Kr. 165. nbtnntnKflli'Btdlngungni: «donnement«- Preis pränumerando! vterteljähri. SL0 Ml, numatL 1,10 Ml, wöchentlich 28 Psg. frei WS Hau». Einzewe Rummer 5 Pfg. Sonntags» nummer mit illustrierter Sonntags- Bella».Die Neue Well' 10 Psg. Post- Abonnement: 1,10 Morl pro Monat. Eingetragen w die Post. Zeitung». Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich> Ungarn 8 Mark, für daS übrige Ausland S Marl pro Monat. 22* Jahrg. GMielBt liglich auBu Elontigt. Devlinev VolkcsblAkk. Dte Tnlertlons-GeDOlfr Brtrtigt lilr die sechsgespaltene Kolon«»- zAIe r,er deren Raum 40 Pfg., für politische und gewerlschaftliche Verein»- und Versammlung- Anzeigen 26 Pfg. „Kleine Hnielgcn", das erste(fett- gedruckte) Wort 10 Psg, fedc» weitere Wort b Psg. Worte über 1» Buchstaben zählen für zwei«orte. Inserat« für die nächste Nummer müssen bi» s Uhr nachmittag» In der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen» tagen bi» 7 Uhr abend», an Sann- und FesUageitbi» 8 Uhr botoilttagä gcöfsnct »elegramm-Ildrrfse: „SotUldtnoKnt Rtm»". Zcntralorgan der rozialdemokratifchen Partei Deutfcblands. Redaktion: 8M. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Dienstag, den 18. Juli 1905. Expedition: SQQ. 68» Lindenetraee« 69. Ferttsprrcher: Ruit IV. Nr. 1984. Die neue Rnhstrat-Blamage. Der Prozeb gegen den Kellner Meyer wegen Meineid? hat mit der Freisprechung des Aiigellagten geendet. Die Ge- schworenen haben die Schnldfragen berneint. Sie haben damit nur das getan, was jeder aufmerksame Leser der Prozeßverhandlungen mit aller Bestimmtheit erwarten konnte. Eine Verurteilung würde allem Rechtsempfinden ins Geficht geschlagen haben. Einzelne Zeitungen geben der Befürchtung Ausdruck, daß diese Freisprechung gewissen Berufsjuristen und Reaktionären bielleicht wiederum Ber» anlassung geben würde, von einer Unzulänglichkeit und einer Un- zuverläsfigkeit der Geschworenengerichte zu sprechen. Wir glauben jedoch einstweilen, daß fich auch in den Juristenkreisen niemand finden wird, der an dem Wahrspruch des Bückeburger Schwurgerichts Kritik üben könnte. Lag doch der Fall Meyer derartig, daß ein nicht voreingenommener Gerichtshof unmöglich zu einer Bejahung der Schuldfragen kommen konnte. Führen wir uns noch einmal kurz die Ergebnisse des am Sonnabend zu Ende gegangenen Prozesses vor Augen: Der Angeklagte Kellner Meyer war während des Schwehnert» Prozesses wegen Verdachtes des Meineides in Haft ge» nommen worden, weil er unter einem Zeugeneid ausgesagt hatte, daß er während der Zeit seiner Tätigkeit als Kellner im Oldenburger Kasino vom Frühjahr 1889 bis zum Frühjahr 1990 beobachtet habe, daß Minister Ruhstrat, Buchhändler Schmidt und niehrere andere Personen„Lustige Sieben" gespielt hatten. Da nun vom Minister Ruhstrat sowohl wie von den übrigen Personen beschworen wurde, daß Ruhstrat in der fraglichen Zeit nicht„Lustige Sieben" gespielt habe, erfolgte die Abführung des Zeugen in Untersuchungshaft. Einen Teil der Zeugenaussagen Meyers bildete auch die Behauptung, daß er den Referendar Christians ebenfalls habe„Lustige Sieben" spielen sehen. In der nun zu Ende gegangenen Verhandlung er- klärte Meyer, daß er durch die Art der Vernehmung in dein Schweynert.Prozeß so verwirrt gemacht worden sei, daß er nicht in der Lage gewesen wäre, klar zu überdenken, welche Aussagen er im einzelnen gemacht habe. Sei er nicht so verwirrt und eingeschüchtert gewesen, so würde er vielleicht wegen des Referendars Christians die Möglichkeit eines Irrtums zugegeben haben. ES kamen also folgende Fragen in Betracht: 1. Hat Meyer einen wissentlichen Meineid geleistet, indem er Wider besseres Wissen Ruhstrat bezichtigt hatte,„Lustige Sieben" gespielt zu haben? S. Hat sich Meyer einen fahrlässigen Meineid zuschulden kommen lassen, indem er speziell von C h r i st i a n S behauptete, er habe „Lustige Sieben" gespielt, ohne hierbei die in dem gegenwärtigen Prozeß zugegeben« Möglichkeit eines Irrtums zu berücksichtigen? 3. Endlich: Ist Meyer freizusprechen, da er seinen subjektiven Wahrnehmungen zufolge die feste Ueberzeugung gewonnen hatte, daß Minister Ruhstrat„Lustige Sieben" gespielt habe, und hat er die Möglichkeit des Irrtums in bezug auf den Referendar Christians nur deshalb nicht erwogen, weil er sich infolge der Art der Behandlung in einem Zustande der geistigen Befangenheit befand? Nach dem Verlaufe der Verhandlung war es ganz ausgeschlossen, daß Meyer einen wissentlichen Meineid geleistet haben konnte. Seine absolute Uninteressiertheit an dem Ausgange des Prozesses Schwehnert und seine durch zahlreiche Leumundszeugen festgestellte Wahrheitsliebe und Ehrlichkeit schließen das vollständig auS. Vor allen Dingen konnte von einem wissentlichen Meineid deshalb nicht die Rede sein, weil durch die Zeugenaussagen in diesen letzten Tagen erwiesen worden ist. daß zu der fraglichen Zeit sowohl wie auch früher und später von einer Reihe Personen in der Tat „Lustige Sieben" gespielt worden ist. Meyer mußte schon deshalb annehmen, daß Minister Ruhstrat an diesem Spiel beteiligt war, weil er oftmals dieser Spielergesellschaft angehörte. Eine Reihe von Zeugen, stellte eS außer Frage. daß Ruhstrat mindestens als Zuschauer bei der„Lustigen Sieben" zugegen war. Ein Zeuge sogar, der Kellner Herz» mann, sagte unter seinem Eide aus, daß Ruhstrat„Lustige Sieben" gespielt habe, er habe dies selbst beobachtet. Im übrigen habe der Minister den Sekt bezahlt und ihn verschiedene Male auS der Spielerecke persönlich herausgeworfen. Meyer mußte also nach Lage der Dinge und nach seinen Beobachtungen zu der festen Ueber- zeugung gelangen, daß Ruhstrat nicht nur Zuschauer ge- Wesen sei, sondern sich tatsächlich am Spiel beteiligt habe. Hin- sichtlich der Beteiligung Ruhstrats am Spiel„Lustige Sieben" konnte aber auch nicht einmal ein fahrlässiger Meineid angenommen werden. Meyer kann sich geirrt haben, aber eS ist nicht zu bestreiten, daß er logischerweise zu der von ihm vertretenen Annahme kommen mutzte. EL konnte sich also nur darum handeln, ob Meyer insofern einen fahrlässigen Meineid geleistet habe, als er von Christians be- hauptet hatte, daß auch dieser„Lustige Sieben' gespielt habe. Daß aber auch hier kein fahrlässiger Meineid vorlag, sondern daß Meyer in der Tat durch die Art der Verhandlung im Schweynert-Prozeß derartig in Verwirrung versetzt worden ist, daß er sich über die Tragweite seiner Aussagen nicht mehr klar war. das wurde hinlänglich bewiesen durch die Aussage der drei Journalisten und der Rechtsanwälte Dr. Becker und Dr. Sprenger. die mit aller Entschiedenheit erklärten, selbst sie würden durch eine ähnliche BeHandlungsweise verwirrt gemacht worden sein. Die gegenteiligen Aussagen der vernommenen Richter und des Staatsanwaltes beweisen umsoweniger etwas gegen diese objektiven Bekundungen der neutralen Zeugen, als Richter und Staats- anwalt ja selbst als Partei in dem Prozeß beteiligt waren und insofern kein objektives Urteil über ihr Verhalten und den Richen Zustand des Augeklagten haben tonnten. ' So groß nun die Genugtuung in den weitesten Kreisen darüber 1 sein niuß, daß der unglückliche Angeklagte, der sieben Monate lang ' in Untersuchungshast gesessen hat, nunmehr der Freiheit wieder- gegeben ist, so wird damit den Forderungen der Oeffent- lichkeit noch lange nicht Genüge getan. Die Oeffent- lichkeit kann nur dann befriedigt werden, wetm mit der Oldenluirgcr Spielergescllschaft erst einmal gründlich aufgeräumt wird! Haben doch die Verhandlungen der letzten Woche ein Bild der Korruption aus der kleinen Residenz Oldenburg ergeben, wie es schlimmer nicht gedacht werden kann. Es hat sich ergeben, daß die Artikel BiermannS im„Residenzboten" wirklich nicht allzusehr übertrieben waren. ES wurde in dem Prozesse festgestellt, daß die obersten Beamten in Oldenburg eine einzige Spieler- g e s e l l s ch a f t bildeten, daß Staatsanwälte, Re- giernngSräte, Gymnasiallehrer, Referendare, Assessoren und Offiziere dem verbotenen Hazardspiel bis in den frühen Morgen gewohnheitsmäßig oblagen. Der oldenburgische Justizminister selbst, dessen Pflicht eS doch gewesen wäre, in erster Linie auf die Respektierung der Gesetze zu achten, hatte nicht nur selbst bis zum Jahre 1896 als Staatsanwalt seinem eigenen Geständnis nach„Lustige Sieben' gespielt, sondern er hat auch noch bis in die neueste Zeit hinein gepokert. Ja, es ist durch eine ganze Reihe von Zeugen fest- gestellt worden, daß er auch beim Spiel der berüchtigten„Lustige Sieben' mindestens als höchst interessierter Zuschauer häufig zugegen war. Daß Minister Ruhstrat in der sogenannten „Ruhstrat'-Nische wenigstens als Zuschauer seiner Spiclleidcnschaft frönte, wurde nicht nur durch die Aussagen einer Reihe von Kellnern und Hoteliers eidlich erhärtet, sondern auch von dem Regierungs- assessor Dr. Menzler, der aussagte, daß der Minister Ruhstrat in der Tat noch im Jahre 1909 der„Lustigen Sieben" als Zu- schauer beiwohnte. Minister Ruhstrat hat also seine Pflicht als oberster Justizbeamter in der denkbar gröblichsten Weise verletzt und das schlimmste Beispiel für die übrige Spieler- gescllschaft gegeben. Herr Ruhstrat behauptete, daß er seit dem Jahre 1895 nicht mehr„Lustige Sieben" gespielt habe. Dieser Behauptung steht nicht nur die Aussage des Angeklagten Meyer, sondern auch das Zeugnis des Kellners Herzmann gegenüber. Ferner spricht dagegen die psychologische Uliwahrscheinlichkeit, daß ein so leidenschaftlicher Spieler wie Ruhstrat häufig als Zuschauer einem solchen Spiele beiwohnen konnte, ohne sich zur Teilnahme verleiten zu lassen. Aber wenn damit auch noch keineswegs b e- iv i e s e n ist, daß Ruhstrat bis in die neuere Zeit hinein„Lustige Sieben' gespielt hat, so ist doch bewiesen, daß der Minister gewisser- maßen daS Oberhaupt und der Protektor des der« botenen Glücksspiels war, von dem ihn schon tragische Ereignisse hätten abschrecken sollen. Hatte er es doch miterlebt, daß ein Hauptmann sich wegen Spielschulden erschossen hatte. Dieser Hauptmann hatte zu den Spielkumpanen Ruhstrats gehört! Ferner hatte ein Assessor sich wegen Spielschulden ins Ausland flüchten müssen. Diese traurigen Vorgänge veranlaßten den Minister nicht nur nicht, selbst völlig dem Spiel zu entsagen, sondern er blieb nach wie vor ein mächtiger Beschützer desOldenburger SpielertreibenS I Daß durch die Spielleidenschaft des Justizministers die Ol den- burgische Rechtspflege nicht unbeeinflußt blieb, das beweist die Aussage des Hoteliers M 0 ch l e r, der höchst eigen- tümliche Aussagen über ein Verfahren machte, daS einmal gegen ihn wegen Duldung des verbotenen Glücksspiels anhängig gemacht worden sei. Ein Schutzmann sei eines TageS in sein Lokal gekommen und habe gesagt, es sei gegen ihn Strafanzeige wegen HazardspielS in seinem Lokal gemacht worden. Die Teilnehmer der Spieler- gesellschast seien alle bekannt, er, Mochler, solle aber die Herren lieber nicht nennen. Er habe dann auch bald die Vorladung vor das Schöffengericht erhalten; die Verhandlung sei aber in äußerst kurzer Zeit erledigt und er zu 25 Mark verurteilt worden. Von den Spielern sei in der Verhandlung keine Rede gewesen. Der Zeuge behauptete also nichts Geringeres, als daß man mit Rücksicht auf die Personen, die„Lustige Sieben" gespielt hätten, die ganze Affäre einfach unterdrückt habe! Diese Auffassung des Zeugen erscheint um so natürlicher, als ja in der Tat die Spitzen der Justizbehörde zu den Sf ielem gehörten. Eine sehr eigenartige Rolle in den Ruhstrat-Prozessen spielte auch der Staatsanwalt F i m m e n. Dieser Herr, der seiner eigenen Aussage nach als Referendar in Oldenburg„Lustige Sieben" ge- spielt hatte, fungierte als öffentlicher Ankläger in dem Prozeß Schiveynert. Man wird eS schwer verständlich finden, daß dieser Herr in einer Angelegenheit, bei der doch das Spielerleben Oldenburgs die erste Rolle spielte, nicht lieber vorgezogen hat, einem Kollegen die Rolle des öffentlichen Anklägers zu über- lassen. ES rief denn auch nicht geringe Sensation im Schweynert- Prozeß hervor, daß Meyer erklärte, er sei in seiner Aussage auch besonders dadurch verwirrt gemacht worden, daß sich an dem Berichtstische mehrere Personen befunden hätten, die im Jahre 1999 selbst„Lustige Sieben" gespielt hätte»! Unter ihnen hätte sich auch der Staatsanwalt Fimmen befunden. Allerdings nahm Herr Fimmen damals die Situation nicht allzu schwer. Er er- klärte, daß er in der Tat„Lustige Sieben' gespielt habe, aber das sei während seiner Referendarzeit gewesen. Diese gesetzesverachtende Referendarzeit lag aber ganze 4 Jahre zurück I Im Jahre 1999 hatte der Herr als Anwärter auf den Posten des öffentlichen Anklägers noch einem verbotenen Glücksspiel gefrönt, und 4 Jahre später trat er als öffentlicher Ankläger in einer Spieleraffäre auf, bei der allerdings nicht gegen die S p i e l e r s e I b st, sondern gegen die Presse- Ankläger des SpielerunwesenS die Anklage erhoben worden war! UebrigenS verweigerte in der letzten Verhandlung gegen Meyer Herr Fimmen die Auskunst darüber, wann er zuletzt „Lustige Sieben" gespielt habe. Er verweigerte die Auskunft darüber allerdings nur„auS Prinzip", weil es sich angeblich um eine Privatangelegenheit handele, die für den schwebenden Prozeß ohne Belang sei. Zur Beruhigung der Oeffentlichkeit wäre es entschieden besser gewesen, wenn der Herr Staatsanwalt einmal gegen sein„Prinzip" verstoßen hätte. Einen seltsamen Eindruck muß es übrigens auch machen, daß der Staatsanwalt Fimmen in dem Schweynertprozetz an den Zeugen R u h st r a t die Frage richtete, ob das Polerspiel nicht den Charakter de» I e u s, sondern nur den eines„UnterhaltungSspiel S" trage. Sollte der Staats- anwalt als kundiger Thebaner nicht ganz genau ge- wüßt haben, daß das Spiel häufig bis an den frühen Morgen dauerte, so daß die Scheuerfranen nicht rechtzeitig mit ihrer Arbeit beginnen konnten. Ein UnterhaltungSspiel um hohe Einsätze, das bis zum frühen Morgen dauert, ist jedenfalls eine eigenartige Erscheinung. Der Kellner Meyer ist ja nun glücklich seiner Freiheit wieder- gegeben. Damit ist aber die Frage nicht auS der Welt geschafft, ob eS nötig war. ihn sieben Monate lang in Untersuchungshaft zu sperren. Die drei Journalisten, sowie die ReStsanwälte Becker und Sprenger standen ja unter dem Eindruck, als ob die Verhaftung des Meyer sich wohl hätte der» meiden lassen, wenn man ihn ein wenig rücksichtsvoller behandelt hätte. Wir haben die Verhandlungen des Schwehnert- Prozesse? vom Dezember vorigen Jahres noch einmal nachgelesen und sind zu genau demselben Eindruck gekommen. Vergebens wies damals der Bert. Dr. Sprenger daraufhin, daß Meyer äugen- scheinlich nichts anderes behaupten wollte, als daß Minister Ruhstrat in der Nische gesessen habe, in der„Lustige Sieben" gespielt wurde und daß er daraus folgere, daß Ruhstrat sich am Spiel beteiligt habe. Statt auf diese Darlegungen einzugehen, richtete der vor- sitzende an Meyer nochmal» die direkte Frage, ob Minister Ruhstrat sich an der„Lustigen Sieben" beteiligt habe, eine Frage, die der an kniffliche juristische Unterscheidungen nicht ge- wöhnte Zeuge Meyer mit einem„ja" beantwortete. Daß Meyer ferner den Referendar Christians als weiteren Spielkumpan be- zeichnete, geschah zweifellos in der Verwirrung, in die er durch die stürmischen Kreuz- und Querfragen und allerlei Zwischenfälle ver- setzt wurde. Nach dem damaligen Prozeßbericht hat mich der Borfitzende die Mahnung des Staatsanwalt Dr. Fimmen. ob der Zeuge seine Aussage nicht etwa einschränken wolle durch„ich glaube",„ich denke", mit der Bemerkung unterbrochen: eine solche Einschränkung gibts doch gar nicht. Hierauf erfolgte dann auch die Verhaftung MeyerS! Man wird nun abwarten niüffen, ob die Behörden ebenso streng gegen die durch die Prozeßverhandlungen bloßgestellten Personen vorgehen werden. Es wäre in der Tat ein unglaubliches Schauspiel, wenn Herr Ruhsttat noch länger als Minister der Verwalter des oldenburgischen Justiz-, Kirchen- und Schnlweseus bliebe! Nicht minder geboten erscheint es uns, daß wegen der durch den Hotelier Mochler aufgedeckten Gerichtsvorkonimniffe eine peinliche Untersuchung eingeleitet würde. Die im Volke verbreiteten Anschauungen über daS zweierlei Maß, mit dem„Große" und„Kleine" gemessen werden, Anschauungen zu denen sich ja selbst der Polizeikommiffar B ö n i n g bekannte, werden sonst eine erhebliche Kräftigung erfahren! poUtilede CTebcrficbt. Berlin, den 17. Juli. Der Dreibund der Zivilisation. Die Marokko- Konferenz ist endgülttg gesichert, nachdem auch England und Spanien ihr Erscheinen zugesagt haben. Beide Staaten haben den Vorbehalt erklärt, daß ihnen daS Programm der Konferenz vorher mitgeteilt wird, ein Vorbehalt, der insbesondere für Frankreich erwünscht ist. Ob sich nun die weitere Regelung der Einzelheiten der maroklanischen Reformmaßnahmen ohne Schwierigkeiten vollziehen wird, das wird wesentlich abhängen von der allgemeinen Gestaltung der Beziehungen der europäischen Großstaaten, inSbesoudere Deutschlands, Frank- reichs und Englands unter einander. Dieses allgemeine Problem der auswärtigen Politik, von dem die Marokko- Frage nur ein Symptom, wird die nächste Zukunft beherrschen, und es wäre gänzlich verfehlt, wenn die Nationen sich dem angenehmen Glauben hingeben wollten, daß jetzt alle Gefahr über- wimden ist. Vielmehr bleibt es die Kulturanfgabe der Arbeiterklasse, in dauernder Aufmerksamkeit da» Wirken der Diplomatie zu über« wachen und jeder Konfliktsschürung zu begegnen. In Frankreich setzt I a u r ö s mit unvermindertem Eifer die Bemühungen fort, seine Landsleute vor jedem Versuch der Auf« putschung gegen den östlichen Nachbar zu warnen. Er wendet sich wiederholt gegen diejenigen, welche der französtsch-englischen Freund- schaftlichkeit eine feindliche Spitze gegen Deutschland zu geben wachten. Deutschlands kommerzielles Aufblühen, so führt Jaurö» in der „Humanits' ans, durch einen Angriffskrieg der Westmächte zerstören zu wollen, wäre Wahnsinn. Kein besonnener Republikaner dürfe solche„Piraten Politik" unterstützen. Nur von gewissen scheelsüchtigen Gruppen werde die deutsche Gefahr denunziert, al» ob Fleiß, Intelligenz und Initiative eines großen Kulturvolkes durch Bombardements vernichtet werden könnten. Frankreich werde nicht so verblendet sein, die Geschäfte jener Spekulanten zu machen. Die überwältigende Mehrheit der Franzosen widerstrebe einem Neu» aufleben der Aera Delcassä, verlange vielmehr durchaus friedliche Ausgestaltung der sranzösisch. englischen Enteilte cordiale. * In diesem Zusammenhang sei auf einen ausgezeichneten Artikel. Francis de P r e ss e n U 3 hingewiesen, den die»Reue Gefell» Es ist eine der glücklichen Wirkungen diefer Krise. die in gewissen Momenten nahe daran war, einen gefährlichen Charakter anzunehmen, daß sie plöblich den Seelenzustand des Proletariats zu beiden Seiten des Rheins offenbart hat. Mit einer bewunderungswürdigen Festigkeit haben die Arbeiter der beiden Länder, Frankreichs und Deutich Tands, erklärt, daß sie feinen Serieg wollten, daß sie jig. sich weigerten, sich zu Instrumenten der verbreche= rischen Kombinationen einer intriguenhaften Politik machen zu lassen, daß sie die Welt denunzierten. = Man kann fchaft" veröffentlicht. Breffensé, der vordem als Leitarlifler des Ergebnis dieser Erwägungen ein negatives zu sein, da tritt geboten war, und fährt dann fort: Nun steht er mit dem aufs Temps" hervorragenden Ruf in Fragen der auswärtigen das Strafgeset Anhaltspunkte zu einer Anklage nicht bietet. Haupt geschlagenen Liberalismus da, und wiederum tritt Graf Politik gewann und, nachdem er aus Anlaß der Auch verspreche man sich nichts von dem Versuch, auf Grund Feiligsch nicht zurück. Diesmal ist seine Absicht erkenntlich: er will Dreyfuswirren zur sozialdemokratischen Partei gelangt war, des preußischen Landrechtes die gesammelten Summen mit Berbleiben möglichst erschiveren und Bodewils in seinem Sturz mitdem Ministerium Pode wils die Situation durch sein als Berichterstatter der auswärtigen Angelegenheiten in der fran Beschlag zu belegen. Die deutsche Regierung, fagt reißen. Wie das endet. Tann niemand voraussehen. Wer wird der zösischen Kammer wirkt, wirft einen Rückblick auf den Verlauf der das genannte Blatt weiter, dürfte der russischen Geschicktere sein? Freiherr v. Podewils hat schon einmal den für Krife, die im Zusammenhang mit der Marokkofrage Deutschland längst klar gemacht haben, daß sie fein Mittel unüberwindlich gehaltenen Grafen Crailsheim hinausmanövriert und Frankreich erregte. Er behandelt weiter Stellung und Aufgabe besikt, um solche Sammlungen zu verhin ob es ihm gegenüber dem Grafen Feilißsch gelingt? Diesmal liegen der Sozialisten Frankreichs und Deutschlands in diesen Fragen. Der n. Es stimmt zu dieser Nachricht des Braunschweiger die Verhältnisse nicht so günstig wie 1903, weil, wenn Graf Feilißsch Wir geben aus dem Schlußabschnitt seiner Darlegungen einiges Blattes, daß auch die„ tö In, 3tg." in ihrer Sonntags bleibt und sich der Sammer stellt, diese ihn in der rückwieder, das geeignet ist, das Bild zu ergänzen, das sich unsere nummer ein ausführliches, anscheinend offigiös inspiriertes fichtslosesten Weise bekämpfen wird. Es wird dann schwer sein, deutschen Parteigenossen von den Anschauungen des französischen Telegramm über dieselbe Angelegenheit veröffentlicht. Das Feilikich zu trennen. bie Sache des Gesamtministeriums bom Fall Sozialismus über diese großen Anliegen der westeuropäischen Mensch Telegramm zeigt, wie eifrig man sich mit der Frage beschäftigt heit bereits gemacht haben. Pressensé führt aus: hat, ob sich nicht neue Liebesdienste für den Barismus erweisen Zur Stichwahl in Oberbarnim d lassen. Zur Beurteilung der russischen Gesinnungen in unseren schreibt die rantf. 3tg." u. a.: Jeyt, wie das vorige regierenden Kreisen ist daher dieses Telegramm durchaus be- Mal, steht der Kandidat der Reichspartei erst an zweiter Stelle und $ bcselbst wenn die freifinnigen Wähler nur Wahlenthaltung übten, müßte merkenswert. Wir geben es wörtlich wieder: Sozialdemokratische Vereine und die sozialdemokratische er unterliegen; aber statt dessen rechnet die Reichspartei mit einer Preise veröffentlichten, wie gemeldet, Aufrufe zu Geldjammlungen leider auf Erfahrung gestützten Wahrscheinlichkeit auf den Wahlfieg zugunsten der russischen Revolutionäre. Wir haben schon darauf durch freiiinnige Hülfe. Das sollte doch unter hingewiesen, wie bedenklich uns eine derartige Einmischung in allen Umständen verbindert werden... die eigensten Angelegenheiten eines fremden Staates erscheint. doch keinen Augenblick zweifelhaft sein, daß ein Vertreter einer der Wir verstehen es daher, wenn in der Bresse die Frage aufgeworfen freiheitlichen Parteien unter allen Umständen dem Kandidaten wird, ob man diese Sammlungen nicht verhindern und gegen der reaktionären Gruppen vorzuziehen ist. Der reichsparteiliche Sie haben die Internationale prattiziert, bevor sic die Veranstalter strafrechtlich einschreiten sollte. Diese Forderung Prosessor Pauli ist so reaktionär wie nur einer dieser Gruppe, er noch in die Juftitutionen unseres alten Ofzidents eingedrungen ist. ist aber leichter gestellt, als rechtlich begründet. fönnte ohne Aenderung seiner Ueberzeugungen auch den onIhre Presse hat die Sprache der gefunden Vernunft den Ueber- Für die Strafverfolgung kann nur in Betracht kommen der ervativen, Bündlern oder Antisemiten angehören. bierte Abschnitt von Teil 2 des Strafgesetzbuches. Dieser Ab- Gegen ihn die Parole auszugeben müßte doch als selbstverständlich schnitt handelt von den„ feindlichen Handlungen gegen befreundete gelten. Freilich haben die Sozialdemokraten in Fällen ähnlicher Staaten". Danach macht sich strafbar, wer gegen einen be- Art häufiger den Reaktionären zu Erfolgen verholfen. Aber nicht nimmt, die, wenn er sie gegen einen Bundesstaat oder einen halten und hier durch das gute Beispiel politischer Pflichterfüllung Bundesfürsten begangen hätte, nach Vorschrift der§§ 81-86 erzieherisch zu wirken suchen." parimadas Der Berliner Freisinn" hält das Gegenteil dessen für ( Hochverrat) zu bestrafen sein würde. Voraussetzung dabei ist aber, daß in dem anderen Staate dem Deutschen Reiche die selbstverständlich, was die Frankf. 3tg." fordert. Er gibt nicht nur Gegenseitigkeit berbürgt ist(§ 102). Abgesehen davon, Bündlern oder Antisemiten" angehören könnte," sondern hat sogleich nicht Parole gegen den Politiker aus, der den Konservativen, daß nach der bekannten Reichsgerichts- Entscheidung in den nach dem ersten Wahlgange die Wahl Paulis als gesichert ausgegeben. Königsberger Prozesse in Rußland die Gegenseitigkeit nicht ge- Das Selbstverständliche versteht der Freifinn seit langem nicht mehr. währleistet ist, scheint die Anwendung des§ 102 auch aus anderen Wie kann da die" Franks. 3tg." noch eine Mahnpredigt für anstehen, daß die in blutigem Kampfe mit den Unterdrückern gebracht halten, die wie ein Märchen aus alter Zeit anmutet. Die Sozialdemokratie bleibt auf ihre eigenen Reserven anstehenden russischen Brüder, derer Los die Unterzeichner des Aufvufes zu lindern trachten, es fortdauernd unternehmen, die ge- gewiesen, deren sie, wie wir erwarten dürfen, eine sehr stattliche feßlich bestehenden Zustände gewaltsam zu ändern. Damit würde Bahl heranziehen wird. also ihre Handlungsweise dem§ 81 Ziffer 2 des Strafgesetzbuches die Sozialdemokraten in Fällen ähnlicher" Art häufiger den Uurichtig ist übrigens die Bemerkung der Frankf. 8tg.", daß entsprechen. Aller Wahrscheinlichkeit nach würden die Gerichte Davon ist natürlich aber nicht so weit gehen, schon in Geldsammlungen für die Reaktionären zu Erfolgen verholfen hätten. russischen Revolutionäre ein Unternehmen des Hochverrats nach ganz und gar nicht die Rede. dem Gewissen und der Vernunft der ziviliande dieses Attentats Dieses Eingreifen des Proletariats ist etwas Neues und Großes. Ich glaube, saß es außerordentlich viel schwerer für die freundeten Staat oder dessen Landesherrn eine Handlung unter- das schlechte, sondern das gute Beispiel soll man sich vor Augen Potentaten, die Poliafer, die Spekulanten geworden ist, die Geißel des Krieges zu schwingen von dem Moment ab, wo die Arbeitermassen schon in der ersten Phase eingreifen und ihre Solidarität über die Grenzen ihrer Länder hinweg bekunden. Möge es nur noch erlaubt sein, hinzuzufügen, daß das, was diesem wohltätigen Eingriff der Völker seinen vollen Wert gegeben hat, die Tatsache ist, daß er sich ohne jede Uebertreibung, ohne die geringste falsche demagogische Note vollzogen hat. Steiner, unter uns hat geglaubt, Beifall durch grobkörnige Paradoren zu erringen. Niemand unter uns denkt daran, das Baterland zu lengnen, oder als Mittel gegen den Militarismus den Generalstreit der Soldaten zu propagieren. Selbst unter der tapitalistischen Herrschaft ist das Vaterland etivas Heiliges Der Proletarier verteidigt in ihm einige der Güter, die ihm die teuersten find: das Genie seiner Rasse, die gemeinsame Erbschaft der Kultur, die Erinnerungen des heimischen Herdes, die Rudimente der Freiheit und die Keime der demokratischen Gleichheit, die die Revolution neu gekräftigt hat. Ebenso aber wie er die Pflicht der Selbsterhaltung des Judividuums dem höheren Interesse der Allgemeinheit, die jene umfaßt, unterzuordnen weiß, ebenfode würde er im entscheidenden Falle den Patriotismus, so legitim, soi verehrungswürdig er an sich und an seinem Plaze ist, den Verpflichtungen der internationalen Eintracht unterordnen tönnen. Auf diesem Gebiet ist er start, unbesieglich, kann er sich mit Erfolg den blutigen Torheiten des alten Geistes der Eroberung, des Völkerhasses und des Krieges entgegensetzen. Wenn sie von diesem Geiste erfüllt sind, werden die Sozialisten Frankreichs und Deutschlands, gestärkt durch die Prüfung, die sie soeben durchgemacht haben, arbeiten können, wie sie es wünschen, an der Wiederversöhnung der beiden Nationen, der beiden Rassen, deren Zusammenilang unerläßlich für die Harmonie des Menschengeschlechtes ist. bri joj Es würde keinen Zweck haben, die Wirklichkeit zu verschleiern und Tatsachen, die nur zu sicher sind, durch Nichtbeachtung aus der Welt zu schaffen suchen. Indem wir Franzosen mit Scham die Existenz eines blödsinnigen Nationalismus in unserem Lande zugeben müssen, der nichts anderes versteht, als zu hassen und der unvermittelt von der gehässigen Provokation zum schimpflichen Kniefall übergeht, können wir nicht umhin, die Gegenwart einer brutalen und arroganten Partei in Deutschland zu beklagen, die manchmal bis in die höchsten Kreise ihren Einfluß ausübt. " " 200 § 81 u. ff. oder die Begünstigung eines solchen Verbrechens zu erblicken. Dazu würde es der Feststellung bedürfen, daß die geSed dus zur Reichstagswahl in Essen. sammelten Beiträge zur Ausführung bestimmter hochverräterischer Dem Zentrumskandidaten, Arbeitersekretär Giesberts, waren Unternehmungen nach der Absicht der Sammler dienen sollen. vom Bund der Landwirte verschiedene Fragen vorgelegt worden, Daß damit den russischen Revolutionären in dirette Hülfe von deren Beantwortung es abhing, ob sich die Bauern für oder geleistet wird, würde zwar nicht bestritten werden können. Gine gegen seine Kandidatur erklären würden. Nun ist es bekanntlich indirekte Unterstüßung, deren Beziehung zu bestimmten Straf- einem Zentrumsmann nicht schwer, sich in allen Sätteln zurecht zu taten hochberräterischen Charakters nicht nachweisbar ist, genügt ſetzen, auch hier wäre Giesberts um Antworten nicht verlegen ge= aber nicht zur Feststellung des nach§ 102 strafbaren Tatbestandes. wesen, hätte sich unter den Fragen nicht eine sehr figliche befunden. Selbst wenn diese rein juristischen Erwägungen nicht als unMan verlangte nämlich eine bündige Antwort auf folgende Frage: bedingt zutreffend anerkannt werden sollten, würde doch der Straf- Wollen Sie die Forderung des Koalitionsrechtes für die Dienstboten verfolgung der bereits erwähnte Mangel an verbürgter Gegen- und Landarbeiter aufgeben?" Diese Frage konnte Giesberts nicht seitigkeit entgegenstehen, außerdem aber die Bestimmung des gut anders als mit einem Nein beantworten, wollte er die Arbeiter §102, wonach Verfolgung nur auf Antrag der auswärtigen in seinem Wahlkreis nicht gegen sich aufbringen. Doch mutet Regierung eintritt. Ein solcher Antrag ist aber nicht gestellt es merkwürdig an, daß Leute, denen es sonst auf einen Verrat der worden. Ebensowenig wie man den Hochverratsparagraphen an- Arbeiterinteressen nicht ankommt, wir erinnern nur an die Bergwenden kann, ebensowenig fann man die Sammlungen als un- arbeiternovelle, jetzt so riesig entrüstet tum über die unverfrorene befugte Veranstaltung einer Kollekte verhindern, Zumutung der paar Landwirte in dem großen Arbeiterwahlkreise. da nach der Rechtsprechung des Kammergerichts nur Hausfolletten Ja, wenn es sich nicht um einen großen Arbeiterwahlkreis handelte, ine Wege der Polizeiverordnung der behördlichen Genehmigung hätte man vielleicht auf irgend eine Weise mit sich reden lassen. unterworfen sind. Somit ist es nach Lage der deutschen Die Rheinische Volksstimme", das Organ der katholischen Gesezgebung nicht möglich, gegen die Samm Bauern, kommt bei Besprechung der Giesberts'schen Antwort zu dem Lungen auf gerichtlichem oder polizeilichem Schlusse, daß kein Baner den Zentrumsmann wählen dürfe, am Wege vorzugehen. Narrenseil wollten die Bauern nicht mehr geführt sein. 49#blomonis dispitus. Von der Halleschen Justiz. Wie der Knüppel eines Agrariers zu einem ungefährlichen Werkzeug" wurde, darüber berichtet man uns unterm 17. Juli aus Halle: " asdiat à Es zeigt sich deutlich, daß an gewissen Stellen große Der Bangermanismus hat die zivilisierte Welt empört durch Abhandlungen wie die des Professor Schiemann, in denen eine Neigung besteht, auch jetzt noch dem russischen Freunde nach naive Unfähigkeit zutage tritt, das Recht der anderen als Königsberger Muster dienstbar zu sein. Man hat Grenze des persönlichen Rechts zu achten. Ein Teil der deutschen freilich aus dem Königsberger Prozeß gelernt, daß es nötig ist, Presse hat barbarische Theorien aufgestellt. Die Aussich über die Voraussetzungen der Möglichkeit einer Anklage Die Arbeiterfamilie Klosch hatte sich bei dem wohlhabenden Tassungen Wilhelms II. tragen allzuhäufig Bezuvor zu unterrichten. Und so ist man zu dem Ergebnis ge- Gutsbesiger Moritz Hoffmann in Amtsdorf auf 1 Jahr verunruhigung in die Nationen. Je mehr wir uns ver langt, daß sich nichts tun läßt. Leider! Aus jedem Saz mietet. Als der Ehemann Klotzsch in einem Halleschen Krankenhause pflichtet fühlen, in Herrn Delcassé einen händelsüchtigen springt das Bedauern, daß es nicht möglich ist, gegen Deutsche lag, kam es zwifchen Ks. Familie und dem Agrarier zu einem Politiker abzuweisen und zu stürzen, der das Unrecht begangen vorzugehen, weil sie, von Mitgefühl für die Opfer der russischen Konflikt, infolgedeffen der Gutsherr Frau S. aufforderte, innerhat, dem Kaiser Wilhelm II. einen Streit nahezulegen, unifomehr find wir auch verpflichtet zu erklären, daß wir niemals daran ge- Schreckensherrschaft erfüllt, nach ihren Kräften mitwirken alb 24 Stunden die Arbeiterwohnung zu räumen. Am 10. April, dem Tage des Auszuges, erschien der Gutsherr an Rs. dacht haben, dem Urheber der Reden von Tanger und der Mission wollen, das durch den Barismus angerichtete Unheil zu wohnung und herrschte den 16 jährigen Walter A. mit den mildern. Nur an der unzureichenden juristischen Handhabe Morten an:„ Habt Ihr Eure Lumpen bald raus, wo scheitert der gute Wille der preußisch- deutschen Russenjustiz!-ist 10 sid aiming Tattenbach etwa vollkommen recht zu geben. fann.... 16 Nicht indem sie einander ihre Gedanken verheimlichen, werden der Schlüssel?" Als der junge Mensch sagte:„ ich atvei große Bölfer zwischen sich ein Verständnis aufrichten, das weiß es nicht", nahm der robuſte und baumlange nur auf der gegenseitigen Kenntnis und der 110 Die Abgeordnetenwahlen in Bayern. Agrarier seinen Gehstock und schlug damit den schwächlichen jungen gegenseitigen Achtung ihrer Rechte, ihrer München, 17. Juli. Bis 6 Uhr abends waren von 159 Wahl- Burschen in brutaler Weise über Kopf und Schulter. Walter K. Interessen und ihrer Unternehmungen beruhen ergebnissen 154 bekannt. Danach stellen sich die Parteien im Land- blutete, so bestätigte das ärztliche Attest, aus einer 1½ 3entiNachdem de Preffensé weiter die Lösung der elsaß- loth- tage folgendermaßen: Bentrum 102(+18), Sozialdemokraten 12 meter langen und ebenso breiten Kopfwunde, bis auf den Knochen ging. Die nunmehr herbeigeeilte ringischen Frage durch den Revanchekrieg verworfen hat, schließt(+1), Demokraten 2(+1), Niederbayerischer Bauernbund 3, Bund der Mutter ließ in der Erregung über ihren mißhandelten Sohn, der er also: Ein gutes hätte diese Krise, die wir foeben erlebt haben, Landwirte in der Pfalz und Oberfranken 4, konservative Bündler 10, stark blutete, dem Agrarier gegenüber ein Schimpfwort fallen. Die wenn sie nicht nur dazu gedient hätte, die Macht der Friedens- Liberale 21. Für die letztgenannten Parteien ist ein ziffernmäßiger Folge davon war, daß sie auch noch heftige Stockprügel von dem elemente in unseren Gesellschaften des bewaffneten Friedens und des Vergleich zu den früheren Verhältnissen, bei denen die Freie Ver- Gutsherrn bekam. Die Verlegten waren infolge der Mißhandlungen Kapitalismus aufzuzeigen und die beiden Proletariate zu einem ge- einigung 19 und die Liberale Vereinigung 44 Mitglieder zählte, a cht bezw. dreizehn Tage frant und arbeitsunfähig. meinsamen Werke der internationalen Solidarität zusammenzu- nicht möglich, da noch nicht feststeht, welcher Gruppe sich verschiedene Als nun Hoffmann heute vor dem Schöffengericht wegen Körperverlegung führen, sondern auch allen, zu beweisen, daß es sich nicht darum Bündler anschließen werden. Noch fehlende Mandate fallen auf die mittels gefährlichen Werkzeuges in zwei Fällen angeklagt war, sagte handelt, mit den alten Parteigruppierungen und mit Angriffsmaßregeln zu arbeiten, sondern das große Völkerbündnis Wahlkreise Neustadt a. H.( bisher 2 Liberale) und Landstuhl( bis- Der Amtsrichter entgeguete:" Sie, das ist kein Spaß, da stehen ( bis- er furz und bündig: Selbstverständlich bin ich gereizt gewesen. vorzubereiten und inzwischen in einem neuen Dreibund der her 3 Liberale), woselbst mehrere Wahlgänge nötig sind. zwei Monate darauf." Im Beratungszimmer scheint man anderer Zivilisation, des friedlichen Wetteifers und des Fortschritts die igien Ansicht geworden zu sein; denn obwohl der Agrarier wegen drei großen Nationen: Deutschland, England und Frankreich zu Ueber einzelne Ergebnisse wird ferner aus München Körperverlegung bereis vorbestraft ist, fam er mit vereinigen." vom 17. Juli gemeldet: Bei den heutigen Abgeordnetenwahlen 50 W. Geldstrafe davon. In der Urteilsbegründung hieß es: wurden gewählt: In München 1: die bisherigen Abgeordneten Dieser Gebstock ist tein gefährliches Werkzeug." Verunglückter Russendienst.. Müller, Schmitt, Birt( Sozialdemokraten), Schirmer, Giehrl( Bentrum), Beantragt war allerdings eine Gefängnisstrafe. Der Gutsherr Wir haben wiederholt mitgeteilt, wie schweren Aerger der in München 2 wurde gewählt: der bisherige Abgeordnete v. Bollmar fann froh sein, daß er fein Streifer" war. Wäre auch der Knüppel Aufruf unserer Partei zu Geldsammlungen für die und in München 3, wie bisher, die drei Zentrums- Abgeordneten. in der Hand des Arbeiters, gegen den Gutsherrn gerichtet, auch so Opfer der ruffifchen Revolution in den deutschen Soweit bisher Wahlergebnisse aus dem Lande vorliegen, bieten sie ungefährlich gewesen? Ruffenblättern erregt hat. Die Scharfmacher bestürmten die feine Abweichung gegenüber dein nach dem Ausfalle der Urwahlen vermuteten Resultate. Jn Kempten wurden mit 64 gegen Behörden, daß sie gegen diese Unterstübung der Revolution 63 Stimmen an Stelle der zwei bisherigen liberalen Abgeordneten Am Niederrhein, in den Kreisen Cleve und Geldern, dicht an im freundnachbarlichen Reiche mit allem Nachdruck vorgehen gewählt: Hofstätter( Bentrum) und Timm( Sozialdemokrat). In der holländischen Grenze, wohnt inmitten seiner Bauern der Graf sollen. Ist denn," so lärmten beispielsweise die Hamburger Augsburg wurden gewählt statt der bisherigen zwei Liberalen: Hoensbroich, ein echter Zentrumsmann. Dieser Graf, Nachrichten",„ die deutsche Staatsgewalt machtlos gegen eine Mayer( Bentrum) und Rollwagen( Sozialdemokrat). In Immen- der seinen Siz auf Schloß Huay bei Geldern aufgeschlagen hat, so ungeheuerliche Provokation, die sich nicht nur gegen den stadt wurden statt der bisherigen zwei Liberalen mit 61 gegen Fortbestand der legitimen Staatsform in einem uns benach- 58 Stimmen zwei Zentrums- Abgeordnete gewählt. barten und befreundeten Neiche richtet, sondern auch offen er" si Edelmann und Bauer. verfügt über große Ländereien, die er zumeist in Bacht gegeben hat, er selbst frönt leidenschaftlich der Jagd, sein Jagdrevier erstrect sich über mehrere Ortschaften. Das Revier ist seit Jahren als das Ferner wird gemeldet: Jn Nürnberg sind drei Liberale und wildreichste befamit. Der Graf setzt seinen Stolz darein, Prinzen klärt, daß der Triumph der russischen Revolution die in Deutsch ein Demokrat anstatt der bisherigen vier Sozialdemokraten gewählt und Fürsten als Jagdgäste bei sich begrüßen zu können. Daß land vorbereiten soll?" Wir sehen davon ab, daß in solchen worden. In Bayreuth sind die liberalen Abgeordneten Casselman seine Pächter und die freien Bauern, soweit sie in oder Auslassungen einige nette Fälschungen unterlaufen, wie die, und Neuner wiedergewählt und Brendel( Bund der Landwirte) neu- an dem Jagdrevier liegen, durch die große Vermehrung des daß nach dem erhofften glücklichen Verlauf der russischen Revo- gewählt. Der Abg. Segis( Soz.), der in der vergangenen Legislatur- Wildstandes schwer geschädigt werden, läßt den Grafen falt, erhalten lution nun in derselben Weise in Deutschland vorgegangen periode einen der vier Nürnberger Wahlkreise vertrat, ist in die Leute doch die Jagdpacht und schon einmal eine Entschädigung werden solle. Von hohem Interesse aber ist, daß diese Sezereien udwigshafen gewählt worden. für Wildschaden, wenn auch die winzige Summe gegenüber den bei der Just i zbehörde nicht ohne Wirkung geblieben sind.nis on agila Des drohende Zentrum.s Schaden, den die Bauern tragen müssen, gar nicht ins Gewicht Es sind, wie die„ Braunschweigische Landeszeitung" mitteilt, München, 17. Juli.( Telegramm.) Unter der Ueberschrift: Sirsche und Rehe tommen in ganzen Rudeln und nagen die Spröß fällt. Die Verwüstungen, die das Wild anrichtet, sind sehr groß, tatsächlich in Regierungsfreifen" Erwägungen m Minifterium bleibt wohl alles beim alten?" schreibt der Bayer. linge und Kronen im Schlagholz, so daß diejes struppig wird und abftirbt. angestellt worden, ob es möglich sei, die sozialdemo- ur." Das Gerücht, daß Graf Feilisich um seine Entlassung Kaninchen und Hafen suchen die Felder heim, besonders ist die Ber kratischen Blätter zu verfolgen, welche den Aufruf zur Samm- eingekommen sei, halten wir für ganz unbegründet; er hat den mehrung der Kaninchen eine so starte, daß man schon von einer voll lung von Geldern für die russischen Revolutionäre veröffent- richtigen Zeitpunkt zum Rücktritt verpaßt. Das Blatt führt dann ständigen Kaninchenplage reden muß. Alle Vorstellungen bei dem Grafen licht haben." Jedoch, so teilt das Blatt weiter mit, scheint das aus, daß dem Minister des Innern viermal Gelegenheit zum Rück- I find fruchtlos, nicht einmal wird den Bauern die Erlaubnis erteilt, vodo gol tisgund Rußland. Alle, die sich darin verschulden, werden dem Gericht über geben. Den nächsten Vorgesetzten wird alle Verantwortung über tragen. Der Verweser des Kommandeurs der Kownaschen Festung. ( gez.) Regiments- Adjutant Ein Sieg der polnischen Eisenbahner. ben Kaninchen zu Leibe zu gehen. Jede Selbsthülfe ist streng ver- durch die plötzliche Stonzentrierung der deutschen gesamten aktiven boten. Der Graf leitet selbst die Haussuchungen, Schlachtflotte und der baltischen Torpedoflotte an der Schwedischen wenn irgendein Verdacht einer Wilddieberei bor Küste in großes Erstaunen versetzt worden. Tiegt. Die Bauern fühlen sich aber auch so abhängig von dem Grafen, daß sie einen Gedanken zum Wildern noch nicht einmal aufkommen lassen, sind sie doch zu feige, um eine Klage wegen Wild- In der russischen Geheimdruckerei des Allgemeinen Jüdischen schaden gegen denselben anzustrengen. Ja, sie dulden es, daß der Arbeiterbundes in Litauen, Polen und Rußland" ist die Nr. 7 des Stabs- Kapitän Romodin. Graf nebst seinen Jagdgenossen noch das im Felde zertritt, Bentralorgans„ Der Bund" im jüdischen Jargon erschienen. In diesem Dokumente zeigt sich die Angst der Zarenregierung was das Wild stehen gelassen hat. Jedes Jahr im April Sie enthält: Selbstbeschützung und revolutionärer Kampf. vor dem Volksaufstande. Aber auch jetzt hat sie der alte Leichtsinn Graf Hoensbroich nämlich in seinem Jagdrevier ein Die wahre Gestalt des Blutbades in Shitomir. Fatta aus nicht verlassen. Die ganze Gefahr erwartet sie nur von Zivil. Preissuchen ab, an welchem vielleicht vierzig Jäger und dem Shitomirer Massaker: die Agitation unter der christlichen Leuten und vergißt dabei gänzlich, daß im Militär selbst, eine ganze Meute Hunde teilnehmen, die besten Hunde werden später Bevölkerung, das Verhalten der Behörden, der Kampf unserer be- besonders in einer solchen revolutionären Stadt wie Kowna, nicht prämiiert, bei diesem Preissuchen wird die schon aufstehende Frucht waffneten Selbstverteidigungskolommen, die Stimmung der christlichen wenige Revolutionäre tätig sind. Wie wurde zerstampft und zertreten. Nun ist die Wildplage aber so groß ge- und die der jüdischen Bevölkerung. Bewaffnet Euch! Korrespondenzen. worden, daß die Bauern nicht einmal genügend Futter für ihr Vieh der 1. Mai im Nayon des Bundes" gefeiert? ernten, sie sind dabei, die Felder mit Stacheldraht abzuzäunen. Ein Der 12. und 13. Mai in Homel. Einige Worte wegen der DeklaBauer, der dieses im vorigen Jahre schon getan und dabei eine ration der Zionisten- Sozialisten". Die 18 Seiten starke Nummer Ausgabe von zirka 1000 Wart hatte, behauptet trotzdem materiell wurde in 7000 Exemplaren verbreitet. noch besser gefahren zu sein, als seine Nachbarn. Den Pächtern wird selbstverständlich von dem Grafen diese Schutzmaßregel nicht erlaubt, mußte doch sogar ein Pächter die Zäune wieder abreißen, die er errichtete. Das Wild muß gut gefüttert werden, wenn auch die Menschen Not und Entbehrungen erdulden müssen. Es ist auch ein Stück Kulturgeschichte, daß die fruchtbarsten Felder berwüstet werden, weil es einem einzelnen Mann beliebt, dort seinem Sport zu frönen. Wir sind überzeugt, daß dieser Mann es aber noch fertig bringt, sich als der Freund der kleinen Bauern aufzuspielen, dem unbedingt geholfen werden muß. Die Zentrumspresse am Niederrhein hat schon hin und wieder auf die enormen Wildschäden in deen genannten Revier hingewiesen, ist aber zu feige, um energisch Stellung gegen den Grafen zu nehmen, weil es einer her ihren ist. Verluste in Südwestafrika. Berlin, 16. Juli. Amtlich. Amtlich. Ein Telegramm ans Windhut meldet: An Typhus sind gestorben: Gefreiter Wilhelm Stein, geboren am 4. November 1879 zu Leip, früher Bezirkskommando Osterode, am 10. Juli 1905 im Lazarett Aminuis. Reiter Otto Kunze, geboren am 6. 12. 1876 zu Nünchriz, früher im EisenbahnRegiment Nr. 2, am 12. Juli 1905 im Lazarett Lüderitzbucht. Husland. Italien. Proteft gegen Gefängnismißhandlungen. Rom, 13. Juli.( Eig. Ver.) Schon wieder hat sich in Rom ein rätselhafter Todesfall im Gefängnis zugetragen und wieder handelt es sich um einen zu Unrecht Verhafteten. Am 24. Juni, dem Geburtstag Mazzinis, wurden während der Volksdemonstration in Rom einige 30 Per sonen verhaftet. Wie immer in solchen Fällen packten die Polizisten blindlings, was ihnen in die Hände fiel. Die meisten wurden später freigelassen, die anderen auch ohne irgend welche Auswahl- in Haft behalten. Unter diesen befand sich ein gewisser Consolini, Tapezierer, ein vierzigjähriger gesunder Mann. Die Familie hat nichts meht von ihm erfahren; nur auf Umwegen erfuhr die Frau, daß ihr Mann am Mittwoch im Irrenhaus verstorben wäre. Sie offiziell von dem Tode ihres Gatten in Kenntnis zu setzen, hat man nicht für der Mühe wert befunden. Es heißt Türkei. Flottenbauten. Es verlautet, daß ein Jrade die Neuanschaffung von 2 Panzerschiffen, 4 Kreuzern, 6 Torpedobootskreuzern und zwölf Hochseetorpedobooten anordnet, damit die türkische Flotte der russischen Schwarzmeerflotte gewachsen sei. Amerika. Chinesenschmuggel. Wie die Chinesen durch allerlei Listen und Schliche versuchen, dem Gesetz der Ausschließung ein Schnippchen zu schlagen und über die Grenzen nach den Vereinigten Staaten zu gelangen, beweist der fürzlich erschienene Bericht eines Eintvanderungsinspektors, der die Verhältnisse an der merikanischen Grenze untersucht hat. Der Inspektor stellt fest, daß das Gesetz, welches die Einführung von Kontraftarbeitern verbietet, an der merikanischen Grenze in der Regel übertreten wird. Amerikanische Unternehmer werben Merikaner massen haft an; diese kommen in großen Trupps über die Grenze und unter ihnen befinden sich sehr viele Chinesen. Meist wollen sie als Japaner gelten und opfern sogar ihren Zopf, um in das Land ihrer Wünsche zu gelangen. Vielen gelingt es auch, als Merikaner verkleidet, mit einem Sombrero auf dem Kopfe, in Gesellschaft von merikanischen Arbeitern die Grenze zu passieren. Sind sie erst auf amerikanischem Boden, so finden sie Gelegenheit, nach San Francisco oder einer anderen Stadt зи komen, wo fie in den Chinesen vierteln sich ficher genug fühlen. An Die Angestellten der Warschau- Wiener Eisenbahn haben durch die Drohung mit einem allgemeinen Ausstande ihre Forderung nach Einführung der polnischen Dienstsprache durchgedrückt. Der Verwaltungsrat der Bahn hat, wie der Voss. 8tg." gemeldet wird, angeordnet, daß die polnische und die russische Sprache nebeneinander Dicustsprache werden. Bisher war die Verwendung der polnischen Sprache im Dienste auf das strengste untersagt, ja jogar für den Gebrauch des Polnischen im Privatverkehr. wurden die Leute verfolgt und gemaßregelt. Auch in diesem Falle zeigt es sich, wie schwach die russische Regierung bereits geworden ist, da sie aus Angst vor neuen Eisenbahner- Ausständen, die jedenfalls wieder über die Warschau- Wiener Eisenbahn hinausgreifen würden, feinen Einspruch gegen die Nachgiebigkeit des Verwaltungsrates zu erheben wagt. Ausstand in Sosnowice. Ueber Breslau wird aus Sosnowice gemeldet: Auf einzelnen Werken ist der Betrieb ganz oder teilweise eingestellt. In den letzten Tagen erfolgten zahlreiche Verhaftungen von Aufwieglern" unter den Arbeitern. Von den Huldschinskyschen Werken allein wurden 30 Mann verhaftet. Aus der Partei. Bolizeilich verboten wurde eine Versammlung, welche die Parteigenossen in Schönlante mit einem Lichtbildervortrage des Geder Grenze gibt nossen Grempe- Berlin über die Freiheitstämpfe in Rußland" abes halten wollten. Die Polizei von Schönlante hat damit wieder eins mal den Beiveis geliefert, daß auch die Freiheitstämpfe in Preußen noch viele behördliche Bevormundungen zu beseitigen haben! es auf der megikanischen Seite große Logierhäuser, wo von Chinesen wimmelt, die ein wenig Spanisch und Englisch lernen und nur auf eine Gelegenheit warten, um nach den Vereinigten Staaten zu kommen. Ebenso tommen viele Chinesen aus Kanada über die Grenze troß der schärfsten Aufmerksamkeit der Einwanderungsbeamten. Mit wachsender Besorgnis gewahren die organisierten Arbeiter, daß die Agitation zugunsten der Aufhebung des Ausschließungsgesetzes gegen die Chinesen weitere Kreise ergreift. Verschiedene kapitalistische Zeitungen nehmen offen für China Partei und erklären, daß China mur zufriedengestellt sein werde durch die iederannahme des Vertrages von 1868, der die unbeschränkte Einwanderung zuließ. Die russische Revolution. Gegen den Semstwo- Kongreß. mun, Consolini hätte sich im Gefängnis sehr aufgeregt gezeigt, die Aus Moskau wird der„ N. Fr. Pr." berichtet: Der Moskauer Beamten beleidigt und sei dafür in die Dunkelzelle gekommen. Generalgouverneur hat die Gouverneure derjenigen Dort hätte er weiter getobt, so daß man ihn hätte fesseln müssen. Gouvernements, die Semstwos besigen, telegraphisch anSchließlich sei er ins Irrenhaus überführt worden, wo er sofort gewiesen, die Semstwos und Städtevertreter zu benachrichtigen, daß verstorben sei. Eine Untersuchung ist eingeleitet. Sie hat aber nichts Bes der geplante Kongreß vom 19. d. M. nicht zugelassen werden würde laftendes" für die Gefängnisverwaltung ergeben. Der Unglückliche, und daß die Betreffenden nicht zusammen der als gefunder Mann verhaftet wurde, ist des allernatürlichsten autommen brauchen! Todes gestorben. Die Aerzte haben„ afute Manie" als Todesursache den Mund trat. Gewerkschaftliches. Berlin und Amgegend. In der Lohnbewegung der Fahrstuhlarbeiter ist wieder ein neuer und zwar ein sehr wesentlicher Erfolg zu verzeichnen. In der am Sommitag abgehaltenen Versammlung konnte mitgeteilt werden, daß die Firma loß u. Heymann, welche sich bisher am hartnädigsten gegen die Bewilligung der Forderungen und gegen ein Verhandeln mit der Arbeiterorganisation sträubte, eine Vereinbarung bis zum 1. April 1907 mit dem Verband der Bauhülfsarbeiter abgefchloffen hat. Die Vereinbarung kam zustande unter Mitwirkung des Borsitzenden des Verbandes der Baugeschäfte, Herrn Hoher, der sich auch bereit erklärt hat, bei anderen Fahrstuhlunternehmern zu vermitteln, falls es gewünscht wird. Die Firma Kloß u. Hehmann hat zwar die ursprünglichen Forderungen nicht unverändert bewilligt, sondern etwas weniger geboten, womit die betreffenden Arbeiter jedoch zufrieden sind. Den wesentlichsten Erfolg sehen sie in dem Abschluß des Vertrages und in der Anerkennung ihrer Organisation. Daß die Firma Kloß u. Heymann sich zu Verhandlungen herbeiließ, ist in erster Linie dem einmütigen Zusammenhalten der Arbeiter zufestgestellt und an der Leiche feinerlei Spur von Mißhandlungen Nach einer telegraphischen Meldung der Voff, 3tg." hielt am zuschreiben. Die 180 Arbeiter dieser Firma haben am Montag die sehen können. Auf die allernatürlichste und gesetzmäßigste Weise ist Montag das Organisationsbureau der Semstwos in der Privat- Arbeit wieder aufgenommen. Auch die Firma Sommer u. ein Mann im besten Mannesalter aus der Liste der Lebenden ge- wohnung des Semstwo- Präsidenten Golowin in Moskan eine Sigung Müller hat sich mit den Arbeitern geeinigt, so daß nunmehr strichen worden: man verhaftet ihn und benachrichtigt nach zwanzig ab, in der über den bevorstehenden Moskauer Semstwo- Kongreß 460 Arbeiter bei sechs Firmen zu den neuen Bedingungen beTagen die Witwe von dem eingetretenen Tode! Dabei haben Augenzeugen der Verhaftung gesehen, daß ein Polizist den Consolini beraten wurde. Die Polizei erschien in der Wohnung und forderte schäftigt sind. mit der Faust vor die Brust gestoßen hat, so daß die 24 Anwesenden auf, die Sizung abzubrechen. Da diese Die Arbeiter des Fuhrunternehmers G. Pannach, Rungestr. 18, der Verlegte wankte und ihm blutiger Schaum vor sich weigerten, wurde ein Protokoll aufgenommen. Die Ver- find am Montagmorgen in den Streit getreten. Bislang erhielten sammlung erledigte sodann vollständig ihr Programm. die Kutscher nämlich nur einen Anfangslohn von 24 M. pro Woche, Die Arbeiterorganisationen Roms haben beschlossen, die Be- Das Gleiche geschah mit der Sitzung des demokratischen so daß Leute, die bereits 7 bis 8 Jahre im Betriebe tätig waren, erdigung des Confolini zu einer großen Protestfundgebung gegen 8entralverbandes mit dem gleichen Ergebnis. Dieser Ver- nur auf 26 m. kamen. Die Arbeiter wurden mit einem Stundendie Schandwirtschaft in den italienischen Gefängnissen zu gestalten. band hielt in dem Villenort Terjicki auf finnischem Boden vom Tohn von 40 Pf. abgespeist, wenn sie es nicht bei einem nur schlecht Daraufhin hat man den Toten nachts um 2 Uhr verscharrt, ohne 14. d. Mts. seine Beratungen ab. In seiner dritten Versammlung geregelten Affordsystem auf einen geringen Mehrverdienst die Familie in Kenntnis zu sehen; nur zwei Polizisten gaben dem Bemerkt sei, daß die Firma ausschließlich für Sarg auf dem Zweirad das Geleite. Gestern haben sich nun die am Sonntag erhob der Verband Einspruch gegen den Versuch der brachten. vou Guttmann u. Geserich Vertreter der wirtschaftlichen Arbeiterorganisationen Roms und Regierung, die Gesellschaft durch den Bulyginfchen Bolksvertretungsplan die Bortland Zementfabrit die anarchistischen, republikanischen und sozialistischen Vereine irrezuführen, und beschloß, diesen Plan mit Wort und Schritt zu be- in Rüdersdorf fährt. Wer nun weiß, wie die Arbeiter beim Aufund Abtragen der schweren Zementfäcke und Tonnen angestrengt dahin geeinigt, am Sonntag eine große Protestdemonstration fämpfen und im Notfalle Wahlversammlungen nach Möglichkeit zu werden, der wird den Lohn ohne weiteres zu niedrig finden. abzuhalten und auch im Falle eines Verbotes durch sprengen. Ebenso beschlossen die Sozialisten, die entschlossen sind, kommt es doch besonders im Sommer sehr häufig vor, daß die Polizei nicht davon abzulassen. Bis jetzt haben 48 Ver Terrorismus gegen das Bulyginsche Projekt an sich die Arbeiter, wenn sie schweißtriefend die Säcke schleppen, eine ihre Beteiligung zugesagt. Wahrscheinlich wird der Präfekt die zuwenden. von dem scharfen Zementstaub den ganzen Nacken wund Demonstration oder doch den Zug durch die Stadt verbieten, und scheuerit. So wählten denn die Kutscher und Arbeiter eine wenn es auch nur aus Angst vor den vielen roten Fahnen ge= Lohnkommission und beauftragten gleichzeitig einen Vertreter ſchähe. ihrer Organisation, des Handels- und Transportarbeiterverbandes, der Firma einen nenen Lohntarif zu unterbreiten. Die Verhandlung mit dem Organisationsvertreter lehnte die Firma jedoch ohne weiteres ab, erklärte sich aber bereit, den Kutschern eine Mart Bulage pro Woche zu bewilligen. Dahingegen wies sie die Platzarbeiter mit ihrer Forderung auf Erhöhung des Stundenlohnes von 40 auf 45 Pf. und besserer Regelung des Akkordverdienstes brüst a b. Darauf legten die Arbeiter einmütig die Arbeit nieder. Die Kutscher weigern sich natürlich, die Arbeit der Ausständigen zu ver richten. Alle Bau- und Asphaltarbeiter feien hiermit besonders auf den Streit der Pannachschen Arbeiter hingewiesen, denn solange die Differenz nicht beigelegt ist, können sie in den nenen Zementträgern dieser Firma nur Arbeitswillige erblicken. uns noch: Ein Privattelegramm unseres römischen Korrespondenten meldet Rom, 17. Juli. Die Demonstration wegen des Gefängnis standals wurde gestern trotz des Polizeiverbots abgehalten. Ein Aufgebot berittener Polizeimannschaften verhinderte den Umzug. Bei mehrfachen Zusammenstößen zwischen Polizei und Publikum wurden viele Demonstranten durch Faustschläge berlegt. 50 Personen wurden verhaftet. England. Unterhaus. Auf eine Anfrage erklärt der Staatssekretär für Indien, Brodrick, die englische Regierung sei in der Lage ge wesen, den Absichten der indischen Regierung hinsichtlich getvisser Aenderungen an dem Heeresorganisationsplane beizupflichten, ohne die Grundzüge des Planes zu berühren. Infolge der Anordnungen des Sprechers über das bei der Beratung der Anträge betreffend Neueinteilung der Wahlkreise einzuschlagende Verfahren erklärt Premierminister Balfour unter lebhaftem Beifall der Opposition, daß er die Anträge zurückziehen werde. Der Premierminister deutete jedoch an, daß in der nächsten Session ein Gesetz darüber einzubringen gedenke. " Der Attentäter. Die Persönlichkeit des Todesmutigen, der den Grafen Schu walow beseitigt hat, ist nunmehr festgestellt. Er heißt der Zeitung Slowo" zufolge Kulitowski, stammt aus Sibirien und war Lehrer in Petersburg. Er hat offen erklärt, daß er zur sogenannten Kampforganisation der Sozialrevolutionäre gehöre. Graf Schuwalows Name habe auf der Liste der zum Tode Verurteilten gestanden. Die Gärung unter den Soldaten. # Aus Feodosia wird gemeldet: Als der Bezirkskommandeur über ein Regiment Revue abhielt und nach deren Beendigung die Kompagnien entlassen wurden, blieben einige Gewehre am Blaze. Diesen Moment benugte der Trommelschläger Joschka Motschidlower, lud ein Gewehr mit fünf Patronen und gab dann drei Schüsse auf den Regimentskommandeur Obersten Gertyt ab, verfehlte ihn Achtung, Klempner! Die Spandauer Kollegen stehen in einer aber. Dagegen wurde der Unteroffizier Tatarinow getötet Lohnbewegung. Nachdem den Arbeitgebern in der verflossenen Woche fowie Leutnant Drosin schwer verwundet. Der Trommelschläger die Forderungen zugestellt sind, ohne daß eine befriedigende Antwurde von Soldaten ergriffen und in Gewahrsam gebracht. wort gegeben wurde, haben die Klempner Montag früh die Arbeit nicht wieder aufgenommen. Gesperrt sind infolgedessen die nachfolgenden Bauten: In Lodz wurden Mannschaften des Ekaterinburgischen InfanterieEs fam zu einem Berlin, Malplaquet- und Utrechterstraßen- Ecke und SchröderRegiments gegen die Offiziere aufständisch. blutigen Zusammenstoß, bei dem ein Mann getötet und mehrere ver- straße, Ecke Gartenstraße; Rigdorf, Fontane und SelchowstraßenSpandau, Hamburgerstraße, gegenwundet wurden. Die Soldaten wurden schließlich überwältigt und über Drenstein u. Stoppel und Eiswerder; Berlin, Schröder Ecke, Fönerstraße 2/3; gefesselt nach der Festung Jivangorod gebracht. straße 13; Spandau, Falkenhagenerstraße 27, HochgerichtsUnterstaatssekretär des Aeußeren Earl of Perch erklärte auf eine Anfrage, die englische Regierung sei von der marokkani- Auf der Station Peltsowina der Weichselbahn wurde ein schen Regierung eingeladen worden, an der Konferenz Gendarmerie- Unteroffizier von drei Unbekannten durch Revolver- Straße 7; Bau Fischer am Markt; Strefowplay 16; Brüderteilzunehmen. Die englische Regierung habe darauf unter Vor- schüsse getötet. behalt einer befriedigenden Festsetzung über Programm, Zeit und Ort der Konferenz ihre Geneigtheit, an den Verhandlungen teilzunehmen, zu erkennen gegeben. Leng fragt an, ob einer der Punkte, auf Grund deren Deutsch land und Frankreich übereintamen an der Maroffo- Konferenz teilzunehmen, nämlich wirtschaftliche Freiheit ohne jede Ungleichheit, die offene Tür" für den fremden Handel bedeute und ob demgemäß die englische Regierung eine Revision des englisch- französischen Abtommens vorschlagen werde insoweit, als dieses Abkommen für Frankreich nach dreißig Jahren ein Handelsmonopol in Marokko schaffe. Unterstaatssekretär Earl of Percy erwidert, von einer Revision der englisch- französischen Erklärung, die keinerlei solche Bestimmung enthalte, wie Leng ausgeführt habe, könne keine Rede sein. Schweden. Zum deutschen Flottenbesuch. London, 17. Juli.( Bureau Laffan".) Das schwedische Volk ist, wie der Morning Post"-Korrespondent aus Malmö meldet, Ein Dokument der Angst. Aus Kowna wird uns aus den Kreisen des Ang. Jüdischen Arbeiterbundes" folgendes geheime Dokument zur Verfügung ge stellt: Eiligst. Befehl. Geheim. 30. XI. 1905. Nr. 81. An das Erste Kownasche Festungs- Infanterieregiment. Feldlager Gorna Freda. Der Regimentskominandeur befiehlt straße, Bau Kanowski; Schönwalder- und Bergstraße- Ecke; Kunertstraße 1a; Adamstraße, Bau Hanne; Schulbau in Spandau an der Moltkestraße; Finkenkrug, Waldstraße; Spandau, Knobelsdorferstraße 20 und Feldstr. 8. Wir ersuchen alle Kollegen, diese Bauten zu meiden. Desgleichen ersuchen wir alle auf diesen Bauten beschäftigten Bauhandwerker um Unterstügung. Deutscher Metallarbeiter Verband. Ortsverwaltung Berlin. Deutfches Reich. Achtung, Sattler! Die Firma D. Sohn in Mühlheim a. M. und Frankfurt a. M. hat ihre sämtlichen Arbeiter ausgesperrt. Bu zug nach Frankfurt a. M., Mühlheim a. M. und Offenbach a. M. Die Gauleitung des Gau II. den Vorstehern aller Abteilungen, ihren Gemeinen anheimzustellen, ist deshalb streng fernzuhalten. daß sie sich beim Wachestehen feineswegs erlauben sollen, mit Achtung, Lederarbeiter! Bei der Firma Dreifuß in Straßburg irgend welchen Zivilleuten ein Gespräch anzuknüpfen oder mit ihnen umherzugehen; daß sie unter keiner Bedingung ihr Gewehr aus der Hand geben oder Zivilleute aniveisen, wie damit um zugehen ist. im Elsaß sind 55 Kollegen in den Ausstand getreten. Forderungen sind: Behnstundentag, 45 Pf. Stundenlohn r Affordarbeiter, 35 Pf. für Hülfsarbeiter. Zuzug von Lohgerb ist strengstens zu inhibieren. entralvorstand. Achtung, Holzarveit« i �- Wie Euch schon bekannt sein wird, sind die Tischler und Maschinenarbeitcr in Düsseldorf am 1. Juli ausgesperrt worden und liegen bereits über 1000 Kollegen ans der Straße. ES ist daher eines jeden Kollegen Pflicht, sämtliche Arbeit nach Düssel- dorf als Streikarbcit zurückzuweisen und uns in allen Fällen davon Mitteilung zu machen. Ferner ersuchen wir mit allen Mitteln den Zuzug nach hier fernzuhalten. Sofern in den Zeitungen Annoncen mit Arbeitergesuchen erscheinen, sind sofort Gegenannoncen aufzugeben und ist uns in allen Fällen Mitteilung zu machen, wie uns überhaupt sämtliches auf die hiesige Vclvegung bezügliche Material einzusenden ist. Wenn alle in vollem Maße ihre Schuldigkeit tun. so wird es nicht schwer fallen, den gegen uns geführten Schlag zu parieren und unsere minimalen Forderungen zur Anerkennung zu bringen. Die Lohnkommission. I. A.: H. Otte. Flingerstraße 23. Die Gepäckträger des Kölner HmiptBahichofS befinden sich in einer Lohnbewegung. Die Leute gehören meist dem christlichen Verbände der HülfS- und Transportarbeiter an, was aber nicht hinderte, daß ihre Forderungen von dem Unternehmer mit der Maßregelung einiger Organisierter und der Androhung weiterer Entlassungen beantwortet wurde. Die Vernüttelung des Gewerbe- erich ts scheiterte an dem Widerstande dcS Unternehmers, der die epäckbesorgung und Aufbewahrung gepachtet hat. Die Vcnnittelung des von dem Personal beauftragten christlichen Verbandes wurde von der Kgl. E i s e n b a h n d i r e k ti o n grundsätzlich abgelehnt. Das Koalitionsrecht ist zwar gesetzlich gewährleistet; aber eine Staatsbehörde unternimmt es. die Anwendung dieses Rechtes als Einmischung„Dritter" zu behandeln. Die Leute sollen sich selber an den Unternehmer oder die Eisenbahndirektion wenden, da? heißt: sich der Gefahr der Maßregelung aussetzen. Eine an die Eisenbahn» direktion gerichtete Eingabe war innerhalb weniger Stunden schon mit 70 Unterschriften bedeckt. Die Gepäckträger gerieten in die größte Erregung, als sie erfuhren, daß bei der Direktion dem Unter- nehmer die Kenntnisnahme der 70 Unterzeichner gestattet ivorden war, obwohl die Arbeiter begreiflicherweise Geheimhaltung gewünscht hatten. Die Folge war, daß der Unternehmer sich auf die Suche nach den„Anführern" begab. Die Leute befürchsen jetzt erneute Maßregelungen. In der Zuckerfabrik von Rath n. Brcdt in Köln haben fast sämtliche Arbeiter die Arbeit niedergelegt, weil ihre auf Verbesserung der Löhne, Verkürzung der Arbeitszeit und bessere Behandlung ge- richteten Forderungen abgelehnt wurden. Unter den etwa 100 AuS- ständigen sind etwa 20 Arbeiterinnen. Obwohl an der Spitze der Fabrik das hervorragende Mitglied der Vereinigung für Sozialreform Kommerzienrat Schmalbein fleht, herrscht dort eine entsetzliche lieber- stundenwirtschaft— wöchentlich 70—100 Stunden I— bei folgenden Löhnen: Handwerker 32—35 Pf. die Stunde, Heizer 32, �Maschinisten 30, Tagelöhner 24—28, bei Akkord schwankend 35—50, Mädchen 15—18 Pf. die Stunde. Die Zustände in der Fabrik werden von den Arbeitern als haarsträubend bezeichnet. Herr Schmalbcin will die„Sozialreform" offenbar nur bei anderen. Die Klavieraricitcr der Firma Brettschneider in Leipzig sind in den Streik eingetreten. Der Unternehmer will sich aus Berlin Arbeitswillige kommen lassen. Zuzug ist streng fernzuhalten. Zur Aussperrung der Bauarbeiter in München. Die an der Aussperrung beteiligten Bauarbeiter nahmen zu dem Resultat der vor dem GcwerbegerichtSrat Dr. P r e u n e r gepflogenen EinignngSverhandlnngen in überaus stark besuchten Ver- sammlungen Stellung und gaben auf die ihnen zugemuteten Ver- fchlechterungen ihrer Lohn- und Arbeitsbedingungen eine Antwort, die nicht mißzuverstchen ist: sowohl die Maurer als auch die immerleute, die Bauhülfsarbeiter sowie die l e m p n e r und Installateure lehnten e i n st i m m i g und ohne Debatte die Einigungsvorschläge ab. Der Kampf wird also schärfere Formen annehmen, da der Gcharfmacher-Vcrband drohte, falls die„EinigungS"vorschläge nicht angenommen werden, weitere Arbeiter ausgesperrt wurden. Bis jetzt sind zirka blXX) Bauarbeiter aus- gesperrt oder durch die Materialsperre in Mitleidenschaft gezogen. Unter den dem Scharfmacherverbande nicht angehörenden Unter- nehmern ist wegen des von den Scharfmachern angewendeten Tcrrorismus eine große Erbitterung. Anfangs hieß es, daß nur den organisierten Arbeitern der bekannte Revers vorgelegt werden wird und daß die unorganisierten Arbeiter weiter beschäftigt werden dürfen. Durch die über München generell beschlossene Materialsperre sind aber die Unternehmer nun ge- zwangen, auch die un'organisierten Arbeiter auf das Pflaster zu werfen. Dagegen steht aber die Tat- fache fest, daß in einigen Gewerben gerade jene Unternehmer, die ihre Herren Kollegen mit allen erlaubten und nicht erlaubten Mitteln zur Aussperrung zwingen, mit Material versehen(!) sind und mit einem Stamm Getreuer weiter arbeiten. Die Situation ist für die Ausgesperrten zurzeit günstig wie noch nie. Verschiedene Bauten, darunter mehrere Schulhäuser, müssen bis zum Herbst fix und fertig sein. Ein nicht für die Oeffcntlichkcit bestimmtes, von den Düffel- dorfer Hirsch- Dunckerschen versandtes Zirkular, das einem Un- berufenen in die Hände siel, gibt über einen interessanten Streit Aufschluß, der innerhalb der Gewerkvcreine über die Verwendnng der bei Gelegenheit des Bergarbeiterstreiks gesammelten Gelder, tobt. In dem ersten Aufruf, der von seilen der Hirsch-Dunckerschen veröffentlicht wurde, und zwar ging derselbe von Düffeldorf aus, wurde bekannt gemacht, daß die gesammelten Gelder in die gemein- same Streikkasse fließen sollten. Das wollte aber der Zentralrat in Berlin nicht, er verlangte selbständig über das Geld zu bestimmen. Als der Zentralrat dieses verfügte, hatten die Düsseldorfer schon 300 M. an die gemeinsame Streikkasse der Bergarbeiter abgeliefert und aus dieser Handlung datiert der Streit. Die ganze Sammlung betrug 86 000 M. und wurden von der Summe noch 16000 M. an den Hirsch-Dunckerschen Gewerkverein der Bergarbeiter, zur Ber- teilung unter seine Mitglieder, abgeführt. Aus dem Zirkular geht nun hervor, daß sich der Zentralrat und die Düsseldorfer nicht trauen. Der erstere hatte dem Gedanken Ausdruck gegeben, als wollten die Düsseldorfer die Sammlungen dazu benutzen, um ein ZeitungS- Projekt, das ihnen schon lange vorschwebte, zu verwirklichen. Be- stimmt ist aber, daß der Gewerkverein der Maschinenbauer 0000 M. von den Sammlungen zurückforderte und auch erhielt. Auf alle Fälle ist soviel klar, daß die Hirsch-Dunckerschen das gesammelte Geld nicht im Sinne der Geber verwandt haben. Die Geber wollten, das wird auch in dem Zirkular gesagt, das ganze Geld der gemeinsamen Streikkasse zuführen und keine Verplemperung der Gelder, wie eine solche hier konstatiert wird. GericKts-Leitung. Ein Monpcr-DiebstahlS- und Hehler-Prozeß begann heute unter dem Rubrum„Reisegast und Genossen" vor der 10. Ferienstraf- kammer des Landgerichts I. Die Verhandlung fand im großen Schwurgerichtssaal statt. Wegen fortgesetzten teils ein- fachen, teils schweren Diebstahls. B e g ü n st i g n n g, einfacher und gewerbs« und gelvohnheits mäßiger Hehlerei waren folgende Personen angeklagt: 1. der S ch l o s s er Oskar Reisegast alias Dudeck, der den Spitznamen„der schwarze OSkar" führt, 2. der Schneider G u st a v Mai, L. derArbeier Hermann Backauf. 4. der Artist Heinrich Klaucke, genannt„der Artistenwillh". 5. der B e r g m a n n K a r l K o ch. 6. der Arbeiter Heinrich Dräger, 7. der Arbeiter Ludwig S z y lin s ky, 8. der Schneider W alter B lüm e l, Benannt„der Lockenwaltcr". v. der Strumpfwirker Ilbert Starewsky, 10. der GrünkramhSndler Her mann Huckwitz, II. die Frau Auguste Hotz, 12. der« Gastwirt Karl W e n tz e l, 13. der Komiker Erich Schaefer, 14. der Schlächter Emil Hildebrandt, 15. der D e k o r a t e u r Willy P r e u ß, 16. der K a u f m a n n Hermann Preuß, 17. der Kaufmann Julius Löwy, 13. der Arbeiter Robert Plafchke, 19. der Buchdrucker Robert Liekfeldt, 20. die Tapeziersfrqu Marie Barth und 21. die Z i m m e r v e r m i e t e r i n Emma Scholz. Als Verteidiger standen den Angeklagten, die knapp auf der ziemlich ge- räumigen Angeklagcbank dcS großen Schwurgerichtssaales Platz hatten, die Rechtsanwälte Justizrat W r o nker, Dr. Schwindt und Arndt Bahn, Werthauer und Dr. D a v i d s o h n zur Seite, außerdem noch mehrere von AintSwcgen gestellte Referendare.— Die wegen Diebstahls angeklagten Personen sind Mitglieder einer„auSgetragencn" DiebeSgenoffenschaft, und sind als solche schon vielfach mit dem Gesetz m Konflikt gekommen. Der Angeklagte Hildebrandt wurde u. a. aus dem Zuchthause vorgefiihrt, wo er zurzeit eine fünfjährige Strafe verbüßt. Der Angeklagte Mai, der noch unbestraft ist, kam mit einer Erbschaft in Höhe von 800 M. ans der Provinz Posen nach Berlin. Hier geriet er in die Gesellschaft der übrigen gewerbs- mäßigen Diebe. Das Geld wurde ihm gestohlen, teils brachte er es mit seinen neuen„Freunden" durch. Binnen drei Monaten war Mai ständiger Gast in den Kaschemmen der Schönhauser- und Linien- straße. Eine etwas mysteriöse Persönlichkeit ist der Angeklagte Koch. Seitens der Kriminalpolizei wird begründete Vermutung gehegt, daß der Name„Koch" nur ein angenommener ist. ES ist bisher nicht möglich gewesen, das Dunkel, welches über dieser Persönlichkeit schwebt, zu lichten, trotzdem seine Photographie an sämtliche Behörden Deutschlands und des Auslandes gesandt wurde. Er scheint übrigens auch genügend Ver- anlassung zu haben, seinen richtigen Namen zu verheimlichen, denn daß er ein„Ausgekochter" ist, bewies sein Verhalten vor Gericht. Er zog eS vor, den„wilden Mann' zu fpiclen. Schon vor Beginn der Sitzung fing Koch an zu toben und wie wild um sich zu schlagen. Schließlich zog er sich sein Jackett aus und legte sich mit einem„Gut' Nacht" auf den Fußboden und stellte sich schlafend. Da auch einige der übrigen Angeklagten nicht übel Lust zeigten, dem Beispiel ihres Zunftgenossen zu folgen, wurden vier Schutzleute neben der Anklagebank postiert.— Im Herbst und Winter vorige» JahrcS gelangten eine große Anzahl Anzeigen an die Kriminal- Polizei, nach welchen in allen Stadtgegenden Berlins und in den Vororten Schaukasten- und Fahrraddiebstähle, ferner Geschäfts- cinbrüche und Kollidiebstähle verübt waren. Der Kriminalkommissar Klinghammer vermutete sofort, daß eS sich um eine große wohl- organisierte Diebes- und Hehlerbande handele, da fast sämtliche Diebstähle durch die Gleichheit ihrer Ausführung auf eine„Arbeit" gewerbsmäßiger Diebe schließen ließen. Trotz verstärkter Kontrolle der „Schärferkneipen" in der Schönhanserstraße gelang eS längere Zeit nicht, zu einem Resultat zu kommen. Endlich wurde die Kriminalpolizei auf den Angeklagten Stare tvSky aufmerksam, der in der GipSstraße ein kleines Strumpfwirkergeschäft betrieb. In aller Frühe, gegen 6 Uhr morgens, begann dort ein geschäftiges Getriebe. Unter dem Schutze der winterlichen Dunkelheit schafften mehrere Personen umfangreiche Ballen und Pakete zu Starewsky. Es war dies die DiebcSbente der vergangenen Nacht. Die„Tore" lagerte nur ganz kurze Zeit; die Hehler wurden schleunigst be- nachrichtigt und«he der Tag anbrach, war die Beute in allen möglichen Schlupfwinkeln spurlos.> verschwunden. Der Konuniffar Klinghammer ermittelte ferner, daß der Angeklagte Huktvitz, der der Polizei schon als Hehler bekannt war, mit seinem Fuhrlverk sich in der Nähe der Markthallen auf- hielt, um möglichst tvenig Aufsehen zu erregen. An dem als Rendezvous verabredeten Platze erschienen dann die Diebe mit ihrer Beute, die H. dann wieder nach einer Kaschemme fuhr, in welcher die Hehler schon warteten. Eine unverumtet vorge- nommene Haussuchung förderte große Mengen gestohlener Raren zutage. Nachdem die Kriminalpolizei die Spur ans- genommen hatte, saß bald die ganze DiebeSgenoffcnschaft hinter Schloß und Riegel. Die meisten Verhaftungen wurden in den „Bouillonkcllcrn" und„Kaffccklappen" der Schönhauser- und Linicnstratze vorgenommen. In vielen Fällen mußten sogar erst die Bestohlenen ermittelt werden, da vielfach gar nicht Anzeige erstattet worden war. Einer der Angeklagten gestand offen ein: daß er etwa 50„Schaukastcndinger" gemacht habe, d. h. Schaufastendiebstähle verübt habe. Zur Anklage steht indeffen nur ein kleiner Teil hiervon, da eS nicht gelingt, die Bestohlenen zu ermitteln.— In der vor- liegenden Sache handelt eS sich um folgende Einzelfälle. Im Herbst vorigen Jahre» wurden eine große Anzahl Fahrraddiebstähle an der ReichSbank verübt. Wenn die Personen, die dort zu tun hatten, ihr Rad nur wenige Minuten auf der Straße oder im Vorflur stehen ließen, benutzten die Angeklagten Reisegast und Szylinsky diese kurze Zeit, um mit den Rädern. die später von dem Angeklagten Hermann Preuß angekauft wurden» zu ver- schwinden.— Eine besondere Vorliebe hegten_ die Diebe sür den belebtesten Teil des Stadtinnern. Hier verübten sie zahlreiche Kollidiebstähle. So wurden am Spittelmarkt. in der Klosterstraße und Rosenthalerstraße Diebstähle an Tuchballen ver- übt. Ein Posten Tuch, der 800 M. Wert repräsentierte, wurde für 20 M. an Starewsky„verschärft". Al« die Diebe sich durch den Verkauf ihrer Beute von dem Angeklagten Schäfer übervorteilt fühlten, brachen sie in der Nacht bei ihm ein, holten sich ihre Beute wieder und verkauften sie an Starewsky. In arge Verlegenheit wurde ein Dr. Burgener durch den Diebstahl seines Reisekorbes von einem Fuhrwerk in der Niederwallstraße gebracht. Der Koffer enthielt nämlich die intimsten Kleidungsstücke seiner jungen Frau, mit der er sich auf der Hochzeitsreise befand. Der Koffer selbst wurde in dem Bierkeller des Gastwirts Wenzel geöffnet. Dieser kaufte indessen nur ein Paar Schuhe für 1.50 M. Bei dem Gastwirt Pate in der Ehaussecstraße verübten die Angeklagten mit Hülfe von Stemmeisen und Dietrich einen Einbruch, wobei ihnen Waren im Werte von etwa 100 M. in die Hände sielen. Bei dem Kaufmann «ronseld in der Michaelkirchstraße erbeuteten die Diebe Seidenwaren im Werte von 3500 M., ivelche von der grau Hotz für 330 M. an« gekauft wurden. Eine Haussuchung bei dieser förderte auch zahl- reiche aus anderen Diebstählen herrührende Waren zu Tage. Bei dem Goldwarenhändler Stöß in der Friedrichstraße 153 hatte der ebenfalls zu der Bande gehörende und schon anderweitig verurteilte Arbeiter PoSnint einen Schaukastendiebstahl venibt, wobei er Brillanten und Goldwarcu im Werte von 7500 M. erbeutete. Die„Sore" wurde von Löwy und Hermann Preuß angekauft. In dem Herrengarderoben-Geschäft von Haack in der Königstraße erbeuteten Plaschke und Liekfeldt 50 Herrenanzüge, 40 Winterpaletots, drei Dutzend Hosen, 15 EinseammgSanzüge und 20 Hcrrenioppen. Auch die Vororte suchte sich die Diebesbande als geeignetes Feld ihrer Tätigkeit aus. So erbrachen Sie in der Eislebcnerstraße 2 zu Charlottenburg eine Remise und entwendeten Pelzsachen im Werte von 900 Mark und zwei Fahrräder. In der Pestalozziftraße verübten sie bei dem Schnhwarenhändler David mit Dietrich und„Elle'(Stemmeisen) einen Diebstahl und er- beuteten Schuhwaren im Werte von 100 Mark. Um Herrengarderobe- Artikel von gleichem Werte wurde der Kaufmann Mielke in der Kaiser Friedrichstraße bestohlen.— Vor Gericht waren die angeklagten Diebe teilweise geständig, während die Hehler ihre Schuld gänzlich in Abrede stellten. Justizrat Wronker stellte in der Verhandlung den Antrag, die von ihm vertretene Frau Hotz auf ihren Geisteszustand untersuchen zu lassen, da sich begründete Zweifel an ibrer Zurechnnngsfähigkeit ergeben hätten. Diesem An- trage wurde stattgegeben und das Verfahren gegen die H. einstweilen ausgesetzt. Dasselbe mußte bezüglich des Angeklagten Koch geschehen. da er weiter fortfuhr, den.wilden Mann' zu spielen.— Für die Verhandlung find drei Tage angesetzt worden, da ein großer Zeugen- apparat aufgeboten werden muß, um die Angeklagten auch in den Fällen zu übersühren die fie bisher in Abrede stellten. Den Vorsitz führt Landgerichtsdirektor Berg, die Anklage vertritt Gtaatsmiwalt Assessor Eberstein. Wir werden über den Ausgang des Prozesse, berichten. Soziales. Was baS Zenirnm unter einem Koalitionsrecht ber Lanb- arbeitet versteht. Im Wahlkreise Effen findet demnächst eine Reichs- tags-Nachwahl statt. Von dem Zentrum ist der bekannte Arbeiter- sekretär Giesberts als Kandidat aufgestellt, der. um die Arbeiter für sich einzufangcn, sich für die Gewährung des Koalitionsrechts an die Landarbeiter und Dienstboten ausgesprochen hat. Darob herrscht in den Kreisen der Landwirte arge Verstimmung, die in einer von der katholischen„Köln. VolkSztg." an der Spitze ihrer Nummer 582 veröffentlichten Zuschrift mit folgenden Worten beschwichtigt wird: „Wenn eS wirklich dazu käme, daß durch einen allgemeinen Ausstand der Landarbeiter die Ernte dem Verderben und Verfaulen ausgesetzt wäre, so wird schon dafür gesorgt werden, daß ein solches Unglück nicht eintritt. An der Bergung der Ernte haben nicht nur die Landwirte und die landwirtschaftlichen Arbeiter ein Interesse, sondern die ganze Bevölkerung; das Gemeinwohl würde verlangen. daß man in diesem Falle den Äustrag von Differenzen zwischen den Landwirten und den Landarbeitern nicht den zunächst Beteiligten allein überließe, und darum würde ganz zweifellos im gegebenen Augenblicke die Militärbehörde durch Abkommandierung von ge- eigneten. Leuten in ausreichender Zahl verhindern, daß die Ernte verderbe oder verfaule. DaS fragliche Blatt sollte daher auf ferne hetzerischen Uebertreibungcn nur verzichten. Es wird damit keinen besonnenen Landwirt täuschen." Die„Köln. VolkSztg.", die diese Auslassung ohne jede Kritik abdruckt, ist demnach„grundsätzlich" so lange für die Koalition?- recht der Landarbeiter, als diese von dem Recht keinen Gebrauch machen. Sollten sich aber die Arbeiter einfallen lassen zu streiken, so muß sofort durch Abkommandierung von Soldaten„in aus- reichender Zahl' einem Verderben der Ernte vorgebeugt, d. h. jede Wirkung des Koalitionsrechrs aufgehoben werden. Besser kann der Wert der schönen Versprechungen des Herrn Giesberts gar nicht charakterisiert werden, als durch diesen famosen Kölner Kom- mentar. Zur Revision des Krankenkaffen-Gesetzes. Gegenüber der Nach- richt der„Post", daß schon in der nächsten ReichStagSsession die Vor- legung einer gegen den angeblichen Mißbrauch der Krankenkassen- cinrichtungcn gerichteten Novelle erfolgen werde, weiß die„Franks. Ztg." zu melden, daß bis jetzt lediglich eine Denkschrift über die Revision des Krankenkasscn-Gesctzcs existiert, die in allgemeinen Zügen die Grundgedanken der künftigen Vorlage enthält und die seit wenigen Wochen dem Reichsamt des Innern vorliegen dürfte. Ob dieses sich für diese Revision entscheidet und in der nächsten Session eine Vorlage einbringen wird, ist noch nicht bekannt. UebrigenS sei es falsch, daß die Revision der Krankenkajsen-Gesetz- gcbung lediglich Maßnahmen treffen werde, die gegen den Mißbrauch der Sozialdemokratie mit den Krankenkassen gerichtet sind. Die Denkschrift enthalte außerdem die Grundlagen für einen gemein- samcn Unterbau oder eine Zusammenlegung der Kranken- und In- validitätSvcrsicherung. KaufmannSgericht. Einen Auftrag für die Firma einem anderen überwiesen hatte der Fakturist einer großen Spielwarcnmanufaktur und deswegen wurde er ohne Kündigung entlassen. Er glaubte sich berechtigt, über den Auftrag selbst zu verfügen, weil er ihn als un- geeignet für die Firma ansah und meinte, daß sie gar keinen Wert darauf lege, ihm außerdem zugebilligt worden war. Nebengeschäfte zu machen. Der Vertreter der wegen GehaltSenffchädigung be. klagten Firma erklärte jedoch, daß die Firma selbst dem Auftrag- geber eine Offerte gemacht habe, die aber erfolglos blieb.— Die Klage wurde abgewiesen. DaS Gericht nahm an, daß hier ein zu sofortiger Entlaffung berechtigender VertranenSmißbrouch im Sinne des§ 71' des Handelsgesetzbuches, sowie des§ 60 vorliege. Für da» Barbier- und Friseurgewerbe in Frankfurt a. M. gilt eine auf Grund des Z 41b der Gewerbeordnung erlassene Bekannt- machung des Regierungspräsidenten, wonach u. a. am zweiten Weih- nachtsfeicrtage die Geschäfte der Barbiere und Friseure gänzlich zu schließen sind. Ein Barbier Stein, der wejjen Ucbertretung dieser Bestimmung angeklagt war, zweifelte die Gültigkeit dieser Bekannt- machung an, weil nicht Zwcidrittel sämtlicher Barbiere und Friseure Frankfurts, sondern nur Zwcidrittel der Ladeninhaber des Gewerbes den Antrag gemäß 8 41b auf Beschränkung der Arbeit an Sonn- und Festtagen gestellt hätten. Das Landgericht verurteilte ihn aber. indem eS die Bekanntmachung des Regierungspräsidenten für gültig erklärte Nach der Publikation der Bekanntmachung seien Zwei- drittel der beteiligten Gewerbetreibenden gehört. Nachzuprüfen, ob das genau stimme, sei nicht Sache des Strafrichters. Das Kammergericht als RevisionSinstanz bestätigte das Urteil. Schankraum, geschloffene Gesellschaft und P-lizeistunbe. Die Zahlstelle Flensburg des Deutschnationalen HandlungSgehülfenver- bandes hatte eine geschlossene Vereinsversammlung in einem beson- deren VercinSzimmcr des Gastwirts Franke begonnen, sie dann aber wegen Kaltwerdens des Raumes— es war im Winter— in den gewöhnlichen Gasträumen fortgesetzt. Von Schankgästcn war niemand mehr da, denn eS war inzwischen die Polizeistunde eingetreten und der Gastwirt hatte die Türen nach außen verschloffen. Herr Franke wurde wegen Uebertretung der Polizeistunde angeklagt. Die Staats. anwaltschaft machte geltend, die Schankräume seien Schankräume geblieben, auch nachdem sich die anderen Gäste entfernt hätten und Franke die Türen verschlossen habe. Franke wurde jedoch freigesprochen und da» Kammergericht ver- warf die Revision der Staatsanwaltschaft mit der Begründung: Schankräume, die ausschließlich einer geschlossenen Gesellschaft über- lassen seien, verlören den Charakter öffentlicher Schankräume. Hier habe es sich um eine geschlossene Gesellschaft gehandelt, und da auf diese die Polizeistunde keine Anwendung finde, so müsse Angeklagter freigesprochen werden. Letzte IVachncbten und Depefeben« Gotha. 17. Juli.(Privatdepcsche.) Das.Gothaische Tageblatt" meldet: Prinz Philipp von Sachsen-Coburg-Gotha hat soeben, nach- dem Pariser Gerichtsärzte die Prinzessin Luise von Sachsen-Laburg- G-tha für geistig gesund erttSrt und nachdem das Oberhofmarschall- amt Wien die bisher über die Prinzessin bestandene Kuratel auf. gehoben hat. Ehescheidungsklage gegen Prinzessin Luise beim Landgericht Gotha, welches für Rechtsstreitigkeiten von Mit- gliedern des herzoglichen Hauses zuständig ist, eingereicht. Die öffentliche Verhandlung wird voraussichtlich Oktober ds I». statt. finden. Königsberg. 17. Juli. Wie der. Königsberger Zeitung' von zu verlässiger Seite gemeldet wird, wurde gestern in Sessau in Kur and der Kirchenvorsteher Baron Bistram von Auftuhrern erschossen. lBaron Hahn-Platon wurde durch den Müller Wikone gerettet, der selbst einen Schuß in den Unterleib erhielt. Fürst Lieven, der Adels- Marschall von Kurland, reiste sofort nach Petersburg, um energische Maßnahmen gegenüber der Untätigkeit der Administration durchzu- setzen. Budapest, 17. Juli.(W. T. B.) Der leitende Ausschuß der Koa. lition hat beschlossen, morgen eine Proklamation zu"laßen, in der die autonomen Komitatsbehörden über die Anschauung der Koatiotio belehrt werden sollen, sowie darüber, welche Haltung sie den Maß» regeln der Regierung gegenüber behaupten sollen. Paris. 17. Juli. Der aus der Panamaangekegenheit bekannt« Bankier Arton wurde heute morgen in seinem Bureau tot auf- gefunden. Nach Feststellung der Polizei hat er sich vergiftet. Berantw.Red.! Paul Büttner. Berlin. Jnserateverantw.smitAuSnahmeder.NeueWelt'-BMgY-TH.GIocke, Berlin. Druck u. Verlag: Vorwärts vuchdr.u.verlag»imft.PaulSing«r»S».,yerlwSVk.Ht»»»«�vr«lairnu.UnterhaItt'ng»bl Nr. 165. 22. Jahrgang. 1. WIM ilks Joimärts" Witt AlidlM Dienstag, 18. Juli 1905. Ein gerichtliches Nachspiel znm Rnhstrat-Nrozeß. .(Schlußsitzung.)! Bückeburg, 15. Juli 1S05. Nach Wiedereröffnung der Verhandlung ist der Zuhörerraum Kopf an Kopf gefüllt. Die Atmosphäre im Saale ist fürchterlich. Es ninunt sogleich zur Schuldfrage das Wort Staatsanwalt Becker-Oldenburg: Meine Herren Geschworenen, ich bemerke von vornherein, daß ichaufdenFallChristianSkeinenWertleae, wenigstens nicht, soweit der wissentliche Meineid in Betracht kommt. Es ist möglich, daß der Angeklagte in diesem Falle in Uebereilung gehandelt hat. Dagegen hat der Angeklagte wiederholt und mit voller Be» ftimmtheit behauptet, er habe gesehen, und zwar wiederholt gesehen, daß Minister Ruhstrat mit dem Buchhändler Schmidt und Dr. Schleppegrell„Lustige Sieben" gespielt hat. Sie haben gehört, dag diese Herren die Behauptung des Angeklagten eidlich in Abrede gestellt haben. Dr. Schleppegrell hat mit boller Bestimmtheit be- kündet, er habe niemals„Lustige Sieben" gespielt. Es ist ein öffentlicher Aufruf erlassen worden, es haben sich daraufhin viele Personen gemeldet, niemand konnte aber die Behauptung des An- geklagten bestätigen. Man kann sich auch m den Personen täuschen, denn tatsächlich ist von Referendaren, Offizieren usw. bei Examens- kneiper. im Oldenburger Zivilkasino„Lustige Sieben" gespielt worden. Aber eine solche Verwechselung ist nicht möglich. Man konnte doch auch nicht von vornherein annehmen, Minister Ruhstrat habe einen Meineid geleistet. Eine Verwechselung mit dem Pokerspiel ist auch ausgeschlossen. Der Angeklagte behauptet ausdrücklich, es sei mit Würfeln gespielt worden. ES entsteht die Frage, wie kam der An- geklagte zu seiner Behauptung? Er hat zunächst seinen Angehörigen und Freunden �cine angeblichen Wahrnehmungen erzählt. Er hat diese alsdann beim Rechtsanwalt Dr. Sprenger zu Protokoll gegeben. Dieses Protokoll wurde durch die Zeitungen veröffentlicht. Ich kann nicht umhin, zu sagen, ich kann da? Verfahren des Herrn Rechtsanwalts Dr. Sprenger nicht als ganz einwandsfrei bezeichnen. Der Angeklagte wurde alsdann vor dem Amtsgericht in Bremen und schließlich vor der Strafkammer zu Oldenburg vernommen. Er war der einzige Zeuge, auf dem die Behauptungen des„Residenzboten" beruhten. Die Aus- sagen deS Angeklagten erregten in der ganzen Presse, im Kellner. buad usw. das größte Aufsehen. Er hielt sich für eine äußerst wichtige Persönlidslcit. Sollte er da hintreten und sagen: Meine Behauptung ist unwahr? Er befand sich in einer Zwickmühle, er wußte, wenn er seine Behauptungen als unwahr bezeichnet, verfällt er der allgemeinen Lächerlichkeit. Es kommt hinzu, daß Laturnus ihm sagte: Du mußt bei Deinen Behauptungen bleiben, Dein Ja ist so viel wie das Ja der hohen Herren. Ich glaube, meine Herren Gcichworenen, Sie werden nicht umhin können, die Schuldfrage zu bejahen, daß der Angeklagte wissentlich seine Eidcspflicht verletzt hat. Sie müssen aber auch alsdann die HülfSfrage bejahen, daß der An- geklagte annehmen konnte, er setze sich durch Angabe der Wahrheit der Gefahr der Verfolgung wegen eines Verbrechens oder Vergehens aus. Hätte der Angeklagte zugegeben, daß er die Unwahrheit gesagt habe, dann konnte er wegen Beleidigung der von ihm bezeichneten Persönlichkeiten bestrast werden. Dies allein genügt zur Bejahung der HülfSfrage. Verteidiger Rechtsanwalt Herz-Sltona: Der Angeklagte, aus dem großstädtischen Proletariat hervor- gegangen, kam als IS jähriger Junge in das Oldenburger Zivilkasino. Er kam gewissermaßen in eine Märchenwelt. Er sah hohe Herren da allabendlich bis in die späte Nacht um hohe Summen spielen, er sah, daß mit dem Golde und noch viel mehr mit dem Silbergelde herumgeworfen wurde. Er nahm Eindrücke in sich auf, die ihm dollständig neu waren, so daß er sie auch in späteren Jahren nicht bergessen konnte. Inzwischen kam der Rieß-Biermann-Prozeß. Der Angeklagte las die Berichte hierüber in den Zeitungen. Da sagte er sich, hier sind unwahre Angaben gemaäst; wenn ich einmal als Zeuge hierüber befragt werden sollte, dann muß ich sagen, das ist unwahr.� Der Angeklagte erzählte seine Wahrnehmungen seinen Angehörigen, seinen Freunden, er wurde schließlich durch Laturnus zu dem Rechtsanwalt Dr. Sprenger geführt, der ihn zu Protokoll vernahm. Er hat schließlich seine Behauptungen vor Gericht be- schwören müssen. Es muß nun geprüft werden: Hat der Angeklagte die Unwahrheit gesagt und hat er wissentlich die Unwahrheit gesagt? Ich bin entfernt, an der Ehrenhaftigkeit der Herren Schmidt und Dr. Schleppegrell zu zweifeln, abler wie sich Eindrücke verwischen, hat am treffendsten dieser Prozeß gezeigt. Es wurden hier hohe richterliche Beamte, Staatsanwälte, Rechts- anwälte, Berichterstatter usw. vernommen und trotzdem ging alles durcheinander und vom Angeklagten verlangt man, daß er sicherer in seinen Angaben ist als hohe Juristen. Bezüglich der Herren Schmidt und Schleppegrell kann sich der Angeklagte irren. Die Personen Schmidt und Schleppegrell kommen sehr wenig in Betracht. Tie Hauptsache ist: Hat der Angeklagte gesehen, daß Minister Ruhstrat»Luftige Sieben" gespielt hat? Der Angeklagte hat seine ganze Aufmerksamkeit dem Minister zugewandt, weil es eben der Minister war, das Spiel des Ministers hat er sich gemerkt. Die Mitspieler haben ihm weniger interessiert. Es hätte doch auch nicht viel gefehlt, dann wäre nicht der A n g e k la g t e, sondern eine andere Persönlichkeit wegen wissentlichen Meineides auf die Anklagebank gekommen und der Angeklagte wäre als Zeuge er- schienen. Der Minister Ruhstrat hat allerdings unter Eid die Be- hauptung bei Angeklagten in Abrede gestellt. Ich will den Minister nicht des Meineides beschuldigen, aber aus volle Glaubwürdigleit kann der Minister nicht Anspruch machen. Im Rieß-Biermann- Prozeß sagte der Minister unter seinem Eide, er habe seit Ende der 188ver oder Anfang der 18g(>er Jahre nicht mehr„Lustige Sieben" gespielt, dies ließ er auch in einem späteren Prozeß in genauer schriftlicher Fixierung durch Rechtsanwalt Wisser mitteilen. Im Schweyncrt-Prozeß erklärte dagegen der Minister unter seinem Eide, er habe, seitdem er Oberstaatsanwalt wurde, also seit 189S, nicht mehr„Lustige Sieben" gespielt. Es kommt hinzu, daß ein Kellner einen Bieruntersatz in der Ruhstrat-Nische gefunden hat, aus dem die„Lustige Sieben" aufgemalt war. Auch die Aus. sagen des Zeugen Herz mann sind nicht ohne weiteres wegzuwischen. Daß der Aufruf nur solch geringen Erfolg hatte ist doch sehr erklärlich; einmal hat der Aufruf nur in einem Fachblatte gestanden, andererseits haben wir gehört, welch große Angst die Kellner haben, gegen den Minister eine Aussage zu machen. Der Zeug« Heinz hat vor lauter Angst, verhastet zu werden, vor dem Oldrnburger Untersuchungsrichter wider besseres Wissen die Unwahrheit gesagt. Der Minister hat selbst zugegeben, er habe noch in den letzten Jahren, also zur Zeit, als der Angeklagte Kellner im Oldenburger Zivilkasino war, im Anschluß an das Skat- spiel Poker gespielt. Wenn auch Poker mit Karten gespielt wird, so ist eS doch nicht ausgeschlossen, daß der Angeklagte das Pokerspiel mit dem Spiel der„Lustigen Sieben" verwechselt hat. Es sind bei dem Pokerspiel auch sehr hohe Umsätze gemacht worden. Einem 16 jährigen Kellnerlehrling fallen die hohen Umsätze auf; er macht nicht so feine Unterschiede. ES steht außerdem fest: es ist nach Examens- kneipen im Kasino„Lustige Sieben" gespielt worden. Nun hat aber nicht der Minister, sondern Referendare, Offiziere usw. gespielt. Ein ISjähriger Kellnerlchrling kann aber zwischen Staatsanwälten, Landgerichtsräten, Referendaren usw. keinen Unterschied machen. Für ihn waren alle hohe Herren. Und richtig ist. daß der Minister dabei war. Wenn Sie den Angeklagten verurteilen wollen, meine Herren Geschworenen, bann muß der Beweis geführt sein, daß er wissentlich die Unwahrheit gesagt hat. Dazu bedarf es eines Beweg- grundes. Was konnte den Angeklagten veranlassen, die Unwahrheit zu sagen? Nun sagte der Herr Staatsanwalt, der Angeklagte glaubt, bei seiner Behauptung bleiben zu müssen, da er befürchtet, anderenfalls der öffentlichen Lächerlichkeit zu verfallen. Aber, meine Herren, was hatte der Angeklagte die Oeffentlichkeit zu fiirchten, er war doch keine in der Oeffentlichkeit stehende Persönlichkeit, er war ein einfacher Kellner, fühlte sich glücklich in seinem Berufe und hatte in keiner Weise das Bestreben, mit den hohen Herren Kirschen zu essen. Ich erinnere daran, daß der Angeklagte bei allen seinen Prinzipalen, im Kellnerbund, bei seinen Kollegen und Freunden sich der größten Beliebtheit erfreute. Er war ein selten guter Sohn, der seine Mutter unterstützte. Ein solcher Mensch leistet nicht ohne jeden Grund einen Meineid. Der Verteidiger schildert danach die Verhandlungen im Schwehnert- Prozeß, in dem sich selbst Leute wie Rechtsanwalt Becker kein klares Bild machen konnten. Es lag in der Luft, daß man den Ange- klagten verhaften würde. Trotzdem bleibt er bei seiner Behauptung. Er sagte, ich mutz bei meiner Behauptung bleiben, ich würde anderen- falls die Unwahrheit sagen. Und gleich darauf wurde er verhaftet. Unter der Wucht dieses furchtbaren Eindruckes sagte er. als er vom Gendarmen an der Frau Biermann vorbeigeführt wurde:„Sehen Sie, Frau Biermann, das kommt davon, wenn man in Oldenburg die Wahrheit sagt." Im weiteren Verlauf bemerkt der Verteidiger, wenn er einmal die Geschichte der.,Residenzboten"-Prozesse schreiben würde, dann würde er sie betiteln mit:„Die berüchtigte Jnqui- sition". Denn eine schlimmere Inquisition, wie sie der Polizei- kommissar B ö n i n g bei der Vernehmung des Angeklagten ange- wendet hat, ist wohl im modernen Gerichtsverfahren noch niemals vorgekommen. Schon nach acht Tagen hatte der Polizeikommissar, was keinem Juristen gelungen war, ein sogenanntes Geständnis, er- zielt. Der Polizeikommissar machte auch dem Angeklagten klar, was ein fahrlässiger Meineid ist. Ich glaube aber nicht, daß der Angeklagte das begriffen hat. Denn es ist ungemein schwer, den Begriff des fahrlässigen Meineides dem Angeklagten klar zu machen. Es ist den Verteidigern der Vorwurf der Illoyalität gemacht worden, allein solche Beschuldigungen, wie sie der Polizeikommissar gegen zwei Oldenburger Beamte erhoben hat, ist doch wohl noch nicht da- gewesen. Der Verteidiger schließt: Die ganze Anklage ist nach ge- schehener Beweisaufnahme ein einziges Trümmerfeld, und nichts zeugt von vergangener Pracht. Ich ersuche Sie, meine Herren Ge- schworenen, nicht bloß als Jurist, sondern auch als Mensch, verneinen Sie nicht bloß die Schuldfragc wegen wissentlichen, sondern auch wegen fahrlässigen Meineides. Sprechen Sie den Angeklagten frei und geben Sie ihm seine Ehre wieder. Darum bitte ich Sie nicht bloß, sondern das verlange ich von Ihnen.(Bravo l im Zuhörer räum.) Vorsitzender: Ich mache darauf aufmerksam, daß im Gerichtssaal jede Beifalls- oder Mißfallensbezeugung zu unter bleiben hat. Es ist hier kein Theater dazu ist doch eme Gerichts- Verhandlung zu ernst. Sollte nochmals die geringste Störung vor- kommen, dann werde ich den Zuhörerraum sofort räumen lassen. Verteidiger Rechtsanwalt Dr. Jonas-Altona sucht in langer Rede den Nachweis zu führen, daß nicht der mindeste Beweis für die Schuld des Angeklagten geführt worden sei. Der Angeklagte sei ein sehr anständiger Mensch. Meineide, leisten aber nur Verbrecher. Der Angeklagte habe nur beschworen bei Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß er nach bestem Wissen die reine Wahrheit sagen werde. Alle Zeugen, die den Angeklagten kannten, bekundeten, der Angeklagte sei nicht fähig, einen Meineid zu leisten. Sie haben gehört� daß der Angeklagte schon seit zwölf Jahren seine Mutter unterstutzt. Jemand, der das Gebot„Ehre Deinen Vater und Deine Mutter, daß eS Dir wohl gehe auf Erden" halte und seit seinem zwölften Lebensjahre seine Mutter unter. stütze, leiste keinen Meineid. Der Herr Staatsanwalt sagte, Sie sollten die Hülfsfrage ebenfalls bejahen. Einmal ist nicht geprüft, ob die angebliche Beleidigung nicht verjährt ist, andererseits kann man aber nicht wegen Beleidigung bestraft werden wegen einer als Zeuge getanen Aeußerung. Der Herr Staatsanlvalt sagte: Wenn Sie die HülfSfrage auch bejahen, dann komme der Angeklagte nicht ins Zuchthaus: verdient aber der Angeklagte nicht ins Zuchthaus gesteckt zu werden, dann verdient er freigesprochen zu werden. Ich bitte Sie, meine Herren Geschworenen, die Schuldfrage zu ver- ncincn.— Nach kurzer Rede und Gegenrede zwischen dem Staats- anwalt und den Verteidigern bemerkt der Angeklagte mit lauter Stimme: Meine Herren Geschworenen, ich habe am 2. Dezember die Wahrheit beschworen. Ich bitte um Freisprechung. Der Vor- sitzende gibt hierauf den Geschworenen die vorgeschriebene Rechts- belehrung. Die Geschworenen ziehen sich alsdann zur Beratung zurück. Das Urteil, da» erst lange nach Mitternacht verkündet wurde, lautete auf Freisprechung, da die Geschworenen sowohl die Schuldfrage des wissentlichen Meineides wie die des fahrlSssigeu Falscheides verneint hatten._ Der Huger-Prozetz vertagt! Dortmund, den 17. Juli ISvS. Sech st er Verhandlungstag. Wie zu erwarten war, ist der Prozeß gegen Oberst Häger heute der Vertagung anheimgefallen. Als der Borsitzende Landgerichts- dircktor S e y f f a r t h gegen 9]/4 Uhr die Sitzung eröffnet, war der Angeklagte Oberst Hüger nicht erschienen. Sein Ver- teidiger Rechtsanwalt K o h n« Dortmund legte zivei ärztliche Atteste vor, das erste von Dr. Weber- Dortmund. Spezialist für Nerven- krankheiten, da» zweite von Dr. Rathert-Königsborn bei Unna, beide vom 16. Juli. In dem ersten Attest heißt es: Oberst Hüger hat mich heute und gestern konsultiert und ich konnte bei ihm Zeichen allgemeiner Abspannung und zeitweise Erregung, verbünde,» mit Herzklopfen. Atemnot, Beklemmungen, feststellen, die eS ihm unmöglich machen. sich den Anstrengungen der Ver- Handlung weiterhin auszusetzen. Ich fand gestern und heute Zeichen von Herzklopfen, Beklemmungen, Zittern der Hände und vor- ubergehendes Versagen der Stimme. Es sind hinreichende objekttve Unterlagen der subjektiven Erscheinungen vorhanden. Dr. Rathert-Königsborn bestätigt die oben angegebenen Er- scheinungen und hält eS für ausgeschlossen, daß der Angeklagte den Verhandlungen jetzt oder in den nächsten Wochen gewachsen sein wird. Erster Staatsanwalt Dr. Schulze- Sölde: Ich bedauere, daß wir nach so langer mühseliger Arbeit zu einem solchen Abschluß kommen, so daß nun nochmals von neuem verhandelt werden mutz. Daran ist aber leider nichts zu ändern und ich muß selbst die Vertagung der Verhandlung beantragen, stelle aber den Antrag, daß der Angeklagte noch ein ireisärztllcheS Attest ein- reicht. Nach kurzer Beratung des Gerichtshofes verkündet der Vorsitzende dir Vertagung des Prozesses, der also späterhin noch einmal verhandelt werden muß. Unter den heute erschienenen Zeugen befand sich auch General z. D. Keim-Berlin. Als Vertreter des preußischen Kriegsministeriums in dem nunmehr der Vertagung anheimgefallenen Prozesse war Geheimer KriegSrat Romen erschienen, der sich gelegentlich dahin geäußert haben soll, daß dem KricgSminister volle Aufklärung er- wünscht sei. Der nächste Prozeß ist nach den Manövem, also nicht bor demOltoberzu erwarten. Rußlands einer Mißernte entgegengehen. Der„Kasanski Telegraf" berichtet, daß eine Mißernte im Gouvernement Wjatka endgültig feststeht, und zwar in den Kreisen SormSk, Wjatka und Nolin. Auch aus dem Kreise Urshum laufen, wie der„Berliner Börsen- Eourier" meldet, sehr wenig tröstliche Nachrichten ein. Dem „Wolshski Listok" nach sind der GouverirementS-Semstwoverwaltting von Kasan Berichte zugegangen, denen zufolge der Stand der Wintersaaten in 9 Kreisen einsehr schlechter ist. Außerdem sind im Kreise Kasan alle Erbsen, Bohnen und Linsen von einem Schädling vernichtet worden. In, Gouvernement Saratow wird eine totale Mißernte in Getreide und allen Futtermitteln erwartet. Den Angaben der SemstwoS nach wird in 1260 Fällen Mißernte und nur in 4V Fällen eine gute Ernte zu erwarten sein. Den Lokalblättern nach droht den Kreisen Saratow und Komyschin eine totale Mißernte. AuS dem Gouvernement Samara lauten die Nachrichten noch weniger erfreulich. Dort hat die furchtbare Dürre alle Vor- bedingungen für eine vollständige Mißernte geschaffen. So hebt der„Samarski Kurjer" hervor, daß dem ganzen Trans- Wolgagebiet eine Hungersnot droht, da das Getteide dünn und niedrig steht. Sehr ernste Befürchtungen flößt der Stand der Winter- und Sommersaaten im Gouvernement Tambow ein. Wie der„Tambowski GoloS' behauptet, schwebt die Perspektive einer völligen Mißernte über dem Gouvernement. Analoge Berichte liegen aus dem Kreise Ronneburg, Gouvernement Rjäsan, den Kreisen Maloarchangelsk und Jeletz, Gouvernement Orel und aus dem Gouvernement JekaterinoSlaw vor. )Zus Inäuftrie'unä Handel. Mißernte in Rußland. Die Nachrichten der russischen Blätter über den Saatenpand lassen immer deutlicher erkennen, daß weite Distrikte des europäischen Wie das amerikanische Ackerbaudepartement den Stand der Baum« wollpflanzungcn einschätzt. Die Schätzungen des Baumwollanbau- standes durch das Washingtoner Ackerbauamt haben für die Textil- industrie nicht imr der nordamerikanischen Union, sondern auch der europäischen Industriestaaten die größte Bedeutung, da von diesen Schätzungen die Konstellation der Baumwollbörsen von New Orleans uno New Dork in starkem Maße beeinflußt wird und von den No- tienmgen dieser Plätze wieder die Preise auf den europäischen Baum« wollmarkten abhängen. Die Organisation deS Einschätzungsbureaus und die Art seines Verfahrens haben deshalb ein gewisses Interesse, zumal Durchstechereien bei diesem Bureau nichts Seltenes sind und erst jüngst wieder ein Beamter weg«, allerlei zweifelhafter Machenschaften entlassen werden mußte. Die„Deutsche Industrie- Zeitung" veröffentlicht über das Schätzungsverfahren einen längeren Artikel, dem wir folgenden kurzen Auszug entnehmen: Die Ermittelungen liegen dem statistischen Bureau des Doxarb» rnent of agrioulture ob, das im Jahre 186S als besondere Sektion des Landwirtschaftsministeriums eingerichtet wurde. Der Beamten« körper umfaßt 90 Personen, dazu kommen 43 Agenten in den ein- zelnen Staaten, 8 Feldagcnten, 6 besondere Baumwollagenten und ein in London ansäffiger weiterer Agent. Außerdem verfügt das Bureau über einen nahezu eine Drittel Million Köpfe starken Stab von Korrespondenten, deren Tätigkeit eine ehrenamtliche ist und die deshalb keine Bezahlung erhalten. Was nun die amtlichen Schätzungen beziehungsweise Berichte für Baumwolle anlangt, die jährlich sieben Mal ausgegeben werden, so beruhen diese auf den Angaben folgender sieben Berichterstatter- firuppen: erstens der besonderen Feldagenten(seit 1899), die ür ihre Tätigkeit zumeist im Bureau selbst ausgebildet worden find; zweiten? der Staatsagenten, von denen jeder einzelne sein eigenes Korps von Korrespondenten für den betreffenden Staat unter sich hat; Aufgabe der StaatSagenten ist es, die Berichte der Korrespondenten zu sammeln und sich durch Reifen im Lande zu informieren: drittens der Bezirkskorrespondenten, die über ihren Bezirk direkt nach Washington berichten; viertens der Orts- korrespondeuten, die ebenfalls für den Bereich ihrer Ortschaft direkt nach Washington berichten; fünftens der Ginner, die sowohl über die Lage der Kulturen wie auch über die Zahl der entkörnten Baum- wollballen periodisch berichten; sechstens der Pflanzer, die über den Stand ihrer Pflänzlingen berichten, und siebentens der Bankiers und Händler. Wie schon bemerkt, erhalten lediglich die stets von einem zun» anderen Staate(Bezirke) reisenden Feldagenten und die Staats- agenten Bezahlung. Die Berichte der Korrespondenten, ausgenommen die der Feld- und StaatSagenten, werden gesiegelt und in besonderen Umhüllungen an den Präsidenten deS statistischen Bureaus gesandt. Hier werden die Ziffern, je nach der geographischen Einheit, auf die sie sich be- ziehen, besonders verarbeitet. Erst zwei bis drei Stunden vor der Veröffentlichung übennitteln die Vorsteher der einzelnen Abteilungen die Schlußergebnisse dem Präsidenten. Dieser zieht sich alsdann mit ein oder zwei besonders vertrauenswürdigen Beamten in fein Amtszimmer zurück, w» bei verschlossenen Türen das endgültige Resultat festgesetzt wird. Letzteres ist nicht immer das arithmetische Mittel aus den Berichten der sieben Berichterstatteraruppen. Der Präsident hat vielmehr das Recht' daö endgültige Resultat n-ach eigenem Gutdünken zu bestimmen. Greifen wir z. B. den letztjährigen ErnteschätzungSbericht des Präsidenten heraus, der am 1. Dezember v. I. bekannt gegeben wurde, so ergibt sich ein Ernteertrag von 12162 000 Ballen. Hätte der Präsident das genaue arithmetische Mittel genommen, so wäre da» Ergebnis etwas geringer ausgefallen, nämlich 12 135 000 Ballen. Denn die Schlußergebnisse der einzelnen Berichterstattergruppen stellen sich wie folgt: SchätzungSergevnisse der Ballen Pflanzer.......... 13 376 741 Gmner........... 12 483 728 besonderen Feldagenten..... 12 256 766 StaatSagenten........ 12 166 108 Ortskorrespondenten...... Ii 943 837 Bankiers und Händler..... 11857 089 Bezirkskorrespondenten..... 10 003 196 Da die letztjährige Ernte nach den letzten Berichten ein Ergebnis von 13 597 782 Ballen zu 500 Pfund englisch gezeittgt hat, so kommt dieser Ziffer am nächsten die Schätzung der Farmerberichte. Die Schätzungen des Stattstischen Bureaus blieben dagegen dieses Mal um rund 11 Proz. hinter dem tatsächlichen Ergebnis zurück. Hieraus sowie aus der ferneren Tatsache, daß auch im Jahre 1902 die Minder- schätzung des Bureaus 9 Proz. betrug, ist zu schließen, daß man den Schätzungen der amtlichen Statistik keine unbedingte Zuverlässigkeit beimessen kann. Andererseits blieben die amtlichen Schätzungen in den Jahren 1899, 1900 und 1903 mit einer Differenz von 2,6 bezw. 2,9 bezw. 1.5 Proz. nur wenig hinter der Wirklichkeit zurück. In keinem Falle sind j edoch auf feiten der amtlichen Statistik Ueberschätzungen de» tatsächlichen Ernte» ergebnisseö zu verzeichnen. Erwerbung englischer Kohlenfelder durch daS rheinisch-westfSlische Kohlensyndikat. Nach und nach wird nähere? über den gemeldeten Ankauf englischer Kohlengruben durch eine deutsche Gesellschaft be- kannt. Nach den„Daily News' handelt eS sich um die Whitworth- Kohlengruben von I. C. A. Henderson und die eigentliche Käuferin soll das rheinisch-westfälische Kohlensyndikat sein.(?) Henderson hat in den letzten Jahren verschiedentlich versucht, seinen Besitz, der über 6500 Morgen groß ist, zu verkaufen. Mehrere deutsche Ingenieure haben längere Zeit die Bergwerke untersucht. Die Bergwerke enthalten sechs bedeutende Gruben, von denen das unterste Flötz, welches noch »mberührt ist, 1000 Meter groß ist. Mehr als fünf Millionen Mark werden nötig sein, um die Bergwerke zu erschließen. Henderson ist südafrikanischer Millionär, Finanzier und Vorstand verschiedener Ge- sellschaften. Dagegen weiß die„Neue Hamb. Börsenhalle" zu melden, daß ein anderes Syndikat unter Hamburger Beteiliguno als Säufer auftritt und daß der Kauf noch nicht zum Abschluß gelangt| üblicher Weise. Sodann verlas Mener den Kaffenbericht für| gegen das Verhalten des Brauführers Heger der Brauerei Julius ist. Auch der Preis von 5 Millionen Mark soll nicht stimmen. Das zweite Quartal. Die Einnahme betrug 9279,70 M., die Aus- Bößow, der die Zugehörigkeit zu einer um Verbesserung ihrer Acht- Uhr- Ladenschluß. Nachdem eine Reihe anderer Städte darin gabe belief sich auf 4448,30 M., darunter 521 M. für die Mai- sozialen Lage fämpfenden Gewerkschaft als Schande bezeichnet, Der Gesamtbestand beträgt 51 504,22. Als energisch zu protestieren. Die Versammelten erwarten, daß durch borangegangen find, ist auch in Berlin aus den Kreisen der be- Ausgesperrten. teiligten Gewerbetreibenden beim Polizeipräsidenten der Erlaß einer Revisoren wurden Schäffer und Reichert gewählt. Eine aus- energisches Eingreifen seitens des Brauereibesizers Julius Bökow Verordnung angeregt worden, daß im Landespolizeibezirk Berlin gedehnte Debatte entspann sich über das Verhalten derjenigen Mit- und seiner Betriebsleitung der Organisation Genugtuung verschafft sämtliche offene Verkaufsstellen, mit Ausnahme der glieder, die dem vorjährigen Kartellbeschluß, wonach zur Unter- wird, will sie anders nicht das Odium auf sich laden, an dieser Heze jenigen für den Verkauf von Lebensmitteln( einschl. Solonialwaren, tüßung der streikenden Musikinstrumentenarbeiter pro Mann drei beteiligt zu sein." Dann berichtete Arbeitersekretär Brüdner Konfitüren, Zigarren, Lichten, Seifen, Drogen und der offenen Ertramarken a 50 Pf. zu fleben waren, nicht nachgekommen waren. über die Verhandlungen des Kölner GewerkschaftsVerkaufsstellen der Barbiere und Friseure) an den Werktagen, Nur ein Teil der Mitglieder hat alle drei Marken geklebt, andere kongresses. An diesen Vortrag schloß sich eine lebhafte Dejedoch mit Ausnahme des Sonnabends, in der haben sich bisher mit zwei resp. einer Marke begnügt. Jedoch 280 batte, in der verschiedene Meinungen über einzelne Beschlüsse, sowie Beit zwischen 8 Uhr abends und 7 Uhr morgens Mitglieder weigerten sich überhaupt, ihrer Solidaritätspflicht zu über den Wert, des Kongresses im allgemeinen geäußert wurden. für den geschäftlichen Verkehr geschlossen sein müssen. genügen. In Anbetracht dessen wurde beschlossen: Alle Mitglieder, Hierbei wurde auch das Verhalten der Kongreßleitung und einzelner Nach§ 139 f Gewerbeordnung fann eine solche Ab- die fich weigern, die Marken bis zum 1. Oktober d. J. zu bezahlen, Delegierten zum rheinländisch- westfälischen Bierboykott besprochen fürzung der Betriebszeit der offenen Ladengeschäfte herbei sind aus der Organisation ausaufließen. Ausgenommen und von fast allen Rednern mehr oder minder scharf verurteilt. geführt werden durch eine Abstimmung der beteiligten Geschäfts- davon sind nur Kranke, Invalide, oder Mitglieder, die übergetreten Demgegenüber wies der Referent in seinem Schlußwort darauf hin, inhaber in der Weise, daß von der Behörde eine Liste der sämtlichen sind, sofern sie in ihrer früheren Organisation sämtlichen Ver- daß die berechtigte Vertretung der Kölner Arbeiterschaft, das Gebeteiligten Geschäftsinhaber aufgestellt wird und daß alsdann die pflichtungen nachgekommen sind. Zum Schluß ermahnte der Vor- werkschafta tell, den Beschluß über die Benutzung der Hotels ge= Yesteren zur Aeußerung über den Antrag aufgefordert werden; wenn figende Juppenlah, die Wäsche" der Arbeitskollegen auf den faßt hatte, nachdem es sich außerstande erklärte, auf anderem Wege Logis für die 250 Delegierten zu beschaffen, aber auch auf die fich der Abstimmenden für die Einführung der kürzeren Geschäftszeit Bauten besser zu kontrollieren. erklären, kann die Behörde die entsprechende Anordnung treffen. Der Abhaltung des Kongresses in Köln nicht verzichten wollte. Unter bom hiesigen Polizeipräsidenten bestellte Kommissar( Polizeidirektor nun mit der Brauerei Grünau endgültig abgeschlossen sei und am Vereinsangelegenheiten teilte der Vorsitzende mit, daß der Tarif Maurer) macht nun bekannt, daß die Liste der beteitigten Geschäftsinhaber für die Dauer von zwei Wochen und zwar vom 10.- 23. Juli b. J. werk1. Oktober in Kraft trete. Er teilte ferner mit, daß im Münchener täglich in der Zeit von 9 bis 11 Uhr vormittags im Bureau des Gewerbeals Maßregelungen anzusehen seien. Es sind bereits Schritte getan, Brauhaus und bei Gregory Entlassungen stattgefunden haben, die tommissariats der Polizei, Berlin SW. 19, Krausenstr. 29, Hof lints 3 Treppen, zur öffentlichen Kenntnis ausliegt. um Klärung hierüber zu schaffen. Außerdem teilte der Vorsitzende Einsprüche können bis zum 23. Juli einschließlich schriftlich oder bei mit, daß der Kollege Noroschat einem Ausschußantrage des der vorbezeichneten Dienststelle zu Protokoll werftäglich in den vor Vorstandes und der Vertrauensmännersizung zuvorgekommen ist stehend angegebenen Geschäftsstunden erhoben werden. Die Handelsund selbst seinen Austritt aus dem Verband angemeldet hat. kammer macht alle Beteiligten auf die Wichtigkeit der bevorstehenden Abstimmung aufmerksam und fordert zugleich zur rechtzeitigen Einsichtnahme in die Listen auf, da nur die in die Listen aufgenommenen Firmen zur Abstimmung zugelassen werden. Verfammlungen. Der Verein der Zimmerer hielt am Sonntag in den Industriefestsälen seine ordentliche Generalversammlung ab. Zunächst ehrten die Anwesenden das Ableben von vier verstorbenen Mitgliedern in Für den Inhalt der Injerate Urania Tauben. übernimmt die Nedaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Dienstag, den 18. Juli. Anfang 7, Uhr: Neues Operntheater. Der Widerspenstigen Zähmung. Anfang 8 Uhr: Zentral. Die Geisha. Schiller 0.( Wallner Theater.) Der Troubadour. Schiller N.( Friedrich Wilhelm. städtisches Theater). Hofgunst. Westen. Jung- Heidelberg. Lustspielhaus. Khriz- Pyriz. Carl Weiß. Lehmanns Abenteuer. Belle- Alliance. Ben Ali Bey. Neichshallen. Gastspiel Dstar Junghähnel. Am Apollo. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Marim. Wintergarten. Spezialitäten. Berliner Prater- Theater. Zwischen Himmel und Erde. Stadt Theater Moabit. Mutter Gräbert. Urania. Taubenstraße 48/49. Die deutsche Nordseeküste. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. 8 Uhr: " tamen am Sonntag in einer zahlreich besuchten Versammlung des Beeinträchtigungen des Koalitionsrechtes in der Brauerei Böbow Zweigvereins der Berliner Brauer vom Verband der Brauereiist bei Bökow ein Brauführer tätig, der es offenbar darauf abarbeiter zur Sprache. Wie in der Versammlung ausgeführt wurde, gesehen hat, die organisierten Arbeiter zu ſchikanieren und zu be= schimpfen, der es für eine Schande erklärt und Arbeiter frägt, ob sie sich nicht schämten, organisiert zu sein. Man kann vielleicht annehmen, daß der Kommerzienrat Böhow von diesen Dingen nichts weiß und sie nicht billigt. Er soll jedoch für Arbeiter nicht zu sprechen sein, so daß es schwer hält, ihn zur Abhülfe derartiger auch von Böhow das Koalitionsrecht der Arbeiter durch VereinMißstände zu veranlassen. Da von den Brauereien Berlins und barungen ausdrücklich anerkannt ist, erscheint das Vorgehen jenes Brauführers um so berwerflicher. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: In Erwägung, daß das Koalitionsrecht der Brauereiarbeiter Berlins durch mehrfache mit den Arbeitgebern( dem Verein der Brauereien Berlins und Umgegend) abgeschlossene Verträge, durch den Arbeitsnachweis von 1895 und die Bestimmungen über das bestehende Einigungsamt von 1903 ausdrücklich anerkannt wurde, beschließt die Versammlung, Schiller- Theater. str. 48/49. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- ith. Th.) Morwit- Oper. Dienstag, abends 8 Uhr: Hofgunst. Lustspiel in 4 Aufzügen von Thilo v. Trotha. Die deutsche Nordseeküste. Dienstag, abends 8 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Der Troubadour. Sternwarte Invallden Große Oper in 4 Atten von G. Verdi. str. 57/62. CASTAN S ANOPTICUM PAN Neu!! Friedrichstr. 165. Admiral Togos Besuch bei Admiral Roschdjestwensky im Hospital zu Kioto! Neu! Elitekapelle ,, Berolina". Lebende Photographien! Passage- Panopticum. Die Sensation der Saison: Mittwoch, abends 8 Uhr: Fidelio. Donnerstag, abends8Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Der Postillon von Lonjumeau. Mittwoch, abends 8 Uhr: Hofgunst. Donnerstag, abends 8 Uhr: Hofgunst. Im Garten täglich: Großes Militär- Konzert. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Fernsprecher IV. 8891. Max Kliem. Wetter- Prognose für Dienstag, den 18. Juli 1905. Nachts fühler, am Tage ein wenig wärmer, vielfach heiter, aber veränderlich mit leichten Regenschauern und ziemlich frischen westlichen Winden. Dresden Berliner Wetterbureau. Wasserstand am 15. Juli. Elbe bei Ausfig 0,50 Meter, bei - Unstrut bei 1,83 Meter, bei Magdeburg+0,64 Meter. Strankfurt+1,10 Meter. Dder bei Ratibor+ 1,24 Meter, bei Breslau Ober- Begel+4,68 Meter, bei Breslau Unter- Begel 1,58 Meter, bei Frankfurt 0,91 Meter. Weichsel bei Brahemünde+2,44 Meter. Meter. Neze bei Usch+0,40 Meter. Warthe bei Bosen Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, der Buchbinder Waldemar Lange am 16. Juli früh 1 Uhr plößlich an einer Lungenentzündung ge storben ist. 5826 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Juli um 14 Uhr auf dem neuen Bankower Kirchhof in der Schönholzer Heide statt. Verband der Sattler Ortsverwaltung Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Mitglied Margarete Jost ( Werkstatt F. Bitter) am Sonn abend, den 15. Juli 1905, verstorben ist. Ehre ihrem Andenken! Die Beerdigung findet am Dienstag, den 18. Juli 1905, nachmittags 4 Uhr, der Reichenhalle des Thomas- Kirchhofes, Nixdorf, Hermannstraße, 157/2 aus ftatt. Der Riese Diez Spezialitäten- Theater. Diez' Seeterrasse, Lichtenberg milting a 16, on be Machnow Landsberger Allee 76/79, direkt an der Ringbahnstation. Ob schön! Täglich Ob Regen! der größte Mensch, der je im herrlichen Garten oder Saal: gelebt hat. Ohne Extra- Entree. Konzert und Vorstellung. Neu! Zum erstenmal in Europa: Neues kyl. Opern- Theater. Der lebende Eismensch Anfang ( Kroll.) 7%, Uhr. Der Widerspenstigen Zähmung. Kom. Oper in 4 Akt. v. H. Götz. Mittwoch: Gastspiel Théa Dorré: Carmen. Donnerstag: Einmal. Auftreten v. Miß Isad. Duncan. ( Anf. 8 Uhr.) Freitag: Gastspiel Théa Dorré: Carmen. Sonnabend: Fledermaus. Metropol- Theater Der größte Erfolg der Saison! Zum 254. Male: Die Herren von Maxim Große Ausstattungsposse mit Gesang und Ballett in 5 Bildern. Rauchen gestattet. Anf. 8 Uhr. aus dem nördlichsten Kanada. Ohne Extra- Entree. Z Bollständig neues Programm, das größte und beste Berlins. 40 Sensations- Nummern. Röderstr. 6. Jeden Sonntag, Dienstag u. Freitag: Großes Militär- Konzert. Auftreten des phänomenalen Meisterfahrers Alfred Schneider mit seinem konkurrenzlosen Feuer- Flammen- TodesHindernissprung. Um 6%, und 10 Uhr: Auftreten der weltberühmten Turmseilkünstler ,, The Liepelts". 0OLOCISCHER 30 B. Seber Erwachsene hat ein Entree Bochentags 20 Bf., Sonntags Brillant- Land- u. Wasser- Feuerwerk. CARTEN Täglich nachm. 5 Uhr: MilitärDoppel- Konzert Eintrittspreis 1 M.; ab 6 1hr 50 Pf. Kinder unter 10 Jahren die Hälfte. Pf. Sind unter 10 Jahren frei, ältere zahlen halben Eintrittspreis. Erfttl. Spezialitäten, Theater und Ball. Wochentags 10 Pf. Apollo- Theater. Victoria- Brauerei Das bestventilierte Theater Berlins mit großem Garten! Größter Lacherfolg! Der Gipfel der Komik! 10 Uhr: Täglich 8 Uhr: Lützowstr. 111/112. Täglich: Horst's Sänger. W. Noacks Theater. Hochzeitsabend anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Direktion: Rob. Dill. Brimmenftr. 16. Täglich: Bei schönem Better im Garten, bei schlechtem Wetter im Saal: Theater. Konzert. Spezialitäten. Carl Weiß- Theater. Die schöne Galathee. Gr. Frankfurterstr. 132. Nur noch wenige Ausführungen: Lehmanns Abenteuer auf dem ruff.- jap. Kriegsschauplatz. Anf. 8 Uhr. Morgen dieselbe Borst. In Vorbereitung: Er und seine Tochter. Posse in 3Att. v. M.Ed.Fischer. Im Sommergarten: Neues großart. Juli- Progr. Anfang 5 Uhr. Entree 25 Pf. Mittwoch: Gr. Kinderferienfest. Ontel Brückner leitet die Spiele. Fröbels Allerlei- Theater Schönhauser Allee Nr. 148. Täglich: Konzert, Theater, Spezialitäten. 20 Attraktionen 1. Ranges. Dazu: Arbeit schändet nicht. Boltsstück mit Gesang in drei Atten. Jm Saale: Gr. Tanz. Anf. 4 Uhr. Entree 30, Sperrfiz 50 Pf. ??? Pygmalion: Dir. Rob. Dill. Anfang: Sonntags 5 Uhr. Wochentags 6 Uhr. Entree 30 Pf. Otto Pritzkows Abnormitäten- Ausstellung Münzstr. 16. Neu?????? Neu ? Mne- Mno- Mni!? ? frei in der Luft fliegende Türkin Anatom. Rätsel. Med. Wunder. Neu renoviert! Neu renoviert! Prater- Theater Kastanien- Allee 7-9. Täglich: Zwischen Himmel und Erde. Gr. romantisch. Ausstattungsstück. Neue Dekorationen und StostümeEine schreckliche Nacht. Große Pantomime der Guitano Bhoites Troupe. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Platz 50 Pf. Ein Abend in einem amerikan. Tingel- Tangel und die Juli. Spezialitäten, Reichshallen. Gastspiel d. berühmten do Oskar Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Ostbahn- Park. Am Küstrinerplatz, Rüdersdorferstr.71. Hermann Imbs. Täglich: Junghähnel Gr. Konzert, Theater und SpezialitätenVorstellung. mit seiner borzüglichen Herren Gesellschaft Anf. 8 Uhr, Sonnt. 7 Uhr. Dienstag, 1. Aug.: Wiederbeginn der Soireen der Stettiner Sänger. Wochentags: Entree 15 Bf., wofür ein Glas Bier verabreicht wird, also tein Entree. * Paul Schwarz' Etablissement Buggenhagen Sommer- Theater Moritzplatz. Täglich im großen schattigen Garten: Streich- Konzert. Ricardo Munez. Bei ungünstigem Wetter im Saal. Dr. Lell Lichtenberg, Dorfstr. 25/26. Täglich: Konzert. Um zahlreiche Beteiligung ersucht Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, [ 89/3 daß der Kollege, Tischler Paul Gnädig am 10. Juli verstorben ist. Die Beerdigung fand am 14. Juli auf dem Friedrich Werderschen Friedhofe statt. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Jade Deutscher Metallarbeiter- Verband Verwaltungsstelle Berlin. Nachruf. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied donr thin Hermann Förster 126/6 gestorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Ortsverwaltung. Dauffagung. allen Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme und die zahlreichen Stranzspenden bei der Beerdigung meines lieben Mannes und unseres guten Vaters sagen wir Freunden und Bekannten, dem Zentralverband deutscher Maschinisten und Heizer( Drtsverwaltung Berlin), der Zentraltranten- und Sterbefasse der Tischler, Berlin H, und dem Lotterieklub Fette Nummer" unseren besten Dant. Wwe. Auguste Scholz 3806L und Kinder. Große Spezialitätenvorstellung. Bernhard Rose- Theater Das großartige Juli- Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite- Tag. Gesundbrunnen, Badstraße 58. Debut Heute: Prinzen Schlaftänzerin Magdalena. Rosenthaler Dr. Simmel, Str. 41,( ur viertägiges Gastspiel.) Außerdem wohnt jetzt: strasse 26 11. Homöopath und Spezial- Arzt für Haut-, Harn- und Geschl.- Leiden. 11-2 6-8. Somnt. 11-3. st Spezialarzt für 15/11 Haut- und Harnleiden. 10-2,5-7. Sonntags 10-12, 2-4. Die Loreley und das großartige JuliProgramm. Preise der Plätze wie gewöhnlich. Anfang 4 Uhr. Sozialdemokratischer Wahlverein Schöneberg. Allen Parteigenossen zur Nachricht, daß unser Mitglied, der Zimmerer Karl Sommer Hohenfriedbergstr. 26( 7 a. Bezirk) verstorben ist. am Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet Mittwochnachmittag 6 Uhr von der Leichenhalle des Friedhofes in der Marstraße aus statt. 15/12 Der Vorstand. Verein der Zimmerer Berlins und Umgegend. Todes- Anzeige. Am Sonntag, den 16. Juli, früh, starb der Bimmerpolier Karl Sommer ( Bahlstelle Schöneberg). Er war Mitbegründer unserer Organisation und hat stets nach Kräften für die Ausbreitung unserer Jdeen gewirkt. Wir werden sein Andenken in Ehren halten. Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 19. Juli, nachmittags 6 Uhr, von der Leichens halle des Schöneberger Friedhofes in der Marstraße aus statt. Rege Beteiligung erwartet 258/3 Der Vorstand. Treffpunkt nachm. 5 Uhr bei Krüger, Borbergstr. 9. Zentral- Kranken- u. Sterbekasse ber Zimmerer. Filiale Schöneberg. Todes- Anzeige. Am Sonntag früh starb unser langjähriger Raffierer, der Zimmerer Karl Sommer. Die Beerdigung findet am Mittwoch, 19. d. M., nachmittags 6 Uhr von der Leichenhalle des Schöneberger Friedhofes in der Marstraße aus statt. Um rege Beteiligung ersucht 259/8 Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber guter Mann, unser guter Vater und treuer Ernährer, der Bimmerer Karl Sommer nach langem und schwerem Kampf am 16. Juli früh 1 Uhr im Alter 48 Jahren plöklich verftorben ist. 38052 bon Die Beerdigung findet Mittwoch nachmittags 6 Uhr von der Leichenhalle des Schöneberger Kirchhofes, Marstraße, aus statt. Dies zeigt tiefbetrübt an Die trauernde Gattin F. Sommer nebst Kindern. Englischen Unterricht ür Anfänger u. Fortgeschrittene erteilt Gertrud Swienty, geb. Liebknecht Sedanstr. 57, III Schöneberg. ??? Nr. 165. 22. Jahrgang. 2. KcilU Ks Jorairts" Serlim Jolbtliilt Dienstag, 18. Juli 1905. partci-HngcUöfcnbeitcn. Zur Stichwahl in Obcrvarnim findet für die Genoffen, die am Wahltage helfen wollen, am Mittwoch, den 19. Juli, eine Versammlung im Gewerlschaftshause statt. Dritter Wahlkreis. Heute abend Generalversammlung des Wahlvereins im Gewerkschastshause.(Siehe Anzeige.) Der Borstand. Fünfter Wahlkreis. Heute, Dienstag abend 8 Uhr findet im Alten Schützenhause, Linien st r. S eine Versammlung des Wahlvereins statt. Genosse Julius Kaliski spricht über das Thema„Die Reptilieupresse". Gäste erwünscht. Um das Erscheinen aller Mitglieder ersucht_ Der Vorstand. ßerliner JSfacbncbtm Straßenbahner und Sozialdemokraten. DaS„Amtliche Publikationsorgan der Großen Berliner Straßenbah n", das unter dem Titel„Die Straßenbahn" zweimal im Monat erscheint und für die Angestellten dieser Gesellschaft bestimmt ist, liebt es, von Zeit zu Zeit auf die Sozialdemokraten zu schimpfen. In der letzten Nummer des genannten Vlättchens wird den Straßen- bahnangestellten vorerzählt, die Vertreter der Sozial- demokratie im Berliner Stadtparlament hätten„sich den Teufel um die Straßenbahner gekümmert". Nun braucht man gewiß nicht auf jeden Schwatz zu ant- Worten, der irgendwo gedruckt wird, oder jeden Schwindel zu brandmarken, den irgendwer über die Sozialdemokratie ver- breitet. Das„Amtliche Publikationsorgan der Großen Ber- liner Straßenbahn" wird, nebenbei bemerkt, von uns nicht mal regelmäßig gelesen, sondern nur gelegentlich angesehen. In dem vorliegenden Fall möchten wir aber doch einmal öffent- lich festnageln, wie sehr die Darstellung, die das„Amtliche Publikationsorgan der Großen Berliner Straßenbahn" gibt, derWahrheitinsGesichtschlägt. Tatsächlich haben die Vertreter der Sozialdemokratie in der Berliner Stadtvcr- ordneten-Versammlung so oft und so entschieden sich der Straßenbahnangestellten gegen die Direktion angenommen, daß die Mitarbeit unserer Parteigenossen im roten Hause schon .aus diesem einen Grunde der Direktion der Straßenbahngesell- Schaft höchst unbequem sein muß. Besonderen Verdruß dürfte besagte Direktion empfinden, tnenn sie daran zurückdenkt, welche Mühe vor acht Jahren die sc zialdemokratische Fraktion der Stadtverordneten sich gegeben hast, in den neuen, zwischen Stadtgemeinde und Straßenbahn- ge lellschaft abzuschließenden Vertrag gewisse S ch u tz b e st i m- miingen über die Arbeitszeit der Ange stell- ten hineinzubringen. Als im Frühjahr 1897 die Stadtver- ordneten-Versammlung über den Vertrag beriet, war es ein sozialdemokratischer Stadtverordneter, unser Genosse Singer, der im Ausschuß beantragte, für Fahrer und Schaffner eine' Maximalarbeitszeit auszubedingen Die Mehrheit des AuSschuffes schloß sich nur für die Fahrer dem Vorschlag an, aber hinterher wurde in der Stadtverordneten-Versammlung von freisinniger Seite selbst dieses Zugeständnis bekämpft und verworfen. Singer erklärte damals:„Ich habe mit meinen Freunden nicht den Mut, für 25 Jahre hinaus dieser Gesell- fchast die Ausbeutungsfreiheit gegenüber ihren Angestellten zu überlassen, wie wir bis jetzt ge- wohnt sind;»m so weniger, als mit der Umwandlung des Be- triebes die Gefährlichkeit des Betriebes außerordentlich steigt. Haben Sie den Mut, es zu tun, so— bitte— tun Sie's! Für uns steht und fällt der Vertrag mit dieser Bestimmung." Nach- dem die freisinnige Mehrheit der Versammlung die Bestim- mung über die Maximalarbcitszeit tatsächlich abgelehnt hatte, stimmten dann die Sozialdemokraten lediglich aus diesem Grunde gegen den ganzen Vertrag, den der Freisinn be- schloß. Als fünf Wochen nachher über einzelne Aenderungen des Vertrages noch einmal verhandelt werden muhte, wiederholte Genosse Singer jenen Antrag über die Maximalarbeitszeit, jetzt aber mit der früher vom Ausschuß akzeptierten Beschrän- kung auf die Fahrer. Unsere Parteigenossen wollten wenig- stens das irgend Erreichbare durchsetzen. Diesmal fand sich in der Versammlung wirklich eine Mehrheit für den Antrag, und er wurde in dieser Form angenommen. In der Schlußabstimmung konnte dann die sozialdemokratische Irak- tion auch f ü r den ganzen Vertrag eintreten. So hatten unsere Parteigenossen im roten Hause beide Male ihre Zustimmung zu dem neuen Vertrag mit der Straßenbahngesellschaft ab- hängig gemacht von der wenigstens teilweisen Erfüllung ihrer Forderung eines Schutzes der Ange st eilten gegen schrankenloseAusbeutung, von der Annahme einer Bestimmung über die Arbeitszeit der Fahrer und Schaffner oder doch mindestens der Fahrer. Doch im„Amtlichen Publikationsorgan der Großen Ber- liner Straßenbahn" liest man es anders: da haben die Ver- treter der Sozialdemokratie in der Berliner Stadtverordneten- Versammlung„sich den Teufel um die Straßen- bahnergekümmer t". Das„Amtliche Publikationsorgan der Großen Berliner Straßenbahn" scheint die Intelligenz der Straßenbahner sehr niedrig einzuschätzen. Sonst würde das Blättchen es nicht wagen, ihnen— der allbekannten Wahrheit zuwider— solchen Schwatz zu bieten. Die Agitation für die Stadtverodnetenwahlen ist am Sonntag durch unsere Parteigenoffen mit der Verteilung eine? Flugblattes, das zur Einsicht der Wählerlisten auffordert, eröffnet worden. Trotz der Julihitze an dem schönen, zum Ausflug anregenden Sonntage hatten sich die Parteigenoffen in so großer Zahl eingefunden, daß die Verbreitung der 600 000 Flugblätter sich mit gewohnter Schnellig- keit und Exaktheir vollzog. Die Klagen wegen dcS HochbahngeräuscheS. Wie erinnerlich, hatte der Eigentümer des Grundstückes HallescheS Ufer 19 Klage gegen die Hochbahngesellschaft mit dem Antrage erhoben, die Ge- sellschaft zu verurteilen, daß sie schalldämpfende Einrichtungen treffe, eventuell ihr zu untersagen, übermäßiges Bahngeräusch zu ber- Ursachen. Die beklagte Gesellschaft erhob die Einrede der Un- zulässigkeit deS Rechtsweges und verweigerte die Verhandlung zur Hauptsache; es war daher über jene Einrede vorweg zu ent- scheiden. Dos Landgericht hat durch Teiüirteil die Klage abgewiesen. weil die auf Abänderung der staatlich konzessionierten Anlage abzielende Klage nicht im Rechtswege verfolgbar sei; hier würden nur etwaige EntschädigungS anfprijche geltend ge- macht werden können. Das Kammergericht ist dieser Ent- fcheidung beigetreten, ebenso das Reichsgericht, dessen Urteil jetzt vorliegt. Aus den EntscheidungSgriinden feien die folgenden allgemein interessierenden Punkte mitgeteilt: Die Berliner Hoch- und Untergrundbahn ist ein dem allgemeinen öffentlichen Interesse in hohem Riaße dienendes Verkehrsmittel. Gerade mit Rücksicht auf die Gemeinnützigkeit nimmt der Staat den Schutz der einander wider st reitenden Interessen wahr, damit ein staatshoheitliches Recht ausübend. Keine Klein« bahn darf ohne Genehmigung der Polizeibehörde hergestellt werden. Das Gericht verweist auf die Bestimmungen des Gesetzes über das sogenannte„Planfest st ellungs-Verfahren". Während der 14 Tage lang zu jedermanns Einsicht erfolgenden öffentlichen Auslegung der Pläne kann jeder Beteiligte Einwendungen gegen das Unternehmen erheben, über die verhandelt werden muß. Hierbei hat die den Bauplan festsetzende Behörde dem Unternehmer auch die Herstellung derjenigen Anlagen aufzuerlegen, die sie zur Sicherung der Nachbargrundstticke gegen Gefahren für erforderlich erachtet; erst wenn alle Bedingungen erfüllt sind, kann die Polizei- liche Erlaubnis zur Eröffnung des Bettiebes erteilt werden und nach derselben steht das Unternehmen auch ferner unter behördlicher Aufsicht. Aus alledem folge, daß der Staat kraft seiner Hoheit den Schutz des Publikums und der einzelnen Nachbarn gegen die Gefahren und Nachteile, die aus dem Betriebe entstehen können, in die Hand genommen habe, daß der Unternehmer ohne polizeiliche Genehmigung von dem einmal genehmigten Plane auch in Einzelheiten nicht abweichen dürfe und daß auch Dritte, die durch den Betrieb in der Benutzung ihrer Grundstücke beeinträchtigt zu sein glauben, gegen den Unternehmer Aenderungen der Bahnanlage ic. im Rechtswege nicht erzwingen können. Sie müssen sich an die mit Wahrnehmung der staatlichen Polizeihoheit bettauten Behörden und eventuell an die Ober« Verwaltungsgerichte wenden. Bahnhofsverkehr in den Ferientagen. Nach der soeben fertig- gestellten amtlichen Statistik haben 128 000 Personen vom 7. bis 10. d. M. den Stettiner Bahnhof verlassen. In Berechnung gezogen ist lediglich der Verkehr des Fernbahnhofes ohne Vorortverkehr. Gegen das Vorjahr bedeutet das wiederum eine Steigerung um 12 000 Personen. Besonders auffallend war das Anhalten des starken Verkehrs am Montag, an dem allein noch 32 000 Personen abgereist sind oder 9000 mehr als im Vorjahre. Der stärkste Tag war der Sonnabend mit 39 900 Personen. An Gepäckwagen waren nicht weniger als 1290 Achsen an den vier Tagen erforderlich. Auch auf den übrigen Bahnhöfen hat der Reiseverkehr in diesen Tagen den des Borjahres bedeutend überschritten; namentlich sind vom Anhalter Bahnhofe viele Tausende abgefahren. Die Züge nach Schlesien weisen ebenfalls eine bedeutende Vermehrung der Fahrgäste auf. Die Städtische Stiftungsdrputation macht bekannt: Einigen be- dürftigen Personen beiderlei Geschlechts und zwar jungen Mannern, welche einen Zweig der Metall- und Eisenindustrie erlernt haben, und jungen Mädchen, welche ihre Schulzeit hinter sich haben, können für den Fall, daß sie eine weitere kaufmännische oder gewerbliche Ausbildung erstreben, die hierzu erforderlichen Mittel aus einem uns zur Verfügung gestellte» Betrage bewilligt werden. Be- Werbungsgesuche bedürftiger Personen, die deutscher oder deutsch- österreichischer Abstammung sind und mindestens zwei Jahre hier gelebt haben, sind bis zum IL. August an uns einzureichen. Den Gesuchen sind die Schul- und Lehrzeugniffe und ein Bedürftigkeitö- attest sowie der selbstgeschriebene Lebenslauf beizufügen. Fälschlich totgesagt. Nach Meldungen aus Swinemiinde sollte dort der Rektor der in der Braudenburgsttaße befindlichen 87. Ge- meindcschule Wilhelm Neumann seinem Leben durch Erschießen ein Ende gemacht haben. Hier liegt eine bedauerliche Personen- Verwechselung vor. Nicht der Rektor Wilhelm Neumann, sondern der mit der Leitung der kürzlich eröffneten 274. Gemeindeschule in der Stargarderstraße betraute Hermann N e u m a n n hat in der an- gegebenen Weise Hand an sich gelegt. Die Leitung der Schule war ihm zunächst nur interimistisch anverttaut worden. Seine endgültige Anstellung als Rektor sollte erst erfolgen. Es waren aber bei der Schuldeputation Zweifel entstanden, ob er für den Posten eines Rektor? auch der geeignete Mann fei, und die Aussichten auf seine definitive Berufung sollen daher in letzter Zeit gering gewesen sein. Hierin ist wohl die Er- klärung für seinen Selbstmord zu suchen. In einem Abschiedsbrief, den er an seinen in Ahlbcck weilenden Freund und Kollegen, den hiesigen Rektor Herzog richtete, hat er nur die Bitte ausgesprochen, für seine Beisetzung Sorge zu tragen, das hierzu erforderliche Geld würde man bei seiner Leiche finden. Man fand auch eine Summe Geldes bei ihm vor, doch waren es nicht 900 M., wie er angegeben hatte, sondern nur 132 M. Hermann Neumann war Junggeselle und wohnte im Hause Schönhauser Allee 47 als Chambregarmst. Ein geisteskranker Mörder. Ueber den Mord, der am 16. Ok- tober v. I. an der Prostituierten Elise Wascher in der Boyenstr. 10 verübt wurde, sind die Akten geschlossen; eine Anklage kann nicht er« hoben werden, weil der Täter B a r u t h als gemeingefährlich geisteö- krank in Herzbcrge untergebracht ist. In dem Alibibewcis des Barnth, der zuletzt morgens um 23/t Uhr in den Germania« sälen in einer graugrünen Joppe gesehen wurde, fehlt der Ausweis über l'/z Stunden. Gerade in diese Zeit fällt nach dem Befund von Sachverständigen die Mordtat. Barnth war als gewalttätig bekannt und hatte auf offener Sttaße bereits einen Mordversuch an einer Prostttuierten begangen. Endlich steht fest, daß B. entgegen seiner Aussage mit der Er- mordeten verkehrte und ihr Zuhälterdicnste leistete. Der Hergang der Mordtat mutz so gewesen sein, daß Baruth von der Wascher Geld verlangte, dabei in Streit geriet und die Alte umbrachte. „Falsche russische Deserteure" tteibeN seit einiger Zeit in Berlin und den Vororten ihr Unwesen.. Sie sprechen gebrochen deutsch, er- zählen allerhand Abenteuer von ihrer Flucht aus ihrer Garnison und dem nächtlichen Ueberschreiten der Grenze und schließen mit einer schier herzbrechenden Schilderung ihres Elends. Mitunter be- gniigen sie sich mit einer kleinen Spende seitens der gut- gütigen Zuhörer ihrer Schauermären; meist aber versuchen sie eS mit einem alten Trick in neuer Aufmachung. Den«armen Deserteuren", die bei ihrer schleunigen Flucht alles im Stiche lassen mußten, ist es— wie sie beteuern— gelungen, noch ein wertvolles Familienerbstück, eine schwere goldene Kette, eine Uhr oder einen Ring zu rette», zu dessen Veräußerung sie nur durch die schlimmste Not gezwungen sein lvollen. Dies billige Angebot und die Aussicht. ein gutes Werl zu tun und nebenbei noch einen günstigen Gelegen- heitskauf zu machen, verleitet manchen zun: Neinfall. Zu spät sehen die Käufer dann ein, daß sie gewöhnlichen Berliner Neppern, welche unter der zeitgemäßen Maske russischer Flüchtlinge arbeiten, auf den Leim gegangen sind. Eine verschleppte Polin wird in Berlin und Umgegend von der Polizei gesucht. Am 12. Juli langte auf dem Bahnhof in Thorn mit dem abends um 10 Uhr 9 Minuten von Alexandrowo ein- laufenden Zuge ein ungleiches Paar a», das dem dortigen Wacht- nieister ausfiel. Der Mann nannte sich Mohschel Spiro, während das Mädchen Valerie JaworSka zu heißen angab und auch einen auf diesen Namen lautenden Paß besaß. Der Beamte ließ beide Personen im Wartesaal dritter Klasse Platz nehmen, da er noch anderweit durch Paßgeschäfte in Anspruch genommen wurde. Als der Beamte dann in den Wartesaal zurückkehrte, war die Polin ver« schwunden. Spiro war noch anwesend und erklärte, daß das Mädchen fortgegangen sei, weiter wisse er nichts. Bei einein eingehenden Verhör in: Revisionszinuner bequemte er sich zu dem Geständnis, daß das junge Mädchen nicht seine Tochter sei. ES ist anzunehmen, daß er das Mädchen in einem unbewachten Augenblick in den Berliner Zug abgeschoben hat. Er selbst wurde unter dem Verdacht des Mädchenhandels festgenommen. Das Mädchen hält sich wahr- scheinlich in Berlin oder in der Nähe Berlins auf. Das etwa 19jährige Mädchen hat dunkles Haar, ist 1,80 bis 1,60 Meter groß und trug ein rotes Kleid. Es wird gebeten, sich bei der Polizei hier zu melden mit dem Zusatz, daß ihm selbst nichts geschehen kann, daß es im Gegenteil auf Staatskosten in seine Heimat befördert wird. Ebenso werden die Leute, bei denen die Gesuchte Unterkommen ge- funden hat, ersucht, der Kriminalpolizei Mitteilung zu machen. Die Kindersterblichkeit in Berlin hat in der letzten Woche deS Monats Juni, über die jetzt die Meldungen vollständig vorliegen, einen zweiten Höhepunkt erreicht. Nachdem in der Woche vom 4. bis zum 10. Juni 223 Kinder des ersten Lebensjahres gestorben waren, sank infolge des Temperaturrückgangcs die Zahl der Sterbefälle von Kindern diese« Alters in der nächsten Woche ganz plötzlich auf 128 und auch aus der darauf folgeuden Woche, die eine erneute Zunahme brachte, wurden nicht mehr als 163 Fälle gemeldet. Dagegen sind in der Woche vom 28. Juni bis zum 1. Juli, die schon wieder sehr heiß war, wieder 240 Kinder des ersten Lebensjahres gestorben. An dem ganz außerordentlich heißen Sonnabend(1. Juli) starben allein 61 Kinder. Durch diese neue Zunahme der Kindersterblichkeit ist auch die Gesamtsterblichkeit wieder um ein Beträchtliches erhöht worden. In der letzten Woche vom Juni starben in Berlin über« Haupt 693 Personen, während in der dritten Woche nur 619 Personen und in der zweiten gar nur 588 Personen gestorben waren. Der neue KrankenttanSport des BervnÄdeS für erste Hülfe, der auch die amtlichen Transporte ausführt, hat die Neuerung ge- ttoffen, daß feine modern konstruierten, durchweg auf Gummi laufenden Wagen nach jedesmaligem Transport in eigenen Anstalten desinfiziert werden. Diese Desinfektion, die übrigens auch keinerlei Geruch hinterläßt, geschieht nach den Angaben der Gebeimräte Dr. Gaffky und Proskauer vom Kochschen Institut für Infektionskrankheiten und gewährleistet die sichere Vermeidung jeder Ansteckung und ist insofern von unschätzbarem Werte, weil die städtische Desinfektionsanstalt nicht jederzeit zur Desinfektion von Kranken- wagen zur Verfügung steht. Die Bestellung der Wagen ge- schieht bei der Hauptsielle des Verbandes, Schiffbauerdainm 20, Telephon Amt III Nr. 2417 und 2424 und in sämtlichen Polizeirevieren. Der P-llzeisäbcl. In der Brunnenstraße nahe dem Rosen» thaler Thor belästtgten junge Burschen ruhig ihres Weges gehende Leute. Ein Schutzmann, der ihnen den Unfug untersagte, wurde an- geblich verhöhnt und griff daher einen der Burschen heraus, um ihn festzustellen und zur Anzeige zu bringen. Der Ergriffene soll t ä t- l i ch gegen den Schutzmann geworden sein, der nun den Säbel zog und dem Angreifer einen Hieb über den Kopf versetzte. Mit Hülfe hinzugekommener Sicherheitsbeamten wurden fünf Personen vorläufig festgenommen. Der Verletzte der seinen Namen ver- weigerte und sich lieber totschlagen lasten wollte, als diesen zu nennen, wurde auf der Rettungswache III verbunden und auf das Polizei-Präsidium gebracht. Unter dem Verdachte des Giftmordes verhaftet wurde der 24 Jahre alte Maschinenmeister einer Lichtdruckanstalt, Hermann Nudelt, der Frau und Kind hat, außerdem nacheinander vier «Bräute" besaß und durch den plötzlichen Tod der einen in den Ver- dacht deS Mordes geraten ist. Vor drei Jahren war er in Berlin Ritterstraße 48 beschäftigt und heiratete seine jetzt 23jghrige Frau Agnes, die auf seiner Arbeitsstelle Nnlegomädchen war. Er ging mit der jungen Frau nach Düren a. Rh., ließ sie nach einem Jahre sitzen unv gmg mit einem Mädchen nach Brüffel durch. Die Frau kam nach Berlin zu den Eltern zurück, gab den jetzt 2 Jahre alten Sohn Otto das Leben und ernährt sich als Arbeiterin. In Brüssel ließ er das Mädchen ebenfalls sitzen, schaffte sich ein andere» an und kam nach Berlin. Beide wohnten hier als Ehepaar in einem Gasthofe der Simeonstraße. Hier störte ihn die Nähe seiner Frau, die von ihm Geld fiir das Kind verlangte. Er ließ auch dies Mädchen im Stich und verschwand nach Petersburg. Dort fand er bald wieder eine Begleiterin, mit der er über Berlin nach Bielefeld reiste. Hier fand er Anstellung und gab die Russin als feine Ehe- frau aus. Bon dort verschwand er plötzlich wieder. Als feine „Frau" nicht gesehen wurde, stellte man Nachforschungen an und fand sie in der Wohnung vergiftet als Leiche auf. Dieser Umstand in Verbindung mit dem Verschwinden RndeltS ließ den Verdacht deS Mordes entstehen. Die Bielefelder Staatsanwaltschaft setzte die Berliner Kriminalpolizei in Kenntnis und diese ermittelte, daß Rudelts Eltern in der Würzburgerstraße zu Schöneberg wohnen. Die Schöneberger Behörde wiederum konnte feststellen, daß R. auf telegraphischem Wege von seinen Eltern 10 Mark erbeten hatte. Dadurch wurde sein Aufenthalt bekannt, und er konnte im Hotel Terminus in Hannover verhaftet werden. Dort hatte er schon wieder eine andre Frau bei sich, wodurch sich der Verdacht des Giftmordes noch verstärkte. Rubelt wird nach Bielefeld gebracht, wo die Untersuchung geführt ivird. Nudelt ist ein mittelgroßer, nicht be- sonder« ansehnlicher Mann,'der die Mädchen durch glatte Worte leicht zu betören versteht. Ein entsetzlicher Vorgang spielte sich am Sonntagmorgen um 7lU Uhr auf dem Görlitzer Bahnhofe ab. Die 42 Jahre alle Arbeiterwitwe Anna Scholz ans der Gerhardtstr. 18 hatte eine Frau an den Zug begleitet, die nach Görlitz fahren wollte. Beide waren im letzten Augenblicke auf dem Bahnhofe ein- getroffen, als der Zug schon abfahren sollte. Die abreisende Frau stieg eiligst ein und Frau Scholz reichte ihr vom Tritt- brette aus das Gepäck in den Wagen. Inzwischen hatte sich der Zug in Bewegung gesetzt. Als Frau Scholz nun vom Tritt- brett herunterstieg, blieb sie mit dem Kleide hängen, wurde mit fort- gezogen und stürzte auf das Gleis. Der folgende Wagen fuhr ihr das linke Bein und den linken Arm ab. Die Fahrgäste an den Fenstern brache» in Rufe deS Entsetzens aus; der Zug mußte halten und Frau Scholz wurde von Beamten und dem Hcilgehülfen der Rettungswache unter dem Wagen hervorgeholt und nach Anlegung eines Verbandes nach Bethanien gebracht. Im Kleiderschrank erhängt hat sich am Sonntag die 69 Jahre alte Schlosserfrau Caroline G r ö p k e aus der Landwehrstratze 42. Sie befand sich vor etwa sechs Jahren in einer Nervenheilanstalt, ans der der 73 Jahre zählende Mann sie wieder zu sich holte. Durch den Umgang mit der Frau wurde der Mann selbst nervenleidend, und nun stellte die Frau den Antrag, ihn auf feinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. Er wurde vor einigen Tagen zu seiner Be. obachtung nach der Charitö gebracht. DaS hat der Greisin auch wieder nicht gefallen und sie benutzte die Zeit des Alleinseins, um ihrem Leben ein Ende zu machen. Die Polizei mußte ihre Wohnung gewaltsam öffnen lassen und fand ihre Leiche. Am Grabe ihres Bräutigams zu vergiften versuchte sich am Sonntag auf dem Friedhofe der Golgathagemeinde das Fräulein Hildegard G. auS der KönigSbergerstraße. Der Bräutigam war im April d. I. verstorben. Sonntag wurde sie an seinem Grabe röchelnd aus- gefunden. Sie hatte Lysol genommen. Die Unglückliche hatte sich festlich geschmückt. Die leere Flasche und eine Handtasche mit Inhalt lagen neben ihr. Sie wurde alsbald nach dem Paul- Gerhardt-Stift Müllerstraße gebracht. Am Sonnabend hatte sie sich im Bureau deS Friedhofes nach dem Hügel des Verstorbenen erkundigt. Durch eine Verwechselung von Flaschen hat sich das 37 Jahre alte Dienstmädchen Agnes Richter aus der Neuen Roßstt. 8 schwer vergiftet. Am Montag früh um 1 Uhr kam sie von einem Ver- gnügen nach Haufe und begab sich in daS Zimmer, das es mit noch drei anderen Mädchen teilt. Die Richter zündete kein Licht an, um anscheinend die schlafenden Mitmädchen nicht zu stören. Während sie die Kleider ablegt ver« fpürt fte einen heftigen Durst und will sich eine Flasche Selter- dorf) ein Match in drei Läufen über je 10 Kilometer statt, dessen Wegen Verdachtes des Gattenmordes wurde der praktische Arzt wasser, die die Mädchen stets zur Hand haben, zum Trinken nehmen. erster Lauf von Stellbrink, der zweite von Schulze gewonnen wurde; Dr. Karl Roth in Thalmaessing in Bayern verhaftet. Noth soll In der Dunkelheit sieht sie nicht, daß sie eine mit Salmiat ge- im dritten mußte der Zehlendorfer wegen Reifenschaden aufgeben, seine vor Jahresfrist geehelichte dritte Frau durch Gift, nach anderer füllte Flasche ergriffen hat, die zum Reinigen von Kleidern dient sodaß Stellbrint aus dem Kampf als Sieger hervorging. Version durch einen von ihm herbeigeführten Sturz aus der Equipage und gleichfalls in dem Raum aufbewahrt wird. Sie nahm einen Feuerbericht. Am Sonntag mittag wurde die Feuerwehr nach zu beseitigen versucht haben. Er wurde in einem Münchener Hotel fräftigen Zug, um alsbald mit einem Aufschrei zusammenzubrechen. der Elsasserstraße 31 gerufen. Dort hatte ein Geistestranker verhaftet und ins Landgerichtsgefängnis Eichstätt gebracht. Jegt sprangen die übrigen Mädchen aus den Betten hinzu, ein Arzt Petroleum und Papier wohl nur mehr aus Spielerei in Brand Ein furchtbares Unwetter, berbunden mit wolkenbruchartigen wurde gerufen und das vergiftete Mädchen sofort in einer Droschke gesteckt. Die Gefahr konnte bald beseitigt werden. Zur Sicherheit Regengüssen und starkem Hagelschlag, hat gestern, wie aus Staffel ge nach dem Krankenhause gebracht. der beängstigten Hausbewohner wurde der Geisteskranke der Polizei meldet wird, im Oberweserbezirt, namentlich im Kreise Hofgeismar Der allsonntägliche Bootsunfall fand gestern nachmittag auf der übergeben. Nachmittags brannten in der Straße 31 auf freier und dessen Nachbargebieten gehaust. Die Landwirtschaft erlitt Habel an der Klaren Lante statt. Ein Liebespärchen, das in einem Straße Reisige, die vermutlich auch angezündet worden waren. enormen Schaden. Strichweise ist die Getreideernte vernichtet. Ruderboot von Schwanenwerder gekommen war, wollte in der Nähe Auf dem Lehrter Güterbahnhofe brannten vormittags und nach Auch über die Umgegend von Halle gingen sehr schwere Gewitter des sogenannten Großen Fensters während der Fahrt die Pläge mittags Preßtohlen. Vom Schlesischen Güterbahnhofe wurde früh nieder. Infolge einer Feuersbrunst, die durch einen Blizschlag wechseln. Die jungen Leute gingen dabei so ungeschickt zu Werke, daß das um 3 Uhr ein Kohlenbrand gemeldet. Heute früh um 10% Uhr hervorgerufen wurde, erlitt die Delfabrit in Dörstewig einen Schaden Boot auf die Seite fiel und fenterte. Das Liebespärchen stürzte in mußte in der Prenzlauerstraße 9 ein Wohnungsbrand gelöscht von etwa 30 000 M. In der Holzmarktstraße 50 brannten in einer Fabrik die Fluten, und während sich der junge Mann vergeblich bemühte, die Geliebte dem nassen Element zu entreißen, stieß das Mädchen Papiere u. a. Außerdem hatte die Feuerwehr noch in der gellende Hülferufe aus und klammerte sich verzweifelt an das ge- Marienburgerstraße 17, Brunnenstraße 183, Friedrichstraße 225, am Grünen Weg 81, in der Wiesenstraße 24 und anderen Stellen fenterte Boot an. Ein Ausflügler machte sich sofort auf die Suche nach Hülfe. Glücklicherweise stieß er auf einen Sonntagsangler", zu tun. und noch im legten Augenblick gelang es diesem, die beiden Leute, die dem Tode des Ertrinkens nahe waren, in seinem Kahn zu bergen. " Von der eigenen Tochter bestohlen wurde der Tischlermeister K. während er mit seiner Frau eine Dampferpartie machte. Das Paar ließ seine Tochter Else, eine von ihrem Manne getrennt lebende Artistin, allein in der Wohnung zurück. Bei seiner Rückkehr war die Kommode erbrochen, eine Kassette mit mehreren hundert Mark daraus verschwunden und von der ungeratenen Tochter feine Spur. Die Bestohlenen tamen aber bald zu ihrem Gelde. Die Un getreue hatte in der Tat die Kommode erbrochen und Sie Kassette gestohlen. Da sie sie aber nicht öffnen konnte, übergab fie die Diebin ihrem Geliebten, einem Claqueur unter dem Vorgeben, sie müsse für ihren abwesenden Vater einen Wechsel bezahlen und ersuchte ihn, einen Nachschlüssel anfertigen zu laffen. Da sich aber niemand zu dem verdächtigen Geschäft bereit fand, brachte der Claqueur, der von dem Diebstahl keine Ahnung hatte, die Kassette uneröffnet zurück. Die nette Tochter hat sich bis jetzt nicht wieder in der Wohnung ihrer Eltern blicken lassen. Elendsstatistik. Die Armenverwaltung bezahlte im Mai an 2793 Personen Unterstügungen im Betrage von 38 361,40 m., also durchschnittlich an eine Person 13,73 M. Hierunter befinden sich nur wenige Personen mit nennenswerten Unterstützungen, nämlich 26, die aus Stiftungen 1614 M., also durchschnittlich 62,08 m. erhielten. Vier Personen erhielten als Beihülfe zur Miete 84 M., also durch schnittlich 21 M. Von den übrigen erhielten 331 einmalige Unterstützungen in Höhe von 2761,90 m., d. i. durchschnittlich 8,34 M., und 2432 erhielten laufende Unterſtügungen im Betrage von 33 901,50 M., S. i. durchschnittlich 13,94 M. Die einzelnen Unterstügungen sind fast sämtlich recht winzig, die Bahl der Unterstützungen ist dagegen erschreckend hoch. 2793 Bersonen bei einer Einwohnerzahl von 230 000 bedeutet 12,1 von je 1000 Personen. Bedenkt man nun, daß unter je 1000 Personen sich faum 250 Haushaltungsvorstände befinden, die Armenunterstügungen aber nur an solche gezahlt werden, so sieht man, daß fast 5 Proz., fast der 20. Teil der Haushaltungsvorstände unterstützt wird. Die reichste Stadt der Monarchie birgt furchtbares Elend in ihrem Schoße. werden. Potsdam. Vorort- Nachrichten. Gestern früh gegen 4 Uhr fuhr ein Arbeitszug im Bahnhof Potsdam auf einen Prellbock, wodurch Zugmaschine und 7 Wagen entgleisten. Außer einem Bremser, welcher ganz leichte Verlegungen erhielt, wurde niemand beschädigt. Der Betrieb wird aufrecht erhalten. Die Schuldfrage ist noch nicht geklärt. Reinickendorf. Aus Paris wird vom 16. Juli gemeldet: Heute brach während der Rennen in Maisons- Lafitte ein heftiges Unwetter los. Auf der Rennbahn sollen 27 Personen Verlegungen erlitten haben. Auch aus verschiedenen Teilen Tirols treffen Nachrichten über starke Gewitter und Hagelschlag ein. Im Basseiertal ist durch Hagelschlag ein Schaden von etwa 100 000 m. verursacht worden. Zwei Personen wurden durch Blitzschläge getötet. Die Opfer des Unterseebootes Farfadet". Am 15. Juli um 7 Uhr abends gelang es, den oberen Teil des Farfadet" aus dem Wasser zu heben. Das Schiff wurde vom Schlamm gereinigt und durch Ventilatoren ausgelüftet. Bis jetzt sind vier Leichen geborgen worden. Die Arbeiten mußten dann wegen der Gase, die sich gebildet hatten, unterbrochen werden. An den Rettungsversuchen waren 150 Matrosen und 100 Araber beschäftigt. Nachdem sie an den ersten beiden Tagen, an denen die Besagung noch am Leben war, Tag und Nacht gearbeitet hatten, wurde ihnen in den legten Tagen taglich vier Stunden Ruhe gewährt. Das Verschwinden von zwei Personen aus dem hiesigen Orte wird gemeldet. Am 5. d. Mts. fuhr der Provinzstr. 108 wohnende Spediteur Paul Schüler mit der Straßenbahn nach Berlin, um hier Eingestürzt ist, wie aus Fermo telegraphiert wird, am Sonn verschiedene geschäftliche Sachen zu erledigen, lehrte jedoch nicht wieder nach seiner Wohnung zurück und ist seit dieser Zeit spurlos tagvormittag in der Rapelle eines dortigen Hospizes während der verschwunden. Der Vermißte ist am 11. April 1863 zu Bantech ge- Meffe der Fußboden. 16 Personen wurden getötet, 1863 zu boren, groß und fräftig gebaut, hat grau meliertes Haar und Spitz- 32 verlegt. Nach anderen Mitteilungen sollen die Opfer noch zahl bart und war bekleidet mit dunklem Anzuge und Strohhut. Seit reicher sein. Hiernach soll sich die Zahl der Toten auf 16 Frauen dem 11. d. Mts. wird der 10 jährige Schüler Frizz Tramnik, dessen und 50 Kinder, die der ins Hospital gebrachten Verwundeten auf Eltern Amendestr. 21 wohnen, vermißt. Der Knabe war auf die 32 Frauen und 30 Kinder belaufen. Straße gegangen, um zu spielen, und kehrte nicht wieder nach der elterlichen Wohnung zurüd. Er hat kurzgeschnittenes Haar, ging barfuß und war ohne Kopfbedeckung. Köpenick. Zu den Leipziger Massenerkrankungen wird von dort gemeldet: Bon den 54 Personen, die letzten Mittwoch infolge des Genusses von Fleisch und Kartoffelsalat aus der Kantine der Röderschen Notenstecherei erkrankt waren, ist jetzt gerade die Hälfte als geheilt entLassen worden, während noch 27 in Behandlung blieben. Die Beim Pferdeschwemmen ertrunken ist am Sonntag mittag der Untersuchung des Fleisches im Hygienischen Institut hat leinen Au33 Jahre alte Kohlenhändler Gustav Kirsch aus der Stubenrauch- halt dafür ergeben, daß die Erkrankungen auf den Genuß des straße 10. Kirsch hatte mit seinem Kutscher die Geschäftspferde beim Fleisches zurückzuführen sind. Die Untersuchung des Salats ist noch Restaurant Sadowa in der Oberspree gebadet und war bereits mit nicht abgeschlossen. dieser Arbeit fertig. Die Pferde standen schon am Ufer zum Fortführen bereit, als K. noch einmal in den Strom ging, um seine Kleidung vom Schlamm abzuspülen. Hierbei trat er in eine Vertiefung und versant, trotzdem er ein guter Schwimmer war, vor den Augen der vielen Zuschauer. Obwohl ihm sofort Hülfe wurde, fonnte er aber nur noch als Leiche gelandet werden. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Der Verunglückte hinterläßt eine Frau mit drei unmündigen Kindern. Ober- Schöneweide. Das Gewitter am Sonntag fette teilweise, da die Gullys das Waffer nicht aufnehmen konnten, die Straßen unter Wasser. Eine eigenartige Erscheinung machte sich in der Nähe der Hochspannungsleitungen der Zentrale bemerkbar. Durch die starken elektrischen Entladungen waren auf verschiedenen Masten die Sicherungen durchgebrannt, was teilweise helle Flammen erzeugte. In der Nähe Dieser Masten waren Eisenteile und Erdreich bis zum Abend mit schwachem Strom behaftet, was sehr zur Erheiterung der Jugend beitrug. Lese- und Diskutierklub Moabit. Dienstag, den 18. d. M., bei Bachstein, Salzwedelerstr. 16, 8, Uhr: Vortrag: Ueber die Anfänge der bürgerlichen Nationalökonomie. Referent: Genosse Zacher. Gäste erwünscht. Deutscher Arbeiter Abstinentenbund.( Ortsgruppe Berlin.) Mittwoch, den 19. Juli, 8 Uhr: Versammlung im„ Englischen Garten", Alexanderstr. 27c. Gruppenangelegenheiten. Neueinteilung der Bezirke. Gäste willkommen. Landsmannschaft der Schleswig- Holsteiner zu Berlin. Mittwoch, den 19. Juli, abends 8%, Uhr, in Feuersteins Festsälen, Alte Jakobstr. 75: Bersammlung mit Frauen. Sonntag, 23. Juli: Sommerfest daselbst. Landsleute sowie Gäste find willkommen. " 1 Vermischtes. Eingegangene Druckschriften. Die Von der Neuen Zeit"( Stuttgart, Paul Singer) ist soeben das 42. Heft des 23. Jahrganges erschienen. Aus dem Inhalt des Heftes heben wir hervor: Die Furcht vor dem Sozialismus.- Die Folgen des japanischen Sieges und die Sozialdemokratie. Von R. Kautsky.( Fortsetzung.) gegenwärtigen russischen Zeitschriften. Von D. Davidow. Bürgerliche Ideologien. Von Otto Ehrlich. Die christliche Gewerkschaftsbewegung in Deutschland. Bon Gustav Hoch- Hanau a. M.( Schluß.) Die Arb cits-> Der Nutzen verhältnisse in der Schweiz. Von Dr. J. Herk( Herisau). der Bechenstillegungen. Von Heinrich Cunow. Notizen: Die internatio nale Organisation der Angestellten. Von May Josephsohn- Hamburg. Die Neue Zeit" erscheint wöchentlich einmal und ist durch alle Buchhandlungen, Bostanstalten und Kolporteure zum Preise von 3,25. pro Quartal zu beziehen; jedoch kann dieselbe bei der Boft nur pro Cuartal abonniert werden. Das einzelne Heft kostet 25 Bf. Probenummern stehen jederzeit zur Verfügung. Landtagswahlen so hübsch prophezeite, liefert mit der Nummer 15 eine Der„ Süddeutsche Postillon", welcher in letter Nummer die baher. Glanznummer. Meister M. E., der Zeichner des„ Süddeutschen Postillon", schuf das farbige Titelbild„ König von Norwegen a. D." in vornehm- geisterhafter Schattenstimmung. Als Mittelbild finden wir ein typisches Bild Brands Die Revolution in Rußland". Das lebendige Schlußbild„ Die Schlachtenlenter" ist eine prächtige Barodie auf unsere selbstbewußten stolzen Rebellenlied( Gedicht). Offiziere. Briefe aus Sachsen. Nante über den Fall Jaurès. Bom Fachberein europäischer Fürsten. Sie, Sie, Sie( Illustration). Der moderne Lyriker( Gedicht). Waffer ist das allerbest. Das Geschäft blüht( Illustration). Zum Prozeß Hilger- Krämer ( 3 Porträts). Die Nummer bietet für 10 Pf. reichen Humor und Unterhaltung. Tirol und Vorarlberg, Bayerisches Hochland und Allgäu, Salzburg, Ober- und Niederösterreich, Steiermark, Kärnten und Krain. Bon Th. Trautwein. 14. vermehrte Auflage. Bearbeitet von Anton Edlinger und Heinrich Heß. Mit 61 Karten und Plänen. XXX und 760 S.) Innsbrud, A. Edlingers Verlag, 1905. Preis in grüner Leinwand geb. 7,50 M.= 9,- Kr.; Brieftaschen- Ausgabe 8,50 M. 10,20 Kr. jüngste Beit, u. a. werden die neuen Alpenbahnen( Pyhrn-, Tauern, KaraDie Ergänzung des Tertes' der neuen Auflage erstreckt sich bis auf die aller wanken- und Bocheinerhahn) eingehend behandelt. Zuverlässig ist auch in dieser Auflage das Kartenmaterial, bestehend aus 61 Starten und Plänen; darunter befinden sich 31 Blätter, welche der großen Ravenſteinſchen Spezialfarte der Ditalpen( 1: 250 000) entnommen und in Ravensteins Institut Neu hinzugekommen ist eine revidiert, ergänzt und hergestellt wurden. Uebersichtskarte der Tauernbahn. Seft VII der„ Annalen des Deutschen Reichs". Verlag J. Schweizer ein Heft. ( A. Sellier), München. Abonnementspreis jährlich 10 Mart. Monatlich Moderne Effays, Heft 52: Gustav Mahler von Richard Specht. Heft 53: Frant Wedekind von Raimund Pissin. Herausgeber Dr. Hans Landsberg.( Hose u. Tezlaff, Berlin.) Das sportliche Rudern hat bei der Arbeiterschaft lange Zeit feine Anhängerschaft finden können, wenn auch schon in früheren Zeiten von jüngeren Leuten eine„ Gondelpartie" als eine angenehme Sache hier und da einmal unternommen wurde. Die systematische Stählung der Glieder jedoch unter Zuhülfenahme von sportgerechtem Material erschien in der körperlich schaffenden Arbeiterschaft als eine überflüssige Sache. Das ist mit der fortschreitenden Entwickelung des Kapitalismus anders geworden. Die mehr und mehr sich ent. wickelnde Maschinentechnik hat eine ganze Reihe von Berufen geschaffer, deren Angehörige nach einer Betätigung und Vervollkommnung ihrer unter den neuen Verhältnissen fast ausgeschalteten und schwer Schaden nehmenden Körperkraft geradezu lechzten. So war die Grundlage entstanden für die Bildung einer Anzahl ArbeiterRuder Vereine in und um Berlin, unter denen der Vorwärts" in Stralau als erster zählt. Das Material des„ Vorwärts" besteht fast ausschließlich aus einer Reihe prächtiger Tourenboote der verschiedensten Größe. Berühmt ist u. a. seine Damen- Achter- Mannschaft, die in der Welt einzig dasteht und sogar zum Entsezen ver schiedener Scharfmacherblätter von ausländischen Sportsgrößen un geteiltes Lob erfuhr. Aber wenn der Klub auch das Tourenrudern als eine Hauptaufgabe pflegt, regt sich doch in der Mannschaft das junge Blut und verlangt oft genug stürmisch nach einem friedlichen Wettstreit der Kräfte unter einander. So veranstaltete der„ Vorwärts" denn auch am Sonntag, wie schon öfter, vor seinem bekannten Klubhaus in Stralau eine Regatta für die Mitglieder, an dem dies in Berlin gearbeitet" hat, ist in Görlig, wo er an einem Tage Ein gefährlicher internationaler Einbrecher, der auch anscheinend mal als Gäste auch mehrere Mannschaften der„ Collegia"-Charlottenburg teilnahmen. So gehts dabei freilich nicht zu, wie bei dem fünf Einbruchsdiebstähle verübte, festgenommen worden. Bei dem Verhafteten wurde eine große Menge aus Diebstählen herrührender Rennen des Regatta- Vereins in Grünau, wo die Polizei zugunsten Gegenstände gefunden, darunter eine bronzene Streichholzschachtel, einer Anzahl Sporttreibender den gesamten Verkehr hemmt. Die Arbeiter- Ruderer müssen ihre Kunst in einem Gewühle von Ruder- welche die Inschrift" Pilsener Urquell zur Hütte Berlin, Taubenstr. 7" booten, Segelfahrzeugen, Schleppzügen und Personendampfern daß er wiederholentlich in Berlin, ferner in Fürstenwalde, Frank trägt. Aus Papieren, die der Verbrecher bei sich trug, geht hervor, zeigen. Zwar heulte der kleine Startdampfer, der die Boote an der furt a. D., Guben, Arnswalde, Schwiebus, Bromberg, Thorn, Verbindungsbahn in Treptow entließ, ihnen nach Möglichkeit den Weg frei. Aber wenn auch seine Torpedobootspfeife alle Ruderboote Sagan, Steinau, Liegnig, Breslau sich aufgehalten hat. Mehrfache Diebstähle scheint er auch in Fürstenberg verübt zu haben. Er reiste und kleineren Fahrzeuge in die Flucht schlug und wenn auch auf der auf den Namen Leo Schlicht und Ernst Boll. anderen Seite die Kapitäne der Passagierdampfer fast alle willig das Fahrwasser freigaben, die großen Schleppzüge fürchteten das Ein Schmugglerstückchen. Vor wenigen Tagen wurde in Altfleine heulende und fauchende Ungeheuer nicht und setzten unbe- Schacken im Kreise Tilsit von einem russischen Grenzoffizier ein fümmert ihren Weg im besten Fahrwasser fort. Die Leistungen Grenzsoldat" festgenommen, der seit März sein Wesen trieb. Der waren teilweise vortreffliche. In einem Vierer- Rennen stellten wir Mann war Grenzsoldat und bewaffnet, hatte Legitimationspapiere für die 1500 bis 1600 Meter lange Rennstrecke ein Tempo fest, das bei sich und sollte beauftragt worden sein, längs der Grenze Paauf die Stunde fortgesetzt, 18 Kilometer ergeben, also der Ge- trouillengänge auszuführen, um die Verhältnisse kennen zu lernen. schwindigkeit eines nicht langsamen Personendampfers entsprochen Der diensthaltende Offizier war von dem Chef der Zollkammer zu hätte. Die beiden Achter, welche zuletzt liefen, fuhren einem von Tauroggen in einem amtlichen Erlasse benachrichtigt worden und Berlin kommenden Kyffhäuser-" Dampfer einfach davon. Auf dem der Grenzsoldat ging deshalb frank und frei umher, trattierte die 3. 75. Stellen Sie einen Antrag auf Ermäßigung der Kosten. kleinen flinken Begleitdampfer sprühte die Bugwelle schäumend wirklichen Grenzsoldaten reichlich mit Spiritus, bis sie berauscht zu hätten Sie rechtzeitig den Antrag auf Aufnahme in den preußischen Die Erledigung über das Vorderdeck, so daß die auf demselben befindlichen Schieds- Boden fielen. Die ganze Geschichte erregte füglich Verdacht und so Staatsverband gestellt, so hätten Sie die Kosten gespart. richter sich teilweise in Oelzeug hüllten, und die beiden alten Teer- sah sich der Grenzoffizier veranlaßt, der Sache auf den Grund zu eines solchen Antrages fann 3 bis 6 Monat bei der preußischen Behörden- P. H. 179. Ihr Verwandter kann sich beschwerdejacken, die das für Trainingzwecke ertra schnellgebaute Fahrzeug gehen. Bei einer unvermuteten Revision fand er richtig wieder das gründlichkeit dauern. führend an das Amtsgericht( Vormundschaftsgericht) wenden. Dies kann steuerten, versicherten uns, kein Personenfahrzeug auf der Spree Trinkgelage vor und ließ den fremden„ Grenzsoldaten" festnehmen. einschreiten, wenn es bie Ablehnung einer Antwort oder das Verhalten des Da wurde bei der Untersuchung eine große Zahl goldener Uhren, Bormundes überhaupt für pflichtwidrig hält. fönne den Achtern in einem solchen Rennen auffommen. Das B., Nykestraße. 1. Ja. Damen- Rennen( zwei Doppel- Zweier) war leider durch mehrere Ketten, Ohrgehänge, Busennadeln usw. bei ihm gefunden, die wohl 2. und 3. Nein. Wann haben Sie Ihre Anfrage gestellt und wie lautete Der frühere russische Grenz- diese? Krankenhaus. 1., 3., 4. Ansprüche des Arbeiters gegen eine Schleppzüge und eine größere Anzahl Personendampfer sehr gestört. mehrere tausend Rubel wert sind. Die Damen hatten nicht nur unter einander, sondern auch mit den soldat hatte alle Schriftstücke selbst angefertigt und so die Grenz- Orts, Innungs-, Betriebskaffe sind zunächst von der Aufsichtsbehörde zu ent Wellen sehr zu kämpfen. In Stil und Form waren beide Mann- wache getäuscht. Jezt harrt seiner und der Grenzsoldaten ein hartes scheiden. Das ist in Berlin der Magistrat( Stralauerstr. 1-3), in Gemeinden schaften" prächtig. Bulegt gabs noch eine heitere Wasserpantomime: Los, und die Schwärzerei ist weiter um ein interessantes Stückchen mit über 10 000 Einwohnern in Preußen in der Regel der Gemeindefleinere Gemeinden der Landrat. Gegen deren " Die Empörung des Potemkin!" Als„ Potemkin" diente ein mit bereichert worden. Der Mann soll bereits für 80 000 Rubel Waren vorstand, für Entscheidungen ist in Preußen innerhalb vier Wochen Klage Papp- Panzertürmen und Gefechtsmarsen versehener Handkahn. Die nach Rußland eingeschmuggelt haben. an das ordentliche Gericht, in Bayern, Württemberg, Sachsen Schwarze Meer- Flotte" wurde dargestellt durch einen UebungsBaden das 2. Berwaltungs- Streitverfahren zulässig. Ja. Eine Schiffskollision. Aus Danzig wird gemeldet: Der von und prahm, der als Maschine einen eisernen Ofen trug. Das Rohr dieses Rela tommende vollbesetzte Dampfer„ Vineta", der Aktiengesellschaft statten getrennt zu leben, Entziehung des Erziehungerechts, Arrest in die Hermann B. 1. Die Ehefrau soll schleunigst gerichtliche Schritte( GeOfens qualmte mit solcher Realistit, daß aus Scham, von solcher Kon-" Weichsel" gehörig, tollidierte gestern in dichtem Nebel auf der Sachen usw.) ergreifen. 2. Nein. Willy N. 52. Eine Beleidigungsklage furrenz geschlagen zu werden, ein großer Hedrad- Schlepper mit vier Weichsel mit dem leer nach Westerplatte fahrenden Dampfer hätte feine Aussicht auf Erfolg. Wenn Sie verurteilt find, so ist Boll600 Tonnen- Kähnen seinerseits das Qualmen aufgab und nicht eher" Schwan" dieser Gesellschaft. Menschen sind nicht verunglückt. Der stredung zulässig. Wir hatten seinerzeit außerordentlich häufig vor dem wieder anfing, als bis die ganze Komödie beendet war. Bu gleicher Materialschaden ist bedeutend. Beitritt zu der Kaffe gewarnt und zum Austritt aufgefordert. V. K. Zeit ergab sich die Mannschaft der Flotte in einer Weise dem" Suff", Gewittersturm in Oberschlesien. Heute nachmittag wütete in dem u. 2. Nein: Sie finden die Verordnungen im dortigen Amtsblatt. die auf bedenklich lange Uebung schließen läßt. Der" Botemkin" ganzen oberschlesischen Industriebezirk ein heftiges Unwetter, das mit auf dem die Meuterei ausbrach, weil es schon wieder jriene Bohnen" Gewitter, Wolkenbruch und Hagelschlag verbunden und von einem gab, verteidigte sich gegen die drohenden Ofenrohr- Batterien der organischen Sturme begleitet war. In Gleiwik, Zabrze und deren Roggen, gute Sorte, 1 Doppelzentner 0,00 ab Bahn. Futtergerste, gute Berliner Marktpreise.( Ermittelt vom Polizei Präsidium.) Schwarzen Meer- Flotte mit Kartoffelgeschossen und trieb sie auch umgegend sind viele Häuser abgedeckt. Der Hagel lag stellenweise Sorte 16,00( 15,20), mittel 15,10( 14,30), geringe 14,20( 13,40). Hafer, richtig in die Flucht. Da jeder getroffene Gegner merkwürdiger- handhoch und richtete in den Gärten großen Schaden an. In den gute Sorte 16,30( 15,40), mittel 15,30( 14,50), geringe 14,40( 13,60), weise nie in sein Schiff, sondern gleich immer ins Wasser fiel, Straßen stand das Wasser meterhoch. Hunderte von Bäumen wurden frei Wagen und ab Bahn. Richtſtroh 4,82( 4,32). Heu( neu) 6,80 wimmelte die Spree schließlich von schwimmenden Meuterern und entwurzelt. Laut einer Meldung des„ Oberschlesischen Wanderers"( 4,80). Erbsen, gelbe, zum Stochen 40,00( 30,00). Speiſebohnen, weiße Zaren- Berteidigern und die Fahrzeuge kehrten einsam, von einer riß der Sturm in Lipine die Halle 7 der Zinkhütte Silesia ein, in der 50,00( 30,00), Linfen 60,00( 30,00), Startoffeln 14,00( 0,00). Rindfleisch, einzigen Person gelenkt, wieder in den Hafen zurüd. Und dann etwa 60 Arbeiter tätig waren. Eine große Anzahl von ihnen wurde von der Keule, 1 Kilogramm 1,80( 1,40), Bauchfleisch 1,40( 1,10), blieb man noch lange- sehr lange! Schweinefleisch 180( 1,30), Stalbfleisch 2,20( 1,20), Hammelfleisch 1,80( 1,40), im Klubhaus zusammen. anter den Trümmern begraben. Nach amtlicher Meldung wurden Butter 2,80( 2,20), Gier( 60 Stüd) 4,00( 2,80), Starpfen, 1 Sg. 2,00( 1,40), Radsport. Auf der Treptower Radrennbahn fand zwischen den zwei getötet, zwei schwer und mehrere leicht verwundet. Durch die Aale 3,00( 1,60), Bander 3,50( 1,40), echte 2,80( 1,40), Barsche 2,00( 1,00), beiden Fahrern Artur Stellbrink und Ad. Schulze( Behlen- Feuer der Oefen entstand ein Brand, der am Abend noch andauerte. Schleie 3,00( 1,20), Bleie 1,60( 0,80), trebje( 60 Stück) 20,00( 3,00.) " Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9½ Uhr statt. Geöffnet: abends 7 Uhr. Berantw. Redakteur: Baul Büttner, Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Th. Glode, Berlin. Drud u. Verlag: Vorwärts Buchdruderei u. Verlagsanstalt Paul Singer& Co., Berlin SW Sozialdemokratischer Wahlverein Schweizer- Garten. für den 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis. Am Königstor. Am Friedrichshain. Diensten, ben 19. Suit, chers; 5), Hr. im Gertie gate. Täglich: Theater im abends Uhr, Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, großer Saal: General- Versammlung. Tagesordnung: und Spezialitäten- Vorstellung. 1. Bericht und Abrechnung vom 2. Quartal. 2. Ergänzungswahl des Volksbelustigungen. Im Saale: Ball. Borstandes. 3. Vortrag des Reichstagsabgeordneten Ed. Bernstein über„ Organisation der sozialdemokratischen Partei Deutschlands". 4. Dis. kussion. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Mitglieder werden in der Versammlung, auf dem Zahlabend und in folgenden Zahlstellen aufgenommen: Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a. Wilh. Börner, Ritterstr. 15. Emil Götte, Brandenburgstr. 18. 240/ 18* Ad. Flick, Simeonstr. 23. 0. Blume, Alte Jakobstr. 119. Franz Krüger, Naunynstr. 54. Der Vorstand. Tapezierer! Jeden Abend 10 Uhr: Der Fluch des Goldes. Boltsstück mit Gesang in 3 Abteilungen. Sozialdemokratischer Wahlverein fünften Berliner Wahlkreise. Dienstag, den 18. Juli, abends 8 Uhr, im Alten Schüßenhause, Linienftr. 5: Versammlung. Tages- Ordnung: 1. Die Reptilien- Presse. Referent Genosse Julius Kaliski. 2. Diskussion. 3. Partei- und Jeden Kinderfest Béreinsangelegenheiten. 4. Berſchiedentes. Mittwoch: mit Gratispräsentverteilung und Fadelpolonase. Krankenkaffe der Hntmacher zu Berlin.( E. H. No. 67.) General- Versammlung Die findet Dienstag, den 25. Juli, Morgen Mittwoch, den 19. Juli, abends 8 Uhr, bei Damm, Schütenftr. 18/19: abends 8 1hr, bei A. Feind, General- Verfammlung Tages- Ordnung: 1. Vorstands- und Kassenbericht. 2. Diskussion. 3. Vortrag. 4. Dis. fuffion. 5. Die Maßnahmen der Innung gegen unsere Organisation. In Anbetracht der überaus wichtigen Tages- Ordnung ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Tapezierer Berlins. 101/4 Bureau: Schüßenstr. 18/19. Telephon: Amt I, 1308. Weinstr. 11, statt. Tages Ordnung: 1. Sassenbericht. 2. Wahl des Ausschusses. 3. Statutenveränderung. 4. Verschiedenes. ten, ber Mitglied Gäste erwünscht. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwartet Der Vorstand. 245/ 15* Zentralverband der Maurer Deutschlands NISS 12 Zweigverein Berlin. Wir machen die Verbandsmitglieder darauf aufmerksam, daß in den am 5. Juli d. I. stattgefundenen Mitgliederversammlungen beschlossen wurde, das Baudeputierten- System mehr auszubauen als bisher. Wir bitten nun, dem Beschlusse gemäß zu handeln und auf allen Die Kaffenmitglieder werden ersucht, Bauten umgehend einen Baudeputierten zu wählen. zahlreich und pünktlich in der Verfammlung zu erscheinen. Achtung! Putzer. redunj 290/13 Der Vorstand. O. Tschoppe. Am Freitag, den 21. Juli, abends 81/2 Uhr, findet im Gewerkschaftshaus, Engel- Ufer 15( Saal 8), eine W Achtung! Verfammlung der Deputierten Mittwoch, den 19. Juli, abends 8 Uhr, in den bekannten Lokalen: statt. 1938 2391( A Wir erwarten, daß in dieser Versammlung jeder Bau vertreten wird. Bezirksversammlungen. ein mitb Bezirk Südost tagt von jetzt ab Muskauerstr. 1, Restaurant Fröhlich. Um vollzähliges Erscheinen ersuchen Die Oblente. 134/6 147/ 4* Die Verbandsleitung. J. A.: E. Thöns. Zentral- Verband der Zimmerer Deutſchl. Zentaverhand der Maurer Deutschlands. nodalena i ni hods bas Zahlstelle Berlin und Umgegend. Bureau: Engel- Ufer 15, v. III, Zimmer 32.-innet- Skolaad Fernsprecher: Amt 4, Nr. 2789. Zweigverein Berlin. Sektion der Gips- und Zementbranche. Gruppe Rabigspanner. Mittwoch, den 19. Juli 1905, abends 81, Uhr, bei Jaunascht, Inselstraße 10: Mittwoch, 19. Juli, abends 8½ Uhr, bei Keller, Koppenstr. 29: Außerordentl. Mitglieder- Versammlung Große außerordentliche Verfammlung der Rabitzspanner. Tagesordnung wird in der Versammlung bekannt gemacht. aller im Zentral- Verband organisierten Zimmerer von Berlin und Vororte.ne Tages- Ordnung: intral.raosle ex Es ist Pflicht eines jeden Kollegen in dieser Versammlung zu er 147/ 5* Der Vorstand. Achtung! abs Achtung! 1.„ Die diesjährigen Lohnkämpfe in unferem Beruf und der Zentral- Verband der Verband der Portefeuiller und Ledergalanterie- Arbeiter Zimmerer Deutfchlands". Referent Verbandsvorsitzender Fritz Schrader( Hamburg). und Arbeiterinnen. Zahlstelle Berlin. 2. Gewerkschaftliches. in Graumanns 255/7 Mittwoch, den 19. Juli 1905, abends 8 Uhr, in Festsälen, Naunynftr. 27: General Versammlung. 100% 4 i Had Tages Ordnung: Berichte der des und der agitationstommiffion. 2. Grfaßwahl ber Ditsverwaltung und ver Kameraden! Mit fieberhafter Tätigkeit ist das berüchtigte Scharfmachertum im ganzen Reiche an der Arbeit. Jede selbständige Regung seitens der organisierten Arbeiterschaft ist den Unternehmern verhaßt. Jeder Versuch, die elende Lage günstiger zu gestalten, wird in den meisten Fällen mit Aussperrung beantwortet. Angesichts dieser Tatsachen fordern wir hiermit alle im Lohngebiet beschäftigten Verbandsmitglieder auf, durch vollzähliges Erscheinen das Interesse an diesen Vorgängen zu bekunden. Denn nur durch gegenseitige Solidarität und einmütiges Handeln sind In dieser Bersammlung werden die Billetts zum Sommerfeſt ausgegeben wir imstande die Pläne der Scharfmacher zu durchkreuzen. Erscheint deshalb Mann für Mann. 109/9 Der Vorftand. J. A.: Wilhem Witt. Revisoren. 3. Neuwahl der Agitationsfommission. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Das Erscheinen aller Mitglieder erwartet Die Ortsverwaltung. Deutscher Metallarheiter-Verband./ Deutscher Holzarbeiter- Verband. Typographia Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Bureau: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher: Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34. Amt IV, 3353. Mittwoch, den 19. Juli, abends 8 Uhr im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15( Saal 1): Bezirks- Versammlung für die Bezirke Süd- Often, Süden und Zentrum. Tages- Ordnung: 1218 Zahlstelle Rixdorf. Donnerstag, den 20. Juli 1905, abends 8%, Uhr: General- Verfammlung bei Thiel, Bergstraße 151/152... Co. Tagesordnung: 1. Bericht des Kassierers vom II. Quartal. 2. Bericht der Kontrollfommission. 3. Wahl eines Revisors. 4. Verbandsangelegenheiten. Hiermit zur Kenntnis, daß unsere Dampferpartit am 30. d. m. stattfindet. Ausflugsort: Schloß Woltersdorf. Abfahrtszeit 7 Uhr vor 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. mittags vom Brandenburger Ufer( Berlin: Jannowigbrüde), Dampfer Grünau". 89/2 Alles andere auf den Billetts ersichtlich und find in allen Zahlstellen zu haben. Der Vorstand. wita saecM Hobun Donnerstag, den 20. Juli, abends 8, Uhr, in der Brauerei in der Braue Friedrichshain( früher Lipps): " Außerordentliche General- Versammlung. Achtung! Fliesenleger. Achtung! Tages Ordnung: Vereinigung der Fliesenleger Deutschlands 1. Ersatzwahl und Neuwahl der notwendig gewordenen Beamten. 2. Anträge der Ortsverwaltung und an die Verwaltung gelangte Anträge. Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. Bahlreicher Besuch wird erwartet. Ortsverein Berlin. Abt. I n. II. un Zur Beachtung! Die Zahlstelle Villwock wurde nach dem Lokal Die nächste Versammlung 20. Juli er., abends 8, Uhr, findet am Donnerstag, den bon Bugge, Kaftanien- Allee 95/96, sowie die Zahlstelle von Meinhard in Reinickendorf- Oft nach dem Lotal von Nicolai, Residenz- im ,, Nenen Klubhaus", Kommandantenstr. 72, statt. straße 137, verlegt. NB. Die für Dienstag, den 18. Juli, in Reinickendorf angefekte Versammlung findet erst am Freitag, den 21. Juli, im Lokale von Sadou, Residenzstr. 124, statt. Die Versammlung der Elektromontenre findet wegen der Generalversammlung nicht statt. Die für heute( Dienstag) angesetzte Bezirksversammlung für den Often und Lichtenberg findet nicht statt. 120/7 Die Ortsverwaltung. am Schmöckwitz Gasthaus zur Palme ebbinfee. ( Endstation der ,, Stern"-Dampfer.) Hermann Peter. Telephon: Grünau No. 39. Empfehle mein allbekanntes, herrlich am Wald und Wasser belegenes Lokal den geehrten Vereinen und Gesellschaften zu Ausflügen. Ausspannung und Dampferstege, Stegelbahnen, große Kaffeefüche. Säle, Hallen, großer schattiger Garten, 2000 Personen fassend. Tages Ordnung: 1. Wahl der Tariffommission. 2. Gewerkschaftliches. Mitgliedsbuch legitimiert. Bahlreichen Besuch erwartet 290/14 Der Vorstand. Achtung! Luxuspapierbranche! Achtung Morgen, Mittwoch, den 19. Juli, abends 82 Uhr: Branchen- Verfammlung in den Arminhallen", Kommandantenstraße 20. Tages- Ordnung: 1. Bericht der Agitationsfommission. 2. Diskussion. 3. Erfah wahl zur Agitationskommission. 4. Berbandsangelegenheiten. Wir ersuchen alle in Luruspapierfabriken beschäftigten Kollegen und Kolleginnen, in dieser Versammlung recht zahlreich zu erscheinen. 24/9 Die Vertrauenspersonen. Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer. M. d. A.-S.-B. Sonntag, den 23. Juli, in der ,, Brauerei Friedrichshain": KONZERT unter Mitwirkung des ,, Neuen Tonkünstler- Orchesters". Eintritt 30 Pf. Anfang 4 Uhr. Die Kaffeeküche ist von 3 Uhr ab geöffnet. Von Uhr ab im großen Saale TANZ. Bei ungünstiger Witterung findet das Konzert im Saale statt. Eintrittskarten sind zu haben in den Zigarrenhandlungen von Horsch, Gewerkschaftshaus; Gottfried Schulz, Kottbuser Tor; Emil Schulz, Mittenwalderstraße 2; in allen mit Plakat belegten Handlungen sowie an der Kasse. Der Vorstand. Schwarzer Friedrichsberg. Heute sowie jeden Gr.humor. salamint is alle Adler Gebr. Arnhold. Dienstag: Soiree ber beliebten Führmann- Walde- Sänger. Anfang 8 Uhr. [ 37372*] Entree 40 Pf. Bons und Passepartouts zahlen 20 Pf. nach. Nach der Vorstellung: Familienkränzchen. Restaurant Zum Prälaten" Weißensee, Hermann Dröger, Chaussee 42. Jeben Sonntag: Ball. König-) Berkehrslokal der Holzarbeiier, Bauarbeiter, Kellner, Schneider, Gefangverein Freie Sänger" und Arbeiter- Turnverein. Bum freundlichen Besuch ladet Freunde und Genossen ergebenst ein Hermann Dröger. [ 37562*] Neuerrichtetes radia Restaurant mit Garten Fordern Sie beim Einkauf ausdrücklich Dänischen Kapitän- Kautabak früher Anker- Kautabak und Sie werden überzeugt sein, daß derselbe entschieden am besten schmeckt. 3644L* Nur echt, wenn jedes Stück den Bettel enthält mit Aufschrift: „ Dänischer Kapitän- Kantabak" == gefeßlich geschütt 75 658== Alleinverkauf: C. Röcker, Berlin, Grüner Weg 112. Wer mit seinem dicken Kantabak nicht zufrieden ist, verfuche ,, Kapitän Mellems" in Stangen. Verlosungsartikel Landpartien, far Vereine c 2C. mur Neuheiten, sowie Lampions, Stocklaternen, Fackeln, Girlanden, Wimpeln, Fahnen, Schärpen, Scherzartikel, humoristische Kopfbedeckungen, Musikim[ 35512* Alte Jacobstr. 93, an instrumente, Radausachen, spottbillig Engros- Geschäft Alte Jacobstr. 93, L. H. Gotthilf, der Seydelstraße. an der Seydelstraße. Kranz- und Blumenbinderei Würzburger Hühneraugenmittel von Robert Meyer, nur Mariannen- Straße 2. * bon Dr. H. 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