Nr. 160. Abonnements- Bedingungen: B bonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Bfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Poft. Abonnement: 1,10 Mark pro Monat. Eingetragen in die Bost- Zeitungs. Breisliste. Unter Streuzband für Deutschland und Desterreich- Ungarn 8 Mart, für das übrige Ausland 3 Mart pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Dolksblatt. 22. Jahra. Die Infertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Stolonel geile oder deren Naum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins und Bersammlungs- Anzeigen 25 fg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gebrudte) Wort 10 Pfg., jedes weitere Bort 5 Pfg. Borte über 15 Buchstaben zählen für zwei Borte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr vormittags geöffnet Telegramm Adresse: ., Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Quittung. Mittwoch, den 12. Juli 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV. Nr. 1984. " Das Im Monat Juni gingen bei dem Unterzeichneten folgende Parteibeiträge ein: Altenburg, durch M. Spengler 300,-; Altenburg, B. E. Buch wald 60,-; Altona- Ottensen, 6. Schleswig- Holsteinischer Wahlkreis 1000,-; Berlin, Beiträge der Wahlkreise: 2. Streis 1200,-; 3. Kreis 1500,- 4. Streis Süd- Ost 2500,-( darunter: M. Sch., Teilbetrag der Vorwärts- Zinsen 5,-, Bierprozente der Tischlerei von Tauchert u. Erdmann 20,-, Sparverein Namenlos", Mariendorf 23,40, Der Ausgang der Wahlen bedeutet gerechte Ver- Augsburg, Kempten, Schweinfurt, in der Pfalz 6. Da wir Nürnberg Kongo- Neger 10,50, Kranzüberschuß Hud 1,95, Sparverein„ Ehrlichteit" 10,-); 4. Streis Ost 1500,-( darunter: Elysium 5,-, von den feit" 10,-); 4. Streis Ost 1500,-( darunter: Elysium 5,-, von den geltung für das verräterische Treiben eines infolge Wahlkreiseinteilung verlieren, gewinnen wir 2 Mandate. Arbeitern der Möbelfabrit Groschtus 25,05); 5. Kreis 500,-( darunter eines Namens längst unwürdigen Liberalis- Im Wahlkampf herrschte ungeheure Erbitterung. Daher auch sehr Stattlub Grand- Schwarz 10,-); 6. Kreis 7000,-( darunter Ueber- nu 3. Zwar ist es den Liberalen gelungen, Nürnberg starte Wahlbeteiligung. Unser Stimmzuwachs in München beträgt schuß v. d. Budikerpartie nach Freienwalde 5,-, Knappe, Aderstraße unserer Partei zu entreißen, aber dieser ruhmlose Erfolg ist fast 25 Broz., obwohl mehrere Tausend der Ausgesperrten 3,-,. 2. Mister 1,-, Bau Weser, Allensteinstraße, Buzerkolonne entfernt nicht geeignet, den allgemeinen Zusammen abgereist sind. A. Dühne 10,-); Berlin, diverse Beiträge: 2. u. H. B. 10,-, von bruch des bayerischen Liberalismus milder erd. Verwaltungsbeamten der Metallarbeiterfasse 50,-; Dr. 2. A. 100,-; scheinen zu lassen. Nicht nur durch das Bündnis mit den Nürnberg, 11. Juli.( Privatdepesche des Vorwärts".) Es Kontobucharbeiter v. Wedding 5,-; Machetes 5,-; Jule, Ritterstraße, rückständigsten Mittelständlern, sondern bor allem nur wurden hier abgegeben 22 023 sozialdemokratische und 14 508 bürgereine durch brutale Wahlkreiseinteilung in Nürnberg liche Stimmen, gewählt find 150 bürgerliche, 108 sozialdemokratische Man Wahlmänner. Die vier Wahlkreise sind damit verloren. In einem bayerischen Abgeordnetenkammer verhinderten, daß die er- München, 11. Juli.( Privatdepesche des Vorwärts".) forderliche Zweidrittel- Mehrheit für die Wahlrechts- Reform Ergebnis der bayerischen Landtagswahlen ist eine absolut sichere zustande fam. Darum mußte jetzt noch einmal die Frage des Majorität für die Wahlreform und eine vollständige Niederlage des fünftigen Wahlrechtes im Wahlkampfe durch das Volk Liberalismus. Die Liberalen verlieren allein in Kempten, selbst entschieden werden. Daher entsprang aber auch das von Lindau, Günzburg, Straubing, vielleicht auch Nördlingen, den Liberalen so eifrig angegriffene Bündnis zwische Zentrum acht bis neun Mandate, insgesamt etwa 20 von ihren bisherigen und Sozialdemokratie, das doch allein seinen Grund und seine 43 Mandaten. Die Sozialdemokratie hat trop ungünstiger Notwendigkeit in der verräterischen Politik der Liberalen selbst Wahlkreiseinteilung großen, teilweise überraschenden Stimmzuwachs. hatte. Wir erhalten an Mandaten: 4 in München, wie bisher, je 1 in 2. Quartal 19,20; zum Kampfe für Wahrheit u. Recht 4,-; Gutenberg 45,70; Für die Reichstagswahl in Oberbarnim 10,-; Dr. A. Fl. ist der Scheinsieg der Liberalen errungen worden. 101 8,25; Dr. A. F. Zinsen 20,-; 2. B. 50,-; B. S. 50,--; C. D. Guhrau 1, b. d. Geburtstagsfeier einer elenden Familie 1,50; Patienten hat in der inneren Stadt kleine Bezirke mit 300 bis proletarischen Wahllokale wählten 4541 Wähler 3 Wahlmänner, in in Grabowfee 6,80; Beru, Kaffee- lleberschuß 1,40; Mitgl. b. II. Dr. 400 Wahlberechtigten eingerichtet, in denen bis zu 7 Wahl- einem vorwiegend bürgerlichen Bezirk 643 Wähler 7 Wahlmänner! 6,-; Frd. Voß, Toluca, Merito 5,50; Buxtehude, H. Weber v. b. männern gewählt werden, während in den äußeren prole- Es war zum Teil physisch unmöglich in den proletarischen Bezirken, Alten d. Weber 3,-; Bremen, Parteigenoffen 500; Beuthen, v. d. tarischen Bezirken Nürnbergs 3000 bis 5000 Wahlberechtigte daß auch nur die Hälfte der Wähler abstimmen konnte. Die Lokale Parteigenossen 5, Bern 50,-; Bremen, Maschinenpersonal der nur je 3 Wahlmänner wählen. Der Nürnberger Liberalismus find photographiert, der Wahlprotest sicherlich aussichtsvoll. Die Bremer Bürger- Zeitung" 24,40; Bant, Wahlverein, 8. Quartal hat beweisen wollen, daß er befähigt ist, dem preußischen bürgerlichen Blätter vermögen sich auch nur fühle Siegesartikel ab203,- Breslau, Sozialdemokr. Verein, f. Juni 150,-; Branden Dreiklassenwahlunrecht wirkungsvoll Konkurrenz zu bieten. zuringen. Die Wahlbewegung zeigte eine völlige Scheidung zwischen burg- Westhavelland 100,-; Brieg- Namslau, Wahlverein, Juni- Trotzdem unsere Partei 21000 Stimmen gegen 13000 Stimmen Proletariat und bürgerlichen Klassen; Kleinbürger sind abgeschwenkt Juli 20,-; Brüssel, Fischer 12,10; Kaffel Melsungen, des gegnerischen Parteigemisches aufgebracht hat, dürfen die aus Merger über Konsumvereine und Bäckerboykott. Wahlkreis, Juni 1905 50,- Krefeld, Sozialdem. Sozialdem. Voltsberein 100,-; Dresden, 4., 5. u. u. 6. sächsischer Reichstags- Liberalen sich des Sieges" erfreuen. Aber dieser Nürnberger Unsere Partei hat überall großen Stimmzuwachs. Die ZweiWahlkreis 5000,- Erfurt Schleusingen Biegenrüd, Wahlkreis, für Scheinsieg wird vollends wett gemacht durch die Niederlagen, drittelmehrheit für die Wahlreform ist gesichert. Mai und Juni 50,-; Eberswalde, Patienten der Lungenheilstätte die die Liberalen sonst fast in allen Landesteilen erlitten 3,75; Forst i. Laufig, Roter Stat d. pl. 1,67; Flensburg, Sozial haben. Insbesondere in der Pfalz und in Südbayern sind sie München, 11. Juli.( Wolfffches Bureau".) Soweit sich die demokr. Verein 2. schleswig Holsteinischen Wahlkreis 40,- Fürth, vollständig zusammengebrochen. Wahlverein 20,-; Faltenberg D.- Schl. 2,-; Gotha, Parteibeitrag Zusammensetzung der Kammer nach den bisherigen Ergebnissen der Den Hauptgewinn der Wahlen wird das 8entrum Urwahlen berechnen läßt, dürfte die Stärke der Parteien folgende 30,- Halberstadt- Wernigerode, Wahlkreis 100,-; Höchst- Usingen, einernten. Das Zentrum gewinnt sowohl liberale Mandate sein: Zentrum 102( dem jegigen Stand gegenüber 18 mehr), zehn 1. nassauischer Wahlkreis 200,-; Hamburg, in der Expedition des Hamburger Echo" eingegangen im Juni 135,-; Hamburg, als auch bauernbündlerische. Der agrarische Bauernbund hat Sozialdemokraten( einer weniger), zwölf Freie Vereinigung( sieben K. R. 14,-; Jdar, Volksverein, 2. Quartal 4,60; Kattowiz D.- Schl. an Anziehungskraft offenbar verloren, seitdem durch reichliche weniger), 34 Liberale( 10 weniger) und ein Demokrat. 5,-; Königsberg, Sozialdemokr. Verein, 3. Quartal 05 100,-; Gaben der Zollgesetzgebung die oppositionellen Neigungen der Leipzig, 12. u. 13. fächs. Wahlkreis 3000,-; udentvalde, Rufus 5,- Bauern herabgestimmt sind. Neben dem Zentrum fann die München, Waldläufer 5,-; Mariendorf, Bergstr., d. H. 2. 5,- Sozialdemokratie sich des Wahlerfolges freuen. Vor forrupten Liberalismus in hohen Tönen. Dr. Drterer, der bayerische Das Zentrum feiert feinen bedeutenden Erfolg über einen Mannheim, Beitrag des Sozialdem. Vereins 200,-; Magdeburg, allen Dingen, worauf wir das Hauptgewicht legen, gewinnt gentrums führer, rühmte den Wahlfieg als einen Wendepunkt in Soziald. Verein Magdeburg u. Umgeg. 200,-; Minden, Partei unsere Partei einen sehr bedeutenden Zuwachs an Stimmen. Bayerns Politik". beitrag bis a. Juli f. d. 2. Halbjahr 20,-; Nürnberg, Dr. S. 5,- Aber auch der Verlust der Nürnberger Mandate wird ausNieder- Barnim 1000,-; Ober- peilau I, Wahlverein 1. u. 2. Quart. Die Germania" fündigt ihre Partei bereits als Minister. 05 15,-; Blau i. Meckt. 6,-; Remscheid, durch Lenz 7,20; Stutt geglichen durch die Erfolge in anderen bisher gegnerischen stürzer an: gart C. 8. 8,- Schweinfurt, Sozialdem. Verein 10,-; Stuttgart, Wahlkreisen. Eine völlig flare Uebersicht über das bei den . U. 10,-; Schönlante v. Parteigenossen 10,-; Sachfen- Weimar, Abgeordnetenwahlen zu erwartende Ergebnis ist allerdings Landesorganisation 100,-; Sorau- Forst, Zentralverein 300,-; zur Stunde noch nicht möglich. Teltow Beeskow Charlottenburg, vom Zentral- Wahlverein 250,- Besonders günstig ist für unsere Partei der Wahlausgang Württemberg 100,- Wahrer Jakob"," Neue Zeit"," Gleichheit" in Augsburg. Hier herrschte bisher unbestritten der 5000,-; Babrze Db./Schl. 5,-; Bei- Weißenfels, Wahlkreis 300,- Liberalismus, hier steht eine Wiege des deutschen ScharfmacherBerlin, den 12. Juli 1905. tums, hier bestehen seit Jahrzehnten von den Unternehmern gepflegte, mitgliederreiche Organisationen von Arbeitern, die sich immer im schroffsten Gegensatz zur modernen Gewerkschafts- Bewegung und noch vielmehr zur Sozialdemokratie befanden. Augsburg, die Hauptstadt des bayerischen Schwabens, obwohl der älteste Sitz der Sozialdemokratie in Bayern und einer der ältesten im Reiche, hatte es noch immer nicht zu einer seiner industriellen Bedeutung entsprechenden Stellung in der Arbeiterbewegung gebracht. Jezt aber hat die Augsburger Arbeiterschaft in stürmischem Anlauf die alte liberale Feste genommen. " Für den Parteivorstand: i. V.: Wilh. Eberhardt, Lindenstr. 69. Berichtigung. In der Quittung vom 14. Juni in Nr. 136 des Vorwärts" barf es nicht heißen München, A. Langer 15,50, sondern Fallen berg D./Schl. 15,50; außerdem Köln- Land, Sozialdem. Verein und Reichstags- Wahlkreis 249,60, muß heißen Köln- Land und Köln- Stadt, Sozialdem. Verein u. Reichstags- Wahlkreis 249,60. Bayerische Wahlen. " " Einen Wendepunkt in Bayerns Politit muß allerdings dieser Erfolg des Zentrums bedeuten, denn das Zentrum fann, nachdem die gestrigen Urwahlen überzeugender als je dargetan haben, daß es die überwältigende Mehrheit des bayerischen Voltes hinter sich hat, unmöglich dulden, daß eine mehr oder minder liberale Regierung noch länger eine den Wünschen und Forderungen dieser überwiegenden Mehrheit entgegengesette Politit treibt, eine Politit, die weit mehr Rücksicht auf die kleine liberale Minderheit nahm, als auf die starke Zentrumsmehrheit. Jezt, nachdem der Liberalismus wohlgemerkt nicht etwa nur der Nationalliberalismus allein, sondern der Gesamt liberalismus in allen seinen Schattierungen: Nationalliberale, Freifinnige und„ Demokraten" sozusagen vollständig am Boden liegt, ein volles Drittel seines seitherigen Besizes eingebüßt hat und nicht mehr ein Sechstel der Abgeordnetenkammer ausmacht, kann die Regierung auch nicht mit dem geringsten Schein von Recht mehr sagen, daß sie auf diesen vom Volte so vollständig verurteilten Liberalismus Südsicht nehmen müsse. Sie kann das um so weniger, als das über den Liberalismus gefällte Verdikt auch ihr gilt ihr, die das Mögliche getan hat, um diesen Liberalismus über Wasser zu halten. Es darf daher erwartet werden, daß vor allem die Minister, die vor den eben stattgehabten Wahlen taten, was in ihren Kräften stand um den Liberalismus bor Verlusten zu schützen, für sich die Konsequenzen aus ziehen, und daß, wenn fie dem Verdikt des Volkes Nach einem Kampf von außerordentlicher Erbitterung sichert. Neu gewinnen wir ein Mandat in Kaiserslautern und Die bisherigen Münchener Mandate sind wieder gewurde am Montag in Bayern die Wahlentscheidung herbei- ein Mandat in Kempten, wo bisher die Liberalen herrschten. geführt. Die Losung des Wahlkampfes lag in der Frage Ein für unsere Partei besonders wichtiges Ergebnis der Wahl der Wahlreform. Für und wider ein besseres ist neben dem starten Stimmenzuwachs die Tatsache, daß in Wahlrecht, das war das Scheidungswort der Parteien. vielen fleineren Ortschaften, wo wir bei der Wahl von 1899 Und aus dieser Wahlparole erklären sich zugleich die überaus nicht einmal Wahlmänner aufstellen konnten, diesmal unsere es nicht tun sollten, dann ihnen die Konsequenzen feltsamen Wahl bündnisse, die für diesen Kampf ge- Wahlmänner vielfach aus der Wahl hervorgingen. in nicht zu übersehender Weise vor Augen geführt werden. Daß schlossen waren: auf der einen Seite das Kartell des Zentrums Das entscheidende Merkmal des Wahlergebnisses das Wahlergebnis auch seitens der Krone beachtet und entmit der Sozialdemokratie, auf der anderen Seite das Kartell ist die Sicherung der Wahlreform. Zentrum und Sozialsprechend gewürdigt wird, darf als selbstverständlich gelten der Liberalen", von den am weitesten rechts stehenden Re- demokratie haben die 8weidrittelmehrheit, die zu Spruch der überwältigenden Mehrheit des bayerischen Boltes" be Es ist interessant, daß das Zentrum jeßt sich so laut auf den aktions- Nationalliberalen bis zu Freisinnigen Volksparteilern erkämpfen sie sich als Aufgabe gestellt hatten. Die Liberalen, ruft, den Minister und Krone respektieren sollen. In Württemberg und Demokraten, mit den Rückständigsten, der antisemitischen die mit zerrissenen Fahnen und geschlagenen Truppen in das Herr Gröber las es jüngst ganz anders! Mittelstandsvereinigung und dem Bauernbund. Parlament zurückkehren, sind außer Stand gesetzt, die WahlDer Sozialdemottatie hat es Bayern zu danken, reform noch einmal zu hintertreiben. Ein besseres WahlNach einer Meldung der Petersburger Telegraphen Agentur" $ daß die Wahlrechts- Reform in Fluß kam. Seit unsere Partei gesek, wenn es auch nicht den Wünschen der Sozialdemokratie Das Attentat auf den Stadthauptmann. im Jahre 1893 zum erstenmal in den banischen Landtag gerecht wird, steht in Aussicht. Vor allem wird das Einzug hielt, richtete sie ihre Bemühungen auf die Beseitigung für unsere Partei schädliche indirekte Wahlsystem beseitigt des indirekten Wahlsystems und der ungerechten Wahlkreis- werden und es werden die Wahlkreise auf Grund der BeEinteilung, wie sie auf Grund der Bevölkerungszahl der völkerungszahl von 1900 gleichmäßig eingeteilt werden. Es aus Moskau feuerte während des Empfanges von Bittstellern beim fechziger Jahre bis heute besteht. Die eindringliche Agitation barf als feststehend gelten, daß alsbald nach Abschluß Stadthauptmann Schuwalow einer derselben mehrere Schüffe ab, unserer Parteigenossen zwang das Zentrum und die Liberalen, der Wahlreform Neuwahlen auf Grund des neuen welche den Stadthauptmann töteten. Der Attentäter wurde verdie beiden alten Parteien, die seit Jahrzehnten in Bayern Gesetzes anberaumt werden, bei denen dann auch ähnliche haftet, um die Regierung fämpfen, der immer volkstümlicher Wahlbündnisse, wie bei der jekigen Wahl, nicht mehr nötig Weiter wird über diese neue Tat der Revolution berichtet: werdenden Forderung der Wahlrechts- Reform näher zu treten. fein werden. Nur widerwillig hatte sich die Sozialdemokratie Moskau.( Meldung der„ Petersburger Telegraphen- Agentur"). Im Streit um die Reform des Wahlrechtes ist es geschehen, auf das wahltaktische Abkommen mit dem Zentrum ein- Der Anschlag, dem der Stadthauptmann Schuwalow zum Opfer fiel, daß unser tapferer Karl Grillenberger auf dem Kampffelde gelassen, nur gezwungen durch die Bemühungen der blieb. Nach langen Mühen schien dann endlich im vorigen Liberalen, die Wahlreform für alle Zeiten unmöglich zu Jahre die Herbeiführung des direkten Wahlsystems sowie machen. Nachdem die Liberalen die Zeche bezahlen mußten, anderer Verbesserungen des bisherigen Wahlrechts gesichert. wird unsere Partei die nächsten Wahlen mit vollster SelbDa aber feßte ein unerhört schmählicher Verrat des 2iberalismus ein, der nach seiner Niederlage bei der ständigkeit führen und ihre ganze Straft entfalten können. Reichstagswahl von 1903 erkannte, daß er in Bayern nur durch den Fortbestand eines ungerechten Wahlsystems einige Rebenshoffnungen erhalten dürfe. Die Liberalen in der die Wahlresultate: wurde heute mittag 1 hr vollführt. Schuwalow wurde durch fünf Revolverschüsse tödlich verwundet. Der Attentäter, ein einfach gefleideter Mann, wartete in Empfangszimmer, bis alle empfangen fleideter Mann, wartete im Empfangszimmer, bis alle empfangen waren, trat dann auf den Stadthauptmann zu und schoß aus allernächster Nähe. Die Geschosse durchbohrten den Körper des StadtHauptmanns, welcher nach einer Stunde verschied. Die Persönlichkeit des Verbrechers ist noch nicht festgestellt. Unlängst war er eines Wir geben nachfolgend die uns zugehenden Meldungen über politischen Vergehens wegen festgenommen worden, entfloh jedoch aus dem Polizeigebäude. »Nicht ganz ruhig!" Kronstadt, 11. Juli. Die Stimmung unter den Besahungen Nehrerer Schiffe der Flotte ist nicht ganz ruhig. Die Matrosen er- Warten ein Manifest des Kaisers. Wegen schlechter Nahrung kamen kleine Unruhen vor. Die Meldungen, daß bedeutendere Unruhen aus hier liegenden Schiffen vorgekommen seien, sind unbegründet. Der Kankasns in Aufruhr. Petersburg, II. Juli.(Meldung der„Petersburger Telegr.» Agentur".) In Tis Iis sind heute infolge der Bcrhängung des Kriegszustandes die Straßen und Plähe von Truppen besetzt worden. Heute erschien das Amtsblatt wieder und morgen werden auch die anderen Blätter erscheinen. Der Straßenbahnverkehr ist wieder aufgenommen und die Läden sind geöffnet. Seit vorgestern herrscht Ruhe. Batum, 11. Juli.(Meldung der„Petersburger Telegraphen- Agentur".) Hier stockt jegliche Tätigkeit; die Läden sind geschlossen, ebenso die Kontors der Banken mit Ausnahme der Rcichsbank. In den Handel gebrachtes Fleisch wurde durch Begießen mit Petroleum untauglich gemacht, ohne daß es gelang, die Täter zu entdecken. Die Ncvolutionäre des„Potcmkin". Aus B u k a r e st wird uns in Ergänzung der früheren Nach- richten vom 9. Juli gemeldet: Während gestern die Verhandlungen zwischen der Besatzung des „Potemkin" und Vertretern der rumänischen Regierung im Gange waren, begab sich der Korrespondent des Bukarester Blattes„Dimi- neaza" nach dem Schiffe, wo ihm der Zutritt nicht verwehrt wurde, An Bord von dem leitenden Komitee der Mannschaften empfangen. an dessen Spitze ein blonder junger Mann von intelligentem und sympathischem Gesichtsausdrnck stand, wurden ihm daselbst folgende Erklärungen gegeben: „Nach unserem ersten erfolglosen VerproviantierungSversuch in Eonstanza fuhren wir nach Thcodosia, wo wir am Donnerstag an» kamen. Wir verlangten dort Lebensmittel und Kohlen. Erstere wurden unS in geringeren Mengen ani Tage der An- kunft von Kaufleuten geliefert. Kohlen sollten wir ain folgenden Tage laden. Als zu diesem Zwecke tags darauf sich unsere Dampfbarkasse dem Ufer näherte, empfing sie eine im Hinterhalt versteckte Kosaken truppe mit Flintenschüssen, welche sieben von unseren Kameraden niederstreckten und vier schwer verwundeten. Als wir die rote Flagge hißten die Geschütze nach dem Hafen richteten, waren die kaum hervor- gebrochenen Kosaken schnell wieder verschwunden. Was sollten wir thun? Die moralische Haltung der Mannschaft war vorzüglich, aber unser Kohlenvorrat war dahingeschmolzen; wir konnten das Schiff nicht mehr lange von der Stelle schaffen. Die Aufregung an Bord griff um sich; sollten wir da Feodosia bombardieren? Es ging nicht an, mit dem Bombardieren russischer Hafenstädte auf die Verweige- rung voir Kbhlen und Lebensmittel zu antworten. Denn wir riskierten, die unschuldige Bevölkekungsmasse hinzumorden, während doch diese mit uns fraternisierte. Ein Beweis hierfür war, daß uns in Feodosia-im Wege des Seeschmuggels von feiten der Bevölkerung Nahrungsmittel zugeschickt wurden. Noch weniger ging es an, fremde Städte zu bombardieren. So sahen wir. angesichts der Kohlennot, keine andere Lösung vor uns, als nochmals Eonstanza aufzusuchen und von dem bcini ersten Aufenthalt uns von rumänischer Seite gemachten Versprechen, uns nach Uebergabe des Schiffes und der Waffen als fremde Deserteure frei unseres Weges ziehen zu lassen, Gebrauch zu machen. Aus dem schrecklichen Dilemma, in dem wir unS befanden, wußten wir keinen anderen Ausweg mehr l" Es erübrigt noch zu bemerken, daß die Bevölkerung von Eonstanza die gelandeten russischen Seeleute mit Freudenknnd- gedungen empfing. Sensation erregte es, auch das mohammedanischtürkische Element von Eonstanza mit den Russen fraternisieren zu sehen, was seine Bedeutung hat sowohl wegen des bisher be- stehenden alten politischen und religiösen Gegensatzes, wie auch noch infolge des Umstandes, daß wohl keiner mehr das Odessaer Beispiel fürchtet und seiner eigenen Marine ebenfalls mißtraut, als der blut- rünstige, unheimliche Despot auf dem türkischen Haremsthrone. Es kann angenommen werden, daß die russi- fchen Seeleute sich in Rumänien in Sicherheit be- finden. Rumänien in seiner heutigen Gestalt verdankt selbst sein Dasein den revolutionären Bewegungen der neueren Zeit, ins- besondere jener vom Jahre 184S, und trotz vieler und schwerer Schattenseiten im politischen Leben Rumäniens kommt dies doch, wenn auch nicht so sehr in den Einrichtungen, so doch in dem hier herrschenden öffentlichen Geiste zum Ausdruck. Die verhältnismäßig freien Einrichtungen, deren sich das Land immerhin erfteut, haben zur Folge, daß die rumänische Regierung nicht im entferntesten zu befürchten hat, daß das Beispiel dieser Russen für das rumänische Heer oder die Marine üble Einwirkungen mit sich bringen könnte. Das Publikum sieht in den Neuankömmlingen mit richtigem Blick und Instinkt Kämpfer für Freiheit und Wohl ihres Vaterlandes und beurteilt sie danach. Die Negierung fügt sich bisher in ihren Hand- lungen ohne Widerwillen dieser allgemeinen Auffassung I politifeke GebcrFicht. Berlin, den 11. Juli. Die Friedenskundgebung in Konstanz. Wir haben gestern bereits das über alle Maßen klägliche Vor- gehen der badischen Behörden geschildert, die den ausländischen Ge- nassen verboten, auf deutschem Boden dem Gedanken der Völker- solidarität, der Notwendigkeit des einmütigen kulturellen Zu- sammenwirkens des internationalen Proletariats Ausdruck zu geben. Eine so stürmische Empörung diese russische Maßregel auch anfangs hervorrief, so schnell zeigte man sich der Situation gewachsen, indem man tausend Schritte jenseits der Grenze nicht nur die beabsichtigte Demonstration durchführte, sondern sie gleichzeitig zu einem macht- vollen Protest gegen die armselige deutsche Polizeiwirtschaft ge- staltete. � Heber den weiteren Verlauf der gewaltigen Kundgebung wird Uns noch berichtet: Der große Platz in Konstanz, in dessen Hintergrund der efeu- umsponnene Hussenstein den Platz bezeichnet, wo Johannes Huß im Jahre 1413 als Märtyrer der Geistcswahrheit verbrannt wurde, war schwarz von Menschen. Jubelrufe erschollen, als der silberweiß umrahmte Greulich, die ernsten Züge Viktor Adlers und der jedem deutschen Arbeiter so vertraute August Bebel über der Verschanzung der Rednertribüne auftauchten: Da trat Genosse Krohn vor. Es folgte atemlose Stille, die in minutenlanges Pfui!-Nufen überging, als nach den einleitenden Begrüßungsworten die Mitteilung von dem ergangenen Redeverbot folgte. Im Polizeizelt wurde es un- ruhig. Der uniformierte Polizist eilte auf einen Wink seines Vor- gesetzten zu dem Spezialtelephon und klingelte. Aber der Polizei- säbel bekam nichts zu tun. Die Ankündigung, daß Bebel das Wort hat, löste den Sturm wiederum in laute jubelnde Begrüßung auf. Dann sprach Bebel. Er führte etwa aus: Ob das Verbot dem Streben der deutschen Regierung entspräche, den traurigen Lorbeeren Bülows nachzueifern, ob es auf einen Wink von Berlin aus erfolgt ist, mag dahingestellt bleiben. Jeden- falls trifft es zusammen mit dem über Jaures verhängten Sprech. verbot in der heute mittag in Berlin stattfindenden sozial- demokratischen Versammlung.(Stürmische Pfui!-Rufe.) Jaures, der mit bewundernswerter Energie und Selbstlosigkeit seine ganze Persönlichkeit eingesetzt hat für die Erhaltung freundschaftlicher Be- Mlloaev zwischen Krankrejch und D.entschlgudt dupste M deutschem i Boden nicht sprechen?'(Lebhafte Zustimmung.)' Büloiv mag mit seinem Erlaß, der ihn als Kulturfeind schärfster Art brandmarkt, beabsichtigt haben, der Sozialdemokratie Lehren zu geben. Er unter- fängt sich, von der Rückständigkeit der deutschen Sozialdemokratie zu reden, wie sie Jaures auf dem internationalen Kongreß in Amsterdam kennen gelernt habe. Was zum Teufel geht es dem Grafen Bülow. Pardon dem Fürsten Bülow(Heiterkeit) an, was die deutsche und französische Sozialdemokratie untereinander aus- zumachen haben!(Zustimmung.) Solchen dummdreisten Versuchen gegenüber, uns gegencinanber auszuspielen, konstatiere ich, das? Jaures die internationalen Beschlüsse des Amsterdamer Kongresses anerkannt hat und ich stehe nicht an, ihm für die Selbstlosigkeit, die er bei der Durchführung des bei den Amsterdamer Beschlüssen ge- faßten Einigungsversuchcs des französischen Proletariats bekundet hat, das höchste Lob zu spenden.(Bravorufe.) Die Völker haben eS satt, sich als Hammelherben behandeln zu lassen! Sollen sie ihr Blut, ihre Knochen zu Markte tragen, so wollen sie dafür darüber bestimmen. Das aber ist den Staatsmännern vom Schlage Bülows ein Dorn im Auge. Wäre Bülows Diplomaten- kunft nicht eitel Stümperei, so wäre die Blamage in der Staats- aktion nicht vorgekommen. Hatte man schon Angst, daß Jaures Auf- treten in Berlin das Deutsche Reich mit seinen 69 Millionen Ein- wohnern, seiner Dreieinigkeit von Artillerie, Kavallerie und Infanterie, seiner starken Flotte erschüttern würde?(Andauernde Heiterkeit.) Hundert andere Wege hätten zu einer weniger auf- fälligen Vereitelung der Versammlung zu Gebote gestanden, aber Fürst Bülow wollte so viel Blamagen haben.(Heiterkeit.) Fürst Bismarck war ein erbitterter Gegner, aber solcher Dummheit wäre er nie fähig gewesen. Er würde sich im Grabe umdrehen, wenn er von dieser Dummheit hörte, die das Ansehen der Sozialdemokratie ganz ungeheuer zu fördern geeignet ist. Die gleiche Wirkung aber hat das Konstanzer Verbot über unseren Genossen Krohn mit den Papagcnoschlössern.(Heiterkeit und brausende Zurufe.) Aber ohne ihm nahe zu treten: Seine Rede hätte lange nicht so agitatorisch gewirkt, wie das Verbot. Freilich, das Gefühl der Befreiung wird getrübt durch das brennende Gefühl der Scham über den Begriff deutscher Freiheit, den die Fremden von hier nach Hause tragen müssen. Nur 19 Minuten Marsch über die Grenze, und was hier verboten ist, ist erlaubt.(Laute Rufe: Nach der Schweiz!) Ist man sich in Karlsruhe dieser lächerlichen und zugleich empörenden Tat- fache nicht bewußt gewesen? Die Solidarität-der Völker zu stören wird den Herrschenden nicht gelingen. Mit der Möglichkeit eines Krieges zwischen Frankreich und Deutschland, den beiden be- deutendsten Kulturnationen Europas, zu spielen, ist verbrecherisch. Ein solcher Krieg würde noch ganz andere Opfer an Gut und Blut erfordern, wie der Krieg im fernen Osten. Aber die Regierungen müssen sich gesagt sein lassen, daß dann bei uns sehr leicht auch sonst ähnliches passieren kann, wie jetzt in Ruszland.(Minutenlange brausende Zustimmung.) Als Bebel nach scharfen Worten gegen die Reaktion im Reiche init einem Appell zu unerbittlichem Kampf gegen den Staat der Knechtschaft und der Erniedrigung schloß, scholl es wie ein Aufschrei der Zustimmung und des Gelöbnisses aus der tauscndköpfigen Menge. Dann aber ertönten die Rufe:„Nach der Schweiz, wir gehen nach der Schweiz!" Machtvoll ergoß sich der Mcnschenstrom in die nach der Schweiz hinübcrführenden Straßen, und nach einem Spaziergang von 19 Minuten war das Schweizer Dorf Kreuzlingen erreicht. Lautes Lachen und Jubeln begrüßte den freien Boden. Auf einer großen Wiese wurde dann die Versammlung fortgesetzt. G r e n l i ch hieß die Versammelten auf freiem Schweizer Boden willkoinmen und übte schneidende Kritik an dem Vorgang.„San- dumm" nannte das Mitglied der Schweizer Regierung die deutsche Politik, so dumm, daß es sich nicht verlohne, darüber zu reden. Was gehört denn überhaupt, so meinte Greulich, zur auswärtigen beut- scheu Politik? Wenn wir hier in unserer Schweizer Heimat die aus deutschen Reichsgeldcrn bezahlten Spitzel sich herumdrücken sehen, von denen es in allen Schweizer Städten wimmelt, sind das An- gelegenhciten der auswärtigen deutschen Politik? In den Jubel der Schweizer, die mit stolzer und berechtigter Gehobenheit den Vergleich akklamierten, mengten sich die Rufe zustimmender Em- pörunz der„Vaterlandslosen" aus dein Deutschen Reiche, denen durch den Anschauungsunterricht die Schmach der deutschen Zu- stünde so recht zum Bewußtsein gekommen war. Jubel erhob sich, als Greulich im Namen der Schweizer Sozialdemokratie Viktor Adler als den Erneuerer und neuen Schöpfer der österreichischen Sozialdemokratie begrüßte und ihm das Wort erteilte. Wie ein Windhauch ging es immer wieder über die Mcnscheninassen hin, wenn die zu dramatischer Wucht sich steigernde Gewalt der Rede Adlers das Innerste und Beste dessen, was die Seele des Proleta- riatS bewegt, ans Licht und der Masse zu fortwirkendem Bewußtsein brachte. Eine unglaubliche Blamage nannte er, was in Berlin und Konstanz geschehen ist. Aber diese Blamage sei nur die Folge der Angst der Herrschenden. Die Furcht ist ein schlechter Ratgeber, und mit der Vernunft können sie es nicht mehr richten.(Heiterkeit.) Alle Gewalt haben noch sie, aber sie fühlen instinktiv, daß an der sieghaften Macht der Idee, deren Verkörperung die Sozialdemokratie ist, ihre Waffen zersplittern werden. Gerade die letzten Monate mit den entsetzlichen Todcszuckungen des Zarismus gemahnen sie an ihr eigenes Schicksal, das sich erfüllen wird. Bereit zu sein, mahnte Adler das Proletariat, bereit und gerüstet. Jubelnd stimmte die Menge in das dreifache Hoch auf die internationale Sozialdemokratie ein, mit dem Adler seine hinreißende Rede schloß und flutete dann wieder zurück über die Grenze auf den Konstanzer Festplatz. Ein gemütliches Festtreibcn entwickelte sich, das die fremden Gäste bis zum späten Abend beisammen hielt.— Die von einem Telegraphenbureau verbreitete Nachricht, daß Bebel nochmals zu sprechen versuchte und daran durch Polizeiverbot gehindert wurde, ist salfch. Bebel war überhaupt nicht mehr auf dem Fcstplatz.— %* Der„Frankfurter Z t g." wird aus Konstanz vom 19. Juli gemeldet: Die sozialdemokratischen Gäste sind wieder abgereist und die Stadt zeigt wieder das Alltagsbild. Nur Militärpatrouillen durch- ziehen die Stadt. Kein Soldat darf mit Zivilisten sprechen. Die Bürgerschaft und die Lokalpresse verurteilt allgemein die getroffenen Maßregeln der Regierung._ Die beste Friedensgarantie. „Springfield Republican", eine der ältesten und an- gesehensten Zeitungen in den Vereinigten Staaten, sagt in einer Betrachtung über die Verhältnisse in Skandinavien, daß das Verhalten der Arbeiterparteien in Schweden und Norwegen während der jetzigen Krise eine große Bedeutung habe und besondere Aufmerksamkeit verdiene. In der wachfenden politischen Macht der Arbeiter- Parteien der verschiedenen Nationen und in der Erkenntnis der Solidarität der Arbeiter-Jnteressen liege vielleicht die stärkste Garantie für die Erhaltung des iWeltf rieben s. Die Last eines Krieges habe der l arbeitende Mann mit seiner Familie hauptsächlich zu tragen, und wenn die Arbeiter intelligent genug fmd und sich zu ihrem Schutze international verbinden, so könnte ihnen das kein Mensch verdenken. Im Gegenteil wäre eine solche Aktion weit mehr wert, als alle Friedenskonferenzen, die der Zar von Rußland oder der Präsident der Vereinigten Staaten einberuft.--_ Ueber die Marokko-Einigung. Wie aus Paris vom 11. Juli berichtet wird, erkennen die meisten Blätter bei Besprechung der gestrigen Erklärungen desi Ministerpräsidenten Rouvicr an, daß Rouvier in den Verhand- lungen mit Deutschland das unter den gegebenen schwierigen Um- ständen b e st m ö g! i ch st e Resultat erzielt habe. Der„Figaro" schreibt: stiouvier hat em Recht auf unsere Glückwünsche, denn er hat uns den Frieden und zwar einen ehren- vollen Frieder bewahrt. Er hat dieser edlen Sache wichtige unvermeidliche Opfer gebracht, aber Wesentliches gerettet. Clemenceau erklärt in der„A u r o r e": Rouvier hat sich aus der dornenvoller. Situation, in der ihn Delcasse zurückgelassen, in geschickter Weise gezogen. Wenn man sich die ganze Angelegen- heit von Anfang an vor Augen hält, kann man den schweren Weg bis zu dem Abschluß des Abkommens ermessen, durch den wir in der. Hauptsache unsere Stellung aufrecht erhalt�r haben. Dieses Er- gebnis ehrt Rouvier, und seine Freunde wie die Feinde des repu- blikanischcn Regimes werden dies als gute Franzosen anerkennen müssen.' � Die„L a n t e r n e" schreibt: Wir nehmen die Lösung ohne Be- geistcrung, aber auch ohne Bedauern auf. Schon daß beide Regie- rungen zu gegenseitigen Zugeständnissen gelangen konnten, ist ein Sieg der Friedensliebe und des gesunden Sinnes. In der„Humanite" erklärt Jaures: Die ministerielle Erklärung fei die beste Lösung der Schwierigkeiten und könne als die endgültige Beilegung des diplomatischen Zwifthenfallos betrachtet werden, der während mehrerer Wochen sehr schwer auf den deutschfranzösischen Beziehungen lastete. Der klerikal-reaktionäre„G a u l o i s" schreibt: Rouvicr hat die mit dem deutschen Botschafter ausgetauschten Schreiben ohne Stolz verlesen, und die Kammer hat sie ohne Begeisterung angehört. Der Ton ist gewiß sehr höflich, aber es ist klar, daß Rouvier nachgegeben und nur den Versuch gemacht hat.�don Schein zu retten. Die Sozialisten der französischen Kammer beabsichtigen, vor Eintritt rn die Ferien eine umfassende Diskussion über die aus- wärtige Politik herbeizuführen. P r e s s e n s e begründet diese For- derung ausführlich in der„Humanste",— veutfcbes Reich. Eine zeitgemäße Warnung. Im„Tag" veröffentlicht der Generalleutnant z. D. v. L i e b e r t einen Artikel über den„modernen Krieg und seine Folgen". Er zieht zunächst eine Parallele zwischen dem französischen Döbade von 1870 und dem russischen Zusammen- bruch im ostasiatischcn Kriege. Wie nach den französischen Niederlagen der Sturz Napoleons und die Kommune gefolgt sei, so sei den russischen Niederlagen die Revolution und die Meuterei des Heeres ge- folgt. Hieraus zieht nun der Verfasser für die Diplomaten und Regierungen folgende zeitgemäße Lehre: „Die merkwürdige Parallelität der Erscheinungen bei den beiden besiegten Nationen der letzten großen Kriege gibt zu denken. ES zeigt sich, daß der moderne Krieg immer mehr aus dem Rahmen h e r a u s lv ä ch st, der ihm früher, m anderen Zeiten gesteckt werden konnte. Die allgemeine Wehrpflicht beteiligt das gesamte Volk an den Lasten und Opfern des Krieg cS; nur wenn die Nation mit voller Seele den Krieg als b e- r e ch t i g t und notwendig anerkennt, kann er mit Aussicht auf Erfolg durchgeführt werden. Ist er dagegen durch eine falsche, eitle Staatskunst dem Volke auferlegt oder durch deren Fehler von außen herbeigeführt worden, so fehlt von vornherein der Volldampf, der die ganze Nation zu einem großen Ziele vorwärts treibt, eine Kraft, deren innere Gewalt sich soeben bei den Japanern in so überraschender Weise gezeigt hat. Daneben aber tritt ein neuer Faktor hervor: die Masse, die heute überall den Ausschlag gibt, und die durch Presse und Agitation in ungiüistiger, nicht vaterländischer Richtung beeinflußt werden kann. Wer hätte früher daran gedacht. daß ein vor dem Feinde stehendes Heer durch solche Mittel der Fahne und dein Vaterlande ab- trünnig gemacht werden könnte! Heute, wo der Klassenkampf unter den Volksgenossen und die internationale Verbrüderung den Massen immer lauter gepredigt wird, muß leider mit dieser Waffe gerechnet werden." Das sind sehr vernünftige Ansichten, die gerade in einem Augenblicke, wo ein Bülow dem mündig gewordenen Volke den Einfluß auf die äußere Politik durch eitle Diplomaten» schwänke vorenthalten zu können wähnt, doppelt beachtens- wert sind! Daß Herr v. Liebert selbst seine politische Einsicht gleich darauf durch ein kindisches Schimpfen auf die zügellose Versammlungs- und Preßagitation unserer Zeit, die schranken- lose Verhetzung der ungebildeten Klassen zum Klassenkampfe zu trüben bemüht ist, schwächt das Gewicht seiner Warnung nicht ab; bei uns erweckt es nur ein Gefühl des Mitleids. Nachdem Liebert selbst erst die Verbrechen des korrupten Zarismus und seiner wahnsinnigen Eroberungspolitik als die Ursachen des militärischen Zusammenbruchs und der Volks- erhebnng bloßlegt, schlägt er sich mit seinem öden Schimpfen auf die Revolution selbst ins Gesicht. Sollte sich das Volk für das russische Rcgierungsgesindcl und seine„eitle Staats- kunst" vielleicht wehrlos zur Schlachtbank schleppen lassen? Liebert schließt seinen Artikel: „Es bleibt wohl zu beachten, daß wir es im Kriegsfälle nicht mit der aktiven Friedeusarmee, sondern mit einer Masse von 3 bis 4 Millionen Soldaten zu tun haben. die, aus allen Bevölkerungsschichten zusammengewürfelt, zumeist vom Gifte des Sozialismus durchtränkt sind. Deshalb sollte jeder Patriot beizeiten mitwirken an der Arbeit, unser Volk von jener schon allzuweit um sich greifenden Seuche zu befreien." Logischerweise kann nach Ansicht Lieberts die Be- kämpsung der sozialdemokratischen Seuche nur in einer Bekämpfung„jener eitlen Staatskunst" bestehen, wie sie Bülow handhabt. Denn die russischen Mittel der Bekämpfung der Revolution haben ja gerade die Zerschmetterung des Zarentums verschuldet!— Kricgsminister v. Einem soll sich mit Rücktrittsgedanken tragen. Der Grund hierfür sei nicht in politischen Dingen, sondern in'einen: Magenleiden zu suchen, das den Minister seit längerer Zeit plagt und ihn veranlaßt hat, die Heilquellen Kissingens aufzusuchen.— Ducllhelden. Ans Greifswald wird vom 11. Juli berichtet: Die Strafkammer verurteilte wegen Säbelduells den Referendar Böhmer zu vier, den Studenten der Jurisprudenz Villuow zu sechs Monaten F e st u n g. Vermutlich wird Begnadigung die Frist der«ehrenvollen Bewachung" vernundern, 3 Er kam, sah und— verschwand. Eine sehr interessante Geschichte, so berichtet man uns unterm 10. Juli aus Halle, spielte sich heute abend im Stadtverordneten- Kollegium ab. Auf Veranlassung des Stadtverordneten Genossen Thiele waren die Polizeiskandale, die seit Monaten hier die Gerichte beschäftigen und die Gemüter beunruhigen, auf die Tages- ordnung gesetzt worden. Magistrat und Polizei sollten Auskunft geben über die vorhandenen Mißstände. Vor Eintritt in die Vcr- Handlung— der Zuhörerraum war stark besetzt, es herrschte Ge- witterschwüle— teilte der Oberbürgermeister Staude mit, daß der Magistrat den Ober-Polizci-Jnspektor Wehdemann geladen habe, der eventuell Aufklärung geben könne. Die Mitglieder des Kollegiums räumten dem Ober-Polizei- Inspektor, der sonst nie an Stadtverordnetensitzungen teilgenommen hat, einen Sitz am Magistrats- tisch ein, und man erwartete votvden beiden Bürgermeistern unter Assistenz des Ober-Jnspektors eine„furchtbare Redeschlacht". Ober- bürgermeister Staude leitete die Verhandlungen damit ein, daß er behauptete, Stadtverordneter Thiele habe jüngst in einer sozial- demokratischen Versammlung und auch im„Volksblatt" die Stadt- Verwaltung schwer beleidigt, indem er von Korruption im Polizei- körper gesprochen und geschrieben habe. Dann versuchte er durch einen Trick die Stadtverordneten scharf zu machen, indem er mit- teilte, Thiele habe in jener Versammlung auch gesagt, d i e bürgerlichen Stadtverordneten machten eine jämmerliche Opposition; Thiele gehe gegen alle aggressiv vor. Der Stadtverordneten-Vorsteher setzte einen kleinen Dämpfer auf die Scharfmacherei des Oberbürgermeisters, indem er hervor- hob. man sollte doch im Kollegium nicht Dinge verhandeln, die außer- halb des Hauses passiert sind. Genosse Thiele dankte dem Oberbürgermeister für die„freund- liche Einleitung" der Sache und hielt dann eine zweistündige wuchtige Anklagerede, in der die vielen Skandalgeschichten, über die wieder- holt berichtet worden ist, gebührend gebrandmarkt wurden. Der Ober-Polizei-Jnspektor machte sich flott Notizen, und die bürger- lichen Stadtverordneten hörten mit Aufmerksamkeit und Ruhe zu, als Thiele darauf hinwies, daß der unglückliche Polizeisergeant Neugebauer, der im Dienst einige Glas Bier trank, entlassen worden ist und dann deshalb Selbstmord beging, während gegen höhere Polizeibeamte, denen Schuldenmacherei, sittliche Ver- fehlungen, sogar öffentlich Unterschlagungen vorgeworfen worden sind, nichts unternommen wurde.— Die bürgerlichen Pretzmenschen spitzten bei der Beendigung der Rede Thieles die Bleisedern, um nun nach der schweren Anklagerede des Ober-Polizei-Jnspektors „Rechtfertigung" zu Papier bringen zu können.— Aber was passierte nun, als Thiele geschlossen hatte?— Der Vorsteher fragt: Wer wünscht nun das Wort? Aller Augen richten sich nach dem Magistratstische. Es erhebt sich niemand, und der Vorsteher erklärt: Somit wäre der Punkt erledigt. Ober-Polizei-Jnspektor W e y ö e m a n n nahm seine Notizen, verbeugte sich und verschwand ebenso geräuschlos, wie er gekommen war.— Die Stadtverordneten schauten sehr verblüfft darein und konnten eS sich nicht erklären, weshalb der Ober-Polizei-Jnspektor eigentlich an der Sitzung teil- genommen habe.— Amtliches Wahlergebnis in Villingen-Tribcrg. Bei der am 7. d. Mts. stattgehabten Reichstagsersatzwahl im 2. Badischen Reichstagswahlkreis wurden insgesamt 21 203 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Gutsbesitzer Josef Duffner in Furtwangen(Zentr.) 10 831, Oberschulrat Edmund Rebmann in Karlsruhe(Äatlib.) 3433 und Schuhmachermeister Wilhelm Grahl in Triberg(Soz.), 1360 Stimmcir.. Ersterer ist somit gewählt. HuetaiKt. Frankreich. Die Amnestievorlage wurde vom Senat mit 243 gegen 14 Stimmen genehmigt.— Die Deputiertenkammer hat die Generaldiskussion über die Vorlage betreffend die Arbeiter- Versicherung beendet und beschlossen, in die Spezialdiskussion ein- zutreten.— Italien. Wie es gemacht wird! R o m, 8. Juli.(Eig. Ber.) Eine Genueser Firma, A n s a l d o. hatte kurz vor der Kriegserklärung zwei gepanzerte Kreuzer an Japan geliefert. Im Juni posaunte nun die„ A g e n z i a S t e f a n i" ein Telegramm in alle Wurde, in dem ein Ahmiral Saida der Firma Ansaldo seine Befriedigung darüber ausdrückt, daß bei der letzten Seeschlacht die Kreuzer „Kasuga" und„Nishin� allen feindlichen Geschützen Trotz geboten und wie Linienschiffe in der ersten Seeschlacht ausgehalten hätten, ohne daß eine ihrer Panzerplatten durchbohrt worden wäre. Hinzugefügt wurde, daß die„Kasuga" nach der Schlacht fünf Tage angesichts des Feindes gekreuzt habe. Dies Telegramm hat B e t t o l o in der Kammer und Morin im Senat vorgelesen, um dadurch die Trefflichkeit der Panzerplatten Terni darzutun. Nun beweist der„Avanti" an der Hand von Dokumenten: 1. daß ein Admiral Saida in der japanischen Marine gar nicht exi st iert, 2. daß die beiden Kreuzor bei der letzten großen Seeschlacht— der einzigen, an der sie teilnahmen— nicht in erster Linie kämpften und 3. daß die„Kasuga" nicht zu den Schiffen gehörte, die nach der Schlacht angesichts des FeindeS blieben. Der„Ruhm der nationalen Industrie" ist also billig erkauft: ein gefälschtes Telegramm hat genügt, um Parlament und Senat Sand in die Augen zu streuen.— Dänemark. Zensurschutz der Minister ist bekanntlich eine der Früchte des „liberalen Shstemwcchsels" von 1301, die auch unter dem gegen- wärttgen zweiten Linkenministerium noch recht kräftig gedeihen. Bei den diesjährigen Sommcrrevuen sollte auch eine kurze scherz- hafte Gerichtsszene, als auf Grönland vor sich gehend, dargestellt werden. Als Angeklagte läßt der Verfasser Eingeborene auftreten und einer von ihnen wird verurteilt, Kriegsrat zu werden, ein zweiter Kanzleirat und einen dritten, der nichts verbrochen hatte, wollte der Verfasser zum E t a t s r a t verurteilt wissen. Den Scherz mit diesem hohen Titel verbot jedoch der Zensor Levin von vornherein, während er gegen den Kriegs- und Kanzleirat nichts einzuwenden hatte. Er nahm auch keinen Answß daran, daß der als Richter auftretende Schauspieler F r e- derik Jensen mit der roten Offizicrsmütze austrat, die seinem rundlichen Gesicht eine gewisse Aehnlichkeit mit dem des Kriegs- und Marineministers Christensen gab, der kürzlich Gefallen daran gefunden hatte, zu einer Gesellschaft in seiner Mi- nisteruniform mit einer solchen Mütze auf dem Kopf zu erscheinen. Nachdem jedoch die Maske Jensens bei der ersten Aufführung un- geheuren Applaus hervorrief, wurde der Zensor bedenklich und ver- bot dem Schauspieler in der roten Mütze aufzu- treten.—„Man fragt sich unwillkürlich: Wohin sind wir ge- kommen?" schreibt„Social-Demokraten" dazu.„Sind wir in China oder auf den Fidschiinseln, oder sind wir in Dänemark unter dem zweiten„demokratischen" Ministerium? Das ist es also, wofür wir im letzten Menschenalter gekämpft haben, das ist der Sieg des Freisinns, der Lohn für alle unsere Anstrengungen, die Frucht des Kampfes— der kleine welke Zensor, der umherspringt und das Ministerium bedient, indem er aufschnüpfclt und notiert und jede Hindeutung auf ihre zartfühlenden Persönlichkeiten verbietet! Das ist die Krönungssigur der Geistesfreiheit in Dänemark.!" England. Zur Einwand ekungsfrage. Im Unterhause brachte gestern bei der fortgesetzten Beratung der Fremdcnbill Keir Hardie sAr- beiterpartei) eine» Zusatzmrtrag ein, nach welchem jeder Ein- Wanderer, der nach England gebracht werde, um während eines AMandog britische Arbeiter zu ersetzest, als unerwMMer GM- Wanderer betrachtet und daher zurückgewiesen werden solle. Der Antrag wurde mit 216 gegen 148 Stimmen abgelehnt. Düke (liberal) brachte sodann einen Antrag ein, der bestimmt, daß jeder Einwanderer, der aus religiösen Gründen nach England kommt, an der Landung nicht gehindert werden soll, weil er die Mittel für seinen Lebensunterhalt nicht besitze. Premierminister Balfour wider- sprach diesem Antrage, erklärte aber gleichzeitig, die Regierung werde später bereit sein, einen Zusatz einzuschalten, nach dem Fremde, die ihre Zulassung in England nachsuchen, lediglich um einer Ver- folgung oder Bestrafung wegen religiöser Gründe oder p o l i- tischer Natur oder um einer Verfolgung zu ent- gehen, die eine Gefahr der Einkerkerung oder des Lebens wegen des religiösen Glaubensbekenntnisses nach sich ziehe, von der Einwanderung nicht ausgeschlossen werden sollen.— Nene Wahlkreisen, teilung. Premierminister Balfour hat dem Unterhause mitgeteilt, daß er einen Antrag einbringen werde, in dem im Hinblick auf das gegenwärtige Mißverhältnis zwischen der Bevölkerung und den Wahlkreisen eine neue Wahlkreiseinteihung empfohlen wird. Der Antrag schlägt im allgemeinen vor, daß die Anzahl der Mitglieder, die jeder Wahlkreis in die Volksvertretung entsendet, derart bestimmt wird, daß auf je 66 000 Einwohner ein Abgeordneter entfällt. Flecken mit einer Bevölkerung von weniger als 18 600 Seelen sollen aufhören, als besondere Wahlkreise zu be- stehen. Grafschaften oder Gemeinden mit zwei Volksvertretern und einer Einwohnerzahl unter 76 000 sollen einen Vertreter verlieren. Der Antrag regt an, daß Kommissare ernannt werden sollen, die darüber Bericht zu erstatten haben, welche Veränderungen in der Begrenzung der Wahlbezirke erforderlich seien. Die Ncueinteilung der Wahlbezirke auf dieser Grundlage würde England siebenzehn Parlamentsmitglieder mehr geben, von denen auf London 6, auf seine Vorstädte 6 entfallen würden. Schottland würde vier Sitze, Wales einen Sitz gewinnen, während Irland 22 Sitze verlieren würde,_■ Der Krieg in Ostasien. Zur Besetzung Sachalins. Tokio, 11. Juli.(Meldung des„Reutcrschen BureauS".) Vize- admiral Kataoka meldet, daß gestern zwei Kreuzer und vier Torpedo- boote mit Truppen an Bord Korsakow verließen und, nachdem sie die Niederlassung am Kap Notoro beschossen hatten, die Truppen ausschifften und den Ort in Besitz nahmen. Die Gebäude und der Leuchtturm waren unbeschädigt; es wurden vier Gefangene gemacht. Tokio, 11. Juli. Amtliche Mitteilung. Vizeadmiral Kataoka berichtet, daß sein Geschwader bei Tagesanbruch am 7. Juli in den Gewässern der Insel Sachalin ankam und, nachdem das Fahr- Wasser untersucht war, sich die Transportschiffe und ein Teil des Geschwaders der Küste näherten. Eine kombinierte Marine- abtcilung landete dann und besetzte eine im voraus bestimmte Stellung, hierauf landete auch ein Teil der Landtruppen und löste die Marineabteilung ab. Inzwischen eröffnete das feindliche Fort ans der Höhe südlich von Korsakow das Feuer auf unsere Schiffe, welche damit beschäfttgt waren, das Meer abzusuchen;. doch be- endigten diese erfolgreich ihre Aufgabe und das Geschwader litt keinerlei Schaden. Früh am Morgen des 8. Juli wurden drei Schlachtschiffe und zwei Torpedobootszerstörer abgesandt, um die Bewegungen der Landarmee bei der Einnahme von Korsakow zu unterstützen, doch fanden sie Korsakow bereits von unseren Land- truppcn besetzt. Als um zwei Uhr nachmittags die Torpedoboots- Zerstörer in die Chitose- Bucht, früher Rosorei- Bucht genannt, ein- liefen, eröffnete der Feind ein heftiges Feuer mit Feldgeschützen, welche aber schließlich zum Schweigen gebracht wurden. Kriegsagitation der russischen Generäle? London, 10. Juli,(„Bureau Lassan".) General Linewitsch und die Kommandeure, cilla russischen Armeen in der Mandschurei bombardieren buchstäblich, wie der Petersburger Korrespondent des „Daily Telegraph" bestimmt mitteilen kann, den Zaren mit Berichten, in denen sie nachweisen wollen, daß den russischen.Waffen jetzt der Sieg winkt, und daß alle früheren Niederlagen durch entscheidende Triumphe binnen kurzem völlig gutgemacht und ausgeglichen werden würden. Den Ueberredungs- küstcn Linewitschs und Kuropatkins ist es auch gelungen. Berge von Zweifeln beim Zaren, zu beseitigen. In ihren letzten Berichten führen die beiden Generäle aus, der Verlust der Seemacht sei für den Ausgang des Krieges nicht so erheblich, da auch danach die Dinge genau so ständen wie bei Beginn des Krieges, als Japan sich dauernd die Oberhand zur See sicherte. Wenn man die Ueberlegenheit Japans zur See als genügenden Grund für den Friedensschluß betrachte, dann hätte man die Feindseligkeiten gleich einstellen müssen, als das russische Geschwader in Port Arthur bei Beginn des Krieges kämpf- unfähig wurde. Rußlands Stärke liege in seiner Landmacht, die sich niemals in besserer Verfassung befunden habe als jetzt. Zu Anfang des Krieges seien in Petersburg'wie auf dem Kriegsschauplatze grobe Fehler gemacht worden, aber inzwischen habe sich alles geändert. In der Mandschurei hätten die Offiziere durch Erfahrung gelernt, und in Petersburg leite jetzt ein energischer Großfürst den Ver- teidigungsauSschnß. Die Reservisten, die als Soldaten anfangs minderwertig waren, seien jetzt kriegsgewohnt, und die Linientruppen seien einfach unbesieglich. Die Artillerie und die Kavallerie seien unermeßlich tüchtiger als die der Japaner und sehnten sich danach, Beweise ihres Heldenmutes zu geben. Das Nachrichtenwesen sei nie so gut organisiert und so leistungsfähig gewesen wie jetzt, wo jede Bewegung des Feindes bekannt sei, oft bevor sie begonnen habe, General Linewitsch sei nicht nur von dem Wunsch erfüllt, die Offensive zu ergreifen, sondern er sei auch dazu bereit, und damit der Zar ihn nicht für einen Tollkopf halte, habe er alle Kommandeure ihre Meinungen abgeben lassen, die seine Ansicht einmütig bestätigten. Mannschaften und Offiziere seien von Patriotismus, Begeisterung und Mut erfüllt und überzeugt, nicht nur daß der Sieg nahe sei, sondern auch, daß sie der Vater des russischen Volkes nicht am Vorabend der SiegeSernte zurückrufen werde. Eine durch Niederlagen niedergedrückte Armee, die durch den Kleinmut der Regierung erbittert wäre, loürde Nußland nach innen und außen furchtbarer schädigen, als es allen Feinden Rußlands zusammen möglich wäre. Vor den Siegesrufen einer siegreichen Armee würden jedoch die inneren Unruhen verschwinden. Deshalb bitten die Sprecher der tapferen Soldaten des Zaren ihr„Väterchen", der Armee wenigstens noch sechs Monate zu gewähren. Sollte es sich nicht um eine russische Ausstreuung handeln, um möglichst günstige Friedensbedingungen zu erlangen? )Ziis der Partei. Wahlkreis Prenzlau-Angcrmiinde. Die diesjährige Parteikonferenz findet Sonntag, den 6, August er., nachmittags 1 Uhr, in Strasburg i. U., im Lokale des Herrn Laß, statt. Anträge zur Tagesordnung bitte bis zum 23, d. M. an den Unterzeichneten gelangen zu lassen. Der Kreisvertrauensmann. Robert Günterberg, Schwedt a. O. Emmcl gerechtfertigt. Man schreibt uns aus Saargemünd: In einem kurzen Zeitraum von wenig mehr als sechs Wochen haben wir in unserem deutschen Rechtsstaat vier Prozesse erlebt, in die Mitglieder der sozialdemokratischen Partei mehr oder weniger verwickelt waren, die aber alle ein gemeinsames Merkmal hatten, nämlich das, daß die Rollen zwischen Angeklagten und Ankläger durchaus vertauscht waren. In allen vier Prozessen saßen Mitglieder unserer Partei auf der Anklagebank, die aber in Wirklichkeit die Ankläger Ivaren. So war es in Trier, so war es bei dem Plötzenseeprozeß, desgleichen bei dem Chinaprozeß und genau so auch war es bei dem Betrugsprozeß Emmel. Mit der Beendigung dieses Prozesses, der alle aufgestellten Behauptungen gegen Emmel als haltlos erwies, wird auch der un- selige Miilhauser Parteistreit, der so nachteilig auf M dattfM Parteileben eingewirkt hat, endgültig begraben.___ Die Vorgeschichte dieses Prozesses ist folgende: Als Emmel von Saargemiind nach Mülhausen verzog, verkaufte*r f®* dortiges Geschäft an den Bergmann Fritz Sttauch von Rußhutte bei Saarbrücken zu dem vereinbarten Preise von 6230 M. 1000 M. wurden bar bezahlt, für den Rest Wechsel ausgestellt. Die 1000 M. hat der Vater des Strauch ausgelegt. Als der erste Wechsel beretts fällig war. ließ sich der Vater Strauch ein Urteil vom Landgericht Saargemünd ans seinen Sohn geben und pfändete den stanzen Warenbestand, so daß Emmel mit seiner Wechselklage keinerlei Aus- sichten mehr hatte, etwas zu bekommen. Man eimg-te sich aber schließlich dahin, daß ein Vertrag abgeschlossen und ausgefertigt wurde, in welchem die Forderung Emmels anerkannt wurde und der Vater durch Unterschrift Bürgschaft für seinen Sohn übernahm. Diese Bürgschaft bildete nun den casus cnticus in dem ganzen„Fall. Emmel": iiidem der Vater Strauch bchallptet, er habe nur geglaubt, als Zeuge zu unterschreiben, auch habe man den PassuS von der Bürgschaft ihm gegenüber verschwiegen, da er nur sehr schlecht lesen und schreiben könne. Die heutige Verhandlung ließ aber die Main- pulationcn der Familie sStrauch im ungüiistigsten Lichte erichemen, die die ganzen Manipulationen ins Werk gesetzt haben um den Emmel zu betrügen. Ganz richtig hat der Herr Rechtsanwalt Dr. Fröhlich-St. Johann ausgeführt, daß nicht Emmel, sondern vre Familie Strauch als Betrüger auf der Anklagebaiik sitzen sollten. Der junge Straucki der das Geschäft von E, kaufte, stellte die Sache so dar, als habe E. ihn zu überreden gesucht, daß fem Vater als Bürge unterschreiben sollte, da er ja nicht zu wissen brauche was er uliterschreibe. Die Ehefrau Strauch, welche zu gleicher Zeit schwer krank war, bekundet, daß sie infolge ihres leidenden Zustandes nur wenig Jiitcresie an der Sache genommen, weiß aber doch das eine, daß ihrem Schwiegervater der betreffende Bürgschaftspasius mcht vorgelesen wurde, was der Vorsitzende sehr eigentümlich sinoet. Beide Zeugen werden illivereidigt vernommen. Der Vater Strauch. der sich gern als der Dumme hinstellen möchte, der weder lesen noch schreiben könne, erweckt schon durch seine Physiognomie keinen guten Eindruck, es steckt so etwas Fuchsiges darin oder� wenn wir einen Ausdruck des Verteidigers anwenden wollen„eme Bauern- schlauheit". Er will nicht lesen können; dann sagt_ er. er könne nur deutsche Schrift lesen, aber nur schlecht. Es wird ,hm aber der Vertrag vorgehalten, der seinen Namen m ziemlich flotter Schrift und in lateinischen Buchstaben von ihm unterschrieben tragt. Aus den Aussagen einer ganzen Reihe von Zeugen, selbst Ver- wandten des Strauch, geht hervor, daß er sehr wohl gewußt habe, daß er eine Bürgschaft unterschrieben habe. Wiederholt habe er seine Unterschrist bedauert und bekannt, daß er eine Dummheit ge- macht habe. Welche Absichten ihn bei der ganzen Prozeßgeschtchte leiteten, mag daraus hervorgehen, daß er, um ja den E. um fem ganzes Geld betrügen zu können, sein ganzes Vermögen seiner Frau verschrieben hat, iind ferner daraus, daß er sich wenige~age, nachdem der Verlauf stattfand, ein Urteil für die seinem Sohne ge- qebenen 1000 M. erwirkte und pfänden ließ und endlich daraus, daß man an E. das schriftliche Ersuchen richtete; ihm eine Quittung über die ganze Summe— obwohl erst 1000 M. bezahlt waren— auszustellen, da er dann an jeder Sparkasse Geld bekommen. könne. Hieraus geht, wie Herr Rechtsanivalt Dr. Fröhlich betonte, doch schon klar die Absicht des Betruges hervor. Entweder man wollte E, betrügen oder die Sparkasse, bei der man das Geld abheben wollte, das charakterisiert die Leute doch ge- nügeud. � Hier scheint auch ein Herr Meßbecher von Mülhausen, der als Zeuge erschienen lvar, die Finger im Spiel gehabt zu haben, der Material gegen E. sammelte, um diesen unmöglich zu machen, er kann aber nichts von Belang aussagen. Der Vorsitzende findet die Handlungsweise der Familie Strauch ebenfalls sehr doppel- züngig. Ans de»i ganzen Gang der Verhandlung war für jeden Amve,e>,den der Ausgang des Prozesses von vornherein klar. Selbst die mehr als einstündige Rede des Skaatsantvalts konnte diesen Em- druck nicht erschüttern, der die unbeeidigten Strauchs als Kronzeugen paradieren ließ und nicht unterlassen konnte, die politische Stellung des E. in den Bereich seiner Ausführungen zu ziehen. Die beiden Ver- teidiger Emmels, von denen Dr, Doive-Mülhaiisen schon seit Jahren die Strafsachen Emmels in dieserSache behandelte, sowie Herr Dr. Fröhlich, der die Zivilansprüche des Angeklagten gegen die Strauchs vertritt, hatten leichtes Spiel. Ihre von großer Sachkunde getragenen Ausführungen machten eiilen guten Eindruck. Wir brauchen auf die Einzelheiten wohl nicht näher einzugehen. Der Gerichtshof brauchte nur wenige Minuten zur Beratung und wurde datsti wie allgemein erwartet'die völlige Freisprechung Emmels verkündet. Das Urteil wurde allgemein beifällig aufgenommen. Welches Interesse man m Saargemünd an dem Prozesi nahm, betvkes, das; der Zuschauerraum bis auf den letzten Platz gefüllt war. So wäre denn endlich der Vorhang über den„Fall Emmel" gefallen und alle Kombinationen. die man scholl seit Jahren an diesen Fall knüpfte, sind über den Haufen geworfen. Bemerken wollen wir noch, dag E. Selbstanzelge gegen sich erstattete und als dieser Antrag abgelehnt wurde, bis an die höchste Instanz ging.__ Oberst Hiiger nnd die Militiirrechtspflege vor der Dortmunder Strafkammer. 0., Dortmund, 11. Juki. Vor der ersten Strafkammer des hiesigen Landgerichts begann heute ein sensationeller Militärbeleidigungsprozeß, dessen Jahre zurückgreifende Vorgeschichte in den höchsten militärischen Kreisen spielt. Es handelt sich dabei um die Aufrolllliig eines seit mehr als fünf Jahren geführten Kampfes gegen die Militärrechtspflege, welchen der nunmehr Angeklagte, Oberst a. D. Hüger(Unna i. W.) selbst als die Offenleguiig einer Art von Drcyfuß-Affäre bezeichnet. Die beanstandete Broschüre: „Wie es meiner Petition im Reichstage erging", deren Inhalt der Anklage zugrunde liegt, richtet etile Reihe ganz außerordentlich schwerer Beschuldigungen gegen hohe Offiziere. Hüger sagt wörtlich: „Auf Grund meiner Akten behaupte ich: 1. daß der jetzige Generalleutnant z. D. v. Witzendorff zu Darmstadt»i»d der'jetzige Inspekteur der 3. Armceinspektion, der General der Infanterie v. Lindegnist zu Hannover sich bei der Be- Handlung von Beschtverden und zwar stets zu meinem Nachteil so zahlreiche und so plumpe Verstöße gegen die Bestimmungen der Be- schiverdeordnung, gegen die Grundsätze der Gerechtigkeit und gegen die Logik zuschuldenkommen ließen, daß Parteilichkeit nicht von der Hand gewiesen werden kann und darf; daß ferner außerdem der erstgeiiannte General sich ein Vergehen gegen den§ 117 des Mil.« Str.-Ges.-BucheS zuscbilldenkommen ließ, indem er— wieder zu n, einem Nachteil— eine vorschriftsmäßig an ihn gelangte Beschwerde durch Unterlassung der Entscheidung unterdrückt hat; 2. daß ein württembergisches UntersuchungSgericht, bestehend auS dem jetzigen General der Kavallerie z. D. v. Sick zu Stuttgart und dem Kriegsgerichtsrat Schall zu Ulm zu meinem Nachteil in einem Antrage auf Einstellung des gerichtlichen Verfahrens Zeugenaussagen fälschlich und silmeiitstellend wiedergegeben und eine Bestimmung durch Einfügung von Worten zugunsten des Hauptmann Schmahl vergewaltigt, sowie die Strafprozeßordnung in mehreren Fällen ver- letzt hat; 3, daß die Justizabteiluiig des württembergischen Kriegsministeriums als Oberkriegsgericht dem Verfahren des Untersuchungsgerichts zu« gestimmt hat, trotzdem sie einen Teil der erwähnten Rechtsbeugungen und Falsa ohne weiteres aus dem Referat des Untersuchungsgerichts ersehen konnte, sowie, daß sie zum Vorteil des Untersuchungsgerichts Gründe und Mittel gebraucht hat, die zur Annahme von Parteilich« keit geradezu zwingen; 4. daß in einein ehrengerichtlichen Verfahren der jetzige General- leutnant z. D. v. Cämmerer zu Berlin eine Ehrenentscheidung mit Gründen belegt hat, deren tatsächliche Unrichtigkeit ihm in vollem Umfange bekannt war; 6. daß der jetzige Generalleutnant z, D. v. Davidson zu Weißen» thurm bei Koblenz und der jetzige General z. D. Keim zu Berlin. Redakteur eines militärischen Fachvlattks, dieser infolge der falschen Begründung auch falschen Ertscheidung zugestimmt haben, trotzdem Hauptmann Schmahl aber die Wohltat des§ 193 des Strafgesetz| Fabrikanten oder Fabrikantenvertreter und Arbeitgeber anvesend, ihnen die falsche Begründung aus den Akten bekannt war: buchs zugute zu kommen habe. Das Ehrengericht gegen Oberst aber feiner unternahm es, den scharfen Worten entgegenzutrete 6. daß das Generalkommando des 8. Armee- Korps, dessen kom- Hüger selbst erkannte, daß er freizusprechen sei, weil eine Ge- womit der Referent und die Diskussionsredner das Gebaren des mandierender General zu fraglicher Zeit der Erbgroßherzog von Baden, fährdung oder Verlegung der Standesehre durch ihn nicht statt- Arbeitgeberverbandes verurteilten. Einstimmig wurde eine Resolution tönigliche Hoheit, und dessen Chef des Generalstabes damals der gefunden habe. Hüger behauptet, daß bei diesem Ehren- angenommen, in der es heißt: jezige General der Infanterie v. Beneckendorf und Hindenburg, gericht den Ehrenrichtern Grenzen für ihren Spruch ge Die Versammlung erklärt die Beschlüsse des Arbeitgeberberbandes tommandierender General des vierten Armeekorps, war, zu meinem zogen waren. Hüger stellte hierauf den Antrag auf vom 6. Juli, wonach keine organisierten Arbeiter beschäftigt Nachteil in einem ehrengerichtlichen Verfahren einen von Unwahr Entlassung aus dem ehrengerichtlichen Verbande, die ihm auch ge- werden sollen, desgleichen Hausindustriellen, die die Forderungen heiten und haltlosen Verdächtigungen durchsetzten Bericht über mich währt wurde. Damit ging er des Rechtes, die Uniform zu tragen, anerkannt haben, jede Arbeit entzogen wird und diese in die ehrengerichtlichen Atten einverleiben ließ, so daß derselbe den verlustig. Im Sommer 1901 soll beim Gardekorps, auf der Kriegs- somit als Arbeitswillige mit Aushungerung bedroht werden, Richtern unmittelbar vor dem Urteilsspruch vorgelesen werden akademie, der Turnanstalt und Artillerie- und Jugenieurschule den als einen Aft des brutalsten Unternehmerterrorismus. Die Ver mußte; Offizieren bekannt gemacht worden sein, daß ihm durch einen aller- fammelten betrachten das Anfinnen des Arbeitgeber- Verbandes, daß 7. daß wiederum das Generalfommando des 8. Armeekorps höchsten Orts bestätigten ehrengerichtlichen Spruch das Recht, die die organisierten Arbeiter aus ihrer Organisation austreten sollen, die Richter des Ehrengerichts an einem den Vorschriften und den Uniform zu tragen, aberkannt sei. Als Grund soll angegeben sein als die schwerste Beleidigung und weisen ein solches Verlangen mit Tatsachen entsprechenden Urteil dadurch zu hindern versucht hat, daß die Bitte um Entziehung eines allerhöchsten Gnadenbeweises und Entrüstung zurück. Ferner erklärt die Versammlung die Haltung es ihnen Grenzen für ihr Urteil vorschrieb; die Beleidigung zweier Generale. Hüger fragt in seiner ersten derjenigen Hausindustriellen, die dem Verlangen des ArbeitgeberBroschüre: Warum geht man nicht strafgerichtlich gegen mich vor? Verbandes nachgebend, ihre Unterschrift zurüdgezogen haben, als Weshalb überweist man mich nicht dem Strafrichter? Ich scheue ihn eine unwürdige. und die Deffentlichkeit nicht. In der zweiten Broschüre hält Hüger alle seine Beschuldigungen aufrecht. 8. daß der Generalleutnant v. Oppen, jest Divisionskommandeur in Flensburg, mich in einem ehrengerichtlichen Verfahren als Vorfizender des Ehrengerichts der Stabsoffiziere des 8. Armeekorps an dem Beweis für die Wahrheit meiner Anschuldigungen gegen den Generalleutnant v. Cämmerer( vergl. 4), derentivegen das ehren gerichtliche Verfahren gegen mich eröffnet worden war, gehindert und die Anschuldigungen dann in einem Bericht an das vorgesetzte Generalfommando des 8. Armeekorps als durch nichts erwiesen" bezeichnet hat. Der Vorsitzende, Landgerichtsrat Seyffarth, richtet folgende Worte an die Zeugen: In der vorliegenden Sache darf weder Antipathie noch Freundschaft oder Mitleid fich geltend machen. Die Feststellungen werden hier besonders schwer sein, weil die in Rede stehenden Tatsachen weit zurückgehen bis zum Jahre 1897. Die Zeugen werden daher nur das auszusagen haben, was sie genau wissen. Der Vorsigende teilt dann mit, daß bezüglich der Generale b. Lindequist, v. Beneckendorff und Hindenburg und des General leutnants v. Oppen die Anklage auf Beleidigung lautet, bezüglich der anderen Hauptzeugen auf üble Nachrede. Der Staatsanwalt Anklage gestellt sind. bemerkt, daß auch wegen Beleidigung der preußischen Offiziere in ihrer Gesamtheit Anklage erhoben ist. Es beginnt hierauf die Bernehmung des Angeklagten. Achtung! Rohrleger und Helfer! Der Rigdorfer Magistrat sucht Im Prozeß gegen den Oberst a. D. Hüger war die Verlesung in auswärtigen Zeitungen Rohrleger. Wir machen darauf auf der Broschüren erst nach 2 Uhr nachmittags beendet. Die Zeugen merkjam, daß dort zurzeit Lohndifferenzen bestehen, daher ist Zuzug sind inzwischen bis morgen früh entlassen. Der Verteidiger, Rechts- fernzuhalten. Alle Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. anwalt Kohn- Dortmund, beantragt, noch beantragt, noch den Rechtsanwalt Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Gemeindearbeiter. Ehnaddi in Unna als Zeugen zu laden, der dem Angeklagten bei der Abfassung der zweiten Broschüre geholfen hat. Weiter gelangt Die Lohnbewegung der Fahrstuhlarbeiter. Am Dienstag waren die Beschwerdeordnung für Offiziere zur Verlesung, wobei die Angehörigen dieses Berufes wieder in großer Zahl im Industrieder Vorsigende die springenden Punkte besonders hervorhebt. faal in der Beuthstraße versammelt. Ueber den Stand der BeDarauf wird gegen 3 Uhr die Verhandlung auf morgen vormittag wegung wurde berichtet, daß sich bei den Firmen, wo schon in der 9 Uhr vertagt, wo zunächst der Angeklagte vernommen werden wird. vorigen Woche die Arbeit niedergelegt worden ist, nichts geändert Es ist übrigens die bemerkenswerte Tatsache hervorzuheben, daß hat. Am Montag ist auf allen Bauten der Firmen Traut u. Co., von den mitgeteilten 8 Bunften, welche die Anschuldigungen des sowie Kloß u. Heumann die Arbeit einmütig niedergelegt worden. Oberst Hüger in seiner Petitionsbroschüre enthalten, die Punkte 1, Streifbrecher haben die Unternehmer trotz aller Bemühungen nicht 6, 7 und 8, die wohl die schärfsten Angriffe enthalten, nicht unter gefunden. Die Firma Kloß u. Heumann will, einem alten Brauch der Scharfmacher folgend, nur mit ihren" Arbeitern, aber nicht mit den Vertretern der Organisation verhandeln. Die Arbeiter halten jedoch daran fest, daß ohne Beteiligung der Organisation eine Vereinbarung nicht abgeschlossen wird. Mit einigen anderen Firmen ist am Montag und Dienstag verhandelt worden, und zwar mit dem Erfolge, daß es bei Klauke u. Co. am heutigen Mittwoch zum Abschluß der Vereinbarung kommt. Bei Müller u. Sommer stellt ebenfalls die Einigung in sicherer Aussicht. Bei der Firma Schlund, deren Inhaber zurzeit verreist ist, wurde ein vorläufiges Uebereinkommen getroffen, dahingehend, daß die Forderungen einstweilen anerkannt werden und nach der Rückkehr des Unternehmers, am 4. August, ein endgültiger Abschlußz stattfindet. Gewerkschaftliches. Berlin und Amgegend. Er ist am 8. Dezember 1842 geboren und unbestraft.- Vorf.: Belennen Sie sich schuldig?- Angetl.: Nein. Vorf.: Aber Sie bekennen sich als Verfasser beider Broschüren?- Angel.: Zur Aussperrung der Kürschuer. Die öffentliche StürschnerJa.- Präs. Sie haben das Kommando des württembergischen versammlung, die am Montag im Alten Schüßenhause stattfand, Feldartillerie- Regiments„ König Karl" in Ulm im Februar 1895 bildete wiederum mit ihrem außerordentlich zahlreichen Besuch und übernommen und erhielten Mitte Juli 1897 den Abschied? der Einmütigkeit der Beschlüsse einen Beweis dafür, daß die Arbeiter Angefl: Jawohl. Der Vorsitzende geht dann die Ergebnisse und Arbeiterinnen der Belzbranche, unbeeinflußt durch die Beschlüsse der gerichtlichen Verfahren kurz durch. Oberst Hüger hatte am des Arbeitgeberverbandes, ihrem Ziele, einer zweckmäßigen Re14. februar 1897 einen Regiments- Tagesbefehl erlassen, in dem gelung der Arbeitsverhältnisse, mit aller Kraft zustreben. The er fagt, daß entgegen seinem Verbot am Tage vorher sämtliche tegge mit seinem Referat über„ Die Zertrümmerung Fahrer der dritten Batterie im Stall mit Buzzen von Stahlfachen des Koalitionsrechts durch den Arbeitgeber bezw. Zaumzeugen beschäftigt gewesen find. Er ersuche, die diesseits verband" begann, verlas der Vorsitzende einen Brief des Pelzgegebenen Befehle genau zu beachten. Durch diesen Tagesbefehl, in warenfabrikanten Artur Wolf an das Streiffomitee und fam dem auch noch das Wort„ Verbot" durch„ Parolebefeht" erfekt worden damit einem im ersten Satz des Briefes geäußerten Wunsche nach. war, fühlte sich der Hauptmann der dritten Batterie Schmahl persön- Die rein persönliche Meinungsäußerung" beginnt mit folgenden lich beleidigt. Das war der Ausgangspunkt der ganzen Affäre, die Worten: schließlich zur Verabschiedung des Obersten Hüger führte. Es werden hierauf die Broschüren verlesen, in denen der Angeklagte den Beweis für seine acht oben angeführten schweren Beschuldigungen gegen hohe Offiziere zu erbringen sucht. Die Versammlung erklärte dies Abkommen mit dem Vertreter der Firma Schlund für bedenklich. Sie beschloß, daß der Geschäftsführer ersucht wird, die Einwilligung des Chefs zum Tarifabschluß auf ein Jahr telegraphisch einzuholen. Wenn dieselbe nicht gegeben wird, soll bei Schlund die Arbeit niedergelegt werden. Im übrigen bleibt es dabei, daß bei keiner Firma die Arbeit aufgenommen wird, ehe die Forderungen bewilligt werden. Deutfches Reich. Die Werftarbeiter- Aussperrung beendet. Bremen, 11. Juli. Nachdem die Kesselschmiede der Firmen Die im Flugblatt vom Sonnabend enthaltene Anklage, die bereinigten Arbeitgeber wollten den Arbeitnehmern das Koalitionsrecht verwehren, ist hinfällig. Die Handlungsweise der vereinigten Arbeitgeber, Arbeiter der beiden Organisationen abzulehnen, ist gesetzlich genau so zulässig wie das Vorgehen der organisierten Tecklenborg und Seebeck die Wiederaufnahme der Arbeit unter den Arbeiter, dort die Arbeit niederzulegen oder Anstellung zu ver- vereinbarten Bedingungen beschlossen haben, ist durch die beteiligten weigern, wo die Forderungen der beiden Organisationen nicht be- Werke in Bremen, Bremerhaven und Vegesac die Sperre auf willigt sind. Die Arbeitgeber tim also jetzt nur das, was die gehoben worden. Der Wiederbeginn der Arbeit ist auf Donnerstag Arbeitnehmer schon vorher getan haben. Will man eine Be- früh festgesetzt. einträchtigung des Rechtes zur Koalition darin erblicken, daß die Arbeiter ihrer wirtschaftlichen Existenz willen gezivungen werden, ihre beiden Organisationen zu verlassen, so müßte man doch zum mindesten nachweisen, daß die jest streitenden Arbeiter nur bei Da die Arbeitgeber im Baugewerbe die versprochenen Ver den jetzt vereinigten Arbeitgebern ihre Existenz finden können. Auf gleichsverhandlungen mit den Arbeitern nicht eröffneten, brachte seiten der Arbeiter wird aber gerade das Gegenteil be- Oberbürgermeister 8 weigert aufs neue den zurückgezogenen Anhauptet." trag auf Bewilligung von 20 000 M. für die Arbeiter für die nächste In derselben eigentümlichen Art einer Beweisführung geht der Stadtverordnetensizung ein. Brief weiter und sucht Herr A. Wolf den Arbeitern die ganze Schuld an dem Kampf zuzuschieben und den Vorwurf der Brutalität zurückzuweisen. Der Brief schließt wie folgt: Die rasenden Scharfmacher! Der Verband der Bauunternehmer hat beschlossen, den Oberbürgermeister Zweigert wegen Beleidigung und Nötigung strafverfolgen zu lassen. Zweigert hatte bekanntlich die Arbeitgeber öffentlich als schnöde Kontrattbrecher" bezeichnet und gedroht, er werde aus der Essener Stadtkaffe 20 000 m. für die Ausgesperrten bewilligen lassen und die Unternehmer, welche für die Stadt Essen arbeiten, schadenersaßpflichtig machen, falls sie nicht seine Forderungen annehmen. Oberst Hüger schildert, wie am 15. Februar 1897 Major Feucht zwischen ihm und dem Hauptmann Schmahl zu vermitteln suchte. Einer Aufforderung zur persönlichen Besprechung fam Hauptmann Schmahl nicht nach, beschwerte sich vielmehr am 16. bei der Brigade über seinen Regimentskommandeur. In dieser Beschwerde sagte er, daß er einen Befehl derartigen Inhaltes nicht fenne. Der Brigadegeneral v. Wizendorff ließ hierauf durch den Major Brenten den Oberst Hüger und eine Anzahl vom Hauptmann Schmahl namhaft gemachter Offiziere protokollarisch bernehmen. Oberst Hüger behauptet, daß nach der Beschwerdeordnung hier die Vernehmung Dritter unzulässig gewesen sei. Ebenso erklärte er es als unzulässig, daß die Vernehmung sich auch auf Fragen ausdehnen sollte, ob der Oberst Hüger in den Dienst der Batterie einschneidende Befehle erlassen und feine Befehle gegebenenfalls nachträglich anders bezeichnet habe. Der General soll dann die Aussagen, welche die Offiziere zu Protokoll gegeben haben, dem Angeklagten nicht mitgeteilt, sondern" Im Interesse der Mitglieder Ihrer Organisation möchte fie in seiner Entscheidung gegen ihn benutzt haben, ohne ihn vorher ich Sie auch noch bitten, fie auf§ 153 der Gewerbe- Ordnung zu hören. Auch der kommandierende General von Lindequist, dem aufmerksam zu machen. Drohungen und Ehrberlegungen, wie sie bie Angelegenheit später vorlag und dem Hüger ausdrücklich ge- bereits von Streifenden den Nichtstreifenden gegenüber gemacht meldet haben will, daß Mißgriffe und Fehler vorgekommen feien, worden sind, werden mit Gefängnis bestraft. Man soll deshalb habe in derselben Weise gehandelt. Bei einer Besprechung habe der Leidenschaftlichkeit die Zügel nicht schießen lassen, sondern Dazu schreibt das Scharfmacherorgan Rhein- Westfäl. Zeitung": General von Lindequist ihm gesagt: er müsse anerkennen, daß ich jeden bei seiner Meinung lassen, ohne selbst den Zwang aus-„ Dieses Vorgehen des Bundes ist ein selbstverständliches Gebot das Regiment in jeder Beziehung sehr hoch gebracht habe und daß zuüben, den man für seine eigene Person auch nicht wünscht." der Selbstachtung. Wenn ein höherer Staatsbeamter angesehene ich bezüglich meiner Leistungen und Befähigung durch Der Referent fonnte nun auf Grund verschiedener Schriftstücke Bürger derselben Stadt, welche ihm anvertraut ist, ohne jede Be aus zum Brigadekommandeur geeignet sei, daß ich jedoch unwiderleglich beweisen, daß die leitenden Herren vom Arbeitgeber- rechtigung in der ganzen deutschen Presse als schnöde Kontraktmit dem Offizierkorps schlecht stehe und zu viel in den verband, und unter ihnen ist bekanntlich Artur Wolf einer der brecher" an den Pranger stellt, weil sie feinen privaten Wünschen Dienst der Batterien eingreife. Oberst Hüger behauptet tätigsten, es viel mehr als die Arbeitnehmer, die sich streng in dem nicht nachkommen, so müssen die Arbeitgeber diesen unerhörten Anin feiner Broschüre, es entspreche nicht den Tatsachen, Rahmen der gesetzlichen Rechte halten, nötig hätten, jene Mahnung griff gerichtlich abwehren; die Deffentlichkeit würde sonst urteilen, daß er mit seinem Offizierkorps schlecht gestanden habe. Er stelle zu beherzigen. Hausindustrielle, die bewilligt hatten, haben der daß jeder so behandelt wird, wie er es verdient." feineswegs in Abrede, daß einige Offiziere gewefen sein mögen, Streitleitung mitgeteilt, daß sie nur durch den Druck der Fabrikanten denen sein Anhalten zur Pflichterfüllung sehr unbequem sei. Das gezwungen wären, ihre Unterschrift zurückzuziehen. Die sei immer so bei Kommandeuren, die nicht Gottes Wasser über Fabrikanten, und mit ihnen A. Wolf, bedienen sich selbst in un- Eine bessere Anerkennung seines Vorgehens, als fte diefe Gottes Land laufen lassen. Er habe bei lebernahme des Regiments beschränktem Maße der Drohung, die wirtschaftliche Unternehmerwutausbrüche darstellen, konnte sich Herr Zweigert bald erkannt, daß die intensive Sorge für Mann, Pferd und Material Existenz der Hausindustriellen bollständig zu wahrlich nicht wünschen. in diesem württembergischen Regiment nicht so bekannt sei wie in vernichten, falls fie sich nicht unbedingt den Be Preußen und wie sie auch für die Schlagfertigkeit der Armee un- schlüssen des Arbeitgeberberbandes fügen. bedingt notwendig sei. Daß er hierbei einigen Offizieren un- terroristische Gebaren dieses Verbandes gründet sich übrigens auf er dafür Das bequem wurde, sei selbstverständlich. Doch habe es bafilt die folgende in ſeiner Hauptversammlung am 6. Juli gefaßte Re- Letzte Nachrichten und Depeschen. Genugtuung gehabt, daß ihm ein alter Wachtmeister bei seinem Scheiden die Bersicherung gab, daß sich in seiner 36 jährigen Dienst zeit Unteroffiziere und Mannschaften noch niemals eines so leichten ' Dienstes zu erfreuen gehabt hätten, wie unter ihm. Oberst Hüger fühlte sich durch die Form der Beschwerde des Hauptmannes Schmahl beleidigt und erhob nun seinerseits Beschwerde gegen diesen. Die vorgesetzten Behörden lehnten aber ein Ein fchreiten gegen Hauptmann Schmahl ab. Am 24. Mai erhielt Hüger die Mitteilung, daß der Kaiser die alsbaldige Vorlage seines Abschiedsgesuches zu befehlen geruht habe. Zwei Tage später wurde ihm mitgeteilt, daß sein Gesuch fofort erwartet werde, sonst würde seine Verabschiedung auf telegraphischem Wege bewirkt werden. Er reichte nun sein abschiedsgesuch ein. Der Chef des Militärkabinetts, Generalobert v. ahnte, habe ihm später gesagt, daß er der Aufforderung zur sofortigen Einreichung des Abschieds nicht hätte nachzukommen brauchen. folutionen: 1.„ Die Versammlung beschließt, daß sämtliche Mitglieder am Sonnabend, den 8. Juli eine Aussperrung vornehmen. Es dürfen Berlin, 11. Juli.( W. T. B.) Der Bundesrats- Ausschuß für Arbeitswillige nur beschäftigt werden, wenn die auswärtigen Angelegenheiten tritt morgen zu einer Sibung zusie unterschreiben, sich zu verpflichten, weder sammen, an der, wie verlautet, der Reichskanzler Fürst v. Bülow bem Verband der Kürschner Berlins noch der teilnehmen wird. Bahlstelle des Deutschen Kürschner Verbandes v. Podewils und der württembergische Minister der auswärtigen Der bayerische Ministerpräsident Freiherr anzugehören und auch bis zum 1. April 1906 in Angelegenheiten Freiherr v. Soden sind heute abend bereits hier teinen dieser Verbände einzutreten. Zuwider eingetroffen. handelnde Mitglieder haben eine Konventionalstrafe von 100 m. für jeden von ihnen be schäftigten Arbeiter zu zahlen. Nur vorher vereinbarte oder gesegliche Kündigungsfristen sind einzuhalten." Südwestafrika. 2. Die Versammlung beschließt, daß fein Mitglied des ArbeitBerlin, 11. Juli. Telegramm aus Windhuk( nachträglich gegeber- Verbandes mit einem Hausindustriellen oder einer Firma, meldet). Im Gefecht bei Meidorus am 27. Juni 1905 verwundet: welche die Forderungen der Arbeiterorganisation unterschrieben hat, Oberleutnant Wilhelm Ritter und Edler von Mosen= irgendwelche geschäftlichen Beziehungen unterhalten darf. Es darf tha I, geboren zu Erfurt, leichten Fleischschuß am rechten Unterihnen auch von heute ab feine neue Arbeit eingerichtet werden. schenkel. Am 7. Juli 1905 bei Maltahöhe auf Pferdewache gefallen: Zuwiderhandelnde Mitglieder haben eine Non- Reiter Alfred Tiemann, geboren zu Bielefeld; Reiter Friedrich ventional strafe bon 500 m. für jeden einzelnen Bunge, geboren zu Prenzlau, Reiter Johann Hoppach, ge= Fall zu zahlen." boren zu Krebsow. Verivundet: Sergeant Wilhelm 2ohmeyer. geboren zu Düdinghausen, schwer. Im Gefecht bei Karichab am 7. Juli 1905 verwundet: Reiter Anton Ramolla, geboren zu Komprachczuez, schwer, Feldwebel Oskar Klinge, geboren zu Ruden( Forsthaus), leicht. " 3. Mitglieder des Arbeitgeberverbandes, die Hausindustrielle beschäftigen, welche ihrerseits nicht Mitglieder des Arbeitgeber verbandes sind, sind verpflichtet, von diesen unterschriftliche Er flärungen zu fordern, aus denen hervorgeht, daß sie auch ihrerfeits feine organisierten Arbeiter beschäftigen. Zuwiderhandelnde Mitglieder des Arbeitgeberverbandes zahlen eine eine on! bentionalstrafe bon 500 m. für jeden einzelnen Ein neuer König für Norwegen? Generaloberst v. Hahnte führte dem Angeklagten als Grund zu seiner Verabschiedung sein Eingreifen in alle Details" des Dienstes, Beschränkung der Selbständigkeit der Untergebenen und Widersprüche in feinen Befehlen an, und fügte hinzu, daß die Stallpuzaffäre bei der Batterie des Hauptmanns Schmahl nur den Tropfen bildete, welcher das übervolle Maß der allgemeinen Mißstimmung gegen ihn in Form der Beschwerde des Hauptmanns Schmahl zum Ueberfließen brachte. Oberst Hüger meint, das sei zwar sehr schön gesagt, aber nicht richtig. Hüger beantragte nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst ehrengerichtliche Entscheidung gegen sich selbst und auch gegen den Hauptmann Schmahl wegen Beleidigung. Auf den Letzteren Antrag erhielt er vom Generalleutnant v. Cämmerer den Bescheid, daß durch die eingehendste und wiederholte Behandlung 4. Die Fabrikanten bezw. Arbeitgeber verpflichten sich, bis London, 11. Juli. Das„ Reutersche Bureau" erfährt, Prinz der Angelegenheit seitens der berufenen richterlichen Behörden zum 1. April 1906 feinen Gesellen als selbständigen zwischen- Karl von Dänemark sei formell als König von Norwegen in Vorunzweifelhaft dargetan sei, daß die fragliche Stelle der Beschwerde meister zu beschäftigen, der infolge des jeßigen Streits die Arbeit ichlag gebracht worden. Der Vorschlag sei Gegenstand der Beratung des Hauptmanns Schmahl eine Beleidigung nicht enthält und des- niedergelegt hat oder ausgesperrt worden ist. 8uwiderhandelnde zwischen den beteiligten Höfen, viel hänge von König Oskar ab. wegen das eingeleitete gerichtliche Verfahren eingestellt ist. Oberst Arbeitgeber zahlen 500 M. Stonventionalstrafe für jeden einzelnen Dazu meldet Norst Telegrammbureau" aus Christiania: Da, Hüger behauptet, daß dieser Satz genau das Gegenteil von dem Fall. wie bekannt, ein Angebot der Norwegischen Staatsbehörden enthalte, was wirklich der Fall sei. In Wirklichkeit sei in einem Diese Beschlüsse beweisen hinreichend, daß die Fabrikanten fein betreffend Uebertragung des norwegischen Thrones an einen Prinzen Erkenntnis des Oberkriegsgerichts festgestellt, daß die fragliche Stelle ihnen mögliches Mittel scheuen, um jeden, der sich ihnen nicht fügt, des Hauses Bernadotte vorliegt, find alle Gerüchte, daß Prinz Karl an sich geeignet sei, den Oberst Hüger verächtlich zu machen, dem zugrunde zu richten. In der Versammlung waren verschiedene von Dänemark den Thron Norwegens besteigen werde, unbegründet. Berantw.Red. Franz Nehbein, Berlin. Inserate verantw.( mit Ausnahme der Neue Welt" Beilage): Th.Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Borwärts Buchdr. u. Berlagsanst. Paul Singer& Co., Berlin SW. Hierzu 2 Beilagen u.Unterhaltungsb Fall" Ar. 160. 22. Jahrgang. 1. Beilage des„ ,, Vorwärts" Berliner Volksblatt. Für die Opfer des russischen Befreiungskampfes And folgende Beiträge eingegangen: vertreten Die Persönlichkeit des Angeklagten. Der Angeklagte Meher ist am 31. Oktober 1883 in Walle bei Bremen geboren. Er ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter, hübscher junger Mann, mit schön frisiertem goldblondem Haar. Er sieht auf fallend bleich aus; sein Gesicht ist bartlos. Die lange Untersuchungshaft scheint nicht ohne Einfluß auf ihn geblieben zu sein. Zeugen. Mittwoch, 12. Juli 1905. Idem im ersten Stockwerk die Verhandlung stattfindet. Verhältnis| Sprenger als Verteidiger zuzulassen mit der Einschränkung, das mäßig wenig Leute finden in dem nur kleinen Zuhörerraume Blaz. Herr Rechtsanwalt Dr. Sprenger während der Vernehmung des Der Gerichtshof. Angeklagten den Saal verläßt und fich des Plaidoyers enthält. Der Den Gerichtshof bilden Landgerichtsrat Wippermann Gerichtshof ist der Ansicht, daß deshalb keinerlei Kollision der ( Vorsitzender), Landgerichtsrat Reiche und Gerichtsassessor Dr. Interessen vorkommen werde. Vernehmung des Angeklagten. Am 5. 5. Magdeburg u. Umgeg., Soz. Verein 800,-; 8. 5. P. Schulz, 3 wizers( Beisitzende): Die Berlin 2,25; 22. 5. Leipzig, 12. u. 13. sächsischer Reichstagswahlkreis 3000,-; öffentliche Anklagebehörde Staatsanwalt Nach Verlesen des Anklagebeschlusses bemerkt der Angeklagte 23. 6. Begejad, Sozialdem. Verein 15,30; 5. 7. Hamburg, durch L. Schoene Beder( Oldenburg) und preußischer Gerichtsafschsor Wesh- auf Befragen des Vorsitzenden: Er habe die Volksschule besucht und 168,94; 6. 7. Berlin: R. Müller, Aderstr. 133 1,-; Hülfsarbeiter im berge( Bückeburg). Die Verteidigung führen die Rechtsanwälte sei alsdann im Café Brauer in Bremen Kellnerlehrling geworden. Maschinensaal d. Borwärts" 11,-; Börner 100,- zwei zielbewußte Dr. Sprenger( Bremen), Dr. Herz und Dr. Jonas( M- Er habe in verschiedenen Etablissements in Bremen, Oldenburg, Kollegen von Klapproth u. Hoppe 2,-; Buzbach b. Gießen, C. A. 5,-; 7. 7. Berlin: Rauchklub" Ohne Zwang", M. d. A.-R.-B. 20,-; Hirsch, tona). Da die beiden ersten Verteidiger als Zeugen benannt find, Hannover usw. als Kellner fonditioniert. Er habe sich, obwohl er Wörtherstraße 1,-; M. Sch. 3,-; Alpha 5,-; Paul Töbs, Schneidermstr., so ist Rechtsanwalt Steinemann( Stadthagen) zum Offizial feine Mutter, eine Witwe, regelmäßig unterstüßt habe, annähernd 2000 M. erspart und dies Geld in der städtischen Sparkasse in Insterburgerstr. 16 10,-; Buchdruderei" Vorwärts", Abt. Buchbinderei 20 ,; berteidiger ernannt. Ed. J., Hausdiener 5,-; Arb. d. Fa. Kleinchersky 5,-; Chemigraphen Bremen niedergelegt. Das Amtsgericht Bremen hat auf Antrag bon Labisch 12,35; W. Fürbringer 2,50; v. der 2. Abteil. d. B. R.-B. 4,70; der Oldenburger Staatsanwaltschaft beschlossen, das Sparkassenbuch Charlottenburg, Maurer und Bauarbeiter d. Fa. Pink, Technische Hochzu beschlagnahmen, um daraus die etwaigen Gerichtskosten decken zu 9. 7. Berlin: 3. Schwalbach 5,-;§. 100,- Rode 5-; im fönnen. Infolge eingelegter Berufung habe das Bremer Landgericht Barteiarchiv gesammelt: 1. Rate 33,-(. Gr. 5,-; Dr. A. G., nicht diesen Beschluß aufgehoben. Im April 1899 sei er im Ziviltafino Parteigenoffe 10,-, S. 10,- M. M. 5,-,. C. 3,-) durch N. Gomoll in Oldenburg engagiert worden. Als er in den Zeitungen las, 4,30; Weißensee, Rauchflub Glühlicht I 11,-; Clettwig, Schönrod u. Viertel, Minister Rubstrat habe in seinem Prozeß erklärt, er habe seit 12 bis Schneidergesellen 3,-; Köln, Sozialdem. Verein Köln- Stadt und Köln14 Jahren nicht mehr gespielt, habe er sich für verpflichtet gehalten, Land 260, Hannover, Linde 3,50. Berlin, Roter Kern in schwarz- weißer Schale 3,-. Gerth 6,-; Wir wollen mal zusammentreten 6,-; Personal sich bei Herrn Rechtsanwalt Dr. Sprenger zu melden, und zu Proder Badewannenfabrit F. Gerede, Wassertorstr. 14, durch R. Stier 6,20; tofoll zu geben, daß die Erklärung des Ministers unwahr sei. Der b. d. Tischlern der Fa. Binger, Görlizer Ufer 40,--; N. B." Afz. 6,80 Vorsitzende verlas danach das Protokoll an Hand der Zeichnung von und Wrt. 7,50: 14,30; von den Drehern der Fa. Jachmann, Moabit den Räumen des Zivilkasinos. 35,50; von den Tapezierern bei Gesau 35,-; Kleidermagazin. W., Das Spielen im Zivilkasino. Schöneberg 10,-; gesammelt von den Maurern Bau 1 Held u. Franke, 3,-; von den Tischlern der Fa. Schirmer, Zoffenerstr. 41 7,85; vom Ber Malplaquelstraße 8,85; Giner in Berlin N. 5,-; Möbelfabrik Otto Weise sonal der Bertabteilung in der Buchdruckerei„ Borwärts" 30,- Lederfabrik von Salomon, Rigdorf 11,35; Angestellte der Innungsfrankenkasse d. Tischler 17,-; in der Familie gesammelt 6,-; Tischler von Gerts 8,15; b. d. Arbeitern d. Tischlerei Ende, Mai u. Co., außer einem Tischler, 8,60; Maschinensäle„ National- Zeitung" 31,-; von d. Kollegen der Firma Treese für unsere unter dem mordenden Zarismus leidenden Brüder 18,-; Tapezierer Heinrich Brand 3,50; v. den Tischlern der Firma Dibbelt u. Rothe 9,85; Möbelfabrik Heinz, Beier u. Co. 13,65; Mitglieder des deutschen Buchdrucker- Verbandes im Vorwärts" 100,-; Maurer Bau Strauſenſtr. 35/36, 13,15; Tischlerei Lucart, Dieffenbachstr. 35, 12,25; b. ben Stuffateuren d. Firma Junkersdorf, vom Bau Kurfürstendamm, Ede Schlüterstraße, 10,-; Gesellen der Firma Mittag, Waldstr. 24, 10, b. Kollegen der Tischlerei Gurisch, Gr. Frankfurterstr. 16, 10,75; Maler bon Gneist 1,85; Tua res agitur, gesammelt durch D. G. 10, Arbeiterschaft bei Flatow, Rirdorf, Bergstr. 55, 1. Rate 13,90; Tischlerei Brechtel, Boechstraße 9,50; b. d. Maurern des Neubaues Dber verwaltungsgericht in der Hardenbergstraße 4,-; b. b. Angestellten d. Fa. Frank u. Brahn 6,05; Berg Dievenow, Baded Silberstein 30,05; tölnEhrenfeld, E. M. 30,-; Stoburg, soziald. Landverein 30,-; Fried land, in einer Bersammlung gesammelt durch E. 2. 11,10; Ham burg, ein Einzelner, auf den es ankommt 5,- Stiel, von den Bartei genossen des 7. schleswig Holsteinischen Wahlkreises 500,-; Stönigsberg, Expedition d.„ Boltszeitung 11,30; Mohrungen 10,-; Marwik, Soziald. Wahlverein 20,-; Nowawes, N. Blietschau 5,-; München, J.. 10,-; Offenburg, laut Quittung in Nr. 307 des Alten Offeburger" 18, Bahren b. Leipzig, gesammelt in der Firma J. G. Schelter u. Giesede, Leipzig 15,65; Wintel, L. Sch. 5,-. Berlin, den 12. Juli 1905. Für den Parteivorstand: i. V.: W. Eberhardt, Lindenstr. 69. Ein gerichtliches Nachspiel zum Ruhstrat- Prozeß. ( Telegraphischer Bericht.) bon Keine Bertagung. Nach Bildung der Geschworenenbant werden etwa 60 Zeugen aufgerufen. Unter diesen befindet sich Minister Rubstrat, OberRegierungsrat Wöbs, Staatsanwalt Dr. Knorr( Hamburg), der Vorfißende der Straffammer im Schwehnert- Prozeß, Landgerichtsdirektor Erk, nebst den damaligen Beisitzenden, sowie fast alle des Miniſters Ruhstrat in den meisten diesbezüglichen Prozessen, gespielt wurde. Vorsitzender: Wenn nun die Portièren zu Im weiteren Verlauf zeigte der Vorsitzende, in welchen Nischen anderen Richter des Oldenburger Landgerichts, der Rechtsbeistand Rechtsanwalt Wisher( Oldenburg), die Mutter und der Bruder des gezogen wurden, konnten Sie dann das Spiel beobachten? Ange Angeklagten, letterer ein beim Landgericht beschäftigter Kanzlei- lagter: Ja. Ich hatte vielfach in die Nischen Getränke zu gehülfe, sowie eine Reihe Assessoren und Referendare, Gastwirte, bringen. Vorfibender: Wer spielte? Angeklagter: Kellner usw. Sachverständige sind nicht geladen. Minister Ruhstrat, Ober- Regierungsrat Wöbs, Amtsrichter Carstens und andere wie Buchhändler Schmidt und Dr. Schleppegrell. Wie von bestunterrichteter Seite berlautet, Borsigender: Wußten Sie, was die Herren spielten? An ist eine Vertagung der Verhandlung ausge- geklagter: Damals waren mir die verschiedenen Spiele noch schlossen. nicht bekannt. Ich sah nur, daß die Herren Karten spielten. Vors Der Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sprenger als Zeuge. sigender: Ist Ihnen das Pokerspiel bekannt? Angeklag ter: Vom Pokerspiel habe ich erst im Prozeß Schtveynert gehört. Der Verteidiger bemerkt, daß Rechtsanwalt Dr. Sprenger als Borsigender: Spielten die Herren Karten? Angeklag Beuge geladen ist. Er erachte es für notwendig, die Frage zu ter: Sie spielten auch„ Lustige Sieben" und zwar fast regelmäßig erörtern, ob Rechtsanwalt Dr. Sprenger gleichzeitig Verteidiger im Anschluß an das Statspiel. Ich habe ihnen regelmäßig das sein kann. Staatsanwalt Beder: In der letzten Zeit sind ver- Plakat, worauf das Spiel gezeichnet war und auch die Würfel ge= schiedene Meinungen durch die Blätter gegangen: die Staatsanwalt bracht und erst später erfahren, daß das Spiel Lustige Sieben" hieß. fchaft beabsichtige die Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Sprenger und Vorsitzender: Wer hat" Lustige Sieben" gespielt? AnDr. Herz als Zeugen abzulehnen, so daß der Angeklagte wehrlos geklagter: Minister Ruhstrat, Dr. Schleppegrell und Buchdastehen würde. Wenn das der Fall wäre, dann wäre es schlimm. händler Schmidt. Vorsitzender: Können Sie sich nicht ge= Die Nachricht ist aber vollständig falsch. Herr Rechtsanwalt Dr. irrt haben. Ich ersuche Sie in Ihrem eigenen Interesse, die WahrSprenger mußte allerdings als Zeuge geladen werden. Er ist so heit zu sagen. Angeklagter: Nein. Vorfizender: Es gar ein Hauptzeuge. Ich habe aber absichtlich Herrn Rechtsanwalt wird Ihnen bekannt sein, daß fast alle Zeugen, vielleicht mit AusDr. Herz nicht als Zeugen geladen und im Uebrigen beantragt, einen nahme von dreien, das Gegenteil behauptet haben. Wollen Sie Ihre Offizialberteidiger zu ernennen. Ich halte es aber durchaus un- Aussagen aufrecht erhalten? Angeklagter( mit sehr bewegter zulässig, daß Herr Rechtsanwalt Dr. Sprenger Zeuge und gleich: Stimme): Ich habe bei meinen Aussagen nur die Wahrheit zu Prozeitig Verteidiger ist. Das Reichsgericht hat in der letzten Zeit tokoll gegeben. Ich kann heute nichts anderes sagen. Ich bin seit in diesem Sinne entschieden und dies auch im Prozeß Schwehnert 7 Monaten in Untersuchungshaft und häufig verhört worden. Ich angedeutet. Ich halte es daher nicht für zulässig, daß kann nichts anderes sagen, als was ich zu Protokoll gegeben habe. Herr Rechtsanwalt Dr. Sprenger die Verteidi- Auf weiteres Befragen bemerkt der Angeklagte, daß das Silbergerd gung führt, da alsdann ein Konflikt mit dem Gesetz unver- häufig zur Erde geworfen wurde. Das konnte ich mir imuner meidlich sein dürfte. Rechtsanwalt Dr. Sprenger: An den irre- nehmen. Die Herren haben mir stets zu erkennen gegeben, daß führenden Nachrichten in der Presse hat die Verteidigung keinerlei nach Verabreichung der Getränke ich mich schleunigst zu entfernen Schuld. Die Oldenburger Zeitungen brachten auch einen Artikel habe. Vorsitzender: Wissen Sie, um welche Beträge gespielt über die gegen den Angeklagten geführten Versuche und war zu wurde? Angeklagter: Nein. Die Verhandlung wird ungunsten des Angeklagten, obwohl die Untersuchung nicht öffentlich darauf bis 3 Ühr nachmittags unterbrochen. Die Verteidiger haben selbstverständlich den Zeitungen feiner. war. Spiel der Referendare. lei Nachrichten gegeben und ich bin überzeugt, daß auch seitens der Staatsanwaltschaft und der Untersuchungsrichter nichts an Deffentlichkeit gedrungen ist. Denn das wäre unzulässig. öffentliche Meinung, die sehr weise sein kann, hat im vorliegenden Falle tatsächlich unheilvolle Wirkung ausgeübt. Bezüglich meiner Ich war Kellner im Zivilkasino in Oldenburg von April 1899 Zulassung als Verteidiger befindet sich der Staatsanwalt im Irrtum. Es liegt durchaus teine Entscheidung des Reich 3bis Mai 1900 und September bis November 1901. Während dieser gerichts vor, wonach ein als Zeuge vernommener Zeit wurde dort in den Nischen viel und hoch gespielt, um Tausende. Berteidiger sein Verteidigungsamt Ich wurde häufig angepumpt. Der jezige Minister Ruhstrat war legen muß. Auch in der Revisionssache in Sachen Schweynert häufig dabei. Die Nischen waren zugezogen, damit das Spiel nicht ist eine solche Andeutung nicht enthalten. Ich beantrage, eventuell gestört werde. Wenn ich in die Nähe kam, dann hieß es aus!", die betreffenden Stellen im Reichsgerichtsurteil zu verlesen. Das und ich bekam einen Taler oder ein Fünfmarkstück an den Kopf Reichsgericht fonnte in diesem Prozeß eine solche Entscheidung gar geworfen. Ich machte mir deshalb häufiger in der Nähe zu schaffen, nicht fällen, da das Reichsgericht bekanntlich nur in der Revision um auf diese lukrative Art hinausgeworfen zu werden. Herunter- enthaltene Rügen prüft. Die Revision im Schwehnert- Prozeß ist geworfenes Silbergeld wurde nicht aufgehoben, sondern blieb für allerdings von der Verteidigung angezweifelt worden und wir den Kellner liegen. Wenn der damalige Oberstaatsanwalt Ruh- haben selbstverständlich nicht gerügt, daß ich, obwohl als Zeuge verEr nommen, zur Verteidigung nicht zugelassen würde. Wir haben nur strat dabei war, wagte ich mich allerdings weniger heran. schloß immer die Portieren besonders dicht und war kurz angebunden. gerügt, daß ich bei meiner Vernehmung als Zeuge den Saal verWas in den Nischen gemacht wurde, wurde sehr geheim gehalten. Lassen mußte und dadurch die Verteidigung beschränkt worden sei. Ich durfte nur eben die Getränke hinstellen und mußte schnell wieder Die Oldenburger Straffammer, die nach diesem Reichsgerichtsurteil heraus. Ich kann deswegen auch nicht sagen, in welcher Weise, wider Biermann verhandelt hat, hat zweifellos die Sache auch so insbesondere Höhe der Staatsanwalt sich beteiligt hat. Auf Silber aufgefaßt, denn sie hat, obwohl ich und Herr Rechtsanwalt Herz geld wurde sehr geschimpft, es flog häufig verächtlich auf die als Zeugen vernommen wurden, uns in der Ausübung der VerErde usw. teidigung in feiner Weise beschränkt. Dies Verfahren hat darum In dem am 1. und 2. Dezember 1904 vor der Strafkammer auch den ruhigen Verlauf der Verhandlung bewirkt. Ich habe es zu Oldenburg verhandelten Prozeß wider den" Residenzboten", allerdings als nichtig empfunden, daß ich im Plaidoyer auf meine Schwehnert, war Meher ein Hauptzeuge, zumal Schwehnert auf eigenen Beugenaussagen eingehen mußte. Ich will deshalb während Grund der Aussage des Meyer den Oldenburgischen der Vernehmung des Angeklagten den Saal verlassen und will mich Justiz- und Kultusminister Ruhstrat des Mein. des Plaidoyers enthalten. In betreff des Angeklagten bitte eids bezichtigte Mit Rücksicht auf die große Wichtigkeit der aber, mich während der Zeugenvernehmung als Verteidiger zu Aussage Meyers und des Umstandes, daß Minister Rubstrat, sowie zulassen. mehrere andere die Aussage als unwahr bezeichneten, beschloß der Rechtsanwalt Dr. Herz: Gerichtshof, lettere protokollieren zu lassen. Dies Protokoll lautete: Zweite protokollarische Erklärung: Bückeburg, den 11. Juli 1905. In dem idyllisch belegenen Bückeburg beginnt heute der bereits mehrfach angekündigte Prozeß gegen den Kellner Meyer, der das letzte Nachspiel zu dem bekannten Ruhstratprozesse bildet. Bei dem Verteidiger des" Residenzboten", Rechtsanwalt Dr. Sprenger in Bremen, meldete sich im März 1904 ein junger Sellner namens Johann Heinrich Meher und gab folgendes zu Protokoll: Erste protokollarische Aussage: Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Jonas: die niederNach Wiederaufnahme der Verhandlung feste Die der Vorsitzende die Vernehmung des Angeklagten fort. Auf Befragen erflärte der Angeklagte, daß nach bestandenem Gramen in den Nischen von den Referendaren, Offizieren usw. Taler und Fünfviel und hoch gespielt wurde. Er wurde in ziemlich grober Weise aufgefordert, sich von den Nischen fernzuhalten. martstücke wurden ihm nachgeschleudert. Vorsitzender: Wie. biel Trinkgelder hatten Sie nach einem solchen Spielabend? ( Große Bewegung im ZuschauerAngeklagter: 50-60 m. Vorsitzender: Soviel? Angeklagter: Merraum.) dings mit dem, was auf die Erde fiel. Auf weiteres Befragen er. flärte der Angeklagte, er habe seiner Mutter und seinem Bruder von dem Spiel im Zivilfafino Mitteilung gemacht. Er erinnere sich aber nicht mehr genau, was er erzählt habe. Latarus sei ihm befannt gewesen. Auf dessen Veranlassung war er zu Rechtsanwalt Dr. Sprenger gekommen. Vorsigender: Wissen Sie, was Sie dort sollten? Angeklagter: Nein. Vorsitzender: Was fagte Ihnen Herr Dr. Sprenger? Angeklagter: Ob mir be tarnt sei, daßz Minister Ruhstrat im Oldenburger Kasino gespielt habe. Vorsibender: Sagte Ihnen Herr Dr. Sprenger, wes Angeklagter: Nein balb er das wissen wollte? fibender: Sagte er Ihnen vielleicht, daß er Verteidiger in einer Angeklagter: Nein. Straffache gegen einen Redakteur sei? Borsigender: Ist Ihnen bekannt, daß Sie sich von brauchen? Auf Befragen des Verteidigers Herrn Rechtseinem Rechtsanwalt nicht auszufragen laffen anwalt Dr. Herz gibt der Angeklagte zu, Rechtsanwalt Dr. Borsfichigemahnt. Er habe ihm gesagt, daß die Sache vor das Sprenger habe ihn wiederholt zu der größten Gericht komme und Zeugen auftreten würden, die das gerade Gegenteil befunden würden. Die Haltung der„ Oldenburger Zeitung" in diesem Verfahren ist eine solche, daß wir Verteidiger ernstlich in Erwägung zogen. Ich war im Zivilkasino von Frühjahr 1899 bis Frühjahr 1900 ob wir auf Grund des§ 17 des Prozeßgefeßes einen Strafantrag Kellner. Während dieser Zeit habe ich wiederholt gesehen, daß der stellen sollen; denn ein Vergehen gegen diesen Paragraphen liegt damalige Oberstaatsanwalt Ruhstrat, der Buchhändler Schmidt und flar zutage. Ich kann mich den Ausführungen des Herrn Rechtsder Dr. Schleppegrell in einer Nische, im Anschluß an ein Statspiel, anwalts Dr. Sprenger nur vollkommen anschließen. Es liegt keine Lustige Sieben' mit einander spielten. Ich habe selber den Reichsgerichtsentscheidung vor, wonach ein Zeuge nicht gleichzeitig Spielern ein Plakat, auf dem das Spiel aufgezeichnet war, und den Verteidiger sein darf. In dem gegenwärtigen Falle wäre aber Würfelbecher hineingebracht. Zu der Zeit, als die Lustige Sieben" eine Benachteiligung des Angeklagten vorhanden. Ich bin erst spät gespielt wurde, war im Klubzimmer sonst niemand mehr anwesend. in die Verteidigung eingetreten und nicht imftande, Herrn Rechte Es kann jedoch sein, daß in der Nische noch der eine oder andere anwalt Dr. Sprenger auch nur annähernd zu ersetzen. Die StaatsGast anwesend war. Ich bediente die Gäste auch während des anwaltschaft ist offenbar auch der Ansicht, daß es erforderlich ist, Spiels der Lustigen Sieben" und habe genau wahrgenommen, daß in dieser Sache genau informiert zu sein, denn sie hat einen gewürfelt und gesezt wurde. Ich habe gesten. hier erzählt, ich Staatsanwalt aus Oldenburg zweds Vertretung der Anflage zu sei bei meiner Bernehmung vor Gericht am gestrigen Tage befangen dieser Verhandlung entsandt. gewesen, da verschiedene Herren am Gerichtshofe zu jener Zeit auch im Kasino„ Lustige Sieben" gespielt hätten. Als solchen bezeichnete Die Entscheidung des Reichsgerichts in dieser Frage ist offenbar ich den Staatsanwalt Dr. Fimmen und den hier anwesenden Refe- eine schwankende; jedenfalls ist die Zulassung eines Beugen rendar Christians, und zwar haben diese im Klubzimmer in dem bezeichneten Jahre 1899 bis 1900 mit anderen„ Lustige Sieben zum Verteidigungsamt zulässig. Im vorliegenden Falle wäre gespielt. Ich bleibe dabei, daß Christians in der angegebenen Zeit aber eine offenbare Benachteiligung des Angeklagten, wenn Lustige Sieben" gespielt hat; ich erkenne ihn bestimmt wieder. Rechtsanwalt Dr. Sprenger. von der Verteidigung ausgeschlossen Es kann jedoch sein, daß er in der zweiten Zeit, die ich im Kasino ..geklagter Meyer: war( September bis November 1901) in dem Kasino gespielt hat. Nach der Protokoll- Aussage machte der Vorsitzende den Zeugen wiederholt darauf aufmerksam, daß seine Aussagen den Bekundungen einer Reihe anderer Zeugen direkt widersprechen. Meher erklärte jedoch: er habe die Wahrheit gesagt und unterschrieb seine za Protokoll gegebene Aussage. Danach beschloß der Gerichtshof ben Zeugen Meyer wegen Verdachts des missent lichen Meineids in Haft zu nehmen. Meher hat sich baher heute dieses Verbrechens wegen vor dem Schwurgericht des Fürstlichen Landgerichts zu verantworten. es würde. Ich bitte dringend, Herrn Rechtsanwalt Dr. Sprenger als Verteidiger zuzulaffen. Rechtsanwalt Dr. Sprenger kennt die Sache von Anfang an. Vorsitzender: Ich will bemerken, daß, da die Reichsgerichts. entscheidung in diesem Punkte eine schwankende ist und die Möglich feit vorliegt, daß gegen das Urteil in diesem Verfahren deshalb Revision eingelegt werden könnte, so habe ich als Vorsitzender diese Frage in Erwägung gezogen. Aus diesem Grunde habe ich einen Offizialverteidiger bestellt. Entscheidung des Gerichtshofe&. Eine unendliche Menschenmenge flutet schon in früher Morgenstunde nach dem am Ende der Bahnhofstraße, in unmittelbarer Nach längerer Beratung des Gerichtshofes verkündet der VorNähe des Fürstlichen Schlosses belegenen Landgerichtsgebäude, in fibende: Der Gerichtshof hat beschlossen, Herrn Rechtsanwalt Dr. Vor= Protokollarische Aussage nicht gang richtig wiedergegeben. Der Vorsitzende verliest hierauf die Aussagen, die der Angeklagte bei Herrn Rechtsanwalt Dr. Sprenger zu Protokoll gegeben und bemerkt: In dem Protokoll heißt es, es wurde viel und hoch ge= fpielt, um Tausende. Wenn ich in die Nähe kam, wurde: Raus! gerufen und mir Taler und Fünfmarkstücke an den Kopf geworfen. Nach Ihren früheren und heutigen Aussagen haben diese Mitteilun gen mit Minister Ruhstrat nichts zu tun gehabt. Angeklagter: Ich habe das auch gar nicht so gesagt. Vorsitzender: Dann hätten Sie doch gegen das Protokoll, das Ihnen vorgelesen wurde, Einspruch erheben sollen! Angeflagter: So genau habe ich nicht darauf acht gegeben. Ich habe gesagt, daß ich nicht weiß, um welche Beträge gespielt wurde. Vorsitzender: Wie tam es nun, daß Sie sagten:" Es wurde viel und hoch gespielt"? An= getlagter: Es wurde so gespielt, daß ich annehmen mußte, es handle fich um große Beträge. Ich habe aber immer erklärt, ich könne über Einzelheiten des Spiels des Ministers nichts Genaues sagen. Borsigender: Sie haben aber doch auch gesagt, der Minister habe mit Referendaren und Offizieren gespielt. An. getlagter: Das ist richtig. Vorsigender: Sie haben das aber bei Ihrer protokollarischen Vernehmung nicht auseinandergehalten. Angeklagter schweigt. Expreffung eines Geständnisses. Sie haben bei einer Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter zugegeben, Sie hätten im Café Roland" in Bremen geäußert, Sie hätten Dr. Schleppegrell und den Buchhändler Schmidt als Mitspieler des Ministers angegeben. Wenn diese das Gegenteil be= haupteten, dann befürchteten Sie, berhaftet zu werden. AngeI agter( mit fast weinerlicher Stimme): Herr Präsident, es ist in der Untersuchung alles aufgeboten worden, um ein Geständnis von mir zu erpressen, sodaß ich schließlich nicht mehr wußte, was ich sagte. Vorsitzender: Ich bin weit entfernt davon, irgend ein Geständnis von Ihnen zu erpressen. Ich muß Ihnen aber sagen: Diese Ihre Behauptung ist höchst bedenklich. Angeklagter: Der Kriminalfommissar Böning hat so furchtbar auf mich eingeredet, daß ich schließlich alles zugab, was er mich fragte. Das ist auch beim Untersuchungsrichter aur Sprache gekommen " Die Verwirrung des Angeklagtent. Soziales. id sig in diesen Monaten hat fast immer eine Einschränkung des Fleisch- Arbeitsntarkt für Männliche ging der Andrang von 144,4 im Vorjahr Im weiteren Verlauf der Verhandlung gibt der An- fonfums zur Folge, weshalb die Schlächter dann naturgemäß mit auf 131,5 im laufenden Jahre zurück; am Arbeitsmarkt für Weibliche geklagte zu, daß der Vorsitzende in der Straffammerverhandlung dem Vieheinkauf zurückhalten. Tatsächlich zeigt denn auch der letzte bon 80,2 auf 76,8. Diese Abnahme des Andranges ist um so gegen Schwehnert in Oldenburg, Landgerichtsdirektor Erck, ihn Bericht des Berliner Schlachtviehmarktes bereits wieder ein Auf- bemerkenswerter, als die beiden letzten Monate und namentlich der wiederholt erinnert habe, sich zu überlegen, was er sage. Er sei steigen der Preise. Der Preis für Schweine erster Qualität stellte Donat Mai gezeigt hatte, daß das Neuangebot von Arbeitern im laufenden Jahre ausnahmsweise start ist. aber in einer Weise vernommen worden, daß er ganz verwirrt sich wieder auf 130 M., zweiter Qualität auf 126-128 m. pro wurde. Wäre er in der Weise vernommen worden, wie heute, dann 100 Kilogramm Lebendgewicht mit 20 Broz. Tara, und selbst alte wäre es nicht passiert, daß er verhaftet worden wäre. Wenn er in Sauen und Eber wurden mit 120 m. pro Doppelzentner be8 Oldenburg in richtiger Weise vernommen worden wäre, und ihm Beit zum Ueberlegen geblieben wäre, dann würde er erklärt haben, Bericht der Schweinemarkt lebhaft und wurde Krankenkasse. Die Allgemeine Ortskrankentaſſe zu Stendal gewährt und trotz dieser hohen Nolierungen verlief nach dem Familienunterstützung und Verlust der Mitgliedschaft bei der es ist möglich, Saß ich mich bezüglich es ist möglich, daß ich mich bezüglich des Herrn Referendars Chriftians irre.( Große Bewegung im Zuhörer- glatt.geräumt". ihren Mitgliedern Familienunterstützung für die in ihrem Haushalt raum.) Vorsitzender: Sie sagen also, Sie können nicht Wie beträchtlich die jetzigen Viehpreise über dem Durchschnittslebenden, dem Versicherungszwange nicht selbst unterliegenden An aufrechterhalten, daß Herr Christians im Kasino Lustige Sieben" niveau der letzten drei Jahre stehen, lehrt nachfolgender Vergleich gehörigen.§ 21 ihres Statuts regelt das näher. Die Familiens gespielt habe? Angeklagter: Nach längerer Ueberlegung( die Preise für Nindvieh und Hammel verstehen sich für 100 Stilo unterstügung wird für die Dauer der Krankheit, höchstens jedoch muß ich sagen, daß ich Herrn Referendar Christians nur im Hotel gramm Schlachtgewicht, die Preise der Schweine für 100 kilogramm für 26 Wochen gewährt. Das Mitglied P. war aus der Graf Anton Günther" gesehen habe. Vorsitzender: Hat Referendar Christians in diesem Hotel Lustige Sieben" gespielt? Rebendgewicht mit 20 Prog. Tara): Angeklagter: Nein. Vorsitzender: Geben Sie zu, daß Sie gesagt haben, Sie haben Minister Ruhstrat mit den Herren Schleppegrell und Buchhändler Schmidt zusammen spielen sehen und daraus gefolgert, der Minister habe mit diesen Herren auch„ Lustige Sieben" gespielt? Angeklagter: Ich habe schon erklärt, daß Kriminalfommissar Böning so sehr auf mich eingeredet hat, daß ich gang berwirrt wurde. Vorsitzender: Da ist es aber sehr eigentümlich, daß Sie gesagt haben: Herr Kommissar Böning habe Sie nicht verstanden. Weshalb haben Sie sich beim Untersuchun richter nicht über Kommissar Böning beschwert? Angeklagter schweigt. Vorsitzender: Hatten Sie kein Vertrauen zu dem Untersuchungsrichter? Angeklagter: Nein. Angeflagter bemerkt auf weiteres Befragen, daß er infolge der Vernehmung durch Böning ganz frant geworden sei. Böning habe ihm gesagt, er sei in seinem, des Angeklagten Interesse, von der Regierung gefandt worden, um diesen zu bernehmen und ihn vor dem Zuchthaus zu bewahren. 10 Jahre Zuchthaus wären ihm gewik, wenn er bei feinen Aussagen bliebe. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Herz: wieder in den Saal. Durchschnittspreise Jepiger Preisstand 1904 M. M. 1903 M. Bollfleischige Ochsen.. 140-148 Junge fleischige Ochfen. 180-188 Junge mäßig genährte Ochsen. 141,5 138,9 131,5 129,0 1902 M. 131,7 121,4 126-128 122,2 118,2 Vollfleischige Bullen. 136-144 134,4 132,4 Bollfleischige Kühe 124-128 Geringere 118-120 120,7 120,2 112,8 114,3 112,3 123,9 113,8 107,8 Mast- und beste Saugfälber 162-170 152-158 144-150 Jüngere Mafthammet Aeltere " 130 126-128 161,1 162,0 153,9 138,4 144,7 132,8 127,2 132,9 120,8 Mäßig genährte Hammel 130-140 111,1 120,5 108,4 Schweine, I. Qualität 102,0 103,7 122,8 Schweine, II. 98,0 99,7 118,8 Schon ein flüchtiger Blick auf diese Zusammenstellung zeigt, daß bei allen Schlachtvieharten die jetzigen Preise sich weit über dem Durchschnitt der letzten Jahre erheben. Wenn dennoch die agrarische Preise den Anschein zu erwecken sucht, als handle es sich nur um ein bald vorübergehendes leichtes Anziehen der Preise ohne jede ernstliche Bedeutung, so schwindelt sie in unverschämtester Weiſe. Kasse ausgeschieden zu einer Zeit, wo seine Ehefrau im Krankenhause lag und vorläufig auf Kosten des Armenverbandes verpflegt wurde. P. hatte an sich Anspruch auf die Familien. unterstüßung, so daß sich der Drtsarmenverband in den gesetzlichen Grenzen an die Kaffe halten konnte. Die Kasse wollte nun dem Armenverbande mur Ersatz leisten für die Zeit der Krankheit der Frau, wo B. noch ihr Mitglied war. Es wurde betont, daß nach dem Wortlaute des§ 21 ihres Statuts nur Mitgliedern die Familienunterstüßung gewährt werde. Für die Zeit nach dem Ausfcheiden B.3 aus der Staffe habe sie hinsichtlich der Familien unterstützung ihm gegenüber keine Leistungspflicht und demzufolge auch feine Erfaßpflicht gegenüber dem Drtsarmenverbande. Der Bezirksausschuß zu Magdeburg verurteilte jedoch auf Klage des Armenverbandes die Kasse zur Ersatzleistung über die Zeit hinaus, wo B. die Mitgliedschaft der Kaffe verlor, bis zum Ablauf der Verpflegung der Frau im Krankenhause Stendal. Die Familienunterſtügung sei, wenn einmal eingeführt, zu behandeln wie die Unterstützungsansprüche der Mitglieder aus dem Gesetz, d. h. der Anspruch auf Unterstüßung für ein erkranktes Familienmitglied des Raffen mitgliedes laufe weiter, wenn die Mitgliedschaft aufhöre während der Krankheit. Die Kasse legte Revision ein und betonte noch, daß der Die Verteidigung hat den Angeklagten nicht gerade zu beMaurer B. durch Wechsel der Arbeit die Mitgliedschaft bei ihr verwegen, ein Geständnis zu machen, wohl aber Aussagen zu verloren und die einer auswärtigen Kaffe gewonnen habe. hindern. Der Angeklagte wurde innerhalb ganz kurzer Zeit von verwies die Sache mit folgender Begründung nochmal an die VorDas Ober- Verwaltungsgericht hob die Vorentscheidung auf und Kommissar Böning und zwar in einer Weise vernommen, daß er instanz zurüd: Das Ober- Verwaltungsgericht fei davon aus ganz verwirrt werden mußte. Kommissar Böning hat derartig auf den Angeklagten eingeredet, daß er schließlich zu seinen gegangen, daß, wenn ein Kassenmitglied durch einen Wechsel der Verteidigern alles Vertrauen verloren hat. Ich Die Werkzeugmaschinenfabriken find nach dem Bericht des Vereins Beschäftigung Mitglied einer anderen Staffe wird, daß dann diese beantrage eventuell hierüber den Gefängnis infpettor als deutscher Werkzeugmaschinenfabrikanten zurzeit flott beschäftigt. Die andere Kaffe die Verpflichtung habe, nach Maßgabe ihrer Statuten das 3eugen zu bernehmen. Der Vorsitzende erklärt danach im ersten Vierteljahr entschiedener hervorgetretene Befferung hat sich neue Mitglied zu unterstützen, auch wenn es vorher erkrankt sei. So die Bernehmung des Angeklagten für beendet und läßt Dr. Sprenger im zweiten Quartal 1905 vollauf behauptet, in den meisten Fällen fet es auch bezüglich der Unterstützung Familienangehöriger, wenn sogar eine mehr oder weniger erhebliche Steigerung erfahren. Die sie statutenmäßig eingeführt sei. Wenn ein Familienangehöriger Minister Rubstrat, der darauf als Zeuge vernommen Aufträge haben sich mindestens auf der Höhe des ersten Viertel- erkrankt sei und das Mitglied trete in der fraglichen Zeit durch wird, bestreitet entschieden, in der von dem Angeklagten an- jahres gehalten, großenteils aber eine Zunahme erfahren. Ber- Wechsel der Beschäftigung in eine andere Kasse über, dann könne die daß der Auftragsbestand Familienunterstügung mur von der neuen Staffe weiter gewährt gepofert zu haben. Auf Befragen des Verteidigers Herz be- fich nicht erhöht, ja jogar etwas verringert habe, weil ver- werden, von der alten nicht. Habe die neue Kaffe feine merkt der Minister, er habe bis zum Jahre 1895" Lustige Sieben" schiedene schwebende Geschäfte anscheinend wegen der unsicheren Familienunterstützung eingeführt, dann kriege der Betreffende gespielt, alsdann habe er aufgehört, da er Erster Staatsanwalt politischen Verhältnisse nicht zum Abschluß gelangten. nicht die die Familienunterſtügung. Gegen eben Also würde hier, Danach wird die Verhandlung auf Mittwochvormittag 8 Uhr zu verzeichnen. An gewöhnlichen Arbeitern war weber Mangel noch die Dristrantentasse in Stendal von den Unterstützungsgeldern für das zweite Vierteljahr 1904 ist allenthalben eine erhebliche Befferung wenn B. wirklich einer anderen Kasse in der Zeit beigetreten sei, Heberangebot vorhanden, wohl aber fehlte es fast allgemein in noch die Frau frei werden von dem Zeitpunkt ab, wo B. der höherem Grade als vorher an tüchtigen Facharbeitern. Lohnherab- anderen Kasse beigetreten fei, und damit auch von der setzungen haben nirgends stattgefunden, dagegen ist, wie der Verein Ersatzpflicht gegenüber dem Armenverbande. Da genauere Fests Aus Induſtrie und Bandel. berichtet, bie schon seit längerer Zeit herrschende, steigende Nichtung stellungen hierüber fehlten, so müsse sich der Bezirksausschuß noch der Löhne mit der besseren Geschäftslage schärfer und allgemeiner mal mit der Sache befassen. geworden, so daß wohl die Wehrzahl der Fabriken wenigstens fleinere oder teilweise Lohnerhöhungen hat vornehmen müssen. Es mußten vielfach Ueberstunden gemacht, vereinzelt auch Nachtschichten eingelegt werden. wurde. vertagt. Zur Fleischteuerung. Aus der Frauenbewegung. Die agrarische Preffe leistet sich seltsame Scherze. Die Deutsche Tageszeitung" wußte z. B. vorige Woche mit größter Sicherheit zu Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen von Steglit verkünden, daß die Aufforderung zur Aufhebung oder Milderung Zur Lage des deutschen Arbeitsmarktes. Alle Befürchtungen, die und Umgegend veranstaltet am Donnerstag, den 13. Juli, im Zotale der Vieheinfuhrverbote bereits gegenstandslos geworden sei, denn gegen die durchgreifende Besserung des gewerblichen Beschäftigungs- von Schelhase, Ahornstr. 15, ein gemütliches Beisammensein. die Preise auf den Viehmärkten wären schon im Rückgang begriffen grades im Jahre 1905 geltend gemacht wurden, müffen, wie die Für Beluftigungen der Kinder und Unterhaltung ist bestens gesorgt. und würden sich bald wieder ihrem normalen Stand nähern. Als Arbeitsmarttskorrespondenz schreibt, gegenüber der günstigen Ge- Gäste sind willkommen. Bahlreichen Besuch erwartet der Vorstand. Beweis diente ihr der letzte Bericht vom Berliner Schlachtviehmarkt, Verhältnis von Angebot und Nachfrage an den öffentlichen Arbeitsstaltung des Arbeitsmarktes im Monat Juni verstummen. Das der für Schweine, speziell für solche erster Qualität, einen leichten nachweisen Deutschlands im Juni war während der letzten fünf Jahre niePreisfall nachwies. Jedem, der die Marktnotierungen verfolgt, mals so günstig wie im laufenden Jahre. Dabei ist die Besserung von mußte dieser Beweis lächerlich erscheinen, denn derartige fleine 1904 auf 1905 besonders beträchtlich. Es tamen nämlich auf je Preisschwankungen treten sehr oft ein, besonders in den heißen 100 offene Stellen im Juni des laufenden Jahres 113,4 Arbeit Sommermonaten. Eine plögliche starke Steigerung der Temperatur suchende gegen 124,1 im Parallelmonat des Vorjahres. An dem Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Bublikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Mittwoch, den 12. Juli Anfang 7, Uhr: Neues Operntheater. Die Fleder maus. Berliner. Figaros Hochzeit. Zentral. Die Geisha. Anfang 8 Uhr: Schiller 0.( Wallner Theater.) Oberon, König der Elfen. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Hofgunst. Westen. Das Garnisonsmädel. Kleines. Nachtasyl. Lustspielhaus Khriz- Phrib. Carl Weiß. Lehmanns Abenteuer. Belle Alliance. Ben Ali Bey. Reichshallen. Stettiner Sänger. Apollo. Ein Abend in einem ameritanischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. 1 Am Spezialitäten. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwitz- Oper. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hofgunst. Mittwoch, abends 8 Uhr: b. Trotha. Donnerstag, abends8Uhr: Oberon, König der Elfen. Ruftspiel in 4 Auszügen von Thilo Große romantische Oper in drei Atten von Carl Maria v. Weber. Donnerstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Der Troubadour. Freitag, abends 8 Uhr: Populäre Borstell. bei halben Preisen: Der Trompeter von Säkkingen. Hofgunst. Freitag, abends 8 Uhr: Hofgunst. Im Garten täglich: Großes Militär- Konzert. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Fernsprecher IV. 8891. Max Kliem. Metropol. Die Serren bon Magim. Diez Spezialitäten-Theater. Diez' Seeterrasse, Paffage- Panoptikum. Der lebende Eismensch. Wintergarten. Spezialitäten. Berliner Prater Theater. Zwischen Himmel und Erde. Landsberger Allee 76/79, direkt an der Ringbahnstation. Os schön! Täglich 06 Regen! Stadt Theater Moabit. Mutter im herrlichen Garten oder Saal: Gräbert. Urania. Taubenstraße 48/49. Tierleben in der Bildnis. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet bon 7 bis 11 Uhr. Kleines Theater Anfang 8 Uhr. Nachtasyl. Donnerstag: Vater Riekmann. Die Neuvermählten. Freitag, Sonnabend: Nachtasyl. Konzert und Vorstellung. Vollständig neues Programm, bas größte und beste Berlins. Entree Bochentags 20 Bf., Sonntags 40 Senfations- Nummern. Apollo- Theater. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9½ 1hr abends statt. Geöffnet: 7 Uhr. S. M. 1000 Millionen= 1 Milliarde. Fröbels Allerlei- Theater ( früher Buhlmann) Schönhauser Allee Nr. 148. Heute: W. Noacks Theater. Direktion: Rob. Dill. Brunnenstr. 16, Bum legten Male: Das bestventilierte Theater Berlins Konzert, Theater, Spezialitäten. Genießet das Leben! mit großem Garten! Größter Lacherfolg! Der Gipfel der Komit! 10 Uhr: Ein Abend in einem amerikan. Tingel- Tangel. Borher: Hochzeitsabend von Paul Linde und Spezialitäten. Metropol- Theater Der größte Erfolg der Saison! Zum 248. Male: Die Herren von Maxim. Große Ausstattungsposse mit Gesang und Ballett in 5 Bildern. Anf. 8 Uhr. Lichtenberg Rachon gestattet. Röderstr. 6. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: Großes Militär- Konzert. Auftreten des phänomenalen Meisterfabrers Alfred Schneider mit Carl Weiß- Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Täglich 8 Uhr: Dazu: 20 Attraktionen 1. Ranges. Arbeit schändet nicht. Voltsstück mit Gesang in drei Atten von Reiflingen. Anf. 4 Uhr. Entree 30, Sperrfik 50 Pf. Hasenheide 108/114 Berliner Lebensbild von. Gericke, Musik von Alfred Sommerfeld. Dazu die erstklassigen Spezialitäten. Anfang 7 Uhr. Kaffeeküche von 3 Uhr. Neue Welt Arnold Scholz Mittwoch, den 12. Juli: Großes Ernte- Fest, verbunden mit Erntewagen, Erntefestzug, Kinderwertvoller Fackelpolonaise Gratisverlosung cente. und Hauptgeminne: Goldene Damen- und Herren- Uhren. Promenaden- Konzert von der Hauskapelle. Dir. J. Botha. Spezialitäten- Vorstellung. Anfang 4 Uhr. Entree 15 Bf. Morgen, Donnerstag: Elite- Tag. Doppel- Konzert. Monstre- Feuerwerk. jeine Zodes- Bindernissprung. Lehmanns Abenteuer Weidenweg 12 monatt. 75 W.( 87412] aben mit Wohnung, Auftreten der weltberühmten Turmseil- auf dem ruff.- jap. Kriegsschauplay. Um 6 und 10 Uhr: künstler ,, The Liepelts". Brillant- Land- u. Wasser- Feuerwerk. und Ball. 30 Pf. Jeder Erwachsene hat ein Erstkl. Spezialitäten, Theater Stind unter 10 Jahren frei, ältere zahlen halben Eintrittspreis. Wochentags 10 Pf. Den berehrlichen Rauchern unserer bekannten fellow- Zigaretten 餃 zur gefl. Kenntnisnahme, daß wir mit der Dresdener Streitbewegung Neues kgl. Opern- Theater.hts zu tun haben. fellow- Zigaretten, Anfang( Kroll.) 7 Uhr. Wir bringen unsere vorzüglichen Die Fledermaus. Operette in 8 Akten v. J. Strauß. Donnerstag: Der Widerspenstigen Zähmung. Freitag: Gastspiel Théa Dorré: Carmen. Sonnabend: Der Widerspenstigen Zähmung. Sonntag: Gastspiel Thea Dorré: Carmen. die in allen Preislagen, sowohl mit als ohne Mundstück und in allen Spezial- Geschäften zu haben sind, in empfehlende Erinnerung. 36752* Vereinigte Zigaretten- Fabriken A.-G., Stuttgart. Im Sommergarten: Das phänomenale Juli Programm. Anfang 5 Uhr. Mittwoch: Großes Kinderfreudenfeft. Ostbahn- Park. M. Der Roland von Berlin. Wochenschrift für das Berliner Leben. Herausgeber: Dr. L. Leipziger. Die morgen erscheinende Nummer enthält u. a.: Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71. Die beiden Thyssen Hermann Imbs. Täglich: Gr. Konzert, Theater und SpezialitätenVorstellung. Bochentags: Entree 15 Bf., wofür ein Glas Bier verabreicht wird, also 200 tein Entree, V. Kampf.= Preis der Einzelnummer: 20 Pf. Abonnements 2 M. pro Quartal nehmen entgegen: Die Post, alle Buchhandlungen des In- und Auslandes und der Verlag, Tauenzienstraße 20, 1. Urania Tauben8 Uhr: str. 48/49. Sonntag, den 16. Juli 1905: Schweizer- Garten Große Dampfer- Partic nach Neue Mühle Tierleben in der Wildnis. Am Königstor. Am Friedrichshain 29/32. Sternwarte Invalidenstr. 57/62. CASTAN'S ANOPTICUM. PAN New!! Friedrichstr. 165. Admiral Togos Besuch bei Admiral Roschdjestwensky Hospital zu Kioto! 93 im Neu! Elitekapelle Berolina". Lebende Photographien! Paccage- Panopticum. Die Sensation der Saison. Jeden Mittwoch: Kinder- Freudenfest. Jedes Kind erhält eine Fackel zur Polonaise gratis. Theater- Vorstellung. Spezialitäten n. Ball. Volksbelustigungen. Täglich: Vorstellung. Paul Schwarz' Sommer- Theater Lichtenberg, Dorfstr. 25 26. Täglich: Konzert. Große Spezialitätenvorstellung. ( mit Musik) arrangiert vom Spar- und Kredit- Verein ,, Süd- Ost" " verbunden mit vielen Ueberraschungen zu Wasser und zu Lande. Beder Mühe noch Kosten sind gescheut, um diese Partie zu einer der angenehmsten in den dunklen Bülow- Tagen zu gestalten, und sind Freunde und Gönner zur Fahrt nach Nußland" auf dem Polemfin" freundlichst 127/8 eingeladen. Billetts a 1,30 M. für Hin- und Rückfahrt sind in der Cuvrystraße 25 sowie morgens 17 Uhr am Dampfer zu haben. Abfahrt 7 Uhr von der Waisenbrücke( Nähe Jannowißbrücke). Carl Wiefenthal Restaurant Zum Volksheim" " Fernspr.: Amt III 5114 Ackerstr. 123 Fernspr.: Amt III 5114 Jeden Donnerstag Freikonzert. Groß. fattig. Naturgarten, Saal 250 Perf., 2 Vereinszimmer je 20 u. 60 Perf. fass., stehen den geehrt. Vereinen, Parteigenossen, Kollegen, Freunden und Bekannten zur freundlichen Benuzung zur Verfügung. 29596 Deutscher Holzarbeiter- Verband. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß der Tischler Hermann Petrick am 9. Juli nach kurzem Strankenlager verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Donnerstag, den 13. Juli, nach mittags 52 Uhr, von der Leichenhalle des Emmaus Kirchhofes aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 88/15 Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Todes- Anzeige. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Der Rieferte Spearste Zentralverband der Maurer Deutschlands. Stanislaus Zimmermann Machnow der größte Mensch, der je gelebt hat. Chne Extra- Entree. Neu! Zum erstenmal in Europa: Der lebende Eismensch aus dem nördlichsten Kanada. Ohne Extra- Entree. OOLOGISCHER CARTEN Täglich nachmittags 5 Uhr: MilitärDas großartige Juli- Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite- Tag. Otto Pritzkows Abnormitäten- Ausstellung Münzstr. 16. Neu?????? Neu ? Mne- Mno- Mni!? frei in der Luft fliegende Türkin ? Anatom. Rätsel. Med. Wunder. Neu renoviert! Nen renoviert! Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe der Rabitzputzer und Rabikputerträger. Donnerstag, den 13. Juli 1905, abends 812 Uhr: Mitglieder- Versammlung im Gewerkschaftshause, Engel- üfer 15( Saal 5). Tages- Ordnung: 1. Fortsetzung der Diskussion über: Stellungnahme resp. Forderungen der einzelnen Gruppen zu der bevorstehenden Tarifverhandlung. 2. Anträge der Spanner zum Regulativ des Arbeitsnachweises. Bahlreichen Besuch erwartet 147/ 2* Der Vorstand. J. A.: Wilh. Müller. Mitgliedsbuch legitimiert! Doppel- Konzert Victoria- Brauerei Verein der Zimmerer Berlins u. Umgegend Eintritt 1 Mk., ab 6 Uhr 50 31., Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Täglich: Zwischen Himmel und Erde. Gr. romantisch. Ausstattungsstüd. Neue Dekorationen und Kostüme. Eine schreckliche Nacht. Große Pantomime der Guitano Bhoites Troupe. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Plazz 50 Pf. Lützowstr. 111/112. Täglich: Horst's Sänger. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Zahlstelle Steglitz. Sonnabend, den 15. Juli, im Birkenwäldchen zu Steglių: Großes 258/1 Sommer- Vergnügen unter Mitwirkung der Volkssänger- Gesellschaft Lewandowski. Ball. Ball. Kaffeepause. Verlosung. Anfang 8 Uhr. Um zahlreichen Besuch bittet Entree 30 Pf. Das Komitee. Achtung! Fliesenleger. Achtung! Donnerstag, den 13. Juli cr., abends 8½ thr, Kommandantenstr. 72: Bernhard Rose- Theater Außerordentl. Mitglieder- Versammlung der Vereinigung der Fliesenleger Deutschl., Ortsverein Berlin, Gesundbrunnen, Badstraße 58. Täglich: Das großartige Juli- Programm. Paul Coradini, Marka Freya, Artur Wolff, Ormais Latourés, Johnke- Compagnie, Edith Harle, Ein toller Morgen im Park, Bantomime der Hilton- Compagnie, sowie das Zugstüd 290/8 Abteilung I u. II. Zages- Ordnung: 1. Stellungnahme zum neuen Tarts. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. Der Wichtigkeit der Tagesordnung entsprechend erwartet zahlreichen Besuch Der Vorstand. am 9. Juli abends nach langen Leiden gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 13. Juli, nachm. 42 Uhr, von der Leichenhalle des St. Michael Kirchhofes in Mariendorf( Mariendorfer Weg) aus statt. 120/2 W Rege Beteiligung erwartet Die Ortsverwaltung. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei der Beerdigung meines Unserem lieben Freunde Robert Butziger, dem am längsten im 5. Kreise tätigen Genossen, zum 60. Geburtstage unsere 245/13 herzlichste Gratulation, mit dem Wunsche, daß er noch recht lange in Frische und Gesundheit in der Partei weiter wirke. Der Vorstand und die Genossen des Wahlvereins. Unserem Parteigenossen Franz Mertens und seiner treuen Lebensgefährtin die herzlichsten Glückwünsche zum 25jährigen Ehejubiläum. 29606 Die Genossen des 501. Bez. im Sozialdem. Wahlverein des 6. Kreises. Danksagung. Für die herzliche Teilnahme an dem Begräbnis meines Iteben Mannes Wilhelm Hanne sage ich allen meinen Freunden und Bekannten, sowie den Sängern und Kranzspendern meinen herzlichsten Dant. 29586 Witwe Hanne. Saalu. GartenEtablissement zum 1. Oktober, eventuell früher zu verkaufen. Dasselbe ist sehr um fangreich und gibt über alle näheren Details solventen Reflektanten bereit. willigst Auskunft Neimann, Greifs walderstraße 220,- auch lieben Mannes, meines guten Waters, Münchener Brauhaus A.-G., des Zimmermanns Heinrich Jäschke sowie für die vielen Kranzspenden sagen hiermit allen Verwandten und Bekannten sowie allen Freunden und Kollegen, insbesondere dem Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend unseren herzlichsten Dank. Auguste Jäschke geb. Schmidt Lochter. Dr. Simmel, PrinzenStr. 41, Spezialarzt für 15/11 Hant- und Harnleiden. 10-2, 5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Johannisstr. 17/19. In II. Aufl. ersch. u. in allen Wesen u. Buchhandlungen erhältl.: m. 20 jährigen Nasen-, Behandlung Rachen- und Mittelohr- Katarrhs mit starker Schwerhörigkeit und Ohrensansen", barg. an fehr erfolgreicher Stur von J. D. Möller. Preis 2 M. ma Berf. beschäftigt sich nicht mit Behandlungen. Berlag Möller, Bremen 6. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis: Zimmer 34. Amt IV, 8353. Donnerstag, den 13. Juli 1905, abends 8%, Uhr, bei Franke, Sebastianstraße 39: Versammlung der Metalldrücker Berlins und Umgegend. Tages Drdnung: Stellungnahme zur Reversunterschrift. Kollegen Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung ist das Erscheinen aller notwendig. Die Loreley. An die Arbeiterschaft Berlins! 3ur besonderen Beachtung! Anfang 4%, Uhr. Entree 30 Pf. Numer. Blab 50 31. Wie aus dem„ Vorwärts" bekannt, befinden sich die Arbeiter und Arbeiterinnen der Boranzeige. Die Traumtänzerin Kürschnerbranche seit dem 26. Juni im Ausstand. Schon in der ersten Woche haben von Magdalena tommt! 58 Arbeitgebern 39 unfere Forderungen anerkannt und wären wir heut mit unserer Bewegung vielleicht schon zu Ende, wenn das Groß- Unternehmertum das zum größten Teil in der Haus industrie produzieren läßt sich nicht des Geldbeutels bedroht fühlte und nun einen Terrorismus anf die Hausindustriellen ausübte, wie er bis jetzt bei wirtschaftlichen Kämpfen kaum brutaler in Erscheinung getreten ist. WINTERGARTEN Die Groß- Unternehmer, die am 27. Juni d. J. einen Arbeitgeber.Verband gründeten, dem Anfang 8 Uhr. Das brillante wie zum Sohn die Sausindustriellen als Mitglieder angehören können und auch viele beigetreten find, faßten am 6. Juli den Beschluß, daß kein Hausindustrieller Arbeit erhält, der nicht die Bewilligung zurückzieht. Die Folge davon war, daß sich der Hausindustriellen eine furchtbare jämmerliche Angst bemächtigte und von 63 derselben, die die Forderungen anerkannt hatten, folgende Herren ihre Unterschrift zurückzogen: R. Bürger, Neue Jakobftr. 8. Bogk, Greifswalderstr. 211. Fränkel, Kronenstr. 11. Fränkel, Chriftinenftr. 6. Falk, Brenzlauerstr. 4. Fest. Grenzstr. 6. Freitag, Jerufalemer. ftraße 8. Goldstein, Fischerstr. 24. Götz, Elisabethstr. 44. Klonower, Gberthstr. 3. 65. Kirchner, Juli- Programm. Kusber, Wetersburgerit, ite gatebr. 90. Grubitz, Vippehnerstr. 13. Leistner, SniprobeAm 15. Juli: in dieser Saison. Korrodonnoff, Jakobstr. straße 14. Nebel, Gitschinerstr. 87. Niemann, Grenzstr. 11. Posnatzki, instr. 25. Sawady, Prenzlauer Allee 1. Szelatus, Immanuelfirchstr. 35. Salzwedel, Samariterftr. 16. Stolz, Ruppinerstr. 10. Schreitmüller, Wörtherstr. 27. Sigall, Mulachstr. 35. Thomas, Frauseckiftr. 3. Silberstein, Münzstr. 20. Wenzel, uckenwalderstr. 15. Zabel, Elbinger: ftraße 38. Dieses Unternehmertum diftiert den Hausindustriellen, keine organisierten Arbeiter und Letzte Vorstellung Arbeiterinnen zu beschäftigen. Dadurch sind wir zum allgemeinen Ausstand gedrängt worden und appellieren an die Arbeiterschaft, uns in dem Kampf nur dadurch zu unterstützen, daß sie ihre Frauen und Töchter nicht als Streitbrecher arbeiten lassen, so lange wir uns im Ausstand befinden. Deffen sind wir uns sicher, daß wir siegen werden, wenn die Arbeitswilligen, die die Herren fich rühmen namentlich unter den Heimarbeiterinnen zu finden, so viel wie möglich der Arbeit entzogen werden. 268/1 Reichshallen. Dienstag, 1. Aug. Gastspiel d. berühmten Oskar Junghähnel mit seiner vorzüglichen Herren: Gesellschaft Anf. 8 Uhr, Sonnt. 7 Uhr. Biederbeginn der Soireen der Stettiner Sänger. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im großen schattigen Garten: Streich- Konzert. Ricardo Munez. Bei ungünstigem Wetter im Saal. Der Vorstand des Deutschen Kürschner- Verbandes, Zahlstelle Berlin. Der Vorstand des Verbandes der Kürschner Berlins und Umgegend. Gemeinsames Streifbureau: Mendelssohnstr. 9. Arbeiter- Radf.Bund Freiheit. Sonnabend, 15. Juli, in der Brauerei Friedrichshain, früher Lipps, am Königstor: Erstes Kreisfest bestehend in Garten- Konzert des Neuen Berliner Konzert- Orchesters. Dirigent Rudolf Tietz. 13/12 Auftreten des Berliner Ulk- Trio. Gesangsvorträge des Männer- Gesangvereins Liedes- Freiheit( M. d. A.-S.-B.). Sportliche Aufführungen der Bundes- Vereine. Großer Ball bei zwei stark besetzten Orchestern. Billetts 20 Pf. Anfang 4 Uhr nachmittags. Ausführliche Programme an der Kontrolle gratis. Die Kaffee- Küche ist den geehrten Damen von 4 Uhr ab geöffnet. Der Fest- Ausschuß. Alle unsere Mitglieder, Bertrauensleute und Zahlstelleninhaber machen wir darauf aufmerksam, daß durch die Beschlüsse des Verbandstages vom 1. Juli dieses Jahres ab( 27. Woche des Mitgliedsbuches) der wöchentliche Beitrag für männliche Mitglieder um 10 Pfennig und für weibliche um 5 Pfennig pro Woche erhöht wurde. Alle zur Berwaltungsstelle Berlin gehörigen Mitglieder haben jonach inkl. des Rofalzuschlages 60 refp. 25 Pfennig wöchentlichen Beitrag zu leisten. Das hierzu nötige Material können die Vertrauenslente vom 12. Julf ab bei den Bezirkskaffierern entnehmen. 120/3 Die Ortsverwaltung. Bauhandwerker- Krankenkasse für Berlin und Umgegend.( E. H. Nr. 118.) Laut Beschluß der tombinierten Sigung vom 30. Juni 1905 findet die General- Versammlung Tages Drdnung: am Donnerstag, den 27. Juli er., abends 8, Uhr, in Dräsels Sestsälen, Neue Friedrichstr. 35, statt. 38/ 3* 1. Abrechnung des Staffierers vom ersten halben Jahr 1905 und Revisionsstellen und Wahl sämtlicher Hülfstaffierer. 4. Innere Stassenangelegenheiten. 2. Lohnjeftfegung des ersten Staffievers. 3. Regelung der ZahlNB. Die Bersammlung wird pünktlich eröffnet. Mitgliedsbuch legitimiert. bericht. Bahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. J. A.: H. Mette. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Zahlstelle Berlin. Bureau: SO., Engel- Ufer 15. Fernsprecher: IV, 3578. Parkettbodenleger! Donnerstag, 13. Juli, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15'; Kommissionsfihung mit Vertrauensleuten. Die Vertrauensleute werden ersucht, die verkauften Billetts zur DampferPartie möglichst abzurechnen. Die Kollegen werden ersucht, sich an der am Montag, den 17. Juli, stattfindenden Dampfer- Partie rege zu beteiligen. Abfahrt morgens 7 Uhr von der Stralauer Brücke, zwischen Jannowiß- u. Waisen Brücke. 88/14 Die Kommission der Parkettbodenleger. Verband der Töpfer. filiale Berlin. An die Bau- Vertrauensmänner! Allen Kollegen zur Nachricht, daß umständehalber die Protokolle der Generalversammlung in München an den bekanntgegebenen Tagen, 13. und 14. Juli, nicht zur Ausgabe gelangen können. Nähere Angabe über die Verteilung der Protokolle in der nächsten Bersammlung. 196/5 Der Vorstand. 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Oftober. 29416* Blumenstraße 37. 2940b* und Umgegend. Berantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den Inseratenteil verantwv.; Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Berlagsanstalt Paul Annahme- Stellen für„ Kleine Anzeigen". Osten: Wengels, Frankfurter Allee 79. Gustav Vogel, Koppenſtr. 83. H. Ramm, Holzmarktstr. 48a. Nordosten: 2. Zucht, Seibelstr. 42. J. Neul, Barnimitr. 42. Norden: H. Raschke, Rügenerstr. 24. Karl Mars, Kastanien- lee 95/96 E. Stoltenburg, Wiesenstr. 41/42. 2. Dechand, Ruheplatstr. 24. H. Vogel, Demminerstr. 32. A. Tiek, Invalidenstr. 124. Karl Anders, Salzwedelerstr. 8. Nordwesten: Südwesten: H. Werner, Mittenwalderstr. 30. H. Schröder, Kreuzbergstr. 15. Süden: St. Frih, Prinzenstr. 31. F. Gutschmidt, Kottbuser Damm 8. Südosten: Paul Böhm, Laufizer Platz 14/15. P. Horsch, Engel- llfer 15. Charlottenburg: G. Scharnberg, Sesenheimerstr. 1. Friedrichsberg: D. Seitel, Kronprinzenstr. 50. Rixdorf: M. Heinrich, Prinz Handjerystr. 7. Conrad, Hermannstr. 50. Wilh.Bäumler, Martin Lutherstr. 51 Schöneberg: Weißensee: W. Reske, Sedanstr. 53. Jul. Schillert, König- Chauffee 39a. Reinickendorf: P. Schüler, Provinzstr. 108 im Lad. Singer& E., Berlin SW ». 160. 22. MM, 2. Inidde des Lomiiets"|f rline r Pslkslilatt. 12 i",i 1905 Parteigenossen! Heute partei-)Znge!egenkeiten. Dritter Wahlkreis. Heute zum Zahlabend wird die Broschüre „Religion ist Privatsache" an die Mitglieder verteilt. Der Vorstand. Münster Wahlkreis. Die Broschüre des Genossen Stampfer: »Jj. ReligionPrivatsache?" gelangt nur am heutigen Z a h l a b e n d zur Gratisverteilung. Eine spätere Gratisabgabe findet nicht statt. Der Vorstand. BerUncr Nacbncbtcn. Die Reichstagsnachwahl im Kreise Oberbarnim findet morgen, Donnerstag, den 13. Juli, statt. Kandidat der Sozialdemokratie ist Stadtverordneter Bernhard Brnns-Berli«. Zur Förderung der Agitation können die Berliner Arbeiter sehr viel beitragen, wenn sie ihre hier in Arbeit stehenden, aber im Kreise Oberbarnim wohnhaften Kollegen veranlassen, daß sie am Wahltage rechtzeitig nach ihrem Wohnorte fahren und dort ihr Wahlrecht ausüben. Jede Stimme kommt in Betracht; wir erwarten daher, daß auch in Berlin jedermann seine Pflicht tue. Das Wahlkomitee. I. A.: Gustav Nowag-Strausberg. Zu einer alten Liebe scheinen Polizei und Schöffengericht zurückzukehren. Als der neue Kurs nach Beendigung des Sozialistengesetzes einsetzte, machte die Polizei die Erfindung, daß das Publikum, das sich durch fiktiven groben Unfug belästigt zu fühlen habe, in Ermangelung anderer zur Not auch aus Polizisten bestehen könnte; und so ward denn der berühmte Beamte in die Welt gesetzt, der nach einem auch nicht revolutionären Hoch auf die Sozialdemokratie die Oeffentlichkeit bilden mutzte, die fich vorschriftsmäßig durch Ausbringung dieses Hochs„beunruhigt" zu fühlen und die beabsichtigte Bestrafung eines Sozialdemokraten zu ermöglichen hatte. Die unteren Gerichte ver- urteilten damals auch vielfach nach dem Antrage des Staatsanwalts; die endgültig entscheidende Instanz machte aber der Geschichte ein Ende, indem sie einem Polizeibeamten die starken Nerven zuschrieb. die er als gewesener Soldat haben mutz; er sei kein Publikum, dürfe sich nicht bereits durch ein Hoch beunruhigt fühlen und auf diese Weise im öffentlichen Leben eine lächerliche Figur bilden. Wie wir in Nr. 1S6 mitteilten, hat es mit einem Male wieder einen durch ein sozialdemokratisches Hoch beunruhigten Polizisten gegeben; ein Kriminalbeamter mutzte sich hier in eine geschlossene Fachvereinsversammlung einschleichen. durch Anwesenheit seiner Person das Merkmal der Oeffentlichkeit schaffen und so da? Material zu einer Anklage liefern, auf Grund welcher das Schöffen- gericht denn auch eine Verurteilung aussprach. Kurz und gut, der durch das Hoch auf die Sozialdemokratie beunruhigt? Beamte wandelt leibhaftig wieder aus preußischen Fluren umher und wird sein vielbestauntes Dasein erst aushauchen, wenn Land- und Kammer- gericht über ihn das Todesurteil fällen. Der Brave hat inzwischen gar einen Kollegen bekommen, der allerdings durch die Grausamkeit der Strafkammer bereits in die Gefilde der Seligen eingegangen ist. Seine Geschichte sei hier wiedergegeben: Der Metallschleifer Tesche stand bei Gelegenheit des Gürtler- und Drückerstreiks in der Naunhnstratze öS vor dem Hause der Firma Otto Schulz Streikposten. Ungefähr um 10 Uhr vormittags kam ein anscheinend dem Arbeiterstande angehörender Mann und ging in das Ouergebäude, wo sich das Kontor der Fabrik befindet. Von der Straße aus sah man, wie der Betreffende den Hut zog; gleich darauf kam der von Tesche für einen Arbeiter Gehaltene wieder auf die Stratze. Hier fiagte ihn Tesche, ob er wegen Arbeit angefiagt hätte; Tesche erhielt die Gegenfiage, warum er diese Frage stelle, worauf Tesche ihn daraus aufmerksam machte, daß sich die Arbeiter der Firma im Streik befänden. Jetzt legitimierte sich der anscheinende Arbeitswillige als Kriminalbeamter und forderte Tesche auf. ihm unverzüglich zur Wache zu folgen. Nach einigen Tagen erhielt Tesche ein Straf- mandat in Höhe von 30 Mark oder 6 Tage, weil er, wie es in der Verfügung heißt, den Kriminalschutzmann Wetze! durch unnütze Redensarten belästigt und hierdurch groben Unfug verübt habe. Gegen diese Verfügung wurde richterliche Entscheidung eingelegt. Das Schöffengericht hielt das Strafmandat für begründet, indem es ausführte, daß grober Unfug vorliege. Es fei das Publikum in seiner Allgemeinheit belästigt, da der Angeklagte auch jeden anderen anS den Kreisen der Arbeits- willigen, der bei Schulz Arbeit nehmen wollte, in gleicher Weise belästigt haben würde. Gegen dieses Urteil wurde Berufung ein- gelegt. Der Kriminalschutzmann bekundete vor der Strafkammer, Tesche habe zwar nicht laut gesprochen, ihm auch nicht den Weg vertreten, ihn auch nicht bedroht, auch nicht einmal in drohendem Tone die Worte:„Hier wird gestreikt" gesprochen. Er sei aber nach der ganzen Statur des Tesche— Tesche ist ein großer Mann— und den ganzen Umständen nach, obwohl andere Streik« Posten als Tesche nicht da gewesen seien, doch der Ansicht gewesen, daß sich andere Personen als er hätten durch Tesche ein- schüchtern lassen können. Man habe ihm auch von feiten der Firma, bei der er zu tun gehabt habe, gesagt, daß Belästigungen vorgekommen seien. Deshalb habe er die Anzeige erstattet. Der Verteidiger. Rechtsanwalt Dr. Heinemann, führte aus, daß hier eine Bestrafung der einfachen Ausübung des Koalitionsrechtes als solcher vom Schöffengericht ausgesprochen sei, da Tesche nichts anderes getan habe, als was nach der Entscheidung des Reichs- gericht? im 34. Band die Ausübung des Koalitionsrechtcs bilde. Diese bloße Ausübung habe das Schöffengericht bestrast. Grober Unfug liege aber auch nicht vor. da sich das Verhalten Tesches nicht gegen das Publikum in seiner Allgemeinheit, sondern gegen ganz bestimmte Arbeitswillige gerichtet habe. Endlich könne von einer Gefährdung des äußeren Bestandes der öffentlichen Ordnung und einer Beunruhigung des Publikums ernstlich wohl nicht ge- sprachen werden. Nachdem der Staatsanwalt erneut die Be- strasting Tesches beantragt hatte, sprach die Strafkammer Tesche f r e», indem sie das Vorliegen aller Tatbestandsmerlmale des groben Unfugs verneinte. Das Trauerspiel hat damit ein Ende genommen. Ob wir noch mehr derartige Gerichtsepisoden zu erleben haben? Wenn Polizei und Staatsanwaltschaft meinen, durch solchen Krieg gegen den Um- stürz das Ansehen des Staates heben zu können— uns bereiten dies« Dinge auf alle Fälle Behagen. ZeitnngSwncher. Nicht selten gehen uns aus unserem Leserkreise Beschwerden darüber zu, daß ihnen auf der Straße von fliegenden Händlern mehr als fünf Pfennig für den„Vorwärts" abverlangt werden. NamenKch find etliche Händler in der Friedrichstraße groß ist Zafylaknd in darin, Nachrichten, die gar nicht einmal eine hervorragende Bedeutung haben, sensationell auszuschreien und dann das Blatt für fünfzehn, fünfundzwanzig, ja fünfzig Pfennig an den Mann zu bringen. So schrieb uns gestern ein Leser, daß in der Nähe vom Panoptikum ihm ein Händler fünfzehn Pfennig für den„Vorwärts" abverlangt habe und zwar unter der Begründung, daß er selber zehn Pfennig für die Nummer bezahlt habe. An die Zuschrift ist die wohlwollende Mahnung geknüpft, doch einen festen Verkaufspreis einzuführen und auch bei besonderen Gelegenheiten das Publikum nicht zu überteuern. Mahnungen dieser Art sind insoweit gegenstandslos, als die Versicherungen der Händler, auf die sie sich gründen, purer Schwindel sind. Was immer auch an politischen Ereig- nissen eintreten möge, die Händler zahlen in der Expedition den ein für allemal festgesetzten Preis, über den unsere Expedition nie hinausgeht. Uns selber ist der Schwindel dieser Sorte Zeitungs- Händler am unangenehmsten, weil sein Ursprung ganz un- berechtigt oft auf uns zurückgeführt wird. Den Preistreibereien gegenüber sind wir aber völlig ohnmächtig, da die Zeitungen in dem Augenblicke, wo sie an die Händler verkauft worden sind, deren unbeschränktes Eigentum werden und es ihnen vor dem Gesetz unbenommen ist, für ihre Ware einen beliebigen Preis zu fordern. Die Hauptfrage ist eben, ob das Publikum töricht genug ist, einen unverschämten Preis zu zahlen, und das hat niemand nötig, da es auch in der Gegend der Friedrichstraße genug reelle Händler gibt, die stets bei dem normalen Preis von fünf Pfennig für die Wochentagsnummer und zehn Pfennig für die Sonntagsnummer bleiben. Es kommt auf die Selbsthülfe der Leser an, hierin Wandel zu schaffen. Die Niederlage der Großen Berliner. Zu dem Prozeß der Großen Berliner Straßenbahngesellschaft gegen die Stadtgemeinde Berlin haben wir bereits mitgeteilt, daß die Gesellschaft unterlegen ist. Das Reichsgericht hat endgültig ausgesprochen, daß der Straßenbahngesellschaft kein Einspruch gegen die Fortführung der Hoch- und Untergrundbahn vom Potsdamer Platz nach dem Spittel- markt, auch keinerlei Schadensersatzanspruch zusteht, lieber die Urteilsbegrüudung— Referent war der Reichsgerichtsrat Dr. v. Schwarze— wird berichtet: Das Reichsgericht hat sich den Ausführungen der von der Gesellschaft eingelegten Revision nicht anschließen können, daß der Zustimmungsvertrag dem Unternehmer ein ausschließliches Recht auf einen bestimmten Verkehrsbezirk ein- räume. Wohl wird man im allgemeinen annehmen dürfen, daß, wenn ein solcher Vertrag zustande gekommen ist, der Regel nach, sofern weiter nichts vorliegt, beide Teile sich gewisse Einschränkungen gefallen lassen müssen- einesteils vielleicht die Unternehmerin die- jenigen Beschränkungen und Aenderungen, die im öffentlichen Jnter- esse erfordert werden, andernteils die Stadtgemeinde diejenigen Be- schränkungen, die die Rücksichtnahme auf den Gewerbebetrieb deS Unternehmers erfordert. Aber im vorliegenden Falle brauchen diese Gesichtspunkte nicht erörtert zu werden, weil eine bestimmte einheit- lickie Feststellung vom Kammergericht getroffen worden ist. In der Faffung der Verträge ist nichts enthalten, was der Gesellschaft ein Betriebsmonopol sicherte; es ist vielmehr aus den Verhandlungen und einzelnen Vertragsabschlüssen festgestellt, daß die Stadt gegen- über den Bestrebungen der Straßenbahn, gewisse Monopole und Konkurrenz-AuSschließungen zu erhalten, sich ablehnend ver- halten habe. Daraus hat das Kammergericht einwandfrei den Schluß gezogen, daß die Stadt sich freie Hand gehalten habe für die Erteilung der Zustimmung zu allen übrigen Projekten die noch austauchen könnten. Damit ist allen weiteren Unter- suchungen aus diesem Gebiete der Boden abgeschnitten. Es würde sich höchstens noch fragen, ob die Stadtgemeinde schikanös von ihrem an und für sich bestehenden Rechte Gebrauch gemacht hat, was das Kammergericht verneint hat.— Mit dieser Entscheidung des Reichs- gerichtes wird der Taktik, die die Große Berliner Straßenbahn- Gesellschaft der Stadtverwaltung gegenüber eingeschlagen hatte, hoffentlich ein Ende gemacht. Die Entscheidung ist zugleich maß- gebend für andere Versuche der Gesellschaft, die Konkurrenz, ins- besondere der Stadt als Unternehmerin von Straßenbahnlinien, anzufechten. Die Kosten des Prozesses, welche die Straßenbahn zu tragen hat, sollen sich bei dem von 20 auf 10 Millionen herabgesetzten Objekt auf mehr als eine halbe Million Mark stellen. Der Minister des Geistes und das Turnen. Nach einem Erlaß des Kultusministers soll der Turnunterricht gefördert werden. Wünschenswert ist es nach dem Erlaß, daß auch die Hochschulen dem Turnen mehr Aufmerksamkeit und Interesse entgegenbrächten. Weder die Universität noch eine andere Hochschule der RetchShanptstadt be- sitzt eine Turnhalle oder einen Turnplatz, nicht einmal einen Turn- lehrer. Für das gewöhnliche Volk scheint der Kultusminister daS Turnen weniger zuträglich zu halten, denn anders würde er ja wohl die Stadt Berlin nicht so lange gezwiebelt haben, bis sie die jugendlichen Mitglieder deS Turnvereins„Fichte" auS den städtischen Turnhallen wies. Zum Abdcckereistrcit. Der Handelsminister, an den sich die nördlichen Berliner Vorortgenieinden vor einigen Tagen mit dein Ersuchen wandten, das für Berlin ungünstige Urteil des KreiS- ausschuffeS zu bestätigen, ist in eine Prüfung des Aktenmaterials eingetreten, so daß die endgültige Entscheidung des Abdeckereistreits bevorsteht. Da es zweifelhaft ist, ob der Minister daS Urteil des KreisauSschuffcs umstoßen wird, so hat der Magistrat bereits Maß« nahmen getroffen, um nach Ablauf der Konzession der Abdeckerei in der Müllerstraße im Jahre 1907 nicht in arge Unannehmlichkeiten zu geraten. Das eventuelle Vergraben der Kadaver ist auS finanziellen Gründen ein Ding absoluter Unmöglichkeit, und auch wenn der Magistrat dem Polizeipräsidenten daS Fortschaffen der gestürzten Tiere usw. überlassen wollte, würden ungeheure Kosten entstehen, wohingegen die Stadt durch den Bau einer Fleischvernichtungs- und Verwertungsanstalt noch Ueberschüsse erzielen kann. Darauf dürfte eS zurückzuführen sein, daß der Magistrat mit dem ForstfiskuS wegen des Ankaufs eineS großen Waldkomplexes zwischen Schulzendorf und Heiligensee verhandelt. Dort befindet sich in der Nähe bereits eine Knochenkocherei und chemische Fabrik. Ueier den diesjährigen Ferienverkehr auf dem Stettiner Bahnhof wird berichtet: Ueber 128 000 Personen sind nach amtlicher Be- rechnung vom Stettiner Bahnhof in den Tagen vom Freitag bis zum gestrigen Montag einschließlich befördert. In Berechnung gc- zogen ist lediglich der Verkehr des Fernbahnhofes ohne Vorortverkehr. Gegen daS Vorjahr bedeutet dies eine Steigerung mn mehr als 12 000 Personen. Besonders auffallend war das Anhalten des starken Verkehrs am gestrigen Montag, an dem allein noch 32 600 Personen abgereist sind oder 9000 mehr als im Vorjahre. Der stärkste Tag war wie alljährlich der Sonnabend mit fast 40 000 Per- sonen. Am Freitag sind über 28 000 Personen abgefahren, so daß auf beide Tage zusammen etwa 63 000 kommen. An Gepäckwagen waren nicht weniger als 1283 Achsen w dm vier Tagen erforderlich. Kerlin und den Vororten! Am Sonnabend wurden allein 897 Achsen gebraucht. Der normale Zustand ist auch heute noch nicht eingetreten. Tie Neueinrichtung in der Herstellung der Fernsprechanschlllsse im Bezirke des Fernsprechamtes III, bei welchem der Anruf des ge- forderten Amtes oder Teilnehmers nicht mehr durch den Sprechenden� sondern durch den Beamten erfolgt, scheint sich wenig zu bewähren. Seitens der Fernsprcchangeschlossenen des Amtes III wird lebhaft darüber geklagt, daß die Herstellung der Anschlüsse statt eine Beschleunigung eher eine Verlangsamung erfahren hat. Oft verzögert sich die Herstellung der Verbindung derartig, daß der Anrufende ungeduldig die Vermittelung des Amtes gar nicht abwartet, wieder- hrlentlich weckt, um dann zu seiner nicht geringen Ueberraschung zu erfahren, daß zwar von dem Vermittelungsamte die Verbindung hergestellt, aber der vorschriftsmäßige Anruf anscheinend nicht er- folgt war. Vielfach wünschen die Teilnehmer wieder den früheren Zustand, welcher eine schnellere Herstellung der Anschlüsse ermög- lichte. Die HauSarztkasse Bolkswohl, Rostockcrstr. 21, ersucht unS, darauf hinzuweisen, daß sie mit dem Unterstützungsverein gleichen Namens, gegen dessen Leiter ein Strafverfahren eingeleitet ist, in keiner Weise identisch ist. Mit Zuckcrsäure sich zu vergiften versuchte gestern morgen um 4 Uhr auf einer Bank im Tiergarten nahe der Großen Stern-Allee der wohnungslose Kaufmann Alexander Döring. Ein Schutzmann fand ihn schwerkrank aus und brachte ihn nach der Charit«. Döring hat die Tat auS Furcht vor Strafe begangen. Er wurde wegen Unterschlagung und Urkundenfälschung von der Polizei gesucht. Durch gefälschte oder ihn nicht betreffende Ausweispapiere hatte er sich bei Geschäften eingeführt, Waren für eine Firma entnommen und den aus dem Verkauf erzielten Erlös in seine Tasche gesteckt.— Ob er am Leben erhalten wird, erscheint zweifelhaft. Der Vertrauensmann des vierten Wahlkreises(Süd-Ost) teilt uns mit: Gefunden wurde in der Nacht vom Freitag zum Sonn- abend auf der Treptower Chaussee ein Paket, enthaltend drei leinene Jacken und eine Hose, wie sie Monteure zu wagen pflegen. Ab» zuholen in der Spedition Lausitzer Platz 14/16. Im Tode vereint. Auf Mord und Selbstmord ist eine LiebcS- tragödie zurückzuführen, die zwei junge blühende Menschenleben ge- fordert und die unsägliches Elend über zwei Familien gebracht hat. Im Grunewald, jener Stätte, die so oft von lebensmüden LiebcS- paaren aufgesucht wird, hat sich das Drama abgespielt. Der 26jährige Schneidergesellc Emil Wille aus der Wrangelsw. 123 hat mitten im Tannengrün bei Schlachtensee erst seine Geliebte, die 19 Jahre alte Hedwig Rosenow, Forsterstr. 61, erschossen und dann sich selbst durch eine wohlgeziclte Kugel in die Schläfe getötet. WaS die beiden eigentlich in den Tod gewieben hat, dürfte wohl ein Ge- heimnis der Toten bleiben. In einem letzten Schreiben an seine Eltern beteuerte das junge Mädchen, daß es lieber aus dem Leben scheiden wolle, wenn sie Emil nicht bekomme. Ein ähnliches Schreiben hatte Wille an feine Mutter gerichtet. Was nun den beiden zu einer Heirat im Wege stand, ist unaufgeklärt; an den Angehörigen lag es jedenfalls nicht. Wenn der junge Mann seine Geliebte auch mit deren Einwilligung erschossen hat. so dürste sich die R. im letzten Augenblicke doch noch gewehrt haben; eS geht dies aus der zerrissenen Ober« kleidung der Leiche hervor. Die Kugel ist zweifellos durch den Mund abgefeuert worden. Der Zustand der beiden Leichen, die bereits acht Tage hindurch im Walde gelegen hatten, war ein ent« setzlicher. Durch den Einfluß der hohen Teniperatur der letzten Hitzeperiode und der letzten Gewitter waren die Körper der Toten bereits in starke Verwesung übergegangen und bis zi« Unkenntlich- keit entstellt worden. Die Hände des W. waren durch Krähen und Ratten fast vollständig abgefressen. Erschütternd war der Augenblick, als gestern in der Mittags« stunde die tiefgebeugten Mütter und Geschwister in der Leichenhalle des Selbstmörder-Fricdhoses zu Schildhorn ihre toten Kinder und Geschwister wiedererkannten. Das Liebespaar hatte vor seinem Tode noch einen Wunsch geäußert: eS wollte in einem Sarge und in einer Gruft beerdigt werden. Um so tragischer ist die unselige Tat, als die Hedwig Rosenow an dein Tage, an welchem sie aus dem Leben scheiden mußte, noch ihren neunzehnten Geburtstag feiern durste. Ein Kind durch Ncbcrfahren getötet. Ein bedauerlicher Unfall, der einem etwa sechsjährigen Knaben, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt werden konnte, das Leben kostete, ereignete sich gestern (Dienstag) vormittag in der Prenzlauer Allee. Das Kind spielte Mit zwei Altersgenossen vor dem Hause Nr. 220 und lief dabei direkt in einen herannahenden elektrischen Wagen der Linie Weißen« see— Schöneberg hinein, trotzdem der Führer desselben fortwährend klingelte. Noch che der Wagen zum Stehen gebracht werden loimte, war der Knabe überfahren. Es bedurfte nun vieler Mühe, um den Kleinen aus seiner gefährlichen Lage zu befreien, doch konnte ein herbeigerufener Arzt nur noch den eingetretenen Tod feststellen. Der Schädel war vollständig zerquetscht. DaS Polizeipräsidium teilt mit: Am 6. Juli d. I.. nachmittags gegen 7l/z Uhr, wurde in den Anlagen der Grimmstraße eine ungefähr 60 Jahre alte, dem Arbeiterstande angehörende Frau im bewußt- losen Zustande aufgefiuiden und nach dem Krankenhause am Urban gebracht, wo sie bis jetzt das Bewußtsein nicht wieder erlangt hat. Sie war bekleidet mit einer weiß- und blaugestrciften Bluse, blau und weiß punktiertem Kleiderrock, braunen Strümpfen, die schwarz angesttickt und mit P. L. gezeichnet sind, schwarzen Zugschuhen; sie hat graumeliertes Haar und defekte Schneidezähne. Mitteilungen über die Persönlichkeit der Kranken werden in jedem Polizeirevier schriftlich und mündlich wie auch bei der Kriminalpolizei, Alexander- straße 3/6, Ziinmer 334 II, zur Tagebuchnummer 6140 IV 41 06, entgegengenommen. Zwei Zusammenstöße werden vom gestrigen Tage auS dem Straßen bahn betriebe gemeldet. Der Flaschenbier- wagen des Bierverlages von Wilhelm Kube in Reinickendorf, wollte vor dem Haufe Jnvalidenftr. 86 wenden, als ein Straßenbahnzug der Linie Q der Berlin-Eharlottenburger Straßenbahngesellschaft herannahte. Der Bierkutscher beachtete die Annäherung des Motor- Wagens nicht, sondern fuhr auf das Gleis, wobei der Kastenwagen gegen die Vorderplattform des Motorwaggons geschleudert wurde. Durch den Anprall wurde der Perron eingedrückt.— Zu derselben Zeit fuhr ein Fahbicrwagcn der Brauerei Patzenhofer in schräger Richtung den Fahrdamm kreuzend, vor dem Hause Ehcmssecstr. 9 gegen die Bvrdcrplattsorm des aus entgegengesetzter Richtung kommenden Motorstraßenbahnwagens Nr. 1648 der Lmie 29(See- straße— Britz). Die Plattform wurde zertrümmert und der Bier- kutscher vom Bock geschleudert. Er erlitt leichtere Kontusionen. während die Fahrgäste des Straßenbahnzuges ohne Verletzungen davonkamen. Eisenbahnzufammenstoß auf der Untergrundbahn. Gestern nachmittag 6 Uhr kam eS auf dem Bahnhofe Knie beim Rangieren zu einem Zusammenstoße zwischen zwei leeren Zügen. Hierbei er- litten nicht nur verschiedene Wagen starke Beschädigungen, sondern es wurde auch die Stromschiene an einer Stelle zerstört, wodurch eine Stromunterbrechung erfolgte. Infolgedessen mußte der Betrieb zwischen Knie und Zoologischer Garten vollständig eingestellt werden. Es VexgwgW StiMLL« bevsx ejne ZlLüS KKene ewgsjcht us& die Gesperrte Strede wieder frei war. Erst gegen 11 Uhr fonnte der Berkehr wieder voll aufgenommen werden; Personen sind bei dem Busammenstoße nicht verlegt worden. Verhandlung wird sich zu einer ziemlich umfangreichen gestalten, da außer etwa zwanzig Zeugen noch sechs medizinische Sachverständige geladen find. Wir werden über den Ausgang des Prozesses, der hinter verschlossenen Türen stattfinden wird, berichten. Boruffield Boruffin". vorhandenen Angst vor den Aufsehern. Nicht allein, daß eine große Anzahl sich nicht traut, Arbeiterlofale oder Versammlungen zit be suchen, man weigerte sich sogar, die Handzettel anzunehmen weil Schwerer Eisenbahnunfall. Auf dem sogenannten Pankower ber Aufseher es erfahren könnte. Unter der Protektion eines be Uebergang zwischen den Ringbahnhöfen Gesundbrunnen- Schön- Arbeiter, vornehmlich Straßenreiniger, gebildet, der den Aufgaben fannten Aufsehers hat sich denn auch ein Ortsverein städtischer haufer Adlee ereignete fich geitern gegen Abend ein schredlicher einer wirklichen Berufsorganisation nicht nur feindlich ist, sondern Die Grubenkatastrophe auf der Zeche Unglücksfall. Drei Stredenarbeiter wurden von einem Güterguge erfaßt und so schwer verlegt, daß an ihrem Ruffommen geradezu hindernd und schädigend in den Weg tritt. gezweifelt wird. Heber ben bebauernswerten Vorfall haben wir giftrat au ersuchen, die Errichtung eines Arbeiter Aus Die Versammelten bereinbarten, durch eine Eingabe den Ma folgendes festgestellt: Der 5,30 Uhr in Weißensee abgelassene Güterzug 9012, der husses, wie solche bereits in vielen größeren Kommunen bes Grubenbrande auf Reche Boruffia" find die von der Außenwelt ab stehen, in die Wege zu leiten. ber Magiftrat den von der Stadtverordneten- Bersammlung nach Einige Stunden nach dieser Besprechung wurde bekannt, daß geschnittenen 39 Bergleute zum Opfer gefallen. Dreihundert Bergleute arbeiteten mit Todesverachtung zur langen Verhandlungen beschlossenen geringen Erhöhungen der Tage- Rettung ihrer Kameraben. Es war nicht möglich, zu den Unglück 63 war nicht möglich, aut den Unglüte töhne seine 3 u ft immung bersagt hat. Diese arbeiterfeindlichen zu gelangen. Auf der sechsten Sohle brang man 300 Meter liche Haltung des Magistrats dürfte ben städtischen Arbeitern nun vor, mußte aber dann vor dem unerträglichen Qualm zurückweichen. doch recht wirksam die Notwendigkeit der Organisation klar machen. Auf der fünften Sohle, wo das Unglück geschah, ist das Vorgehen wegen des erstidenden Qualmes überhaupt undenkbar. Man stieß auf Weißenfee. Pferdekadaver sowie auf vier lebende Pferde. Leider haben sich die schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Dem in der Richtung nach Bantow fuhr, hatte ungehindert die Station Schönhauser Allee berlaffen und näherte sich der Blockstation V. N. S. Sturz bor dieser arbeitete der Vorarbeiter Wilhelm Schmidt( Beller mannstraße) mit einer Kolonne Stredenarbeiter auf dem Bankower Uebergang. Durch ein Verfeben tiefes Vorarbeiters war kein Signalpoften ausgeftelt, der baserannaben eines zuges durch Signalposten ausgestellt, der baserannaben eines Zuges durch Tuten anzuzeigen gehabi hatte. o fam es, daß der von Weißensee tommende Güterzug erst im lebten Augenblick bemerkt wurde. Et schreckt sprangen die Arbeiter nach dem Nebengleise, ohne in der Die Amtsverschwiegenheit des Kuratoriums der Realschule. Die Die Rettungsmannschaften brangen gestern nachmittag bis auf Gile zu beobachten, daß im gleichen Augenblick der 5,34 Uhr von fozialdemokratische Frattion in der Gemeindevertretung hatte durch 10 Meter an den Brandschacht vor, hinter dem sich die vermißtent Bankow abgelaffene Gütergug 8973 aus entgegengefester Richtung ihren Vorsitzenden beim Gemeindevorstand schriftlich anfragen laffen, 39 Bergleute befinden. fam. Während es nun Schmidt und noch zwei Arbeitern gelang, wieviel Schüler Freistellen an der hiesigen Realschule haben und Es ist noch nicht abzusehen, wann es gelingen wird, bis zu den der drohenden Gefahr auszuweichen, wruden drei Arbeiter vom wer die Eltern dieser Schüler find. Die Frage hatte den Zweck, in der Grube befindlichen Bergleuten vorzubringen. Der Brand Buge erfaßt und überfahren. Der 50jährige verheiratete August Gerüchte zu zerstreuen, die behaupteten, daß tinder Freistellen er- dauert noch fort. Immer wieder verkfindet Krachen und Bolte aus der Schönhauser Allee wurde förmlich stalpiert. Der halten haben, beren Eltern sehr wohl in der Lage wären, auch das Poltern das Nachstürzen des Gebirges. halbe Stopf war ihm bollständig zerfleischt und rafend vor Schmerz Schulgeld zahlen zu können. Die schriftliche Anfrage erfolgte, weil ftürmte er im Streife herum. Er fand Aufnahme im Krankenhause man öffentlich keine Auskunft geben wollte. Die nun erteilte AntFriedrichshain. Dem 20jährigen Ostar Schneider aus berwort lautet: Dunterstraße 27 wurden beide Beine abgefahren. Man schaffte ihn nach dem Lazarus- Krankenhause. Etwas besser kam der daß vier Schüler observanzmäßige Freistellen haben und ziet eine Auf Ihre Anfrage vom 29. Juni 8. 3. teilen wir Ihnen mit, 25jährige A. Goldmann aus der Pappelstraße weg, der zwar Schulgelbermäßigung auf die Hälfte. Die Namen der Eltern können eine Reihe schmerzhafter Quetschungen und Abschürfungen davon wir Ihnen nicht angeben, da fiber die Verleihung von Freistellen trug, die aber nicht lebensgefährlich zu sein scheinen. Große und Schulgeldermäßigungen das Kuratorium der Realschule gemäß Geiftesgegenwart bervies der 28jährige Wilhelm Mülle, der sich 5g der Geschäftsordnung für dasselbe beschließt und die Sigungen einfach platt zwifchen die Schienen warf und den Zug über fich bes Kuratoriums nach§ 8 derfelben Ordnung vertraulichen Charakter Hinivegrollen ließ. Er kam ohne jede Verletzung mit dem bloßen tragen und die Verhandlungen in Personalfragen, auch wenn sie Schred davon. Eine amtliche Untersuchung über den traurigen Vor- Schüler und deren Eltern betreffen, der Amtsverschwiegenheit unterfall ist sofort eingeleitet worden. liegen." Die vier auf der Zeche weilenden Feuerwehren müssen sich im wesentlichen darauf beschränken, große Wassermassen in den Schacht zu werfeit. Auf dem Zechenplay drängt sich eine riesige MenschenSchwestern, Müttern und Bräutten der Berunglückten. menge; laute Klagen, angstbolle Fragen ertönen von Frauen, Das Feuer foll, wie der 2.-A." meldet, dadurch entstanden fein, daß eine große Betroleum lampe durch ein herabfallendes Stüd Holz zerschlagen worden ist. Das Brennenbe Betroleum feẞte fofort bie trockene Schachtsimmerung in Brand; da der Schacht unten nicht ausgemauert ist, brach, nachdem die Zimmerung durchgebrannt war, das Gestein herein. Ilgemeiner Unwille herrscht darüber, daß in der Grube Petroleumlampen verwendet worden sind. Noch sind die Leichen des furchtbaren Waffeningitide nicht geborgen. Es wird später an der Zeit sein, ein Urteil über die Ursache dieser Katastrophe aut fällen. Marten, 11. Juli. Da sich bei dem Brandunglück auf der Zeche " Boruſſia" die bisherigen Bergungsarbeiten vom Luftschacht aus als undurchführbar erwiesen, wurden diefe heute nachmittag von einem 100 Meter bom Hauptschacht abliegenden Wetterschacht aus aufgenommen. Man zweifelt nicht mehr, daß die 39 eingeschlossenen Arbeiter bereits erstickt find. Vermifchtes. 30 Ein nächtlicher Bootsunfall verurfachte in der Nacht zu Mon- Es handelt sich hier um das Verschweigen von Namen der tag unter den zahlreichen Ausflüglern, die sich noch zu später Stunde Stipendiaten nicht der Oeffentlichkeit, sondern den Gemeindevertretern am Tegler See aufhielten, große Aufregung. Etiva gegen 12 Uhr gegenüber. Die Gemeindevertretung hat die Kosten für die Realertönten von der Mitte des Gewässers gellende Sülferufe, ohne daß ichule zu bewilligen, aber Rechenschaft über die Verwendung der man in het Sufferfeit ein Bost auf ben gluten wahrnehmen Gelder wird ihr vorenthalten. Oder sollten die Herren der Verfonnte. Wie fich später herausstellte, war ein fogenannter Seelen- waltung nur den sozialdemokratischen Gemeindevertretern die Antberkäufer, in welchem sich ein Herr und eine Daine befand, umiges wort verweigern? Es stehen noch weitere Wege offen, um die vers schlagen und die beiden Insassen ins Wasser gestürzt. zufällig belangte Auskunft zu erhalten. Unsere Parteigenossen werben sicherlich fand sich ein fleines Motorboot in der Nähe der Unfallstelle, beffen auch diese Wege beschreiten. Befabung es gelang, die Verunglückten zu retten, die später in Tegel Potsdam. gelandet wurden. Ueber einen töblich verlaufenen Unglüdsfall wird uns aus Gemeindewählerlisten liegen zur öffentlichen Einsicht vom 15. bis Achtung! Gemeindewähler in Potsdam. Die diesjährigen in dun Tegelort gemeldet: Der 15 jährige Kaufmannslehrling Köhler aus 30. Juli vormittags während der Dienststunden im Rathause, der Schwedterstraße in Berlin, wollte im Tegeler See schwimmen Bureau I, Bimmer 28, aus. Während dieser Zeit kann jeder, der Unter der Herrschaft der Dunkelmänner. lernen, wollte sich jedoch in der Badeanstalt nicht anfeilen lassen. in Potsdam feinen Wohnsiz hat, gegen die Richtigkeit der Listen richten schlesische Blätter: In einer größeren Fabrit Schleſtens trug Kaum glaublich und doch wahr! Unter diefer Spigmarke bes Um sich vor dem Ertrinken zu sichern, band der Snabe ein Bündel Binfen um seine Bruft und wagte fich fo in den Tegeler See hinein. Erinnerungen werden nicht berücksichtigt. Da im Monat November nicht für möglich hält, und die boch in allen ihren Teilen auf Wahr ettvalge Ginwendungen beim Magistrat erheben. Später eingehende fich biefer Tage eine Gefchichte zut, bie man, toenn man sie hört, Er war auch schon eine Strede fortgeschwommen, als sich plötzlich dieses Jahres die Stadtverordneten- Ergänzungs- und Erfahwahlen helt beruht. Auf die bekannten Inferate bom 6. und 7. Buche Mofis die Binder löften und Möbler in den Fluten verschwand. Obwohl der Unglüdsfall beobachtet worden war, etiviesen sich doch die sofort stattfinden werden, fo liegt die Richtigkeit und Vollständigkeit der ließen sich drei Freunde dieses Buch kommen und studierten dasselbe angestellten Rettungsversuche als vergeblich, und erst nach mehr- Wählerlisten im allgemeinen Intereffe. Wer sich an den Stadt- fleißig. Hierbei gefiel ihnen am besten die Beschreibung der Frage: stündigem Bemühen gegen 8 Uhr abends konnte die Leiche gelandet berordnetenwahlen beteiligen will, muß in die Kommunalwählerliste Wie wird man reich? Sie kamen überein, den Wert der Beschreibung zu erproben und taten min folgendes: Von einem Altwarenhändler fauften bie drei Freunde ein zweischneidiges Schwert, bestrichen dasselbe mit dem Herzen einer Fledermaus und besprengten es fodann mit dem Blute eines Wiebebopfes. Sterauf Itchen fich die drei Priestergewänder von einem Mastenlei institut, der Sonne schweigend nebeneinander auf einen 15 stilometer von tauften fich drei große Kerzen und gingen nach Untergang kauften sich drei große Kerzen und gingen nach Untergang der Sonne schweigend nebeneinander auf einen 15 Kilometer von der Stadt entferntent Berg, um hier zur Mitternachtsstunde thre Dah bis zur Mitternachtsstunde fein Wort gesprochen werben burfte, Winsche Gott barzubringen, so verlangte es bas 7. Buch Mofts. Wünsche Gott barzubringen, so verlangte es das 7. Buch Mofts. versteht sich von selbst. Von der Wanderung milbe, zumal ben Tag über fleißig gearbeitet worden war, legten sich die Freunde in das Glildstriumvirat ein kurz vor der Geisterstunde suchten burch über fleißig gearbeitet worden war, legten sich die Freunde in das Gras auf dem Gipfel des Berges. Hier schlief ber eine von dent Stöße die beiden Wachenden den schlaftrunkenen Freund munter zu machen! Doch welcher Schreck! Vei dem Umwälzen tam er dem Bergesabhang nahe und kugelte schimpfend den Berg hinunter. Der Bann des Sprechens war durch die Unvorsichtigkeit des Freundes gebrochen und umsonst die Mitternachtsstunde erwartet. Ohne ihre Wünsche vorgebracht zu haben, traten die drei Geisterbeschwörer ihre werden eingetragen feint. Treptow- Baumschulenweg. timed eldin died spatiu sihin satis Tödlich verunglückt ist Montag abenb 10 1hr im Eisenbahn Betriebe der Stredenarbeiter August Schäfer. Als er auf ber Strede Die Poftverhältnisse dürften kaum in einem Vororte so rild zwischen Fangschleuse und Ertner einem Zuge ausweichen wollte, ständig und verkehrsfeindlich sein, wie in dem unteren Ortsteil von wurde er von einem aus entgegengefeßter Richtung kommenden Bug Treptow. Hier sind die Einwohner auf die beiden Bostämter am erfaßt und auf ber Stelle getötet. Der Berunglückte war verheiratet Görliger Bahnhof und an der Staligerstraße vor dem Schlesischen Tor und hinterläßt außer seiner Frau brei Kindern the angewiesen, welche erst nach einem Wege von einer halben Stunde Bet einer Gaſtrolle festgenommen wurde gestern nachmittag au zu erreichen sind. Bei Aufgabe von Telegrammen, Baketen oder bem Schlesischen Bahnhof in Berlin der Taschendieb Karl Krczmare of Anweisungen wird der Weg nach dem Bostamt teurer als das Porto au ber aus Oberschlesien stammt und Berlin angeblich nur auf der selbst. Die Einwohner find beim Kauf von Wertmarken meistens Durchreife berührt hat. Er hatte im Wartesaal Platz genommen auf die Gefälligkeit der Geschäftsleute angewiesen. Es wäre wohl lich kam einer, der sehr ermibet war und einschlief. Streamared pofiamt gut errichten. Am schlimmsten ergeht es unter diesen Boft und erwartete die eintreffenden oder durchreifenden Personen. End- angebracht, in dem aufstrebenden Ortsteil wenigstens ein 8weigmachte sich an ihn heran und entnahm feiner rückseitigen Hosentasche zuständen den Rentenempfängern. Sie müssen erst nach dem Amte, ein Portemonnaie. Andere Leute hatten aber bemerkt, wie er an um die Quittung beglaubigen zu lassen, dann nach dem Postamt. der Tafche arbeitete und machten einen Kriminalbeamten rechtzeitig in der Rentenempfänger nicht einen Teil der Rente als Fahrgelb aufmerksam. St. wollte entfliehen, wurde aber ergriffen und ber hergeben, so muß er einen halben Tag für den Weg opfern. fuchte auch vergebens, auf dem Wege zur Polizeiwache die Geldtasche Hoffentlich wird die Postbureaukratie sich bald bewußt werden, in einen Stellerhals zu werfen. Er wurde dem Untersuchungsrichter daß Postämter den Interessen des Publikums dienen sollen. zugeführt. Arbeit. Der Arbeiter- Radfahrerbund Freiheit", erster Kreis Branden Burg, feiert am 15. 5. Mts. fein reis fest, in der Brauerei Friedrichshain. Es wirken mit der Gefangverein Liedesfreiheit", das Ult- Trio usw. Der Bund zählt im ganzen etwa 1600 Mit glieder, er gewährt Unfallunterstützung und Sterbegeld. Der Radfahrerbund Freiheit" verspricht ein abwechslungsreiches und genußreiches Programm und hofft auf zahlreiche Beteiligung. mandasan Gerichts- Zeitung. Heimreise an. G Das sind die Früchte des Aberglaubens, der Unwissenheit gereift in der preußischen Volksschule. Zu dem Bootsunglück auf dem Rhein( bei Oberkassel) wird nun Feuerbericht. Dienstag früh wurde die Wehr nach der Waldemarstraße 32 gerufen, weil dort der Fußboden und die Balkenlage in Brand geraten war. Die Gefahr fonnte bald beseitigt werden. Möbel, Kleidungsstücke 2c. gingen dann in der Bernauerstraße 38 in Erpressungen auf Grund des§ 175. Einer jener gemein einer Wohnung in Flammen auf, während in ber Aderstraße 49 gefährlichen Burschen, die auf Grund des§ 175 bes Strafgesetzbuchs gemeldet, daß von den zwölf Berfonen, die an der Ueberfahrt allerlei alter Hausrat und Verpackungsmaterial in einem Steller Erpressungen verüben, wurde gestern in der Berson des siebzehnteitnahmen, nur drei gerettet worden sind. Eine Frau, die Feuer gefangen hatte. Abends 10 Uhr mußte in ber Dranien- jährigen Kellners Arel Petersen der neunten Straf mit ihrem Säugling am Ufer zurückgeblieben war, mußte es mit ftraße 18 ein Schornsteinbrand beobachtet werden. Außerdem fammer des Landgerichts I vorgeführt. Er tam zuletzt aus Stopen ansehen, wie ihr Mann sowie drei ihrer Kinder in den Fluten ver hatte die Wehr in den legten 24 Stunden noch in der Müller, Ecte hagen nach hier, um ein ständiger Gast in gewiffen Cafés in den sanken. Von diesen Berunglückten wurde nur ein zweijähriges Kind der Seestraße und in der Neuen Friedrichstraße 57/58 mit der Rettung Querstraßen der Friedrichstraße zu werden. Auf einem seiner gerettet. Der Bootsbesiger Thomas wurde heute verhaftet. von Pferden zu tun. Besonders im legten Falle gab es harte Batrouillengänge lernte er in der Friedrichstraße den Studenten H. Er hatte trop des fortgesetzten Läutens des Rheindampfers und der gfennen, ber den Angeklagten mit in feine Wohnung nahm. Hier Warnungsrufe der zahlreichen Passagiere die Vorbeifahrt unternommen. Iteß Petersen feine Waste fallen. Unter allen möglichen Die Verzweiflungstat eines Baters. Aus Verzweiflung über Drohungen gelang es dem Burschen, von dem Studenten, der sich ein unheilbares Leiden warf bei Delipsch der Schuhmacher Stali feiner strafbaren Handlung bewußt war, den Betrag von 50 M. zu noweth feine vier Kinder in den Loberfluß und sprang erpressen. Der Student glaubte nun den Angeklagten Tos zu fein. felbft nach. Herbeieilende Schultnaben retteten zwei Mädchen. Der Um so größer war sein Schrecken, als er eines Tages von Petersen Water und zwei Söhne ertranten. angesprochen wurde. Diefer verlangte im Guten oder im Bösen" Großfeuer in Hamburg. In der Hafenstraße entstand heute zehn Mark von ihm, die er auch erhielt. Als der Angeklagte feine vormittag Großfeuer. Gin vierstöckiger Lagerspeicher brannte Erpressungen fortjente, benachrichtigte der Student bie Striminal- total aus. Den Bemühungen der Feuerwehr gelang es nach dreipolizei. Bugleich verabredete er mit Petersen ein Rendezvous. Als stündiger Arbeit, das Feuer auf diesen einen Speicher zu beschränken. der Angeklagte hier seine Erpressungsversuche fortfeßte, wurde er Große Vorräte an getrockneten Häuten sind durch das Feuer ver von einem Kriminalbeamten festgenommen. Die weiteren Ermittelungen nichtet. Das ist bereits der dritte große Speicherbrand ergaben, daß. schon einmal in eine gleichartige Erpressungs- in Hamburg fett neun Tagen. Die Ursache des Feuers Das Verfahren mußte indessen ist auch diesmal unbekamit. wegen mangelnden Beweises eingestellt werden.- Bor Gericht wurden mehrere Reger und Beige täblich vertent affäre verwidelt gewesen war. Bei einem Straßentrawall auf der unteren Westseite New Yorks bestritt der Angeklagte, der mur mit Hülfe eines Dolmetschers der Weiße dänischen Sprache bernommen werden fonnte, sich der Erpressung Die Polizei wäre ohne Eintreten eines heftigen Gewitters außer schuldig gemacht zu haben. Der Staatsanwalt beantragte mi' stande gewesen, die Ordnung wiederherzustellen. Rücksicht auf die Gemeingefährlichkeit derartiger Erpressungen, die en stofwasserrohrbruch. leider seit einiger Zeit immer mehr überhand nehmen, eine Gefängnisstrafe von einem Jahre. Der Gerichtshof London, 11. Juli. Infolge Berstens eines Hauptrohres der hielt ebenfalls trog der Jugenblichkeit und der bisherigen Un- städtischen Wasserleitung sind mehrere Straßen unter Wasser gefeßt. bescholtenheit des Angeklagten eine exemplarische Strafe für ge- Auch in zwei Theater ist das Wasser eingedrungen und hat dort boten. Das Urteil lautete deshalb auf ein Jahr Gefängnis. großen Schaben angerichtet. Der Borstand des Vereins Mütter und Kinderheime erfucht uns folgendes mitzuteilen: Der Vorstand des Vereins Mütter und Kinderheime, Düsseldorferstr. 14, Gartenhaus, Parterre, Tabet alle Freunde der Kinderfürsorge, fowie andere Privatpersonen höf48 Uhr für Besuche geöffnet. Behörden und Aerzte haben feberzeit lichst zur Besichtigung ein. Das Heim ist jeden Donnerstag atvischen 4-6 Butritt. Schöneberg. Vorort- Nachrichten. Die in städtischen Betrieben beschäftigten Arbeiter waren am Sonntag zu einer Besprechung über die von der Stadtverordneten Bersammlung jüngst angenommenen Lohnerhöhungen zusammen getommen. Bebauerlich war es, daß von etwa 200 Angestenten kaum Sie Hälfte erschienen waren. gold Die Geheimnisse einer Privatbadeanstalt werden demnächst den Berliner Marktpreise.( Ermittelt vom Bolizei- Präsidium.) Futter. Stabtb. Küter zeigte in feinem Referat, wie nur durch Gegenstand eines umfangreichen Prozesses vor der Straffammer gerfte, gute Sorte 1 Dz. 16,00( 15,20) mittel 15,10( 14,30), geringe engsten 8usammenschluß die Arbeiter von den Arbeit bilden. Die Masseurin" und Blätterin gnes 14,20( 13,40). Safer, gute Sorte 16,30( 15,50), mittel 15,40( 14,60), geringe gebern ein Bugeständnis erlangen können. Weber Staat noch Thamm betrieb mit ihrer Schwester, einer Frau Masseurin" 14,50( 13,70), frei 28agen und ab Bahn. Nichtstroh 0,00( 0,00). Seu( neu) Kommune in ihrer heutigen Gestaltung werden jemals aus eigener& milie Posner, feit ungefähr zwei Jahren in der Berliner 0,00( 0,00), alt 0,00( 0,00). Grösen, gelbe, zum Stochen 40,00( 30,00). Speifebohnen, weiße 50,00( 30,00), Linjen 60,00( 30,00), Startoffeln 16,00 Initiative für eine Besserstellung ihrer Angestellten zu haben fein, ftraße 109 zu Charlottenburg eine Privatbadeanstalt. Unter dieser( 10,00). Rindfleisch, von der seule, 1' g. 1,80( 1,40), Bauchfleisch 1,40( 1,00), immer nur werden die Wertreter ber Arbeiterschaft sich dieser Pflicht harmlos klingenden Bezeichnung soll sich aber ganz etwas anderes Schweinefleisch 1,80( 1,30), Stalbfleisch 2,20( 1,20), Sammelfleisch 1,80( 1,40), bewußt sein. Die„ Auch- Fürsorge" der Bürgerlichen reicht meist mur verborgen haben, was mit dem Begriff einer Badeanstalt nur sehr Butter 2,80( 2,20), Gier( 60 Stud) 4,00( 2,80), Starpfen, 1 Stg. 2,00( 1,40). soweit, als es sich um ihre Interessen bei Wahlen usw. Handelt. Nur wenig zu tun hat. Die Charlottenburger Kriminalpolizei ermittelte, lale 3,00( 1,60), Bander 3,50( 1,40), echte 2,80( 1,40), Bariche 2,00( 1,00), dem dauernden und energischen Eintreten der Sozialdemokraten war daß sich das badende Publikum in der Thammschen Anstalt zumeist Schleie 3,00( 1,20), Bleie 1,60( 0,80), trebfe( 60 Stüd) 20,00( 3,00.) es gelungen, auf Grund des vorgelegten Materials fortgesettes aus Frauen zufammenfeste, die an deren Leiterinnen An Wetter- Proquoie für Mittwoch, den 12. Juli 1905. Steigen der Wohnungs- und Lebensmittelpreise, Besserstellung in suchen stellten, die stach§ 218 Strafgesetzbuch als ein Biemlich warm, bielfach woltig bei meist schwachen südwestlichen Winden; den Nachbargemeinden usw. der bürgerlichen Mehrheit etwas zu Verbrechen wider das feimende Leben zu bezeichnen waren. etivas Regen und Gewitterneigung. gunsten der Arbeiter abzuringen. Durch längere Observationen und schließlich durch eine Berliner Betterbureau. Haussuchung in der Wohnung der Thamm und der Posner in der Wafferstand am 10. Juli. Elbe bei Auffig+1,05 Meter, bei Wilmersdorferstraße gelang es der Kriminalpolizei, genügende Beweismittel herbeizuschaffen, die sich nunmehr zu einer Anklage wegen Dresden 1,38 Meter, bei Magdeburg-1,82 Meter. Unstrut bei Straußfurt+0,76 Meter. Dder bei Ratibor+0,82 Meter, bei Breslau Verbrechens wider das feimende Leben bezw. Beihülfe dazu der Ober- Begel+4,68 Meter, bei Breslau Unter- Begel 1,66 Meter, bei dichtet haben. Außer der masseurin Thamm und deren Schwester Frankfurt+ 1,10 Meter. Weichsel bei Brahemünde+2,56 Meter. Frau Bosner find noch eine Reihe von Frauen angeklagt. Die Barthe bei Bosen+0,18 Meter. Rese bei Usch+0,44 Meter. Inseratenteil verantwo.: Th. Glode, Berlin. Druck u. Berlag: Vorwärts Buchdruckerei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Soffentlich wird nun endlich bei unseren städtischen Arbeitern, unter denen die Straßenreiniger stets als die rädständigsten bezeichnet werden, die Erkenntnis aufkommen, daß nur durch die Organisation eine Besserung der Arbeits- und Lohnverhältnisse er reicht werden kann. Die Indifferenz und das mangelnde Selbst bewußtsein der städtischen Arbeiter äußert sich in der noch vielfach Berantw. Redakteur: Franz Rehbein, Berlin. Für den