henckel finanzielle Beziehungen hat, stimmte dem Fürsten in begeisterten Tönen zu und ängstete die Ungetansten mit der Behauptung: wenn die Juden sich ausschlössen, würden sich schnell genug deutsche Christen zur Ausführung des schönen Plaues finden. Dieser Ausschluß ist aber nicht zu befürchten; die enthusiastischste Rede für den DonnerSniarck-Plan, eine von royalistischem Treugefühl, von Liebe für Thron und Heer himmelan lodernde Rede hielt ja Herr Albert Balliu, der sich stolz zu Sems Söhnen zählt. Zu einem den Bedarf deckenden Ergebnis haben die ersten beiden Versammlungen noch nicht geführt; man hat den definitiven Beschluß a»f den Herbst vertagt und vor- läufig, auf den Antrag eines israelitischen Großbankiers, sich nnr darüber geeinigt, daß die Baukon und Firmen als solche sich an dem Geschenk nicht beteiligen sollen. Damit war manchem Geladenen schon ein Stein vom Herzen genommen. Denn die Pflicht zur Wahrung des Großmachtschimmers hätte die Deutsche Bank und Bleichröder gehindert, mit ihrer Tributziffer allzu weit hinter der Diskontogesellschaft und Mendelssohn zurückzubleiben. Jetzt sollen die ChcfS für ihre Person zeichnen; da findet der einzelne sich schon eher zurecht. Doch darf man nicht etiva wähnen, der Plan sei gescheitert; ein paar Millionen sind bereits zu- sam m engebracht und eine davon, eine ganze, hat Fürst Guido Henckel von DonnerSmarck gezeichnet. Der nun erstaunt und ärgerlich darüber sein soll, daß der gar heimlich betriebene Handel anS Licht gebracht wurde...." Nicht aus dem Einfall flüchtiger Laune, aus wohlüberlegtem und zielbewußt verfolgtem Plan erwuchs dieser Bettel. Nicht ein, sondern zwei Zusammenkünfte haben bereits stattgefunden. Wohl erstaunten die abgehärteten Finanziers, als ihnen solch' Ansinnen gestellt wurde, aber sie werden allgemach die Ehrung verstehen lernen, deren sie teilhaftig werden sollen, und wenn der Herbst ins Land kommt und die Blätter fallen, mögen auch vom„Giftbaum der Börse" die Tausendmarkblätter fallen zur Auflese für die Be- durstigen des„ersten Standes". Schon stellt Fürst DonnerSmark, der Einflußreiche am Hose, in Aussicht, daß einige Jünglinge aus JudaS Sproß in die Laufbahn der Edelsten zugelassen werden könnten, wenn die Bäter die patriotische Zahlung leisten. Welch herrliche Aussichten eröffnen sich! Um 60 MV Reichs- mark sichert der Börsenmann seinen» Sprößling den Unteroffizier, um 1M VM den Leutnant, um 600 VM mag er eS bis zum Hauptmann bringen, um einige Milliönchen bis zum Major. Der Präsident der ReichSbank aber ist nicht ein beliebiger Privatmann, besten Tun die Oeffentlichkeit nicht kümmert. Er ist hoher Beamter dcS Reichs, er ist seinem Vorgesetzten, dem Reichs- k a n z l e r verantwortlich. Hat der ReichSbankdircktor, diese Frage fordert dringlich Beantwortung, auf eigene Hand sich dem DonnerSmarck-Plan dienstbar gemacht oder weiß der Reichskanzler von dem wilden Manöver? Guido Henckel v. DonnerSmark aber, der reiche Magnat und HerrenhäuSler, und Herr B a l l i n sind Bevorzugte des Kaisers s e l b st. ES ist der tollen Historie tollstes Stück, daß diese Herr- schaften, die dem Kaiser nahe sind, den Gedanken zu erfassen und in die Tat umzusetzen wagen, dem Kaiser zum Fest der silbernen Hoch- zeit daß Bettelgeld der Finanz zur Verteilung an Offiziere zu überweisen. Herr Ballin durfte dem Monarchen die Probefahrt auf dem„Meteor" bieten und Freibilletts auf seinen Schiffen für Minister gewähren« nun wähnt er bereits, der Kaiser könne die Geschmacklosigkeit teilen, den Offizieren der Armee llnter- stützungen aus geschnorrten Geldern zuzumuten. Wir Sozial- demokraten stehen gegnerisch zum heutigen Offiziersstand, da er eine Sonderkaste bildet, die dem Volke und seinen freiheitlichen Be- mühmigen bewußt entgegengesetzt wird. Doch bei aller Gegnerschaft schätzen wir daS Ehrgefühl der Angehörigen dieses Standes zu hoch ein, als daß sie sich dieser würdelosen Mmentation unterziehen köimtcn. DaS wüste Sittenbild entbehrt jedoch auch nicht staats- rechtlicher Bedeutung. Der Zehnmillionenfonds wäre verfassungswidrig. Dem Kaiser steht ein zweifacher Dispositionsfonds zur Unterstützung von Offizieren und Offiziersfamilien in besonderen Notlagen zur Verfügung. Diese Fonds sind vom Reichstag im Etat bewilligt, sie werden vom Kriegs- Ministerium verantwortlich verwaltet und das KriegSnnnisterium und der Reichskanzler sind dem Parlament für die Verwendung der Summen verantwortlich. Ein Fonds, wie ihn Fürst DonnerSmark und Vallin aufbringen und dem Kaiser zu überreichen planen, würde in die Privatschatulle des Kaisers fließen. Es wäre wider das EtatSrecht, ivenn der Kaiser für die Armee oder das Offizierkorps oder einen Teil deS Offizierkorps private Mittel aufwenden wollte. Die Armee kann nichts empfangen, was nicht der Reichstag bewilligt. Anderenfalls wäre das wichtigste Recht deS Reichstags illusorisch, durch Bewilligung oder Nersagung finanzieller Mittel über Stärke und Besoldung der Armee gleichberechtigt mit der Regierung zu be- finden. Dann würden die Offiziere nicht mehr den» Lande ge- hören, sondern dem Kaiser. Dann würde das Offizierkorps zur Prätorianertruppe erniedrigt, die vom Solde des Kriegsherrn abhängt. Dann braucht man auch bei der Unterstützung bedürftiger Offiziere nicht stehen zu bleiben, die Finanz könnte aus ihren Taschen die Abstriche, des Reichstags vom Militär- und Mariueetat ausgleichen, sie könnte dem Kaiser die ge- wünschten Summen geben, damit er Kanonen und Panzerschiffe bauen lasse oder ganze Armeekorps anwerbe. Wie lange noch wollen die Verantwortlichen der Regierung ein solches Treiben schweigend ge- währen lassen? Ist der Einfluß der DonnerSmark und der vallin mächtiger als das Gefiihl persönlicher und politischer Sauberkeit bei der Llegierung? politifcke(leberlickt. Berlin, den 23. Juni. Zur Marokkofrage übermittelt der Berliner Korrespondent der„Franks. Ztg." seinem Blatte die folgenden aus der Wilhelmstratze bezogenen AuS- führungen: „An amtlichen Stellen ist man der Ansicht, daß die Note Nouviers für eine Verständigung keine genügende Grund- läge bietet. Die Vorrechte, die' Frankreich auch nach dieser Note in Marokko in Anspruch nimmt, Ivcrden nicht alle von Deutsch- laud anerkannt werden, wie man auch nach der Haltung deS Sultans annehmen muß, daß er sie nicht alle an- erkennt. DaS schließt eine Verständigung im weiteren Verlaufe der Verhandlungen nicht auS. Außerdem aber wird in einzelnen Blättern wieder auf den Weg direkter Verhandlungen Deutschlands mit dem Sultan von Marokko erforderlichenfalls hingewiesen. In einer hiesigen Wochenschrift„Europa" wird gewissernraßen im Tone einer Enthüllung erzählt, daß der Reichskanzler beim Beginn des Eingreifens Deutschlands in die marokkanische Frage sich vergeivisscrt habe, ob Heer und Marine auch für den schlimmsten Fall in Bereitschaft seien. Denn wenn er auch die feste Absicht gehabt habe, den Krieg zu vermeiden, so habe er doch auch mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß die Dinge gegen seinen Willen einen anderen Lauf nehmen. Wir nehmen ohne weiteres au, daß das, was da erzählt wird, in der Hauptsache richtig sein wird, denn es ist einfach selbstverständlich, eS hieße den Ernst und die Be- deutung der an die marokkanische Angelegenheit an- knüpfenden Aktion der deutschen Regierung verkennen, wenn man dem verantwortlichen Staatsmann zutrauen wollte, daß er sich nicht namentlich zu einer Zeit, wo Delcastü noch am Ruder war, auch der Möglichkeit unerwünschter Wendungen und Zwischenfälle nicht bewußt gewesen wäre. Besonders schwieriger Erhebungen über den Zustand und die Bereitschaft unseres Heeres und unserer Allarine ivird eS dazu natürlich nicht bedurft haben, denn wer die Organisation von Heer und Marine kennt, der weiß ohne weiteres, in tvckchem Zustand sie sich befinden. Aus diesen dem Verantwortlichkeitsgefühl der Leiter■ unserer auswärtigen Politik entspringenden Erwägungen Symptome kriegerischer Neigungen herzuleiten, wäre natürlich durchaus ver- fehlt. Solche Neigungen haben hier in keinem Augenblick an irgend einer verantwortlichen oder einflußreichen Stelle bestanden. Ebenso falsch ist natürlich auch, wie allmählich jeder aufmerksame Beobachter wissen könnte, die hier und da selbst noch in deutschen Blättern austretende Auffassung, daß diese Marokkofrage kolonial-. politischer Unternehmungslust und der Absicht irgendwelchen terri- torialen Erwerbs entsprungen sei." Die Darstellung zeigt, daß die Verständigung zwischen der französischen und der deutschen Regierung über Marokko noch in weitem Felde ist. Zugestanden wird, daß der Reichskanzler für nötig erachtet hat,' die Frage der deutschen Kriegsbereit- s ch a f t zu stellen. Als dieustferttger OffiziosuS findet natürlich der Korrespondent der„Franks. Ztg." den Anlaß zu der doch nicht all- täglichen, sondern außergewöhnlichen Anfrage ausschließlich in Paris. Tatsächlich aber ist durch die jähe Schwenkung der Berliner Marokkopolitik der Streit entfacht worden, und die Anfrage der Kriegsbereitschaft läßt den Gegensatz von der früheren Beftiedigung über die marokkanischen Diirge zum plötzlichen Angriffsgelüst be- sonders hervortreten. Wenil daS, was die„Franks. Ztg." über das Nichtvorhandensein von weiteren kolonialpolitischen Erobcrungsplänen sagt, nicht nur für die Stelle zutrifft, von der die Information ausgeht, sondern für alle wesentlichen und entscheidenden Faktoren der auswärttgen Politik Deutschlands, so könnte eS auch zur Beruhigung des be- sorgten Auslandes beitragen.— Die Stichwahlen in Holland. Man schreibt uns aus Amsterdam: Von den 40 Stichwahlen, ivelche stattfinden müssen, sind zwei zwischen Klerikalen untereinander. Die Klerikalen haben schon 46 Sitze, und brauchen nur fünf dazu zu gewinnen, um die Mehrheit in der Kammer zu behalten. Nun ist eS aber sicher, daß die über- große Zahl der Stichwahlen ftir sie gar keine Aussicht auf einen Sieg bieten. Von dieser Art sind 23. Von den übrigen 16 gehen noch ab die drei, welche stattfinden zwischen Liberalen und Sozial- demokraten. Also bleiben nur zwölf Sitze übrig, wo die Klerikalen ernsthast daran denken können, zu siegen. Sie müßten aber außerordentlich Glück haben, wenn sie von diesen zwölf Mandaten die Hälfte eroberten, und ganz sicher scheinen uns nur zwei. In 6 Kreisen findet Stichwahl statt zwischen Klerikalen und Sozialdemokraten. In diesen Kreisen ist der Sieg der Sozial- demokraten gesichert. Der Antifterikalismus ist augenblicklich so stark, daß der Fall, der sich 1902 im Amsterdamer IX. Kreis ereignete, daß nämlich ein Teil der Liberalen den Klerikalen Byleveld in die Stichwahl gegenüber Troelsira und in die Kammer brachte, sich jetzt nicht wiederholen kann. Am schwächsten steht Van Kol in Enschede, wo er init 4118 Stimmen in der Stichwahl steht gegenüber einem ultramontanen Arbeiter, der 6201 Stimmen, mithin einen großen Vorsprung hat. Der Liberale hatte 3020, ein Christlich- Demokrat 103. Nun gibt eS im Kreise Enschede eine echte groß- kapitalistische Clique unter den Großindustriellen. Die schärfften Zusammenstöße im Klassenkampf haben zwischen diesen Groß» industriellen, die alle„Liberale" sind, und den Arbeiten: stattgeftmden. Da ist es zu erwarten, daß ein Bruchteil der liberalen Wähler auf den Ultramontancn übergeht. Der Kampf wird da sehr heiß werden. Die Wahlbeteiligung kann fast nicht steigen, denn von den 14 396 Wahlen! bctciligicn sich am 16. Juni 13 492 an der Wahl. Die Vorstünde der liberalen Union und des Freisinnig- demo- kratischen Bundes haben die Parole ausgegeben: Ueberall gegen die Klerikalen I Die Alt- Liberalen sagen in einem Manifest. daß die Prinzipien der Sozialdemokraten soivohl als die der Anti-Revo- lutionäre und Ultramontanen zu weit von denen der Alt-Liberalen abweichen, um sich an der Wahl zu beteiligen, wo Klerikale rai* Sozialdemokraten in der Stichwahl stehen. Den Christlich-Historischen geben fie aber den Vorzug, obschon die auch zur Regierungspartei gehören. Genosse Tak steht in Franeker in der Stichwahl mit einem Ehristlich-Historischen: da find aber die Liberalen leine An- Hänger des Alt-LiberalismuS. Uebrigens, die Liberalen müssen vorsichtig sein, denn in mehr als zwei Dutzend Kreisen haben die Sozialdemokraten die Ent- scheidung zwischen Liberalen und Klerikalen in Händen. Unser Parteivorstand hat folgende Parole ausgegeben: „Parteigenossen! Der Kongreß im Haag hat beschlossen, bei Stichwahlen ausschließlich solche Kandidaten zu unterstützen, die sich für die sofortige Durchführung des allgemeinen Wahlrechtes erklären. Darum trägt der Parteivorstand den Organisationen auf. den folgenden Kandidaten die Frage vorzulegen: Sind Sie Anhänger des allgemeinen Wahlrechts und be- zwecken Sie mit Ihrer Befürwortung des Blanko-Verfassungs- artikels, die Einführung des allgemeinen Wahlrechts auf dem kürzesten Weg zu erreichen?" Diese Frage wird an 21 mit Namen genannte Kandidaten ge- stellt werden. Für die anderen Kreise enthält sich der Parteivorstand einer Anweisung. Zu erwarten ist aber, daß die sozialdemokratischen Wähler überall links stimmen werden. Von Interesse ist eine Uebersicht über die Parteientwickelung in den letzten Jahren: 1001 IMS Gewinn Liberalen..... 118 893 100 000 46 207 Freisinnig-Dcmokraten 33 274 51 858 18 584 Sozialdemokraten.. 28 270 65 742 27 472 Die gesamte Rechte. 201 144 273 764 77 620 Die Stimmenzahl der Linken stieg also viel mehr als die der Klerikalen. Der Kuiper-Kurs ist jedenfalls zu Ende. Als Wahlkuriosum kann wohl erwähnt werden, daß man im Kreis Gorinchem zwei liberale Wähler herbeischaffte aus... Berlin. Sie hatten Erfolg. Der Kreis ward erobert durch ihre Partei, nachdem, er 28 Jahre ununterbrochen ini Besitz der Anti-Revolutionäre gewesen war.—»» Veutfcheg Rdcb. Plötzeusee Reklame. Die gegenwärtig in Berlin stattfindenden Lehrkurse für Gefängniswesen werden, wie eS scheint, in geradezu provozierend taktloser Weise benutzt, um den Eindruck der VerHand- lunge» des Plötzensee-Prozesses durch Reklamenotizen für Plötzcnsee zu verwischen. Täglich begegnen wir jetzt derartigen Waschzetteln. Da wird einmal erzählt, ein welch herrliches Ruhebett der„Krampfkasten" sei, der übrigens wirklich nicht so schlimm ist wie sein Name, der aber auch im�Plötzensce-Prozcß nur gelegentlich crwähntßworden ist. Man hört von Besuchen in Plötzensee, die natürlich außerordentlich befriedigend ausgefallen sind: die berühnite Suppe, die man bei solchen Gelegenheiten ißt, schmeckt ja immer herrlich. Bei der Ge- legenheit hört man allerdings auch, daß die Belegschaft von Plötzen» see am Besuchstage sehr gering gewesen ist. nicht viel mehr als 1000; in früheren Zeiten erreichte sie fast das Doppelte, woraus zu schließen, was damals für Zustände geherrscht haben müssen. Der ganze Erkenntniswert dieser„Studien" wird durch den einen Satz bei Eröffnung der Lehrkurse charakterisiert, daß die kompetenten Beurteiler des Strafvollzuges nicht diejenigen seien, die ihn erdulden. Damit wollte man die Zeugenaussagen im Plötzen- see-Prozeß aus der Welt schaffen. Der Satz beweist aber nur. daß der, der ihn sprach, von dem Wesen des Strafvollzuges keine Ahnung hat. Jeder, der einmal längere Zeit im Gefängnis gesessen— und sozialdemokratische Redakteure sind ja auf diesen, Gebiete Fachleute. weiß. daß die Welt des Strafvollzuges in Wesen und Wirkung so eigentünllich ist, daß man von außen durch selbst aufmerksainere und längere Beobachtung keine irgend zutteffenden Vorstellungen gewinnen kaim. Die Intimitäten vollends der Gefängnisbureaukratie bleiben natürlich den„Revisoren" durch- aus verschlossen. Am Donnerstagabend hat nnn der Oberstaatsanwalt I s e n b i e l in eigener Person an dieser Verherrlichung von Plötzensee sich be- teiligt. Das gern gegebene Zugeständnis, daß sich in Plötzensee die Beamten nicht wider Gesetz und Vorschrift versündigt hätten, übersetzte Herr Jsenbiel dahin, der Plötzensee-Prozeß habe ergeben, „daß gegen die preußische Gefängnisverwaltnng nicht das mindeste zu sagen wäre, aus dieser Feuerprobe sei sie völlig intakt hervorgegangen. Wenn auch bei der Unvollkommenheit menschlicher Einrichtungen einzelne Mißgriffe nicht ausgeschlossen werden könnten, so habe doch das System diese außerordentliche Probe sehr gut bestanden." Welches System? Doch das des Strafvollzugs. Wie aber denkt sich Herr Jsenbiel diesen Strafvollzug? Er äußerte sich darüber auf Grund seiner dreißigjährigen Erfahrung: „Wenn betont worden sei, daß die Strafe ein U e b e l sein müsse, so stimme er dem voll und ganz bei, ja. er gehe noch einen Schritt weiter, indem er von einem gerechten Strafvollzug verlange, daß die Strafe dem Rechtsbrecher zur Pein und Qual werden mi'isse und daß alle Freude und jeglicher Genuß aus de« Gefängnis zu bannen sei. Wenn er so für intensivere Vollstreckung der Freiheitsstrafen plädiere, so sei er gleichwohl geneigt, für deren Abkürzung einzutreten." Wenn Pein und Oual Siim und Zweck des Strafvollzuges sein soll. dann hat allerdings der Plötzensee-Prozeß nichts ergeben, was durch die„Feuerprobe" die Verwaltung und das System tangiert haben könnte. Daun rede man aber auch nicht von Humanität, dann entlasse man alle Gefängnisärzte als überfliissig und versuche nicht in krassem Widerspruch mit sich selbst die Stätte der Pein und Oual als Paradies zu schildern. Nach diesen Proben zu schließen, werden die Schüler der Lehr- kurse verdammt wenig lernen. Eine Woche Gefängnis, am eigenen Leibe verbüßt, würde die ganzen„Lehren" über den Hänfen werfen. Aus den weiteren Aeußerungen des Herrn Jsenbiel geht hervor, daß selbst bei dem Strafvollzug an Geisteskranken nichts Wesent- licheS gebessert werden dürfte: Man habe gesagt, die Richter möchten mehr Physiologie treiben; dcum würden Fehlgriffe vermieden werden. Vielleicht sei aber die Forderung am Platze, daß die Herren Aerzte sich mehr in das Strafrecht vertieften: denn bei manchen der modernen Krankheiten, wie z. B. der sexuellen Paranoia und den ver- schiedenen Perversitäten, müsse man sich doch fragen: Sind das Krankheiten, die eine StrafanSfchließnng begründen oder find es nicht vielmehr Laster? Wie oft komme eS vor, daß ein ungetreuer Kassenbeamter— mit guten Gründen der ärztlichen Wissenschaft— für geisteskrank erklärt werde; bei aller Hochachtung vor den optima fids abgegebenen Gutachten der Psychiater, könne man sich aber oft nicht von der Richtigkeit dieses Votums überzeugen, so lange nicht einmal ein Dcfraudant vorgeführt werde, der infolge solcher Willcnstrübung Geld in die fremde Kasse hineingelegt habe. Ob den verdächtigen Kranken in den geplanten„Zwischen-Anstalten" eine bessere Behandlung werde geboten werden können als heute, sei sehr zu bezweifeln. Herr Jsenbiel glaubt also nicht recht an Geisteskranke, und dem- zufolge wird man wohl auch künstig in den Gefängnissen die CüsteZkranken als Simulanten behandeln. Mit dem Witz, daß erst der Geisteskranke vorgeführt werden sollte, der Geld in die Kasse legt, entscheidet der Oberstaatsanwalt die furchtbare Frage. Vor einiger Zeit fungierte einmal ein Staatsanwalt, dessen bluttge Strafanträge bei Bagatellvergehen allgemein Aufsehen er- regten; er wurde bald darauf verrückt. Soll man an der Geistes» krankheit von Staatsanwälten etwa so lange zweifeln, bis sich einer zeigt, der ans Wahnsinn immer auf Freisprechung plädiert? Ans der Debatte des Vortrags sei noch eine interessante Einzel» heit erwähnt. Es wurde die Frage erörtert, ob es zulässig er- scheine, sozialdemokratischen oder anarchistischen Gefangenen dir Lektüre ihrer Parteischristen(Zeitungen jc.) zu gestatten. Für Straf- anstalten wurde diese Frage von vornherein verneint, was die Untersuchungsgefangenen anbetrifft, so haben sich in der Praxis Zweifel ergeben. In einem konkreten Falle hatte der Richter die Lektüre eines sozialdemokratischen Blattes genehmigt, die Gefängnis- Verwaltung die Zulassung aber verweigert. Dieser letztere Stand- Punkt wurde von der OberstaatSanwaltschast gutgeheißen. Diese Entscheidung wurde von allen Rednern gebilligt: DaS Untersuchmigs- gefängnis sei eine staatliche Anstalt und der Staat könne auf keine Weise gezwungen werden, in seinem eigenen Hanse Bestrebungen Borschub zu leisten, die auf den Umsturz der staatlichen und Ge- sellschaftsordnung abzielten. Hervorgehoben wurde, daß bisher kein sozialdemokratischer ze. Schriftsteller nach derartiger Lektüre ver- langt habe. Diese Auffassung ist geradezu verfassungswidrig. Die Sozialdemokratte ist eine durchaus gleichberechtigte Partei, und es ist nicht die Aufgabe des Sttafvollzugs, geschweige der Untersuchungshaft, gegen die Sozialdemokratie zu agitteren. Hält man die Anwesenheit sozialdemokratischer Zeitungen mit der Würde eines Gefängnisses nicht für vereinbar, so sollte man doch erst recht darauf verzichten, sozial- demokrattsche Menschen im Gefängnis zu dulden. Bis vor kurzem hat nian es sogar gewagt, sozialdemokratischen Schriftstellern in Plötzensee — offenbar im Interesse der Zufügung von„Pein und Oual"— nur die Lettüre vom.Reichs-Anzeiger" zu gewähren. Mit diesem Verfahren wird auch die Bestimmung des Strafgesetzbuchs ganz offenbar verletzt, die bezweckt, den Gefangenen nicht noch be- sondere Berufsstörungen, die ihr künfttges Fortkommen erschweren, zuzufügen. Aeußerungen, wie sie in diesen.Lehrkursen" zutage treten, beweisen die ganze Rückständigkeit unserer Verwaltung, gegen deren „Vorschriften" allerdings niemand zu verstoßen braucht, um den Strafzweck der Oual und Pein voll zu erreichen. Um so dringender ist aber die Aufgabe, daß endlich ein S t r a f- Vollzugsgesetz geschaffen werde, das den staatsanwaltlichen Liebhabereien und Anschauungen über Strafe. Strafvollzug, Geisteskrankheit usw. keinen Raum mehr läßt, sondern sie selbst bindet an die gesetzlichen Vorschriften eines mit der Humanität vereinbarten Strafvollzuges. Die Bertcuening des Reifens, welche die„große" geplante Tarifreform bewirken wird, hat die Oeffentlichkeit so beunruhigt, daß Herr v. B u d d e Beschwichtigungsgespräche führt. Der Minister erklärte dem Redakteur der„Täglichen Rundschau" in Schweidnitz auf Bestagen, er denke nicht daran, die bestehenden Sonntags- fahrkculen bei Durchführung der Personentarif-Reform zu beseitigen. Alle für bestimmte Wohlfahrtszwecke bestehenden Vergünstigungen, wie Arbeiter-Wochenkarten, Sonntagsfahrkarten. Ferien- ionderzüge jc., blieben in dem gleichen Umfange wie bisher und in derselben Art auch bei der erwähnten Reform bestehen. Der Minister habe sich bei den Verhandlungen bezüglich der Tarisgemeinschaft der deutschen Eisenbuhnverwaltungen ausdrücklich die Beibehaltung der WohlfahrtSzwecken dienenden Ausnahmen vor- behalten. Man will aber gar keine„Wohlfahrt", sondern eine Eisenbahn- Politik, die nicht den Verlehr fiskalisch bewuchert und bureaukrattsch chikaniert I Wieder ein Gesetzgeber. In das preußische Herrenhaus berufen ist der Fideikommißbesitzer Ulrich v. K a l ck st e i n zu Wogau im Kreise Pr.-Eylau auf Präsentation des Verbandes deS alten und des befestigten Grundbesitzes in dem LandschaftSbezirk Samland mit Natangcn an Stelle des am 14. Januar d. I. verstorbenen königlichen Kammerherrn Grafen zu Eulenburg-Gallingen. Ins preußische Herrenhaus kann man kommen, auch wenn man Analphabet ist. Nur„geboren" muß man sein.— Das„DieSseits"-Telegramm. Am Freitag sollte vor dem lippeschen Amtsgericht in Lage die Verhandlung über die sogenannte „Diesseits"-Depesche stattfinden. Kläger ist der frühere Kommerzien- rat und Vizepräsident des lippeschen Landtages Leberecht Hoff» mann- Salzuflen. Beklagter der verantworrliche Redakteur der „Lippeschen Landes-Zeitung" Emil Neumann- Detmold. Die Vorgeschichte des Prozesses geht zurück aus das bekannte..Kaisertelegramm" vom 26. September 1904, in dem der Kaiser die Rcgentschaftsübernahme nicht anerkannte und das Militär nicht vereidigen ließ, da die Rechtslage in keiner Weise geklärt sei. Am 3. Oktober richtete dann Graf Bülow ein Schreiben an Hoffmann, in dem er erklärte, daß die lippcsche Frage ihre Erledigung ausschließlich nach Rechtsgruudsätzen finden »verde. Zu gleicher Zeit richtete der bekannte Rechtslehrer und schaumburgische Kammerherr KekulH v. Stradonitz folgendes vertrau- liche Telegramm an Herrn Hofsmann: „Als besondere Gefahr wird diesseits angenommen, wenn das Ersuchen an den Bundesrat gerichtet wird, das höchste Gericht durch Reichsgesetz mit der Entscheidung zu betrauen. Dieser Weg würde bedeuten, daß der Reichstag mitzureden hat, der Reichstag könnte dann beschließen, der ganze Streit sei bereits durch Schieds- ge rieht endgültig erledigt, und dieses Reichsgesetz sei unnötig. außerdem läge in solchem Beschlutz eine Nichtachtung gegen den Bundesrat, da dieser sich für zuständig erklärt hat, also auch ohne Reichsgesetz ein höchstes Gericht auswählen kann."— Dieses streng vertrauliche Telegramm wurde von der„Lippe- schen Landes-Zeitung" in einer Sonderausgabe veröffentlicht. Es schlug in Detmold wie eme Bombe ein. In der„Lippeschcn Landes-Zeitung" wurde Herrn Hofstnann vorgeworfen, daß er mit dem schlimmsten Gegner der Staatsregierung seines Landes konspiriere, daß er von diesem Jnstruk- tionen für das Verhalten im Thronstteit entgegengenommen habe und daß sein Verhalten geradezu an Hochverrat grenze. Es folgte das Zeugniszwangs-Verfahren gegen den Redakteur Stärke von der„Lippeschen Landes-Zeitung". das ergebnislos verlief. Jetzt hat Hoffmann die BelefdigungS- klage gegen den verantwortlichen Redatteur dieser Zeitung an- gestrengt. Nachdem sich die Gerichte in Detmold und Horn für befangen erklärten, sollte die Sache nun vor dem Amtsgericht in Lage ver- handelt werden. Um 9 Uhr eröffnete Geh. Justizrat Nieländer die Sitzung mit dem Bemerken, daß für die vorliegende Sache ein außer- ordentliches Schöffengericht einberufen worden ist, nachdem mehrere Richter abgelehnt haben. Der Angeklagte N e u m a n n lehnte darauf den Vorsitzenden des Gerichtshofes Ivegen Befangenheit ab; entscheidend sei für ihn, daß der von ihm tvegen plötzlicher Verhinderung seines Verteidigers gestellte Vertagungsantrag von dem Vorsitzenden mit der Begründung abgelehnt worden sei, daß Ncumann schon füufzehnmal wegen Be- leidigung vor Gericht gestandeu habe und dcshälb sehr wohl in der Lage sei, sich selbst zu verteidigen.(Beivegyng.) In dieser An- ordnung des Vorsitzenden erblicke er eine ganz deutliche B e- an g e n h e i t. Da durch die Ablehnung das Schöffengericht unselbständig ge- worden»var. muhte die Sache vertagt werden. Das Detmold« Landgericht hat zunächst über die Ablehnung zu entscheiden, � Staatsgefährliche polnische Turnerinnen. Eine vereinspolizeMche Haupt- und Staatsaktion hat jetzt in letzter Instanz gerichtliche Billig»mg erfahren. In Gnesen existierte eine Dainen-Tunrabteilung, die sich„Socolice" nannte und in gewissen Beziehungen zum poluischen Turnverein„Socol" stand. So turnten die Damen unter Leitung desselben TurnwartS in den Räumen deS„Socol" an dessen Geräten. Mitglieder der„Socolice" gerieten mit dem „Socol" in Differenzen, weil sie nicht mehr an dessen Veranstaltungen sich beteiligen wollten. Räume, Geräte und Turnwart wurden der„Socolice" entzogen, und ste verfiel der Auflösung. Zugleich bildete sich ein neuer Turnverein aus polnisch redenden Damen, dem sich die Hallen und Herzen „Socols" weit öffneten, aber nur unter der Bedingung, daß die Mitglieder des neuen Vereins sich an allen Veranstaltungen des „Socol" beteiligten. Das Statut erhielt eine derart verpflichtende Bestiinmung. Ehe noch der neue Verein eine Sitzung halten konnte, griff die heilige Hermandad ein. Er w»irde vor- läufig polizeilich geschlossen, weil eS ein Verein sei, welcher bezwecke, in Versammlungen politische Gegenstände zu erörtern, und dein deshalb„Frauenspersonen" nicht angehören dürften. Die Damen B. und Cz.. die sich an der Bildung beteiligt hatten, wurden in zweiter Instanz vom Landgericht Gnesen wegen Uebertretung des§ 8 des preußischen Vereinsgesetzes zu Geldsttafen verurteilt, und das Landgericht sprach auch seinerseits die Schließung des Vereins aus.— Ab« auch Vorstandsmitglieder des Männer- Turnvereins„Socol" wurden ivegen Uebertretung des§ 3 des Vereinsgesetzes verurteilt. Und zwar, weil sie„Frauens- Personen" entgegen dew§ 8 in den„Socol" aufgenommen hätten, obwohl der„Socol" ein polittscher Verein im Sinne des�j 8 sei. Nicht weniger als 45 Seiten brauchte das Landgericht, um diese Urteile zu rechtfertigen. Wenn man es in wenigen Worten sagen will, so wurde etwa folgendermaßen deduziert: Der„Socol" in Gnesen wolle nach seinem Statut die körperliche Gewandtheit seiner Mitglieder fördern und diese zu regem geistigen Leben erwecken. Es sei aber gerichtsnotorisch, daß die„Socol"-Vereine in der Provinz Posen darüber hinaus eine Stärkung des polnischen Gefühls er« strebten, was auf ihrem Verbändstag öffenttich ausge» sprochen worden sei. Das sei eine politische Tendenz. Namentlich werde in dieser Richtimg in ihren Zusammenkünften geredet. Also sei einer ihrer Zwecke, in Versammlungen politische Gegenstände zu erörtern. Z 8 des preußischen Vereinsgesetzes schließe aber Frauen von solchen Vereinen aus. Auf Grund verschiedener Momente. namentlich wegen der engen Beziehungen zum„Socol", sei nun von der eingegangenen„Socolice" anzunehmen, daß diese Damen» abteilung ein Teil des„Socol" gewesen fei. Also hätten die Vorstandsmitglieder des„Socol" gesetzwidrig Frauen in ihren politischen Verein aufgenommen. ES handle sich um eine verschleierte Mitgliedschaft, wenn auch niemals Beiträge an den„Socol" gezahlt worden seien und Angehörige der„Socoline" niemals an Versammlungen des„Socol" teilgenommen�hätten.— Von dem neuen Damen-Turnverein sei anzunehmen, daß er sich den Grundsätzen deS „Socols"(Förderung des Polenturns im Gegensatz zum Deutschtum) angeschlossen habe. Sei das aber der Fall, so sei weiter zu schließen, daß auch dieser Damen-Turnverein bezwecke, in Versammlungen polt» tische Gegenstände zu erörtern. Das Kammergericht verwarf am 22. Juni in beiden Fällen die Revisionen der Angeklagten. Rechtsirrtümer seien dem Landgericht nicht unterlaufen, insbesondere habe das Landgericht die G er i ch t s n o t o ri t ät der Zwecke der Socolvereine bei seinem Urteil verwerten können. Es vergehe sich nicht, wenn es sage, das und das weiß ich von dieser Art Vereine, es ist gerichtskundig.— Das Urteil gegen die Frauen und den neuen Fraucnverein sei auch unbedenklich. Wenn dieser, der ja bald von der Polizei geschlossen sei, auch niemals eine Versammlung abgehalten habe, so habe doch als sein Zweck festgestellt werden können, daß er in Versammlungen politische Gegenstände erörtem wolle, und das genüge. Zentrum und BerfassungSrevision in Württemberg. Stuttgart, 21. Juni.(Eig. Ber.) Das Zentrum tut niemals etwas Dummes, aber immer etwas Krummes. DaS Wort eines württembergischen Politikers kennzeichnet auch die Haltung des Zentrums in der Frage d« Verfaffnugs- revision. Eine Aenderung des gegenwärtigen ZustandeS, die der katholischen Mehrheit in der Ersten Kammer ein Ende macht, soll um jeden Preis verhindert werden. Aber eS soll auch ver- mieden werden, daß die Verfassungsrevifion an dem Wider- stand der Ersten Kammer scheitert; denn in diesem Falle könnte es leicht geschehen, daß sich doch endlich ein so heftiger Sturm des Unwillens rehebt, daß die ganze Erste Kammer mitsamt der katholischen Mehrheit hinweggefegt wird. Ist doch ihre staats- rechtliche Grundlage eine so prekäre, wie die kaum einer anderen deutschen Adelskammer. Wiederholt ist in der Potestbewcgung des vergangenen Jahres darauf hingewiesen worden, daß im Jahre 1849 durch vom Gesamtministerium gegengezeichnete Verfügung des Königs alle adeligen Privilegien aufgehoben wurden und eine aus allgemeinen Wahlen hervorgegangene Abgeordneten- kammer an die Stelle der stüheren beiden Kammer» trat. Die könitzliche Verordnung, durch die im November 1860 diese unbot- mäßige Kammer auf Grund des Notstandsparagraphen der württem- bergischen Verfassung(ähnlich dem berüchtigten§ 14 der Verfaffunn Oesterreichs) wieder heimgeschickt wurde, gab die„bestimmte Zusage", daß„keineswegs von einerRückkehr zu dem stüher Bestandenen die Rede ist"; ein Königswort, das wie so viele andere später gebrochen wurde. Eine so schlecht fundierte Körperschaft aber darf nicht allzu viele Belastungsproben der öffentlichen Meinung wagen. So geht das Bestreben des Zentrums dahin, die Regierungsvorlage» n der Abgeordnetenkammer selbst zu Fall zubringen. Aber das Zentrum kann dieses Ziel nicht dadurch zu erreichen suchen, daß eS den wahren Grund seiner Abneigung gegen die Vor« läge eingesteht: die Sorge um die Wahrung des polittschen Einflusses des Zentrilms. So sucht die Zentrumspresse nach zwei Seiten den Hebel anzusetzen. Einerseits angstigt sie die „Privilegierten" in der Zweiten Kammer mit Bedenken über die durch die Reform verursachte Schwächung der kon» servativen Grundlagen des Volkslebens, andererseits— lind das fällt ihr, weil es mit den Tatsachen übereinstimmt, nicht schwer— weist skb mit diabolischem Vergnügen nach, daß die Vor- läge nur Stück- und Flickwerk?st und den Namen einer Reform eigentlich gar nicht verdient. Den Konservattven wird vorgehalten, daß nach Ausscheidung der 22 Privilegierten aus der Zweiten Kammer die Rechte auf sehr schwachen Füßen stehen würde. Bei dem heuttgen Stande der Kammer hätte die Rechte nur auf 18 Zentrumsabgeordnete und acht Bauernbündler zu zählen, denen 11 Nattonalliberale. 26 Volks- parteiler und 7 Sozialdemokraten gegenüberstehen. Nun ist die radikale Gefahr in dieser Kammer gewiß nicht so schrecklich, denn nicht nur die Nationalliberalen, auch die Volksparteiler haben sich in den letzten Jahren so regierungsfähig gezeigt, daß sie mit sich reden lassen würden. Aber die Neuwahlen würden jedenfalls das Kräfteverhältnis zugunsten des Radikalismus verschieben, schon infoltze der Vermehrung der Abgeordneten Stuttgarts auf sechs. Freilich will dies Bedenken einer Partei schlecht anstehen, die, gleich dem württembergischen Zenttum, in ihrem Programm ausdrücklich die Beseittgung der Pnvilegierten aus der Zweiten Kammer und deren Ersatz durch Abgeordnete fordert, die in größeren Wahl« verbänden durch das allgemeine Stimmrecht nach dem Grundsatz der Verhältniswahl gewählt werden. Aber auf einen Widerspruch mehr oder weniger kommt's dem Zenttum nicht an. Ereifert sich doch der Artikelschreiber des Stuttgart« Organs der„demottattschen" ZenttumSpartei auch darüber, daß man den Standesherren nichts als Ersatz für die Schwächung ihrer Position in der Ersten Kammer gibt, und sogar die Bedingung des Wohnsitzes in Württemberg für fie ausgeklügelt hat. wahrend in d« Zweiten Kammer der Berliner Kloß, der Hesse Keil und der Bayer Tausch« üb« württembergische Politik mitentscheiden dürfen. Der Linken aber, und bor allem der Sozialdemokratie, wird in einem sichtlich von Gröber inspirierten Artikel der„Köln, Volkszeitung" hohnvoll vor Augen geführt, daß„die Reform eine Reihe höchst veralteter Bestimmungen aus der Verfassung von 1819 ruhig für spätere Zeiten konserviert". So z. B, wird an dem höchst bedenklichen„Notverordnungsparagraphen" nicht gerührt und so die Möglichkeit einer ß 14-Wirtschaft nach österreichischem Muster geschaffen? ebensowenig an der Bestimmung, daß die Stände kein Recht der Initiative in Steuersachen haben. Daneben— und hier ist an der Aufrichtigkeit des Artikelschreibers nicht zu zweifeln— wird Klage geführt, daß die§§ 77 und 81 Betreffend die Ausscheidung des Kirchengutes nicht beseitigt werden, die seit 88 Jahren als unbequeme Mahner in der Verfassung stehen, weil ihre Durchführung der Kirche höchst ungelegen käme, die bei dem tatsächlichen gesetzwidrigen Zustand finanziell weit besser fährt. Vernichtend aber ist die Kritik, die die Zentrumspresse an der angeblichen Tendenz des Entwurfs. Privilegien zu be- fettigen, übt. Treffend wird gesagt, daß selbst, wenn die Lerfassungsrevision von dem Standpunkt der Ermöglichung einer liberalen Schulpolitik gemacht werden soll, dieser Zweck durch die Vorlage nicht erreicht wird. Denn für die eigentlichen liberalen Schulziele— die Simultanschule— ivird auch die «reformierte" Erste Kammer nicht zu haben sein. Und dann wird weiter ausgeführt, wie widerspruchsvoll ein Gesetzentwurf sei, der einerseits für die Abgeordnetenkammer den Kampf gegen die Privi- legten zur Richtschnur habe, andererseits für die Kammer der Standesherren die Parole aufstelle: 1. neue Privilegierte in dieser Kammer, 2. dieser Kammer überhaupt mehr Privilegien. Diese Argumentation hat offenbar den Zweck, auf die Sozial- demokratre im Sinne einer Verwerfung des Entwurfs zu wirken; und es wird denn auch am Schlüsse des Artikels voraus- gesagt, daß die Sozialdemokratie trotz des„Butterbrot- gefchenkes" der Vermehrung der Stuttgarter Mandate gegen den Entwurf stimmen wird. Damit aber, wäre die Reform gescheitert, da voraussichtlich für die erforderliche Zweidrittel- Mehrheit die sieben sozialdemokratischen Stimmen notwendig sind. Ohne Zweifel verstärken die von den Zentrumsleuten herausgesuchten Bedenken das Gewicht der viel ernsteren Bedenken, die von sozialdemokratischer Seite bereits geäußert worden sind. ES ist in der Tat nicht Sache der Sozialdemokratie, eine„Reform" um jeden Preis zu machen, wie denn auch die Stimmen in der württembergischen Partei nicht vereinzelt sind, die einer Verwerfung jeder„Reform" das Wort reden, die die Erste Kammer nicht beseitigt. Darüber, daß nur die§ letztere oder eine zumindest sich in diesem Sinne bewegende, die Privi- legten der Ersten Kammer einengende„Reform" wirklich den Namen eines Reformwerkes verdient, kann ernsthaft kein Zweifel sein. Aber die Sozialdemokratie wird ihren Entschluß aus eigener Erwägung fasten, ohne Rücksicht auf Beifall oder Mißbilligung des Zentrums, geleitet von der Rttsicht auf den politischen Fortschritt und die Eni- Wickelung der Partei. Huoland. Italien. Rom, 23. Juni. jPrivatdepesche des„Vorwärts".) Di« Gewerk- fchaften haben sich über den eventuellen Generalstreik als äußerstes Kampfmittel zur Paralysierung der Marmorarbeiter- Aussperrung in Earrara nicht verständigt. 13 Gewerkschaften waren gegen und 12 für den Generalstreik. Die Aussperrung dauert unverändert fort. Sämtliche Streikbrecher sind unter dem Jubel der Bevölkerung ab- gereist. Die Situation ist ernst. Der allgemeine Ausstand in Carrara. Rom, 19. Juni. jEig. Ber.) Am 30. Mai machte eine Firma von Carrara den Versuch, von unorganisierten Arbeitern geförderten Marmor zu verladen. Diese törichte Provokation gab Anlaß zu der heutigen Lage, die im ganzen Marmordistrikt zu' den allerschwersten Besorgnisten Anlaß gibt. Die Transportarbeiter der betteffenden Firma weigerten sich nämlich, den Marmor zu befördern, was zur Entlastung der Be- teiligten ftihrte, auf die die gesamte Arbeiterschaft der Firma, einige hundert Mann, durch Niederlegen der Arbeit antwortete. Nun wurden die Unglücksblöcke durch vier Unternehmer selbst mit Hülfe von Handlangern verladen. Dies bestimmte die organisierten Eisenbahner der lokalen Marmorbahn, den Zug mit den Blöcken nicht auslaufen zu lasten. Die Bahngesellschaft entließ die Eisenbahner, die den Zug verlassen hatten, und veranlaßte dadurch ihr ganzes Personal zum Streik. Diese Situatton dauerte unverändert vom 1. bis zum 10. Juni; an diesem Tage proklamierte das Konsortium der Unternehmer die Aus- sperrung aller Marmorarbeiter auf den nach dem Meere zu gelegenen Brüchen. Die Bahngesellschaft ihrerseits entließ ihr gesamtes Personal. Im ganzen waren so etwa 3800 Arbeiter arbettsloS. Da aber die Versuche, Streikbrecher zu finden, besonders für die Bahn völlig scheiterten, forderte die Stadtverwaltung von Carrara, wie wir bereits telegraphisch meldeten, die Bahngesellschaft auf, binnen drei Tagen den Dienst wiederherzustellen. Als die drei Tage herum waren, ohne daß der Berkehr wieder aufgenommen war, übemahm die sozialistische Stadtverwaltung von Carrara die Bahn in eigenen Betrieb und stellte alle ausgesperrten Arbeiter wieder ein. Es war dies eine ebenso rationelle wie gesetzliche Beilegung des Konflikts. Wahrscheinlich bedauerte der Präfekt aber, umsonst das viele Militär in Carrara zusammengezogen zu haben und wollte daher von einer friedlichen Lösung nichts wissen: er annullierte heute die Entscheidung der Stadtverwaltung und forderte die Bahn auf, den kommunalen Betrieb der Bahn nicht zu gestatten. Die Arbeitskammer von Carrara hat daraufhin heute abend den all- gemeinen Ausstand aller Organisierten der Provinz proklamiert. Die Lage ist ungeheuer ernst; es sind über 2000 Mann Militär in Carrara und Umgegend zusammen- gezogen. Die Bevölkerung ist bis jetzt sehr ruhig; man soll aber nicht vergessen, daß die Gegend von Carrara auf eine Reihe von Volkserhebungen zurückblickt, wie kaum eine andere Provinz ganz Italiens.— Spanien. Neues Ministerium. Madrid, 23. Juni. Der König hat folgendes Ministerium bestätigt: Präsidium Montero Rios, Inneres Garcia Prieto, Auswärtiges Saint Roman, Finanzen Urzaiz, Krieg Wehler, Marine Villanneva, Ackerbau Romanones, Justtz Pena, Unterricht Mellado.— Amerika. Flottenriistungcn. Williamstow n(Massachusetts), 23.Juni. n einer Rede, welche Präsident Roosevelt im hiesigen Williams ollcge hielt, führte er aus, er würde lieber sehen, daß die Nation die Monroe-Doktrin und den Panamakanal aufgebe, als daß sie zwar auf der Monroe-Doktrin und dem Bau des Panamakanals beharre, sich aber weigere, für die einzigen Mittel zu sorgen, die ein Volk der Achtung der übrigen Völker würdig machen. Amerika müsse mit dem Bau von Schiffen fortfahren und die Flotte auf dem höchsten Punkte der Leistungsfähigkeit erhalten oder es müsse aufhören, da- nach zu streben, eine große Nation zu sein.— Schamlose Kinderausbeutung in den Südstaaten. Die Süd- staaten der amerikanischen Union sind politisch und sozial die rück- ständigsten Gebiete innerhalb der Vereinigten Staaten. Es sind dieselben Gebiete, in denen bis zum großen amerikanischen Bürger- krieg die aus Aftika hergeschleppten Neger bis aufs Blut ausgebeutet wurden. Formell ,st die Sklaverei nun zwar aufgehoben, aber auch jetzt wird dort der Neger als ein Mensch niederen Ranges be- wachtet und behandelt rmd die Anwendung der Lynchjustiz gegenüber von wirklichen oder vermeintlichen Bösewichten unter den Schwarzen ist noch heute an der Tagesordnung. Der Kapitalismus beschränkt sich aber nicht darauf, aus den Knochen der Schwarzen hohe Profite zu pressen, sondern er schont auch nicht das Fleisch und Blut der eigenen Rasse. In den Südstaaten ist die Kinderausbeutung noch eine unbeschränkt», kein Gesetz tritt den Unternehmern in ihrer Profitsucht hindernd in den Weg. Der Arbeiterschutz ist nicht Sache des Kongresses, sondern die der einzelnen Bundesstaaten, und im Süden sind die Latifundienbesitzer und Baumwollspinner unum- schränkte Herrscher. Soeben veröffentlicht Robert Hunter, ein Sozialist, eine Arbeit über die schamlose Kinderausbeutung, wie sie m den Südstaaten geübt wird. Nach ihm sind nicht weniger denn 80 000 Kinder, von denen die meisten kleine Mädchen, in den Textilfabriken der Süd- staaten beschäftigt. Die Zahl der beschäfttgten Kinder steigt von Jahr zu Jahr; mehr und mehr Fabriken werden erbaut, denn der erhöhte Profit, der aus dem Blute der Kleinen gepreßt wird, wirkt verlockend auf die herzlos berechnenden Kapitalisten. Die Fabriken pflegen die Arbeiterfamilien in Fabrikhäusern unter- zubringen, wo dieselben zusammengepfercht in engen, schmutzigen Räumen ihr elendes Dasein dahinleben. Um Uhr morgens beginnen die Dampfpfeifen der Fabriken zur Arbeit zu rufen, und Männer, Frauen und Kinder erheben sich von ihrem elenden Lager, würgen eine Hand voll Nahrung hinunter und beginnen ihr Tage- lverk. 12 und mehr Stunden dauert die tägliche Arbeitszeit, und am Abend kehren die Unglücklichen zurück in ihre elenden Löcher; häufig zu müde, um noch zu essen, strecken sie ihre müden Knochen auf ihr jammervolles Lager, um am nächsten Tage wieder in die Fronde ihrer Peiniger zurückzukehren. Hunter sah Kmder im Alter von 8 und 6 Jahren mit ihren Eltern am frühesten Morgen zur Fabrik gehen. Viele Kinder arbeiten selbst die Nacht hindurch. Hunter schildert die Folgen dieser grauenvollen Ausbeutung, die hier an den unglücklichen Geschöpfen geübt wird. Die Löhne, die den Kindern gezahlt werden, reichen kaum hin, die Kosten für ihre elende Nahrung zu decken. Elend und krank siechen sie, physisch und moralisch degeneriert, einem frühen Tode entgegen._ Vom Kriegsschauplatz. Tokio, 23. Juni. Amtlich wird mitgeteilt: In der Nähe Iingchang bedrängte am 21. d. M. feindliche Infanterie von 1000 Mann japanische Patrouillen. Als sie Hsingyanghen zehn Meilen südöstlich von Wankantzukan erreicht hatte, warfen japanische Truppen sie zurück, verfolgten sie, ihr schivere Verluste beibringend. In Weijuanpumen beendigten später japanische Truppen, welche am 19. Juni Jangmulinzu besetzt hatten, ihren Auftrag und kehrten dann zurück. Feindliche Truppen, aus drei Bataillonen, vier Schwadronen und zwölf Geschützen bestehend, rückten durch östliche Distrikte auf der nach Kirin führenden Straße vor, bewegten sich dann südwärts. Am 21. Juni um 11 Uhr 30 Minuten vormittags ab erschien feindliche Infanterie allmählich auf den Höhen zwischen Chapengan und Lichiatun, während feindliche Artillerie auf den Höhen von Lienhuchien Stellung nahm und die nördlichen Höhen von Nanchentzu beschoß. Nach mehrstündigem Gefecht machten Japaner Sturmangriffe aus die Höhen, warfen den Feind vollständig zurück, nahmen die Höhen und verfolgten den Feind. Sonst ist die Lage un- verändert. Port Arthur. London, 23. Juni. Im Unterhause erklärte Unterstaats- sekretär des Aeußeren P e r c y, von den japanischen Behörden in Port Arthur sei keine Anweisung ergangen, daß die englischen und amerikanischen Firmen Port Arthur zu verlassen hätten. Streikrevolution in Lodz. Ueber die Ereignisse in Lodz am 29. und 21. erhalten wir folgende Mitteilungen: Lodz, 20. Juni.(Eig. Ber.) Heute um 6 Uhr nachmittags be- gann eine gewaltige Demonstration, die fast bis dVa Uhr abends dauerte. Die sozialdemokratische Arbeiterschaft von Lodz geleitete die am letzten Sonntag gefallenen Opfer der Zarenschergen zur Ruhe. Am Sonntag, den 18., hatten die Sozialdemokraten einen sogenannten „Mai-Ausflug" arrangiert(d. h. eine in Russisch-Polen übliche Form der Massenversammlung im Freien, außerhalb der Stadt), der in dem Lagiewniler Forst stattfand und wo vor der versammelten Arbeitermenge mehrere Agitationsreden gehalten wurden. Nach Schluß der Versammlung ging die sozialdemokrattsche Arbeiterschaft mit entfalteten Parteifahnen bis zum ZgierSki-Forst, hier, auf halbem Wege vor der Stadt, wurden die Fahnen zusammengerollt und der Massenzug kehrte in kleineren Gruppen in die Stadt zurück. Eine Gruppe ging mit entfalteter Fahne bis in die Stadt hinein. Hier, an der Ecke der Lagiewniker- und der Müllerstraße, in dem Stadt- viertel Baluty, wurden die Genossen von einer Kosakenpatrouille attackiert, wobei zehn Personen getötet, mehrere verwundet wurden, darunter ein zweijähriges Kind! Der Vorfall rief in der Arbeiter- schaft eine ungeheure Erregung hervor. Die Sozialdemokratte be- schloß sofort, ein demonstratives Begräbnis zu arrangieren, als politischen Protest, und begann gleich eine energische Agitation in den Fabriken. In Warschau und in Lodz wird jetzt die Agitation ganz offen in den Fabrikhöfen betrieben, wo beim Erscheinen sozial- demokrattscher Redner der Betrieb eingestellt und die Arbeiterschaft im Hofe versammelt wird. Solche„Fabrilversammlungen", an denen Hunderte und Tausende teilnehmen, finden jetzt täglich statt— bald in der einen, bald in der anderen Fabrik, so daß die Polizei den Kampf dagegen ganz aufgegeben hat, die Fabrikanten aber lassen gewähren aus Furcht vor der Arbeiterschaft. Schon am Mittag des 20. blieb ein Teil der Fabriken stehen, der Rest im Laufe des Nachmittags. Die Arbeiterschaft strömte zu- sammen auf dem Kirchplatz. Auch das Militär besetzte dicht die Sttaßen, doch schritt es nicht ein. Die größte Schwierigkeit für die Partei war, sich der Leichen der ermordeten Arbeiter zu be- mächtigen, die in verschiedenen Orten lagen und von der Polizei be- wacht wurden. Schließlich gelang es, fünf Särge in der Brzesinska- straße zusammenzubringen und von hier aus begann der Zug. Schon am Anfang' zählte er 28 000 Personen. An der Spitze wurden die Fahnen getragen, eine schwarze und zwei rote Fahnen der Sozial- demokatie. Der Zusammenstoß mit den Kosaken schien unterwegs an mehreren Stellen unvermeidlich und einmal brach schon in einer Gruppe des riesenhaften Zuges die Panik ans. Aber die Masse war so entschlossen und fest, daß sie nicht einen Schritt zurück- weichen wollte. Um die Erschrockenen und Schwankenden wurden sofort Rufe laut:„Nicht zurückweichen I Wie eine Mauer stehen I" Und der Zug bewegte sich mit Gesang der„Roten Fahne" und revolutionären Rufen weiter. Die Haltung und Stimmung der ungeheuren Masse im Zuge, der an jeder Straßenecke eine Patrouille Soldaten und Polizei kreuzte, war überhaupt bewundernswert. Wie der Kopf des Zuges bereits in den Friedhof einmündete, mußte der Zug, weil der Friedhof nur einen Teil der Menge aufnehmen konnte, Halt machen, und das benutzten die Redner der Sozialdemokratie sofort zu zwei Agitationsreden: über die politische Lage und die Aufgaben der Revolution und über die Stellung der Sozialdemokratie zu den Soldaten. Die Reden wurden mit brausender Begeisterung aufgenommen. Auf dem Friedhof selbst wurde noch eine sozialdemokrattsche Rede über die Haltung des Klerus in der gegenwärtigen Revolutton gehalten. Schließlich wurden die Fahnen zusammengerollt und die Masse zerstreute sich truppweise ohne Zwischenfall. Ueber das Blutbad des folgenden Tages berichtet uns etat zweite Korrespondenz: Lodz, 21. Juni.(Eig. Ber.) Mit furchtbarer Genauigkeit wiederholte sich heute hier das Schicksal der Warschauer Maidemonstratton: Wir sind vom Militär in tückischster Weise in eine Falle gelockt worden! Heute sollte nämlich noch eins von den Opfer» der Schlächterei am Sonntag begraben werden. Die Arbeiterschaft war schon vor 6 Uhr nachmittags in unzähligen Tausenden m der Altstadt versammelt. Nun stellte es sich heraus, daß die Polizei sich Nachts der Leiche bemächtigt und in aller Stille begraben hatte. Die Arbeiterschaft geriet bei dieser Nachricht in Erregimg. Die Partei wollte angesichts des vereitelten Begräbnisses von der Demonstratton Abstand nehmen, doch wollten die versammelten Massen vom Auseinandergehen nichts hören. Der Zug setzte sich also in Be- wegung. In der Franziskanerstraße wurden die Fahnen entfaltet. Unterwegs strömten immer neue Massen zu, bald war fast das ganze proletarische Lodz im Zuge versammelt und die Begeisterung kannte keine Grenzen. Unterwegs suchten die Militärpattouillen absichtlich uns überall aus dem Wege gehen, sogar die Polizei zeigte freund» liche Mienen und nickte uns zu mit den Köpfen. So gelangte der Zug aus de» breiten„besseren" Straßen in die engen Gassen des Arbeiterviertels. Nach dem Verhalten der Soldaten die ganze Zeit über hatte niemand einen Gedanken mehr an einen Ueberfall gehegt; vertrauensvoll marschierte die singende Arbeiter- schaft. Und nun plötzlich, wie wir in den engen Gassen uns durch- pressen, stellt es sich heraus, daß vorn Kosaken den Weg versperren und hinten Militär bereits den Rückzug abgeschnitten hat. Auch alle Querstraßen waren dicht von den Schergen besetzt, um ein Eni- kommen unmöglich zu machen! Und da begannen die Salven zu krachen ohne jede Aufforderung zum Auseinandergehen oder die übliche Warnung! Eine furchtbare Panik brach aus. Die Menschen drängten sich so, in vergeblicher Mühe, den mordenden Kugeln zu entrinnen, daß viele dem Ersticken nahe waren. Manche suchten zu entweichen durch angrenzende Stacheldrahtzäune. Die Haustore wurden erbrochen und man rettete sich in die Haushöfe. Aber die Soldateska schoß auf die Fliehende» und bald lagen Haufen von Leichen und Verstümmelten vor und in den Hausfluren. Die Zahl der Opfer genau anzugeben, ist in diesem Augenblick unmöglich. Es werden jedenfalls nicht woniger als 100 sein. Wir wissen in diesem Augenblick nicht einmal, wie- viel und welche von unseren Agitatoren der Schlächterei zum Opfer gefallen sind, sicher ist nur, daß wir schmerzliche Verluste haben.... Als Antwort auf diese Greuel Proklamiert die Sozialdemokratie in diesem Augenblick für den Freitag, 23., den Generalstreik. *» � Ueber die Vorgänge am Freitag fehlen ausführliche Nachrichten. Der telephonische und telcgraphische Verkehr scheinen gestört. Bürgerliche Blätter melden aus Warschau, daß in Lodz Auf- rühr herrsche. So wird dem„Tag" telegraphiert: In Lodz herrscht blutiger Ausruhr. Eine ungeheure Bolls- menge flutet in höchster Erregung durch die Straßen. Das Militär feuert; es gibt bereits viele Tote und Verwundete. Die Polizei ist völlig machtlos. Nach der„Voffischen Ztg." telegraphiert Lodz: Barrikadenkampf! Aus Warschan selbst melden die Blätter: In der Nalewski- straße kam es zu einem Straßenkampf zwischen Polizeiagcnten und Revolutionären. Drei Tote und viele Verwundete. Das Stadt- viertel wurde militärisch besetzt. ....-» Streikdemonstration in Warschau. Warschau, 23. Juni.(Meldung der„Petersburger Telegraphenagentur".) Heute mittag ist in fast allen Fa- briken die Arbeit eingestellt worden wegen der heutigen Prozeßvcrhandlung gegen Okrzeja, der am 26. Mai dieses Jahres im Hofe der Pragaschen Polizeiverwaltung eine Bombe zur Explosion gebracht hatte. Bei dem Anschlag waren sechs Personen verletzt worden. Okrzeja war verhaftet worden, nach- dem er auf der Flucht noch einett Polizisten getötet hatte. * Die verbotene Zarenrede. Petersburg, 23. Juni. Die Oberpreßbehörbe untersagte den Zeitungen, fernerhin die Rede des Kaisers an die Semstwo-Afel Ordnung zu interpretieren. Als Grund wird angeführt, einige Blätter hätten die Worte des Kaisers, obgleich fie nicht den ge- ringsten Hinweis auf die Möglichkeit einer Aenderung der Staats- grundsätze enthielten, doch dahin ausgelegt, daß die Einberufung einer Bollsvertretung auf Grundlage», wie sie in den lonstitutiK- nellen Staaten Westeuropas bestehen, bevorstehe. Die Zensur sorgt wenigstens einmal für wirkliche Auf- klärung über den Sinn der zaristischen Versprechungen, die in der Tat inhaltlos sind. • k• j Zensurverbote. Petersburg, 23. Juni.(Meldung der„Petersburger Tele- graphenagentur".) Der Minister des Innern hat die Herausgabe der Zeitung„Russ" für einen Monat verboten. Hub Induftrie und Handel. Steigerung der Lebensmittelpreise. Die Wirkungen der mit dem Jahre 1906 beginnenden Zollwucher» tarife erscheinen um so gefahrdrohender, als schon seit Frühjahr 1804 eine dauernde Erhöhung der Lebensmittelpreise eingetteten ist. Fast alle Waren haben sich dem Vorjahre gegenüber verteuert. Der Getreidepreis steht, außer bei Weizen, ganz be- deutend über dem Niveau des Vorjahres. Weizen notierte nämlich Mitte Juni 1901 pro Tonne 178 M. und fiel auf 174>/s M. im Juni des laufenden Jahres. Dagegen ist der Preis für Roggen erheblich hinaufgegangen. Im Laufe des Juni 1908 stieg der Roggenpreis um zirka Z'/e M. Auffallend ist auch die Preisnotierung bei Mais; für die Tonne geringerer Qualität betrug der Preis- aufschlag Mitte Juni gegen die gleiche Zeit des Vorjahres etwa 17 M. I Sehr verschiedenartig hat sich weiter das Preis- niveau für Kartoffeln sowie für Butter und Eier entwickelt. Trotzdem man im Juni des Vorjahres schon einen Ausfall des Kartoffelertrages befürchtete und den Preis entsprechend hoch fest- setzte, hat der Stand des Juni 1906 den des Vorjahres schon fast um die Hälfte überschritten. Mitte Juni 1904 kostete nämlich 1 Doppelzentner Kartoffeln zwischen 2,80 und 4,80 M., während man im Juni dieses Jahres 4 beziehungsweise 9 M. be- zahlen mußte. Im Mai hatte der Preis sogar 10 M. bettagen. Butter pflegt sonst immer erheblich billiger um diese Jahreszeit zu werden; der Preis flaute im Vorjahr um zirka 8 M. pro 80 Kilogramm ab; in diesem Jahre fand nun ein Preisaufschlag von 8 M. für dasselbe Quantum statt. Auf- fällig ist die Preisbewegung für Eier. Steigerte sich schon im Mai und Juni 1904 der Preis pro Schock um zirka 20 Pf., während die Nähe des Sommers gewöhnlich eine Verbilligung zu bringen pflegt, so stieg im lausenden Jahre der Eierpreis gar um 50 bis 60 Pf. Gefallen ist, entsprechend der Bewegung bei Weizen, der Preis für Weizenmehl, während er sowohl gegenüber dem Vor- monat als auch gegenüber dem Vorjahr bei R, o g g e n m e h l ge. stiegen ist. Wie schon in den Vormonaten steht der Preis für Zucker auch im Juni noch bedeutend über dem Niveau des Vorjahres. Nüben- rohzucker stellte sich im Juni IVOS auf 23,60 M. gegen 18 M. im Parallelmonat 1304. Gleichzeitig, allerdings mit geringeren Schwankungen, verlief die Bewegung bei R a f s i n a d e. Da jedoch der Abstand gegenüber dem Jahre 1304 geringer wird, so ist mit einer Verbilligung des Zuckers zu rechnen. Einesteils ist der Anbau von Zuckerrüben beträchtlich gewachsen, weiter ist der Markt so aus- reichend mit Vorräten versehen, dost das Angebot die Nachfrage reichlich decken kann. Die Preisgestaltung am Vieh- und F l e i s ch m a r k t e ist ziemlich einheitlich. Entsprechend den Auf- schlügen bei Schlachtvieh im Vergleich zum Vorjahre ist auch der Preis für Fleisch, besonders für Schweinefleisch, gestiegen. Die Differenz beträgt für letzteres gegen 1904 gut und gerne 15—20 Pf. pro Pfund. Vor kurzem haben wir bei einer eingehenden Darlegung der Ursachen der Fleischteuerung darauf Hingewiese», das; wir noch nicht ain Ende der Preissteigerung sind. ES ist nicht ausgeschlossen, dos; der Herbst eine Fleischnot mit sich' bringen wird, wie wir sie seit langen Jahren nicht kennen gelernt haben. Um so unverfrorener ist die agrarische Behauptung, das; die deutsche Landwirtschaft der Nachfrage nach Schlachtvieh auf die Dauer zu genügen vermag. Staatliche Lebens- und Ardeiter-Lebensversichcrung. Eine staatliche Lebensversicherung besteht bisher nur in den Ländern Neuseeland und Dänemark. Die dänische Staats- anstatt für Lebensversicherung ist bereits im Jahre 1870 gegründet worden. Sie ist eine Zwangsversichcrungskasse für die Staats- beamten, kann aber in» übrigen von jedermann benutzt werden und übernimmt sowohl allgemeine Lebensversicherungen wie Rentenversicherungen. Die Staatskasse garantiert die Verpflichtungen. Die Staatsanstalt soll keine Ueberschüsse für die Staatskasse ablverfen z ihre Verwaltung hat sie selbst zu bezahlen, was aber an Gewinn erzielt wird, fließt an die Ver- sicherer in der Form von Bonus zurück. Nach dem ersten„BonuSgcsetz", im Jahre 1389 erhielten die Versicherer 4l/z Millionen Kronen Gewinnanteile ausbezahlt. Nach einem Gesetz vom Jahre 1893 findet alle fünf Jahre eine Verteilung der Ueberschüsse an die Versicherer statt. Die Bersicherungssummen'der Staatsanstalt betrugen in runden Summen im Jahre: für die Lebensversicherung: Nentenversicherung 1878 28 Millionen Kronen 3Vz Millionen Kronen 1889 44„„ 4Va 1900 87„„ 58/4 Außer der Staats anstatt sind in Dänemark über ein halbes Hundert private Lebcnsversicherungs-Gefellschaften tätig, größtenteils ausländische. Sie arbeiten in der bekannten, mehr oder minder anständigen Manier mit einer großen Zahl von Agenten. General- agenten, Subdirektorcn und Direktoren, die selbstverständlich einen großen Teil der Prämien verschlucken, während die Staatsanstalt laut Gesetz nicht mehr als l'/� Prozent der Versicherungssummen für Agentenproviston ausgeben darf und natürlich auch ihren Beamten nicht die horrenden Gehälter zahlt, wie sie die Direktoren der Privat- gesellschaften zu beziehen pflegen. Die Tätigkeit der Privatgesellschaften ist übrigens in Dänemark glücklicherweise durch das Gesetz vom Jahre 1904 erheblich eingeschränkt worden. Durch dieses Gesetz ist eine Staatsbehörde, der„VersichcrüngS- rat" eingesetzt worden, der darüber zu wachen hat. daßdie Versicherungs- gesellschaften dem Publikum die erforderlichen Garantien bieten. Die erste Wirkung dieses Gesetzes war, daß eine'Versicherungsgescllschast, „MundnS" sich mit der kapitalkräftigen„Hafnia" vereinigen mußte. Einer ausländischen LebenSversicherungs-Gesellschaft, gegen deren schwindelhastcS Gebaren„Social-Demokratcn" schon seit längerer Zeit aufgetreten ist, der in Kanada ansässigen„Brüderschaft": „Inckpenclorrt Ordsr'okjlTorssters" ist ihre Tätigkeit in Dänemark vor kurzem überhaupt verboten worden. Mit der Staatsanstalt ist seit etwa anderthalb Jahren eine Arbeiter-Lebe n sversich er ungS- Gesellschaft ver- bunden. Sie wurde gemeinsam von den dänischen Gewerkschaften und Arbeiter-Krankenkasscn niit einem Betriebskapital von 10 000 Kronen in Anteilen zu 60 Kronen gegründet. Ihre Tätigkeit besteht wesent- lich darin, daß sie die Versicherungsprämien wöchentlich von den Versicherern einzieht und sie halbjährlich an die Staatsanstalt abführt. Es sind vorläufig drei Arten von Ver- ficherung eingeführt: Allgemeine Lebensversicherung, zahlbar bei Tode des Versicherers; Lebensversicherung, die bei Erreichung eines bestimmten Alters oder im Todesfall ausbezahlt wird, und Kapital- Versicherung(Kinder- und Brautansstener-Versicherung), auszuzahlen nach einer Anzahl von Jahren oder im Todesfall, wenn er früher eintritt. In seiner letzten Session lag dem dänischen Reichstage ein Re- gierungSentwurf über S t e m p e l f r e i h e i t der Policen der Arbeiter- Lebensversicherung vor. Er wurde im Folkething ein- stimmig angenommen, kam jedoch im Landsthing noch nicht zur Erledigung. Ein Antrag auf Befreiung von Stenchelgebühren ist bereits bei Gründung der Arbeiter-VersicherungSgesellschaft gestellt worden, konnte jedoch wesentlich formeller Schwierigkeiten wegen nicht ohne lvcitcres durchgeführt werden. Die Beseifigung der privaten Gesellschaften ist für die weitesten Kreise zur dringenden Forderung geworden, die durch die günstige Entwickelung der staatlichen Versicherung erfolgreich unterstützt wird. Ge�erkscdaftttckes. Eiapopeia i „Soziales Verständnis" nennen's unsere Ideologen gern, wenn der eine oder andere Privatkapitalist in seinem Betriebe Einrichtungen geschaffen hat. die den Arbeitern scheinbar er- möglichen, über ihre eigenen Angelegenheiten mit zu entscheiden. Die guten Leute und schlechten Musikanten glauben selbst und wollen deshalb auch andere glauben machen, der Kapitalismus wäre tvirklich fähig, solche Institutionen int Interesse der Arbeiterschaft zu schaffen. In Wirklichkeit handelt es sich immer darum, durch dieselben weitergehendere Forderungen der Arbeiter hintanzuhalten, nicht ein Mittel zum Fortschritt, sondern eine Bremse für denselben bedeuten die unter dem Vorsitz des Unternehmers tagenden Fabriks-Parlaniente, deren wirklich wertvolle Beschlüsse ein Veto der Kapitalisten wieder zu Nichte macht. Die Schöpfer derartiger Institutionen verraten nur insofern„soziales Verständnis", als sie wissen, wie man den nicht zum Klassenbewubtsein erzogenen Arbeiter zu nehmen hat und wie man im eigenen Geldsacksintercsse Konflikte mit der Arbeiterschaft nach Möglichkeit hinausschiebt. Ein Schulbeispiel dafür bietet die Leitung der„Großen Berliner Straßenbahn". Vor dem großen Straßenbahnerstreik dachte die Direktion derselben an gar keine Verhandlungen mit ihrem Personal; jetzt arrangiert sie selbst solche. Zu welchen! Zwecke und mit welchem Erfolge, beweist eine direktionsfreundliche Zeitungs- korrespondenz. Nach dieser fand dieser Tage eine Vertrauensmänner- Konferenz der Schaffner und Fahrer mit der Direktion statt. Herr Direktor Marhold bedauerte in derselben, daß wiederum die weitgehenden(!) Forderungen auf Verkürzung der Dienstzeit für Schaffner und die Erhöhung der Fahrerzulagen sowie die Forderung auf Mitwirkung bei Entlassungen gestellt seien, über die er nach den schon früher abgegebenen Erklärungen eine Erörterung nicht zulassen könne! Nachdem so alles wirklich Wertvolle rund heraus abgelehnt worden war, wurde den Ersatz- und Reserve- leuten eine Lohnaufbesserung von sage und schreibe 13 Pf. täglich zugesagt(sie sollen in Zukunft den für Berlin horrenden Tagelohn von— 3 Mark erhalten!) und dann wurden noch eine Anzahl„wohlwollender" Erwägungen versprochen! Eiapopeia! Mit„wohlwollenden Erwägungen" betrügt man bei einem solchen System die Arbeiterschaft um wertvolle und greifbare Verbesserungen ihrer Lebenshaltung. Ob dauernd? Wir glauben und hoffen, daß das Verständnis der Arbeiterschaft für ihre Klasscnlage durch solche Mätzchen sich nicht ewig einlullen läßt. Es bleibt ein so großer und wertvoller Rest von Forderungen, deren Erörterung der Kapitalismus„nicht zulassen kann", daß die Notwendigkeit der Organisation der Arbeiterschaft auch bei diesem System mit der Zeit aufdringlich klar werden niuß! Serlin und llingezend. Zur Lohnvewcgiing der Friscurgehiilfcn. Auch die kleine Barbier- und Heilgehiilfen-Jnmmg hat dem Vernehmen nach beschlossen, ihre Mitglieder auszuschließen, wenn sie die Forderungen der Gehülfen bewilligen. Diese Innung mit ungefähr 125 Mitgliedern beschäftigt 75 Gehiilfen und 90 Lehrlinge. Ihr Beschluß ist um so kühner, wenn man bedenkt, daß die Mitglieder ihr Domizil ausschließlich in Arbeitervierteln haben und auch zum Teil politisch organisiert sind. Die Groschen der Arbeiter nimmt man und legt eine möglichst große Arbeiterfreundlichkeit an den Tag, um dann hinterher in der Praxis das gerade Gegenteil zu üben. Die der großen Innung angehörigen Jnnungsmeister, welche schon bewilligt haben, werden jetzt persönlich durch Beauftragte bearbeitet, die Plakate aus dem Schaufenster zu entfernen; bis sitzt indessen erfolglos. Einige Beschlüsse der Innung gestatten wir uns tiefer zu hängen: 1.„Diejenigen Gehülfen, welche als sogenannte Agitatoren anzusehen sind, sind dem NachweisungS- bureau bekannt zu geben." 2.„Den zurzeit ungerechtfertigten Forderungen der Gehülfen, besonders hinfickirlich der Lohnforderung, ist in allen Innungen ab- weisender Bescheid zu geben." Daß unter diesen Umständen der Kampf der Friseurgehülfen ein äußerst schwieriger ist, ist einleuchtend, die moralische Unter- stützung der organisierten Arbeiter daher dringend notwendig. Achtet auf unsere Erkennungszeichen. Die Gehülfen müssen im Besitz der roten, mit weißem Kreuz versehenen Kontrollkarte sein. T e t e r, Nixdorf, Ncuterstr. 47, ist nunmehr als geregelt zu betrachten.— Die Bewilligung verückgezogen resp. durchbrochen haben: E r st l i n g, Veteranenstr. 23; N e e s k e, Rodeubergstr. 2; Hallas, Tresckowstr. 38; Paul, Ebertystr. 8; K o lereius, Schlesischestr. 25 und Lamprecht, Wasserlorstr. 15. Die Plakate sind diesen Firmen entzogen worden. Die Lohnkommisfion. Die Modelltischler haben beschloffen, ihren Streik aufzuheben, da nach Lage der Sache Erfolge nicht mehr zu erwarten sind. Achtung! Holzarbeiter. Die Unternehmer in Ki ei haben einen Agenten nach Berlin gesandt. Arbeitswillige anzuwerben. Die Kollegen wollen alle Anwerbungsversuche zurückweisen und Zuzug nach Kiel fernhalten. Die Ortsverwaltung. Achtung, Fliesenleger! Die Firma Deneke u. Co., Friedenau, Niedstraße, ist für Fliesenleger gesperrt. ES handelt sich um den Bau der Secession am Kurfürstendamm. Vereinigung der Fliesenleger. Die Arbeitgeber im Kürschnergcwerbe wollen sich koalieren. Man berichtet uns darüber: Behufs Konstituierung eines Arbeitgeber- Verbandes der Pelzwarenbranche von Berlin zum Schutze ihrer Interessen und zur Abwehr gegen die angeblich unberechtigten Forde- rungen der organisierten Kürschner, die bekanntlich soeben in eine Streikbewegung eingetreten sind, fand gestern abend eine Zusammenkunft von Interessenten statt, in der, wie die„Neue Pelzwaren-Zeitung" be- richtet, beschlossen wurde, zu Dienstag, den 27. d. M., eine Haupt- Versammlung sämtlicher Arbeitgeber der Pelzwarenbranche einzu- berufen. 80 hiesige Fabrikanten, unter denen sich die größten Firmen am Platze befinden, haben bereits ihren Beitritt zum Arbeitgeber- verbände und zur Genehmigung des vorgelegten Statuten-Entwurfs erklärt. OeutM,«» Rc(d>. Noch rinr Bauarbeiter-Aiissperning in Sicht! Ans Plauen im Vogtland meldet ein Telegramm: Der„Neuen Vogtl. Ztg." zu- folge hat der Arbeitgeberverband für das Baugewerve in Plauen beschlossen, von Freitagabend ab über alle Bauten die Sperre zu verhängen als Antwort auf den von den Maurergehülfen inszenierten teilweisen Streik. 1100 Arbeiter werden dadurch betroffen. Ruf der„Friedrich WilhclmS-Hütte" bei S i e g b n r g(Rheinl.) waren große Differenzen ausgebrochen. Die Direktion hatte alle Unterhandlungen rundweg abgelehnt, und es war ziw Kündigung sämtlicher Hochofen-, Walzwerks- und Puddelofenarbciter gekommen. Nunmehr hat sich die Direktion doch eines anderen besonnen. Sie hat mit der Kommission verhandelt und gemäß Anschlag im Werk die Wünsche und Forderungen der Arbeiter bewilligt. Die Metallarbeiter in Bayern im Kampfe um das Koalitionsrecht. Wie die Nürnberger(siehe Nr. 142 des„Vorw.") haben auch die Münchener Metallarbeiter das Ergebnis der neuerlichen Einigungsverhandlungen ei n st im m ig abgelehnt und ebenso einmütig beschloffen, den ihnen aufgedrungenen Kampf wie bisher wetterzujühren. Die Streikenden und Ausgesperrten haben in Rücksicht darauf, daß durch die Bewegung weitere Kreise in Mit- leidenschast gezogen werden könnten, ihre Tarifvorlage zurückgezogen und sich mit einer 10 prozcntigcn Lohn- erhöhung(die 57 stündige Arbeitszeit kommt in München nicht in Betracht, da diese in der Maschincnbranche schon seit Jahren eingeführt ist) zufrieden gegeben und damit den Industriellen da? lveitgehcndste Entgegenkommen gezeigt, ja man hätte sich schließlich um des lieben Friedens willen auch noch mit dem Zugeständnis, die Löhne von 1—3 Pf. nach eigenem Er- messen aufzubessern, abgefunden, wenn die Maschinenprotzen die be- stimmte Erklärung abgegeben hätten, daß Maßregelungen nicht eintreten und die Arbeiter, wie sie austraten oder hinaus- geworfen wurden, wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren könnten. Aber nachdem der erwartete Erfolg des den Arbeitern vorgelegten Schand-Reverses ausblieb, wollen die Stunimlinge bei der Wieder- ausnähme der Arbeit eine Auslese vornehmen und damit auf Umwegen zu ihrem Ziele kommen, nämlich dem Metallarbeiter- Verband in den Fabriken den Boden zu entziehen. In dieser Be- ziehung steht der Oberingenieur Wirth, der Vertreter des baye- rischcn' Akticnkönigs NeichSratS Ritter v. M a f f e i an der Spitze. DäS darf und wird dem profitgierigen Maschincnprotzentmn nie und nimnier gelingen. Daß in diesem gewaltigen Kampf uni das Koalitionsrecht auch den JnnungSkrautern der Kamin schwillt, wirkt, wenn auch komisch, doch einigermaßen verwunderlich. Diese sonder- baren Kauze, die dem Handloerk durch Einführung des BefähignngZ- Nachweises den goldenen Boden zurückgewinnen wollen und jahraus jahrein darüber jammern, daß sie mit Haut und Haar von der Großindustrie aufgefressen werden, diese gleichen Leutchen leisten nun in ihrer Beschränttbeit diesem ihrem größten Feind Hülfe. Sowohl die Schloffermeifter- als auch die Knpferschmiede-Junnng habe» die im vorigen Jahre mit ihren Arbeitern vor dem Gewcrbegerichte ab- geschlossenen Tarifverträge g e k ü n d i g t. Das Maschinenprotzentum und die JnnungSkrauter sind also ein Herz und eine Seele; ob diese edle Harmonie von langer Dauer sein wird, wird sich vielleicht schon in Bälde zeigen. Eine außerordentliche Delegiertensttzung des München« Gewerkschaftsvereins hat zu dem Kampf der Metallarbeiter Stellung ge- nommen. Am Montag finden in den drei größten Sälen München» Volksversammlungen statt, in Nürnberg werden sogar 17 Versammlungen abgehalten, die entsprechende Beschlüsse fassen werden. Der Kampf der Metallarbeiter Bayerns um ihr Koalitions- recht wird nunmehr von der gesamten organisierten Arbeiterschaft Deutschlands geführt werden. Der freche Angriff der Scharfmacher« sippe auf das Koalitionsrecht muß mit Erfoig abgeschlagen werden. Bauarbciter-AuSspcrrung in München. Ein Privattelegramm meldet uns: München. 23. Juni. Etwa 4000 Maurer, Zimmerer und Tagelöhner wurden heute ausgesperrt. Die Aussperrung erstreikt sich auch auf Nicht-Bcrbandssirmcn. HuaUnd. Allgemeine Lohnbewegung der Textilarbeiter Dänemarks. Am 1. Juli endet der im Jahre 1902 abgeschlossene Tarifvertrag der dänischen Textilarbeiter. Vergebens hat ihre Organisation versucht, die Fabrikanten für eine annehmbare neue Regelung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse zu gewinnen. ES wird wahrscheinlich zu einem allgemeinen Lohnkampf kommen. Die gesamte organisierte Arbeiter» schaft Dänemarks ist bereit, die Weber in ihrem Kampfe für Ver» besserung ihrer erbärmlichen Lohnverhältnisse zu unterstützen. Versammlungen. Die Sektion der Töpferträger vom Verband der baugewerbliche» HülfSarbeiter hielt am Montag in der Roscnthalerstrahe 57 eine Versammlung ab, in der zunächst über die Vorschläge der letzten Vertretersitzung zur Schaffung des neuen Ortsstatuts berichtet wurde. Es handelt sich um die Anpassung des Ortsstatuts an das Verbands- statut in seiner auf dem letzten Verbandstag erhaltenen Fassung. Die Mehrheit der Versammelten stimmte gegen die Vorschläge der Vcrtretersitzung, anscheinend aber nur deshalb, weil sie kein schrift- liches Exemplar in ihren Händen hatten, sondern der Statuten» Vorschlag nur vorgelesen und kurz erläutert worden war. Ein« der Abstimmung vorhergehende Geschäftsordnungsdebatte ließ das erkennen. Die Tariffrage war der nächste Punkt der Tagesordnung. Der Vorsitzende teilte mit, daß nach Meinung der Sektionsleitung schon jetzt mit den Vorarbeiten zur Tarifbewcgung begonnen werden sollte, damit diese in den gewöhnlichen Monatsvcrsammlungen erledigt werden könnten. In der Diskussion wurde die Notweirdigkett eines neuen befferen Tarifcs an verschiedenen Beispielen nachgewiesen. Man beschloh dann, eine Lohnkommission zu wählen und sie mit den Vorarbeiten einer Tarifänderung, die die Mißstände beseitigt, zu betrauen. In die Lohnkommission gewählt wurden H a s s e l m a n n. Hagen, Seifert, Janicke, Zeschmann, Sorge und W o i d a.— Dann erledigte die Versammlung noch einige Vereins» angelegenheiten._ Letzte INacbrichtcn und Dcpefcbcn. Wien, 23. Juni.(W. T. B.) Abgeordnetenhaus. In fort» gesetzter Beratung des Budgetprovisoriums sprach heute unter anderen Schönerer(Alldeutsche Vereinigung). Er protestierte namens der Alldeutschen gegen die vom Ministerpräsidenten angekündigte Ein» führung der inneren tschechischen Amtssprache, wodurch dieser sich offiziell als Totengräber der deutschen Staatssprache bekannt habe. Die Einführung der inneren tschechischen Amtssprache bedeute für die Tschechen eine wichtige Etappc in der Erfüllung ihrer staats- rechtlichen Bestrebungen, für die Deutschen aber das Ende jedweden Ansehens und jeder Autorität. Redner besprach sodann das Ver» hältnis zu Ungarn, bezeichnete die darauf bezüglichen Erklärungen des Ministerpräsidenten als inhaltlos, warf dem zur Prüfung dieser Frage eingesetzten Ausschusse Untätigkeit vor und legte dar, daß die vom ungarischen Llbgeordnetenhausc angenonimene Resolution Banffys, soweit sie sich auf die Verweigerung der Beitragsleistungen zu den gemeinsamen Ausgaben bezieht, rechtswidrig und ungesetzlich sei, weil ein beide Reichshälften betreffendes vom kMonarchen sank- tioniertes Gesetz nicht durch einseitigen Beschlutz des ungarischen Abgeordnetenhauses aufgehoben werden könne. Deshalb unter- breite er, Redner, einen Dringlichkeitsantrag, welcher besagt: Das Abgeordnetenhaus spricht sich für die Aufhebung der bestehenden Gemeinsamkeit mit Ungarn aus. Die Regierung wird aufgefordert. die entsprechenden Vorarbeiten hierfür zu unternehmen. Redner trat endlich für die Aufhebung des Paragraphen 14 ein, verlas das alldeutsche Programm, welches in der bundesrcchtlichen Angliederung Dcutsch-Ocstcrreichs an das Deutsche Reich gipfelt und brachte ein Hock) auf Kaiser Wilhelm aus. Er erklärte, die Alldeutschen seien überzeugte Anhänger Bismarcks und schloß mit dem Rufe: Heil Alldeutfchlandl Im weiteren Verlaufe der Sitzung folgen tatsächliche Berich- tigungen. Wegen Beschimpfungen der Generalität, die Graf Stern- berg sich bei seinen Ausführungen zuschulden kommen läßt, wird er dreimal zur Ordnung gerufen, dann wird ihm das Wort entzogen. Das Budgetprovisorium wird hierauf dem Budgetausschutz über- wiesen. Es folgt die Beratung des heute eingebrachten Dringlichkeits- antrages des Abgeordneten Schönerer. Nachdem Schönerer seinen Antrag begründet, erklärt Ministerpräsident Gautsch, die Regierung werde sich an der Beratung des Antrages nicht beteiligen. Bei der Abstimmung über den Antrag ergibt sich Beschlutzunfähigkeit des Hauses und die Sitzung wird deshalb geschloffen. Die Alldeutschen rufen: Eljcn Kossuth! Abgeordneter Jro stimmt die Volkshhmne an.— Nächste Sitzung am Wontag. Kabinettskrise in Ungarn. Budapest, 23. Juni.(W. T. B.) Das Kabinett Fejcrvarh hat seine Entlaffnng eingereicht, doch wurde diese nicht angenommen. Barritadenkämpfe. Lodz, 23. Juli.(W. T. B.) Hier kam es heute zu Straßenkämpfen. Barrikaden wurden errichtet, die vom Militär im Sturm genommen wurden. 50 Personen wurden getötet nnd 200 verwundet. Es herrscht allgemeiner Ausstand. Der Kriegszustand soll verhängt werden. Zu den Friedensverhandlungen. Washington, 23. Juni.(Meldung des„Reuterschen Bureaus".) Aus amtlichen Quellen verlautet, daß die ruffisch-japanischen Ver» Handlungen infolge einer Erkrankung des Grafen Lamsdorff einen unbedeutenden Aufschub erfahren haben. Präsident Roosevelt habe die Nntlvort Rußlands auf seine letzten Vorstellungen, welche ver- mutlich den Abschluß eines Waffenstillstandes betrafen, noch nicht erhalten. Der Anfschnb bedeute jedoch keine Stockimg der VerHand- lungen._ Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Guntschulin, 20. Juni.(Meldung der„PeterStnksn Telegraphen-Agentur".) Die Nachricht des„Daily Telegraph" ans Tokio, das, die Armee Liencwitsch von den Japanern von allen Seivm umzingelt sei, ist vollständig unwahr und erfunden. Die Ja» paner stehen vor der Linie der russischen Süd» front, die Russen Ange in Auge mit dem Feinde und bewachen jeder seiner Bewegungen.(Diesem echt rnssischen Depeschenstil nach zu urteilen scheint eine entscheidende Schlacht un- mittelbar bevorzustehen.) Verantw. Red.: Franz Rehbein, Berlin. Jnseratevcrantw.(mit Ausnahme der.NeueWeIt".Beilage): TH.Glocke, Berlin. Druck u. Verlag- Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanst.Paul Singer& Co., Berlin SW; Hierzu? Betragen: Nr. 145. 22. Jahrgang. 1. SkilM des Joniiitlü" Ctrlintt WUisM Sonuabeud, 24. Juni 1905. Arbkitkr! Gedenkt der um ihr Kalllitionsrecht kämpfenden Agaretttnarbeltkr! Fünfte GenkratversaMnilnng des Verbandes der deutschen Kvchdrncker. D r e s d e n- N., 22. Juni. Bei Eintritt in die heutige Vormittags- Sitzung nimmt zunächst D ö b l i n das Wort, um das Wesen der Tarifgemeinschaft zu erörtern und gegenüber geschehenen Angriffen zu verteidigen. Freilich sei der Jdealzustand im Gewerbe noch lange nicht erreicht, aber nur auf dem eingeschlagenen Wege können wir ihn erreichen. Durch die Kündigung des Tarifes würden wir jenem Teil der Prinzipale, der nur widerwillig denselben anerkannt, eine will- lommene Handhabe geben, sich von den auf ihnen lastenden Ver- freizumachen. Er erblicke einen großen Fort- das Buchdruckgewcrbe sich in Streitfällen nicht zu Wir erblicken in der pflichtungen wieder schritt darin, daß seine Angehörigen laufen brauchen. das Mittel, die wirtschaftliche Lage der selbst regiert und den Gerichten zu Tariforganisation BerufSangchörigen zu sichern. Wenn die Unternehmer uns Konzessionen machen, so wollen fie dafür eine gewisse Ruhe im Gewerbe ein- tauschen. Redner zitiert Preßstimmen, aus denen ersichtlich, daß in anderen Gewerben, wo die Unternehmer nicht durch Tarife gebunden sind, sowohl Privatunternehmer wie staatliche Betriebe, weit selbst- herrlicher denken und handeln, als das unter unserer Tarifgemein- schaft der Fall sein kann. Es ist im Wesen der Sache begründet, daß die Leitung des Verbandes, Gauvorstände, Tarifamts-Beisitzer den besten Einblick in die Lage besitzen, und wenn noch die Vertreter der einzelnen Verbands-Sparten zur Vorberatung der vorliegenden Anträge sich zusammentun, wird dies für uns und die kommende Tariferneuerung ersprießlicher sein, als wenn die mancher- seits befolgte Taktik praktiziert wird, große Versammlungen damit zu beschäftigen. Bezüglich des Tarifabschlusses von Organisation zu Organisation empfehle er, den Vorstand zu beauftragen, mit den Prinzipalen in Verbindung zu treten und ihm die Entscheidung darüber zu überlassen, ob sich ein Abschluß des Tarifes von Organisation zu Organisation empfiehlt. Auch die Maschinenmeisterfrage kann bei einigem Entgegenkommen der be- teiligten Kreise unschwer gelöst werden. Alles in allem empfiehlt Redner die soeben verteilte Resolution und bittet, von größeren Debatten abzusehen. Er gibt gerne zu. daß noch manches zu erörtern bleibt, das aber zu den eigentlichen Tarifberatungen der berufenen Organe zurückgestellt ivcrden kann. lBravo I) Hamann- Berlin unterstützt den Antrag Hannover, nach welchem Stereotypeure, Galvanoplastiker ec. Aufnahme im Tarife finden. Ebel-Berlin greift auf einen vor Jahren im„Correspondent" gemachten Vorschlag zurück, Deutschland in Agitationsbezirke ein- zuteilen, wovon er sich eine bessere Erziehung der Mitglieder ver- spricht. Er akzeptiert den Vorschlag Döblins betreffend Vorberatung des zur Tarisberatung vorliegenden Materials unter Beiziehung der Gauvorsteher und verschiedener Spartenvertreter. Zopf- Berlin spricht an der Hand Berliner Vorfälle fiir die größere Berücksichtigung des Interesses der Maschinensetzer. Gegenüber den fortgesetzten Chikanicrungen mancher Arbeitgeber genießen sie in den bisherigen Bestimmungen des Tarifes und feines Kommentars nicht den genügenden Schutz. Diese gegenwärtige Rechtlosigkeit muß gründlich beseitigt werden. G i e s e ck e- Berlin meint, daß der Slkkordtarif gewissermaßen das Rückgrat der Tarifinstitution bilde und hält seine Abschaffung für untunlich. Bezüglich des Berliner sSchcrlschen) Adreßbuches liegt der von Massini angeführte Konflikt nicht so, wie dieser dargestellt, da der Satz vou einem Jahre zum anderen stehen bleibt und nur umfangreiche Aenderungen des Textes vorzunehmen sind. Das Tarifschiedsgericht hat sein bemängeltes Urteil nach bestem Wissen und gründlicher Prüfung gefaßt. Die Firma ihrerseits habe sich auch durch den Schiedsspruch vergeivaltigt gefühlt, denselben aber trotzdem des lieben Friedens willen anerkannt. Die vorgelegte Resolution lasse den Sonderwünschen freien Spielraum und deshalb könne sie einstimmig angenommen werden. Engelbrecht- Leipzig meint, daß die Prinzipale zu ihrem sozialen Verständnis durch die Macht der Verhältnisse gedrängt worden sind. Bei vorkommenden prinzipalSseitigen Uebergriffen gegen den Tarif wie unberechtigten Abzügen u. dgl. ist es mitunter notwendig, dem Unternehmer sofort zu zeigen, daß sich die Gchülfen nicht widerstandslos alles gefallen lassen, sondern dieselben auS eigener Kraft zurückweisen können, ohne erst den langen Instanzen- weg der Tarifinstitutionen zu beschreiten. Wir haben bei Lohn- abzögen das Gewerbegericht in Anspruch genommen. Mit dieser Taktik ist die Leipziger Kollegenschast sehr gut gefahren. F n h s- Mannheim betont, daß die Mannheimer von Anfang an für eine Revision des Tarifes gewesen sind. Ueber einen Schlußantrag entspinnt sich eine längere Geschäfts- ordnungs-Debatte. Es sind, wie der Vorsitzende konstatiert, noch 26 Redner eingezeichnet. Die Berliner Delegierten beantragen namentliche Ab- st i m m u n g über den Schlußantrag, ivaS vom Vorfitzenden und von Provinzdelegierten heftig bekämpft wird. Die Generalversammlung entscheidet, daß namentliche Abstimmung bei Gcschäftsordnungs-Anträgcn unzulässig ist und darauf wird der Schlußantrag mit knapper Majorität angenommen. ES folgen der Debatte eine Reihe persönlicher Bemerkungen, wonach u. a. zunächst S ch l i e b s- Berlin als Referent das Schluß- wort erhält, in welchem er die in, Laufe der Debatte vorgekommenen Ausführungen durchgeht, welche sich mit seinen Anschauungen nicht decken und gegen die bisherige Handhabung der Tarifinstituttonen gerichtet waren. Nunmehr erfolgt die Abstimmung über die vorliegende Resolutton, welche lautet: „Die Generalversammlung beauftragt die Gehülfenvertteter, zu gegebener Zeit bei dem Tarifausschusse den Antrag auf Revision desTarifs zu stellen. Eingegangene AbänderungS- Vorschläge sind seitens der Kreisverttetcr an den Verbandsvorstand einzusenden und durch eine einzuberufende Gauvorsteher-Konferenz mit den Gehülfenverlretern und Vertretern der einzelnen Spezial- brauchen zu prüfen und zusammenzustellen und dann den tarif- treuen Gehülfen an den KreiS-Vororten an einem Tage Bericht zu erstatten." Dieser Anttag wird e i n st i m m i g angenommen. Spezial- onttäge, die noch vorliegen, werden zu einem späteren Punkte zurück- gestellt. In der Nachmittags-Sitzung gelangt zunächst vor der Statuteuberatung Punkt 4 der Tagesordnung in folgender Form zur Debatte: Besprechung über die Stellung des Verbandes zu den übrigen graphischen Berufen. Die Spartenftage ist also ausgeschaltet und wird später be- handelt werden. Dagegen ist die Stellung in der Hülfsarbeiter- frage mit inbegriffen, M u s s i a l- Berlin(Vorstandsmitglied) konstatiert, daß d,e Notwendigkeit der Erörterung dieser letzteren vor- liegt, trotzdem es peinlich sei, die Interessengegensätze öffentlich z» besprechen. Man wirft uns Mangel an Solidarität vor. Dieser Vorwurf ist aber seines Erachtens vollständig unbegründet. Wir haben ein Interesse daran, vorhandene Gegensätze zu ver- ttefen. Durch die Aufnahme der(ungelernten) Tiegeldrucker in den Verband würde lediglich ein weiterer StreitPuuS geschaffen. Infolge verschiedener Vorkommnisse haben sich die Gegensätze in letzter Zeit weiter zugespitzt, u. a. durch eine Münchener Korrespondenz im Fachblatt der Hülfsarbeiter, der„Solidarität". Derartige provo- zierende Ausführungen können den Boden zur gegenseitigen Ver- ständigung nicht ebnen. Aber auch im„Correspondent" vom vorigen Jahre habe ein Bericht gestanden, welcher eine aufgetauchte Differenz- frage mit den Hülfsarbeitern von derselben Seite einseitig beleuchtet. Die„Solidarität" habe sich ferner mit der Gauvorsteher-Konferenz in wenig sympathischer Weise beschäftigt. Wir müssen uns ganz ent- schiede,, das Recht wahren, daß den Buchdruckern nicht insinuiert wird, gegen die Prinzipien der modernen Arbeiterbewegung zu ver- stoßen. Auf der 3. Generalversammlun g derHülfsarbeiter-Organisation sei eine Resolution angenommen, welche Tarifabschlüsse von Organisatton zu Organisation fordert und die Mithülfe der Buchdrucker und Steindrucker dabei erwartet. Es muß daher eine Klärung der vor- handenen Situation erfolgen. Dazu gehört auch die Mithülfe der anderen Seite. Frau Thiede- Berlin(Vorsitzende der Hlllfsarbeiter-Organi- sation) erklärt, daß mit dem Wachstum des von ihr verttetenen Verbandes auch der Wunsch nach Tarifabschlüssen laut werde, da die Lohnverhältnisse sehr verbesserungsbedürftige seien. Ihre Kollegen stehen sozialpolitisch noch etwa? zurück und daraus erklärt sich auch ihre verschiedene Haltung in der Arbeitsnachweisfrage. Rednerin geht auf die Berufsverhülttiisse ihrer Kollegen in Berlin und anderen Orten ein und erläutert die verschiedenarttge An- schauung in derselben Frage unter verschiedenen Ver- Hältnissen. Daraus erkläre sich die Takttk, die hier und da ein- geschlagen werden müsse. Ihre weiteren Ausführungen nehmen auf andere vorliegende Differenzpunkte Bezug und gipfeln in dem Wunsche, eine Verständigung anzubahnen, die nach Kräften beiden Teilen gerecht wird. Ei fler- Berlin weist darauf hin, daß bei von der Vorrednerin angeführten Emzeldifferenzen zwischen Maschinenmeistern und Hülfs- arbeitern zu erwägen bleibt, daß diese ersteren für die von ihnen bedienten Maschinen die volle Verantwortung tragen. Man möge in derattigen Fällen einen anderen Weg der Verständigung ein- schlagen und nicht gerade jenen wählen, welcher zu einer Schädigung der befreundeten Organisatton führt. Nur dann sei ein positives Resultat zu erreichen. Er bringt weiteres Material bei, nach welchem die Hülfsarbeiter in ihrem Organ gegen die Verbandsstatistik Stellung nahmen. Für Maßnahmen, die wir im Interesse der Organisation für notwendig halten, können wir unmöglich erst die Erlaubnis der Hülfsarbeiter einholen. Wir müssen ebenso von der politischen Presse verlangen, daß sie Vor- gänae unter den Buchdruckern parteilos wiedergebe. Durch eine Aussprache auf dem nächsten Maschinenmeister-Kongreß durch eine Delegation der Hülfsarbeiter lasse sich am ehesten eine zweck entsprechende Verständigung herbeiführen. S ch leffle r- Berlin hält den Wunsch der Hülfsarbeiter nach Abschluß von Tarifverträgen für durchaus berechtigt und spricht für die Einhaltung der bisherigen bewährten Taktik des Verbandes. Kloth-Bcrlin(Vorsitzender des Buchbinderverbandes) verweist in der schwebenden Angelegenheit auf die durch den Kölner Gewerk- schaftskongreß gegebene Direktive. In den Hauptsitzen seines Gewerbes, wie beispielsweise Berlin, Leipzig, Stuttgart, bekunden Buchbinder- prinzipale soziales Verständnis. In allen Fällen jedoch nicht. Wo Angehörige anderer Berufe in Frage kommen, ist er in bezug auf die einzuschlagende Taktik derselben Ansicht wie Frau Thiede, welche den Weg vorheriger Verständigung untereinander empfiehlt. K r a e t k e- Berlin meint, daß die Organisation der Hülfs' arbeiter dem Verbände ganz bedeutend genützt habe und ist nicht dafür, daß man aus einzelnen Streitfällen des täglichen Zusammen- lebens zwischen den verschiedenen Organisattonsangehörigen Schritte herleite, welche der Organisatton eine gewisse Animosität bezeugen. S i l li e r- Berlin(Vorsitzender des Verbandes der Lithographen und Stcindrucker) steht auf dem Standpunkte, daß zunächst jede Organisatton ihre Angelegenheiten selbständig zu ordnen habe, be kämpft aber im übrigen den Standpunkt des Referenten Mussial, der aus Einzelfällen der Organisatton Vorwürfe mache. Auch die Buch- binder müssen Rücksicht nehmen auf ihre viel jüngere Tarifbewegung, aber deswegen darf die Betätigung des Solidaritätsprinzips nicht darunter leiden. In Konfliktsfällen einer Branche mit den Unter- nehmern einpfichlt Redner eine Beurteilung von Fall zu Fall. Bei einer solchen Gelegenheit haben die Steindrucker mit ihrer Erklärung, init eingestellten Streikbrechern als Hülfsarbeiter nicht arbeiten zu können, den Kämpfenden zu einem schnellen Siege verholfen. Redner erörtert noch andere Fälle, die seinen Ratschlag des Handelns von Fall zu Fall als richtig erscheinen lassen. F r i t s ch e- Hannover gibt zu, daß in dem Falle dcS AuS- standes der Buchdrucker in einer größeren Fabrik Hannovers lediglich durch die prakttsche Betätigung des Solidaritätsprinzips durch Buch- binder und Steindruckcr die neunstündige Arbeitszeit für die Buch- drucker errungen to erden konnte. Er hatte sich verpflichtet, das hier zu konstatteren. Redner erläutert den Fall des weiteren, der zu Meinungsverschiedenheiten mit der HülfSarbeiter-Organisation ge- führt hat. Fiedler- Breslau hält die Regelung der Frage für eine sehr schwierige und betont, daß eine Unterstützung der Hülfsarbeiter in Streitfällen im Sinne des(bereits mitgeteilten) Breslauer Antrages nur nach vorheriger Verständigung mit den Verbandsstmktionären erfolgen dürfe. Rexhäuser- Leipzig(Redakteur des„Correspondent") be- dauert den Austtag dieser Angelegenheit in öffentlicher Sitzung. Derarttge Fragen werden auch von anderen Organisationen in ge- schlossener Sitzung verhandelt. Döblin meint, daß es viel leichter wäre, gegenüber den Hülfsarbeitern Solidarität zu üben, wenn sie bereits einen Tarif hätten. Aber das unbesehene Eintteten für alle Fälle würde dazu führen, daß der Verband von anderen Organisationen dirigiert Ivürde. Das können wir nicht zulassen I Die von Sillier empfohlene Prüfung der Verhältnisse von Fall zu Fall habe ihm als der am leichtesten gangbare Weg erschienen. Er empfiehlt die Annahme einer Resolution, welche nach seinem Dafürhalten die Frage in ehrlichster und zweckentsprechendster Weise regelt. WaS wir aber für unsere eigenen Berufsgenossen verlangen, da§ dürfen wir gerechterweise auch von den Angehörigen verwandter Berufe erwarten. Bei einigem tuten Willen dürfte sich der vorgeschlagene Weg gangbar erweisen. fie Resolution lautet: „Die Generalversammlung erklärt es als selbstverständliche Pflicht der Mitglieder, die Bestrebungen der Hülfsarbeiter zur Hebung ihrer Lage zu unterstützen. Ein aktives Eintteten der Mit- glieder zur Unterstützung der Forderungen der Hülfsarbeiter kann jedoch nur nach vorheriger Zustimmung des Verbandsvorstandes erfolgen." Schulze- Leipzig erklärt, daß sie dort HülfSarbeiterinnen organisiert haben, die sehr schlecht entlohnt wurden. Es muß etwas geschaffen werden, womit man in Zukunft operieren kann. Wir haben aus der Vergangenheit gelernt und werden den richtigen Weg schon finden. Die Resolutton Döblins wird einstimmig angenommen. Nunmehr kommt es zur Stattitcnberatnng, wobei Ei fler-Berlin(Hauptkasfierer) einleitend ein großzügiges Referat hält, in welchem er die leitenden Gesichtspunkte entwickelt. von denen sich die Generalversammlung bei ihre» diesbezügliche» Beschlüssen leiten lassen müsse. Ein reichhaltiges Ziffenimaterial dient bei seiner Beleuchtung der einzelnen Unterstützungszweige als wertvolle Beihülfe. Wir versagen uns mit Rücksicht auf die Raumverhältnisse das Eingehen auf Details, wie wir dies auch beim Referat Schliebs getan. Die außerordentliche Fülle von Anträgen zu diesem Punkte beweist das lebhaste Interesse der Mitglieder am Ausbau des Unterstützuugswesens. Es wird eine Elfer-Kommission gewählt, welcher das gesamte Material mit der Weisung übergeben wird, daß die Generalversamm- lung im Prinzip einer kleinen Beitragserhöhung zustiinnit, um eine Erhöhung des Sterbegeldes zu ermöglichen. Eine Sympathie-Erkläruug für die österreichischen Kollegen, die sich gegemvärtig in einer Tarifbeivegung befinden, wird einstimmig an- genommen und sodann die Sitzung geschlossen. Die Ausführungen von Weber-Berlin(in der Mittwoch-Sitzung) bezüglich der großen Fluktuation des Personals beziehen sich nicht auf eine Druckerei Berlins, sondern des Odergaues. Zweiter ordentlicher Genosseuschaststag des Zentral- Verbandes deutscher Konsumvereine. Schluß aus der gestrigen Nummer. Karl Schmidtchen- Magdeburg hält hierauf sein Referat über das Thema:„Umsatzsteuer und Konsumvereine". Er erklärt sich unter lebhafter Zustimmung gegen jede Umsatzsteuer. Die Frage sei hier zur Erörterung gestellt worden wegen neuerer Vorkommnisse, besonders wegen der Stellungnahme, die unser lieber Freund Peus in dem guten Glauben, den Konsumvereinen zu nutzen, für eine Um- satzsteucr eingetreten ist. Die Konsumvereine werden fast überall, mit Ausnahme von Hessen, schon gehörig zur Steuer herangezogen. Dabei ist die Ueberschußbesrimmung die härteste Ungerechtigkeit. Höchstens dürste der Ueberschutz. der für die Vergrößerung der Be» triebe sin den Vereinen einbchalten wird, zur Einkommensteuer herangezogen werden. Der Fall Pens bietet keinen Anlaß zu persön- licher Stellungnahme,, da Pens schon zugegeben hat, daß er sich geirrt hat. Deshalb halte ich auch eine vom Verband Rheinland- Westfalen beantragte Resolution, die sich gegen eine weitere Tätigkeit von Peus richtet, für nicht richtig. Ich bitte Sie um einstimmige Annahme der folgenden Resolution: „Ter in Stuttgart am 19., 20. und 21. Juni 1903 tagende zweite Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsum» vereine erklärt jede Art der Bestrebung auf Einführung einer Um- satzsteuer fiir Konsumvereine als eine gegen die zum gemeinsamen Bezüge von Lebensmitteln— hauptsächlich der minderbemittelten Bevölkerung angehörenden— vereinigten Konsumenten gerichtete Extrabesteuerung. Die Konsumverene sind gesetzlich gezwungen, sich auf den Ver- kehr mit ihren Mitgliedern zu beschränken. Sind die Konsumvereine schon ihrer Natur nach nicht zum Gewerbebetriebe geeignet, so find die Konsumvereine durch die gesetzlichen Vorschriften geradezu ver- hindert, gewerbsmäßigen Gewinn zu erzielen. Bei dieser den Gewerbetreibenden und Händlern gegenüber gesetzlichen Zurücksetzung der Konsumvereine ist es schon ungerecht, die als Rückvergütung an die Mitglieder zur Verteilung gelangenden Ueberschüsse zur Besteuerung heranzuziehen. Ein besonders großes Unrecht ist eine jede nach dem Wertbctrage der an die Mitglieder abgegebenen Waren bemessene Umsatzsteuer, und zwar umsomehr ein Unrecht, weil eine solche Steuer als weitere indirekte Steuer auf die notwendigsten Lebensmittel und Gebrauchs- gegenstände der minderbemittelten Bevölkerung wirken mutz, und da- durch die minderbemittelten� Volksschichten in der Verbesserung ihrer Lebenshaltung durch gemeinschaftliche Beschaffung von Lebensmitteln und Gebrauchsgegenständen behindert. Endlich kann eine, auch die niedrigste Umsatzsteuer, wenn sie erst einmal im Prinzip angenonunen ist, zu Konsequenzen führen, welche die größten Gefahren in sich schließen, da eine solche Steuer am ehesten zu einer Erdrosselungsstcuer umgestaltet werden kann. Aus diesen Gründen protestiert der zweite Genossenschaftstag des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine gegen jede Umsatz- steuer." Peus-Dessau: Von Anfang an habe er gegen die Umsatz. steuern mit aller Energie gekämpft. Erst als die Regierung erklärt habe, sie wolle einen brauchbaren Maßstab, sei er bemüht gewesen, erstens den Steuersatz herabzudrückcn, zweitens die Ueberschutz- besteuerung dafür abzuschaffen. Es sei ihm gelungen, die Progression von V.» auf% statt auf 1 Proz. herabzudrückcn. Dagegen habe die Regierung es abgelehnt, die Ueberschutzbesteuerung dafür aufzuheben. Daraufhin habe er gegen die ganze Umsatzsteuer gestimmt. Die Ueberschutzbesteuerung sei das allerbittcrste Unrecht. Entschieden lehne er jede Extrabesteucrung der Konsumvereine ab. Es dürfe sich nur um eine alle gleichartigen Betriebe gleichartig treffende Steuer handeln. Er könne sich nicht denken, daß die Konsumvereine überhaupt steuerfrei bleiben. Das glaube auch kaum jemand und werde in den Gemeinden auch dann nicht anerkannt werden, Ivenn unsere eigenen Freunde darüber zu entscheiden haben würden. Marcus- Remscheid unterbreitet dem Kongreß eine vom Ver- band Rhcinland-Westfalen beschlossene Resolution, die sich gegen die Haltung von Peus richtet und die am Schlüsse sagt: Wir verzichten in der Besteuerungsfragc auf eine Mitarbeit von Peus. Heute würde die Resolution nicht gestellt werden. Sie ist angenommen worden zu einer Zeit, als Peus seine Ansichten noch nicht rektifiziert hatte. Wäre hier Peus für Umsatzsteuer aufgetteten, der Antrag wäre hier sicher eifrig unterstützt worden. So habe ich zu erklären, daß wir für die Resolution Schmidtchen sind und auf unsere Reso- lution verzichten. Wenn Peus sagt, die Steuerfrage ist nicht geklärt, so haben wir sicher nicht nötig, der Regierung Steuerpläne auf dem Präsentierteller entgegenzubringen, sondern können warten, bis uns die Regierung eine Steuer vorschlägt, die wir als gerecht anerkennen können.(Lebhafte Zustimmung.) Fleißner-Dresden: Wir müssen uns grundsätzlich gegen jede Umsatzsteuer aussprechen. Pens hat auch heute wieder An- passungspolitik getrieben. Er sagt, ich nehme das kleinere Uebel, ohne zu bedenken, daß das kleinere Uebel im Handumdrehen zum größten werden kann. Er hat gesagt: Ich habe nicht für die Umsatz- steuer gestimmt. Das hätte auch noch gefehlt.(Zustimmung.) Pens sagt, er könne nicht einsehen, weshalb em Konsumverein nicht besteuert werden solle. Ich sage: ich kann nicht einsehen, warum ein Konsumverein überhaupt besteuert werden soll.(Beifall.) Ich kann den Steuerstandpunkt von Peus auch heute nicht teilen, sein<Äand» puntt ist ein unklarer. In Sachsen'droht uns die Umsatzsteuer und wir müssen erwägen, wie wir uns dagegen wehren können. Die Art wie Peus hier auftritt, ist nur geeignet, uns Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Die Resolution Schmidtchen wird, nachdem noch mehrere Redner sich gegen jede Umsatzsteuer ausgesprochen, gegen eine Stimme an- genommen, dagegen wird em Autmg Knappe- Stettin:„Die Konsum» vereine haben Gleichstellung mit allen anderen Staatsbürgern z» verlangen", mit allen Stimmen gegen die Stimme des AnttagstttlerS abgelehnt.(Heiterkeit.) Es folgt die Erledigung geschäftlicher Angelegenheiten. Dem Vorstand wird debattelos Entlastung erteilt. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder werden wiedergekvählt. Damit sind die Arbetten des VerbmidstvgeS erledigt. Di» nächstjährige Kongreß wirb in Stettin stattfinden» Hue der partei Selbstkritik. DK Selbstkritik ist ein nützliches Beginnen. Nber wie nach dem bannten englischen Sprichwort die Charitas zu Hause beginnt, so mutz auch die Selbstkritik bei sich selber beginnen. Das gilt ins- besondere für einige Parteiblätter, die unter dem Namen der Selbst» kritik(an der Partei) jeden Tag für verloren zu halten scheinen, den sie nicht der Kritik an irgend einem Parteiblatte oder Parteigenossen gewidmet haben. Wollten ne doch lieberihren kritischen Geist an sich selber auSlasienl Ein Musterbeispiel solcher kritiklosenKritik erleben wir wieder einmal in derKritik an dem Ausgange deS Plötzensee-Prozesses. So lesen wir unter anderem in der„Dortmunder Arbeite rzeitung' einen Artikel voll tönender Kritik, die in folgendem Satze zusammen- gefaßt wird: „Welche Folgen wird nun dieser Prozetz und sein Ausgang für das öffentliche Wohl, für die Opfer der Gesellschaft und für die kulturelle Entwickelung haben? Wir sprechen es offen und rund heraus aus, daß wir nicht das geringste Bertrancn zu de» maßgebenden Instanzen haben und nicht im mindesten daran zweifeln, dah gar nichts Besonderes geschehen, nichts Positives dabei herauskommen wird— noch weniger, wenn das möglich ist, als bei der unbezahlbaren Bergarbeiternovelle. Alle die Opfer unserer göttlichen Weltordnung und dcS Strafvollzugs im be- sonderen werden weiter in den Kerkern dunipf vegetieren, werden weiter„diszipliniert" werden. Es wird im wesentlichen alles beim alten bleiben, und schuld daran tragen dir Angeklagten, die sozial- demokratischen Redakteure, dir mit ihren Todfeinden ein Kom- promiß, einen faulen Frieden geschlossen und ihnen einen Rückzug ermöglicht haben, durch den sie selbst um die Früchte ihres ver- dienstvollen Beginnens betrogen und zu blamierten Europäern geworden sind." Die„Leipziger Volkszeitung" macht sich diese Kritik selbstverständlich zu eigen und schreibt noch dazu: „Es ist vollkommen richtig, daß für die praktische Reform des Strafvollzug« nicht da» geringste aus dem Plötzensee-Prozetz heraus- kommen wird. Die Bureaulratie ist nicht für Gründe empfänglich, sondern nur für Schläge und wenn man„massenhaftes schlag- kräftiges Material im Sacke" hat, so mutz man Knüppel aus dem Sacke tanzen lassen und nicht dem Gegner eine bequeme Brücke des Rückzugs bauen." Unsere verehrten Kritiker erklären also, sie hätten nicht das geringste vertrauen zu den mahgebenden Instanzen, datz diese Reformen vornehmen würden und sie erklären gleichzeitig, die sozialdemokratischen Redakteure hätten es durch ihren Ver« gleich verschuldet, datz im wesentlichen alles bei», alten bleiben werde. Man kann nicht gedankenloser kritisieren. Gesetzt, die sozialdemokratischen Redakteure hätten die angebliche Schuld nicht auf sich geladen, sie hätten den Prozetz seinen Gang gehen lassen: dann also wäre nach Annahme der Kritiker etwas Wesentliches gebessert worden am Straf- Vollzug? Die Reformen hätten natürlich nicht die sozialdrmokrattschen Redaktcure vornehmen können, sondern sie hätten von den„motz- gebenden Instanzen" ausgehen müssen. Aber woher denn diese« plötzliche Vertrauen in die mahgebenden Instanzen, denen die Kritiker im vorhergehenden Satze eben ihr tiefstes Mißtrauen ausgesprochen? Sind etwa die sozialdemokratischen Redakteure mit ihrem Vergleich schuld, dah die maßgebenden Instanzen nicht da« geringste Vertrauen verdienen? Eine Kritik, die auf solchen GallimathiaS hinausläuft, kann man doch wahrlich nicht ernst nehmen. Wundernehmen mutz überhaupt diese unausgesetzte Kritik an dem Ausgange dcS Prozesse». Sie legt der von uns geübten Kritik am Strafvollzuge eine Bedeutung bei, die man ihr vordem gar nicht beigelegt hat. Wir stellen fest, daß die„Leipziger BolkSzeitung" •an unseren Artikeln über den Strafvollzug in Plötzensee und anderen Strafanstalten seinerzeit nicht mit einer Silbe Nottz genommen hat. Sie hat die Angelegenheit damals vermutlich von dem beliebten Gesichtspunkte der„blöden Sensationen' betrachtet. Weshalb jetzt der unaufhörliche Lärm darüber, datz die„Sensation" nicht fortgesetzt worden ist? Doch nicht etwa auS Interesse an der Kritik des Straf- Vollzuges? Die„Dortmunder Arbeiterzeitung" kommt auch wieder mit dem Vorwurfe der Kabinettsjustiz, indem sie schreibt: „So haben die Parteigenossen um ein Linsengericht ihr Erst« geburtsrecht verkaust und der Kabinettsjustiz neue wirksame Argu- mente geliefert." Anfangs hätte für diesen Vorwurf vielleicht noch die Entschul- digung der Unkenntnis der rechtlichen Bedingungen für die Ver« Handlung mit dem Justizminister im vorliegenden Falle gelten können. Immerhin: wer für sich in Anspruch nimmt, andere zu krittsieren und dabei vor schweren Vorwürfen nicht zurückschreckt, der mutz sich gefallen lassen, dah man ihm sagt, er solle erst vor seiner Tür kehren und soll nicht ins Blaue hinein kritisieren ohne genügende Kenntnis der Umstände. Die Kenntnis der gesetzlichen Bedingungen für die Einleitung oder Aufhebung einer Klage wegen Beamtenbeleidigung könnte man wohl bei emem Redakteur voraussetzen. Run haben wir aber zum Ueberflutz in unserer Nummer vom IS. Juni diesen Sachverhalt dargestellt. Wenn die„Dortmunder Arbeiter-Zeitung" trotzdem am LI. Juni noch davon redet, die Angeklagten hätten der Kabinettsjustiz„neue"(welches sind denn die stüheren?) Argumente geliefert, so kann sie sich mcht einmal mit Unkenntnis entschuldigen. Wir empfehlen also den„Selbstkrittkern", ihre krittsche Schärfe zuerst einmal an sich selber zu üben. Die Partei wird keinen Schaden davon haben._ Parteipresse. In die Redaktion der„Elb er selb er Freien resse" tritt am 1. Juli der Genosse Oskar Hoffmann aus serlohn anstelle des Genossen Markwitz ein. Gegenüber den Ausstreuungen, es beständen über die Kandidatur deS Genossen M o r a w S k i zur Nachwahl in Kattowitz-Zabrze tief- gehende Meinungsverschiedenheiten zwischen der polnischen und der deutschen Parteiorganisation, stellt die„BreSlauer Volköwacht" fest, datz MorawSIi schon im März von beiden Gruppen einstimmig und ohne irgendwie erhebliche Debatte nominiert worden ist. Soziales. Eine außerordentliche Generalversammlung der Kranken- und Sterbekass« der Metallarbeiter($. H. Nr. 39) tagte in der vorigen Woche im„Velodrom" zu Hamburg. Unterm S. April d. I. ging dem Vorstande dieser Kasse seitens der Aufsichtsbehörde zu Hamburg ein Schreiben zu, in dem unter Hinweis auf die Rechnungsabschlüsse der letzten Jahre der Vorstand aufgefordert wurde, die Versammlung einzuberufen. Die durchschnittliche Jahresausgabe der RechnungS- jähre von 1899 bis 1993 beträgt 1 77S 280.03 M., während nachdem letztjährigen Rechnungsabschlutz daS Gesamtvermögen der Kasse sich nur aus 1 S62 464.34 M. beläuft; mithin war der Reserve- fond« in seinem Mindestbetrage noch nicht vorhanden.— Die vorliegenden Anträge bezogen sich in der Hauptsache darauf, den gesetzlich vorgeschriebenen Anforderungen gerecht zu werden. Außerdem lag ein Antrag vor auf Schaffung einer Sterbekasse für Frauen von Mitgliedern der Kasse.— Aus dem Situationsbericht geht hervor, datz bei der Hauptkasse in den ersten drei Monaten 1901 die Einnahmen 37 716,12 M. und die Ausgaben 86 393,12 betragen haben gegen S3 134,40 bezw. 113 387,21 M. in dem diesjährigen ersten Quartal. Viele Delegierte verttaten die Meinung, datz die Ein- berufung dieser Tagung hätte vermieden werden können durch die i« der vorigen ordentlichen Generalversammlung beschlossenen Extra- beiträge. Mehrere Delegierte rügten die Haltung des SchiedS- gerichtS, das wegen eine» im Karlsruher Partei-Organ erschienenen Artikels:„Neue Rechtsbeugungen", in dem die Kasse scharf kritisiert lvird, Klage gegen den verantwort- lichcn Redakteur erhoben und erzielt hat. datz dieser wegen Beleidigung zu einer Geldstrafe von S0 M. verurteilt worden ist. Solche Artikel, die dem Redakteur zugestellt würden und die dieser in gutem Glauben aufnehme, solle man sachlich richtig stellen, ventuell solle man sich an die Partei-Jnstanzen wenden. Durch » Klagen gewinne nicht das Renommee der Kasse. AIS Mittel zur Hebung der Finanzlage wurden drei Wege empfohlen: 1. Herabsetzung der Leistungen oder 2. Erhöhung deS Beitrage» oder 3. Annahme der Vorstandsau'träge sZusammenziehung aller Krank- heiten und entsprechend festgelegte Leistungen bei bestimmter gleich- mätziger Karenzzeit). Das Ergebnis der fünftägigen Beratung ist, datz nach Ablehnung sämtlicher Anträge der Beschlutz gefaßt wird, vierteljährlich 14 Beiträge zu erheben. Der Antrag auf Errichtung einer Frauen-Sterbe lasse fand Annahme. Das Bcitrittsgeld soll 1 M., der Beitrag monatlich 2u Pf. betragen, wofür folgende Unterstützungssätze gewährt werden: nach sechsmonallicher Mitgliedschaft S0 M., nach zwölfmonatlicher 100 M. und nach achtzehnmonatlicher 160 M. Während der ersten sechs Monate soll der Beittitt auch ohne Rücksicht auf den Ge- sundheitszustand gestattet sein. Bezüglich der Gehälter der Bureaubeamten wurde beschlossen, denjenigen Beamten, die weniger als 175 M. monatlich beziehen, 6 M. ab 1. Juli zuzulegen. Der Vorstand wird beauftragt, der nächsten Generalversammlung eine in den Grenzen 130—200 M. pro Monat sich bewegende Gehaltsskala vorznlegen. Der Lohn der Bureauboten lvird von 30 auf 32 M. pro Woche erhöht. Die Bureauzeit wird auf acht Stunden festgesetzt. Versammlungen. Holzorbeiter-Vcrlmnd. In der außerordentlichen General-Ver- sanunlung, die am Donnerstag abgehalten wurde, erstattete Glocke Bericht über die Verhandlungen des Gewerkschaftskongresses. In dem Bericht, besonders aber in der darauf folgenden Diskussion, stand die Maifeier im Bordergrund der Erörterungen. Daneben erregte auch der Generalstteik einiges Interesse. Die sonstigen Punkte der Kongrehverhandlungen wurden wohl im Bericht, aber in der Diskussion fast gar nicht berührt. In der Frage des General- streiks trar der Referent im allgemeinen dem Kongretzbeschlutz bei. Zur Maifeier-Debatte sagte er unter anderem: Es sei kein Zweifel, datz verschiedene Gcwerkschaftsletter sich aar nicht bemüht haben, die Mai- feier zu dem zumachen, was sie sein solle. Wenn die Leiter der Gewerk- schaften agitatorisch für den Gedanken der Maiseier und für die Arbcitsruhe eingetreten wären, dann würde die ArbeitSruhe einen größeren Umfang angenommen haben, als sie bis jetzt hatte, und die Demonstration wäre dadurch imposanter geworden. In dieser An- ficht sei er, der Redner, auf dem Gewerkschaftskongreß bestärkt worden. Es sei gesagt worden, weil nur ein Teft' der Arbeiter feiere, so seien Reibereien zwischen den Feiernden und den Arbeitenden unvermeidlich. Er meine dagegen, wenn in den Gewerkschaften mehr für die Maifeier agitiert worden wäre, dann würde über die Feier selbst Einigkeit unter den Arbeitern herrscheu und Reibereien könnten dann nicht vorkommen. Es sei unbegreiflich, datz man die Maifeier, für die nun seit Jahren Propaganda gemacht werde, aufgeben wolle. Eine Urabstimmung unter den Mitgliedern deS Holzarbeiter-Verbandes würde ergeben, daß keine Sttmmung für eine Aenderung in der Maifeier vorhanden ist. Der nächste Verbandstag werde zu dieser Frage Stellung nehmen müssen, damit die Holzarbeiter auf dem Gewerkschaftskongreß den Standpunkt ihres gesamten Verbandes vertreten können. Es mache einen peinlichen Eindruck, wenn man aus dem Munde von GewerkschaftSleitern AuSführimgen höre, welche die Meinung aufkommen lassen, als ob zwischen der Partei und den Gewerkschaften Gegensätze beständen. Solche Gegensätze seien nicht vorhanden und könnten auch gar nicht aufkommen, da jeder ein- sichtige Gewerkschaftler in der Sozialdemokratie die politische Ver- treterin seiner Interessen sehe. Ohne die polittschc Arbeiterbeivegung könne die gewerkschaftliche Bewegung gar nicht bestehen. Vielleicht könnte ein gewisser Gegensatz zwsschen den beiden Zweigen der Arbeiterbewegung eintreten, wenn die auch in Köln ausgesprochene Ansicht: die Gewerkschaften müssen Ruhe haben, Geltung bekommen sollte. Ruhe in dem Sinne, datz sie von keiner Seite angefochten werden, können die Gewerkschaften gar nicht haben. Damit solle nicht gesagt werden, datz in einem fort gestreikt werden mutz. Aber der Ruhe, die jeden Kampf ausschließt, bedürfen die Gewerkschaften nicht. Sie seien ja im Kampfe grotz und stark geworden. Reibungsflächen innerhalb der Arbeiterbewegung seien ja vorhanden, sie würden aber schwinden, wenn jeder Arbeiter politisch und gewerkschaftlich seine Schuldigkeit wt. Der erste Diskussionsredner, Treue, kritisierte die Haltung, welche Robert Schmidt zur Maifeier einnahm. Die Holzarbeiter seien mit dieser Haltung ihre« Kollegen Schmidt durchaus nicht ein- verstanden. Sie müßten es sich auch gang entschieden verbitten, datz die GewerkschaftSbeamten in einer so wichtigen Frage Beschlüsse durch- zusetzen suchen, mit denen die Mitglieder nicht übereinstimmen. Die Gencralkommission habe in Verbindung mit den Vorständen der Verbände beschlossen, daß auf dem Amsterdamer Kongreß von ge- werkschaftlicher Seite für die Aenderung der Maifeier eingetreten werden solle. Wie kämen denn die Vorstände dazu, über die Köpfe der Mitglieder hinweg solche Beschlüsse zu fassen? ES müsse rnt- schieden dagegen protestiert werden, daß der meist von Gewerk- schaftSbeamten besuchte Kongreß den Gewerkschaftsmitgliedern vor- schreiben wolle, waS sie zu ttm haben. Der Mami aus der Werk« statt müsse auf den Kongrctz geschickt werden und nicht nur die Beamten, die Bücherwürmer. Redner wolle mit dieser Aeutzerung niemanden beleidigen, aber er sei der Meinung, datz die Gewerk- schaftSbeamten doch nicht eine so innige Fühlung mit den Massen der Arbeiter haben, wie die im Beruf tätigen Kollegen., Die Ausführungen dieses Redners, der sehr temperamentvoll sprach, fanden in der Versammlung lebhasten Beifall.— In ähnlichem Sinne äußerten sich Gehrmann und Kiefer. Robert Schmidt erhielt als letzter Diskussionsredner in später Stunde da» Wort. Bei seinem Austreten machten sich oppositionelle Zwischenrufe bemerkbar. Dann hörte man den Redner mit Ausmerksamkeit an, teils widersprach man ihm durch Zwischenrufe, teils stimmte man ihm auch zu. Zunächst wandte sich der Redner gegen die Aeutzerung eines Diskussionsredners, den Generalstreik betteffend. Er berief sich darauf, datz die Sozialdemokratte sich zum General- streik von jeher ablehnend verhalten habe. Er selbst werde, so lange er in der Arbeiterbewegung stehe, den Generalstreit al» eine un- geeignete Waffe verwerfen.— Hier sei gesagt worden, man solle den schlichten Mann au« der Werkstatt auf den Kongreß schicken. lSehr richtig I) DaS Schlagwort sei uns im letzten Reichstagswahlkampf von konservativer Seite entgegengehalten worden. Jetzt wenden unsere Kollegen in kurzsichtiger Wei�(Unruhe und Schlutzrufe) dasselbe Schlagwort gegen ihre eigenen Beamten an. Wenn Sie keine Gewerkschaftsbeamten auf dem Kongreß haben wollen, dann wählen Sie doch keine. Sie haben ja doch den Kollegen Glocke gum Kongreß delegiert, der ja auch nicht mehr in der Werkstatt arbeitet. — Zur Frage der Maifeier sagte der Redner: Bei der Besprechung dieser Angelegenheit auf dem GewerkschastSkongretz seien Aeutzerungen gefallen, die er im Interesse der Sache ttef bedauere. Nachdem wir die Maifeier 1b Jahre propagiert haben, dürfe dieselbe nicht so abfällig beurteilt werden, wie eS von einzelnen Rednern in Köln geschehen sei. Er. Redner, sei der Meinung, daß die Maifeier eine Gestalt angenommen habe, die nach autzen him nicht den Eindruck mache, der damit beabsichtigt werde. Die Bedeutung der Maifeier liege nicht in der ArbeitSruhe, sondern in der Massenhaftigkeit der Demonstration. Es falle ihm gar nicht ein, von den Berliner Holzarbeitern zu verlangen, datz sie von der ArbeitSruhe absehen. Wenn die ArbeitSruhe überall so durchgeführt worden wäre, wie von den Holzarbeitern und den Bauarbeitern in Berlin, dann brauche man über diese Frage nicht diskutieren. Aber wie sehe eS denn in anderen Orten au», namentlich in den westdeutschen Jndustriebezirken. Wo von vielen Tausenden nur einige hundert Arbeiter feiern, da könne doch von einer Protest- kundgebnng keine Rede sein. Weil wir eS in 15 Jahren nicht weiter gebracht haben mit der«rbeitsruhe, darum sage er: nun wollen wir es einmal anders machen. Die Feier solle würdiger ge- staltet werden, wie sie bisher war. DaS sei der leitende Gedanke derjenigen, die für eine Aenderung derselben eintraten.— Wenn in Köln die Resolutton zurückgezogen wurde, so sei daS allein deshalb geschehen, um Differenzen mit der Partei zu vermeiden. ES sei nun abzuwarten, ob die Angelegenheit durch den internationalen Kongreß anders geregelt werde.— Die Maifeier selbst soll beibehalten werden, die Absicht des Kongresses war, sie würdiger und imposanter zu gestalten.(Teilweiser Beifall.) Glocke bemerkte im Schlußwort, die Maifeier am Abend könne unter keinen Umständen eine so wirkungsvolle Demonstration sein, wie die Arbeitsruhe. Wenn die Verbände mehr für die Arbeitsruhe agitierten, dann würde sie nach einigen Jahren bedeutend umfang- reicher und imposanter sein. Wenn es aber so fortgehen sollte, datz nur ein Teil der Arbeiter die Arbeitsruhe durchfühn. während große Verbände gar nichts für dieselbe tun, dann könnten sich die Holz- arbeiter vielleicht sagen: Allein wollen wir auch nicht feiern.— Der vorgerückten Zeit wegen wurde der zweite Punkt der Tagesordnung: Der Jahresbericht der Berliner Gewerkschafts- kommission, vertagt. Der Buchbindcrverband(Verwaltungsstelle Berlin) hielt am 20. Juni im Gewerkschaftshaus eine Versammlung ab, in welcher der Bericht vom Gewerkschaftskongreß entgegengenom» men wurde. Brückner gab den Bericht. Er zeichnete im wesent- lichen ein objektives Bild der hauptsächlichsten Vorgänge auf dem Kongreß. Bei Erwähnung der Frage des Generalstreiks verteidigte Redner Bömelburg gegen eine Bemerkung Kautskhs. Die Worte Bömelburgs, datz die Gewerkschaften Ruhe gebrauchten, sei von Kautskh falsch verstanden worden. Die Ruhe des Philisters, die KautSky bei jener kritischen Bemerkung im Auge habe, habe Bömelburg selbstverständlich nicht gemeint. Sie könnte auch nie und nimmer bei den Gewerkschaften einkehren, dafür sorgten schon die Unternehmer.— Zur Frage der Maifeier betonte Redner, datz es unrichtig sei, die Gewerkschastsleiter als Gegner der Maifeier hin- zustellen. Nur eine Aenderung in der Form sei gewünscht worden. Gewerkschaften und Partei vergäben sich nichts, wenn jie unter Be- rücksichtigung aller einschlägigen Tatsachen und Umstände eine Aenderung suchten. Auch der Befürchtung, datz sich die deutschen Ge- werkschastcn den englischen Trades-Unions im Wesen näherten, trat Brückner entgegen. Das sei undenkbar, man Brauche nur an die Personal-Union zwischen politischer und gewerkschaftlicher Arbeiter- bewegung denken. Zum Schluß hob er die großen Fortschritte her- vor, die die Gewerkschaftsbewegung nach autzen und in der inneren estigung gemacht hat.— Es entspann, sich eine lebhafte Debatte. lar führte unter anderem aus: Die Arbeiterschaft sei nicht so befriedigt vom Ausgange des Kongresses, wie es cigenttich sein sollte und das wäre verständlich. ES gehe nicht, wie beabsichtigt gewesen, die Maifeier rückwärts zu revidieren, nachdem sie verschieden hin- sichtlich der Arbeitsruhe Fortschritte gemacht habe. Die Idee der Maifeier in Form der Arbeitsruhe habe sich ruhig weiter ent- wickelt und werde es ferner auch tun. Genau so sei es mit dem Generalstreik. Auf einem Parteitage sei er abgemurkst worden, und auch in der„Buchbinder-Zeitung" habe deren Redakteur ihn darauf tot gesagt, doppelt tot gesagt. Die Idee lebe aber immer noch. Redner habe nun geglaubt, auf dem Gewerkschaftskongreß werde die Frage eingehend geprüft werden. Ihre Erledigung komme aber auch einer Abmurksung gleich. Geklärt werden müsse aber die Frage einmal, welches das letzte der dem Proletariat zur Ver- fügung stehenden Mittel sei, wenn ihm die anderen entwunden würden und wie es zu gebrauchen sei. Man sehe z. B. in Rußland, wo andere Rechte fehlten, datz zum Generalstreik gegriffen werde. ES sei nicht ausgeschlossen, datz uns unsere Rechte genommen würden und auch wir in Deutschland gezwungen wären, Aktionen zu unter- nehmen, die man General- oder Massenstreik nennen könne. Wilhelm und Hanke ließen sich im selben Sinne aus wie Klar. Hanke machte dann noch für die von ihm gemitzbilligte Art der Behandlung des Generalstreiks und anderer Fragen auf dem Ge- werkschaftskongretz die Zusammensetzung des Kongresses verant- wortlich. Energisch verlangte er Aenderung des Wahlsystems für die Delegationen zu den allgemeinen Gewerkschaftskongressen. Die Arbeiter wollten nicht Vertreter ihrer Vertreter dort sehen, wollten keine indirekten Wahlen. Sie hätten das Recht, zu verlangen, direkt die Delegierten zu wählen. GeorgSchmidt, Redakteur der„Buchbinder-Zeitung". deren HaltungKIar kritisiert hatte, nahm ebenfalls dasWort:Wenn man jetzt die Situation in der Arbeiterpresse ansehe, dann könnte man glauben, es werde eintreten, was die Gegner der Arbeiterbewegung anläßlich des Kongresses vergeblich prophezeit hätten: nämlich eine Spaltung zwischen Partei und Gewerkschaften. Der„Vorwärts" allerdings habe sich mit Bezug auf die Diskussion über die Maiseier usw. stets loyal verhalten. Von Leipzig und Dresden aber wehe ein anderer Wind, rmd was dort geschrieben werde, übernehme zum großen Teil die übrige Parteipresse. Eine reine Hetze sei ausgebrochen gegen die Gewerkschaften beziehungsweise gegen ihre Führer. Auf die Auf- hetzung der Gewerkschaftsmitglieder gegen ihre Beamten und Führer seien die Beschlüsse zurückzuführen, die in letzter Zeit verschiedentlich gefaßt seien, z. B. von den Metallarbeitern. Was nun de» General- streik selbst angehe, so beständen ja in den Gewerkschaften keine nennenswerten Meinungsverschiedenheiten, nachdem man zwischen dem politischen und dem gewerkschaftlichen Generalstreik zu unter- scheiden begonnen habe. Seitdem sei man ja ziemlich allgemein in den Gewerkschaften zu der Ueberzeugung gekommen, datz der Wirt- schaftliche(der gewerkschaftliche) Generalstreik ein Unding sei. Man sei auf den politischen Massenstreik zurückgegangen, und auch den wolle man nur als Abwehr gegen reaktionäre Matznahmen. Er per- sönlich hege nun keine so grotzcn Befürchtungen hinsichtlich der Ent- Wickelung der politischen Verhältnisse in Deutschland. Mit Recht sei aber schon öfter gesagt worden, datz. wenn in Deutschland tief einschneidende reaktionäre Acnderungen doch geplant werden würden, die Arbeiter dann auch wüßten, was zu tun sei. Träte der Fall aber ein, dann werde es sich nicht darum handeln, ein paar Tage friedlich demonstrieren zu gehen, dann sei Revolution. Die Hauptsache sei und bleibe für die Gewerkschaften die Stärkung der Arbeiter im Kampfe gegen daS kapitalkräftige Unternehmertum. Gegen den Generalstreik sprechen nach Meinung deS Redners auch eine Reihe Bedenken� die auf dem ökonomischen Gebiete liegen. Die im Aus- lande mit dem Generalstreik gemachten Erfahrungen wirkten auch meist entmutigend.— Die Gewerkschaften verdankten ihre Fort- schritte und Erfolge zumeist der Kleinarbeit. Der Wert von Dcmon- strationen bleibe dahinter zurück, und von regelmäßig wiederkehrenden Demonstrationen(Beispiel Maifeier) verspreche er sich äußerst wenig, denn er meine, datz man im allgemeinen mit regelmäßigen Demon- strationen nichts erreiche. Redner führt verschiedene der auf dem Kongreß und auch sonst schon geltend gemachten bekannten Gründe gegen die bisherige Art der Maifeier an und bcmertt dabei, datz eS nichts heißen wolle, wenn das letzte Mal nach Klars Ausführungen die Zahl der durch Arbeitsruhe Feiernden in der Buchbinderei und den verwandten Gewerben Berlins schon mehr als 1200 betragen habe, denn in Berlin seien 13 000 dieser Äcrufsangehörigen be- schäftigt. Vor einem Vorgehen, wie dem der Metallarbeiter warne er. Wo die Möglichkeit geschaffen werde, jedesmal zur Maifeier die Kassen plündern zu können, da sei man auf dein Wege zum Ab- arund. Lebhaft verwahrt Redner die Gewerkschaftsbeamten dagegen, daß man ihnen fortwährend unlautere Motive unterschiebe. Wenn man meine, sie seien nicht ehrlich, dann solle man sie doch zum Teufel schicken. Die folgenden Redner Jahn und L ö f f l e r stimmten in den Hauptfragen den Darlegungen KlarS, HankcS, Wilhelms im wcsent- lichcn zu. Jahn erklärte noch die Haltung der„Buchbinder-Zeitung" und ihres Redakteurs für blamabel.— Brückner rechtfertigte u. a. in seinem Schlutztvort das Verhalten des Gewerkschaftskongresses. — Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden vertagt.— Den Zigarettenarbeiterinnen bewilligte die Versammlung 300 M. Slngegangene vrucklckriften. Zur Geschichte der deutschen FaSritgcsetzgebnng. Der erste sozialpolitische Versuch in einem deutschen Parlament. Von F. I. Büß, badischer Landtags- Abgeordneter. 1837. Kammerverhandlung zu seiner Motion betreffend dt« Fabrikgesetzgebung. Vorwort von Ad. Geck, Geleit«- wort von A. vedel. 41 Selten. Preis 40 Pf. Verlag A. Geck« Ostan- bürg(Badenj. Fiir den Inhalt der Inserat« ubernininit die Redaktion dem ipnblikum gegenüber keinerlei Beeantniortnng. UKeater. Sonnabend, den 24. Juni. Anfang 7'/» Uhr: Neues Lpcrntheater. Jung-Heidel- berg. Berliner. Lili. Deutsches. Der Vielgeprüfte. Ansang 8 Uhr: Westen. Die Liebesschule. Neues. Der Familicntag. 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Vortrag des Genossen Bitter. 2, Verbandsangelegenheite». Wir ersuchen die Kollegen so viel wie möglich um weitere Verbreitung dieser Belamitgabe und pünktliches Erscheinen. Montag, den 26. Juni, abends 8'/j Uhr:« Bezirks- Versammlung f-Rüdorf, Wariendorf, Tempelhof, Treptow u. Manechlde im Lokale des Herrn Thiel, Rixdorf, Bergftr. 151/152. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Kollegen I-ltfln. 2. Diskussion. 3. Neuwahl des zweiten Bezirksleiters. 4. Verschiedenes. Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ist es Pflicht emes jeden Kollegen, zu erscheinen,_ Montag, den 26. Juni, abends 6 Uhr: gkflihöDtrfonuiiliiiig f. Glier-Wiienilide bei Kaufhold, Wilhelminenhofftr. 18. Tages-Ordnung: 1. Bericht von der Generalversammlung des Deutschen Metallarbeiter« Verbandes. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 118/18 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Die Ortsverwaltnng. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Wdelpolierer. iel"°l|8! Montag, 26. d. M.,abds. 8'/zNhr, im Englischen Garten, Alexauderstr. 27c: LnsnvUon'Vevsammiungm Tages-Ordnung: 1. Rechte und Pflichten der Branche im Verband. Resereut: Kollege Maast. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Kollegen, in der Versammlung zu erscheinen. Mittwoch, 28. d. M., abends B'/z Uhr, bei K u b a t, Blumenstr. 3fh W Branchen- Kommissionsfitzzmg.'ME ZW- Sonntag, den 2. Juli:-MS 87/9 Dampferpartie nach KessemumUel. Abfahrt 7 Uhr. nur von der Jannowitz-Brücke(„Restauranl Belvedere'). BillettS a 1.20 M., Kinder von 6—14 Jahren 50 Ps., sind beim Kollegen st. Loholz, Zorndorserstr. 57, beim Kollegen I. Nisse. Landsberger Allre 151 und bei Xu bat, Blumenstr. 38, zu Haben, zMs Die Abrechnung der Billetts erfolgt vor der Versammlung und sind die nicht zurückgegebenen Billetts als verkauft zu betrachten. Die Kollegen werden ersucht, jür regen Vertrieb der BillettS zu sorgen. Der Obmann. Iranelfe der Histenmaeher. Montag, 26. d. M., abds. 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Mr hatten vor kurzem Wer die gegen den ersten Bcdoll- mächtigten der Zahlstelle Berlin des Deutschen Metall- arbciter- Verbandes, Cohen, verhandelte Strafsache berichtet, in welcher diesem zur Last gelegt war, gegen einen ge- wissen B a u d i s ch, welcher Erfurter Arbeiter unter Ver- schweigung des Bestehens eines Streiks nach Berlin gelockt hatte, ein Vergehen gegen 8 163 der Gewerbe-Ordnung, Beleidigung und Erpressung begangen zu haben. Der Erfolg der Sache war, wie wir seinerzeit berichtet haben, der, das; Cohen freigesprochen wurde. Das Gericht vermochte in dem Verhalten Cohens keinerlei Straftat zu finden. Am 22. d. M. hatten die beiden Bevollmächtigten der Zahlstelle Berlin des Deutschen Metallarbeiter- Verbandes, Cohen und Wiesenthal, sich wiederum vor der Straflammer, und zwar diesmal derjenigen des Landgerichts II, zu verantworten, abermals wegen Vergehens gegen§ 163, versuchter Nötigung und Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze. Bei Gelegenheit des Gürtler- und Drücker st reiks im vorigen Jahre sprachen beide Angeklagte in einem Restaurant zu Treptow in der Elsenftratze Wer die von der Firma E h r i ch u. G r ä tz auf Beschlutz des Verbandes der Metallindustriellen vor- genommene Aussperrung. Die Arbeiter der Firma Ehrich u. Grätz waren dazu eingeladen, um zu der Aussperrung Stellung zu nehmen und ihrerseits, soweit sie nicht ausgesperrt waren, die Arbeit niederzulegen, damit der Wiedereintritt der Ausgesperrten durch- gesetzt werde. Beide Angeklagte sollten nun nach der Anklage die verschiedensten Straftaten begangen haben. Etwa 40 der Arbeiter von Ehrich u. Grätz hatten einen vicrwöchentlichen Kontrakt. Diese sollten zum Kontraktbruch aufgefordert sein. Die Arbeiter, welche die Arbeit nicht niederlegen wollten, sollten als Streikbrecher bezeichnet sein, welche Spionen gleich zu achten wären. Denn sie dienten dem Arbeitgeber als Spione; im Feldzug« würden, so sollten die Angeklagten weiter gesagt haben, Spione vor der Front er- schössen, und so sollte man auch mit den Streikbrechern verfahren. Die Hauptverhandlung bot mancherlei Interessantes. Zu- nächst war es auffallend, datz der Werwachendc Gendarm Kattusch in feinem ersten Bericht, welchen er unmittelbar nach der Bersamm- lung erstattet hatte, wörtlich schrieb:„Gesetzwidrigkeiten sind nicht vorgekommen". Am anderen Tage reichte er einen Nachtragsbericht ein, in dem er dasjenige wiedergab, was die Anklage behauptete. Ucber diesen Widerspruch im Termin ver- nommen, erklärte der Gendarm, die Aeutzerungen seien tatsächlich gefallen. Wenn er in seinem ersten Bericht davon gesprochen habe. datz Gesetzwidrigkeiten nicht vorgekommen seien, so erkläre sich dies daraus, datz er unter Gesetzwidrigkeiten nur Tumult. Prügelei oder dergleichen verstanden habe, nicht aber Ungesetzlichkeiten in den Reden selbst. Er habe am anderen Tage im Kontor der Firma Ehrich u. Grütz mit den Werkmeistern der Firma, dem Betriebsleiter und sonstigen Vorgesetzten der Arbciter Rücksprache genommen. Man sei sich dabei damals in dieser Unterhaltung darüber klar geworden, daß die von ihm bekundeten Acußerungen gefallen seien. Der weiter als Zeuge vernommene Betriebsleiter der Firma Ehrich u. Grätz, Schulz mutzte zugeben, datz der Zweck der Versammlung,, in der er nur Arbeiter von Ehrich u. Grätz bemerkt hatte, lediglich der war, die Wiedereinftellung der Ausgesperrten durchzusetzen, nicht aber, günstige Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erlangen. Auch er be- hauptetc, datz Cohen die Arbeiter zum Kontraktbruch aufgefordert und erklärt habe: Die Arbeiter sollten eine Schere nehmen und ihre Namen von den Kontrakten abschneiden. Cohen erklärte diese Aus- sage für unrichtig. Er habe von dem Revers gesprochen, durch welchen der Verband der Metallindustricllcn den Arbeitern das Koalitionsrecht nehmen wollte, indem er von ihnen verlangte, datz sie sich verpflichteten, aus dem Metallarbeiter-Verbande auszuscheiden. Er habe nur gesagt, ein solcher Revers sei nichtig, da er gegen das Koalitionsrecht und die guten Sitten Verstösse. Die Ar- beiter, welche sich hätten verleiten lassen, einen solchen Revers zu unterschreiben, sollten ihren Namen darunter mit derselben Schere abschneiden, mit der Grätz seinen Namen abgeschnitten habe unter dem im Jahre 1303 von ihm geschlossenen Tarifvertrag. Die Richtigkeit dieser Behauptung wurde übrigens von einem anderen der Werkmeister bestätigt. Weiter mutzte Schulz auf Vorhalt des Verteidigers von Cohen zugeben, datz die Firma Ehrich u. Grätz selbst ihren Arbeitern ohne Einschränkung frei- gestellt habe, und zwar vor der in Rede stehenden Ver- sammlung, ihre Entlassung zu nehnien, sofern sie eS wünschten. Schulz versuchte diesen Revers, von dem merkwürdigerlveise keiner der höheren Angestellten von Grätz in der Voruntersuchung auch nur ein Wort gesprochen hatte, so zu erklären, datz er sich nicht auf die- jenigen Arbeiter bezog, welche einen Kontrakt hatten, worauf ihm entgegnet wurde, datz dann der Revers sinnlos wäre, da er auf andere als diejenigen, welche einen Kontrakt hätten, sich nicht be- ziehen könne, da diese ohnedies jederzeit die Arbeit verlassen könnten. Die Angeklagten erklärten nach Vernehmung der Belastungszeugen, datz sie auf die Vernehmung ihrer sämtlichen in grotzer Zahl ge- ladenen E n t lastungszeugen verzichten. da ihrer Auffassung nach aus tatsächlichen und rechtlichen Gründen die Anklage völlig haltlos sei. In einer autzerordentlich langen Rede beanwagte der Staatsanwalt die Verurteilung Wiesenthals zu sechs Monaten, diejenige Cohens zu zwei Wochen Gefängnis. Die Verteidiger, die Rechtsanwälte Dr. Heine- mann und Dr. W e r t h a u c r, beantragten kurz die Freisprechung der Angeklagten. Eine Aufforderung zum Kontraktbruch liege nicht vor, da die Versammlung keine öffentliche, sondern eine Fabrik- Versammlung der Arbeiter von Ehrich u. Grätz gewesen sei, vor allem aber scheitere die Anklage oder weiteres daran, datz das Gesetz nur bestrafe, wenn zum Ungehorsam gegen die Autorität des Rechtes im allgemeinen aufgefordert werde, nicht wenn die Auf- forderung dahin gehe, einem bestimmten Arbeitgeber gegenüber den Vertrag nicht zu halten. Es komme mithin gar nicht darauf an, ob Cohen zum Kontraktbruch aufgefordert habe oder nicht, weshalb auf die Vernehmung der Entlastungszeugen verzichtet werde. Von einer Nötigung könne keine Rede sein. Wiescnthal habe, wie jener englische Richter in seinem berühmten Ausspruch, Streikbrecher mit Spionen verglichen, ohne an bestimmte Personen sich zu wenden, und er habe niemandem irgend ein Uebel in Aussicht gestellt. Wenn hervorragende Gelehrte, wie Brentano, Lammasch, Sombart u. a. sagen, was im Kaufmannsstand unlauterer Wettbewerb sei, sei für den Arbeiter der Streikbrecher, oder ähnliche Aeutzerungen tun, so mutzte man, wenn man der Ausführung des Staatsanwalts folge, auch diese Gelehrten unter Anklage stellen. Die Anwendung des 8 163 der Gewerbe-Ordnung endlich scheitere daran, datz es sich hier um keinen Lohnstrerk, sondern um eine Aussperrung. und zwar eine Aussperrung verwerflichster Art handele. In rigo« rosester Weise habe der Metallindustriellen- Verband langjährige Arbeiter auf die Strasse gesetzt und Existenzen vernichtet, nur um einen in anderen Betrieben ausgebrochenen Streik nicht zum Siege gelangen zu lassen. Nachdem der Staatsanwalt abermals in einer langen Rede hierauf erwidert hatte, verzichteten der Verteidiger und die Angeklagten auf jeglickes Schlutzwort. Das Gericht sprart) die beiden Angeklagten nach einer Beratung von etwa einer Minute frei, indem angenommen wurde, datz eS sich um keine Ver« abredung zur Erlangung günstiger Lohn- und Arbeitsbedingungen gehandelt habe, auch die Angeklagten niemand bedroht hätten. Von Aufforderung zum Kontraktbruch könne keine Rede sein, da, wenn überhaupt zum Kontraktbruch aufgefordert sei, dies jedenfalls nur in einer nicht öffentlichen Versaminlung geschehen sei. lieber- dies hätten die Angeklagten recht mit ihrer Einwendung, daß der I 110 St.-G.'B. voraussetze, daß zum Ungehorsam gegen das Gesetz. überhaupt, nicht zur Unbotmätzigkeit gegen einen bestimmten Fabrikinhaber aufgefordert werde. Diese Verhandlung bietet übrigens wiederum einen interessanten Beitrag zur Reform der Sttafprozetz-Ordnung. Die Gründe, aus denen das Gericht das Vorhandensein des ß IjS des Strafgesetzbuchs in Uebereinstimmung mit der ständigen Rechtsprechung des Reichs- aerichts verneinte, lagen vor. auch wenn alle Anführungen der Anklage richtig wären. Trotzdem ist das Haupt verfahren eröffnet worden._ Gerichte-Zeitung. Die Polizei im Friedrichshain. Für die einem Polizeileutuaut zugedachte Mahnung„Halten Sie den Mund" hatte das Schöffengericht den' Handlungs- gehiilfen Rudolf Lange zu 200 M. Geldstrafe und ausserdem wegen Uebertretung der Stratzenpolizei-Ordnung zu 10 M. Geld- strafe verurteilt. Und das kam so: Am 18. März hatte der An- geklagte den Friedhof der Märzgefallenen besucht und blieb ein Weilchen stehen, um auf zurückgebliebene Bekannte zu warten. Als der Polizeileutnant NordhauS ihn'aufforderte, weiter zu gehen, will er langsam sich fortbewegt haben, machte aber dabei eine unwillige Bemerkung, die dahin ging:„Sie sehen ja, datz ich gehe I" Als dann auch der Polizeileutnmtt Schirmer die Aufforderung zum Weitergehen an ihn richtete, wiederholte er jene unwillige Bemerkung. Polizcileutnant Schirm er rief rhm darauf zu:„Halten Sie den Mund!", worauf der Angeklagte replizierte:„Halten Sie den Mund!", wobei er dem Leutnant noch einen verächtlichen Blick zugeworfen haben soll. Das Schöffengericht erblickte darin — unglaublich, aber wahr— eine schwere Beleidigung des Polizei- leutnants, die um so strafbarer sei, als der Angeklagte durch diesen Zuruf das Ansehen eines Polizeiosfiziers in einer Lage in Gefahr gebracht habe, in der schon ohnedies die Stellung der Polizei eine überaus schwierige sei. Das Gericht hatte offenbar keine Ahnung davon, datz die Polizei, von Arbeitervcrsammlungen ab- gesehen, nirgends überflüssiger ist als bei der Kranzspende im Friedrichshain. Das Schöffen� gericht verurteilte den Angeklagten ausserdem wegen Polizei Übertretung, da die Fortbewegung desselben eine so zögernde und widerwillige gewesen sei, datz sie den Beantten als ein Stehen- bleiben erschienen sei.— Gegen das Urteil wurde von beiden Seiten Revision eingelegt. Der Staatsanwalt hielt in diesem Falle eine G e f ä n g n i S st r a f e für geboten. Rechtsanwalt Vittor F r ä n k l bestritt dagegen nach beiden Richtungen hin eine Schuld des Angeklagten. Wenn der Zuruf„Halten Sie den Mund" eine Be- leidiguug darstellen sollte, dann würde er nach 8 190 straffrei bleiben müssen, da der Angeklagte dann nur eine ihm angetane B e leidigung auf der Stelle erwidert hätte. Ein Polizeileutenant habe kein Recht, durch einen solchen Zuruf einen anderen zu beleidigen.— Der Gerichtshof hob das erste Urteil auf und erkannte auf Freisprechung. Versammlungen. Vierter Wahlkreis(Osten). In der gut besuchten Versamm- lung des Wahlvereins, die am Dienstag im„Elysium" in der Lands- beiger Allee stattfand, gab der Vorsitzende Kupfer zunächst be- kannt, datz seit dem 1. April 323 Aufnahmen vollzogen sind. Ver- starben sind seit der letzten Versammlung die Mitglieder Max Borg- Hardt, Willi Günter, Otto Richter, Friedrich Eckert, Ernst Zschache und Kasper Knieg. Die Versammlung ehrte das Andenken der Ver- storbenen in der üblichen Weise. Dann hielt Reichstags-Abgeordneter Robert Schmidt einen interessanten Vortrag über:„Unsere Plätze an der Sonn e". Der Redner stellte zunächst fest, datz die Sozialdemokratie nicht prinzipielle Gegnerin des Bestrebens sei, tiefer stehenden Völkerschaften die höher entwickelte Kultur zu Wer- Mitteln. Bei der jetzt und auch bei der früher betriebenen Kolonial- Politik Iverde jedoch diese Absicht ebenso wie die der Verbreitung des Chnstentums nur als Aushängeschild benutzt; dahinter verberge sich die rohest« kapitalistische Ausbeutungssucht, die, wie der Redner an vielen Beispielen nachwies, vor den schändlichsten Greueltaten nicht zurückschreckt. Nach einer wohlbegrllndcten Kritik der deutschen „Weltpolitik" kam der Redner zu dem Schlutz, datz es nur die Sozialdemokratie ist. die mit Entschiedenheit diese Kolonialpolitik mit ihren Abscheulichkeiten bekämpft und für die Menschenrechte der unterdrückten und mitzhandelten Volksstämme eintritt.— Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Unter Verschiedenem wurde darauf hingewiesen, datz die Kanalisationsverhältnisse vor dem LandsbergerTor dringendder Verbesserung bedürfen. „Aus dem roten Hause" lautete das Thema des Vortrages, den Genosse©tadtv. Kotzke am Dienstag in der Versammlung des Wahlvereins für den vierten Reichstags- Wahlkreis in Liffins„Gescllschaftshaus Ostend" hielt. Der Redner charattcrisiette durch Erläuterung deS Kommunal-WahlrechtcS das Stadtparlament als reine Klasscnvettretung, die durch das rückschrittliche Hausbesitzerelement noch verschärft wird. Er kriti- sierte die Stellung des Freisinns, der in der Kommune, besonders in bezug auf das Wahlrecht jeden freiheitlichen Standpunkt zum Teufel schickt, und zerpflückte mit treffenden Beispielen in sarkastischer Weise das Märchen von der vielgerühmtcn Selbstverwaltung. Er schilderte dann die Tätigkeit der sozialdemokratischen Vertreter, speziell ihre Bemühungen für die Verbesserung der Volksschule. Am Schlüsse seines mit Beifall aufgenommenen Referates befürwortete er eine regere Beschäftigung mit komniunalen Fragen. In der De- batte wurde von einem Redner eine schärfere Stellungnahme gegen den Freisinn verlangt, der bemüht sei, den städttschen Arbeitern das Koalitionsrecht illusorisch zu machen. Von anderer Seite wurde hingewiesen auf die Tatsache, datz die freie Studentenschast zwei Jahre hat kämpfen müssen um einen Schulraum, für den aber nun trotzdem noch pro Stunde und Flamme 6 Pf. gezahlt werden muh, obwohl es sich um die Arbeiterkurse, also ein gemeinnütziges Unter- nehmen handelt. Gerügt wurde ferner der schlechte Zustand der Warschauersttahe, wie überhaupt deS ganzen Stralauer Viertels. Genosse Kotzke wies in dem Schlusswort darauf hin, daß die sozial- demokratischen Vertreter um die Hebung der Lage der städtischen Arbeiter jederzeit bemüht gewesen sind. Aus den Kreisen der Ge- nossen heraus mühte immer neues Material zur Verfügung gestellt werden, damit das Band zwischen Vertreter und Auftraggeber immer enger werde. Aus den Mitteilungen des Vorsitzenden ging hervor, datz der recherchierende Stadtverordnete Klaar zur Versammlung eingeladen war. Herr Klaar war aber nicht erschienen.— Der Wahlverein hatte seit dem 4. April eine Mitgliederzunahme von 328 zu verzeichnen. Fretrcligtösc Gemeinde. Sonntag, den 25. Juni, vorm. 8«/, Uhr, im Viirgersaalc des Rathauses, Eingang KSnigstr. 15—18: Versammlung. „Freireligiöse Vorlesung".— Um 10'/, Uhr oonnitiagS, in der Schul. Aula, KleineFrantsuttcrstt. S: Versammlung. Vortrag des Herrn Waldeck Manasse: „Ehrlichrcit aus der Kanzel". Gäste, Damen und Herren, sehr willkommen. Nllgemetne Kranken- und Sterbekasie der Metallardeiter (E. H. 23, Hamburg), Filiale Berlind. Sonnabend, den 24. Juni, abends 8'/, Uhr, bei Patt, Dragonerstr. 15: Milgsiederversammlung.— Filiale Berlin 7. Montag, den 28. Juni, abends 8 Uhr, im Lokal von Hoffmann, Pascwalkeritt. 3: Mitgliederversammlung.— Filiale Berlin 9. Sonntag, den 25. Funl, vormittags 9'/, Uhr, in der Kronen-Braucrei, Alt-Moabit 47/48: Versammlung.— Filiale Charlottcnburg. Sonnabend, den 24. Juni, abends 8'/, Uhr, im Volkshaus«, Rofinenstt. 3, Neiner Saal: Mitgliederversammlung.— Filiale Kirdorf. Sonnabend, den 24. Juni, abend» ö'/, Uhr, bei Thtll, Berg- ftratze 161» Versammlung. Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be, Nutzung für jedermann, 81V., Alexandrinenstt. 26. Geöffnet werktäglich von 5>/,— 10 Uhr abends, an Sonn- und Feiertagen von 9—1 und 3—6 Uhr. In den Lesesälen liegen zurzeit 515 Zettungen und Zeitschristen jeder Art und Richtung aus._ Vermischtes. Das Schicksal eines Schiffes. Aus Brüssel wird gemeldet: De> Kapitän eines englischen Dampfers„Davlais" erklärte, bei seiner Ankunft in Antwerpen am 16. Mai zwischen dem 28. südlichen Längengrad und 66. westlichen Breitegrad das Wrack eines offenbar durch Explosion schwerbeschädigten Schiffes angetroffen zu Haben. Man nimmt an. datz es sich um den Dampfer„Castilia" der Hamburg-Amerika-Linie handelt, der mit 27 Leuten bemannt am 11. März Kap Lizard passierte»nid unterwegs verschwunden ist. Explosion. In dem grotzen Warenmagazin der Firma Berg- mann u. Stein in Moskau fand aus unbekannter Ursache eine Explosion der dort aufgespeicherten chemischen Präparate statt. Das Magazin wurde vollständig zerstört. Viele Personen wurden verletzt, der Schaden beläuft sich auf fünf Millionen Rubel. Die Eisenbahnkatastrophe bei Mentor(Ohio), über die wir gestern berichteten, hat 21 Menschenleben gefordert. Man vermutet, datz sie von verbrecherischer Hand herbeigeführt worden ist, da die Weiche falsch gestellt war. Der noble Eisenbahnfiskus. Für die Hinterbliebenen des bei dem Eisenbahnunfall bei Neustadt a. R. tödlich verunglückten Rentiers Senators Dr. Henrichs und des Maurermeisters Nedderoth bewilligte der Eisenbahnfiskus. ohne sich erst auf eiue gerichtliche Feststellung einzulassen, Entschädigung von 100 000 bezw. 200 000 Mark. Das Anerbieten wurde angenommen. Die beiden Herren hatten seiner- zeit eine Wagenfahrt unternommen und wurden beim Passieren eines Gleises, daS der Streckenwärter unvorsichtigerweise beim Herannahen eines Zuges durch Herablassen der Schranke nicht ge- sperrt hatte, von dem Zuge erfaßt und getötet. Früher war der Eisenbahnfiskus in ähnlichen Fällen zuweilen weit weniger nobel. Feuersbrunst. Porsgrund(Norlvegen), 23. Juni. Hier brach heute mittag in einem grotzen Holzlager Feuer aus, das sich init grosser Schnelligkeit verbreitete und erst nach mehreren Stunden auf seilten Herd beschränkt werden konnte. 60 Häuser sind niedergebrannt. 600 Menschen sind obdachlos. Amerikanische Hitzwellen. Aus Newhork wird gemeldet: Newyork wurde vier Tage lang von einer Hitzwelle heimgesucht, die erst am Dienstag einer etwas kühleren Temperatur wich. Das Thermometer stieg am Montag auf über 32 Grad Celsius im Schatten, am Dienstagmittag»m Zenttalpark sogar auf 40 Grad Celsius; so hoch war die Hitze in den letzten dreitzig Jahren nur einmal ge- stiegen. 30 000 Familien verlietzen fluchtarttg die Stadt und be- gaben sich an die See: im Zentralpark schliefen nachts über 200 000 Personen und in den Mietshäusern im Osten kampierten Tausende auf den hohen Dächern. Auf der Strasse trug niemand eine Jacke, sondern jedermann ging nur in Hosen und im bunten Hemd. Trotzdem brachen viele zusammen und zahlreiche Todesfälle traten ein. Das Geschäftsleben stockte. Besonders schwer litten die An- gestellten, die im Freien zu tun hatten, wie Polizisten, Kutscher, Sttatzenbahnfiihrer, von denen eine grosse Zahl ohnmächtig von ihren Kameraden fortgebracht werden mutzte. Berliner Marktpreise.(Ermittelt vom Poltzel-Prästdimn.) Futter- gerste, gute Sorte 1 Dz. 16,10(15,20), mittel 15,10(14,20), geringe 14,10(13,20). Haser, gute Sorie 16,50(15,60), mittel 15,50(14.70), geringe 14,60(13,90), frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 0.00(0,00). Hen(alt) 0,00(0,00), neu 0,00(0,00). Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,00(30,00). Speisebohnen, weihe 50,00(30.00), Linsen 60,00(30,00), Kartoffeln 9,00 (7,00), Rindfleisch, von der Keule, 1 Kg. 1.80(1,30), Bauchfleisch 1,40(1,00), Schweinefleisch 1,80(1,30), Kalbfleisch 2,20(1,20), Hammelfleisch 1,80(1,40), Butter 2,80(2,00), Eier(60 Stück) 4,00(2,80), Karpsen, 1 Kg. 2,20(1,20), Aale 3,00(1,60), Zander 3,20(1,20), Hechte 2,80(1,20), Barsche 2,00(1,00), Schleie 3,00(1,20), Bleie 1,40(0,80), Krebse 16,00(3,00.) «attterunaStidersicht vom 23. Jnni 1»Ü5, morgens 8 Uhr. Stationen Swinemde. erlin Franks.a.M. München Wien N— Zk K» Wetter 762 N 767 NNW 762 NW 769 NW 757 MW 763 NW 6wolkig 4>i>olkig 3Regett 3 wölken! 4wolkig 3wolkam e»« cSf ü £& Stationen Ü II S5* Havaranda Petersburg Seilly Aberdeen Paris >? I 5 st V m.c 768 N 762 NNO 770 O 774 SSO 771>ONO Wetter Llvolkig wolkenl 4 wolkig Ivalb bd. Schall) bd. afat »II id & 11 19 15 16 14 Wetter.Prognoie für Sonnabend, den 24. Juni 1905. Nachts kühl, am Tage etwas wärmer, vielfach heiter bei ziemlich frisch ei» nordöstlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Wafferftaud am 22. Juni. Elbe bei Aussig— 0,03 Meter, bei Dresden— 1,46 Meter, bei Magdeburg+ 0,90 Meter.— Unstrut bei Strauhfurt+ 1,00 Meter.— Oder bei Ratibor-st 1,72 Meter, bei Breslau Ober-Pegel-st 5,13 Meter, bei Breslau Unter-Pegel— 0,10 Meter, bei Franksurt-st 1,35 Meter.— Weichsel bei Brahemünde-st 2,62 Meter. — Warthe bei Posen-st 0,36 Meter.— Netze bei Usch-st 0,45 Meter. Tillen Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Nach- richt, dah unser lieber Vater, Schwiegervater und Großvater Wielrn Kieseling Freitag früh nach kurzem, aber schwerem Leiden verstorben ist. Dies zeigen tiesbetrübt an Die.Stnterbliebeueni Paul Klaseiing. Emma SohUler geb. Kieseling. Agnes Tomics,. Elise Bock., Otto Kieseling(Boston). Die Beerdigung findet aus dem Kirchhos der Zions-Gemeinde, Rosenthal- Nordend. Sonntag- nachmittag um 5 Uhr, von der Leichenhalle aus statt. Am Mittwoch, den 21. d. M., abends&>!, Uhr, entschlief nach kurzem schweren Leiden meine innigst geliebte Frau Mm* Svowoda geb. Radtke im 29. Lebensjahre. 2590b Um stilles Beileid bittet Zlwx Swowoda. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 25. Juni, nachm. Uhr, von der Leichenhalle des Rixdoffer Gemeinde- Friedhoses, Mariendorser Weg, aus statt Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und groharttge Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben Mannes, unseres guten VaterS Angnat Gttnthcp sagen wir allen Beteiligten hiermit unseren ttesgesühlten Dank. 2600b Die trauernden Hinterbliebenen. Ww. Minna Günther nebst Kindern. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meine» lieben Mannes Alkeitt Schmidt sage allen Verwandten, Freunden, insbesondere den Genossen des Wahi- vereinS vom VI. Kreise, sowie de« DeuffchenHolzarbeiterverband meinen besten Dank. 2583b Die trauernde Witwe Rosa Schmidt geb. Wrobel nebstKindern Für die vielen Beweis« herz- sicher TeUnahme bei der Beerdigung unserer Mutter, der Frau Vi!Ilö!m!ne Janz sagen wir allen unseren herzlichsten Dank. 2ö93b Im Austrage der Hinterbliebenen: Gnatav Jana. Unsere neue Marke: iTanli-Zigaretten hat einen geradezu beispiellosen Erfolg gehabt! — Warum?— Weil wir unser Versprechen ein lösen und durch die Tatsache beweisen, daß es sehr wohl möglich ist, auch in Deutschland Zigaretten � lf 2«nd 3 Pf. aus reinem türkischen Tabak herzustellen, deren auLergeu Ähnliche, gute und hervorragende Qualität jeden Raucher überrascht, der feinen Tabak und nicht bloß Marke rauchen will Ueberzeugen Sie sich einmal selbst durch eine kleine Probe(das ist ja weiter nicht schlimm) und Sie sollen selbst entscheiden, ob das hier Gesagte ehrliche Wahrheit oder unlautere Reklame ist! 3502L* Frey& Co. G. m. b. H. Spandauerstr. 33/35. Av anti-Zigaretten. W. Zanel Hut-Fabrik, Skalitzerstr. 131. = Größtes Spezlal-Heschält- für Seiden- und Filz-Hüte. Eager in Mchlrmcn und mutzen. [31941/* Den verehrlichen Rauch ern unserer bekannten & fcllow-Zigaretten& jitt gesl. Kenntnisnahme, daß wir mit der Dresdener Streikbewegung nichts zu tun haben. 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Glocke, Berlin. Truj u. Verlag: Vorwärts BüchdrüMÄ��BerlagkunWt Paul Mnger& To.. Äerila seppiekweder! Der Zuzug nach den Teppichsabriken von Feibisch, Treptow, Köpnicker Landstr. 28/29, Benjamin n. Eo.» Melchiorstr. 23, und!)tud. Baader, Bethanien-User 6, ist fernzuhalten, da die dortigen Arbeiter und Arbeite» rinnen sich im Streik befinden. 197/11* Die Streikleitung. Achtung! Achtung! Sebüiierfflaler. Laekierer, Vergolder, Buctisiaheti- Klempner! Der Streit der Schildermaler und verwandten Berufe besteht nach wie vor und ist Arbeit nur durch den Arbeitsnachweis der Schildermaler, Alte Jakobstr. 83 bei Lad ewig, anzunehmen. 290/3* vis Gtrsiilisitiing. Stukkateure. Die Firma Karow A Co. in Rostock gilt für sämtliche Arbeiten hier am Ort als gesperrt, da fie unseren Tarif nicht anerkennt. Die Arbeit ist in Wilmersdorf, Kaiser- Plan, Bau Wagner. Wir ersuchen, die Sperre der Firma streng einzu- halten, da sie als Prcisdrücker allen anderen Firmen gegenüber auftritt. Ortsverwaltung Berlin des Zentral-Berbandes der Stukkateure Deutschlands. WM Wler! Die Kollegen der Firma Wahren, Langcftr. 53, besinden sich im Streit Zuzug ist fernzuhalten; Fachverein der Ttfchle»� 9t. 145. 2Z. ZchMz. 3. ffilnrtf Parteigenossen! Beachtet bei Ansfliigen streng die Lokalliste, verkehrt nur in Lokalen, die der Arbeiter- schaft zu Versammlungen znr Verfügung stehen! ßerluier)Vacbnchten. Für die spielenden Kinder. Was geschieht in Berlin in diesem' Sommer zur Pflege der Bewegungsspiele der Kinder.? Ungefähr dasselbe, wie in den vorher- gehenden Jahren: nicht weniger— aber leider auch nicht viel mehr. Die Stadt hat im Mai wieder ihre öffentlichen Spielplätze der Benutzung übergeben. Dort kommen Kinder der einzelnen Schulen an unterrichtsfreien Nachmittagen zusammen, um unter Aufsicht von Lehrern ein paar Stunden zu spielen. Die höheren Schulen machen von dieser Einrichtung reichlicher Gebrauch als die Gemeindeschulen. Ob das nur an der Verschiedenheit des„Schüler- Materials" liegt, oder ob dabei auch eine gewisse Ungleichheit des Interesses der Lehrenden mitspricht? Denn der Eifer, mit dem die Kinder sich an den Spielen beteiligen, wird wesentlich beemfluht durch den stärkeren oder geringeren Grad des mittätigen Wohl- wollens, das die Schule diesen Spielen entgegenbringt. Man kann nun freilich nicht erwarten, daß die Lehrer der Volks- schul« den Spielen der ihnen anvertrauten Jugend viel Förderung zuteil werden lassen, wenn die Schulverwaltung selber mit schlechtem Beispiel vorangeht. Wie wenig Wert die Schulverwaltung auf die Pflege der Bewegungsspiele bei Ge- meindeschulkindern legt, das zeigt schon die. geringe Höhe der Mittel, die hierfür in den Etat eingestellt werden. In diesem Jahre sollen ausgegeben werden: 447(1 M. Honorar der leitenden Lehrer und V40 M. für Unterhaltung der Spielgeräte. Dagegen sind für die Bewegungsspiele der Schüler höherer Lehranstalten bewilligt: 8300 Mark Honorar der leitenden Lehrer und 2100 M. für die Spiel- gerate. Natürlich ist man nicht verlegen um eine plausibel klingende Begründung dieser Unterschiede. Es sei eben, so sagt man, das Bedürfnis an den Gcmeindeschulen trotz ihrer sehr viel größeren Kinderzahl sehr viel geringer als an den höheren Schulen. Das kann stimmen. Aber vielleicht bleibt dort nur deshalb das Be- dürfnis so gering, weil nicht mehr dazu getan wird, es zu wecken und zu steigern, was allerdings ohne Bewilligung größerer Mittel schwer möglich ist. Für die Gemerndeschulkindcr sind, wie bekannt, seit mehreren Jahren auch etliche Schulhösc zu Bewegungsspielen freigegeben worden, nicht für den ganzen Sommer, aber wenigstens für die paar Wochen der großen Ferien. Es hat lange gedauert, ehe man den Versuch wagte; und obwohl er glückte, hat man nur sehr langsam und sehr widerstrebend sich dazu bequemt, noch mehr Schulhöfe her- zugeben. Gelegentlich wurde vom Rathause aus magistratSoffiziös den Zeitungen mitgeteilt, es sei mit diesen Spielen nicht viel los, die Beteiligung der Kinder lasse sehr zu wünschen übrig. Doch in amüsantem Widerspruch hierzu muhte dann in den Erläuterungen des nächsten Stadthaushalts-Etats zugegeben werden, daß die Sache sich durchaus bewährt habe. Auch der diesjährige Etat hat das wieder bestätigen müssen und hat deshalb«ine Vermehrung um fünf Schulhöfe sowie eine Erhöhung der Mittel gefordert. Hinzugefügt wurde indes, daß „eine weitere Vermehrung sich nicht ermöglichen lassen dürfte", iveil nicht alle Höfe geeignet feien und viele in den Ferien durch Bauarbeiten unbenutzbar würden. Soll die Stadt Berlin hiermit wirklich schon am Ende ihres Könnens angelangt sein? Wieviel Höfe nun für Spiele benutzt werden dürfen, sagt der Etat nicht. Aber, wenn wir nicht irren, so ist noch nicht mal das Viertelhundert voll. Auch die Kosten für Beaufsichtigung dieser Ferienspiele sowie für Spielgeräte usw. belaufen sich jetzt erst auf IS 000 M. Wo die Schulverwaltung versagt, wird auch in diesem Sommer wieder von privater Seite eingegriffen werden. Wieder will der Arbeit er-Turn verein„Fichte", wie schon seit mehreren Jahren, Kinderspiele veranstalten. Er kann die spielende Jugend nur an den Sonntagen um sich sainmeln; denn seine Mitglieder, die ihren unbezahlten Dienst als S�nelleiter gern und freudig leisten, müssen in der Woche von früh bis spät fürs Brot arbeiten. Dafür ist aber der Spielbctrieb viel zweckmäßiger. Die Zahl der Leiter ist sehr viel größer, die Leiter nehmen tätigen Anteil am Spiel, und den Eltern ist die Möglichkeit geboten, dem Spiel ihrer Kinder zuzuschauen. Die Spiele sollen diesmal am 2. Juli(Sonntag) beginnen. Im vorigen Herbst hat die Regierung den Versuch gemacht. dem Turnverein„Fichte" durch Sperrung der Turnhallen für seine Schülerabteilungen den Einfluß auf die schulpflichtige Jugend zu erschweren. Uebcr die Spielplätze, die der Verein benutzt, hat das Provinzial-Schulkollcgium nicht zu kommandieren. Wahrscheinlich wird gerade um jener Drangsalierung willen die Be- teiligung an den„Fichte"-Kinderspielen in diesem Sommer stärker al» je sein. Wie wünschen es. Das Kuratorium des städtischen Sieh- und SchlachtHofrs beschloß in seiner letzten Sitzung auf Ersuchen der Viehexpedienten, die Marktzeit um eine Stunde zu verkürzen, wodurch den Leuten mehr Nachtruhe zuteil wird. Trotzdem auch die Unter- nehmer das Gesuch befürwortet hatten, meinte ein liberaler Stadt- verordneter im Kuratorium gegen die Verkürzung sprechen zu müssen, „weil die Marktzeit erst geregelt worden sei". Vorbehaltlich der Zu- fsimmung des Polizeipräsidiums beginnt die Marktzeit fortan im Sommer wie im Winter 8 Uhr und endet 1 Uhr. In der Angelegenheit der bei den Staatsbehörden beantragten Nachunterfuchungendes von auswärts eingeführten Fleisches foll auf Anordnung dieser Behörden erst Material gesammelt werden. um zu fehen, daß die beantragte Mahregel notwendig sei. Im Bunde mit den Agrariern sträubt sich das Organ der Fleischermeister gegen die Nachuntersuchung. Ein Arbeiter des städtischen Schlachthofes war bekanntlich nach etwa einjähriger Beschäftigung plötzlich entlassen worden, und zwar mit der Begründung, daß er vorbestraft sei. Zjachdem Genosse Hoffmann bei der Beratung de« Etats über diese Enklafsung Beschwerde geführt hatte, ist vom Magistrat nunmehr beschlossen worden, den Mann für eine andere Tätigkeit wieder anzustellen. Am 27. Mai'hat der Entlassene von diesem Beschluß Mttcilnng erhalten. Da» Kuratorium trat diesem Beschluß einstimmig bei und beschloß außerdem, daß von Arbeitern, die dauernd ein- gestellt werden sollen, auch weiterhin ein FührungSattest zu verlangen ist. Doch soll auf weit zurückliegende Vor- strafen, die wegen Bagatellsachen erkannt worden sind, billige Rücksicht genommen werden. Die Atteste sollen in solchen Fällen aber sofort bei der dauernden Einstellung verlangt werden. eine Anordnung, die von einem neuen Inspektor auS Unkenntnis bisher nicht befolgt worden ist. Vor Schluß der Sitzung brachte Genosse Hoffmann zur Sprache. daß die Anwohner des Viehhofes über die ekelhaften Ge- r ü ch e sich beschwert fühlen, die sowohl den Peptonsiitterwerken und der Darmschleim-BerbrennungSanstalt als den ekelhaften Rückständen entströmen, die auf dem Viehhof lagern. Hoffmann verlangte schleunige Abhilfe. Der Maglstratsvertteter erklärte, daß auf feine Veranlassung Direktor Goltz einen Bericht der Schul- deputatton ausgearbeitet hat. Es befindet sich in der Nähe nämlich auch eine Gemeindeschule. Die im Sommer nicht ganz zu verhindernden Gerüche sollten durch Streuen von Torsgrus beseitigt werden. Auf Anttag Hoffmanns wurde beschlossen, daß den Mitgliedern des Ks Amiilts" Kuratoriums eine Abschrist des vom Direktor erstatteten Berichts zu- zustellen ist, damit man darauf gestützt Abänderungsvorschläge machen könne. Bemerkt sei noch, daß seinerzeit Direktor Goltz ein- dringlich, aber ohne Erfolg vor der Errichtung der Schule an der erwähnten Stätte gewarnt hat. Es handelte sich ja auch nuv um eine Gemeindeschule. Ucber Gefängnis- Hygiene hielt vor einigen Tagen der Ge- fängms-Arzt, Medizinalrat Dr. Hoffmann im Bildersaale des Kammergerichts einen lehrreichen Vortrag. Auch für den Gefängnis- arzt, so führte er aus, stehe die Forderung obenan, daß der Ge- fangeue keinen dauernden Schaden an Leib und Seele nehme, jedoch müsse auch er sich von jedweder„Gefühlsduselei" freizuhalten suchen, da bei den Vorführungen vielfach nur Beschwerden vorgebracht wür-, den, die mit dem Gesundheitszustande des Inhaftierten garnichts zu tun haben. Eingehend verbreitete sich der Vortragende über die Vorzüge und Nachteile der E i n z e l-, wie der G e m e i n s ch a f t s- hast; die erstere sei im allgemeinen vom hygienischen Standpunkte vorzuziehen, weil das Zusammenleben vieler Häftlinge im ge- schlossenen Raum sich kaum einwandsfrci, auch in moralischer Be- ziehuiig, gestalten lasse. Freilich sei die Sterblichkeitsziffer hier früher eine höhere gewesen, als bei der Gemeinschaftshaft, die geistige Depression des Isolierten mache diesen widerstandsunfähiger gegen Krankheiten; seitdem aber die Einzelzelle allen Anforderungen der modernen Hygiene ent- spreche/, bis»-/, Uhr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. O. D. 51. 1. Nein. 2. Ja, aber der Beweis der Urheberschaft ist sehr schwierig. 3. Etwa 20 bis 100 Mark. 3. Nicht wirtschaftlich.- O. D. Hat Max Grote. 1. und 2. Nein. Ihr Bruder kein Testament hinter- lassen, so erbt seine kinderlose Witwe in Ihrem Fall die Hälfte des Nach- lasseS und überdies als Voraus die Hochzcitsgeschenke und die zur Haus- Haltung gehörenden Mobilien. Können Sie sich nicht in Güte einigen, so müssen sie sich an das Gericht wenden.— 46 N. E. Abschrist des Testa« ments erhalten Sie aus Antrag vom Gericht. Ist der Rechtsanwalt Nachlahpfleger, so ist sein Verlangen gerechtfertigt. Sonst ist nicht ersichtlich, loaS er mit der Sache zu tun hat.— E. Ja. — F. R. 1. Leider können Sie die Einwilligung nur durch Güte er- reichen oder müssen bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres warten. Ihre Braut könnte beim Vormundschastsgericht beantragen, sür volljährig erklärt zu werden und könnte, salls dann die Einwilligung ihr verweigert wird, Ergänzung der Einwilligung beim Vormundschastsgericht beantragen. Wer mehrere Monate würden hierdurch verstreichen und der Erfolg ist ein zweiselhaster.— E. K. 28. Die Anmeldung muh erfolgen und die für Vermietungskontore erlassenen Vorschristcn müssen beim Betneb beachtet werden. Die dortige Polizei wird Ihnen Auskunst über die dortigen Vor- schristen erteilen.— P. 1, Erna. Nein.— Arbeiter-Schwimmcr. Die Bade- anstalt hastet keineswegs, die Versicherungsgesellschaft, salls Sie gegen Unfall persönlich sich versichert haben.— P. K. S. 1. Sie können aus Licserung des Wassers und aus eine nach richterlichem Ermessen zu bemessende oder von Ihnen anzugebende Entschädigung klagen. 2. Nein.— M. 3. 1872» Etwa 9 bis 20 Mark.— 3."60. Sie mühten sich an die Erben wenden.— A. B. Leider nein.— E. 3. 35. Ja. 21. R. 43. Eine VersichcrungSpslicht scheint vorzuliegen, die Stras- androhung ist aber nicht möglich. Tragen sie den gesamten Sachverhalt unter Beisügung der Slrasandrohung und der Quittungskarte schristtich oder in der Sprechstunde vor.— F. B. 45. Wenden Sie sich an die Zentral- auSkunstSstclle der ethischen Gesellschaft, Unter den Linden 16.— L. 1. Sie würden auher Gütergemeinschaft leben. ES empfiehlt sich aber, daß Sie vor der Heirat einen notariellen Vertrag nach Art des S. 223 Nr. 22 im Anhang zum.Arbciterrecht" enthaltenen abschlichen. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— Wisibcgieriger. 1. und 2. Nein. 3. Bücher über die ökonomische Lage in England erhalten Sie in jeder öffentlichen Bibliothek. Der von Ihnen verfolgte Zweck ist aber nur da- durch zu erreichen, dah Sie mit der betreffenden Gewerkschaft sich in Ver- bmdung setzen. � Alter Abonnent 52. Durch das Amtsgericht. Beispiele zu Anträgen aus Erteilung der Erbocschewigung finden Sie in dem dem.Arbeitcrrecht' beigefügten Führer. Das Buch liegt in den öffentlichen Bibliotheken aus.— D. D» Ritterstrafte. Rein. — H. 40. 1. Die Klage kann vor dem l./7. eingereicht werden. 2. Ihr Anspruch ist recht zweiselhast. In Ihrem Verhalten kann ein zur kündt- gungsloscn Entlassung berechtigender Grund erblickt werden. 3. Ein Exemplar genügt.— P. S. 108. Nach der Rechtsprechung deS Ober- Verwaltungsgerichts ist die Aufforderung und das Vorgehen des Amtsvor- stchers ein berechtigtes.— A. D. 118. Sie find durchaus im Recht.— P. 3. 60. Bei dem Rücktritt von einer Versichernng hat die Gesellschaft in der Regel nichts zurückzuzahlen. Ob und wie viel m Ihrem Fall zurück- zuzahlen ist, läßt sich ohne Kennwis des Wortlauts der Police und der Statuten nicht beantworten.— Tvette 5. 1. Wenden Sic sich an eine Spiegelsabrik oder an eine Spiegelbeleganstalt. 2. Das hängt von der Höhe des Vorschusses und der Kosten ab. 3. Unwahre Angaben über die-Adresse beim.Versetzen" können eine ftrasbar« Handlung in sich schlichen. — 3ch. 5. Zweckmäßig ist es, dah beide Eheleute den Vertrag, den beide geschlossen haben, kündigen. Die Kündigung durch nur ewen genügt zwar in der Regel, es existteren von dieser zutreffenden Gerichtspraxis ab» iveichende Urteile. Die Kündigung kann stets vor dem im Vertrag als spätesten Termin fixierten erfolgen.— Losch 27. 1. und 3. Nein. 2. Die Vorschriften finden Sie in den LK 32 bis 35 deS GerichtSversassungsgesetzeS, das in jeder öffentlichen Bibliothek einzusehen ist.— E. 3. 18. 1. Sie können und sollten sich beschweren, wenn der Standesbeamte wegen Arbeits« Überhäufung streiken und Ihre Eheschließung erst später entgegennehmen will. Vielleicht ist der sür den Bezirk Ihrer Braut zuständige Standes- beamte arbeitswilliger. 2. Die Ausgebotsfrist beträgt 14 Tage(§ 46 dcS Personenstandsgesetzes). Zu diesen 14 Tagen müssen Sie noch einige Tage zum Hin- und Hersenden rechnen. Das wird der Standesbeamte gemeint haben.— H. G. 13. Die Grundwcrtsteuer ist geplant, aber noch nicht beschlossen.— F. 3. 100. Ihnen steht ein Anspruch aus sechs- wöchentliche Kündigung zum Ouartalsersten zu. Ihr Gehalt bis zum 1. Oktober Nagen Sie, zunächst beim Gewerbegericht, ein. — 82 3. Die BelcidigungsNage können Sie zu Protokoll erklären oder schriftlich einreichen. Ein Beispiel finden Sie S. 600 des in den öffentlichen Bibliotheken ausliegcnden„ArbeitcrrcchtS". In dem von Ihnen vorgetragenen Fall unterbleibt wohl besser die Klage, weil aus beiden L-citen Beleidigungen vorzuliegen scheinen.— Altersrente. Altersrente wird nicht neben der Invalidenrente gezahlt. In Ihrem Fall würde ZllterS- rente, solange die Invalidenrente gezahlt wird, nicht gezahlt werden. F. B. 18. Der Vertrag, aus den Ihre 13 Anftagen Bezug nehmen, hat diesen nicht beigelegen. Glauben Sie von Ihrem Patentanwalt über- vorteilt oder unreell behandelt zu sein, so wenden Sie sich an den Ehren» Soweit Ihre Dar- WWWWW WWWW> Er ist berechtigt, von Ihnen die vereinbarten oder angemessenen Gebühren zu verlangen und. salls Sie diese nicht oder nicht voll zahlen, das Mandat niederzulegen. Ob die Gebühren richtig berechnet find, ist ohne Einsicht in den Vertrag und in die Akten nicht zu beantworten. In der Sache selbst wird Ihnen bereitwillig aus dem Patentamt Auskunft erteilt In England ibt eS emen provisorischen Schutz aus die Dauer von sechs Monaten zur Vahrung der Priorität und einen definitiven. Der Patentanwalt war n« dann verpflichtet, über die für Laien schwerer verständlichen Einzelheften der ausländischen Gesetzgebung Auskunft zu geben, wenn er danach gefragt wurde.— W. W. 00. Im Scheidungsprozeh werden dem Teil die Koste« auserlegt, der sür schuldig erklärt ist.— BeritaS. Wenden Sie sich zur Vertretung an einen Anwalt: Sie haben nur nach Kräften des Nachlaffe« zu hastoi. Der Klage scheint überdies der Einwand der Verjährung oder der enigegenzuitehen, dah die Forderung schon einmal ausgeklagt wa»> Hackend. 1. Nein. 2. Zu entscheiden, ob der Antrag aus Rückerstattung der Beitragsmarken oder das Weiterklebcn sich empsiehlt, muh Ihrer Be- utteilung überlassen bleiben. Läßt Ihre Braut nach der Verheiratung sich die Beiträge zurückerstatten, so erhält fie einige Mark' bar, kann aber etwaige Jnvalidemcnte usw. erst geltend machen, wenn M. geklebt hat. Läßt aber Ihre Frau sich die . n. sondern klebt weiter, so behalt fie ihr« eventuellen Anrechte, salls fie als Weiterversicherw mindestens 20 Marke» Ansprüche aus Alters- oder fie abermals mindestens 200 Beittäge nicht zurückerstatten, IT- für je zwei Jahre klebt oder falls fie weiterarbeitet. be' � recht cn in dem Anspruch aus Invaliden Diese eventuellen Anode� Altersrente, auch eben, so wäre unbedingt von einem Antrag aus Rückerstattung abzuraten. ?a solches Recht leider nicht besteht, so mag der Versicherte selbst beurteilen, ob unter Berücksichttgung setner persönlichen Verhältnisse Rückerstattung oder "— irsicherung vorteilhafter ist. Ein Beispiel für einen RückerstattungS» finden Sie im.Arbeitcrrecht" S. 605; der Antrag ist an den antra Magistrat, 'Abteilung für Jnvalidenversicherura, Eöllnischcr Park, innerhalb eines Jahres nach der Heirat zu richten.— P 9. i. Für den Unterhalt Ihrer Kinder haben Sic auch nach der Scheidung und auch dann zu sorgen, wenn daS Erziehungsrccht Ihrer Frau als dem schuldiosen Teil zufallt. "-"-t Ehe wegen Ehebruchs geschieden, so ist �---|fl| H,.n" nmn'""nnsse Submissionsblüten liest, die in der Regel nicht________ - eetonttD. Bedgtteur:.Franz Rebbein. Berlin. Lür de» Jnferatenteil v-r«ittv.: Xd. G'-cke. Bcrfta. Druck u. Verlag: Borwärt» 8«$ ... Wird eine Ehe wegen Ehebruchs geschieden, so ist die Ehe zwffchen den Ehebrechern verboten. Von diesem Verbot kann aber Dispens erleift werden. .j'JIM-lJ-l u. Berlas»gnMt ioul Swger& Co.. Lerlio SA»