Mr. 167. Hbonnements- Bedingungen: Abonnements Preis pränumerando: Bierteljährl. 3,30 Mt., monatl. 1,10 M., wöchentlich 28 Pfg. frei ins Haus. Einzelne Nummer 5 Bfg. Sonntags. nummer mit illustrierter Sonntags. Beilage„ Die Neue Welt" 10 Bfg. Bost. Abonnement: 1,10 Mart pro Monat Eingetragen in die Bost- Beitungs. Preisliste. Unter Kreuzband für Deutschland und Desterreich Ungarn 2 Mart, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Ericheint täglich außer Montags. Vorwärts Berliner Volksblatt. 22. Jahrg. Die Infertions- Gebühr beträgt für die fechsgespaltene Stolonel geile oder deren Ruum 40 Bfg., für politische und gewerkschaftliche Vereins. und Versammlungs- Anzeigen 25 Bfg. ,, Kleine Anzeigen", das erste( fett. gedruckte) Wort 10 Bfg., jedes weitere Bort 5 Pig. Worte über 15 Buchstaben zählen für zwei Worte. Inserate für bie nächste Nummer müssen bis 5 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochen. tagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 8 Uhr bormittags geöffnet. Telegramm Adresse: Sozialdemokrat Berlin". Zentralorgan der fozialdemokratifchen Partei Deutschlands. Redaktion: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1983. Preußens Gewerbeaufsicht. II. Donnerstag, den 20. Juli 1905. Expedition: S. 68, Lindenstrasse 69. Fernsprecher: Amt IV, Nr. 1984. Politische Ueberficht. Arbeiter und gerade die aufgeklärten ſehen, wie felten, ja meistens gar nicht ihre Beschwerden von Erfolg begleitet sind außerdem einen, daß die Unternehmer solange von den leider in jedem Be triebe vorhandenen Spizzeln und Strebern wie von den Aufsehern Berlin, den 19. Juli. herumfpionieren lassen, bis entdeckt ist, von wem die Beschwerde Wir sprachen im vorigen I. Artikel von der Revision derjenigen ausging und diese Arbeiter werden dann entlassen und von den Jeder Zoll ein Russenfürst! Betriebe, die nicht zu den Fabriken und diesen gleichgestellten Anlagen Unternehmern des Ortes geächtet. Muß doch der Beamte für Die Fußtrittherrschaft, welche in Rußland den untergehören, die aber auf Grund der nach§ 120e der Gewerbe- Ordnung Arnsberg sogar zugeben, daß auch„ das Verfahren vor dem würfigen Muschik jekt zur Empörung treibt, wollte Fürst vom Bundesrat erlassenen Bestimmungen besonders zu überwachen Gewerbegericht für den Arbeiter sowohl im obfiegenden Kotschubey auch in Deutschland experimentieren. Jetzt waren. Es fehlt im preußischen Bericht eine Uebersicht über wie im entgegengesezten Falle lediglich Nachteile habe. Wenn der findet der Dresdener Fall, der Ende vorigen Jahres die im ganzen Lande vorgenommenen Revisionen dieser Art Arbeiter der obsiegende Teil sei, so würde er in der Regel allgemein Erregung hervorrief und schließlich den„ Simplibollständig. Obwohl dies schon im Vorjahre von unserer Seite im bei nächster Gelegenheit entlassen und fände dann an dem cifsimus"-Prozeß in Stuttgart herbeiführte, ein ebenso russisches Reichstage gerügt wurde, hielt die preußische Regierung es wiederum nämlichen Orte nur sehr selten aufs neue Arbeit. Achulich verhalte Nachspiel. nicht für notwendig, eine solche Uebersicht zu geben. Bielleicht ge- es sich, wenn der Arbeiter im Verfahren unterliege; in diesem Falle schieht dies aus Schamgefühl, denn die Resultate dieser Revisionen verlasse der Arbeiter seine Arbeitsstelle und eine neue finde er find geradezu eine Bankrotterklärung der Gewerbe- Aufsicht. am Orte felten wieder. Wir haben die von den einzelnen Aufsichtsbezirken mitgeteilten Biffern zusammengestellt und folgende den Spott herausfordernde Summen erhalten: Fürst Leon Kotschubeh hatte im Dresdener Hotel Europäischer Hof Aufenthalt genommen. Eines Abends verlangte er Zeitungen. Unter den ihm vom Portier gebrachten Blättern befand sich Es sind eben die als naturnotwendige Folge der fortschreitenden zufälligerweise auch der„ Simplicissimus", dessen Vorderseite kapitalistischen Entwickelung sich verschärfenden Klaffengegen eine Satire auf die russischen Zustände enthielt. Hierüber sätze, die das Unternehmertum zu immer hartnäckigerem Trozz und ergrimmte der Fürst derart, daß er sich an dem Hotelportier Von den 786 Buchdruckereien wurden 351= 45 Broz. ber ein paar Gefellen ausbeutet, betrachtet seine Stellung als„ Herr daß derfelbe sofort ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mußte. Machtgebrauch gegen die Arbeiter anspornen. Jeder fleine Strauter, Möller vergriff. Er mißhandelte den Mann mit Fußtritten, revidiert, von den 2116 Steinbrüchen und Stein- im Hause" gefährdet, wenn die Gewerbeaufsicht auf Grund von Der Gemißhandelte war lange Zeit bedenklich erkrankt und hauereien 859= 40 Broz, von den 500 Bürsten und Anzeigen der Arbeiter einschreitet. Ja, es sind sogar gerade die verlor infolgedessen auch seine Stellung. Der eble RuffenBinfelfabriken 121= 24 Proz. und von den 81098 fleineren und mittleren Betriebe, in denen diese Gegensäge zwischen fürst wurde dann wegen gefährlicher Körperverlegung unter fleinen Bädereien und Konditoreien gar nur Broz, Gewerbeaufsichtsbeamten am schärfsten aufeinanderprallen. 5202= 17 to 3., außerdem von den 1784 größeren Bädereien, Unternehmer und Arbeiter und dem für Arbeiterinteressen eintretenden Antlage gestellt und vom Dresdener Schöffengericht zu der Aus lächerlichen Strafe von 1000 m. verurteilt, welches Urteil die den Fabriken gleichgestellt sind, noch 883= 41 Broz.! Potsdam, Posen, Hildesheim, Minden, Köln, Trier, Aachen melden dann später den erwähnten„ Simplicissimus"-Prozeß herborTroß der notorisch oft so widerlichen, dem Gesetz Hohnsprechenden die Berichte Zusammenstöße zwischen Gewerbeaufsicht und Unter- rief, in dem die sächsische Justiz die schwerste Niederlage erlitt. Zustände, die namentlich in den kleineren Bäckereien herrschen, nehmern, die erst durch wiederholte Bestrafungen dazu gebracht und wahrlich, man stelle sich vor, nicht Fürst Kotschubeh hätte wurden nur 17 Broz. revidiert! Ist es da nicht selbstverständlich, werden können, den Anordnungen des Aufsichtsbeamten Folge zu den Portier Möller, sondern der Portier Möller hätte den Fürsten daß die Meister auf das Gefez pfeifen und die Gesellen so schutzlos leisten. Aus Köln berichtet Gewerberat Trilling: Rotschuben mit Fußtritten gemißhandelt, was wäre mit dem find wie früher, falls sie es nicht durch die Kraft ihrer Organisation„ Die Bereitwilligkeit der Gewerbeunter Mann geschehen! Er wäre auf der Stelle verhaftet und mit mühselig durchsetzen, daß auch nur das bißchen bestehende Schutz- nehmer, den bei der Gewerbeaufsicht gegebenen Anregungen langer Gefängnisstrafe bestraft worden. Man kann sich ausgesetz von den Meistern respektiert wird? Rechnung zu tragen, war geringer als sonst. Zumeist ist dies malen, wie ein sächsisches Gericht die Begründung eines solchen Die Gewerbeaufsichtsbeamten trifft tein Vorwurf. Sie find als ein wenig erfreulicher Ausfluß des in den Streifen Urteils geleistet hätte: Der Angeklagte hat einen Fürsten, der berart mit Arbeiten überlastet, daß sie schon die geringen Resultate, der Gewerbetreibenden und der gewerblichen Arbeiter sich vollziehenden ein Verwandter des Zaren selbst ist, der auf deutschem Boden die fie erzielen, mur unter Ueberanstrengung erreichen können! Das 3usammenschlusses zu Fach- und Intereffen Gastfreundschaft suchte, frebelhaft überfallen und schwer mig fagen sie allerdings nicht, nein, dazu find sie zu gut erzogen! Süd- berbänden zu betrachten. Bei dieser Gestaltung der Verhältnisse handelt. Genug, der Fürst, der den Portier mißhandelte, deutsche Beamte haben sich öfter in den Berichten befchivert, daß sie konnte die Erfüllung der gesetzlichen Vorschriften nicht immer wurde mit einer Geldstrafe belegt, die etwa der Summe entdie ihnen auferlegten Verpflichtungen nicht erfüllen fönnen. Die im Wege gütlicher Einwirkung herbeigeführt werden, und spricht, die der hohe Herr an jedem Tage des Jahres auszupreußischen aber dürfen sich teine„ Sentiments" erlauben! Sie häufiger als in den Vorjahren mußte zum Erlaffe geben pflegt. tönnen nur die Ziffern zusammenstellen, aus denen sich ihre Arbeits- polizeilicher Verfügungen geschritten werden." Nun sollte man glauben, daß der edle Fürst sich zum last ergibt, und all die Nebenbeschäftigungen aufzählen, die ihnen Man bedente, wie arg es bergehen muß, wenn preußische mindesten der elementarsten Pflicht der Menschauferlegt sind. Neben den 124 889 Revisionen hatten die preußischen Aufsichtsbeamte, die laut Dienstanweisung den Unternehmern ja Iich feit bewußt gewesen wäre, daß er ungesäumt den Mann, Beamten noch 19 393 Unfalluntersuchungen zu erledigen, ferner ein nicht wehe tun und immer wieder in Güte auf sie einwirken sollen, den er schwer verlegt hat, schadlos halten würde. Nichts paar tausend Revisionen von Gast- und Schankwirtschaften, die aber mit solcher Entschiedenheit vorgehen! davon! Er verzog sich über die Grenze und verweigert dem nur wenige Prozent der revisionspflichtigen ausmachten, und ferner Freilich diese Entschiedenheit ist nicht ganz so schlimm wie sie Mißhandelten jeden Schadenersatz! Möller, der eine Familie fleinerer Bigarrenwerkstätten, die aber ebenfalls nur in ver- aussieht. Die Polizeistrafen sind nach wie vor lächerlich zu ernähren hat, hat anscheinend ein Leiden davon getragen, schwindendem Maße besucht werden konnten. Eine zusammenfassende gering und die Gerichte in gleicher Weise voll Milde und das ihn zeitlebens nicht mehr verlassen wird. Der Fußtritt Uebersicht über diese Nicht- Aufsicht zu geben, hütet sich die Re- Nachsicht gegen die Unternehmer. In früheren Jahren haben sich des Fürsten Kotschubey hat die schlimmsten Folgen hintergierung. hin und wieder sogar einzelne Gewerbeaufsichtsbeamten über diese lassen. Daher hat Möller gegen den russischen Fürsten eine milden Gerichte beschwert. Jetzt kommt das nicht mehr vor aber Stlage auf Zahlung einer jährlichen Rente in Höhe von 2000 m. nicht etwa weil die Gerichte energischer zum Schutz der Arbeiter bei dem Landgericht Dresden anhängig gemacht. Es haben in gegen die Unternehmer einschreiten, sondern weil die Beamten teils der Angelegenheit bereits mehrere Verhandlungstermine stattnichts fagen dürfen- bergleiche Möllers Born über die ,, Räsonnements" gefunden, doch wird die Entscheidung erst nach Ablauf der Gerichts-teils weil sie auch gar nichts darüber erfahren, welche Urteile ferien erfolgen. Noch liegt beim Gericht eine Rautionssumme von die Gerichte ausgesprochen haben. Mitteilungen über die 10000 M., gegen die der Herr Fürst seinerzeit auf freiem Fuße beErfolge ihrer Anzeigen finden sich in den Berichten der Aufsichts- laffen worden war. An diese Summe fönnte sich der Weißhandelte beamten nur ganz vereinzelt, obwohl im Reichstage wiederholt halten, wenn, was unzweifelhaft ist, das Landgericht seine Nur durch eine Aufgabe werden die Gewerbeaufsichtsbeamten verlangt wurde, es sollte eine genaue Uebersicht über Anzeigen und Ansprüche bejaht. Ueber diese Summe hinaus wird es schwer nicht sehr in Anspruch genommen und das ist die Naterteilung in Bestrafungen gegeben werden. Aber die im Vorjahre vom Reichs- möglich sein, den Fürsten Kotschubey zum Ersatz des den Sprechstunden. Diese werden von den Arbeitern in justizamt mitgeteilten fümmerlichen Resultate des gerichtlichen Gin- förperlichen Schadens, den seine Brutalität angerichtet hat, sehr geringem Umfange besucht, öfter noch von Unternehmern, fchreitens, jene Strafen von 3 und 5 und 10 m. gegen wiederholt heranzuziehen. welche die Gelegenheit benutzen, sich gratis Rat in Betriebsfragen die Arbeiterschußgefeße mißachtende Unternehmer, genügen zum Bes zu holen. weise dafür, wie Frau Justitia nach alter Gepflogenheit mit der Daß die Arbeiter fernbleiben geschieht nicht aus persönlichem herrschenden Klasse ein Herz und eine Seele ist. Mißtrauen der Arbeiter gegen die Gewerbeaufsichtsbeamten. Anfangs So muß denn Jahr für Jahr jede auf die Intereffen der war auch solches vorhanden und die Arbeiter wandten sich schon Arbeiter bedachte Kritik der preußischen Gewerbeaufsicht feststellen, aus diesem Grunde zunächst an unsere Parteipresse oder an die daß fie an und für sich unzureichend gegenüber der mächtig fort Gewerkschaften und Arbeitersekretariate. Von unserer Seite ist den schreitenden industriellen Entwickelung Preußens immer mehr hinter Arbeitern stets empfohlen worden, falls sie sich aus irgendwelchen dieser zurückbleibt, daß fie an Beanitenzahl viel zu schwach ist, um Bedenken nicht persönlich an den Gewerbeaufsichtsbeamten wenden auch nur die allernotwendigsten Nachforschungen anstellen zu können, Die ministeriellen„ Dldenburger Nachrichten" melden, daß wollen, ihre Beschwerden den Vertrauenspersonen aus ihren Kreisen, und daß sie Unterstützung bei den Gerichten keineswegs findet, Minister Ruhstrat an eine Demission nicht dente. den Gewerkschaftsvorsitzenden, den Arbeiterfefretären ober den sondern eher durch die milden Urteile noch geschädigt wird, da Freiwillig will also der Protektor des Oldenburger SpielerParteiblattredakteuren mitzuteilen, die dann für Uebermittelung an sich die Unternehmer sagen: die Gefahr, bei Uebertretung treibens nicht gehen. Und gegangen werden wird er auch die Gewerbe- Aufsicht sorgen. der Arbeiterschutzgefeße erwischt zu werden, ist für uns sehr nicht. Läßt sich doch ein Blatt aus Oldenburg telegraphieren, Das ist auch geschehen und nachdem anfänglich die Gewerbe- gering, die Strafe, falls wir erwischt werden, ebenso gering, daß der Großherzog den Poker- Minister drahtlich seines unAufsichtsbeamten sich sträubten, von„ fremben Personen" mit folglich ist es ein besseres Geschäft abzuwarten, ob wir erwischt veränderten Vertrauens versichert habe! teilungen entgegenzunehmen und ausdrücklich verlangten, daß die und ob und wie wir bestraft werden, als Ausgaben für die gesetzlich Beschwerdeführer selber kommen, haben sich schließlich die Beamten vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen zu machen oder uns in der zufrieden gegeben, durch Vermittelung der Arbeiter- Organisationen Beschäftigung der Arbeiterinnen und jugendlichen Arbeiter durch einen ja nur auf dem Papier stehenden Magimalarbeitstag einschränken zu lassen. Dazu kommt für die Beamten die nicht geringe Menge Schreibarbeit in den Bureaus furz, es darf die Arbeiter nicht wunder nehmen, daß fie revidierende Beamte nur sehr flüchtig und so felten zu sehen bekommen! Die dreifache Zahl wäre mindestens erforderlich, wenn alle Aufgaben mit gehöriger Ruhe und Gründlichkeit erfüllt werden sollten, denn den allermeisten Betrieben täte es not, daß sie mehr als einmal jährlich revidiert werden. Nachrichten zu erhalten. Trotzdem aber ist die Bahl der bei den Beamten eingegangenen Auch auf diesem Gebiete tönnen die Arbeiter sagen, daß nur sie Beschwerden nicht derartig gewachsen, wie es entsprechend den tat felber sich zu helfen im stande sind. Nur indem sie immer größere sächlich in so vielen Betrieben herrschenden Mißständen der Fall sein politische Macht erringen, fönnen fie die Gesetzgebung zugunsten des müßte. Woran das liegt? Es ist nicht allein der Indifferentismus Arbeiterschußes ausgestalten und durch wirksame kontrolle, die mur mancher Arbeiter, die teils nicht wissen, welche Forderungen fie zu unter Hinzuziehung von Arbeitern zu erreichen ist, die Durchstellen schon heute gefeßlich berechtigt sind, teils den Wert nament führung der Gesetze sichern. Und nur durch starke gewerkschaftliche lich gesundheitlicher Vorbeugungsmaßregeln unterschäßen. Ohne Organisationen find sie imstande, den Unternehmertrutz zu brechen, Bweifel ist ihre Bahl trotz der dankenswerten Bemühungen der Ge- der fich fogar erbreiftet, Arbeiter brotlos zu machen, die pflicht werkschaften, durch Vorträge und Artikel in der Fachpresse die so gemäß der Gewerbeaufsicht mitteilen, wie an Gesundheit und Leben nötige Aufklärung zu schaffen, nicht unbedeutend, namentlich gehören gefrevelt wird. Die preußische Gewerbeaufsicht bietet den Arbeitern die nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeiter zu denen, die sich so- nicht den ihnen durch das Gesetz versprochenen Schutz. Sie ist eben zusagen alles gefallen lassen. ein getrenes Kind des Dreiklassen- Landtags. Diese beklagenswerte Gleichgültigkeit ist aber nicht, wie schon erwähnt, die alleinige Ursache. Weit ausschlaggebender ist, daß die Die Schurterei, die Nußland beherrscht, wird durch den schamlosen Vorgang dem deutschen Volte unmittelbar nahe gebracht. Das ist das freundnachbarliche Regiment, für dessen Opfer Spenden zu sammeln die deutsche Reaktion als Hochverrat ausgibt. Es ist Hochverrat an der Menschlichkeit, jene verlotterte Barbarenbrut zu schützen! Ruhftrat bleibt! Wir würden die Unwahrheit sagen, wenn wir behaupten wollten, wir hätten diesen Ausgang des neuesten RuhstratProzesses erwartet. Nichtsdestoweniger haben wir nicht die geringste Ursache, mit diesem Ausgang unzufrieden zu sein. Bamentieren mag die bürgerliche Presse, die bemüht war, durch das Preisgeben eines Sündenbockes die Aufmerkſamt- it von den tiefer liegenden Symptomen kapitalistischer Rechtspflege abzuziehen. " Uebrigens muß doch festgestellt werden, daß selbst die Kreuz- Zeitung" es nicht für rätlich hielt, ihre Bebenten über die allgemeinen Korruptionserscheinungen zurückzuhalten. Sie schrieb: zurückzuhalten. Sie schrieb: Allerdings habe der Prozeß Tatfachen sehr bebentlicher Art ans Licht gebracht. Ein früherer Staatsanwalt und jetziger Justizminister sollte sich nicht auf Verjährung berufen dürfen, wenn ihm verfehlungen nachgewiesen werden, zu deren strafrechtlicher Verfolgung er während der Zeit der Tat selbst verpflichtet gewesen wäre. Wer von einer Leidenschaft wie der des Spieles beherrscht ist, erscheint vom menschlichen Standpunkte aus bemitleidenswert, und kann schon deshalb, wenn sein patho- 1 auf der einen Seite zwar der größten Bemühungen bedarf, um die nach der russischen Knute, als modernem Geifte rieche. Ferner: Togischer Zustand bekannt wird, eine autoritative Stellung im außerordentlichen Errungenschaften zu festigen, daß wir aber auf so entschieden die Sozialdemokratie die Auffassung vertreten Polizeidienst nicht mehr mit dem moralischen Erfolge bekleiden, wie der anderen Seite hoffen dürfen, bei dieser Wahl zum ganzen Siege cin intakter Beamter. Wenn er nun gar zur Leitung des Justiz zu gelangen. Die Wahl ist auf Dienstag, den 19. September anrefforts ausersehen wird und selbst seinem Souveräne Staats- gesetzt. anwälte und Nichter vorzuschlagen hat, erfordert die salus publica, daß er aus dem offenbar gewordenen Gegensatze zwischen seinem eigenen früheren Verhalten und dem von ihm zu schützenden Gesetze alsbald schweigend die Konsequenzen zieht. Statt dessen haben wir eine Reihe von Beleidigungsprozessen erlebt, in denen dann die dem Justizminister unterstehenden Justizbeamten nicht die absolute fachliche Unbefangenheit gezeigt zu haben scheinen, die von ihnen verlangt werden muß. Nur so konnte der Prozeß Meyer entstehen, nur so sich die Notwendigkeit herausstellen, diesen Prozeß in einem anderen Bundesstaate verhandeln zu lassen. Und nun zeigte sich der Minister in seinen Aussagen wiederum so schwankend, daß der Verteidiger ihn als klassischen Zeugen nicht gelten lassen wollte. Und bestätigt wurde, daß in Oldenburg unter den angehenden Richtern- wenigstens in den neunziger Jahren eine Spielwut grassiert hat, die überaus bedenklich stimmen muß. Wenn in Berlin Kaufleute einen Spielklub gründen und sich gegenseitig das Geld abgewinnen, sich wohl auch ruinieren, so ist das sehr bedauerlich: aber sie sind immerhin PrivatIcute, die nur für sich und ihre Familien aufzukommen haben. Wenn aber Beamte, richterliche Beamte sogar in größerer Zahl, dem Glücksspiele verfallen, dann bedeutet das eine ernste Gefahr für den Staat. In diesem Sie sind die Ruhstrat- Prozesse Warnungssignale, deren Bedeutung gar nicht überschätzt werden hat, daß Japan, vom Standpunkte kapitalistischer Weltpolitit aus betrachtet, sich in der Abwehr der frechen Raubpolitik des Zarismus im Rechte befinde, so wenig ist es Zur Disziplin in der deutschen Marine. ihr eingefallen, die Agitation zu ignorieren, die von den Den Münch. N. N." wird aus Kiel berichtet: japanischen Sozialisten gegen den Krieg entfaltet worden Der Kaiser ließ an einem Tage der Kieler Woche von seiner ist, so wenig hat sie daran gezweifelt, daß die japanischen Yacht Hohenzollern" aus der auf dem Kriegshafen anfernden Genossen allen Grund hatten, einen Strieg zu zu beFlotte Flaggenfignale zugehen. Diese Signale müssen zum Zeichen, fämpfen, dessen Opfer an Gut und Blut auch in Japan, daß sie richtig erkannt worden sind, von jedem Schiffe wiederholt wie in allen kapitalistischen Ländern, in erster Linie werden, und der Monarch selbst betrachtete von der Kommando- das rechtlose, ausgebeutete Volk zu tragen hat. brücke aus das Signalisieren der Kriegsschiffe. Plötzlich ging am Und als so ideale Gestalten die japanischen Offiziere den noch Mast des fleinen Serenzers Frauenlob" statt des auf dem Schlachtfelde spielenden, saufenden und hurenden Wimpels ein wüster schmuziger Lappen hoch. Der fann." " Die Warnungssignale" werden in Oldenburg noch immer in den Wind geschlagen. Ob man sie in den anderen Vaterländern beachten wird?! fferm 30. Auch die Volts- 3tg." fügt ihrer früheren Bemerkung zum Fall Ruhstrat noch folgende Betrachtungen über die Oldenburgische Rechtspflege hinzu: " " Vorfall wurde sofort vom Kaiser bemerkt und ein Offizier an Bord des russischen Offizieren gegenüber erscheinen: für den japanischen " Frauenlob" geschickt, um Aufklärung über den Zwischenfall zu Schwertadel zu schwärmen, ist der Sozialdemokratie um so erholen. Der Offizier kam mit der Meldung an den Kaiser weniger eingefallen, als uns der Charakter des preußischen zurück: Die Mannschaft des Frauenlob" habe durch das Hissen Kriegsadels wahrhaftig alles eher als der Bewunderung des schmutzigen Leinwandlappens die Aufmerksamkeit des würdig erscheint. Kaisers auf den Kreuzer lenken wollen, in der Hoffnung, auf Wenn trotz alledem die Scharfmacherpresse einen Artikel, diese Weise direkt eine Beschwerde bei dem Monarchen anbringen deffen tolle Fälschungen und blödsinnige Verdrehungen auch zu können. Seit langem schon herrschte unter der Besatzung des für jeden bürgerlichen Leser nicht verborgen sein können, der " Frauenlob" eine tiefgehende Erbitterung gegen Kommandanten. Die Ursache war die einmütige Ueberzeugung, weitesten Verbreitung für wert hält, so muß sie allerdings mit einer„ geradezu stummschen Dummheit" ihrer den Kaiserreise und Unionskrise. der Mannschaft, von ihrem Kommandanten mit unerträglicher Strenge behandelt zu werden. Schon einmal, vor einigen Leser rechnen! Monaten, war es zu einer Art Empörung gegen den Kommandanten gekommen. Der Kaiser gab sofort Befehl, der Dampfer Frauenlob" habe Dampf aufzunehmen und so schnell Die Reise des deutschen Kaisers nach Schweden, seine Zuwie möglich den Hafen zu verlassen. Er wünsche ſammenkunft mit König Ostar in Gefle, an der auch der schwedische ein Schiff seiner Flotte, an dessen Bord ein Fall derartiger Minister des Aeußeren teilnahm, sowie die Demonstration Disziplinlosigkeit vorkommen könne, nicht mehr zu sehen. Der deutscher Kriegsschiffe in den skandinavischen Gewässern, hängen Kreuzer ging in See und kehrte erst nach der Abreise des Kaisers offenbar mit der Unionskrise zusammen, wenigstens wird das in den Hafen zurück. in Skandinavien allgemein angenommen, und bei der bekannten Nicht vorübergehen darf man aber an einer Erscheinung, die An unterrichteter Stelle" wird, wie der Berliner Vertreter des ein besonderes Oldenburger Reservat zu sein scheint, an der eigen genannten Blattes schreibt, die Richtigkeit dieser Schilderung der Gepflogenheit der deutschen Regierung, überall dabei sein artigen Berquickung zwischen dem Tempel" am Spieltisch und dem Vorgänge auf dem" Frauenlob" entschieden in Abrede ge- zu wollen, ist es ja auch von vornherein wahrscheinlich. Was in Tempel der Justiz. Vor dem Schwurgericht in Bückeburg hat stellt; namentlich sei die Geschichte mit dem Hissen des schmutzigen Gefle verhandelt worden ist und welche Stellung der Kaiser zur einer der Verteidiger festgestellt, daß in der vielbesprochenen Ber- Lappens erfunden. Richtig sei dagegen, daß wiederholt auf dem Unionsfrage einnimmt, darüber ist bis jetzt nichts bekannt geworden. Handlung des Schwehnert- Prozesses von den fünf Richtern, die in Frauenlob" grobe Disziplinwidrigkeiten vorgekommen Man ergeht sich deshalb in allerlei Vermutungen, von denen diefer Straffammer saßen, drei sich am Spiel im Oldenburger sind, daß das Schiff auf Anordnung des Kaisers während der vielleicht die sicherste die ist, daß, wie das norwegische Zivilkasino beteiligt hatten. Fest steht ferner, daß ebenso der als Kieler Woche nach der Hohenachter- Bucht( Ostholstein) gelegt, Morgenbladet" aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, Staatsanwalt in dieser Verhandlung fungierende Dr. Fimmen, und daß der Kommandant, Kapitän äs är, einstweilen von der Kaiser den Wunsch nach schneller Erledigung des sowie der Hauptbelastungszeuge Minister Ruhstrat und dessen seinem Posten enthoben worden ist; ſeine Ver- konflikts hegt. In diesem Punkte würde er mit den Norwegern Rechtsbeistand Dr. Wisser am Spiel teilgenommen haben. Bon abschiedung sei dagegen nicht erfolgt. Behauptet wurde, daß acht Juristen, die in dieser Verhandlung tätig gewesen sind, waren der Kapitän durch übermäßige Strenge die Mannschaft bedrückt übereinstimmen und auch mit dem freisinnigen Teil des schwedischen mithin sechs am Spiele beteiligt, das sind 75 Prozent. Fürwahr habe und daß deren Auflehnung die Reaktion dagegen gewesen sei. Die reaktionären Kriegsheger in Schweden wollen beeine achtbare Leistung. Diesen Rekord wird sicherlich kein Bolle Klarheit würden erst die gerichtlichen Verhandlungen bringen. fanntlich die Unionsfrage zur Wahlagitation mißbrauchen und desLand der Erde dem deutschen Bundesstaate Oldenburg Das„ Berl. Tageb!." beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema halb die Entscheidung dem neuen, anfangs nächsten Jahres zusammenftreitig machen können. Die Richter werden dafür vom Staate der Disziplin der Marine. Es erklärt alle Nachrichten, auch die des tretenden Reichstag überweisen. Es wird nun auch vermutet, daß bezahlt, daß sie die Ausführung der Gesetze überwachen; Vorwärts" für start aufgebauscht. Vorkominnisse wie in Rußland der Besuch des Kaisers eine heilsame Wirkung auf die Vertreter der diese Richter, die in Oldenburg gejeut haben, wußten von seien ganz unmöglich. der strafbaren Handlung, deren sich der Wirt schuldig Wir können demgegenüber nur nochmals erklären, daß es uns Bertagungspolitik im Spezialausschuß des schwedischen Reichstages machte, indem er Glücksspiele in seinem Lokale duldete, ja gar nicht eingefallen ist, von einer derzeitigen Möglichkeit einer ausgeübt haben könne. Bestimmtes weiß man aber auch darüber „ Social- Demokraten" von Kristiania schreibt zu der Anfie haben sogar daran teilgenommen, und sie haben womöglich den deutschen" Potemkin"-Affäre zu sprechen. Dazu liegen die nicht. politischen Zustände selbstverständlich zu verschieden. gelegenheit: Die Mitteilungen unseres Korrespondenten sollten nur dartun, daß" Jedenfalls deutet der Besuch des Kaisers und seine große speziell in unserer Marine die Mannschaften denn doch weit davon Flottendemonstration im Bruderland darauf hin, daß die Großentfernt sind, Mustersoldaten im Sinne des absoluten Kadaver- mächte ein Wort mitreden wollen bei der Abwickelung der standigehorsams zu sein. Und jeder Kundige wird darin unserem Kieler navischen Krise. Die Bedeutung hiervon darf nicht unterschätzt Korrespondenten beipflichten. Gerade in der Marine herrscht ein werden. Wohl wäre es das beste gewesen, wenn Schweden gewisser Geist der Ungebundenheit, der sich jetzt gelegentlich in und Norwegen ihren Zwiespalt ohne fremde Einmischung, törichten jugendlichen Erzessen äußert, der aber in kritischen ohne fremden Drud schlichten fönnten. Im übrigen politischen Zeitläuften leicht auch einen Charakter annehmen könnte, ist es andererseits auch möglich, daß ein Eingreifen, ber eine dem Volkswillen zuwiderhandelnde Regierung höchst un- entweder aktiv oder passiv seitens der Großmächte eine weitere angenehm überraschen dürfte. Wirt zu der strafbaren Handlung verleitet. Einem Wirte hat sogar ein Kreis von Spielern, zu dem der Staatsanwalt Dr. Fimmen und der Rechtsanwalt Wisser gehörten, vesprochen er würde ihn schadlos halten, wenn ihm durch die Duldung der Lustigen Sieben" Unannehmlichkeiten erwüchsen. Der Wirt wurde zur Anzeige gebracht, und die Herren Ju risten ließen ihn in der Patiche figen; er mußte, da er fein Lokal zu der von der Polizei festgesetzten Stunde zu schließen hatte, sein Geschäft aufgeben. Auf diese Weise kommen also hohe Oldenburgische JustizBeamte ihrer Pflicht nach über Recht und Gesetz zu wachen, indem sie selbst die Gesetze nicht beachten und andere zu ihrer Uebertretung verleiten. Es ist dringend notwendig, daß auch diese eigenartigen Oldenburger Zustände im Reichstage eingehend zur Sprache gebracht werden." " Stummsche Dummheit. Volkes. R Garantie für einen friedlichen Verlauf der Krise bieten wird. Aber ein solches Eingreifen schließt auch die Gefahr in sich, daß es zu internationalen Berwickelungen sehr eruster Art führen kann." Das deutsche Volt hat deshalb auch, genau so wie bei der Vor einiger Zeit brachte ein Berliner Scharfmacherblatt Maroffo- Affäre, alle Veranlassung, gegen eine eigenmächtige EinDa Rubitrat selbst nach wie vor höchster Hüter der olden- einen Artikel über„ Die deutsche Sozialdemokratie und die mischung des Kaisers sowohl wie der verantwortlichen Regierung burgischen Rechtspflege nebenbei auch noch als Japaner", in dem der unglaublich- törichte Vorwurf gegen die Kultusminister die oberste Säule der dem Volfe zu er- Sozialdemokratie erhoben wurde, daß sie in Japan alles das in die Welthändel den entschiedensten Protest einzulegen! Es ist ein ganz unerträglicher Zustand, daß Fürsten oder haltenden Religion- bleiben wird, ist es natürlich ganz der heißesten Bewunderung" wert finde, was sie im eigenen Regierungen über den Kopf der Nation hinweg politische Aktionen ausgeschlossen, daß den übrigen Justizbeamten auch nur ein Lande nicht genug herunterreißen könne. Wir hielten indes von unübersehbarer Tragweite unternehmen. Haar gekrümmt wird! dies blöde Geschreibsel für zu dumm, um es eines Wortes der Ferner wird aus Oldenburg gemeldet, daß die groß- Entgegnung würdigen zu sollen. Nunmehr aber wird uns Amnestie für Sachsen- Koburg- Gotha. disin herzogliche Staatsanwaltschaft definitiv be- mitgeteilt, daß die Albernheiten des Artikels der Scharfmacher- sid Aus Anlaß seines Regierungsantrittes hat der Herzog von schlossen habe, gegen das Urteil des Bückeburger Schwur- presse in der Provinz so gewaltig imponiert haben, daß er Sachsen- Koburg und Gotha einen vollständigen Erlaß derjenigen gerichts Revision nicht einzulegen. Man fürchtet offenbar ungezählte Male abgedruckt worden ist. Wenn wir uns also Geld- und Gefängnisstrafen angeordnet, die wegen nachstehender noch weitere, unangenehmere Enthüllungen und wünscht, daß jetzt damit beschäftigen, so geschieht das, um einen typischen Straftaten bis zum 19. Juli rechtsgültig erkannt und noch nicht über den Oldenburger Justizskandal möglichst bald Beitrag dafür zu liefern, wie es mit der Wahrheitsliebe und oder noch nicht vollständig vollstreckt sind. Hierzu gehören: 1. BeGras wäch st. der Intelligenz unserer Gegner bestellt ist. di leidigung der Majestät oder eines Mitgliedes des herzoglichen Da heißt es, daß das„ Lob", mit dem die Sozialdemo- Hauses; 2. Widerstand gegen die Staatsgewalt und Verlegung der fratie Japan überschütte", die ungeheure Unkenntnis der öffentlichen Ordnung; 3. von Staats wegen verfolgte Vergehen Die Ersatzwahl in Essen. Effen, 17. Juli. In unserem Wahlkreise haben nun die Wahl- sozialdemokratischen Führer einerseits" und die geradezu gegen die§§ 196 und 197 des Strafgesetzbuches, sowie Bergehen und Ülebertretungen gegen das Reichsgesetz über die Presse vom 7. Mai vorbereitungen auf der ganzen Linie begonnen. Der Wahlkampf ist stumpfe Dummheit der Genossen andererseits" beweise. Und 1874; 4. alle Hebertretungen betreffend Forst- und Polizeivergehen, von unserer Seite eingeleitet worden durch eine gewaltige Ver- dann wird aufgezählt, was alles die Sozialdemokratie an sowie betreffent Forstdiebstahl, wegen deren eine Strafe von nicht fammlung. 6000 Personen strömten in das für das Arbeitersänger- Japan so glühend bewundere: seine moderne Verfassung". mehr als zwvangig Mark verhängt worden ist. die Bewilligungsfreudigkeit der japanischen Volksvertretung fest erbaute Festzelt. Genosse. Paul Singer war aus Berlin er für die Militärausgaben, seine Marinerüstungen, fein Offizier- stadhifunolBom Typhus in Südwestafrifa. schienen, um der Wahlbewegung die ersten kräftigen Impulse Berlin, 19. Juli. Ein Telegramm aus Windhuk meldet: an zu geben. Die Versammlung nahm einen wahrhaft impo- forps, endlich seine Bedürfnislosigkeit". Dann heißt es zum Typhus sind gestorben: Reiter Josef Gogolin, geboren am fanten Verlauf. Singer beleuchtete in seinem großzügigen Schluß: Kurz, Japan ist oben, nachahmenswert, 16. 12. 77 zu Schreibersdorf, am 16. 7. 1905 im Lazarett Dawis, Vortrage zunächst die Methode unserer Gegner, durch Heranund wenn es so weiter geht, kann man erleben, daß deutsche Reiter August Möller, geboren am 2. 3. 81 zu Tangstedt, am ziehung Kleinster persönlicher Angelegenheiten die großen Fragen Sozialdemokraten nach Japan gefandt werden, um dort 14. 7. 1905 in der Krantensammelstelle Warmbad. der Politik zu verdunkeln. Als er die niedrigen Angriffe der Gegner preußische Staatseinrichtungen, Maschinen maled#s auf seine Person besprach und darauf hinwies, daß er bereits vierzig Jahre im Kampfe für die arbeitenden Selassen stehe und glaube, stets voll und ganz seine Schuldigkeit getan zu haben, da antwortete ihm laute demonstrative Zustimmung aus der ganzen Versammlung. Singer behandelte dann alle wichtigen aktuellen Fragen der gegenwärtigen politischen Situation. Insbesondere rechnete er gründlich mit dem Zentrum ab. Die Versammlung bekräftigte dann ihre Ueberzeugungen in der folgenden Resolution: " Jominis ain adam und Schiffs bautunde zu studieren. Kommen sie dann moje sun thin Husland. zurüd, so werden sie mit Landtagswahl, mit AbDesterreich-Ungarn.uz sad geordneten und Herrenhaus, mit Justiz und hidder passive Widerstand. Polizei, mit Flotte und Heer ausgeföhnt fein, oldista unerhörte Opfer gekostet. Bekanntlich haben am 27. und 28. Mai denn was sollen sie machen? Sie könnten doch höchstens die Der Munizipalausschuß des Pester Komitats sprach der NeEinrichtungen der Japaner, die sie jetzt so trefflich gierung einstimmig das Mißtrauen aus und erklärte, die Regierung finden, bei uns einzuführen wünschen, und da wir könne auf die Unterstützung des Komitats nicht rechnen. Die Bebiese schon haben, weil sie von uns stammen, müßte schlüsse des 65er Ausschusses über die Verweigerung der Entgegen dann fortan höchste Zufriedenheit mit allen preußischen nahme von Steuern und die Stellung der Nekruten wurden un Die heutige von zirka 6000 Personen besuchte Volksversamm Einrichtungen das Charakteristikum der Sozialdemokratie sein." verändert angenommen. lung erklärt ihr Einverständnis mit den Ausführungen des Reichs- Man sieht, das Ganze ist nichts als ein mit erlesener putindall im Schweden. tags- Abgeordneten Singer und des Reichstagskandidaten W. Gewehr Abgeschmacktheit zusammengerührtes Gemisch dreister Fälund spricht der sozialdemokratischen Fraktion für ihr Eintreten für schungen und findischen Geschwätzes. Es ist der Sozial- Die bekannte schändliche Klassenjustiz hat am Montag wiederi die Arbeiterinteressen ihr volles Vertrauen aus. Den Kandidaten ber bürgerlichen Parteien, Giesberts, Niemeyer und Behrens kann demokratie nicht im Traume eingefallen, Japan mit Lob zu in Stockholm Straßentrawalle stattgefunden, die wesentlich infolge die Versammlung kein Vertrauen entgegenbringen, weil feine dieser überschütten, sondern sie hat lediglich, den ja auch längst von brutalen Eingreifens der Polizei sich aus Demonstrationen gegen Barteien imstande ist, die wahren Arbeiterinteressen zu vertreten. Die tonservativer Seite anerkannten Tatsachen entsprechend, einige Streitbrecher entwickelten. Zwei der Teilnehmer, ein SchuhVersammlung erblickt in der bisherigen Vertretung durch das Zentrum Japan als das dem zarisch en Rußland unendlich überarbeiter und ein Gaswerksarbeiter, find mun am Montag vom Nateine Stärkung der bisherigen volksschädigenden Politik der legene Land bezeichnet. Sie hat der stinkenden Fäulnis hausgericht zu je zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden, weil Herrschenden Klasse und eine Gefährdung der Kulturintereffen des des offiziellen Rußland, der idiotischen Unfähigkeit sie auf die Polizei mit Steinen geworfen haben sollen und gesamten Voltes. Insbesondere verurteilt die heutige Versamm- seiner autokratischen Regierung, der Bestechlichkeit und wegen Teilnahme an einem Auflauf, bei dem Gewalttaten verübt lung die arbeiterverräterische Haltung des Zentrums bei der Berg- moralischen Verkommenheit feines Beamtentums, der wurden". Ein anderer Angeklagter wurde zu zwei Monaten Zwangsgesegnovelle und verspricht, am Wahltage dieser verräterischen Partei auch hierauf die richtige Quittung zu erteilen. Die Ber- ohnmächtigen Großmäuligfeit und Verlotterung seiner Offiziers- arbeit und noch einer zu einem Monat Gefängnis verurteilt. sammlung verpflichtet sich im bevorstehenden Wahlkampf mit faste usw., die in ihrer Art in der Tat bewundernswürdige Die Verhandlung gegen sieben weitere Angeklagte wurde vertagt. Gleichzeitig har bas Hofgericht die vom unteren Gerichtsaller Straft und Schärfe für die Wahl des sozialdemokratischen Energie der jungen asiatischen Kulturmacht gegenübergestellt. hof über acht Demonstranten vom Sägewerfarbeiterstreit Kandidaten W. Gewehr einzutreten, um den so hoch industriellen Niemals ist es ihr dabei in den Sinn gekommen, Japan in Sörbit verhängten Gefängnisstrafen von zwei bis zu Riesen- Wahlkreis Essen endlich eine ihm gebührende Stellung zu etwa als Vorbild für die westeuropäischen Staaten hinzustellen. acht Monaten auf drei bis zu zehn Monaten Geschaffen." Im Gegenteil hat die sozialdemokratische Bresse wiederholt fängnis und in einem Fall sogar bis zu einem Jahre Am folgenden Tage sprach Genosse Singer noch in Caternberg auf den trotz alledem noch dünnen Kulturfirnis" 3wangsarbeit erhöht. dhol threat bor zirka 2000 Personen. Auch diese Versammlung verlief aus Japans hingewiesen, auf die im Vergleich zu den forts England. gezeichnet. Die Versammlungen haben auf die ganze hiesige Bewegung äußerst belebend eingewirkt. Unsere Parteigenoffen geben geschrittenen kapitalistischen Staaten noch sehr rückständige, Unterhaus. Der Vorschlag, eine Anleihe von 5 835 000 Pfund mit großem Eifer an die Arbeit. Der Kampf ist ein außerordentlich wirtschaftliche und soziale Entwickelung des Landes; besonders Sterling für verschiedene Arbeiten für die Marine aufzunehmen, schwerer. Wir haben bei der Wahl von 1903 gegenüber der Wahl scharf hat sie aber das politische Unterdrückungs- wurde am Mittwoch mit 219 gegen 168 Stimmen angenommen. von 1898 einen io acwaltigen Stimmenfortschritt gemacht, daß es system der japanischen Regierung gebrandmarkt, das noch mehr Zivillord der Admiralität Lee führte aus, daß das Geld für die Bereits genehmigten Arbeiten verwendet werden würde und daß er[ errungen werden konnte. Das haben wir nur ungern- offen aus nicht entsprechend dem Wachstum der Partei gewachsen ist. Diefe späterhin dem Hause nod, weiteres mitteilen werde. Er bemerkt, gesprochen, weil wir es im Parteiinteresse für unumgänglich hielten. Erscheinung hat verschiedene Ursachen, aber unter anderem ist auch daß die Gesamtkosten für die gegenwärtigen Vorschläge der Admi- Wenn Kautsky auf Punkt 4 der Dresdener Tagesordnung ver- der Umstand nicht zu verkennen, daß in der Arbeiterschaft die ralität, den Hafen von Rosyth betreffend, auf 2% Millionen Pfund weist, so hat eben gerade diese Anordnung der Tagesordnung Fiasto Neigung, in die Schwierigkeiten der sozialistischen Wissenschaft einzu Sterling veranschlagt seien und daß ein Teil dieser Summe in dem gemacht. Die Reichstagswahlen ihre Ergebnisse, ihre Lehren, die dringen, mindestens nicht gestärkt werden konnte, wenn die Betrage der Anleihe von 5 835 000 Pfund Sterling mit enthalten Aufgaben, die sie stellten sind völlig vergraben worden unter den führenden Köpfe der Theorie durch die Polemik der persönlichen fei. Fowler( lib.) nahm Bezug auf eine fürzlich von Lord Curzon taktischen Auseinandersetzungen, wie jeder sofort sieht, der das Herabsetzung den Respekt vor der Wissenschaft selbst herabseßen. gehaltene Rede, in welcher dieser die Entscheidung der britischen Dresdener Protokoll zur Hand nimmt. Die Polemit Kautskys, mit der wir uns gestern beschäftigen mußten, Regierung bezüglich der Verwaltung der indischen Armee scharf fritisierte. Er bezeichnete diese Rede als eine außergewöhnliche und fragte, welche Schritte die Regierung in dieser Angelegenheit zu tun gedente. Staatssekretär für Indien, Brodrick, erwiderte, er habe Lord Curzon ersucht, den genauen Wortlaut seiner Rede zu telegraphieren. Ehe der genaue Text in den Händen der Regierung sei, tönne er über ihre Ansicht nichts sagen, Ein Haufen Unrichtigkeiten. Zur Tagesordnung des Parteitages. In dem gestern behandelten Artikel der„ Neuen Zeit" fommt Kautsky auch auf die Erscheinung des sozialdemokratischen Stimmen rückganges bei einigen Reichstags- Ersatzwahlen zu sprechen. Kautsky wendet sich gegen diejenigen, welche diesen Stimmenrückgang auf das Konto des Dresdener Parteitages segen, weil die Partei damals es versäumt habe, den Dreimillionensieg zu„ positiven" Erfolgen auszunuzen". Dies, sagt Kautsky, werde von manchen Kritikern behauptet, und er polemisiert in diesem Zusammenhang gegen den Vorwärts" wie folgt: " " Weiter führt Kautsky aus, daß taktische Diskussionen nötig sind ist ein Musterbeispiel dafür, wie man es machen muß, um die und zur Weiterentwickelung der Partei dienen. Das ist selbst- Arbeiter vom ernſten theoretischen Studium abzuschrecken. verständlich, und es ist eine neue bösartige unrichtigkeit, Die letzte, aber nicht geringste Unrichtigkeit Kautskys ist die Bewenn Kautsky sagt, daß der„ Vorwärts"„ die Parteitage mehr nach hauptung, daß dem Vorwärts" die Frage des Massenstreits gerings bürgerlichem Muster zu agitatorischen Schaustellungen" gestalten will. fügig zu fein erscheine, und die Andeutung, als sei der Vorivärts" Zunächst nebenbei:„ Echaustellungen"; aber Stautsky will selbst gegen den betreffenden Punkt der Jenaer Tagesordnung. Beides allgemein politische Fragen bloß der propagandistischen Wirkungen trifft nicht zu. Wir haben im Gegenteil ausgeführt, daß unter wegen nicht gänzlich von der Tagesordnung verstoßen, also etwas diesem Thema jedenfalls dasjenige besprochen werden wird, „ Schaustellung" will auch er! Er sollte also vorsichtiger in der Auswahl was wir bereits für die Tagesordnung des vorjährigen Parteitages verdächtigender Worte sein, die auf ihn selbst zurückfallen. Ist es vorgeschlagen hatten: Die Wahlrechtskämpfe in Deutschland. Wir aber noch eine loyale Polemit, uns zu denunzieren, daß wir die haben außerdem den Wunsch ausgesprochen, daß die Beratung dieses Parteitage mehr nach bürgerlichem Muster zu agitatorischen Schau- Gegenstandes so vorbereitet und so gestaltet werden müsse, daß der stellungen" gestalten wollen, wenn wir in Wahrheit dagegen uns einheitliche Wille der Arbeiterbewegung, der politischen und der gewandt haben, daß die Parteitage einer nach dem andern die Be- gewerkschaftlichen, sich nachdrücklich bekundet, im Falle des reaktionären handlung allgemein politischer Fragen vollkommen aus Attentats auf. Boltsrechte jedes mögliche Mittel der schließen? Abwehr in Anwendung zu bringen. Gerade weil die Frage der Abwehr reaktionärer Drohungen von sehr großer Wichtigkeit ist, darum muß unbedingt ausgeschlossen werden, daß auch hier wieder die Diskussion auf das tiefe Niveau der persönlichen Unsere Parteitage werden vollständig ausgefüllt durch die Reibereien herabgedrückt wird, wozu Kautsky bedauerlicherweise den Erledigung der Verwaltungsangelegenheiten und die Anfang macht; wir wünschen dringend, daß es bei den Anfang Beratung über innere Parteifragen. Dagegen ist die bleibt! politische Stellungnahme der Partei zu den Ereignissen der Zeit zurückgedrängt worden und geradezu gänzlich entschwunden. Es bedarf keines Wortes über die entscheidende Wichtigkeit jener Es ist mir nötig, einen Bassus des Artikels vom 6. Juli zu zitieren, um die unwahrheit des Kautskyschen Vorwurfes ohne weiteres aufzuzeigen: „ Der„ Vorwärts" scheint ebenfalls dieser Ansicht zu huldigen oder vielmehr, genau gesagt, die Mehrheit seiner Redaktion, von der allein das in diesem Artikel über den Vorwärts" Gesagte gilt. Vorliegende Ausführungen waren schon geschrieben, als der Beitartikel des Vorwärts" über die Tagesordnung des Partei- ersibezeichneten Aufgaben der Parteitage, aber so wichtig sie sind, tags" erschien( 6. Juli), in dem dieselbe Melodie angeſtimmt wird, die Herr v. Gerlach vorgesungen. Es wird dort darauf hingewiesen, daß wir( die Redaktion) vor zwei Jahren eindringlich bedauert haben, daß der Parteitag schon durch seine Tagesordnung fich gehindert hat, der großen politischen Situation gerecht zu werden, welche damals infolge des überwältigenden Wahlsieges vom 16. Juni gegeben war." Er habe sich dadurch der unmittelbaren Einwirkung auf das politische Leben Deutschlands in nicht unerheblichem Maße entschlagen." " Der Semstwokongreß. An diesem Mittwoch sollte der Kongreß der Sem st woalleinherrschend dürfen sie nicht sein, sie dürfen nicht dermaßen und Städtevertreter in Moskau zusammentreten. überwuchern, daß die andere beträchtliche Aufgabe erstickt wird." Wir haben also auch nicht in den taftischen Erörterungen allein die Die Regierung hat ihn verboten und die Behörden ließen Ursache des bedauerlichen völligen Ausschlusses solcher Angelegenheiten fein Mittel unversucht, die Zusammenkunft zu hintertreiben. gesehen, wir haben ebenso den Parteigenossen die Frage unter- Verhaftungen sind vorgenommen und man hat sich auf jede breitet, ob es nötig ist, daß auf jedem Parteitage die Beratung Weise bemüht, die Deputierten einzuschüchtern. Die Semstivoüber den Vorstandsbericht und den parlamentarischen Bericht schon partei aber hat versichert, nicht nachgeben zu wollen, der etwa die Hälfte der zur Verfügung stehenden Zeit einnehmen Seongreß werde stattfinden, toste es was müsse. Darf man solche Meinung nicht aussprechen, ohne es wolle. Auf den Ausgang darf man gespannt sein, so Diese Auffassung hätte absolut feinen Sinn, wenn der„ Vor- von Kautsky denunziert zu werden, daß man„ nach viel allerdings scheint schon jetzt festzustehen, daß die Semstivowärts" nicht der Meinung wäre, durch eine andere, mehr„ positive" bürgerlichem Muster" Schaustellungen" wünsche? Nicht ein Gestaltung der Tagesordnung hätten sich praktische Erfolge aus bürgerliches Muster hat uns geleitet, sondern das sozial- männer die Machtmittel der Regierung doch unterschätzt haben. dem Wahlfieg ziehen lassen. Denn er fann nicht sagen, daß der demokratische Muster der früheren Parteitage. Sie sind sorglos zu Werke gegangen und haben den MachtDresdener Parteitag die Reichstagswahlen ignoriert hätte. Der Die Partei hat behandelt: auf dem Parteitage zu Köln 1893 Das habern ihre Starten zu früh aufgedeckt. Daß die Tagung in Punkt 4 der Tagesordnung lautete: Taktik der Partei Reichs- allgemeine Wahlrecht und die Wahlrechte zu den Landtagen"; zu irgend einer Form stattfindet, wollen wir nicht in Zweifel tagswahlen, Vizepräsidialfrage, die revisionistischen Bestrebungen. Frankfurt a. M. 1894 Die Bedeutung der Trusts, Ringe, Startelle 2c. ziehen, nur ist es mehr als fraglich, ob sie instande ist, die Freilich solche taktische Diskussionen passen dem„ Vorwärts" in unserer wirtschaftlichen Entwickelung"; zu Breslau 1895 Schwitz- Rolle in der russischen Politik zu übernehmen, die man ihr nicht. Sein Artikel hat die Tendenz, die Parteitage mehr nach system, Hausindustrie und Arbeiterschuß"; zu Gotha 1896 Frauen zugedacht hatte. Am Ende muß sie sich darauf beschränken, bürgerlichem Muster zu agitatorischen Schaustellungen zu gestalten, agitation"; zu Hamburg 1897 Die bevorstehenden Reichstags- theoretisch noch einmal eingehend das Bulyginsche in denen nicht über jene Fragen diskutiert wird, über die wir unwahlen"; zu Stuttgart 1898„ Das Koalitionsrecht"( Zuchthaus- theoretisch noch einmal einig, sondern über jene, über die wir einig sind, wie Zehn vorlage),"" Bergarbeiterschutz"," Die deutsche Zoll- und Handels- Duma projekt zu beraten und zu ihm Stellung zu stundentag, Kampf gegen Marinismus und Militarismus. politit"; zu Mainz 1900 Die Weltpolitit"," Die Verkehrs- und nehmen. Die große Majorität wird die Bulyginsche Handelspolitik"; zu Lübeck 1901 8Bolltarif und Handelsverträge", Karikatur verwerfen. Die Wohnungsfrage"; zu München 1902 Arbeiterversicherung", Kommunalpolitit". " " " " " 11 " Ein Kongreß der Kapitalisten. Die propagandistische Behandlung solcher Fragen fällt jedoch in erster Linie der Reichstagsfraktion zu. Die legtere wäre ein ebenso kostspieliges wie überflüssiges Lurusmöbel, würde sie diese Vom Mittwoch liegt zunächst nur die folgende Meldung Aufgabe nicht genügend lösen. Der Parteitag aber soll das So verfuhren die Parteitage, obschon wohl auch damals bereits des„ W. T. B." vor: fräftigste Mittel der Weiterentwickelung der Partei sein, die propagandistische Behandlung solcher Fragen in erster Linie der Moskau, 19. Juli. Der Semstivokongreß ist in der foll alle jene Fragen zur Entscheidung bringen, die innerhalb der Reichstagsfraktion" zugefallen war. Diese Bemerkung Kautskys über Partei selbst auftauchen und in ihr geteilte Anschauungen hervor die Aufgabe der Fraktion ist wieder eine Selbstverständlichkeit. Wohnung des Fürsten Dolgorudi eröffnet worden. Zur Errufen. Der geistige Fortschritt der Partei wäre völlig gehemmt, Rautsty unterschätzt andererseits die Bedeutung der Parteitage örterung gelangen der Entwurf Bulygins, die wenn nicht solche neue Streitfragen von Zeit zu Zeit auftauchten, für die Propaganda. Sobald im politischen Leben große Fragen Stellungnahme der öffentlich wirkenden Männer zu dem eraber sie würden zur Zersetzung der Partei führen, würden sie aufbrechen, welche die ganze Arbeiterklasse oder sogar die ganze warteten Voltsvertretungsgesetz und Maßnahmen endlos debattiert. Die Parteitage haben die Aufgabe, ebenso die Nation erregen, dann ist es nichts Unwesentliches, sondern etwas zur Verwirklichung der von den Vertretern der Semstwos und freie Diskussion solcher Fragen zu entfeffeln, wie auch, nachdem überaus Wichtiges, daß das sozialdemokratische Bolt der Städte ausgearbeiteten Vorschläge. alle Argumente erschöpft, erkennen zu lassen, wie die Mehrheit der selbst das Wort nimmt. Dies geschieht schon in Versammlungen Partei darüber denkt, und der Diskussion dadurch einen Abschluß und in der Presse, aber die wirksamiste Form der Stellungzu geben. nahme geschieht in der einheitlichen Rundgebung Moskau, 18. Juli. Die Behörden haben dem von KowaWie weit ein Parteitag die Möglichkeit hat, daneben noch auf dem Parteitage, wo die Vertreter der Sozial- le w sty geleiteten Kongreß der Börsenvertreter und Jndustriellen Fragen zu behandeln, über die wir im wesentlichen einig sind, demokratie des ganzen Landes vereint find. Es ist für eine die bloß der propagandistischen Wirkung wegen auf die Tages- demokratische Partei ungemein wertvoll, ja unbedingt nötig, daß verboten, die Verfassungsfrage zu berühren, und ihn angewiesen, die ordnung kommen, hängt davon ab, wie zahlreich und wichtig die die Masse der Genossen selbst ihre Stellungnahme zu bedeutsamen Erörterungen auf das festgestellte Programm zu beschränken. Da Meinungsverschiedenheiten in unserer Mitte. politischen Geschehnissen zum Ausdruck bringt. Da zeigt sich ein Stowalewsky gleichwohl die Verfassungsfrage bedrucksvoller, als es sonst möglich ist, daß hinter unseren Rednern im sprach. wurde der Kongreß heute aufgefordert, seine Arbeiten einParlament die Ueberzeugung und der Wille der großen geschlossenen zustellen. Der Kongreß sette nichtsdestoweniger heute früh seine Partei steht. Wozu sonst auch hätten wir die Kundgebungen gegen Beratungen fort. Es nehmen fünfzig Personen, die 38 Körperdie Zuchthausvorlage und gegen den Wuchertarif veranstaltet? schaften vertreten, teil. Unter ihnen gaben sich tiefgehende MeinungsDas eine tun und das andere nicht lassen ist unsere Meinung. verschiedenheiten fund. Einige Vertreter erklärten sich abgeneigt, im Berwaltungsfragen, taktische Probleme, Propagandaarbeit- jede dieser Betätigungen hat ihr Recht und feine soll die andere unter- Schlepptau der Semstwos zu marschieren, und verlangten die Aufstellung eines eigenen Programms. Es wurde indessen doch der Stautsky meint dann: Freilich solche taktische Diskussionen erste Punkt des von Kowalewsky erstatteten Berichtes mit großer passen dem Vorwärts" nicht" und: dem„ Vorwärts"" mag die Mehrheit angenommen; er handelt von einer auf Grund des allgewie minim erscheinen, Frage des Massenstreits ebenso alle meinen Stimmrechts gewählten Volksvertretung mit zwei Kammern. in großen Streitfragen der letzten Zeit, denen anderen Der Richter Schuwalows. nur fleine Reibereien persönliche zu erblicken ber= mochte; der Parteivorstand hat ficher dem Empfinden Gerade in der heutigen revolutionären Situation gibt es aber teine Frage, die für uns größere Wichtigkeit hätte als die des Massenstreits. Demi„ Vorwärts" mag sie ebenso minim erscheinen wie alle anderen großen Streitfragen der letzten Zeit, in denen er nur fleine persönliche Reibereien zu entdecken vermochte; der Parteivorstand hat sicher dem Empfinden des Masse der Parteis genossen Ausdruck gegeben, als er den Massenstreit auf die Tagesordnung setzte." Jeder Saz ist eine Unrichtigkeit und das Ganze zeigt, daß Kautsky die Fähigkeit verloren hat, die Ansicht des anderen objektiv aufzufassen und sachgemäß wiederzugeben. Teils unterstellt Kautsky Anschauungen, die wir niemals geäußert haben, teils spricht er Anschauungen aus, als seien wir ihnen gegnerisch, die wir niemals bestritten, sondern selbst befürwortet haben. drücken. er " Die Moskau, 18. Juli. Die gerichtliche Untersuchung gegen den Der„ Bortvärts" scheint, sagt Kautsky, der Ansicht zu sein, der Masse der Parteigenossen Ausdruck gegeben, als er den Massen- Verüber des Attentats auf den Grafen Schuwalow Kulikowsky ist daß der Sieg am 16. Juni au positiven" Erfolgen hätte führen streit auf die Tagesordnung setzte." In Wahrheit haben wir beendet. Kulikowsky, der im Jahre 1901 wegen Beteiligung an müssen, und im Text seines Artikels erläutert er diese positiven taktische Diskussionen in einer Kampfpartei wie der unsrigen stets einer Geheimdruckerei auf sechs Jahre nach der Provinz Jakutst Erfolge also: als unausbleiblich erachtet, aber wir haben in den legten deportiert worden, von dort aber entwichen war, wird zur AbUnd wodurch hätten diese„ pofitiven" Erfolge errungen werden Jahren oft nicht dieselbe Ansicht wie Kautsky darüber gehabt, urteilung vor ein Kriegsgericht gestellt werden. follen? Durch ein Entgegenkommen gegen die Reichsregierung, welche Fragen als große Streitfragen" anzusehen waren, und desdurch den Versuch, Konzessionen gegen Konzessionen einzutauschen? gleichen darüber, wie diese Fragen seitens einiger Parteigenossen, Die Uuruhen in der Marine! Jeder derartige Wunsch, wenn er gehegt worden sein sollte, wurde auch von Kautsky, behandelt worden sind. Die großen Diskussionen Aus Kronstadt laufen, wie dem„ L.-A." vom 19. d. M. ge allerdings in Dresden im Keime erstickt." über die Parteitaftit in den 90er Jahren hatten außerordentliche meldet wird, neuerdings beunruhigende Nachrichten" ein. Unsere Meinung über den Dresdener Parteitag hätte absolut keinen Bedeutung für die Partei und wirkten befruchtend auf die Entwicklung Mannschaften mehrerer Kriegsschiffe sollen den Gehorsam verweigert Sinn, fagt Kautsky, wenn der„ Vorwärts" nicht der Meinung wäre", der Partei. Was vor, auf und nach dem Dresdener Parteitag vordie Sozialdemokratie müßte der Regierung entgegenkommen, müßte fam, schätzen wir anders ein. Wir sind allerdings der Ueberzeugung, haben. Die Schiffe mit unzuverlässiger Besatzung werden unter den versuchen, Konzessionen gegen Konzessionen einzutauschen, Besessen daß das, was in Dresden geschah, in der Sache wesentlich eine Kanonen des Forts gehalten, um allen Eventualitäten vorzubeugen. Eine Petersburger Meldung der B. 3." sagt:" Durch Untervon der Furcht des Kompromißgespenstes, vermag Kautsky den flaren Wiederholung früher erreichter und feststehender Ergebnisse war, Sinn unserer Ausführungen nicht zu erfassen. Wie fann Stautety wozu es des gewaltig aufgebotenen polemischen Apparates nicht fuchung ist nunmehr festgestellt worden, daß die Marinesaldaten in uns zumuten, auf das auszugehen, was er uns unterstellt? Nicht bedurft hätte. Der trefflichste Zeuge für die Richtigkeit dieser An- allen Kriegshäfen vom Geist der Menterei angesteckt sind. Die ein Wort unseres Artikels kann Anlaß zu solchen groben Miß- schauung ist übrigens Kautsky selbst geworden. Er sagt in demselben Odessa er Vorgänge haben auf die Matrofen eine begeisternde deutungen geben. Ganz abgesehen davon, daß das, was Kautsky Artitel, der hier in Frage steht: uns zumutet, allerdings eine Sinnlosigkeit wäre, nämlich durch Wenn je eine Situation dem sozialistischen Ministerialismus irkung geübt. Dieser Erscheinung gegenüber ist das Marinesozialistisch scharfe Stellungnahme der Parteitage zu politischen günstig war, so die Frankreichs nach dem Dreyfus- Prozeß. Es ministerium gänzlich machtlos. Das einzige Mittel zur Vorbeugung Fragen eine Politit des Entgegenkommens zu betreiben. Kautsky erforderte damals wirklich große Klarheit und Charakterstärke, sich von Meutereien wäre die Versetzung der Offiziere und Mannschaften bringt das Unglaubliche fertig, uns Entgegenkommen und Kom- dieser Lockung zu entziehen. Heute ist der sozialistische Ministerialismus und dieses soll auch versucht werden. Es wurde Order gegeben, promiffelei zu unterstellen, da wir den nachdrücklichsten Kampf gegen auch in Frankreich tot und begraben. Aber in Deutschland war die Marineoffiziere vom Schwarzen Meer an die Ostsee zu versetzen, die Regierung gefordert haben! von vornherein nicht die mindeste Lebensbedingung für ihn ge- und umgekehrt werden Offiziere von der Ostsee nach dem Schwarzen geben, vermochten nur politische Kinder oder politische Hanswurste Meere geschickt. Bezeichnend ist, daß auch Armeeoffiziere an ihn zu glauben. In Deutschland können höchstens Differenzen zum Seedienst abkommandiert werden. Die Kronstädter Gardeüber den Ton und die theoretische Begründung, nicht aber marine erscheint besonders verdächtig und daher ist schon die Abüber die Pragis unserer Opposition aufkommen. Noch weniger als anderswo ist in Deutschland von der Reichsregierung oder schiebung eines Teiles der Matrosen nach Nikolajew angeordnet." der Mehrheit des Reichstages etwas für das Proletariat zu erRevolte im Gefängnis. warten. An dieser Tatsache konnte auch der Dreimillionensieg nichts ändern." " " Warschau, 19. Juli. Im Gefängnisse zu Dwinst brach eine Revolte aus, weil die dort internierten politischen Gefangenen zwei jüdische zum Tode verurteilte Gefangene befreien Was wir über den Dresdener Parteitag, nicht erst jetzi, sondern sogleich nach dem Parteitage fritisch geäußert haben, ist natürlich etwas total anderes. Wir haben einmal bedauert, daß untergeordneten Angelegenheiten wie die, ob einige Parteigenossen einige Artikel in der Zukunft" geschrieben haben, eine weitaus zu große Bedeutung beigelegt worden ist. Wir haben weiter bedauert, daß nicht nach dem Wahlsieg vom 16. Juni die politischen und wirtschaftlichen Aufgaben der Sozialdemokratie in umfassender Darstellung bekundet worden sind, welche Unterlassung an sich ein Mangel war und außer Was Kautsky hier über die Situation unferer Partei in Deutsch dem dazu beitrung, daß der widerwärtige Personenstreit sich erst land sagt, ist durchaus richtig. Wenn dem aber so ist, dann ist wollten. Erst nachdem ein größeres Militäraufgebot herbeigerufen recht breit ausladen konnte. Die Wirkung des Parteitages, völlig unbegreiflich, wie man in etwaigen Neigungen einzelner wurde, konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Bei vielen Gedie wir vermißt haben, besteht, wie jeder, der sehen Parteigenossen, gleichwohl in Deutschland Ministerialismus zu be- fangenen wurden Nevolver beschlagnahmt. Zwei Mann wurden gewill, ohne weiteres sehen kann, in der Gewinnung treiben, eine große Gefahr und in den ebenso langen wie tötet, sechs schwer verletzt. neuer weiter Kreise des Volkes für die Sozial- erbitterten Diskussionen darüber eine große Streitfrage" zu finden demokratie, in der Erfüllung der Arbeiterklasse vermag. Wenn dann Kautsky weiter die Unterstellung macht, daß mitsozialistischem Denten, mit Begeisterung für wir in den großen Streitfragen mur fleine persönliche Reibereien" Im Kreise Czenstochan wird durch Proklamationen die Vers die Partei und ihr wirken. So sehr man den Wert des entdeckt hätten, so ist auch das eine gründliche Verkennung des einigung sämtlicher sozialistischen Parteien bekanntgegeben. Täglich Dresdener Parteitages wegen seiner Beschlüsse über die Taktik der wirklichen Sachverhalts. Nichtig ist vielmehr, daß wir die Meinung kommt es zu Zusammenstößen zwischen Arbeitern und Gesindel. Partei einschätzen mag wir haben ihn auch in dieser Hinsicht vertraten, es seien die taktischen Meinungsverschiedenheiten durch Vorgestern wurde ein Anführer des Gesindels erschossen und weniger hoch eingeschägt, weil alles Wesentliche schon auf vorber persönliche Reibereien, die nicht klein, sondern mehrere Angehörige schwer verletzt. Die Läden sind geschlossen. Im gehenden Parteitagen geleistet war, darüber fant jetzt bei nie- angenehm groß waren, verschlimmert, vertieft und ver Sosnowicer Revier erfolgen fortgesezt Verhaftungen von Arbeiter anführern. mand mehr ein Zweifel bestehen, daß jener positive Erfolg, den giftet worden. zu erstreben bisher immer in der Partei als Erstes galt, nicht Es wird mit nur zu viel Recht Klage geführt, daß das Interesse errungen worden ist und nach der Art, wie Dresden verlief, nicht in der Arbeiterschaft für Fragen der sozialistischen Theorie durchaus In Czenstochan and Sosnowice. Am Dienstag wurden, so wird telegraphisch gemeldet, auf den' Gruben„ Szeladz“ und„ Saturn" 70 Mann verhaftet. " gehoben werden könnte, antworteten die Scharfmacher progig: Die Aussperrung wird unter feinen Umständen aufgehoben; das fällt uns gar nicht ein, uns preffiert's mit der Aufhebung der Aussperrung gar nicht(??), fie wird im Gegenteil noch verschärft. Banernnnruhen. schwersten beschädigt sei der Bajan", welcher in den Hafen geberband überhaupt feinen Wert habe, da er nur von ihm Augenblicklich finden nicht mehr so viele Bauernumruhen statt schleppt wurde. Der Pereswjet" sei imstande. mit seinen als eine statistische Maßnahme angesehen wurde! Man wollte wie noch vor einigen Wochen. Aber diese Rube ist nur bollen Reparatur nach Japan gebracht. Man hoffe sogar, die sehr finnt und wie viel organisiert feien! As hierauf eigenen Maschinen zu fahren. Beide Schiffe würden demnächst zur damit nur herausbekommen, wie die Arbeiter ge borübergehend. Die Verwaltungskreise haben bereits die schwer beschädigte Ballada" Mitte August und vorher noch Dr. Brenner meinte, daß damit auch die Aussperrung auf. Nachricht erhalten, daß die Agrarunruhen im Herbste, nach Be- Retwisan" und" Pobjeda" flottzumachen. endigung der Feldarbeiten, mit besonderer Kraft hervorbrechen würden. Man ist um das Schicksal der Ernte besorgt, da es bei der in vielen Gouvernements zu befürchtenden Mißernte sehr leicht zu Plünderungen und Exzessen kommen kann. Diese Besorgnisse erstrecken sich insbesondere auf die südlichen Gouvernements und die Ostseeprovinzen. Wie es heißt, will die Regierung diesmal die strengsten Maßregeln treffen, um die Unruhen im Steime zu erstiden. der Filiale Berlin ist der Kollege H. Hieb gewählt. In der Stichwahl für die Besetzung der beiden Filialbeamten Allein vom Wollen bis zum Können ist für die russische Die Wahlkommission. Regierung der Weg recht weit. Spezielle Nachrichten besagen noch folgendes: Jm Saratow schen Gouvernement und im olgagebiet herrscht Dürre und Hungersnot. Die Bauern sind im Aufruhr. Militär ist auf die Güter abkommandiert worden. Die Arbeiter auf den Gütern in den Ostsee provinzen sollen einen Aufstand für Ende August in Aussicht genommen haben. Der Baukrott. Den Nowosti" zufolge ist das Syndikat Petersburger Banken, welches die Realisierung einer neuen inneren Anleihe von 150 Millionen Rubel übernommen hatte, zum Schluß gekommen, daß es gegenwärtig uumöglich sei, die Anleihe zu realisieren. 11 A Ein Zensurstück. " Der„ Russ. Korresp." liegt eine Nummer eines unter Präventiv zensur erscheinenden russischen Provinzblattes, des Tambowsti Golos", vom 6. Juli vor. Sie enthält fast mehr leere Spalten als Mitteilungen. Die freien Flächen tragen nur die Aufforderung zur Erneuerung des Abonnements auf den„ Tambowski Golos". Diese Aufforderung ist nicht übermäßig verlockend, da der Leser dank der weisen Fürsorge der Zenfur weder über wichtige örtliche oder provinzielle Ereignisse, noch über die Situation, in der sich sein Waterland befindet, unterrichtet wird. Der Krieg in Ostasien. Witte über die Friedenskonferenz. Gewerkschaftliches. Berlin und Amgegend. Vereinigung der Maler usw. Achtung! Arbeiter, Schlosser, Schmiede, Maschinisten, Zimmerer! in den Betrieben der Englischen Gasanstalten Berlins und Umgegend bestehen Differenzen infolge Maßregelungen. Wir bitten die Betriebe zu meiden. Ortsverwaltung Berlin des Verbandes der Gemeindearbeiter. Deutfches Reich. Der Färberstreik in Meerane. Nun, das wird die Zukunft lehren. Die Tischlermeister haben die Aufforderung des Scharfmacherverbandes, bis zum 8. Juli die Holzarbeiter auszusperren, unbeantwortet gelassen. Die Tischlermeister haben von der 89er Aussperrung noch genug und wissen noch genau, wie sie damals von dem Scharf macherprozentum hinter das Licht geführt werden. Und die Münchener Iasmalereien haben die Aufforderung der Glaserinnung, fich ebenfalls an der Aussperrung zu beteiligen, in aller Form abgelehnt! Die Münchener Bauarbeiter, die nach wie vor geschloffen und einig zusammensteheit, werden auch dieses Ergebnis in den heute stattfindenden Versammlungen abermals einmütig ablehnen. Und so werden sich die Münchener Scharfmacher mit der Tatsache vertraut machen müssen, daß sie die Striegskosten ihrer mehr wie sonderbaren statistischen Maßnahmen" tragen werden müssen. sollen. # Soziales. Meeranei. S.( Eig. Ber.) Am Dienstag früh traten hier girta 550 Färberei und Appreturarbeiter in den Ausstand. Diese Lohnbewegung ist bereits anfangs dieses Jahres eingeleitet worden. Die Unternehmer verstanden es, die Arbeiter bis jcht hinzuhalten und sie hoffnungslos zu machen. Die Forderungen der Arbeiter sind und handelten jedenfalls in dem Glauben, ihre Arbeiter zu ermüden sehr minimale. Es handelt sich bei dieser Belvegung in der Haupts Die Zentral- Krankenkasse der Maurer usw. Grundstein zur fache darum, einen einheitlichen Lohntarif und eine Verkürzung der Ginigkeit" hält zurzeit in Leipzig ihre Generalversammlung ah. Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden herbeizuführen. Die Meeraner Der Geschäftsbericht des Vorstandes ist sehr umfangreich. Die nene Preßfreiheit". und Glauchauer Garnfärbereibefizer, die dem sächsisch- thüringischen Da das am 29. September 1902 von neuem bei der AufsichtsEndlich ist die Breßfreiheits Novelle aus der betreffenden Färberring nicht angehören, sondern eine eigene Organisation bilden, behörde eingereichte Statut nicht genehmigt wurde, mußte eine Kommission ans Tageslicht gekommen. Da entpuppt sich die Haupt- haben vor einigen Wochen mit ihren Arbeitern einen Tarif abge: neue Generalversammlung berufen werden, die eine ganze Reihe modifikation als ein reaktionärer Versuch, die Presse schlossen, und zivar auf dem Wege friedlicher Verhandlung. Dabei Statutenänderungen vornahm. Die durch die Novelle zum Krankens weiter zu fnebeln. Bis jezt galt die Bestimmung, daß drei wurden allerdings die eingereichten Forderungen wesentlich herab- versicherungs- Gesez notwendig gewordenen Aenderungen wurden Ministerien ohne weiteres eine Beitung inhibieren fonnten. Dies gemildert, aber trotzdem eine nicht unbedeutende Aufbesserung der bei dieser Gelegenheit mit berücksichtigt. Seit dem letzten Geschäftsist nun aufgehoben worden. Formell ist scheinbar eine Er- Löhne für die Arbeiter dieser Betriebe erzielt. Diesen auf diese Weise bericht haben 157 und 5 gemeinschaftliche Sibungen stattgefunden, leichterung geschaffen worden, da von nun an der Minister des zustande gebrachten Tarif sollten nun auch die obengenanntem Ring wobei 1935 Fälle verhandelt wurden. Wenn nach dem vorigen GeInnern einen Antrag betreffs Inhibierung einer Zeitung angeschlossenen Besitzer anerkennen. Es wurden ihnen seitens der schäftsbericht die Stasse in 247 Verwaltungsstellen 20 047 Mitglieder an den Senat, also an ein Kollegium zu richten hat, das Arbeiter mehrmals Verhandlungen angeboten, jedoch ohne Erfolg. zählte, so weist sie jetzt nach der Abrechnung des ersten Quartals in rechtlicher Form erst die Berechtigung des Antrages prüfen Die Unternehmer verwiesen die Arbeiter an den Ring und dieser dieses Jahres in 280 Verwaltungsstellen 29 604 Mitglieder auf. muß. Aber 111111 kommt der Haken: Bis zur Entscheidung verwies sie wieder an die Arbeitgeber, bis schließlich eine General Durch die Mehrarbeit mußte ebenfalls eine neue Hülfskraft andes Senats kann der Minister vorläufig aus eigener versammlung des Ringes am 15. Juni den angekündigten Streit für gestellt werden. Von den in den drei Jahren von 1902 bis 1905 Machtvollkommenheit die betreffende Beitung ungerechtfertigt erklärte und sich weitere Maßnahmen vorbehielt. eingetretenen 27 588 Grtranfungsfällen waren 5128 durch Betriebsberbieten. Was das heißt, wird erst flar, wenn man sich ver- Die Meeraner und Glauchauer Färbereiarbeiter traten infolge unfälle veranlaßt. Am Schlusse des Jahres 1904 betrug das Gegegenwärtigt, daß die Entscheidungen des Senats gewöhnlich nach dieser Ablehnung aller Verhandlungen am Dienstag in den Ausstand. samtvermögen der Kasse 687 742,47., am Schlusse des ersten vielen Monaten, manchmal sogar erst nach Jahren getroffen werden. Die bisherigen Löhne müssen als ganz unzureichende bezeichnet werden. Quartals 1905 dagegen nur noch 631 424,41 M., mithin 56 318,06 Mit anderen Worten, die Presse wird stets das Damoklesschwert Bei 11stündiger Arbeitszeit verdienen die Meeraner Färberei- Mark weniger. Soll die Höhe des am Schluß des Jahres 1904 vordes Willens eines einzigen Ministers über sich haben und ganz und arbeiter pro Woche 13 M., wovon noch die Beiträge für Stranten- handenen Vermögens erreicht werden, dann müssen noch 44 000 m. gar dessen willkürlichen Wünschen ausgeliefert sein. tasse usw. in Abzug gebracht werden. Dabei hat gerade Meerane Ueberschuß gemacht werden. Um Einnahme und Ausgabe ins außergewöhnlich hohe Lebensmittelpreise. Diese sind meist höher richtige Gleichgewicht und den Reservefonds auf die gefeßlich vorals in den Großstädten. Die Lebenslage dieser Arbeiter ist daher geschriebene Höhe zu bringen, wird sich eine Erhöhung der Beiträge eine sehr gedrückte. Wo die Frau nicht mit verdienen kann, ist der notwendig machen. Die Mehrbelastung der Staffe ist einesteils Hunger ständiger Gast. Es ist höchste Zeit, daß die Löhne diefer Ar- darauf zurückzuführen, daß die bisherigen Beiträge seit elf Jahren beiter aufgebeffert werden. Die Unternehmer rechnen auf Zuzug bestehen, inzwischen aber das Krankengeld erhöht worden ist, andereraus Böhmen. Es ist somit Sache unserer böhmischen Genossen, feits durch die Erweiterung der Unterstützungszeit, wie sie die neue darauf zu achten, daß sich ihre Arbeitsbrüder nicht allzu sehr nach Novelle zum Krankenversicherungs- Gefeß vorschreibt. Die Generalden Meeraner Fleischtöpfen sehnen. Hier kann kaum ein Kuli leben. versammlung wird also eine Erhöhung der Beiträge beschließen Die Tertilprogen verstehen sich aufs Ausbeuten. Ihr Reichtum wächst so rapid, wie die von ihnen ausgehungerten Wassen der müssen, wenn die Leistungen der Kaffe nicht herabgesetzt werden Verelendung verfallen. Wenn die deutsche Arbeiterklasse die streiIn Erwägung, daß an eine Zwangsversicherung der Familienfenden Färber von Meerane und Glauchau tatkräftig unterstützt, wie angehörigen nicht zu denken ist, bei freiwilliger Versicherung aber fie das bei dem Meeraner Weberstreit getan hat, dann werden auch die Gefahr besteht, iaß sich in der Hauptsache nur Familien andiese gleich jenen aushalten im Kampfe, bis alle ihre Forderungen schließen, die die Kaffe oft brauchen, werden die Anträge auf Einerfüllt sind. Dann werden auch diese Arbeiterkategorien, die man, führung der Familienunterstüßung abgelehnt. Der Vorstand gibt Der Präsident des rusischen Ministerkomitees, Witte, empfing leider mit Recht, bisher noch zu der großen Armee der Indifferenten den Delegierten anheim, für lokale Unterstüßungskassen zu agizählte, sich einreihen in die Kolonnen des Klassenbewußten Proleam Dienstag in Petersburg einen Vertreter der„ Associated tariats und auch sie werden sich der Sympathie der deutschen Ar- tieren. Von der Einführung der freien Arztwahl sieht man ab, da Prefs.". Auf die Bemerkung desselben, daß die Welt die Ernenjede Kontrolle über die Höhe fünftiger ärztlicher Ansprüche fehlt nung Wittes zum Friedensbevollmächtigten so auffasse, als ob Ruß beiterklasse würdig erweisen. und der Kaffe namentlich durch die Mitglieder, die auf dem Lande land Frieden um jeden Preis wolle, antwortete der Minister Die Differenzen im Baugewerbe in Jena follten, wie bürger- und in einen Städten wohnen, dadurch unverhältnismäßig hohe Nein! Der Kaiser hat mich zu seinem außerordentlichen Botschafter liche Blätter meldeten, nunmehr endgültig beigelegt sein. Das ist Kosten entstehen würden. Auch einem Antrage, die Steinhauer ernannt, um Gewißheit zu erlangen, ob es möglich sei, Frieden aber nicht der Fall. Allerdings haben die Maurer nach wieder in die Kaffe aufzunehmen, konnte man noch nicht statt. zu schließen. Meine persönlichen Ansichten sind von untergeordneter mehrwöchigem Kampfe die Arbeit wieder aufgenommen, dagegen geben. Bedeutung. Ich habe vom Kaiser genaue Weisungen erhalten. Die harren die Zimmerer aus. Die Aussichten für sie sind sehr letzte Entscheidung verbleibt ihm. Der Kaiser wünscht den Frieden, günstig. Vor einigen Tagen haben zwischen Vertretern der Meister find, daß wir nicht zu einem Vertragsabschluß kommen können. Ich den Gehülfen sofort ein Lohnzuschlag von 2 Pf. und im nächsten gestehe offen, daß ich zur Friedenspartei gehöre und daß ich vor dem Jahre ein dritter Pfennig gewährt werden soll. Der neue Tarif soll Striege die Aufrechterhaltung des Friedens begünstigte. Daher bin bis 1. April 1907 gelten. Trotzdem die Parteien geneigt sind, sich Mostan, 19. Juli.( Privatdepesche der„ Nuss. Korresp."). Heute ich sicher, wenn ich berichte, Japans Bedingungen feien unannehmbar, auf obiger Basis zu verständigen, ist ein neuer Arbeitsvertrag noch mittag 1 Uhr wurde der russische Semstwokongreß unter Vorfiz des daß dann das russische Volt sich durchaus an mein Urteil halten nicht abgeschlossen worden, da die Zustimmung der Innung noch Grafen Halden eröffnet. Der Polizeimeister verbot den Kongres wird. Rußland ist nicht vernichtet. Die Unruhen im nicht erfolgt ist. Vorher kehren auch die Gehülfen nicht zur Arbeit weil er ungesetzlich sei. Alle Teilnehmer verpflichteten sich jedoch Innern sind sehr ernst, doch wird die wirkliche Bedeutung dessen, zurüd. durch Unterschrift für die Abhaltung des Kongresses. was vorgeht, im Auslande nicht erkannt. Rußland kann nicht mit westlichen Maßstäben gemessen werden. Es gleicht einer großen Zur Bauarbeiter- Aussperrung in München. Familie, die durch innere Zwistigkeiten zerrissen ist; doch werden München, 18. Juli.( Eign. Ber.) diese Spaltungen verschwinden, falls das Volk die Integrität des Landes und seine Zukunft in der Geschichte als gefährdet erkennen Eine fchreckliche" Entdeckung machte die von den Scharfmachern gewählte Kommission, die die löbliche Aufgabe hat, jene Baustellen, follte. Wir machen eine große innere Strisis durch, die durch viele wo die Arbeiter immer noch nicht ausgesperrt find, auf die Wirkung und Bürgermeister gab, nachdem er über den Plan einer ernste Ereignisse gekennzeichnet ist, und es mögen uns noch viele ber von ben Schleifsteindrehern in Szene gefeßten Material von Bulygin zusammengesetzten Gossudarstwenaja Duma berernste Ereignisse gekennzeichnet ist, und es mögen uns noch viele andere bevorstehen, doch wird die Krisis vorbeigehen und Rußland Sperre au kontrollieren. Da müssen nun die Herren die ständigt worden wieder eine der vorherrschenden Mächte im europäischen Stonzert Wahrnehmung machen, daß trop der mit allen unerlaubten Mitteln bureaus gehört hatte, sein Urteil dahin ab, daß die Verwirklichung war und den Bericht des Organisationsin Szene gesezten Materialsperre auf diesen Bauten Diese Aeußerungen Wittes klingen nicht gerade zubersichtlich! weiter gearbeitet und bei jedem Besuche ftets von des Planes Bulygins oder eines anderen, auf ähnlicher Grundlage neuem Baumaterialien aufgestapelt sind! Die von den ausgearbeiteten und daher für die Schaffung einer NationalPetersburg, 19. Juli. In der Audiens, welche der Bar Schleifsteindrehern angestellten Recherchen ergaben, daß in den ersten versammlung in der wahren Bedeutung bes Herrn von Witte vor seiner Abreise erteilte, soll der Kaiser die An- Tagen der vergangenen Woche fünf Waggons Baumate- geeigneten Planes nicht dazu angetan fein würde, dic ficht ausgesprochen haben, er vertrane darauf, daß Rußland rialien auf Rechnung des Zentralverbandes der Maurer Ruhe im Lande wiederherzustellen, der drohenden Gefahr entgegenbsch noch in der Mandschurei fiegreich sein werde. in München eingetroffen sind und bei den Baumeistern, zutreten, Rußland von dem Zustande der Anarchie zu befreien und es Witte soll den Standpunkt vertreten, daß weber eine Kriegs- bie allen Verrufserklärungen und Erpressungsversuchen der Scharf auf den Weg einer friedlichen, normalen Entwickelung auf Grund entschädigung oder eine Landabtretung an macherfippe Stand hielten und nicht aussperrten, reißend Abfa ciner festen Staatsordnung zu führen. Japan gerechtfertigt fei. finden! Dabei erklären diese Unternehmer, daß sie noch nie fo billig und vorteilhaft eingekauft haben, als zurzeit! Infolge diefer Tatsachen fallen die Werkvertreter, die sich leichtfertig verAttentat auf den Gehülfen des Gouverneurs. pflichteten, für die Dauer der Aussperrung keine Baumaterialien zu Helsingfors, 19. Juli.( W. T. B.) Als der Gehülfe des Generalliefern, trotz des gegebenen Ehrenwortes un wie die Fliegen! gouverneurs, Geheimrat Deutrich heute nachmittag gegen drei Uhr Biele von ihnen nehmen wieder wie früher Bestellungen an. das Senatsgebäude verließ, warf ein unbekannter Mann eine Bombe Gestern nachmittag wurden unter dem Vorsitz des Gewerbegerichts- gegen ihn, wodurch er an der Hand, auf dem Rücken und an den Der Attentäter flüchtete und wurde von rats Dr. Brenner die am Donnerstag voriger Woche abgebrochenen Beinen verlegt wurde. Verhandlungen, über die wir schon berichtet haben, vor dem Ge- russischen Seekadetten verfolgt, entkam aber. werbegericht fortgesetzt. Wie ebenfalls schon berichtet, haben die in Betracht kommenden Organisationen das Ergebnis der Unterhandlungen inzwischen einmütig abgelehnt und wurden die diesbezüglichen Refolutionen den Scharfmachern in der gestrigen glaubt man allgemein, daß die Bodengestaltung der Gegend Hinter Sigung unterbreitet. Nach längerer Unterhandlung zeigten die Vertreter des Arbeit- Mauta auf Sachalin, wo die Russen nach der Niederlage bei Darlime geberverbandes scheinbar- aber auch nur scheinbar ein Halt machten, einen weiteren Rückzug nach Norden nicht gestattet. Entgegenkommen", indem sie die unterste Grenze des von ihnen mitionsmangel wird vermutlich die Nussen bald zur Uebergabe festgehaltenen Durchschnittslohnes etwas hinauffetten, dafür zwingen. aber ich fürchte fehr, daß die japanischen Bedingungen folche werden. Hofft der Bar noch auf das Waffenglück? Falls der Bar wirklich noch so verblendete Anschauungen hegen sollte, müßten ihm die Japaner allerdings erst noch weitere schlagende Beweise seiner Ohnmacht beibringen. Fraglich wäre es allerdings, ob die mandschurischen Truppen noch geneigt sind, für den Berrütter ihres Landes und den Mörder ihrer Brüder noch ihr Blut zu versprigen. Steht die Einschließung Wladiwoftoks bevor? London, 19. Juli.„ Daily Telegraph" meldet aus Tokio: Laut Nachrichten der japanischen Presse aus Schangha ist eine japanische Armee nördlich Wladivostok gelandet und liegt fein Grund vor, diese Tatsache länger geheim zu halten. Die Russen, die fich darauf vorbereiteten, den Hauptwiderstand am Westufer des Tumen zu leisten, sind jetzt vollständig überrascht und können den Vormarsch nicht aufhalten. Die vollkommene Einschließung von Wladiwostok wird bald vollzogen fein. und der Gehülfen Einigungsverhandlungen stattgefunden, wonach Letzte Nachrichten und Depeschen. -Der Semstwokongres in Moskau. Antpesend waren 80 Städtevertreter und 180 Semfiwovertreter. Die Diskussionen waren äußerst rege. Moskau, 19. Juli.( W. T. B.) Der Kongreß der Semstwos Bom ostasiatischen Kriegsschauplatz. Wortes Tokio, 19. Juli.( Meldung des Neuterschen Bureaus".) Hier " Tokio, 19. Juli.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) Admiral Kamimura meldet unter dem 18. Juli: Eine japanische aber den Durchschnittslohn erniedrigten, so daß beispielsweise Torpedobootszerstörer= Flottille hat wiederholt die russischen die niederste Lohntlasse eines Maurers 49 Pf., der Durchschnittslohn Meerane, 19. Juli.( W. T. B.) Wie die Meeraner Zeitung" Patrouillen und Posten an der Noudostküste Koreas beschossen. aber nur 52 Pf. betragen würde, so daß iech 8(!) Lohntlassen ge- berichtet, hat die sächsisch- thüringische Färbereikonvention, der Russische Artillerie beschoß die Flottille bei Jufiwan, wurde aber von schaffen würden. Weiter müßte der Vertrag für alle in Betracht 25 Firmen angehören, wegen des Ausstandes der Färbereiarbeiter den Torpedobootszerstörern zum Schweigen gebracht und vertrieben. tommenden Berufe bis 1908 Geltung haben und so abgeschlossen bei den Firmen J. H. Bornemann und C. Nadky beschlossen, vom Wiederherstellung der Port Arthur- Flotte. werden, daß er für alle Berufe an einem Termine endigt! Des Montag ab die Betriebe zu schließen, wenn die Weiterarbeit bei Tokio, 18. Juli.( Meldung des Reuterschen Bureaus".) weiteren haben die Scharfmacher die Stirn, von den Organisationen den genannten Firmen bis Sonnabend nicht ermöglicht sei. Das Ein von Port Arthur hier eingetroffener Offizier berichtet, daß die zu verlangen, daß dieser ihr letzter Vorschlag ohne jede Vor- Nachgeben der Ausständigen erscheint unwahrscheinlich, da sich ihre Beschädigungen der gesunkenen russischen Schiffe geberatungen den Versammlungen unterbreitet und an- Bahl weiter vermehrte. Auch in Glauchaut sind weitere 40 Mann In Gera find 100 Mann entlassen ringeren Umfanges find, als man angenommen hatte. Man genommen werde, anderenfalls sie überhaupt nicht mehr vor in den Ausstand getreten. worden, weil sie leberstunden verweigerten. habe gewußt, daß die Russen im Innern der Schiffe Sprengstoffe dem Gewerbegericht erscheinen würden. zur Explosion brachten und habe daher schwere Beschädigungen er= Die Frage des Gewerbegerichtsrats Dr. Brenner, ob damit Helsingfors, 19. Juli.( W. T. B.) Das Polizeigericht verurteilte wartet, doch seien die wichtigsten Teile der Schiffe auf auch der Nevers zurückgezogen fei, beantwortete der Oberscharfmacher heute Hohenthal, welcher am 5. Februar das Attentat auf den fälligerweise unverlett gefunden worden. Am Revadig dahin, daß der Nevers für den Arbeitgeber- Staatsprofurator Johnson verübte, zu lebenslänglichem Zuchthaufe. Berantw.Red.: Paul Büttner, Berlin. Inferate verantw.( mit Ausnahme der Neue Welt" Beilage): Th.Glode. Berlin. Drud u. Berlag: Borwärts Buchdr. u. Verlagsanft. Paul Singer& Co., Berlin SW. Sierzu 2 Beilagen u.lnterhaltungsb Nr. 167. 22. Jahrgang. 1. Ktilaze des.Ärmels" letlinet ÄIKsM Donnerstag, 20. IM MS. Nennte Generalversamnllnng des Derbandes der Fagerhalter vnd Fagerhalterinne» Deutschlands. Im festlich geschmückten Saale des Etablissements Hamcr zn Hamburg trat am Montag die Generalversammlung zusammen. Außer acht Vorstandsmitgliedern sind ein Ausschuß- und ein Revisionsmitglied und 40 Delegierte erschienen. Als Gäste sind an- wesend U m b r e i t(Generalkomniission), v. Elm sVertretcr der „Produktion" und der Tabakarbeiter-Genossenschaft in Hamburg), H e e r m- Hamburg(Vertreter des Bäckerverbandes) und Schulzki- Berlin(Vertreter der Transportarbeiter-Organisation). Der Verbandsvorsitzende, P ö tz s ch- Leipzig, teilt mit, daß der Sekretär des Verbandes deutscher Aonsuinvereine, Kaufmann- Hamburg, in einem Schreiben seinem Bedauern Ausdruck verleihe, daß er der Einladung zum Erscheinen nicht Folge leisten könne. weil dem Verbände nicht genügend Kräfte zur Verfügung ständen zur Beschickung von Spezialkongressen. Pötzsch kritisiert dieses Schreiben und nieint, wenn Kaufmann Zeit habe zur Teilnahme an anderen Kongressen, so müßte er auch Zeit übrig haben zum Er- scheinen auf der Generalversammlung eines Verbandes, dessen Mit- glieder ausschließlich in Genossenschaftsbetrieben beschäftigt seien. Den Geschäftsbericht, der gedruckt vorliegt, erläutert der Verbands- Vorsitzende. Die Mitgliederzahl ist im vergangenen Jahre vonlUS auf 1346 gestiegen und beträgl jetzt 1SOO. In vielen Vereinen, namentlich in Schlesien, besteht noch das Prozent- und Tanticmenwesen. während in Süddeutschland viele Frauen beschäftigt sind, die sich zum großen Teil ablehnend gegen die Organisation verhalten. Das Verbandsorgan erscheint jetzt monatlich zweimal und es wird ein häufigeres Er- scheinen des Blattes gewünscht.»Die politische Stellung mrd die Tätigkeit für unseren Verband eines in einem von Hirsch-Dunckerschen Verwaltungsmitgliedern geleiteten Vereins beschäftigten Kollegen wurde auch diesem zum Verhängnis. Er wurde seiner Stellung enthoben, also gematzregelt." Dieser sowie ein anderer Gemäß- regelter sind vom Verbände unterstützt worden. Den um eine bessere Lebenslage kämpfenden Porzellanarbeitern, Fleischern, Ver- goldern und Steinsetzern sind aus der Verbandskasse Unterstützungen überwiesen worden. Mit der Haltung des Vorstandes und des Fachorgans ist man im allgemeinen einverstanden, dagegen wird Klage erhoben gegen die Leitung des Handlungsgehülfen-Verbandes, die beim Werben von neuen Mitgliedern oft die gesteckten Grenzlinien überschreite. Außerdem wird scharf gegen die von Kaufmann redigierte„Konsum- genossenschaftliche Rundschau" polemisiert, mit deren Ton gegenüber den Bestrebungen des Lagerhalterverbandes man sich nicht befreunden kann. Ein Delegierter wünscht eine prinzipielle Entscheidung darüber, ob bei Streitigkeiten mit den Verwaltungen die Kaufmannsgerichte oder die Schiedsgerichte, wie sie auf Grund des auf dem Genossen- schaftstage in Hamburg gefaßten Beschlusses über ganz Deutschland ausgedehnt worden sind, in Anspruch genommen werden sollen. Empfohlen wird, bei Anlage des Verbandsvermögens äußerste Vorsicht zu gebrauchen, damit nicht, wie beim Zusammenbruch des Connewitzer Konsumvereins, der Verband geschädigt werde. Aus dem Kafienbericht ist ersichtlich, daß die Bilanz für 1903 mit 22ö0L M., die für 1004 mit 31096 M. abschließt. Zinstragend an- gelegt sind in 1903 13111 M. Ueber die Unter st ützungskasse des Zentralverbandes deutscher Konsumvereine referiert Henker- Dresden, welcher die Vorgeschichte der mit dem 1. Januar 1906 ins Leben tretenden Kasse schildert und seiner Verwunderung Ausdruck verleiht, daß die maßgebenden Personen die Angestellten nicht zu den Vorarbeiten herangezogen hätten. Das Statut enthalte viele Punkte, welche nicht den Intentionen der Angestellten entsprächen. Redner vertrat sodann die in einer Resolution niedergelegten An- sichten. In der Debatte über diesen Punkt warnt als erster Redner v. Elm vor dem Mißtrauen, welchem der Referent anfangs seiner Ausführungen Ausdruck gab. Es handle sich um ein Werk von großer Tragweite für die Angestellten. Wenn es vielleicht auch nicht allen Wünschen Rechnung trägt, so müsse später das Werk aus- gestaltet werden, wozu Gelegenheit auf den Generalversammlungen geboten werde. Um die Einrichtung nicht zu gefährden, bitte er, die iveitergehenden Wünsche zurückzustellen. Nach kurzer Diskussion wird nachstehende Resolution angenommen: „Der neunte Verbandstag der Lagerhalter Deutschlands begrüßt den Beschluß des Stuttgarter Genossenschaftstages, eine Unter- stützungskasse für alle Angestellten und Arbeiter der Genossenschaften ins Leben zu rufen, als die Erfüllung einer sozialen Pflicht. Wenn- gleich der Entwurf, auf dessen Grundlage die Kasse zunächst ins Die russische Inquisition. Vor einiger Zeit erschien ein Buch, das den Titel„Die In- quisition der russi)ch-orthodoxen Kirche" und den Untertitel„Die Klostergefängnisse" trägt.*) Der Titel mutet ganz entschieden sensationell an, wie heutzutage bei vielen Büchern, die einen gar mageren Inhalt haben. Und dennoch kann man nur selten in dieser Hinsicht eine so angenehme Enttäuschung erleben. Der gesamte In- halt des Buches deckt sich nicht nur mit dem Titel, sondern besteht buchstäblich ans wirklichen unbestrittenen und unbestreitbaren Jnguisitionsgeschichten. Auch die Person deS Verfassers ist für sensationelle Erfindungen ganz und gar nicht geeignet. Eher alles andere: ein Annalenverzeichner, ein Archivar, ein Grabwäckiter. Schon die Schreibweise. Er schreibt, als wälze er massive ungeheure Steinplatten herunter, um verschollene LeiSen aufzufinden. Man glaubt mitunter dieselben Tatsachen in unendlicher Wieder- holung zu lesen. Sie sind einförmig. Die Namen und die Einzel- heiten entschwinden und es bleibt nur derselbe Eindruck zurück, der peinliche, trübe, der dem Zahnschmerz nicht unähnlich ist. Erst nachdem man im Geiste das Gesamte überichlagt. wird man gewahr, daß man in einein ganz für sich abgeschlossenen düsteren Reiche weilte, das seine Jahrhunderte währende Traditionen hat, daß die ein- förmigen Tatsachen nur darum einförmig sind, weil sie das gleiche Schicksal von tausend und abertausend Menschen schildern. In diesem Reiche herrscht die Inquisition im buchstäblichsten, nicht im figürlichen Sinne. Man baut in diesem Reiche:„ungeheure Klostermauern, inner- halb deren Gefängnisse sich befinden, die aus einzelnen Zellen bestehen. Wenn der Gefangene in die Zelle kommt, so wird davor eine Wache von zwei Soldaten mit geladenem Gewehr ausgestellt. Die Zelle ist unter Schloß und Riegel und mit einem Siegel versehen. Die Zelle darf nur ein kleines Fenster besitzen, durch das Nahrung verabreicht wird. Niemand darf die Zelle betreten. Wenn der Gefangene krank wird und dem Tode nahe ist, so ist ihm nach der Beichte das heilige Sakrament zu spenden. Nur zu diesem Zwecke darf die Zelle ge- öffnet und daS Siegel gebrochen werden: darauf aber ist die Tür wieder zu schließen, mit dem Siegel zu versehen und streng zu be- wachen.(S. 26). Man sitzt in diesen Zellen— 10, 16, 20, 30, 40, 60 Jahre I (S. 42, 46); man sitzt ohne Angabe der Strafzeit, bis zum Tode, bis man„die Irrlehre und Ketzerei bereut und Abbitte tut". Man verläßt die Zelle,„wenn man im höchsten Grade wahn- finnig geworden ist", wenn alle Verwandten und Bekannten schon tot, wenn alle Beziehungen zu der äußeren Welt verschollen sind, we>m der Gefangene flehentlich bittet, ihn in der Zelle, in der seine Jugend, sein Leben, sein Verstand eingesargt wurden. daS Ende seiner Tage abwarten zn lassen. Man bewacht die Zelle, damit die Gefangenen nicht toben und ihrer Irrlehre nicht huldige». Die meisten Gefangenen sind tief- *) Brugawin. Friedrich GotheinerS Verlag. Leben tritt, die Angestellten und Arbeiter in mehr als einer Hinsicht nicht befriedigt, so verkennt der VerbandStag doch nicht die Gründe, welche die Mehrheit des GenossenschaftstageS veranlaßte, ungeachtet dieser Mängel für die sofortige Verwirklichung der Kasse einzutreten. Der Verbandstag erwartet, daß die Genossenschaften und ihre Angestellten gemeinsam bemüht sein werden, diese Mängel der Kasse zu beseitigen, noch ehe deren Leistungen in Wirksamkeit treten, und daß besondes die Organisationen der in Genossenschaftsbetrieben tätigen Angestellten und Arbeiter unausgesetzt in diesem Sinne tätig sind. Im Interesse einer möglichst raschen einheitlichen korporativen Aufnahme des gesamten Genossenschaftspersonals erachtet es der Verbandstag zunächst aber als die Pflicht aller Vcrbandsmitglieder, sofort an ihre Verwaltungen mit dem Antrag auf Beitritt zur Kasse heranzutreten n»d in Kollegenkreiscn eine energische Agitation nach dieser Richtung hin zu entfalten. Die Mitglieder sind verpflichtet, von den in dieser Angelegenheit getroffenen Entscheidungen der Ver- waltungcn beziehungsweise der Generalversammlungen der Konsum- vereine die Bezirksverwaltung in Kenntnis zu setzen. Die Bezirks« Verwaltungen sowie der Verbandsvorstand haben dieses Vorgehen der Mitglieder rechtzeitig vor Ablauf des Karenzjahres durch geeignete Schritte zu unterstützen." Die Statuten berat ung endete mit der Annahme einer Anzahl Anträge, von denen folgende hervorgehoben seien: Der Bei- trag pro Monat bleibt auf 1,25' M. bestehen.— Die Gemaßregelten- Unterstützung beträgt wöchentlich 15 M. und kann bis zur Dauer von 13 Wochen gewährt werden. Außerdem wird Umzugs-Unter- stützung gewährt bis zum Höchstbetrage von 50 M.— Der Preß- kommission dürfen nicht Mitglieder des Vorstandes angehören.— Das Verbandsorgan.„Die Monatsblätter", erscheint monatlich zweimal, doch kann im Bedarfsfalle das Blatt öfter herausgegeben werden. Die nächste Generalversammlung findet in Leipzig statt. Die obligatorische Erhebung eines Extrabeitrages wird mit dem Hinweis bekämpft, daß es noch Vereine gebe, wo der Lagerhalter mit Weib und Kind bei sechzehnstündigcr Arbeitszeit wöchentlich 15 M. verdiene. Der Antrag soll den Bezirken zur tunlichsten Be- rücksichtigung überwiesen werden. Die Abänderungen zum Statut sollen sofort in Kraft treten. Ueber die „Revision unserer Mindestforderungen" referiert Friedrichs- Leipzig, der den Entwurf der Kommission zur Annahme empfiehlt. Nach längerer Debatte gelangt der Entwurf in nachstehender Fassung zur Annahme: A. Geschäftszeit, freie Zeit und Umsatz. Einführung des Achwhr-LadenschlnsseS. Geschäftsschluß an Sonn- und gesetzlichen Feiertagen. Eine wöchentliche Geschäftszeit von höchstens 60 Stunden. Gewährung einer zweistündigen Mittagspause, während welcher die Geschäfte zu schließen sind. Gewährung einer Ausgehezeit von mindestens zwei halben oder einem ganzen Tage monatlich und nicht unter einer Woche Urlaub jährlich, wa� kontraktlich festzulegen ist. Die Höhe des Umsatzes darf in Kolonialwarengcschäften, die ihre Waren vom ZentraUager erhalten, 2250 M. monatlich pro Arbeitskraft(Lagerhalter, Verkäuferin, Kassiererin, Arbeits- mädchen, Arbeitsfrau oder Markthelfer) nicht überschreiten. In Warenhäusern und in den Filialen der Vereine, die kein Zentrallager besitzen, darf die Höhe des Umsatzes 2000 M. nicht überschreiten. Etwaiger Umsatz im Markengeschäft ist dabei nicht mitzurechnen. L. Gehalt und Wohnung. Die Entlohnung geschieht nach festen Gehaltssätzen, die von den Bezirken nach den örtlichen Bedürfnissen unter Zustimmung des Vorstandes festzusetzen sind. Die Steigerung des Gehalts muß mindestens 60 M. pro Jahr betragen. Außer diesem festen Gehalt ist eine WohnnngScntschädigung nach den örtlichen Verhältnissen zu zahlen. Der Verband fordert, daß die Arbeitskraft der Frau des Lagerhalters vom Verein nicht in Anspruch genommen wird. Dort, wo es trotzdem zeitweise unum- gänglich notwendig ist, ist eine Entschädigung für die geleistete Arbeit in Höhe des Gehaltes der ersten Verkäuferin, oder, wo keine Ver- käuferin angestellt ist, in Höhe der Hälfte des jeweiligen Einkommens des Lagerhalters zu gewähren. Außerdem ist der Verein verpflichtet, die Frau zur Kranken-, Invaliden- und Unfallversicherung anzumelden. Bei bis jetzt üblich gewesenen Extraentschädignngen, wie solche in einzelnen Vereinen bei guten Inventur- bezw. Jahresabschlüssen oder 1. 2. 3. 4. 6. 6. religiöse, gläubige Menschen: sie wollen beten, da eS schon längst ein unentbehrliches Bedürfnis für sie geworden ist; aber eS ist schwer, zu beten, wenn man jeden Augenblick das argwöhnische Auge des wachthabenden Soldaten auf sich gerichtet fühlt. Der Gefangene deckt, so gut eS geht, die Oeffnung an der Tür zu, bereitet sich zum Gebet vor und überläßt sich ganz dem religiösen Gefühle, das über ihn gekommen ist— da ertönt aber in diesem Augenblicke ein starkes Klopfen an der Tür und eine rohe Stimme fordert mit brutalen Schimpfwörtern, daß die Oeffnung unverzüglich fteigemacht wird. Keine Bitten des Arrestanten helfen in solchen Fällen.„Ich kann nicht wissen, ob D» betest, oder ob Du die Wand untergräbst," sagen die Soldaten zu ihrer Rechtfertigung.(62). In den Kasematten schmachten die religiösen Verbrecher mid Ketzer, die die herrschende Lehre der Kirche bekämpfen. Was will angeblich die Lehre der Kirche? Liebe den Nächsten wie dich selbst — ist ihr Gebot. Und die Ketzer?... Hier ein Beispiel, das typisch ist: Im August 1902 wurde aus dem Susdalschen Klostergefängnisse Wassilij Assipowitsch Rachow, aus Archangelsk gebürtig, entlassen, nachdem er volle acht Jahre in der Einzelhaft in den Kloster- kasematten gesessen hatte. Vor zehn Jahren war Rachow, 22 Jahre alt, in einem Handelsgeschäft einer reichen deutschen Finna in Archangelsk angestellt. Als Sohn wohlhabender Eltern und von seinen Prinzipalen sehr geschätzt, war er an der Schwelle einer glänzenden Laufbahn, als er plötzlich zum Entsetzen der Eltern und zur nicht geringen Verwunderung der Bekannten die Stellung und die Gesellschaft, in der er verkehrte, aufgab und verschwand. Einige Zeit darauf finden wir ihn schon in einem kleinen Dorfe. Von Hütte zu Hütte wandernd, erteilt er dort den Bauernkindern Unter« richt im Lesen und Schreiben und in der Religion, den Erwachsenen hilft er mit Rat und Tat und liest ihnen au den Abenden und E eiertagen aus Büchern religiös-ethischen Inhalts vor. Zu gleicher eit bekämpft er eiftig die Trunksucht, Roheit und die anderen Fehler der Bauern, weckt mit Erfolg ihr Gewissen, so daß die Bauern förmlich aufleben. Rachow erscheint als willkommener Gast in jeder Hütte: er ist Lehrer, Friedensstifter und Helfer zugleich. Die Bauern geben das Trinken auf; die Baucrnweiber, die von den betrunkenen Männern so viel zu leiden hatten, preisen die Vorsehung dafür, daß sie ihnen einen Menschen gesandt hat, durch den sie daS Licht erblickten. Mehr als zwei Jahre vergehen, bis er wieder in seiner Heimat erscheint. Man erfuhr, daß er inzwischen den ganzen russischen Süden durchwanderte und in Palästina war. Endlich kommt er nach Odessa, dem Schauplatze der letzten märchenhaftesten aller revo- luttonären Eruptionen. Hier läßt er sich, wie er es gewohnt, in einer Vorstadt nieder und kommt mit deren Bevölkerung, die ans Arbeiteni. Bettlern und Barfüßlern bestand, in Berührung. Er ist entsetzt über die fürchterliche Rot, in der alle diese Menschen leben. Er beschließt, das zur Kenntnis der reichen Gesellschaft in Odessa zu bringen, um ihre Teilnahme zu wecken und sie zur Hülfe zu veranlassen. dergleichen gewährt wurden. sind Kompromisse zwischen den Ver- waltungen und den Lagerhaltern auch ferner zulässig. Die weiteren Bestimmungen regeln die Mankobergütung:c. Eine eventuell zu stellende Kaution darf die Höhe von 600 M. nicht übersteigen, muß mündelsicher angelegt und zum landesüblichen Zinsfuß verzinst werden.— Die Konsumvereine sind verpflichtet, ihre Lagerhalter gegen Unfälle zu versichern. Die Entschädigung des Vorstandes wird für die zweijährige Geschäftszeit auf 1000 M. festgesetzt. Nachdem der seitherige Verbandsvorsitzende auf eine Wiederwahl verzichtet, wird Reinsdorfs- Leipzig zu diesem Amt gewählt. Der Sitz des Ausschusses bleibt in Berlin. Die Freie Uereinigullg der Kraukenkasse« der Provinz Krandenburg hielt am Sonntag in den„Arminhallen" in Berlin ihre zweit« Jahreskonferenz ab. Erschienen waren 56 Delegierte von 34 Orts-Krankenlassen mit 75 194 Mitgliedern, 2 Delegierte von einer Betricbs-Krankcnkasse mit 112 Mitgliedern, 3 Delegierte von 3 HülfSkassen mit 1005 Mitgliedern, 1 Delegierter von 2 Jnnungs» lassen mit 192 Mitgliedern, zusammen 62 Delegierte von 40 Kassen mit 76 503 Mitgliedern. Außerdem war die Zentralkommission zu Forst vertreten. 87 Gäste wohnten den Verhandlungen bei._ Simanowski gab den Geschäftsbericht. Die Vereinigung wurde im November 1904 gegründet. Es gehören ihr offiziell 10 Kassen mit 38 700 Mitgliedern an. Vereinnahmt wurden 495,35 M., verausgabt dagegen 1357,50 M. Bezeichnend dafür, welche Auf- fassung behördliche Kreise von der Selbstverwaltung der Kranken- lassen haben, sei die Tatsache, daß die obere Verwaltungsbehörde, kurz nachdem die Einladung zu dieser Konferenz ergangen war, folgenden Erlaß des Regierungspräsidenten zu Potsdam den Kassen- vorständen zu erneuter Beachtung dringlichst empfahl: Die Zentralkommission der Krankenkassen Berlins und Um- , gogend ist zu einer Freien Vereinigung der Krankenkassen Berlins und der Provinz Brandenburg erweitert, deren Verwaltung von der bisher an der Spitze der alten Organisation stehenden Zentral- kommisfion und neun von Krankenkassen außerhalb Berlins zu wählenden Mitgliedern geführt wird. Es steht zu erwarten, daß die Freie Vereinigung ihr Bestreben dahin richten wird, möglichst viele Krankenkassen an sich heranzuziehen. Ich mache darauf aufmerksam, daß es sich hierbei nicht um einen Verband im Sinne des§ 46 des Krankenversicherungs- Gesetzes handelt und daß daher die Leistung von Beiträgen seitens der Krankenkassen an die Freie Vereinigung oder überhaupt die Verausgabung von Kasscngeldern im Interesse der Vereinigung mit dem Gesetz im Widerspruch stehen würde. Den Gcmeindevorstand ersuche ich als Aufsichtsbehörde, mit Sorgfalt darüber zu wachen, daß im Falle eines Anschlusses au die Vereinigung den seiner Aufsicht unterstellten Krankenkassen jedenfalls daraus keine Unkosten erwachsen. Die Rechnungs- abschlüsse und besonders der Posten„Verwaltungskostcn" sind des» halb einer sorgfältigen Prüfung zu unterwerfen. gez. v. d. Schulenburg. Natürlich wurde der Erlaß des Herrn Regierungspräsidenten von den Kasscnvorständcn mit gebührender Hochachtung gewürdigt. — Nach lebhafter Diskussion, in der vor allem die Notwendigkeit des Zusammenschlusses anerkannt wurde, um den Organisationen der Aerzte und Apotheken gewachsen zu sein, erklärte sich die Konferenz mit der Tätigkeit der Verwaltung einverstanden. Hierauf referierte Apotheker S kaller über die neue Rcichs-Arzncitaxe. Die Kassen als die Hauptkonsumenten der Apotheker hätten ein dringendes Interesse daran, die Arzneiversorgung möglichst billig zu gestalten. Sie müßten deshalb auch ihr Augenmerk auf die neue Reichs-Arzneitaxe richten, durch die zwar für das ganze Reich an Stelle der einzelstaatlichen Taxen eine gewisse Einheitlichkeit tritt, doch sei diese nur um den Preis einer weiteren Verteuerung er- kauft. Der Referent schildert dann an verschiedenen Beispielen die Wirkungen der neuen Arzneitaxe. Nach einer für Berlin vor- genommenen Umtaxierung erhöhen sich die Ausgaben für Arzner um 7 bis 9 Proz. Des weiteren weist dann Redner an dem Bei» spiel des Berliner Apothekcn-Boykotts nach, daß die Kassen sich nur durch eine straffe Organisation vor Schaden bewahren können. Ferner empfiehlt er den Kassen dringend, eine ständige Revision der Rezepte einzuführen. Die Kosten dafür würden bei weitem durch- die erzielten Vorteile aufgewogen. Jeden Abend kommen die reichen und wohlhabenden Leute im Theater zusammen; da beschließt Rachow, ohne viel zu überlegen. ins Theater zu gehen. Er nimmt im Parterre Platz. DaS Theater war wirklich voll, fast alle Plätze waren besetzt. Schon während der ersten. Pause, sobald der Vorhang fiel nnd das Publikum bereit war, sich von seinen Plätzen zu erheben, wandte sich Rachow zu ihm mit einer glühenden Rede, in der er die Not und das Elend der Vorstadt schilderte, und forderte die Gesellschaft zur unverzüg- lichen Hülfe auf. Rachow wird verhastet. Bald darauf zieht er wieder nach dem Süden und wird ein Jahr später auf dem Etappenwege aus Kiew nach seiner Heimat» stadt befördert. Als Rachow wieder nach Archangelsk kam, ging er ganz in der LiebeStätigkeit für die Nächsten im Geiste des remen Christentums auf. Seine Devise war:„Alles für die anderen, nichts für sich selbst." Er knüpft enge Beziehungen zu den armen Leuten, die in der Vorstadt leben, an und studiert aufmerksam und eingehend die Bedürfnisse dieser Menschen. Tagtäglich, vom frühen Morgen bis zur späten Nacht, besucht er die Nachtasyle und ver» schiedene Herbergen, in denen Armut, Laster und Verbrechen nisten, lehrt die Menschen das Gute, verteilt Bücher, hilft wo und wie er nur kann, versöhnt die Streitenden mit einander. Im Anfang des Winter 1893 mietete Rachow in den zwei entlegensten Stadt- vierteln, die von den ärmsten Leuten bevölkert waren, zwei Wohnungen, wo er täglich etwa hundert und mehr Menschen speiste. Diese Tischgesellschaften begannen und schloffen in der Regel mit dem Vorlesen aus dem Evangelium und den Heiliaengeschichten, die er erläuterte, und mit einem Gebet. Auch sonst kamen viele in Rachows Speisehallen aus Neugier, um zu hören, wie er spricht und vorlieft Da er aber keine Erlaubnis hatte, diese Speisehallcn zu eröffnen, so wurden sie geschloffen. Dan» begann er von Haus zu Haus, von Hütte zu Hütte zu wandern. Und eS gelang ihm überall zur rechten Zeit zu erscheinen, als unverzügliche Hülfe und Trost erforderlich waren. Im Winter verließ er, während eS noch dunkel war. den Hof mit einem mit Mehl, Brot, Holz usw. beladenen Schlitten. Er machte vor bestimmten Hütten Halt, ließ an deren Schwelle Mehl oder Holz zurück und entfernte sich dann, ohne daß ihn jemand ge- sehen hatte. Rachow hatte auf die armen Leute und die Arbeiter der Stadt einen wohltuenden moralisierenden Einfluß. Und dieser seltene Altruist, der sein ganzes Leben dem Ideale des Evangeliums gemäß aufzubauen suchte, wurde auf Veranlassung der geistlichen Behörden in die Klostervcrbannung geschickt und acht lange Jahre in der Klosterkasematte als Ketzer gehalten. Die Verbannung des einzigen Sohnes, auf den die Familie alle ihre Hoffnungen gesetzt hatte, war ein harter Schlag für den alten Bater und die Mutter. Die letztere hielt es nicht aus: sie wurde krank und starb drei Monate darauf „aus Kummer". Nach dem Tode der Frau blieb der alte Mann ganz und gar vereinsamt. Bitter, wenn auch ohne jede Erbitterung klagte er über den schweren Schlag des Schicksals, der ihn getroffen hatte. Der unglückliche Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: Die heute, am 16. Juli, in den" Arminhallen" zu Berlin bersammelten Krankenkassen der Provinz Brandenburg sprechen ihr lebhaftes Bedauern aus, daß die neue deutsche Arzneitare geschaffen wurde, ohne die Hauptarzneifonsumenten, die deutschen Krankenkassen, zur Mitarbeit heranzuziehen. Pädagogik und Geschichte der Pädagogik zu habilitieren. In seinem Hauptberufe wirkt Genosse Seidel als Sekundarlehrer( Reallehrer) Aus Induſtrie und Bandel. unter den Auslandspreisen standen, während um gekehrt heute Deutschland die höchsten Viehpreise hat. Die von der Zentrale angeführten Zahlen beweisen also gerade das, was wir behaupten- wenigstens nach der gewöhnlichen Logit, wenn auch vielleicht nicht nach der agrarisch- infizierten. Die Krankenkassen erblicken in der bedeutenden Steigerung der Arzneitare gegenüber den an sich schon hohen Preisen der Die Zentrale für Vichverwertung über die Fleischnot. Gelsenkirchener Bergwerksgesellschaft und Borussia". In dem früheren preußischen Tage, besonders für diejenigen Kranken- Unsere Ausführungen über die Ursachen der jetzigen Vieh- und Leitartikel Menschenopfer und Grubenkapitalismus“ der letzten kassen, die der Gnade der Apotheker ausgeliefert sind, eine schwere Fleischtenerung, speziell in dem„ Wirtschaftlichen Wochenbericht" der Sonntagsnummer ist uns ein Versehen unterlaufen. Die Beche " Borussia" gehört nicht der Gelsenkirchener Bergiverlsgesellschaft, Schädigung der Interessen der Krankenkassen. Nr. 157 des Vorwärts"( vom 8. Juli) müssen die agrarischen Streise fondern markscheidet nur mit deren Besitz. Der Irrtum ist dadurch Die Versammlung hat die Zuversicht, daß die Zusicherung arg verschnupft haben, denn nachdem schon in voriger Woche die entstanden, daß nach den Berichten über den Unglücksfall" die des Staatssekretärs v. Posadowsky, es würden bei der alljährlichen kleine agrarische Presse darauf mit allerlei Mätzchen und Ent- Rettungsapparate erst von der„ Germania" geholt werden mußten, Neugestaltung der Tage auch Kassenvertreter gehört werden, sich stellungen das Geplänkel eröffnet hat, rückt jetzt auch die diese Zeche aber zum Grubenbesitz der Gelsenkirchener Gesellschaft bewahrheiten wird und daß diese Mitwirkung der Kassenvertreter bekannte eine gerechte Berücksichtigung der Krankenkasseninteressen beDie Krankenkassen verpflichten sich aber, auch ohne Mit wirkung gesetzlicher Organe durch eigene Kraft dafür zu wirken, daß durch Ausnutzung aller ihnen zu Gebote stehenden Rechtsmittel solche Arzneibezugsbedingungen geschaffen werden, daß die Interessen ihrer Mitglieder gewahrt bleiben. wirken wird. Alsdann sprach Simanowski über: " Der Ausbau unserer Organisation bezüglich des Vorgehens der Aerzte und Apotheker." Wir hätten, nachdem wir selbst inzwischen auf unseren Irrtum aufmerksam geworden sind, ohnehin diese Mitteilung gebracht, erhielten aber zum Ueberfluß heute auch eine den preßgesetzlichen Anforderungen nicht entsprechende Berichtigung der Direktion genannter Gesellschaft, in der sie uns offiziell mitteilt, daß sie nicht Eigentümerin der Zeche„ Borussia" ist. " schweren Geschoß einer sogenannten fachkundigen Widerlegung Zentrale für Viehverwertung mit dem gehört. spät, gegen unsere Darlegungen vor allerdings etwas denn seit dem Erscheinen des betreffenden Wochenberichts find zehn Tage verstrichen. Allzu vorteilhaft hat jedoch diese langsame Bedächtigkeit die geistige Kollektivarbeit der Zentrale" nicht beeinflußt, denn die Widerlegung schleicht an den wichtigsten unserer Feststellungen scheu vorüber und hebt aus dem ganzen Artikel nur eine Die Zeche Borussia" hat, wie die„ Bergarbeiter- Zeitung" mitAusführung hervor, um an diese anzuknüpfen. Weder vermag die teilt, schon manche Wandlung durchgemacht. 1856/57 wurde sie als " Zentrale" unsere Ausführungen über die Breissteigerung Aftiengesellschaft gegründet, 1892 in eine Gewerkschaft( eingeteilt in Er weist nach, daß namentlich die Provinzkassen infolge ihrer des Schlachtvichs, noch den Nachweis anzufechten, daß 1000 Kure) umgeändert." Borussia" ist eine von den Zechen, die isolierten Lage nur dann mit Erfolg den oft unberechtigten For- Deutschland unter allen Staaten Mittel- und Nordeuropas in der tollsten Gründerperiode( 1870/73) aus dem Vollen wirtderungen der Aerzte und Apotheker entgegentreten können, wenn die höchsten Viehpreise hat, ja daß selbst in Paris schafteten, ohne an die Zukunft zu denken. In den Jahren 1870/74 sie sich der Vereinigung anschließen und unter Mithülfe der Ber- die Viehpreise während der letzten drei Jahre Raubbau" getrieben, die nachfolgenden Befizer waren die Geleimten. verteilte Borussia" jährlich 12-40 Proz. Dividende! Es wurde waltung neue Verträge abschließen. Redner gibt dann die Resultate beträchtlich unter dem Niveau der Berliner der von der Verwaltung aufgenommenen Enquete bekannt. Daraus Von 1875-1891 sind überhaupt nur 8 Proz. Dividende zur Verergibt sich, daß von 69 Kassen nur zwei feste Verträge mit den Viehpreise gestanden haben. Diese Nachweise lassen sich teilung gelangt. Die Gewerkschaft Boruffia" zahlte von 1892-1900 Apothekern geschlossen haben. 55 Kassen erhalten von den Apothekern nicht gut wegleugnen, denn sie stützen sich auf amtliche Notierungen teine Ausbeute, von 1901-1904" zusammen 320 M. Ausbeute Rabatt, 13 nicht. In dieser Beziehung liegt noch vieles im argen. und Statistifen; so ignoriert sie die Zentrale" einfach, und wendet pro Kug. Borussia" ist eine der Zechen, die trotz natürlicher fast ganz Des weiteren fritisierte Redner die vom jüngsten Aerztetag in sich gegen einen Punkt, den sie für schwächer zu halten scheint. Doch günstiger Produktionsbedingungen( mehrere gute, Straßburg beschloffenen Anträge und Forderungen. Diese stellen auch dort gibt sie nicht den vollen Wortlaut unserer Auslassung reine Flöze) dank dem unersättlichen Gelddurft teils eminente Gingriffe in das Selbstverwaltungsrecht der Kassen wieder, sondern stutzt ihn für ihre Zwecke derartig zu, daß er einen und Spekulanten gründlich versaut" wurden, wie der Bergdar, teils sind sie undurchführbar, wie z. B. die gesetzliche Fest- anderen Sinn erhält. Wir hatten geschrieben: mann sagt. Das Werk ist infolge der alten Mißwirtschaft legung der freien Aerztewahl. Angenommen wurde hierzu folgende Resolution: Die Grundursache der alle paar Jahre wiederkehrenden, den mit so vielem Kapital belastet, daß die Selbstkosten inklusive Die am 16. Juli in den„ Arminhallen" zu Berlin ver- Haushaltsetat der ärmeren Volksschichten auf schwerste belastenden Anleihezinjen 1904 pro Tonne 10,01 Mark ausmachten. Die Förde rung 1904 betrug 157 937 Tommen. Der Durchschnittslohn pro sammelten Krankenkassen beauftragen die Verwaltung der Freien Fleischteuerungen liegt trotz aller rabulistischen Zeugnungsversuche Schicht fiel 1904 von 4,36 auf 4,27 M., die Durchschnittsleistung des Vereinigung der Krankenkassen der Provinz Brandenburg, beim der agrarischen Preſſe in der absoluten unzulänglichkeit der Arbeiters stieg pro Schicht von 0,67 auf 0,68 Tonnen. Es gibt deutschen Viehproduktion im Verhältnis zum Bedarf der deutschen 191 Abschluß von Verträgen zwischen Krankenkassen einerseits, Aerzten Bevölkerung. Allerdings hat, wenn man die früheren Viehbestände teine Zeche im Revier Dortmund III, wo ein so koloſſaler Arbeiterund Apothekern und anderen Lieferanten andererseits vermittelnd und die ermittelten Durchschnittsgewichte des Schlachtviches mit wechsel herrscht wie auf der„ Muſterzeche"" Boruſſia". 1903 sind dort einzugreifen und den Krankenkassen beratend zur Seite zu stehen. den jetzigen vergleicht, eine nicht unbeträchtliche Vermehrung der bei einer durchschnittlichen Belegschaft von 788 Mann angenommen einzugreifen und den Krankenkassen beratend zur Seite zu stehen. Verträge dieselben der Verwaltung zur Prüfung und Begutachtung Fleischbedarf gestiegen, teils infolge der BevölkerungssteigerungIm Interesse der Krankenkassen liegt es, vor Abschluß solcher Biehproduktion stattgefunden; aber noch weit stärker ist der deutsche 781, abgekehrt 859, auf 100 Arbeiter haben also 205 gewechselt! Deutsch- Luxemburgische Bergwerks- und Hütten- Aktiengesellschaft. borzulegen. Bum nächsten Punkt wurde nachstehender Antrag der An- 1875 hatte Deutschland nur 42, heute hat es zirka 58 Millionen Nachdem schon in den letzten Tagen die Aktien dieser Gesellschaft Einwohner, teils infolge der Zunahme des Fleischkonsums. ihren Kurs um zirka 30 Proz. gesteigert hatten, fand heute an der gemeinen Orts- Krankenkasse zu Rathenow angenommen:" Nach wie sich an allen Industriestaaten nachweisen läßt, erfolgt mit hiesigen Börse eine weitere Kurssteigerung um 20 Proz. statt. Die § 57a überwiesene Mitglieder anderer Staſſen haben in bezug dem Uebergang vom Agrar- zum Industriestaat, mit der Zunahme Ursachen der starken Nachfrage sind bisher noch nicht bekannt. Wie auf die Bestimmungen dieses Vertrages als Mitglieder zu gelten." der städtischen Bevölkerung zugleich in fast allen Schichten gerüchtweise verlautet, steht eine Fusion dieser Gesellschaft mit In die Verwaltung wurden sodann gewählt: Edermann vorzugsweise natürlich den wohlhabenden eine Steigerung des einer anderen großen rheinisch- westfälischen Bergwerksgesellschaft Rathenow, Beher- Spandau, Felber- Fürstenwalde, Zappei- Forst, Fleischverbrauches." Halm- Luckenwalde, Schmidt- Müncheberg, Busch- Zehdenick, Herrmann- Dahme, Kühn- Landsberg b. Belzig. Als Tagungsort für dic nächste Konferenz wurde wieder Berlin bestimmt. Hus der Partei. Die sozialdemokratische Fraktion des schweizerischen Nationalrates veröffentlicht soeben auf den in drei Wochen stattfindenden Parteitag hin ihren Tätigkeitsbericht über die Zeit seit dem letztjährigen Parteitag. Der Bericht führt in aller Stürze die Fälle an, in denen unsere Genossen das Wort nahmen, um die Arbeiterinteressen wahrzunehmen. Wir haben darüber jeweilen in unseren Berichten über die Verhandlungen der schweizerischen Bundesversammlungen Erwähnung getan. Auf eine gründliche Auseinandersetzung über die politische Polizei in der nächsten Herbstsession der Bundesversammlung ist die Fraktion gerüstet. Der Bericht bemerkt schließlich, daß die Fraktion zu klein ist, zumal alle 6 Mitglieder noch durch ihre Amts- und Berufsgeschäfte und auch durch Kommissionssizungen stark in Anspruch genommen sind, um allen Fragen, welche das Parlament beschäftigen, diejenige Aufmerksamkeit und Tätigkeit widmen zu können, die im Interesse des Landes und unserer Partei wünschenswert wären. Sie muß sich daher auf das beschränken, was ihr zu leisten möglich ist. Im übrigen sei ja im Referendumsstaat die Hauptarbeit unserer Partei draußen im Volte und nicht im Barlamente zu tun. Und diese Hauptarbeit besteht in unabläffiger Agitation und Organisation in Wort und Schrift zur Förderung des arbeitenden Volkes in Stadt und Land. Die schriftstellernden Zeiter der Zentrale für Viehverwertung Tassen einfach die letzten Sätze fallen und schreiben: die bevor. Aus der Frauenbewegung. Verein für Frauen und Mädchen der Arbeiterklasse. MontagJetzt zum erstenmal hat es der„ Vorwärts" gegenüber den „ rabulistischen Leugnungsversuchen" der agrarischen Presse versucht, absolute Unzulänglichkeit der deutschen Viehproduktion im Verhältnis zum Bedarfe der deutschen Bevölkerung" zahlenmäßig nachmittag( 24. Juli): Ausflug mit Kindern nach Treptow, Joels zu beweisen. Er ist aber ehrlich genug, diesen Beweis" damit zu Restaurant, Köpenicker Landstraße 21. Um recht zahlreiche Beteiligung Der Vorstand. beginnen, daß er zugibt, daß wenn man die früheren Vieh- ersucht bestände und die ermittelten Durchschnittsgewichte des Schlacht- Der Bildungsverein für Frauen und Mädchen Lichtenbergs viches mit den jezigen vergleicht, eine nicht unbeträchtliche Ver- hielt am Montag, den 17. 5. M., seine regelmäßige Versammlung mehrung der Viehproduktion stattgefunden hat"." ab. Herr Schriftsteller Baege hielt einen Vortrag über:" Bibel und Babel". Dem sehr interessanten und leicht verständlichen Vortrag schloß sich eine kurze Diskussion an. Darauf wurde den Mitgliedern bekannt gegeben, daß die Einladungen zu den Versammlungen fortan per Handzettel, die im Freundes- und Bekanntenkreise weiter verteilt werden sollen, erfolgen, weil dadurch eine größere Agitation für den Verein entfaltet werden kann. Alsdann wurde beschlossen, am Montag, den 31. Juli, nochmals einen Ausflug zu machen. Treffpunkt: Borhagener Brücke. Abmarsch pünktlich 2 Uhr nachmittags nach Dann unternimmt die Zentrale des Längeren und Breiteren nachzuweisen, daß nach den Viehzählungen von 1883-1900 nicht nur der deutsche Viehstand sich absolut, sondern auch relativ, d. h. eine Tatsache, pro Kopf der Bevölkerung berechnet, vermehrt hat und die wir gar nicht bestritten haben, sondern offen zugeben wendet sich darauf mit der ganzen Wucht ihrer eigenartigen Logit gegen unsere folgende Auslassung: Befolgt auch die Regierung die Praxis, durch Vieheinfuhr- Treptow. beschränkungen die Agrarier vor der ausländischen Konkurrenz zu schützen, schon seit Jahrzehnten, so wirden doch früher die Abwehr- Arbeiter: Samariterkolonne. Heute abend 9 Uhr: 3. Abteilung in maßregeln weniger streng durchgeführt, und die Schlachtviehimporte Schöneberg, Meiningerstr. 8: Vortrag über Knochenbrüche, Berrenkungen, aus den Nachbarländern lieferten daher zu der deutschen Vieh- Verstauchungen. Nachher praktische Uebungen. Neue Mitglieder können produktion nicht nur eine beträchtliche Ergänzung, sondern übten noch eintreten. Einschreibegeld 25 Pf., Monatsbeitrag 25 Bf. auch auf die deutschen Marktpreise einen gewissen Druck, so daß( E.. 29, Hamburg), Filiale Rummelsburg. Sonnabend, den Allgemeine Kranken und Sterbekasse der Metallarbeiter diese sich nur bis zu gewissem Grade über den Preisstand in den 22. Juli, abends 8%, Uhr, bei Guft. Tempel, Borhagen, Ecke der Neuen Privatdozent Robert Seidel. Unser Züricher Genosse Robert Nachbarländern zu erheben vermochten. In 1878 zum Beispiel führte Bahnhofstraße: Mitgliederversammlung. Tagesordnung: Bericht von der Seidel, der ehemalige sächsische Weber, hat die Erlaubnis erhalten, Deutschland 207 750 Ochsen, Stiere und ühe, 996 141 Schweine außerordentlichen Generalversammlung in Hamburg. sich am eidgenössischen Polytechnikum in Zürich als Privatdozent für und 804 315 Schafe ein; 1903 trop feiner um 13 Millionen Sozialdemokratischer Zentral- Wahlverein für den NeichstagsKöpfe größeren Bevölkerung nur 221 493 Dchsen, Stiere und Wahlkreis Kalau- Luckau. Ortsverein Berlin. Donnerstag, 20., Water fürchtete, daß die strenge Einzelhaft den mystisch Mühe, 79 511 Schweine und 1702 Schafe. Die Einfuhr von Rind- abends 81, Uhr, findet bei Weihnacht, Grünstr. 21, unsere ordentliche Generalgestimmten Sohn besonders mitnehmen und geistig völlig vich ist heute nur aus Desterreich- Ungarn, aus der Schweiz versammlung statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Borstandes. 2. Kassenzerrütten würde. Er hoffte immer durch Bitten, die er an ver- und Dänemark gestattet, und aus diesen auch mir über bestimmte bericht. 3. Wahl des Vorstandes. 4. Wahl der Delegierten zur Streis fonferenz. 5. Verschiedenes. Wegen der wichtigen Tagesordnung bitten schiedene hochgestellte Persönlichkeiten richtete, die Freilassung seines Grenzstationen unter bestimmten Quarantänevorschriften und zur wir alle Mitglieder pünktlich zu erscheinen. Gäste haben Zutritt. Sohnes aus dem Klostergefängnisse zu erreichen. Er bat, daß man fofortigen Abschlachtung in öffentlichen Schlachthöfen. Und die Verband deutscher Barbier, Friseur- und Perückenmacherihn seiner Obhut anvertraue. Umsonst! Diese Hoffnung ging nicht Einfuhr von Schweinen ist gänzlich verboten bis auf zirka 70000 Stück, gehülfen. Zweigverein Berlin. Donnerstag, den 20. Juli, abends in Erfüllung: der alte Mann starb, ohne die Freilassung des Sohnes die unter gewissen Kautelen zu baldiger Abschlachtung in Ober- 10 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Mitgliederversammlung. Zahlreiches Erscheinen erwünscht. zu erleben. Nach langjähriger Haft war der Seelenzustand Rachows schlesien eingeführt werden dürfen." verein Rigdorf. Donnerstag, den 20. Juli., abends 10 Uhr, bei Zentralverband der Friseurgehülfen Deutschlands. 8weig: völlig zerrüttet. Er ist jetzt faum fähig, weiter zu leben und zu arbeiten. Hoppe, Berlinerstr. 14: Mitgliederversammlung. Briefkaften der Redaktion. Juriftifcher Teil. Die juristische Sprechstunde findet täglich mit Ausnahme des Sonnabends von 7 bis 9%, 1hr statt. Geöffnet: abends 7 lvr. B. 84. W. A. 100. 1. Nein: Die Voraussetzungen der Wahlberechtigung müssen während der Offenlegung der Liste vorliegen. 2. Ja. 3. Die Erbebung und Voraussetzung zur Erhebung des Bürgerrechtsgeldes hängt von ortsstatutarischen Vorschriften ab, deren Wortlaut sie auf dem dortigen Magistratsbureau oder im dortigen Amtsblatt ersehen können. Sind Sie Erbe Ihres Vaters geworden das ist der Fall, wenn Sie nicht innerhalb 6 Wochen der Erbschaft in öffentlich beglaubigter Form entsagt haben so haften Sie für die Schulden. Aber der Gemeinde steht nach zutreffender, vom Reichsgericht gebilligter Rechtsauffassung in Preußen ein Anspruch auf Ersay der gezahlten Almosen nicht zu. Lassen Sie es auf A. P. Leider ist Ihre Mutter steuerpflichtig. einen Prozeß ankommen. Krankheit, Alter, Unglücksfälle entbinden von der Steuerpflicht nicht. Es tann aber die Gemeindebehörde unter Berücksichtigung der Krankheit usw. in besonderen Fällen von der Erhebung Abstand nehmen. W. S. Etwa je 1 350 000 Mann. Das Genauere finden Sie in der J. Sch. 20. Die Angabe des Wertes des Vermögens bei Errichtung eines Tastautents erfolgt zur Berechnung der gerichtlichen Stosten( für AufAuch in bezug auf diese Notiz vermag die" Zentrale" nicht zu bestreiten, daß tatsächlich die genannten Einfuhrverbote und-beMan fönnte annehmen, der Fall Rachow hätte aus unerhörtem schränkungen bestehen, und ebensowenig, daß die angegebenen Zahlen Zentral- Verband der Konditoren, Mitgliedschaft Berlin. Donners v. Reusner, der doch von der Sache als russischer Staatsrechts- tönnten nicht miteinander verglichen werden. Versehen der Richter oder der Behörden stattgefunden. Professor richtig sind, nur meint sie, die Einfuhrzahlen von 1878 und 1903 tag, den 20. Juli, abends 8 Uhr, im Englischen Garten, Alexanderstr. 27c: Halbjahrs- Generalversammlung. Mitgliedsbuch vorzeigen. lehrer etwas versteht, tröstet in dem Geleitwort zu dem vorliegenden Die Lokalverwaltung.. Buche in seiner Weise: es ist kein Einzelfall, es ist ein typischer" Wenn man", schreibt sie, diese Zahlen miteinander vergleicht, Fall, ein System.„ Die orthodoxe Kirche ist eine polizeiliche will es allerdings scheinen, als ob der Vorwärts" mit seiner BeAnstalt des schlimmsten Typus. Die Polizei hat dafür zu sorgen, hauptung recht hätte, in Wirklichkeit liegt die Sache aber gänzlich daß die orthodoxen Christen fromm find, alle Gebräuche der Kirche anders, da die angeführten Zahlen aus dem Jahre 1878 sich durchund alle Wünsche der geistlichen Behörden befolgen. Die Polizei aus nicht ohne weiteres den Zahlen aus dem Jahre 1903 gegenüberhat die Pflicht, die individuelle und öffentliche Sittlichkeit einzelner stellen lassen. Der Einfuhr z. B. von 207 750 Ochsen, Stieren und Bürger zu beaufsichtigen. Der Abfall von der Orthodoxie wird mit Rühen, 267 052 Stück Rindvieh, einschließlich Jungvieh und Kälbern, Konfistation des Eigentums, Wegnahme der Kinder und kirchlicher im Jahre 1878, wie sie allerdings durch die Statistik des deutschen Verfolgung bestraft. Das Bekennen zum jüdischen Glauben hat den Zollgebietes nachgewiesen wird, steht nämlich eine Ausfuhr aus diesem Verlust der elementarsten öffentlichen und privaten Rechte zur Folge. Gebiete in Höhe von 291 635 Stück Rindvieh gegenüber, so daß da Das Bekennen zu evangelisch- christlichen Anschauungen im Geiste mals das deutsche Zollgebiet in bezug auf Rindvich sogar einen des Baptismus, zu den rationalistischen Setten( Stundisten, Tolstoj- Ausfuhrüberschuß von 24 583 Stück gehabt hat, und ähnlich liegt es aner, Duchoborzen 2c.) hat die Verbannung nach Sibirien oder bei den Schafen. Aber auch diese Zahlen ließen sich der Ein- beztv. Hintertautafus zur Folge. Ebenso werden die Anhänger Ausfuhr von 1903 nur dann gegenüberstellen, wenn das damalige mystischer Seften, die religiöse Selbstkasteiung begehen Bollgebiet mit dem jezigen sich decken würde, was aber keinesfalls ( Chlyfty, Skopzen) bestraft. Bestraft wird jeder, der so zutrifft, da damals Hamburg und Bremen und verschiedene, zumeist gar auf dem Wege friedlicher Unterhaltung versucht, einen in der Nähe von Hamburg gelegene preußische Gebietsteile noch als orthodoren Christen zu einer bereits existierenden oder zu einer Bollausland galten." neuen christlichen und sittlichen Sekte zu befehren". Daran ist nur so viel richtig, daß sich allerdings das deutsche Nun wurde dem Baren ein ausführlich ausgearbeiteter Reform Bollinland von 1878 nicht ganz mit dem von 1903 deckt, bom deutschen Generalstab herausgegebenen Geschichte des Krieges. plan der Kirche vorgelegt. Der Zar hat den Reformplan abgelehnt, also die Zahlen von 1878 und 1903 nur einen annähernd erscheinen". Der russische Landesvater hat recht: es schickt sich nicht richtigen Vergleichswert haben. Dagegen widerlegt die Tatsache, bewahrung, Errichtung, Protokollierung usw.), ist aber für die Gültigkeit des in unruhigen Zeiten, Menschen aus den Kasematten zu befreien, daß 1878 die Viehausfuhr aus Deutschland weit stärker war, Testaments völlig unerheblich. Ob das Vermögen sich vermindert oder berweil sie wahre Christen waren. Er hat auch Verständnis: Leute, als sie jetzt ist, unsere Behauptung, daß früher durch die mehrt, ist für die Einsetzung des Erbens gleichgültig, der Erbe wird, im die nach religiösen Wahrheiten suchen, dürfen nicht in unruhigen größeren Viehimporte ein stärkerer Druck auf die deutschen Marktpreise Gegensatz zum Legatar, nicht auf eine bestimmte Summe, sondern auf den Nachlag oder eine Quote dieses Nachlasses eingesetzt. Ihr Testament vom Zeiten frei herumlaufen. Und da die Polizei in unruhigen Zeiten ausgeübt wurde, so daß diese sich nur bis zu gewissem Grade über Jahre 1895 ist also auch gültig, wiewohl Ihr Vermögen gewachsen ist. Ein schon ohnedies zu tun hat, so macht es nichts aus, wenn sie sich den Preisstand in den Nachbarländern zu erheben vermochten", Grund zu einer Aenderung liegt nicht vor, da für tinderlose Eheleute die auch der Religion annehme. Neuerdings sind ja unter den un- nicht im geringsten. Der Druck auf die Inlandpreise wurde doch unumschränkte gegenseitige Erbeinsehung das Verständigste ist. geheuren Papierufasen von Reformutasen auch einige ergangen, nicht dadurch aufgehoben, daß Deutschland damals noch bedeutende beginnt, hat den Beginn des Gewerbebetriebes( in Berlin bei der Verist aber nicht mehr als ein Stück Papier, das die Mauern der Biehmengen ausführte. Die damalige starke Viehausfuhr aus dem waltung der direkten Steuern, sonst in Preußen bei dem Gemeindevorstand) Klostergefängnisse schwerlich sprengt. Gerade diese Ufase haben nur deutschen Zollinland beweist vielmehr nur, daß zu jener Zeit noch anzuzeigen. Ob das Gewerbe mit oder ohne Gehülsen betrieben wird, verschlägt nichts. M. F. 1. 1. Dispens vom Eheverbot wegen Eheden einen Zwet: 23 find Beweisstücke für die Existenz der die deutsche Viehproduktion den inländischen Bedarf weit besser zu bruchs fann jederzeit erteilt werden, wird insbesondere ohne Zustimmung O. 2. 45. Sie müßten Greuel, die man in zivilisierten Ländern leicht für Phantasie- decken vermochte als heute, und zweitens, daß damals die des beleidigten Gatten selten erteilt. 2. Nein. gebilde hält. Preise der deutschen Viehmärtte noch teilweise baldmöglichst mitteilen, daß Sie nicht einverstanden sind. Eine bestimmte R. 8. Ja. Knobloch. Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes Frift besteht nicht. S. 13. Leider ist dieser Mangel kein Grund zur| Bezahlung der Liquidation ab, treten dann in dem Prozeß den Beweis für welches von den hiernach zuständigen Gewerbegerichten er wählen will. Sündigung. Sie könnten nur auf seine Beseitigung und Schadenersatz flagen. die Fahrlässigkeit des Arztes an und erheben eventuell im Wege der Wider- Ihre Anfrage läßt nicht erkennen, wie der Sachverhalt liegt, und deshalb N. M. 500. Gegen die Aufnahme in das Genossenschaftskataster flage Schadenersatzansprüche. Von einer Drohung mit einer Strafanzeige auch nicht, welches Gewerbegericht zuständig ist. Das Gewerbegericht Berlin können Sie binnen zwei Wochen nach der Ihnen zugegangenen Mitteilung ist abzuraten; insbesondere dann kann solche als Erpressung erachtet gilt nicht für die Vororte. Diese haben ein eigenes Gewerbegericht. Beschwerde einlegen. Die Beschwerde ist bei der unteren Verwaltungs- werden, wenn sie mit dem Anspruch auf Schadenersaz verbunden wird. M. M. 10 800. Sie können nur auf Beseitigung des Mangels behörde( in Berlin beim Magistrat) einzulegen. Die Entscheidung wird Wollen Sie Strafantrag stellen, so steht Ihnen dies ohne vorherige Be- flagen. M. T. 63. Sie müßten bei der Behörde nochmals anfragen dann vom Reichsversicherungsamt getroffen. Die Aufnahme in das Ge nachrichtigung des Betroffenen frei. G. B. 17. Mit einem Schaden- oder sich bei der ihr vorgefeßten Behörde beschweren. War Ihr Vater nicht nossenschaftskataster scheint nach Ihrer Darlegung den gesetzlichen Vorschriften ersatzanspruch würden Sie schwerlich durchdringen. F. G. 05. Soweit aus dem preußischen Staatsverbande ausgetreten, so sind Sie noch Preuße. zu entsprechen, die Beschwerde mithin aussichtslos zu sein. B. M. Ihre Schilderung erkennen läßt, liegt ein ungültiges Testament vor. Vielleicht erfordern die auf Aufklärung über diesen Punkt gerichteten Formulare zum Austritt aus der Landeskirche erhalten Sie in der Buch- Welches neue Gesch von 1901 Sie meinen, ist nicht ersichtlich. Schuster Recherchen längere Zeit. G. G. R. 1. Steine. 2. Nein. 3.§ 616 Handlung Vorwärts und bei Hoffmann, Blumenstr. 14. Innerhalb vier bis junge. 1. Nein. 2. Der Lehrling kann ohne weiteres fortgehen. Würden B. G.-B. ist maßgebend(„ Arbeiterrecht" S. 159). M. 55. 1. Das fechs Wochen nach Einreichung Ihres schriftlichen Austrittsantrages haben ihm Sachen einbehalten, so hätte sein geseglicher Vertreter auf Rück- Mädchen soll sich an den Arbeitgeber wenden, eventuell ihn verSie ohne Vorladung Ihren Austritt auf dem Amtsgericht zu Brotokoll zu gabe zu flagen. 3. Rein. M. W., Neue Schönhauserstraße. Nein. Klagen. 2. Die Steuern für das lezte Jahr müssen bezahlt sein. erflären. Die Austrittsanmeldung ist an das Gericht( Amtsgericht Berlin I, P. S. 7. Die Steuer von 660-900 M. wird nicht erhoben. Daher E. H. 68. Der Hundebefizer ist in vollem Umfang schadenersatzGrunerstraße), nicht an irgend eine firchliche Behörde zu senden. Das Ge- ist der zur Steuerstufe von 660-900 M. eingeschäßte Berliner auch dann pflichtig. Zuständig ist das Amtsgericht Rirdorf, wenn der Schaden 300 M. richt seht die kirchlichen Organe nach Eingang des schriftlichen Antrages wahlberechtigt, wenn er Steuern nicht bezahlt hat. N. 20. 1. Ja. nicht übersteigt, sonst das Landgericht II. Strafanzeige ist an die Staatsund nach erklärtem Austritt in Kenntnis. 2.2. 300. 1. Ja. 2. Nein. 2. Nein. 3. Sie können auf Rückgabe klagen. S. K. 77. Die Ehefrau anwaltschaft beim Landgericht Berlin II, Alt- Moabit 11/12, zu richten. Es A. 101. 1. Nach der Berliner Hundesteuerordnung steht es beim fönnte nicht gegen den Möbelhändler mit Aussicht auf Erfolg flagen, scheint eben auf Menschen und vorfäßliche Körperverlegung vorzuliegen. Ankauf eines Hundes so: Geht ein steuerpflichtiger Hund in das Eigentum sondern nur gegen ihren Ehemann auf Unterhalt, Beschaffung von Die Kosten eines Zivilprozesses und Beleidigungsprozesses trägt der Untereines anderen Besitzers über, so kann der frühere Besizer die für denselben Möbeln usw. A. KR. 7. Nein. 3 11. Der gesamte Nachlaß gehört liegende. Der Antragsteller in einem Strafprozeß hat nur dann die Kosten erteilte Steuerquittung und Steuermarte mit an den neuen Eigentümer dem als Erben Eingesetzten, auch wenn der Wert des Vermögens falsch zu tragen, wenn er grobfahrlässig Anzeige erstattet hat. 3. 75. 1. Die übertragen. In diesem Falle ist der neue Eigentümer nicht zur noch angegeben ist.-M. N. 80. Die Binsen für die letzten fünf Jahre haben Polizeibehörde ist zuständig. 2. Nein. Erbschaft. 1. Ja. 2. u. 3. Nein. maligen Bersteuerung des erworbenen Hundes verpflichtet, hat jedoch die Sie nachzuzahlen. T. T. 50. 1. Rein. 2. Ja. 3. und 4. Nein. Adolf Rummelsburg. Reichlichen Stoff für Debatten an Zahlabenden ihm überlassene Steuerquittung bei der Steuerbehörde binnen 14 Tagen C. St. 52. 1. Nein. 2. Das Gnadenquartal ist zu zahlen und ist bietet ihnen die Erörterung einzelner Tagesereignisse vom Gesichtspunkt der vorzulegen. Behält der frühere Besizer Quittung und Marke zurück, so muß gezahlt. 3. Eine Eingabe an das Kriegsministerium ist zulässig, hat aber Grundsäße und der Taktik der Partei aus. Treffliches Material bietet der neue Eigentümer den Hund nochmals versteuern. Auf Grund der wenig Aussicht auf Erfolg. R. F. 170 M. 5. N. 43a. Zuständig Ihnen z. B. die Neue Zeit". Richtiger als das Vorlesen ist der Versuch, zurückbehaltenen Steuerquittung und Steuermarke kann dann der alte sind mehrere Gewerbegerichte: 1. das, in dessen Bezirk die streitige Ver- daß von einer Scite aus referiert und dann über die Materie debattiert Hundeeigner einen anderen Hund sich anschaffen, ohne diefen für das be- pflichtung zu erfüllen ist, also in der Regel das, in dessen Bezirk die Arbeit werde. Welche Bücher oder Broschüren zum Vorlesen und zur Diskussion treffende Halbjahr versteuern zu müssen. 2. Ja. 23. P. 101. 1. und zu verrichten ist; 2. das, in deffen Bezirk sich die gewerbliche Niederlassung, zu empfehlen sind, hängt von dem Grade der Aufklärung der in Betracht 3. Nein. 2. Militärpapiere und Geburtsurkunde ist erforderlich. D. Ja. also der ständige Gewerbebetrieb des Arbeitgebers befindet; 3. das, in kommenden Genossen ab. Kautskys Broschüren und aus jüngster Zeit die Unglücksfall. Daß der Arzt höchst fahrlässig gehandelt und daß durch dessen Bezirk beide Parteien ihren Wohnsiz haben; 4. endlich ist für Nummern 41 und 42 der Neuen Zeit" sowie die Broschüre von Rolanddiese Fahrlässigkeit Ihre Frau um ihr Augenlicht gekommen ist, müßte von Binnenschiffer noch das Gericht des Heimatsortes, von dem aus die Schiff Holst über Generalstreik und Sozialdemokratie geben reiche Anregungen zur Ihnen bewiesen werden. Dieser Beweis ist recht schwierig. Lehnen Sie die fahrt mit dem Schiffe betrieben wird, zuständig. Der Kläger hat die Wahl, Diskussion. Für den Juhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. Theater. Donnerstag, den 20. Juli. Anfang 72 Uhr: Neues Operntheater. Auftreten bon Miß Jjadora Duncan. Anfang 8 Uhr: Die 0. Urania Taubenstr. 48/49. 8 Uhr: Tierleben in der Wildnis. Schiller- Theater. Schiller- Theater O.( Wallner- Theater).| Schiller- Theater N.( Friedr.- Wilh. Th.) Morwiß- Dper. Donnerstag, abend38 Uhr: Donnerstag, abend38 Uhr: Gastspiel Heinrich Bötel. Der Postillon von Lonjumeau. Sternwarte Invaliden. Stom. Oper in 3 Aften v. Adolf Adam. str. 57/62. CASTAN'S PAN Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Die verkaufte Braut. Sonnabend, abends 8 Uhr: ANOPTICUM. Bopuläre Borstel. bei halben Preiſen: Schiller( Wallner Theater.) Neu!! Der Postillon von Lonjumeau. Schiller N.( Friedrich Wilhelmstädtisches Theater). Hofgunst. Westen. Jung- Heidelberg. Lustspielhaus. Khriz- Byrik. Carl Weiß. Lehmanns Abenteuer. Belle- Alliance. Ben Ali Bey. Reichshallen. Gastspiel Dstar Junghähnel. Am Apollo. Ein Abend in einem amerikanischen Tingel- Tangel. Hochzeitsabend. Spezialitäten. Metropol. Die Herren von Marim. Berliner Prater Theater. Zwischen Himmel und Erde. Stadt Theater Moabit. Mutter Gräbert. Urania. Taubenstraße 48/49. Tierleben in der Wildnis. Invalidenstraße 57/62. Stern warte. Täglich geöffnet von 7 bis 11 Uhr. Friedrichstr. 165. Admiral Togos Besuch bei Admiral Roschdjestwensky im Hospital zu Kioto! Neu! Elitekapelle„ Berolina". Lebende Photographien! Passage- Panopticum. Die Sensation der Saison: Die Zauberflöte. Hofgunst. Lustspiel in 4 Auszügen von Thilo v. Trotha. Freitag, abends 8 Uhr: Hofgunst. Sonnabend, abends 8 Uhr: Hofgunst. Im Garten täglich: Großes Militär- Konzert. Max Kliems Sommer- Theater Hasenheide 13-15. Artistische Leitung: Paul Milbitz. Täglich: Gr. Konzert, Theater und Spezialitäten- Vorstellung. Jeden Donnerstag: Elite- Tag. Fernsprecher IV. 8891. Max Kliem. Allg. Kranken- u.Sterbekaffe| Krankenunterstützungs- und Beder Metallarbeiter. gräbnisverein gewerbl. Arbeiter. ( Eingeschr. Hülfstasse Nr. 29. Hamburg) Filiale Berlin 6. Sonnabend, den 22. Juli, in Noacks Theater, Brunnenstraße 16: Großes Sommerfest. Eröffnung nachmittags 3 Uhr. Billetts a 30 Vf. sind in den Zahlstellen zu haben, an der Stasse a 40 Pf. Bahlabend sowie Versammlung fallen an diesem Sonnabend aus. 995 Nächste Versammlung Sonnabend, den 29. Juli, abends 9 Uhr, bei Wiesenthal, Ackerstraße 123. Die Ortsverwaltung. Etablissement Buggenhagen Moritzplatz. Täglich im großen schattigen Garten: Streich- Konzert. Der Riese Diez Spezialitäten-Theater. Diez' Seeterrasse, Lichtenberg et initigen Better in Cast Machnow der größte Mensch, der je gelebt hat. Ohne Extra- Entree. Neu! Zum erstenmal in Europa: Neues kyl. Opern- Theater. Der lebende Eismensch Anfang( Kroll.) 7%, Uhr. Einmaliges Auftreten von MiB Isadora Duncan und ihren Schülerinnen zum Besten der Freien Tanzschule im Grunewald. Freitag: Gastspiel Théa Dorré: Carmen. Sonnabend: Fledermaus. Sonntag: Gastsp. Théa Dorré: Carmen. Montag: Barbier von Sevilla. Metropol- Theater Der größte Erfolg der Saison! Zum 256. Male: Die Herren von Maxim Große Ausstattungsposse mit Geaus dem nördlichsten Kanada. Landsberger Allee 76/79, direlt an der Ringbahnstation. Ob schön! 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Juli 1905: Elite- Tag und Sommerfest d. Vereins Berliner Weißbierwirte Doppel- Konzert ausgeführt von der Regimentsmusik des Garde- Füfilier- Regiments unter persönlicher Leitung des tgl. Stabshoboisten H. Dippel und der HausKapelle, Dir. Berthold Bothe. * Monster- Feuerwerk des Pyrotechnifers A. Bock. Spezialitäten- Vorstellung. Das neue großartige Programm. Anfang 5 Uhr. Entree 50 Pf. Inhaber von Passepartouts zahlen 25 Pfennig pro Person nach. Fröbels Allerlei- Theater Victoria- Brauerei Lützowstr. 111/112. Täglich: Horst's Sänger. Anfang 8 Uhr. Sonntags 7 Uhr. Dienstag, Donnerstag, Sonnabend, Sonntag: Tanz. Paul Schwarz' Sonnabend, den 22. Juli d. J., abends 8½ 1hr, im Dresdener Garten", Dresdenerstr. 45: General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Bortrag des Herrn Gerstmann ( Vorsitzender des Arbeiter- Schwimmerbundes) über:" Badewesen". 2. Kassenbericht pro 2. Quartal 1905. 3. Ergänzungswahl des Vorstandes. 4. Verschiedenes. 290/17 Damen und Herren als Gäste willtommen. Genossen, welche gewillt find, sich einer zweiten Strankenkasse ( Buschußkasse), nicht Schwindelkasse, anzuschließen, erfahren Näheres beim Vorsitzenden Friedr. Freudenreich, S. 59, Wißmannstr. 17 III, oder beim Staffierer Bruno Gröblehner, Stalizer straße 29. Nach beendeter Saison Ausnahmepreis! Reichgestickte abgepaßte Portieren Die komplette Dekoration ( best. aus 2 Flügeln u.1Querb.) in Viktoriatuch. 525( Wert in 8,50) 10,50) schwer. Wollserge 585( Wert in Plüsch. 1050( Wert • 16,00) Eine Partie Wollportieren mit allerliebster Blumenkante per Schal 2 Mark. Teppich- Spezialhaus Sommer- Theater Emil Lefèvre Lichtenberg, Dorfstr. 25/26. Täglich: Konzert. Schweizer- Garten. Franter ernee str. zade Große Spezialitätenvorstellung. Schönhauser Allee 148. Täglich: Am Königstor. Am Friedrichshain. Konzert, Theater, Spezialitäten. Täglich: Theater Spezialitäten- Vorstellung. und Volksbelustigungen. Jeden Abend 10 Uhr: Neu renoviert! Neu renoviert! Der Fluch des Goldes. Bernhard Rose- Theater Gesundbrummen, Badstraße 58. Gr. Konzert, Theater Seute: Gr. Elitetag. Gastspiel der und SpezialitätenVorstellung. Schlaftänzerin Magdalena. Außerdem Die Loreley und das großBoltsstück mit Gesang in 3 Abteilungen. Jeden Mittwoch: Kinderfest mit Gratisverlosung. SPREE PSPREE BERLIN SO 20 Attraktionen 1. Ranges. Dazu: Arbeit schändet nicht. Boltsstück mit Gesang in drei Aften. Jm Saale: Gr. Tanz. Anf. 4 Uhr. Entree 30, Sperrfit 50 ẞf. + Das großartige Juli- Programm. Anfang 5 Uhr. Jeden Mittwoch: Elite- Tag. Oft- Kafino Frankfurter Allee 106. Hygienische Säle für Bereine, BerfammBedarfsartikel. Neuest. Statalog m. empf. viel. Aerzte u. Prof. grat.u. fr. H. Unger, Gummiwarenfabrik, Berlin NW., Friedrichstr. 91/92.* HAVELY Stern DAMPFSCHIFFFAHRTGESELLSCHAFT POTSDAM Täglich außer Sonnaveno und Sonntag: SAUCE Bochentags: Entree 15 Bf., tofir artige Juli- Brogramm. Im Saale: Dampfer- Sonderfahrten mit Musik nach ,, Woltersdorfer Schloß". wofür Gr. Elite- Ball. Anf. 4 Uhr. Preise der Pläge wie gewöhnlich. ein Glas Bier verabreicht wird, also tein Entree. Reichshallen. Prater- Theater Gastspiel d. berühmten Oskar Junghähnel mit seiner vorzüglichen Herren Gesellschaft Anj. 8 Uhr, Sonut. 7 Uhr. Dienstag, 1. Aug.: Wiederbeginn der Soireen der Stettiner Sänger. Kastanien- Allee 7-9. Täglich: Zwischen Himmel und Erde. Gr. romantisch. Ausstattungsstück. Neue Dekorationen und KostümeEine schreckliche Nacht. Große Pantomime der Guitano Phoites Troupe. Anfang 4 Uhr. Eintritt 30 Pf. Numerierter Plaz 50 Pf. Große Spielplätze, herrlicher Hochwald. Gute bürgerliche Küche. 37392* Abfahrt nachmittags 2 Uhr vom Brandenburger Ufer, Jannowigbrüde, gegenüber Belvedere. Hin u. Rückfahrt 0,50 f., Kinder 0,25 Pf. Fahrscheinverkauf auf dem Dampfer„ Woltersdorf". Es kommt der Tod ficher jeder Wanze bei Anwendung von Reichels verstärktem Wanzenfluid. Sicherstes Spezialmittel der Welt! Tötet jede Brut vollständig. Fl. 50 Bi., 1-, 2, Str. 5,-. 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Juli, abends 8%, Uhr, im Gewerkschaftshause, Engel- llfer 15( Saal 1): Mitglieder Versammlung. Tages Drdnung: 1. Die von den Dresdener Kollegen angeregte Konferenz der Klavierarbeiter Deutschlands. 2. Unsere Arbeitsvermittelung nach Errichtung des paritätischen Arbeitsnachweises. 3. Wollen wir ein Herbstvergnügen? 4. Verschiedenes. tvendig. 89/ 5+ Das Erscheinen sämtlicher Verbandskollegen aus den Betrieben der Musikinstrumenten- Industrie ist notMitgliedsbuch legitimiert. Die Branchenleitung. Verband der haugewerbl. Hülfsarbeiter Deutschlands. Zweigverein Berlin und Umgegend. Alle Wanzen werden nebst Brut durch mein Mittel bollständig vertilgt. Fl. 50 Pf. u. 1.00. Ebenso Schwaben, Nussen, Franzosen, Blattläuse 2c. Schachtel 30 Bf., 60 Pf. u. 1,00. 33282* Zahlreiche Anerkennungen. 1000 Mark Belohnung tahle demjenigen, der mir einen Nichterfolg nachweist. Nur allein echt bei Hugo Barth, Drogerie, jezt Brunnenstr. 14, früher Nr. 81 Zentral- Verband der Steinarbeiter. Berlin I. Nachruf. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Joseph Rothaler verstorben ist. Ehre seinem Andenken! 172/17 Die Ortsverwaltung. Deutscher Holzarbeiter- Verband. Mübelpolierer! Montag, den 24. Juli, abends 8%, Uhr, im Königstadt- Kasino, Alexander- und Holzmarktstraßen- Ecke: Branchen- Versammlung der Möbelpolierer. 1. Bortrag des Kollegen Fr. Stusche: Die wirtschaftlichen stämpfe Tages Ordnung: 2. Diskussion. 3. Bericht der Liquidationskommission. Sonntag, den 23. Juli 1905, im Gewerkschaftshause, Engel- Ufer 15, Saal 4: früher und jetzt". 2. Diskussion. General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Abrechnung vom 2. Duartal 1905. 2. Das Unfallversicherungs- Gesez und feine Bedeutung für die Arbeiterklasse." Referent: Arbeitersekretär G. Lint. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Ohne dasselbe kein Eintritt. Zahlreichen Besuch dieser Versammlung erwartet Der Zweigvereinsvorstand. Auch weisen wir darauf hin, daß die Versammlungs- Anzeige betreffs der Vorortbezirke in der Nr. 28 unferes Organs Der Bauhülfsarbeiter", daß die Versammlungen am 23. Juli stattfinden sollten, auf einen Druckfehler zurückzuführen ist. Arbeiter Baugenossenschaft„ Paradies" zu Berlin ( Eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht). Sonntag, den 30. Juli 1905, vormittags 9 Uhr, bei Rob. Voigt, Ritterstr. 75: 3. ordentl. General- Versammlung. Tages Ordnung: 1. Jahresbericht: a) des Vorstandes, b) des Aufsichtsrates. 2. Jahresabrechnung: a) Bilanz, b) Decharge, c) Beschlußfassung über Gewinn- und Berlustverteilung. 3. Neuwahl des Borstandes. 4. Ergänzungswahlen zum Aufsichtsrat. 5. Beschlußfassung über die neuen Bauprojekte. Dr. Lell wohnt jezt: Rosenthalerstrasse 26 II. Homöopath und Spezial- Arzt für Haut, Harn- und Geschl.- Leiden. 11-2 u. 5-8. Somnt. 11-3. 4. Verschiedenes. Es ist Pflicht eines jeden Möbelpolierers, in der Versammlung zu erscheinen. 89/6 Der Obmann. Zentral- Verband der Steinarbeiter ( Berlin I). Donnerstag, den 20. Juli, abends 8 Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße Nr. 20: Mitglieder- Versammlung Tages- Ordnung: 1. Abrechnung vom zweiten Duartal. 2. Neuwahl eines ersten Kassierers. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimiert. Pünktliches Erscheinen erwartet 200 172/ 16* Die Verbandsleitung. Deutscher Metallarbeiter- Verband. Verwaltungsstelle Berlin. Haupt- Burean: Engel- Ufer 15, Zimmer 1-5. Fernsprecher Amt IV, 9679. Arbeitsnachweis Zimmer 34, Amt IV, 3353. Donnerstag, den 20. Juli 1905, abends 8% Uhr, in der Brauerei Friedrichshain ( früher Lipps): Außerordentliche General- Versammlung. Tagesordnung: 1. Ersatzwahl und Neuwahl der notwendig gewordenen Beamten. 2. Anträge Ohne Mitgliedsbuch kein Zutritt. 6. Antrag der Verwaltung betreffend Berkauf eines Grundstüdes zu der Ortsverwaltung und an die Verwaltung gelangte Anträge. Kirchhofszwecken. 7. Verschiedenes. ordnung ist es Pflicht, daß jeder erscheint. Genossen! Mit Bezug auf die außerordentliche Wichtigkeit der Tages- Freitag, den 21. Juli, abends 6%, Uhr, im Lokal von Sadau, Residenzstraße 124: Nur Mitglieder haben Zutritt! Ohne Mitgliedsbuch kein Einlak! Die Bilanz, sowie die Gewinn- und Verlustberechnung sind in der Geschäftsstelle, SO., Stottbuser Ufer 44, Hof rechts I, in der Zeit von 8-10 und 4-7 Uhr einzusehen. Der Vorstand. 291/16 H. Schleffler, 1. Vorsitzender. G. Dorner, Schriftführer. P. Stempel, Staffierer. Jedes Wort: 5. Pfennig. Das erste fettgedruckte Wort 10 Plg. Worte mit mehr als 15 Buchstaben zählen doppelt. Verkäufe. +37 Gardinenhaus Große Frankfurter straße 9, parterre. +37 Pfandleihhaus Weidenweg neun zehn spottbilliger Bettenverkauf, GarSinenverkauf, Teppichverkauf, Steppdecken, Aussteuerwäsche, Regulatoren, Freischwinger, Taschenuhren, Jackett. anzüge, Verschiedenes. + 27* Mitglieder- Versammlung für Reinickendorf und Umgegend. Zages Ordnung: 1. Bericht vom Verbandstage. 2. Disfuffion. 3. Werkstattangelegenheiten. Zahlreichen Besuch erwartet [ 120/10] Die Ortsverwaltung. Kleine Anzeigen. Ringschiffchen, Bobbin, Schnell näher, ohne Anzahlung, Woche 1,00, gebrauchte 12,00, Stöpniderstraße 60/61, Große Frankfurterstraße 43, Brenz lauerstraße 59/60. mit Bronzegastronen! dreiflammig 6,00! Gaszugampell 9,00 Salongastronen! 15,00! Gaslyren 11 Schaufensterlicht spottbillig! Wohlauer, Wallnertheaterstraße 32.( Gastocher haus!) 6915* Verschiedenes. + 67* Sozialdemokratischer Verein im 5. Berliner Wahlkreise. Unser langjähriges, eifriges und treues Mitglied, der Gewerkschaftsangestellte Adolf Holländer ( IV. Abteilung) ist nach längerem Leiden im 29. Lebensjahre an der Proletarier frankheit verschieden. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, abends 26 Uhr, vom jüdischen Privatgemeinde- Kirch hof, Weißensee, Falkenberger Weg, aus statt. 245/16 Kranzspenden dankend ver beten. Zahlreiche Beteiligung erwartet Der Vorstand. Zentralverband der Handlungsgehülfen u. Gehülfinnen Deutschl. Bezirk Berlin. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege Adolf Holländer am 17. d. Mts. verstorben ist. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, den 20. d. Mts., abends 52 Uhr, von der Leichenhalle des Friedhofes in eißensee, Falkenbergerftrake 21, aus statt. 290/16 Die Ortsverwaltung. Spar- und Kredit- Verein ,, Glück Auf!" Am 17. Juli cr. verstarb nach längerem Krantenlager unser Mitglied, der Maurer Wilhelm Noack im Alter von 42 Jahren. Ehre seinem Andenken! Die Beerdigung findet heute, Donnerstag, nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Pius- Kirchhofes in Hohen- Schönhausen aus statt. 127/10 Um zahlreiche Beteiligung er Der Vorstand. fitcht Danksagung. Für die vielen Beweise freundlicher Teilnahme aus Anlaß des Todes meines lieben Mannes und unseres Baters Gustav Falkenthal sagen wir allen Kollegen und Teilnehmern unseren herzlichsten Dank. Die trauernde Witwe 38192 nebst Kindern. für die nächste Anzeigen Nummer werden in den Annahmestellen für Berlin bis! Uhr, für die Vororte bis 12Uhr, in der Hauptexpedition Lindenstrasse 69 bis 5 Uhr angenommen. Leimerin auf Holzphotographie rahmen bei gutem Lohn verlangt. 1095 Rosenow, Schmidstraße 6. Almojenempfängerin bei Kind Kittler, Schulstraße 56, Achtung, Kürschner! Gangbare Besohlanstalt billig, Eckwohnung, dreifenstriges Balfon Miete billig, verkaufbar Boltastraße 15. zimmer, zweifenftriges Borderzimmer, Nusbaumspind, Bertito, Pfeiler- Zubehör, 1. 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Der Kreis ist auf die tatkräftigste Hülfe der Berliner Genossen angewiesen, namentlich für den Wahltag. Wir bitten deshalb die Berliner Genossen, auch am Slichwahltage den Kreis durch rege Mitarbeit zu unterstützen. Diejenigen Arbeiter, die in Berlin und den Vororten arbeiten, aber in Oberbarni n wohnen, bitten wir dringend, ihr Stimmrecht am Wahltage auszuüben. Trotz der vielfachen Aufforderung haben bei der Hauptwahl viele dieser Arbeiter nicht gewählt. S i e dürfen wenigstens bei der Stichlvahl nicht fehlen. Parteigenossen, die der polnischen Sprache mächtig sind und am Fveitag, den 21. Juli, an den Wahlarbeiten teil- nehmen wollen, werden ersucht, sich bei dem Genossen Liesegang, Lievigstratze 7, im Konsumverein zu melden. Berliner ftechrlcbten. Milch allein tut's nicht! Wäret ihr in diesen Tagen der Sommerhitze schon einmal drauhen auf einem unserer Friedhöfe? Nicht? I Nun, dann geht hinaus und seht euch an. welche furchtbare Ernte der Tod jetzt unter den Kindern hält. Aber ihr müßt euch nicht einen von den Friedhöfen der Kirchen» gemeinden de? vornehmen Berlin-West aussuchen, dort würdet ihr nicht viel frische Kindergräber finden. Wenn ihr sehen wollt, wo das große Kindersterben herrscht, so müßt ihr hinauswandern zu den Friedhöfen der Kirchengemeinden der Arbeiterviertel. Da reiht jetzt in den Kinderabteilungcn sich Hügel an Hügel, einer zum ander«, Tag für Tag. DaS ist nicht neu? Nein, wirklich nicht! Alljährlich, wenn der Sommer kommt, vollzieht sich vor unseren Augen dasselbe traurige Schauspiel. Immer wieder drängt dem Friedhofsbesucher, der im Juli oder August durch die langen Reihen der frisch aufgehügelten Kindergräber hinwandelt, sich die alte Wahrheit auf, daß ein großer Teil der Proletarierkinder nur geboren wird, um baldigst wieder zu st erben. Doch es scheint, daß eS mit einem Male nicht mehr wahr sein soll. In bürgerlichen Blättern begegnen wir einer Notiz über „Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit', die mit den Sätzen schließt: „Die Zurückführung der großen Säuglingssterblichkeit auf soziales Elend ist, wie die Stattstik zeigt, falsch. Sie ist in wohlhabenden Kreisen ebenso groß, wie in anderen." Nun weiß man's. Wenn es „die Stattstik zeigt", so ist nicht daran zu rütteln. Der Verfasser der Notig hat nur vergessen, seinerseits zu zeigen, inwiefern das„die Statistik zeigt". Unseres Wissens hat die Stattstik bisher immer das Gegenteil gezeigt, immer den Beweis erbracht, daß in der ärmeren Bevölkerung ein viel höherer Anteil der neugeborenen Kinder noch im er st en Lebensjahre wegstirbt als bei den Reichen. Die Versicherung, daß„die Zurückführung der großen Säug« kingSsterblichkeit auf soziales Elend" falsch sei, deckt sich mit Ansichten, denen in neuerer Zett die bürgerliche Klasse in der öffentlichen DiS- kuffion der Maßregeln zur Herabminderung der Säuglingssterblichkeit Geltung zu verschaffen sucht. Friiher galt eS überall als feststehende Wahrheit, daß mit der entsetzlichen Höhe der Säuglingssterblichkeit, wie man sie in manchen Großstädten und ihren von Arbeitern bewohnten Bororten findet, das soziale Elend in ursächlichem Zusammenhange steht, die wirtschaftliche Not, unter der die Arbeiterbevölkerung seufzt. Auch in bürgerlichen Kreisen erkannte man, daß zu einem wirklich erfolgreichen Kampf gegen die Säuglingssterblichkeit der Versuch einer Beseitigung dieser Ursache gemacht werden müßte— ein Versuch, zu dem freilich die bürgerliche Klasse selber, trotz aller Erkenntnis des Notwendigen, sich deshalb nicht herbeilassen wollte und konnte, weil eben niemand den Ast absägen mag, auf dem er selber sitzt. Doch in neuerer Zeit hat man ent- deckt, daß es eine Reihe kleiner Mittel gibt, mit denen sich im Kampf gegen das Säuglingssterben doch auch manches erreichen läßt. Man empfiehlt den Müttern, die Kinder mit der Brust zu stillen oder, wo das nicht möglich ist, ihnen nur beste Kuhmilch zu geben. Ganz armen Müttern liefert man die Milch umsonst. Man sorgt für Verbreitung besserer Kenntnis der Kinderpflege, man schafft öffentliche Fürsorgestellen, die unentgeltlich Rat geben usw. Und da»„soziale Elend" als Ursache des großen Säuglings- sterbenS ist abgetan. Man verstehe uns hier nicht falsch! Auch wir halten eS für richtig, daß die Mütter womöglich ihre Kinder selber stillen, auch wir wünschten, daß da, wo das Stillen mit der Brust nicht angeht, den Kindern wenigsten? nur Kuhmilch einwandsfreier Qualität gereicht werden könnte. Auch wir haben oft genug die Notwendig- keit betont, den Kindern sorgsamste Pflege angedeihen zu lassen. Aber wir verwahren unS gegen den von bürgerlicher Seite ver- breiteten Irrtum ober Schwindel, daß mit solchen Mitteln nun schon die Hauptsache getan sei. Will man uns doch erzählen, daß schon jetzt die segensreichen Folgen dieser Kleinarbeit zu spüren seien. Die junge„Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglings- sterblichkeit"— dieselbe, der man nachgesagt hat, daß sie der Milch- zenttale freundlich gesinnt sei— hat schon in ihrem Bericht über ihr erste? Arbeitsjahr die naiv-kecke Behauptung aufgestellt dank ihrer energischen Tättgkeit seien im letzten Sommer in Berlin relattv günstige SterblichkeitSverhälttnsse erreicht worden. Und auch über die Milchzentrale selber ist von der agrarischen Presse wiederholt das Märchen erzählt worden, daß durch sie die Kindersterblichkeit in Berlin bereits herabgemindert worden sei — ein Verdienst. daS übrigens schon vor einem Jahrzehnt auch Klingelbolle in seinen Geschäftsreklamen für sich beansprucht hat. Wir glauben und fürchten, daß ttotz all der kleinen Mittel, die jetzt gegen die Säuglingssterblichkeit angelvandt werden, die Höhe per Säuglingssterblichkeit leider auch in den näcksten Jahren noch keine sehr wesentliche Verminderung erfahren wirN Nach wie vor wird, wenn der Sommer kommt, der Tod furchtbare Ernte unter dem Nachwuchs des Proletariats halten, wird auf den Friedhöfen der Kirchengemeinden mit Arbeitcrbevölkerung sich ein Kindergrab an das andere reihen. So wird es bleiben, bis das große Mittel angewandt wird, von dem wir die Beseitigung alles sozialen Elends erwarten, bis der Sozialismus die Arbeiterklasse befreit aus Knechtschaft und Not. Eine Berändernng von Straßen, verbunden mit einem Zuwachs an Neubauten, erfährt Berlin im äußersten Nordosten dicht vor Weißensee. An der Greifswalder- und Danzigerstraße befanden sich bisher acht große Lagerplätze. Diese wurden von einer großen Terraingesellschaft zum Zwecke der Bebauung angekauft. Hierdurch entsteht' von der Wins- nach der Greifswalder-, parallel mit der Danzlger-, eine neue Straße. Zugleich wird die Winsstraße, die bisher nur bis zur Chrisiburgersttaße lief, bis zur Danzigerstraße durchgeführt. Das große Viereck ist bis jetzt noch nach allen Seiten frei, wird aber demnächst mit einer großen Anzahl von neuen Häusern besetzt sein. Begonnen wird an der Ecke der Greifswalder- und der neu angelegten Straße. Der Direktor der städtischen Straßcnrcinigung, SchloSky, hat um feine Pensionierung nachgesucht, die ihm wegen seines Alters und seiner Erkrankung bewilligt worden ist. Direktor SchloSky ver- sieht indessen, soweit es möglich ist, noch vorläufig den Dienst. Der pensionierte Direktor war ein früherer Offizier. Bei der bekannten Vorliebe der unentwegt fteisinnigen Stadtverwaltting für das Militär dürste wohl auch der künftige Stratzenreinigungsdirektor der„Blüte der Nation" entnommen werden. Im Pläutcrwald ist am Sprecufer der seit langem geplante Bau der Uferbefestigung nun in Angriff genommen worden. Die Bau- ausführung hatte sich verzögert, weil dabei Rücksicht zu nehmen war auf die Lage der Zweigstrecke Britz-Oberspree des Teltowkanals, die hinter Baumschulenweg den Südostzipfcl des Plänterwaldes durchschneidet. Die Uferbefestigung wird sich vom Eierhaus stromauf- wärts zum Kanalcingang erstrecken, das sind reichlich anderthalb Kilometer. Das Ufer, das hier zahlreiche Einbuchtungen hat. erhält bei dieser Gelegenheit eine regelmäßigere Linienführung. Die alte, der Bevölkerung von Berlin-Südost lieb gewordene Spreepromenade, die sich am Ufer hinzieht, wird dadurch manches von ihrem ur- wüchsigen Reiz verlieren. Dafür wird aber dieser stark begangene, arg zerttetene Uferpfad, auf dem an schönen Sonntagen viele Tausende verkehren, zu einem festen, möglichst staubfreien Weg umgewandelt. Die Waffen deS Milchkrieges bestehen hauptsächlich darin, daß jede der kriegführenden Parteien die Milch des Gegners schlecht macht. Die Milchzentrale hat die Milchhändler der Plantscherei beschuldigt; die Milchhändler haben mit dem Vorwurfe geantwortet, daß schon in den Ställen der Milchbauern geplantscht werde; und nun muß auch die in letzter Zeit viel genannte. G e- sellschaft zur Bekämpfung der Säuglings st erb- l i ch k e i t", der«;« Warnung vor der dänischen Milch von den Milchhändlern als Parteinahme für die Milchzentrale angesehen worden ist, dran glauben. Diese Gesellschaft hat, wie sie versichert, sich die Aufgabe ge- stellt, den Müttern die Beschaffung einwandfreier Säuglingsmilch zu erleichtern. Sie steht in Verbindung nnt einer Anzahl Berliner Molkereien, die sie den Konsumenten empfiehlt. Nun ist, wie in der Generalversammlung des„Vereins Berliner Milchpächter" mit- geteilt wurde, von unbeteiligter Seite eine Enquete veranstaltet worden, um die Qualität der von der Gesellschaft empfohlenen Säuglingsmilch festzustellen. Das Ergebnis soll keineswegs günstig gewesen sein. Die Untersuchung der Milch aus zahlreichen Kuhställen soll gezeigt haben, daß die von der Gesellschaft selber aufgestellte Forderung, die Milch sofort nach dem Melken stark abzukiihlcn. durchaus nicht immer erfüllt wird. Auch die Zahl der Bakterien soll stellenweise sehr hoch und andererseits der Fettgehalt mehrfach nur gering gewesen sein. Wir sind nicht in der Lage, diese Mitteilungen auf ihre Richtig- keit zu prüfen. Hoffentlich wird die„Gesellschaft zur Bekämpfung der Säuglingssterblichkeit" es nicht unterlassen, baldigst zu ant- Ivorten. Bei all diesen Vorwürfen und Beschuldigungen, die die Parteien und Parteigänger des Milchkrieges gegen einander erheben, müssen wir immer wieder auf unsere Forderung zurückkommen, daß Milchproduktion und Milchvertrieb als öffent« liche Aufgabe betrachtet und der Gewinnsucht privater Unternehmer entzogen werden. So lange daS aber nicht zu erreichen ist, sollten Staat und Stadt eS als ihre Pflicht ansehen, durch Schaffung einer strengen Kontrolle die Mög- lichkeit einer Benachteiligung und Gefährdung des Konsumenten auf ein Mindestmaß zu verringern. Die Stadt Berlin könnte in der Milchfrage ein gewichtiges Wort mitsprechen, wenn sie, wie oft vorgeschlagen worden ist, Milch- produktton in großem Sttle treiben wollte. Aber für solche Unter- nehmungen find unsere Freisinnigen nicht zu haben, weil sie an dem Grundsatz festhalten, daß der private Unternehmer nicht in seinem Profit beschränkt werden darf. Krankenhnusnot und SäuglingSfürsorge. Trotz aller offiziellen Lob- und Boschwichtigimgsreden vergeht kaum ein Tag, an dem nicht die chronische Berliner KrankenhauSnot, insbesondere die Ueberfllllung der Abteilungen für Säuglinge, offenbar wird. Am Dienstag hat sich in der Charitü ein Vorgang ereignet, der diese Zustände in ihrer ganzen Kraßheit erkennen läßt. Dort fand sich ein Mann ein, der einen an Darmkatarrh leidenden Säugling auf dem Arme ttug. Er bat um Aufnahme deS Kindes und fügte hinzu, daß er von nachmittags 1 Uhr ab mit dem Säugling unter- wegs und von Krankenhaus zu Krankenhaus gewandert sei. Ueberall habe er vergeben» angeklopft, da die Abteilungen für Säuglinge überfüllt gewesen seien. Außerdem liege die Mutter des Kindes auf dem Krankenlager und könne ihm nicht die rechte Pflege angedeihen lassen, und er selbst müsse seinen Berufspflichten nachkommen, um für den Unterhalt sorgen zu können.— Die Aufnahmewärterin fühlte tiefes Mitleid mit dem ziemlich erschöpften Wesen, so daß sie sofort für Nahrung sorgte. Während dieser Zeit verschwand der Vater, der den Glauben haben mochte, daß er auch hier eine Abweisung er- fahren würde. Seinen Namen hat er nicht genannt, so daß der Säugling als„unbekannt" geführt wird. Dem verzweifelten Manne ist dieses Verhalten wohl kaum zu verargen, da er ja das Kind in guten Händen wußte. „Pferdenepper". Ein äußerst raffinierter Pferdeschwindel, dem ein hiesiger Rittmeister zum Opfer gefallen ist, beschäftigt gegen- wärtig die Kriminalpolizei. Am Freitag erschien in den Stallungen des Rittmeisters ein elegant gekleideter Herr, der sich als ein Fabrikbesitzer auL Neinickendorf ausgab. Er ersuchte den Burschen. ihm die beiden Schimmel des Rittmeisters zu zeigen, da er. der an- gebliche Fabrikbesitzer, die Pferde für einen Herrn K. in der Schu- mannstrahe zu kaufen gedenk«. Der Handel kam denn auch schließlich dahin zustande, daß für das Doppelgespann, zwei prächtige Schimmel, die einen Wert von GOQO M. repräsentieren, 8800 M. gezahlt werden sollten. Am Sonnabend nachmittag fand sich der Fremde wieder bei dem Stallburschen, der von dem Rittmeister, der zurzeit außerhalb weitt, Bollmacht erhalten hatte, ein und händigte diesem vier Wechsel zu je 1000 M. sowie einen Schuldschein ein. Die Wechsel ivaren nnt dem Akzept des K. versehen. Der angebliche Fabrikbesitzer gab nun dem Burschen des Rittmeisters die Anweisung, die Weckffel in einem hiesigen Bankhause, in dem der Akzeptant«in Konto habe, einzulösen. Als der Bursche die Papier« in dem Bank- hause präsentierte, stellte es sich hevaus, daß ein Guthaben des K. dort gar nicht existierte. Als nun der Bursche nach dem Stall zurück- kehrte, waren die werwollen Pferde daraus verschwunden; der an- gcbliche Fabrikbesitzer hatte'die Tier« während der Abwesenheit des Stallburschen lveggeführt. Vor dein Ankauf der beiden Tiere sei dringend gewarnt. Es handelt sich um zwei«jährige ungarische Wallachs, und zlvar um einen weißen bczw. blauen Apfelschimmel. Der erster« weist ein« Anschlvelluug des oberen Sprunggelenkes auf. Uuterschlnguiigeu in einer Militärkapelle. Die Angehörigen der Militärkapelle des 4. GarderegimentS sind, wie das „B. T." mitteilt, durch Unterschlagung emeS Kollegen schwer ge- schädigt worden. Wie lvohl bei vielen Musikkapellen, so bestand auch beim 4. Gardcregiinent die Einrichtung, daß die einzelnen Musiker ihre Ersparnisse einem der älteren Hoboisten ablieferten, der sie auf Sparkassenbücher anzulegen hatte. Bei der hier in Frage konnnenden Kapelle hatten einzelne Mitglieder nach»nd nach Be» träge in Höhe von 000 bis SOO M., die Ersparnisse vieler Jahre, eingezahlt, und die Gesamtsumm« dieser Ersparnisse belicf sich ans IS 000 M. Einer der Sparer hatte erst kürzlich von seinem VOOM. betragenden Guthaben 800 M. abgehoben und diese semen Eltern geschickt. Alles schien in bester Ordnung zu sein, bis vor einigen Tagen ein als Vertrauensmann fungierender Hoboist, der die Sparbeträge zu hinterlegen hatte, plötzlich verschwunden war. Eine sofort eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Sparbettäge unterschlagen und im eigenen Interesse von dem Flüchttgen ver- wandt worden waren. Soweit bis jetzt ermittelt ist, hat der ungetreue Hoboist in Rennwetten große Bettäge verloren. Wegen Verdachts der Genickstarre wurde heute das vierjährige Mädchen Elfriede Ott auS der Hermannstr. 47 zu Rixdors einem Krankenhause überwiesen. Entsetzlich verstümmelt wurde ein Selbstmörder, der fich gestern abend vor dem Zuge 1968 um 11 Uhr 46 Minuten auf dem Bahn- Hof Alexanderplatz überfahren ließ. Vom Baumschulenweg war ein junger Mann mitgefahren, der auf dem Alexanderplatz nach der Seite der Gleise ausstieg, an dem Zug entlang ging und sich vor die Maschine legte. Hier hat er in der Erwartung des sicheren Todes etwa 2 Minuten gelegen, bis der Zug nach dem Bahnhof Börse weiterfuhr. Der Maschinenführer merkte zu spät, daß er einen Mann überfahren hatte. Außer anderen Verletzungen waren der Kopf und die Arme vom Rumpf getrennt. AuS einer halben Radfahrerkarte konnte der Name Richard M e tz k o w, 1877 geboren festgestellt werden. Metzkow war ein Händler und wohnte in Baumschulenweg. Eine Veranlassung zu der grausigen Tat ist nicht bekannt. Dem Treiben deS HändlerringeS bei Zwangsversteigerungen soll durch eine Reorganisation des VersteigenmgSwesens entgegengetreten werden. Es wird beabsichtigt, die Zwangsversteigerungen nach Ab- lauf deS Vertrages mit dem gegenwärtigen Pächter der Pfand- kammer nach den großen Kellerräumen deS neuen Landgerichts- gebäudes an der Neuen Friedrichstraße zu verlegen. Die Einlieferung der zu versteigernden Gegenstände soll innerhalb einer bestimmten Frist vor der Auktion erfolgen, während es jetzt häufig passiert, daß zum festgesetzten VcrsteigerungStcrnnn die gepfändeten Gegen- stände noch gar nicht in die Pfandkammer eingeliefert sind. Der Vorteil für Schuldner und Gläubiger soll darin bestehen, daß das Publikum zu den Auktionen weit inehr Zutrauen haben würde, als dies bisher der Fall ist, und sich infolgedessen auch viel mehr beim Bieten beteiligen würde. Das ist nun eine sehr bescheidene Reform, die den skandalösen Praktiken des HändlerringeS wohl keinen merk- baren Abbruch tun dürste. Die Negulimmg der Behmstraßc am Ringbahnhof Gesund- brunnen, die erst beendet sein muß, ehe die Swinemünder Brücke („Millionenbrücke") dem Verkehr übergeben werden kann, ist jetzt bis zum Beginn der vorläufigen Pflasterung des Fahrdammes fort- geschritten. Die Aufschüttung der gewaltigen Rampen, für die Taufende von Fuhren Erde hcrangeschafft werden mußten, hat allein mehrere Monate erfordert. Neue Fcrnsprcchbestimmnngrn. Ueber den Fernsprechdienst sind mit dem fortschreitenden Ausbau dieses jüngsten Zweiges des Verkehrswesens wieder eine Reihe von neuen Bestimmungen er- gangen, von denen insbesondere die folgenden von allgemeinem Interesse sind. Es können jetzt auch Fallscheiben angebracht werde». Für die Ueberlaffung und Instandhaltung� einer solchen ist eine Gebühr von 3 M. jährlich zu erHeven. Wird im Anschluß an die Eallscheibe die Einrichtung einer Wcckeranlage gewünscht, so sind die osten für die Lieferung, Anbringung und Instandhaltung des Wecker», der Batterie und der Zimmerleitung von dem Teilnehmer zu tragen. Die Anbnngungskosten sind nach den Vorschriften unter III zu berechnen. Die Gegen- stände— mit Ausnahme der Fallscheibe— gehen in daS Eigen- tum des Teilnehmers über; eine laufende Gebühr ist für die an Fallscheiben angeschlossenen Wecker nicht zu erheben. Für die in Zwischenstellen-Apparaten gehörenden zweiten Wecker ist die Gebühr nicht zu erheben. Werden zweite oder mehrere Wecker oder zweite Mikrophone beantragt, so geschieht die Anbringung kostenfrei, wenn die Arbeiten in die Bauabschnitte fallen oder gelegentlich anderer Arbeiten mit ausgeführt werden können. Wünscht der Teilnehmer die Anbringung des Weckers oder Mikrophons zu einer bestimmten Zeit, ohne daß einer dieser beiden Fälle zuttifft, so ist zur Deckung der Mehrkosten eine Vergütung einzuziehen. Als Selbstkosten der Beschaffung von besonderen Weckern anderer als der gebräuchlichen Art sind die Preise anzusetzen, die vertragsmäßig gezahlt werden. Für die Anbringung solcher Wecker wird neben den ÄeschaffungS- kosten und den vorgeschriebenen General- und Nebenunkosten eine feste Vergütung von 4 M. eingezogen. Für Reisende mit Hunden. Die Eisenbahndirektion hat eine Verfügung erlassen, welche für Reisende, die in Begleitung von Hunden die dafür vorgesehenen Wagenabteile benutze», von großer Bedeutung ist. Danach sollen alle Wagenabteile, welche für Reisende mit Hunden reserviert sind, ein Plakat erhalten, auf welchem an- gezeigt wird, daß Reisende, welche ohne Hunde im sogenannten Hunde-Conpo Platz genommen haben, dieses verlassen müssen, sofern noch jemand mit einem Hunde hinzukommt und ihren Platz in An- spruch nehmen will.— Der Zweck dieser Maßnahme soll in erster Linie sein, daß Hundebesttzer nicht gezwungen werden, in andere als die reservierten Wagenabteile einzusteigen, was bisher häufig zu Aergeruissen Anlaß gab, weil andere Mitreisende sich durch die Hmide belästigt fühlten. Woher stammen die acht Kinderskclette? Was alles in Eisen- bahnzügen vergessen werden kann, zeigt folgender etwas recht krasser Fall. Bei der letzten Versteigerung im Eisenbahnfundbureau auf dem Schlesischen Bahnhof wurden u. a. auch— acht Kinderskelette, die ein Passagier im Coupä hatte stehen lassen, zum Verkauf an- geboten. Es waren Kinderskelette von verschiedenem Alter, die zu wissenschaftlichen Zwecken präpariert waren und nach den an- gebrachten einzelnen Jahreszahlen aus dem Anfange deS vorigen Jahrhunderts stammen. Ein Herr C. hatte die Skelette bei der Ver« steiaerung erstanden und sie dann wiederum auf dem Wege deS Inserats zum Verkauf angeboten. Dies hatte die ungeahnte Folge, daß sich über die Herkunft der acht Skelette alle möglichen Gerüchte verbreiteten. Die wundersamen Märchen, die die Köpfe Phantasie- voller Nachbarinnen bereits zusannnengedichtet hatten, dürften durch diese harmlose Aufklärung wohl zu nichte geworden. Bon einem schwerbeladenen Bierwagt» überfahren und schwer ver- letzt wurde gestern in der siebenten Abendstunde eine etwa gOjährige Greisin. Sie wollte an der Ecke der Perlcberger- und der Lübecker- straße den Fahrdamm überschreiten, geriet mit ihrer Kleidung in die Radspeichen deS schweren Gefährt», wurde zu Boden gerissen und das Hinlerrad ging der Bedauernswerten so unglücklich über den rechten Unterschenkel, daß dieser vollständig zermalmt wurde. Schwerverletzt wurde die Greisin nach dem Krankenhause Moabit gebracht. Ein Bubenstreich. Dienstag nachmittag erschien bei dem Möbelpolierer Georg Kroll in der Schönerlinderstraße in K ö p e n i ck eine Deputation der Möbelpolierer einer in Berlin domizilierten Firma mit einem Kranze und Widmungsschleife, um der Beerdigung deS Köpenicker Kollegen beizuwohnen und ihm die letzte Ehre zu er- weifen. Als die Deputierten das Trauerhaus betraten, gab es bei ihnen ein allgemeines Staunen. Ebenso groß war dies in der Familie des Herrn, als die schwarz gekleideten Kollegen mit dem Riesenkranz die Wohnung betraten. Als die Deputierten sahen, daß ihr„toter" Kollege sich fidel und munter inmitten seiner Familie befand, glaubten sie kaum ihren Augen zu trauen. Nachdem sich die Deputation von ihrem„Schrecken" erholt hatte, zog sie sich unter vielen Entschuldigungen zurück. Den Kranz behielt der Totgeglaubte als„Andenken" für sich. Die ganze Affäre klärte sich dahin auf, daß ein bis jetzt noch unbekannt gebliebener Mensch an die Möbclpoliercr der Firma Kießling, bei der Kroll beschäftigt ist, von Köpenick auS einen mit Trauerrand versehenen Brief schrieb, in welchean der Vater den Tod seines Sohnes Georg mitteilt nnt dem Bemerken, daß am IS. Juli Mc Beerdigung stattfindet. Die Folge davon war, Sa� die Kollegen die Arbeit verliehen, um ihrer Kollegenpflicht zu genügen. Der ge. samt? Betrieb der betreffenden Firma hat, wie man uns berichtet, an diesem Tage stillgestanden. Die Handlungsweise des Briefschreibers geht denn doch über einen schlechten Scherz weit hinaus und dürfte, falls der Bube ermittelt wird, schlimme Folgen haben. Der Unfug, Obstreste achtlos fortzuwerfen, hat gestern abend wieder ein Opfer gefordert. Die Frau des Portiers Klein aus der Potsdamerstrahe passierte die Steglitzerstratze, trat auf einen Kirsch kern, glitt aus und stürzte so unglücklich zu Boden, daß sie das rechte Bein brach. Der Zustand der Verunglückten ist so bedenklich, daß ihre Ueberführung nach dem Kraukenhause Bethanien erfolgen muhte. Erschossen aufgefunden wurde in Grünau am Wasser im Jagen 92 ein schlanker etwa 36 Jahre alter Mann mit länglichem Gesicht, einer hohen Stirn und einem Grübchen im Kinn. Er trug einen dunklen Jackettanzug aus Cheviot. Die Persönlichkeit hat sich � noch nicht ermitteln lassen. In die Falle gegangen ist der 28 Jahre alte.Schlosser" Max Hübner. der erst im April d. I. eine vierjährige Zuchthausstrafe in Waldheim verbiiht hatte. Er stattete der in der Griebenowstrahe belegenen Wohnung eines verreisten Polizeiwachtmeisters einen Besuch ab und verpackte die ausgewählten Gegenstände zu mehreren Paketen, um sie in der nächsten Abendstunde abzuholen. Der Polizei- Wachtmeister hatte aber eine Hausbewohnerin mit der Ueberwachung der verlassenen Wohnung betraut; die Frau fand die verdächtigen Pakete und setzte die Polizei in Kenntnis. Als Hübner abends um 9 Uhr mit seinem„Handwerkszeug" die Wohnung öffnete, wurde er sehr freundlich empfangen und sofort nach dem Polizeipräsidium „eingeladen". Zwei Freunde, die bei dem Fortschaffen der Beute behülflich sein sollten und auf der Stvahe warteten, merkten den ., Reinfall" und entflohen. Hübner will natürlich seine Komplicen nicht kennen. Ein vielseitiger Mann ist ein Häftling Sch., der am Mittwoch- morgen in der Miinzstrahe festgenommen wurde. Zwei Kriminal- beamten fiel er auf, als er sich auf einem neuen Fahrrade durch die Miinzstrahe bewegte. Er gab zuerst an, das Rad von seiner Mutter erhalten zu haben. Dann stellte sich heraus, datz er aus Rummels- bürg entsprungen war, das Rad in Potsdam gestohlen hatte und auf ihm nach Berlin gefahren war, um es zu verkaufen. Ueberdies führte er noch zwei verschiedene falsche Ausweispapiere bei sich. Fenerbericht. Wegen eines Teerbrandes wurde heute früh um 6 Uhr die Feuerwehr nach der Brunnenstr. III gerufen. Milch brannte in der Linienstr. 214 und Preßkohlen in der Friedrich- strahe 129._ Vorort- JSacbrichtcii. Schöneberg. Die Beerdigung eines braven Parteigenossen hat unserer hoch- wohllöblichen Polizei wieder einmal Anlatz gegeben, von sich reden zu machen. Am Mittwoch wurde der Zimmerer Karl Sommer auf dem Friedhof in der Maxstrahe zu Grabe getragen. Selbst- verständlich hatten es sich die zahlreichen Kameraden und Partei. genossen nicht nehmen lassen, ihrem Freunde das letzte Geleit zu geben. Am Grabe wollte Kollege Obst dem so plötzlich im besten Mannesalter Dahingeschiedenen einige Abschiedsworte nachrufen, während ein Gesangverein einige ernste Lieder vorzutragen gedachte, aber beide Teile hatten die Rechnung ohne unsere allfürsorgende Polizei gemacht; sie verbot kurzerhand Ansprache und Gesang. Zwei Schutzleute überwachten am Grabe die Durchführung dieses Ver- bots und wichen nicht eher, bis der letzte Teilnehmer die Totenstätte verlassen hatte. Die roten Kranzschleifen jedoch scheinen eine er- regende Wirkung, wie seinerzeit beim Begräbnis des Genossen Meiling, diesmal nicht hervorgerufen zu haben. Nach einer Be- gründung sucht man vergebens. Der Verstorbene ist in keiner Weise hervorgetreten, in aller Stille hat er seine politischen Pflichten erfüllt, die ihm schon allein ein bleibendes Gedenken sichern. Große Aufregung rief ein schwerer Unglücksfall hervor, der sich gestern nachmittag in der Goltzstrahe abspielte. Die 55 Jahre alte Frau des Arbeiters Lose, Grunewaldstr. 95, hatte das Goltzstr. 9 be- legene Milchgeschäft von Mengelsdorf verlassen und erreichte in dem Augenblick die Bordschwelle des Bürgersteiges, als der 70 jährige bekannte Berliner Professor V. auf seinem Rade vorüberfuhr. Infolge eines Windstoßes flog ein«/Teilchen ihrer Schürze zwischen die Speichen des Rades, das zugleich das Kleid erfatzte, und im nächsten Moment wurde Frau L. mit derartiger Gewalt zu Boden gerissen, daß sie mit dem Kopf auf die Gleise der Strahenbahn stürzte und aus einer grohen Wunde heftig blutend besinnungslos liegen blieb. Entschlossen sprang plötzlich ein junger Arbeiter hinzu und riß die Bedrohte noch dicht vor einem heransausenden Strahenbahn- wagen von dem Gleis herunter. Ein allgemeines Bravo be- lohnte den Lebensretter für seine Unerschrockenheit. Die Verunglückte wurde nach dem in der Nähe wohnenden Arzt Dr. Mendelsohn gebracht, wo Verletzungen am Kopf, an der Hüfte und an der linken Schulter festgestellt wurden. Professor B.. der keinesfalls in schnellem Tempo geradelt war, kam bei dem Sturze ohne Verletzungen davon. Er erbot sich sofort, für alle Schäden, die die Arbeiterfrau erlitten, aufzukommen. Das neue Theater, dessen Bau, wie bereits gemeldet, von den städtischen Körperschaften endgültig beschlossen worden ist. soll nach dem Muster des Prinz-Regenten-Theaters zu München errichtet werden: das heißt, es soll ein großes Parket und möglichst wenig Ränge enthalten. Es sind 1200 Sitzplätze vorgesehen worden. während Stehplätze ganz fortbleiben. Die Baukosten sind auf 1 125 000 M. veranschlagt worden, und zwar steht diese Summe bereits zur Verfügung. Mit dem Bau wird voraussichtlich noch in diesem Jahre begonnen werden, da die Eröffnung des Theaters, wenn irgend möglich, am 1. Oktober 1906 stattfinden soll. Adlershof. Ein Borort ohne Feuerwehr ist noch immer der Ort AdlerS- h o f. Als Folge des bekannten Konflikts bei� der Wahl des Ober- führers der Freiwilligen Feuerwehr wurde dieser Wehr vom Amts- Vorsteher die Eigenschaft als polizeiliches Hilfsorgan aberkannt und die Benutzung der Löschgeräte untersagt; die Wehr wurde also voll- ständig ausgeschaltet. Im Interesse der Sicherheit des Ortes hatte die Freiwillige Feuerwehr dann nachgegeben; auf den nicht- bestätigten Oberführer Lutze wurde verzichtet und an den Landrat ein Gesuch gerichtet, er möge die Freiwillige Feuerwehr wieder in ihre alten Rechte einsetzen, da sonst der Vorort Adlershof einer Feuersgefahr schutzlos gegenüberstände. Dieses Schreiben, das auf Veranlassung der„Friedenskommission" unter dem Vorsitz des Gemeindevorstehers abgesandt war, ist bis heute unbeantwortet geblieben und liegt gegenwärtig im Ministerium des Innern, von dem zurzeit Erhebungen über die Adlcrshofer Verhältnisse� angestellt werden sollen. In Adlershof aber erwartet man sehnlichst die Be- stättgung der Freiwilligen Feuerwehr, denn einen anderen Schutz vor Fcuersgefahr hat der Ort gar nicht aufzuweisen. Die Ver- Hältnisse liegen jetzt also so, daß bei einem großen Brande in Adlershof die Mtglieder der Freiwilligen Feuerwehr eine Gesetzesübertretung begehen, wenn sie zu den Spritzen eilen und Hülfe bringen. Diese Ueberttetung werden sie selbstverständlich vor- kommendeufalls ohne Besinnen begehen, aber es wäre im Interesse der Adlershofer Einwohner doch dringend zu wünschen, daß durch einen umgehenden Bescheid auf das Gesuch der Freiwilligen Feuerwehr wieder geordnete Fcuerwehrverhältnisse in Adlershof geschaffen werden. Rixdorf. Einem dreiste» DiebeSvursche» hat die Rixdorfer Kriminalpolizei gestern das Handwerk gelegt. Kürzlich wurde in der verschlossenen Schlafstube des Bäckermeisters Jähnichcn, Hermannstr. 47, allen Geselle» aus den Kleidern sämtliches bare Geld gestohlen. Gestern gelang es der Polizei, den Einbrecher in der Person des erst 16 jährigen„Arbeitsburschen' Richard Hennig zu ermitteln und fest zunehmen. Der Bursche war durch das Fenster in die Schlafstube eingedrungen und entfernte sich, nachdem er die Diebstähle aus- geführt hatte, auf demselben Wege, auf dem er gekommen war. Ober-Schöncweide. Freunde deS Schwimmsports werden auf eine am Mittwoch, den 26. d. M., bei Kaufholt stattfindende Versammlung hingewiesen, die sich mit der Gründung eines Arbeiter-Schwimmvereins befassen will. Friedrichsfelde. Die letzte Sitzung der Gemeindevertretung beschäfttgte sich in erster Linie mit dem zu erlassenden O.tsstatut, die Kanalisattons beitrüge betteffend. Beschlossen wird, bei einer Gesamrlänge des Straßennetzes von den Grundbesitzern pro laufenden Meter ihrer Grundstücksftont 25 M. zu erheben. Beitragspflichtig sind die Eigen tümer aller derjenigen Grundstücke, gleichviel ob letztere bebaut sind oder nicht, die an Straßen grenzen, in welche zum Zwecke des Am schlusfes der Grundstücke an die Kanalisattonsanlage Rohrleitungen gelegt worden sind. Die Beiträge sind acht Tage nach Herstellung des anschlutzfähigen Kanalisationsrohres vor dem betreffenden Grund stück zu zahlen. Ratenzahlungen bis zur Dauer von zwei Jahren können bewilligt werden nach Anhörung der Kanalisationskommission. In der vorangegangenen Diskussion wollten einige Hausbesitzer den Preis pro Meter auf 20 M. herabsetzen, andere wieder wollten es in das Belieben der betteffenden Besitzer stellen. wenn sie zahlen; auf keinen Fall sollten diese armen Besitzer gezwungen sein, der betreffenden Kommission ihre Ver- niögensverhältnisse klarzulegen. Natürlich wurden diese Aende- rungen abgelehnt. Eine Anregung unseres Genoffen Pinseler, 29 M. pro laufenden Meter zu erheben, fand auch keine Gnade.— Punkt 2 betraf die Gebührenordnung, welche nach einer ganz kurzen Debatte einstimmig genehmigt wurde. Beide Ordnungen treten mit dem 1. April 1906 in Kraft.— Einstimmig beschlossen wurde die Aufnahme eines Darlehens in Höhe von 1 500 000 M. zur Durch- führung der Kanalisation.— An der Karlshorster Schule wird eine etatsmäßige Hauptlehrerstelle an Stelle der jetzigen provisorischen bewilligt.— Da die Gemeinde das Rieselgut Münchehofe selbst bewirtschaftet, wurden der für die Verwaltung desselben eingesetzten Kommisston für bereits gemachte Anschaffungen 15 000 M. bewilligt und für noch notwendig werdende Ausgaben weitere 15 000 M. zur Verfügung gestellt. Unter Mitteilungen hörte man wieder etwas Neues vom Ober- amtmann Ring. Als Oberhaupt der Viehzenttale hatte Herr Ring seinerzeit bei dem Antrage wegen Entwässerung des Ober- feldes die Garantie für die Jnteressentenbeiträge übernommen. Am 1. Mai sollten sämtliche Beittäge an die Gemeinde bezahlt sein. Herr Ring beschwerte sich schon im Frühjahr beim Gemeindevorsteher darüber, daß die Entwässerungsarbeiten noch nicht begonnen hätten. Trotzdem zahlte die Viehzentrale erst vor kurzem ihren Anteil, blieb aber noch 10 047,10 M. schuldig, entfallend auf die Pohlschen Erben, die schon ftüher erklärt hatten, nicht zu zahlen. Diesen Restbetrag müßte nun die Viehzentrale ohne weiteres zahlen. Statt dessen macht dieselbe durch Herrn Ring den Vorschlag, der Gemeinde Friedrichsfelde ein zinsfreies Darlehn in obiger Höhe zu geben, die Gemeinde solle dann später bei einer event. Bebauung von den Ad- .azenten die Anliegerbeiträge einziehen. Mit wenig schmeichelhaften Bemerkungen für die Gesellschaft wurde dieses Ansinnen abgelehnt. — In geheimer Sitzung wurde ein Antrag der Gemeinden Lichten- berg und Rummelsburg beraten, ein Beschluß aber nicht gefaßt. Gerichts-Deining. In dem großen Einbrecher- und Hehlerprozeß, über den wir dieser Tage berichtet, wurde gestern das Urteil gefällt. Es wurden verurteilt: Reisegast wegen einfachen Diebstahls in sechs und schweren Diebstahls in zwölf Fällen und zwar im strafschärfenden Rückfalle zu 3 Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht, Mai zu 6 Monaten Gefängnis, Backauf zu 3 Monaten, Klauke wegen Rückfalldiebstahls in zehn Fällen zu 2� Jahren Zuchthaus, Dräger zu 9 Monaten, Blümel zu 9 Monaten Gefängnis, Starewsky wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu l'/s Jahren Zuchthaus, Schaefer zu 9 Monaten, Willy Preuß wegen einfacher Hehlerei zu 9 Monat en Gefängnis, Hermann Preuß wegen gewerbsmäßiger Hehlerei zu 11� Jahr en Zuchthaus und Polizeiaufsicht, Löwy zu 9 Monat ein Gefängnis, Plaschkezu2JahrenZuchthaus,Liekfeldtzu1Jahr Gefängnis zusätzlich, die Angeklagte Barth zu 3 Tagen Gefängnis wegen einfacher Hehlerei. Der Angeklagte S z y- l i n s k h wurde freigesprochen, ebenso der wegen Hehlerei angklagte Gastwirt Wenzel. Gegen Huckwitz wurde das Ver- fahren einstweilen abgetrennt, gegen Hildebrandt wurde das Ver- fahren eingestellt. Auf die erkannten Strafen wurden den Ange. klagten bis zu drei Monaten der erlittenen Untersuchungshaft als verbüßt angerechnet. Ferner beschloß der Gerichtshof, den Ange- klagten Huckwitz gegen Stellung einer Kaution von 5000 Mark aus der Haft zu entlassen. Einzelne der Angeklagten erklärten sich bereit, die Strafe anzutreten. Ein schlecht bekommenes Abenteuer. Am Bahnhos Friedrich- straße war die Geschichte passiert, welche eine unangenehme Anklage gegen die Frau M a r t a R., die Gemahlin eines hiesigen Ge- schäftsreisenden, zur Folge hatte, die gestern das Schöffengericht l beschäftigte. Frau R. ist etwa Mitte der dreißiger Jahre alt und eine ziemlich stattliche Persönlichkeit. Sie ist seit längeren Jahren verheiratet und Mutter von drei Kindern. Trotzdem findet sie in ihrer Ehe nicht das volle Glück und die Zufriedenheit, die sie sich so sehnlichst herbeiwünschte. Der„Herr Gemahl" vernachlässigte sie in der schlimmsten Weise, woran zum Teil sein Beruf als Geschäfts- reisender Schuld trug. Es war deshalb kein Wunder, daß das lebens- lustige Frauchen allein auf Abenteuer ausging. Kaum war ihr Mann unter Tücherschwenken und Tränenströmen im Schnellzuge davongesaust, da war der Trennungsschmerz auch schon wieder vor- über. Die lebenslustige„Strohwitwe" begann nun, sich nach Mög- lichkcit zu amüsieren und nahm es wohl manchmal auch nicht mit der ehelichen Treue allzu genau. Eines Abends ging Frau R. besonders abenteuerlustig durch die Friedrichstraße. Wenn irgend ein männ- liches Wesen ihr entgegenkam, das besonders ihr Wohlgefallen er- regte, so leuchteten ihre Augen vielsagend und vielversprechend auf. So begegnete ihr am Bahnhof Friedrichstraße ein netter junger Mann, der sich für diese vielversprechenden Blicke besonders inter- essierte. Da der Betreffende aber zu schüchtern war, sie anzusprechen, ermunterte sie ihn erst und sprach ihn dann selbst an. Die Unter- Haltung war bald im Gange. Frau R. glaubte das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden zu können. Sie forderte von dem jungen Mann als Äquivalent für ihre angenehme Gesellschaft ein kleines Geschenk, ob in bar oder in Form eines Wertgegenstandes wäre ihr gleichgültig. Die verliebte Strohwitwe bekam in demselben Moment einen Schreck, der ihr in die Glieder fuhr. Mit dem verbindlichsten Lächeln stellte sich der„nette junge Mann" als Kriminalbeamter vor und zwar von der Sittenpolizei, der nun seinerseits auch um An» gäbe des Namens der„Strohwitwe" bat. Für diese hatfe das kleine Abenteuer ein unangenehmes Nachspiel in Form eines amtsrichter- lichen Strafbefehls über drei Tage Haft wegen gewerbsmäßiger Un- zucht. Um sich von den drei Tagen„Barnim" zu befreien, legte die Verurteilte unter Beistand des Rechtsanwalts Dr. Karl Löwenthal Berufung ein. Dieser bat vor Gericht, die Reingefallene, die nur in einer momentanen Verwirrung gehandelt habe, nicht zu hart anzu- fassen. Das Schöffengericht ermäßigte die Strafe auf einen Tag Haft. Eine ganz erhebliche Kostenherabsetzung mußte sich vom Gericht der frühere Bürgermeister S u ch s l a n d aus Luckenwalde, der in einem Prctzprozeß gegen die„Brandenburger Zeitung" als Nebenkläger aufgetreten war. gefallen lassen. Aus seiner Bürger. meisterzeit rührte noch der Prozeß her, der aber erst zur VerHand lung gelangte, als Suchsland in Luckenwalde nkcht wieber gewählt war und sich nun in Halle a. S. als Rechtsanwalt niedergelassen hatte. Von dort aus erschien er als Nebenkläger persönlich zum Termin in Brandenburg a. H., zugleich aber auch als Rechtsanwalt, der in dieser Eigenschaft den ehemaligen Bürgermeister von Luckenwalde vertrat. Außerdem war er aber noch als Zeuge in dem Prozeß gelat«n, in welchem der Redakteur der„Brandenburger Zeitung" wegen Beleidigung zu einer geringen Geldstrafe verurteilt wurde. Suchsland war nun der Ansicht, daß er als Nebenkläger auch für sich als Rechtsanwalt liquidieren könne und verlangte von dem Verurteilten 163 M. 64 Pf. Kosten. Dieser ließ die Kosten- rechnung gerichtlich prüfen, mit dem Erfolg, daß sie a u f 6 M. 30 Pf. herabgesetzt wurde, denn seine Zeugengebühren hatte der Nebenkläger bereits erhalten. Von diesen 6 M. 30 Pf. muß er aber noch die mit 1 M. 80 Pf. festgesetzten Kosten für die Prüfung zahlen, so daß ihm 4 M. 50 Pf. von seiner Kostenrechnung verbleiben. Vermifcktes. Das letzte Sonntagsgewitter hat im Havellande und Kreise Zauch-Belzig, wie die jetzt aus vielen Orten eingehenden Hiobsbotschaften erkennen lassen, ganz arg gehaust. In Hohen- nauen wurde die Müllersche Windmühle durch Blitzschlag einge- äschert. In G ö r z k e schlug der Blitz in eine Roggenmandel, als eben der Landarbeiter Hinkefuhr, der darin Schutz gesucht hatte, dieselbe verlassen hatte. In den Flämingdörfern richteten das Wasser und der Hagel großen Schaden an. so daß die Ernte zum Teil vernichtet ist. Knietief floß das Wasser auf den Landstraßen der Plane zu. In Z i e z o w traf ein Blitzstrahl die Kirche und zerstörte deren Dach. In Brandenburg a. H. traf ein Blitz- strahl das Zuchthaus, wodurch eine große Aufregung unter den In- fassen entstand. Es war aber zum Glück ein sog. kalter Schlag. In Wiepersdorf bei Jüterbog wurde durch Blitzschlag das Wohnhaus des Gemeindevorstehers gänzlich eingeäschert. Ueber eine schwere Schiffskollision wird aus S a ß n i tz vom 19. Juli berichtet: Gestern ahend kurz nach 10 Uhr stieß bei der Ausfahrt aus dem hiesigen Hafen das Torpedoboot L 65 mit dem von einer Abendfahrt zurückkehrenden Dampfer„Dars" zusammen. Beide Schiffe erlitten schwere Beschädigungen. Menschen wurden nicht verletzt. Der am schwersten beschädigte Dampfer«Dars" mußte auf Grund setzen und feine Passagiere ausbooten. Das Torpedoboot hat am Steven Beschädigungen erlitten, dürfte jedoch imstande sein, heute seine Fahrt fortzusetzen. Aus dem Lande der Kultur und Humanität. Posen, 19. Juli. Die wegen Giftmordes, begangen an ihrem Ehemanne, verurteilte Pelagia Pawlak wurde heute morgen hingerichtet. Ein Seitenstück zur Lemgoer Briefaffäre wird sich nunmehr vor der Bochumer Strafkammer abspielen. Aehnlich wie in Lemgo erhielten in Herne Frauen aus der ersten Gesellschaft anonyme Briefe von einer Person zugeschickt, in denen beißender Spott seine Zügel schießen ließ. Die Empfängerinnen mutzten sich durch den Inhalt der Briefe schwer gekränkt fühlen. Von verschiedenen Sellen wurde Strafantrag gestellt. Nach dem Inhalt der Briefe war der Anonymus nur in der Gesellschaft zu suchen. Der Verdacht lenkte sich auf die Frau eines Beamten. Ein in der Sache angestrengter Privatklageprozetz wurde vertagt bis zur Erledigung des einge- leiteten Strafverfahrens. Die anonymen Briefe wurden den Sach- verständigen Dr. Look-Düsseldors und Dr. Jeserich-Berlin zur Prü- fung und Abfassung eines Gutachtens vorgelegt. Ueber Hitze in Nordamerika meldet ein Telegramm aus New Dork: Die Hitzwelle, die sich über das Gebiet von den Rocky Mountains bis zum Atlantischen Ozean erstreckt, verursacht große Beschwerden. Fünfzig Todesfälle infolge der Hitze er- eigneten sich gestern in den Hauptstädten, wovon 23 allein auf New Jork entfallen. Zehn Personen ertrunken. Aus Nantes wird unterm 19. Juli telegraphiert: Gestern kenterte infolge eines heftigen Windstoßes aus der Loire ein Boot, in dem mehrere zur Kur m St. Bcevin weilende Pariser Familien einen Ausflug unternommen hatten. Der Eigentümer des Bootes, ein Matrose sowie sämtliche acht Ausflügler ertranken; bisher konnten erst 5 Leichen geborgen werden. Die Bergung der Leichen aus dem„Farfadet". Die Bergung der Leichen, die sich in dem französischen Unterseeboote„Farfadet" eingeschlossen befanden, hatte zunächst eingestellt werden müssen, weil die Gase aus den Maschinen des Schiffes zusammen mit dem «ingedrungenen Seewasser eine Luft entwickelt hatten, die zu atmen den Bergungsmannschaften vollständig unmöglich war. Erst nach gründlicher Ventilatton gelang es, aber auch dann noch nicht ohne Schwierigkeiten, am 17. Juli die letzte Leiche zu entfernen. Die Arbeiten wurden durch den Maschinisten Viktor des Unterseebootes „Corrigan" geleitet. Um 2 Uhr morgens gelang es. die Tür, hinter der im hinteren Teile des Bootes die Leichen aufgehäuft lagen, zu erbrechen. Trotzdem der Maschinist Vittor nur kurze Zeit in dem erbrochenen Räume war, wurde er durch die verpestete Lust ernstlich krank. Das Bild, das sich den Bergungsmannschaften bot, war ein schauerliches. Man stieß zunächst auf acht Leichen, die übereinander- geworfen zwischen Maschinenteilen und Trümmern lagen. Eine nennte Leiche befand sich unter der hintersten Verschlußtür der wasserdichten Abteilung. Sie war durch diese Tür so in zwei Hälften geteilt worden, daß der obere Teil des Körpers auf der einen und der untere Teil auf der anderen Seite der Türe lag. Eine zehnte Leiche lag am äußersten Ende des Bootes. Sie war wahr- scheinlich diejenige des Mannes, der zur Zeit der Katastrophe dort auf seinem Posten stand. Die Leichen lvaren alle nackt. Die Leute hatten offenbar versucht, mit ihren Kleidern dem Eindringen des Wassers durch die entstandenen Risse in der Hülle Einhalt zu tun. Das Schiff selbst ist nicht sehr beschädigt. Die Risse in der Hübe sind unbedeutend. Die Akkumulatoren, das Steuerruder, der Motcr und einige andere Maschinen haben dagegen stark gelitten. Berltner Marktpreise.(Erniittelt vom Polizei- Präsidium.) Roggen, gute Sorte, 1 Doppelzenwer 0,00 ab Bahn. Futtergerste, gnie Sorte 16,00(15,20), mittel 15,10(14,30), gelinge 14,20(13,40). Hafer, gute Sorte 16,30(15,40). mittel 15,30(14,50), geringe 14,40(13,60), frei Wagen und ab Bahn. Richtstroh 4.66(4,16). Heu(neu) 6 60(4,70) Erbsen, gelbe, zum Kochen 40.00(30,00). Speisebvhnen.wechc 50.00(30,00), Luisen 60,00 (30.00), Kartoffeln 12,00(3,00). Rindfleisch, von der Keule. 1 Kilogramm 1,80 ( 1,40), Bauchfleisch 1,40(1.10), Schweinefleisch 1,80(1,30), Kalbfleisch 2,20(1,20), Hammelfleisch 1,80(1,40), Butter 2,80(2,20), Eier(60 stuck) 4,00(2,80). Karpscn. 1 Kg. 2,00(1,40), Aale 3,00(1,60), Zander 3 50(1,40), Hechte 2,80(1,40), Barsche 2,00(1,00), Schleie 3,00(1,20), Bleie 1,60(0,80), Krebse (60 Stück) 20,00(3,00.)__ «vitternngSübersickit vom 19. Juli 1905, morgens 8 Uhr. Stationen C 3 i«■ Setter Swinemde. 755 WNW Hamburg 758 WNW erlin ,757 NW 765 W Franks. aiN München Wien 764 NW 753 WNW 4 wolkig 5halb bd 4 molkig 4 bedeckt 6woMg 4bcdcckt tss n* «11 o � H Sj Stationen •ö B i| Saparanda 754 ONO etersburg!757 W Scilly Werdeen PattS 768 NW 769 WNW 763 NO Wetter 2 wolkig llwolkenl 1 bedeckt 1 halb bd. 2 halb bd. --ist c 5» ä n I ui H 3, 14 16 13 13 16 ZVetter.Prognoie kür Donnerstag, den SO. Juli 1905. Ziemlich kühl, zeitweise heiter, jedoch sehr unbeständig mit Regenschauern und frischen nordwestlichen Winden. Berliner« e t t e rb u r e a u. Wasserstand am 18. Juli. Elbe bei Aussig— 0,34 Meter, bei Dresden— 1,83 Meter, bei Magdeburg+ 0.74 Meter.— N n st r u t bei Sttaufffurt-ff 1,10 Meter.— Oder bei Ratibor+ 1,00 Meter, bei Breslau Ober-Pegel+ 4,86 Meter, bei Breslau Ilnter-Pegel— 1,38 Meter, bei Franksurt-i- 0,88 Meter.— Weichsel bei Brahemünd«+ 2,44 Meter. — Warthe bei Posen 0,02 Meter.— Neye bei lisch+ 0,40 Meter. verantw. Redakteur: Paul Büttner. Berlin. Für den Inseratenteil verantw.: Tb. Glocke. Berlin. Druck». Perlag: VorwärtsBuchdruckerei u. Berlagsanjtalt Paul..S!nger& Co., Berlm SM