N». 158. nbonntntntS'BtdlftgDBstn: Abonnements» Pect» pränumerando j Bierteljflhrl. 8,JO Mk, monoU. 1,10 Kl, wöchentlich 23 Pfg. frei ins Hau». Anzettle Nummer 5 Wg. Sonntag«- nummer mit illustrierter Sonntag»- Beilage.Die Neue Welt- 10 Psg. Post. «Sonnement: 1,10 Mari pro Monat. eingetragen in die Post-Zeitung»« Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungar» S Marl, für da» übrig««utiaad 3 Marl pro Monat. ÄS. Jahrg. Vi« Inltttlsnz-üedlldr veirligt für die sechsgespaltene Kolonei- »eile»der deren Raum 40 Psg.. sür politisch« und gelverlschastliche Vereins- und Persammlungs-Anzeigen 25 Psg. „Kleine Hnreigen", das erste(feil- gedruckte) Wort 10 Psg., jedes weitere Wort 5 Psg. Worte über 15 Puchslaben ziihlen sür zwei«orte. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« b Uhr nachmittag» in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen- tagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und LesUagenbiS SUhr vormitlag« gcvssnet. OflNu» Oana um noatut. Derltnev Volksblatk. Telegramm-Adresse: �»lizsiiemdltt» kttli»-. ZcntraXorgan der rozialdemokratifcben parte! Dcutfchlands. Redaktion t SM. 68, Lindenetraee« 69. Fernsprecher! Amt IT, Nr. 1983. Expedition, SM. 68, Lindenetraese 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Das Parlament der Klaffenherrschast. Als eine fruchtbare Session, welche alte und gefährliche Mißverständnisse endlich beseitigt und für das Gemeinwohl schädliche Gegensätze überbrückt hat, bezeichnete Fürst Bülow am letzten Mittwoch im Herrenhause die eben geschlossene Session des preußischen Landtages. Der neu gefürstete Reichs- kanzler wollte dadurch den Eindruck erwecken, als ob es unter den Parteien, die im Parlament des Geldsacks und des Groß- grundbesitzes vertreten sind, wirklich tiefgehende Gegensätze gegeben habe, die dank seiner genialen Diplomatie ausgeglichen wären. Der einzig nennenswerte Gegensatz ist der, ob die Schlotjunker oder die Krautjunker in erster Linie berufen sind, sich auf Kosten der von ihnen unterdrückten und aus- gebeuteten Arbeiterklasse zu bereichern, und dieser Gegensatz besteht nach wie vor, nur daß er sich je nach der politischen Situation bald schärfer, bald weniger scharf äußert. Wird in bestimmten Fällen ein Einverständnis zwischen den herrschen den Klassen erzielt, i>ann kann man tausend gegen eins wetten, daß das arbeitende Volk die Kosten des Friedens schlusseS zu tragen hat. Ist die Session wirklich so fruchtbar gewesen? Wenn wir die positive Arbeit betrachten, die geleistet ist, dann müssen wir diese Frage rundweg verneinen. Gewiß, das Ministerium Bülow wird stolz darauf sein, daß die Kanalvorlage unter Dach und Fach gebracht ist, aber es wird sich, wenn anders es gegen sich selbst aufrichtig sein will, doch kaum der- hehlen können, daß der jahrelange Kampf um den Kanal schließlich mit einer eklatanten Niederlage' für die Regierung geendet hat. Da», was da zustande gekommen ist, verdient kaum den Namen einer Kanalvorlage, es ist nichts Halbes und nichts Ganzes, und selbst dieses Stückwerk haben die Freunde Bülows, die Konservativen, ihrem Herrn und Meister noch voller Hohn vor die Füße geworfen, das Gesetz ist gegen das Gros der Konservativen mit Hülfe des Zentrums und der Linken zustande gekommen. Dem Zentrum und der Linken verdankt Bülow auch seinen ..Erfolg" in der Berggesetzgebung. Und was für ein Erfolg l Das wichtigste Gesetz, das Stillegungsgesetz, hat die Regierung zurückgezogen, sie mußte vor den Granden der Ersten Kammer schimpflich kapitulieren. Die„Berg- arbeiterschutz"-Novelle aber ist infolge des vom Zentrum an den Arbeitern verübten Verrats ein wertloses Flickwerk ge- worden, das lediglich die preußische Gesetzessammlung zieren wird, aber in der Praxis jede Bedeutung verloren hat. Und selbst dieses Flickwerk konnte nur dadurch zustande kommen, daß die Negierung sich zu einem Versuch der B e s e i t i g u n g des Selbstverwaltungsrechtes der Kranken- lassen bereit erklärte. Die sonstigen vom Dreiklassenparlament verabschiedeten Gesetze sind kaum der Erwähnung wert. DaS Ausfllhrungs- gesetz zum Reichsseuchengesetz ist nach langem Hin- und Herziehen zwischen beiden Häusern deS Landtages endlich zustande gekommen, obwohl die Agrarier, die davon eine Be- lastung des platten Landes befürchten, es am liebsten ebenso unter den Tisch hätten fallen lassen mögen, wie das Gesetz be- treffend die Gebühren der Medizinalbeamten. Auf die Turchberatung des Kontraktbruchgesetzes gegen ländliche Arbeiter mußte die Regierung verzichten, nicht aus Wohlwollen oder Gerechtigkeitsgefühl gegen die Landarbeiter, sondern weil es sich als ein juristisches Monstrum entpuppte — ein charakteristische» Merkmal für die Gründlichkeit, mit der im Justizministerium gearbeitet wird. Abgesehen von rein lokalen Gesetzen zeitigte diese„frucht- bare" Session eigentlich nur noch die Kirchensteuergesetze, das Gesetz über die Verstaatlichung der„Hibernia", das Sekundär- bahngesetz, das Gesetz betreffend die Verwaltung gemeinschaft- licher Jagdbezirke und das Gesetz über die Verbesserung der Wohnungsverhältnisse für Staatsarbeiter und gering be- soldete Beamte. Die Regierung hat es sich wieder einige Millionen kosten lassen, um Arbeiter- und Beamtenwohnungen zu bauen, mittels deren sie Staatssklaven züchten will. Aus der Initiative des AbgeordnetmhauseS gingen dann noch einige weitere Gesetze hervor, darunter die Schaffung eines Volkswohlfahrtsamtes, das in 24 Stunden die soziale Frage lösen soll, eine Novelle zum Warenhaus- steuergesetz, die mit der Verfassung unvereinbar ist und allen volkswirtschaftlichen- Grundgesetzen so sehr Hohn spricht, daß die Regierung ihr auf keinen Fall beitreten wird, und das Mutungsgesetz. Wie durch die ganze preußische Gesetzgebung, so zieht sich auch durch die EtatSdebatten sowohl als durch die Debatten. die anläßlich allgemein interessierender Fragen stattgefunden haben, ein reaktionärer Zug. Die Besprechung der Interpellation über die M i r b a ch- A f f ä r e zeigte, daß derartige Uebergriffe von unverantwortlichen Nebenregierungen, wie sie im Falle Mirbach zutage getreten sind, in Preußen von den maßgebenden Parteien zum mindesten stillschweigend ge- duldet werden und daß man kein allzugroßes Gewicht auf die Jnnehaltung der konstitutionellen Formen lege. Die Jnter- pellation über die Vorgänge im Saarrevier enthüllte ein mehr als abschreckendes Bild von der Nichtachtung der ge- setzlichen Bestimmungen bei den politischen Wahlen: Wahl- beeinflusfungen sind an der Tagesort-nung, die staatsbürger- lichen Rechte und politischen Ueberzeugungen der Arbeiter werden mit Füßen getreten, und abgesehen vom Zentrum, das in dem besonderen Falle aus parteipolitischen Gründen dagegen protestiert, rührt sich keine Partei, um gegen die gemein gefährlichen Manipulationen der Bergbeamten energisch Front zu machen. Ebenfowenig hat die Mehrheit des Landtags da gegen etwas einzuwenden, daß der Staat, wie es sich bei den Debatten über den Berliner Schulkonflikt erwiesen hat, sein Aufsichtsrecht zu bureaukratischen Eingriffen in die Selbstverwaltung der Gemeinden mißbraucht. Gegen die Benutzung von Schulräumen zur Abhaltung von agrarischen Wahlversammlungen oder zur Agitation für den Flottenverein hat man nichts einzuwenden, aber wenn die Stadt Berlin der freireligiösen Gemeinde Schulräume oder Arbeiterturnvereinen Turnhallen zur Verfügung stellt, dann ist Preußen in Gefahr. Alle, noch so reaktionäre und blamable Handlungen der Regierung finden im Landtage ein Echo. Selbst die völlige Hörigkeit, in die die Schönstedt und Hammerstein den preußi scheu Staat Rußland gegenüber gebracht haben, wird vom Landtag gebilligt, die mehr als leichtfertige Inszenierung des Königsberger Hochverratsprozesses wurde beschönigt, über die frivole Art. in der vom Ministertisch über russische Revo lutionäre geurteilt, ja selbst Privatangelegenheiten an die Oeffentlichkeit gezogen wurden, amüsierte man sich im Junker paralament königlich. Jedes Gefühl für Anstand und politische Sitte ist verloren gegangen. Freilich-der Gang der Ereignisje in Rußland dürfte nun den Russenhochmut des preußischen Junkertums einigermaßen dämpfen! Obwohl die Regierung bei den wenigen Gesetzen von Be deutung von den Konservativen im Stich gelassen wurde, weiß sie sich doch eins mit ihnen. Wenn es gilt, das Volk auszu powern, zu knechten und zu verraten, dann kann sie sicher auf die Junkerclique rechnen. Sind sie es doch, die im Verein mit dem Zentrum und einem Teil der Nationalliberalen mit der Regierung das schimpfliche Schulkompromiß geschlossen haben, das im Herbst in die Tat umgesetzt werden soll und die völlige Auslieferung der Schule an die Kirche zur. Folge hat! Auf ihre Hülfe kann die Regierung mit Todessicherheit in ihrem Kampf gegen Polen und Sozialdemo- k r a t e n rechnen. Bei jeder Gelegenheit hetzen die Junker gegen die Sozialdemokratie, und selbst den Reichstag suchen sie von der Tribüne des Landtags herab mobil zu machen. Haben sie doch erst vor wenigen Tagen im Herrenhaus eine neue Zuchthausvorlage gefordert I Von politischen Reformen kann natürlich im Dreiklassen- Parlament nicht die Rede sein. Das elende st e aller Wahlgesetze gilt als unantastbar; nicht einmal zur Be- ratung des freisinnigen Antrages zum Wahlgesetz hat man Zeit gefunden, obwohl man sich während der Session wieder- holt mehrere Wochen Ferien unter Fortbezug der Diäten leisten konnte. Freilich haben die Antragsteller auch nicht den ge- ringsten Versuch gemacht, die Beratung ihres Antrages durch- zusetzen. Man will das Dreiklassenwahlrecht verewigen, da man weiß, daß hierin der Einfluß der Junker und Junker- genossen auf die preußische Gesetzgebung wurzelt. So reiht sich denn die verflossene Session würdig ihren Vorgängern an. Auch sie war unfruchtbar, und zur Unfrucht- barkeit verdammt ist noch auf Jahre hinaus der preußische Landtag, wie jedes Parlament, das den breiten Massen des Volkes die Vertretung nimmt. Arbeit im Interesse der Ge- samtheit kann nur von einem Parlament geleistet werden, dem nicht das nackte Klasseninteresse, sondern das Wohl des Volkes oberstes Gesetz ist. Die russische Auflösung. Der frühere amerikanische Botschafter in Berlin. Andrew D. White schildert in der Selbstbiographie, die er soeben heraus- gibt, auch die Erlebnisse, die er als Gesandter in St. Petersburg anfangs der S0er Jahre hatte. Er erzählt, wie sehr ihn. als er damals dem Thronerben, dem jetzigen Kaiser Nikolaus II., vor- gestellt wurde, eine Bemerkung desselben befremdet habe. Er, White, habe von einer größeren Geldspende gesprochen, die aus den Vereinigten Staaten für die Notleidenden der russischen Hunger- gebiete eingetroffen war. Da habe Nikolaus geantwortet. daß in seinem Reiche keinerlei Hungersnot existiere, die der Erwähnung wert sei und daß er dem Gegenstand überhaupt keine weitere Aufmerksamkeit mehr schenke. Später, nach der Thronbesteigung Nikolaus, habe einer der besten Kenner der politischen Zustände in Europa, der vielfach Ge- legenhett hatte, den Zaren in der Nähe zu beobachten, zu White gesagt:„Er wisse nichts von seinem Reiche oder seinem B-lke." Die jämmerliche Nichtigkeit auf dem Throne aller Reußen weiß nichts von seinem Reiche und seinem Volke! Er mag glauben, daß in der Mandschurei die russischen Heere Siege erfochten haben: er mag glauben, daß in seinem Lande einige Austührer Unruhe stiften, daß aber im wesentlichen sich alles in vortrefflichster Ordnung befindet. Er weiß nicht» von seinem Reiche und seinem Volke, während seine Kreaturen das Reich und das Volk plündern und vergewaltigen. Und dieselben Kreaturen vermessen sich, die Revo- lution, soweit ihre Unterdrückung nicht möglich ist, durch Lüge ans der Welt zu dichten. Da Marine und Armee von der allgemeinen Zerrüttung ergriffen sind, versucht der Zarismus durch Zensurgebote und lächerliche ßAbleugungSnoten sich selbst und die europäische Oeffentlichkeit zu täuschen. So läßt heut die russische Botschaft in Berlin durch das Wolffsche Bureau, auf Ermächtigung von Petersburg erklären, jene stühere Nachricht, daß eine Versammlung von russischen Osfizieren in dem Lager von KraSnoje-Sselo nicht stattgefunden habe und daß die ganze Nachricht auf reiner Erfindung beruht. Ebenso versucht man die jetzigen Ereignisse in Odessa und in Kronstadt durch Fälschung milder erscheinen zu lassen. Die Wahrheit will der Zarismus nicht sehen und nicht gestehen. Er sträubt sich gegen die Anerkennung der Zerrüttung, die seine Herrschaft herbeigeführt hat. Er heuchelt Leben, da er in Todeskämpfen zuckt. Noch herrscht nicht völlige Klarheit über das Schicksal der Schwarzen Mcrrflotte, de? letzten Teiles der einst glänzenden russischen Marine. Die Nachrichteil widersprechen sich. Einerseits wird ge- meldet, da? revolutionäre Schiff»Fürst Potemkin" habe sich auf Gnade und' Ungnade der aus Sebastopol herbeigeeilten Flotte ergeben müssen. Doch diese Nachrichten sind überaus unbestimmt, und von anderer Seite wird die gegenteilige Mitteilung gebracht, daß nicht nur„Fürst Potemkin" sich nicht ergeben habe, sondern daß auch andere Schiffe der Schwarze- Meerflotte die Flagge der Revolution gehißt haben. Wenn aber auch diese letztere Meldung, deren Bestätigung den Todesstoß des Zarismus bedeuten würde, sich als nicht richtig erweist, so wird gleichwohl der Zarismus dir Odeffaer Ereignisse nicht zu überwinden vermögen. Auch in den anderen Häfen deS russi- scheu Reiches gärt es gewalttg und ebenso in der Landarmee.' Die Offiziere wollen nicht länger Henker deS Volkes sein und können die allgemeine Verachtung der gesellschaftlichen Kreise, mit denen sie in Fühlung stehen, nicht länger ertragen. DaS Instrument der Gewalt: Flinte, Säbel, Kanon» und Panzerschiff versagen. Ein Staat, in dessen Marine ein Ereignis! geschehen kann, wie jene» auf dem»Fürst Potemkin", ist unrettbar. Auch wem, es gelingt, durch die noch blind gehorchenden Teile der Armee und Marine den Ausstand der Truppen niederzuzwingen, so kann doch der Zarismus aus einem solchen Zustande der inneren Zerrüttung und Aiiflvsling nicht wieder zu geordneten Verhältnissen umkehren. Der ungeheure Auflösungsprozeß, der alle Volksschichten, alle Stände und Klassen ergriffen hat, wird weiter um sich fressen StS z'um völligen Zusammenbruch!... Die revolutionäre Marine. Drei einander widersprechende Lesarten liegen über die fiirchter- lichen Ereignisse von Odessa vor. Der Londoner.Standard" meldet in einem Odeffaer Telegramm die bedingungslose Uebergabe de»»Fürst Potemkin": Fünf Schlachtschiffe, ein Kreuzer und eine Flottille Torpedo- boote au» Sebastopol liefen Freitag nachmittag>/z3 Uhr in die Bucht von Odessa ein. Sie tauschten mit den meuternden Matrose» Signale aus, fuhren dann mit großer Schnelligkeit näher an den „KnjaS Potemkin" heran und formierten sich vor ihm in Halbkreis- sonniger Schlachtordnung. Dann wurden von dem Geschwader zehn stark besetzte Boote zu dem»Knjä» Potemkin" entsandt. An Land befürchtete man infolgedessen, das ganze Geschwader habe sich den Meuterern angeschlossen und sei im Begriff, die Stadt zu beschießen. Die Dächer der Häuser waren dicht mit Menschen be« setzt, die angstvoll der EntWickelung der Ding« entgegensahen. Inzwischen rückte da« Geschwader immer dichter an den»Knjäs Potemkin" heran, und schließlich ergab fich das meuternde Schiff bedingungslos. Die Meuterer verlangten zuerst Amnestie, als jedoch die fünf Schlachtschiffe auf den»Knjäs Potemkin" ein- schwenkten und ihre schweren Geschütze auf ihn richteten, ergaben sie sich, ohne einen Schuß abzufeuern. Die ganze Besatzung wurde von Bord de» Schiffes entfernt und auf die Schiff« des regierungstreuen Geschwaders verteilt. Man glaubt allgemein, daß die Meuterer sämtlich erschossen werden. Weit unbestimmter lautet eine Meldung, die da»„W. B." aus Odessa erhält: Als die Matrosen vom Kirchhof zum Hafen zurückkehrten, wurden vier von ihnen getötet, einer verwundet und zwei ver- haftet. Die anderen entkamen. Um 7l/i Uhr abends feuerte das Schiff auf die Stadt. Eine Granate schlug in ein Hau» in der Nähe der Kathedrale, ohne jedoch jemand zu verletzen. Eine andere Granate fiel in das Moldavankaviertel. Heute nahm der»Fürst Potemkin" einen Stellungswechsel vor und wandte sich dem Langeronviertel zu. In diesen, Augenblick näherten sich fünf Panzer und sieben andere Schiffe, Torpedoboote und Transport- schiffe, dem Hafen. Die Schiffe tauschten längere Zeit Flaggen- signale aus. Der. Für st Potemkin" fuhr darauf in den von den Kriegsschiffen gebildeten Krei»»in. Nach Verlauf einer Swnde trennten sich die Schiffe. Di« zuletzt angekommenen sind wieder in See gegangen. Der„Fürst P-temkin" hat feinen frühere» Platz wieder eingenommen. In, Hafen kamen frische Truppen an. die auf dem Kathedralenplatz Aufstellung nahmen. Di» Stadt, die vollkommen ausgestorben erscheint, wird durch Truppen bewacht. Der Bahnverkehr stockt seit vier Tagen. Hätte sich wirNich die gesamte Mannschaft des»Fürst Potemkin" auf Gnade und Ungnade ergeben müssen, fo wären die in den, Telegramm geschilderten Schiffsbewegungen unverständlich, vor allem wäre dann'auch längst offizielle Bestätigung der Uebergabe in die Welt hinaustelegraphiert worden. Die ganze An- gelegenheit bleibt zunächst dunkel. Einem bei»Lloyds' in London eingegangenen Privattelegramm au» Odessa zufolge, soll auch die Besatzung rineS zweiten Schiffes gemeutert haben. Jeglicher Arbeits- betrieb sei gestört und auch in absehbarer Zeit keine Aussicht vor- Händen, ihn wieder aufnehmen zu können. Die Lag« sei unzweifelhaft kritisch. Streik der Hafenarbeiter. Petersburg, I. Juli. Die Ausstandsvewegung der Dockarbeiter tn Odessa ist vollständig. Die Dockarbeiter protestieren gegen die Mobilmachung. Das Löschen und Verladen der Schiffe ist unter- brachen worden. Wahrscheinlich werden die Petersburger Dockarbeiter das Beispiel der Odessaer nachahmen. Der Dampferdienst zwischen Odessa unb Sewastopol ist eingestellt worden. Kronstadt. Petersburg, 1. Juli. Das Gerücht, daß Matrosen in Kronstadt gemeutert hätten, hat sich bisher nicht be st ätigt; sicher da- gegen ist, daß fünfhundert Kohlenzieher eine Kundgebung in Krön- stadt in der Nikolausstraße und vor dem Zirkus vornahnlen, bei der ein Redner die unehrliche Ausbeutung brandmarkte, deren Opfer die Arbeiter seien. Fünf Polizeiagenten und Polizeioffiziere, die einen Versuch machten einzuschreiten, wurden von der Menge geprügelt, die auch einen vorübergehenden Marineofzier mißhandelte. Dieser wurde jedoch durch eine Kompagnie Soldaten verteidigt, die nnt dem Kolben zwanzig Aufrührer niederschlugen. Die Menge wurde bald darauf durch eine Truppenabteilung zerstreut. Hierbei wurden fünf- unddreißig Personen verhaftet. Ueberall durchziehen Patrouillen die Stadt. « Es entbehrt nicht der Komik, daß man in Petersburg nicht sicher wissen will, ob die Matrosen in Kronstadt aufständisch geworden sind oder nicht. Die Unsicherheit der Meldung bestätigt geradezu die frühere Meldung, daß sich die Matrosen in Kronstadt oder doch ein Teil von ihnen der revolutionären Bewegung an- geschlossen haben. Demonstrationen der Offiziere. Aus Petersburg wird gemeldet, daß dem russischen Kriegs- minister soeben eine von zahlreichen Offizieren der Garde- und Artillerie- regiinenter unterzeichnete Petition eingereicht wurde, in der die Offiziere um Erlaubnis bitten. Versammlungen z» v e r- anstellten, um über die Lage der Offiziere zu sprechen. In der Petition wird darauf hingewiesen, daß die meisten Offiziere sich momentan so fühlen, als oli sie von der Gesellschaft verstoßen sind. Zahlreiche gesellschaftliche Organisationen boykottieren und Privat- Personen beschimpfen die Offiziere auf Schritt und Tritt. Diese schwierige Lage wird noch dadurch verschärft, daß zahlreiche Offiziere mit der bürgerlichen Gesellschaft durch Bande der Verwandtschast liiert sind. Zum Schluß heißt es in dieser Petition:„Wir fühlen uns so. als ob wir uns im eroberten Lande befinden, und eine solche Lage ist unerträglich." Ferner wird telegraphisch ans Petersburg vom 1. Juli uns gemeldet: Hier fand gestern eine Versammlung von Offizieren statt, worin die Notwendigkeit der Einführung eines neuen Rcgims betont wurde. Ein Offizier verbrannt. Kursk, 1. Juli. Auf dem hiesigen Bahnhof' befahl gestern abend ein Offizier, der sich in einem ans Ki-w eingetrosfenen�Zuge befand, die Festnahme eines betrunkenen Soltaten. Als der �Soldat darauf dem Offizier unverschämte Antworten gab- zog dieser den Säbel und stich den Soldaten nieder. Die Volksmenge, die sich während des Vorfalls angesammelt hatte, stürzte'ich darauf auf den Offizier, dem es aber gelang, in seinen Wazen f» flüchten. Dieser wurde mit Steinen und Balken bombardiert während Iber Offizier mehrere Revolverschüssc abgab. Nur mit Müh- gelang eS. seine Familie aus dem Wagen zu rette»: d-i Meine begoß sodann den Wagen mit Petroleum und legte Feuer an. Ter Offizier kam dabei in den Flammen um. Der Gouverneur und der Kommandant eilten sofort herbei und eine Tragonerfchwadeon zerstreute die Menge. Die Komödie der„Volksvertretung". Unsere früheren Mitteilungen über den Empfang der Semstwo- Deputation durch den Zaren und die allgemeine russische Situation werden durch den folgenden Petersburger Brief der„Russischen ' Korrespondenz" ergänzt. Es wird berichtet: Der Empfang der Semstwo-Deputation und die dabei ge- haltenen Reden haben die gesamte Bevölkerung Rußlands, soweit sie irgendwelches Verständnis für die momentanen Vorgänge besitzt, in eine unbeschreibliche Aufregung versetzt. Ganz Nußland gleicht einem gewaltigen Tiskuticrllub, der durch die fortwährenden revo- lutionären Ausbrüche und die vor nichts zurückschreckende Kampfes- stimmung ein realer Wert und ein mächtiger Faktor geworden ist. Die Worte des Zaren haben keineswegs beruhigend gewirkt. Er hat zwar den Deputierten zugerufen, sie sollen an seinem un- beugsamen Willen, eine Volksvertretung zusammenzuberufen, nicht zweifeln, aber die Taten derBureaukratie erhitzen und revolutionieren die Gemüter aufs äußerste. Prof. Kusmiu-Karawajew hat in der letzten Nummer der auf einen Monat inhibierten„Ruß" den weiten Abstand zwischen den kaiserlichen Erlassen und deren Ausführung und die Macht der bureauiratischen Gefahr mit unheimlichem Licht erhellt. Was ist das Ergebnis der zahllosen Kommissionen, Be- ratungen und Ausschüsse der Regierung? fragt er. Ein paar Beispiele: Mit vernichtenden Worten, wie es in der Presse noch niemals geschehen, hat im Ministerkomitee der Gehülfe des Ministers des Innern selbst die an unruhigen Orten geübte Ver- hängung des verstärkten Schutzes gekennzeichnet. Der Mann, der so sprach, war eine Autorität, denn er lvar früher selbst Direktor des Polizeidepartements gewesen. Was geschah nun? Es wurde eine Kommission eingesetzt und die alte Praxis ging weiter. Nirgends ist der„verstärkte Schutz" oder„Kriegszustand" aufgehoben, wohl aber an zahllosen Punkten von neuem eingeführt. Am 17. April wurde Toleranz in Religionssachen von aller» , höchster Stelle angekündigt, aber die Ausübung des Ediktes auf eine gewisse(also unbestimmte) Zeit hinausgeschoben. Seit fünf Monaten beschäftigte sich eine Kommission mit der Preßfreihcit. Sie soll auch schon manches„Nützliifye und Unumgängliche" beschlossen haben. Aber zugleich lastet die Zensur auf der Presse und waltet ihres Amtes mit den schroffsten Mitteln; sie streicht ganze Zcitungsnummern, bestraft hart Redakteure und Ver- leger. Und wie ist es mit dem Verfassungsentwurf B u l y- ginsl Je mehr Details ans Tageslicht kommen, desto klarer wird es, daß das ganze Erzeugnis eine Spottgeburt ist, die nur im Hirne der russischen Bureaukratie entstehen konnte. Um von dem geplanten volksfeindlichen Wahlsystem und sonstigen reaktionären Vorschlägen nicht zu sprechen, wollen wir als krasses Beispiel die Einzelheit anführen, daß nach dem bureaukratischcn Entwurf die Vorsitzenden des„Parlaments", der Goffudarstwenaja Entwurf die ihrer zehn Unterabteilungen vom Zaren selbst zu ernennen sein sollen. Alle freiheitlichen Schichten richten desloegen die schärfsten An- griffe gegen Bulygins Werk. Die„freie ökonomische Gesellschaft" Petersburgs, die auf eine Vergangenheil von anderthalb Jahr- Hunderten zurückblicken kann, hat bereits Stellung genommen gegen die Bulygiiischen Pläne, u. a. namentlich gegen die Beschränkung der„Volksvertretung" auf bloß beratende Funktionen. gegen die gleichzeitige Bcibehatung des alten Tschinownitschen Ge- setzgebungsorganes. des Reichsrates, neben der gewählten Kammer. gegen das Wahlsystem und die Entrechtung der sechs Millionen Juden, die„eine in der gesamten zivilisierten Welt einzig dastehende Verletzung der elementarsten Begriffe von der Gleichberechtigung der Staatsbürger im heutigen Staate" sei. Aehnliche und viel schärfere Proteste folgen jetzt aus allen Ecken und Enden des Reiches und reden oft eine drohende Sprache. Die Bureaukratie scheint aber ans solche Stimmen nicht hören zu wollen. Sie rüstet sich zu weiterem Kampfe, sie hetzt an der Peripherie des Staates die Völker gegeneinmider und im Innern di« Barbarei gegen den Intellekt. Wozu dies führen muß. beweisen die schrecklichen Nachrichten von Lodz-, von Nqchitschewan, von Jwa- nowo-Wosnessensk und zahlreichen anderen Orten. Die Blutgier ist überall geweckt, die tierischen Instinkte von Kosaken und kosakcn- ShnNche« Geschöpfen sind aufgestachelt. Aver auf der anderen Seifr- ist das Leben im Vergleich zur Freiheit wertlos geworden. Niemand frägt in diesen Reihen mehr, wie es ihm ergehen werde, und Hunderttausende trachten nur noch danach, wie die Emanzipation des Ganzen zu erreichen sei, welche Opfer es auch kosten möge. Efrie Bureaulratie aber, die die Niedermetzelung von Säuglingen und Fällung oon Todesurteilen gegen unschuldige Knaben nicht fürchtet, muß bald von selber jeglichen Halt verlieren und zugrunde gehend politische(leb er ficht. Berlin, den 1. Juli. Eisenbahn- Tarifreform. Vor der gemeinsamen Schlußsitzung beider Häuser des Land- tages am Sonnabend besprach Minister V.Budde im Abgeordnetenhause aus Anlaß der Interpellation Dr. Friedberg(natl.) und Genossen die Grundzüge der neuen Tarifreform. Aus seinen ein- gehenden Darlegungen über den gegenwärtigen Stand der Ver- Handlungen erhellt deutlich, daß die Regierung nach wie vorauf dem Standpunkt steht, daß die Tarifreform wohl vereinfacht, aber beileibe nicht verbilligt werden sollen, damit die Staatsfinanzen keinen Ausfall erleiden. Namentlich wird den Reisenden der vierten Wagenklasse, also den Aermsten, kein Zugeständnis gemacht, die Preise werden nicht verbilligt, der Einheitspreis pro Kilometer soll nach wie vor 2 Pf. beiragen. Zu einer völligen Aufhebung der vierten Klasse kann sich die Regierung überhaupt nicht versteigen, nach Ansicht des Ministers wäre dies sogar ein großer sozialer Fehler; natürlich, wenn man sich aufschwingen kann, bequemeres Reisen für billiges Geld zu erzielen. Der Einheitspreis für die dritte Klasse soll in Zukunft 3 Pf., für die zweite 4.5 und für die erste 7 Pf. pro Personenkilometer betragen. die Rundreisebilletts werden aufgehoben, Freigepäck gibt es nicht mehr. Für Schnellzüge wird ein Zuschlag berechnet, die Rundreisebilletts, die Arbeiterfahrkarten, Schülerkarten, Zeitkarten und Sonntagskarten bleiben beibehalten. Dies sind die Grundzüge der geplanten Reform. Ihr einziger Vorteil besteht darin, daß wir dadurch Einheitstarife für ganz Deutschland erhalten. Im übrigen ist die Reform so gut wie bedeutungslos. Eine großzügige Tarifteform wird überhaupt erst dann möglich sein, wenn die Eisenbahnverwaltung von der all- gemeinen Staatsverwaltung getrennt wird und nicht der Staats- Haushaltsetat in erster Linie auf den Eisenbahneinnahmen basiert. Die Debatte war belangslos. Da der Landtag keinen Einfluß auf die Gestaltung der Tarife hat, ist es auch einigermaßen un- wesentlich, wie die„Volksvertreter" des Dreiklassenparlaments darüber urteilen. Die Regierung würde, selbst wenn wirklich gute Anregungen aus dem Hause kommen, darauf doch kaum Gewicht legen.—_ Russische Sache ist nicht österreichische Sache. Im österreichischen Abgeordnetenhause brachte der sozial- demokratische Abgeordnete Daszynski am Montag die grausigen Greuel von Lodz zur Sprache. Die notwendige Gelegenheit schuf er sich durch einen Dringlichkeitsantrag, welcher die Regierung auf- fordert,„die politischen Flüchtlinge, die in den Grenzen Oesterreichs Schutz vor den Verfolgungen der absoluten russischen Regierung suchen, menschlich zu behandeln und das in allen zivilisierten Staaten geachtete Ashlrecht nicht zu verletzen". Genosse Daszynski begründete den Antrag in einer markigen Rede, die schon als Beweis, um wie vieles es mit der Redefteiheit im österreichischen Parlament besser bestellt ist als in anderen cm Rußland nicht bloß territorial angcgrenzten Staaten, von Interesse ist. Der sozial- demokratische Abgeordnete führte aus: Wir sind an einem beträchtlichen Teile unserer Grenzen die Nachbarn eines absolutistisch regierten Riesenstaates, der sich jetzt in revolutionären Zuckungen windet, aus welchen hoffentlich eine neue, den"Völkern die Freiheit bringende Staatsform entstehen wird. Es kann uns nicht gleich- gültig sein, ob die mächtige revolutionäre Bewegung und auch die Orgien der Reaktion gegen sie, die immer neue Fluten von Männern, Frauen und Kindern auf unser Gebiet hinüberwerfen, in der einen oder anderen Form vor sich geht. Wir müssen darauf gefaßt sein, daß an der nördlichen Grenze unseres Reiches ganze Scharen ruhiger Einwohner als politische Flüchtlinge erscheinen, daß diese Scharen unschuldiger Menschen hier Asyl und Schutz suchen werden. Es hieße ebenso grausani wie die mordende Soldateska sein, wenn man sich diesen Er- scheinungen gegenüber auf den polizeilichen Standpunkt stellen, das Asylrecht in einer solchen Zeit nicht hochhalten würde, wo jeder zivilificrtc Staat es fich zur Ehre rechnen muß, den Bedrängten ein Asyl zu bieten.... Die Grausamkeiten des Krieges werden vom Militär desZaren gegen dieUntertanen des Zaren verübt. Wenn man die Zahl der Toten, der Verwundeten liest, erstarrt man ob des Anblickes solcher Grausamkeiten. Wo ist ein Europäer, der dagegen nicht lauten Protest erheben wollte! Wo aber ist ein zweiter Roosevelt, der sich Lorbeeren als Vermittler suchen will? Das ist die jahrtausendelange Mühe, in welcher die Menschheit sich ihre Würde und Kultur erobert hat l Es wäre sehr traurig um uns bestellt, wenn wir, die unmittelbaren Nachbarn, nicht passende Worte des Protestes, der Entrüstung fänden... Sie werden nicht umhin können anzuerkennen, daß sich hier ein Stück Geschichte des polnischen Volkes abspielt, daß die tragischsten Abschnitte der Geschichte dieses Volkes hier ausgefochten werden. Dort, wo ganze Städte in Aufruhr sind und Hunderttausende von Menschen der bewaffneten Macht gegenüber in Einigkeit dastehen, kann von keiner Klassen- oder Paneibewegung die Rede sein, sondern nur von einem heiligen Kampfe um die Existenz, von einem Ringen um die Freiheit und um die Zukunft. Und werden Sie in die)em Ringen auf Seite der Gewalt, der Henker sein? Jeder muß anerkennen, daß diese Hekatomben der Arbeiterleichen, diese Ströme von Blut nicht umsonst fließen werden, daß dieses gewaltige Ringen das pol- irische Volk zu einem Heldeuvolk machen, daß die Zukunft auf Seite dieses Volkes sein wird.. Der Appell des Sozialdemokraten war nicht vergeblich: der Antrag, den jeder als den Ausdruck der Empörung über das un- menschliche Treiben der zarischen Soldateska nahm, wurde fast ein- stimmig angenommen. Von dem größten internationalen In- teresse war aber die Stellung der österreichischen Re- g i e r u n g. Da stand kein Justizminifter auf, um das aufreizende Wort zu sprechen, wonach die Sache der russischen Reaktion die Sache der europäischen Kultur sei; kein Mimsterpräsideiit wagte die russischen Flüchtlinge als„Schnorrer und Verschwörer" zu höhnen, und kein Minister dxs Innern verkündete die Solidarität der öfter- reichischen Regierung mit den Schergen des Zaren. Sondern der Minister des Innern, Graf Bylandt-Rheidt, erklärte sich mit dem Antrag im Wesen einverstanden und bemerkte in fach- lichen und höfliche» Worten: Bis seit zirka einem Jahre hat sich die Einwanderung aus Rußland in unsere Grenzländer, insbesondere in das Königreich Galizien, in auffallendem Maße vennehrt. Die private Wohl- tätigkeit hat hier mit voller Kenntnis der Behörden eingegriffen, und es ist ihr gelungen, in sehr vielen Fällen den Notstand unter den Eingewanderten zu lindern und auch in den überwiegend meisten Fällen die Weiterreise der Eingewanderten zu ermöglichen. Die Behörde» haben dort, wo sie gezwungen waren, die Fremdenpolizei und die Gesetze gegen AusweiSlose anzuwenden, diese Gesetze stets in der rücksichtsvollsten Weise gehandhasit und haben in jedem einzelnen Falle auf die Bedeutung und aus das Individuelle des Falles Rücksicht genommen. Eine Abschaffung au die russische Grenze hat in keinem Falle stattgefunden, und zwar schon mit Rücksicht darauf, daß das seinerzeit bestandene Deserteurkartcll aufgehoben ist. Ich glaube hier die Versicherung gebe» zu können, daß die Regierung und die Behörden, insbesondere die Behörden Galiziens, die hier in erster Linie in Frage konmien, den Einwandercrn gegenüber stets mit der größten Humanität und Rücksicht vorgegangen find, und daß sie daher einer besonderen Auf- forderung, wie sie in dem hier zur Verhandlung stehenden Dring- lichkeitsantrage gelegen ist, nicht bedurft hätten, um auch in Zukunft in gleicher Weise vorzugehen. Oesterreich ist kein England und keine Schweiz und muß sicher- lich auf Rußland und auf die Stimmungen der russischen Politik mindestens so viel achten wie etwa Preußen. Die Erklärung des österreichischen Ministers beweist also, daß es nicht internationale Verpflichtungen sind, die anderswo zu so grausamer und gehässiger Auffassung des AsylrechteS geführt haben.... John Hah, amerikanischer Staatssekretär des Auswärtigen, ist bei New- bury, New Hampshire, im Alter von 67 Jahren nach längerer Krankheit gestorben. Hay wurde von den Amerikanern als bedeutender Staatsmann hoch geschätzt. Der Imperialismus hatte in ihm eine feste Stütze; er leitete die auswärtigen An- gclegenheiten uncer Mac Kinley seit dem Kriege mit Spanien (1898) und blieb unter Roosevelt im Amte als wichtigster Mann im Kabinett. Seine Tüchtigkeit und sein Wert lagen darin, daß er ganz im Sinne der imperialistischen Politik han- dclte, welche die Kapitalistenklasse der Vereinigten Staaten als ihren Interessen förderlich verlangte. Hinter dieser Auf- gäbe trat seine Persönlichkeit zurück und er erfüllte seine Auf- gäbe als alterfahrener Politiker, der mit Ruhe und Sicherheit alle Geschäfte führte und stets so führte, daß sie keinen un- günstigen Ausgang nahmen. Von Amerikas Macht und Be- deutung gegenüber allen anderen Nationen fest überzeugt, trat er selbstbewußt, aber zugleich als gewandter Diplomat bei allen Gelegenheiten auf und galt als Noosevelts uncnt- behrlicher Ratgeber. Er besaß viel Erfahrung in allen Staats- geschäften und hatte seine politische Laufbahn als Privatsekre- tär Abraham Lincolns 1861 begonnen. Nach Lincolns Tode wurde Hay ini diplomatischen Dienste angestellt und war in Paris, Wien und Madrid tätig. Er rückte dann zum assistic- renden Staatssekretär auf, und erhielt 1897 den Botschafter- Posten in London, bis er ein Jahr später zu dem wichtigen Amt als Staatssekretär des Auswärtigen berufen wurde. Auch als Dichter und Schriftsteller hat sich Hay einen Namen gemacht. Ein großes Werk von zehn Bänden über„Das Leben Lincolns" erschien im Jahre 1899, es war von Hay gemeinsam mit dem Obersten John George Nicolay verfaßt worden. Weiter bekannt geworden sind Hays Dichtungen, die er unter dem Titel„Pike County Ballads" herausgab und seine „Kastilischen Tage".— � Veutlcdes Reich. Ein Kulturbild aus der Kaserne. Dresden, 30. Juni. Ein„Dresdener Breidenbach" stand in der Person des 1884 hier geborenen Unteroffiziers Hermann Fritz Erl er von der 7. Kompagnie des Schützenrcgiments Nr. 108 vor dem hiesigen Kriegsgericht der 3. Division Nr. 32. Erlcr verließ erst bor etwa Jahresfrist die Unteroffiziersschule zu Marienberg. Sein Abgangszeugnis war selten ungünstig; er wurde darin als harter und roher Charakter bezeichnet. Trotzdem er sich, zur aktiven Truppe versetzt, nicht besserte, erfolgte seine Beförderung zum Unter- offizier und im Herbst 1904, nach Einstellung der Rekruten, wurde ihm sogar eine Korporalschaft zur Ausbildung anvertraut. Diesen Posten benutzte er dazu, fast sämtliche Leute seiner Korporalschaft tagtäglich zu quälen und zu peinigen. Die Anklage lautete auf Mißhandlung, vorschriftswidrige Behandlung und Beleidigung von Untergebenen. Bei der systematischen Leute- schinderei, die er betätigte, und der Häufigkeit der einzelnen Roheits- delikte ist es unmöglich gewesen, auch nur annähernd eine bestimmte Zahl von Fällen anzugeben. Wie aus den Zeugenaussagen hervor- ging, war es beim Angeklagten gang und gäbe, die Leute zu be- schimpfen, zu ohrseigen, auf den Kopf oder ins Gesicht zu schlagen, an den Ohren zu ziehen oder ihnen auf andere Weise Schmerzen zuzufügen. Auf die Einzelheiten konnten sich die Zeugen bei den tagtäglichen Brutalitäten des Unteroffiziers zum Teil gar nicht mehr besinnen. Immerhin ergab sich aus der Beweisaufnahme noch genug, so daß sich die Feder sträubt, all' die vom Augeklagten begangenen Scheuß- lichkeiten wiederzugeben. Nur einige Fälle mögen herausgegriffen sein. Dem Schützen Lindner versetzte der Korporal am Tage der Bataillonsbefichtigung zwei kräftige Ohrfeigen, weil dieser auf Anruf nicht schnell gelaufen kam. Höhnisch bemerkte er dazu, er werde ihn schon an militärische Zucht und Ordnung gewöhnen, Schellen gehörten dazul Als eines Tages der Soldat Kießling, entgegen den Vorschriften, Wasser vom Schlaffaal holte, erwischte ihn der Unteroffizier: Mit den Worten:„Was machen Sie hier, Sie SchweinI" schlug er den Mann zweimal mit der Faust ins Gesicht. Den Soldaten Seidenfaden stieß er, weil er nicht schnell genug zum GeweHrreinigen antrat, zur Türe hinaus, schimpfte ihn einen elenden Mistlrüppel und drohte ihm. das Seitengewehr durch den Wanst zu rammeln. Beim Turnen faßteer den Rekruten Boglländer am Ohr und drehte es gewaltsam herum, so daß es tüchtig blutete und erst nach einigen Tagen ver- heilt war. Während des Exerzierens auf dem Heller hatte der Schütze Weiß nicht die richtige Stelle eingenommen, worauf ihn der rohe Patron am Ohr nach dem letzteren hinzog und ihm eine blutende Wunde bei- brachte. In einer kalten Winters nacht jagte der Korporal gegen 3/4ll Uhr die ganze Korporälschaft aus den Betten, weil sein Bett nicht ordentlich gemacht worden war. Nur mit dem Hemd bekleidet, mußten zwei Leute das.'Bett nochmals machen und wieder einreißen, während die übrigen Mannschaften so lange— etwa eine halbe Ltunde— am Fenster, ebenfalls im Hemde, still stehen mußten. T Misch für die Art und Weise, wie Erler mit den Leuten umsprang, ist auch die Behandlung des Schützen Schiebold. Dieser hatte beim Exerzieren irgend etwas nicht richtig gemacht. Darauf ging der Angeklagte auf ihn zu und versetzte ihm, ohne ein Wort zu sagen, mit der Faust einen heftigen Schlag gegen das Kinn, so daß das Zahnfleisch blutete und der Mann lange Zeit starke Schmerzen hatte. Weil er in der Jnstruktionsstunde eine Frage nicht beantworten konnte, mußte der Schütze Müller IV über 200mal Schemel strecke» und Knie beugen. Wiederholt hat der Angeklagte die ganze Korperalschaft oder einzelne Leute damitschikaniert, daß eran den SonntagSnachnstttagenden Schlaf- saal in Ordnung bringen und Stube und Abort scheuern ließ, so daß den Leuten fteie Zeit verloren ging, daß sie ihr Mittagessen nicht ein- nehmen konnten oder schmutzig zum Dienste antreten mußten. Der Soldat Seidenfaden hatte sich nach dem Einrücken vom Dienst auf den Abort begeben und sollte sich dann nicht schnell genug um- gekleidet haben. Zur Strafe mußte er dafür wiederholt Drillich- und Tuchanzug anlegen, worauf er, obgleich seit längerer Zeit leidend, wohl zirka achtmaldie Treppen bis zum zweiten Stockwerk hinauf- und hinuntergejagt wurde, wobei er ihm zurief:„Hund verdammter, wenn Du nicht schnell machst, wirstDu sehen, waspassiert!" Am nächsten Morgen meldete sich S., der gleich nach dem Vorfall bedeutend heftigere Schmerzen empfand, krank; er wurde darauf wegen Bruftselleutzündnng ins Lazarett geschafft. Dort befindet er sich noch jetzt. Wahrscheinlich ist die Verschlimmerung des Leidens auf die brutale Be- Schmerzen empfand Petersburg, 1. Juli. Der Botschafter in Rom, Murawiew, ift, da Nelidow seines hohen Alters wegen abgelehnt hat, als Bevoll mächtigter für die Friedenskonferenz designiert worden. Aus der Partei. " Handlung durch ben Angeklagten zurüdzuführen, wenn auch 15 oder 6 Schläge erhalten habe. Die Schläge hätten außerordentlich der Sachverständige erklärte, daß sich hierfür bei Untersuchung ein Anhalt nicht ergeben habe. der wehe getan, auch habe er von dem Zeitpunkt der Noch schlimmer Büchtigung an Schmerzen im Hüftgelenk gespürt ist es fast dem Soldaten Tomelsky ergangen, der unter Ein anderer Schüler erklärte als Zeuge, daß der Knabe von Gärtner den Launen des Angeklagten besonders zu leiden hatte. Mittels wenigstens 5 bis 6 derbe Schläge erhalten habe. Ein als Zeuge berDroschke mußte er, um als Zeuge erscheinen zu können, vom Gar- nommener Arzt, in dessen Behandlung sich der gezüchtigte Knabe seit nifonlazarett nach dem Gerichtsgebäude transportiert werden. Ein 14 Wochen befindet, sagte aus, daß die Erkrankung des Knaben schwächlich gebauter Mensch, war T. innerhalb furzer Zeit sehr oft tuberkulose Süftgelenkentzündung sei. Wenn er in Zu der Versammlung, in der Jaurès über: Die frank gewesen und deshalb in der Ausbildung zurückgeblieben. Da- einem Zivilprozeß ein ärztliches Gutachten abzugeben hätte, so müsse für wurde er nun vom Angeklagten besonders scharf herangenommen. er sagen, daß nach dem heutigen Stande der Wissenschaft die Mög- Friedensidee und die Solidarität des interBrachte er irgend etwas nicht fertig, so ließ er ihn längere Zeit lichkeit nicht ausgeschlossen sei, daß die tuber- nationalen Proletariats" sprechen wird, werden hintereinander hinlegen und aufstehen, Knie tulose Hüftgelenkentzündung in ursächliche m beugen oder Gewehr streden, so daß der dermiste die größten 3 usammenhange mit einer vor Wochen erittenen an die Vertreter der Presse auf den Inhaber lautende Karten und völlig erschöpft nicht mehr weiter Büchtigung stehe, falls nämlich die Stockschläge Blutungen abgegeben. Sie sind gegen Legitimation bei Herrn Eugen fonnte." Du Hund, ich schinde Dich, bis Du vollends ver- unter der Haut zur Folge gehabt hätten. Mit Sicherheit sei dies Ernst, Buchdruckerei Vorwärts, Lindenstr. 69, zweiter Hof, recft!" So hatte ihm der Gemütsmensch einmal dabei zwar nicht zu konstatieren, aber die Möglichkeit sei andererseits nicht zugerufen. Tomelsky ist, wie bemerkt, jetzt noch frank, doch soll es ausgeschlossen. Der Staatsanwalt beantragte, da ein Beweis für die erhältlich. Im übrigen ist die Versammlung öffentlich und auch hier wieder an einem sicheren Nachweise fehlen, daß Strant- Ueberschreitung des Büchtigungsrechtes nicht erbracht worden sei, eine für jeden ohne weiteres zugänglich. heit und schlechte Behandlung im Zusammenhange stehen. Drei Geldstrafe von 200 M. Der Gerichtshof hielt jedoch die Möglichkeit, andere Rekruten, die Schüßen Pommer, Schwabe und Bohlei, daß die Erkrankung des Knaben tatsächlich auf die erlittene ,, Streifzüge eines Sozialisten in das Gebiet der Erkennungsmußten sich eines Tages auf dem Heller aus einem geringfügigen Büchtigung zurückzuführen sei, nach dem ärztlichen Gutachten nicht theorie" von Josef Dieggen ist soeben in neuer Auflage im Verlage Anlasse in eine Regenpfüße legen und zirka 15 Schritte weit hindurch für ausgeschlossen. Der Artikel enthalte also nicht die Behauptung der Buchbandlung Vorwärts erschienen. In einem der Neuauflage friechen, so daß die Leute über und über schmuzig waren und der einer nicht erweislichen Tatsache. Da auch die Form des Artikels beigefügten Anhang hat der Sohn des Verfassers, Eugene Dietzgen, Angeklagte hieran feinen Spaß hatte. Wer weiß, wie lange noch nicht beleidigend sei, müsse auf Freisprechung erkannt werden. unter dem Titel:„ Max Stirner und Josef Dieggen" eine gründliche der Angeklagte seine Grausamkeiten fortgesezt haben würde, Bemerkenswert ist noch, daß in der Verhandlung festgestellt Abrechnung mit dem Apostel des Anarchismus vorgenommen. In wenn nicht durch Zufall das skandalöse Treiben des Rekrutenerziehers wurde, daß Lehrer Gärtner überhaupt wegen geringfügiger Ursachen dem Werk Streifzüge eines Sozialisten" selbst gibt der Verfasser in zur Kenntnis eines Vorgesezten gelangt wäre. Bezeichnend ist, daß die Schüler zu schlagen pflegte. Auch nach dem Vorfall mit dem knapper Form den Kern der wissenschaftlichen Denkweise und Weltnicht einer von den mißhandelten Leuten den Mut fand, sich zu be- Knaben hat er den Bakel munter weiter geschwungen, obwohl ihm anschauung wieder, den er in seinem Wesen der menschlichen Kopfschweren, das scheint aber seinen guten Grund zu haben, denn nach dieser Fall doch eine traurige Erfahrung und eindrückliche Lehre hätte arbeit" zuerst entwickelte und in seinem„ Acquifit der Philosophie" mehreren übereinstimmenden Zeugenaussagen, ist anzunehmen, daß sein sollen. Hoffentlich gelangt nunmehr nicht nur er, sondern über- zum vorläufigen Abschluß brachte. Wer die„ Streifzüge" aufmerksam sowohl der Kompagniechef Hauptmann v. Feller als auch der Feld- haupt der Teil der Lehrer, die bei jeder Gelegenheit zum Stock zu liest, wird darin eine Schaßgrube vielseitiger Anregung und Bewebel Brendler gewußt haben, wes Geistes Kind der Angeklagte greifen pflegen, zu der Einsicht, daß schon die Rücksicht auf mögliche lehrung finden über die Probleme des Lebens, der Gesellschaft und war. Sie werden jedenfalls noch zur Verantwortung gezogen Folgen von Züchtigungen den Gebrauch des Stockes überhaupt ver- der Welt. werden. Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, daß der An- bieten sollten. Ist doch ein anderer Teil der Lehrerschaft, und wahrgeklagte sich damit verteidigte, aus übergroßem Diensteifer" zu weit lich nicht ihr schlechtester Teil, der Ansicht, daß das Prügeln vollgegangen zu sein. Als jüngstem Unteroffizier sei ihm die Ausbildung ständig zu vermeiden ist, wenn der Lehrer nur sonst in der Lage ist, der Leute doppelt schiver gefallen. Das Gericht nahm nur eine sich die Achtung und das Vertrauen der Kinder zu erwerben. einzige, im Fortsetzungszusammenhange begangene Handlung an und erkannte auf 1 Jahr 3 Monate Gefängnis und auf Degradation. Ausland. n Die Chinawahrheit, Die Broschüre kostet 1 M.; eine Agitationsausgabe ist für 30 Pf. in jeder Parteibuchhandlung erhältlich. Zur Krise am Avanti" wird uns noch aus Rom geschrieben: Dem Appell des Parteivorstandes wird natürlich die Redaktion Folge leisten. Uebrigens haben alle Genossen außer Leone sich sofort bereit erklärt, ihren Dienst weiter zu versehen, so lange dies im Interesse des Avanti" wünschenswert wäre. Der Antrag auf Einberufung des Parteitages wurde einstimmig abgewiesen. Gewerkschaftliches. Die Schreckensherrschaft der Scharfmacher. Graf v. Limburg- Stirum hat in der heutigen Sitzung der Die friedliche Lösung des norwegisch- schwedischen Konfliktes fonservativen Fraktion des Abgeordnetenhauses erklärt, daß er im schien allerdings nach den großen, aufreizenden Worten, die am Hinblick auf seinen Gesundheitszustand beabsichtige, sein Mandat Dienstag im schwedischen Reichstag gebraucht wurden, in Frage geniederzulegen. Die Deutsche Tagesztg." deutet an, daß andere stellt. Aber die Verschiedenheit der Vorschläge und der Umstand, Gründe für den Grafen Limburg maßgebend find als sein daß die meisten Redner ihre persönlichen Gefühle und Meinungen Gesundheitszustand. Das Reichstagsmandat will der konservative aussprachen und demgegenüber die Regierung ihren vernünftigen Führer noch beibehalten. Vorschlag mit Entschiedenheit verteidigte, gibt hinreichend Grund zu der Annahme, daß es zu einem Norwegen herausfordernden Reichs- Wir teilten neulich mit, daß die Münchener Scharfmacher tagsbeschluß nicht kommen wird. Eine Merkwürdigkeit ist es, im Baugewerbe den Versuch machen wollten, auch den die der Prozeß gegen Genossen Kunert an den Tag gebracht hat, daß sich ein Mitglied der aristokratischen Ersten Arbeitgebern, welche sich mit ihren Arbeitern geeinigt hätten läßt die reaktionäre Presse immer noch nicht zur Ruhe kommen. So Kammer plößlich für die demokratischste aller Institutionen, für und nicht aussperren, das Weiterarbeiten unmöglich zu versucht heute wieder die Deutsche Zeitung" den Eindruck der die Volksabstimmung begeisterte und verlangt, daß das Volk durch über eine solche Beugenaussagen durch allerhand törichtes Gerede abzuschwächen. norwegische die Auflösung machen. Die Tatsache, daß die 15 Zeugen erschreckende Bekundungen über der Union Durch Drohungen ist ihnen dies nicht gelungen. Sie entscheiden soll, bevor sie Schweden billigt. das Verhalten deutscher Soldaten in China gemacht haben, sucht während man das schwedische Volt nicht einmal reif schreiten nun zur Tat. das Blatt dadurch aus der Welt zu schaffen, daß es erklärt, solche für das allgemeine Wahlrecht erachtet, will dieses Mitglied des Aussagen über Vorgänge, die fast um fünf Jahre zurüdliegen, schwedischen Herrenhauses das norwegische Volt selbst und direkt könnten überhaupt nicht für bare Münze angesehen werden. Selbst über eine staatsrechtliche Frage entscheiden lassen. aber, wenn man sie für verhältnismäßig richtig halte, was würde der Vorwärts" fagen, wenn man, was eine sehr leichte Arbeit sei, 15 Zeugnisse über schwere Vergehen sozialdemokratischer Streise auf brächte, und daran die Bemerkung fnüpfte, so sehe die deutsche Sozialdemokratie aus. Das Blatt stellt sich also wiederum auf den Standpunkt der Antlage, zu unterstellen, die Sozialdemokratie habe behauptet, die deutschen Truppen in China überhaupt hätten fich berabſcheuungswürdiger Erzesse schuldig gemacht. Etwas Der artiges ist weder dem Vorwärts" noch sonst einem Sozialdemo= fraten jemals eingefallen. Von sozialdemokratischer Seite ist nur behauptet worden, daß leider in bedauernswertem Maße Ausschreitungen vorgekommen wären. Diese Tatsache ist denn auch 17 durch die Zeugen bollauf bestätigt worden. Sie wäre in noch viel höherem Maße bestätigt worden, wenn das Gericht nicht leider den ferneren Wahrheitsbeweis, der durch den Genossen Stunert angeboten worden war, abgeschnitten und wenn sich nicht der Vorsitzende des Gerichtshofes bemüht hätte, Aussagen der Beugen über Bergehen gegen die Personen möglichst aus dem Bereiche der Beweisaufnahme fernzuhalten. Aber auch nach dem, was durch die beschränkte Beweisaufnahme festgestellt, hätte das Gericht unmöglich zu einer Verurteilung des Genossen Stunert gelangen können, wenn es sich nicht auf den auch in den früheren Chinaprozessen eingenommenen Standpunkt gestellt hätte, daß es die Absicht gewesen sei, das ganze Expeditionskorps zu beleidigen. Ein solcher Beweis, so deduzierte das Gericht, sei ganz ausEin Privattelegramm meldet uns: München, 1. Juli. Eine Versammlung von Werkvertretern beschloß, die Lieferung von Rohbaumaterialien( Steinen, Eisen, Von den 24 Mitgliedern des vom Reichstag eingefeßten SpezialKalt, gement) nach München einzustellen und neue Verträge nicht abzuschließen. komitees sind drei aus der Ersten und drei aus der zweiten Kammer Damit ist jede Bauarbeit in München lahmgelegt, wenn als entschiedene Gegner jeder Gewaltmaßregel gegen Norwegen bekannt, weitere drei Mitglieder nahmen jedoch den entgegengesetzten es den noch arbeitenden Bauunternehmern nicht gelingen sollte, Standpunkt ein. Wie die Mehrheit sich stellen wird, ist noch nicht Materialien aus größeren Entfernungen zu bekommen. vorauszusehen. Ein Telegramm des Korrespondenten unseres Welchen Aufwand von Terror aber müssen die Scharf norwegischen Bruderorgans vom 28. Juni schildert die Lage als macher des Baugewerbes aufgewendet haben, um die Liefe ziemlich günstig. Es beginnt: " Berlin und Amgegend. " Die starken Worte im Reichstag von gestern scheinen die Luft ranten, welche doch„ Verdienen" auch groß schreiben, zur gereinigt zu haben. Heute ist die Stimmung hoffnungsvoll. Man Einstellung der Lieferungen zu bewegen. Und das alles, um Wird man nimmt an, daß die Bauern im Spezialkomitee fich nun wohlwollend ihre Nächsten an freiwilliger Arbeit zu hindern. stellen werden. Die entschlossene Haltung der Regierung und der bei dieser Gelegenheit auch nach einem Zuchthausgesetz gegen Beifall, den die Worte der Minister am Schlusse der Debatte hervor- das gemeingefährliche Unternehmertum rufen? riefen, haben eine starke und gute Wirkung erzielt. Friedliche Lösung und Bewahrung des freundschaftlichen Verhältnisses fönnen als gesichert gelten. Der Gedanke an ein Bernadottesches Königtum in Zur Kürschnerbewegung. Die Verhandlungen des Arbeitgeber Norvegen ist vorläufig aufgegeben. Die Verlegung der llebungen der Torpedoflottille von der Ostsee nach der Westküste war schon im Verbandes der Pelzwarenbranche von Berlin mit den Delegierten Januar als eine gemeinsame Uebung der Armee und Marine- der Arbeiterorganisation haben, wie die Neue Belzwaren- Beitung" offiziere beschlossen. Die Uebungen finden bei Uddevalla statt und berichtet, zu einer endgültigen Entscheidung noch nicht geführt. Der Arbeitgeber- Verband, der den§ 9 der Bedingungen( Arbeiter dürfen werden nicht als eine Demonstration angesehen." 450 Mann vom Feldjägerregiment in Jämt- nur durch Vermittelung des Arbeitsnachweises der Arbeiterorganisation land, ausgerüstet mit je 120 scharfen Patronen, sind nach einem eingestellt werden) unter keinen Umständen annehmen will, hat noch dahingehend unterbreitet, daß Telegramm unseres nordschwedischen Bruderorgans„ Nya Samhället" am Mittwoch nachts mit Extrazug von Destersund nach Storlim neutraler Stelle ein Arbeitsnachweis gebildet wird, dessen befördert worden. Svenska Telegramburan" erklärt, daß es sich Vorstand zur Hälfte aus Arbeitgebern, zur Hälfte aus Arbeitnehmern hierbei um llebungen handelt, wie sie alljährlich zur Ausbildung der besteht. Die Delegierten der Arbeiterorganisation wollten diesen Vorschlag in der am Mittwoch stattfindenden Versammlung unterbreiten und sodann darüber Beschluß fassen. Der ArbeitgeberVerband hat demzufolge zu Donnerstag, den 6. Juli, eine Haupt versammlung nach Krebs Hotel, Niederwallſtraße, einberufen, um nunmehr, falls Ablehnung erfolgt sein sollte, sofort Gegenmaßregeln zu beschließen. geschlossen, wenn auch Exzesse eines noch so großen Teiles des Erpeditionskorps nachgewiesen werden könnten. Darin hätte das Ge= richt unzweifelhaft recht, aber dadurch hat es auch gleichzeitig seine Truppen stattfinden. eigene Auffassung ad absurdum geführt, daß die Sozialdemokratie Ausschreitungen habe verantwortlich machen wollen. Einer so un" Kopenhagen, 1. Juli. Heute früh um 5 Uhr passierte ein aus das Expeditionskorps in seiner Gesamtheit für die geschehenen 16 Schiffen bestehendes schwedisches Geschwader nordwärts gehend finnigen Ungerechtigkeit ist weder der Genoffe Sunert noch irgend Dragoer( bei Kopenhagen). Um 1 Uhr nachts war bereits ein ein anderer Genosse fähig gewesen. Die Verurteilung erfolgte also schwedischer Torpedojäger nordwärts gehend vorbeigekommen. nicht, weil der Wahrheitsbeweis mißlungen wäre, sondern nur, weil Diese Meldung bezieht sich, wie sich aus dem Obigen ergibt, man das Erbringen des Wahrheitsbeweises für eine Unterstellung, auf die projektierten Manöverübungen. die der Gerichtshof selbst künstlich konstruiert hatte, für unmöglich erklärt hatte. Hätte man den Wahrheistbeweis in der Form, wie Stockholm, 1. Juli. In der Ersten Kammer stellte der Aber von Kunert vorgeschlagen war, zugelassen, so würde man jeden- geordnete von Baumgarten im Namen von 68 Mitgliedern den Antrag, falls noch eine Masse interessanten Materials erhalten haben, die der Regierung 100 Millionen Kronen zur Verfügung zu stellen, damit selbst die" Deutsche Zeitung" zum Verstummen gebracht haben diese im stande sei, die Maßnahmen zu treffen, die sie nach der einen oder anderen Richtung für wichtig erachte. In der Zweiten Kammer stellte der Abgeordnete Zimdahl im Namen von ungefähr 30 Mitgliedern den gleichen Antrag. würde. Diese Anträge waren bereits seit geraumem angekündigt worden. England. Die Einwanderungsvorlage. Auch so ist übrigens das vorhandene Beweismaterial dem Blatte so unangenehm, daß es dasselbe nur durch Verdächtigung der Zeugenaussagen abschwächen zu können glaubt. Die Aussagen follen unzuverlässig sein, weil die Vorgänge, über die sie berichten, bereits fünf Jahre zurückliegen, abgesehen davon, daß es nur die Schuld der Gerichte war, daß nicht bereits früher die Zeugen der Chinavorgänge ihre Aussagen machen konnten. Es ist auch ganz töricht, eine Unzuverlässigkeit der Aussagen aus dem inzwischen London, 29. Juni. Das Unterhaus beschäftigte sich in den bergangenen Zeitraum herzuleiten. Die Vorgänge, über die die Beugen berichteten, waren ihrer ganzen Art nach so geeignet, sich dem Gedächtnis einzuprägen, daß die Zeit an der Richtigkeit der Eindrücke und ihrer Wiedergabe kaum etwas geändert haben wird. Außerdem wurde ja festgestellt, daß einer der Zeugen sich sofort nach Beendigung des Feldzuges schriftliche Notizen über seine Erlebnisse gemacht hatte. letzten Tagen mit der Kommissionsberatung der Einwanderungsvorlage, wobei Genosse Keir Hardie folgenden Zusazantrag stellte: Eingewanderte Arbeiter dürfen nur zu Gewerkschaftslöhnen beschäftigt werden. Während eines Streits dürfen keine fremden Arbeiter eingeführt werden, um die Stellen der Streifenden einzunehmen." Amerika. einen Vergleichsvorschlag Achtung! Kleber und Bauhandwerker! ant Die Sperre über den Unternehmer W. Pietter, Landsberger Allee 135, ist für unsere Mitglieder aufgehoben, da sich Herr Piegter verpflichtet hat, in Zukunft den vollen Tarif zu bezahlen. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer. Bureau: Schüßenstraße 18/19. Telephon: I 1308. Zur Angelegenheit der Friseurgehülfen. Weil sein Geschäft darunter leidet, hat Herr Bauhr, Gollnowstr. 7, seine Bewilligung zurückgezogen. Die organisierten Arbeiter des 5. Wahlkreises werden dieses zu würdigen verstehen. Der Streit der Berliner Teppichweber währt bei der Firma Feibisch unverändert fort. Die Streitenden Hoffen nach wie vor auf Erfolg, da die Lieferung der Waren auch bei Feibisch immer mehr drängt. Am Sonnabend, den 1. Juli, wurde den Ausständigen wieder ein Mietszuschuß in derselben Höhe wie am 1. Juni ausgezahlt. Die Streikenden sind fest entschlossen, lieber noch 13 Wochen im Ausstand zu verharren, als bedingungslos die Arbeit aufzunehmen. Herr Feibisch sucht mit allen Mitteln Arbeitswillige heranzuziehen. Es ist daher Ehrenpflicht der Arbeiter, sich nicht als Streitbrecher nach Berlin locken zu lassen. Bemerkt sei, daß auch die Feibischschen Hausweber von Bernau und Nowawes weiter geschlossen im Ausstand verharren. Deutfches Reich. Zur Werftarbeiter- Aussperrung. Aus Bremerhaven wird uns geschrieben: In der dienstDie Herrschaft im Stillen Ozean. Eine Schrift des japanischen Warnung für Prügelpädagogen. Professors der Nationalökonomie Jomizu, die gegen Amerika gerichtet Welche verhängnisvolle Folgen die Prügelpädagogik haben kann, ist, hat die Aufmerksamkeit der Presse erregt. Jomizu bezeichnet beweist ein Fall aus Frankfurt a. M., über den durch eine Ge- die Vereinigten Staaten als den gefährlichsten Gegner Japans, der richtsverhandlung Klarheit geschaffen wurde. Es war nämlich der Es war nämlich der viel mehr zu fürchten sei als Rußland. Die gewaltige wirtschaftliche verantwortliche Redakteur unseres Frankfurter Bruderorganes wegen Entwickelung in Amerika berlange dringend nach den Märkten ergebenen Preise der Reederei- und Werftherren macht gegenwärtig Die" Frankfurter in Ostajien. Im Gefühle ihrer Macht würden die Amerikaner ein Artikel die Runde, in dem versucht wird, die brutalen AusBeleidigung des Lehrers Gärtner angeflagt. Boltsſtimme" hatte seinerzeit einen Bericht über eine Büchtigung rücksichtslos vorgehen und die Herrschaft auf dem Stillen Ozean sperrungsmaßnahmen als einen Aft der Notwehr hinzustellen, zu dem gebracht, die der Lehrer Gärtner einem schwächlichen Waiseninaben in Anspruch nehmen. Mit der Vollendung des Panamatanals werde wegen einer geringfügigen Ursache hatte zuteil werden lassen, und auf ein gewaltiger wirtschaftlicher Kampf entbrennen und Japan müsse die Werften gezwungen gewesen seien, um sich der„ plamınäßigen Der sozialdemo Grund ihrer Informationen mitgeteilt, daß der gezüchtigte Knabe sich darauf vorbereiten, denn es dürfe sich den Rang auf dem Stillen Angriffe" der Arbeiter erwehren zu können. infolge der Mißhandlungen in ein Krankenhaus habe überführt fratische" Werftarbeiterverband soll das Signal zu diesen Angriffen werden müssen. Der Lehrer Gärtner fühlte sich durch diesen Begegeben haben und der Kampf habe sich, ganz wie von den Arbeitern richt beleidigt und veranlaßte den Staatsanwalt zum Erheben der beabsichtigt, von den Ostsee- Werften auf die Betriebe an der UnterAnklage. Bei der Verhandlung am Mittwoch nun ergab sich das weser ausgedehnt, und es sei gewiß, daß auch die Elbe- Werften Folgende: ( Hamburg usw.) davon betroffen würden. Infolge der starken Kons kurrenz sei aber der Werftbetrieb völlig außerstande, auch nur die geringfügigften Lohnerhöhungen tragen zu können, so daß die Betriebsschließung sich absolut nicht als„ böser Wille" charakterifiere. Nicht die Unternehmer, sondern die Arbeiter trügen also die Schuld und seien dafür verantwortlich, wenn infolge der jetzigen Maßnahmen eine ganze Reihe Schiffsneubauten der deutschen Industrie verloren gingen und den ausländischen Werften zu Ozean nicht streitig machen lassen. Wiederholt hat man schon in Amerika auf Japans wachsende Macht als nicht unbedenklich hingewiesen und behauptet, daß die Philippinen vor den Japanern nicht sicher sein würden. Man fürchtet auf beiden Seiten eine starke Reibung der wirtschaftlichen Interessen in naher Zukunft. Der Krieg in Ostasien. Der Lehrer Gärtner hatte den Waisenknaben, ein schwächliches unterernährt aussehendes Kind, durch eine Anzahl derber Stockschläge gezüchtigt, weil es während der Pause bereits auf dem Korridor in sein Frühstücksbrot gebissen Washington, 1. Juli. Der amerikanische Gesandte in Tokio behatte! Der Lehrer selbst erklärte, er habe dem Jungen nur drei richtete nach hier, Marschall Oyama habe einen Aufruf an die KaufSchläge verfekt, allerdings seien die Schläge derb gewesen, denn er lente erlassen, in welchem er mitteilt, daß ein Teil der mandschupflege, wenn er einmal zuschlage, träftig zuzuschlagen. Der ge- rischen Städte für den Handel geöffnet werde. züchtigte Knabe selbst erklärte in der Verhandlung, daß er mindestens �iile kamen. Der GallimathiaS der Werftherren ist eines jener— Zeistesprodukte, wie sie bei derartigen wirtschaftlichen Kämpfen ja stets zur Täuschung der Oeffentlichkeit benutzt werden. Die Unter nehmer sind die wohlwollenden, lieben Unschuldslämmletn, die ja so gerne bewilligen wollten, wenn sie nur könnten, die Arbeiter aber die selbst vor Ruinierung der Industrie nicht zurückscheuenden Nimmersatten begehrlichen Kerle. Sehen wir zu. was wahres an dem Geschreibsel ist. Zunächst hat der Werstarbeiterverband ein solches Signal über- Haupt nicht gegeben, und außerdem sind die Kessel- schmiede, deren minimalen Forderungen den Werftgewaltigen als„Veranlassung" zu dem jetzigen Aussperrungskoller gelegen kamen, nicht bei ihm, sondern im Metallarbeiterverband organisiert, der aber selbstredend ebenfalls nichts von einem solchen Signal weiß. Wohl find in einigen Ostsee- Orten in diesem Frühjahr kleinere Differenzen auf den Werften ent- standen, doch wurden sie durchweg ohne erheblichen Kampf auf tariflichem Wege zur Zuftiedenheit beider Parteien erledigt, mit alleiniger Ausnahme allerdings von Flensburg, wo die in Betracht kommende Werft, trotzdem sie Dividenden von 18. 14 und 11 Prozent zur Verteilung gelangen lassen kann, wahre Hungerlöhne zahlt, und sich, genau so wie Tecklenvorg und Seebeck in Geeste- mllnde-Bremerhaven sträubt, dm Arbeitern einen Pfennig-Bruchteil zu bewilligen. Es mag zugegeben werden, daß die Konkurrenz der deutschen Wersten unter einander, und unseretwegen auch die Konkurrenz der deutschen mit den ausländischen Wersten eine scharfe ist, die Tatsache steht aber nun einmal fest, daß die Wersten trotz dieser Konkurrenz noch sehr gute Preise zu halten und ihren Aktionären noch einen ganz ansehnlichen„EntbehrungS- lohn" herauszuwirtschaften verstanden haben. Wir haben schon neulich einige Zahlen darüber mitgeteilt, um jedoch zu zeigen, was es mit dem Gerede, man könne die geringfügige Forderung von 1 oder 2 Pf. Lohnerhöhung nicht bewilligen, auf sich hat, seien hier die Sätze der bei den namhaftesten deutschen Werften in den letzten Jahren verteilten Dividenden ziffernmäßig wiedergegebm. ES gelangten zur Verteilung: Vulkan, Stettin.... Blohm u. Voß, Hamburg Howaldtswerke, Kiel.. Vulkan, Vegesack... tlensburger Werft... .-G. Weser, Bremen.. Reiherstiegwerft, Hamburg Neptun, Rostock.... Tecklenborg, Geestemünde G. Scebeck, Bremerhaven Rickmers, Bremerhaven. Daß diese Unternehmergewinne zun» mindesten sehr„anständig" sind, wird gewiß niemand bestreiten. Bemerkt mag dabei noch werden, baß in den letzten vier Jahren die sieben Werften: HowaldtS- Werke, Bremer Vulkan, Weser-Bremen, Tecklenvorg, Seebeck, Neptun und Flensburg« Werft für die Vergrößerung und Vervollkommnung ihrer Betriebe die Summe von 11316550 Mark ausgegeben haben. Wir Unterlasten es, an die vorstehenden Ziffern irgend einen weiteren Kommentar zu knüpfen und begnügen uns mit der Kon- statierung der Tatsache, daß auf jenen Wersten Hungerlöhne v o n 28, 3V, 32 bis 4V Pf. p r o S t u n d e gezahlt werden. Die Arbeiter müßten ja wahre Esel sein, wenn sie da nicht versuchen würden, angesichts der erzielten Betriebsgewinne und der den Nichts tuern gezahlten Dividenden auch für sich eine, wenn auch noch so winzige Verbesserung ihrer jämmerlichen Lage zu erreichen. « Der AuSsperrungskoller der Werftgewaltigen ist übrigens in ein neues Stadium getreten. Die cäsaristischen Uebergriffe haben die engeren Grenze» der Unterweserorte überschritten und dazu geführt, daß weitere Zweitausend Arbeiter ihnen zum Opfer gefallen find. Wie schon telegraphisch gemeldet, hat am Donnerstagabend auch die Vulkan-Werst in Vegesack ihren Betrieb geschloffen. Mit Ausnahme der Mitglieder des sogenannten ArbeitervundeS, der unter der„Leitung" des Blumenthaler Land rates steht, wurden sämtliche auf der Werst beschäftigten Personen entlasten. Der famose„Arbeitervund", etwa 250 Mann, wagte nicht, wider den Stachel zu locken, die Leute ließen sich dazu herbei, das Gnaden- brot zu essen von den Leuten, die soeben tausend« ihrer Arbeits- genossen in ritcksichtSloscster Brutalität aufs Straßenpflaster geworfen hatten. Die Ausgesperrten aber versammelten sich in dem nahen Arbeiterlokal und gelobten hier in überfüllter Demonstration, unver« brüchlich zusammenzuhalten, möge kommen, was da wolle. Laut Beschluß des Arbeitgeb«verbandeS sollen nunmehr, falls die Kestelschmiede auch jetzt noch nicht zu Kreuze kriechen, zunächst die ,.Weser"-Werft in Bremen und die Armatur- Iverkstatt des NorddeutschenLloyd von der Aussperrung getroffen werden. Wird diese Maßnahme durchgeführt, so sind zirka 1200V Arbeit« dem wahnwitzigen Herrenmenschentum zum Opfer gefallen. ES heißt jedoch, daß die.Wesrr"-Werst keine besondere Neigung habe, ihren Kolleginnen blinde Gefolgsdienste zu leisten. Wie dem aber auch sei. die Arbeiter warten den weiteren Lauf der Dinge ab und sehen den kommenden Sreignisten in Ruhe entgegen, vertrauend auf dt- Gerechtigkeit ihrer Sache und wissend, daß wie sie hier an der Unterweser, auch die übrig« Arbeiterschaft un- bedingte Solidarität üben wird. � «remen, 1. Juli.(Privat- Telegramm des„vorwärts".) Die Aktiengesellschaft„Weser" und die„Norddeutsche Armaturen- und Maschinenfabrik" haben übereinstimmend heute abend an ihren Fabriktoren«inen Anschlag«lassen, daß wenn bis zum 4. Juli zwischen den Werften Tecklenburg und Seebeck in Geestemünde mit ihren Kestelschmieden eine Einigung nicht erfolgt, die beiden Fabriken sich infolge einheitlichen Beschlusses des Arbeitgeberverbande» ver- laßt sehen, am 6. Juli die Fabriken zu schließen. Bei der Aktien- gesellschaft ,Wes«" kommen zirka S0V0, bei der Armaturenfabrik 4—500 Arbeiter in Betracht. Zur Bauarbeiter-AuSsperrung in Rheinland-Westfalen. Der Arbeitgeberverband ist bereits von seinen schwindelhasten Angaben der 25— SO OVO Ausgesperrten etwas zurückgegangen.«» wird jetzt nur noch von 20 000 in den Scharfmacherblättern gefaselt. Wie leichtfertig solche lügenhaften Angaben weiter verbreitet werden, beweisen folgende Zahlen. ES wird z.». behauptet, daß m Lünen 800, in Lipp stadt 500, in Wesel 300 usw. ausgesperrt sind. Tatsache ist, daß in Lünen nicht d i e H ä l f t e der an- gegebenen Bauarbeiter» s ch ä f H g Ml) ist und hiervon Bruchteil ausgesperrt ist. Auch in nur ein Li p pst ad t sind Unternehmer nur noch einige Wochen auShielten, die Verbände die Ausgesperrten nicht mehr unterstützen könnten, lassen wir die Zahl der diese Woche noch unterstützten Ausgesperrten und auch die Unterstützungssumme folge». Maurer waren insgesamt im ganzen Bezirk noch zu unterstützen 1VS1; diese erhielten an Unterstützung 12 617,45 Mark, ausgezahlt. B a u h ii l f s- a r b e i t e r waren nur noch 265 vorhanden, welche 2665,33 M. Unterstützung erhielten. Zimmerer waren noch 105 vorhanden, welche 1214,40 M. erhielten. Von den ausgesperrten Maurern sind also bereits 3293, von den BauhÜlfsarbeitern 657 und von den Zimmerern 251 anderweitig in Arbeit getreten. Und mit solchen geringen Unterstützungssummen wollen die Unternehmer die Kassen d« Organisationen sprengen? Zu bemerken ist noch, daß die Zahl der ausgesperrten Maurer schon bedeutend geringer wäre, wenn allen Gesuchen von auswärtigen Unternehmern, ihnen Maurer zuzusenden, entsprochen worden wäre. Die noch Anwesenden sind aber zur Aufrechterhaltung der Aussperrung notwendig. Auch die Zahl der Unternehmer, welche die Aussperrung bereuen und die Forderungen der Arbeiter bewilligen, vermehrt sich fortwährend. Viele derselben lassen sich nur noch durch die vereinbarten Konventionalstrafen von der Bc- willigung abhalten; sie wissen nicht, daß solche Vereinbarungen als gegen die guten Sitten verstoßend, bezeichnet und deshalb für null und nichtig erklärt worden sind. Für die Bauarbeiter steht also dieser Kampf in jeder Beziehung günstig. Der Kampf im rheinisch-westfälischen Brauereigewtrie ist noch nicht völlig beendet, obwohl eine Konferenz der in Betracht kommenden Gewerkschastskartelle die Aufhebung des Boykotts beschlossen hat. In Elberfeld beschloß eine Volksversammlung, vor der endgülttgen Aufhebung des Boykotts die Zentralleitung des Brauerverbandes zu hören. In Barmen beschlossen sechs Ver- sammlungen, dem Gewerkschastskartell die Entscheidung zu über« lassen. Eine Versammlung in Unterbarmen beschloß, die Gewerkschastskommission aufzufordern, den Boykott im Wupperthal fortzuführen. In Dusseldorf und Köln wird ebenfalls erst von den Kartellkommissionen Beschluß gefaßt. Zur Stunde muß eS als fraglich«scheinen, ob man in allen Städten den Abmachungen, die zwischen dem Verband der Brauereien und der Vertretung der Gewerkschastskartelle gettoffen wurden, zustimmen wird. Besonders die Brauereiarbeiter sind naturgemäß mit den Abmachungen nicht zufrieden— die Mach« des Brauereiringes allerdings auch nicht. Die Wmachungen gehen dahin, daß sofort 123 der Ausgesperrten und Streikenden eingestellt werden sollen; ans den übrigen sollen bis zum Schluß der Malkzkampagne, bis 1. Ottober, alle freiwerdenden Stellen, jedoch nach freier Auswahl der Brauereibesitzer, besetzt werden. Den wieder Einzustellenden wird, wenn sie in das nämliche Geschäft eintteten, ihre bisherige Dienstzeit in Hinsicht auf die Lohn» skala angerechnet. Das ist kein besonderer Erfolg der Arbeiter. Aber erst recht haben die Brauereigewalttgen ihre Absicht nicht erreicht. Sie wollten die Organisation der Brauereiarbeiter ver- Nichten und haben deshalb die Aussperrung vorgenommen. In ver getroffenen Abmachuirg ab« liegt die förmliche An«- kcnnung eben derjenigen Organisation, die vernichtet werden solltel Es heißt überdies noch in den Abmachungen: „Die mit einzelnen Berbandsbraucreien(von dem Zentralverbande der Brauereiarbeiter) bereits abgeschlossenen Lohntarife bleiben, soweit sie Lohn und Arbeitszeit betreffen, in ihren Satzungen bestehen." Die Aussperrung hat bisher in Köln und Umgegend fast drei Monate, in dem übrigen Rheinland und Westfalen genau zwei Monate gedauert. Die Opfer, die das dem Brauereiarbeiter-Verband gekostet hat, sind gewiß nicht zu unterschätzen; aber gegenüber dem Schaden, der den Ringbrauereien entstanden ist, sind sie verschwindend gering, denn dieser beziffert sich nach mehreren Millionen Mark. Das«gibt sich schon aus den überschläglichen Feststellungen der Boylottkommissionen. Dazu kommt der dauernde Verlust d« Kundschaft an ringfreie Brauereien. Jedenfalls werden die rheinisch- westfälischen Ring- brauereien sobald nicht Wied« mit der organisittten Arbeiterschaft anbinden. HueUkO. Ungefähr 4000 organisierte Textilarbeiter haben gestern in einer Anzahl Fabriken Dänemarks wegen Lohnstreitigkeiten die Arbeit niedergelegt. Die Besitzer der betroffenen Fabriken gehören der Textilfabrikantenvereinigung an. Der Streik d« Weder in Gent. Di« Glasarbeiterbereinigung von Lodelinlart hat gestern den ausständigen Webern mitgeteilt, daß sie ihnen mehrere hunderttausend Franks zur Verfügung stelle. Die Nachricht erregt unter den Streikenden große Freude. k"n'a"pp 200 Maurer beschäftiat, welche auch nicht alle ausgesperrt sind. BauhülfSarbett« sind hier überhaupt nicht ! rr y r i t m. 1 � OK.»» a<« C a« ausaefperrt. Ebenso sind in Wesel keine Ausgesperrten zu verzeichnen. So sind die Zahlen aus sämtlichen O r te n g e w a lt i g ü b e r- trieben Da die Scharfmach« des«rbettgeberverbandes m»hren Versammlungen und Zirkularen stets davon reden, daß. wenn die Hud Induftm und ftandd Aus der Kartellpraxis. ' Nicht nur zwischen dem Stahlwerksverband und den Halb- zengverbrauckern, d. h. den von den Stahlwerken Rohstahl kaufenden und weiterverarbeitenden reinen Walzwerken, tobt der Wirtschaft- liche Jnteressenkcunpf, auch zlvischen dem Walzdrahwerband und den reinen Drahtstiftwerken droht sich ein« Fehde zu entwickele Elf große Walzdvahtwerke. die nicht nur Walzdraht, sondern zugleich auch Drahtstifte herstellen, haben sich nämlich kürzlich zu einem neuen Drahtskiftverband zuscmunengeschlossen und die Preise für Walzdraht und Drahtstiste so festgesetzt, daß für die reinen Drahtstistlv«re. d. h. diejenigen, die den von ihnen gebrauchten Draht nicht selbst produzieren, sondern von den Walzdrahtwerkcn kaufen müssen, nur ein sehr geringer Nutzen bleibt. Der Zweck, den damit die großen elf Werke verfolgen, ist ersichtlich der, die Konkurrenz der kleineren reinen Drahtstiftwerke nach und nach auszuschalten und ihnen ihr Absatzgebiet abzunehmen. Da» ist der wirtschaftlich« Krieg, wie er nun einmal im Charakter der heutigen kapitalistischen Wirtschaftsweise liegt. So sehr aber auch sonst die Drahtstiftfabrikanten für die heutige beste all« Wirtschaftsordnungen schwärmen; jetzt wo es ihnen selbst an den Kragen geht, sind sie plötzlich rabiat geworden und veröffentlichen ein längeres Prvtestschreilxn, in dem es heißt:„Ein Beitritt auf Grund der einseitig von den gemischten Werken verfaßten und an- gemmnnenen Satzungen ist natürlich ausgeschlossen, da dies einem Selbstmord d« reinen Stiftfabriken gleichkommen würde. Ander- seitS läßt sich aber auch nicht verkennen, daß bei den großen Maciil mittein der gemischten Werke ein Konkurrenzkampf gegen diese für die reinen Stiftfabriken, solange letztere infolge Weiterbestehens des Walzdrahtverbandes mit so ungleichen Waffen kämpfen müssen, ganz aussichtslos ist. Von diesen Erwägungen ausgehend, haben mehrere Firmen an den neuen Stiftenverband den Antrag gestellt: „es möge den reinen Stiftfabriken ein Vorschuh- und Abrcchnungs- grundpreis für Stifte von 1,50 M. pw 100 Kilogramm über den jeweiligen Walzdrahtpreis garantiert werden. Wenn der neue Drahtstiftverband die Forderung akzeptiert, wollen zwölf der größten reinen Drahtstiftwerke sich dem Verband anschließen und gemeinsam mit ihm die Drahtstiftkonsilmenten über- teuern; geht der Verband darauf nicht ein, dann wollen sie sich an die Regierung um Hülfe in ihrem„gerechten" Kampfe wenden mid zunächst von dieser die Aufhebung des Wurzdrahtzolls verlangen. Die Arbeiterschaft läßt dieser häusliche Prositstreit völlig kall. Sie hat absolut kein Interesse daran, daß die reinen Drahtstift- werke ihre Forderung durchsetzen; für ihre wirtschaftlichen Bc- stcebungen ist«S vielmehr ein Vorteil, wenn die gemischten Werke völlig die Oberhand erlangen, denn unzweifelhaft vertreten diese, was die Betriebskonzentration wie die Verbilligung der Produktions- kosten anbetrifft, die höhere Stufe der EntWickelung. Zur Lage der Fahrradindustrie. Als vor einigen Jahren der neue Zolltarif im Reichstage zur Verhandlung stand,«schollen aus den Kreisen der deutschen Fahrradfabrikanten bewegliche Klagen über die Zugrunderichtung der deutschen Fahrradindustrie durch die amerikanische und englische Konkurrenz. Wie da» mals behauptet wurde, vermöchte die deutsche Fahrradfabrikation nicht nur nicht länger ihren Export nach den ausländischen Märkten aufrecht zu erhalten, sondern sähe sich auch auf dem deutschen Inlandsmarkt in ihrer bisherigen Stellung aus das schwerste bedroht, wenn nicht durch eine beträchtliche Zollerhöhung der Ueberschwennnung des deutschen Marktes mit fremden Fahrrädern vorgebeugt werde. Tatsächlich wurde denn auch im Zolltarif vom 25. Dezember 1902 der Zollsatz für Fahrräder auf 160 Mark pro Doppelzentner erhöht und in den Handelsvertrags- Verhandlungen mit Oesterreich und Belgien nur um 50 Mark er- mäßigt. Nachdem mm aber die Fahrradfabrikanten ihren Zweck erreicht haben, gestehen sie selbst zu, daß ihre Industrie sich auch unter den alten Zollsätzen recht wohl befindet und auf den europäischen Absatz- Märkten keine fremde Konkurrenz zu fürchten braucht. So schreibt z. B. die Handelskammer zu Brandenburg in ihrem jüngst erschienenen Jahresbericht:„Die EntWickelung der Fahrradfabriration war wiederum zufriedenstellend, ivenn auch die von Jahr zu Jahr niedergegangenen Preise noch weiter nach« ließen. Der Umsatz hat sich gegen das Vorjahr erheblich vergrößert.... Der Export im Fahrradgeschäft, für den Haupt- sächlich Rußland, Dänemark, Holland, die Schweiz und Belgien in Betracht kommen, hat sich in gesunden Bahnen weiter entwickelt, weil Amerika, England und Frankreich, die Haupt- fabrikationsländer dieses modernen Fahrzeugs, nur schwer mit den deutschen Rädern auf den euro- päischen Märkten konkurrieren können." Internationales Schiencnsyndikat. Unter den großen Eisen» kartellen, die in den verschiedenen Industriestaaten während der letzten Jahre entstanden sind, tritt neuerdings das Bestreben hervor, ihre bisherigen Abjatzkämpfe auf den ausländischen Export- märtten einzustellen und diese Märkte unter sich zu verteilen. Ve- sonders streben die deutschen und belgischen Eisenbahnschienen- Verbände bereits seit längerem eine derartige Regelung der Msatz- Verhältnisse an. Wie die„New S)ork Times" zu melden weiß, haben diese Bemühungen zu einem Resultat geführt. Zwischen den Stahl- schienen- Fabrikanten Englands, Frankreichs, Deutschlands und Belgiens und der United States Steel Corporation und anderen amerikanischen Konzerns ist ein Abkommen geschloffen worden, das die genannten Interessenten zu einem Pool vereinigt, der die Weltmärkte in freundschaftlicher Weise unter sich verteilen will. Die Amerikaner werden unbestritten den Schienenmarkt von den großen Seen bis zur Magellanstraße beherrschen, während die Europäer auf allen anderen Märkten von amerikanischer Konkurrenz frei sein sollen. Der Vertrag ist, wie das Blatt behauptet. schon in Kraft getreten und in London ist ein Zentralbureau er- richtet worden mit Unterbureaus für die einzelnen nationalen Gruppen. Die englischen und französischen Werke haben ein Vor- recht für die Versorgung der Kolonien, jedoch nicht über ihre Bc- teiligungsziffern hinaus. Die deutschen Werke haben ein Vorrecht auf den Absatz in Schweden, Norwegen und Dänemark. Ostdeutsche Bank— Ostbank. Wir berichteten kürzlich über die geplante eigenartige Vereinigung der Ostdeutschen Bank in Königsberg mit der Ostbank in Posen: einem Institut, das völlig von d« Preußischen Seehandlung abhängig ist und den bekannten Germani- sierungsplänen dient. Nach der„jlömgsberger Allgem. Ztg." soll jetzt diese Vereinigung völlig gesichert sein, da das für die Durch- führung der Fusion gebildete Konsortium über einen genügend großen Bestand von Ostdeutschen Bankaktien verfügt. Es sollen daher demnächst neue außerordentliche Generalversammlungen der beiden Banken einberufen werden, welche ohne weiteres den Br- schluß auf Fusionierung fassen werden. Die neue Fusionsosscrte soll indessen für die Aktionäre der Ostdeutschen Bank insofern un- günstiger lauten, als diesmal für sechs Ostdeutsch« Bankaktien nur fünf Stück Ostbank-Aktien geboten werden, ohne die früher zu- gesicherte bare Zuzahlung von 100 M. Es bedeutet dies eine Ver- schlechterung der Offerte von ungefähr\% Proz. für die Aktionäre der Ostdeutschen Bank. Da dem Konsortium aber eine genügend große Anzahl Aktien zur Verfügung steht, so ist es zweifellos, daß die Generalversammlung der Ostdeutschen Bankaktionäre die An- nähme dieser schlechteren Offerte mit Zwang für alle übrigen Attionäre beschließen wird. Dasselbe Konsortium gewährt dagegen denjenigen Aktionären, welche ihre Aktien freiwillig zum Umtausch anmelden, fünf Ostbank-Aktien und 100 M. bar für sechs Ostdeutsche Bankaktien. Der freiwillige Umtausch soll aber nur noch bis zum 6. Juli gestattet sein. So ganz sicher scheint nach den letzten Sätzen das Konsortium sich doch noch nicht zu fühlen, denn es hätte dann absolut keinen Grund, auf die Aktien der Ostbank, die bis zum 6. Juli zum Um- tausch angemeldet werden, bar ILO M. zuzuzahlen. Daß es diese Zuzahlung auS bloßer Humanität leistet, glaube, wer mag. Letzte Nachrichten und DepcTchen« Zur Marokkefrage. Paris. 1. Juli.(W. T. B.) Ministerpräsident R-uvier übermittelte dem deutschen Botschafter Fürsten R a d» l i n die Antwortnote in der marokkanischen Angelegenheit, wonach Frank- reich die anfänglichen Bedenken fallen läßt und im Prinzip die Konferenz««nimmt...._ Odessa. London, 1. Juli. DaS„Reutersche Bureau" meldet auS PeterS- bürg vom heutigen Tage nachmittags S>/, Uhr: Es ist nunmehr völlig sicher, daß dir Besatzung des„Knjäs Potrmkin" sich dem Rdmiral Krieger ergeben hat._ Widersprechende Meuterei-Nachrichten. Odessa, 1. Juli. 1 Uhr nachmittags.(W. T. B.) DaS Schwarze Mcer-Gcschwader ist jetzt am Horizont gesichtet worden. Im Hafen ist nur der„Georgi Pobjedonosszew" geblieben, der dicht neben dem„Knjäs Potemkin" liegt. In Langeron und im Alexanderpark sind Küstengeschütze aufgestellt worden. Die Matrosen des„Knjäs Potemkin" haben sich an die Behörden gewandt, um die Erlaubnis zu Einkäufen in der Stadt zu erlangen. Die Er- laubms ist verweigert worden, doch wurde den Matrosen der Vor- schlag gemacht, eine Liste der notwendigen Sachen aufzustellen. Sebastopol, 1. Juli.(W. T. B.) Das nach Odessa ab- gegangene Geschwader unter Führung des Vizeadmirals Krieger ist zum größten Teil hierher zurückgekehrt. Es verlautet, der in Odessa gebliebene Teil würde abends mit dem„Knjäs Potemkin" zurückkehren. Liban, 1. Juli.(W. T. 53.) Während des Zusammenstoßes mit den Matrosen wurden ein Schiffsfähnrich verwundet, zwei Ma- trosen getötet und drei verwundet. Die Meuterei der Matrosen ist infolge der schlechten Kost veranlaßt. Es geht da? Gerücht, daß sich eine große Anzahl Matrosen verborgen halten, nachdem sie sich der Feuer. Waffen des Zeughauses bemächtigt haben. Kosaken sind ausgeschickt worden, sie aufzusuchen. Monetensperre für den Tchwedcnkönig. Kristiania, 1. Juli.(W. T. B.) Der Chef der Hofvcrwaliiing hat unter dem 29. Juni allen in Betracht kommenden Personen folgende Nachricht zugesandt: Vom königlichen Finanz- und Zoll» departement ist die Mitteilung eingelaufen, daß die Auszahlung de. Apanage des Königs infolge des StorthingbeschlusseS vom 7. Juni mit dem Ende des laufenden Monats aufhört. Infolgedessen ent- behrt die Hofverwaltung nach dem genannten Zeitpuntte der Mittel, um die ganzer. Pensionen, die festen Gratifikationen und ähnlnck�n Beträge, welche bisher von der königlichen Zidilliste entrichtet wurden, auszuzahlen.(Schade, daß eS in Nortvcgen kein Gewerbe» geeicht gibt.), ÜZmnsHJ.Ach.- Franz Rehbew, Berlin. Inserate verant«.(mit»«»nahmt d«.NeueWeit'-Beilage)- TH.Glocke. Berlin. Druck».Verlag: Vorwärts Buchdr. u. VerlagSanst.PanlSinger& Ho., Berlin 8W. Hierzu SBrilagen u.UuterhaltungSb Nr. 152. 22. Jahrgang. Hbgeordnetcnbaus» 195. Sitzung vom Sonnabend, den 1. Juli� vormittags 11 Uhr. Em Ministertische: ö. Budde. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Gruiip sfl.), daß die Kommission des Herrenhauses zur Vorberatung des Gesetzentwurfs über die zeitlveilige MutungSsperre den Begriff der„schwebenden Mutung* ganz anders interpretiert habe als das Abgeordnetenhaus. Er müsse Verwahrung dagegen einlegen, daß die Auffassung deS Herrenhauses allgemeine Geltung erhalte. Es folgt die Interpellation der Abgg. Dr. Fried- berg(natl.) und F r h rn. v. Zedlitz(f!.) und Genossen: »Ist die kgl. StaatSregicrung in der Lage und bereit, über den Stand der Verhandlungen betreffend die emheitliche Reform der Personen- und Gepäcktarife auf den deutschen Staatsbahnen Auskunft zu erteilen?* Minister v. Budde erklärt sich zur Beanttvortung der Interpellation bereit. Zur Begründung der Interpellation nimmt das Wort Abg. Frhr. v. Zedlitz(ff.): Durch die Veröffentlichungen über die geplante Tarifreform ist eine grosse Beunruhigung in der Be- völkerung hervorgerufen worden. Eine erhebliche Verteuerung des ReisenS würde der Auffassung dieses Hauses vollkommen widersprechen, das in einem Beschluss vom März d. I. sich ausdrücklich fiir eilte Vereinfachung deS Fahrkartenwesens unter der Voraus- fetznua ausgesprochen hat. dass keine erheblichen Ausfälle in den Cinnahmen dadurch herbeigeführt werden. Sollte die Tarifteform einen derartige» fiskalischen Charakter haben, wie es vielfach in der Oeffentlichkeit hervorgehoben wird, so würde das mit der Auffassung des Hauses in Widerspruch stehen. Der Kernpunkt des Beschlusses des Hauses ging auf eine Abschaffung der Rückfahrkarten und auf eine Ermässigung der Preise für die einfache Fahrt auf die Hälfte derjenigen der Rückfabrkarten hinaus. Zuschläge für besonders schnelle Züge halte ich für gerechtserttgt. Auch der bekannte Professor Engel hat früher ausdrücklich anerkannt, dass für besonders schnelle Züge eine Erhöhung der Fahrpreise gerechtfertigt sein würde; er hielt sogar in besonderen Fällen eine Verdoppelung der Fahrpreise für angezeigt. Minister v. Budde: Ich bin dem Interpellanten dafür dankbar, dass er mir Gelegen» heit gegeben hat, vor dem Lande die geplante Reform näher zu be- leuchten. Dass eine Tarifteform auf die Dauer unabweiSlich ist, das brauche ich nicht erst nachzulveisen. Das ist so oft gesagt worden, das haben so viele Handelskammern ausgesprochen und auch das preuhische Abgeordnetenhaus in einer Resolutton. dass das nun Wirklich feststeht. Die Handelskammern haben an mich Petttionen gerichtet, die diese Reformen verlangen, und die offizielle Vertrettmg des ganzen Handels, der Deutsche Handelstag hat unterm 20. Juli vorigen Jahres eiire Denkschrift mir vorgelegt, in der das Ziel der Reform dahin präzisiert wird: 1. Emheits- tarif für ganz Deutschland; 2. Vereinfachung des TariftoefenS; 3. Eine allgemeine Verbilliguna. Es heisst da aber: das Schwergewicht sei nur auf die ersten beiden Punkte zu legen. Am Schluß werden dann als einzelne Massregeln in Vorschlag gebracht: 1. Ab- schaffung der Rückfahrkarten. Normierung deS Fahrpreises auf die Hälfte des Rückfahrkarten-Preifes: 2. Beseitigung der Schnellzug- znschläae(gen, eint ist der kilometrische Zuschlag, den ich persönlich nie einführen würde); 3. Ermässigung der Gepäckftachten unter Beseitigung des Freigepäcks; 4. Beibehaltung der vierten Klasse. Diese Wünsche enssprechen auch völlig de» hier im Hause ausgesprochenen. Und immer mit der Direkttve: keine wesentliche finanzielle Einbuße. Nach diesem Vorgehen der beteiligten Kreise bedurste es keines .Buddeschen Reformplanes*, wie es in einigen Zeitungen hieß. Der Vorschlag kam von ganz anderer Seite, als von mir. Aber ich erkenne gern an, dass ich ihn für eine geeignete Grundlage der Reform hatte. ES fragt sich nun: sind diese Grundsätze bei der Reform ein- gehalten worden? Einigkeit bestand unter den deutschen Eisenbahn- Verwaltungen dann, dass die Rückfahrkarten abgeschafft werden sollten. Das System der Rückfahrkarten ist ungerecht, gibt zu Frikttonen und Betrügereien Anlaß. Ein Privatmann hat mir einen ganzen Kasten von nicht abgestempelten Rückfahrkarten überreicht, den ich auf den Tisch des Hauses niederlege.(Ein Diener stellt einen grossen braunen Pappkarton auf.) Die Rückfahrkarten sind eine Quelle von massenhaften Betrügereien und zwar kommen diese mir nicht etwa durch Spionage zur Kenntnis, sondern vom Publikum selber werden mir Mitteilungen gemacht, dass ich an allen Ecken und Enden betrogen werde. Die Fachleute sind jedenfalls einmütig zu dem Ziel gekommen, die Rückfahrkarten müssci« geopfert werden. Es fragt sich nun: Wie soll der Normalpreis für die einfache Fahrt gestaltet werden. Wir haben geglaubt, den niedrigsten Satz von 2 Pf. für den Personenkilometer in den vierten Wagenklassen festhalten zu sollen, da sie durch die Aufhebung der Rückfahrkarten nicht beeinflußt wird und dies der billigste Normattarif irgend einer Verwaltung überhaupt ist. Zudem bestehen noch in 11.7 Prozent aller gefahrenen Personenkilometer Nachlässe durch Arbeiter- fahrkarten, Schülerkarten und Zeitkarten, die auch in Zu- kirnst erhalten werden sollen, ebenso wie die SonntagSkarten, die Feriensonderzüge und alle anderen besonderen Vergünstigungen. Erhöht man diesen Normalsatz um 50 Proz., so erhalt man den Kilometersatz für die dritte Wagenklasse mit 3 Pf. und diesen wieder um 50 Proz., so den für die zweite Wagenklasse mit 4,5 Pf., und wieder um 50 Proz. de» für die erste Klasse mit 6.75 Pf. Diesen letzten Betrag haben wir auf 7 Pf. abgerundet mit Rücksicht darauf. daß die Leute, die erster Klasse fahren, den kleinen Zuschlag wohl zahlen können, und die erste Klasse, m der am meisten geboten wird, trotzdem am allerschlechtesten rentiert(Zustimmung.) Die Aufhebung der vierten Wagenklasse würde nach unserer Auf- fassung ein schwerer sozialer Fehlex sein.(Sehr richtig I) Nicht vom Standpunkt der Plusmacherei, denn wir würden eine ganz grosse Anzahl Reisender von der dritten in die zweite und von der zweiten in die erste Wagenklasse treiben. Ich habe aber schon früher gesagt, wichttger als der Personentarif sei mir die PersonenverkehrSreform. Darunter verstehe ich, daß man den Reisenden nicht zwecklos nöttgt, in eine höhere Klasse zu fahren, durch schlechte Zugverbindung oder schlechte Ausstattung. Das Ziel der preußischen Eiseubahnverwaltung ist. die Reisenden möglichst schnell, möglichst bequem und zu mäßigen Fahrpreisen zu befördern. Dieses Ziel haben wir auch bei der Personentarifteform im Auge behalten.(Zustimmung.) Die Abschaffung des kilometrischen Schnellzugszuschlages kostet der preußischen Eiienbahnverwaltung nicht 6 Millionen, wie der deutsche Handelstag angibt, sondern 15'/, Millionen. Nun kann man in der RedakttonSstube leicht sagen, was find 15'/, Millionen? Ich habe von denselben Redakiionsfedern aber nicht einen Vorschlag gehört, wie diese 15'/, Millionen durch etwaige Erhöhung der Einkommensteuer wieder eingebracht iverden kömtten. Da mir aber von diesem hohen Hause die Richtschnur gegeben worden ist, die Tarifreform ohne hohe Ausfälle inS Werk zu setzen, so wäre schon durch diesen Ausfall die ganze Reform hinfällig geworden. Der Ausfall, den die süddeutschen Verwaltungen haben, würde im Verhältnis noch bedeutend höher sein. Was die Reformierung der Gepäcktarife anlangt, so besteht darüber kein Zweifel, dass oer gegenwärtige Gepäcktarif sowohl in Süddeutschland wie auch in Preußen zu hoch bemessen ist. Wenn. da bei 26 Proz. aller deutschen Eiscnbahnverwaltungen kein Frei- gepäck besteht, nun auch noch Freigepäck eingeführt werden sollte, i. Wajk des jutiitts" lerliiiet WIMIt. Koulltag, 2. In!! 1903. so würde der Ausfall noch beträchtlicher sein und auch an diesem Punkte müßte die ganze Reform scheitern. Tie Aeusscrungeu deS Haudelstages und die Ansichten der Mehrheft dieses Hauses haben mich wohl ermächtigt, den süddeutschen Verwaltungen in dieser Hinsicht entgegenzukommen. In dem ausgezeichneten Berichte des Abg. Macco zum Eisenbahnetat von 1904 heißt es wörtlich und prophetisch: die einzuführende Reform des Personentarifs muß von dem Grundsatz cher Aushebung des Freigepäcks ausgehen. Das würde eine Annäherung an die Verhältnisse der süddeutschen Bahnen zur Folge haben. Wird durch die Aufhebung des Freigepäcks und den Kilometerzuschlag für Schnellzüge der Ausfall auch keineswegs gedeckt, so kann ich doch behaupten. Ihre Forderung erfüllt zu haben, dass ein wesentlicher Einnahmeausfall nicht stattfindet. Ich kann Ihnen ja keine bestimmten Zahlen geben, iveil ich nicht weiss, wie hoch die Mehreinnahmen sich gestallen durch den Weg- fall der Betrügereien, durch die Reform des Gepäcktarifs und die Schnellzugszuschläge. Aber ich kann Sie versichern, dass es keines- wegs die Absicht der Verwaltung ist, alle fettgedruckten Züge im Kursbuch zu Schnellzügen zu erklären.(Bravo!) Die Entscheidung lässt sich nur von der betrieblichen und verkehrlichen Seite so treffen, dass das Reisepublikum nicht geschädigt wird. Die großen internationalen Verbindungszüge, insbesondere die D- Züge, werden wir mit Zuschlägen belegen, den mehr lokalen Schnellzugsverkehr aber ftei lassen. Auch wenn wir nicht finanziell gebunden werden, würden wir doch diese Zu- schlüge für richtig halten, denn es ist eine grosse Belästtgung der Reisenden, wenn z. B. in den grossen westfälischen verkehrsreichen Städten auf jeder Station der Schnellzug von einer Anzahl Reisender bestürmt wird, die sich obendrein in den Speisewagen setzen und sich trotz der Karte zweiter Klasse mit einer Platzkarte dritter Klasse begnügen.(Heiterkeit.) Em», solche Belastung deS grossen durchgehenden Verkehrs ufttk in anderen Ländern dadurch gemindert, dass es nicht die nötigen Anschlüsse gibt. Wir aber konstruieren die Fahrpläne so. daß auch die 3. Klasse fast durchgehendS gute Verbindungen hat. Das ist nicht fiskalisch, aber verkehrlich. Im Interesse des durchgehenden Reiseverkehrs, aus betrieblichen und verkehrlichen Gründen, halten wir an den Schnell- zugSzuschlägen fest. Ich k»nn Ihnen nur sagen, wenn ich dem Finanzminister mitteilte, die ganze Tarifteform sei gescheitert— er würde mir die Hand drücken und glücklich sein, daß er sie loS ist.(Heiterkeit!) Die Rundreisebillets sollten bestehen bleiben. Aber eS wäre bei ihnen schwierig, die Schnellzugszuschläge etwa im Zuge selbst zu erheben. Deshalb haben wir den einfachen Normalpreis der Rückfahrkarten um 0,3—0,2 Pf. erhöht. Trotzdem werden die Rund- reisehillettS dritter Klasse noch etwas billiger sein als bisher, in der ersten und zweiten Klasse imr minimal teurer. Durch diese beiden Konzessionen ist ein großesahn zu fahren, etwas höher heranzieht, dass man diejenigen Reisenden, die ihr Gepäck aufgeben und dadurch eine besondere Leistung von der Eisenbahn verlangen, mehr heranzieht. Ich habe keinen gerechteren Ausgleich finden können. ES fragt sich nur, was hat die Kritik aus diesen Darlegungen gemacht? Ich nehme an, dass alle die verantwortlichen Redakteure das was sie hierüber geschrieben haben, aus guter Absicht und aus guter Neber- zeugung getan haben, wenn sie es auch nicht selber geschrieben haben, so haben sie es doch wenigstens unterzeichnet. Jedenfalls herrscht hier sehr viel Bureaukratie dabei, wenn ausgeführt wird, dass 80 Proz. aller Reisenden teurer fahren werden. Den Herren, die sich dafür interessieren, stelle ich das genaue Material zur Verfügung. Die Schlusszahlen aus meinen Berechnungen ergeben für sämtliche 16 Mlliarden Fahrkilometer, dass 80 Proz. zu gleichem Preise fahren, 12 Proz. zu ermäßigtem Preise und 8 Proz. unter Umständen etwas teurer. Das find im wesentlichen die Grundzüge der geplanten Personen tarisreforn». Wie steht eS nun mit der sogenannten Plusmacherei der Staatseisenbahnverwaltung? Seit der Verstaatlichung der Eisenbahnen im Jahre 1879 haben wir in Preußen eine durchschnitt- liche Untereinnahme auf den Personenkilometer von 2,62 Pf. Wenn wir jetzt noch zu den Sätzen von 1879 fahren würden, so würden die preussischen Staatsbahnen aus dem Personenverkehr eine Mehr- einnähme von fast 168 Millionen haben.(Hört! hört!) Die Einnahmen haben sich vermindert durch eine verständige soziale Reform deS Verkehrs- weseuS, dadurch, daß wir die Wagen der dritten Klasse so gut ausgestattet haben, daß viele iiieisende, die in anderen Ländern in zweiter Klasse fahren müssen, in Preußen dritter Klasse fahren können. Lokomotiven und Wagen sind teurer geworden, die Besoldung des Personals höher. Trotzdem find wir bei der Beförderung der Personen billiger geworden. Da kann man doch nicht von einer PluSmacherei sprechen. Wir erhalten durch die Reform einen einheitlichen Tarif für daS Deutsche Reich, eS wird die Buntscheckigkeit der Tarife beseitigt, die nicht unserer Stellung dem Auslande gegenüber entspricht. Es werden weiter viele Bestimmungen ausgehoben, die den Reisenden belästigen und den Verkehr verteuern. Es wird viel über die Bureau- kratie geklagt. Ich verzichte aber auf die 120 000 Beschwerden, die auf Grund der Rückfahrkarten erhoben werden, und auf die Rück- fahrkarten.(Heiterkeit.) Alle Bequemlichkeiten, die verständig sind, sollen beihehallen. alle Unbequemlichkeiten sollen beseitigt werden. Die späteren Karten werden 48 Stunden Gültigkeit haben, und eS wird eine Fahrtunterbrechung fortfallen, die vielfach zu Betrügereien führt. Der Wert der Uebersichtlichkeit. der im Personen-»nd Gepäck- verkehr gewonnen wird, ist noch gar nicht abzuschätzen. Unterschätzen Sie nicht die Freiheit, die nicht nur für die Geschäftsreisenden, sondern auch für einen grossen Teil deS reisenden Publikums aus der Reform sich ergibt. Sollte die Personentarifteform scheitern wegen kleinlicher Bedenken, so frage ich: wo sitzen die Burenuftaten und die Plusmacher? Im Ministerium und in der Verwaltung sitzen sie nicht, und an den Bureaukraten läge das Scheitern nicht. Ich habe Ihnen die grossen Vorteile der Reform dargelegt, und ich muß eS Ihnen überlassen, zu entscheiden, ob eS richtig war. der Staatseisenbahnverwaltung Vorwürfe zu machen, wie eS vielfach in der Presse geschehen ist. Die Reform uinerliegt noch der Begutachtung des LandeSeisenbahnrats, der im Herbst zusmmnentreten wird. Aus diesem Grunde hat auch das preußische Staatsministerium noch keine definitive Stellung zu der Reform genommen. Auch in den anderen Staaten werden die zuständigen Korporationen oder die Landtage Stellung zu der Reform nehmen. Ich habe geglaubt, die Resolution des Hauses vom 8. März ernst nehmen zu sollen. Sollte die Reform scheitern, so ziehe ich mich auf meine Vorgänger, eventuell Maybach und Thielen zurück, die eS auch aufgegeben hatten, eine Personentarifteform zustande zu bringen. Alle deutschen Eiscnbahnverwaltungen und ich find bei der Reform von nationalen Gesichtspunkten ausgegangen, und wir haben uns von dem Gesichtspunkte der weiteren prallischen EntWickelung des Verkehrs leiten lassen. Ich würde es bedauern, wenn die Reform scheitern würde. Sie soll eine einheitliche Ge- staltung der Tarife herbeiführen, die so lange in Deutschland ersehnt worden ist(Beifall.) Auf Antrag des Abg. Dr. Friedbcrg(natl.) findet die Be- sprechung der Interpellation statt. Abg. Dr. Winner(frs. Vp.): Ich glaube, wir können dem Minister dankbar sein, dass er uns noch so kurz vor Torschluß diese eingehenden Mitteilungen gemacht hat. Die ganze Sache muß um so eingehender geprüft werden, als der Landtag auf die Gestaltung der Tarife keinen Einfluß hat. Ich hoffe auch, daß der Minister die Einwände der 5kritik berücksichtigt und sich überlegt, ob nicht noch dies und das doch geändert werden kann. Manche Besorgnisse hat der Minister ja zerstreut. Für meine Freunde kommt es indessen nicht so sehr auf die Vereinfachung allein an. denn diese liegt doch in erster Linie nur im Interesse der Verwaltung. Wir legen vielmehr das Haupt« gewicht darauf, daß die Reform unter keinen Umständen eine Ver- teuerung bringen darf. Deshalb bedauern wir die Zuschläge für die Schnellzüge. Hier zeigt sich der fiskalische Charakter der Reform. Der Minister sprach von einem Ausfall von 15'/z Millionen. Dies ist aber doch nur ein rechnerischer Ausfall, ob et wirklich eintreten wird, steht doch noch lange nicht fest. Verkehröerleichterungen Pflegen doch stets eine Vermehrung der Einnahmen herbeizuführen, auch die Verlängerung der Gültigkeit der Rückfahrkarten hat keinen Ausfall, sondern eine Vermehrung der Einnahmen gebracht. Die Verwaltung sollte deshalb alle kleinlichen fiskalischen Gesichtspunkte außer acht lassen und imr von Rücksichten auf den Berkehr sich leiten lassen. Mit den Grundziigen der Reform sind wir im grossen und ganzen einverstanden' Wir bedauern es jedoch, daß für die vierte Wagenklasse keine Ermässigung stattfinden soll. Dies gibt der ganzen Reform etwas Unsoziales. Am besten ist, man schafft die vierte Klasse gänzlich ab. Der Platz- karte weinen wir keine Träne nach; über den Schnellzugszuschlag erwarten wir noch eingehende Nachweisungen, denn das was der Minister heute sagte, war zu allgemein gehalten, es fehlte auch an jeder genauen Angabe darüber. welche Schnellzüge mit einem Zuschlag bedacht werden sollten. Mit Geniig- tuung begrüßen wir es, daß die Sonntagsfahrkarten beibehalten werden sollen. Weniger einverstanden sind wir mit der Abschaffung des Freigepäcks. Das Gepäck gehört doch zum Reisenden wenn daS Freigepäck abgeschafft wird, wird in den Wagen ein noch grösseres Drängen und Stoßen erfolgen, als es jetzt schon vielfach geschieht, sehr zum Schaden der Reisenden. Ich hoffe deshalb noch »mmer, daß es dem Minister noch möglich ist, die Reform auch ohne Erschwerungen und Verteuerungen durchzuführen.(Beifall links.) Abg. Gamp(fk.): Im Gegensatz zum Vorredner sind meine Freunde mit der Rede des Ministers durchaus einverstanden. Da- gegen, dass einzelne Punkte noch einer Nachprüfung unterzogen iverden, haben wir natürlich auch nichts. Der Vorredner hat das Hauptargument deS Ministers gar nicht beachtet: es war ohne Konzessionen nicht möglich, den Anschluß der süddeutschen Staaten zu erreichen. Einige Wünsche haben wir natürlich auch. Vor allem wollen wir unbedingt den Sonntagsverkehr auch auf das platte Land ausgedehnt wissen. Weshalb soll er»mr einigen Bevorzugten, den großen Städten, zu gute kommen? Beim Gepäcktarif halte ich das Prinzip der fallenden Skala für das einzig richtige. Gar nicht ver- stehen kann ich das Drängen auf Beseitigung der IV. Klasse. Da- durch verteuern Sie doch nur den armen Leuten das Reisen. Wie kann denn ein Mann, der manchmal auch soziale Anwandlungen hat wie Herr Dr. Wiemer, dafür nur eintreten? Abg. Dr. Friedberg(natl.): Heber die Tarifteform können wir natürlich jetzt ein abschliessendes Urteil noch nicht abgeben; auf Grund ves Materials, daS der Minister uns heute vorlegte, kann man noch nicht einen ganz bestimmten Standpunkt einnehmen. Die Sache ist vielmehr so wichtig, daß sie noch der eingehendsten Prüftma bedarf. Bedenklich scheint uns der geplante SchnellzugSzuschlag. Der Minister hat uns zwar gesagt, er würde auf denjenigen Zügen zur Anwendung gelangen, die den jetzigen V-Zügen entsprechen. Aber er hat nicht gesagt, daß er sie auf diese Züge beschränken werde. Er hat sich vielmehr da völlig freie Hand gelassen. In diesem Punkte bedürfen wir noch un- bedingt näherer Aufklärung. Dann auch noch einiges andere. Der Minister hob besonders hervor, dass 80 Prozent der Reisenden zu denselben Preisen führen, daß 12 eine Ermaß, gung und nur 8 eine Verteuerung davontragen würden. Ich kann nicht zugeben, dass diese 8 Prozent so ganz bedeutungslos find. Denn darunter befinden sich doch viele Leute aus dem Mittelstand, die aus Gesundheitsrücksichten eine Reife machen müssen. Wenn denen die Reise um 30 M. verteuert wird, so spielt dies doch eine grosse Rolle. Die Aufhebung des Freigepäcks bedeutet für Norddeutschland wenigstens eine Verteuerung und auch vielleicht eine große Erschwerung des ReisenS. Schon jetzt hat man ja grosse Mühe, im Coupo den Raum für sein Gepäck zu bekommen, auf den man Anspruch hat. DaS wird nach Aufhebung deS Frei- gepäckS noch viel schlimmer werden. Deshalb sollte sich der Minister diese Frage doch»och etwas überlegen. Nun wird gesagt: die Aufhebung des Freigepäcks war eine not« wendige Konzession an die süddeutschen Staaten. Ich schlage die Vereinheitlichung gewiss nicht gering an. Schon aus politischen Gründen bin ,ch dafür. Aber war wirklich jene Konzession notwendig? Zum mindesten müßte der Minister dafür sorgen, dass dann der Gepäcktarif billiger wird. Die Rundreisehefte sollen bei- behalten werden; ich bin nicht so entzückt von dieser Einrichtung. Das macht immer so viel Scherereien beim Kupieren an der Sperre. Aus den Ausführungen des Ministers habe ich entnommen. dass da der Kilometerzuschlag die Rundreisehcfte verteuern wird. Dagegen habe ich nicht so viel. Dankbar begriissen wir die Beibehaltung der Sonntagskarten u. dgl. Insgesamt muss ich sagen: die Einführung der Schnellzug. zuschlüge und die Aufhebung des Freigepäcks flößt uns solche Be- denken ein. daß ich noch nicht sagen kann, ob meine Freunde sich werden entschließen können, für eine derartige Reform zu stimmen. Ich hoffe, dass eS dem Minister bei seinen weiteren Verhandlungen mit den übrigen Verwaltungen noch gelingen wird, günsttgere Er- gebnisie zu erzielen und unsere Bedenken gegen die ganze Reform zu zerftreuen.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Graf Praschma(Ztr.): Wir verzichten bei dem gegemvärtigen Stand der Tarifteform gern darauf, auf die Einzelheiten der angekündigten Reformen ein« zugehen. Wir tun das um so lieber, als wir mit den vom Minister dargelegten Grundsätzen einer vereinfachenden Reform, die weder den Fahrpreis verbilligt noch verteuert, fast durchweg einverstanden ind. Nur die Tarife für das Gepäck scheinen uns vielleicht zu hoch und seine Abferttgung zu kompliziert. Vor allem aber sind wir uns bewußt, daß das Parlament anders zu dieser Frage stehen mutz als eine Volksversammlung. Wenn von einer grossen Er- regung iveiter Volksweise über die neuen Tarife gesprochen wird, ist das eine maßlose Uebertreibung. Rur ein sehr geringer Teil des Volkes ist am Reisen überhaupt interessiert. Wir Hoven da� Vertrauen zum Minister, daß er auch in dieser Tarifreform ein gutes Werk liefern wird. Beifall im Zentrum.) Abg. Münsterberg( frs. Bgg.) = Nach Erledigung der üblichen Dankreden wird die letzte Sigung Eine Fünfminuten- Sihung. Eisenbahnminister v. Budde: Der Abg. Dr. Wiemer meinte, daß der 15 Millionen Ausfall der Session 23%, Uhr geschlossen. rein rechnerisch sei und durch die Steigerung des Verkehrs leicht spricht gleichfalls seine Freude über das große Reformprojekt der wieder ausgeglichen werden dürfte. Das trifft aber bei den hohen Vereinheitlichung aus. Freilich habe er noch viele Bedenken. Das Unkosten des Eisenbahnverkehrs nicht immer so zu, und unser VorHandgepäck sollte man lieber vermindern als durch Abschaffung anschlag über die Wirkungen der Reform muß doch rechnerisch sein. Gemeinsame Schlußsizung beider Häuser des Freigepäcks vermehren. Vor allem aber sei die Beseitigung des Der Abg. Wiemer bat weiter um Befragung der zuständigen des Landtages am 1. Juli 1905, nachmittags 5 Uhr. Freigepäcks eine erhebliche Verteuerung des Reifens für die Leute Korporationen. Aber der Tarifentwurf ist ein Kompromiß, und mittleren Wohlstandes, z. B. für die Ferienreisen ganzer Familien. schon Am Ministertische: Fürst v. Bülow, Schönstedt, Frhr. darum bin ich nicht in der Lage, die Wünsche v. Rheinbaben, Dr. Studt, Möller, v. Budde, Abg. Dr. Frhr. v. Erffa( f.): aller Interessenten zu befriedigen. Jedenfalls tann von v. Einem, Frhr. v. Richthofen, v. BethmannMeine Freunde stehen immer noch auf dem Standpunkt, den einer allgemeinen Verteuerung des Fahrpreises und von der Meine Freunde stehen immer noch auf dem Standpunkt, den Absicht einer allgemeinen Plusmacherei absolut gar nicht die Hollweg. ich am 8. März beim Eisenbahnetat dargelegt habe: Vereinfachung Rede sein. Der Abgeordnete Dr. Friedberg fragte an, aus welchem und erteilt dem Ministerpräsidenten das Wort.( Die Mitglieder er Präsident des Herrenhauses Fürst Kuyphausen eröffnet die Sigung ohne wesentliche finanzielle Einbuße. Dafür haben sich damals alle Grunde wir bei den Rundreisebillets einen Zuschlag erhöben. Wir erklärt. Und heute? Heute wollen fie am liebsten, daß alles verbilligt wollten auf diese Weise die Unbequemlichkeit der Lösung besonderer heben sich von den Blägen.) werden soll. Herr Dr. Wiemer wünscht, daß die dritte Klasse umsonst Ministerpräsident Fürst v. Bülow: Ich habe den beiden Häusern sein soll und die Passagiere der vierten Klasse noch etwas dazu- Buschlagskarten, wie sie jetzt bei den D.- Bügen vorhanden ist, be- des Landtages eine Allerhöchste Botschaft zu verkünden. Die Botbekommen sollen.( Heiterkeit.) Ja, wie soll denn der Einnahmes seitigen. Ich muß aber betonen, daß die Rundreisehefte dritterschaft lautet:„ Wir Wilhelm von Gottes Gnaden König von Preußen Klasse immer noch billiger sein werden, als bisher. ausfall gedeckt werden? Herr Dr. Wiemer sagte darüber fein Der Abg. Friedberg verlangte von mir eine Definition dessen haben auf Grund des Art. 77 der Verfassungsurkunde vom 31. JaSterbenswort. Den Schnellzugszuschlag halte ich für durchaus ge- was ein Schnellzug sei. Eine solche Definition ist noch keiner Eisen- b. Bülow beauftragt, die gegenwärtige Sitzung der beiden Häuser nuar 1850 den Präsidenten unseres Staatsministeriums Fürsten recht. Dafür fahren sie ja auch schneller. Allerdings, bei Ent babuverwaltung gelungen. Aber Sie können zu uns das Vertrauen des Landtags am 1. Juli in unserem Namen zu schließen. Gegeben fernungen wie Königsberg- Berlin oder Danzig- Berlin, da ist es haben, daß wir die Auswahl in verständiger Weise treffen werden. Stiel an Bord meiner Yacht Hohenzollern", 25. Juni 1905. etwas anderes. Das kann mit Frankfurt a. D.- Berlin oder Kottbus- Berlin nicht verglichen werden. Das Freigepäck habe ich selbst nur schweren Herzens geopfert, weil Wilhelm. Gegengezeichnet tgl. Staatsministerium. Unverständlich find Ich habe mir. die Klagen über die Aufhebung des Freigepäcks. Wer es notwendig war. Im übrigen glaubte ich mich in keiner die Ehre, dem Herrn Präsidenten die Urkunde zu übergeben. Auf Gepäck hat, soll auch welches dem Landtage 10 Frage mit wie in bezahlen. Und der einig der übrigens: Grund des mir erteilten allerhöchsten Auftrages erkläre ich die Nun bin ich ja durch man kann es ja auch per Fracht senden. Das scheint man gänzlich. Personen- und Gepäcktarif- Reform. Sigung des Landtages für geschlossen. zu vergeffen. Was die Sonntagskarten angeht, so halte ich es für die übrigen Einzelheiten gehe ich nicht ein. die heutige Debatte einigermaßen enttäuscht worden. Auf Präsident Fürst Knyphausen bringt das Kaiserhoch aus. Dahöchst ungesund, wenn die Familien keinen Sonntag mehr glauben zu Ich werde stets mit ist der Landtag geschlossen. Hause bleiben zu können, wenn aus jeder kleinen Stadt jeden gern alle wünsche prüfen. Ich hoffe, daß an kleinen Unstimmigkeiten, Schluß 5 Uhr 5 Minuten. Sonntag 20 bis 30 Vereine die ganze Umgegend überschwemmen. an fleinen Schönheitsfehlern die große Reform nicht scheitern wird. Es wäre viel besser, wenn das Geld zurückgelegt und für die Kinder( Beifall.) gespart würde. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Sonntag, den 2. Juli. Anfang 72 Uhr: Neues Operntheater. Der Widerspenstigen Zähmung. Montag: Die lustigen Weiber von Windsor. Zentral. Die Geisha. Montag: Dieselbe Borstellung. Anfang 8 Uhr: Schiller O.( Wallner Theater.) Undine. Nachmittags 3 Uhr: Oberon, König der Elfen. Montag: Martha oder: Der Markt zu Richmond. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Hofgunst. Montag: Dieselbe Vorstellung. Westen. Jung- Heidelberg. Montag: Dieselbe Vorstellung. Kleines. Des Pastors Rieke. Montag: Nachtasyl. Lustspielhaus. Khriz- Pyrik. Montag: Dieselbe Vorstellung. Carl Weiß. Lehmanns Abenteuer. Montag: Diefelbe Borstellung. Belle- Alliance. Ben Ali Beh. Montag: Dieselbe Vorstellung. Reichshallen. Stettiner Sänger. Montag: Dieselbe Vorstellung. Apollo. Ein Abend in einem amerikaAm Spezialitäten. nischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Montag: Dieselbe Vorstellung. Metropol. Die Herren von Marim. Montag: Dieselbe Vorstellung. Paffage- Panoptikum. Der Icbende Eismensch. Wintergarten. Spezialitäten. Montag: Dieselbe Borstellung. Berliner Prater Theater. Zwischen Himmel und Erde. Montag: Dieselbe Borstellung. Stadt Theater Moabit. Mutter Gräbert. Urania. Taubenstraße 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Urania, Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Die deutsche Nordseeküste. Montag: Tierleben in der Wildnis. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S ANOPTICUM. 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Arbeiter- Radfahrer- Vereins 08.0 ( Mitglied des Arbeiter- Radfahrer- Bundes ,, Solidarität")." Von 3 Uhr nachmittags: für die Kinder: Canz Herren, welche daran teilnehmen, zahlen 50 Pfennig nach. welche daran Jedes Kind erhält am Eingang zwei Bons, von denen der eine gegen eine Stocklaterne umgetauscht werden kann, während der andere zur einmaligen Benutzung der Schaukel oder des Karussells berechtigt. Aufführungen eines Kasperle- Theaters( ohne Entree). Für ausreichende Fahrverbindung ist Sorge getragen, da die StraßenbahnGesellschaft die Linien 10, 11 und 12 an diesem Tage bis Plötzensee durchführt und bei Bedarf vom Rosenthaler Tor ab Einsetzwagen verkehren. Haltestelle einen bis zum bahnhof Beußelstraße ist das Lokal zehn Minuten entfernt. Bei etwa eintretenden Unglücksfällen steht den ganzen Tag die ArbeiterSamariter- Kolonne gratis zur Verfügung. Der Arbeiter- Schwimmerbund hat am See eine Rettungswache stationiert. 108 av Billets im Vorverkauf 20 Pf., an der Kasse 25 Pf. Anfang mittags 12 Uhr. Um recht zahlreichen Besuch bittet Das Komitee. 08 Großes Volks- Waldfest. Stablissement Klostergarten Wöllsteins Lustgarten Adlershof Wöllsteins Lustgarten Sonntag, den 9. Juli 1905: Drei Musik- Kapellen. Gesangs- Aufführungen. ,, Norddeutsche Schleife", Berlin.„ Frohsinn", Mitglieder des Arbeiter- Sänger- Bundes. Anfang: Früh Konzert 62 Uhr. 203/6 & AdlersNachmittag Konzert 3 Uhr. at 100 Billett 20 Pfennige. Die Arb.- Gesangvereine der Umgegend haben ihre Beteiligung zugesagt. Billetts zu haben in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie an den Eingängen das Festlokales. Das Komitee. Hasselwerder a. d. Oberspree Jeden Sonntag: am Spandauer Schiffahrts- Kanal u. Jungfernheide, am direkt Jungfernsteg Straßenbahn No. 12( Görlitzer Bahn- Plötzensee), Stadt- und Ringbahnstation Beusselstraße. Jeden Sonntag 2 Großes Freikonzert Jeden Mittwoch Großes Kinder- Freudenfest. Empfehle den verehrten Vereinen und Gesellschaften mein Etablissement zur Abhaltung von Sommer- u. VereinsAmt 2694. W. tlichkeitenПw. Pasternacki. Restaurant, Neuer Krug" Bahnstation Wilhelmshagen. Großes Garten- Konzert u. Ball.errlich an der Oberſpree gelegen., 2000 Meter Wafferfront. Für Vereine, Montag, Mittwoch u. Donnerstag: Tanzkränzchen u. Freikonzert. Kaffeeküche, 6 Kegelbahnen, Volksbelustigungen, Ausspannung. Einige Sonnabende sind noch an Vereine 2c. unter günstigen Be dingungen zu vergeben. [ 35922*) Gustav Hempel. Fabriken 2c. großartig zu Dampfer- resp. Landpartien geeignet. Große Sale, Spielplätze, Kaffeeküche 2c. Direkter Weg nach den Müggelbergen. Gutgepflegte Biere, billiger Mittagstisch. Habe noch einige Sonnabende u. Sonntage Juli, August frei. Fernsprecher: 35942* 3 w ootnegoM- nutts BauM- W 09.0 Schwarzer ar Friedrichsberg non- telt Stadtbahnstation: Frankfurter Allee. Wilhelm Müller, Adler Amt Erkner No. 51. frankfurter Chaußee 5( früher 120). Inhaber: Gebr. Arnhold. Fernsprecher: Friedrichsberg No. 8. bonatal Jeden Jeden Sonntag im herrlichen Lindenpark: I 1 Garten- Konzert, großem Ball und Preiskegeln von Enten, Gänsen, Würsten, Schinken und einem lebenden Hammel. Bei eintretender Dunkelheit: Kinder- Fackelzug. Eröffnung der Kaffeeküche 2 Uhr. Anfang des Konzerts 4 Uhr. Eintrittstarten à Person 15 Pf. find in nachfolgenden Lokalen im Vor verkauf zu haben: Wilhelm Noack, Tempelhof, Berlinerstr. 9; Martin Müller, Berlinerstraße 41/42; Albert Thiel, Friedrich- Wilhelmstraße 17; Franz Bommerig, Friedrich Karlstraße, Ede Berlinerstraße; Hermann Reichardt, Mariendorf, Chausseestraße 16; Ernst Bauß, Mariendorfer Chaussee; Theodor Bommerig, Mariendorf, Chauffeestraße 70. 33/ 10* Um zahlreichen Besuch bittet Das Festkomitee. Anton Boekers Ball- Salon Weberstraße 17. Neu renoviert! Neu renoviert! Sanenia. Am Sonnabend, den 8. Juli 1905: Gr. Sommernachtsball olds arrangiert vom Tanzlehrer Ludwig Heinrich.. lwig He Den geehrten Borständen von Gewerkschaften und Bereinen bringe hiermit meine neu renovierten Lokalitäten in gütige Erinnerung. Weberstraße 17. Anton Boeker. Mentes Volksgarten Röderstr. 35/36, an der Landsberger Allee. Sonntag: Walter- Konzert. Harburger Sänger. Im Riesenicale: Sänger. Tanzmeister Ball. W. Bauer. Spezialitäten und erstklassige Schaunummern. Anfang 24 Uhr. Eintritt 10 Pf., Kinder frei. Tabberts Waldschlößchen an der Oberspree. 25706* Bon Bahnstation Nieder- Schöneweide 15 Min., von Startshorst 18 Min. Dampfer Station der Stern- Gesellschaft. Großer schattiger Garten direkt an der Spree. Jeden Sonntag: Großes Gartenkonzert. Tanz in zwei Sälen. Jeden Mittwoch: Freikonzert. Staffeeküche täglich geöffnet. 4 verdeckte Kegelbahnen. Bolksbelustigungen aller Art. Vorzügliche Speisen. Ausspannung für 100 Pferde. Schultheiß und Münchener Löwenbräu. 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Taffet mit Ziehung und Entredeux mit Ziehung u. 7.75 Mk. 14 Mk. Seidene Taffet- Bluse pastert 22.25 Mk. Ein Posten Falten Voile- Kostümrock reich mit Volants, u. 17 Mk. 8.25 Mk, m. Spitzen. 15 Mk. Kattun- Morgenrock Kragen mit Woll- Musselin- Morgenrock passe u.Vol. Organdy- Morgenrock und Spitze mit Volants Batist- Unterrock mit plissiertem Volant Imit. Leinen- Kostümrock ausspring.3 Mk. Cheviot- Kostümrock gefüttert Voile- Kostümrock mit Ziehung und Entredeux gefüttert 6.90 Mk. 10,75 Mk. Bandgarn., gefüttert Leinen- Kostümrock mit Blenden 23.50 Mk. Unterrock Woll- Musselin- Kleid mit Matrosenkragen, 23.50 Rock gezog, gefütt. Voile- Kleid mit grossem Kragen und Organdy- Kleid reich mit Volants und 27 Mk. 36 Mk. Entredeux, gefüttert Entredeux, gefüttert aus mode Köperstoff, Volant mit farbigen Blenden mit 25мk.. 1.75 2,50 7.75 zweifarbig. Mohair- Unterrockpliss. Volant 4 Mk. Einsatz Mohair- Unterrock plissiert, Volant mit Band 5MK Taffet- Unterrock volant mit Band u. Einsatz 9.75 Mohair- Unterrock volant mit Lochstickerei 10 Mk. Taffet- Unterrock Volant mit Ziehung oder Säumchen 22 MK. Damen- Staub- Paletots grau und mode, imprägniert 12.50 Mk. regulär 16,25 bis 22.50 hesa Abgepasste Leinen- Roben 9.75, 15.25, 21.50 halbfertiger Rock nebst Stoff und Spitze zur Taille. Verantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin, Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glocke, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Berlagsanstalt Baul Singer& Co., Berlin SW *.152. 22.1.1,«. 2. Keilllge ies Dmiirts" Kerliner WIKsdlM Zonutllg, 2. IM IM. Die politischen Voraussetzungen der norwegischen Revolutiom (Bon unserem Korrespondenten.) II. " In diesem Zusammenhang ist es von Interesse, an einigen Zügen den tiefgreifenden Gegensatz zwischen norwegischen und schwedischen Verhältnissen aufzudecken. In Norwegen war der Adel Jahrhunderte lang be> deutungslos und er wurde definitiv abgeschafft im Jahre 1821. Das Land hatte wenige Großkapitalisten, nur ganz vereinzelte wirkliche Gutsbesitzer. Der Grund und Boden ist an mittelgroße oder kleine Freisassen verteilt und der Bauernstand hat stets volle persönliche Freiheit besessen. Die Errichtung von Fideikommissen ist verboten und es gibt nur wenige ältere von vor 1814. Die National- Versammlung(das Storthing) hat nur eine Kammer— die seit 1905 aus direkten Wahlen hervorzugehen hat.— Die parlamen- tarische Regierungsform wird von allen Parteien respektiert. Es besteht allgemeines staatsbürgerliches und kommunales Wahlrecht für die über 25 Jahre alten Männer und ein etwas eingeschränktes kommunales Wahlrecht für die Frauen. Schon vor Einführung des allgenieinen Wahlrechts hatte immer jeder Wähler nur eine Stimme. Es bestehen Geschworenengerichte, die Versammlungs Vereinigungs-, Preß- und Redefreiheit ist unbeschränkt. In Schweden ist ein zahlreicher und mächtiger Adel vor- Händen und Erhöhungen in den Adelsstand finden noch jetzt ab und zu statt. Dort bestehen große Fideikommisse. Stillschweigend wird dem Adel noch jetzt das Vorzugsrecht bei Besetzung diplomatischer Aemter sowie der höheren Stellungen in der Armee zugestanden. Die G e i st l i ch k e i t hat auch großen Einfluß und kann durch ihre besondere Repräsentation(eine Art Kirchenversammlung) jede Reform freisinniger Richtung auf dem religiösen Gebiet verhindern.(Sie hat z. B. bis in die neueste Zeit an dem entehrenden Begräbnis der Selbstmörder festgehalten.) Der Reichstag hat zwei Kammern. Die Zweite Kammer ist die eigent liche Volksvertretung; aber selbst zu dieser Kammer ist das Wahl- recht stark beschränkt: von allen über 21 Jahre alten Männern haben nur 27,7 Proz. Wahlrecht, während in Norwegen wohl 82 P r o z. aller über 21 Jahre alten Männer wahlberechtigt sind(fast alle Männer, die über 25 Jahre alt sind). Vor mehreren Jahren wurde bei der Verlängerung der militärischen Dienstzeit dem schwedischen Volke als Entgelt eine Ausdehnung des Wahlrechts versprochen; aber die Vorschläge dazu wurden mit so vielen„konservativen Garantien" umgürtet, daß die liberalen und sozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten dagegen stimmen mußten. Aber dazu kommt noch, daß die Erste Kammer große politische Macht hat, da sie 150 Mitglieder zählt und daher bei gemeinsamen Votierungen des ganzen Reichstags mit Hülfe einer verhältnismäßig kleinen Minorität aus der Zweiten Kammer den Ausschlag geben kann. Die Erste Kammer ist im übrigen eine exklusive Oberklassenvertretung, die von den Amtsräten und den fiinf größten in den Amtsräten nicht vertretenen Städten gewählt wird und infolgedessen von dem komn, unalen Wahlrecht abhängig ist. Bei den Wahlen zu den Amtsräten haben die Steuer- zahler gradiertes Stimmrecht im VerhälMis zur- Höhe ihrer Steuern: wer zehnfach hohe Steuern zahlt, hat auch zehnmal so viele Stimmen. Bis vor wenigen Jahren bestand keine Grenze für die Stimmenzahl der einzelnen reichen Leute, so daß in 54 Ge- meinden ein einziger Wähler über die Hälfte aller Stimmen ab- geben konnte. Nun ist jedoch ein Maximum festgesetzt: �auf dem Lande kann kein Wähler über mehr als ein Zehntel aller Stimmen im Wahlkreise verfügen; in den Städten ist die Grenze auf 100 oder V-m aller Stimmen festgesetzt. Aber obendrein gilt noch die Bestimmung, daß zur Ersten Kammer nur Männer gewählt werden können, die mindestens 80 000 Kronen Vermögen oder min- bestens 4000 Kronen Einkommen haben. Deshalb erhalten die Mit- glieder der Ersten Kammer auch keine Diäten. Die Folge dieser Bestimmungen ist, daß die Erste Kamnier wesentlich aus Adeligen, hohen geistlichen und weltlichen Beamten und aus Repräsentanten der großen Aktiengesellschaften(„boluZ") besteht, die einen mächtigen Staat im Staate bilden. Durch Aus- nahmegesetze haben die Machthaber versucht, die wahlrechtZlosen Arbeiter zu knebeln, und in diesem Jahre fehlten im Reichstage nur zwei Stimmen zur Annahme eines Gesetzes, das den Arbeitern daS Machtmittel des Streiks rauben sollte. In Schweden bestehen viel größere soziale Gegensätze als. in Norwegen, wo alle Verhältnisse im Vergleich zu Schweden gleichsam ein starkes Stück nach links geschoben sind. Die norwegische Rechtenpartei gleicht fast der schwedischen— und vielen anderen europäischen— liberalen Parteien. Nun erscheinen Norwegens politische Verhältnisse vielen Wahl- rechtslosen Schweden als ein nachahmenswertes Vorbild; aber da- durch wird selbstverständlich der Widerwille der schwedischen Kon- servativen gegen Norwegen verstärkt. Auf diese Weise ist d e r U n- will« gegen Norwegen auch ein Faktor in der inneren Politik Schwedens geworden, indem die Machthaber ein Interesse daran haben, diesen Unwillen zu erhalten und Norwegen als ein warnendes Beispiel hinzustellen. Aber dazu kommt noch, daß die Konservativen es bis zu einem gewissen Grade verstanden haben, das schwedische Nationalge fühl auf ihre Seite zu bringen, nämlich dadurch, daß sie sich selbst als die wahren Verteidiger von.Schwedens Gut und Recht" gegen die undankbaren und srcchen Norweger aufspielen. So wurde der Widerstand gegen die nationalen Forderungen Norwegens eine nicht unwesentliche Grundlage für die Erhaltung der Macht der Ersten Kammer. Nationalqefühl, selbst ein irregeleitetes, ist eine starke Stütze. Gerade hierin liegt die größte Gefahr für einen Friedensbund. Die Erste Kammer-Politik.gegen Norwegen hat nun durch die nortvegische.Revolution" eine unüber- windlicke Niederlage erlitten, die auch dem politischen Ansehen der Ersten Kainmer in Schweden selbst schaden wird, wenn Schweden sich nicht in der Lage sieht, die Union wieder aufzurichten oder Nor- wegen zu züchtigen. Ein Stück von der Grundlage der politischen Stellung der Ersten Kammer ging am 7. Juni verloren Tleicb zeitig ist eine gewaltige innere Gärung ,m schwedischen Volk« vorhanden. Wie ftir alle Hazard spielenden Machthaber(man denke an Rußland) liegt dort der Gedanke verführerisch nahe:.Laßt uns die Aufmerksanikeit des Volkes von den inneren Verhältnissen durch einen frischen kleinen Krieg ableiten, auf daß der Sieg dem Nationalgefühl schmeichle!" Gerade das Militärwesen ist das Schoß- kind der Ersten Kammer, fiir das kein ökonomisches Opfer zu groß ist. Sollte man nun nicht diesen kostbaren Apparat einmal pro- bieren? Als Vorwand behauptet man. daß die Gefahr eines russischen Angriffs nach Auflösung der Union viel großer sein werde nnd daß man folglich aus Selbsterhaltungspflicht genötigt sei. Norwegen in die Union zurückzuzwingen oder einen größeren Teil von Norwegen zu erobern, entweder Norwegen östlich vom Glommen(Norwegens größter Fluß) oder das gaizze nördliche Norwegen. Nun wird namentlich von der Eroberung des nordlichen Norwegens gesprochen und gerade dieser Plan mit der rilssischen Gefahr entschuldigt.-... Ganz zweifellos wurden schon im Jahre 1895 ,n den Kreuen der Ersten Kammer Pläne zu einem Ueberfall ans Norwegen ge- schmiedet, um eine Union nach schwedischem Geschmack zu erzwingen, aber diese Pläne selbst erweckten damals nicht nur in Norwegen. sondern auch im sckwedischen Volke gewaltigen Unwillen. Darum wurde die Losung für die UnionSpolitik der Ersten Kammer m den späteren Jahren:. L i e b er U n i an s a u f lö s u n g als teil- weise Zugeständnisse für die Norweger. Diese Politik ist es. die der König und der Kronprinz freiwillig oder ge- zwungen bei der Sanktionsweigerung vom 27. Mai befolgt haben. Aber als dann Norwegens Storthing einer ähnlichen Parole: Unionsauflö.suiig wegen Mangel an partiellen Reformen innerhalb der Union� folgte, da hielt die »schwedische Oberklasse es für angebracht, den schwedischen Chauvinismus anzufeuern, um ihre eigene Niederlage in der UnionSpolitik zu ver- schleiern. Wenn der Friede gebrochen weiden sollte, so geschieht das nicht, weil Schwedeiis Jntereffen durch eine Unionsauflösung irgendwie geschädigt werden, sondern weil die schwedischen Macht- haber befürchten, daß die Unionsauflösung ihre eigene Stellung schwächen wird und die der Demokratie stärken. Die liberalen Parteien haben stets den nationalen Forde- rungen Norwegens mehr Verständnis entgegengebracht, hielten jedoch viel von der Union in dem Glauben, daß Schweden nach Auflösung der Union ganz reaktionär werden würde. Das dürste sich als ein Irrtum erweisen; gerade der Umstand, daß die am meisten Nor- wegen feindlichen und zugleich reaktionärsten Politiker das National- gefühl bis zu einem gewissen Grade auf ihrer Seite hatten, gibt begründete Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft für die liberalen und radikalen Parteien in Schweden selbst, wenn die reaktionäre Erste Kammer ihren Stützpunkt im schwedischen Nationalgefühl gegen Norwegen verliert. Die schwedische liberale Presse spricht sich zurzeit selbstverständlich in stiedensfreundlichem Sinne aus, aber verurteilt selbst recht scharf die norwegische Handlungsweise; vermutlich würde sie bei einer Norwegen mehr freundlichen Sprache in die Gefahr kommen, daß sich gerade jetzt das Nationalgefühl gegen sie wendete. .»..... �* Die schwedische S o zi«! demokratic braucht derartige Rücksichten nicht zu nehmen; zwischen Norwegens und Schwedens Sozialdemokraten hat niemals irgend welcher Unionsstreit bestanden, sie haben immer die gleichen Rechte beider Völker respektiert. Aber es möge einem Norweger auch gestattet sein, in dem deutschen Zentralorgan der internationalen Sozialdemokratie zu erklären, daß nun in allen norwegischen Parteien Bewunderung und Dankbarkeit für das mutige, rechtschaffene und ftiedenssteundliche Auftreten der schwedischen Sozialdemokratie in diesem Konflikt herrscht. Ein Auf treten wie z. B. das Br antin gS ist in gleich hohem Grade ein Zeugnis von Geistessteiheit, wie moralischem Mut. Aber daß die Parteileitung und Presse der schwedischen Sozialdemokratie so auf treten kann, wie eS jetzt der Fall ist, ohne Furcht, dadurch das Nationalgefühl der Parteigenoffen zu verletzen, zeigt am besten, wie stark die schwedische Sozialdemokratie von dem Gedanken der inter- nationalen Brüderschaft durchdrungen ist. Sicherlich wird das der Stellung der Sozialdemokratie im ganzen Norden zum Vorteil gereichen. Es wird'auch von anderen Seiten in Schweden für die Er- Haltung des Friedens gewirkt; so von den Abstinenzler- vereinen, die in Schweden zirka 300 000 Mitglieder zählen(in Norwegen zirka 200000); und namentlich die größte schwedische Abstinenzorganisation, der G o o d t e m p l e r o r d e n(über 100 000 Mitglieder) ist ausgesprochen friedensfreundlich, in Uebereinstimmung mit dem internationalen Bruderschaftsgedanken des Goodtempler- tums. Auch verschiedene religiöse Vereine wirken für den Frieden. Von schwedischen und norwegischen Christen sind große Grenz- Versammlungen mit Gebeten für den Frieden abgehalten worden. Die schwedische Grenzbevölkerung sympathisiert im großen und ganzen genommen mit Norwegen. *." ♦ * Zum Schluß etwa« über die Stellung der norwegischen Parteien zu den Unionsstreitigkeiten während der letzten 20 Jahre. Nach ihrer Niederlage im Kampf gegen den Parlamentarismus im Jahre 1884 ist die Rechtenpartei unter Emil StangS und Francis Hag er ups Leitung reorganisiert worden; auf natürliche Weise, durch das Aussterben der alten reaktionären Mitglieder ist die Partei außerdem noch in diesen Jahren verjüngt worden. Die Rechten- Partei unserer Zeit ist nicht dieselbe Partei wie die Rechte von vor 1884; aber gerade die Geschichte der Partei zeigt auch sehr lehrreich, wie gefährlich es ist. daS Volksgefühl gegen sich zu haben. Dadurch, daß sie Norwegens nationale Forderung eines eigenen Konsulatswesens und eines eigenen Ministers des Aeußern in ihr Programm auf- nahm, erhielt die L i n k e n Partei einmal über das andere die Mehr- heit in der Nationalversammlung. Nun gelang es der Linken aller- dings nicht, in der UnionSpolitik gegen des Königs und Schwedens Widerstand etwas Besonderes zu erreichen, einfach deswegen nicht, weil ein. tatsächlicher Bruch mit der Union für eine einzige nor- wegische Partei undurchführbar war und nur möglich, wenn alle Parteien nach außen hin geschlossen dastanden.—) Aber die Linke be- nutzte ihre Mehrheit zur Durchführung von einer Reihe liberaler Reformen, namentlich des allgemeinen staatsbürgerlichen und kommunalen Wahlrechts. Indirekt hat somit der Unionsstrcit die demokratische Entwickelung Norwegens gefördert, wa» auch ein Beweis für die Kurzsichtigkeit der schwedischen Unionspolitik ist, die ja gerade der verhaßten norwegischen Demokratie zu gute kam. Ebenso hat die norwegische Rechtenpartei durch ihre— zweifellos aufrichtige und von patriotischen Rücksichten diktierte— Unionsfreundlich- keit das Nationalgefühl abgestoßen und dadurch die Macht in der inneren Politik verloren und auch dem allgemeinen Wahlrecht oder anderen Reformen keinen wirksamen Widerstand leisten können. Nach und nach wie die Rechtenpartei sich verjüngte, wurde ihre Haltung mehr ausgesprochen national, und als vor den Storthings- wählen von 1903 das Programm der Partei festgestellt werden sollte, gelang es den jüngeren Parteimitgliedern die Forderung eines eigenen norwegischen Konsulatswesens in das Programm zu bringen, wie verlautet trotzWider stand des offizrellen Partei- führersHagerup. Auf Grund dieses Programms gewann die Rechte die Mehrheit im Storthing von 1903, und es war wohl eine Ironie des Schicksals, daß es Hagerups Aufgabe wurde, als Chef emes parlamentarischen Ministeriums von Konservativen und unabhängigen Liberalen die letzten Unionsverhandlungen zu führen und die Ün- Willigkeit der schwedischen Regierimg, Norwegen sein Recht ein- zuräumen, zu konstatieren...a>. Aber gleichzeitig, wie sich die stovlvcgische Rechte verjüngte, alterte die norwegische Linke, die im Jahre 1884 zum Siege kam; diese Partei erhielt wenig Zufluß jüngerar» Krätte, und als ihre übrigen Pro« grammpunkte durchgeführt waren, blieben beinahe nur noch die Unionsfragen alS die große Sache der Partei übrig. Aber damit bekam die Partei einen etwas nationalistischen Anstrich. Die schwedischen Drohungen von 1895 führten zu einer inten fiven Arbeit für die Stärkung des LandeSverteidiguiigswefenS Nor- Wegens(Ankauf von Kriegsschiffen, Errichtung von Grenzfestungen gegen Schweden usw.) mit ökonomischen Opfern; von 1895 bis 1904 wurden mehr als 30 Millionen Kronen über die gewöhnliche Summe für das Verteidigungswesen aufgewandt, der beste Beweis dafür, welch ein Spott diese Union nun geworden war: die Völker rüsteten gegen einander und in Norwegen hielt man es für das klügste, den.obersten Kriegs- Herrn", denKönig üb er die intimen Verhältnisse des norwegischen Verteidigungswesens(Mohili- sierungspläne usw.) in Unwissenheit zu erhalten. Während die Linke vor 1884 eine fast verteidigungS- nihilistische Partei war. gewann sie nun nach und nach ein gewisses militaristisches Gepräge, unter dem Widerstand sowohl der Rechten wie der Sozialdemokratie. Die alte Linke ist auch die am meisten monarchisch gesinnte Partei gewesen und hat für ein«nationales norwegisches Königtum' gewirtt. Darum konnte nun mit Recht gesagt werden, daß die Union für Norwegens weitere demokratische Entwickelung nicht mehr eineTrieb- #) Schwedens größter liberaler Politiker, AdolfHedin, der leider krank ist, stellte sich jedoch diesen Winter mit großem moralischen Mut auf die. Seite Norwegens. —) Schon in den Jahren 1892. 1393 und 1903 planten die Linken- Partei eine ähnliche Aktion wie di, nur» durchgeführte. kraft, sondern ein Hindernis war. Würde die Union noch einige Jahre bestehen bleiben unter fortgesetzten— sicherlich resultatlosen— Verhandlungen, so müßten die beiden Länder gleich- zeitig um die Wette rüsten, und da die Rechte nun ein das National« gefühl befriedigendes Programm angenommen hatte, so war voraus- zusehen, daß sie in Zukunft die Leitung in der Landespolitik erhalten würde. Rationalismus, Militarismus, Konser- v a t i s m u s wären die herrschenden Mächte in der norwegischen. Politik geworden, wenn jetzt nicht die Union aufgelöst worden wäre. Daruin muß dieses Ereignis auch von einem sozialdemokratischen Parteistandpunkt aus mit Befriedigung begrüßt werden. In Zukunft werden glücklicherweise die nationalen Fragen die Parteien nicht trennen und alle Aufmerksamkeit kann, wenn die internationale Stellung des Landes in Ordnung gebracht ist, der inneren Reform- arbeit gewidmet werden. Aber so wunderlich kann die Politik sich gestalten, daß in- Schweden den konservativen Parteien das Nationalgefühl znr Stütze diente, während in Norwegen die Rechte das Nationalgefühl gegen' sich hatte; dadurch wurde in Norwegen die demokratische Entwicklung beschleunigt, während sie in Schweden verzögert wurde. Hoffentlich wird die Unionsauflösung nun beiden Ländern zum Vorteil gereichen,- ohne in einem von beiden die demokratische Entwicklung zu ver- zögern. Die Sozialdemokratie wird es wohl verstehen, sich von allem Chauvinismus frei zu erhalten, ohne daß sich damit das berechtigte Nationalgefühl gegen sie wendet.— Johann Scharffenberg. ■f. Der Mord in der Wilhelmshavenerstraße. Dritter Tag.■ Nach Eröffnung der Sitzung durch Landgerichtsrat Methner wird eine große Zahl schon vernommener Zeugen definitiv entlassen. Als erster Zeuge wird der Bruder des Angeklagten, Friseur Gustav Tschirner vernommen. Er bekundet, daß er dem An- geklagten am ersten Weihnachtsfeiertage Geld geborgt habe. Er hat ihn dringend ermahnt, ordentlich zu werden und ihm 10 Mark ü geliehen. Der Angeklagte hat das Geld noch nicht zurückgegeben. Staatsanwaltschaftsrat Bahr: Der Angeklagte hat in der Vor- Untersuchung behauptet, daß, als er sich die 10 Mark borgte, er zu Ihnen gesagt habe, er besitze zwar noch 15 Mark, er wolle aber' mit einer gewissen Ida Matzak ausgehen, und wenn diese in sein Portemonnaie blickte, sollte sie den Eindruck erhalten, daß er ein reicher Mann sei.— Zeuge: Das ist nicht wahr!; Der Vorsitzende kommt dann nochmals auf die Aussage des Lehrlings John zurück. Dieser hatte gestern behauptet, daß er am Abend des Mord-. tages, 5. Januar, kurz vor 10 Uhr die Heinrichs noch aus dem Sinnigschen Hause habe kommen sehen, während Heinrich behauptete, daß er an jenem Abend schon um 9 Uhr zu Bett gegangen sei. Gestern wurde über diesen Punkt keine Klarheit gebracht. Der nun-,,. mehr vernommene Vater des John bestätigt, daß sein Sohn au' dem Mordtage erst kurz vor 10 Uhr nach Hause gekommen sei und> am nächsten Tage, als der Mord bekannt wurde, schon gleich gesagt habe, daß er„gestern" noch kurz vor 10 Uhr die Heinrichs aus dem Hause. habe treten sehen.— RechtSanw. Schwindt: Meine gestrigen Aus- fsihrungen zu diesem Punkte könnten zu der irrtümlichen Auffassung führen, daß ich darauf ausginge, das Heinrichsche Ehepaar noch ver- dächtig erscheinen zu lassen. Nichts liegt mir ferner. Ich habe auch gar nicht die Absicht, im Plaidoyer etwa derartige Behauptungen. aufzustellen. daS wäre ja auch eine seltsame Art der Verteidigung. Meine Ausführungen gingen nur nach der Richtung der subjektiven■ Beweiswürdigung, und es sollte den Geschworenen einmal an einem Beispiel gezeigt werden, wie leicht Irrtümer unterlaufen. Zeuge Heinrich: Der Lehrling John irrt sich ganz zweifellos. Ich bin am 5. Januar ganz bestimmt um 9 Uhr schlafen gegangen und um 9'/« Uhr meine Frau. Präs.(zum Zeugen John): Ist Ihr Sohn verlogen?— Z e u g e: Das kann ich nicht gerade sagen. Aber, wenn er glaubt, in seinem' Recht zu sein, dann ist er hartnäckig. Dieser Punkt wird hierauf veriaffen. ES wird sodann der Uhrmacher M i l d t vernommen, bei dem der Angeklagte am 11. Januar die Uhr der Ermordeten zum Kaufe-' angeboten hat. Da damals schon daS Verzeichnis der gestohlenen Gegenstände in den Zeitungen bekannt gemacht und die Uhrmacher und' Goldwarenhändler zu besonderer Aufmerksamkeit aufgefordert worden waren, so dachte der Zeuge gleich an den Mord, da cS ihm etwas auffallend erschien, daß ein so junger Mann gerade eine goldene Damenuhr verkaufen wollte. Auf die Frage wenn er die Uhr gekaust habe, antwortete Tschirner: er habe sie im vorigen Jahre gekauft und 45 Mark dafür gezahlt. Der Zeuge hielt dies aber sofort für unwahr, da er sah. daß die Uhr schon 15 bis 20 Jahre getragen war. Er erklärte dem Angeklagten, daß er zunächst den Goldwert genau feststellen und sich der An- geklagte inzwischen setzen möge. Er ging dann einen Augenblick in die Werkstatt, um sich die Goldwage zu holen, und vcranlaßte seinen Kompagnon, sofort einen Lehrling nach der Polizei zu schicken und bitten zu lassen, daß schleunigst zwei Be- amte ins Geschäft kommen mögen, da eine wichtige Sache vor- liege: ein Mensch habe eine verdächtige Uhr angeboten. Herr Mildt hat dann die Uhr auseinandergenommen und begann ab- zuwiegen, wobei Tschirner aufmerksam zusah. Der Zeuge erklärte schließlich, als inzwischen schon zwei Kriminalbeamte in Zivil eingetreten waren, daß er nur 7 M. für. die Uhr gebe» könne, während der Angeklagte sagte, er hätte geglaubt. 15 M zu bekommen. Als Herr Mildt ihn dann nach einer Legitimation fragte wurde der Angeklagte nervös, faßte in allen Taschen und erklärte; daß er zu seinem Bedauern keine Papiere bei sich habe. Als die> beiden fremden Männer in den Saal gekommen waren, hatte der Angeklagte die Farbe gewechselt. Zeuge Mildt wandte sich nun an die beiden Beamten mit den Worten:„Meine Herren ich habe Sie kommen lassen. weil die Uhr mir verdächtig ü vorkommt." Er hat sich dann bei Tschirner noch gewissermaßen r entschuldigt, daß er als Geschäftsmanii sicher gehen müsse. Die beiden Männer erklärten dann dem Angeklagten, daß sie Kriminal- beamte seien und um seine Legitimation ersuchen müssen. Da der Angeklagte wieder nur sagen konnte, daß er bei Siemens u. Halske arbeite, wurde er aufgefordert, mit zur Wache zu kommen. Er erklärte sich auch sofort bereit dazu, auf dein Transport dorthin hat er einen Fluchtversuch gemacht. Auf Befragen erklärte der Zeuge weiter, daß, als die Kriminalbeamten eingetreten waren, der eine den gelben Polizeizettel herausgezogen habe, auf dem die der Frau Sinnig gestohlenen Gegen- stände verzeichnet waren. Daraus hätte man sich sofort überzeugt, daß es sich um die Uhr der Frau Sinnig handelte.-"Auf die Frage eines Geschworenen erklärt Zeuge- Mildt, daß er sich bis jetzt noch nicht um die ausgesetzte Be- lohnung beworben habe. Der- Angeklagte erklärt hierzu, daß er nur deshalb habe' entfliehen wollen, weil es ihm möglich gewesen sei. auch den gelben- Polizeizettel zu lesen. Daraus habe er zu feinem Schrecken gesehen, daß die Uhr mit der Ermordung der Sinnig in Verbindung gebracht werde.- � Diese Behauptung wird von den beiden in Frage kommenden Kriminalbeamte» Hoffmann und Zimmermann eiitschieden bestritten. Beide behaupten, daß Tschirner nicht imstande gcivesen � sei, den Zettel zu lesen und daraus zu erkennen, daß es sich um den Mord an der Witwe Sinnig handelte. Beide Beamte schildern die Festnahme des Angeklagten ebenso wie Herr Mldt. Tschirner hatte die Behauptung aufgestellt, daß er die Uhr im vorigen Jahre neu gekauft habe und zwar in der Waldstraße. Es wurde ihm sofort erwidert, daß in der Waldstraße gar kein Uhrmacher existiere und daß die Uhr augenscheinlich schon viele Jahre alt sei. Auf dem Transport zur Wache machte Tschirner Plötzlich Kehrt und suchte zu entwischen, wurde aber gleich wieder festgenommen. Auf der Wache ist Tschirner dann noch von den Schutzleuten Große und Mühlbach visitiert worden und da kamen dann die übrigen Wertgegenstände der Frau Sinnig zum Vorschein. Die Goldsachen waren in der Hosentasche, Westentasche und im Porte- monnaie und zwar jedes einzelne besonders eingewickelt. Bezüglich der Uhr hatte er zuerst gesagt, er habe sie gekaust, und als ihm das nicht geglaubt wurde, hat er gesagt, er habe die Uhr mitsamt den anderen Sachen in einem Paket an der Ecke der Turm- und Wilhelmshavencrstraße gefunden. Es wurde ihm gleich bedeutet, daß dann ein Mensch, der unmittelbar vor ihm gegangen sein müßte, das Paket verloren haben müßte, denn bei der Fregnenz in dieser Gegend würde das Paket kaum einen Augenblick unbemerkt liegen geblieben sein. Auf die Frage, wann er denn das Paket gc- funden habe, hat Tschirner zuerst den Donnerstag genannt. Es wurde ihm bedeutet, daß dies gar nicht möglich sei, da am Donnerstag die Sachen noch im Besitze der Frau Sinnig gewesen seien. Er hat dann seine Angaben geändert und nun den Freitag genannt. Tschirner ist bei diesen Vorgängen sehr dreist gewesen und soll auch die Aufforderung, alles, was er bei sich habe, aus den Taschen herauszulangen, zunächst gesagt haben: er habe nichts weiter bei sich. Im weiteren Verlauf der Verhandlung wird Kriminal- kommissar Schnellrath über die �erste Vernehmung des Tschirner in der Nacht vom 11. zum 12. Januar auf dem Revier in der Turmstraße vernommen. Tschirner machte nicht den Eindruck eines Mannes, der eine so schwere Schuld auf dem Gewissen hatte, er war vielmehr ganz ruhig und gelassen. Er erklärte, daß er das Paket am Freitag, den 6. Januar, zwischen 7 und 8 Uhr gefunden habe. Bei der Examination über seine Tätigkeit am 3. und 6. Januar hat er zunächst bei seiner ersten, noch nicht protokollierten Aussage angegeben: er sei am 5. Januar, nachdem er die Fabrik verlassen, zu seiner Schwester, der Portiersfrau Lozow gegangen und sei um 8% Uhr abends dort weggegangen, nachdem er eine Tasse Kakao getrunken. Er sei dann an der Ahrensschcn Brauerei quer durch den kleinen Tiergarten gegangen, habe in der Straße Alt- Moabit in einem Ausschank ein Glas Bier getrunken, dann sei er wieder durch den kleinen Tiergarten zurück-, die Wilhelmshabcner- straße bis zur Beußelstraße cntlanggegangen. Dann sei er wieder umgekehrt und habe etwa bei der Zwinglistraße einen Bekannten mi� seinem Verhältnis getroffen und diesen noch begrüßt.(Der zwischendurch vernommene Helfrisch erklärt dies für unwahr und der Angeklagte meint, daß er sich dann in der Perfon irren müsse.) Dann sei er nach Hause gegangen und habe sich schlafen gelegt.— Am anderen Morgen(also dem Tage nach dem Morde) sei er wie gewöhnlich morgens nach der Fabrik gegangen und sei bis Feier- abend dort geblieben. Von der Fabrik sei er zu seinem anderen Schwager Basler in der Flensburgerstraße gegangen. Tort sei er bis 9 Uhr geblieben und sei das Schleswiger Ufer entlang über die Hansabrücke nach Hause gegangen. Dies stand nun im Wider- spruch mit seiner ersten Aussage, daß er am 6. Januar schon um �8 Uhr das Paket gesunden habe. Als ihm das vorgehalten wurde, sagte er, er müsse sich dahin berichtigen, daß er erst an, 7. zu Basler gekommen, dagegen am 3. und 6. abends bei seiner Schwester' Frau Lozar gekommen sei. Dann ergänzte er seine erste Aussage noch dahin: er hätte ganz vergessen anzugeben, daß er, nachdem er den Helfrich begrüßt, auch noch in das Wehpkesche Lokal gegangen sei und dort mehrere Gläser Bier getrunken. Er habe dort auch noch einen jungen Mann mit zwei Mädels angetroffen.(Später hat er zugeben müssen, daß er selbst dieser junge Mann gewesen.) Nach 11 Uhr habe er das Wehpkesche Lokal verlassen und sei nach Hause gegangen. Zeugen für diese Behauptung hat er nicht. Da- mit war das erste Verhör beendet, inzwifchen war der Kriminal- kommissar Leonhardt eingetroffen, der Angeklagte wurde vorläufig abgeführt, dann begann gegen 2% Uhr nachts die eigentliche Ver- nehmung und Protokollierung seiner Aussage, die der Angeklagte mit der Bemerkung begann:„Sie halten mich doch nicht etwa für den Mörder der Frau Sinnig?" Auf die Frage:„Sind Sie an dem?N.orde beteiligt?" antwortete er:„Nein, ich bin ganz unschuldigl" Bei dieser protokollierten Aussage hat er wiederholt und auf das bestimmteste erklärt, daß er das Paket am Freitag, 6. Januar, abends gegen 7� Uhr, vor dem Schaufenster von Loeser n. Wulff nach der Wilhelmshavencrstraße zu gefunden habe und zwar auf dem Hinweg zu•einer Schwest'-r. Am Freitag will er bis 9 Uhr abends be' seiner Schwester, Frau Lozow gewesen sein. Er habe dort nichts von seinem Funde ges>gt, dagegen habe man sich in der Familie Lozow eingehend über den Mord unterhalten. Dabei will er bei Lozows auch ein Erlebnis erzählt haben, was ihm angeblich die Snmig mirgeteilt hake. Er habe nämlich am zweiten Weihnachtsfeierrage zwischen 12 und 1 Uhr bei Frau Sinnig Zigaretten gekauft und d.> habe ihm Frau Sinnig erzählt: in der Kirchenzeit habe es hinten an ihre Mir geklopft und es sei ein verheirateter Mann aus der>1 achbarschaft, der Kinder und darunter auch ein zwölfjähriges Mädchen Hab:, erschienen, um hinten herun! einige Zigaretten zu kaufen. Ter Mann fei ihr gleich scharf-auf den Leib gerückt und in den Lasen gefolgt. Dort habe er plötzlich einen Taler auf den Tisch gelegt und sie umarnn Sie habe ihn hinausgedrängt und ihm dann se're Zigarren tauch eine Öffnung unterhalb der Ladentür hinausgereicht. Der Auqellagte hat damit trohl einen Verdacht auf sen-n Mann werfen v olle Als der Kommissar ihn fragte, ob er denn nicht stutzig geworden sei, als er in dem Paket eine Zigarrentute mit der Firma„Sinnig" fand, sagte Tschirner: er habe den Inhalt des Pakets erst zu Hause näher geprüft. Tann aber wurde er stutzig und verbesserte sich dahin.: er wisse nicht genau, ob die Firma„Sinnig" auf der Tute stand, doch könne es möglich sein. Aus weitere Fragen des Kom- mssars hat der Angeklagte erklärt: er wisse absolut nicht, wer an dem Tode der Frau Sinnig schuld sei und hätte auch nicht erfahren, daß und was aus der Sinnigschen Wohnung gestohlen worden sei. Auf den Vorhalt, daß es doch auffällig sei, daß er nicht mit der Mög- lichkeit gerechnet habe, daß die gefundenen Gegenstände mit dem Tode der Frau Sinnig in Verbindung stehen könnten, antwortete Tschirner dem Kommissar: Er habe gar nicht daran gedacht und überhaupt erst bei seiner Sistierung erfahren, daß etwas gestohlen worden ist. Zeitungen lese er nicht. Der Kommissar hat ihm dann wiederholt vorgehalten, wie unglaubwürdig seine Darstellung sei, da am 6. Januar, wo er das Paket gefunden haben will, in der Wilhelmshavenerstratze große Menschenansammlungen sich gebildet hatten und das Finden des Pakets wohl nicht unbemerkt geblieben wäre. Der Angeklagte habe, wie auch der Kriminalinspektor Braun gelegentlich bestätigt hat, eine ganz auffällige Ruhe, Unempfindlichkeit und Unzugänglichkeit gegenüber einer so schweren Beschuldigung a.. den Tag gelegt. Der Kommissar hat ihn dann an, 12. und 13. auf dem Polizeipräsidium mehrmals vernommen und ihn ans die verschiedenen Widersprüche aufmerksam gemacht. Er hat ihm vor- geworfen, daß es am 6. Januar den ganzen Tag geregnet habe und er sich doch an der schmutzigen Hülle des Pakets die Hände be- schmutzt haben müßte. Tschirner erklärte aber, daß die Umhüllung trocken gewesen sei und er sich nicht beschmutzt habe. Dann wurde ihm vorbehalten, daß der junge Mann, den er am 5. Januar abends mit zwei Frauenzimmern bei Wehpke getroffen haben wollu, er selbst gewesen sei. Er erklärte darauf, daß er dies aus Scham- gefühl verschwiegen habe, denn er sei bei einer Prostituierten ge- Wesen und habe diese zu Wehple mitgenommen. Nim kam dem Kommissar ein eigenartiger Gedanke. Er ersuchte den Angeklagten, einmal zu denken, daß er sich jetzt im Zimmer dieser Prostituierten befände und ihm vorzumachen, wie er da hineingekommen sei. Da hat dann der Angeklagte gezeigt, wie er den Ueberzieher auf den Stuhl geworfen habe. Der Kommissar fragte ihn darauf, ob denn das Paket(welches bekanntlich erst am 6. Januar gefunden sein solle) bei dem Ablegen des Ncvcrzichers herausgefallen sei? Ganz ahnungslos antwortete der Angeklagte:„Nein, ich hatte es in der äußersten linken Tasche und die darüber befindliche Klappe verhinderte das Herausfallen." Er hatte sich somit selbst gefangen und der Eindruck dieses unbewußten Geständnisses, daß er das Paket schon am 5. Januar besessen hatte, war auf den Kommissar ein überaus starker. Er fragte aber ganz ruhig weiter, wann er sich denn den Inhalt des'Paketes angesehen habe und erhielt prompt die Antwort, als er aus dem Wehpkeschen Lokal gegen 12 Uhr in seiner Wohnung, Jagowstr. 17, angelangt war. Zu Hause sei es ganz dunkel gewesen, er habe sich aber die Küchenlampe angesteckt, den Inhalt des Pakets besichtigt, Papierhülle und Zigarrentüte weg- geworfen und die Schmucksachen unter sein Kopfkissen gelegt. Aus wiederholten Vorhalt des Kommissars erklärte er, daß dies nach sorgfältiger und reiflicher Ilebcrlegung die reine Wahrheit sei und unterschrieb das Protokoll. In diesem Moment war für den Zeuge-- jeder Zweifel an der Täterschaft des Angeklagten beseitigt, er machte ihn nun auf den kolossalen Widerspruch in seiner. Angaben und auf sein unbewußtes Zugeständnis aufmerksam und fragte ihn: Fetzt wollen Sie noch bestreiten, daß Sie am Morde beteiligt sind?" Da wurde Tsckiirner ganz perplex und verhielt sich völlig passiv. Zeugin Ida L i n d n e r ist das Mädchen, in deren Wohnung der Angeklagte am Abend des 5. Januar gegen 11 Uhr nock; ige- wesen ist. Der Aufenthalt dort dauerte nur kurze Zeit, das Mädchen hat von ihm 3 M. 70 Pf. erhalten und zwar ein 2 Markstück, ein 59 Pfennigstück und das übrige in kleiner Münze. Der- Angeklagte war sehr ruhig und nett. Ein Paket hak die Zeugin an ihm nicht bemerkt. Frau Lozow, die Halbschwester des Angeklagten, bekundet, daß Tschirner am Mordtage, 5. Januar, bei ihr gewesen sei. Wann er gekommen, wisse sie nicht; es mag um 8% Uhr gewesen sein. Sie weiß auch nicht genau, wann er weggegangen ist. � Einmal ist er ja nach 19 Uhr weggegangen, da hat ihn ihr Mann noch hinaus- gelassen, ob dies aber am 3. Januar war, weiß sie nicht.— Staats- anlvalt Bahr: Das ist ganz neu; bisher hat die Zeugin immer ausgesagt, daß dies niemals vorge- kommen sei. Bei den Gesprächen nach dem Morde hat, wie die Zeugin behauptet, ihr Bruder ein ausfälliges Benehmen nicht ge- zeigt, sondern nur gesagt, daß er manchmal Zigaretten bei Fron Sinnig gekaust habe. Ihr Bruder lzabe sich stets anständig und bescheiden gezeigt, daß sein Bruder Paul jemals„Emil" genannt worden sei, sei ihr uirbetannt. Von seinem Fund« habe der An- geklagte gar nichts erzählt. Die Zeugin behauptet, daß sie mit dem Bruder nicht davon gesprochen habe, daß der Sinnig Sachen gestohlen seien. Aus den Akren wird festgestellt, daß Frau Lozow bei ihrer ersten polizeilichen Bernchmmrg gesagt hat, ihr Halbbruder sei mn 4. oder 3. abends bei ihr gewesen, sei etwa um acht Uhr gekommen und habe sich nur eine halbe Stunde aufgehalten. Frau Lozow be- hauptet ferner, daß sie dem Angeklagten am 4. Januar 20 M. zi rückgezahlt habe, während sie früher vor dem Untersuchungsrichter erklärt hat, daß sie ihm seit dem Tage, als er von ihr wegzog, d. h. am 2. Januar, kein Geld mehr gegeben hätte. Er hätte die 20 M. schon vorher ratenweise vollständig zurückerhalten. Auch andere Widersprüche in ihren Aussagen werden der Zeugin vor- gehalten und als sie diese aufzuklären sucht, bemerkt ihr der Staats- anwalt:„Nehmen Sie mir nicht übel, wenn ich Ihnen nicht glaube I" Der Portier Lozow, Ehemann der letzten Zeugin, verweigert sein Zeugnis, ebenso der achtjährige Sohn Willy Lozow. . Arbeiter August Adolj, der Schlafwirt des Angeklagten seit dem 2. Januar war, weiß, daß Tschirner am 3. Januar noch nicht zu Hause war. Als er am 6. Januar abends von der Arbeit kam, wurde über den Mord gesprochen und da hat Tschirner gewußt, wie die Leiche im Laden gelegen hat. Woher er diese Wissenschaft hatte. weiß der Zeuge nicht. Die nächste Zeugin, die Restaurateursfrau Zunkel aus der Kirchstraße bekundet, daß Tschirner am 3. Januar seine Uhr bei ihr versetzt habe. Ein Arbeiter H e n s ch e l, der mit Tschirner in derselben Fabrik arbeitete, bekundet, daß Tschirner am 4. Januar ihn aufgefordert habe, etwas„zum Besten" zu geben, da er selbst nur noch 30 Pf. besitze. Staatsanwaltschaftsrat Bahr macht darauf aufmerksam, daß Tschirner bisher behauptet hat, am 4. Januar von seiner Schwester bezw. seinem Bruder 20 M. erhalten zu haben. Eine ganze Reihe von Zeugen, die über die Mittellosigkeit des Angeklagten vor dem Morde und seine Ausgaben am 3., 6. und 7. Januar auszusagen haben, ist ohne wesentliche Bedeutung. Frau B a s l e r, geb. Tschirner, die Schwester des Angeklagten, bekundet gleichfalls nichts wesentliches, ihr Ehemann verweigert die Aussage. Arbeiter Wilhelm Sinnig I(kein Verwandter der Er- mordeten) sagt aus, daß Tschirner, der in derselben Fabrik, wie der Zeuge, aber in einer Nachbarabteilung arbeitet, am 11. Januar vormittags 10 Uhr zu ihm herüber gekommen sei und ihm eine Brosche überreicht habe. Er sagte, er habe die Brosche gefunden, und wenn sich ein Mädchen als Eigentümerin melden sollte, sollte er ihr die Brosche nur geben;„er verlange keinen Finderlohn, möchte aber nicht in den Verdacht kommen, einen Fund zu unterschlagen". Dem Werkmeister Otto Keil hat der Angeklagte an dem- selben Tage in ähnlicher Weise ein Paar Ohrringe als gefunden übergeben, zu dem sich auch eine Eigentümerin nicht meldete. Ueber die angebliche Daumenberkchung, die der Angeklagte am 2. Januar in der Fabrik erlitten haben will und auf welche er die Blutflecke in der Weste und im Taschentuch zurückführt, werden mehrere von ihm benannte Zeugen vernommen, können aber be- stimmtes nicht sagen, da derartige Taumenverletznngen vielfach vor- kommen. Die Möglichkeit, daß dies auch bei Tschirner der Fall ge- Wesen, wird zugegeben. Die Zeugin Madzak hat früher mit dem Bruder des An- geklagten ein Verhältnis gehabt und den Angeklagten ein paar Wochen vor Weihnachten bei Frau Basler kennen gelernt. Am Sonntag nach dem Mord ist er mit ihr ins Theater gegangen, hat 2 Billetts a 2 M. gekauft und nachher noch eine Tasse Kaffee für sie bezahlt.— Auf die Frage des Staatsanwalts erklärt die Zeugin, daß sie gar kein Liebesverhältnis mit dem Angeklagten gehabt habe und ihn auch gar nicht heiraten wollte. Die Zeugin ist übrigens seit dem 23. Mai verheiratet. Sie erklärt, daß sie weder von dem Angeklagten noch von den Angehörigen desselben irgend etwas über den Mord gehört hat, was sie verschweigen sollte.— Staatsanw.- Rat Bahr hält es bei dieser Sachlage für eigentümlich, daß der Angeklagte in sein«. Briefen aus dem Gefängnis so verliebt tut und verschiedentlich schreibt, was bloß Ida von ihm denken mag, ob Ida ihn noch lieb habe usw. Einige Erörterungen zwischen dem Staatsanwalt und dem Schlafgenossen des Tschirner, namens Unger, sowie dem Rechts- anwalt Dr. S ch w i n d t, dem Kriminalkommissar Leonhardt und einigen Geschworenen drehen sich um die Frage, ob der An- geklagte onßer den bei ihm beschlagnahmten Kleidungsstücken noch andere, insbesondere noch andere Hosen gehabt und am Tage der Ermordung getragen haben könnte. Völlige Klarheit ergibt sich darüber nicht. Damit ist die Beweisaufnahme bis auf die Vernehmung der Sachverständigen erledigt. Um 3 Uhr wird die Verhandlung auf Mntag 9Vj Uhr vertagt. Huö der frauenbewegung. Die Genossinnen des sechsten Kreises unternehmen am Dienstag, den 4. Juli, einen Ausflug nach Tegel. Treffpunkt um 2 Uhr bei Klippenstein, Spandauerstr. 4. Für Nachzügler bis 4 Uhr daselbst. Um zahlreiche Beteiligung ersuchen Die Vertrauenspersonen. Im Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse in Weiße nsee referierte am 26. Juni Frl. Ida Baar. Im Monat Juli fällt die Versammlung aus. Dafür findet am 19. Juli ein Ausflug nach dem Schweizerhäuschen in Waidmannslust statt. Treff- Punkt früh s'/z Uhr im Prälaten, Ecke Lehderstraße. Soziales. Vom Berliner Kanfmannsgericht. Was für Zeugnisse zuweilen ausgestellt werden(Zeugnisse, die lediglich dazu bestimmt scheinen, den damit versehenen Handknngs- gehülfen die Erlangung einer neuen Stellung unmöglich zu machen), dafür find während der kurzen Zeit des Bestehens des Kaufmanns- gerichtes mancherlei Beispiele zil tage gefördert worden. Der In- Haber der Firma Bernhard Köhler, Kautschukstempel- und Metallwarenfabrik, hatte einem jungen Mann, der in seinem Kontor 4 Jahre und 2 Monate gelernt hatte, und Vr dann dort noch fast ein Jahr als Gehülfe tätig war, ein Zeugnis ausgestellt, worin ihm ein überaus affektiertes Wesen, oftmaliges Zuspätkommen, Ungehorsam und ein provokatorisches Betragen zum Vorwurf gemacht wurde. Ueber die Gehülfentätigkeit hatte der junge Mann ein Zeugnis erhalten, das zwar keine so groben Vorwürfe, doch eine Bemerkung enthielt, die ihm sein Fortkommen ebenfalls erschweren mutzte. Mir diesen Zeugnissen war es ihm nicht möglich gewesen, eine neue Stellung zu finden. Er verlangte Gehaltsentschädigung und andere Zeugnisse. Er gab wohl zu, daß er während seiner Lehrzeit seinen Pflichten nicht immer so nachgekommen sei, wie es sich gebührte, fiihrte aber zur Entschuldigung an, daß in dem Geschäft Lehrlingsziichterei betrieben werde. Er habe, um sich als Handlungsgehülfe die nötigen Kenntnisse zu verschaffen, nur drei Monate die Handelsschule besucht, und er legte dem Gericht ein gutes Zeugnis dieser Schule vor.— Das Gericht fällte die Eni- scheidung, daß der Bellagte dem Kläger auf dessen ausdrücklichen Wunsch zwei Zeugnisse auszustellen habe, in denen nur die Dauer der Lehrzeit und der Gehülfentätigkeit bestätigt würde. Mit seinen Gehaltsansprüchen wurde der Kläger abgewiesen. Ein Entscheid, der im wesentlichen damit begründet wurde, daß der Kläger auf die Ausdehnung der Zeugnisse mit Führung und Leistungen verzichter hätte.— Für uiizulässig erklärt wurde es weiter, daß die Lederhandschuh- und Gürtelfabrik von S i e g f r i e d B r a th den Bureanvorsteher eines Rechtsanwalts als ihren Vertreter gegenüber der Klage eines Reisenden bestellt hatte. Die Abweisung dieser Vertretung gründet sich auf den§ 31 des Gewerbegerichtsgesetzes, der bekanntlich auch für die Kaufmannsgerichte gilt. Es wird ein neuer Termin an- beraumt, zu dem der Bellagte persönlich zu erscheinen hat. „Verrückt, total blödsinnig" hatte der Inhaber des Maschinen- ariilelgeschäfts von Oskar Zeidel seinen Handlungsgehülfen ge- nannt, und dieser hatte dann die Arbeit niedergelegt. Er verlangte nun 137.39 M. Gehaltsentschädigung, wurde aber mit seiner Klage abgewiesen mit der Begründung, daß er den Beklagten gereizt und der Beklagte sich außerdem entschuldigt habe. Der Kläger zeigte sich sehr aufgeregt über dieses Urteil. Zu'Tränenergiissen kam es bei der Verhandlung über die Klage einer jungen Buchhalterin, die in der Buchhandlung von Dochow tätig gewesen war. Sie hatte ihre Stellung verlassen, weil ihr unter dem Vorgeben, sie habe Ungeziefer, ein besonderer Raum zum Arbeiten angewiesen worden war und ihr auch im übrigen eine Behandlung zuteil wurde, die sie einmal so aufgeregt, daß sie in Krämpfe fiel. Auch wurden von der Firma Anforderungen ge- stellt, die nicht einmal gesetzlich zulässig sind, wie die, daß sie an den beiden Osterfeiertageu bei den Kunden kassieren gehen sollte, was nach Meinung der Firma ebenso gut für sie sei, als wenn sie spazieren gehe. Später, be- merkte die Klägerin, sei Provision für das Kassieren angeboten worden.— Das Gericht verurteilte die beklagte Firma zur Zahlung der verlangten Gehaltssumme von 45 Mark mit der Begründung. daß, wenn es der Klägerin wirklich einmal passiert sei, daß sie Ungeziefer gehabt habe, dies kein Grund zu einer so verletzenden Behandlung wäre. Zur ÄuShiilfe mit eintägiger Kündigungsfrist hatte das Waren- hauS Löwenberg eine Verkäuferin angestellt und zwar ans drei bis vier Wochen. Das Gericht kam aber nach Anhörung eines Zeugen der beklagten Firma zu der Ueberzengung, daß es sich tatsächlich um ein Probe-Engagement handelte. zumal keine bestimmte Dauer der Aushülfe vereinbart war. Die Klägerin hatte sofort gegen die vorzeitige Entlassung protestiert und sich dem Beklagten zur Verfügung gestellt. Der Beklagte wurde verurteilt, der Klägerin sofort die fällige Gehaltssumme von 48,08 Mark zu zahlen und ferner bis zum 30. September an jedem Monatsschluß das Monatsgehalt von 40 Mark, jedoch abzüglich dessen, was die Klägerin vielleicht während dieser Monate in anderer Stellung verdienr. In der Begründung des Urteils wurde ausgeführt, daß es weniger ans die Form der Vereinbarung, als auf den Willen der Parteien ankomme. Es sei anzunehmen, daß der Beklagte nicht ein vorübergehendes Bedürfnis seines Ge- schäftes beftiedigen wollte und es ihm offenbar nur um eine Um- gehung der gesetzlichen Kündigungsfrist zu tun gewesen sei. Briefkasten der Redaktion. Wir bitten bei jeder Anftage-ine Chiffre(zwei Buchstaben oder eine Zahl) anzugeben, unter der die Antwort erteilt werden soll, und die letzte itlbonuemenlsquittliiig beizulegen. Fragen ohne solche werden nicht beant- wortet und fchristliche Antwort wird nicht erteilt UlkuS. Nicht 1903, sondern 1393: Der Fall Kunert von 1393 ist jetzt, von dem Halleschen GerichtShoj 1903 ausgewärmt, in das neue Urteil hineingearbeitet worden. Friedrichsberg Adressieren Sie Ihre Anfragen an das Kuratorium des Vieh- und SchlachthoseS, Berlin, Eldenaerstraße.— O.®. 20. 1. j. B. Stettin, Bremen, Mannheim und andere. Erschöpfend im Moment nicht nachweisbar. 2. Arzt fragen.— Zwei Wettende, W. M. Potsdamer Platz und Leipziger Siraße von da bis zur Friedrichstrnfze bekamen zuerst im Herbst 1882 versuchsweise elektrische Beleuchtung.— A. M. 100. Bau- gewertschule Klirsiirstensw. 141, beim Direktor. Schulgeld 100 M. pro Kursus. Ersorderlich ist einige Sicherheit r, Rechtschreibung sowie inj Rechnen und in den Anfangsgründen der Geometrie. Wintersemester beginnt im Oktober.— E. W. 28. Staatliche Heizerkurse werden in jeden: Winter veranstaltet. Wir werden im lokalen Teil unseres Blattes den Anfangstermin mitteilen, sobald er festgesetzt ist.— A. M. Die ersten Hamburger.Cholerasälle 1392 wurden am 23. August in der Press« ge« meldet. WltternngSNberstcht vom 1. Juki 100». morgens« Uhr. 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Der Vertreter vom Nirdorfer Ser Maifeier auch bei den im allgemeinen noch rückständigen Bäcker- Männerchor" meinte, daß dem Beschlusse des Bundes schon RechDer Berband der Bäcker beschäftigte sich in seiner am Dienstag gesellen Eingang finden, umſomehr, als ja in den Gegenden, wo die nung getragen werde, da einzelnen Vereinen, denen bisher Freiabgehaltenen Versammlung mit den Verhandlungen des Gewerkschafts- Arbeiterbevölkerung vorwiegt, auch die Kundschaft der Bäckermeister, billetts verweigert wurden, dieselben sowie sonstige Ausgaben gewährt fongresses. He si chold, der das Referat hatte, hob zunächst eben die organisierten Arbeiter, die Durchführung der Arbeitsruhe werden. Jeder Verein müsse Wert auf sich selbst legen und wir herbor, daß die Bäder die Stellungnahme des Kongresses zur Ab- der Bäcker begünstigen. Ein Redner vertrat bei dieser Gelegenheit werden uns auch in anderen Kreisen Achtung verschaffen. fchaffung des Kost- und Logiswesens mit Freuden begrüßen können. die Ansicht, daß die Bäcker neben der Forderung des Achtstundentags Dieser Ansicht sind noch verschiedene Redner und betonen, daß jeder Diese Frage dürfe nicht eher von der Tagesordnung der öffentlichen am 1. Mai für die fast noch wichtigere Forderung der Sonntagsruhe, Verein im Prinzip den Bundesbeschluß hochhalten solle. Bei der Erörterungen verschwinden, bis sie gelöst sei. Ebenso tönnten die d. 5. einer freien Nacht von Sonntag zum Montag eintreten müßten.Maistatistit stellte sich heraus, daß bei der Probe 32 Proz. und bei Bäcker befriedigt sein mit den Beschlüssen des Kongresses zur Eine von diesem Redner gestellte Resolution, welche diese Forderung der Maifeier 49 Proz. mitgewirkt haben. Diese schwache Beteiligung Genossenschaftsbewegung. Sie sei neben der politischen und gewerk vertritt sowie die strikte Arbeitsruhe am 1. Mai 1906 verlangt, wurde wurde in der schärfsten Weise kritisiert und darauf hingewiesen, daß schaftlichen das dritte Glied in der Arbeiterbewegung. Im Genoffen- vom Referenten bekämpft mit dem Hinweis, daß die Organisation alle größeren Chöre am stärksten beteiligt und die fleineren schaftswesen tönnten die Arbeiter ihre wirtschaftliche Macht zur Geltung mit einem Teil der Bäckermeister einen Tarifvertrag abgeschlossen Vereine fast ausschließlich versagt haben. Hierbei wurde bringen, selbst wenn die politische und gewerkschaftliche Bewegung durch hat. Während der Dauer des Vertrages dürfe bei den tariftreuen gleich auf den Wert der größeren Chöre hingewiesen, die Machthaber eingeschränkt werden sollte. Zur Frage des General Meistern weder die Sonntagsruhe noch die Arbeitsruhe am 1. Mai und nochmals die Verschmelzung fleiner Vereine zu größeren ftreits meinte der Redner, die anarchistische, ebenso die Friedebergsche verlangt werden. Diese Forderungen würden einem Tarifbruch Chören befürwortet. Ein Antrag auf Schluß der Diskussion Generalstreit- Idee finde in den Reihen der Bäcker keinen Anhang. gleichkommen, dessen sich organisierte Arbeiter nicht schuldig machen wurde angenommen. Huth verteidigt noch die„ Typographia" Anders sei es mit dem politischen Massenstreik. Zwar habe man an dürfen. gegen persönliche Angriffe. In dem Kreise Teltow- Beeskow findet den Sympathie- und Massenstreits in Italien und Frankreich nicht Die Resolution wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. am 28. Juli das Sommerfest statt und werden die Vereine gebeten, gerade günstige Erfahrungen gemacht, wenn es aber bei uns die Ausschußfihung des Arbeiter- Sängerbundes. Zur Aufnahme ge- fich an demselben zu beteiligen. Freibilletts werden den Sängern Verhältnisse nötig machen würden, die Rechte der Arbeiterklasse zu meldet haben sich die Vereine Alpenglühen" und" Hilaritas", beide gewährt. Veränderungen der Vereine find sofort anzuzeigen. Der verteidigen, dann würden auch die Bäcker auf dem Plaze sein. in Berlin." Alpenglühen" wurde in den Bund aufgenommen, Verein Vorstand hat zu dem diesjährigen Sängerfest wieder mit Was die Maifeier anlangt, so hätten es ja die Bäder noch nicht so weit hilaritas" war nicht zur Zeit anwesend und wurde die Aufnahme der Stern- Gesellschaft abgeschlossen und beträgt der Fahrpreis gebracht, daß sie sagen können: Am 1. Mai lassen wir die Arbeit ruhen. zurückgestellt. Der Vorsitzende gab die vom Vorstand in Aussicht für eine einmalige Fahrt, wie im vorigen Jahre 35 Pf. Aber es werde auch in dieser Hinsicht mit der Zeit beffer werden. genommene Erweiterung des Liederbuches bekannt. Alle populären Auf ein vom Vorstand geplantes Programmheft weist der Vorsitzende Er, der Nedner, sei für Beibehaltung der bisherigen Form der Lieder der Vereine sollen Aufnahme in demselben finden und wünscht hin und bemerkt, daß die Absicht vorliegt, Annoncen in demselben Maifeier; er würde auch in Köln in diesem Sinne gestimmt haben, der Vorstand, daß die Vereine dem insofern Rechnung tragen, als alle aufzunehmen. Die Vereine mögen dafür Sorge tragen, daß recht wenn es zur Abstimmung gekommen wäre. In der Frage: Arbeits- geschmackvolleren Lieder, die des öfteren von den Vereinen gefungen biel Annoncen einlaufen, um das Programm am Tage des Sängerfammern oder Arbeiterlammern sei er für die ersteren, weit sie zur- werden, wobei besonders Märsche erwünscht sind, an den Schrift- festes kostenlos ausgeben zu können. Die Annoncen find an zeit nur Aussicht auf Berwirklichung haben. Sein allgemeines führer Gustav Schönthal, Andreasstr. 57, einzusenden sind. Bei der Hermann Raetebusch, Graudenzerstr. 4, einzusenden Nachdem machte Urteil über den Gewerkschaftstongreß faßte der Referent dahin zu Auswahl der Lieder werden Fachleute mit hinzugezogen. Das Buch der Vorsitzende auf eine Besprechung zum Zwecke der Verschmelzung fammen, daß man mit den Ergebnissen des Kongresses zufrieden selbst kann allerdings vor dem Sängerfest nicht mehr in Angriff ge- der Vereine im Norden aufmerksam. sein tönne. nommen werden; jedoch ist es den Vereinen überlassen, jezt schon Lieder einzusenden. Notwendig hierzu sind nur die Partituren. Diesem Vorschlage wurde vom Ausschuß zugestimmt. Bei der Feststellung Dresden- 1,62 Meter, bei Magdeburg+0,90 Meter. Unstrut bei Wafferstand am 30. Juni. Ibe bei Auffig Meter, bei der Beantwortung der Fragebogen entspann fich wieder eine lebhafte Straußfurt+1,10 Meter. Dber bei Statibor+1,40 Meter Debatte. Meyer meinte, es wäre nun mal an der Zeit, die Breslau Ober- Begel+4,92 Meter, bei Breslau Unter- Begel- 1,22 meter, Streitagt zu begraben. Beide Richtungen haben ihre Berechtigung. bei Frankfurt+1,38 Meter. Weichsel bei Brahemünde+3,30 Meter. Jedem Verein möge es überlassen bleiben, seine Ansicht zur Geltung In der Diskussion wurde fast nur die Frage des Generalstreiks und der Maifeier behandelt. Einige Redner sympathisierten mit bem politischen Massenstreit, den sie für gleichbedeutend mit dem Generalstreit erklärten. Besonders wurde betont, daß diese Frage diskutiert werden müsse, damit Klarheit geschaffen werde über die im gegebenen Falle anzuwendenden Kampfmittel. Alle Redner Moderne Anzüge 27.- 24.- 21,-18, Jackett- Anzüge 50-45-40-36.- 30.- 15M. Rock- Anzüge 55.- 50.- 45.- 30.- 33,- 30,- 27 M. 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Zages Drdnung: 1. Bericht über die Verhandlungen mit dem Arbeitgeber. Verband. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Kollegen! Kolleginnen! Der wichtigen Tagesordnung halber erscheint Mann für Mann. 102/18 Orts Krankenkasse der Schneider, für den 6. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Schneiderinnen 190 Dienstag, den 4. Juli, abends 8% Uhr: General- Versammlung in den„ Germaniasälen", Chauffeestr. 103. Tagesordnung: 1. Referat des Genossen Ledebour über:" Die Tätigkeit unserer Fraktion im Reichs: tage". 2. Diskussion. 3. Bericht des Vorstandes, des Kassierers und der Revisoren. Zahlreichen Besuch erwartet Verband der Sattler. Achtung! Ortsverwaltung Berlin.edu Dienstag, den 4. Juli 1905, abends 8%, Uhr, in Graumanns Festsälen, Naunynstr. 27: Außerordentliche Versammlung der in der Mitgliedsbuch legitimiert. Zimmerer! 248/ 8* Der Vorstand. Achtung! und verwandter Gewerbe zu Berlin. Die für das Jahr 1905 gewählten Vertreter der Ortskrankenkasse der Schneider, Schneiderinnen und ver wandter Gewerbe zu Berlin werden zu der am Montag, den 10. Juli 1905, abends 82 Uhr, im Neuen Klubhaus, Kommandantenftattfindenden straße No. 72 Ordentlichen 27715 General Versammlung hiermit eingeladen. Tages- Ordnung: 1. Abnahme der Jahresrechnung pro 1904. 2. Bericht des RechnungsMontag, den 3. Juli 1905, abends 81/2 Uhr, im Lokale des Herrn Gellert, usichuffes. 3. Erteilung der Decharge. Steinmegstraße 113: Oeffentliche Verfammlung Tafschenbranche beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen. Der Zimmerer Rigdorfs. Zages Drdnung: 156/20 Tages- Ordnung: Im Auftrage des Vereins der Zimmerer, Zahlstelle Rigdorf: Franz Herfort. Achtung! Achtung! 1. Der am 29. Juni 1905 vor dem Einigungsamt des Berliner 1. Die Gegensäge in den beiden Zentralisationen der Zimmerer Deutschlands und unsere Stellung zur Gewerbegerichts abgeschlossene Tarifvertrag in der Taschenbranche Arbeitslosen- Unterſtügung. Referent: Stamerad Th. Fischer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 257/20 und unsere Stellungnahme den Fabrikanten gegenüber, welche diesen Vertrag nicht zur Einführung bringen. 2. Verschiedenes. Wir halten es als selbstverständlich, daß die in den Taschenfabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen es als Ehrenpflicht erachten, in dieser Versammlung anwesend zu sein. Besonders eingeladen find hiermit die Kollegen und Kolleginnen von Markiewicz, Goldmann, Huschke& Rohde, Fehrmann, Feist, Lancza, Andree, Lande, Renner, Friedrich, Myrow, Gewers, Drewinski. Die Lohnkommission. J. A.: Carl Weyher. Tapezierer. Mittwoch, den 5. Juli, abends 8½ Uhr, bei Wendt, Beuthstr. 20: Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Genoffen Franz Kotzke. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Pflicht eines jeden Kollegen ist es, zu erscheinen. 178/14 Die Verbandsleitung. Zentralverband der Maurer Deutschlands 6 Zweigverein Berlin. 4. Aenderung des§ 38 des Statuts auf Wiederherstellung des Textes in feiner früheren Fassung. 5. Ver schiedenes. Der Vorstand. Oskar Broda, Vorsitzender. Fritz Kunze, Schriftführer. Gewerbegericht zu Berlin. J.- Nr.: 490 Gew.- Ger. 05. Berlin, den 1. Juli 1905. Bekanntmachung. Die Wahlen der Arbeitnehmer- Bet fizer der Schlichtungs- Kommission der Stuffateure finden am 5. Juli 1905, abends 7 Uhr, in Otto Elsners Musiksälen, Kaiser Wilhelmstr. 18m im Wege der Proportionalwahl statt. Wahlberechtigt find alle Stuffateurgehülfen in Berlin und Umgegend. Die Teilnehmer an der Wahl müssen sich über ihren Beruf genügend ausweisen; Invaliden Quittungskarte oder Mitgliedsbuch der Organisation genügt. " Mittwoch, den 5. Juli 1905, abends 8% Uhr sinn der Wahl einzureichen. finden für den Zweigverein Berlin 9UNA 6 Mitglieder- Versammlungen in folgenden Lokalen statt: Für Westen und Schöneberg Meiningerstr. 8 bei Obst. Verband der Tapezierer( Kleber). Sür Südwest, Süden und Südost Dienstag, den 4. Juli, abends 8 Uhr, bei Wendt, Beuthstr. 20: Versammlung. Zages- Ordnung: 1. Die jetige Situation in unserem Berufe. 2. Distusfion. 3. Ber schiedenes. Pflicht eines jeden Klebers ist es, zu erscheinen. Berliner ArbeiterAdmiralstraße 18, Märkischer Hof". Für Ost I, Ost II und Nordost Große Frankfurterstraße 117, Königsbaut". Für Norden I u. II, Oranienburger Vorstadt, Wedding, Moabit Chauffeestraße 103, Germania- Säle, großer Saal. Für Rirdorf Bergstraße 151/152 bei Thiel. Für Charlottenburg Rosinenstr. 3, im großen Saal des Boltshauses. Für Groß- Lichterfelde: Chanffeeftr. 104, bei Reißen. Lages Drdnung: 178/13 Das Ergebnis der Bautenkontrolle und wie gedenken wir in Zukunft zu arbeiten? Kollegen! Wir erwarten vollzähliges und pünktliches Erscheinen. Agitiert für guten Besuch der VersammKeiner darf fehlen. Mitgliedsbücher werden abgestempelt. Radfahrer- Verein " Alleiniger Bundesverein innerhalb Berlins des Arbeiter RadfahrerBundes Solidarität". Der Berliner Arbeiter- Radfahrer- Verein, zurzeit zirka 1300 Mitglieder start( resp. der Bund" Solidarität" zur Zeit zirka 30 000 Mitglieder start) ift bestrebt, bei niedrigen Beiträgen möglichst vorteilhafte Gegenleistung zu bieten. Das Eintrittsgeld beträgt 75 Pf., wofür das Abzeichen geliehen wird. Der monatliche Beitrag für weibliche Mitglieder 25 Pf., für männ liche 35 Pf. Bei diesen Beiträgen ist der Bundesbeitrag einbegriffen. Hier für bietet der Verein resp. der Bund folgendes: das monatlich zweimal erscheinende Bundesorgan„ Der Arbeiter- Radfahrer", eine Unterstützung bei Radunfällen von 6 M., 7,50 M., 9 M. pro Woche nach Dauer der Mitgliedschaft, Rechtsschutz bei Fällen von prinzipieller Bedeutung, zollfreie lung. Achtung! Nach§ 6 der Bibliothek- Ordnung des Zweigvereins wird im Juli jeden Jahres eine Inventur aufgenommen. Wir ersuchen deshalb die Kollegen, alle ausgeliehenen Bücher auf dem schnellsten Wege abzuliefern. Die Verbandsleitung. J. A.: E. Thōns. Stukkateure. Mittwoch, den 5. Juli, abends pünktlich 7 Uhr: Große Wahlversammlung Grenzüberschreitung mit dem Rade, ermäßigte Radfahrerversicherung gegen in den Musiker Festsälen, Kaiser Wilhelmstraße 18m. Raddiebstahl 2c., Arbeitslosenunterstützung bei sonntäglichen Ausfahrten von 2 M. und 1 M., arbeitslose Mitglieder sind vom Beitrage befreit, ferner bedeutende Preisermäßigung auf Billetts für Theater, Zirkus 2c. = Tages Drdnung: Wahl der Schlichtungs- und Arbeitsnachweis Kommiffionsmitglieder im In Anbetracht der günstigen Vermögensverhältnisse des Bundes( zur Beit rund 40 000 m. bares Vermögen) ist in absehbarer Zeit eine Er- Stuffateurgewerbe auf Grund des Tarifvertrages 1905.( Proportionalwahl unter Leitung weiterung und ein Ausbau des Unterstügungswesens zu erwarten. Der Berliner Arbeiter- Radfahrer- Berein besteht aus neun Abteilungen. Die Abteilungs- eines Gewerberichters.) bersammlungen finden wie folgt ſtatt: Kandidatenlisten sind vor dem Bea Gewerbegericht, SchlichtungsKommission des Stukkateurgewerbes. Ongez. Wölbling. Adriaglut Kraft Rotwein für 32502* Blutarme, Kranke, Schwache etc. a Flasche 1,50 M. u. 2 M. inkl. Ueberall erhältlich! General- Vertretung: Berlin NW., Levekowstraße 23. Berlins größtes 8689L für t Teppich180/8 Die Ortsverwaltung des Zentral- Verbandes der Stuffateure Deutschlands. Spezialhaus Ehrenpflicht jedes im Beruf Beschäftigten ist es, an dieser Wahl teilzunehmen. Eintritt nur für die I. Abteilung jeden 1. und 3. Freitag im Monat bei Lehmann, Bülow- Kollegen gegen genügenden Berufsausweis. Mitgliedsbuch der Organisation oder Invalidenkarte genügt. straße 59. Liste A unseres Verbandes besteht aus den Kollegen: 1. K. Scheck, 2. M. Giebler, 3. M. Fuchs, jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat bei Schwantes, 4. P. Krebs, 5. W. Hübner. Mittenwalderstraße 15. Alle Mann zur Stelle erwartet Andreasstraße 26. Merkowski, jeden 1. und 3. Freitag im Monat im Elysium", LandsII. n " jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat im Märkischen Hof", Admiralstraße 18c. IV. " jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat bei V. 17 VI. " VII " " IX. " 1 berger Allee 40/41. jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat bei Bernau, Schwedterstraße 23/24. jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat bei Cranz, Röslinerstraße 8. jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat bei Fischer, Waldstr. 8. ( Sektion der Bäcker) jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat nachmittags 3 Uhr bei Bide, Schillingstr. 22. Mitglieder werden in jeder Versammlung sowie bei den Unterzeichneten aufgenommen. Bu Versammlungen und sonntäglichen Ausfahrten( Touren) find Gäste stets willkommen. Die Touren werden Freitags im„ Vorwärts" bekanntgegeben. Auskunft, schriftlich und mündlich, erteilen bereitwilligst 13/10 Leo Ostrowsky, Gastwirt, Schillingstr. 24, A. O. Ritter, N. Christinenstr. 33. Ein Jeder sage es dem Andern! 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Der wichtigen Tagesordnung halber ist das Erscheinen aller Arbeiter Schönebergs nötig. Der Ausschuß der Gewerkschaftskommission. J. A.: Carl Henkel. Gesundheit ist Reichtum! Regelmäßiges Baden erhält und fördert die Gesundheit. Bade Berlin- Süd im: im: Bad Frankfurt Ritter Bad IW Gr. Frankfurterstraße 136. 0 Ritterstr. 18, Ecke Prinzenstraße. Medizinische Bäder aller Art in werktäglich ununterbrochen geöffneten Sonder Abteilungen für Damen und Herren. KLEIE SCHWEFEL, 2 Wannen Bäder SOOLFICHTENNADELBADER 2 War mit je 2 Handtüchern Sogen 0,75 Mk.( 40 Minuten Badezeit.) Hygienisch einwandfrei bleiben nur Einzelbäder, niemals gemeinschaftlich benutzte Bassinbäder! durch seine Riesen- Lager 291/14 und den Riesen- Umsatz! 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Lieder: Krönt den Tag"-" Saat und Ernte"" Ich weiß, es kommt mein Ständchen Nacht"" Weihe des Gesanges" Pünktliches, vollzähliges Erscheinen! Im Nebensaale: " Dem Lenz entgegen"" Abends". Bundeskarte legitimiert! Bormittags präzije 10 Uhr: Husfchuß- Sitzung. 1. Aufnahme von Vereinen. 2. Bundesangelegenheiten. zu entnehmen. Tages Drdnung: 16/9 Billetts zum Sängerfest sind für Vereine nur bei Hermann Nätebusch, Graudenzerstr. 4, Der Vorstand. 1000 M. Belohnung. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands. Zweigverein Berlin. Sektion d. Gips- u. Zementbranche. Berlin SO., Engel- Ufer 15,„ Gewerkschaftshaus", Zimmer 49. Mittwoch, den 5. Juli 1905, abends 8%, Uhr, finden die Koppenstraße Nr. 29: Außerordentliche Mitgliederversammlung. Tages Drdnung: 1. Bericht vom Gewerkschaftskongres in Köln. Referent: Ges nosse Ernst Brückner. 2. Die Aussperrung in Bayern und an der Unter weser. 3. Anträge der Ortsverwaltung und der Mitglieder. 4. Ver schiedenes. 176/19 Wir ersuchen um recht zahlreiche Beteiligung an dieser Versammlung. und bitten wir namentlich die Bezirksführer, Hauskassierer und Vertrauens leute, für guten Besuch zu sorgen, da unter Punkt 3 einige sehr wichtige Anträge verhandelt werden. Darum nochmals: Kollegen! Erscheint vollzählig in dieser wichtigen Versammlung! Kein Kollege darf fehlen! Gäste haben Zutritt. Ferner ersuchen wir um Abholung der noch im Bureau bes findlichen Mitgliedsbücher. Sonntag, den 30. Juli 1905: Dampferpartie Mitglieder- Versammlungen nach Neuer Krug. der Rabikpuker, Rabikspanner und Zementierer statt. Die Versammlung der Nabizputer, an welcher auch die Träger teilnehmen, ist im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal III. Die Versammlung der Rabitspanner wird im Lokale von Jannarschk. Billetts sind im Bureau, sowie bei den Bezirksführern und Hauss taffierern zu haben. Rege Beteiligung erwartet Mit Gruß Die Ortsverwaltung. J. A.: W. Siering, C. 2, Stralauerstr. 48. Achtung! Brunnenbauer! Achtung! Die Versammlung der Gruppe der Zementierer findet bei F. Wilke, Montag, den 3. Juli 1905, abends 8 1hr, im Gewerkschaftshause, Unsere Lagerbestände in Herren- Stoffen feltr. 10, abgehalten. verkaufen wir unter eidesstattlicher Versiche- Brunnenſtr. 188, statt. rung wegen vorgerückter Saison bis zum 15. Juli genau zu Selbstkostenpreisen. Die Tagesordnung in allen drei Bersammlungen lautet: 1. Stellungnahme resp. Forderungen der einzelnen Gruppen zur beborstehenden Vertragsverhandlung. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Engel- Ufer 15, Saal ÍIÍ: Versammlung Die Gruppen der Rabizputer und Bementierer behandeln noch die aller im Brunnenbaufach beschäftigten Arbeiter von den Rabizspannern gestellten Abänderungsanträge zum Regulativ des Mitgliedsbuch legitimiert. I Die Stoffe sind für jedermann sichtlich in Arbeitsnachweises. unseren Schaufenstern und Geschäftsräumen mit um rege Teilnahme ersuchen öffentlichen Preisen ausgestellt. Obige Belohnung sichern wir denjenigen zu, welche uns nachweisen, daß Anzüge 146/ 18* Die Gruppenvorstände. Berlins und Umgegend. Tages- Ordnung: 1. Gedenken wir in diesem Jahre noch in eine Bewegung zu treten? 2. Die Vertretersizung. 3. Verschiedenes. Kollegen! Erscheint alle in dieser Bersammlung. Der Zweigvereins- Vorstand. 34/2 pretse für genannte Zeff mist: Selbstkosten Patetots nach Maß Deutscher Metallarbeiter- Verband. sind. Zeit nicht 3661L* Tuchfabrik- Niederlage Roß- Straße 2. 191121 Koch& Seeland. Probieren Sie bitte +110 Charivari- Zigaretten. Boykottfrei. BERLIN NO. 55. Graumanns Festsäle und Garten. * Bühne. Naunynstr. 27. 3 Kegelbahnen. Sonnabend, der 19. August 1905 frei geworden. Inventur= Ausverkauf! zurückgesetzter prima Velour- Teppiche M. 10.50 Sofagröße Zimmergröße 22.50 Salongröße 37.50 Saalgröße 99 99 99 65.00 Hochelegante Gardinen, Stores, Restbestände 1--6 Fenster. in allen Steppdecken Farben. Tisch-, Diwan-, Schlafund Reisedecken. 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Referent: Kollege Die Zahlstelle von Villwock, Kastanien- Allee No. 11, ist zu Bugge, Kastanien- Allee 95/96, verlegt. Im Lokal von Culow, Schievelbeinerstraße No. 2, ist eine neue Zahlstelle eingerichtet. sairs Montag, den 3. Juli 1905, abends 81%, Uhr: Versammlung Victoria- Bad Friedr. Wilhelms- Bad der Metalldrückter Berlins und Umgegend Kotthuser Damm 75 Chausseestraße 81 12vis- a- vis Hohenstaufenplatz vis- a- vis Liesenstraße. Amt IV 8152. Amt II 4496. Sämtliche Bäder. Vereine: Einzel- Abonnementspreis. bas. Kaliski- Bazar- Baby, 19 7. 10-60.00. Grösstes Spozialhaus für Kinderwagen, Metallbettstellen, Nähmaschinen. Singer A Bobbin Adler bor u. rüdw. nähend, Elastic, Wheeler& Wilson etc. mit 5 jähr. Garantie. Sportwagen bon 4.00 an Central Bobbin, Oberteil berlentbar 145.00. 12.00, 15.00-10 0.00 in befer Ausführung Billigſte Caſſapreiſe auch bei größeren Ratenzahlungen. Fertige Betten und Matraße Nähmaschinen auch ohne Anzahl. 1.00 wöchentl. an. 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Diskussion. 3. Verbands. angelegenheiten und Verschiedenes. Kollegen! Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Er. scheinen Aller notwendig. Montag, den 3. Juli 1905, abends 81 Uhr: Versammlung der Elektromonteure im Saale des Vereins der Berliner Musiker, Kaiser Wilhelmstr. 18m. Tages- Ordnung: 119/13 1. Bericht vom Verbandstag in Leipzig. 2. Diskussion. 3. Stellungnahme zu unserem Lohntarij. Montag, den 3. Juli 1905, abends 8 Uhr: Allgemeine Versammlung Der Rohrleger und Helfer Berlins und Umgegend im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, großer Saal. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Leipziger Verbandstag. 2. Diskussion. 3. Verbands. angelegenheiten. Wir machen es zur Pflicht, daß alle Kollegen pünktlich erscheinen. Diejenigen Kollegen, welche noch nicht im Besitz einer Broschüre von der Rohrlegerkonferenz find, melden sich an dem Eingang. Montag, den 3. Juli 1905, abends 8 Uhr: Bezirksversammlung für Charlottenburg und Umgegend im Volkshause, Rosinenstraße 3. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstag in Leipzig. 2. Diskussion. 3. Verbands. angelegenheiten. Zahlreicher Besuch wird erwartet! Zur besonderen Beachtung! Alle unsere Mitglieder, Bertrauensleute und Zahlstelleninhaber machen wir darauf aufmerksam, daß durch die Beschlüsse des Verbandstages vom 1. Juli dieses Jahres ab( 27. Woche des Mitgliedsbuches) der wöchentliche Beitrag für männliche Mitglieder um 10 Pfennig und für weibliche um 5 Pfennig pro Woche erhöht wurde. Alle zur Verwaltungsstelle Berlin gehörigen Mitglieder haben sonach inkl. des Lotalzuschlages 60 refp. 25 Pfennig wöchentlichen Beitrag zu leisten. Das hierzu nötige Material gelangt jedenfalls vom 1. Juli ab zur Ausgabe, und ersuchen wir, die bisherigen Marken nicht über die 26. Woche hinaus zu benußen. Gleichzeitig ersuchen wir vom Sonntag, den 2. Juli, ab, so lange Beitragsmarten zu 60 resp. 25 Pf. nicht vorhanden sind, Neuaufnahmen nicht zu vollziehen. Die Ortsverwaltung. Andreas- Festsäle. Empfehle meine Säle zu Hochzeiten, Festlichkeiten und für Vereine. Sonnabend und Sonntag frei. Beranty, Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil berantiv.: Th. Glocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärt Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW 36772* Brunnen**** H. Greifenhagen Nachf. Str. 17-18 VeteranenStr. 1-2 Diese Hervorragende Angebote Woche: und doppelte Rabattmarken. Weißwaren Damen- Wäsche. Spachtel- Bäffchen Seiden- Bäffchen 28, 48 Pf. Flitterkragen 68 Pf. 78 Pf. 98 Pf. Etamin- Kragen Damen- Stehkragen bed 38 Pf. Goldgürtel Eleg. Spachtel- Pelerinen- Kragen reich mit Spachtelarbeit mit Darchbruch u. Einsatz 1.15 Goldgürtel 95 Pf., 1.25 mit Schloss mit Rückengarnitur und Schloss 58 Pf. Faltengürtel Weisse Falten- Ledergürtel 98 Pf. ( Leder- Imitation) 48 Pf. Ein Cravatten- u. Hutbänder Posten Posten Posten Achselschluss m. Knieform m. Damen- Hemden, bls- Languette Damen- Beinkleider, Sticker- Vol. Damen- Jacken, Dimiti m. 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Donnerstag: Der Widerspenstigen Bähmung. Freitag: Die lustigen Weiber von Windsor. Sonnabend: Das Glöckchen des Eremiten. Sonntag: Der Postillon von Lonjumeau. Montag: Carmen. Berliner Theater. Sonntag und Montag: Geschloffen. Dienstag: Sphigenie auf Tauris. Mittwoch: Figaros Hochzeit. Donnerstag: Gespenster. Freitag: Fritchens Jugend. Sonnabend: Der arme Heinrich. Sonntag und Montag: Unbestimmt. Kleines Theater. Sonntag: Des Pastors Riefe. Montag: Nachtafyl. Dienstag: Nachtafyl. Mittwoch: Abschied vom Regiment. Angele. Donnerstag: Nachtashl. Freitag: Bater Rietmann. Die Neuvermählten. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Drüder Georg Törk am 29. Juni gestorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Sonntag, den 2. Juli, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Heilands- Kirchhofes in Blößensee aus statt. 119/12 Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Zentral- Verband d. Zimmerer Deutschlands. Zahlstelle Berlin und Umg. Bezirk 4. Allen Kameraden zur Nachricht, daß unser Mitglied Albert Aßmann am Donnerstag bei der Arbeit tödlich verunglüdte. Ehre feinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des St. Pius- Kirch hofes in Hohen- Schönhausen, Berlinerstraße, aus ftatt. Um recht rege Beteiligung ersucht 255/4 Der Vorstand. Für die vielen Beweise aufrichtiger Teilnahme und Kranzspenden bei der Beerdigung unseres lieben Sohnes Alfred Bethwell fagen wir allen Bekannten, Freunden und Verwandten, ebenso dem Gefangberein Einigkeit II" und dem Statflub Fidele Geister unseren auf richtigsten Dant. 27756 Familie Bethwell, Reinidendorf- West, Witteftr. 22. Bleichsucht Blutarmut, Nervenschwäche, Blutstockungen etc. beseitigt vollkommen Reichels Malzeisenpulver( Malzextrakt trocken mit 0.6 lösl. Eisen). Wirkt reichlich blutbildend, schwache Nerven stärkend und enorm Appetit anregend. 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Dieses„Jubiläum" dürfte im R a t h a u s e die Erinne- rung an allerlei Dinge wecken, von denen in den Festartikeln der bürgerlichen Blätter nichts steht. In jener schönen Zeit, als die Litfaßsäule geboren wurde, pflegte in Berlin die Polizei„alles zu machen". Wollten die Stadtväter etwa nicht mitmachen, so machte es die Polizei in aller Gemütlichkeit allein. Wer gerecht sein will, der muß freilich zugeben, daß dabei mancher wirkliche Fortschritt ins Werk gesetzt wurde, den die Stadtväter von dazumal nicht fertig gebracht hätten. Auch die Litfaßsäule kam auf ähnliche Weise zustande. Eigentlich galt die Sache gar nicht der Regelung des Anschlagwesens, nach der in Berlin bis dato kein Mensch ein sonderliches Verlangen gehabt hatte, sondern— den Bedürfnisanstalten. Da der Magistrat trotz jahrelanger Vcrhand- lungen mit der Polizei, die schon 1838 begonnen hatten, sich nicht entschließen konnte, diesem wirklich sehr dringend empfundenen Bedürfnis abzuhelfen, so erbot sich Litfaß. Be- dürfnisanstalten und zugleich Anschlagsäulen zu errichten. Und die Polizei gab ihr Ja und Amen. Eines schönen Tages im Januar 1855 erhielt der Magistrat Abschrift eines Ver- träges, den der königliche Generalpolizeidirektor v. Hinckeldey im Dezember 1854 mit dem Buchdruckereibesitzer abgeschlossen hatte, wonach dem Litfaß auf 15 Jahre ein M o n o p o I f ü r dasöffentlicheAnschlagwesen gesichert wurde. Die städtischen Behörden waren verdutzt über die völlige Nicht- achtung der Rechte, die sie selber mindestens doch an den von ihnen unterhaltenen Straßen hatten; aber sie fügten sich. Fünfzehn Jahre später, wo der Vertrag ablief, wollten sie sich besser vorsehen. 1869 baten sie das Polizeipräsidium, die be- vorstehende Neuordnung des Anschlagwesens nicht ohne ihre Mitwirkung vorzunehmen. Doch das Polizeipräsidium er- widerte, daß schon im Oktober 1868 der Vertrag erneuert und bis 1880 verlängert worden sei. Also wieder verpatzt! Ihr Einspruch hiergegen blieb erfolglos, und auch eine Be- schwcrde an den Minister half ihnen nichts. Jene gute alte Zeit ist vorbei. Seit 1876 hat Berlin das Eigentumsrecht an allen öffentlichen Straßen und als 1880 der Vertrag ablief, durfte die Stadt selber bestimmen. Trotz- dem wird die Erinnerung an die überstandcnen Leiden, von der man sagt, daß sie dem Zurückblickenden angenehm sei, unseren städtischen Behörden auch heute noch kein volles Be- Hägen gewähren. Denn Magistrat und Stadtverordneten-Ver- sammlung sind auch heute noch nicht„Herren im eigenen Haus e". Ueber das Anschlagwesen dürfen sie jetzt ihre Verträge mit den Unternehmern abschließen, denen sie dieses einträgliche Monopol überlassen wollen. Aber in hunderterlei anderen Dinaen möks-»'----- ...... uni/L-mr �niranzcn jede Bevormundung gefallen lassen, wiewohl die Berliner Stadtverwaltung heute mündig genug ist, um das alles selber zu machen und wahrlich nicht schlechter zu machen als ihre Bevormunder. Wir weisen hierzu nur aus das Verkehrswesen hin, dessen Entwickelung nicht vor- wärts kommt, weil der Stadt alle möglichen Erschwerungen bereitet werden. Berlin ist aber Residenz— und muß für dieses Vergnügen seine Opfer bringen. Noch eine andere Erinnerung möchten wir aus Anlaß des„Jubiläums" der Litfaßsäule auffrischen. Im Jahre 1880 erneuerte die Stadt selber den Vertrag, aber nicht mit Litfaß, sondern mit Nauck u. Hartmann. Während Litfaß den ganzen Gewinn ohne nennenswerte Gegenleistung ein- gesteckt hatte, mußten Nauck u. Hartmann nun 50 000 M. Pacht zahlen. Das war sehr viel mehr als nichts, aber doch noch recht wenig gegenüber den zu erwartenden Profiten. Als nach zehn Jähren dieser Vertrag ablief, erzwangen unsere Parteigenossen in der Stadtverordneten- Versammlung, daß man eine öffentliche Ausschreibung erließ. Ten Zuschlag bekamen Nauck u. Hartmann, weil sie eingedenk des bisher eingestrichenen Riesengewinnes— 255 000 M. boten. Nach weiteren zehn Jahren wiederholte sich dasselbe Spiel, wieder bekamen Nauck u. Hartmann den Zu- schlag, weil sie jetzt— 400 000 M. boten. Was mag wohl die geschäftskluge Firma selbst heute immer noch verdienen? Und was könnte die Stadt selber verdienen, wenn sie, wie die sozialdemokrati- schen Stadtverordneten es schon 1891 und erneut 1901 ge- fordert haben, das Anschlagwesen in eigene Regie nähmen? Wär's nach Freisinns Wünschen gegangen, so zahlte die Firma vielleicht noch heute nicht viel mehr als 50 000 M. Unter dem Borsch des Oberbürgermeisters Kirschner fand gestern eine Sitzung der städtischen Kunstdeputation im Rat- hause und daran anschließend eine Besichtigung der Standesamts- räume in dem städtischen Grundstück an der Fischerbrücke In statt. Es sind dies die erste» StandeSamtSräume,'.die künstlerisch ausgestattet sind. Sie sollen am 10 d. M. dem öffentkichen Verkehr übergeben werden. Die Ausschmückung lag in den Händen des Malers Ludwig v. Hofmann. Die Deputation genehmigte die Pläne für zwei kleine Brunnen in den beiden Rosen Häsen der jetzt fettigwerdenden Heimstätte in Buch. Mehrere Angebote wegen Ankauf von Gemälden-c. wurden abgelehnt. Die Ueberschllsse der Sparkassen. Der Minister des Innern hat einen für sämtliche Kommunal-Sparkassen höchst wichtigen Ministerialerlaß über die Dotierung der Ueberschüsse der städtischen ©parfafsen dem Magistrat von Berlin zugehen lassen. Ter Erlaß lautet:»Ich will hierdurch bis auf weiteres genehmigen, daß sobald der Reservefonds der kommunalen Sparkasse b Prozent der Passiva erreicht hat, die Betriebsüberschüsse und die Zinsen des Reservefonds vereinigt und von der so gebildeten Gesamtsumme nicht mehr als die Hälfte an den Reservefonds abgeführt zu wer- den braucht. Hat der Reservefonds 10 Prozent der Passiva er- reicht, so können die Zinsen seiner Bestände ganz zu den Ueber- schüssen genommen werden." Wie einschneidend diese Äcndcrung der bisherigen Bestimungen ist, geht aui besten daraus hervor, daß der Magistrat von Berlin, weil der Reservefonds der Sparkasse längst 10 Prozent der Passiva erreicht hat, über vier Millioner. Mark für allgemeine kommunale Zwecke verwenden kann, und jährlich die Zinse« der Bestände in den Etat einzustellen vermag. Dieser Mini- sterialerlcch ist von Bedeutung und es ist deshalb nur recht und billig, darauf hinzuloeisen, daß der Erlaß der Initiative des Kämmerers von Berlin zu verdanken ist. des Jraiirls" Bon den Gemeindeschulen Berlins sind gegenwärtig, die größten die 186. Schule in der Pflugstraße mit 1075 Kindern, die 1S6. Schule in der Müllerstraße mit 1084 Kindern und die 39. Schule in der Müllerstraße mit 1148 Kindern. Die kleinste Schule ist, wie in den vorhergehenden Jahren, noch immer die 245. Schule in der Schul- straße mit jetzt nur 337 Kindern. Sie ist untergebracht in dem kleinsten und ältesten Gemeindeschulhaus Berlins, das im Jahre 1321 für den damals noch nicht zu Berlin gehörenden Wedding angelegt wurde und später der„Schulstraße" ihren Namen gab. Ein orthographisches Kuriosum findet sich an der Hochbahn- Haltestelle„Kottbuser Tor". Oben an den Stirnseiten der Bahnsteig- halle sieht man die Aufschttft„Kottbuser Tor". Unten aber an dem Gitter, das die Zugangstrcppe umgibt, steht neu und sauber auf- gemalt„Kottbusser Tor" mit ss. Ein orthographisches Kuriosum anderer Att war früher an derselben Hochbahn- Haltestelle zu be- merken.„Kottbuser Tor" las man nur an der östlichen Stirnseite der Bahnsteighalle. Wer von Westen her einfuhr, den begrüßte an der westlichen Stirnseite die Aufschrift„Cottbuser Tor". Das C wurde hier später durch ein K ersetzt. Vielleicht beseittgt man unten am Aufgang gelegentlich auch das ss und setzt dafür ein einfaches s. Bon einem frommen Wunsche, der leider wie so viele andere nicht in Erfüllung gegangen ist, lesen wir in dem soeben erschienenen 12. Heft der„Hohenzollern-Legend e". Im Jahre 1534 legte ein Berliner Handwerker in den Knopf des Turmes der Kirche von St. Nikolai einen Zettel mit folgender Klage:„Es ist teure Zeit, zu meines Vaters selig Zeiten hat die Mandel Eier vier Pfennig gegolten, zu meinen Lebtagen hat man einen Groschen für sie geben müssen, manchmal auch zwei und drei(nach unserem Gelde vier bis acht Groschen). Wohl ist die Lehre bei uns gut, aber es ist ein böses Leben mit Ausnützung der armen Leute von der Obrig- leit mit Schoß. Ein Nachbar drückt den anderen und haben viele kein Gewissen darum. Wie das unser Herrgott zuletzt noch strafen wird, davon werdet Ihr Nachkömmlinge wissen zu sagen. Wünsche hiermit Euch eine bessere Zeit als wir erlebt haben. Denn Gott kann alles Unglücke wenden." Bei einem Umbau der Kirche, der vor einigen Jahren erfolgte, wurde dieser Zettel gefunden.— Die „Hohenzollern- Legende" erscheint in wöchentlichen Lieferungen ä 20 Pf. Der Text ist durch Bilder und Dokumente aus der Zeit er- läutert. Abonnenten auf das Werk können jederzeit eintreten und die bereits erschienenen Hefte von jeder Parteibuchhandlung nach- beziehen. Die furchtbareHitzevom Freitag hat sich auch auf gestern übertragen. Menschen und Tiere leiden eirtsetzlich. Gegen 8 Uhr voryrtttagS brach vor dem Kriminalgericht ein Kaufmann zusammen, der im Begriff war, sich nach seinem Geschäft zu begeben. Der am Hitz- schlag Erkrankte erhielt auf der Unfallstation die erste Hülfe. Auch gestern stürzten wieder zahlreiche Pferde vom Hitzschlag gettoffen zusammen. Der materielle Schaden, der durch die Einwirkung der hohen Temperatur hervorgerufen wird, ist nicht unbedeutend. Vor allem haben die Nahrungsmittel unter der tropischen Hitze zu leiden. In den städttschen Markthallen und besonders in der Zentral-Markthalle wird die Kontrolle über die Nahrungsmittel, besonders in den Fleischverkaufständen seit gestern morgen mit einer ungewöhnlichen Sorgfalt betrieben. So mancher Zentner verdorbener Eßware mutzte denn auch der Abdeckerei über- wiesen werden.— Die Freitag durch die Hitze herbeigeführte Verkehrs- störung des Sttaßenbahnhetriebes am Opernplatz konnte erst am späten Abend beseittgt werden. Gestern früh wurde der Betrieb ordnungsgemäß wieder aufgenommen. Eine gefährliche Wirkung übt die Hitze auf die Kutscher von Arbeits- und Lastwagen aus, deren Nerven unter der Einwirkung der hohen Temperatur und bei der lang- samen Fortbewegung der Wagen erschlaffen, so da« di-> hi» m ngen Arbeitszeit unterworfen sind, einschlafen und dadurch den Verkehr gefährden. Die Schutz- leute find angewiesen worden, die Schlafenden stets zu wecken.— Unter der ungewöhnlichen Hitze haben besonders auch die Omnibus- pferde zu leiden. Die Allgemeine Berliner Omnibusgesellschast sucht den Tieren ihre schwere Arbeit nach Möglichkeit zu erleichtern. Die Einspänner tragen Strohhüte. Ueberall sind Träiikstationen errichtet, wo die Pferde getränkt, ihnen die Stirn genetzt und gekühlt, sowie Nüstern und Maul ausgewischt wird. Darüber, daß für die nicht minder schlimm leidenden Beamten etwas geschieht, ist noch nichts bekannt geworden. Für den heuttgen starken Verkehr beim Beginn des Monats und des Vierteljahres ist die Zahl der Wagen vcrmehtt worden, um die einzelnen Wagen zu entlasten. Die Schaffner sind streng angewiesen, aus keinen Fall eine Ueberlastung zuzulassen. Infolge TemperaturauSdehnung der Stromschiene war Sonn- abend in der Königgrätzer- Ecke der Lennostratze die Haltestütze eines Isolators der Schiene abgebrochen, wodurch der Pflug eines Motorwagens der Linie 7 beschädigt wurde. Zu einer vollständigen Verkehrsstörung für die über den Reichstagsplatz in der Richtung nach Moabit resp. Karlstraße fahrenden Straßenbahnwagen fühtte eine durch die Hitze hervorgerufene Ausdehnung der Unterleitungs- schiene, wodurch eine Verengung des Kanalschlitzes herbeigeführt wurde. Für die Daner mehrerer Stunden mutzten infolgedessen die Wagen aus dieser Strecke abgeleitet kverden, bis durch die fort- gesetzte Kühlung mit kaltem Wasser die Gleise in ihre alte Lage gebracht worden waren. Ter Kampf gegen den Alkohol treibt seltsame Blüten. Vor einigen Tagen hatte die Realschule in Weitzensee einen Elternabend; Frau Dr. Wegscheider-Ziegler sprach über den verderblichen Einfluß des Alkohols auf die Jugend. Nachdem der Vottrag zu Ende war, traten Kinder auf die Bühne und schwuren in folgenden Versen dem Alkohol Feindschaft: Erster: So war es recht, Frau Dr. Phil., die Rede uns ge- fallen will; Wir schwören fortan ewig Fehde dem Alkohol, der uns macht blöde! Zweiter: Ich bitte, nehmt, Frau Doktorin, die kleinen Gaben freundlich hin aus unfern dankbar jungen Händen, sie möge Euch viel Freude spenden. Dritter: Ich bring' das ganze„Enders-Bräu"!— Um anzudeuten Büß' und Reu', Leg' ich's in Proben dunkel, helle, zu Füßen Euch— an dieser Stelle. Vierter: Ich trag' den Stoff„nach Pils'ner Art",(mit dem sich gar noch„tschechisch" paart); Ihr mögt mit Euern Femgerichten auch diesen„Schreckstoff" mit vernichten. Fünfter: Ich schlepp' den Teufel selbst herbei: Rum. Kognak„mit" und„ohne Ei", die mögt Ihr all zur Hölle jagen, daß niemals sie die Menschheit plagen! Sechster: Ich bitte:„Tut auf Euern Mund und macht es „Alt" und„Jungen" kund, daß„Milch der frommen Denkungsart" vor allem Elend uns bewahttl" Siebenter: Und wenn die gar zu„babysch" ist, am besten „Aqua" nur genießt.— So werden wir ein groß' Geschlecht, das nie und nimmer sich bezecht! Der Kampf gegen die Verabreichung von Alkohol an Kinder kann gar nicht ernsthast und eindringlich genug betrieben werden. In dem hier angeführten Falle will es uns aber scheinen, als ob der Freund eines„guten Tropfens" die harmlosen Kinder zu einer unziemlichen Verspottung der Referentin mißbraucht hätte. Ter Schwindel der spanischen Schatzgräber wird munter weiter betrieben. So unglaublich es klingt, so müssen sich doch immer noch Dumme finden, die auf die plumpen Anlockungen aus Madrid hineinfallen. Vor einigen Tagen erhielt von dort ein Freund unseres Blatte? folgende Zuschrift:„Geehrter Herr! Die schreckliche Lage, in welcher ich mich befinde, veranlaßt mich, mich an Sie zu wenden, obgleich ich Sie nur durch Empfehlung kenne. Gefangener hier wegen Bankrotts frage ich Sie hiermit an. ob Sie mir helfen wollen, eine Summe von S 7 8 Q0 0 Mark zu retten, JOlllÖlUUlL Sonntag, 2. Inli 1905. welche ich in Frankreich besitze, und deshelb herzukommen, um den Beschlag meines Handgepäcks auszulösen, indem Sie dem Gerichts- schreiber die Kosten meines Urteils bezahlen, um sich eines Hand- kvffers zu bemächtigen, welcher ein Geheimfach enthält, in welchem die notwendigen Papiere verborgen sind, um das Geld zurückziehen zu können. Als Belohnung gebe ich Ihnen den dritten Teil d e r S u m m e. Da ich nicht gewiß bin. daß mein Brief Sie erreicht. so werde ich auf Ihre Antwort warten, um meinen Namen unter- zeichnen und Ihnen mein Geheimnis anvertrauen zu können. Ich kann Ihre Antwort nicht im Gefängnis erhalten, aber Sie werden mir ein Telegramm schicken, welches ich durch Vermittelung einer Bertrauensperson mit aller Sicherheit erhalten werde, ohne es vorsichtshalber mit Ihrem Namen noch Adresse zu unterzeichnen, so ab- gefaßt:(juintin Urtss— San Bernabe— 20— principal numero 7. Madrid. Ware unterwegs. B r i n q u e t. In Er. Wartung Ihrer Antwort zeichne ich nur.— Sobald ich Ihre Depesche erhalten habe, werde ich Ihnen einen eingeschriebenen Brief mtt allen Einzelheiten zugehen lassen." Da Briefe dieser Art täglich zu Dutzenden versandt werden. so kommen allein für Porto beträchtliche Summen heraus. Mathias Weber, der„Reformdichter", von dem man lange Zeit nichts mehr gehört hatte, ist als Stcatzenhändler lviedersauf dem Plan erschienen. Der bedauernswerte und vielverspottete Mann mit den wallenden Poetenlocken und dem langen, rötlichblonden Propheten» batt vertteibt nämlich auf offener Straße, meist in der Nähe der Bahnhöfe, sein neuestes Werk ein Gedicht„Frohe Boffchasr", ein „Willkoinmen an die Kronprinzessin", das, wie seine anderen„Frei- gedichte", im„Soliditätsselbstverlage" des Verfassers erschienen ist. Mathias Weber begnügt sich nicht mehr damit die Dichtkunst zu resormieren, er wagt sich jetzt auch noch an die Malerei. Im Gegen» satz zu seinen früheren„Werken" ist bei dem jüngsten Sprotzling seiner Muse besonderes Gewicht auf die äußere Ausstattung gelegt. Die„Frohe Botschaft" ist mit Zeichnungen und Randleisten verziert. die Mathias Weber ersonnen und eigenhändig auSgesührt hat. Seine Reformmalerei steht ungefähr auf der Höhe seiner Refornlpoesle. Amerikanische Geburtstagsfeier. Die amerikanische Kolonie ver- sammelt sich am Dienstag, den 4. Juli, zu einer großen Geburts- tagsfrier in Grünau. Der 4. Juli ist der größte Nationalfeiertag der Amerikaner, der Geburtstag der Nation. Wo iminer Amerikaner leben, da wird der Tag der Unabhängigkeitserklärung von England. der 4. Juli 1776, festlich begangen. Das geschieht in London. Paris und Berlin unter Beteiligung der offiziellen Vettreter der Ver» einigten Staaten, hier des Botschafters Tower und des Konsuls Mason. Ain Vormittag geht ein Extradampfer mit Musik unter dem Sternenbanner von der Jannowitzbrücke nach Grünau, wo mit allerlei Spott und Spiel, Feuerwerk und schönen Reden der Indspondsncs Day gefriert wird....., In einer eigentümlichen und ganz polizeiwidrigen Weise(nach deutschen Vegriffen) wird der 4. Juli in Amerika gestiert. Der Patriotismus bricht los in den größten Städten wie in den kleinsten Nestern mit Knallen und Puffen von Feuerwerkskörpern, init Re» volverschüssen und Freudenfeueni. Klein und Groß beteiligt sich daran, und je fürchterlicher der Lärm, desto größer die Freude. Alle Arbeit ruht; alle Geschäfte, Aemter, Banken, Schulen sind ge- schlössen. Eine Feststiinmung herrscht im ganzen � Lande; überall wehen die Fahnen, Paraden finden statt, Festreden werden gehalten, bei Konzerten. Spielen und Feuerwerk amüsiert sich das Volk. Feuerwerk ist die Hauptsache! Von allen Serien donnert es und kracht, daß man glauben könnte, eine große Schlacht sei im Gange. Auf jeder Farm erinnert man sich des Geburtstages der Nation und veranstaltet ein u-m-a«s.wvswi tiuilthr regetmaglg viel Unglück; es gibt Tote, Ver» wundete und viele, sehr viele Feuerbrände. Hülst aber alles nichts, der 4. Juli wird immer wieder in derselben Weise gefeiett(schon mehr gefeuert).— Na, in Grünau wird die Feier natürlich nicht so wild amerikanisch, sondern deutsch manierlich vor sich gehen. Wie stark ist das Bedürfnis nach alkoholfreien Getränkein? Eine Antwort, welche die Verbrauchsziffern in der einzelnen Stadt oder im Reich wiedergibt, etwa mit Berechnung des Verbrauchs auf, den Kopf der Bevölkerung, wäre nickst ganz richtig. Unter den Millionen von Litern Alkohol sind sehr viele, die auf das Konto des Trinkzwangs zu setzen sind. Was und wieviel wird aber getrunken. wenn der einzelne sich völlig frei in seinem Verhalten fühlt und ohne jede Rücksicht das wählt, was ihm gerade schmeckt und zusagt? In den Automaten-Restaurants ist keinerlei Zwang. Stark alkoholische, leicht alkoholische und alkoholfreie Getränke stehen zur Verfügung. Niemand fragt, niemand kontrolliett, niemand redet zu. Man wählt »ach freier Wahl. Die Gesellschafit„Automat-Restaurant Patent Sielafs", die fünf Lokale in Berlin unterhält, hat nun auf die Bitte des„Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geisttger Ge- tränke" zwar nicht direkte Umsatzziffern, ober Verhältniszahlen an- gegeben. Diese fallen bei einzelnen Restaurants, welche mehr Sitzgelegenheit haben, verhältnismäßig günstig mit bczug auf den Ge- nuß von alkoholfreien Getränken aus. In einem Restaurant werden sogar mehr alkoholfreie Getränke, als Bier, verlauft. Das Ver- hältnis ist dort: Bier 1000, alkoholfreie Getränke 1050. In zwei anderen ist das Verhältnis fast gleich. Dott wird also ebensoviel Bier umgesetzt, wie alkoholfreies Getränk. Nur im Hauptrestaurant in der Friedrichstraße ist das Verhältnis ettvas anders. Dort wer- den nur 600 Tassen oder Gläser alkoholfreier Getränke verabfolgt, wenn 1000 Glas Bier getrunken werden. Die Verhältniszahlen sämtlicher Restaurants zusammen, wiederum auf Bier bezogen, sind folgende: Bier 1000, Weine und Liköre 520, alkoholfreie Getränke 780, Speisen, im besonderen Brötchen, 2670. Man ersieht hieraus also, daß im Durchschnitt bei sämtlichen Restaurants die alkcchvl- freien Getränke doch noch mehr ausmachen, als die Hälfte samt- licher Alkoholgetränke, daß sicher auch manche Brötchen verzehrt werden mit Verzicht auf jedes Getränk. Wenn die Zahlen auch da- durch eine Korrektur erfahren, daß erfahrungsmäßig viel meh- Frauen als Männer die automatischen Restaurants besuchen, so zeigen sie doch, daß der Bedarf an alkoholfreien Gcttänlen größer ist. als man wohl gedacht hatte. ch Ein Opfer ihres Berufs wurde die 21 Jahn alte Trlcphonistin Frida Müller aus der Bautzeuerstt. 9, wo sie mit dem Vater, einem Eisenbahnbeamten, und einer Schwester wohnte. Die Mutter ist tot. Frida Müller wurde seit zwei Jahren im Fernsprechdienst beschäftigt und war zuletzt in der Lützowsttaße tättg. Durch den ansttengenden Dienst war da« junge Mädchen nervös geworden und hatte vor- gestern einen sechswöchigen Urlaub zur Wiederherstellung der Gesund- heit angetreten. Gestern abend hatte der Bater Frida allein in der Wohnung gelassen. In dieser Zeit hat sie infolge der geistigen Ueberreizung Hand an sich gelegt. AlS ihre Schwester, gleichfalls eine Telephonistin, um 11 Uhr abends aus dem Dienst heimkehrte wurde Frida am Fensterkreuz der Küche erhängt tot aufgefunden. Die Eifersucht. In einem Keller des Vorderhauses Rheins- bcrgerstr. 31 betteibt feit dem Herbst v. I. der 31jährige Pantoffel- macher Otto BogS ein eigenes Geschäft, das den Inhaber mit seiner Familie ernähtt. Diese besteht auS der-6. Jahre alten Eheftau Berta geb. Jährsdorf und der 2'/z. jährigen Tochter Gertrud. Die Eltern der Ehefrau sind AckerbürgerSleute und leben in Fürsten- Wälde. Die Ehe BogS war dem Anschein nach nicht glücklich: Nachbarsleute und Hauswirt hörten oft, daß sich zwischen Mann und Frau Streitigkeiten abspielten. In der Nacht zum Freitag kam BogS nicht nach Haufe. DaS war wiederum ein Grund zum Familienstreit. Am Freitag nachmittag um 1 Uhr entfernte sich der Mann wiederum, um angeblich Pantoffel abzulicfen, und bald heimzukehren. Um 5 Uhr sah man die Eheftau weinend Kellertür. Auf die Frage nach der Ursache der ehelichen Mißstände antwortete die Frau etwa: Ich weiß nicht. was mem Mann die Nächte betreibt, er trintt nicht, gibt auch kein Geld aus; er muß mich wohl hintergehen." Darauf schrieb Frau B. I zum einmaligen Eintritt in den Garten von mittags 12 Uhr ab dadurch bekannt, daß es felten bei ihm flappt. Erstens durchbricht einen Brief an ihre Eltern, wozu fie eine Freimarke einholte und haben. Karten a 75 Pf.( zwei Kinder unter 10 Jahren auf ein er den zwischen ihm und seinen Gesellen vereinbarten Affordtarif wurde seit diesem Zeitpunkt nicht mehr gefehen. Ms der Mann Billett) im Warenhaus Wertheim, Filialen Loefer u. Wolff und den ziemlich häufig und zwingt die Gesellen daher, durch Arbeitsniederlegnng gegen 8 Uhr abends heimkehrte, fand er in dem Wohn- und Schlaf- mit Blakaten belegten Handlungen.( Kassenpreis 1 M., auch nach wieder Ordnung zu schaffen, worüber der Deutsche Holzarbeiter- Verband zimmer in dem Bett der Ehefrau diese mit dem Töchterchen bes 6 Uhr abends.) Bei dieser Gelegenheit wird nochmals um Ein- ein Lied fingen kami. Zweitens spielt die leidige Geldfrage bei ihm wußtlos liegend auf. Beide waren angekleidet. Auf einem Tisch sendung der Billettbeträge an den Schatzmeister, Herrn Geheimen eine große Rolle. Jeder Arbeiter verlangt, wenn er fechs Tage stand ein Rest Lysol, von dem die Frau getrunken und auch dem Kommerzienrat Hugo Oppenheim, in Firma Robert Warschauer u. Co., einem Arbeitgeber seine Arbeitstraft zur Verfügung gestellt hat, mit Sind eingegeben hatte. Daneben lag der Brief an ihre Eltern, W. 64, Behrenstr. 48, gebeten. worin sie als Grund zur Tat ihre unglückliche Ehe nennt. Bogs Recht seinen sauer genug verdienten Lohn. Anders ist es Freie Volksbühne. Die Jahres Generalversamm Iung( bes dieses Geschäftsjahres findet am bei Herrn St.; der zahlt nur, wenn er gerade etwas hat. Allee, der beiden Vergifteten Gegenmittel einflößte und sie nach woch, den 5. Juli, abends 8 Uhr, im Gewerkschaftshause statt. Selbsthilfe anwenden müssen, um zu ihrem Gelde zu kommen. So Krantenhäusern bringen ließ. Dort sind sie noch am Leben. schusses und der Revisoren. Diskussion. Neuwahl des Ausschusses Tagesordnung: Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes, Ausund Vorftandes und der Revisoren und Obleute der Ordner. ( Näheres noch Inferat am Dienstag.) Der Vorstand. J. A.: G. Winkler. tröstet worden und nun hatte St. bestimmt versprochen, jedem am ging es auch wieder am 24. Dezember v. J. Wochenlang waren die Gesellen schon wegen der Auszahlung ihres Affordüberschusses verWeihnachtsheiligabend sein Geld zu geben. Als dann Feierabend war, mußten sich die Arbeiter von seinem 16jährigen Sohn, welcher Geschäftsleiter ist, nach stundenlangem Warten fagen Freunden Weihnachtsgratifitationen überreicht. lassen, daß es wieder einmal nichts gebe. St. hatte unterdeß seinen Am ganzen Körper verbrannte sich gestern früh um 5%, Uhr die 22jährige Arbeiterin Hedwig Staries aus der Wollinerftr. 66. Während ihre beide jüngeren Geschwister, mit denen sie zusammen wohnt, noch im Bett lagen, bereitete sie den Kaffee und goß Spiritus in den brennenden Behälter. Dabei explodierte der Brennstoff und ergoß sich über die ft. Schwer verlegt wurde fie von großen Fernrohr ein interessanter Sternhaufen im„ Herkules" und Auf der Treptow- Sternwarte wird jetzt allabendlich mit dem der Rettungswache III nach einem Strankenhause gebracht. Bei der Ringnebel in der Leier" gezeigt. Am Sonntag, den 2. Juli, einerSpiritusexplosion den Tod gefunden hat gestern Nun war es mit der Geduld der Gesellen vorbei; im Handdie Arbeiterfrau Gurt aus der Grünthalerstr. 40. Sie wollte für ihr nachmittags 5 Uhr, spricht Direttor Archenbold auf der umdrehen hatte man die fertige Arbeit aus der Werkstatt herausKind Milch kochen und bemußte dazu einen Spirituskocher, deffen Treptow- Sternwarte in einem mit zahlreichen Lichtbildern aus geholt, um dadurch St. zur Stelle zu schaffen. Man wollte ein Brenner fie frisch mit Spiritus füllte. Unvorsichtigerweise stellte sie gestatteten Bortrage fiber Die Bewohnbarkeit der Welten". Um fräftiges Wort mit ihm sprechen. Aber St. hatte unter der Zeit Brenner sie frisch mit Spiritus füllte. Unvorsichtigerweise stellte sie 7 Uhr:„ Einführung in die Astronomie". Das Thema für den besseres vor. Als er endlich nach Hause kam, hatte er nichts eiligeres die offene Flasche neben den Apparat, und als sie den Brenner an 9 Uhr- Vortrag am Montag lautet:„ Sternhaufen und Nebelflecke". zündete, schlug eine Stichflamme gegen die Flasche. Der Inhalt zu tun als zum Gericht zu laufen und eine Anklage gegen neun seiner geriet in Brand, und die Flüssigkeit ergoß sich über den Körper der Der Berliner Zoologische Garten hat dieses Jahr in den Felsen- Gesellen wegen Diebstahl, Hausfriedensbruch, Körperverlegung, SachUnglücklichen, deren Kleidung im nächsten Augenblick in lichten gehegen der Wildziegen eine große Zahl munterer Nachzucht erzielt, beschädigung und Nötigung vorzubringen. Erwähnt soll noch sein, Flammen stand. Den herbeieilenden Nachbarn gelang es zwar, die die mit ihren übermütigen, wagehalsigen Sprüngen das Staunen daß sich die Arbeiter bei der Protokollvernehmung manches harte Flammen zu ersticken, doch hatte die G. schon so schwere Ber- und die Lachluft jedes Beschauers erregt. Necken zwei echten Seiten was sie nicht nötig gehabt hätten, da Beschuldigte der Polizei nur Wort von dem bernehmenden Kriminalwachtmeister sagen lassen mußten, legungen erlitten, daß sie bald nach ihrer Einlieferung im Kranken- des wertvollen sibirischen Sattelsteinbods tummeln fich über ihre Personalien, also über Namen und Wohnung Auskunft zu hause verstarb. da auch eine Anzahl Mischlinge von letterem und Hausziegen, Drei Telephonfchwindler wurden gestern, als sie die soepen er so wie solche von diesen und dem Alpensteinbod. Zwei erst geben brauchen und fich jedes Einmischen der Beamten Beuteten Sachen im Wert von 1500 M. in Sicherheit bringen wenige Wochen alte Rizbödchen der Himalaya Schrauben die zur Anklage stehende Angelegenheit selbst ernsthaft ver. wollten, verhaftet. Die Seele des Geschäfts war der Kaufmann Fege bervollständigen das Bild jugendlichen Uebermuts und geben Artur Salomon, feine Gehülfen der Kellner Richard Haafe und der uns einen Begriff von der erstaunlichen Skletterficherheit dieser wildenhof das Verhalten des Klägers zu den Arbeitern energisch rügten Das Ende der Anschuldigung war, daß Verteidigung und GerichtsKonditor Christian Labinschus. Salomon, der früher in einer Put Bergbewohner. und die Anklage in sich zusammenfiel. Zwei der Angeklagten feberfabrik tätig war, bestellt entweder selbst Waren oder läßt dies Im wissenschaftlichen Theater der„ Urania" wird der Vortrag wurden schließlich zu einer kleinen Geldstrafe verurteilt, weil sie die burch Haase besorgen. Der Konditor dient als Bote und holt das„ Die deutsche Nordseeküste" am Sonntag, Dienstag, Donnerstag Frau des Tischlermeisters beleidigt haben sollen. Der brave Meister Bestellte ab. Die Sachen wurden nach der Bernburgerstraße gebracht, und Sonnabend zur Darstellung gelangen. Am Montag wird der aber ist gezeichnet. too fie bei einem Friseur abgesetzt wurden, bis ein Abnehmer ge- Bortrag„ Tierleben in der Wildnis", ausgestattet mit Momentbildern funden war. Das Geschäft wurde seit längerer Zeit betrieben und des Afrikareifenden C. G. Schillings, am Mittwoch der Vortrag hatte zu einer Reihe von Anzeigen geführt, bis ein vorsichtiger Die Insel Rügen" und am Freitag noch einmal der Vortrag Der Geschäftsmann den Verbleib der Sachen beobachten ließ. Bei einer Simplon und fein Gebiet" wiederholt. Am Sonnabend, den 8., am Durchsuchung fand die Kriminalpolizei die Gegenstände auf. Anfang der Schulferien, wird der Vortrag" Tierleben in der Wildnis" nachmittags 4 Uhr zu kleinen Preifen gehalten werden. Ein Bienenschwarm, der sich gestern vormittag 111, Uhr an einem Ballonpfeiler des Hauses Neue Stönigstraße 68 festgesetzt hatte, ber ursachte dort einen großen Auflauf. Alle Versuche, den Schwarm zu vertreiben, mißlangen, bis die Feuerwehr einen Bienenzüchter herbeirief, der die Tiere bis auf einen winzigen Rest einfing. Rirdorf. Vorort- Nachrichten. " in bitten sollten. gericht I in Berlin hat am 5. April den Redakteur der„ Zeit am Wann kommen Goethe und Schiller an die Reihe? Das Landeiner unzüchtigen Schrift freigesprochen. Inkriminiert war eine am Montag", Karl Schneidt, von der Anklage der Verbreitung 17. Oktober b. J. in dem genannten Blatte erschienene Erzählung Lorenzos Hochzeit", deren Autor vom Angeklagten nicht namhaft ge= macht worden ist. Der Angeklagte selbst erklärte, er würde die Erzählung nicht abgedruckt haben, wenn er nur im entferntesten eine unzüchtige Spur darin entdeckt hätte. Das Gericht hat denn auch, da nur eine einzige Stelle als schamberlegend angesehen wurde, Bon der Straßenbahn überfahren und erheblich verletzt wurde die Erzählung für nicht unzüchtig erklärt. Es war überzeugt, daß gestern abend an der Ecke der Tauben- und Charlottenstraße der die Tendenz der Erzählung lediglich dahin gehe, zu schildern, wie Arbeiter August Natusch, Stoppenstr. 99 wohnhaft. Auch hier Robert Krause an seiner Ehefrau verfibt, die am 18. März d. 3. einer jungen Frau fein Glüd erwachsen fönne; diese Tendenz sei Entschliche Grausamkeiten hatte der 48jährige Maurer aus einer Ehe zwischen einem frühzeitig gealterten Lebemanne und zeigte es sich wieder, daß der sogenannte Schußrahmen der Straßen im Krankenhause unter schrecklichen Qualen verstarb. Gegen den als eine schamberlegende nicht anzusehen. Gegen das Urteil hatte bahnwagen für die Verunglückten mehr schädlich wie nüßlich ist. Der Wagen mußte erst rückwärts bewegt werden, damit der Ver- liebevollen" Ehegatten wurde ein Strafverfahren wegen fort- ber Staatsanwalt te vision eingelegt, die in der gestrigen Sigung legte unter dem Duetschbrett" hervorgezogen werden konnte.usgange anhängig gemacht. Wegen dieses Delifts war Straufe fchon, so führte er aus, die Scheidung zwischen Form und Inhalt. Die werden konnte. gefeßter schwerer Körperverlegung mit tödlichem des Reichsgerichts vom Reichsanwalt vertreten wurde. Berfehlt ſei Baffanten brachten ihn dann nach der Unfallstation in der Kronen- gestern vor dem Schwurgericht des Landgerichts II angeklagt. Der Wirkung eines Schriftwertes tönne nur beurteilt werden nach der Straße. aus dem Untersuchungsgefängnis vorgeführte Angeschuldigte ist ein Wirkung in seiner Gesamtheit. Verfehlt sei es, wenn das Urteil Fenerbericht. Sonnabend früh wurde die Wehr nach dem mehrfach vorbestrafter Mensch. Er ist u. a. tegen Ruppelei mit fage, die Tendenz fei teine unzüchtige, die Form sei start realistisch, fistalischen Kohlenplatz in der Fruchtstraße 16 gerufen, weil dort 8 Tagen Gefängnis und zweimal wegen gefährlicher Körper- aber mit Rücksicht auf die Tendenz fönne man eine unzüchtige ein Waggon mit Breßfohlen in Brand geraten war. Die Ablöschung berlegung mit 8 beztv. 6 Monaten Gefängnis bestraft. Im Jahre Wirkung nicht annehmen. Damit habe das Landgericht den Begriff nahm lange Zeit in Anspruch. In der Potsdamerstraße 118 tam 1879 tam Strause als junger Mensch nach Berlin und arbeitete der Unzüchtigkeit verkannt und es sei auch der Verdacht rege gedann in dem Pensionat von Holder Feuer aus, wobei zwei Damen hier als Maurergeselle. Er ging dann nach Westpreußen, tam worden, daß es auch in subjektiver Beziehung von irrigen RechtsBrandwunden an den Händen davontrugen. Die Samariter der jedoch im Jahre 1886 nach Berlin zurück. Im Jahre 1891 heiratete anschauungen ausgegangen ist. Das Reichsgericht hob das Feuerwehr nahmen sich ihrer an. Abends gegen 10 Uhr erfolgte er die Köchin Amalie Schmidt. Dieser wird von ihrer früheren Urteil auf und verwies die Sache an das Landgericht II in Berlin. Alarm math dem Bentraliebhof, mo in einer Albumfabrit ein Brand Herrschaft das beste Zeugnis ausgestellt, weil sie ein überaus sauberes, entstanden war. Die Gefahr konnte aber leicht beseitigt werden. fattiges und anständiges Mädchen war. Die Ehe war anfänglich Spiritus stand u. a. in der Grünstraße 26 in einem Keller in auch glücklich, bald jedoch trant der angengre vice wie fun and Flammen, während in der Fischerstraße 6 Gasäther brannte. über den Durst und behandelte dann seine Frau schlecht. In der Unfug am öffentlichen Feuermelder lag einer Alarmierung zugrunde, Absicht, möglichst viel Geld zu erlangen, eröffnete St. in der Steinmez die in der Nacht zum Sonnabend nach der Triftstraße erfolgte. ftraße zu Schöneberg ein Kuppelquartier. Dieses wurde indessen Leider gelang es nicht, den frevelhaften Burschen abzufassen. Die bald ausgehoben und die Eheleute unter Anflage gestellt. Beide übrigen Alarmierungen, die in den letzten 24 Stunden noch aus der wurden wegen Kuppelei zu je drei Tagen Gefängnis verurteilt. in der II. Abteilung, Brunnenstr. 154. Vortrag über Stnochenbrüche, BerMatthieustraße 3 und noch aus einigen anderen Orten einliefen, Nunmehr ging es mit dem mit dem einftmals fleißigen und an- rentungen, Berstauchungen. Nachher praktische Uebungen. Neue Mitglieder waren auf ganz geringfügige Anlässe zurückzuführen. ständigen Mädchen schnell bergab. Sie eiferte dem Beispiel ihres Mannes nach und griff ebenfalls zu der Flasche. Es tam von nun an fast täglich zu heftigen Szenen. Der Ehemann Der Sternenhimmel im Juli. Der Juli ist bei uns der heißeste tam angetrunken von der Arbeit nach Hause und fand hier seine Monat des Jahres, und er hat diesmal auch gleich mit einer ganz beffere Hälfte" ebenfalls angetrunken vor. Vielfach gingen beide ungewöhnlichen Siße eingesetzt, nicht weniger als 43 Grad Celsius, Eheleute zusammen aus und tamen, nach edlem Wettstreit um den das ist 34,4 Grad Reaumur, erreichte das Thermometer am ersten Schnaps, beide angetrunken, nach Hause. Hier kam es dann zu Tage. Aber trotzdem steht der Juli nicht mehr unter dem Zeichen Tätlichkeiten. Der Angeklagte mißhandelte seine Frau wiederholt der ständig höher steigenden und immer sengender wirkenden Sonne, in der schlimmsten Weise, wobei er sich aller möglichen Werk sondern schon am 21. Juni hat sie ihren Höhepunkt überschritten, zeuge bediente. Seit dem 1. November vorigen Jahres beKöln, 1. Juli.( Privatdepesche des Vorwärts".) Den eifrigen 61 Grad, und ist seitdem wieder im Abstieg begriffen, so daß sie am wohnte der Angeklagte Stube und Küche in dem Hause Ende des Juli zu Mittag nur noch 57% Grad hoch steht. Damit 8iethenstraße 85 zu Nixdorf. Hier hörten die Hausbewohner Bemühungen der Kriminalpolizei ist es gelungen, den Mörder des nimmt auch die Tagesdauer langsam wieder ab, von über 16% wiederholt ber Serauseschen Wohnung laute Webschreie fünfjährigen Kindes Roggendorf in Kirdorf festzunehmen. Der Stunden bis auf 15% Stunden. und das flatschende Geräusch von Schlägen. Am 2. März d. J. Mörder ist geständig. Es handelt sich um einen arbeitsscheuen hatte Frau Krause wieder einmal dem Laster des Trunts gefrönt. Burschen, der mit seinen Brüdern in Streit geriet, aus But darüber Als der Angeklagte ebenfalls angetrunken abends nach Hauſe tam, aus einer Schar spielender Kinder das erste beste herausriß und entstand zwischen den Eheleuten ein Streit. Der Ehemann ergriff biefem mit einem schweren Stein den Schädel einschlug. Alsdann einen fog. Schrubber und ließ diesen unbarmherzig auf seine Frau niederfaufen. Schon nach einigen Hieben brach ber bide Scrubber warf er die Leiche in einen Waffertümpel. aus 469 Oeffentliche Bibliothek und Lesehalle zu unentgeltlicher Be 36442 anasanarinenitr 26. nung Bum 8wede der Inventur- Aufnahme müssen alle Bücher zurudgegeven werov Beit vom 24. Juni bis 2. Juli werden feine Bücher ausgeliehen. Die Refefäle bleiben von 5-10 Uhr abends geöffnet. felle bleiben von 5-10 Uhr abends geöffnet. Arbeiter Samariterkolonne. Montag abend 9 Uhr: Uebungsstunde fönnen noch eintreten. Einschreibegeld 25 Pf. Monatsbeitrag 25 Pf. Reichhaltige Bibliothek steht zur Verfügung. Steglių. Mittwoch, den 5. Juli, abends 82 Uhr: Mitglieder- Ber sammlung des Wahlvereins im Restaurant Schelhase. Auf der Tagesorünung steht unter anderm: Der Entwurf zum neuen Organisationsstatut. Ein guter Besuch wird erwartet. Vermischtes. Die Sterne treten am Nachthimmel zu Anfang des Monats besonders schön hervor, weil Ne u mond am 2. Juli herrscht, also das störende Mondlicht fehlt; Erstes Mondviertel ist am 9., Wollmond am 16. und 2etes Viertel am 27. Juli. Den Figsternhimmel beschreiben wir, wie er sich zu Anfang des Monats um 10 Uhr abends darbietet; dieselbe Stellung stiel entzwei. Mit dem anderen Ende schlug der Angeklagte weiter Aus Jena meldet uns ein Bribattelegramm über eine finden wir in der Mitte des Monats schon eine Stunde früher, gegen auf seine Frau ein, bis diese bewußtlos und in einer großen Blutlache Explosion: Auf Berg Cosboth liegt ein der Göschwitzer ZementEnde des Monats schon um 8 1hr Am Westhimmel steht ziemlich hoch das bekannte Sternbild des mit einer Unzahl Striemen und aufgeschlagener Fleischwunden bedeckt. mittag 10 Uhr in die Luft flog. Menschen sind bei der Explosion Am Westhimmel steht ziemlich hoch das bekannte Sternbild des schwimmend liegen blieb. Der Kopf, die Arme und der Rücken waren fabrit gehörendes Sprengpulvermagazin, welches SonnabendvorGroßen Bären oder Großen Wagens, das aus sechs Ein besonders fräftiger Schlag auf den Kopf hatte eine innere nicht verunglückt, dagegen plagten in Göschwitz die Fensterscheiben mittag 10 Uhr in die Luft flog. Menschen sind bei der Explosion Sternen zweiter und einem dritter Größe besteht. Die drei Deichsel- Blutung herbeigeführt. fterne weisen in schwachem Bogen nach Süden, der berlängert auf Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage nach schwerer und stürzten Biegel von den Dächern. Der furchtbare Stnall wurde den rötlich schimmernden Arctur( erste Größe) und weiterhin Körperverlegung unter Versagung mildernder um auch in Jena gehört. auf die im Südwesten weißlich funkelnde Spica( erste Größe) stände. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die von Eisenbahnunglück. Aus Dirschau wird vom Sonnabend be ben hellsten Stern der Jungfrau führt. Tief im Westen gewahrt dem Angeklagten an den Tag gelegte unglaubliche Gefühlsroheit und richtet: Heute früh fuhr ein Rangierzug im Nebel gegen den Brellman das Sternbild bes. Söwen, dessen hellster Stern, Regulus Brutalität eine 8uchthausstrafe von 6 Jahren. Das Urteil boc des Ablaufgleises. Die Maschine stürzte die hohe Böschung ( erste Größe), sich schon bald unter den Horizont hinabfentt. Süd- des Gerichtshofes unter Vorfis des Landgerichtsdirektors er old hinab, den Lokomotivführer und Heizer unter sich begrabend. Der westlich von der Jungfrau, aber noch auf der westlichen Himmels- lautete auf 6 Jahre Zuchthaus und Verlust der bürger- Seizer starb auf dem Wege nach dem Krankenhause. Der Lokomotivhälfte, erblidt man nahe an dem südlichen der beiden Sterne aweiter lichen Ehrenrechte auf die Dauer von 6 Jahren. Größe, die für das Sternbild der Wage charakteristisch sind, den hellsten Planeten, der gegenwärtig am Nachthimmel steht, den rötlichen Mars, deffen Oberfläche im Fernrohr bekanntlich mertwürdige Gestaltungen zeigt, geradlinige dunkle Kanäle zwischen Dunklen Meeresteilen und hellen Landgebieten. Er bewegt sich in südöstlicher Richtung, nach dem Sternbild Storpion au, deffen hellster Stern, der rötlich funkelnde Antares( erste Größe), sehr fief im Süden nicht schwer zu finden ist. Südende. Eine Familientragödie spielte fich gestern in Südende ab. Die Frau des in der Villa Lindenstr. 6 wohnenden Kaufmannes Georg Apelt verließ nach vorangegangenem Streite die Wohnung. Der Ehemann schloß sich darauf in fein Zimmer ein und erhängte fich. Die Nach forschungen nach dem Verbleib der Frau, die mit ihrem fiebenjährigen Kinde das Haus berlassen hatte, blieben bisher erfolglos. Die Die öftliche Himmelshälfte wird in ihrer ganzen Ausdehnung Leiche des Mannes wurde von der Staatsanwaltschaft bis auf von Süden nach Norden von der Milchstraße durchzogen. An weiteres beschlagnahmt. Das Apeltsche Ehepaar bewohnte seit einem ihrer westlichen Geite prangt hoch am Himmel die helle Wega Jahre die erste Etage der Billa Lindenstr. 6. Apelt war zum ( erste Größe) vom Sternbild der Leier, südöstlich von ihr steht zweitenmal verheiratet und brachte zwei Stinder in die Che, aus am Ostrand der Milchstraße Altair( erste Größe) vom Adler, zweiter Ghe blieb ein Mädchen von sieben Jahren als Waise zurück. nordöstlich von der Wega, mitten in der Milchstraße, der hell funkelnde Apelt, der früher eine gutbolierte Stellung in einem Seibenhause Deneb( aweite Größe) vom Sternbild Schwan. Weiter nach hatte, war seit Januar stellungslos. Die Sorge um die Zukunft Norden findet man in der Milchstraße das leicht fenntliche Stern brachte 8wist in die Ehe. Der bevorstehende Quartalswechsel bilb Cassiopeja, drei Sterne weiter, givet Sterne britter und die Aussichtslosigkeit, eine Stellung zu erhalten, führten zur Größe, die in der Form eines lateinischen W angeordnet sind. Katastrophe. Deftlich vom Altair steht, noch nicht sehr hoch über dem Horizont, ber Planet Saturn, der die ganze Nacht hindurch sichtbar bleibt. Wenus ist gegenwärtig Morgenstern; zu Anfang des Monats steht fie in der Nähe des Jupiter. Diese beiden hellsten aller Planeten gewähren am Morgenhimmel einen prächtigen Anblid. Gerichts- Zeitung. führer, dem die Brust verbrüht und beide Beine gebrochen wurden, liegt hoffnungslos danieder. Die Wirkungen des Plöhenfeeprozesses zeigen sich zum Glück anscheinend auch außerhalb Berlins. Aus Köln a. Rh. meldet uns ein Bribattelegramm, daß dort drei wegen Mordes ver urteilte Zuchthäusler namens Groschke, Kaunis und Nau der Jrrenabteilung zugeführt find. Menschenfressende Zigeuner. Eine fast unglaubliche Nachricht über menschenfressende Zigeuner wird aus Jászberény gemeldet: Die Gendarmerie verhaftete dort eine aus zwangig Mitgliedern bes stehende Zigeunerlarawane, die schon seit langem im Berdachte stand, eine Kinder zu rauben, um fie, wie man vermutete, zum Betteln u berenden. Es fiel aber auf, daß man bei den Zigeunern nie fremde Kinder vorfand. Nun gelang es der energisch fortgesetzten untersuchung, der Sache auf den Grund zu kommen; es wurde festgestellt, daß der Zigeunerhäuptling die geraubten Kinder töten ließ, worauf die Bande sie verzehrte. Erhärtet wurde dieser kaum glaubliche Fall durch den Umstand, daß auf dem Wagen der Sarawane eine zeritüdelte Kindesleiche gefunden wurde; auch sagten die Zigeuner aus, ihr Häuptling allein habe achizehn Kinder aufgegessen. Die Starawane tam aus Siebenbürgen und hat auch die meisten Greuels taten dort berübt. Die Gendarmerie hat die weitestgehendsten Ne cherchen eingeleitet. Eingegangene Druckschriften. Auch ein Arbeitgeber. Der Solzarbeiter Verband schreibt uns: In der vergangenen Woche fand eine Episode ihren Seilstätten- Wohltätigkeitsfest. Das Komitee für das am Mittwoch, Abschluß, die in Arbeiterfreifen bekannt zu werden verdient. An ben 5. Juli, im Zoologischen Garten stattfindende Wohltätigkeitsfeft geflagt waren drei Bautischlergesellen, welche um Weihnachten mit zugunsten der Heilstätten zu Belzig und am Grabowfee macht be- noch anderen beim Tischlermeister Stellmatfig in der Stopen fonders darauf aufmerffam, daß die ausgegebenen Billetts Gültigkeit! hagenerstraße beschäftigt waren. Dieser Herr ist in Arbeiterkreisen Verantw, Redakteur: Frona Nehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Gloce, Berlin. Drud u. Berlog: Borwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW „ Neue Gesellschaft". Soz. Wochenschrift. Seft 13. Serantsgeber Dr. H. Braun und Lily Braun. Einzelheit 10 Pf. Wonatlich 40 Pf. Ber lag Berlin W 35.