Nr. 154. Abonnements- Bedingungen: bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 M., monatl. 1,10 m., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Pfg. Sonntags nummer mit illustrierter Sonntags Bellage„ Die Neue Belt" 10 Bfg. Bost Abonnement: 1,10 Mart pro Monat. Eingetragen in die Post- Zeitungs. Breisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 3 Mart, für das übrige Ausland 8 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Rolonel zeile oder deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerkschaftliche Bereinsund Bersammlungs- Anzeigen 25 Pfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fettgedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet. Telegramm Adreffe: ,, Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Das Zentrum gegen das allgemeine Wahlrecht. Nach dem Verlaufe der viertägigen Generaldebatte im württembergischen Landtage über die Verfassungsrevision fann tein Zweifel mehr darüber walten, daß auch für den un wahrscheinlichen Fall, als es der Regierung gelingen sollte, die Vorlage unter Dach zu bringen, eine tatsächliche Verschiebung der politischen Machtverhältnisse im Staate nicht zu erwarten ist. Nach wie vor werden die Rechte des Volkes ans Streuz der Privilegien- und Klassenherrschaft geschlagen bleiben. Wäre das Wahlrecht irgend eine abstrakte, aus dem Zusammenhang der Dinge lösbare Sache dann hätten die demokratischen Lobredner des freisinnigsten Wahlrechts", das Württemberg nach Durchführung der Reform besigen werde, immerhin Grund zu ihrer pharifäischen Selbstzufriedenheit, die u. a. am Sonntag auf der Sommerparade der Volkspartei ihren Ausdruck fand in einer Rede des Rammerpräsidenten Payer, der die Gesetzwerdung der Regierungsvorlage als einen großen Sieg der demokratischen bee" hinstellte. Aber die Demotratisierung der Abgeordnetenkammer durch Beseitigung der Pribilegierten soll- und das wurde in der Debatte immer wieder betontertauft werden durch Festigung der Adelskammer. Die Privilegierten werden in Wahrheit nicht beseitigt, sondern bloß an eine andere Stelle geschoben, wo sie ihren Einfluß nicht minder stark zur Geltung bringen tönnen als bisher. Der Einfluß des Volkes auf die Gestaltung der Politik wird durch die Reform nur scheinbar bergrößert; in Wahrheit bleibt alles beim alten, wenn es nicht gar verschlechert wird. " Mittwoch, den 5. Juli 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. " jemals und seine Getreuen sich nicht bloß darauf, bei den Privile- So konnte Genosse Keil in seiner Entgegnung unter gierten ein Gruseln vor den Wirkungen des allgemeinen Zustimmung selbst bei bürgerlichen Abgeordneten feststellen, Wahlrechts zu erwecken, sondern erklären klipp und klar, daß daß Gröbers Ausführungen nicht bloß für Württemberg ihnen die Hemm- und Sperrvorrichtung der Ersten Kammer konservative Sperrvorrichtungen empfehlen, sondern sich direkt nicht genügt, wenn nicht auch eine Fälschung der gewählten Bolts- gegen das allgemeine Wahlrecht für den Reichstag richten, vertretung hinzukommt! Das allgemeine Wahlrecht soll bei für den ja die Gefahr einer Radikalisierung" noch in ganz leibe nicht abgeschafft", es soll nur, verbessert" werden, anderem Maße bestehe als für den württembergischen Landtag. verbessert in der Art, daß der zunehmenden Radikalisierung Nun braucht man die Gefahr nicht zu überschäzen, daß der Abgeordnetenkammer ein Riegel vorgeschoben wird. In die deutsche Reichsregierung Lust haben wird der Donnerstagsigung hatte Gröber mit Recht bemängelt, den vom Zentrum gezeigten Weg einer„ Reform" des daß der neue Entwurf überhaupt keinen Ersatz für die allgemeinen Wahlrechts zu beschreiten. Besser ein 23 ausscheidenden Privilegierten" in der Zweiten Kammer" radikaler" Reichstag, als ein solcher, wie ihn das vorsehe, und dann ausgeführt: österreichische Kurienwahlrecht aus innerer Notwendigkeit Die neuen Elemente sind nicht von Bedeutung für die gebiert: eine verrottete, aus einer Krise in die andere Erste Kammer. Sie sind abhängig von der Regierung, zumal fie faumelnde Körperschaft. Aber wessen man sich vom Zentrum von dieser ernannt werden können. Viel besser eignet sich die zu versehen hat, das soll bei der ausschlaggebenden Stellung 8 weite Kammer für eine berufsständische Ver= tretung, um die Mängel des allgemeinen Wahlrechts auszu- dieser Partei in der Reichspolitik festgenagelt werden. gleichen. " Der Gedanke einer berufsständischen Vertretung ist, wenn er auch im Jahre 1894 abgewiesen wurde, nicht ohne weiteres zu verwerfen. Wenn die Reform ohne Ersatz zustande kommt, wird die Radikalisierung der zweiten Stammer fortschreiten. Das liegt nicht im Interesse des Landes. Wie wird es werden bei Bewilligung der Mittel für den Etat? Tatsächlich entscheidet ja nur die Zweite Kammer über den Etat. Was will denn die Regierung dann damit machen?.. Deshalb ist es notwendig, ein Gegengewicht in diesem Hause gegen die radikalen Elemente zu fchaffen. Die Erste Kammer genügt nicht allein als Erfaz. Politische Ueberficht. Berlin, den 4. Juli. Bülow- Verleumder! Die, Post" berbreitet diese Nachricht: „ Die Jaurès- Komödie in Berlin findet nicht statt. Herr Jaurès wird wohl auf seine Reise nach Berlin verzichten müssen. Wie die„ Antisoz. Korr." hört, wird ihm ein öffentliches Auftreten und irgendwelche politische Betätigung in Berlin nicht gestattet werden." Die Behauptung wird in solcher Bestimmtheit aufgestellt, als wäre der May Lorenz von der Antifoz. Korr." zum Vertrauens mann der entscheidenden Regierungsstelle avanciert. Wir nehmen jedoch an, daß niemand so üblem Geschmack verfallen kann und daß Lorenz seine Wünsche mit Tatsachen verwechselt. fönnen. " Und als dann in der Sonnabendsigung der Minister präsident mit einer am Regierungstische ungewohnten Ist die zur Schau getragene Begeisterung der bürger- Schärfe dem Zentrum den Programmverrat borwarf Hichen Linten für eine solche Verfassungsreform, die keine ist, und dem Angriff Gröbers auf die Regierung, die mit der aus den an dieser Stelle bereits flargelegten wahltaktischen Partei des Umsturzes pattiere", unter schallender Heiterkeit des Es versteht sich, daß ein Verbot gegen Jaurès, wie es die Gründen immerhin erklärlich, so überrascht doch einigermaßen Hauses den Hinweis auf Bayern entgegenstellte, wo das" Post"-Notiz behauptet, nicht durch einen beliebigen Polizeipräsidenten der Grad der Erbitterung, mit dem das Zentrum die Vor- Zentrum Schulter an Schulter mit der Sozialdemokratie erlassen werden kann, sondern nur durch Genehmigung des Reichslage bekämpft. Auf Widerstand von dieser Seite war man fämpfe", da erhob sich Gröber und meinte: tanzlers und preußischen Ministerpräsidenten selbst erfolgen könnte. ja gefaßt; aber daß die Zentrumsfüchse so alle gewohnte ,, es fönne niemandem ein Vorwurf daraus ge- Wir nehmen den Fürsten Bülow gegen die dreiste Verleumdung in Klugheit vergessen und sich zu einem Vorstoße gegen macht werden, wenn er seine Stellung den veränderten Schutz, als sei er zu solchem Borgehen befähigt, von dem das allgemeine Wahlrecht hinreißen lassen würden, Zeitumständen anpasse. Die Erfahrungen hatte man doch nicht erwartet. Was steht denn schließlich der Landtagswahl schwierig festzustellen wäre, ob es mehr des Preises der politischen bon 1900 und mehr noch der Reichstagswahl für das Zentrum auf dem Spiele? Im Abgeordnetenbon 1903 fönnen Brutalität oder des Preises der politischen Dummheit würdig ist. bom Zentrum nicht unbeachtet bleiben. hause wird sein Einfluß durch die Reform nicht angetastet, Auf Grund der letzten Reichstags- Die, Post", das schmierige Blatt für Scharfmacherei und Kultur wahlergebnisse zeigt sich, daß durch die Bezirks- und Städtewahl widrigkeit, erklärt ein solches Verbot als ganz selbstverständlich und eher gehoben; denn die 20 Zentrumsabgeordneten werden im eine gleichmäßige Vertretung der Berufsstände durchaus notwendig". Aber die" Post" dürfte sich irren, wenn sie Verein mit den Bauernbündlern in einer Kammer von 75 Abnicht erreicht wird und die Gefahr besteht, daß bei dem bereits glaubt, den Reichskanzler, der sich gern rühmte, ein moderner geordneten numerisch stärker ins Gewicht fallen als in einer Vordringen des Radikalismus schließlich die Sozial Staatsmann zu sein, völlig auf das Niveau ihrer jämmerlichen folchen von 93. Die Erste Kammer verliert allerdings ihre demokratie die Vertretung des Volkes in Händen haben Kleingeisterei und ihrer politischen Verwahrlosung herabzerren zu ,, katholische" Mehrheit; aber heißt das, daß sie die katholisch- wird... Wir verlangen, daß innerhalb des Berufes au tonfeffionellen Interessen nicht mit der gleichen Engherzigkeit eine gleichmäßige Abstimmung für alle Be So lange jene Behauptung nur als der Versuch der„ Post". wahren wird wie bisher? Reineswegs! Denn teiligten erfolgen foll. Wir rechnen damit, daß in die die der Zweiten Kammer dann Zusammensetzung allerdings Heger erscheint, den Reichkanzler einer unendlich lächerlichen Blamage evangelische Orthodorie ist nicht minder eine unein etwas fonservativeres fonservativeres Element insofern tommt, als zu überliefern, muß die Kritik schweigen, welche im Falle der Be erbittliche Gegnerin der Simultanſchule und der für eine gleichmäßige Vertretung der Berufsstände gesorgt wird. stätigung des Verbotes geboten wäre. Es erscheint zunächst unstaatlichen Schulaufsicht als die katholische. In der Wir wollen nicht das allgemeine Wahlrecht einschränken, weder denkbar, daß der Reichskanzler gerade denjenigen französischen Abgeordnetenkammer hat man bisher schon katholische im Reich noch im Land, aber wir wollen angesichts der Aufgaben Bolititer an einer Aussprache für den Frieden hindern könnte, bem " Heilige" und evangelische Ritter" in holder Eintracht jeden der Gegenwart für das Ausscheiden der Privilegierten einen enter im wesentlichen den diplomatischen Erfolg Fortschritt auf dem Gebiete des Schulwesens bekämpfen sehen. sprechenden Ersatz schaffen. Das wird nicht anders werden, wenn die Ritter und Prälaten in die Erste Kammer versetzt werden. Ist es schon falsch, von einer demokratischen Verfassungsrevision zu sprechen, so ist es auch nur bedingt richtig, von einer protestantischen zu sprechen. Nichtig ist es ja, daß die Gegnerschaft gegen den kommenden katholischen König das protestantische Alt- Württemberg veranlaßt hat, die Protestantisierung" der Ersten Kammer aufs eifrigste zu betreiben, und daß diese Einflüsse hinter den Kulissen start mitgespielt haben, Aber in einem paritätischen Staate kann der Konfessionalismus nicht einseitig begünstigt werden; die Gescheitelten werden stets für die Geschorenen arbeiten, wie diese für jene. Wenn schon die bloße Möglichkeit einer Benachteiligung engherzigster tatholisch tonfessioneller Interessen das Zentrum zur Preisgebung des Grundsages des allEr legt das Hauptgewicht darauf, daß durch die Erhebung der gemeinen gleichen und direkten Wahlrechts veranlassen russischen Marinesoldaten die Revolution in Rußland in eine neue fann, wenn diese Partei für Wahrheit und Recht" sich so Die reaktionäre Fraße und der perfide Jesuitismus des Phafe getreten ist; denn bisher hatte die russische Regierung Gefühl der unbedingten Ueberlegenheit gegenüber den ohne Not und ohne Gewinn in die Schmach eines Programm- Bentrums können nicht deutlicher gezeichnet werden, als es hier das berrates stürzt was ist dann erst im Reiche von durch einen Führer dieser Partei selbst geschehen ist. revolutionären Parteien, fie ließ die russischen Intellektuellen ohne ihr zu erwarten, welche Gewähr hat man Siebenmal in sieben Tagen kann man in der Zentrumspresse beren Verwirklichung sie auch nicht im entferntesten dachte, und die sonderliche Bounruhigung fortschrittliche Refolutionen fassen, an noch für den Widerstand von seiten des lesen, daß das Zentrum am allgemeinen, gleichen Wahlrecht in Massen demonstrierenden Arbeiter ließ fie von den Nagaiken der Zentrums gegen einen Wahlrechtsraub im festhalte. Nun erfährt man, unter welcher reservatio mentalis Stofaten bearbeiten oder niederschießen. Auf der einen Seite stand Reiche? Weit über die landespolitische Bedeutung hinaus diese Beteuerungen der gelehrigen Schüler Loyolas er das wehrlofe Bolt, auf der anderen Seite die bewaffnete besitzt die Stellungnahme des Zentrums in der württem- folgen: jeder Deutsche darf wählen nach dem Grundsay: Macht, deren die Regierung vollständig sicher zu sein glaubte. eine Stimme-, bergischen Verfassungsrevisionsdebatte politische Tragweite. ein Mann aber die Stände" Breiter Voltstreife in Rußland hat sich schon eine tiefe Entmutigung Sie läßt nicht nur erkennen, daß das Zentrum ein werden hübsch von einander gesondert, in der Weise, daß bemächtigt und die Regierung war von Unabänderlichkeit dieses geschworener eind des Reichstags- Wahlrechts die Vorrechte der absterbenden Klassen versteinert träfteverhältnisses so sehr überzeugt, daß Trepom mit Hülfe bes ist, sondern sich Mühe gibt nach einem Anhaltspunkt dafür, und gegen das Andrängen des Proletariats mit einem Schuß- Militärs und des Standrechts die ganze russische Gesellschaft in seine Gewalt bekommen wollte. in welcher Richtung sich eine eventuelle Reform" des wall umgeben werden. Das Kurienwahlrecht, wie es in Reichstags- Wahlrechts bewegen wird, für die das Zentrum zu Desterreich zur völligen Berrüttung der politischen Verhältnisse haben wäre. geführt hat, soll für Deutschland adoptiert werden, der Für die 23 aus der württembergischen Abgeordneten- Arbeiterklasse sollen etliche Mandate aus einer Arbeiter tammer zu entfernenden bezw. bis auf fünf in die Erste turie hingeworfen werden. Stammer abzuschiebenden Privilegierten hatte der im Gröber hat ausdrücklich auf die Reichstagswahlen Jahre 1897 gescheiterte Entwurf einer Verfassungs- exemplifiziert; er hat den bürgerlichen Parteien eine Gänsehaut revision Ersatz in der Weise vorgesehen, daß 23 Ab- über den Rücken gejagt durch die Feststellung, daß von der geordnete durch Proportionalwahl aus dem ganzen Lande Sozialdemokratie angegriffen bezw. bereits erobert sind in zu den 70 Abgeordneten der guten Städte" und der Württemberg bei 17 Sigen 10= 58,8 Proz., in Oberämter hinzugewählt werden. Das Zentrum hatte damals Bayern bei 48 Sigen 13= 27 Pro3., in Baden bei deser Regelung zugestimmt. Jezt aber beschränken Gröber 14 Sigen 4= 28,5 Proz. Wir haben ja im Einkommensteuergesetz auch eine au banken hat, dessen er sich nach den AuseinanderEinteilung des Landes nach Berufsgruppen zu Steuerzwecken ge- fegungen mit dem beseitigten französischen Minister des Auswärtigen macht: Landwirtschaft, Gewerbe und Handel, Delcassé rühmt. Es wäre eine Schändlichkeit wider das Deutsche Dienst und Berufseinkommensteuerpflichtige. Reich und die von seinen maßgebenden Verwaltern stets betonte Wäre es denn nicht möglich, eine ähnliche Gruppeneinteilung auch Friedensliebe, wenn derjenige Mann im Deutschen Reiche des Wortes borzunehmen nach Berufsständen und innerhalb dieser beraubt werden sollte, der mehr als irgend ein anderer gegen den Gruppen in großen Wahlkreisen eine Propora franzöfifchen Chauvinismus gestritten und mehr als irgend ein wahl vornehmen zu lassen?.. anderer für die deutsch- französische Freundschaft wirkt! Es kann auch eine Wahl mittels Proporzes innerhalb der Berufsstände, wenn alle Berufsstände und innerhalb der Berufsstände alle Wahlberechtigten zur Abstimmung kommen, als eine Professor v. Reußner über die russische Revolution. allgemeine, gleiche und geheime Wahl betrachtet betrachtet werden. Es ist von hohem Interesse zu hören, wie Professor v. Neußner, ( Heiterkeit.) Ja, meine Herren, da ist ein Streit überflüssig. der Sachverständige des Königsberger Prozesses, über die jetzige Sie mögen anderer Meinung sein; wir halten das für ber- Gestaltung der russischen Verhältnisse denkt. Gegenüber bem einbar, denn wenn alle Wahlberechtigten des ganzen Landes ein Korrespondenten der Wiener N. Fr. Pr." sprach er sich u. a. wie gleiches, unmittelbares, geheimes Wahlrecht in einem größeren folgt aus: Kreise auszuüben haben, dann wird dem Wortlaut unseres Brogrammsages nicht zuwidergehandelt. Den größten Fehler der gegenwärtigen russischen Regierung er blickt Professor v. Reußner darin, daß sie die Armee zu einer politischen Bartei für den Absolutismus und gegen den Volkswillen machen wollte. Gerade dieser Umstand trug die Seime der Unzufriedenheit in die Kreise der letzteren und bereitete am meisten ber revolutionären Propaganda im Heere den Boden. Professor v. Reußner weist mit besonderem Nachdruck darauf hin, daß die Erhebung der Matrosen in Odessa nicht etwa eine aufällige Meuterei wegen schlechter Soft, wie hie und da au lesen war, sondern vielmehr eine Folge der feit langem, ja schon feit Jahren innerhalb der Kriegsmarine eifrig betriebenen revolutionären Agitation ist. Er versichert, daß die gesamten Mannschaften und auch ein Teil der niederen Offiziere der in «»Mchen Gewässern weilenden Kriegsmarine, und zwar nicht nur in Odessa, sondern auch in Sewastopol, Libau, Kronstadt, ja sogar der Marine in Petersburg Anhänger der revolutionären Parteien sind. Die gegenwärtige Erhebung, sagte er, ist ein Aufstand bewaffneter Revolutionäre, die sich ihres Zieles wohl be» wüßt sind und einer breit ausgreifenden Organisation gehorchen. Das sind nicht Aicntcrer im gewöhnlichen Sinne, das sind nicht Räuber und Mörder, sondern Helden, die ihr Lebe« für eine Idee in die Schanze schlagen. Auch des Landheeres kann, wie Professor v. Reußner glaubt, die russische Regierung nicht mehr ganz sicher sein, denn auch in seinem Verbände habe die revolutionäre Propaganda Boden gefaßt, welche durch die jetzt einberufenen Reservisten erst recht in die Heeresmacht hineingetragen wird. Das in Genf erscheinende revolutionäre russische Blatt„Jslra" brachte aus zuverlässiger Quelle die Meldung, daß vor etwa einem Monat zwei in Polen stationierte, aber aus Russen bestehende Jnfanterie-Regimenter schon vollkommen bereit waren, sich den Revoluttonären anzuschließen, als die Ver- schwörung entdeckt und die ganze Mannschaft nach Ostasien geschickt wurde. Professor v. Reußner ist der Ueberzeugung, daß, wenn der gegenwärtige Marineaufruhr mißlingt, die Revolution nach einer kurzen Zeit mit um so größerer Heftigkeit wieder hervorbrechen werde. Auch das Versprechen einer neuen Verfassung könnte daran nichts ändern. Das von B u l y g i n ausgearbeitete Reformprojekt wird von der russische» Intelligenz entrüstet zurückgewiesen. Die revoluttonären Parteien wollen überhaupt von den jetzigen Ratgebern des Zaren nichts wissen. Die jetzige russische Regierung, schloß Professor v. Reußner, hat ausgespielt; sie hatte bisher weder die moralische Autorität, noch gewichtige Staatsmänner auf ihrer Seite, mm sei auch die letzte Stütze, auf die sie fich verlassen wollte, zusammengebrochen, da das Miftwi sich gegen sie erhebt. » DeutfcKes Reich. Gefährliche Flottenpropaganda. Die Flottenschtvärmer betreiben zurzeit die Agitation für ein rascheres Bautempo und die Schaffung kolossaler Linien- schiffflotten mit gesteigertem Eifer. So hat der Marincschrift- steller Graf Reventlow eine Broschüre erscheinen lassen. in der er sich mit dem Nachweis abmüht, daß das Flotten- gesetz vom Jahre 1900 hinter den Bedürfnissen weit zurück- steht. Die„alten Kästen" der Siegfried- und Sachsenklasse müßten schleunigst durch wirkliche Linienschiffe ersetzt werden. Nicht nur müsse die Zahl der Linienschiffe über den Bau- plan des Flottengesetzes hinaus erheblich vermehrt werden, sondern es sei vor allem auch das Deplacement der Schiffe zu erhöhen. Wenn England Schiffe von 20(XX) Tonnen Deplacement im Bau habe, könne Deutschland unmöglich mit Schiffen von nur 13 000 Tonnen Deplacement dagegen auf- kommen. Ebenso trostlos wie mit den Linienschiffen sähe es auch mit den Panzerkreuzern aus. es sei die höchste Zeit, daß die für den Herbst angekündigte Vorlage Abhülfe schaffe. Aber eine Vorlage, die sich lediglich auf Panzerkreuzer und Torpedo- boote beschränke, könne nur als Torso gelten. Eine raschere Verbesserung der deutschen Flotte auch um vollwerttge Schlacht- schiffe ersten Ranges sei dringend geboten. Auch der Kapitänleutnant a. D. Ruft, der vor einiger Zeit eine äußerst lesenswerte Broschüre über unsere Marine- Verhältnisse veröffentlicht hat, beschäftigt sich in der„Frank- furter Zeitung" mit der Frage,„was für Kriegsschiffe sollen wir bauen". Er beharrt in diesem Aussatz bei dem Standpunkt, den er in seiner Broschüre vertreten hat. Im Gegensatz zu dem Grafen Reventlow und den Leuten des Flotten- Vereins hält er den Bau von kolossalen Linienschiffen ftir völlig verkehrt. Deutschland werde niemals eine Linien- schiffsflotte bauen können, die stark genug sei, es mit der englischen aufzunehmen. Zum Schutze seines Handels wären Panzerkreuzer von großem Attionsradius viel wertvoller. Gerade die Seeschlacht bei Tsuschima habe wiederum bewiesen, daß Schiffe mit großer Fahrgeschwindigkeit Schiffe mit geringerer Fahrgeschwindigkest überlegen seien. Die russische Flotte sei an Schlachtschiffen der japanischen über- legen gewesen, die Japaner hätten aber gesiegt durch die Ueberlegenheit ihrer Panzerkreuzer. Wie man sieht, sind die Flottentreibereien unserer Flotten- vereinler umso gefährlicher, als innerhalb der Marine- sachverständigen nicht einmal Meinungseinheitlichkeit über den Wert der Schlachtschiffe herrscht, deren Bau von Deutschland mit besonderem Eifer betrieben wird. Es wäre gar nicht ausgeschlossen, daß man nach einem Jahrzehnt des fieber- haftesten Linienschiffbaues zu der Ansicht des Kapitänleutnants Ruft gelangte, daß alle die Riesenausgaben für diese riesigen Panzerkästen völlig weggeworfen gewesen wären. Dabei bedeuten Deutschlands Seerüstungen die drohend st e Gefahr für den Weltfrieden. Wenn Deutsch- land in einem Augenblick, wo durch die Ver- nichtung der russischen Flotte die Möglichkeit eines Angriffs des Zweibundes vollständig geschwunden ist, gleichwohl die Flottenrüstungen im Eiltempo fortsetzt und durch seine Flotten- tretber unverhüllt erklären läßt, daß diese Rüstungen dazu dienten, England die Spitze zu bieten, so kann England gar nicht anders, als in diesen Rüstungen eine eminente Gefahr für sich zu erblicken. Es könnte also eines Tages der krittsche Augenblick eintreten, wo England, des ewigen Wettrüstens müde, sich des unangenehmen Rivalen durch einen ent- scheidenden Schlag zu erwehren sucht. Das tolle Wettrüsten bedeutet also nicht nur die Gefahr des wirtschaftlichen Ruins Deutschlands, sondern es birgt auch die Gefahr Verhängnis- voller weltpolitischer Zusammenstöße l— lieber den Chinaprozeß urteilt die„Franks. Ztg.: „Die„Hunnenbriefe", die während der ostasiatischen Expedstion gegen China ein so ungünstiges Streiflicht auf die europäische Kultur warfen, weil sie arge Ausschreitungen von Soldaten der Jnvasionsarmee berichteten, haben sich zwar nicht immer als zu- verlässig, sondern in vielen Fällen als frivole Renommistcreien erwiesen.(Anm. der Redaktion des„Vorwärts": Die„Franks. Zeitung" irrt insofern, als niemals der Inhalt der Hunnenbriefe zum Gegenstand des Wahrheitsbeweises gemacht worden ist! Wohl kann man aus der Form und der Ungeheuerlichkeit des Inhalts auf Uebertreibung schließen, aber erwiesen worden ist das n i ch t I) Daß ihnen aber doch recht viel Tatsächliches zu Grunde lag, das hat der in Halle a. S. verhandelte„China- Prozeß" gegen den sozialdemokratischen Reichstags-Abgeordneten Äunert dargetan. Er hat so viel Belastendes ergeben— obgleich der Wahrheitsbeweis sehr erschwert war und die verlangte Vernehmung der amtlichen Stellen, der Kriegsberichterstatter und anderer unverdächttger Beobachter abgelehnt wurde— daß die Notwendigkeit weiterer nachträglicher Nntersnchungan wohl auch von der Militärverwaltung anerkannt werde» wird.... Nach alter Landlnechtssitte war „Beute" gemacht worden, und in manchen Lagern hatte sich ein schwunghafter Handel mit„Kriegsschätzen" entwickelt, die friedlichen Chinesen abgenommen waren. Am meisten haben sich darin die russischen Truppen herborgetan; aber auch in anderen Kontingenten ist in dieser Beziehung stark gesündigt worden, und daß die deutschen Truppen dabei ebenfalls nicht durchweg vorwurfsfrei geblieben sind, wurde schon bekannt durch die schweren Strafen, die über die ärgsten Exzedenten verhängt worden sind. Aus dem jetzt geführten Prozeß haben wir erfahren, daß diese AuS- schrcitiingen, diese vcrdammcnswerte Auffassung des„Kriegs- brauche" viel größeren Umfang angenommen habe»», als man bisher glanbre." Die„Zeit am Montag" schreibt: Diebstahl, Raub, Mord, Kinder- und Frauen- schändung— das sind so ungefähr die schwersten Verbrechen, die das Strafgesetzbuch und die allgemein menschliche Moral kennen. Diebe gelten nach den herrschenden Anschauungen, wenn nicht mildernde Umstände ihnen zur Seite stehen, als ehrlos, Räuber und Mörder nicht minder, und gegen die Greueltaten der Kinder- und Frauenschänder bäumt sich jedes bessere Gefühl in unS auf. Aller dieser Verbrechen aber haben sich, zum Teil unter recht erschwerenden Umständen, die eine nachsichtige Beurteilung gänzlich ausschließen, deutsche Soldaten im China- feldzugeschuldiggemacht, An dieser für uns so sehr beschämenden Tatsache ist nicht zu rütteln. Vor der Strafkammer in Halle ist der Beweis dafür erbracht worden, daß Schändlichkciten dieser Art nicht nur in vereinzelten Fällen im Laufe des„Rachefeldzuges" vorgekommen sind, sondern daß auch unter den deutschen Kombattanten viele sich befanden, die vor ihnen nicht zurückschreckten, sondern unter dem Einfluß kriegerischer Verwilderung und Verrohung beinahe gewohnheitsmäßig so handelten, als ob das Siltengesetz für sie aufgehoben wäre." Beide Blätter halten denn auch die Form, unter der Kunert verurteilt wurde, für eine juristische Unmöglichkeit. Es sei eine ganz unhaltbare Annahme, daß Kunert das ganze Expedittonskorps solcher Exzesse habe bezichtigen wollen. Aber selbst vom Standpunkt des Gerichtshofes aus habe man den Wahrheitsbeweis nicht beschränken dürfen, da der Umfang der Exzesse für das Strafmaß von b e- trächtlichster Bedeutung hätte sein müssen I Die„ F r k f. Ztg." protestiert ferner gegen die Auf- fassung des Gerichts, Exzesse, wie die in der Verhandlung er- wiesenen, seien unvermeidl�he Begleitersche'"nngen des Krieges. Die Militärverwaltung eines zivilisierten Staates habe alle Ursache, die Kriegsführung nach Möglichkeit zu humanisieren. Der Leitarttkel der„Neuen Zeit" bemerkt indes dazu: „Was immer die Geschichte an bestialischen Greueln zu bc- richten hat, die von Menschen an Menschen begangen worden sind, das wird erreicht von dem, was vor den gerichtlichen Schranken in Halle über Angehörige des ostasiatischen Expedittonskorps unter dem Zeugcneid ausgesagt worden ist. In eitel Zunder ist die Heuchlermaske zerfallen, unter der die deutschen Patrioten so tapfer über die plackenden und plündernden, marternden und mordenden HeereSzüge anderer Völker geschmält haben. Es steht darin bei ihnen nicht anders, nicht besser und nicht schlimmer, als bei anderen Völkern, denn der Krieg ist ein Götze, der seiner nicht spotten läßt, von keinem derer, die ihn anbeten. Er ver- bestialisiert die Menschen, mögen sie wollen oder nicht; mag er aus diesen Gründen geführt werden oder ans jenen, mag er jene Ziele haben oder diese, mag er ein sogenannter heiliger Ver- teidigungs- oder ein sogenannter ruchloser Raubkrieg sein: Krieg ist immer Krieg, und es bleibt bei der trostlosenWahrheit, die nun auch eine preußische Strafkammer verkündet hat: Solche Sachen kommen doch in allen Kriegen vor." Soldaten als Landardeiter. Auf dem Gute des Rittmeisters Douglas Gr. Friedrichsberg bei Königsberg werden gegenwärtig 10—15 Soldaten mit landwirtschaftlichen Arbeiten be- schäftigt; sie erhalten dafür eine Mark pro Tag und Essen. Es ist aufs schärfste zu verurteilen, daß die Soldaten als Landarbeiter be- schäftigt werden, denn Herr Douglas kennt nicht einmal eine Leutenot: es werden Arbeiter entlasse» und dafür Soldaten eingestellt. Dieser Vorgang beweist wieder deutlich, daß die zweijährige Dienstzeit viel zu lang ist, denn sonst könnten die Soldaten unmöglich als Feldarbeiter be- schäftigt werden. Wie man überhaupt im Zeitalter der„Leutenot" mit den Arbeitern umspringt, beweist folgender Vorfall: Zwei Tagelöhnerinnen waren aus der Arbeit des obengenannten Gutes getreten, die eine wegen Lohndifferenzen. die andere, weil man sie beschimpft hatte. Beide traten in Westgart in Arbeit. Als der Inspektor des Gutes Gr.- Friedrichsberg das erfuhr, reiste er nach Westgart hin und das Ende vom Liebe war, daß beide Arbeiterinnen entlassen wurden, trotzdem sie, wie man erklärt hat, nötig gebraucht wurden und man auch mit ihnen zuftteden war, Ueber„Leutenot" wird man aber trotzdem klagen.— Hueland. Mr. John Hay. Man schreibt uns aus London vom 2. Juli: Wie eine Depesche aus Amerika berichtet, starb gestern in New Hampshire Mr. John Hay im Alter von ö7 Jahren. Seit 13ö3 war er Staatssekretär und ebnete seinem Lande die Bahn zum Imperialismus. Er hat als Sekretär Lincolns angefangen und als auswärtiger Mnister Roosevelts geendet. Es ist ein weiter Sprung von einem der edelsten Demokraten bis zu einem der tvütendstcn Imperialisten. Aber Hay hat den Sprung gemacht, ohne ihn eigentlich zu empfinden, Er war hauptsächlich mit der äußeren Politik beschäftigt und in der Diplomatie sind alle Katzen mehr oder weniger grau. Als Mac Kinleh im Jahre 1896 über Bryan gesiegt hatte und die Vorherrschaft des Großkapitals gesichert war, wurde Hay nach London als Botschafter geschickt, um England zu versöhnen und es für die Vereinigten Staaten zu gewinnen, die auf dem Sprunge waren, die alte, rein amerikanische Polittk aufzugeben und in die imperialistische Periode einzutreten. Während des spanisch-amerikanischen Krieges ist es Hay tatsächlich gelungen, das englische Kabinett auf seine Seite zu gewinnen und dadurch eine europäische Intervention zugunsten Spaniens unmöglich zu machen. Als Belohnung für seine Dienste wurde Hay zum Staatssekretär ernannt. Er ging zurück nach Washington und leitete die ausloärtigen Angelegenheiten während der chinesischen Wirren. Ende 1899 formulierte er m einem Rundschreiben an die amerikanischen Botschafter die Politik der„offenen Tür". Und als die Boxerunruhen ausgebrochen waren und China vor der Aufteilung stand, da richtete er am 3. Juli 1900 eine Zirkularnote an die Mächte, in der er erklärte, daß die internationale militärische Expedition nicht gegen die chinesische Negierung gerichtet sei, sondern gegen die Rebellen, China lede in Frieden mit allen Mächten, die nur gekommen seien, um der chinesischen Regierung bei der Wiederherstellung der Ordnung behülflich zu sein. Gleich- zeittg veranlatzte er Mac Kinley, so schnell als möglich eine militärische Macht in China zu landen und sie gegen Peking marschieren zu lassen, um die Legationen zu besteien und Frieden herzustellen, ehe der Welt- Marschall Waldersee komme, um einen Krieg gegen China anzufangen. Hay traute den Deutschen auf keinem Schritt. Im Einverständnis mit der Politik Hays war das japanische Kabinett, und dieser Politik ist es vielfach zu verdanken, daß China«och nicht auf- geteilt ist. Ebenso war Hay auf feiten Japans im Konflikte mit Rußland über Korea und die Mandschurei. Nachdem die Integrität Chinas einigermaßen gesichert war, wandte Hay seine Aufmerksamkeit dem interozeanischen Kanal zu, um es Amerika zu ermöglichen, im Not- falle seine ganze Seemacht im Stillen Ozean konzentrieren zu können. Cr setzte es bei England durch, daß der Clayton-Bnliver- Vertrag vom Jahre 1850, der den Bau eines interozeanischen Kanals unter die gemeinschaftliche Aufsicht Englands und Amerikas stellte, beseittgt wurde. Dann ließ er den Pauamalanal kaufen. Er hat auch einen danernden Frieden zwischen England md Amerika hergestellt, so daß England alle seine Flottenftalione» m Amerika entwaffnen kann.. � Roosevelt war zwar nicht immer mtt Hay emverstanden, dennoch konnte er den Gedanken eines Rücktritts von Hah nicht ertragen. Schließlich ist es nicht Roosevelt. der die amerikanilche Politik macht. Hay hat Freunde und Schüler hinterlassen, die seine. Politik sort- setzen werden.—_ Frankreich. Die Trennung von Staat und Kirche. Die Gesamtabstiininung über das Gesetz betreffend Trennung Von Kirche und Staat hatte das Ergebnis, daß die Vorlage un ganzen mit 34l gegen 233 Stimmen angenommen wurde. Vor dem Schiußvotunr gaben zahlreiche Deputierte Erklärungen ab, in denen sie ihr Votum begründeten. Die klerikalen und kon- servativen Redner erklärten, gegen das Gesetz stimmen zu wollen, da eS trotz einiger liberalen Paragraphen eine Beraubung der Kirche bedeute. Mehrere Sozialisten und Radikale sagten, daß sie da? Gesetz des darin ausgesprochenen P r i n z i p e s halber annehmen, daß das Gesetz aber in der Frage Priesterpensionen usw. der Kirche zu große Konzessionen mache und nur als ein erster Schritt zu betrachten sei, B r i a n d, der sozialistische Kom- inisiionsberichterftatter, fordert in der„Humanits" dringlich den Senat auf. das Gesey nun seinerseits bis zum 1. Jamrnr zu votieren, und zivar in unveränderter Form, damit es vor den Kammerwahlen Kraft gewinnen könne. Der klerikale„Gaulois" schreibt:„Die- jenigen, die das Gesey vottert haben, ahnen nicht, welchen Zorn und Haß es in den Dörfern gegen das heutige Regime erregen wird. Die Kirche wird vielleicht ärmer werden, aber ihre Autorität und ihr Einfluß werden wachsen." Italien. Die städtischen Wahlen in Rom. Rom, den 2, Juli.(Eig. Ber.) Am letzten Sonntag fand in Rom die Erneuerung eines Drittels des Stadtverordnetenkollegiums statt, die mit einem vollen Siege der Klerikalen und Konservativen endete. Zum erstenmal war die alte offizielle Scheidung zwischen Klerikalen und Antiklerikalen � fallen gelassen worden. Die beiden Parteien, die sich seit 1870 die Stadtverwaltung Roms streitig machten, haben eingesehen, daß ihre Interessen im Grunde ein und dieselben sind. Die Klerikalen wollen längst nicht mehr den Usurpator auS dem Ouirinal vertreiben, die Antiklerikalen denken nicht mehr daran, der Pfassenwirtschaft in den Schulen und WohltätigkeitSanstalten der Hauptstadt ein Ende zu machen. Beiden liegt viel am Vatikan, der die zahlreichen Fremden nach Rom bttngt, und viel am Ouirinal, der die große Beamtenbevölkernng bedingt, denn sowohl klettkale als antiklerikale Stadtverordnete sind Aktionäre der städttschen Tram- bahnen, Besitzer großer Häuserkomplexe und Baustellen, Aktionäre der Wasser- und Elektrizitätswerke, der Gasanstalten usw. Nicht als Klerikale oder Antiklerikale haben sie Rom bisher so elend verwaltet, daß es eine der teuersten Städte der Welt ist und der Wohnungs« mangel hunderte armer Familien nötigt, in Zelten und in den Ruinen vor den Toren zu leben; diese Mißwirtschaft haben sie als Aktionäre und Hausbesitzer eingeführt, die Herren mit dem Rosen- kränz und die mit dem Dreieck der Freimaurer in trautem Verein. Diesmal hatten nun die Konservativen mit der klerikalen „Unione Romana" ein Wahlbündnis geschlossen, um sich die „nährende Kuh" der städtischen Verwaltung zu bewahren. Dagegen hatte man eine liberale Koalition zu bilden versucht, die alle anti« klerikalen Elemente vereinigen sollte. Die sozialistische Partei- Organisation Roms hat jedoch mit großer Mehrheit ihren Eintritt in das Bündnis abgelehnt und erklärt, nur mit eigenen Kräften und mit einer Minoritätsliste von fünf Namen in den Wahlkampf zu treten. Dagegen waren Republikaner und Demokraten dem liberalen Bündnis beigetreten. So standen sich am Sonntag gegen- über: Die klerikal-konscrvative Union, die den affaristischen Geist der bisherigen Mehrheit verkörpert, die liberal-demokrattsche Union, die potentiell den gleichen Geist hat, aber ihm, solange sie noch nach der Macht strebt, nicht Ausdruck geben kann und seiner vielleicht gar nicht bewußt wird, und schließlich die sozialistische Partei. Sowohl die Klerikal- Konservativen, als die Liberalen- Demokraten stellten eine Mehrheitöliste auf mit 20 Namen, da'/« der Minorität reserviert ist und fünfundzwanzig Stadtverordnete zu wählen find. Obwohl die städtischen Wahlen mit allgemeinem, gleichem und geheimem Wahlrecht stattfinden— nur die Analphabeten sind aus- geschlossen—, bot der Kampf der Partei so gut wie gar keine Aussichten. Da es in Rom kein eigentliches Proletattat gibt, eben weil man mit allen Mitteln die Entwickelung der Hauptstadt zu einem industriellen Zenttum verhindert, gibt es auch keine sozialistische Wählerschaft. Erfolgreicher für die Sozialdemokraten sind die Wahlen in Ligurien verlaufen. In Genua wurde der sozialistische Abgeordnete Chiesa und der Advokat Massone mit 200 Stimmen Mehrheit ge- wählt. In Sestri Ponente unterlag der sozialisttsche Kandidat mit nur 4 Stimmen dem klerikalen Gegner.— In Alessandria wurde der sozialistische Bürgermeister Paulo Saceo mit 2029 Stimmen in den Provinzialrat gewählt. » Dänemark. Schwere Wahlniederlage der Regierungspartei. In Stege auf der Insel Möen fand am Freitag eine Ergänzungswahl zum Folke- thing statt. Bei den allgemeinen Wahlen im Jahre 1993 war der kürzlich verstorbene regierungsliberale FolkethingSmann I e n s e n- B r ä n d h o l t mit 1l26 gegen 1086 moderate Sttmmen gewählt worden. Diesmal hatten außer diesen beiden Parteien auch die Sozialdemokraten und die Radikalen je einen Kandidaten aufgestellt. Gewählt wurde der moderate Lehrer Emil Petersen mit 954 Stimmen; ihm zunächst in der Stimmenzahl kam unser Parteigenosse H. C. Jensen mit 561, dann der radikale Kandidat mit 453 Stimmen; der der Regierungspartei aber erhielt nur 135 S t i nt m e n. Der Verlust, den die alte Linkenpartei offenbar als Folge ihrer Verleugnung des alten Parteiprogramms erlitten hat, ist also größtenteils der Sozialdemokratie und den Radikalen zugute gekommen. Die Regierungspartei verstigt jetzt nur noch über 58 Mandate im Folkething, denen 56 der anderen Parteien gegen- überstehen, nämlich 16 Sozialdemokraten, 15 Radikale, 11 Moderate, 11 Konservative und 2 Wilde. Ihre Mehrheit hängt also bei Be- schlüsselt von einer einzigen Stimme ab. Ihre Mehrheit in der Bevölkerung hat sie offenbar schon lange eingebüßt und daß sie bei den nächsten allgemeinen Wahlen auch ihr parlamentarisches Ueber- gewicht völlig embüßen wird, scheint zweifellos zu sein.— Amerika. Vom Panamakanal. Die unerwartet eingetretene Restgnatton des obersten Leiters der Arbeiten am Panainakanal, John Wallace, hat großes Aussehen erregt und eine Störung im Fortlauf der Arbeiten verursacht. Von Washington wird berichtet, daß Roosevelt und der Kriegssekretär Taft das Verhalten Wallaces scharf tadeln und behaupten, er stelle seinen persönlichen Borteil höher als die Erfüllung übernommener Pflichten, weil er nämlich in New Uork eine Stellung bekonimen kann, die ihm mehr als das Doppelte jährlich einbringt. Wallace weist den Tadel zurück und läßt durchblicken, daß er die Korruption in der Panamakanalverwaltung nicht länger mit ansehen wollte. Es heißt, daß er Enthüllungen machen werde und daß ein großer Skandal in Aussicht stehe. Der„New Jork Herald" meint, es wäre das beste, wenn der Kanalbau unter militärische Leitung gestellt würde, aber man müsse Rücksichten ans die Gewerkschaften nehmen und es sei sehr fraglich, ob diese damit einverstanden seien. Die Opposition der Gewerkschaften gegen die Kuli- arbeit bei dem Kanalbau habe den gewünschten Erfolg gehabt und es seien nur wenige mongolische Arbeiter angestellt. Das gelbe Fieber fordert neuerdings wieder viele Opfer in Panama. Es werden häufig Nachrichten in die Presse lanziert, daß die Widerstände bei den Arbeiten sich in ungeahnter Sßeife häufen, daß die Kosten entsprechend wachsen und der Kanal in zehn Jahren noch lange nicht fertig sein werde. Zum Nachfolger von Wallace wurde John Steffens ernannt, den die Regierung nach den Philippinen gesandt hatte, um die neuen Eisenbahnbauten zu über- wachen. Er erhält 26 000 Dollar Jahresgehalt und ein freies Haus in Panama.—_ Die Revolution in Rußland. Endlich hat sich die Petersburger„Regierung" entschlosten, einen offiziellen Bericht über die Ereignisse von Odessa zu geben. Der Bericht bestätigt das Aufhören der Schwarze Mrer-Flotte als Werk« zeug de« Zarismus. Er schildert die Vorgänge auf dem.Knjäs Potemkin" bis zu der Abfahrt dieses Panzerschiffes der Revolution in ungefährer Uebereinstimmung mit den bisherigen Meldungen. Natürlich hallt eS wider von„Meuterern",„Tumultuanten" und ähnlichen liebenswürdigen Benennungen derer, welche sich gegen das barbarische Joch des Zarismus todesmutig er- hoben haben. Besonders bemerkenswert ist das schamhafte Schweigen des offiziellen Berichts über die Ursachen der Rückkehr des Kriegerfchen Geschwaders nach Sewastopol nach erfolg- loser Auffahrt gegen„KnjäS Potemsin". Man versucht die ent- scheidendste Tatsache zu verschleiern, daß Admiral Krieger sich zur Ohnmacht verurteilt sah. da seine Mannschaften sich weigerten, gegen die Revolutionäre des„Potemsin" vorzugehen. Um so behaglicher wird von der Uebergabe der Mannschaft des„Georgi Pobje- donnoszew" berichtet. Auf diesem Schiffe herrschte Uneinigkeit unter den Seeleuten, eine größere Zahl von ihnen fürchtete das Ber- harren im Widerstand und übergab das Schiff an den Kommandeur der Landtruppen; die revoltierenden Soldaten dieses Schiffes sollen in Gefangenschaft geführt worden sein. „Knjäs Potemsin" hat das rumänische Gebiet wieder verlassen. Sein KurS ift noch unbekannt und man weiß nicht, wie die Be- mannung des Panzerschiffes seine heldenhafte Altton weiterzuführen gedentt. Such in der Landarmee gärt eS gewalttg. lleberall lodern Em- pörung und Aufftand empor. Besonders auch in Kronstadt scheint der Zarismus der Werkzeuge seiner Gewalt nicht mehr sicher. Freilich versucht man gerade in bezug auf diesen bedrohlichsten Punkt durch Dementterungen den Schein der Beruhigung zu erwecken. Der Zar selbst bemüht sich unterdessen mit dem Empfang von Abordnungen über Abordnungen. Er macht Versprechungen und hegt Hoffnungen. Bon den kleinen Unfällen, die seine Marine be« troffen, hat man ihm wohl noch nichts gesagt. »» * „KnjäS Potemkin". Bukarest, 3. Juli. Der„KnjäS Potemsin" verließ heute nach- mittag 1 Uhr 20 Minuten nebst dem ihn begleitenden Torpedoboote Küstendsche und fuhr in nordöstlicher Richtung i»S offene Meer hinaus. Während des Aufenthaltes des„KnjäS Potemkin" benach- richtigte ein Matrose die Behörden von Küstendsche, daß viele von der Besatzung geneigt seien sich zu ergeben und beschlossen hätten, sobald daS Schiff das offene Meer erreicht hätte, es zu verlassen und ans Ufer zu schwimmen. DaS daraufhin von den Behörden vorbereitete Rettungswerl wurde dadurch, daß die gesamte Beman- nung mit dem Panzer weiterdampste, unnöttg. Di« Haltung der Mannschaft war während des Aufenthaltes des Schiffe« in den rumänischen Gewässern eine völlig ruhige. Als heute ftüh das russische Torpedoboot in den Hafen von Küstendsche einfahren wollte, feuerte der rumänische Kreuzer„Elisabeth" auf dasselbe, ohne zu treffen, worauf sich da« Torpedoboot zurückzog. Die Anwesenheit des„Potemsin" hat dank der tatkräftigen aber humanen Haltung der rumänischen Regierung keinen Anlaß zu einem Zwischenfall gegeben. Bukarest, 4. Juli. Der„Potrmkin" hat die rumänischen Gewässer nunmehr destnttiv verlassen. Ueber die Vorgänge bei seiner Abreise wird noch berichtet: Die Mattosen hielten abends eine längere Be- sprechung ab, um über die ihnen gestellten Bedingungen zu beraten. Sie lehnten eS ab, daS Schiff zu verlassen, und ersuchten die rumänischen Behörde» nochmals um Ueberlassung von Kohlen und Proviant, was ihnen jedoch entschieden verweigert wurde. Die Schiffsbemannung hinterließ Briefe an die Konsuln, in denen sie erklärte, sie wolle keine Schiffe angreifen, sondern abfahren, um gegen Rußland Krieg zu führen. Uebergabe des„Georgi-PobjedonoSzew". Odessa, 3. Juli. Der im Hafen verbliebene„Georgi-Pob- jedonoszew" übergab heute den Behörden eine Liste der Rädels» führer bei der Matrosenrevolte, die mittlerweile in einer Zahl von 67 an Land gesetzt worden sind. Nach der Kapitulation leistete die Besatzung von neuem den Treueid. Die von Nikolajew hier ein- getroffene Pacht„Eriklik" brachte 17 Offiziere des„Pobjedonoszew" mit sich, die, als sich die Mannschaft des„PobjedonoSzew" mit der des„KnjäS Potemkin" vereinigte, nach Dofinowka tranporttert ivorden waren, von wo sie sich nach Nikolajew begeben hatten. ES geht das Gerücht, daß sich einer der in Dofinowka gelandeten Offiziere erschossen habe. Ter Torpedobootszerstörer„Stremitelny" hielt auf hoher See in der Nähe von Odessa den englifchen Dampfer „Granlch" an und brachte ihn nach Odessa, man argwöhnt hier, daß das Schiff an der Meuterei auf dem„KnjäS Potemkin" be- teiligt sei. Man sagt, daft Mitglieder der revolutionären Partei, die sich auf dem Panzerschisf befanden, ans den„Granley" über- gesetzt worden seien. Ter für Odessa geschaffene Posten eines Generalgouverneurs ist mit dem General Karifow besetzt worden. DieBevölkerung ist nach wie vor beunruhigt. Der israelitische Teil der- selben wandert in Befürchtung judenfeindlicher Unruhen in Massen auS. Stille in Odessa. Odessa, 3. Juli. Heute ist in mehreren großen Fabriken die Arbeit wieder aufgenommer. worden. Der Generalgouverneur hat in allen Stadtteilen, ausgenommen dem Nikolajeis-Boulevard, freien Berkehr gestattet. 20 000 Arbeitslosen wird durch AufräumungS- arbeiten im Hasen Arbeit gegeben werden. Von den Behörden wird demnächst die Zahl der Getöteten und Verwundeten bekanntgegeben werden. Der Torpedobootszerstörer„Smetliwig" erhielt den Befehl, den„Potemkin" aufzusuchen und ihn durch Torpedo? zum Sinken zu bringen..iuppin, Klosterstr. 23. Nürnberg, Egydienplatz 22. Oberhofen, Marktstr. 5. Osnabrück, Große Hamkenstr. 9. Pforzheim, Waisenhausplatz 3. Posen, Breitenstr. 21. Recklinghausen, Hernerstr. 66. Remscheid, Köluerstt. 18. Lt. Johann bei Saarbrücken, Hafenstr. 7/9. Lolwgen, Kaiserstraße. Stettin, Birken-Allee 34. Striegau, Ziganstraße. Stuttgart, Eßlingerstr. 17/19. «aldenburg-Altwaffer. Wolgast, Maarbrückerstt. 17 1. Würzburg, Brücknerstr. 6 I. den 4. Juli 1905. Der Parteivorstand. Lindenstt. 69. polireilicbes, CJmcbtlichee ufw. Gemeingefährliche Bestrebungen oder ideale Gesinnung? (Ein Putziger Fall in zweiter' Instanz.) Wie bekannt, wurden unsere Danziger Genossen Schikorr und I o st am 18. April d. I. wegen der Verbreitung des„West- preußischen Volkskalenders" auf der Halbinsel Heia zu der horrenden Strafe von je vier Wochen Hast verurteilt. Dieses Urteil des Putziger Schöffengerichts unterlag am 28. Juni der Nachprüfung der Danziger Strafkammer. Das Schöffengericht hatte dieses im- erhört harte Strafmaß damit begründet, daß selbst die höchste Geld- strafe nach Lage der Sache keine ausreichende Sühne der Straftat gewesen wäre. Ferner würde eine Geldstrafe von der sozialdemo- kratischen Parteikasse übernommen werden und somit die Verurteilten gar nicht treffen. Das Hauptgewicht legte das Schöffengericht, dem der königlich preußische Amtsrichter Kretz fchmar präsidierte, jedoch auf folgende Erwägungen, die wir wortgetreu nach dem schriftlichen Urteil zitieren: „Die Angeklagten haben sich in Verfolg dieses Zieles(der Ausbreitung der Lehren der Sozialdemokratte) nicht vor dem Ver- suche gescheut, das Gift der Unzufriedenheit öffent- lich in die Bewohner der Halbinsel Hela zu tragen, die trotz ihrer ärmlichen Verhältnisse mit ihrem be- scheidenen Lohn zufrieden sind. Derartig gen, eingefähr- l, ch e n Bestrebungen muß im Interesse der öffentlichen Ordnung, Ruhe imd Sicherheit mit Nachdruck und Entschiedenheit entgegen- getreten werden. Unter diesen Umständen vermag im vorliegenden Falle nur eine empfindliche Freiheitsstrafe den Strafzweck der Warnung und Abschreckung zu erfüllen. Die Worte„Warnung" und„Abschreckung" sind nicht von uns, sondern im Urteil selbst unterstrichen. Die Anklage behauptete, wie erinnerlich, daß der Fischmeister Ruch auf offener Straße einen Kalender erhalten habe. Da der- ■selbe nach Anficht des Schöffengerichts„Austufe" und„Bekam, t- machnngen" enthält, so sollen durch die Verteilung die 19 und 41 des alten preußischen Preßgesetzes vom 12. Mai 1851 verletzt sein. Schikorr wie I o st bestritten entschieden, daß sie dem Ruch ein Exemplar des Kalenders öffentlich gegeben hätten. Derselbe habe sie vielmehr dringend darum gebeten, und erst nachdem sie ihn auf das Unzulässige der öffentlichen Verteilung ausdrücklich hin- gewiesen, trat Schikorr i n einen Hausflur und gab ihm dort einen Kalender. Für öffentlich hielt das Putziger Gericht ferner die Verteilung in den Fischerhütten, weil— diese auch den, Verkauf der Fische dienten! Zur Verhandlung vor der Strafkammer, welcher der Land- gerichtsrat Blance vorsaß, war kein Zeuge geladen. Nach der Vernehmung der Angeklagten ließ der Borsitzende die vier„Aufrufe" verlesen, die das Putziger Gericht in der Flugschrift entdeckt hat. Danach soll die Rechtsbelehrung auf dem Umschlag:„Dieser Kalender ist euer Eigentun, sc." ein Aufruf sein, sowie noch drei andere Stellen, in denen zum Anschluß an die Sozialdemokratte ersucht wird. Die Verlesung der protokollierten Zeugenaussagen vor der Schöffengerichts-Verhandlung ergibt, daß der Fischmeister Ruch einen Kalender auf der Straße erhalten haben will. Eine Frau will einen Kalender auf der Dorfstratze in der Nähe des Kirchhofes erhalten haben. Ferner sagten einige Kinder, daß sie .Kalender bekommen hätten. Die Angeklagten erklären, sie müßten dabei verbleiben, daß nie», and öffentlich außerhalb eines Hauses einen Kalender erhalten habe. In die Hände der Kinder dürften die Schriften nur dadurch gekommen sein, daß diese sie aus den Hausfluren genommen hätten. Herr Rechtsanwalt Rosenbaum rügte entschieden, daß das Putziger Gericht sich von seiner gesetzlichen Aufgabe entfernt und statt der Tatvorgänge den Inhalt des Kalenders seinem Urteil zu Grunde gelegt habe. Für die Beurteilung der Verteilungs- weise könne»,an sich nur aus die erwachsenen Zeugen beziehen und dürfe dabei auch die durchaus glaubhaften Angaben der Beschuldigten nicht außer acht lassen. Danach sei nicht erwiesen, daß eine öffentliche Verteilung erfolgte. Nehme man eine solche aber doch an, so könne doch keine Bestrafung erfolgen, weil der Kalender weder ein„Plakat", noch ein„Aufruf" und auch nicht eine „Bekanntmachung" in, Sinne des preußischen Preßgesetzes sei. ES Handele sich nur um eine aufklärende Propagandaschrift, die nur als ganzes beurteilt werden dürfe und nicht etwa nach dem besonderen Sinn irgend einer Stelle ihres Inhalts bakd als„Aufruf", bald als „Bekanntmachung" angesprochen werden»rste. Kei diele Snssrbt Hua Industrie und Kandel. Die Kurse der Russenwerte. Es ist eine eigenartige Erscheinung, daß, obgleich da? Zaren« reich in allen Fugen kracht und der Zusammenbruch des thönernen Kolosses immer näher heranrückt, doch die hauptsächlichsten Russen» werte, die Anlcihepapiere wie die Prioritäten der großen Eisenbahn- gesellschaften, einen relativ hohen Kursstand behaupten. Die furcht- baren Niederlagen der russischen Truppen auf den mandschurischen Schlachtfeldern, der vollständige Verlust der russischen Flotte. die Schrcckensnachrichteen aus Odessa. die mit flammenden Lettern den unaufhaltsaiuen Zusammensturz der Zaren- Herrlichkeit künden; sie alle haben. wenn sie auch nicht ganz ohne Einfluß auf die Kursbewegung der Russenwerte geblieben sind, doch bei dieser nur geringe Spuren hinterlassen. Zum Teil erklärt sich das aus einem gewissen Opttmismus der Besitzer russischer Papiere. Rußland ist, so argumentieren sie, bisher seinen Ver« pflichwngen nachgekommen und wird ihnen auch weiter nachkommen, und wenn wirklich das jetzige Regiment stürzt und Rußland ein Verfassungsstaat wird, so kann das nur von Vorteil sein, denn dieser neue Staat wird die alten Schulden auerkennen müssen und bietet dann eine noch bessere Garantie für die richttge Zinsleistung, als das heutige absolutistische Regime. Weit mehr als auf solchen Auffassungen beruht jedoch die Festigkeit der russischen Staats- und Eisenbahnpapiere auf dem Ein« greifen der französischen und deutschen Hochfinanz in die Kurs« bewegung. Ein beträchtlicher Sturz der russischen Werte würde die Finanz, die nicht nur bedeutende Posten solcher Papiere in ihren Tressors liegen, sondern auch unter der Hand vielfach bedeutende Summen hingegeben hat, in schwere Mitleidenschaft ziehen, und so tritt sie, wie sich immer wieder gezeigt hat. sobald die Kursstürze eine größere Ausdehnung anzunehmen drohen, mit ihren Jnterventtons« käufen dazwischen und sucht mit allen Mitteln die Kurse zu stützen Bisher ist ihr das im ganzen recht gut gelungen; dennoch haben wie die nachstehende Tabelle zeigt, doch verschiedene der wichttgstei Papiere nach und nach 19—15 Proz. eingebüßt, und weitere Stürz, werden sicherlich folgen. Vergleicht man die Kurse vor dem Kriegs- ausbruch, am 31. Dezember 1993, mit denen des 1. Juli, so ergebe, sich folgende Kursrückgänge: Kurs st and am 31. Dzbr. am 1. Juli Differenz 1993 1995 Proz. 4proz. konsolidierte Anl.(1889) 98,99 87,99 11,99 3Vi)proz. Goldrente(1894).. 93,99 79,40 18�69 3proz. Goldrente(1896)... 81,25 72.50 8,76 4proz. konsol. Eisenbahnanleihe (1889)....... 98,60 87,00 11,66 4proz. Staatsrente.... 99,10 84,30 14,80 3proz. Große Russ. Eisenbahn- Prioritäten...... 84,10 78,00 11,10 4proz. Koslow-Woronesch(1887) 98,09 87,29 10,80 4proz. Kursk-Charkow(1889). 98,00 86,50 11�50 4proz. Kurs— Kiew.... 98,90 93,50 5,40 4proz. Moskau— Jaroslaw— Archangel...... 97,69 87,25 10,85 4proz. Moskau— Kiew— Woro- nesch........ 97,60 87,10 10,50 4proz. Moskau— Windau— Rh- binksk....... 97,60 87,00 10,«0 4proz. Transkaukasische... 82,10 73,00 9,10 4proz. Wladikawkas(1898). 97,80 89,20 8,60 Am meisten sind denmach die Rentenwerte gefallen; die vier« prozcntige Staatsrente hat sogar fast 15 Proz. verloren, während die Eiseubahnprioritäten meist nur ungefähr 10 Proz. eiilgebüßt haben, die Prioritäten der besser rentierenden Bahnen noch weniger. An und für sich sind das sicherlich nicht unbeträchtliche Kursrückgänge. aber angesichts der folgenschweren Mißgeschicke, von denen Rußland seit anderthalb Jahren heimgesucht worden ist. angesichts der Zerrüttung seiner Finanzen und seines Wirtschaftslebens, der völligen Verfaultheit seines RegierungSsystemS. bedeuten sie doch recht wenig. Der Fall lehrt aufs neue, welche Macht die inter- nationale Bankfinanz in der heutigen Wirtschaftsaera erlangt hat; wieweit sie es bei einigermaßen einträchttgem Zusammenwirken in der Hand hat, die Kurse zu„regulieren" und den Börsen die ihrem Interesse dienende Haltung aufzuzwingen. Aus der deutschen Erdöl- Industrie. Seit einiger Zeft wird wieder für geplante Unternehmungen zur Ausbeute von„Oellager- stätten" in der Nähe von Celle(Provinz Hannover) eine markt- schreierische Reklame bettieben. Unter Berufung auf allerlei minder- wertige und unkontrollierbare Gutachten wird erzählt, daß in dem bei Celle gelegenen Wietzebruch bedeutende„Oelzonen" entdeckt worden sind, deren Ausnutzung reiche Erfolge verspricht, so daß auf eine entschiedene Rentabilität der beabsichtigten Unternehmimgeu gc- rechnet werden dürfe. Wie es um diese Neklanie bestellt ist, zeigt folgende Darlegung eines Fachmannes, die die„Rhein.-Westf. Ztg." veröffentlicht: „ES ist bisher nichts davon bekannt geworden, daß in dem nach Celle zu gelegenen Teil des Wietzebruchs jemals einwands freie Oel> spuren gefunden worden sind. Von einer Durchteufung von drei„Oel- zonen" kann in keinem Falle die Rede sein. Oelspuren nun findet man— abgesehen von denen, die fälschlich als solche angesprochen werden— häufig im Verlaufe der sogenannten Ocllinie Herdc-Verdcn- Braunschweig, doch sind dieselben ausschließlich von wissenschaftlichem Interesse und haben nicht den geringsten prakttschen Wert. Es find 4>erB,rengte Oelblaien, die nach de« bisherigen Ersahrungen keines« Barthe bei Belen Eingegangene Druckfchriften. falls dazu berechtigen, auf ein in der Nähe befindliches Dellager zu| Sonnabend verlautete, daß der am Montag zu erwartende Bericht| Straußfurt+ 1,05 Meter.- Dder bei Frankfurt+1,25 eber. fchließen. Das haben die vielen resultatlos niedergebrachten Bohrungen bes amtlichen Aderbaubureaus über den Stand der Baumwolleifel bei Brahemünde+ 3,00 Meter. bei Marklendorf, Schwarmstedt( Eickeloh) und im Wiegebruch, die pflanzungen weit günstiger ausfallen werde, als bisher vermutet+0,34 meter. zumeist alle Delspuren" gehabt haben wollen, zur Genüge be- worden fei. Die Folge war, daß die Preise um ungefähr 14 Cent wiesen. Tatsache ist, daß man, abgesehen von den alten Fund- pro Pfund Rohbaumwolle zurüdgingen. Dagegen fetten am stellen bei hänigsen, Delheim und Herde, außerhalb des Erdöl Montag infolge bedeutender Antäufe Neworleanser Firmen die gebietes Wiege- Hornborstel- Steinförde in Nord- Deutschland noch nie- Preise sofort bei Beginn der Börse wieder höher ein, doch trat mals Erdöl in ausbeutungswürdiger Menge gefunden hat. Es ist dann in der zweiten Börsenstunde, als verschiedene Spekulanten daher umso bedauerlicher, daß immer und immer wieder Gut zur Liquidation ihrer Engagements schritten, erneut ein achten natürlich bona fide abgegeben werden, in denen be- Rückschlag ein, der aber sofort einer weiteren Preissteigerung wich, hauptet wird: an dieser oder jener Stelle müssen bedeutende Del- als die amtliche Schätzung eintraf und diese den Durchschnittsstand lager vorhanden sein." Unsere maßgebendsten Naphtha- Geologen in der Baumwollkulturen nur auf 77 Proz. bezifferte. Lokoware stieg Deutschland, Profeffor Beyschlag und Dr. Munte, haben unseres auf 10,80 Cent pro Pfund. Wiffens noch niemals ein so bestimmtes Gutachten über Delborkommen abgegeben, obwohl sie in allererster Linie dazu befugt wären. Es tann nicht oft genug davor gewarnt werden, mit allzugroßem Optimismus an die Ausbeute von Delterrains und solchen, Die es au fein scheinen, heranzugehen." Die Gründungstätigkeit auf dem Gebiet der Aktiengesellschaften ift in der ersten Hälfte des laufenden Jahres weit stärker gewesen als in ben voraufgegangenen Jahren; ein Beweis da für, wie sehr sich die Wirtschaftslage Wirtschaftslage gebessert bat. Nach dem" Deutschen Dekonomist" betrug die Zahl der neugegründeten Aktiengesellschaften während der ersten sechs Monate dieses Jahres 87 mit einem Kapital bon 120 678 000., während in der gleichen Zeit des Vorjahres 59 Gesellschaften mit 70,46 Millionen Mart Kapital gegründet worden find. Im ganzen Jahre 1904 tourden 104 Gesellschaften mit 140,65 Millionen Mart gegründet, in 1903 84 Gesellschaften mit 300 Millionen Mark und in 1902 87 Gesellschaften mit 118,42 Millionen Mark Kapital. Die hohe Durchschnittssumme für 1903 beruht bekanntlich auf ber damals erfolgten Umwandlung des Kruppschen Unternehmens in eine Aktiengesellschaft mit 160 Millionen Mart Kapital. Die vom Ackerbaubureau abgegebene Schäßungsziffer steht unter dem Durchschnitt der letzten Jahre; im vorigen Jahre wurde der Stand am 1. Juli mit 88, 1908 mit 77,1, 1902 mit 84,7 und 1901 mit 81,1 Proz. eingeschäzt. Berechnet nach dem diesjährigen Areal der Baumivoйpflanzungen ergibt sich ein Resultat von etwas über 10 Millionen Ballen. Jedoch ist damit noch lange nicht gesagt, daß die Ernte feinen reicheren Ertrag bringen wird. Erstens haben sich die Schäzungen des amerikanischen Acerbauamtes schon sehr häufig als viel zu niedrig herausgestellt, und zweitens hängt sehr viel davon ab, wie sich in den nächsten beiden Monaten das Wetter gestalten wird. Witterungsübersicht vom 4. Juli 1905, morgens 8 1hr. Better # " Kind und Kunst", Juli- Heft für 1905: Die Kunst in der Schule. Berlag Monatsschrift zur Pflege der Kunst im Leben des Kindes". Merander Koch- Darmstadt. Jährlich 12 reichillustrierte Hefte 12 M., Einzelpreis jedes Heftes mit zirka 50 großen Jllustrationen 1,25 M. Seft VI ber Annalen des Deutschen Reiches". Verlag 3. Schweizer( A. Sellier), München. Prof. Dr. Liefmann Freiburg i. Br. bespricht vom Standpuntte der Volkswirtschaft die versuchte Erwerbung der Hibernia- Gesellschaft durch den preußischen Staat und dessen weitere Aufgaben im rheinisch- westfälischen Kohlenbergbau. Abonnementspreis jährlich 10 M. Monatlich ein Heft. Zwölf Hefte bilden einen Band. Archiv für Rassen und Gesellschafts- Biologie. Herausgegeben von Dr. A. Ploeg, Dr. A. Nordenholz, Dr. L. Plate u. Dr. N. Thurwald. 2. Jahrg. 3. Heft. Jährl. 6 Hefte. Abonnementspreis jährl. 20 M. Einzelheft 4 W. Berlag Archiv- Gesellschaft, Berlin SW 12. Denkschrift. Einige Fragen, den Export betreffend. 28 S. Herausgegeben von der Vereinigung der Exportfommissionsfirmen, Berlin- Halensee, riebrichsruherstr. 11. Briefkaften der Redaktion. Falstaff. Heinrich IV., erster Teil, Att 5, 4. Szene: Das beff're Teil Berliner Marktpreise.( Ermittelt vom Polizei- Präsidium.) Futter der Zapferkeit ist Borsicht. G. C. 1. Uebersetzung der Rede Jaurès gerite, gute Sorte 1 Dz. 16,00%( 15,20) mittel 15,10( 14,10), geringe durch den Abg. Bernstein. 2. Bur Beit der berüchtigten Katharina II. war 14,50( 13,70), frei Wagen und ab Bahn. Nichtstroh 0,00( 0,00). eu( alt) berderber in Rußland allmächtig. 3. Das Linienschiff mit der revolutionären 14,20( 13,40). afer, gute Sorte 16,40( 15,50), mittel 15,40( 14,60), geringe Botemfin als Fürst, Feldmarschall, Günstling, Schwindler und Bolks, 0,00( 0,00), neu 0,00( 0,00). Erbsen, gelbe, zum Stochen 40,00( 30,00). Flagge ist von Bäterchen, Nikolaus II., nach Potemkin benannt. Jaurès Speisebohnen, meiße 50,00( 30,00), Linsen 60,00( 30,00). Startoffeln 9,00 und Kr. Der letzte Buchstabe im Namen ist mit auszusprechen, entgegen ( 7,00). Rindfleisch, von der Keule, 1 stg. 1,80( 1,30), Bauchfleisch 1,40( 1,00), der allgemeinen französischen Regel. Rügenerstr. 21. 1. Bon Sacher Schweinefleisch 1,80( 1,30), Stalbfleisch 2,20( 1,20), Hammelfleisch 1,80( 1,40), Masoch abgeleitet Masochismus. Ein Begriff, der geschlechtliche Berversität Butter 2,80( 2,00), Eter( 60 Stüd) 4,00( 2,80), Starpfen, i seg. 2,20( 1,20), in fich fließt. 2. Läßt sich hier nicht näher ausführen. W. Y. Nein. Aale 3,00( 1,60), Bander 3,20( 1,20), echte 2,80( 1,20), Barsche 2,00( 1,00), A. 2. 100. 1. Polizeipräsidium. 2. Nein. 3. Nein. 4. Die Polizei Schleie 3,00( 1,20), Bleie 1,60( 0,80), Streble( 60 Stüd) 20,00( 3,00.) prüfte. 5. Eine offizielle Fahrstuhlführer- Schule nicht vorhanden. 6. Privat: Bürdner, Werfmeister, Wilmsstr. 22, Nähe Bärwald- Promenade. R. 57. Sie fragen zu allgemein. Antwort unmöglich. K. F. R. Ja. R. K. 1. 1. Wo Quittung? 2. Nicht mit langem ie", sondern i und e getrennt aussprechen. 3. Beides richtig. Hat freilich neuerdings mehr bie Bedeutung von gewöhnlich. A. F. 4000. Wurde kürzlich beantwortet. 1. Schöneberger Sparkasse. 2. Deutsche Bank, Eingang Mauerstraße. Mannheim. Berlin, Beusselstr. 83. In solchen ge wertschaftlichen Fragen wendet man sich an die Gewerkschaftskommission, Berlin, Engel- Ufer 15. M. 2. 1000. Am 31. Dezember 1906. 19 Nummer 1. 1. Stettin 1900 211 000, Danzig 1900:= 141 000 Ein 18 wohner. 2. Näheres durch den Boltsboten", Stettin, Schillerstr. 10, oder 14 bie Rönigsberger Bolts- 8tg.", Knochenstr. 32. 2. B. Ein öffentliches 13 Institut gibt es nicht, das eine solche Ausbildung unentgeltlich bewirkt. 19 Nummer 25. Ruder Verein Vorwärts", Stralau, Zunnelstr. 17. G. 2. Gewiß, aber fragen Sie der Sicherheit wegen Fachleute, z. B. Gärtner, Blumenverläufer usw. Westend 6. Uns nicht bekannt. Sie könnten es in einer größeren Apotheke bezw. durch einen Arzt erfahren. 1000. Etwas Aehnliches sprach s. 8. Caprivi aus; Wilhelm H. war viel mehr der gegenteiligen Anficht: die Sozialdemokratie ist eine vorüber. gehende Erscheinung, die überlassen Sie mir uſw. Trozdem macht man regierungsseitig teinen Schritt, ohne mit der Dreimillionen Partei sehr sorgsam zu rechnen. Stationen Barometerstand mm Wind. richtung Windstärke Wetter Bon größeren Gesellschaften, die im ersten Semester 1905 gegründet wurden, find zu erwähnen die Hohenlohe- Werke mit 40 Millionen Mart Kapital, die Süddeutsche Diskonto- Gesellschaft mit 20 Millionen Mart, die Allgemeine Betroleum- Industrie, AktienGesellschaft mit 12 Millionen Mart, die Boden- Aktien- Gesellschaft Berlin Nord" mit 10 Millionen Mark und die Attien Gesellschaft Leonhard Tietz in Köln mit 10 Millionen Mark Kapital. Bemerkenstvert ist die relativ starte Gründungstätigkeit auf dem Gebiete der Banken. Obwohl der Konzentrationsprozeß im Bantwesen Swinemde. 767 MB 2 wolfig unaufhaltsam fortschreitet und fortgefeßt fleine und mittlere Banten Hamburg 767 N in den großen Instituten aufgehen, weil sie neben denselben nicht Berlin 768 NAB tonkurrenzfähig bleiben tönnen, werden noch immer Attienbanten Frankf.a.m. 766 NO München fleinen und fleinsten Umfanges ins Leben gerufen. Verschiedentlich Bien handelt es sich bei diesen neugegründeten Banten allerdings nur um Anneginstitute von Großbanken, welche aus irgendwelchen Gründen borziehen, anstatt Filialen zu errichten, neue Banken zu gründen, wenig veränderter Temperatur. deren Aktienkapital sie dann übernehmen. Amerikanische Baumwollhauffe. Die New Yorker, Baumwollbörse Iftt in den letzten Tagen wieder unter heftigen Schwankungen. Am Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Sebaftion bem Publikum gegenüber feinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 5. Jult Anfang 7%, Uhr: Neues Operntheater. Das Glöd chen des Eremiten. Berliner. Figaros Hochselt. Zentral. Die Geisha. Anfang 8 Uhr: • Griller 0.( Wallner Theater.) Der Trompeter von Sädingen. Schiller N.( Selebrich Bilhelm Städtisches Theater). Hofgunft. Weften. Jung- Seidelberg. Kleines. Abschied vom Regiment. Angele. Luftspielhaus. Khrik- Phriz. Carl Weik. Lehmanns Abenteuer. Belle Alliance. Ben Ali Beh. Reichshallen. Stettiner Sänger. Apollo. Ein Abend in einem amerila nischen Lingel Tangel. Hochzeitsabend. Am Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Marim. Paffage- Panoptikum. Der lebenbe Eismensch. Wintergarten. Spezialitäten. Berliner Prater Theater. 8wischen Himmel und Erde. Stadt Theater Moabit. Mutter Gräbert. Urania. Taubenstraße 48/49. Die Insel Rügen. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Kleines Theater Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Donnerstag: Nachtasyl. Freitag zum erstenmal: Riekmann. Die Neuvermählten. Vater Urania Tauben. str. 48/49. 8. Uhr: Die Insel Rügen. 766 D Temp. n. 6. 5º C.= 4° R. Stationen Barometerstand mm Windrichtung Windstärke 2halb bd. 2 halb bd. 1 halb bb. 2 wolfen! 19 aparanda 755 S 18 Petersburg 757 D 22 Scilly 769 N 24 Aberdeen 765 SSB 1 wolkenl 25 Paris 769 ND wolten! 23 1 bedeckt 3 moltig 3 bededt 2 bebedt 767 Still Wetter- Prognofe für Mittwoch, den 5. Juli 1905. Borwiegend Heiter und troden bei schwachen westlichen Winden und Berliner Betterbureau. Wasserstand am 3. Juli. Elbe bei Auffig 0,36 Meter, bei Dresden 1,70 Meter, bei Magdeburg+0,80 Meter. Unstrut bei 1 Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwitz- Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: Mittwoch, abends 8 Uhr: Der Trompeter von Säkkingen. Romantische Oper in vier Aften von Viktor Negler. Sternwarte Invaliden. Donnerstag, abenbs8 Uhr: str. 57/62. CASTAN'S PANOPTICUM. Friedrichstr. 165. Kronprinz Wilhelm Kronprinzessin Cecilie. Neu! Roschdjestwensky, der russische Admiral. Mile. Vallée, d. 16 jährige armlose Fußkünstlerin. Passage- Panopticum. Die Sensation der Saison: Der Riese Machnow ber größte Mensch, der je gelebt hat. Ohne Extra- Entree. Neu! Bum erstenmal in Europa: Der lebende Eismensch aus dem nördlichsten Kanada. Ohne Extra- Entree. Z Gastspiel Heinrich Bötel. Der Troubadour. Freitag, abends 8 br: Die lustigen Weiber von Windsor. Hofgunst. B Diez' Spezialitäten- Theater. Bekanntmachung. Landsberger Allee 76/79, direkt an der Ringbahnstation. Db Regen! Luftspiel in 4 Auszügen von Thilo Db schön! v. Trotha. Donnerstag, abends8Uhr: Hofgunst. grettages. Uhr: abends 8 Hofgunst. Im Garten tägl.: Gr. Militär- Konzert. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Fernsprecher IV. 8891. Hasenheide 108/114 Max Kliem. Neue Welt Arnold Scholz Mittwoch, den 5. Juli: Gr. Kinder- Freudenfeit verbunden mit Gratisverlosung wertvoller Geschenke. Hauptgewinne: Silberne Damen- und Herren- Uhren. Gala- Spezialitäten- Vorftellung. Das gänzlich neue, großartige Juli- Programm. Anfang 4 Uhr. CARTEN Bernhard Rose- Theater Heute nachmittag 4 Uhr: Nenes kyl. Opern- Theater Monster- Militär- Konzert. ( Kroll). Anfang 7 Uhr. Mittwoch, den 5. Juli 1905: Gastspiel der kgl. bayerischen Kammersängerin Hermine Bosetti: Das Glöckchen des Eremiten. Kom. Oper in 8 Akten v. Maillart. Rose Friquet: H. Bosetti a. G. Donnerstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag: Gastspiel Bosetti: Die lustigen Weiber von Windsor. Im Garten: Tägl. gr. Garten- Konzert. Metropol- Theater Ber größte Erfolg der Saison! Zum 241. Male: 4 Kapellen, Berl. Sängerbund, Dirig. Profeffor F. Schmidt. Feft Jllumination. Eintritt 1 M. Kinder die Hälfte. Abonnements aufgehoben. Apollo- Theater. Das beftventilierte Theater Berlins mit großem Garten! Prolongiert! Die amerikanische Burtest- Stompagnie mit ihrem Att: Ein Abend in einem Die Herren von Maxim amerikan Tingel- Tangel Dazu Juli- Spezialitäten- Programm Große Ausstattungsposse mit Ge- und Hochzeitsabend von Paul Linde. sang und Ballett in 5 Bildern. Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16. Täglich: Genießet das Leben! Ausstattungsposse von W. Geride. Mufit von Alfred Sommerfeld. Dazu die erftklaffig. Spezialitäten. Anfang: Sonntags 5, Bochent. 7 Uhr. Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Gaftspiel der Driginal japan. Ballett Gesellschaft ,, Ti- ti- pu". Lehmanns Abenteuer auf dem russischjapanischen Kriegsschauplatz. Anf. 8 Uhr. Morgen dies. Vorstellung. Im Sommergarten: Hente 1. großes Kinderfreudenfest. Neues Niesen- Jult Programm. Anfang 4 Uhr. Entree 30 B. Gesundbrunnen, Babstraße 58. Täglich das grand. Juliprogramm. Das herrliche Ausstattungsstüc Die Loreley. Hermann Wollner, Ormais, Latoures, Hill und Hull, Marka Freya, Arthur Wolff, Paul Coradini, Hilton- Compagnie. Im Saale: Ball. Anfang 4%, Uhr. Entree 30 Pf. Numer. Platz 50 3f. Fröbels Allerlei- Theater ( früher Buhlmann) Schönhauser Allee Nr. 148. Heute und täglich: Ronzert, Theater, Spezialitäten. Neue erstklassige Spielfolge. Arbeit schändet nicht. Bollstück mit Gesang in brei Utten von Reiflingen. Anf. 4 Uhr. Entree 30, Sperrfit 50 f. Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Täglich: Zwischen Himmel und Erde. Gr. romantisch. Ausstattungsstüd. Neue Dekorationen und Kostüme Eine schreckliche Nacht. Große Pantomime der Guitano Phoites Troupe. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 f. Rumerierter Blak 50 Bf., Entree 15 Bf. Harry Allister, Mimiker. Damm Bros., komische Akrobaten Lise Manville, Pariser Sängerin. Alexandroff, russische Tanz- und Gesangstruppe. Mason u. Forbes, kom. Excentrics. La belle Oterita, spanisch. Tänzerin. A. W. Asra, Billard- Jongleur. Philadelphia, Elefant und Affen. Keno Welch Montrose, Akrobaten. Mile. Lo, lebende Bilder. Bogdani- Truppe, militärische ExerDie 4 Welsons, Turner. zitien mit Gesang. Biograph. Schweizer- Garten Am Königstor. Am Friedrichshain. Täglich Täglich 【 不 im herrlichen Garten oder Saal: Auf Antrag des unterzeichneten Stassenvorstandes wurde durch Ber fügung des königlichen Landratsamtes der Wert der Naturalbezüge für die im Gemeindebezirk Lichtenberg Beschäftigten wie folgt feſtgeſetzt. Die Verfügung tritt am 1. Juli 1905 in Straft. 274/1 Ronzert und Vorstellung. er oft für ein gewerblichen Vollständig neues Programm, bas größte und beste Berlins. 40 Sensations- Nummern. Entree Wochentags 20 Pf., Sonntags 30 Pf. Jeder Erwachsene hat ein Kind unter 10 Jahren frei, ältere zahlen halben Eintrittspreis. 1. Für Kost Betrieben beschäftigten Personen pro Tag 1,25 M., Woche 8,75 M., Monat 37,50 M., Jahr 450 M. 2. Für Wohnung fraglicher Personen pro Tag 25 Pf., Woche 1,75., Monat 7,50 M., Jahr 90 M. 3. Für Kost für die in der Land. und Forstwirtschaft beschäftigten Ber fonen sowie für die in Gewerbebetrieben beschäftigten Dienstboten pro Tag 1 M., Woche 7 M., Monat 30 M., Jahr 360 M. Für Wohnung dieser Personen pro Tag 20 Pf., Woche 1,40 M., Monat 6 M., Jahr Diez' Seeterrasse, Lichtenberg, Sabr 72 9. Röderstr. 6. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: Lichtenberg, den 3. Juli 1905. Orts- Krankenkasse Großes Militär- Konzert. d. Gemeindebezirk Lichtenberg. Auftreten des phänomenalen fahrers Alfred Schneider mit seinem fonkurrenzl. Feuer- Flammen Todes- Hindernissprung. Um 6 und 10 Uhr: Auftreten der weltberühmten Turmfeilkünstler ,, The Liepelts". Brillant Land: u. Waffer- Feuerwert. Grittl. Spezialitäten, Theater. Wochentags 10 Bj. Paul Schwarz' Sommer- Theater Lichtenberg, Dorfstr. 25| 26. Täglich: Konzert. Gr.Spezialitäten- Vorstellung. Das großartige Juli- Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite- Tag. Otto Pritzkows Abnormitäten- Ausstellung ? Münzstr. 16. Nen?????? Nen Der Vorstand. P. Levyn, Borsigender. Reichshallen. Stettiner Sänger. Zum Schluß, neu: Soldatenherzen Militär. Ensemble von Megsel Anf. Wochent. 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Ostbahn- Park. Täglich: Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Gr. Konzert, Theater und SpezialitätenVorstellung. Entree 15 Pf., wofür ein Glas Bier verabreicht wird, also kein Entree. Mne- Mno- Mni!? Victoria- Brauerei frei in der Luft fliegende ? Türkin க் Anatom. Rätsel. Med. Wunder. Neu renoviert! Neu renoviert! 36402* Lützowstr. 111/112. Täglich: Horst's Sänger. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Theater Vorstellung Sofastoffe Etablissement Buggenhagen Neue Spezialitäten. Volksbelustigungen. Zum Schluß: Weibliche Jockeis. Ausstattungspoffe mit Gefang von H. Werner. Riesenauswahl aller Qualitäten. Plüsch Reste! Mocquettes. Moritzplatz. Täglich im großen schattigen Garten: Satteltaschen. Streich- Konzert. Musterb.näher.Angabe franko. Berlin, Emil Lefèvre, Brain. 158. Ricardo Munez. Bei ungünstigem Wetter im Saal. onntag, 9. Juli, mittags 12 Uhr, im großen Saale der ,, Neuen Welt", Sozialdemokrat. Zentral- Wahlverein für Potsdam- Spandau- 6sthavelland. 17*] Sonntag, 16. Juli, 11 19/17 Hafenhaide 108/114: General- Versammlung Volks- Versammlung. bei Paris, 17 in Belten. Tages- Ordnung: 1. Bericht des Vorstandes und Kassenbericht. 2. Diskussion. 3. Parteitag und Provinzialfonferenz. Referent: Dr. Karl Liebknecht. 4. Wahl der Delegierten. 5. Anträge. 6. Partei und Konsumbereine. 7. Bahl des Zentralvorstandes. Hierzu ladet ein Sozialdemokratisch. Wahlverein für den 6.Berliner Reichstagswahlkreis. Todes- Anzeige. Am 3. d. Mts. verstarb unser Mitglied, der Schuhmacher Ernst Menzel am Putbuserstraße 16. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, nachmittags 1,6 Uhr, von der Halle des Friedens Kirchhofes in Nieder- Schönhausen ( Nordend) aus statt. Um zahlreiche Beteiligung ersucht 248/9 Der Vorstand. Sozialdemokratisch. Wahlverein Waidmannslust u. Umgegend. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Genosse 291/12 Der Zentralvorstand. Zages Drdnung: Vortrag des Genoffen Jean Jaurès über:„ Die Friedensidee und die Solidarität des internationalen Proletariats". Zahlreichen Besuch erwarten Zigarren- und Zigaretten- Arbeiter! Neue Friedrichstr. 35: Mittwoch, den 5. Juli, abends 8%, Uhr, bei Dräsel, Neue Oeffentliche Versammlung. Tages Drdnung: 1. Bericht über den am Sonnabend, den 1. Juli cr., beendeten Ausstand der Zigarettenarbeiter und Arbeiterinnen in Dresden log des international Achtung! Die Vertrauenslente Berlins und der Vororte. Achtung! Zentralverband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. und Berlin. Referent: Karl Deichmann- Bremen. 2. Berschiedenes. Mittwoch, den 5. Juli 1905, abends 8½ Uhr 187/11 Die Vertrauensleute. J. A.: W. Boerner. finden für den Zweigverein Berlin Deutscher Holzarbeiter- Verband Mitglieder- Versammlungen Heute Mittwoch, abends 8% Uhr: 11-09 Vertrauensmänner- Versammlungen: Bezirk: Osten I und Osten II bei Paul Litfin( Gesellschaftshaus Oftend), Memelerstraße 67. Tagesordnung: 1. Bericht der Obleute. 2. Werkstattangelegenheiten. 3. Verbandsangelegenheiten. 4. Verschiedenes. Wilhelm Papke Brande der Modell- und Fabriktischler ( Bezirk Hoher Neuendorf) am 29. Juni nach langen, schweren Leiden im Alter von 35 Jahren gestorben ist. 222/10 Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, die Arbeiterin Fr. Marie Metzgen am 28. Juni gestorben ist. Ehre ihrem Andenken! 119/16 Die Ortsverwaltung. InventurAusverkauf! zurückgesetzter prima bei Wiesenthal früher Dieke, sowie Modelldrechsler Aderstraße 123, abends 8%, Uhr: Vertrauensmänner- Versammlung. Tagesordnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Berbandsangelegen heiten. 8. Verschiedenes. Morgen Donnerstag, abends 8%, Uhr, bei Fiebig, Aderftr. 6/7: Branchen- Verfammlung der Modell- und Fabriktischler sowie Modelldrechsler. Tages Drdnung: 1. Bericht der Kommission. 2. Verbandsangelegenheiten. 3. Berschiedenes. Branche der Möbelpolierer Hente abend 812 Uhr: Bezirks Vertrauensmänner- Sikung für den Often bei Kubat, Blumenstraße 38. für den Südoften bei Mig, Staltherstraße 59. für den Norden bei Maas, Brunnenstraße 196. 88/7 in folgenden Lokalen statt: Für Westen und Schöneberg Meiningerstr. 8 bei Obst. Für Südwest, Süden und Südost Admiralstraße 18, Märkischer Hof". Für Ost I, Ost Il und Nordost Große Frankfurterstraße 117, Königsbank". Für Norden I u. Hl, Oranienburger Vorstadt, Wedding, Moabit Chauffeestraße 103, Germania Säle, großer Goal. Für Rixdorf 9 Bergstraße 151/152 bei Thick. Für Charlottenburg Rosinenstr. 3, im großen Saal des Bollshauses. Für Groß- Lichterfelde: Chanffeeftr. 104, bei Reißen. Zages Drdnung: 9 Das Ergebnis der Bautenkontrolle und wie gedenken wir in Zukunft zu arbeiten? Kollegen! Wir erwarten vollzähliges und pünktliches Erscheinen. Agitiert für guten Besuch der Bersammlung. Keiner darf fehlen. Mitgliedsbücher werden abgestempelt. Achtung! Nach§ 6 der Bibliothek- Ordnung des Zweigvereins wird im Juli jeden Jahres eine Juventur aufgenommen. Wir ersuchen deshalb die Kollegen, alle ausgeliehenen Bücher auf dem schnellsten Wege abzuliefern. Die Verbandslettung. 3..: E. Thöns. Zentral- Verband der Maurer Deutschlands Zweigverein Berlin. Sonnabend, den 8. Juli 1905, in der ,, Brauerei Friedrichshain", am Königstor: Großes Sommer- feft zur Feier des Deutscher Metallarheiter- Verband. XIV. Stiftungs- Festes Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, 8immer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 8858. Donnerstag, den 6. Juli, abends 19 Uhr: Velour- Teppiche Versammlung der Gürtler Sofagröße M. 10.50 im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, großer Saal. Zages Drdnung: 1. Bericht vom Verbandstag. 2. Distuffion. 3. Wahl der ges Zimmergröße 22.50 famten agitationskommission. 4. Berschiedenes. " Salongröße 99 Saalgröße 99 37.50 65.00 Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Donnerstag, den 6. Juli, abends 8% Uhr: A arrangiert vom Zentral- Verband der Maurer( Zweigverein Berlin). Konzert Theater Spezialitäten- Vorstellung. Um 11 Uhr: Kinder- Fackelpolonaise. Im großen Saale von 7 Uhr an: Großer Ball. Die Kaffeeküche steht den geehrten Damen von 4 Uhr an zur Verfügung. Anfang des Konzerts nachmittags 4 Uhr. Billetts 25 Pf., Herren, welche am Tanze teilnehmen, zahlen 50 Pf. nach. Hierzu ladet alle Freunde, Bekannte und Gönner ein Das Komitee. Billetts sind in den Verkehrslokalen, bei den Grundsteinverbreitern und im Verbandsbureau, Engel- Ufer 15, zu haben. 146/ 19* Gardinen, Stores, Verſammlung aller in Eiſengießereien Verband der baugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschlands. 1-6 Fenster. in allen beschäftigten former u. Berufsgenossen Berlins u. Umg. Steppdecken Farben. Tisch-, Diwan-, Schlafund Reisedecken. Läufer- und Möbelstoffe tommen, so weit der Vorrat reicht, zu enorm billigen Preisen zum Ausverkauf. 16/6 im Kolberger Salon, Kolbergerstraße 23. Tages- Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstag zu Leipzig. 2. Diskussion. 3. Bes angelegenheiten. richt von der Formerkonferens zu Leipzig. 4. Distuffion. 5. BerbandsKollegen! Die wichtige Tagesordnung macht es allen organisierten Berufskollegen zur Pflicht, in der Bersammlung anwesend zu sein. Die Berjammlung wird pünktlich eröffnet. Teppich- Engros- Haus Zur besonderen Beachtung! Hermann Bursch Spandauerstr. 65-67. I Alle unsere Mitglieder, Bertrauensleute und Bahlstelleninhaber machen wir darauf aufmerksam, daß durch die Beschlüsse des Verbandstages vom Achtung! Steinträger! Achtung! Mittwoch, 5. Juli, abends 8 Uhr, in den Industrie- Feftfälen, Beuthstr. 19-20: Versammlung aller Steinträger, Akkordarbeiter Berlins u.Umg. Tages- Ordnung: 1. Das Vorgehen der Fahrstuhlarbeiter und welche Pflichten haben die Steinträger ihnen gegenüber? 2. Vorgänge der letzten Beit. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen aller Stollegen ist erforderlich. Der Zweigvereinsvorstand. 1. Juli dieses Jahres ab( 27. Woche des Mitgliedsbuches) der t wöchentliche Beitrag für männliche Mitglieder um 10 Pfennig und für weibliche um 5 Pfennig pro Woche erhöht wurde. Alle Lokalzuschlages 60 refp. 25 Pfennig wöchentlichen Beitrag zu leisten. Achtung! Bauarbeiter! Achtung! Seit Montag, den 3. d. M., stehen die Fahrstuhl- Arbeiter der Firmen zur Berwaltungsstelle Berlin gehörigen Mitglieder haben jonach infl. bes W. Rietsch& Co., Bennewitz& Co. und Sommer& Müller in einer Das hierzu nötige Material gelangt jebenfalls vom 1. Sult ab zur Aus. Lohnbewegung. Insbesondere ist es die Firma Rietsch, welche alle Mittel gabe, und ersuchen wir, die bisherigen Marken nicht über die 26. Woche versucht, einesteils die Arbeiter der Bewegung zu entfremden, andernteils Zwischen Kaiser Wilhelm u. Bischofftr. Beitragsmarken zu 60 refp. 25 Bf. nicht vorhanden find, Neuaufnahmen aber auch Arbeitswillige heranzuziehen. So verbreitet dieselbe jetzt Flugblätter, 1. und II. Etage. Kein Laden. hinaus zu benußen. Gleichzeitig ersuchen wir vom Sonntag, den 2. Jult, ab, so lange nicht zu vollziehen. 119/17 Die Ortsverwaltung. Atung! Arbeiter- Sängerbund! Um unseren Mitgliedern Gelegenheit geben zu können, die Versammlung, welche am Sonntag, den 9. Juli, in der Neuen Welt" stattfindet und in der unser franzöfifcher Bartelgenoffe Jaurès spricht, zu besuchen, fällt die Uebungsstunde am 9. Juli aus und findet am Sonntag, den 16. Juli, in der Brauerei Friedrichshain statt. Eine Ausschußfizung wird nicht abgehalten. Für die Sänger, welche sich am Streisfest für Teltow- Beestow beteiligen, findet die Generalprobe nach der Uebungsstunde am Sonntag den 16. Juli statt. [ 16/10] Der Vorstand. wonach ihre Arbeiter bis 3000 M. Jahreseinkommen haben sollen. Demgegenüber stehen uns Lohnilisten und Lohnzettel zur Verfügung, wonach noch am letzten Zahltag auf verschiedenen Bauten Löhne von 43 und 49 Pf. pro Stunde ausgezahlt wurden. Ferner versucht die Firma auf Grund der von ihr eingeführten schwarzen Listen und Arbeitsberechtigungsscheine die Arbeiter, insbesondere die organisierten, zu zwingen, aus der Organisation zu treten. Wir richten deshalb an alle Bauarbeiter, insbesondere die Steinträger, das Ersuchen, den Streifenden volle Solidarität zu wahren. Die Verbandsleitung. J. A.: Karl Heidemann. 34/5 1000 M. Belohnung. Unsere Lagerbestände in Herren- Stoffen verkaufen wir unter eidesstattlicher Versicherung wegen vorgerückter Saison bis zum 15. Juli genau zu Selbstkostenpreisen. Die Stoffe sind für jedermann sichtlich in unseren Schaufenstern und Geschäftsräumen mit öffentlichen Preisen ausgestellt. Obige Belohnung sichern wir denjenigen zu, welche uns nachweisen, daß unsere Verkaufspreise für genannte Zeit nicht Selbstkostenpreise sind. Tuchfabrik- Niederlage Raucht 3661L* No. 2. Roß- Str. No. 2. Koch& Seeland. Allen Zigaretten- Rauchern zur gefälligen Kenntnis, 35052+ Für 31 Mark Vineta No. 8 beste 2 Pf.- Zigarette! Lieben Sie Ihre Wäsche? Wollen Sie Ihre Wäsche dauerhaft, gut und blendend weiß erhalten? Dann verwenden Sie SchneewittchenBleichseifenpulver! 3696L Alleiniger Fabrikant A. 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Bis- her hat sie hauptsächlich drei große Abteilungen ausgestaltet und zu einem vorläufigen Abschluß gebracht: Geschichte, Geographie nebst Völkerkunde, Schöne Literatur. Am 1. April 1905 hatte sie 53 260 Bände. Die 28 Volksbibliotheken hatten zu demselben Zeitpunkt bereits 154 716 Bände. Im Laufe des Jahres der- liehen sie 1 359 839 Bände, wieder 73 897 mehr als in 1903. An erster Stelle steht wieder die 20. Bibliothek(Ravensstraße). die allein 173 359 Bände verlieh, 28 397 mehr als im Vorjahr. Stärker geworden ist die Benutzung auch in den meisten anderen Volksbibliotheken. Der Bericht sagt hierzu:„Wo nur die Zahl der Betriebsstunden vermehrt oder die Bücher ausgäbe auf die Abendstunden verlegt wurde, stieg der Besuch sofort". An solchen Bemerkungen sieht man immer wieder. woran es lag, daß die Volksbibliotheken früher so kläglich wenig benutzt worden, und welchen Maßregeln es zu danken ist, daß in neuerer Zeit die Benutzung so außerordentlich zu genommen hat. Nur wenn man dem Publikum entgegen kommt, kann es gelingen, das Bedürfnis nach Lektüre in ihm zu wecken und zu steigern. Das gilt auch für die Frage, was denn nun der Leser aus der ihm gebotenen Lektüre auswählt. Von 1 359 839 verliehenen Bänden gehörten allein 572 698 zur Schönen Literatur Deutschlands, 134 647 zur Schönen Literatur des Auslandes, 217 709 zu den Jugendschriften. Nach wie vor wird die Unterhaltungsliteratur am meisten gelesen, und auch die 209 238 Zeitschriften- und Sammelwerk- Bände dürften noch größtenteils aus Unterhaltungsbedürfnis entliehen worden sein. Für das. was man als„Wissenschaft- liche Lektüre" bezeichnen kann(Geschichte, Geographie, Natur- Wissenschaften, Staatswissenschaften usw. usw.), bleiben zu- sammen nur 225 547 entliehene Bände. Diese Zahl würde wahrscheinlich höher sein, wenn der vorhandene Bestand an solchen Büchern größer wäre. Außerdem könnte bei einer besseren Schulung der Bibliothekare und bei einer größeren Bereitwilligkeit, dem unerfahrenen Leser mit zweckmäßigem Rat beizustehen, manchem guten Buch dieser Art, das unver- dient im Staube vermodert, ein Lesepublikum gewonnen werden. Die 11 Lesehallen, die am 1. April cr. eine Hand- bibliothek von zusammen 6887 Bänden hatten, haben gleich- falls wieder eine Zunahme des Besuches zu verzeichnen. Es kamen diesmal 131 867 Leser, 6662 mehr als im Vorjahr. Freilich war aber das Plus fast nur der 1. Lesehalle(Mohren- straße) zu danken, während die meisten der anderen einen fleinep Rückgang aufweisen, den der Bericht aus der Hitze des vorigen Sommers erklärt. Die Besuchssteigerung der 1. Lese- halle führt der Bericht darauf zurück, daß sie größere Räume erhalten hat. Auch hier sieht man wieder, daß der Erfolg nicht ausbleibt, wenn man dem Publikum entgegenkommt. Neber daS Arbeiterrifiko m städtischen Betrieben erfährt man einiges aus einer Nachweisung der Unterstützungen, welche die Stavtgemeinde aus Grund der Gemeindebeschlüsse vom 6. Sep- tember ISOV im letzten Rechnungsjahre gewährt hat. Diese zählte nicht weniger als 50 Unfälle auf, die in Kommunalbetrieben vor- gekommen und reichsgesetzlich nicht versichert sind. Gefährliche Posten sind z. B. die Stellen der Leichendiener in den Krankenhäusern. Bon diesen sind vier verunglückt und zwar dadurch, daß sie bei der Obduktionshülfe je. sich durch Leichengift eine Blutvergiftung zuzogen? zwei hatten Sttchwunden an den Händen, ein dritter hatte sich beim Putzen von Präpariergläsern in den Finger geschnitten. Sie sind sämtlich in ihrer Erwerbsfähigkeit beschränkt. Nicht minder gefährlich ist der Dienst in den Irren- anstalten, bei den Epileptikern-c. Da hat z. B. ein Pfleger von einem Kranken einen Fußtritt gegen den Unterleib, der andere einen schweren Biß in den Finger, der dritte einen Hieb über den Kopf erhalten-c.. und eine Pflegerin, die von einer Kranken überfallen wurde, leidet noch heute an einer unheilbaren Störung des Nerven- systems. Mehrere Reinmachefrauen in Gemeindeschulen sind beim Fensterputzen mit der Leiter zusammengebrochen, eine hat sich beim Scheuern eine Stahlfeder ttef in die Hand gestochen ze. Ein städtischer Briefttäger verunglückte dadurch, daß ihn ein Pferd in den Finger biß, ein Turndiener verstauchte sich das Handgelenk und die Ver- letzung wurde tuberkulös, so daß sie den Tod zur Folge hatte, ein Bademeister erlitt einen Leistenbruch und starb fünf Monate später an Darmverschlingung, wiewohl er bis zu seinem Tode arbeitsfähig blieb. Den Verunglückten bezw. ihren Hinterbliebenen sind im letzten Jahre an Renten insgesamt 6 687 M. gezahlt worden. Den alten Botanischen Garten hat der Fiskus jetzt an die Deutsche Hausbau-Gesellschaft Dickmann u. Reglin verpachtet, die sich mit der Herstellung zerlegbarer Häuser besaßt. Die Unter- nehmerin beabsichtigt dem Vernehmen nach ein Konsortium zu bilden. das nach dem System Dickmann im nordischen Holzbausttl eine große. für AutomobilausstellungS- und ähnliche Zwecke bestimmte Halle. sowie Bauren für einen Konzcrtpark usw. errichtet. Der Baum- bestand bleibt unversehrt. Ueber die Angelegenhett schreibt uns«in offenbar durch den Sieg eines Konkurrenten enttäuschter Herr: DaS Problem betreffend Verwertung des Botanischen Gartens ist nun gelöst. Montag mittag wurde einer Firma mit dem hoch- klingenden Namen Deutsche Hausbau-Gesellschaft, Dickmann u. Reglin, G. m. b. H., der Zuschlag zur Verwertung für Tingel-Tangcl und Automobil-Fahrschulen erteilt. Die Gesellschaft Deutsche Hausbau-Gesellschaft wurde im April 1904 gegründet mit 30 000 Mark Stammkapital, und zwar zeichneten Herr Reglin 26 000 Mark mit LS Proz. einzahlbar und Herr Dickmann 4000 Mark. Sein« in die Gesellschaft zu bringenden Ideen wurden nämlich mit 4000 Mark be- wertet. Damit war das Gesellschaftskapital als eingezahlt ange- sehen. Kurze Zeit hierauf trat Herr Reglin aus dieser Gesellschaft aus und nahm 34 000 Mark nett heraus. Zwei andere Herren legten 18 000 Mark in die Gesellschaft ein. Hierauf wurde eine Eintragung in das Handelsregister vorgenommen, und zwar dergestalt, als ob die Gesellschaft 43 000 Mark hätte, indem sie von dem Herausziehen der 34 000 Mark des Reglin keine Einttagnng vor- nehmen ließen, sondern nur die Einzahlung von tö 000 Mark ein- getragen wurde. Eine Gesellschaft, wo der alleinige Geschäftsführer Herr Dickmann nur ein Gehalt von 128 Mark beziehen darf, weil der Mehrbetrag von seinen Gläubigern gepfändet werden würde, bietet dem Kömglich Preußischen FiSlus genügend Sicherheit, ein in Der besten Lage Berlins gelegenes Terrain zum jährlichen Mets- jp«se von 54 000 Mark zu verpachten. Der Fiskus hat eine merkwürdig glückliche Hand in der Ver- t&chbmg überflüssigen Raumes. Wer erinnert j ch nicht no,h hef Unfugs, der Mitte der Neunziger im alten Reichstagsgebäude in der Leipzigerstraße getrieben wurde? Wenn im Botanischen Garten ein ähnlicher Klimbim losgehen soll, dann kann Berlin sich gratulieren. Tod eines Stadtverordneten. Stadtverordneter Bankier Druhm, Kirchenältester der Dorotheenstädtischen Gemeinde, ist nach langem schweren Leiden im 49. Lebensjahre gestorben. Druhm, der der Alten Linken angehörte, war seit 1900 Stadtverordneter, sein Mandat lief bis Ende dieses Jahres. Er verttat die erste Abteilung im ersten Gemeindewahlbezirk._ Die Hitze. Infolge der andauernden Hitze macht sich großer Eismangel geltend. Im Einzelverkauf wird Eis an Private gar nicht mehr abgegeben. Bestellungen auf regelmäßige Lieferung geringerer Quantitäten Eis in die Wohnungen werden von den Eiskutschcrn nur unter Vorbehalt und zu höheren Preisen als sonst angenommen. Auch in den Gastwirtschaften, Cafäs usw. fehlt es vielfach an Eis, so daß die Gäste sich öfters gezwungen sehen, Getränke als nicht ge- nügend gekühlt zurückzugeben und von neuem auf Eis stellen zu lassen. Die Selterwasser- und Limonadenfabriken sind zur Zeit sehr stark in Anspruch genommen und haben, um dem ge- steigerten Bedarf der Gastwirte und der Privatkundschast gerecht werden zu können, vielfach Hülstkräfte einstellen und Ueberstunden machen müssen. Auch die Weißbierbrauereien haben einen bedeutend lebhafteren Absatz als im vorigen Sommer zu verzeichnen, da in den Lokalen der Verbrauch des erquickenden Getränks erheblich zugenommen hat._ Bestrafte Gewissenlosigkeit. Ein beachtenswerter Zibilprozeß ist dieser Tage vom Reichsgericht entschieden worden. Der Beklagte, ein Apotheker B. zu Berlin, hatte im Frühjahr 1900 ein Liebes- Verhältnis mit der Klägerin. B., der seit zwei Jahren wegen Syphilis in Behandlung war, hatte die Klägerin im Mai angesteckt. Diese erkrankte schwer und wurde schließlich hochgradig nervös und arbeitsunfähig. Für den ihr hierdurch erwachsenen Schaden machte die Geschädigte Schadenersatzansprüche gegen B. geltend, gestützt auf K 823 des Bürgerl. Gesetzbuch(Fahrlässige Schädigung). DaS Land gericht Berlin verurteilte den Beklagten zur Zahlung von 2900 Mark Schadenersatz und einer monatlichen Rente von 150 Mark. Auf die Berufung des Beklagten gegen dieses Urteil wurden die Ansprüche vom Kammergericht zu Berlin auf 1120 M. und 50 M. monatlich vorauszahlbar festgesetzt. In der von, Beklagten gegen das Berufungsurteil eingelegten Revision beim Reichsgericht hob er nochmals hervor, daß die Klägerin kein unbescholtenes Mädchen mehr gewesen sei und ihn kein fahr lässiges Verschulden treffen könne, da die drei ihn behandelnden Aerzte bereits im März 1900 als vollständig geheilt erklärt hätten. Das Reichsgericht bestätigte jedoch das Urteil des Kammer- gerichts und wies die Revision zurück, indem es aus- führte, daß Kläger, der von der Bösartigkeit des Leidens unter- richtet war, sich doch hätte sagen müssen, es könne das Leiden, daS gewöhnlich drei Jahre und länger währt, immer noch vorhanden fein. Wilhelm II. Als Beittag zur Kulturgeschichte der Gegenwart mag auch folgende Mtteilung des„Berl. Tgbl." dienen: Ein Kaiserdenkstein in der Rominter Heide ist von den dortigen Forst Beamten errichtet worden aus Dankbarkeit für die 28 000 Mark- Spende, die der Monarch für die Forstbeamte» der Heide und ihre Hinterbliebenen gestiftet hatte anläßlich der im Vorjahre erfolgten Erlegung eines Achwndzwanzigenders. Der Denkstein, der zwei Meter hoch und einen Meter breit ist, trägt auf der Vorderseite die Inschrift:„Von hier erlegten Se. Majestät Kaiser Wilhelm II. am 1. Oktober 1904 auf der Abendpürsche einen kapitalen Hirsch von 23 Enden und stifteten zur Erinnerung daran am 3. November 1904 die St. Hubertus-Stiftung für die Forstbeamten der Rominter Heide." Auf der Rückseite befindet sich folgende Inschrift:»Diesen Stein setzten ihrem allerhöchsten Jagdherrn Sr. Majestät Kaiser Wilhelm II. mit Weidmannsheil d,e Forstbeamten der Rominter Heide." Schnellzugsidyll. Eine unliebsame Ueberraschung erlebten die Passagiere des Schnellzuges 49, der gestern früh, von �München kommend, um 8,30 in Berlin eintreffen sollte. Er kam glücklich mit zwei Stunden Verspätung auf dem Anhalter Buhnhof an, weil cr an zwei verschiodenen Stellen Maschinendefekt hatte. Der Zug war in München in zwei Teilen als Bor- und Hauptzug ab' gelassen. Noch in Bayern und zwar auf einer eingleisigen Strecke versagte die Maschine des Vorzuges. Bevor nun eine Re servemaschme herbeigeschafft war, hatte der nachfolgende Havptzug Vorsprung gewonnen und fuhr dann ungehindert bis in die Nähe von Jüterbog. Hier erlitt aber seine Dtaschme ebenfalls Defekt, wo bei es sogar zu einer Entgleisung kam. Glücklicherweise sind Personen dabei nicht zu Schaden gekommen. Es dauerte geraume Zeit, bevor eine Reservemaschine zur Stelle war. Infolgedessen trat eine erhebliche Verzögerung ein— und der Zug kam erst mit zwei- stüudiger Verspätung hier an. Mit einer neuen Schnellzugsmaschine mit doppeltem Personal werden zurzeit auf der Strecke Berlin— Lehrte Fahrversuche angestellt. Das vierachsige Ungetüm ist konisch gebaut, um den Lufttviderstand besser bewältigen zu können, und zu seiner Bedienung sind zwei Lokomotivführer und zwei Heizer erforderlich. Während der eine Lokomotivführer den gewöhnlichen Stand inne hat, befindet sich der zweite Führer in dem alasbedeckten spitzen Vorbau der Lokomottve, um die Strecke besser übersehen zu können. Kesselanlage und Kohlen- kammer ermöglichen ausgedehnte Fahrten der Maschine, ohne daß diese zum Zwecke der Wasser- und Kohlenaufnahme halten muß. Bei den bisherigen Uebungsfahrten wurden Geschwindigkeiten bis zu 110 Kilometer angenommen, die bei den weiteren Versuchs fahrten bis zu 120 Kilometer als Maximalgeschwindigkeit ausgedehnt werden sollen. Ein gefährlichn Fabrikirand wütete in letzter Nacht in der Wrangelstraße 107. Daß acht Fenster Front halitende Quergebäude wird in seinen drei Etagen von dem Tischlermeister Nielsen und dem Ingenieur Mendt zu Arbeits- und Lager- räumen benutzt. Ilm 2 Uhr kam das Feuer im Dachgeschoß zum Ausbruch und verbreitete bald Tageshelle über die weitere Um- gebung. Das leichte Schieferdach war in kurzer Zeit von dfen Flammen durchschlagen und das ausgetrocknete Dachgebälk brannte wie Streichhölzer. Die Mieter des Hauses lebten in großer Angst und einige trafen schon Anstalten, ihre Wohnungen zu räumen, wurden jedoch von der Feuerwehr von diesem Vorhaben abgehalten. Mit vier Schlauchleitungen wurde da? Feuer über Treppen und eine ii mechanische Leiter hinweg angegriffen, doch war der Dachstuhl mit den gefüllten Bodenräumen nicht mehr zu halten. Der gesamte Dach- stuhl wurde eingeäschert. Während der Ablöschung erfolgte eine heftige Detonation, die von zersprungenen mit Lack ge- füllten Flaschen des Ingenieurs Mendt herrührte. Die Feuerwehr 'citte über drei Stunden an der Brandstelle zu ttm. Der verursachte Schaden ist erheblich und wird davon besonders die Tischlerei be- troffen, da Fourniere und andere wertvolle Hölzer total vernichtet wurden. Aber auch Mendt erlitt starke Verluste, da ihm ein größerer Posten Patentartikel zerstört wurden. Ter Verlust ist für beide Be- troffenen um so empfindlicher, als sie nicht versichert sind. Ueber die Entstehungsursache des Brandes konnte nichts ermittelt werden. Ei« dreifacher Mörder ist in Berlin verhastet worden. Es ist dies der von der Staatsanwaltschaft in Heilbronn verfolgte 21 Jahre alte Bäckergeselle Ernst Moglen, dem ein dreifacher Mord zur Last gelegt wird. Er stand in der Nähe von Heilbronn bei einem Bäckermeister in Arbeit und hatte in der Wohnung des Meisters gesehen, daß dieser sich ini Besitz einer größeren Summe baren Geldes befand. Die Habgier erwachte in ihm und so kam er zum einem Beil bewaffnet drang er zur Nachtzeit in daS Schlafzimmer der Familie ein und tötete nacheinander Mann, Frau und Kind. Nach der entsetzlichen Tat raubte er etwa 600 M. und wurde flüchtig. Sein Gewissen trieb ihn von Ort zu Ort. Endlich kam er nach Berlin. Wie andere Verbrecher in den meisten ähnlichen Fällen suchte auch Moglen sich im Strudel der Großstadt zu betäuben und verpraßte das Geld zum großen Teil in Wirffchaften mit Bedienung von zarter Hand. Als seine Mittel ausgegangen waren, kam er in ein Wirtshaus des dritten Polizeireviers, wo man ihn festnehmen lassen wollte. Er stellte sich aber selbst der Polizei, wurde auch sofort erkannt und verhaftet. Moglen gibt an, daß er, um in den Besitz des Geldes zu gelangen, mit dem Beil allerdings auf den Meister, die Meisterin und das Kind losgeschlagen, aber nicht die Absicht gehabt habe, sie zu töten. Er zeigte keine Spur von Reue und erklärte, daß alle drei Personen noch am Leben gewesen seien, als er den Raub ausgeführt habe. Er wird von Berlin nach Heilbronn zurückgebracht werden. Eine Anzahl schwerer Unglücksfälle werden vom gestrigen Tage aus dem Stvaßenbetriebe gemeldet. Die Frau des Postschaffners Haase, Langesttaße 6 wohnhaft, wollte gestern morgen an der Ecke der Markusstraße den Fahrdamm der Holzmarktstraße überschreiten, als ein Straßenbahnwagen der Linie 80 herannahte. Frau Haase wollte stehen bleiben und erst den Waggon vorbeilassen, glitt jedoch in demselben Augenblick, vermutlich auf einen Obstrest tretend, aus und lief bei dem Versuch, das Gleichgewicht zu halten, einige Schritte weiter. Hierbei geriet sie auf das Stratzenbahngleis, wurde von dem Motorwagen erfaßt und umgerissen. Sie erlitt einen Bruch des linken Unterschenkels und Schulterblattbruch. Frau H. mußte nach dem Krankenhaus Friedrichshain gebracht werden.— Beim Spielen lief die sechsjährige Hedwig Gablitzkh vor dem Hause Prenzlauer Allee 76 auf den Fahndamm, um einen Geschästswagen herum, der dicht an dem Straße nbahngleis entlang fuhr, und rannte blindlings gegen den Straßenbahnwagen 2427 der Linie 60(Schöne- borg— Weißensee). Das Kind wurde zurückgestoßen und blieb be- sinmmgslos auf dem Straßenpflaster liegen. Sie hatte eine leichte Gehirnerschütterung erlitten.— Nachmittags lief die Nollendorf- Platz 4 wohnende Witwe Eggels beim Uebcrschreiten des Nollendorf- Platzes Ecke Bülowstraße gegen die linke Perronecke eines Straßen- bahnivagens der Linie 64, prallte zurück und stürzte zu Boden. Sie erlitt eine Wunde an der Stiriil, sowie auch einige leichtere Ver- letzungen und konnte sich ohne fremde Hülfe nach ihrer Wohnung begeben. Gestern nachmittag versuchte der Papierarbeiter Louis Wilkniß, Alte Jakobstraße 8 wohnhaft, unmittelbar vor einem Straßenbahnwagen der Linie 96(Mariendorf— Behrcnstraße) den Fahrdamm zu überschreiten. Obwohl sich der Strahenbahnzug schon in unmittelbarer Nähe befand, rannte er noch auf das Gleis, wurde niedergerissen und geriet unter die Vorderplattform. Er erlitt außer einer Kopfverletzung anscheinend eine schwere Gehirnerschütterung und wurde nach dem Krankenhause am Urban übergeführt. Der Schauspieler August Reiff ist hier gestern gestorben. Er war ursprünglich Baritonist und wurde vor vielleicht 15 Jahren Direktor des American-TheaterS in der DreSdenersttaße, das er im Berein mit dem urkomischen Bendix herrlichen Tagen entgegenführte. Das Kind in der Komode und die grausige Parodie auf Haimele ließen nicht allein den Ruhm des vorerwähnten Hauses in der DreSdenerstraße im hellen Glanz erstrahlen, sondern brachten auch dem Direttor gute Einnahmen. Bei späteren Unternehmungen verlor Herr Reiff nur zu bald sein Vermögen? der Geschmack der Berliner war wohl ein anderer geworden. Reiff mußte wieder als Schau- spieler sein Brot verdienen, und das Luisen-Theater sowohl wie im letzten Winter daS Thalia-Theater hatten an ihm einen tüchttgen Künstler. Eine Arterienverkalkung setzte nach mehrwöchentlicher Krankheit dem Leben August Reiffs ein Ziel. Ardeiter-Sängerdund. Infolge eines telephonischen Mißverständ- niffes wurde m der gestrigen Nummer unseres Blattes bekannt- gegeben, daß die UebungSstunde des Bundes am 16. Juli in der „Reuen Welt" stattfinden solle. Dieser Irrtum ist dahin zu be- richttgen, daß die UebungSstunde am 16. Juli in der„Brauerei FriedrichShain" abgehalten wird. Ein Almosrnempfänger als Fledderer. Der 28 Jahre alte Arbeiter Max Kubale aus der Gerichtstt. 22 bezieht Armenuuter- stützung, weil er lungenkrank ist. Da er sonst nicht arbeitet, suchte er sich eine„Nebenbeschäftigung" und verfiel auf die Fledderei schlafender Personen. Deswegen wurde er auch bereits bestraft. Am Sonntagabend faßte ihn eine Polizeipatrouille ab, als er auf den, Courbiöreplatz einen auf einer Bank eingeschlafenen Kaufmann aus- raubte, ohne daß dieser es mertte. Er hatte ihm Portemonnaie und Taschentuch genommen, als ein Beamter ihn faßte, während ein zweiter den schlafenden Mann weckte. Obgleich ihm die von dem Geplünderten als sein Eigentum erkannten Sachen aus der Tasche gezogen wurden, besttitt er die Tat, wollte sich vielmehr nur erholt haben. Bei ihm wurden außerdem noch sechs Herren- und Damengeldtaschen gefunden, die teilweise ziemlich neu sind. Zwei davon enthalten einen größeren Geldbettag. Bei der Kriminalpolizei gab Kubale die Fledderet des Kaufmanns zu. will aber die übrigen Portemonnaies gekaust haben und stets viel Geld bei sich haben, obgleich er nicht arbeitet. Der Verdacht wegen vielfacher Fleddereien ruhte schon auf Kubale, bevor er abgefaßt wurde. Erschlagen und beraubt wurde nach voraufgegangenem Kampf bei RüdeSheim nahe dem Natioiialdenkmal ein junger Mann von 17 bis 20 Jahren, dessen Persönlichkeit auf Ansuchen der Staats- anwaltschast Wiesbaden mit Hülfe der Berliner Kriminalpolizei fest- gestellt werden soll. Der Ermordete, vielleicht ein wandernder Handwerker, hat sich vermutlich jüngst in Berlin und in Halle auf- Schalten? denn bei der Leiche wurden Postkarten mit Berliner und Hallenser Ansichten und auch ein Verzeichnis der Herbergen Berlins aufgefunden. Er trug em graugrünes Jackett, graue Hosen, ein Sporthemd, rotbraune Sandalen aus einem Stück mit Schnallen von gleicher Farbe. Die letzteren wurden erst kurz vor dem am 19. Juni erfolgten Mord frisch besohlt und geflickt. Bon Erheb- lichkeit wäre, wenn der Schuhmacher sich melden möchte, der die Arbeiten ausgeführt hat. Em schwerer Automobilunfall ereignete sich gestern vormittag in der Motzsttaße, kurz hinter der Zwölf Apostel-Kirche. Das Auto 2174 der Internationalen Automobil- Zenttale(Prinz Loui« Ferdinand- straße) kam durch die Schuld des Chauffeurs zwischen zwei tu entgegengesetzter Richtung fahrende Sttaßenbahnwagen, wobei nicht nur das Auto fast vollständig demoliert, sondern auch eine„Elektrische" schwer beschädigt wurde. Personen sind nur leicht verletzt worden. Ueber den Zusammenstoß werden uns folgende Einzelheiten ge- meldet: Der Chauffeur F ö l l m e r wollte den Mitinhaber der„Zenttale", Herrn Bellmann, aus seiner Wohnung, Motzstt. vi, abholen. Als er gleich hinter der Kirche m die Motzstraße einbog, suchte er— und zwar auf der linken Seite fahrend— eine.Elektrische" zu überholen und vor dieser den rechten Fahrdamm zu gewinnen, um dann mit kurzer Kurve vor dem Hause seines Chefs zu wenden. DaS Manöver mißglückte jedoch, weil in demselben Augenblick aus der entgegen- gesetzten Richtung eine andere„Elektrische" kam, wodurch das Auto zwischen die beiden Wagen geriet. Beide Sttaßenbahnführer suchten nun zwar durch energisches Bremsen den Zusammenstoß zu ver- meiden— doch vergeblich. Es erfolgt« ein donnerähnlicher Krach, während gleichzeitig die Fahrgäste erschreckt anffchrien. Der Zu- sammenprall war so heftig, daß der eine Straßenbahnwagen vorn aus den Schienen geworfen wurde und starke Be- schädigungen am Borderperron und an der einen Längs- seite erlitt. Die Fahrgäste wurden gehörig durcheinander« gerüttelt, kamen aber meistens mit dem bloßen Schreck davon. Am Entschluß sich«ff jeden F'.ll der Snmn» zu bemächtige». Mit empDidlichsten wurde wohl ei« Dame verletzt, die bei dem Zu- sanunenstoß vom Sitze geschleudert wurde und dabei zwei Zähne einbüßte. Einen jammervollen Anblick bot aber das Auto dar. Das gesamte Getriebe des in Paris gebauten fünfsitzigen Kraftwagens �Kaufpreis 80 000 M.) war zerbrochen, die Achsen verbogen und die Hinterräder direkt wegrastert. Der Chauffeur hat merkwürgerweise keinen Schaden davongetragen, da bei dem Zusammenstoß mehr der hintere Teil des Autos getroffen worden war. Der Vorgang, der natürlich Tausende von Neugierigen anlockte, hatte auch noch eine längere Verkehrs st örung zur Folge. Ein zweiter schwerer Automodilunfall ereignete sich gestern früh auf der Chaussee Westend— Pichelsdorf. Ein mit vier Personen be- setztes Automobil war auf dem Wege von Pichelsberge nach Westend, als beim Bergabfahren die Steuerung versagte, wodurch der Wagen gegen einen Baum geschleudert wurde. Der Anprall war so stark. daß das Automobil vorn vollständig zerttnmmert wurde und alle Insassen aus dem Wagen stürzten. Der Chauffeur erlitt einen schweren Bruch des linken Fußes, während die übrigen Insassen mit leichten Hautabschürfungen davonkamen. Bei dem Versuche, den Stiefel des gebrochenen FußeS aufzuschneiden, verletzte sich einer der Insassen, em Beamter der Kolonialverwalwng. die Pulsader, so daß ein starker Bluterguß eintrat. Von einem zu fällig vorüberfahrenden Radler wurde ein Wagen aus Pichelsdorf requiriert, der die von dem Automobilunfall bettoffenen Personen in daS neue Westender Krankenhaus überführte, wo sie die erfordeo lichen Notverbände erhielten. Der Chauffeur mußte dort in Be Handlung bleiben, während die übrigen bald wieder entlassen werden konnten. Am vorgestrigen Montag hat ein Parteigenosse und Filialkassierer einer Gewerkschaft auf den Wegen von der Gräfesttaße bis zur Schmidsttaße, von dort bis zur Grenadierstrabe oder von der Grenadierstraße bis zur Dieffenbachstraße(meistens per elektrische Bahn) ein leinenes Beutclportemonnaie mit etwa 390 M. Inhalt sowie blaue und rote Verbandsmarken verloren. Da der Verlierer seiner Gewerkschaft gegenüber haftbar ist, so wird der ehrliche Finder gebeten, den Fund gegen Belohnung im Bureau Andreasstraße 61. I rechts, abzugeben. Vermißt wird seit dem 24. Juni der Tischler Wilhelm Jennfeldt, geboren am 11. März 1846 zu Hamburg. Bekleidet war Jeunfeldt mit einem alten schwarzen Tuchrock, blaugrauen Beinkleidern und brauner Weste. Kopfhaar und Vollbart smd weiß; infolge eines doppelten Leistenbruchs ttägt Jennfeldt ein Bruchband. Es wird gebeten, entweder der Eheftau Jennfeldt in Britz, Chausseestt. 76, oder Willy Grieb, Rixdorf, Wanzlickstr. 4, über den Vermißten Mit' teilung zu machen. Tollwut? Von einem Hunde gebissen wurde am Montag der acht Jahre alte Knabe Siegfried Podolla, Göbenstr. 9, in den lmken Arm. Der Vater des Knaben brachte ibn nach der Charit«, um die Wunde zunähen zu lassen. Die Acrzte aber behielten das Kind im Krankenhause zur Beobachtung, bis festgestellt ist, daß der Hund nicht tollwutverdächlig ist. Der Hund, ein Ziehhund, gehört dem Bier- fahrer Rausch aus der Stemmctzstr. 73 und wurde bereits einem Tierarzt zur Beobachtung vorgeführt. Feuer in der HandelsstSttc Bclle-Alliance. Gestern abend kurz vor 9 Uhr wurde die Feuerwehr nach der Handelsstätte Belle-Alliance, Lindenstraße, gerufen, wo in den gemeinsamen Arbeitsräumen der Zinntubenfabrik von Gebrüder Koppe und der Mechanischen Holzwarenfabrik von Paul G a e d e auf nicht ermittelte Weite Feuer ausgekommen war. Schon nm 6 Uhr hatten die Arbeiter die Räume verlassen, ohne etwas Besonderes zu bemerken. Da flogen plötzlich gegen 9 Uhr die großen Fensterscheiben aus dem ersten Stock auf den Hof hinab und Stichflammen schössen durch die Fenster. Wahrscheinlich waren die Flammen in Berührung mit Terpentin und Lack gekommen, wodurch ihre Ausdehnung rapide zunahm. Branddirektor- Reichel, der mit herbeigeeilt war, ließ sofort zwei Dampfspritzenrohre und eine Hydrantenleitung in Tätigkeit treten und dann über Hakenleitern htnweg zum Brand« Herde vordringen. Nach kaum'/zstündiger Arbeit galt die Gefahr für beseitigt. Ein großer Arbeitsraum ist ausgebrannt. Fenerbericht. Neben dem großen Fabrikbrande in der Wrangel- stvatze 107, über den wir an anderer Stelle ausführlich berichten, hatte die Wehr in den letzten 24 Stunden noch über zwanzig andere Feuer zu beseitigen. Dienstagmittag wurde sie nach der Kraut- strahe 16a, Ecke der Kleinen Markusstraße, gerufen, weil dort ein Teil des Dachstuhles in Flammen stand. Die Ablöschung konnte mittels einer Schlauchleitung in kurzer Zeit erfolgen.— In der Münzstraße 7 waren dann photographische Artikel. Tische usw. in Brand geraten, während in der Brandenburgstraße 5 Fett in einem Schlächterkeller Feuer gefangen hatte.— Weiter mußten sechs Preßkohlenbrände unterdrückt werden, und zwar auf dem Weitzenseer Güterbahnhof, auf dem Kohlenbahnhof in der Fcnnstraße, in der Urbanstratze 66, Simeonstraße 13, Birkenstraße 39 und in der Groß- görschensttaße 18.— Lumpen, Kisten, Papier und dergleichen wurden in der Oranienstraße 29 und in der Demminerstraße 21 eingeäschert. — Aus der Schwerinstraße 18, Grünthalerstratze 67 und aus der Weddingstraße 1s wurden Wohnungsbrände gemeldet: Möbel und Gardinen wurden in allen Fällen in der Hauptsache beschädigt. In der Dieffenbachstraße 12 hatte im Dachgeschoß der Fußboden Feuer gefangen. Di« Gefahr wurde rechtzeitig bemerkt und konnte leicht beseitigt werden.— Weiter wurde die Wehr in der Lette- straße 6, Holzmarktstraße 19, Füsilierstraße 16 und noch an der- schiedenen anderen Orten verlangt. Rixdorf. Der Rixdorf« Schiffahrtskanal, welcher jetzt an der neuen städtischen Gasanstalt endet, soll bekanntlich bis zum Teliowkanal weiter geführt und mit dem letzteren verbunden werden. Die bis- herigen Verhandlungen mit den Adjazenten lassen hoffen, daß dieses für unsere Stadt außerordentlich wichtige Projekt seiner Verwirklichung wird entgegengeführt werden können. Mit Lysol sich zu vergiften versuchte am Montagabend in einem Gartenlokal in der Hermannsttaße der Maler Max U n g e r aus der Emserstt. 46. Unger brach bewußtlos zusammen. Ein herbeigeholter Arzt machte eine Magenausspülung und ließ Unger nach einem Krankenhause bringen. Das Motiv des Selbst- Mordversuchs ist nicht bekannt. Schmer verunglückt ist am Montagabend die Ziethenstr. 37 wohn- hafte Witwe Krause. Als Frau Krause im Begriff war. die Treppe hinabzugehen, glitt sie aus und stürzte nun von oben bis unten die Treppe hinab. Mit schweren Kopfwunden und anderen Verletzungen wurde die Bedauernswerte aufgehoben und nach dem städtischen Krankenhause geschafft. Weihensee. Ein Schadenfeuer drohte am vergangenen Sonntag der hiesigen Gummifabrik von C. Müller, Belforterjttaße. Ein dicker schwarzer Oualm kennzeichnete die Brandstelle, von der ein unaugenehiner Gummigeruch ausging. Verhältnismäßig lange Zeit dauerte es, bis die fteiwillige Feuerwehr Wasser geben konnte, denn erstens waren die Mannschaften der Wehr fast vollzählig auf dem Gau- turnfest anwesend und mußten vom Vergnügen wegberufen werden, zweitens waren keine Pferde aufzutteiben. ES mußte eine Droschke gemietet werden, um den Schlauchwagen zu befördern. Endlich an der Brandstätte angelangt, fand man die Hydranten ver- fandet, die Staudrohre nicht passend. So mußte das Wasser erst aus weiten Entfernungen herbeigeholt werden. Angesichts dieser Zu- stände glaubt man sich in weltentlegcne Landstävtchen versetzt. In Anbetracht der gefahrdrohenden Folgen ist eine dringende Reform der Wehr unumgängliches Gebot. Die Schuld an den herrschenden Verhältnissen hat nicht nur allein die Feuerwehr. Die größte Ver- antworlung tragen Gemeindevorstand und Gemeindevertretung, die bisher die von unseren Parteigenossen geforderte Errichtung einer Berufsfeuerwehr ablehnten, weil auch hierzu angeblich keine Mittel vorhanden sind. Auf merkwürdige Weise ist die Angelegenheit des ftüheren Amts- Vorstehers Klingenberg vom Gericht erledigt worden. In der Hauptverhandlung vor der Zivilkammer des Landgerichts II ist die Klage der Gemeinde Weißensee auf Herauszahlung der an Klingenberg gezahlten Provision abgewiesen worden. Der rechtlich und tatsächlich sehr interessante Sachverhalt ist folgender: Klingenberg war von einer Witwe Kahl, mit der er befteundet war, gebeten ujorden, ihr zu Weißensee belegenes Grundstück für sie zu verkaufen. In nächster Linie reflektierte die Gemeinde Weißensee selbst auf das Kahlsche Grund stück. Es wurde eine Komniission gewählt, um die Verkaufs Verhandlungen zu führen. Klingenberg weigerte sich. in diese Kommission einzutreten, weil er an der Sache persönlich beteiligt sei. Er schlug vielmehr der Gemeindevertretung lediglich vor, das Grundstück im Interesse der Gemeinde zu kaufen. Dieses Ver halten ist Gegenstand eines Disziplinarverfahrens gewesen, da sich Klingenberg nach Ankauf des Grundstücks von der Witwe Kahl eine Provision hatte auSzablen lassen. Das Disziplinarverfahren endete mit einer Vesttafung des Gemeindevorstehers zu einer Geldstrafe. Nunmehr klagte die Gemeinde Weißensee auf Herauszahlung der Provision von 3 Proz., welche K. tatsächlich in Höhe von 726 M. von der Verkäuferin erhalten hatte. Rechts- anwalt Bahn bestritt als Verttcter des Beklagten Klingenberg in erster Linie, daß nach der Eingemeindung von Weißensee und Neu- Weißensee unter dem gemeinsamen Namen Weißensee überhaupt die alte Gemeinde noch klagbar sei, und ferner, daß irgend ein Rechts grund zur Herausgabe der Provision bestehe. Die Klage ist nun- mehr abgewiesen worden. Dies Urteil wird gewiß lebhafte Bedenken wecken. sondere Lockvögel dienten dem Angeklagten zwei Schwestern, die jede ein Vermögen von 460 000 M. besitzen sollten.— Von den angeblich in Hülle und Fülle vorhandenen Heivatskandidatinnen blieben schließlich nur fünf übrig. Die zwei reichen Schwestern mit je 460 000 M. waren trotz aller Recherchen überhaupt nicht zu er. mttteln.— Die Anklage geht davon aus, daß der Angeklagte von vornherein gar nicht die Absicht gehabt hat, als Heiratsvermitteler aufzutreten, es sei ihm lediglick darauf angekommen, den durch Nachnahme erhobenen Betrag von 9,60 bezw. 14,50 M. zu erlangen. Zur Anklage stehen vorläufig nur 43 Fälle. Ein Schlächtermeister B. aus Spandau hatte auf die reiche Dame mit den 460 000 M. spe« kuliert. Er sandte vertrauensvoll, in der Hoffnung, bald ein reicher Mann- zu werden, die verlangten 14 M. ein. Er erhielt indessen keinerlei Antwort und muhte schließlich ohne die reiche Fvau weiter durch das Leben pilgern. Ebenso erging es einem Molkerei- besitzer W. in Spandau. Dieser hatte ebenfalls auf die rcrckie Dame spekuliert. Er mußte sich schließlich aber damit begnügen, um 14 M. ärmer und um eine Erfahrung reicher zu fem. Die übrigen Fälle der Anklage liegen ganz gleichartig. Aus allen Gegenden Deutschlands, aus Heidelberg. Posen, Hamburg, München usw., hatten sich Heiratslustige gemeldet, die hauptsächlich auf die reichen Schwestern, die in Wirklichkeit gar nicht existierten, spekuliert hatten— Vor Gericht bestritt der Angeklagte, sich des Betrüge» schuldig gemacht zu haben und ließ durch Rechtsanwalt Dr. S ch w i n d t einen umfangreichen Entlastungsbeweis antreten. Da eine große Anzahl kommissarischer Vernehmungen von Geschädigten vor Gericht verlesen werden müssen, so sind für die Verhandlung drei Tage angesetzt worden. Wir werden über den Ausgang des Prozesses berichten._ Landsmannschaft der SchleSwtg.Holsteiner»« Berlin. Mittwoch. den 5. Juli, abends S'l, Uhr, in Feuersteins Festsalen, Alte Jakobstt. 76: Versammlung mit Frauen. Landsleute sind willkommen. Lese- und Diskutierklub.Moabit». Mittwoch, den 5. Juli, bei Dachstein, Salzwedclcrstraße 16: Vortrag:.Die Ansänge der bürgerlichen Nationalökonomie». Res. Zacher.„ ,,.. Lese- und Diskutierklub.Stralauer Allee«. Donnerstag abend g>/ Uhr. Beymestt. S: Borttag des Gen, Kreplw über:.Unsere Ideale» Gäste willkommen._ Hus der Frauenbewegung. Pankow. Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen hält am Donnerstag, den 6. Juli, seine Generalversammlung ab. in der Frau Ihrer einen Bortrag hält. Vernrifckres. Werder. Die Tarisbewegung der Maler in Werder ist dank dem tat- kräftigen Eintreten der Organisation zu einem schuelleu Erfolge gelangt, der diesmal hoffentlich dauernd sein wird. Die Meister müssen sich eben daran gewöhnen, tarifliche Verträge als gewerbliche Gesetze zu betrachten, die nicht bloß von den Gehülfen einzuhalten sind. Rur eine Firma(Gisch u. Köpge) mit einigen Gehülfen hat die Unterschrift des TarifverttageS verweigert und ist deshalb für Berbandsmitglieder gesperrt. Die ausstehenden Gehülfen wurden sofort anderweit untergebracht. Wilmersdorf. Der Verein„Freie Volksbühne Charlottenburg" hat vielfach ge- äußerten Wünschen entsprechend in Wilmersdorf zwei neue Zahl- stellen errichtet: Wilh. Murrer, Eislebcnerstr. 14, und KäSler, Lauen- burgerstr. 20. Die Bekanntmachungen des Vereins sind unter der Rubrik Charlottenburg zu finden. Im Bellealliance- Theater hat sich die Szene mächtig verändert. Dort, wo nicht immer geistvoll die Berliner Posse modernster Richtung sich breit machte, übt jetzt der Zauber des Morgenlandes seine Wirkung aus. Ein alter Bekannter, den manche aus halb vergessener Kinderzeit noch kennen, B e n- A l i- B e y nämlich, ttitt dort auf. Er weiß sehr viel von Aegypten und Indien zu erzählen und„fingert» bei seinem Geplauder die unglaublichsten Sachen. Was soll über das Verschwinden und die Verwandlung der Taschen- uhr, über den Dämon in der Glocke, die schnellwachsende Pflanze, das Teufelsfaß und wie die Künste sonst noch heißen, alles gesagt werden? Mancher kennt diese hübschen Kunststücke schon und zeigt sie in angenehmer Erinnerung seinen Kindern, und wer sie nicht kennt, freut sich bei ihrem Anblick schon deshalb, weil ihm auch bei den unheimlichsten Vorführungen nicht im geringsten das Gruseln befällt. Die gemütliche Unterhaltung des Mannes. der alle die schönen Sachen hervorzuzaubern weiß, macht auch das Fremdartigste dem Zuschauer vertraut, weil sie gar nicht an den ägyptischen Dialekt anklingt, sondern in ihrer schalkhaften Gemütlichkeit urberlinisch ist. Da der Eintrittspreis nicht hoch ist und der Besucher, wenn er Glück hat. noch eine Tasse sehr triukbaren Zauberkaffee gratis er- hält, so wird es den Vorstellungen Ben-Ali-Beys hoffentlich nicht an Zuspruch fehlen. Vorort- l�aclmckteu. Charlottenburg. Freie Volksbühne Charlottenburg. Die Julivorstellung des Vereins findet Freitag, den 14. Juli, abends 8'/, Uhr, im Volks- Hause, Rosinenstraße 3 statt. Zur Aufführung gelangen:„Der Schlachtenlenker», Komödie von Bernhard Shaw. und „ A b s ch i e d s s o u p e r» von Arthur Schnitzler. Die Monats- schrist des Vereins ist vom 10. Juli ab in den Zahlstellen des Vereins zu haben und wird im Theatersaale nicht mehr verteilt. Für die Julivorstellung geltende Neuanmeldungen werden nur bis Dienstag, den 11., in den nachstehenden Zahlstellen angenommen: E. Müller. Rosinenstraße 3, VolkshauS: A. Wilk, Kirchstraße 30; Fr. Paesler, Schlütersttaße 8: Franz Schmidt, WilmerSdorfer- straße 130; Konsumverein, Wilmersdorferstraße 27; Gustav Bigalke, Schloßstraße 26s, und in Wilmersdorf: Wich. Murrer, Eislebener- straße 14; Käsler, Lauenburgerstraße 20. Gericdtg-Leitung. Der Raubmorbprozest gegen die Eheleute Huber kam vorgestern vor dem Reichsgericht in der Revisionsinstanz zur Verhand lung. Vom Schwurgericht beim Landgericht I in München ist am 8. Mai Johann Huber wegen Ermordung und Beraubung der Kellnerin Centa Falch zum Tode verurteflt worden, seine Ehe frau Barbara geb. WeichselSdorfer wegen Beihülfe dazu zu zehn Jahren Zuchthaus. Die von den Angeklagten erhobenen Rügen waren nur prozessualer Natur. Wenn einzelne derselben auch zu Bedenken Anlaß gaben, so waren sie doch nicht geeignet, den Bestand des Urteils zu gefährden. Das Reichsgericht erkannte deshalb auf Verwerfung der Revision. Einen Heiratsschwindel im Große» betrieb der 63jährige Agent und Kaufmann Ferdinand Gombert. welcher gestern unter der Anklage des versuchten und vollendeten Be- truges in 43 Fällen vor der ersten Strafkammer des Land. gerichts I stand. Den Vorsitz führte Landgerichtsdirektor Opper- mann II, die Verteidigung lag in den Händen des Rechtsanwalts Dr. S ch w i n d t.— Der Angeklagte ist gelernter Schlosser. Er wurde dann Kaufmann und eröffnete in der Dalldorferstraße ein Heiratsvermittelungs-Bureau, welches er erst„Reform» und dann V c r i t a s» nannte. Nach eigener Angabe inserierte er in etwa 400 Zeitungen Deutschlands und empfahl sich als Vcrmittcler für reiche Heiraten. Wenn sich Heiratslustige meldeten, so erhielten sie von dem Angeklagten mehrere, mit großsprecherischen Ankündi- gungen und Zeugnissen über die Rccllität und Güte des Bureaus versehene Prospekte, in denen mitgeteilt wurde, daß eine große An- zahl junger— und auch älterer— Damen mit Vermögen bis zu 460 000 M. sehnsüchtig darauf warteten, unter die Haube hu konunrn. Am Schluß oeS Prospektes wurde noch mitgeteilt, daß in den nächsten Tagen dem betreffenden Heiratslustigen ein Paket unter Nachnahme im Betrage von 9,60 bis 14,60 M. zugehen werde, in welchem sich nähere Angaben, Photographien und dergleichen definden werven. Wenn das Paket dann eingelöst wurde, so fand sich darin außer mehreren Prospekten und Pboiographien ein For- mular vor, welches von dem Heiratslustigen genau ausgefüllt werden mutzte. Ferner mußte der Betreffende nach beiliegender genauer Anweisung einen HaratSantrag anfertigen und diesen mit Angabc der auf der Photographie der gewünschte» Dame befindlichen Nummer wieder an das Bureau„VeritaS" einsenden. Die Heirats. kandidaten erhielten von diesem Zeitpunkt ab keinerlei Nachricht mehr. Wenn sie an das Bureau„BeritaS" Mahnbriefe schriebe». erhielten sie enttvcder gar keine Antwort oder einen angeblich von der betreffenden Dame selbst herrührenden Brief, in welchem sie den HeiratSanttag aus irgend einem Grunde ablehnte. Als be» Grausige Knaienmorde. Ungeheure Erregung hat sich der Be» oölkerung von Senftenberg infolge der in letzter Zeit verübt«, unheimlichen Lustmorde an zwei Knaben bemächtigt. Die Nach- forschungen der Polizei und Gerichtsbehörden haben nunmehr zur Verhaftung eines Mannes, des Bergarbetters Max Koblitz ge- führt, der der Ermordung des Knaben Paul Lehmann aus Mauer stark verdächtig erscheint. Koblitz hat sich seit-einigen Monaten in der Gegend von Scnfttnberg aufgehalten, sich als„Vermessung� beamter" ausgegeben mid es ist ihm nachgewiesen, daß er mehrfach durch Versprechungen, wie Geldgeschenke usw., Knaben an sich lockte unter dem Vorgeben, er wolle die letzteren als Gehülfen bei Ver- Messungsarbeiten verwenden. Es wurde bereits ermittelt, daß er einen Knaben aus Senftenberg bestellte, mit ihm in die Heide ging und in dieser mit blauer Kreide an mehreren Bäumen Kreuze und Pfeile anzeichnete. Der Knabe war mit einem jüngeren Bruder er- schienen, er wurde daher aufgefordert, am nächsten Tage wieder. zukommen, aber er solle seinen Bruder zu Hause lassen. Der Knabe kam der Aufforderung nach, um etwas zu verdienen. Als er sich bückte, brachte ihm Koblitz mit einem Messer einen tiefen Schnitt im Schenkel bei. Als der Knabe aufschrie, redete chm Koblitz vor. eine Otter habe ihn gebissen. Er mußte sich entblößen, worauf Koblitz das heftig hervorquellende Blut gierig und in solchem Maße aufsog, daß der Knabe infolge starken Blutverlustes sich erbrechen mußte. Ein anderer Knabe war von dem„VermessungSbeantten» aufgefordert worden, in den Poleyer Forst zu kommen, ging aber zu seinem Glück nicht hin. Mehrere Knaben suchte der Unhold durch das Versprechen, ihnen stenographischen Unterricht z-u erteilen, an sich zu locken. Ermittelt ist auch, daß der vor einigen Wochen ermordet im Walde aufgeftmdene Knabe Zielinski mit dem Lustmörder zu- samnien in den Wald gegangen ist Dieser Tage wurde Koblitz an die Leiche des ermordeten Knaben Paul Lehmann geführt. Er ließ sich zwar zu keinem Geständnisse herbei, verwickelte sich aber mehrfach in Widersprüche. Gefesselt und unter starker Bedeckung wurde er ins Untersuchungsgefängnis abgeführt. Bei seiner Abführung noch dem Bahnhofe brach die erbitterte Bevölkerung in laute Verwünschungen aus. Der vermeintliche Doppelmördcr ist 30 Jahre alt, verheiratet, Vater eines Kindes. Er besuchte eine Bcrgmannsschule und war zuletzt Bergmann. Es dürft« wohl keinem Zweifel unterliegen, daß dieser Lustmörder ein Geisteskranker ist. Grubenunglück. Im Salmschacht 7 zu Polnisch-Ostrau erstickten gestern früh mehrere Arbeiter durch Ausströmen aistigec Gase. Bis heute nachmittag smd neun davon tot und einer betäubt geborgen worden. Einige Tote dürsten sich noch in der Grube befinden. Sieben Todesfälle infolge von Hitzschlag sind in Lübeck und in der Umgegend vorgekommen. Bei einer Landwehrübung gestorben. Auf dem Truppenübungs- platz Gruppe bei Graudenz- erkranttcn plötzlich nach der Rückkehr von einer Uebung zwei eingezogene Landwehrleute. Sie starben bald darauf an Herz- und Gehirnschlag. Rabeneltern. Zwischen den Stationen A s ch e r b u d e lftitz F i I e h n e wurde aus einem Wagenabteil des Berliner Mittags- zugeS, in dem sich russische Auswanderer befanden, während der Fahrt ein etwa zweijähriges Kind auf den Bahnkörper geworfen. Das unglückliche Wesen, das schtvere Kopfverletzungen davontrug. wurde von einem Bahnwärter unmittelbar nach der Tat in seinem Blute schwimmend aufgefunden. Der Beamte telephonierte den Vor- fall sofort cm die Station Filehne, wo die Rabeneltern beim Ein- treffen des Zuges ermittelt und verhaftet wurden. Das Kind fand Aufnahme im städtischen Krankenihause in Filehne. Ucber die Zerstörung der Katharinen-Kirche in Danzig durch Blitzschlag entnehmen wir der.„Danz. Ztg.» noch einige Einzel» heiten: Das verheerende Feuer brannte bald die inneren Holzteile des Turmes aus, die Zeiger der Uhr fielen herunter, das Kreuz an der Spitze folgte und das schöne Glockengeläut stürzte hinab in die Tiefe. Der große Turm schwankte und bald gab es einen donnerähnlichen Krach— der obere Teil des Turmes lag zer- schmettert auf dem Kiochdache und dem Erdboden. Der Luftdruck. als der etwa 1000 Zentner schwere Glockenstuhl� herunterfiel, war so stark gewesen, daß das Blei aus den Fensterscheiben der Kirche herausgetrieben wurde. Das Gewölbe im Turm konnte die Last nichr tragen und brach durch. In dem Schutt, der sich unten an- gesammelt hat, sind sechs große Glocken und der Glockenstuhl, der mit 62 000 M. versichert ist, begraben. Als der Glockenstuhl durch- brach, waren zwei Feuerwehrleute in unmittelbarer Nähe, so daß man anfangs befürchtete, daß sie dabei verunglückt seien, was sich aber erfreulicherweise nicht bewahrheitete; sie waren unverletzt ge- blieben. Ein Teil der Kuppel des Glockenstuhles fiel auf den neben dem Turm nach der Nadaune zu belegenen sogenannten alten Totenacker. Zum letzten Male verkündete das Uhr- und Glocken» spielwerk durch den bekannten Spiel- und Schlagansatz den Be- wohnern Danzigs die Zeit heute morgen 6 4L Uhr, wenige Minuten darauf war es für immer verstummt und unter den schmelzenden und brennenden Trümmern.begraben. Einen eigentümlichen An» blick gewährte es, als während des Brandes zahlreiche Tauben die mächtig« Turmfackel, in deren Innerem sie ihre Niststätte gehabt hatten, umflatterten. Erdbeben. In Strocmstad(Schweden) wurde gestern abend cme heftige Erderschütterung verspürt, der 1Ä Minuten später eine weniger heftige folgte. Verantw, Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Jnsiratenteil vermittv.: kh. Esocke. Berli», DruLu. Perlag: Borwättö Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Singer& Co.. Verlm SW,