Pr. 147. Bbonnements-Bedingungen: »onnonent?> Prei» pränumerando! Bierteljährü 3J0 SKI, monatL 1,10 MI, wöchenlUch 28 Psg. frei WS Haus. einzelne Nummer 6 Psg. EonntagS- nummer mit illustrierter KonntagS- Beilage»Die Neue Seit' 10 Pfg. Post» Abonnement: 1,10 Marl pro Monat, «wgctragen in die Post-ZeitungS- Preisliste. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich> Ungarn S Mark, für das übrige AuSlattd 3 Mark pro Monat. 22. Jahrg. Di« Infertions« Gebühr beträgt für die sechSgespaltene Kolonel- S-ile oder deren Raum 40 Psg, sür politische und gewcrkschastliche LereinS- und BersammlungS-Anzeigen 2S Psg. „Alelne innigen", das erste(sett- gedruiklel Wort 10 Pfg, jedes weitere Wort b Psg. Worte über 1b Buchstaben zählen sür zwei Worte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 6 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Eonn- und Festtagen bis 8 Uhr vorinittagS geöksnct vhftW SM außer montagi. Nevlinev VolksblAkk. Telegramm- Adresse: «hszitliltwoktül»er»»". 2entralorgan ctep fosialckemokratifcken Partei veuttcklanäs. K.eclaktion: 8M. 68» I�inäenslragse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1S8Z. Dienstag, den 27. Juni 1905. 6xpcditton: 8M. 68» LindenstrAsae 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1N84. Herrenbergrecht. 1. Nm Montagabeub sind die Kommissionsberichte des preußischen Herrenhauses über die Berggesctznovelle er- schienen. Wenn eS noch eines Beweises beburft hätte, daß die die Bergarbeiterverhältnisse behandelnde Vorlage in der Fassung, wie sie aus den Händen deS Abgeordnetenhauses hervorgegangen ist, für die Bergarbeiter weniger als wertlos ist, so erhellt das aus der ver- schiedenen Behandlung, welche die geborenen Gesetzgeber Preußens einerseits der Vorlage über die Zechenstillegung, andererseits der über die Arbeiterverhälwisse haben angedeihen lassen. Während man in einem 2g Seiten umfassenden ausführlichen Kommissionsbericht der Oeffentlich- leit mitteilt, aus welchen Gründen man das Berggesetz zwar bekämpft, es aber schließlich doch, wenn auch nnt geringer Mehrheit— die endgültige Mehrheit verhielt sich wie 12: 7, einzelne Verschlech- tcrungen wurden aber nur mit 10: g Stimmen abgelehnt— angenommen habe, so gibt über das Schicksal des Stillegungsgesetzes ein einziges loses Blättchen Auskunft, das besagt: der mündliche Kommissionsbericht über dieses Gesetz würde auf die Tagesordnung einer der nächsten Plenarsitzungen gesetzt werden; und in Klammern wird außerdem bemerkt, daß die Beratung der Kommission über den Gesetzentwurf infolge einer Erklärung des Ministers für Handel und Gewerbe noch nicht hätte zu Ende geführt werden können I Das Stillegungsgesetz enthält nänilich, wenn auch nur ganz leise und schüchtern, über das jetzige Recht etwas hinausgehende Bestimmungen, welche das willkürliche Schalten in der Bergwerks- Nutzung zu beschränken suchen. So geringfügig der Eingriff der Staatsgewalt gegen die Willkür der Kapitalisten auch in diesem Falle ist. so hat das doch genügt, um die Herren zu so brüsker Opposition gegen die Vorlage zu reizen, daß die Vorlage nicht einmal in der Kommisfion zu Ende beraten wird, sondern von den Herrenhäuslern vor der Geburt erstickt wird. Dagegen hat man sich endlich doch entschlossen, das Berggesetz zu akzeptieren, obwohl man gegen die ganze Aktion die bekannten prinzipiellen Bedenken hatte, weil man eben sich darüber klar geworden war, daß dieses Gesetz dem Unternehmertum kein Haar krümmt, dagegen geeignet sei— nach der Hoffnung der Mehrheit der Herren— wenigstens die christlichen Arbeiter zu täuschen. Der Kommissionsbericht, in dem die Herrenberatungen deS Bergarbeitergesetzes niedergelegt sind, ist ein klassisches Dokument preußischer Sozialpolitik. Kaum aus einem anderen Aktenstück geht mit so brutaler Offenheit hervor, daß tatsächlich das Schicksal der großen Maffe in Preußen- Deutschland noch von Elementen be- stimmt wird, deren ganze Weltanschauung ohne jede Erschütterung und Abschwächung im Zeitalter des Feudalismus wurzelt. Wie man geborener Gesetzgeber ist— dieser Grundgedanke durchleuchtet den ganzen Kommissionsbericht— so ist man auch geborener Arbeiter. Jene herrschen, diese gehorchen; jene genießen, diese arbeiten. Freier Arbeitsvertrag bedeutet, daß der Staat sich ja nicht einmische, wenn die Macht des Unternehmertums den von Geburt dazu bestimmten willen- und wehrlosen Arbeitssklaven seine Bedingungen schonungslos diktiert; das ist der einzige.Fortschritt': die feudale Leibeigenschaft wird mit der Phraseologie deS Liberalismus begründet:.fteier Arbeitsvertrag'! Wie es Tiere gibt, die w dunklen Höhlen geboren werden und dort leben, ohne jemals das Sonnenlicht zu erblicken, so will es auch die Weltordnung. daß eS Bergarbeiter gibt, die unter Tage ihr Leben verbringen, um anderen zu üppig prassendem Dasein die Möglichkeit zu geben. Während doch so ziemlich die ganze Welt sich darüber allmählich einig geworden ist, daß man den Arbeitern wenigstens d a S Recht nicht verwehren darf, ihre Lebensbedingungen aus eigener Kraft zu verbessern, leben die.Herren' Preußens der kaum noch russischen Anschauung, daß solch freveler Versuch im Grunde Auflehnung gegen Recht und Ordnung sei. Der Kommissionsbericht ist auch insofern von Mchtigkeit, als er für die Interpretation deS vom Abgeordnetenhause angenommenen Gesetze« Sufschlüffe gibt, die jeden Zweifel darüber beseitigen, daß tatsächlich daS Gesetz für die Arbeiter leerer Dunst ist. So ist z. B. bisher nicht klar gewesen, wie die Bestimmung zu deuten sei, die das aktive und passive Wahlrecht zu den Arbeiterausschüssen an eine gewisse .ununterbrochene' Arbeitszeit bindet. Der Minister Möller hat jetzt auf eine Frage den.Herren' von der Kommission erklärt, daß Kränklichkeit für eine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses nicht angesehen werden könne,.wohl aber Abkehr des Arbeiters und Streichung desselben aus der Arbeiterliste, wenn er unter Kontrakt- bruch streikt". Diese Auffassung ist bisher, wenn wir nicht irren, von den Zentrumsanwälten des Berggesetzes bestritten worden. Nun hören wir. daß Streik unter Kontraktbruch eine Unterbrechung des Arbeitsverhältnisses im Sinne des Gesetzes bedeutet, daß somit nach eine« allgemeine» Streik überhaupt keine aktiv oder passiv Wahlberechtigten mehr auf den Bergwerken zu finden sein würden— mit Ausnahme der Streikbrecher. ES würden also in solchem Falle statt Ardciterausschüsscn Streikbrecher- »uSschüffe gewählt werden, und statt einer Interessenvertretung der Arbeiter eine Organisatton gegen die Arbeiter zugunsten der Unternehmer geschaffen werden. ES ist klar, daß die Herrenhäusler auf solche.SrbeiterauSschüffe' in der Tat sich einlassen können l Die Regierung tat überhaupt alles, um durch de- und weh- müttge Jnterpretattonen zu beweisen, daß der Gesetzesstummel, den daS Abgeordnetenhaus der Regierung gnädig in den Mund gedrückt hat, um sie zum Schweigen zu bringen, keinerlei Bedeutung habe. Allgemein wurde in der Kommission die Regierung gerüffelt, daß der .Zeitpunkt der Einbringung der Gesetzesvorlage als unglücklich bezeichnet werden müsse. Es habe den Anschein gehabt, als ob eine plötzliche Sinnesänderung w der Auffassung der Staatsregierung eingetreten sei'. Herr Möller befolgte gegenüber diesen und ähnlichen Ein würfen die für einen preußischen Minister.höchst charakteristische Taktik, vor der G e f a h r zu warnen, daß das Reich mit der Materie betraut werde..Die Staatsregierung vertrete', sagte er,.noch heute die Auffassung, daß die Berggesetzgebung wenn irgend möglich und so lange als möglich der Landesgesetzgebung vorbehalten bleibest müsse; und die Gefahr, daß die Materie im Reichstag er- ledigt werde, sei für ihn eine der Gründe gewesen, gerade den Moment für die Einbringung der Vorlage zu wählen, Joen er gewählt habe.' Und er unterstreicht diese Begründung nochmals, indem er aus- führte:„Die G e s a h r, die Gesetzgebung ins Reich versetzt zu sehen, sei allerdings für den Bergbau von einer solchen Wichtigkeit, daß jeder Schritt, diese Gefahr zu, verhüten, sich von selbst recht- fertigt.' Es ist ein Skandal, daß ein Mitglied deS Bundesrates des Deutschen Reiches, zu dem sich doch schließlich auch ein preußischer Minister zählt, in offenbarer Verhöhnung der Reichseinheit und des Reichstages es als eine„Gefahr" bezeichnet, daß die vom allgemeinen Wahlrecht gewählten Volksvertteter und nicht die von der Geburt zur Gesetzgebung bestimmten Gesetzgeber des preußischen Herren- Hauses über die wichtigsten Fragen des Volkes entscheiden. Damit wird das preußische Herrenhaus von einem Minister über den Reichstag ge- stellt, der preußischePartikulariSmus in seiner absurden Form als dasJdeal gegenüber der.Gefahr" der Reichscinheit proklamiert. Welchen inneren Wert hat da noch die deutsche Einheit, wenn es ein preußi- scher Minister wagen darf, die höchste Instanz Deutschlands auf diese Weise zugunsten einer Körperschaft auszuschalten, wie sie in der zivilisierten Welt nicht zum zweitenmal vorkommt. Die Bemühungen der Regierung, durch Anpassung an den Gedankenkreis der HerrenhäuSIer sich selbst als standesgemäß ge- borene Staatsmänner einzuschmeicheln, hatten wenig besänftigenden Erfolg. Mit ausgesuchter Bosheit verspottete der Referent, der durch seine Herrcnhausrede berühmt gewordene Dr. v. BurgSdorff, die Regierung des Herrn Möller, indem er ihr sozialpolittscheS Getue einfach dadurch dem Gelächter preisgab, daß er erzählte, wie es die Regierung denn selbst als Unternehmer treibe. Bei dieser Gelegenheit machte Herr von BurgSdorff eine Mitteilung, die geeignet ist, höchstes Aufsehen zu erregen. Indem der Edle nämlich mit einem großen Aufwand von Gründen die Beibehaltung des Nullens verteidigte, hhhnte er den Herrn Möller mit folgender Enthüllung.:„Wenn eingewendet werde, daß man im Saar- r e v i e r ohne das Nullen auskommt, so sei dagegen zu sagen, daß dort der FiskuS fast der alleinige Arbeitgeber sei. Er stehe mit de« Stummschen Werken im Kartell und die vom FiskuS abgekehrte« Leute würden bei den Stummschen Werken nicht angenommen und um- gekehrt anch. Außerdem besäße man noch die Disziplinarmaßregel der.Ablegung auf sechs Tage"... Gäbe man den rheinisch-west- fälischen Bergwerksvcrwaltungen dieselben Disziplinarmaßregeln wie sie der Fiskus im Saarrevier habe, so kann man allerdings auf daS Wagennullen verzichten. Aber in Westfalen bekommt jeder aus- gesperrte Arbeiter ein Haus weiter andere Arbeit, denn die Anftage nach Arbeitern sei immer noch sehr groß.' Herr v. Burgsdorff hat also in der Kommission behauptet, daß die preußische Regierung selbst als Unternehmer die durch die Gewerbe-Ordnung verbotene Verrufserklärung im fiskalischen Bergwerk zum System er- hoben habe. Die einst mit Zuchthaus bedrohte Verhinderung an fteiwillige Arbeit wird vom preußischen Bergfiskus auf Grund eines förmlichen VerttageS mit der Privatindustrie konsequent durchgeführt. Wer in den Stummschen Werken entlassen ist, findet in dem fiS- kalifchen Saarabien keine Arbeit mehr, ebenso wie die Stummschen Werke keine abgekehrten Fiskusarbeiter annehmen. Dabei werden für das Saargebiet die Arbeiter geradezu als Leibeigene an ihre Arbeitsstätte gefesselt. Den einzigen Nutzen aber, den die Arbeiter aus der.fteien Konkurrenz' noch etwa haben könnten, daß infolge großer Nachftage die Löhne steigen, wird durch dieses Abkommen zwischen Stumm und der Regierung vereitelt. Daß der Fiskus mit Stumm hinsichtlich der Presse ein ähnliches Abkommen gettoffen hat, weiß man längst. Daß er aber auch hinsichtlich der Arbeitslöhne und Arbeitsbedingungen auf diese Weise sich an die Privat- industrie verkauft hat, ist bisher, wenn auch vermutet, so doch nicht bündig bewiesen worden. Aus dem Kommissionsbericht geht nicht hervor, daß die Behauptung des Herrn von BurgSdorff seitens der Regierung bestritten worden ist. Sie hat vielmehr lediglich die brutale Strafe der.Ablegung auf sechs Tage', die den einzelnen Arbeiter mit 24 bis 30 M. Strafe bedroht, dadurch zu entschuldigen versucht, daß diese Strafe nur selten vorkomme. (Ein Schlutzartikel folgt.) Der Schrecken in Lodz. DaS offizielle Telegraphenbureau gibt in furchtbaren Zahlen das Ergebnis der blsttigen Straßenschlacht in Lodz: Lodz, 2S. Juni. Bei den letzten Unruhen wurden 343 Juden und 218 Christen getötet und insgesamt 700 Personen ver- wuudet. Die Arbeit in den Fabriken wurde wieder aufgenommen. Die konfessionelle Scheidung, die selbst im Tode noch vor- genommen wird, läßt erkennen, daß es in erster Linie das vom Joche des Zarismus dreifach geknechtete jüdische Proletariat ist, daS den wilden und heldenhaften Verzweiflungskampf geführt hat. Die Zahlen find sicher noch zu niedrig. Die Kosaken verstehen gegen die eigenen Landesgenossen glorreich zu siegen. Wenn am Sonntag Herr Arthur Levysohn im ,B. T.' erzählte, daß sich der Terrorismus des Lodzer Proletariats nicht nur gegen die Staatsgewalt und den Besitz, sondern auch gegen die.deutsche Intelligenz" wendet, so hat das Blatt damit eine infame Ber- leunidung der Helden verbreitet. Nach direkten Mitteilungen. die wir aus Lodz erhalten haben, und zwar gerade aus den Kreisen der.Intelligenz", kennt man in Lodz ohne Unterschied nur einen Feind: die Kosaken, die in diesen Tagen wie die Bestien gehaust haben, die wahllos und ohne Unterschied jeden niedergeknallt haben, der ihnen vor den Schuß kam, nicht nur demonstrierende Proletarier, sondern anch Angehörige aus den besitzenden Kreisen, Frauen und Kinder. So wurde noch nach der Beendigung der Straßenkämpfe in der Vorstadt Boluty, wie bürgerlichen Blättern telegraphiert wird, eine jüdische Familie, die in einer Droschke zum Bahnhos fuhr, von einer Kosaken- Patrouille überfallen. Alle fünf Insassen wurde» in dem Wagen erschossen. *•* Die Kosakcnherrschaft. Nach einem Telegramm des Montag wurde am Sonntag eine Bürgerdeputation, bestehend aus den Herren Dr. Krusche, dem Großindustriellen Poznanski, den Kaufleuten Dobranicki und Spronczkowski sowie dem Vorsteher der Stadt-Kredit- anstatt Gaiewitsch bei dem Generalleutnant Schustow, dem Kommandeur der Truppen im Gouvernement Pctrikau, vor- stellig über den furchtbaren Missbrauch, den das Militär mit den Waffen übe. Soldaten, vor allem aber die Kosaken, hätten harmlose Paffanten auf der Straße, Franen und Kinder in den Wohnungen erschossen«ud ausgeplündert. Als Beispiel wird angeführt, daß der Kutscher eines Großindustriellen. der mit 1500 Rubeln zur Bank geschickt worden war, unterwegs von Kosaken erschossen und des Geldes beraubt wurde. Der General sprach sein tiefstes Bedauern über diese Untaten aus und versprach, daß strengste Untersuchung und Bestrafung durchgeführt werden würde. Von der Schußwaffe sollte das Militär von jetzt ab nur Gebrauch machen, wofern von Manifestanten zuerst ge- schössen würde. Nachdem das ungeheure Verbrechen dieser Schlächterei begangen, bedauert der General, der nebenbei einen deutschen Namen führt. Sein Versprechen, sich zu bessern, bedeutet aber wohl, daß künftig nur noch auf Proletarier, nicht auf auf Angehörige von Besitz und Bildung geschossen werden soll »* • Eine Proklamation der Arbeiter. Das„Berliner Tagebl.' bringt ein Privattelegramm über das sozialdemokratische Flugblatt, das den Generalstreik in Warschau als Solidaritätskundgebung für die Lodzer Kämpfer proklamiert. Hier der Wortlaut dieser Proklamation, die uns soeben aus der Geheimdruckerci in Warschau zugeht: „Arbeiter! DaS revoluttonäre Warschau darf nicht gleich- gültig dem Ringen des revolutionären Lodz zusehen. Die Arbeiter von Lodz haben ein Recht, den Beistand der Arbeiter von Warschau zu erwarten. „Arbeiter l Zum Zeichen der Solidarität mit unseren Lodzer Brüdern, zum Zeichen des Protestes gegen die neuen Greuettaten der Zarenregierung muß ganz Warschau am Montag, den 26., zum Generalstreik greifen. Nicht eine Fabrik, nicht eine Werkstatt darf man Montag tättg sein, alle Bureaus, Banken, Läden, Restaurants. Konditoreien müssen geschlossen werden. Der Wagen- verkehr soll eingestellt werden. DaS Boll aber gehe hinaus auf die Straßen, zur Demonstration! Am Montag soll in den Straßen Warschaus die rote Fahne der Arbeiterklasse wehen! „Arbeiter! Auf zur Hülfe unseren Lodzer Brüder« l „Auf zum Generalstreik I „Auf zur Demonstration! „Nieder mit dem Mörderregiment! „Hoch daS revolutionäre Lodz l „ES lebe die Revolution! Das Warschauer Komitee der Sozialdemokratie Russisch-PolenS und Litauens. Warschau, 24. Juni IVOS.' Trotz der furchtbaren Kosakenschkächterei sind die Arbeiter Russisch-PolenS zu neuen Opfern bereit. Urber Lodz ist der Kriegszustand verhängt«orde». Der Generalstreik in Warschau, der proklamiert worden ist, ist nach den letzten offiziellen Telegrammen nicht zur vollen Durchführung gelangt. ES wird berichtet: Warschau, 26. Juni. Der Bersnch eines allgemeine» AuSstandes ist mißlungen, trotzdem die Stimmung erregt ist. In den Straßen Wronia und Krochmalna wurden fünf Barrikaden durch das Militär zerstört, wobei zwei Per- fönen umkamen. Der Fabrikbetreeb ist eingestellt, obwohl nuter den Arbeitern Mißstimmung über de« Ausstand herrscht. Das Telegramm ist unklar und widerspruchsvoll. Der Generalftteik der Jnduftrie-Arbeiter ist in Warschau— gerade nach diesem Telegramm— tatsächlich erfolgt. Wie weit andere Kategorien des Proletariats— Verkehrsarbeiter ic.— sich nicht beteiligt haben, ist aus den offiziellen Meldungen nicht zu ersehen. *** Bomben. Wnrslhao, 28. Juni.(Offizielle Meldung.) Aus Czenstochau wird gerüchtweise gemeldet, daß gestern abend auf den Polizei- meister eine Bombe geworfen sei, wobei dieser und sieben Vorüber- gehende verwundet worden seien. Czenstochau, 26. Juni.(Meldung der Petersburger Telegraphen- Agentur.) Bor dem Hause der Polizeiverwaltung wurde gestern avend eine Bomke geworfen, wobei einige Personen, die vorüber- gingen, verwundet wurden. *• * Was hinter dem nachfolgend gemeldeten„Unglücksfall" steckt, läßt sich einstweilen nicht aufklären: Petersburg, 26. Juni. In dem weit außerhalb der Residenz gelegenen Artillcrie-Polygon ereignete sich am Sonnabend eine Ex- ploston in der Füllabteilung, in der zlvei Mann unter Leitung eines Obersten ein dreizölliges Geschoß zu Schießvcrsuchen mit einem neuerfundenen Sprengstoff füllten. Alle drei Personen käme» ums Leben; der Füllraum wurde zerstört. politische(lebersickt. Berlin, den 26. Juni. Ueber die Marokkofrage haben zweimal längere Unterredungen zwischen dem Fürsten B ü l o w und dem französischen Botschafter in Berlin, Bihourd, statt- gefunden. Die deutsche Antwort auf die Note Rouviers ist noch nicht erfolgt, doch besteht auf Grund der Berichte des Botschafters auch in Paris die Hoffnung, daß die Verhandlungen in ruhigem Verlauf fortschreiten können und zu einer Verständigung führen werden. Zwei Aeußerungen der letzten Tage kennzeichnen die Stimmung sn Frankreich. In einer sozialistischen Versammlung in Lyon besprach I a u r s s die auswärtige Situation und die Stellung der Sozialisten. Er erklärte, die Frage sei ernst geworden, weil man sich auf ein Gebiet begeben habe, das mit Fallstricken besät sei. Die Sozialisten wünschteil niemals ein Mißverständnis zwischen Deutschland und Frankreich. Das englisch-frauzösische Abkommen sei keineswegs gegen Deutschland gerichtet; und wenn England dies glauben lasse, müsse Frankreich darüber wachen, daß der Sinn desAbkommens nicht entstellt werde. Janrss spricht schließlich die lleberzeugung aus, die gegenwärtigen Schwierigkeiten würden gelöst werden, ohne daß der Stolz der Nation verletzt werde. In Versailles hielt am Sonntag bei der Jahresfeier der Geburt des Generals Hoche Kriegs mini st er Bcrteaux eine Rede, in der er u. a. sagte: „Ich will nichts sagen, was eine Anspielung auf die gegen- wärtige Stunde sein könnte; und doch, ist eS nicht etwas Verbrecherisches, Furcht zu säen und Mißtrauen einzuflößen? Ich kann im Gegenteil sagen, dank der seit 32 Jahren gemachten An- strengungen ist unser Kriegsmaterial ersten Ranges, unser Proviant ist voll zur Stelle, und unsere Offiziere können den Vergleich mit denen der ganzen Welt aushalten. Frankreich handelt zum Zweck des Fortschritts und läßt sich leiten von dem Gefühl der all- gemeinen Freiheit und Brüderlichkeit." In Marokko dauern mittlerweile die anarchischen Zustände fort. Nach einer Meldung aus Tanger schoß einer der Mörder des Vizekonsuls Madden auf. den maurischen Platzmajor, der ihn fest- nehmen wollte, verwundete ihn und entfloh. Es wird vermutet, daß der Stadtgouverneur die Flucht begünstigte, weil er im Fall der Gefangennahme des Mörders einen Ausstand befürchtete. Zum Zehnmillioncnvcttel. Da einige brave„Patrioten" den Zehnmillioneubettcl als ein Zeichen für die schlechte Bezahlung der Offiziere hinzustellen be- liebten, obwohl in den letzten zehn Jahren für die aktiven Offiziere vom Reiche sehr viel geschehen ist, so bringen wir im folgenden eine Tabelle, die über die staatlichen Bezüge der Offiziere Aufschluß gibt. Vorausgeschickt sei, daß die Entschädigung, die die Offiziere für d i e M i e t u n g von Stallungen erhalten, nicht einbegriffen ist. Ferner sei bemerkt, daß zur Servisklasse A die größten Städte und besonders teuere kleinere Städte gehören, zur Servisklasse I zählen im allgemeinen die übrigen Städte mit über 40 000 Einwohnern, zur Servisklasse II Städte mit 20 000—40 000 Einwohnern, zur Servisklasse HI Städte mit 10 000—20 000 Einwohnern. Es erhält also jährlich: in Servis- in Servis- in Serbis- in Servis- Lebens- Charge �asse A klaffe I klaffe n klaffe III alter Leutenant... 1860 M. 1620 M. 1500 M. 1431 M. 20-29 I. Oberleutnant. 2460„ 2220„ 2100„ 2031„ 29-36. Hauptm. H. Kl. 4572 4062„ 3816„ 3684„ 35—41. Hauptm. L Kl. 5772„ 5262„ 5016„ 4884„ 40-44„ Major..... 7722„ 7212„ 6966„ 6834. 43—47„ Oberst.... 10514„ 9872„ 9476„ 9284„ 47—52,, Diese Zusammenstellung lehrt, daß die Offiziere ausreichend, vom Hauptmann II. Klaffe an für ihr Lebensalter sogar sehr gut bezahlt sind. Ein Hauptmann I. Klasse mit 41 Jahren erhält z. B. in Berlin, Breslau, Köln, Frankfurt a. M. 5772 M. und ein Major mit 45 Jahren 7722 M. Man vergleiche damit die Gehälter von Staatsbeamten, die im nämlichen Alter stehen. Dabei ist noch zu erwägen, daß von den deutschen Offizieren, mit Ausnahme der bayrischen, nicht einmal das Absolutorium eines Gymnasiums als Vorbildung gefordert wird. Wenn die Söhne der Junkerfamilien sich mit Linienregimentem zuftieden gäben, dann könnten sie auch jetzt noch„ihrem Kaiser mit dem Schwert dienen". Aber die Herren »vollen natürlich nur in„feudale" Regimenter, wo das Leben als Offizier sehr teuer ist, eintreten. Und das sollte ihnen der Zehn- millionenbettcl wieder ermöglichen. Wäre es nicht einfacher das Leben der Garde-Offiziere weniger kostspielig zu gestalten Z Max Hirsch. Aus Hamburg wird telegraphisch gemeldet, daß dort am Montag nachmittag der Landtagsabgeordnete Dr. Max Hirsch im Sanatorium v e r st o r b e n ist. Er erreichte ein Alter von 73 Jahren. Max Hirsch war der Sozialpolitikcr des Freisinns. So sehr seine sozialpolitischen Anschauungen sich dem kapitalistischen Wirtschaftssystem anpaßten und eingliederten, so muhte er gleichwohl mühevoll und ohne rechte Wirkung gegen das verknöcherte Manchestertum der ihm politisch Nahestehenden ankämpfen. Eine Studienreise nach England hatte ihn angeregt, auch in Deutschland Gewerkvereine nach englischem Muster ins Leben zu rufen. Er Ivard Jahrzehnte hindurch der Führer und Berater der auf seinen Namen neben dem Dunckers getauften Gewerkvereine, die jedoch nur ein Anhängsel bes politischen Freisinns blieben und niemals eine größere Stellung im deutschen Wirtschaftsleben und in der deutschen Arbeiterbewegung zu gewinnen vermochten. 1869 wurde Max Hirsch im 23. sächsischen Wahlkreise zum ersten- mal in den Norddeutschen Reichstag gewählt, er trat der damaligen deutschen Fortschrittspartei bei: 1877 wurde er von Berlin I, 1873 von Reuß j. L. in den Reichstag entsandt. 1890— 93 vertrat er Bitterfeld-Delitzsch. Im preußischen Landtage hat er noch bis in die neueste Zeit zu sozialpolitischen und Arbeiterfragen den Stand- Punkt seiner Partei vertreten.—_ Ilm daS Publikum über die hohen Bich- und Fleischprcise auf- zuklären, hat die„Allgemeine Fleischer-Zeitung" an fast alle Fleischer- meister im ganzen Deutschen Reich große Plakate gratis übersandt, in denen die Mittel angegeben werden, welche die Regierung an- wenden müßte, um der zu einer ernsten Kalamität gelvordenen Teuerung zu steuern. Der Aufruf schließt mit den Worten:„Die Regierung möge sich gesagt sei» lassen, daß es die höchste Zeit für , ist, einzugreifen."—_ Sprengpulver im Zentrumsttirm. Man schreibt uns vom Rhein: Die Verhandlungen auf der Generalversammlung des Berg- arbeiter-Berbandes zu Berlin haben lebhafte Debatten in der Zentrumspresse gezeitigt. Während ein Teil der Zentruinspreffe ffw au, i.„;: Standpunkt stellt, die Verhandlungen hätten bewiesen, daß die christliche Gewerkschaftsbewegung einen Damm gegen die sozialisttjche Hochflut bilde und deshalb eine lebhafte Agitation für dieielbe am Platze sei, behauptet der andere Teil genau das Gegen- tctt. Die„Kölnische VolkSzeiinug" und mit ihr noch einzelne Zentrums- blatter stellen sich auf die Seite der sogenannten Gladbncher Rich- tuug und protegieren die christlichen Gewerkschaften; die Hoffnung der hter m Betracht kommenden Führer, hauptsächlich der Bachems, geht P'Vfll!, mittels der christlichen Gewerkschaften die gefährdeten Retchstagssitze am Rhein halten zu können. Unter allen Umständen sollen die Industriearbeiter, soweit sie bis jetzt noch dem Zentrum angehörten, bei der Fahne gehalten werden. In Gegensatz zu diesem Teil der Presse nebst ihren Hinter- mänuern stellen sich die Vertreter der katholischen Gewerkschaften sowie die Vertreter der katholischen Baueruvereine und des Mittel- standeS. Diese bekämpfen die christlichen Gewerkschaften in einer ganz scharfen Weise. Besonders ist es die„Rheinische Volks- stimme", das Organ der katholischen Bauern, die am Rhein am entschiedensten Front gegen die christlichen Gewerkschaften und gegen die Kölner Rechtsanwälte, wie sie die Zentrumsführer im Rheiulande kurz nennt, macht. Nach der Generalversammlung des Bergarbeiter- Verbandes schrieb sie, daß die Verhandlungen bewiesen hätten, daß die christlichen Bergarbeiter mit den sozialdemokratischen auf eine Stufe zu stellen sind. Aus den Rede» der Führer, besonders des Reichstagsabgeordueten Hue, sei hervorgegangen, daß die christlichen Bergarbeiter noch streiklustiger wie ihreKameradcn gewesen seien und daß sie die sozialdemokratischen Führer mit Jubel empfangen hätten. Dieses sei ein klarer Beweis, daß die Handlungen der Bergarbeiter gar nicht mehr vom Christentum beeinflußt tvürden, die wahre Begeisterung für die christlichen Ideale sei ihnen verloren gegangen. Die Schuld trage nur die Zentrumspresse, die die sogenannten christlichen Gewerk- schasten großgezogen hätte. Nur die katholischen Fachabteilungen wären am Platze; die christlichen Gewerkschaften sind ein Abweg, der in den sozialdemokratischen Abgrund führt. Gegen eine solche Sprache zieht die„Westdeutsche Arbeiter- zeitung", das Hauptorgan der christlichen Gewerkschaften, zu Felde. Es wird da behauptet, daß die Taktik, wie sie von den katholischen Gegnern derchrisilichen Gewerkschaften geübt wird, nurschädigcud für die Zentrumssache sei. Von diesen Leuten würde den Feinden des Zentrums in die Hände gearbeitet. Doch läßt sich die„Volks- stimme" so leicht nicht schrecken, sondern sie gibt in ihrer letzten Nummer einer Zuschrift aus dem Kreise Essen Raum, in der auf- gefordert wird, für den Zentrumskandidaten Giesberts, den Redakteur der„Westdeutschen Arbeiterzeitung", nicht zu stimmen. Giedberts schwärme dafür, die Landarbeiter und Dienstboten zu organisieren, und sie den christlichen Gewerkschaften anzuschließen. Die in den Gewerkschaften verhetzten Landarbeiter würden sollten die Pläne Giesberts vcrivirklicht werden, das Ge- treibe auf dem Felde verfaulen lassen, wenn die Landwirte nicht alles bewilligten, was die Arbeiter verlangten. Für einen Mann mit solchen sozialdemokratischen Ideen, wie Giesberts sie vertrete, können der gewerbliche Mittelstand und die Landwirte nicht eintreten. So wogt der Kampf in dem Zentrum hin und her, die wirtschaftlichen Gegensätze innerhalb dieser bunt zusammengewürfelten Partei sind das Sprengpulver, welches dieselbe auscinanderreißen wird. Südwcstnfrika. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: Reiter Otto Heinrich, am 22. Juni 1905 im Lazarett Keetmanshop an Typhus gestorben, Reiter August Powelskus an Bauchsellentzündung gestorben, Gefreiter Ludwig Roßplesch an Typhus gestorben, Reiter Rudolf Dreher am 22. Juni auf dem Marsche Kub-Sendlingsgrab durch Selbsteutladuug des Karabiners verwundet. Ein Chinaprozeß. Der Reichstags-Abgeordnete K u n c r t soll in einer Reichs- iagswahl-Versammlung im Restaurant Weinrich in Halle am 16. Mai 1903 nach Aussage der überwachenden Polizeibeamten ge- sagt haben, die deutschen Soldaten hätten China verwüstet, hätten geplündert und die Frauen geschändet. Der Redner selbst b e- st reitet, diese Aeußerung getan zu haben. Aber der Kriegsminister als Vorgesetzter des ostasiatischen Expeditionskorps stellte Strafantrag wegen Beleidigung desselben. Der erste Termin, am 11. September 1903, wurde vertagt, um dem Angeklagten Gelegenheit zu geben, die Zeugen zu benennen, durch welche er die Richtigkeit der von ihm aufgestellten Behaup- tungen beweisen wollte. Der Reichstags-Abgeordnete Kunert be- nannte hierauf 42 Zeugen und ließ, nachdem das Gericht ihre Ladung abgelehnt hatte, sie selbst zu dem neuen Termin am 23. Oktober 1903 laden. Das Gericht beschloß jedoch, sie nicht zu vernehmen, sondern die Verhandlung wiederum zu vertagen, um eine Beweisaufnahme in vollstem Umfange zu ermöglichen. Es sollte Beweis erhoben werden: 1. über den Wortlaut der Acußc- rung des Angeklagten, 2. über die Stellung des Strafantragstellers, des preußischen Kriegsministers, zu dem ostasiatischen Expeditions- korps und die Stärke der einzelnen in ihm vertretenen Bundes- staatskontingente. . �©ßgö W eri zel-Rixvorf: Wir von der f. Kompagnie lagerten in Schanhaiktvan in einem Tempel; die Götzen hatten wir entzwei gemacht und das Holz zu Pferdeställen verbaut. Die Regale mit Büchern wurden zum Kochen benutzt. Den chinesischen Händlern in der Nähe des Forts wurden oft die Waren weg- genommen» sie selbst mit Füßen getreten und geschlagen. In den Tempeln und Häusern haben die Franzosen, Russen und Deutschen die Fenster eingeschlagen und Porzellan, Frauenschmuck. Kostbar- leiten, Silbergerät usw. offen auf dem Arm weggetragen. In einem Falle habe ich auch gesehen, wie ein Pionier einen Chinese», der am Boden lag und sich nicht mehr wehrte, totgestochcn hat. Etz- der Zeuge übet die Sittlichkeitsvcrb rechen der Soldaten aussag., bittet er, die Oeffentlichkeit auszuschließen. Der Staatsanwalt stellt den Antrag. Bert. Dr. Heinemann erhebt Widerspruch dagegen, ebenso sehr lebhaft der Angeklagte K u n e r t, der darauf hinweist, daß er auch seine Beschuldigungen öffentlich erhoben habe. Der Gerichtshof beschließt, bei den Aussagen über Sittlichkeiis- verbrechen durchweg die Oeffentlichkeit auszuschließen. Zeuge August Sternberg-Spandau: In Schanhaiktvan hat ein Oberstabsarzt sich an den Plünderungen in einer eroberten Schatz- kammer beteiligt.— Vors.: Wissen Sie das aus eigener Er- sahrung?— Zeuge Sternberg: Ich wurde herausgeschickt, aber...— Vors.: Verstehen Sie. aus eigener Wissenschaft sollen Sie hier nur bekunden.— Zeuge Sternberg: Ich habe gehört, wie der Oberstabsarzt den Major gefragt hat, ob er die eine Uhr mitnehmen könnte und dieser: Jawohl! sagte. Futter und Vieh haben wir überall mitgenommen; was wir haben niußten, nahmen wir mit. In den Tempeln wurden die Götzen herunter- geschlagen, um Platz für unsere 30 Pferde zu machen. In Peking sollten wir nach einem Befehl der Kommandantur alles richtig bc- zahlen. Trotzdem haben wir Seidenschuhe, Wasserpfeifen, Gummi usw. cinfach�veggcnommcn. Ueber Sittlichkeitsvcrbrcchcn weiß Zeuge aus eigener An- schauung nichts. Er weiß nur durch die Parole, daß ein Mann von der 8. Kompagnie mit soundsoviel Jahren Gefängnis bestraft worden ist. weil er eine Chinesin mit dem Seitengewehr bedroht, be- raubt und vergewaltigt hatte, und der Spielmann seiner Kompagnie wegen eines Versuches des gleichen Delikts mit 14 Tagen Gc- fängnis. Zeuge Moscr-Stuttgart hat als Angehöriger des württcm- bergischen Armeekorps die Expedition mitgemacht. Ans Befragen des Vorsitzenden erklärt er:»Esch sind Sache gemacht Wörde!" Im einzelnen gibt der Zeuge an, daß die Soldaten Silber- münzen, Schmucksachen, schöne Mäntel usw. mitgeführt hätten, die jedenfalls geraubt worden seien. Bei der Plünderung von Waug seien einige Chinesen erschossen und einige mit Stöcken geprügelt lvorden. An Sittlichkeitsvcrbrechen hat der Zeuge gesehen, wie ein Mädchen besinnungslos auf einem Hofe lag, ein Bein nackt, das andere noch halb in der Hose und von vier bis sechs Mann ge- braucht wurde. Es sollten aber schon zwanzig darüber ge- Wesen sein. Zeuge Jhlau bekundet: Ich habe gesehen, wie die Götzen in den Tempeln vollständig demoliert wurden. Die Köpfe waren ihnen abgeschlagen, die Augen ausgebohrt und sie waren verunreinigt. Dan» habe' ich auch Zer- störungen des menschlichen Körpers gesehen und Mißhandlungen. Als ich auf Wache ivar, befand sich ein Gefangner dort. Einige Leute von der Feldbatterie kamen hinzu und meinten:„Der macht ja so ein dummes Gesicht". Darauf hieben sie ihm ein Paar runter. Als er darauf die Zähne fletschte, bearbeiteten sie ihn so mit ihren Sporen, daß die Sporen zerbrachen. Bei einem Spaziergange prügelten meine angetrunkene» Kameraden Chinesen durch... Vors.: Das geht nicht so weiter. Ich lehne es ab, Fragen wegen Mißhandlung zuzulassen. Bert. H e i n e m a n n beantragt Gerichtsbeschluß über die Zu- lässigkeit von Fragen, die sich darauf erstrecken, ob Leib, Leben und Gesundheit von Chinesen zerstört worden sind, Güter, die erheblicher sind als materielle. Der Gerichtshof lehnt die Stellung solcher Fragen ab, da der Eröffnungsbeschluß nur die Zerstörung von Gegenständen ins Auge gefaßt habe. Auf Antrag des Verteidigers Rechtsanw. Heine- mann wird dieser Beschluß protokolliert. Zeuge G rub e- Elberfeld: Wir von der J.Kompagnie des 52. Infanterieregiments lagen 7 Wochen in Schanghaikwang, während deren wir nur Felddienstübungen machten. Nun werden die chine- fischen Särge auf der flachen Erde hingestellt und höchstens mit Erde überbaut. Da wurde bei den liebungen, ivenn es über die Särge hinweg ging, mancher morsche Sarg zerbrochen und die alten Chinesenskelette in den Schützenreihen umher geworfen, die Toten- köpfe usw. Schließlich beschwerten sich die Chinesen, die bekanntlich strengen Ahnenkultus treiben, und ein Bataillonsbcfehl verbot das für die Zukunft. Auf dem Vormarsch nach Tientsin fegten wir immer über die Baumwollstauden hinweg. In Tientsin bei der Parole wurden uns die schlvercn Strafen bekannt gegeben, die wegen Plünderung, Raub und allerlei Sachen verhängt worden waren. Oft plünderten nämlich die deutschen Truppen ihren eigenen Proviant, weil sie nicht genug zu essen bekamen. In Peking lagen wir mehrere Monate in der kaiserlichen Hofgärtnerei. Die kostbaren Blumcnvasen wurden hinausgeworfen und zertrümmert, um Platz zu schaffen. Nachher bezogen wir im Winterpalast Posten, wo bis dahin das deutsche Oberkommando gelegen hatte. Es war entsetzlich anzusehen, wie die abziehenden Truppen da gehaust hatte», Möbel, Spiegel, Stühle, kostbare Tische, alles war kurz und klein geschlagen..... Vors.: Waren Sie dabei, als es zerschlagen wurde? Zeuge: Nein. Wir wurden erst nachher hingeschickt, den Trümmerhaufen zu bewachen. Vors.: Wer es zerschlagen hat, können Sie also auch nicht wissen. Zeuge: Nein; aber zwischen dem Abzug des Oberkommandos und unserer Ankunst war niemand darin.— Vor dem kaiserlichen Palast standen zwei große Bronzelöwen mit zwei Bronze-Uhren unter der Tatze. Eines Tages waren die Uhren verschwunden; aber bei einem Offizierpreisschießen, zu dem ich zugezogen war. um die Gewehre zu laden, habe ich ganz genau gleich aussehende in den Preisen wiedererkannt. Jeder Offizier hatte das Recht,' zwei Ponys für sich zu requirieren. Wenn einer aber keinen Gefallen mehr daran hatte oder seine Ponys kaput geritten hatte, so ver- kaufte er sie und rcquierierte neue. Vors.: Ist denn das eine Plünderung? Zeuge: Das weiß ich ja nicht. Vors.: Dann brauchen Sie solche Fälle auch nicht mit- zuteilen. Zeuge': Vier Musketiere von meiner Kompagnie wurden mit je 7 Tagen Gefängnis wegen Plünderung bestraft. Auf der Etappenstation Dung-Tsckmu wurden von unseren Soldaten die eigenen Kantinen geplündert.(Vors.: Darum handelt es sich doch hier nicht.) Dann wurden dort Reislagcr beschlagnahmt.... Staatsanwalt: Ich bin aber dixl) der Ansicht, daß der Zeuge nicht alles mögliche sagen darf. Vors.: Lassen Sie ihn doch erzählen. Zeuge: 14 Tage gebrauchten die japanischen Kaufleute, an die der Reis verkauft wurde, um ihn wegzufahren. Ein Sergeant von uns spielte den Dolmetscher und hat danach viel Geld nach Hause geschickt. Auch Holz wurde von den japanischen Kaufleuten iveggefahren, und nachher waren wir genötigt, chinesische Häuser ab- zureihen, daniit wir nicht frieren mußten.— Der Zeuge will weitere Angaben nach seinen Aufzeichnungen machen, doch verbietet ihm das der Vorsitzende. Bert. Dr. Heinemann: Ich beantrage, dieser Anordnung gegenüber, durch Gerichtsbeschluß dem Zeugen zu gestatten, zur Auf- frischung seines Gedächtnisses sein Notizbuch zur Hand zu nehmen; ich sehe nicht ein, warum der Zeuge anders behandelt werden soll als die Polizeibeamten, die hier in breitester Weise ihre Notizen bc- nutzen durften.— Dem Antrage wird stattgegeben; es wird festgestellt, daß der Zeuge die Notizen%— 1 Jahr nach den Ereignissen, sofort bei der Entlassung aus dem Dienste gemacht hat. Er hekundet noch, daß Oborleutnggt v. Tschirschsy gls VertvMer des kaiserlichen Palastes in Peking, ihn habe nach angeblich ver- steckten Schätzen durchsuchen lassen, aber nichts gefunden habe. Die Soldaten, die dazu kommandiert waren, seien noch lange als „Schatzgräber" verulkt worden. Bert.: Das ist doch aber keine Plünderung- Zeuge: Aber doch ein Versuch. Staatsanwalt: Gab es denn in ganz China Nltr dieses eine Exemplar einer Bronzekugel? Zeuge: Das weiß ich nicht und habe ich nicht gesagt, daß es dieselbe war. Ich sagte und sage nur, daß die zur selben Zeit unter der Löwentatze verschwundene ganz genau der von mir erwähnten glich. Staatsanwalt: Dann ist es leicht zu verdächtigen, genau tdie mit den Möbeln im kaiserlichen Palast. Wer es getan, wie es gekommen und wann es geschehen, das wissen Sie nicht. War nicht in der Nähe eine Feuersbrunst? Z e u g e: Ja; aber danach wurde noch monatelang in den Ouar- tieren gewohnt. Und die Wohnungen waren damals noch alle schön eingerichtet und in Ordnung. Staatsanwalt: Haben Sie den. Reisverkauf mit an- gesehen? Zeuge: Ich habe davon gehört, allerdings von Truppen, die dort von Wache kamen. Bert. Dr. Heinemann: In dem demolierten Zustande wären die Quartiere im Kaiscrpalast unbewohnbar gewesen?— Zeuge bejaht das. Bert. Dr. Heinemann: Hatte die Bronzckugcl nicht bc- sondere Merkmale, aus denen Sie sie wiedererkannten. Zeuge: Ja, sie war gerippt wie eine Ananasfrucht, genau wie die Kugel, die nachher ausgeschossen wurde. Bert. Dr. H e i n e m a n n: Ist Ihnen bekannt, daß bei Käufen oft nur ein Scheinpreis gezahlt wurde? Zeuge: Ja, die Chinesen Ivollte» ja oft zu teuer bezahlt haben, aber oft haben die Soldaten ihnen auch nur soviel bezahlt, als sie eben Lust hatten zu zahlen. Wollten die Chinesen die Ware dafür nicht lassen, so bekamen sie Prügel. Man warf ihnen sodann das Geldstück hin. das man ihnen geben ivollte, und nahm dann die betreffende Sache an sich. Den weiteren Teil des Berichtes und unsere kritische Betrach- tung werden wir morgen veröffentlichen. Ein Privattelegramm aus Halle ineldet über den Ausgang des Prozesses: Der Reichstags-Abgcordiietc Kunert wurde, dem Antrage des Staatsanwalts entsprechend, zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. Hueland. KricgShctzcrci in Schweden. Von den schwedischen Chauvinisten der Ersten Kammer wird gegenwärtig eine heftige Agitation gegen den RegieruugSvorschlag auf eine gütliche Auseinandersetzung mit Norwegen betrieben. Man will, daß der Reichstag 100 Millionen Kronen zur Mobilisicriing bewillige. Die Mehrheit der Zweiten Kammer ist entschieden da- gegen, dennoch glaubt man, daß bei gemeinsamer Abstimmung beider Kammern eine knappe Mehrheit dafür zu stände kommen kann. Auch in der reaktionären Presse wird immer deutlicher die Forderung er- hoben, Norwegen durch einen Krieg zur Unterwerfung zu zwingen. Am Freitag ist in beiden Kammern des Reichstags eine Broschüre, in der in derselben Weise wie in der reaktionären Presse zum Kriege gehetzt wird, verteilt worden. Der Reichstag wird sich am Dienstage mit dem RegierungS- vorschlage befassen. Es wird ein Ausschuß eingesetzt werden, dessen Beratungen wahrscheinlich mehrere Wochen dauern werden. Stockholm, 26. Juni. Im Staatsrat wurde beschlossen, daß die wehrpflichtigen Matrosen, welche in diesen Tagen abgemustert werden sollten, bis auf weiteres im Dienst bleiben sollen.— Oesterreich-Ungar». LoS von Ungarn. Wien, 26. Juni.(Bon einem Sonderbericht- erstatter.) Wie die„Neue Freie Presse" meldet, wird die öfter- rcichische Regierung, um gegen alle Eventualitäten gesichert zu sein, beim Reichsrat durch einen Gesetzentwurf die Ermächtigimg nach- suchen, die Handclsbezichnngcn Oesterreichs nötigenfalls selbständig zn regeln.— Frankreich. Mnnöverunfall. Paris, 26. Juni. Die Meldungen der Blätter über den Manöverimfall bei Lyon sind übertrieben; getötet wurde niemand, ein Offizier und etwa zehn Soldaten wurden verletzt, aber keiner lebensgefährlich. Die„übertriebene" Meldung lautet dahin, es seien während eines Kavalleriemanövers zwei Eskadrons zusammengestoßen. Ein Unteroffizier wurde getötet, zwanzig Soldaten erlitten Verletzungen. Zwanzig Pferde wurden getötet. Griechenland. Das neue Ministerilim. Da die Mitglieder'des bisherigen Kabinetts, ausgenommen Mavro-Michalos, ihre Portefeuilles unter Ralli nicht behalten wollten, hat dieser sein Kabinett wie folgt ge- bildet: Ralli Präsidium, Finanzen und interimistisch Auswärtiges, Mavro-Michalos Krieg und interimistisch Inneres. Budoris Manne, Christopnlos Justiz, Kalliphornos Unterricht und Kultus. Die neuen Minister haben heute den Eid geleistet. Die Kammer wird wahr- scheinlich aus etwa zehn Tage vertagt werden. Kein Waffenstillstand! Nach einer Meldung des„Rcuterschen Bureaus" aus Washington wird es als unwahrscheinlich betrachtet, daß ein Waffenstillstand zwischen Rußland und Japan abgeschlossen lvird, ehe die Bevollmächtigten zusammentreffen, was nicht vor Mitte August zn erlvarten ist. Wir waren stets überzeugt, daß ein Waffenstillstand nicht zustande kommen wird, weim Japan nicht Gewißheit erhält, daß seine Friedensbcdingungcn in den wesentlichen Gnmdzügen Annahme bei Rußland finden. Vorboten der Schlacht. Petersburg, 26. Juni. Ein Telegramm des Generals L i n e w i t s ch lerntet: Am 22. Juni versuchten die Japaner an der östlichen Eisen- bahn unsere Vorhut im Tal des Kaokhe zu vertreiben, wurden aber in der Gegend von Khailungtschcn zurückgetrieben. Unsere Ab- teilung vertrieb auf dem Wege nach Nanschanchentzu die japanischen Vorposten und rückte südlich vor. Aus dem Wege nach Ufangln wich unsere Abteilung zurück, da sie beträchtliche Streitkräfte des Feindes bemerkte. Die Japaner verfolgten die Abteilung und besetzten Aulangtsi. Am 21. Juni nahmen die Japaner die Offensive auf und wurden von Schimyaotse und Touangu zurückgeschlagen. In Korea haben die Japaner am 21. Juni Susheng besetzt. Ein zweites Telegramm des Generals Linewitsck vom 25. Juni lautet: Am 22. Juni ergriff der Feind in der Gegend von Khailungtschen die Offensive gegen unsere auf dem Wege nach Schimyaotse befindliche Truppenabteilung. Der Angriff Ivar mit einer Nnigchungsbewcgnng auf den: rechten Flügel verbunden und wurde sehr energisch geführt. Die japanische Artillerie beschoß unsere Stellungen und die rasche Bewegung der Kolonne um unsere rechte Flanke bedrohte unseren Rückzug. Hierauf sandte der Kom- mandeur der Abteilung Kavallerie gegen die japanische Kolonne und befahl der Abteilung zurückzugehen; eine Verfolgung von feiten des Feindes fand nicht statt. Tokio, 25. Juni. Amtlich wird gemeldet: Der Feind, welcher eine Anhöhe nordwestlich von Nanschanchentzu besetzt hatte, wurde am Nachmittag des 22. Juni angegriffen und vertrieben. Ein Teil des Feindes, welcher die Anhöhen im Westen besetzt hielt, leistete aber hartnäckigen Widerstand. Die Stellung wurde schließlich durch einen Sttinnangriff genommen. Eine andere feindliche Abteilung, welche die Anhöhen im Norden besetzt hatte, wurde von der Front an- gegriffen. Gleichzeitig machten die japanischen Truppen eine Um- gehuugsbewegung von Nordosten aus, schnitten den Russen den Rück- zug ab und brachten ihnen große Verluste bei. Der Feind hißte in seiner Verwirrung die Flagge mit dem roten Kreuz, doch hörten die Japaner nicht ans zu feuern. Die Russen flohen in Verwirrung nach Norden. Ihre Stärke betrug etwa 3666 Mann an Infanterie und Kavallerie mit mehreren Geschützen. Der Feind ließ 56 Leichen zurück, seine Gesamtverluste betrugen reichlich 266 Mann. Japanischer- seits waren die Verluste unbedeutend. Russischer Völkerrechtöbrnch. Singapur, 25. Juni.(Meldung des„Rcuterschen BureauS".) Der holländische Dampfer„Perlak" brachte heute die Mannschaft des englischen Dampfers„ I k h o n a", welcher am 5. Juni durch den russischen Kreuzer„ T e r e k" 156 Meilen nördlich von Hongkong zum Sinken gebracht worden ist, an Land. Die Mannschaft war auf den„Perlak" übergeführt worden, welcher den „Terek" am 19. Juni getroffen hatte.„Jkhona" war mit Postsachen und einer Ladung Reis von Rangun nach Dokohamn bestimmt. Dschibuti, 25. Juni. Die Mannschaft des von den Russen ver- senkten englische» Dampfers„S a i n t K i l d a" ist an Bord eines russischen Hiilfskreuzers hier eingetroffen. • Im englischen Unterhaus gelangten die russischen Heldentaten am Montag zur Besprechung. Es wird darüber ans London telegraphiert: Mac Arthur richtete eine Anfrage an die Regierung in der Angelegenheit der Beschlagnahme und des Versenkens englischer Schiffe durch russische Kreuzer. B o w l e s fragt gleichfalls, was in dem Falle des„Knight-Cominandcr" geschehen sei. Premierminister Balfour erwidert, er hege keinen Zweifel, daß Ge- nngtnung gegeben werden würde. Er sei froh, bezüglich der Frage Mac Arthurs imstande zu sein, dem Hanse mitzuteilen, daß Eng- land die besten Gründe habe, zn glauben, daß die russische Re- gierung das Vorgehen der Kreuzer mißbillige und daß an den „Dnieper" nach Dschibuti Befehle gesandt worden seien, welche eine Wiederholung solcher Verletzungen des Völkerrechts unmöglich machen._ Soziakö. Vom Berliner Kanfmnnnsgcricht. Ein Anreißer, der polnisch sprechen kau», ist für einen Kleider- Händler in der Linien st raßc eine wertvolle Kraft. Darum hatte der Anreißer, der am Sonnabend vor dem Kaufmaunsgericht sein Recht suchte, für jeden Sonnabend und Sonntag, Ivo er vorüber- gehende Leute zu einem Reinfall in den Kleiderkeller zu bewegen suchte, 2 M. erhalten. Aber eines Sonntags soll er nut umher- stehenden Leuten allerlei llnsinn getrieben haben, statt in würdiger Weise seine Pflicht zu tu». Deswegen hatte ihn der Chef unter Anwendung chrverlctzender Worte plötzlich entlassen. Es war ihm nicht möglich, unter ebenso günstigen Bedingungen sogleich eine ähnliche Stellung zu finden und nun beanspruchte er 8 M. Gehalt. Es schien jedoch zweifelhaft, ob hier ein festes Anstellungsverhältnis vorgelegen hatte, da nach Aussage des Beklagten und seines Zeugen der Kläger allemal im Laufe der Woche anzufragen pflegte, ob mau am nächsten Sonnabend und Sonntag seiner bedürfe. Der Prozeß wurde durch einen Vergleich erledigt, wonach dem Kläger die Hälfte der verlangten Hümme zuteil wurde; 2 M. hatte er bereits, um den Hunger seiner Kinder zu stillen, eines Tages von einem Gastwirt erhalten und sie waren vom Chef zurückgezahlt worden, die anderen 2 M. erhielt er bar ausbezahlt. /Die Kosten des Verfahrens, 26 Pf. Straßcnbahngcld für den Zeugen, über- nahm großmütig der Beklagte. Als gegen die guten Sitten verstoßend konnte wohl mit Recht von Tack u. Co. den Anstellungsvertrag bezeichnen, der für die Leiter der gegen 86 Verkaufsstellen bindend sein soll, aber, wie der Kläger nachwies, offenbar nur gelegentlich in seiner vollen Schärfe angewandt wird. Der Vertrag gibt der Firma das Recht, einen Geschäftsführer bei irgend welcher Unregelmäßigkeit sofort zu ent- lassen, ohne dabei an den Nachweis eines Verschuldens gebunden zu sein. Der Kläger war 4 Jahre als Geschäftsführer einer Filiale tätig gewesen, und es hatten sich bei den halbjährigen Inventuren des öfteren Mankos von 62 bis zu 181 M. herausgestellt, doch wurde davon wenig Aufhebens gemacht und man verrechnete sie einfach auf die dem Kläger neben seinem Gehalt zustehende Provision. Außerdem war die Firma durch eine Kaution von 2666 M. gegen Verluste gesichert. Als jedoch bei der letzten Inventur 85 M. Manko und außerdem festgestellt wurde, daß der Kläger 75 M. Kredit ausstehen hatte, wurde er ohne Beachtung der Kündigungs- frist entlassen. Das Kreditgebcn an Käufer ist zwar durch den Vertrag verboten, wird aber, wie ein vom Kläger vorgelegtes ge- drucktcs Formular zur Feststellung der Außenstände zu beweisen scheint, stillschweigend geduldet. Das Manko des letzten Halbjahres, das bei einem Jahresumsatz von 61 666 M. nicht als besonders hoch erscheint, wurde vom Kläger darauf zurückgeführt, daß man ihm statt geübter Verkäuferinnen drei Lehrmädchen, für die im ganzen 85 M. Monatsgehalt ausgegeben wurden, überwiesen hatte. Daß bei dem Manko kein Verschulden des Klägers vorlag, hatte die Firma ausdrücklich in einem Zeugnis bestätigt. Der eigentliche Grund der Entlassung scheint der ge. Wesen zu sein, daß die Einnahmen der Filiale zurückgegangen waren, was, wie der Kläger bemerkte, schon in den letzten Jahren vor Be- ginn seiner Tätigkeit der Fall gewesen war und im übrigen auf die Eröffnung von nicht weniger als 6 Konkurrenzgeschäften sowie auf Geschäftsauflösungen, verbunden mit Ausverkäufen, zurückzn- führen war. Der Vertreter der beklagten Firma erklärte sich wohl zu einem mageren, den Kläger nicht befriedigenden Vergleich bereit, meinte aber im übrigen, daß ein derartiger Vertrag wie der vor- liegende notwendig sei. Das Gericht kam zu keinem Urteilsspruch, sondern ordnete weitere Beweisaufnahme an. Unter anderem soll die Beklagte einen Provisionsauszug aus ihren Geschäftsbüchern vorlegen, da der Kläger neben scineni Gehalt selbstverständlich auch die ihm durch die vorzeitige Entlassung entgangene Provision be- ansprucht. Ob kaufmännische Angestellte oder gewerbliche Arbeiterin? Diese Frage war bei der Klage einer Lageristin gegen den Chef einer Wäschefirma von Bedeutung. Die Klägerin hatte wohl vor- wiegend kaufmännische Arbeiten verrichtet, aber auch Wäsche gc- plättet, was übrigens in derartigen Geschäften auch von rein kauf- männischen Angestellten ausgeführt wird. Zu ihren Ungunsten schien der Umstand zu sprechen, daß sie bei Antritt der Stellung dem Chef ihr aus einem anderen Arbeitsverhältnis herrührendes Arbeitsbuch übergeben hatte. Der Fall wurde durch einen Vergleich erledigt, wonach die Klägerin statt der verlangten 54 M. 26 M. erhielt. Der Vorsitzende des Gerichts gab ihr schließ- lich noch den Rat, in Zukunft, wenn sie als Handclsgehülfin eine Stellung bekleide, keine Eintragungen in ihr Arbeitsbuch machen zu lassen. „Sozialist bin ich nicht, aber Antisemit bin ich in Ihrem Hanse geworden," so hatte der Angestellte zu dem Chef eines großen Export» geschäftes gesagt, nachdem dieser ihm sozialistische Anreizungen vor- geworfen und unter anderem auch davon gesprochen hatte, daß er ihm„ekelhaft" sei. Es kam in der Verhandlung über diesen Fall auch eine Notiz aus dem„Vorwärts" zur Sprache, in der der Kläger, der Angestellte, als ein„antisemitischer Jude" bezeichnet worden war, was aber offenbar auf einem Irrtum beruhte. Für die Sache selbst war diese Notiz nur von geringer Bedeutung. Da der Kläger als portugiesischer Korrespondent und Kenner der in Be- tracht kommenden Absatzgebiete der Firma besonders wertvoll er-, Mv, hatte, jie ijm durch eine Ksntux.reiiztlq vjV gebunden» ßei SOOO M. Köinveutionafftrafe zwei Jaljre Tätig nach Lösung deZ Anstcllungsvertnagc� bei keiner'Konkurrenzfirma in Stellung zu treten, noch direkt oder indirekt für eine solche tätig zu sein. Durch den angedeuteten Wortwechsel und damit zusammenhängende Streitigkeiten kam es zur Kündigung durch den Chef und zur bor- zeitigen Lösung des Arbeitsverhältnisses. Der Kläger beanspruchte sein Gehalt bis Ende Juni, 376 M., und Befreiung von der Kon- iurrenzklausel. Die Verhandlungen nahmen einen eigentümlichen Anfang, indem der Kläger dem Beisitzer O p p e l die Frage vor- legte, ob er sich, da sie in politischer Hinsicht einander oft als Gegner gegenübergestanden hätten, befangen fühle. Die Frage wurde ver- ncint; einen Ablehnungsantrag erklärte der Kläger nicht stellen zu wollen. Die Verhandlung dauerte geraume Zeit. Das Gericht nahm in seinem Urteil an, daß der Beklagte nicht ganz unschuldig an der Lösung des Arbeitsverhältnisses sei und daß demgemäß der 8 75 des Handelsgesetzbuches zutreffe. Es beschränkte die Kon- kurrenzklausel auf bestimmte südamerikanische Staaten und erklärte im übrigen die Gchaltsansprüche des Klägers für berechtigt. Langdauernbe Ncntengcwährnng ohne formellen Bescheid der BcrufSgenossenschaft ersetzt solchen Bescheid.— Hineingefallen ist die Zuckcr-Berufsgenossenschast mit einem Versuch, durch Nachholung eines vor 14 Jahren vergessenen formellen Rentenfestsetzungsbescheides zu erzielen, was sonst nur durch ein Verfahren auf Rcntcnherab- setzung unter Beachtung der Vorschriften des Z 88 des Gewerbe- Unfallvcrsichcrungsgcsetzcs möglich ist. Der Arbeiter Müller hatte 1886 durch Betriebsunfall in einer Zuckerfabrik aus einem Auge jede Sehfähigkeit verloren. Nach Entlassung aus der Augenklinik in Halle a. S. faßte der Vorstand der Zucker-Berufsgenossenschaft den Beschluß, M. eine Rente von 33� Proz. zu gewähren, und der Verletzte erhielt denn auch diese Rente, ein formeller, bcrufungs- fähiger Bescheid wurde ihm aber nicht erteilt. Auch im folgenden Jahr erhielt er einen solchen nicht, obwohl eine Nachuntersuchung erfolgte und Sanitätsrat Dr. Fischer aussprach, die 33% Proz. wären wahrscheinlich dauernd zu gewähren. 1963 wurde ein neues Heilverfahren notwendig, da M. Beschwerden hatte. Das tote Auge mußte aus der Höhle entfernt werden. Darauf gab Dr. Fischer zu Beginn des Jahres 1864 ern Gutachten ab, daß 25 Proz. aus- reichend seien. Auch jetzt wurde kein Bescheid erteilt. M. erhielt aber ruhig seine 33% Proz. bis zum September 1964. Dann aber, nach- dem man wohl das Fehlen eines formellen Bescheides erkannt hatte, erteilte die Berussgenossenschast einen solchen in der famosen Fassung, daß M. für die Zeit vom Jahre 1896 bis zum 1. September 1964 eine Unfallrente von 33% Proz. und von da ab eine solche von 2 5 Proz. zu gewähren sei. M. klagte auf Weitergcwährung der 33% Proz. und das Schieds- gericht gab seinem Antrage statt und verurteilte die Berufsgenossen- schaft demgemäß. Die Berufsgenossenschaft legte noch Rekurs ein beim Reichs- Versichcrungsamt und nahm das Rechtsmittel trotz Zuredens des Senatsvorsitzenden Dr. Fricdensburg nicht zurück. Der Senat ver- warf am 24. Juni den Rekurs der Berufsgenossenschaft, indem er davon ausging, daß es sich hier um ein unzulässiges Vorgehen der Berufsgenossenschaft handele, insofern die mehr alL zehn Jahre gewährte Rente von 33% Proz. vom t. September 1964 ab auf 25 Proz. vermindert werden sollte. Das Reichs-Versicherungsamt ist der Meinung, daß eine langandauernde bestimmte Rentengewährung ohne formellen Bescheid einen solchen ersetzt. Es ist deshalb nach Anficht des Ge» richts verfehlt, nach beinahe 14 Jahren einen Bescheid zu erteilen, der die fragliche Minderung der Rente enthält, nachdem die 33% Proz. solange gezahlt worden sind, wenngleich ohne formellen Bescheid. Die Herabsetzung der Rente hätte nur wegen Eintritts einer wesentlichen Besserung im Zustande des Verletzten unter Be- achtung der Vorschriften des§ 88 des Gewerbc-Unfallversicherungs. gcsetzes herbeigeführt werden können. Im vorliegenden Falle gemäß Absatz 3 dieses Paragraphen nur auf Antrag der Bcrufsgenossen- schaft durch Entscheidung des Schiedsgerichts. Ge�erkscbaMickes. Arbeitergroschen! Ein ständiges Thema war in der Zcntrunlspresse das der „sozialdemokratischen Agitatoren", die sich„von Arbeiter- groschen mästeten". Durch derartige Notizen wollte man auf die niederen Instinkte der unaufgeklärten Arbeiter wirken, damit sich diese von der Sozialdemokratie und den freien Gewerkschaften fernhielten. Nach Gründung der christlichen Gewerkschaften verschwand das beliebte Thema so nach und nach aus der Zentrumspresse und findet man nur noch hin und wieder eine auf die Agitation hinzielende Notiz in irgend einem Kaplansblatt. Es hat die Wendung der Dinge aber auch seine guten Gründe! In den christlichen Gewerkschaften sind jetzt schon 91 Beamte gegen Gehalt angestellt und wird darauf gesehen, diese Zahl noch fortwährend zu vermehren. Also 91 Agi- tatoren, die sich von Arbeitergroschen mästen, wenn man im Zentrumsjargon sprechen wollte. Wie sich doch die Zeiten ändern! Berlin und Gnlgegcnd. Der Streik der Berliner Tcppichweber ist nach 12wöchentlicher Dauer in 2 Fabriken beendet, dagegen dauert er bei der Firma F e i b i s ch unverändert fort. Die Firmen Baader und Benjamin bewilligten nach langen Verhandlungen durchschnittlich 8 Proz. Lohn- aufbesserung für die Weber und ihre Hülfsarbeitcrinnen. Für die Lohnarbeiter und Hausdiener war es nicht möglich, eine Lohnauf. besserung durchzusetzen. Für die Weber wurde ein Stundenlohn bei der Firma Baader von 35 Pf. und bei der Firma Benjamin von 46 Pf. pro Stunde vereinbart. Eingestellt werden sämtliche Arbeiter bis auf 2 Hausdiener. Den Hauswebern von Bernau und Nowawes wurden annähernd dieselben Zugeständnisse gemacht wie den Berliner Kollegen.— Herr Feibisch, der in der Teppichfabrikation fast durch. weg den niedrigsten Lohn zahlte, hat sich bis jetzt noch nicht bequemt, den Arbeitern annehmbare Zugeständnisse zu machen, die zu einer Einigung führen könnten. In diesem Betriebe wird der Streik mit aller Energie fortgesetzt, bis zwischen Herrn Feibisch und den Strei- kenden ein ehrenvoller Friede zustande gekommen ist. Es verharren auch weiterhin die Feibischen Hauswcber in Bernau und Nowawes im Ausstand.— Die Streikenden richten an die gesamte Arbeiter- schast den Appell, sie in diesem Kampfe durch Fernhaltung von Arbeitswilligen zu unterstützen. Alle arbeiterfreundlichcn Blätter werden um Abdruck ersucht. Die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Kutscher und Mitfahrer der Sprit- und Likörfabrik Herm. Meyer u. Co., Wattstr. 11/12, sind sehr der Aufbesserung bedürftig. Zwecks Regelung dieser Ver- Hältnisse reichten die in Betracht kommenden Arbeiter auf schrift- lichem Wege ihre Wünsche ein und ersuchten die Firma, bis Sonn- abendabend denselben Bescheid zukommen zu lassen. Ohne jeglichen Grund wurden darauf am Freitagabend mehrere Arbeiter entlassen. Als am Sonnabend früh eine Kommission der noch im Betriebe befindlichen Kutscher vorstellig wurde und die Wiedereinstellung der Entlassenen verlangte, wurde dieselbe kurz abgewiesen. Darauf legten sämtliche noch im Betriebe befindlichen Kutscher die Arbeit nieder. Eine Verhandlung seitens der Vertreter des Verbandes der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter wurde von der Firma abgelehnt. Die Firma H. Meyer u. Co., welche in Berlin sehr viele Filialen hat, auf die Kundschaft der Arbeiter rechnet und nur durch dieselbe besteht, war seit Jahren bestrebt, ihren Arbeitern das Koalitionsrecht zu verweigern. Die Kutscher Berlins werden ersucht,'den Zuzug fernzuhalten und dort keine Arbeit anzunehmen. Die Ortsverwaltung des Zentralverbandes der Handels-, Transport- und VcrkehrSarbeiter Deutschlands. Achtung, Kleber und Bauhandwerker! Die bei unS organisierten Kleber sind verpflichtet, heute Dienstag abends von 6 Uhr ab die Kontroll-Legitimation in Empfang zu nehmen. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer Berlins. Bureau: Schützenstr. 18/19. Teleph.: Amt I 1363. Oeutfttieo Reich. Achtung, Fliesenleger. Die Firma Opderbeck u. Reese in Düsseldorf sucht auslvärts Mesenleger nach Düsseldorf. Die dortigen Kollegen befinden sich seit Pfingsten wegen fortgesetzter Preis- reduzierungen seitens obiger Firma im Streik. Verhandlungen lehnte die Finna mit dem brüsken Bemerken ab.»sie habe weder Lust noch Zeit, mit den Arbeitern'zu verhandeln". Wir bitten die Kollegenschast Deutschlands, den Zuzug nach Düsseldorf streng fern- zuhalten und ersuchen alle arbeiterfreundlichen Blätter, besonders Rheinlands und Westfalens, um Abdruck dieser Notiz. Die Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands. Zum Kampfe in der Zigarcttcnindustrie Dresdens. Am Freitag tagte im großen Saale des Trianons eine Versammlung der ausgesperrten Zigarettenarbeiterinnen und-Arbeiter. Sie nahm Stellung zu der Frage, welche? Interesse der Trust an der Verlängerung des Kampfes habe. Nach den Ausführungen der Redner ist der Trust (die Firmen Jasmatzi und Josettii an der Verlängerung deS Kampfes in hohem Maße interessiert. Sein Bestreben sei, andere mit- känipfende Firnren zur Strecke zu bringen. Für die jahrelang aus- gestandene Qual, die ihm durch die anderen Firmen bereitet worden sei, wolle er sich entschädigen. Ein Schauspiel für Götter sei es, zu sehen, wie diese feindlichen Brüder, die sich gegenseitig den Tod geschworen, jetzt gemeinsame Sache machten, weil es gelte, Tausenden von Arbeiterinnen das Koalitions- recht zu nehmen. Der Trust würde, zum Schaden der anderen Firmen, reichlichen Nutzen ans diesem Kampfe ziehen, das möchten sich die Anti-Trustlcr gesagt sein lassen. Heftiger Protest wurde dagegen eingelegt, daß Ausländer, die sich sowohl unter den Trust- wie Anti-Trust- Leuten befänden, es wagen dürfen, deutschen Bürgerinnen und Bürgern gesetzlich gewähr- lei st ete Rechte zu rauben. Im weiteren Verlaufe der Ver- sammlung machte'der Vorsitzende des Tabakarbeiter- Verbandes, Deichmann- Bremen, den Vorschlag, noch einnial die Hand zum Frieden zu bieten, und empfahl nachstehende Resolution: „Die im Ausstande sich befindenden Zigarettenarbeiter und -Arbeiterinnen bekunden aufs neue, daß sie nach wie vor an ihren bekannten Forderungen festhalten. Um aber zu zeigen, daß es ihnen wirklich ernst ist mit der(vom Arbeitgeberverbande aller- dings angezweifelten) dargebotenen Friedenshand— in der Ver- sammlung vom 14. Juni 1965—, erklären sie sich damit ein- verstanden, wenn die Ausstandsleitung dem Arbeitgeberverbande in der Zigarettenindustrie für Dresden und Umgegend den Vorschlag macht, die Herren I. Schloß macher, Syndikus des deutschen Tabakvereins, und H. Meister, Reichstags-Abgeordneter. zu er- suchen, einleitende Schritte zur eventuellen Verständigung zu unter- nehmen." Ausnahmsweise wolle man einmal einem Rate der„Süd- deutschen Tabakszeitung", dem legitimen Organ der deutschen Tabak- industriellen, Rechnung tragen, die ebenfalls wiederholt empfohlen habe, den Vorstand des Tabaksvereins als Vermittler anzurufen. Mit dem Hinweise, daß, wenn der Arbeitgeberverband diesen gut- gemeinten Vorschlag nicht akzeptiere, der Kampf ungcschwächt weitergeführt werden müsse, wurde die Resolution einstimmig angenommen. Man wird ja nun abwarten müssen, welche Stellung der Arbeit- geberverband nunmehr einnehmen wird. Im Kampfe befinden sich noch über 3996 Zigarettenarbeiterinnen. Arbeiter Deutsch- lands, unter st ützt die kämpfenden Zigaretten- arbeiterinnen. Die Aussperrung an der Unterweser. Aus Bremerhaven wird uns geschrieben: Die Drohung der Rickmersschen Werftleitung, daß, wenn bis Freitag zwischen der Tecklcnborgschen und Scebcckschen Werft und den daselbst ausständigen Kesselschmieden keine Einigung erzielt sei, am Sonnabend auch sie den Betrieb schließen werde, ist Sonnabend- abend tatsächlich ausgeführt worden. Die gesamten Rickmersschen Arbeiter— etwa 800 an der Zahl— erhielten ihre Entlassung. Nur einzelne sollen vorläufig noch weiter arbeiten und mit Auf- räumungsarbciten usw. beschäftigt werden. Damit wäre nun die Schar der von dem protzenhaften Uebermut der Wcrftgewaltigen aufs Straßenpflaster Geworfenen auf ca. 3466 gestiegen. Gerade die Rickmerssche Werft verfügte über einen ausgedehnten Stamm Arbeiter, der lange Jahre— viele sogar 15— 20 Jahre— dort gearbeitet hat. Auch diese Leute sind jetzt der Kapitalssoli- darität geopfert worden. Den Mut und die Standhaftigkeit der Arbeiter, deren bedingungslose Unterwerfung gefordert wird, hat jedoch auch dieser neueste scharftnacherische Brutalitätsakt nicht zu brechen vermocht. Daß nun dadurch das Werftkapital endlich die Lehre zieht, daß es in der Arbeiterschaft keine blöden Hüduren vor sich hat und die Arbcitersolidarität heute kein öder Wahn mehr ist, das gibt es natürlich nicht. Durch seine Presse läßt es erklären, und auch unsere Informationen bestätigen es, daß, falls auch jetzt keine Beilegung des Konfliktes erfolgt, im Laufe dieser Woche zu- nächst der Betrieb der„V u l k a n"-Werft in Vegesack und darauf derjenige der Aktiengesellschaft„Weser" in B r c m e n geschlossen werden soll. Unmöglich wäre es außerdem nicht, daß auch der „Norddeutsche Lloyd" sich diesem Vorgehen anschließen und zunächst in bestimmten Betriebszweigen seiner großen Bremer- havener Werkstätten Arbeitsentlassungen vornehmen werde. Die nächsten Tage schon werden zeigen, ob man wirklich diese neuesten brutalen Willkürstreiche zu führen sich unterfängt. Einen treffenderen Beweis von der Kulturfeindlichkeit, ja von der Gemeingefährlichkeit der Unternehmervereinigungen, als wie er in dem jetzigen schamlosen Vorgehen der Werftgewaltigen an der Unterweser zutage tritt, dürfte es kaum geben. Allerdings in den Brutalitätsakten der ostelbischen Junker und derjenigen der Kohlen- und Schlotbarone findet er ein ebenbürtiges Gegenstück. Der kollektive Arbeitsvertrag in der Offenbacher Portefeuille- Industrie ist nunmehr mit einigen Aendcrungen auf die preußischen Dörfer Bergen, Enkheim. Fechenheim und Bischofs- heim, alle in der Nähe von Frankftnt a. M. gelegen, ausgedehnt worden. Sie sind der Hauptsitz der Börsen-iBeutel-)Jndustrie, die dort 323 Arbeitskräfte ausschließlich in Hausindustrie mid Heim- arbeit beschäftigt und Geldtaschen erzeugt, die anscheinend aus einem Stück bestehen. Wirklich ist das Leder gestückt und wird naß über Klötze gezogen, wo eS Form und Falten der Börse erhält; mit Wachs usw. wird an Naht und Kanten nachgeholfen. Die Prozedur strengt den Körper an und wirlt für den weiblichen Or- ganiSmus schädlich. Der neue Vertrag verbietet mm die Anlernung neuer weiblicher Klotzer und An« schläger, ferner dürfen an der Steppmaschine Arbeite- rinnen unter 15 Jahren nicht beschäftigt werden.(Erstrebt werden muß der gänzliche Ausschluß von Frauen an Stepp- Maschinen ohne motorische Kraft.) Die wöchentliche Arbeitszeit setzt der Vertrag fest auf 57 Stunden, also drei Stunden mehr wie in der Offenbacher Portefeuille- Industrie. Als Begründung für die längere Arbeitszeit gaben die Arbeitgeber an. ihr Personal habe keinen«veiten Weg zur Arbeitsstätte. Dieser Begründung mußte einstweitcn nachgegeben werden. Der Vertrag setzt M i n d e st l ö h n e fest, die den Akkordarbeitern garantiert werden. Heimarbeitern ist die Beschäftigung bonLehr- lingen und jugendliche»Arbeiter u nicht gestattet; in Werkstuben ist auf zwei Gehülfen höchstens einLehr« l i n g oder jugendlicher Arbeiter zugelassen. Bis Sonnabend hatten 32 Arbeitgeber mit 233 Arbeitskräften bewilligt. 19 mit 95 Beschäf- tigten waren noch rückständig. Bei diesen 19 soll am 1. Juli in den Streik getreten werden.— Der Offcnbacher Vertrag ist von der F a b r i k a n t e n v e r e i n i g u n g mit allen gegen nur drei Stimmen genehmigt und gleichzeitig ist durch Beschluß aus- gedrückt worden, daß die Abmachung, nach der bei Abwehr„ungerecht- ferttgter Forderungen" den Mitgliedern der Vereinigung Beistand und Hülfe zu gewähren ist, auf Forderungen aus dem Vertrag außer Kraft gesetzt wird. Zur Androhung von Konventtonal- strafen bei Tarifbruch hat die Bereinigung sich aber nicht auf- geschwungen. Zum Lohnkampf der Steinarbeiter in Straßburg i. E. Da den Unternehmern es absolut nicht gelingen will, Arbeitswillige zu finden, und die Streikenden nicht daran denken, ohne feste Verein- barung auf ihre verlassenen Arbeitsplätze zurückzukehren, so soll jetzt ein verzweifeltes Mittel zur Anwendung kommen. 166 Kunst- steinarbeiter sollen nach Straßburg herangezogen werden, um die Steinhauerarbeiten durch Zement(Kunststein) zu ersetzen. Wir ersuchen daher die Kollegen allerorts sowie jeden Arbeiterfreund, nicht nur den Zuzug von Sandsteinarbeitern, sondern auch ins- besondere auch die Zuwanderung von Zementeuren(Kunststein- arbeitern) mit allen möglichen Mitteln zu verhindern. Ueber etwaige geplante Zureise ersuchen wir um sofortige Mitteilung darüber. Kollegen allerorts, bewahrt Euer Solidaritäts- gefühl Euren kämpfenden Brüdern gegenüber, denn unser Kampf ist schwer, Die Streikkommission der Steinarbeiter. I. A.: Strauß, Steinhauer. Straßburg i. E., VolkSgarten. Letzte I�achrlchtcn und Depelchen. Mordprozeß Busse. Der Angeklagte Busse wurde gestern abend voK Schwurgericht z« 6% Jahre» Zuchthaus verurteilt. Mordprozeß Medersky. ' Das Urteil des Schwurgerichts gegen den Angeklagten MederSki, lautete gestern abend auf 19 Jahre Zuchthaus. Oberhausen(Rheinland), 26. Juni.(Privatdepesche des„Vor- wärtS".) Die Generalversammlung des christliche» Gewerkvereias der Bergarbeiter erhöhte den Beitrag von 56 Pf. monatlich auf 46 Pf. die Woche. Motiv: Ansammlung rineS Kampffonds. Ein baldiger Kanipf stände bevor, dafür seien Finanzmittel nöttg. Münster in Westfalen, 26. Juni.(W. T. B.) Der evangelische Divifionspfarrcr Bachstein in Minden wurde heute auch vom Ober- lriegsgericht von der Anklage, in einem am 19. Januar in Osnabrück im Zweigverein deS evangelischen Bundes gehaltenen Vortrage Einrichtungen der katholischen Kirche beschimpft zu haben, stet- gesprochen, weil der Tatbestand der Oeffentlichkeit deS Vortrages nicht gegeben sei._ Die Regierung greift ein in den Kampf in der bayerischen Metallindustrie. München, 26. Juni.(W. T. B.) Im Ministerium des Acußern find zur Herbeiführung einer Einigung zwischen den Mctalliiidiistricllc» und den Arbeitern, und zwar zunächst mit Vertretern der Industrielle», Verhandlungen eingeleitet, welche morgen mit Vertretern der Arbeiter fortgesetzt werden sollen._ Zur württemvergischeu Berfassungsrcvifion. Stuttgart, 26. Juni.(W. T. B.) Die Kammer der Ab- geordneten trat heute in die Beratung der Verfassungsrevision ein. Abg. Haußmann- Balingen(Volkspartei) wirft die Frage auf, ob eine neue Verfassung nicht auf anderem Wege als durch einen Regierungsentwnrf erreicht werden könne, da das Gesetz von 1849 noch zu Recht bestehe, wonach die Regierung das Recht hat, im Zu- sammenwirken mit 64 Vertretern der Oberämter ein Verfassungs- gesey zu schassen. Gröber(Zentr.) beantragt, die staatsrechtliche Kommission mit der Prüfung dieser Frage z-u beauftragen. Ministerpräsident Dr. von Breitling erklärt, daß die Regierung die Ausfassung Haußmanns nicht teile. Haußmann zieht darauf seine Anregung und Gröber seinen Antrag zurück. Das Urteil im„SimPlizisftmiiS"-Prozefi. Stuttgart, 26. Juni.(W. T. B.) Der Schriftsteller Ludwig T b o m a wurde heute zu sechs Wochen Gefängnis und der Re- dakteur des„Simplizissimus", JuliusLinekogel.z» 266 M. Geldstrafe verurteilt wegen Beleidigung der am Kölner SittlichkeitS- kongreß beteiligten preußischen Geistlichen durch ein Gedicht im „Simplizissimus". Wogen Beleidigung des Dresdener Schöffen- gerichtS wurde Redakteur Linekogel ebenfalls zu 299 M. Geldstrafe verurteilt._ Russische Auswanderer. Wien, 26. Juni. Abgeordnetenhaus. Bei der Verhandlung über einen DringlichkeitSautrag Dafzynökl, der die Regierung auffordert, politische Flüchtlinge auS Rußland menschlich zu behandeln uud das Asylrecht nicht zu verletzen, erklärt der Minister deS Inner», daß mit Kenntnis der Behörden auf dem Wege privater Wohltätig- keit russischen Einwanderern Hülfe geleistet worden sei. Tie Behörden gingen stets mit größter Humanität und ''Rücksicht vor. Besonders fei mit Rücksicht darauf, daß das Deserteurkartell, daS früher bestanden, aufgehoben sei, keine Abschiebung an die russische Grenze erfolgt. Es hätte keiner Aufforderung an die Behörde bedurft, auch zukünftig in gleicher Weise vorzugehen. Die Dringlichkeit und der Antrag selbst werden hierauf angenommen. (Der österreichische Minister höhnt, wie man sieht, nicht die „Schnorrer und Verschwörer", verteidigt auch keine Ballin-Praktiken.) Dir Friedensverhandlungen. Washington, 26. Juni. Meldung deS Reuterschen Bureaus. Rußland sowohl wie Japau haben dem Präsidenten Roosevelt mitgeteilt, daß ihre Bevollmächtigten im ersten Drittel deS Monats August in den Bereinigte« Staaten zasammentteffe» werden._ London, 26. Juni.'(SB. T. 83.) vnterhauS. Im Namen der Opposition beantragt Robert Reib, der Regierung wegen der Betrügereien bei den Lieferunge» für die Armee in Südafrika einen Tadel auszusprechen. Er wolle nicht behaupten, daß die Minister die Betrügereien stillschweigend geduldet hätten, die Betrügereien wären aber nicht vorgekommen, wenn die Minister ihre Pflicht getan hätten. Staatssekretär für Indien, Brodrick, der zu der Zeit, als die in Frage stehenden Lieferungsverträge in Südafrika abge- schloffen wurden, Kriegsminister war, bestreitet entschieden daß er sich Nachlässigkeit habe zuschulden kommen lassen. Die Verluste, die dem Lande durch die Liefcrungsverträge erwachsen seien, seien sehr übertrieben worden. Die Minister hätten nichts zu verschweigen und er sei überzeugt, daß, je eingehender die königliche Kommission ihre Untersuchung gestalte, desto größer die Genugtuung sein werde, die nicht nur der Ehre, sondern auch den Fähigkeiten derjenigen durch die Untersuchung werde zuteil werden, die das Kriegsministerium und die damit in Verbindung stehenden Behörden verwalten. Vcran»v.Red.:FianiNehbein.BessiN.Lnlergteperantw.(mitAusnahme der.NeueWktt'-BeilagejiTH.Glocke, Berlin. Druck».Verlag! VorwättSBulhdr.u.Berlaasanst.PaulSmgeröc Co., BerlmLV.HierznSBeilagenn.Unterhattnngsbl 9t. 147. 22. wM, i. MllM des Ismarts" Derlintt Alksdlatl. 27 � 1905 fünfte Generalversammlung des Verbandes der deutschen Knchdrncker. DreSden-N., 24. Juni� In der VormittagS'Sitzung beschließt Rexhäuser seine Ausführungen. Er erblickt unter dem Zusammengehen mit der Arbeiterschaft lange nicht das, was die Leipziger Kollegenschaft darunter erblickt. Bei dem Fall des ftaglichen Konsumvereins waren Parteigenossen beteiligt, die ihn aus der Partei ausgeschlossen hätten. weil sie angaben, daß er(Rexhäuser) Vorgänge auS der Partei dee Polizei denunzieren könnte. Ihm müsse wenigstens das Recht zu- stehen, daS Walten der Nemesis zu konstatieren. Gegen seine Be- Handlung durch die.Leipziger Volkszeitung" habe nicht ein Kollege protestiert I Von ihm verlange man die Solidaritätsbetätigung, ihm selber gegenüber habe man sie nicht betätigt. Wenn man vor- schlage, den„Correspondent" nach Berlin zu verlegen, so habe er sich gegen diesen Vorschlag aus objektiven Gründen gewandt. Die Berliner Anträge tragen den Provinzkollegen keine Rech- imng, was durch die Debatten bewiesen sei. Auf Einzelheiten will er nicht weiter eingehen, nur einen Vorwurf bezüglich seiner Brieskasten-Notizen weift er zurück. Bezüglich seines Mitkollegen ain Fachblatt kann er sagen, daß auch bei diesem böse Absichten niemals obgewaltet haben. Das möge man bei der Redakteurwahl berück- sichttgen. Michaelis-Erfurt wundert sich, daß gerade Weber als enragierter Anhänger der Sozialdemokratie sich über den scharfen Ton gegenüber dem.Typograph" wundert, da doch gerade diese Partei sich durch Rücksichtslosigkeit in der Polemik gegen ihre Gegner auszeichnet. Im Jahre 1896 haben die sozialdemokratischen Blätter und Redatteure im Falle von Einsendungen und Richtigstellungen Redakttonsschwänze angehängt, die noch viel saftiger ausfielen als jene RexhäuserS. In seinen Artikeln wird Rexhäuser sich etwas mehr Reserve auserlegen, aber daS Herunterreißen desselben halte er nicht für richtig. D o r s ch u- Frankfurt a. M. meint, daß sich nach den AuS- führungen RexhäuserS ein gut Teil der Erregung unter den deutschen Kollegen legen wird. Er habe die Ueberzeugung, daß Rexhäuser künftig Reibungen möglichst aus dem Wege gehen wird. Bezüglich der Maifeier ist so viel Material vorhanden, daß etwas davon wohl auch hätte im„Correspondent" Aufnahme finden können. Speziell sei eS aber die Behandlung der Berliner und Leipziger Gauvorstände durch den„Correspondent", die ihm durchaus nicht gefallen habe. Er erwarte entschieden, daß solche Reibungen unterbleiben, dazu möge man auch von der anderen Seite beittagen. Engelbrecht- Leipzig protestiert dagegen, daß ihm bei seinen Wandwngen in der Redaktion unlautere Motive unterschoben seien. Die so viel betonte Neutralität muß von beiden Seiten gewahrt werden. Er trage den veränderten Zeiwerhältnisscn Rechnung, denn der Verkehr mit den anderen Gewerkschaftlem ist seit der Vcr- schinelzung der Buchdrucker- Gewerschaft mit dem Verbände unstreitig ein besserer geworden und dieser Tatsache müsse auch der„Correspondent" Rechnung tragen, ohne daß»tan sich deshalb mit der„Leipziger Volkszeitung" identifiziere. Man'sollte bezüglich der Differenzen mit der Partei, die schon weit zurückliegen, doch auch einmal vergessen lernen! Andernfalls sei der Boden zur Verständigung niemals gegeben. Wir haben in ver- schiedenen Fällen gemeinsame Sache mit der politischen Arbeiterschaft gemacht— so beim Bierbohkott und in anderen Fällen. Wozu also stets daS Nachtragen alter Streitfälle? D ö b l i n meint, daß man zu vergessen scheine, daß ja der Ver- bandSvorstand zur Abstellung derarttger Beschwerden vorhanden sei und er bitte, derartige Beschwerden zur gütlichen Regelung in künftigen Fällen statutengemäß zu behandeln. Die persönliche Aus- spräche sei in solchen Fällen stets daS beste Vorbeugungsinittel gegen Mißverständnisse. M a s s i it i weist darauf hin, daß Rexhäuser in künftigen Fällen tcnau so sachlich schreiben möge, wie er jetzt sachlich gesprochen. )ann würde alles gut sein. Wenn der Berliner Antrag auf Tarif- kündigung verbandsschädigend sein sollte, dann könne man bei einiger Boshastigkeit auch alle anderen Anträge, die sich auf Statuten- beratung zc. bezteheu, als verbandsschädigend bettachten. Das be- kannte Zitat auS„Götz von Bcrlichingen" müsse bei Polemiken nicht herangezogen werden. Er will auf die Briefkastennotizen und Redaktionsschwänze zu den einzelnen Einsendungen nicht eingehen, fondern nur konstatieren, daß Krahl in einem Artikel den Berliner Gauvorstand in unschöner Weise herunterreißen durfte. Als Krahl in die Redaktion des„Correfpondcnt" cmttat, schrieb der„Vorwärts": unser Genosse Krahl ist in die Redaktion des„Correspondent" eingetteten. Run, dieser Genosse Krahl bat sich gewaltig gemausert I in seinen gewerkschaftlichen Ueberstchten steckt er seine Nase in die Angelegenheiten anderer Gewerkschaften, so daß man sich gar nicht wundern dürfe, wenn diese über uns herfallen. Rexhäuser sei für Krahls Ucbergriffe verantwortlich, denn nur er werde von der Generalversammlung gewählt, und Krahl sei ihm nur zur Stütze beigegeben. Seine eigene politische Haltung gegenüber der Sozial- deniokratie habe Rexhäuser verhindert zu erkennen, daß diese Partei mehr für die gewerkschaftlichen Interessen der Arbeiter getan hat, als manches Gewerkschaftsblatt. Durch die Leipziger Vorkommnisse ihm gegenüber ist Rexhäilser so verbissen worden, daß er die hohen Ideale der Maifeier unbeachtet ließ. Das dürfe nicht vorkommen, und die Redaktion muß in Zukunft ihre Pflicht im Sinne der Mitglieder tun. Er wünsche, daß die Partei, welche in allen Gewcrk- fchastSfragen unser Interesse gewahrt, nicht mit Nadelstichen ttaktiert werde. 1896 wurde von Klapproth erklärt, der Redakteur muß ein Sozialdemottat sein. Er verlange mindestens aber, daß der- felbe nicht gegen die Arbeiterschaft Hetze! Zu der Kollegenschaft gehört auch unser Organ, und dies darf sich nicht in Gegensatz zu jener stellen. Dann wird ein Schlußantrag angenommen. Rexhäuser will auf die Vorwürfe Engelbrechts nicht näher eingehen, um das Zusammenarbeiten in Zukunft nicht zu gefährden, aber wenn die Anschauungen Massmis von der Generalversammlung geteilt würden, gehe er nicht wieder aus seinen Posten zurück I Wenn er alle Angriffe gegen die Buchdrucker hier gefanmtelt vor- tragen wollte, so würde daS eine schöne Leporello-Liste abgeben. Man verlange Unmögliches, wenn man fordere, daß er in allen Fällen mit der Partei gehe l Er wolle gern jeden Konflikt vermeiden, habe aber dem Interesse des Verbandes zu dienen. Eine andere Erklärung könne er nicht niachen. Nun folgen die üblichen persönlichen Bemerkungen und als Resultat der Verhandlungen faßt der Vorsitzende auf die erfolgte Klärung der Meinungen, welche in Zukunft seinen vorhin kmtd- Segebenen Ratschlag als besten Weg gegenseitiger Verständigung er- heinen lassen. In der Nachmittags- Sitzung vertritt Ebel- Berlin den von dort gestellten Antrag auf Einsetzung einer Preß- kommission, welche eventuelle Beschwerden gegen die Redaktion in erster Instanz zu entscheiden habe. Dadurch würden viele Un- zuträglichkeiteit vermieden. Bezüglich des Antrags der Sitzverlegung des„Correspondent" meint Döblin, daß derselbe verfehlt sei, noch verfehlter aber der eben geäußerte Wunsch nach Einsetzung einer Preßkontmission. Der Vor- stand müsse in engster Fühlung mit dem Blatte bleibe» und eine unverantwortliche Preßkommission könnte sich nur hindernd da- zwischenschieben. Die gegenwärtige Zeit halte er nicht dazu angetan, derartige Veränderungen vorzunehmen. Er empfehle daher Ablehnung beider Anträge. Nach einigen weiteren Ausführungen für und wider erklärt sich Hilde nbrand- Stuttgart aus rein praktischen Gründen für die Sitzverlcgung des„Correspondent" nach Berlin, wo der Zenttal- vorstand seinen Sitz habe, das Tarifamt sei und wo alle Fäden des VerbandSlebenS zusammenlaufen in der Generalkommission. Die Berliner treten gleichfalls für ihren Antrag unter Anführung gleicher Gründe ein. die von Rexhäuser bekämpft werden. Für die Einführung einer Preßkommiffioit stimmen nur die Berliner, für den Antrag auf Sitzverlegung des„Correspondent" außer den Berlinern noch eine Minderheit. Beide Anträge sind daher gefallen. Darauf erstattet die Beschwerdekoimitission den Bericht. Bei dieser Gelegenheit wird der prinzipielle Beschluß gefaßt, daß solche Mitglieder, die inS Ausland verziehen, den vom Berufe Abgehenden gleichgestellt werden. Andere Fälle wurden im Simw der Antrag- steller zustimmend entschieden. Es folgt die Beratung solcher Anträge zur Statutenänderung, mit welchen eine Beitragserhöhung nicht verbunden ist. Ein An- ttag, auch die Korrektoren unter den Ausitahmsfähigen ausdrücklich zu bezeichnen, wird abgelehnt. In vielen Fällen werden dieselben auch jetzt aufgenommen und dieser Zustand bleibt auch künftig bcsteheit. Weitere abgelehnte Anträge sind ohne öffetttlichcS Interesse. D r e s d e u- R., 25. Juni. In der heutigen Sitzung wurde zunächst die Sparten-Frage erörtert, d. h. das Verhältnis der verschiedenen engeren Berufs- gruppen-Organisattonen zum Verbände. Nach längerer Debatte wird folgende Resolution zur Abstimmung gebracht: Die Generalversainmlnng erkeimt an, daß die im Rahmen des Verbandes wirkenden Spezialoraanisationen der Maschinenmeister. Maschinensetzer. Kowoftoren, Schriftgießer. Stereotypeure und Die Kriegslage in der Mandschnrei. Alle Berichte vom Kriegsschauplatz stimmen darin über- ein, daß die Japaner seit Wochen zu einem großen Schlag ausgeholt haben und daß die russische Armee sich zurzeit bereits in sehr ungünstiger Lage befinde. Stelleitloeise wird behauptet, General Linewitsch hätte eine Umgehung seines linken Flügels nicht verhindern können, so daß, wenn er nicht sofort den Rückzug bewirke, eine Katastrophe für das russische Heer zu erwarten stände. Daß sich auf dem linken russischen Flügel die Lage für die Russen immer schwieriger gestaltet, scheint zweifellos, da mit der Zeit die 6. japanische Armee, die von Nord-Korea aus ihren Marsch nach Kinn unternimmt demnächst auf dem Schlachtfelde ankommen wird. Nach den letzten Berichten beflndet sie sich rund 189 Kilometer von dem äußersten rechten japanischen Flügel entfernt und schiebt sich auf der Straße von Könsöng nach Kirin in Nordwest- licher Richtung vor. Die japanischen Stellungen ziehen sich in langer Linie von der mongolischen Grenze westlich Tschantu bis in die Nähe von Hailuntschön, und zwar be- findet sich auf dein äußersten linken Flügel in rückwärtiger Stellung General Oku mit der 3. Armee, nach rechts au- schließt sich Nogi mit der 2. und westlich der Eisenbahn Nozu mit der 4., darauf Kuroki mit der 1. und Kavamura mit der 5. Armee. Letzterem gegenüber und zwar in dauernder Fühlung mit ihm befindet sich das gemischte Korps des Generals Rennenkampf. General Kuropatkin mit der 1. Annee befindet sich auf dem linken Flügel an der Straße von Körsa nach Hailuntschön, General Racheloff im Zentrum an der Eisenbahn bei Söpinghai und General KaulbarS mit der 2. auf der Sttaße von Tschantn nach Fonhuasian: den äußersten russischen rechten Flügel nimmt General Mischtschenko mit seiner Kavallerie ein. Das Hauptquartier der Russen befindet sich in Gundulin an der Eisenbahitlinie, etwa 30 Kilometer rückwärts der eigentlichen Hauptstellung. Starke Reserven sollen sich bei Tschantschun und vor allem in Charbin, in letzterem Orte allein 59 999 Mann, befinden: stark militärisch besetzt ist außerdem Mingata und der Bezirk von Wladiwostok. Außerdem soll eine größere russische Heeresabteilung von Wladiwostok nach Korea vorgedrungen sein und sich zurzeit bei Linson unweit Köngtsong zirka 150 Kilometer südlich des Thernten-FltisscS befinden. Für einen eventuellen Rückzug der Ritssctt sollen bei Kirin und Charbin starke BcfestigungSwerke errichtet sein. DieS dürfte in kurzent die jetzige Position der beiden Armeen darstellen, auS welcher sich die nächste Schlacht ent- wickeln dürfte. Galvanoplastikcr unter den heutigen Verhältnissen eine dringende Notwendigkeit sind. ES wird anerkannt, daß gerade die Spczial- organisationen imstande sind, die dem Pcrbande so nützliche Auf- llärung unter den Mitgliedern zu fördern, andererseits der technischen AnSbildtntg den größtmöglichsten Vorschub zu leisten. Aus diesen Gründen wird der Zentralvorstand erntächtigt, sich nötig- »rächende Kongresse einzelner Sparten finanziell zu unterstützen. Auch steht ihm eine Mitbestimmung über Ort, Zeit und Vertretung auf solchen Kongressen zu. Die Generalversammlung verurteilt jedoch entschieden Be- strebungen, die ein vom Verband gesondertes UuterstütznngSweseu propagieren." Die Resolution wird einstimmig angenommen und eine andere, welche sich der Interessen der Schriftgießer bei Setzmaschine» mit Gießapparaten annimmt, wird als Material zur Tarifberatung dem Vorstande nebst den dazu berufenen Verbandssnuktionären über- wiesen. Nachdem sich Frau Thiede- Berlin nnt dem Wunsche künftigen gedeihlichen ZusainmeitarbeitenS der beiden Organisationen der Buchdrucker und Hülfsarbeiter verabschiedete, wird die Sitzung um 2 Uhr geschlossen. Bei den Ausführungen der Frau Thiede in der Donnerstag- nachmittagssitzung ist dem Berichterstatter in der Eile ein Satzteil m der Feder geblieben, welcher den Sinn jene» Teiles ihrer Rede be- eintrachtigte. Frau Thiede erklärte, daß bei ihren Tarifverhandlungen mit den Prinzipalen Herr Büxen stein-Berlin als Prinzipals- Vertreter gesagt: seine Kollegen seien zum großen Teil noch sozialpolitisch rückständig. Wir bitten, diesen Fehler zu entschuldigen. Genosse Mussial ersucht nnS um Aufnahme folgender Zellen: Am ersten VerhandlungStage läßt mich der Bericht sagen:„Die einberufene Berliner Gauvorsteher-Konferenz war m e i st dazu be- stimmt, um den Berliner Äauvorstand an den Ohren zu kriegen." ES soll heißen: war nicht dazu bestimmt usw. Bei Behandlung der HülfSarbeiterfrage heißt cS in meinen Aus- führungen im„Vorwärts":„Wir haben ein Interesse daran, die vorhandenen Gegensätze zu vertiefen." Es soll natürlich heißen: Wir haben kein Interesse daran usw. Die eingesehenen Manuskripte deö Berichterstatters enthalten diese Unrichtigkeiten nicht. Gentrnlnerfntnmlnng des Genierkvereins chustlicher Kergarbeiter Deutschlands. Die Generalversatniitlung dieser Organisation, die am Sonn- abend in Oberhausen(Rheinland) begann, beansprucht Auf- ntcrksatnkeit wegen der Stellungnahme zum Bcrgarbciterstreik und zur Bcrggesetznovelle. Die Versaminlung ist von 246 Delegierten beschickt. Aus dem schriftlichen Jahresbericht sind einige Angaben mitteileuswert, aus denen hervorgeht, daß die Untevnehuur, den Fiskus eingeschlossen, im Kampfe gegen die Arbeiterorganisattanen keinen Unterschied machen, ob die Organisation sich christlich und patriottsch nennt oder nicht. So heißt es in dem Bericht: In den angrenzenden Lothringer Gebieten wird der GeWerk- verein arg von den Untentehmern bekämpft, indem man unsere Vertrauensleute ntaßregelt. Doch auch dieses Experiment wird nichts nützen. Möchten sich die Kameraden in den dortigen Bezirken stets ins GedächtsniS rufen:«Wollen wir wirtschastlichworivätts kommen, so können wir das nur, wenn ,'wtt dem(Gewerkverein christlicher Bergarbeiter beitteten." Hier darf sie auch eine Erhöhung der Beiträge nicht abhalten, demr ohne Geld keine Macht? ohne Macht sind wir aber der Willkür der Unternehmer greisgegeben. Auch im Wurmrevier will es den Grubcnverwaltungen immer noch nicht einleuchten, daß der Gewerkverein existenzberechtigt und daß er den Herren etwas auf die Finger sehezt soll, damit bessere Lohn- und Arbeitsverhältnisse geschaffen werden. Jin Sauerlande haben die Fortschritte den Erwartungen nicht entsprochen. Unbegründete Furcht vor dem Unternehmertum, dazu an vielen Stellen ein Anbriugertum hatten die Kameraden von unseren Reihen zurückgehalten. Das ist eines freien Mannes unwürdig. Im Bergischen Steingebiet und im Westerwald geht eS ttotz der schwierigen Verhältnisse besser vorwärts. Hoffentlich bricht sich in allen diesen Gebieten immer mehr der Gedanke Bahn: Ohne Organisatton keine Erfüllung der berechtigten Arbeiterwünsche und -Forderungen. Im Osnabrücker Revier wurde der OrganisationS- gedanke im letzten Jahre immer ntehr in die Tat um- gesetzt. Schon im Dezember machte sich durch das Vor- gehen der Verwaltung auf der Zeche„Bruchstraße" eine ge- walttge Unzuftiedenheit der Bergarbeiterschaft bemerkbar, welche I bvrch tRt vledttholie Bekanntmachung der Seilfayrtberlängemng und andere schwere Provokattonen. hell aufloderte und schließlich zum allgemeinen Streik führte." Der Verein zählt jetzt nach den Angaben des Berichts über 80 000 Mitglieder. In der Besprechung des Berichts wurden noch von mehreren Rednern Mtteilungen gemacht über Beschimpfungen der Mitglieder durch die Bergbeamten. Ein lothringischer Delegierter teilte mit, daß die kaiserliche Bergbehörde schwarze Listen führe gegen die Mit- i alieder des Gewerkvereins. Einige Redner forderten auf, sich für i den neuen Streik zu rüsten, der wohl kaum lange ausbleiben werde. Dann referierte Effert über die Stellung des GcwerkvereinS zw» letzten Streik und legte folgende Resolution vor: .Die Generalversammlung des Gewerkvereins ist mit der Taktik des Vorstandes bei dem letzten Streik der Ruhrbergleute vollständig einverstanden. Nachdem seit diesem Kampfe von mehreren Seiten die verschiedensten und teilweise sich widersprechenden Auffassungen über die künftige Stellung des Gewerkvereins in der Arbeiter- bewegung abgeleitet wurden, erklärt die Generalversammlung: 1. Der Gewerkverein stellt sich nach wie vor bei seiner Wirk- samkeit auf den Boden der christlichen Weltanschauung. Er verwirft den Klassenkampf, wie er von der Sozialdemokratie vertreten wird und auch bei der neuesten Praxis der Unternehinerorganisaiion seinen verwerflichen Ausdruck findet. Die wirtschaftlichen Kämpfe sind für den Gewerkverein nicht Selbstzweck, sondern Mittel, um dem Arbeiter- stand das Emporsteigen zu höherer Kulturstufe zu ermöglichen. Das Atel des Gewerkvereins ist die Erstrebung von Tarifverträgen, die zwischen den Organisationen der Unternehmer und Arbeiter unter Anerkennung gegenseitiger Gleichberechtigung zu vereinbaren sind. Bei diesem Kampfe ist unter Berücksichtigung der derzeitigen Organisatiousverhälwisse der deutschen Bergarbeiter in be- stimmten Fällen ein gemeinschaftliches Zusammenwirken mit anderen Organisationen nicht zu umgehen: ein Aufgeben der Grund- sätze des Gewerkvereins kann darin selbstverständlich nicht erblickt werden. 2. Bei der großen Anzahl der in letzter Zeit neugewonnenen Mitglieder erscheint eS notwendig, daß die grundsätzliche Stellung des Gewerkvereins in der Arbeiterbewegung bei der Agitation mehr hervorgekehrt wird. Die Klarheit, die die sozialdemokratischen Ge- werkschaften auf dem Kölner Kongreß über das Verhältnis zwischen ihnen und der sozialdemokratischen Partei geschaffen haben, ist daher zu begrüßen. Die Generalversammlung ist ganz der Meinung, daß ausgesprochen wird, was ist. Die Worte: „Sozialdemokratie und Gewerkschaften sind eins", sowie:„Unsere Mitglieder sind antireligiös, weil sie vernünftige Menschen geworden sind", wurden von dem Kongreß ohne Widerspruch, ja mit großem Beifall aufgenommen. Dadurch wurde die Existenzberechtigung und Notwendigkeit der christlichen Gewerkschaften deutlicher denn je be- wiesen. Die Generalversammlung fordert daher die Mitglieder des GewerkvereinS auf, unter denjenigen Bergleuten, die wegen Hoch- Haltung ihrer religiösen Ideale sich nicht als unvernünftige Menschen beschimpfen lasten wollen, energisch die Agitation zu betreiben und dadurch den christlichen Bergleuten die ihnen gebührende Stellung in der Arbeiterbewegung zu verschaffen." Sodann sprach derselbe Redner über die Berggesetznovelle. Die Berggesetznovelle entspreche noch nicht den geringen Erwartungen, die man an das Drciklassen-Parlament stellen konnte. Die kouservativeu Herren halten überhaupt jeden Streik für ein Verbrechen. Dazu komme, daß die Scharfmacher in jedem Kontraktbruch ein Staats- verbrechen erblickten. Jedenfalls habe der Reichskanzler nicht ge- halten, was er versprochen habe. Der Reichskanzler sei eben gleich- zeitig preußischer Ministerpräsident. Als solcher könne er ohne die Konservativen nicht regieren. Der erste Reichskanzler würde den Konservativen anders heimgeleuchtet haben. Ein großer Erfolg sei aber, daß wenigstens die Arbeiterausschüsse im Dreiklassen-Parlament im Prinzip anerkannt worden seien. In der Praxis sei allerdings nichts damit anzufangen. Ja, er befürchte, das Gesetz werde ein Kampfgesetz zwischen Beamten und Arbeitern werden. Allein es sei keine Aussicht vorhanden, daß man in absehbarer Zeit ein Reichs-Berggesetz erhalten Iverde, selbst wenn alle Arbeiter sozialdemokratisch wählten. Deshalb sei es erforderlich, daß man an eine praktische Betätigung des Gesetzes herangehe. Andernfalls würden sich die Streikbrecher in die Arbeiterausschüsse wählen lassen. Der Redner legte darauf noch folgende Resolution vor: „Die zehnte ordentliche Generalversammlung des Gewerkverems der christlichen Bergarbeiter erklärt: 1. Die von dem preußischen Abgeordnetenhause angeuommeue Bergarbeiterschutz- Novelle bedeutet insofern einen Fortschritt, als durch die Einführung von Arbeiterausschüssen das unzeitgemäße Prinzip des patriarchalischen Arbeitsverhälnisses zum Teil aufgegeben und das geheime Wahlrecht gesetzlich vorgesehen ist, die direkten Doppelschichtcn verboten sind, die Mitverwaltung der Arbeiter an den ZechenunterstützungSkassen festgelegt und die Willkür Hinsicht- lich des Strafwesens in etwas zu beschränken versucht wurde. 2. Die Novelle ist jedoch in der vorliegenden Form praftisch für die Bergarbeiter in keiner Weise beftiedigend, so daß sie in der- selben keine genügende Einlösung des Versprechens der Regierung erblicken können. Trotzdem fordert die Generalversammlung die Mitglieder des Gewerkvereins zur praktischen AuSnützung der in der Novelle vorgesehenen veränderten Bestimmungen auf, sobald sie Gesetzeskraft erlangt haben, weil sich nur dadurch die praktische Unzulänglichkeit nachweisen läßt. 3. Die Generalversammlung sieht nach wie vor in den Be- schlüssen des ersten preußischen Bergarbeitertages ihre berechtigten Forderungen. Nur eine Gesetzgebungsaktion auf der Basis dieser Forderungen ist geeignet, den sozialen Frieden zu fördern. 4. Zum preußischen Landtage hat die Generalversammlung nicht das Vertrauen auf Verwirklichung eines ausreichenden Bergarbeiter- schutzes und fordert deshalb die reichsgesetzliche Regelung desselben. Von den arbeiterfteundlichen Parteien erwarten wir, daß sie baldigst die Regierung zu diesem Schritte zu drängen suchen." Die Resolution zeigt, daß die christlichen Bergarbeiter noch gar nicht wissen, was in dem neuen Gesetze steht. Die Behauptung, daß die Willkür des Strafwesens darin beschränkt werde, verrät die voll- ständigste Unkenntnis. Es steht tatsächlich kein Mort in dem Gesetz, das der Willkür des Strafwesens Einhalt tun könnte. In diesem Punkte beilbt alles beim alten. Nur die für u n v o r s ch r i f t s- mäßige Förderung zulässigen Strafen, die an Stelle des Nullens eingeführt werden, werden begrenzt, alle anderen Strafen bleiben unbegrenzt. Zum Schluß nahm die Generalversammlung eine Sympathie- erklärung für die ausgesperrten Bauarbeiter im Ruhrrevier an. Montag wurden die Verhandlungen fortgesetzt. •Eue der Partei. Schiedsgericht in Sachen Albert-Breslau gegen Bader-Magdedurg und Sozialdemokratischer Verein Magdeburg gegen Albert. Von feiten des Genossen Albert-Breslau war der Antrag auf Ausschluß des Genossen Bader aus der Partei gestellt worden und umgekehrt von feiten der Magdeburger Genossen der Antrag auf Ausschluß des Genossen Albert. Zur Er- ledigung dieser Anträge verhandelte am 23. und 24. Juni d. I. in Magdeburg ein Schiedsgericht, als dessen Vorsitzender Genosse Molkenbiihr vom Parteivorstandc bestimmt' war, während als Beisitzer die Genossen Ebert- Bremen, Ouarck- Frankfurt a. M., Boß-Halle, Hug-Bant, Marckwaldt-Forst i. L. und Neukirch- Breslau von den Parteien ernannt waren und fungierten. Nach eingehenden Verhandlungen und Zeugen- Vernehmungen kam folgender, den Parteien vom Schiedsgericht einstimmig empfohlener Vergleich zu stände: 1. Albert erklärt: Meine im Laufe der Magdeburger Partei- strestigkeiten gegen Genossen Bader erhobenen Anklagen kann ich nicht anstecht erhalten, weil ich mich überzeugt habe, daß dieselben unwahr und ohne jeden tatsächlichen Anhalt konstruiert sind. Ich habe diese Anklagen erheben zu können geglaubt, weil ich aus Grund mir gemachter Mitteilungen durch die Annahme so erregt war, Bader wolle mich aus meiner Magdeburger Stellung ver- drängen, eine Annahme, die ich nunmehr auch als irrtiimlich zu- gebe und dedauere. 2. Die Magdeburger Parteigenossen nehmen daraus ihre An- träge gegen Albert in der Erwartung zurück, daß Albert in Zu- kunft im Sinne seiner obigen Erklärung im Verkehr mit Partei- genossen und parteigeuössischen Organisationen handelt. Magdeburg, 24. Juni 1905. H. Molkenbuhr, Vorsitzender. Fr. Ebert- Bremen, Ouarck- Frankfurt a. M., Otto Voß- Halle a. S., Paul Hug-Bant. Hans Marckwald-Forst i. L., Emil Ncukirch-Brcslau, Beisitzer. An die Parteigenosse»! Die Komplettierung des Partei-ArchivS macht es notwendig, die auf die Arbeiterbewegung bezüglichen Preßerzeugnifse aus den sech- ziger und siebcnziger Jahren deS vorigen Jahrhunderts in mehr- fachen Exemplaren zu besitzen. Wir rechnen hierbei in erster Linie auf folgende Preßerzeugnifse: Allgemeine deutsche Arbeiter-Zeitung(Coburg). Sozialdemokrat und Neuer Sozialdemokrat(Berlin), Demokratisches Wochenblatt (Leipzig), Flugblätter des Vereiustages deutscher Arbeitervereine (Frankfurt a. M.), Arbciterhalle(Mannheim), Nordstern(Hamburg), Der Sozialdemokrat(Hamburg), Freie Zeitung(Chemnitz), Volks- staat und Vorwärts(Leipzig), die Protokolle der Generalversamni- lungen des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins, die Protokolle der Vereinstage deutscher Arbeitervereine usw. Parteigenosten, die im Besitz dieser oder ähnlicher Schriften sind, bitten wir, uns dieselben für das Partei-Archiv, eventuell gegen zu vereinbarende Bezahlung, zu überlassen. Auch wenn es sich um unvollständige Exemplare der genannten Zeitungen handelt, sind wir bereit, dieselben zu erwerben. Anerbietungen bitten wir an den Verwalter des Archivs, Ge? Nossen Max Grunwald, Berlin ZV/. 63, Lindenstr. 69, zu richten. Die Partcipresse wird um Abdruck dieser Aufforderung gebeten. Berlin, den 17. Juni 1905. _ Der Partcivorstand. Generalstreik und Sozialdemokratie. Zu dem Buche der Genossin Roland-Holst, das wir in unserer Sonntagnummer ausführlich gewürdigt haben. liegen vorläufig nur zwei Meinungsäußerungen in der Parteipresse vor. Die Bres- lauer„Volks iv acht" widmet dem Buche zwei Artikel, die im ganzen einen meist zustimmenden Auszug aus den Aussiihrungen der Verfasserin darstellen, sich aber in dem nachstehenden Satze von ihr scheiden: „Nun gibt es aber auch eine Gruppe von Genossen, die den politischen Massenstreik überhaupt für überflüssig erklärt, weil uns eine friedliche, organische EntWickelung sicher ist. Solchem parla- mentarischcu Illusionismus glaubt Roland-Holst entschieden entgegen- treten zu müssen und sie bekämpft energisch die Ansicht Davids, daß wir der Gewalt nichts weiter als die Friedsamkeit entgegenzusetzen haben, weil die Menschheit so oder so doch zu unseren gerechten und zweckmäßigen Ansichten kommen müsse. Sicher geht David darin etwas zu weit, aber in der Hochflut der Masscustrcikdebatten wollen wir doch nicht vergessen, daß die friedliche Entwicklung das wünschenswerte, das energisch zu fördernde Ziel ist, und daß sie ebensoviel oder ebensowenig Wahrscheinlichkeit für sich hat als die Annahme härterer Zusammenstöße. Wir fördern die Massenstreik- debatte nur aus dem Gesichtspunkte, weil das Proletariat sich für beide Möglichkeiten vorzubereiten hat, nicht aber weil er einen besseren, kürzeren oder sichereren Weg darstellt. Eher ist das Gegenteil der Fall. Von diesem Standpunkte aus kann aar nicht geleugnet werden, daß die heutige bürgerliche Gesellschaft bereits eine Menge von Ansätzen und Bewegungeit in der Richtung des Sozialismus hervorbringt, die sich hier schneller, dort langsamer weiterbilden. In den diesbezüglichen Ausführungen können Ivir der Verfasserin also nicht beistimmen, um so energischer aber in ihrer Wertschätzung des Wahlrechts." In der„M ä r k i sich e n V o l k s st i m m e"(Forst i. L.) schreibt L. hl.: „Der politische Massenstreik kann die Aufgabe haben, durch eine bloße Demonstration den Willen der Arbeiter zu bekunden. Jil diesem Falle wird die Arbeit nach vorheriger öffentlichen Ver- abredung nach einem Tage oder nach wenigen Tagen wieder auf- genommen. Wir gestehen: wir halten einen solchen Streik die Opfer nicht für wert, die er erfordert. Was soll man wohl mit einem Streik erreichen, bei dem man von vornherein zugibt, nicht lange ausharren zu wollen oder zu können? Anders der Streik, der mit dem Entschluß beginnt, nicht früher nachzugeben als sein Ziel erreicht ist. Die Voraussetzung des politischen Massenstreiks ist, wie die Genossin Roland-Holst eingehend nachweist, außer dcni Borwiegen des Großbetriebes eine gewaltige Erregung, welche die gesamte Arbeiterschaft eines Landes erfaßt. Deshalb kann unseres Erachtens nicht um dringender Forderungen, wie z. B. der gesetzlichen Festlegung des Achtstundentages wegen oder um der Abwehr verderblicher Maßnahmen willen, ein politischer Massen- streik ins Leben gerufen werden. So hätten wir durch den General- streik die Annahme der Handelsverträge nicht verhindern können. Wenn aber die Verhältnisse so liegen, daß Maßnahmen ergriffen werden sollen, welche jede gesetzliche Wahrung von Arbciterintcressen in Zukunft unmöglich machen, wie bei einem Attentat auf das Reichstags- Wahlrecht in Deutschland, oder wenn es gilt, einen Zustand zu schaffen, der die gesetzliche Wahrung von Arbeiterinteresscn inmitten schnödester Unterdrückung ermöglichen soll, wie jetzt in Rußland, oder wenn die parlamentarische Mehrheit einmal dem Proletariat gehört und eine Abrechnung zwischen proletarischer Parlaments- und monarchisch-absolutistisch-kapitalistischer RegierungSgewalt nötig ist, dann muß und kann die Energie des Proletariats zu einem solchen Höhepunkt gesteigert werden, daß es sein Alles freudig an seine Be- freiung setzt."_ Mit dem OrganisationSstatut beschäftigten sich die Genosten in Jena in zwei Wahlvereinsversammlungen. Das Ergebnis dieser eingehenden Beratungen ist die Stellung von drei AbänderuugS- bezw. Ergänzungsanträgen, die an den deutschen Parteilag gestellt werden. Der 8 3, zweiter Satz, lautet im Entwurf:„Der Antrag auf Einsetzung eines solchen Schiedsgerichts kann nur durch eine Parteiorganisation gestellt werden". Die Jenaer Genossen beantragen, ihm folgende Fassung zu geben:„Der Antrag auf Einsetzung eines solchen Schiedsgerichtes muß, ivenn es der Ausgeschlossene verlangt, durch die Parteiorganisation erfolgen". Begründet wurde diese Aenderung damit, daß es der Partei- organisation nicht überlassen bleiben dürfe, ob sie einem derartigen Antrag eines Ausgeschlossenen Folge geben wolle, sondern dies müsse bestimmt ausgesprochen werden. Zum 8 5 wird folgende(durch Fett- druck hervorgehobene) Einschaltung beantragt:„Die Wiederaufnahme eines aus der Partei Ausgeschlossenen kann, wenn dagegen Protest erhoben wird, nur durch den Parteitag erfolgen". Hier war man der Ansicht, daß doch wohl die örtlichen Orga- nisatiouen zur Vollziehung derartiger Aufnahmen in erster Linie be- rufen seien, im übrigen der Parteitag unmöglich Zeit haben könne. um die im ganzen Lande zusammenlaufenden Aufnahmeanträge zu prüfen. Nur wenn gegen die Aufnahme von irgend einer Seite ein Protest vorliegt, soll der Parteitag als höchste Instanz entscheiden. Der dritte Antrag verlangt, daß der 8 22 dahin abgeändert ivird, indem der Partcivorstand nicht aus 8, sondern aus zehn Personen in Zukunft bestehen soll, da man wünscht, daß die Arbeit auf mehr Schultern verteilt wird, so daß die Geschäfte nicht liegen bleiben, in, Falle jemand durch Krankheit, wie dies jetzt mit Genossen Auer gewesen ist, verhindert wird, seine Obliegenheiten zu erfüllen. Den Kampf für daS allgemeine Wahlrecht Iv ollen unsere Partei- genossen in Böhmen aufnehmen. Bei der Regierung besteht die Absicht, das Volk unter dem Nanien Wahlreform mit der Einführung einer fünften Klasse zn betrügen, die 18 von den 287 Mandaten des böhmischen Landtages erhalten soll. Diesen Schwindel wollen die Parteigenossen durch die Organisierung des Kampfes um das all- gemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht beantworten. Zur Einleitung dieses Kampfes beruft der tschechische Partcivorstand für Böhmen eine gemeinsame Parteikonferenz ein, die am 22. und 23. Juli in Prag stattfinden wird. Ter Anstritt Plechanows aus der Redaktion der„Jskra" wird in der soeben eingetroffenen Nummer 101 des genannten Blattes mitgeteilt, lind zwar tut dies Plcchanow selbst in einem kurzen Schreiben, welches die Redaktion unter Ausdrücken des Bedauerns abdruckt. In einer Nachbemerkung locndet sich Plechanow an die Lcninianer mit der Anfrage, ob sie damit einverstanden seien, daß er äüH' weiterhin die Russische Sozialdemokratische Partei im Jntcr- nationalen Bureau vertrete, denn er könne dieses Amt nur unter Zustimmung beider Fraktionen weiter ausüben. Tic Redaktion ihrerseits teilt anschließend mit: erstens, daß ihre Versuche, die durch Plechanows Ausscheiden entstandene Lücke durch Kooptation auszufüllen, an der ablehnenden Haltung der betreffenden Genossen gescheitert seien: zweitens, daß die verbleibenden Rcdaktions- Mitglieder ihre Mandate in die Hände der Gesamtheit der Partei- genossen ihrer Richtung zurücklegen und die Rcdaktionsgeschäfte nur provisorisch weiterführen.— Die Zerwürfniste haben ihre Ursache in den Beschlüssen des dritten Parteitages der russischen Sozialdemokratie:_ Eingegangene Dnichfchnften. Von der„Reuen Zeit«(Stuttgart. Paul Singer) ist.soeben da? 39. L>cst des 23. Jahrganges erschienen. SluS dem Inhalt des Heltes heben wir bervor: Imperialistisches.— Die internationale r.rgaiuiation des Kleinbürgertums. Von Georg Stickloff.(Fortsetzung.)— Der ostasiatische Krieg und die Vollswchr. Von Nudois Krasst.— Die Kolomalpolitu und die Arbeiter. Von Otto Bauer.(Schluß.)— Die Nesorm dcS deutschen Strafprozesses. Von Dr. Ludwig Frank(Mannheim).— Literarische Rund- schau: Wem gehört die Zukunst? Von H. Sch.— Die Deutsche Revue von K. Gutzkow und L. Wienbarg(1833). Von.&. G. Die„Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buch- Handlungen, Postanstallen und Kolporteure zum Preise von 3,25 M. pro Quartal zu beziehen: jedoch kann dieselbe bei der Post nur pro Quartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Pj. Probenummcn, stehen jederzeit zur Vcrsügung. Von der„Gleichheit", Z-itschrijt für die Interessen der Arbcitcriuncn (Swttgart, Verlag von Paul Singer) ist uns soeben die Nr. 13 des 15. Jahrganges zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer heben wir hervor: Die deutschen Arbeiterinnen in den Gcwcrkschastsorganksalioncn.— Eine dringende Forderung. Von Gertrud Zucker.— Die soziale Seile der Totgcburtensragc. Von all. br.— Die sechst- Gencralocrsaminlung des Bundes deutscher Fraucnvcreinc.— Ein ernstes Wort zu ernster Zeit. Von W. Kühler.— Aus der Bewegung: Von der Agitation.— Au die Frauen und Mädchen der arbeitenden Bevölkerung im Kreise Elsen. Von Agnes Plmn.— Politische Rundschau. Von G. L.— Gewerkschaftliche Nündschnu.— Notizemcil: Gcwcrlschaslliche Arbeitcrinnenorganisalion.— Sozialistische Frauenbewegung im Ausland.— Kinderarbeit.— Quittung. — Feuilleton: Partcilebcn. Sprüche von Gottfried Keller.— Das Wunder. Von Lu Märten.— Der Schöngeist. Von Gotlsried Keller. (Gedicht.) � Franc Ii-Beilage: Gesang der Geister über den Wagern. Von Wolsgang Goethe.(Gedicht.)— Unsere Gesundheit: 5. Der Verstand. Von Dr. Adains-Lehinan».— Etwas von Frauen und FrnuendichtcNi. Von W. Z.— Roscnwacht. Von Gottfried Keller.(Gedicht.)— Mutter Natur als gute Hausfrau. Von Gertrud David.— Für die Hausstätt.— Allerlei. — Hoffnung. Von Wolsgang Goethe.(Gedicht.) Die„Gleichheit" erscheint alle 14 üttgc einmal. Preis der Nummer 10 Pf., durch die Post bezog! n beträgt der Moimciueutsprcis vierteljährlich ohne Bestellgeld 55 Pj., unter Kreuzband«5 Pf. Jahresabonnement 2,60 M. Die„Sozialistischen Mouatsheftc«(Administration: Berlin S1V. 19. Bcuthstrnßc 2) haben joeden das Juli- Hcst ihres 11. Jahrganges er- schciiicn lassen. Inhalt: Adolph v. Elm: Rückblick aus den sünsten deutsche,, GcwcrkschastSkongreß.— Eduard Bernstein: Noch einmal Partei, Gewerk- schasten und Maifeier.—.Heimo Stcinbach: Bemerkungen über die Geiioisenschastsdebattc aus dem Kölner Gewerkschaftskongreß.— Paul Göhre: Religion— Privatsache.— Richard Catwcr: Tie Betriebsmittelgcmcinschast der deutschen Eisenbahnen.— Dr. Hugo Lindcmann: Die Wartenstadt- bewegung.— Stephan Heise: LchrlingSsragc und Gewerkschaften.— Her» mann Wendel: Ein lyrischer Gcscllschastsrcvolntionär auS der sranzösischen Moderne.— Wirtschaft von Map Echippel.— csozinle Kommunalpolitik von Dr. Hugo Lindcmann.— Sozialistische Bewegung von Hugo Poetzsch.— Gcwerlschastsbewcgung von Ernst Deinhardt.— Genossenschastsbewegung von Gertrud David.— Philosophie von Pros. Dr. Franz Staudinger.— Sozlalwiiscnschajlcn von Paul Kampssmeper.— Dichtkunst von Max Hoch- dors.— Buchbesprechungen von Ida Häny-Lux.— Als künstlerische Beigabe bringt daS Heft ein Porträt von Arthur Rimbaud, gezeichnet von odix Valloton. Der Preis des HcstcS beträgt 50 Pf.; vierteljährlich 1,50 M. Der„Wahre Jakob« hat soeben die 13. Nummer seines 22. Jahrganges erscheinen lassen. Aus dem Inhalt derselben erwähnen wir die farbigen Bilder„Eine großartige Sozialrcsorm" und„Neue Hanseatische Wappen- bildcr", sowie die Illustrationen„Die Zehnpicnnigzulage der Eisenbahner«, „Das Blindekuhspicl",„Die Entscheidung naht«,„Der Fünf Marl-Palriot", „Zur Einstellung des Plvtzcnsec- Prozesses«,„Der Synodalbeschluß«, ?ßlötze»sce«,„Bilder aus dem Arbeiteriebeu«.„Die preußischen Herren- Häusler unter sich«. Der textliche Teil bringt die Gedichte„Es ist erreicht" von Erich Mühsam,„Die sauten Arbeiter",„Bremer Taufen", „Der Hochzeitssürst",„Komödie",„Die salsche Adresse«,„Plötzcnsce« und außer zahlreichen kleineren Beiträgen das größere Feuilleton„Zur neuen lsx Heinze«. Der Preis der 12 Seiten starke» Nummer ist 10 Pf. kriekkasten 6er Kedalttioii. 91. H. 19. Ucbernahme von Gcmcindcschülern als Freischüler nach höheren Lehranstalten der Stadt bewilligt nurder Magistrat. �Gymnasien, NealgiMnasien, Obcrrcalschulcn übernehineu Freischüler nach-sexta(nach 4 Jahren Gemeindeschulbesuch), Realschulen übernehmen Freischüler er, t»ach Quarta(nach 6 Jahren Gemeindeschulbesuch).— 2. Werder-Magdeburg. 105,9 Kilometer.— O. P. C. Uebcr die Arbeitsverhältnisse der im „Wahren Jacob" inscricrcndcn Finnen können wir keine Anskunst geben. Jurikrikcher Ceü. Tie juristische Tprcchstiiiidc st»de« täglich mit Ausnahme deS SsuiiabeudS von 7'Ii biS O'/j Nhr abend? statt. Geöffnet: 7 Mir. W. X. 13. Nach allerdings bestrittener Anficht: nein.— N. 77, Moabit 11. Eine Bäckcrmamsell und eine Wialvorsteherin ist HandlungS- gehülfin. Ihr ficht mithin mangels anderer Vereinbarung die scchSwöchcnt- liche, nur zum Quartalsschluß zulässige Kündigungsfrist zu. Ihre Frau soll dem Bäcker mitteilen, daß sie Anspruch aus Lohn biS zum I.Oktober erhebt und ihre Dienste bis dahin zur Verfügung stellt. Zulässig sür die Klage ist das Kausmannsgericht.— A. ft. 100, A. F„ Lcnau II. Rem.— A. M., Hagels bcrgcrstra sie. Haben Sie die Hohe des Akkords vereinbart, so können Sie nicht nachträglich einseitig von dieser Vereinbarung zurücktreten. Ist nichts vereinbart, so haben Sic die Höhe zu normieren. Hosfrichtcr. Eine Verpflichtung zur Antwort aus ein dem Souverän eingereichtes Gesuch besteht nicht.— A. G. 76. I. und 2. Nein. 3. Wen» in der Tat keine Kündigungssrist, wohl aber eine Mietszeit vereinbart ist, so endigt der Mietsucrtcag ohne Kündigung mit Abtauf der Mietszcit.— P. M. 33. Einen Anspruch würden Sie im Klagcwege kaum durchsetzen, weil die KündigungSsrist als ausgeschlossen zu erachten ist und anzunehmen wäre, daß Sic mit der Entlaffnng bereits im Oktober einverstanden waren. Wollen«ie klagen, so reichen Sic die Klage dem Gcwcrbegcricht ein.— — O. F. Sie können ohne Militärsorgen heiraten.— B. Mchcr. Gegen solche Art dts Velkchrs ist nichts einzuwenden. Indessen ist das Geschmacks« fache.— Wetstcnsec 100. Eine Klage hätte keine Aussicht ans Erfolg. — L.0'»« 1 Orts- Krankenkasse zn Friedenau. Bekanntmachung« II. Nachtrag zum Statut der Ortskrankeukasfe für Friedenau Paul Schwarz' Sommer-Theater, Lichtenberg, Dortstr. 25|26. Täglich- KOItZCrt. liin-Vorsli Das großartige Juni-Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite-Tag. ülorltzplatz. Täglich im grosten schattigen Garten: 8treicl)-Z�on2ert. R-icarclo jMunez. Bei ungünstigem Wetter im Saal. Ostbahn-Park. Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferslr.71. Hermann Imbs. Tälglich: Gr. 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V.„ 39„.. 30„ .. VI.„ 30„.. 24„ n.§ 50. Slbsatz I. Die Wahl erfolgt sür die Abteilung der Äasscnmitglieder und sür die Arbeitgeber in einem besonderen Wahltcrmin, zu welchem die Wahlberechtigten mindestens eine Woche vorher durch die im Z 66 bezeichneten Blätter einzuladen sind. III. 8 52. Absah I. Die Generalversammlung wird vom Vorstande unter Angabe der Gegen» stände der Verhandlungen durch eine wenigstens eine Woche vorher durch die im§66 bezeichneten Blätter zu erlassende Einladung berufen. IV.§ 66. Alle die Kasse betreffenden Be- kanntmachungen, insbesondere die Einladungen zu Wahl- und General- Versammlungen, die Bekannt- machungen Über genehmigte Statuten- ändermigen, über Acnderungen in Zahlstellen werden bis zu ander- weiter Bcschluffnahme der General- Versammlung im„Friedenauer Lokal- Anzeiger", sowie im Berliner«Vor- wärts" erlassen. V. Die vorstehenden Aenderungen treten alsbald nach der Genehmigung in Kraft. � Vollzogen aus Grund des Beschlusses der Generalversammlung vom heutigen Tage. Friedenau, den 12. April 1905. Der Vorstand der 274/3 Ortskrankenkasse für Friedenau. Nenn. Schölzel, Vorsitzender. Wilh. Stolle, Schriftführer. Genehmigt Potsdam, den 6. Juni 1905. Namens des Bezirksausschusses: Der Vorsitzende. In Vertretung: gez. Reich. B. 5222(L. S.) Veröffentlicht mit dem Hinzufügen, daff die er. höhten Beiträge erstmalig vom 1. Juli dieses Jahres ab zur Erhebung ge- langen werden. Friedenau, den 23. Juni 1905. Der Vorstand d. Ortökrankenkasse. Herrn. Schölzel, Vorsitzender. Kranz- und Klnmenbinderei von Roberl Meyer,. nur Mnrianntu-Straße 2. VereinS-Kränze, Palmen- u. Blumen« Arrangements, ÄonguetS, Guirlanden usw. werden sein u. preiswert geliefert KÄ-SSil''. Albreehts Bäckereien: Wrangelstr. 135, Krantsiraste 19, Jalckensteinstr. 28, Lansitzerstr. 2, Markthalle Pücklerstr., Stand 222/23. 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Juni, abends 8 Uhr: Votttsversattitnlittig in de» Musiker-Sälen, Kaiser Wilhelmstrahe 18 m. Tages-Ordnuug: I. Die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage Bericht- erftattung des Abgeordneten Genossen Robert Schmidt. 2. Diskussion. 3. Parteiangelegeicheiten. 4. Verschiedenes. Allseitiges Erscheinen der Parteigenosse» und Genossinnen erwarten 248/12* Die Vertrauensleute. r Verwaltungsstelle Berlin. Hausil-Bureau: Engel-User 15, Zimmer 1—5. Fernsprecher: Amt IY, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 28. Juni 1905, abends 8>/, Uhr: Versammlung samtlicher Werkzeugmacher Kerlins im GcwcrtschastShaus, Engel-Ufcr 15, Saal 4. TageS-Ordnung: 1. Bericht des Kollegen Schulz über den Berbaudstag in Leipzig. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. HM- Kollegen! Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen ist das Erscheinen aller notwendig._ Mittwoch» den 28. Jnni 1905, abends S'/a Uhr: Versammlung der chirurgischen Krauche im„Roscnthaler Hof", Roscuthalerstraße Nr. 11/12. Tages-Ordnung: 1. Aus der Geschichte der Gewerkschaftsbewegung. Referent: Kollege Wteseuthal. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. In dieser Versammlung darf kein Kollege schien l*•■■■«■ Mittwoch, den 28. Juni 1905, abends 8'/, Uhr: Versammlung der Gold- und Silberardtiter und vem. Strufsgenosstu im„Dresdener Garten", Dresdenerstraßc 45. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordnctcn Ed. Bernstein über:»Die Dynamik der Gewerkschaftsbewegung*. 2. Diskussion. 3. Verbands- angelegenheitcn. Die Kollegen und Kollaginnen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Mittwoch, dm 28. Juni 1905, abends S'/a Uhr: Bezirksversammlung für Steglitz und Umgegend im Lokale von Reise», Groß-Lichtexfelde, Chauffeestr. 104. Tages-Ordnung: 119/4 1. Bericht des Kollegen Handle über den Berbaudstag in Leipzig. 2. Diskussion. 3. VerbandSangelcgenheiten. Die Kollegen werden ersucht, in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. Mittwoch, de» 28. Juni 1905, abends 8 Uhr: Bezirksversammlung für Moabit im Saale der„Kronen-Bräuerei", Alt-Moaiit 47/49. TageS-Ordnun-g: 1. Bericht vom BerbandStag. 2. Diskussion. 3. Ersatzwahlen der Bezirksleitung. 4. Verschiedenes. Zur besonderen Beachtung! Alle unsere Mitglieder, Vertrauensleute und Zahlstelleninhaber machen wir daraus aufmerksam, daß durch die Beschlüsse des VerbandStageS vom 1. Juli dieses JähreS ab(27. Woche des Mitgliedsbuches) der wöchentliche Bettrag für männliche Mitglieder um IV Pfennig und für weibliche um 5 Pfennig pro Woche erhöht wurde. Alle t Verwaltungsstelle Berlin gehörigen Mtglicdcr haben sonach inll. des IzuschlaaeS ßy resp. SS Pfennig wöchentlichen Beitrag zu leisten. Perzwsiötkge Mqterial gelangt jedensalls vom 1. Juli ab zur AuS» , und ersuchen wir/Die bisherigen Marlen nicht über die SS. Woche ,«s zu benutzen. Gleichzeitig machen wir aus nachstehende neuerrichtete Zahlstellen aus- merlsam: Restaurant Fahrow. RavenSstraße 6: Restaurant Culow, Echivelbeinerslraße 2, und in Waidmaiuislust, Restaurant Hofsmann, Dianastraße.__ Ple Ortsverwaltung. r«m Zahlstelle Berlin. Mittwoch, den 28. Juni, abeilds 8 Uhr: Span eben-Versammlung aller in der Telephon-Branche und für photogtaphische und chirurgische Apparate beschästigten Tischler im Gewerkschaftshause, Engel-Ufer 15, Saal 8. TageS-Ordnung: 1. Branchenangelegenheiten. 2. BerschiedeneS. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Ortsverwaltung. Mittwoch, den 28. Juni, abends 8'/« Uhr, im Königstadt-Kasin», Holzmarktstr. 72: Versammlung aller in mr Treppengeländer-Fabriken beschäftigten Arbeiter, als: Tischler, Stellmacher, Drechsler, Bildhauer, Maschinenarbeiter usw. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Berhandlunge» vor dem EinigungSamt und unsere Stellungnahme in der Zukunft. 2. Diskusflon. 87/15 Kollegen l Da die Versammlung von sehr großer Wichtigkeit für uns ist. so müssen alle Kollegen, besonders alle auf Bauten beschäftigten Kollegen, anwesend sein._ Die Kommission. Sozialdemohratiseher Wahlverein f. d. 4. Serlinet fteiehstagsuiahlkreis(Ost). Dienstag, den 27. Jnni, abends 8 Uhr, in der„ K ö n i g s b a n k Große Frankfnrterstr. 117: W�T Versammlung."Ä Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Genossen Schubert über:»Die preußische Volksschule'. 2. DiS- kussion. 3. Verschiedenes. W Gäste haben Zutritt.— Ausnahme neuer Mitglieder. 244/3+ Zahlreichen Besuch erwartet__ Ber Vorstand._ Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Berliner Reichstags-Wahlkreis(Süd-Ost). Dienstag, den 27. Juni, abends 8Vb Uhr, im Lokale des Hrn. Graumann, Nannynstraße 27: W Mitglieder- Versammlung."HE TageS-Ordnung: i. Vortrag des Reichstags- Abgeordneten Aäoll ZtaflttlStlN über: „Glaube und Vernunft". 2. Diskussion. 3. VeremSangelegeuheiten. Zahlreiche Beteiligung erwartet s244/4') Her Vorst»ml._ Verein znr Wahrung der Interessen derXanrer Berlins und Umgegend. Bmcau: Hirtenstraße 20.— Telephon: Amt VTI, Nr. 4999._ Mittwoch, den S8. Juni ISvS, abends 8Vz Uhr: lAIßglistlsr-Vsrsammlung"TL bei Dräsel, Neue Jriedrichstrahe SS. TageS-Ordnung: 1. Das Resultat der Baukontrolle vom S1. Juni und unsere Aufgabe» für die Zukunft. 2. Vcreinsangelegenheiten. 130/1 NB. Wir fordern hiermit sämtliche Kollegen aus, in dieser hochwichttgen Versammlung zu erscheinen. Bor Vorstanck. immerer: Achtung! Donnerstag, den 29. Juni, abends 8V- Uhr, bei Schulz, Kaiser Friedrichstr. 24(unterer Saal): OeffenMche Versammlung der Zimmerer Charlottendnrgs. TageS-Ordnung: I. Die Gegenfäüe in den beiden Zentralisationen der Zimmerer Deutschlands und«ufere Stellung znr Zlrbeitslosen-Uuterftützung. Referent: Kamerad Vh. Fischer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Im Anttrase des Vereins der Zimmerer(Zahlstelle Charlettenburg): H. Webers._ Von der Reise zurück 2659b Bf. 51. Cohn, W., Lutherstraße 7/8. GiinMern 60 Pf. ft.Vpfun6(gröber» jum Reißen). Schkachtfedern. wir sie o. b. San, fallen, m>> allen Daunen m. 1.50, jullserlizer Gänseraxf M. 2.00, bessere Gänsetiaibdaunen m. 2.50, 3.00. befle schnreweihr m. 3.50, russische Daune» ZN. 3.50, weiße böhm. Tannen M. 5.00, ge. eigene Ardern m. 1.30, 2,00, 2.30. Prima gerissenem. 3.00, 3.50. Versand gegen Nachnahme. KUlMl.llltig.peN�a». Erste Bettfedernfabrik m. electr. Betriebe. Viele Anerkennungsschreib. Wü�dlirger ttühnerangsninittel Von Or. H. Ungee-Würzburg.— SO Ps. In Borlln: Solomon»Apotheke, Charlottenstraße, Grels-Apotheke, Barnimstr. 33. In Breslan: 2571L' Dictoria-Apotheke,Friedr.Wihclmstr.34 Or. Lell wohnt jetzt: Rosenthalcr- strassc SO II. Homöopath und Spezial-Arzt für Haut-, Harn- und Geschl.-Lciden. 11—2 u. 5—8. Sonnt. 11—3.* gegründet 1892 empsiehlt sich hierdurch dm werten Vereinen und Gewerkschaften UntlnIInonn» werden jederzeit im«everhsehattshanse, Engel. UtHlllUIlgtll User 15(Briefkasten am Büfett), sowie im Restaurant BoUsrlx, Gr. Frankfurterstr. 99, mtgegengenommen. Die diesjährige Bampker» Bartl« findet am Dienstal den 11. Juli. nach Hessenwintel statt. Abfahrt 7"/, Uhr Slralauer Brücke.— Billetts a 1,00 M., Kinder über 10 Jahr 50 Ps., sind bei allm Mitgliedern zu habm. 200/6* Der Vorstand. I. A.: Richard Heinrich. Lese- und Diskutierklub„Süd-Ost". Mittwoch, den SS. Jnni, abends S1/« Uhr, bei Tolksdorl, Görlitzerstr. 58: Vortrag des Herrn Dr. Magnus Kivschfeld über: „Die hümchMlle Friiiie". Gäste sind willkommen. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet 291/13 Der Vorstand. jetzt Kaiser Friedrichstr. 21/29. PANKOW Kaiser Friedrichstr. 21/29, Telephon: Amt Pankow No. 324 und 311. Spezialbräu: Caramel-MalzsBier. Leistungsfähigkeit: 200000 Hektoliter. 3569L* Sozlaldeinokratlselier Waiiiverelii Rummelsbury-Boxhagen. Todes- Anzeige. Den Genossen zur Nachricht, daß unser Genosse kiermsnn Lditil?: im Alter von 24 Jahren an der Proletarierlrankheit gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 27. d. Mts., nach- mittags S'/i Uhr, vom Friedhos Kietz-NummcISburg aus statt. 8/6 Der Borstand. Deutscher Metallarbeiter-Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Heimnn Schulz am 24. d. M. gestorben ist. Ehre seinem Slndenken k Die Beerdigung findet am 27. Juni, nachmittags 5 Uhr, vom Traucrhause, Rummelsburg, Türrschmidtstr. 24 aus statt. Rege Beteiligung erwartet 119/3 0!e Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Tischler Valentin Mularski am 25. Juni verstorben ist. Ehre seinem Andenken k Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 28. Juni, nach- mittags um 4 Uhr, von der Leichenhalle des katholischen kdirch- Hofes in WUHelmSberg aus stau. Um rege Beteiligung ersucht 87/10 Die Ortsverwaltung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung unseres lieben NaterS, SchwiegervaterS-und Großvaters Wilhelm Klesellng sagen wir allen Freunden und Be- kannten unseren verbindlichsten Dank. kamllie Kieseling, Bock, Schüler, Tomlcs. Danksagung. Für die vielen Beweise Herzlicher Teilnahme und großarttge Beteiligung bei der Beerdigung meines lieben ManneS Martin Baumberg sage ich allen Beteiligten hiermit meinen ttesgesühllen Dank. Oie trauernde Witwe Anna Baumberg. Allen Teilnehmern an der Beerdi- guna unseres lieben SohneS und Bruders Baal Vachs sage» wir Hiermit unseren Herzlichsten Dank. Familie Fuchs, S°rau N..a Jür die beim Begräbnis meines !-.- cn Mannes, des Restaurateurs Richard Huttef bewiesene Teilnahme, für die zahl- reichen Blumenspenden der Freunde und Bekannten, de? Gesangvereins .Edelweiß-Nord-, der Akkordmaurer und der GasUvirtslollegen sage ich meinen besten Dank. Ww. Magdal. Hutter geb. Cranz. Dr. Simmel, SS";;; Spezialarzt für 9/12* Bant- nnd Harnleiden. 10— 2, S— 7. Sonntag« 10—12, 2—4. Kinderwagen- Kuhllcke Berlins größtes Spezial-«cschttft i Hauptlager: Heue Königsir. 43 2. Lager; KöDiggfätzerstr.S4 Kinderwagen, Kinder- Sportwagen, Kinde» Bettstellen. Riesen-Auswahl. SpoHbillige Preise. Ctcppdecken Oelegenheitskauf! 2® Ersatz f. Deckbett W jjiSJSO Bunte Normal- M»SO QSfl Sclilafdeclieiil'« Spezial- Opanienstraße U.Berlln s. ManM Redakte/ur� Mos Rehbeio, Bcrli/I. Mr dkg LvlcrgtLlltM ih Salin. Druck u. BÄag: MwärtZ MlLdruÄLi u. LerlgÄLoLÄt Raul ZiMn Sa,, BerLo M. Nr. 147. 22. Iahrgavg. 2. KilU des Joraärts" Knlim WsdlÄ Ditustag, 27. 1«mlM. Klus Inäultrie unä l�anciel. Marokko und die Börse. Die Berliner Börse, die sich über alle politischen Verstimmungen schon erhaben dünkte, hat nun doch in den letzten Tagen unter dem Marokko-Konflikt zu leiden gehabt. Schon seit längerer Heit zeigen sich die spekulativen Kreise infolge der deutsch-franzöftschen Ver- Wickelungen zurückhaltender. Die Lage erscheint ihnen jedenfalls zu ungeklärr, um neue Geschäfte entrieren zu können, und auch die üblichen Sommerreisen der Bankiers und Großspekulanten per- anlassen diese bei so politisch unruhigen Zeiten um so mehr, sich nicht noch auf der Reise mit Börsenengagements zu bepacken. Diese Zurückhaltung erweiterte sich aber in den letzten Tagen der borigen Woche zu empfindlichen Rückgängen und namentlich am Freitag zeigte die Börse recht empfindliche Fläue. Sie bekundete dabei völlige Abhängigkeit vom Pariser Platze, wo die Furcht vor ernsten Verwickelungen mit Deutschland schon seit mehreren Tagen geradezu panikartige Verstimmung verursacht hatte. Einige bürgerliche Blätter wissen aus BörsenpatriosiSmus gar nicht genug die.immerhin noch besonnene" Haltung Berlins im Vergleich zu Paris zu loben. DaS ist natürlich nichts als leereS Gerede, in Wahrheit könnte aus der ruhigen Haltung Berlins auch geschlossen werden, daß die Berliner ttauto Lnanos sich über das Verhalten der deutschen Diplomatte schlechter unterrichtet zeigt als die ftanzösische. Die Tatsache, daß man die Bankdirektoren zur Unterstützung notleidender adeliger Offiziere heranziehen will, be- weist noch lange nicht, daß die Herren Mankiewicz, Fürstenberg usw. ihre Börsenstrategie immer in Einklang mit der wahren polittschen Lage zu bringen wissen. Daß die Mckgänge an der Börse großenteils auch auf die die sich in einer großen Anzahl etabliert hat, zeigt der ver- Rückgang der deutschen Anleihen. Obgleich cS heißt, daß für französische Rechnung Verkäufe vor- genommen worden seien, bettug der größte Rückgang der preußischen KonsolS vom Donnerstag zum Freitag voriger Woche 0,35 Prozent. Das ist«in an sich für diese Werte mcht unerheblicher Abschlag, der aber dennoch gering erscheint, wenn man bedenkt, daß im Falle eine? Krieges gerade die Anleihen der betroffenen Staaten weit erheblichere Rückgänge aufweisen würden. Am Montag war die Börse etwas ruhiger als an den Vortagen gestimmt. Es erweckt den Anschein, als ob die Großfinanz eben- sallS unsicher umhertappt. Die bürgerliche Presse, die ihre Berichte insgesamt von dem Einpeitscher der öffentlichen Meinung in der Wilhelmstraße bezieht, gibt durchaus kein wahres Bild der politischen Situation. Um so stärker und dringender wird die Pflicht der Oeffentlichkeit, ein elwa beliebtes Kraftmeiertum der deutschen Diplomatie gegenüber Frank- reich zu zügeln._ Zu einer neuen inneren Anleihe abkommandiert werden die Petersburger Banken. Nach der Vernichtung der russischen Flotte in der Koreasttaße ist die Aufnahme einer weiteren russischen Anleihe im Ausland bekanntlich gescheitert. Nun versucht der russische Finanzminister die Herbeischaffung von 150 Millionen Rubel im Fmanzn Inlands Der„Bülkau" in Tättgkeit. Einen Streit zwischen der Verwaltimg der bekannten Schiffs- baulverft.Vulkan" und ihrer Attionärmehrheit haben wir jüngst über daS Interesse verdienen. Die an der Nordsee eine große Werft zu errichten, verworfen,"obwohl der Aufsichtsrats-Vorsitzende mit allem Suswand von Geheimniskrämerei versicherte, daß die Gesellschaft auf der Nordsecwerft große Aufttäge zu erwarten habe, über die er vor der Oeffentlichkeit nichts ver- lauten lassen oürse. Inzwischen war bekannt geworden, daß dennoch die Errichtung der geplanten Werft vorgenommen werden sollte. Eine neue Generalversammlung sollte um ihre Zustimmung ersucht werden. Wir gaben der Anschauung Raum, daß dieser Werftbau an der Nordsee als Anzeichen der Flottenvermehrung zu betrachten sei. Die weiteren Ereignisse haben diese Vermutungen außerordentlich erhöht. So wird aus Kiel berichtet, daß der Kaiser an Bord der»Hohen- zollern" den Generaldirektor Ballin. den Geheimrat Schlu- tow und den Direktor und Baurat Zimmermann von der Werft.Vulkan" empfing. Zu gleicher Zeit verbreitet die»Neue tamburgrr Zeitung" die Meldung, der Vulkan-Aksiengesellschast, tettin, sei von der Finanzdeputation ein großer Komplex auf Roß-Neuhof zur Errichtung von Werltanlagen verpachtet worden. Die Flottenvorlage wirst ihren Schatten voraus. Fusion. Die Rheinische Schuckert-Gesellschaft und dseSüddeutscheElektrrzitätS-Gesellschaft rn Lud- w i g S h a f e n vereinbarten einen Fusionsvertrag. Sehr große japanische Aufträge sind nach Meldungen der»Neu- Yorker HandelSzeirung" nach Amerika vergeben worden. Tausende von Frachtwagen und Hunderte von Lokomotiven sollen sobald als möglich nach dem fernen Osten geliefert iverden, und zwar soll der Versand des Material« von der Pacificküste aus erfolgen. Gemäß den Bedingungen deö Kontraktes sind die Bahnwaggons und Loko- motiven noch vor Dezember zur Ablieferung zu bringen. Man nimmt an. daß die während der letzten Monate von der japanischen Regierung in Amerika placierten Kontrakte für Lieferung von Bau- stahl, eleftrischer und Maschinenausrüstung für Arsenale und Schiffs- bauhöfe, sowie von Bahnmaterial für die japanischen, koreanischen und mandschurischen Bahnen einen Total wert von 15 000000 Dollar repräsentieren Hiid der fraiienbewegung. Steglitz. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglitz und Umgegend hielt am 22. Juni seine Mitgliederversainm- lung bei Wahrendorf, Schloßstraße 117, ab. Der Referent war leider durch Krankheit verhindert. Unter Vereinsangelegenheiten wurde besprochen, am 13. Juli, nachmittags 3 Uhr, bei Schellhase. Ahorn- straße 15. ein gemeinschaftliches Kaffeekochen abzuhalten. Für Unter- Haltung sowie Belustigung der Kinder wird bestens gesorgt. Zahl- reichen Besuch erwartet Der Vorstand. Treptow-Baumschulenweg. Mittwoch, den 21. d. MtS., hielt im hiesigen FrauenbildungSvercin Herr Dr. Sommerfeld einen Vortrag über„Erkältung und Abhärtung". Die Ausführungen des Referenten boten den anwesenden Frauen viel Interessantes und Lehrreiches. Die Versammlung war gut besucht.— Der hiesige Frauenbildungs- verein hält seine Mitgliederversammlung am Mittivoch nach dem 15. eines jeden Monats ab. Gäste sind immer sehr willkommen.— Wir richten an alle Frauen und Mädchen von Baumschulenweg die Bitte, die Versammlungen zu besuchen und somit die Bestrebungen des Vereins zu unterstützen. Die Mitglieder werden darauf auf- merksam gemacht, daß der Verein Mittwoch, den IS. Juli, seine erste Generalversammlung abhält.� Der Vorstand. Versammlungen. UeSet die neuesten technischen Erfindungen sprach Genosse Dr. L u x am Dienstag im Wahlvercin des dritten Kreises. Zunächst gab Rediier einen historischen Rückblick auf das achtzehnte Jahr- hundert vor James Watts Erfindung der Dampfmaschine. Die Be- arbeitung des Metalls war damals eine rein handwerksmäßige. Nach der Bronzezeit war allenfalls die Herstellung von Schmiedeeisen von Bedeutung. Das Gießereiverfahren steckte noch in den Kinderschuhen und war daS Gußeisen daher noch sehr mangelhaft. Den Zweck der Kohle mutzte man erst durch die Ersahrungen kennen lernen. Die Entdeckung der großen Kohlenlager förderten dann die großartige Umwälzung der Technik vom Handwerk bis zur Maschinenindustrie der großen kapitalistischen Entwickelnng. Dazu kam noch Werner Siemens' Entdeckung des Elektrodynamos, des Kraftmotors in allen Quantitäten. Noch einmal glaubte man an die Wiedergeburt des HandlverkS, das sich einen kleinen leistungsfähigen Motor auch zu- legen kann. Aber diese Regeneration ist unmöglich, da dem Hand- werker daS sonst nötige Betriebskapital fehlt. Redner erinnert ferner an die ungeheuere Entwickelnng im Beleuchtungswesen: er erwähnt die modernen Dampfturbinen, die auS Kilo Steinkohle vier bis fünf Pferdekräste erzeugen. Die Entfermingen auf dem Erdball hat man auf ein Minimum abgekürzt. Früher brauchte eine ganze Familie ein volles Jahr zur Herstellung von einem Schock Ellen Leinewand, jetzt liefert daS gleiche Quantum in wenigen Minuten eine Person im Industriebetrieb. Alles dies sind die Er- findungen des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Aber die durchgreifenden Umwälzungen auf dem Gebiete der Nahrungsmittel- Industrie liegen gleichsam noch in der Luft. Man hat schon durch umständliche chemische Experimente aus Sägespänen Zucker gewonnen, aber man kann noch nicht aus anorganischen Substanzen, aus Steinen — Brot machen. Diese Erfindungen sind noch zu leisten und sind auch noch nicht nötig, solange die Erde durch ihre Naturprodukte ihre Bewohner nährt. Erst im Falle einer Ucbervöllerung oder anderer wirtschaftlicher Verhältnisse muß man die Chemie zur Hülfe nehmen. um die Volksernährung auf eine andere Basis zu stellen. Me Er- findungen, die gemacht sind und heute noch gemacht werden, nutzt man aus, um Arbeitskräfte zu ersparen: genau noch wie vor 150 Jahren. Das liegt in der noch herrschenden Produktionsmethode, in der alle für wenige arbeiten, im modernen Kapitalismus. Eine ungeheuere Kulwrsteigerung ist der Erfindung der Maschine zu ver- danken, aber diese Steigerung kommt den wirklich Produzierenden nur sehr wenig zu gute. Eine Aenderung des Kulturzustandes ist nur durch eine Sozialisierung der Gesellschaft zu erreichen. Dies muß unsere Losung sein. Reicher Beifall lohnte den Redner, der im Schlußwort noch einige aus der Versammlung gestellte technisch« Fragen beantwortete. Eine Versammknng der Gürtler und der in Gürtlcrcien tätigen Arbeiter und Arbeiterinnen fand am Donnerstag im großen Saal de» GewerkschastshauseS statt und bildete durch ihren zahlreichen Besuch einen Beweis dafür, daß auch der letzte mißlungene Streik und alle darauffolgenden Gewaltmaßregeln der Unternehmer nicht geeignet waren, die Organisatton in der Branche zu zertrümmern. Die Versammlung nahm, nachdem Cohen die augenblickliche Situation in der Gelbmetall-Jndustrie geschildert und eine ausgedehnte Diskussion über Taktikftagen stattgefunden hatte. folgende zuvor von der VertrauenSniänner-Konferenz beschlossene Resolution an: „Die Versammlung nimmt Kenntnis von der gegenwärtigen Situation in der Gelbmetall-Jndustrie und spricht ihr Bedauern dar« über aus, daß sich eine Anzahl Kollegen gefunden haben, die den bekannten Revers der Metallindustriellcn unterschrieben. Die Versammlung sieht in diesem Tun ein die Organisation schwer schädigendes Moment und verurteilt die Handlung dieser Kollegen auf daS entschiedenste. Mit Rücksicht darauf aber, daß die Unternehmer in den meisten Fällen nur unter Anwendung dcS fchärfften TerroriSmuS die Unter- fchriften erlangten, will die Versammlung den Arbeitern, die diesem Druck erlegen sind, die Rückkehr in die Reihen der Kollegen nicht versperren und fordert die betreffenden auf, sich innerhalb S Wochen vom 1. Juli 1905 an beim Äranchenvertreter oder im Bureau, Engel-Ufer 15, zwecks Regelung ihrer Angelegenheit zu melden. Diejenigen, welche von diesem Entgegenkommen keinen Gebrauch machen, haben nach Ablauf der 0 Wochen keinen Anspruch auf weitere Rücksichtnahme. Dieser Beschluß soll in Form eines Flugblatts in allen Bettieben verbreitet werden. < I Zentralverband der Maurer. Am Mittwoch beschäftigte sich eine Mitgliederversammlung des Zweigvcreins Berlin mit der Be- ratung des neuen Ortsstatuts. Längere Debatten riefen die beiden Paragraphen hervor, welche die Ueberlassung eines Teiles des Bei- träges an die Zahlstellen und die Höhe der Maßrcgelungs-Untcr- stützung betreffen. Nach dem Vorschlage des Vorstandes soll den Zahlstellen, welche einen Lokalfonds haben, von dem Wochenbeitrag ein Anteil von 5 Pf. verbleiben. Die Zahlstelle Rixdorf wollte diesen Anteil auf 3 Pf. erhöht wissen. Angenommen wurde schließlich der Vorschlag des Vorstandes.— Zur Höhe der Unterstützung bei Bau- sperren und Maßregelungen lagen verschiedene Anträge vor. Auch hier fand die Vorlage des Vorstandes Annahme. Sie bestimmt, daß die Unterstützung vom ersten Tage an für die Dauer von 18 Tagen hintereinander mit täglich" 4 M. bezahlt wird. Verheiratete er- halten außerdem für jedes Kind einen Zuschuß von 25 Pf. Das neue Statut soll am 1. Juli in Kraft treten. Die an Fahrstühlen und Hebevorrichtmigen tätigen Bauarbeiter hatten sich am Sonntagvormittag ziemlich zahlreich bei Jannaschk in der Jnselsttaße versammelt, um gewisse Vorkommnisse bei der Firma Rietsch u. Co. zu besprechen. Der Sohn des Inhabers und zwei Vertrauensmänner der Firma saßen gegenüber in der Damenkncipe„Zur Insel Rügen", um aufzupassen, wer von ihren Arbeitern die Versammlung besucht. Die Firma ioendet nämlich alle möglichen Mittel an, um ihre Arbeiter von der Organisation fernzuhalten. Diesem Zweck soll auch eine Unterstützungskasse dienen, zu der die Arbeiter 1 Proz. ihres Verdienstes zu zahlen haben. Ob ein in Not geratener Arbeiter aus dieser Kasse etwas erhält, das hängt zunächst von einer Deputation ab, in der die Firma über ebensoviele Stimmen verfügt wie die Vertreter der Arbeiter, Herr Rietsch sich aber außerdem das Bestätigungsrecht über die Besckflüsse vorbehalten hat. Es wurde in der Versammlung erwähnt, daß ein Arbeiter, der einen Beinbruch erlitten hatte, nicht der Unterstützung für würdig befunden worden sei. Vor einiger Zeit wurden Vertreter der Arbeiter um eine kleine Lohnaufbesserung für die außerordentlich schwere Arbeit an den Fahrstühlen der Firma vorstellig. Der Unter- »chmer aber bewilligte nichts, erklärte dagegen, daß sämtlichen Arbeitern, die dem Verbattd angehörten, ge- kündigt werden sollte, und dieser Tage sind denn auch zwei Vertrauensmänner der Arbeiter entlassen worden. Herr Rietsch scheut offenbar keine Unkosten, wo es gilt, die Organisationslust seiner Arbeiter zu ersticken. Er soll 500 M. für den Austritt auS dem Verband geboten haben. Uebrigens bemerkte Karl Heidemann in der Versammlung, daß er ihm, dem Vertreter des Bau- arbeiter-Verbandes. im vorigen Jahre in Gegenwart zweier Zeugen dieselbe Belohnung geboten habe, wenn er es fertigbrächte, bei den anderen mit Fahrstühlen arbeitenden Firmen einen allgemeinen Streik zu arrangieren. Die allgemeinen Verhältnisse bei Rietsch n. Co. wurden in der Versammlung auch von anderen Rednern scharf kritisiert, daneben wurde jedoch bemerkt, daß auch bei den übrigen Finnen Verbesserungen sehr notwendig seien. Die Ver- sammlung erteilte der Leitung der Organisation und der Sektion der Fahrstuhlarbeiter schließlich den Auftrag, mit den zu einer all- gemeinen Bewegung der Fahrstuhlarbeiter nötigen Vorslbeiten zu beginnen. Vernrilcdtm lieber einen Eisenbahnnnfall wird aus Bingen amtlich ge- meldet: Am 25. Juni, abends 10 Uhr, fand zwischen den Stationen Rhens und Capellen eine Entgleisung von acht Güterwagen des Güterzuges 7509 statt. Beide Gleise waren gesperrt; die Reisenden stiegen an der Unfallstelle um. Acht Güterwagen sind stark be- schädigt. Ein Bremser leicht verletzt. Am 23. Juni 5 Uhr morgens war ein Gleis wieder frei für eingleisigen Betrieb; das zweite Gleis wird voraussichtlich bis Mittag wieder fahrbar. Die dänische Marine ist von einem furchtbaren Unglück heimgesucht worden. Das dänische Privttt-Schttlschiff„Georg S t a g e" wurde in der Nacht zum Montag in der Holländer Tiefe bei Kopenhagen von dem englischen Dampfer A n c o n a" aus Leith angerannt und sank nach IV, Minuten. 22 Kadetten ertranken, 57 wurden gerettet. Von den beim Untergang des Schulschiffes Geretteten mußten vier, weil sie Verletzungen erlitten hatten, ins Krankenhans gebracht werden: die Verletzungen sind anscheinend nicht lebensgefährlich. DaS Wetter war bei dem Zusammenstoß trübe, aber nicht unsichttg. Der Dampfer„Ancona" erlitt auf der Backbordseite an der Wasserlinie ein Leck und muß ausbessern. Die Hafenbchörde hat der„Ancona" die Wetterfahrt verboten, bis völlige Auf- klärung über den Zusammenstoß geschaffen ist. Nur eine Leiche ist bis jetzt gefunden. Der erste Steuermann vom Schulschiff„Georg Stage", Myhre, erzählt folgendes über das Unglück: Das Schulschiff kam von der Kröger und fuhr nordwärts. Es segelte bei dem Winde und fuhr mit vollen Segeln. ES war schönes Wetter, ruhiges Wasser und gute Brise. Man beobachtete den Dampfer der englischen Castle- Linie„Ancona" auS Leith. Der Dampfer schien zuerst hinten um „Georg Etage' herumgehen zu wollen, aber er veränderte plötzlich da« Manöver und versuchte vorn herum zu gehen. An Bord des „Georg Stage" erkannte man jetzt, daß eine Kollision unvermeidlich war. Kapitan Maltenkron läutete, um den Engländer zu warnen, Bug der„Ancona" bohrte sich ttef in die Seite des Schulschiffes. zerdrückte ein Boot und zerbrach zwei Masten, so daß die Rtaslen und die Takelung auf Deck nieverstelen und es den Kadetten erschwerten, an Deck zu kommen. Der Kapitän, der Steuermann Myhre und die Kadetten, die nicht in die niedergefallene Takelung verwickelt waren, sprangen an Bord der„Ancona" und fetzten sofort die Rettungsboote ins Wasser. Mit geringem:Auswand€18? W ön Körpcrfröft und mit wenig Seife erzielt man dennoch blendend weitze Wafche�ena V\A � Sunlight Seife auzichliehlich verWidet. weit � y Voiefe'dein denkbar höchsten Srad der� Reinigungstraft-. befitzt. vie�Sunlight�Seifenfaprii 'übernimmtijede Garantie, datz ihr Zabriiat�rei' ist• von Icharten oder schädlichen vestaw . teilen. Vas graste Doppelstück kostet 25 Pf. das handliche AchtecWck Mogonj nur. IV Pf. Srennabor-jtäder und Jenensia= Räder auf Teilzahlung! Zwei Jahre Garantie! 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Die Verhandlung gegen den Schnhmachermeister Oskar von Bussje wegen Tötung der 11jährigen Margarete Koschorreck aus Neu-Weißensee begann gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts I. Den Vorsitz führt Landgerichtsrat Methner, die Anklage vertritt Staatsanwaltschaftsrat ll'h l e. die Verteidigung führt Rechtanwalt Dr. W e r t h a u e r. Als medizinische Sach- verständige sind die Gerichtsärzte Dr. Stürmer. Dr. Arthur Schulz, femer Oberarzt Dr. Henneberg. Nervenarzt Dr. Placzek und außerdem der Gerichtschemiker Dr. I u ck e n a ck geladen. Die Anklage lautet auf Totschlag und Vomahme unzüchtiger Handlungen an der am 21. Februar 1833 geborenen Margarete K o s ch o r r e ck. Diese war von einer in der Weißenbürgerstratze wohnhaften Frau Hahn mit einem Auftrage nach dem Molkenmarkt geschickt worden und war seit jenem Tage verschwunden. Einige Wochen später ist die Leiche des Kindes unter dem in einem Keller des Hauses Franseckistr. 39 aufgestapelten Sande vorgefunden worden. Der Vorsitzende erwähnt nach Eröffnung der Verhandlung, daß nach einem Anschreiben des Ministers des königlichen Hauses bezw. des Heroldsamtes der Angeklagte nicht berechtigt sei, sich„von" Busse zu nennen. Der Adel sei dem Großvater des Angeklagten seinerzeit bestätigt worden, cS liege aber ein Versehen des Heroldsamtes vor, und es sei jetzt fest- gestellt worden, daß die Führung des Adelsprädikats nicht berechtigt sei. Was der gleichgültige Umstand, ob Busse sich„von" nennen darf oder nicht, mit dem Mordprozeß zu tun hat, ist nicht ersichtlich. — R.-A. Dr. Werthauer protestiert zum Uebcrflutz dagegen, daß c auch nur der Versuch gemacht werde, die Berechtigung zur Führung des Adelstitels zu bestreiten. Staatsanwaltschaftsrat U h l e: Es liege ein Ersuchen des Ministers des königlichen Hauses vor, dem Angeklagten das Adelsprädikat während der Verhandlung nicht beizulegen. Hier könne es sich nicht dämm handeln, zu untersuchen, ob der Adel berechtigt ist oder nicht. — R.-A. Dr. Werthauer: Der Adel des Angeklagten stamme aus dem Jahre 1611 von einem polnischen Edelmann. Der Adel sei bis zun, heutigen Tage in der ganzen Familie fortgeführt und 1894 dem Großvater ausdrücklich bestätigt worden. Diese Bestätigung sei für alle Behörden bindend. Der Angeklagte erklärt sein Einverständnis dazu, daß er m der Verhandlung nicht„von" Busse genannt werde.— Der Vorsitzende bemerkt, daß allerdings ein definitiver Bescheid vom Heroldsamt nicht vorliegt, sondern eine Frist von sechs Monatenge- geben worden ist. Aus der Vernehmung des Angeklagten über seine persön- lichen Verhältnisse ergibt sich folgendes: Er ist am 14. Januar 1872 zu Dzierwa im Kreise Jnowrazlaw geboren, verheiratet und einmal wegen Körperverletzung unbedeutend vorbestraft. Sein Vater war Gutsbesitzer. Der Angeklagte hat nur bis zu seinem achten Jahre die Schule in Jnowrazlaw besucht; sein Vater hatte ihn dort in Pension gegeben. Der Vater verkaufte dann sein Gut und zog nach der Riviera. Der Angeklagte kam zunächst bei einem Konditor in Cannes in die Lehre. Dieser gab ihm den Laufpaß, weil er sich gegen ein Dienstmädchen unanständig bp nomnien hatte. Er kam von dort nach Nizza zu einem Konditor in die Lehre und blieb dort bis 1887. Dann holte ihn sein inzwischen nach Berlin verzogener Vater nach Berlin und brachte ihn zunächst zu einem Kolonialwarenhändler in die Lehre. Wegen seines mangelhasten RechncntalentS wurde er von diesen, entlassen und kam nun zu einem Schnhmachermeister in die Lehre. Er kernte zwei Jahre und ernährte sich dann als Schuhmacher- geselle. Nachdem er bei einem Meister 4'/z Jahre gearbeitet hatte. machte er sich selbständig und arbeitete als selbständiger Schuh- machermeister zunächst an einer anderen Stelle und dann in einem ' Laden des Hauses Franseckistr. 39. Am 3. August, zu einer Zeit, als er ganz allem war— seine Frau war verreist und sein Geselle zu Mittag gegangen— habe er, wie er behauptet, gegen 2 Uhr vor seinem Laden gestanden, als die Margarete Koschorreck, die er bis dahin noch nicht kannte, vorbeigekommen sei. Er habe ihr gesagt,„sie möchte doch so gut sein und ein bißchen mit ihm nach hinten kommen" und das Mädchen habe dieser Auffordemng auch Folge geleistet. Er habe dann hinten in seiner Schlafstube versucht, an dem Mädchen, welches er auf ein Bett gelegt hatte, unzüchtige Handlungen vorzunehmen, und da das Mädchen laut sich dagegen wehrte, habe er einen furchtbaren Schreck gekriegt, ein Bett- kisjen über sie geworfen und dieses solange festgehalten, bis es ruhig ivar. Als er das Bcttkisscn wieder weggezogen, habe er zu seinem Entsetzen gesehen, daß das Kind kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Er habe das Mädchen zunächst etwa eine halbe Stunde dort liegen lassen und sich in seine Werkstatt hingesetzt und bitterlich geweint. Dann habe er das Mädchen zunächst in einen Sack gesteckt und diesen unter der Bettstelle verborgen, da inzwischen sein Geselle vom Mittag zurückkehrte. Als dieser tvieder fortgegangen war. schleppte er den Sack mit der Kiudesleiche nach einem im Hause belegenen Sandlcller, der ihm genau bekannt war, da er eine Zeitlang die Hausreinigung in dem Hause gehabt hatte. Dort schaufelte er den Sand auf und verbarg die Leiche unter ihm; erst etwa vier Wochen nach der Tat. nämlich am 30. August, ist die Leiche durch eine Hausbewohnerin im Sandhaufen entdeckt worden. Nachdem der Angeklagte die Leiche in den Keller geschleppt hatte, verbrannte er den Pappkarton, den das Mädchen ge- tragen hatte, ebenso die Pantoffel und den Strohhut des Kindes. Ein angebrannter Teil des Hutes ist bei der polizeilichen Haus- suchung noch vorgefunden und zum Verräter geworden. Der Angeklagte behauptet, daß er das Kind nur unsittlich berührt habe. Er wisse eigentlicki selbst nicht, wie er auf den Gedanken ge- kommen, das Kind in seine Wohnung zu locken, er bestreitet auch entschiede», daß er mit Ueberlegung das Kopfkissen aus das Madchen gedrückt.— Auf weiteres Befragen gibt der Angeklagte an. daß er die Margarete Koschorreck zunächst zu einer Desttllation geschickt und sich für 20 Pfennig Kognak habe holen lassen. Er habe täglich für 20 Pfennig Kognak getrunken. Was sein Eheleben betrifft, so sei er seit 1902 verheiratet und habe mit seiner Frau zuerst ganz gut, später nicht sehr gut gelebt. Nach dieser Tat habe seine Frau die Ehescheidung gegen ihn angesttengt und alle seine Wertsachen und sein Sparkassenbuch über 800 Mark an sich genommen. Neigungen für kleine Mädchen habe er nie gehabt, er will aber manchmal Krämpfe gehabt haben und geschlechtlich sehr erregbar gewesen sein. Während der Erörterung der Einzelheiten der Tat wird die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Es sind 24 Zeugen zu vernehmen. Verschiedene Personen, die früher mit dem Angeklagten m Be- rührung gekommen sind, schildern ihn als geistig beschränkt. Andere Zeugen schildern den Angeklagten als sehr fleißigen Mann, der manchmal die Nacht durchgearbeitet habe. Nach der Bekundung der Mutter des Angeklagten ist der An- geklagte nicht ganz normal. Er habe in seiner Jugend einmal emen Fall getan und einige Zeit an Krämpfen gelitten. In der Schule habe er sehr schlecht gelernt. Bei seiner Lehrzeit m Cannes habe er nichts wie Dummheiten gemacht, anderen Leuten die Stiefel zer- schnitten, ihnen die neu geplätteten Oberhemden mit Tinte begosien, sich selbst mit Konditorfarbe das Gesicht, beschmiert jc. Die «euqin hat noch zwei Söhne, über die sie jede Aussage verweigert. Kb- Bßr-,n Mb- recht viel aetrnnken.„In der Provinz Pose» trinkt man ja überhaupt sehr viel." Auch ihr Vater habe stark getrunken. Er sei zur Zeit der Hochzeit tobsüchtig gewesen und der Termin habe aus diesem Gmnde verschoben werden müssen. Ein Bruder ihres Vaters sei am ckelirium tremens gestorben. Ihr Mann habe das Gut infolge des Krieges 1870/71 verloren. Der Angeklagte sei immer sehr prahlerisch und auf der anderen Seite geistig zurück- geblieben und habe den Eltern immer nur Kummer und Sorge ge- macht.— Hierauf folgen die Gutachten der Sachverständigen, von denen zunächst Pros. Dr. Straßmann bekundet, daß der Tod des Koschorreck infolge Erstickens eingetreten fei. Mordprozeß Medersky. Die Schreckenstat eines Vaters, des Drechslers und H ä n d lers Artur Medersky aus Rixdorf, gelangte gestern im kleinen Schwurgerichtssaal vor dem Schwurgericht des Landgerichts II xur Verhandlung. Wegen dreifachen Mordes ist Medersky angeklagt.— Ten Vorsitz in dieser letzten vor den Gerichtsferien stattfindenden Schwurgerichtsperiode führt Landgerichtsdirektor Herold, die Anklagebchörde vertritt Staatsanwaltschaftsrat Meyer, die Verteidigung liegt in den Händen des Rechtsanwalts S e n g e r. Es sind, außer zirka 20 Zeugen, fünf medizinische Sach- verständige geladen.— Der Angeklagte wird beschuldigt, am 10. Ja- uuar ds. Js. vorsätzlich und mit Ueberlegung seine drei Kinder, Artur, Olga und Oskar getötet zu haben.— Der Vorsitzende ging, bevor er näher auf die Motive der Bluttat und auf diese selbst zu sprechen kam, erst sehr ausführlich auf die persönlichen Verhältnisse des Angeklagten ein. Der ziemlich intelligent aussehende Angeklagte, dem man ein derartiges Verbrechen gar nicht zutrauen könnte, er- klärt auf Befragen des Vorsitzenden mit leiser und ruhiger Stimme folgendes: Er sei am 28. April 1875 zu Danzig als Sohn des Maurers Josef Medersky geboren. Seinen Vater habe er fast gar nicht gekannt, da seine Mutter, die ihn erzogen habe, von diesem ge- schieden worden sei. Im Jahre 1896 starb seine Mutter. Er sei mehrfach vorbestraft und zwar von den Schöffengerichten in Danzig, Potsdam und Berlin wegen Unterschlagung, Körperverletzung, Ve- drohung, Beleidigung und Hausfriedensbruchs mit Geld- und Ge- fängnisstrafen. Nach dem Tode seiner Mutter habe er sich in Berlin in verschiedenen Berufszwcigen oersucht. Schließlich habe er bei seinem Schwager die Drechslerei erlernt. Im Jahre 1900 habe er seine jetzige Frau kennen gelernt. Diese habe schon in Magdeburg ein uneheliches Kind gehabt. Es sei bald zu einem intimen Verkehr zwischen ihm und seiner damaligen Braut gekommen, der nicht ohne Folgen blieb. Das älteste Kind wurde am 10. Juli 1901 geboren, die Hochzeit fand indessen erst am 29. Juli desselben Jahres statt. Vors.: Verlief ihre Ehe sehr glücklich�— A n g e k l.: Nein, im Gegenteil, ich habe mit meiner Frau stets in Unfrieden gelebt.— Der Vorsitzende schildert nunmehr das unglückliche Ehe- leben zwischen dem Angeklagten und seiner Frau. Medersky habe als Drechsler keine Arbeit gefunden. Er habe dann sogenannte italie- nische Früchte selbst fabriziert und sei mit diesen in den Lokalen handeln gegangen. Hierbei habe er viel Bier und Schnaps ge- trunken und sich allmählich ganz und gar dem Trünke ergeben. Wenn ihm dann seine Frau Vorwürfe machte, so sei es vielfach zu heftigen Szenen gekommen, wobei Frau M. oftmals mißhandelt worden sei. Im Ottober v. Js. mietete M. in dem Hause Maybach- ufer 2 eine Parterrewohnung. Hier kam es überaus häufig zu er- regten Szenen zwischen den Eheleuten. Der Angeklagte betrank sich fast ständig auf seinen nächtlichen Wanderungen durch die Lokale und fing dann, wenn er des Morgens nach Haus kam, mit seiner Frau Skandal an. Am Donnerstag den 5. Januar ds. Js. kam es wieder zu einer heftigen Szene. Am Sonnabend war alles anscheinend wieder im alten Gleise. Erst am Sonntag vormittag, nachdem der Angeklagte am Sonnabend wieder handeln gegangen und ange- trunken nach Hause gekommen lvar, kam es zu neuen Auseinander- setzungen. Frau Medersky faßte nun den Entschluß, ihren Mann endgültig zu verlassen. Als der Angeklagte am Morgen des 9. Ja- nuar aufstand, fand er einen Brief von seiner Ehefrau vor, in wel- chem diese ihm mitteilte, daß sie sich eine Stellung suchen, sich Geld sparen und sich dann ein Geschäft kaufen würde. Frau M. hatte ihren Entschluß ausgeführt und ihren Mann verlassen.— Der Angeklagte will hierdurch bis ins Innerste erschüttrt worden sein, da er annahm, seine Frau komme nun bestimmt nicht mehr wieder. Am Nachmittage suchte er eine ihm bekannte Familie Hoffmann auf und erzählte dieser, daß ihn seine Frau verlassen habe. Hieran knüpfte er alle möglichen Bemerkungen, aus denen die Familie Hoff- mann entnahm, dr Angeklagte würde ein Unheil anrichten. Schließ- lich äußerte er sich auch ganz offen,„es sei das Beste, er hänge erst seine Kinder und dann sich selbst auf."— Man redete ihm diesen Gedanken ans und anscheinend beruhigt ging er auch nach Hause. Hier legte er sich schon um 12 Uhr mittags mit seinen Kindern ins Bett. Um vier Uhr sei er, wie er behauptet, wieder aufgewacht und habe sich auf den Bettrand gesetzt und an alles gedacht. Hierbei sei ihm wieder der Gedanke gekommen, seine Kinder und sich selbst zu töten. Um 147 Uhr ging er in das in demselben Hause belegene Lokal von Krieger und holte sich eine Flasche Bier und für 10 Pfennige Schnaps. Bis um 1412 Uhr holte er sich noch drei weitere Male Schnaps, wobei er sich in verdächtiger Weise benahm. So übergab er dem Wirt einen silbernen Ring und einen Tabaksbeutel als„Andenken" an zwei Freunde. Als er gefragt wurde, weshalb er es den Bc- treffenden nicht selbst gäbe, antwortete er:„Ich weiß nicht, aber um zwei Uhr kann ich nicht mehr sprechen." Gleich hinterher äußerte er: „Die Kinder leben nicht mehr, nun komme ich'ran." Der Auge- klagte gmg dann nach seiner Wohnung und verübte das scheußliche Verbrechen, welches nunmehr zur Anklage steht. Die Vernehmung des Angeklagten hierüber soll erst nach einer Mittagspause beginnen. Nach der Mittagspause setzte der Vorsitzende die Vernehmung des Angeklagten fort. Nachdem Medersky das Kricgersche Lokal ver- lasten hatte, erzählte Herr Krieger die von ersterem getanen Aeuße- rungen seiner Frau. Diese wußte, daß Frau Medersky nicht zu Hause war. Von bangem Ahnen erfüllt, rief Frau K. sofort aus: Da ist ein Unglück geschehen. Mit einigen Gästen lief das K.sche Ehepaar sofort nach der Wohnung des Angklagten. Hier herrschte eine unheimliche Ruhe; auf wieder- holtes Klopfen wurde nicht geöffnet. Ein Schutzmann kletterte von außen durch das Fenster in die Wohnung. Es war bereits zu spät. Der Angeklagte hatte mit einer Znckerschnur seine drei Kinder an den Bettpfosten erhängt. Er selbst hatte versucht, sich ebenfalls das Leben zu nehmen. Der Strick war indessen geriffen. Da eins der Kinder noch schwache Lebenszeichen von sich gab, wurde es nach dem Krankenhaus geschafft. Die Wiederbelebungsversuche erwiesen sich jedoch als erfolglos.— Bei seiner Vernehmung erklärte der Ange- klagte vor Gericht folgendes: An jenem Tage wäre er völlig ver- zweifelt gewesen, weil ihn seine Frau verlassen hatte, er habe nicht mehr gewußt, was er tun sollte.„Als ich auf dem Bettrand saß." erzählte der Angeklagte vor Gericht,„und über alles nachdachte, rief plötzlich mein jüngstes Kind Wo ist denn die Mama? Als ich keine Antwort gab, fingen alle drei Kinder an zu weinen und verlangten nach ihrer Mutter. Da packte mich die Verzweiflung, ich---(Angeklagter schlägt die Hände vor das Gesicht und schluchzt minutenlang herzbrechend auf). Nach einiger Zeit fährt er fort:--- ich sah dann einen Schutzmann mit dem Säbel in der Hand durch das Fenster steigen, ich dachte, er würde mich damit über den Kopf schlagen. Was inzwischen geschehen ist. weiß ich nicht mehr. partei-Hngclegenbclten. Vierter Wahlkreis(Südost). Am heuttgen Dienstag spricht Genosse Ad o lf H o ffm a nn in der Mitgliederversammlung des Sozialdemokrattschen Wahlvereins bei Graumann, Naunynstraße 27. über„Glaube und Vernunft". Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Fünfter Wahlkreis. Heute Dienstag, abends 8 Uhr, erstattet Reichstags-Abgeordneter Genosse Robert Schmidt in den Musiker-Sälen," Kaiser Wilhelmstraße 13m, in einer Volks- Versammlung seinen Rechenschaftsbericht und spricht über die Tätigkeit der sozialdemokratischen Fraktion im Reichstage. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen der Genossen und Genossinnen erwarten Die Vertrauensleute. berliner JSacbncbtrn Der Berliner Milch lrieg schien eine Zeitlang nahe daran, völlig zu versumpfen, aber jetzt ist er aufs neue und um so heftiger entbrannt. Die Milchhändler wollen, um nicht den deutschen Agrariern Tribut zahlen zu müssen, Berlin mit dänisch erMilch v'e r s o r g e n, die Milchzentrale aber möchte ihnen auch diesen Ausweg abschneiden und die Einfuhr von Milch aus Dälie- mark verhindern. Herr Ring, der Leiter der Milchzcntrale, hat den märkischen„Milchbauern" auf ihrer Generalversamm- lung, wie wir in unserer Freitagnummer mitteilten, schmunzelnd verkündet, daß er bei den Behörden bereits entsprechende Schritte getan habe. Am Sonnabend haben nun die Milchhändler in einer stark besuchten Versammlung gegen dieses Beginnen protesttert. Ihr Syndikus Rechtsanwalt Flatau legte dar, daß der Milch- zentrale jede Handhabe fehle, die Einfuhr dänischer Milch zu verhindern. Auch hygienische Bedenken könne man nicht geltend machen, denn die Milch aus Dänemark sei vor- züglich und werde vor dem Versand völlig keimfrei ge- macht. Anderer Ansicht scheint freilich der hiesige„Verein zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit" zu sein. In einer von diesem Verein ausgehenden Warnung, die vor einigen Tagen in Berlin verbreitet worden ist, wird die Einfuhr dänischer Milch nach Berlin als eine Gefahr für die Säuglinge bezeichnet. Die Milch aus Dänemark werde, wenn sie in Berlin zum Verbrauch komme, bereits 3—4 Tage alt sein, und könnte dann durch„faulige Gifte", die sich darin entwickeln würden, den Säuglingen gefährlich werden. In der Protestversammlung der Milchhändler wurde durch Herrn Flatau mitgeteilt, die Warnung des„Vereins zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit" sei auf Kosten der Milchzentrale gedruckt und verbreitet worden. Die darin ausgesprochenen Befürchtungen seien grundlos; das dänische Konsulat wolle gegen die Verbreiter Strafantrag stellen. Die Versammlung nahm schließlich eine Resolution einstimmig an, in der sie ihre Entrüstung darüber ausspricht, daß„seitens der Milchzcntrale und der mit dieser verbündeten Kreise der Versuch unternommen wird, durch in jedem Punkt unrichtige Ausstreuungen über die Beschaffenheit der dänischen Milch die Bestrebungen des Milchrings auf will- kürliche Verteuerung eines unentbehrlichen Lebensmittels zu fördern." Wir hoffen, daß der angekündigte Strafantraq möglichst sofort gestellt und recht bald eine gerichtliche Klarstellung herbeigeführt wird. Das erscheint uns dringend notwendig im Interesse nicht der Milchhändler noch der Milchbauern, sondern der Bevölkerung, die die Milch ver- braucht. Je länger der Milchkrieg dauert, desto mehr drängt sich uns die Besorgnis auf, daß— so oder so— schließlich doch der Konsument der wehklagende Dritte bleiben wird. Dieser Kampf zwischen Milchbauern und Milchhändlcrn zeigte, wie wünschenswert es wäre, daß Produktion und Vertrieb eines so wichttgen Nahrungsmittels, wie die Milch es ist, als öffentliche Angelegenheit betrachtet und der Gewinnsucht privater Unternehmer entzogen würden. Die Kindersterblichkeit in Berlin hat schon im ersten Drittel des Monats Juni(die Meldungen liegen vollständig erst bis zu der mit dem 10. Juni endenden Woche vor) eine beträchtliche Höhe erreicht. Nachdem hier in den vier Wochen vom 30. April bis zum 27. Mai 165, 172, 164, 123 Kinder des ersten Lebensjahres gestorben waren, brachte die Woche vom 28. Mai bis zum 3. Juni 180 Slerbefälle und die Woche vom 4. Juni bis zum 10. Juni sogar 228 Sterbe- fälle von Kindern dieses Alters. Die Zahlen lassen den Ein- fjl u ß der Hitze erkennen, die gegen Ende Mai begann und bis gegen die zweite Juni-Woche hin andauerte. Deutlicher noch zeigt sich der Zusammenhang zwischen Erhöhung der Temperatur und Zunahme der Kindersterblichkeit, wenn man die einzelnen Tage betrachtet. An den vierzehn Tagen der beiden Wochen vom 28. Mai bis zum 10. Juni starben 18, 13. 18. 33. 33. 30. 35. 33, 43. 47. 47. 24, 19. 15 Kinder des ersten Lebensjahres. Zweimal trat ein rnckweises Anschwellen der Kindersterblichkeit ein, am 31. Mai auf 33 Fälle und am 5. Juni auf 43 Fälle; am 8. Juni erfolgte dann ein Plötz- liches Absinken auf 24 Fälle. Aehnlich war auch das Auf und Ab der Hitzwelle gewesen. Sie hatte einen ersten Höhepunkt am 30. und 31. Mai, einen zweiten, noch schärfer ausgeprägten am 4. Juni, und erst der 7. und 8. Juni brachten»die ersehnte Abkühlung. Eingemeindung von Tegeler Gebiet. Der Magisttat hat beim Oberpräsidenten der Provinz Brandenburg beantragt, mit den städtischen Behörden und den zuständigen Instanzen zwecks Ein- gemeindung des der jetzigen Weichbildgrenze zunächst belegenen Teiles vom Forstschutzbezirk Tegel zu unterhandeln. Diese Ver- Handlungen sind noch nicht beendet. Dabei wird auch die Ein- gemeindung des gesamten Geländes östlich des Berlin-Spandaucr Schiffabrtskanals bis zum Tegeler See einschließlich deS letzteren mit den darin liegenden Inseln, sowie des nördlichen Ufergeländes des Tegeler Sees zur Sprache kommen. Dies ist schwieriger als die Eingemeindung des Gutsbezirks Plötzensee, da die beteiligten Gemeinden von einer Umgemeindung nichts wissen wollen. Der Schriftsteller Heinrich Michalski in Berlin, Herausgeber einer hiesigen Zeitschrift, ist, wie man dem„Bcrl Tgbl." aus Braunschweig meldet, lvegen Wechselfälschung verhaftet worden. Er hatte einer Berliner Druckereifirma einen Wechsel über 10 000 M. übergeben. der das Giro eines Braunschweiger Rechtsanwalts trug. Eine An- frage bei dem Rechtsanwalt ergab, daß das Giro gefälscht war. Michalski befindet sich bereits ivieder auf steiem Fuße. Er war früher schon wegen Geistesschwäche entmündigt worden. Gcwittersturm. Von den wiederholten Univettern, die in den letzten Tagen hereingebrochen sind, war wohl das gestrige das gewaltigste. Geradezu vernichtende Wirkungen hat der Wirbelwind, der gestern abend kurz nach 6 Uhr tobte, vemrsacht. Mit welcher großen Gewalt der Sturm tobte, kann man daraus ersehen, daß er fa der Kreuzvergstraße am Tempelhoferfeld zwei 200 Jahre alte Baumriesen entwurzelte. Unter donnerähnlichem Krachen stürzten die Bäume, zwei Pappeln, zu Boden und rissen im Fall die elek irische Drahtleitung entzwei. Im alten Botanischen Garten, im Tiergarten, im Friedrichshain usw. sind Hunderte von Bäumen dem Orkan zum Opfer gefallen.. Verkehrsstockungen im Stratzenbahn betriebe wurden hauptsächlich aus den Vororten gemeldet. Zumeist wurden sie dadurch hervorgerufen, daß sich gestürzte Bäume über die Gleise hinlvegbreiteten. Der starke Gewitterregen hatte natürlich wieder zahlreiche Ueberschwemmungen, so in der Norkstraße, in der Ebersstraße, Negensburgerstraße usw. zur Folge. Unter einen Straßenbahnwagen geriet Montagnachmittag der 11 Jahre alte Knabe Richard Schmidt aus der Elsasserstraße. Ein Wagen der Linie 5ö fuhr am Oranienburger Tor vorbei, als der Knabe über das Geleise schritt und umgestoßen wurde. Er geriet unter die Plattform und wurde mit schlocren inneren Verletzungen nach der Klinik in der Ziegelstraße gebracht. Herr Hugo Baruch, der Chef der bekannten Fabrik für Theater- ausstattungen. ist Sonntag abend gestorben. Die Leiche» eines Liebespaares wurden gestern morgen um 7 Uhr an der städtischen Gasanstalt am Luisenufer von dem Schiffer Bergemann aus dem Kanal gelandet, Die Lebensmüden hatten sich an den Händen mit einem Taschentuch zusammengebunden. AuS Papieren, die man bei den Leichen fand, ging hervor, daß die Toten ein 17 Jahre alter Lederarbeiter Max Murat und eine 16jährige Marie Cassau sind. Der junge Mann war der Sohn eines Metallschleifers und Ivar als Arbeitsbursche in einer Metallwarenfabrik am Elisabethufer beschäftigt. Das Mädchen war die Tochter eines Maschinenmeisters, der von seiner Frau getrennt lebt und wohnte mit fünf Geschwistern bei ihrer Mutter in der Urbanstr. 86. Den jungen Leuten wurde von ihren Eltern wegen ihres jugendlichen Wers oft Borwürfe über den Verkehr gemacht, die Eltern hatten aber gegen ihre spätere Vcr- ehelichnng nichts einzuwenden. Sie glauben, daß die Katastrophe nicht auf Schwierigkeiten in dieser Beziehung, sondern auf ein körperliches Leiden des jungen Mannes zurückzuführen sei. Murat zog sich in seiner Kindheit einen Bruch zu. Dieser verschlimmerte sich so, daß er am Donnerstag morgen die Arbeit niederlegte. Mittags entfernte er sich unter dem Vorwande, daß er die Klinik aufsuchen wolle, um sich operieren zu lassen, und kam nicht wieder. Pocken- und Genickstarre- Verdacht. Der 23 Jahre alte Arbeiter Valentin Marciniack aus Binew bei Ostrowo kam vor einigen Tagen hierher, um Arbeit zu suchen, und mietete in der Rummelsburger- straße Nr. 20 zu Fricdrichsberg eine Schlafftelle. Er erkrankte vor- gestern und blieb zu Hause, bis der Arzt Anzeichen von Pocken fest- stellte. Der Arzt machte unverzüglich Anzeige bei der SanitätS Polizei und diese ließ den Kranken gestern mit einem Wagen des Verbandes für erste Hülfe nach der Charite in die Isolierbaracken bringen. Allem Anscheine nach handelt sich um die asiatischen Pocken. Die Sanitätspolizei traf daher alle Vorbeugungsmaßregeln. Die Wagenbegleiter wurden unter Beobachtung gestellt und abgesondert, der Wagen und die Wohnung desinfiziert.— Unter dem Verdacht der Genickstarre wurde gestern der 16 Jahre alte Tischlerlehrling Franz Krüger, der in der Müllerstraße 150 bei seinen Eltern wohnt, ebenfalls nach der Chariio gebracht. Ob er wirklich an Genickstarre erkrankt ist, steht noch nicht fest; wahrscheinlich ist es nach den bisherigen Beobachtungen nicht. Bei den Kranken, die in der vergangenen Woche unter demselben Verdachte nach der Charito gebracht wurden, haben die Unter suchungen ergeben, daß sie die Genickstarre nicht haben. AuS der Haft entlassen ist der bei Gelegenheit der Hoffestlichkeiten zu Anfang des Monats verhaftete Ungar Salamon Ehrlich. Es hat sich herausgestellt, daß der Verdacht des Taschendiebstahls, der auf ihm lastete, völlig gegenstandslos war und die Verhaftung in- folge eines Irrtums geschah. Ehrlich saß drei Wochen in Unter« fuchungshaft. Ein schweres Straßenbahn-Unglück hat sich am Montagabend in der siebenten Swnde ereignet. Als ein Wagen der Lime 04 die Pannierstraße in Nixdorf passierte, fuhr ein Kohlenwagen so unglück- lich in die Vorderplattform hinein, daß mehrere Personen zum Teil erheblich verletzt wurden. Wie es heißt, soll dem Führer des Straßen- bahnwagens keine Schuld treffen. Ein falscher Versicherungsagent, der viele Aimmervermietcrinnen anborgte und beftahl, wurde gestern unschädlich gemacht. Der Schwindler behauptete, daß er eben ans dem Krankenhause komme, aber noch bei einer großen Gesellschaft angestellt sei und von ihr noch Gehalt bekomme. Um das Mitleid der Frauen zu erregen, hinkte er und schwindelte ihnen vor, daß er an einem komplizierten Beinbruch gelitten habe. Als er gestern sein Manöver in der August- straße wieder versuchte, kam er an einen Mann, der in der Zeitung eine Warnung von ihm gelesen hatte. Dieser ging zur Polizei und ließ den Schwindler festnehmen. Er entpuppte sich als ein gewiffer Emil Hausmann, der früher einmal Versicherungsagent gewesen ist. Der Verhaftete hat sich nie ein Bein gebrochen und kann jetzt sehr gut gehen. In 16 Fällen, die er nicht gut mehr leugnen kann, ist er geständig. Gestohle» wurde auf dem Festplatz im Moabiter Schützenhaus am Sonntag ein Knabcnrad, das dadurch kenntlich ist, daß im Vorderrad eine Speiche fehlt. Das Rad ist schwarzemaillicrt. die Felgen sind weiß. Vielleicht verhilft diese Mitteilung dem Eigen- tümer Schemke, Wilhelmshavenerstr. 70 wieder zu seinem gestohlenen Gegenstand. Ein VolkS-Waldfest in AdlerShof, arrangiert von den Gesang- vereinen„Frohsimr-AdlerShof und.Norddeutsche Schleife"-Berlin, Mitgl. d. Arb.-S.-B., soll am S o n n t a g. d e n 0. I u l i. statt- finden. Wenigen unter den vielen, welche des Sonntags in den Sommermonaten nach Johannisthal und Grünau ihre Ausflüge machen, dürste es bekannt sein, daß auch Adlershof in der Umgebung nicht übel veranlagt ist. Wöllsteins Lustgarten mit naheliegendem Waldterrain, wo dies Fest stattfinden soll, ist so recht geeignet zum Tummelplatz für Jung und Alt, und es dürfte manchen nicht gereuen. einmal seine Schritte nach diesem Orte gelenkt zuhaben. Doch nicht nur aus diesem Grunde ist der Besuch dieses Waldfestes empfehlens- wert, auch das Solidaritätsgefühl mit der Arbeiterschaft in Adlers« Hof kommt in der Hauptsache mit in Betracht. Die Lokalfrage war und ist in Adlershof seit Jahren eine brennende. Mancher Strauß ist in der Zeit des verstorbenen Amtsvorstehers Oppen auSgefochten worden und selbst unter dem heutigen Regime haben die Lokal- besitzer zu leiden, soweit es die Polizeistunde betrifft. Trotz alledem hat es die AdlerShofer Arbeiterschaft in zäher Ausdauer durchgesetzt, daß ihr beute genügend BersammlungSsäle zur Verfügung stehen. Während früher dringend ersucht wurde, Adlershof zu meiden, lassen unsere AdlerShofer Freunde eS sich nicht nehmen, insbesondere zu diesem Feste ihre Klasscngenossen freundlichst einzuladen. Eine Spezialkarte der Umgegend von Bernau, Biesenthal und BaSdorf ist im Verlag von JuliuS Straube, Neuenburgerstr. 15, erschienen. Die Karte, im Verhältnis 1: 60000, ist fünffarbig und tostet 1 M. Sie kann Touristen zc., die sich über die Gegend des Liepnttz- und Wandlitzsees unterrichten wollen, empfohlen werden. Feueriericht. Eine ganze Reihe Alarmiernngen hatte die Wehr in den letzten 48 Stunden zu verzeichnen. Nach der Heidenfeldstr. 15 wurde sie gerufen, weil dort der Dachstuhl des HauseS in Flammen stand. Es mußte mit mehreren Rohren vorgegangen und kräftig Wasser gegeben werden, um die Gefahr zu beseitigen. Der Dach- stuhl brannte zu einem großen Teil nieder.— An der Ecke Alt- Moabit und Paulstraße war dann durch elektrischen Kurzschluß ein Straßenbahnlvagen in Brand geraten, während in der Dunckerstr. 77 Lumpen und Papierabfälle eingeäschert wurden.— Auch zwei Preß- kohlenbrändc wurden wieder gemeldet und z>var anS der Gleimstr. 65 und vom Anhalter Güterbahnhof. In beiden Fällen nahm die Ablöschung lange Zeit in Anspruch.— Durch einen eisernen Ofen kam dann in der Gnbenerstr. 51 Feuer aus. das aber leicht erstickt wurde. Am Sonntag erfolgte Alarm nach der . Adalbertstr. 63. Dort war aus einer Wohnung ein Geisteskranker auf ein Gerüst geklettert und wollte auf die Straße hinabspringen. Die Wehr hotte den Mann aus der luftigen Höhe herab und über- gab ihn der Polizei. In der Griebenowstr. 20 hatte sich ein Bienenschwarm festgesetzt und mußte verscheucht werden.— Außer dem wurde die Wehr dann noch nach der Mühlenstr. 8, Potsdamer- straße 77, Jnvalidenstr. 6 und noch nach einigen anderen Stellen alarnriert. In allen diesen Fällen handelte es sich aber um „blinden Lärm", der durch niedergedrückten Rauch und Wasserdampf verursacht war. Sport. Vom Radrennen zu Berlin-Treptow am Sonntag. Für die Freunde der Dauerrennen mit ihrem Motorengeknatter bot die Treptolver Dahn einen reichen Genuß. Zwei Läufe über je eine Stunde waren in dem Programm vorgesehen. Der erstere bot nicht das erwartete Interesse, denn von den vier Teilnehmern kam A l e ck n a schon anfangs zu Fall und P u h l m a n n gab nach dem 30. Kilometer auf, so daß nur noch Stellbrink und der Kölner Moritz im Rennen verblieben; letzterer, der zuerst Widerstand leistete, kam durch einen Schaden an seinem Motor weit zurück, so daß Stellbrink, der am Sonntag ganz vor- züglich fuhr, mit einem weiten Vorsprnug siegen konnte. Um so spannender gestaltete sich das zweite Rennen, in dem der Dresdener Nasenlöcher, der in diesem Jahre sich stets von der besten Seite gezeigt hat. gegen den Zehlendorfer Schulze und Max Heiny, der auf der Treptower Bahn gewissermaßen zu Hause ist, gegen einander fuhren. Heiny konnte nicht in Schwung kommen und versagte ganz. Dagegen kämpften Rosenlöcher, der von Beginn an die Spitze übernommen hatte, und Schulze von Anfang bis zu Ende, die überaus zahlreich erschienenen Besucher zu lauten Beifallskundgebungen hinreißend. Schulze, der bei seinen heftigen Vorstößen den Anschluß an seinen Motor verloren hatte, war mit zwei Runden in Verlust geraten; aber er holte so gut auf, daß er nicht nur diesen wieder einbringen, sondern auch an seinem Gegner, der nach dem 60. Kilometer für ganz kurze Zeit von deiner Führung abgefallen war, vorbeigehen und mit 100 Meter Vor- prung gewinnen konnte. Ein Match in drei Läufen für die sog. Flieger sah jedesmal den Dänen Hellcmann siegreich. Nachstehend eine kurze Uebersicht über die einzelnen Rennen: Kleines Stundenrennen. 400, 300. 200, 100 M. 1. A. Stellbrink 66 Kilometer 560 Meter; 2. C. Moritz, 26 Runden zurück. P. Aleckna beim 10. Kilometer durch Sturz ausgeschieden! E. Puhlmann auf- gegeben.— Flicgermntch. 3 Läuse über 1200 Meter. Punktwertung. 1. Hellemann, 3 Punkte; 2. W. Vogt, 8 Punkte; 3. Mensing, 0 Punkte; 4. M. Hansen, 10 Punkte.— Grosses Stundenrenucn. 700, 500, 300 M. I.A.Schulze lZehlendorf) 63 Kilometer 750 Meter; 2. C. Nasenlöcher fDreSden) 100 Meter; 3. M. Heiny sBerlin) 11 Runden zurück.— Am Sonntag nahmen die Meisterschaftsspiele I. Klasse des Verbandes Berliner Ballspielvereine ihren Anfang. In der I. Klasse siegte Viktoria I über Helvetia I und Germania I schlug Britannia I mit 5 Läufen. In der II. Klasse gewann Britannia II ohne Kantpf gegen Germania II und Preußen II schlug Berliner Ballspielklub I mit 1 Gang und 40 Läufen. Vorort- I�acbrickten. Charlottenburg. Freie Volksbühne. Der Versuch, den Ernst v. Wolzogen zu Bc- ginn des 20. Jahrhunderts wagte, und der in den nächsten Jahren noch mehrfach wiederholt wurde, das Pariser Kabarct in seinem „Ucberbrettl" nach Berlin zu verpflanzen, mußte kläglich mißglücken, weil die Vorbedingungen für diese Kunstform, wie sie sich in Frankreich entwickelt haben, vor allem die volkstümliche soziale und politische Satire, in Deutschland überhaupt nur in geringerem Maße vorhanden sind, am allerwenigsten in dem verjunkerten Preußen und der Reichshauptstadt Berlin. Aber der Gedanke, das seichte Tingeltangel durch ein Künstler- brcttl zu verdrängen, dessen Darbietungen Beziehungen zur Kunst und Literatur unserer Zeit haben, bei dem echte Kunst in den leichten gefälligen Formen des Varietes geboten wird, verdient wohl als lebensfähig festgehalten zu werden. So beabsichtigte denn auch die Leitung der Freien Volksbühne, den Mitgliedern ohne allen Ueber- brettl-Ehrgeiz eine heitere Unterbrechung der sonstigen ernsthafteren Darstellungen zu bieten, in der Hoffnung, ihnen damit eine will kommene Abwechselung zu bereiten. Der Erfolg hat ihr recht gegeben, der von ihr veranstaltete Brettl-Abend wurde von den Mitgliedern recht freundlich ausge. nommen. Er begann mit dem einaktigen Scherz des russischen Dichters Anton Tchechow„Heiratsantrag", der von den Herren Hart- wig und Burmeister und Fräulein Hart mann(vom Schiller. Theater� in flotter, Beifallsstürme entfesselnder Weise gespielt wurde. Dann folgten in bunter Abwechselung Gesang und Lautcnspicl sowie Rezitationen seitens der Herren Blechner und Hartwig und des Fräuleins Blanche Rene. In angenehmer Weise unterbrochen wurden diese Darbietungen durch die von Fräulein De N e r a ausgeführten Traumtänz Es ist erklärlich, daß einzelnes weniger gelungen war als anderes; so kam in dem Vortrag„Zweikamps" das satirische Moment des Gedichts ersichtlich nicht klar zum Bewußtsein der Zuhörer, während„Der Rabbi von Krotoschin" mit urwüchsiger Wahrheit vor- getragen wurde, und auch der Vortrag von„Ohrwurm und Fliege" mit großem Beifall als blutiger Hohn auf unser üppig ins Kraut geschossenes Denunziantenwesen und das obrigkeitliche Hätscheln„der besonders nützlichen Elemente" empfunden wurde. Im ganzen ist der Abend als ein gelungener zu bezeichnen, welcher der Leitung der Freien Volksbühne jedenfalls Mut machen wird zu gelegentlichen ähnlichen Veranstaltungen. Die auf Mittwoch anberaumte Sitzung der Stadtverordneten, die letzte vor den Ferien, weist eine Tagesordnung von nicht weniger als 40 Punkten auf. Zu den am vorigen Mittwoch zurückgestellten Vorlagen kommen noch eine Reihe weiterer, die nicht ohne Bedeutung sind. Wir erwähnen die Vorlage betreffend Errichtung einer Zweig- stelle des Arbeitsnachweises im Osten der Stadt für Zwecke der Dienstbotenvermittelung, über die wir weiter unten berichten, ferner die Borlage, betreffend die Nachbewilligung von 32 000 M. beim Etat der Krankenanstalten, sowie sie Vorlagen betreffend Bewilligung von Mitteln für bauliche Verbesserungen und innere Ein- richtungen des Rathauses und betreffend Bewilligung eine» Beitrages zur Errichtung des Theodor Mommsen-Denkmals. da« auf dem Platz vor der Universität in Aussicht genommen ist. Für die Zwcijahrhundertfeier beantragt der Magistrat zu den bereits bewilligten 70 000 M. weitere 50 750 M. nachträglich zu be- willigen. Diese erhebliche Etatsüberschreitung ist besonders dadurch hervorgerufen, daß auf Beschluß der Stadtverordnetenversammlung das Festprogramm erheblich erweitert und für die Feier drei ver- schiedcne Tage angesetzt sind. DaS Festmahl der städtischen und staatlichen Körperschaften hat allein 8813 M., das Bürgerfest 16 368 Mark, die Straßenausschmückung und Illumination 49 405 M., die Enthüllung des Kaiser FriedrickJ-DenknialS und die Spalierbildung 25 936 M. Kosten verursacht. Da damit gerechnet wird, daß die um- fangreiche Tagesordnung in einer Sitzung nicht erledigt wird, ist für Donnerstag eine außerordentliche Sitzung in Aussicht genommen. Zur OrtSkasscn-Bersammlung erhalten wir folgende Zuschrift: Zur Angelegenheit der Charlottenburger LrtSkrankenkasse haben wir auf die Notiz in Nr. 145 des„Vorwärts" folgendes berichtigend und erklärend mitzuteilen: Herr Springer und ich waren der Meinung, daß die Versammlung eine öffentliche sei, welche Ansicht noch durch das Fehlen jeder Kontrolle bestärkt wurde. Als rege Interessenten — allerdings ohne finanzielle Verpflichtung der Kasse gegenüber— haben wir an der Abstimmung über die Resolution teilgenommen. Wir weisen daher den Vorwurf, das„Gastrccht" mißbraucht zu haben, entschieden zurück und finden das Verfahren der öffentlichen Namensnennung etwas ungewöhnlich. Uns will scheinen, daß es denn doch das Matz überschreitet, wenn jemand in einer Angelegenheit, die ihn persönlich nichts angeht, seine Stimme in die Wagschale zu werfen sucht. Schötteverg� Stadtvcrordneteu-Sihung. Schon seit Jahren nehmm die Ber- waltimg und die Geschäfte der städtischen Sparkasse, die von den leitenden Stellen stets mit der größten Aufmerksamkeit behandelt werden, an Umfang zu. Der Magistrat, dem das Institut aus gewissen Gründen sehr am Herzen liegt, hat nun das Bestreben, die wachsenden Anforderungen an Räumen durch Ueberlassung derselben im Rathause zu befriedigen. Selbst- verständlich auf Kosten anderer städttschen Verwaltungszweige, die nach und nach aus dem Rathause heraus- und m Metsräumen untergebracht werden müssen. Der Magistratsantrag, der Sparkasse eine Anzahl von Räumen zu überlassen, wurde mit der Erhöhung des Mietspreises von 1000 auf 1200 M. angenommen. Im Anschluß daran wurde denn auch die geforderte Hinzu- mietung von fünf Räumen in den Mietshäusern Kolonnen-, Ecke Bahn- straße für 1250 M. sowie 345,30 M. zur Einstellung einer Reinmache- frau bewilligt. Die Festsetzung der Besoldungsordnung für das ersonal des Krankenhauses wurde ohne wesentliche Abänderungen im Sinne der Vorlage angenommen. Wann das Krankenhaus selbst fertig und dem Gebrauch wird übergeben werden können, darüber schweigt man sich in den leitenden Kreisen vollständig aus. Vor dem 1. Oktober 1906 dürfte jedenfalls nach dem jetzigen Stande der Verhältnisse daran nicht zu denken sein. Verschiedene Nachbewilligungen, die sich auf den Bau-,'deir Friedhofs- und den Schkiletat beziehen, wurden nach dem Antrage des Etatsausschusses erledigt. Wenn es sich darum handelt, ihre eigenen Interessen zu wahren, können unsere Hausbesitzer im Stadtparlament auch recht rabiat werden. Gelegentlich der Vorlage auf Herstellung einer Anzahl Saminelkanäle, deren Kosten sich auf zirka 1 800 000 M. belaufen, kamen natürlich auch die durch die jüngsten starken Regengüsse inMitleiden- schaft gezogenen Begleiterscheinungen zur Sprache. Die Stadtvv. Val. Fröhlich und Tr e u g ebrodt glaubten natürlich in erster Linie, nicht etwa fiir sich als beteiligte arme Hausbesitzer—, nein. für die„armen Mieter" zu sprechen, die entweder in Keller- oder Souterrain-Wohnungen zu Hausen gezwungen sind. Herr Fröh- lich kündigte sogar an. den Magistrat verklagen zu wollen und Herr L o l a y, dessen Grundstück bekanntlich das einzige Hindernis zur völligen Regulierung der Belzigcrstraße bildet und von ersterem als.Klamottenbude" bezeichnet wurde, schlug ebenfalls gegen den Magistrat, der die Wasfergefahr nun partout beseitigen will, einen vielleicht berechtigten scharfen Ton an. Es ist immer interessant, wenn jene Herren das Allgemeininteresse zu vertreten vorgeben, dabei aber oft persönliche Wünsche nicht ganz verdecken können. Der Stadtbaurat Berger hatte ihnen gegenüber denn auch einen schweren Stand, er konnte indes nur das Versprechen geben, daß zlvar die bezeichneten Kalamitäten in einzelnen Gegenden vor der Hand, im allgemeinen aber nur erst mit der Fertigstellung der ge- samten Neulegima des Rohrnetzes bescittgt werden könnten.— Mit den: Wunsche einer baldigen Inangriffnahme der� Sanmiel- kanäle und Bewilligung der geforderten Mittel wurde die zeitweise oft humoristtsche Debatte erledigt._ Wie bereits vor einigen Jahren, wo indes die settens der Kommune beigesteuerte Summe eine viel höhere war, hatte der hiesige Männer- Turnverein wiederum eme � Beihülfe von 100 Mark zur Unterhaltung seines Spielplatzes am Mariendorfer Weg verlangt. Die da- mals gestellte Bedingung, de» Spielplatz auch den Gemeinde- schulen zur Verfügung zu stellen, ist ia zwar von dem genannten Verein, dem auch eine Reihe Stadtväter angehören sollen, mit einer erheblichen Einschränkung akzeptiert worden. Die Benutzung ist nur für gewisse Tage und Zeiten gestattet. Unsere Vertreter wollten aber diese 100 M.. und mit Recht, dem städtischen Spielplatz in der verlängerten Maxstraße zugewendet wissen. Die Ferttgstellung derselben, wofür die Kosten bereit« im vorigen Jahre bewilligt wurden, dauert ohnehin schon recht lange, so daß zu befürchten steht, daß inzwischen der Sommer wieder verstreicht und unsere proletarische Jugend, der überhaupt kein Ueberfluß an Spiel- Plätzen zur Verfügung steht, sich auf fernere Zeiten vertrösten muß. Natürlich wurden dem patriotischen Turnverein die 100 M. gegen unsere wenigen Stimmen bewilligt. Der Antrag des Stadtv. Zobel, zur Veranstaltung von F e r r e n s p i e l e n in den bevorstehenden Sommerferien a u s d e m st ä d t i s ch e n S p i e l p l a tz 450 M. zu bewilligen, rief nochmals eine lebhafte Debatte hervor. Immer wieder zeigt sich, daß dieKonr- mune für die ärmere Jugend— die besserfituierten werden ja künstlich vor der Berührung mit den Proletarierkindern ferngehalten— viel zu wenig übrig hat. Man geht immer nur mit kleinen Mitteln an eine solche Frage heran, so daß die erzielten Resultate auch meistens gleich Stull sind. Der Antrag wurde schließlich einem Ausschuß überwiesen. Der Deputation für Wohlfahrtspflege gehört unsererseits Genosse Küter an. Seine Wiederwahl zum Direktor der Realabteilung der Hohen» zovern-Schule hat Herr Professor Dr. M e l l m a n n. nachdem seiner ersten Wahl die Bestätigung der Regierung versagt worden ist. abgelehnt. Die hinter verschlossenen Türen im Stadtverordneten- Kollegium gepflogenen Verhandlungen über die Gründe der Nicht- bestätigung scheinen die Angelegenheit nicht geklärt zu haben. Qessentliche Bivliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be. nuliung für jedermann, 8W., Alexandrinenstr. 26. Zum Zwecke der Jnvcntur-Ausnahme müssen alle Bücher zurückgegeben werden. I» der Zeit vom 24. Juni bis 2. Juli werden keine Bücher ausgeliehen. Die Lesesäle bleiben von 5'/,— 10 Uhr abend» geöffnet.„ �. .Diskutierklub Moabit.» In der Sitzung, die am 28. Juni bei Fischer, Waldstrasse 8, stattsindet. spricht Genosse G run w a ld über»Wege und Ziele proletarischer Bildung". Gaste erwünscht. Berliner Marktpreise.(Ermittelt vom Polizei-Präsidium.) Futter- gerste, gute Sorte 1 Dz. 16.10(15.20), mittel 15,10(14,20), geringe 14,10(13,20). Haser, gute Sorte 16,40(15,60), mittel 15,50(14,70). geringe 14,60(13,90), frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh b,66(4,66). Heu(alt) 9.20(7,60), neu 7,00(6,20). Erbsen, gelbe, zum Kochen 45,00(30,00). Speisebobiien. weisse 50,00(30,00), Linsen 60.00(30.00)� Kartoffeln 9,00 (7,00), Rindfleisch, von der Keule, 1 Schweinefleisch 1.80(1,30), Kalbfleisch 1.80(1,30). Bauchfleisch 1,40 ,20(1,20), Hammelfleisch 1,80 Butter 2,80(2,00),'«ie/(60 Stück) 4,00(2,80), Karpsen, 1 Kg. 2,20 Aale 3,00(1,60), Zander 3.20(t.LO).---~- Schleie 3,00(1,80), Bleie 1,40(0,80), echte 2,80(1,20), Barsche 2,00 ebse(60 Stück) 16,00(3,00.) (1,00), (1,40), (1,20), 1,00, «ttterungSNbirsicht vom 86. Jnni 1905, morgen» 8»he. Stationen »= Ätvitiemde. Hamburg Berlin >•ö W ts Settel 764 OSO 763 PRO 763 ONO Franks.a.M. 763 O Müiiche» Wie« 764 W 764 SA t* 35 *8, S» S iL H& Stationen 2« Sä N WSW 763 NNW 766 ONO 761 SW 4 wölken! Iheiter Iwollenk 1 wolkig 2 bedeckt Lwolkenl 23 Haparanda!7e2 1 woltcnl 19 Petersburg 767 I woltenl 23 Scilly 2bedeckt 17 ilberdeen 4 wolfig 16 Pari» 1 wolkig 18 Wetter-Prognose für DteuStag, den 87. Juni 1SV5. Sehr warm und schwül, vlelsach heiter, aber veränderlich bei ziemlich lebhaiten südliche» Winden und etwas Neigimg zu Gewittern. Berliner Wetterbureau. Wetter Mafferftand am 24. Juni. Elbe bei Ausstg— 0.30 Neter. Dresden— 1.47 Neter, bei Magdeburg+ 0,88 Meter.— Unftrut "limiMiut+1,15 Meter.— Oder bei Ratibor+ 1,59 M-ter� bei fie: bei Breslau Ober-Pegel+ 5,09 Meter, bel Breslau Unter-Pegel— 0,72 Meter, bei Franlsurt+ 1,88 Meter.-"•«««-i töugvtv. Rcdgltcur: Franz illkhboii, Berlin. Für den Jnserattzntkil veraillw.. — Weichsel bei Brahemünde+ 2,60 Meter. _ IWWi e y e bei Usch+ O.SO Meter.___ £ii< ÜÄckk. Bttllu. Liuck u. äkilsLi VMMerll u. ZLlliggsalMt Limu& Llh, LÄlill SUG.